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und
Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

2 1 . Mai 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Pressekonferenz von US-Außenminister Muskie in Washington am 20.5.1980
- Wortlaut US-Außenminister verurteilt sowjetische Aggresstion
- Ansprache Muskies am 16. Mai 1980 in Wien Staatssekretär Cooper erläutert die amerikanische Haltung im Nord-SlidDialog
Präsident Carter begrüßt die Entscheidung des deutschen NOK
Präsident Carter trifft Mitglieder des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC)
- Amerikanische NichtteiInahme an den Moskauer Spielen erneut bestätigt
HINTERGRUNDMATERIAL
Weltverbrauch an Kohle wächst
- Internationale Studie bewertet Rolle der Kohle in den nächsten
Jahrzehnten -

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�WilWi Iffil
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21. Mai 1980

25

PRESSEKONFERENZ VON US-AUSSENMINISTER MUSKIE
IN WANSINGTON AM 20.5.1980
- Wortlaut -

WASHINGTON

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie

hat auf seiner ersten Pressekonferenz in Washington am 20. Mai 1980
zum amerikanisch-sowjetischen Verhältnis, dem französisch-sowjetischen
Gipfeltreffen, dem Iran, der Republik Korea, Kuba, dem Mittleren Osten
und zu seiner eigenen Rolle im Außenministerium Stellung genommen.

Muskie

bedauerte, daß das Treffen zwischen dem französischen Staatspräsidenten
Giscard d'Estaing und dem sowjetischen Partei- und Regierungschef Leonid
Breschnew ohne Konsultation unter den Verbündeten stattgefunden habe.
Die Pressekonferenz des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:
FRAGE:
beginnen:

Herr Außenminister, darf ich mit einer zweiteiligen Frage
Verließen Sie das Wiener Treffen mit Außenminister Gromyko

mit dem Gefühl der Hoffnung, daß sich die Sowjets unter vorstellbaren

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Bonn 2

0 5 3 0 0

Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�vorstellbaren Umständen aus Aufghanistan zurückziehen würden?

Und zweitens,

glauben Sie, daß der beginnende Dialog mit den Sowjets durch das Treffen
zwischen Präsident Giscard und Breschnew in Warschau gestört oder überhauüt
berührt wurde?
ANTWORT:

Was den ersten Punkt angeht, so hat es in dem Standpunkt,

den die Sowjets hinsichtlich des Abzuges der sowjetischen Truppen aus
Afghanistan in der Öffentlichkeit einnehmen, keine Veränderung gegeben.
Es gab Unterstützung für den sogenannten afghanischen Vorschlag, der ein
oder zwei Tage vor dem Treffen mit Gromyko auftauchte, und der wurde offensichtlich als Grundlage zur Erwägung angeboten.
Was das Treffen zwischen Giscard und Breschnew angeht, so glaube
ich nicht, daß dieses Treffen meine Vorstellungen von dem sowjetischen
Standpunkt bezüglich des Abzuges von Truppen in irgend einer Weise verändert hat.
FRAGE: Berührt oder kompliziert es den Dialog zwischen den Vereinigten
Staaten und den Sowjets, wenn ein Dritter parallele Gespräche führt?
ANTWORT: Solange ich keinen Bericht gesehen habe, welche Quelle
auch immer interessiert sein mag, uns zu berichten, was auf diesem Treffen
stattfand, ist es für mich schwierig, diese Frage zu beantworten. Ich
möchte sagen, daß nach meiner Meinung ein solches Treffen ein angebrachtes
Thema für Konsultationen wäre.
Unsere NATO-Verbündeten haben mir nichts deutlicher zu verstehen
gegeben

als die Wichtigkeit von Konsultationen, wenn es um mögliche

amerikanische Aktionen geht.

Konsultationen waren bis zu diesem Augen-

blick immer eine Zweibahnstraße gewesen.

Ich hoffe, daß sie im Zusammen-

hang mit unseren NATO-Verbündeten genau das bedeuten.
FRAGE:

- 2 -

�FRAGE:

Herr Außenminister, kürzlich haben Sie in einem Nachruf

auf Hubert Humphrey von den beiden Idealen des verstorbenen Vizepräsidenten
gesprochen: das eine, daß die Vereinigten Staaten ein Zufluchtsort sein
sollen; und zweitens von seiner großen Verpflichtung zur Abrüstung.

Sie

schienen beide Grundsätze zu unterstützen.
Aber ich frage mich, ob Sie uns in der Praxis sagen können, was Sie
über kubanische Flüchtlinge in unserem Lande denken; ob Sie glauben, daß
es da keine Grenzen geben sollte; ob Sie glauben, daß die Leute aus Haiti
auch als politische Flüchtlinge behandelt werden sollen. Und wenn Sie von
Rüstungskontrolle sprechen, und wenn Sie diese als Teil einer Sicherheitsvereinbarung sehen, ob Sie dann bereit sind, das umzukehren, was die
Regierung auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle getan hat; d.h. natürlich, die
Dinge auf ganz kleiner Flamme zu kochen?
ANTWORT:

Was die Flüchtlingsfrage angeht, so meine ich, daß unser

Ideal und die Norm unseres Landes seit 200 Jahren noch immer das amerikanische
Ideal des offenen Zufluchtsortes für Menschen ist, die vor politischer
Unterdrückung fliehen.
Wir werden jedoch - nicht nur wir, sondern auch andere Länder - im
Augenblick von Flüchtlingsproblemen überwältigt, von denen viele mit dem
Versuch zusammenhängen, die Freiheit zu suchen und der politischen Unterdrückung zu entkommen.

Und das Problem ist seiner Natur nach so über-

wältigend, daß es nicht nur der Verwirklichung unserer eigenen Ideale
bedarf, sondern auch des Strebens nach wirksamer internationaler Zusammenarbeit, um mit diesen Problemen fertig zu werden.
Um Ideale zu verwirklichen, wird es immer notwendig sein, mit
praktischen Problemen ihrer Verwirklichung zu Rande zu kommen.

Und um

solche Probleme geht es sicherlich bezüglich Kubas, bezüglich Kampucheas
(Kambodschas) und bezüglich anderer Gebiete der Welt.

- 3 -

Im übrigen scheinen

�scheinen viele dieser Probleme in der einen oder anderen Form mit der
Sowjetunion zusammenzuhängen.
•

•

,:

'

•

•

'

r

•

'

Was die Rüstungskontrolle anbetrifft, so meine ich, ist unser Ziel
nach wie vor klar.

Wir sind der Meinung, daß unsere eigene nationale

Sicherheit durch wirksame Rüstungskontroi labkommen gefördert wird.

Die

Sowjetunion hat durch ihr Handeln in Afghanistan bewirkt, daß die Aussichten
für eine Billigung des SALT II-Vertrages im Senat geringer geworden sind.
Das bedeutet nicht, daß wir unser Interesse daran verloren oder
unsere Verpflichtung zu diesem Vertrag aufgegeben haben.

Aber die Sowjets

haben durch diese einmalige Handlung die Probleme geschaffen, die jetzt
die Verwirklichung dieses Zieles stärker außer Reichweite gerückt haben
als noch vor sechs oder acht Monaten.
FRAGE:

Herr Außenminister, bezüglich dieser Situation in Afghanistan

sagten Sie, daß keine Änderung des formellen Standpunktes eingetreten sei,
als Sie mit Gromyko zusammentrafen, aber haben Sie überhaupt einen Hinweis
erhalten, daß die Sowjetunion planen könnte, sich vor den Olympischen
Sommerspielen aus Afghanistan zurückzuziehen?
ANTWORT: Ich habe aufgrund dieser Gespräche oder irgend welcher
anderer Informationen keinen Anlaß anzudeuten, daß die Sowjets einen Abzug
in diesem Zeitraum planen.
FRAGE:

Herr Außenminister, um auf die Olympiade zu kommen; der

Olympiaboykott scheint zusammengebrochen zu sein.
gehen jetzt zur Olympiade.

Immer mehr Länder

Sind Sie der Meinung, daß Ihre Position in

dieser Hinsicht von vielen Freunden Amerikas unterlaufen worden ist?
Und zweitens, haben Sie das Gefühl, daß Ihr Treffen mit Gromyko
ihnen praktisch eine Ausrede geliefert hat, für eine Beteiligung an der

�der Olympiade zu stimmen und Ihre Position bezüglich des Boykotts zu
unterlaufen?
ANTWORT: Darf ich den zweiten Teil Ihrer Frage zuerst beantworten. Was
die Regierungen anbetrifft, so habe ich keinen Grund zu der Annahme, daß
das Treffen mit Gromyko die Unterstützung, die Regierungen für die Boykottinitiative zu geben bereit waren, in irgend einer Weise unterlaufen oder
verwässert habe. Ob es sich auf die Olympischen Komitees ausgewirkt hat,
ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann.
Mein Eindruck ist, daß die Olympischen Komitees in verschiedenen
Ländern geneigt waren, unabhängig zu urteilen - auf jeden Fall ein von
ihren Regierungen unabhängiges Urteil abzugeben. Es hat unter den kleineren
europäischen Ländern in den letzten 24 Stunden mehr solche gegeben, als
uns lieb war. Auf der anderen Seite haben sich schon heute 45 Länder
endgültig verpflichtet, sich dem Boykott anzuschließen. Und das bedeutet
sicherlich, daß es sich nicht mehr um eine Olympiade handelt.
Es handelt sich um ein sportliches Ereignis, aber es wird keine
Olympiade sein. Und es scheint mir, daß dieser Punkt den Sowjets ganz
klar gemacht werden sollte, und die Olympischen Komitees, die ihre Opposition
gegen einen Boykott gerechtfertigt haben, sollten sich ganz klar darüber
sein, daß das olympische Ideal getrübt ist.
Meine eigene Auffassung ist selbstverständlich, daß die Invasion
in Afghanistan dem olympischen Ideal um 180 Grad entgegengesetzt ist,
und daß jene, die das olympische Ideal hochhalten wollen, daran interessiert
sein müßten, Länder von einer solchen Politik des Abenteuertums abzuhalten
und abzubringen. Ich möchte also hoffen, daß jene Länder, in denen die
Olympischen Komitees die Entscheidung getroffen haben, nach Moskau zu gehen,
diese Entscheidung überdenken werden.
Und

- 5 -

�Und in einigen Fällen gibt es von den Wählern getragene Körperschaften
in jenen Ländern, die sich entschlossen haben, sich dem Boykott anzuschließen, die für diese Entscheidung sind, wie auch immer das nationale
Olympische Komitee entscheiden mag.
FRAGE:

Herr Außenminister, fast zur gleichen Zeit, als Sie sagten,

die Verbündeten seien hinsichtlich Afghanistans ganz auf unserer Seite,
planten die Franzosen dieses Gipfeltreffen mit Breschnew - offensichtlich
ohne jegliche Konsultation, ja sogar, ohne Sie in Wien daraufhin angesprochen zu haben, daß das Treffen geplant war.
-

Ihrer Meinung nach:

Was könnte es sein, was die Franzosen zu erzielen

glauben, wenn sie diese unabhängigen Gespräche abhalten?
ANTWORT: Ich nehme an, ihr Ziel ist, ihre Entschlossenheit zur
Unabhängigkeit zu unterstreichen. Zeitweilig ist das enttäuschend - und
sogar mehr als das. Aber sie scheinen die Gefahren, die mit Afghanistan
verbunden sind, genauso wie wir zu sehen, und sie scheinen ebenso darauf
bedacht zu sein, die Tatsachen von Afghanistan zu ändern, zumal diese die
Entspannung beeinflußt und die Entwicklung in Richtung auf Rüstungskontrolle
und die anderen Zielsetzungen verlangsamt haben, die wir mit der Entspannung
verfolgen wollten.
Aber zugleich bestehen sie auf ihrem Vorrecht nach unabhängigem
Denken, nach unabhängigen Initiativen und unabhängigen Betrachtungsweisen;
praktiziert man dies jedoch zu weitgehend, so ist es gar nicht so förderlich
wie sie es vielleicht gern hätten oder wie sie es selbst behaupten - für
jene Art des gegenseitigen Vertrauens und der Konsultation, von der wir alle
letzte Woche der Meinung zu sein schienen, daß sie für die Solidarität und
die Einheit des Bündnisses wesentlich ist.
Wir

�Wir verstehen natürlich, daß Meinungsverschiedenheiten in freien
Gesellschaften ziemlich unvermeidlich sind; dennoch muß man sich auf eine
Handlungsweise einigen, nachdem die Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck
gebracht worden sind, und die Konsultation muß weitergehen.

Und ich muß

sagen, daß ich mir Gedanken darüber mache, daß der Lehrer, der mir gerade
eine Lektion über Konsultation erteilt hat, keine Neigung zeigt, das zu
praktizieren, was er selbst gepredigt hat.
FRAGE:

Herr Außenminister, nachdem Sie nun Gelegenheit hatten,mit

dem Präsidenten zu sprechen, und ein Treffen mit Herrn Gromyko hatten:
können Sie uns etwas darüber sagen, wie Sie die Zukunft der sowjetischamerikanischen Beziehungen sehen?
treffen?

Werden Sie Gromyko vielleicht erneut

Oder was werden Sie jetzt tun?

ANTWORT: Hinsichtlich des Treffens mit Herrn Gromyko waren meine
Erwartungen nicht hoch, konzentriert man sich auf die Möglichkeit einer
bedeutsamen Änderung der Haltung. Aber ich dachte, es sei nützlich, die
Treffen abzuhalten, und sie waren sogar notwendig, damit es keine falsche
Auffassung, keinen Rechenfehler und kein Mißverständnis hinsichtlich
unserer echten Bedenken geben kann, hinsichtlich unserer wirklichen Ziele und dies in der Hoffnung, daß durch die Bereinigung der Atmosphäre auf
beiden Seiten in dieser Hinsicht wieder ein Dialog begonnen werden kann,
durch den schließlich erneut gemeinsame Interessen identifiziert werden
können, die uns beiden dienen.
Würde man die sowjetische Standardargumentation, die seit Afghanistan
immer und immer wieder vorgebracht wird, als ihre tatsächliche Auffassung
von den amerikanischen Maßnahmen und der amerikanischen Politik seit jener
Zeit akzeptieren, dann würde diese ihre Auffassung einige Korrektur erfordern.

Zum Beispiel ihre Auffassung, daß wir vor Afghanistan den SALT II-

Vertrag absichtlich untergraben und torpediert - sie gebrauchten dieses
Wort nicht - hätten.
Und

- 7 -

�Und ich dachte, es sei für mich wichtig, Herrn Gromyko klarzumachen,
daß der Senat - obgleich der Kampf um SALT II sehr heftig war - seinen
Zeitplan vor allen innenpolitischen Themen freigemacht hatte, so daß die
Debatte im Januar oder Anfang Februar dieses Jahres hätte beginnen können,
daß wir bereit waren, dies zu tun,und daß wir glaubten, es gäbe eine
knappe Möglichkeit - und ich versuchte nicht, zu übertreiben, ich sagte
"eine umkämpfte Chance" - für eine Ratifizierung. Aber ihre Invasion
Afghanistans machte alle Aussicht auf eine Zweidrittelmehrheit zunichte.
Ich sagte, sie sollten das in

Rechnung stellen.

Es ist dies eine

politische Tatsache - es ist keine Vorbedingung, es ist keine Verknüpfung,
es ist eine Tatsache -, daß für eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags
eine Zweidrittelmehrheit im Senat nötig ist, und daß dies wegen ihnen nun
außer Reichweite ist. Und dies sollten sie verstehen.
Sollten sie also an SALT II und an den Vorteilen, die er unseren
beiden Ländern und der Welt hinsichtlich geringerer Spannungen und verbesserter Aussicht auf Frieden bringen könnte, interessiert sein, wirklich
interessiert sein, dann müssen sie in Rechnung stellen, daß sie durch ihre
Maßnahme, und allein durch ihre Maßnahme, es im gegenwärtigen Klima
unmöglich gemacht haben, auf eine Ratifizierung des SALT II-Vertrags zu
dringen. Und ich war der Meinung, es sei für sie wichtig, dies zu wissen.
Sollte nun tatsächlich die Entspannung das gewesen sein, was viele
Leute in Amerika glauben - nämlich lediglich ein anderes Instrument oder
Waffe für die Sowjets, die sie zu ihrem eigenen Vorteil verwenden - und eben
keine echte Verpflichtung zu den Vorzügen der Entspannung auf gegenseitiger
Grundlage -, dann werden sie diese Tatsache vielleicht ignorieren. Aber
wenn sie sich tatsächlich Gedanken über die Entspannung machen und SALT II
wirklich unterstützen, und zwar in dem Sinn, daß eher Gleichheit beider
Seiten als Überlegenheit der einen oder anderen Seite erzielt werden sollte,
wenn sie sich wirklich Gedanken darüber machen, wie Spannungen abgebaut

- 8 -

�abgebaut und die Gefahren von Krieg und Aggression verringert werden können,
dann müssen sie diese Tatsache in Rechnung stellen.

Und es schien mir

sehr wichtig, diese Gelegenheit gehabt zu haben, um diesen Punkt bei den
Gesprächen klarzustellen.
Sollten sie nun nach ihrer Rückkehr abwägen und glauben, was ich ihnen
sagte, dann könnten sie vielleicht damit beginnen, die Politik zu überprüfen, die in diese Sackgasse geführt haben.
FRAGE:

Nun,nachdem Sie mit dem Präsidenten über dieses Treffen ge-

sprochen haben: sehen Sie einen Zweck in einem weiteren Treffen mit Herrn
Gromyko und gibt es Aussicht dafür?
ANTWORT: Meiner Meinung nach hängt es davon ab, wie alles in der
Sowjetunion und hier verdaut wird. Wir sind eifrig dabei, alles abzuwägen
und zu bewerten, was er sagte, was er unterstellte, welche Signale gesendet
worden sein könnten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie die sowjetische
Reaktion sein könnte, nachdem sie das Ganze verarbeitet haben. Das gleiche
werden wir tun.
Ich glaube, das wird etwas Zeit brauchen,und noch wird einiges
geschehen müssen - etwa die rhetorischen Reaktionen, die solchen Treffen
gewöhnlich folgen. All das könnte unsere Endeinschätzung dessen beeinflussen,
was sich im Verlauf meines Treffens mit Herrn Gromyko ergeben hat.
FRAGE:

Was die Autonomieverhandlungen für die Palästinenser angeht:

haben Sie schon irgendwelche Pläne ausgearbeitet, um aus der Sackgasse
herauszukommen?

Glauben Sie, daß Präsident Sadat wieder an den Gesprächen

teilnehmen wird - und falls ja, wann?

Drittens:

haben Sie Hoffnungen, die

europäischen Verbündeten von einer Anerkannung der PLO abzubringen?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Mein Eindruck hinsichtlich der an den Gesprächen teil-

nehmenden Parteien, Ägypten und Israel, ist, daß sie beide ungeachtet
der augenblicklichen Lage fest zu einer Fortsetzung der Gespräche stehen.
Zu den Gesprächen möchte ich folgendes sagen:

zum ersten Mal in der

Geschichte des Nahen Ostens seit Israels Unabhängigkeit haben die beiden
Parteien die harten, zentralen Probleme in den Griff bekommen, die einem
echten Autonomieabkommen im Wege stehen.
Es sind etwa sechs Fragen, um die es geht: um Land, um Siedlungen,
um Sicherheit und so fort, und nachdem eine Menge auderer Probleme aus
dem Weg geräumt ist - wie etwa die Frage nach der Machtbefugnis bzw.
der vorgeschlagenen Befugnis zur Selbstbestimmung -, wird deutlich, daß
hinsichtlich der meisten Regierungsfunktionen, die die Menschen betreffen,
die deren Gesetzgebung unterliegen würden, ein grundlegendes übereinkommen
in Reichweite ist.
Es bleiben also noch die sechs schwierigen Probleme. Nun wäre
es schön, wenn diese alle bis zum 26. Mai gelöst wären, aber sie werden wohl
nicht alle gelöst sein. Andererseits haben die Parteien keine andere Wahl,
als sich mit diesen sechs Fragen auseinanderzusetzen. Es gibt keine
Möglichkeit, sich davor zu verstekcen oder sich von ihnen zurückzuziehen.
Sie stecken beide darin und sind - schon der Natur dessen nach, was bisher
erreicht worden ist, sowie der Natur dessen nach, worüber man bisher übereingekommen ist - gezwungen, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Und ich glaube, der Stabilität in diesem Gebiet wäre schlecht gedient,
der Aussicht auf weitere Unterstützung für die Ergebnisse dieses Prozesses
wäre schlecht gedient, wenn wir jetzt aussteigen würden oder wenn Initiativen
von anderen Ländern ergriffen würden, die diesen Prozeß untergraben würden.
Dies bedeutet nicht, daß die Lösung dieser sechs Fragen einfach sein
wird. Dies ist es offensichtlich nicht. Und es wird Zeit und Ausdauer,
Ermutigung und Ansporn brauchen. Es wird all die überzeugende Kraft brauchen,

�brauchen, über die interessierte Parteien verfügen, um Ergebnisse zu erzielen.
Ich verstehe natürlich, daß diejenigen, die nicht in den Camp DavidProzeß verwickelt waren - einschließlich unserer europäischen Freunde und
der gemäßigten und radikaleren arabischen Länder-, mit dem Prozeß unzufrieden sind, aber nichts,was von außerhalb vorgeschlagen wurde, bietet soweit ich das sehen kann - mehr Aussicht darauf, diese sechs grundlegenden
Fragen und die Frage der Autonomie wirkungsvoller in den Griff zu bekommen
als diese Gespräche.
Die Wirkung jedes Eingriffs von außen und jedes Umwegs wird in einer
Ausdünnung der Konzentration bestehen, die wir derzeit auf diese Fragen
verwenden können und wir würden in einem solchen Fall nur zeitlich und wahrscheinlich auch hinsichtlich der Aussichten zurückgeworfen werden, die wir
auf eine erfolgreiche Behandlung dieser Fragen haben.
Ich verstehe, daß es schwer ist, Parteien, die nicht unmittelbar
damit zu tun haben, von diesem Standpunkt zu überzeugen, aber was ich
sage, sage ich mit großer Überzeugung. Als ich das Amt des Außenministers
übernahm, wollte ich zu meinem eigenen Nutzen diese Frage hier gleich in
der ersten Zeit meiner Amtstätigkeit erschöpfend behandeln. Und dies ist
eine Schlußfolgerung, zu der ich gelangt bin, nachdem ich unsere Botschafter
in Ägypten und Israel zurückgerufen und mit ihnen sowie Mr. Linowitz und
anderen die Fragen sorgfältig besprochen habe.
FRAGE:

Herr Außenminister, die Verbündeten haben hinsichtlich des

Iran weniger getan, als die Vereinigten Staaten gehofft hatten.
Ändert dies in irgendeiner Weise Ihre Strategie?

Und was ist ins-

besondere nunmehr die Strategie für die nächsten Wochen und Monate in
bezug auf die Geiseln?
ANTWORT:
- 11 -

�ANTWORT:

Ich glaube, ich habe den ersten Teil Ihrer Frage nicht

richtig verstanden...
FRAGE:

Die Frage war, daß die Verbündeten in Europa hinsichtlich der

Sanktionen für den Iran weniger getan hätten, als wir erwartet hatten, und
ich möchte nun wissen, ob das an sich schon einen Unterschied in der
Strategie ausmacht?
ANTWORT: Um die Antwort unserer Verbündeten auf unsere Politik in
die richtige Perspektive zu rücken,muß man sich auf die Tatsache konzentrieren,
daß unsere Politik in bezug auf den Iran zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus zwei
Elementen besteht. Erstens aus Sanktionen, um weiterhin einen Druck auszuüben. Wir sind der Ansicht, daß dieses Land auf lange Sicht gesehen damit
befaßt sein muß, eine normale Rolle für sich und sein Volk innerhalb der
Völkerfamilie zu spielen,eine Rolle, die Handel, Gewerbe, den Fluß von Gütern,
Ressourcen usw. einschließt. Jedes Land, insbesondere ein Land, das aus
einer Revolution gegen - wie es meint - eine Repression hervorgeht, maß
sich betroffen fühlen, weil Revolutionen schließlich ihren Ursprung in
der Unzufriedenheit des unterdrückten Volkes gegenüber einem besonderen
Regime oder einer besonderen Regierung haben.
Die Grundlage für die Unzufriedenheit ist also noch vorhanden, und
eine neue Regierung muß, nachdem sie einmal gebildet ist, sich damit
auseinandersetzen. Und um sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen politischen, wirtschaftlichen, möglicherweise Bedrohungen von außen um sich also mit diesen Problemen wirksam auseinanderzusetzen, muß die
Regierung des Iran, wenn sie sich jetzt herausbildet, sich mit ihnen befassen;
sie muß sich mit anderen Ländern befassen und auch mit den Problemen der
Normalisierung der Beziehungen mit zumindest jedem anderen Land der Welt,
auch mit den Vereinigten Staaten.
Mir

- 12 -

�Mir scheint, die Sanktionen sind eine andere Möglichkeit, und sie
sind positiv.

Sie sind nicht so weitreichend, wie die Gemeinschaft am

22. April andeutete, aber es sind Sanktionen, und sie stellen einen positiven
Akt der Unterstützung dar.

Wir sollten sie als solchen Akt nehmen.

Verlaufe der Zeit werden diese Sanktionen eine zunehmend stärker

Im

werdende

Auswirkung auf den Iran haben.
Der andere Teil unserer gegenwärtigen Haltung ist es, wo immer möglich
sich der diplomatischen Kanäle zu bedienen, nicht auf der Suche nach
Surrogaten für unsere Position, sondern in der Suche nach diplomatischen
Initiativen, die dem Iran die Konsequenzen einer wachsenden Isolierung von
der übrigen Welt bezüglich seines eigenen Wohlergehens klarmachen sollen.
Zu einem Zeitpunkt, da die Autorität gebrochen und geteilt ist,
wie es seit der Geiselnahme der Fall ist, ist es schwierig, einer solch
geteilten Regierung ein Gefühl der Verantwortung aufzuzwingen. Nachdem
sich einmal eine Regierung konstituiert hat, nachdem das Parlament geoildet
worden ist, wird die Verantwortung und die damit einhergehende Verantwortlichkeit ganz klar jenen zufallen, die in ihre Ämter gewählt worden sind. Sie
werden die Bedeutung einer sich fortsetzenden Geiselnahme für die Zukunft
des Iran und des eigenen Wohlergehens in Erwägung ziehen müssen.
Mir scheint, daß eine nachdrückliche Verfolgung der diplomatischen
Optionen zu diesem Zeitpunkt angezeigt ist; die dynamischen Kräfte der
gegenwärtigen Situation wirken sich auf den Iran aus wie auch auf uns.
Es ist überaus wichtig, daß wir diese Schwungkraft bewahren und daß wir versuchen, uns um Öffnungen zu bemühen, die angezeigt werden.
Ich bezweifele sehr, daß wir durch amerikanische Surrogate effektiv
sein können.

Ich meine vielmehr, daß sich durch indirekte diplomatische

Kanäle Möglichkeiten ergeben.
solcher Möglichkeiten.

Von Zeit zu Zeit erhalten wir Hinweise

Meiner Ansicht nach müssen wir dieses Feld bearbeiten

- 13 -

�bearbeiten und bestellen, damit etwas darauf wächst, und ich glaube
wirklich, daß es sehr wichtig ist, diese Option zu verfolgen.
Die Sanktionen sind keine Sache für sich allein.

Sie müssen im

Zusammenhang mit anderen Dingen gesehen werden.
•

FRAGE:

Herr Außenminister, Südkorea befindet sich gegenwärtig in

einer schwierigen Position, politisch und wirtschaftlich und insbesondere
hinsichtlich des Prozesses der politischen Liberalisierung, und ich meine
auch, der Dialog zwischen Nord und Südkorea läuft nicht allzu gut.
.

•.

Was ist als neuer amerikanischer Außenminister Ihre Politik hinsichtlich der koreanischen Halbinsel?
ANTWORT: Nun, es ist jetzt vielleicht angebracht zu sagen, daß ich
mit der Vereidigung als Außenminister nicht sozusagen über Nacht eine
ganze Bandbreite von Politiken hinsichtlich des gesamten Bereiches der
amerikanischen Besorgnisse und Interessen mitgebracht habe» Wenn Sie mich
nach meiner Politik fragen, so werden Sie häufig nicht so sehr von einer
Politik hören, als vielmehr meine persönliche Reaktion auf eine Situation
oder gegebenes Problem erfahren. Ich möchte diesen Unterschied hier machen,
damit ich mir ein wenig Bewegungsfreiheit erhalte, um dadurch die Gelegenheit
zu haben, dann tiefer in einige dieser Probleme einzudringen - und das
koreanische Problem gehört dazu.
. .

Ich muß sagen, daß meine Reaktion auf die Situation in Korea von
tiefer Besorgnis gekennzeichnet ist, daß sich diese Situation von einer
Politik der Liberalisierung entfernt, die ich für die langfristige
politische Gesundung als wesentlich erachte. Ich möchte hoffen, daß sich
alle Elemente der Gesellschaft in dieser Übergangsperiode Zurückhaltung
auferlegen und daß diejenigen, die die Autorität haben, es tunlich und
angemessen empfinden, sich in Richtung auf die politische Liberalisierung

�Lieberalisierung zu bewegen.
Mehr möchte ich dazu im Augenblick nicht sagen.
FRAGE:

Herr Außenminister, es besteht das weitverbreitete Gefühl,

daß die generellen Richtlinien für die Außenpolitik, für die Sie sich einsetzen, denen vergleichbar sind, für die Ihr Amtsvorgänger eingetreten
ist.

Was glauben Sie selbst, was Sie angesichts der Zweifel Westeuropas an

der Außenpolitik der Carter-Administration und angesichts des Antagonismus
der Sowjetunion zu jener Außenpolitik in den sechs Monaten bis zur Wahl
wesentlich anders machen können?
ANTWORT:
Ein halbes

Ich habe eine Präsidentenwahl in zwei Monaten verloren.

Jahr scheint mir eine ganze Menge Zeit zu sein, etwas Positiveres

zu bewerkstelligen.

(Gelächter)

Ich hege aber nicht die Illusion, ich könnte Wunder wirken,und auch
nicht die, Probleme so vielschichtiger Art wie diese ließen sich allein
deshalb rasch lösen, weil mit mir ein neues Gesicht oder eine neue Gestalt
auftritt - so unerwartet und unvorhergesehen mein Auftritt auch kam.
Ich habe allerdings, wie zu erwarten steht, nach 22 Jahren im Senat
und 26 Jahren als ein politischer Führer auf höchster einzelstaatlicher
Ebene gewisse Vorstellungen von der Welt, in der ich lebe, von den Wertbegriffen, die mein Land repräsentiert, und auch von den Zielsetzungen,
die wir verfolgen sollten.
Ob ich eine Zweitschrift meines Vorgängers bin oder nicht, ist eine
Schlußfolgerung, die sich leicht ziehen läßt. Ich habe eine andere Art,
an diese Aufgabe heranzugehen. Bei meiner Ankunft in Brüssel hat mich
eines besonders beeindruckt: daß sich meine Kollegen aus den Bündnisstaaten
einem amerikanischen Secretary of State gegenübersahen, der aus der Politik

- 15 -

�Politik kommt - was lange nicht mehr der Fall war.

Sie hatten nach meinem

Eindruck, das Gefühl, sie sprächen zu einem Landsmann, weil sie natürlich
alle selbst Politiker sind, die aus parlamentarischen Systemen hervorgegangen
sind.
Ob mir das hinsichtlich Überzeugungskraft, Einfluß oder Glaubwürdigkeit
einen Vorteil einbringt, ist keine Frage, die sich dadurch beantworten läßt,
daß man mich mit dem Manne vergleicht, der mein Vorgänger war.
Ich bin, was ich bin.

Herr Gromyko sagt, er rätsele noch immer daran

herum, was ich sei. Er wird, hoffe ich, noch weiter herumrätseln, glaube
ich doch, daß - mindestens im Bereich des amerikanischen Senats - nur der
erfolgreich sein kann, der nicht auch den zweiten Schuh auszieht, die Leute
solange im Unklaren über seinen nächsten Schritt läßt, bis sie begreifen,
welches Ziel er verfolgt. Ich werde, sobald ich mich richtig eingearbeitet
habe, auf meine Art und Weise klarzustellen versuchen - anfangs so bescheiden
wie möglich -, was ich für die Grenzen halte, innerhalb derer wir auf die
Mitarbeit unserer Verbündeten rechnen, und innerhalb derer wir willig sind,
eine Politik der Entspannung mit der Sowjetunion zu versuchen.
•

Es besteht meiner Meinung nach eine Notwendigkeit, die bestehende
Verwirrung zu beseitigen, die nicht Schuld eines einzelnen sein dürfte.
Ich bin nicht daran interessiert, Fehler zu bewerten. Nach meinem Dafürhalten aber ist die Vorstellung eines Außenministers mit klarem Richtungsbewußtsein, ob Übereinstimmung über die einzuschlagende Richtung besteht, ein
wichtiger erster Beitrag. Und das bedeutet keine Verunglimpfung von Cy Vance keineswegs. Das heißt nur, daß ich Politiker bin.
Ich mußte mein Eintreten für gewisse Aspekte der Außenpolitik vor
einer Wählerschaft verteidigen, die mir das Mandat geben oder verweigern
konnte. Ich mußte lernen, meiner Haltung vor einer großen Zuhörerschaft
Ausdruck zu geben, die mein Standvermögen beurteilen konnte. Das lehrte

�ANTWORT: Wie einer meiner Professoren der juristischen Fakultät zu
sagen pflegte: das
ist eine sehr gute Frage (Gelächter), und ich habe
nicht die Absicht, eine sehr differenzierte Antwort auf sie zu geben.
Etwas zu sagen, was über das hinausgeht, was ich heute morgen schon gesagt
habe, sollte ich meinem Dafürhalten nach nicht einer Pressekonferenz
vorbehalten, sondern andernorts sagen.
Wie angedeutet, bin ich tief besorgt darüber, daß sich die dortige
Regierung von der Liberalisierungspolitik abgewandt hat. Ich hoffe, daß
sie auf den früheren Weg zurückkehren wird und daß in der Zwischenzeit, so
hoffe Ich, alle Elemente Zurückhaltung üben werden, damit die Lage einigermaßen stabil gehalten werden kann.
Ich bin mir darüber im klaren, daß ich eine stärkere Erklärung als
diese abgeben könnte; ich halte dies aber im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht
für nützlich. Ich darf hoffen, daß meine relative bescheidene Antwort
nicht als ein Mangel an Interesse an diesem Problem interpretiert werden
wird. Ich halte Ihre Frage für angemessen.

+ + + + +

,ü .

�Dokumentation

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21. Mai 1980

25

US-AUSSENMINISTER VERURTEILT SOWJETISCHE AGGRESSION
- Ansprache Muskies am 16. Mai 1980 in Wien -

WIEN

- (AD) - Der amerikanische Außenminister Edmund Muskie hat

in einer Ansprache anläßlich des 25. Jahrestages der Unterzeichnung des
österreichischen Staatsvertrages am 16. Mai in Wien erneut mit Nachdruck
die sowjetische Aggression in Afghanistan verurteilt.

Jeder Aggressions-

akt bedrohe die Sicherheit überall, so erklärte er.
Muskie traf am gleichen Tag zu einer dreistündigen Unterredung mit
seinem sowjetischen Kollegen Andreij Gromyko zusammen. Auf einer Pressekonferenz unmittelbar nach dem Zusammentreffen lehnte Muskie es ab, auf
Einzelheiten einzugehen. Es habe sich um "ernste" Gespräche gehandelt,
die seine Überzeugung bestätigt hätten, daß solche Gespräche notwendig seien,
Der amerikanische Außenminister gab dazu folgende kurze Erklärung ab:
Dies wird keine lange Pressekonferenz.

Herr Gromyko und ich hatten

ein offensichtlich langes und ernstes Gespräch über eine Reihe praktischer
Probleme.

Das Zusammentreffen hat meine Überzeugung bestätigt, daß es

notwendig war, dieses Gespräch zu führen.

Ich werde hier auf keine Einzel-

Postfach20 03 0 0 Tel: 0228-89 32 40
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�Einzelheiten eingehen.

Ich halte es für meine Pflicht, dem Präsidenten

zu berichten -was ich tun werde.
zu weiteren Gesprächen führen wird

Und ich möchte hoffen, daß das Treffen
und daß diese an einem bestimmten

Punkt auf diesem Wege zu einer Beilegung der bestehenden Streitfragen führen
werden.

Ich habe dem nichts hinzuzufügen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag hielt der amerikanische
Außenminister folgende Ansprache:
Herr Präsident, Herr Bundeskanzler, Herr Generalsekretär Waldheim,
sehr verehrte Herren Minister und Botschafter, meine Damen und Herren.
Es ist mir eine Ehre und eine Freude, an diesem stolzen Tag die
herzlichen Wünsche des amerikanischen Volkes an das österreichische Volk
zu überbringen.
Und ich bringe an diesem historischen Jahrestag auch eine Botschaft
der Bewunderung und der Freundschaft von Präsident Carter.
Ich freue mich, daß meine erste Auslandsreise als ein Neuling in dem
Beruf des amerikanischen Außenministers mich nach Europa und zu dieser
Feier geführt hat.
Denn dies ist heute ein wichtiger Meilenstein für Österreich und
seine Bevölkerung.

Und für uns alle ist diese Gelegenheit ein Ausdruck

der Hoffnung auf Frieden.
Vor 25 Jahren unterzeichneten die Vier Mächte das Abkommen, das das
Ende der Besatzung in Österreich brachte.

Die nationale Unabhängigkeit

und Integrität dieser großen Nation wurden wiederhergestellt.
Und

- 2 -

�Und durch die Stärke, die Entschlossenheit und den Einfallsreichem
der Führer und der Bevölkerung Österreichs ist dieser Vertrag seither in
lebendige

Wirklichkeit umgesetzt worden.

Österreich ist heute eine erfolgreiche Demokratie.
Es hat eine blühende und dynamische Gesellschaft - weit über die
Erwartungen hinaus, die selbst die Weitblickendsten unter uns hegen konnten.
Und in diesem Zeitraum hat die Rolle Österreichs als konstruktive
Kraft in der Welt ständig zugenommen. Hier treffen sich wirklich die
Straßen,und hier ist gemeinsamer Boden für alle Nationen.
Sie haben die Politik der aktiven Neutralität verfolgt - die Politik,
die diesem Vertrag zu Grunde liegt und die in Ihrer Verfassung niedergelegt
ist - nicht eng und zögernd, sondern mit Weitblick und Mut.
Die Vereinigten Staaten achten zutiefst die ewige Neutralität Österreichs,
und wir werden seine Unabhängigkeit weiterhin unterstützen.
Der österreichische Staatsvertrag wurde vor dem Hintergrund einer
unruhigen Welt unterzeichnet.

Die Spannungen zwischen den Ländern waren

groß - vor allem zwischen den westlichen und östlichen Siegern des Zweiten
Weltkrieges.

Im gleichen Sinne steht die heutige Feier im Gegensatz zu

der Atmosphäre, die in einem großen Teil der Welt herrscht.
Eine Reihe von Krisen bedroht die internationale Stabilität.
Unsere Volkswirtschaften - in den Industrie- wie in den Entwicklungsländern - stehen vor schwierigen Problemen.
Wir

- 3 -

�Wir sind mit dem Gespenst des internationalen Terrorismus konfrontiert Akten der Unmenschlichkeit unter Mißachtung der grundlegendsten Prinzipien
einer zivilisierten Welt.
Wir erleben eine Welt in beträchtlichem Umbruch - da sich Länder und
Völker mit wachsendem Nachdruck geltend machen.
Alle diese Krisen sind eine Herausforderung an den Einfallsreichtum der
internationalen Gemeinschaft, wie sie ihr selten zuvor gestellt wurde.
Und wir müssen uns nüchtern einer weiteren Realität stellen.

Die

Grundsätze der Neutralität, der Unabhängigkeit und der territorialen
Integrität, die im Falle Österreichs so geachtet wurden, werden heute verletzt.
Heute werden wir erneut mit einer lebenswichtigen Lehre der Vergangenheit
konfrontiert:

Daß ein Akt der Aggression - gleichgültig an welchem Ort -

die Sicherheit überall bedroht.
Auch heute werden sich mein Land und andere Länder nicht weniger als
in der Vergangenheit solchen Handlungen widersetzen. Durch die Festigkeit
und Klarheit unserer Reaktion, durch eine starke Verteidigung und starke
Bündnisse ist es unser Ziel, das Gleichgewicht zu erhalten - und die Zurückhaltung zu stärken -,auf der der Frieden für uns und andere beruht.
Wir werden weiterhin die Kosten für die Aggression fordern, solange
sie andauert.

Denn wir sind dem Aufbau des Friedens verpflichtet, indem wir

ein internationales Umfeld schaffen, in dem nationale Unabhängigkeit
respektiert wird.
Und wir werden weiterhin auf andere Weise daran arbeiten, einen stabileren
Frieden zu schaffen. Wir wollen den Rahmen der Ost-West-Beziehungen erhalten.

Wir
- 4 -

�-

Wir werden weiterhin eine ausgewogene Kontrolle und Verringerung
der Rüstungen auf der Basis der Gleichheit anstreben.

-

Wir bleiben der Ratifizierung des SALT II-Vertrages verpflichtet,
und wir werden uns an seine Bestimmungen halten, solange dies
beiderseits geschieht.

-

In Übereinstimmung mit der NATO-Entscheidung vom Dezember vorigen
Jahres werden wir weiterhin für baldige Verhandlungen über eine
Begrenzung weitreichender nuklearer Mittel Streckensysteme in Europa
(LRTNF) eintreten, und wir werden die Verhandlungen hier in Wien
über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen (MBFR) in
Europa fortsetzen.

-

Wir erwarten die Madrider Folgekonferenz der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) als eine Gelegenheit für
ausgewogene Gespräche über die Entwicklungen seit Belgrad.

-

Und der Weg zu einer breiteren Zusammenarbeit, zu einem Abbau
der Spannungen in Europa und anderswo ist offen, wenn die Politik
anderer dies erlaubt. Wir haben uns einer realistischen Suche nach
gemeinsamem Boden verschrieben. Aber wir müssen alle einsehen,
daß Entspannung nur in einer Atmosphäre der Zurückhaltung, auf der
Grundlage der Treue zu den Grundgeboten des internationalen Rechts
gedeihen kann.

Wir hegen weiterhin die Hoffnung, daß ein Fortschritt erzielt werden kann.
Und diese Gelegenheit hier bestärkt unsere
Hoffnung: Denn der Vertrag,
dessen wir heute gedenken, ist eine ständige Mahnung. Er ist eine Mahnung,
daß es selbst in schwierigsten Zeiten möglich, ja am wichtigsten ist, für
eine stabile und friedliche Welt zu arbeiten.
So

- 5 -

�So ist diese Feier nicht nur Anlaß zu einem stolzen Blick zurück, sie
ist ein Grund zur Hoffnung.
Ich bin
zu dürfen

dankbar

für die Gelegenheit, diesen Tag mit Ihnen verbringen

und Sie erneut der Freundschaft, der Achtung und der Unterstützung

seitens des amerikanischen Volkes zu versichern.

+ + + + +

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21. Mai 1980

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STAATSSEKRETÄR C00PER
ERLÄUTERT DIE AMERIKANISCHE HALTUNG IM NORD-SÜD-DIALOG

WASHINGTON - (AD) - Der Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten, Richard N. Cooper, erläuterte in einer Erklärung vor einem
Unterausschuß des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses
am 15. Mai 1980 die amerikanische Haltung im Nord-Süd-Dialog. Er wies
darauf hin, daß dieser Dialog gerade dann besonders erfolgreich gewesen
sei, wenn er sich auf spezifische Themen und realistische Vorschläge
konzentriert habe und eindeutig beiderseitige Interessen verfolgt wurden.
Die wesentlichen Auszüge aus der Erklärung des Staatssekretärs haben
folgenden Wortlaut:
Das Ziel der Entwicklungsländer im Nord-Süd-Dialog ist eine Umgestaltung
des internationalen Wirtschaftssystems, die Schaffung einer neuen Weltwirtschaftsordnung mit den Hauptzielen der Förderung ihrer Entwicklung
und dessen, was sie als eine gleichmäßigere Verteilung der Reichtümer
dieser Welt erachten.
Wir

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�Wir verstehen die Bestrebungen der Entwicklungsländer, und wir
sympathisieren mit ihnen.

Auch wir haben ein gewaltiges Interesse an dem

weiteren ruhigen Funktionieren des internationalen Wirtschaftssystems.

Wir

sind der Welt größter Exporteur und Importeur sowohl von Rohstoffen als auch
von Fertigwaren, der größte Kapitalanleger im Ausland und schließlich der
größte internationale Schuldner und zugleich Geldgeber.

Wesentliche Ver-

änderungen des Systems können daher bedeutsame Auswirkungen auf unser eigenes
Wohlergehen haben.
Blicken wir auf die letzten drei Jahrzehnte zurück, so hat unserer
Meinung nach das System flexibel - wenn schon nicht stets reibungslos auf die wesentlichen Veränderungen in der Welt reagiert,

einschließlich der

zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Bedeutung der Entwicklungsländer.
Wir sind für die weitere Entwicklung dieses Systems, um sich auf neue
Situationen einzustellen.

Aber die Änderungen, die vorgeschlagen werden,

sollten mit höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit das System für jeden verbessern; sollte dies nicht der Fall sein, so wäre es unsinnig, ein System
zu stören, das bislang hinreichend gut funktioniert hat.
Natürlich haben wir zusätzliche Kriterien, mit denen wir Änderungsvorschläge für dieses System beurteilen. Wir wünschen ein System, das die
Stabilität und die Voraussagbarkeit bietet, welche den Handel fördern und
finanzielle Transaktionen erleichtern, Transaktionen, die in zunehmendem
Maß ihrer Natur nach langfristig sind. Dies bedeutet nicht ein System, das
sich der Veränderung widersetzt, sondern das vielmehr erkennt, daß die
nationalen Sozial- und Wirtschaftsstrukturen den Wandel nur bei einem vernünftigen Tempo absorbieren können. Plötzliche Änderungen bei den Spielregeln für Investitionen und finanzielle Transaktionen oder grobe Verwerfungen bei den Verhaltensmustern im Handelsbereich tendieren dazu, die
gesamte wirtschaftliche Aktivität zu behindern. Aus diesem Grund setzen
wir uns für den notwendigen Wandel in einem Tempo ein, das ohne übermäßige
Störungen absorbiert werden kann.
Zweitens
- 2 -

�Zweitens wünschen wir ein internationales System, das die wirkungsvolle
Nutzung der Ressourcen dieser Welt fördert.

Wie uns die derzeitige Energie-

situation schmerzlich klargemacht hat, können wir es uns nicht leisten,
die Rohstoffe der Welt zu vergeuden - sei es Kapital, seien es Rohstoffe
oder Menschen.

Daher haben wir im Prinzip ein internationales System des

Freihandels und des ungehinderten Kapital Stroms verfolgt.

Wir sind davon

überzeugt, daß ein solches System dazu führen wird, daß die Länder aus
ihren wechselseitigen Vorteilen und der zunehmenden weltweiten Effizienz
Nutzen ziehen.
Wie uns allen bewußt ist, stehen die Industrieländer zudem vor ihren
eigenen Wirtschafts- und Haushaltsproblemen, besonders in diesen Zeiten
der Stagflation. Dies ist einer der wesentlichen Gründe dafür, daß es
schwer für uns ist, einige der legitimen Wünsche der Entwicklungsländer zu
erfüllen, wie etwa den nach mehr offizieller Hilfe und vermehrtem Zugang
zu unseren Märkten. Hierbei handelt es sich um Forderungen, die zwar das
Weltwirtschaftssystem nicht gefährden, jedoch zusätzliche Ausgaben für Hilfsund Ausgleichungsprogramme für Arbeiter und Industrien erfordern, die von
den erhöhten Einfuhren betroffen sind.
In gewissem Sinn umfaßt daher der Nord-Süd-Dialog das Abwägen einer
Vielfalt politisch, wirtschaftlich und sozial wünschenswerter Ziele Entwicklung, Wachstum, Leistungsfähigkeit, Ausgeglichenheit und Stabilität bei der Bewertung ganz bestimmter politischer Vorschläge...
Im Nord-Süd-Dialog sind Fortschritte erzielt worden. Maßnahmen wurden
ergriffen, aus denen beide, Industrie- und Entwicklungsländer, Nutzen ziehen,
und die Entwicklungsländer weiter in das internationale Wirtschaftssystem
einbezogen haben. Ohne ins Einzelne zu gehen, können einige Beispiele
erwähnt werden:
Bei

- 3 -

�Bei den Rohstoffen wurden neue Abkommen über Gummi und Zucker ausgehandelt; die Vereinigten Staaten traten dem Zinn-Abkommen bei.

Die

Verhandlungen über einen Gemeinsamen Fonds kommen gut voran, wobei
es hoffentlich im Juni zu einer Endregelung kommen wird.

Liberalisie-

rungen im Rahmen der Finanzierungserleichterungen bei Kompensationsgeschäften durch den Internationalen Währungsfonds in den Jahren 1975
und 1979 sind für Exporteure von Rohstoffen besonders nützlich.
Bei der Tokio-Runde einigten sich die Industriestaaten darauf, die
Zölle um etwa ein Drittel zu senken und sich bei den Zoll frei grenzen
größere Disziplin aufzuerlegen.

Außerdem unterzeichneten die

Vereinigten Staaten 27 bilaterale Abkommen mit Entwicklungsländern.
Auch hatten alle Industrieländer erst vor kurzem Zoll Präferenzen
eingeführt, um den armen Entwicklungsländern zu helfen.
Im Finanzbereich stellen die vom IWF eingerichteten Erleichterungen
und erweiterten Quoten Mittel zur Verfügung, um eine Reihe von Anpassungsproblemen der Entwicklungsländer mit größeren

Beträgen

und zu flexibleren Bedingungen in den Griff zu bekommen.

Vor zwei

Wochen (am 22. April 1980) wurde im Rahmen der UNCTAD (der UNKonferenz über Handel und Entwicklung) Einigung über einen Kodex
bei bestimmten Geschäftspraktiken erzielt.
Was die Entwicklungshilfe angeht, so wurden in den vergangenen
vier Jahren zusätzliche Mittel im Umfang von über 100 Milliarden
Dollar für die Multilateralen Entwicklungsbanken und -fonds ausgehandelt. Dazu gehören 40 Milliarden Dollar für Kapital aufStockung
der Weltbank, die deren Funktionstüchtigkeit bis weit in die achtziger
Jahre hinein garantieren werden. In Rom wurde der Internationale
Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung eingerichtet. Einzelne
Industrieländer und die Länder der OPEC haben ihre eigenen Hilfsprogramme ausgeweitet.
Den

�-

Den ärmsten Entwicklungsländern wurde besondere Aufmerksamkeit
geschenkt.

Die offizielle Entwicklungshilfe für sie stieg von

etwa 4,1 Prozent ihres Gesamtbruttosozialprodukts im Jahr 1971
auf annähernd 10,3 Prozent im Jahr 1978.
-

Im Bereich der Technologie haben wir bei der UN-Konferenz über
Wissenschaft und Technologie der Entwicklung der Errichtung eines
Zwischenfonds für Wissenschaft und Technologie für die Entwicklung
zugestimmt.

Auf dem Gipfeltreffen in Tokio haben wir uns mit der

Verdoppelung der Mittel für die internationalen landwirtschaftlichen Forschungszentren einverstanden erklärt, die sich auf die
Landwirtschaftsprobleme der Entwicklungsländer konzentrieren.
Wenn wir auch weiterhin Fortschritte auf dem Feld des Nord-Süd-Dialogs
machen wollen, sollten wir uns überlegen, welche Faktoren zu den Erfolgen der
Vergangenheit geführt haben. Zwei Punkte verdienen Beachtung.
Erstens, der Dialog war immer dann besonders produktiv, wenn er sich
auf spezielle Themen und auf realistische Vorschläge konzentrierte. UNCTAD II
beschäftigte sich mit Handelserleichterungen und UNCTAD IV mit Rohstoffabkommen und dem Gemeinsamen Fonds. Die Entwicklungsländer drängten bei anschließenden internationalen Treffen auf die weitere Behandlung dieser
Fragen, und es kam schließlich zu positiven Ergebnissen.
Zweitens: Fortschritt ist dann am wahrscheinlichsten, wenn es um
eindeutig beiderseitige Interessen geht - und nicht so sehr darum, daß eine
Seite die andere auffordert, Konzessionen zu machen, ohne selbst etwas
dafür zu bekommen. Hinsichtlich der Rohstoffpolitik zum Beispiel reagierten
die Vereinigten Staaten in dem Glauben daran, daß stabile Rohstoffpreise
und Produktion sowohl für die Verbraucher- als auch für die Herstellerländer von Vorteil seien. Ungerechtfertigt niedrige Preise ermutigen den
Produzenten und können in der Folge zu Knappheit und hohen Preisen führen,

- 5 -

�führen, während heftig steigende Preise eine inflationäre Wirkung auf
die Volkswirtschaften der Verbraucher haben.

Ähnlich halfen die Erleichterungen

bei den Finanzierungsmöglichkeiten nicht nur den Lieferanten von Rohstoffen
dabei, kurzfristige Knappheit bei ihren Exporteinnahmen auszugleichen,
sondern ermöglichten es ihnen auch, ihre Nachfrage nach Industriegütern auf
einem gleichmäßigeren Niveau zu halten, was eine günstige antizyklische
Auswirkung auf die Hersteller von solchen Industriegütern hatte.
Manchmal fehlten diese Bedingungen.

Voriges Jahr legten etwa die

Entwicklungsländer auf der UNCTAD V in Manila eine lange Liste mit Forderungen
vor, ohne sich jedoch auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren.

Daher war

diese Konferenz eine Angelegenheit ohne inneren Aufbau, die nur begrenzte
Ergebnisse zeitigte.

Die Entwicklungsländer haben ihre Position für die

UNIDO III (die UN-Organisation für industrielle Entwicklung) in der hochpolitischen Atmosphäre von Havanna entwickelt.

Dabei produzierten sie

nicht nur eine weitere lange Liste mit Forderungen,ohne auf die Interessen
der Industriestaaten zu achten, sondern legten auch einen völlig unrealistischen
Vorschlag über einen Nord-Süd-Fonds in Höhe von 300 Milliarden Dollar vor,
der der Förderung der Industrialisierung der Entwicklungsländer dienen
soll.

Wiederum war ein Fortschritt unmöglich...

Ein Grund für die Schwierigkeit der Entwicklungsländer, ihre Aufmerksamkeit
auf einige wenige Hauptprobleme zu begrenzen, ist die Vielfalt ihrer Interessen.
Die ärmsten Länder brauchen mehr amtliche Entwicklungshilfe, Länder mit
mittlerem Einkommen möchten Unterstützung ihrer Zahlungsbilanz und verbesserte
Bedingungen im Rohstoffhandel,und den reicheren Entwicklungsländern geht
es vor allem um Zugang ihrer Industriegüter zu den Märkten, sowie um Zugang
zu privaten Kapitalmärkten und um Technologie. Die öl importierenden Länder
wünschen sich stabile öl preise und Hilfe, um für ihr öl bezahlen zu können;
die öl exportierenden Länder machen sich Gedanken um die Inflation in den
Industrieländern und um die Sicherheit ihrer Vermögenswerte. Politiken,
die vielleicht einer Gruppe von Entwicklungsländern helfen können, sind für

- 6 -

�für andere schädlich.

Dies hat zur Folge, daß eine Liste von Forderungen

erstellt wird, die auf dem größten gemeinsamen Nenner basiert,der zwar ihre
kollektiven politischen Forderungen befriedigt, aber ihre politische Wirksamkeit bei Verhandlungen mit den Industriestaaten einengt und die Gesamtdialoge
auf äußerste erschwert.
Bei der Vorbereitung der weltweiten Verhandlungen haben wir unsere
Erfahrung aus den Nord-Süd-Gesprächen sorgfältig überprüft und die kritischen
Probleme untersucht, die wir vor uns sehen. Wir wissen, daß wir in eine
Periode hoher öl preise,relativ niedriger Wirtschaftswachstumsraten und größerer
finanzieller Ungleichgewichte eintreten. Langsames Wachstum und Handelsdefizite werden viele Beteiligte dazu verleiten, protektionistische
Maßnahmen im Handelsbereich zu fordern. Außerdem wird eine Reihe von Entwicklungsländern mitte der achtziger Jahre vor zunehmendem Nahrungsmittelmangel stehen.
In den nächsten Jahren müssen wir Wege finden, um Energie wirkungsvoller
zu nutzen und neue Energiequellen zu erschließen. Wir müssen Wege finden,
um sicherzustellen, daß die gewaltigen OPEC-Überschüsse zurücktransferiert
werden, um auch weiterhin ein vernünftiges Wanstumsniveau zu ermöglichen.
Wir müssen uns dem Druck nach Protektionismus widersetzen und die Ausweitung
der Nahrungsmittelproduktion sicherstellen.
Längerfristig muß sichergestellt werden, daß alle Länder ihre Produktion
von konventioneller und nichtkonventioneller Energie erhöhen, während wir
uns von Volkswirtschaften ablösen, die sich auf das Erdöl stützen,und in solche
übergehen, die auf einer breiteren Mischung von Energiequellen basieren.
Wir müssen alle Länder dazu ermutigen, Maßnahmen zu ergreifen, die es ihren
Volkswirtschaften erlauben, sich diesen veränderten Bedingungen anzupassen, und
wir müssen den Entwicklungsländern dabei helfen, ihre Nahrungsmittel Produktion
zu erhöhen.
Dies sind die wichtigsten Aufgaben, die es auf vielen Ebenen und in vielen
Formen zu verfolgen gilt....
+ + + + +
- 7 -

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21. Mai 1980

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PRÄSIDENT CARTER BEGRÜSST DIE ENTSCHEIDUNG DES DEUTSCHEN NOK

WASHINGTON - (AD) - In einer vom Weißen Haus in Washington am 15. Mai
1980 veröffentlichten Erklärung hat Präsident Carter die vom Nationalen
Olympischen Komitee (NOK) der Bundesrepublik Deutschland getroffene Entscheidung begrüßt, nicht an den Olympischen Sommerspielen in Moskau teilzunehmen.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Wir begrüßen die mutige Entscheidung des westdeutschen Olympischen Komitees
nicht an den Olympischen Spielen in Moskau teilzunehmen.

Das Komitee, die

Bundesregierung und die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland verdienen
die Bewunderung all jener in der ganzen Welt, die an Frieden und Freiheit
glauben und die die Tatsache anerkennen, daß das Erreichen dieser Ziele zuweilen schmerzhafte Opfer erfordert.
Die sowjetische Invasion Afghanistans ist ein schwerwiegender Schlag gegen Frieden und Freiheit. Wir hoffen, daß die anderen Olympischen Komitees
in Westeuropa dem Rat ihrer eigenen Regierungen folgen und sich dem westdeutschen Olympischen Komitee dabei anschließen werden, ihre ablehnende Haltung
gegenüber der sowjetischen Aggression zu demonstrieren.
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21. Mai 1980

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PRÄSIDENT CARTER TRIFFT MITGLIEDER DES
INTERNATIONALEN OLYMPISCHEN KOMITEES (IOC)
Amerikanische NichtteiInahme an den Moskauer Spielen erneut bestätigt -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter traf am 16. Mai 1980
mit Vertretern des Internationalen Olympischen Komitees, darunter dessen
Präsidenten, Lord Killanin, zusammen und unterstrich erneut, daß die
Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Invasion in Afghanistan
nicht an den Olympischen Sommerspielen in Moskau teilnehmen werden. Carter
machte zugleich deutlich, daß die amerikanische Haltung keineswegs ein Ende
für die Unterstützung der internationalen olympischen Bewegung durch die
Vereinigten Staaten bedeute, daß aber ein Boykott der Spiele als Protest
gegen die sowjetische Aggression notwendig sei.
Die Erklärung, die das Weiße Haus nach dem Treffen des Präsidenten
mit den Vertretern des IOC veröffentlichte, hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident traf heute mit Lord Killanin, dem Präsidenten des
Internationalen Olympischen Komitees und Madame Monique Berlioux, dessen

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�dessen Direktorin, auf deren Bitte hin zusammen.

Der Präsident bestätigte

erneut, daß die ablehnende Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber der
Entsendung einer Mannschaft zu den 22. Olympischen Spielen in Moskau einzig
von der sowjetischen Invasion in Afghanistan und unserer Überzeugung herrührt, daß es nicht angemessen ist, an den Spielen in einem Gastland teilzunehmen, das bei seinem Nachbarn einmarschiert ist.
Der Präsident machte deutlich, daß diese Haltung in keinster Weise
unserer Unterstützung der internationalen Olympischen Bewegung Abbruch
tut und wir bei den 23. Olympischen Spielen in Los Angeles im Jahr 1984
Athleten aus allen teilnahmeberechtigten Ländern willkommen heißen werden.
Der Präsident versicherte erneut, daß die Vereinigten Staaten auch
weiterhin anderen Regierungen und Olympischen Komitees eindringlich empfehlen
werden, sich einer Teilnahme an den Olympischen Spielen diesen Sommer in
Moskau zu widersetzen.

Er bemerkte, daß über 40 Nationale Olympische Komitees,

einschließlich derer der Vereinigten Staaten, der Bundesrepublik Deutschland,
Kanadas, Chinas, Norwegens, Kenias, Argentiniens und vieler moslemischer
Länder sich bereits dazu entschlossen haben, nicht an den Olympischen Spielen
in Moskau teilzunehmen.

Es wird erwartet, daß weitere einflußreiche Nationale

Komitees im Lauf der kommenden beiden Wochen die gleiche Haltung einnehmen
werden.

+ + + + +

�21. Mai 1980

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WELTVERBRAUCH AN KOHLE WÄCHST
Internationale Studie bewertet Rolle der Kohle in den nächsten Jahrzehnten

- (AD) - Kohle kann in den nächsten 20 Jahren die Hälfte bis zwei
Drittel des zusätzlichen Energiebedarfs für ein mäßiges Weltwirtschaftswachstum decken. Dies besagt die am 12. Mai 1980 veröffentlichte internationale Studie "Kohle - Brücke zur Zukunft", die von Experten aus 16
Ländern unter der Leitung von Prof. Carrol L. Wilson (Massachusetts
Institut of Technology - MIT in Boston) als Ergebnis zweijähriger Untersuchungen ausgearbeitet wurde. Die Verfasser, die als Leiter von Fachressorts im Staatsdienst stehen oder an führender Stelle in der Wirtschaft
tätig sind, sehen für die nächsten zwei Jahrzehnte eine Verdreifachung des
Kohleverbrauchs und eine Steigerung des Welthandels mit Kohle für die Wärmeproduktion um das 10- bis 15fache voraus. Dies würde eine jährliche Erhöhung
der Kohleförderung um fünf Prozent notwendig machen. Schon heute wird ein
Viertel des Weltenergiebedarfs mit Kohle eingedeckt.
Im Jahr 2 000 wird, wie jetzt auch, der größte Anteil des Kohleverbrauchs auf die Stromerzeugung entfallen (er liegt z.Zt. bei mehr als

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�als 60 Prozent).

Weitere wichtige Anwendungsgebiete finden sich in ver-

schiedenen Sektoren der Industrie, insbesondere bei der Hüttenindustrie;
außerdem wird Kohle als Rohstoff für die Gewinnung synthetischer Brennstoffe
dienen.

Mit einer Verdreifachung der Kohleproduktion, gekoppelt mit der

Entwicklung anderer Energiequellen außerhalb des ölbereichs sowie "energisch
geförderten" Sparmaßnahmen,ergebe sich, wie die Studie besagt, die Möglichkeit,
für die Weltenenergieproduktion eine jährliche Zuwachsrate von mindestens
1,8 Prozent und ein "mäßiges" Wirtschaftswachstum von mindestens 3 Prozent
zu erzielen.

Werde jedoch die Kohleförderung nicht ausgeweitet, seien

"die Aussichten düster".
Als weitere Hauptpunkte in den Schlußfolgerungen der Studie werden
genannt:
-

Verbraucher, Produzenten und Regierungen müssen prompte und koordinierte
Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß die erforderlichen
Kohlenmengen verfügbar sind.

Im besonderen können Regierungen

wesentliche Beiträge leisten, indem sie für vertrauenswürdige
und stabile Verhältnisse sorgen, die für Investitionsentscheidungen
notwendig sind, indem sie ferner Verzögerungen in der Genehmigung
und Planung von Projekten ausschalten, klare und vernünftige
Bestimmungen für den Umweltschutz erlassen und die Ausweitung des
freien und am Wettbewerb orientierten internationalen Kohlenhandels
erleichtern;
-

Kohle kann in den meisten Regionen auf eine Weise abgebaut, transportiert und genutzt werden, die einem hohen Gesundheits-, Sicherheits- und Umweltschutzstandard entspricht - und zwar unter Ausschluß
nicht akzeptierbarer Kostensteigerungen. Die gegenwärtigen Erkenntnisse über mögliche Auswirkungen von Kohlendioxid auf das
Klima rechtfertigen nicht, eine Ausweitung der Kohlenutzung zu
verzögern;
Mancherorts
- 2 -

�-

Mancherorts ist Kohle als Primärenergie für die Stromerzeugung und
für Industriezwecke bereits voll wettbewerbsfähig.

Mit dem weiteren

Ansteigen der ölpreise auf dem Weltmakrt wird sie ihren Anteil
auf den genannten Gebieten erhöhen und zusätzliche Märkte gewinnen;
-

Technologie-Fortschritte bei der Verbrennung, Vergasung und Verflüssigung von Kohle werden in den neunziger Jahren und danach
auch unter Gesichtspunkten des Umweltschutzes eine starke Ausweitung
der Kohlenutzung als akzeptabel erscheinen lassen;

-

die für eine Vergrößerung der Fördermengen und Transportkapazitäten
für Kohle erforderlichen Mittel können durchaus von einheimischen
und internationalen Kapitalmärkten aufgebracht werden.

Allerdings

dürften Schwierigkeiten in der Finanzierung großer Kohleprojekte
in einigen Entwicklungsländern "Sonderlösungen" erforderlich machen.
In der Kohlestudie wird hervorgehoben, daß vermutlich nur die Vereinigten
Staaten und Australien in der Lage sein werden, im Jahr 2 000 mehr als 100
Millionen Tonnen jährlich zu exportieren. Für die USA wird in zwei Jahrzehnten eine Jahresexportmenge von ca. 350 Millionen, für Australien von
200 Millionen Tonnen Kohle angenommen. Andere wichtige Förderländer
dürften u.a. Südafrika, Kanada, Polen, die Sowjetunion und die Volksrepublik
China sein. In gewissem Umfang seien, wie in der Studie ausgeführt ist, auch
Entwicklungsländer wie Indien, Kolumbien und Indonesien als Kohleexportländer
zu betrachten.
Der Weltkohlehandel, Hüttenkohle eingeschlossen, dürfte bis zum Ende
des Jahrhunderts auf das Vier- bis Fünffache der gegenwärtigen Mengen, d.h.
auf 800 Millionen bis eine Milliarde Tonnen anwachsen. Die letztgenannte
Menge sei das Äquivalent zur Hälfte des ölexports der OPEC-Länder im Jahr
1979. Zu den wichtigsten Kohleimportländern werden Japan, Frankreich, Italien
und andere westeuropäischen Länder sowie Südkorea und Taiwan zählen.
Unter
- 3 -

�Unter Zugrundelegung der heutigen Kohlepreise von 35 Dollar pro Tonne
könnte der Export von 350 Millionen Tonnen amerikanischer Kohle im Jahr
2 000 zusätzliche Deviseneinnahmen in Höhe von etwa 12 Milliarden Dollar
bringen. Dies ist wesentlich mehr, als durch die Exporte von Getreide oder
Sojabohnen erzielt wird.
Die Kohle-Studie wurde von einer Reihe internationaler Stiftungen,
den Firmen AMAX, Atlantic Richfield Company und Bechtel National Inc.
sowie vom US-Energieministerium finanziert. An ihrer Durchführung waren mehr
als 80 Fachleute aus Australien, Dänemark, der Bundesrepublik, aus Finnland,
Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, den
Niederlanden, aus Polen, Schweden, den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China beteiligt.

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz von US-Außenminister Muskie in Washington am 20.05.1980&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister verurteilt sowjetische Aggresstion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Muskies am 16. Mai 1980 in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Staatssekretär Cooper erläutert die amerikanische Haltung in Nord-Süd-Dialog&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter begrüßt die Entscheidung des deutschen NOK&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter trifft Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikanische Nichtteilnahme an den Moskauer Spielen erneut bestätigt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltverbrauch an Kohle wächst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Studie bewertet Rolle der Kohle in den nächsten Jahrzehnten -&lt;/em&gt;</text>
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Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

26

INHALT

DOKUMENTATION
USA fordern Beseitigung der Hindernisse bei der Kambodscha-Hilfe
- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf WIRTSCHAFT
Botschafter Hormats: Handel - das zentrale Thema des Gipfeltreffens
in Venedig
- Von John J . Harter, US-Amt für Internationale Kommunikation HINTERGRUNDMATERIAL
Schieferöl - Amerikas ungehobener Energiereichtum
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Wasserstrahl statt Bohrhammer
- Fahrbares Hydraulikaggregat vereinfacht Straßenreparaturen

Um Übcr/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

I
26

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

USA FORDERN BESEITIGUNG DER HINDERNISSE BEI DER KAMBODSCHA-HILFE
Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf

GENF - (AD) - Im Rahmen einer von Kurt Waldheim, dem Generalsekretär
der Vereinten Nationen, einberufenen zweitägigen Konferenz über humanitäre
Hilfe für das Volk von Kamputschea (Kambodscha) erläuterte Warren Christopher,
der Stellvertretende Außenminister der Vereinigten Staaten,am 26. Mai 1980
die Haltung seiner Regierung. Neben den über 85 Millionen Dollar, die
bereits von der amerikanischen Regierung bereitgestellt wurden,und den
über 40 Millionen Dollar, die von privater amerikanischer Seite als
Spenden eingegangen sind, werden die Vereinigten Staaten in den kommenden
vier Monaten weitere 29,6 Millionen Dollar zur Verfügung stellen. Allerdings
könne diese Hilfe das leidende Volk von Kamputschea nur dann erreichen,
wenn endlich die Hindernisse beseitigt würden, die aus militärischer
Besetzung und äußerer Einmischung erwachsen.
Die Rede des Stellvertretenden Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Gestatten Sie mir zunächst, Ihnen die Wertschätzung meiner Regierung
dafür zum Ausdruck zu bringen, daß Sie den Vorsitz in dieser Konferenz führen.

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Telex: 08-85432

�führen.

Wir danken den ASEAN-Staaten ebenso wie den ECOSOC-Mitgliedern dafür,

daß sie als erste ein solches Treffen forderten,und dem Generalsekretär für
dessen Einberufung.

Denn die drängende Not des kamputscheisehen Volkes

erfordert auch weiterhin unsere Aufmerksamkeit, unsere Verpflichtung und
unsere Mittel.
Letzten Herbst kamen wir zusammen, gerufen durch eine menschliche
Tragödie von rasch wachsendem Ausmaß.
Hungersnot.

Wir sahen eine immer größer werdende

Wir sahen eine steigende Flut von Kamputscheern, die in

verzweifelter Suche nach Nahrungsmitteln und nach Sicherheit durchs Land
zogen.

Wir sahen Oberlebende, die sogar zum Weinen zu schwach waren.

Wir sahen die Zukunft eines ganzen Volkes in Gefahr.

Die internationale

Gemeinschaft antwortete - durch Regierungen und durch Privatleute - sowie
durch die gemeinsame Anstrengung der Organe der Vereinten Nationen, des
Internationalen Roten Kreuzes und freiwilliger Privatorgahisationen.
Die Arbeit dieser Gruppen, besonders aber der Helfer an Ort und Stelle,
war gewiß heldenhaft. Diese internationale Hilfsanstrengung hat Hunderttausenden von Kamputscheern Hilfe gebracht, ja, das Leben selbst erhalten.
Dieses gewaltige Programm wäre noch unendlich schwieriger gewesen,
hätte nicht die Regierung von Thailand den vielen Kamputscheern Schutz
gewährt, die vor dem Krieg und der Hungersnot flohen. Für diese weitsichtige Politik der Anteilnahme gilt der Regierung und dem Volk von Thailand
der tiefe Respekt und die ganze Unterstützung meiner Regierung und - dessen
bin ich sicher - auch der Weltgemeinschaft.
Eine mögliche menschliche Tragödie führt uns erneut zusammen. Die
lange, dunkle Nacht hat für das Volk von Kamputschea noch nicht geendet.
Die letzte Ernte, dürftig wie sie war, ist praktisch aufgebraucht. Tod
durch Verhungern nimmt wieder zu; Krankheiten greifen wieder um sich.
Eine immer größere Zahl von Khmer flieht zur thailändischen Grenze und

- 2 -

�und unterliegt den Entbehrungen. Die Reisaussaat für die Ernte zum
Jahresende hat mit unzureichendem Saatgut - und daher mit begrenzten
Aussichten - angefangen.

Der Monsun wird bald kommen und neue schwer-

wiegende Probleme mit sich bringen.
Für das Volk von Kamputschea schwinden die Chancen für das überleben wieder dahin. Um eine erneute Hungersnot zu verhindern, muß unbedingt ein umfangreicher Versorgungsfluß an Nahrungsmitteln und Saatgut
durch das ganze Jahr 1980 hindurch anhalten.
Wir müssen uns noch einmal für ein neues Ausmaß an humanitärer Unterstützung und Hilfe einsetzen. Und wir müssen hier auch über die Hindernisse
sprechen, die die internationalen Hilfsanstrengungen davon abgehalten haben,
so wirkungsvoll zu sein, wie dies beabsichtigt war, und so wirkungsvoll,
wie es notwendig ist.
Bis heute hat die Regierung der Vereinigten Staaten über 85 Millionen
Dollar für die Hilfsanstrengungen zur Verfügung gestellt.

Im Rahmen

einer eindrucksvollen Unterstützungsaktion sind von privater amerikanischer
Seite 40 Millionen Dollar beigetragen worden.
Ich bin heute im Namen des Präsidenten der Vereinigten Staaten hier,
um weitere umfangreiche Mittel zu dieser so wesentlichen humanitären
Anstrengung beizusteuern. Wir sind bereit, zusätzliche 29,6 Millionen
Dollar an Lebensmittel- und Finanzhilfe für die kommenden vier Monate
zu geben, um dabei zu helfen, die dringendsten Ansprüche des kamputscheisehen
Volkes zu befriedigen.
Die internationale Gemeinschaft darf den flehendlichen Bitten eines
Volkes nicht den Rücken kehren, das an hoffnungslosem Mangel an Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und dem Saatgut leidet, das wieder eine
kamputscheische Ernte ermöglichen würde. Wir fordern alle Spender auf, ihre

- 3 -

�ihre Verpflichtung beträchtlich zu erhöhen, um uns einer der größten
moralischen Herausforderungen unserer Generation zu stellen.
Sicherlich hat kein anderes Land auf Erden in den vergangenen Jahren
stärker gelitten als Kamputschea - verwüstet durch Krieg, verheert durch
die unaussprechlichen Greueltaten des Pol-Pot-Regimes, gequält durch
ausländische Invasion und Besetzung, und dem es derzeit in tragischen
Ausmaßen an den baren Notwendigkeiten des Lebens mangelt.
Aber es gibt eine Lösung - wenn diejenigen, die die Kontrolle ausüben, das menschliche Leben höher als den politischen Vorteil stellen.
Ich habe ernste Bedenken, daß weiteres Leiden und Hungersnot trotz unserer
Anstrengungen unvermeidbar sind, wenn wir nicht die derzeitigen Hindernisse
überwinden, die einer wirkungsvollen Verteilung der Hilfsmittel im Innern
Kamputscheas im Wege stehen.
Denn es ist Tatsache, daß Lebensmittel und andere Güter nicht diejenigen
erreichen, die sie am dringendsten benötigen.
Die Probleme sind beträchtlich, die mit einer solch umfassenden
Hilfsanstrengung verbunden sind. Nach langen Jahren des Bürgerkriegs
ist die Infrastruktur Kamputscheas zu weiten Teilen zerstört. Das Volk
der Khmer hat nicht mehr die Kraft, das ausgebildete Personal, die Ausrüstung oder die Möglichkeiten, Lebensmittel zu verteilen und seine Landwirtschaft ohne äußere Hilfe wieder aufzubauen.
Viele Monate lang stand die internationale Gemeinschaft in Bereitschaft, um bei der Überwindung dieser Hindernisse zu helfen.
Aber die Hilfsanstrengungen wurden behindert durch Einschränkungen
bei Zugang und Bewegungsfreiheit für die internationalen Helfer.
Sie mich in dieser Hinsicht deutlich sein.

Lassen

Diese Hindernisse haben es

�es unmöglich gemacht, alle Kamputscheer zu erreichen, die Hilfe brauchen.
Nur nach Beseitigung dieser Hindernisse können wir hoffen, den Teufelskreis
von Hungersnot, Krankheit und erneuter Massenflucht zu durchbrechen, der
die ganze Existenz eines Volkes, eines Staates bedroht.
Insbesondere ist eine Reihe von Schritten entscheidend.
Erstens: die Behörden in Phnom Penh und die Vietnamesen müssen die
Erlaubnis erteilen, daß die Provinzflugplä'tze für internationale und
Inlandsflüge geöffnet werden, die Hilfsgüter transportieren. Diese Flugplätze werden derezit für militärische Zwecke benützt. Sie müssen auch dazu
dienen, Lebensmittel zu den Hungernden zu bringen.
Zweitens:

Es muß für internationale Hilfsflüge ermöglicht werden,

nach Phnom Penh auf direkterem Weg einzufliegen, auf Wegen, die weniger
wertvolle Zeit und Treibstoff verbrauchen und die es erlauben würden, mit
jedem Flug zusätzliche Lebensmittel und medizinische Güter zu transportieren.
Drittens:

Diejenigen, die die Kontrolle ausüben, müssen eine größere

Anzahl von internationalen Helfern in Kamputschea arbeiten lassen. Es
muß genügend Personal geben, um beim Transport, bei der Verteilung und der
Überwachung einer großangelegten Hilfsanstrengung zu helfen.
Viertens: In Kamputschea herrscht ein katastrophaler Mangel an Ärzten
und anderem medizinischen Personal; dennoch haben die Behörden in Phnom Penh
und die Vietnamesen nur 27 Personen an medizinischem Personal ins Land
gelassen. Das ist einer für nahezu 200 000! Hunderte von Ärzten und anderem
medizinischen Personal stehen bereit und sind willens, nach Kamputschea
zu kommen, entweder individuell oder unter der Oberaufsicht internationaler
Hilfsorganisationen. Es muß ihnen gestattet werden, dies zu tun.
Fünftens:

�Fünftens:

Die Behörden in Phnom Penh und die Vietnamesen müssen gestatten,

daß Hilfsmittel per Lastwagen und Eisenbahn über die thailändisch-kamputscheische
Grenze gelangen.

Dieser Schritt allein würde eine gewaltige Ausweitung der

Hilfe ermöglichen, die jene Khmer erreicht, die in Not sind.
Schließlich rufen wir die Sowjetunion auf, sich der Beseitigung
der Hindernisse anzuschließen, um eine wirkungsvolle Hilfsanstrengung
zu ermöglichen. Die Vereinigten Staaten sind als Teil ihres Beitrags bereit,
Mittel für Lastwagen und andere Ausrüstung bereitzustellen, um die Hilfsgüter zu transportieren.
Hubschrauber

Wir drängen die Sowjetunion, die Güter mittels

oder anderer Arten

des Lufttransports zu verteilen, um

dadurch die Transportprobleme zu überwinden, die die kommende Regenzeit
stellt.
Ohne einen raschen Durchbruch würde Kamputschea eine weitere Welle
der Massenhungersnot und der Seuchen zu erleiden haben - und dies innerhalb
von Monaten, ja womöglich Wochen.
Da wir in gutem Glauben unsere eigenen Verpflichtungen ausweiten,
appellieren wir erneut an die Behörden in Phnom Penh, an die Regierung
Vietnams, an diejenigen, die Vietnam unterstützen:

Erlaubt, daß eine

wirkungsvolle Hilfsanstrengung einsetzt.
Schließlich aber kann die Lage des kamputscheisehen Volkes nicht
von ihren politischen Ursachen getrennt werden.

Denn die Tragödie von

Kamputschea wird nicht enden, bevor nicht die militärische Besetzung
aufhört und es eine Regierung gibt, die tatsächlich das kamputscheische Volk
repräsentiert, blockfrei ist und frei von ausländischer Einmischung.
Dies hier ist nicht das Forum, um jene kritischen Probleme im
einzelnen anzusprechen.

Aber lassen Sie mich dieses sagen:

Es ist

bedauerlich, daß einige derjenigen, die eine solche schwere Verantwortung

�Verantwortung für diese Krise der Menschheit tragen, sich uns hier nicht
als Teilnehmende angeschlossen haben, um dabei zu helfen, die wirkungsvollste
humanitäre Antwort auszuarbeiten.
In der Tat, wenn wir einen Blick auf die internationale Landschaft
werfen, so sehen wir, daß wir in den letzten Monaten Zeuge einer gewaltigen
neuen Menschenflut wurden - Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden,
sei es durch die Aggression in Afghanistan, durch von außen geschürten Konflikt
am Hörn von Afrika, sei es durch die harte Wirklichkeit des Lebens auf Kuba.
Der Tribut an Menschenleben ist erschreckend. Die Anforderungen an die
Nachbarländer sind gewaltig. Die humanitären Forderungen an die internationale
Gemeinschaft sind beunruhigend - und nehmen zu.
Die Staatengemeinschaft kann sich den Bitten derjenigen nicht verwehren,
die verzweifelt der Hilfe bedürfen. Aber wir dürfen auch die Augen nicht
verschließen vor der Tatsache, daß die Politik einiger weniger Leiden für
so viele schafft - und steigende Kosten für uns alle.
Wir können dieser umfassenderen Realität nicht entfliehen.

Aber die

Bedrängnis, die uns hier ruft, die Lage des kamputscheisehen Volkes, ist
beispiellos.
Denn die Zukunft des kamputschei sehen Volkes, sa'ner gesamten Kultur,
liegt auf der Waagschale.

Wenn sich die Bedingungen dort nicht ändern,

wird wenig von Kamputschea übrigbleiben - sein Volk zerstreut, sein Land
bewohnt von anderen.
Mit genügend Hilfsmitteln, mit der engen Zusammenarbeit aller
Betroffener und mit anhaltender Anstrengung können wir vielleicht erleben, daß
es das kamputscheisehe Volk schafft - von schier endloser Not hin auf eine
Zukunft in Hoffnung und Erwartung.

+ + + + +

- 7 -

�Wirt/choft

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

26

BOTSCHAFTER HORMATS: HANDEL - DAS ZENTRALE THEMA DES
GIPFELTREFFENS IN VENEDIG
- Von John J. Harter, US-Amt für Internationale Kommunikation

WASHINGTON - (AD) - Fragen der Handelspolitik werden nach Aussage des
Stellvertretenden Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsgespräche
das zentrale Thema des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs der
wichtigsten Industrieländer sein, das am 22. und 23. Juni in Venedig stattfinden wird.
"Wir werden unsere Aufmerksamkeit sicherlich auf die Tatsache richten,
daß die Regierungen vor der Notwendigkeit stehen, protektionistische Maßnahmen zu vermeiden und die Abkommen zu verwirklichen, die voriges Jahr bei
der Runde der Handelsverhandlungen in Tokio in gutem Glauben geschlossen
wurden", bemerkte Botschafter Robert Hormats vor Pressevertretern am 20. Mai
1980 in Washington.

Die

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�Die Außen- und Finanzminister der Industriestaaten werden sich vom
3. bis 4. Juni am Sitz der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) treffen, um diese Fragen zu besprechen.

Danach

wird, so Hormats, die Tagesordnung für das Gipfeltreffen im einzelnen festgelegt werden.

"Ich bin jedoch sicher, daß wir unsere Aufmerksamkeit den positiven
Anpassungen widmen werden", stellte er fest, wobei er eine Formulierung gebrauchte, die jene Politik zusammenfaßt, die die Regierungen bei der Suche
nach der Vermeidung von Handelsbeschränkungen angesichts rasch steigender
Importe verfolgen können.

"Im wesentlichen werden die Staats- und Regierungschefs wohl ihren Segen zu den Abkommen der Tokio-Runde geben und versuchen, in die Bewegung zur
Handelsliberalisierung etwas mehr Schwung zu bringen," erklärte Botschafter
Hormats, der wahrscheinlich selbst beim Gipfeltreffen in

Venedig anwesend

sein wird.

Hormats zufolge wäre es der internationalen Gemeinschaft durchaus möglich, eine umfassende Runde von Handelsverhandlungen anzusetzen, die sich
innerhalb von zwei oder drei Jahren vornehmlich auf den Abbau von Handelsschranken bei den Dienstleistungen konzentriert.

"Die Vereinigten Staaten

exportieren derzeit jährlich im Werte von ungefähr 70 Milliarden Dollar im
Bereich der Dienstleistungen, nimmt man die Rückführung von Gewinnen aus Investitionen und ähnlichen Erträgen dazu", so stellte er fest.

"Und diese

Summe, die rasch zunimmt, wäre sogar noch beträchtlich höher, wenn nicht
so viele Maßnahmen der Regierung im Wege stünden."

Die wichtigsten "Exporte" im Bereich der amerikanischen Dienstleistungen
umfassen das Bankwesen, Versicherungen, Maschinenbau, Leasing, Hotels-,
Luft- und Seetransport.

Obgleich die amerikanische Gesetzgebung, die zur

amerikanischen Teilnahme an der Tokio-Runde ermächtigte, Verhandlungen forderte, um die Hindernisse im Bereich des Dienstleistungsverkehrs abzubauen,

- 2 -

�abzubauen, ist in diesem Bereich nur wenig geschehen. .
Hormats teilte mit, daß seine Behörde sehr eng mit den betroffenen
amerikanischen Industrien zusammenarbeitet, um die Hindernisse, vor denen
sie auf anderen Märkten stehen, so genau wie möglich zu identifizieren.
Außerdem "versuchen wir, eine passende Grundlage mit den anderen Ländern zu
schaffen, um in diesem Bereich Verhandlungen in Gang zu bringen."
Hormats nach untersuchen die Vereinigten Staaten auch, was im internationalen Rahmen getan werden kann, um die Handelsverzerrungen zu vermindern, die sich aus den Restriktionen der Regierung gegenüber ausländischen
Investitionen ergeben. Zum Beispiel können die Vorbedingungen für eine Zustimmung zum Bau neuer Produktionsstätten den Interessenten entmutigen, indem auf ausschließliche oder übertriebene Beteiligung lokaler Zulieferer
bestanden wird, die vielleicht gegenüber Zulieferern von außen nicht wettbewerbsfähig sind.
Hormats erklärte, daß einige Probleme hinsichtlich Dienstleistungshandel
und Investitionsrestriktionen aufgrund der neuen internationalen Regeln in
absehbarer Zeit gelöst werden können, die im Verlauf der Tokio-Runde entwickelt wurden, um Handelsschranken zu verringern, die auf Zollparitäten beruhen.
Der Subventionskodex im besonderen wird es der internationalen Gemeinschaft ermöglichen, Anschuldigungen zu untersuchen, ob eine Regierung Einfuhren dadurch blockiert, daß sie ihren
wirtschaftliche

inländischen Industrien besondere

Vorzüge gewährt.

Hormats unterstrich, daß die Anwendung der Kodizes der Tokio-Runde gut
vorangeht - trotz der unvermeidlichen Probleme, die mit der Errichtung neuer
Institutionen und der Einführung neuer Verfahren verbunden sind.
Auf eine diesbezügliche Frage bestätigte Hormats, daß die Regierung ermächtigt ist, mit der amerikanischen Stahlindustrie oder europäischen Re- 3 -

�Regierungen in Verhandlungen einzutreten, um eine Lösung für die Beschwerde
zu finden, europäische Hersteller hätten Stahl zu ungerechtfertigt niedrigen
Preisen auf den amerikanischen Markt geworfen.

Das Handelsministerium unter-

sucht gegenwärtig die Beschwerde.
Auf eine andere Frage antwortete Botschafter Hormats, daß die Regierung
Carter zu dem Schluß gekommen sei, Restriktionen für importierte japanische
Autos würden lediglich den Inflationsdruck in den Vereinigten Staaten verstärken, aber die Arbeitslosigkeit in der amerikanischen Automobilindustrie
nicht merklich verringern.

+ + + + +

�I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

26

SCHIEFERÖL - AMERIKAS UNGEHOBENER ENERGIEREICHTUM

- (AD) - Auf dem Territorium der Vereinigten Staaten liegen 73
Prozent aller bekannten förderfähigen ölschiefervorkommen in der Welt. Sie
machen mehr als das Doppelte dessen aus, was an konventionell erschließbaren
Ölvorkommen bekannt ist. Die Technologie zur Gewinnung des Schieferöls mit
oberirdischen Extraktionsverfahren ist nunmehr so weit entwickelt, daß
einer kommerziellen Anwendung nichts mehr im Wege steht. Dies gab jetzt
das amerikanische Energieministerium bekannt.
Armand Hammer, der Chef der "Occidental Petroleum Corporation",
erklärte in einer Anhörung vor dem US-Kongreß, daß bei angemessenen
finanziellen Anreizen die SchieferölProduktion 1982 oder 1983 aufgenommen
werden könne. Mehr als 40 amerikanische Firmen sind gegenwärtig auf dem
Ölschiefersektor engagiert.

Da gegenwärtig die Produktionskosten für ein

Faß (ca. 159 Liter) öl aus Ölschiefer - je nach dem angewandten Verfahren
und einschließlich der Investitionen - auf 15 bis 35 Dollar angesetzt werden,
ist die Wettbewerbsfähigkeit mit Importöl bereits erreicht.

Bedenken

wegen möglicher Umweltschäden sind etwas in den Hintergrund getreten, weil

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�weil die Forschung inzwischen die Auswirkungen der Ölschiefererschließung
genauer abschätzen und definieren kann.
Neue Gesetze sehen bereits Steuererleichterungen und Investitionskredite für die Produktion von Schieferöl vor; außerdem sollen noch im
laufenden Haushaltjahr 2,2 Milliarden Dollar Regierungsgelder dazu beitragen,
"daß die Synthesebrennstoff-Industrie vom Boden kommt", wie es ein Sprecher
des Energieministeriums formulierte.

Dem Kongreß liegen noch weitere

Gesetze zur Erörterung und Verabschiedung vor, die die für direkte Kredite
und andere Anreize bestimmten Summen noch um Milliarden Dollar erhöhen
würden.
Die im letzten Jahrzehnt erarbeiteten Grundlagen für eine kommerzielle
Nutzung des Ölschiefers führten dazu, daß private Firmen ihr Interesse gegenwärtig auf ein 41 400 qkm großes Gebiet in den Grenzbreichen der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming konzentrieren. Dort liegt Ölschiefer
bester Qualität - aus zwei Tonnen Gestein dürfte mindestens ein Faß öl
zu extrahieren sein. Das Einzugsgebiet des Green River in Colorado, eine
nur spärlich besiedelte Region, enthält mehr öl als die bekannten Erdölfundstätten des gesamten Mittleren Ostens. In den reichhaltigsten ölschieferschichten allein ist öl gebunden, das etwa 83 Milliarden Tonnen
ergeben würde.
Ölschiefer ist ein toniges Sedimentgestein, in dem organische
Bestandteile pflanzlicher und tierischer Herkunft KohlenwasserstoffVerbindungen - Kerogen genannt - gebildet haben.

Schlamm, Vulkanasche und

Gesteinsschutt vom Boden prähistorischer Seen sind darin verfestigt.
Gestein ist etwa 50 Millionen Jahre alt.

Das

In seiner Zusammensetzung ist

das Kerogen dem Petroleum ähnlich, und es kann dem Ölschiefer entzogen
werden, wenn man ihn auf 500 Grad Celsius erhitzt.
zu 70 Prozent aus öl

Das Produkt besteht

zu 10 Prozent aus Gas und Leichtöl und zu 20 Prozent

aus koksähnlichem Material.
Das
- 2 -

�Das Gestein kann auf verschiedene Weise "aufbereitet" werden»zum
Beispiel durch unterirdisches Verschwelen an Ort und Stelle mit "kontrolliertem
Verbrennen" nach dem Aufbrechen kerogenhaltiger Schichten.

Oder es wird

in einer Retorte durch Verbrennen der Koksrückstände in direktem Kontakt
mit dem Ölschiefer, durch von außen zugef'ührte heiße Gase oder mittels
Wärmeübertragung, nämlich durch direkten Kontakt des ölhaltigen Gesteins
mit Materialien wie vorgeheizten Keramikkugeln, verschwelt.

Das so

gewonnene öl kann in Pipelines transportiert und meist ohne weitere Aufbereitung
zur Kesselheizung verwendet werden.

Oder man gewinnt in Raffinerien daraus

hochwertiges Benzin, Dieselöl und Düsentreibstoffe.

Die Veredelungskosten

liegen bei fünf bis sieben Dollar pro Faß - das sind zwei Dollar pro Faß
mehr als für die Veredelung von Importöl.
Die amerikanische Industrie hat bisher mindestens eine Milliarde
Dollar in den Ölschiefer investiert und insgesamt fast 70 000 Tonnen öl
produziert - in erster Linie aus Ölschiefer vom Piceane Creek-Becken in
Colorado. Dabei werden sowohl die Verfahren unterirdischer Verschwelung
als auch der Verschwelung in oberirdischen Retorten angewandt. Bei der
letztgenannten Technologie belaufen sich die Investitionskosten auf
schätzungsweise 1,5 Milliarden Dollar für eine kommerzielle Anlage mit
einem Tagesausstoß von 6 700 Tonnen öl, bei Anwendung der unterirdischen
Verschwelung auf 800 Millionen Dollar für einen Betrieb ähnlicher Größenordnung.
Die Firma "Union Oil", die sich schon vor 50 Jahren Land, öl- und
Wasserrechte zu sichern begann, verfügt heute über genügend Reserven, um
für einen Zeitraum von 25 Jahren täglich 20 000 Tonnen öl zu produzieren.
Gegenwärtig baut das Unternehmen die erste von fünf Anlagen, die einen
Tagesausstoß von je 10 000 Faß (ca. 1 330 Tonnen) öl haben könnten. Die
erste Retorte, die etwa 170 Millionen Dollar kosten wird, soll 1983
betriebsbereit sein.
Die

- 3 -

�Die Retorte ist ein konisches Bauwerk von 18 m Höhe
messer an der Basis und 11 m Weite im oberen Teil.

3 m Durch-

Der geförderte Öl-

schiefer wird unter der Erde zerkleinert und ausgesiebt und dann der Retorte
zugeführt,in der ihn von oben eingeleitete heiße Gase erhitzen.

Das

als Gas freiwerdende Kerogen wird zu öl kondensiert, der Ölschieferrückstand gekühlt und über Rutschen zum 300 m tiefer gelegenen Talgrund
gebracht.

Dort wird er verteilt, verfestigt, den Bodenkonturen entsprechend

aufgeschüttet und begrünt.

Das zur Kühlung, öl gewinnung und Staubbindung

verwendete Wasser wird zurückgewonnen.
Das "modifizierte in-situ"-Verfahren der Firma "Occidental Oil"
macht es erforderlich, 15 bis 25 Prozent des Gesteins an die Oberfläche
zu bringen, um im Berg Raum für unterirdische Verschwelungskammern zu
schaffen. Diese werden so ausgehoben, daß das Gestein als Tragepfeiler
stehen bleibt. Dann läßt man die Decke mittels Sprengladungen einstürzen,
um die Kavernen mit gebrochenem Ölschiefer zu füllen, der dann entzündet
wird. Das Kerocen sickert in Bodentröge und wird an die Oberfläche
gepumpt. "Occidental" baut z.Zt. die siebte und achte Retorte. Retorte
Nr. 6 hatte die Höhe eines 30 Stockwerke hohen Bauwerks» Bis Juli 1979
waren dort 6 600 Tonnen öl produziert worden, wobei 40 Prozent des im
Gestein enthaltenen Öls gewonnen wurden. Jetzt hofft man, diesen Anteil
auf mindestens 70 Prozent steigern zu können. Bei Aufnahme der vollen
großtechnischen Produktion wird "Occidental" einen Ausstoß von 1,82 Millionen
Faß (ca. 246 000 Tonnen) im Jahr haben und 1 600 Leute beschäftigen.
"Geokinetics" wendet für oberflächennahe Vorkommen einen horizontalen
unterirdischen Verschwelungsprozeß an. Das Unternehmen berichtet, daß es
damit möglich sei, 70 Prozent des im Ölschiefer enthaltenen Kerogens zu
extrahieren. "Superior Oil" wiederum arbeitet nach einem sog. geschlossenen
System. Ein Teil der Aufbereitung, z.B. das Zerkleinern zum Entziehen von
Natriumbiokarbonat, erfolgt unterirdisch. Nach der Extraktion des Kerogens
in oberirdischen Retorten wird der Restschiefer ausgelaugt, um Aluminium-

�Aluminiumhydroxid und restliches Natrium herauszuholen. Der Abfall wird
dann auf 50 Prozent seines Volumens verfestigt und in die unterirdischen
Kavernen zurücktransportiert. Für das "Colony Project" wurde ein Verfahren
entwickelt, bei dem der Ölschiefer mit heißen Gasen vorgeheizt wird. Die
Verschwelung erfolgt dann in einer Retorte mittels Tausenden von kieselgroßen
heißen Keramikkugeln.
Einem Bericht des Energie-Instituts von Colorado zufolge ist der
erforderliche Wasserbedarf(Wassermenge im Verhältnis zur produzierten
ölmenge entspricht 2:1) mit dem Wasservorkommen in dem betreffenden Gebiet
zu vereinbaren. Das Wasser würde sogar für einen Tagesausstoß von ca.
274 000 Tonnen ausreichen. Salze, Spurenelemente und bestimmte andere
Beimengungen von den Überresten des Ölschiefers und dem im Prozeßverlauf
benutzten Wasser dürfen nicht ins Grundwasser gelangen.
Bei der Schieferölgewinnung kommt es außerdem zur Staubentwicklung
und der Einleitung unerwünschter Gase in die Atmosphäre.

Die Industrie

muß erst noch den Nachweis führen, daß diese Emissionen so gering gehalten
werden können, daß sie die Maximalwerte der bestehenden Gesetze zur Luftreinhaltung nicht überschreiten.
Die Deponie von verbrauchtem Ölschiefer stellt bei den oberirdischen
Aufbereitungsverfahren ein enormes Problem dar, weil dieses Material
voluminöser ist als das gebrochene Gestein und deshalb die unterirdischen
Kavernen dafür nicht ausreichen. In einigen Studien kam man zu dem Schluß,
daß für einen Betrieb mit 13 700 Tonnen Tagesausstoß zusätzlich zur
unterirdischen Abfalldeponie mindestens 12 Hektar Lagerfläche pro Jahr benötigt werden. Lokale Behörden wie Bundesbehörden schreiben Landschaftsschutzmaßnahmen und Rekultivierung vor. Der Ölschieferabfall hat allerdings
eine hohe Salzkonzentration und enthält zu wenig Nährstoffe. Dennoch
berichtet eines der Unternehmen von erfolgreichen Versuchen der Rekultivierung
und sogar des Anbaus von Feldfrüchten auf dem Abfallboden.
Einer
- 5 -

�Einer Studie des Forschungsdienstes der amerikanischen Kongreßbibliothek zufolge ist sowohl unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit
als auch des Umweltschutzes das unterirdische Verschwelungsverfahren der
oberirdischen Aufbereitung in Retorten vorzuziehen.

Der "in-situ"-Prozeß

erfordere, so heißt es darin, weniger Arbeitskräfte, verbrauche weniger
Wasser, ergebe eine geringere Umweltbelastung und führe zu merklich kleineren
Abfallmengen.

Jedoch seien in bezug auf manche Aspekte des Umweltschutzes

und der Arbeitssicherheit noch keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden.
Teilweise bedingt durch die möglichen Umweltbelastungen sind für ein
Unternehmen, das einen Betrieb zur Verwertung von Ölschiefer anrichten will,
zur Zeit mindestens 100 verschiedene Genehmigungen erforderlich.

In

jüngster Zeit verabschiedete und einige noch anhängige neue Gesetze dürften
jedoch dazu beitragen, daß die Vorschriften standardisiert, die Bürokratie
in Grenzen gehalten und der Wirtschaft der Weg zum Aufbau dieser Industrie
erleichtert wird.

+ + + + +

�UJiz/cn/choft
und Technik

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Mai 1980

26

WASSERSTRAHL STATT BOHRHAMMER
Fahrbare Hydraulikaggregat vereinfacht Straßenreparaturen

- (AD) - Mit der Kraft eines Wasserstrahls aus rotierender Düse sind
Reparaturen von schadhaften Straßenbeton-Decken einfacher und billiger durchzuführen als nach den herkömmlichen Verfahren.

Dies ergaben Feldtests, über

die kürzlich die Nationale Forschungsstiftung der USA (NSF) berichtete. Sie
hatte zusammen mit der amerikanischen Bundesstraßen-Bauverwaltung (Federal
Highway Administration) die mehrjährigen Forschungen finanziert, die zur
Entwicklung des Verfahrens führten.

Wissenschaftler des "Illinois Institute

of Technology" (IITRI) in Chicago, der Universität von Missouri in Rolla und
des "Georgia Institute of Technology" in Atlanta waren maßgeblich an den
Studien beteiligt und führen derzeit die Feldversuche durch.
Bei Anwendung der bisher üblichen Verfahren verlangen großflächige
Straßenreparaturen zahlreiche Arbeitsgänge:

Mit einer Diamantsäge wird der

Umriß der Flächen für die Betonerneuerung angeschnitten.
- gewöhnlich mit Borhämmern - aufgebrochen werden.
wird mit starkem Gebläse abgeräumt.

Dann muß der Beton

Was sich nicht löst,

Die Stahlarmierung muß dann mit einem

Sandstrahlgebläse gesäubert werden, ehe man den neuen Beton gießen kann.
Vieles

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Vieles davon mache, wie John A. Hilaris vom IITRI berichtet, das Wasserstrahl-Verfahren überflüssig.

Die Maschine besteht im wesentlichen aus einer

Lade-Einheit, in der der hohe Druck für das Wasser aufgebaut wird, das dann
durch ein Rohr zu einer Düse strömt.

Diese rotiert in einem bestimmten An-

stellwinkel, damit der "Bohrstrahl" wirksam angesetzt werden kann. Auf Rädern montiert, ist die Maschine an jeder beliebigen Stelle einsetzbar.
Die Bohrkraft des Wasserstrahls ist auf einen sehr geringen Abstand beschränkt, so daß die Düse auf mindestens 5 cm und näher an den Beton herangebracht werden muß.

Würde sie nicht rotieren, wäre die Bohr- und Schneide-

wirkung auf einen zu engen Bereich begrenzt, um tiefer in den Beton eindringen und ihn aufbrechen zu können.

Durch das Rotieren des Düsenkopfes wird

jedoch der "Kanal", von dem aus der Beton aufgebrochen wird, breit genug gehalten, um auch die tieferen Schichten zu erreichen.

Dabei sammeln sich

kleinere Partikel im Wasser, größere Bruchstücke werden ausgeworfen und später
beseitigt.

An der Betonarmierung kommt es bei dieser Prozedur nicht zu ir-

gendwelchen Beschädigungen.

Die Stäbe werden nur freigelegt; Nachschweißen

oder andere Reparaturen erübrigen sich.
Schadensursache ausgeschaltet.

Damit ist bereits eine künftige

Denn bisher zeigte sich immer wieder, daß im

Bereich schon einmal reparierter Armierungsstäbe fortlaufend neue Straßenschäden auftreten.
Den Feldtests waren lange Serien von Laborversuchen vorausgegangen: Man
mußte den günstigsten Durchmesser der Wasserd'üse und den wirksamsten Austrittswinkel für den Wasserstrahl, den optimalen Wasserdruck und die beste Arbeitsgeschwindigkeit ermitteln. Der Wasserdruck ist exakt kontrollierbar - ein
wichtiger Faktor für den Schutz der Stahlarmierung im Beton. Beim Aufbrechen
des Betons gibt es so gut wie keine Staubentwicklung, die Geräuschentwicklung
ist unvergleichlich geringer als bei allen anderen Methoden. Das Verfahren
kann außerdem automatisiert werden.
Der Wasserstrahl läßt genügend Feuchtigkeit zurück, um die neue Betondecke sofort eingießen zu können.

Ein weiterer Vorteil sei, wie Hilaris be-

tont, die Tatsache, daß es praktisch keinen Verschleiß von Werkzeugen gebe,
- 2 -

�gebe, weil nur Wasser mit dem Beton in Berührung komme.

Im ersten Feldtest

- Reparatur der Betondecke einer Brücke in einem Vorort von Chicago - wurde
mit einem Wasserstrahl gearbeitet, der unter einem Druck von 3160 kg/qcm stand.
Der Verlautbarung der NSF zufolge liegen die Kosten bei Verwendung einer 110
PS-Maschine für das Aufbrechen einer 7,5 cm dicken Betondecke bei 14 Dollar
pro Quadratmeter (sie würden sich mit einer 220 PS-Maschine auf 7,6 Dollar
verringern), während bei Anwendung der herkömmlichen Verfahren 17,8 Dollar
anzusetzen sind.

Die amerikanische Bundesstraßen-Baubehörde beabsichtigt,

weitere Feldtests mit Wasserstrahlaggregaten durchführen zu lassen.

Auf dem gleichen Arbeitsprinzip basieren auch Versuche zum Schneiden von
Granit und anderem harten Gestein.

Schon im Januar 1979 gelang es Wissenschaft-

lern des IITRI und der Universität von Missouri in Rolla in einem Steinbruch
bei Elberton (Georgia), mit der Wasserkanone drei Meter tief ins Gestein einzudringen und Granitblöcke herauszulösen.

Mit einer 110 PS-Maschine lassen

sich bei Anwendung des Wasserstrahl-Verfahrens pro Stunde 2,2 qm Granit schneiden, während die durchschnittliche Leistung nach der bisher üblichen Methode
knapp 1 qm/Stunde beträgt.

Im Juni 1980 sollen Experimente an Elberton-Granit

mit einer 150 PS-Wasserkanone (bei einem Wasserdruck von ca. 2800 bar) fortgesetzt werden.

Gelenkte Sprengkraft

Forschungsingenieure der Universität Maryland und der Martin Marietta
Laboratories in Baltimore (Maryland) konnten außerdem mechanische Details der
Prozesse aufklären, die bei der Gesteinszertrümmerung mit Sprengladungen vor
sich gehen.

Damit schufen sie eine Grundlage für die Entwicklung wirtschaft-

licherer und umweltfreundlicherer Sprengverfahren.

Denn zum einen wird es

bei Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse möglich, einigermaßen gleichgroße
Trümmerstücke zu gewinnen und die Abfallmenge an kleinen Teilen zu verringern,
zum anderen die Zahl und Stärke von Sprengungen zu reduzieren, wodurch weniger
Bodenerschütterungen und geringere Staubmengen verursacht werden.
Die
- 3 -

�•

Die Forschergruppe (W.L. Fourney, D.B. Barker und D.C. Holloway von der
Universität Maryland sowie S.R. Winzer, M.A. Ozol, V.l. Montenyohl und A.
Ritter von den Martin Marietta Laboratories) wies nach, daß die Gesteinszertrümmerung bei einer Sprengung nicht, wie bisher angenommen, vom Volumen der
unter hohem Druck stehenden Gase, sondern in erster Linie von den von der
Explosion ausgelösten Druckwellen und Spannungszustä'nden abhängig ist. Die
Hochdruckgase führen nur im unmittelbaren Umfeld des Bohrlochs, in dem die
Sprengladung zur Explosion gebracht wurde, zum Aufreißen des Gesteins.
Um einheitlichere Felsfragmente und Fragmente bestimmter Größe zu bekommen, sind den neuen Erkenntnissen zufolge jeweils ganz bestimmte Anordnungen für die Bohrlöcher, unterschiedliche Sprengstoffmengen für die einzelnen Bohrlöcher oder veränderte Zeitfolgen für die Detonation der Sprengladungen erforderlich.

Nach Aussage der Wissenschaftler leistet den Haupt-

beitrag zum Aufbrechen des Gesteins die Scherwirkung an den Kanten bestehender Gesteinsverbindungen oder an Verwerfungsstellen unter dem Einfluß der
Explosionsdruckwellen.

Die Tatsache, daß die Bildung von Rissen entsprechend

der Geschwindigkeit der Druckwellen erfolgt, erfordere gewisse Änderungen
hinsichtlich der Festlegung der optimalen Zeitfolge für den Ablauf einer Explosionsserie.
Die zahlreichen Labor- und Feldversuche, bei denen u.a. mit den modernsten
Fotomethoden zur Sichtbarmachung von Spannungs- und Druckwellen zunächst in
Plastikmodellen, dann in kleinen und größeren Steinplatten gearbeitet wurde,
haben auch unkorrektes Funktionieren der von der Industrie angebotenen Sprengkapseln aufgedeckt. Das bedeutet, daß für Steinbrucharbeiten nicht die optimalen Verzögerungszeiten bei einer Sprengserie berechnet werden können,
weil die wenn auch nur auf Tausendstel Sekunden Zeitverzögerung eingestellten Kapseln nicht in der angenommenen Weise zünden. Die amerikanischen Hersteller wurden bereits darauf aufmerksam gemacht. Sie haben inzwischen begonnen, die Qualitätskontrolle zu verbessern und ihre Produkte von der Konstruktion her zu überprüfen.
Die
- 4 -

�Die Forschungen wurden, wie im Falle der hydraulischen Beton- und Gesteinszertrümmerung, von der National Science Foundation finanziert.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Beseitigung der Hindernisse bei der Kambodscha-Hilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Stellvertretenden US-Außenministers in Genf -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Hormats: Handel - das zentrale Thema des Gipfeltreffens in Venedig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von John J. Harter, US-Amt für Internationale Kommunikation -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schieferöl - Amerikas ungehobener Energiereichtum&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wasserstrahl statt Bohrhammer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fahrbares Hydraulikaggregat vereinfacht Straßenreparaturen -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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BrU

Information
und
Dokumentation

ULag

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

4. Juni 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter:

Kein Abzug amerikanischer Truppen aus Europa

- Wortlaut des CBS-Fernsehinterviews "Face the Nation" (c) 1980 CBS, Inc.
Carter gegen europäische Nahost-Initiative
- Auszüge aus dem Interview mit "Cable News Network" -

HINTERGRUNDMATERIAL
Rentabilität der Produktion synthetischer Brennstoffe
Real kosten noch schwerer abschätzbar - Auf längere Sicht Vorteil gegenüber Erdöl
- Von James R. Hardcastle -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I

3n

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Juni 1980

27

PRÄSIDENT CARTER: KEIN ABZUG AMERIKANISCHER TRUPPEN AUS EUROPA
- Wortlaut des CBS-Fernsehinterviews "Face the Nation" (c) 1980 CBS, Inc.

Präsident Jimmy Carter hat am
1. Juni 1980 in der Fernsehreihe
"Face the Nation" der amerikanischen
Fernsehgesellschaft CBS zu wirtschaftsund außenpolitischen Fragen Stellung
genommen und sich dabei unter anderem
gegen einen Abzug amerikanischer Truppen
aus Europa gewandt. Mit freundlicher
Genehmigung von CBS geben wir nachfolgend
das Interview im vollen Wortlaut in
deutscher Übersetzung wieder.

FRAGE: Herr Präsident, auf dem gleichen Stuhl, auf dem Sie jetzt
sitzen, hat vorige Woche ihr wichtigster Berater für Wirtschaftsfragen,
Charles Schultze, gesessen und gesagt, die Rezession sei den Anzeichen
nach beträchtlich steiler als angenommen, und die Arbeitslosigkeit werde

Postfach 20 0 3 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�werde wahrscheinlich höher sein als angenommen.
Ist Ihre Regierung bereit, Krisenpläne dafür auszuarbeiten, was getan
werden muß, wenn die Rezession so schlimm wird, wie einige Wirtschaftler es
voraussagen?
ANTWORT:

Ja, wir werden natürlich die Verhältnisse in der Wirtschaft

für den Rest des Jahres und darüber hinaus tagtäglich beobachten.

Wir sind

allerdings der Auffassung, daß unsere grundlegende Verpflichtung zur
Bekämpfung der Inflation die höchste Priorität behalten muß und daß wir die
Zinsen und die Inflationsrate senken müssen.

Hier gibt es bereits gute

Anzeichen.
Als Ergänzung dazu halten wir jedoch unsere gut funktionierenden
Programme der Bundesregierung aufrecht, um solchen Familien in jenen
Gemeinden zu helfen, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind, und wir
werden auch die Arbeitsbeschaffungsprogramme und die Wohnungsbauprogramme
sowie die Arbeitsbeschaffungsprogramme der Kommunen fortsetzen und verstärken, die dazu beitragen werden, die Rezession abzuschwächen, die wir
haben und die rascher gekommen ist,als wir erwartet haben, die aber nach
unserer Auffassung nicht lange dauern wird.
ZWISCHENTEXT: Von CBS News sehen Sie ein unmittelbares und nicht
vorgeprobtes Interview mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten im
Rahmen des Programms Face the Nation.
Präsident Carter wird von den CBS-Korrespondenten im Weißen Haus,
Lesley Stahl; dem Chef des Washingtoner Bureaus der Nachrichtenagentur
Associated Press (AP), Walter Mears,und von dem Moderator und CBS-Korrespondenten George Herman befragt werden.

Das

�Das Programm Face the Nation ist von CBS produziert und die Gesellschaft
ist allein verantwortlich für die Auswahl des heutigen Gastes und der
heutigen Befrager.
FRAGE:

Herr Präsident, ich möchte nicht auf diesem Punkt herumreiten,

aber könnten Sie uns eine Vorstellung geben, welcher Art die Anreizprogramme
sind, die Sie in Reserve halten, um sie anzuwenden, wenn sich die Rezession
als schlimmer und anhaltender erweisen sollte als erwartet?
ANTWORT: Zunächst einmal haben wir im Rahmen des Konzepts eines
ausgeglichenen Haushaltsvoranschlages und auch einer starken Verteidigung
keine jener Programme beschnitten, die mit den Alten zu tun haben, die
mit Jugendarbeitslosigkeit zu tun haben usw. Wir rechnen sogar in diesem
Sommer und im Sommer 1981 mit einer Million (neuer) Arbeitsplätze für
benachteiligte Jugendliche im Alter von 15 Jahren und darüber. Das wird
dazu beitragen, die Spannungen zu mildern, die in einem Wohngebiet herrschen
können, das von der Rezession hart betroffen wird.
Darüber hinaus kommt man nach meiner Überzeugung der Rezession am
besten mit dem bei, was wir mit unserer Inflationsbekämpfungspolitik bereits
getan haben - die Zinsen gehen stark zurück -,und ich kann Ihnen in diesem
Programm hier,ohne befürchten zu müssen, falsch zu liegen, voraussagen, daß
wir im Sommer im Gefolge dieses starken Rückgangs der Zinssätze einen
starken Rückgang der Inflationsrate erleben werden.

Das würde es erleichtern,

Häuser zu bauen und zu verkaufen, Autos zu bauen und zu verkaufen und das
Vertrauen des Verbrauchers auf längere Sicht wiederherzustellen.
Wir verfügen darüber hinaus noch über ein neues Programm.

Es ist

die einzige große neue innenpolitische Initiative, die wir dem Kongreß
vorgelegt haben, um zwei Milliarden Dollar über das hinaus bereitzustellen,
was bisher für die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zur Verfügung
stand.

Das Programm ist für jene, die geneigt sein könnten, die Oberschule

- 3 -

�Oberschule abzubrechen, und ihnen Arbeitsplätze zu verschaffen, vor allem
in der Privatindustrie, und eine Ausbildung, um diese Arbeitsplätze behalten
zu können.
Und schließlich versuchen wir uns vor zu einschneidenden Kürzungen auf
dem innenpolitischen Sektor durch den Kongreß zu bewahren, etwa auf dem
Gebiet der Arbeitsplatzbeschaffung durch die Gemeinden.

Und letztlich

haben wir auf dem Gebiet des Wohungsbaus die Hypothekengarantien für mit
Bundesmitteln unterstützte Häuser auf 240 000 Häuser in diesem Jahr und
auf 300 000 Häuser im Voranschlag für das Haushaltsjahr 1981 erhöht, plus
100 000 weitere im Rahmen des sogenannten Programms 235. Derartige Programme
werden dazu dienen, das Problem der Rezession zu mildern, aber mir wäre
natürlich auch lieber, wir hätten keine Rezession.
erleben.

Wir werden jedoch eine

Sie ist rascher und tiefgreifender gekommen als wir dachten.

In

der Wirtschaft sind bereits korrigierende Kräfte am Werk.
FRAGE:

Herr Präsident, in der abschließenden Debatte im Wahl kämpf 1976

erklärte Gerald Ford, daß die Öffentlichkeit sein Verhalten gegenüber der
Wirtschaft begreifen und schätzen werde.

Sie sagten, daß er sich schämen

sollte, bei 7,5 Millionen Arbeitslosen eine solche Erklärung abzugeben.
Sie sagten ferner, Arbeitslosigkeit und Inflation seien sehr schwere Anklagepunkte gegen die Ford-Administration.
Heute sind fast 7,3 Millionen Menschen arbeitslos,und die Inflation
ist schlimmer;als sie damals war. Warum sind das nicht ebenso schwere
Anklagepunkte gegen Ihre Administration?
ANTWORT: Es handelt sich um ein ernstes Problem. Wir stehen heute
vor völlig anderen weltweiten Umständen als vor vier Jahren. Erstens
konnten wir vor vier Jahren von einer sehr stabilen öl Preisentwicklung
profitieren, die uns die OPEC auferlegte. In den letzten Monaten des
Jahres 1974 und im ganzen Jahr 1975 erlebten wir nur sehr geringe Anstiege

- 4 -

�Anstiege des ölpreises.

Seit über einem Jahr sind die ülpreise auf welt-

weiter Basis um durchschnittlich 10 Prozent pro Monat gestiegen.
ölpreise haben sich in einem Jahr verdoppelt.

Die

Und unsere Wirtschaft muß

sich jetzt diesen Veränderungen anpassen.
In den letzten dreieinhalb Jahren haben wir netto 9,3 Millionen neue
Arbeitsplätze in unserem Lande geschaffen, und das ist bisher noch niemandem
gelungen.

Von diesen 9,3 Millionen Arbeitsplätzen erhielten beispielsweise

allein eine Million farbige Beschäftigte.

So haben wir die hohe Arbeitslosen-

rate abgeschwächt, die ich erbte, als ich im Januar 1977 mein Amt übernahm.
Und wir senken die Zinssätze.

Und wir werden, wie ich bereits gesagt

habe, erleben, daß die Inflationsrate im zweiten Halbjahr stark zurückgehen
wird und der Sommer eine gute Senkung bringen wird.
FRAGE: Herr Präsident, Sie haben in den meisten Ihrer Reden in jüngerer
Zeit von positiven Dingen gesprochen. In Ohio haben Sie am Donnerstag gesagt,
daß wir eine Wende in der Wirtschaft herbeigeführt haben. Sie betonen immer
wieder das, was Sie eben gesagt haben. Und doch nimmt die Arbeitslosigkeit
zu. Die jüngsten wirtschaftlichen Indikatoren sind die schlechtesten, seit
es sie gibt. Die meisten Wirtschaftler sagen, wir würden in eine tiefe
Rezession stürzen„
Warum sprechen Sie von all dem immer in so optimistischen Worten?
Fürchten Sie nicht um Ihre Glaubwürdigkeit?
ANTWORT: Nun, ich habe keinen Zweifel, daß wir in einer Rezession
stecken, die stärker ist, als wir angenommen haben - das habe ich schon
zweimal in dieser Sendung gesagt. Aber es gibt auch einige eingebaute
Korrekturfaktoren, die wir nutzen können, um die negative Auswirkung der
Rezession zu mildern - Senkung der Inflationsraten und der Zinssätze, was
den Wohnungsbau, den Automobil bau und die Verbrauchernachfrage beleben wird.

Wir
- 5 -

�Wir haben auch bessere Programme der Bundesregierung zu Buche stehen,
als wir in der Vergangenheit hatten, um den Familien zu helfen, die zeitweilig oder auf längere Zeit arbeitslos sind»

Ich habe beispielsweise den

Kongreß um rund 1,5 Milliarden Dollar ersucht - und ich habe keinen Zweifel,
daß er sie uns geben wird -, um jenen in der Autoindustrie Beschäftigten
zu helfen, die zeitweilig oder auf längere Zeit arbeitslos geworden sind.
Das ist nicht annähernd so gut wie eine Vollbeschäftigung, aber es hilft
den einzelnen Familien, die Folgen zu überwinden.
Wir können nicht voraussagen, wie schwer die Rezession sein wird.
Das kann niemand vorher sagen.

Aber wir werden das Problem von Tag zu

Tag verfolgen.

Und wenn es schlimmer und länger sein sollte, als wir

annehmen, dann

werden wir den Nachdruck auf jene Programme legen, die

bereits Wirkung zeigen,und wir werden den Kongreß einschalten.
FRAGE: Kein neues Programm? Wird es nur die Programme geben, die
in Kraft gesetzt wurden, bevor Sie wußten, daß die Rezession so schwer sein
würde?
ANTWORT:

Natürlich ist die Frage aufgetaucht, ob wir ein stimulierendes

Steuersenkungsprogramm einführen sollten.

Ich sehe keine Aussichten für

die Einführung eines stimulierenden Steuersenkungsprogramms in diesem Jahr,
Aber wir werden etwas tun, wenn wir übertriebene Bundesausgaben
kürzen können in Übereinstimmung mit dem Voranschlag für einen ausgeglichenen
Haushalt, den ich dem Kongreß vorgelegt habe, und wenn ich sicher bin,
daß die Steuersenkung ihrer Natur nach nicht inflationär sein wird, dann werden
wir damit beginnen, eine Steuersenkung vorzubereiten, deren Einführung 1981
vorgesehen werden kann, aber nicht in diesem Jahr.
FRAGE: Herr Präsident, in letzter Zeit legen Sie die Betonung auf
Sozial Programme,und Sie bekämpfen einen Vorschlag im Kongreß zur Erhöhung

�Erhöhung des Verteidigungshaushalts.

Dies taten Sie, obwohl die Chefs

des Gemeinsamen Stabes den ziemlich ungewöhnlichen Schritt unternahmen
und öffentlich dagegen Stellung bezogen. Wie können Sie angesichts dieser
Art Opposition Ihre Haltung hinsichtlich Erhöhung der Verteidigungsausgaben
rechtfertigen?

Und wie können Sie es dulden, daß die Chefs des Gemeinsamen

Stabes Ihnen gegenüber so viel Widersetzlichkeit an den Tag legen?
ANTWORT: Das ist nichts so Unerhörtes - und zudem völlig im Einklang
mit den Pflichten der Chefs des Gemeinsamen Stabes. Wenn man sie fragt:
Könnten Sie mehr Geld für die Verteidigung brauchen? Dann sagen sie "Ja".
Wenn Sie die Verantwortlichen für den Wohnungsbau, für Verkehr, für Erziehung
oder Soziales oder Gesundheit gefragt hätten: "Können Sie mehr Geld für
Ihre Programme brauchen?", dann hätten sie natürlich auch "Ja" gesagt. Das
beste ist, einen Blick auf die Vergangenheit zu werfen.
Während der acht Jahre republikanischer Regierung,bevor ich Präsident
wurde, gab es eine Nettominderung der Verteidigungsausgaben von 30 Prozent
in realen Dollar, 30 Prozent über einen Zeitraum von acht Jahren.

Ich bin

jetzt erst etwas über drei Jahre im Amt und wir haben einen sehr guten
Zuwachs...
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Aber Sie kämpfen für...
Wir...wollen Sie, daß ich Ihre Frage beantworte?
Ja, Sir. Aber...
Nun gut. Aber., ich werde auch die zweite Frage beantworten.

Unsere Verpflichtung gegenüber der Verteidigung hat stark zugenommen.

In

diesem Zusammenhang haben wir das Verteidigungsministerium leistungsfähiger
gemacht.

Wir machten Schluß mit der Verschwendung von wortwörtlich Milliarden

Dollar im Verteidigungsministerium - unter meiner Führung und auch unter

- 7 -

�unter der Führung von Harold Brown - und die Chefs des Gemeinsamen Stabes
stimmten dem zu.

Ich trage also eine wesentliche Verantwortung dafür,

daß das Verteidigungsministerium leistungsfähiger wurde und sorgfältiger
abgestimmt mit unseren Erfordernissen zur Aufrechterhaltung der Sicherheit.
Dies kann man nicht machen, indem man in einem Jahr riesige Ausgaben hat
und im nächsten Jahr wegen einer Überreaktion eine empfindliche Verminderung.Nicht nur haben wir uns für die nächsten fünf Jahre zu dem anhaltenden
Wachstum verpflichtet, mit dem wir in den letzten drei Jahren begonnen
haben, sondern ich glaube auch, daß der Kongreß ebenso wie zukünftige
Präsidenten die Ratsamkeit dieses Schrittes erkennen und dieses ständige Wachstum
aufrechterhalten werden; denn ungeachtet der Inflationsrate ist es oberste
Priorität, unserem Land eine angemessene Verteidigung, uns allen Sicherheit
zu geben.
FRAGE: Angesichts der Art und Weise, wie unsere Verbündeten mit uns
zusammengearbeitet haben - oder wie sie dies nicht getan haben: Wenn wir
Geld beim Verteidigungshaushalt einsparen wollen, können wir welches einsparen,
indem wir mehr Truppen aus Europa abziehen und unseren Anteil an den NATOStreitkräften verringern?
ANTWORT: Das möchte ich nicht befürworten. Wir haben etwa 300 000
amerikanische Soldaten in Europa, um die Verteidigung unserer Verbündeten
zu unterstützen und auch um unmittelbar die Verteidigung unseres eigenen
Landes gegen eine kommunistische Aggression durch den Warschauer Pakt aufrechtzuerhalten. Ich würde eine solche Reduzierung dieser Truppen überhaupt
nicht befürworten.
Was wir seit meinem Amtsantritt getan haben, war der Vorschlag für
eine Verpflichtung der NATO-Verbündeten zuäner wohlüberlegten Erhöhung
der Verteidigungsausgaben über einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg. Damit
im Einklag haben wir zusammen mit der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und anderen einem jährlichen Zuwachs von real drei Prozent

�Prozent zugestimmt - zumindest bei den Bewilligungen und tatsächlichen
Ausgaben im Verteidigungsbereich.

Unsere Verpflichtung in diesem Land

in Einklang mit dem ausgeglichenen Haushalt, den ich vorgelegt habe, und
mit dem Fünfjahres-Plan ist es, über die Inflationsrate hinaus bei den
Bewilligungen für die Verteidigung einen Realzuwachs von vier Prozent zu
haben.

Das ermöglicht uns eine starke Zusage zur Verteidigung, Vorhersag-

barkeit und eine gute Planung.

Und dieser Verteidigungshaushalt wurde -

ganz nebenbei gesagt - von den Chefs des Gemeinsamen Stabes, dem Verteidigungsminister und mir selbst entworfen und gebilligt.
FRAGE: Herr Präsident, könnten Sie uns sagen, wie im Fall der
amerikanischen Geiseln in Teheran eine Wendung der Lage herbeigeführt
wird?
ANTWORT:

Wir haben hier keinen angemessenen Fortschritt erzielt.

Was wir von Anfang an getan haben, war der Versuch, das Leben und die Sicherheit
dieser Geiseln zu schützen angesichts der ursprünglichen Bedrohung, sie
vor ein Gericht zu stellen und sie hinzurichten; weiterhin der Aufbau
einer weltweiten grundlegenden Unterstützung für unsere Position, die Verurteilung des Iran und die Forderung an die iranische Regierung, diese
Geiseln zu schützen und freizulassen; schließlich eine angemessene Verpflichtung
zur militärischen und sonstigen Stärke unseres eigenen Landes, um die
Geiseln zu schützen und ihre Freilassung zu beschleunigen.
Wenn Sie sich erinnern, so waren wir anfangs einfach um ihr Leben
aufs höchste besorgt, denn jene Drohungen hinsichtlich ihrer Sicherheit
und ihr Leben wurden offen und öffentlich ausgesprochen. Wir stehen vor
einem schrecklichen Beispiel von internationalem Terrorismus, dem Festhalten unschuldiger Menschen als gewaltsam entführte Opfer - unterstützt
und gutgeheißen von der Regierung des Iran. Nicht nur haben unser Land
und unsere Verbündeten diese Handlungsweise verurteilt und ergreifen
jetzt multilaterale Wirtschaftssanktionen gegen den Iran, sondern auch

- 9 -

�auch die moslemischen Länder selbst - zu denen der Iran gehört - haben
kürzlich den Iran aufgerufen, die Geiseln freizulassen und diese Krise zu
beenden.
9Jßi2norJ
FRAGE:

Und dennoch sagt das iranische Parlament jetzt, daß es Ende

Juli werden könnte, bevor dort über das Schicksal der Geiseln auch nur
diskutiert wird?
ANTWORT:

Es ist meine Hoffnung und mein Gebet, daß sie sehr bald

entlassen werden. Aber ich kann es nicht vorhersagen.
.

FRAGE: Halten Sie es noch immer für eine Krise, Herr Präsident?
Wenn ich durch meine Notizen schaue, so bemerke i c h , daß Sie vor ein paar
Monaten, jedesmal wenn Sie Besucher im Weißen Haus hatten, das Thema erwähnten
und es selbst zur Sprache brachten« Jetzt kommt es mir so vor, als würden
Sie es seltener erwähnen und weniger o f t von selbst darauf kommen . I s t es
noch immer eine Krise? Sollten wir noch immer täglich im Radio und Fernsehen
sagen: Heute i s t der 100. oder der 200. Tag - oder welcher es auch immer
ist?
'• ~zo' 9*&lt;52nj
;, nsi'fB\
«enin9rg9fl srbarnßir erb riß gnu-isbiol .s'rb bnu nß'il asb gnul
ANTWORT:

Ja,

rios ;n928fi

rrasJUfbs us n

9'rb rnu f29bnßJ nsroors 29-i92nu 9&gt;hßt2 rteor.tano? bau figrloarißJ'r!" rt
FRAGE: Sollten wir die Fahnen noch immer auf halbmast setzen und gelbe
Bänder befestigen? Mit anderen Worten: I s t es noch immer eine Krise?
ngd9J trir mu riDß^rp
,9 fio"re öt'2 nri9W
ANTWORT:-vsWist noch immer eine Kriseast nnsb f ^eio29d sieria
*&lt;ov n9ris^£ "irfl .nsrbo
. fne^ö bnu ne^o nob-u
FRAGE: Warum sprechen Sie nicht darüber?9rqsf98 n s r h H ^ i r b ;
bn

ANTWORT:

Es gibt in meiner täglichen Arbeit keinen Augenblick, an dem

ich mir nicht der Tatsache bewußt b i n , daß 53 amerikanische Geiseln i n einem
Akt des internationalen Terrorismus vom Volk, von der Regierung und den_

- 10 -

�den Terroristen im Iran gefangengehalten werden.
Wir haben im Indischen Ozean und in der Region des Persischen Golfs
eine militärische Streitmacht, vorwiegend Seestreitkräfte, in Stellung
gebracht.

In der Hoffnung, die Geiseln zu befreien, haben wir einen

Rettungsversuch unternommen, der leider nicht erfolgreich war.
mit diesem Fehlschlag bewiesen wir
Geiseln zu schützen.

Aber sogar

unsere Entschlossenheit, diese 53

Und zu den multilateralen Schritten und Wirtschafts-

sanktionen unseres Landes kommen nunmehr diejenigen unserer Verbündeten
hinzu.
Ich glaube nicht, daß es irgendjemanden in verantwortlicher Position
im Iran gibt, der nicht eingesteht, daß der Iran unter dem Festhalten
dieser Geiseln wirtschaftlich, politisch und diplomatisch leidet. Dieser
Druck muß aufrechterhalten werden, auch wenn er bis jetzt noch nicht
erfolgreich war. Und einer der Wege, um diesen Druck aufrechtzuerhalten,
besteht darin, die Welt tagtäglich daran zu erinnern, daß die Geiseln
festgehalten werden.
FRAGE: Aber, Sir, haben Sie nicht selbst irgendwie ein anderes
Signal gegeben dadurch, daß Sie jetzt aus dem Weißen Haus herauskommen und
mit dem Wahl kämpf beginnen, nachdem Sie so lang gesagt haben, wegen des
Iran würden Sie das nicht tun?
ANTWORT: Nun, in gewissem Maß haben sich die Umstände geändert, und
in gewissem Maß muß die Betonung verlagert werden. Nach der erfolglosen
Befreiungsaktion war es besser für uns, uns darauf zu konzentrieren, daß
auf den Iran ein breiter wirtschaftlicher Druck internationalen Ausmaßes
ausgeübt würde. Als Ergebnis dieser Anstrengung haben die europäischen
Verbündeten nunmehr Wirtschaftssanktionen gegen den Iran ergriffen.
Wenn

- 11 -

�Wenn ich es auch lieber gesehen hätte, wenn sie eine striktere Haltung
eingenommen hätten, so sind sie doch ausreichend.
Verbündeten nicht kontrollieren.

Wir können diese

Es sind unabhängige Staaten.

Aber sie

haben mit den zusätzlichen Wirtschaftssanktionen gegen den Iran einen
großen Schritt über das hinaus getan, was der Iran in der Vergangenheit
erlebte.

Wir hoffen, daß all diese Anstrengungen zusammen Erfolg haben

werden, um das Leben unserer Geiseln zu schützen,und daß sie zum frühestmöglichen Zeitpunkt freigelassen werden; ich bete darum, aber ich kann den
Tag nicht voraussagen.
FRAGE:

Und doch sprechen sie (die Iraner) auch weiterhin davon, die

Geiseln vor Gericht zu stellen.

Wird es die Regierung zulassen, daß diese

Menschen im Iran vor Gericht gestellt werden?
ANTWORT: In der dritten Novemberwoche - ich glaube, es war der 20. veröffentlichten wir eine Erklärung, die in der Tat noch immer gilt und die
darstellt, welche Schritte sich unser Land als Optionen offenhält für den
Fall, daß die Geiseln vor Gericht gestellt oder auf andere Weise mißbraucht
werden. Diese Maßnahmen gegenüber dem Iran würden sehr ernster Natur sein.
Wir haben uns noch keiner einzigen Option begeben, derer sich unser Land
bedienen kann. Aber ich glaube, es wäre unangemessen, wenn ich im einzelnen
sagen würde, was wir tun würden.
FRAGE: Herr Präsident, die Europäer scheinen sich in der NahostFrage in eine andere Richtung zu bewegen, um - vielleicht vor den Vereinten
Nationen - etwas für die Selbstbestimmung der Palästinenser vorzuschlagen.
Sind Sie - nun, offfensichtlich: Sie sind dagegen, ist das richtig?
ANTWORT: Ja. Wenn Sie es aus einer langfristigen Perspektive betrachten, so sehen Sie, daß wir bei der Frage des Friedens im Nahen Osten
Fortschritte machen. Noch vor zwei Jahren hätte niemand geglaubt, daß
Israel und Ägypten, ein wichtiges arabisches Land und Israel Verhandlungen

- 12 -

�Verhandlungen darüber beginnen würden, wie die Differenzen zwischen
ihnen beseitigt werden könnten.

Niemand hätte davon geträumt, daß die

Grenzen geöffnet würden, daß es zu gegenseitiger diplomatischer Anerkennung
kommen würde, zu einem Austausch von Botschaftern und daß die Touristen
zwischen Tel Aviv und Jerusalem auf der einen Seite und Kairo und Alexandria
auf der anderen hin- und herfliegen würden.
Gegenwärtig arbeiten wir sehr eng mit den Israelis und den Ägyptern
zusammen, um die formellen Gespräche wieder in Gang zu bringen. Die
Grundlage für diese Gespräche und einen künftigen Fortschritt müssen die
Resolution 242 der Vereinten Nationen und das Dokument von Camp David sein,
das fast zu einer Art Bibel geworden ist. Jeder Versuch, den die europäischen
Verbündeten unternehmen könnten, um diesen Prozeß von Camp David zu
umgehen oder durch etwas anderes zu ersetzen, wäre nach meiner Meinung ein
Fehler. Und jeder Versuch, die UN-Resolution 242 zu verstümmeln oder zu
verändern, wäre ein sehr schwerer Fehler. Wir würden das nicht zulassen.
Und wenn notwendig würde ich im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
handeln, um jeden Schaden an der UN-Resolution 242 zu verhindern.
Es liegt auf der Hand, daß wir keine leichte Lösung der wichtigen
und schwierigen und alten Spaltung erwarten können, die zwischen den
arabischen Ländern und Israel besteht. Aber wir haben uns jetzt auf die
wenigen verbliebenen Probleme konzentriert, die zwar sehr ernst aber ganz
klar definiert sind; es geht um die Selbstverwaltung in der West Bank und
im Gaza-Gebiet, Landrechte, Wasserrechte und derartige Dinge. Und die
Israelis wissen, worum es geht. Die Ägypter wissen, worum es geht. Wir
wissen, worum es geht. Und andere in der Welt, die daran interessiert sind,
wissen, worum es geht. Wir würden versuchen, die europäischen Verbündeten
davon abzuhalten, sich in diesen Prozeß einzumischen, so lange wir noch
in Verhandlungen stehen, die zum Erfolg führen könnten.
FRAGE:

- 13 -

�FRAGE:

Herr Präsident, im Jahre 1968 hat Richard Nixon erklärt,

daß er eine Debatte mit Hubert Humphrey suche, aber nicht, wenn George
Wallace, der für eine dritte Partei kandidierte, an der Debatte teilnehmen
würde.

Als Ergebnis gab es in jenem Jahr keine Wahl kämpfdebatten.

Jetzt sagen Sie, daß Sie mit Ronald Reagan debattieren würden, aber
nicht, wenn John Anderson beteiligt würde»

Bedeutet das, daß es in diesem

Jahr keine Wahl kämpfdebatten geben wird?
ANTWORT:

Ich hoffe, daß es Wahl kämpfdebatten geben wird.

Die Geschichte

dieser Debatten ist, wie Sie wissen, auf die nominierten Kandidaten der
Republikanischen und der Demokratischen Partei beschränkt, die beiden
Männer, die eine Chance haben, allen vernünftigen Erwartungen nach als
Präsident gewählt zu werden.
Ich halte die Debatten für wichtig. In den sechziger Jahren trugen
die Debatten zwischen Kennedy und Nixon dazu bei, die Meinung Amerikas
über den bevorzugten Kandidaten zu bilden. Ich habe keinerlei Zweifel,
daß die Debatte 1976 - die Debatte zwischen mir und Gerald Ford - eine
große Auswirkung auf den Ausgang der Wahl hatte. Ich glaube an das Zweiparteiensystem. Und ich glaube, die Art der Debatten hilft in dieser
Hinsicht sehr viel.
Ich sehe keinen Grund, warum ich gegen zwei Republikaner antreten
soll,die in der Republikanischen Partei aktiv sind, die führende Posten in
der Republikanischen Partei innehatten, deren Stimmen immer für die
Republikaner gezählt haben und die sich heute noch als Republikaner
identifizieren.

Einer von ihnen war erfolgreich, Ronald Reagan.

andere nicht, John Anderson.

Anerson hat keine Vorwahl gewonnen.

nicht einmal in seinem Heimatstaat gewonnen.

Der
Er hat

Und wenn ich gegen zwei

Republikaner antreten würde, dann wäre das nach meiner Meinung ein schwerer
Fehler.
Wenn
- 14 -

�Wenn seitens Reagans der Wunsch herrschen sollte, gegen Anderson
zu debattieren, dann sollte das meiner Meinung nach gestattet sein,
wenn jemand die Sendezeit bezahlt.

Wenn das stattfinden sollte, oder

ob es stattfindet oder nicht - ich bin gerne bereit, mit Ronald Reagan
zu debattieren.

Das wäre eine Chance für uns - aber keine Diskussion

zwischen drei oder vier oder-fünf oder sechs verschiedenen Personen, sondern
eine scharfe Debatte zwischen zwei Leuten - einer davon vertritt die
Demokratische Partei und alles wofür sie eintritt - ihre Geschichte, ihre
Gegenwart und ihre Zukunft - und der andere, Ronald Reagan, vertritt die
Republikanische Partei und das, wofür sie eintritt - ihre Geschichte,
ihre Gegenwart und ihre Zukunft.
braucht.

Das ist das, was das amerikanische Volk

Und ich komme gerne mit Ronald Reagan zusammen und debattiere

mit ihm über all diese Fragen,wenn er und ich als Kandidaten nominiert werden.
Und ich glaube nicht, daß wir dem Wunsch anderer Republikaner oder Unabhängiger nachzugeben brauchen, die beteiligt sein möchten.
FRAGE:

Sie haben auch gesagt, daß der Abgeordnete Anderson...

FRAGE: Würden Sie das etwas schärfer formulieren. Wollen Sie sagen,
daß Sie sich weigern würden, an einer Debatte teilzunehmen, wenn Ronald
Reagan John Anderson mitbringen würde, oder wenn ein Dritter Anderson
mitbringen würde?
ANTWORT:

Das ist richtig.

Aber ich debattiere gerne mit Ronald

Reagan.
FRAGE: Sie haben gesagt, daß der Abgeordnete Anderson wahrscheinlich
Ihnen mehr Stimmen wegnehmen wird als
Gouverneur Reagan.
ANTWORT:

Ja, welche Erfolge Anderson auch in den allgemeinen

Wahlen haben mag, so wird es Ronald Reagan helfen und auf meine Kosten
gehen.

Daran hege in keinen Zweifel.
FRAGE:
- 15 -

�FRAGE:

Wären Sie auch so besorgt, wenn es um eine Debatte mit zwei

konservativen Republikanern ginge?
ANTWORT:

Wenn Sie wirklich prüfen, wie John Anderson in der Vergangenheit

gestimmt hat, dann werden Sie feststellen, daß kaum ein Unterschied
zu dem Fraktionsführer der republikanischen Minderheit, John Rhodes, oder
zu anderen prominenten Republikanern besteht, die sich selbst als sehr
konservativ bezeichnen.

Ich halte es daher für lächerlich, daß ein

demokratischer Präsident, der, wenn ich Erfolg habe, als Kandidat der
Demokraten nominiert ist, gleichzeitig mit zwei Republikanern debattiert,
die aus der gleichen Partei kommen und die allgemein die selbe...
FRAGE:

Aber macht Ihnen nicht am meisten Sorgen, daß Anderson Ihnen

Unterstützung wegnimmt, in die demokratischen Wahl kreise einbricht?
ANTWORT: Wie ich bereits gesagt habe, jeder Erfolg, den Anderson
im November hat - und das kann niemand voraussagen - wäre eine Hilfe für
Reagan und ginge auf meine Kosten.

+ + + + +

- 16 -

�27

4. Juni 1980

CARTER GEGEN EUROPÄISCHE NAHOST-INITIATIVE
Auszüge aus dem Interview mit "Cable News Network'

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 31. Mai 1980
in einem Interview mit der amerikanischen Fernsehgesellschaft "Cable
News Network" eine ganze Reihe außenpolitischer Fragen beantwortet und
sich unter anderem gegen eine europäische Nahost-Initiative ausgesprochen.
Er werde nicht zögern, das amerikanische Vetorecht im Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen zu nutzen, um jede Maßnahme zu blockieren, die Inhalt
und Form der Resolution Nr. 242 zerstören würde.
Das Interview Carters mit dem Vizepräsidenten und Chefredakteur des
Washingtoner Bureaus von Cable News Network, George Watson, und dem bekannten
Korrespondenten Daniel Schorr hat in seinen außenpolitischen Passagen
folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�FRAGE:

Lassen Sie uns - weil es aktuell ist - mit dem Problem der

palästinensischen Autonomiegespräche beginnen.

Sie sind zwar nicht völlig

zusammengebrochen, doch an einem toten Punkt angelangt.

Die Europäer scheinen

jetzt bereit zu sein, irgendeine Art von Initiative zu ergreifen, und zwar
in einer propalästinensischen Richtung.

Bereitet Ihnen das Sorgen?

Und

wenn ja, was können Sie in diesem Fall tun?
ANTWORT:

Ja, dies bereitet mir Sorgen, schon seit etwa drei Jahren.

Es ist wichtig, die Dinge in die richtige Perspektive zu rücken.

Noch vor

zwei Jahren glaubte niemand daran, daß es jemals direkte Gespräche zwischen
einem arabischen Land und den Israelis geben würde oder daß es einen Frieden
zwischen den wichtigen arabischen Ländern und Israel geben könnte.

Und

niemand dachte auch nur im Traum daran, daß diplomatische Beziehungen aufgenommen und daß Touristen zwischen Tel Aviv und Jerusalem einerseits und
Alexandria und Kairo andererseits hin- und herfliegen würden.
Aufgrund des Mutes und der Überzeugung der israelischen und ägyptischen
Staatsmänner sind bereits gewaltige Fortschritte erzielt worden.

Bevor der

Nahost-Friedensvertrag hier vor dem Weißen Haus vor etwas mehr als einem
Jahr unterzeichnet wurde und bevor das übereinkommen von Camp David erreicht
wurde, standen wir vor gleichermaßen schwierigen wie hartnäckigen Problemen,
und in gleicher Weise war eine ganze Reihe von Leuten enttäuscht, die nicht
an einen Fortschritt in Richtung auf den Frieden glaubten.
Wir müssen die Grundlage für die Friedensverhandlungen wahren, urti zwar
auf zweifache Weise.

Da ist einmal die Resolution 242 der Vereinten

Nationen, und da gibt es zweitens die Übereinkommen von Camp David, die
schon fast so etwas wie eine Bibel für Israel und Ägypten geworden sind,
wenn es um diese detaillierte Verhandlungen geht.
Wie Sie wissen, bestehen gegenwärtig ernste Meinungsverschiedenheiten
zwischen Israel und Ägypten in der Frage, wie schnell man sich in Richtung

- 2 -

�Richtung auf die volle Autonomie bewegen wolle, eine gemeinsame Verpflichtung;
wie schnell man sich bewegen solle in Richtung auf den Abzug der israelischen
Streitkräfte und der Verwaltungsbehörden in diesem Raum; wie man Sicherheitseinrichtungen auf dem Westufer zum Schutze Israels vor Aggression von außen
errichten solle und wie man mit den Wasserrechten und mit den Landrechten
verfahren solle.

Diese Fragen sind außerordentlich schwierig zu lösen, aber

wir sind jetzt doch schon an dem Punkt, wo wir uns sozusagen mit dem
Wesentlichen befassen.

Die Fragen sind ganz klar definiert.

In der letzten Zeit hat sich innerhalb der israelischen Regierung eine
scharfe Meinungsverschiedenheit herausgebildet, und wir warten jetzt darauf,
daß Israel und Ägypten wieder zusammenkommen. Wir sind sehr darum bemüht,
daß dies geschieht. Meine Voraussage hier und heute ist, daß wir ohne
weitere größere Verzögerung wieder am Verhandlungstische sitzen werden,
wobei wiederum Fortschritte in Richtung auf einen Nahost-Friedensvertrag
auf dieser Grundlage sowie zur vollen Autonomie der West Bank und des
Gazastreifens erzielt werden.
Was nun die europäischen Länder angeht, so hegen sie die gleiche
Hoffnung wie wir, daß nämlich die Frage der Autonomie auf der West Bank,
die Lösung des palästinensischen Problems, die Gewährung von Sicherheit
für Israel ein dauerhafter Frieden im Nahen Osten umfassend mit den Nachbarn
Israels ausgehandelt wird. Wir verfolgen die gleichen Ziele. Ich glaube
nicht daran, daß die Europäer innerhalb der nächsten zwei Wochen irgendwelche Schritte unternehmen werden.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Sie glauben nicht daran?
Nein.
Aber Sie treffen doch in Venedig zusammen?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Wir alle treffen in Venedig zusammen, wir sieben, und zwar

in der zweiten Juni halfte, am 22. Juni.

Die Mitglieder der Europäischen

Gemeinschaft, so glaube ich, kommen am 12. oder 13. Juni zusammen.

Es

wird mit nahezu größter Sicherheit seitens dieser Länder vor diesem Termin
keine Maßnahmen geben.

Wir ermutigen unsere europäischen Verbündeten,

nicht in die Verhandlungen einzugreifen, solange wir uns treffen und
Fortschritte in Rieht auf eine Nahost-Friedensregelung machen.
Ich kann sie natürlich nicht kontrollieren.
haben sie ihre eigene Meinung.

Ganz offensichtlich

Das hat sich schon häufig gezeigt.

kann auch weder Israel noch Ägypten kontrollieren.
eine aussöhnende und vermittelnde Rolle.
Gespräche andauern.

Ich

Wir spielen vielmehr

Wir sorgen dafür, daß die

Beide Länder verlassen sich auf uns.

Und in dem

Ausmaße, wie sie mir trauen, wie sie den Absichten und Verpflichtungen
unseres Landes für Frieden und Fairness vertrauen,

in dem Ausmaße haben

wir auch Aussicht auf Erfolg.
Um die Dinge zusammenzufassen: Wir verfügen über eine gute Basis;
die Streitfragen sind ganz klar definiert; sowohl Israel als auch Ägypten
wünschen eine Friedensregelung. Wir ersuchen unsere europäischen Verbündeten,
sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt hier nicht einzumischen.
FRAGE:

Haben die Verbündeten zugestimmt?

ANTWORT: Ich glaube nicht, daß für die nächsten zwei Wochen in diesem
Zusammenhang etwas geschehen wird - was uns genügend Zeit geben wird, um
an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Selbst wenn sie intervenieren
würden, werden wir nicht zulassen, daß die Vereinten Nationen irgendeine
Maßnahme ergreifen, die die Unverletzlichkeit der gegenwärtigen Form der
Resolution 242 zerstören würde.
FRAGE:

�FRAGE:

Haben Sie denn eine feste Vorstellung hinsichtlich dessen,

was bei den Vereinten Nationen geschehen könnte?
ANTWORT:

Nun, wir haben ein Veto-Recht, das wir nötigenfalls aus-

üben können, um zu verhindern, daß der Prozeß von Camp David zerstört oder
unterlaufen wird, und ich würde nicht zögern, dieses Recht, falls nötig,
anzuwenden.
FRAGE:

Herr Präsident, an diesem Sonntag sind es genau sieben Monate,

daß im Iran die Geiseln genommen wurden.
ANTWORT:

Ja.

FRAGE: Gibt es irgendeine neue Initiative, gibt es irgendeinen Grund
zur Hoffnung, daß sie dem Zeitpunkt ihres Frei kommens näher gerückt sind?
ANTWORT: Nun ganz ohne Frage sind sie dem Zeitpunkt ihres Freikommens
heute sieben Monate näher als damals. Niemand hat damit gerechnet, daß
die Terroristen die Geiseln so lange festhalten würden oder daß die
Regierung des Iran diesen internationalen Akt des Terrorismus sowohl
billigen als auch unterstützen würde. Wir haben niemals auch nur für
einen Augenblick die Notwendigkeit außer acht gelassen, alle nur möglichen
Wege zu gehen, um die Geiseln freizubekommen, sei es durch wirtschaftliche
Mittel oder durch die Mittel der Diplomatie, sei es durch Mobilisierung
von Kräften anderer Nationen in der Welt sowie der Vereinten Nationen und
des Internationalen Gerichtshofs oder durch wirtschaftliche Sanktionen,
Wir haben seither jedes mögliche Machtmittel, soweit wir können, gegenüber
der iranischen Regierung und dem iranischen Volk angewandt, um die Geiseln
freizubekommen und sie zu schützen, solange sie dort festgehalten werden,
Das iranische Parlament ist nun gewählt worden,
Sitzung abgehalten.

Es hat seine erste

Khomeini und die anderen iranischen Führer haben

- 5 -

�haben versprochen, daß das Parlament sich mit der Frage befassen werde.
Wie Sie wissen, haben wir einen Rettungsversuch unternommen, der zu unserem
Bedauern nicht erfolgreich war.

Dennoch glaube ich, daß dies den Menschen

im Iran und der Welt und den Geiseln, die davon wissen, vor Augen geführt
hat, daß wir uns von Anfang an und auch weiterhin zutiefst verpflichtet fühlen,
die Geiseln freizubekommen und sie zu schützen, solange sie dort sind.
Und wir haben in der Chinesischen See und im Arabischen Golf ausreichend
starke Seestreitkräfte zusammengezogen, um den Leuten in Iran kundzutun,
daß wir keinerlei übergriffe gegenüber diesen Geiseln dulden werden.

Ich

kann also nicht voraussagen, wann sie freigelassen werden, aber wir werden
sie nicht vergessen.

Wir werden weiterhin alles tun, um ihre Sicherheit

zu gewährleisten und sie heimzubringen.
FRAGE:
ANTWORT:
FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, daß Sie sie heimbringen werden?
Ja!
Lebendig?

ANTWORT: Ja, ja! Das glaube ich. Es gibt ein überwältigendes
weltweites Eintreten dafür, daß den Geiseln nichts geschieht und daß
sie freigelassen werden. Das ist nicht auf die demokratischen Staaten
des Westens beschränkt. Dies wird als Verpflichtung auch außerordentlich
stark bei den islamischen Staaten spürbar, die kürzlich zu einer Konferenz
in Islamabad zusammentrafen und die sich mit dem iranischen Außenminister
einig waren, daß der Iran die Geiselkrise bereinigen und die Geiseln so
bald wie möglich freilassen sollte.
FRAGE:

Herr Präsident, Südkorea, eine Militärdiktatur, mit 40 000

amerikanischen Soldaten im Land; läßt unser nationales Sicherheitsinteresse
uns noch eine andere Alternative als die Unterstützung eines anderen
unpopulären und repressiven Militärregimes an dieser Stelle?
ANTWORT:
- 6 -

�ANTWORT:

Wir haben in Südkorea zwei Dinge in Erwägung zu ziehen,

die sich immer auf unsere Politik ausgewirkt haben und die sich nicht
verändert haben; einmal, die Sicherheit Südkoreas gegenüber einer Aggression
von außen, in erster Linie von Nordkorea; und zweitens, die Förderung'des
demokratischen Prozesses im Sinne der Menschenrechte und die Entwicklung
zu einer Demokratie in Südkorea.
Das Sicherheitsanliegen ist nicht erschüttert. Wir und die Spdkoreaner und andere beobachten sehr genau jede potentielle Gefahr aus
Nordkorea, und es besteht nach meiner Ansicht kein Zweifel, daß unsere
Streitkräfte und die Streitkräfte Südkoreas ausreichend stark sind, um
jede mögliche Invasion oder Bedrohung der Sicherheit Koreas zurückzuweisen.
Die Demokratisierung hat einen Rückschlag erlitten, darüber besteht
kein Zweifel. Wie Sie wissen, wurde Präsident Park, der frühere Führer
Südkoreas, ermordet. Er hat eine ganze Reihe guter Dinge getan. Er
wurde für einiges kritisiert, was er nicht schnell genug getan hat.
Er stand achtzehn Jahre lang an der Spitze dieses Landes und wurde ermordet.
Ein gewisses Maß von Unruhe und Durcheinander in der Verwaltung und auch in
den herrschenden Kreisen war vorauszusehen. Wir drängen die militärischen
Führer und ihre gewählten zivilen Führer in Südkorea so rasch wie möglich
zu einer völlig demokratischen Regierung zu gelangen. Inzwischen sorgen
wir dafür, daß die Sicherheit Koreas gewahrt wird.
FRAGE: Stellt sich dies Ihnen als einer jener Konflikte dar, wie
er sich ergeben muß aus dem Zwiespalt zwischen Ihrer Menschenrechtspolitik und den Realitäten, wie in Argentinien, von der Art wie sie offensichtlich Pat Derian dazu brachte, von seinem Amt im Außenministerium
zurückzutreten?
ANTWORT: Nein, da ist keine Unvereinbarkeit. Nach meinem Urteil ist
die Aufrechterhaltung der Sicherheit einer Nation gegenüber kommunistischer

- 7 -

�kommunistischer Subversion oder Aggression eine Vorbedingung für die Achtung
und Würdigung der Menschenrechte und die Einsetzung demokratischer Verfahren.

Wir haben kein Mittel, um die inneren politischen Verfahren einer

Nation zu kontrollieren noch verfügen wir über die Informationen, um eine
solche Kontrolle zu versuchen.

Das ist ein Urteil, das die Bevölkerung dort

selbst fällen muß, aber es gibt einen bemerkenswerten Grad von Einigkeit
in Südkorea.

Es gibt einen bemerkenswerten Grad von Homogenität unter

der Bevölkerung in ihrer ethnischen und religiösen Tradition und in
ihrem gemeinsamen Streben nach Freiheit und ihrem Widerstand gegen die
Aggression.
Ich wünsche, daß jede Nation auf der Erde demokratisch wäre.

Ich

glaube, daß unsere Regierungsform eine ist, der man nacheifern wird,
aber wir können damit nicht rechnen.

Und wir können auch nicht unsere

Beziehungen zu unseren Verbündeten und Freunden und Handelspartnern durchtrennen und sie alle sowjetischem Einfluß überlassen und vielleicht sogar
einer Subversion und Inbesitznahme, einfach weil sie unseren Wertmaßstäben der
Menschenrechte nicht entsprechen.

Das aber heißt nicht, daß wir unsere

Wertmaßstäbe aufgeben, und es heißt auch nicht, daß wir in Zukunft
irgendwie weniger wirksam als in der Vergangenheit in der Verfolgung
dieser Ziele sein werden....
FRAGE: Herr Präsident, wir werden nicht die Zeit haben, alle Themen
mit Ihnen zu erörtern, die wir heute gerne mit Ihnen besprechen möchten,
aber lassen Sie mich eine weitreichende Frage zur Außenpolitik stellen.
Wir sehen russische Truppen auf Kuba. Sie möchten, daß sie dort herausgehen. Sie gehen aber nicht heraus. Man sieht, daß die Russen in
Afghanistan sind. Sie haben sich sehr darum bemüht, daß sie dort herausgehen. Die Truppen sind immer noch da. Ja, man hat manchmal das Gefühl,
die Russen sind immer einen Schritt voraus, und wenn dem so ist, gibt es dann
überhaupt eine Zukunft für die Entspannung?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Ja, es gibt eine Zukunft für die Entspannung,und ich glaube,

jede Beurteilung des relativen Fortschrittes hinsichtlich des weltweiten
Einflusses zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion während
der vergangenen zehn Jahre, der schweren Jahre, zeigt, daß wir weitaus
größere

Fortschritte bei der Gewinnung neuer Freunde und neuer Verbündeter,

neuer Handelspartner gemacht haben als die Sowjetunion.
Es gibt heute kein Land auf der Welt, das versucht, das sowjetische
Regierungssystem zu einem eigenen zu machen. Wie ich vorhin schon betont
habe, sind fast alle der drei Millionen Flüchtlinge aus Ländern unter
sowjetischem Einfluß oder sowjetischer Förderung oder aus Ländern mit von
den Sowjets finanzierten Regierungen gekommen. Das zeigt Ihnen also die
Attraktivität unserer Regierungsform, wie sie die Menschen sehen, die man
als neutral oder blockfrei bezeichnet.
Unser Land hat zwei Verpflichtungen, die über allen anderen stehen.
Die erste ist die Sicherheit unseres Landes.

Das ist die wichtigste

Verantwortung, die ich trage, wo ich jetzt hier in meinen Amtsräumen sitze,
um die Sicherheit unserer Nation zu erhalten.
Die zweite Verpflichtung geht damit einher, und sie besteht darin,
unsrem Land den Frieden zu bewahren.

Ich bin der Überzeugung, daß wir

unserem Lande den Frieden nur bewahren können durch Stärke, vor allem
durch militärische Stärke, und wir haben unsere militärische Stärke
weitgehend gefördert, seit ich mein Amt übernommen habe.

Wir haben einen

langen Abwärtstrend umgekehrt, der in den acht Jahren vor meiner Amtsübernahme bestand, und es geht jetzt wieder aufwärts; wir haben uns nicht nur
während der letzten drei Jahre verpflichtet, die Stärke unseres Landes zu
bewahren, sondern wir tun dies auch für die nächsten fünf Jahre.
Die Stärke muß jedoch auch die Wirtschaft umfassen, wie Sie sehr wohl
wissen, und die Stabilität eines politischen Systems und seiner Bündnisse,

- 9 -

�Bündnisse, die sich heute in weitaus besserer Verfassung befinden als noch
vor drei Jahren.
zurecht kommen.

Innerhalb dieses Rahmens wollen wir mit der Sowjetunion
Wir wollen mit niemandem Krieg führen, aber wir sehen

nicht müßig zu, wenn die Sowjets unschuldige Länder und ihre Menschen
unterjochen.

Wir sehen nicht müßig zu, wenn die Sowjetunion uns und

unsere Verbündeten bedroht.

Wir bemühen uns um Rüstungskontrollen, um

die Bedrohung einer nuklearen Zerstörung der Welt abzubauen.

Aber wir

werden fest bleiben gegenüber der sowjetischen Aggression und dabei so
viel Unterstützung zwischen unseren Verbündeten und Freunden und gleichgesinnten Ländern sammeln wie nur möglich.
Zu Zeiten werden wir - weil wir eine Supermacht sind - wenn wir es
müssen, allein stehen, und wir sind stark genug, das zu tun und um es
wirksam zu tun.

Und innerhalb dieses Rahmens ist die Entspannung not-

wendig

+ + + + +

- 10 -

�od-

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

4. Juni 1980

27

RENTABILITÄT DER PRODUKTION SYNTHETISCHER BRENNSTOFFE
Real kosten noch schwerer abschätzbar - Auf längere Sicht Vorteil
gegenüber Erdöl
- Von James R. Hardcastle -

Der Verfasser ist Herausgeber des in
Washington erscheinenden "Energy Research
Digest", einer Publikation, in der die
staatlich geförderten Forschungs- und
Entwicklungsprogramme auf dem Energiesektor erörtert werden.

Ende 1979 bewilligte der amerikanische Kongreß 20 Milliarden Dollar für
die erste Phase eines nationalen Programms zur Produktion synthetischer Brennstoffe, das laut Präsident Carter insgesamt 88 Milliarden Dollar erfordern
dürfte.

Inzwischen befaßt sich der Kongreß mit Gesetzen, die für die Industrie

die notwendigen Anreize schaffen, um die Werke bauen zu können.

Dennoch er-

geben sich viele Fragen durch das Programm, das bis 1987 eine Tagesproduktion
von synthetischem Gas und öl anstrebt, die 68 000 Tonnen öl entspricht.

Diese

soll bis 1992 auf das Vierfache (272 000 Tonnen) gesteigert werden.
Wie,

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Wie, wo und woraus sollen diese Brennstoffe entstehen?
kosten?

Was werden sie

Welche Auswirkungen werden - und dies ist äußerst wichtig - die rie-

sigen neuen Anlagen auf die Menschen und das Umland haben?

Allgemeine Fragen
In den Vereinigten Staaten sind Ölschiefer und Kohle die Hauptquellen
für synthetische Brennstoffe.

Die bekannten abbaufähigen ölschiefervorkommen

könnten schätzungsweise 75,3 Milliarden Tonnen Syntheseöl liefern.

Synthese-

gas und synthetische Flüssigbrennstoffe, die weiteren 59 Milliarden Tonnen öl
entsprechen, ließen sich aus den riesigen amerikanischen Kohlevorkommen gewinnen, ohne die Verwendung von Kohle für die Direktverbrennung oder den
Hüttenbedarf einzuschränken.

"Diese Mengen", bemerkte kürzlich der Vorsit-

zende der EXXON-Corporation, C.C. Garvin, "reichen aus, um den gegenwärtigen
amerikanischen Tagesbedarf von 2,5 Millionen Tonnen für die nächsten 150 Jahre
zu decken.

Das ist mehr öl, als in allen OPEC-Ländern zusammen vorhanden

ist."
Ölschiefer wie Kohle verlangen langwierige Aufschlußverfahren, ehe sie
öl oder Erdgas ersetzen können. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen
Abbaubetriebe und Produktionsanlagen groß ausgelegt sein. So dürfte beispielsweise der Kohledurchsatz eines kommerziellen Hydrierwerks, das Flüssigbrennstoffe herstellt, bei 30 000 Tonnen pro Tag liegen. Erfahrungsgemäß
vergehen sechs bis acht Jahre, um eine Anlage dieser Größe zu planen und zu
bauen. Und da man bei den ersten derartigen Betrieben in Neuland vorstößt,
sie vermutlich in wenig besiedelten, abgelegenen Gebieten erstellt werden
und ganz neue Städte dazu gebaut werden müßten, könnten die Kosten noch weit
über dem liegen, was für die Großanlagen ohnehin schon angesetzt wird.
So schätzt Garvin - und Regierungsbeamte teilen seine Meinung -, daß
die Synthesebrennstoff-Großbetriebe Real kosten verursachen werden, die unter
Berücksichtigung der Inflation irgendwo zwischen zwei und vier Milliarden

- 2 -

�Milliarden Dollar anzunehmen sind.

Bei einer Tagesproduktion von insgesamt

68 000 Tonnen Synthesebrennstoff in etwa zehn Anlagen wären somit 20 bis 40
Milliarden Dollar erforderlich.

Um das für 1992 gesteckte Ziel zu erreichen,

müßte das Vierfache aufgebracht werden.

Michael Gluckman vom amerikanischen "Electric Power Research Institute"
(EPRI - Forschungsinstitut der amerikanischen Elektrizitätswirtschaft) macht
jedoch darauf aufmerksam, daß bei praktisch allen Schätzungen zu den Kosten
synthetischer Brennstoffe mit Abweichungen der realen Kosten um bis zu 30
Prozent nach oben oder unten gerechnet werden könne.

Standortbedingte Fak-

toren und die tatsächlichen Kosten der Betriebselemente lassen nun einmal
eine große Variationsbreite zu - abgesehen davon, daß sich erst in der Praxis
die Kosten eines bestimmten Typs von Großbetrieb herausstellen werden.

Heutzutage wirken sich die öl kosten nahezu auf das gesamte Preisgefüge
aus.

Und da ein Produktionsbetrieb für synthetische Brennstoffe so viele

Wirtschaftsgüter zur Ausrüstung benötigt, sagt Gluckman voraus, daß die
Kostenausweitung bei Synthesebrennstoffen dem Ansteigen der Weltölpreise
hart auf den Fersen folgen werde.

Dies sei der Grund dafür, daß die ange-

nommenen Kosten für die Gewinnung von öl aus Ölschiefer - sie lagen zu Beginn der siebziger Jahre bei ca. 7 Dollar pro Barrel (159-Liter-Faß) - heute
schon an die Marke von 30 - 35 Dollar heranreichen können.

Ähnliche Kosten-

steigerungen seien praktisch für alle Synthesebrennstoffe erkennbar.
jedoch auch einen wichtigen positiven Aspekt:

Es gibt

Mehr als die Hälfte der Pro-

duktionskosten für Synthesebrennstoffe aus Ölschiefer oder Kohle beruhen auf
festen Kapitalkosten, die schon vor dem Bau der Anlage fixiert sind.

Selbst

die Kosten so wichtiger Größen wie die des zu verarbeitenden Rohstoffes dürften kaum im gegenwärtigen Ausmaß eskalieren, da es sich beim Bergbau um kapitalintensive Aktivitäten mit zahlenmäßig begrenzten variablen Kosten handelt.

Nach Ansicht Gluckmans bedeutet das also, daß ein Vorteil der Errichtung
hoch kapitalintensiver Synthesebrennstoffwerke darin zu sehen sei, daß sie

- 3-

�sie die Fixierung der Brennstoffkosten auf einem konstanten - wenn auch hohen - Niveau erlauben.

So seien beispielsweise die Kosten der Brennstoff-

produktion (schätzungsweise zehn Dollar pro Barrel) in der Kohleverfl'üssigungsanlage, die in Südafrika vor 30 Jahren gebaut wurde, heute wahrscheinlich
nicht viel höher als damals, obgleich inzwischen die Weltpreise für öl von
weniger als zwei Dollar auf 30 Dollar pro Barrel gestiegen sind.

Mithin seien

künftige Synthesebrennstoffe aus Anlagen, die gerade erst geplant werden, in
der Preisstufe von 60 - 70 Dollar pro Barrel wahrscheinlich sehr viel günstiger
als Erdöl zum Weltmarktpreis etwa im Jahr 1990 - also wenige Jahre nach der
Aufnahme des Betriebs in diesen Anlagen.

Einer EPRI-Studie zufolge wird 1995

der Barrel-Preis für Raffinerieprodukte aus Erdöl bei 100 Dollar liegen, wenn
die realen Betriebskosten um nur zwei Prozent pro Jahre steigen und die jährliche Inflationsrate bei sechs Prozent liegt. Dies kommt sehr viel teurer als
Synthesebrennstoffe aus einem Betrieb, der in den achtziger Jahren gebaut worden ist.
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Rohstoff Ölschiefer
Für die Gewinnung von öl aus Ölschiefer bedarf es keiner komplizierten
chemischen Prozesse. Vielmehr besteht die Hauptaufgabe darin, riesige Mengen
von Ölschiefer abzubauen, ihn zu zerkleinern und soweit aufzuheizen, daß das
darin gebundene öl freigesetzt wird. Das Produkt entspricht normalerweise
den Mitteldestillaten - jener Gruppe von Mineralölprodukten, bei denen gegenwärtig die stärkste Nachfrage besteht und zu denen z.B. Dieselöl, Düsentreibstoffe und leichtes Heizöl gehören. Außerdem kann Schieferrohöl in modernen,
mit Hydrieranlagen ausgerüsteten Raffinerien mit Wasserstoff behandelt werden,
um ihm Arsen- und Stickstoffbeimengungen zu entziehen.
Für die im Endeffekt billigere unterirdische Verschwelung sind noch
nicht alle technischen Probleme gelöst. Wohl aus diesem Grund neigen manche
öl firmen dazu, mit dem Bau oberirdischer Retortenbetriebe zu beginnen, sobald
sich Möglichkeiten zur Beilegung der Fragen zu behördlichen und finanziellen

�finanziellen Maßnahmen abzeichnen.

Praktisch alle Experten sind sich darin

einig, daß öl aus Ölschiefer zusammen mit Gas mittleren Heizwerts aus Kohle
die derzeit billigsten Synthesebrennstoffe darstellen.

Ein Wirtschaftlich-

keitsvergleich zwischen synthetischen Brennstoffen, wie er in einer EPRIStudie vorgenommen wurde, zeigt, daß 1985 für Schieferöl 35 Dollar pro Barrel
in heutigen Dollars, für Flüssigbrennstoffe aus Kohle dagegen 51 Dollar anzusetzen sind.
Es gibt jedoch eine Reihe von Problemen im Zusammenhang mit Schieferöl:
Die wichtigsten amerikanischen ölschiefervorkommen sind in abgelegenen, ariden
Regionen der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming konzentriert.

Jede

massive Bautätigkeit in solchen Gebieten führt zwangsläufig zu "EnergieboomStädten", sobald die Bauarbeiter und die Arbeitskräfte für die neuen Betriebe
heranströmen.

Die Erfahrung zeigt, daß eine solche Entwicklung einschneidende

Eingriffe in das Leben der "Alteinwohner" und der neu Zugezogenen bedeuten
kann.
Oberhalb eines bestimmten Produktionsniveaus - viele meinen bei 65 000
bis 130 000 Tonnen/Tag - dürften soziale Probleme, in Verbindung mit unzureichender Wasserversorgung und Problemen der Beseitigung der gewaltigen Mengen an chemisch aktivem festem Abfall, eine weitere Expansion der Schieferölproduktion mit dem Abbau und oberirdischer Aufbereitung blockieren.

Diese

Grenze könnte erst durch die unterirdische in-situ-Verschwelung, vielleicht
auch durch öl frei Setzung mittels Radiowellen, zugunsten einer weiteren Produktionsausweitung verändert werden.

Kohleumwandlung
Wie beim Ölschiefer haben auch die Verfahren zur Vergasung und Verflüssigung der Kohle ihre positiven und negativen Seiten.

Ein wesentlicher Unter-

schied zum Ölschiefer ist der, daß Kohle in so vielen Regionen ausreichend vorhanden ist, daß einschränkende Faktoren wie Wassermangel, zu wenig Arbeitskräfte, unzureichende Infrastruktur und Umweltschutzvorschriften viel weniger
- 5 -

�weniger ins Gewicht fallen.

Und während im allgemeinen die Kohleumwandlung

schwierige Technologien erfordert, ist eines ihrer Produkte, nämlich mittelwertiges Kohlegas (eine Mischung aus Wasserstoff, Kohlenmonoxid und Methan)
schon beinahe mit Importrohöl zu gegenwärtigen Preisen wettbewerbsfähig.
Sein Heizwert entspricht mehr als der Hälfte des Heizwerts von hochwertigem
Erdgas.
"Nur noch bescheidene zusätzliche Anreize wären notwendig, um seine Produktion zu sichern", meinte Garvin.

Die anderen gasförmigen und flüssigen

Synthesebrennstoffe, die mit der verfügbaren Technologie aus Kohle zu produzieren seien, längen im Preis jedoch um 15 - 25 Prozent über Importrohöl und
hochwertigem Gas und um 20 - 60 Prozent über anderen flüssigen Produkten - vom
Methanol bis zum Benzin.

In der bereits erwähnten EPRI-Studie wurde berech-

net, daß die Kosten für Kohlegas mittlerer Qualität im Jahr 1985 einem ölpreis
von 35 Dollar/Barrel (gegenwärtiger Dollarkaufkraft) entsprechen.

Es wäre

unwirtschaftlich, dieses Gas über mehr als ein paar Hundert Kilometer in
Pipelines zu transportieren.
dustrielle Zwecke.

Aber das Gas eignet sich vorzüglich für in-

EXXON hat bereits Pläne für den Bau eines Werkes zur

Braunkohlevergasung in Texas ausarbeiten lassen, um für einen petrochemischen
Komplex bei Baytown Heizenergie und chemisches Rohmaterial zu liefern.

Ähn-

liche Pläne werden von anderen Mineralölfirmen und Chemiewerken wie "Celanese"
und "Eastman Kodak" verfolgt.
Dieses Gas bildet ja gleichzeitig den Rohstoff für eine Reihe weiterer
flüssiger Brennstoffe - einschließlich Benzin, Dieselöl und Methylalkohol.
Einige der bekanntesten Spezialisten arbeiten gegenwärtig an der Entwicklung
von Katalysatoren, mit denen die Älteren Verfahren verbessertund selektiv
Benzin oder Dieselöl aus Kohlegas erzeugt werden kann.
Mit erheblicher Unterstützung seitens des US-Energieministeriums entwickeln die Firmen Gulf Oil, EXXON und andere Unternehmen verschiedene Verfahren, um aufgeschlämmte Kohle und aus Kohle extrahierte Lösungsmittel direkt zu hydrieren.

Diese Prozesse, die vielleicht ab 1990 kommerziell genutzt

werden können, würden die Gewinnung flüssiger Kohleprodukte auf billigerem
— D —

�billigerem Wege als durch die Synthese aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff, den
Hauptbestandteilen von Gas der mittleren Qualität, erlauben.
Ein weiterer Weg wäre die Verarbeitung von Gas aus ähnlichen, aber modifizierten Reaktoren, um es zu einem Produkt von Methanqualität zu verbessern.
In Mercer County (Norddakota) wird in Kürze mit Unterstützung des Energieministeriums ein Projekt zur Umwandlung von jährlich 4,5 Millionen Tonnen Braunkohle in synthetisches Erdgas von einem Konsortium von Firmen in Angriff genommen, die Gas-Pipelinen betreiben.

Schätzungen zufolge wird der Gaspreis

bei Inbetriebnahme des Werkes im Jahr 1984 oder 1985 Erdöl mit einem Barrelpreis von 30 - 47,40 Dollar vergleichbar sein.
Daß die möglichen Umweltbelastungen und Umweltschäden als Folge solcher
Vorhaben von vornherein einkalkuliert und durch entsprechende Gegenmaßnahmen
unter Kontrolle gehalten werden, sind Erfordernisse, denen sich keiner der
Beteiligten entziehen darf. Sorgfältige Planung und Standortwahl, umgehende
Rekultivierung des Landes von Tagebaubetrieben, Maßnahmen zur Luft- und Wasserreinhaltung und nicht zuletzt zum Schutz der Umwelt ebenso wie der Arbeiter
im Betrieb vor krebserzeugenden Substanzen in der verarbeiteten Kohle sind
einfach notwendige Aktionen - und die Mittel dafür müssen und können auch aufgebracht werden.

+ + + + +

- 7 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter: Kein Abzug amerikanischer Truppen aus Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des CBS-Fernsehinterviews "Face the Nation" - (c) 1980 CBS, Inc.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter gegen europäische Nahost-Initiative&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Interview mit "Cable News Network" -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rentabilität der Produktion synthetischer Brennstoffe&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Realkosten noch schwerer abschätzbar - Auf längere Sicht Vorteil gegenüber Erdöl&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von James R. Hardcastle -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

r»j

L*3

BP51

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. Juni 1980

28

INHALT

DOKUMENTATION
Muskie umreißt US-Außenpolitik in NBC-Fernsehinterview
- US-Außenminister in "Meet the Press" (c) 1980 NBC, Inc.
Stellvertretender US-Außenminister warnt vor Protektionismus
- Rede Christophers vor dem OECD-Ministerrat HINTERGRUNDMATERIAL
NATO-Symposion über Gütesicherung
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verbesserte Ulheizung
- Weniger Ölverbrauch, Schadstoffemission stark verringert
Früherkennung von Funktionsstörungen des Herzens

Um Übcr/cndung von
BcIcgcMcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dokumentation

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

11. Juni 1980

MUSKIE UMREISST US-AUSSENPOLITIK IN NBC-FERNSEHINTERVIEW
US-Außenminister in "Meet the Press"
(c) 1980 NBC, Inc.

Der amerikanische Außenminister
Edmund S. Muskie hat in einem Fernsehinterview mit der Gesellschaft NBC
am 8. Juni 1980 im Rahmen der Reihe
"Meet the Press" zu zahlreichen Fragen
Stellung genommen. Das Interview hat
folgenden Wortlaut:

ANSAGE: Unser Gast im Rahmen des Programms "Meet the Press" ist
heute Außenminister Edmund S. Muskie. Konkurrent um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei im Jahre 1972 wurde der frühere
Senator kürzlich von Präsident Carter zum Außenminister ernannt, nachdem
Cyrus Vance zurückgetreten war. Er wurde vor einem Monat auf sein neues
Amt vereidigt.
FRAGE:

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�FRAGE:

Herr Außenminister, Terror und Gewalt eskalieren am Westufer

- der West Bank - des Jordanflusses.

Die Europäer scheinen immer mehr für

eine Unterstützung der palästinensischen Selbstbestimmung eintreten zu
wollen.

Die israelisch-ägyptischen Verhandlungen über die Autonomie der

Palästinenser sind festgefahren, und Ministerpräsident Begin spricht von
der Gründung von zehn neuen Siedlungen auf der West Bank.

Sind nicht die

Friedensgespräche, die von Camp David ausgingen, in eine Sackgasse geraten?
ANTWORT:
einzugehen:

Das glaube ich nicht.

Um in aller Kürze auf Ihre Punkte

Erstens, ich bin zusammen mit dem Präsidenten und allen

anständigen Menschen empört über die Gewaltakte auf der West Bank, aber
gerade diese Gewaltakte sind nach meiner Ansicht der beste Grund für eine
Fortsetzung der bisher einzigen Verhandlungen, die seit der Gründung des
Staates Israel geführt worden sind, der einzigen Verhandlungen, bei denen
es nicht nur um das überleben Israels sondern auch um die Rechte der
Palästinenser geht.

Beide Punkte nämlich stehen auf der Tagesordnung.

Zweitens: Wir sind aktiv um eine Wiederaufnahme der Gespräche bemüht,
die unglücklicherweise vor ein oder zwei Wochen unterbrochen wurden, und
ich rechne damit, daß die Gespräche wieder aufgenommen werden. Einen
Zeitpunkt dafür festlegen kann ich nicht.
Drittens: Was die Möglichkeit einer Initiative von Seiten unserer
europäischen Verbündeten anbetrifft, so würden wir einer Initiative, die
die Gespräche nicht unterminiert, nicht entgegentreten, sofern sie ihrem
Wesen nach konstruktiv ist, aber wir möchten keine Initiative, durch die
die Aufmerksamkeit von den auf Camp David basierenden Gesprächen abgelenkt
wird. Von Wichtigkeit ist es, die harten Kernfragen zu verfolgen, denen
sich zu stellen die Gespräche die Verhandlungspartner gezwungen haben
und die die zentralen Probleme für jede Frage der Autonomie bilden nämlich die Selbstbestimmung für die Palästinenser, ob jetzt in Angriff
genommen oder später.
FRAGE:

�FRAGE:

Herr Außenminister, wenn immer die Israelis neue oder erweiterte

Siedlungen auf der West Bank ankündigen, so grollen und murren die Vereinigten
Staaten in der Regel darüber und dann ziehen die Israelis los und tun es.
Wird sich dieses Schema aller Wahrscheinlichkeit nun auch im Zusammenhang mit den zehn neuen Siedlungen wiederholen, von denen Begin zur Zelt
spricht?
ANTWORT: Ich hoffe doch nein! Wir haben mit aller Dringlichkeit auf
die Israelis eingewirkt, damit nicht fortzufahren, ihnen gesagt,daß es
illegal ist und daß es sich verhängnisvoll auf den Fortgang der Verhandlungen
auswirkt, die im Gange sind. Wir haben darauf immer und immer wieder hingewiesen und ich tue es heute erneut.
FRAGE: Aber haben wir denn nichts weiter als das dazu zu sagen, können
wir keinen anderen Druck aufbieten als einen Protest?
ANTWORT: Es ist ein Punkt, auf den ständig mit allem Nachdruck
hingewiesen wird, nicht nur in öffentlichen Erklärungen, wenn wir wie jetzt
hier dazu Gelegenheit haben, sondern auch nichtöffentlichen und ich versichere
Ihnen, mit allem Nachdruck!
FRAGE: Herr Außenminister, Ramsey Clark, der ehemalige Justizminister,
hat soeben den Iran verlassen, nachdem er dort eine Delegation in Mißachtung
der Bestimmungen, die Amerikanern Reisen nach dem Iran verbieten, geleitet
hat. Er glaubt, etwas Gutes getan zu haben. Glauben Sie, daß es möglich
ist, daß er dort einen konstruktiven Beitrag geleistet hat, beim Versuch
die Geiseln freizubekommen? Ja, und glauben Sie, daß es das wirklich wert
wäre, ernstlich gerichtlich gegen ihn vorzugehen, weil er dorthin gereist
ist?
ANTWORT:

Nun, die Bestimmungen wurden nicht im Hinblick auf Mr. Clark

und die Zehn - die Neun, die mit ihm gingen - erlassen.

- 3 -

Die Anordnung eines

�eines Reiseverbots nach dem Iran wurde vor allem deshalb getroffen, weil
wir um die Sicherheit der Amerikaner besorgt sind, die in einem Lande
reisen, in dem antiamerikanische

Feindseligkeit herrscht, wo es keine

Regierung gibt und auch keine Vertreter, an die wir uns wenden können, um
sie zu beschützen, falls sie in Schwierigkeiten geraten - und wir wissen
ja, daß wenn Amerikaner in Schwierigkeiten geraten, auch dort,wo wir keine
Vertretung haben, sie dann auf die Regierung der Vereinigten Staaten
blicken, damit sie sie schütze; und im Iran sind die Möglichkeiten für einen
solchen Schutz minimal, wie es ja wohl offenkundig ist.
Präsident diese Maßnahme getroffen.

Darum hat der

Und dann sind diese zehn Amerikaner

entgegen dieser Politik nach dem Iran gereist - nun, nicht entgegen dieser
Politik,aber ungeachtet dieser Politik und nun prüfen die Zollgrenzbehörden
ihren Besuch, um etwaige Verstöße gegen die in Frage kommenden Gesetze
festzustellen.

Der Zweck dieser Maßnahmen ist nicht die Bestrafung von

Leuten, die gegen sie verstoßen, sondern die Leute daran zu hindern, dorthin
zu reisen.
•

FRAGE:

•

Werden Sie ihn sehen oder wird einer von Ihren Mitarbeitern

mit ihm oder einem anderen Mitglied der Delegation sprechen, um einen
Bericht zu erhalten?
ANTWORT: Nun, wenn einer von ihnen glaubt, er könne uns nützliche
Informationen zukommen lassen, dann werden wir sie natürlich gern entgegennehmen.
FRAGE: Herr Außenminister, in den Vereinigten Staaten befinden sich
unter den in letzter Zeit aus Kuba angekommenen Personen etwa 800, bei
denen es sich um echte Kriminelle, Geisteskranke oder Gewalttäter in den
Flüchtlingszentren handelt. Können Sie sie wieder loswerden, können Sie
sie wieder nach Kuba bringen lassen, wenn Castro sagt, er werde sie nicht
mehr aufnehmen?
ANTWORT:

�ANTWORT:

Zunächst einmal muß festgestellt werden, daß sie herzusenden

zu uns eine Verletzung des internationalen Rechts darstellt, und wir haben
Herrn Castro e^'ne starke Protestnote Ubersandt und ihn darauf aufmerksam
gemacht,

Wenn er nicht, reagiert und diese speziellen Kubaner zurücknimmt,

dann werden wir die Verfahren anwenden, die für eine Ausweisung aus unserem
Lande vorgesehen sind - es gibt Verfahren dafUr.
FRAGE!:

Durch die Vereinten Nationen?

ANTWORT: Wir können die Frage der Verletzung von Internationalem
Recht durch die Vereinten Nationen und durch die Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) aufbringen, aber wir können auch Verfahren benutzen, um sie
nach unserem eigenen Recht auszuweisen. Wir werden sie in besonderen sicheren
Lagern festhalten bis wir eine Gelegenheit finden, sie wieder dorthin
zurückzubringen, wo sie hergekommen sind.
FRAGE:

Könnte man sie nicht in unseren Stutzpunkt in Guantanamo (auf

Kuba) bringen und sie durch das Tor abschieben?
ANTWORT: Die Schwierigkeit dabei wäre, daß sich durchaus Fragen
ergeben könnten, ob wir damit nicht den Pachtvertrag verletzen würden,
aufgrund dessen wir den Stützpunkt unterhalten, und Guantanamo ist ohnehin
ein sehr heißes Eisen in den kubanisch-amerikanischen Beziehungen; und
zweitens könnte eine derartige Handlungsweise unsererseits auch umgekehrt
angewandt werden, Herr Castro könnte sich entschließen - da die Türen ja
nach innen und nach außen aufgehen - Guantanamo als einen Weg zu benutzen,
um einen weiteren Exodus von Kubanern auf amerikanischen Besitz und über
diesen Besitz in unser Land zu bringen.
FRAGE:

Die jüngste Flut hat jetzt einen Stand von 110 000 Kubanern

erreicht, und man hört, daß noch einige mehr unterwegs sein sollen.

Sind

die Vereinigten Staaten absolut unfähig und ohne Hoffnung, diese Flut zu

- 5 -

�zu stoppen?

Sind wir Castro auf Gnade oder Ungnade ausgeliefert?

ANTWORT:

Nun, ich glaube nicht.

Der erste Punkt, Herr Rowan, auf

den ich hinweisen möchte, ist - und das ist ein Punkt, den wir nicht so
unterstreichen können, wie wir möchten - daß der Wunsch von Menschen von Kubanern in dieser Zahl, ihr Land zu verlassen - und die amerikanische
Presse und die lateinamerikanische Presse in ganz Südamerika haben diesen
Punkt herausgestellt - daß dieser Exodus ein konkreter und dramatischer Beweis
für das Versagen des Systems Castros und seines Landes ist.
Was nun unsere Reaktion darauf anbetrifft, so haben natürlich
viele dieser Kubaner Verwandte hier in unserem Lande, und sie kommen hierher,
um sich mit ihren Familien wieder zu vereinigen, auf deren Wunsch hin. Als
Ergebnis haben wir, ich glaube 50 000 in dieser Kategorie eine neue Heimat
gegeben. Es gibt andere, die hierher kommen, in der Suche nach Freiheit
und in der Suche nach wirtschaftlichen Möglichkeiten, und hinsichtlich
dieser Flüchtlinge besteht eine internationale Verantwortung, und andere
Länder haben das anerkannt. So halten sich beispielsweise Vertreter von
Argentinien und Australien derzeit in unserem Lande auf, um die Möglichkeit
zu prüfen, ihren Anteil an der Last zu übernehmen. Die Konferenz von
San Jose hat das internationale Anliegen hinsichtlich dieses Problems
zum Ausdruck gebracht.
Und es handelt sich doch nicht bei allen um Gauner - es sind weniger
als 1 000 von den 100 000 Gauner. Was die übrigen anbetrifft, so suchen sie
die Art von Zukunft, die Flüchtlinge seit ewigen Zeiten gesucht haben, und
wir werden versuchen, dies zu einer internationalen Aufgabe zu machen.
Es wird international anerkannt, daß eine solche Notwendigkeit besteht,
und wir werden darauf drängen»
FRAGE: Herr Außenminister, Sie sagen, daß Sie mit einer Wiederaufnahme
der Verhandlungen über eine palästinensische Autonomie zwischen Ägypten und

�und Israel recnnen.

Basiert diese Erwartung auf re:ner Hoffnung, oder haben

S e eine Formel ausgearbeitet» die sie wieder zusammenbringen wird?
ANTWORT:

Es beruht zunächst einmal auf dem Wunsch beider Seiten, die

Verhandlungen fortzjsetzen, den anhaltenden Bemühungen beider Seiten und
der Vereinigten Staaten3 eine Forme" für die Wiederaufnahme der Verhandlungen
zu finden, nachdem da

unglückliche in der Knesset eingebrachte Gesetz

diese jUngste Pause verursacht hat. Und es besteht ein so starker Wunsch,
voranzukommen und die noch offenen Fragen in den Griff zu bekommen, daß es
nach meiner Meinung zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen kommen wird.
Ich will mich da zeitlich nicht festlegen, aber ich bin nicht mutlos,
FRAGE:

Aber Sie haben noch keine Formel ausgearbeitet?

ANTWORT: Wir haben eine Vielfalt von Formeln erwogen, eine nach
der anderen, and die Möglichkeiten sind noch nicht erschöpft.
FRAGE:

Herr Außenminister, Sie wissen selbst, daß wir in einem Jahr

mit Präsidentschaftswahlen leben, und der Fortschritt in der NahostDiplomatie kommt traditionellerweise in e.nem Präsidentschaftswahljahr
zu einem Halt, Glauben Sie wirklich» daß in diesem Jahr ein wesentlicher
Fortschritt in den Autonomieverhandlungen erzielt werden kann?
ANTWORT:

Ich meine, die Fortsetzung der Verhandlungen ist eine

positive Entwicklung

Ich kenne die Schwierigkeit, viele der innen- und

außenpolitischen Probleme in einem Wahljahr zu lösen, aber ich glaube, diese
Frage ist so wichtig, und welcher Druck dahinter steht, wird aus der Reihe
qualvoller Akte der Unmenschlichkeit in der West Bank nur zu deutlich.

Ich

glaube die Forderungen nach Fortschritten sind so stark, daß wir nach
meiner Meinung weiterhin einfach vorwärts drängen müssen,, Und was ich
meinen guten Freunden in Europa als Argument sagen möchte, ist, daß wir
ganz nahe an der Lösung der fünf wichtigsten noch offenen Fragen bezüglich

- 1

�bezüglich der Autonomie sind.

Es gibt keinen Weg, sich aus diesen Problemen

zurückzuziehen, es sei denn man bietet den Verhandelnden eine Ausrede,
sich zurückzuziehen.

Und es besteht natürlich eine Versuchung, sich

zurückzuziehen, denn wenn man zu solchen Fragen kommt, wie Siedlungen, Land,
Wasser, Sicherheit, Übertragung von Macht an eine Selbstverwaltungsbehörde,
dann kann man nicht lange über diese Dinge sprechen, ohne schließlich mit
der Lösung dieser Fragen konfrontiert zu werden.
wir drängen:

Und es ist das, worauf

Laßt nicht nach - und wenn das Erfolg hat, dann glaube ich,

werden wir selbst in einem Wahljahr einigen Fortschritt erzielen können.
FRAGE:

Herr Außenminister, man muß nunmehr zugestehen, daß Gouverneur

Reagan die Nominierung durch die Republikanische Partei gewonnen hat und
er unser nächster Präsident sein könnte.

Er hat davon gesprochen, zu

Taiwan wieder eine offizielle Beziehung zu unterhalten - anstelle dieser
Art von halboffizieller Beziehung, die wir derzeit haben.

Könnte dies Ihrer

Meinung nach unsere Beziehung zur Volksrepublik China stören, die sich gerade
entwickelt?
ANTWORT: Ich glaube, ja. Ich glaube, es wäre ein unerwünschter
Schritt zurück. Mir scheint, wir haben sowohl mit der Volksrepublik China
als auch mit Taiwan Übereinkommen ausgearbeitet, bzw. arbeiten daran, die
inoffiziell sind und die für beide China von wachsendem Vorteil sind auch wenn zwar keine der beiden Seiten eingesteht, daß es zwei solche China
gibt, aber dennoch zwei politische Einheiten existieren. Und ich sehe
keinen Grund, warum dieser Prozeß nicht weitergehen sollte.
FRAGE:

Lassen Sie mich eine Frage über einen demokratischen

Präsidentschaftsbewerber stellen.

Sie selbst sind ja ein ehemaliger

demokratischer Präsidentschaftsbewerber;

Sie kennen Senator Kennedy ziemlich

gut; Sie sind jetzt in einem Bereich der Außenpolitik tätig, wo es wahrscheinlich zwischen ihm und Präsident Carter mehr Übereinstimmung als
Meinungsverschiedenheiten gibt.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen

- 8 -

�Auswirkungen der anhaltenden Konfrontation zwischen Senator Kennedy und
dem Präsidenten auf die Wahlaussichten der Demokraten?
ANTWORT:

Oh, Sie bringen mich jetzt in einen politischen Bereich,

den Außenminister nicht betreten sollten, aber ich will Ihnen wenigstens
eine allgemeine Beobachtung mitteilen:

Ich bin Zeuge oder Teilnehmer von

Vorwahlen gewesen, die den Eindruck gaben, zu einer Spaltung zwischen
Demokraten zu führen; manche erreichten das, manche nicht.

Ich kann nicht

in der Zukunft lesen, um zu sagen, wie es diesmal ausgehen wird.
FRAGE: Kommen wir zur konkreten Außenpolitik zurück: Wäre es
in der gegenwärtigen Situation im Nahen Osten von Vorteil, wenn die
israelische Regierung die beiden palästinensischen Bürgermeister, die West
Bank-Bürgermeister, die jetzt in diesem Land sind und von den Israelis
ausgewiesen wurden, wieder zurückließe?
ANTWORT:
FRAGE:

Ich glaube, ja.
Haben Sie sie darum ersucht?

ANTWORT: In bezug auf Themen dieser Art bin ich der Ansicht, man
sollte sie auf der Verhandlungsebene belassen, wo sie derzeit sind, bevor
ich oder irgendjemand sonst versucht, bestimmte Themen dieser Art außerhalb
des Camp-David-Prozesses zur Verhandlung zu stellen. Ich glaube, wir
würden sonst die Bedeutung dieses Prozesses nur verringern.
FRAGE:

Herr Außenminister, Ihr Vorgänger, Cyrus Vance, vertrat

kürzlich in Harvard ziemlich leidenschaftliche die These, daß es ein
schwerer Fehler wäre, sollten die Vereinigten Staaten den SALT-Vertrag
mit den Russen nicht in diesem Jahr ratifizieren.
Washington kommt es so vor, als sei dies unmöglich.

Den meisten Leuten in
Ist es möglich?

Und ganz speziell: ist es möglich, nach den Wahlen eine Sondersitzung des

- 9 -

�des Kongresses anzuberaumen, um die Frage aufzugreifen?
ANTWORT:

Ich möchte auf drei spezielle Punkte zu sprechen kommen:

Erstens ist die Invasion Afghanistans eine so bedeutsame Abkehr von der
sowjetischen Norm hinsichtlich ihres internationalen Verhaltens und eine
so bedeutsame Bedrohung oder potentielle Bedrohung für die strategischen
Interessen der Vereinigten Staaten, daß wir unseren Widerstand dagegen
nicht aufgeben können.
Zweitens müssen wir uns in Einklang hiermit darüber im klaren sein,
daß Rüstungskontrolle ebenfalls in unserem nationalen Sicherheitsinteresse
liegt.

Eine Menge Leute haben Schwierigkeiten damit, beide Ziele gleich-

zeitig zu verfolgen.
Mein dritter Punkt, auf den ich hinweisen möchte, ist folgender:
Solange die derzeitige Präsenz der Sowjets in Afghanistan anhält, wird es
im Senat nicht genügend Stimmen geben, um SALT II zu ratifizieren. Das
ist eine Tatsache, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Dennoch
halte ich es für notwendig, daß wir uns für Rüstungskontrolle starkmachen,
während wir den Druck unserer Politik darauf richten, die Sowjets dazu zu
bringen, aus Afghanistan abzuziehen und sie davor abzuschrecken, noch
weiter zu expandieren. Ob sich nun eine Möglichkeit ergeben wird, Bewegung
in die Angelegenheit zu bringen - vor oder nach den Wahlen -, hängt meiner
Meinung nach von drei Punkten ab:
Erstens, von der Entwicklung der sowjetischen Politik in Afghanistan;
zweitens, wie dies in unserem Land politisch aufgenommen wird;
drittens, verständlicherweise

von den Wahlergebnissen am 4. November.
FRAGE:

- 10 -

�FRAGE:
zusammen.

Sie trafen vorigen Monat mit Außenminister Gromyko in Wien

Gibt es Pläne für ein weiteres Treffen oder etwas anderes, um

den damals angefangenen Dialog fortzuführen?
ANTWORT: Ich glaube, dieses Treffen bekräftigte die Tatsache, daß
ein Dialog von Zeit zu Zeit wichtig ist. Ich habe für ein weiteres Treffen
keine speziellen Pläne, aber ich möchte nicht die Möglichkeit ausschließen,
daß zu einem bestimmten Zeitpunkt bei gegebener Entwicklung und im gegebenen
Augenblick ein ähnliches Treffen in unserem nationalen Interesse sein könnte;
aber derzeit gibt es keine Pläne für weitere Treffen.
FRAGE: Herr Außenminister, Cyrus Vance trug auch vor, was nach Meinung
mancher Leute eine sehr ernste Kritik der Regierung war, daß nämlich Außenpolitik nach den Emotionen des Augenblicks gemacht wird und danach, was politisch
opportun ist. Wenn wir unsere augenblickliche Politik gegenüber der Sowjetunion betrachten, gegenüber Israel und so weiter: Könnte man nicht zu dem
Schluß kommen, daß Vance unbestreitbare Kritik geübt hat?
ANTWORT: Ich habe die Rede gelesen. Ich habe sie in der Nacht gelesen,
als sie gehalten wurde, und ich rief ihn danach an und machte ihm ein
Kompliment dafür. Aber ich beurteile jenen Teil der Rede, auf den Sie sich
beziehen, als eine allgemeine amerikanische Haltung, die schon seit langer
Zeit von vielen Regierungen dadurch widergespiegelt wird, daß sie bald so,
bald anders handeln; das ist, glaube ich, eine Widerspiegelung unseres
politischen Prozesses und unserer Tendenz, so zu reagieren, weil gleichmäßige
Stetigkeit nur schwer durchzuhalten ist, wenn unvorhersehbare Ereignisse
und Maßnahmen anderer Länder das durchkreuzen, was unser Fortschritt hin
auf früher gesteckte Ziele zu sein scheint.
Zum Beispiel war die sowjetische Invasion Afghanistans sicherlich
nicht vorhersehbar.

Ich meine damit nicht, ob es irgendwie von unseren

Nachrichtendiensten hätte vorhergesehen werden können; vielmehr meine ich

- 11 -

�ich die Öffentlichkeit, den Kongreß, die Aussicht auf Ratifizierung von
SALT II. Diese Invasion war nicht vorherzusehen, und als Folge mußten wir
die Ratifizierung von SALT II fallenlassen.

Das ist nun keine Unbeständigkeit.

Wir mußten sie fallenlassen, weil es keine Stimmen dafür gab.
FRAGE:

Wollen Sie damit sagen, daß es für uns unmöglich ist, eine

beständige, langfristige Politik der Sowjetunion gegenüber zu verfolgen, weil
sie Unerwartetes unternimmt, wie etwa die Invasion Afghanistans?
ANTWORT:

Nein, aber es ist eine Sache, eine langfristige Politik zu

haben, und es ist eine andere Sache, eine taktische Politik zu haben,
um auf Änderungen oder plötzliche Abweichungen der sowjetischen Politik zu
reagieren.

Ich meine, die sowjetische Politik muß langfristig etwas sein,

was wir fortwährend beurteilen müssen, was aber gleichzeitig zu beurteilen
ist hinsichtlich ihrer Schritte von Woche zu Woche, von Monat zu Monat und
von Jahr zu Jahr.

Dies könnte dann unsere langfristige Auffassung ändern,

wie dies meiner Meinung nach bei der Invasion von Afghanistan der Fall war.
Nachdem sie stattgefunden hat, muß das, was wir heute oder nächste Woche,
in diesem Jahr, diesem Wahljahr, tun, von dem beeinflußt werden, was sie
getan haben.

Und das war eben unerwartet, und eine Änderung in der sowjetischen

Außenpolitik, der unsere Reaktion darauf entsprach.
Wissen Sie, ich weiß eigentlich nicht genug über Fußball, um das wie
ein Experte zu beschreiben. Aber Sie sehen doch auch, wie ähnliche taktische
Veränderungen auf einem Fußballfeld stattfinden.
FRAGE: Herr Außenminister, die Regierung hat offensichtlich das
Problem der Geiseln im Iran absichtlich etwas aus dem Bewußtsein der
Öffentlichkeit genommen. Wie kann dieses Problem Ihrer Meinung nach überhaupt je gelöst werden?
ANTWORT:

- 12 -

�ANTWORT:

Ich glaube, wir haben es im Sinn unserer Bedenken und

unserer Anstrengungen überhaupt nicht weniger ins Bewußtsein gebracht.
ist nur weniger sichtbar.

Es

Wir versuchen, alle Wege der direkten und der

indirekten Diplomatie zu verfolgen, um die Iraner davon zu überzeugen, daß
es in ihrem eigenen Interesse liegt, die Geiselaffäre hinter sich zu bringen,
und wir sehen in -unehmendem Maße, daß dies dort auch so beurteilt wird.
In der Tat hat ja Mr. Clark heute schon in einem anderen Programm erwähnt, daß
die Stimmung im Iran sich hinsichtlich der Geiseln dramatisch gewandelt hat.
Es hat nun schon eine ganze Reihe von Schritten dieser Art von indirekter
Diplomatie gegeben, die darauf gerichtet sind, daß bestimmte Gruppen der
iranischen Gesellschaft dabei mithelfen, daß sich diese Überzeugung durchsetzt. Es ist in immer stärkerem Maß in ihrem Interesse, dieses Gel seiProblem hinter sich zu bringen, und da sie beginnen, dies zu begreifen, werden
die Anstrengungen guter Freunde und vielleicht auch unsere eigenen Anstrengungen
schließlich zur Freilassung der Geiseln fUhren,
FRAGE:

Aber sie sagen, daß das Problem von ihrem Parlament bis Ende

Juli noch nicht einmal besprochen werden wird.

Haben Sie irgendeine Hoffnung,

daß die Geiseln vor diesem Zeitpunkt freigelassen werden könnten?

Und

was würden Sie tun, falls das Parlament entscheidet, einigen der Geiseln den
Prozeß zu machen?
ANTWORT:

Was sie in der Öffentlichkeit sagen, ist nicht immer in

Einklang mit den Anstrengungen, die von Iranern im Stillen gemacht werden,
um ein anderes Ergebnis zu erreichen.

Bisher bestand das Problem immer

darin, daß keiner die umfassende Regierungsautoritä't hatte.
sie sich, wenn auch noch nicht gänzlich, im Parlament.

Jetzt konzentriert

Und wenn wir erst

einmal eine Regierung haben, die dem iranischen Volk verantwortlich ist
für die Geiselfrage und für das Wohlergehen des iranischen Volkes, dann
wird diese Regierungsautorität beides zusammen in Rechnung stellen müssen,
und wir werden etwas haben, womit wir uns befassen können.
FRAGE:
- 13 -

�£

FRAGE:

Herr Außenminister, wenn die Sowjets sich weigern, aus

Afghanistan abzuziehen, wie es derzeit der Fall zu sein scheint, und wenn
wir tatsächlich so lange nicht mehr mit ihnen reden, bis sie abziehen:
Befinden wir uns dann in einer Periode stärkerer Spannung und Konfrontation
mit der Sowjetunion, die sich über Jahre hinaus erstrecken könnte?
ANTWORT:

Die Sowjets sind durch die Reaktion der Welt auf ihre

Invasion in Afghanistan eingekeilt.

In diesem Zusammenhang hat mich eine

Veröffentlichung von Herrn Sacharow in der heutigen New York Times interessiert.
Ich meine, wenn Regierungen Schritte der Art unternehmen, wie dies die
Sowjetunion in Afghanistan getan hat und die Art von Widerstand erfährt,
wie sie dies dort tut, dann werden diese Regierungen anfangen, über ihre
Politik nachzudenken - wie die Sowjets es offensichtlich tun.

Aber das

bedeutet nicht, daß es eine schnelle und einfache Lösung geben wird.
ABSAGE:

Herr Außenminister, vielen Dank für Ihren Besuch hier bei

"Meet the Press".

- 14 -

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^ J

Dokumentation
1

International Communication Agency
Embassv of the United States of America

11. Juni 1980

28

STELLVERTRETENDER US-AUSSENMINISTER WARNT VOR PROTEKTIONISMUS
- Rede Christophers vor dem OECD-Ministerrat -

PARIS

- (AD) - Der Stellvertretende amerikanische Außenminister,

Warren Christopher, hat vor einem wirtschaftlichen Protektionismus gewarnt,
da Handelsbeschränkungen die Lage nur verschärfen würden.

In einer Rede

vor dem Ministerrat der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD), in der alle wichtigen Industriestaaten des Westens
zusammengeschlossen sind, betonte Christopher am 3. Juni 1980, daß die
Mitgliedstaaten ihre eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten auch nicht
als Vorwand für niedrige Entwicklungshilfe benutzen dürften.
Die Rede von Warren Christopher hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, an der Jahrestagung des OECD-Ministerrates teilnehmen
zu dürfen.

Ich überbringe Ihnen die besten Grüße und Wünsche unseres Außen-

ministers, der außerordentlich bedauert, daß ihn die Belastung durch die
neu übernommenen Aufgaben an einer Teilnahme hier hindert.

Außenminister

Muskie ist sich der Dringlichkeit wirtschaftlicher Probleme in den heutigen

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e x : 08-85432

�heutigen internationalen Beziehungen zutiefst bewußt - Probleme, die das
Leben all unserer Völker unmittelbar berühren.

Er unterstützt nachdrücklich

die Anstrengungen der OECD, eine koordinierte Antwort auf unsere gemeinsamen
wirtschaftlichen Probleme zu finden.
Die OECD hat zwar schon immer eine nützliche Rolle beim Informationsaustausch und der Koordinierung der Politik gespielt, aber ihre Bedeutung
hat in den letzten Jahren gewaltig zugenommen.

Die Ereignisse in diesem

Zeitraum haben über allem Zweifel gezeigt, daß die wirtschaftlichen Probleme,
vor denen wir stehen, sich einer Kirchturmpolitik und nationalen Lösungen
entziehen.

Nur durch Zusammenarbeit können wir die zerstörerischen, auf

Kosten des Nachbarn betriebenen Wirtschaftspolitiken vermeiden, die unseren
Ländern so teuer zu stehen kamen.
Die Wirtschaftstheorie hebt die Interdependenz der sich uns stellenden
Probleme wie auch die absolute Notwendigkeit hervor, sie in einer zusammenhängenden und gegenseitig zu vereinbarenden Weise anzupacken. Ich halte
es jedoch für wichtig, zwei unterschiedliche Arten der Interdependenz
zu betonen. Die eine Art liegt auf der Hand und ist praktisch zu einem
Klischee geworden: die Interdependenz unserer Volkswirtschaften. So
offensichtlich diese Tatsache auch ist, so muß sie doch immer wieder
hervorgehoben werden. Da Probleme wie Energie, Inflation und Arbeitslosigkeit
offensichtlich sehr schwer in den Griff zu bekommen sind, hat uns das zur
Suche nach kooperativen Lösungen ermutigt. Die internationale Zusammenarbeit kann paradoxerweise gerade jetzt besonders großen Nutzen bringen,
da die Forderungen nach Einführung von Maßnahmen immer lauter werden, die
sich unausweichlich als gegenseitig zerstörerisch erweisen würden.
Bei den entscheidenden Variablen der Wirtschaft haben in letzter
Zeit beispiellose Veränderungen stattgefunden.

Infolgedessen ist es für

uns besonders schwierig, die künftigen Auswirkungen dieser Veränderungen
und ihre Rückwirkungen auf unsere Wirtschaftspolitik vorauszusagen.

- 2 -

Die

�Die Zusammenarbeit im Rahmen der OECD wird uns bei der Gestaltung der
Politik wenigstens ein gegenseitig übereinstimmendes Weltbild vermitteln.
Darüber hinaus stehen alle unsere Volkswirtschaften vor der gewaltigen
Aufgabe der Anpassung an höhere Energiepreise - nicht nur auf dem Energiesektor selbst, sondern in allen Bereichen der Wirtschaft. Bei dieser
Anpassung gibt es Schritte, die wir gemeinsam tun können, und die uns daher
einen größeren Nutzen bringen als Maßnahmen, die wir jeder getrennt und
unkoordiniert ergreifen würden. Zu diesen Schritten gehört, daß wir die
Lasten gemeinsam tragen und auf gemeinsame Ziele zugehen. Die Zusammenarbeit
kann sicherstellen, daß die Maßnahmen, wir wir zur Stärkung unserer eigenen
Volkswirtschaften treffen, nicht auf Kosten der Wirtschaftstätigkeit anderer
Länder gehen.
Die zweite Art der Interdependenz, die ich hervorheben möchte, ist
der Zusammenhang zwischen allen großen wirtschaftlichen Problemen, vor denen
wir stehen.

Hohe Energiepreise, Inflation, langsames wirtschaftliches

Wachstum, Protektionismus und Recycling stehen alle in einem inneren
Zusammenhang.

Wir können daher keines dieser Probleme sinnvoll für sich

allein anpacken.
So ist beispielsweise Energie ein Problem eigener Art. Aber der
Preis von und die Versorgung mit Energie werden im kommenden Jahrzehnt
alle Aspekte unserer makroökonomischen Tätigkeit stark beeinflussen: wie
Inflation, Produktivität und Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig werden die
dramatischen Veränderungen in der Leistungsbilanz der am wenigsten entwickelten
Länder (LDC) in diesem Jahr diesen Ländern aufgrund der Erhöhung des
Energiepreises Schwierigkeiten bereiten. Unser makroökonomisches Verhalten
wird umgekehrt dafür bestimmend sein, ob die LDC in der Lage sein werden,
ihr Wachstum aufrechtzuerhalten und eine Verschärfung des Problems ihrer
Verschuldung zu vermeiden. Und schließlich werden all diese Probleme unsere
Handelsbeziehungen und unserer internationalen Finanzbeziehungen beeinflussen.
Da
- 3 -

�Da unsere Volkswirtschaften vor großen, durch die öl Preiserhöhung
hervorgerufenen Zahlungsbilanzdefiziten und einem langsameren realen
Wirtschaftswachstum stehen, werden die Forderungen nach protektionistisehen
Maßnahmen sicherlich zunehmen.
Die OECD bietet uns eine lange Erfahrung der nützlichen Zusammenarbeit
bei diesen Problemen der Interdependenz, und ihre derzeitige Arbeit bietet
ein volles Programm.

Lassen Sie mich kurz die nach meiner Meinung wichtigsten

Punkte dieses Programms aufzählen.
Die Energie ist das Gebiet,auf dem der Umfang der möglichen Zusammenarbeit am größten und vielleicht am lebenswichtigsten ist.

Wir können nur

gewinnen, wenn wir nicht nur einen zerstörerischen Wettlauf um knappe
Angebote in Perioden zeitweiliger Ausfälle vermeiden, sondern auch, wenn
wir gemeinsame Anstrengungen zur Anpassung an höhere Energiepreise unternehmen.

Vor zwei Wochen haben sich unsere Kollegen auf der Ministertagung

der Internationalen Energieagentur (IEA) dafür ausgesprochen, unsere
Koordinierung dieser entscheidend wichtigen Fragen zu verbessern.

Ich rufe

alle heute hier vertretenen Regierungen auf, die Beschlüsse jener Tagung
zu unterstützen und die geeigneten politischen Maßnahmen zu ergreifen, um
unsere Abhängigkeit von importiertem öl zu verringern und alternative
Energiequellen zu entwickeln.
Die wichtigste Aufgabe der Durchführung unserer makroökonomischen
Politik ist die Bewältigung der Inflation. Das wird keine leichte Aufgabe
sein. Aber wir können nicht mit einer Rückkehr zu einem starken und
anhaltenden Wachstum rechnen, solange wir die Inflation nicht in den Griff
bekommen. Ich möchte einen wichtigen Aspekt der Rolle der OECD dabei hervorheben. Die Politik der Zurückhaltung, die für die Bekämpfung der
Inflation so notwendig ist, birgt ihre eigenen Risiken, da wir vor einer
Verlangsamung des Weltwirtschaftswachstums stehen. Da das Wachstum keines
Landes von seinem Handel mit anderen Ländern unabhängig ist, wird die

- 4 -

�die reguläre Zusammenarbeit innerhalb der OECD bei der Erörterung der
Analyse der makroökonomischen Politik noch wichtiger werden, um sicherzustellen, daß der Abschwung in der Wirtschaftstätigkeit nicht noch schlimmer
wird, als wir heute befürchten.
Gemeinsames Handeln wird uns auch in unseren Beziehungen zu den
Entwicklungsländern helfen. Höhere Energiekosten und das langsamere Wachstum
unserer Volkwirtschaften wird das wirtschaftliche Wachstum in den Entwicklungsländern dämpfen. Wir müssen und können ihren Problemen auf vielerlei Weise
begegnen.
Erstens, wir müssen sie in ihrer Anpassung an höhere ölpreise unterstützen. Wir sollten sie anhalten zur Energieeinsparung, zu wirtschaftlicher
Nutzung der Energie und zur Entwicklung herkömmlicher und alternativer
Energiequellen. Wir müssen den armen Entwicklungsländern garantieren,
daß ihnen trotz unseres eigenen langsameren Wachstums unsere Märkte weiterhin
für ihre Exporte offenstehen werden.
Zweitens, wir müssen den ärmeren Entwicklungsländern bei der
Finanzierung ihrer Zahlungsbilanzdefizite während der Übergangsperiode
helfen.

Hier liegt unsere Aufgabe darin, die derzeit im Gang befindlichen

Reformen der internationalen Finanzierungsinstitute zu unterstützen, die
darauf abzielen, daß ihnen eine ausreichende Finanzierung zu akzeptablen
Bedingungen auf mittlere Frist zur Verfügung steht.
Und schließlich müssen wir einsehen, daß für die ärmsten der
Entwicklungsländer sowohl Hilfe als auch Finanzierung erforderlich sein
wird.
Wir müssen der Versuchung widerstehen, unsere eigenen wirtschaftlichen
Probleme als eine Ausrede für niedrigere Hilfeleistungen an Entwicklungsländer zu benützen.

Die ölexportierenden Länder und die Länder mit zentral

- 5 -

�zentral geplanten Volkswirtschaften haben auf diesem Gebiet ebenfalls
eine Verantwortung.

Wir möchten hoffen, daß die großen Überschußländer

sowohl durch Hilfeleistungen als auch durch Finanzierungsabmachungen eine
wichtige Rolle spielen werden, das Recycling (den Rückfluß) ihrer Überschüsse
in die Defizitlander sicherzustellen.
Obwohl uns die Zusammenarbeit im Rahmen der OECD bei der Bewältigung
der Energieverknappung und der Probleme der Entwicklungsländer helfen wird,
so liegt gerade auf dem Gebiet des Handels die größte Versuchung, unseren
eigenen, getrennten, nationalen Weg zu gehen.

Natürlich gibt es immer

Forderungen, unsere binnenwirtschaftlichen Probleme durch den Schutz der
Industrien zu beheben, die importanfällig sind.

Diese Forderungen werden

sich in der Zeit des langsamen Wachstums, das vor uns liegt, verstärken.
Wir müssen uns jedoch darüber im klaren sein, daß die Lösung durch verstärkte
Protektion eine Illusion ist. Als Gruppe können wir durch Handelsrestriktionen
nur schlechter und nicht besser daran sein.

Das hat sich immer als richtig

erwiesen, und offener Handel hat noch an Bedeutung gewonnen, so wie die
Notwendigkeit der Inflationsbekämpfung zugenommen hat.
Wir müssen auch der Versuchung widerstehen, durch die Subvention
von Exportkrediten, die die Marktkräfte verzerren, unsere Wettbewerbsfähigkeit
zu erhöhen. Zu diesem Zweck müssen wir unsere Abmachung über Exportkredite in Übereinstimmung mit den Realitäten des derzeitigen Kreditmarktes
bringen.
Die Vielfalt umd Komplexität der wirtschaftlichen Probleme, vor denen
wir stehen, verlangen von uns, Prioritäten zu setzen, und unsere Aufmerksamkeit
zu konzentrieren. Ich habe die vier Probleme umrissen, die für die
Vereinigten Staaten am dringendsten erscheinen. Aber die OECD und ihr
Sekretariat haben auch wertvolle Hilfe für andere Probleme geboten, die auf
lange Sicht unsere Aufmerksamkeit fordern werden.
Beispielsweise

�Beispielsweise müssen wir uns Sorgen über die Zunahme des Drogenmißbrauchs machen.

Die Heroin-Sucht hat in alarmierender Weise in ganz

Europa zugenommen und wächst jetzt in den Vereinigten Staaten.

Zum

erstenmal hat sich der Entwicklungshilfeausschuß auf mehreren informellen
Sitzungen mit der Auswirkung bilateraler Hilfsprogramme auf die ungesetzliche
Rauschgiftherstellung, der Quelle unseres Heroin-Problems, befaßt.

Die OECD

hat ferner die Aufstellung statistisch vergleichbarer Daten über Drogenmißbrauch unternommen, damit die Mitgliedsländer einen wirksameren
Informationsaustausch auf diesem Gebiet pflegen können.
Die OECD hat sich auch als außerordentlich ansprechbar für sich
verändernde Bedingungen und Erfordernisse auf anderen "nicht traditionellen"
Gebieten von wachsender Bedeutung für die Mitgliedsländer erwiesen. Die
persönliche Rolle des Generalsekretärs bei der Organisation der Türkei-Hilfe,
auf die unsere Mitglieder reagiert haben, läßt die Fähigkeit der Organisation
erkennen, zur Lösung ernster Probleme rasch zu handeln.
Die Konferenz auf hoher Ebene über die Beschäftigung der Frau im
April dieses Jahres hat, ebenso wie die Konferenz über Jugendarbeitslosigkeit
im Jahre 1978 wesentlich zu unserem Verständnis der Veränderungen auf unseren
nationalen Arbeitsmärkten und zur Fähigkeit unserer Regierungen beigetragen,
mit diesen Problemen fertigzuwerden. Der neue Stahl-Ausschuß der OECD
hat sich als wertvoller Apparat erwiesen, um Mitgliedsländern bei der
Oberwindung sektoraler Probleme und von Handelsproblemen zu helfen, die über
nationale Grenzen hinausgreifen. Ähnliche Beispiele können auf den Gebieten
giftiger Chemikalien, Datenaustausch über Grenzen hinweg, Großstadtprobleme
und Umweltschutz aufgezählt werden.
Diese eindrucksvolle Leistung der Anpassungsfähigkeit, Sachkenntnis
und Kraft ist weitgehend der kreativen Führung durch unseren Generalsekretär
zuzuschreiben.

Ich möchte Herrn van Lennep die höchste Anerkennung meiner

Regierung zum Ausdruck bringen für seinen persönlichen Beitrag zu dieser

- 7 -

�dieser Organisation und durch sie für die Länder, die wir vertreten.
Konferenzen wie diese zeigen, daß ein großer Kern an Übereinstimmung
und gemeinsamer Einsicht über die wirtschaftlichen Probleme existiert, die
uns plagen. Die Wirtschaftstheorie zeigt uns, daß enge, nationale Lösungen
nur eine temporäre Atempause von den wirtschaftlichen Problemen schaffen,
mit denen wir alle zu tun haben; daß nur durch internationale Zusammenarbeit
eine langfristige Lösung gefunden werden kann. Die OECD hat sich als
wertvolles Forum für unseren Meinungsaustausch, das gemeinsame Aufzeigen
nationaler Probleme und Erfahrungen und die Koordination unserer Lösungsanstrengungen erwiesen. Es liegt an uns, ob wir den politischen Willen
aufbringen, um unsere gemeinsamen wirtschaftlichen Erkenntnisse in politische
Maßnahmen umzuwandeln.

+ + + + +

�11. Juni 1980

28

NATO-SYMPOSION OBER GÜTESICHERUNG

- (AD) - -"Expandierende Technologie - Herausforderung der NATO
zur Gütesicherung in den achtziger Jahren" war das Motto einer fünftägigen
Konferenz, die 500 Regierungsvertreter und führende Persönlichkeiten der
Industrie aus den 15 NATO-Staaten vom 2. - 6. Juni 1980 in Washington
zusammenführte. Wichtige Punkte der Tagesordnung waren der Meinungsäustausch über Entwicklungen in der Qualitätskontrolle bei den Waffen und
anderem militärischem Gerät des Bündnisses, die Gewährleistung von geeigneten
Prüfverfahren und Wege zu deren Verbesserung.
Die Tagung stand unter der Schirmherrschaft des amerikanischen
Verteidigungsministeriums und der NATO-Gruppe der nationalen Direktoren für
die Gütesicherung.

Konferenzen über einschlägige Themen waren bereits

1973 in München und 1977 in London abgehalten worden.

Dr. J.M. Juran (USA),

der die amerikanischen Verfahren der Kontrolle und Gewährleistung von
Produktqualitäten weitgehend mitbestimmt hat, hob hervor, daß die Zusammenarbeit in der NATO auf dem Gebiet der Gütesicherung "vielleicht schon
nahezu perfekt" sei, warnte aber davor, es damit bewenden zu lassen.

Vielmehr

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�Vielmehr müsse die NATO mit äußerster Wachsamkeit ständig neue Wege für die
Anwendung des Qualitätssicherungsprogramms suchen, "wie wir ja auch schon
neue Flugzeugtriebwerke entwickeln müssen, während die gegenwärtigen Modelle
noch in der Produktion sind".
Die Teilnehmer erörterten Themen wie die Benutzung von ComputerSoftware für militärische Ausrüstungen, Gütesicherung in Konstruktion,
Auftragsvergabe an Spezialisten der Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung
bei Gemeinschaftsprojekten, veränderte Aufgabengebiete für Abnahmebeamten
der Regierungen und Einwirkungen der Gütesicherung auf die Entwicklungsphase
von Neukonstruktionen.

In kleineren Gruppen besuchten die Delegierten

Prüflaboratorien der US-Streitkräfte, der amerikanischen Industrie sowie
der NASA im Goddard Space Flight Center in Greenbelt (Maryland).

+ + + + +

�I 3

UJi/zcn/choft
und Technik
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28

11. Juni 1980

VERBESSERTE 'ÖLHEIZUNG
Weniger Ölverbrauch, Schadstoffemission stark verringert

- (AD) - Eine Modifizierung herkömmlicher ölheizanlagen durch den Einbau eines verbesserten Brenners und dessen genaue Abstimmung auf die Gegebenheiten im gußeisernen Verbrennungsraum ermöglicht in Verbindung mit einem
guten Wärmeaustauscher die Einsparung von 15 Prozent der Heizölmenge und eine
stark reduzierte Schadstoffemission. Dies berichtete Dr. Stephen J. Gage,
der Direktor für Forschung und Entwicklung beim amerikanischen Umweltschutzamt (EPA). Die verbesserte Heizanlage wurde zwei Jahre lang in sechs Einfamilienhäusern in Albany (New York) und Boston (Massachusetts) erprobt,
ihre Funktion samt Ölverbrauch und Abluft ständig überwacht.
Die "Integrierte EPA-Ölheizung" ist eine Gemeinschaftsentwicklung eines
EPA-Laboratoriums in Research Triangle Park (Bundesstaat North Carolina),
das sich mit Technologien zur Verringerung von Luft- und Wasserverschmutzung
durch stationäre Schadstoffquellen befaßt, und der Firma Rockwell International
in Canoga Park (Kalifornien). Projektleiter war EPA-Ingenieur G. Blair Martin
vom EPA-Institut "Industrial Environmental Research Laboratory (IERL)" in
Research Triangle Park.
In

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Telex: 08-85432

�In den Testhäusern waren zuvor während der Wintermonate ca. 3000 Liter
leichtes Heizöl verbraucht worden.

Mit den neuen Ausrüstungen lag bei gleicher

Heizleistung der Verbrauch bei 2500 bis 2550 Litern, was bei den öl preisen
im letzten Winter in den USA eine Einsparung von mindestens 110 Dollar pro
Haushalt bedeutete.
riger.

Die Stickstoffoxid-Emission lag sogar um 65 Prozent nied-

Dank der exakten Abstimmung des Brenners, der auch mit wenig zusätz-

licher Luft betrieben werden kann, werden außerdem weniger kohlenstoffhaltige
Verbindungen wie Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffe und Rauch an die Außenluft
abgegeben.

Durch den mit relativ hohem Wirkungsgrad arbeitenden Wärmeaus-

tauscher ist es möglich, Energieverluste über die Abluft auf ein Mindestmaß
zu beschränken.
bei.

Weitere Zusatzsysteme tragen ebenfalls zur Verlustminderung

Für die Gesamtentwicklung einschließlich Labortests, Optimierung, Um-

bauten und zweijähriger Erprobung wurden 700 000 Dollar investiert.
Dem EPA-Laboratorium IERL wurde die Entwicklung patentiert.

Die Geneh-

migung zur Anwendung der neuen Technik wird allen Interessenten lizenzgebührenfrei erteilt.

(Zusätzliche Informationen gibt auf Anfrage Mr. G.

Blair Martin, Combustion Research Branch, USEPA/IERL, Research Triangle
Park, N.C. 27711.)

+ + + + +

�11
I 3

Wi//en/chaft
uMi Technik
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11. Juni 1980

28

FRÜHERKENNUNG VON FUNKTIONSSTÖRUNGEN DES HERZENS

- (AD) - Die Computer-Tomographie (CCT), für deren Entwicklung der
Amerikaner A.M. Cormack und der Engländer G. Hounsfield im Jahr 1979 den
Nobelpreis für Medizin erhielten, versucht Douglas Boyd, Physiker an der
Universität Kalifornien in San Francisco, vor allem zugunsten der Früherkennung von Herzfunktionsstörungen weiter zu verbessern. Ihm und seinen
Mitarbeitern am radiologischen Inscitut geht es darum, die Aufnahmegeschwindigkeit zur Darstellung innerer Organe zu erhöhen. Zur Zeit können
die Scanner alle 2,5 Sekunden ein Bild aufnehmen. Boyd, der mit einem
Elektronenstrahlscanner statt der mechanisch rotierenden Röntgenröhre
des herkömmlichen Scanners arbeitet, möchte erreichen,daß mehrere Schichten
nahezu gleichzeitig abgebildet werden, wobei die Aufnahmezeit 1/40 Sekunde
beträgt.
Dadurch wird es nicht nur möglich werden, Ursachen für Herzfunktionsstörungen wie z.B. erhöhte Gewebedichte und Narbenbildung frühzeitig zu
erkennen, sondern auch Art und Ausmaß von Schädigungen des Herzmuskels
durch Herzanfälle genauer und sicherer zu ermitteln.

In räumlicher Darstellung

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�Darstellung soll der Arzt den jeweiligen Zustand des Herzmuskelgewebes
unmittelbar erkennen können.

"Unser Schnell Scanner liefert dem Arzt", so

Boyd, "klare Bilder von der Beschaffenheit, der Durchströmung und Bewegung
des Gewebes, so daß er den Zustand des Patienten besser bewerten kann".
Mit dem CT-Scanner wurden auch bereits Tumore im frühen Entwicklungsstadium und sehr kleine Krebsgeschwülste in den Nebennieren, im Pankreas,
in Leber und Nebenschilddrüsen entdeckt.

Äußere Kreislaufstütze für Infarktpatienten
Am Klinikum Davies, das ebenfalls zur Universität Kalifornien gehört,
wurde an Infarktpatienten eine "äußere Kreislaufstütze" erprobt. Dabei
werden die unteren Extremitäten in ein Fiberglasgehäuse gepackt, das sie
vom Knöchel bis zum Oberschenkel völlig umschließt. Im Zwischenraum zum
Körper befindet sich eine wassergefüllte Manschette. Eine mit der EKGAufzeichnung und damit der Herztätigkeit synchron arbeitende Pumpe drückt
in der Zeit zwischen den Kontraktionen des Herzmuskels zusätzlich Wasser
in die Manschette; im Augenblick der Kontraktion dagegen wird der Druck
verringert. Dadurch erhalten die Arterien einen höheren Strömungsdruck,
die Blut- und Sauerstoffversorgung des geschädigten Herzmuskels wird verbessert.
Der Versuch war Teil einer landesweiten Studie, an der 25 Kliniken
15 Monate lang teilnahmen; insgesamt 258 Infarktpatienten wurden erfaßt.
Die Ergebnisse wurden in der Februarausgabe der Zeitschrift "The American
Journal of Cardiology" veröffentlicht. Zu den Autoren gehören u.a. Dr.
Ezra Amsterdam, Medizinischer Direktor der Klinik für die Notarztbehandlung
von Herzpatienten, und Dr. Dean T. Mason, der Leiter der Abteilung für
Herz- und Gefäßkrankheiten. Es zeigte sich, das die Sterblichkeitsrate unter

- 2 -

�unter den mit der apparativen Kreislaufstütze behandelten Infarktpatienten
mit 6,5 Prozent weitaus geringer war als bei der Kontrollgruppe (14,7
Prozent), die nach herkömmlichen Methoden behandelt wurde.
"Unsere Studie brachte den Nachweis", erklärte Dr. Amsterdam, "daß
eine nicht-invasive, nicht-traumatische, praktisch risikofreie Apparatur
die Überlebensfähigkeit von Infarktkranken erhöhen kann."

Auch andere

Behandlungsmöglichkeiten, etwa mit Medikamenten oder mit chirurgischen
Eingriffen, sind verheißungsvoll, jedoch wurde noch keine dieser Methoden
derart eingehend und exakt überwacht und ausgewertet.

Ein weiterer Vorteil

der extrakorporalen Kreislaufstütze ist darin zu sehen, daß man ein transportabl
Gerät benutzt,

das geräuschlos arbeitet und innerhalb von Minuten angelegt

werden kann.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Muskie umreißt US-Außenpolitik in NBC-Fernsehinterview&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Außenminister in "Meet the Press" - (c) 1980 NBC, Inc.&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stellvertretender US-Außenminister warnt vor Protektionismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Christophers vor dem OECD-Ministerrat -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO-Symposion über Gütesicherung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbesserte Ölheizung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Weniger Ölverbrauch, Schadstoffemission stark verringert -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Früherkennung von Funktionsstörungen des Herzens</text>
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Information
und
Dokumentation
\

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

29

INHALT

DOKUMENTATION
Cyrus Vance: US-Außenpolitik muß 10 Jahre vorausdenken
- Rede des ehemaligen US-Außenministers in Cambridge -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Vereinfachtes Schmelzverfahren für die Kupferverhüttung
- Weniger Energieverbrauch - Keine Schwefeldioxid-Belastung
Synthese eines Naturstoffs für die Krebstherapie
- Weniger Nebenwirkungen als beim Naturprodukt -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

29

CYRUS VANCE: US-AUSSENPOLITIK MUSS 10 JAHRE VORAUSDENKEN
- Rede des ehemaligen US-Außenministers in Cambridge -

CAMBRIDGE, MASSACHUSETTS - (AD) - Der ehemalige amerikanische
Außenminister Cyrus Vance hat in seiner ersten Rede nach seinem Rücktritt
im April dieses Jahres eine weitblickende Außenpolitik der Vereinigten
Staaten gefordert. Anläßlich der Feierlichkeiten zum Abschluß des Studienganges an der Harvard-Universität in Cambridge im Staate Massachusetts
trat Vance für eine Ratifizierung des SALT II-Vertrages in diesem Jahr
ein, da weder die sowjetische Aggression in Afghanistan noch ein Wahljahr
die USA davon abhalten dürften, in ihrem eigenen nationalen Interesse zu
handeln. Vor allem erinnerte Vance daran, daß die Entscheidungen von 1980
die Welt von 1990 bestimmen werden.
Die Rede des ehemaligen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Sie sind der erste Jahrgang in Harvard, der im achten Jahrzehnt
dieses Jahrhunderts sein Studium abschließt.

Die Entscheidungen, die

unsere Nation heute trifft, werden die Zukunft in diesem Jahrzehnt gestalten,
Wir

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Tel: 0228-89 32 40
T e | e x : 08-85432

�Wir können entweder daran arbeiten, in kluger und wirksamer Weise
die Veränderungen, die heute unsere Welt zu übermannen drohen, mitzugestalten, oder uns durch unkluges Handeln von ihnen in Fesseln legen lassen.
Die Zeit fordert, daß wir grundlegende Ziele setzen und an ihnen
festhalten.

Weder wir noch die Welt können uns eine amerikanische Außen-

politik leisten, die Gefangene von Gefühlen des Augenblicks ist.
Wir müssen an eine Vorstellung von der Welt denken, wie wir sie
in einem Jahrzehnt haben wollen.

Das 1990, das wir anstreben, muß unser

Handeln 1980 bestimmen oder die Entscheidungen von 1980 könnten uns ein
1990 bescheren, das wir bedauern würden.
Unterstützung der Anstrengungen der Länder der Dritten Welt um die
Erhaltung ihrer Unabhängigkeit und um die Verbesserung der Lebensqualität
für ihre Bevölkerung, vor allem in jenen Ländern die am Rande des
Existenzminimums leben; Stärkung der Gesundheit und des Wohlergehens unseres
Wirtschaftssystems im Rahmen einer starken internationalen Wirtschaft:
Das sind die Entscheidungen, die wir zusammen mit der Aufrechterhaltung
des militärischen Gleichgewichts treffen müssen, während wir wirksam
unseren Wettbewerb mit der Sowjetunion bestehen und starke Bündnisse
freier Nationen fördern - das sind die Entscheidungen, die wir heute
treffen müssen.
Diese Ziele sind anspruchsvoll. Es wäre naiv, wollte man etwas
anderes annehmen. Aber wenn wir die Ziele nicht hoch stecken, dann werden
wir nicht weit kommen.
Bedenken wir immer, wie die Welt aussieht, von der wir ausgehen:
Eine Welt, die sich in einem rapiden Wandel befindet, mit wachsenden
Erwartungen, besserer Bildung, rascheren Kommunikationsmitteln; eine
Welt, in der weder die Vereinigten Staaten noch irgend ein anderes Land

�Land über ein Übergewicht an Macht oder ein Monopol der Weisheit verfügen.
Es ist eine Welt der Konflikte zwischen Ländern und Werten, zwischen
Gesellschaftssystemen und aufstrebenden neuen Interessen,,

Es ist eine

Welt, in der im Wettstreit stehende Supermächte unser gemeinsames überleben
1n den Händen halten, die jedoch paradoxerweise nicht in der Lage sind, die
Ereignisse zu ordnen.
Es herrscht eine beunruhigende Furcht in unserem Lande, daß wir
nicht mehr in der Lage sein könnten, unsere Zukunft zu gestalten. Manche
Leute glauben, unsere militärischen Muskeln seien geschwunden. Andere
machen sich Sorgen, daß unser politischer Wille gelähmt sei.
Ich akzeptiere diese düsteren Vorstellungen nicht. Sie lassen jene
uns eigene pragmatische Denkweise außer acht, die Amerika seit seiner
Gründung gekennzeichnet hat.
Ich halte die Auffassung für falsch, daß wir, und wir allein, für
all die verwirrenden Veränderungen verantwortlich seien, die um uns herum
geschehen. Das ist eine völlige Verkennung unserer Verhältnisse, eine
pervertierte Hybris, die unsere Macht und unsere Verantwortung für das
Übel überschätzt und unsere Fähigkeit zum Guten unterschätzt.
Die internationale Verteilung von Macht und Geist ist eine Tatsache.
Sie wird sich nicht ändern.

Sie erfordert neue und vitale Formen des

Handelns, nicht Bedauern und Heimweh nach den angeblich "guten alten Zeiten".
Was zu bedauern ist, ist das Zögern, unsere grundlegenden Zielsetzungen in Einklang mit diesen neuen Verhältnissen zu bringen.

Die

Antworten von gestern werden keine Lösungen für morgen bieten.
Es scheint mir, daß die derzeitige Unzufriedenheit mit der Welt
und mit unserer Rolle in ihr auf gewissen Irrtümern beruht.

- 3 -

Diese Illusionen

�Illusionen müssen erst zerstört werden, ehe unser Land einen einheitlichen
und zielstrebigen Kurs in der Außenpolitik einschlagen kann.
Der erste Irrtum ist, daß eine einzige Strategie - ein großer
Plan - die Antworten für alle und jede der Entscheidungen böte, vor denen
wir in der Außenpolitik stehen.

Welchen Wert diese Vorstellung auch

in einer bi-polaren Welt gehabt haben mag, heute kann sie uns nur schaden.
Die Welt ist pluralistisch geworden, und es tritt zu Tage, daß die Vorstellung
einer Strategie schlechthin - des großen Wurfes - wo die Tatsachen zurecht
gebogen werden, um in die Theorie zu passen, unzulänglich geworden ist.
Bei der Komplexität der Welt, die wir wohl oder über ererbt haben, hat
das Festhalten an einer einzigen Strategie nur die Wirkung, diese Komplexität
zu verwischen und die Völker in Freunde und Feinde zu trennen.
Der zweite weitverbreitete Irrtum ist die Angst vor Verhandlungen,
die Sorge, daß wir bei allen Absprachen immer als zweiter Sieger hervorgehen würden. Dieser Irrtum beruht auf der falschen Vorstellung, daß wir
eine realistische Alternative hätten, die Dinge allein zu regeln, daß wir
uns um die legitimen Interessen und Wünsche anderer Völker nicht zu kümmern
brauchten. Ohne das faire Abkommen durch Verhandlungen und Diplomatie
kann es nur eine fehlgeleitete, zum Scheitern verurteilte Anstrengung geben,
einander seinen Willen aufzuzwingen.
Wenn anderen ein faires Abkommen und seine Vorteile verweigert
werden, dann wird das deren Verhalten nicht ändern und ihre Macht nicht
verringern. Es wird lediglich die Wirkung haben, daß wir uns selbst der
gleichen Vorteile begeben. Wenn Amerika Angst hat, mit seinen Gegnern
zu verhandeln oder zu einem fairen Abkommen mit Ländern der Dritten
Welt zu gelangen, dann werden wir keine Diplomatie haben. Und wir werden,
nicht weniger als die anderen, die Verlierer sein.

�Ein dritter Irrtum, der ausgeräumt werden muß, ist die Vorstellung,
daß das Eintreten für die Werte Amerikas, wie etwa die Menschenrechte,
mit dem Eintreten für unsere Interessen unvereinbar sei.
Das Eintreten für die Menschenrechte muß ohne Frage auf die Praxis
zugeschnitten sein. Wir mllssen ständig abwägen, wie wir den Fortschritt
am besten fördern können, während wir uns die Fähigkeit erhalten, mit
Regierungen - selbst unpopulären Regierungen - 1n Ländern Umgang zu pflegen,
wo wir wichtige Sicherhe1ts1nteressen haben.
Aber wir mlissen letztlich erkennen, daß die Forderung nach Freiheit
des einzelnen und wirtschaftlichem Fortschritt nicht lange unterdrückt
werden kann, ohne nicht die Saat des gewaltsamen Umbruchs zu säen.
Es liegt daher in unserem eigenen Interesse, den konstruktiven
Wandel zu unterstützen, wie wir es beispielsweise in der Dominikanischen
Republik getan haben und wie wir es in Mittelamerika anstreben, bevor die
Alternativen des Radikalismus oder der Unterdrückung gemäßigte Lösungen
mit Gewalt verhindern.
Wir wissen aus unserer eigenen nationalen Erfahrung, daß das Streben
nach Freiheit des Menschen eine gewaltige Macht und Lebenskraft hat.
Dieses Streben ist weltweit; es ist unwiderstehlich und es kann letztlich
nicht unterdrückt werden.
So decken sich also in einem tiefen Sinne unsere Ideale und unsere
Interessen. Denn die Stabilität, die entsteht, wenn Menschen ihrer Hoffnung
Ausdruck verleihen und ihre Zukunft frei aufbauen können, ist ganz und gar
in unserem Interesse.
Und es besteht noch der gefährliche Irrtum, daß es eine militärische
Lösung für nichtmilitärische Probleme gäbe.

- 5 -

Dieser Irrtum wird besonders

�besonders akut in Zeiten der Frustration, wenn die Verhandlungsprozesse
als langsam und mühsam betrachtet werden.
Die militärische Macht Amerikas ist von entscheidender Bedeutung,
um das weltweite militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten»

Unsere

Verteidigungskräfte müssen modernisiert werden - und sie werden modernisiert.
Aber militärische Macht ist eine Basis und kein Ersatz für die Diplomatie.
Ich habe argumentieren hören, daß unsere Antwort auf eine sich
verändernde Welt in einem neuen Nachdruck auf die militärische Macht
Amerikas und dem Willen, sie einzusetzen, liegen müsse.

Dies kommt in den

vorgeschlagenen neuen Haushaltsprioritäten im Kongreß zum Ausdruck, durch
die unnötige Verteidigungsausgaben innenpolitische Programme und die Auslandshilfe verdrängen.

Es herrscht fast einhellig die Meinung, daß eine Erhöhung

der Verteidigungsausgaben notwendig ist. Aber es ist eine Illusion zu
glauben, daß das ein Ersatz für die Diplomatie und die Mittel wäre, die
wir brauchen, um solche Probleme anzupacken wie inneren Wandel und grundlegende Ansprüche in unseren.Ländern oder eine angeschlagene internationale
Wirtschaft.
Die Anwendung militärischer Gewalt ist keine und darf keine wünschenswerte politische Antwort Amerikas auf die Innenpolitik anderer Länder sein.
Wir sind überzeugt, daß wir das Recht haben, unsere eigene Zukunft selbst
zu gestalten. Wir müssen dieses Recht in anderen Ländern achten. Wir
müssen klar und deutlich den Unterschied begreifen zwischen unserer
Bereitschaft, kraftvoll zu handeln, wenn die Lebensinteressen unserer
Nation, unserer Verbündeten und unserer Freunde bedroht werden, und
unserer Einsicht, daß unsere militärische Macht keine befriedigende Antwort
auf rein interne Probleme anderer Länder bieten kann»
Schließlich existiert da

ein weitverbreiteter Irrtum: daß nämlich

Amerika die Macht besitzen würde, die Welt nach unserem Willen zu gestalten.

- 6 -

�gestalten.

Dabei nimmt man zum Beispiel an, daß wir die Sowjetunion

dominieren könnten, daß wir sie daran hindern könnten, eine Supermacht
zu sein - falls wir uns dazu nur entschließen.

Dieser veraltete Gedanke

hat mehr mit Nostalgie zu tun als mit der Realität von heute.
Die Sowjetunion, die die ausgedehntesten Landräume aller Staaten
dieser Erde umfaßt, hat ihre eigenen strategischen Interessen und Ziele.
Aus einem Zustand der Unterentwicklung und der Verwüstung durch den Krieg
heraus hat sie gewaltige militärische und industrielle Mittel geschaffen.
Wir sollten diese Mittel nicht mehr länger unterschätzen noch überbewerten.
Mit der Sowjetunion müssen wir eine Position eines grundlegenden Gleichgewichts erhalten und bewältigen. Es ist naiv zu glauben, daß die Russen
nach unseren Regeln spielen würden - so wenig wie wir die ihrigen
akzeptieren. Es ist naiv zu glauben, daß sie bereitwillig bei der
militärischen Stärke eine zweitrangige Stellung akzeptieren würden, so
wenig wie wir dazu bereit wären.
Eine gefährliche neue Nostalgie steht hinter all diesen Irrtümern,
eine Sehnsucht nach der alten Zeit, als die Welt - zumindest im Rückblick ein geordneter Platz gewesen zu sein schien, wo die amerikanische Macht
allein diese Ordnung bewahren konnte. Diese Nostalgie untergräbt laufend
das Vertrauen in unsere nationale Führung, denn sie ermutigt zu Erwartungen,
die in keinerlei Beziehung zur Wirklichkeit stehen. Und sie läßt den Wandel
in den Bedingungen dieser Welt nur noch als Bedrohung erscheinen - und
nicht als neue Möglichkeit. Sie läßt eine widerspenstige Welt feindlicher
erscheinen als sie ist. Die Tatsache aber ist doch, daß wir ein Volk sind,
das sich der Veränderung nicht nur gut angepaßt hat, sondern dadurch gediehen
ist.
Die neue Nostalgie führt uns zu vereinfachten Lösungen und zur
Illusion, es alles allein machen zu können - und lenkt unsere Energien ab
von dem Kampf um die Gestaltung des Sich-Wandelnden hin zu konstruktiven

- 7 -

�konstruktiven Richtungen.

Es ist ein selbstgefälliger Unsinn, der uns

in Irrtum, wenn nicht Unheil führen muß.
Welcher Kurs steht uns nunmehr offen?
Unsere echten Probleme sind ihrer Natur nach langfristig.

Es

genügt nicht, dramatische Schritte zu unternehmen und zu versuchen, sich
aus unangenehmen Zwickmühlen mit einem Schlag zu befreien.

Angesichts

der wirklichen Probleme, vor denen wir jetzt stehen, wird diese Methode
nicht nur nicht ausreichen, sondern zusätzliche Probleme schaffen.
Es ist klar, daß man sich mit plötzlichen Krisen in dem Moment
auseinandersetzen muß, da sie auftauchen.
Ereignissen lernen.

Und wir sollten aus solchen

Aber man sollte ihnen nie erlauben, die Ziele unserer

Außenpolitik zu verzerren.
Als Weltmacht haben die Vereinigten Staaten eine ungewöhnliche
Bandbreite von Interessen. Aus diesem Grund müssen wir sicherstellen,
daß die Verfolgung des Erwünschten nicht das Erreichen des Wesentlichen
beeinträchtigt.
Wenn wir bis zum Jahr 1990 keinen Fortschritt in den vier grundlegenden Bereichen erzielt haben, die ich oben aufgeführt habe, wirf die
Welt tatsächlich der unwirtliche Platz sein, den viele befürchten. In
jedem Bereich können wir Fortschritte machen - wenn! Wenn wir auf unsere
Hoffnungen nicht weniger hören als auf unsere Ängste. Wenn wir bereit sind,
jetzt für das künftige Gute ein Opfer zu bringen. Und wenn wir - und dies
ist am wichtigsten - mit anderen Staaten zusammenarbeiten, um die Probleme
zu lösen, die keiner allein zu lösen vermag.
Erstens müssen wir das globale militärische Gleichgewicht aufrechterhalten und gleichzeitig ein Gleichgewicht bei unseren politischen

�politischen Beziehungen mit der Sowjetunion erreichen.
Unsere militärische Stärke ist wichtig für unsere eigene Sicherheit
und für eine starke Außenpolitik, die frei von Zwang ist; sie ist wichtig
fUr das Vertrauen von Verbündeten und Freunden, und sie ist wichtig für
die Zukunft der wechselseitigen Rüstungskontrolle und anderer Verhandlungen.
Unsere Stärke stützt auch regionale Gleichgewichte, die durch direkten oder
indirekten Einsatz sowjetischer Macht gestört werden könnten.
Dieses militärische Gleichgewicht zu erhalten, wird teuer sein.
Um die Kosten in Grenzen zu halten und unsere Sicherheit zu erhöhen,
brauchen wir eine wirkungsvolle Rüstungskontroll politik als integralen
Bestandteil unserer Sicherheitspolitik.
Wenn aber einst die Historiker des Jahres 1990 auf das Jahr 1980
zurückschauen werden, so wird wahrscheinlich ein grundlegender Fehler
festgestellt werden können: das Versäumnis der Ratifizierung des SALT IIVertrags. Als ein Symbol für unsere Hoffnung auf eine friedlichere Welt,
als eine Verpflichtung, durch Rüstungskontrolle auf mehr Sicherheit
hinzuarbeiten und als ein Prozeß, der den Versuch unternimmt, Meinungsverschiedenheiten mit einem Gegner abzubauen, steht dieser Vertrag im
Mittelpunkt einer vernünftigen und weitsichtigen amerikanischen Außenpolitik.
Ohne diesen Vertrag werden unsere Anstrengungen zur Verhinderung
der Weiterverbreitung von Kernwaffen in Gefahr geraten. Wenn es den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht gelingt, konkrete Fortschritte
in Richtung auf die Kontrolle von Kernwaffen und die Unterlassung von
Kernwaffentests zu machen, werden die Nichtnuklearstaaten immer weniger
Grund für eigene Zurückhaltung haben.
Ohne diesen Vertrag werden beide Seiten mehr Kernwaffen haben als
mit ihm. Die Sowjetunion insbesondere wird tausende zusätzlicher nuklearer

- 9 -

�nuklearer Gefechtsköpfe haben.
Ohne diesen Vertrag wird es für uns viel schwieriger sein,
verläßliche Pläne für unsere militärischen Streitkräfte auszuarbeiten, da
wir in einer weniger guten Position sein werden, um zu wissen, was innerhalb
der Sowjetunion vorgeht.

Der Vertrag untersagt Praktiken, die die jeweilige

Seite daran hindert, die Einhaltung der Vertragsinhalte durch die andere
Seite zu verifizieren.
Ohne diesen Vertrag wird in beiden Gesellschaftssystemen weniger
Wert darauf gelegt werden, Meinungsverschiedenheiten ohne Konflikt aus
der Welt zu räumen.

Politische Elemente, die mehr Betonung auf Konflikt

als auf Kooperation legen, werden gestärkt werden.
Ohne diesen Vertrag wird dem Prozeß der Rüstungskontrolle womöglich
ein Schlag versetzt, von dem er sich nie mehr erholt. Kann es irgendeinen
Zweifel darüber geben, daß dies alles das kommende Jahrzehnt gefährlicher
mächen wird?
Noch ist es nicht zu spät; aber bald könnte es dies sein. Ich bin
der Ansicht, daß der Senat den SALT II-Vertrag noch vor Jahresende ratifizieren
muß. Sicherlich müssen wir unsere standhafte und feste Haltung gegenüber
der sowjetischen Aggression in Afghanistan fortsetzen. Aber weder diese
Aggression noch die Tatsache, daß dies ein wahlpolitisches Jahr ist, sind
genügend Gründe, um nicht in unserem eigenen nationalen Interesse zu handeln.
Ich bin mir der politischen Schwierigkeiten bewußt, in dieser Zeit zu
handeln. Aber wenn wir dabei versagen, werden wir uns eines Tages fragen,
warum wir uns durch Überlegungen des Augenblicks blind machen ließen
und dabei eine lebenswichtige langfristige Gelegenheit versäumten. In
einem Wahljahr ist es viel zu leicht möglich daß etwas, das wie schlaue
Politik aussieht, schlechte Politik produziert.
Die

�Die Vereinigten Staaten wie die Sowjetunion werden in den kommenden
Jahren noch härter arbeiten müssen, um äußerst ernste Konfrontationen zu
vermeiden.

Die Gestaltung unserer Beziehungen zur Sowjetunion wird wo-

möglich der bedeutsamste Prüfstein für die Reife unserer Urteilskraft sein,
für die klarsichtige Erkenntnis unserer wirklichen Interessen und für unsere
Fähigkeit zur Führung.
Es ist dumm und gefährlich zu glauben, daß wir diese Beziehung durch
Abschreckung allein gestalten können. Wir werden auch positive Anregungen
anbieten müssen.
Wir müssen unsere Stärke ebenso wie die Aussicht auf beiderseitig
vorteilhafte Abkommen dazu benützen, um den Wettstreit mit der Sowjetunion
zu gestalten. Wir müssen auf stillschweigende, wenn möglich sogar ausdrückliche
Abkommen hinarbeiten, um unseren Wettstreit durch Beschränkungen einzugrenzen, durch verbindliche Regeln für den Wettstreit, die für beide gelten.
Die Mittel zur Erreichung dieses Ziels sind Geduld, Beständigkeit,
Klarheit und Folgerichtigkeit. Moskau gegenüber können wir uns keine wilden
Pendel ausschlage von übertriebener Vertrauensseligkeit bis zur Hysterie
erlauben. Und während wir diesen beständigen Kurs beibehalten, müssen wir
wissen, daß es der ständigen Anstrengung bedarf, um diese verbindliche
Regel für den Wettstreit zu erhalten. Diese Anstrengung muß Abschreckung
ebenso einschließen wie die Möglichkeit der Zusammenarbeit dort, wo sich
unsere Interessen decken.
Wir müssen auch erneut die Art und Weise überdenken, wie wir unser
Verhältnis zur Volksrepublik China im Vergleich zu dem mit der Sowjetunion
gestalten sollen. Bei der Entwicklung nichtmilitärischer Beziehungen zu
China sollten wir zugleich darauf bedacht sein, wieder ein ausgewogeneres
Verhältnis zu beiden Ländern zu bekommen.
Ein

- 11 -

�Ein zweites und überragendes Ziel für unser Land sollte die Förderung
starker Bündnisse zwischen freien Staaten sein.
Aber man kann nicht leugnen, daß die Beziehungen unter demokratischen
Industriestaaten nicht einfach sind.

Wir müssen die Ursachen dafür

anpacken, und sie dürften womöglich viel grundsätzlicherer Natur sein als
wir zuzugestehen bereit sind.
Wir müssen bessere Wege der Koordination unserer Politiken in Gebieten
finden, die außerhalb unserer Staatsgebiete liegen - denn gerade dort
stehen wir in zunehmendem Maß vor immer neuen Problemen.

Wenn auch unser

unmittelbares Interesse in diesen Gebieten manchmal auseinandergeht, so
laufen unsere grundlegenden Interessen doch parallel

und sollten daher eine

Grundlage für gemeinsame Schritte abgeben.
Unsere Verbündeten müssen erkennen, daß sie von Amerika nicht erwarten
können, einen unverhältnismäßig großen Anteil an den Lasten der Abschreckung
zu tragen - auch wenn der amerikanische Nuklearschild unverrückbar und unsere
Verpflichtung zur gemeinsamen Verteidigung unveränderlich sind.
Auch wir unsererseits müssen die andere Seite dieser Medaille nehmen
wie sie ist. Wir brauchen gemeinsame Anstrengungen, denn wir können nicht
die ganze Last allein tragen - und wir haben auch nicht alle Antworten
parat. Was wir geben müssen, ist die Bereitschaft zur Konsultation und
zur Anpassung um der Übereinstimmung im Bündnis willen. Konsultation kann
kein Ersatz für eine klare Richtung sein. Aber es hat keinen Zweck, einander
zu konsultieren, wenn wir danach nicht bereit sind, unseren Kurs zugunsten
einer gemeinsamen Linie anzugleichen.
Teils wegen der Stärke unserer Bündnisse

werden eher die Länder der

Dritten Welt - und weniger die Gebiete unserer Bündnisse- im kommenden
Jahrzehnt das Krisenzentrum sein.
Sicherlich
- 12 -

�Sicherlich stellen die sowjetischen Maßnahmen Drohungen dar, denen
wir uns stellen müssen - wie wir dies bei Afghanistan und auch sonst in
der Dritten Welt gesehen haben.
Aber dies wird wirkungslos sein, wenn wir lediglich reagieren, indem
wir die sowjetischen Taktiken nachahmen - und den militärischen Aspekt zu
Lasten des politischen unterstreichen, und wenn wir die Sehnsucht in den Ländern
der Dritten Welt nach Unabhängigkeit und wirtschaftlicher Gerechtigkeit
ignorieren.
Wir mUssen den ausgeprägten Nationalstolz und Drang nach Unabhängigkeit
in den Entwicklungsländern begreifen. Nachdem sie dafUr gekämpft haben, die
Last äußerer Beherrschung abzuschütteln, werden sie mit allem Nachdruck die
Anstrengungen anderer Staaten zurückweisen, ihnen ihren Willen aufzuzwingen.
Wir sollten diesen Geist der Unabhängigkeit respektieren und stärken.
Uns ist nicht damit gedient, daß sie so sind wie wir; sondern daß sie frei
sind, um sich uns anzuschließen, um auf die Ziele zuzugehen, die wir gemeinsam
haben.
Unterstützung für politische Unabhängigkeit und wirtschaftliches Wachstum
in den ärmeren Ländern ist zunächst einmal wichtig, weil diese Staaten
eine eigenständige Bedeutung haben.
werden.

Ihre Konflikte können auch unsere Kriege

Unser Handel mit ihnen nimmt zu.

Ihre Instabilität kann unsere

Interessen auf vielfache Weise beeinflussen.
Es dient auch unseren nationalen Interessen, wenn wir durch unsere
Hilfe die Sicherheit der Staaten der Dritten Welt unterstützen.

Wenn wir

ihnen bei der Entwicklung ihrer Volkswirtschaften helfen, dann erfüllen
wir nicht nur dringende menschliche Ansprüche, sondern wir investieren
zugleich in wichtige Handelsbeziehungen.

Es dient unseren Interessen, wenn

wir den friedlichen Wandel in diesen Staaten unterstützen und zur friedlichen
Beilegung ihrer Konflikte ermutigen.
Unseren
- 13 -

�Unseren Interessen ist eindeutig durch unsere Anstrengungen gedient,
bei der Lösung des arabisch-israelischen Konflikts zu helfen und dieser
unruhigen und lebenswichtigen Region Frieden zu bringen.
Im Jahre 1990 werden die Probleme der Dritten Welt genau wie 1980
eine zentrale Herausforderung für unsere Klugheit sein.

Und dennoch existiert

noch immer kein realistischer Plan, um die potentiellen Gefahren zu bannen
oder die Pein von Hunderten Millionen von Menschen zu beenden, die in
erniedrigender Armut leben.

Aber im kommenden Jahrzehnt können die Vereinigten

Staaten hinsichtlich des Ernstes dieser Probleme eine positive Änderung herbeiführen - indem sie dabei helfen, Fortschritt und Hoffnung zu schaffen und
ihr Auge, nicht abwenden von Gewalt und Leiden aus Verzweiflung.
Um diese Änderung herbeizuführen, müssen wir zunächst einmal die
Unterschiede zwischen uns und den Ländern der Dritten Welt erkennen und
zugleich dort mit ihnen zusammenarbeiten, wo sich unsere Interessen decken.
Zu einem Frieden in Zimbabwe kam es durch die Fähigkeit Großbritanniens und
der Vereinigten Staaten, mit den afrikanischen Staaten in dieser Zone zusammenzuarbeiten.

Wenn es nach den Gegnern verbesserter Beziehungen mit Mozambique,

Sambia, Tansania und anderen gegangen wäre, wäre die Lage heute wahrscheinlich
sehr viel anders.

Die logische Schlußfolgerung liegt auf der Hand:

Es hat

keinen Sinn, die Regierung von Angola nicht anzuerkennen6 eine Regierung,
mit der wir bei der Suche nach Frieden im südlichen Afrika trotz grundlegender
Meinungsverschiedenheiten bei anderen Fragen zusammengearbeitet haben.
Es ist auch nötig, unsere Hilfsmittel hinter unsere Politik zu
stellen.
Amerikanische Hilfsprogramme umfassen weniger als 1,5 Prozent unseres
Bundeshaushalts.

Sie aber - und nicht die großen Worte und nicht der gute

Wille allein -, machen den ganzen Unterschied bei der Unterstützung unserer
Diplomatie in der Dritten Welt aus und dabei, wie wir jetzt die Ursachen

- 14 -

�Ursachen späterer Krisen anpacken.

Und dennoch werden sie andauernd

im Kongreß und anderswo angegriffen.
Das Ergebnis ist - ich kann an kein anderes
Unser

Wort denken - beschämend.

Sicherheitsbeistand ist in den letzten 20 Jahren um 25 Prozent

zurückgegangen.
Unter den 17 stärksten Industriemächten stehen die Vereinigten Staaten
an 13. Stelle hinsichtlich des Prozentsatzes des Bruttosozialproduktes, der
für Entwicklungshilfe angesetzt ist.

Es ist ziemlich wahrscheinlich, daß

wir noch weiter zurückfallen.
Wir sind weit im Rückstand beider Verwirklichung unserer Versprechungen,
die wir den multilateralen Entwicklungsbanken gegeben haben - und es ist
wahrscheinlich, daß der Rückstand größer wird.
Es reicht nicht aus, unsere Verteidigung zu stärken. Wir müssen auch
die Hilfsmittel ausweiten, die wir brauchen, um unsere Diplomatie zu unterstützen, eine Diplomatie, die dazu dienen soll, die Möglichkeiten zu vermindern, daß unser Militärapparat überhaupt benötigt wird.
Die anderen Länder wollen nicht die großen Worte der amerikanischen
Führung; sie wollen ihre Substanz. Und die müssen wir bieten. Die globalen
Verhandlungen bei den Vereinten Nationen über die Beziehungen zwischen den
Industrieländern und den Entwicklungsländern - die diesen Herbst in New York
beginnen - bieten uns eine vorzügliche Gelegenheit, diese Führungsrolle zu
demonstrieren.
Dies bringt mich zu einem vierten Ziel für dieses Jahrzehnt: eine
starke amerikanische Wirtschaft in einer starken Weltwirtschaft.
Ich

- 15 -

�Ich möchte Sie bitten, über die Schlußfolgerungen für unsere Zukunft
nachzudenken, die sich aus zwei nackten Statistiken ergeben:
•

Der Internationalen Energieagentur zufolge wird die weltweite Nachfrage nach Erdöl im Jahr 1985 wahrscheinlich die weltweite ölförderung um
2 Millionen Faß pro Tag übertreffen, geht man von den derzeitigen Trends
aus.

überdenken Sie die Folgerungen dieser Tatsache für die ölpreise auf

dem Weltmarkt und für unsere eigene Volkswirtschaft, für die hartbedrängten
Volkswirtschaften der ärmeren Länder und für die Beziehungen zwischen den
Industriestaaten, wenn man sich wieder um die Energie reißt.
Die andere Statistik ist ihrer Natur nach innenpolitisch: In den
Vereinigten Staaten ging die Produktivität im Jahr 1979 von Quartal zu
Quartal zurück, nachdem die Zuwachsrate unserer Produktivität im Verlauf
der vorhergehenden zwei Jahrzehnte ständig geringer geworden war. Abnehmende
Produktivität aber heizt nicht nur die Inflation an. Sie untergräbt auch
unsere Handelsposition und die Stärke des Dollar. Und sinkende Produktivität
bedeutet wachsende Forderungen nach Protektionismus im eigenen Lande.
In beiden Fällen - bei der Bewältigung der Energiekrise und bei der
Überwindung des Produktivitätsproblems - können wir uns nicht auf den
Geniestreich irgendeines Volkswirtschaftlers verlassen, der eine neue Lösung
bringt.

Wir brauchen Akte des politischen Willens.

Wenn die Vereinigten Staaten und die anderen Industriestaaten nicht
entschlossen handeln, um das Niveau unseres Energieverbrauchs zu senken und vor allem unsere Nachfrage nach Erdöl-, werden wir gegen Ende des
Jahrzehnts, oder womöglich noch früher, wirtschaftlich am Rande des Ruins
stehen. Die Anstrengung muß jetzt gemacht werden.
Der Präsident erkannte die Gefahr, die sich aus unserer Energieabhängigkeit ergibt, und war von den ersten Tagen seiner Regierung an um eine

- 16 -

�eine umfassende Gesetzgebung bemüht, um das Problem in den Griff zu bekommen.
Skepsis der Öffentlichkeit und Untätigkeit des Kongresses haben die umfassende
Durchführung seines Programms um drei kostbare Jahre verzögert.

In der

Zwischenzeit haben die ölexporteure willkürlich eine Preiserhöhung nach der
andern vorgenommen und ihre ölwaffe zu politischen Zwecken eingesetzt.
Das wird sich nicht ändern, solange wir nicht bereit sind, die Inlandspreise
für Energie die Realitäten des Marktes widerspiegeln zu lassen und übermäßigen
Verbrauch zu besteuern, anstatt die OPEC dies für uns tun zu lassen; solange
wir keine energiesparenden Autos, Häuser und Geräte herstellen und genügend
Mittel in die Entwicklung alternativer Energiequellen stecken; und solange
wir die Lasten der Einsparung nicht mit den anderen Industrieländern teilen
und gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen nicht gemeinsam Front machen.
Voriges Jahr sank die amerikanische Produktivität in allen vier Quartalen.
Auch die Lösung dieses Problems wird teuer sein.

Aber wir brauchen weniger

Verbrauch und eine höhere Rate bei den Kapitalinvestitionen, eine Bereitschaft,
von überalterten Industrien loszukommen, anstatt sie mit protektionistisehen
Handelsschranken am Leben zu erhalten.

Wir brauchen Anreize zur Innovation

und verantwortungsbewußte Lohn- und Preisforderungen bei Industrie und
Gewerkschaften.

Im Ursprung handelt es sich hier nicht um Fragen der Wirt-

schaftstheorie, sondern um eine Frage des nationalen Willens.
Um sich diesen vier von mir beschriebenen Herausforderungen zu stellen,
bedarf es keiner raschen Reparaturen, keiner neuen Notbehelfe, keiner
Täuschungsmanöver oder Drohungen.

Es bedarf der Standhaftigkeit, des

politischen Willens und des Verständnisses für eine Welt im Wandel.
Wenn wir bereit sind, die Schlußfolgerungen aus einer Welt der verteilten
Macht zu ziehen und mit den anderen dort zusammenzuarbeiten, wo wir allein
nicht erfolgreich sein können, braucht es keine unüberwindbaren Hindernisse
für unseren Fortschritt zu geben.
Es

- 17 -

�Es sollte kein Rätsel sein, wie die Ost-West-Beziehungen mit Realismus
und Klugheit gehandhabt werden können, wie kooperativere Bündnisse geschaffen
werden können, wie die Probleme der Dritten Welt angepackt werden können
und wie wir jetzt handeln können, um unsere Volkswirtschaft fUr die Zukunft
zu stä'rken.
Vor dem RStsel wird der Historiker des Jahres 1990 stehen, wenn wir,
geblendet durch die neue Nostalgie Jetzt dabei versagen, unsere Zukunft
zu gestalten. Das Rätsel wird sein, warum wir uns gegen den Wandel in
der Welt stellten und nicht versuchten, Ihn mltzugestalten. Der
Historiker wird daraus den Schluß ziehen, daß wir nicht versagten, well
wir keine Chance hatten, sondern well wir die Chance nicht nutzten; daß
wir nicht versagten, well es uns an den Mitteln mangelte, sondern an der
Klugheit, sich Ihrer zu bedienen; daß wir nicht versagten, well es am
Intellekt fehlte, sondern an Einsicht und Willen.
Das braucht nicht so zu sein, denn auch heute, wie eh und je, H e g t
unser Schicksal in unseren eigenen Händen.

+ + + + +
•

- 18 -

�I 3
29

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

VEREINFACHTES SCHMELZVERFAHREN FÜR DIE KUPFERVERHÜTTUNG
Weniger Energieverbrauch - Keine Schweifeldioxid-Belastung

- (AD) - Ein neues Verfahren zur Gewinnung von Kupfer aus dem Erz,
das sich gegenüber herkömmlichen Verhüttungsverfahren durch beträchtliche
Energieeinsparung und Ausschaltung der Emission von Schwefeldioxid (SO2)
auszeichnet, wurde von einer Wissenschaftlergruppe der Universität Utah
und der Firma Envirotech in Salt Lake City (US-Bundesstaat Utah) entwickelt.

Wie die amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung (National

Science Foundation - NSF), die das Universitätsprojekt finanzierte, berichtet,
ist eine neuartige Elektrolysezelle das Kernstück des neuen Verfahrens. Es
ermöglicht sogar kleinen Bergbauunternehmen, die sich herkömmliche Schmelzöfen wegen der hohen Anlage- und Betriebskosten nicht leisten können, den
Einstieg in die Kupferverhüttung, denn es macht die Öfen überflüssig.
Normalerweise wird Kupfer bei sehr hoher Temperatur erschmolzen.
Der im Mineral enthaltene Schwefel verbrennt mit und liefert einen Teil
der erforderlichen Energie. Aber er bildet Schwefeldioxid - einen Schadstoff, der mit der Abluft in die Atmosphäre gelangt. Der nächste Schritt

Postfach 2 0 0 3 0 0
0 5 3 0 0
Bonn 2

T e l : 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Schritt ist die Reinigung des Rohkupfers durch Elektrolyse, was große
Mengen elektrischer Energie erfordert.
Laut Dr. Donald A. Dahlstrom von der Fa. Envirotech faßt das neue
Verfahren außerdem den komplexen Prozeß, Kupfer zunächst in Lösung zu
bringen, damit es sich im Elektrolysetank an der Plattenkathode als reines
Metall niederschlägt, zu einem einzigen, vereinfachten Schritt zusammen,
der sehr viel weniger Energie erfordert.

Der dabei gewählte Weg zur

Extraktion verlangt jedoch, wie Dr. Mi 1 ton E. Wadsworth, Professor der
Metallurgie an der Universität Utah erklärt, daß das Erz sehr fein gemahlen wird, damit sich das darin enthaltene Kupfer möglichst vollständig
herauslösen läßt.

Mit herkömmlichen Methoden ist dies sehr kostspielig.

Deshalb habe man es, so Wadsworth, mit einer Mahlausrüstung versucht, die
in der Farben- und Pigmentindustrie zur Mineral aufbereitung verwendet wird.
Das Verfahren funktionierte ausgezeichnet.
Der "Electro Slurry" - Prozeß, wie das neue Kombi nationsverfahren
zur Kupfergewinnung bezeichnet wird, eignet sich ferner für andere Zwecke beispielsweise zur Verarbeitung des Schmelzofenstaubs, der reich ist an
Kupfer, Zink, Silber, Gold, Blei und anderen wichtigen Metallen. Aber er
enthält auch gefährliche Verunreinigungen wie Arsen, Antimon und Wismuth.
Wegen der Anreicherung dieser Verunreinigungen im Produkt, die den Metallwert stark mindern, kann in vielen Schmelzöfen der Staub nicht verwertet
werden. Bei Anwendung des ElectroSlurry-Verfahrens wird das Problem der
Verunreinigungen weitgehend entschärft,man gewinnt hochwertiges Metall von
höherem Reinheitsgrad. "Das Verfahren eröffnet einen Weg", erklärt Dr.
Dahlstrom, "alle diese metallischen Stäube zu extrahieren, die heute größtenteils noch verloren gehen." Es verbilligt die Kupfergewinnung für kleinere
Betriebe, ermöglicht ihnen die direkte Raffination und macht die Kupfergewinnung im Lohn-Schmelzverfahren überflüssig. Kupferhütten, die Konzentrate
von kleineren Bergbaubetrieben im Auftrag erschmelzen, haben außerdem wegen der
Beimengung von Verunreinigungen im Konzentrat zusätzliche technische Probleme
zu lösen.
+ + + + +

- 2 -

�I
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Wi//en/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juni 1980

SYNTHESE EINES NATURSTOFFS FÜR DIE KREBSTHERAPIE
Weniger Nebenwirkungen als beim Naturprodukt

- (AD) - Die synthetische Herstellung der für die Krebstherapie
wichtigen Verbindung Streptonigrin gelang nach sechsjähriger Forschungsarbeit und langwierigen Experimenten Chemikern der Pennsylvania State
University (University Park, Pennsylvanien). Die natürliche Substanz
war im Jahr 1959 von amerikanischen Chemikern aus Bodenorganismen
(Streptomyces floeculus) isoliert worden. Sie gehören zu einer großen
Familie von Pilzorganismen in Erde, Staub und Getreide, die beispielsweise
die Grundlage zur Gewinnung so wichtiger Antibiotika wie Streptomycin,
Aureomycin und Neomycin bildeten.
Untersuchungen mit Streptonigrin in den Vereinigten Staaten,
Frankreich und der Sowjetunion ergaben, daß die Substanz möglicherweise
gegen eine Vielzahl bösartiger Tumore eingesetzt werden könnte und in
ihrer Wirksamkeit z.B, einigen Präparaten entspricht, mit denen bestimmte
Leukämieerkrankungen behandelt werden. Jedoch zeigte die natürliche
Substanz in manchen Fällen stark toxische Nebenwirkungen am Knochenmark.

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Knochenmark. Synthetische Präparate dagegen könnten, wie Prof. Steven M.
Weinreb von der Staatsuniversität Pennsylvanien erklärte, so aufgebaut
werden, daß die Antitumorwirkung erhalten bleibt, aber weniger Nebenwirkungen
auftreten. Prof. Weinreb übergab der amerikanischen National Science
Foundation (NSF - Nationale Wissenschaftsstiftung), die die Forschungen
finanziert hatte, darüber einen ausfuhrlichen wissenschaftlichen Bericht.
.f
u
Mehr als 15 Jahre lang hatten Forscher im Laboratorium nach Möglichkeiten
zur Synthese von Streptonigrin gesucht. Die Aufgabe war deshalb so schwierig,
weil die Struktur der Substanz keinerlei Ähnlichkeit mit dem Aufbau anderer
bekannter Naturstoffe aufwies. Die Molekülgruppen des Streptonigrin waren,
wie das Strukturbild schließlich ergab, in einer bis dahin noch nicht
beobachteten und bei Synthesen noch nicht praktizierten Weise zusammengefügt. Schließlich vermochte die Chemikergruppe künstliches Streptonigrin
mittels einer Serie von 30 speziellen Reaktionen zu synthetisieren. Der
Schlüssel dazu war, wie Weinreb erklärte, die Anwendung eines Verfahrens,
auf das man in der Naturstoffsynthese nur gelegentlich zurückgreift.
"Seitdem vermochten wir die verschiedensten anderen Naturstoffe zu synthetisieren. Die Anwendung dieser Methode eröffnete uns ein Gebiet, dem man bisher
wenig Aufmerksamkeit geschenkt hatte."
Eine detaillierte Darstellung der Forschungsergebnisse erschien im
"Journal of the American Chemical Society", Ausgabe Mai 1980.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                    <text>7Vj

Information
und
Dokumentation

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afJ[J

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juni 1980

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Herausforderung des westlichen Bündnisses
Afghanistan: Die Beweggründe für die Reaktion der NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten
NATO« Stärkung der transatlantischen Zusammenarbeit
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Um Übef/endung von
ßckqcKcmplorcn wird
gebeten

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�30

25. Juni 1980

DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTLICHEN BÜNDNISSES

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest
Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer
Unterstaatssekretär im US-Verteidigungsministerium

Unterstaatssekretär George S. Vest
vom amerikanischen Außenministerium
und Unterstaatssekretär Robert W. Komer
vom Verteidigungsministerium haben in
den nachfolgenden Artikeln die Auffassung
der Vereinigten Staaten zu der sowjetischen
Invasion in Afghanistan und die aus
ihrer Sicht notwendigen Reaktionen des
Nordatlantischen Bündnisses dargelegt.

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�30

25. Juni 1980

AFGHANISTAN: DIE BEWEGGRÜNDE FÜR DIE REAKTION DER NATO
von George S. Vest

Strategisch gesehen, stellt die sowjetische Invasion Afghanistans
eine erhöhte Bedrohung für das Nordatlantische Bündnis dar, vor allem
wenn man sie vor dem Hintergrund der langfristigen sowjetischen Aufrüstung
in Osteuropa und des Strebens Moskaus sieht, seine Macht in der ganzen
Welt darzustellen. Und diese Bedrohung kann noch größer werden, wenn
die sowjetische Führung die Fähigkeit der NATO, sich auf eine gemeinsame
und langfristige Reaktion auf diese jüngste Herausforderung zu einigen,
falsch einschätzen würde.
Am 14. Mai dieses Jahres kamen die Außenminister der an der militärischen
Integration des Bündnisses beteiligten Länder mit den Verteidigungsministern
dieser Länder zur Halbjahreskonferenz des Verteidigungs- Planungsausschusses
der NATO in Brüssel zusammen. Es war das erstemal seit der sowjetischen
Invasion der Tschechoslowakei im Jahre 1968, daß Außen- und Verteidigungsminister des Bündnisses sich auf diesem Forum trafen. Ihr Hauptaugenmerk
war auf Afghanistan gerichtet. Die Bedeutung der sowjetischen Invasion dort

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T e ) e x : 08-85432

0 5 3 0 0

�dort geht weit über die in der Tschechoslowakei hinaus.

Zum erstenmal

seit dem Zweiten Weltkrieg haben reguläre Einheiten der sowjetischen Landund Luftstreitkräfte die Grenzen eines Landes außerhalb des Warschauer
Paktes überschritten.
Die Konferenz in Brüssel unterstrich den Ernst, mit dem das Bündnis
diese neue Herausforderung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität
betrachtet.

Und da die Verteidigungsprogramme des Bündnisses auf den Grund-

lagen der Außenpolitik beruhen, war die gemeinsame Tagung geeignet,
sicherzustellen, daß die Führer im Kreml klar verstehen, daß sich die NATO
über die Auswirkungen des sowjetischen Handelns einig ist und sich auf
eine gemeinsame Verteidigungsreaktion darauf verständigt hat.
Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß die sowjetische Aggression
in Afghanistan - einem scheinbar fernab liegenden Land - eng mit der
Sicherheit Westeuropas und der Vereinigten Staaten zusammenhängt. Damit
soll nicht gesagt werden, daß wir der Auffassung seien, die Sowjets planten
die Anwendung direkter militärischer Gewalt gegen Europa selbst in naher
Zukunft, sondern vielmehr soll bekräftigt werden, daß ihre neue Position
in Afghanistan eine subtilere, wenn auch keineswegs weniger ernste Bedrohung
der Nordatlantischen Gemeinschaft darstellt:
-

Der Zugang zum öl des
amerika lebenswichtig
der Zeit, als sich die
Instabilitäten in der

Persischen Golfs, der für Europa und Nordist, ist heute stärker gefährdet, als zu
Sorgen des Westens auf im wesentlich interne
Region Südwestasien beschränkten.

-

Obwohl der sowjetische Schritt nur der jüngste, wenn auch ohne
Zweifel flagranteste Übergriff auf die Dritte Welt ist, so bleibt
die Tatsache bestehen, daß die Sowjets gezeigt haben, daß sie, wenn
sie es für notwendig erachten, bereit sind, ihre Streitkräfte über
die Grenzen und über die Grenzen ihrer Verbündeten im Warschauer

�Warschauer Pakt hinaus einzusetzen.
-

Während der letzten fünfzehn Jahre sind die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF) der Sowjetunion
vis-a-vis Westeuropa ständig verstärkt worden und übersteigen heute
in ihrer Stärke alle vernünftigen Verteidigungserfordernisse ganz
beträchtlich.

Gleichzeitig haben die Sowjets ihre Fähigkeit zur

weltweiten Darstellung ihrer Macht stetig weiter entwickelt und
haben mit der Erprobung dieser Fähigkeiten in Afrika, im Indischen
Ozean und in S'üdostasien begonnen.
-

Es besteht ein ernstes Risiko, daß die sowjetischen Führer die
Lebhaftigkeit der gegenwärtigen Debatte in der NATO über grundlegende Risse im Bündnis falsch verstehen und versucht sein könnten,
die Situation weiter auszunutzen.

Die Brüsseler Tagung der Außen- und Verteidigungsminister der NATO
war daher darauf ausgerichtet, jeden Zweifel auszuräumen, den die sowjetischen
Führer an der Reaktion des Bündnisses auf die Invasion Afghanistans haben
könnten.
Die Minister verurteilten die sowjetische Handlung nachdrücklich als
eine Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Stabilität. Und
sie einigten sich auf eine Reihe kurz- und längerfristiger Verteidigungsprogramme, um die dringendsten Mängel in der NATO-Verteidigung zu beheben.
Sie kamen ferner in unmißverständlichen Formulierungen überein, daß die
Notwendigkeit der Wiederherstellung des Gleichgewichts in Südwestasien,
das durch die sowjetische Aggression gestört wurde, eine Neuverteilung der
Sicherheitslasten im Bündnis erfordert.
Sie

- 3 -

�Sie einigten sich darauf, daß zumindest kurzfristig das Ungleichgewicht
in Südwestasien durch einen raschen Aufbau von Sicherheitsvorkehrungen
gegen jede weitere sowjetische Expansion dort behoben werden muß.

Die

Vereinigten Staaten müssen dabei notwendigerweise den Hauptteil dieser
Last übernehmen.
Da die Vereinigten Staaten diese Last nicht tragen und gleichzeitig
alle ihre erhöhten Beiträge zur Verbesserung der Verteidigung Europas
verwirklichen können, wie sie in dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
der NATO vorgesehen sind, haben die europäischen Verbündeten zugestimmt,
Anpassungen ihrer Beiträge zu den langfristigen Plänen für die Modernisierung
der konventionellen Streitkräfte der NATO vorzunehmen.

Dazu gehören solche

Gebiete wie erhöhte Einsatzbereitschaft, raschere Mobilisierung von Reserven,
erhöhte Einlagerung von Munitions- und Materialreserven für den Ernstfall,
Verbesserung der Verteidigung zur See, Erweiterung der strategischen
Luftbrücken-Kapazität, wirksamere europäische Unterstützung der nordamerikanischen Verstärkung Westeuropas, Militärhilfe für Portugal und
die Türkei sowie Verbesserungen der militärischen Infrastruktur der NATO.
Diese Neuverteilung der Lasten bedeutet in keiner Weise, daß die
Sicherheit Europas in den grundlegenden amerikanischen Prioritäten einen
geringeren Rang erhielte. Ja, es ist vielmehr so, daß Außenminister Muskie
und Verteidigungsminister Brown ihren Kollegen in Brüssel versichert haben:
"Die Sicherheit des NATO-Gebietes bleibt ein zentrales Anliegen der
amerikanischen Politik, und die Vereinigten Staaten haben keine Pläne,
irgendwelche amerikanischen Streitkräfte, die ständig in Europa stationiert
sind, für einen Einsatz in Südwestasien abzuziehen."
Es wird zwar eine Verlagerung eines geringen Teils der amerikanischen
Seestreitkräfte geben, die jetzt im Mittelmeer stationiert sind, und im
Fall einer größeren Konfrontation in Südwestasien möglicherweise auch v_oini

- 4 -

�von Seestreitkräften im Atlantik, aber es ist und bleibt eine Tatsache, daß
die Vereinigten Staaten Europa weiterhin als die Grenze für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten betrachten.

Außenminister Muskie hat dies am

14. Mai so ausgedrückt: "Die Lasten, die wir tragen, um unsere kollektive
Verteidigung aufrechtzuerhalten, sind keine Lasten, die wir edelmütig
für andere tragen, sondern Lasten, die wir in kluger Weise für uns selbst
tragen."
Wenn wir das sagen, dann erwarten wir jedoch weiterhin von unseren
Verbündeten, daß die Lasten des Opfers gerecht verteilt werden, wenn es
darum geht,durch Entwicklungen in Südwestasien entstehende neue Bedrohungen
der Stabilität zu begegnen.
Das Bündnis muß im vernünftigen Selbstinteresse gegen diese jüngste
sowjetische Bedrohung aufstehen. Obwohl diese Bedrohung weitab vom NATOTerritorium erfolgte, so hat sie doch direkte Auswirkungen auf unser aller
Lebensinteressen.
Die Vereinigten Staaten haben nach dem Zweiten Weltkrieg erkannt, daß
ihre Sicherheit nicht mehr länger in den Vorstellungen einer "Festung
Amerika" gewährleistet werden kann.

Heute könnte das Atlantische Bündnis

durchaus an einem ähnlichen Punkt anlangen.

Damit soll keine Veränderung

in den traditionellen Grenzen des Vertragsgebiets der NATO vorgeschlagen
werden, sondern betont werden, daß sich die NATO jetzt kollektiv darauf
einigen muß, wie sie die Sicherheit innerhalb dieser Grenzen gewährleisten
will, und zwar in Begriffen,die weit über diese Grenzen hinausreichen,
angefangen mit dem Gebiet,aus dem 60 Prozent der öllieferungen kommen,
die für unser wirtschaftliches Wohlergehen so entscheidend wichtig sind.
Die Tagung vom 14. Mai zeigt sicherlich, daß das Bündnis jetzt bereit
ist, kollektiv auf die Ereignisse in Südwestasien zu reagieren.

Und ich

bin sicher, daß in den kommenden Wochen und Monaten die Festigkeit und

- 5 -

�. :

und Dauerhaftigkeit dieser Reaktion die Sowjetunion von der Verführung
abhalten wird, unsere Entschlossenheit und unsere Einigkeit falsch einzuschätzen.
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�25. Juni 1980

NATO: STÄRKUNG DER TRANSATLANTISCHEN ZUSAMMENARBEIT
von Robert W. Komer

Ich glaube, daß nunmehr innerhalb des Atlantischen Bündnisses generelle
Einigkeit darüber herrscht, daß die sowjetische Invasion Afghanistans
eine ausgewogene, langfristige westliche Antwort erfordert.

Das Treffen

der Außen- und Verteidigungsminister aus den Ländern, die der integrierten
Militärstruktur der NATO angehören, am 14. Mai 1980 war ein Meilenstein
auf dem Weg zur Entwicklung einer solchen Antwort.
Die zunehmende Bedrohung des westlichen Zugangs zum lebenswichtigen
Erdöl des Persischen Golfs bedarf kaum der Erläuterung. Die Gesundheit
unserer Volkswirtschaften, von denen wiederum unsere Verteidigung abhängt,
steht womöglich auf dem Spiel. Die sowjetische Invasion Afghanistans
läßt mit ziemlicher Sicherheit auf eine zunehmende sowjetische Bereitschaft
schließen, brutale Militärgewalt unter solch einladenden Umständen anzuwenden.
Die

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0 5 3 0 0

�Die Invasion muß zudem gesehen werden vor dem Hintergrund des gewaltigen Zuwachses sowjetischer Militärmacht im Lauf der letzten 20 Jahre.
Wir in der NATO wurden in den letzten Jahren in zunehmendem Maß dadurch
alarmiert.

Wir reagieren darauf mit unserer Verpflichtung zu einem

dreiprozentigen Realzuwachs des Verteidigungshaushalts und dem Langfristigen
Verteidigungsprogramm, das auf dem NATO-Gipfeltreffen im Jahr 1978 beschlossen wurde.
Afghanistan hat die amerikanische Erkenntnis der sowjetischen Bereitschaft geschärft, die wachsende militärische Stärke dazu zu verwenden, die
sowjetische Macht entweder direkt oder durch Vertreter weitab von der
Sowjetunion selbst zu demonstrieren.

Aus diesem Grund begreifen wir zugleich

die Notwendigkeit einer gemeinsamen globalen Antwort.
Stärke oder Schwächt

Eine einmal erkannte

in Nordostasien oder in Europa kann nicht ohne

Auswirkungen auf die sowjetische Kalkulationen bleiben, was in SUdwestasien
machbar ist.

Und so wird auch die Abschreckung sowjetischer Abenteuerlust

im Bereich des Persischen Golfs beeinträchtigt, wenn die Staaten, die zu
Gegenmaßnahmen in der Lage wären, sich vor solchen Schritten fürchten, weil
sie anderswo verwundbar sind.
Die Vereinigten Staaten aber sind das einzige größere Land der
Freien Welt, das ausreichende Fähigkeiten zur Demonstration weitreichender
Macht hat, um im Namen der anderen wie im eigenen Namen diese Rolle der
Abschreckung oder - falls notwendig - der Verteidigung gegenüber dem
sowjetischen Expansionismus in diesem Schlüsselbereich zu übernehmen.
Wir rechnen mit der Hilfe der bedrohten Regierungen in diesem Gebiet
und der amerikanischen Verbündeten. Dennoch wird die Hauptlast notwendigerweise auf die Vereinigten Staaten fallen.
Diese neue große Last für die Vereinigten Staaten - zusätzlich zu
unserer vorrangigen Verantwortung für die Aufrechterhaltung des strategischen
und taktischen Nuklearschirms, zur Kontrolle der Meere im Namen des Bündnisses

- 2 -

�Bündnisses und zu einem substantiellen Beitrag zur Abschreckung in Europa
und Nordostasien - wird unvermeidlich eine Umorientierung der amerikanischen
Militärmittel aus anderen Bereichen bedeuten, sollte es zu einem dringenden
Notfall in Sü'dwestasien kommen.

Obwohl wir versuchen, unsere Schnellen

Eingreiftruppen soweit möglich aus Streitkräften zu rekrutieren, die keine
NATO-Verpflichtungen haben, so werden doch einige Umgruppierungen sogar
in Friedenszeit notwendig sein - und könnten im Fall einer ernsten Krise
im Persischen Golf ziemlich umfangreich sein.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die folgenden Schritte unternommen, um die westlichen

Möglichkeiten im Indischen Ozean und im

Bereich des Persischen Golfs zu verbessern:
-

Wir haben einen Zerstörer und eine Fregatte zu unserer Streitmacht
im Mittleren Osten zum ständigen Einsatz verlegt;

-

Wir haben unsere Streitmacht im Mittleren Osten vorläufig durch
zwei zusätzliche Zerstörer vergrößert;

-

Wir haben vorläufig eine unserer beiden Flugzeugträger-Kampfgruppen
aus dem Mittelmeer in den Indischen Ozean verlegt.

Sollte sich die Situation im Persischen Golf zu einer grcßBren
Konfrontation auswachsen, so müßten wir auf unsere Schnellen Eingreiftruppen zurückgreifen.
Taktische Flugzeugstaffeln könnten aus den Vereinigten Staaten nach
Südwestasien verlegt werden, und auch andere Luft- und Bodenstreitkräfte
könnten eingesetzt werden.
Zusätzlich zu den Einheiten, die bereits in unsernSchnellen Eingreiftruppen zusammengefaßt sind, prüfen die Vereinigten Staaten, welche noch

- 3 -

�noch umfangreicheren Streitkräfte notwendig sein könnten, um auf einen so
großen Ernstfall in Slidwestasien reagieren zu können, für den sogar die
derzeit aufgestellten Eingreiftruppen nicht ausreichend sein würden.
Sogar die Dislozierung von Truppen in bescheidenem Umfang würde im
Eventualfall notwendigerweise eine erhebliche Auslastung amerikanischer
Luft- und Seetransportkapazitäten erfordern, die natürlich zugleich nötig
sind, um amerikanische Dislozierungen in Europa und Nordostasien zu unterstützen.
Dennoch - und dies ist von grundlegender Bedeutung - haben diese
möglichen Verminderungen der Verfügbarkeit amerikanischer Streitkräfte für
die NATO keinerlei Einfluß auf die Bedeutung der NATO für die grundlegende
Politik Amerikas.
In der Tat wollen wir Verminderungen der amerikanischen Streitkräfte
und amerikanischer Ausrüstung im europäischen NATO-Bereich vermeiden, wie
dies während des Vietnam-Konflikts und im Verlauf der Nahostkrise 1973
geschah.
Die Vereinigten Staaten haben noch immer die Absicht, mit dem Programm
der raschen Verstärkung für Europa weiterzumachen. Wenn Europa seinen
Anteil an der "transatlantischen Zusammenarbeit" erfüllt, werden wir
unsere Verpflichtung aufrecherhalten, innerhalb von 10 bis 14 Tagen nach
der Dislozierungsentscheidung unsere Landstreitkräfte in Europa mehr als
zu verdoppeln und unsere taktischen Luftstreitkräfte zu verdreifachen.
Dennoch spreche ich nur einen ganz einfachen Tatbestand aus, an dem wir
alle nicht vorbeikommen: Wenn die Vereinigten Staaten umfangreiche Streitkräfte nach Südwestasien dislozieren müssen, um dem gemeinsamen Interesse
zu dienen, so wird dies unvermeidlich in einem gewissen Maß zu Lasten
unserer Fähigkeit gehen, die NATO oder Nordostasien in einem Eventualfall
direkt zu unterstützen.
Daher
- 4 -

�Daher brauchen wir eine bessere "Arbeitsteilung" zwischen den
Vereinigten

.Staaten und ihren Verbündeten, weil wir in einem zusätzlichen

kritischen Gebiet der Welt die Hauptlast für Abschreckung und Verteidigung
übernehmen müssen.

Dies bedeutet in der Tat, daß unsere Verbündeten mehr

tun müssen, um die Verteidigung der Freien Welt in der NATO und in anderen
Bereichen zu stärken.

Wir drängen indessen nicht auf eine große Zahl neuer

Initiativen "made in Washington".
Davon liegen der NATO schon mehr als genug vor mit den bestehenden
Zielsetzungen für die Streitkräfte und dem Langfristigen Verteidigungsprogramm.

Stattdessen schlagen wir die Beschleunigung ausgewählter be-

stehender Programme vor - über die man sich im Bündnis schon weitgehend
geeinigt hat.
Wesentlich aber bleibt, daß wir NATO-Mitglieder zumindest unserer
Verpflichtung nachkommen müssen, eine dreiprozentige reale jährliche
Zuwachsrate in den Verteidigungsausgaben auf jeden Fall zu erzielen.
Ein Nachlassen unserer Anstrengungen in dieser Hinsicht kann in Moskau
nicht anders als ein Zeichen unseres Versagens angesehen werden, die harten
Entscheidungen zu treffen, die zur Erhaltung unserer eigenen Sicherheit
notwendig sind.

Dies ist nicht nur eine Aufgabe für die größeren Verbündeten.

Auch die kleineren Mitglieder des Bündnisses spielen entscheidende Rollen
und müssen ihrerseits ihren Beitrag leisten.
Als Antwort auf die Notwendigkeit unmittelbarer kurzfristiger Initiativen
seitens aller Verbündeten, werden die Vereinigten Staaten ihrerseits:
-

so rasch wie möglich mit der Produktion unserer neuen großen
Kampfpanzer vorangehen;

-

die Beschaffung von Materialreserven für die Land- ind Luftstreitkräfte beschleunigen;
die
- 5 -

�-

die Maßnahmen zum Schutz all unseres militärischen Personals
gegen eine nukleare, biologische und chemische Kriegsführung
beschleunigen;

-

weitere Seeüberwachungsflugzeuge einsetzen und die Indienststellung
von Raketen-Schnellbooten beschleunigen;

-

eine rasche Dislozierung von

Nah-Luftverteidigungssystemen

für Flugplätze planen, soweit dies notwendig ist;
-

in Anerkennung der Erfordernisse der NATO die Streitkräfte zur
Luftaufklärung im Gefechtsfeld ausweiten;

-

etwa 14 Tanker der Handelsschiffahrt dafür bestimmen, mit Heckausrüstungen zum Auftanken anderer Schiffe versehen zu werden; und

-

wie bereits angelaufen das "Maritime Poinf'-Luftverteidigungsprogramm und das HARPOON-Antischiffsraketen-Programm - beschleunigen.

Wenn wir angesichts der eklatanten sowjetischen Aggression ein
deutlichen Signal gemeinsamer Entschlossenheit geben wollen, müssen
alle Verbündeten ihre entsprechenden kurzfristigen Maßnahmen innerhalb
der nächsten 12 Monate durchführen.
Aber diese kurzfristigen Initiativen sind lediglich ein erster
Schritt in Richtung auf eine Befriedigung dringlicher Erfordernisse des
Bündnisses. Wir müssen außerdem die langfristigen Maßnahmen beschleunigen,
um die Verminderung der NATO-Abschreckung auszugleichen, die durch die
Notwendigkeit geschaffen wird, daß die Vereinigten Staaten die Antwort
des Bündnisses in Südwestasien verstärken:

Die

- 6 -

�-

Die NATO bedarf besserer Nutzung ihrer europäischen Mannschaftsreserven und besserer Mobilisierungsverfahren.

Die Maßnahmen im

Rahmen des Langfristigen Verteidigungsprogramms, die zusätzliche
Reservekampfeinheiten erfordern, sollten von Vorschlägen rein
studienhaften Charakters übergehen zu konkreten Schritten und
sollten beschleunigt werden.
-

Die Bevorratung an Ausrüstung und Material für den Ernstfall sollte
in Europa erhöht werden.

-

Die Vereinigten Staaten brauchen den Beistand der zivilen Luftfahrt der Verbündeten, um bei der Erfüllung der europäischen
Zielsetzungen

zur Verstärkung behilflich zu sein - besonders dann,

wenn eine umfangreiche Verlegung amerikanischer Streitkräfte in
ein anderes Gebiet notwendig sein sollte.
-

Wir alle benötigen noch größere Beweglichkeit bei der Dislozierung
der verfügbaren Seestreitkräfte sowie qualitative Verbesserungen.
Desgleichen bedarf es der Verbesserungen bei der landgestützten
taktischen Luftunterstützung für Marineoperationen.

-

Die geplante Überprüfung des Finanzplafonds des laufenden Fünfjahres-Infrastrukturplans (1980-1984) nach Ablauf der ersten
Hälfte sollte beschleunigt werden.

NATO-Kommandeure lassen keinen

Zweifel daran, daß zusätzliche Mittel notwendig sind, um bekannte
Mängel der Infrastruktur auszugleichen - einschließlich der wichtigen
neuen Erfordernisse für die Stationierung der weitreichenden
nuklearen Mittel Streckensysteme (TNF).
-

Weitere Maßnahmen im Rahmen der Zielsetzungen des derzeitigen
Langfristigen Verteidigungsprogramms und anderer NATO-Programme
mögen den verbündeten Staaten wert erscheinen, sie beschleunigt

- 7 -

�beschleunigt durchzuführen. So werden zum Beispiel 1n den USA
stationierte Streitkräfte und erste Verstärkungen in noch größerem
Maß auf die rechtzeitige Bereitstellung der Unterstützung des Gastlandes angewiesen sein, wenn kurz vorher oder gleichzeitig eine
Dislozierung amerikanischer Streitkräfte zum Persischen Golf
stattfinden sollte. Daher haben wir unsere Verbündeten und die
zuständigen NATO-Stellen dazu ermutigt, noch weitere Maßnahmen
vorzuschlagen.
Die Pläne fUr die Verbesserungen der Verteidigung existieren bereits.
Wir Amerikaner drängen nur auf Dinge, Über die bereits Obereinstimmung
herrscht - zumindest 1m Prinzip. Und wenn wir uns zumindest an unsere
bereits gegebene Zusage zu einem Realzuwachs der Verteidigungsausgaben um
Jährlich drei Prozent halten, dann wird nach unserer Überzeugung das meiste
von dem, was nötig Ist, auch finanziert werden können. So suchen wir erneut
Jene Solidarität bei der Antwort auf die auftauchenden Verteidigungsaufgaben, wie wir sie 1977, 1978 und beim TNF-Programm 1979 gezeigt haben.

+ + + + +

�</text>
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Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31 A

2. Juli 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärungen vor dem Abflug Präsident Carters nach Europa
- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen
Gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung zum Besuch
Carters
Carter: Der Westen muß sich der sowjetischen Bedrohung stellen
- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom Ansprache Präsident Carters beim Besuch im Vatikan
Carter-Presseunterrichtung am 22. Juni 1980 in Venedig
Präsident Carters Erklärung auf der abschließenden Pressekonferenz
in Venedig
Begrüßungsansprache Präsident Carters auf dem Belgrader Flughafen
Präsident Carters Toast beim Staatsbankett in Belgrad
- Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan Carter Interview mit jugoslawischen Medienvertretern

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ERKLÄRUNGEN VOR DEM ABFLUG PRÄSIDENT CARTERS NACH EUROPA
- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter brachte vor seinem
Abflug nach Europa zum Wirtschaftsgipfel in Venedig und Besuchen in Rom,
Jugoslawien, Spanien und Portugal am 19. Juni 1980 seine Überzeugung
zum Ausdruck, daß die schwierigen Fragen, vor denen die demokratischen
Industriestaaten stehen, nur in Zusammenarbeit gelöst werden können.
Bei der Verabschiedung Jimmy Carters durch Vizepräsident Walter F,
Mondale wurden von beiden folgende Erklärungen abgegeben:

Ansprache des Vizepräsidenten:
"Herr Präsident und Rosalynn, Sie treten heute eine kritische Reise
in einer kritischen Zeit an. Sie werden in Venedig zum erstenmal seit
der sowjetischen Invasion Afghanistans mit den Führern der westlichen

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�westlichen Welt zusammentreffen.
für die ganze Welt:

Diese Invasion ist eine Herausforderung

eine Herausforderung für den Frieden, für die Prinzipi

des Völkerrechts und für die nationale Souveränität.
Um sich dieser Herausforderung zu stellen, müssen die führenden
Demokratien der Welt mit gemeinsamer Stimme sprechen.

Sie treffen auch

zu einem Zeitpunkt zusammen, da die Probleme der Inflation und Rezession
die Volkswirtschaft eines jeden Landes bedrohen.

Auch sie erfordern

internationale Zusammenarbeit und fordern uns alle dazu auf, mit einer
gemeinsamen Stimme zu sprechen und in gemeinsamer Absicht zu handeln.
Herr Präsident, Sie werden darüber hinaus drei wichtige Staaten
Südeuropas besuchen, von denen jeder an der Schwelle eines neuen Anfangs
steht. Zwei der ältesten, stolzesten und erhabensten Länder, Spanien
und Portugal, sind zugleich zwei der jüngsten Demokratien der Welt;
und mit einer neuen Führung beginnt das neue Jahrzehnt für das starke,
einige und unabhängige Volk in Jugoslawien. An diesem bedeutsamen Punkt
ihrer Geschichte bringen Sie jeder dieser drei Nationen die Botschaft
unseres Respekts, unseres guten Willens und unserer Freundschaft.
Wenn Sie Italien, die erste Station Ihrer Reise besuchen, werden
Sie bei einem Volk sein, zu dem sich Amerika besonders hingezogen fühlt.
Denn aus der Saat, die Italien gesät hat, ist der westlichen Welt so
viel Kultur erblüht. Von den Ufern dieses Landes aus überquerten so
viele Menschen den Ozean, um beim Aufbau unseres eigenen Staates zu helfen,
Sie bringen nach Italien die Wärme und die Wertschätzung und die Liebe
des amerikanischen Volkes.
Ich weiß, Herr Präsident, daß ich für alle Amerikaner spreche,
wenn ich sage, daß Sie uns angesichts solch historischer Gespräche, die
auf Sie warten, mit unserem Wunsch für eine sichere und erfolgreiche
Reise verlassen.
Die

�Die Antwort Präsident Carters lautete:
Vielen Dank, Fritz.

Ich weiß, daß ich dieses Land mit großem

Vertrauen darauf verlasse, daß Sie während meiner Abwesenheit

die Re-

gierungsgeschäfte bestens führen und daß wir jederzeit in ständiger
Verbindung sein werden.

Zum zweiten weiß ich, daß das amerikanische Volk

sein Herz und seinen Verstand auf die Herausforderungen dieses äußerst
schwierigen Besuchs eingestellt hat, auf das Zusammentreffen in kurzen
Zeitabständen mit den Führern der westlichen Welt und Japans im Verlauf
von mehr als 12 verschiedenen Konsultationen von großer Bedeutung.
Diese Reise ist verhältnismäßig kurz, aber sie ist von großer Bedeutung
und beinhaltet viele Schwierigkeiten und Herausforderungen. Unsere
Aufgabe ist vielgestaltig. Wir werden Themenkreise wie die Energieabhängigkeit untersuchen; die Volkswirtschaften der sich entwickelnden
Länder und unserer eigenen Länder; die Frage eines dauerhaften Friedens
im Nahen Osten. Wir werden die eindeutige Herausforderung durch die
sowjetische Invasion Afghanistans diskutieren; die Frage des Terrorismus
und wie wir den Iran behandeln können; die Kontrolle der Kernwaffen.
Und wir werden in Einzel treffen mit den Führern all dieser Staaten auch
die Meinungsverschiedenheiten sowie die gemeinsamen Absichten und Verpflichtungen unserer Länder besprechen.
Aber wenn es um all diese miteinander zusammenhängenden Probleme
und heiklen Nuancen der Meinungsverschiedenheiten geht, werden wir durch
dieses Bewußtsein geleitet werden: Durch die Macht freier, demokratischer
Länder, die die Verschiedenartigkeit begrüßen und die keine Mauern
errichten, um ihre eigenen Völker einzusperren; die bestehen, um die
Menschenrechte und den einzelnen Menschen zu schützen - nicht, um sie
zu versklaven. Die Macht der Demokratie und der Freiheit wird die
Zukunft der Welt gestalten.
In

- 3 -

�In Rom werde ich mit der italienischen Führung, mit Präsident Pertini
und mit Ministerpräsident Cossiga zusammenkommen, um diplomatische
Themen sowie Fragen der Energie und Sicherheit zu erörtern.

Dann werden

Papst Johannes Paul II und ich unsere Arbeit für die Menschenrechte,
für menschliche Ansprüche, für die Flüchtlinge und über Rüstungskontrolle
fortsetzen, die wir während seines Besuchs in Washington vorigen Oktober
begannen.

Danach werde ich für zwei Tage nach Venedig zu dem Treffen

der Gipfelkonferenz gehen, dem sechsten solcher Treffen zwischen den
bedeutendsten nichtkommunistisehen Industriestaaten.
Die demokratischen Industriestaaten bestehen derzeit mit Erfolg sehr
schwere Prüfungen.
komme:

Damit nirgendwo in der Welt ein Mißverständnis auf-

Wir sind nicht motiviert durch Feindschaft gegen irgendwen, auch

nicht durch irgendwelche Wünsche nach rücksichtsloser Konfrontation oder
der Rückkehr zum

kalten Krieg.

Aber wir müssen die ablehnende Haltung

der Welt gegenüber der sowjetischen Aggression wachhalten und dürfen es
den Sowjets nicht erlauben, irgendwelche dauernde Vorteile aus ihrer
Invasion des neutralen Landes Afghanistan zu ziehen.
Während wir auf diese Antwort und auf viele andere schwierige
Lösungen hinarbeiten, wird Amerika klar und deutlich seine eigenen
Verpflichtungen und Erfordernisse zum Ausdruck bringen - und wir werden
gespannt sein, die Ansichten der anderen Länder zu hören und zu verstehen.
Wir sind nicht der Warschauer Pakt, der durch die Panzer eines Landes
zusammengehalten wird. Wir sind verbunden durch gemeinsame Ideale,
gemeinsame Ziele und gegenseitigen Respekt. Unser Bündnis ist auf
Verständnis gegründet und nicht auf Forderungen; darauf, einander zuzuhören und nicht darauf, dem anderen etwas vorzuschreiben. Das ist es, was
diesen Gipfeltreffen ihre Bedeutung gibt. Das ist es auch, was diese
Gipfeltreffen zeitweilig so schwierig macht.

Wir

�Wir werden zusammen die schwierigen Probleme angehen, vor denen
jedes Land zu Hause steht:

Inflation, Arbeitslosigkeit, steigende öl-

preise, Energieeinsparung, Energieproduktion in unseren Ländern selbst;
eine ganze Reihe von Problemen, die miteinander verbunden und sehr
verwickelt sind.

Für uns Amerikaner ist es wichtig, sich zu vergegen-

wärtigen, daß internationales Einvernehmen und Zusammenarbeit bei diesen
Fragen für unsere Sicherheit, unsere Arbeitsplätze und unsere Lebensqualität ganz genauso wichtig sind wie alles das, was wir selbst hier
im eigenen Land tun können.
Unmittelbar nach dem Gipfeltreffen in Venedig werde ich nach Jugoslawien,
Spanien und dann nach Portugal reisen. Ich werde der Führung und dem
Volk von Jugoslawien die standhafte Unterstützung Amerikas für die Unabhängigkeit, die Einheit und die territoriale Integrität dieses großen
Landes sowie unseren Respekt für Jugoslawiens konstruktive blockfreie
Haltung übermitteln.
Amerika hat mit Erstaunen, mit tiefer Wertschätzung und Bewunderung
Spanien und Portugal dabei beobachtet, wie sie in den letzten Jahren
den bemerkenswerten Übergang von Autokratie zu Demokratie vollzogen haben.
Ich werde der Führung und dem Volk in beiden Ländern persönlich die große
Freude zum Ausdruck bringen, die wir Amerikaner über den Erfolg dieser
historischen Leistung empfinden.

Ich werde mich all diesen Staaten,

ihren Führern und in manchen Fällen ihren Völkern anschließen bei der
Erfüllung der schwierigen und anspruchsvollen Tagesordnung des Friedens,
des Ausarbeitens einer soliden wirtschaftlichen Grundlage für die ganze
Welt und der Widmung der hohen Ideale und der tiefen Verpflichtung freier
Menschen.
Abschließend möchte ich sagen, daß die schwierige Aufgabe, das
demokratische Bündnis dabei zu führen, sich den Herausforderungen,
Gefahren und Chancen eines neuen Jahrzehnts zu stellen, Mut erfordert

- 5 -

�erfordert Geduld, Wissen und Ausdauer bei den Völkern aller unserer Länder.
Es gibt für einen amerikanischen Präsidenten keine bedeutsamere Aufgabe,
und ich bin dankbar für Ihre Unterstützung, während wir Frieden, Sicherheit
und ein besseres Leben für uns selbst und für die ganze Welt suchen.
Vielen Dank.

+ + + + +

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Dokumentation

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GEMEINSAME AMERIKANISCH-ITALIENISCHE PRESSEERKLÄRUNG
ZUM BESUCH CARTERS

ROM

- (AD) - Die Pressestelle des Weißen Hauses gab am 20. Juni 1980

in Rom folgende gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung
zum Staatsbesuch Präsident Carters in Italien heraus:
Auf Einladung des Präsidenten der Italienischen Republik, Sandro
Pertini, stattete der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
Jimmy Carter, vom 19. bis 21. Juni Rom einen Staatsbesuch ab. Der Besuch
bot den beiden Präsidenten Gelegenheit, einen produktiven Meinungsaustausch
zu führen. Ferner fanden konstruktive Treffen zwischen Präsident Carter
und dem Präsidenten des Ministerrates, Francesco Cossiga statt. An den
Treffen nahmen auch die Außenminister Emilio Colombo und Edmund Muskie
teil.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung die außerordentlich engen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien fest, die auf
alten Bindungen der Freundschaft und Verwandtschaft, auf einer gemeinsamen

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�gemeinsamen Verpflichtung zu demokratischen Werten und auf Bindungen
beruhen, die aus der Mitgliedschaft beider Länder im Atlantischen Bündnis
entspringen.

Im Verlauf der Gespräche fand ein Meinungsaustausch über

wichtige internationale Fragen von besonderem Interesse für beide Regierungen
statt:

Dazu gehorten die Krise in Afghanistan, die Situation im Nahen

Osten, das schwere Problem der illegalen Inhaftierung der Geiseln im
Iran und die amerikanisch-italienische Zusammenarbeit zur Förderung der
Sicherheit und des Friedens.

Präsident Carter brachte seine Anerkennung

für die konstruktive Rolle zum Ausdruck, die Ministerpräsident Cossiga
in seiner Eigenschaft als Präsident der Europäischen Gemeinschaft für
die laufende Periode gespielt hat.
Die durch die bewaffnete Intervention der Sowjetunion und die anhaltende
Besetzung Afghanistans geschaffene internationale Lage wurde eingehend
geprüft. Man kam überein, daß diese sowjetische Maßnahme - in flagranter
Verletzung der Charta der Vereinten Nationen unternommen - eine Gefahr
für den Frieden und eine ernste Herausforderung des Westens und dessen
Interessen in Südwestasien und im Persischen Golf darstellt, und daß sie
ein ernstes Hindernis für die Fortsetzung des Entspannungsprozesses
geschaffen hat.
Als Ergebnis dieser Beurteilung betrachten beide Seiten eine umfassende westliche politische Strategie als unerläßlich, die darauf angelegt
ist, der Sowjetunion durch die Anwendung greifbarer Maßnahmen die Notwendigkeit eines sofortigen und völligen Abzuges ihrer Truppen aus
Afghanistan klarzumachen.
In Übereinstimmung mit dieser Ansicht begrüßten beide Seiten die
konzertierten Schritte, die die NATO gegenwärtig unternimmt, um als
Antwort auf die strategische Herausforderung aller westlichen Verbündeten
die gemeinsame Verteidigung zu stärken. Beide Regierungen bekräftigten
ihre Verpflichtung zur frühest möglichen Verwirklichung dieser im Lang-

- 2 -

�Langfristigen Verteidigungsprogramm der NATO niedergelegten Ziele.

Beide

Seiten erkannten an, daß eine erhöhte Aufmerksamkeit Europas für die
Sicherheitserfordernisse innerhalb des Vertragsgebietes der NATO wegen
der Verpflichtung amerikanischer Ressourcen zum Aufbau eines Sicherheitsrahmens in der Region Südwestasiens und des Persischen Gol ,"2S eine noch
größere Dringlichkeit bekommen hat. Präsident Carter und Ministerpräsident Cossiga brachten ihre Befriedigung über die Entscheidung der NATO zum Ausdruck, die sich ergänzenden Ziele der Rüstungskontrolle und der Dislozierung von nuklearen
Mittel Streckensystemen (TNF) weiter zu verfolgen.

Präsiden

Carter

bekräftigte seine Bewunderung für die führende Rolle von Ministerpräsident
Cossiga in diesem Bemühen. Ministerpräsident Cossiga verwies aui die
aktive Unterstützung, die Italien der Verwirklichung des NATO-Angebots
vom 12. Dezember 1979 geben wird, das die Sowjetunion einlädt, in Verhandlungen über die Begrenzung der weiterreichenden nuklearen Mittelstreckensysteme (LRTNF) einzutreten.
Präsident Carter brachte seine eigene Anerkennung und die des
amerikanischen Volkes für die italienische Unterstützung der internationalen Anstrengungen zur Sicherstenung der Freilassung der im Iran
unter Verletzung des Völkerrechts und aller weltweit akzeptierten Verhaltensregeln festgehaltenen amerikanischen Geiseln zum Ausdruck. Es
wurde unterstrichen, daß der Grundsatz der Herrschaft des Rechts, der
für die Gesundheit und Stabilität der Weltgemeinschaft so lebenswichtig
ist, bei dieser Krise auf dem Spiele steht. Es wurde ferner die Oberzeugung zum Ausdruck gebracht, daß die Freilassung der Geiseln eine
Vorbedingung für die Wiederherstellung des internationalen Prestiges
des Iran und für die Wiederaufnahme gegenseitig nutzbringender Beziehungen
mit seiner Regierung, einschließlich des Widerrufs wirtschaftlicher
Sanktionen, ist.
Sich

- 3 -

�Sich anderen Fragen gemeinsamen Interesses zuwendend bekräftigte
Präsident Carter die amerikanische Verpflichtung zu einem umfassenden
Frieden im Nahen Osten, einschließlich der Lösung des Palästinenser-Problems
in all seinen Aspekten.

Er bekräftigte seine Überzeugung, daß die Über-

einkommen von Camp David weiterhin den gesündesten Rahmen dafür darstellen,
auf der Basis des wesentlichen Fortschrittes aufzubauen, der bereits
erzielt worden ist, um die Jahrzehnte der Bitterkeit und des Konflikts
im Nahen Osten zu beenden.
Ministerpräsident Cossiga gab der vollen Zustimmung Italiens zu dem
Ziel eines umfassenden und dauerhaften Friedens mit Gerechtigkeit für
alle, für Israel wie auch für die arabischen Staaten und dem palästinensischen
Volk Ausdruck.

Dieses Ziel haben auch die Vereinigten Staaten.

Es wird

ebenfalls von den Ländern der Europäischen Gemeinschaft unterstützt und
wurde vom Europäischen Rat in der Erklärung vom 13. Juni von Venedig
erneut bekräftigt.

Im Zusammenhang mit den auf die Erreichung dieses

Zieles gerichteten Anstrengungen gab der Ministerpräsident der Hoffnung
Ausdruck, daß ein bemerkenswerter Fortschritt bei der Durchführung aller
Aspekte des in Camp David dank des persönlichen und mutigen Einsatz von
Präsident Carter erzielten Abkommens gemacht werden könnte.
Beide Seiten bekräftigten erneut ihre Verpflichtung, auf eine auf
den Prinzipien der Gegenseitigkeit und gemeinsamen Zurückhaltung basierende
Entspannung hinzuarbeiten. Sie stimmten darin überein, daß Entspannung
nur unter der Bedingung zustande kommer '&lt;ann, daß ihr umfassender und
unteilbarer Charakter als unerläßlich anerkannt wird.
Ein Meinungsaustausch über die Tagesordnung des vom 22. bis 23. Juni
stattfindenden Gipfeltreffens in Venedig schloß sich an.

Präsident

Carter sprach seinen Dank für die umfassenden Vorbereitungen aus, die
Italien als Gastgeber für die sieben demokratischen Industrieländer
getroffen hat, die an dem Gipfel teilnehmen werden.
Beide

�Beide Seiten stimmten überein, daß die Notwendigkeit für engere
Konsultationen zwischen den demokratischen Industriestaaten bestehe, um
eine umfassende, auf gegenseitiger Sicherheit beruhende Strategie zu
formulieren, um den Herausforderungen der achtziger Jahre - den Krisen,
der Instabilität und den Konflikten in der Welt, die oft durci; Armut,
Unterentwicklung und Ungerechtigkeit hervorgerufen werden - zi begegnen.
Zur Förderung der engen bilateralen Beziehungen zwischen Italien
und den Vereinigten Staaten kam man überein, die für beide Seiten vorteilhafte Zusammenarbeit auf einer Reihe von Gebieten zu intensiveren. Die
beiden Regierungen gaben ihren Entschluß bekannt, bei der Gestaltung
der größten Anlage der Welt zur direkten Umwandlung von Sonnen!ich*
in Elektrizität - einer bei Puglia gelegenen photoelektrischen Anlage
mit 1 Megawattleistung - zusammenzuarbeiten. Sie kamen überein, andere
Projekte für Forschung und Informationsaustausch auf dem Gebiet der
Solarenergie und der Kohletechnologie, der geothermisehen Energie, der
nuklearen Sicherheit und der Energieeinsparung weiterzuentwickeln.
Auf dem sozialen Sektor wurde Übereinstimmung erzielt, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, vor allem unter den
Jugendlichen, fortzusetzen. Dabei wurde auch der Befriedigung über die
positive Auswirkung des sozialen Sicherheitsabkommens Ausdruck gegeben. Die
beiden Regierungen werden weiterhin sowohl auf bilateraler wie multilateraler
Basis bei der Unterdrückung des internationalen Rauschgifthandels, sowie
bei Verhinderung und Behandlung von Rauschgiftmißbrauch zusammenarbeiten.
Es wurde erörtert, die Kenntnis der Sprachen der beiden Länder zu
fördern. Nachdem sie mit Befriedigung die Ergebnisse der am 4. Mai 1978
in Rom unterzeichneten Vereinbarung ("memorandum of agreement") zur
Kenntnis genommen hatten, kamen beide Seiten überein, bei der Produktion
von Fernsehprogrammen für den Unterricht in ihrer jeweiligen Sprache
zusammenzuarbeiten. Die italienische Regierung bekundete ihre Absicht,

- 5 -

�Absicht, ihren finanziellen Beitrag zum Fulbright-Programm zu erhöhen,
um dem amerikanischen Beitrag für die kommenden Jahre zu entsprechen.
•

Der von der CINI-Stiftung in Venedig und der Guggenheim-Stiftung
in New York vor kurzem bekanntgegebene Entschluß, bei der Einrichtung
eines größeren Kulturzentrums in Venedig zusammenzuarbeiten, wuroe mit
Befriedigung als ein konkretes und überzeugendes Beispiel für de.i Beitrag
angeführt, den der private Sektor für die Entwicklung bilateraler Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Italien leistet.

+ + + + +

- 6 -

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2. Juni 1980

CARTER: DER WESTEN MUSS SICH DER SOWJETISCHEN BEDROHUNG STELLEN
- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom -

ROM- - (AD) - Am 20. Juni 1980 warnte Präsident Carter auf einem
Staatsbankett, das ihm zu Ehren gegeben wurde, vor der Gefahr, daß das
strategische und wirtschaftliche Gleichgewicht sich zugunsten des
Totalitarismus verschieben werde, wenn die demokratischen Industriestaaten
nicht angesichts der neuen sowjetischen Herausforderung zusammenstehen.
Zugleich verwies er jedoch auch darauf, daß nichts "die außergewöhnlichen
Leistungen unserer Gesellschaft insgesamt verdunkeln" könne.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
In jedem unserer Länder wurde eine Demokratie geboren. Beide
kämpften darum, das Gleichgewicht zwischen Einheit und Freiheit zu
erringen, das befreite Gesellschaften zur höchsten Form menschlicher
Regierung führt - zur Selbstregierung.
Freiheit

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�Freiheit und Menschenrechte haben in Tat und in Gedanken keinen
standhafteren Freund als Sandro Pertini.

Für die Freiheit des einzelnen

und für die Demokratie in seinem Land zahlte er den Preis jahrelanger,
grausamer Gefangenschaft.

Ja, ich habe gehört, daß er 1940 nicht -

wie es dem Gesetz nach sein Recht gewesen wäre - aus dem Gefängnis entlassen
wurde, weil er als "besonders gefährlich" angesehen wurde.
er bis heute geblieben:

Und das ist

gefährlich für jeden, der damit droht, die

Freiheit eines Menschen, die Rechte einer Gruppe, das Leben oder die
Existenz freier Menschen einzuschränken oder zu zerstören.

Als Staats-

oberhaupt war er der erste, der sich an die iranischen Behörden mit dem
Aufruf wandte, unser diplomatisches Personal aus den Händen der Terroristen
zu befreien, und es bereitet mir ein großes Vergnügen, bei dieser öffentlichen
Gelegenheit die Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, die das amerikanische
Volk und ich für diese unerschütterliche Unterstützung hegen.
Heute morgen haben Präsident Pertini und ich einige der zentralen
Fragen besprochen, die den Weltfrieden stören. Danach konnte ich diese
Fragen auch mit Ministerpräsident Cossiga erörtern, dessen Besuch in
Washington im Januar und dessen Präsidentschaft in der Europäischen
Gemeinschaft uns alle so tief beeindruckt haben.
Drei grundlegende Gedanken durchzogen unsere heutigen Gespräche.
Der erste: Angesichts einer Zeit der Gefahr, des Wandels und der Prüfung
in den achtziger Jahren besteht die bestmögliche Politik für unsere
Länder in einer Politik, die beides erstrebt - eine starke Verteidigung
der nationalen Sicherheit und alles andere,was notwendig ist.
In den vergangenen Jahrzehnten widerstand der Westen mit Erfolg dem
sowjetischen Expansion!'smus nach Westen wie nach Osten. Heute sehen
wir, wie sich die Sowjetunion nach Süden schiebt: direkt nach Afghanistan
hinein und indirekt durch Vietnam und Kambodscha. Dies stellt eine
strategische Herausforderung der lebenswichtigen Interessen des Westens

- 2 -

�Westens dar, der sich die demokratischen Industriestaaten gemeinsam
stellen müssen. Wenn wir in unserer Entschlossenheit fest bleiben,
werden wir eine Haltung definieren, aus der heraus wir zur Entspannung
ermutigen können.
Wenn wir dabei versagen, werden wir zulassen, daß das strategische,
politische und wirtschaftliche Gleichgewicht sich schwerwiegend zugunsten
des Totalitarismus verschieben wird.
Eine zweite Überzeugung, die wir teilen, ist die, daß wir unser
gemeinsames Erbe der Freiheit nicht durch Waffen allein verteidigen
können. Die Zukunft unserer Art zu leben hängt in gleichem Maße von unserer
Fähigkeit ab, allen unseren Bürgern wirtschaftliche Möglichkeiten und
soziale Gerechtigkeit zu bieten und eine annehmbare Umwelt zu schaffen,
in der die Freiheit überleben und gedeihen kann. Wir müssen zugleich
sorgfältige Theoretiker und praktische Politiker sein, wenn wir uns mit
der Energieabhängigkeit, der Inflation, den Entwicklungsländern, mit
Rüstungskontrolle und dem Frieden in den unruhigen Regionen wie etwa
dem Nahen Osten befassen.
*
Der dritte grundlegende Gedanke, der unser heutiges Gespräch durchzog, war der, daß nationale Sicherheit und Weltfrieden nur durch Aufrechterhaltung eines starken und einigen Atlantischen Bündnisses erreicht
werden können. Genauso wie die beste Regierungsform die Selbstregierung
ist, so ist das haltbarste Bindemittel jedes Bündnisses die Freiwilligkeit.
Wir haben ein Bündnis unabhängiger Demokratien. Wir erhalten unsere
Stärke aus unseren gemeinsamen Traditionen und unseren individuellen
Unterschieden.
Herr Präsident, fürchten wir uns nicht davor, die grundlegendsten
Herausforderungen unseres Bündnisses heute unmittelbar und vor den Augen
der Öffentlichkeit anzugehen.
In
- 3 -

�In letzter Zeit haben wir viel über Differenzen und Meinungsverschiedenheiten zwischen den westlichen Demokratien gehört.
in meinem Land und in Europa sprechen über Verwirrung.

Einige Stimmen

Einige Pessimisten

betrachten die Debatte zwischen demokratischen Staaten als ein Zeichen
fataler Schwäche.

Sie sagen einen Niedergang der westlichen Zivilisation

voraus und streuen Pessimismus, Materialismus, Willensschwäche und schwindendes
Vertrauen in uns selbst und in unsere Institutionen aus.
Unsere Erfahrung und die Wirklichkeit selbst zeigen deutlich, daß
diese selbsternannten "Realisten" Unrecht haben.

Unser offener und

öffentlicher Kampf mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen kann nicht
die außergewöhnlichen Leistungen unserer Gesellschaft insgesamt verdunkeln.
Die demokratischen Staaten sind für junge Studenten aus der ganzen
Welt ein Magnet.

Die demokratische Welt ist ein Mittelpunkt der

intellektuellen und technologischen Innovation, sie ist ein großartiger
Sammelpunkt kultureller Kreativität, sie macht einen großen Wiederaufschwung des religiösen Glaubens durch, und unsere politischen Institutionen
zeigen eine Beweglichkeit, wie es sie ihresgleichen in der totalitären Welt
nicht gibt.
Nicht vor der Demokratie sind seit 1945 Millionen Flüchtlinge davongelaufen. Nicht um der Demokratie zu entkommen, haben Menschen in den
letzten Wochen ihr Leben in kleinen Booten auf hoher See aufs Spiel
gesetzt. Und nicht wegen der Demokratie haben nahezu zehn Prozent des
Volkes eines ganzen asiatischen Staates ihre ursprüngliche Heimat verlassen. Und es war sicherlich nicht die Demokratie, vor der Hunderttausende Männer und Frauen und Kinder aus Afghanistan flohen, sondern
ausländische Unterdrückung. Diese Stimmen fliehender Millionen - wie die
lautwerdenden Stimmen von weiteren Millionen Menschen - werden abgegeben
für den tiefverwurzelten Glauben, der der Demokratie ihre einzigartige
Dynamik gibt: unseren grundlegenden Glauben in die unveräußerlichen Rechte

�Rechte und die Würde des Menschen.
Materielle Leistungen und kulturelle Lebenskraft allein können nicht
die Kraft unseres geistigen Erbes erklären. Und auch in den Unternehmungen,
den Fertigkeiten und dem Erfolg unserer Menschen allein läßt sich der
Geist unserer Gesellschaft nicht finden.
Der grundlegende Wunsch nach Demokratie steigt aus der Mitte des
Herzens und der Seele des Menschen.
Deshalb ist das Echo des ununterdrü'ckbaren Rufs nach Freiheit auf
der ganzen Welt zu hören.

Dieser Ruf erhält seine Stimme durch die Staaten,

die sich morgen in Venedig versammeln.
Unser Glaube an die Menschenrechte - die Freiheit, die Würde und den
Wert jedes einzelnen - ist der unwiderstehlichste revolutionäre Wurf unserer
Zeiten. Er hat ein Niveau des wirtschaftlichen Fortschritts und der
geistigen Kreativität hervorgebracht, wie dies keiner anderen politischen
Lehre oder Idee gelang. Wir haben keinen Grund, Veränderung, neue Ideen
oder neue Probleme zu fürchten. Wir verlassen uns nicht auf militärische
Invasionen durch sogenannte befreundete Nachbarn, noch weniger auf
Terrorismus, um die Idee der Freiheit aufrechtzuerhalten - sie steht für
sich allein.
Das Streben nach Freiheit und Demokratie hat sich in den letzten
Jahren ausgebreitet - in Spanien, in Portugal, in Griechenland, in Afrika
und in Lateinamerika. Heute tönt die echte menschliche Stimme der
Demokratie viel klarer als die krächzenden Lautsprecher der autoritären
Regime.
Aber obgleich die Freiheit nicht durch Gewalt aufgezwungen zu werden
braucht, so wissen wir doch zu gut, daß sie - einmal gewonnen - verteidigt

- 5 -

�verteidigt werden muß.

Die Suche nach dem Frieden fordert Stärke, nicht

Schwäche, Beständigkeit, nicht Wankelmütigkeit, Stolz, nicht Arroganz.
Wir versuchen nicht, die Welt nach dem Modell Amerikas oder des Westens
neu zu gestalten.

Wir möchten, daß die Völker der Welt über ihr eigenes

Geschick entscheiden, ihr eigenes Geschick in die Hand nehmen und ihre
Wahl selbst treffen.

Wir sind zuversichtlich, denn die Geschichte ist

auf der Seite der Freiheit.
Daß wir uns hier nicht mißverstehen: Der Westen ist nicht motiviert
durch rastlose Feindseligkeit oder durch einen Wunsch nach unterschiedsloser Konfrontation oder durch eine Rückkehr zum kalten Krieg. Aber würde
das westliche Bündnis die ausländische Besetzung und Beherrschung Afghanistans
lediglich als eine vollendete Tatsache hinnehmen, so wäre dies für die
Welt nur ein zynisches Signal, das nur zu weiterer Aggression ermutigen
könnte, zu weiterer Spannung und zu weiterer Gefahr für den Weltfrieden.
Es ist unsere Verantwortung, in klaren Worten unsere Verurteilung
der sowjetischen Invasion anzuzeigen, solange diese Invasion andauert.
Wir sind nicht in der Lage, mit Gewissheit die Beweggründe dieses
jüngsten sowjetischen Schrittes zu beurteilen - ob Afghanistan ein Zweck
oder ein Vorspiel ist -, aber es kann keinen Zweifel darüber geben, daß
die Invasion eine erhöhte Bedrohung für die Unabhängigkeit der Staaten
in dieser Region und für den Zugang der Welt zu lebenswichtigen Rohstoffen
und Seewegen darstellt.
Tatsache ist, daß unsere Demokratien in entscheidendem Maße von
den öl Vorräten einer unbeständigen Region abhängig sind, deren eigene
Sicherheit jetzt durch innere Uneinigkeit und äußere Bedrohung in Frage
gestellt ist. Wird es nicht gelöst, so könnte dieses Sicherheitsproblem
unsere Art zu leben ändern. Schon jetzt berührt es unser aller Leben
direkt und drastisch.
Aber

�Aber unser Interesse an Frieden und Stabilität in dieser Region
geht weit über das rein Wirtschaftliche hinaus.

In dieser Welt der immer

größeren wechselseitigen Abhängigkeit ist die Annahme, daß der Aggression
nur dann entgegenzutreten sei, wenn sie sich vor der eigenen Haustür
zuträgt, eine Einladung zu neuen und höchst schwerwiegenden Abenteuern.
Entspannung mit den Sowjets bleibt weiterhin unser Ziel, aber
Entspannung muß gegründet sein auf eine standhafte Grundlage der Abschreckung
vor Aggression. Die Sowjets müssen begreifen, daß sie den Weltfrieden
nicht rücksichtslos bedrohen oder daß sie auch weiterhin die Vorteile
der Zusammenarbeit genießen können, während sie eine Politik bewaffneter
Intervention verfolgen.
Vor allem aber soll jeder wissen, daß den Anstrengungen, unser
Bündnis zu entzweien oder uns in dem falschen Glauben einzuschläfern,
Amerika oder Europa könnten irgendwie eine Insel der Entspannung sein,
während an einem anderen Ort eine Aggression stattfindet, kein Erfolg
beschieden sein wird.
Wir erkennen, Herr Präsident, daß unsere Politik jenen gegenüber,
die den Frieden bedrohen, klar sein muß, folgerichtig und verständlich.
Es darf keinen Raum geben für irgendwelche Fehlurteile.
Aber lassen Sie mich ebenso klar sagen, daß der Weg zu verbesserten
Beziehungen offen ist - und daß dies der Weg ist, den wir bevorzugen.
Ich bin überzeugt davon, daß das amerikanische Volk unsere anhaltenden großen Anstrengungen zur Rüstungskontrolle wünscht - genauso
wie es eine anhaltende kraftvolle Politik gegenüber sowjetischer Aggression
will. Wir wissen, daß das SALT II-Abkommen unmittelbar zur Sicherheit
nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern auch Europas und sogar der ganzen
Welt beitragen kann. Es kann dabei helfen, künftigen Rüstungswettstreit zu

- 7 -

�zu beschränken, auf der historisch wichtigen Linie der Kernwaffenbegrenzung
fortzufahren und den Glauben daran zu bewahren, daß sogar die gefährlichsten
Meinungsverschiedenheiten in einem Rahmen der Zusammenarbeit abgebaut
werden können.
Gerade in dieser Zeit der Spannung ist die Einhaltung der beiderseitigen Beschränkungen, die der Vertrag auferlegt, im tiefsten Interesse
jedes Staates der Erde. Daher habe ich die Absicht, Ziel und Zweck dieses
Vertrags zu honorieren, solange die Sowjetunion, von uns dabei beobachtet, das
gleiche tut.
Ich werde meine engen Konsultationen mit unserem Kongreß fortsetzen
in der Absicht, die Ratifizierung von SALT II zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu erreichen.
Weiterhin müssen wir, damit das Jahrzehnt der achtziger Jahre nicht
zum Jahrzehnt der Gewalt wird, mit unseren Freunden in der erneuerten
Anstrengung zusammenarbeiten, alle Aspekte des Rüstungswettlaufs zu
stabilisieren und die Bandbreite der Rüstungskontrollmöglichkeiten auszuweiten.
Zusammengefaßt: Ich akzeptiere die Voraussagen über Schwäche und
Versagen der Demokratie in der Welt nicht. Ein Niedergang unserer
Gesellschaften, unserer Werte, unserer Freiheiten wird nur dann eintreten,
wenn wir es zulassen, nur dann, wenn wir uns der Ungewißheit über unseren
Standpunkt und über unsere Überzeugung ausliefern, nur dann, wenn wir
vergessen, daß jede Nation und jeder einzelne die Verantwortung mitträgt,
zusammenzustehen und jene gemeinsamen Überzeugungen zu verteidigen, die
uns einen - und ich bin überzeugt, daß wir nie aufgeben noch vergessen
werden.

�Herr Präsident, Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren:
Genauso wie in jeder Demokratie müssen wir daran arbeiten, den Geist der
Gemeinsamkeit zu nähren, der allein eine ganze Nation zu mehr machen kann
als die Summe ihrer Teile.

So gilt auch innerhalb des Bündnisses freier

Staaten, daß wir sicherlich einzeln verwundbar sind, wenn wir nicht zusammenarbeiten.
Ich biete Amerikas eigene standhafte Verpflichtung gegenüber unseren
gemeinsamen Interessen der Sicherheit und des Friedens, und wir verlassen
uns auf unsere europäischen Freunde und Verbündeten, sich uns in dieser
Anstrengung anzuschließen. Gemeinsam können und werden wir die Werte
und Interessen unserer Gesellschaft verteidigen. Die Erfahrung der
Geschichte rät zu einem solchen Kurs. Gegenwärtige Umstände erzwingen
ihn.
In diesem Geist des Bündnisses und der Partnerschaft bitte ich Sie,
sich mir zu einem Toast auf Präsident Pertini anzuschließen, auf die
Traditionen zweier großer Nationen, die gleichzeitig parallel und
miteinander verflochten sind, und auf den unverbrüchlichen Geist der
Freiheit, Freundschaft und Liebe zum menschlichen Leben, der für immer
unsere Länder und unsere Völker verbinden wird.

+ + + + +

- 9 -

�fl l )

I

Dokumentation
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31

2. Juli 1980

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS BEIM BESUCH IM VATIKAN

VATIKANSTADT - (AD) - Präsident Jimmy Carter stattete am 21. Juni 1980
dem Vatikan und seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul II, einen offiziellen
Besuch ab und hielt beim Empfang durch den Papst folgende Ansprache:
Euer Heiligkeit, so glücklich ich war, Sie als den ersten Papst,der
das Weiße Haus besuchte, begrüßen zu dürfen, so glücklich bin ich heute,
von Ihnen in Ihrer alten und heiligen Stadt begrüßt zu werden.
Wie Millionen vor mir bin ich durch die herrlichen Werke Michelangelos,
Raphaels, Berninis und vieler anderer großer Künstler tief bewegt. Sie
haben uns den Beweis hinterlassen, daß wir, wenn wir unsere Energien von
der Zerstörung weg dem Schöpferischen zuwenden, in der Lage sind, das Werk
des Göttlichen im Dienste der Menschen zu vollbringen.
Heute ist es wohl mehr denn je notwendig, daß Staatschefs und Führer
religiöser Glaubensgemeinschaften sich gemeinsam der Verpflichtung zum
Dienst an der Menschheit hingeben.
Inmitten

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Telex: 08-85432

�Inmitten einer Reise, die ich gegenwärtig unternehme und deren
Ziel es ist, den Frieden und die Zusammenarbeit und die gemeinsamen
Zielsetzungen mit den engen Partnern meines Landes zu fördern, ist es
für mich heute ein Privileg, mit einem Manne zusammenzutreffen, der sich
leidenschaftlich diesen gleichen Idealen verschrieben hat.
Ich bin dankbar, daß wir die gemeinsame Überzeugung haben, daß der
Kampf um die Förderung der Würde und des Anstands des Lebens des einzelnen
der Geschichte den Sinn gibt, daß durch unser Handeln unser Glaube Leben
erhält, daß die Rolle eines Staates nicht darin besteht, den Geist seiner
Menschen zu unterdrücken, sondern zu befreien, und daß es die Pflicht der
führenden Persönlichkeiten ist, sich mit allen zusammenzutun, die auf
den Wegen des Friedens wandeln.
•

Unsere gemeinsame Pilgerreise ist notwendiger denn je. Die Ressourcen
der Welt, die von Gott für alle gedacht sind, werden zu einem großen
Teil abgezweigt, um Mittel der Zerstörung zu finanzieren. Zu Millionen
ziehen heimatlose Menschen, oft durch Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben
und dem Hunger und der Krankheit ausgesetzt, durch die Welt in der Suche
nach der elementaren Würde, die ihnen vorenthalten wird.
Wir alle teilen die Verantwortung dafür, diesen Tragödien ein Ende
zu setzen. In der gegenwärtigen Weltlage wissen wir, daß sie mit widerstrebenden Interessen durchzogen ist, die die Gefahr von Blutvergießen
heraufbeschwören. Aber sie ist auch voller Chancen für Versöhnung, und
wir müssen diese Initiativen ergreifen und sie nutzen.
Die Nationen können einen Anfang machen, indem sie sich an ein
universelles moralisches und politisches Gebot halten, daß der Schutz
der Menschenrechte jeder Person die Voraussetzung für und die Zielsetzung
von Regierungen ist. Sie können auch die Souveränität anderer Nationen
als heilig betrachten.
Die
- 2 -

�Die Siedler Amerikas wurden durch das Versprechen der Freiheit
und eines besseren Lebens an unsere Küsten gelockt.

Im Laufe unserer

langen, jetzt über 200jährigen Geschichte hat sich Amerika von dieser
Tradition des ständigen Strebens - nicht nur für uns selbst, sondern
für alle Völker, - leiten lassen.
Darum sind das Streben nach persönlicher Freiheit und nach der
Sicherheit der Nationen und dem Frieden in der Welt Grundprinzipien
amerikanischer Außenpolitik.

Und darum hegen Amerikaner auch eine so

tiefe Bewunderung und eine so große Liebe für Papst Johannes Paul II.
Amerikaner aller Glaubensgemeinschaften haben sich über seinen Besuch
in unserem Lande im vorigen Jahr gefreut.

Es war eines der bemerkens-

wertesten Ereignisse in der Geschichte unseres Landes.

Wir haben mit

Achtung und Dankbarkeit erlebt, wie er auf seinen früheren Reisen
Millionen von Menschen in seinen Bann gezogen hat.

Seine moralische und

geistige Führung hat die Aufmerksamkeit der Welt auf jenes Leiden vor Hunger,
vor Armut und Krankheit, auf die Flüchtlinge in allen Winkeln der Erde
und auf jene gerichtet, die unter politischer Unterdrückung leiden.
Die Vereinigten Staaten teilen die Anliegen seiner Heiligkeit.
Das sind auch unsere unerledigten Aufgaben. Amerika hat großzügig
auf die Not der Männer, Frauen und Kinder von Kamputchea reagiert, und
wir handeln mit Gerechtigkeit und Nächstenliebe an jenen Menschen, die
untragbaren Bedingungen in der Karibik entfliehen. Und wir arbeiten mit
den internationalen Hilfsorganisationen, wie dem katholischen Hilfswerk,
zusammen, um jenen Nahrung und Unterkunft zu gewähren, die durch den Krieg
in Indochina, am Hörn von Afrika und in Afghanistan vertrieben wurden.
Darüber hinaus versuchen die Vereinigten Staaten eine neue führende
Rolle zur Herstellung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen
Osten zu übernehmen.

Wir freuen uns, Verfechter der Sache der Demokratie

- 3 -

�Demokratie und der menschlichen Entwicklung in Lateinamerika zu sein.
Und wir werden weiterhin bestrebt sein, die Vereinigten Staaten zu einem
würdigeren Lande zu machen, das sich der sozialen Gerechtigkeit, den
wirtschaftlichen Chancen und der religiösen Freiheit verschrieben hat.
Und noch etwas, was für mich ungeheuer wichtig ist. Im Namen des
amerikanischen Volkes möchte ich Ihnen, Eure Heiligkeit, persönlich danken
fUr Ihre Bemühungen um die Freilassung der 53 amerikanischen Geiseln,
die im Iran festgehalten werden - Opfer des Terrorismus, die in ständiger
Mißachtung des Völkerrechts und der weltweit akzeptierten Regeln des
Anstandes festgehalten werden.
Wir haben viele unerledigte Aufgaben, aber wir verfügen über viele
Kraftquellen des Mutes, der Geduld, des Glaubens, der Stärke und der
Liebe.

Wir haben diese Quellen bei unserem Zusammentreffen heute erneuert.

Zusammen arbeiten wir dem Tag entgegen, an dem nicht mehr Menschen andere
Menschen obdachlos und hungrig machen, an dem alle Menschen eine Stimme
haben werden, um ihr eigenes Schicksal zu bestimmen, an dem wir endlich
die schreckliche Angst vor nuklearer Zerstörung von unseren Kindern und
Kindeskindern nehmen können, an dem die Werte und Ideale der Freiheit
von allen Regierungen geachtet werden und an dem die Demut und der Dienst
am menschlichen Geist und den menschlichen Lebensverhältnissen die höchste
Ehre jedes menschlichen Staates ist.
Eure Heiligkeit, es ist mir eine Ehre und eine Freude, bei Ihnen
zu sein, und ich gehe in der Hoffnung, daß Sie für mich beten werden.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation

I
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2. Juli 1980

CARTER-PRESSEUNTERRICHTUNG AM 22. JUNI 1980 IN VENEDIG

VENEDIG - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat nach dem ersten Tag
des Wirtschaftsgipfels in Venedig am 22. Juni 1980 eine informelle Presseunterrichtung abgehalten, die folgenden Wortlaut hat:
DER PRÄSIDENT: Wir haben den ersten Tag unserer Arbeit auf der
Gipfelkonferenz in Venedig abgeschlossen. Wir haben heute viel Zeit
damit verbracht, über die politischen und diplomatischen Wechselbeziehungen
zu sprechen, die uns verbinden, und wir haben auch das Problem erörtert,
vor dem wir in den achtziger Jahren stehen mit einer fast unausweichlichen
Verringerung der ölmenge, die uns zu Ende dieses Jahrzehnts zur Verfügung
stehen wird und die Notwendigkeit, unter uns selbst starke, vereinte,
abgestimmte Einsparungsverpflichtungen einzugehen und die Produktion
alternativer Formen der Energie zum öl zu erhöhen.
Ich war sehr erfreut über die Erklärung des Vorsitzenden und unseres
Gastgebers Ministerpräsident Cossiga am heutigen Nachmittag, die die
Einigkeit unter den hier versammelten sieben Nationen zeigt ebenso wie

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�wie die Verurteilung der sowjetischen Invasion und Besetzung Afghanistans,
die Verpflichtung, die wir gemeinsam eingegangen sind, unsere Opposition
zu dieser Invasionsarmee und unsere Bewunderung für die Freiheitskämpfer
in Afghanistan aufrechtzuerhalten, die ihr Land von den Besatzungstruppen
zu befreien suchen.
Wir beobachten mit Interesse die Ankündigung der Sowjetunion, daß
einige ihrer Streitkräfte aus Afghanistan zurückgezogen würden.

Wenn

diese Berichte bestätigt werden und wenn dieser Abzug auf Dauer ist und
wenn dieser Abzug ein erster Schritt wäre, die Sowjets zu einem ständigen
und völligen Abzug ihrer Streitkräfte in Afghanistan zu bewegen, dann
wäre das natürlich eine bedeutsame Sache.
Alle anderen Länder, die sich gegen eine Beteiligung an den Olympischen
Spielen ausgesprochen haben, haben ihren Standpunkt nachdrücklich bekräftigt,
und wir alle waren über das Ergebnis dieses ersten Arbeitstages sehr
befriedigt.
FRAGE: Herr Präsident, könnten Sie etwas über die Bedeutung der
sowjetischen Ankündigung über den Abzug gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt
sagen?
ANTWORT: Ich möchte dazu persönlich etwas sagen und nicht als
Sprecher der ganzen Gruppe. Meine Überzeugung ist, daß es-sehr viel mehr
mit dem Wunsch zusammenhängt, eine Beteiligung an der Olympiade zu erreichen
als die Formulierungen des Kommuniques zu beeinflussen, das hier in Venedig
herausgegeben werden wird. Der Olympiaboykott hat den Sowjets in der
Weltöffentlichkeit sehr geschadet und auch im eigenen Lande. Sie sind
jetzt bereit, die Auslagen einzelner Sportler zu bezahlen, denen es gestattet würde, in die Sowjetunion zu reisen, und ich glaube, daß dies
mehr ein Faktor ist als diese Gipfelkonferenz - aber wir wissen es noch
nicht. Wie ich bereits gesagt habe, die Bedeutung eines Truppenabzugs

- 2 -

�Truppenabzugs könnte erst richtig beurteilt werden, nachdem der Abzug
selbst bestätigt ist und nachdem wir die Gewähr haben, daß dies ein
erster Schritt eines völligen Abzuges der Sowjettruppen wäre.
FRAGE:

Herr Präsident, hat sich Präsident Giscard in irgend einer

Weise näher zu dieser Tass-Erklärung geäußert?

Hat er eine persönliche

Mitteilung von Breschnew erhalten und hat er darüber gesprochen?
ANTWORT:
FRAGE:
ANTWORT:

Ja.
Was hat er Ihnen gesagt?
Diese Erklärungen möchte ich lieber ihn selbst abgeben

lassen.
FRAGE:

Können Sie uns etwas über Ihr langes Gespräch mit Giscard

d'Estaing sagen?
ANTWORT: Es hätte nicht besser verlaufen können. Präsident Giscard
d'Estaing und ich stehen häufig und regelmäßig miteinander in Verbindung,
entweder telefonisch oder telegraphisch, und wir treffen uns, wann immer
wir können. Wir haben einen weiten Bereich von Fragen erörtert; bilaterale
Fragen zwischen uns und Frankreich, Angelegenheiten bezüglich der Europäischen
Gemeinschaft und auch Fragen bezüglich Ostafrikas, des Persischen Golfes
und der südwestasiatischen Region. Das ist ein Bündnis und eine Beziehung
zwischen unserem Lande und Frankreich, die sehr wertvoll für uns und
für die Franzosen sind, und es gibt, so weit ich weiß, keine Meinungsverschiedenheiten, die Anlaß zur Besorgnis zwischen unseren beiden Ländern
wären.
FRAGE:

Herr Präsident, warum erwägen Sie nicht, daß wir vom Boykott

der Olympiade abrücken, wenn sich die Sowjets aus Afghanistan zurückziehen?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT:

Nein, unsere Entscheidung, nicht an der Olympiade teilzu-

nehmen, wurde bereits im Februar getroffen, und was mich angeht, ist diese
Entscheidung unwiderruflich.
FRAGE:

Haben Sie, nachdem Sie mit Präsident Giscard gesprochen

haben, den Eindruck, daß der sowjetische Bericht über einen Abzug aus
Afghanistan ernst gemeint ist oder handelt es sich nur um ein Komplott,
um eine Beteiligung an der Olympiade zu erreichen?
ANTWORT:

Das kann ich auch nicht wissen.

Wir alle sind der Auf-

fassung, daß diese sowjetische Ankündigung nur dann als bedeutsam beurteilt
werden kann, wenn sie genau stimmt, wenn sie für die Dauer gilt und wenn
sie ein erster Schritt zu einem völligen Abzug ist.

Ein Teilabzug

sowjetischer Truppen, sorgfältig ausgewählter Einheiten, hätte wenig
Bedeutung.
nicht.

Aber wir kennen heute die Antwort auf all diese Fragen noch

Wir werden es mit der Zeit herausfinden müssen.

+ + + + +

- 4 -

�Dokumentation

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2. Juli 1980

31

PRÄSIDENT CARTERS ERKLÄRUNG
AUF DER ABSCHLIESSENDEN PRESSEKONFERENZ IN VENEDIG

VENEDIG

- (AD) - Im Verlauf der gemeinsamen Pressekonferenz am

Ende des Weltwirtschaftsgipfels vom 22. bis 23. Juni 1980 in Venedig gab
der amerikanische Präsident folgende Erklärung ab:
Unser Treffen endet in einem Geist erfreulicher Eintracht und gegenseitigen Vertrauens. Wir sind gemeinsam übereingekommen, eine Liste
für individuelle und gemeinsame Maßnahmen zu erarbeiten. Von der Geschichte
dieser schönen Stadt haben wir eine wichtige Lektion gelernt:

Daß sogar

die gesichertsten politischen Mächte rechtzeitig handeln müssen, um
bedeutsame Veränderungen zu gestalten.
Die Republik von Venedig hinterließ uns ihre unvergleichliche
Schönheit, die wir zu unserem großen Vergnügen sahen. Aber am Ende
gelang es ihren Führern nicht, sich den Drohungen des Wandels zu stellen,
die aus dem Osten hereinbrachen und sie versagten dabei, die Gelegenheiten
für einen Wandel zu ergreifen, die sich ihnen damals im Westen boten.
Wir

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Telex: 08-85432

�Wir sind entschlossen, dieselben Fehler nicht zu wiederholen.
Alle von uns, die wir in Führungspositionen dienen, erkennen, daß das
Jahrzehnt der siebziger Jahre eine Periode großer Schwierigkeit und großer
Herausforderungen war, eine Zeit des Kampfes gegen unvorhersagbaren und
unkontrollierbaren Wandel. Aber wir alle erkennen auch, daß die achtziger
Jahre womöglich noch viel schwieriger sein werden, noch herausfordernder
und noch viel weniger vorhersagbar.
Die freien Völker stehen vor einer schwierigen Wahl.

Die Freiheiten,

die unsere Nationen stark machten, sind im Jahrzehnt der achtziger Jahre
in Gefahr.

Und wir haben uns auf dieser Konferenz in Venedig dazu

verpflichtet, diese Freiheiten in den achtziger Jahren und sogar bis zum
Ende dieses Jahrhunderts zu bewahren.
Die Herausforderungen sind ihrer Natur nach politisch und wirtschaftlich.
Wir haben unsere vereinte Stärke, unseren Einfluß und unsere Stimmen gegen
den Einmarsch einer grausamen Macht in das Land seines nächsten, schutzlosen
Nachbarn aufgeboten, eine Invasion, die die Stabilität eines Gebietes
dieser Welt bedroht, das für uns alle von entscheidender Bedeutung ist.
Die sowjetische Aggression in Afghanistan ist ein weitreichender Angriff
auf das Völkerrecht und eine ernste Bedrohung der Stabilität in dieser
lebenswichtigen Region.
Wir haben uns dazu verpflichtet, uns dieser sowjetischen Invasion
mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu widersetzen. Und wir tun
dies, weil es ein moralisches Gebot und zugleich ein strategisches Gebot
ist. Und wir wissen auch, daß der Widerstand heute gegen sowjetischen
Militarismus und Aggression es uns ermöglicht, in Zukunft-die Wege des
Friedens, der Entspannung und der Schlichtung wieder zu begehen.
Wir haben unsere nahezu einzigartige Einigkeit bei unserer Ablehnung
von Terrorismus, Entführung und Angriffen auf unschuldiges diplomatisches

- 2 -

�diplomatisches Personal demonstriert sowie hinsichtlich der Linderung
des Leidens vieler Millionen Flüchtlinge in der ganzen Welt.

Wir haben

uns zur gleichen Übereinstimmung verpflichtet» was die Absicht der Überwindung unserer gemeinsamen wirtschaftlichen Herausforderungen anbelangt.
Wir fahren fort, die inflationären Kräfte zu bekämpfen, die das Vertrauen
vergiften, auf dem unsere Wirtschaftssysteme gegründet sind.

Wir alle

wissen nur zu gut, daß diese Schlacht noch lange nicht gewonnen ist.
Sie zwingt uns zu einer noch größeren gemeinsamen Anstrengung.
In unserem eigenen Land waren wir seit der Übereinkunft des Gipfeltreffens
von Tokio bei der Reduzierung von ölimporten sehr wirkungsvoll und haben
einen seit langem anhaltenden Aufwärtstrend umgekehrt. Ich habe gerade
heute die Zahlen erhalten: In den ersten Monaten dieses Jahres sanken die
öleinfuhren unseres Landes um 13,4 Prozent unter diejenigen des gleichen
Zeitraums im Vorjahr - ein Hinweis nicht einmal so sehr auf unsere eigene
Leistung, sondern auf das Ergebnis dieser Gipfeltreffen, die sich in
der Vergangenheit schon so greifbar auf das Leben unseres Volkes ausgewirkt
haben.
Wir sind entschlossen - wie der französische Präsident gesagt hat -, die
Verkettung zwischen unserem wirtschaftlichen Wachstum und unserem Ölverbrauch aufzubrechen. Wir haben uns ehrgeizige Ziele für alternative
Energiequellen gesetzt, um öl durch Kohle und Ölschiefer, von der Sonne
hergeleitete Energie sowie durch Energie aus Getreide und Bäumen zu ersetzen - dem Äquivalent von zwischen 15 und 20 Millionen Barrel öl pro
Tag gegen Ende dieses Jahrzehnts.
Und wir haben konkrete, definitive Maßnahmen beschlossen, mit
denen wir dieses Ziel erreichen können. Dies sind keine Zahlen, die der
Öffentlichkeit unbegründet vorgelegt werden. Diese Verpflichtung ist für
uns alle bindend.
Mit

- 3 -

�Mit Ölverbrauch sowie Exploration und Entwicklung alternativer
Energiequellen - einschließlich unserer gewaltigen Kohlevorrä'te - stellt
sich uns ein Abenteuer, eine aufregende Möglichkeit zum Gebrauch unseres
Einfallsreichtums und unseres Könnens.
Und schließlich stehen wir, was die armen Länder dieser Welt anbelangt,
vor einer weiteren Herausforderung - jene Länder, die durch die ungerechtfertigten und exzessiven öl Preiserhöhungen

der OPEC-Staaten in besonderem

Maß geschwächt wurden. Auch hier müssen wir unsere Sorge mit konkreten
Maßnahmen in Einklang bringen.

Denn ohne solche Maßnahmen werden wir vor

einem sich beschleunigenden Kreislauf der Entfremdung, Verzweiflung und
des Aufruhrs stehen.
Wir werden diese Frage der Hilfe, des Beistands und des Handels
bis zum nächsten Jahr, wenn diese Gipfelkonferenz erneut zusammentritt,
1n allen Einzelheiten analysieren.

Wir teilen die Verantwortung unter-

einander und mit den Entwicklungsländern, um ein besseres Leben für uns
alle zu erzielen.

Wir wissen, daß der Hunger, unter dem viele dieser

Völker leiden, nicht nur ein Hunger nach Nahrungsmitteln ist, die unser
Land, Gott sei Dank, im Überfluß hat.

Es ist zugleich ein Hunger nach

gegenseitigem Respekt, nach gegenseitigem Verständnis und nach gegenseitiger Unterstützung; wir sind uneingeschränkt auf Gegenseitigkeit
hierzu bereit.
Wir erkennen diesen Hunger nach gleicher Behandlung und Gleichheit
der Beziehungen an, und wir haben beschlossen, alles zu tun, was wir
können, um diesen Hunger mit Würde und mit gleicher Behandlung zu stillen.
Was wir angesichts dieser Gefahren und Chancen tun, ist Maßstab
unseres Willens zum überleben als freie Gesellschaften. Es gibt nicht mehr
viele echte Unterschiede zwischen Innenpolitik und Außenpolitik, zwischen
militärischer Stärke und Stärke im Bereich von Wirtschaft oder Energie,

�Energie, zwischen wirtschaftlicher Gesundheit und politischer Vitalität.
Diese Faktoren und die Kennzeichen eines Lebens in einem Staat sind
eng miteinander verwoben und untrennbar.

All diese Elemente müssen

miteinander verschmolzen werden, um die Grundlage für echte Sicherheit
zu bieten - Sicherheit für die Zukunft wie für die Gegenwart.
Hier in Venedig sind wir gemeinsam diese ganze Bandbreite von
Herausforderungen angegangen, und gemeinsam haben wir unsere Antwort
entworfen. Unsere Gastgeber haben uns durch ihre Gabe der Gastfreundschaft
diesen Weg und die Gelegenheit zu Harmonie und greifbarer Zusammenarbeit
eröffnet. Wir schulden den Behörden der italienischen Republik unseren
Dank für die Vorbereitung und Koordinierung unserer Arbeit, insbesondere
unserem Vorsitzenden, Ministerpräsident Cossiga und den Einwohnern von
Venedig, die unseren Aufenthalt hier so angenehm machten.
Wir verlassen dieses Treffen mit Dank für ihre Hilfe, angeregt durch
ihr Beispiel, wie sie selbst die Probleme lösen und dazu verpflichtet,
durch unsere gemeinsame Arbeit zu zeigen, wie sehr wir die Opfer schätzen,
die sie für unsere Bequemlichkeit gebracht haben.
Wir werden nun in unsere eigenen Länder zurückkehren, um von uns
selbst mehr Opfer zu fordern. Es wird ohne Zweifel einige geben, die sich
den Verpflichtungen widersetzen werden, die wir hier eingegangen sind,
und den Versprechungen, die wir hier einander gegeben haben. Manche
werden versuchen, die Durchführung unserer Maßnahmen hinauszuzögern.
Aber ich bin zuversichtlich, daß unsere demokratischen Gesellschaften
diese Lasten der Freiheit auf sich nehmen werden, anstatt dann, wenn wir
versagen, noch weit drückendere Lasten von außen auferlegt zu bekommen.
Wir sind freiwillig zu unseren Schlußfolgerungen gekommen, wie sich
dies für eine Verbindung freier Völker ziemt. Wir haben uns über Wege
geeinigt, wie wir die Sicherheit unserer freien Welt garantieren können.

- 5 -

�können. Jetzt werden wir unverzüglich zeigen, daß wir das Werkzeug der
Demokratie handhaben können, um eine Zukunft in Freiheit zu bauen.
Dies war eine überaus erfreuliche Erfahrung für mich und von großem
Nutzen für unser Land. Die Verbindung mit den anderen Führern, die ihre
bedeutenden Länder vertreten, ist in der Tat ein wesentliches Element bei
der zukünftigen Gestaltung des Lebens des Volkes der Vereinigten Staaten
von Amerika. Ich stehe in ihrer sowie, Herr Vorsitzender, besonders in
Ihrer Schuld und in der des italienischen Volkes und der Einwohner dieser
schönen Stadt.

+ + + + +

�1

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2. Juli 1980

31

BEGRÜSSUNGSANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS AUF DEM BELGRADER FLUGHAFEN

BELGRAD - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Belgrader Flughafen
am 24. Juni 1980 hielt Präsident Carter folgende Ansprache:
Herr Präsident, jugoslawische und amerikanische Freunde, ich habe
mich auf diesen Tag seit dem März 1978 gefreut, als mich Präsident Tito
einludt, nach Jugoslawien zu kommen.
Ich bin der Präsidentschaft der Sozialistischen Bundesrepublik von
Jugoslawien sehr dankbar, daß sie diese Einladung erneuert hat.
Meine Freude über den Besuch dieses stolzen und schönen Landes wird
getrübt durch die Trauer, die wir alle angesichts des Ablebens von Präsident
Tito fühlen. Er war ein großer Mann, einer der größten des 20. Jahrhunderts. Er war einer jener Handvoll Staatsmänner, von denen man wirklich
sagen kann, daß sie die moderne Welt gestaltet haben - und er war einer
von jener noch kleineren Handvoll, die sie zum besseren hin gestaltet haben.

Er

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T e | e x : 08-85432

�Er war ein Mann von außergewöhnlichem Mut, von physischem, moralischem
und politischem Mut.

Zudem war er ein Mann der Einbildungskraft und der

seltenen Art praktischer Einsicht, jener Art Vision, die nicht nur erkennt,
wie eine bessere Welt aussehen könnte, sondern zugleich, wie die unvollkommenen Werkzeuge, über die wir verfügen, eingesetzt werden können, um
beim Aufbau einer besseren Welt zu helfen.
Präsident Titos Beitrag zur Entwicklung eines starken, unabhängigen
und blockfreien Jugoslawien hatte natürlich nicht seinesgleichen, aber
sein Beitrag zum internationalen Frieden und zur internationalen Stabilität
war nicht weniger bedeutsam.
Ich hatte das Privileg, mit Präsident Tito zusammenzuarbeiten.
Ich habe seinen Ratschlag zutiefst geschätzt, der das Ergebnis von so
viel Weisheit und Erfahrung war.

Er teilte diese Weisheit sehr großzügig

mit mir, sowohl im direkten Gespräch als auch durch die vielen Briefe,
die wir austauschten.
. •

.

-

;

-

:

,

,

,

Ich teile Ihre Trauer über sein Ableben und Ihre Bewunderung für
seine Leistung.

Präsident Tito hinterließ ein kostbares Vermächtnis,

ein starkes, unabhängiges und blockfreies Jugoslawien.
•

.

.

'

•

.

Ich bin nach Belgrad gekommen, um Sie der Freundschaft und der
Unterstützung der Vereinigten Staaten beim Ausbau dieses Vermächtnisses
zu versichern. Präsident Tito widmete einen großen Teil seiner Anstrengung
der Schaffung guter Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Heute
ist die Grundlage dieser Beziehungen fest und dauerhaft.
&gt;

•

In den vergangenen drei Jahren sind
beiden Ländern zudem noch sichtbar enger
darauf, mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um
In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen,

- 2 -

die Bande zwischen unseren
geworden und ich warte nur
sie noch fester zu gestalten.
Herr Präsident, heute erneut

�erneut die grundlegende Kontinuität der amerikanischen Politik gegenüber
Jugoslawien zusichern.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die unabhängige territoriale
Integrität und Einheit Jugoslawiens und werden dies auch weite hin tun.
Die Vereinigten Staaten möchten ein wirtschaftlich blühende m d politisch
starkes Jugoslawien sehen. Die Vereinigten Staaten respektieren Jugoslawiens
Blockfreiheit und bewundern Jugoslawiens konstruktive internationale Rolle.
Wir sind bereit, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die • weitergehende Entwicklung eines unabhängigen Jugoslawien zu gewährleisten, denn
wir wissen, daß Ihre Unabhängigkeit nicht die Schöpfung einer äußeren
Macht ist, sondern des Mutes und des Opfers des jugoslawischen Volkes.
Und wir wissen zugleich, daß das große Bollwerk Ihrer Unabhängigkeit
Ihre eigene leidenschaftliche Entschlossenheit ist, sie zu verteidigen.
Diese Entschlossenheit ist wahrscheinlich der Schlüsse! zu der
besonderen Rolle, die Jugoslawien in der Welt spielt.
ein Vorreiter der Blockfreiheit
freien.

Jugoslawien war

und ein Gründer der Bewegung der Block-

Auch heute bleibt Jugoslawien ein bedeutender Führer dieser

Bewegung - sowohl militärisch als auch wirtschaftlich und politisch.
Jugoslawien hat eine Politik echter Blockfreiheit verfolgt, die
ihm den Respekt der ganzen Welt erbracht hat. Gerade jetzt, zu einer Zeit,
da die Prinzipien der Gleichheit, der Nichteinmischung und der territorialen
Unverletzlichkeit bedroht sind, gewinnt Jugoslawiens standhafte Verteidigung
der Prinzipien der Vereinten Nationen und der blockfreien Bewegung neue
Bedeutung.
Wir wissen, daß Jugoslawien einen bedeutsamen Beitrag zur Lösung
der internationalen Probleme und zur weiteren Entwicklung der Entspannung
zwischen West und Ost beitragen kann. Auch die Vereinigten Staaten wünschen

- 3 -

�wünschen eine Stärkung der Entspannung, und wir werden eifrig auf dieses
Ziel hinarbeiten.
sein.

Aber Entspannung muß auf Gegenseitigkeit gegründet

Es muß auf wechselseitige Zurückhaltung gegründet sein.

Und es

muß gegründet sein auf der Achtung vor den Prinzipien der Souveränität,
der territorialen Integrität und der Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Staaten.
Dies sind die Prinzipien des internationalen Lebens, für die
Jugoslawien stets gekämpft hat.

Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten

nachdrücklich der Meinung, daß die Anstrengungen zur Verminderung der
Möglichkeiten eines Atomkriegs weitergehen müssen, genauso wie ü4€ Anstrengungen zur Schaffung eines internationalen Systems, das dabei hilft,
die Spannungen zu verringern und Frieden, Sicherheit, Freiheit und wirtschaftliches Wohlergehen zu fördern.
Trotz der Krisen, die heute die Welt bedrängen, bleiben die Vereinigten
Staaten auch weiterhin der Erhaltung des Rahmenwerkes der Entspannung
verpflichtet sowie der Aufrechterhaltung eines Dialogs zwischen den
Staaten der Welt, wobei wir besonders die Gespräche und Verhandlungen über
Rüstungskontrolle und Abrüstung unterstützen, wo immer sie zu beiderseitiger
Sicherheit und zu internationaler Stabilität beitragen können.
Wir urterstützen zugleich die Folgekonferenz der Schlußakte von
Helsinki in Madrid, die unserer Überzeugung nach zur umfassenden und freimütigen Überprüfung des bisherigen Fortschritts und zu ausgewogenen
Schritten in allen Bereichen der Schlußakte beitragen kann.
Herr Präsident, ich freue mich auf unsere Gespräche über diese und
andere Themen.

Wir sind begierig, Ihre Vorstellungen über die Wege zu

hören, auf denen Jugoslawien und die Bewegung der Blockfreien zur Lösung
der vielen schwierigen Probleme beitragen können, vor denen die Welt steht.
Herr
- 4 -

�Herr Präsident, unsere Zeit hier ist kurz und wir haben viel zu
besprechen, aber wir werden auf der Grundlage gemeinsamer Vorsätze aufbauen.

Ich freue mich sehr, hier zu sein.

Ich bringe Ihnen und dem ganzen

Volk von Jugoslawien die wärmsten Wünsche des Volkes der Vereinigten
Staaten.

Vielen Dank für diese freundliche Aufnahme.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

IUI C*

I a

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2. Juli 1980

31

PRÄSIDENT CARTERS TOAST BEIM STAATSBANKETT IN BELGRAD
Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan

BELGRAD

- (AD) - In seiner Tischrede im Verlauf des Staatsbanketts

in Belgrad anläßlich seines Besuches unterstrich Präsident Carter am
24. Juni 1980, daß die Vereinigten Staaten nach einem sowjetischen Rückzug
aus Afghanistan bereit seien, sich Zusicherungen und Übereinkommen zur
Schaffung eines wirklich unabhängigen, blockfreien Afghanistan mit einer
für das afghanische Volk annehmbaren Regierung anzuschließen.
Die Tischrede des Präsidenten hatte folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, werte amerikanische Kollegen und jugoslawische
Freunde!
Obgleich dies mein erster Besuch in Jugoslawien ist, so hat das
besondere Verhältnis zwischen unseren Ländern bereits sieben amerikanische
Präsidenten einbezogen, angefangen mit Harry Truman. Ich bin hier, um
die Kontinuität dieser Beziehungen zu bestätigen. Ich bin hier, um unsere

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Telex: 08-85432

0 5 3 0 0

�unsere standhafte Unterstützung der Unabhängigkeit, territorialen
Integrität und Einheit Jugoslawiens sowie unseren Respekt für die blockfreie Haltung Jugoslawiens erneut zu bekräftigen.
Dies sind die Prinzipien, die Präsident Tito und ich während seines
Besuchs in den Vereinigten Staaten vor etwas über zwei Jahren unterstrichen
haben.

Sie sollen wissen, daß sie heute für die amerikanische Politik

noch genau so im Mittelpunkt stehen wie damals.
Mit großer Trauer zolle ich hier heute abend Präsident Tito einen
persönlichen Tribut.

Ich betrachte ihn als einen Freund und zugleich

als einen Staatsmann von ungewöhnlichem Einfallsreichtum.

Ich schätzte

seinen Rat, seine Weisheit und seine Ansichten. Aus unserer privaten
Korrespondenz, die sogar noch während seiner letzten Krankheit andauerte,
gewann ich tiefe Einsichten.
Die großen Männer der Geschichte hinterlassen manchmal die Nationen,
die sie geführt haben, mit ungenügendem Rüstzeug, um sich der Welt ohne
sie zu stellen. Was mich während meines kurzen Besuchs hier beeindruckt
hat, ist die Tatsache, wie reibungslos Sie die Herausforderung des Übergangs bewältigt haben. Das ist eine Würdigung nicht nur des Weitblicks
von Präsident Tito, sondern zugleich der Hingabe und des Patriotismus
seiner politischen Erben. Ein Mann wie Präsident Tito kann nicht ersetzt
werden. Es liegt in der Natur solcher Menschen, daß sie unersetzlich
sind. Aber der Mut und der Erfindungsreichtum des jugoslawischen Volkes
garantieren, daß Präsident Titos Lebenswerk in den kommenden Jahren
voranschreiten wird.
Jugoslawiens unerschütterliche Verteidigung der Prinzipien echter
Blockfreiheit und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten
unabhängiger Staaten ist in der instabilen und verworrenen Welt von heute
von besonderer Bedeutung.
Die_
- 2 -

�Die Vereinigten Staaten respektieren eine solche Politik.

Als

Präsident ist es stets meine Hoffnung gewesen, daß wir in vielen Bereichen
der Welt von Konflikt auf Frieden übergehen könnten.

Ich erwartete

bedeutsame Leistungen bei der Rüstungskontrolle durch die Ausführung von
SALT II. Die Ratifizierung dieses Vertrags wurde zeitweise vereitelt,
aber nicht aufgegeben.
Wir sind tief betroffen, daß ein ungerechtfertigter Akt bewaffneter
Aggression in Afghanistan andauert, neben Ihnen eines der Gründungsmitglieder der blockfreien Bewegung - ein kleines Land, das für niemanden
eine Bedrohung darstellte.
Die große Mehrheit der Länder der Welt hat in einer außergewöhnlichen
Abstimmung durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen den unverzüglichen
und bedingungslosen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan
gefordert.
Wir wollen, daß ein unabhängiges und bündnisfreies Afghanistan wiederhergestellt wird, das mit all seinen Nachbarn in Frieden leben und zur
Stabilität dieses Gebietes beitragen kann.
Bei Abzug aller sowjetischen Truppen aus Afghanistan wären wir bereit,
uns Garantien und Abmachungen anzuschließen, um ein wahrhaft unabhängiges,
bündnisfreies Afghanistan mit einer für das afghanische Volk akzeptablen
Regierung zu begründen.
Wir wären bereit, uns um eine Übergangsregelung zu bemühen, die
zusammen mit dem unverzüglichen Abzug aller sowjetischer Truppen aus
Afghanistan durchgeführt werden kann, damit Frieden und Ruhe in diesem
leidenden Land wieder hergestellt werden.
Herr

- 3 -

�Herr Präsident, unsere Gespräche heute sind auch auf die ernsten
Konsequenzen des politisch motivierten Terrorismus eingegangen.
Ich spreche im Namen eines jeden amerikanischen Bürgers, wenn ich
sage, wie dankbar wir für das klare und unumwundene Eintreten Jugoslawiens
für die Freilassung des amerikanischen diplomatischen Personals sind,
das in diesem Augenblick im Iran als Geiseln gefangengehalten wird, unter
Verletzung jedes Gebotes nicht nur des Völkerrechtes, sondern auch des
einfachsten Anstands.
Ich möchte meinerseits nochmals betonen, daß meine Regierung keine
terroristischen Akte gegen jugoslawische Vertreter und Einrichtungen in den
Vereinigten Staaten dulden wird, und daß wir allen politischen Bestrebungen,
die auf die Unterminierung der Einheit und territorialen Integrität
Jugoslawiens abzielen, energisch entgegenwirken werden.
•

-

Herr Präsident, unsere heutigen Gespräche haben mich in meiner
Ansicht bestärkt, daß Jugoslawiens Konzeption der Blockfreiheit keine
passive, die Entscheidung meidende Haltung ist, sondemein kühnes, kreatives
und ideenreiches Herangehen an die Probleme der Welt, vor allem der
Entwi cklungslander.
Und unsere Gespräche haben noch etwas bekräftigt: Daß wir beide,
Jugoslawien und die Vereinigten Staaten, die bilateralen Beziehungen
zwischen uns stärken wollen - und daß wir dies auf der Basis der Unabhängigkeit, der Gleichberechtigung und der gegenseitigen Achtung tun
wollen.
Ich möchte Ihnen im Namen meiner Familie und meiner Mitarbeiter für
Ihre großzügige Gastfreundschaft und Herzlichkeit danken. Ich freue
mich auf einen weiteren Gedankenaustausch mit Ihnen über internationale
Fragen, über die wir so viele miteinander zu vereinbarende Ansichten

�Ansichten haben, und auch über bilaterale Fragen, bei denen wir in den
letzten Jahren einen so großen Fortschritt erzielt haben.
Ich möchte mein Glas erheben:
Auf die Präsidentschaft der Sozialistischen Föderativen Republik
Jugoslawien und ihren Präsidenten, seine Exzellenz Cvijetin Mijatovic;
auf eine starke und blühende Sozialistische Föderative Republik
Jugoslawien;
auf die Völker Jugoslawiens, deren Unabhängigkeitsliebe wir bewundern
und unterstützen; und
auf die weitere Stärkung der jugoslawisch-amerikanischen Freundschaft
für die Sache des Friedens und der Stabilität in der Welt.

+ + + + +

- 5 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT JUGOSLAWISCHEN MEDIENVERTRETERN

Präsident Carter gewährte je einem
Vertreter des jugoslawischen Fernsehens und der Zeitung "Politika"
am Vorabend seiner Europa-Reise ein
Interview, das am Abend des 23. Juni 1980
gesendet und in der Ausgabe der "Politika"
vom 24. Juni veröffentlicht wurde. Das
Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE: Herr Präsident, obwohl sich die amerikanisch-jugoslawischen
Beziehungen seit langem schon günstig entwickelt hatten, glaubt man,
daß sie sich während Ihrer Präsidentschaft besonders rasch fortentwickelt
haben. Wie sehen Sie in dieser Hinsicht Ihre erste Reise nach Jugoslawien?
Was erwarten Sie von diesem Besuch?
ANTWORT:

Allem voran bin ich sehr gespannt auf Jugoslawien. Wir

hatten, wie Sie wissen, die Ehre eines Besuchs Ihres Präsidenten Tito*
Sein Besuch und seine Ratschläge hatten so erfreuliche Ergebnisse, daß

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�daß man offenkundig sagen kann, wir unterhalten gegenwärtig mit Jugoslawien
die besten Beziehungen, die seit vielen Jahren zwischen uns bestanden haben.
Zweitens betreiben wir eine geradlinige Politik gegenüber Jugoslawien
gemäß unserer Verpflichtung hinsichtlich dessen Unabhängigkeit, territorialer
Integrität und Einheit - seit über 30 Jahren, seit Präsident Truman mein
Amt bekleidete.
Drittens, wir teilen uns in eine ganze Reihe bilateraler Sorgen um
Frieden und Stabilität, um die Verhinderung von Akten des Terrorismus
und der Aggression, um die Rolle, die die Völker der Bewegung der Blockfreien
spielen sollen, und natürlich auch um die Möglichkeiten zur Verbesserung
der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen. Ich freue mich besonders auf
das Zusammentreffen mit den neuen Führern in Jugoslawien. Vielleicht
kann ich ihnen, da unser Zusammentreffen nach der Wirtschaftsgipfelkonferenz
in Venedig stattfindet, Bericht über das erstatten, was sich die wichtigsten
Industrieländer des Westens von der Zukunft in bezug auf Inflation,
Arbeitslosigkeit, Energie und Handel erhoffen. Deshalb meine ich,daß
es ein interessanter und auch sehr nützlicher Besuch für uns sein wird.
FRAGE: Die Jugoslawen und der größte Teil der internationalen
Öffentlichkeit haben Kenntnis von der weit über das übliche Maß hinausgehenden Intensität der persönlichen Korrespondenz zwischen Ihnen und
Präsident Tito.
Können Sie uns sagen, wie es zu diesem Austausch persönlicher
Botschaften kam, und welche Bedeutung er hatte?
ANTWORT: Er war für mich wie für Ihr Land äußerst wichtig. Ich
hatte Präsident Tito und seinen Beitrag zur Entwicklung unabhängiger
Nationen und zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit nicht nur der
Menschen in Ihrem Land, sondern auch in vielen anderen Ländern überall

- 2 -

�überall auf der Erde seit langem schon bewundert. Als ich Präsident
wurde, eröffnete ich den Gedankenaustausch gewissermaßen auf Versuchsbasis
und er ging begeistert darauf ein. So tauschten wir viele lange Briefe
aus, die ihrem Wesen nach geheim und vertraulich waren - dabei aber äußerst
offen in der Erörterung der Probleme unserer beiden Länder ui 1 unserer
Beziehungen, und auch in der Diskussion von Ereignissen, di s ch in
anderen Ländern abspielten,aber von Belang für uns waren. D.^ Ratschläge
und Hinweise, die er mir gab, waren wohlüberlegt, tief durchdacht und
gestützt auf seine langjährigen Erfahrungen im Umgang mit führenden
Politikern der Welt und mit Völkern überall auf der Erde, die E - sehr
viel besser kannte als ich. Als er zu seinem offiziellen Bes. h hier
in Washington eintraf, kamen wir sofort sehr gut miteinander zurecht,
was wir beide als erfreulich empfanden; somit dürfte die lange S e n e von
Mitteilungen, die als Teil unserer geheimen Korrespondenz hin und her gingen,
auch für ihn eine große Hilfe gewesen sein, unser Volk und seine derzeitige
Politik besser zu verstehen. Für mich jedenfalls waren sie äußerst hilfreich.
FRAGE:

Gestatten Sie mir, Herr Präsident, natürlich nur, wenn es

sich um keine Staatsgeheimnisse handelt, zu fragen:

Gibt es irgend-

welche Einzelheiten in diesem persönlichen Briefwechsel mit Präsident
Tito, an die Sie sich erinnern?
ANTWORT: Aissich die Beziehungen innerhalb der blockfreien Bewegung
und auch die zwischen uns und der Sowjetunion änderten, als wir nach einer
Basis für eine stärkere Entspannung und für den Frieden suchten, als wir
um die Grundsätze der SALT-Vereinbarungen zur Begrenzung der nuklearen
Waffen rangen und natürlich auch später, als sich die Geiselfrage ergab
und die Sowjets in Afghanistan einmarschierten - diese Art von aktuellen
Problemen wurde zwischen uns diskutiert. Ich empfing seinen Rat und
ich gab ihm natürlich Auskunft über die Politik unseres Landes in bezug
auf die jeweiligen Fragen.
Er

- 3 -

�Er hat sich bei seinem Besuch hier sehr wohl gefühlt und ich habe
keinen Zweifel, daß er hoch erfreut war über die Bewunderung, die ihm
mein eigenes Volk so offenkundig entgegengebracht hat.
FRAGE:

Sie haben die Bedeutung der Bewegung der Blockfreien unter-

strichen, der Jugoslawien als ein sehr aktives Mitglied angehört; man
hat in jüngster Zeit aber den Eindruck, daß von den Blockfreien in der
amerikanischen Politik weniger häufig die Rede ist.

Teilen Sie diesen

Eindruck, und was ist Ihre Position und Haltung, was die Blockfreiheit
für die Weltpolitik von heute angeht?
ANTWORT: Das ist eines der Themen, die Präsident Tito und ich in
aller Breite miteinander erörtert haben: Die Unterwanderung der Bewegung
der Blockfreien, die von ihrer Anfangsphase an mit dem wachsenden Einfluß
beispielsweise der Kubaner begonnen hat, die offensichtlich von der
Sowjetunion beherrscht werden und mit dieser verbündet sind; und dann die
Frage, wie die wirklich nicht blockgebundenen Länder unter der Führung
Indiens und Jugoslawiens die Integrität der Bewegung angesichts der
starken Rolle der Kubaner wiederherstellen könnten. In Vorbereitung
seiner Teilnahme an der Konferenz von Havanna legte er mir einige der
Grundsätze dar, die dort diskutiert und erörtert werden sollten, und ich
glaube,daß er auf der Konferenz der Bewegung der Blockfreien in Havanna
einen bemerkenswerten Erfolg in seinem Bemühen verzeichnen konnte, die
ganze Bewegung wieder auf die wahre Unabhängigkeit und Blockfreiheit zurückzuführen.
Wir machen uns ernste Sorgen über die Integrität und das Gewicht
der Bewegung der Blockfreien. Ich weiß, daß Präsident Tito gegen Lebensende wie seine Nachfolger heute sehr darauf drängte, die wahre Blockfreiheit wiederherzustellen. Die sowjetische Invasion Afghanistans ist
eine ernste Abkehr von der Achtung vor den blockfreien Ländern. Auch
wenn Afghanistan die Charta der Bewegung der blockfreien Länder nicht

4 -

�nicht unterzeichnet hat, war es dennoch ein blockfreies Land bis die
Sowjets einmarschierten.

Diese Beeinträchtigung der Integrität kleinerer

und schwächerer Nationen hat ihm und mir große Sorgen bereitet.
FRAGE:

Aber Sie halten die Bewegung der Blockfreien für einen

wichtigen Faktor in der Politik von heute?
ANTWORT:

Ja, für äußerst wertvoll für die Aufrechterhaltung des

Friedens und der Stabilität in der Welt und auch für die Bemühungen,
wirtschaftlichen Herausforderungen wie der explosionsartigen Erhöhung
der Energiepreise entgegenzutreten.

Was die blockfreien Länder tun und

sagen, ist,dessen bin ich sicher, sehr wichtig für unsere

beiden Länder,

für die Sowjetunion und für die übrige Welt.
FRAGE: Ihre Regierung, Herr Präsident, weiß um die Notwendigkeit
ernster Veränderungen in der Struktur der Wirtschaftsbeziehungen der
Welt. Dennoch ist aber auf diesem Gebiet bisher fast nichts geschehen.
Was sehen Sie als einen gangbaren Weg aus der Stagnation heraus hin zu einer
neuen wirtschaftlichen Form?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach kann man zutreffend sagen, daß wir dank den

regionalen Entwicklungsbanken, des Internationalen Währungsfonds und auch
der bilateralen Wirtschaftshilfe - durch die Ausweitung des Handels, durch
die Beseitigung protektionistischer Schranken und durch Maßnahmen des
Kulturaustauschs - viele Fortschritte in Richtung auf die wirtschaftliche
Entwicklung erzielt haben.

Dies gilt für unsere Beziehungen zu Jugoslawien

und zu anderen Ländern und für die Beziehungen der anderen Länder untereinander, die uns nicht unmittelbar berühren.
Die öl Preiserhöhungen durch die OPEC-Länder haben allerdings die
Energiekosten so in die Höhe getrieben, daß viele Länder gegenwärtig fast
ihre gesamten Exporterlöse auf den Kauf von öl aus den OPEC-Staaten zu

- 5 -

�zu den explosionsartig gestiegenen Preisen verwenden müssen.

Die OPEC-

Preise haben sich beispielsweise im Verlauf des Jahres 1979 mehr als
verdoppelt.

Sie stiegen stärker an, als je zuvor in der Geschichte seit

der ersten Entdeckung von Erdöl.

Wir selbst haben große Energievorräte,

sind aber noch immer ein großer Importeur.

Diese Entwicklung hat die

Weltwirtschaft erschüttert, und wir sind gegenwärtig dabei, Mittel und
Wege zur Einsparung von Energie zu suchen und alternative Energieformen
zu entwickeln, die nicht vom öl abhängig sind.
Wir machen meines Erachtens langfristig gesehen Fortschritte auf diesem
Gebiet, mußten aber aufgrund der unerwarteten ülpreisexplosion Rückschläge
hinnehmen.
FRAGE:

Manche Leute behaupten, das Erdöl sei teuer, während andere

sagen, die Computer seien auch teuer - was $11en wir aber mit jenen Ländern
tun, die keine Computer und auch kein Erdöl besitzen?
ANTWORT: Mehrere Länder haben natürliche und menschliche Ressourcen,
die sie bei ausreichenden Investitionen und nach Schaffung angemessener
Mittel zum Absatz ihrer Produktion anzapfen können. Ich bin der Auffassung,
daß der größte Aktivposten unseres Landes - historisch und über Jahrzehnte
hinweg gesehen - unsere landwirtschaftlich nutzbaren Bodenflächen sind,
die uns zur Erzeugung von Nahrungsmitteln und Faserstoffen für die ganze
übrige Welt befähigen. Offensichtlich verdanken wir den technischen
Fortschritt unserem, den Wettbewerb fördernden System der freien Wirtschaft,
das wir auf der Basis nahezu unbegrenzter natürlicher Hilfsquellen an
Mineral Stoffen, wachsender Wälder und ertragreicher Böden errichtet haben.
Aber jedes Land ist anders. Was wir heute zu tun versuchen, ist,
ein Marktsystem für die Welt zu schaffen, die Handelsschranken zu beseitigen und die leicht verwundbaren ärmeren Länder zu schützen, die häufig
nur ein oder zwei Exportgüter erzeugen, aus deren Absatz sie die dringend

�dringend benötigte Kaufkraft schöpfen können.
Wir haben unter meiner Führung auch eine Kommission zum Problem
des Hungers in der Welt eingesetzt. Sie soll für eine gerechtere Verteilung der Nahrungsmittel Vorräte sorgen und die nur über sehr schlecht
entwickelte Anbaumethoden verfügenden Völker dahin bringen, mit dem in
diesem Land entwickelten besseren Saatgut, Methoden der künstlichen
Bewässerung und verbesserten Düngemitteln mehr zu erwirtschaften. Wenn
wir mit unseren Technikern in jene kleinen, in der Entwicklung begriffenen
Ländern gehen, um ihnen dabei zu helfen, lernen wir selbst vio dazu,
was uns sehr zugute kommt.
FRAGE: Es ist viel die Rede von sehr schwierigen Zeiten hinsichtlich
der Entspannung. Wir wollen auch darüber sprechen. Wenn wir von der
Annahme ausgehen, daß sich gewisse kritische Streitfragen nicht innerhalb
sehr kurzer Zeit lösen lassen, was wird dann Ihrer Meinung nach in der
Zwischenzeit mit der Entspannung geschehen?
ANTWORT: Wir versuchen das Wesen der Entspannung herauszustellen das heißt, der Aggression entgegenzutreten und die Bedrohung des Weltfriedens zu beseitigen. Das muß gleichzeitig geschehen. Die Entspannung
und die Aussichten auf den Weltfrieden haben infolge der ungerechtfertigten
sowjetischen Invasion Afghanistans einen Rückschlag erlitten. Selbst
angesichts dieser sehr ernsten Entwicklung versuchen wir auch weiterhin
auf jede nur mögliche Weise, den Frieden der Welt zu erhalten, die Verbreitung
von Kernwaffen zu begrenzen und gleichzeitig ein besseres Einverständnis
unter den Nationen wiederherzustellen.
Insbesondere in Afrika und Asien haben wir neue Kommunikationswege
im Verhältnis zu Ländern wie Nigeria

geschaffen und davor schon zu

Ägypten, das früher kein sehr enger Freund von uns war.

Und in jüngerer

Zeit haben wir unsere Beziehungen zu China normalisiert.
Wir
- 7 -

�Wir wollen der Aggression auch weiterhin entgegentreten - ebenso
wie der Verfolgung von Menschen in Ländern wie Kambodscha und Äthiopien,
aus denen viele Flüchtlinge zu entkommen trachten.

Das gleiche gilt

natürlich für Afghanistan und neuerdings auch Kuba. Wir drängen gleichzeitig auf eine größere Achtung vor den Menschenrechten und der menschlichen
Freiheit.
Die Erhaltung des Friedens und der Stabilität, die Suche nach Methoden
zur Begrenzung der Kernwaffen, die Verbesserung der Kommunikationen unter
den Völkern und der Schutz der Menschenrechte - das sind meiner Auffassung
nach die Grundlagen für die Vorbereitung und die Durchführung der Entspannung.
FRAGE:

Wir nehmen Ihre Auffassung hierzu gerne zur Kenntnis.

Kann

eine europäische Konferenz mithelfen, gewisse positive Errungenschaften,
die uns die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Entspannung
eingebracht hat, mindestens für Europa zu bewahren?

Was halten Sie von

der KSZE-Folgekonferenz in Madrid?
ANTWORT:

Meiner Meinung nach war die Konferenz (KSZE-Folgekonferenz)

von Belgrad insofern ein historisches Ereignis, als sie

den Völkern -

verschiedenen Völkern mit verschiedenen Perspektiven - die Möglichkeit
bot, nach Gemeinsamkeiten zu suchen, auf die sie ihre Pläne für die
Zukunft gründen können.
Wir werden nach Madrid mit der Verpflichtung gehen, das weiter
auszubauen, was in Helsinki entschieden wurde:

Sorge zu tragen für

mehr Sicherheit unter den Völkern; für ein Nachlassen der Spannungen,
die sich aufgrund mißverstandener Absichten zwischen den Völkern ergeben
könnten; für die Förderung der Menschenrechte; und für die Entwicklung
besserer wirtschaftlicher Beziehungen.

Es

�Es wird in Madrid Schwierigkeiten geben.
zutreffende Vorhersage.

Ich halte das für eine

Wir sind aber auch der Auffassung, daß wir

gemeinsam unsere Grundsätze verwirklichen und die in Helsinki gegebenen
Zusagen ihrem Geiste nach erfüllen können.
FRAGE: Herr Präsident, zum Schluß möchte ich eine persönliche
Frage an Sie richten. Sie sind nunmehr fast vier Jahre im Amt, und ich
erinnere mich noch daran, als Sie es antraten. Sie sagten e-inmal, es
sei eine sehr schwere Bürde und es gebe Beschränkungen für das, was
ein Präsident tun kann. Wenn Sie nunmehr den Blick auf eine neL'e Amtszeit richten, fühlen Sie da die Bürde der großen Hoffnungen, di. Sie zu
Beginn hegten, nicht noch stärker?
ANTWORT: Ich glaube schon, daß ich nicht alle Belastungen vorausgesehen habe. Und ich habe auch die Begrenzungen hinsichtlich der Lösung
der Probleme der Welt nicht vorausgesehen. Wir sind eine Supermacht,
aber wir haben es mit anderen freien und unabhängigen Ländern zu tun,
die eine andere Perspektive haben als wir selbst. In einer freien Welt,
in der Völker ihre Entscheidungen nach eigenem Gutdünken treffen, kommt
es zwangsläufig zu Meinungsverschiedenheiten.
Dennoch haben wir Fortschritte erzielt. Die Welt befindet sich im
Grunde im Frieden. Wir haben Fortschritte in der Festlegung der Grundsätze für die SALT II-Vereinbarungen gemacht, deren Ratifizierung wir
doch noch erleben werden, um dann zu SALT III und zur Begrenzung der weitreichenden nuklearen Mittelstreckenraketen (LRTNF) überzugehen. Wir
haben neue Beziehungen zu einem Viertel der Menschen dieser Erde geknüpft zur Volksrepublik China. Wir haben unter schwierigsten Umständen bemerkenswerte Fortschritte im Nahen Osten erzielt: mit Friedensverträgen,
die nunmehr zwischen Israel und der wichtigsten arabischen Nation bestehen,
und wir arbeiten nunmehr, unter schwierigen Umständen, wie ich schon sagte,
auf weitere Fortschritte hin. Ich glaube,wir haben das NATO-Bündnis gestärkt

- 9 -

�gestärkt und die Beziehungen zwischen uns und Jugoslawien waren, wie
Sie vorher schon sagten, nie besser.
Wir machen also Fortschritte.
und ohne Zittern und Zagen.

Wir stellen uns den Problemen offen

Wir schrecken nicht zurück, wenn es gilt,

schwierige Entscheidungen zu treffen.

Der Schaden, den Vietnam und die

Watergate-Schwierigkeiten in unserem eigenen Land angerichtet haben,
ist im wesentlichen repariert.

Wir haben heute ein im Geist in seiner

Einigkeit viel stärkeres Land, obwohl es mit einigen wirtschaftlichen
Problemen zu kämpfen hat; diese sind aber auch nicht ganz so ernst, wie
die vieler anderer Länder.
Im allgemeinen bin ich zufrieden mit den Fortschritten, die wir
bisher gemacht haben.

Ich hoffe, daß ich wiedergewählt und die Chance

haben werde, meinem Land vier weitere Jahre zu dienen.

Wenn sich diese

Hoffnung erfüllt, werden wir weitere Fortschritte machen.
FRAGE:

Wir danken Ihnen sehr für dieses Interview, Herr Präsident.

ANTWORT: Es war mir ein Vergnügen, und ich freue mich auf meinen
Besuch in Jugoslawien.

+ + + + +

- 10 -

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärungen vor dem Abflug Präsident Carters nach Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Vereinigten Staaten wünschen Zusammenarbeit bei schwierigen Fragen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame amerikanisch-italienische Presseerklärung zum Besuch Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter: Der Westen muss sich der sowjetischen Bedrohung stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Präsidenten beim Staatsbankett in Rom -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters beim Besuch im Vatikan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter-Presseunterrichtung am 22. Juni 1980 in Venedig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Erklärung auf der abschließenden Pressekonferenz in Venedig&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begrüßungsansprache Präsident Carters auf dem Belgrader Flughafen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Toast beim Staatsbankett in Belgrad&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Anmerkungen zu möglicher Übergangsregelung in Afghanistan -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter Interview mit jugoslawischen Medienvertretern&amp;nbsp;</text>
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                    <text>Informotion
und
Dokumentation

r»r

FO

vE\aTiU

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. J u l i 1980

31 B

INHALT

DOKUMENTATION
Gemeinsame Erklärung zum Besuch Carters 1n Jugoslawien
Presseerklärung der spanischen Regierung zum Besuch Carters
Carter-Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur EFE
Carters Tischrede auf dem Staatsbankett In Madrid
Carter-Interview mit der portugiesischen Nachrichtenagentur ANOP
Gemeinsame amerikanisch-portugiesische Erklärung zum Besuch Carters
Erklärung Carters nach der Rückkehr aus Europa

Um Ubcf/cndung von
ßckgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUM BESUCH CARTERS IN JUGOSLAWIEN

BELGRAD
(AD) - Anläßlich des Besuches von Präsident Jimmy Carter
in Jugoslawien am 24. und 25. Juni 1980 wurde folgende gemeinsame Erklärung
veröffentlicht:
Auf Einladung der Präsidentschaft der Sozialistischen Föderativen
Republik Jugoslawien statteten der Präsident der Vereinigten Staaten,
Jimmy Carter, und Mrs. Carter am 24. und 25. Juni 1980 Jugoslawien einen
offiziellen Besuch ab.

Während des Besuches führten Präsident Carter

und der Präsident der Präsidentschaft der SFRJ, Cvijetin Mijatovic,
herzliche und konstruktive Gespräche in einer Atmosphäre der gegenseitigen
Achtung, Verständigung, Offenheit und Freundschaft.
Von amerikanischer Seite waren an den Gesprächen beteiligt:
Jimmy Carter,

Präsident der Vereinigten Staaten;

Lawrence S. Eagleburger, Botschafter in Jugoslawien;
Zbigniew Brzezinski,

Berater des Präsidenten für Fragen der

Postfach 2 0 0 3 0 0
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Tel: 0228-89 32 40
j e | e x : 08-85432

�der nationalen Sicherheit;
Jody Powell,

Pressesekretär des Präsidenten;

David Newsom,

Staatssekretär für politische Angelegenheiten;

Richard Cooper,

Staatssekretär flir wirtschaftliche Angelegenheiten;

Steve Larrabee,

Nationaler Sicherheitsrat.

Von jugoslawischer Seite nahmen teil:
Cv1jet1n

Mijatovlc,

Präsident der Präsidentschaft der SFRJ;

Lazar Kolisevski,

Mitglied der Präsidentschaft der SFRJ;

Veselin Djuranovic,

Präsident des Föderativen Exekutivrates;

Joslp Vrhovec,

Föderativer Sekretär für Auswärtige Angelegenheiten (Außenminister);

Sinan Hasani,

Vizepräsident der Föderativen Versammlung;

Budimir Loncar,

Botschafter in den Vereinigten Staaten;

Milovoje Maksic,

Außenpolitischer Berater des Präsidenten der
Präsidentschaft;
Direktor für nordamerikanische Angelegenheiten
im Außenministerium.

Mirko Zaric,

Präsident Carter traf auch mit anderen führenden Vertretern Jugoslawiens
zusammen.
i

Präsident Carter brachte die tiefe Trauer des amerikanischen Volkes
über den Tod von Präsident Tito zum Ausdruck, der in den Vereinigten
Staaten stark bewundert und geachtet wurde. Der Präsident und Mrs. Carter
äußerten bei dieser Gelegenheit erneut ihr Bedauern über den Verlust
eines großen Staatsmannes, der als einer der prominentesten Führer der
blockfreien Bewegung sein ganzes Leben in den Dienst des Aufbaus eines
starken und unabhängigen Jugoslawiens und der Sicherung des Friedens und
Fortschrittes in der Welt stellte.
Präsident

- 2 -

4.:

�Präsident Carter und die Präsidentschaft von Jugoslawien stellten
mit Befriedigung die sehr erfolgreiche Entwicklung der Beziehungen und
der Zusammenarbeit zwischen Jugoslawien und den Vereinigten Staaten fest.
Sie stimmten darin überein, daß das Treffen in Washington im März 1978
zwischen Präsident Carter und Präsident Tito und das zu diesem Anlaß
unterzeichnete Dokument eine dauerhafte und stabile Basis für die weitere
Stärkung der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern darstellen.

Fest auf

die in diesem Dokument niedergelegten Standpunkte und Grundsätze sowie
auf die 1971 und 1975 von den Präsidenten beider Länder unterzeichneten
Dokumente gegründet, haben die Vereinigten Staaten und Jugoslawien in der
Verbreiterung und Vertiefung ihrer Beziehungen auf allen Gebieten große
Fortschritte gemacht.
Beide Seiten bekräftigten, daß in den letzten Jahren eine bedeutsame
Ausweitung des Dialogs und der Konsultation zwischen beiden Ländern stattgefunden hat, wobei der regelmäßige Schriftwechsel zwischen Präsident
Tito und Präsident Carter eine besondere Rolle spielte. Es haben ferner
stattgefunden ein ständiger Besuchsaustausch auf allen Ebenen, einschließlich
produktiver Kontakte zwischen Mitgliedern des amerikanischen Kongresses
und der Föderativen Versammlung der SFRJ sowie andere beiderseits nützliche
Besuche und Austauschprogramme. Die Vereinigten Staaten und Jugoslawien
bekräftigten ihre Bereitschaft, diese nützliche Praxis fortzusetzen, die
sich als im Interesse beider Länder und allgemein der größeren internationalen
Verständigung erwiesen hat.
Beide Seiten stellten die Bedeutung historischer und kultureller
Bindungen zwischen beiden Völkern und die besondere Rolle der Amerikaner
jugoslawischer Abstammung für die Stärkung der Bande der Freundschaft
und der Verständigung fest. Sie bekräftigten auch ihr beiderseitiges
Interesse an den Erleichterungen des freien Flusses von Informationen und
Menschen zwischen beiden Ländern, billigten amtliche und nichtamtliche
Austauschprogramme auf den Gebieten von Wissenschaft und Technologie,

- 3 -

�Technologie, Kultur und Information und kamen überein, daß auf diesen
Gebieten noch mehr getan werden kann.
Bezüglich der steigenden Bedeutung der wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Jugoslawien stellten Präsident Carter
und die Präsidentschaft der SFRJ mit Befriedigung das Wachstum in Handel
und wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen jugoslawischen und amerikanischen
Betrieben und Finanzinstituten fest.

Sie unterstrichen ihr beiderseitiges

Interesse an einer weiteren Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen und
kamen überein, die Bemühungen um eine Steigerung des Handels zu intensivieren,
und waren sich gleichzeitig darüber im klaren, daß das Wachstum der Exporte
Jugoslawiens ein wichtiger Faktor einer befriedigenden Entwicklung des
zweiseitigen Handels sein wird.

Sie kamen ferner überein, daß mehr getan

werden müsse, um andere Formen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit,
einschließlich gemeinsamer Unternehmen und langfristiger Zusammenarbeit,
zu fördern.

Die amerikanische Seite brachte ihr Verständnis und Bereitschaft

für die Förderung der Bemühungen Jugoslawiens um die Stabilisierung und
Weiterentwicklung seiner Wirtschaft zum Ausdruck.

Es wurde die Anerkennung

für den bereits geleisteten Beitrag zur Stärkung der amerikanischjugoslawischen Wirtschaftsbeziehungen durch den Amerikanisch-Jugoslawischen
Wirtschaftsrat, die Jugoslawische Kammer zur Förderung der Wirtschaftlichen
Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und die amerikanisch-jugoslawischen
Wirtschaftsarbeitsgruppen ausgesprochen.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung die Maßnahmen fest, die
getroffen werden, um Gewaltakte gegen Jugoslawien und seine diplomatischen,
konsularischen und sonstigen Vertreter in den Vereinigten Staaten zu
verhindern und Schuldige zu bestrafen. Präsident Carter bekräftigte die
Verpflichtung der amerikanischen Regierung, keine solchen terroristischen
Aktivitäten zu dulden, die den Interessen der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen und auch die guten Beziehungen zwischen beiden Ländern stören.
Präsident

�Präsident Carter und der Präsident der Präsidentschaft der SFRJ brachten
ihre große Besorgnis über die ernste Verschlechterung der internationalen
Lage zum Ausdruck, die eine Bedrohung des Weltfriedens darstellt. Mit
dem Ziel, dem gegenwärtigen gefährlichen Trend in den internationalen
Beziehungen Einhalt zu gebieten und den unterbrochenen Prozeß der Entspannung wieder in Gang zu bringen, bekräftigten sie die Notwendigkeit
für die strikte Einhaltung des Geistes und der Grundsätze der Charta der
Vereinten Nationen - vor allem jener, die sich mit der Unzulässigkeit der
Anwendung von Gewalt, der Intervention und der Einmischung in die Angelegenheiten anderer Länder, der Aufzwingung eines fremden Willens auf
souveräne Staaten, in welcher Form und Rechtfertigung auch immer, und der
Blockierung ihrer unabhängigen inneren Entwicklung befassen.
Auf dieser Basis unterstrichen beide Seiten die Bedeutung der
Ausweitung des Prozesses der Verhandlungen und Zusammenarbeit in der
Welt sowie die Notwendigkeit eines umfassenden Prozesses der Entspannung,
der die größtmögliche Zahl von Ländern einbeziehen und auf der strikten
Achtung vor der Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität
aller Staaten beruhen sollte. Dies wurde als umso wichtiger betrachtet,
als die Welt große Veränderungen durchmacht, die eine gegenseitige
Zurückhaltung seitens aller Länder von Handlungen notwendig macht, die
den Weltfrieden und die internationale Stabilität stören. Sie unterstrichen die Rolle der Vereinten Nationen als wesentliches Instrument
zur Erhaltung des Friedens, der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten
und für die Stärkung der Zusammenarbeit in der Welt.
Die Gespräche erstreckten sich auch auf allgemeine Fragen der
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Beide Seiten bekräftigten
die Verpflichtung, alle Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki durchzuführen, und betonten ihre Entschlossenheit, den KSZE-Prozeß zu stärken
und sich auf der Madrider-Konferenz für einen ausgewogenen Fortschritt
auf allen Gebieten einzusetzen, in der Überzeugung, daß dies die Sicherheit

- 5 -

�Sicherheit und Zusammenarbeit unter allen Unterzeichnern der Schlußakte
verbessern und eine umfassendere Bedeutung haben würde.
Beide Seiten äußerten ihre Ansichten über die Folgen eines weiteren
Wettrüstens unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung von Frieden und Sicherheit,
der derzeitigen Verschlechterung der internationalen Situation und der
Notwendigkeit für eine allgemeine wirtschaftliche Entwicklung.

Sie stimmten

überein, daß es notwendig sei, sich weiterhin um wirksame, faire und
verifizierbare Abkommen zur Rüstungsbegrenzung, Rüstungsreduzierung und
Abrüstung zu bemühen, die.auf den Grundsätzen der unverminderten Sicherheit
für alle Staaten beruhen.

Das Ziel sollte die allmähliche Reduzierung

der Rüstung auf den tiefstmöglichen Stand sein, wie er mit der Sicherheit
und Stabilität für alle Nationen mit dem letztlichen Ziel einer allgemeinen
und vollständigen Abrüstung unter wirksamer internationaler Kontrolle
vereinbar ist.

Besondere Aufmerksamkeit wurde in den Gesprächen der sich

verschlechternden Lage der Entwicklungsländer und der internationalen
wirtschaftlichen Situation als Ganzes gewidmet.

Ausgehend von der wachsenden

Interdependenz aller Nationen wurde von beiden Seiten bekräftigt, daß die
dringende Notwendigkeit besteht, nach Lösungen für die noch nicht bewältigten
Probleme zu suchen und sich um eine gerechte Harmonisierung der wirtschaftlichen Interessen aller Länder zu bemühen.

Beide Seiten waren sich einig

über die weitreichende politische Bedeutung der Fortsetzung eines konstruktiven
Dialogs zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern sowie über die
Förderung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf einer
stabileren und gerechteren Grundlage.

Sie unterstrichen nachdrücklich die

Bedeutung einer größeren Unterstützung von Seiten der industriell entwickelten Länder für die rasche Entwicklung der Entwicklungsländer und
die Wichtigkeit globaler Verhandlungen über diese Fragen.

Sie gaben der

Hoffnung Ausdruck, daß diese Verhandlungen zu produktiven Ergebnissen
zum Nutzen aller und vor allem zum Nutzen der Entwicklungsländer führen
werden, was im Interesse eines wirksameren Funktionierens der gesamten
Weltwirtschaft liegen würde.
Bei

�Bei der Erwägung der verschiedenen Aspekte der Menschenrechte waren
sich beide Selten auch darllber einig, daß die Bemühungen zur Förderung
der Achtung vor den Menschenrechten in allen Ländern in Einklang mit den
Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen, der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte und der Schlußakte von Helsinki weitergeführt werden
sollten.
In Übereinstimmung mit der Notwendigkeit, entscheidende Anstrengungen
zu einer gerechten Lösung sowohl der von frLlher her bestehenden als auch
der neuen Krisen 1n der Welt zu unternehmen, befaßtenslch die amerikanische
und die jugoslawische Seite mit den derzeitigen Entwicklungen im Nahen
Osten, in Südafrika, SUdwest- und SUdostasien und anderen Gebieten.
Die beiden Seiten gaben ihrer besonderen Besorgnis über die Situation
im Nahen Osten Ausdruck, die weiterhin eine Quelle für große Spannung in
internationalen Angelegenheiten bleibt.

Sie waren sich über die dringende

Notwendigkeit einig, eine umfassende, gerechte und dauerhafte Lösung für
die Probleme des Nahen Ostens zu finden, und erläuterten im einzelnen
ihre jeweiligen Ansichten zu der derzeitigen Situation.
Sich dem südlichen Afrika zuwendend verurteilte die amerikanische
wie auch die jugoslawische Seite den Rassismus in jeder Form und das
südafrikanische System der Apartheid.

Sie gaben ihrer Unterstützung für

die Bemühungen Ausdruck, die auf das Zustandekommen einer Mehrheitsherrschaft und der nationalen Unabhängigkeit in Zimbabwe gerichtet sind.
Beide Seiten betonten die Notwendigkeit der Respektierung der Rechte
des Iran auf Unabhängigkeit und Blockfreiheit sowie seines Rechts, über
seine eigene innere Entwicklung und Orientierung in internationalen Angelegenheiten ohne Einmischung und Druck von außen zu bestimmen. Sie waren
sich einig, daß die Freilassung der als Geiseln im Iran festgehaltenen
amerikanischen Diplomaten und die friedliche Lösung der zwischen ihnen

- 7 -

�ihnen bestehenden Probleme durch die Vereinigten Staaten und den Iran
auf der Grundlage der Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen wesentlich
zum Frieden und der Stabilität in dieser Region beitragen wllrden.
Beide Selten forderten, daß es mit der militärischen Intervention und
allen anderen Formen der Einmischung 1n die inneren Angelegenheiten unabhängiger Länder ein Ende haben müsse. Beide Seiten betonten die Notwendigkeit,
daß die Involvierten ausländischen Truppen zurückgezogen werden und allen
Ursachen fUr Leiden und Opfer 1n solchen Ländern ein Ende gesetzt wird.
Sie forderten auch weitere humanitäre Anstrengungen seitens der Internationalen Gemeinschaft zur Lösung der Probleme der Flüchtlinge.
In diesem Zusammenhang legte jede Seite ausfuhrlich Ihren Standpunkt
Über die Mittel und Wege zur Lösung der Situation dar, die in Afghanistan
und Kambodscha entstanden Ist, wobei die Notwendigkeit hervorgehoben wurde,
die Rechte aller Völker auf Entscheidung über ihr eigenes Geschick zur
respektieren.
Präsident Carter und der Präsident der Präsidentschaft der SFRJ
unterstrichen die Bedeutung der Blockfreiheit als unabhängiger Faktor
in internationalen Angelegenheiten.
Präsident Carter bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten den Wunsch
der blockfreien Staaten respektierten, über ihre eigenen inneren Entwicklungen
und die Orientierung in internationalen Angelegenheiten selbst zu entscheiden.
Präsident Carter verwies noch einmal auf den anhaltenden Respekt und
das Eintreten der Vereinigten Staaten für die Unabhängigkeit, territoriale
Integrität und die Einheit Jugoslawiens. Die Vereinigten Staaten sehen
in einem unabhängigen und blockfreien Jugoslawien einen wichtigen Faktor
für das Gleichgewicht, den Frieden und die Stabilität in Europa und der

- 8 -

�der Welt.
Die beiden Seiten unterstrichen ihre Entschlossenheit, die derzeitige
erfolgreiche Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der SFRJ
und den Vereinigten Staaten von Amerika weiter auszuweiten und zu bereichern
auf der Basis der Gleichheit und mit voller gegenseitiger Respektierung der
Unterschiede der jeweiligen sozialen Systeme und der internationalen Stellung
des anderen.
Präsident Carter lud den Präsidenten der SFRJ zu einem Besuch der
Vereinigten Staaten ein, und die Einladung wurde mit Freude angenommen.

+ + + + +

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

PRESSEERKLÄRUNG DER SPANISCHEN REGIERUNG ZUM BESUCH CARTERS

MADRID

- (AD) - Die spanische Regierung hat am 26. Juni 1980 eine

Presseerklärung zum Besuch den amerikanischen Präsidenten veröffentlicht,
die die Ansichten beider Regierungen widerspiegelt.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Auf Einladung seiner Majestät, König Juan Carlos, stattete Jimmy
Carter, der Präsident der Vereinigten Staaten, Spanien vom 24. - 26.
Juni einen offiziellen Besuch ab.
Im Verlauf dieses Besuchs führte der Präsident der Vereinigten
Staaten Gespräche mit Seiner Majestät dem König.

Präsident Carter traf

auch mit dem Präsidenten der Regierung, HerrnSuarez, und mit Mitgliedern
der spanischen Regierung zusammen.
Präsident

Postfach 20 03 00 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Präsident Carters Besuch ist der erste eines Präsidenten der Vereinigten
Staaten im demokratischen Spanien.

Durch die Annahme der Einladung des

spanischen Königs erwidert der Präsident die Besuche Seiner Majestät und
des Präsidenten der spanischen Regierung in seinem Land.
Im Verlauf der Gespräche zwischen Präsident Carter und Seiner Majestät
wurde mit Befriedigung das hervorragende Niveau der engen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sowie die harmonisierenden
Ansichten hinsichtlich einer ganzen Reihe außenpolitischer Themen festgestellt.
Die beiden Staatschefs brachten ihre Bedenken hinsichtlich der in
verschiedenen Teilen der Welt bestehenden Spannungen zum Ausdruck und
unterstrichen ihren Wunsch und ihre Absicht, in angemessener Weise zur
Wiederherstellung von Frieden und Stabilität in diesen Regionen beizutragen.
Präsident Carter gratulierte Seiner Majestät zu der günstigen
Entwicklung des spanischen Demokratisierungsprozesses, der die aufrichtige
Unterstützung der gesamten freien Welt verdient hat, sowie zu Spaniens
Rückkehr zu seinem ihm angemessenen Platz im Zusammenspiel der Nationen.
Was sie anbelangte, so brachte die spanische Seite ihre Wertschätzung
für die von den Vereinigten Staaten zur Unterstützung der Menschenrechte
und der Sache des Frieden", geleistete Arbeit zum Ausdruck.
Die internationale Lage - insbesondere die Krisen im Iran und
Afghanistan und die Lage im Nahen Osten sowie die bilateralen Beziehungen wurden beim Treffen von Präsident Carter mit dem Präsidenten der spanischen
Regierung, Herrn Suarez, erörtert. Im Verlauf dieser Gespräche, die im
Rahmen der zwischen westlichen Führungen stattfindenden Konsulationen
und Kontakte abgehalten wurden, wurde erneut deutlich, daß die westliche
Solidarität eines der Grundprinzipien der Außenpolitik des demokratischen
Spanien darstellt und daß Spanien seine Anstrengungen denen der anderen

- 2 -

�anderen Worten: wir brauchen mehr Wachstum bei weniger Energie, durch
Einsparung und durch Verringerung vor allem beim ölimport.
das alle Gespräche durchzog, war Erdöl.

Das eine Wort,

Der Geruch ausländischen Öls

hat auf alle unsere Staaten eine tiefgreifende Wirkung.

Es ist offen-

sichtlich, daß unsere übermäßige Abhängigkeit von ausländischem öl uns
unsere grundlegende Sicherheit raubt - nämlich das Recht, unsere eigenen
Entscheidungen zu treffen.

Der Preis des Öls schwächt nicht nur uns und

bringt zusätzliche Inflation und somit Arbeitslosigkeit; für die weniger
entwickelten und armen Länder und ihre Aussichten sind die neuen, rasch
steigenden exzessiven ölpreise besonders schädlich.

Die Erdölpolitik

verändert buchstäblich das gesamte Beziehungsgeflecht zwischen den
Staaten.

Wir müssen uns diesem Problem vereint und, wann Immer möglich,

kooperativ stellen und der Herausforderung an Sicherheit und Gewißheit
unserer Zukunft entgegentreten, die durch die rasch steigenden und
unkontrollierbaren ölpreise und unser aller übermäßige Abhängigkeit
von Erdöl einfuhren hervorgerufen wird.
Schließlich gab es ausführliche politische Gespräche.

Wir waren

uns einig in unserer Verpflichtung und in unseren Erklärungen an die
Öffentlichkeit, daß durch die Sowjetunion mit ihrer ungerechtfertigten
Invasion und gegenwärtigen Besetzung Afghanistans eine ernsthafte Bedrohung
des Weltfriedens entstanden ist.

Wir brachten unsere Bewunderung für die

Freiheitskämpfer in Afghanistan zum Ausdruck, die um nationale Befreiung
von der sowjetischen Besatzungsmacht ringen.

Wir waren alle einer Meinung,

daß diese ernste Bedrohung durch den Abzug der sowjetischen Truppen, durch
den völligen Abzug, beseitigt werden muß.

Das derzeitige Anzeichen eines

Rückzugs hat nur eine relativ geringe strategische Bedeutung, solange
er nicht für immer ist und ihm nicht ein schrittweiser Rückzug aller
sowjetischen Streitkräfte folgt.
Schließlich brachten alle Staaten uns gegenüber ihre Verpflichtung
zum Ausdruck, die iranische Regierung so rasch wie möglich darauf zu drängen,

- 3 -

�drängen, den Akt internationalen Terrorismus zu beenden, der dort gegen
53 unschuldige Amerikaner, gegen unsere Nation und zugleich gegen den
Rest der Welt verübt wurde. Dieses Festhalten unschuldiger Geiseln ist
unannehmbar. Es verletzt alle Prinzipien des Völkerrechts und des
menschlichen Anstandes. Alle diese Staaten haben sich uns gegenüber erneut
dazu verpflichtet, alles zu tun, was immer sie nur können, um durch
private diplomatische Kanäle und durch ihre öffentlichen Erklärungen und
Schritte die rasche Freilassung der amerikanischen Geiseln zu erreichen.
Schließlich erkennen wir an, daß es unter demokratischen Staaten und
freien Völkern einige Unterschiede geben muß. Aber das gemeinsame Verständnis, das wir haben, und die Obereinkommen, die wir erzielten, zeigen
ein bemerkenswertes Maß an Einheit, während wir uns den derzeitigen
Problemen stellen und uns auf die Zukunft vorbereiten. Das Beste an dieser
Reise ist die Heimkehr. Wir freuen uns, wieder zurück zu sein in den
Vereinigten Staaten von Amerika, der mit Abstand größten Nation auf Erden.
Vielen Dank.

+ + + + +

. 4 _

�I a

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT DER SPANISCHEN NACHRICHTENAGENTUR EFE

Präsident Jimmy Carter gewährte kurz
vor Antritt seiner Europa-Reise der
spanischen Nachrichtenagentur EFE
ein Interview, das am Abend des
24. Juni zur Veröffentlichung freigegeben war. Es hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Die spanische Demokratie besteht fort und das spanische Volk

wünscht sich deren Konsolidierung dringend.

Wie bewertet Ihre Administration

die Rolle seiner Majestät in der demokratischen Entwicklung in Spanien?
Und wie die der politischen Kräfte?
ANTWORT: Wir in Amerika teilen den Wunsch des spanischen Volkes,
daß die Demokratie blühen und gedeihen möge. Eine echte Demokratie befreit
ihre Bürger, ihr Bestes zu leisten und um die Erfüllung höchster Normen
durch ihre Regierung zu fordern.
Sicherlich

Postfach 20 03 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Sicherlich war, wie Sie schon andeuteten, die Rolle Seiner Majestät
des Königs von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Demokratie in
Spanien.

Ich, der ich aus einem Volk mit lebendigen demokratischen

Traditionen komme, weiß aber auch zu schätzen, welche entscheidende Rolle
verantwortungsbewußte politische Parteien in der Position der Führung als
auch in der der Opposition bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer
lebensfähigen und aktiven Demokratie spielen.
Am wichtigsten ist selbstverständlich die Entschlossenheit des Volkes
eines Landes, sich seine freien Institutionen zu bewahren.

Dies ist ein

kontinuierlicher Prozeß - in Spanien ein Prozeß zudem, dessen Verlauf
unsere Regierung und unser Volk mit großer Bewunderung und Unterstützung
verfolgen.
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns einige generelle Dinge zu

Ihrer bevorstehenden Reise in mehrere Mittelmeerländer Europas sagen?
Was steht auf Ihrer Tagesordnung?
ANTWORT: Der eigentliche Zweck ist natürlich die Teilnahme am
jährlichen Wirtschaftsgipfeltreffen, das dieses Jahr in Italien stattfindet. Als ich mir die Reisepläne näher ansah, schien mir die Gelegenheit
gekommen, die großzügigen Einladungen durch die Regierungen von Spanien,
Portugal und Jugoslawien anzunehmen und diesen Mittelmeerstaaten einen
Besuch abzustatten.
Diese Besuche werden, auch wenn sie nicht so lange dauern wie ich
es gerne hätte, mir Gelegenheit bieten, einen Meinungsaustausch über eine
ganze Reihe von Themen zu pflegen - und dies zu einer Zeit, in der die
Konsultationen und Zusammenarbeit mit guten Freunden nicht nur wünschenswert, sondern dringend geboten erscheinen.
Es

�Es gab in den letzten Monaten kritische Entwicklungen, die unsere
Völker und Bürger berühren.

Die sowjetische Invasion Afghanistans hat

strategische Auswirkungen für das Wohlergehen aller Länder, die den Frieden
und die Unabhängigkeit schätzen.

Die Inhaftierung von Geiseln im Iran

widerspricht international akzeptierten Regeln des zivilisierten Verhaltens
unter Völkern.

Wir werden Fragen der europäischen Verteidigung und

Sicherheit, sowie andere regionale und bilaterale Probleme miteinander
erörtern.

Kurz gesagt, die Tagesordnung ist voll.

Darüber hinaus bin ich erfreut, daß sich eine Gelegenheit für mich
ergibt, die Bewunderung und die Unterstützung Amerikas und der Amerikaner,
von denen so viele spanischen Ursprungs sind, für Spaniens historischen
Übergang zur demokratischen Staatsform zum Ausdruck zu bringen.

Diese

Entwicklung - eine der ermutigendsten politischen Entwicklungen in unserer
Generation - wird mit Reife und Einfühlungsvermögen vollzogen.
Ich sehe dem abermaligen Zusammentreffen mit Seiner Majestät, dem
König, und mit Präsident Suarez - die im Weißen Haus zu empfangen ich
die Ehre hatte - sowie mit anderen spanischen Regierungsvertretern und
Bürgern mit großer Freude entgegen.
Um dem noch ein persönliches Wort hinzuzufügen: Meine Frau und ich
haben unser ganzes bisheriges Leben hindurch Achtung für spanische Lebensart und Kultur empfunden, und wir begrüßen die Gelegenheit, Spanien selbst
zu besuchen.
FRAGE:

Herr Präsident, wie beurteilen Sie die Beziehungen zwischen

den Vereinigten Staaten und Spanien im gegenwärtigen Augenblick und wie
sehen Sie Spaniens Rolle in Europa und in der westlichen Welt?
ANTWORT:

Die Beziehungen zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten

sind besser als zu jedem anderen Zeitpunkt der jüngeren Geschichte.

- 3 -

Als

�Als Demokratien mit gemeinsamen Interessen und Vorstellungen stehen unsere
beiden Länder häufig miteinander in Konsultationen über Herausforderungen,
vor die sich die Welt heute gestellt sieht.

Wir arbeiten auf vielen Gebieten

zusammen - auf politischem, militärischem und wirtschaftlichem Gebiet.
Und unsere Zusammenarbeit hat sich seit Errichtung der Demokratie in Spanien
intensiviert.

Der erfreuliche Geist der Freundschaft gibt den Ton an

für meinen Besuch in Spanien.
Hinzu kommt, daß wir durch Bande der Familie und Kultur miteinander
verbunden sind.

Spanier aus allen Landesteilen, die ihres Lebensunterhaltes

wegen nach den Vereinigten Staaten gekommen sind, haben unsere Gesellschaft
auf unermeßliche Art und Weise bereichert.
Spanien ist zudem ein integraler und wichtiger Teil Europas und der
westlichen Welt.

Dank einer reichen Geschichte und Kultur konnte Spanien

viel zu unserer Kultur und Zivilisation beitragen.

Als eine junge und

lebensvolle Demokratie hat es noch weit mehr zu geben.

Das ist eine Rolle,

die wir in den Vereinigten Staaten begrüßen und der wir unseren Beifall
zollen.

Wir freuen uns auf die verstärkte Zusammenarbeit mit Spanien auf

vielen Gebieten, auf denen wir den Herausforderungen unserer gemeinsamen
Interessen gemeinsam begegnen können.
FRAGE:

Wegen seiner historischen Bindungen fühlt sich Spanien

auf spezifische Weise mit den arabischen und mediterranen Ländern verknüpft. Können Sie zu diesen Bindungen und ähnlichen Banden Spaniens
zu Lateinamerika Stellung nehmen?
ANTWORT:

Auch wenn Spanien geographisch und politisch Teil Europas

ist, besitzt es nichtsdestoweniger ein einzigartiges Verständnis für die
arabische und mediterrane Welt.

Die vielschichtigen Gründe hierfür sind

in seiner Geschichte und Geographie verwurzelt.

Das hieraus resultierende

Erbe vermittelt Spanien besondere Einsichten in die arabische Welt.

Wir

�Wir haben diese Tatsache begriffen, und wissen die Art und Weise zu
schätzen, in der sie Spaniens wachsende institutionelle Beziehungen zum
Westen ergänzt.
Aus tiefen historischen Gründen hat Spanien besondere Beziehungen
auch zu den Ländern Lateinamerikas - woraus ihm eine Rolle erwächst, die
die Vereinigten Staaten sehr begrüßen.

Spaniens Interesse an den Verhältnissen

in Lateinamerika, wie es in seiner Beteiligung am Anden-Pakt zum Ausdruck
kommt, stellt eine heilsame Entwicklung dar.

Spanien muß im modernen

Lateinamerika eine wichtige Rolle spielen - als historische Quelle
kultureller Energien und zeitgenössisches Beispiel für den demokratischen
Lebenswillen.
FRAGE: Die nächste Gesprächsrunde zur Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (KSZE) wird im kommenden Herbst in Madrid stattfinden. Sind die Vereinigten Staaten dafür, daß diese Gespräche stattfinden
wie geplant? Wie sehen Sie die Aussichten für diese Konferenz generell?
ANTWORT:

Auch wenn die sowjetische Invasion Afghanistans das Klima

der Ost-West-Beziehungen schwer geschädigt hat, liegt die Madrider KSZEFolgekonferenz meiner Auffassung nach im Interesse aller Signatarstaaten
der Schlußakte von Helsinki, einschließlich der Vereinigten Staaten.
Wir sind dafür, daß wir voranschreiten

wie geplant.

Die Vereinigten Staaten - und andere Länder - werden die KSZE-Tagung
zum Anlaß nehmen, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, wie gut oder wie
schlecht die einzelnen Signatarstaaten ihren Verpflichtungen in der Zeit
nach dem Gipfel von Helsinki im Jahre 1975 nachgekommen sind.

Diese

Bestandsaufnahme ist besonders wichtig, was die Menschenrechte und die
humanitären Bestimmungen der Schlußakte angeht, bezüglich derer es zu
ernsthaften Versäumnissen einiger Länder in der Erfüllung der übernommenen
Verpflichtungen gekommen ist.
Darüber
- 5 -

�Darüber hinaus bietet uns die Madrider Tagung die Chance, weitere
Maßnahmen für die Verbesserung der Verwirklichung der Schlußakte durch
ausgewogene Fortschritte auf allen von ihr berührten wichtigen Gebieten
zu vereinbaren.

Schließlich sollte diese Tagung sicherstellen, daß der

Prozeß von Helsinki durch reguläre künftige Folgetagungen der Art, wie
sie für Madrid geplant ist, weitergeführt wird.
FRAGE:

Welches ist die derzeitige Politik Ihrer Administration

gegenüber den lateinamerikanischen Ländern?
ANTWORT:

Meine Regierung hat sich von Anfang an von der Überzeugung

leiten lassen, daß Lateinamerika eine wichtige weltweite Rolle spielt.
Die nationalen Hoffnungen und Wünsche einzelner lateinamerikanischer und
karibischer Länder in bezug auf ihre Unabhängigkeit, ihr Selbstverständnis
und ihre wirtschaftliche Entwicklung sind wichtig - sowohl für die Dritte
Welt als auch für den Westen und insbesondere für Länder wie Spanien und
die Vereinigten Staaten, die mit ihnen durch zahlreiche persönliche und
historische Bindungen verknüpft sind.
Die amerikanische Politik erstrebt Beziehungen, die diese Traditionen,
diese Hoffnungen und Wünsche und dieses Potential bejahen. Wir halten
einen fortgesetzten Dialog aufrecht, der ihren Interessen und unseren
eine ausgewogene Behandlung sichert. Ich habe die Notwendigkeit engerer
direkter Verbindungen von Volk zu Volk herausgestellt, die auf den
grundlegenden Werten unserer gemeinsamen Kultur beruhen und uns in die
Lage versetzen, uns die Gelegenheit zunutze zu machen, noch engere und
ausgewogenere Beziehungen zu knüpfen. Ich fühle mich ermutigt durch
die zunehmende Achtung vor den Menschenrechten in den meisten lateinamerikanischen
Ländern und deren Trend zur Demokratie. Wir Amerikaner befürworten dieses
Verhalten nachdrücklich.
FRAGE:

�FRAGE:

Verdient die derzeitige Situation in Mittelamerika und im

karlbischen Raum irgendwelche besondere Überlegungen seitens Ihrer
Administration?
ANTWORT:

Selbstverständlich ja.

Die Lage in der Karibik verändert

sich rasch, und das gilt auch für die Struktur der Beziehungen zwischen
den Nationen dieses Raumes und dem Westen.

Wir sind der Auffassung, daß

die Herausforderung, vor die wir uns hier gestellt sehen, nicht darin
besteht, uns diesen Veränderungen - von denen die meisten natürlich
unausweichbar sind - zu widersetzen, sondern sie auf neue und konstruktive
Artund Weise zu fördern.
Gemeinsam mit anderen Ländern sind wir bestrebt
-

die gemäßigten und demokratischen Kräfte innerhalb dieses gesamten
Gebietes zu ermutigen;

-

die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern und eine gerechte
Verteilung des Wohlstands zu erreichen;

-

die Beachtung international anerkannter Normen in bezug auf die
Menschenrechte durchzusetzen;

-

den Prozeß der regionalen Zusammenarbeit zu erneuern;

und

-

die Sicherheit vor Aggression von außen zu gewährleisten.

Wir gewähren Nicaragua Unterstützung, um dem Lande zu helfen, sich
von einem vernichtenden Bürgerkrieg zu erholen, und um zur Evolution
eines pluralistischen und wahrhaft unabhängigen Nicaragua zu ermutigen.
In

- 7 -

�In El Savador führt eine christlich-demokratische Militärregierung
eine Reform des Bodenbesitzes und des Bankwesens durch, die ohne Beispiel
ist. Aus diesem Grund glauben wir, daß diese Regierung die beste Gewähr
fUr ein maßvolles, demokratisches Ergebnis bietet. Wir unterstutzen sie
und wir glauben, daß sie die wirtschaftliche und politische H U f e auch der
Westeuropäer verdient.
Die friedliche und demokratische Evolution dieser und anderer Länder
am Rande des karibischen Meeres Ist der einzige Weg zur Schaffung von
lebensfähigen Demokratien in diesem wichtigen Raum. Das Ist der Weg, den
wir befürworten - der Weg aber auch, den Kuba auf vielfältige Art und
Weise und häufig mit Gewalt zu versperren trachtet. Wie in Spanien,
so unterstutzen die Vereinigten Staaten auch in der Karibik die Stärkung
der Demokratie, die unsere Zustimmung findet.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Juli 1980

31

CARTERS TISCHREDE AUF DEM STAATSBANKETT IN MADRID

MADRID

- (AD) - Auf einem Staatsbankett, das zu Ehren des amerikanischen

Präsidenten am 25. Juni vom spanischen König Juan Carlos in dessen Palast in
Madrid gegeben wurde, hielt Jimmy Carter folgende Tischrede:
Majestäten, Herr Präsident, Freunde Spaniens und der Vereinigten
Staaten:
Es ist dies ein großer Augenblick für mich - hier zu sein und Ihnen
und Ihrem Volk die besten Wünsche der Regierung und des Volkes der Vereinigten
Staaten von Amerika zu überbringen.

Es ist für mich ein ganz besonderes

Vergnügen wegen meines großen persönlichen Interesses an Ihrer Sprache und
Kultur.
Vor 400 Jahren war Spanien die Supermacht der westlichen Welt und
der Spanier jener Tage hinterließ die Legende des Weitblicks und des Mutes,
die zu keiner Zeit vergessen wurde. In diesem Goldenen Zeitalter lehrten
Maler wie El Greco und Velasquez, Schriftsteller wie Cervantes und Lope

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
08-85432

Te|ex:

�Lope de Vega die Welt ein neues Sehen und neues Fühlen.

Die spanischen

Entdecker waren die Astronauten ihrer Zeit, die mit Tapferkeit in neue
Welten von unvorhergesehener Gefahr und Schwierigkeit eindrangen.

Wir

alle zogen Nutzen aus dieser Größe Spaniens.
Mein eigener Staat Georgia war zu Beginn ein kleiner Vorposten des
spanischen Weltreichs.

Der erste Europäer, der seinen Fuß darauf setzte,

war im Jahr 1540 Hernando de Soto.

Georgia war viel länger spanische

Kolonie als englische Kolonie.
Ich spreche von dem historischen Einfluß Spaniens deshalb, weil es
so offenkundig ist, daß Spaniens Mut und Größe noch heute vorherrschen.
In wenig mehr als vier Jahren haben Sie eine kräftige, blühende Demokratie
geschaffen, mit Achtung vor den Menschenrechten,

den Freiheiten des

Einzel menschen und der Redefreiheit.
Die Aufgabe war nicht einfach. Sie mußten sich mit der weltweiten
Rezession auseinandersetzen, mit gewaltigen Kostenanstiegen bei der Energie
sowie mit althergebrachten und manchmal spaltenden Herausforderungen im
Inneren. Und dennoch ist es Ihnen auf hervorragende Weise gelungen,
die alten Institutionen zu erneuern und neue zu schaffen.
Der Aufbau der spanischen Demokratie war für die gesamte westliche
Welt ein stärkendes Mittel. Spanien widerlegt die falsche Behauptung,
daß die Bewegung der Geschichte unabänderlich hin zum Autoritarismus
führe; daher ist Spanien eine Quelle der Hoffnung und der Inspiration
für alle anderen Demokratien. Die Erfahrung Spaniens gewährt Lektionen
über Entschlossenheit, Mäßigung und Selbstkontrolle, Lektionen für andere
Demokratien und für junge Länder in der Dritten Welt, die ihre Freiheit
gefunden haben und jetzt nach Modellen suchen, denen sie bei der Gestaltung ihrer eigenen Gesellschaften folgen können.
In

- 2 -

�In den vergangenen vier Jahren hat sich Spanien auch einen Platz
der Führung in dieser Welt errungen.

Immer wieder haben Ihre Minister

klargestellt, daß Spanien an der Seite der anderen westlichen Demokratien
steht, als kommendes Mitglied der Europäischen und der Atlantischen
Gemeinschaft.

Wir sind erfreut darüber, daß Sie mit den Verhandlungen

über einen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft begonnen haben, denn
wir sind der Meinung, daß Spaniens Beitritt die Gemeinschaft stärken
wird - genauso wie die Gemeinschaft Europa stärkt.
Desgleichen hoffen wir, daß Spanien seinen eigenen Interessen durch
Teilnahme an der kollektiven Verteidigung des Westens gedient sieht.
Gleichwohl anerkennen wir völlig, daß dies eine Entscheidung ist, die
einzig und ausschließlich durch Spanien getroffen werden muß, zu seiner
Zeit und auf seine Weise.

Unsere Nation wird Ihre Entscheidung, ist sie

einmal getroffen, voll unterstützen.
Zusätzlich hierzu teilen sich unsere beiden Länder in eine bilaterale
Sicherheitspartnerschaft, die sich auf wichtige gemeinsame Interessen
gründet.

Wir werden in diesem Jahr mit einer Überprüfung dieser Partner-

schaft beginnen, die den Interessen unserer beiden Länder gut gedient
hat und die auch weiterhin den gemeinsamen Interessen noch viele Jahre
lang dienen wird.
Auch unsere bedeutenden Wirtschaftsbeziehungen verbinden unsere
Völker.

Führende amerikanische Geschäftsleute haben ihren Glauben in

die Zukunft Spaniens durch ein hohes Maß an Investitionen zum Ausdruck
gebracht, die sie in den letzten Jahren hier getätigt haben.

Exporteure

aus beiden Staaten betrachten das andere Land als wichtigen Markt für
ihre Produkte.

Ganz außer Zweifel ist, daß die wachsende Wirtschafts-

beziehung für beide Länder von sehr großem Nutzen ist.
Spaniens

- 3 -

�Spaniens Bedenken hinsichtlich der Energieversorgung wird voll
von den Vereinigten Staaten geteilt. Wie Sie wissen, kam ich ins Amt
zu einer Zeit, als das amerikanische Volk noch weitgehend glaubte, öl
sei ein unerschöpflicher Rohstoff. Das zentrale Drama des amerikanischen
öffentlichen Lebens in den letzten vier Jahren war der Kampf um die Änderung
dieser Haltung und des anschließenden Aufbaus einer lebensfähigen Energiepolitik. Dieser Kampf geht weiter, aber die Grundlagen einer solchen
Energiepolitik sind jetzt nahezu vorhanden. Das ist nicht nur für die
Zukunft meines eigenen Landes von entscheidender Bedeutung, sondern auch
für das umfassendere Geflecht der Beziehungen, dem unsere beiden Länder
angehören.
Unsere beiden Länder teilen auch ein starkes Interesse an der
demokratischen Entwicklung und an der Achtung vor den Menschenrechten
1n anderen Teilen der Welt. Wir haben beide 1n Lateinamerika besondere
Bindungen. Ich schätze die Unterstützung und den klugen Rat, den wir
oft von Spanien bei schwierigen und häufig kritischen Situationen 1n
Lateinamerika und der Karibik erhalten haben. Wir schätzen auch die
engen Konsultationen, die es zwischen uns gegeben hat und den Beistand,
den Sie uns bei der Geiselkrise im Iran und anderen Aspekten dieser
heiklen Situation geleistet haben. Im Nahen Osten und Teilen Afrikas
können wir auf weitere Zusammenarbeit rechnen, die besonders wertvoll
wegen Ihrer aus der Geschichte gewonnenen Kenntnis der islamischen Welt
ist.
Die Vereinigten Staaten haben besonderen Grund,dem Hervortreten
Spaniens als wichtigem Partner bei den noch nicht gelösten Aufgaben
des Friedens Beifall zu zollen. Seine kulturellen und historischen
Verbindungen zu so vielen Gebieten der Welt befähigen es, eine Brücke
zu bilden zwischen der Dritten Welt und dem Westen. Das ist besonders
wichtig, wenn wir an die Probleme des neuen Jahrzehnts herangehen, die
in vieler Hinsicht schwieriger und gefährlicher sein werden als alle,

- 4 -

�alle, die wir bis dahin überwunden haben.
Heute sieht sich der Westen einer strategischen Herausforderung von
historischer Größenordnung gegenüber.

Von 1945 bis zur Mitte der fünfziger

Jahre haben wir dem sowjetischen Expansionsdrang nach West und Ost
Widerstand geboten.

Heute stößt die Sowjetunion nach Süden vor, direkt

in Afghanistan, indirekt durch Vietnam und Kambodscha und an anderen
Stellen durch ausländische Helfershelfer.

Die Herausforderung ist klar

und klar ist auch die Frage, die sich für unsere demokratischen Institutionen stellt:

Lassen wir es zu, daß die Aggression ungestraft voranschreitet

oder leisten wir diesem Vordringen, das unser gemeinsames lebenswichtiges
Interesse betrifft, Widerstand?

Es gibt nach meiner Ansicht keinen Zweifel

darüber, welchen Standpunkt unsere beiden Länder gegenüber dieser Frage
einnehmen.
Das erfreuliche Wiedererstarken des spanischen Einflusses in der
ganzen Welt ist eine wichtige Quelle der Zuversicht, mit der der Westen
an das schwierige kommende Jahrzehnt herangehen kann.

Die Stärke und

Vitalität, der ich hier begegnet bin, sind ein Zeugnis für Spaniens
eigenes sicheres Gefühl für seine Zukunft und für die Richtung, die es
frei gewählt hat - zur Demokratie, zur Vielfalt und zur unbehinderten
Ausübung der Kräfte des menschlichen Geistes.
Majestät, ich möchte mein Glas erheben:
-

auf Sie, auf Ihre liebreizende Königin, auf Ihren Präsidenten
und alle führenden Männer der Regierung und der demokratischen
Opposition, die mitgeholfen haben, die spanische Demokratie
aufzubauen - vor allem aber auf das spanische Volk, dessen Geist
den Hauptanteil an den Erfolgen der vergangenen letzten Jahre
trägt.

Viva Espana!
+ + + + +

- 5 -

�a
»

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

CARTER-INTERVIEW MIT DER PORTUGIESISCHEN NACHRICHTENAGENTUR ANOP

Präsident Jimmy Carter hat vor Antritt
seiner Europareise der portugiesischen
Nachrichtenagentur ANOP ein Interview
gegeben, das am Abend des 25. Juni 1980
zur Veröffentlichung freigegeben war.
Es hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Herr Präsident, Sie haben seit einiger Zeit keine Auslands-

reise mehr unternommen, abgesehen von Ihrer Teilnahme am Gipfeltreffen in
Venedig.

Was hat Sie zu Ihren Besuchen in Jugoslawien, Spanien und

Portugal veranlaßt, und was erhoffen Sie sich von ihnen?
ANTWORT: Die Besuche, die ich europäischen Staaten im Anschluß an
den Wirtschaftsgipfel in Venedig mache, bringen mich zu offenen Gesprächen
mit Freunden und Verbündeten in einer Zeit ernsthafter Herausforderungen
gemeinsamer Interessen zusammen. Diese Herausforderungen sind bekannt
und ernst: Die Krise im Iran und in Afghanistan, die Suche nach Frieden

Postfach 20 03 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e x : 08-85432

�Frieden im Nahen Osten, die Frage der Energieabhä'ngigkeit der industrialisierten
Welt und das Verlangen der Entwicklungsländer nach wirtschaftlicher
Gerechtigkeit.

Gründliche Erörterungen dieser und anderer Angelegenheiten

sind nicht nur notwendig, sie dienen dem Bemühen, enge Beziehungen noch
enger zu gestalten und einen Konsensus bezüglich gewisser Vorstellungen
und Auffassungen zustandezubringen.
In diesem Gesamtzusammenhang messe ich meinem Besuch in Portugal
besondere Bedeutung bei. Was mich persönlich angeht, freue ich mich sehr
über die Gelegenheit, nach Lissabon zu kommen und eine Hauptstadt zu besuchen, die zu besuchen kein amerikanischer Präsident seit 1960 den Vorzug
hatte.

Darüber hinaus bin ich darauf bedacht, meinen Aufenthalt in Portugal

dazu zu benutzen, der tiefen Bewunderung Ausdruck zu geben, die ich und
die Amerikaner im allgemeinen für den bemerkenswerten Übergang Ihres Landes
zur Demokratie hegen.

Ihre Erfahrung und auch die Spaniens widerlegen

jene Pessimisten, die behaupten, die Demokratie rund um den Erdball
im Rückzug zu sehen.

Sie bestärken alle jene, die sich der Achtung der

Freiheit und Würde des einzelnen als dem sichersten Weg zu sozialen und
politischen Fortschritten verschrieben haben,

über den Wunsch hinaus,

Ihrem Vorbild Tribut zu zollen, freue ich mich auch auf die Konsultationen
mit führenden Politikern Portugals, die den Übergang zur Demokratie mit
so viel Geschick und Klugheit bewerkstelligt haben.
Das freimütige Eintreten der portugiesischen Regierung für die
Normen des Völkerrechts und des zivilisierten Verhaltens gegenüber jenen,
die diese Normen in Iran und in Afghanistan verletzen, hat die Grundlage
geschaffen, auf der wir in dem Bemühen, diese Krisen zu bewältigen, auch
weiterhin zusammenarbeiten können. Portugals anhaltende Verbindungen zu
den portugiesisch sprechenden Teilen Afrikas verschaffen mir darüber
hinaus wertvolle Einblicke, was die Möglichkeiten der Zusammenarbeit in
bezug auf die dringende Notwendigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung
jenes Kontinents angeht.
Obgleich
- 2 -

�Obgleich die Zeit sehr kurz bemessen ist, gibt es viel zu besprechen,
viel zu tun und viel zu gewinnen, wenn wir miteinander sprechen und zusammenarbeiten.
FRAGE:

Herr Präsident, wie Sie wissen, besteht in Portugal nach

wie vor ein starkes Interesse an den Entwicklungen in Afrika (insbesondere
1n unseren ehemaligen Kolonien) und an unseren Verpflichtungen gegenüber
dem Atlantischen Bündnis.

Können Sie uns angesichts der Tatsache, daß

viele internationale Krisengebiete heute außerhalb des traditionellen
Bereichs regionaler Besorgnisse der NATO liegen, einen Kommentar zu den
Vorteilen geben, die sich für die NATO aus einer eher weltweiten Strategie
ergeben werden?
ANTWORT: Die NATO wurde 1949 in Erwiderung auf das gegründet, was
man damals als eine weithin sichtbare Bedrohung ansah: den militärischen
Aufbau der Sowjetunion in Osteuropa und deren Pläne in Westeuropa. Dreißig
Jahre lang hat unser Bündnis allen expansionistischen Bedrohungen des
Bereichs des NATO-Vertrags widerstanden.
Die ganzen Jahre hindurch aber mußten unsere Völker über den eigentlichen
NATO-Bereich hinausgreifend auf sowjetische Aktionen in anderen Gebieten
der Erde und deren potentielle Auswirkungen auf die europäische Sicherheit
achten.

Diesbezügliche Sorgen haben sich innerhalb der Geschichte des

Bündnisses wiederholt ergeben.

So brachte beispielsweise im Juni 1974

die Erklärung des Nordatlantikrats von Ottawa - die im weiteren Verlauf
jenes Monats von den Staatschefs in Brüssel gebilligt wurde -, klar und
deutlich zum Ausdruck, daß die Interessen des Bündnisses auch von Ereignissen
in anderen Gebieten der Erde berührt werden können.
Die sowjetische Invasion Afghanistans hat diese Realität stärker
in den Vordergrund treten lassen als jedes andere Ereignis der jüngeren
Zeit.

Die Invasion, wiewohl sie außerhalb des Vertragsgebietes der NATO

- 3 -

�NATO stattfand, berührt die Ost-West-Beziehungen insofern, als sie eine
Bedrohung für Südwestasien und den Persischen Golf darstellt - eines
Gebietes, das für die Sicherheit des gesamten westlichen Bündnisses von
lebenswichtiger Bedeutung ist.
Diese neue Herausforderung für den Frieden ist so geartet, daß ihr
die NATO als ein Atlantisches Bündnis am besten dergestalt entgegentritt,
daß sie ihre eigentliche und primäre Mission erfüllt: Europa zu verteidigen. NATO-Mitgliedstaaten und unsere übrigen Freunde und Verbündeten
aber müssen ihrerseits bereit sein, als Partner für Frieden und Sicherheit
gemäß Ihren jeweiligen Fähigkeiten zu kooperativen Sicherheitsbemühungen
auch in anderen Teilen der Welt beizutragen. Die beste Methode, den Frieden
zu erhalten, besteht darin, jeder Aggression entschlossen entgegenzutreten.
FRAGE: Wie beurteilen die Vereinigten Staaten die demokratische
Entwicklung auf der iberischen Halbinsel und Insbesondere 1n Portugal?
In welchem Maße stärken diese Entwicklungen die Sicherheits- und
Verteidigungsrolle unseres Landes innerhalb der NATO-Struktur?
ANTWORT: Die Entwicklung der Demokratie in den iberischen Staaten
stärkt die Aussichten auf dauerhafte Stabilität und wirtschaftlichen
Fortschritt sowohl in Spanien als auch in Portugal. Wir wurden Zeuge,
wie sich beide Länder neue Verfassungen mit weitgehenden Schutzbestimmungen
für die Menschenrechte gaben, die die öffentliche Meinung befähigen,
ihre entscheidende politische Rolle zu spielen.
In Spanien erreichte der Übergang zur Demokratie im Dezember 1978
einen wichtigen Meilenstein, als das spanische Volk eine neue Verfassung
annahm, die eine konstitutionelle Monarchie mit einem souveränen Parlament
errichtete, dem der Präsident verantwortlich ist. Kaum vier Jahre nach
Francos Tod wurde das Nationale Parlament zum zweiten Mal gewählt jjnd_

�und konnten frei gewählte Stadtverwaltungen ihre Amtsgeschäfte zum
ersten Mal in vielen Jahren antreten.
Portugals politische Entwicklung seit der Revolution vom 25. April 1974
verlief ebenso bewundernswert.

Ich bin beeindruckt von dem Tempo, mit dem

sich das portugiesische Volk von den wirtschaftlichen und politischen
Schwierigkeiten der vorausgegangenen Jahre erholt hat.

Eine Verfassung

geschaffen zu haben, die den Menschenrechten soviel Aufmerksamkeit widmet
wie diese, ist ein gutes Omen für die Zukunft der Demokratie in Portugal.
Der ständige beharrliche Fortschritt in Richtung auf größere politische
Stabilität bereitet den Boden für erhebliche wirtschaftliche und soziale
Fortschritte in den künftigen Jahren.
Die Errichtung demokratischer Institutionen hat natürlich die Entwicklung
Portugals zu einem geachteten Mitglied der NATO beschleunigt. Das Verhalten
des portugiesischen Volkes während der letzten Jahre hat Portugals Ansehen
und Stimme in der Gemeinschaft der atlantischen Völker gestärkt. In
Würdigung der wichtigen Rolle Portugals innerhalb des Bündnisses tragen
die Vereinigten Staaten in beträchtlichem Ausmaß zur Ausrüstung der
portugiesischen Armee und Luftstreitkräfte bei. Wir arbeiten gemeinsam
mit den anderen Verbündeten innerhalb der NATO daran, eine Gewähr für
deren anhaltenden wirksamen Beitrag zur Modernisierung der portugiesischen
Streitkräfte im Interesse der gemeinsamen NATO-Verteidigung zu gewährleisten.
FRAGE:

Was planen Sie im Lichte der derzeitigen Situation als künftige

amerikanische Schritte zur Sicherstellung der Freilassung der amerikanischen
Geiseln in Teheran?

Inwieweit bedroht die Situation in Südwestasien (im

Iran und in Afghanistan) den Weltfrieden?
ANTWORT:

Das Festhalten von Diplomaten als Geiseln durch den Iran

verletzt alle Normen des Völkerrechts und des zivilisierten Verhaltens.
Während wir damit fortfahren, eine Vielfalt diplomatischer Kanäle zur

- 5 -

�zur Gewährleistung der sicheren Freigabe unserer Bürger verfolgen, suchen
wir dem Iran durch wirtschaftlichen Maßnahmen, die wir gemeinsam mit
unseren Verbündeten und anderen Nationen ergriffen haben, die greifbaren
Kosten eines solchen verantwortungslosen Verhaltens klarzumachen.

Wenn

die führenden Politiker des Iran tatsächlich das Interesse des iranischen
Volkes und das Wohlergehen ihrer Bürger als ihr erstes Ziel ansehen, dann
bin ich sicher, daß sich hieraus die Freigabe der Geiseln ergeben wird.
Aber selbst wenn wir von der Geisel frage einmal absehen, schafft
die mangelnde Stabilität im Iran eine unsichere Situation in einem
turbulenten und wichtigen Gebiet.

Die brutale Invasion Afghanistans

durch die Sowjets bedroht das strategische Gleichgewicht in diesem
kritischen Raum.

Die Maßnahmen, die unsere Verbündeten gemeinsam mit

Dutzenden anderer Länder ergriffen haben, dienen dem Zweck, der Sowjetunion
vor Augen zu führen, daß ihre Aggression - und für deren Vorgehen gibt
es kein anderes Wort - nicht ungestraft bleiben wird.

Gewiß werden unsere

Sorgen um die Sicherheit in Südwestasien und im Gebiet des Persischen
Golfes einen großen Raum in meinen Gesprächen mit Präsident Eanes und
Ministerpräsident Sa Carneiro einnehmen.

Portugals prinzipielle Antwort

auf die Krise im Iran und in Afghanistan war ebenso willkommen wie mutig.
Die Krise aber dauert an, und wir werden viel darüber zu sprechen haben.
FRAGE: Welche Aspekte der amerikanischen Diplomatie in Afrika bieten
Ihrer Meinung nach die beste Chance, dem langfristigen Einfluß der Sowjets
beziehungsweise dem Einfluß ihrer Handlanger auf den Kontinent entgegenzu wirken?
ANTWORT:

Die sowjetischen Aktivitäten in Afrika basieren auf einer

Mischung aus geopolitischen, strategischen und ideologischen Motivationen.
Ihr Ziel ist es, den sowjetischen Einfluß auf jede nur mögliche Art und
Weise auszuweiten, alle sich ergebenden Möglichkeiten zu nutzen und sich
mehr der militärischen als der wirtschaftlichen Hilfe zu bedienen.
Die

�Die Folgen

in jenen Gebieten aber, 1n denen die Sowjets Ihren

Einfluß am nachhaltigsten verstärken konnten - wie 1n Äthiopien und Angola -,
waren eine Intensivierung der Konflikte und Leiden.

Die Flüchtlinge, die

vor dem Kommunismus aus Kambodscha, Afghanistan und Kuba fliehen, sind die
unschuldigen Opfer der sowjetischen Einmischung.
Nach unserem Dafürhalten soll es den Afrikanern frei stehen, Ihre
Zukunft selbst zu gestalten. Demgemäß verfolgen wir eine Politik, die die
grundlegenden afrikanischen Aspirationen und Prioritäten anerkennt:
-

Selbstbestimmung;

-

Beendigung des Rassismus und der weißen Minderheitsherrschaft;

-

Aufrechterhaltung der territorialen Integrität; und

-

wirtschaftliche Entwicklung.

Wir Amerikaner können uns mit diesen Prioritäten identifizieren
und tun dies auch.
finanzielle

Wir fahren damit fort, unsere diplomatische

Unterstützung auf deren Förderung zu verwenden.

und

Diese

Haltung ist langfristig die wirksamste Antwort auf die Versuche der
Sowjets und ihrer kubanischen Handlanger, in Afrika und auf Kosten echter
afrikanischer Interessen und Bedürfnisse immer stärkeren Einfluß zu gewinnen.
FRAGE: Wir Europäer machen uns offensichtlich Sorgen über die
internationalen Sicherheitsvorkehrungen in bezug auf Kernwaffen -sei es
im Zusammenhang mit SALT und anderen Abrüstungsverhandlungen oder auch
mit den auf Computerversagen zurückzuführenden amerikanischen Verteidigungsalarm-Fällen. Können Sie ein*n Kommentar zu der Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen und den Möglichkeiten eines Kriegs aus Zufall geben?
ANTWORT:

�ANTWORT: Der weitere Ausbau der Rüstungsbeschränkungen Ist 1m
Grunde genommen eine Maßnahme, einen Konflikt aus Zufall zu verhindern.
Verhandlungen machen beispielsweise einen Dialog zwischen Gegnern möglich,
der ein generell größeres Verständnis fUr das militärische Denken und fUr
militärische Systeme wecken kann. RUstungsbegrenzungsabkommen tragen
darUber hinaus dazu bei, das Vertrauen zwischen beiden Selten auf spezifischen
Gebieten zu stärken - beispielsweise durch die Bestimmungen des SALT IIVertrages Über die vorherige Bekanntgabe gewisser Flugtests Interkontinentaler
Raketen. Wenngleich unser eigenes Warnsystem vollkommen ausreicht, einen
Angriff klar zu erkennen, Ist es nützlich, Informationen dieser Art als
Teil eines vertrauensbildenden Prozesses gegenseitig auszutauschen. Die
Verfahren zur Bekanntgabe von Truppenbewegungen und Übungen großen Stils
gemäß den Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahre 1975 tragen 1n ähnlicher
Welse zur Sicherheit Europas bei.
Auch wenn wir uns wegen der Computerfehler Sorgen machen, bestand
keine Möglichkeit eines aggressiven Gegenzuges seitens der Vereinigten
Staaten allein gestützt auf einen isolierten Hinweis auf eine Waffenkomponente.
Während jener beiden kurzen Alarmperioden verfuhr unser Personal nach
Standardverfahren und gelangte unverzüglich zu der Feststellung, daß kein
Angriff im Gange sei. Wir standen keineswegs unmittelbar davor, irgendwelche eigenen nuklearen Streitkräfte in Marsch zu setzen. Sämtliche
unserer Warn-Sensoren haben korrekt funktioniert; und das gleiche gilt
auch für die Verfahren, einen echten von einem falschen Alarm zu unterscheiden.
FRAGE: Der jeweilige Zustand der Wirtschaft hat schom immer eine
wichtige Rolle für den Ausgang amerikanischer Präsidentschaftswahlen
gespielt. Werden die Sorgen im eigenen Land in bezug auf die derzeitige
Wirtschaftslage (Rezession, steigende Arbeitslosigkeit und dergleichen)
das Übergewicht über die amerikanischen Anstrengungen im Ausland gewinnen sowohl was Ihre Wiederwahl als auch die Stoßrichtung der künftigen

�künftigen amerikanischen Priorität angeht?
ANTWORT:

Wenn Sie damit meinen, daß sich die Vereinigten Staaten

wegen der Sorgen um die heimische Wirtschaft nach innen orientieren werden,
dann ist die Antwort ein klares "Nein". Wir müssen eine wichtige und
verantwortliche internationale Rolle als Mitglied des Atlantischen Bündnisses,
der NATO, als uneingeschränkter Partner der Friedensbemühungen im Nahen
Osten und als eine verantwortungsbewußte und ständige Kraft der Aussöhnung
und des wirtschaftlichen Fortschritts spielen.
Unsere derzeitige binnenwirtschaftliche Situation würde mir natürlich
auch Sorgen bereiten, wenn 1980 kein Wahljahr wäre. Im wesentlichen
unterscheiden sich unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht von jenen,
mit denen auch die anderen Industriestaaten der Erde zu kämpfen haben.
Unsere Tagesordnung für das Gipfeltreffen in Venedig schloß solche
Wirtschaftsfragen von vorneherein ein - insbesondere die langfristige
Frage der Einsparung und Erzeugung von Energie und der Versorgung mit
Energiestoffen sowie den anhaltenden Kampf gegen die Inflation. In unserem
Zeitalter lassen sich binnen- und außenwirtschaftliche Prioritäten nicht
auseinanderhalten. Sie müssen beide im In- und im Ausland in dem gleichen
Verantwortungsbewußtsein und mit der gleichen Kreativität angegangen werden.
Sie erfordern eine offene Beurteilung und manchmal schwierige Entscheidungen,
die weit über ein Wahljahr hinausreichen.

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation

I 2

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

31

2. Juli 1980

GEMEINSAME AMERIKANISCH-PORTUGIESISCHE ERKLÄRUNG ZUM BESUCH CARTERS

LISSABON - (AD) - Nach den Gesprächen des amerikanischen Präsidenten
mit der portugiesischen Führung am 26. Juni 1980 wurde folgende gemeinsame
Erklärung veröffentlicht:
Jimmy Carter, Präsident der Vereinigten Staaten, besuchte am 26. Juni
Lissabon aufgrund der Einladung des Präsidenten von Portugal, Antonio
Raalho Eanes.

Der Besuch bot Gelegenheit zu Treffen zwischen den beiden

Präsidenten und zwischen Präsident Carter und Ministerpräsident Francisco
Sa Carneiro.
Präsident Carter und seine Gastgeber stellten mit Befriedigung
die enge Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Portugal fest,
die sich auf die seit langer Zeit bestehenden Bande der Freundschaft,
auf die gemeinsame Verpflichtung gegenüber den demokratischen Werten und
auf die Partnerschaft im NATO-Bündnis gründet. Sie besprachen internationale
Fragen, einschließlich der Lage in Afghanistan, im Iran und im Nahen Osten,
neue Formen der Koordination und Konsultation zwischen den westlichen

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�westlichen Ländern sowie die amerikanisch-portugiesische Zusammenarbeit
zur Stärkung der westlichen Sicherheit, einschließlich der Entwicklung
und Konservierung von Energiequellen.
Präsident Carter betonte Portugals überaus positive Beiträge zum
westlichen Bündnis und beglückwünschte den Präsidenten und den Ministerpräsidenten zu ihrer kraftvollen Führung bei der Entwicklung der portugiesischen Demokratie.

Er würdigte insbesondere die rasche Reaktion der

protugiesischen Regierung auf die bewaffnete sowjetische Invasion und
Besetzung Afghanistans.

Die Führer stimmten überein, daß diese sowjetische

Maßnahme in flagranter Verletzung der Charta der Vereinten Nationen den
internationalen Frieden schwer gefährdet und eine große strategische
Herausforderung darstellt, die die lebenswichtigen westlichen Interessen
in Südwestasien und in der Region des Persischen Golfs berührt.
In Einklang mit dieser gemeinsamen strategischen Beurteilung sehen
die Führer die Anwendung konkreter politischer, wirtschaftlicher und
kommerzieller Maßnahmen als unabdingbar an, um der Sowjetunion die Notwendigkeit eines sofortigen und vollständigen Rückzugs ihrer Truppen
aus Afghanistan vor Augen zu stellen.
Parallel zu dieser Ansicht begrüßten die Führer die konzertierten
Schritte, die die NATO derzeit verfolgt, um die gemeinsamf
Verteidigung in Beantwortung der strategischen Herausforderung zu stärken,
vor der alle westlichen Verbündeten stehen, und unterstrichen ihre
Verpflichtung zur frühestmöglichen Erfüllung der Zielsetzungen, wie
sie im Langfristigen Verteidigungsprogramm der NATO zum Ausdruck kommen.
Angesichts der amerikanischen Verpflichtung, Mittel zum Aufbau eines
Sicherheitsrahmens im Gebiet von Südwestasien und in der Region des
Persischen Golfs bereitzustellen, erkennen sie weiterhin die Nützlichkeit
angemessener Konsultationen zwischen den westlichen Verbündeten hinsichtlich
der Sicherheitserfordernisse innerhalb des NATO-Bereichs an.
Präsident
- 2 -

�Präsident Carter wiederholte seine und des gesamten amerikanischen
Volkes Wertschätzung für die offene Unterstützung Portugals bei der
internationalen Anstrengung, die Freilassung der im Iran ungeachtet
des Völkerrechts und universell anerkannter Anstandsregeln festgehaltenen
amerikanischen Geiseln sicherzustellen.

Die Führer betonten, daß das

Prinzip der Herrschaft des Rechts, das für die Gesundheit und Stabilität
der Weltgemeinschaft so entscheidend ist, in dieser Krise auf dem Spiel
steht.

Sie stellten gemeinsam fest, daß eine dauernde Gefangenhaltung

der Geiseln das internationale Ansehen des Iran weiter untergraben
wird, und unterstrichen übereinstimmend die Notwendigkeit, die Wirtschaftssanktionen gegenüber dem Iran beizubehalten, sowie die von den
internationalen Körperschaften unternommenen Anstrengungen als ein Mittel,
die iranischen Autoritäten von der unversehrten Freilassung aller Geiseln
zu überzeugen.
Anderen Aspekten gemeinsamen Interesses zugewandt,betonten beide
Seiten die Bedeutung der Erzielung eines umfassenden und dauerhaften
Friedens im Nahen Osten, der die Interessen aller beteiligten Parteien
in Rechnung zieht.
Präsident Carter begrüßte die konstruktiven Einsichten und Vorschläge,
die Präsident Eanes und Ministerpräsident Sa Carneiro hinsichtlich der
kritischen Probleme der Ost-West- sowie der Nord-Süd-Beziehungen boten.
Insbesondere rühmte Präsident Carter die Anstrengungen Portugals zur Stärkung
der Bindungen mit Afrika, vor allem mit den portugiesischsprachigen
afrikanischen Staaten.

Sie waren sich einig, daß es nützlich sei, die

amerikanisch-portugiesischen Konsultationen über Möglichkeiten zu intensivieren,
wie beide Länder für mehr Frieden, Freiheit und Wohlergehen arbeiten können.

+ + + + +

- 3 -

�31

2. Juli 1980

ERKLÄRUNG CARTERS NACH DER RÜCKKEHR AUS EUROPA

WASHINGTON - (AD) - Bei seiner Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews gab Präsident Carter am 26. Juni 1980 nach seiner Europareise folgende Erklärung ab:
Lassen Sie mich zunächst sagen, daß Rosalynn, ich, Amy und alle
anderen hier sehr froh darüber sind, wieder zurück in den Vereinigten
Staaten zu sein.

Wir hatten eine sehr lange und, wie ich glaube, produktive

und erfolgreiche Reise.

Seit ich dieses Land vor einigen Tagen verließ,

hatte ich die Gelegenheit zu ausführlichen Gesprächen mit den Führungspersonen von neun verschiedenen Staaten - nicht nur mit den Staats- und
Regierungschefs, sondern auch in manchen Fällen mit den Führern der
Oppositionsparteien und denjenigen, die derzeit oder in Zukunft ebenfalls
die Regierung stellen.

Wir trafen auch mit dem Präsidenten der Europäischen

Gemeinschaft zusammen und hatten ausführliche Gespräche mit dem Papst im
Vatikan.

In

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Telex: 08-85432

�In Jugoslawien brachten wir unsere tiefe Verpflichtung gegenüber
der Integrität, der Einheit und der Sicherheit dieses Landes zum Ausdruck,
das nunmehr seit dem unglücklichen Ableben von Präsident Tito gute Fortschritte macht.

Die neue Regierung scheint stark und fest zu sein, alles

unter Kontrolle zu haben und hingebungsvoll zu sein.

Natürlich boten wir

ihnen für die zukünftige Stabilität und Integrität dieses großartigen
Landes unsere Unterstützung an.

In Italien teilen wir mit Ministerpräsident

Cossiga und Präsident Pertini die gemeinsame Grundlage, auf der wir unsere
eigenen Hoffnungen für die Zukunft bauen.

Die Italiener vollbrachten

bei der Vorbereitung der Konferenz von Venedig eine großartige Leistung;
dort trafen wir mit den führenden Staatsmännern nicht nur von Italien und
der Europäischen Gemeinschaft, sondern auch mit jenen Deutschlands,
Frankreichs, Großbritanniens, Kanadas und Japans zusammen.
Ich hatte auch Gelegenheit, mich in den beiden neuen Demokratien
Spanien und Portugal aufzuhalten - beide zwar altehrwürdige Länder, aber
erst seit kurzem im demokratischen Prozeß. Ich brachte ihnen gegenüber
die Dankbarkeit unseres eigenen Landes zum Ausdruck sowie unsere Bewunderung
über den raschen Wandel hin zu einer wirklich demokratischen Regierung.
Auch konnte ich mit ihnen fruchtbare Gespräche führen: Wir alle waren
uns in einem bemerkenswerten Ausmaß einig darüber, daß die siebziger Jahre
für uns leidvolle Erfahrungen mit sich brachten, mit sich rasch ändernden
wirtschaftlichen und sonstigen Umständen, daß wir aber in den achtziger
Jahren vor noch größeren Herausforderungen stehen. Alle Führungspersonen
erkennen, daß es schmerzliche Entscheidungen zu treffen gilt, daß aber
unsere Völker stark und mutig, entschlossen und geeint genug sind, um
diese Entscheidungen zu fällen, sogar dann, wenn dabei unsererseits einige
Opfer gebracht werden müssen sowie einige Anpassungen bei den gegenseitigen Wünschen und Bedürfnissen.
Wir erkennen, daß wir die Verkettung zwischen zukünftigem wirtschaftlichem Wachstum und Energieabhängigkeit aufbrechen müssen; mit anderen

- 2 -

�anderen Länder bei der Verfolgung von Frieden und Stabilität für alle
Völker hinzufügen wird.
In dieser Hinsicht betonte Präsident Carter seine Freude über den
Fortschritt hinsichtlich des Beitritts Spaniens zur Europäischen Gemeinschaft,
der die westliche Solidarität stärken und den Aufbau eines stärkeren und
einigeren Europas vervollständigen wird.
Beide Staatsmänner brachten die Hoffnung zum Ausdruck, daß eine
ausgewogene Fortführung der Madrider Konferenz die Schaffung eines für
Dialog und Kooperation günstigen Klimas erlauben wird und daß die Konferenz
die Wiederherstellung des gegenseitigen Vertrauens fördern und Fortschritt
auf dem Weg zu Entspannung und Frieden ermöglichen wird.
Präsident Carter brachte seine Befriedigung über die umfangreiche
Arbeit zum Ausdruck, die Spanien als Gastgeber der KSZE-Folgekonferenz
in Madrid übernimmt.
Beide Staatsmänner untersuchten Möglichkeiten zur Stärkung der
westlichen Solidarität angesichts der ernsten Bedrohung, die die sowjetische
Aggression in Afghanistan darstellt. Sie untersuchten die Bedeutung der
sowjetischen Ankündigung des Abzugs einiger Streitkräfte aus Afghanistan
und unterstrichen erneut, daß nur der vollständige Abzug der sowjetischen
Truppen und Garantien für Blockfreiheit sowie die Respektierung der Freiheit
des afghanischen Volkes zur Verdeutlichung seiner politischen Wünsche
die notwendigen Elemente für eine endgültige Lösung des Konflikts darstellen.
Präsident Carter brachte sein Verständnis für Spaniens Rolle hinsichtlich seiner Beziehungen zur arabischen Welt sowie für die Anstrengungen
von Präsident Suarez bei seinen internationalen Kontakten und seinen
Reisen in den Nahen Osten zum Ausdruck. Die beiden Führungspersönlichkeiten

- 3 -

�Führungspersönlichkeiten unterstrichen ihren gemeinsamen Wunsch nach
einem Beitrag zu einer gerechten und friedlichen Lösung der Probleme in
dieser Region.
Präsident Carter brachte seine Wertschätzung und den Dank des
amerikanischen Volkes für die Unterstützung und die Schritte Spaniens
in bezug auf die sofortige Freilassung der im Iran unrechtmäßig festgehaltenen amerikanischen Geiseln zum Ausdruck.
Der Präsident der spanischen Regierung erklärte, daß Spanien seine
Maßnahmen zur Unterstützung der internationalen Anstrengungen für eine
positive Lösung des Problems fortsetzen werde.

Die beiden Präsidenten

stimmten darin überein, daß die Respektierung des Völkerrechts für den
angemessenen Unterhalt internationaler Beziehungen und für die Lösung
der gegenwärtigen Krise unabdingbar ist.
Präsident Carter beschrieb die Ergebnisse, die auf dem jüngsten
Gipfeltreffen in Venedig erzielt wurden. Angesichts der von den beiden
Regierungen geteilten Bedenken hinsichtlich der weltweiten Energiekrise
und ihrer negativen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen bot
Präsident Carter Spanien an, bei Forschung und Entwicklung von alternativen Energiequellen - ein Feld, auf dem die Vereinigten Staaten derzeit große Anstrengungen unternehmen - mitzuarbeiten und Nutzen daraus zu
ziehen.
Die beiden Staatsmänner waren einer Meinung hinsichtlich der Bedrohung,
die der Terrorismus für den Frieden, die Stabilität und den Fortschritt
in der heutigen Welt darstellt.
Auf dem Gebiet der bilateralen Themen brachten die beiden Präsidenten
ihre Freude über den Zustand der gegenseitigen Beziehungen zum Ausdruck
und unterstrichen ihre Befriedigung angesichts der positiven Haltung

- 4 -

�Haltung beider Parteien hinsichtlich der Suche nach einem vertraglichen
Rahmenwerk für die zukünftigen Beziehungen zwischen beiden Ländern, das
die neuen politischen Bindungen in Spanien in Rechnung stellt.
Die beiden Seiten prüfen den Zustand der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
den beiden Ländern und brachten ihre Absicht zum Ausdruck, in dieser
Richtung fortzufahren und gleichzeitig auf ein Ende des gegenwärtigen Ungleichgewichts beim Handelsaustausch hinzuarbeiten.

+ + + + +

- 5 -

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                    <text>9. Juli 1980

INHALT

INFORMATION
Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet
DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht
HINTERGRUNDMATERIAL
Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft
- von James G. Lowenstein überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms
- Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen
- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos

Um Über/endung von
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gebeten

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�Information

3

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32

9. Juli 1980

SYNTHESEBRENNSTOFF-GESETZ VON PRÄSIDENT CARTER UNTERZEICHNET

- (AD) - Das Gesetz Über die mit vorerst 20 Milliarden Dollar
aus der Staatskasse zu fördernde großtechnische Produktion von synthetischen
Brennstoffen unterzeichnete President Carter am 30. Juni 1980 1m Rahmen
einer Feierstunde 1m Weißen Haus. Der Kongreß hatte Ende Juni das Kernstück eines schon vor einem Jahr vom Präsidenten eingebrachten Gesetzwerks zur künftigen Energiepol1t1k der Vereinigten Staaten verabschiedet.
Es Ist darauf abgestellt, die Abhängigkeit der USA von Importöl drastisch
zu verringern und die Energieversorgung in höchstmöglichem Umfang aus
einheimischen Quellen zu bestreiten.
Der Präsident bezeichnete die Inkraftsetzung des SynthesebrennstoffGesetzes als einen "stolzen Tag" für Amerika. "Der Grundpfeiler unserer
nationalen Energiepolitit wird endlich gesetzt. Unsere unerträgliche
Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere wirtschaftliche Sicherheit
und unsere nationale Sicherheit. Die Energiesicherheit Amerikas ist
der Schlüssel für beides, denn alle drei sind Glieder ein- und derselben
Kette."
Der

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�Der Präsident verwies darauf, daß er mit dem Augenblick seiner
Amtsübernahme im Energieproblem eine ernste Gefahr für Leben und Existenz
der Amerikaner gesehen habe.
die Inflation.

Denn der hohe Preis des Importöls treibe

Mit der Inflation komme Arbeitslosigkeit und sinkende

Produktivität im eigenen Land und Mangel und Armut in weniger entwickelten
Ländern.
"Dies sind die harten Tatsachen", erklärte der Präsident, "und
es fiel uns schwer, uns ihnen zu stellen.

Aber in den vergangenen

12 Monaten haben Amerikaner aller Schichten und von allen Regierungsebenen unsere Entschlossenheit zu erkennen gegeben, daß unser Land
mehr Energie produzieren, entdecken, nutzen und sparen wird - und wir
werden dies mit amerikanischen Ressourcen, amerikanischem Wissen und
Können und amerikanischer Arbeitskraft tun.
Die Verabschiedung des Energiesicherungsgesetzes ist der Glanzpunkt unserer Anstrengungen, eine umfassende nationale Energiepolitik
zu entwickeln und durchzusetzen, nämlich
-

eine Politik, die unseren Energieproblemen gerecht wird;

-

eine Politik, die unser Programm für die Zukunft vorzeichnet;

-

eine Politik, die uns die Waffen an die Hand gibt, um den Energiekrieg zu wagen und zu gewinnen....

Alles in allem wird das Energiesicherungsgesetz in diesem Jahrzehnt
das größte Engagement in bezug auf Kapitalinvestitionen, Technologie,
Arbeitseinsatz und Ressourcen seit dem Raumfahrtprogramm in Gang setzen es wird an Umfang sogar die koordinierten Programme weit in den Schatten
stellen, die uns zum Mond brachten und mit denen wir unser Fernstraßennetz
gebaut haben."
Die

�Die Vereinigten Staaten haben, wie Präsident Carter erklärte, seit
1977 ihre ölimporte um mehr als 1,5 Millionen Barrel (Barrel = Faß mit
159 Litern) pro Tag verringert.

In der ersten Hälfte dieses Jahres

lagen die Importe um 12,9 Prozent unter denen von 1979; der Benzinverbrauch
ging um acht Prozent, der gesamte Ölverbrauch um mehr als neun Prozent
zurück.

Die einheimische Rohöl Produktion steigt wieder an. Und im

ersten Quartal 1980 wurden 16 Prozent mehr amerikanische Kohle gefördert
- Kohle, die in den USA reichlich vorhanden ist und wichtiger Rohstoff
für Synthesebrennstoffe sein wird.
Der Präsident verwies darauf,daß das neue Gesetzeswerk, das mehr
Möglichkeiten zum Energiesparen eröffne und eine neue Industrie zur
Energieproduktion ins Leben rufe, durch die Planung, den Bau und den
Betrieb von Synthesewerken, deren Versorgung mit Rohstoffen sowie die
Gewinnung von Alkohol und anderen Biomasse-Brennstoffen jährlich mindestens
70 000 neue Arbeitsplätze schaffe. Tausende weiterer Arbeitsplätze werden
sich durch die Programme zur Energieeinsparung und Nutzung der Sonnenenergie
sowie durch die indirekten Auswirkungen aller Programme ergeben.
Das Gesetz verfügt die Einsetzung einer staatlichen Gesellschaft
zur Förderung aller notwendigen Maßnahmen, um bis 1992 einen Tagesausstoß
von zwei Millionen Barrel synthetischer Brennstoffe durch Kohleumwandlung,
die Extraktion von öl aus Ölschiefer und Teersanden und durch andere
Mittel zu erreichen. Die Bank für Sonnenenergie und Energieeinsparung
wird mehr als drei Milliarden Dollar in direkten Subventionen an Privathaushalte und Betriebe für Energie-Sparmaßnahmen und zur Nutzung regenerierfähiger Energiequellen geben. Die USA streben an, bis zum Jahr 2 000
etwa 20 Prozent des Energiebedarfs mit Sonnenenergie zu decken. Mit
mehr als einer Milliarde Dollar wird die Produktion von Brennstoffen
wie GAS0H0L (Benzin-AIkohol-Mischkraftstoff) aus Getreide und anderer
"Biomasse" gefördert. Allein im laufenden Jahr wollen die USA ihre
GASOHOL-Produktionskapazität vervierfachen.
In
- 3 -

�In dem Gesetz sind mögliche Umweltprobleme berücksichtigt, die sich
im Zusammenhang mit der intensivierten Energieproduktion und massiven
Kohleverwertung ergeben können.

Es sieht deshalb u.a. die Fertigstellung

einer umfassenden Studie über säurehaltigen Regen und andere Auswirkungen
der Verbrennung fossiler Brennstoffe auf Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft
vor.
Die Entscheidung über die Einsetzung einer "Energie-MobilisierungsKommission" (Energy Mobilisation Board) steht noch aus.

Die entsprechende

Gesetzesvorlage wurde am 27. Juni noch einmal an den Vermittlungsausschuß
des Kongresses zurückverwiesen.

Präsident Carter richtete einen dringenden

Appell an den Kongreß, die Frage umgehend zu behandeln und ein Gremium
einzusetzen, das Genehmigungsverfahren beschleunigt und für angemessenen
Umweltschutz sorgt.

Auch die Vorlage über die forcierte Umstellung

von ölheizkraftwerken auf Kohle (ein 10-Milliarden-Dollar-Projekt) sollte
nach Ansicht des Präsidenten unverzüglich verabschiedet werden.

+ + + + +

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

32

9. Juli 1980

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR REGISTRIERUNGSPFLICHT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 2. Juli 1980
eine Proklamation unterzeichnet, mit der die Registrierung männlicher
amerikanischer Bürger im Alter von 19 und 20 Jahren für eine eventuelle
Wehrpflicht eingeführt wird. Bei der Unterzeichnung betonte Präsident
Carter ausdrücklich, daß es sich nur um eine Registrierung handle und
für die Wiedereinführung der Wehrpflicht ein eigenes Gesetz verabschiedet
werden müßte.
Die Erklärung des Präsidenten bei der Unterzeichnung hat folgenden
Wortlaut:
Heute vormittag unterzeichne ich eine Proklamation über die Durchführung des Registrierungsgesetzes, das der Kongreß kürzlich verabschiedet
hat. Ich möchte gleich zu Anfang sagen, daß der Kongreß eine sehr kluge
Entscheidung getroffen hat. Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz, das jetzt verabschiedet wurde und in Kraft tritt, keine Kriegsdrohung bedeutet, sondern der Erhaltung des Friedens dient.
Die

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Te|ex:

�Die Maßnahme, die von unserem Lande - wie von fast allen anderen
Ländern der demokratischen Welt - ergriffen wurde, soll dazu dienen, den
Frieden zu erhalten.

Wir sind zutiefst besorgt über die ungerechtfertigte

und verwerfliche Invasion Afghanistans durch die Sowjetunion und die
sowjetische Besetzung dieses unschuldigen und wehrlosen Landes, die
völlig unberechtigt ist.
Wir haben eine Reihe von Schritten unternommen - wirtschaftliche,
diplomatische, politische und militärische Schritte -, um die Sowjetunion
davon zu überzeugen, daß ihr Handeln schlecht beraten ist, und sie
zu ermutigen, ihre Truppen aus Afghanistan abzuziehen, und auch um eine
weitere Aggression zu verhindern, falls die Sowjets sich zu einer solchen
versucht fühlen sollten.

All die Maßnahmen, die wir ergriffen haben,

sind ihrer Natur nach friedlich, und wir fühlen uns weiterhin einer
friedlichen Lösung von Streitfällen verpflichtet.
Die Freiheitskämpfer in Afghanistan, die nach der Befreiung ihres
Landes streben, verdienen die Bewunderung der ganzen Welt, und ihr Mut
und ihre Ausdauer sind für sich allein schon das stärkste Gegenmittel
gegen einen Erfolg der sowjetischen Aggression.
Ich möchte betonen, daß das Registrierungsgesetz nicht die Wehrpflicht
bedeutet. Ich bin gegen eine Wehrpflicht in Friedenszeiten. Dieses
Registrierungsgesetz wird ganz wesentlich dazu beitragen, den Widerstand
unseres eigenen Landes aufzurufen, um nicht der Versuchung zu erliegen,
die zum Krieg und damit zur Wehrpflicht führen könnte. Die einzige Zeit,
in der ich an die Unterbreitung eines Wehrpflichtgesetzes im Kongreß
denken könnte, wäre eine Zeit des Krieges oder eine Zeit des nationalen
Notstandes, und in einem solchen Falle, wenn die Sicherheit unseres
Landes bedroht ist, wäre eine getrennte gesetzliche Maßnahme durch den
Kongreß notwendig - ein eigenes Gesetz, um unter solchen Umständen
die Wehrpflicht einzuführen.
Ich
- 2 -

�Ich darf sagen, daß wir uns weiterhin auf die Meldung von Freiwilligen
für die Streitkräfte zur Verteidigung unseres Landes verlassen werden.

Im

übrigen werden wir durch den Haushalt 1981 und durch eine Reihe von
Gesetzen, die einige der Mitglieder des Kongresses, die hinter mir stehen
und wir selbst eingebracht haben, dem Verteidigungshaushalt rund eine
Milliarde Dollar hinzufügen, um zusätzliche Freiwilligenmeldungen von
hochbegabten jungen Männern und Frauen zu bewirken und auch dafür zu
sorgen, daß jene gut ausgebildeten Soldaten länger im Militärdienst
bleiben.
Lassen Sie mich abschließend sagen, daß nach Unterzeichnung dieser
Proklamation junge Männer, die in den Jahren 1960 und 1961 geboren wurden,
sich bei den Postämtern ihrer jeweiligen Gemeinden melden müssen. Das
bedeutet nicht, daß sie eingezogen werden. Es bedeutet, daß wir den
Prozeß beschleunigen, durch der - sollte in Zukunft eine Zeit
des Notstandes oder eine Bedrohung unserer nationalen Sicherheit oder eine
Zeit des Krieges eintreten - die Mobilisierung unseres Verteidigungsmechanismus in Gang gesetzt werden kann. Es handelt sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die dazu dient, unser Land stark zu machen und den Frieden
zu erhalten.
Ich möchte um die Unterstützung aller Amerikaner für diesen Schritt
bitten: der Amerikaner, die registriert werden, und der Amerikaner aller
Altersstufen, die an ein starkes Amerika glauben, die an den Patriotismus
glauben, die an die Erhaltung des Friedens durch Stärke glauben.
Ich möchte jetzt die Proklamation unterzeichnen, die das RegistHerungsgesetz in Kraft setzt.

Und ich möchte jenen Mitgliedern des Kongresses

meinen Dank aussprechen, die so klug und mutig für dieses Gesetz gestimmt
haben.
Ich danke Ihnen.
+ + + + +

- 3 -

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9. Juli 1980

32

GEDANKEN ZUR TRANSATLANTISCHEN PARTNERSCHAFT
von James G. Lowenstein

James G. Lowenstein ist Botschafter
der USA in Luxemburg. Der Artikel
basiert auf einer Ansprache, die der
Verfasser kürzlich vor dem Politischen
Ausschuß der Ncrdatlantischen
Gesellschaft gehalten hat.

Wir Amerikaner sind stolz auf die Rolle, die wir bisher in Europa
gespielt haben. Wir sind der Ansicht, daß es ohne unsere Hilfe nicht
möglich gewesen wäre, die allgemeine Weltordnung dreißig Jahre lang
angesichts der ernsten Drohungen derjenigen aufrechtzuerhalten, die sie
in einer Weise zu verändern wünschen, die für die demokratischen Gesellschaften
unannehmbare Folgen mit sich gebracht haben würde. Große Befriedigung
ziehen wir Amerikaner aus der Tatsache, anderen mehr Wirtschaftshilfe gegeben
zu haben als irgendein anderes Land, mehr Nahrungsmittel verteilt, mehr
Menschen aus anderen Ländern ausgebildet und mehr Einwanderer wi11 kommen

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�willkommen geheißen zu haben.
Aber für diese dreißig Jahre des Friedens und des Wohlergehens mußte
ein hoher Preis entrichtet werden.

Es ist ein Preis, den die Amerikaner

nicht mehr allein zu zahlen bereit sind.

Und da eine lebensfähige

amerikanische Politik von der Unterstützung des amerikanischen Volkes
abhängt und diese Unterstützung sich wiederum auf die amerikanische
Vorstellung gründet, daß Europa sein Teil dazutut, hängt nunmehr die
Rolle Amerikas im Bündnis im gleichen Maß von Ihnen ab wie von uns.

Aber

ist dies nicht schließlich das Wesentliche einer Partnerschaft?
Wenn es um die weitere amerikanische Unterstützung für die NATO
geht, so ist die Vorstellung in den Vereinigten Staaten, daß uns unsere
europäischen Partner unterstützen, von der gleichen Bedeutung wie die
Vorstellung in Europa, daß die amerikanische Verpflichtung zu Europas
Verteidigung unverändert gilt.
Und meiner Meinung nach ist es gerade der Zustand dieser wechselseitigen Vorstellungen - bzw^ dieser falschen Vorstellungen -, von dem
man sagen könnte, er sei im Mittelpunkt all der Spannungen, die derzeit
in den amerikanisch-europäischen Beziehungen herrschen.
Der derzeitige Unterschied bei den Auffassungen dreht sich um Iran
und Afghanistan. Von unserem Standpunkt aus gesehen ergibt sich folgendes
Bild: obwohl Sie unsere Entrüstung über die Geiselnahme und das Festhalten
der amerikanischen Diplomaten teilen und mit uns einer Meinung sind, daß
die derzeitige Instabilität im Iran eine strategische Bedrohung darstellt,
fürchten Sie doch, daß unsere Reaktion das Risiko in sich birgt, den Iran
in die Arme Moskaus zu treiben. Was Afghanistan angeht, so teilen Sie
unserer Meinung nach zwar unsere Bedenken darüber, daß die sowjetische
Invasion eine Bedrohung des Zugangs zum öl des Persischen Golfs darstellt,
daß sie auf eine größere Bereitschaft der Sowjetunion zur Anwendung

�Anwendung militärischer Gewalt schließen läßt, einen Wandel in den Absichten
Moskaus signalisiert und die Verwundbarkeit des Westens unterstreicht; zugleich
stimmen Sie mit einigen der von uns vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen nicht
überein, vor allem nicht mit vielen der wirtschaftlichen Maßnahmen, für
die wir uns stark gemacht haben - Getreide, Technologie, Olympische
Spiele. Wir sind der Meinung, daß diese Wirtschaftssanktionen dazu
beitragen, die Sowjets von weiteren Abenteuern abzuschrecken. Viele von
Ihnen glauben, daß sie die Sowjets nur bestrafen sollen, daß sie unwirksam
sind und innenpolitisch Opfer bei Handel und Beschäftigung mit sich
bringen, was bei Ihnen zu Hause ernsthafte wirtschaftliche und politische
Probleme verursachen könnte.
Zusammengefaßt: wir tendieren dazu, in Europa einen Mangel an
politischer Bereitschaft zu erkennen, während Sie dazu neigen, in Washington
Unstetigkeit und Unentschlossenheit auszumachen.
Wie sieht die Lösung aus? Wir können diese unterschiedlichen
Auffassungen überbrückt werden? Wir erkennen keine rasche und leichte
Methode, um zu lösen, was in der Tat ein chronisches Problem ist.
Unserer Ansicht nach gilt etwas seit dem Bestehen dieses Bündnisses
- e i n Bündnis, das ein Harvard-Professor namens Henry Kissinger in einem
1965 geschriebenen Buch "The Troubled Partnership" nannte - (im Deutschen
hat das Buch den Titel : "Was wird aus der westlichen Allianz?"d. Red.), daß
nämlich Ruhe, Verläßlichkeit und umfassende Konsultation notwendig sind,
wobei alle Bündnispartner Bereitschaft nicht nur zur Information und
zum Zuhören zeigen, sondern auch zur Anpassung an die Bedenken der
anderen Partner, bevor größere Entscheidungen getroffen werden, die auch
diese anbelangt.
Eine der Sorgen unserer europäischen Verbündeten besteht, wie wir
wissen, darin, wie die Invasion Afghanistans unser Konzept der Ost-WestBeziehungen langfristig beeinflußt.

Kurz: sind wir zum Kalten Krieg

- 3 -

�Krieg zurückgekehrt, und - wenn dem nicht so ist - wollen wir das?

Ich

habe das Außenministerium um eine Antwort auf diese Frage gebeten.

Hier sind

die wesentlichen Elemente der Erwiderung:
Erstens:

Während wir beabsichtigt haben, die Sowjets einen hohen

Preis zahlen zu lassen, von dem wir hoffen, er möge mit dazu beitragen,
vor ähnlichen Schritten anderswo abzuschrecken, waren die von uns
getroffenen Maßnahmen zugleich darauf gerichtet, uns dem Ziel eines
vollständigen Abzugs der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan näherzubringen.
Zweitens: gleichzeitig haben wir ein anhaltendes Interesse an einer
Ausgestaltung der Beziehung zur Sowjetunion, bei der der grundlegende
Wettbewerb durch Zurückhaltung eingeschränkt wird.
'•

Drittens: Mit der Verhängung von Sanktionen haben wir kein einziges
unserer formellen Abkommen mit der Sowjetunion aufgehoben. Das Rahmenwerk
für eine stabilere, für beide Seiten nützliche Beziehung bleibt erhalten.
Viertens: Wir bleiben auch weiterhin Verhandlungen mit den Sowjets
über Rüstungskontrolle verpflichtet. Obgleich wir die politischen
Schwierigkeiten einer Ratifizierung in nächster Zukunft erkennen, so bleiben
wir doch dem SALT II-Vertrag verpflichtet und haben die Absicht, keine
Maßnahmen zu ergreifen, die dem Zweck oder dem Ziel des Vertrags zuwiderlaufen oder die im Widerspruch zum SALT I-Zwischenabkommen stehen,
überdies haben wir unsere Bereitschaft zu erkennen gegeben, in Verhandlungen
über weitreichende nukleare Mittel Streckensysteme (LRTNF) im Rahmen von
SALT III einzutreten und einen vorbereiteten Meinungsaustausch sogar noch
vor der Ratifizierung von SALT II abzuhalten. Wir bedauern nur, daß sich
die Sowjets nicht zu einer positiven Reaktion bereitfinden konnten.
Fünftens

- 4 -

�Fünftens:

Ohne eine Rückkehr zu normalen Geschäftsbeziehungen

zu siganlisieren, erkennen wir doch die Bedeutung der Offenhaltung von
Kommunikationskanälen zu den Sowjets, wie dies durch das Treffen von
Außenminister Muskie mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko in
Wien belegt wurde.
Sechstens: Gleichzeitig haben wir unsere Politik der verstärkten
Bande mit Osteuropa fortgesetzt. Wir beabsichtigen, die Suche nach
verbesserten Beziehungen zu allen osteuropäischen Ländern fortzusetzen
und zwar in dem Maß, in dem sie unser Interesse erwidern und die Bereitschaft dafür zeigen, unsere Bedenken in Rechnung zu stellen. Obgleich wir
jedoch nicht darauf bestehen, daß die Staaten des Warschauer Paktes
unsere Ansichten zu den Ereignissen in Afghanistan teilen, so würden es
doch Schritte ihrerseits, die zur Untergrabung der von uns hinsichtlich
unserer Bezeihungen mit der Sowjetunion getroffenen Maßnahmen dienen würden,
für uns in zunehmendem Maß schwieriger machen, mit den Politiken fortzufahren, die zwischen einzelnen osteuropäischen Staaten und der Sowjetunion
unterscheiden.
Und siebtens:

wir haben erneut unsere Verpflichtung gegenüber dem

KSZE-Prozeß bekräftigt, den wir nicht nur als Teil eines Rahmenwerks
ansehen, der dabei helfen kann, zur Entwicklung einer stabileren Beziehung
zur Sowjetunion beizutragen, sondern auch als einen Prozeß, der auf
konstruktive Weise die osteuropäischen Völker mit einbezogen hat.
Es scheint mir, als stellten diese Elemente kein Rezept für eine
Rückkehr zum Kalten Krieg dar.
Und dennoch besteht die europäische Presse seit einigen Monaten
auf dem Gegenteil.

Mir scheint, einer der Gründe für das Problem der

unterschiedlichen Auffassungen in den Vereinigten Staaten und in Europa
ist die Berichterstattung über Europa in der amerikanischen Presse und

- 5 -

�und über die Vereinigten Staaten in den europäischen Medien. Mein
Eindruck ist, daß die amerikanische Presse nicht nur unzureichend über die
technologischen Fortschritte berichtet, die die europäischen Länder machen
sowie über deren gesellschaftliche Konsequenzen, sondern daß ihre Berichterstattung über das politische Geschehen in Europa sich dem anzuschließen scheint, womit die amerikanische Regierung im Augenblick besonders
beschäftigt ist.

Im letzten Jahr war dies vor allem abwechselnd das

TNF-Problem, Iran und Afghanistan. Aber die Europäer machen sich zumindest ebenso viele Sorgen um den Nahen Osten und um das Erdöl, um die
Stahlpreise und um Dollarschwankungen.

Liest man die amerikanische Presse,

so kann man dies nicht einmal erahnen, und ich finde in der amerikanischen
Presse nur sehr wenige Analysen und Kommentare darüber, in welcher Beziehung
Themen der Außenpolitik zu den innenpolitischen Sorgen in Europa stehen.
Was die Berichterstattung in der europäischen Presse über die Vereinigten
Staaten anbelangt, so kommt sie mir oft genug oberflächlich vor. Ein
Europäer, der über die Vereinigten Staaten liest, hat nur eine sehr
vage Vorstellung von der Vielfalt der amerikanischen Gesellschaft, von
den Konflikten und Widersprüchen zwischen den moralistischen und
materialistischen Aspekten der amerikanischen Psyche oder von der selbstbewußten Geistigkeit der politischen Analyse und des politischen Denkens
in Amerika. Und es gibt viele wichtige Bereiche im politischen und
sozialen Leben Amerikas, die die europäische Presse kaum berührt. Und
auf beiden Seiten des Atlantik scheint bei der Presse eher die Einstellung
zur Kritik als zur Erklärung zu herrschen.
Aber ungeachtet aller Kritik und ungeachtet aller auftretender
Unterschiede in der Auffassung, ist es meiner Meinung nach wichtig,
nicht zu vergessen, daß seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs jeder
amerikanische Präsident und jeder Außenminister das Primat der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber Europa betont hat.
Präsident

�Präsident Carter bekräftigte dies eindringlich am 9. Mai in einer
Rede in Philadelphia, als er die Solidarität mit unseren Verbündeten
als "den Prüfstein unserer Außenpolitik" definierte. Gleichgültig,
weswegen Sie uns sonst auch kritisieren mögen: Tatsache ist, daß wir
Europa nicht den Rücken gekehrt haben - wir haben weder protektionistischem
Druck 1m Wirtschaftsbereich noch isolationsistischem Druck im politischen
Bereich nachgegeben.
Im Gegenteil: während republikanischer und demokratischer Administrationen,
im Verlauf konservativer und liberaler Regierungsperioden der amerikanischen
Geschichte, durch alle politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen
hindurch, die wir in den vergangenen drei Jahrzehnten erlebt haben,
schwankten wir zu keiner Zeit 1n unserer Überzeugung, daß eine möglichst
enge Beziehung zu einem möglichst starken Europa die wesentlichste Bedingung
der amerikanischen Politik ist. Ich bin davon überzeugt, daß die Europäer
nicht wollen, es wäre anders.

+ + + + +

- 7 -

�9. Juli 1980

32

ÜBERZEUGENDE STARTERFOLGE DES US-ENERGIEPROGRAMMS
Integrierende Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- un^ Forschungspolitik
ein tragfähiges Fundament für die Zukunft

- (AD) - Ein überaus wichtiger Markstein auf dem Wege der Vereinigten
Staaten zu größerer Unabhängigkeit vom Ausland in der Energieversorgung
war die Verabschiedung des "Energiesicherungsgesetzes von 1980", das
Präsident Carter am 30, Juni 1980 unterzeichnete. Der US-Kongreß bewilligte 20 Milliarden Dollar für die erste Phase der Produktion synthetischer
Brennstoffe, die Erschließung regenerativer Energiequellen und umfassende
Maßnahmen zur Energieeinsparung,,
Das Gesetz sieht die Errichtung einer unabhängigen staatlichen
Gesellschaft, der "Synthetic Fuels Corporation" vor, deren sieben Direktoren
vom Präsidenten ernannt und vom Kongreß bestätigt werden müssen. Sie
hat die Aufgabe, die großtechnische Produktion von Brennstoffen aus Kohle,
Ölschiefer, Teersanden und anderen alternativer, Quellen zu finanzieren.
Dies geschieht vor allem durch Kredite, Kreditbürgschaften, Abnahmeund Preisgarantien an die Privatwirtschaft für qualifizierte Projekte.
Nach

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T e | e x : 08-85432

�Nach vier Jahren wird der Kongreß unter Bewertung der inzwischen
aufgebauten Produktionskapazitäten und Planungen für die Zukunft darüber
entscheiden, ob weitere 68 Milliarden Dollar (insgesamt 88 Milliarden
waren vom Präsidenten in seinem vor einem Jahr eingebrachten Vorschlag
gefordert worden) für derartige Projekte bereitzustellen seien.

Vorläufiges

Produktionsziel für Synthesebrennstoffe sind täglich 500 000 Barrel
(1 Barrel = 159 Liter) im Jahr 1987, zwei Millionen Barrel pro Tag im
Jahr 1992. Außerdem soll die strategische ölreserve wieder aufgefüllt
und eine Bank mit drei Milliarden Dollar Kapital für Investitionen zur
Energieeinsparung und Erschließung regenerativer Energiequellen, für
zusätzliche Kredithilfen der BrennstoffProduktion aus Biomassen und
Alkohol sowie für Zuschüsse zu Energiespar-Investitionen von Elektrizitätsund Gaswerken eingerichtet werden.
Mit der Verabschiedung des Nationalen Energiegesetzes (NEA) im
November 1978 schuf die US-Regierung bereits eine wichtige Basis für die
jetzt in Gang kommenden Maßnahmen. Diese Politik läßt, wie aus einer
kürzlich vom US-Außenministerium veröffentlichten Übersicht hervorgeht,
nunmehr erste eindrucksvolle Erfolge erkennen. Sie betreffen u.a. die
Einsparung von Energie im wirtschaftlich- industriellen und privaten
Bereich, den Rückgang von Ölverbrauch und ülimporten, den Abbau der
staatlichen Subventionierung von einheimischem Erdgas und Erdöl und die
Entwicklung alternativer Energiequellen. Mit der Verabschiedung des
neuen "Energiesicherungsgesetzes" wird übrigens auch die Nutzbarmachung
der Erdwärme und die Verwertung von Müll zur Energiegewinnung stärker
als bisher gefördert.

- Einsparung von Energie In der Praxis hat gegenwärtig die Einsparung von Energie Vorrang.
Für einschlägige Programme wendet die Bundesregierung im laufenden

- 2 -

�laufenden Haushaltsjahr mehr al 1,5 Milliarden Dollar auf.

Durch

Steuererleichterungen und Regierungszuschüsse ergeben sich allein für
den ßausektor mehr als 3,5 Milliarden Dollar an privaten und öffentlichen
Investitionen,

Außerdem hat die Bundesregierung über die nächsten zehn

Jahre sechs Milliarden Dollar für beschleunigt durchzuführende Energiesparinvestitionen, insbesondere bei Wohnungen für Familien mit mittleren
und niedrigen Einkommen, vorgesehen.

Langfristige Kredite bedeuten für

die Begünstigten Sofortersparnisse bei den Lebenshaltungskosten.

Die

Energieeinsparung als Folge dieser Maßnahmen könnte bis 1990 den ölbedarf
um 500 000 Barrel pro Tag senken.
Großer Wert wird seit Anlaufen eines entsprechenden Programms
im Jahr 1975 auf die verbesserte Wirtschaftslichkeit der Kraftfahrzeuge
gelegt. Die amerikanischen Autohersteller haben bereits bei ihren
Modellen für 1978, 1979 und 1980 die von der Regierung geforderten durchschnittlichen Verbrauchswerte unterschritten. Zunehmend strengere
Anforderungen werden helfen, bis 1985 täglich etwa 500 000 Barrel, bis
1990 sogar mehr als eine Million Barrel zu sparen. Ein im April von
Präsident Carter verkündetes Programm zielt darauf ab, durch die Einrichtung von Fahrgemeinschaften, Training in benzinsparendem Fahren und
die Auszeichnung von Einzelpersonen und Betrieben, die im Energiesparen
besonders erfolgreich sind, die Sparerfolge zusätzlich zu fördern.

- Abbau von Subventionen für öl Die Preisbindung für einheimisches öl läuft am 30. September 1981
endgültig aus. Das Programm begann am 1. Juni 1979, als neu entdeckte
Erdölvorkommen, öl aus Sekundär- und Teritiärförderung, ferner die
Produktion aus unbedeutenden Vorkommen zu höheren als den staatlich festgesetzten Preisen abgegeben werden durfte.

- 3 -

Inzwischen unter!iegen

�unterliegen 38 Prozent des in den USA geförderten Öls keiner Kontrolle
mehr.

Der zu erwartende Nachfragerückgang als Folge der Angleichung

an die Weltmarktpreise ab Oktober 1981 könnte bis 1990 zu einer Importdrosselung um zwei Milliarden Barrel pro Tag führen.

Für schweres öl

aus einheimischer Produktion wurde schon im August 1979 die Preisbindung
aufgehoben.

- Importe Auf dem Wirtschaftsgipfel von Tokio im Juni 1979 erklärten sich
die Vereinigten Staaten bereit, ihre ölimporte auf 8,5 Millionen Barrel
pro Tag zu begrenzen.

Kurz darauf gab Präsident Carter bekannt, daß die

Nettoimporte auf 8,2 Millionen Barrel/Tag und darunter gedrosselt würden
und die Einhaltung der Importquoten kontrolliert werde.

Während den

Vereinigten Staaten auf der Ministerratssitzung der Internationalen
Energieagentur (IEA) im Dezember 1979 täglich 8,5 Millionen Barrel an
Importen zugestanden wurden, begrenzte Präsident Carter diese Menge in
seiner Botschaft zur Lage der Nation im Januar 1980 auf 8,2 Millionen
Barrel.

- Benzinverbrauch im Jahr 1980 Präsident Carter verfügte, daß der durchschnittliche Benzinverbrauch
der USA pro Tag nicht mehr als sieben Millionen Barrel betragen dürfe 5,5 °rozent weniger als 1979. Die Aufteilung unter den Bundesstaaten
erfolgt nach einem den jeweiligen Gegebenheiten entsprechenden Schlüssel.
- Raumtemperaturen -

�- Raumtemperaturen Das Bundesprogramm zur Temperaturkontrolle in nicht als Wohnung
genutzten Gebäuden wurde bis zum 1. Januar 1981 verlängert.

Hierbei

geht es um die von der Regierung verfügte Einhaltung von Höchsttemperaturen
für Heizung und Warmwasser und maximale Kühltemperaturen für Klimaanlagen
bei etwa drei Millionen Gebäuden.

Seit Inkrafttreten des Programms 1m

Juli 1979 dürfte bereits Energie in einem Umfang eingespart worden sein,
der 200 000 bis 400 000 Barrel öl pro Tag entspricht.

- Besteuerung von Situationsgewinnen Präsident Carter unterzeichnete am 1. April 1980 das Gesetz über
die Besteuerung der sog. Situationsgewinne ("Windfall Profits Tax"),
welche den Mineral öl firmen durch die allgemeine Preissteigerung beim
öl und die Aufhebung der Preisbindung für amerikanisches öl zufallen.
Die Einkünfte aus dieser Steuer werden zur Entwicklung alternativer
Energiequellen beitragen, ferner zusätzliche, energiepolitisch wirtschaftliche
Massenverkehrsmittel finanzieren helfen und die finanzielle Unterstützung
von Familien mit geringem Einkommen zum Ausgleich der Energiekostensteigerung nach der Aufhebung der Preisbindung von öl und Gas ermöglichen.

- Kohle statt Erdöl und Erdgas Vom Kongreß noch nicht verabschiedet sind die von Präsident Carter
eingebrachten Gesetze, durch die der Erdöl- und Erdgasverbrauch in
Heizkraftwerken in einem Umfang reduziert werden soll, der 1990 der
Einsparung von etwa 1 Million Barrel öl pro Tag entspricht. Den Ausgleich

- 5 -

�Ausgleich sollen in erster Linie einheimische Kohle und wirkungsvolle
Energiesparprogramme schaffen.

Der ihnen zugrundeliegende Plan ist

darauf abgestellt, mehr Kraftwerke in kürzerer Zeit auf Kohlebefeuerung
umzustellen, als dies auf der Basis bereits geltender Gesetze möglich
ist.

Für die beschleunigte Umstellung sind Zuschüsse von der Bundes-

regierung und eine Straffung der bürokratischen Verfahren vorgesehen.
Die Finanzierung erfolgt über Einkünfte aus der Situationsgewinnsteuer.

- Energie- und Ölverbrauch der USA Der gesamte Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten hielt sich
1979 auf dem Stand von 1978 - gegenüber einer realen Wachstumsrate
des Bruttosozialprodukts um 2,3 Prozent.

Dieser Umstand verweist auf

einen bemerkenswerten Wandel gegenüber der Relation zwischen Energieverbrauch und Wirtschaftswachstumsraten vor Beginn der siebziger Jahre.
Der Ölverbrauch war im Jahr 1979 um 2,4 Prozent niedriger als 1978. In
den ersten viereinhalb Monaten dieses Jahres lag der Tagesverbrauch
bei 17,6 Millionen Barrel und damit um 9,2 Prozent unter dem Verbrauch
des Vergleichszeitraums im Vorjahr.

- Weniger ölimporte Die Netto-Ölimporte der Vereinigten Staaten beliefen sich 1979 auf
7,8 Millionen Barrel pro Tag (einschließlich der Importe für die strategische
ölreserve) - gegenüber 8 Millionen/B/Tag im Jahr 1978 und 8,5 Millionen
Barrel pro Tag im Jahr 1977. In den ersten viereinhalb Monaten des
Jahres 1980 wurden Tagesimporte von 6,8 Millionen Barrel ermittelt,
d.h. 12,7 Prozent weniger als 1979.
- Energie

�- Energie- und Ölverbrauch in Einzelbereichen Verkehrswesen:

Im Jahr 1979 lag der Benzinverbrauch in Amerika

um 5 Prozent unter dem von 1978. Diese Tendenz verstärkte sich inzwischen,
wie der weitere Rückgang um 8,2 Prozent während der ersten viereinhalb
Monate im Jahr 1980 gegenüber 1979 zeigt.
Heizöl:

Sowohl in Privatwohnungen als auch in gewerblich genutzten

Bauten ging der Ölverbrauch von 1973 bis 1979 um 8 Prozent (300 000 Barrel
pro Tag) zurück.
Industrie:

Trotz Wirtschaftswachstum und höherem Produktions-

ausstoß der Industrie lag hier der Energieverbrauch nur geringfügig
über dem von 1973. Seit 1972 haben in den Vereinigten Staaten

die zehn

energieintensivsten Industriebranchen eine um 14 Prozent bessere Effizienz
der Energienutzung erzielt und sparen heute gegenüber 1972 das Äquivalent
von 1,2 Millionen Barrel pro Tag ein.

- Preissituation Von Monat zu Monat wird der gegenwärtige Anteil von 38 Prozent der
nicht preisgebundenen amerikanischen öl Produktion steigen, bis ab
1. Oktober 1981 jegliche Preisbindung entfällt. Selbst mit Subventionen
ist der Unterschied zwischen dem Importölpreis und dem Mischpreis bzw.
den Abnahmepreisen für Raffinierien viel geringer.als allgemein angenommen
wird. Die Rohöl kosten der amerikanischen Raffinerien belaufen sich
im Durchschnitt auf mehr als 80 Prozent des Weltmarktpreises. Dieser
Abstand verringert sich mit der zunehmenden Aufhebung der Preisbindung
für einheimisches öl ständig - bis zur völligen Angleichung an den
Weltmarktpreis im Herbst 1981.
Mit
- 7 -

�Mit Ausnahme von Benzin und Propan unterliegen die Wiederverkaufspreise für Mineralölprodukte keiner Preisbindung mehr.

- Energieproduktion Die einheimische Energieproduktion soll auf den höchstmöglichen
Stand gebracht werden.

Deshalb hat Präsident Carter die Bedeutung eines

sicheren Ausbaus der Kernkraft bekräftigt.

Die Nukleare Aufsichts-

kommi'ssion (NRC) der USA erteilt seit kurzem wieder Genehmigungen für
Kernkraftwerke.

Die Kernkraft spielt auch künftig eine wichtige Rolle

in der amerikanischen Energieproduktion.

Ihr Anteil an der gesamten

Stromproduktion betrug 1979 11,5 Prozent (gegenüber 4,5 Prozent im
Jahr 1973).
Die Kohleproduktion erreichte 1979 die Rekordhöhe von 775 Millionen
short tons (712 Millionen metrische Tonnen) und lag damit um 15,8 Prozent
über der Jahresförderung von 1978. Aufgrund der von der Regierung
verfolgten Politik wird künftig ständig mehr Kohle abgebaut und sowohl
für die Stromerzeugung als auch die direkte industrielle Verwertung u.a. der Erzeugung synthetischer Brennstoffe - eingesetzt werden.
Die stufenweise Aufhebung der Preisbindung für den Erdgasförderpreis
stimuliert die einheimische Erdgasproduktion. Sie erscheint jetzt
lohnender, und der ständige Rückgang in der Reservenergänzung wurde etwas
gebremst. Die vermarktete Produktion im Jahr 1979 lag bei 560 Milliarden cbm,
1,3 Prozent weniger als 1978„ Die US-Regierung verfolgt jetzt das Projekt
einer Alaska-Erdgasleitung mit großem Nachdruck. Seit April 1979 wurden
bereits zahlreiche Umstellungen auf Erdgas vorgenommen; ca. sieben
Prozent der Eigenheime, die bisher Heizöl benutzten, verwenden jetzt

�jetzt Erdgas oder Holz.
Die Inlandförderung von Rohöl lag 1979 bei durchschnittlich 8,5
Millionen Barrel pro Tag gegenüber 8,7 Millionen Barrel im Jahr 1978.
Für Expo"*oration und neue bzw. verbesserte Produktionsstätten wurde in
den USA in letzter Zeit viel unternommen.

Die Zahl der Explorations-

bohrungen erhöhte sich von 1973 bis 1979 um 87 Prozent.

- Forschung und Entwicklung Das Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramm der
Vereinigten Staaten auf dem Energiesektor wird in einem am 25. Juni 1980
von der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris veröffentlichten
Bericht als "gewichtig und breit fundiert" besonders hervorgehoben.
Die Mittel dafür seien von 808 Millionen im Haushaltsjahr 1974 auf
3,8 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr 1980 angehoben worden (militärische
Energieforschungs- und Entwicklungsprogramme sind dabei nicht berücksichtigt). Im Jahr 1979 entfielen allein 55 Prozent aller in den
21 IEA-Mitgliedstaaten für Energieforschung und Entwicklung aufgebrachten
Mittel auf die Vereinigten Staaten. Um die auf dem Wirtschaftsgipfel
von Venedig anvisierten Ziele für die nächsten zehn Jahre, nämlich
Verdoppelung der Kohleproduktion und Ersatz von öl durch Alternativenergien entsprechend einem Energiegehalt von 15 - 20 Millionen Barrel
öl pro Tag, zu erreichen, ist nach Ansicht von Dr. Donald M. Kerr eine
rasche Kommerzialisierung bereits erarbeiteter Technologien für Alternativenergie notwendig. (Dr. Kerr ist der Vorsitzende des IEA-Komitees für
Forschung, Entwicklung und Demonstration und Direktor des amerikanischen
Wissenschaftlichen Laboratoriums Los Alamos.) Auf dem Gebiet von Forschung
und Entwicklung trete die Kohleforschung mit der Entwicklung besserer
umweltschonender Abbauverfahren und Verbrennungsverfahren mit höherem
Wirkungsgrad bei geringerer Umweltbelastung immer mehr in den Vordergrund.
+ + + + +
- 9 -

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3

«KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

REFORM DER ATOMKRAFTWERKS-SICHERHEITSBESTIMMUNGEN
US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz

- (AD) - Das erste Gesetz zur Neuordnung der Bestimmungen für die
Sicherheit bei Atomkraftwerken wurde kürzlich vom amerikanischen Repräsentantenhaus verabschiedet und dem Senat zugeleitet.

Es leitet Reformen ein,

die nach dem Reaktorunfall von Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvanien)
im März vergangenen Jahres eine Wiederholung solcher oder ähnlicher
Vorkommnisse verhindern sollen.
Der Nuklearen Aufsichtskommission (NRC) der Vereinigten Staaten werden
u.a. zusätzliche Mittel für Kontrollaufgaben auf dem Gesundheits- und
Sicherheitssektor bewilligt.

Vorgesehen sind verbesserte Katastrophen-

schutzmaßnahmen seitens einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, bessere
Schutzvorkehrungen gegen Sabotageakte und die Ausarbeitung eines nationalen
Bereitschaftsplanes für eine angemessene Soforthilfe bei nuklearen Unfällen.

Dem

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D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�Dem Gesetz zufolge werden 146 hauptamtliche NRC-Inspektoren zusätzlich eingesetzt und den verschiedenen Atomkraftwerken zugeteilt. Das
Gesetz sieht außerdem vor, daß
-

jeder Verstoß gegen Genehmigungsbestimmungen der NRC mit einer
Geldstrafe in Höhe von 25 000 bis 100 000 Dollar geahndet wird;

-

die NRC neue Genehmigungen für den Betrieb von Atomkraftwerken
erst dann erteilen darf, wenn ein vom zuständigen Bundesstaat
oder von zuständigen kommunalen Behörden gebilligter Katastrophenschutzplan über Maßnahmen bei nukleartechnischen Unfällen vorliegt
oder ein Plan für den angemessenen Schutz der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit existiert;

-

Sabotage nach dem Strafrecht zu ahnden ist; und

-

neue Bestimmungen für die Standortwahl auszuarbeiten sind, die
gewährleisten, daß neue Atomkraftwerke weitab von dichtbevölkerten
Gebieten errichtet werden.

Im Fall eines nuklearen Unfalls muß der Präsident einen nationalen
Einsatzplan ausarbeiten lassen. Die NRC ist verpflichtet, Ausbildungsprogramme für das Betriebspersonal von Atomkraftwerken zu verbessern und
den Gouverneuren der Bundesstaaten geplante Transporte von Atommüll durch
das ihrer Kontrolle unterliegende Gebiet vorher zu melden.

+ + + + +

�3
i

I 3

Wi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

9. Juli 1980

32

ZINK-CHLORID-BATTERIE-SYSTEM FÜR ELEKTROAUTOS

- (AD) - Mit einem von dem amerikanischen Unternehmen "Gulf
&amp; Western Industries" entwickelten Zink-Chlorid-Batterie-System fahren
zwei auf Elektroantrieb umgerüstete Testfahrzeuge, die Firmenprä'sident
David N, Judelson kürzlich in New York der Öffentlichkeit vorstellte.
Das mit insgesamt 27 Millionen Dollar von Gulf &amp; Western sowie dem von
der amerikanischen' Kraftwerkindustrie unterhaltenen "Electric Power
Research Institute" und vom US-Energieministerium finanzierte Projekt
wurde bereits 1972 in Angriff genommen. Das Ergebnis bezeichnete
Judelson als "eine der vielleicht sinnvollsten Entwicklungen dieses
Jahrhunderts". Denn im Gegensatz zu den Säurebatterien wird die ZinkChlorid-Batterie nicht aufgebraucht und dürfte, wie aus mehrjährigen
Dauertests zu schließen ist, praktisch unbegrenzt wiederaufladbar sein.
Demonstriert wurde das Batteriesystem an einem Kombifahrzeug
japanischer Bauart und an einem VW-Rabbit. Die Reichweite beträgt
240 km bei einer Fahrgeschwindigkeit von 88 km pro Stunde.

Sie wäre

sicherlich größer, wenn ein speziell dafür konstruiertes Fahrzeug zur

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Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�zur Verfügung stünde. Autos mit dem Zink-Chlorid-Batterie-System sind
als Zweitwagen vor allem für den wohnortnahen Berufs- und Stadtverkehr
gedacht.

Die Batterie läßt sich aus der Steckdose (Wechselstrom, 220 V)

in sechs bis acht Stunden neu aufladen,,

Bei einem durchschnittlichen

Strompreis von 5 Cents pro Kilowattstunde in den USA lägen nach Berechnungen
von Gulf &amp; Western Industries die Betriebskosten für einen mit vier
Personen besetzten VW-Rabbit bei 1,4 Cent pro Kilometer - im Vergleich
zu gegenwärtig 4 Cent bei dem mit Benzinmotor ausgerüsteten Fahrzeug.
Wie Charles J. Smith vom amerikanischen Energieministerium erklärte,
dürfte die Zink-Chlorid-Batterie früher als andere vom Energieministerium
geförderte Kraftsysteme für Elektroautos zur kommerziellen Anwendung
kommen,

Nach Auskunft eines Firmensprechers könnte damit in etwa vier

Jahren gerechnet werden.

Und es sei denkbar, daß schon in zwei Jahrzehnten

die Produktion von Elektroautos mehr als ein Drittel der gesamten Kraftfahrzeugproduktion ausmache.
Durch weitere technische Verbesserungen will die Firma Gulf &amp; Western
Industries das Batteriesystem (mit einem Gesamtgewicht von ca. 540 kg
einschließlich Kaltspeicher, einiger Tausend Plattenelektroden aus
Graphit sowie Pumpen und Minicomputer zur Steuerung des Betriebsstroms)
noch leistungsfähiger und damit für den Betrieb billiger gestalten.
Das Projekt ist Teil eines von der amerikanischen Privatwirtschaft,
von privaten und staatlichen Forschungsinstituten betriebenen und von
Behörden geförderten Programms zur Entwicklung wirtschaftlicher Elektrofahrzeuge, die schon in absehbarer Zukunft einen nicht zu unterschätzenden
Beitrag zur Einsparung von Importöl leisten könnten. Dabei werden die
verschiedensten technischen Möglichkeiten in bezug auf die Kraftquelle
sowie Kombinationen von Elektroantrieb und Benzinmotor erprobt.

+ + + + +

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Synthesebrennstoff-Gesetz von Präsident Carter unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Registrierungspflicht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gedanken zur transatlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von James G. Lowenstein -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Überzeugende Starterfolge des US-Energieprogramms&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Integrierte Maßnahmen in Wirtschafts-, Finanz- und Forschungspolitik - ein tragfähiges Fundament für die Zukunft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reform der Atomkraftwerks-Sicherheitsbestimmungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Repräsentantenhaus verabschiedete erstes Gesetz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zink-Chlorid-Batterie-System für Elektroautos</text>
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Information
und
Dokumentation

L*J

SKI

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. J u l i 1980

33

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie hebt Bedeutung der Auslandshilfe hervor
- Ansprache vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York Pressekonferenz des Stellvertretenden Außenministers der USA in Bonn

HINTERGRUNDMATERIAL
Rüsten für den Kohleboom
- Expansion mit staatlicher Unterstützung -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�1

1
I

3Nil

33

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Juli 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE HEBT BEDEUTUNG DER AUSLANDSHILFE HERVOR
Ansprache vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York

NEW YORK

- (AD) - In einer Ansprache vor der Außenpolitischen

Gesellschaft in New York ging Außenminister Edmund Muskie am 7. Juli 1980
zum zweitenmal innerhalb eines Monats auf die negativen Folgen einer
möglichen Kürzung der amerikanischen Auslandshilfe durch den Kongreß ein.
Er warnte davor, daß weniger wirtschaftliche und militärische Unterstützung
nur der Sowjetunion dabei behilflich wäre, in vielen Ländern "innere
Instabilität auszunützen".
Die Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über diese Gelegenheit, vor der Außenpolitischen
Gesellschaft zu sprechen und zusammen mit Ihnen ein Problem aufzugreifen,
das für unser Land von grundlegender und langfristiger Bedeutung ist.

Es

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
j e | e x : 08-85432

�Es handelt sich um eine Frage, die alle Aspekte unserer Außenpolitik berührt.

Durch sie wird entschieden werden, ob die Vereinigten

Staaten in den kommenden Jahren eine wirkungsvolle, positive Außenpolitik
haben werden - oder wir lediglich händeringend auf Krisen reagieren können.
Es geht um folgendes:

Sind wir bereit, für die Verteidigung unserer

Interessen und für die Förderung unserer Ideale im Ausland genügend Mittel
aufzubringen?
Die Frage wurde erneut aufgeworfen durch die Entscheidung vorige
Woche im Kongreß, zusätzliche Mittel aus dem Haushalt herauszustreichen,
die wir angefordert hatten, um andere Länder bei der Stärkung ihrer
Sicherheit und der Entwicklung ihrer Volkswirtschaften zu unterstützen
und dabei zu helfen, daß ihre Völker überleben.
In weniger als 90 Tagen wird das Haushaltsjahr 1980 zu Ende gehen.
Die ganze Zeit standen wir ohne Bewilligung der Hilfsgelder für 1980 da.
hinkten auf dem Ausgabenniveau des letzten Jahres einher.

Wir

Die konkrete

Folge waren umfangreiche Kürzungen bei entscheidenden Programmen und
Projekten.
Nunmehr haben wir eine ergänzende Bewilligung. Dies stellt verspätet
Mittel für ein paar der dringendsten Maßnahmen zur Verfügung - schließt
aber alle anderen aus. Das ist keine Lösung. Es verzögert nur das
eigentliche Problem.
Bedenken Sie nur einige wenige Beispiele dessen, was wir nunmehr
aufgrund der Verzögerung und der Streichungen zu vernachlässigen gezwungen
sind, von denen ich berichtet habe:
-

Es gibt gegenwärtig nur eine äußerst begrenzte Ermächtigung für
Bankkredite im Export-Import-Geschäft - einem Mittel zur Förderung

�Förderung des amerikanischen Handels. Das bedeutet weniger
amerikanische Arbeitsplätze und geringere amerikanische Gewinne.
.1

-

Verkäufe von militärischen Gütern ins Ausland auf Kreditbasis
wurden beschnitten - Kredite, die in solchen Gegenden der Welt
hätten benutzt werden können, die für unsere Sicherheit von
Bedeutung sind.

Wer kann sich die sowjetische Aktivität in de&gt;"

Welt ansehen und zu dem Schluß gelangen, dies sei die Zeit,
die Sicherheitsbedürfnisse unserer Freunde zu vernachlässigen?
-

Das Programm für internationale militärische Ausbildung und
Training - ein Programm, das die berufliche Tüchtigkeit von
Offizieren in Entwicklungsländern fördert-, wurde um 25 Prozent
gekürzt.

-

Die Mittel für unsere internationalen Anstreno r.igen zur Rauschgif tkontrolle liegen um 20 Prozent unter dem Betrag, den vorher
ein Vermittlungsausschuß des Repräsentantenhauses und des Senats
bewilligt hatte.

Es handelt sich dabei um kein umfangreiches

Programm - aber es dient unseren Interessen, weil es das Drogenproblem anpackt, das dem amerikanischen Volk jedes Jahr Milliarden
Dollar durch Kriminalität, ruinierte Gesundheit und zerstörtes
Leben kostet,
-

Wir müssen mit schmerzlichen Kürzungen bei den Internationalen
Entwicklungshilfe-Programmen zur Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion, der ländlichen Entwicklung und der Ernährung
fertigwerden. Projekte in der Karibik, in Kenia und im Jemen
gehören zu denjenigen, die gefährdet sind.

-

Die multilateralen Programme sind besonders hart betroffen.
Bewilligt wurden bisher nur 16 Prozent von dem, was wir der

- 3 -

�der Weltbank schulden.

Mittel für den Afrikanischen Entwicklungs-

fonds würden um 40 Prozent gegenüber dem im Haushalt vorgesehenen
Betrag sinken - und zu der Interpretation einladen, Amerikas
Interesse an dieser bedeutsamen afrikanischen Institution ginge
zurück; dies würde zugleich einen Umschwung bei der stetigen
Verbesserung unserer Beziehungen mit Afrika unter Präsident Carter
bedeuten.

Ernste Unzulänglichkeiten gibt es darüber hinaus bei

den Mitteln für die Asiatische

Entwicklungsbank.

Wenn wir mit unseren Beiträgen für diese Banken zurückbleiben, wird
die Entwicklung darunter leiden - und Menschen.
Banken leidet.
zu leisten.

Unser Einfluß bei diesen

Unsere Fähigkeit leidet, andere dazu zu bringen, Beiträge

Letztendlich leidet unsere Diplomatie.

Unsere Beiträge für die Banken sind nicht einfach Erfindungen der
Regierung; sie sind durch Verhandlungen zustande gekommen.

Die Carter-

Administration hat den Kongreß mit höchster Sorgfalt auf jeder Stufe
dieser Verhandlungen konsultiert.

Wenn dann die Mittel gekürzt werden,

verlieren die Entwicklungsländer die Hilfe, die sie so dringend brauchen und in der Folge verlieren andere Beitragsländer, unsere Verbündeten und
Freunde, ihr Vertrauen in das Wort Amerikas.
Ich bin nicht lediglich hier, um das Schicksal eines einzelnen
Gesetzes zu beklagen - obgleich auch dieses schon in solchen Zeiten
Anlaß genug zur Sorge wäre. Was mich mehr beunruhigt, ist eine Verhaltensweise. Es mangelt nicht an großen Worten, die nach mehr amerikanischer
Führung in der Welt rufen, nach Führung, die wir auch weiterhin bieten
müssen. Aber wenn wir weiterhin führen sollen, dann müssen wir bereit
sein, den Preis zu bezahlen, den Führung abverlangt.
Wenn dieser Abwärtstrend bei der Auslandshilfe anhält, werden wir
zu einer menschlichen Tragödie von gewaltigem Ausmaß beitragen. Denn wir

�wir sollten stets daran denken, daß diese Programme Menschen helfen.
Lassen Sie mich nur ein paar Beispiele aufführen:
-

Zwischen 1966 und 1972 wurden mit Hilfe des AID-Programms 250
Systeme zur Brauchwassergewinnung in ländlichen Gemeinden in
Thailand erstellt.

Das Programm war ein Erfolg und wurde von der

thailändischen Regierung fortgeführt.

Nunmehr werden damit 800

Dörfer versorgt. Als Folge davon nahmen Krankheiten, die auf
unreines Wasser zurückzuführen sind - und dies ist einer der
größten Krankheitsherde in der Dritten Welt - ab.

Gleichzeitig

stiegen die Einkommen und das Dorfleben hat sich stabilisiert.
-

In einem anderen Fall wurde mit der Auslandshilfe in Kolumbien
ein Kreditsystem aufgebaut, das es den Kleinbauern ermöglichte,
die Vorteile der Bodenreform auszunützen. In einem Zeitraum
von 15 Jahren wurden nahezu 35 000 kleine Baue, nhöfe finanziert.
Die Auslandshilfe hat ähnliche Programme in der ganzen Welt
unterstützt.

-

Ein AID-Programm hat sich in Guatemala auf dem Lande mit der
verbesserten Lehrerausbildung und besseren Ausstattung der
Schulen befaßt.

Durch dieses Programm wurde die Ausfallquote

hinsichtlich der Teilnahme an schulischen Veranstaltungen auf
dem Land um über 30 Prozent gesenkt.
Aus der Entfernung wirkt keines dieser Projekte aufsehenerregend.
Aber was die Menschen angeht, denen geholfen wird, so verändern sogar
kleine Projekte ihr Leben. Und die kumulative Auswirkung weltweit gesehen
ist tiefgreifend.
Ich möchte betonen, daß diese Programme mehr umfassen als nur
unsere humanitären Gefühle.

Sie haben unmittelbaren Bezug zu unseren

- 5 -

�unseren nationalen Interessen.

Denn Tatsache ist, daß wir ein großes

und wachsendes Interesse an den Entwicklungsländern haben.
ohne sie:

Es geht nicht

als Handelspartner und als Märkte, als Ursprungsländer wichtiger

Rohstoffe, als notwendige Partner

bei unseren Anstrengungen gegenüber

Umweltverschmutzung und Bevölkerungswachstum, Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen und zahllosen anderen Problemen, die unser aller Leben
angehen.
Wir wollen ihren Fortschritt, weil wir uns um Menschen kümmern.
Wir wollen ihren Erfolg, weil unsere eigene wirtschaftliche Gesundheit
mit der ihrigen verbunden ist.
Unsere Fonds für wirtschaftliche Unterstützung - ein zentrales
Element unseres Sicherheitsbeistandes - waren für unsere Anstrengungen
zur Stärkung der Volkswirtschaften befreundeter Länder wie Israel,
Ägypten und Türkei von wesentlicher Bedeutung.

Diese Fonds lieferten

zugleich entscheidende Hilfe bei der Unterstützung unserer Bemühungen, im
südlichen Afrika Stabilität und friedlichen Wandel herbeizuführen.
Hinsichtlich des Zweckes unserer internationalen Programme gibt
es keine Geheimnisse. Es handelt sich um eine Methode, die weltweit
ebenso sinnvoll ist wie im Bereich unseres Geschäftslebens, in unseren
Familien oder in allen anderen Bereichen unseres Lebens. Ein Problem
vorauszusehen und sich mit ihm auseinanderzusetzen ist ungleich sicherer
und billiger, als auf den Ausbruch der Krise zu warten.
Es liegt in unserem eigenen Interesse, alles in unserer Macht
Stehende zu tun, um den Bedingungen entgegenzuwirken, die wahrscheinlich
andernfalls die Menschen später zur Verzweiflung treiben würden. Es
verursacht weniger Kosten, jetzt in Brauchwassersysteme zu investieren
als später Krankheiten heilen zu müssen, die durch verunreinigtes
Wasser entstanden sind. Es ist klug, Menschen bei ihrer 1andwirtschaftlichen

�landwirtschaftlichen Selbstversorgung zu helfen, anstatt später Notprogramme anzubieten, die nötig sind, um ihr Leben angesichts Trockenheit
und Hungersnot zu erhalten.

Wir möchten lieber Techniker ins Ausland

schicken, um beim Getreideanbau zu helfen, als Soldaten in Kriegen einzusetzen, die ausbrechen können, wenn Menschen hungrig sind und von anderen
ausgenützt werden können.
Damit wir uns also nicht mißverstehen: Durch Beschneidung solch
internationaler Programme sparen wir kein Geld. Wir verschieben den
Zeitpunkt, da die dramatisch gestiegenen Kosten eines Tages doch gezahlt
werden müssen.
Aber diese Programme sind auch noch aus einem anderen Grund wichtig.
Mit ihrer Hilfe haben wir eine Möglichkeit, die Ereignisse in problematischen
Gebieten dieser Welt zu beeinflussen; ohne sie verringert sich unsere
Macht, solche Ereignisse mitzugestalten, beträchtlich.
Wir alle machen uns zurecht Gedanken darüber, nicht in militärische
Schwäche zu verfallen.

Wir modernisieren ständig unsere militärische

Position. Aber Kürzung unserer anderen internationalen Programme trägt
nur zu einer weiteren Art Schwäche bei, die ganz genauso gefährlich ist.
Sie kürzt nämlich unser Arsenal an Einflußmöglichkeiten.
Unsere Unterstützung der Freiheit in der Welt, unsere Verteidigung
amerikanischer und westlicher Interessen, kann nicht durch militärische
Waffen allein geschehen.

Die Schlacht um den Einfluß Amerikas in der

Welt erfordert mehr als Raketen, sicherlich mehr als Reden.

Sie benötigt

die Mittel, die unsere Diplomatie wirkungsvoll machen.
Wie sehen die möglichen Folgen für Amerika aus, wenn wir diese
Mittel nicht bekommen?
Die

- 7 -

�\

Die erste Folge wäre die Isolation Amerikas.
Handelspartner.

Wir brauchen gesunde

Wir benötigen den Zugang zu Einrichtungen und Rohstoffen.

Wir brauchen die Unterstützung anderer, um bei der Erzielung friedlicher
Lösungen regionaler Konflikte zu helfen.

Wir brauchen politische Unter-

stützung - gleich, ob beim Widerstand gegen den Terrorismus im Iran oder
die Aggression in Afghanistan.
Aber wir können nicht die Zusammenarbeit und die Unterstützung
anderer bei Fragen erwarten, die für uns von Bedeutung sind, wenn wir
nicht bereit sind, konkrete Unterstützung bei Fragen anzubieten, die für
sie von Bedeutung sind - besonders bei ihrer eigenen wirtschaftlichen
Entwicklung und ihrem sozialen Fortschritt.
Aber Isolation wäre nur die eine Folge.

Nachlassende amerikanische

Hilfe und nachlassender amerikanischer Einfluß würden es zugleich der
Sowjetunion leichter machen, innere Instabilität auszunützen, wie etwa
in Nicaragua, in El Salvador und in vielen anderen Ländern, wo die
Sowjets bereit sind, Spannungen auszunützen, um ihre Macht auszudehnen
und den westlichen Einfluß zurückzudrängen.
Nichts am amerikanischen Volk gibt mir den Eindruck, es wolle den
Sowjets diese Art freien Lauf lassen. Ich glaube, daß das amerikanische
Volk möchte, daß sein Land dem sowjetischen Expansionismus widersteht nicht nur militärisch, sondern durch die Unterstützung anderer Länder bei
der Verteidigung deren Freiheit und bei der Ernährung ihrer Bewohner.
Ich glaube, daß das amerikanische Volk möchte, daß sein Land sich aktiv
in dieser Welt einsetzt.
Schließlich würde der Rückgang amerikanischer Hilfe und amerikanischen
Einflusses unsere Anstrengungen behindern, gefährliche Streitigkeiten
beizulegen und friedliche, demokratische Lösungen zu finden.
Lassen

8 -

�Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Während der letzten drei Jahre kämpften 1m Kongreß viele erbittert
gegen die Rhodesien-Politik von Präsident Carter.
Mutig und nahezu allein bestand Präsident Carter darauf, daß die
Vereinigten Staaten aktiv die Anstrengungen Großbritanniens unterstutzten,
um Rhodesien eine demokratisch gewählte Regierung zu geben.
Glücklicherweise behielt Präsident Carter gegenüber einer heftigen
Opposition die Oberhand. In der Tat trug seine Weigerung gegenüber einem
verfrühten Kompromiß über Rhodesien zur Beendigung eines blutigen Bürgerkriegs in diesem Land bei. Das Ergebnis war für das Volk von Simbabwe
gut, und es war schlecht für die Sowjets, die versuchten, die dortige
Unruhe auszunützen.
Denken Sie an einen anderen Fall:

Wir haben seit über einem Jahr

versucht, die Mitte 1n Nicaragua zu stärken und den gemäßigten Kräften
dort dabei zu helfen, extremistischen Lösungen zu widerstehen.
Jedesmal, wenn wir versuchten,die Mittel zu bewilligen, die notwendig
waren, um unsere Anstrengungen in Niciragua zu unterstützen, wurde dieses
Bemühen zurückgewiesen.

Zuguterletzt hat der Kongreß gehandelt, um

75 Millionen Dollar bereitzustellen, die nötig waren, um unsere Verpflichtungen
zu erfüllen.
Aber durch die Verzögerung erlitten wir einen Vertrauensverlust.
Die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, sich für die Demokratie einzusetzen, wurde in der ganzen Region in Frage gestellt.
Es geht doch darum:

Gerade die, die sich am meisten über sowjetische

und kubanische Aktivitäten in der Welt Sorgen machen, sollten unsere

- 9 -

�unsere Anstrengungen am stärksten unterstützen, den gemäßigten Übergang
von repressiver Tyrannei zu demokratischer Entwicklung mitzutragen.
Denn wenn wir dabei versagen, die Alternativen zum Radikalismus zu
unterstützen, tragen wir nur zur Entstehung von Radikalismus bei.
Dieser andauernde Angriff auf die Auslandshilfe ist nicht nur
kurzsichtig; er ist für die amerikanischen Interessen gefährlich.

Denn

er bedroht die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, in der Welt eine
positive Rolle zu spielen, in einen wirkungsvollen Wettbewerb mit den
Sowjets zu treten und die sich entwickelnden - und bedrohten - Demokratien
zu ermutigen.

Er droht, Amerika aller seiner Instrumente zu berauben -

ausgenommen der Instrumente der Zerstörung.
..'&gt;

. 'J,O'.

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk verstehen wird,

worum es geht, sobald es die Tatsachen kennt.

Ich glaube, es wird ver-

stehen, daß eine großzügige Investition in Sicherheitsbeistand und wirtschaftliche Entwicklung im Ausland für ein starkes Amerika notwendig ist.
•

•

-

Ich beschäftige mich mit diesem Thema nicht erst seit heute. Vor
22 Jahren machte ich meine Unterstützung der Auslandshilfe zu einem der
zentralen Themen meines ersten Senatswahl kämpfes. Und ich bin absolut
bereit, mich hinter diese Botschaft zu stellen, bis sie zum Durchbruch
gelangt.
. ,,,
i

|

• . . , - .

,' \

•

Ich glaube, es ist Zeit für eine gesunde landesweite,Debatte über
dieses Thema - und ich lade Sie als Bürger, die sich ernsthaft Gedanken
über Amerikas Rolle in der Welt machen, dazu ein,, zu dieser Debatte
beizutragen.
Der Preis für Schweigen könnte wachsende Isolation und sogar Bedeutungslosigkeit für Amerika sein. Das ist ein Preis, den zu zahlen
kein Amerikaner von uns verlangen sollte.

+ + + + +

- 10 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

16. Juli 1980

33

PRESSEKONFERENZ DES STELLVERTRETENDEN AUSSENMINISTERS DER USA IN BONN

BONN

- (AD) - Warren Christopher, der Stellvertretende Außenminister

der Vereinigten Staaten, hielt während seines Aufenthalts in Bonn, wohin er
zum Zweck ausführlicher Konsultationen gekommen war, am 14. Juli 1980 eine
kurze Pressekonferenz ab, die wir im Wortlaut wiedergeben.
Nach einleitenden Worten des Sprechers des Auswärtigen Amtes gab
Warren Christopher zunächst eine Erklärung ab und stellte sich dann den
Fragen der Journalisten:
CHRISTOPHER: Ich bin nach Bonn gekommen, um eine Reihe von Treffen
fortzusetzen, die ich mit Staatssekretär van Well, meinem analogen Gesprächspartner in der deutschen Regierung, gehabt habe. Wir sind im Lauf der
letzten Wochen und Monate gelegentlich zusammengetroffen, wenn es uns
beiden geeignet schien, unsere Ansichten über eine ganze Bandbreite von
weltweiten und bilateralen Fragen auszutauschen. Diesmal haben wir drei
oder vier Stunden miteinander gesprochen und eine ganze Reihe von Themen
behandelt. Wir haben über Afghanistan und andere Bereiche Asiens gesprochen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�gesprochen und uns über Korea unterhalten.
Es gab eine anregende Diskussion über das südliche Afrika und
insbesondere das Namibia-Problem.

Wir tauschten unsere Ansichten über

Mittelamerika aus, wo beide Länder ein Interesse daran haben, daß Frieden
und Ruhe wiederhergestellt werden.
Bündnisses gesprochen.

Natürlich haben wir über Fragen des

Wir befassten uns mit den Vorbereitungen für Madrid

und haben selbstverständlich auch die Frage der eurostrategischen Waffen
sowie der jüngsten Entwicklung auf diesem Gebiet behandelt.
Wie Sie vielleicht wissen, bin ich heute morgen kurz mit dem Außenminister, Herrn Genscher, zusammengekommen. Ich hatte bei diesem Zusammentreffen die Gelegenheit, ihm von einem Gespräch zu berichten, das ich
vorigen Donnerstag mit Botschafter Dobrynin führte. Bei jener Gelegenheit
übermittelte uns Botschafter Dobrynin unmittelbar die Antwort der Sowjetunion
auf die Haltung, die die Vereinigten Staaten hinsichtlich der Rüstungskontrolle einnehmen - ein Gedankenaustausch, der sich aus der NATO-Entscheidung
vom vorigen Dezember in bezug auf die nuklearen Mittel Streckenwaffen (TNF)
entwickelte.
Der von Herrn Dobrynin letzten Donnerstag vertretene Standpunkt war
dabei im wesentlichen derselbe wie jener, den Bundeskanzler Schmidt in
seinem Bericht aus Moskau zurückbrachte und hinsichtlich dessen Herr
Genscher und Herr van Well die Freundlichkeit hatten, nach Washington zu
kommen und ihn uns unmittelbar nach den Treffen in Moskau direkt zu vermitteln. Zu dieser Frage besprachen Herr Genscher und ich die Schritte,
die im Lauf der kommenden Wochen bezüglich dieser Angelegenheit unternommen
werden. Dabei werden die jeweiligen Regierungen sich damit befassen,
dabei werden wir in der NATO die Konsultationen fortführen und dabei werden
wir bei gegebener Gelegenheit in der Beratungsgruppe zusammentreffen, um
die Angelegenheit voranzubringen, nachdem die Sowjetunion nunmehr ihre Vorbedingungen hat fallen lassen.
Ich

•

�Ich möchte noch hinzufügen, daß ich insbesondere die Gelegenheit
schätze, mit meinem Gesprächspartner, Herrn Günther van Well und den
anderen deutschen Amtsträgern, Berndt von Staden und anderen, zusammenzutreffen. Ich glaube, wir haben eine Beziehung aufgebaut, die es uns
ermöglicht, einen freundschaftlichen und offenen Gedankenaustausch zu
führen; dies ist ein überaus wertvoller Teil dessen, was ich intensivierte
Koordination zwischen unseren beiden Ländern nennen möchte - zu einer Zeit
bedeutsamer Entwicklungen sowohl in diesem Bereich als auch in der ganzen
Welt. Wir werden unsere Gespräche fortsetzen. Daher möchte ich nicht zu
lange bleiben; aber ich beantworte gern einige Fragen, falls es solche
gibt.
FRAGE: Herr Christopher, haben
geber, einen Kommentar zur Frage der
Nuklearwaffen), zur Verbesserung der
sprechenden Systemen auf der anderen

Sie selbst oder Ihr deutscher Gast"Forward Based Systems" (FBS) (VorfeldFBS auf der einen Seite und den entSeite?

ANTWORT: Nun, es ist die Einstellung der Vereinigten Staaten, daß man
sich im Verlauf der einleitenden Gespräche auf die landgestützten, weitreichenden eurostrategischen Systeme konzentrieren sollte. Diese Haltung
wurde vorigen Dezember bei der NATO sowohl von den Vereinigten Staaten als
auch von der Bundesrepublik Deutschland eingenommen. Daher glaube ich
nicht, daß es irgendwelche Meinungsverschiedenheiten zwischen uns hinsichtlich
der Basis geben könnte, auf der die ersten Gespräche mit der Sowjetunion
beginnen sollten. Wie Sie wissen, hat die Sowjetunion die Einstellung,
daß die FBS-Systeme in diese Gespräche mit einbezogen werden sollten.
FRAGE:

Als Sie die Frage der Vorbereitungen besprachen, die in den

kommenden Wochen getroffen werden, um diesen Vorschlag zu behandeln:
könnten Sie uns sagen, ob diese auch beinhalten, der Sowjetunion irgendeine Art von Antwort zu geben?

Oder wird lediglich analysiert, was sie

sagt?
ANTWORT:
- 3 -

�ANTWORT:

Lassen Sie mich das in einen Zusammenhang stellen.

Wie Sie

wissen, boten die Vereinigten Staaten vorigen Dezember im Zusammenhang
mit der TNF-Entscheidung an, einen ersten Meinungsaustausch mit der Sowjätunion
in bezug auf Fragen der Rüstungskontrolle 1h Europa parallel zu len TNFEntwicklungen aufzunehmen.
Reaktion der Sowjetunion.

Sieben Monate lang warteten wir auf eine
Während dieses Zeitraums beharrte die Sowjetunion

darauf, daß diese Dezember-Entscheidung aufgegeben werden müsse, bevor sie
sich an diesen Gesprächen beteiligen würde.

Nun hat die Sowjetunion während

der letzten Wochen diese ihre Haltung geändert und Verhandlungsbereitschaft
angezeigt.

Was wir nunmehr vorbereiten, ist ein vorbereitender Gedanken-

austausch zu diesem Thema.

Wie Sie wissen, ist die Haltung des Bündnisses,

diesen vorbereitenden Gedankenaustausch in SALT III einzubinden und daß
der Meinungsaustausch innerhalb des Rahmenwerks von SALT III stattfinden
sollte.

Was wir in den kommenden Wochen tun werden ist, in unseren eigenen

Regierungen die Grundlage für diesen vorbereitenden Gedankenaustausch auszuarbeiten und ihn dann innerhalb des Bündnisses in der Beratungsgruppe
zu überdenken, sodaß die Treffen mit den Sowjets zur richtigen Zeit und
rechtzeitig stattfinden können.
Ich brauche niemandem von Ihnen zu sagen, daß es sich um eine ungeheuer
komplizierte Angelegenheit handelt und daß die Vorbereitungen für das erste
Treffen sorgfältig, umfassend und intensiv sein mUssen.
FRAGE:

(teilweise unverständlich): Wird deutlich, daß die Sowjetunion

einverstanden ist, daß Waffen wie die SS-4 und SS-5 einbezogen sind?

Mit

anderen Worten, daß die entsprechenden Waffen in die einleitenden Gespräche
zusammen mit den amerikanischen FBS-Systemen einbezogen werden?

Ist ein-

deutig, daß die Sowjetunion dies akzeptiert hat?
ANTWORT:
sieren.

Ich möchte nicht die Einstellung der Sowjetunion charakteri-

Ich möchte lediglich sagen, daß sie den Eindruck macht, hinsichtlich

der nuklearen Mittel Streckenwaffen in Europa (TNF) gesprächsbereit zu sein.

�sein.

Und sicherlich dürften diese Waffen, diese Raketen in diesem

Zusammenhang stehen.

Aber ich habe nicht das Gefühl, daß seitens der

Sowjetunion irgendwelche Wünsche bestehen, eine weitere Reihe von Vorbedingungen aufzustellen.

Ich glaube, sie sind zu Gesprächen bereit •

und die Gespräche werden Tiefe und Breite herausfinden müssen.

+ + + + +

- 5 -

�Hintergrund
materiell

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

33

16. Juli 1980

RÜSTEN FÜR DEN KOHLEBOOM
Expansion mit staatlicher Unterstützung

WASHINGTON - (AD) - Die Anstrengungen der Vereinigten Staaten, ihre
reichen Kohlevorkommen als Ersatz für Importö"! und für die Produktion von
synthetischen Brennstoffen einzusetzen, verlangen eine drastische Ausweitung der gesamten Kohlewirtschaft - das Transportwesen eingeschlossen.
Ohne staatliche Unterstützung ist diese Aufgabe nicht zu bewältigen.
Die amerikanische Regierung ist entschlossen, jede notwendige Hilfe zu
gewähren und Bedingungen zu schaffen, unter denen die Kohleindustrie so
effizient wie nur irgend möglich tätig sein kann.
Dies geschehe, wie John C. Sawhill, stellvertretender US-Ener-gieminister, auf der Jahrestagung der "National Goal Association" (Verband
der amerikanischen Kohlewirtschaft) in Washington hervorhob, durch
eine Kombination wirtschaftlicher Anreize, durch sorgfältig ausgewählte
Forschungs- und Entwicklungsprojekte und gut bedachte regulative Maßnahmen,
Die Regierung strebe eine Partnerschaft an, in der Staat und r;dt:t-ie
klar definierte Rollen übernehmen.

"Der Beweis rür unser Engagement Ist

Postfach20 0 3 0 0 Tel: 0228-89 32 40
D5300 Bonn 2
T e | e x : 08-85432

�ist eine eindrucksvolle Anzahl von Bundesprogrammen zur Erhöhung des
Kohleverbrauchs", so Sawhill, "während gleichzeitig sichergestellt wird,
daß Ihre (d.h. der Kohleindustrie) Anstrengungen, mehr zu liefern, nicht
unnötig behindert werden.

Teil der Programme ist der energische Vorstoß

zur Schaffung einer Synthesebrennstoff-Industrie, zur Umstellung der
Kesselbefeuerung in Kraftwerken auf Kohle, zur Beschleunigung von
Pachtgenehmigungen bei bundeseigenem Land und zur Ausschaltung von
Hindernissen für die rasche Ausweitung des Kohleexportmarktes".
Die Förderung von Heiz- und Hüttenkohle lag in den Vereinigten
Staaten im Jahr 1979 bei ca. 770 Millionen Tonnen.

Davon nahm die

amerikanische Elektrizitätswirtschaft schätzungsweise 530 Millionen
Tonnen auf.

Schon in den nächsten paar Jahren wird dieser Markt einen

hohen Zuwachs erfahren, wenn die Pläne, bis zum Jahr 2 000 etwa 270
neue Kohlekraftwerke in Betrieb zu nehmen, realisiert werden.

Diese

Kraftwerke allein würden schließlich mehr als 350 Millionen Tonnen Kohle
pro Jahr benötigen.

Dazu kämen zunächst noch 80 Heizkraftwerke, die mit

Bundeszuschüssen und Krediten in Höhe von insgesamt vier Milliarden Dollar
bis 1985 von öl- auf Kohlefeuerung umgerüstet werden sollen.

Dadurch

würden, wie Sawhill erklärte, täglich 300 000 Barrel öl eingespart;
der Kohlebedarf dieser Betriebe wird auf 25-30 Millionen Tonnen im Jahr
geschätzt.

Die gegenwärtig noch freie Kapazität des amerikanischen

Kohlebergbaus von 100 Millionen Tonnen pro Jahr wäre also bald ausgelastet,
und zwar noch ohne Berücksichtigung der zu erwartenden Steigerung der
Kohleexporte und des Eigenbedarfs der USA für die SynthesebrennstoffProduktion.
Um beispielsweise das auf der Gipfelkonferenz von Venedig von den
USA, der Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Japan und Kanada gesetzte
Ziel zu erreichen, bis 1990 das Äquivalent von täglich 15-20 Millionen
Barrel öl aus anderen Energiequellen - die Hälfte davon aus Kohle - zu
produzieren, müßten die Vereinigten Staaten ihre Kohleexporte von fünf

- 2 -

�fünf Millionen Tonnen (im Jahr 1979) auf mindestens 100 Millionen Tonnen
pro Jahr steigern.

Die Kohleimporte der EWG-Länder dürften in den nächsten

20 Jahren auf insgesamt 280 Millionen Tonnen anwachsen (gegenwärtige
Einfuhren: 66 Millionen Tonnen im Jahr).

In der kürzlich veröffentlichten

Weltkohlestudie wurde bereits auf die Notwendigkeit verwiesen, die Schiffskapazitäten für Massengüter um mindestens 20 Prozent auszuweiten.

Für

einige amerikanische Häfen mit bisher relativ geringem Kohleumschlag
wie New Orleans (Louisiana),Mobile (Alabama), Wilmington (Delaware) und
Philadelphia (Pennsylvania; sind Erweiterungsprojekte geplant oder bereits
in Angriff genommen.

Großhäfen wie Norfolk und Newport News (Virginia)

sowie Baltimore (Maryland) sind einem verstärkten Umschlag zumindest in
den nächsten Jahren noch gewachsen.
Sawhill schätzt, daß durch die Aktivität der mit dem Energiesicherungsgesetz von 1980 geschaffenen "Synthetic Fuels Corporation" (SFC - unabhängiges staatliches Gremium zur Förderung der SynthesebrennstoffErzeugung) allein in den achtziger Jahren ein zusätzlicher Kohlebedarf von
150 bis 200 Millionen Tonnen, bis zum Ende des Jahrhunderts sogar von
etwa 300 Millionen Tonnen Kohle entsteht. Er bekräftigte erneut, daß
die SFC den privaten Sektor nicht verdrängen werde. Nach wie vor sei
es Sache der Industrie, die notwendigen neuen Werke zu bauen und die neue
Technologie zu kommerzialisieren. Jedoch sei es notwendig, der Privatwirtschaft beim Aufbau einer Synthesebrennstoffindustrie mit Krediten,
Kreditbürgschaften, Preis- und Abnahmegarantien Starthilfen und Anreize
zu geben und Projektentwicklungen zu beschleunigen. An den vielfältigen
Aufgaben sind Privatunternehmen der verschiedensten Größe und Branchen
beteiligt. Für die erste Phase des Programms hat der amerikanische
Kongreß 20 Milliarden Dollar bewilligt.
Beim US-Energieministerium gingen inzwischen, wie Sawhill berichtete,
ca. 1 000 Vorschläge von Firmen, einzelstaatlichen und kommunalen Behörden
zu technischen Studien und Kooperationsprojekten ein, die jetzt mit Vorrang

- 3 -

�Vorrang geprüft werden.

Bei zahlreichen Verfahren der neuen Kohletechnologie

sei das Versuchsstadium überwunden.

Man habe demonstrationsfähige Methoden

und Ausrüstungen zur Produktion synthetischer Brennstoffe für einen realen
und ständig wachsenden Markt entwickelt, die auch unter Gesichtspunkten des
Umweltschutzes akzeptabel seien.

Für drei wichtige Techniken der Kohle-

verflüssigung, u.a. die beiden gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland
entwickelten SCR-Verfahren, beginnt in Kürze die Demonstrationsphase.

Die

SCR-Anlagen werden sowohl flüssige Synthesebrennstoffe als auch verbesserte
Festbrennstoffe erzeugen.

Sie sind so ausbaufähig, daß M t t e der achtziger

Jahre die großtechnische Produktion anlaufen kann.
Dem für Rohstofferschließung zuständigen US-Innenministerium wurde
vom Energieministerium empfohlen, in den nächsten drei Jahren genügend
zusätzliches Land für Verpachtungen freizugeben, um Kohleförderung im
Umfang von insgesamt acht Milliarden Tonnen zu ermöglichen. Das wären
50 Prozent mehr, als gegenwärtig von bundeseigenem Land gefördert werden
könnte.

In einer Art Flurbereinigung sollten, so Sawhill, kleine Parzellen

in privatem und staatlichem Besitz so arrondiert, getauscht oder zusammengelegt werden, daß sich ein Abbau von Kohle rentiert.

Die Pachtbedingungen

sollten die Möglichkeit schaffen, einige Synthesebrennstoff-Betriebe
in der Nähe der Fördergebiete zu errichten.
Sawhill ist der Auffassung, daß amerikanische Kohleexporte auch
ohne besondere Bundesinitiativen innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf
100 Millionen Tonnen gesteigert werden könnten. "Wir streben an, Kohleexporte noch stärker anzuheben. Bei einem Preis von 50 Dollar per Tonne
könnte der Export von 100 Millionen Tonnen dem Lande fünf Milliarden
Dollar jährlich einbringen und so wesentlich zur Wiederherstellung einer
positiven Handelsbilanz beitragen. Ende des Jahrhunderts könnte die Kohle
das Getreide als unser wichtigstes Exportgut überholen . . . Wir sondieren
Mittel und Wege, um der Industrie zu helfen, die Kapazitäten für den
Bahntransport zu verbessern, Hafenanlagen auszubauen und Ausrüstungen zu_

�zu modernisieren...".
Die Vereinigten Staaten wenden, wie Sawhill ausführte, im kommenden
Jahr mehr als eine Milliarde Dollar für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf dem Sektor Kohle auf - d.h. 90 Prozent der für fossile
Brennstoffe vorgesehenen Mittel. Dazu gehört beispielsweise die Weiterführung von Projekten auf dem Gebiet der Wirbelschichtverbrennung, um
auch schwefelreiche Kohle umweltschonend verwerten zu können. Rund
97 Millionen Dollar sind für Programme bestimmt, in denen es um einen
besseren Wirkungsgrad der Energieumwandlung bei Brennstoffzellen und MHDSystemen geht. Mit 22 Millionen Dollar werden die Versuche zur Verwendung
von Öl-Kohle-Mischungen, mit 65 Millionen Dollar verbesserte Verfahren
zur Umwandlung und Verbrennung von Kohle und mit 50 Millionen Dollar neue
Experimente zur direkten und indirekten Kohleverflüssigung, zur Raffinerie
flüssiger Kohleprodukte, unterirdischen Kohlevergasung und für neue
Kohleaufbereitungsverfahren weiterfinanziert.
Kohle soll in den achtziger und neunziger Jahren zum Rückgrat des
amerikanischen Energiesystems werden.

Sie werde, so erklärte John Sawhill,

die Vereinigten Staaten auch in die Lage versetzen, die Inflation dort
wirksam zu bekämpfen, wo sie durch die Kosten des Importöls verursacht
ist.

Kohle werde direkt 59 000 und indirekt 295 000 neue Arbeitsplätze

schaffen - von den neuen Arbeitsmöglichkeiten im Zusammenhang mit den
Synthesebrennstoffwerken einmal ganz abgesehen.

Durch sie werde die

Produktivität wieder zunehmen, der Wert des Dollar gefestigt und das
Vertrauen in die technologische Stärke Amerikas neu belebt.

+ + + + +

- 5 -

�</text>
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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 16.07.1980</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie hebt Bedeutung der Auslandshilfe hervor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache vor der Außenpolitischen Gesellschaft in New York -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des Stellvertretenden Außenministers der USA in Bonn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüsten für den Kohleboom&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Expansion mit staatlicher Unterstützung -&lt;/em&gt;</text>
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