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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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Deichmanns Aue 2y

18

5300 Bonn 2

6. Mai 1992

USA-DEUTSCHLAND

BUSH BEGRÜSST VON WEIZSÄCKER UND
GENSCHER IM WEISSEN HAUS
Begrüßungsansprache des Präsidenten

UNRUHEN IN LOS ANGELES

BUSH: DIE GEWALT IN LOS ANGELES
MUSS EIN ENDE HABEN
Fernsehansprache des Präsidenten

DIE UNRUHEN NACH DEM URTEILSSPRUCH
IN KALIFORNIEN
Amerikanische Pressestimmen

UMWELT

WELTWEITE KLIMAVERANDERUNGEN DIE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

US-WELTROLLE

ZUR ROLLE DER USA NACH DEM
ENDE DER UDSSR
Zwei neue Studien behandeln wichtige
Anliegen der Zukunft

MINDERHEITEN

STARKER ZUWACHS BEI MINDERHEITEN
IN USA PROGNOSTIZIERT
Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen

WAHLEN *92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-DEUTSCHLAND
6. Mai 1992

BUSH BEGRÜSST VON WEIZSÄCKER UND
GENSCHER IM WEISSEN HAUS
Begrüßungsansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Präsident Bush beim Empfang von Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Außenminister Genscher im Weißen Haus am 29. April 1992 gehaltene
Begrü ßungsansprache.

Herr Präsident von Weizsäcker, Frau von Weizsäcker,
Herr Außenminister Genscher, Frau Genscher, verehrte Mitglieder der deutschen Delegation. Im Namen
des amerikanischen Volkes möchte ich Sie in den
Vereinigten Staaten und in Washington an diesem
schönen Frühlingstag sehr herzlich willkommen heißen. Meine Frau und ich hoffen, Sie werden einen
konstruktiven und angenehmen Aufenthalt verleben,
und wir freuen uns besonders, daß Sie einige Tage in
unserer Heimatstadt Houston in Texas verbringen
werden.
Herr Präsident, Ihre Anwesenheit ist eine zweifache
Ehre für uns. Es ist nicht nur Ihr erster Staatsbesuch
in unserem Land, sondern meines Wissens auch Ihr
erster Staatsbesuch überhaupt nach der triumphalen
Vereinigung vor eineinhalb Jahren. Ihre Anwesenheit
steht als Symbol für die dauerhaften Bande, die zwischen unseren Ländern und unseren Völkern bestehen. Durch die Zusammenarbeit im kalten Krieg und
der Zeit danach sind die deutsch-amerikanischen
Jeziehungen noch enger geworden und haben unsere
Völker einander noch näher gebracht.
Sie kommen zu einem historischen Zeitpunkt für unsere beiden Länder und in der Tat die ganze Welt. Zu
einem ebenso historischen Zeitpunkt vor 45 Jahren
erklärten einige in den Vereinigten Staaten, wir sollten
uns nach innen wenden und unseren besiegten Gegnern den Rücken kehren. Das haben wir nicht getan.
Statt dessen haben wir uns dem Erfolg der Demokratie
verpflichtet - Europa, Deutschland und seiner aufstrebenden Demokratie geholfen. Es war eine kluge
Entscheidung, uns für eine kontinuierliche globale
Führungsrolle zu engagieren und in die deutsche
Demokratie zu investieren.

AMERIKA DIENST 18

Heute trägt diese Entscheidung Früchte: ein vereinigtes Deutschland, ein Modell der Demokratie für die
ganze Welt und zweifelsohne ein verläßlicher Freund
und Partner für die Vereinigten Staaten von Amerika.
Heute sehen sich Deutschland und die Vereinigten
Staaten mit einer ähnlichen Entscheidung konfrontiert,
da die Völker Rußlands und der anderen neuen Staaten dem Beispiel der Länder Mittel- und Osteuropas
beim Aufbau von Demokratie und Freiheit in freien
Märkten folgen wollen. Als Partner engagieren sich
Deutschland und die Vereinigten Staaten für die Unterstützung derjenigen, die mit dem Erbe eines besiegten
kommunistischen Systems und Investitionen in ihre
demokratische Zukunft kämpfen.
Diejenigen, die fragen, ob dies der richtige Kurs sei,
müssen nur auf das vereinigte Deutschland blicken einst unser Gegner, jetzt unser enger Freund und
Partner in der Führung.
Herr Präsident, vor drei Jahren habe ich Bundeskanzler Kohl bei einem Besuch Ihrer schönen Stadt Mainz
in Rheinland-Pfalz begleitet und dort darüber gesprochen, wie wir gemeinsam ein ungeteiltes und freies
Europa aufbauen können, in Frieden mit sich selbst,
denn dauerhafte Sicherheit wird nicht durch Panzer.
Truppen oder Stacheldraht geschaffen, sondern gründet sich auf gemeinsame Werte und Abkommen, die
freie Menschen binden. Das habe ich in Mainz geglaubt und bin davon heute ebenso fest überzeugt.
Das vereinigte Deutschland ist der entscheidende
Partner der Vereinigten Staaten bei der Förderung von
Demokratie und Wirtschaftsreformen in Osteuropa
und der ehemaligen Sowjetunion. Sie sind unser
Partner beim Aufbau eines geeinteren und kooperativeren Europas, und in diesem Geiste begrü ßen wir das

Seite 1

�deutsche Engagement für internationale Angelegenheiten uneingeschränkt. Enge deutsch-amerikanische Zusammenarbeit steht voll und ganz im Einklang
mit der Entwicklung eines geeinteren Europas - ein
Ziel, das die Vereinigten Staaten über die Jahre hinweg ebenso kontinuierlich und unmißverständlich
unterstützt haben wie ein vereinigtes Deutschland.
Während unsere Welt auf das nächste Jahrhundert
blickt, möchte ich in diesem Augenblick so deutlich wie
möglich feststellen: Die Vereinigten Staaten sind fest
entschlossen, weiterhin eine Führungsrolle in der Welt
einzunehmen. Wir werden eine aktive Rolle bei der
Bewahrung von Frieden, Sicherheit und Wohlstand in
Europa und in unserer transatlantischen Gemeinschaft
spielen. Wir müssen zusammenarbeiten, um Schwierigkeiten zu überwinden, Hindernisse für freien und
fairen Handel abzubauen und bei den GATT-Verhandlungen Abkommen zu erzielen, die allen Nationen
einen neuen Wohlstand sichern.

Herr Präsident, Sie haben hierbei eine lebenswichtige
Rolle gespielt. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, zur Aussöhnung ehemaliger Gegner, zur
Überwindung der Gegensätze der Vergangenheit und
Heilung der Wunden von Teilung und Auseinandersetzungen beizutragen. In einer Zeit der Unruhen und des
raschen Wandels haben Sie Ihren Mitbürgern moralische Führungskraft vorgelebt. Und Sie haben ihnen
geholfen, die Hand in Hand gehenden Katastrophen
der Diktatur und Teilung zu bewältigen, die Deutschland in diesem Jahrhundert heimsuchten. Und heute
lebt diese deutsche Nation im Frieden mit sich selbst
und ist Demokratie sowie Menschenrechten unerschütterlich verpflichtet.
Herr Präsident, möge Gott unsere beiden großen
Nationen und die dauerhafte Freundschaft schützen,
die das deutsche und amerikanische Volk verbindet.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 18

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
6. Mai 1992

BUSH: DIE GEWALT IN LOS ANGELES
MUSS EIN ENDE HABEN
Fernsehansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Verweis auf die "dringende Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung"
in Los Angeles gab Präsident Bush am 1. Mai 1992 bekannt, daß er die kalifornische Nationalgarde der
Bundesregierung unterstellen und mehr Truppen zur Bekämpfung der Unruhen entsenden werde.
!n einer kurzen, landesweit übertragenen Fernsehansprache erklärte der Präsident, die Gewalt in der zweitgrößten Stadt der Vereinigten Staaten "muß beendet werden", und er sei zur Wiederherstellung der Ordnung "zum
Einsatz der erforderlichen Kräfte" entschlossen.
Bei den Ausschreitungen wurden mindestens 44 Personen getötet, und nachdem die Geschworenen am 29.
April 1992 vier wei ße Polizisten von der Anklage übermäßiger Gewaltanwendung bei der Verhaftung von Rodney
King, einem Schwarzen, im März 1991 freigesprochen hatte, uferten Plünderungen und Brandstiftung in Los
Angeles aus. Am 1. Mai hatte Bush bereits 1.000 Bundespolizisten und 4.000 Soldaten zum Schauplatz der
Ausschreitungen in die Stadt entsandt, um die Ordnung wiederherzustellen.
Dem Präsidenten zufolge geht es bei den Ereignissen in Los Angeles "nicht um Bürgerrechte", sondern "schlicht
und einfach um die Brutalität des Mobs". Es gibt keine Entschuldigung für "willkürliche Gewalt", wie dort
angewendet, so der Präsident.
Indem er eine Bilanz des Vorgehens der Bundesbehörden zog, erklärte der Präsident, das Justizministerium
habe die Untersuchung möglicher Bürgerrechtsverletzungen beschleunigt, als der Freispruch verkündet wurde.
Er versprach, das Justizministerium und andere Bundesbehörden würden "rasch und fair" vorgehen und sich von
"Rechtsstaatlichkeit leiten lassen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Heute abend möchte ich zu Ihnen über die Gewalt in
unseren Städten und Gerechtigkeit für unsere Bürger
sprechen - zwei Themenkomplexe, um die es in den
Straßen von Los Angeles zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Erstens möchte ich eine Bilanz der
Ereignisse in Los Angeles ziehen.
Vor 15 Minuten habe ich mit dem Gouverneur von
Kalifornien, Pete Wilson, und dem Bürgermeister von
Los Angeles, Tom Bradley, gesprochen. Sie sagten
mir, die vergangene Nacht sei ruhiger als die vorige,
und heute sei es friedlicher als gestern gewesen.
Heute nachmittag gab es jedoch noch immer Zwischenfälle willkürlicher Gewalt und Gesetzlosigkeit.
Nach der ersten Nacht der Gewalt habe ich persönlich
mit Gouverneur Wilson und Bürgermeister Bradley
gesprochen, um eine Einschätzung der Lage vorzunehmen und Hilfe anzubieten. Wir sehen uns mit zwei
AMERIKA DIENST 18

sehr unterschiedlichen Problemen konfrontiert: zum
einen der dringenden Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung. Was gestern im Anschluß an
den Urteilsspruch der Geschworenen im Fall Rodney
King geschah, war eine tragische Serie von Ereignissen für die Stadt Los Angeles. Fast 4.000 Brände,
Beschädigung von Eigentum, Hunderte von Verletzten
und der sinnlose Tod von mindestens 30 Menschen.
Um jetzt sofort die Ordnung wiederherzustellen, sind in
der Stadt Los Angeles 3.000 Angehörige der Nationalgarde im Einsatz. Weitere 2.200 stehen zur unmittelbaren Unterstützung bereit. Als Ergänzung dieser
Bestrebungen habe ich weitere Maßnahmen ergriffen.
Erstens habe ich heute morgen das Justizministerium
angewiesen, 1.000 kampferprobte Bundespolizisten
zu entsenden, um noch heute abend die Ordnung in
Los Angeles wiederherzustellen. Zu diesen Beamten
zählen Teams des FBI, besondere Einheiten des U.S.Seite 1

�Marshall's Service zur Kontrolle von Aufständen, der
Grenzschutz und andere Polizeibehörden des Bundes. Zweitens stehen weitere 1.000 Bundespolizisten
in Alarmbereitschaft, falls ihr Einsatz erforderlich wird.
Drittens habe ich heute morgen 3.000 Angehörige der
7. Infanteriedivisionen und 1.500 Marineinfanteristen
am Flughafen El Toro in Kalifornien in Bereitschaft
versetzt.
Auf Bitten des Gouverneurs und des Bürgermeisters
habe ich diese Truppen heute abend zur Wiederherstellung der Ordnung entsandt. Ferner habe ich die
Nationalgarde der Bundesregierung unterstellt und
General Colin Powell angewiesen, all diese Truppen
einem Zentralkommando unterzuordnen.
Was wir in der vergangenen Nacht und den Nächten
davor in Los Angeles erlebt haben, ging nicht um
Bürgerrechte. Es ging nicht um die große Sache der
Gleichheit, für die alle Amerikaner eintreten müssen.
Es ist keine Protestbotschaft. Es ging schlicht und
einfach um die Brutalität des Mobs. Seien Sie versichert: zur Wiederherstellung der Ordnung bin ich zum
Einsatz der erforderlichen Kräfte entschlossen.
Was in Los Angeles geschieht, muß - und wird - ein
Ende haben. Als Ihr Präsident garantiere ich Ihnen,
daß diese Gewalt beendet wird.
Und jetzt möchte ich über die Mißhandlungen an
Rodney King sprechen. Denn hinter der dringenden
Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Ordnung steht
ein zweites Problem: die Frage der Gerechtigkeit. Ob
Rodney Kings Bürgerrechte verletzt wurden. Was Sie
und ich im Fernsehen gesehen haben, war abstoßend.
Ich fühlte den Ärger in mir hochsteigen. Ich fühlte
Schmerz. Ich dachte: Wie kann ich das meinen
Enkelkindern erklären?
Bürgerrechtler und einfache Bürger in Angst vor und
manchmal Opfer der Brutalität der Polizei waren zutiefst verletzt. Und ich weiß, gute und anständige
Polizisten waren ebenso abgestoßen.
Heute morgen habe ich mit zahlreichen Vertretern der
Bürgerrechtsbewegung gesprochen. Wie wir alle haben
auch sie das Video gesehen. 14 Monate lang haben
sie geduldig und voller Hoffnung gewartet. Sie haben
darauf gewartet, daß das System funktioniert. Und als
das Urteil verkündet wurde, fühlten sie sich betrogen.
Als Außenstehender war es schwer verständlich, wie
das Urteil in Einklang mit dem Video gebracht werden
konnte.
Diese Bürgerrechtler, die ich traf, waren sprachlos.
Meine Frau, meine Kinder und ich waren ebenso
sprachlos.
Aber das Urteil vom Mittwoch war nicht das Ende des
Prozesses. Das Justizministerium hat unmittelbar
nach dem Zwischenfall mit Rodney King selbst Ermitt-

Seite 2

lungen in die Wege geleitet und die Untersuchung
sowie das Verfahren in dem Bundesstaat überwacht.
Ich möchte Ihnen nun über die auf Bundesebene ergriffenen Maßnahmen berichten, um sicherzustellen,
daß der Gerechtigkeit Genüge getan wird.
Binnen einer Stunde nach der Urteilsverkündung habe
ich das Justizministerium angewiesen, seinen eigene
unabhängigen Ermittlungen des Falls zu beschleunigen. Als nächstes waren am Donnerstag fünf Bundesanwälte auf dem Weg nach Los Angeles. Unser
Justizministerium hat immer wieder seine Fähigkeit
unter Beweis gestellt, in einer Angelegenheit wie dieser umfassend zu ermitteln.
Seit 1988 hat das Justizministerium über 100 Polizisten für übermäßige Gewalt belangt. Ich bin zuversichtlich, daß das Justizministerium in diesem Fall
handeln wird wie es sollte. In Los Angeles wird heute
ein Bundesgeschworenengericht einberufen. Vorladungen werden ausgestellt. Beweise werden überprüft. Die Bestrebungen der Bundesbehörden in diesem Fall werden rasch und fair sein. Sie lassen sich
nicht von der Gewalt des Mobs, sondern der Wahrung
des richtigen Verfahrens und der Rechtsstaatlichkeit
leiten.
Wir sind dies allen Amerikanern schuldig, die ihr Vertrauen in das Gesetz setzen, damit der Gerechtigkeit
Genüge getan wird. Aber während wir diesen oder
irgendeinen anderen Fall verfolgen, müssen wir uns
einen Grundsatz unseres Rechtssystems vor Augen
führen. Jedem Amerikaner - ob Angeklagtem oder
Ankläger - steht die Wahrung seiner Rechte zu.
In diesem höchst kontroversen Fall wurde von kalifornischen Geschworenen Amerikanern aller Rassen ein
Gerichtsurteil verkündet, die von diesem Urteil schokkiert waren. Ihnen möchte ich sagen: Sie müssen
verstehen, daß unser Rechtssystem friedliche, ordentliche Mittel zur Behebung dieser Frustration vorsieht.
Wir müssen das Gerichtsverfahren respektieren gleichgültig, ob wir dem Ergebnis zustimmen oder
nicht. Es gibt einen Unterschied zwischen Frustration
über das Gesetz und direkten Angriffen auf unser
Rechtssystem.
In einer zivilisierten Gesellschaft kann es absolut keine
Entschuldigung für Mord, Brandstiftung, Diebstahl und
Vandalismus geben, mit denen die gesetzestreuen
Bürger von Los Angeles terrorisiert wurden. Vor nur
wenigen Minuten äußerte Bürgermeister Bradley mir
gegenüber besondere Sorge bezüglich der Sicherheit
der koreanischen Gemeinde. Ich fühle mit ihnen und
all den anderen, die Verluste erlitten haben.
Die mutwillige Vernichtung von Leben und Eigentum
ist kein legitimer Ausdruck für Ungeheuerlichkeiten im
Rechtssystem - sie selbst ist ungerecht. Und keine
rationalen Argumente, gleichgültig, wie tief empfunden
oder eloquent, können dies bemänteln.

AMERIKA DIENST 36

�Das Fernsehen ist ein Mediun geworden, das uns
häufig zusammenführt. Aber die lebhafte Darstellung
der Mißhandlungen an Rodney King hat uns schokkiert. Und das Amerika, das es uns in diesen letzten 48
Stunden auf den Bildschirmen gezeigt hat, stieß uns
ab. Dies ist nicht das Bild von Amerika, das wir uns
vorstellen. Es ist, als ob wir in einen Spiegel blickten,
der unser Alter ego verzerrt und häßlich erscheinen
läßt. Das dürfen wir nicht zulassen. Das können wir
uns nicht antun.
In den letzten 48 Stunden haben wir Bilder gesehen,
die wir niemals vergessen werden. Einige davon
waren unglaublich erschreckend. Aber es gab auch
andere Taten - kleine aber entscheidende Taten in all
dieser Häßlichkeit - die uns Hoffnung machen. Ich bin
jemand, dar unsere Polizisten respektiert. Sie bewahren der, Frieden. Sie sehen sich jeden Tag Gefahren
ausgesetzt. Sie helfen Kindern. Sie verdienen nicht
sehr viel - aber sie kümmern sich um ihre Gemeinden
und ihr Land. Tausende von Polizisten und Feuerwehrleuten riskieren gerade jetzt ihr Leben in den
Straßen von L.A., und sie verdienen unsere Unterstützung.
Und dann gibt es die Menschen, die jede Nacht nicht
in den Straßen, sondern in den Kirchen von Los
Angeles verbracht haben - betend, daß die sanfteren
Instinkte in den von Haß getriebenen Menschen zum
Vorschein kommen.
Und schließlich gab es die Bürger, die große persönliche Verantwortung bewiesen, den Mob ignoriert und
in großer persönlicher Gefahr den Opfern der Gewalt
geholfen haben - unabhängig von ihrer Rasse.
Von den vielen Geschichten, die ich in den vergangenen Tagen gehört und erlebt habe, bleibt mir eine im
Gedächtnis haften - die Geschichte eines brutal geschlagenen weißen Lastwagenfahrers - der heute
abend noch am Leben ist, weil vier Fremde, vier
schwarze Fremde, ihm zu Hilfe kamen. Zwei davon
waren Männer, die den Vorfall im Fernsehen sahen
und auf die Straße eilten, um zu helfen. Die andere war
sine Frau auf dem Heimweg von der Arbeit - und der
vierte ein junger Mann, dessen Namen wir vielleicht
niemals erfahren. Dem verletzten Fahrer gelang es,
sich hinter das Steuer seines Lastwagens zu setzen
und er versuchte, fortzufahren. Aber seine Augen
waren zugeschwollen. Die Frau fragte ihn, ob er sehen

*

AMERIKA DIENST 18

könne. Er antwortete mit Nein. Sie sagte: "Gut, dann
werde ich Dir meine Augen leihen."
Zusammen trotzten diese vier Menschen dem Mob
und fuhren den Lastwagenfahrer ins Krankenhaus.
Heute ist er am Leben - nur weil sie ihm zu Hilfe eilten.
Für jeden einzelnen von ihnen müssen wir die Gemeinde von Los Angeles wiederaufbauen - für diese vier
Menschen und andere wie sie, die inmitten dieses
Alptraums mit menschlichem Anstand handelten.
Wir müssen verstehen, daß niemand in Los Angeles
oder irgendeiner anderen Stadt ein Urteil über Amerika
gesprochen hat. Wenn wir die pulsierendste und
hoffnungsvollste Nation der Welt bleiben wollen, müssen
wir gestatten, daß unsere Vielfalt uns einander näherbringt und uns nicht voneinander entfernt. Dies muß
der Schlachtruf guter und anständiger Menschen sein.
Für ihr und unser aller Wohl müssen wir eine Zukunft
aufbauen, in der in jeder Stadt in diesem Land mutwilliger Zorn der Hoffnung Platz macht - wo Chancen an
die Stelle von Armut und Verzweiflung treten. Wenn
der Frieden in Los Angeles wiederhergestellt ist, müssen
wir uns den Ursachen solch tragischer Ereignisse
zuwenden. Wir müssen weiterhin daran arbeiten, ein
Klima des Verständnisses und der Toleranz zu schaffen - ein Klima, in dem Rassismus, Bigotterie, Antisemitismus und Haß jeglicher Art, zu jeder Zeit und
überall verurteilt werden.
Heute abend bitte ich alle Amerikaner, ihre Herzen,
ihre Stimme und ihre Gebete der Heilung vom Haß zu
leihen. Als Präsident habe ich den Eid abgelegt, die
Verfassung zu erhalten, zu schützen und zu verteidigen - einen Eid, der von jedem Präsidenten fordert, für
Gerechtigkeit zu sorgen und Ruhe im Inland sicherzustellen. Diese Pflicht steht heute abend für mich an
oberster Stelle.
Den durch die Ereignisse der letzten Tage betrübten
Menschen, den guten Menschen von Los Angeles, die
von diesem sinnlosen Leiden erfaßt wurden, möchte
ich sagen: Die Gewalt wird ein Ende haben. Der
Gerechtigkeit wird Genüge getan. Die Hoffnung kehrt
wieder.
Ich danke Ihnen, und möge Gott die Vereinigten Staaten von Amerika schützen.

* * *

*

Seite 3

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
6. Mal 1992

DIE UNRUHEN NACH DEM URTEILSSPRUCH
IN KALIFORNIEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen und Kolumnisten haben zur Entwicklung nach dem
Freispruch von vier weißen Polizisten vom Vorwurf der Mißhandlung eines schwarzen Autofahrers in Kalifornien
Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare.

Washington Times

The Washington Post

Täuschen wir uns nicht: Die Unruhen, die in South
Central L.A. und anderen Vierteln von Los Angeles
Tod und Zerstörung brachten, wurden durch den
Opportunismus von Kriminellen begangen, die immer
auf eine Gelegenheit warten. Der unpopuläre Urteilsspruch gab ihnen lediglich eine Entschuldigung.

Das Land befand sich schon früher an diesem Punkt.
Die Bilanz der Versäumnisse auf Staats- und Gemeindeebene beim Schutz von Schwarzen und anderen vor
Brutalität und Bigotterie - insbesondere, wenn sie von
Personen mit Polizeigewalt begangen werden - ist
allzu umfassend. Daß King unter dem Schutzschild
staatlicher Autorität mißhandelt - und ihm unserer
Meinung nach die Gerechtigkeit verweigert - wurde,
reiht auch diesen Fall in die gleiche Kategorie ein.
Ebenso sind die Plünderungen und Brandstiftungen,
die Morde und der allgemeine Ausbruch von Rassengewalt, deren Zeugen wir nun werden, Teil eines
ekelhaften und bekannten Musters in allzu vielen Städten,
wenn wirkliche oder vorgebliche Ungerechtigkeiten
durch den Staat auftreten. Nachdem sich dort im Jahr
1965 bereits ähnliches ereignet hat, ist Los Angeles
nun erneut die Szene solcher Gewalt.

Niemand, der ein emotionales oder wirtschaftliches
Interesse an einer Gemeinde hat, entscheidet sich für
die Sinnlosigkeit von Krawallen. Die Geschichte spricht
den Vorteilen eines solchen Weges Hohn. Watts hat
sich nie mehr von den Unruhen der sechziger und
siebziger Jahren erholt. Der H-Street-Korridor in
Washington zeigt immer noch die Narben der Verwüstung. Die Seventh Street erlebt erst jetzt nach nahezu
25 Jahren ein Comeback. Sind sie erst einmal zerstört,
sind wirtschaftliche Randgebiete dem Verfall preisgegeben, da es keinen Anreiz für ihren Wiederaufbau
gibt. Das ist die Selbstzerstörung, die von opportunistischen Krawallmachern angerichtet wird, und diese
sollten dafür verantwortlich gemacht werden. Die
Gemeinden wissen, wer sie sind.
Unabhängig davon, was man vom Spruch der Geschworenen hält: die Last der Entscheidung ruhte im
Fall King im Guten wie im Schlechten allein auf den
Schultern der Geschworenen. Ein Nachkarten wäre
bei dieser Entscheidung ein sinnloses Unterfangen.
Das System der Geschworenenverfahren kann zu
Ergebnissen führen, die einigen Leuten nicht gefallen,
aber niemandem ist bisher ein besseres System eingefallen, um über die Fakten zu befinden.

AMERIKA DIENST 18

Gouverneur Pete Wilson, Bürgermeister Bradley und
die kalifornischen Behörden sind jetzt mit der Herausforderung konfrontiert, die Ordnung wiederherzustellen, und zwar rasch. Dasselbe gilt jedoch auch für
Präsident Bush. Amerikaner aller Rassen müssen
wissen, daß ihre Rechte mit oder ohne die Gegenwart
einer Videokamera eine Bedeutung haben. Es war in
gewisser Weise beruhigend zu hören, daß Justizminister William Barr ankündigte, das Justizministerium
werde seine Ermittlungen wegen möglicher Verletzungen der Bürgerrechte intensivieren, obwohl abzuwarten bleibt, wie rasch und energisch das Ministerium
handeln wird. Die in Frage kommenden Bürgerrechtsbestimmungen stammen aus dem Zeitalter der Recon-

Seite 1

�struction (im 19. Jahrhundert nach dem US-Bürgerkrieg, Anm. d. Red.) und wurden in der Vergangenheit
wirksam eingesetzt, um Mißständen zu begegnen, zu
deren Korrektur einzelne Bundesstaaaten entweder
nicht bereit oder unfähig waren. Die Dienstmarken
dieser Polizeibeamten dürfen nicht dazu dienen, sie
vor der Haftung für Fehlverhalten zu schützen.
The Baltimore Sun
Selbst wenn sich die Polizeibeamten, die King schlugen, unter den gegebenen Umständen im Rahmen der
geltenden Gesetze bewegten, wie die Geschworenen
befanden, wurde durch die Prozeßführung Gerechtigkeit verweigert. Der Prozeß wurde aus der rassisch
gemischten Gemeinde, in der die Mißhandlungen
stattfanden, in einen rein weißen Vorort verlegt, in dem
ein Geschworenengremium ohne Schwarze gesichert
war. Warum wurde er verlegt? Weil die kalifornischen
Gerichte dem müden, alten, diskreditierten Argument
der Strafverteidigung folgten, daß Publizität vor dem
Gerichtsverfahren bei aufsehenerregenden Fällen einen
fairen Prozeß in der Gemeinde verhindere.
Wäre dasselbe Urteil von einem Geschworenengremium gefällt worden, zu dem auch Schwarze gehörten, wäre es wahrscheinlich nicht zu den Ausschreitungen gekommen. Die Schwarzen in Los Angeles, die so
gewalttätig reagierten, wären immer noch gegen das
Urteil gewesen, aber sie hätten sich als Teil des
Verfahrens gefühlt, das zu diesem Urteil führte. Die
politisch Verantwortlichen in allen Städten, in denen
Weiße und Schwarze versuchen zusammenzuleben,
müssen sich erneut dafür engagieren, daß alle Menschen in den Prozeß einbezogen werden, durch den
Recht und Ordnung und Gerechtigkeit zustande
kommen.
Der Freispruch der vier weißen Polizisten, die der
Mißhandlung von King, einem schwarzen Autofahrer,
beschuldigt werden, bedeutet nicht, daß Polizeibeamte jetzt freie Bahn zur Anwendung übermäßiger Gewalt haben, um Bürger zu bändigen, die sie festnehmen möchten. Im Gegenteil, diese für alle Zeiten auf
Videoband festgehaltene Tragödie muß als Paradebeispiel dafür betrachtet werden, wie man es nicht
machen sollte.
Die Nichtachtung des Rechts auf faire Behandlung
selbst für einen ehemaligen Häftling wurde deshalb
zum Rezept für die Ausmerzung der Achtung vor dem
Gesetz. Los Angeles hat nun ein erhebliches Wiederaufbauwerk vor sich, und dies gilt für die Beziehungen
mit den am wenigsten privilegierten Stadtteilen ebenso
wie in den Gewerbezentren, die durch den vom KingProzeß entfesselten emotionalen Wirbelsturm verwüstet wurden.
The New York Times
Eine hochrangige Untersuchungskommission hat letztes Jahr bestätigt, daß viele Polizeibeamte in Los
Seite 2

Angeles eine ungesunde Einstellung zu Rasse und
Gewalt haben. Die von Warren Christopher geleitete
Kommission identifizierte über 200 Beamte mit einer
Vorgeschichte gewalttätigen Fehlverhaltens - von denen
viele enthusiastische Beurteilungen durch ihre Vorgesetzten erhalten hatten. Los Angeles hatte bereits
begonnen, darauf zu reagieren. Beamte mit einer
Bilanz übermäßiger Gewaltanwendung werden versetzt, und ein neuer, schwarzer Polizeichef, Willie
Williams, der zur Zeit noch in Philadelphia Dienst tut,
wird das Ruder übernehmen.
Diese zaghaften Fortschritte bei der Glaubwürdigkeit
werden durch die Freisprüche vom Mittwoch gefährdet. Und die folgende Welle von Morden, Plünderungen und Brandstiftung gefährdet noch weit mehr,
indem sie zu einem repressiven und auf Rache sinnenden Klima der Durchsetzung von Recht und Ordnung
einlädt.
Die umfassendere Aufgabe des großen Geschworenengremiums bleibt jedoch bestehen - alle Amerikaner
der Integrität und Fairneß des Strafverfolgungssystems zu versichern. Der direkteste Weg dies zu
gewährleisten, besteht darin, achtbare Wege zu finden, um das Urteil der Geschworenen anzufechten.
Dafür gibt es Hoffnung. Der Beamte, der sich augenscheinlich am brutalsten aufführte, könnte erneut vor
Gericht gestellt werden. Mehrere beteiligte Polizisten
warten noch auf Disziplinarverfahren. Rodney Kings
Schadenersatzklage ist noch anhängig.
USA Today
Den Fall Rodney King als isolierten Vorfall zu betrachten, wäre eine Tragödie. Er muß als Symptom einer
Krankheit angesehen werden, die die gesamte Nation
betrifft.
Die Anklage, die zu der Explosion in Los Angeles
führte, wurde von einer Gesellschaft hervorgebracht,
die nicht in der Lage ist, ihre rassische Spaltung zu
überwinden.
Diese Spaltung ist wirtschaftlicher Natur, da schwarze
Männer nur 57% von dem verdienen, was weiße
Männer erhalten. Dazu gehört auch das abstoßende
System der ungerechten Justiz.
Wall Street Journal
Die Geschworenen waren aufgefordert zu entscheiden, ob die betroffenen Polizisten die zweite Linie
überschritten hatten. Sie betrachteten den eindeutig
exzessiven Einsatz von Gewalt, wie auf dem Videoband festgehalten, stellten aber andererseits fest, daß
zwei andere Insassen von Rodney Kings Auto unbehelligt blieben. Sie waren offensichtlich der Meinung,
daß Polizeibeamte, die mit gefährlichen, vielleicht noch
durch Drogen wie PCP aufgeputschten Personen
umgehen müssen, nicht wegen einer Überreaktion ins
Gefängnis wandern sollten. Man kann darüber strei-

AMERIKA DIENST 36

�ten, ob die Geschworenen die Linie am richtigen Ort
zogen, aber ihre Entscheidung ist keinesfalls eine
Rechtfertigung für das Anzünden von Geschäften oder
Verprügeln vorbeifahrender Lastwagenfahrer.
Romanschriftsteller Terry McMHIan in der New
York Times
Mein Bruder sitzt zur Zeit im Gefängnis. Er wurde 10
Meilen von Simi Valley entfernt wegen Trunkenheit am
Steuer festgenommen. Zum Glück wurde er nicht
mißhandelt. Wie viele weiße Männer sind wegen des
gleichen Vergehens inhaftiert worden? Wie viele
unschuldige schwarze Männer, die verprügelt wurden,
erschienen je auf einem Videoband? Und was würde
das jetzt auch ausmachen?...
Dies ist Amerika. Das Land der Freien. Heimat der
Mutigen. Nun, ich traue dem heute nicht mehr. Ich
glaube nicht an Gewalt. Aber wenn wir tun müssen,
was wir 1965 in Watts getan haben, um der Polizei von
Los Angeles, der Stadt und der Regierung mitzuteilen,
daß wir diese Art von Zerrbild nicht mehr tolerieren,
dann sage ich, daß wir unseren Standpunkt auf jede
uns zur Verfügung stehende Weise klarmachen müssen.
Ich möchte wirklich nicht, daß unschuldige Menschen
verletzt werden. Es sind bereits zu viele gestorben,
viel mehr Schwarze als Wei ße. Als Amerikaner afrikanischer Herkunft haben wir sowieso nicht soviel, und
wenn wir brandschatzen und morden, tun wir dies
meistens in unserem eigenen Hinterhof. Ich hoffe, wir
werden es nicht tun.
Kolumnistin Barbara Reynolds in USA Today
Die Amerikaner afrikanischer Herkunft müssen das
System verändern, indem sie intellektuell gefährliche
und konstruktive Unruhestifter werden. Das heißt, daß
sie nicht die häßliche, willkürliche Gewalt der Polizei
von Los Angeles imitieren.
Für junge Schwarze bedeutet dies zu verstehen, daß
ihre Hoffnung nicht in kurzfristiger Vergeltung, sondern
in langfristiger Rache besteht, die sich am Erfolg
bemißt. Das bedeutet, die Schule abzuschließen, zu
wählen, gegen Mißstände zu protestieren und sich zu
weigern, nutzlose Drogenabhängige zu werden.
Die Zeit läuft davon. Wir müssen der Kindern Hoffnung für die Zukunft geben, nicht bestürztes Schweigen, das alles war, was ich meinem Sohn diese Woche
anzubieten hatte.
•

Kolumnist William Raspberry in The Washington
Post
Schwarze sahen das Videoband mit den Mißhandlungen vor über einem Jahr, hörten die widersprüchlichen
Angaben der beteiligten Polizisten, hörten, wie Polizei-

AMERIKA DIENST 18

chef Gates seine Männer verteidigte und gleichzeitig
vorgab, das Ganze habe mit Rasse nichts zu tun,
hörten die rassistischen Witze über die Mißhandlungen über den Polizeifunk. Aber sie machten keinen
Krawall.
Warum? Weil sie darauf vertrauten, das dieses Mal
sicherlich Gerechtigkeit geübt werde. Dieses Mal
stand nicht mehr lediglich das Wort eines armen
schwarzen Opfers gegen das mehrerer weißer Polizisten, sagten sie. Der Vorfall war auf einem Videoband
dokumentiert.
Sie hielten an diesem Glauben sogar fest, als die
Verteidiger den Prozeß klugerweise von Los Angeles
nach Simi Valley verlegen ließen, deren hauptsächlich
aus Arbeitern bestehende Bevölkerung von 100.000,
darunter vielleicht 2.000 aktive Polizeibeamte, nur zu
2 Prozent aus Schwarzen besteht. Sie glaubten selbst
dann noch daran, als das Gericht ein Geschworenengremium berufen hatte, zu dem nicht ein einziger
Schwarzer gehörte.
Und mit dem Urteil vom Mittwoch explodierten sie.
Oder zumindest taten dies einige von ihnen - zu viele.
Die Führer der Schwarzen sagen, was sie sagen
müssen: Geht nach Hause. Stoppt die Plünderungen
und das Morden. Ihr schadet nur Euch selbst, wenn Ihr
Euer eigenes Viertel zerstört.
Aber die Führer der Weißen sagen nicht, was sie
sagen müssen: Daß sie dieses Mal entschlossen sind,
Gerechtigkeit anzustreben - oder zumindest soviel
Gerechtigkeit, wie nach dieser Travestie noch gerettet
werden kann.
Kolumnisten Eric W. Rose und Steven S. Lucas in
der Los Angeles Times
Als das Video als Beweismittel eingeführt wurde, wurde
es Bild für Bild im Hinblick auf die Handlungen und
Beteiligung jedes Angeklagten untersucht.
Dann, am Mittwoch nachmittag, war das Urteil perfekt:
mit Ausnahme eines einzigen Anklagepunktes gegen
den Polizeibeamten Lawrence Powell, bei dem sich die
Geschworenen nicht einigen konnten, befanden die
sechs Männer und sechs Frauen alle vier Offiziere in
allen Anklagepunkten für unschuldig. Warum haben
die Geschworenen nicht gesehen, was wir, die Öffentlichkeit, Abend für Abend in den Nachrichten so eindeutig festgestellt haben?
Die Antwort lautet, daß die Geschworenen nicht denselben Nachteilen unterlagen, die die Sichtweise der
Öffentlichkeit trübten. Für die Geschworenen war das
Videoband eines von vielen Beweismitteln, die in einem komplexen Fall zu bewerten und gewichten waren. Für die Öffentlichkeit war das Videoband das
einzige Beweismittel.

Seite 3

�Aber das Band alleine konnte nicht alle rechtlichen
Fragen dieses Falles beantworten, die kritischen Fragen nach Autorität, Beteiligung, Ausbildung, Verfahrensweise, nach Wahrnehmung und Glaubwürdigkeit.
Und die Medien waren unfähig, diese Fragen vom
Gerichtssaal in die Wohnzimmer zu tragen, insbesondere, da die Zuschauer den Fakten dieses Falles
eindeutig mit Vorurteilen gegenüberstanden.

umfeld nicht zur Straßendebatte über Gerechtigkeit
wird. Hochsensible Fälle wie die Mißhandlung von
Rodney King werden gerade aus der Gemeinde verlegt, auf die sie sich am meisten auswirken. Das
gerichtliche Verfahren nimmt die Geschworenen sorgfältig unter die Lupe, die fähig sein werden, dem
Justizsystem zu dienen. Der Prozeß ist eine geistige
Schlacht zwischen den Vertretern von Anklage und
Verteidigung, kein Forum der öffentlichen Debatte. Es
Kolumnistin Laurie Levenson in der Los Angeles herrschen die Regeln der Beweisführung. BehauptunTimes
gen werden in Frage gestellt. "Vernünftige Gewaltanwendung" wird zu einem Kunstbegriff, nicht zur Frage
Das Strafverfolgungssystem ist kein Vehikel für soziades gesunden Menschenverstands. In diesem Umfeld
le oder politische Veränderungen. Es ist ein langsakönnen Geschworene wie im Fall der Mißhandlung
mer, antiseptischer Prozeß, in dem 12 Mitglieder der
von King zu dem Schluß kommen, daß das Opfer der
Gesellschaft entscheiden, ob eine Person eines VerÜbeltäter war und der Übeltäter das Opfer.
brechens schuldig ist. Jede Vorsichtsmaßnahme muß
getroffen werden, um zu verhindern, daß das Prozeß-

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 36

�UMWELT
6. Mai 1992

WELTWEITE KLIMAVERÄNDERUNGEN DIE HALTUNG DER VEREINIGTEN STAATEN
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht des US-Außenministeriums zur Haltung
der amerikanischen Regierung im Hinblick auf weltweite Klimaveränderungen.
Die Wissenschaft
Seit einiger Zeit werden wir von Wissenschaftlern

gewarnt, daß Eingriffe des Menschen möglicherweise
zu weltweiten Klimaveränderungen beitragen, aber
auch darauf hingewiesen, daß es noch immer vieles
gibt, das wir im Hinblick auf dieses Thema nicht wissen
oder verstehen. Die Vereinigten Staaten haben sich
diese Warnung zu Herzen genommen. Durch Aktivitäten der Regierung und nichtstaatlicher Organisationen haben wir erheblich in die wissenschaftliche Forschung investiert, um das Wesen des Problems besser zu verstehen. Die Vereinigten Staaten tragen
gegenwärtig etwa die Hälfte des gegenwärtigen Forschungsetats für weltweite Klimaveränderungen.
Unserer Meinung nach ist die Wissenschaft das Fundament, auf dem eine solide Reaktion zu dem Problem
der Klimaveränderungen erarbeitet werden sollte. Die
folgenden Ausführungen repräsentieren einen Querschnitt der übereinstimmenden Meinung vieler Wissenschaftler, auch aus den Vereinigten Staaten, die
aktiv an internationalen Bestrebungen zum Verständnis dieses Problems beteiligt waren.
KISmaveränderungen
Obwohl Wissenschaftler noch nicht mit Sicherheit
sagen können, daß bereits eine vom Menschen herbeigeführte Erwärmung stattgefunden hat, deuten
Schätzungen darauf hin, daß eine cteigende Konzentration von Treibhausgasen wahrscheinlich d'e Temperatur der Atmosphäre und der Ozeane erhöht und
ihre Zirkulation sowie das Wetter beeinflußt. Der
Umfang, der Zeitraum und die regionalen Besonderheiten dieser Veränderungen können jedoch nicht mit
Sicherheit vorhergesagt werden. Klimamodelle prognostizieren, daß Veränderungen der Durchschnittstemperatur der Erdatmosphäre aufgrund einer Verdopplung der Konzentration von Kohlendioxid wahrscheinlich nicht außerhalb der Bandbreite von 1,5 bis
4,5 Grad Celsius liegen. Wenn man Ergebnisse bei
Modellen zugrundelegt und Klimabeobachtungen
AMERIKA DIENST 18

berücksichtigt, wird es sich bestenfalls um 2,5 Grad
handeln. Der damit einhergehende Anstieg des
Meeresspiegels wird auf zwischen 10 bis 50 Zentimeter und einem Meter geschätzt. Darüber hinaus hat die
in den letzten Jahren beobachtete Erwärmung denselben Umfang wie die in den Modellen vorhergesagte,
aber auch denselben Umfang wie die natürliche Variationsbreite. Der beobachtete Anstieg könnte vor allem
auf die natürliche Variationsbreite zurückzuführen oder
Bestandteil einer vom Menschen ausgelösten stärkeren Erwärmung sein. Potentielle Auswirkungen von
Klimaveränderungen variieren von Region zu Region,
wobei dürreanfällige Regionen, bewässerte Felder,
Wasserquellen, Küstenregionen und natürliche Ökosysteme am meisten gefährdet sind. Präzise Bewertungen über die Auswirkungen von Klimaveränderungen werden wahrscheinlich in den nächsten zehn
Jahren oder länger nicht zur Verfügung stehen.
Treibhausgase
Die wichtigsten Treibhausgase sind Wasserdampf
(H20), Kohlendioxid (C02), Methan (CH4) Stickoxid
(N20), Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) und Ozon
(03). Von diesen hat Wasserdampf den größten
Treibhauseffekt, wenn auch weltweit seine Konzentration in der Atmosphäre nicht direkt mit menschlichen
Aktivitäten zusammenhängt. Mit Ausnahme von FCKW
kommen all diese Gase natürlich vor, und Aktivitäten
des Menschen haben bei allen dazu geführt, daß ihre
Konzentration in der Atmosphäre erheblich gestiegen
ist. Das vor allem bei der Verbrennung fossiler Treibstoffe entstehende C02 macht etwa 60 Prozent des
Treibhauseffekts dieser anthropogenisch entstandenen Gase insgesamt aus. (Dies stützt sich auf Schätzungen der relativen Auswirkungen jedes dieser Gase
über einen bestimmten Zeitraum hinweg, was man
auch "Erderwärmungspotentiar - global warming potential, GWP, nennt). Die Industrieländer sind gegenwärtig für etwa die Hälfte der Emissionen von Treibhausgasen weltweit verantwortlich. Bis zum Jahr 2025

Seite 1

�wird sich die Rolle einzelner Länder verändert haben,
und die Industrieländer werden im Vergleich zu den
Entwicklungsländern und den Ländern mit einer Wirtschaft im Umbruch wahrscheinlich nur noch ein Viertel
der Gesamtmenge ausstoßen.
Minderung und Anpassung
Einige Auswirkungen der Klimaveränderungen können durch Verminderung oder Anpassung oder eine
Kombination von beiden erzielt werden. Eine Verminderung kann man erreichen, indem man Treibhausgasemissionen einzelner Quellen verringert sowie Senken und Reservoirs von Treibhausgasen - Ozeane,
Landflächen und Wälder - schützt und verbessert. Die
Emission aus einzelnen Quellen kann zum Beispiel
eingeschränkt werden durch gesteigerte Effizienz und
Einsparung von Energie und Veränderungen in der
Landwirtschaft. Senken für Treibhausgase können
durch Veränderungen der Fruchtfolge und der Nutzung landwirtschaftlicher Flächen verbessert werden,
insbesondere durch neue landwirtschaftliche Technik
sowie Aufforstung und Wiederaufforstung.
Durch Anpassung kann die Anfälligkeit gegenüber potentiellen Klimaveränderungen abgebaut werden. Ein
weltweiter Anpassungsprozeß zum Abbau der Anfälligkeitwird Maßnahmen erfordern wie Überprüfung der
Wassersysteme und Schutz der Küstenregionen, Züchtung von Feldfrüchten, die gegen Dürre und Hitze unempfindlich sind und die Entwicklung von Techniken
zum Schutz gefährdeter Ökosysteme.
Auswirkungen
Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin,
daß erhebliche Veränderungen im Klimasystem wahrscheinlich sind, wenn Treibhausgasemissionen in der
Atmosphäre weiterhin infolge von Eingriffen durch den
Menschen zunehmen. Dennoch können mit Hilfe
gegenwärtiger Analysen weder Kosten noch Nutzen
von Schritten zuverlässig vorhergesagt werden, die
bestimmte Konzentrationen in der Atmosphäre kontrollieren und gefährliche Eingriffe des Menschen in
das Klimasystem verhindern.
Der Ansatz der Vereinigten Staaten
Im Hinblick auf diese Unsicherheiten favorisieren die
Vereinigten Staaten einen flexiblen, langfristig orientierten Ansatz, der Maßnahmen identifizieren und
durchführen will, die aus einer Reihe von Gründen
gerechtfertigt sind, einschließlich der Reaktion auf
Klimaveränderungen. Solche Maßnahmen zielen darauf
ab, Treibhausgasemissionen zu vermindern und
Anpassungen an Klimaveränderungen vorzunehmen
sowie weiterhin Forschung zu betreiben über die
Wissenschaft selbst, die Auswirkungen, Technologie
und wirtschaftlichen Aspekte der Auswirkungen und
unserer Optionen zu deren Bewältigung. Angesichts
der Notwendigkeit einer weltweiten Reaktion auf die

Seite 2

Sorgen um Klimaveränderungen befürworten die
Vereinigten Staaten ein gemeinsames Vorgehen
(technisch und finanziell) mit Entwicklungsländern und
Ländern, bei denen sich die Wirtschaft im Umbruch
befindet. Nachfolgend einige Beispiele für Maßnahmen, zu denen sich die Vereinigten Staaten verpflichtet haben.
Abhilfe
Die Vereinigten Staaten sind fest entschlossen, wirtschaftlich wirksame Maßnahmen zur Behebung der
Klimaveränderungen zu ergreifen - Maßnahmen, mit
denen die Nettoemissionen von Treibhausgasen durch
Verringerung der Quellen und Erweiterung der Senken
reduziert werden. Unseres Erachtens können diese
Maßnahmen und ihre Auswirkungen in den Vereinigten Staaten mit denen anderer Industrienationen Schritt
halten.
Seit Februar 1991 haben die Vereinigten Staaten mit
der Verwirklichung einer nationalen Energiestrategie
begonnen, die einen neuen, effizienteren Kurs für die
Vereinigten Staaten aufzeigt. Darüber hinaus haben
wir ein neues Transportgesetz verabschiedet, dank
dem die Beförderung von Menschen und Gütern per
Auto, Fernverkehr und anderen Mitteln wesentlich
verbessert wird. Im Jahr 1990 haben die Vereinigten
Staaten ferner das strengste Gesetz zur Luftreinhaltung der Welt verabschiedet, mit dem auch die Emissionen verringert werden. Zusammengenommen
verpflichten uns diese Initiativen zu Maßnahmen in
folgenden Bereichen: Energieausnutzung, Transport,
Nutzung von Versorgungstechnologien mit niedrigerem Kohleausstoß, Agrar- und Ökoressourcen sowie
technologische Forschung und Entwicklung. Diese
Maßnahmen werden jetzt ergriffen.
Unseren Schätzungen zufolge werden diese Aktionen
die prognostizierten Nettoemissionen von Treibhausgasen in den Vereinigten Staaten bis zuui Jahr 2000
um 125 bis 200 Millionen Tonnen verringern. Diese
Reduzierungen machen 7 bis 11 Prozent der für das
Jahr 2000 errechneten Emissionen aus. Wir werden
unsere nationale Strategie sowie die voraussichtlichen
Effekte dieser Strategie verbessern und erweitern,
wenn neue wissenschaftliche, wirtschaftliche, technologische und politische Informationen verfügbar werden.
Auch die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen ergreifen Maßnahmen, die Auswirkungen auf
die Verringerung von Treibhausgasemissionen haben. Diese Maßnahmen werden unabhängig und/oder
gemeinsam mit der Bundesregierung durchgeführt.
Eine Bilanz der Programme auf Bundesstaaten- und
lokaler Ebene wird später zusammen mit Schätzungen
über Auswirkungen dieser Programme auf die Treibhausgasemissionen vorgelegt.

AMERIKA DIENST 18

�Anpassung
Die Vereinigten Staaten haben Bestebungen zur Erarbeitung und Entwicklung von Technologien und Praktiken in die Wege geleitet, die bei ihrer Verwirklichung
die Anpassung von Natur und Gesellschaft an die
umweltpolitischen, sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen der Klimaveränderung erleichtern könnten. Obwohl viele dieser Programme noch in den
Kinderschuhen stecken, wurden einige bereits in die
Praxis umgesetzt. Zu den Bereichen, denen unser
besonderes Augenmerk gilt, zählen Wirtschaftssektoren, die sich mit Wasservorräten, Ökosystemen,
Wäldern, Landwirtschaft (sowohl bewirtschaftet als
auch unbestellt) und Humanökologie befassen.

Erstellung einer detaillierten Bestandsaufnahme der
Bodennutzung und punktuelle Verschmutzung als
Grundlage der Analyse der meteorologischen Veränderungen.
Erwägung neuer Techniken für geowissenschaftliche
Programme und Projekte (einschließlich auf die Aufschlüsselung von Kosten und Nutzen solcher Projekte
ausgerichtete Forschung wie Stimulation der ozeanischen Biomasse und Solarfiltertechniken).
Förderung von Verhaltensforschung, Prüfung der langfristigen kulturellen Anpassung, psychologische Streßfaktoren sowie die Entwicklung von Verhaltensweisen
und Werten.

Küster .onen

Wasservorräte

Prüfung und Planung der Auswirkungen des Anstiegs
des Meeresspiegels auf die Küstenerosion, die künstlich geschaffene Infrastruktur und Ökosysteme.

Entwicklung einer klimatologischen Datenbank für
Wasservorräte zur Prognose und Erfassung der lokalen und regionalen Klimaveränderungen.

Entwicklung und Förderung von Methoden zur Beurteilung der Anfälligkeit für den Anstieg des Meeresspiegels und Durchführung integrierter Pläne für die
Küstenzonen zur Bewältigung dieser Anfälligkeit im
Rahmen der Zwischenstaatlichen Kommission zur
Klimaveränderung (Intergovernmental Panel on Climate Change - IPCC).

Analyse der Anfälligkeit der Tennessee Valley Authority Region für meteorologische Extreme, Untersuchung der Konsequenzen für Kraftwerke, Wasservorräte und Überschwemmungen.

Forst- und Landwirtschaft
Schaffung von Parzellen zur Überwachung des Zustands der Wälder für eine jährliche Beurteilung des
regionalen Ausmaßes der Umweltbedrohungen.
Verbesserung der Verzeichnisse über Bodenbeschaffenheit.
Entwicklung von Indikatoren für den Zustand von
Forst- und Weideland.
Forschung und Entwicklung neuer hitze- und/oder
dürrebeständiger Getreidesorten und Baumarten.
Programme zur Entwicklung von Technologien zur
Verbesserung des Ökosystems unter den Bedingungen der Klimaveränderung.
Forschung und Entwicklung von Technologien und
Praktiken zur Verbesserung der Produktivität von Landund Forstwirtschaft.
Erforschung der Auswirkungen erhöhter C02-Konzentrationen in der Atmosphäre auf die Landwirtschaft.
Ökosysteme und der Mensch
Schaffung eines integrierten biosphärischen Überwachungsnetzes unter Verwendung von biosphärischen
Reserven zur Beurteilung der Auswirkungen und
Reaktionen auf die weltweiten Klimaveränderungen
durch Ökosysteme und den Menschen.

Prüfung von Veränderungen der Wasservorräte infolge klimatischer/hydrologischer Veränderungen im
Rahmen von Programmen auf Regierungs- und Bundesstaatenebene.
Weitere Forschung
Die Vereinigten Staaten haben sich äußerst aktiv um
die Förderung der Forschung bemüht, die für das
Verständnis der wissenschaftlichen und ökonomischen
Aspekte des Klimawandels, einschließlich der natürlichen und künstlichen Veränderungen und deren Auswirkungen unerläßlich ist. Im Hinblick auf dieses Ziel
werden in den Haushaltsjahren 1990-1992 über 2,7
Milliarden Dollar für die Erforschung des weltweiten
Klimawandels ausgegeben, und die Haushaltsvorlage
des Präsidenten für 1993 fordert nahezu 1,4 Milliarden
Dollar für diesen Zweck- 260 Millionen (24%) mehr als
im Haushaltsjahr 1992. Das amerikanische Programm
umfaßt nahezu die Hälfte der gesamten weltweiten
Forschungsbemühungen im Bereich des Klimas und
Klimawandels.
Das Ziel des Forschungsprogramms besteht darin, auf
die entscheidendsten wissenschaftlichen Unsicherheiten zu reagieren, die von den Arbeitsgruppen für
Wissenschaft und Folgen des Klimawandels des IPCC
identifiziert wurden. Das amerikanische Forschungsprogramm zu den weltweiten Klimaveränderungen
(U.S. Global Change Research Program - USGCRP)
hat für die Durchführung der Forschungsvorhaben vier
miteinander verbundene Themenbereiche festgelegt:
1. Modelle und Prognosen,
2. Weltweite Wasser- und Energiezyklen,

AMERIKA DIENST 18

Seite 3

�3. Der weltweite Kohlenstoffzyklus,
4. Ökosysteme und Bevölkerungsdynamik.
Darüber hinaus unterstützt das Forschungsprogramm
wirtschaftliche Forschung in Zusammenhang mit den
Klimaveränderungen.
Das USGCRP wurde im Verlauf umfassender Bemühungen über viele Jahre hinweg entwickelt. Diese
Bemühungen sind bewußt breitgefächert und umfassen nicht nur amerikanische Regierungsbehörden,
sondern auch nationale und internationale Wissenschaftler sowie inoffizielle und offizielle Verbindungen
zu anderen staatlichen und privaten Organisationen.
Technische Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten unterstützen energisch die
technische Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern
und anderen Staaten, denn gerade diese Länder werden
im nächsten Jahrhundert die Hauptquelle von Treibhausgasemissionen sein. Die technologische Zusammenarbeit sollte sowohl "harten" als auch "weichen"
Technologiebedarf berücksichtigen. Dazu zählen neben
dem Technologietransfer im traditionellen Sinn vordringliche Anliegen wie die Bewertung des technischen Bedarfs, technische Entwicklung, technische
Hilfe, Aus- und Weiterbildung sowie Aufbau von Institutionen und Kapazitäten. Mit der Forderung eines
kooperativen Prozesses tragen die Vereinigten Staaten der Tatsache Rechnung, daß der erfolgreiche
Transfer von Wissen, Know-how oder Gerät von einem beiderseitigen Verhältnis abhängt, das auf gegenseitigen Interessen und Vorteilen beruht. Ein solcher Prozeß erkennt ferner die Kreativität und Dynamik des Privatsektors an und stützt sich darauf in
großem Maß.
Die Vereinigten Staaten haben bereits ein breites
Spektrum an Maßnahmen zur technologischen Zusammenarbeit beim Klimawandel eingeleitet, die folgende Bereiche umfassen:
Energieausnutzung,
Energieversorgung, Landwirtschaft, Forstwesen und
natürliche Ressourcen, Klimawissenschaft und Küstenzonen. Eine Stichprobenerhebung ausgewählter
Länder und Regierungsbehörden zeigt, daß wir allein
im Jahr 1991 über 140 Millionen Dollar in die Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern und Ländern, deren
Volkswirtschaften sich im Übergang befinden, für diese Maßnahmen investiert haben. Ein Blick auf kommende Haushalte macht klar, daß diese Summe
anwachsen wird, während wir ein besseres Verständnis der wissenschaftlichen Aspekte der Klimaveränderungen und der Maßnahmen gewinnen, die einzelne
Länder zu deren Bewältigung für sinnvoll halten.
Um Ländern bei der Einschätzung ihrer Bedürfnisse im
Hinblick auf die Entwicklung solider Reaktionen auf die
Klimaveränderungen im Kontext übergeordneter Entwicklungsziele zu helfen, haben die Vereinigten Staaten unlängst 25 Millionen Dollar bereitgestellt, um in
Seite 4

einem Zeitraum von zwei Jahren Länderstudien für
Entwicklungsländer und Länder im Übergang zu unterstützen. Ferner haben wir 50 Millionen Dollar für den
Kernfonds der umstrukturierten Globalen Umweltfazilität (GEF) von Weltbank, UNDP und UNEP bereitgestellt.
Der internationale Prozeß
Die Vereinigten Staaten befürworten eine Rahmenkonvention, die ein Forum und einen Prozeß ins Leben
ruft, um alle Länder langfristig in die Bewältigung von
Problemen des Klimawandels einzubinden.
Wir gehen davon aus, daß dieses Forum aus einer
Konferenz der Parteien, einem Sekretariat und zwei
Untergruppen der Konferenz der Parteien bestehen
sollte: Einem Wissenschaftlichen Beraterausschuß
und einem Durchführungsausschuß. Der Wissenschaftliche Beraterausschu ß wäre das Bindeglied zum
IPCC sowie anderen internationalen wissenschaftlichen und technischen Organisationen. Er würde die
Arbeit dieser Organisationen für die Konferenz der
Parteien interpretieren und bündeln. Der Durchführungsausschuß würde technische Einschätzungen von
Berichten erstellen, die der Konvention zufolge der
Konferenz der Parteien zur Überprüfung vorgelegt
würden.
Wir stellen uns einen internationalen Prozeß vor, dessen
Schwerpunkt auf Aktionen liegt. Unter Zugrundelegung gemeinsamer Methoden würden die Industriestaaten zunächst Emissionsverzeichnisse erstellen.
Darüber hinaus würden sie nationale Klimaaktionspläne mit Maßnahmen entwickeln, die entweder eine
Milderung von oder Anpassung an Klimaveränderungen bewirken würden. Darüber hinaus würden die
Industriestaaten Maßnahmen festlegen, die sie unter
Berücksichtigung nationaler Bedingungen ergreifen
würden, und Schätzungen über Auswirkungen ihrer
Maßnahmen über einen vereinbarten Zeitraum vorlegen. Die Abschätzung dieser Auswirkungen würde auf
vereinbarten Methoden beruhen. Durch Berichterstattung über Maßnahmen in einem offenen und transparenten Prozeß wären alle Parteien in der Lage, Informationen und Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Die Wachsamkeit der Öffentlichkeit wird einen starken Anreiz für die Einleitung sinnvoller Maßnahmen mit größtmöglichen Vorteilen für das
Klima und andere Bereiche liefern. Diese Überprüfungen sollten in vereinbarten Abständen so bald wip
möglich stattfinden.
Unserer Meinung nach sollten sich auch Entwicklungsländer und Länder im Übergang zur freien Marktwirtschaft an diesem Prozeß beteiligen, indem sie nationale Berichte erstellen, ihre Berichte würden maßgebliche nationale Bedingungen beschreiben und ihre
gegenwärtigen Emissionen sowie die Anfälligkeit für
Klimaveränderungen bewerten. Viele dieser Länder
benötigen Hilfe bei der Abfassung solo! «i Berichte,

AMERIKA DIENST 18

�und wir haben deshalb technische Zusammenarbeit
vorgeschlagen. Insbesondere haben wir für einen
Zweijahreszeitraum 25 Millionen Dollar bereitgestellt,
um ihnen zu helfen, als Grundlage für die Erstellung
nationaler Berichte ihre jeweilige nationale Situation
und ihre Bedürfnisse einzuschätzen. In diesen Berichten würden Länder besondere Vorhaben und Programme definieren, die sowohl dem Klima als auch
ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zugute kämen.
Darüber hinaus würden sie den Bedarf an technischen
und finanziellen Ressourcen identifizieren, die für die
Durchführung solcher Vorhaben erforderlich sind.

Wir gehen davon aus, daß dieser Prozeß eine weltweite Antwort auf ein eindeutig weltweites Problem einleiten wird. Die Konzentration auf solide Maßnahmen
wird sinnvolle Ergebnisse hervorbringen. Die Anerkennung und Respektierung nationaler Bedingungen
wird dazu beitragen, eine breite Beteiligung sicherzustellen. Die Bereitstellung von technischer Zusammenarbeit und Unterstützung für bedürftige Länder
wird einen kooperativen Ansatz fördern und damit die
Bemühungen zum Aufbau einer weltweiten Partnerschaft stärken, die auf unserem Weg ins nächste
Jahrhundert notwendig ist.
*

AMERIKA DIENST 18

*

Seite 5

�US-WELTROLLE
6. Mail992

ZUR ROLLE DER USA NACH DEM ENDE DER UDSSR
Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft
WASHINGTON - (AD) - Zwei neue Studien renommierter Fcrschungseinrichtungen, die eine Einschätzung dor amerikanischen Rolle im Zeitalter nach dem
kalten Krieg vornehmen, stimmen überein, daß die
Vereinigten Staaten nicht zum Isolationismus zurückkehren dürfen, vertreten jedoch unterschiedliche
Ansichten zur Strukturierung der nationalen Verteidigungspolitik.
Die kürzlich vom Council on Foreign Relations und The
Heritage Foundation veröffentlichten Untersuchungen
liefern grundverschiedene Meinungen zu anderen
Elementen eines Rahmens für die amerikanische
Außenpolitik in den neunziger Jahren.
Die Studie des Council on Foreign Relations mit dem
Titel "The Imperial Temptation: The New World Order
and America's Purpose" (Die imperiale Versuchung:
Die neue Weltordnung und Amerikas Zweck) lehnt
eine Politik ab, die weltweite Sicherheitsverpflichtungen billigen würde und behauptet, unter der BushAdministration habe eine wachsende Tendenz zum
unnötigen Einsatz militärischer Macht bestanden.
Die Studie der Heritage Foundation mit dem Titel
"Making the World Safe for America: A U.S. Foreign
Policy Blueprint" (Die Welt sicherer für Amerika gestalten: Ein Plan für die amerikanische Außenpolitik) geht
davon aus, daß die Vereinigten Staaten bereit sein
nüssen, ihre Interessen weltweit zu verteidigen. Es
kommt jedoch Besorgnis über die riesigen staatlichen
Bürokratien zum Ausdruck, die notwendig waren, um
die Sowjetunion zu besiegen.
Die Ergebnisse des Council on Foreign Relations
weisen darauf hin, daß die Bush-Administrs*ion bei
ihren Versuchen zur Behandlung der von den neuen
weltweiten Realitäten hervorgerufenen Herausforderungen die grundlegenden Ideale verraten hat, auf
denen die Vereinigten Staaten gegründet wurden. Die
Autoren Robert Tucker und David Hendrickson führen
den Krieg am Persischen Golf als schlagendes Beispiel für ihre Behauptung an, daß Präsident Bushs
Vision von einer neuen Weltordnung nicht mit den
traditionellen diplomatischen Prinzipien Amerikas in
Einklang steht.

AMERIKA DIENST 18

Sie kritisieren Bushs umfassenden militärischen Angriff auf den Irak als unverhältnismäßige und inhumane Antwort auf die Krise am Persischen Golf, und sie
argumentieren, daß Bush mit dem Einsatz von Gewalt
zur Beendigung der Krise trotz Verfügbarkeit anderer
Mittel und der anschließenden Abwendung von den
ruinösen Kriegsfolgen der "imperialen Versuchung"
erlegen sei, die auch andere große Mächte der Vergangenheit verführt und korrumpiert habe.
Tucker, ein emeritierter Professor der School of Advanced International Studies der Johns Hopkins University, und Hendrickson, Professor für politische
Wissenschaften am Colorado College, sind der Ansicht, daß "Isolationismus" und "Interventionismus"
falsche Alternativen sind, die den Charakter der heutigen Herausforderung für die amerikanische Politik
verschleiern.
Sie erklären, die wichtigste Herausforderung sei die
Absage an die hoch militarisierte und auf Bestrafung
fixierte Einstellung, die das Zeitalter des kalten Krieges
prägte, und die Durchführung konstruktiver Maßnahmen zur Sanierung des ehemaligen Ostblocks sowie
die Gewährleistung eines offenen Handelssystems.
Tucker und Hendrickson zufolge können die Vereinigten Staaten der Welt nicht den Rücken kehren, aber sie
benötigen gleichzeitig einen neuen Internationalismus,
der sich von dem der Bush-Administration stark unterscheidet.
Die Studie der Heritage Foundation lehnt sowohl Isolationismus als auch zwanghaften Interventionismus
ab. Sie bietet Washington eine Strategie für die
amerikanische Außenpolitik nach dem Ende der UdSSR
an, die amerikanische Interessen definiert, mögliche
Bedrohungen dieser Interessen beschreibt und MaO
nahmen sowie Waffensysteme und militärische Strategien zum Schutz amerikanischer Interessen identifiziert. Der Plan beruht auf den konservativen Prinzipien, die der Untersuchung zufolge den kalten Krieg
gewonnen haben: der Notwendigkeit zur Verteidigung
der vitalen Interessen Amerikas, dem Vertrauen in die
Freiheit, einer Verpflichtung auf die amerikanischen
Grundwerte und die westliche Zivilisation sowie dem

Seite 1

�Glauben an die Prinzipien der Begrenzung des Staates, freie Märkte und die Selbstverantwortung des
einzelnen.
Der Vizepräsident und Leiter der Abteilung für außenund verteidigungspolitische Studien der Heritage
Foundation, Kim Holmes, erklärt, "als Konservative,
die an wenig Staat glauben, sind wir besorgt über die
riesigen Bürokratien des Pentagons und anderer Bereiche, die zum Sieg über die UdSSR benötigt wurden", und der Heritage-Report nennt den "großen
Regierungsapparat" als "größte Bedrohung der Freiheit" im 20. Jahrhundert.
"Tatsächlich ist die heutige Mammutbundesregierung
nicht so sehr das Produkt des New Deal als vielmehr
der massiven Macht, die in Washington für den Zweiten Weltkrieg und den kalten Krieg angehäuft wurde",
erklären die Autoren der Heritage-Studie. "Das riesige
Pentagon hat natürlich die Freiheit Amerikas bewahrt;
es legitimiert jedoch auch die ungeheure Zentralisierung der Macht, die erforderlich ist, um die von Lyndon
Johnson und Richard Nixon eingeleiteten riesigen
innenpolitischen Programme durchzuführen. Während die Konservativen also das für die Führung des
kalten Krieges erforderliche große Pentagon akzeptierten, würden sie mit dem Schwinden der sowjetischen Macht ein drastisch verkleinertes Pentagon und
Außenministerium begrüßen."
Die Autoren gehen davon aus, daß die amerikanischen Verteidigungsziele "mit einer entschieden kleineren und billigeren Streitmacht als erforderlich war,
um die sowjetische Aggression abzuschrecken, und
mit wesentlich weniger in Europa und anderen Au ßenposten stationierten Amerikanern" gewährleistet werden können.
"Die Amerikaner haben vergeblich darauf gewartet",
daß Präsident Bush den "neuen Kurs" der Vereinigten
Staaten definiert, meint Holmes. "Abgesehen von
lancierten Pentagon-Berichten unterer Ebenen und
dem verworfenen Konzept der 'neuen Weltordnung'
hat die Administration zur amerikanischen Rolle in der
Welt fahrlässiges Schweigen bewahrt. Weder vom
nationalen Sicherheitsrat noch vom Außenministerium, den für die amerikanische Außenpolitik besonders zuständigen Gremien, wurden großartige Studien
in Auftrag gegeben. Und im Kongreß wurde keine
große Debatte geführt."
Der Bericht des Council on Foreign Relations behauptet, die amerikanische Außenpolitik sollte zu den Leitlinien der Gründerväter zurückkehren, die eine weit
bessere Anleitung böten, um mit den Gefahren und
Chancen für das heutige Amerika umzugehen als das
gegenwärtige außenpolitische Programm der BushAdministration. Zu diesen Prinzipien gehören laut
Tucker und Henderson die folgenden:
Eine skeptische Haltung zum Einsatz militäri-

Seite 2

scher Gewalt und die Ablehnung weltweiter Sicherheitsverpflichtungen ;
eine tiefgreifende Antipathie gegen die Staatsverschuldung;
der Glaube, daß der amerikanische Beitrag zu
geordneter Freiheit in der Welt primär durch
friedliche und konstruktive Maßnahmen angestrebt werden muß und nicht durch Straf- und
destruktive Maßnahmen;
die Akzeptanz der Notwendigkeit für Kooperation zwischen freien Regierungen, eine Idee, die
den Autoren zufolge die Beibehaltung einer Sicherheitsgemeinschaft mit Westeuropa und
Japan erfordert, gleichzeitig jedoch gebietet,
daß die Verbündeten Amerikas die Hauptverantwortung für ihre konventionelle Verteidigung
übernehmen;
eine Aversion gegen Einmischung in die inneren
Angelegenheiten anderer Regierungen.
Die Spezialisten der Heritage Foundation erklären, der
"Hauptzweck" der amerikanischen Au ßen- und Verteidigungspolitik sei der Schutz von Leben, Freiheit und
Eigentum der Amerikaner. Sie machen fünf Hauptinteressen der Vereinigten Staaten aus, denen die
Außenpolitik zu dienen habe:
Schutz des amerikanischen Territoriums und
Luftraums;
Verhinderung der Kontrolle Europas, Ostasiens
oder des Persischen Golfs durch eine andere
Macht;
Sicherung des amerikanischen Zugangs zu den
Weltrohstoff vorkommen und den Meeren;
Erweiterung des freien Handels in öe\~ ganzen
Welt;
Schutz von Amerikanern vor Bedrohungen ihres Lebens und Wohlergehens.
Mit Blick auf diese Interessen identifiziert das Heritage-Team die primären Bedrohungen für die Vereinigten Staaten und nennt als deren wichtigste die Möglichkeit eines Angriffs mit Atomraketen durch einen der
wachsenden Zahl von Kernwaffenstaaten. Und ihrer
Meinung nach liegt angesichts dieser Bedrohung die
einzig mögliche Reaktion ebenfalls auf der Hand: die
Verbreitung solcher Technologie zu verhindern - falls
notwendig mit Gewalt - und Verteidigung gegen einen
Atomangriff.
Eine weitere Bedrohung der Vereinigten Staaten sind
Konflikte an ihren Grenzen, die dem Heritage-Team
zufolge durch eine wirtschaftliche Verbindung Amerikas mit Mexiko durch das geplante Nordamerikanische Freihandelsabkommen abgewehrt werden kann.

AMERIKA DIENST 18

�Zu den sonstigen Bedrohungen gehören Protektionismus und Handelsblöcke, regionale Bemühungen zur
Unterbrechung von Seewegen, Terrorismus und Drogenhandel.
Europa, Ostasien und der Persische Golf werden
Gebiete erheblicher Besorgnis für die Vereinigten Staaten
bleiben, so die Heritage-Experten. Da in Europa keine
totalitäre Bedrohung am Horizont auftaucht, können
die Vereinigten Staaten der Studie zufolge ihre Truppen auf dem Kontinent bis Ende des Jahrzehnts drastisch auf etwa 50.000 reduzieren. Falls es nicht zu
einer erneuten Bedrohung auf dem Territorium der
ehemaligen Sowjetunion kommt oder eine dominierende gegnerische Macht auftritt, sollten die Vereinigten Staaten keine Truppen für einen regionalen Konflikt in Europa zusagen, erklären die Heritage-Spezialisten.
"Es liegt jetzt an der Europäischen Gemeinschaft,
Probleme zu lösen, die nicht direkt die amerikanische
Sicherheit berühren," meint Jay Kosminsky, stellvertretender Direktor für verteidigungspolitische Studien
bei der Heritage Foundation. "Wenn die Europäer uns
in Europa haben möchten, sollten sie uns darum bitten
und die Kosten unseres Engagements tragen."
Die Vereinigten Staaten sollten darüber hinaus die
Europäer drängen, Handelshemmnisse abzubauen
und als Gegenleistung für die anhaltende amerikani*

AMERIKA DIENST 18

sehe Präsenz die Vereinigten Staaten bei der strategischen Verteidigung und anderen Fragen zu unterstützen, so Kosminsky.
Die Heritage-Studie zieht den Schluß, daß die Geschichte "eindeutig gegen eine Wendung nach innen
spricht... Die Konservativen sollten nicht für Isolation
eintreten." Gleichzeitig warnt die Studie, auch "übermäßiges Eiferertum" sei gefährlich. "Demokratische
Kreuzzüge sind kein geeigneter Schwerpunkt einer
konservativen Außenpolitik."
Holmes zufolge geeigneter "ist es für Amerikaner, ihre
Interessen in der Welt zu definieren, die Bedrohungen
für sie zu identifizieren und dann Maßnahmen zu
ergreifen, um diesen Bedrohungen entgegenzutreten
sowie die Interessen zu schützen und erweitern".
Der im Jahr 1921 gegründete Council on Foreign
Relations ist eine gemeinnützige und überparteiliche
Mitgliederorganisation, die sich der Förderung des
Verständnisses der amerikanischen Außenpolitik durch
den freien Austausch von Ideen verschrieben hat. Die
im Jahr 1973 gegründete Heritage Foundation ist ein
überparteiliches, gemeinnütziges Forschungsinstitut,
das den Prinzipien des freien Unternehmertums, der
begrenzten Rolle des Staates, individueller Freiheit
und starker nationaler Verteidigung verpflichtet ist.

* * *

*

Seite 3

�MINDERHEITEN
6. Mail 992

STARKER ZUWACHS BEI MINDERHEITEN
IN USA PROGNOSTIZIERT
Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen
WASHINGTON - (AD) - Wenn die gegenwärtigen
Einwanderungs- und Bevölkerungsmuster anhalten,
werden einem bekannten Demographen zufolge bis
zum Jahr 2040 nur etwa 60 Prozent der Amerikaner
europäischer Abstammung sein.
Den Rest werden zumeist Einwanderer aus Südamerika und Asien, ihre Nachkommen und amerikanische
Schwarze bilden, erklärt Jeffrey Passei.
Passei, ein an der Johns Hopkins University ausgebildeter Soziologe, ehemaliger Beamte des Statistischen
Bundesamts und oft zitierte Quelle für Bevölkerungsentwicklungen verweist darauf, daß in zwanzig Jahren
Schwarze nicht mehr die größte Minderheitengruppe
stellen werden. Sie werden von Hispaniern und später
möglicherweise von Amerikanern asiatischer Abstammung abgelöst. (Hispanier beschreibt in Amerika
Personen mexikanischer, mittel-oder südamerikanischer Herkunft. Viele Hispanier haben indianische
und spanische Vorfahren).
Passei und Barry Edmonston vom Urban Institute,
einer gemeinnützigen, nicht parteigebundenen Denkfabrik in Washington, haben kürzlich einen Bericht
über Einwanderung und Rasse in den Vereinigten
Staaten veröffentlicht.
Sie schätzen, daß die Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2040 auf 355 Millionen
steigen wird - von 249 Millionen im Jahr 1990.
Wenn dem Bericht zufolge die gegenwärtigen Tendenzen bei der Einwanderung in den nächsten 50 Jahren
anhalten, "wird die Minderheitenbevölkerung weiterhin
wachsen, wobei die Gruppen der Hispanier und Asiaten ihr starkes Wachstum der letzten Jahrzehnte fortsetzen wird".
Er führt weiter aus: "Beim gegenwärtigen Stand der
Einwanderung wird die hispanische Bevölkerung die
schwarze Bevölkerung überholen und in weniger als
20 Jahren die größte Minderheitengruppe in den Vereinigten Staaten werden."

AMERIKA DIENST 18

"1990", so der Bericht, "besteht etwa ein Viertel der
Bevölkerung aus Minderheiten, wobei Schwarze etwa
12 Prozent der Gesamtbevölkerung stellen. Der Anteil
der Schwarzen (an der Gesamtbevölkerung) wird im
nächsten Jahrhundert weiterhin etwa 12 bis 13 Prozentbetragen."
"Der Prozentsatz der Gesamtbevölkerung, die asiatischer oder hispanischer Herkunft ist, wird jedoch weiter steigen. Bis 2040 werden schätzungsweise 40
Prozent der Bevölkerung einer Minderheit angehören... Der Anteil der schwarzen Minderheit wirdweiterhin zurückgehen. Bis 2040 werden Schwarze weniger
als ein Drittel der Minderheiten stellen."
Passei und Edmonston schätzen, daß die Anzahl der
Amerikaner asiatischer Herkunft von 7 Millionen im
Jahr 1990 auf 35 Millionen im Jahr 2040 steigen wird.
Demnach wird sich die Zahl der Hispanier auf 64
Millionen verdreifachen. Der Anteil der Schwarzen
wird von 30 Millionen auf 44 Millionen steigen, und die
Zahl nichthispanischer Weißer wird von 187 Millionen
auf 211 Millionen steigen.
Passei gibt zu, daß sich natürlich jede dieser Schätzungen aufgrund unvorhergesehener Ereignisse als
unbegründet erweisen könnte: weltweite politische
Verschiebungen, die plötzlich (wie in der Vergangenheit) Einwanderungsmuster verändern, Krankheiten,
Lebenserwartung, vom Kongreß verabschiedete
Gesetze und andere Variablen.
"Die große Steigerung," erklärte Passei in einem Interview, "wird erwartungsgemäß bei der hispanischen
Bevölkerung stattfinden. Wir schätzen, daß etwa 40
Prozent der (legalen und illegalen) Einwanderer Hispanier sein werden - ebensoviel wie jetzt... Ihre Fortpflanzungsrate ist etwas höher als bei der nichthispanischen Bevölkerung. Dennoch ist die hohe Trendlinie
für das Wachstum der hispanischen Bevölkerung fast
ausschließlich auf die geschätze Einwanderung zurückzuführen. Auch die Gruppe der Asiaten wird
immer größer, wofür ebenfalls die Einwanderung verantwortlich ist."

Seite 1

�Im Augenblick prognostiziert Passei keine neuen Einwanderungswellen aus Ost- oder Westeuropa - den
tradtionellen Herkunftsländern. "So wie das Einwanderungsgesetz von 1990 funktioniert," erklärt er, "gibt
es zwar eine Bestimmung, die Einwanderer aus Europazuläßt, aber nur in sehr geringer Zahl. Ferner ist das
US-Einwanderungsgesetz sehr liberal bei der Zulassung von Verwandten der Personen, die bereits hier im
Land leben - und bei uns leben bereits zahlreiche
Einwanderer aus hispanischen oder asiatischen Ländern, die einreisewillige Verwandte haben und einfach
weitere Verwandte angeben. Ein Einwanderer aus
Osteuropa hat nicht so viele Verwandte."
Passei fügt hinzu, daß "fast alle Untersuchungen über
den Einfluß von Einwanderern zu dem Schluß kommen, daß Einwanderer sich positiv auf die Wirtschaft
auswirken... Sie neigen dazu, Arbeitsplätze zu schaffen und streben in größerem Umfang eine Erwerbstätigkeit an als die einheimische Bevölkerung. Bestimmte Segmente sind besonders geneigt, neue Betriebe
zu gründen."
Unter Hinweis darauf, daß es in Amerika "einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften gibt, erklärt er, daß
"das Gesetz von 1990 die Zahl der verfügbaren Stellen
für hochqualifizierte Einwanderer erhöht hat, von 58.000
auf 140.000, aber wir bekommen auch viele hochqualifizierte und fähige Einwanderer durch den Passus
des Einwanderungsgesetzes über Familienzusammenführung. Wenn Sie die Mitte der achtziger Jahre zurückblicken und die Zahl der zugelassenen Ingenieure und Krankenschwestern betrachten, so kamen
zwischen 60 und 70 Prozent von ihnen im Rahmen der
Familienzusammenführung."

Seite 2

Was die sozialen Auswirkungen der Einwanderung
betrifft: "Esgibt... einige Schwierigkeiten, zum Beispiel
für unsere Schulsysteme, weil sie mit Menschen so
unterschiedlicher Herkunft umgehen müssen."
"Ferner besteht die Gefahr der Zersplitterung des
politischen Gefüges in einer Reihe von sich verstärkenden Dimensionen, wenn die Kluft zwischen Gruppen von Hispaniern und Asiaten sowie Schwarzen und
Weißen durch andere Spaltungen der Gesellschaft
verstärkt werden - Klassenunterschiede, unterschiedliche Wohngebiete, berufliche Unterschiede."
Dennoch erklärt Passei: "Einwanderung verbindet die
Vereinigten Staaten mit dem Rest der Welt. Neue
Einwanderer unterhalten Verbindungen zu ihren Heimatländern, und von beiden Seiten gibt es einen Fluß
von Menschen, Informationen, Waren und Dienstleistungen. Im Gegensatz zu anderslautenden Behauptungen gibt es keine Beweise, daß Einwanderer den
Einheimischen Arbeitsplätze wegnehmen. Und was
die Verbrechensrate in unseren Städten betrifft, habe
ich nichts gefunden, was darauf hindeutet, daß Einwanderung hier die treibende Kraft ist."
"Ich glaube," so Passei, daß die Einwanderer in die
Vereinigten Staaten kommen, um Amerikaner zu werden.
Wenn sie die Entscheidung treffen, sich nicht anzupassen, trägt dies dazu bei, daß viele von ihnen
zurückgehen. Wir beobachten viele Ehen zwischen
unterschiedlichen Rassen und Menschen unterschiedlicher Herkunft, und Hispanier und Asiaten sind in den
Wohngebieten nicht stark voneinander getrennt. Diese Anzeichen sind ermutigend."

AMERIKA DIENST 18

�WAHLEN

'9 2
6. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON -(AD) - Die nachfolgend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (29. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie
die Ergebnisse der Vorwahlen in Pennsylvania.
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Ergebnisse der Vorwahlen vom 28. April

Clinton

1.499,50

Nicht gebunden

569,25

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 28.
April erhalten hat.

Tsongas

535

Demokraten

Brown

321,25

Clinton

57

Brown

26

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Tsongas

13

Bush

Sonstige

4

Sonstige

40

1.092

Buchanan
Sonstige

56
3

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

77

Buchanan

23

* * * *

AMERIKA DIENST 18

Prozentsatz der Stimmen

*

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush begrüßt von Weizsäcker und Genscher im Weißen Haus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Begrüßungsansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Unruhen in Los Angeles&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bush: die Gewalt in Los Angeles muss ein Ende haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Fernsehansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Unruhen nach dem Urteilsspruch in Kalifornien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Klimaveränderungen - die Haltung der Vereinigten Staaten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zur Rolle der USA nach dem Ende der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zur Rolle der USA nach dem Ende der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwei neue Studien behandeln wichtige Anliegen der Zukunft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Minderheiten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Starker Zuwachs bei Minderheiten in USA prognostiziert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neuer Bericht über Einwanderungsbewegungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>ciniGfikci&#13;
U.S. Information Service&#13;
Embassy of the United States of America&#13;
&#13;
17&#13;
&#13;
dienet&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
• * # &amp; &gt;&#13;
&#13;
«&lt;y&#13;
AUSSENPOLITIK&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten&#13;
beim Forum of the Americas&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker&#13;
beim Chicago Council&#13;
&#13;
GUS-HANDEL&#13;
&#13;
BUSH DRANGT AUF ERWEITERTEN HANDEL&#13;
MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmner&#13;
&#13;
IWF&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
&#13;
WIRTSCHAFT&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ UND&#13;
NATIONALISMUS: MÖGLICHKEITEN DER&#13;
HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-339 2372&#13;
Telex: 8-85432&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH: NEUE WELT BIRGT VORTEILE&#13;
FÜR GANZ AMERIKA&#13;
Rede des Präsidenten beim Forum of the Americas&#13;
WASHINGTON - (AD) Bei der Abschlußsitzung des Forum of the Americas erklärte Präsident Bush, die&#13;
Menschen in allen Ländern Lateinamerikas seien auf dem Weg, "etwas zu schaffen, das die Menschheit noch&#13;
nie gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft".&#13;
In seiner Rede vor 400 führenden Industrievertretern aus zwei Kontinenten verwies Bush am 24. April 1992 auf&#13;
die bahnbrechenden Veränderungen, deren Zeuge die Welt in den letzten drei Jahren geworden ist. Er nannte&#13;
dabei die Vereinigung Deutschlands, den Zusammenbruch des Kommunismus, die Abschaffung der Apartheid&#13;
in Südafrika, die Friedensverhandlungen im Nahen Osten und die Aggression entgegentretenden Vereinten&#13;
Nationen.&#13;
"Hier auf unserem eigenen Kontinent", fügte Bush hinzu, "haben alle Länder Lateinamerikas ein Zeitalter&#13;
weitreichender und vielversprechender Veränderungen eingeleitet".&#13;
Bush verwies ferner auf die wirtschaftlichen und politischen Fortschritte und schlo ß seine Ausführungen mit einer&#13;
Warnung: "Die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen,&#13;
Menschen mit Weitblick und Unternehmergeist."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich kann mir keinen wichtigeren Augenblick vorstellen,&#13;
an dem wir in diesem Forum zusammenkommen, als&#13;
den gegenwärtigen Zeitpunkt. In den letzten drei&#13;
Jahren haben wir erlebt, wie sich unsere Welt gewandelt hat: Die Berliner Mauer ist gefallen und Deutschland friedlich vereinigt, die Menschen in Osteuropa&#13;
und der Sowjetunion vom Kommunismus befreit, fertraf Südafrika die historische Entscheidung zur&#13;
Abschaffung der Apartheid. Wir sind Zeugen geworden, daß die arabischen Nachbarn erstmals von Angesicht zu Angesicht mit Israel verhandelten, und eine&#13;
internationale Koalition hat sich unter dem Banner der&#13;
Vereinten Nationen erhoben und die irakische Aggression gegen Kuwait zurückgeschlagen. Darübe. hinaus&#13;
gibt es eine tiefgreifende Veränderung, die für jeden&#13;
Menschen auf der Welt von Bedeutung ist: wir haben&#13;
die Bedrohung eines Atomkrieges drastisch reduziert.&#13;
Erst heute haben die Vereinigten Staaten Maßnahmen&#13;
ergriffen, um den Handel mit Hochtechnologiewaren&#13;
zu erleichtern, eine Initiative, die durch das veränderte&#13;
strategische Umfeld und die friedliche Wiedergeburt&#13;
der Freiheit in den ehemals kommunistischen Ländern&#13;
ermöglicht wurde. Wir haben Handelsbeschränkun-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
gen für Exporte aufgehoben, die uns im Zeitalter des&#13;
kalten Krieges gute Dienste erwiesen haben, aber in&#13;
unserer neuen Welt nicht mehr nötig sind. Unsere&#13;
heutigen Maßnahmen werden Tausende von Ausf uhrlizenen überflüssig machen, darunter viele für Computer, einem unserer Exportschlager. Diese heutige&#13;
Aufhebung von Beschränkungen betrifft Handel im&#13;
Umfang von 2,5 Milliarden Dollar.&#13;
Hier auf unserem eigenen Kontinent haben alle Länder&#13;
Lateinamerikas ein Zeitalter weitreichender und vielversprechender Veränderung eingeleitet. Wir haben&#13;
Geschichte gemacht. Wir sind tatsächlich auf dem&#13;
Weg, etwas zu schaffen, das die Menschheit noch nie&#13;
gesehen hat: einen freien und demokratischen Kontinent, auf dem freier Handel Wohlstand schafft.&#13;
Von Mexiko City bis Buenos Aires wird diese Vision&#13;
Wirklichkeit. Zum ersten Mal seit vielen Jahren fließt&#13;
mehr Privatkapital für neue Investitionen in die Länder&#13;
Amerikas als abfließt. In einem Land nach dem&#13;
anderen wurde der hohen Inflation, die - insbesondere&#13;
die armen - Volkswirtschaften der Region ruiniert,&#13;
Einhalt geboten. In fast jedem Land ist wieder reales&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Wachstum zu verzeichnen. Eine steigende Zahl von&#13;
Ländern zieht Vorteile aus dem Bradyplan, einer wichtigen Initiative, deren Ziel es ist, die Schuldenlast zu&#13;
reduzieren und neuem Wachstum den Weg zu bereiten.&#13;
Schranken für Handel und Investitionen fallen. In den&#13;
Finanzzentren der Welt werden Sie immer dasselbe&#13;
hören: eine der aufregendsten Regionen für Investitionen ist Lateinamerika.&#13;
Im Rahmen dieser wirtschaftlichen Revolution sind wir&#13;
Zeugen einer ebenso starken politischen Revolution&#13;
geworden, bei der wir eine entscheidende Rolle gespielt haben. Zwei Jahre nach Einführung der Operation Gerechte Sache hat Panama die Unterdrückung&#13;
der Ära Noriega durch Freiheit und Demokratie ersetzt. In El Salvador haben unsere kontinuierlichen&#13;
Bestrebungen nach zwölf Jahren Bürgerkrieg zu Frieden geführt. In Nicaragua haben wir unser Ziel verwirklicht, durch freie Wahlen wieder Frieden und Demokratie zu schaffen.&#13;
In ganz Mittelamerika sind zivile Präsidenten im Amt,&#13;
und das Prinzip der Zustimmung der Regierten ist fest&#13;
verankert. In Südamerika sind Chile und Paraguay der&#13;
Gemeinschaft der Demokratien beigetreten.&#13;
Diese friedliche Revolution in allen Ländern Lateinamerikas erfolgte nicht zufällig. Sie ist die Arbeit einer&#13;
Generation mutiger und engagierter demokratischer&#13;
Politiker, mit denen wir eng zusammengearbeitet haben,&#13;
um unsere gemeinsamen Ziele zu verfolgen. Der neue&#13;
Geist zeigte sich im Juni vergangenen Jahres, als die&#13;
Generalversammlung derOAS eine Resolution verabschiedete, um die internationale Reaktion auf Bedrohungen für die Demokratie zu verstärken.&#13;
Die Konsolidierung dieser Revolution wird nicht leicht&#13;
sein. Millionen Menschen auf unserem Kontinent&#13;
leben immer noch in Armut und politischer Unmündigkeit. Die jüngsten Ereignisse in Haiti, Venezuela und&#13;
Peru erinnern uns daran, daß die Demokratie immer&#13;
noch brüchig und ständigen Gefahren ausgesetzt ist.&#13;
In all unseren Ländern hängen mächtige Lobbys an&#13;
alten Ideen und Privilegien, fördern Protektionismus&#13;
und widersetzen sich erweitertem Handel.&#13;
Den Unbelehrbaren - Castros totalitärem Regime,&#13;
denjenigen auf dem Kontinent, die die Uhr in die Zeit&#13;
der Militärdiktatur zurückdrehen wollen, möchte ich&#13;
einen Punkt deutlich herausstellen: Hunderte Millionen Lateinamerikaner glauben an ihre Freiheit und ihre&#13;
Chance. Und ich stehe zu ihnen. Solange ich Präsident bin, werden die Vereinigten Staaten ihre Energie&#13;
für die echte und dauerhafte Befreiung der Menschen&#13;
in der westlichen Hemisphäre aufwenden.&#13;
Eine gemeinsame demokratische Geisteshaltung bewirkt&#13;
bei jedem Thema, das wir angehen, einen Unterschied: Die Wiedergeburt der Demokratie führte dazu,&#13;
daß Argentinien und Brasilien gemeinsam die VerbreiSeite 2&#13;
&#13;
tung von Nuklearwaffen aufgehalten haben. Die&#13;
Demokratie hat in Brasilien Energien freigesetzt, um&#13;
die Abholzung der Regenwälder am Amazonas aufzuhalten. Dank der Demokratie hat Argentinien den&#13;
Willen, das von Libyen und dem Irak finanzierte Raketenprogramm Condor zu stoppen. Kolumbiens Demokratie bekämpft den Drogenhandel und arbeitet an der&#13;
Wiederherstellung seiner wirtschftlichen Vitalität. Die&#13;
neu geschaffene Demokratie in Panama hai strenge&#13;
neue Gesetze zur Bekämpfung der Geldwäsche verabschiedet und arbeitet daran, die Bedeutung des&#13;
Landes als Handelskorridor zwischen Ost und West&#13;
wiederzugewinnen.&#13;
Damit wir uns nicht mißverstehen: politische und&#13;
wirtschaftliche Freiheit sind untrennbar. Ebenso wie&#13;
Menschen ein gottgegebenes Recht haben zu wählen,&#13;
wer sie regieren soll, müssen sie auch so frei sein,&#13;
wirtschaftlich wählen zu können. Wenn wir Schranken&#13;
für die wirtschaftliche Freiheit innerhalb und au ßerhalb&#13;
unserer Länderabbauen, setzen wir starke Kräfte des&#13;
Wachstums und der Kreativität frei.&#13;
Bevor ich aus dem Amt scheide, möchte ich, daß&#13;
Hersteller in Cleveland denselben Zugang zu den&#13;
Märkten in Monterrey haben wie zu denen in Minneapolis. Mit Hilfe neuer Technologien könnten Dienstleistungsunternehmen in Denver Märkte in Santiago&#13;
genauso leicht erschließen wie in Chicago. Ich möchte&#13;
daran arbeiten zu gewährleisten, daß staatliche Eingriffe und übermässige Vorschriften dem nicht im Weg&#13;
stehen. Um dies zu tun, müssen wir den eingeschränkten Blickwinkel der Sonderinteressen überwinden. Ich bin davon überzeugt, daß wir genau dios&#13;
tun können und wollen.&#13;
Ich habe es zu einer meiner obersten Prioritäten&#13;
erklärt, ein Freihandelsabkommen zu schließen, das&#13;
alle Zölle im Handel zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko abschafft Diesos Abkommen baut auf unserem historischen Freihandelsabkommen mit Kanada auf. Der Erfolg der Vereinbarung&#13;
mit Kanada demonstriert, wie freier Handel allen Beteiligten dienen kann.&#13;
Ich kann diesen Durchbruch nicht erzielen, indem ich&#13;
zwischen den Protektionisten, die dem Status quo eine&#13;
Lanze brechen, und der Bewegung für Freiheit und&#13;
Veränderung abwäge. Vielfach wird vorgeschlagen,&#13;
wir könnten uns in einem Kokon der Protektion einspinnen und in dem Glauben wiegen, von der frischen Luft&#13;
des Wettbewerbs zu profitieren. Sie und ich wissen,&#13;
daß dies ein völliger Trugschlu ß ist. Unsere wirtschaftliche Zukunft darf nicht von denjenigen abhängen, die&#13;
dem freien Handel das Wort reden, sich aber mächtigen Lobbys unterwerfen. Wir können nicht beides&#13;
haben. In unserem Unabhängigkeitskrieg wurden die&#13;
Vertreter dieser Auffassung als "Summer Soldiers"&#13;
bezeichnet. Sie wollten den Ruhm der Revolution&#13;
ohne den Schneid zu beweisen, auch in schweren&#13;
Zeiten für die Freiheit geradezustehen. Meine Haltung&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�ist eindeutig: Offener Handel ist für die Vereinigten&#13;
Staaten unabdingbar und genauso wichtig wie innenpolitische Reformen zur Erneuerung unserer Bereiche&#13;
Bildung, Gesundheitswesen, Verwaltung und Rechtswesen.&#13;
Eine Freihandelszone zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wäre der größte Markt der&#13;
Welt - 360 Millionen Verbraucher mit einer Wirtschaft&#13;
von 6 Billionen Dollar. Mexiko ist heute einer der am&#13;
schnellsten wachsenden nationalen Märkte für USExporte. Allein in den letzten drei Jahren sind die&#13;
amerikanischen Warenexporte nach Mexiko um zwei&#13;
Drittel gestiegen. Unsere Exporte von Autos, Autoersatzteilen und Telekommunikationsgeräten nach&#13;
Mexiko haben sich verdoppelt. Hier im Publikum mag&#13;
man sich c'ieser Tatsache bewußt sein, aber ich bezweifle, daß es in den Vereinigten Staaten weithin&#13;
bekannt ist, daß zwei Drittel aller Exporte nach Mexiko&#13;
aus Jen Vereinigten Staaten kommen.&#13;
Nicht nur die Staaten an der Grenze profitieren von&#13;
diesem Wachstum. Während meiner Präsidentschaft&#13;
haben 45 unserer 50 Bundesstaaten ihre Exportenach&#13;
Mexiko gesteigert. Zu unseren 10 führenden Exporteuren nach Mexiko zählen heute Michigan, Illinois,&#13;
New York, Louisiana, Pennsylvania, Florida und Ohio&#13;
ebenso wie Texas, Kalifornien und Arizona.&#13;
Der Handel mit Mexiko trägt bereits Hunderttausende&#13;
von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten. Nur als&#13;
Beispiel: Tausende guter Arbeitsplätze in Warren&#13;
(Ohio) und Rochester (New York) hängen davon ab,&#13;
daß die Produkte der Tochterfirmen in Mexiko wettbewerbsfähig bleiben. Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde Tausende weitere schaffen. Es&#13;
würde wettbewerbsfähige Kapazitäten und Größenvorteile schaffen, durch die amerikanische Unternehmen auf den Weltmärkten konkurrieren können.&#13;
Freier Handel mit Kanada und Mexiko macht aus uns&#13;
allen Gewinner der Wirtschaft, aber unsere Beziehungen gehen weit über den Handel hinaus, Unsere&#13;
Grenzen erstrecken sich über den ganzen Kontinent.&#13;
A'i sind durch jahrhundertealte familiäre und kulturelle&#13;
Bande verbunden. Mit Premierminister Brian Mulroney, den ich oft konsultiere, verbindet mich eine enge&#13;
Freundschaft. Ferner zähle ich Präsient Carlos Saunas zu meinen guten Freunden - er und ich haben seit&#13;
unserem Gipfeltreffen unmittelbar nach unser beider&#13;
Wahl im Jahr 1988 den "Geist von Houston" unterstützt. Sowohl Präsident Salinas als auch Premierminister Mulroney sind fähige und kreative Politiker, und&#13;
ich engagiere mich für eine Zusammenarbeit mit ihnen, um dauerhafte Freundschaft unter unseren Ländern zu schaffen, die auf offenem Handel, Kooperation&#13;
und gegenseitigem Respekt basiert.&#13;
Sie haben vielleicht gehört, daß vielfach angenommen&#13;
wird, die Politik diktiere eine Verschiebung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens bis nach den&#13;
&#13;
Wahlen. Dies ist nicht meine Meinung. Jetzt ist der&#13;
günstige Zeitpunkt. Ich habe unsere Unterhändler&#13;
angewiesen, ihre Arbeit zu beschleunigen. Meiner&#13;
Meinung nach können wir vor der Wahl zu einer&#13;
ausgewogenen Entscheidung kommen, und ich möchte ein gutes Abkommen unterzeichnen, sobald es&#13;
fertig ist.&#13;
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ist nur&#13;
der Anfang. Unsere Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas hat bereits bemerkenswerte Fortschritte gemacht und Märkte geöffnet,&#13;
den Investitionsfluß erhöht, die staatliche Schuldenlast abgebaut und die Umwelt auf dem ganzen Kontinent positiv beeinflußt.&#13;
Die Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den&#13;
Ländern Amerikas spiegelt eine Revolution im Denken&#13;
wider. Mit dieser Initiative streben die Vereinigten&#13;
Staaten nicht danach, ihren Nachbarn ihre Ideen aufzuzwingen. Unser Programm zielt vielmehr darauf ab,&#13;
ihnen die Macht zu geben, mit ihren selbstgewählten&#13;
marktwirtschaftlichen Reformen Erfolg zu haben, die&#13;
in Lateinamerika für Lateinamerikaner entwickelt wurden.&#13;
Die mutigen lateinamerikanischen Politiker, die ihre&#13;
Volkswirtschaften reformieren und Hemmnisse für&#13;
Handel und Investitionen abbauen, brauchen unsere&#13;
Unterstützung. Sie sind die echten Befreier unserer&#13;
Zeit. Echter Erfolg bedeutet, dirigistische Systeme&#13;
aufzubrechen, die einstmals wohlhabende Eliten schützen sollten und der arbeitenden Bevölkerung sowie&#13;
den Armen verschlossen waren. Freie Marktreformen&#13;
werden belastende Vorschriften beseitigen, die jetzt&#13;
verhindern, daß die Armen aus den Städten Unternehmen gründen oder Campesinos Kredite und Eigentumsrechte an ihrem Land bekommen.&#13;
Zu Wirtschaftsreformen gehört eine ehrliche Regierung. Korruption ist der Feind von Wachstum und&#13;
Demokratie. Neue Investitionen werden nur dort fließen, wo Rechtsstaatlichkeit gesichert ist, die Gerichte&#13;
gerecht urteilen und Ausschreibungsprozesse allen&#13;
offenstehen.&#13;
Um die Reformer zu unterstützen - und die vielversprechende neue Vision in Lateinamerika zu realisieren muß der US-Kongreß seiner Pflicht nachkommen. Ich&#13;
habe den Kongreß gebeten, eine seit langem fällige&#13;
Maßnahme zu ergreifen und in diesem Haushaltsjahr&#13;
310 Millionen Dollar in die Initiative zur Förderung der&#13;
Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas zu investieren. Damit könnten wir über 1 Milliarde Dollar der&#13;
Staatsschulden auf dem Kontinent abschreiben und&#13;
Millionen Dollar zur Erhaltung der Umwelt aufbringen.&#13;
Aber der Kongreß hat sich geweigert, zu diesem&#13;
Zweck Mittel bereitzustellen. Er glaubt offensichtlich&#13;
nicht daran, daß sich Investitionen auszahlen - im&#13;
Gegensatz zu mir. Und zu den Lkw-Fahrem und&#13;
Eisenbahnern. Und den Herstellern von Automobilen&#13;
4&#13;
&#13;
Ä&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�und Elektronik. Und den Umweltexperten und vielen&#13;
anderen.&#13;
Ich habe mitgeholfen, unsere Verbündeten in Europa&#13;
und Japan davon zu überzeugen, jährlich zwei Drittel&#13;
eines 1,5-Milliarden-Fonds bereitzustellen, um die&#13;
Reformer in Lateinamerika zu unterstützen. Dieser&#13;
von der Interamerikanischen Entwicklungsbank verwaltete Fonds würde helfen, auch kleine Staatsbetriebe zu privatisieren, die Beschäftigten umzuschulen&#13;
und Kredite für die Gründung von Kleinunternehmen&#13;
bereitzustellen. Aber der Kongreß hat sich geweigert,&#13;
unseren Anteil an diesem Fonds zu bewilligen.&#13;
Ich werde weiterhin für diese wichtigen Programme&#13;
der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in allen&#13;
Ländern Amerikas kämpfen, bis der Kongreß den&#13;
Weitblick und die Stärke demonstriert, um sie zu&#13;
unterstützen, wie sie es verdient. Wenn wir in die&#13;
Umgestaltung Osteuropas und der früheren Sowjetunion investieren können - was wir tun müssen - dann&#13;
können und müssen wir in die Anstrengungen unserer&#13;
unmittelbaren Nachbarn auf ihrem friedlichen Weg zu&#13;
echter Freiheit und echtem Wohlstand investieren.&#13;
Das wirtschftliche Schicksal der Vereinigten Staaten&#13;
ist an Lateinamerikas Schicksal geknüpft. Keine Armee&#13;
von Protektionisten kann dies ändern. Als Lateinamerika Anfang der achtziger Jahre seine Schuldenkrise&#13;
erlitt, verzeichneten wir einen entsprechenden Einbruch im Handel. Wenn Sie das nicht glauben, fragen&#13;
Sie die Arbeiter bei Caterpillar in Illinois oder bei&#13;
Cessna in Kansas. Fragen Sie sie, ob sie gelitten&#13;
haben, als unsere besten Kunden in Lateinamerika&#13;
eine Krise hatten.&#13;
Mit dem Vormarsch von Demokratie und Wirtschaftsreformen sind die US-Exporte nach Lateinamerika in&#13;
nur zwei Jahren um fast zwei Drittel gestiegen, von 49&#13;
Milliarden im Jahr 1989 auf 63 Milliarden im Jahr 1991.&#13;
Dies ist eine schnellere Wachstumsrate als bei unseren Exporten nach Asien oder Europa. Es deutet auf&#13;
die Tatsache hin, daß ein stabiles, wohlhabendes&#13;
Lateinamerika ein natürlicher Markt für Waren und&#13;
Dienstleistungen aus den Vereinigten Staaten ist. Die&#13;
Förderung der Volkswirtschaften unserer Nachbarn&#13;
wird zu mehr Exporten und mehr guten Arbeitsplätzen&#13;
für die Menschen in den Vereinigten Staaten führen.&#13;
Wenn wir mit unseren Freunden außerhalb der westlichen Hemisphäre sprechen, müssen wir ihnen so klar&#13;
wie möglich versichern: Bei unserer Vision von offenem Handel und wirtschaftlicher Integration in unserer&#13;
Hemisphäre soll niemand ausgeschlossen werden.&#13;
Unser Ziel besteht ganz einfach darin, die Schranken&#13;
für wirtschaftliche Freiheit innerhalb und außerhalb der&#13;
Länder der westlichen Hemisphäre zu senken und&#13;
keine - ich wiederhole: keine - Schranken zwischen&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
uns und den Ländern Afrikas, Europas und Asiens zu&#13;
errichten. All unsere Ziele stehen im Einklang mit der&#13;
internationalen Politik des GATT - und ich möchte nur&#13;
kurz die hervorragende Führungskraft des GATTDirektors, Arthur Dunkel, würdigen, der bereits heute&#13;
zu Ihnen gesprochen hat. Ich möchte Ihnen ferner&#13;
versichern, daß ich äußerstes Interesse daran habe,&#13;
mit Hilfe einer erfolgreichen Uruguay-Runde die Märkte weltweit zu öffnen.&#13;
Wenn die Verfechter und Befürworter von Sonderinteressen dies in Frage stellen wollen, sollen sie nur&#13;
kommen. Ich werde mich bei allen Menschen in allen&#13;
Winkeln der Vereinigten Staaten für mehr Handel&#13;
einsetzen. Und ich möchte eins klarstellen: Freier&#13;
Handel bedeutet mehr Exporte, mehr Investitionen,&#13;
eine bessere Wahl, mehr Arbeitsplätze für Amerikaner. Dieses große Land ist der Welt größter Exporteur&#13;
- im vergangenen Jahr für über 422 Milliarden Dollar - ,&#13;
und wir beabsichtigen eine Handelspolitik zu verfolgen, die dieses Wachstum jetzt und in Zukunft erhält.&#13;
Wir werden Schranken einreißen, wo immer wir sie&#13;
finden, um zum Beispiel Märkte für unsere ComputerSoftware, Filme, Bücher und Arzneimittel zu öffnen.&#13;
Wir werden den Protektionismus im In- und Ausland&#13;
stark bekämpfen.&#13;
Vor 500 Jahren hat ein mutiger Mann voller Visionen in&#13;
Europa die Segel gesetzt, auf der Suche nach neuen&#13;
Handelswegen und Möglichkeiten. Er setzte sich über&#13;
den Rat derer hinweg, die erklärten, die Erde sei eine&#13;
Scheibe. Christoph Kolumbus' Reise nach Amerika&#13;
hat die Geschichte der Menschheit verändert. Kolumbus war ein Abenteurer, und das Risiko, das er vor 500&#13;
Jahren auf sich nahm, zahlt sich heute noch voll und&#13;
ganz aus.&#13;
Heute müssen wir immer noch gegen eine rückwärts&#13;
gerichtete Mentalität ankämpfen, den Geisteszustand,&#13;
der uns drängt, an unseren Grenzen Schranken gegen&#13;
den Wettbewerb zu errichten, den freien Austausch&#13;
von Nahrungsmitteln, Maschinen, Fähigkeiten und&#13;
Ideen nicht zuzulassen.&#13;
Aber die Zukunft gehört nicht dem Status quo. Sie ist&#13;
das Vermächtnis von Menschen wie Ihnen, Menschen&#13;
mit Weitblick und Unternehmergeist. Die Zukunft der&#13;
Länder Amerikas ist eine Zeit der Neuentdeckung.&#13;
Eine Zeit, um die Armen durch neue Investitionen,&#13;
Handel und Wachstum mit Macht auszustatten. Eine&#13;
Zeit der kulturellen Erneuerung. Unsere Anstrengungen und die Anstrengungen von Millionen Bürgern in&#13;
allen Teilen Amerikas können einer ehrlichen, demokratischen und eingeschränkten Regierung neue Impulse&#13;
geben. Gemeinsam können wir in eine neue Friedensordnung und ein neues Zeitalter des Wohlstands&#13;
eintreten, denen die Freiheit des einzelnen neuen&#13;
Schwung verleiht.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�AUSSENPOLITIK&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
USA MÜSSEN BEI DER VERBREITUNG VON&#13;
DEMOKRATIE KATALYSATOR SEIN&#13;
Rede von Außenminister Baker beim Chicago Council&#13;
WASHINGTON - (AD) - Als mächtigste Demokratie der Welt müssen die Vereinigten Staaten Außenminister&#13;
Baker zufolge in den neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion als Katalysator für die Verbreitung von&#13;
Demokratie und freien Märkten wirken.&#13;
"Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen politische und wirtschaftliche Freiheit stützt," erklärte Baker beim&#13;
Chicago Council on Foreign Relations in einer wichtigen Rede zur Außenpolitik.&#13;
Baker zufolge kann durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die neue&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" erweitert und die neuen Staaten der früheren Sowjetunion ebenso in die&#13;
demokratische Staatengemeinschaft eingegliedert werden wie Mittel- und Osteuropa seit 1989.&#13;
Außenminister Baker bezeichnete das von Präsident Bush Anfang des Monats angekündigte internationale&#13;
Hilfspaket von 24 Milliarden Dollar als herausragendes Beispiel für funktionierendes kollektives Engagement. Mit&#13;
diesem Paket soll Rußland geholfen werden, seine Wirtschaft zu stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu&#13;
bringen und Wachstum und Entwicklung den Weg zu bereiten.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.&#13;
Vor nicht allzu langer Zeit war ich in Deutschland auf&#13;
dem Luftwaffenstützpunkt Rhein-Main. Die Piloten&#13;
dort rollten ihre Flugzeuge in die Startposition. Mitglieder der Besatzung bemühten sich, die letzten Stücke&#13;
der Ladung zu verstauen. Die Jets donnerten, als ich&#13;
beobachtete, wie Flugzeuge der US-Luftwaffe zu ihrem Flug nach Moskau und in 19 andere Städte der&#13;
ehemaligen Sowjetunion starteten.&#13;
Auf eben diesem Stützpunkt und anderen halten junge&#13;
Amerikaner seit zwei Generationen Wache, bereit,&#13;
Flugzeuge zu starten, um einen sowjetischen Angriff&#13;
abzuwehren. Aber statt Raketen und Bomben starteten die amerikanischen Flugzeuge jetzt mit Nahrungsund Arzneimitteln als Ladung der Hoffnung, nicht als&#13;
Fracht der Zerstörung.&#13;
Dieser Flug war auch Teil einer längeren Reise - des&#13;
Wegs, den die Welt nach so vielen Jahren des kalten&#13;
Kriegs zurückgelegt hat und des Wegs, den wir als&#13;
Amerikaner im Laufe dieses Jahrhunderts gegangen&#13;
sind.&#13;
Zweimal zuvor hat sich Amerika auffordern lassen,&#13;
beim Aufbau eines neuen Friedens die Führungsrolle&#13;
zu übernehmen.&#13;
Jetzt ist dieser Aufruf erneut ergangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Eine amerikanische Reise&#13;
Die ersten Schritte auf dieser amerikanischen Reise&#13;
wurden in diesem Monat vor 75 Jahren unternommen.&#13;
Wir traten in den sogenannten Großen Krieg ein, den&#13;
Krieg, der alle Kriege beenden sollte, der aber ganz&#13;
einfach zum Ersten Weltkrieg wurde.&#13;
Diese schreckliche Vernichtung von Menschen und&#13;
Nationen zerstörte die alte Ordnung, setzte aber nichts&#13;
an ihre Stelle. Am Ende richteten alle Menschen ihre&#13;
Hoffnung auf die Vereinigten Staaten, die allein über&#13;
die Stärke und moralische Kraft verfügten, um einen&#13;
dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Amerika wurde zur Führungsrolle berufen.&#13;
Aber Amerika war nicht bereit. Unsere Führer waren&#13;
bitter zerstritten. Die Menschen in unserem Land&#13;
waren nur bestrebt, wieder ihr normales Leben aufzunehmen. Wir entschieden uns also, uns aus den&#13;
Streitigkeiten anderer Länder "herauszuhalten" und&#13;
hofften, uns dadurch auch selbst Schwierigkeiten&#13;
ersparen zu können.&#13;
Bevor wir zu streng über die Amerikaner im Jahr 1919&#13;
urteilen, sollten wir uns daran erinnern, daß der Isolationismus zunächst zu funktionieren schien. Die Feinde der Demokratie brauchten mehr als zehn Jahre und&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�die Große Depression, bevor sie den nächsten großen&#13;
Angriff starten konnten.&#13;
Aber wir sollten dies nicht falsch verstehen. Die&#13;
Katastrophen der dreißiger Jahren entstanden aus&#13;
den Fehlern der zwanziger Jahre: der Illusion des&#13;
Isolationismus und dem Irrglauben des Protektionismus. Als die Amerikaner schließlich verstanden, daß&#13;
ein protektionistisches Amerika niemals ein wohlhabendes Amerika und ein isolationistisches Amerika&#13;
niemals ein sicheres Amerika sein könnte, mußten wir&#13;
diese Fehler mit einer Depression und einem Krieg&#13;
bezahlen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten wir uns wieder&#13;
um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern. Wir&#13;
sahen uns jedoch zum zweiten Mal mit der Aufforderung zu einer internationalen Führungsrolle konfrontiert - im kalten Krieg gegen sowjetische Aggression.&#13;
Wir waren entschlossen, nicht die Fehler einer früheren Generation zu wiederholen. Dieses Mal stellten wir&#13;
uns der Herausforderung. Wir führten einen 40 Jahre&#13;
währenden Kampf, der schließlich mit dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus endete.&#13;
Jetzt ist der kalte Krieg Geschichte, und es wäre&#13;
verlockend, dieses Engagement Amerikas in der Welt&#13;
- das Amerika des Marshallplans, der NATO und der&#13;
Unterstützung der Demokratie in Japan - als offensichtliche und populäre Verpflichtung von Anfang an&#13;
zu betrachten. Das war es nicht.&#13;
Das amerikanische Volk stand den Aussagen seiner&#13;
politisch Verantwortlichen zunächst skeptisch gegenüber. Als der Kolumnist der New York Times, James&#13;
Reston, die Einzelheiten und wahrscheinlichen Kosten&#13;
des Marshallplans enthüllte, rief ihn Senator Arthur&#13;
Vandenberg, der Führer der Republikaner im Senat,&#13;
an. Vandenberg erklärte ihm, der Kongreß würde&#13;
niemals soviel Geld ausgeben, um irgendjemanden zu&#13;
retten. Aber als die Tatsachen dem amerikanischen&#13;
Volk dargelegt wurden, als es verstand, was auf dem&#13;
Spiel stand und getan werden mußte, wendete sich&#13;
das Blatt. Auch Senator Vandenberg änderte seine&#13;
Meinung und - mit Vandenbergs Hilfe und Unterstützung der Öffentlichkeit - bekam General Marshall das&#13;
Geld.&#13;
Weder der Marshallplan noch irgendeine andere der&#13;
großen Leistungen des Kongresses in jener Zeit kam&#13;
zustande, weil Auslandshilfe populär war. Das amerikanische Volk unterstützte den Marshallplan und das&#13;
NATO-Bündnis sowie Bestrebungen zur Förderung&#13;
von Demokratie und Wiederaufbau nicht, weil diese&#13;
Angelegenheiten populär waren, sondern weil die&#13;
Amerikaner wußten, was zu tun war.&#13;
Die Amerikaner wußten, daß es nicht ausreichte, die&#13;
Sowjetunion in Schach zu halten. Zugunsten dauerhaften Friedens und dauerhafter Freiheit mußten wir&#13;
aus unseren Gegnern des Zweiten Weltkriegs Freun-&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
de und Verbündete machen. Und dank unserer Unterstützung politischer und wirtschaftlicher Freiheit in&#13;
diesen Ländern haben wir es geschafft. Die Ergebnisse sind für alle offensichtlich: Was ich als "Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands" bezeichnen würde, hat&#13;
vielen Ländern in Europa und Asien und nicht zuletzt&#13;
den Vereinigten Staaten neue Horizonte eröffnet.&#13;
Der dritte Aufruf: Führungsroile beim koii«ktlven&#13;
Engagement&#13;
Heute, im Zeitalter nach dem kalten Krieg, werden wir&#13;
zum dritten Mal aufgefodert, eine Führungsrolle zu&#13;
übernehmen. Dieses Mal geht es nicht darum, einen&#13;
Krieg zu gewinnen, sondern darum, einen demokratischen Frieden zu gewinnen. Dieses Mal geht es auch&#13;
nicht darum, den Frieden für einen Teil der Welt, die&#13;
freie Hälfte, sondern für die ganze Welt zu erlangen.&#13;
Amerika steht vor der Wahl: Entweder können wir&#13;
versuchen, diesen Frieden durch eine Politik der Zusammenarbeit mit anderen an der Gestaltung unserer&#13;
Zeit zu erzielen, oder wir können abseits stehen und sei es aus Überzeugung oder Gleichgültigkeit - dahintreiben, während die Zeit uns formt.&#13;
Der Präsident hat unsere Wahl eindeutig bekundet.&#13;
Unsere Idee ist es, die gefährliche Zeit des kalten&#13;
Kriegs durch einen demokratischen Frieden zu ersetzen - einen Frieden, der sich auf die zwei Säulen&#13;
politische und wirtschaftliche Freiheit stützt. Wir haben dazu beigetragen, daß Demokratie nach dem&#13;
Zweiten Weltkrieg in Deutschland, Italien und Japan&#13;
gedeihen konnte und können daher jetzt demokiatische Werte in Rußland, der Ukraine, Armenien und&#13;
den anderen neuen Staaten Eurasiens fördern.&#13;
Gemeinsame demokratische Werte können einen&#13;
dauerhaften und stabilen Frieden auf eine Weise&#13;
gewährleisten, wie es das Gleichgewicht des Terrors&#13;
niemals konnte.&#13;
Echte Demokratien führen keinen Krieg miteinander.&#13;
Und obwohl die Demokratie unsere Sicherheit unterstützt, werden die damit einhergehenden freien Märkte&#13;
Wohlstand auf der ganzen Welt - und in Amerika fördern.&#13;
Kurzum - wir können durch die Förderung von Demokratie und freien Märkten in Rußland und Eurasien die&#13;
"Zone des Friedens und Wohlstands" weiter nach&#13;
Osten nach Ru ßland und Eurasien erweitern und diese&#13;
neuen Staaten in die demokratische Staatengemeinschaft eingliedern ebenso wie wir seit 1989 daran&#13;
gearbeitet haben, die neuen Demokratien Mittel- und&#13;
Osteuropas in diese Zone von Frieden und Wohlstand&#13;
einzugliedern. Dies dient amerikanischen Interessen&#13;
und Werten nicht nur in Rußland und Eurasien, sondern auch in West- und Osteuropa, dem Nahen Osten&#13;
und Asien.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Die Arbeit an der Freiheit wird schwierig sein. Die&#13;
Länder Ru Bland und Eurasien haben im Gegensatz zu&#13;
Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenig&#13;
Erfahrung mit Demokratie oder Kapitalismus. Die&#13;
Gefahren ethnischer Konflikte und politischer Zersplitterung lauem ebenso wie die Mühen und Opfer der&#13;
Marktrei'orm.&#13;
Dennoch ist die Gemeinschaft demokratischer Staaten größer und dynamischer als zu Ende des Zweiten&#13;
Weltkriegs. Deshalb planen wir, einen demokratischen Frieden aufzubauen, indem wir eine direkte&#13;
Politik der amerikanischen Führung verfolgen, die wir&#13;
"kollektives Engagement" nennen.&#13;
Kollektives Engagement baut auf unserem Erfolg bei&#13;
der Vergrößerung der demokratischen Staatengemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Deutschland,&#13;
Italien und Japan sind jetzt starke und wohlhabende&#13;
Verbündete. Durch Zusammenarbeit mit unseren&#13;
Verbündeten und den von uns nach dem Zweiten&#13;
Weltkrieg geschaffenen internationalen Organisationen - den Vereinten Nationen, der Weltbank, dem&#13;
Internationalen Währungsfonds - müssen wir es nicht&#13;
allein leisten. Statt dessen können wir gemeinsam&#13;
einen demokratischen Frieden aufbauen.&#13;
Die treibende Kraft des kollektiven Engagements ist&#13;
die amerikanische Führungsrolle, die sich auf gemeinsame Werte und Interessen der demokratischen Staatengemeinschaft stützt.&#13;
Als mächtigste Demokratie auf der Welt müssen wir&#13;
als Katalysator wirken und nach vom streben, wo wir&#13;
dies können. Aber darüber hinaus gibt es noch etwas.&#13;
Wir nennen es Vertrauen. Präsident Bush hat erklärt,&#13;
die Welt vertraut uns die Macht an, sie vertraut auf uns,&#13;
das zu tun, was richtig ist. Aufgrund dieses amerikanischen Verhaltens können wir heute - wenn wir das&#13;
wollen - mit unseren Partnern daran arbeiten, die&#13;
Pflichten und Kosten zu teilen und zusammen unsere&#13;
gemeinsamen Probleme angehen. Das bedeutet&#13;
amerikanische Führungsrolle durch kollektives Engagement.&#13;
Wie es funktioniert hat&#13;
Im Laufe der Regierung Bush hat die Politik kollektiven&#13;
Engagements funktioniert - und sie hat gut funktioniert.&#13;
Tatsächlich hat sie Leistungen vollbracht, die über das&#13;
hinausgingen, was viele für möglich gehalten haben&#13;
und wovon viele gesagt haben, es sei zur Zeil einfach&#13;
unmöglich zu bewerkstelligen.&#13;
Viele haben erklärt, Deutschland könne nicht friedlich,&#13;
demokratisch und als Mitglied der NATO vereinigt&#13;
werden - dennoch haben es die Vereinigten Staaten&#13;
und ihre Verbündeten durch Verhandlungen mit der&#13;
früheren Sowjetunion vollbracht.&#13;
Andere haben erklärt, die Sowjetunion würde niemals&#13;
Osteuropa oder das Baltikum freigeben, aber die&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Vereinigten Staaten und ihre europäischen Verbündeten haben auf die UdSSR eingewirkt, ihren Zugriff zu&#13;
lockern, als gefangene Völker nach Freiheit strebten.&#13;
Viele haben erklärt, die NATO könne nicht umgestaltet&#13;
werden. Aber in Zusammenarbeit mit dem neu vereinigten Deutschland haben die Vereinigten Staaten und&#13;
ihre Verbündeten dies vollbracht, und sie entwerfen&#13;
jetzt Strategien und Streitkräfte für neue Zeiten und&#13;
schaffen einen neuen Nordatlantischen Kooperationsrat, der sich an frühere Gegner wendet, um sie zu&#13;
neuen Freunden zu machen und bei neuen und anderen Herausforderungen hilft.&#13;
Viele haben erklärt, daß wir nicht sicher radikale&#13;
Reduzierungen der nuklearen und konventionellen&#13;
Arsenale aushandeln könnten, aber dennoch haben&#13;
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten dies&#13;
geschafft, indem sie zunächst mit der Sowjetunion und&#13;
jetzt mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten verhandelt haben.&#13;
Andere haben erklärt, daß die irakische Aggression&#13;
gegen Kuwait nicht zu vereiteln sei, daß die viertgrößte&#13;
Armee der Welt nicht geschlagen werden könnte - es&#13;
sei denn mit enormen Kosten - aber dennoch haben es&#13;
die Vereinigten Staaten geschafft, indem sie eine&#13;
einmalige internationale Koalition anführten.&#13;
Manche haben erklärt, Araber und Israelis würden sich&#13;
nie bei einer Friedenskonferenz zusammensetzen und&#13;
ganz sicher niemals direkte bilaterale und multilaterale&#13;
Verhandlungen auf ein solches Treffen folgen lassen,&#13;
aber die Vereinigten Staaten, Rußland und andere&#13;
Partner haben mit den Parteien zusammengearbeitet&#13;
und waren die Katalysatoren, die es erreicht haben.&#13;
Viele haben gesagt, daß in Mittelamerika die Demokratie nicht über Gewalt triumphieren könne, aber die&#13;
Vereinigten Staaten haben gemeinsam mit Partnern in&#13;
Lateinamerika und auf anderen Kontinenten dazu&#13;
beigetragen, daß dies in Nicaragua und El Salvador&#13;
erreicht werden konnte. Jetzt helfen die Vereinigten&#13;
Staaten, daß die Vergangenheit in Lateinamerika&#13;
überwunden werden kann und unterstützen Demokratie und Wirtschartsreformen durch das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und die Initiative zur&#13;
Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas.&#13;
Viele haben gesagt, daß Kambodscha niemals seiner&#13;
Qual entkommen könne, die vietnamesischen Truppen ihren Stützpunkt behalten werden und friedliche&#13;
Veränderungen unmöglich wären. Aber jetzt arbeiten&#13;
die Vereinigten Staaten gemeinsam mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und Freunden in Asien&#13;
daran, bei freien Wahlen und beim Wiederaufbau in&#13;
Kambodscha zu helfen.&#13;
In jedem Fall ist das Muster klar erkennbar: die&#13;
Führungsrolle und das Engagement der Vereinigten&#13;
Staaten haben kollektives Handeln ermöglicht. Wir&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�mußten es nicht allein tun, aber ohne uns hätte es nicht&#13;
erfolgreich erreicht werden können. Trotz aller Zweifel&#13;
und Zweifler steht eins fest. Kollektives Engagement&#13;
funktioniert. Um es einfach zu sagen: Wir haben&#13;
geführt, wir hatten Partner, und gemeinsam waren wir&#13;
erfolgreich.&#13;
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten beim kollektiven Engagement vermeidet die gefährlichen Extreme entweder der falschen Omnipotenz oder des&#13;
fehlgeleiteten Multilateralismus. Die Vereinigten Staaten sind nicht der Weltpolizist. Wir sehen nicht tatenlos&#13;
zu, wenn es um unser eigenes Schicksal geht. Was&#13;
jenseits unserer Ufer geschieht, hat sehr reale Auswirkungen hier in unserem Land.&#13;
Kollektives Engagement gestattet es den Vereinigten&#13;
Staaten, gleichgesinnte Staaten im Namen des Friedens zusammenzubringen und auf internationale Institutionen zurückzugreifen, wo sie einen konstruktiven&#13;
Beitrag leisten können. Der Charakter des Problems,&#13;
die Interessen und Werte, die für uns auf dem Spiel&#13;
stehen, die Fähigkeit unserer Freunde zum Handeln&#13;
und die Bedeutung der verfügbaren multilateralen&#13;
Mechanismen werden unsere Rolle bestimmen.&#13;
Offensichtlich können wir die Zukunft der Demokratie&#13;
oder amerikanischer Interessen kaum ausschließlich&#13;
multilateralen Institutionen anvertrauen, und das sollten wir auch nicht tun. Natürlich behalten sich die&#13;
Vereinigten Staaten das Recht vor, allein zu handeln,&#13;
was manchmal der einzige Weg sein kann, der unseren nationalen Interessen dient.&#13;
Wir verfolgen einen pragmatischen Ansatz, der sich&#13;
auf Prinzipien stützt - weil er die gemeinsame Werte&#13;
fördert, die für einen demokratischen Frieden entscheidend sind.&#13;
Auf diese Weise bauen wir eine neue und bessere&#13;
Weltordnung auf: die amerikanische Führungsrolle&#13;
wirkt als Katalysator kollektiven Handelns zum Schutz&#13;
und zur Förderung des wesentlichsten Bestandteils&#13;
unserer Sicherheit, politischer und wirtschaftlicher Werte.&#13;
Der Test für Rußland und Eurasien&#13;
Die amerikanische Führungsrolle beim kollektiven&#13;
Engagement steht jetzt vor einer weiteren wichtigen&#13;
Probe: dem Test für Ru ßland und den anderen aus der&#13;
ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen unabhängigen Staaten. Befreit von der doppelten Last des&#13;
Kommunismus und des Imperiums versuchen die&#13;
Russen, Ukrainer, Kasachen und die anderen Völker&#13;
der ehemaligen Sowjetunion ihre nationale Identität&#13;
wiederzuerlangen: ihre reiche Kultur, Religion und&#13;
Geschichte, ihren konstruktiven Platz in der Welt. Alle&#13;
einst unterdrückten Nationen sind endlich vom Schatten ins Licht getreten. In unterschiedlichem Maße&#13;
streben sie Demokratie und die wirtschaftlichen Vorteile freier Märkte an.&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
In den vergangenen vier Monaten habe ich alle neuen&#13;
Staaten der ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme&#13;
Georgiens besucht. Ich bin mit ihren Politikern zusammengetroffen und habe unsere Politik erläutert. Sie&#13;
haben mir ihre Wünsche und Probleme beschrieben.&#13;
Gemeinsam haben wir eine Erfahrung gemacht, die&#13;
noch vor kurzer Zeit ein entfernter Traum schien: ein&#13;
amerikanischer Außenminister, der mit dem Präsidenten einer unabhängigen Ukraine, einem unaui längigen&#13;
Belarus, einem unabhängigen Armenien und einem&#13;
unabängigen Usbekistan zusammenkommt. Wie bei&#13;
den Litauern, Letten und Esten, den Polen, Tschechen, Ungarn, Bulgaren, Rumänen, Albanern und&#13;
anderen vor ihnen, wurde mir ein Höchstmaß an&#13;
Achtung und Zuneigung für die Vereinigten Staaten&#13;
und unser Volk entgegengebracht.&#13;
Ich bin von meinen Reisen absolut überzeugt zurückgekehrt, daß wir die Chance des Jahrhunderts haben,&#13;
den Gang der Geschichte zu beeinflussen und ein&#13;
neues Zeitalter des Friedens einzuleiten. Ich spreche&#13;
nicht über das 20., sondern das 21. Jahrhundert. Ich&#13;
spreche nicht nur von unserer Generation, sondern&#13;
auch von nachfolgenden Generationen.&#13;
Was auf dem Spiel steht, ist wirklich historisch:&#13;
Strategisch können die Vereinigten Staaten, Rußland&#13;
und die anderen Länder der ehemaligen Sowjetunion&#13;
zu einer dauerhaften Freundschaft, Partnerschaft und&#13;
selbst einem Bündnis gelangen. Dies ist die echte&#13;
Friedensdividende - die Beseitigung der psychologischen Last der Furcht und Feindschaft, die Freisetzung moralischer und materieller Ressourcen, die&#13;
durch den nuklearen und konventionellen Rüstungswettlauf verbraucht wurden. Um Präsident Bush zu&#13;
zitieren: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit in einer Weise gewährleisten, wie es Atomraketen niemals konnten."&#13;
Politisch kann sich die Demokratie dort entfalten, wo&#13;
sie nie zuvor gedeihen konnte. De Tocquevilles berühmte Prophezeiung, die amerikanische Republik&#13;
und das russische Imperium seien zu Antagonismus&#13;
verurteilt, Demokratie gegen Autokratie, ist überholt.&#13;
Es kann einen Aufschwung der Freiheit für diejenigen&#13;
geben, die lange auf den Genuß ihrer Segnungen&#13;
gewartet haben.&#13;
Wirtschaftlich können sich Rußland und die anderen&#13;
neuen Staaten endlich in die Weltwirtschaft eingliedern. Ihre Bodenschätze und das enorme Talent ihrer&#13;
Völker können zum Wohlergehen dieser Völker und&#13;
nicht der Kommunistischen Partei beitragen, und ihre&#13;
Integration in die Weltwirtschaft kann für unsere Handelspartner und Investoren die Chancen erhöhen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben sich seit einiger Zeit auf&#13;
eben diese Chance vorbereitet, nicht nur im Hinblick&#13;
auf Rußland, sondern auf alle neuen Staaten. In dem&#13;
Maße, in dem sie Schritte nach vorn gedacht haben,&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�sind wir mit ihnen gegangen. Wir haben unseren&#13;
Ansatz verfeinert, damit er nicht nur unserer Einschätzung dessen, was wir tun sollten, sondern auch der&#13;
Tatsache Rechnung trägt, wie weit sie selbst bereit&#13;
sind zu gehen - denn letzten Endes können wir nur&#13;
denjenigen helfen, die sich selbst helfen.&#13;
Neue Schritte&#13;
Insbesondere mit Rußland - der größten aus dem&#13;
Zusammenbruch der Sowjetunion hervorgegangenen&#13;
unabhängigen Nation - haben wir versucht, eine neue&#13;
Vision zu verwirklichen: ein Rußland, das ein strategischer Partner der Vereinigten Staaten würde, das bei&#13;
der Förderung von Frieden und Demokratie in ganz&#13;
Eurasien nicht gegen, sondern mit uns arbeiten würde.&#13;
Ein Rußland, das eine neue demokratische, auf freie&#13;
Wahlen, Mehrparteiendemokratie und Rechtsstaatlichkeit gegründete Gesellschaft würde. Ein Rußland,&#13;
das in die Weltwirtschaft integriert werden könnte,&#13;
offen für Handel und Investitionen aus dem Ausland,&#13;
das durch freie Märkte und Einzelinitiative zu Wohlstand gelangt.&#13;
Rußlands Potential ist Bestandteil der umfassenderen&#13;
Vision für alle Länder der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
des eurasischen Kontinents. Wir können die Zone des&#13;
Friedens und Wohlstands nach Osten ausdehnen, bis&#13;
das Ziel des Präsidenten eines wirklich ungeteilten und&#13;
freien Europas erreicht ist. Ein Kontinent freier, unabhängiger und souveräner Nationen, die Demokratien&#13;
und freie Märkte aufbauen, an der friedlichen Beilegung von Konflikten zusammenarbeiten und sich vollständig in die demokratische Staatengemeinschaft&#13;
und Weltwirtschaft integrieren.&#13;
Dies ist eine revolutionäre Vision - aber wir leben in&#13;
revolutionären Zeiten. Im Dezember - gerade als die&#13;
Sowjetunion endgültig von der Landkarte verschwand&#13;
- habe ich in der Princeton University drei Bereiche&#13;
umrissen - den militärischen, politischen und wirtschaftlichen - in denen wir mit Rußland und den&#13;
anderen neuen unabhängigen Staaten an der Verwirklichung der Vision zusammenarbeiten können.&#13;
Seitdem haben wir Fortschritte im militärischen Bereich erzielt mit den Vorschlägen der Präsidenten&#13;
Bush und Jelzin zur nuklearen Rüstungskontrolle, mit&#13;
den neuen praktischen Schritten, Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der Verschrottung&#13;
ihrer Nuklearwaffen behilflich zu sein und mit der&#13;
Gründung eines internationalen Wissenschaftszentrums zur Bewältigugn der Abwanderung von Atomwissenschaftlern.&#13;
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen zu allen neuen Staaten aufgebaut, und wir sind&#13;
das einzige Land, das Botschaften in allen neuen&#13;
Staaten unterhält. Darüber hinaus heißen wir sie in&#13;
den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über Sicherheit und&#13;
Zusammenarbeit in Europa willkommen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
Im wirtschaftlichen Bereich haben wir die massiven&#13;
humanitären Bestrebungen zur Erfüllung des Bedarfs&#13;
an Nahrungs- und Arzneimitteln beschleunigt. Wir&#13;
haben unsere technischen Hilfsprogramme erweitert,&#13;
und bei der Washingtoner Koordinierungskonferenz&#13;
im Januar hat eine neue internationale Koalition aus 54&#13;
Nationen und Institutionen umfassende und konstruktive Bestrebungen zur Koordinierung der Hilfsleistungen in die Wege geleitet.&#13;
Der letzte Mosaikstein war ein umfangreicher, glaubwürdiger Plan für Wirtschaftsreformen. Im Dezember,&#13;
als die Sowjetunion zusammenbrach, gab es keinen&#13;
solchen Plan.&#13;
Aber seit Januar hat Präsident Jelzin eine mutige&#13;
Entscheidung nach der anderen getroffen, die meisten&#13;
Preiskontrollen aufgehoben, die staatlichen Ausgaben&#13;
reduziert und die Verteidigungsausgaben drastisch&#13;
gekürzt. Rußland hat ernsthafte, konstruktive Gespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF)&#13;
und der Weltbank aufgenommen. Ein sowohl glaubwürdiges als auch umfangreiches Reformprogramm&#13;
wurde in die Wege geleitet. Und Präsident Jelzins&#13;
Engagement ist ungebrochen.&#13;
Zweifelsohne sind die Russen engagiert und können&#13;
es sich nicht leisten, jetzt aufzuhören. Das Erbe der&#13;
Vergangenheit ist eine den Rubel vernichtende enorme Inflation, die nicht nur die wirtschaftlichen Reformbestrebungen, sondern auch die Zukunft der Demokratie in Rußland und seinen Nachbarländern bedroht.&#13;
Wenn die Demokratie in Rußland scheitert, wird auch&#13;
die Arbeit an der Freiheit in der Ukraine, Armenien,&#13;
Belarus, Moldawien, Kasachstan, Kirgistanundallden&#13;
anderen Ländern sehr viel schwieriger.&#13;
Dies sind die Gründe, warum der Präsident am 1. April&#13;
1992 unsere Unterstützung eines multilateralen makroökonomischen Hilfspakets angekündigt hat. Dieses Hilfspaket im Wert von 24 Milliarden Dollar wird&#13;
Rußland bei der Stabilisierung seiner Wirtschaft helfen, die Inflation unter Kontrolle bringen und den Weg&#13;
für Wachstum und Entwicklung bereiten. Als breitgefächerte multilaterale Bestrebung mit dem Ziel der&#13;
Unterstützung von Demokratie und freien Märkten ist&#13;
dieser Plan ein anschauliches Beispiel für praktisches&#13;
kollektives Engagement.&#13;
Als Teil dieser multilateralen Bestrebungen hat der&#13;
Präsident das Gesetz zur Förderung der Freiheit vorgeschlagen. Während dieses Gesetz unser Engagement für das multilaterale makroökonomische Hilfspaket fördert, unterstützt es gleichzeitig Demokratie und&#13;
freie Märkte in Rußland und Eurasien über die ganze&#13;
Bandbreite militärischer, politischer und wirtschaftlicehr Fragen hinweg. Es stellt einen umfassenden und&#13;
integrierten Ansatz zur Umgestaltung der ehemaligen&#13;
Sowjetunion dar.&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�Erstens unterstützt das Gesetz unsere Bestrebungen&#13;
zum Abbau der Bedrohung unserer Sicherheit durch&#13;
die Vernichtung von Waffen, Entmilitarisierung und&#13;
atomare Sicherheit. Es gestattet uns, unsere Hilfsbestrebungen für Rußland, die Ukraine und die anderen&#13;
neuen unabhängigen Staaten bei der Umgestaltung&#13;
der auf Rüstungsproduktion ausgerichteten Volkswirtschaften zu erweitern.&#13;
Zweitens unterstützt das Gesetz die Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen&#13;
unabhängigen Staaten. Es fördert unsere Bestrebungen, Russen, Ukrainer, Zentralasiaten und andere&#13;
Völker zu Praktika bei uns einzuladen. In den jeweiligen Ländern lebende amerikanische Berater sollen&#13;
den Einheimischen den Weg zu Demokratie und freien&#13;
Märkten aufzeigen.&#13;
Drittens unterstützt das Gesetz freie und offene Märkte durch technische Hilfe, die Förderung von Handel&#13;
und Investitionen und makroökonomische Stabilisierung. Das Gesetz wird unseren Firmen das Engagement bei Handels- und Investitionschancen in der&#13;
Ukraine, Kasachstan, Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten erleichtern. Das Gesetz&#13;
wird zur Erweiterung der Programme der Entwicklungsgesellschaft OPIC und der Export-Import-Bank&#13;
beitragen. So können wir staatliche Mittel in den&#13;
Privatsektor und Investitionen lenken. Das ist gut für&#13;
unseren Handel und unsere Wirtschaft sowie für die&#13;
Entwicklung von Märkten und Demokratie in Eurasien&#13;
und Rußland.&#13;
Ich fordere Sie auf, den Gesetzesentwurf zu unterstützen ebenso wie der Präsident und ich den Kongreß zu&#13;
seiner unverzüglichen Verabschiedung ohne "Fangklauseln" gedrängt haben, um Prioritäten im Inland in&#13;
Angriff zu nehmen.&#13;
Sicherlich werden Sie mich ebenso wie der Kongreß&#13;
fragen, ob es sich hierbei nur um weitere Auslandshilfe&#13;
handelt. Meine Antwort lautet, es ist nicht nur mehr&#13;
Auslandshilfe. Sie werden mich fragen, ob es nur&#13;
weitere Almosen sind. Und meine Antwort lautet, es&#13;
sind nicht nur mehr Almosen. Es ist vielmehr eine&#13;
gezielte Investition in unsere Sicherheit und in unsere&#13;
Zukunft. Mit anderen Worten: Das Gesetz zur Förderung der Freiheit liegt im nationalen Interesse der&#13;
Vereinigten Staaten, in der Tat in unserem nationalen&#13;
Sicherheitsinteresse.&#13;
Die Herausforderungen unserer Zeit&#13;
Ich bin mir der Tatsache bewußt, daß die Bitte um&#13;
weitere Investitionen in unser kollektives Engagement&#13;
zu diesem Zeitpunkt weder leicht noch populär ist. Sie&#13;
kostet Geld. Und sie birgt Risiken.&#13;
Manche möchten dieses Risiko nicht eingehen oder&#13;
Investitionen in einen demokratischen Frieden für die&#13;
Zukunft tätigen. Die Befürworter von "America first"&#13;
bevorzugen es, sich den Herausforderungen unserer&#13;
Seite 6&#13;
&#13;
Zeit zu entziehen, indem sie vorgeben, sie existierten&#13;
nicht. Das ist jedoch das größte Risiko.&#13;
Andere sind immer noch den Fehlern der Vergangenheit verhaftet. Sie bezweifeln die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, Gutes zu tun. Sie mißtrauen der&#13;
amerikanischen Wettbewerbsfähigkeit und behaupten, die Probleme im Inland schließen eine internationale Führungsrolle aus.&#13;
Was immer ihre Gründe sein mögen - ich sage ihnen,&#13;
was George Kennan in Chicago im Jahr 1950 seinem&#13;
Publikum gegenüber erklärt hat:&#13;
"Die Geschichte verzeiht uns unsere innenpolitischen&#13;
Fehler nicht, weil sie auch im Hinblick auf unsere&#13;
Innenpolitik erklärbar sind."&#13;
Diesen Defätisten und Zauderern sage ich, die echte&#13;
Wahl lautet: Entweder wir antworten auf den Ruf nach&#13;
einer Führungsrolle oder nicht.&#13;
Entweder bekommen wir die Geschichte in den Griff&#13;
oder die Geschichte uns.&#13;
Die Alternative zu amerikanischer Führungsrolle und&#13;
kollektivem Engagement ist nicht mehr, sondern weniger&#13;
Sicherheit für die Amerikaner, nicht höhere Löhne,&#13;
sondern niedrigere, nicht eine mehr, sondern weniger&#13;
konkurrenzfähige Wirtschaft, nicht der Erfolg der&#13;
Demokratie, sondern ihr Scheitern.&#13;
Sie bedeutet den Verlust des Friedens nach dem Sieg&#13;
im Krieg, die Vergeudung der verdienten Friedensdividende. Sie könnte bedeuten, daß wir erneut Milliarden&#13;
von Dollar ausgeben müßten, um einen weiteren kalten Krieg zu gewinnen.&#13;
Vor allem hätten wir die Chance für ein besseres&#13;
Amerika in einer besseren Welt vertan. Die Alternative&#13;
zu einer geschickten amerikanischen Führungsrolle&#13;
im Ausland ist die Beschneidung, nicht die Erweiterung&#13;
der Chancen im Inland. Wenn Sie dies in Frage stellen,&#13;
führen Sie sich erneut vor Augen, wie unser Leben,&#13;
unsere Sicherheit, unsere Ideale und unsere Arbeit mit&#13;
der Welt jenseits unserer Grenzen verflochten sind.&#13;
Denn Isolationismus kommt nicht allein. Intoleranz&#13;
und Spaltung im Inland gehen damit Hand in Hand. Die&#13;
amerikanische Geisteshaltung und die amerikanischen&#13;
Ideale haben in einer solchen Gesellschaft keinen&#13;
Platz.&#13;
Ich habe von den Chancen des Jahrhunderts gesprochen, des nächsten Jahrhunderts. Wie anders könnte&#13;
das Leben der nachfolgenden Generationen verlaufen, wenn wir jetzt die richtige Entscheidung treffen wenn wir dem Ruf nach der Führungsrolle folgen,&#13;
indem wir durch kollektives Engagement die Führung&#13;
übernehmen, wenn wir Rußland und den anderen&#13;
Ländern der ehemaligen Sowjetunion helfen, zu einer&#13;
Quelle der Hoffnung, nicht der Bedrohung zu werden.&#13;
Kurzum: Wenn wir einen demokratischen Frieden&#13;
erlangen.&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�Gemeinsam mit den anderen Demokratien blicken wir&#13;
in diesem Jahrhundert auf die Bilanz zweier gewonnener Weltkriege zurück, die wir teuer mit Menschenleben und Gut bezahlen mußten, weil wir keine andere&#13;
Wahl hatten. Nach den Kriegen mußten wir jedoch&#13;
noch immer den Frieden gewinnen.&#13;
&#13;
ten Staaten versucht, sich aus der Alten Welt der&#13;
Konflikte herauszuhalten. Das erwachsene Amerika&#13;
ist Bürger einer Welt, die für alle da ist.&#13;
&#13;
Jetzt sehen wir uns erneut mit dieser Herausforderung&#13;
konfrontiert. In ihren Kindertagen haben die Vereinig-&#13;
&#13;
Wir müssen der Größe unserer Ideale gerecht werden&#13;
- und einen demokratischen Frieden erlangen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Die Herausforderung unserer Zeit lautet, dem Ruf&#13;
nach einer Führungsrolle zu folgen.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 7&#13;
&#13;
�G US-HANDEL&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
BUSH DRÄNGT AUF ERWEITERTEN&#13;
HANDEL MIT DER GUS&#13;
Grußworte des Präsidenten an Unternehmer&#13;
WASHINGTON - (AD) - In einer Begrüßungsansprache an Unternehmer forderte Präsident Bush am 21. April&#13;
1992 den amerikanischen Privatsektor bei einem Empfang im Wei ßen Haus auf, die Gelegenheit zur Erweiterung&#13;
des Handels mit den neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu ergreifen. "Es ist ein großer&#13;
und reicher Markt", erklärte Bush, "und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren. Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen&#13;
für amerikanische Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer."&#13;
Der Präsident forderte die Unternehmer auf, den neuen Staaten beim Übergang von "Kommando- zu Marktwirtschaften" behilflich zu sein. Bush verwies auf die von ihm angestrebte Beschleunigung der Verhandlungen mit&#13;
den neuen Ländern über Handel, bilaterale Investitionen und Steuerverträge, um "unseren Firmen besseren&#13;
Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen."&#13;
Präsident Bush stellte fest, daß er die Entwicklungsgesellschaft OPIC und die Export-Import-Bank zur Erweiterung ihrer Aktivitäten in den neuen Ländern aufgefordert habe - eine Maßnahme, die ein weiterer entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum fairen Wettbewerb um einen Anteil der neuen Märkte dort ist.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Präsident Bush im Wortlaut.&#13;
Es ist mir eine Ehre, heute morgen 16 führende amerikanische Unternehmer im Weißen Haus willkommen&#13;
heißen zu dürfen, um zu erörtern, wie der amerikanische Privatsektor zur Bewältigung der wichtigsten&#13;
außenpolitischen Herausforderung beitragen kann, mit&#13;
der wir uns konfrontiert sehen - der Umgestaltung der&#13;
neuen Staaten der ehemaligen UdSSR von Kommando- zu Marktwirtschaften und von autoritären zu&#13;
demokratischen Regierungen. Wir sind entschlossen,&#13;
das Volumen unseres Handels und unserer Investitionen in der Region aufzustocken. Darüber hinaus&#13;
möchte ich heute eine Reihe von Maßnahmen zur&#13;
Verwirklichung dieser wichtigen Ziele ankündigen.&#13;
Erstens habe ich gebeten, daß di? derzeitigen Verhandlungen mit allen neuen Staaten über Handel,&#13;
bilaterale Investitionen und Steuerverträge so rasch&#13;
wie möglich abgeschlossen werden. Diese Vereinbarungen dienen dazu, unseren Firmen besseren Zugang zu verschaffen und die Grundlage für unsere&#13;
zukünftigen Handelsbeziehungen zu legen.&#13;
Zweitens haben ich die Entwicklungsgesellschaft OPIC&#13;
und die Export-Import-Bank zur Aushandlung neuer&#13;
Abkommen und Erweiterung ihrer Aktivitäten in der&#13;
ehemaligen UdSSR aufgefordert. Dies ist ein weiterer&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
entscheidender Schritt für amerikanische Firmen zum&#13;
gerechten Wettbewerb um einen Anteil der neuen&#13;
Märkte dort.&#13;
Drittens möchte ich meinen Appell an den Kongreß&#13;
wiederholen, rechtzeitig vor meinem Gipfeltreffen mit&#13;
Präsident Jelzin im Juni im Geiste der Überparteilichkeit das Gesetz zur Förderung der Demokratie zu&#13;
verabschieden - ein bahnbrechendes Gesetz, das ich&#13;
am 1. April 1992 bekanntgegeben habe. Wir hoffen,&#13;
daß die heute hier anwesenden Unternehmer und die&#13;
amerikanische Geschäftswelt insgesamt diesen Gesetzentwurf unterstützen, mit dem die Beschränkungen für Handel und Investitionen aus der Zeit des&#13;
kalten Kriegs aufgehoben werden.&#13;
Und schließlich habe ich unsere Wirtschaftsministerin&#13;
Barbara Franklin gebeten, neue Ausschüsse zur Entwicklung der Handelsbeziehungen mit Rußland, der&#13;
Ukraine und anderen Ländern zum Abbau der Hemmnisse zu gründen, die derzeit dem Handel mit ihnen im&#13;
Wege stehen.&#13;
All diese Themen stehen an oberster Stelle der Tagesordnung meiner Treffen mit den Präsidenten Krawtschuk und Jelzin. Ich bin fest entschlossen, amerika-&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�nischen Unternehmen jede Chance zum Wettbewerb&#13;
auf diesen Märkten einzuräumen. Der amerikanische&#13;
Privatsektor sollte die Gelegenheit zum Handel mit&#13;
diesen Ländern ergreifen. Es ist ein großer und reicher&#13;
Markt, und das amerikanische Volk wird von der Erweiterung unserer Handelsbeziehungen profitieren.&#13;
Zusätzlicher Handel bedeutet neue Märkte für amerikanische Waren, größere Chancen für amerikanische&#13;
Investoren und mehr Arbeitsplätze für die amerikanischen Arbeitnehmer. Die Vereinigten Staaten haben&#13;
1991 ihre Exporte an Fertigwaren in die UdSSR um&#13;
nahezu 40 Prozent erweitert. Unser Ziel sollte sein, in&#13;
diesem und im nächsten Jahr noch besser abzuschneiden.&#13;
Dies ist ein entscheidender Augenblick in diesem&#13;
Jahrhundert. Und auch die Rolle des Privatsektors ist&#13;
&#13;
absolut entscheidend. Der Bedarf an Kapital, Hochtechnologie und Know-how in diesen Ländern ist in&#13;
diesem und im nächsten Jahrzehnt bei weitem zu&#13;
groß, als daß ihn eine Regierung allein erfüllen könnte.&#13;
Die tiefgreifende wirtschaftliche Umgestaltung zur&#13;
Befreiung der Völker der ehemaligen Sowjetunion und&#13;
zum Nutzen unseres Volkes wird nur stattfinden, wenn&#13;
unsere Privatunternehmen investieren und Handel&#13;
betreiben, um ihnen den Weg aufzuzeigen.&#13;
Ich möchte den heute hier anwesenden Unternehmern&#13;
meinen Dank aussprechen, von denen viele bereits&#13;
begonnen haben, Handelsbeziehugnen mit der GUS&#13;
aufzubauen. Und ich möchte mein Engagementfürdie&#13;
Partnerschaft mit dem amerikanischen Privatsektor&#13;
erneut bekräftigen.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�IWF&#13;
29. Aprl 11992&#13;
&#13;
BRADY FORDERT RASCHE REFORMEN IN GUS&#13;
Rede bei IWF-Treffen&#13;
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady hat Rußlands guten Start beim&#13;
Reformprozeß gewürdigt und die anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion aufgefordert, ebenfalls&#13;
rasch Stabilisierungs- und Reformprogramme einzuführen.&#13;
In einer Rede vor dem Interimausschuß des Internationalen Währungsfonds erklärte Brady am 27. April 1992,&#13;
der sicherste Weg zur Förderung von Wachstum, Beschäftigung und steigenden Einkommen bestehe darin,&#13;
"privates Unternehmertum und Wettbewerb zu fördern".&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.&#13;
&#13;
Ich möchte zunächst unseren besonderen Gast aus&#13;
Rußland bei diesem Treffen willkommen heißen. Darüber&#13;
hinaus beglückwünschen wir alle neuen Staaten der&#13;
ehemaligen Sowjetunion zu ihrer Mitgliedschaft in IWF&#13;
und Weltbank. Sie können zu Recht stolz darauf sein,&#13;
diesen historischen Meilenstein auf dem Weg von&#13;
zentraler Planung zu marktgestützten Wirtschaftssystemen passiert zu haben. Wir können unsererseits&#13;
diese Gelegenheit benutzen, um unser Engagement&#13;
zu bekräftigen, den neuen Staaten bei der Vollendung&#13;
dieses Weges zu helfen. Die Geschichte wird zu Recht&#13;
hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir diese Gelegenheit zur Erlangung einer wahrhaft globalen Marktwirtschaft ungenutzt verstreichen lassen.&#13;
Der Aufbau von Marktwirtschaften wird nicht glatt&#13;
vonstatten gehen. Rückschläge sind zu erwarten und&#13;
sollten weder Erstaunen noch Verzweiflung hervorrufen. Wir befinden uns in einer schwierigen Übergangsphase. Die neuen Staaten und Osteuropa haben den&#13;
emotional befriedigenden ersten Anflug von Freiheit&#13;
bereits hinter sich. Nun befinden sie sich inmitten der&#13;
weniger spektakulären aber nicht weniger kritischen&#13;
praktischen Arbeit, um ihre Maßnahmen, Institutionen&#13;
und Produktionsstrukturen völlig neu zu gestalten.&#13;
Die Größe der bevorstehenden Aufgabe sollte jedoch&#13;
die bereits erzielten Fortschritte nicht trüben. Eine&#13;
kooperative Strategie für das Streben nach Reformen&#13;
wird bereits in die Tat umgesetzt.&#13;
Wichtigster Bestandteil dieser Strategie ist die Verabschiedung eines umfassenden Programms zur Stabilisierung und Strukturreform in jedem Land. Der Erfolg&#13;
wird letztlich vorwiegend von der Qualität dieser Programme und deren Durchführung abhängen. Ohne&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
solide Programme und Durchführung wird der Umgestaltungsprozeß verlängert, geschädigt und sogar&#13;
gefährdet, und der Durchhaltewille der Öffentlichkeit&#13;
wird geschwächt. Und ohne umfassende Reformen&#13;
würde die internationale Hilfe größtenteils verschwendet und brächte für die Menschen in den Reformstaaten keine langfristigen Vorteile.&#13;
Die Menschen und Regierungen Osteuropas haben&#13;
bei der Durchführung umfassender Programme bemerkenswerten Mut und Standhaftigkeit bewiesen.&#13;
Diese Länder haben uns viel darüber gelehrt, wie&#13;
schwierig dieser Proze ß ist, sowie über den Kampf zur&#13;
Bewahrung von sozialer und politischer Stabilität während&#13;
eines weitreichenden wirtschaftlichen Umbruchs. Wir&#13;
beginnen jedoch ermutigende Zeichen zu sehen, da&#13;
ausländische Direktinvestitionen in einige dieser Länder zu fließen beginnen, womit sich ein entscheidendes Vertrauensvotum des Privatsektors für diese&#13;
Wirtschaftsprogramme abzeichnet.&#13;
Die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion nehmen heute den Reformprozeß in Angriff. Wir würdigen&#13;
insbesondere Rußland für dessen vom IWF unterstütztes "Schatten"-Programm. Wir sehen einer Vereinbarung über ein solides umfassendes russisches&#13;
Wirtschaftsprogramm und dessen Durchführung entgegen, das durch eine Finanzierungszusage des IWF&#13;
unterstützt wird. Wir fordern die anderen neuen Staaten auf, ebenfalls rasch umfassende Stabilisierungsund Reformprogramme einzuleiten, die Unterstützung des IWF verdienen.&#13;
Zu Beginn dieses Monats hat Präsident Bush die&#13;
Bereitschaft der Vereinigten Staaten unter Beweis&#13;
gestellt, das ihrige zu tun, indem er die Unterstützung&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�für ein umfangreiches Engagement der G-7 für den&#13;
wirtschaftlichen Übergang ankündigte: das multilaterale Finanzhilfepaket für Rußland in Höhe von 24&#13;
Milliarden Dollar. Dieses umfassende Paket beinhaltet&#13;
insgesamt 18 Milliarden Dollar für bilaterale Hilfe,&#13;
zusätzlichen Zahlungsaufschub und umfangreiche&#13;
Programme der internationalen Finanzinistitutionen.&#13;
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 2 Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe geleistet.&#13;
&#13;
bisweilen Sorgen darüber gemacht, aber die Wahrheit&#13;
ist, daß Auslandsinvestitionen sowohl uns als auch&#13;
den Investoren zugute gekommen sind. Wir sind der&#13;
Überzeugung, daß Osteuropa und die neuen Staaten&#13;
ebenfalls großen Nutzen aus den Ressourcen und&#13;
dem Know-how ziehen werden, das ausländische&#13;
Investoren zur Verfügung stellen. Wir fordern diese&#13;
Länder dringend dazu auf, rascher zu handeln, um das&#13;
Wachstum des Privatsektors zu fördern und ein günstiges Investitionsklima zu schaffen.&#13;
&#13;
Die andere nicht minder wichtige Komponente des&#13;
russischen Pakets ist ein Stabilisierungsfonds für den&#13;
Rubel in Höhe von 6 Milliarden Dollar. Die Vereinigten&#13;
Staaten unterstützen die Aktivierung der Allgemeinen&#13;
Kreditarrangements des IWF für diesen Zweck.&#13;
&#13;
Die wichtigsten Industriestaaten können ferner einen&#13;
entscheidenden Beitrag leisten, indem sie die Art von&#13;
offenem und wachsendem Umfeld schaffen, das die&#13;
Integration der Reformstaaten in die Weltwirtschaft&#13;
beschleunigen und erleichtern wird. Der Zusammenbruch des Handels im ehemaligen sowjetischen Block&#13;
zeigt uns, wie schwierig es für Staaten ist, ohne&#13;
Verbindungen zu anderen Volkswirtschaften wirtschaftlich zu gedeihen.&#13;
&#13;
Ich möchte die Aufmerksamkeit insbesondere auf die&#13;
Bedeutung der Privatisierung in einem frühen Stadium&#13;
des Reformprozesses lenken. Wir alle würden gerne&#13;
schneller den Tag erreichen, an dem die Bürger der&#13;
neuen Staaten und Osteuropas die Vorzüge der freien&#13;
Marktwirtschaft in Form von starkem Beschäftigungswachstum und steigenden Einkommen in Anspruch&#13;
nehmen können. Der sicherste Weg zur Beschleunigung dieses Prozesses und Förderung des Wachstums besteht darin, privates Unternehmertum und&#13;
Wettbewerb zu fördern.&#13;
&#13;
Abschließend möchte ich denjenigen, die der Zukunft&#13;
mit Pessimismus entgegensehen, die konfliktgeladene Atmosphäre und die hohen Kosten des kalten&#13;
Krieges in Erinnerung rufen. Wir haben bereits ein&#13;
beispielloses Maß an internationaler Zusammenarbeit&#13;
erreicht. Die Herausforderung besteht darin, diese&#13;
Bemühungen in beispiellose weltweite wirtschaftliche&#13;
Vorteile umzumünzen.&#13;
&#13;
Seit den Anfängen der Republik haben die Vereinigten&#13;
Staaten von Auslandsinvestitionen in unsere Volkswirtschaft profitiert. Offen gestanden haben wir uns&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�WIRTSCHAFT&#13;
29. April 1992&#13;
&#13;
WIRTSCHAFTLICHE INTERDEPENDENZ&#13;
UND NATIONALISMUS:&#13;
MÖGLICHKEITEN DER HARMONIE&#13;
von Henry R. Nau&#13;
Der Beginn der neunziger Jahre ist ein günstiger Zeitpunkt, um die wirtschaftliche Interdependenz auszubauen&#13;
und politische Bindungen zwischen den Nationen zu stärken, da die ehemals kommunistischen Staaten und die&#13;
Entwicklungsländer bestrebt sind, an dieser Interdependenz und den politisch vereinigten Märkten teilzuhaben,&#13;
schreibt der Autor. Henry R. Nau ist Professor und stellvertretender Dekan an der Elliott School of International&#13;
Äff airs der George Washington University in Washington und Autor des Buches The Myth of America's Decline&#13;
(Oxford University Press, 1990).&#13;
&#13;
Im Jahr 1991 läßt sich mit Fug und Recht behaupten,&#13;
die Weltwirtschaft sei stärker miteinander verflochten&#13;
und reicher als jemals seit Beginn der industriellen&#13;
Revolution. Diese Interdependenz umfaßt den explosiven Zuwachs des Handels (um etwa fünf Prozent&#13;
jährlich in den späten achtziger Jahren), ein beispielloses Ausmaß von Direktinvestitionen (doppelt so hoch&#13;
wie die Wachstumsrate des Handels), den Technologietransfer über nationale Grenzen hinweg sowie stärkere Mobilität von Arbeitskräften (z. B. Einwanderung)&#13;
und Kapital als die Weltwirtschaft in der Vergangenheit&#13;
jemals erlebt hat. Aber diese Verflechtung geht über&#13;
den materiellen und physischen Austausch hinaus.&#13;
Heute beinhaltet sie ferner die Ausbreitung ökonomischer Ideen im Hinblick auf die Bedeutung von Märkten, Wettbewerb, Unternehmertum und Privateigentum - also die Werte größerer wirtschaftlicher Freiheit.&#13;
Und dazu gehört eine bemerkenswerte Konvergenz&#13;
der Nationen in der Nachkriegszeit, nämlich die allgemeine Hinwendung zu Pluralismus und Demokratie in&#13;
der innenpolitischen Praxis.&#13;
Diese Interdependenz ist nicht mehr, wie noch vor 20&#13;
Jahren, primär auf die westlichen Industriestaaten&#13;
begrenzt. Sie umfaßt heute auch eine wachsende&#13;
Zahl von Schwellenländem - Korea, Taiwan, Hongkong, Singapur, Brasilien und nun auch Mexiko, Malaysia, Thailand, Kolumbien und andere - sowie ölproduzierende Länder, die trotz der Schwierigkeiten in&#13;
den letzten beiden Jahrzehnten Riesenschritte zur&#13;
Industrialisierung und Einbindung in die Weltwirtschaft&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
unternommen haben. Der jüngste Krieg am Persischen Golf bietet ein anschauliches Beispiel - das an&#13;
Bedeutung noch gewinnen könnte - für eine neue&#13;
&#13;
Solidarität zwischen Industriestaaten und gemäßigten&#13;
arabischen Ländern in dieser Region, eine Solidarität,&#13;
die in krassem Gegensatz zu den Konflikten zwischen&#13;
Nord und Süd sowie OPEC und Industriestaaten der&#13;
frühen siebziger Jahre steht.&#13;
Zu Beginn der neunziger Jahre verstärkten sich die&#13;
Aussichten auf Interdependenz und Solidarität weiter,&#13;
um auch die ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas sowie potentiell die Sowjetunion einzubeziehen. Kurzum, die Interdependenz, die unter den&#13;
westlichen Industriestaaten immer stärker sichtbar&#13;
wird, hat jetzt die Teilung zwischen Nord und Süd&#13;
sowie Ost und West ersetzt, die von 1950 bis 1985 die&#13;
Welt gespalten hat.&#13;
Wie ist es zu dieser Interdependenz gekommen? In&#13;
seinem Bestseller Aufstieg und Fall der großen&#13;
Mächte von 1987 prognostizierte Paul Kennedy genau das Gegenteil. Er argumentierte, mit der nachlassenden Macht der Vereinigten Staaten werde die Interdependenz geschwächt, und zwischen den Ländern&#13;
würden neue Konflikte auftreten. Solche Konflikte&#13;
hätten sich zum Ende der Vorherrschaft ehemals&#13;
großer Mächte ergeben - Holland in der zweiten Hälfte&#13;
des 17. Jahrhunderts sowie Großbritannien am Ende&#13;
des 19. Jahrhunderts. Es gebe keinen Grund, so&#13;
Kennedy, mit dem Abnehmen der amerikanischen&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Macht gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht erneut&#13;
eine solche Entwicklung zu erwarten.&#13;
Zu Beginn des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts ist die Welt jedoch näher zusammengerückt. Alle&#13;
Industriestaaten sind Demokratien, die ehemals kommunistischen Länder versuchen, die Demokratie einzutühren, und zahlreiche Entwicklungsländer bewegen sich ebenfalls in diese Richtung. Diese Konvergenz trat in der Krise am Persischen Golf offen zutage,&#13;
in der sich die Mehrheit der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vereinigte, um der Aggression und Unterdrückung durch Saddam Hussein und den Irak entgegenzutreten.&#13;
Die Argumente des Niedergangs enthalten ein grundlegendes Mißverständnis des Verhältnisses zwischen&#13;
globaler Interdependenz und nationaler Unabhängigkeit. Sie gehen davon aus, daß diese beiden Kräfte&#13;
notwendigerweise im Gegensatz zueinander stehen.&#13;
Aber diese Faktoren müssen ebensowenig kollidieren&#13;
wie die Unabhängigkeit des einzelnen und nationale&#13;
Unabhängigkeit auf der Ebene der Gesellschaft Gegensätze sind. Die wichtigste Überlegung ist, ob&#13;
einzelne Länder (einzelne Menschen) untereinander&#13;
einen Gemeinsinn entwickeln, wenn die materielle und&#13;
physische wechselseitige Abhängigkeit zunimmt. Wenn&#13;
sie einen stärkeren Sinn für gemeinsame Identität und&#13;
Ziele entwickeln, fühlen sie sich durch Verschiebungen von Macht und Wohlstand nicht bedroht. Zunehmend gleiche Machtverteilung unter einzelnen Ländern führt nicht zu neuen Konflikten, sondern vielmehr&#13;
zu einer besseren internationalen Gemeinschaft.&#13;
Zumindest beobachten wir dies auf nationaler Ebene.&#13;
Auf dieser Ebene gehen wir von der Existenz gemeinsamer Ziele aus und kommen zu dem Schlu ß, daß eine&#13;
gleichmäßigere Verteilung von Wohlstand zu größerer&#13;
Harmonie beiträgt und nicht zu mehr Konflikten führt.&#13;
Dasselbe kann auf der internationalen Ebene zutreffen.&#13;
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten&#13;
Staaten absichtlich eine Politik verfolgt, die mit Hilfe&#13;
geteilten Wohlstands und geteilter Macht eine Gemeinschaft engerer politischer Ziele scharfen wollte.&#13;
Sie schickte sich an, eine interdependente Welt zu&#13;
schaffen, deren Einheit Amerikas Vormachtstellung im&#13;
&#13;
Hinblick auf Wohlstand und Macht überleben sollte.&#13;
Durch den Marshallplan und die globalen Wirtschaftsinstitutionen - den Internationalen Währungsfonds, die&#13;
Weltbank und das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen - haben die Vereinigten Staaten Märkte und&#13;
Gesellschaften geöffnet, um nachhinkenden Gesellschaften die Anpassung an den amerikanischen Lebensstandard zu ermöglichen. Von 1950 bis 1970 haben&#13;
die Vereinigten Staaten im Vergleich zu den Industrienationen Europas und Asiens stetig an Macht verloren,&#13;
da die Verbündeten nach dem Krieg Wiederaufbau&#13;
leisteten und sich Amerikas Produktivitätsniveau annäherten. Die Annäherung stellte für die Vereinigten&#13;
Staaten keine Bedrohung dar, weil die IndustrienatioSeite 2&#13;
&#13;
nen gleichzeitig stetig dabei waren, eine engere politische Gemeinschaft mit den Vereinigten Staaten zu&#13;
bilden. Deutschland und Japan legten in ihren Gesellschaften solide demokratische Fundamente, die sich&#13;
auf bisher nur geringe oder keine demokratische Erfahrung gründeten, und andere Industrieländer, wie&#13;
Spanien und Portugal, gaben schließlich ihre autoritären Regime auf und ordneten sich in die Reihen freier,&#13;
pluralistischer Gesellschaften ein.&#13;
Es ist aufschlußreich, die Wirtschaftspolitik aufzuzeigen, die diese Konvergenz wirtschaftlicher und politischer Maßstäbe während der fünfziger und sechziger&#13;
Jahre erleichtert hat. Freierer Handel war das Kernstück dieser Politik, und die Industrieländer traten in&#13;
einen einmaligen Prozeß multilateraler Handelsliberalisierung ein. (Die britische Liberalisierung im 19.&#13;
Jahrhundert fand einseitig statt.) Aber freierer Handel&#13;
allein hätte keinen Erfolg zeitigen können. Die Unternehmen mu ßten in der Lage sein, mit der sich aus dem&#13;
freien Handel ergebenden stärkeren Konkurrenz fertigzuwerden. Um das zu tun, benötigten sie ein&#13;
wirtschaftliches Umfeld der Preisstabilität, um die Erträge ihrer langfristigen Investitionen in Produktion und&#13;
Handel bemessen zu können. Darüber hinaus brauchten sie flexible Faktormärkte (Arbeit und Kapital), um&#13;
Ressourcen aus den schwindenden Sektoren in diejenigen umzuleiten, die es mit ausländischer Konkurrenz&#13;
aufnehmen oder sie schlagen können. Bemerkenswert in dieser Zeit war, daß die Industrieländer sowohl&#13;
makro- als auch mikroökonomisch eine Politik verfolgten, die dieses Umfeld schuf. Im Durchschnitt hielten&#13;
die Industrieländer unter der Führung der Vereinigten&#13;
Staaten den Haushalt im Gleichgewicht und schränk&#13;
ten das Geldmengenwachstum ein, um Preisstabilität&#13;
zu erhalten. Ferner widersetzten sie sich exzessiver&#13;
staatlicher Intervention, um die relativ freie Bewegung&#13;
der Ressourcen Arbeitskräfte und Kapital in fortschreitende Wirtschaftssektoren beizubehalten.&#13;
Aus ureigenen Motiven lehnten es die meisten Entwicklungsländer in den fünfziger Jahren ab, das System der Nachkriegszeit ebenfalls zu verfolgen.&#13;
Sie verabschiedeten Maßnahmen zur Ersetzung der&#13;
sonst eingeführten Waren, um ihre Volkswirtschaften&#13;
vor ausländischem Handel und Investitionen zu schützen und schufen autokratische, zentralistische politische Systeme, um ein Gefühl der nationalen Souveränität im Inland hervorzubringen, das gelegentlich sehr&#13;
schwach war.&#13;
Ende der sechziger Jahre begannen jedoch einige&#13;
Entwicklungsländer wie Korea, Taiwan, Hongkong,&#13;
Singapur und Brasilien eher exportorientierte Entwicklungsstrategien zu verfolgen. Obwohl diese Länder&#13;
weiterhin ihre Exporte schützten, erweiterten sie und&#13;
die ölproduzierenden Länder ihre Exporte und expandierten rasch in den siebziger und achtziger Jahren,&#13;
während die Vereinigten Staaten vornehmlich ihre&#13;
großen Binnenmärkte für die Exporte aus den Gurwel-&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 17&#13;
&#13;
�lenländern offenhielten. Aufgrund des Wachstums der&#13;
Schwellenländer verloren die Vereinigten Staaten in&#13;
den siebziger und achtziger Jahren weiterhin an Macht.&#13;
Ihr Anteil am Bruttosozialprodukt blieb verglichen mit&#13;
dem der Industrienationen gleich, aber im Verhältnis&#13;
zur Welt insgesamt sank ihr Anteil. Dennoch gaben sie&#13;
sich der Hoffnung hin, daß ihre Politik der offenen&#13;
Märkte gegenüber den Entwicklungsländern dieselben Erfolge im Hinblick auf eine engere politische&#13;
Gemeinschaft mit der dritten Welt zeitigen würde wie&#13;
diese Maßnahmen sie mit den Industrienationen erzielt hatten.&#13;
In den siebziger und Anfang der achtziger Jahre wurden diese Hoffnungen jedoch durch massive Ungleichgewichte im Welthandel und auf den Finanzmärkten&#13;
zerschlagen. Gerade als einige Entwicklungsländer&#13;
sich dem Handelssystem anschlössen, gaben die&#13;
Industrienationen die vorsichtigen Maßnahmen im Inland&#13;
auf, die das Funktionieren eines freieren Handels&#13;
bewirkt hatten. Die expansionistischen und interventionistischen nationalen Maßnahmen der Industrienationen führten zu Inflation und Inflexibilität, die das&#13;
Wachstum verlangsamten. Die Wechselkurse fluktuierten, und protektionistische Maßnahmen wurden&#13;
wieder gegen eben die Produkte verhängt, die die&#13;
Entwicklungsländer am wettbewerbsfähigsten exportieren konnten - wie etwa Textilien, Stahl und Verbraucherelektronik. Der Anstieg der Ölpreise und ineffiziente innenpolitische Maßnahmen in den Entwicklungsländern verschärfen diese Schwierigkeiten und&#13;
führten zu einem gefährlichen Schuldenberg.&#13;
Einige dieser innenpolitischen Probleme wurden in&#13;
den achtziger Jahren behoben, und bis 1992 verbesserte sich die Weltwirtschaft erheblich. Die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen führten wieder&#13;
eine solide Geldpolitik ein und leiteten die notwendigen&#13;
Programme zur Deregulierung und Privatisierung der&#13;
Industrien und des Handels ein, womit das enorme&#13;
Wachstum der öffentlichen Hand verringert wurde, das&#13;
*&#13;
&#13;
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&#13;
*&#13;
&#13;
in den Industrienationen in den siebziger Jahren erfolgt&#13;
war und seit Jahrzehnten in den Entwicklungsländern&#13;
unter den bisherigen statischen Maßnahmen angestiegen war. Andere Maßnahmen verschlimmerten&#13;
jedoch die Lage. Das US-Haushaltsdefizit vervierfachte sich im Verlauf der achtziger Jahre (von 60&#13;
Milliarden Dollar im Jahr 1980 auf 250 Milliarden 1990),&#13;
und die Europäische Gemeinschaft erweiterte den&#13;
Schutz und die Subventionen im Rahmen ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik enorm. Japan verfolgte weiterhin innnenpolitische Praktiken, mit denen Importe&#13;
und ausländische Investitionen in den japanischen&#13;
Markt auf sehr viel niedrigerem Nievau gehalten wurden als der Anteil der Verkäufe und Vermögenswerte&#13;
verglichen mit anderen Industrieländern. Infolge dieser anhaltenden Unzulänglichkeiten der innenpolitischen Maßnahmen blieben die internationalen Handels- und Finanzsysteme trotz der beträchtlichen&#13;
Wiederbelebung von Handel und Investitionen Ende&#13;
der achtziger Jahre anfällig.&#13;
Die Interdependenz der Nachkriegsjahre führte zu&#13;
einer engeren politischen Gemeinschaft zwischen den&#13;
Industrienationen sowie jetzt in den osteuropäischen&#13;
und zahlreichen Entwicklungsländern. Dies geschah&#13;
jedoch nur, weil innenpolitische Maßnahmen offene&#13;
Märkte unterstützten, und offene Märkte haben zur&#13;
Entwicklung von größerem politischen Vertrauen und&#13;
einem Gefühl der Gemeinschaft unter unterschiedlichen Nationen beigetragen.&#13;
Der Konflikt zwischen Weltmärkten und nationalen&#13;
Interessen ist nicht unvermeidlich. Er kann durch&#13;
Maßnahmen umgangen werden, die wirtschaftliche&#13;
Interdependenz scharfen und politische Bande schmieden. In der industrialisierten Welt sind solche Maßnahmen vordringlicher als je zuvor, insbesondere da die&#13;
ehemaligen kommunistischen und Entwicklungsländer versuchen, Teil des außerordentlich interdependenten und politisch vereinten Weltmarktes zu werden.&#13;
*&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
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22. April 1992

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RÜSTUNGSKONTROLLE

DIE ROLLE DER RÜSTUNGSKONTROLLE IM
ZEITALTER NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von ACDA-Direktor Lehman

GOLFKRIEG

BERICHT ÜBER DEN GOLFKRIEG UNTER STREICHT ERFAHRUNGEN DER KOALITION
Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon

USA - DEUTSCHLAND

HANDEL IN OSTDEUTSCHLAND - DIE ROLLE
DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Botschafter Kimmitt vor dem
American-German Business Club

WAHLEN '92

DIE FINANZIERUNG AMERIKANISCHER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKÄMPFE
von Herbert E. Alexander

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�RÜSTUNGSKONTROLLE
22. April 1992

DIE ROLLE DER RÜSTUNGSKONTROLLE IM
ZEITALTER NACH DEM KALTEN KRIEG
Rede von ACDA-Direktor Lehman
DEN HAAG - (AD) - Dem Direktor des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung, Botschafter Ronald Lehman,
zufolge besteht die Hauptaufgabe der Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem kalten Krieg darin, die
"Nichtverbreitungsnormen" zu stärken, "Vertrauensbildung, Transparenz und Stabilität in Spannungsgebieten"
zu fördern und "die Last der Waffen kontinuierlich zu reduzieren".
Botschafter Lehman hielt am 10. April 1992 eine Rede zum Thema Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem
kalten Krieg anläßlich der Siebten Internationalen Roundtable-Konferenz in Den Haag.
Lehman erörterte den Beitrag bestehender Rüstungskontrollverträge, wie etwa des START-Vertrags und des
KSE-Vertrags für das Sicherheitsumfeld im Zeitalter nach dem kalten Krieg, die Rolle der Sicherheitsorganisationen wie NATO und KSZE sowie die neue politische und sicherheitspolitische Lage in Europa und der früheren
Sowjetunion.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Lehmans Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr de Vries, verehrte Kollegen und Gäste, es ist mir
eine Ehre, heute abend hier bei Ihnen zu sein. Die
Atlantische Kommission der Niederlande und das Institut
für außenpolitische Analysen haben für die diesjährige
Roundtable-Konferenz ein beeindruckendes Programm
zusammengestellt, und ich bin stolz darauf, daran
teilnehmen zu dürfen.
Wenn ich mir die neuen Herausforderungen der nächsten zehn Jahre vor Augen führe, werden gemeinsame
Rüstungskontrollbestrebungen eine wichtige Rolle dabei
spielen müssen, den Übergang zum Zeitalter nach
dem kalten Krieg zu bewältigen. Die Rolle der Rüstungskontrolle in dieser Zeit raschen Wandels - wie
ich sie sehe - wird darin bestehen, die Welt sicherer zu
machen
durch die Stärkung von Nichtverbreitungsnormen,
durch Förderung der Vertrauensbildung, Transparenz und Stabilität in Spannungsgebieten und
durch unsere Bestrebungen, die Last der Waffen kontinuierlich zu reduzieren.
Das neue Rüstungskontrollprogramm erfordert eine
Verschiebung des Schwerpunkts, um den sich verändernden Charakter der Herausforderungen an Sicherheit und Stabilität widerzuspiegeln. Niemand kann
Rüstungskontrolle allein als Bereich bipolarer Politik
zwischen Ost und West oder als auf die Sicherheit
AMERIKA DIENST 16

Westeuropas beschränkt betrachten. Die Probleme,
denen wir uns jetzt gegenübersehen, haben globale
Auswirkungen, obwohl in vielen Fällen regionale Ansätze gefördert werden müssen. Deshalb muß unser
Schwerpunkt breiter gefächert sein. Unsere Bestrebungen müssen kooperativ sein, weil jede Nation
letztlich Interesse am Erfolg des neuen Rüstungskontrollprogramms hat.
Rüstungskontrolle im Wandel
In den letzten vierzig Jahren haben sich viele Experten
daran gewöhnt, Rüstungskontrolle vor allem im Hinblick auf eine Welt zu beschreiben, die durch die
Konfrontation im kalten Krieg geteilt und durch massive, an der (früheren) innerdeutschen Grenze stationierte, nukleare und konventionelle Waffen geprägt ist.
Diese Definition muß sich verändern, weil die vulkanischen Kräfte, die die geopolitische Landschaft verändern, eine neue Politik der Erlangung und Aufrechterhaltung von Sicherheit erfordern.
Unser Rüstungskontrollprogramm diente einer Sicherheitsstrategie, mit der ein Angriff auf Westeuropa
größtenteils dadurch abgeschreckt werden sollte, daß
man im Besitz eines überlebensfähigen nuklearen
Arsenals und hervorragender konventioneller Waffen
war. Wir haben uns darauf konzentriert, diese Streitkräfte einzuschränken und zu reduzieren, die die Sicherheit des europäischen Kontinents am stärksten
bedrohten und die die größten globalen Auswirkungen
Seite 1

�dieser Bedrohung hatten. Der einmalige Erfolg dieses
Programms, ermöglicht durch kontinuierliche politische Veränderungen in der früheren Sowjetunion und
Osteuropa, legte den Grundstein für den Aufbau einer
neuen Sicherheitsordnung. Ich sollte darauf verweisen, daß der Rüstungskontrollprozeß, durch seine
Betonung von Offenheit und Dialog und Beseitigung
der Ausrede einer äußeren "Bedrohung" aus dem
Westen, die den militarisierten totalitären Staaten des
Warschauer Pakts als Legitimation diente, zu diesen
Veränderungen beigetragen hat.
Wir sind die Nutznießer des außerordentlichen Erfolgs
der Rüstungskontrolle in Europa. Auf den INF-Vertrag, den ersten Vertrag, mit dem eine ganze Kategorie
von Waffen beseitigt wurde, folgten unter anderem der
KSE-Vertrag, das Wiener Dokument über vertrauensund sicherheitsbildende Maßnahmen und der Vertrag
über Offene Himmel. Der KSE-Vertrag sollte ursprünglich das Gleichgewicht konventioneller Streitkräfte in Europa reduzieren und umstrukturieren.
Zusammen mit den stabilisierenden Auswirkungen
des Abkommens über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM) bedeutet es mehr als von
Europa die Bedrohung einer großangelegten konventionellen Aggression wegzunehmen. KSE und die
Wiener VSBM haben einen ausgleichenden Einfluß
auf die neuen aus der ehemaligen Sowjetunion hervorgegangenen Staaten, da sie inmitten einer großen
politischen Revolution Probleme ihres relativen militärischen Gleichgewichts zu lösen versuchen. Der kürzlich unterzeichnete Vertrag über offene Himmel ist eine
weitere wichtige vertrauensbildende Maßnahme zur
Förderung von Offenheit und Transparenz bei militärischen Aktivitäten von Vancouver nach Osten bis
Wladiwostok. Sein Beitrag zur Sicherheit wird für die
neuen unabhängigen Staaten genauso groß oder noch
größer sein als für die NATO-Staaten.
Bei der Verwirklichnug dieser Abkommen hat sich
Rüstungskontrolle als wichtiges Instrument erwiesen,
um an der potentiell destabilisierenden Wasserscheide in den internationalen Beziehungen zu vermitteln.
Indem sie sich neuen Herausforderungen anpaßt,
kann Rüstungskontrolle weiterhin auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Förderung von Sicherheit und
Stabilität spielen. Die Verbindung zwischen demokratischen Veränderungen innerhalb einzelner Gesellschaften und der Offenheit, die für eine effektive
Rüstungskontrolle notwendig ist, besteht darin, daß
Fortschritte in einem Bereich Fortschritte in einem
anderen verstärken und fördern. Das ist vielleicht die
wichtigste Lektion, die wir aus über einer Generation
von Erfahrungen in der Rüstungskontrolle ziehen können.
Schließlich müssen wir auch daran denken, daß unsere Rüstungskontrollbestrebungen, einschließlich unseres Programms zur Nichtverbreitung, Mittel zum
Zweck sind, nicht Selbstzweck. Was wir suchen, sind
politische Veränderungen, die unseren Sicherheitsbelangen wirklich gerecht werden. Wir streben die AusSeite 2

breitung der Demokratie an, freie Marktwirtschaften
und Rechtsstaatlichkeit sowohl auf internationaler als
auch auf nationaler Ebene. Um diese Ziele zu erreichen, müssen wir all unsere ausländischen und nationalen Sicherheitsinstrumente einsetzen, auch diejenigen aus unserem Rüstungskontrollprogramm.
START und KSE
Das Inkraftsetzen der START- und KSE-Verträge ist
eine der wichtigsten Angelegenheiten im Rüstungskontrollprogramm, sowohl aus bekannten Gründen
wie auch aus neuen Erwägungen heraus. Diese
beiden Verträge mit ihren detaillierten Zählregeln,
Definitionen und eingehenden Verifizierungsbestimmungen einschließlich Inspektionen sind wichtige
Elemente, um die Grundlage des gemeinsamen internationalen Sicherheitsumfelds nach dem kalten Krieg
zu konstruieren. Ohne sie wird es schwieriger sein, auf
unseren bisherigen Leistungen aufzubauen.
Der START-Vertrag fordert erhebliche, stabilisierende
Reduzierungen - von 30 bis 40 Prozent - bei den
stationierten strategischen Systemen und liefert den
Rahmen, in dem wir zuversichtlich einschneidendere
Reduzierungen verfolgen können, wie sie die Präsidenten Bush und Jelzin vorgeschlagen haben. Dies
dient dem traditionellen Anliegen der Reduzierung des
Risikos strategischer nationaler Konflikte, liefert aber
auch ein Mittel, mit dem die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion Nuklearwarfen von ihrem Territorium beseitigen können. Die bloße Existenz des
START-Vertrags, auch vor seiner Ratifizierung, hat
einen Standard verantwortlichen Verhaltens im Umgang mit Problemen der Führung und Kontrolle von
Atomwaffen und ihrer Beseitigung in diesen neuen
Staaten gefördert.
In ähnlicher Weise bietet der KSE-Vertrag mehr als
Obergrenzen und Reduzierungsanforderungen für fünf
Kategorien militärischer Geräte und Waffen, die offensive Operationen ganz direkt unterstützen. KSE bietet
zusammen mit VSBM auch einen Rahmen für Stabilität und Berechenbarkeit auf dem europäischen Kontinent, der neue Staaten und ihre Nachbarn ermutigt,
ihre Sicherheitsbelange im moderaten Umfeld internationaler Konsultationen und Verpflichtungen zu behandeln. Aus dem Blickwinkel des traditionellen militärischen Gleichgewichts zwischen Ost und West mag
KSE weniger wichtig erscheinen. Von unserem gegenwärtigen Ausgangspunkt, an dem wir Zeugen einer
dramatischen politischen Revolution werden, ist es
wichtiger als je zuvor, daß wir KSE seinen Platz
zuweisen.
Die neue Definierung von Sicherheit in Europa
Im vergangenen Jahr konnten wir das definitive Ende
der Teilung Europas im kalten Krieg beobachten, einer
Teilung, die auf einer feindlichen Ideologie unterstützt
von einer enormen Militärmacht basierte. Dennoch
können wir es uns nicht leisten, mit dieser ErrungenAMERIKA DIENST 16

�schalt zufrieden zu sein, wenn der Prozeß der Demokratisierung in Europa so ungleichmäßig verläuft und
wirtschaftliche Frustration Extremismus und eine nationalistische Politik zu gebären droht. In manchen
Fällen scheinen die Aussichten für eine Umkehr der
demokratischen Errungenschaften die der vorwärtsgerichteten Bewegung wettzumachen.
Es gibt keine eindeutigen oder einfachen Definitionen
einer Sicherheitspolitik für das neue Europa 1992. Die
Quelle der Unsicherheit hat sich tiefgreifend verändert,
von der bekannten Bedrohung der Ost-West-Konfrontation zu weit vielfältigeren Sorgen. Politische und
wirtschaftliche Instabilität, regionale Dispute und ethnische Spannungen bedrohen alle neuen Staaten in
unterschiedlichem Umfang und schwingen auch in
einigen alten mit.
Es bleibt die Frage zu klären, ob Rüstungskontrolle
beim Abbau solch diffuser Bedrohungen eine Rolle
spielen muß. Sicherlich wären Rüstungskontrollbestrebungen allein, ohne damit einhergehende Fortschritte bei der Lösung zugrundeliegender Probleme,
ineffektiv und oberflächlich. Militärische Sicherheit
und Stabilität im neuen Europa wären kurzlebig ohne
gleichzeitige Fortschritte bei Demokratie und einem
gewissen Maß an Achtung der Menschenrechte.
Wirtschaftliche Härten, ethnische Konflikte und sogar
die Aussicht massiver Migration könnten die Sicherheit bedrohen. Damit sollen bestehende Bedrohungen
durch große Streitkräfte und immer noch umfangreiche nukleare Arsenale inmitten großer politischer
Unruhen in ganz Eurasien ebensowenig heruntergespielt werden wie neue Bedrohungen der europäischen Sicherheit durch immer modernere militärische
Fähigkeiten außerhalb des Kontinents. Im Gegenteil
muß unsere Position im Bereich Rüstungskontrolle/
Nichtverbreitung weiterhin mit diesen gefährlichen
Aspekten leben. Dennoch ist und wird Rüstungskontrolle weiterhin ein entscheidendes Element einer
umfassenderen Sicherheitspolitik, wenn wir uns einem
neuen Bündel von Sicherheitsbeziehungen anpassen
und Institutionen errichten, die sich sowohl politischer
als auch sozialer Instabilität widmen sollen. Ebenso
wie "Glasnost" bei der Verifizierung "Glasnost" in der
Politik gestärkt hat und umgekehrt, muß Rüstungskontrolle eingesetzt werden, um Ziele wie Entmilitarisierung, Umwandlung der Rüstungsindustrie, demokratische Reformen und freien Handel fördern zu helfen.
Mehr als jemals zuvor werden umfassende und kontinuierliche gemeinsame Bestrebungen und gemeinsames Handeln in einer Reihe von Foren nötig sein, wenn
wir diesen potentiellen Herausforderungen an die
europäische Sicherheit gerecht werden wollen. Wir
haben bereits begonnen, auf bestehenden Mechanismen aufzubauen und Institutionen auf der Basis politischer Bedürfnisse und nicht aus symbolischen Erwägungen heraus zu gestalten. Die Vereinigten Staaten
haben wiederholt betont, daß wir die europäische
Sicherheit auf den drei Säulen der NATO, der EuropäiAMERIKA DIENST 16

schen Gemeinschaft und der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa sehen. Die NATO
ist die einzig effektive Sicherheits- und Verteidigungsorganisation in Europa und das einzige effektive Mittel,
um die transatlantische Gemeinschaft miteinander zu
verbinden. Mit der Einführung des Nordatlantischen
Kooperationsrats (NACC) beweist die NATO, daß sie
auch als Forum dienen kann, von dem aus wir früheren
Gegnern die Hand reichen und allseits wichtige Probleme ansprechen. Der Erfolg der ersten beiden NACCTreffen hat der neuen Institution bereits zu Glaubwürdigkeit und Triebkraft verholten. Das jüngst verabschiedete Programm des NACC beschreibt eine Reihe
konkreter Aktivitäten, die es dem Bündnis gestatten,
sein Know-how anzuwenden, um den Liaison-Ländern
beim Umgang mit wichtigen Problemen zu helfen.
Dazu zählt die Umwandlung der Rüstungsindustrie
ebenso wie Programme in Wissenschaft und Umwelt.
Gleichzeitig begrüßen wir die Rolle, die ein zunehmend vereintes Westeuropa in der neuen transatlantischen Partnerschaft spielen kann, um gemeinsame
Ansätze bei aufkommenden Herausforderungen zu
erarbeiten, bei denen sich niemand einen Alleingang
leisten kann. Dies wurde im Golfkrieg deutlich, wo die
Westeuropäische Union unabhängige, aber gemeinsame militärische Aktionen unserer Verbündenten
förderte, um westliche Interessen und globale Stabilität zu verteidigen.
Die Europäische Gemeinschaft ist die herausragendste politische und wirtschaftliche Organisation in Europa.
Darüber hinaus erkennen wir die entscheidenden
Beiträge der KSZE für die europäische Sicherheit, die
in der Erweiterung und Vertiefung des Aktionsradius
der Demokratie zum Ausdruck kommen. Die KSZE ist
das Gewissen Europas und die Richtschnur für die
politische Legitimität und moralische Autorität des
paneuropäischen Einverständnisses. Der jugoslawische Bürgerkrieg und die Krise in Nagomy-Karabach
sagen uns allen unmittelbar etwas über die Notwendigkeit, das Potential des KSZE-Forums so weit wie
möglich auszuschöpfen, um zu verhindern, daß ethnische und nationalistische Spannungen mit tragischen
Konsequenzen zum Ausbruch kommen. Im Auftrag
der KSZE hat der tschechoslowakische Außenminister Dienstbier gerade einen Besuch in Nagorny-Karabach beendet, und es bestehen Pläne, eine Friedenskonferenz für Nagorny-Karabach in Minsk abzuhalten.
Die KSZE spielt darüber hinaus eine wichtige Rolle bei
der Bewältigung neuer Herausforderungen der Rüstungskontrolle in der entstehenden europäischen
Tagesordnung, darunter Konfliktverhütung, Krisenmanagement und Friedenserhaltung. Das neue Forum
für Sicherheitskooperation (FSC) bietet das Potential,
in dreifacher Hinsicht einen einzigartigen Beitrag zur
Stabilität in Europa zu leisten, nämlich

Seite 3

�durch Förderung eines allgemeinen Klimas der
Offenheit und des freien Meinungsaustauschs
über Sicherheitsfragen;

senschaftler und Ingenieure mit produktiven zivilen
wissenschaftlichen und technischen Projekten zu
betrauen.

durch Klärung der speziellen Sicherheitsanliegen jedes der beteiligten Staaten und

Die dramatischen Veränderungen in den amerikanisch-russischen Beziehungen haben ebenfalls beispiellose Aussichten auf zusätzliche Reduzierungen
der Kernwaffen eröffnet. Sowohl Präsident Bush - im
September 1991 und in seinem Bericht zur läge der
Nation im Januar 1992 - als auch Präsident Jelzin
haben diese einmalige Chance aufgegriffen und wichtige Initiativen angekündigt, die sowohl einseitige Schritte
als auch Verhandlungen umfassen. Diese Initiativen
bauen auf den in langen Jahren zäher Verhandlungen
über INF und START gesammelten Lehren auf und
setzen rasch einen Prozeß zur Zerstörung ganzer
Kategorien von nuklearen Kurzstreckensystemen in
Gang, die durch die Umgestaltung der geostrategischen Landschaft überflüssig geworden sind. Diese
Initiativen sind beredtes Zeugnis für das Ende des
kalten Krieges und unsere starke Überzeugung, daß
eine sichere und stabile Welt für uns in greifbare Nähe
rückt, wenn wir nur die Chancen nutzen, die heute für
eine auf Zusammenarbeit gegründete Sicherheit möglich
sind. Wir müssen jedoch das Instrument dem Ziel
anpassen. In einigen Fällen könnten einseitige Schritte das geeignete Instrument sein, in anderen könnten
es formell ausgehandelte Abkommen sein. Wir sollten
die Instrumente einsetzen, die den Zweck erfüllen.

durch Förderung von in demokratischen Staaten vorherrschenden Sicherheitskonzepten und
Praktiken als Modelle für die Staaten, die sich im
Übergang vom Kommunismus befinden.
Diese Bereiche zeigen, wie sich das Konzept der
Rüstungskontrolle verändert.
Einige fragen, ob der Erfolg des einen Forums andere
überschatten könnte, und aus diesem Grund unterstützt manch einer Bemühungen, exklusive institutionelle Rollen und Zuständigkeiten präzise abzugrenzen, um zu verhindern, daß das eine Forum in die
Vorrechte des anderen eingreift. Die Herausforderungen sind jedoch so immens, daß keine einzelne Institution ausreichend ist. Einander ergänzende Instrumente sind erforderlich. Tatsächlich sollten wir die
Möglichkeiten zur Koppelung einer Vielzahl von Aktivitäten untersuchen. So könnte das FSC beispielsweise
eingesetzt werden, um interessierte Staaten in die
Entwicklung von Konzepten einzubinden, wie die
Konversion der Rüstungsindustrie in übermäßig militarisierten Gesellschaften die vollständige Anwendung
der KSZE-Prinzipien fördern kann. Die Aktivitäten der
KSZE in diesem Bereich würden durch den Arbeitsplan des NACC zur Konversion der Rüstungsindustrie
ergänzt, der direkt auf den militärischen Fähigkeiten,
der operativen Erfahrung und den institutionellen
Ressourcen der NATO aufbaut. Ich möchte hier
schlicht die Mahnung Außenminister Bakers beim
Treffen des NACC vom 10. März 1992 aufgreifen, daß
wir Doppelbemühungen und ein gewisses Maß an
institutioneller Überschneidung tolerieren sollten. Beim
Aufbau dieser neuen Ordnung gibt es für alle viel zu
tun.
Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten
Die künftige Tagesordnung der Rüstungskontrolle
beinhaltet darüber hinaus noch andere Aspekte, die
sich aus dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion

ergeben. In unserem anhaltenden Dialog mit der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten über die Sicherheit und Kontrolle der Atomstreitkräfte sowie die
Möglichkeit der Weiterverbreitung in anderen Ländern
arbeiten die Vereinigten Staaten kooperativ durch eine
Expertendelegation unter der Führung von Generalmajor Williams Bums daran, den sicheren Transport
sowie die sichere Lagerung und Zerstörung von Kernwaffen zu gewährleisten. Mit anderen besorgten Ländern
richten wir gemeinsam Wissenschafts- und Technologiezentren in Rußland und der Ukraine ein, die als
Clearingstellen für die Entwicklung, Genehmigung,
Finanzierung und Überwachung von Vorschlägen dienen
werden, um an der Waffenentwicklung beteiligte WisSeite 4

Rüstungskontrolle in einer neuen Ära
Wir stehen in der Tat an der Schwelle zu einem neuen
Zeitalter. Die Welt läßt sich nicht mehr einfach in die
Schublade der Bipolarität stecken. Während wir dem
Erfolg der Rüstungskontrolle bei der Unterstützung der
Umgestaltung Europas applaudieren, stellen wir eine
zunehmende Drohung der Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen in anderen Regionen der
Welt fest. Die allgemeine Drohung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, die immer schon
ein wichtiges sicherheitspolitisches Thema und eine
Priorität der Vereinigten Staaten und anderer Länder
war, wird heute verstärkt unter regionalen Gesichtspunkten betrachtet. Deshalb muß die Rüstungskontrolle heute erweitert werden, um als Instrument zur
Förderung der regionalen ebenso wie der weltweiten
Stabilität zu dienen.
Weiterverbreitung und regionale Fragen
Probleme im Hinblick auf die Weiterverbreitung von
Massenvernichtungswaffen und moderner konventioneller Technologie in anderen Regionen der Welt
werden immer mehr Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen. Die Dringlichkeit der Eindämmung von
Weiterverbreitungsdrohungen tritt immer stärker hervor, wenn man sie in Zusammenhang mit den beunruhigenden Enthüllungen über die Programme des Irak
zur Beschaffung von Massenvernichtungswaffen und
der Gefahr betrachtet, daß neue Atommä chtö entstehen könnten.
AMERIKA DIENST 16

�Unser Ziel in chronischen Spannungsgebieten wie der
koreanischen Halbinsel, Südasien und dem Nahen
Osten besteht darin, die Etablierung neuer Atomwaffenstaaten zu verhindern und die Einführung von Waffen
auszuschließen, die das regionale militärische Gleichgewicht stören. In dieser Hinsicht können die Vereinigten Staaten aufgrund von praktischen Erfahrungen
und dem Beispiel der Erfolge der Rüstungskontrolle in
Europa beratend tätig werden. Aber die Staaten in
jeder dieser Regionen müssen ihre politischen Differenzen und die militärische Bedrohung abbauen, die
sie für einander darstellen. Auf bestimmte Regionen
zugeschnittene vertrauensbildende and andere Rüstungskontrollmaßnahmen können den Dialog unterstützen und ein Instrument zur Prüfung von Absichten
liefern, aber sie allein können Friedensbemühungen
nicht ersetzen.
Der amerikanische Ansatz beim Problem der Weiterverbreitung ist bestrebt, die bestehenden Arrangements und Exportkontrollen gegen die Weiterverbreitung zu stärken und die Mitgliedschaft in multilateralen
Regimen gegen Weiterverbreitung zu erweitern sowie
neue Initiativen voranzutreiben.
Im Bereich der bestehenden Arrangements ist es ein
vordringliches Ziel der Vereinigten Staaten, bei der
Konferenz über die Verlängerung des NPT von 1995
eine unbefristete Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) zu erreichen und das Sicherheitssystem der IAEO auszubauen. Die Führungsrolle und
Unterstützung Europas für diese Ziele werden entscheidend sein. Zur Zeit sind Bemühungen im Gange,
um die in der Konvention über biologische und toxische
Waffen (BWC) zum Ausdruck kommende Norm zu
stärken. Bei der Überprüfungskonferenz zur BWC im
September 1991 wurde ein wichtiges Paket vertrauensbildender Maßnahmen entwickelt, um Offenheit im
Hinblick auf biologische Forschungsaktivitäten zu
verbessern. Auf Anweisung Präsident Bushs bemühen wir uns darüber hinaus im Genfer Abrüstungsausschuß energisch darum, dieses Jahr eine weltweite CWaffenkonvention fertigzustellen, die Entwicklung,
Produktion, Besitz und Einsatz chemischer Waffen
ächtet.
Bei Exportkontrollen liegt unser Schwerpunkt darauf,
die Verfügbarkeit von Material zu beschränken, das
mit Massenvernichtungswaffen in Verbindung steht.
So setzen wir zum Beispiel die Arbeit mit den 21
anderen Partnern der Australien-Gruppe fort, um die
chemischen Grundstoffe zu kontrollieren. Die Mitglieder des Regimes zur Kontrolle der Raketentechnologie (MTCR) - einer freiwilligen Übereinkunft, um die
Verbreitung von Raketensystemen zu beschränken,
die eine Nutzlast von mindestens 500 Kilogramm über
mindestens 300 Kilometer befördern können - haben
sich unlängst verständigt, den Zuständigkeitsbereich
des Regimes auf Raketen zu erweitern, die sämtliche
Arten von Massenvernichtungswaffen transportieren

AMERIKA DIENST 16

können, und sie haben den Anhang zum MTCR überarbeitet, um gemeinsame Interpretationen der aufgeführten Güter und Technologie zu fördern.
Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen des
Treffens der nuklearen Lieferantengruppe, das vergangene Woche in Warschau stattfand. Die Verabschiedung gemeinsamer Maßnahmen durch die Gruppe, die die uneingeschränkte Anwendung der IAEOSicherheitsstandards für gegenwärtige und künftige
nukleare Aktivitäten als Bedingung für substantielle
neue Lieferungen erfordert sowie die Kontrolle von
Exporten kernwaffenfähigen Mehrzweckgeräts werden das nukleare Nichtverbreitungsregime wesentlich
stärken. Die Zusammenarbeit zwischen den Lieferländern und die Kooperation innerhalb Europas waren für
die Erzielung dieses positiven Ergebnisses unabdingbar.
Wir sehen der kontinuierlichen engen Zusammenarbeit entgegen, um unsere gemeinsame Haltung zu
Exportkontrollen zu verbessern. So haben die Vereinigten Staaten und einige andere Länder beispielsweise einen Ansatz gewählt, demzufolge eine Genehmigung für Exporte erforderlich ist, bei denen der Exporteur weiß, daß der Export einem Programm dient, das
mit der Weiterverbreitung in Verbindung stehen könnte, selbst wenn der Gegenstand nicht auf der multilateral vereinbarten Liste steht. Dies ist einer von vielen
Bereichen, in dem wir hoffen, daß ein gemeinsamer
Ansatz entwickelt werden kann.
Darüber hinaus arbeiten wir daran, die Beteiligung an
multilateralen Nichtverbreitungsregimen zu erweitern,
um die Nachfrage nach Massenvernichtungswaffen
einzudämmen. Zu den vielversprechenden Zeichen
gehört die Anzahl der Staaten, darunter Südafrika, die
Baltischen Staaten und mehrere GUS-Mitglieder als
Nichtkernwaffenstaaten sowie Frankreich und China,
die dem NPT entweder beigetreten sind oder ihre
Absicht zum Beitritt bekundet haben.
In speziellen Regionen stimmen wir unsere Ansätze
auf die Bedürfnisse der betroffenen Länder ab. In
Lateinamerika arbeiten wir eng mit Argentinien und
Brasilien zusammen, die beide erklärt haben, sich an
den Vertrag von Tlatelolco, das regionale Kernwaffenverbot, halten zu wollen und die gemeinsam mit der
IAEO ein Sicherheitsabkommen abgeschlossen haben, das ihre Einrichtungen voll und ganz den einschlägigen Sicherheitsbestimmungen unterwirft. Im
vergangenen Jahr hat Argentinien die Einstellung seines Programms zur Entwicklung ballistischer Raketen
sowie die Absicht verkündet, sich die Richtlinien des
MTCR zu eigen zu machen. Die positiven Entwicklungen in Lateinamerika bestätigen unsere Erfahrungen
in Europa, wonach die Rüstungskontrolle ein Instrument sein kann, um parallel zur Entwicklung demokratischer Regierungen politische Veränderungen zu
bewirken.

Seite 5

�Im Hinblick auf Südasien haben wir Konsultationen mit
Indien und Pakistan sowie anderen interessierten
Parteien durchgeführt, um den Druck zum Erwerb von
Kernwaffen auf dem Subkontinent abzubauen. Wir
haben eine Fünfmächtekonferenz vorgeschlagen sowie
Indien und Pakistan ermutigt, dem NPT beizutreten.
Die keinen lAEO-Kontrollen unterworfenen Atomprogramme Pakistans und Indiens sind seit vielen Jahren
ein ernster Grund internationaler Besorgnis. Pakistansjüngstes Eingeständnis, daß es die Komponenten und das Know-how besitzt, um mindestens einen
nuklearen Sprengsatz herzustellen, räumt jeden Zweifel
daran aus, daß sich Indien - dessen eigene nukleare
Fähigkeit durch seinen Test im Jahr 1974 demonstriert
wurde - heute mit einem Rivalen konfrontiert sieht, der
zur Herstellung von Kernwaffen in der Lage ist.
Auf der koreanischen Halbinsel haben wir gemeinsam
mit der internationalen Staatengemeinschaft die Regierung Nordkoreas gedrängt, seit langem überfällige
lAEO-lnspektionen seiner nuklearen Einrichtungen zu
gestatten. Wir haben femer eng mit der Regierung in
Seoul zusammengearbeitet, um der Republik Korea
zu helfen, ein Inspektionsregime abzuschließen, um
sein Abkommen mit Nordkorea über das Verbot von
Produktion, Beschaffung und Entwicklung von Kernwaffen und der Einrichtungen, in denen nukleares
Material produziert wird, zu verifizieren. Nordkoreas
Besitz von Raketensystemen, die über die Parameter
des MTCR hinausgehen und seine Verkäufe solcher
Raketen und Technologie an andere stellen eine
Bedrohung der Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel, im Nahen Osten und jedem anderen Ort dar, an
dem solche Raketen beschafft werden.
Wir treiben neue Initiativen voran, wie etwa Präsident
Bushs Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten,
die Bemühungen der fünf führenden Exporteure konventioneller Waffen in den Nahen Osten beinhaltet,
Richtlinien und Beschränkungen zu entwickeln. Die
fünf Staaten - die Vereinigten Staaten, Rußland, China, Frankreich und Großbritannien - werden bald detaillierte Vorschläge zum Informationsaustausch über
Waffenlieferungen sowie Richtlinien für Lieferungen
von Gerät und Technologien unterbreiten, die mit

Massenvernichtungswaffen in Zusammenhang stehen. Die Initiative umfaßte darüber hinaus Vorschläge
für Schritte zur Befreiung der Staaten des Nahen
Ostens von den Gefahren eines Angriffs mit Raketen
sowie nuklearen, chemischen und biologischen Waffen. Die Vereinigten Staaten unterstützten eine Resolution der UN-Generalversammlung vom Dezember
1991, mit der ein allgemeines und nichtdiskriminierendes Register für konventionelle Waffenlieferungen
eingeführt wurde, um zu mehr Transparenz bei Waffenex- und importen zu ermutigen.
Schlußbemerkung
Insgesamt stellen die enormen Veränderungen im
internationalen Sicherheitsumfeld ungeheure Herausforderungen in der Rüstungskontrolle dar, einschließlich der Neudefinierung und Rolle der Rüstungskontrolle. Die Abkehr von einer bipolaren Welt und unser
Erfolg in der Rüstungskontrolle mögen die Drohung
einer konventionellen Aggression großen Stils in Europa beseitigt haben, aber die anhaltenden politischen
Revolutionen infolge jener Abkehr haben Quellen der
Spannung und Besorgnis freigesetzt, die unser Talent
und unsere Findigkeit auf die Probe stellen werden. In
anderen Regionen der Welt spielt die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen als Sicherheitsproblem eine immer größere Rolle.
Bei der Bewältigung des Übergangs zum Zeitalter
nach dem kalten Krieg kann die Rüstungskontrolle
eines unserer effektivsten politischen Instrumente sein,
insbesondere, wenn sie als Teil einer breiter angelegten, integrierten Sicherheitspolitik benutzt wird, die
danach trachtet, die Ursachen von Spannungen und
Instabilität in den Griff zu bekommen. Die Anwendung
unserer Erfahrungen mit der Rüstungskontrolle in Europa
wird für den Erfolg in anderen Teilen der Welt entscheidend sein. Wir alle haben ein Interesse daran zu gewährleisten, daß das Versprechen Europas - daß Rüstungskontrolle zu positiven politischen Veränderungen und Zusammenarbeit unter den Nationen beitragen kann - hier und in der ganzen Welt gehalten wird.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 16

�GOLFKRIEG
22. April 1992

BERICHT ÜBER DEN GOLFKRIEG UNTERSTREICHT
ERFAHRUNGEN DER KOALITION
Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon
WASHINGTON - (AD) - Ein neuer Bericht des Pentagon über den Krieg am Persischen Golf kommt zum Schlu ß,
daß die Streitkräfte der internationalen Koalition nicht nur Saddam Husseins Militär, "sondern seine Strategie"
besiegt haben.
Verteidigungsminister Cheneys Einführung zu dem 1.300-Seiten-Bericht stellt fest, die Strategie der Koalition
habe "sichergestellt, daß der Krieg unter günstigen Bedingungen geführt wurde, die die Stärken der Koalition und
die irakischen Schwächen voll und ganz ausnutzten".

Erführt fünf Hauptlehren auf, die sich aus dem Konflikt
ergeben:

Der Kongreß hat mit Verabschiedung eines Gesetzes
nach dem Inkrafttreten des Waffenstillstands eine
Untersuchung über den Golfkrieg angefordert. Das
Verteidigungsministerium gab bereits im Juli 1991
einen Zwischenbericht heraus, der im Kongreß zahlreiche Fragen aufwarf.

"Die entschlossene Führung des Präsidenten setzte
klare Ziele, gab anderen das Vertrauen in die Entschlossenheit Amerikas und schuf die innenpolitische
und internationale Unterstützung zur Erreichung dieser Ziele."

Der Schlußbericht wurde nach mehrmonatiger Verzögerung schließlich am 10. April 1992 fertiggestellt. Der
1.300seitige Bericht beruht auf einer Million Seiten
Dokumente und Befragungen zahlloser militärischer
Kommandeure, Entscheidungsträger und Soldaten.

"Eine revolutionäre neue Generation hochmoderner
Waffen gab unseren Streitkräften zusammen mit einer
innovativen und wirksamen Doktrin den entscheidenden Vorteil."

Die US-Bundesdruckerei wird eine offene Version des
Golfkriegsberichts zum öffentlichen Verkauf herausgeben. Der Kongreß erhielt eine geheimgehaltene
Version.

"Die hohe Qualität unseres Militärs, von seinen fähigen
cmmandeuren bis zu den äußerst einsatzbereiten,
gut ausgebildeten, mutigen und disziplinierten Männern und Frauen der US-Streitkräfte, ermöglichten
einen außergewöhnlichen Sieg."

Der Bericht ist in drei Hauptteile gegliedert. Der erste
Teil von 418 Seiten umfaßt acht Kapitel zur Invasion in
Kuwait, der Antwort auf die Aggression, der militärischen Operation, wie sie in Operation Wüstenschild
zum Ausdruck kam, der Durchsetzung des Embargos
auf See, zum Übergang in die Offensive sowie zur
Kriegführung in der Luft, zu Wasser und zu Lande. Er
beinhaltet ferner ein Glossar und einen Index.

Der erschöpfende Pentagon-Bericht untersucht, wie
der Krieg geführt wurde und enthält Lehren, die aus der
Erfahrung gezogen werden können.

"In einer äu ßerst unsicheren Welt sind solide Planung,
vorne stationierte Truppen sowie strategisch«? Luftund Seetransportkräfte entscheidend für die Entwicklung des Vertrauens, der Fähigkeiten, internationalen
Zusammenarbeit und Reichweite, die in Krisenzeiten
erforderlich sind."
"Es ist viel Zeit erforderlich, um die qualitativ hochwertigen Streitkräfte und Systeme aufzubauen, und dies
verschaffte uns den Erfolg."

AMERIKA DIENST 16

Der zweite Teil umfaßt 19 Anhänge zu den UN-Resolutionen, zu nachrichtendienstlichen Aspekten, dem
militärischen Bereitschaftsgrad der US-Streitkräfte,
der Stationierung, zu Logistik und Nachschub, medizinischer Unterstützung, Reservestreitkräften, Entwicklung der Koalition, Koordinierung und Kriegführung,
Sonderoperationen, Führungs- und Kommunikationswesen und Weltraum, gegnerischen Kriegsgefange-

Seite 1

�nen, "Freundfeuer", ziviler Unterstützung, Rolle des
Kriegsvölkerrechts, Aufgabenteilung, Verteidigung
gegen chemische und biologische Waffen, zur Rolle
von Frauen auf dem Gefechtsfeld und Medienpolitik.
Er enthält ferner eine Liste der amerikanischen Gefallenen und Kriegsgefangenen.
Der letzte Teil von 230 Seiten untersucht die Leistung
ausgewählter Waffensysteme. Die Kategorien sind
Flugzeuge, Boden-, Marine- und Weltraumsysteme
sowie Munitionsarten. Insgesamt 56 Systeme wurden
berücksichtigt.
Der Bericht enthält Schwarzweißphotographien, im
Golfkrieg benutztes strategisches Kartenmaterial,
Landkarten und Grafiken irakischer Luftabwehrmaßnahmen. Er enthält ferner Anekdoten von Cheney und
anderen.
Zu den wichtigsten Punkten des Berichtes gehören:
Koalitionserfahrungen
Der Bericht geht davon aus, daß die Koalition "die
vielleicht erfolgreichste in der Geschichte war"und daß
der nächste Konflikt möglicherweise nicht so viel Zeit
zur Entwicklung einer Koalition gestatten wird. Darüber hinaus wird festgestellt, daß
die Koalition die Länge des Konflikts und die
Zahl der durch eigenes Feuer Gefallenen verringert hat;
die Vereinigten Staaten als logische Führungsmacht bei künftigen Koalitionen im Golf "und
möglicherweise andernorts" hervorgetreten sind;
die Erfahrung der NATO "unschätzbar" für die
Koordinierung der Kampfeinsätze, Kommunikation und Logistik war;
sich die amerikanische Präsenz am Golf durch
die Bereitschaft der Staaten des Golf-Kooperationsrates auszahlte, "den Vereinigten Staaten
zu vertrauen";
die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte in der Lage waren, sich der islamischen Kultur
anzupassen;
Das System der amerikanischen Waffenverkäufe an
befreundete Staaten den meisten regionalen Partnern
der Vereinigten Staaten saudische Infrastruktur,
amerikanisches Gerät und Ausbildung zur Verfügung
stellte und "bedeutend zur Grundlage der Kooperation
in Friedenszeiten und Interoperabilität beitrug, auf der
die Koalition aufbaute".

Es wird dargelegt, daß es mehr unbeabsichtigte Opfer
unter der Zivilbevölkerung gab "durch Saddam Husseins Versäumnis, routinemäßige Vorkehrungen gegen Luftangriffe zu treffen, um die Zivilbevölkerung zu
schützen, sowie durch seine bewußte Benutzung von
Zivilisten als Schild für militärische Ziele vor einem
Angriff".
Darüber hinaus:
kam es wahrscheinlich zu einigen Todesfällen,
als nichtexplodierte irakische Waffensysteme
"auf die Erde zurückfielen",
war das irakische Stromnetz wahrscheinlich
stärker beschädigt als die Koalition ursprünglich
geplant hatte, zum Teil um sicherzustellen, daß
es "während des gesamten Konflikts unbenutzbar" bliebe und
war nicht immer präzises und zeitgerechtes
nachrichtendienstliches Material für die Bewertung der Bombenschäden verfügbar, was dazu
führte, daß einige Elektrizitätswerke noch Zielscheibe von Angriffen wurden, als sie bereits
außer Betrieb waren.
Nachrichtendienste
Obwohl der Bericht zu dem Schluß kommt, daß die
nachrichtendienstliche Unterstützung für die taktischen
Befehlshaber ausreichte, wird darin auch dargelegt,
daß sie "ebenso an einem Mangel an verfügbaren
Ressourcen litt wie an Schwierigkeiten bei der Sammlung von nationalem nachrichtendienstlichem Mateiial
und solchem vom Kriegsschauplatz". Ferner wird
ausgeführt, die Sammlung taktischen nachrichtendienstlichen Materials sei "durch fehlende moderne
und sichere Kommunikation unter Divisionsniveau"
behindert worden.
Darüber hinaus
gab es unzureichende Informationen über das
"Ausmaß und die exakte Verteilung chemischer,
biologischer und nuklearer Waffenprogramme
und ein schlechtes Verständnis der irakischen
Intentionen",
sind die militärischen Dienste der arabischen
und islamischen Länder "gut in innerer Sicherheit und Spionageabwehr" und
besteht ein Menget an arabischsprechenden
Personen bei den US-Streitkräften, was "die
Arbeit der Nachrichtendienste, Spionageabwehr
und Verbindungsbüros beeinträchtigte".

Bewertung der Bombenschäden

Kriegsgefangene

Der Bericht stellt fest, daß die Koalition eine klare
Unterscheidung zwischen Angriffen auf irakische Militäranlagen und die Zivilbevölkerung getroffen hat.

Die Koalition plante 100.000 irakische Kriegsgefangene in Empfang zu nehmen, über 86.000 wurden durch
saudiarabische Lager geschleust.

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�Logistische Probleme

Ferner
weigerten sich insgesamt 13.418 irakische Kriegsgefangene, bei Kriegsende repatriiert zu werden und blieben in zwei Lagern in Saudi-Arabien.

Der Bericht macht verschiedene Beobachtungen über
logistische Probleme am Golf. Unter anderem
konnte der strategische Seetransport den Anforderungen nach einer schnellen Verlegung
nicht gerecht werden,

Die Regierungen der Koalition vertraten die
Ansicht, diese Iraker "sollten als Flüchtlinge neu
klassifiziert werden" und
das Internationale Rote Kreuz erklärte den Vereinigten Staaten, die Behandlung der irakischen
Kriegsgefangenen durch US-Streitkräfte "spiegelte die beste Einhaltung der Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen wider, die es jemals bei einem Konflikt gab".
Der Bericht geht nicht auf das Problem der Anzahl
irakischer Soldaten oder Zivilisten ein, die in dem
Konflikt getötet wurden.
"Freundliches Feuer"
35 Amerikaner wurden im Kampf getötet und weitere
72 zufällig aus den eigenen Reihen verwundet. Eine
Reihe britischer Soldaten mußten durch solches "freundliches Feuer" der Amerikaner ihr Leben lassen.
Der Bericht kommt zu dem Schluß, daß im nächsten
Konflikt ein "System, das eigene Fahrzeuge aus der
Luft identifiziert ebenso benötigt wird wie ein System
zur Identifizierung am Boden". Flugzeuge und Fahrzeuge der Koalition waren mit einem umgekehrten"NTSymbol gekennzeichnet, was allerdings im Eifer des
Gefechts nicht immer sichtbar war.
Gefordert werden
über die Welt verteilte Lagerstätten für Landeinheiten und Fahrzeuge und
zusätzliche Bestrebungen zur Verbesserung
optischer und thermischer Sichtgeräte "um den
erweiterten Tötungsradius von Waffensystemen
auszugleichen".

*

AMERIKA DIENST 16

*

sollten Möglichkeiten zur Verbesserung des
Lufttransports und der Vorlagerung von militärischem Gerät eruiert werden und
wurde die Bereitschaftsrate der Einheiten für
besondere Einsätze durch das Fehlen von Ersatzteilen für ihre Hubschrauber behindert.
Waffensysteme
Der Bericht erläutert, daß 282 der 288 Marschflugkörper vom Typ TOMAHAWK erfolgreich von 16 Schiffen
und zwei U-Booten abgeschossen wurden, um eine
Erfolgsquote von 98 Prozent herzustellen. Die Bewertung der Effektivität von Waffen ist jedoch nicht schlüssig aufgrund der mangelnden Fähigkeit zu unterscheiden, welche Schäden von der TOMAHAWK-Rakete
oder "anderweitig" hervorgerufen wurden.
Der Abschnitt über die Patriot-Rakete weist darauf hin,
daß "keine vollständige quantitative Analyse über die
Effektivität von Patriot verfügbar ist".
Der Bericht führt ferner aus, daß der Tarnkappenbomber vom Typ F-117 erfolgreich eingesetzt wurde, um in
den ersten Stunden des Krieges eine "taktische Überraschung" zu erzielen, aber auch an einem "langsamen und ermüdenden Auftragsplanungssystem" leidet.
Schlußbemerkung
Der Bericht geht nicht auf das Thema ein, ob der Krieg
über den 27. Februar 1991 hinaus hätte geführt werden sollen, um Bagdad einzunehmen und Saddam
Hussein zu stürzen. Er verweist lediglich darauf, daß
"seine Position erheblich geschwächt wurde" und die
Welt "ein besserer Ort sein wird, wenn Saddam Hussein den Irak nicht mehr schlecht regiert".
*

*

Seite 3

�USA-DEUTSCHLAND
22. April 1992

HANDEL IN OSTDEUTSCHLAND DIE ROLLE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede von Botschafter Kimmitt
vor dem American German Business Club
BONN - (AD) - In einer Rede vor dem American - German Business Club verwies Botschafter Robert M. Kimmitt
am 15. April 1992 auf das amerikanische Engagement in Ostdeutschland und unterstrich die nicht nurfinanziellen
Vorteile der Beteiligung von US-Firmen in Deutschland. "Handel kann nicht isoliert von anderen Unternehmensbereichen betrachtet weden, sondern muß als Teil unserer nationalen Sicherheit gesehen werden", so
Botschafter Kimmitt.
Dem Botschafter zufolge tragen starke Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland zur Verbesserung der nationalen Sicherheit beider Länder bei. Botschafter Kimmitt brachte abschließend
seine Zuversicht zum Ausdruck, daß die amerikanischen Wähler die Wahrheit erkennen - "wenn wir zu Hause
stark sein wollen, müssen wir im Ausland stark sein, und Sicherheit und Zukunft der Vereinigten Staaten sind
untrennbar mit der Deutschlands und Europas verbunden."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.
Es ist mir eine große Ehre, heute als Ehrenpräsident
des American - German Business Club anwesend zu
sein. Ich möchte Paul Cook und all den anderen
meinen Dank aussprechen, die an der Organisation
dieser Veranstaltung beteiligt waren. Meine Mitarbeiter haben sich allerdings gefragt, ob es so klug von
ihrem Botschafter ist, sich am Tag der Abgabe der
amerikanischen Einkommensteuer - dem 15. April - in
einen Raum mit amerikanischen Unternehmern zu
begeben. Bedauerlicherweise bestand die einzige
Alternative in einer Verlegung dieser Veranstaltung auf
den 15. Juni, und auch dann müßte ich mich noch mit
dem Finanzamt befassen - im Zweifel vielleicht sogar
mit Zinsen.
Ich möchte den Club zu seiner jüngsten Namensänderung beglückwünschen. In dem neuen Namen, der
den Horizont des Clubs über Bonn hinaus erweitert,
findet die Wahrscheinlichkeit ihren Niederschlag, daß
einige von uns eines Tages in eine bestimmte andere
Stadt ziehen werden und spiegelt damit eindeutig die
Auswirkungen der Vereinigung wider. Zusammen mit
all den anderen beeindruckenden Veränderungen, die
die Welt in den vergangenen drei Jahren bewegt
haben, hat die Vereinigung unser aller Horizont erweitert. Der neue Name beinhaltet, daß der American
German Business Club sich mit ganz Deutschland
befaßt, und dies wird durch die Aktionen des Clubs
AMERIKA DIENST 16

unterstrichen bis hin zu Ihrem offenkundigen Interesse
an der Entwicklung Ostdeutschlands, Ihrer Unterstützung einer Schule für Taubstumme in Ostberlin sowie
Ihrer Geschäftsreise nach Berlin nur zwei Monate
nach der Vereinigung. Meines Wissens - und darüber
freue ich mich sehr - ist ein weiteres Engagement,
dieses Mal in Brandenburg, geplant.
Die Aktivitäten des Clubs im Hinblick auf Ostdeutschland verlaufen parallel zu den Bestrebungen der Vereinigten Staaten und sind gemeinsamer Beweis, daß
tiefgreifende Ereignisse nicht in einem Vakuum stattfinden. In Zeiten rascher und dramatischer Veränderungen kann ein Gefühl der Kontinuität als Richtschnur
für eine unsichere Zukunft dienen und uns verdeutlichen, was getan werden muß.
In meiner Funktion als Botschafter in Deutschland
werde ich immer wieder auf sehr persönliche Weise an
diese historische Lebensader erinnert.
Als die Familie meiner Mutter Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Nähe von Hannover nach Amerika
aufbrach, war Deutschland nur ein abstrakter Begriff,
durch rivalisierende Staaten und gescheiterte Revolutionen gekennzeichnet und in der Lage, praktisch alles
außer der Einheit zu erlangen. Ich frage mich, was sie
davon gehalten hätten, daß einer ihrer Nachfahren der

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�persönliche Vertreter des Präsidenten in einem vereinigten, demokratischen und wohlhabenden Deutschland ist.
Als sich meine Eltern vor 45 Jahren in Berlin kennenlernten und heirateten, hatte Deutschland inmitten der
Ruinen den Tiefpunkt seiner Ambitionen erreicht besiegt, geteilt, zerstört und abhängig - ein Geächteter
unter den Nationen, verdammt, für die nächsten 45
Jahre zum Brennpunkt internationaler Spannungen zu
werden.
Als sie 15 Jahre später als Angehörige der alliierten
Streitkräfte mit ihren Kindern nach Deutschland zurückkamen, fanden sie ein rehabilitiertes und vollständig in die Gemeinschaft freier Nationen integriertes
Land. Es ist eine Quelle des Stolzes für alle Amerikaner, daß diese Metamorphose mit Unterstützung einer
kreativen amerikanischen Au ßenpolitik bewirkt wurde,
die zur Entstehung der Vereinten Nationen, der NATO,
dem Bretton-Woods-Finanzsystem, dem Marshallplan,
der Trumandoktrin und der Berliner Luftbrücke beitrug
- alles in einem Zeitraum von fünf Jahren.
Als ich im vergangenen Jahr mit meiner Familie zurückkam, um mein Amt als Botschafter anzutreten,
geschah dies in einem ganz anderen Deutschland als
dem meiner Vorfahren, meiner Eltern, und selbst in
einem ganz anderen Deutschland als dem, das ich als
Kind gekannt hatte. Ich sah ein in Freiheit vereinigtes,
demokratisches und verantwortungsbewußtes Deutschland, das voll Vertrauen zur Übernahme einer konstruktiven Rolle in europäischen und internationalen
Angelegenheiten bereit ist.
Die Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehungen von Förderung zu Partnerschaft ist einer der
großen internationalen Erfolge dieses Jahrhunderts.
Das amerikanische Engagement, sich die deutschen
Interessen zu eigen zu machen, hat zur Schaffung
einer Atmosphäre des Respekts und der Zusammenarbeit zwischen unseren Regierungen und der echten
Zuneigung zwischen unseren Völkern beigetragen.
Das Programm, das sich die Bundesregierung für die
kommenden Jahre auferlegt hat, kommt unserer eigenen Einschätzung sehr nahe, wo unsere Energien und
Ressourcen eingesetzt werden sollten. Die erfolgreiche Integration Ostdeutschlands in die Bundesrepublik - die Bundeskanzler Kohl als eine der fünf grundlegenden Prioritäten ausgemacht hat - ist daher ein
Ziel, dem auch wir weiterhin aktiv verpflichtet sind.
Wir haben unsere Bestrebungen in den fünf neuen
Ländern auf Handelsaktivitäten, Ausbildung und Information sowie persönliche Kontakte konzentriert.
Über 100 amerikanische Firmen haben Handelsbeziehungen zu den östlichen Ländern aufgegenommen,
viele davon durch ihre deutschen Tochtergesellschaften. Gemeinsam schaffen sie Zehntausende von
Arbeitsplätzen und tragen Sorge, daß nicht weitere
Seite 2

Tausende durch die Anspassung an die freie Marktwirtschaft verloren gehen. Ebeso wichtig ist, daß der
gute Name und das Renomme amerikanischer Firmen
wie IBM, General Motors, McDonalds, Coca Cola und
Procter &amp; Gamble eine Quelle des Vertrauens für
diejenigen darstellt, die in Ostdeutschland tätig werden
wollen.
Die fünf führenden amerikanischen Firmen allein haben
mindestens 2 Milliarden Dollar investiert und direkt
oder indirekt in den neuen Ländern mindestens 20.000
Arbeitsplätze erhalten. Berichten der Treuhand zufolge haben amerikanische Unternehmen 25 ehemalige
ostdeutsche Firmen aufgekauft und sich zu Investitionen in Höhe von 1,5 Milliarden DM in TreuhandUnternehmen verpflichtet.
Ich kann Ihnen versichern, daß diese beeindruckenden Zahlen, die offenkundig als Beweis für das Interesse und Engagement der US-Industrie stehen, konservative Zahlen und das absolute Minimum dessen
sind, was amerikanische Firmen in Ostdeutschland
tun. Es gibt keine Bestimmung, daß US-Unternehmen
uns gegenüber rechenschaftspflichtig sind, daher
beziehen wir unsere Informationen aus Presseberichten, privaten Untersuchungen und persönlichem Wissen. Wahrscheinlich finden sehr viel mehr Transaktionen statt, insbesondere mit kleineren amerikanischen
Firmen, in unerschlossenen Gebieten, oder über
amerikanische Tochtergesellschaften in Deutschland,
über die wir ohne Ihre Hilfe nie etwas hören werden.
Ich würde mich daher aufrichtig freuen, etwas über die
Aktivitäten Ihrer Unternehmen im Osten zu erfahren.
Sofern Sie dies wünschen, werden wir Ihre Informationen vertraulich behandeln. Was ich als Botschafter
benötige, sind Gesamtzahlen, die die gesamte Bandbreite unseres Engagements und damit das Ausmaß
unserer Verpflichtungen widerspiegeln.
Die greifbaren Beweise der Aktiviiäten der US-Industrie in Ostdeutschland bedeuten jedoch nicht, daß wir
als Botschaft die Hände in den Schoß legen dürfen.
Wenn Sie mit meinen Mitarbeitern in der Handelsabteilung sprechen, sei es hier in Bonn oder in ihren sieben
weiteren Büros in Deutschland, werden sie Ihnen
zweifelsohne erzählen, daß Anfragen amerikanischer
Firmen über die Treuhand, Investitionen in unerschlossene Gebiete, die Energiesituation, Telekommunikation und Eigentumsverhältnisse zur täglichen Routine
geworden sind.
Darüber hinaus freue ich mich, Ihnen heute mitteilen
zu können, daß unsere Außenhandelsabteilung offiziell ihr achtes Büro in Leipzig eröffnet hat. Beim
Konsulat in Leipzig vertritt Frau Dr. Birgit Lehne die
Außenhandelsabteilung, und sie wird Geschäftskontakte in Sachsen und Thüringen herstellen. Frau Dr.
Lehne besucht uns gerade in Bonn, und deshalb
möchte ich Sie Ihnen hiermit vorstellen: Frau Dr. Birgit
Lehne, die neue Mitarbeiterin der Außenhartdslsabteilung.
AMERIKA DIENST 16

�Wir teilen Bundeskanzler Kohls jüngst bekundetes
Interesse daran, Deutschlands Lebensfähigkeit als
Zentrum für Wirtschaft und Handel aufrechtzuerhalten. Wenn Deutschland - insbesondere Ostdeutschland - jedoch für US-Unternehmen attraktiver werden
soll, dann möchte ich in aller Offenheit und Freundschaft darauf hinweisen, wie wichtig es ist, daß potentielle Investoren nicht mit Hindernissen konfrontiert
werden, die den Marktkräften im Weg stehen und
damit eine vollständige wirtschaftliche Erholung im
Osten schwierig machen.
Wäre es nicht zum Beispiel für uns alle besser, wenn
die niedrigeren Energiekosten, die sich bei freierem
Wettbewerb ergeben könnten, ein zusätzlicher Anreiz
für Investoren in Ost und West würden? Im Herbst
vergangenen Jahres leiteten wir eine Delegation der
Energiewirtschaft, die unternehmerische Möglichkeiten in Berlin, Magdeburg und Schwerin sondierte. Im
Augenblick arbeiten wir eng mit mehreren US-Energieunternehmen zusammen, um Vorschläge im Umfang
von über einer Milliarde D-Mark durchzusetzen. Einige
der vorgeschlagenen Kraftwerke würden Elektrizität
und Fernwärme für Städte erzeugen, andere Industriekomplexe in Regionen mit sauberer Energie versorgen, die von den wirtschaftlichen und umweltpolitischen Praktiken der vergangenen vierzig Jahren am
härtesten getroffen wurden. Dies könnte der schwierigste Bereich sein, wo sich US-Unternehmen in Deutschland engagieren, und ich habe ihn zu meiner obersten
Priorität erklärt. Energieerzeugung ist nur einer von
vielen Bereichen, in denen ich zu offenem Wettbewerb
nicht nur zum Wohle des Verbrauchers, sondern zum
Wohle der deutschen Wirtschaft und des Welthandels
aufrufe.
Manche Firmen befragen uns über Ostdeutschland,
und wir verfügen über außerordentlich kreative Mitarbeiter, die Antworten auf alle Fragen des Marketing
finden. Wir helfen unseren Firmen regelmäßig bei der
Herstellung von Kontakten und - wie viele von Ihnen
hier wissen - tun alles in unserer Macht Stehende, um
Ihnen beim Absatz amerikanischer Produkte zu helfen. Die grö ßte Herausforderung bei unserer Arbeit im
Außenhandel besteht jedoch darin, die Aufmerksamkeit der Tausenden von US-Firmen zu wecken, die
noch nicht in Deutschland aktiv sind und möglicherweise nicht daran gedacht haben, in den neuen - oder den
alten - Ländern zu verkaufen oder TU investieren.
Unsere Handelsabteilungen betreiben Marktforschung,
sprechen so oft wie möglich Unternehmen und deren
Vertreter an und sind dabei engagierter, als diese
Aktivitäten vermuten lassen. Wir arbeiten mit dem USHandelsministerium, den Bundesstaaten und Organisationen des Privatsektors zusammen, um Vertretern
der US-Industrie die Herausforderungen und Chancen
im Osten nahezubringen. Wenige Wochen nach der
Vereinigung hat unsere Außenhandelsabteilung bereits "Handelstage" organisiert, im Rahmen derer
Vertreter aus US-Industrie und den Bundesstaaten
AMERIKA DIENST 16

Dresden, Leipzig, Chemnitz, Erfurt und andere Städte
besuchten, um dort mit Kollegen und aufstrebenden
Unternehmern zusammenzutreffen. Wir haben USFinnen engagiert, um in Berlin Seminare über Projektplanung und Finanzierung zu veranstalten, und führende US-Firmen im Bereich der Umwelttechnologie
haben sich in Leipzig und Berlin zum Thema Altlasten
geäußert. Eine Delegation von US-Industrie Vertretern, die Franchisepartner suchten, ist gerade aus
Berlin abgereist, und eine Gruppe von US-Betrieben,
deren Eigentümer Frauen sind, wird im Mai nach
Ostdeutschland reisen. Eine Delegation von Umweltexperten wird im Juni folgen, und im September werden Vertreter der Autozuliefererbranche dorthin reisen.
Sie alle können uns helfen, die Kunde an Entscheidungsträger der US-Industrie zu verbreiten, daß man
dort Geld verdienen kann und sie, indem sie ihre
Position in Deutschland und Europa ausbauen, auch
ihre Unternehmen in Amerika stärken. Meine Mitarbeiter in der Handelsabteilung und ich freuen uns immer
über Besuch von Geschäftsführern amerikanischer
Firmen. Diejenigen von Ihnen, die US-Unternehmen
vertreten, möchten vielleicht einen kreativeren Ansatz
wählen und Deutschland auf die Tagesordnung der
Entscheidungsträger Ihrer Stammsitze setzen. Wenigstens zwei führende US-Firmen entsenden ihre
Leiter Ende des Jahres zu Vorstandssitzungen nach
Deutschland. Fluor wählt dabei Düsseldorf und Pitney-Bowes Potsdam. Ich möchte zu beiden Gruppen
sprechen und sie ermutigen, bei ihrem Besuch hier
mehr von Deutschland zu sehen.
Ich möchte noch einen zweiten Vorschlag unterbreiten, der vielleicht etwas außergewöhnlich ist. Er
wendet sich an die heute hier vertretenen deutschen
Unternehmen. Vorstände bieten viele Möglichkeiten,
Geschäftsverbindungen zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland aufzubauen. Es ist nicht
ungewöhnlich, daß US-Firmen mit Aktivitäten in Übersee wichtige ausländische Führungskräfte in ihren
Vorstand aufnehmen. Viele Deutsche sitzen bereits
im Vorstand von US-Unternehmen und sind infolgedessen mit unserem amerikanischen System vertraut,
insbesondere da US-Vorstände zunehmend an der
Unternehmensstrategie und Entscheidungsfindung
beteiligt werden. Es ist jedoch ganz ungewöhnlich,
daß wichtige deutsche Firmen Amerikaner auffordern,
einen Platz in ihrem Vorstand einzunehmen. Vielleicht
ist die Zeit gekommen, daß auch andere Unternehmen
darüber nachdenken. Abgesehen davon, daß der
Firma eine Vielfalt an Erfahrungen und Einsicht in
Vorstandsangelegenheiten zugute kommt, könnte sich
die Einbeziehung amerikanischer Führungskräfte in
Deutschland als eine dieser wichtigen, aber positiven
Entwicklungen erweisen, die in Zukunft die bilateralen
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland stärken können.

Seite 3

�Die Förderung der Beteiligung von US-Firmen in
Deutschland birgt viele Vorteile für beide Länder, nicht
nur die Möglichkeit des finanziellen Gewinns. Handel
kann nicht isoliert von anderen Unternehmensbereichen betrachtet werden, sondern mu ß als Teil unserer
nationalen Sicherheit gesehen werden. Einer der
wundersamen Effekte der letzten zwei Jahre ist in den
Vereinigten Staaten und in anderen Ländern eine
Erweiterung des Konzepts der nationalen Sicherheit.
Die meisten von uns haben Sicherheit immer unter den
politisch-militärischen Aspekt betrachtet, wir müssen
aber erkennen, daß das Konzept genauso wichtige
handelspolitische, ökologische und kulturelle Komponenten hat. Während des kalten Krieges traten diese
Komponenten bei der Analyse unserer nationalen
Sicherheit oftmals in den Hintergrund, aber sie drängen jetzt mit Macht nach vorn. Kurzum - starke
Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland tragen zur Verbesserung der
nationalen Sicherheit beider Länder bei.
Der Aufbau dieser wichtigen bilateralen Handelsbeziehungen erfordert, daß wir Isolationismus und Protektionismus scharf zurückweisen, sei es im Umgang untereinander, in Gesprächen mit der Europäischen Gemeinschaft, multilateral im GATT oder in der UruguayRunde. Diese Ideologien haben in einer Welt des

Fortschritts keinen Platz, und sie sind Sackgassen. Es
ermutigt mich, daß amerikanische Wähler solche
überholten Doktrinen bei den Vorwahlen um die Präsidentschaft, trotz einer verständlichen Sorge über nationale Belange, verworfen haben. Ich bin zuversichtlich, daß unsere Wähler die Wahrheit erkennen - wenn
wir zu Hause stark sein wollen, müssen wir im Ausland
stark sein und Sicherheit und Zukunft der Vereinigten
Staaten sind untrennbar mit der Deutschlands und
Europas verbunden.
Die Aufrechterhaltung und Stärkung der bilateralen
Beziehungen ist natürlich der Hauptgrund, warum es
die amerikanische Botschaft hier gibt und warum der
American-German Business Club sich positiv entwikkelt. Der Club und seine Mitglieder nehmen an der
ganzen Bandbreite von Aktivitäten teil, die unsere
bilateralen Beziehungen ausmachen - Handel, kulturelle Beziehungen oder Verteidigungsangelegenheiten. Aus diesem Grund haben die Botschaft und eine
lange Reihe von Botschaftern Sie seit der Gründung
des Clubs vor über dreißig Jahren unterstützt. Deshalb sehe ich mit solchem Optimismus in unsere
gemeinsame Zukunft. Und ich freue mich auf die
Zusammenarbeit mit ihnen, um diesem Optimuismus
Rechnung zu tragen.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�W A H L E N '92
22. April 1992

DIE FINANZIERUNG AMERIKANISCHER
PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLKÄMPFE
von He. bert E. Alexander
WASHINGTON - (AD) - Die gesetzliche Regelung der Finanzierung amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe erfordert dem Autor zufolge ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Integrität des Wahlprozesses und
den Rechten auf freie Meinungsäußerung und Assoziierungsfreiheit. In dem nachfolgenden Artikel erklärt
Herbert E. Alexander, Leiter der Citizens' Research Foundation und Professor für politische Wissenschaft an der
University of Southern California, die Geschichte der Wahlkampffinanzierung und der damit einhergehenden
Reformbemühungen.
"Die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten", so schrieb
John Quincy Adams im Jahr 1828. "war ein Amt, das
man weder anstrebte noch ablehnte. Geld zu zahlen
- sei es direkt oder indirekt -, um es zu erlangen, war
meines Erachtens prinzipiell unkorrekt." Trotz der
hehren Geisteshaltung, die vom sechsten Präsidenten
der Vereinigten Staaten und Sohn des zweiten Präsidenten hier zum Ausdruck gebracht wurde, haben
Kandidaten bei jeder Wahl, seit George Washington im
Jahr 1789 zum ersten Mal dieses Amt antrat, Geld
ausgegeben, um sich die Präsidentschaft zu sichern.
Ausgabemuster
In der Frühzeit wurden politische Gelder hauptsächlich
für Druckkosten ausgegeben. Ein Großteil des Präsidentschaftswahlkampfs fand in Zeitungen und Pamphleten statt, die von den politischen Fraktionen zugunsten des einen oder anderen Kandidaten subventioniert wurden. Im Lauf der Zeit gingen die Kandidaten
zu anderen Mitteln der Verbreitung von Botschaften
über, darunter Wahlkampfbiographien, Ansteckknöpfe ("Buttons") und Transparente sowie persönliche
Wahlkampfreisen per Bahn und Teilnahme an sonstigen Wahlkampfveranstaltungen. Der Rundfunk wurde
zum ersten Mal im Wahlkampf von 1 ^24 eingesetzt,
und im Jahr 1952 trat das Fernsehen als wicmigstes
Medium für die Kommunikation mit dem Wähler in
Erscheinung.
Mit zunehmender Größe und Bevölkerungszahl der
Vereinigten Staaten und Entwicklung der Mittel, die für
Wahlkämpfe eingesetzt wurden, stiegen auch die
Wahlkampf kosten entsprechend. Im Jahr 1860 kostete der Sieg im Präsidentschaftswahlkampf Abraham
Lincoln angeblich 100.000 Dollar, und der Wahlkampf
seines Gegners Stephen Douglas soll etwa 50.000
AMERIKA DIENST 16

Dollar verschlungen haben. Einhundert Jahre später
wurden für den Wahlkampf John F. Kennedys etwa 9,7
Millionen Dollar ausgegeben, während die Kampagne
seines unterlegenen Gegners Richard Nixon etwa
10,1 Millionen Dollar kostete.
In den sieben seit 1960 veranstalteten Präsidentschaftswahlkämpfen sind die Ausgaben kontinuierlich
geklettert. Die Kampagnen wurden technisch anspruchsvoller und deshalb auch teurer. Bei der Wahl
1988, der vierten, für die öffentliche Mittel bereitgestellt
wurden, standen dem Republikaner George Bush 93,7
Millionen Dollar zur Verfügung, einschließlich eines
öffentlichen Zuschusses von 46,1 Millionen. Der
Kandidat der Demokratischen Partei, Michael Dukakis, konnte über 106,5 Millionen Dollar verfügen, ebenfalls mit einem öffentlichen Zuschu ß von 46,1 Millionen
Dollar. Der Wahlkampf von 1988 war der erste im 20.
Jahrhundert, bei dem die Demokraten mehr Geld
ausgaben als die Republikaner. Im Jahr 1988 kam es
ferner zum ersten Mal seit 20 Jahren dazu, daß die
Präsidentschaft offen war, das hei ßt, daß kein Amtsinhaber kandidierte. Aus diesem Grund entstanden in
beiden großen Parteien ebenfalls hohe Kosten bei den
Kampagnen für die Nominierung.
Die Gesamtkosten der Wahl des Präsidenten im Jahr
1988 beliefen sich auf etwa 500 Millionen Dollar. Diese
Summe umfaßt nicht nur die 200,2 Millionen Dollar, die
für die Kandidaten der beiden großen Parteien in der
allgemeinen Wahl aufgewendet wurden, sondern auch
die Mittel, die von allen Kandidaten ausgegeben wurden, die die Nominierung ihrer Parteien bei den Nominierungskonventen anstrebten sowie die Mittel, die
von anderen Parteien und unabhängigen Kampagnen
verbraucht wurden.

Seite 1

�Die Kosten für die Wahl eines Präsidenten betrugen
weniger als ein Fünftel der Gesamtkosten von 2,7
Milliarden Dollar für die Wahlkämpfe des Zyklus 19871988. Die verbleibenden Mittel wurden für die Nominierung oder Wahl von Kandidaten für den Kongreß
(457 Millionen), für die Nominierung und Wahl von
Tausenden von Staats- und Gemeindevertretern (905
Millionen) sowie die Kosten von Abstimmungen über
einzelne Fragen auf Staats- und Gemeindeebene sowie
Verwaltungskosten, Auslagen für Spendenwerbung
und sonstige Kosten von Partei- und parteiübergreifenden Komitees ausgegeben.
Die politischen Ausgaben von 2,7 Milliarden Dollar
müssen jedoch in der Gesamtperspektive gesehen
werden. Im Jahr 1988 gaben Regierungen auf allen
Ebenen in den Vereinigten Staaten - Bund, Bundesstaat, Kreis und Gemeinde - insgesamt Steuergelder
in Höhe von 1,9 Billionen Dollar aus. Die 2,7 Milliarden
Dollar für Wahlkampagnen, deren Resultate darüber
entscheiden, wie diese enormen Summen an Steuereinnahmen verwendet werden, betragen also lediglich
Bruchteile von einem Prozent der gesamten Staatsausgaben. Und diese Summe entspricht in etwa den
Ausgaben, die die beiden führenden Unternehmen
des Landes für Werbeausgaben aufwenden, um die
Nützlichkeit ihrer Produkte kundzutun.
Geldquellen
Bei den ersten Präsidentschaftswahlkämpfen reichten
die Eigenmittel von Kandidaten und von Amtsinhabern
erhobene Umlagen aus, um die erforderlichen Kosten
zu bestreiten. Mit dem Anwachsen der Wahlkampf kosten mußten jedoch andere Finanzierungsquellen
erschlossen werden.
Andrew Jackson, der im Jahr 1828 zum ersten Mal
zum Präsidenten gewählt wurde, wird im allgemeinen
die Schaffung des "spoils System" zugeschrieben, das
diejenigen, die zum Präsidentschaftswahlkampf beigetragen hatten, mit Vergünstigungen und Regierungsposten belohnte. Mit dem Ende des Bürgerkrieges im
Jahr 1865 begannen Großunternehmen und Einzelpersonen, die in der amerikanischen Industrie Vermögen angesammelt hatten, einen großen Teil der Kosten von Präsidentschaftswahlkämpfen zu finanzieren. Diese Quellen nahmen an Bedeutung noch zu, als
der amerikanische Kongreß das Gesetz zur Reform
des Staatsdienstes von 1883 verabschiedete, das es
Beamten oder Angestellten der Vereinigten Staaten
untersagte, untereinander für politische Spenden zu
werden oder solche entgegenzunehmen. Das HatchGesetz von 1939 erweiterte die Einschränkung politischer Aktivitäten, die das Gesetz von 1883 den Angehörigen des öffentlichen Dienstes auferlegte. Davon
ausgenommen sind lediglich etwa 4.000 politische
Entscheidungsträger in den Exekutivorganen der
amerikanischen Regierung.

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Reformbemühungen
Nach der Jahrhundertwende führte die Besorgnis über
den Einfluß von Großunternehmen auf den Bundeswahlprozeß zur Verabschiedung einer Reihe von
Vorschriften über die Wahlkampffinanzierung. Das
erste bundesweite Verbot von Unternehmensspenden
trat im Jahr 1907 in Kraft. Vierzig Jahre danach wurde
dieses Verbot dauerhaft auf die Gewerksciifcuien ausgedehnt. Das erste Bundesgesetz zur Offenlegung
der Wahlkampffinanzierung wurde im Jahr 1910 verabschiedet. Dieses Gesetz wurde im Jahr 1911 so
geändert, daß von allen Kandidaten für Bundesämter
finanzielle Erklärungen für Vorwahlen, Konvente und
vor Beginn des Wahlkampfs verlangt und die Summen
begrenzt wurden, die Kandidaten für Repräsentantenhaus und Senat ausgeben durften. In der Folge
wurden die Auswirkungen dieses Gesetzes durch einen
Richterspruch jedoch erheblich gemildert. Im Jahr
1925 wurde im Bundesgesetz über korrupte Praktiken
die Bundesgesetzgebung zur Wahlkampffinanzierung
niedergelegt und überarbeitet, jedoch ohne wesentliche Änderungen. Bis zum Jahr 1972 blieb es das
grundlegende Gesetz zur Wahlkampffinanzierung.
Bei jeder Verabschiedung restriktiver Gesetze entwickelten die Politiker neue Methoden zur Geldbeschaffung. Wie bereits festgestellt, verlagerte sich mit
dem Verbot des Umlageverfahrens für Regierungsmitarbeiter die Aufmerksamkeit auf Untemehmensspenden. Als auch diese ausgeschlossen wurden, warben
Kandidaten und Parteien um Geschenke wohlhabender Einzelpersonen, darunter viele Aktieninhaber und
leitende Mitarbeiter von Unternehmen. Als mit dem
Versuch, den Einfluß reicher Einzelpersonen zu beschränken, der Umfang von Spenden an politische
Komitees durch das Hatch-Gesetz von 1939 begrenzt
wurden, fanden Parteien und Politiker andere Wege
der Finanzierung, darunter Diners zur Spendenbeschaffung und sonstige Veranstaltungen sowie die
Einrichtung politischer Aktionskomitees.
Die Kandidaten haben außerdem um Kleinspenden
geworben. Im Jahr 1964 setzte der republikanische
Präsidentschaftskandidat Postwurfsendungen ein, um
einen erheblichen Teil seiner Wahlkampfgelder aufzubringen. Seitherhaben mehrere Präsidentschaftskandidaten diese Methoden mit gutem Erfolg benutzt,
insbesondere der Demokrat Eugene McCarthy und
der unabhängige Kandidat George Wallace 1968, der
demokratische Kandidat George McGovern 1972 und
Ronald Reagan in seinen Vorwahlkampagnen von
1976, 1980 und 1984.
In den siebziger Jahren kam es auf Bundes- und auf
Staatsebene zu einer neuen Welle politischer Reformvorhaben. Auf Bundesebene schlugen sich diese
Reformbemühungen - und nachfolgende Versuche,
die den Kandidaten und Komitees durch das Gesetz

AMERIKA DIENST 16

»

*

�auferlegten Lasten zu mildern - im Bundeswahlkampfgesetz (Federal Election Campaign Act - FECA) von
1971, dem Einnahmengesetz (Revenue Act) von 1971
und den FECA-Ergänzungen von 1974, 1976 und
1979 nieder.
Staatliche Finanzierung
Die Gesetze sehen optionale, qualifizierten Kandidaten vom Staat zur Verfügung gestellte Mittel für die
Vorwahlkampfzeit bis zur Nominierung als Präsidentschaftskandidat vor. Um sich für diese Mittel ("matching funds") zu qualifizieren, müssen Kandidaten, die
die Nominierung ihrer Partei anstreben, 5.000 Dollar
an privaten Beiträgen, die sich aus Einzelspenden von
höchstens 250 Dollar in jedem von 20 Bundesstaaten
zusammensetzen, aufbringen. Die Bundesregierung
steuert für jede Spende von bis zu 250 Dollar an
qualifizierte Kandidaten noch einmal die gleiche Summe
hinzu. Diese Subventionen dürfen jedoch die Hälfte
des Ausgabenlimits für den Vorwahlkampf, das im
Jahr 1988 23,1 Millionen Dollar betrug, nicht überschreiten.
Die Bundesregierung stellt ferner öffentliche Mittel
bereit, um die Kosten für die nationalen Nominierungskonvente der zwei größten Parteien zu tragen. 1988
erhielt jede dieser Parteien einen Zuschuß von 9,2
Millionen Dollar. Kleinere Parteien erhalten eine Beihilfe zu ihrem Konvent, wenn ihre Kandidaten bei der
vorherigen Präsidentschaftswahl über 5 Prozent der
Stimmen erhielten.
Bei der allgemeinen Wahl können die Präsidentschaftskandidaten der wichtigsten Parteien zur Finanzierung
ihres Wahlkampfes öffentliche Mittel des Finanzministeriums in Anspruch nehmen. Wie bereits ausgeführt, beliefen sich diese Zuschüsse 1988 auf jeweils
46,1 Millionen Dollar. Darüber hinaus gibt es Bestimmungen für eine öffentliche Teilfinanzierung für Kandidaten kleinerer und neuer Parteien.
Die bei Präsidentschaftswahlkampagnen zur Verfügung gestellten öffentlichen Gelder sollen die Mittel
aufstocken - oder vollständig übernehmen - die ernstnafte Kandidaten benötigen, um sich selbst und ihre
Ideen gegenüber den Wählern darzustellen. Damit
soll die Notwendigkeit verringert oder beseitigt werden, Geld von wohlhabenden Spendern und Interessengruppen annehmen zu müssen
Im frühen Stadium der Kampagne sollen öffentliche
Mittel den Prozeß der Nominierung wettbewerbsorientierter machen und Kandidaten ermutigen, ihre Basis
der Unterstützung durch eine Vielzahl kleiner Spenden
zu erweitem. Die Kandidaten tun dies auf vielfältige
Weise, unter anderem durch persönliche Anschreiben, Ereignisse, bei denen gesammelt wird, wie
Empfänge und Diners sowie die Spendensammlung
freiwilliger Helfer.

AMERIKA DIENST 16

Die Durchführbarkeit öffentlicher Finanzierung hing
bei den letzten vier Präsidentschaftswahlkämpfen von
der Bereitschaft des Steuerzahlers ab, einen kleinen
Teil seines steuerpflichtigen Einkommens - ein Dollar
für Alleinstehende und zwei Dollar für zusammen
veranlagte Ehepaare - für die Präsidentschaftswahl
abzuzweigen, indem sie auf ihrer Steuererklärung
einem entsprechenden Gehaltsabzug zustimmen. Bis
jetzt hat das System genug Geld eingebracht, um die
öffentlichen Mittel abzudecken, die den nominierten
Kandidaten und den wichtigsten Parteien für ihre nationalen Nominierungskonvente zur Verfügung gestellt
werden. Die vom Bundeswahlausschuß bewilligten
Mittel beliefen sich 1976 auf 70,9 Millionen Dollar, 1980
auf 100,6 Millionen Dollar, 1984 auf 133,1 Millionen
Dollar und 1988 auf 177,8 Millionen Dollar.
Der Abzug von einem Dollar des steuerpflichtigen
Einkommens ist seit der Verabschiedung des Steuergesetzes 1971 nicht erhöht worden, trotz der Tatsache, daß der Wert des US-Dollars heute nur noch ein
Drittel des damaligen Werts beträgt. Darüber hinaus
ist der Steuerzahler in immer geringerem Maße zum
Gehaltsabzug bereit.
Dem Bundeswahlausschuß zufolge ist die Unterstützung des Steuerzahlers für den Gehaltsabzug seit
dem Rekordjahr 1980 um 30 Prozent gesunken. Dies
bedeutet einen Rückgang des Gehaltsabzugs vom
Höchststand von 28,7 Prozent der Steuererklärungen
im Jahr 1980 auf 19,9 Prozent der Steuererklärungen
1989. Die Rate für 1990 auf der Basis der Erklärungen
von 1989 ergab 32,5 Millionen Dollar, wobei die Jahresbeträge vier Jahre lang angesammelt werden, um
im Jahr der Präsidentschaftswahlen ausgezahlt zu
werden. Gegenwärtig besteht das Problem darin, daß
die gesunkenen Teilnehmerzahlen zu Fehlbeträgen
führen, die bei den Kampagnen vor der Nominierung
1992 zu einer anteilmäßigen Reduzierung der Mittel
führen könnten.
Beschränkung der Beiträge und Ausgaben
Die Reformgesetze von 1970 verfügen auch Obergrenzen für Beiträge und Ausgaben für alle Wahlkämpfe für ein Regierungsamt, aber der Oberste Gerichtshof kam zu dem Urteil, daß Ausgabenbeschränkungen nur in öffentlich finanzierten Kampagnen gegenwärtig nur Präsidentschaftswahlkämpfen - zulässig sind.
Einzelpersonen können nicht mehr als 1.000 Dollar pro
Kandidat und Wahl spenden, und Komitees dürfen
nicht mehr als 5.000 Dollar pro Kandidat und Wahl
bereitstellen. Kandidaten um ein Amt in der Bundesregierung, die öffentliche Mittel akzeptieren, dürfen
jedoch keine privaten Beiträge zur Förderung ihres
Wahlkampfes annehmen, obwohl sie private Spenden
bis zu einer bestimmten Obergrenze entgegennehmen können, um die Kosten zu bestreiten, die ihnen
durch die Einhaltung der Wahlgesetze entstehen.

Seite 3

�Mit den Obergrenzen für Beiträge und Ausgaben sollen große Spenden mit ihrem Potential für Korruption
kontrolliert, finanzielle Ungleichheiten unter den Kandidaten minimiert und Möglichkeiten des Mißbrauchs
reduziert werden. Einzelpersonen und Gruppen können jedoch bei Präsidentschaftswahlen oder anderen
Wahlen für ein Regierungsamt unbegrenzte Ausgaben tätigen - das heißt, sie können unbegrenzt hohe
Beträge für Berichte ausgeben, in denen die Wahl oder
Ablehnung empfohlen wird - solange wie die Ausgaben
ohne Absprache oder Koordination mit dem Wahlkampfkomitee eines Kandidaten stattfinden. Bei der
Nominierung der Präsidentschaftskandidaten und im
allgemeinen Wahlkampf 1980 wurden erhebliche Beträge unabhängig ausgegeben, was dazu führte, daß
einige Teilnehmer die Rechtmäßigkeit und Verfassungsmäßigkeit solcher Ausgaben anzweifelten. Ein
nach der allgemeinen Wahl 1984 verkündetes Urteil
des Obersten Gerichtshofs gab denjenigen Recht, die
unabhängige Ausgaben tätigten. Gruppen und Einzelpersonen gaben 1988 14,3 Millionen Dollar an unabhängigen Mittel aus, um die Wahl oder Ablehnung
eines Präsidentschaftskandidaten zu befürworten.
Einzelpersonen und Gruppen können auf verschiedenen Ebenen Beiträge zu politischen Parteikomitees
leisten. Diese Komitees können wiederum Geld für die
Kandidaten ihrer Parteien ausgeben. 1988 gaben die
Parteikomitees der Republikaner und Demokraten
erhebliche Summen aus, um ihre Präsidentschaftskandidaten bei lokalen Parteiaktivitäten wie Erfassung
der Wähler und deren Animierung zur Wahl zu unterstützen. Weitere wichtige Quellen von Ausgaben im
Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf
waren Gewerkschaften, die Dukakis-Bentsen unterstützten, indem sie für diese Berichte und Zuschriften
veröffentlichten, selbst Wähler registrierten und sie zur
Wahl aufriefen. Obwohl also die Einschränkung öffentlicher Mittel und damit zusammenhängender Aus-

gaben die Ausgaben des Präsidentschaftswahlkampfes kontrollieren sollen, gibt es immer noch zahlreiche
legale Wege, wie erhebliche private Summen eingesetzt werden können, um das allgemeine Wahlergebnis zu beeinflussen.
Schließlich erfordert das Bundeswahlgesetz die vollständige und termingerechte Offenlegung von Einnahmen und Ausgaben für den Wahlkampf. Di» Bestimmungen zur Offenlegung sollen den Wählern helfen,
eine sachlich begründete Entscheidung für einen
Kandidaten zu treffen und es dem Bundeswahlausschuß ermöglichen, die Einhaltung mit den Finanzierungsgesetzen für die Kampagnen zu überwachen.
Ein kontinuierliches Experiment
Das grundlegende Problem derer, die ein System zur
Regulierung der Finanzierung von Wahlkämpfen bei
amerikanischen Wahlkampagnen erarbeiten müssen,
besteht darin, die Integrität des Wahlprozesses zu
schützen und dennoch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit zu respektieren,
wie es im ersten Zusatzartikel der amerikanischen
Verfassung verankert ist. Das 1970 eingeführte Kontrollsystem stellt eine sehr ehrgeizige Bestrebung zur
Herstellung dieses Gleichgewichts dar. Aber die
Anstrengungen waren nicht immer erfolgreich. Mit
Hilfe der Vorschriften war es nicht möglich, die Ausgaben der Präsidentschaftswahlkämpfe zu kontrollieren,
und die Abwertung des Dollars - nicht inflationsbereinigt - hat die Einnahmen der Kampagnen verringert, da
die Beitragsgrenzen und die mit den Steuern eingenommene Summe gleich geblieben sind, während die
Wahlkampf ausgaben steigen durften. Aber wie die
amerikanische Demokratie selbst ist das gegenwärtige System zur Regelung der Finanzierung von Präsidentschaftswahlkämpfen ein Experiment, das zweifellos in den kommenden Jahren kontinuierlich modifiziert werden wird.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

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                <text>&lt;strong&gt;1. Rüstungskontrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Rüstungskontrolle im Zeitalter nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von ACDA-Direktor Lehman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bericht über den Golfkrieg unterstreicht Erfahrungen der Koalition&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zum Bericht des Pentagon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handel in Ostdeutschland - die Rolle der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt vor dem American-German Business Club&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Finanzierung amerikanischer Präsidentschaftswahlkämpfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Herbert E. Alexander&lt;/em&gt;</text>
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15. April 1992

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GUS-HILFE

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION GUTES
ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des
Senats

NICHTVERBREITUNG

DREI JAHRE FORTSCHRITTE
BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung von Staatsekretär Bartholomew

EBWE

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR
DEN PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

HANDEL

DER US-HANDEL 1992 EIN AUSBLICK
von John Jelacic

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
15. April 1992

DEMOKRATISCHE TENDENZEN NACH
AUFLÖSUNG DER SOWJETUNION
GUTES ZEICHEN FÜR "ECHTEN FRIEDEN"
Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge sind die in den neuen Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums stattfindenden demokratischen Revolutionen zeit seines Lebens "die beste Hoffnung" für "echten
Frieden".
Nach dem Ende des kalten Krieges und dem Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus "befinden wir
uns an der Schwelle zu einer neuen Welt der Chancen und des Friedens", erklärte Bush am 9. April 1992 vor
Mitgliedern der amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsredakteure.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Bushs im Wortlaut mit leichten Kürzungen.
Heute möchte ich mit Ihnen einige ernsthafte Betrachtungen zu den Ereignissen auf der Welt anstellen.
Blicken Sie auf die Welt von heute. Denken Sie an die
Schlagzeilen machenden Ereignisse der vergangenen
Jahre und unseren Sieg im kalten Krieg, den Zerfall
des imperialen Kommunismus, die Befreiung Kuwaits.
Denken Sie an die großen Revolutionen von 1989, die
den Fall der Berliner Mauer bewirkten, die Fesseln des
Kommunismus iösten und Osteuropa eine neue Welt
der Freiheit erschlossen. Und denken Sie an die Rolle,
die diese Nation bei jedem dieser großen Triumphe
gespielt hat - die Opfer, die wir erbrachten und das
Sendungsbewußtsein, das uns leitete.
Jeder Tag eröffnet neue Chancen, neue Realitäten,
neue Hoffnungen, neue Horizonte. Allein in den vergangenen sechs Monaten haben wir 18 völlig neue
Nationen anerkannt. Der Großteil dieser Nationen
wurde natürlich aus einem Ereignis von großer Tragweite heraus geboren: dem Zerfall des sowjetischen
Kommunismus.
Heute möchte ich mit Ihnen über die wichtigste au ßenpolitische Chance unserer Zeit sprechen - eine Chance, die die Sicherheit und Zukunft jedes Amerikaners,
jung und alt, im Verlauf dieses gesamten Jahrzehnts
betreffen wird.
Die in Rußland, Armenien, der Ukraine und den anderen neuen Nationen des alten sowjetischen Imperiums
staffindenden Revolutionen verkörpern zeit meines
Lebens die beste Hoffnung für echten Frieden. Kurz
nach meiner Amtsübernahme umriß ich eine neue
amerikanische Strategie als Reaktion auf die sich in
AMERIKA DIENST 15

der Sowjetunion sowie Ost- und Mitteleuropa vollziehenden Veränderungen. Sie sollte über das Containment hinausgehen, Reformen ermutigen und für die
gefangenen Nationen des Ostens auf immer Freiheit
unterstützen.
Nach den dramatischen Revolutionen in Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei, Revolutionen, die
sich dann auf Rumänien, Bulgarien und selbst Albanien ausbreiteten, nach der Vereinigung Deutschlands
in der NATO, nach dem Zerfall der einen Macht - der
UdSSR -, die unsere Lebensart bedrohte, ist diese
Mission jetzt erfüllt. Der kalte Krieg ist vorüber. Das
Gespenst des nuklearen Weltkriegs ist verschwunden. Der Sowjetkommunismus ist zusammengebrochen. Und jetzt befinden wir uns an der Schwelle zu
einer neuen Welt der Chancen und des Friedens.
Mit dem Ende des kalten Kriegs muß jedoch noch eine
neue Ordnung an seine Stelle treten. Die Chancen enorm. Sie sind riesig. Aber ebenso groß sind die
Gefahren. Und so stehen wir im Rampenlicht der
Geschichte - eine neue Welt lockt, während die Geschichte im Dunkeln liegt.
Ich möchte heute einen neuen Auftrag der amerikanischen Politik gegenüber Rußland und den anderen
neuen Nationen der ehemaligen UdSSR umrei ßen. Es
ist ein Auftrag, der unsere Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen fördern kann, während er gleichzeitig
den Primat amerikanischer Werte hochhält - Werte,
die wie Lincoln es formulierte, die "letzte, beste Hoffnung der Erde" sind.

Seite 1

�Die Amerikaner haben stets gut reagiert, wenn Neuland lockte. Meines Erachtens besteht das vor uns
liegende Neuland für uns und nachfolgende Generationen darin, einen demokratischen Frieden in Europa
und der ehemaligen UdSSR sicherzustellen, der dauerhaften Frieden für de Vereinigten Staaten von Amerika
gewährleisten wird.

Sie streben danach, die Herrschaft des Zwangs durch
Rechtsstaatlichkeit zu ersetzen. Und sie sind bestrebt,
zum ersten Mal in der Geschichte ihrer Länder Herrschaft nicht im Namen des Volkes zu erzwingen,
sondern Regierungen des Volkes durch und für das
Volk aufzubauen. Und sie streben eine Zukunft freier
und offener Märkte an, in denen die wirtschaftlichen
Rechte beim einzelnen liegen und nicht den Launen
Der demokratische Frieden muß sich auf die beiden zentraler Planer ausgesetzt sind. Sie streben PartnerSäulen politischer und wirtschaftlicher Freiheit grün- schaften an. Sie möchten mit uns Bündnisse eingeden. Der Erfolg der Reformen in Rußland und der hen. Und sie streben danach, Wettlauf und Konflikte
Ukraine, Armenien und Kasachstan, Belarus und dem zu beenden.
Baltikum wird der beste Garant unserer Sicherheit,
unseres Wohlstands und unserer Freiheit sein.
Unsere Ziele sind ihre Ziele. Und in dieser Zeit des
Übergangs gehen sie auf uns zu. Sie möchten unsere
Nach einem langen kalten Krieg ist soviel klar: Demo- Hilfe. Und wenn wir handeln wollen, müssen wir
kraten im Kreml können unsere Sicherheit auf eine Art eindeutig herausfinden, was auf dem Spiel steht.
gewährleisten, wie Raketen es niemals konnten. Ein
Großteil der Außenpolitik meiner Administration war Vor vierzig Jahren hatten Amerikaner die Vorsteldem friedlichen Sieg im kalten Krieg gewidmet. Und lungskraft und Vernunft, besiegten Feinden wieder auf
die nächsten vier Jahre müssen dem Aufbau eines die Beine zu helfen - als Demokratien. Nun, als welch
demokratischen Friedens gewidmet sein - nicht nur für kluge Investition hat sich dies herausgestellt. Diejenidiejenigen von uns, die den kalten Krieg erlebt und gen, denen wir halfen, wurden enge Verbündete und
gewonnen haben, sondern auf Generationen hinaus. wichtige Handelspartner.
Seit den ersten Tagen des kalten Krieges war unsere
Mission das Containment - der Einsatz der kombinierten Ressourcen des Westens, um der Expansion, den
expansionistischen Zielen des sowjetischen Imperiums
Einhalt zu gebieten. Als Präsident habe ich die Politik
verfolgt, über das Containment hinaus zu gehen und
die Macht Amerikas und des Westens einzusetzen,
um den kalten Krieg mit dem Sieg der Freiheit zu
beenden.
Und heute sind wir an einem Wendepunkt angelangt.
Wir haben den imperialen Kommunismus besiegt.
Aber wir haben noch nicht'den Sieg der Demokratie
erlangt. Dieser demokratische Frieden ist nicht leicht
zu erringen. Das Gewicht der Geschichte, der 74
Jahre kommunistischer Mißwirtschaft in der ehemaligen UdSSR lehrt uns, daß der Aufbau von Demokratie
und wirtschaftlicher Freiheit Jahre erfordern wird.
Amerika muß deshalb zu dem Schluß kommen, daß
unser Engagement ebenso fest und dauerhaft sein
muß.
Mit diesem Engagement haben wir die Chance, eine
gänzlich andere Welt aufzubauen - eine Welt, die sich
auf die gemeinsamen Werte politischer und wirtschaftlicher Freiheit zwischen Rußland und Amerika, zwischen Ost und West gründet sowie auf einen Frieden,
der auf gegenseitigem Vertrauen und nicht gegenseitigem Schrecken beruht.

Unsere heutige Wahl ist klar: Mit unserer Hilfe können
Rußland, die Ukraine und andere neue Staaten demokratische Freunde und Partner werden. Und ich möchte
hier feststellen, daß sie unsere Hilfe bekommen werden. Wie nützt dies Amerika, werden sie vielleicht
fragen? Wir können endgültig die nukleare Konfrontation beenden, die unsere gesamte Zivilisation über vier
Jahrzehnte hinweg zur Geisel machte. Die Drohung
eines großen Landkrieges in Westeuropa ist mit dem
Zerfall des Warschauer Pakts verschwunden.
Ein demokratisches Rußland ist die beste Garantie
gegen eine erneuerte Gefahr des Wettlaufs und die
Drohung der nuklearen Rivalität. Das Scheitern des
demokratischen Experiments könnte eine dunkle Zukunft
heraufbeschwören, die Rückkehr des A'itnritarismus
oder einen Sturz in die Anarchie. In jedem Fall wäre
das Resultat auf Jahre hinaus eine Bedrohung unseres Friedens, unseres Wohlstands und unserer Sicherheit.
Wir sollten uns jedoch nicht auf die Gefahren des
Scheiterns konzentrieren, sondern auf die Dividenden
des Erfolgs.

Erstens können wir dieses Jahr und Jahr für Jahr
danach eine echte Friedensdividende in Form dauerhaft verringerter Verteidigungshaushalte ernten. Wir
haben bereits Einsparungen der Verteidigungsausgaben von 50 Milliarden Dollar bis 1997 vorgeschlagen.
Und heute finden wir uns in einer nahezu unvorstellba- Diese Kürzungen erfolgen zusätzlich zu den Einsparen Welt wieder, in der Demokraten, nicht Kommuni- rungen in Höhe von 267 Milliarden Dollar, also über
sten, in Moskau, Kiew und Eriwan an der Macht sind. eine viertel Billion Dollar an vorgesehenen VerteidiIn einer neuen Welt, in der eine neue Sorte von gungsausgaben seit dem Fall der Berliner Mauer.
politischen Entscheidungsträgem - unter anderen Boris Täuschen Sie sich nicht: Ich werde keine rücksichtsJelzin, Lewon Ter-Petrosjan, Leonid Krawtschuk, Askar losen Kürzungen vornehmen, die unsere nationale
Sicherheit grundlegend gefährden würaen.
Akajew - auf Reformen drängen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�Zweitens können wir in Zusammenarbeit mit unseren
russischen Partnern und unseren Verbündeten eine
neue internationale Landschaft errichten - eine Landschaft, in der entstehende Bedrohungen eingedämmt
und zunhhte gemacht werden, in der wir konzertiert
handeln, um gemeinsamen Bedrohungen unserer
Umwelt zu begegnen, in der Terroristen keinen sicheren Zufluchtsort finden und in der echte Koalitionen
gleichgesinnter Länder gemeinsam auf Gefahren und
Chancen reagieren.
Drittens schließlich wird der Triumph freier Regierungen und freier Märkte in der alten Sowjetunion große
Chancen für den Welthandel und das Wirtschaftswachstum bedeuten. Ein demokratisches Rußland,
das der freien Marktwirtschaft verpflichtet ist, wird
einen Impuls zu starkem Wachstum des Welthandels
und weltweiter Investitionen geben. Die Bürger der
ehemaligen Sowjetunion sind gut ausgebildet und
hochqualifiziert. Sie möchten für ihre Familien ebenso
eine bessere Zukunft wie jeder von uns für seine
Familie.
Und gemeinsam bilden sie einen potentiell riesigen
Markt, der sich über 11 Zeitzonen erstreckt und nahezu 300 Millionen Menschen umfaßt. Kein Volkswirtschaftler kann den Wert der Handelsmöglichkeiten
genau angeben, die wir uns erhoffen. Es ist unmöglich,
dies zu berechnen. Aber das Potential für Wohlstand
ist groß. Verstärkter Handel bedeutet enorme neue
Märkte für amerikanische Waren, neue Chancen für
amerikanische Unternehmer, neue Arbeitsplätze für
amerikanische Arbeitnehmer. Und ich fühle mich dazu
verpflichtet, der amerikanischen Wirtschaft jede erdenkliche Möglichkeit zu verschaffen, fair und gleichberechtigt auf diesen neuen Märkten zu konkurrieren.
So habe ich in der vergangenen Woche beispielsweise
den amerikanischen Kongreß ersucht, die Stevensonund Byrd-Zusätze aufzuheben, die die Möglichkeiten
der Export import-Bank einschränken, amerikanische
Exporte in die ehemalige UdSSR zu fördern. Und ich
freue mich, daß der Kongreß gehandelt hat. Darüber
hinaus strebe ich den Abschluß von Verträgen über
'-tendel, bilaterale Investitionen und Steuern mit jedem
der neuen Staaten an. Das erste Abkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und Armenien wurde letzte
Woche unterzeichnet. Und wir erwarten, daß zahlreiche weitere folgen werden.
Die russische Demokratie liegt im Interesse Amerikas.
Sie steht darüber hinaus mit den wichtigsten Idealen
dieser Nation im Einklang. Über die Grenzen von
Sprache und Kultur, über den Abgrund des durch den
kalten Krieg verursachten Mißtrauens hinweg, fühlen
wir uns zu gemeinsamen Werten hingezogen. Und in
der Prüfung der langen Leidenszeit der Völker des
sowjetischen Imperiums erkennen wir Spuren der
Vergangenheit unserer Nation. In ihren Hoffnungen
und Träumen erkennen wir unsere eigenen.

AMERIKA DIENST 15

Dies ist ein Artikel des amerikanischen Bekenntnisses:
Freiheit ist nicht das besondere Vorrecht einer Nation,
sondern das Geburtsrecht von Männern und Frauen
überall. Und wir haben immer von dem Tag geträumt,
an dem Demokratie und Freiheit in jedem Winkel der
Erde, in jeder gefangengehaltenen Nation und jeder
geschlossenen Gesellschaft triumphieren werden. Und
dies mag zeit unseres Lebens niemals eintreten, aber
es kann nun für die Millionen von Menschen geschehen, die so lange unter der totalitären sowjetischen
Herrschaft gelitten haben.
Manche halten diese Betrachtungsweise der Zukunft
vielleicht für etwas unrealistisch. Ich möchte Sie daran
erinnern, daß drei unserer wichtigsten Partner, die mit
uns der Demokratie in Rußland zum Erfolg verhelfen,
keine geringeren sind als Deutschland, Japan und
Italien. Wenn wir jetzt Rußland in die Gemeinschaft
freier Staaten einbeziehen können, die amerikanische
Ideale teilen, werden wir Hoffnung in einem Jahrhundert verwirklichen, das so viel Leid erfahren hat.
De Tocqueville hat geschrieben, es sei nicht unvermeidlich gewesen, daß sich ausgerechnet Amerika
und Rußland dem Kampf um globale Vorherrschaft
verschrieben haben. De Tocqueville kannte nur ein
despotisches Rußland, aber wir sehen ein demokratisches Rußland, das wir sichern helfen können. Eine
der größten Leistungen Amerikas in diesem Jahrhundert war unsere Führungsrolle in einer bemerkenswerten Staatengemeinschaft; der freien Welt. Diese
Gemeinschaft ist demokratisch. Sie ist stabil. Sie ist
wohlhabend und kooperativ. Sie ist unabhängig. Und
Amerika - wir alle - ist deshalb umso besser. Wir haben
starke Verbündete. Wir treiben umfangreichen Handel
und sind infolge unseres Engagements für diese freie
Welt sicherer.
Jetzt müssen wir diese erfolgreichste Gemeinschaft
erweitem, damit sie unsere früheren Gegner einschließt.
Dies ist jetzt gut für Amerika. Eine Welt, die mit uns
Handel treibt, bringt uns größeren Wohlstand. Eine
Welt, die unsere Werte teilt, stärkt den Frieden. Dies
ist die Welt, die jetzt vor uns liegt. Dies ist die Welt, die
wir hervorbringen können, wenn wir die Vision haben,
nach ihr zu streben. Und dies ist der Frieden, den wir
nicht verlieren dürfen.
Genau dies tun wir jetzt, um den Frieden zu gewinnen.
Strategisch betrachtet, streben wir gemeinsam mit
den Russen nach historischen Reduzierungen von
Nuklearwaffen. Wir drängen auf eine baldige Ratifizierung von START und KSE. Und wir arbeiten mit allen
neuen Staaten zusammen, um die Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen zu verhindern. Wir bieten
unsere Hilfe an, um Sicherheit, die Sicherheit von
Nuklearwaffen und deren Zerstörung zu gewährleisten.

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�Darüber hinaus engagieren wir uns für ein intensives
Austauschprogramm bei den Militärs, um die Verbindungen zwischen unseren Armeen zu verliefen und
eine einmalige Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich aufzubauen - eine Zusammenarbeit, die noch vor
wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre.

Durch die Zusammenarbeit mit anderen teilen wir die
Lasten verantwortungsvoll und handeln im besten
Interesse des amerikanischen Steuerzahlers.

Ich weiß, daß eine breite öffentliche Unterstützung für
unsere Bestrebungen zur Verabschiedung dieses
Programms entscheidend ist. Deshalb möchte ich
Auf politischer Ebene sind wir bestrebt, daß Amerika denjenigen, die sagen: "Ja, die Menschen in Rußland
und amerikanische Werte in diesen neuen Ländern und im gesamten alten Sowjetimperium kämpfen, und
repräsentiert sind. Wir sind das einzige Land, das wir wünschen uns ihren Erfolg und daß sie der demoBotschaften in allen früheren Republiken unterhält. kratischen Staatengemeinschaft beitreten. Aber was
Wir planen, Amerika Häuser und amerikanisches Know- ist mit uns? Wie halten wir es mit den Herausforderunhow in die frühere UdSSR zu bringen, Hunderte von gen und Zwängen hier in Amerika? Ist es nicht an der
freiwilligen Helfern des Peace Cors dorthin zu entsen- Zeit, daß wir uns um uns selbst kümmern?" folgendes
den, um beim Aufbau kleiner Betriebe zu helfen, entgegenhalten: Frieden und Wohlstand liegen im
wichtige Austauschprogramme von Studenten, Frei- Interesses jedes Amerikaners, jedes einzelnen Menberuflern und Wissenschaftlern einzuführen, damit schen heute und aller nachfolgenden Generationen.
unser Volk die Bindungen begründen kann, die für den
Als Nation haben wir über 4.000 Milliarden Dollar
dauerhaften Frieden so wichtig sind.
ausgegeben, um den kalten Krieg zu gewinnen. VerIn der Wirtschaft haben wir gemeinsam mit der Euro- glichen mit einem solch ungeheuren Opfer betragen
päischen Gemeinschaft und vielen anderen Ländern die Kosten zur Förderung der Demokratie nur einen
eine globale Koalition gebildet und im letzten Winter Bruchteil dessen, und die Auswirkungen auf Frieden
dringend benötigte Nahrungs- und Arzneimittelhilfe und Wohlstand sind unermeßlich. Amerika muß die
gewährt. Jetzt werden wir Amerikaner entsenden, Führung übernehmen, um diese neue Welt des Friedamit sie Verbesserungen bei der Verteilung von dens zu schaffen.
Lebensmitteln, im Energiesektor, bei der Umwandlung
Dreimal in diesem Jahrhundert wurde Amerika aufgeder Rüstungsindustrie und Demokratisierung leisten.
fordert, an der Konstruktion eines dauerhaften FrieIch habe dem Kongreß das Gesetz zur Förderung der dens in Europa mitzuwirken. Diesen Monat vor 75
Freiheit vorgelegt, ein umfassendes und integriertes Jahren sind die Vereinigten Staaten in den Ersten
Gesetzespaket, das neue Möglichkeiten zur Förde- Weltkrieg eingetreten, um die Waage gegen Aggresrung der Freiheit schafft und alle Gesetze des kalten sion ausschlagen zu lassen. Und dennoch hat sich
Kriegs außer Kraft setzt. In seinen wichtigsten Punk- Amerika nach der gewonnenen Schlacht hinter dem
ten fordert dieses Gesetz den Kongreß auf, meiner Ozean zurückgezogen, und "der Krieg zur Beendigung
Forderung nach 620 Millionen Dollar nachzukommen, aller Kriege" hat einen Frieden hervorgebracht, der
um technische Hilfsprojekte in der früheren UdSSR zu nicht einmal eine Generation überdauerte. Tatsächfördern. Es fordert ferner den Kongreß auf, die US- lich hatte sich der Frieden zur Zeit meiner Geburt, im
Quote beim IWF um 12 Milliarden Dollar zu erhöhen. Jahr 1924, bereits wieder aufgelöst. Wozu hat Deutschlands wirtschaftliches Chaos bald geführt? Zu faschiIch möchte mit beiden Parteien im Kongreß zusam- stischer Diktatur. Die Saat eines anderen, schrecklimenarbeiten, um dieses Gesetz zu verabschieden. cheren Krieges war gesät.
Ich möchte dieses Gesetz noch vor dem Gipfel mit
Präsident Jelzin im Juni in Washington unterzeichnen. Und immer noch blieb der isolationistische Impuls
Ebenso wie die Früchte dieser neuen Welt nicht von stark. Jahre später, als die Nazis über den Kontinent
einem einzigen Land geerntet werden, liegt auch die zu marschieren begannen, kann ich mich daran erinLast nicht nur auf Amerika allein. Zusammen mit nern, daß die Zeitungen hier in den Vereinigten Staaunseren Verbündeten haben wir ein 24-Milliarden- ten immer noch über "Europas Krieg" sprachen, als ob
Dollar-Paket finanzieller Hilfe entwickelt. Sein Ziel: Amerika sich abschotten könnte, als ob wir uns von der
Präsident Jelzins Reformen die dringend benötigte Welt jenseits unserer Ufer abschotten könnten.
Unterstützung zu gewähren.
Infolgedessen - Sie kennen die Antwort - haben wir d&lt;*n
Wir verfolgen eine Politik des kollektiven Engage- teuersten Krieg in der Geschichte der Menschheit
ments und der gemeinsamen Verantwortung. In geführt. Einen Krieg, der das Leben zahlloser MillioZusammenarbeit mit der G-7, dem IWF und der Welt- nen gekostet hat. Am Ende des Krieges erblickten wir
bank wollen wir die wirtschaftliche Umgestaltung för- wieder einmal die Aussicht auf eine neue Welt am
dern, die für einen dauerhaften demokratischen Frie- Horizont. Aber der große Sieg über den Faschismus
wich bald der grausigen Realität einer neuen kommuden so wichtig ist.
nistischen Bedrohung.
45 Jahre nach ihrer Gründung dienen jetzt die von uns
nach dem Zweiten Weltkrieg in Bretton Woods geschaffenen Institutionen ihrem ursprünglichen Zweck.
Seite 4

AMERIKA DIENST 15

�Wir hatten Glück, daß unsere Spitzenpolitiker nach
dem Krieg - Demokraten und Republikaner gleichermaßen - die Lektionen der Vergangeneheit beim Aufbau des Friedens in den nächsten vierzig Jahren nicht
verlernt hatten. Sie bildeten eine Koalition, in der sich
Amerika weiterhin engagierte, die den Frieden im
langen schwierigen Kampf gegen den Sowjetkommunismus aufrechterhielt. Sie lehrten die Lektion, die wir
heute auch beachten müssen: daß es die nobelste
Aufgabe des Siegers ist, den Feind zum Freund zu
machen.
Jetzt hat Amerika zum dritten Mal die Möglichkeit, die
Art dauerhaften Friedens zu schaffen, die uns so lange
versagt blieb. In diesem entscheidenden Augenblick
weiß ich, wo ich stehe. Ich stehe für Amerikas Engagement ein, einen demokratischen Frieden zu fördern,

*

AMERIKA DIENST 15

einen Frieden, der der nächsten Generation eine Welt
bieten kann, die frei von Kriegen und frei von Konflikten
ist.
Nach 50 Jahren der Angst und des Mißtrauens müssen Amerika, Rußland und die neuen Länder der
früheren UdSSR Partner im Frieden werden. Nach 50
Jahren des kalten Kriegs und der scharfen Worte
müssen wir uns für gemeinsame Werte aussprechen
und danach handeln. Und nach 50 Jahren des bewaffneten und unsicheren Friedens müssen wir in eine
neue Welt der Freiheit, Zusammenarbeit, Versöhnung
und Hoffnung eintreten.
Ich danke Ihnen, daß Sie mich heute hierher eingeladen haben. Gott segne die freien Völker des früheren
sowjetischen Imperiums - und Gott segne die Vereinigten Staaten von Amerika.

* * *

*

Seite 5

�GUS-HILFE
15. April 1992

BAKER DRÄNGT AUF VERABSCHIEDUNG DES
GESETZES ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Kongreß das Gesetz zur Förderung der Freiheit vor der Ankunft von Präsident
Jelzin im Juni verabschiedet, wären die Vereinigten Staaten Außenminister Baker zufolge in der Lage, den
Washingtoner Gipfel als "Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung
der Demokratie in ganz Rußland und Eurasien zu nutzen".
In einer Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats warnte Baker am 9. April 1992, daß die Beziehungen zu Rußland, der Ukraine, Armenien, Kasachstan und Belarus ohne die Zustimmung zu dem Gesetz
ebenso leiden werden wie "unsere Position in der Welt allgemein".
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit würde die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten unterstützen, stellte Baker fest, die auf den "Abbau der Bedrohung, Demilitarisierung und nukleare
Sicherheit" abzielen, Mittel für "Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug und Verlegung der
damals sowjetischen Streitkräfte sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung" bewilligen.
Baker drängte den Kongreß, jetzt zu handeln und die sich durch das Ende des kalten Kriegs bietenden Chancen
zu ergreifen, "um auf demokratischen Frieden und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten". Die Entscheidungen,
"die wir jetzt treffen, werden auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben", betonte der Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.
Mitte des vergangenen Jahrhunderts prophezeite Alexis
de Tocqueville, Amerika und Rußland seien dazu
bestimmt, jeweils eine Hälfte der Welt in ihren Händen
zu halten. Im Verlauf dieses Jahrhunderts wurden de
Tocquevilles Worte wieder und wieder als Prophezeiung der Rivalität zwischen den Supermächten zitiert,
die die Weltpolitik seit dem Zweiten Weltkrieg beherrscht und geteilt hat.
Heute sind wir zur Erörterung eines Themas zusammengekommen - der demokratischen Revolutionen in
Rußland und Eurasien - das bis weit ins nächste
Jahrhundert tiefgreifende Auswirkungen auf den Frieden und Wohlstand der Vereinigten Staaten haben
wird.
Mit unseren Hoffnungen für das 21. Jahrhundert vor
Augen bin ich heute hierher gekommen, um unsere
Arbeit für ein vorrangiges Ziel voranzubrigen - die
Rivalitäten der Geschichte zu überwinden und statt
dessen mit den Völkern Rußlands und Eurasiens
einen demokratischen Frieden aufzubauen, einen
dauerhaften Frieden, der weit bis ins nächste Jahrhundert zur Einigung der Welt beitragen kann.

AMERIKA DIENST 15

Ich möchte Ihnen heute unsere Vision eines demokratischen Friedens erläutern, der den alten Eisernen
Vorhang für immer heben und die Länder Rußlands
und Eurasiens - und Mittel- und Osteuropas - mit der
demokratischen Staatengemeinschaft vereinigen kann.
Darüber hinaus möchte ich erklären, was bei dieser
historischen Umgestaltung auf dem Spiel steht, wie wir
Demokratie und freie Märkte in Rußland und Eurasien
unterstützen werden und was der Kongreß tun muß.
Bevor ich fortfahre, möchte ich Ihnen unseren Tenor
erläutern. Der Präsident und ich bitten den Kongreß,
das Gesetz zur Förderung der Freiheit bis zur Ankunft
Präsident Jelzins im Juni zu verabschieden. Mit der
Verabschiedung des Gesetzes werden wir in der Lage
sein, den Gipfel im Juni als Sprungbrett für die russisch-amerikanische Partnerschaft und breitere Unterstützung der Demokratie in ganz Rußland und
Eurasien zu nutzen. Ohne das Gesetz zur Förderung
der Freiheit werden nicht nur die russisch-amerikanischen Beziehungen leiden, sondern auch unsere
Beziehungen zu der Ukraine und Armenien, Kasachstan und Belarus sowie unsere Position in der Welt
allgemein.
Seite 1

�Ein demokratischer Frieden
Lassen Sie mich mit unserer Vision der Zukunft beginnen - einer Vision und einem Ansatz, den der Präsident
heute nachmittag darlegen wird, wenn er vor der
Amerikanischen Gesellschaft der Zeitungsverleger
spricht. Wie Sie sehen werden, ist die Vision des
Präsidenten eine zielgerichtete und zwingende Vision
- eine Sichtweise der amerikanischen Beziehungen zu
Rußland und Eurasien, die unseres Erachtens alle
Amerikaner teilen können.
Bis vor kurzem wurde de Tocquevilles Prophezeiung
größtenteils durch die Ereignisse verwirklicht. Amerika und das zaristische Rußland waren niemals enge
Partner, und mit der bolschewistischen Machtübernahme 1917 wurden die neue Sowjetunion und die
Vereinigten Staaten rasch zu Rivalen. Mit Ausnahme
des Zweiten Weltkriegs und der letzten Jahre unter
Präsident Gorbatschow blieben wir Rivalen und Konkurrenten der Sowjetunion.
Obwohl einige das Argument vorbringen mögen, der
kalte Krieg sei primär eine geopolitische, durch konkurrierende Interessen genährte Rivalität, wurde das echte
Feuer der Konfrontation aus einer anderen Quelle
geschürt: einem deutlichen und unversöhnlichen Konflikt
über Grundwerte. Im Kern war der kalte Krieg ein
gigantischer Kampf zwischen Freiheit und Totalitarismus.
Unsere Lösung für diesen schwierigen und unbequemen Zustand war das Containment. Obwohl das
Containment eine erfolgreiche Politik war, war es nie
eine wirklich zufriedenstellende, denn im Grunde war
es eine Politik mit einem negativen Ziel: Die Stalinisten
davon abzuschrecken, weiterzugehen und gleichzeitig
einen Atomkrieg abzuwenden.
Infolgedessen war der Frieden nach dem kalten Krieg
überhaupt kein echter Frieden, sondern in Wirklichkeit
ein durch häufige Krisen zwischen den Supermächten
akzentuiertes sporadisches Entgegenkommen. Frieden war schlicht und einfach die Vermeidung von
Krieg, nicht die Versöhnung der Menschen. Und die
Vermeidung von Krieg wurde nur durch Konfrontation,
Spannung und das Damoklesschwert eines nuklearen
Holocaust erreicht.
Heute sehen wir uns mit einer vollständig anderen und
neuen Situation konfrontiert - der Chance, einen auf
gemeinsame demokratische Werte gegründeten echten Frieden aufzubauen.
Heute leben wir in einer Welt, in der frei gewählte
Politiker in Moskau und Kiew, Eriwan und Bischkek,
Kischinjow und Alma-Ata regieren. Unsere Bestrebungen - der Wunsch, unser Schicksal in politischer
und wirtschaftlicher Freiheit selbst zu bestimmen - sind
gleichermaßen ihre Bestrebungen. Unsere Fundamente - die Rechte des einzelnen, Rechtsstaatlichkeit,
freie Wahlen - werden ihre Fundamente.
Seite 2

Heute haben wir die Chance, radikal mit der Vergangenheit zu brechen. Wir können unseren Blick weit
über das negative Ziel des Containment hinausrichten,
weil jetzt ein positiver Zweck winkt: Die Unterstützung
politischer und wirtschaftlicher Freiheit und die Schaffung eines demokratischen Friedens mit Rußland und
Eurasien.
Ein demokratischer Frieden wäre ein echter Frieden,
nicht nur das Fehlen eines Krieges. Wenn wir von dem
ausgehen, was der Präsident als die beiden Säulen der
politischen und wirtschaftlichen Freiheit bezeichnet, ist
der Boden für Kooperation und gemeinsame Arbeit
bereitet, nicht für Konflikt und militärischen Wettbewerb. Mit einer solchen Grundlage für unsere Beziehungen wäre der Frieden, den wir mit Rußland, der
Ukraine und den anderen neuen Staaten teilen, ein auf
gemeinsame Werte gegründeter Frieden - der dauerhafte Frieden, den wir mit Großbritannien oder Frankreich teilen.
Es wäre ein Frieden, den wir mit ehemaligen Gegnern
wie Deutschland, Italien und Japan teilen, die heute die
gleichen demokratischen Werte wie wir haben. Niemand sieht heute einen Krieg mit diesen Ländern
voraus, und der Grund dafür liegt auf der Hand: Nach
dem Zweiten Weltkrieg haben wir in diesen Nationen
politische und wirtschaftliche Freiheit unterstützt, und
indem wir dies taten, haben wir einem Analysten
zufolge eine Friedenszone aufgebaut.
Indem wir heute den Russen und Kasachen, Usbeken
und Aserbaidschanern unsere Hand reichen, können
wir diese Friedenszone erweitern. Indem wir jetzt
unsere gemeinsamen Werte kultivieren, können wir für
nachfolgende Generationen gefährliche Konflikte
vermeiden. Das ist ein dem amerikanischen Volk
wertes Ziel. Und unseres Erachtens sind alle Amerikaner bereit, dieses Ziel zu unterstützen.
Was auf dem Spiel steht
Dies ist der Grund.
Eine demokratische Regierung in Rußland wird nicht
länger eine eindeutige und allgegenwärtige Bedrohung der Vereinigten Staaten darstellen. Echte
Demokratien beginnen keinen Krieg mit einem anderen Land. Rüstungskontrolle hat sich mit diesem
Symptom befaßt - Nuklearwaffen - während der demokratische Erfolg in Rußland sich der Ursache annimmt:
Totalitarismus.
Demokratie in Ru Bland wird die Chancen für Demokratie in Belarus und der Ukraine, Kasachstan und Usbekistan stützen. All dies wird sich nicht nur zum Vorteil
unserer Verbündeten in Westeuropa erweisen, sondern auch für die Aussichten auf Demokratie in Mittelund Osteuropa sowie im Nahen Osten und Südostasien.

AMERIKA DIENST 15

�So hoffen wir, daß sich die Gemeinschaft demokratischer Nationen bald von Japan bis Europa über die
eurasische Landmasse erstrecken wird, wie sie sich
heute von Europa über die westliche Hemisphäre nach
Japan erstreckt. Dies würde unsere kollektive Arbeit
bei der Bewältigung wachsender neuer Herausforderungen effektiver gestalten: Weiterverbreitung, Terrorismus, Drogenbekämpfung, Umweltschutz.
Ein solcher Zustand liegt nicht nur im strategischen
Interesse der Vereinigten Staaten, sondern im Interesse jedes Amerikaners. Seit Jahrzehnten geben wir
nun schon Billionen Dollar aus, um uns gegen die
kommunistische Bedrohung zu verteidigen. Indem wir
heute in einen demokratischen Frieden invesiieren,
können wir unseren Kindern und Enkeln ein reiches
Erbe hinterlassen - ein Erbe dauerhaften Friedens, ein
Erbe beständiger Chancen, Amerika zu einem besseren Land zu machen.
Das Wachsen von Demokratie und freien Märkten in
Rußland und Eurasien kann für die amerikanische
Wirtschaft und amerikanische Unternehmen eine neue
Quelle des Handels und der Investitionen sein. Diese
Länder sind so reich an Bodenschätzen und gebildeten, talentierten Völkern. Sie möchten, daß wir mit
ihnen Handel treiben und in ihre Unternehmungen und
ihre Zukunft investieren. Dies liegt in unserem beiderseitigen Vorteil. Während wir ihnen helfen, eine freie
Marktwirtschaft aufzubauen, können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit verbessern und unsere Ressourcen
einsetzen, um dem Bedarf dieser neuen Märkte gerecht zu werden. Dies wird unsere Wirtschaft stärken,
während wir ihre Bemühungen zur Schaffung freier
Märkte unterstützen.
Überdies wissen wir, daß es unseren Bürgern in einer
demokratischen Welt am besten geht. Je demokratischer die Länder Rußlands und Eurasiens werden,
desto größer sind die Chancen für Frieden und Freundschaft zwischen unseren Völkern. Das ist etwas, das
in unser aller Interesse liegt.
Vor allem aber ist dieses Ziel des amerikanischen
Charakters würdig. In der Vergangenheit haben wir
das amerikanische Volk oft für den Krieg mobilisiert,
um unseren Lebensstil zu verteidigen. Heute streben
wir danach, es zu mobilisieren, um einen demokratischen Frieden aufzubauen und unseren Lebensstil
und unsere Werte auf neue Regionen auszudehnen.
Kollektives Engagement
Herr Vorsitzender, nachdem ich erörtert habe, was auf
dem Spiel steht, möchte ich mich nun dem zuwenden,
was wir zur Unterstützung der Demokratie in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten tun
müssen.
Während sich die Sowjetunion im vergangenen Dezember im Endstadium des Zerfalls befand, appellierte

AMERIKA DIENST 15

ich in einer Rede an der Princeton University an den
Westen, eine Politik des kollektiven Engagements
gegenüber der ehemaligen Sowjetunion zu verfolgen.
Ich erklärte, wir sollten mit unseren Verbündeten zusammenarbeiten und unsere Bemühungen auf die
folgenden drei Aufgaben konzentrieren:
Erstens, Unterstützung bei der Zerstörung und
Kontrolle der militärischen Relikte des kalten
Krieges;
Zweitens, Unterstützung unserer ehemaligen
Gegner beim Aufbau von Demokratie und politischer Legitimität nach dem Scheitern des
Totalitarismus;
Drittens, Unterstützung der Kräfte des freien
Markts bei der Ankurbelung der wirtschaftlichen
Stabilisierung und Gesundung in den Ländern
der ehemaligen Sowjetunion.
Indem wir uns dem gesamten Spektrum dieser Aufgaben widmen, gehen wir auf die zahllosen militärischen,
politischen und wirtschaftlichen Probleme ein, die von
den neuen Staaten beim Aufbau von Demokratie und
freien Märkten überwunden werden müssen. Und seit
Dezember haben wir in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten bei jedem dieser Punkte Fortschritte
erzielt.
Im militärischen Bereich haben wir mit neuen Vorschlägen von Präsident Bush und Präsident Jelzin zur
nuklearen Rüstungskontrolle ein gutes Stück Weges
zurückgelegt. Dasselbe gilt für neue praktische Schritte, um Rußland, der Ukraine, Belarus und Kasachstan
zu helfen, Kernwaffen zu entschärfen und zu beseitigen und für die Schaffung eines internationalen Wissenschaftszentrums in Rußland und der Ukraine, um
das Problem der Abwanderung von Wissenschaftlern
in den Griff zu bekommen.
Im politischen Bereich haben wir diplomatische Beziehungen mit allen neuen unabhängigen Staaten hergestellt, und wir werden dort Botschaften eröffnen. Überdies
haben wir sie in den Vereinten Nationen, dem Nordatlantischen Kooperationsrat und der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa willkommen geheißen. Darüber hinaus gab es die historische
Erklärung von Camp David zwischen Präsident Bush
und Präsident Jelzin - ein klares Zeichen für die neue
Ära, in die Ru ßland und Amerika gemeinsam eintreten.
In der Wirtschaft haben wir auf einen besonderen
Assoziierungsstatus der Sowjetunion mit IWF und
Weltbank gedrängt, und wir haben uns in jüngster Zeit
für die Vollmitgliedschaft Rußlands und der neuen
unabhängigen Staaten eingesetzt. Mit der Aktion
Hoffnung haben wir massive Bemühungen unternommen, um der humanitären Notlage zu begegnen. Wir
haben unsere Programme zur technischen Hilfe erweitert. Und bei der Washingtoner Koordinierungskonfe-

Seite 3

�renz haben wir mit unseren Verbündeten umfangreiche und produktive Bemühungen eingeleitet, um die
Hilfe zu koordinieren.
Das Gesetz zur Förderung der Freiheit
Heute, da wir in das nächste Stadium der Unterstützung für Demokratie und freie Märkte eintreten, verschafft uns das Gesetz zur Förderung der Freiheit
größeren Spielraum und mehr Elan.
Es stellt einen umfassenden, integrierten Rahmen dar,
mittels dessen wir die militärischen, politischen und
wirtschaftlichen Probleme Rußlands und Eurasiens
bewältigen können. Es unterstützt unsere Politik des
kollektiven Engagements sowie unsere Bemühungen
zur Koordinierung und Aufteilung der Lasten mit unseren Verbündeten. Das Gesetz zur Förderung der
Freiheit hebt die Beschränkungen des kalten Krieges
auf, aber noch wichtiger ist, daß es unsere Bemühungen zum Aufbau eines demokratischen Friedens unterstützt.
In dieser Hinsicht handelt es sich dabei ebenso um
eine politische Erklärung wie um ein Gesetzespaket.
Was jedoch seine Funktion als legislatives Instrument
angeht, um dessen Unterstützung wir Sie bitten, so
versuchen wir, Exekutive und Legislative in einem
überparteilichen Programm zu vereinen, mit dem das
amerikanische Volk mobilisiert werden kann.
Ich möchte kurz darauf eingehen, wie das Gesetz das
von mir erwähnte dreiteilige Programm unterstützen
kann.
Erstens unterstützt das Gesetz den Abbau der Bedrohung, die Demilitarisierung und nukleare Sicherheit.
Es stellt Mittel bereit, die für Demilitarisierung, Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Abzug
und Verlegung der ehemals sowjetischen Streitkräfte
sowie den Abbau der nuklearen Bedrohung eingesetzt
werden sollen. Es wird ferner die zulässige Verwendung der Nunn-Lugar-Mittel - sowie von Mitteln zur
Finanzierung von Militärhilfe (FMF) - für diese Zwecke
erweitern. Darüber hinaus enthält es Unterstützung
für ein Internationales Wissenschafts- und Technologiezentrum in der Ukraine, das demjenigen ähnelt, das
wir für Rußland vereinbart haben.
Zweitens unterstüzt das Gesetz unsere Demokratisierungsprogramme in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Es wird unsere Bestrebungen
zum Aufbau von "Amerika Häusern" fördern - Zentren
für die Bürger der neuen Staaten, in denen sie von in
diesen Staaten lebenden amerikanischen Beratern
etwas über die Vereinigten Staaten erfahren können.
Es wird unser Engagement für das Bürgerkorps
Demokratie des Präsidenten ebenso stärken wie unsere
Fähigkeit zur Unterstützung einer Eurasien-Stiftung.
Diese beiden Organisationen werden als Katalysator
für das Engagement unseres Privastsektors bei diesen Bestrebungen wirken.

Seite 4

Das Gesetz wird ferner die Mittel für neue diplomatische Missionen bewilligen, um eine effektive diplomatische Präsenz in der gesamten ehemaligen Sowjetunion sicherzustellen.
Darüber hinaus unterstützt das Gesetz ein Programm
für internationalen Austausch und die Ausbildung von
Militärs (International Military Exchanges and Training
- IMET) mit Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten, das die Förderung des demokratischen
Prinzips der zivilen Kontrolle in diesen neuen Staaten
zum Ziel hat.
Drittens unterstützt das Gesetz zur Förderung der
Freiheit freie und offene Märkte durch technische Hilfe,
Förderung von Handel und Investitionen sowie makroökonomische Stabilisierung. Ich möchte jeden
dieser Bereiche getrennt behandeln.
Im Hinblick auf technische Hilfe gestattet das Gesetz
den mit der Unterstützung der osteuropäischen Demokratien (Support for Eastern Europan Democracies SEED) befaßten Behörden die Durchführung vergleichbarer Aktivitäten in Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten. Dadurch können wir von den
von einer ganzen Bandbreite amerikanischer Regierungsstellen bei der Bereitstellung technischer Hilfe in
der ehemaligen Sowjetunion gemachten Erfahrungen
profitieren. Das Gesetz verleiht auch den Programmen des US-Landwirtschaftsministeriums größere
Flexibilität.
Was diese neuen unabhängigen Staaten mehr als
alles andere benötigen - wonach sie wirklich dürsten ist Wissen: Aufbau demokratischer Institutionen, wirtschaftliche Aktivitäten in einer freien Marktwirtschaft.
Diese Staaten benötigen nicht die antiquierte "Auslandshilfe", sondern vielmehr etwas sehr viel anderes:
das Wissen, daß durch aktives Engagement eines
dynamischen Privatsektors vermittelt werden kann,
der mit der US-Regierung zusammenarbeitet. Unser
technisches Hilfsprogramm konzentriert sich auf die
Erleichterung einer solchen Partnerschaft.
Im Hinblick auf die Förderung von Handel und Investitionen wird das Gesetz unseren Firmen die Nutzung
von Handels- und Investitionschancen in Rußland und
den anderen neuen unabhängigen Staten erleichtern.
Das Gesetz hebt vor allem ansonsten gültige Begrenzungen von Programmen der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank auf und gestattet
uns, unsere Mittel zur Deckung der Kreditbürgschafter,
zu verwenden. Auf diese Art und Weise können wir die
Mittel der US-Regierung in Handel und Investitionen
des Privatsektors dirigieren. Das ist gut für unsere
Wirtschaft und unseren Handel - ebenso wie für die
Entwicklung von Märkten und Demokratien in den
neuen Staaten.
Das Gesetz räumt dem Präsidenten die Befugnis zur
Aufhebung von Bestimmungen ein, die jetzt die normalen Wirtschaftsbeziehungen beschneiden und ameriAMERIKA DIENST 15

�kanische Unternehmen behindern, einschließlich
Gewährung des allgemeinen Präferenzsystems (GSP)
und Aufhebung der Einschränkungen bei privater
Kreditvergabe im Rahmen des Johnson-Gesetzes über
Zahlungsunfähigkeit. Das Gesetz läßt ferner keinen
Zweifel an unserer Absicht, weitere COCOM-Begrenzungen aufzuheben.

Rußland ist ein an Bodenschätzen und talentierten
Menschen reiches Land. Die Marktwirtschaft ist der
Schlüssel, um diese Ressourcen und Talente anzuzapfen. Märkte werden die Tür zu Wirtschaftswachstum
und Entwicklung öffnen. Aber während sich die Märkte
entwickeln, benötigt Rußland Hilfe bei der Bewältigung
seiner Liquiditätsprobleme.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken sind neue Länder.
Sie sollten ihre neue Geschichte frei von Bürden
beginnen und nicht über Gebühr durch auf Stalinisten
abzielende Einschränkungen belastet werden.

Wir betrachten dies nicht als endlosen Kreislauf von
Milliarden Dollar zur Stützung der russischen Wirtschaft. Das gesunde, vom IWF unterstützte Wirtschaftsprogramm, das Präsident Jelzin in die Wege
geleitet hat, wird unserer Meinung nach Wachstum
und Entwicklung fördern. Und dieses Wirtschaftswachstum wird darüber hinaus den von uns angestrebten demokratischen Frieden unterstützen.

Im Hinblick auf die makroökonomische Stabilisierung
wird das Gesetz einen unterstützenden Rahmen bereitstellen, um unsere wichtige Rolle beim multilateralen Stabilisierungsprogramm fortzusetzen, das wir mit
IWF, Weltbank und G-7 entwickeln.
Am wichtigsten ist jedoch, daß das Gesetz die Quotenerhöhung des IWF genehmigt - ein Schritt, den der
Kongreß unbedingt unternehmen muß, um diese
multilateralen Bemühungen zu unterstützen. Dazu
möchte ich anmerken, Herr Vorsitzender, daß Mitglieder des Ausschusses als ich vor zwei Monaten hier
gesprochen habe, mir gegenüber bekräftigten, der
Kongreß werde dazu nichts unternehmen, bevor nicht
der Präsident sein Gewicht in die Waagschale legt.
Herr Vorsitzender, der Präsident hat dies nun - öffentlich und unmißverständlich - getan, und wir erwarten
jetzt vom Kongreß, daß er handelt. Nicht nur brauchen
wir die Genehmigung des Kongresses zur Quotenerhöhung durch das Gesetz zur Förderung der Freiheit,
sondern wir beantragen, daß der Kongreß im gleichen
Sinne handelt, um die notwendigen Bewilligungsgesetze zu verabschieden.
Das Gesetz unterstützt ferner unsere Bemühungen,
eine führende Rolle bei der Unterstützung des makroökonomischen Stabilisierungsprogramms zu spielen,
indem es die Zustimmung des Kongresses für die
amerikanische Beteiligung an einem oder mehreren
Währungsstabilisierungsfonds von bis zu 3 Milliarden
Dollar beinhaltet.
Das Gesetz stellt darüber hinaus klar, daß der Kongreß den Ansatz der Administration unterstützt, durch
IWF und Weltbank die makroökonomische Stabilisierung multilateral zu unterstützen.
Bevor ich schließe, möchte ich noch kurz auf das
makroökonomische Stabilisierungsprogram.i. und
unsere Rolle dabei eingehen.
Die 24 Milliarden Dollar an makroökonomischer Unterstützung der G-7 für den vom Präsidenten angekündigten ehrgeizigen Wirtschaftsreformplan Rußlands
wird grundlegende Hilfe für den Übergang Rußlands
zur Marktwirtschaft bereitstellen.

AMERIKA DIENST 15

Unterstützung der Zahlungsbilanz wird in Form von
Krediten des IWF und der anderen internationalen
Finanzinstitutionen im Kontext eines ausgehandelten
Ad-hoc-Arrangements sowie in Form von bilateraler
Hilfe durch die Länder der G-7 selbst erfolgen. Weitere
Umschuldungen könnten gegebenenfalls Zinszahlungen zum bereits bestehenden Aufschub der Tilgung
von Schulden hinzugefügt werden, die bereits vor
1991 aufgelaufen waren.
Die Details werden mit dem Ziel ausgearbeitet, ein
Abkommen bis Ende April fertigzustellen. Viel wird
davon abhängen, ob Rußland mit dem IWF eine Einigung über ein Ad-hoc-Programm erzielt. Details einer
größeren Umschuldungsaktion müßten von den Gläubigerländern ausgearbeitet werden.
Die G-7 hat ferner beschlossen, einen Währungsstabilisierungsfonds für Rußland einzurichten. Der genaue Charakter und Zweck dieses Fonds werden noch
definiert. Wir werden vorsichtig vorgehen, damit der
Fonds sinnvoll zusammengestellt wird und solide wirtschaftliche Maßnahmen unterstützt. Der Währungsstabilisierungsfonds kann solche Maßnahmen nicht
ersetzen. Wie im Falle Polens könnte ein Währungsstabilisierungsfonds Rußlands Bemühungen entscheidend unterstützen, den Rubel zu einer effektiven
Währung zu machen.
Die Finanzierung des Währungsstabilisierungsfonds
wird voll und ganz aus den Allgemeinen Arrangements
zur Kreditvergabe bestritten, einer in den sechziger
Jahren geschaffene Kreditbewilligung des IWF, um es
letzterem zu ermöglichen, seine Mittel in Zeiten erhöhten Bedarfs aufzustocken. Dieser Fall ist jetzt eingetreten. Der amerikanische Anteil an den Allgemeinen
Arrangements zur Kreditvergabe beträgt 25 Prozent,
so daß wir im Endeffekt 1,5 Milliarden Dollar zu den 6
Milliarden Dollar des Währungsstabilisierungsfonds
beitragen würden. Dafür würden jedoch unter dem
Strich keine zusätzlichen Haushaltsmittel erforderlich.

Seite 5

�Im Prinzip wären wir bereit, die Schaffung eines oder
mehrerer Fonds für die ehemaligen Sowjetrepubliken
zu unterstützen, jeweils abhängig von deren Reformplänen und dem Bedarf. Offengesagt ist jedoch noch
keine der anderen Republiken bei der Entwicklung
eines umfassenden Wirtschaftsreformprogramms in
Zusammenarbeit mit dem IWF so weit fortgeschritten
wie Rußland. Und viele davon werden wahrscheinlich
in die Rubelzone einbezogen werden, anstatt eigene
Währungen einzuführen. Sollte jedoch ein eindeutiger
Bedarf entstehen, werden wir einen Weg finden, um
auch diesem Bedarf gerecht zu werden.
Fortschritte bei mikroökonomischen und strukturellen
Fragen sind ebenso unabdingbar wie die makroökonomische Stabilisierung. Stabilisierungsmaßnahmen
schaffen das Klima für Märkte, aber Rußland und die
anderen Republiken benötigen darüber hinaus durchgreifende Maßnahmen, um Wettbewerb, echte Eigentums-und Vertragsrechte, Entmonopolisierung und
Privatisierung sowie sektorale Reformen zu fördern.
Unsere technische Hilfe wird sich teilweise auf diese
Bereiche konzentrieren. Darüber hinaus erwarten wir,
daß die Weltbank hierbei eine Schlüsselrolle spielen
wird.
Schlußbemerkungen
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich folgendes feststellen:
Wie der Präsident verdeutlich hat, befinden wir uns an
einem Wendepunkt für Amerika und die Welt. Mit dem
Ende des kalten Krieges hat uns die Geschichte eine
einzigartige Chance geboten. Die Aufgabe ist beängstigend, und der Erfolg kann nicht garantiert werden.
Aber die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden
auf Jahrzehnte hinaus Konsequenzen haben, und ich
bin davon überzeugt, daß wir diese heutige Chance
nutzen müssen, um auf einen demokratischen Frieden
und eine bessere Zukunft hinzuarbeiten.
* *

Seite 6

Es trifft zu, daß die Amerikaner ein kluges, pragmatisches Volk mit wenig Neigung zu außenpolitischen
Abenteuern sind. Wir sind jedoch auch ein mutiges
Volk. In diesen revolutionären Zeiten müssen wir
diesen Mut einsetzen. Wir müssen etwas wagen.
Wir haben diesen Mut in der Vergangenheit bewiesen,
und wir haben auch früher etwas gewagt. In den
langen, dunklen Jahren des kalten Krieges haben wir
zu glauben gewagt, daß der Alptraum des Kommunismus vorübergehen werde. Wir wagten zu glauben,
daß wir eine bessere Welt schaffen würden - eine Welt,
die nicht länger in bewaffnete Lager gespalten ist, eine
Welt frei von den Fesseln der Unterdrückung. Auf dem
Weg zu dieser Welt haben wir schon eine beträchtliche
Strecke zurückgelegt. Es ist an der Zeit, erneut etwas
zu wagen und unsere Arbeit zu vollenden.
Wir müssen zu glauben wagen, daß Amerika groß
genug ist - daß Amerika gut genug ist -, um den Weg
in eine friedlichere, freiere und wohlhabendere Welt zu
weisen.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir im Inland
florieren können, auch wenn wir im Ausland Erfolge
haben.
Wir müssen zu glauben wagen, daß unsere Unternehmen konkurrenzfähig sein können, daß unsere Kinder
ohne Furcht vor Krieg schlafen können, daß unsere
Werte in einem neuen Jahrhundert wachsen und
gedeihen können.
Wir müssen zu glauben wagen, daß wir gleichzeitig mit
der Unterstützung beim Aufbau einer neuen Welt im
Ausland ein neues Amerika hier bei uns zu Hause
aufbauen und daß wir beides zusammen tun können und müssen.

* *

*

AMERIKA DIENST 15

�NICHTVERBREITUNG
15. April 1992

DREI JAHRE FORTSCHRITTE BEI NICHTVERBREITUNG
Rede von Staatssekretär Bartholomew vor dem Repräsentantenhaus
WASHINGTON - (AD) - Dem Abteilungsleiter für internationale Sicherheit im US-Außenministerium, Reginald
Bartholomew, zufolge sind die Vereinigten Staaten die treibende Kraft der'liefgreifenden positiven Revolution"
der vergangenen drei Jahre zur Begrenzung der Verbreitung von Waffensystemen. Bartholomew stellte fest, daß
die Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April 1992 auf amerikanische Initiative zum ersten Mal eine
umfassende Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien verabschiedet hat.
Vor dem Unterausschuß für ausländische Operationen des Bewilligungsausschusses im Repräsentantenhaus
berichtete Bartholomew am 8. April 1992 von einem weiteren diplomatischen Erfolg, als die Vereinigten Staaten
China und die ehemalige Sowjetunion von der Anwendung strengerer Raketenkontrollnormen für deren Exporte
überzeugen konnte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Abteilungsleiter Bartholomew in wesentlichen Auszügen.
Übersicht
Diese Administration mißt der Verhinderung der Verbreitung nuklearer, chemischer und biologischer Waffen und deren Trägerraketen hohe Priorität bei.
In den vergangenen drei Jahren waren wir mit der
Entwicklung und Durchführung neuer Initiativen in all
diesen Bereichen befaßt. Wir haben die internationalen Kontroll normen verbessert und erweitert. Wir
haben die Liste der Exportkontrollen unterworfenen
Geräte und Technologien sowohl in den Vereinigten
Staaten als auch auf multilateraler Ebene verlängert.
Wir haben regionale Initiativen in die Wege geleitet, um
die Verbreitung in instabilen Regionen der Welt einzudämmen. Und wir haben einen Prozeß erarbeitet, um
(
3n Transfer konventioneller Waffen in den Griff zu bekommen.

Lieferanten von Atommaterial - haben sich auf die
traditionelle amerikanische Position zu "umfassenden
Schutzmaßnahmen" verständigt, das heißt, ein Land,
das einen bedeutenden Bestand an nuklearfähigem
Material bekanntgibt, muß für all seine nuklearen Einrichtungen Schutzmaßnahmen einführen.
Die internationale Liste von aus Gründen der nuklearen Verbreitung kontrollierten Gütern wurde ergänzt
und erweitert.
Auf Initiative der Vereinigten Staaten vereinbarte die
Gruppe der Lieferanten von Atommaterial am 3. April
die Kontrolle einer umfangreichen Liste von nuklearfähigem Mehrzweckgerät und -technologien.

Zunächst möchte ich einige dieser Leistungen im
einzelnen erörtern und dann die Problembereiche
anführen, auf die wir uns derzeit konzentrieren.

Zusammengenommen bedeuten diese Fortschritte einen
entschieden gefestigten institutionellen Rahmen für
nukleare Nichtverbreitung. Sie verschärfen die Barrieren gegen die Beschaffung von Nukleartechnologie
durch Länder, die Nuklearwaffenfähigkeiten anstreben.

1.

2.

Die mit der nuklearen Verbreitung befaßten
Institutionen wurden unter amerikanischer
Führung deutlich gestärkt

Die Zahl der Unterzeichner des Nichtverbreitungsvertrags (NPT) hat sich erhöht. Langjährige Zögerer wie
China und Südafrika sind beigetreten, und Frankreich
steht unmittelbar vor dem Beitritt.
Zahlreiche Länder haben darüber hinaus ihre Exporte
von nuklearfähigem Material strengeren Kontrollen
unterworfen. 27 Länder- die Mitglieder der Gruppe der

AMERIKA DIENST 15

Auch bei vordringlichen regionalen Nuklearproblemen wurden Fortschritte erzielt

Argentinien und Brasilien haben von ihren Ambitionen
zum Erwerb von Nuklearwaffen Abstand genommen.
Wenn sich die Dinge weiterhin positiv entwickeln,
könnten sie bald von der Liste der Länder gestrichen
werden, die zu Sorgen bei der atomaren Verbreitung
Anlaß geben.
Unsere seit langem bestehende Besorgnis über die
südafrikanischen Bestrebungen zur Beschaffung von
Seite 1

�Nuklearwaffen konnte zerstreut werden. Südafrika ist
jetzt dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten und
hat unverzüglich die Schutzmaßnahmen des NPT
erfüllt.

- EPCI) werden in Kürze Lizenzen für alle Exporte zu
Raketenprojekten im Nahen Osten und in bestimmten
anderen Ländern erforderlich, die Anlaß zu Besorgnis
bei der Verbreitung geben.

Wir haben das Programm des Irak zur Entwicklung von
Massenvernichtungswaffen vereitelt. Die irakischen
Programme für Massenvernichtungswaffen wurden
während des Golfkriegs schwer beschädigt, und die
verbleibenden werden unter internationaler Beaufsichtigung zerstört. Die internationale Überwachung wird
auf lange Sicht fortgesetzt, um sicherzustellen, daß
diese Programme nicht wiederaufgebaut werden.

Im Rahmen eines 1990 in den Vereinigten Staaten
verabschiedeten Gesetzes haben wir Sanktionen für
den Handel mit Raketen durch ausländische Körperschaften in mehreren Nationen verhängt, einschließlich China, Pakistan, Südafrika, Nordkorea und iran.

Wir haben bei den Nuklearproblemen mit Nordkorea
einen wesentlichen Fortschritt erzielt, indem wir den
Nord-Süd-Dialog sowie ein nukleares Inspektionsabkommen stärkstens befürworten und Nordkorea zur
vollständigen Einhaltung seiner nuklearen Verpflichtungen im Rahmen des NPT drängen.
3.

Bei der Verbesserung multilateraler Kontrollen von Raketentechnologie waren positive Entwicklungen zu verzeichnen

Die Hauptlieferanten wie Deutschland und die Schweiz
haben ihre nationalen Exportkontrollen verschärft.
Die Mitgliedschaft in den Institutionen hat sich drastisch erhöht. Die Zahl der dem für die Bekämpfung
der Raketenverbreitung verantwortlichen Kontrollregime für Raketentechnologie (Missile Technology Control Regime - MTCR) beigetretenen Länder hat sich
von 7 auf 18 Mitgliedstaaten erhöht, und im Verlauf
dieses Jahres werden mindestens zwei weitere beitreten.
Die Liste der kontrollierten Güter wurde überarbeitet
und ergänzt. Das MTCR hat seinen Rahmen erweitert
und bezieht auch Raketen ein, die als Trägersysteme
für alle Massenvernichtungswaffen dienen können,
einschließlich chemischer, biologischer und nuklearer
Waffen.
Die Vereinigten Staaten haben die Hauptlieferanten
von der strikten Anwendung von MTCR-Raketenexportkontrollnormen überzeugt. Diese beziehen auch
Rußland und China ein. Argentinien hält sich jetzt an
MTCR entsprechende Kontrollen ebenso wie Israel.
Mehrere osteuropäische Länder sind dabei, dies ebenfalls zu tun.
Darüber hinaus führt das MTCR ein aktives Programm
für Nichtmitgliedstaaten durch, um ihnen bei der Durchführung wirksamer Raketenexportkontrollen behilflich
zu sein. Am 30. März haben die Vereinigten Staaten
- unter Beteiligung anderer MTCR-Partner - ein Seminar für osteuropäische Nationen, das Baltikum und die
ehemalige Sowjetunion veranstaltet.
4.

Die Vereinigten Staaten haben Ihre Kontrollen für Raketentechnotogie verschäft

Im Rahmen der Initiative zur erweiterten Kontrolle der
Verbreitung (Enhanced Proliferation Controls Initiative
Seite 2

Das heißt, daß praktisch alle Lieferanten von Raketentechnologie jetzt von Ländern, die diese Technologien
verbreiten, abgeschottet wurden. Nur Nordkorea
exportiert nocht vollständige Raktensysteme der MTCRKlasse.
Wir haben eine Reihe von Ländern dazu veranlaßt, auf
den Erwerb von Raketen zu verzichten. Argentinien
hat vergangenes Jahr die Einstellung seines Programms zur Entwicklung der ballistischen Rakete Condor
bekanntgegeben. Irakische Raketenprogramme unterliegen Bemühungen der Vereinten Nationen zu deren
Beseitigung.
5.

Wichtige Schritte wurden ferner gegen die
Verbreitung chemischer und biologischer
Waffen unternommen

Die internationale Institution, die sich mit der Verbreitung chemischer und biologischer Waffen beschäftigt
- die "Australien-Gruppe" - wurde gestärkt und erweitert. Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 20 auf 22
(die neuesten sind Finnland und Schweden).
Die Liste der international kontrollierten Güter, die mit
chemischen und biologischen Waffen in Verbindung
stehen, wurde auf Drängen der Vereinigten Staaten
sprunghaft erweitert. Im Jahr 1991 haben die Vereinigten Staaten ihre eigene Liste der kontrollierten Grundstoffe für chemische Waffen erheblich - von 11 auf 50
weltweit - verlängert und Kontrollen für zur Produktion
chemischer und biologischer Waffen in Ray« kommende Mehrzweckausrüstung und ganze chemische
Fabriken eingeführt.
Heute führen alle Mitglieder der Australien-Gruppe
dieselben strengen Kontrollen ein. Darüber hinaus
wurden auch regionale Fortschritte erzielt.
Argentinien, Brasilien und Chile sind letztes Jahr
übereingekommen, eine C- und B-waffenfreie Zone
zu bilden.
In Osteuropa haben sich die Exportkontrollen für biologische und chemische Waffen vervielfacht. Die
Tschechoslowakei, Ungarn, Polen und Rumänien halten
sich an die scharfen Exportkontrollnormen der Australien-Gruppe.
Andere Länder schließen sich dem Trend zu besseren
Kontrollen an. Israel, China und in gewissem Maß
auch Indien haben ebenfalls in diesem Bereich Exportkontrollen eingeführt.

AMERIKA DIENST 15

�Unter dem Strich bestand das Ergebnis dieser hartnäckigen Bemühungen darin, die traditionellen Nachschubquellen für Programme zur Entwicklung chemischer und biologischer Waffen abzuschneiden.
6.

Die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen haben begonnen, Verantwortungsbewußtsein, Transparenz und Konsultationen beim Transfer konventioneller
Waffen einzuführen

Im Hinblick auf Verantwortungsbewußtsein haben die
Fünf ihre besondere Verpflichtung anerkannt, zu
gewährleisten, daß ihre Waffenlieferungen die Stabilität nicht untergraben.
Im Hinblick auf Transparenz sind sie ferner übereingekommen, daß wir Informationen über Waffenverkäufe
austauschen müssen, um destabilisierende Waffenlieferungen zu identifizieren und abzuwenden.
Im Hinblick auf Konsultationen haben die Fünf zum
ersten Mal vereinbart, ihre Waffentransfers für Debatten und Kritik zu öffnen und sich an gemeinsame
Richtlinien für Waffenlieferungen zu halten.
Kurzum, die Fünf haben sich verständigt, die kollektive
Vernunft der Fünf auf Entscheidungen anzuwenden,
die sie - au ßer den Vereinigten Staaten - nicht mit ihren
Parlamenten teilen.
Dies ist kein business as usual. Es ist sowohl neu als
auch wichtig.
Der gegenwärtige Schwerpunkt: Konvention über
chemische Waffen, Nordkorea, Südasien, Naher
Osten, ehemalige Sowjetunion.
Zu unseren Hauptanliegen gehören die folgenden
Punkte:
Institutionell gilt unsere erste Priorität dem diesjährigen Abschluß der Konvention über chemische Waffen
als grundlegendem Rahmen für den Umgang mit
chemischen Waffen.
Es bestehen mehrere regionale Probleme, die unserer
anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen.
Cai Nordkorea müssen wir sicherstellen, daß der Norden
seine nuklearen Verpflichtungen uneingeschränkt erfüllt. Dazu gehören nukleare Inspektionen im Rahmen
der IAEO sowie das bilaterale Abkommen mit dem
Süden. Wir müssen den Druck auf Nordkorea aufrechterhalten, um der unkontrollierten vVeitergabe von
Raketentechnologie durch dieses Land Einhalt zu
gebieten.
In Südasien machen wir bei der Nichtverbreitung einen
Anfang. Unser Vorschlag einer Fünfmächtekonferenz
ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, und
unsere bilateralen Gespräche dauern an. Vier derfünf
Teilnehmer haben der Konferenz bereits zugestimmt,
und wir stehen weiterhin mit Indien in Kontakt, um auch
dessen Teilnahme zu sichern.

AMERIKA DIENST 15

Im Nahen Osten werden wir weiterhin den Irak zur
Einhaltung seiner Verpflichtungen drängen, seine
Massenvernichtungswaffen zu vernichten und keine
neuen zu beschaffen. Der Iran hat seine Bemühungen
zur Beschaffung von Raketen und Massenvernichtungswaffen verstärkt und seine konventionellen Fähigkeiten vergrößert. Wir werden den Iran weiterhin
genauestens beobachten.
Wir werden gewährleisten müssen, daß Osteuropa
und die ehemalige Sowjetunion nicht zu neuen Quellen
von Nachschub oder Know-how für Länder werden,
die Massenvernichtungswaffen erwerben wollen. Zur
Zeit werden Initiativen verwirklicht, um Exportkontrollen zu verschärfen, Nachweis, Kontrolle und physischen Schutz von Nuklearmaterial zu verbessern und
Wissenschaftler für sinnvolle nichtmilitärische Vorhaben einzusetzen. Unsere Kontakte mit den neuen
unabhängigen Staaten sind ermutigend verlaufen.
Bei konventionellen Waffenlieferungen gedenken wir,
den Prozeß durch die Veranstaltung einer Plenarsitzung dieses Frühjahr voranzutreiben.
Regionale Erfolge: Osteuropa und andere führen
Exportkontrollen ein
Die Ausweitung von Exportkontrollen für chemische
und biologische Waffen außerhalb der AustralienGruppe in den vergangenen 12 Monaten war ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien sind dabei, der Australien-Gruppe
vergleichbare Kontrollen anzuwenden. Israel hat
Kontrollen für alle 50 chemischen Grundstoffe eingeführt. China hat ebenfalls einige Kontrollen chemischer Grundstoffe eingeführt, und dasselbe gilt mit
Abstrichen für Indien.
Im September 1991 haben Chile, Argentinien und
Brasilien den wichtigen Schritt unternommen, eine Cund B-waffenfreie Zone zu bilden.
Die Konvention über chemische Waffen: Vertrag
noch dieses Jahr angestrebt
Die langfristige Lösung des Problems der chemischen
Waffen ist ein weltweites, verifizierbares C-Waffen verbot. Wir streben einen Vertrag in diesem Jahr an.
Letzten Mai forderte Präsident Bush die Beschleunigung der Verhandlungen über eine C-Waffenkonvention (CWC) im Rahmen der Genfer Abrüstungskonferenz. Gleichzeitig machten die Vereinigten Staaten bei
wichtigen Fragen, die in den Gesprächen umstritten
waren, erhebliche Zugeständnisse. In der Folge setzte die Abrüstungskonferenz das Jahr 1992 als Zieldatum für den Abschluß der Konvention fest und verdoppelte die Arbeit daran. Die Vereinigten Staaten bemühen sich energisch, die relativ wenigen wichtigen
ausstehenden Probleme - insbesondere bei der Verifizierung - mit dem Ziel zu lösen, einen Vertrag so bald
wie möglich dieses Jahr fertigzustellen.

Seite 3

�Im März hat Australien bei den Genfer Verhandlungen
über C-Waffen einen neuen Vertragsentwurf vorgelegt. Wir begrüßen diese Initiative. Mit einigen für uns
wichtigen Veränderungen glauben wir, daß dieser Text
als Grundlage für den Abschluß einer Konvention
dienen kann. Wir fordern die anderen an den Verhandlungen über die Konvention beteiligten Staaten und
den Vorsitzenden bei diesen Verhandlungen dringend
auf, den australischen Text als Grundlage für die
Vollendung eines allseits akzeptablen Vertrags zu
benutzen, den wir dieses Jahr unterzeichnen können.
Die Sowjetunion und Osteuropa
Aufgrund des Zusammenbruchs der zentralen Kontrollen und der Versuchungen, die durch schwierige
Wirtschaftsbedingungen hervorgerufen werden, galten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion intensivierte Bemühungen zur Nichtverbreitung. Ein wichtiges Ziel bestand darin, diese Länder für die Bedeutung der Nichtverbreitung zu sensibilisieren und sie
dazu zu bewegen, angemessene Exportkontroll- und
Durchführungsmechanismen einzuführen.

Kontrollsysteme einzuführen. Obwohl das Ausmaß, in
dem diese Staaten organisiert sind, sehr unterschiedlich ist, waren alle dem Ansatz der Vereinigten Staaten
gegenüber aufgeschlossen. Rußland, das vom Knowhow und den Ressourcen der ehemaligen Sowjetunion
profitiert, hat am ehesten ein effektives Kontrollsystem
verwirklicht.
Wir werden auf unterschiedliche Weise darauf zurückkommen. In naher Zukunft werden Gruppen die ehemalige Sowjetunion besuchen, um den neuen unabhängigen Staaten bei der Einführung effektiver Nichtverbreitungsregime zu helfen. Wir erwarten, daß
mehrere Verbündete in diesen Gruppen mitarbeiten.
Der Präsident hat einen hochrangigen Koordinator
benannt, der die Zusammenarbeit zwischen den Staaten der früheren Sowjetunion bei Angelegenheiten der
Abwanderung von Wissenschaftlern koordinieren soll.

Die Vereinigten Staaten, Rußland, Japan und die
Europäische Gemeinschaft haben die Einrichtung von
Zentren für Wissenschaft und Technologie in Rußland
und der Ukraine vereinbart, um den an der Entwicklung
Gemeinsam mit Partnerländern haben wir uns an einer von Waffen beteiligten Wissenschaftlern der ehemalilangen Serie von Kontakten beteiligt. Im Juli 1990 gen Sowjetunion Arbeit im zivilen Bereich zu verschafführten die Vereinigten Staaten einen Sonderbesuch fen. Das Zentrum wird als Zentralstelle für die Entwicklung, Auswahl, Finanzierung und Überwachung von
in Osteuropa durch, der sich auf die Notwendigkeit
konzentrierte, verantwortungsbewußte und wirksame Projekten dienen, die hauptsächlich in Institutionen
Kontrollen der Nichtverbreitung und des Handels mit und Einrichtungen in Rußland und anderen GUSRüstungsgütern einzuführen. Ein Folgebesuch in der Staaten durchgeführt werden. Man will damit den
Region fand im Oktober 1991 statt. Im Dezember 1990 Rüstungswissenschaftlem und Ingenieuren helfen, ihre
und erneut im Dezember 1991 veranstaltete die Au- Talente für nichtmilitärische Projekte zur Verfügung zu
stralien-Gruppe in Osteuropa und der Sowjetunion stellen und damit die Versuchung minimieren, daß sie
Seminare über chemische und biologische Waffen. ihre Fähigkeiten für Weiterverbreitungsprojekte nutEine multilaterale Gruppe von MTCR-Partnern be- zen. Darüber hinaus werden wir Rußland konkrete
suchte im Oktober 1991 Moskau, um die Verbreitung Hilfe bei der Zerstörung von Atomwaffen leisten. Femer
von Raketen zu erörtern. Im Februar dieses Jahres haben wir Rußland Hilfe angeboten, damit es den
Prozeß der Vernichtung seiner Chemiewaffen aufnehbesuchte ein interministerielles Team Lettland, Litauen und Estland, um über die Notwendigkeit effektiver men kann.
Exportkontrollen zu diskutieren und die Bedeutung der
Rüstungskontrolle im Nahen Osten
Teilnahme an den Nichtverbreitungsregimen zu betonen. Das MTCR organisierte am 30. März ein Seminar
Die Regierung verfolgt ein offizielles Programm, das
für die Länder Osteuropas, des Baltikums und der
Lieferanten und Empfänger zur Zurückhaltung bei
ehemaligen Sowjetunion, und ein drittes Seminar der Waffenlieferungen anhält, seit der Präsident im Mai
Australien-Gruppe wird im Dezember in Budapest nach dem Golfkrieg seine Rüstungskontrollinitiative
stattfinden.
fürden Nahen Osten verkündet hat. Die Regierung hat
Die Ergebnisse in Osteuropa waren äußerst ermutigend. Polen, Ungarn, die Tschechoslowakei, Rumänien und Bulgarien haben bereits Kontrollmaßnahmen
verschiedet - oder sind dabei,dies zu tun -, die denen
der Australien-Gruppe und des MTCR vergleichbar
sind.
Mit der Auflösung der Sowjetunion haben wir eine neue
Reihe von Initiativen ins Leben gerufen, um der veränderten Situation gerecht zu werden. Im Januar 1992
habe ich vier Länder besucht - Rußland, Belarus, die
Ukraine und Kasachstan - und eine Sondergruppe
mitgenommen, die Vorträge über Nichtverbreitung und
die Kontrolle des Handels mit Rüstungsgütem gehalten sowie die neuen Länder ermutigt hat, effektive
Seite 4

dem Kongreß einen Bericht über die von uns mit dieser
Initiative erzielten Fortschritte vorgelegt. Ich möchte
an dieser Stelle kurz Rückschau halten, bevor ich
unsere Ziele erörtere.
Die Initiative des Präsidenten
Der Präsident hat am 29. Mai 1991 die Rüstungskontrollinitiative für den Nahen Osten angekündigt. Diese
Initiative enthält Vorschläge
zur Einführung von Richtlinien für Lieferanten,
die sich Zurückhaltung beim destabilisierenden
Handel mit konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen und der entsprechenden
Technologie auferlegen sollen,
AMERIKA DIENST 15

�zum Einfrieren und zur eventuellen Zerstörung
der Arsenale von Boden-Boden-Raketen in der
Region,

rigsten ist, wenn die Bedrohung eines bewaffneten
Konflikts realer wird. Aber wir haben einen wichtigen
Anfang gemacht.

zur Einführung eines verifizierbaren Verbots
von Material, das zur Herstellung von Atomwaffen eingesetzt werden kann, in der Region. Alle
Staaten der Region sind aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und alle nuklearen Einrichtungen an lAEO-Standards anzupassen.

Die regionalen Teilnehmer am Treffen der Arbeitsgruppe über Rüstungskontrolle in Moskau haben ernsthaftes Interesse bekundet, sich der Sache zu widmen.
Das erste Treffen der Gruppe soll Mitte Mai in Washington stattfinden, und wir freuen uns auf die kontinuierliche Unterstützung der Länder in der Region.

die Staaten in der Region aufzufordern, Mitglieder der Konvention über chemische Waffen zu
werden und ihre vertrauensbildenden Maßnahmen durchzuführen und

Es stimmt, daß wir erhebliche Fortschritte in allen
Bereichen erzielt haben. Gemeinsam mit unseren
Partnern bei der Nichtverbreitung haben wir viel erreicht. Das vergangene Jahr war im Hinblick auf
unsere gemeinsame Arbeit beispielhaft.

eine Stärkung der Konvention über biologische
Waffen zu fordern und die Staaten in der Region
aufzufordern, vertrauensbildende Maßnahmen
für biologische Waffen zu verabschieden.
Die Initiative des Präsidenten fordert die fünf wichtigsten Lieferanten konventioneller Waffen an den Nahen
Osten auf, sich zu treffen, um Richtlinien für ihre
Zurückhaltung beim destabilisierenden Transfer von
konventionellen Waffen, Massenvernichtungswaffen,
ihrer Systeme und Technologie zu erörtern.
Rüstungskontrolle im Nahen Osten - Die Gruppe
für Regionale Sicherheit und Rüstungskontrolle
Im Januar vergangenen Jahres führten die Vereinigten
Staaten und die Russische Föderation ein Vorbereitungstreffen für die multilaterale Phase des Friedensprozesses im Nahen Osten durch. Dabei wurde eine
Arbeitsgruppe für Rüstungskontrolle und Regionale
Sicherheit ins Leben gerufen. Der Prozeß wird nicht
leicht sein, denn aus unserer eigenen Geschichte
wissen wir, daß Rüstungskontrolle immer am schwie*

AMERIKA DIENST 15

Zusammenfassung

Aber es stimmt auch, daß die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und konventionellen Waffen
eine kontinuierliche Bedrohung darstellt.
Es ist an der Zeit, die Bemühungen zu intensivieren,
nicht gleichgültig zu werden. Wir müssen auf nationaler und internationaler Ebene mehr tun. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat uns eine Chance gegeben, unsere Energie in neue Bahnen zu lenken. Das
Problem der Weiterverbreitung muß eine unserer ersten
Prioritäten sein.
Es gibt kein Patentrezept, das der Weiterverbreitung
Einhalt gebieten kann. Wir müssen vielmehr an allen
Fronten aktiv werden.
Nur in einer konzertierten Aktion können wir die Gefahren der Weiterverbreitung von konventionellen und
nichtkonventionellen Waffen mindern und schließlich
bannen. An dieser wichtigen Aufgabe wollen wir
gemeinsam mit dem Kongreß arbeiten.

* * *

*

Seite 5

�EBWE
15. April 1992

BRADY: EBWE SOLL SICH AUF HILFE FÜR DEN
PRIVATSEKTOR KONZENTRIEREN
Rede des Finanzministers bei der EBWE
WASHINGTON - (AD) - Dem Finanzminister Nicholas Brady zufolge soll die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) sich weiterhin - möglicherweise noch stärker - darauf konzentrieren, das private
Unternehmertum in Osteuropa und der Sowjetunion zu entwickeln.
Bei der ersten Jahresversammlung der Bank am 13. April 1992 in Budapest erklärte Brady, es sei ein
"schwerwiegender Fehler" der Institution, ihre Aufgaben zu verwässern, indem sie sich in anderen Bereichen
engagiert, und es müsse eine "Arbeitsteilung unter den multilateralen Institutionen" stattfinden.
Darüber hinaus stellte er eine Funfpunktestrategie vor, die seiner Meinung nach den Lebensstandard in den
früheren kommunistischen Ländern anheben würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir Finanzminister Bradys Rede im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Präsident, verehrte Vorstandsmitglieder, Delegierte und Gäste. Es ist mir eine Ehre, anläßlich der
ersten Jahresversammlung der Europäischen Bank
für Wiederaufbau und Entwicklung zu Ihnen sprechen
zu dürfen.

und ihre Ziele klar definiert sind, ist ihr Erfolg durch die
harten Realitäten jüngst aufgegebener Systeme und
Wirtschaftsorganisationen behindert, die sich nicht
ohne starken politischen Willen und öffentliche Unterstützung ablösen lassen.

Uns allen, die wir heute hier zusammengekommen
sind, ist klar, daß wir in einer Zeit großer Veränderungen und gro ßer Erwartungen leben. Wir verlassen das
Zeitalter des kalten Kriegs und treten in eine Zeit der
weltweiten Gesundung und tiefgreifenden Hoffnung
ein.

Die Unterstützung der Öffentlichkeit für die Wirtschaftspolitik einer Regierung ist unter Umständen schwach,
wenn gerade erhebliche Veränderungen stattfinden.
Sie hängt von der Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen,
Verbrauchsgütern und der relativen Kaufkraft ab. Es
besteht die Versuchung, aus verständlichen innenpolitischen Erwägungen heraus vor einem Engagement
für Reformen zurückzuschrecken. Die in Osteuropa
und den früheren Sowjetrepubliken verfolgten Reformprogramme müssen eine schwierige Gratwanderung
vollführen zwischen der Beibehaltung kurzfristiger
sozialer Stabilität und langfristigen wirtschaftlichen
Umstrukturierungen und Fortschritten. Kurz gesagt es ist schwierig.

Wenn wir uns der Zukunft stellen, erkennen die Länder
in ganz Osteuropa ebenso wie die früheren Sowjetrepubliken, daß die Entstehung eines starken Privatsektors für wirtschaftliche Entwicklung unabdingbar ist.
Und auf die Gepflogenheiten einzelner Länder zugeschnittene marktorientierte Wirtschaftssysteme werden allen Bürgern die wirtschaftlichen Chancen eröffnen, die demokratische und stabile Gesellschaften
fördern. Die Vereinigten Staaten und andere wuctliche
Länder bewundern den Mut und die Entschlossenheit
der Länder Osteuropas und der ehemaligen Sowjetrepubliken auf ihrem nicht vorgezeichneten Weg zu
politischen Reformen und freier Marktwirtschaft.
Im vergangenen Jahr haben wir gemeinsam einige
heilsame Einsichten in die Schwierigkeiten gewonnen,
die beim Prozeß der Umgestaltung von einstmals
planwirtschaftlich orientierten Volkswirtschaften zu
Marktwirtschaften auftreten. Auch wenn ihre Politik
AMERIKA DIENST 15

Wir sind jedoch weiterhin der Überzeugung, daß die
Förderung privaten Unternehmertums, der Privatisierung staatseigener Systeme und eines freundlichen
Investitionsklimas die Grundlage darstellt, um international konkurrenzfähige Volkswirtschaften aufzubauen. Die Mittel sind knapp, und bei dieser empfindlichen
Gleichung müssen wir sorgfältig untersuchen, wie die
EBWE ihren Beitrag am besten leisten kann. Wie
sollte die Bank ihre knappen Mittel und ihren qualifizierten Personalkader einsetzen, um beim wirtschaftli-

Seite 1

�chen Übergang in den Ländern, für die sie zuständig
ist, eine maßgebliche Rolle zu spielen?

Verkauf anstatt Rekapitalisierung staatseigener
Unternehmen. Die Rekapitalisierung defizitärer
Betriebe wird die Aufgabe nicht lösen. Gegebenenfalls müssen Regierungen Staatsfirmen
rationalisieren, um sie durch Direktverkäufe oder
die Ausgabe neuer privater Anteile für Käufer
akzeptabel zu machen.

Erstens kann sie sich ihrem Mandat nicht entziehen,
60 Prozent ihrer Finanzmittel der Privatwirtschaft
zukommen zu lassen - vielleicht sollte sie ihren Schwerpunkt in diesem Bereich sogar noch verstärken.
Nach einem Jahr der Erfahrungen können wir einige
Schlüsse ziehen und ein spezifisches Aktionsprogramm
für die Zukunft der Bank verabschieden. Ich gehe
davon aus, daß es ein schwerwiegender Fehler wäre,
wenn die Bank ihre Mission verwässern würde. Die
Anforderungen Osteuropas und der ehemaligen
Sowjetunion sind enorm, und unter den multilateralen
Institutionen muß Arbeitsteilung herrschen.

Privatisierung des Bankwesens. Vorschriften,
die kleine und mittlere Unternehmen kapitalmäßig aushungern, müssen geändert werden, und
objektive Methoden der Kreditbewertung sollten
eingeführt werden.
Schaffung eines offenen Investitionsklimas. Bei
der Zusammenstellung von Investitionsprojekten in Schuldnerländern sollten rechtliche und
Durchführungshemmnisse für aus- und inländische Investitionen ausgeräumt werden.

Die EBWE kann nicht die gesamte Bandbreite der
Anforderungen abdecken, sie kann nicht alles für alle
Menschen leisten, sie kann nicht hoffen, alle Sektoren,
ob öffentlich oder privat, in allen Ländern abzudecken.
In dieser Hinsicht sind wir nicht von der Notwendigkeit
überzeugt, in neue Umstrukturierungsvorhaben einzusteigen, die bedeutende politische Veränderungen mit
sich bringen und von der eigentlichen Aufgabe der
Bank ablenken.

Unterstützung umweltverträglicher Investitionen.
Reform von Umweltpraktiken bestehender staatseigener Industriezweige bei deren Übergang in
Privathand. Die EBWE und alle Vertreter des
Staates haben ein Mandat zu entschiedenem
Vorgehen, um die Region vordem ökologischen
Verfall zu retten. Die Bereitstellung öffentlicher
Mittel für umweltpolitisch aktive Organisationen
bei der Bewertung von Umweltprojekten durch
die Bank ist ein wichtiger Teil ihres Mandats.

Die EBWE hat eine Schwerpunktaufgabe und das
hehre Ziel, die Energie bereitzustellen, die nur aus dem
Wachstum des Privatsektors entsteht.
Meiner Meinung nach ist nichts wichtiger in der Region
als die Freisetzung der Energie, die mit der raschen
Entwicklung des Privatsektors entsteht. Die EBWE
steht bereit, an diesem Wendepunkt der Geschichte
eine maßgebliche Rolle zu spielen. Wenn sie ihre
Energien konzentrieren und die Bemühungen zur Privatisierung und Investitionsreform anführen kann, wird
sie den Lebensstandard in den Demokratien anheben,
für die sie zuständig ist. Und sie wird dafür in Erinnerung bleiben, daß sie eine entscheidende Rolle gespielt hat.
Dies ist die Herausforderung - die Konzentration von
Energien, um durch eine Fünfpunktestrategie zur Hebung
des Lebensstandards in Osteuropa und den ehemaligen Sowjetrepubliken das ursprüngliche Ziel der Bank
zu verfolgen. Die Aktionsbereiche sind folgende:
Konzentration auf die Bereitstellung von Startkapital für kleine und mittlere Unternehmen, um
den Unternehmergeist einzelner Bürger in der
gesamten Region zu entwickeln.
*

Seite 2

*

Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich die in der Vergangenheit
erzielten Leistungen der Staaten Osteuropas sowie
den durch ihre Regierungen und Bürger unter Beweis
gestellten Mut auf dem Weg zu marktwirtschaftlichen
Reformen würdigen. Dies ist ein Zeugnis unserer
gemeinsamen Entschlossenheit, auf offene Gesellschaften, Demokratie und Marktwirtschaft hinzuarbeiten, die für den Wohlstand ihrer Bürgersorgen werden.
Ich möchte Jacques Attali und seinen Mitarbeitern für
ihre Arbeit und ihr Engagement danken, mit dem sie in
Rekordzeit die Bank bei dieser äußerst wichtigen
Aufgabe geführt haben.
Und stellvertretend für meine Delegation möchte ich
der Regierung Ungarns meinen herzlichsten Dank für
die freundliche Begrüßung und die Gastfreundschaft
aussprechen, die sie uns hier in dieser wundervollen
Hauptstadt Budapest entgegengebracht hat.
*

*

AMERIKA DIENST 15

�W A H L E N '92
15. April 1992

ZWISCHENBERICHT ÜBER DIE WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentliche inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (8. April 1992) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in New York, Kansas, Minnesota und Wisconsin.
Die letzte Zählung der Delegierten

Vorwahlen in Kansas
Demokraten

Prozentsetz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Brown

13

Clinton

Clinton

51

1.264,25

Tsongas

539,25

Tsongas

15

Nicht gebunden

475,75

Sonstige

7

Brown

264,25

Nicht gebunden

14

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1. 105)

Republikaner

Bush

Buchanan

15

54

Bush

62

8

Duke

2

Sonstige

5

963

Buchanan
Nicht gebunden

»

Prozentsetz der Stimmen

Ergebnisse der Vorwahlen vom 7. April

Nicht gebunden

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 7.
April erhalten hat.

Vorwahlen in Minnesota
Demokraten

Vorwahlen in New York
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Brown

26

Clinton

41

Tsongas

29

Sonstige

4

AMERIKA DIENST 15

16

Prozentsatz der Stimmen

Brown

32

Clinton

AA

33

Tsongas

23

Sonstige

12

Republikaner

Prozentsetz der Stimmen

Buchenen

25

Bush

68

Sonstige

4

Nicht gebunden

3

Seite 1

�Vorwahlen in Wisconsin

Republikaner

Demokraten

Buchanan

17

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Brown

35

Bush

77

Clinton

38

Duke

3

Tsongas

22

Sonstige

1

Sonstige

3

Nicht gebunden

2

Nicht gebunden

2
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 15

�HANDEL
15. April 1992

Der US-Handel 1992 - ein Ausblick
von John Jelacic
WASHINGTON - (AD) - Der Autor ist Wirtschaftswissenschaftler und Experte für Weltwirtschaft im Handelsministerium. Der nachfolgend veröffentlichte Artikel erschien erstmals am 6. April 1992 in Business America, einer
Publikation des US-Handelsministeriums.
Seit 1987 hat sich die Bilanz des US-Waren handeis
erheblich verbessert. Das Handelsdefizit ist rapide
gesunken, von 152,1 Milliarden Dollar im Jahr 1987 auf
nur 66,3 Milliarden Dollar 1991. Damit befindet sich
das Defizit auf dem niedrigsten Stand seit 1983. Im
Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt fiel das Defizit
von fast 3,5 Prozent 1987 auf 1,3 Prozent im Jahr
1991.
In den letzten vier Jahren sind die Exporte um 66
Prozent gestiegen, von 254,1 Milliarden Dollar 1987
auf 421,6 Milliarden Dollar 1991. Bis 1991 überstiegen
die starken Exportzuwächse die gleichmäßigen, aber
bescheidenen Importsteigerungen erheblich und führten zu einer Verbesserung des Defizits. 1991 stiegen
die Exporte weiterhin, aber die Rezession in den
Vereinigten Staaten führte zu einem geringen Abbau
der Importe, und die Abnahme der Importe machte
etwa 20 Prozent des 35-Milliarden-Rückgangs im Defizit
aus.
Die Aussichten für eine kontinuierliche Verbesserung
im Handelsdefizit 1992 sind vage und hängen zum
großen Teil von den relativen Wachstumsraten in den
Vereinigten Staaten und den Volkswirtschaften der
wichtigsten US-Handelspartner ab. Während der letzten vier Jahre überstieg das Wirtschaftswachstum auf
unseren Auslandsmärkten im wesentlichen das Wachstum in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit sehr
konkurrenzfähigen relativen Preisen von US-Exporten
legte die Expansion dieser Märkte den Grundstein für
eine gute Handelsbilanz.
Ausblick auf das Wirtschaftswachstum
Ausland

im

Jüngste Trends und die Prognosen vieler Ökonomen
verweisen auf eine Abnahme des Wachstumsgefälles
zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Auslandsmärkten für 1992. Während sich die Vereinigten
Staaten von ihrer Rezession erholen, vollzog sich in
den Volkswirtschaften anderer Industrieländer, insbeAMERIKA DIENST 15

sondere in Deutschland und Japan, in den letzten
Monaten eine schleppende Entwicklung. Andere
Volkswirtschaften - vor allem Kanada, Großbritannien
und Australien - bleiben in der Konjunkturflaute stekken, die bereits vor über einem Jahr begann.
Die Industrieländer - Die Verlangsamung in den Volkswirtschaften der Industrieländer begann 1991 das USExportwachstum zu beeinträchtigen. US-Warenexporte in die Industrieländer stiegen 1991 um lediglich
6,8 Milliarden Dollar und lagen damit erheblich unter
dem durchschnittlich 30 Milliarden Dollar betragenden
Zuwachs im Zeitraum 1987-90. Entwicklungsländer
waren 1991 für etwa 70 Prozent des US-Exportanstiegs verantwortlich.
Mexiko, die Länder Südamerikas, die vier Schwellenländer Asiens (Hongkong, Singapur, Südkorea und
Taiwan) und die Länder des Nahen Ostens waren für
nahezu den gesamten Zuwachs verantwortlich. Für
1992 sind die Aussichten für anhaltend starkes Wachstum in diesen Regionen vielversprechend. Sie bieten
Grund zur Hoffnung, daß US-Exporte in diesem Jahr
rapide zunehmen werden.
1991 stiegen die US-Exporte nach Kanada, unserem
größten Exportmarkt, von 83,7 Milliarden auf 85,1
Milliarden Dollar, um nur 1,7 Prozent und weniger als
ein Drittel so schnell wie 1990. In den vergangenen
drei Jahren wurde in der kanadischen Wirtschaft so gut
wie kein Wachstum erzielt, was zu einer schwachen
Nachfrage nach US-Exporten in Kanada führte. Für
das Jahr 1992 wird eine Erholung in Kanada erwartet,
aber jüngste Statistiken deuten darauf hin, daß bis
Mitte des Jahres kein nennenswertes Wachstum stattfinden wird.
Japans Wirtschaft wuchs 1991 um 3,2 Prozent, eine
erhebliche Abnahme gegenüber der 5prozentigen
Steigerung 1990. 1991 wurde ein großer Teil des
Wachstums im 1. Quartal erzielt, weil sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres nur schleppend entwickelSeite 1

�te, wobei das Bruttosozialprodukt beim Übergang vom
3. zum 4. Quartal sank. Jüngste Statistiken belegen,
daß sich das Wachstum im 1. Quartal des Jahres 1992
weiter fortsetzte, aber der Anstieg des Bruttosozialprodukts war gering, und die Aussicht für das Jahr ist
unbestimmt. Manche Analysten prognostizieren, daß
Japans Wirtschaftswachstum 1992 unter 2 Prozent
fallen könnte. Seit der Ölkrise von 1974 gab es in
Japan kein so geringes Wachstum mehr. Die USExporte nach Japan sind leicht gesunken, von 48,6
Milliarden Dollar im Jahr 1990 auf 48,1 Milliarden Dollar
1991, und das Handelsdefizit mit Japan hat sich von
41,1 Milliarden Dollar auf 43,4 Milliarden Dollar erhöht.
Angesichts der Aussichten für Japans Wirtschaftswachstum 1992 ist es unwahrscheinlich, daß sich das
US-Handelsdefizit mit Japan im Laufe des Jahres
verbessern wird.
Die Europäische Gemeinschaft verzeichnete 1991 ein
Wachstum von schätzungsweise 1,5 Prozent, und für
das Jahr 1992 wird ein nur geringfügig höheres Wirtschaftswachstum von vielleicht 2 Prozent erwartet.
US-Lieferungen in die EG stiegen um 5,2 Prozent, von
98,1 Milliarden im Jahr 1990 auf 103,2 Milliarden 1991,
2 Prozentpunkte unter dem Anstieg des gesamten USJahresexports und erheblich unter der 13prozentigen
Wachstumsrate, die 1990 verzeichnet wurde. Im
Laufe des Jahres 1991 verbesserten sich die Exporte
nach Deutschland und Frankreich jeweils um 13,6 und
12,4 Prozent, während die Lieferungen nach Großbritannien um 6,1 Prozent sanken. Eine restriktive Geldpolitik und hohe Zinsen aufgrund der Bestrebungen
Deutschlands, den Anstieg der Inflationsrate zu bremsen, sind in starkem Maße verantwortlich für das
langsame Wachstum in Europa. Die unerwartet hohen
Kosten der deutschen Einheit, die zu hohen Haushaltsdefiziten und rapiden Steigerungen des Konsums
im Inland führten, werden für die steigende Inflation in
Deutschland verantwortlich gemacht. Wie im Falle
Kanadas und Japans werden die US-Exporte nach
Europa wahrscheinlich nicht nennenswert steigen, bis
solide wirtschaftliche Expansionsraten verzeichnet
werden.
Die Entwicklungsländer - Lateinamerika, der Nahe
Osten und Südostasien (einschließlich China) bieten
die meiste Hoffnung auf Wirtschaftswachstum 1992
und sind vielversprechend für US-Exporte. In Lateinamerika bieten die wirtschaftliche Umstrukturierung
einschließlich der Privatisierung, bessere fiskalische
Kontrolle mit niedrigerer Inflation und steigende ausländische Direktinvestitionen dieser Region die besten
Aussichten für mehrere Jahre. Das Wirtschaftswachstum betrug 1991 schätzungsweise 2 bis 3 Prozent, und
für 1992 wird ein noch schnelleres Wachstum erwartet. Diese Wachstumsraten sind die besten seit Jahren und geben US-Exporten in die Region zum ersten
Mal seit der Schuldenkrise der achtziger Jahre echten
Auftrieb. 1991 stiegen die US-Exporte nach Mexiko
um fast 18 Prozent. Bei den Exporten nach Latein-

Seite 2

amerika wurde eine 27prozentige Steigerung verzeichnet, verglichen mit einer durchschnittlichen jährlichen
Wachstumsrate von weniger als 6 Prozent im Zeitraum
1987-90. Rapide Zunahmen der US-Exporte nach
Argentinien, Brasilien, Ecuador und Venezuela bereiteten den Weg.
Im Nahen Osten ist der Wiederaufbau nach dem
Golfkrieg der Hauptgrund für rasche Wachstumsraten,
die große Zuwächse amerikanischer Exporte in die
Region zur Folge haben. Die Exporte der Vereinigten
Staaten in den Nahen Osten stiegen 1991 um 36
Prozent auf 15,3 Milliarden Dollar und dürften auch
1992 beträchtlich zunehmen. Der IWF hat den realen
Zuwachs des BSP in der Region für 1992 auf rund 11
Prozent beziffert.
1991 lagen die Wachstumsraten der vier asiatischen
Schwellenländer plus Thailand, Indonesien und Malaysia zwischen 4,5 und 8,5 Prozent. Für die Mehrzahl
dieser Volkswirtschaften wird 1992 eine leicht höhere
Wachstumsrate erwartet. 1991 exportierten die Vereinigten Staaten allein für 45,6 Milliarden Dollar in die
vier Schwellenländer sowie für weitere 15,3 Milliarden
Dollar in die anderen asiatischen Länder ausgenommen Japan und China. In jüngster Zeit nahmen
größere Investitionen im Inland, insbesondere in den
öffentlichen Sektor, einen höheren Anteil am Wirtschaftswachstum ein als die Exporte. In China sind die
florierenden "besonderen Wirtschaftszonen" im südlichen Küstengebiet Chinas eine Hauptquelle für das
chinesische Wachstum. 1991 verzeichnete die chinesische Volkswirtschaft einen Zuwachs von schätzungsweise 6,5 Prozent. Für 1992 wird eine Wachstumsrate
von rund 7 Prozent erwartet. Die amerikanischen
Exporte nach China stiegen 1991 um 31 Prozent auf
6,4 Milliarden Dollar.
Osteuropa und die Republiken der ehemaligen Sowjetunion - In den vergangenen drei Jahren war eine
drastische Verschlechterung der Volkswirtschaften
Osteuropas und der ehemaligen Sowjetunion zu verzeichnen, die störende Auswirkungen der wirtschaftlichen Umstrukturierungsprogramme in dieser Region
widerspiegelt. Einige der osteuropäischen Volkswirtschaften könnten 1991 den Tiefstand überwunden
haben und 1992 ein gewisses Wachstum verzeichnen.
In den neuen unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion wird jedoch noch mindestens ein
weiteres Jahr des Konjunkturabschwungs erwartet,
obwohl sich das Tempo verlangsamen wird. Da das
Handelsvolumen der Vereinigten Staaten mit dieser
Region gering ist, waren die direkten Auswirkungen
der Umstrukturierung auf die amerikanische Wirtschaft
unerheblich. Weil Westeuropa und insbesondere
Deutschland jedoch die kurzfristigen negativen Konsequenzen dieser Veränderungen zu spüren bekamen, waren erhebliche negative indirekte Auswirkungen auf die amerikanische Wirtschaft zu verzeichnen,
die bis 1992 andauern werden.

AMERIKA DIENST 15

�Der Dollar bleibt wettbewerbsfähig
Amerikanische Produkte hatten 1990 und Anfang 1992
einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil aufgrund des
gesunkenen Dollars in diesem Zeitraum und wegen
der kontinuierlichen Verbesserung der realen Lohnkosten in den Vereinigten Staaten verglichen mit den
realen Lohn kosten der führenden Wettbewerber, insbesondere Deutschland. Nach dem Ende des Golfkriegs im Februar 1991 steigerte sich der Wert des
Dollars bis Mitte des Jahres, nahm dann jedoch ab,
und schloß am Ende des Jahres auf demselben Niveau ab, auf dem er begonnen hatte. In den ersten
Monaten des Jahres 1992 verzeichnete der Dollar
einen Aufwärtstrend. Der Dollar kann sich weiter
stabilisieren, wenn die amerikanische Volkswirtschaft
verglichen mit den Volkswirtschaften Japans und
Europas an Dynamik gewinnt. Der Zuwachs des
Dollarwerts wird jedoch wahrscheinlich mäßig sein,
und die Aufwertung des Dollars wird voraussichtlich
geringe Auswirkungen auf die Wettbewerbsposition
amerikanischer Produkte oder auf den Exportzuwachs
der Vereinigten Staaten im Jahr 1992 haben.
Auswirkungen der Importe auf das Wirtschaftswachstum im Inland
1991 nahm der Wert amerikanischer Importe aufgrund
der Rezession und der niedrigeren ölpreise auf dem
Weltmarkt ab. Der Rückgang der Importe betraf
praktisch alle wesentlichen Produktkategorien. Der
geringe Importzuwachs von Kapitalgütern (mit Ausnahme der Automobilindustrie) in Höhe von 4,3 Prozent und Verbrauchsgütern (2,1 Prozent) wurde durch
den rückläufigen Import von Autos und Ersatzteilen,
Nahrungsmitteln, Industriegrundstoffen und insbesondere Erdöl mehr als ausgeglichen. Der Wert der
Erdölimporte sank um über 17 Prozent, vor allem weil
die ölpreise nach dem Ende des Golf kriegs im Februar
1992 drastisch zurückgingen. Der Importwert wird
1992 voraussichtlich zunehmen. Die Größenordnung
des Zuwachses hängt vom Ausmaß der Gesundung
der amerikanischen Volkswirtschaft ab.
~*er Handel mit Industriegütern ist dominierend
Da der Handel mit Fertigwaren einen so großen Anteil
des gesamten amerikanischen Handelsvolumens
ausmacht (1991 rund 80 Prozent der Im- und Exporte), sind Tendenzen im Fertigungsbereich wegweisend für die Gesamthandelsposition der Vereinigten
Staaten. 1991 nahmen die Exporte von Industriewaren um 9,5 Prozent zu, zwei Prozentpunkte schneller
als die Gesamtexporte und nahezu neunmal schneller
als die Wachstumsrate der Importe an Fertigwaren.
Infolgedessen sank das amerikanische Handelsdefizit
bei Industriewaren im Jahr 1991 um 25,8 Milliarden
Dollar auf ein Defizit von 47,7 Milliarden Dollar. Ebenso wie im Falle der Gesamthandelsbilanz wird eine
weitere Abschwächung dieses Defizits in hohem Maße

AMERIKA DIENST 15

von der Wachstumsrate der amerikanischen Volkswirtschaft im Jahr 1992 verglichen mit der Wachstumsrate unserer führenden Handelspartner abhängen.
Exporte von Kapitalgütern weiterhin hoch - Die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern machen den
größten Anteil der Exporte von Industriegütern aus.
1991 stellten die Exporte von Kapitalgütern (ausgenommen Autos und Ersatzteile) insgesamt rund 50
Prozent aller Exporte von Industriewaren. Zwischen
1990 und 1991 stiegen die Exporte von Kapitalgütern
von 152,7 Milliarden Dollar auf 166,7 Milliarden Dollar
- ein Zuwachs von 9,2 Prozent. Für 1992 werden
kontinuierliche Exportgewinne in zahlreichen Bereichen von Maschinenbau und Transportgeräten erwartet, und die amerikanischen Exporte von Kapitalgütern
werden 1992 ihren Weltmarktanteil weiterhin vergrößern.
Der Export von Flugzeugen und Flugzeugteilen hat
1991 um über 17 Prozent zugenommen und einen
Gesamtwert von nahezu 35 Milliarden Dollar erreicht.
Auftragsrückstände werden für 1992 kontinuierliche
Lieferungen gewährleisten.
Der Export von Computern und verwandtem Gerät ein weiterer wichtiger Bereich der amerikanischen
Kapitalgüterexporte - nahm 1991 etwas schneller als
1990 um fast 5 Prozent zu. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den Industrieländern, wachsender Konkurrenzdruck durch ausländische Produzenten und die Produktion amerikanischer Firmen im
Ausland verlangsamen das Wirtschaftswachstum in
diesem Industriezweig. Der Gesamtwert dieser Exporte belief sich 1991 auf 26 Milliarden Dollar.
Im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr waren die Importe
von Kapitalgütern schwach. Die Importe von Geräten
zur Energieerzeugung waren leicht rückläufig, die Importe
von elektrischem Gerät nahmen um nur 4 Prozent zu,
und im zweiten aufeinanderfolgenden Jahr blieb der
Wert der Importe von Industriemaschinen praktisch
gleich. Der Import von EDV-Gerät nahm 1991 schneller zu und expandierte um 12 Prozent verglichen mit
nur 5 Prozent im Jahr 1990.
Die Importe von Kapitalgütern nahmen 1991 insgesamt lediglich um 5 Milliarden Dollar oder 4,2 Prozent
gegenüber 1990 zu. Das projizierte Wachstum der
amerikanischen Wirtschaft könnte den Zuwachs dieser Importe im Jahr 1992 beschleunigen.
Sinkende Exporte von Verbrauchsgütem - Exporte
amerikanischer Verbrauchsgüter stiegen 1990 erheblich an und zwar um 19 Prozent. Im Jahr 1991
verlangsamte sich das Exportwachstum jedoch auf
nur 6,5 Prozent. Dies ist auf die wirtschaftliche Abschwächung in den Industriestaaten zurückzuführen.
Trotz des allgemeinen Rückgangs in dieser Kategorie
von Exporten gab es auch einige positive Beispiele.

Seite 3

�Von einem relativ geringen Basisniveau ausgehend,
wuchsen die amerikanischen Bekleidungsexporte im
Jahr 1991 um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar, und
die Exporte von Spielzeug, Spielen und Sportgeräten
stiegen um 16,6 Prozent.
Die amerikanische Rezession führte zu einem zweiten
Jahr mit sehr schwachem Anstieg der Verbrauchsgüterimporte, besonders im Vergleich zu dem starken
Importwachstum in dieser Kategorie zur Mitte des
letzten Jahrzehnts. Im Jahr 1991 stiegen die Verbrauchsgüterimporte nur um 2,2 Prozent. In den
meisten Sektoren, darunter Bekleidung, Schuhe und
Möbel, stagnierten sie oder wiesen unbedeutende
Steigerungsraten auf.
Automobilhandel wird 1992 wachsen - Wert und
Stückzahl der Importe von Automobilen und Automobilteilen sanken im Jahr 1991. Der Wert der Importe in
dieser Kategorie ging um 6,3 Prozent zurück, während
das Importvolumen um 2,9 Prozent abnahm. Hingegen nahmen die Exporte von Automobilen und Automobilteilen sowohl wert- (um 6,7 Prozent auf 39,9
Milliarden Dollar) als auch volumenmäßig (um 4,6
Prozent) zu. Die Besserung der Wirtschaftslage in den
Vereinigten Staaten wird im Jahr 1992 zu einer Zunahme von Importen und Exporten von Automobilen und
Automobilteilen führen. Die Integration der amerikanischen Automobilindustrie, sowohl der inländischen
Unternehmen als auch der Niederlassungen ausländischer Firmen, auf dem gesamten nordamerikanischen
Kontinent nimmt ständig zu. Mit der Zunahme der
Automobilproduktion wird damit der Handel mit Automobilen und Teilen zwischen Werken in Mexiko, Kanada
und den Vereinigten Staaten angekurbelt.
Im Hinblick auf den Handel mit fertig montierten Automobilen stieg der Wert der amerikanischen Importe
aus Japan 1991 um 6,2 Prozent auf 20,4 Milliarden
Dollar, was den ersten Anstieg seit drei Jahren bedeutete. Die zusätzlichen Importe aus Japan bestanden
hauptsächlich in hochpreisigen Luxusmodellen, die
europäischen Hersteilem von Luxuswagen einen immer
größeren Marktanteil abnahmen. Der Wert der Importe von fertig montierten Automobilen aus Kanada
nahm geringfügig zu, während der Wert der Autoimporte aus anderen Ländern erheblich um über 12
Prozent zurückging. Der Importwert von Lastkraftwagen und Automobilteilen nahm im Jahr 1991 ab.
*

Seite 4

Abnehmendes Exportwachstum bei modernen
technischen Produkten (ATP)
Der amerikanische Handelsüberschuß bei ATP nahm
1991 auf 36,7 Milliarden Dollar zu, ein Sprung von 7,3
Prozent gegenüber 1990, lag jedoch wesentlich unter
dem 26prozentigen Anstieg, der im Jahr 1990 verzeichnet wurde. Der Gesamthandel (Importe plus
Exporte) stieg im Jahr 1991 bei modernen technischen
Erzeugnissen auf 163 Milliarden Dollar, ein Sechstel
des gesamten US-Handels. Wie im Fall der Kapitalgüter allgemein sind die amerikanischen ATP-Produkte
auf den Weltmärkten äußerst konkurrenzfähig, und für
1992 ist ein anhaltendes Exportwachstum zu erwarten.
Steigender
erwartet

Agrarhandelsüberschuß

für

1992

Nach einem Jahr, in dem der Wert des US-Agrarhandels, und zwar Exporte und Importe zusammengenommen, nahezu unverändert blieb, wird im Jahr 1992
auf der Grundlage leicht erhöhter Preise und Mengen
ein geringfügiger Anstieg der Agrarexporte erwartet.
Da bei den Importen in dieser Kategorie mit keiner
wesentlichen Veränderung gerechnet wird, dürfte sich
der Handelsüberschuß im Agrarsektor 1992 erhöhen.
Unveränderte Ölimporte im Jahr 1992
Die amerikanischen Zahlungen für Importe von ölprodukten werden im Jahr 1992 etwa auf dem Niveau von
1991 (50 Milliarden Dollar) verharren, wobei niedrigere
ölpreise erwartungsgemäß durch eine Volumensteigerung ausgeglichen werden. Im Jahr 1991 betrugen
die Ölimporte durchschnittlich 7,7 Millionen Faß pro
Tag (mmbd) gegenüber 8,2 Millionen mmbd im Jahr
1990. Die Ölpreise, die in den letzten fünf Monaten des
Jahres 1990 aufgrund der Golfkrise rapide anstiegen,
fielen auf das Niveau vor der irakischen Invasion in
Kuwait und dem folgenden Golfkrieg zurück Im Verlauf des Jahres 1992 werden mäßige Rohölpreise von
17 bis 19 Dollar pro Faß erwartet. Mit Besserung der
Wirtschaftslage im Jahr 1992 wird das Volumen der
Ölimporte zunehmen, was durch den anhaltenden
Abbau der amerikanischen Ölförderung noch verstärkt
wird.

* * *

*

AMERIKA DIENST 15

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Demokratische Tendenzen nach Auflösung der Sowjetunion gutes Zeichen für "echten Frieden" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush vor Zeitungsredakteuren&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Baker drängt auf Verabschiedung des Gesetzes zur Förderung der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Drei Jahre Fortschritte bei Nichtverbreitung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Staatssekretär Bartholomew&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. EBWE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brady: EBWE soll sich auf Hilfe für den Privatsektor konzentrieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Finanzministers bei der EBWE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht über die Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der US-Handel 1992 - ein Ausblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von John Jelacic&lt;/em&gt;</text>
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8. April 1992

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5300 Bonn ^

JUGOSLAWISCHE REPUBLIKEN BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten

SICHERHEIT

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney
bei der NATO

KSZE

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL DER
NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum
bei der KSZE

LASTENTEILUNG

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung von Sonderbotschafter Holmes

GUS

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums

FULBRIGHT-STIFTUNG

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT 40JÄHRIGES
JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�JUGOSLAWISCHE

REPUBLIKEN
8. April 1992

BUSH VERKÜNDET ANERKENNUNG EHEMALIGER
JUGOSLAWISCHER REPUBLIKEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat am 7. April 1992 die völkerrechtliche Anerkennung Bosnien-Herzegowinas, Kroatiens und Sloweniens durch die Vereinigten Staaten sowie die unverzügliche Aufnahme von
Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen mit diesen drei ehemaligen
jugoslawischen Republiken verkündet.
Bush stellte darüber hinaus fest, die Vereinigten Staaten würden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft zusammenarbeiten, "um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der
Republik Mazedonien rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die Lage zu versetzen, die
Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen".
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Erklärung im Wortlaut.
Die Vereinigten Staaten erkennen Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slowenien als souveräne und unabhängige Staaten an und werden unverzüglich Konsultationen über die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen aufnehmen. Die Vereinigten
Staaten akzeptieren die Republikgrenzen, wie sie vor
der Krise bestanden, als rechtmäßige internationale
Grenzen von Bosnien-Herzegowina, Kroatien und
Slowenien.
Wir tun diesen Schritt, da wir befriedigt sind, daß diese
Staaten die erforderlichen Kriterien für die Anerkennung erfüllen. Wir tragen dem friedlichen und demokratischen Ausdruck des Willens der Bürger dieser
Staaten nach Souveränität Rechnung.
Wir werden weiterhin intensiv mit der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten zusammenarbeiten, um die noch bestehenden Probleme zwischen Griechenland und der Republik Mazedonien
rasch zu lösen und damit die Vereinigten Staaten in die
Lage zu versetzen, die Unabhängigkeit dieser Republik ebenfalls formell anzuerkennen. Die Vereinigten
Staaten werden ferner mit den Regierungen Serbiens
und Montenegros ihre Interessen erörtern, in einem als
Jugoslawien bekannten gemeinsamen Staat zu verbleiben.
Im Lichte ihrer Entscheidung zur Anerkennung werden
die Vereinigten Staaten die Wirtschaftssanktionen gegen
Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien und Mazedonien aufheben. Die Sanktionen wurden am 6.
AMERIKA DIENST 14

Dezember 1991 gegen Jugoslawien verhängt. Wir
werden die Sanktionen gegen Serbien und Montenegro aufheben, wenn Belgrad seinerseits die Wirtschaftssanktionen gegen Bosnien-Herzegowina und Mazedonien einstellt. Das UN-Waffenembargo bleibt in
Kraft.
Während der gesamten Jugoslawien-Krise entsprach
es der Politik der Vereinigten Staaten, jede Lösung zu
akzeptieren, die friedlich, demokratisch und durch
Verhandlungen erreicht wird. Die Vereinigten Staaten
unterstützen energisch den von Cyrus Vance ausgearbeiteten Friedensplan der Vereinten Nationen und die
vollständige Stationierung der UN-Friedenstruppe. Wir
unterstützen weiterhin die EG-Friedenskonferenz als
unerläßliches Forum für die Parteien, um eine friedliche Regelung ihres Streits herbeizuführen und die
Grundlage ihrer künftigen Beziehungen zu schaffen.
Die amerikanische Anerkennung enthält keine Präjudizierung dessen, auf welche Art Vereinigung die jugoslawischen Nachfolgestaaten sich künftig einigen
könnten.
Die Vereinigten Staaten betrachten das von den neuen
Staaten unter Beweis gestellte Engagement zur Achtung von Grenzen und zum Schutz aller jugoslawischen Nationalitäten als unverzichtbares Element für
die Herstellung vollständiger diplomatischer Beziehungen. Ebenso betrachten wir ein solches Engagement seitens Serbiens und Montenegros als unabdingbar, um die Gespräche über ihren künftigen Status
fortzusetzen.
Seite 1

�Die Stationierung der UN-Friedenstruppe, die Fortsetzung der EG-Friedenskonferenz und des Prozesses
der internationalen Anerkennung bieten allen ehemaligen jugoslawischen Republiken eine historische
Chance, der tragischen Gewalt eine Absage zu erteilen, von der diese Krise gekennzeichnet war. Das

anhaltende Engagement für den friedlichen Dialog
sollte zur Aussöhnung, zur Integration in Europa und
zu herzlichen und produktiven Beziehungen mit den
Vereinigten Staaten führen. Die Vereinigten Staaten
werden sich weiterhin darum bemühen, diese Ziele zu
verwirklichen.

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 14

�SICHERHEIT
8. April 1992

SICHERHEIT AMERIKAS MIT ALLEN STAATEN
EUROPAS VERKNÜPFT
Rede von Verteidigungsminister Cheney bei der NATO
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister Richard Cheney beim Treffen
der NATO-Verteidigungsminister mit Amtskollegen aus Osteuropa am 1. April 1992 gehaltene Rede.
Ich danke Ihnen, Herr Generalsekretär. Auch ich
möchte heute unsere Kollegen aus dem Osten herzlich
willkommen heißen.

würde vielmehrdurch ein vollständig entwickeltes Netz
sich gegenseitig verstärkender Institutionen und Beziehungen geschützt.

Dieses Treffen soll eine Bilanz unserer Bestrebungen
beim Aufbau eines ungeteilten und freien Europas mit
einer starken transatlantischen Bindung ziehen. Für
die NATO-Mitgliedstaaten liegt es auf der Hand, daß
das Nordatlantische Bündnis ein neues Kapitel seiner
Geschichte aufgeschlagen hat. Einen entscheidenden Teil dieses neuen Kapitels bilden unsere heutigen
Bestrebungen zur Erweiterung und Vertiefung unserer
Beziehungen - ein Unterfangen, das einen wichtigen
Beitrag zu unserem Endziel eines vereinten, freien und
friedlichen Europas leisten kann.

Am besten können wir zum Aufbau dieses neuen
Europas beitragen, indem wir unsere Beziehungen
durch einen langfristig auf die Förderung gegenseitiger
Rückversicherung ausgerichteten Prozeß stärken und
enge Bande zwischen all unseren Nationen entwikkeln. Wir sollten einen phantasievollen Ansatz unserer
Zusammenarbeit ermutigen. Wie uns das Jahr 1989
lehrte, kann vieles, was jetzt unmöglich erscheint,
plötzlich möglich werden. Um Präsident Havel vor
dem Europarat im Jahr 1990 zu zitieren: "Es kann
Augenblicke in der Geschichte geben, in denen die
Tatsache, Träume über Prinzipien gehabt zu haben,
sich als praktisch erweisen könnte."

Zukunftsvision
In einer Zeit des Umbruchs stehen Sicherheitsprobleme unweigerlich in einigen Ländern auf der Tagesordnung. Ich kann Ihnen jedoch versichern, wir im Westen
sind davon überzeugt, daß "unsere eigene Sicherheit
untrennbar mit der Sicherheit aller anderen Staaten in
Europa verknüpft ist" - so wie es auch in der NATOGipfelerklärung vom vergangenen November in Rom
niedergelegt wurde.
Und beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats in Kopenhagen haben unsere Außenminister folgendes festgestellt:
"Die Festigung und der Schutz demokratischer Gesellschaften und ihr Freisein von jeder Art von Zwang oder
Einschüchterung auf dem gesamten Kontinent sind
daher unser aller Anliegen."
Unsere Vision eines geeinten, freien und friedlichen
Europas ist daher im wesentlichen eine Vision, in der
Sicherheit nicht länger ein Thema für die in diesem
Raum versammelten Nationen ist. Unsere Sicherheit

AMERIKA DIENST 14

Vereinbarte Liaison-Prioritäten
Aus meiner Sicht sollte unser üaison-Programm mehrere
kurzfristige Prioritäten enthalten. Lassen Sie mich
einige der wichtigsten Prioritäten und einige Schlüsselbereiche nennen.
An erster Stelle sollte der Aufbau von Demokratie
durch die Entwicklung einer angemessenen Rolle der
Streitkräfte in den Staaten Europas stehen. Schlüsselbereiche sollten reduzierte Streitkräfte und die demokratische zivile Kontrolle in einem Rechtsstaat umfassen. In dieser Hinsicht möchte ich die Gruppe für
Verteidigungsangelegenheiten auffordern, unverzüglich die Entsendung kleiner Teams ziviler und militärischer Experten für Liaison-Verbindungen in den Verteidigungsministerien und gegebenenfalls anderen
Bereichen zu prüfen.
Eine zweite Priorität besteht in der Förderung von
Stabilität und Sicherheit in ganz Europa. Unsere
Programme sollten beispielsweise starkes gegenseiti-

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�ges Engagement für Sicherheit in der gesamten europäischen Region demonstrieren, größere Vertrautheit
und Transparenz unserer Verteidigungseinrichtungen
und Streitkräfte untereinander fördern sowie eine rein
defensive Strategie und Doktrin ermutigen.
Eine dritte Priorität gilt der Stärkung der Volkswirtschaften Osteuropas. Hier könnten wir uns auf die
Erörterung von Verwaltungsfragen in der Rüstungsindustrie konzentrieren, die Verteidigungslast durch die
Reform der Volkswirtschaftem verringern und Beziehungen zwischen Regierung und Rüstungsindustrie in
einer freien Marktwirtschaft entwickeln.
Viertens streben wir humanitäre Hilfe beispielsweise
durch gemeinsame Such- und Rettungsübungen mit
den Streitkräften der interessierten Nationen an, wobei
der Bekämpfung von Flutkatastrophen, Hilfsmaßnahmen bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen besonderes Augenmerk gewidmet wird.
Eine fünfte Priorität sollte darin bestehen, engere
Zusammenarbeit zwischen unseren Streitkräften zu
erlangen, die zur Förderung unseres traditionellen
Ziels eines durch gemeinsame Werte geeinten Europas beiträgt. Unsere Verteidigungseinrichtungen und
Streitkräfte sollten sich selbst als Teil einer demokratischen Staatengemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und Werten sehen. Zu den möglichen Projekten
zur Unterstützung dieser Idee zählen:
Umfassende Erweiterung unserer Bildungsprogramme und Erarbeitung von Programmen für
Offiziere aus Osteuropa bei der NATO und
nationalen Militärakademien sowie
Umgestaltung der Flugsicherung in Osteuropa
in ein modernes, mit dem Westen vergleichbares System auf der Grundlage der über die
Kontrolle des Luftraums geführten Gespräche.
Schließlich sollten wir beginnen, gemeinsam mit anderen Institutionen bei der Stärkung von Mechanismen
zur Krisenbewältigung zusammenzuarbeiten.
Mit andern Worten - es gibt viele Bereiche, in denen
unser Verteidigungs-Liaison-Programm einen wesentlichen Beitrag zu Freiheit, Frieden und Sicherheit leisten kann. Ich hoffe, daß der von der Gruppe für
Verteidigungsbelange zu entwickelnde Liaison-Arbeitsplan spezifische Projekte für jeden dieser Bereiche
vorschlägt.
Zusätzliche kurzfristige Prioritäten
Gleichzeitig sollten wir zur Erweiterung unseres Horizonts bereit sein und gegebenenfalls andere kooperative Ideen in Betracht ziehen. Ich weiß zum Beispiel,
daß zahlreiche meiner Kollegen aus Osteuropa sehr
darüber besorgt sind, wie sie den geplanten Abbau
ihrer Verteidigungskomplexe vornehmen sollen. Dies

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setzt eine weitere wichtige kurzfristige Priorität für
unser Liaison-Programm - die sozialen Aspekte der
militärischen Umgestaltung.
Während sowohl der Osten als auch der Westen ihre
Streitkräfte verringern, können wir Erfahrungen darüber austauschen, wie dieser Übergang am besten
bewerkstelligt wird und Beeinträchtigungen der Menschen und Volkswirtschaften so gering wie möglich
gehalten werden. Ich möchte mindestens zwei Schlüsselbereiche nennen: Ausbildung und Umschulung
ehemaliger Angehöriger der Streitkräfte sowie Wohnraumbeschaffung.
Ein Gedankenaustausch kann von großem Nutzen
sein, einschließlich der Demobilisierungserfahrungen
der Vergangenheit wie etwa nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu anderen mittelfristigen Schlüsselbereichen
könnten Planungen für den zivilen Notstand, Umstrukturierung der Industrie und Rüstungskonversion zählen.
Weitere Entwicklung von Programmen
Während wir Vertrauen zwischen uns aufbauen, sollten wir auf lange Sicht ehrgeizigere gemeinsame
Unternehmungen in Betracht ziehen. Ein Ansatz
könnte in größerer Offenheit und Transparenz der
Verteidigungsplanung bestehen. Wir sollten eine jährliche Überprüfung unserer Verteidigungsplanung mit
unseren Liaison-Partnern nicht ausschließen. Das
Ziel bestünde in der Förderung von Transparenz und
Vertrauensbildung durch die Bekräftigung des defensiven Charakters unserer militärischen Strukturen.
Unser Programm könnte ferner zur Erweiterung der
europäischen Sicherheitsarchitektur beitragen. Der
Nordatlantische Kooperationsrat (NACC) und andere
Liaison-Gremien könnten entweder einzeln oder als
Durchführungsorgane der KSZE - die positiv auf Hilfsersuchen der KSZE reagieren könnten - als unabhängige Mittler zur Krisenbewältigung und Friedenssicherung in Europa beitragen.
Unter anderem müßten wir erörtern, wie die Ressourcen der NATO einschließlich ihrer Streitkräfte und die
Ressourcen unserer Kooperationspartner am effektivsten genutzt werden könnten. Ich möchte feststellen,
daß die Streitkräfte der NATO-Mitgliedstaaten in den
vergangenen zwei Jahren mindestens achtmal eingesetzt wurden - für Operationen von Wüstensturm bis
zur Evakuierung von Ausländem aus Zaire. Sie kamen
als NATO-Streitkräfte zum Einsatz, als Streitkräfte
unter der Schirmherrschaft der WEU oder als Teil einer
Ad-hoc-Koalition von Nationen wie im vergangenen
Jahr am Persischen Golf.
Wir sollten nicht ausschließen, daß wir zu einem
bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeit gemeinsamer
Planung und Ausbildung sowie Übungen für Friedensmissionen in Betracht ziehen möchten.

AMERIKA DIENST 14

�Unsere Vision sollte in der Schaffung einer stabilen
und sicheren euro-atlantischen Gemeinschaft demoUnser Liaison-Programm bietet den Teilnehmern ins- kratischer Werte und Institutionen bestehen, in der
gesamt gesehen eine Chance zur Verwirklichung des keine Nation eine Bedrohung ihrer Nachbarn darstellt.
in Aitikel II des Nordatlantikvertrags verankerten Appells, In diesem Verteidigungsprogramm sehen wir nicht
"zur Entwicklung friedlicher und freundschaftlicher eine unseren neuen Partnern angebotene NATO-Iniinternationaler Beziehungen beizutragen, indem sie tiative, sondern vielmehr ein auf gegenseitigen Reihre freien Einrichtungen festigen, ein besseres Ver- spekt und Konsultationen mit den Verantwortlichen auf
ständnis für die Grundsätze herbeiführen, auf denen allen Seiten gegründetes Programm. Solange wir den
diese Einrichtungen beruhen und indem sie die Vor- Geist enger Zusammenarbeit aufrechterhalten, bin ich
aussetzungen für den Zusammenhalt und das Wohler- zuversichtlich, daß wir einen bedeutenden Beitrag zur
gehen fördern."
künftigen europäischen Sicherheit leisten können.
Schlußbemerkung

* * * * *

AMERIKA DIENST 14

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�KSZE
8. April 1992

KSZE WESENTLICHER BESTANDTEIL
DER NEUEN FRIEDENSARCHITEKTUR
Rede von Botschafter Kornblum bei der KSZE
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter John C. Kornblum, dem Leiter der
amerikanischen Delegation beim Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am
31. März 1992 in Helsinki gehaltene Rede, in der er den amerikanischen Ansatz zur KSZE für Helsinki und
darüber hinaus darlegt.

Herr Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, einige Erwägungen der amerikanischen Delegation zur Arbeit der Konferenz vortragen zu können.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Rede in der vergangenen Woche hier betonte, erachten die Vereinigten Staaten die KSZE als
wesentlichen Bestandteil der neuen Friedensarchitektur. Die KSZE hat in den vergangenen 15 Jahren
Großes vollbracht. Unseres Erachtens ist sie besonders gut geeignet, in den vor uns liegenden Jahren ihre
bisherigen Leistungen noch zu übertreffen.
Für einen genauen Zuhörer zog sich durch die Reden
beim Ministertreffen der vergangenen Woche ein roter
Faden.
Die Entschlossenheit, die KSZE in eine neues
Zeitalter zu leiten und ihre Strukturen und Praktiken an den Bedarf der Zukunft anzupassen.
Die Besorgnis über die Gefahren der Instabilität
in Europa und die Notwendigkeit, Mechanismen
zur Bewältigung möglicher Krisen zu entwickeln.
Das andauernde Engagement für die Grundpfeiler der KSZE - die Konzentration auf Werte
und Menschenrechte, die politische Natur des
Prozesses und die Bedeutung des Konsensprinzips als Grundlage unserer Arbeit.
Und schließlich die Begrüßung unserer neuen
Mitglieder in der Hoffnung, daß sie sich voll und
ganz an unserer Arbeit beteiligen werden.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich jedem dieser
Ziele uneingeschränkt. Meines Erachtens bieten sie
eine nützliche Grundlage für die Arbeit dieser Konfe-

AMERIKA DIENST 14

renz. Sie zeigen femer die Art von Schlu ßfolgerungen
auf, die unser Gipfeltreffen in drei Monaten unserer
Ansicht nach hervorbringen sollte.
Da mein Land so vielfältige Interessen hat und in so
zahlreichen Institutionen engagiert ist, möchte ich
zunächst einen Punkt hervorheben - die KSZE ist
integraler Bestandteil unserer Bestrebungen zur Herstellung eines dauerhaften Friedens in Europa und der
Welt und wird dies auch in Zukunft sein.
Sowohl innerhalb der KSZE als auch in den mit uns
verbündeten Ländern haben wir die Führungsrolle bei
der Entwicklung der KSZE und der Unterbreitung
neuer Lösungen für neue Probleme übernommen.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die von
Außenminister Baker im Dezember 1989 in Berlin
gehaltene Rede verweisen, in der er das Konzept
miteinander verknüpfter Institutionen in Europa darlegte. Das NATO-Gipfeltreffen in London vom Juli
1990 stellte ein Programm zur Entwicklung vor, das in
der Pariser Erklärung beachtlichen Niederschlag fand.
Unser Vorschlag für das Prager Ministertreffen beinhaltete das Büro für Demokratische Institutionen und
Menschenrechte (ODHIR) und das Wirtschaftsforum.
Als Berichterstatter und Pfadfinder waren wir in der
KSZE besonders aktiv. Das hier in der vergangenen
Woche unterzeichnete Abkommen über Offene Himmel gründet sich auf eine weitere Inititative von Präsident Bush. Darüber hinaus haben wir eng mit Norwegen und anderen Ländern zusammengearbeitet, um
den Entwurf eines Mandats für die im Anschluß an
Helsinki stattfindenden Sicherheitsverhandlungen fertigzustellen.

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�Wir werden in Helsinki durch eine große und fähige
Delegation vertreten sein, die in allen Bereichen unserer Arbeit aktiv sein wird. Wir waren bestrebt, Lösungen zu unterbreiten, die - wie ich hoffe - die Arbeit
dieser Konferenz weiter vorangebracht haben. Es
kann kein Zweifel an unserer Entschlossenheit bestehen, die KSZE erfolgreich in ein neues Zeitalter zu
leiten.
Vielfalt und Wandel
Amerika ist eine Nation des Wandels. Unseres Erachtens müssen sich die Institutionen angesichts neuer
Erfordernisse und Erfahrungen entwickeln. Die amerikanische Rechtsprechung gründete sich jedoch auch
auf den Glauben an die Entwicklung flexibler Strukturen statt einem vollständigen Austausch der alten
gegen neue.
Dasselbe gilt für die KSZE. Jeder, der den Reden beim
Ministertreffen der vergangenen Woche zugehört hat,
konnte nicht umhin, von der Vielfalt der Völker und ihrer
Probleme beeindruckt zu sein. Ebenso beeindruckend
war die Unsicherheit über die Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen.
Wie der Stellvertretende Außenminister Eagleburger
in seiner Erklärung der vergangenen Woche betonte,
besteht unsere eigentliche Aufgabe in Helsinki darin,
eine gänzlich neue Definition der europäischen Sicherheit zu entwickeln. Diese Definition sollte funktional
sein und den Bedümissen aller Völker der KSZE
gerecht werden. Sie sollte ein im wesentlichen statisches, auf die Existenz zweier Blöcke gegründetes
Konzept durch eine vielseitige und vielschichtige Idee
ersetzen, die von den demokratischen Prinzipien, die
Grundlage der KSZE sind, konkreten Gebrauch macht.
Diese Definition muß der großen Vielfalt Rechnung
tragen, von der die Sicherheitsdebatte in Europa gekennzeichnet ist. Um neue Herausforderungen in den
Griff zu bekommen, müssen wir eine Definition von
Sicherheit erarbeiten, die klare Ziele enthält und flexible Methoden anlegt.
Vor allem sollte diese neue Definition auf der Übereinstimmung zu Grundwerten aufbauen, die heute zwischen uns herrscht. Sie sollte Menschenrechte und
demokratische Institutionen zum operativen Schwerpunkt unseres Handelns machen. Die Arbeit bei der
menschlichen Dimension ist noch nicht beendet, wie
einige behaupten könnten. In Wirklichkeit sind wir
unserem Ziel nur einen Schritt näher gekommen. Einst
waren die Menschenrechte zwischen uns ein zentraler
Streitpunkt. Heute sind sie zum gemeinsamen Prinzip
geworden. Unsere nächste Aufgabe ist es, auf unserer
Vielfalt aufzubauen, um dieses Prinzip in die Praxis
umzusetzen.
Das Geniale an unserem KSZE-Prozeß ist gerade
diese Mannigfaltigkeit und Flexibilität. Die KSZE geht

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nicht von denselben Voraussetzungen aus wie beispielsweise NATO und EG. Diese Organisationen
bauen auf dem Gefühl der Sicherheit auf, das bereits
unter ihren Mitgliedern besteht, die eine gemeinsame
Ebene der Entwicklung und des Ansatzes haben.
Die KSZE war auf die Annahme gegründet, daß ihre
Unterzeichner keine gemeinsamen Ansätze hatten.
Sie ist bestrebt, Sicherheit zu schaffen, indem sie
Bereiche der Übereinstimmung inmitten unterschiedlicher Meinungen erweitert. Dieser Konsens wird durch
den politischen Willen ihrer Mitgliedstaaten zur erfolgreichen Definition gemeinsamer Ziele in die Praxis
umgesetzt.
Dieses zugrundeliegende Prinzip ist heute ebenso
gültig wie vor 10 Jahren. Glücklicherweise wurde die
Konfrontation zwischen Streitkräften und Ideologien
überwunden. Es kann jedoch nicht behauptet werden,
daß alle KSZE-Mitgliedstaaten auf der gleichen Entwicklungsstufe stehen oder denselben Ansatz teilen.
Das Konfliktpotential ist nach wie vor groß. Die Notwendigkeit zum Ausbau des demokratischen Konsenses ist lebenswichtiger denn je.
Diese Tatsache wurde uns letzte Woche bei der Einigung über die Konferenz zu Nagomy-Karabach lebhaft
verdeutlicht. Die quälende Suche nach einem Konsens führte zu einer Demonstration des politischen
Willens aller Mitgliedstaaten, die das erste konkrete
Ergebnis bei den Vermittlungsbemühungen zu diesem
tragischen Problem hervorbrachte.
Im Hinblick auf künftige Überlegungen wird es wichtig
sein, diese Beispiele im Auge zu behalten, wenn wii
darüber nachdenken, was bei unserer KSZE wirklich
neu ist.
Es ist kein "neues Denken", bürokratische Organisationen aufzubauen.
Es ist nicht kreativ, geschriebene oder ungeschriebene Regeln anzustreben, mit denen ein
Konsens erzwungen werden soll, wo keiner
existiert.
Es ist kein zukunftsorientiertes Denken, Verträge oder Vereinbarungen anzustreben, um einen
Frieden festzuschreiben, der nicht zunächst durch
die Suche nach einem politischen Konsens
geschaffen wurde.
Dies sind in der Tat die Methoden der Vergangenheit.
Die Geschichte ist voll von gegenseitigen Garantien,
Nichtangriffspakten und Versprechen redlichen Verhaltens.
Was im Hinblick auf den KSZE-Prozeß wahrhaft revolutionär ist, ist deren Fähigkeit, einen politischen Prozeß zwischen Staaten mit vielfältigen Interessen und
Ursprüngen einzurichten und Ergebnisse zu erlangen.

AMERIKA DIENST 14

�Wenn wir bei dieser Konferenz etwas wirklich Kreatives leisten möchten, dann werden wir von der Grundlage der in der Schlußakte dargelegten Werte ausgehen und den politischen Prozeß als operativen Rahmen benutzen.
Ein solches Ziel ist schwerer zu erlangen als eine
Einigung über neue bürokratische Strukturen oder
Schriftstücke. Wenn es verwirklicht werden soll, muß
sowohl in den Staaten des Westens als auch den
neuen Demokratien des Ostens eine Evolution des
Denkens stattfinden.
Insbesondere müssen wir alle damit aufhören, die
Beziehungen innerhalb Europas als eine Art \ on Nullsummenspiel zu betrachten, in dem die Gewinne einer
Gruppe durch Verluste einer anderen ausgeglichen
werden müssen. Unser Ziel lautete heute, die einzelnen Elemente unserer Struktur zu nehmen und sie so
zu kombinieren, daß das Ergebnis größer ist als die
einzelnen Teile des Ganzen.
Um noch einmal den Stellvertretenden Außenminister
Eagleburger zu zitieren - wir gehen davon aus, daß
dieser wahrhaft neue Ansatz bei der KSZE in einer
politischen Erklärung unserer Staats- und Regierungschefs zum Ausdruck kommen sollte, die auf den Errungenschaften der Vergangenheit aufbaut. Sie sollte
folgende Elemente beinhalten:
Die erneute Bestätigung der Grundwerte, an die
die KSZE gebunden ist und die Anwendung
dieser Werte auf einen neuen Verfahrensrahmen.
Die Entwicklung dieses Rahmens auf der Basis
von in Prag formulierten Prinzipien. Das heißt,
daß der Ministerrat und die Zentralorgane des
Ausschusses Hoher Beamter (Committee of
Senior Officials - CSO) in einem politischen
Prozeß verbesserter Konsultationen und konzertierter Aktionen stehen.
Unterstützung für dieses Verfahrensprinzip der
KSZE durch Stärkung der Institutionen und
Methoden. In dieser Hinsicht würden wir Vorschläge zur Entwicklung einer Troika oder des
Konzepts von Planungsgruppen ebenso fördern wie die Expansion und bessere Definition
der Rollen des ODIHR und des Zentrums zur
Konfliktverhütung (Conflici Prävention Center CPC). Wir betrachten unseren Vorsc. .lag für ein
Wirtschaftsforum in diesem selben Kontext.
Die Konzentration der Arbeit dieser Institutionen
auf die zentrale Aufgabe der KSZE in der Welt
nach dem kalten Krieg. Diese Aufgabe wird
vielfach als Konfliktverhütung oder Krisenmanagement beschrieben. Wir würden die Definition erweitern und über den Prozeß der Bewältigung des Wandels sprechen. Veränderungen
finden überall statt, und wir wollen, daß sie
AMERIKA DIENST 14

stattfinden. Aber sie müssen innerhalb bestimmter Grenzen stattfinden. In den kommenden Jahren wird die zentrale politische Aufgabe
der KSZE darin bestehen zu gewährleisten, daß
Veränderungen auf eine positive Art und Weise
stattfinden, die die Entwicklung demokratischer
Institutionen fördert.
Wir stimmen denjenigen zu, die argumentieren, die
KSZE solle ihre Strukturen in diesem Sinne verfeinern
und stärken. In dieser Hinsicht messen wir dem
niederländischen Vorschlag über Frühwarnindikatoren große Bedeutung bei und begrüßen das britische
Papier über Konflikt Verhütung. Unserer Meinung nach
sollte ein bedeutsames Ergebnis dieser Konferenz
eine integrierte Struktur sein, die sich auf die Minister
und den CSO konzentriert und die Fähigkeit der KSZE
zur Bewältigung von Veränderungen steigern.
Abbau der Gefahr von militärischen Konfrontationen und Konflikten durch Vereinbarung einer
umfassenden Struktur für Dialog, Verhandlungen und Kooperation im Bereich militärische
Sicherheit. Die KSZE wird im laufenden Rüstungskontrollprozeß entscheidende Bedeutung
haben und sollte daher ihr eigenes Forum zu
diesem Zweck einrichten. Dieses Forum sollte
jedoch auf seine speziellen Aufgaben beschränkt
bleiben. Es sollte weder Anlaufstelle unserer
Konfliktverhütungsstruktur werden noch der
Grundstein einer Gesamtstruktur für Sicherheit.
Unser Wunsch, des CPC von diesem Forum abzutrennen, basiert auf diesem umfassenden
Konzept. Das CPC sollte allen Aspekten der
Bestrebungen des Rats dienen, die Veränderungen zu bewältigen. Er sollte nicht an ein Segment der KSZE gebunden sein.
Vervollständigung dieser Bestrebungen zum
Verfahren mit kontinuierlichen KSZE-Projekten,
um die tiefliegenden Ursachen der Spannungen
in Angriff zu nehmen. Dies ist der Grund für
unseren Vorschlag zu einem Seminar über
Migration. Wir sind ferner der Meinung, daß
mehr Arbeit zum Thema Minderheiten geleistet
werden sollte. Wichtige Bereiche der Zusammenarbeit bestehen in den Bereichen Wirtschaft,
Wissenschaft, Technik und Umwelt. Darüber
hinaus sind die Bereiche Kultur sowie Presse
und Information für unsere Aufgabe nach wie
vor wichtig.
Vertiefung des Know-hows der KSZE durch den
Ausbau von Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen. Diese
Arbeit sollte mehr Möglichkeiten für Einzelpräsentationen in Gremien und Arbeitsgruppen aller
KSZE-Treffen bieten, eine regelmäßige Teilnahme an Treffen als Beobachter sowie die
Koordination und Kooperation bei speziellen
Projekten vorsehen, die bei der KSZE mit besteSeite 3

�henden Organisationen vereinbart werden. Wir
nehmen das Mandat des Prager Ministertreffens ernst, die Kontakte mit transatlantischen
und europäischen Organisationen auszubauen.
Wir wünschen, es könne jetzt in Kraft treten, da
Helsinki noch läuft. Da dies nicht möglich scheint,
hoffen wir auf eine Vereinbarung zum Ende des
Treffens. In der Zwischenzeit werden wir die
Arbeit der Arbeitsgruppen eingehend beobachten, um sicherzustellen, daß alle relevanten Organisationen an den unterschiedlichen Gruppen teilnehmen, die von ihren Erfahrungen
profitieren können.

rungen am besten in eine positive Richtung geführt
werden können, indem man einen positiven Rahmen
für demokratische Entwicklungen definiert und nicht
subjektive Maßstäbe aufzwingt. Darüber hinaus basiert er auf der Überzeugung, da ß die beste Grundlage
für Frieden in Europa die Entwicklung einer demokratischen Gemeinschaft euro-atlantischer Staaten von
Vancouver bis Wladiwostok ist.
Darum geht es letztlich bei unserer Konferenz. Definieren wir unsere Welt in engen Grenzen, die die
statische Stabilität des kalten Kriegs erhalten wollen.
Oder träumen wir große Gedanken, die den Horizont
all unserer Nationen erweitern? Träumen heißt nicht
verzögern. Ich habe versucht zu demonstrieren, daß
die US-Delegation jetzt viele Ideen für praktische
Sofortmaßnahmen hat, da die Probleme vordringlich
sind.

Ausweitung der Effektivität unserer Arbeit durch
bessere Möglichkeiten der Mitarbeit für nichtstaatliche Institutionen und Organisationen. Die
KSZE darf kein Diplomatenclub werden. Sie
muß die Öffentlichkeit stärker einbeziehen. Wenn
sie das nicht tut, wird sie bald ihre Glaubwürdig- Aber ein Vorgehen ohne Vision ist letztlich richtungslos
und zwecklos. Ich hoffe insbesondere, daß wir diese
keit verlieren.
Plenarsitzungen nutzen können, um unsere gemeinHerr Vorsitzender, ich habe versucht, einen Aktions- same Vision einer euro-atlantischen Welt zu erörtern.
plan zu entwerfen. Er basiert auf einer Definition von Diese Aufgabe ist ebenso wichtig wie viele andere,
Sicherheit, die Veränderungen begrüßt und sie nicht denen wir uns stellen müssen.
fürchtet. Er basiert auf der Annahme, daß Verände-

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 14

�LASTENTEILUNG
8. April 1992

LASTENTEILUNG VERSCHIEBT SICH
ZUGUNSTEN AMERIKAS
Erklärung vun Sonderbotschafter Holmes
WASHINGTON - (AD) - Dem Sonderbotschafter für Lastenteilung, Allen Holmes, zufolge ist die US-Administration "dem Prinzip verpflichtet, daß Verteidigungskosten gleichmäßig mit unseren Verbündeten geteilt werden
sollten". Dabei habe sich seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren die Lastenteilung "erheblich zu unseren Gunsten
verschoben", stellte Holmes am 1. April 1992 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für
Lastenteilung fest.
Holmes erklärte, die Beiträge der Verbündeten würden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Er verwies
insbesondere auf die von Deutschland getragenen "erheblichen Kosten" für die Beschleunigung des Abzugs der
ehemals sowjetischen Streitkräfte aus Ostdeutschland, die im Interesse aller NATO-Partner liege sowie auf neue
Arrangements mit Japan und Korea, die "deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung amerikanischer
Streitkräfte auf ihrem Territorium wesentlich erhöhen" werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung von Sonderbotschafter Holmes im Wortlaut.

Einleitung
Die amerikanische Regierung ist dem Prinzip verpflichtet, daß die Verteidigungskosten gleichmäßig mit
den Verbündeten geteilt werden sollten. Die Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten für den
Schutz der Sicherheitsinteressen aller bleibt ein zentrales Anliegen der amerikanischen Regierung, da sich
aufgrund der Veränderungen im internationalen Umfeld die Beziehungen der Allianz weiterentwickeln.
Die Beiträge der Verbündeten zur Verwirklichung
gemeinsamer internationaler Ziele werden auf vielfältige Art und Weise erbracht. Die amerikanische Regierung anerkennt und würdigt die gesamte Bandbreite
von Maßnahmen, die von unseren Verbündeten zur
Unterstützung unserer wechselseitigen Interessen
ergriffen werden. Zu diesen Maßnahmen gehört der
direkte Ausgleich amerikanischer Stationierungskosten, die Bereitstellung von Streitkräften für Koalitionsaufgaben sowie nichtmilitärische Aktivitäten, mit denen die Ziele aller unterstützt werden. So trägt die
Bundesrepublik Deutschland zum Beispiel erhebliche
Kosten, um den Abzug der ehemals sowjetischen
Streitkräfte aus Ostdeutschland zu beschleunigen.
Dies ist ein direkter Beitrag zur Verwirklichung eines
traditionellen Ziels der NATO - der Beseitigung der
sowjetischen militärischen Bedrohung für Westeuropa. Darüber hinaus bedeutet die finanzielle Unterstüt-

AMERIKA DIENST 14

zung Deutschlands und anderer westeuropäischer
Staaten für die wirtschaftliche Erholung Mittel- und
Osteuropas einen großen Beitrag zu wichtigen wirtschaftlichen und politischen Zielen, die wir alle gemeinsam verfolgen. Sicherlich sind die internationalen
Beiträge in Form von Streitkräften, materieller und
finanzieller Unterstützung für die Operationen Wüstenschild und Wüstensturm ein ausgezeichnetes
Beispiel der Zusammenarbeit zur Erlangung gemeinsamer Ziele. Die Vereinigten Staaten - dies sollte
erwähnt werden - erhielten von ihren Freunden und
Verbündeten Finanz- und materielle Hilfe in Höhe von
etwa 54 Milliarden Dollar.
Wie unser in Kürze zur Veröffentlichung freigegebener
"Bericht über Beiträge der Verbündeten zur gemeinsamen Verteidigung" zeigt, befassen sich die Bemühungen der Administration und die Veränderungen in
Streitkräftestruktur und Strategie der NATO weiterhin
damit, wie Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten von
unseren Verbündeten geteilt werden. Wie der Unterausschu ß sehr wohl wei ß, ist die NATO als kollektives
Sicherheitsbündnis selbst ein Mechanismus zur Teilung der Pflichten der gemeinsamen Verteidigung. Die
NATO trägt zur Verteidigung amerikanischer Sicherheitsinteressen ebenso bei wie unsere Präsenz in
Europa die Interessen unserer Verbündeten unterstützt. Die NATO-Partner nehmen uns in vielen kon-

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�kreten Bereichen militärische Lasten ab und unterstützen unsere Ziele au ßerhalb Europas. Und die gemeinsamen Finanzierungsprogramme der NATO - etwa
das Infrastrukturprogramm - helfen uns seit langem
dabei, die Kosten der Verteidigung und der Stationierung amerikanischer Truppen in Europa zu verteilen.
Unsere verschiedenen Verteidigungsabkommen und
die sich daraus ergebenden Pflichten und Beiträge
jedes Mitglieds werden weiterhin wichtige Instrumente
sein, um die Lasten und Vorteile der gemeinsamen
Verteidigung aufzuteilen.
Finanzielle und materielle Unterstützung für die Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte in
Übersee ist ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt im
gesamten Beziehungsgeflecht der Lastenteilung zwischen den Vereinigten Staaten und den einzelnen
Bündnispartnern. Die Administration hat kürzlich neue
Arrangements mit Japan und Korea ausgehandelt, die
deren Beiträge zu den Kosten für die Stationierung
amerikanischer Streitkräfte auf ihrem Territorium
wesentlich erhöhen werden. Zur Zeit verhandeln wir
innerhalb der NATO über ein kollektives Abkommen
zur Kostenteilung, um Operationen und Instandhaltungskosten unserer Verstärkungseinrichtungen zu
decken. Weitere Verhandlungen mit den europäischen Verbündeten werden folgen. Schließlich ist die
Kostenteilung ein wichtiges Element der andauernden
Gespräche über Verteidigungszusammenarbeit zwischen der amerikanischen Regierung und Staaten am
Persischen Golf.
Vornepräsenz und Teilung der Verteidigungskosten
Die Verwirklichung einer gleichmäßigen Verteilung der
Verteidigungskosten erfordert die Auswertung zahlreicher Faktoren. Zur "Gleichung" der Lastenteilung
insgesamt gehören Zweck und Charakter der amerikanischen Präsenz in Übersee, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Bündnispartner, ihre
militärischen, politischen und wirtschaftlichen Beiträge
zu gemeinsamen internationalen Zielen sowie die
kooperativen Rollen und Verpflichtungen, wie sie in
bilateralen und multilateralen Verteidigungsabkommen
festgelegt sind. Der wichtigste dieser Faktoren ist
jedoch der strategische Vorteil, den die Vereinigten
Staaten selbst aus einem Verteidigungsabkommen
ziehen. Dieser Faktor ist besonders wichtig, wenn
darüber befunden wird, welchen Beitrag Verbündete
gegebenenfalls zur Unterstützung der amerikanischen
Vornepräsenz erbringen sollten.
Vomepräsenz ist nach wie vor eine Grundlage der
amerikanischen Militärstrategie. Obwohl die Anzahl
der amerikanischen in Übersee stationierten Streitkräfte reduziert wird, hängt die Glaubwürdigkeit unserer Fähigkeit und Absicht, auf Krisen zu reagieren,
weiterhin von einer vernüftigen Vornepräsenz ab.
Vornepräsenz ist ferner für die Aufrechterhaltung des
Systems der kollektiven Verteidigung unabdingbar, in

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dem die Vereinigten Staaten mit ihren Freunden und
Verbündeten zum Schutz unserer Sicherheitsinteressen zusammenarbeiten, während die Lasten der Verteidigungsausgaben und unnötiger Rüstungswettbewerb verringert werden.
Die Vereinigten Staaten haben Truppen in Europa, im
Pazifik und andernorts stationiert, weil ihre Präsenz die
amerikanischen Sicherheitsinteressen unterstützt. Die
Vereinigten Staaten haben nach wie vor ein vitales
Interesse an Frieden, Stabilität und Wohlstand in Europa.
Die Geschichte lehrt eindeutig, daß unsere Militärpräsenz in Europa einen stabilisiernden Einfluß hat und
gleichzeitig unserer eigenen Sicherheit dient. Das
selbe gilt für die amerikanischen in Nordostasien stationierten Streitkräfte, die zur Sicherheit einer Region
beitragen, die für die Vereinigten Staaten zunehmend
an Bedeutung gewinnt.
Obwohl Struktur, Vornepräsenz und Verstärkungsfähigkeiten der amerikanischen Streitkräfte vornehmlich
auf den Schutz der amerikanischen Interessen ausgelegt sind, ist es unter bestimmten Umständen auch
angemessen, daß die Verbündeten sich an den Kosten unserer Vornepräsenz beteiligen. Die Administration sondiert neue Wege, um die Kosten der Aufrechterhaltung der amerikanischen Vornepräsenz
angesichts der gegebenen Kürzungen des Verteidigungshaushaltes und Gesetzen zu teilen, die eine
verbesserte Kostenverteilung fordern.
Pläne für Verhandlungen über Kostenverteilung
Die Administration ist sich der Tatsache bewußt, daß
der Kongreß der Kostenverteilung im Verteidigungsbereich hohe Priorität einräumt. Das Gesetz über die
Bewilligung der Verteidigungsausgaben von 1992 forderte den Präsidenten zu Konsultationen mit Freunden und Verbündeten auf, um Abkommen über eine
gerechte Kostenverteilung zu erarbeiten. Die Administration nimmt die in diesem Zusatz zum Ausdruck
gebrachte Besorgnis des Kongresses sehr ernst. Ich
habe mit dem US-Verteidigungsministerium zusammengearbeitet, um dort in gegebenen Bereichen
Abkommen über die Kostenverteilung auszuhandeln.
Wie ich im folgenden ausführen werde, machen wir
meines Erachtens Fortschritte.
Wie ich im vergangenen Jahr im Kongreß dargelegt
habe, hat die Administration ein neues Abkommen zur
Kosten verteilung mit Japan ausgehandelt, im Rahmen
dessen Japan den größten Teil der in Yen kalkulierten
Kosten der Stationierung amerikanischer Streitkräfte
auf japanischem Territorium übernehmen wird, mit
Ausnahme bestimmter Kosten, deren Transfer unangebracht wäre. Die Bereitschaft Japans, einen beträchtlichen und zunehmenden Anteil dieser Kosten zu
tragen, ist ein klarer Hinweis auf den Wert, den Japan
unserer Sicherheitspartnerschaft beimißt. Bis 1995
wird Japan rund drei Viertel der gesamten Stationierungskosten amerikanischer Streitkräfte übernehmen

AMERIKA DIENST 14

�(abzüglich der Gehälter für das amerikanische Militär
und Zivilpersonal). Japan bezahlt zur Zeit fast die
gesamten Baukosten und Mieten für das von den
amerikanischen Streitkräften genutzte Land. Japan
wird bis 1996 die Gesamtkosten für alle Einrichtungen
der US-Streitkräfte in Japan sowie die Gehälter und
Sozialleistungen für das japanisches Personal der
amerikanischen Streitkräfte übernehmen. Die von
Japan getragenen Unterstützungsleistungen des Aufnahmestaats belaufen sich für 1992 auf rund 3,3
Milliarden Dollar. Japan hat femer auch über 1 Milliarde Dollar zu den Operationen Wüstenschild und
Wüstensturm beigesteuert.
Vor kurzem habe ich Gespräche mit koreanischen
Regierungsvertretern über die Durchführung der im
vergangenen Sommer ausgehandelten Vereinbarung
über die Aufteilung von Verteidigungslasten geführt.
Korea hat zugestimmt, bis 1995 ein Drittel der auf der
Grundlage des Won errechneten Stationierungskosten für die amerikanischen Streitkräfte zu übernehmen. Diese Kosten beinhalten Baukosten, einen Anteil
der Arbeitslöhne sowie bestimmte logistische und
operative Ausgaben. Obwohl der koreanische Beitrag
in Dollar gemessen geringer ist als der japanische, ist
der Zuwachs des koreanischen Kostenverteilungsprogramms beeindruckend. Das Programm wurde von 70
Millionen Dollar im Jahr 1990 auf 180 Millionen Dollar
1992 aufgestockt. Bis 1995 könnte sich dieser Betrag
abhängig von unseren Stationierungskosten zu der
Zeit auf über 300 Millionen belaufen. Die Koreaner
haben femer mehreren Verfahrensänderungen zugestimmt, mit denen die Flexibilität des Programms und
die Reaktionsfähigkeit auf den Bedarf der amerikanischen Streitkräfte verbessert wird.
Die koreanischen Beiträge zur Kostenverteilung müssen auch im Kontext der realen und anhaltenden
militärischen Bedrohung aus Nordkorea gesehen
werden. Korea übernimmt Zusehens die Führungsrolle in unserem bilateralen Bündnis. Korea setzt die
Aufrüstung seiner Streitkräfte zur Verbesserung seiner Verteidigungsfähigkeiten fort. Und schließlich hat
Korea eine Reihe weiterer Beiträge zum amerikanischen Verteidigungsbedarf geleistet, einschließlich
finanzieller und materieller Unterstützung der Operation Wüstensturm und Finanzierung der Verlegung
des Stützpunktes Yongson.
Kostenverteilung wird ferner auch als Teil der Verhandlungen über neue Abkommen zur gemeinsamen
Verteidigung in der Region am Persischen Golf erörtert. Das kürzlich mit Kuwait geschlossene Abkommen verpflichtet die kuwaitische Regierung zur Dekkung der Kosten für die Durchführung unserer gemeinsamen Verteidigungsprogramme vor Ort. Das USVerteidigungsministerium zieht bereits Nutzen aus
diesem Kostenverteilungsarrangement in der Form
von kuwaitischer Unterstützung bei gemeinsamen
Übungen. Mit anderen Golfstaaten werden noch
Gespräche geführt, daher bin ich nicht in der Lage,
AMERIKA DIENST 14

über deren Absichten zur Beteiligung an den Kosten zu
sprechen. Dennoch kann ich Ihnen versichern, daß
die amerikanischen Unterhändler gerechte Kosten verteilungsabkommen anstreben.
Die Verteilung der Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten der europäischen Sicherheit wird ebenfalls neu
bewertet während die NATO ihre Strategie und Streitkräftestruktur an ein sich veränderndes Umfeld anpaßt. Im weitesten Sinne hat sich die Gleichung der
Lastenverteilung seit der Zeit, zu der mein Tätigkeitsbereich vor drei Jahren vom Kongreß geschaffen
wurde, erheblich zu unseren Gunsten verschoben.
Die Vereinigten Staaten reduzieren ihre Streitkräfte in
Europa um über 50 Prozent. In der Zwischenzeit
sehen die europäischen Verbündeten Reduzierungen
in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent vor und
tragen damit zur Behebung des von vielen als Ungleichgewicht angesehenen Verhältnisses zwischen
den amerikanischen stationierten Streitkräften und
dem bei, was die Verbündeten für ihre eigene Verteidigung aufbringen konnten.
Darüber hinaus erwägt die Regierung auch direktere
Formen der Teilung von Verteidigungsausgaben in
Europa. In Reaktion auf einen Antrag der Vereinigten
Staaten nutzt die NATO Infrastrukturfonds für andere
Vorhaben, um für den Austausch überschüssigen
vertraglich begrenzten Geräts (Treaty Limited Equipment - TLE) unter den Verbündeten zu zahlen. Mit
Hilfe dieses Programms werden die Streitkräfte mehrerer NATO-Staaten modernisiert, und es wird vermieden, daß die Vereinigten Staaten und andere relativ
modernes Gerät nach dem KSE-Vertrag zerstören
müssen. Das Programm ist ferner ein Beispiel dafür,
daß das Infrastrukturprogramm weiterhin als Mechanismus der Lastenteilung im Bündnis funktioniert.
Gestern bin ich von einer Zusammenkunft im NATOHauptquartier zurückgekehrt, bei der sich der Verteidigungsplanungsausschu ß mit einer weiteren wichtigen
US-Initiative zur kollektiven Kostenteilung beschäftigte. Unserem Vorschlag zufolge würde das Bündnis wiederum durch das Infrastrukturprogramm - die Kosten
für den Betrieb und die Wartung von Einrichtungen
übernehmen, die eine Verstärkung in Europa durch in
den Vereinigten Staaten stationierte Streitkräfte unterstützen. Dazu zählen die Einrichtungen für Verstärkungszüge (POMCUS - Prepositioning of organizational materiel), Reserven für Verstärkungszüge auf dem
Gefechtsfeld, gemeinsame Einsatzflugplätze, in Einsatznähe stationiertes Marinegerät und Kosten für die
Lagerung von Erdöl. Insgesamt beliefen sich die
Kosten für Betrieb und Wartung 1991 auf 287 Millionen
Dollar für diese Einrichtungen.
Am Montag hat der Verteidigungsplanungsausschuß
erörtert, ob diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage kommen. Aus den Gesprächen ging
eindeutig hervor, daß unsere Verbündeten unserer
Vornepräsenz die größte Bedeutung beimessen und
Seite 3

�der Ansicht sind, daß unser Vorschlag zur Kostenteilung ausreichend begründet ist, um ernsthafte Erwägungen zu verdienen. Sie erkennen, daß die USVerstärkungsfähigkeit einen einzigartigen und entscheidenden Beitrag für die europäische Sicherheit und
damit etwas Gutes für die gesamte NATO leistet, was
diese wenn möglich unterstützen sollte. Der Verteidigungsplanungsauschuß hat die Initiative an den Infrastrukturausschuß weitergeleitet, der bestimmte Einzelfragen untersuchen und vor Ende April dem Verteidigungsplanungsausschuß vortragen wird. Erwartungsgemäß wird dieser letztlich zustimmen, daß diese Kosten für eine kollektive Finanzierung in Frage
kommen. Wenn das der Fall ist, erwarten wir, daß
Entscheidungen über die Verwendung und Finanzierung so rechtzeitig getroffen werden, daß entsprechende Beiträge der NATO im Haushaltsjahr 1993
geleistet werden können. Die Bereitschaft der NATO
zur Übernahme dieser Kosten wird die Unterstützung
des Bündnisses für eine US-Präsenz in Europa demonstrieren.

hingegen die militärischen Beiträge Japans zu unseren bilateralen Militärbeziehungen ein. Damit kommt
finanzieller Unterstützung in unseren Beziehungen der
Lastenteilung mit Japan eine vergleichsweise höhere
Bedeutung zu.
Wir können auch nicht den Schluß ziehen, die finanzielle Unterstützung für die Operationen Wüstensturm
und Wüstenschild sei ein Vorbild für ähnliche Vereinbarungen mit unseren Freunden und Verbündeten zur
übernähme der Gesamtkosten für die Durchführung
unserer bestehenden bilateralen und multilateralen
Verteidigungsabkommen. Die Unterstützung für
Wüstensturm und Wüstenschild war ein außergewöhnliches Beispiel für verwirklichte Lastenteilung.
Einzelne Länder haben auf der Grundlage ihrer militärischen, finanziellen und materiellen Ressourcen reagiert. Dennoch erfolgte diese überwältigende Unterstützung nur aufgrund der besonderen Situation.

Schließlich müssen die Vereinigten Staaten immer ein
Augenmerk auf ihren Teil der gemeinsamen Rollen,
Die Regierung beabsichtigt femer, mit verschiedenen Risiken, Pflichten und Kosten haben. Wir können nicht
NATO-Verbündeten Fragen der bilateralen Kostentei- erwarten, daß unsere Verbündeten neuen Vereinbalung anzusprechen. Wir werden uns darauf konzen- rungen zur Lastenteilung zustimmen, wenn die Vereitrieren, daß Stationierungskosten auch die Teilung der nigten Staaten zögern, angemessene finanzielle UnKosten für Personal und Einrichtungen sowie andere terstützung für bestehende Programme zu leisten, die
Unterstützungsmittel umfaßt. Ich muß vor unrealisti- kollektiv finanziert werden. Eine bessere Verteilung
schen Erwartungen warnen - sowohl im Hinblick dar- der Verteidigungsausgaben kann auch nicht vor dem
auf, wann diese Vereinbarungen getroffen werden als Hintergrund der Forderung nach drastischen Hausauch über den Umfang der gezahlten Beiträge. Die haltskürzungen und Streitkräftereduzierungen verhanAushandlung neuer Vereinbarungen zur Kostentei- delt werden, die Zweifel an unserem echten Engagelung in Europa wird heute extrem schwierig. Jedes ment für die kollektive Sicherheit aufkommen lassen.
NATO-Land nimmt eine Neugestaltung der Verteidigungspolitik und Haushalte vor, um neuen Bedingun- Wir erwarten, daß unsere Freunde und Verbündeion
gen gerecht zu werden. Darüber hinaus haben einige zur Aufrechterhaltung unserer Verteidigungsvereinbaunserer europäischen Verbündeten - vor allem Deutsch- rungen beitragen. Diese Unterstützung basiert jedoch
land - wichtige neue Belastungen übernommen in auf den gemeinsamen Vorteilen, die wir und unsere
Form von Hilfe für die Länder Mittel- und Osteuropas Partner aus unserem Verteidigungsverhältnis ziehen
und Unterstützung für den Abzug der früheren Sowjet- und der Fähigkeit unserer Verbündeten, sich daran zu
streitkräfte. Diese neuen Beiträge müssen in die beteiligen. Am wichtigsten ist jedoch, aau die VereiGesamtgleichung der Lastenverteilung einbezogen nigten Staaten sich an diesen Vereinbarungen beteiligen, weil sie ihren Sicherheitsinteressen dienen.
werden.
Femer ist es wichtig, sorgfältig zwischen der Teilung
von Rollen, Risiken, Pflichten und Kosten in der NATO
und unseren Erfahrungen der Kostenteilung mit Japan
zu unterscheiden. Beide Fälle sind nicht vergleichbar.
Die NATO ist ein multilaterales Bündnis mit einem
internationalen Hauptquartier, einer integrierten militärischen Kommandostruktur und einem gut entwickelten System der Zuweisung von Verteidigungsaktivposten - einzelner Länder - für bestimmte Rollen und
Missionen der Koalition. Darüber hinaus verfügt die
NATO über ihre eigenen Programme zur Kostenteilung, wie etwa das Infrastrukturprogramm und das
Militärbudget. Die japanische Verfassung schränkt

Zusammenfassung
Eine gerechte Aufteilung der Rollen, Risiken, Pflichten
und Kosten zum Schutz gemeinsamer Sicherheisinteressen ist Ziel unserer internationalen Sicherheitspolitik. Die Regierung arbeitet daran, mehr Kosten zu
teilen, wo solche Veränderungen angemessen und
notwendig sind. Sowohl aufgrund der Verhandlungsbemühungen der Regierung als auch aufgrund der
stärkeren Unterstützung der Verbündeten für einen
friedlichen Wandel in Mittel- und Osteuropa und veränderter Streitkräftestrukturen der NATO wird die
Gleichung der Teilung von Pflichten jetzt gerechter.

* *

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AMERIKA DIENST 14

�GUS
8. April 1992

DIE AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN ZUR GUS
Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine vom US-Außenministerium am 6. April 1992
herausgegebene Übersicht zu "Bedeutenden Entwicklungen und Beziehungen zur Gemeinschaft Unabhängiger Staaten bis zum 3.April 1992".
Hilfsleistungen
Am Freitag übermittelte der Präsident das Gesetz zur
Förderung der Freiheit von 1992 dem Kongreß.
Die folgenden Luftbrücken sind zur Lieferung von
Hilfsgütern genehmigt worden. Die Vereinigten Staaten werden die Treibstoff-, Flug- und Landekosten für
die in sowjetischen Flugzeugen transportierten Lieferungen übernehmen.
Der Children of Chemobyl Relief Fund hat in
Milwaukee über 70 Tonnen an Arzneimitteln,
medizinischen Versorgungsgütern und medizinischem Gerät sowie Nahrungsmitteln gesammelt. Dieses Material wird voraussichtlich am 7.
April verladen und in Stryi und Temopil in der
Ukraine verteilt.
Die Broadmore United Methodist Church of
Shreveport in Louisiana hat über 108 Tonnen an
Nahrungsmitteln gespendet, die um den 11.
April verladen und mit einer Antonov-124 nach
Jekaterinburg in Rußland geflogen werden.
Die Lacrosse-Dubna Friendship Association hat
zusammen mit der Russian Winter Campaign in
La Crosse (Wisconsin) medizinische Versorgungsgüter, Nahrungsmittel und Kleidung gesammelt, die an ihre Partnerstadt Dubna in
Rußland geliefert werden sollen. Dieser Transport soll voraussichtlich Ende dio^er Woche
stattfinden.
Zusammen mit den Lieferungen an Tadschikistan und
Turkmenistan am 30. März belaufen sich die im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten "Aktion Hoffnung" - finanzierten Lieferungen medizinischer und pharmazeutischer Güter inzwischen auf
über 30 Millionen Dollar. Zusätzliche Lieferungen sind
in diesem Monat für Minsk und Kaliningrad vorgesehen.

AMERIKA DIENST 14

Vier Teams des Amts für internationale Entwicklung
(AID) sind am Wochenende nach Rußland, Armenien,
Belarus und in die Ukraine abgereist, um eine genaue
Ermittlung des Energiebedarfs vorzunehmen. Die
Teams sollen drei Wochen vor Ort bleiben, und ein
weiteres Team wird am oder um den 11. April nach
Kasachstan und Kirgistan entsandt.
Die Vereinigten Staaten haben einer Luftbrücke für
eine Gruppe amerikanischer Ölbohrexperten und deren
Gerät nach Usbekistan zugestimmt, um eine in Brand
geratene Ölquelle in der Nähe von Mingbulak in Ostusbekistan unter Kontrolle zu bringen. Die Finanzierung
der Luftbrücke mit bis zu sechs Flugzeugen vom Typ
C-141 der US-Luftwaffe erfolgt durch den vom Verteidigungsministerium verwalteten Titel für humanitäre
Katastrophenhilfe (Emergency Humanitarian Account).
Die Operation wird erwartungsgemäß mindestens
600.000 Dollar kosten. Wenn der Brand der Ölquelle
nicht eingedämmt und die Quelle selbst nicht stillgelegt
wird, könnte ö l in einen nahegelegenen Fluß einfließen und das Trinkwasser ebenso verseuchen wie
bewässerte Felder am Unterlauf. Die Vereinigten
Staaten werden diese Operation dann beginnen, wenn
die mit dem Löschen beauftragte amerikanische Firma
ihre Einsatzbereitschaft bekundet.
Das Büro des AID für Katastrophenhilfe im Ausland
(Office of Foreign Disaster Assistance - OFDA) hat am
31. März einen 2-Millionen-Dollar-Vertrag mit CARE
unterzeichnet. Die Fördermittel werden für drei Bereiche aufgewendet: Überwachung der Verteilung von
Hilfsgütem des Verteidigungsmnisteriums in den neuen
unabhängigen Staaten; Gewährung von Unterstützung für amerikanische private Hilfsorganisationen,
die Hilfsgüter des Landwirtschaftsministeriums in den
neuen unabhängigen Staaten verteilen und Überwachung, an wen die Güter letztlich verteilt werden, und
Entwicklung eines Systems von Indikatoren, um zu
prüfen, welche Bevölkerungsgruppen in den neuen
unabhängigen Staaten zu den schwächsten zählen.
Seite 1

�mit Abgeordneten und Mitarbeitern des Kongresses
zusammen, um das amerikanische parlamentarische
Am 2. April haben Außenminister Baker und der Stell- System zu studieren.
vertretende armenische Premierminister Bagratian das
Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staa- Der Stabschef des Präsidenten von Kirgistan, Ednan
ten und Armenien sowie ein OP IC-Abkommen unter- Karabajew, wird am 15. April zu einem intensiven
zeichnet.
Fortbildungskurs in Washington und Idaho eintreffen,
um sich zu informieren, wie man ein effektives PräsiAm 3. April haben Außenminister Baker und der russi- dialamt aufbaut und leitet. Seine Kollegen aus Kasche Botschafter Lukin das OPIC-Abkommen zwi- sachstan und Armenien haben ebenfalls Einladungen
schen den Vereinigten Staaten und Rußland unter- des USIA für ähnliche Besuche im weiteren Verlauf
zeichnet.
des Frühjahrs angenommen.
Handelsabkommen

Internationale Zentren für Wissenschaft und
Technik

Die Botschaft in Moskau hat soeben Verträge mit drei
russischen Verlagen über die Übersetzung und VeröfVergangene Woche ist der Koordinator im Büro des fentlichung amerikanischer Bücher zu Geschichte,
Stellvertretenden Außenministers, Dr. Robert L. Gal- Wirtschaft und Unternehmensführung abgeschlossen.
lucci, in Moskau mit den anderen Gründungsmitglie- Der Verlag des russischen PEN-Zentrums, PPP, wird
dern des Internationalen Zentrums für Wissenschaft die USIA-Tftel "Outline of American History", "Outline
und Technologie - der EG, Japan und Rußland - of American Economy" und "American Life and Instituzusammengetroffen, um die endgültige Sprachrege- tions" veröffentlichen, während der Verlag Moscow
lung des internationalen Abkommens zur Einrichtung University Press "Macroeconomics" von Dornbusch
des Zentrums festzulegen. Wir erwarten, daß dieses und Fisher sowie "Economics Of The Public Sector"
Abkommen in weniger als zwei Wochen unterzeichnet von Stiglitz herausgeben wird.
werden kann.
USIA unterstützt folgende Gruppenaustauschprogramme:
Gallucci traf in Moskau femer mit prominenten Wissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion zusam"Umweltschutz in den Vereinigten Staaten" (7.
men, um Projekte - einschließlich solcher zum UmMärz bis 4. April, sechs Teilnehmer aus der
gang mit Reaktorsicherheit - zu erörtern, die an der
GUS).
Entwicklung von Waffen beteiligten Wissenschaftlern
und Ingenieuren eine angemessene Beschäftigung im
"Kirche und Staat, Kirche und Gemeinde" (16.
zivilen Bereich verschaffen können. Darüber hinaus
März bis 10. April, neun Teilnehmer aus der
inspizierten Gallucci und andere Vertreter der GrünGUS).
dungsmitglieder des Zentrums mehrere potentielle
"Printjournalismus in den Vereinigten Staaten"
Standorte für das Zentrum in Moskau, andere mögli(23. März bis 17. April, acht Teilnehmer aus der
che Standorte werden Ende April besichtigt.
GUS).
Darüber hinaus führte Gallucci am Donnerstag ver"Entscheidungsfindung in der US-Außenpolitik"
gangener Woche in Kiew Gespräche über die Einrich(30. März bis 24. April, zwei Teilnehmer O-JS der
tung eines Zentrums in der Ukraine. Wir werden mit
GUS).
den anderen Regierungen sprechen und unsererseits
10 Millionen Dollar für dieses Zentrum beantragen.
Weiterhin gehen Bewerbungen für das Benjamin FrankDiese Reihe von Zusammenkünften bringt uns dem lin Fellowship Program ein, das ein- oder zweijährige
Ziel näher, das alle Gründungsmitglieder teilen: das Stipendien an amerikanischen Universitäten für graInternationale Zentrum für Wissenschaft und Techno- duierte Studenten der Rechts- und Wirtschaftswislogie soll im Frühsommer in Moskau eröffnet werden. senschaften sowie der öffentlichen Verwaltung aus
der GUS (und dem Baltikum) vergibt. 4.000 Personen
haben sich bereits um die 160 Stipendien beworben.
Information und Austausch
Das US-Informationsamt (USIA) hat soeben einen
einwöchigen Besuch dreier hochrangiger armenischer
Parlamentarier unter Führung des Parlamentsvorsitzenden, Babgen Ararktsian, veranstaltet. Sie trafen

Wir stellen dem Moskauer Fernsehen, das 32 Millionen Zuschauer erreicht, die von USIA erworbene Serie
"Government by Consent" (in russischer Synchronisierung) zur Verfügung.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 14

�FULBRIGHT - STIFTUNG
8. April 1992

FULBRIGHT-STIFTUNG FEIERT
40JÄHRIGES JUBILÄUM
Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt
Berlin - (AD) - Zum 40jährigen Jubiläum der Fulbright-Stiftung hielt Botschafter Robert Kimmitt am 4. April 1992
eine Rede anläßlich der Eröffnung der Berlin-Woche dieser Stiftung.
Diese Rede veröffentlichen wir nachfolgend im Wortlaut.

Ich danke Ihnen, Herr Professor Dr. Knopp. Ich freue
mich, hier gemeinsam mit Ihnen, Herrn Staatsminister
Albring, Herrn Dr. Littmann und den ehrenwerten Gästen
unserer Fulbright-Kommission die Berlin-Woche 1992
eröffnen zu dürfen. Das Engagement und die harte
Arbeit dieser Kommission - und Ihrer Kollegen in
anderen Kommissionen - haben ein unerläßliches
Netzwerk geschaffen, das Studenten und Wissenschaftler auf der ganzen Welt zusammenführt. Ob Sie

In diesem Jahr begehen wir den 40. Jahrestag des
deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms, das zu
einem Vorbild geworden ist, an dem die anderen
Programme auf der Welt gemessen werden. Es hält
diese herausragende Stellung aufgrund der kontinuierlichen Unterstützung der deutschen und amerikanischen Regierung in den vergangenen vierzig Jahren
und aufgrund unseres gemeinsamen Engagements
für die transatlantische Gemeinschaft demokratischer

Fulbright-Stipendiat in Deutschland - wie die meisten

Werte, auf denen dieses Programm gegründet wurde.

von Ihnen - oder andernorts in Europa sind: Sie
können sich glücklich schätzen, in dieser aufregenden
Zeit in der Geschichte Deutschlands, Europas und der
Welt hier zu weilen.

Nicht weniger wichtig ist die Verbindung dieses Programms mit Menschen Ihres Kalibers.

Darüber hinaus können wir alle uns glücklich schätzen,
daß Sie, Herr Senator und Frau Fulbright bei uns sind,
um diesen Gedenktag zu feiern - das 40jährige Jubiläum des deutsch-amerikanischen Fulbright-Programms.

1

Als Fulbright-Stipendiat ausgewählt zu werden, heißt
zu den Besten der Besten zu zählen. Wenn ich mich
in diesem Saal umsehe, bin ich von der Mannigfaltigkeit beeindruckt, die Sie repräsentieren. Ihnen allen
wurde die Ehre zuteil, für die Teilnahme am FulbrightProgramm ausgewählt zu werden. Aber jeder von
Ihnen hat dem Programm seinen eigenen Stempel
aufgedrückt und daraus sehr persönliche Eitahrungen
gezogen. Die Geschichte von Fulbright ist die Summe
der Geschichte vieler einzelner Stipendiaten.
Es ist auch die Geschichte phantastischer Erfolge.
Jeder von Ihnen hat ebenso wie die anderen Stipendiaten, die jetzt wieder in den Vereinigen Staaten sind
und die Zehntausende vor Ihnen - dazu beigetragen,
diesen Erfolg zu ermöglichen.

AMERIKA DIENST 14

Heute ehren wir den Mann, der das Programm ins
Leben gerufen, genährt und zu seiner Blüte geführt
hat: Senator J. William Fulbright. Als Senator der
Vereinigten Staaten waren Sie ein ehrenwerter Vertreter unserer Regierung. Aber Sie vertraten die Auffassung, daß Regierungen allein die Völkerverständigung
nur unzureichend verwirklichen können. Sie waren der
Meinung, daß die Menschen selbst, in all ihrer Vielfalt,
über nationale Grenzen hinweg dauerhafter miteinander reden als Regierungen. Sie waren Zeuge der
Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und haben Völkerverständigung als der Menschheit beste Hoffnung
auf Überleben erachtet. Sie waren tatsächlich ein
Visionär, Herr Senator, weil Sie Ihre Hoffnungen für die
Zukunft auf die Menschen gründeten statt auf die
Politik.
Tatsächlich ist die Weltgeschichte eine Geschichte der
Menschen, nicht der Regierungen. Imperien unterhalten offizielle Beziehungen, aber Händler, Künstler und
Wissenschaftler tauschen Ideen aus. Ihr Austausch
hat Verständnis hervorgebracht und Mißtrauen überbrückt. Ich bin nicht der Meinung, Verständnis heißt,
zwangsläufig all das was wir in anderen Kulturen

Seite 1

�sehen, zu mögen - und erst recht nicht sich anzueignen. Aber Kommunikation kann persönliche und kulturelle Isolation aufbrechen, und das "Ausländische"
ist nicht länger das "Fremde", etwas, das man fürchten
und vielleicht sogar zerstören muß, sondern vielmehr
ganz einfach etwas anderes, das man verstehen und
sogar mögen kann. Darin liegt die geniale Idee des
Fulbright-Programms und der vielen anderen privaten
und staatlichen Austauschprogramme, die über die
Jahre hinweg nach seinem Vorbild geschaffen wurden.
In sehr realer Weise stehen die von uns in Deutschland
und Mitteleuropa in den vergangenen zwei Jahren
beobachteten historischen Ereignisse - und diejenigen, deren Zeuge wir heute werden - in Zusammenhang mit einem gleichermaßen grundlegenden und
umfassenden Konzept: In einer interdependenten
Welt sind freie Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Gesellschaften wertvoll, weil sie uns
Auseinandersetzungen der offensten, positivsten und
konstruktivsten Art und Weise ermöglichen. Sie sind
die natürliche Erweiterung des Grundrechts der freien
Meinungsäußerung und ein Gedanke, den 45 Jahre
totalitärer Herrschaft in Osteuropa nicht unterdrücken
konnten.
Betrachten wir uns den Erfolg des Fulbright-Programms,
drängen sich uns mehrere Gedanken auf. Der erste
Gedanke ist, wie umfassend sich das Programm mit
dieser grundlegenden Idee der intellektuellen Freiheit
identifiziert. Sich ungehindert ausdrücken zu können,
ist etwas, das wir in den Vereinigten Staaten seit
langem zu schätzen wissen und das seit Jahrzehnten
als Symbol der Hoffnung für unterdrückte Nationen
weltweit gedient hat. Es repräsentiert die Freiheit
jedes einzelnen zu erforschen und zu analysieren, zu
loben und zu kritisieren. Von größerer Bedeutung ist
jedoch die große Chance, die es bietet - die Chance,
die Gesellschaft durch den schnellen Fluß der Gedanken zu formen. Kritisches Urteilsvermögen - gleichgültig, wie unbequem - ist wunderbar geeignet, uns voranzutreiben und uns aus der Selbstgefälligkeit in Aktion
zu versetzen. Selbstkritik- sowohl konstruktiv als auch
negativ - hilft uns, uns selbst zu definieren und dynamisch zu bleiben.
Der Erfolg des Fulbright-Programms drängt mir noch
einen weiteren Gedanken auf. Er betrifft den Wert von
Austauschprogrammen als Instrument der Außenpolitik mit langfristiger Wirkung. Während wir uns dem
Jahr 2000 nähern, treten wir in eine völlig neue Ära der
transatlantischen Beziehungen ein. Seit über 40 Jahren
konzentrierten sich die Energien des westlichen Bündnisses auf die Eindämmung der Bedrohung der freien
Welt durch die Kräfte des Kommunismus. Während
des kalten Kriegs waren die transatlantischen Beziehungen verständlicherweise von ihrer politischen und
militärischen Dimension beherrscht.

Seite 2

Eine alte Ordnung gehört der Vergangenheit an. Die
Deutsche Demokratische Republik ist von der Landkarte verschwunden, ersetzt durch ein freies und vereinigtes Deutschland. Der Großteil der beschämenden Mauer, die einstmals einen Kontinent - in der Tat
eine Welt - teilte, ist in Berlin abgerissen und zu
Souvenirs verarbeitet worden. Die wenigen verbleibenden Teile werden künftigen Generationen als
Mahnmal eines dunklen Zeitalters dienen.
Trotz dieser historischen Ereignisse müssen wir uns
jedoch vor Augen führen, daß das Ende des kalten
Kriegs uns nicht eine Ära ewigen Friedens beschert
hat. Die Ost-West-Konfrontation, die unser Leben seit
über 40 Jahren beeinflußt hat, wird durch neue Herausforderungen und Chancen ersetzt. Die politischen
und militärischen Dimensionen, die einst unser Konzept der nationalen Sicherheit definierten - und die
transatlantischen Beziehungen dominierten - sind nach
wie vor wichtig, werden jedoch immer mehr mit den
wirtschaftlichen, ökologischen und sozio-kulturellen
Dimensionen der nationalen Sicherheit verknüpft.
Bei unserem Kampf der Anpassung an diese sich
rasch verändernden Bedingungen dürfen wir auf beiden Seiten des Atlantiks die Grundlage einer erfolgreichen Partnerschaft nicht aus den Augen verlieren, die
uns das beschert hat, was wir heute haben - Verständnis und Wertschätzung der jeweils anderen Gesellschaft. Die transatlantische Bindung ist für unsere
Zukunft mindestens ebenso wichtig wie für unsere
Vergangenheit und wird in den Vereinigten Staaten wie
auch in Europa gleichermaßen der Sorgfalt und Unterstützung bedürfen.
Eine wichtige Dimension der europäisch-amerikanischen Beziehungen hat besondere Auswirkungen für
die Zukunft. Noch vor wenigen Jahren wurde die
politische und intellektuelle Szene in Europa und den
Vereinigten Staaten von Menschen beherrscht, die
persönlich lebhafte Erinnerungen an den Krieg und die
Jahre unmittelbar danach hatten.
In den Vereinigten Staaten und hier sind jedoch inzwischen neue Generationen herangewachsen, die im
Hinblick auf die europäisch-amerikanischen Beziehungen nicht vom Wiederaufbau der vierziger Jahre
oder der engen Zusammenarbeit der fünfziger und
sechziger Jahre geprägt wurden, sondern vielmehr
von den Spannungen der folgenden Jahrzehnte, die
den dramatischen Ereignissen der Jahre 1989 und
1990 unmittelbar vorausgingen. Die meisten von uns
in diesem Saal sind Vertreter dieser neuen Generation. Insbesondere unter zahlreichen jüngeren Europäern und Amerikanern ist deshalb ein besseres Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft ein unerläßliches Element für weiterhin enge transatlantische
Bindungen, während sich die Welt kontinuierlich verändert und die transatlantischen Beziehungen weiter
reifen.

AMERIKA DIENST 14

�In dieser Welt rascher Veränderungen und unmittelbarer Kommunikation besteht die ernste Versuchung,
sogar für die kompliziertesten Probleme nach ebenso
raschen Lösungen zu suchen. Internationale Verständigung entwickelt sich jedoch nicht sofort. Sie ist
vielmehr das Produkt von Zeit, ständigem Kontakt und
muß von enormer Geduld und Erfahrung geleitet werden.
Regierungen können über ihre Botschaften ohne Zeitverzögerung miteinander Probleme erörtern, aber die
Verständigung zwischen den von diesen Botschaften
vertretenen Völkern ist etwas, dessen Aufbau Zeit und
Sorgfalt erfordert.
Und dies ist heute nirgends wichtiger als in jenen neu
emanzipierten Staaten des ehemaligen sowjetischen
Imperiums, die sich bemühen, ihre eigenen Formen
der Demokratie aufzubauen. Ich fühle mich ermutigt,
wenn ich die Geschwindigkeit und den Weitblick sehe,
mit denen Organisationen wie das Fulbright-Programm
- und die Regierungen, die sie unterstützen - sich
dieser Herausforderung stellen. Im Hinblick darauf,
daß noch vor 18 Monaten 17 Millionen Deutsche
Bürger eines Warschauer-Pakt-Landes waren, warich
besonders erfreut, am 6. Januar in Neubrandenburg
verkünden zu können, daß die amerikanische Regierung ihre Mittel für die deutsch-amerikanische Fulbright-Kommission um nahezu eine Million Dollar aufstockt. Diese Entscheidung unserer Regierung während eines besonders schwierigen Haushaltsjahres
hat unser Engagement unter Beweis gestellt, die Fulbright-Chancen für Stipendiaten in den neuen Bundesländern zu erhöhen, ohne unsere Unterstützung für
Stipendiaten in Westdeutschland zu verringern.
*

AMERIKA DIENST 14

*

Das Fulbright-Programm hat der Sache der internationalen Verständigung gerade deshalb so gut gedient,
weil es nicht unmittelbare Ergebnisse anstrebt, sondern langfristig angelegt ist. Der Wert des FulbrightProgramms ist immateriell und sehr real zugleich. Was
das Programm schafft, ist mehr als alles andere ein
System gemeinsamer Erfahrungen und eine Gemeinschaft, die Anteil nimmt. Das Programm verführt
Menschen nicht dazu, ihre Herkunft zu verleugnen,
sondern erweitert ihren Horizont - ebenso wie der erste
Spaziergang eines Menschen auf dem Mond unsere
Perspektive von uns selbst und unserer zerbrechlichen Welt für immer verändert hat. Insgesamt wirken
die Einzelerfahrungen der Fulbright-Stipendiaten zusammen, um eine Gruppe von Menschen hervorzubringen, die besser in der Lage sind, mit dem Ehrgeiz
- und der Torheit - ihrer Mitmenschen umzugehen.
Senator Fulbright, die Welt steht aufgrund Ihrer Vision
und Ihrer Hartnäckigkeit, mit der sie jene Vision in das
Programm umsetzten, das Ihren Namen trägt und so
viel zur Schaffung einer besseren und sichereren Welt
beigetragen hat, in der Tat in Ihrer Schuld.
Ich freue mich erneut, mit Ihnen allen gemeinsam in
Berlin sein zu können. Möge Ihre Teilnahme am
Programm dieser Woche erfreulich und produktiv sein,
und mögen Sie Ihre Arbeit als Fulbright-Stipendiaten
dieses Jahr bei guter Gesundheit und mit Erfolg weiterführen.
Ich danke Ihnen.

*

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Jugoslawische Republiken&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush verkündet Anerkennung ehemaliger jugoslawischer Republiken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Sicherheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheit Amerikas mit allen Staaten Europas verknüpft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Cheney bei der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;KSZE wesentlicher Bestandteil der neuen Friedensarchitektur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kornblum bei der KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Lastenteilung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Lastenteilung verschiebt sich zugunsten Amerikas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Sonderbotschafter Holmes&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Beziehungen zur GUS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Fulbright-Stiftung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stiftung feiert 40jähriges Jubiläum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Robert M. Kimmitt&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
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2. April 1992

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GUS-HILFE

BUSH BITTET KONGRESS UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR GUS-HILFSPROGRAMM DER G-7
Rede von Präsident Bush

DAS GESETZ ZUR FÖRDERUNG DER FREIHEIT
VON 1992
Eine Übersicht des Weißen Hauses

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
2. April 1992

BUSH BITTET KONGRESS UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR GUS-HILFSPROGRAMM DER G-7
Rede von Präsident Bush
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat beide Häuser des Kongresses um ihre Unterstützung für ein von den
wichtigsten Industrieländern geschnürtes ehrgeiziges neues Paket internationaler Hilfe gebeten, mit dem
Demokratie und Wirtschaftsreformen in der GUS gefördert werden sollen.
Bei einer Rede vorder Presse im Weißen Haus kündigte Bush am 1. April einen 24-Milliarden-Dollar-Plan der
Gruppe der wichtigsten Industrieländer (G-7) an, im Rahmen dessen 1992 zur Förderung wirtschaftlicher
Reformen 18 Milliarden Dollar bereitgestellt werden plus 6 Milliarden Dollar zur Stabilisierung des Rubel. Zur
Gruppe der Sieben zählen neben den Vereinigten Staaten die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Japan und Kanada.
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Rede im Wortlaut.

Ich möchte eine Erklärung abgeben, die etwas länger
ist als üblich. Soeben bin ich mit den führenden
Politikern des Kongresses zusammengetroffen, um
die Unterstützung beider Parteien für ein neues, umfassendes und integriertes Programm zu erbitten, das
den Freiheitskampf in Rußland, der Ukraine und den
anderen neuen unabhängigen Staaten fördern soll, die
an die Stelle der Sowjetunion getreten sind.
Die Revolution in diesen Staaten kommt an einem
Wendepunkt der Geschichte und hat begreifende Auswirkungen auf Amerikas nationale Interessen. Es
steht genausoviel auf dem Spiel wie zu anderen Zeitpunkten dieses Jahrhunderts. Unser Gegner der
letzten 45 Jahre, das Land, das eine weltweite Bedrohung für Frieden und Freiheit darstellte, ist nunmehr
bestrebt, der demokratischen Staatengemeinschaft
beizutreten.
Ein Sieg der Freiheit und Demokratie in der ehemaligen Sowjetunion bietet die Chance für ein«» neue Welt
des Friedens für unsere Kinder und Enkel. Aber wenn
diese demokratische Revolution niedergeschlagen wird,
könnten wir in eine Welt zurückfallen, die in mancher
Hinsicht gefährlicher wäre als die finsteren Jahre des
kalten Krieges.
Amerika muß sich dieser Herausforderung gemeinsam mit denen stellen, die uns im Kampf gegen den
imperialen Kommunismus beistanden - die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Japan, Frank-

reich, Kanada, Italien und andere. Gemeinsam haben
wir den kalten Krieg gewonnen, und heute müssen wir
den Frieden gewinnen.
Diese Anstrengung wird neue Ressourcen von den
demokratischen Industrieländern fordern. Aber das ist
nichts gegen den Preis, den wir zahlen müßten, wenn
Demokratie und Reform in Rußland und der Ukraine,
in Weißrußland, Armenien und den Ländern Zentralasiens scheitern würden. Dies erfordert das Engagement eines vereinigten Amerikas, das von einem
Konsens gestärkt ist, der sogar den erhitzten Parteienstreit eines Präsidentschaftswahlkampfes überlagert.
Heute fordere ich den Kongreß - Republikaner und
Demokraten gleichermaßen - sowie das amerikanische Volk auf, sich hinter diese gemeinsame Anstrengung zu stellen.
Unsere nationale Anstrengung muß Teil einer weltweiten Aktion sein. Ich habe mit Bundeskanzler Kohl,
Premierminister Major, Präsident Mitterrand und anderen wichtigen Verbündeten Kontakt aufgenommen,
um unsere Pläne zu erörtern und ihnen die hohe
Priorität zu versichern, die ich dem Erfolg dieses
Unternehmens beimesse. Im Hinblick darauf möchte
ich heute einen Plan ankündigen, der Demokratie in
den Staaten der früheren Sowjetunion fördern soll.
Dies ist ein komplexer Themenkreis, an dem monatelang gearbeitet wurde - innerhalb der Regierung,

Seite 1

�gemeinsam mit unseren wichtigsten Verbündeten und
mit den Spitzenpolitikern der neuen unabhängigen
Länder der ehemaligen Sowjetunion. Dabei mußten
eine Reihe von Dingen zusammenkommen, um zu
gewährleisten, daß wir es richtig machen.
Dazu möchte ich Ihnen etwas Geschichte liefern. Ich
hatte Außenminister Baker gebeten, unseren grundlegenden Ansatz in seiner Rede am 12. Dezember in
Princeton darzulegen. Ich habe dann in meiner Rede
am 22. Januar bei der Washingtoner Konferenz zur
Koordinierung humanitärer Hilfe über die Notwendigkeit gesprochen, sich um Rußland und die anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken zu kümmern.
Am 1. Februar habe ich diese Themen gemeinsam mit
Boris Jelzin in Camp David erörtert. Am selben Tag
traf Außenminister Baker Jelzins wichtigsten Wirtschaftsberater, IgorGaidar, um zu besprechen, wie wir
die Reformen in Rußland fördern könnten.
Eine Woche später kam Jim Baker bei seinem Treffen
mit Außenminister Kosyrew und Boris Jelzin in Moskau darauf zurück. Erst gestern hat der IWF mit
Rußland eine vorläufige Vereinbarung über sein Marktreformprogramm geschlossen. Nach Wochen intensiver Konsultationen in der G-7 hat Bundeskanzler Kohl
- der gegenwärtig den Vorsitz in der G-7 führt - die
Unterstützung dieser Gruppe für ein Rußland-Programm des IWF zugesichert.
Das von mir heute verkündete Programm baut auf
diesem Fortschritt auf und umfaßt drei wichtige Komponenten: Erstens haben die Vereinigten Staaten
gemeinsam mit ihren westlichen Verbündeten und den
internationalen Finanzinstitutionen an einem beispiellosen multilateralen Programm gearbeitet, um Reformen in den neuen unabhängigen Staaten zu unterstützen. Der Erfolg dieses Programms wird von ihrem
Engagement für Reformen und ihrer Bereitschaft
abhängen, mit der internationalen Staatengemeinschaft
zusammenzuarbeiten.
Rußland demonstriert dieses Engagement. Ich verkünde heute, daß die Vereinigten Staaten bereit sind,
sich an dem umfangreichen Paket multilateraler Finanzhilfe zu beteiligen, um Rußlands Reformen zu
fördern. Wir arbeiten gemeinsam mit unseren Verbündeten und dem IWF an der Entwicklung eines Währungsstabilisierungsfonds im Umfang von 6 Milliarden
Dollar, um das Vertrauen in den Rubel zu erhalten.
Darüber hinaus werden sich die Vereinigten Staaten
an multilateralen Bestrebungen beteiligen, 1992 etwa
18 Milliarden Dollar Finanzhilfe aufzubringen, um russische Bestrebungen zur Stabilisierung und Umstrukturierung der Wirtschaft zu fördern. Seit drei Monaten
arbeiten wir gemeinsam mit der russischen Regierung
an der Entwicklung eines Wirtschaftsreformplans, der
den wichtigsten Industrieländern die Gewährung von
Hilfe gestattet.

Seite 2

Wir arbeiten daran, bis Ende April alle Maßnahmen zu
diesem Paket im Umfang von 24 Milliarden Dollar
abzuschließen. Ich sichere in diesem Zusammenhang
die volle Kooperation der Vereinigten Staaten zu.
Zweitens werden die Vereinigten Staaten handeln, um
ihre eigene Kapazität für Hilfe an die neuen Staaten
auszubauen. Ich lege dem Kongreß einen umfangreichen Gesetzentwurf, das Gesetz zur Förderung der
Freiheit (Freedom Support Act) vor, um die Exekutive,
den Kongreß und darüber hinaus den Privatsektor für
ein umfassendes und integriertes Paket zur Förderung
der neuen Staaten zu mobilisieren.
Dieses Paket bewilligt eine Erhöhung der US-Quote
beim IWF von 12 Milliarden Dollar, die zur Förderung
Rußlands und der anderen neuen Staaten entscheidend ist. IWF und Weltbank werden die primäre
Finanzquelle für den Hilfebedarf der neuen Regierungen sein. Die Erhöhung der US-Quote beim IWF
wurde in der Haushaltsvereinbarung ausdrücklich
vorausgesetzt und verursacht keine zusätzlichen
Haushaltsausgaben.
Unterstützen Sie meine gegenwärtige Ermächtigung,
mit der G-7 und dem IWF zusammenzuarbeiten, um
das Stabilisierungsprogramm für Rußland zusammenzustellen und potentielle künftige Programme für andere
Staaten der früheren Sowjetunion zu fördern, die wichtige Reformen durchführen, einschließlich bis zu 3
Milliarden Dollar für Stabilisierungsfonds.
Damit würde auch die Gesetzgebung des kalten Kriegs
außer Kraft gesetzt, so daß die amerikanische Wirtschaft auf diesen neuen Märkten gleichrangig konkurrieren kann. Ich bin entschlossen, daß die amerikanische Wirtschaft die Chance erhalten soll, in den neuen
Staaten zu investieren und mit ihnen Handel zu treiben. Im Hinblick drauf habe ich verfügt, daß die
Vereinigten Staaten mit diesen Ländern so schnell wie
möglich Verträge über Handel und bilaterale Investitionen sowie Besteuerung schließen. Wichtige neue
Handelsbeziehungen können auch Arbeitsplätze in
diesem Land schaffen.
Das Paket wird den Einsatz der 500 Millionen Dollar
erweitem, die der Kongreß im vergangenen Jahr bewilligt
hat, um nicht nur die sichere Zerstörung von Nuklearwaffen herbeizufüren, sondern auch die allgemeineren
Ziele der Sicherheit von Atomreaktoren, Entmilitarisierung und Umwandlung der Rüstungsindustrie zu verwirklichen. Darüber hinaus wird ein Programm persönlicher Kontakte zwischen den Vereinigten Staaten
und den Ländern der früheren Sowjetunion ins Leben
gerufen, um die Art dauerhafter persönlicher Beziehungen zwischen unseren Völkern und in Rußland das
Verständnis für demokratische Institutionen zu schaffen, wie sie für kontinuierlichen Frieden entscheidend
sind.

�Diese Bestrebungen werden unsere bestehenden
Programme vervollständigen und Hunderte von Geschäftsleuten aus der Staatengemeinschaft in die
Vereinigten Staaten führen sowie Hunderte von Mitarbeitern des Peace Corps in die neuen Staaten bringen.
Ich übergebe dieses Bewilligungsgesetz dem Kongreß und fordere ihn auf, in diesem Sinne zu handeln,
um den erforderlichen Ausgaben zuzustimmen, mit
denen dieses Gesetz in die Tat umgesetzt werden
kann.
Drittens kündige ich zusätzlich zu den 3,75 Milliarden
Dollar, die die Vereinigten Staaten seit Januar 1991
gewährt haben, heute 1,1 Milliarden Dollar an neuen
CCC-Kreditbürgschaften für den Erwerb amerikanischer Agrarprodukte an. Sechshundert Millionen davon
werden für US-Verkäufe an Rußland aufgewendet und
zusätzlich 500 Millionen für US-Verkäufe an die Ukraine und andere Staaten.
Ich möchte mit einem persönlichen Wort schließen.
Jeden Tag denke ich an die Herausforderung, dem
amerikanischen Volk eine friedliche Zukunft zu sichern. Ich glaube felsenfest, daß Präsident Jelzins
Reformprogramm jetzt für das russische Volk und die
Sicherheit des amerikanischen Volkes die größte
Hoffnung bietet, da wir die neuen Beziehungen zu
diesem großen Land definieren.
Präsident Jelzin hat sehr mutige Schritte zu Demokratie und freien Märkten unternommen. Ich bin davon
überzeigt, daß es in unserem nationalen Interesse
liegt, ihn dabei voll und ganz zu unterstützen.
*

Über 45 Jahre lang bestand die größte Verantwortung
von neun amerikanischen Präsidenten - Republikanern wie Demokraten - darin, den kalten Krieg zu
führen und zu gewinnen. Ich hatte das Privileg, mit
Ronald Reagan an diesen breitgefächerten Programmen zusammenzuarbeiten und jetzt das amerikanische Volk zu führen, um den Frieden zu gewinnen,
indem wir die soeben erst von der Tyrannei befreiten
Menschen empfangen und sie in der Gemeinschaft
demokratischer Staaten begrüßen.
Ich weiß, daß es Stimmen gibt, die fordern, wir sollten
uns zurückziehen, unsere Energie, unser Interesse
und unsere Ressourcen auf unsere vordringlichen
nationalen Probleme konzentrieren. Sie sind in derTat
sehr wichtig. Aber ich würde sie bitten, sich die
Konsequenzen hier in Amerika vor Augen zu führen,
wenn auf der ganzen Welt Frieden herrscht. Wir
müssen jetzt handeln. Wenn wir uns abwenden und
nicht alles in unserer Macht Stehende tun, damit
Demokratie in den Länder der alten Sowjetunion Fuß
fassen kann, werden wir für unser Versagen einen
hohen Preis zahlen müssen. Wenn wir der Herausforderung gerecht werden und den gleichen Mut haben
wie Präsident Jelzin, der ukrainische Präsident Krawtschuk, der armenische Präsident Ter-Petrosian, werden es uns viele künftige Generationen von Amerikanern danken, daß wir den Weitblick hatten, für Demokratie einzustehen und am Frieden in diesem Jahrzehnt und bis ins nächste Jahrhundert zu arbeiten.

*

Seite 3

�GUS-HILFE
2. April 1992

DAS GESETZ ZUR FORDERUNG
DER FREIHEIT VON 1992
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 1. April 1992 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht zu den Bestimmungen des Gesetzes zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) von
1992, das einen Rahmen für die amerikanische Hilfe an die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen
Sowjetunion bereitstellt.
I. Eine einmalige Chance zur Konsolidierung der
Freiheit
Der Zusammenbruch der Sowjetunion bietet den Vereinigten Staaten eine einmalige Chance dazu beizutragen, daß die Freiheit auf dem Boden Rußlands und
Eurasiens Wurzeln schlägt und gedeiht.
Der Erfolg von Demokratie und offenen Märkten
dort wird unmittelbar unserer nationalen Sicherheit zugutekommen.
Mehr Freiheit wird Wirtschafts- und Investitionsmöglichkeiten für Amerikaner schaffen und die
Chancen für Freundschaft zwischen unseren
Völkern vervielfachen.
Ebenso wie Demokraten und Republikaner im
kalten Krieg zusammenstanden, um für die
Freiheit zu kämpfen, müssen wir jetzt vereint
dafür wirken, den Frieden zu gewinnen.
II. Bereitstellung des Instrumentariums für eine
sicherere Weltordnung nach dem kalten Krieg
Das "Gesetz zur Förderung der Freiheit von 1992"
liefert einen flexiblen Rahmen, um die sich rasch
verändernden und unvorhersehbaren Ereignisse konstruktiv zu beeinflussen, die Rußland und Eurasien
umgestalten. Das Gesetz wird
Exekutive, Kongreß und Privatwirtschaft mobilisieren, um Demokratie und freie Märkte in
Rußland und Eurasien zu unterstützen;
unsere Bemühungen umfassend integrieren und
so gestalten, daß durch den Zusammenbruch
der Sowjetunion geschaffene militärische, politische und wirtschaftliche Möglichkeiten genutzt

und die Verantwortung mit anderen Mitgliedern
der internationalen Staatengemeinschaft geteilt
werden;
die Beschränkungen des kalten Kriegs aufheben, die immer noch die Regierung bei der Bereitstellung von Hilfe lähmen und die amerikanische Wirtschaft dabei behindern, Handel und
Investitionen mit den neuen unabhängigen
Staaten zu entwickeln.

III. Der umfassende und integrierte Plan hat 10
Hauptkomponenten
1. Das Gesetz erweitert die Befugnisse für die Bereitstellung humanitärer Hilfe, um zu gewährleisten, daß
der Grundbedarf gedeckt wird.
In Zusammenarbeit mit anderen Gebern werden die Vereinigten Staaten weiterhin Nahrungsmittel und medizinische Hilfe zur Verfügung
stellen, um die Gefahr humanitärer Notlagen
und von Instabilität zu verringern.
2. Das Gesetz fördert die nukleare Sicherheit und
Demilitarisierung, um nukleare Unfälle und die Verbreitung von Kernwaffen zu vermeiden.
Das Gesetz würde den zulässigen Einsatz der
500 Millionen Dollar erweitern, die im vergangenen Herbst für das Verteidigungsministerium
bewilligt wurden und eine Ermächtigung geben,
um die Bemühungen für Konversion der Rüstungsindustrie, Nichtverbreitung, Zerstörung
von Kernwaffen, die Bewältigung des Problems
der Abwanderung von Wissenschaftlern und
Technikern, die Verlegung der ehemaligen sowjetischen Streitkräfte sowie Reaktorsicherheit
zu unterstützen.

Seite 1

�3. Das Gesetz erweitert die Hilfsmöglichkeiten für den
Aufbau freier Märkte.
Diese Programme gründen sich auf die Bemühungen der Völker in den neuen Staaten, sich
durch Privatisierung und marktorientierte Volkswirtschaften selbst zu helfen. Das Gesetz würde
die Programme im Rahmen des Gesetzes zur
Unterstützung der Demokratie in Osteuropa
(Support for East European Democracy - SEED)
auf die ehemalige Sowjetunion ausdehnen.
4. Das Gesetz verstärkt die Unterstützung demokratischer Institutionen.

9. Das Gesetz unterstützt eine amerikanische Führungsrolle beim Stabilisierungsfonds.
Das Gesetz unterstützt die bestehende Befugnis des Präsidenten, eine führende Rolle bei der
Organisierung und Unterstützung multilateraler
Bemühungen zur makroökonomischen Stabilisierung zu übernehmen. Das Gesetz entspricht
dem Sinne nach der im Kongreß verabschiedeten Hilfe von bis zu 3 Milliarden Dollar für die
amerikanische Unterstützung des internationalen Währungsstabilisierungsfonds, wenn diese
Staaten die notwendigen Reformen einleiten.

10. Das Gesetz erweitert die amerikanische Präsenz
Dieser Vorschlag hilft uns, Programme wie etwa und verstärkt die Kontakte zwischen den Bürgern.
"Amerika Häuser" zu erweitem, um Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit zu fördern.
Das Gesetz würde sowohl die Beziehungen
zwischen den Regierungen als auch die Arbeit
5. Das Gesetz verbessert den Zugang zu Krediten für
von Organisationen wie dem Peace Corps, dem
den Ankauf amerikanischer Nahrungsmittel.
Bürgerkorps Demokratie und anderen Gruppen
erleichtern,
um Kontakte zwischen den Bürgern
Das Gesetz ermutigt zur Fortsetzung amerikazu
fördern.
nischer Nahrungsmittelexporte in die neuen
Staaten, indem deren Engagement für Wirtschaftsreformen bei der Bestimmung ihrer Kreditwürdigkeit für CCC-Bürgschaften berücksichtigt wird.
6. Das Gesetz stimuliert Handel und Investitionen
durch Beseitigung der Beschränkungen des kalten
Krieges.
Das Gesetz würde den Präsidenten in die Lage
versetzen, durch den kalten Krieg verursachte
Beschränkungen aufzuheben, mit denen Maßnahmen von EXIM-Bank und OPIC zur Unterstützung amerikanischer Firmen behindert
werden, die versuchen, in den neuen Staaten
geschäftlich aktiv zu werden.
7. Das Gesetz unterstützt die Entwicklung des Privatsektors.

IV. Bewilligungen und Ermächtigungen
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist keinerlei Ermächtigung erforderlich, um den Rahmen für die umfassende
und integrierte Organisierung unserer Bemühungen in
die Wege zu leiten.
Im Hinblick auf Bewilligungen
existiert bereits ein Antrag von 620 Millionen
Dollar, dem der Kongreß noch zustimmen muß,
besteht darüber hinaus ein weiterer Bewilligungsantrag über 12 Milliarden Dollar an Ausgabeermächtigung für die Quotenerhöhung des IWF,
die keine zusätzlichen Ausgaben erfordert und
das Haushaltsdefizit oder das Haushaltssicherungsgesetz nicht betrifft.

Eine Umschichtung der Ausgabeermächtigungen wird
Das Gesetz fördert amerikanische Investitionen uns ferner erlauben, bestehende Kreditprogramme,
und Handel sowie lokale Untemehmensgrün- EXIM und OPIC anzuzapfen und damit die bestehendungen durch Unternehmensfonds, Program- den Quellen besser auszunutzen.
me für kleine und mittlere Unternehmen sowie
Fortbildungsmaßnahmen für wirtschaftliche Bis zur vollen Nutzung bestehender Programme und
Führungskräfte. Darüber hinaus unterstützt es bis uns eine bessere Schätzung dessen vorliegt, weldie weitere Lockerung der COCOM-Beschrän- che zusätzlichen Mittel gegebenenfalls benötigt wer•den, ist es verfrüht, über zusätzliche Bewilligungen zu
kungen.
diskutieren.
8. Das Gesetz legt Bedingungen für amerikanische
Pläne für Stabilisierungsfonds für andere GUSFinanzbeiträge durch den IWF fest.
Staaten
Eine Quotenerhöhung des IWF ist erforderlich,
um Ressourcen zur Unterstützung der Reform- Das Gesetz unterstützt die Befugnis des Präsidenten,
programme in Rußland und den anderen neuen einen Währungsstabilisierungsfonds für andere StaaStaaten bereitzustellen. Der amerikanische ten einzurichten, falls sich diese dafür qualifizieren.
Beitrag zu dieser Aufstockung, die keine zusätz- Der Umfang dieser Fonds wird von mehreren Faktoren
lichen Haushaltsmittel erfordert oder zum Defiabhängen: der Ernsthaftigkeit der Reformproqramme
zit beiträgt, wird durch andere Beiträge ergänzt.
Seite 2

�dieser Staaten, der Verfügbarkeit von IWF-Mitteln und
dem Typ des Stabilisierungsprogramms.
Der neueste Stand der Hilfen für die ehemalige
Sowjetunion
Bis heute haben die Vereinigten Staaten insgesamt
6,33 Milliarden Dollar (für die Haushaltsjahre 1991 93) zugesagt. Sechzig Prozent der Gesamtsumme
wurden bereits ausgezahlt.
CCC-Kreditbürgschaften: Bis zum 30. März 1992
hatten die Vereinigten Staaten über 24 Millionen Tonnen Nahrungsmittel geliefert und zu diesem Zweck
Bürgschaften in Höhe von über 3,5 Milliarden Dollar in
Anspruch genommen.

Nahrungsmittel und medizinische Hilfsgüter transportiert. Lieferungen von Nahrungsmittelhilfe des USLandwirtschaftsministeriums wurden Anfang März nach
Armenien, Moskau, St. Petersburg und dem Ural aufgenommen. 144 Millionen der angekündigten 165
Millionen Dollar wurden bereits zugesagt und bis zum
27. März 1992 für Nahrungsmittel ausgegeben.
Medizinische Hilfe: Als Teil der Initiative des Präsidenten vom Dezember 1990 wurden medizinische Hilfsgüter im Wert von 30 Millionen Dollar in die ehemalige
Sowjetunion geliefert.
Die EXIM-Bank hat 172 Millionen Dollar an Kreditbürgschaften und Versicherungen bewilligt.
Die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat allen Republiken Abkommen vorgeschlagen. Wir werden dieses
Frühjahr mehrere Abkommen unterzeichnen, auch mit
Rußland.

Die letzte CCC-Tranche von 250 Millionen Dollar wird am 1. April 1992 fällig. Die gesamten im
ersten Quartal fälligen 267 Millionen Dollar von
Kreditsumme und Zinsen der CCC wurden fristgerecht ausgezahlt. 1,1 Milliarden Dollar werden mit dem Paket angekündigt.

Das Handels- und Entwicklungsprogramm steht für
wirtschaftliche Aktivitäten in der GUS bereit.

Nahrungsmittelhilfe: Im Rahmen von Aktion Hoffnung
wurden mit 65 Flügen zu 24 Orten 2.200 Tonnen

Technische Hilfe: Ein Programm über 85 Millionen
Dollar wird verwirklicht.

*

* * *

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush bittet Kongress um Unterstützung für GUS-Hilfsprogramm der G-7&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Bush&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Gesetz zur Förderung der Freiheit von 1992&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

1. April 1992

13

LIBYEN

USA FORDERN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF ZUR ABLEHNUNG LIBYSCHEN ANTRAGS
AUF
Vortrag von Rechtsberater Williamson

WEITERVERBREITUNG

USA: NORDKOREA AN DER SCHWELLE
ZU NUKLEARWAFFEN
Rede von CIA-Direktor Gates vor dem Kongreß

UNO

FRIEDENSTIFTENDE ROLLE DER UNO
WERTVOLLER DENN JE
Erklärung von Abteilungsleiter Bolton

KSZE

EAGLEBURGER BEZEICHNET KSZE ALS
"GEWISSEN DIESES KONTINENTS"
Rede beim KSZE-Folgetreffen

US-AUSSENPOLITIK

ENTWICKLUNGSHILFE, WIRTSCHAFTLICHE
REALITÄTEN UND DIE NEUE WELTORDNUNG
von Stephen D. Cohen

UMWELT

DER BERICHT ÜBER UMWELTQUALITAT
Eine Übersicht des Weißes Hauses

LANDWIRTSCHAFT

MADIGAN: LANDWIRTE PROFITIEREN VOM
UMWELTSCHUTZ
Rede des US-Landwirtschaftsministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�LIBYEN
I.April 1992

USA FORDERN INTERNATIONALEN GERICHTSHOF
ZUR ABLEHNUNG LIBYSCHEN ANTRAGS AUF
Vortrag von Rechtsberater Williamson
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 27. März 1992 Libyen beschuldigt, es versuche den
Internationalen Gerichtshof zu benutzen, um die Bemühungen des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu
behindern, die für den Bombenanschlag über Lockerbie verantwortlichen libyschen Agenten vor Gericht zu
stellen.
Der Rechtsvertreter des US-Außenministeriums, Edwin Williamson, begründete vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Forderung der amerikanischen Regierung nach Ablehnung der libyschen Behauptung,
allein Libyen habe das Recht, die beiden Beschuldigten gerichtlich zu belangen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Williamsons Vortrag vor dem Gerichtshof im Wortlaut.
Ich möchte zu Beginn meines Vortrags den Gerichtshof der höchsten Wertschätzung seitens der amerikanischen Regierung versichern und deren Anerkennung und Unterstützung des Gerichtshofs als wichtigstes gerichtliches Organ der Vereinten Nationen bekräftigen. Ich betrachte es als Privileg und Ehre, zum
ersten Mal vor Ihnen sprechen zu dürfen und meine
Regierung in diesem Fall zu vertreten.
Die Libysche Arabische Dschamahirija (die ich im
folghenden als "Libyen" oder die "Regierung von Libyen" bezeichnen werde) hat diesen Gerichtshof
angerufen, um eine einstweilige Verfügung zu erwirken. Damit soll ein angebliches "Recht" auf strafrechtliche Verfolgung der beiden Personen geschützt werden, die eines Anschlags auf eine Verkehrsmaschine
der Fluggesellschaft Pan Am beschuldigt werden.
Libyen behauptet, dieses Recht bedürfe des dringenden Schutzes vor Zwangsmaßnahmen der Vereinigten Staaten.
Es steht jedoch eindeutig fest, daß es nicht einseitige
Maßnahmen der Vereinigten Staaten sind, die Libyen
fürchtet.
Am 21. Januar 1992 beschäftigte sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen mit Material, das von den
Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich
zur Verfügung gestellt wurde und libysche Agenten
nicht nur im Hinblick auf den Anschlag gegen die PanAm-Maschine belastete, sondern auch in bezug auf
den Anschlag auf Flug 772 der Fluggesellschaft UTA.
441 Personen aus 32 Ländern fielen den beiden TerAMERIKA DIENST 13

roranschlägen zum Opfer. Der Sicherheitsrat hat
ferner über die libysche Verneinung einer Beteiligung,
libysche Angebote zur Strafverfolgung und libysche
Behauptungen beraten, wonach das Problem im
Rahmen der Montrealer Konvention behandelt werden
sollte. Der Sicherheitsrat antwortete darauf mit der
einstimmigen Verabschiedung der Resolution 731.
Resolution 731 stellt klar, daß das durch die Anschläge
auf die Verkehrsflugzeuge von Pan Am und UTA
aufgeworfene Problem Teil eines umfassenderen
Musters der Unterstützung für den internationalen
Terrorismus und kein isolierter Fall kriminellen Handelns ist. Der Sicherheitsrat appellierte an Libyen, "um
zur Beseitigung des internationalen Terrorismus beizutragen", eine vollständige und effektive Antwort auf
die Forderungen der Vereinigten Staaten, Frankreichs
und Großbritanniens zu geben, einschließlich der
Forderung Großbritanniens und der Vereinigten Staaten nach Auslieferung der beiden Personen sowie
Forderungen aller drei Regierungen, Libyen solle sich
"konkret und definitiv verpflichten, alle Formen terroristischen Handelns und sämtliche Hilfe für terroristische Gruppen einzustellen" sowie "unverzüglich durch
konkrete Maßnahmen seine Absage an den Terrorismus unter Beweis stellen".
Bevor ich die Vorstellungen meiner Regierung im
einzelnen darlege, fühle ich mich verpflichtet, auf die
gestern vom Vertreter Libyens vorgebrachte Einlassung einzugehen, wonach die Vereinigten Staaten
dieses Problem als Nord-Süd-Problem oder als Streitfall zwischen einer Gro ßmacht und einem kleinen Land
Seite 1

�behandelt haben. Resolution 731 wurde einstimmig
verabschiedet. Die 15 Mitgliedstaaten des Sicherheitsrats, die einen wirtschaftlichen und geographischen Querschnitt der Vereinten Nationen darstellen,
waren sich einig, daß die libysche Antwort auf die
Forderungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens
und Frankreichs beklagenswert war. Ich möchte Ihnen
einige der Präambeln sowie Paragraph 2 von Resolution 731 vortragen, die, wie ich mich erinnere, in der
Darstellung Libyens nicht erwähnt wurden. In zwei
Präambeln stellte der Sicherheitsrat fest, er sei
"tief besorgt im Hinblick auf die Ergebnisse der
Ermittlungen, die Vertreter der libyschen Regierung belasten ... in Verbindung mit den rechtlichen Verfahren in bezug auf die Anschläge auf
Pan American Flug 103 und Union de Transports Aeriens Flug 772;
entschlossen, den internationalen Terrorismus
zu beseitigen."
In Paragraph 2 bedauert der Sicherheitsrat
"zutiefst die Tatsache, daß die libysche Regierung immer noch nicht effektiv auf die "amerikanischen, britischen und französischen) Forderungen nach vollständiger Zusammenarbeit
reagiert hat, um die Verantwortung für die obigen terroristischen Akte gegen Pan American
Flug 103 und Union de Transports Aeriens Flug
772 zu klären".
Resolution 731 stellt also klar, daß der Bombenanschlag von Lockerbie und Terrorismus im allgemeinen
eine Angelegenheit internationaler Besorgnis sind und
es sich eben nicht um eine bilaterale Frage zwischen
den Vereinigten Staaten und Libyen, ein Nord-SüdProblem oder einen Streit zwischen einer Großmacht
und einem kleinen Land handelt.
Gestern haben der Vertreter Libyens und sein Rechtsberater darüber hinaus behauptet, der Streit betreffe
lediglich die Frage der Auslieferung der beiden Personen. Sie behaupteten, Libyen habe ansonsten die
amerikanischen Forderungen «rfüllt, und es sei voll
und ganz auf die französischen Forderungen eingegangen. Der Sicherheitsrat wird entscheiden müssen,
ob Libyen eine vollständige und effektive Antwort
gegeben hat. Was uns betrifft, so hat Libyen keine der
amerikanischen Forderungen befriedigt. Am wichtigsten aber ist, daß Libyen es versäumt hat, konkrete
Schritte zu unternehmen, um sich vom Terrorismus zu
distanzieren. Im Hinblick auf die Behauptung, Libyen
sei auf die französischen Forderungen eingegangen,
möchte ich dem Gericht gegenüber feststellen, daß
sich Frankreich gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und Großbritannien um eine neue Resolution des
Sicherheitsrats der Vereinten Nationen für die Verhängung von Sanktionen gegen Libyen bemüht, weil das
Land sich nicht an Resolution 731 gehalten hat.

Seite 2

Herr Präsident, der Sicherheitsrat befaßt sich eingehend mit dieser Angelegenheit. Der Generalsekretär
hat mehrere Versuche unternommen, um die libysche
Befolgung der Resolution sicherzustellen, aber am 3.
März, dem Tag, an dem Libyen seinen Antrag bei
diesem Gerichtshof stellte, berichtete er, Libyen halte
die Resolution immer noch nicht ein. Der Sicherheitsrat zieht derzeit in Erwägung, ob er aufgrund der
Nichteinhaltung von Resolution 731 Sanktionen qegen
Libyen verhängen soll.
Obwohl Libyens Argumente bereits vom Sicherheitsrat zurückgewiesen wurden, bringt Libyen jetzt ebendiese Argumente vor den Internationalen Gerichtshof.
Zum ersten Mal in der Geschichte dieses Gerichtshofs
wird dieser hier benutzt, um die Arbeit des Sicherheitsrats aufzuheben. Einer der Vertreter Libyens argumentierte, daß Libyens Eingabe beim Gerichtshof und
Forderung nach einer einstweiligen Verfügung die
Beurteilung dieser Angelegenheit durch den Sicherheitsrat "ergänzt". Dies ist ein verblüffender Umgang
mit dem Begriff "ergänzt" im Hinblick auf die nachfolgenden Ausführungen des Verteidigers. Libyens
Rechtsbeistand bestätigte, Libyen strebe nicht an,
dem Sicherheitsrat seine Betrachtungsweise der
Angelegenheiten, die das Land vor den Internationalen Gerichtshof bringen will, gemäß Kapitel VI der UNCharta vorzuschreiben. Er verdeutlichte jedoch, daß
Libyen den Gerichtshof auffordert, die Vereinigten
Staaten und Großbritannien anzuweisen, sich im Sicherheitrat jeglicher Maßnahmen zu enthalten, die
Libyens ausdrückliche Rechte beeinträchtigen. Mit
anderen Worten, die Vereinigten Staaten und Großbritannien sollen gemäß Kapitel VII keine Rolle in einer
Reaktion des UN-Sicherheitsrats auf Libyens Rolle
beim Abschuß der Pan Am 103 spielen, wenn eine
solche Reaktion die ausdrücklichen Rechte Libyens

beeinträchtigt.
Dies ist ein ungewöhnlicher Vorschlag. Er steht überhaupt nicht im Einklang mit Artikel 35 der cnarta der
Vereinten Nationen, der es jedem Mitglied der Vereinten Nationen gestattet, jegliche Streitfälle im Sicherheitsrat vorzutragen, und ferner steht er nicht im
Einklang mit Artikel 27 über die Mitgliedschaft der
Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat. Er zielt eindeutig darauf ab, die Beurteilung dieser Angelegenheit
durch den Sicherheitsrat einzuschränken und nicht zu
ergänzen.
Libyens Forderung nach einer einstweiligen Verfügung bringt den Gerichtshof in weiteren Konflikt mit
dem Sicherheitsrat. Erstens - und darauf wird im
folgenden noch eingehend verwiesen - wird dieser
Gerichtshof aufgefordert, auf der Basis vorzugehen,
daß Libyen allein das Recht hat, die beiden Personen
strafrechtlich zu verfolgen, wenn der Sicherheitsrat
einstimmig den Vorschlag Libyens geprüft hat, daß die
strafrechtliche Verfolgung durch Libyen eine effektive
Reaktion auf die Forderungen der Vereinigten Staaten

AMERIKA DIENST 13

�darstellt. Zweitens und scheinbar aufgrund der bevorstehenden Erwägung des Sicherheitsrats, die Reaktion Libyens sei unangemessen, schlägt Libyen diesem Gerichtshof vor, er müsse den außergewöhnlichen Schritt gehen und eine einstweilige Verfügung
anordnen, die seiner Beurteilung entscheidend widerspricht.

zung des Terrorismus durch Libyen mit Hilfe des UNSicherheitsrats ein Ende zu bereiten. Libyens Vertreter geben jetzt zu, daß Libyen die Vereinigten Staaten
davon abhalten will, weitere Maßnahmen des Sicherheitsrats zu fordern. Dieser Teil unserer Beweisführung wird von unserem Abteilungsleiter für Fragen der
Vereinten Nationen, Bruce Rashkow, vorgetragen.

Herr Präsident, ungeachtet der bevorstehenden Aktion des Sicherheitsrats hat Libyen nur eine weitere
mögliche Rechtfertigung für seine Forderung nach
einer einstweiligen Verfügung vorgetragen. Libyen
versucht, aus Erklärungen, in denen UN-Vertreter
"keine Option ausschließen", zu begründen, daß die
Vereinigten Staaten Gewaltanwendung angedroht
haben, um Libyen zu zwingen, die Angeklagten auszuliefern. Wir werden noch darauf eingehen, daß der
Vertreter Libyens diese Erklärungen falsch ausgelegt
hat - die Vereinigten Staaten haben keine solche
Drohung ausgesprochen. Wir sind aufgrund unserer
Beweise der libyschen Verwicklung in einen weiteren
Terrorakt gegen US-Bürger nicht einseitig vorgegangen. Statt dessen haben wir durch den Sicherheitsrat
an einer kollektiven Reaktion gearbeitet. Nun, da
Libyen die nächsten Schritte des Sicherheitsrats antizipiert, will man uns die Arbeit durch den Rat untersagen.

Zweitens werden wir dokumentieren, daß Libyen nicht
die juristischen Voraussetzungen erfüllt hat, um diesen Fall vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen. Die Bestimmungen der Montrealer Konvention
fordern ein Urteil dieses Gerichtshofs, wenn sich die
Parteien nicht sechs Monate nach der Forderung eines
Staates nach einem Schiedsspruch geeinigt haben.
Auch wenn man davon ausgeht, Libyen habe mit
seinem Schreiben vom 18. Januar (libysches Dokument 23) und der Erklärung seines Ständigen Vertreters bei den Vereinten Nationen (vorausgesetzt, er war
befugt, für Libyen zu sprechen) einen entsprechenden
Antrag auf einen Schiedspruch gestellt, vergingen
lediglich sechs Wochen zwischen der libyschen "Forderung" nach einem Schiedsspruch und seinem Antrag bei diesem Gerichtshof. Dementsprechend hat es
den Anschein, daß die Montrealer Konvention keine
mögliche Basis für die Rechtsprechung des Gerichtshofs bietet. Dieser Teil unserer Beweisführung wird
vom ehemaligen Unterabteilungsleiter Charles Brower
vorgetragen, dem Leiter der US-Delegation bei der
Konferenz, aus der die Montrealer Konvention hervorgegangen ist.

Herr Präsident, 196 Amerikaner wurden bei den Terroranschlägen auf die Pan Am 103 und die UTA 772
getötet, was eine krasse und abscheuliche Verletzung
des Völkerrechts darstellt. Ich bin deshalb sicher, Sie
verstehen die Empörung der Vereinigten Staaten und
der anderen 32 Länder, deren Bürger getötet wurden,
bei dem Gedanken, daß Libyen den Gerichtshof benutzen könnte, um sich der internationalen Verurteilung zu entziehen. Wir sind zuversichtlich, daß der
Gerichtshof nicht auf diese Art und Weise mißbraucht
wird.
Herr Präsident, heute morgen werden die Vereinigten
Staaten nach Überprüfung der Tatsachen und der
Beweislage demonstrieren, daß die libysche Forderung nach einer einstweiligen Verfügung unbegründet
ist und abgelehnt werden sollte.
Wir werden vier grundsätzliche Vorschläge unterbreiten, von denen jeder einzelne eine Basis bietet, um die
Anträge abzulehnen.
Erstens werden wir zeigen, wie unangemessen es ist,
daß Libyen diesen Gerichtshof bittet, den Sicherheitsrat einschränken oder in anderer Weise behindern zu
wollen, seine erste Pflicht nach der UN-Charta auszuüben, die Wahrung von Frieden und Sicherheit auf der
Welt zu gewährleisten oder gemeinsam mit den Vereinigten Staaten Angelegenheiten dort vorzutragen. Die
Reaktion der Vereinigten Staaten auf den Abschuß der
Pan Am 103 konzentrierte sich darauf, der Unterstüt-

AMERIKA DIENST 13

Drittens werden wir zeigen, daß Libyens Forderung
nicht die Kriterien dieses Gerichtshofs erfüllt, wie der
außergewöhnliche Schritt einer einstweiligen Verfügung unternommen werden kann. Dabei werden wir
dokumentieren, daß Libyens Behauptung eines angedrohten Zwangs durch die Vereinigten Staaten jeder
Grundlage entbehrt und den traditionellen Standards
der Dringlichkeit dieses Gerichtshofs ebensowenig
entspricht wie die Beschränkung auf eine einstweilige
Verfügung zum Schutz der jeweiligen Rechte der
Parteien, daß Libyens angeblich exklusives Recht auf
Strafverfolgung illusorisch ist, wohingegen die von
Libyen durch seine Forderung nach Hilfe angefochteten Rechte der Vereinigten Staaten verbrieft und eindeutig sind und daß der Gerichtshof demgemäß nur
seine Funktion erfüllen kann, den Parteien ihre Rechte
zuzugestehen, indem er Libyens Forderung nach Eilbedürftigkeit verweigert. Der Abteilungsleiter für den
Nahen Osten und Südasien, Jonathan Schwarz, wird
diesen Teil unserer Beweisführung vortragen.
Der letzte Punkt unserer Beweisführung, daß die
Forderung Libyens verweigert werden sollte, weil der
Sicherheitsrat aktiv an der Angelegenheit beteiligt ist,
wird von Unterabteilungsleiter Alan Kreczko vorgetragen. Ich werde die Beweisführung mit einer kurzen
Stellungnahme beschließen.

Seite 3

�Schlußbemerkung
Herr Präsident, verehrte Mitglieder des Gerichts, hiermit komme ich zum Ende der offiziellen Antwort meiner
Regierung auf den libyschen Antrag auf einstweilige
Verfügung. Abschließend möchte ich den Kontext in
Erinnerung rufen, der dieses Verfahren ausgelöst hat
sowie die Konsequenzen darlegen, sollte dem libyschen Antrag stattgegeben werden.
Der Anschlag auf Pan Am Flug 103 war das vielleicht
schrecklichste Beispiel eines Terroranschlags gegen
Bürger meines Landes des vergangenen Jahrzehnts.
Ich muß sagen, wenn man Seite um Seite die Namen
unschuldiger Opfer dieses barbarischen Akts liest,
kann man nicht umhin - wenn auch nur im Kleinen - die
schreckliche Trauer ihrer Familien und Freunde zu
teilen.
Akte wie der Anschlag auf Pan Am Flug 103 haben
weitreichende Nachwirkungen. Sie betreffen uns alle.
Wenn man ein Flugzeug besteigt, den Verwandten
einen guten Flug wünscht, Flugzeuge über uns hinwegfliegen sieht, muß man jetzt unweigerlich an das
Risiko denken, das von gefühllosen Individuen verursacht wird, die tödliche Sprengladungen an Bord verstecken. Selbst die schärfsten Sicherheitsvorkehrungen auf Flughäfen reichen nicht aus, um uns zu
beruhigen.
Wir alle haben ein Recht auf Sicherheit, wenn wir
reisen - als Einzelpersonen, Fluggesellschaft oder als
Regierung. Wir haben auch das Recht - ein Menschenrecht - frei von der Geißel des staatlich geförderten Terrorismus zu sein. Die internationale Staatengemeinschaft darf nicht die Hände in den Schoß legen,
wenn ein Staat sich für die Unterstützung solch verabscheuungswürdiger Akte entscheidet, wie es Libyen
unseres Erachtens seit Jahren tut.
Aus diesem Grund haben sich die Vereinigten Staaten,
als bei den Ermittlungen im Falle der Tragödie des Pan
Am Flugs 103 die Ursache zutage trat, zusammen mit
Großbritannien und Frankreich für ein umfassendes
Vorgehen entschieden. Der libyschen Regierung wurden
eine Reihe von Forderungen vorgelegt, um ihr die
Möglichkeit einer Abkehr von ihrer bisherigen Politik
einzuräumen und konkret unter Beweis zu stellen, daß
sie der Unterstützung des Terrorismus entsagt.
Wie lautete die libysche Antwort? Libyen leugnete die
Verantwortung für Terroranschläge der Vergangenheit, erklärte jedoch, es werde die Unterstützung des
Terrorismus einstellen. Libyen behauptete, es könne
den Forderungen nicht entsprechen, räumte dann
jedoch ein, es könne ihnen Folge leisten. Es schlug
Prozesse der Angeklagten vor diesem Gerichtshof, in
Drittländern und vor nichtexistierenden Gerichten vor.
Schließlich, als Libyen der Absicht der drei Regierungen gewahr wurde, den Sicherheitsrat anzurufen,

Seite 4

bestand es zum ersten Mal darauf, daß die Kontroverse unter die Montrealer Konvention falle und ein Schiedsverfahren eingeleitet werden solle.
In der einstimmig verabschiedeten Resolution 731
gelangte der Sicherheitsrat zu dem Schluß, die libysche Antwort sei "beklagenswert". Er brachte seine
"tiefe Besorgnis" über die Ermittlungsergebnisse der
gegen Pan Am 103 und UTA 772 verübten Anschläge
zum Ausdruck, die auf Libyen als Täter deuteten, und
drängte Libyen, "unverzüglich eine umfassende und
zufriedenstellende Antwort auf diese Forderungen zu
unterbreiten, um damit zur Beseitigung des internationalen Terrorismus beizutragen".
Was hat Libyen daraufhin getan? Es hat den Generalsekretär der Vereinten Nationen von seiner Bereitschaft zur Einhaltung der Resolution unterrichtet. Wir
gingen davon aus, daß Libyen kürzlich den Präsidenten des Sicherheitsrats über seine Entscheidung informiert habe, die Verdächtigen des Anschlags auf Pan
Am 103 der Arabischen Liga zu überstellen - dies war
jedoch offensichtlich nicht der Fall. Es ist jedenfalls
nichts geschehen.
Infolgedessen zieht der Sicherheitsrat derzeit obligatorische Sanktionen gemäß Kapitel VII in Erwägung,
um Libyen zur Einhaltung der früheren Resolution zu
bewegen.
Statt die Resolution einzuhalten, hat Libyen dieses
Gerichtsverfahren eingeleitet. Es hat die außerordentliche Entlastung durch einstweilige Verfügung beantragt. Mit welcher Begründung? Unseres Wissens
aufgrund eines völlig neuen "Rechts", die Möglichkeit
der Anwendung des Strafrechts auf die Verdächtigen
- Libyens eigene Geheimagenten - durch irgendeinen
anderen Staat auszuschließen. Worauf würden die
Maßnahmen abzielen? Soweit wir es verstehen darauf, die Erörterungen des Sicherheitsrats über die
schwebende Resolution aufzuhalten. Ein solches
Ansinnen ist schlicht und einfach ungeheuerlich angesichts der in der Charta niedergelegten obersten Verantwortung des Rats für internationalen Frieden und
Sicherheit.
Bedenkt man, daß ein solch ungeheuerlicher Vorschlag dem libyschen Antrag zugrundeliegt, der libysche Antrag keine der Kriterien erfüllt, die für den Erlaß
einer einstweiligen Verfügung gegeben sein müssen,
daß Libyen in der Tat dieses Gericht um ein Recht
anruft, das selbst ein staatlicher Förderer von Terrorismus in Anspruch nehmen könnte und Libyen das
Gericht auffordert, dem zuwider- statt in Zusammenarbeit mit einem anderen wichtigen UN-Organ zu
handeln, liegt die Schlußfolgerung nahe, daß Libyens
wirkliches Ziel einfach darin bestehen mu ß, ein Verfahren gleich welcher Art vor diesem Gericht einzuleiten,
auf das es als Teil einer politischen Initiative gegen die
vorgeschlagene Sanktionsresolution verweisen kann.

AMERIKA DIENST 13

�Bei allem Respekt - das Gericht sollte sich dazu nicht
hergeben. Der libysche Antrag auf einstweilige Verfügung vor diesem Gericht steht nicht nur im Widerspruch zu der Rechtspechung des Gerichtshofes im
Hinblick auf einstweilige Verfügungen. Sollte sie jedoch gewährt werden, könnte sie der Funktionsweise
des Systems der Charta der Vereinten Nationen für die
Aufrechterhaitung des internationalen Friedens und
der Sicherheit Schaden zufügen. Das Gericht kann
versichert sein, daß die Gewährung der von Libyen
angestrebten Entlastung als Unterstützung der libyschen Nichteinhaltung der Resolutionen des Sicherheitsrats ausgelegt wird. Auf der anderen Seite wären

*

AMERIKA DIENST 13

die Ablehnung des libyschen Antrags und die Bekräftigung der Bedeutung, die der Einhaltung der Resolution des Rats zukommt, eine willkommene Unterstützung der breitgefächerten Bestrebungen, Bedrohungen des Friedens an den Rat weiterzuleiten.
Herr Präsident, verehrte Mitglieder des Gerichts, auch
im Namen der anderen Mitglieder der amerikanischen
Delegation möchte ich Ihnen für diese Anhörung danken.
Als unsere offizielle Einlassung bitte ich das Gericht im
Namen der Vereinigten Staaten von Amerika, den
Antrag auf einstweilige Verfügung abzulehnen.

* * *

*

Seite 5

�WEITERVERBREITUNG
I.April 1992

USA: NORDKOREA AN DER SCHWELLE
ZU NUKLEARWAFFEN
Rede von CIA-Direktor Gates vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Direktor des US-Nachrichtendienstes CIA, Robert Gates, zufolge steht Nordkorea
"kurz, vielleicht sehr kurz vor dem Besitz einer Nuklearfähigkeit".
Vor Kongreßabgeordneten erläuterte Gates am 27. März 1992, die Vereinigten Staaten müßten sich nicht nur
über die Konsequenzen für die Stabilität in Nordostasien Gedanken machen, wenn Nordkorea Nuklearwaffen
beschafft, "sondern auch über die Möglichkeit, daß Pjöngjang Nuklearmaterial und verwandte Technologien
weltweit vermarkten könnte".
In einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses machte Gates Ausführungen über
die konventionellen und unkonventionellen militärischen Fähigkeiten der koreanischen Halbinsel sowie am
Persischen Golf und im Nahen Osten.
Obwohl die UNO-Sanktionen die Bestrebungen Saddam Husseins zur militärischen Wiederaufrüstung verhindert haben, ist das irakische Militär Gates zufolge nach wie vor "ausgezeichnet", insbesondere verglichen mit
seinen Nachbarn. Die irakische Armee verfügt immernoch über2.000 Panzer, 3.000 Mannschaftstransportwagen sowie 1.000 Artilleriegeschütze, so Gates. Der CIA-Direktor fügte hinzu, der Irak besitze wahrscheinlich
außerdem noch einige mobile SCUD-Raketenabschußvorrichtungen und "mehrere hundert Raketen".
Sollten die UNO-Sanktionen aufgehoben werden, könnte der Irak laut Gates in drei bis fünf Jahren die konventionellen militärischen Arsenale wiederaufbauen, die er vor dem Krieg besessen habe.
Gates Einschätzung des Iran zufolge werde dieses Land voraussichtlich "den Friedensprozeß weiterhin
torpedieren und wahrscheinlich ... terroristische und andere Aktivitäten unterstützen, die Fortschritte bei der
Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern unterminieren".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von CIA-Direktor Gates in wesentlichen Auszügen.
In den vergangenen dreieinhalb Monaten haben sich
einige beunruhigende Tendenzen abgezeichnet. In
Teilen der ehemaligen Sowjetunion haben sich die
Unruhen zugespitzt, seit ich das letzte Mal hier vor
Ihnen stand. Die Konflikte zwischen den sowjetischen
Nachfolgestaaten wie Armenien und Aserbaidschan
vertiefen sich. Während die GUS den Zusammenbruch des sowjefschen Impenums aufgefangen hat,
sieht sie sich mit zunehmenden Problemen konfrontiert, die sie vielleicht nicht übersteht. Ohne Schwierigkeiten lassen sich weitere beunruhigende Nachrichten
aufzählen:
Die Ukraine hat den Transfer zur Verschrottung
bestimmter taktischer Nuklearwaffen nach
Rußland eingestellt.
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D,e Rat.f.z,erung und Durchfuhrung des KSEVertrags sche.nt zunehmend komphz.ert und
problematisch.
AMERIKA DIENST 13

Der Rüstungswettlauf gewinnt im Nahen Osten,
Südostasien und anderen Regionen an Tempo.
Trotz

beachtlicher - und teurer - Drogenbekämpfungsmaßnahmen blüht der Drogenhandel nach
wie vor
ungehindert.
D j e v e r h e e r e n d e E x p , o s i o n v o n Buenos Aires
z e j g t d a ß i n t e r n a t i o n a | e r Terrorismus immer
noch ein ernsthaften Problem ist.
Auf der anderen Seite kann ich jedoch auch einige
positive Entwicklungen und Trends anführen:
Die Weißen in Südafrika haben sich eindeutig
zugunsten weiterer politischer Reformen ausgesprochen. In El Salvador ist ein Waffenstillstand in Kraft, und die Aussichten, daß die
Kontrahenten ihre Konflikte friedlich beilegen,
h a b e n sjch verbessert. s
j n Albanien und

Seite 1

�Rumänien zeichnen sich Fortschritte ab. Die
Unruhen in Jugoslawien sind abgeflaut, wenn
vielleicht auch nur vorübergehend.

konnte. Und natürlich verfügen die irakischen
Atomwissenschaftler und Ingenieure weiterhin
über ihr Fachwissen.

Die Umgestaltung der zentral gelenkten Volkswirtschaften in freie Marktwirtschaften erweist
sich weiterhin als schwierig und destabilisiernd.
Aber die schlimmsten Vorhersagen - über massive
Hungersnöte, Hypothermie und Unruhen großen Umfangs beispielsweise in Rußland - haben sich bisher nicht verwirklicht. Und Jelzin
hält noch immer am Kurs wirtschaftlicher Reformen fest.

Bagdad hat Tonnen chemischer Munition und
Wirkstoffe sowie eine beträchtliche Menge an
Produktionsgerät abgeliefert, aber wir sind
überzeugt, daß das Regime von allem noch
Bestände unterhält - mehr chemische Grundstoffe, mehr Wirkstoffe, mehr Munition und mehr
Produktionsgerät.

Der Nahe Osten und der Persische Golf
Falls in den nächsten Jahren die Stationierung amerikanischer Kampftruppen im Ausland erneut erforderlich werden sollte, steht die strategisch lebenswichtige
Region Naher Osten und Persischer Golf an oberster
Stelle der wahrscheinlichen Regionen.
Der Irak: geschwächt, aber Immer noch mächtig
Die Operation Wüstensturm hat die Fähigkeit des Irak
zur Durchführung militärischer Offensivoperationen
großen Stils stark verringert. Die UNO-Sanktionen
haben Saddams Bestrebungen zur Wiederbewaffnung
seiner Streitkräfte vereitelt. Mit der Verteidigung des
Regimes und der Niederschlagung lokaler Aufstände
befaßt, kann das irakische Militär zur Zeit nur Offensiven kleinen Stils und mit begrenzter Zielsetzung durchführen.
Umfang und Ausrüstung der irakischen Streitkräfte
sind jedoch nach wie vor ausgezeichnet, insbesondere
verglichen mit der Mehrzahl seiner Nachbarn. Lassen
sie mich einige Zahlen nennen:
Die irakischen Landstreitkräfte umfassen rund
zwei Dutzend Divisionen, obwohl sie insgesamt
kleiner und weniger fähig sind als die Divisionen
vor dem Krieg. Die Armee verfügt immer noch
über mehr als 3.000 Mannschaftstransportwagen, 2.000 Panzer und 1.000 Artilleriegeschütze.
Unseres Erachtens besitzt der Irak auch weiterhin einige mobile SCUD-Raketenabschußvorrichtungen sowie mehrere Hundert Raketen.
Die irakische Luftwaffe verfügt nach wie vor
über rund 300 Kampfflugzeuge, obwohl viele
nicht einsatzfähig sind. Weil die Luftwaffe seit
über einem Jahr keine Einsätze geflogen hat,
benötigt sie mindestens einen Monat intensiver
Ausbildung und Wartung, um ein Minimum an
Kampffähigkeit wiederzuerlangen.
Obwohl ein Großteil des irakischen nuklearfähigen Geräts aufgespürt und zerstört worden ist,
vermuten wir, daß der Irak einen Teil seines
Geräts vor den UNO-Inspektoren verstecken
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Das Regime hat nie ein biologisches Waffenprogramm zugegeben und nie irgendwelche Giftstoffe oder Waffen abgeliefert. Wir wissen
jedoch, daß der Irak ein solches Programm
unterhielt und sind überzeugt, daß er noch immer
über biologische Waffen und die Mittel zur Herstellung weiterer Waffen verfügt.
Wieviel Zeit benötigt der Wiederaufbau?
Der Wiederaufbau der irakischen Verteidigungsindustrie ist eines von Saddam Husseins Hauptzielen nach
dem Krieg. Ungeachtet der von den Vereinten Nationen verfügten Inspektionen und Sanktionen behauptet
der Irak, nahezu 200 Anlagen der Rüstungsindustrie
repariert zu haben und mit der Instandsetzung zahlreicher anderer befaßt zu sein. Unabhängig davon
können wir bestätigen, daß auf mindestens zwei Dutzend Anlagen der Rüstungsindustrie umfassende
Wiederaufbaumaßnahmen stattfinden.
In einigen während des Golfkriegs beschädigten
Waffenproduktionsanlagen wurde die begrenzte Herstellung von Artielleriegeschützen und Munition wiederaufgenommen. Trotz dieser Bestrebungen wird die
gesamte Rüstungsproduktion erheblich unter dem
Vorkriegsniveau liegen, solange die Sanktionen in
Kraft sind und die Inspektionen fortgesetzt werden.
Sollten die Sanktionen aufgehoben werden, benötigt
der Irak unseren Schätzungen zufolge mindestens
drei bis fünf Jahre, um die konventionellen militärischen Arsenale der Zeit vor dem Krieg wiederaufzubauen. Lange davor könnten die irakischen Streitkräfte für eine Bedrohung ihrer Nachbarn stark genug sein.
Wichtiger ist jedoch, wie schnell der Irak unseres
Erachtens seine besonderen Waffenfähigkeiten wiederaufbauen kann. Unseren Studien zufolge konnte
Bagdad erhebliche Teile seiner speziellen Waffenprogramme aufrechterhalten. Sobald der Wiederaufbau
in Angriff genommen werden kann, stehen die irakischen Wissenschaftler und Ingenieure bereits in den
Startlöchern.
Das Programm zur Entwicklung von Nuklearwaffen würde am meisten Zeit zur Wiederherstellung benötigen, weil ein Großteil der Infrastruktur für die Produktion von spaltbarem Material
wiederaufgebaut werden müßte. (D:C3Ö Tatsa-

AMERIKA DIENST 13

�che würde noch untermauert, wenn das Gerät in
bestimmten erst kürzlich entdeckten atomaren
Forschungsanlagen zerstört wird, wie von den
UN-Inspektionsteams gefordert). Die Zeit, die
der Irak zum Wiederaufbau seiner Nuklearfähigkeit benötigt, könnte drastisch verkürzt werden, wenn er auf irgendeine Weise spaltbares
Material aus dem Ausland beschaffen könnte.
Ein Großteil der Infrastruktur zur Herstellung
chemischer Waffen müßte wiederaufgebaut
werden, bevor der Irak das Produktionsniveau
der Vorkriegszeit wiedererlangt. Unserer Ansicht nach könnte er jedoch die begrenzte Produktion solcher Waffen unverzüglich wiederaufnehmen, indem er verdeckte Bestände chemischer Grundstoffe, nicht deklariertes Verarbeitungsgerät und ungefüllte Munition verwendet.
Da zur Herstellung von Wirkstoffen zur biologischen Kriegführung nur wenig Gerät benötigt
wird, könnte der Irak die Produktion binnen
Wochen wiederaufnehmen. Er verfügt nach wie
vor über Mikrobenkulturen und Krankheitserreger. Wir sind weiterhin überzeugt, daß er auch
einen Bestand an biologischen Waffen unterhält.
Schließlich könnte der Irak unseren Schätzungen zufolge seine Fähigkeit zur Herstellung von
Raketen des Typs SCUD bald wiedererlangen,
obwohl er auf ausländische Hilfe angewiesen
sein könnte.

Was würde geschehen, wenn Saddam abträte?
Wie würde sich die Innenpolitik des Irak und sein
Verhalten gegenüber dem Ausland verändern, wenn
Saddam Hussein die Bühne verließe?
Wie die jahrzehntelangen Repressionen Saddams
belegen, wird er alles tun, um an der Macht zu bleiben.
Es gibt weder einen Nachfolgemechanismus noch
sind irgendwelche Kandidaten in Sicht, um Saddam
abzulösen - der Irak ist eines jener Länder, in denen die
Nummer Zwei zu sein enervierend - um nicht zu sagen
lebensgefährlich - ist.
Infolgedessen würde Saddam unseres Erachtens nur
aufgrund eines Putsches oder Gewaltaktes von der
Bildfläche verschwinden. Wie wahrscheinlich dies ist,
kann ich nicht sagen, obwohl wir Beweise dc*ür haben,
daß Saddams Macht im Schwinden begriffen ist und
die Unzufriedenheit mit der Führung sogar unter seinen engsten Vertrauten - vor allem den irakischen
Sunniten - zunimmt.
Ein möglicher Nachfolger Saddams käme aus der von
den Sunniten beherrschten Regierung - jemand, der
Saddams Perspektiven teilt, insbesondere seinen
Glauben an die politische Wirksamkeit grausamer
Gewalt. Ein solcher Nachfolger könnte sehr wohl

AMERIKA DIENST 13

ähnlich wie Saddam denken. Wer immer Saddams
Nachfolger sein mag - es fehlt ihm an einer breiten
Machtbasis und er könnte sich unverzüglicher und
ernsthafter Herausforderungen durch andere Konkurrenten gegen übersehen.
Ein Nachfolgeregime wäre vielleicht gegenüber den
irakischen Schiiten und Kurden sowie gegenüber den
ausländischen Gegnern des Irak etwas weniger verbissen. Während die Bestrebungen zur Wiederherstellung der militärischen Fähigkeiten des Irak fortgesetzt würden, könnten einige Ressourcen vom Wiederaufbau der Rüstungsindustrie für zivile Zwecke
umgeleitet werden. Das neue Regime könnte von
einer raschen Aufhebung der UNO-Sanktionen sowie
der Anerkennung und Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft ausgehen. Kurzfristig könnte der Irak daher eine geringere Bedrohung für seine
Nachbarn darstellen. Jeder Nachfolger Saddams wird
jedoch wahrscheinlich seine regionalen Ambitionen
teilen, und auf lange Sicht könnten wir davon ausgehen, daß der Irak versuchen wird, seine Position als
dominante arabische Militärmacht wiederzugewinnen.
Wenn ein Nachfolgeregime Probleme bekommt, die
Einheit oder territoriale Unversehrtheit des Irak aufrechtzuerhalten, werden seine unmittelbaren Nachbarn, insbesondere der Iran, die Türkei und Syrien,
stark versucht sein zu intervenieren. Sie alle befürchten, daß ein instabiler Irak ihre nationalen Eigeninteresen bedrohen und zu einer unerwünschten Verschiebung des regionalen Gleichgewichts der Kräfte führen
könnte. Keiner möchte, daß der Irak in unabhängige
kurdische, schiitische und sunnitische Staaten zerfällt.
Das iranische Auf rüstungsprogramm
Während der Irak bestrebt ist, sich vom Golfkrieg zu
erholen, ist der Irak entschlossen, seinen früheren
Status als Vormacht am Persischen Golf wiederzugewinnen. Die neuformulierte nationale Sicherheitspolitik des Iran verfolgt drei Hauptziele:
Gewährleistung des Überlebens des Regimes.
Machtprojektion in der gesamten Region.
Ausgleich des amerikanischen Einflusses im
Nahen Osten.
Um diese Ziele zu erreichen, hat der Iran diplomatische Maßnahmen ergriffen, um seine internationale
Isolierung zu beenden. Er kauft Waffen von einer
Reihe ausländischer Lieferanten und entwickelt eine
Fähigkeit zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen. Im Zeitraum von 1990 -1994 plant der Iran,
jährlich 2 Milliarden Dollar für den Ankauf ausländischer Waffen auszugeben.
So hat Teheran bereits eine erhebliche Zahl modemer
Kampfflugzeuge und Luftabwehrraketen von Rußland
und China erworben. Von Nordkorea hat es einige

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�SCUD-Raketen mit verlängerter Reichweite bezogen,
und es baut eine Fabrik, um seine eigenen Raketen
herzustellen.
Als Teil seines Modernisierungsprogramms für die
Marine hat der Iran darüber hinaus Verträge zum
Ankauf von mindestens zwei Angriffsunterseebooten
der Kilo-Klasse aus Rußland abgeschlossen.
Selbst nach Operation Wüstensturm besitzt der Irak
noch dreimal soviele gepanzerte Fahrzeuge wie der
Iran. Um diese Lücke zu verkleinern, versucht Teheran, von russischen und osteuropäischen Lieferanten
Hunderte von Panzern zu erwerben.
Wir gehen davon aus, daß Teheran bestrebt ist, die
Fähigkeit zum Bau von Kernwaffen zu erwerben. Wir
sind jedoch der Überzeugung, daß die Iraner ohne
bedeutende technische Unterstützung aus dem Ausland dieses Ziel wahrscheinlich nicht vor dem Jahr
2000 verwirklichen werden.
Das iranische Programm zum Bau chemischer Waffen
bleibt trotz seines Umfangs und der erzielten Fortschritte relativ primitiv. Wir erwarten jedoch, daß der
Iran binnen weniger Jahre chemische Gefechtsköpfe
für seine SCUD-Raketen entwickelt.
Darüber hinaus nehmen wir an, daß sich der Iran um
die Fähigkeit zur biologischen Kriegführung bemüht.
Der Iran und die arabischen Staaten
Teheran baut seine militärische Stärke nicht nur deshalb wieder auf, um das militärische Ungleichgewicht
mit dem Irak zu beheben, sondern auch, um seine
Fähigkeit zu vergrößern, seine Nachbarn am Golf zu
beeinflussen und einzuschüchtern - obwohl kurzfristig
Teherans Wunsch nach Eindämmung des amerikanischen Engagements in der Region dazu führen wird,
daß es die Golfstaaten umwirbt anstatt sie unter Druck
zu setzen.
Teheran ist ferner bemüht, seine Beziehungen zu den
arabischen Staaten außerhalb des Golfs zu verbessern. Dabei betont es die Solidarität der Moslems und
die Prinzipien des Islams. In Ländern mit islamischen
Oppositionsbewegungen hofft der Iran, seinen Einfluß
bei den örtlichen Fundamentalisten zu verstärken ohne
seine Beziehungen zu den dortigen Regierungen zu
schädigen. So möchte Teheran zum Beispiel in Algerien die Beziehungen zu dem neuen Regime aufrechterhalten und gleichzeitig seine politische und finanzielle Unterstützung der Islamischen Heilsfront fortsetzen,
die von der algerischen Regierung gerade verboten
wird. Beiden Anliegen gerecht zu werden, war schon
in der Vergangenheit schwierig: Algier rief unlängst
seinen Botschafter in Teheran zurück, um gegen die
andauernde Unterstützung der Front durch den Iran zu
protestieren.

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Die wachsende Unterstützung des Iran für radikale
Palästinensergruppen könnte zu einer Annäherung an
arabische Staaten wie Libyen führen. In dieser Unterstützung kommt die iranische Animosität gegenüber
Israel zum Ausdruck, das Teheran sowohl als Verbündeten der USA wie auch als strategische Bedrohung
betrachtet. Wir erwarten, daß der Iran den Friedensprozeß weiterhin torpedieren und wahrscheinlich terroristische und andere Aktivitäten unterstützen wird,
die Fortschritte bei der Aussöhnung zwischen Israelis
und Palästinensern unterminieren.
Der wichtigste Stellvertreter Teherans in der arabischen Welt wird weiterhin die radikale libanesische
Schiitengruppe Hisbollah sein, die als Hauptverdächtiger für den Bombenanschlag auf die israelische
Botschaft in Argentinien in Frage kommt. Um den
Fortbestand seiner Verbindungen zur Hisbollah zu
gewährleisten, wird Teheran sorgfältig darauf achten,
gute Beziehungen zur syrischen Regierung zu bewahren, die den Zugang zu dem von der Hisbollah besetzten Gebiet kontrolliert.
Der Iran und die neuen islamischen Republiken
Teheran betrachtet die Entwicklungen in der Region
nördlich seiner Grenzen als lebenswichtig für seine
nationalen Interessen. Es möchte sowohl das vom
Zusammenbruch der Sowjetunion verursachte Vakuum füllen als auch die Vereinigten Staaten und
regionale Rivalen wie die Türkei daran hindern, dort
beherrschenden Einfluß zu gewinnen. Teherans diplomatische Bemühungen zur Stärkung seines Einflusses in den neuen islamischen Staaten der Region
umfassen auch die Unterstützung der Mitgliedschaft
dieser Länder in verschiedenen regionalen und internationalen Organisationen.
Darüber hinaus versucht Teheran, kulturelle und religiöse Verbindungen mit den neuen Republiken zu
entwickeln. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich
Teheran sein wird, wenn man berücksichtigt, daß die
meisten dieser Völker türkischen und nicht persischen
Ursprungs sowie zumeist sunnitische und nicht schiitische Moslems sind.
Wir sehen keine Beweise für iranische Bemühungen,
die säkularen Regierungen der neuen Staaten zu
unterwandern oder sie Rußland und den anderen
nichtmoslemischen Mitgliedstaaten der GUS zu entfremden. Zum jetzigen Zeitpunkt zumindest scheint
der Iran die freundschaftlichen Beziehungen zu Ruß
land bewahren zu wollen, das ein wichtiger Waffenlieferant geworden ist. Darüber hinaus muß der Iran im
Hinblick auf das Schüren von Instabilität an seiner
Nordgrenze Vorsicht walten lassen, damit nicht auch
unter seinen eigenen aserbaidschanischen oder turkmenischen Minderheiten nationalistische Stimmungen hervorgerufen werden. Im Hinblick auf den Kon-

AMERIKA DIENST 13

�flikt zwischen Aserbaidschan und Armenien hat Teheran in der Tat versucht, mäßigenden Einfluß auf die
aserbaidschanische Regierung auszuüben.
Die koreanische Halbinsel
Seit der Paraphierung der Abkommen über Nichtangriff/Aussöhnung und die Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel im vergangenen Dezember haben
Nord- und Südkorea eine Reihe von Verhandlungen
und Gesprächen durchgeführt, darunter einige auf
sehr hoher Ebene, um die Vereinbarungen zu verwirklichen. Diese Gespräche haben einige konkrete Ergebnisse hervorgebracht, insbesondere die Bildung
einer gemeinsamen nuklearen Kontrollkommission am
19. März mit dem Mandat, bilaterale Inspektionen
kerntechnischer Anlagen zu erarbeiten.
Im großen und ganzen jedoch haben die beiden Seiten
bisher lediglich einen Rahmen für die Aussöhnung
geschaffen, der keine Substanz enthält. Bei entscheidenden Fragen, etwa der Häufigkeit und Gründlichkeit
sowie den elementaren Regeln für nukleare Inspektionen liegen beide Seiten immer noch weit auseinander.
Ferner bestehen große Meinungsverschiedenheiten
über im Aussöhnungsabkommen geforderte persönliche Kontakte und militärische vertrauensbildende
Maßnahmen.
Die Bedrohung aus dem Norden
Der Norden unterhält nach wie vor im Gebiet unmittelbar nördlich der demilitarisierten Zone enorme Landstreitkräfte. Diese Formationen sind für einen überraschenden, massiven Schlag gegen Seoul im Süden
optimiert. In den letzten Jahren haben diese Streitkräfte ihre Mobilität und Flexibilität verstärkt und damit ihre
Fähigkeit verbessert, vorbereitete Verteidigungsstellungen zu bedrohen. Sie sind den gegnerischen
südkoreanischen Streitkräften sowohl an Personal als
auch Waffen zahlenmäßig weit überlegen. Trotz des
unlängst unterzeichneten koreanischen Nichtangriffspakts stellen diese Streitkräfte bis zu ihrem Abzug eine
reale und ernste Bedrohung dar.
Dabei geht es nicht um die Furcht vor einem Angriff aus
dem Süden. Die südkoreanischen Streitkräfte sind
stationiert, um Seoul zu verteidigen. Sie stellen keine
ausgleichende Bedrohung Nordkoreas dar - und Pjöngjang weiß es.
Ich möchte diese Bedrohung nicht überbetonen. Die
Streitkräfte Nordkoreas leiden unter zahlreichen Defiziten. Ihre Ausbildung und infolgedessen auch ihre
Kampfbereitschaft sind fragwürdig. Sie weisen Schwächen in der Luftabwehr und Logistik auf. Sie können
sich kaum auf die Unterstützung ehemaliger Verbündeter verlassen.
Darüber hinaus hat Operation Wüstensturm gezeigt,
daß die amerikanische Luftwaffe gegen massierte
Bodentruppen äußerst effektiv ist. Die Aussicht dar-

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auf, daß Südkorea erhebliche Luftunterstützung sowie
andere Unterstützung seitens der amerikanischen
Streitkräfte erhalten würde, ist ein potentes Abschrekkungsmittel, selbst für solch starke Streitkräfte wie
diejenigen, die Nordkorea an der Grenze stationiert
hat.
Das Kernwaffenprogramm Nordkoreas
Pjöngjang hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ohne
Unterstützung des Auslands in der Lage sein wird,
waffenfähiges spaltbares Material vollständig selbst
herzustellen. Es besitzt Uranminen im Inland. In
Jöngbjon hat es zwei Kernreaktoren gebaut, deren
einziger Zweck die Produktion von Plutonium zu sein
scheint. Einer dieser Reaktoren ist bereits seit vier
Jahren in Betrieb, der zweite, wesentlich größere wird
wahrscheinlich dieses Jahr in Betrieb genommen.
Eine weitere Einrichtung in Jöngbjon, die in der Lage
sein wird, Reaktorbrennstoffe zur Plutoniumgewinnung wiederaufzubereiten, ist nahezu fertiggestellt.
Im vergangenen Dezember haben Nord- und Südkorea ein prinzipielles Abkommen für eine atomwaffenfreie Halbinsel ausgehandelt. Jede Seite hat sich
verpflichtet, Kernwaffen nicht "zu testen, herzustellen,
produzieren, erwerben, besitzen, lagern, stationieren
oder einzusetzen". Beide Seiten haben ferner vereinbart, keine nuklearen Wiederaufbereitungs- oder
Urananreicherungsanlagen zu besitzen. Es gibt Gründe, die Absichten des Nordens in Zweifel zu ziehen,
wenn man berücksichtigt, daß er die Existenz der
Reaktoren zur Plutoniumherstellung sowie der Wiederaufbereitungsanlage im Kernforschungszentrum
Jöngbjon noch nicht zugegeben, geschweige denn
angemeldet hat.
Darüber hinaus müssen Verifizierungsverfahren ausgearbeitet werden - erst diesen Monat wurde Einvernehmen darüber erzielt, daß zu diesem Zweck ein
gemeinsamer Ausschu ß eingerichtet werden soll. Die
Tragfähigkeit der Kernwaffenvereinbarungen zwischen
Norden und Süden hängt von dem Inspektionsregime
ab, dem Pjöngjang letztlich zustimmt.
Wir gehen davon aus, daß Pjöngjang kurz, vielleicht
sehr kurz vor dem Besitz einer Kernwaffenfähigkeit
steht. Im Hinblick auf Nordkorea müssen wir uns
jedoch nicht nur über die Stabilität in Nordostasien
Sorgen machen, falls es Kernwaffen erwirbt, sondern
auch über die Möglichkeit, daß Pjöngjang Nuklearmaterial und damit verwandte Technologien weltweit
vermarkten könnte. In der Vergangenheit waren die
Nordkoreaner bereit, alles zu verkaufen, was Devisen
einbringt.
Negative Trends für den Norden
Die angespannten wirtschaftlichen Bedingungen im
Norden haben im Verein mit Unsicherheiten in bezug
auf den sich abzeichnenden dynastischen Führungswandel in Pjöngjang die Nordkoreaner dazu veranlaßt,
Seite 5

�ihre Konfrontationsstrategie gegenüber dem Süden Trotzdem könnten wir kurzfristig in eine gefährlichere
sowie den Vereinigten Staaten, Japan und den Verein- Periode eintreten:
ten Nationen zu modifizieren. Die Spannungen zwiDie nordkoreanischen Strategen könnten einen
schen Nord und Süd haben etwas abgenommen,
Angriff
auf den Süden empfehlen, solange der
obwohl sich die eigentliche militärische Bedrohung für
Norden
noch sein erhebliches Übergewicht an
den Süden nicht erheblich verändert hat.
Menschen und Waffen hat.
Wir erwarten, daß sich viele der militärischen Vorteile
Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung und
des Nordens gegenüber dem Süden im Verlauf dieses
Modernisierung der konventionellen Streitkräfte
Jahrzehnts abschwächen werden, was gro ßenteils auf
Pjöngjangs könnten die Entschlossenheit des
die abnehmende Unterstützung seitens der traditionelNordens verstärken, Kernwaffen und ballistilen Verbündeten des Nordens und seine anhaltenden
sche
Raketen zu entwickeln.
wirtschaftlichen Probleme zurückzuführen ist.

* * * *

Seite 6

*

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�UNO
I.April 1992

FRIEDENSTIFTENDE ROLLE DER UNO
WERTVOLLER DENN JE
Erklärung von Abteilungsleiter Bolton
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter der Abteilung Internationale Organisationen im US-Außenministerium, John
Bolton, zufolge können Friedensmissionen der UNO heute größere Wirkung als je zuvor zeitigen, da der Sieg
der freien Welt im kalten Krieg den UN-Sicherheitsrat befähigt hat, seine Rolle als Garant internationaler
Sicherheit zu erfüllen.
Vor zwei Unterausschüssen des Auswärtigen Ausschusses des US-Repräsentantenhauses erklärte Bolton am
25. März 1992, daß die stabilisierende Rolle, die dem UN-Sicherheitsrat von den Begründern der Vereinten
Nationen zugedacht war, endlich eingesetzt werden kann, um Frieden, Wohlstand und Freiheit für Millionen von
Menschen zu verwirklichen - wenn die Vereinigten Staaten und andere Mitgliedstaaten die erforderliche Hilfe
bereitstellen.
"Die energische Unterstützung von UN-Friedensmissionen ist seit langem ein grundlegendes Ziel der amerikanischen Außenpolitik", erklärte Bolton den Ausschußmitgliedern zur Begründung des beispiellosen Haushaltsantrags von 350 Millionen Dollar zur Finanzierung solcher Aktivitäten in der ganzen Welt.
Nachfolgend veröffentlichen wir Boltons Erklärung im Wortlaut.

Ich freue mich, mit Ihnen ein Thema zu erörtern, dem

ich für die amerikanische nationale Sicherheit große
Bedeutung beimesse, nämlich die Friedensmissionen
der UNO. Zu Beginn möchte ich jedoch kurz auf drei
Themen eingehen: die rasche Ausweitung der UNFriedensmissionen, unsere Bemühungen zur Begrenzung der damit verbundenen Kosten sowie die Zukunftsaussichten.
Die Ausweitung der UN-Friedensmissionen
In den vergangenen beiden Jahren haben wir eine
explosionsartige Zunahme von Friedensmissionen und
friedenstiftenden Aktivitäten der UNO beobachtet. Allein
seit April vergangenen Jahres hat der Sicherheitsrat
neue Friedensmissionen am Persischen Golf, in der
Westsahara, in El Salvador, Kambodscha un-&lt; Jugoslawien eingerichtet. In den letzten vier Jahren wurden
mehr UNO-Friedensoperationen durchgeführt als in
den gesamten 43 vorhergehenden Jahren in der
Geschichte dieser Organisation.
Warum hat das Engagement der UNO für Friedensmissionen so rasch zugenommen? Die einfachste
Antwort darauf lautet: weil sich die Welt so stark
verändert hat. Der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion

AMERIKA DIENST 13

hat atemberaubende Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Ländern und Völkern verursacht, von denen die meisten positiv waren. Sie haben
nicht nur Millionen von Menschen die Freiheit gebracht, die unter dem Joch der Tyrannei lebten, sondern werden auch weltweit zu mehr Stabilität und
Wohlstand führen. Einige Veränderungen waren jedoch bösartig und haben zum offenen Ausbruch seit
langem angestauten Hasses geführt. Diese regionalen Konflikte schaden in unterschiedlichem Ausmaß
den amerikanischen Interessen und wirken sich auf
unsere nationale Sicherheit aus.
Insgesamt haben diese Veränderungen in der Welt die
Bedeutung der friedenstiftenden Rolle der UNO enorm
vergrößert. Mit dem Ende des kalten Krieges ist der
UN-Sicherheitsrat endlich in der Lage, die ihm von den
Begründern der Vereinten Nationen zugedachte Rolle
- die Bewahrung der internationalen Sicherheit und des
Weltfriedens - zu erfüllen. Animositäten zwischen der
Sowjetunion und den westlichen Mitgliedstaaten hindern den Sicherheitsrat nicht mehr daran, Maßnahmen zu ergreifen, um Bedrohungen für den Weltfrieden beizulegen.
Heute arbeiten die Ratsmitglieder effektiv zusammen,
um internationale Probleme zu behandeln, die man

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�noch vor wenigen Jahren weiter hätte schwären lassen. Fall für Fall findet der Sicherheitsrat Lösungen für
Probleme, die einst unlösbar schienen. Diese Lösungen sind häufig unvollkommen, und sie kosten immer
Geld. Aber sie verhindern für gewöhnlich die Ausbreitung von Konflikten, haben viele Tausende von Leben
gerettet - und kosten wesentlich weniger als eine
direkte amerikanische Intervention.

Finanzierung der UN-Aktivitäten, insbesondere des
dringenden Bedarfs an Unterkünften, Transport- und
Kommunikationsmitteln sowie anderen unterstützenden Geräten und Dienstleistungen.
Jugoslawien: Am 21. Februar 1992 hat der Sicherheitsrat eine UN-Einheit zum Schutz Jugoslawiens
(United Nations Protection Force for Yugoslavia UNPROFOR) ins Leben gerufen. Schätzungen der
Vereinten Nationen zufolge wird die Einheit im ersten
Jahr etwa 14.000 Mann umfassen und etwa 640
Millionen Dollar kosten. Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben Ihre Besorgnis über die hohen Kosten
von UNPROFOR bekundet und die Entsendung eines
Vorbereitungsteams nach Jugoslawien genehmigt, das
Möglichkeiten zur Kosteneinsparung sondieren und
die erforderlichen Bedingungen für die endgültige
Stationierung von UNPROFOR schaffen soll. UNPROFOR's Aufgabe wird in der Entmilitarisierung der
drei UN-Schutzzonen in Kroatien und Überwachung
der zivilen und polizeilichen Verwaltung dieser Zonen
bestehen.

Das Ende des kalten Krieges hat den Sicherheitsrat
nicht nur zu einer effektiveren Institution bei der Behandlung von Bedrohungen des Weltfriedens gemacht.
Es hat darüber hinaus bedeutet, daß regionale Konflikte, die von der Rivalität der Supermächte angeheizt
wurden, jetzt reif für eine Lösung sind. In so verschiedenen Ländern wie Angola, El Salvador und Kambodscha haben kommunistische Regierungen und Guerrillabewegungen erkannt, daß sie nicht länger auf Hilfe
von außen zählen können und Frieden schließen
müssen. Angesichts der langen Geschichte von Animositäten suchen die Menschen in solchen Ländern
für den Übergang zu einem System, das alle Sektoren
der Gesellschaft einbezieht, natürlich nach einem
unparteiischen Schlichter. In vielen Fällen sind die El Salvador: Die UN-Beobachtermission in El Salvador (U.N. Observer Mission in El Salvador- ONUSAL)
Vereinten Nationen dieser Schlichter.
wurde am 20. Mai 1991 gegründet. Ursprünglich
Wie ich bereits erwähnte, hatte der Zusammenbruch bestand das Mandat der ONUSAL darin, die Einhaldes Kommunismus in Osteuropa und der ehemaligen tung des Menschenrechtsabkommens von San Jose
Sowjetunion zusammen mit der raschen Demokrati- zu verifizieren. Der Sicherheitsrat hat ONUSAL am 14.
sierung in der gesamten dritten Welt einige uner- Januar 1992 um eine (militärische) Einheit und Polizeiwünschte Nebenwirkungen. Religiöse und ethnische kräfte erweitert. Seitens der Regierung von El SalvaAnimositäten, die lange von den Stiefeln der Diktato- dor wurden Beschuldigungen erhoben, die FMLN habe
ren unterdrückt worden waren, treten heute zutage. Bestimmungen des Friedensabkommens über die
Jugoslawien ist bereits aufgrund solcher Spannungen Offenlegung ihrer Waffenarsenale, Beschlagnahm«»
zerfallen. Unruhen sind auch in vielen Teilen der von Land und das umgehende Aufsuchen von Samehemaligen Sowjetunion mit den Händen zu greifen. melzonen verletzt. Auf der anderen Seite beschuldigt
In einigen Fällen wird die internationale Staatenge- die FMLN die Regierung, sie versuche, die früheren
meinschaft gezwungen sein, sich an die Vereinten paramilitärischen Polizeieinheiten zu erhalten, deren
Nationen zu wenden, um bei ihrer Entspannung zu Abschaffung sie versprochen hatte. Wir untersuchen
die Vorwürfe beider Seiten und arbeiten eng mit ONUSAL
helfen.
zusammen, um sicherzustellen, daß der Prozeß nicht
Neue Friedensmissionen der Vereinten Nationen sind an Schwung verliert.
bei der Erfüllung ihres Auftrags mit enormen Hindernissen konfrontiert. Jeder Einzelfall bietet einzigartige ONUSAL konnte schnell stationiert werden, weil seine
logistische, finanzielle und grundlegende politische Menschenrechtseinheiten seit Mitte des Jahres 1991
Probleme. Dazu möchte ich folgende Beispiele anfüh- in El Salvador waren und weil es alle Ressourcen
ren:
übernehmen konnte, einschließlich der Offiziere und
des Geräts der UN-Beobachtermission im MittelameKambodscha. In Kambodscha beginnen die Verein- rika (U.N. Observer Mission in Central America ten Nationen, ihre bisher ehrgeizigste Friedensmis- ONUCA), die kurz nach Schaffung der ONUSAL aufsion zu verwirklichen (UNTAC). Zu den vordringlichen gelöstwurde. Die ONUSAL hatte jedoch Probleme bei
Fragen gehören: 1. die baldmöglichste Etablierung der Rekrutierung einer ausreichenden Zahl von Polieiner durchsetzungsfähigen UN-Präsenz im ganzen zeibeamten.
Land. 2. die Einleitung von Minenräumaktionen und
Verbesserungen der Infrastruktur als vordringliche Westsahara: Obwohl am 6. September 1991185 UNAufgaben, die für eine kurzfristige Repatriierung uner- Beobachter des Waffenstillstands in der Westsahara
läßlich sind. 3. Die Vorbereitung der Demobilisierung stationiert wurden, um den Waffenstillstand zwischen
eines möglichst großen Teils der Streitkräfte aller Marokko und der Polisario zu beobachten, hat sich die
Fraktionen (mindestens 70 Prozent). 4. Die Schaffung offizielle Stationierung der vollständigen MINURSOder Voraussetzungen für freie und faire Wahlen. Nicht Friedenstruppen für die Durchführung eines Referenweniger wichtig ist die Bereitstellung von Mitteln zur dums verzögert, weil die beiden Parteien r.iuü in der
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AMERIKA DIENST 13

�Lage waren, sich auf Kriterien für die Auswahl der
Wähler zu einigen. Der Generalsekretär hat den
Sicherheitsrat um eine Fristverlängerung bis Ende Mai
gebeten, um alle bestehenden Hindernisse für die
Stationierung von MINURSO auszuräumen.
Somalia: Der Sicherheitsrat hat vergangene Woche
der Entsendung eines Vorbereitungsteams nach Somalia
zugestimmt, um mit den kriegführenden Parteien die
Modalitäten der Bereitstellung von UN-Waffenstillstandsbeobachtern und der effektiven Verteilung humanitärer Hilfe zu erörtern. Das Vorbereitungsteam muß mit
der Tatsache fertigwerden, daß es in Somalia viel
mehr Oppositionsparteien gibt als die beiden in Mogadischu ansässigen, mit denen die Vereinten Nationen
bisher immer zu tun hatten. Das Team muß sich der
Tatsache stellen, daß es trotz zahlloser Vereinbarungen aufgrund von regionalen oder UN-Bestrebungen
noch keinen anerkannten Waffenstillstand gegeben
hat. Um effektiv zu sein, müssen die Mitglieder der
UN-Friedensmission in Somalia einen kontinuierlichen
politischen Prozeß beobachten, dessen Ziel nicht nur
ein Waffenstillstand, sondern eine Lösung der grundlegenden politischen Differenzen zwischen den kriegführenden Parteien ist, die erstmals die erfolgreiche
Verteilung der so dringend benötigten Katastrophenhilfe ermöglichen wird.
Die Kosten der Friedensmissionen
Die energische Unterstützung der UN-Friedensmissionen ist seit langem ein grundlegendes Ziel der
amerikanischen Außenpolitik. Wir müssen sicherstellen, daß die Vereinten Nationen über die erforderlichen
Mittel für ihr äußerst wichtiges Mandat verfügen. Das
Fehlen angemessener und pünktlicher Finanzierung
für neue und bestehende Friedensmissionen wird die
Vereinten Nationen sowie die Führungsrolle und den
Einfluß der Vereinigten Staaten in dieser Organisation
vor ernste Probleme stellen.
Wir haben für das Haushaltsjahr 1992 einen Nachtragshaushalt von insgesamt 350 Millionen Dollar für
den Auslandshilfetitel beantragt, um für die Haushaltsjahre 1991 und 1992 den ungedeckten Bedarf folgender Missionen zu decken: für die UN-Beobachtermission im Irak und Kuwait (U.N. Iraq/Kuwait Observer
Mission - UNIKOM), die UN-Verifizierungsmission in
Angola (U.N. Angola Verification Mission - UNAVEM
II), die UN-Mission in der Westsahara (MINURSO) und
die UN-Vorbereitungsmission in Kambodscha (U.N.
Advance Mission in Cambodia - UNAMIC). In diesem
Antrag ist die Anschubfinanzierung für die UN-Beobachtermission in El Salvador (ONUSAL) ebenso enthalten wie für die UN-Übergangsverwaltung in Kambodscha (U.N. Transitional Authority in Cambodia UNTAG) und die UN-Schutztruppe in Jugoslawien
(UNPROFOR).
Für das Haushaltsjahr 1993 fordert die Regierung 350
Millionen Dollar, um neuem und voraussichtlichem

AMERIKA DIENST 13

Bedarf an Friedensmissionen gerecht zu werden. Diese
Mittel werden eingesetzt, um Friedensmissionen in
Kambodscha und Jugoslawien zu finanzieren und die
UN-Beobachtermission in El Salvador weiterzuführen.
Vorteile für die Vereinigten Staaten
Wir sind uns voll und ganz der Tatsache bewußt, daß
unser gegenwärtiger Bewilligungsantrag für US-Beiträge zu internationalen Friedensmissionen eine sehr
große Erhöhung gegenüber unseren Anträgen der
Vorjahre darstellt. Trotz der rapide steigenden Kosten
sind UN-Friedensmissionen jedoch am vorteilhaftesten für die Erhaltung des Weltfriedens. Tatsächlich
sind die Beträge, die die Welt für UN-Friedensmissionen ausgibt, nur ein Bruchteil dessen, was für Rüstung
ausgegeben wird.
UN-Friedensmissionen liegen im Interesse der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Friedensmissionen tragen dazu bei, daß regionale Konflikte
sich nicht weiter ausbreiten und direkt US-Interessen
bedrohen.
Zugegebenermaßen sind nicht an all diesen Brennpunkten direkte Interessen der Vereinigten Staaten
betroffen. Jedoch gibt es viele Regionen, wo seit
Jahren das Leben von US-Bürgern, Geld oder Prestige
der Vereinigten Staaten gefährdet sind. In diesen
Fällen scheinen wir die letzte Zahlung bei Investitionen
zu leisten, die großen Erfolg hatten. Wenn wir diese
letzte Rate nicht zahlen, könnten jedoch die gesamten
Investitionen auf dem Spiel stehen.
Beispielsweise sieht die Summe von 20 Millionen
Dollar für die UN-Friedenstruppe in El Salavador zunächst hoch aus - bis man sie mit den Milliarden Dollar
vergleicht, die wir aufgewendet haben um zu gewährleisten, daß diese Nation an den Punkt gelangt, an dem
der UN-Friedenstruppe Erfolg beschieden sein würde.
Gleichzeitig machten die 20 Millionen Dollar, die wir
ausgaben um sicherzustellen, daß eine marxistische
Regierung nicht den Willen des angolanischen Volkes
erstickte, das Geld mehr als wett, das wir dafür beantragt hatten, daß die Vereinten Nationen gegnerische
Armeen entwaffnen und faire Wahlen abhalten können. Und wer könnte reinen Gewissens die letzte,
beste Chance zur Lösung der Tragödie in Kambodscha vergeuden, eine Tragödie, mit der das amerikanische Volk seit Jahren verbunden ist. Die Vereinten
Nationen sind die beste Versicherung gegen eine
erneute Machtübernahme der Roten Khmer.
Selbst solche UN-Friedensmissionen, bei denen unser Engagement nicht so offen zutage tritt, sind für
gewöhnlich von Nutzen für die amerikanischen Interessen. In vielen Bereichen - Investitionen, Handel,
strategische Interessen - sind unsere Verbindungen
mit Jugoslawien beispielsweise dürftig. Eine Fortsetzung des Krieges dort hätte jedoch direkte, negative
Auswirkungen auf zahlreiche wichtige amerikanische

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�Interessen in der Region gehabt. Um ein auf der Hand
liegendes Beispiel zu zitieren, hätte der enorme Flüchtlingsstrom sehr wohl die neuen, instabilen Demokratien an der Nord- und Südgrenze Jugoslawiens unterminieren können.
Kostendämpfung
Obwohl ich nach wie vor der Ansicht bin, daß die UNFriedenstruppe von enormem Nutzen ist, bin ich mir
auch schmerzlich der Tatsache bewußt, daß wir die
Kosten niedrig halten müssen. Unsere eigenen Pobleme im Inland erfordern dies ebenso wie die Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen.
Wie können wir die Kosten der UN-Friedenstruppen
niedrig halten? Ein Weg besteht darin, sowenig Missionen wie absolut nötig in die Wege zu leiten. Die
Charta der Vereinten Nationen stellt eindeutig fest,
daß regionale Organisationen die Führungsrolle bei
der Lösung regionaler Konflikte übernehmen sollten.
Diesen Ansatz unterstützen wir uneingeschränkt.
Ich darf Ihnen versichern, daß wir die UN-Friedenstruppe nicht als Retter einer verlorenen Sache ansehen, die nolens volens in ein Krisengebiet entsandt
wird, wenn alles andere zum Scheitern verurteilt ist.
Wenn wenige Friedensmissionen in die Wege geleitet
werden, müssen sie über ein so klar wie möglich
definiertes Mandat verfügen. Die Dauer einer neuen
Mission sollte vorzugsweise konkret festgelegt und an
einen Prozeß gebunden werden, der eindeutig zu einer
Lösung der zugrundeliegenden Probleme führt. Die
derzeitigen UN-Friedensmissionen in Angola, El Salvador und Kambodscha sowie die erfolgreich beendete in Namibia haben diese Kriterien gemein.
Selbst wenn die Dauer einer Friedensmission nicht
klar umrissen werden kann, müssen wir allen Parteien
verdeutlichen, daß Friedenssicherung durch die Vereinten Nationen kein Selbstzweck ist. Die UN-Friedenstruppen dienen nicht als ewige Garanten eines
Waffenstillstands. Die Resolution des Sicherheitsrats
zur Friedenssicherung in Jugoslawien knüpfte beispielsweise die Stationierung von UN-Friedenstruppen an die Versuche, eine Lösung der Krise während
der EG-Konferenz über Jugoslawien auszuhandeln.
Wir rechnen mit dem Erfolg dieser Gespräche. Falls
sie jedoch scheitern und die Parteien ihre Bestrebungen zur Beilegung ihrer Meinungsverschiedenheiten
einstellen, wird der UN-Sicherheitsrat das Mandat
dieser Mission überprüfen müssen.
Ein weiterer Weg zur Kostendämpfung besteht darin
zu gewährleisten, daß jede einzelne Mission so gezielt
und wirksam wie möglich ist. Wir stehen in ständiger
Verbindung mit dem UN-Sekretariat um sicherzustellen, daß sich die Zahl derfür jede Mission stationierten
UN-Friedensstruppen auf das absolute Minimum zur
Erfüllung des Mandats dieser Mission beschränkt.
Femer drängen wir das Sekretariat, möglichst hohe
*
Seite 4

*

freiwilliger Beiträge der Gastländer dieser Friedensmission und Länder mit besonderem Interesse an der
jeweiligen Mission sicherzustellen. Diese Ansätze
haben die Einsparung von Hunderten Millionen Dollar
gegenüber den ursprünglich von den Vereinten Nationen für die Friedensmissionen in Namibia und Angola
vorgelegten Schätzungen zur Folge gehabt. Wir
erwarten, daß sie zu noch größeren Einsparungen im
Hinblick auf die bevorstehenden Missionen in Kambodscha und Jugoslawien führen werden.
Schließlich möchte ich Ihnen versichern, daß wir die
Frage prüfen, ob es einen fairen und gerechten Weg
gibt, den von uns getragenen Prozentsatz der Kosten
für die UN-Friedensmissionen anzupassen. Wir können uns der Tatsache nicht entziehen, daß unsere
Volkswirtschaft mehr als doppelt so groß ist wie die
jeder anderen Nation. Wir können nicht leugnen, daß
wir die einzige verbleibende Supermacht der Welt
sind. Wir können uns der Realität nicht verschließen,
daß unsere Interessen in Übersee umfassender und
zwingender sind als die aller anderen Länder. Im
Rahmen dieser Parameter kämpfen wir jedoch noch
immer darum, daß der amerikanische Anteil an den
UN-Friedensmissionen auf ein absolutes Minimum beschränkt bleibt. Mir scheint es zu hoch angesetzt, daß
die Vereinigten Staaten weiterhin 30,4 Prozent der
Gesamtkosten der UN-Friedensmissionen tragen.
Die Zukunft
Wir sind an einem Scheideweg im 20. Jahrhundert
angelangt. Wir haben den kalten Krieg ebenso gewonnen wie den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Unser
Prestige und Einfluß in der Welt befinden sich auf dem
Höhepunkt, in gewisser Weise sind wir jedoch vom
Kampf ermüdet und wollen uns nach innen wenden.
Unsere innenpolitischen Probleme sind vielfältig und
verlangen nach Aufmerksamkeit. Wir möchten jemanden - irgendjemanden - der die Last in Übersee übernimmt.
Wenn wir jedoch auf lange Sicht der Welt den Rücken
kehren, in der wir leben müssen, wäre dies ein Verhängnis. Wir alle erinnern uns des Isolationismus der
zwanziger Jahre und seines bösen Bruders - wirtschaftlicher Protektionismus - ebenso wie wir uns an
das Chaos erinnern, das sie auf der Weltbühne geschaffen haben. Dies darf niemals wieder geschehen.
Wir haben die Chance, Großes zu vollbringen: zur
Stabilisierung der aufstrebenden Demokratien in Ländern beizutragen, die seit Jahrzehnten nur Tyrannei
kannten, Menschenrechte weltweit zu fördern, die
Vereinten Nationen und die entsprechenden regionalen Organisationen zu nutzen, um mehr Frieden und
Stabilität zu schaffen, als die Welt jemals erlebt hat.
Die Guten werden jetzt eindeutig gewinnen. Wenn wir,
die Vereinigten Staaten, jedoch den Kampf aufgeben,
wird das Ergebnis sehr viel düsterer aussehen.
*

*
AMERIKA DIENST 13

�KSZE
1. April 1992

EAGELBURGER BEZEICHNET KSZE ALS
"GEWISSEN DIESES KONTINENTS"
Rede beim KSZE-Folgetreffen
HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden Außenministers Lawrence
Eagleburger und Leiters der US-Delegation beim Folgetreffen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), das am 24. März 1992 in Helsinki begann.

Zunächst möchte ich Präsident Koivisto und dem
finnischen Volk meinen Dank für die Veranstaltung
dieser Ministerkonferenz aussprechen, mit der das 4.
KSZE-Folgetreffen seit der Unterzeichnung der Schlußakte von Helsinki im Jahr 1975 eröffnet wird.
Diese Zusammenkunft in der Stadt, deren Namen
einen so hohen Stellenwert für diejenigen einnimmt,
die so lange für ihre Freiheit gekämpft haben, ist - mit
den Worten eines großen amerikanischen Präsidenten - ein Rendevouz mit dem Schicksal. Wir kommen
heute in einem Europa zusammen, das sich in den
Geburtswehen revolutionären Wandels befindet. Es
ist ein Europa, das sich selbst vom Würgegriff des
Totalitarismus befreit und die unnatürliche Teilung
zwischen Ost und West überwunden hat - sowohl
zwischen Nationen als auch auf dem Kontinent als
Ganzes. Es ist ein Europa, in dem sich die Achtung der
Menschenrechte von leeren Versprechungen in greifbare Realität gewandelt hat. Und es ist ein Europa, das
bald zum ersten Mal in seiner Geschichte ganz demokratisch sein wird. Und weil wir uns im Gegensatz zu
1975 in einem Europa versammeln, das nicht durch
ideologische Konflikte gespalten oder gelähmt ist, liegt
es in unserer Macht, Großes und Dauerhaftes zu
vollbringen.
Die Aufgabe dieser Konferenz bestoht in der Definition
des Kurses für die nächste Phase der europäischen
Entwicklung. Implizit wissen wir natürlich, daß diese
Aufgabe niemals vollendet werden kann. Wir sind uns
der Tatsache bewußt, daß sich die demokratische
Regierungsform immer weiterentwickelt, selbst dort,
wo sie schon am längsten praktiziert wird, und die
Sache der Menschenrechte ein niemals endender
Kampf ist. In meinem Land, in dem die Demokratie
über 200 Jahre alt ist, bewahren wir immer noch die
Skepsis unserer Gründerväter über Regierungen und
die Perfektion des Menschen. Um James Madison zu
AMERIKA DIENST 13

zitieren: "Was ist die Regierung anderes als das beste
aller Spiegelbilder der menschlichen Natur? Wenn die
Menschen Engel wären, wäre die Regierung unnötig.
Würden Engel die Menschen regieren, wären weder
externe noch interne Kontrollen der Regierung notwendig."
Madisons vorsichtige Worte sind der Erinnerung wert,
wenn wir in dieses neue Zeitalter der Demokratie
eintreten. In mancher Hinsicht war unsere Aufgabe
leichter - oder zumindest leichter zu verstehen -, als die
Gegner von Demokratie und Menschenrechten ihren
Zynismus offen und ohne jegliche Entschuldigung zur
Schau stellten. Heute könnten sich Selbstgefälligkeit
und Selbstzufriedenheit als unser größter Feind erweisen. Trotz der Tatsache, daß wir uns alle der Schlußakte von Helsinki verpflichtet und die besten Absichten
haben, benötigen wir daher die KSZE - das Gewissen
dieses Kontinents - morgen ebensosehr wie gestern.
Zweifelsohne ist es inzwischen offenkundig, daß dieses neue Zeitalter der Demokratie auch ein Zeitalter
tiefgreifenden Wandels ist. Auf der anderen Seite
haben die Revolutionen der vergangenen drei Jahre
unsere Mitgliederzahl erweitert und Einigung bezüglich unserer Zielsetzung hervorgebracht.
Diese
Umwälzungen haben dieses Gremium jedoch auch mit
neuen Herausforderungen konfrontiert. Revolutionäre
Veränderungen der von uns erlebten Art bergen nicht
nur Hoffnungen, sondern auch ein gewisses Maß an
Unsicherheit und Instabilität. Weit davon entfernt, zu
Ende zu sein, ist die Geschichte in Bewegung.
Aus diesem Grund benötigen wir die KSZE bei Verhandlungen in einer Phase kontinuierlicher Veränderungen. Unsere Aufgabe besteht zweifelsohne jedoch
nicht darin, den Wiener Kongreß zu kopieren. Unser
Ziel ist weder die Schaffung rigider Strukturen, die
Veränderungen ersticken, noch die Anwendung rein
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�mechanischer Lösungen auf die Probleme des europäischen Gleichgewichts. Statt dessen müssen wir
realistische Ziele für die KSZE festsetzen in der Erkenntnis, daß dieses Gremium eine von mehreren
ineinander übergreifenden Institutionen ist, durch die
wir einen Staatenbund demokratischer Nationen aufbauen wollen. Das Atlantische Bündnis, die Europäische Gemeinschaft, die WEU und der Nordatlantische
Kooperationsrat müssen in unserer euro-atlantischen
Gemeinschaft alle eine Rolle spielen. Jede dieser
Organisationen sieht sich mehr als genug Herausforderungen gegenüber. Vor allem müssen wir versuchen, die einzigartige Rolle der KSZE als die moralische Stimme und letztliche Quelle der Legitimität des
neuen Europas aufrechtzuerhalten und zu stärken.
Aus dem Blickwinkel der Vereinigten Staaten sieht sich
die KSZE in der Zeit nach dem kalten Krieg mit zwei
umfassenden Herausforderungen konfrontiert: erstens, die Konsolidierung der KSZE-Prinzipien unter
den neuen demokratischen Mitgliedsstaaten herbeizuführen und zweitens, die Institutionen und Mechanismen der KSZE zu stärken, um konzertierte Aktionen für eine konstruktive Bewältigung des Wandels in
Europa zu ermöglichen.
Im Hinblick auf die erste Priorität sollte es niemanden
verwundern, daß die Demokratie zu Beginn ihrer Entwicklung eine schwierige Phase durchläuft. Wir sollten
uns vergegenwärtigen, daß Demokratie stets zumindest den Anschein von Instabilität erweckt. Freiheit
bringt schließlich Unordnung mit sich, eine Tatsache,
die den neuen Demokratien - die das von der Diktatur
hinterlassene Vermächtnis von Intoleranz und wirtschaftlichem Ruin überwinden müssen - sicherlich
schon bewu ßt geworden ist. Unter diesen Umständen
muß ein Hauptziel darin bestehen, die KSZE-Mechanismen einzusetzen, um unsere gemeinsame Erfahrung bei der Praktizierung der Demokratie dem Wohl
aller zugute kommen zu lassen. Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, daß die Übereinstimmung dieses
Gremiums bei den Prinzipien in all unseren Mitgliedstaaten von der jüngsten bis zur ältesten Demokratie
in die Praxis umgesetzt wird.
Unsere zweite Priorität muß der Bewältigung des
Wandels gelten - insbesondere dem Umgang mit dem
durch den Zusammenbruch der alten europäischen
Ordnung hervorgerufenen unvermeidlichen Ausbruch
von Streitigkeiten innerhalb und zwischen Mitgliedstaaten. So sind wir seit über einem Jahr bereits
Zeugen innerer und grenzüberschreitender Unruhen
auf dem Balkan und im Kaukasus. Sicherlich ist es
Aufgabe dieser Organisation, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um diesem Bruderkrieg ein Ende zu
setzen.
Mit diesem Ziel vor Augen haben wir in den letzten
Jahren im Rahmen der KSZE Mechanismen zur Kon-

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fliktbewältigung geschaffen und verfeinert. Wir sollten
diese weiter ausbauen, aber wir sollten uns auch
bemühen zu gewährleisten, daß uns die Instrumente
zur Verfügung stehen, um Probleme vor dem Ausbruch von Krisen und Konflikten an der Wurzel zu
packen. Mit anderen Worten: in den kommenden
Jahren müssen wir die Konfliktverhütung - ebenso wie
die Bewältigung von Konflikten - zur Priorität machen.
Zu Beginn dieser Folgekonferenz ist es unerläßlich,
daß wir uns der Tatsache erinnern, daß wir, die Mitgliedstaaten, mit der Einlösung des Versprechens von
1975 erfolgreich den Charakter unserer Beziehungen
revolutioniert haben. Die KSZE verkörpert diesen
qualitativen und historisch einmaligen Wandel. Während wir souverän Handelnde bleiben, sind wir auch
Mitglieder einer moralischen Gemeinschaft - einer
Gemeinschaft mit Instrumenten und Einfluß, die gewährleistet, da ß der Schwächste unter uns angesichts
antidemokratischer Bedrohungen oder Tendenzen im
eigenen Land oder von außen nicht alleine steht.
Wenn wir den uns vereinenden Werten treu bleiben
und bereit sind, das Potential auszuloten, das diesem
Gremium so eindeutig innewohnt, könnten wir in der
Tat einen Frieden erlangen, der wesentlich weitreichender und dauerhafter ist als jedes prekäre Gleichgewicht, das jemals von den Praktikern der Realpolitik
und des Machtgleichgewichts erreicht wurde.
Mit anderen Worten: wir könnten zu dem Schluß
kommen, daß wir in diesem demokratischen Zeitalter
eine neue Definition von Sicherheit artikuliert haben eine Definition, die Menschenrechte und Wirtschaftsfragen ebenso umfaßt wie Rüstungskontrolle und die
Verhütung und Beilegung von Konflikten. Meine
Regierung hofft, daß diese Konferenz in den kommenden Monaten die immensen Veränderungen der vergangenen drei Jahre mit Blick auf die Ausarbeitung
dieser erweiterten Definition von Sicherheit überprüfen wird. Und wenn unsere Arbeit im Juli abgeschlossen wird, sollten wir eine Erklärung verabschieden, in
der festgelegt ist, wie wir dieses Gremium einsetzen
möchten, um mit den sich durch den Wandel in ganz
Europa ergebenden Problemen umzugehen. Diese
Erklärung sollte den Ministerrat und den Ausschuß
hochrangiger Beamter anweisen, ihre Arbeit nach
Beendigung dieser Konferenz fortzusetzen. Sie sollte
uns ferner dazu verpflichten, eine gründliche Untersuchung möglicher Krisen und konzertierte Aktionen
durchzuführen, um Krisen vor und nicht nach dem
Beginn von Blutvergießen beizulegen.
Insgesamt streben die Vereinigten Staaten eine KSZE
an, die in der Lage sein soll, vier grundlegende Funktionen zu erfüllen:
als Standard für die Bewertung der Einhaltung
von Demokratie und Menschenrechten zu dienen,

AMERIKA DIENST 13

�ein Forum für politische Konsultationen und
konzertierte Aktionen zur Bewältigung des
Wandels bereitzustellen,
als wichtigstes Forum für Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle in Europa zu dienen und

Eine KSZE, die diese Funktionen umfaßt, wird uns
helfen, eine Familie von Nationen zu schaffen, die
nicht nur demokratisch ist, sondern die auch die Bedeutung von Sicherheit neu definiert und damit für all
ihre Mitgliedstaaten von Vancouver bis Wladiwostok
einen echten und dauerhaften Frieden gesichert hat.

die Arbeit zum Aufbau demokratischer Institutionen und marktwirtschaftlicher Reformen zu
unterstützen.
* * *

AMERIKA DIENST 13

Seite 3

�US - A U S S E N P O L I T I K
I.April 1992

ENTWICKLUNGSHILFE, WIRTSCHAFTLICHE
REALITÄTEN UND DIE NEUE WELTORDNUNG
von Stephen D. Cohen
WASHINGTON - (AD) - Dr. Stephen D. Cohen, Professor an der School of International Service an der American
University in Washington und Experte für internationale Wirtschaftsbeziehungen, erörtert in seinem folgenden
Artikel Entwicklungshilfeprogramme in einer veränderten Welt und verweist darauf, daß Entwicklungshilfe nicht
unbedingt mit wirtschaftlicher Entwicklung gleichzusetzen ist. Er gibt Empfehlungen, wie Industrieländer den
Entwicklungsländern und ehemals kommunistischen Ländern am besten helfen können.
Entwicklungshilfe präsentiert die Geber- und Empfängerländer mit mehr Problemen und Unsicherheiten als
irgendein anderer Sektor der Außenwirtschaftspolitik.
Verglichen mit Handelspolitik oder internationaler Finanzpolitik hat Entwicklungshilfe unklarere Ziele, eine
weniger beeindruckende Erfolgsbilanz und ein problematischeres Verhältnis von Ursache und Wirkung.
Umfassendere Entwicklungshilfeprogramme wurden
vor allem als Teil der Bestrebungen der freien Welt
erarbeitet, um die Verbreitung des sowjetischen Expansionismus in Westeuropa, Japan und den - später
sogenannten- Entwicklungsländern in Lateinamerika,
Afrika und Asien zu verhindern. Heute hat die Auflösung des sowjetischen Imperiums zahlreiche neue
Dilemmas in der Entwicklungshilfe mit sich gebracht,
die erneut die Debatte entfachen, wie die reichen
Länder des Nordens den weniger wohlhabenden Volkswirtschaften helfen können.
Die politische Ökonomie der Entwicklungshilfe
Entwicklungshilfe liegt irgendwo in der Mitte zwischen
einer der freimütigsten Ausdrucksweisen echter Sorge, mit der die Menschheit den weniger Begüterten
helfen will und einer der unsinnigsten Verschwendungen von Steuergeldern. Wenn wir Anstrengungen zum
Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur in Westeuropa und Japan unmittelbar nach dem Zweiten
Weltkrieg au ßer acht lassen und nur die Bestrebungen
zur Schaffung einer starken, blühenden Marktwirtschaft betrachten, wo es vorher keine gab, gibt es bei
jeder eindeutigen Erfolgsbilanz zahlreiche Beispiele
für gescheiterte Entwicklungshilfe.
Auf dem Höhepunkt des kalten Krieges zwischen
Kommunismus und Demokratie wurde Entwicklungshilfe zum Wettbewerb politischer Popularität, bei dem

AMERIKA DIENST 13

sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Sowjetunion großzügige Kreditprogramme einsetzen, um Entwicklungsländer von einer Hinwendung zur kapitalistischen oder kommunistischen Ideologie abzuhalten.
Zu jeder Zeit kümmerten sich wenige der maßgeblichen Personen darum, ob einige wenige Entwicklungsländer zu Industrienationen wurden. Das Hauptkriterium der Geberländer für die Gewährung von
Entwicklungshilfe war offensichtlich: die Empfänger
mußten der Politik und Wirtschaft der anderen Supermacht abschwören. Heute ist die weltpolitische Lage
völlig anders. Der kalte Krieg ist vorüber, und der
Kapitalismus hat gewonnen. Der kommunistische
Block, bis vor kurzem noch eine wichtige Quelle von
Entwicklungshilfegeldern, ist jetzt selbst um umfangreiche Entwicklungshilfe bestrebt, um seinen gigantischen Wiederaufbaubedarf zu finanzieren.
Der weltpolitische Grund für Entwicklungshilfe mag
sich drastisch verändert haben, aber die wirtschaftliche Notwendigkeit ist größer als je zuvor. Das Hauptmerkmal der entstehenden neuen Weltordnung ist das
Fehlen bedeutender politischer Argumente in den
wichtigsten Ländern - eine zumindest in den letzten
300 Jahren einmalige Situation. Das Ergebnis ist ein
besonders günstiger Zeitpunkt für Veränderungen des
Laufs der Geschichte - zum besseren. Dies ist eine
Chance, die wir nicht verpassen dürfen, weil man es
nicht geschafft hat, das weit verbreitete Leiden, die
Armut und Hoffnungslosigkeit auf diesem Planeten zu
mindern.
Das Streben nach einer neuen Harmonie auf der Welt
auf der Basis von Demokratie und Kapitalismus hat
keine sichere Aussicht auf Erfolg und Dauerhaftigkeit.
Vergleichsweise wenig Menschen leben in vergleichsweise wenigen wohlhabenden Industrieländern, die

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�einen unverhältnismäßig großen Anteil der WeltreichFörderung von Exporten der Geberländer in die
tümerkontrollieren. Diese Länder müssen ihrer Aufgaam wenigsten entwickelten Länder,
be besser gerecht werden, die soziale und wirtschaftÜbernahme der Kosten zur Verwirklichung der
liche Entwicklung der gegenwärtig in den vielen untermit dem Übergang von zentral gelenkten Wirtentwickelten Ländern lebenden armen Mehrheit auf
schaften
zu marktorientierter Dezentralisierung
der Welt zu leiten und zu finanzieren. Es ist unzumuteinhergehenden
Wirtschaftsreformen und
bar, daß über eine Milliarde Menschen - ein Fünftel der
Weltbevölkerung von weniger als einem Dollar täglich
Finanzierung der direkt zu Wirtschaftwachstum
leben (Quelle: Weltbank). Marktwirtschaftliche Mebeitragenden Programme und Projekte.
chanismen allein werden die weltwirtschaftlichen
Mißstände nicht heilen. Wenn man sie nicht behebt, Mindestens drei dieser Ziele der Entwicklungshilfe
werden diese Mißstände die Anfälligkeit für Demago- stehen nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit
gen erhöhen und oftmals zu Diktaturen führen.
wirtschaftlicher Entwicklung. Die sich abzeichnende
neue Weltordnung wird die Tendenz der Geberländer
Entwicklungshilfe und wirtschaftliche Entwick- nicht zwangsläufig schmälern, ihre Hilfsbestrebungen
lung sind keine Synonyme
eher auf aufgeklärte Eigeninterressen auszurichten
Wenn die neue Weltordnung tatsächlich in ein Zeitalter als auf abstrakte wirtschaftliche Prinzipien von gerinpolitischer Harmonie und wirtschaftlichen Wohlstands gem Interesse für die Steuerzahler.
führen soll, müssen Entwicklungshilfeprogramme
Eine traditionell ebenso wichtige wirtschaftliche Realibessere Ergebnisse hervorbringen als in der Vergantät ist, daß selbst ein hervorragend zugeschnittenes
genheit. Den Fehlern der Vergangenheit mu ß grö ßere
Hilfsprogramm unangemessene, kontraproduktive
Aufmerksamkeit zuteil werden. Alte wirtschaftliche
Wirtschaftsmaßnahmen in den Empfängerländem nicht
Realitäten bestimmen immer noch, wie effektiv Geberausschalten kann. Mit der Erklärung, daß "die Ausländer Wirtschaftshilfe leisten und wie effektiv Emsichten der Entwicklungsländer vornehmlich in ihren
pfängerländer diese nutzen. Nicht einmal die EinfühHänden liegen", unterstrich der Weltbankbericht über
rung einer friedlicheren, marktorientierten Weltordinternationale Entwicklung von 1991 die absolute
nung kann das kritische Bindeglied zwischen EntwickNotwendigkeit für die Entwicklungsländer, gleichzeitig
lungshilfe und wirtschaftlicher Entwicklung verändern:
vier Richtlinien bei der Reform ihrer Maßnahmen zu
die Geberländer müssen bei der Vergabe ihrer Hilfe
verfolgen:
wissen, was sie tun und was funktioniert, Empfänger
müssen eine wachstumsorientierte EntwicklungspoliInvestitionen in das Humankapital (Ausbildung,
tik verfolgen, um der Hilfe gerecht zu werden. Seit
Gesundheitsfürsorge usw.),
Einführung von umfassenden Entwicklungshilfeprogrammen vor fast 50 Jahren hat keine Seite dieser
weitere Öffnung der Volkswirtschaften für interGleichung außergewöhnliche Erfolge erzielt.
nationalen Handel und Investitionen,
"Entwicklung" entsteht aus einer komplexen Mischung
wirtschaftlicher, sozialer, institutioneller und politischer
Faktoren, deren Mischungsverhältnis sich von Land zu
Land unterscheidet. Das richtige Verhältnis der Bestandteile zu finden, um diese Faktoren angemessen
und gleichzeitig zu verändern, ist ein immanent schwieriger, langfristiger Prozeß, der öfter scheitert als er
erfolgreich ist. Manchmal spiegelt das Scheitern die
Tatsache wider, daß Geberländer stärker daran interessiert sind, ihre eigenen kurzfristigen Interessen zu
verfolgen als daran, in einer unterentwickelten Volkswirtschaft die Kräfte langfristigen Wandels vorsichtig
zu nähren.

Verbesserung des Klimas für Privatunternehmen durch Minimierung staatlicher Einflußnahme auf Preismechanismen und Maximierung
öffentlicher Investitionen in die Infrastruktur,
Korrektur der makroökonomischen Maßnahmen
durch Eindämmung von Haushaltsdefiziten und
Inflation.

Die These, die Wirtschaftspolitik im Inland - nicht der
Fluß an Auslandshilfe an sich - sei die entscheidende
Variable der Entwicklung, wird durch das deutlich
uneinheitliche Wachstum des Bruttoinlandsprodukts
(BIP) in einzelnen Regionen der dritten Welt untermauert. Zwischen 1980 und 1989 variierte das durch
Es gibt bei der Gewährung von Entwicklungshilfe fünf
schnittliche jährliche Wachstum des BIP von -1,2 ProHauptziele:
zent in Afrika südlich der Sahara und -0,4 Prozent in
Humanitäre Bestrebungen, mit denen der Grund- Lateinamerika bis +6,2 Prozent in Ostasien. Das
bedarf der ärmsten Menschen mit dem niedrig- günstige Wirtschaftsklima, disziplinierte makroökonomische Maßnahmen, niedrige Inflation und eine exsten Lebensstandard gedeckt werden soll.
portfördernde Handelspolitik waren in zahlreichen der
Verfolgung außenpolitischer Strategien zur sogenannten asiatischen Schwellenländer der gemeinFörderung der Dankbarkeit und Freundschaft same Nenner für erfolgreiche Wachstumsstrategien.
anderer Länder.
Auf der anderen Seite können weitverbreitete Beispi9-

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AMERIKA DIENST 13

�le wachstumshemmender Verhaltensweisen wie relativ unbegrenzte makroökonomische Maßnahmen,
umfassende staatliche Eingriffe in die Preismechanismen (insbesondere im Agrarsektor) und eine Importe
ersetzende Handelspolitik in den von langsamerem
Wachstum gekennzeichneten Ländern in Lateinamerika, Afrika und auf dem indischen Subkontinent festgestellt werden. Es liegt auf der Hand, daß die
wirksamste entwicklungspolitische Reaktion der Industrienationen in solchen Fällen in der Begrenzung der
Auslandshilfe besteht, bis sich die Regierungen dieser
Länder auf Wirtschaftsreformen im Inland geeinigt
haben.
Unterstützung des wirtschaftlichen Wandels in
der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
Der plötzliche und rasche Zerfall des Kommunismus
und die Hinwendung zu demokratischen und kapitalistischen Prinzipien in der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa sind bahnbrechende Ereignisse in der internationalen Geschichte. So begrüßenswert diese
Ereignisse sind, ist ein erfolgreicher globaler Übergang zu politischer Freiheit und freien Marktwirtschaften jedoch nicht automatisch. Kurz nachdem die
ehemaligen Opfer der kommunistischen Mißwirtschaft
auf den Geschmack der Freiheit des einzelnen gekommen waren, machte sich der bittere Geschmack der
wirtschaftlichen Realität breit. Wie alle demokratisch
gewählten Regierungen werden die neuen Regime in
Osteuropa einen soliden und sich verbessernden
Lebensstandard bieten müssen. Wenn ihnen dies
nicht gelingt, kann man bestenfalls politische Unruhen
und schlimmstenfalls eine Rückkehr zu autoritärer
Herrschaft vorhersagen.
Die mit der tiefgreifenden wirtschaftlichen Umgestaltung einhergehenden Schwierigkeiten und Kosten sind
so enorm und allgegenwärtig, daß langfristige Hilfe der
demokratischen Industrieländer für den Erfolg absolut
unabdingbar ist. Die Schwierigkeiten des Übergangs
von einer Kommando- zur Marktwirtschaft können kaum
überschätzt werden. Dem Diktat eines Fünfjahresplans zu folgen, ist eine ungenügende Vorbereitung für
den Konkurrenzdruck in einer hochmodernen, dynamischen Weltwirtschaft, die schon vor langer Zeit an
der Sowjetunion und Osteuropa vorbeigegangen ist.
Es gibt keinen Präzedenzfall und daher keinen Leitfaden für die Verwirklichung der außergewöhnlich vielfältigen wirtschaftlichen Aufgaben, m«t denen sich der
ehemalige sowjetische Block konfrontiert sieit: Privatisierung der Staatsbetriebe, Schaffung von Rechtsund Buchführungssystemen auf der Grundlage von
Privateigentum, Einführung von Banksystemen und
Kapitalmärkten, Schaffung wirksamer Verteilungssysteme, Ausbildung der Arbeitskräfte für ein auf Wettbewerb und Profit ausgerichtetes Umfeld und so weiter.

AMERIKA DIENST 13

Die Wirtschaftslage in der Sowjetunion und Osteuropa
ist für die Erarbeitung eines ständigen Auslandshilfeprogramms noch zu neu und fließend. Doch selbst die
außergewöhnlichen politischen und wirtschaftlichen
Ereignisse in diesem Gebiet der Welt sind demselben
wirtschaftlichen Diktat unterworfen, das Hilfsprogrammen für die dritte Welt zugrundeliegt. Die Struktur,
Zielsetzung und Qualität der Bereitstellung von Hilfe
wird entsprechend der Ziele und Relevanz der Bestrebungen der Geber variieren, während die Auswirkungen aller Wirtschaftshilfeleistungen sich aufgrund der
von dem jeweiligen Empfängeriand ergriffenen wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen unterscheiden,
sei es in einer relativ gut funktionierenden Volkswirtschaft wie Ungarn oder in einer mit größeren Problemen und Unsicherheiten behafteten.
Die Maximierung der Hilfe für die ärmeren Länder
Empfehlungen, wie die Industriestaaten den Entwicklungsländern sowie den ehemals kommunistischen
Staaten am besten helfen können, lassen sich in zwei
prägnante Kategorien einteilen: 1. Entwicklungshilfeprogramme und 2. umfassendere wirtschaftliche
Maßnahmen auf internationaler Ebene. Die erste
Kategorie umfaßt ausschließlich Instrumente zur Verbesserung des bestehenden Verfahrens für die Vergabe von Auslandshilfe in einer neu entstehenden Weltordnung, die auf der Wahrung von Rechtsstaatlichkeit
und marktwirtschaftlicher Wirtschaftsentwicklung beruht. Keine Veränderung der Weltordnung ist so groß,
daß die häufig entscheidenden Hilfsbeiträge in Form
von Ausbildung, politischen Verbesserungen, Verbreitung von Technologien und neuen Ideen, Stärkung von
Institutionen, Aufbau der Infrastruktur und Finanzierung von Importen dringend benötigter Waren und
Dienstleistungen für Konsum- oder Investitionszwekke außer acht gelassen werden könnten. Darüber
hinaus kann kein Wandel der Weltordnung etwas an
der Tatsache ändern, daß sich die Industriestaaten
von vielen der negativen Auswirkungen gravierender
Wirtschaftsprobleme in den ärmeren Ländern - insbesondere der zunehmenden Schädigung der Umwelt
und illegaler Drogenexporte - nicht abschotten können.
Die jüngsten Änderungen in der Weltordnung bieten
eine ausgezeichnete Chance für notwendige Verbesserungen in der Struktur der Auslandshilfe. Soweit
Übereinstimmung darüber besteht, daß nichthumanitäre Entwicklungsbemühungen am erfolgreichsten sind,
wenn potentielle Empfänger für ihre Innenpolitik rechenschaftspflichtig sind, sollten die Geberländer den
multilateralen Kreditinstitutionen, also der Weltbank
und regionalen Entwicklungsbanken, mehr Verantwortung - und finanzielle Mittel - übertragen. Internationale Beamte konzentrieren sich mehr auf die tech-

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�nischen Aspekte der Kreditvergabe. Als Voraussetzung für wichtige Infrastrukturkredite werden sie viel
eher Wirtschaftsreformen verlangen als nach politischem Goodwill des Empfängerlandes zu streben.

dem zugutekommen. Wie die Erfahrung der asiatischen Schwellenländer erst in jüngster Vergangenheit
gezeigt hat, stellen verstärkte Produktion und Exporte
von Fertigungsgütern die wichtigste Lokomotive der
Wirtschaftentwicklung dar. Für alle außer den am
In Verbindung mit der wachsenden weltweiten Beto- wenigsten entwickelten Ländern ist die Fähigkeit zu
nung freier Marktwirtschaften sollten Geberländer wie exportieren eine wesentlich größere Deviseneinnahdie Vereinigten Staaten und Japan die Ressourcen für mequelle als Auslandshilfe.
die Bereitstellung von technischer Hilfe wesentlich
erhöhen. Diese Länder verkörpern die gro Ben Erfolgs- Die Nachfrage nach Exporten aus den Entwicklungsgeschichten der Privatwirtschaft und des Industriali- ländern wird insgesamt auch von stetigem, nichtinflasierungsprozesses. Niemand weiß besser als sie, tionärem Wachstum im Norden profitieren. Die Fähigwelches die besten Mittel zur Förderung und Regelung keit der Industriestaaten, die Extreme der Rezession
unternehmerischer Aktivität sind. Mehr technische und der Notwendigkeit zum Abbremsen inflationären
Ausbildung sollte von Regierungen und privaten Un- Drucks durch wachstumshemmende hohe Zinssätze
ternehmern bereitgestellt werden. Darüber hinaus zu vermeiden, liegt im allseitigen Interesse des gesamsollte ein weltweites "Wirtschaftskorps" entweder auf ten internationalen Systems.
multilateraler Ebene oder seitens einzelner Länder
gegründet werden. Dieses Korps sollte sich haupt- Abschließend noch ein Wort zu den internationalen
sächlich aus pensionierten Managern und Wirtschafts- finanziellen Fragen. Weitere Fortschritte müssen beim
experten aus den Industriestaaten zusammensetzen, Abbau der Belastungen durch die Bedienung ausländie praktische Erfahrung mit der Entwicklung leistungs- discher Schulden erzielt werden, die von einer Reihe
fähiger Märkte für Agrar- und Industrieprodukte ha- von Entwicklungsländern und osteuropäischen Staaben. Aus- und Fortbildung bietet erhebliche Vorteile ten getragen werden. Das Schuldenproblem hat dazu
gegenüber simplen Finanztransfers, indem sie in Ländern geführt, daß die Vergabe neuer privater Kredite an
mit begrenzter oder nichtvorhandener Erfahrung bei diese Länder zu einer Zeit stark eingeschränkt wurde,
der Entwicklung eines funktionierenden privatwirtschaft- in der ihre wertvollen Deviseneinnahmen zunehmend
für die Rückzahlung alter Schulden anstatt für den
lichen Systems auf Dauer entscheidende Fähigkeiten
Kauf notwendiger Importe verwendet werden müssen.
entwickelt.
Ein effektiverer Mittelweg mu ß angestrebt werden, der
sowohl
die Erwartungen der Kreditgeber auf RückzahUnabhängig von ihrer Qualität sind Auslandshilfeprolung
befriedigt
als auch die schmerzliche Situation
gramme weder heute noch vielleicht jemals in Zukunft
vermeidet,
daß
Entwicklungsländer in den späten
das einzige oder notwendigerweise beste Mittel für
achtziger
Jahren
zu Nettoexporteuren von Kapital in
den Transfer von Ressourcen in unterentwickelte Länder.
den
Norden
wurden.
Weitere ausgehandelte HerabEs gibt effektivere Methoden als Hilfe, um Privatfirmen
setzungen
des
Nominalwerts
eines Teils der Schulden
und Unternehmer zu fördern. Wichtige Wachstumssowie
die
Umwandlung
eines
anderen Teils in garanhemmnisse können von außen durch wirtschaftspolititierte
langfristige
Anleihen
sollten
ein dauerhafter Teil
sche Maßnahmen und Tendenzen in den Industrielänkünftiger
Entwicklungsbemühungen
sein.
dern aufgetürmt werden. Deshalb ist es notwendig,
eine zweite Kategorie von Empfehlungen zu berücksichtigen, die umfassendere Aspekte der internationa- Die wirtschaftlichen Bedingungen in den Entwicklungsländern und Osteuropa werden sich weiterentwickeln,
len Wirtschaftsbeziehungen berühren.
und Auslandshilfestrategien werden sich dem bestänDie vorteilhafteste Einzelmaßnahme zur Unterstüt- digen Wandel anpassen müssen. Oberstes Gebot für
zung von Entwicklungsländern ist gegenwärtig der die Geberländer ist es jedoch, künftige Bemühungen
erfolgreiche Abschlu ß der Uruguay-Runde multilatera- auf die zunehmend einleuchtenderen Lehren der Verler Handelsgespräche. Das Schlußabkommen sollte gangenheit zu gründen. Man kann der alten ökonomineue marktöffnende Maßnahmen des Nordens für schen Regel nicht entgehen, derzufolge eine unzureiWaren wie etwa Textilien enthalten, die in den Entwick- chend strukturierte Mittelvergabe und ineffiziente
lungsländern günstiger hergestellt werden können. Wirtschaftspolitik in den Empfängerländem wahrscheinEine solche Handelsliberalisierung würde zumindest lich mehr Verschwendung als wirtschaftliche Entwickteilweise auch den Verbrauchern in den Industrielän- lung produzieren.
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AMERIKA DIENST 13

�UMWELT
I.April 1992

DER BERICHT ÜBER UMWELTQUALITÄT
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 24. März 1992 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht über Präsident Bushs Vorschläge für Gesetzesentwürfe und internationale politische
Maßnahmen zur Umwelt, die im 22. Jahresbericht des Rats für Umweltqualität dargelegt werden.
Heute hat der Präsident den 22. Jahresbericht des
Rats für Umweltqualität (Council on Environmental
Quality - CEQ) vorgelegt. In diesem Bericht werden
Schlüsselthemen und politische Maßnahmen im Bereich Umwelt für das vergangene und kommende Jahr
erörtert. Er ist die umfassendste Statistik der Regierung über Umwelttendenzen.
In dem Bericht fordert der Präsident den Kongreß auf,
ausgewogene nationale Energiegesetze zu
verabschieden, die etwa gleichwertige Maßnahmen für Umweltschutz und Produktion vorsehen,
der Umweltschutzbehörde Kabinettsrang einzuräumen,
jeweils den Haushalt für Umwelt- und Naturschutzprogramme gemäß seines Antrags für
das Haushaltsjahr 1993 zu erhöhen. Dazu
zählen
1.1,8 Milliarden Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr
1992 eine Steigerung von 17 Prozent) für das Programm
America the Beautifui, um Nationalparks, Wälder,
Naturschutzgebiete und anderen staatlichen Grundbesitz auszubauen, in diesem Jahrzehnt Milliarden
Bäume zu pflanzen und den Bundesstaaten zu helfen,
Parks und Freizeiteinrichtungen zu schaffen (der
Kongreß hat die Forderungen des Präsidenten für
diese Programme gekürzt);
2. die Rekordsumme von 5,5 Milliarden Dollar (gegenüber dem Haushaltsjahr 1992 eine Steigerung von 26
Prozent) für die Beseitigung von Altlasten in Einrichtungen des Energieministeriums, die mit der Herstellung von Atomwaffen betraut sind sowie anderen Einrichtungen der Bundesregierung;
3. 201 Millionen Dollar (fast das Doppelte des Betrags
im Haushaltsjahr 1992) für die Altlastenbeseitigung in

AMERIKA DIENST 13

der Grenzregion zwischen den Vereinigten Staaten
und Mexiko, im Einklang mit dem Umweltaktionsplan,
den er dem Kongreß im vergangenen Jahr im Rahmen
des neuen Nordamerikanischen Freihandelsabkommens vorgelegt hat;
4. Programme zur Verbesserung der Qualität der
Küstengewässer, Beschleunigung der Altlastenbeseitigung im Rahmen von Superfund, Durchführung des
Gesetzes zur Luftreinhaltung, Schutz von Feuchtgebieten und Beschleunigung der Programme für saubere Energie und Verkehr.
Im Hinblick auf den "Earth Summit" der Vereinten
Nationen hat der Präsident die internationale Staatengemeinschaft zu folgenden Maßnahmen aufgefordert:
eine umfassende Rahmenkonvention über Klimaveränderungen abzuschließen;
Schritte zu unternehmen, die zu einer globalen
Rahmenkonvention zum Schutz und zur Erhaltung aller Wälder auf der Welt führen;
Maßnahmen zur Erhaltung der Artenvielfalt zu
vereinbaren, und wenn möglich eine zufriedenstellende globale Rahmenkonvention über Artenvielfalt zu unterzeichnen;
Eine Strategie zu verabschieden, um die Situation der Ozeane und Meerestiere zu verbessern;
Initiativen auf den Weg zu bringen, um die
Zusammenarbeit bei Umwelttechnologie auf
freien Märkten zu fördern und
die Gewährung finanzieller Hilfe an Entwicklungsländer durch die Weltumwelthilfe (Global
Environmental Facility - GEF) ebenso zu vereinbaren wie Reformen in den Umwelt- und Entwicklungsbehörden der Vereinten Nationen.

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�Folgende positive Tendenzen wurden im CEQ-Jahresbericht verzeichnet:
Die US-Produktion des ozonzerstörenden FCKWs liegt
bereits 42 Prozent unter dem Niveau, wie es das
Gesetz zur Luftreinhaltung und das Montrealer Protokoll fordern.

Die Konzentration von Luftschadstoffen in der AtmoSphäre ist weiter zurückgegangen, was einen kontinuierlichen Fortschritt des Gesetzes zur Luftreinhaltung
widerspiegelt,
Das Ausmaß des Verlusts von Feuchtgebieten hat
sich in den Vereinigten Staaten verlangsamt.

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AMERIKA DIENST 13

�LANDWIRTSCHAFT
I.April 1992

MADIGAN: LANDWIRTE PROFITIEREN
VOM UMWELTSCHUTZ
Rede des US-Landwirtschaftsministers
PARIS - (AD) - Der amerikanische Landwirtschaftsminister Edward Madigan geht davon aus, daß die verstärkte Sorge über den Schutz der Umwelt Landwirten in der ganzen Welt größere Chancen auf höhere Einnahmen
verschafft.
In einer Rede beim Treffen der Landwirtschaftsminister der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erklärte Madigan am 26. März 1992 in Paris, die Vereinigten Staaten verstärkten
zusammen mit anderen Ländern die Erforschung der alternativen Nutzung von Feldfrüchten, insbesondere für
industrielle Zwecke.
Als ein Beispiel führte Madigan die Tatsache an, daß die Nachfrage nach abgasärmeren Treibstoffen in den
Vereinigten Staaten "unvermeidlich" zum verstärkten Einsatz von Äthanol führen werde, einem Alkoholtreibstoff,
der aus Feldfrüchten wie etwa Mais gewonnen wird. Er verwies darauf, daß im Rahmen des Landwirtschaftsgesetzes von 1990 für die Jahre 1991 bis 1995100 Millionen Dollar für Forschung und Entwicklung im Bereich
Biotreibstoffe bewilligt wurden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Madigans Rede bei der OECD im Wortlaut.

Die Landwirtschaft - die ganze Welt - steht an der
Schwelle eines neuen Jahrhunderts. Weil sich die
Welt ständig fortentwickelt, müssen auch unsere politischen Maßnahmen weiterentwickelt werden. Die
Reform der Landwirtschaft hat dabei entscheidenden
Stellenwert, und die Vereinigten Staaten engagieren
sich für dieses Ziel. Konstruktive Reformen bereiten
solchen Maßnahmen ein Ende, die die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse auf dem Weltmarkt
drücken, indem sie zu Überproduktion ermutigen, die
sodann mit Hilfe von Exportsubventionen auf dem
Weltmarkt verschleudert wird, was die Preise noch
weiter drückt. Konstruktive Reformen werden zu einem besseren und effizienteren Weltagrar- und Handelssystem, zu höheren Einkommen und Wirtschaftswachstum führen.
Wenn wir über landwirtschaftliche Reformen und Leitlinien für das 21. Jahrhundert und darüber hinaus
nachdenken, sind Treffen wie das heutige unerläßlich.
Ich gehe davon aus, daß die Wegbeschreibung für die
Zukunft ein Weltatlas sein muß. Die OECD stelt uns
heute ein wertvolles Forum zur Verfügung, in dem wir
die Debatte auf die Fragen von morgen zuschneiden
können. Ich weiß diese Gelegenheit zu schätzen, die
Standpunkte meines Landes mitzuteilen.
AMERIKA DIENST 13

Ich möchte die Analysen des landwirtschaftlichen Direktoriums im Bereich der Landwirtschaftsreformen
besonders hervorheben. Untersuchungen der Maßnahmen in ausgewählten Ländern haben den Wissensstand über einzelne landwirtschaftliche Sektoren
wesentlich erweitert. Andere Arbeiten über die Messung von Stützungsmaßnahmen und Einkommensverschiebungen (Erzeuger-/Verbrauchersubventionsäquivalente), mengenmäßige Beschränkungen, direkte Einkommensstützung sowie über die Fragen, wie
Märkte funktionieren und welchen Einfluß Marktinterventionen ausüben, haben uns dabei geholfen, uns
den Problemen und Konsequenzen von Reformen zu
widmen und diese zu verstehen. Und obwohl die
Vereinigten Staaten nicht immer einer Meinung mit
dem landwirtschaftlichen Direktorium waren, sind sie
doch der Ansicht, daß die OECD zum Potential für
bedeutsame Reformen beigetragen hat.
Die Uruguay-Runde
Seit Eröffnung der Uruguay-Runde vor nahezu sechs
Jahren befinden wir uns auf einem langen, schwierigen
und bisweilen frustrierenden Weg - insbesondere im
Hinblick auf den landwirtschaftlichen Teil der Verhandlungen. Unsere Position ist jedoch weiterhin unverän-

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�dert: unser Endziel bleibt die Reduzierung handelsverzerrender Maßnahmen und die Förderung eines freieren und faireren Weltagrarhandels.
Der vom Generaldirektor des GATT, Arthur Dunkel,
am 20. Dezember 1991 vorgelegte "Entwurf der Schlußakte" ist ein wichtiger Schritt in den Verhandlungen.
Der landwirtschaftliche Text stellt Dunkels Versuch
dar, die Meinungsverschiedenheiten über eine Reihe
umstrittener Fragen zu überbrücken. Deshalb enthält
dieser Text eine Reihe von Elementen, die nicht so
sind, wie wir es uns gewünscht hätten. Andererseits
stellt er einen bedeutenden Fortschritt bei den Bemühungen dar, die Regeln des Agrarhandels zu reformieren. Obwohl der Dunkel-Text bei weitem nicht perfekt
ist, ist er eine Grundlage, auf der die Uruguay-Runde
erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Eine Einigung der Uruguay-Runde zur Landwirtschaft
muß den Prozeß bedeutsamer landwirtschaftlicher
Reformen einleiten - Reformen, die mit dem langfristigen Ziel eines fairen und marktorientierten Agrarhandelssystems in Einklang stehen.
Die Vorteile des Handels
Zu Beginn dieses Jahres stellte Präsident Bush fest:
"Künftiger Fortschritt und Wohlstand der Welt hängen
in der Tat vom freien Handel ab." Die Vereinigten
Staaten engagieren sich für Maßnahmen, die dies
gewährleisten. Präsident Bush bekräftigte sein Engagement für den freien Handel vor vier Tagen in Gesprächen mit Bundeskanzler Helmut Kohl, bei denen der
Präsident feststellte: "...weit besser als Hilfsprogramme ist offener Handel."
Die Vorteile des internationalen Handels sind mannigfaltig. In den vergangenen vierzig Jahren war die
drastische Ausweitung des Handels eine der Hauptantriebskräfte für Wirtschaftswachstum, die Schaffung
von Arbeitsplätzen und die Hebung des Lebensstandards auf der ganzen Welt.
Die künftige Richtung landwirtschaftlicher
nahmen

Maß-

Wir leben in einer dynamischen, ständigem Wandel
unterworfenen Welt. Wer hätte gedacht, daß die sich
rasch verändernde geopolitische Lage in Ost- und
Mitteleuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion einen
solchen Verlauf nehmen würde? Wenn Maßnahmen
konstruktiv sein sollen, müssen sie sich dem Wandel
der Bedingungen anpassen und Marktsignale widerspiegeln. Die künftige Richtung landwirtschaftlicher
Maßnahmen muß eine stärkere Orientierung auf den
Markt beinhalten.
Zusätzlich zu den Problemen in der Landwirtschaft und
dem dringenden Bedarf an agrarpolitischen Reformen
ist die Aufmerksamkeit der Politiker auch bei anderen
Themenbereichen gefordert. Wir müssen uns verstärkt auf Umweltprobleme und die Entwicklung des
ländlichen Raums konzentrieren.
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In einzelnen Ländern werden bereits politische Maßnahmen zur Bewältigung von Umweltproblemen und
ländlicher Entwicklung formuliert. Bei unserer Erarbeitung politischer Schritte müssen wir uns vergegenwärtigen, daß eine Maßnahme, die einzelne Probleme
löst, auch andere Bereiche beeinflußt. Zum Beispiel
hat die Landwirtschaftspolitik Auswirkungen auf die
Umwelt, und die Umweltpolitik beeinflußt die Landwirtschaft, wobei beide sich auf den ländlichen Raum
auswirken. Dennoch können wir weder landwirtschaftliche Probleme mit Umweltpolitik lösen noch die Probleme des ländlichen Raums durch Agrarpolitik.
Umgekehrt sollten wir nicht versuchen, die Landwirtschaft unter dem Vorwand einer Umwelt- oder Entwicklungspolitik für den ländlichen Raum zu subventionieren, und wir sollten auch nicht versuchen, Probleme
der Umwelt oder Entwicklung des ländlichen Raums
durch Agrarreformen zu lösen. Obwohl die Probleme
miteinander verflochten sind, fordert jedes einzelne die
besondere Aufmerksamkeit der Politiker.
Die OECD erkennt, daß das Verhältnis zwischen
Landwirtschaft und Umwelt vielschichtig ist: Agrarpolitik beeinflußt die Umwelt, und Umweltpolitik beeinflußt die Landwirtschaft. Maßnahmen, die Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, sind nicht unabhängig,
sondern eingebunden durch ihre Auswirkungen auf
den Markt. Meiner Ansicht nach erkennen und akzeptieren wir alle, daß gegenwärtige politische Ziele unserer Länder in den Bereichen Landwirtschaft, Handel,
Umwelt und Entwicklung des ländlichen Raums nicht
ausreichend aufeinander abgestimmt sind.
Die Verbindungen zwischen diesen politischen Berei
chen kann nicht länger ignoriert werden. In den
Vereinigten Staaten lautet die offizielle Bezeichnung
für das Farmgesetz von 1990: Gesetz über Nahrungsmittel, Landwirtschaft, Umweltschutz und Handel von
1990. Zum ersten Mal seit über zwanzig Jahren
erscheinen andere Begriffe neben "Nahrungcmitteln"
und "Landwirtschaft" im Titel. Die öffentliche Meinung
wurde bekundet, und die politischen Entscheidungsträger haben reagiert. Die Umwelt ist Anlaß wachsender Besorgnis. Man ist sich zunehmend der Tatsache
bewußt, daß der Landwirtschaft gewährte Unterstützung nicht automatisch ländliche Gemeinden fördern.
Und die Besorgnis über die Entwicklung und wirtschaftliche Lebensfähigkeit des ländlichen Raums nimmt
zu.
Zum Beispiel führt eine Politik der umfangreichen
Förderung der Landwirtschaft, die die Produktion
subventioniert, zu einem starken Einsatz von Industrieprodukten. Die exzessive Nutzung von Düngemitteln und Pestiziden führt zu einer Belastung der
Gewässer. Starker Einsatz von Pflanzenschutz, Pflanzennahrung, Hormonen und Biotechnologie werfen
Fragen nach der Gefahrlosigkeit von Lebensmitteln
auf. Die landwirtschaftliche Nutzung von ökologisch
empfindlichen Flächen kann zu Bodenerosion führen
und natürliche Lebensräume zerstören. Die ÜberproAMERIKA DIENST 13

�duktion hat Überschüsse hervorgebracht, die auf den
Weltmärkten billig angeboten werden, was zu einem
Preisverfall führt. Wie sollen diese Probleme gelöst
werden?. Läßt sich durch die Verwirklichung einer
neuen Politik eine Antwort finden? Wenn das der Fall
ist, welche Politik sollte für Handel, Landwirtschaft,
Entwicklung des ländlichen Raums und die Umwelt in
Betracht gezogen werden?
Es bewirkt wenig, wenn man Umweltprogramme durchführt, um die Wasserqualität zu verbessern, wenn die
Landwirtschaftspolitik Anreize zum starken Einsatz
von Pestiziden und Düngemitteln bietet, mit denen die
Umwelt geschädigt wird. In ähnlicher Weise wird die
Landwirtschaft durch die Politik für Umwelt, Handel
und Entwicklung des ländlichen Raums beeinflußt.
Zum Beispiel könnten Umweltschutzvorschriften Landwirte von einer effektiven Produktion abhalten.
Darüber hinaus ist man sich zunehmend der Misere im
ländlichen Raum bewußt. Das Einkommensniveau
hinkt hinter dem der Städte hinterher, es mangelt an
der Grundversorgung im Gesundheits- und Bildungswesen, und die Beschäftigungsmöglichkeiten sind
beschränkt.
Durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze in nichtlandwirtschaftlichen Sektoren hat sich die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten verlangsamt. Zum
Beispiel haben neue Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und in der verarbeitenden Industrie die Ausdünnung der Landbevölkerung aufgehalten, weil sie
genug Einkommen bieten, um Familien die Fortsetzung der Landbewirtschaftung auf Teilzeitbasis zu
gestatten. Innovative Produktentwicklung, Marketing
und neue Wege der Wertsteigerung landwirtschaftlicher Erzeugnisse können neue Möglichkeiten bieten
und das Einkommen von Höfen und nichtlandwirtschaftlichen Betrieben im ländlichen Raum steigern.
Dennoch liegt das Potential für ein Beschäftigungswachstum zumeist außerhalb der Höfe.
Die künftige Lebensfähigkeit der Wirtschaft auf dem
Land hängt von zwei Faktoren ab: der Geschwindigkeit, mit der strukturelle Anpassungen in der Landwirtschaft - dem Primärsektor - vollzogen werden und der
Geschwindigkeit, mit der Arbeitsplätze in anderen
Sektoren geschaffen werden. Um dem langfristigen
Bedarf des ländlichen Raums gerecht zu werden, sind
eine Reihe von Maßnahmen zur Entwicklung des
ländlichen Raums erforderlich, die Reformen in der
Agrarpolitik ergänzen. Darüber hinaus sollten solche
Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen
Raums in anderen Sektoren fördern, insbesondere
dort, wo sich künftiges Beschäftigungswachstum verwirklichen läßt.
Ich möchte an dieser Stelle kurz auf die Lebensmittelhygiene eingehen. Eine Methode, um diesbezügliche
Sorgen zu zerstreuen, wäre die systematische Aufdeckung und Quantifizierung potentieller Risiken. Dabei
müßte man die Kosten ebenso abschätzen wie die
AMERIKA DIENST 13

Bereitschaft, für bessere Hygiene mehr zu zahlen.
Dabei muß die OECD eine Rolle spielen. Femer
könnten staatliche Programme und Handelspraktiken
so zugeschnitten sein, daß sie auf die wirtschaftlich
wichtigsten Risiken eingehen.
Darüber hinaus müssen wir berücksichtigen, daß unterschiedliche Produktionspraktiken und Verbrauchergewohnheiten ebenso wie Erfahrungen mit Vorschriften in manchen Ländern unterschiedliche Sorgen in
der Öffentlichkeit hervorrufen. Unser Argument dazu
lautet, daß alle Länder der öffentlichen Besorgnis auf
der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse Rechnung
tragen sollten. Unterschiedliche politische Kräfte in
jedem Land werden - in unterschiedlichem Umfang - zu
Versuchen führen, die Sorge über Lebensmittelhygiene fürdie Errichtung von Handelsschranken zu nutzen.
Ich fordere alle Minister auf, nicht die Errichtung von
Handelsschranken zuzulassen, die als Lebensmittelhygiene verbrämt sind.
Wenn die Landwirtschaft in Zukunft erfolgreich sein
soll, muß sie meiner Ansicht nach erweitert werden.
Eine meiner wichtigsten Prioritäten gilt der Erforschung
alternativer Nutzung unserer Agrargüter, insbesondere außerhalb des Lebensmittelsektors. Mir ist bekannt, daß manche Länder Ressourcen für Forschung
und Entwicklung der alternativen Nutzung landwirtschaftlicher Erzeugnisse aufwenden. Obwohl wir die
Vorteile dieser Aktivitäten erkennen, wollen wir sicherstellen, daß Entscheidungen in der Landwirtschaft von
Marktsignalen geleitet werden. In den Vereinigten
Staaten sucht die Industrie nach neuen Möglichkeiten
der Nutzung landwirtschaftlicher und neuer Produkte,
die dem Bedarf und den Wünschen der Verbraucher
besser gerecht werden. Die Sorge um die Umwelt und
Lebensmittelhygiene ist eine wichtige Kraft hinter diesen Veränderungen und bietet der Landwirtschaft
weltweit große Chancen.
Die Sorge um die Umwelt ermutigt uns alle, saubere
Treibstoffe zu finden, die weniger Schadstoffe ausstoßen. Produkte aus Landwirtschaft und Forsten können diesen Bedarf decken. Zusätzlich zu Vorteilen für
die Umwelt und die Landwirtschaft deuten langfristige
Tendenzen darauf hin, daß Marktkräfte dem US-Energiesektor unweigerlich Biobrennstoffe bescheren
werden. Äthanol und biologische Dieseltreibstoffe
sind erste Schritte. Die Vereinigten Staaten setzen
sich für die Beschleunigung der Forschung und Entwicklung von Biotreibstoffen ein. Unser Landwirtschaftsgesetz von 1990 bewilligt 100 Millionen Dollar
für die Erforschung von Biotreibstoffen von 1991 bis
1995.
Biotreibstoffe sind ein wichtiger Aspekt der Finanzierung und Durchführung von Forschungsvorhaben des
US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) bei der Entwicklung neuer wettbewerbsfähiger Agrarprodukte. Ein
zentrales Thema unserer Bestrebungen ist die Verwendung emeuerbarer Ressourcen zur Herstellung

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�von umweltverträglichen Produkten. Die Entwicklung
solcher Produkte ist heute aufgrund der enormen
Zunahme an Forschungsmethoden - vor allem Biotechnologie - leichter als je zuvor. Im folgenden einige
Beispiele:

Möglichkeiten, die nur darauf warten, ergriffen zu
werden.
Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Wie ich bereits sagte, befinden wir uns an der Schwelle
Ein Drittel der pro Jahr produzierten 27 Milliar- zu einem neuen Jahrhundert - einem Jahrhundert der
den kg von aus Petrochemikalien hergestelltem Herausforderungen und Chancen. Wir haben einen
Kunststoff wird für Einwegverpackungen ver- weiten Weg bei der Entwicklung der Landwirtschaft
braucht. Das US-Landwirtschaftsministerium und Agrarpolitik zurückgelegt. Wir kennen die Grenerforscht Wege zur Herstellung biologisch ab- zen, UnWirtschaftlichkeit, hohen Kosten und Marktverbaubarer Plastikfolien für Müllbeutel und Fla- zerrungen, die bisherige Maßnahmen weltweit zur
Folge hatten. Wir wissen, daß Umweltprobleme und
schen.
die Entwicklung des ländlichen Raums vordringlich
Sojabohnenöl wird zu SpezialChemikalien sind und die Minister veranlassen, dem Einfluß der
umgewandelt wie etwa Ersatzstoffe für aus Erdöl Landwirtschaft auf diese Bereiche Rechnung zu trahergestellte Schmiermittel. USDA hat ferner gen.
eine patentierte Technologie für aus SojabohUnsere Herausforderung besteht darin herauszufinnen hergestellte Druckerschwärze entwickelt.
den, ob die von uns vertretenen Länder sich für die
Aus den Fasern der einjährigen Kenafpflanze Vorteile der Reformen entscheiden - größeres Wirtläßt sich sehr gut Druckerschwärze herstellen. schaftswachstum, zunehmender Wohlstand und verbesserte Beschäftigungsmöglichkeiten - oder das Risiko
Erucasäure aus Rapssamen kann zur Herstel- eingehen, diese Chancen zur Aufrechterhaltung des
lung von Kunststoff, Getriebeflüssigkeiten und Status quo zu vergeuden. Jetzt ist es an der Zeit für
Hochdruck-Schmiermitteln verwendet werden. Entscheidungen. Es ist an der Zeit zu entscheiden, ob
wir als Staatengemeinschaft kühn die Zukunft in AnIch könnte noch weitere Beispiele anführen, gehe
griff nehmen oder übervorsichtig an der Vergangenheit
jedoch davon aus, Sie verstehen, worauf ich abziele. festhalten.
Im Bereich der Landwirtschaft bieten sich enorme
* * * * *

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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

25. März 1992
&lt;bu &amp;

j?^
GIJ^NUKLEARWAFFEN

USA HELFEN NACHFOLGESTAATEN DER
UDSSR BEI KONTROLLE UND REDUZIERUNG
VON WAFFEN
Weitere Begrenzungen von
Nuklearwaffen vorgeschlagen

FLÜCHTLINGE

BEIGELEGTE KONFLIKTE GESTATTEN
FLÜCHTLINGEN RÜCKKEHR IN DIE HEIMAT
Anhörung vor dem Kongreß

WAHLEN '92

TSONGAS SETZT WAHLKAMPF AUS
Die Ergebnisse der Vorwahlen
von Illinois und Michigan
WIE AMERIKA EINEN PRÄSIDENTEN WÄHLT
Von Lester David und Irene David

VII. KORPS

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

VII. KORPS IN STUTTGART VERABSCHIEDET
Ansprache von Botschafter Kimmitt

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�GUS-NUKLEARWAFFEN
25. März 1992

USA HELFEN NACHFOLGESTAATEN DER UdSSR
BEI KONTROLLE UND REDUZIERUNG VON WAFFEN
Weitere Begrenzungen von Nuklearwaffen vorgeschlagen
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und
Rußland - der Treuhänder der nahezu 30.000 Nuklearwaffen im Besitz der ehemaligen Sowjetunion - streben bereits niedrigere Niveaus nuklearer Rüstungen
an.
Sowohl Präsident Bush als auch der russische Präsident Jelzin haben Vorschläge unterbreitet, mit denen
die strategischen Nuklearwaffen um die Hälfte auf die
vom im Juli 1992 unterzeichneten aber immer noch
nicht ratifizierten Vertrag über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) festgelegten Niveaus
reduzieren würden. Die beiden Seiten vereinbarten
ferner im vergangenen Jahr - vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion - den Abbau aller landgestützten taktischen Nuklearwaffen.
US-Außenminister Baker und sein sowjetischer Amtskollege Kosirew nahmen Anfang dieses Monats die
Abrüstungsgespräche in Brüssel wieder auf, wo beide
am Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats
(NACC) teilnahmen. Weitere Gespräche sind bis zum
für den 16. und 17. Juni in den Vereinigten Staaten
anberaumten Gipfeltreffen zwischen den Präsidenten
Bush und Jelzin vorgesehen. Beide Seiten haben der
Hoffnung Ausdruck verliehen, daß bis dahin ein Abkommen - oder zumindest ein Rahmenabkommen erarbeitet werden kann.
Diese erneuten Rüstungskontrollverhandlungen sind
Bestandteil umfassender internationaler Bestrebungen, Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion bereitzustellen.
In einer Anhörung vor dem Bewilligungsunterausschuß
des Repräsentantenhauses verwies Baker im Februar
auf die damit einhergehenden Schwierigkeiten. Die
neuen Staaten, stellte er fest, "drückt die Last von über
70 Jahren politischer und ökonomischer Mißwirtschaft.
Die Versuchung ethnischer Konflikte und autoritärer
Herrschaft sind weiterhin stark, und trotz der dramati-

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schen Fortschritte in der Rüstungskontrolle verbleiben
bei den Staaten der ehemaligen Sowjetunion nahezu
30.000 atomare Waffen."
Seit dem Zusammenbruch der UdSSR im vergangenen Dezember hat Außenminster Baker alle neuen
unabhängigen Staaten außer Georgien besucht, und
die Vereinigten Staaten haben Botschaften in allen von
ihm besuchten Staaten eröffnet. "Wir haben das in die
Wege geleitet, was man als neue Sicherheitspartnerschaft zwischen Rußland und den Vereinigten Staaten
bezeichnen könnte", fuhr Baker fort. "Wir haben bei
einem breiten Spektrum von Themen echte Fortschritte erzielt, insbesondere bei atomarer Sicherheit und
Zerstörung von Atomwaffen."
Zu diesem Zweck werden die Vereinigten Staaten
Rußland 25 gepanzerte Eisenbahnwaggons zum
Transport von Nuklearwaffen zur Verfügung stellen.
Rußland wurden femer 250 große Spezialcontainer
zum Transport von Nuklearwaffen angeboten, und
Experten haben begonnen, alternative Wege der
Lagerung von Plutonium und angereichertem Uran zu
erörtern, das aus den zu zerstörenden Waffen gewonnen wird. Die Vereinigten Staaten arbeiten mit Rußland zusammen, um das russische Zählsystem für
atomare Materialien zu verbessern. Darüber hinaus
sind Gespräche über die unverzügliche und angemessene Reaktion auf jeden Reaktorunfall oder -Zwischenfall vorgesehen.
Es wurden bereits Bestrebungen in die Wege geleitet,
um alle ehemaligen sowjetischen taktischen Nuklearwaffen zur schrittweisen Zerstörung nach Rußland zu
verlagern. Stichtag ist der 1. Juli, aber Baker zufolge
sind die Bestrebungen dem Zeitplan voraus. Die vier
Nuklearstaaten der ehemaligen Sowjetunion - Rußland, die Ukraine, Weißrußland und Kasachstan haben vereinbart, alle strategischen Nuklearwaffen
einer zentralen Kontrolle zu unterstellen. Ru Bland wird
der Nachfolgestaat der UdSSR im Hinblick auf den

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�Status als Nuklearmacht sein, und die anderen drei
Staaten werden aufgefordert, dem Nichtverbreitungsvertrag (NPT) als atomwaffenfreie Staaten beizutreten.
Im Hinblick auf spezielle Hilfsprogramme haben die
Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar für die Einrichtung eines Internationalen Zentrums für Wissenschaft
und Technologie in der Nähe von Moskau bereitgestellt, das den Spitzenwissenschaftlem und -ingenieuren der früheren Sowjetunion, von denen viele in der
Kerntechnik oder anderen Rüstungsbereichen gearbeitet haben, geistig anspruchsvolle Arbeit verschaffen soll. Das Zentrum wird in der Absicht gegründet,
Wissenschaftler davon abzuhalten, ihr Wissen an
skrupellose Regime auf der ganzen Welt zu veräußern. Die Europäische Gemeinschaft wird mit dem
US-Angebot von 25 Millionen Dollar ebenso gleichziehen wie Japan. Darüber hinaus hat Kanada versprochen, das Programm zu unterstützen.
Andere spezielle Hilfe für die früheren Sowjetrepubliken umfaßt 400 Millionen Dollar aus Mitteln des Verteidigungsministeriums, mit denen nukleare und chemische Waffen zerstört und die Verbreitung von Technologie für Massenvernichtungswaffen verhindert werden soll.
Ein weiterer Schlüsselaspekt dieser Bestrebungen ist
die Umwandlung der Rüstungsindustrie. In den 620
Millionen Dollar neuer Bewilligungen, die die Regierung zur Hilfe für die frühere Sowjetunion beantragt,
sind 100 Millionen Dollar für den Wirtschaftshilfefonds
enthalten, der demokratische Reformen, wirtschaftliche Umstrukturierungen und eine Umwandlung der
Rüstungsindustrie auf den Weg bringen soll.

Ein weiterer Schlüsselfaktor der neuen Beziehungen,
den Baker am 5. Februar im Auswärtigen Ausschuß
des Senats hervorhob, besteht darin, daß "die neuen
Staaten ihr Verspechen einhalten, die START-, KSEund Nichtverbreitungsverträge durchzuführen".
"START bleibt entscheidender Bestandteil unserer
Beziehungen zu den neuen Staaten," erklärte Baker.
"Erstens erhöht das Verifizierungsregime von START
Transparenz und Offenheit in einer Zeit turbulenter
Veränderungen. Zweitens schafft START ein rechtsverbindliches Regime, das Verpflichtungen aufstellt,
die es uns leichter machen, substantielle und stabilisierende Reduzierungen festzuschreiben. Drittens
liefert START eine stabile Struktur und ebensolche
Grundregeln, im Rahmen derer weitere Reduzierungen schnell erreicht werden können. Schließlich werden durch START die Ukraine, Weißrußland und
Kasachstan ermutigt, eine nichtnukleare Zukunft anzustreben."
Bei seinem zweiten Treffen in Brüssel begrüßte der
Nordatlantische Kooperationsrat die Baltenstaaten und
alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien als
neue Mitglieder. Das Ziel des aus 35 Nationen bestehenden Gremiums lautet, Stabilität und Berechenbarkeit bei europäischen Sicherheitsfragen zu verbessern
und die Zusammenarbeit unter den Ländern Europa zu
erweitern.
Der Stellvertretende Außenminister Lawrence Eagleburger kam bei seiner Beschreibung der US-Hilfe vor
einem anderen Kongreßausschuß am 11. März zu
dem Schluß: "Westliche Hilfe kann etwas bewirken.
Für uns steht auf dem Spiel, ob die jüngste Umwandlung gefährlicher Gegner in Freunde und Partner ein
dauerhaftes oder ein vorübergehendes Phänomen

* * * * *

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�FLÜCHTLINGE
25. März 1992

BEIGELEGTE KONFLIKTE GESTATTEN
FLÜCHTLINGEN RÜCKKEHR IN DIE HEIMAT
Anhörung vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Dem Leiter des Büros für Flüchtlingsbelange im US-Außenministerium, Princeton
Lyman, zufolge gestattet die Beilegung regionaler Konflikte drei bis sieben Millionen Flüchtlingen in den nächsten
Jahren die Rückkehr in ihre Heimatländer.
In einer vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Auswärtige Angelegenheiten abgegebenen
Erklärung stellte Lyman am 17. März 1992 fest, die Lösung der Konflikte in Kambodscha, Angola, El Salvador
und Äthiopien "sowie die wachsenden Aussichten für eine Schlichtung in Afghanistan bieten uns die Chance",
drei Millionen Flüchtlingen in den kommenden zwei Jahren die Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Diese
Zahl könnte die Siebenmillionengrenze überschreiten, "wenn der Krieg in Afghanistan wirklich vorüber ist", so
Lyman.
Die Rückführung der Flüchtlinge sei teuer und zeitaufwendig, stellte Lyman fest, "Die Aussicht, das Leid von
nahezu der Hälfte der Flüchtlinge ... weltweit zu beenden, sollte uns jedoch motivieren, uns dieser großen
humanitären Aufgabe zu stellen".
Das US-Außenministerium hat für das Haushaltsjahr 1992 550 Millionen Dollar für Migrations- und Flüchtlingshilfe beantragt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Direktor Lyman im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich danke Ihnen für diese Gelegenheit, heute gemeinsam mit Ihnen die bevölkerungspolitischen Realitäten
der Welt erörtern zu können und darauf einzugehen,
wie die Migrations- und Flüchtlingshilfe im Haushaltsjahr 1993 einige dieser Veränderungen in der Zeit nach
dem kalten Krieg anspricht.
Insbesondere im Hinblick auf Flüchtlinge und Vertriebene haben wir eine au ßerordentlich gemischte Szene
vor uns. Die Beilegung von Konflikten, die teilweise
durch den kalten Krieg genährt wurden - Kambodscha,
Angola, El Salvador - und der Bürgerkrieg in Äthiopien
sowie die wachsenden Aussichten für eine Schlichtung in Afghanistan bieten uns die Chance, in den
nächsten beiden Jahren drei Millionen Flüchtlingen
weltweit und bis zu sieben Millionen Menschen die
Rückführung in ihre Heimat zu ermöglichen, wenn der
Krieg in Afghanistan wirklich vorüber ist. Die Rückführung von Flüchtlingen zu ihren häufig vom Krieg zerstörten Häusern und Weiden sowie in Länder, in denen
die zwangsweise im Inland Umgesiedelten ebenfalls
Not leiden, ist teuer und zeitaufwendig. Die Aussicht,
das Leid von nahezu der Hälfte der Flüchtlinge - nach
einem Jahrzehnt, in dem diese Zahl im Steigen begriffen war - weltweit zu beenden, sollte uns jedoch
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motivieren, uns dieser großen humanitären Aufgabe
zu stellen. Ist diese Aufgabe einmal abgeschlossen,
wird auch von der internationalen Staatengemeinschaft eine schwere Last genommen, besonders den
Vereinigten Staaten, die in den vergangenen 20 Jahren Hauptgeldgeber der Flüchtlingshilfe waren.
Ein anderer Teil der Szene ist weniger ermutigend.
Neue, häufig brutale Konflikte bewirken neues Flüchtlingsleid. Allein in der Zeit zwischen der Anberaumung
dieser Anhörung und heute sind über 100.000 neue
Flüchtlinge vor den Plünderungen der burmesischen
Armee nach Bangladesch, und 150.000 somalische
Flüchtlinge vor dem Bürgerkrieg geflohen - sie kamen
dem Hungertod nahe und halbtot vor Erschöpfung in
Kenia an. In den vergangenen beiden Jahren hat der
Bürgerkrieg in Liberia der Gesamtzahl der Flüchtlinge
auf der Welt weitere 600.000 hinzugefügt. Die Kämpfe
in Jugoslawien haben 40.000 Menschen zur Flucht
veranlaßt, und nahezu eine halbe Million mußte zwangsweise im Inland umsiedeln. Des weiteren warten wir
auf die Berichte des IKRK über die Opfer an Menschenleben aufgrund der Auseinandersetzungen in
Nagorny-Karabach, wo über 500.000 Menschen ihre
Heimat verlassen mußten. Wir müssen dieses Leiden
nicht nur mit humanitärer Hilfe, sondern mit erneuten
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�und verbesserten Methoden der Konfliktlösung angehen, damit nicht eine weitere Generation von Langzeitflüchtlingen hervorgebracht wird.

Wie kann diesen Menschen in einer großen
Bandbreite von Situationen Schutz und angemessene langfristige Hilfe geboten werden?

Schließlich beobachten wir größeren und komplexeren Druck auf die Asyl- und Einwanderungsverfahren
in Westeuropa und Nordamerika. Zum Teil ist dies auf
demographische Ursachen zurückzuführen, zum Teil
auf Konflikte, Unterdrückung und Armut. Bedauerlicherweise haben wir Vorfälle erlebt, bei denen dieser
Druck negative, wenn nicht gar häßliche Rückschläge
für die Flüchtlinge selbst zur Folge hatte. In einem
breiteren Kontext gesehen, stellen sie eine Herausforderung an unsere Fähigkeit zur Zusammenarbeit sowohl
bei Flüchtlings- als auch Migrationsbelangen dar, damit
keine neuen Mauern errichtet werden und die Lastenverteilung beibehalten wird. Mit unseren Programmen
und in einigen anderen Foren versuchen wir, diese
Probleme auch in der Ära nach dem kalten Krieg
anzusprechen.

Wie können Lösungen für die Gründe ihrer
Flucht herbeigeführt, und wie kann den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre häufig durch Krieg
verwüstete Heimat ermöglicht werden?

Der Haushaltsantrag 1993 für Migrations-und
Flüchtlingshilfe
Die Flüchtlinge der Welt, von denen es noch immer
rund 16 Millionen gibt -13 Millionen von ihnen benötigen Hilfe - konzentrieren sich in vier Regionen: 5
Millionen Afghanen in Pakistan und Iran, nahezu 5
Millionen afrikanische Flüchtlinge, die zumeist Opfer
von Bürgerkriegen sind, 2,5 Millionen Palästinenser
und 720.000 Flüchtlinge in Asien, fast die Hälfte davon
aus Kambodscha.
Diese Zahlen - an sich schon erschreckend - geben die
Realität nicht angemessen wider. Hinter diesen Zahlen stehen vor Soldaten flüchtende Männer, Frauen
und Kinder, die den Naf nach Bangladesch überqueren. Diese Zahlen verwischen die Not der von ihren
Männern und Familien getrennten Frauen und Kinder,
die im Nordirak oder in Kenia Unterschlupf unter Plastikplanen suchen. Sie vermitteln nicht die Verzweiflung von Menschen, die häufig jahrelang von ihrer
Heimat und allen Dienstleistungen abgschnitten sind
und versuchen, Behelfsschulen für ihre Kinder aufzubauen und ihre Würde in einer Situation völliger Abhängigkeit zu bewahren.

Wie kann künftigen Flüchtlingsströmeri entgegengewirkt werden?
Der Haushaltsantrag des US-Außenministeriums für
1993 sieht 550 Millionen Dollar für Migrations-und
Flüchtlingshilfe (Migration and Refugee Assistance MRA) und 20 Millionen für den amerikanischen Notfonds für Migrations- und Flüchtlingshilfe vor.
Internationale Flüchtlingshilfe
Angaben in Millionen Dollar
Ostasien

48,6

Afrika

104

Naher Osten/Südasien

106

Israel

50

Westliche Hemisphäre

4,5

Europa

Zwischensumme

2

315,3

Annähernd 60 Prozent des MRA-Antrags - 315,3 Milliarden Dollar - werden die internationalen Hilfsbestrebungen unterstützen, um weltweit Flüchtlingen und
Opfern von Konflikten Schutz und Hilfe bieten zu
können.
Afrika
Afrika ist nach wie vor der beunruhigendste und schwierigste Kontinent, um angemessenen Schutz und Hilfe
bereitzustellen. Zusätzlich zu den Flüchtlingen mußten bis zu 10 Millionen Menschen durch Konflikte und

Flüchtlingsprogramme gehen über die Bereitstellung

konfliktverursachte Hungersnöte in ihrem eigenen Land

von Hilfe für die vor Verfolgung und Konflikt Flüchtenden hinaus - so entscheidend und wichtig dies auch
sein mag. Sie gehen über die Beschaffung von neuen
Wohnungen für diejenigen hinaus, die im Westen
angesiedelt werden müssen. Sie umfassen schwierige Entscheidungen von Regierungen, internationalen
Organisationen und Privatinstitutionen zu folgenden
Fragen:

umsiedeln. Im Sudan hat die Behinderung der internationalen Hilfsorganisationen durch den Staat und
andauernder Bürgerkrieg uns nahezu hilflos angesichts des enormen humanitären Bedarfs gemacht.
Allein im Süden haben wir Luft-, See- und Landbrükken zur Unterstützung derjenigen einzurichten versucht, die erst nach Äthiopien, dann zurück in den
Sudan geflohen sind und jetzt aus dem Süden vor
erneuten Kämpfen fliehen. Unter diesen Menschen

Wer sind die betroffenen Menschen?

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�sind 10.000 unbegleitete Minderjährige, die wie Figuren auf einem Schachbrett hin- und hergeschoben
werden - nur weil sie Kinder und Opfer sind.
Die Kämpfe in Somalia haben buchstäblich Dutzende
von Versuchen vereitelt, die entsetzlichen Bedingungen dort zu beheben. Voraussichtlich werden an die
250.000 Somalier die Grenze nach Nordkenia überqueren - in eine Region ohne Schatten, Obdach oder
Wasser.
In diesem Jahr droht uns noch ein weiteres Problem.
Das südliche Afrika erlebt eine verheerende Dürre,
vielleicht die schlimmste in diesem Jahrhundert. Die
Auswirkungen sind für Millionen von Menschen enorm.
Für die Flüchtlinge verursacht dies besondere Probleme. Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten
Nationen (UNHCR) und das Welternährungsprogramm
der Vereinten Nationen (WFP) haben bisher den Großteil
der Nahrungsmittel für Flüchtlinge in diesem Teil Afrikas aus Kenia, Simbabwe und Südafrika gekauft.
Keine dieser Quellen wird in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Die Kosten der Flüchtlingshilfe werden
also zusätzlich zu dem für die Region benötigten
Nahrungsmittelbedarf und den vielen Anforderungen
in anderen Teilen der Welt ebenso wie der Nahrungsmittelbedarf der Flüchtlinge drastisch in die Höhe
schnellen.
Doch auch in Afrika gibt es Inseln der Hoffnung. Das
Ende des nahezu 30jährigen Bürgerkriegs in Äthiopien
bedeutet Hoffnung auf Repatriierung für 250.000 Eritreer im Sudan, für 50.000 Tigreer sowie die Heimkehr
und Wiedereingliederung von 300.000 Menschen aus
dem Ogaden. Örtlich bestehende Unsicherheit muß in
Äthiopien überwunden werden, und Wiedereingliederungshilfe ist dringend erforderlich, wenn diese Menschen zu einem produktiven Leben in der Heimat
zurückkehren sollen und nicht nur, um ihr Leben in
Lagern zu fristen oder zu einer Quelle ziellosen Banditentums und der Instabilität in einem verarmten Land
zu werden.
Auch in Angola und Südafrika besteht Hoffnung. Etwa
400.000 angolanische Flüchtlinge schicken sich an
heimzukehren, und über 10.000 Südafrikaner im Exil
kehren unter dem Schutz des UN-Flüchtlingskommissars nach Hause zurück. Wir müssen dafür sorgen,
daß diese Rückkehr funktioniert.
Wir mu ßten uns stark auf den Notfonds für Flüchtlingsund Migrationshilfe stützen, um auf die sich rasch
verändernden Bedingungen und größeren Bedürfnisse von Flüchtlingen und Konfliktopfern in Afrika zu
reagieren. Allein im vergangenen Jahr wurden 48,35
Millionen Dollar aus diesem Fonds aufgewendet, um
dringenden Bedarf in ganz Afrika zu decken. Weitere
10 Millionen Dollar wurden aus anderen MRA-Programmen abgezweigt, um vordringlichen und unvorhergesehenen Erfordernissen am Hörn von Afrika
gerecht zu werden.

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Afghanistan
Wie ich bereits erklärt habe, bilden die Afghanen die
größte einzelne Flüchtlingsgruppe. Wir hegen die
Hoffnung, daß mit der Vereinbarung über die Einstellung der Waffenlieferungen seit Januar diesen Jahres
und verstärkten Bemühungen der UNO um eine Aussöhnung eine rasche Lösung für diesen langen, kostspieligen Krieg gefunden werden kann. Bereits jetzt
kehren Zehntausende von Flüchtlingen mit internationaler Hilfe in befriedete Gebiete zurück. Mehrere
Hunderttausend könnten sich bei weiteren Verhandlungsfortschritten ebenso entscheiden. Vor einer politischen Lösung erwarten wir jedoch keine massive
Repatriierung. Deshalb müssen wir uns auf die Fortsetzung der Hilfe für die Afghanen im Haushaltsjahr
1993 einrichten. Wir werden versuchen, über verschiedene Projekte privater Hilfsorganisationen die
Entwicklung von Fähigkeiten zu stärken, die in Afghanistan benötigt werden.
Asien
Das dramatischste Ereignis in jüngster Zeit in Asien ist
die Vereinbarung über ein Ende des Krieges in Kambodscha. Für 330.000 Kambodschaner, die seit 12
Jahren an der thailändischen Grenze leben, bedeutet
dies endlich die Chance zur Heimkehr. Ich werde zu
den Kosten und komplexen Einzelheiten dieser Repatriierung zurückkehren. Ich freue mich jedoch berichten zu können, daß die Vorbereitungsphase des
kambodschanischen Repatriierungsprogramms des
UNHCR vollständig aus freiwilligen Beiträgen finanziert wurde, und wir haben ausreichende Mittel im
Haushalt vorgesehen, um unseren Anteil am Gesamtprogramm in den Haushaltsjahren 1992 und 1993
bereitzustellen.
Während Kambodscha in jüngster Zeit die meiste
Aufmerksamkeit zuteil wurde, gibt es in Asien noch ein
weiteres Beispiel dafür, was internationale Unterstützung und Zusammenarbeit leisten können.
Nahezu drei Jahre nach Verabschiedung des umfassenden Aktionsplans für vietnamesische und laotische
Asylsuchende hat sich dieser Plan als in vieler Hinsicht
erfolgreich erwiesen. Die Praxis des Erstasyls wurde
in allen Staaten Ostasiens aufrechterhalten, wobei
Malaysia und Singapur bedauerliche Ausnahmen
darstellen. Gleichzeitig wurde die Bearbeitung von
Ausreiseanträgen aus Vietnam im Rahmen des Programms zur ordentlichen Ausreise (Orderly Departure
Program - ODP) drastisch erweitert: im kommenden
Jahr werden etwa 100.000 Menschen im Rahmen des
ODP ausreisen, das damit eine wesentlich sicherere
Alternative zur Ausreise per Boot bietet. Die Ankünfte
von Bootsflüchtlingen gingen um 98 Prozent auf etwa
230 im Monat zurück. Überprüfungsverfahren wurden
in allen Erstantragsländern eingeführt, und all diejenigen, bei denen eine begründete Furcht vor Verfolgung
festgestellt wurde - bis jetzt etwa 16.000 - wurden neu

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�angesiedelt. Für diejenigen, die nicht als Flüchtlinge
anerkannt wurden, wurde eines der am besten überwachten und unterstützten Rückkehrprogramme der
Welt eingeführt. Die freiwillige Rückkehr ist um 70
Prozent gestiegen und beträgt heute im Durchschnitt
1.700 Personen pro Monat. Insgesamt sind über
20.000 Bootsflüchtlinge sicher nach Vietnam zurückgekehrt. Die Beobachtung der Vietnamheimkehrer
wird von der UNHCR durchgeführt, und es hat keine
Beweise für eine politische Verfolgung gegeben. Die
Europäische Gemeinschaft hat direkte Hilfe für die
Rückkehrer und die verarmten Regionen aufgenommen, aus denen sie gekommen waren, um ihre Reintegration zu unterstützen. Es bleiben jedoch Probleme
bestehen. Wir arbeiten mit dem UNHCR zusammen,
um die Effizienz und Fairneß des nationalen Überprüfungsverfahrens zu verbessern. Die besonderen
Verfahren für unbegleitete Minderjährige funktionieren
immer noch nicht ausreichend, und viele Minderjährige
bleiben viel zu lange in den Lagern.
Der Nahe Osten
Der Nahe Osten ist eine weitere Region, in der unsere
Bemühungen sehr erfolgreich sind. Vor nahezu einem
Jahr flohen über eine Million Kurden und andere
Menschen vor Saddam Husseins Regime und suchten
Zuflucht in Nachbarländern. Unter dem Schutz der
Operation Provide Comfort wendeten die Vereinigten
Staaten und andere Länder in einer gemeinsamen
Aktion und durch das System der Vereinten Nationen
eine menschliche Tragödie größten Ausmaßes ab,
indem sie diesen neuen Flüchtlingen unmittelbar Hilfe
leisteten. Seit vergangenem Mai/Juni sind über 90
Prozent in ihre Heimat im Nordirak zurückgekehrt.
Diese Repatriierung wurde nur dadurch ermöglicht,
daß die Sicherheit gewährleistet und entscheidende
Beiträge in Form von Nahrungsmitteln und Unterkünften im Irak bereitgestellt wurden. Obwohl es noch
Flüchtlinge gibt, wurde durch sofortige Maßnahmen
verhindert, daß eine auf Dauer bestehende, große
Zahl von Flüchtlingen entstand, die in Lagern in der
Türkei und im Iran leben und auf längere Sicht internationale Unterstützung erfordern würden. Dieser Ausschuß war ausschlaggebend daran beteiligt, daß die
Notwendigkeit einer anhaltenden amerikanischen

und 712 des UN-Sicherheitsrats zu befolgen, nach
denen humanitäre Hilfe durch irakische ölverkäufe
finanziert würde, seine Blockade gegen den Norden
und seine Zermürbungstaktik im Süden enthüllen
Saddams Grausamkeit gegen sein eigenes Volk und
stellen der Außenwelt eine anhaltende humanitäre
Aufgabe...
Das Aufnahmeprogramm
Die Haushaltsvorlage des Außenministeriums für
Migrations- und Flüchtlingshilfe beinhaltet 207,95 Millionen Dollar für die Aufnahme von Flüchtlingen im
Haushaltsjahr 1993. Diese Mittel beruhen auf Schätzungen für die Unterstützung der Aufnahme und ersten Unterbringung von etwa 122.000 Flüchtlingen aus
allen Teilen der Welt. Obwohl eine bestimmte Zahl
angesetzt wurde, um den Haushaltsbedarf zu kalkulieren, wird die Zahl der Aufnahmen und deren regionale
Zusammensetzung vom Präsidenten nach dem jährlichen Konsultationsprozeß mit dem Kongreß festgelegt. Dieser Prozeß wird im Juni beginnen.
Dieses Jahr hat der Präsident die Aufnahme von bis zu
142.000 Flüchtlingen in diesem Land genehmigt.
Innerhalb dieser Gesamtzahl sind 10.000 Plätze nur
für privatwirtschaftliche Finanzierung vorgesehen. Die
Obergrenzen für das aus Bundesmitteln finanzierte
Programm gestalten sich folgendermaßen:
Region

Obergrenze 1992

Ostasien
Osteuropa
GUS

52.000
3.000
61.000

Nahost/Südasien

6.000

Lateinamerika/Karibik

3.000

Afrika

6.000

Freie Reserve

1.000

Gesamtzahl

132.000

Führungsrolle erkannt wurde, und er hat die von der

Regierung beantragten zusätzlichen Mittel bewilligt.
Bis heute wurden 75 Millionen Dollar für Migrationsund Flüchtlingshilfe bewilligt, von denen 57,65 Millionen Dollar eingesetzt wurden, um Flüchtlingen und
Vertriebenen im Irak und den angrenzenden Ländern
zu helfen.
Leider wissen wir auch, daß die Repatriierung die
Notlage der Kurden und anderer nicht beendet hat, die
von Saddam Husseins willkürlicher Unterdrückung
seines eigenen Volkes betroffen sind. Die Vereinigten
Staaten und die internationale Staatengemeinschaft
liefern weiterhin wichtige humanitäre Hilfe in den Nordirak. Die Weigerung des Irak, die Resolutionen 706
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Die Aufnahmen aus den Erstasylländern in Ostasien
sind weiterhin ein unerläßliches Element des umfassenden Aktionsplans (CPA). Die in der Region beim
Beginn des CPA im Jahr 1989 vorhandenen Vietnamesen sind inzwischen fast vollständig aufgenommen
worden. Mit einer effektiven Überprüfung vor Ort und
der sinkenden Zahl vietnamesischer Bootsflüchtlinge
nimmt dieses Element unseres Programms an Bedeutung ab. Angesichts der Unberechenbarkeit der
möglichen Aufnahmeerfordemisse für laotische Flüchtlinge und der raschen Erweiterung des ODP-Programms aus Vietnam werden die Gesamtaufnahmen
aus Ostasien im Haushaltsjahr 1993 auf dem heutigen
Niveau verharren. Wir erwarten, daß die Ausreisen

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�von Amerasiern aus Vietnam im Haushaltsjahr 1993
zurückgehen werden. Obwohl seit Vereinbarung des
Programms für Insassen von Umerziehungslagern
zwischen Vietnam und den Vereinigten Staaten im
Jahr 1989 etwa 40.000 ehemalige Häftlinge und deren
Familienangehörige in die Vereinigten Staaten eingewandert sind, erwarten wir, daß die Überprüfungsgespräche mit in Frage kommenden ehemaligen Häftlingen mindestens bis ins Haushaltsjahr 1994 andauern
werden.
Unser anderes großes Auf nahmeprogramm besteht in
der ehemaligen Sowjetunion. Die Auflösung der
Sowjetunion hat vielen Gebieten größere Freiheit
gebracht, und die Zahl der Neuanträge von Bürgern
der ehemaligen Sowjetunion hat sich erheblich verringert. Trotzdem besteht noch ein erheblicher Rückstau
an zu bearbeitenden Anträgen von Personen, die den
amerikanischen Gesetzen zufolge in Frage kommen
und für die das Gespenst insbesondere der religiösen
Verfolgung weiterbesteht. Wir werden weiterhin Personen anhören, die unsere Zulassungskriterien erfüllen und erwarten, daß das Aufnahmeprogramm für
sowjetische Flüchtlinge etwa im gegenwärtigen Umfang von 50.000 im Haushaltsjahr 1993 fortgesetzt
wird.
Im Haushaltsjahr 1991 riefen die Vereinigten Staaten
ein begrenztes Umsiedlungsprogramm für die im
Chemiewaffenkrieg 1988 aus dem Irak vertriebenen
Kurden ins Leben. In diesem Jahr haben wir damit
begonnen, irakischen Flüchtlingen vor dem Golfkrieg
von 1990-91 aus der Türkei und Saudi-Arabien herauszuhelfen. Dies wird ein multilaterales Projekt sein.
Im letzten Monat haben die Vereinigten Staaten ein
nationales Umsiedlungsprogramm in Haiti aufgenommen. Dieses Programm wendet sich an Bürger, die
aufgrund ihrer politischen Meinung eine Verfolgung
fürchten. Davon werden beispielsweise Haitianer erfaßt, die Angst vor Verfolgung haben, weil sie führende
Positionen in politischen oder religiösen Organisationen auf nationaler oder lokaler Ebene innehatten oder
innehaben, exponierte Stellungen in der Regierung
Aristide bekleidet haben oder in Bereichen Berühmtheit erlangt haben, auf die jetzt Druck ausgeübt wird...
Probleme zwischen Ost und West
Die politischen Asylverfahren in Europa (und Nordamerika) wurden im Zeitalter des kalten Kriegs auf der
Grundlage der UN-Konvention von 1951 über den
Status von Flüchtlingen geschaffen. Als Osteuropa
und die Sowjetunion sich unter kommunistischer
Kontrolle befanden, wurden die vor solchen Regimen
fliehenden Menschen als Flüchtlinge behandelt und
erhielten vom Westen großzügige Möglichkeiten für
eine permanente Umsiedlung. Mit dem Entstehen
demokratischer Regierungen und der Beseitigung von
Reisebeschränkungen haben die Bewegungen von

AMERIKA DIENST 12

Ost nach West neue Gestalt angenommen, und europäische Regierungen konzentrieren sich zunehmend
auf die Frage der Umsiedlung aus wirtschaftlichen
denn aus politischen Gründen.
1989, im Jahr der Revolutionen in Osteuropa, haben
1,2 Millionen Menschen - nach einem Leben der Gefangenschaft hinter bewaffneten Grenzen - den Warschauer Pakt verlassen, um sich dauerhaft im Westen
anzusiedeln. Im folgenden Jahr reisten etwa neun
Millionen Sowjetbürger ins Ausland, von denen 450.000
im Rahmen bereits bestehender Verfahren ausreisten.
In ganz Europa begann sich angesichts der Aussicht
auf eine massive Flüchtlingswelle eine gewisse Panik
auszubreiten.
Ein entscheidender Faktor der europäischen Sorge
über Ost-West-Flüchtlinge waren jedoch die Asylsuchenden. In den vergangenen zehn Jahren und insbesondere in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der
Asylsuchenden in Westeuropa jährlich gestiegen.
Während 1983 in Europa etwa 75.000 Asylanträge
gezählt wurden, betrug die Zahl 1991 fast600.000. Die
europäischen Länder versuchen zu analysieren, wie
dieses Phänomen zu beschränken ist. Die EG arbeitet
an der Vereinheitlichung ihrer Asylpraktiken und entsprechenden Verpflichtungen, damit 1993 eine ungehinderte Ein- und Ausreise innerhalb der EG gewährleistet werden kann. Eine Begleiterscheinung dessen
ist der Versuch verschärfter Grenzkontrollen und Wege,
Flüchtlinge nach Hause oder in andere sichere Länder
zu schicken.
Nord-Süd-Probleme
Für viele europäische Regierungen ist langfristig nicht
die Flüchtlingswelle aus dem Osten das Problem,
sondern vielmehr der rasante Anstieg der Asylsuchenden aus den Entwicklungsländern. Mit diesen Menschen sind in vielen Fällen ernsthafte neue soziale
Probleme aufgetreten, und oftmals können sie aus
Sicherheitsgründen nicht in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Aufgrund des geschätzten Bevölkerungswachstums in Afrika, Südasien und Lateinamerika sind die Probleme der Flüchtlinge aus dem Süden
schwieriger zu lösen als die der Flüchtlinge aus dem
Osten. Afrikas Bevölkerung wird erwartungsgemäß
von 642 Millionen im Jahr 1990 auf etwa 1,6 Milliarden
im Jahr 2025 steigen. Zur gleichen Zeit wird die
Bevölkerung Südasiens 2 Milliarden übersteigen, und
in Lateinamerika werden 750 Millionen Menschen leben.
Der tendenzielle Flüchtlingsstrom von Süden nach
Norden ist nicht nur das Ergebnis bevölkerungspolitischen Drucks, sondern besserer Möglichkeiten und in
manchen Fällen auch politischer und kultureller Bindungen. In manchen Fällen ist er für die langfristige
Stabilisierung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen
Norden und Süden nützlich. Ein Beispiel dafür sind
von den Gastarbeitern nach Hause geschickte Geldsendungen, mit denen Häuser, Geschäfte und Ver-

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�besserungen auf Bauernhöfen sowie Verbrauchsgüter
finanziert werden. In diesen Fällen haben die Geldsendüngen der Arbeiter als Quelle des Kapitaltransfers
denselben Stellenwert wie Auslandshilfe.
Kurzfristigere Spannungen bei den Asyl- und/oder
Einreiseverfahren in Europa und Nordamerika ergeben sich unter Umständen eher durch Instabilität und
Unruhen als durch Anmut und Bevölkerungswachs-

tum. Aufschlußreich ist die Tatsache, daß der Druck
der Asylsuchenden aus Somalia und Sri Lanka zur Zeit
am höchsten ist. Das erstere ist eines der ärmsten
Länder in der dritten Welt, letzteres gilt als eines der
besser entwickelten, dennoch befinden sich beide
m i t t e n j n e i n e m Bürgerkrieg. Daraus folgt, daß man
Konfliktlösungen als Wege zur Lösung der Nord-SüdP r o b | e m e ebenso hoch einschätzen muß wie Entwick| u n g u n c j Handel.

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�WAHLEN

'92
25. März 1992

TSONGAS SETZT WAHLKAMPF AUS
Die Ergebnisse der Vorwahlen von Illinois und Michigan
Tsongas stellt Kampf um die Nominierung ein
Der ehemalige Senator von Massachusetts, Paul
Tsongas, der vor nahezu einem Jahr als erster Demokrat seine Bewerbung für das Präsidentenamt bekanntgegeben hatte, stellte seine Bemühungen am
19. März ein. Dabei erklärte er, seine wirtschaftspolitische Botschaft habe beim amerikanischen Volk Anklang
gefunden, aber er sei tief verschuldet und besitze nicht
die Mittel, um den Wahlkampf fortzusetzen.
Indem er seinen Rückzug aus dem Wahlkampf als
Aussetzung bezeichnete, behielt Tsongas weiterhin
Anspruch auf Bundeszuschüsse zur Begleichung seiner Wahlkampfschulden von nahezu 1 Million Dollar.
Darüber hinaus sind weiterhin mehrere hundert Delegierte an ihn gebunden, die er in den bisherigen
Vorwahlen und Wahlversammlungen für den Nominierungsparteitag gewonnen hat. "Wir haben Delegierte,
die am Parteitag teilnehmen wollen", erklärte Tsongas.
Er gewann fünf Vorwahlen und zwei Parteiversammlungen, bevor der Favorit im Rennen um die Nominierung, der Gouverneur von Arkansas Bill Clinton, mit
den Siegen im Süden und Mittelwesten diesen Monat
einen uneinholbaren Vorsprung errang.
Tsongas gratulierte Clinton und dem ehemaligen
Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, die als einzige demokratische Bewerber im Rennen blieben.
Dabei erklärte er, er freue sich auf einen demokratischen Wahlsieg im November, weigerte sich jedoch,
einen seiner ehemaligen Rivalen zu unterstützen.
Er gab an, er fühle sich "äußerst bestätigt. Die Verpflichtung, die mir mein Überleben (von einer Krebserkrankung) auferlegt hat, wurde erfüllt. Ich glaube, daß
die Kraft unserer Botschaft und unser schieres Überleben Menschen im ganzen Land dazu veranlaßt,
einen neuen Weg zu sehen."
Der sich als "ökonomischer Paul Revere (der im Revolutionskrieg zu den Kolonisten geritten war, um diese
vor anrückenden britischen Truppen zu warnen)"
bezeichnende Tsongas forderte in seinem Wirtschaftsprogramm die Senkung der Kapitalertragssteuer, mehr
Anreize für die Wirtschaft und andere Maßnahmen,

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um die Produktionsbasis neu anzukurbeln - Vorschläge, die allgemein als eher republikanisch und weniger
demokratisch betrachtet wurden.
Der letzte Stand der Delegiertenstimmen
Die folgende inoffizielle Aufstellung zeigt die Anzahl
von Delegierten, die jeder Präsidentschaftskandidat
bisher für sich gewinnen konnte. Dazu gehören auch
die Ergebnisse der Vorwahlen in Illinois und Michigan
am 17. März.
Demokraten (Zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton

944,25

Tsongas

432,25

Nichtgebunden

421,75

Brown

120,25

Republikaner (Zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan
Nichtgebunden

711
46
6

Die Ergebnisse der Vorwahlen vom 17. März
Die folgende Liste gibt den prozentualen Anteil der von
jedem Kandidaten bei den Vorwahlen am 17. März
erhaltenen Wählerstimmen wieder.
Demokraten

Stimmenanteil (%)

Illinois
Brown

15

Clinton

51

Tsongas

26

Nichtgebunden

5

Sonstige

3

Seite 1

�Michigan

Michigan

Brown

26

Buchanan

25

Clinton

51

Bush

67

Tsongas

17

Duke

3

Nichtgebunden

5

Nichtgebunden

5

Sonstige

1

Republikaner

Stimmenanteil (%)

Illinois
Buchanan

22

Bush

76

Nichtgebunden

2
* * * *

Seite 2

*

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�WAHLEN

'9 2
25. März 1992

WIE AMERIKA EINEN PRÄSIDENTEN WÄHLT
von Lester David und Irene David
WASHINGTON - (AD) - Im nachfolgenden Artikel beschreiben die Autoren das Verfahren der Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten von der Bekanntgabe der Bewerber über die Vorwahlen und Parteiversammlungen, Parteikongresse und den darauffolgenden Wahlkampf bis zum Wahltag und der Zusammenkunft der
Wahlmänner.
Lester David und Irene David sind freiberufliche Journalisten mit Sitz in New York. Sie haben sechs Bücher und
Dutzende von Zeitschriftenartikeln geschrieben.
Am 3. November 1992 werden Millionen amerikanischer Bürger zu den Wahlurnen im ganzen Land
gehen, um den nächsten Präsidenten der Vereinigten
Staaten zu wählen.
Das Datum des Wahltages - immer der erste Dienstag
nach dem ersten Montag im November - wurde vom
amerikanischen Kongreß im Jahr 1845 festgelegt.
Obwohl jedes Jahr Wahlen abgehalten werden - für
Gouverneure, Parlamentarier sowie politisch Verantwortliche auf Bundesstaaten-, Bezirks- und Gemeindeebene - ist die Wahl des Präsidenten bei weitem
einer der wichtigsten Prozesse der repräsentativen
Regierung der Vereinigten Staaten. Denn die Amerikaner sind sich voll und ganz der Tatsache bewußt,
daß sie selbst die Wahl für den obersten Mann im
Staate treffen, wenn sie die in Schulen, Kirchen, Gewerkschaftsgebäuden und sogar Scheunen in ländlichen Gebieten aufgestellten Wahlkabinen betreten,
und nicht für einen ihnen aufgezwungenen Kandidaten.
Die Wahl eines neuen Präsidenten bildet den Höhepunkt eines mörderischen Wahlkampfs - vielleicht des
längsten und zermürbendsten in der demokratischen
Welt - um die Wahl eines Staatschefs.
Die Bewerber streben die Nominierung durcii die beiden führenden Parteien - die Republikanische und
Demokratische Partei - an und leiten ihre Kampagne
häufig bereits zwei Jahre vor dem Wahltag in die
Wege. Sie beginnen ihr Unterfangen, indem sie landesweit in möglichst vielen Staaten Organisationen
gründen. Diese mit einigen bezahlten Fachkräften, im
übrigen jedoch zumeist mit Freiwilligen besetzten
Organisationen gehen mit Verve an die Arbeit, um den
Namen und die Ansichten ihres Kandidaten publik zu
machen und so viel Geld wie möglich aufzubringen.
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DerWahlkampf istteuer: Fernseh- und Rundfunksendezeiten müssen zu immer weiter in die Höhe schnellenden Preisen gekauft, Broschüren gedruckt und
verschickt, Räume gemietet, Reisekosten bezahlt,
Fähnchen, Buttons, Flaggen und andere Gegenstände bestellt werden.
Die Wahlen 1992 verlaufen erwartungsgemäß.
Im Mai 1991-18 Monate bevor die Wahllokale geöffnet
werden sollen - gab der ehemalige Senator Paul
Tsongas aus Massachusetts seine Kandidatur für die
demokratische Nominierung bekannt. Bis zum Oktober 1991, immer noch 13 Monate vor dem Wahltag,
hatten weitere sechs Demokraten ihre Bewerbung
angekündigt und wie Tsongas ihre Organisationen ins
Leben gerufen.
Wie wählen die Amerikaner die endgültigen Kandidaten aus der Liste derjenigen, die sich zur Wahl stellen?
Früher kamen die Parteimitglieder im Senat und im
Repräsentantenhaus - den legislativen Körperschaften des Landes, die den Kongreß bilden - hinter
verschlossenen Türen zusammen, um die Auswahl zu
treffen. Da dieses System jedoch nach elitärem Denken
roch, wurde die Methode der nationalen Parteiversammlungen geschaffen.
Die erste dieser landesweiten Versammlungen einer
politschen Partei wurde 1831 abgehalten, und binnen
weniger Jahre folgten weitere. Parteikongresse lautstarke, farbenprächtige, alle vier Jahre stattfindende Zusammenkünfte - sind jetzt eine feste amerikanische Einrichtung. Delegierte kommen von überall her
in der Stadt zusammen, in der die Parteiversammlung
anberaumt wird, um über ihren Bannerträger zu entscheiden.

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�Bis Anfang des 20. Jahrhunderts waren mächtige
Politiker vor allem für die Wahl eines Kandidaten durch
Parteiversammlungen verantwortlich. Die Entscheidungen wurden in den berüchtigten "Hinterzimmern"
getroffen - Zimmer, in denen zigarren- und pfeifenrauchende Parteibosse die Schlüsselfaktoren der endgültigen Entscheidung waren. Die Delegierten, die von
den Parteivorsitzenden gewählt wurden, stimmten
schlicht und einfach so, wie es ihnen vorgeschrieben
wurde.
Politische Reformbewegungen waren entscheidend
für die weitgehende Aushöhlung der Macht der Parteibosse und gestalteten den Prozeß der Auswahl eines
Kandidaten damit demokratischer. 1906 wurde Wisconsin der erste Staat, der ein Gesetz verabschiedete,
demzufolge die Delegierten der nationalen Parteikongresse per Volksabstimmung in einer besonderen Art
von Wahl - der sogenannten "Vorwahl" - gewählt
wurden.
Andere Staaten verabschiedeten bald ähnliche Gesetze, und so führt heute der Weg der Nominierung
über eine Reihe dieser Vorwahlen, die im Schnee und
Matsch des Februars beginnen und erst kurz vor dem
Termin des Parteikongresses in der Hitze des Hochsommers enden. Bei diesen im gesamten Bundesstaat stattfindenden Versammlungen stimmen Parteimitglieder für den Kandidaten ihrer Wahl. Das den
Vorwahlen und den Parteiversammlungen zugrundeliegende Prinzip ist das gleiche - demokratische Wahl
der Personen auf der Liste durch das Volk.
Die Kandidaten sondieren bereits kurz nach Neujahr
das Terrain bei Parteiversammlungen und Vorwahlen,
geben enorme Summen aus und unternehmen beachtliche Anstrengungen, um so viele Delegierte wie
möglich für ihr Lager zu gewinnen. Es ist eine mühselige Aufgabe: Sie durchkreuzen das Land Tag für Tag
und Woche für Woche und besuchen häufig drei oder
mehr Städte an einem einzigen Tag. Sie stehen im
Morgengrauen bei jedem Wetter vor Fabriktoren und
begrüßen die Arbeiter: ("Hallo, ich bin John Doe, ich
bewerbe mich um die Nominierung der
Partei. Ich
hoffe, Du hilfst mir dabei.") Sie gehen in Einkaufszentren und auf Bahnhöfe, in Versammlungshallen, Schulaulen und überall dorthin, wo sie ihren Beratern zufolge Wähler überzeugen können. Sie arbeiten 16 oder
mehr Stunden am Tag, essen im Stehen, schlafen,
wann immer sie können. Die Aufgabe ist so ermüdend,
daß 1968 selbst Robert F. Kennedy, der die demokratische Nominierung anstrebte, trotz körperlicher Höchstform auf der Hälfte der Strecke vor Erschöpfung zusammenbrach. (Kennedy wurde am 4. Juni erschossen, nachdem er die Vorwahlen in Kalifornien gewonnen hatte).
Das System der Auswahl der Delegierten ist verwirrend, weil die Bundesstaaten kein einheitliches Verfahren haben. Einige veranstalten Vorwahlen, bei

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denen eingetragene Wähler einer beliebigen Partei für
jeden Kandidaten stimmen können - selbst Delegierte,
die keinen bestimmten Bewerber unterstützen. Andere Bundesstaaten haben geschlossene Vorwahlen Wahlen, bei denen nur Wähler, die sich zuvor für eine
Partei eingeschrieben haben, das Recht zur Stimmabgabe besitzen.
Darüber hinaus werden bei einigen Vorwahlen proportionale Systeme verwendet, andere wenden jedoch
ein dem Wahlsieger die Hauptmasse der Sitze zuerkennendes Wahlsystem ("winner-take-all") an. Beim
ersteren werden die Delegierten entsprechend der
Anzahl der Stimmen gewählt, die jeder Kandidat gewinnt,
während beim letzteren alle Delegierten des Bundesstaats demjenigen zugeschlagen werden, der die
Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Einige Bundesstaaten halten sogenannte "Schönheitswettbewerbe" als Vorwahlen ab. Diese binden die Delegierten
nicht, unabhängig davon, wie gut der Kandidat abschneidet, sie registrieren jedoch den Willen des Wählers,
der bei den allgemeinen Wahlen in diesem Bundesstaat zum Tragen kommt.
Im weiteren Verlauf dieser Vorwahlen und Parteiversammlungen behalten die Kandidaten und ihre Anhänger zwei entscheidende Daten im Auge, an denen sich
die Zukunft abzeichnet.
Das eine Datum ist die Wahlversammlung in Iowa
Anfang Februar. Sie ist insofern auschlaggebend, weil
er die erste Machtprobe eines Kandidaten in einem
Bundesstaat ist. In diesem Jahr war sie für den 10.
Februar anberaumt. Der zweite wichtige Wegweiser
ist die acht Tage später stattfindende erste Vorwahl in
einem Bundesstaat - immer in New Hampshire - dem
an der Grenze zu Kanada gelegenen "Granitstaat" im
Nordosten der Vereinigten Staaten.
Kandidaten, die hier schlecht abschneiden, überlegen
sich jetzt die Fortsetzung ihres Vorhabens noch einmal, und viele scheiden aus. Im Jahr 1968 zum
Beispiel demütigte Senator Eugene McCarthy aus
Minnesota überraschend Präsident Lyndon Johnson,
indem er einen großen Stimmenanteil errang. Ende
März verkündete Johnson dann, er werde sich nicht
um die Wiederwahl bewerben. Sein schwaches Abschneiden im Schnee von New Hampshire war politischen Experten zufolge ein wichtiger Faktor für seinen
Entschluß.
Die harten Monate des Wahlkampfs in Vorwahlen und
Parteiversammlungen finden ihren Höhepunkt in den
großen Shows - den politischen Konventen. Die
Republikaner werden ihren Parteitag vom 17. - 20.
August in Houston (Texas), der Wahlheimat Präsident
Bushs und seiner Frau abhalten, während die Demokraten vom 13.-17. Juli in New York zusammentreten
werden.

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�Diese Versammlungen gehören sicherlich zu den farbigsten, um nicht zu sagen lautesten und schrillsten
Ereignissen, die in den Vereinigten Staaten stattfinden. Säle und Arenen, in denen sie veranstaltet
werden, gehen unter im Rot, Weiß und Blau amerikanischer Flaggen, Fahnen und Ballons. Die Delegierten
tragen Armbinden und Hüte mit den Namen ihrer Favoriten. Die großen Fernsehsender übertragen live in
alle Welt. Nachrichtenagenturen und -magazine schicken ihre besten Journalisten, um ausführlich über den
Verlauf zu berichten. Aus diesem Grund haben alle
Amerikaner die Möglichkeit, ihre Demokratie bei einer
ihrer wichtigsten Aufgaben zu erleben - der Auswahl
ihrer ersten Politiker.
Die Konvente beginnen stets mit einer vom besten
Redner der Partei gehaltenen programmatischen Rede,
die bei den Delegierten Begeisterung für den folgenden langen Wahlkampf wecken soll. Nachdem das
Überprüfungskomitee die in den Vorwahlen und Parteiversammlungen gewählten Delegierten bestätigt und
ihnen Sitze zuweist, beginnt die eigentliche Arbeit.
Nach Wahl eines Vorsitzenden für die Dauer des
Konvents beginnt die Aussprache über die Plattform,
in der die Haltung der Partei zu innen- und außenpolitischen Themen zum Ausdruck kommt. Viele der
darin enthaltenen Leitlinien wurden bereits vorher
erarbeitet, aber häufig kommt es zu hitzigen Wortgefechten über einzelne Punkte oder Grundsätze, wenn
solch umstrittene Themen wie Bürgerrechte, Verteidigung und Wirtschaft zur Debatte stehen.
Der Beobachter kann die Richtung eines Konvents
ersehen, wenn er das schließlich verabschiedete
Programm studiert. Wenn die von einem bestimmten
Kandidaten unterstützten Themen vorherrschen , so
bestehen gute Chancen, daß er die Mehrzahl der
Delegierten kontrolliert.
Die Nominierung der Kandidaten für die Ämter des
Präsidenten und Vizepräsidenten findet immer am
dritten Tag statt. Nachdem der Name jedes Kandidaten zur Nominierung aufgerufen wurde, spielen nach
einem sorgfältig einstudierten Ritual Kapellen auf,
Delegierte brüllen, und Demonstrationsmärsche finden in der Arena statt. In früheren Jahren dauerten
diese Kundgebungen eine Stunde oder länger, aber
heute werden sie von den Parteien auf 15 Minuten
begrenzt.
Nach der Abstimmung und Nominierung des Kandidaten schweben von der Decke des Saales Tausende
von Ballons hinunter, und die Arena wird zum Tollhaus.
Führt schon die Nominierung des Kandidaten zu
Ovationen, so ist alles außer Rand und Band, wenn er
schließlich die Bühne betritt. Nur, indem er unaufhörlich mit seinem Hammer aufs Pult schlägt, kann der
Vorsitzende die Delegierten soweit beruhigen, daß sie
die Annahmerede hören können. Der Parteitag endet

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damit, daß der nominierte Kandidat, sein Vizepräsidentschaftskandidat und deren Frauen lachend und
winkend auf der Bühne stehen. Nun kann der eigentliche Wahlkampf beginnen.
Erneut reisen die Kandidaten durch das ganze Land
und erläutern dabei den Standpunkt ihrer Partei zu
wichtigen Themen. Sie konzentrieren sich dabei auf
die Staaten, die nach Meinung ihrer strategischen
Berater umkämpft sind, und sie verwenden weniger
kostbare Zeit und Geld auf diejenigen, in denen sie
warscheinlich nicht gewinnen können sowie die, in
denen ihnen der Sieg sicher scheint.
Bisweilen durchbrechen idealistische Kandidaten diese harten Spielregeln und treiben damit ihre Unterstützer fast zum Wahnsinn. So sprach Adlai Stevenson im
Wahlkampf gegen Präsident Dwight D. Eisenhowerim
Jahr 1956 einmal über eine Stunde lang angeregt mit
einer Handvoll Eisenbahnern. Er ignorierte Einwände,
er verschwende wertvolle Wahlkampfzeit.
In dem mit Haken und Ösen geführten Kampf der
amerikanischen Politik hatten auch Wahlkämpfe zeit
ihres Bestehens ihren Anteil an Verleumdungen, Verunglimpfungen und Beleidigungen. Der ehemalige
Direktor des Komitees für faire Wahlkampfpraktiken
(Fair Campaign Practices Committee), Bruce L. Felknor, verweist darauf, daß noch nicht einmal der Held
der Amerikanischen Revolution und erste Präsident
der Vereinigten Staaten, George Washington, gegen
Schlammschlachten immun war. Seine Gegner beschuldigten ihn, er strebe nach Errichtung einer Monarchie, eine ziemlich dumme Behauptung, da Washington noch nicht einmal Präsident werden wollte.
Der Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritte US-Präsident, Thomas Jefferson, wurde als "Mad
Tom", als Trinker und Feigling beschimpft. Abraham
Lincoln nannte man einen Affen, Ignoranten, Hanswurst, Dämon, Unhold, Mörder und Irren.
Die amerikanischen Medien, womit sämtliche gedruckten und elektronischen Mittel bezeichnet werden, über
die Informationen, Bildung und Unterhaltung vermittelt
wird, sind ein potenter jedoch nicht unbedingt entscheidender Faktor für das Ergebnis einer Präsidentschaftswahl.
Betrachten wir jeden Bereich für sich:
Die Presse: Sie beeinf lu ßt Wähler, indem sie Themen
gründlich und detailliert definiert und erklärt und bei
jedem die guten und schlechten Seiten erläutert. Nicht
weniger als Zehntausende von Tages- und Wochenzeitungen sowie Hunderte von wöchentlich und monatlich erscheinenden Magazinen und Illustrierten geben
der Wahlkampfberichterstattung breiten Raum.
Wichtige Tageszeitungen können Wähler durch ihre
Leitartikel, die von erfahrenen und angesehenen Journalisten verfaßten Kolumnen sowie die in ihrem Nach-

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�richtenteil abgedruckten Fakten beeinflussen. Dazu
gehören die New York Times, die Los Angeles
Times, die Washington Post, der Boston Globe und
die Constitution aus Atlanta (Georgia). Ihre Unterstützung, die für gewöhnlich am Vorabend der Wahl
bekanntgegeben wird, wird von beiden Parteien heiß
ersehnt.
Ebenso einflußreich sind die Nachrichtenmagazine,
etwa Time, Newsweek und U.S. News and World
Report. Auch Nachrichtenagenturen wie Associated
Press (AP) spielen eine entscheidende Rolle. Häufig
wird ein Kandidat mit seiner Pressekonferenz erst
beginnen, wenn er weiß, daß ein Vertreter von AP
anwesend ist, denn er kann sicher sein, daß der
Bericht des Reporters an unzählige Zeitungen geht,
die keine eigenen Korrespondenten dort haben.
Fernsehen: Das bei weitem wichtigste Medium, das
Jahr für Jahr mehr Zuschauer erreicht, ist der Fernseher zu Hause, einschließlich der Kabelsender.
Die Macht des Femsehens im Wahlkampf wurde zum
ersten Mal 1960 erkannt, als der junge, gut aussehende John F. Kennedy Richard M. Nixon in einem Kopfan-Kopf-Rennen besiegte. "Das Fernsehen liebte
Kennedy", schrieb der bekannte amerikanische Journalist David Halberstam. "Er und die Kamera waren für
einander geschaffen: er war der erste gro ße politische
Superstar." Halberstam stellte rundweg fest: "Ohne
das Fernsehen wäre er nie und nimmer zum Präsidenten gewählt worden." Theodore Sorensen, ein enger
Mitarbeiter und Redenschreiber Kennedys, stimmt
dem zu: "Ohne Fernsehen wäre John F. Kennedy nie
gewählt worden."
1984 gab der demokratische Kandidat Walter Mondale
zu, gegen den Republikaner Ronald Reagan verloren
zu haben, "weil ich mich nie mit dem Fernsehen
anfreunden konnte und das Fernsehen sich nie mit
mir". Reagan hingegen zog auf dem heimischen
Bildschirm alle Register, vermittelte totale Aufrichtigkeit und machte klugen Gebrauch von "klangvollen
Worten", kurzen, markanten Sätzen und Gags.
Die beiden wichtigsten Parteien heuern hochbezahlte
Experten an, die den Kandidaten vermitteln sollen, wie
man das Fernsehen am besten einsetzt. Diese Berater drillen die Matadoren in verschiedenen Techniken,
bringen ihnen bei, wie man Augenkontakt herstellt,
sich persönlich darstellt und seine Stimme kontrolliert.
Das Medium ist so mächtig, daß ein einziger Fehler die
Chancen eines Kandidaten zunichte machen kann.
1972 brach der Bewerber für die Nominierung der
Demokraten, Senator Edmund Muskie aus Maine,
weinend zusammen, als er auf den gegen ihn gerichteten Vorwurf des Rassismus und Verleumdungen
gegen seine Frau antwortete. Er wurde darauf weithin
wegen seines emotionalen Ausbruchs kritisiert, galt
als schwach und für das Präsidentenamt nicht geeignet, woraufhin er das Rennen aufgab.
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Die Parteien vergeben viel Geld an Werbeagenturen,
die ihnen Werbesendungen erarbeiten - kurze Spots,
die die Botschaften ihrer Kandidaten überzeugender
vermitteln. Diese werden von der Opposition als unfair
eingestuft, und unweigerlich bricht ein Krieg der Worte
aus, wenn jede Partei die andere der "Schläge unter
die Gürtellinie" bezichtigt. In den letzten Jahren war
kein Wahlkampf frei von diesen Spitzen. Die meisten
Amerikaner nehmen dies leicht und akzeptieren es als
Teil des politischen Spiels.
Die meisten Analysten sind überzeugt, daß die Macht
der Medien groß, aber bei einer Wahl nicht immer
entscheidend ist. Die Printmedien unterstützen beispielsweise oft liberale oder moderate Ideologien, die
Wähler entscheiden sich hingegen für konservative
Kandidaten. Oft werden die Bombardements der
Medien auch durch nationale Gegebenheiten wie eine
marode Wirtschaft oder einen unpopulären Krieg
kompensiert.
Bei den Wahlen 1992 werden die Meinungsforschungsinstitute noch aktiver sein als sonst, um die Ergebnisse
vorherzusagen. Umfragen sind nichts Neues. Bereits
1828 veranstaltete eine Zeitung aus Harrisburg in
Pennsylvania eine Leserumfrage im Nachbarstaat
Delaware und kam zu der korrekten Vorhersage, Andrew
Jackson würde John Quincy Adams besiegen.
In der Folgezeit waren einige Umfragen präzise, andere versagten jämmerlich bei der Vorhersage von Ergebnissen. Die katastrophalste wurde von einer
Publikation namens Literary Digest durchgeführt, die
1936 verkündete, der republikanische Gouverneur von
Kansas, Alfred M. Landon, würde Franklin D. Rocsevelt besiegen. Roosevelt gewann mit überwältigender
Mehrheit. Die Zeitschrift, die bald darauf in Konkurs
ging, hatte 10 Millionen Stimmzettel an Wähler verschickt, die einmal nach dem Telephonbuch ausgewählt worden waren und zum anderen danach, ob sie
Autobesitzer waren. Der Fehler bestand darin, daß
Roosevelts Anhänger ärmere Menschen waren, die
kein Telephon oder Auto besaßen.
1948 stellten sich die Meinungsforscher ein weiteres
Armutszeugnis aus, als sie vorhersagten, der Republikaner Thomas E. Dewey würde Präsident Harry S.
Truman besiegen. Sie hatten natürlich unrecht. Seither haben Marktforschungsexperten zuverlässigere
Wege konzipiert, um die öffentliche Meinung aus Stichprobenerhebungen - für gewöhnlich etwa 2.500 bis
5.000 Personen - zu ermitteln, und es hat keine größeren Fehler gegeben.
Aber die Vorhersage von Wahlergebnissen hat nur
begrenzten Wert. "Sie dient größtenteils der Befriedigung der Neugier," erklären zwei führende Politologen,
die Professoren Nelson W. Polsby und Aaron Wildavsky von der University of California in Berkeley. "Die
Vorhersage des Ergebnisses allein," schreiben sie in
ihrem Buch Presidential Electlons "sagt, auch wenn
sie ziemlich genau zutrifft, wenig darüber aus, wie das
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�Ergebnis zustande kam." Mit anderen Worten, Umfrageprognosen über Gewinner sagen uns, was geschehen wird oder geschehen könnte, aber nicht warum.
Von praktischerem Wert für Kandidaten sind die während
des Wahlkampfs durchgeführten Umfragen. Durch
diese erfahren die Parteispitzen, ob ihr Programm bei
älteren oder jüngeren Wählern, Männern oder Frauen,
Mitgliedern aller Einkommensgruppen oder anderen
Bevölkerungsschichten ankommt. Diese Information
hilft den Strategen bei Nachbesserungen ihrer Kampagne, Schwachstellen zu beheben.
Seit Jahren drängen eine Reihe von nationalen Organisationen Radiostationen und Fernsehsender, die
Bürger nicht mehr unmittelbar nach dem Urnengang
zu befragen. Auf der Basis von Stichproben an der
Ostküste können mit diesen "exit polls" die Gewinner
ermittelt werden, bevor die Wahllokale drei Stunden
später an der Westküste geschlossen werden. Wähler, die das Ergebnis verändern könnten, werden so
unter Umständen davon abgehalten zu wählen, weil
sie der Ansicht sind, das Spiel sei bereits entschieden.
1980 verkündete die National Broadcasting Company
(NBC) die Wahl von Ronald Reagan kaum 15 Minuten
nach Schlie ßung der Wahllokale an der Ostküste - die
Wähler an der Westküste hatten immer noch reichlich
Zeit zur Wahl, und in Hawaii war es erst Nachmittag.
Ist es fair, so die Kritiker, einen Sieger auszurufen,
bevor jeder Bürger die Chance hatte zu wählen?
Fernsehstationen wurden aufgefordert, ihre Befragung
der Wähler beim Verlassen der Wahllokale freiwillig
aufzugeben. Versprechen wurden abgegeben, aber
nicht eingehalten, die Umfragen werden fortgeführt,
weil die Sender wetteifern, als erste einen neuen
Präsidenten auszurufen. Ein langer Kampf in der
Gesetzgebung ist wahrscheinlich das einzige Mittel,
um diese Praktiken abzuschaffen.
Mit der Schließung der Wahllokale ist der Wahlprozeß
beendet - aber nicht endgültig. Es gibt noch einen
weiteren offiziellen Schritt.

Dazu muß man wissen, daß US-Präsidenten nicht
direkt vom Volk gewählt werden sondern mittels einer
indirekten Methode, in deren Mittelpunkt das Electoral
College (Wahlmännerausschuß) steht. Dies ist keine
Stätte akademischer Bildung, sondern das Gremium,
das die entscheidenden Stimmen abgibt.
Diese indirekte Methode der Wahl eines Kandidaten ist
in Artikel II, Abschnitt 1 der Verfassung der Vereinigten
Staaten vorgesehen. Trotz der Veränderungen, die
sich ergeben haben, weil das Land selbst gewachsen
ist und sich verändert hat, wird das Prinzip immer noch
getreu der Formulierung durch die Gründerväter angewandt.
Jeder Bundesstaat nennt eine Zahl von Wahlmännern,
die der Gesamtzahl seiner Senatoren und Repräsentanten im Kongreß entspricht. Der Kandidat, der die
meisten Wählerstimmen in einem Staat auf sich vereinigen kann, gewinnt alle Wahlmänner, der Verlierer
geht leer aus. Der Kandidat, der die meisten Wahlmännerstimmen erhält, gewinnt das Weiße Haus.
Am Montag nach der zweiten Dezemberwoche - das
Datum ist per Gesetz festgelegt - treffen sich die
Wahlmänner in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten zur Wahl. Die Stimmzettel werden versiegelt und
dem Präsidenten des US-Senats (immer der Vizepräsident) sowie dem Leiter der allgemeinen Verwaltung
übersandt. Am 6. Januar des folgenden Jahres werden die Stimmzettel bei einer Sitzung beider Häuser
des Kongresses geöffnet und der neue Chef des
Wei ßen Hauses und sein Vizepräsident bekanntgegeben.
Zu diesem Zeitpunkt kennt sie die Welt bereits seit
Wochen, die Wahl und die Zeremonie sind reine Formalität. Darüber hinaus können die Wahlmänner nicht
nach Belieben wählen. Sie werden selbst von den
politischen Parteien gewählt und sind somit gefordert,
für den Kandidaten ihrer Partei zu stimmen. Durch den
Wahlmännerausschuß wird das Ergebnis jedoch offiziell.
Dazu ist ein langer Weg zurückgelegt und der Preis
gewonnen worden. Der demokratische Prozeß hat,
wie bereits seit 200 Jahren, wieder einmal funktioniert.

*

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�VII.

KORPS
25. März 1992

VII. KORPS IN STUTTGART VERABSCHIEDET
Ansprache von Botschafter Kimmitt
STUTTGART - (AD) - Anläßlich der Verabschiedung des VII. Korps der amerikanischen Streitkräfte hat der
amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 18. März 1992 in Stuttgart
folgende Ansprache gehalten.

Ich fühle mich geehrt, heute aus Anlaß des Abzugs des
VII. Korps hier in Stuttgart sein zu können, einer Stadt,
in der das VII. Korps mehr als vierzig Jahre lang
beheimatet gewesen ist. In diesen vierzig Jahren hat
das VII. Korps eine einmalige Rolle gespielt, sowohl in
den Annalen der amerikanischen Streitkräfte als auch
in der internationalen Politik.
Das VII. Korps kam zu Kriegszeiten nach Europa. Bis
zu seinem Abzug hat es eine Basis für Sicherheit und
Frieden in der Region geschaffen und beachtliche
freundschaftliche Verbindungen zu deutschen Gastgemeinden in Baden-Württemberg und Bayern aufgebaut.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit unseren deutschen
Freunden und Gastgebern für die Gastfreundschaft,
die sie uns in all den Jahren entgegengebracht haben,
meinen großen Dankaussprechen. Meine Damen und
Herren, niemals in der Geschichte der Menschheit hat
eine Armee, die in einem Krieg in ein anderes Land
gekommen ist, solche tiefen und dauerhaften Freundschaften aufgebaut, wie dies zwischen unseren beiden
Völkern gelungen ist.
Gleichzeitig sind die hier in Deutschland stationierten
Amerikaner alle auch persönliche Repräsentanten der
Vereinigten Staaten gewesen. Indem sie die Werte
und Bestrebungen des amerikanischen Volkes gefördert haben, waren die, die hier im VII. Korps gedient
haben, in gewisser Weise genauso Botschafter der
Vereinigten Staaten in Deutschland wie ich selbst.
Dadurch, da ß die Angehörigen des VII. Korps mit dazu
beigetragen haben, den Frieden in Europa über vier
schwierige und manchmal gefährliche Jahrzehnte zu
sichern, haben sie einen direkten und substantiellen
Beitrag zur Beendigung des kalten Krieges geleistet.
Da das Korps jederzeit bereit stand, jegliche Bedro-

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hung der europäischen Sicherheit abzuwehren, ist den
Vereinigten Staaten und unseren Verbündeten in der
Nachkriegszeit eine unvergleichliche Entwicklung zu
freien und wohlhabenden Gesellschaften ermöglicht
worden.
Vor etwas mehr als einem Jahr wurde das VII. Korps
zu einem aktiven militärischen Einsatz herangezogen,
um einen Agressor aus einem friedlichen Nachbarland
zu vertreiben, das dieser zuvor skrupellos okkupiert
hatte. Die schnelle Verlegung des Korps von Deutschland in den Nahen Osten war eine hervorragende, fast
unglaubliche logistische Leistung. Diese Verstärkung
der alliierten Truppen in der dortigen Region und der
Mut und die Fähigkeiten unserer Truppen während
ihres Einsatzes haben den Sieg bei der Operation
Wüstensturm möglich gemacht.
Lassen Sie mich an dieser Stelle unseren deutschen
Freunden nochmals meinen herzlichen Dank sagen,
ohne deren Unterstützung eine solch schnelle Verlegung des Korps von Deutschland in die Golfregion
nicht möglich gewesen wäre. Und ich danke Ihnen
besonders für die mannigfaltige Hilfe, die die Familien
unserer am Golf kämpfenden Soldaten erfahren haben.
Der große Erfolg seiner Leistungen sowohl in Europa
wie auch in Südwestasien hat uns nun zu dem Punkt
geführt, wo das VII. Korps aus der Bundesrepublik
abgezogen werden kann. Während wir heute die
Erfolge des Korps feiern und gleichzeitig stolz darauf
sind, daß unsere Allianz zwischen nordamerikanischen und europäischen Staaten uns an die Schwelle
zu einem vereinigten und demokratischen Europa
geführt hat, sind wir uns auch dessen bewußt, daß wir
immer noch in einer Welt leben, die Wachsamkeit von
allen freiheitsliebenden Völkern erfordert. Was Europa betrifft, so steckt der Übergang zur Demokratie in

Seite 1

�der früheren Sowjetunion und in Ost- und Mitteleuropa
noch in den Anfängen, und unsere Allianz bietet in
dieser Situation Stabilität in einer immer noch unsicheren Zeit.
Als Teil einer veränderten Allianz werden die Vereinigten Staaten eine europäische Macht bleiben. Und wir
werden eine bedeutsame Zahl gut ausgebildeterTruppen in Europa und Deutschland belassen, solange
unsere Alliierten dies wünschen.
Abschließend möchte ich mich kurz an die Männer und
Frauen des VII. Korps wenden. Ein Abschied ruft
immer gemischte Gefühle hervor, und diese Zeremonie findet in einer schwierigen Übergangszeit für unsere Soldaten und die amerikanischen Streitkräfte statt.
Vor etwa 20 Jahren war ich selbst an einer ähnlichen
Feier beteiligt. Ich war damals Mitglied der 173.
Luftlandebrigade, als deren Fahnen eingeholt und ihre
Einheiten Teil der 101. Luftlandedivision in Fort Campbell wurden.

Wir waren erst wenige Monate zuvor aus Vietnam
heimgekehrt. Wir waren stolz auf unseren Dienst,
stolz auf unsere Brigade und stolz auf unsere Rolle in
einem bitteren und umstrittenen Krieg. Nach dem
Vietnamkrieg machten die amerikanischen Streitkräfte eine schwierige und mühsame Umwandlung von
einer Wehrpflichtigen- zu einer Freiwilligenarmee durch.
Aus dieser Übergangsperiode ging eine professionelle, engagierte Organisation hervor, die heute als größte Friedenskraft auf der Welt anerkannt wird.
Wenn Sie also jetzt nach Amerika heimkehren, vergessen Sie niemals, daß die Grundlage einer sichereren Welt von Ihnen und Ihren Vorgängern in diesem
Korps gelegt wurde. Während Sie Ihren Gastgemeinden in Baden-Württemberg und Bayern "Auf Wiedersehen" sagen, können Sie stolz darauf sein, daß Sie
auf beruflicher und persönlicher Ebene ein dauerhaftes Vermächtnis der Partnerschaft zwischen unseren
beiden Ländern hinterlassen. Ich danken Ihnen, und
das amerikanische Volk dankt Ihnen. Ich wünsche
Ihnen alles Gute.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

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                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Nuklearwaffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA helfen Nachfolgestaaten der UDSSR bei Kontrolle und Reduzierung von Waffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weitere Begrenzungen von Nuklearwaffen vorgeschlagen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Flüchtlinge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beigelegte Konflikte gestatten Flüchtlingen Rückkehr in die Heimat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor dem Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tsongas setzt Wahlkampf aus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Ergebnisse der Vorwahlen von Illinois und Michigan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie Amerika einen Präsidenten wählt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lester David und Irene David&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. VII Korps&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;VII. Korps in Stuttgart verabschiedet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Kimmitt&lt;/em&gt;</text>
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US-AUSSENPOLITIK

^

#

18. März 1992

SP

BUSH: AKTIVE AUSSENPOLITIK, STARKE
VERTEIDIGUNG ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten zur Rolle der
Vereinigten Staaten
DIE NEUE WELT
Rede von Präsident Nixon

GUS-WISSENSCHAFTLER

WISSENSCHAFTSZENTRUM SOLL VERBREITUNG VON WAFFEN VERHINDERN
Außenminister Baker über ein
neues Projekt in Rußland

MITTEL-/OSTEUROPA

USA WOLLEN ZUSATZLICHE GELDER
FÜR MITTEL- UND OSTEUROPA
Eagleburger vor Unterausschuß des
Repräsentantenhauses

WAHLEN '92

DIE VORWAHLERGEBNISSE DES
"SUPERDIENSTAGS"
Der Stand der Delegiertenstimmen

VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN
AM "SUPERDIENSTAG"
Amerikanische Pressestimmen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�US-AUSSENPOLITIK
18. März 1992

BUSH: AKTIVE AUSSENPOLITIK,
STARKE VERTEIDIGUNG ERFORDERLICH
Rede des Präsidenten zur Rolle der Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush zufolge müssen die Vereinigten Staaten einen Weg finden, "um die
Unterstützung der Öffentlichkeit für eine aktive Au ßenpolitik und eine starke Verteidigung zu sichern, auch wenn
es für die Sicherheit unserer Nation keine wesentiche Bedrohung von außen gibt und dies in Zeiten ernster
Haushaltsprobleme bewerkstelligen."
"Wir haben so viel investiert, um den kalten Krieg zu gewinnen. Wir müssen alles Erforderliche investieren, um
den Frieden zu gewinnen", erklärte Bush bei einer unter der Schirmherrschaft der Richard Nixon Library and
Birthplace veranstalteten Konferenz über "Amerikas Rolle in der sich abzeichnenden Welt" am 11. März 1992.
Ein Scheitern werde Sicherheitsprobleme sowohl für Europa und Asien als auch die Vereinigten Staaten zur
Folge haben, ein Erfolg werde jedoch die Demokratie stärken und neue Marktwirtschaften schaffen, stellte Bush
fest. "Wir müssen Reformen nicht nur in Rußland, sondern in der gesamten ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropa fördern."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Bush in wesentlichen Auszügen.

Ein Autor hat einmal über Richard Nixon geschrieben,
sein Leben "war in gewisser Weise entscheidend für
die Erfahrung, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts Amerikaner zu sein". Ich bin mit Stolz erfüllt,
heute abend einen Präsidenten würdigen zu dürfen,
der etwas bowirkt hat - nicht nur, weil er dies wünschte,
sondern weil er es wollte.
Als unser 37. Präsident setzte er Verbrechen und
Drogen auf unsere innenpolitische Tagesordnung, er
rief ein Pilotprogramm zur Krebsbekämpfung ins Leben, er schaffte die Wehrpflicht ab und gründete das
Umweltschutzamt EPA. Und seit der Gründung des
EPA haben wir unermüdlich über den Schutz der
gefleckten Eule debattiert. Aber dennoch...
Wie ich bereits sagte, als diese Bibliothek eröffnet
wurde, wird man Richard Nixon aus einem anderen
Grund im Gedächtnis behalten: Weil er sein Leben der
hehrsten Sache gewidmet hat, die sich einem Präsidenten je stellt - der Sache des Friedens zwischen
Nationen. Dies hat er in seinen inzwischen neun
Büchern festgehalten, die alle auf den berühmten
gelben Blöcken geschrieben wurden.
Es ist mit eine besonders große Freude - und ich weiß,
iu i spreche auch im Namen von Barbara - heute abend
hier sein zu dürfen, und es ist mir eine Ehre, vor diesem
Publikum zum Thema "Amerikas Rolle in der sich
AMERIKA DIENST 11

abzeichnenden Welt" sprechen zu können. Das Thema könnte zu keinem besseren Zeitpunkt erörtert
werden, und es gibt keinen geeigneteren Veranstalter.
Die Richard-Nixon-Bibliothek - ich hatte die Ehre, bei
der Eröffnung anwesend sein zu dürfen - steht als
Symbol für einen Präsidenten und eine Administration,
die sich einem aktiven, durchdachten und vor allem
realistischen Ansatz zur Weltpolitik verschrieben haben.
Die vor Präsident Nixon liegenden Herausforderungen
hätten nicht schwieriger sein können: Wie könnte er
sich innenpolitisch weiterhin die Unterstützung einer
durch die zunehmende sowjetische Bedrohung erzwungene Außenpolitik zu einer Zeit sichern, in derein
überlastetes Amerika einen unpopulären Krieg in Vietnam kämpfte. Was daraus hervorging - die Entspannungspolitik und die Doktrin, die den Namen des 37.
Präsidenten trägt - schuf ein Gleichgewicht zwischen
Konfrontation und Kooperation.
Präsident Nixon hat dies und sehr viel mehr bewältigt
- uns aus dem Krieg geführt, das erste umfassende
amerikanisch-sowjetische Rüstungskontrollabkommen
ausgehandelt, Beziehungen mit China in die Wege
geleitet, bei den Friedensverhandlungen im Nahen
Osten vermittelt - all dies, während er im Inland einen
Konsens für dauerhaftes Engagement in internationalen Angelegenheiten aufrechterhielt.
Seite 1

�Die heutigen Herausforderungen sind zweifelsohne
völlig anders gelagert. Dennoch sind wir uns wahrscheinlich alle einig, daß sie eine gewisse Ähnlichkeit
haben. Wieder einmal müssen wir einen Weg finden,
um die Verantwortung der Führungsrolle in der Welt
mit den Bedürfnissen der Erneuerung im Inland in
Einklang zu bringen. Wir müssen einen Weg finden,
um die Unterstützung der Öffentlichkeit für eine aktive
Außenpolitik und eine starke Verteidigung zu sichern,
auch wenn es für die Sicherheit unserer Nation keine
wesentliche einzelne Bedrohung von außen gibt und
dies in Zeiten ernster Haushaltsprobleme bewerkstelligen. In dieser Welt nach dem kalten Krieg stehen wir
vor der wunderbaren, aber nicht weniger realen oder
schwierigen Herausforderung, mit dem Erfolg fertigzuwerden.
Diese Herausforderung ist keineswegs einmalig. Denken
Sie nur an das Zeitalter nach dem Ersten Weltkrieg
oder die Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. In beiden Fällen wollte das amerikanische Volk
unbedingt seine siegreichen Soldaten nach Hause
bringen und seine Energie auf die Verwirklichung des
amerikanischen Traums konzentrieren.
Vielleicht noch lehrreicher sind die Unterschiede zwischen unseren Reaktionen auf die beiden großen
Kriege unseres Jahrhunderts. Nach dem Ersten
Weltkrieg zogen sich die Vereinigten Staaten hinter
ihre Ozeane zurück. Wir weigerten uns, den Völkerbund zu unterstützen. Wir haben es zugelassen, daß
unsere Streitkräfte kleiner und fast überflüssig wurden.
Wir haben die Flaute des Welthandels gefördert, dem
Opfer des Protektionismus, der nur den eigenen Leistungsbilanzüberschuß im Auge hatte. Und wir haben
zugesehen, als Deutschlands Demokratie in ihrem
Existenzkampf, die Weimarer Republik, unter der Last
der Reparationen, des Protektionismus und der Depression scheiterte und dem Schrecken, den wir als
das Dritte Reich kennen, den Weg bereitet hat.
Ebenso zeigte unsere erste Reaktion auf den Sieg im
Zweiten Weltkrieg, daß wir wenig gelernt hatten. Aber
aktiviert von einerneuen kommunistischen Bedrohung
durch eine imperialistische Sowjetunion haben die
Vereinigten Staaten gehandelt. NATO, IWF, Weltbank, Marshallplan - diese und andere Institutionen
beweisen, daß Amerikaner den Charakter der Herausforderung ebenso erkannt haben wie die Notwendigkeit zu reagieren. Unser Militär wurde modernisiert,
der freie Handel gefördert, die amerikanische Unterstützung für die früheren Gegner Deutschland und
Japan großzügig. Es paßt ins Bild, daß Dean Acheson
seine Memoiren "Present atthe Creation" nannte, weil
diese Jahre tatsächlich kreativ waren.
Das Ergebnis ist, wie gesagt, Geschichte. Wir haben
den Frieden bewahrt. Wir haben den kalten Krieg
gewonnen. Die Demokratie ist auf dem Vormarsch.
Jetzt steht dieses Land zum dritten Mal nach einem
Krieg der großen Mächte - dem kalten Krieg - auf der
Seite 2

Seite des Gewinners. Deshalb sind wir jetzt mit
derselben Frage konfrontiert: Wir haben den Krieg
gewonnen, aber sind wir bereit, den Frieden zu sichern?
Das ist die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Dennoch gibt es bereits Stimmen aus dem
gesamten politischen Spektrum, die Amerika - manchmal nachdrücklich - auffordern, "heimzukehren, die
Verteidigung zu reduzieren, die Friedensdividende
auszugeben, den Markt gegen ausländische Waren
abzuschotten und Auslandshilfe zu streichen".
Diese Schlagworte kennen wir alle. Sie kennen auch
die sogenannten Lösungen: Protektionismus. Isolationsmus. Aber wir haben die Verpflichtung und die
Verantwortung gegenüber unseren Kindern, die falschen Antworten der Isolation und Protektion zurückzuweisen und die Lektionen der Geschichte zu beachten. Sich von der Welt abzuwenden, ist keine Antwort.
Es kümmert mich nicht, wie schwierig unsere wirtschaftlichen Probleme im Inland sind. Im Gegenteil die Zukunft der Vereinigten Staaten und der Welt sind
untrennbar miteinander verknüpft.
Der Grund dafür könnte nicht eindeutiger sein. Gestern gab es Konflikte, und heute ist die Welt ein
sichererer Ort. Die von uns so gefürchtete aggressive
Sowjetunion gibt es nicht mehr. Aber die Nachfolgerepubliken kämpfen immer noch darum, sich als Demokratien zu etablieren und den Übergang zum Kapitalismus zu leisten. Wir haben so viel investiert, um den
kalten Krieg zu gewinnen. Wir müssen alles Erforderliche investieren, um den Frieden zu gewinnen. Wenn
wir versagen, werden wir neue und tiefgreifende Probleme für unsere Sicherheit und die Europas und
Asiens schaffen. Wenn wir Erfolg haben, stärken wir
die Demokratie, bauen neue Marktwirtschaften auf
und schaffen Amerika große neue Märklö. Wir müssen Reformen nicht nur in Rußland, sondern in der
gesamten ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa
fördern.
Als ehemaliger Präsident ist Richard Nixon ein produktiver Autor. Als Präsident schrieb er ein Kapitel, das die
neue Weltordnung vorhersah. Heute bauen wir auf
den Grundsteinen auf, die in Tel Aviv, Kairo, Moskau
und Beijing gelegt wurden. Betrachten Sie nur die
Staaten der ehemaligen Sowjetunion, die sich jetzt am
Westen orientieren. Betrachten Sie die aufstrebenden
Demokratien hier auf unserem eigenen Kontinent. Sie
sprechen über eine aufregende Geschichte - betrachten sie, was südlich des Rio Grande geschieht. Alle
Länder außer einem wenden sich der Demokratie zu.
Betrachten Sie Kambodscha und seine Nachbarn in
Südostasien, die den Jahrzehnten der Gewalt ein
Ende bereiten wollen. Oder den historischen Friedensprozeß im Nahen Osten - der auf eine Versöhnung Israels mit seinen arabischen Nachh«m hoffen
läßt. Es bleibt noch viel zu tun, aber man spricht
zumindest miteinander. Betrachten Sie die Vereinten
AMERIKA DIENST 11

�Nationen, die letztlich in der Lage sein könnten, die
Vision ihrer Gründer zu erfüllen.
Betrachten Sie Afrika und die Veränderungen in Südafrika. Ebenso die aufregenden Veränderungen in
Angola oder die Geschehnisse in Sambia. Der Erfolg
jedes einzelnen hängt von der Unterstützung und
Führungsrolle der Vereinigten Staaten ab. Denken Sie
auch an die Bedrohungen, die keine Grenzen kennen:
diese schleichenden Bedrohungen wie Drogen, Terrorismus, Krankheiten und Umweltverschmutzung und
vor allem - was mich am meisten beunruhigt - die
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und deren Trägersystemen. Auch sie werden dazu führen,
daß Amerika wachsam und stark ist.
In der Nixon-Bibliothek in Yorba Linda gibt es einen
Saal für große Persönlichkeiten der Welt, den Sie
hoffentlich alle gesehen haben - wenn nicht, sollten Sie
das nachholen. In diesem Raum werden die großen
Männer gewürdigt, die Führungsstärke bewiesen haben
- Churchill, Zhou Enlai und Charles de Gaulle. Präsident Nixon hat nicht nur die größten Staatsmänner des
zwanzigsten Jahrhunderts gekannt, sondern er ist
selbst einer von ihnen geworden - wie sie beurteilt nach
den abgewendeten Katastrophen und verwirklichten
Träumen.
Ein früherer Mitarbeiter hat einmal erzählt, wie Präsident Nixon sich nach der Wirkung einer außenpolitischen Rede erkundigte. Der Mitarbeiter schüttelte den
Kopf. "Ehrlich gesagt", erklärte er, "sie wird nicht die
Welt in Aufruhr versetzen". Präsident Nixon schüttelte
au^n den Kopf. "Das ist der Kern unserer Außenpolitik", sagte er fast zu sich selbst, "nicht die Welt in
Aufruhr zu versetzen."
Ja, die Übernahme der Führungsrolle bei der Bestimmung des Kurses, den die Welt, wie sie sich heute
entwickelt, einschlagen soll, wird Geld kosten. Aber
wie bei einer Versicherungspolice ist die Prämie bescheiden im Vergleich zu den Kosten des Lebens in
einer kriegerischen und feindseligen Welt. Im Kongre ß
fordern heute viele - vielleicht aus verständlichen
Gründen, aus innenpolitischen Erwägungen - die Friedensdividende. Sie möchten, daß wir unsere Verteidigungsausgaben weit unter den bereits reduzierten
Stand kürzen, der unserer Einschätzung nach vertretbar ist. Dem müssen wir widerstehen. Die Vereinigten
Staaten müssen bereit und fähig bleiben, den Frieden
zu uewahren. Gut ausgebildete und ausgerüstete
Streitkräfte lassen sich nicht über Nacht aufbauen,
wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt. Jeder, der
jemals in den Krieg gezogen ist, wei ß, daß der Frieden
selbst eine Dividende darstellt.
Diejenigen, die uns veranlassen möchten, weniger zu
tun, ignorieren die enge Wechselbeziehung zwischen
Entwicklungen in Übersee und denen im Inland. Hätten wir der Aggression am Golf vor einem Jahr nicht
widerstanden, hätten wir Kuwait nicht befreit und die

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Invasionsarmee des Irak besiegt, wären wir heute
nicht mit den wirtschaftlichen Folgen einer milden
Rezession, sondern mit einer schweren Wirtschaftskrise konfrontiert, verursacht durch Saddam Husseins
Kontrolle über den Großteil der Weltölreserven. Und
ich bin ganz sicher - ich nehme an, in diesem Saal mit
so vielen hervorragenden Denkern ließe sich darüber
eine gute und lebhafte Debatte führen -, aber ich bin
ganz sicher, daß Saddam Hussein heute in SaudiArabien stünde, wenn wir nicht gegen ihn vorgegangen
wären. Die Koalition wäre zerfallen, er stünde in SaudiArabien, und wir wären mit einer Agonie konfrontiert,
wie wir sie in der Geschichte unseres Landes noch nie
erlebt hätten.
Es ist ein Hirngespinst anzunehmen, daß wir unsere
Gesellschaft oder unsere Wirtschaft irgendwie von der
Welt jenseits unserer Grenzen isolieren könnten. Damit
will ich nicht sagen, daß wir nicht mehr im Inland tun
sollten. Natürlich sollten wir das. Aber auch die
Außenpolitik ist ein mächtiger bestimmender Faktor
für die Lebensqualität hier im Inland.
Der Isolationismus ist nicht die einzige Versuchung,
der wir aus dem Weg gehen müssen. Der Protektionismus ist ein weiterer Sirenengesang, dem schwer zu
widerstehen ist. Es gibt in der Tat zahlreiche Beispiele
unfairer Handelspraktiken, durch die amerikanische
Unternehmen aufgrund von verschiedenen Handelsschranken oder staatlichen Subventionen von staatlich beherrschten Auslandsmärkten ausgeschlossen
werden. Aber man kann Handelsschranken im Ausland nicht dadurch abbauen, daß man selbst welche
errichtet. In Handelskriegen gibt es keine Gewinner,
nur Verlierer.
Das Exportwachstum ist eine erprobte Lokomotive für
die Wirtschaft. Jede Milliarde Dollar an Warenexporten schafft unseren Berechnungen zufolge 20.000
Arbeitsplätze für Amerikaner. Und wir sollten uns
keine Sorgen über die Befähigung unserer Arbeitnehmer und Landwirte machen, in einer Welt des Wettbewerbs erfolgreich zu bestehen. Unser Ziel muß lauten,
den Handel zu verstärken, nicht zu verringern. Ein
Ausstieg, sei es unter dem Banner des Protektionismus oder dem des Isolationismus, ist lediglich ein
Rezept für Schwäche und letztlich für eine Katastrophe. Und das ist der Grund, warum ich so entschlossen bin, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um die
Uruguay-Runde des GATT erfolgreich abzuschließen
und ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen
mit Mexiko und Kanada zu erlangen. Es ist wichtig für
uns. Es schafft Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten.
Wenn ich also ein Thema wählen könnte, das Sie
heute von dieser Veranstaltung mit nach Hause nehmen, so wäre es folgendes: Es gibt keinen Unterschied dazwischen, wie es uns im Ausland ergeht und
wie wir im Inland leben. Außen- und Innenpolitik sind
zwei Seiten der gleichen Medaille. Natürlich werden

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�wir keine Führungsrolle im Ausland spielen können,
wenn wir im Innern nicht geeint und stark sind. Aber es
ist nicht weniger richtig, daß wir in einer Welt, in der
militärische und wirtschaftliche Kriegführung die Norm
sind, in unserem eigenen Land nicht zum Aufbau der
von uns angestrebten Gesellschaft in der Lage sein
werden.
Meine Damen und Herren, die Verantwortung für die
Unterstützung einer aktiven Außenpolitik liegt bei jedem einzelnen Amerikaner. Aber diese Aufgabe betrifft in mancher Hinsicht besonders die heute abend
hier Versammelten. Wir treten in eine Welt ein, die
wahrscheinlich noch komplizierter wird - obwohl meines Erachtens unsere schwierigste Zeit die der Konfrontation mit dem imperialen Kommunismus war. Es
wird jedoch schwieriger und nicht leichter werden, eine
Führungsrolle in dieser Welt zu spielen. Und auch hier
haben Sie eine besondere Verantwortung, den Weg zu
weisen, Sie alle.

Jahren in der Küche in Moskau bei jenem berühmten
Treffen mit dem damaligen Premierminister Chruschtschow benutzten.
Sie beschreiben die Szene sehr lebendig in Ihrem
letzten Buch mit dem Titel "Seize the Moment". Als
Chruschtschow sich damit brüstete, daß "Ihre Enkelkinder im Kommunismus leben werden", antworteten
Sie, seine Enkel würden in Freiheit leben. Er hatte
unrecht, aber zu jener Zeit waren Sie nicht sicher, daß
er unrecht behalten würde. Heute wissen wir, daß Sie
recht hatten - genauso, wie Sie zu Recht beim Aufbau
einer sichereren, friedlicheren Welt mitwirkten.
Wenn wir in die Zukunft blicken, ist das einzig Sichere
die Tatsache, daß sie eine neue Welt bringen wird.
Unsere Aufgabe - unsere Chance - lautet, es ordentlich
zu machen, eine neue Weltordnung des Friedens, der
Demokratie und des Wohlstands aufzubauen. Wir
sollten uns dazu verpflichten, das Beste aus dieser
kostbaren Chance, aus diesem Privileg zu machen.

Herr Präsident, es sind sicherlich Millionen Worte über
Sie geschrieben worden. Wie Präsident Reagan ein- Ich danke Ihnen. Herr Präsident, ich bedanke mich.
mal sagte, waren einige davon sogar wahr. Ich möchte Es ist eine Freude, bei Ihnen zu sein. Gott schütze die
jedoch mit den Worten schließen, die Sie selbst vor 33 Vereinigten Staaten.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 11

�US-AUSSENPOLITIK
18. März 1992

DIE NEUE WELT
Rede von Präsident Nixon
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Rede mit dem Titel Die neue Welt, die der
ehemalige Präsident Nixon am 11. März 1992 bei der Konferenz über nationale Politik über Amerikas Rolle in
der sich abzeichnenden Welt gehalten hat. Die Konferenz wurde von der Nixon-Bibliothek organisiert.

Wir kommen zu einer Zeit großer Herausforderungen
zusammen, einer Zeit der Herausforderungen auch in
der Geschichte Amerikas. Wir treffen uns zu einer
Zeit, da drei Jahre von Ereignissen hinter uns liegen,
die die Welt verändert haben. Ich beziehe mich
natürlich auf den Zusammenbruch des Kommunismus
in Osteuropa und der Sowjetunion und auf unseren
Sieg über die Aggression im Golfkrieg. Infolge dieser
Ereignisse leben wir in einer neuen Welt, und es stellt
sich die Frage, wie die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten in dieser neuen Welt aussehen soll.
Andere Teilnehmer dieser Konferenz und in anderen
Foren - an denen ich teilnehmen werde und an denen
hoffentlich auch Sie alle teilnehmen können - werden
darauf eingehen, wie die Politik der Vereinigten Staaten in dieser neuen Welt idealerweise aussehen soll.
In diesem politisch wichtigen Jahr werde ich mich in
meinen Ausführungen nicht nur darauf konzentrieren,
wie unsere Politik sein sollte, sondern darauf, was
politisch möglich ist. In diesem Zusammenhang sollte
ich erwähnen, bei politischen Kampagnen ist es die
Regel, daß der Kandidat aufsteht und sagt: "Dies ist
die wichtigste Wahl in der Geschichte". Ich weiß, daß
ich das oft gesagt habe. Natürlich ist jeder Wahlkampf
für den Kandidaten sehr wichtig. In diesem Fall ist er
auch für das Land sehr wichtig.
In den letzten 44 Jahren war ich Zeuge von 12 Präsidentschaftswahlen und habe an fünf Kampagnen als
Kandidat teilgenommen. In all den 44 Janren hat es
niemals einen Wahlkampf gegeben, in dem Außenpolitik weniger diskutiert wurde und dennoch so wichtig
war, weil derjenige, der in den nächsten vier Jahren
Präsident ist, die Führungsrolle übernehmen muß, die
erweisen wird, ob Frieden und Freiheit in der Welt
liberieben. Auf Grund dessen ist es eminent wichtig,
daß Außenpolitik im Mittelpunkt unserer Überlegungen steht.

AMERIKA DIENST 11

Im Hinblick auf die Au ßenpolitik haben wir eine Achterbahnfahrt hinter uns. Nach dem Sieg der Kommunisten in Vietnam waren die meisten Amerikaner der
Meinung, au ßenpolitisch könnten wir doch nichts erreichen, nach unserem Sieg im Golfkrieg hingegen war
man allgemein der Ansicht, wir könnten doch etwas
erreichen, und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, insbesondere in der Sowjetunion, sah man
sich darin bestätigt, alles erreicht zu haben.
Infolge dieser Ereignisse beobachten wir einen neuen
Isolationismus in beiden politischen Parteien. Der
neue Isolationist ist vorwiegend der Meinung, daß die
Vereinigten Staaten keine Führungsrolle mehr in der
Welt spielen können und sollen. Manche meinen, wir
könnten uns das nicht leisten, andere sind der Auffassung, es sei nicht notwendig, diese Rolle zu spielen
und wieder andere erklären, jemand anders solle diese
Rolle übernehmen.
Wenn wir uns diese Meinungen vor Augen führen,
erinnert mich das in etwa an eine improvisierte Band,
vielleicht eine Ragtime Band. Manche marschieren zu
unterschiedlichen Schlagzeugern, andere singen falsch,
aber alle haben dieselbe Melodie, dasselbe Lied komm nach Hause, Amerika.
Tatsächlich beobachten wir auch, daß ehemalige
Verfechter einer starken außenpolitischen Rolle der
Vereinigten Staaten jetzt erklären, es sei an der Zeit,
sich nach innen zu wenden, wir könnten uns unsere
Außenpolitik nicht mehr leisten, und unsere innenpolitischen Sorgen seien so groß, daß wir uns darauf konzentrieren sollten.
Die Verfechter dieser Linie berücksichtigen jedoch
eins nicht: Außen- und Innenpolitik sind wie siamesische Zwillinge - der eine kann ohne den anderen nicht
überleben. Sie denken auch nicht daran, daß das
amerikanische Volk keine starke Außenpolitik unter-

Seite 1

�stützt, wenn wir keine starke Innenpolitik haben, die
sich mit den Problemen im Inland befaßt. Und sie
berücksichtigen auch nicht, daß Außenpolitik auch
Auswirkungen auf unser innenpolitisches Verhalten
hat. In einer kriegerischen Welt können wir nicht in
Frieden leben, und wir können in einer kranken Weltwirtschaft keine gesunde amerikanische Wirtschaft
aufbauen. Nehmen wir zum Beispiel die Große Depression, an die wir uns alle erinnern - ich zumindest,
Sie werden darüber gelesen haben, während ich sie
durchlebt habe. Sie begann 1931 als Rezession und
weitete sich 1932 zur Depression aus, vor allem, weil
die Vereinigten Staaten mit dem Smoot-Hawley-Zollgesetz einer protektionistischen Politik anhingen.

anderen jetzt unabhängigen Staaten Osteuropas ignorieren. Rußland möchte ich nur als Musterbeispiel
benutzen. Was ich über Rußland sage, gilt auch für
andere.
Im Hinblick auf das Rußland von heute stellte mir
jemand am Tisch die folgende Frage: Wird es funktionieren? Werden sie überleben? Wird die Freiheit
überleben? Und die Antwort ist, daß es dabei hart auf
hart gehen wird.

Es wird hart auf hart gehen, weil zum jetzigen Zeitpunkt
zahlreiche negative Faktoren bestehen. Wie Dmitri
Simes in einem Artikel unlängst ausgeführt hat, gehört
dazu die um sich greifende Korruption. Darüber hinaus
Von dieser Position sehen wir ab und wenden uns der das Problem der ethnischen Auseinandersetzungen.
grundsätzlichen Frage zu: Ist es notwendig, daß die Wir haben femer das Problem des enormen Leids, das
Vereinigten Staaten angesichts all dieser Ereignisse in durch den Versuch ausgelöst wurde, wirtschaftliche
der neuen Welt eine Rolle spielen? Diejenigen, die Veränderungen durchzuführen, um in Rußland eine
darauf mit Nein antworten, gehen dabei meines Erach- freie Marktwirtschaft aufzubauen.
tens von einer falschen Voraussetzung aus, die da in
Einer der wichtigsten Gründe dafür, daß überhaupt
etwa lautet: der kalte Krieg ist vorbei, und wir haben ihn
ernsthaft die Frage besteht, ob die Freiheit in Rußland
gewonnen. Es ist Zeit heimzukehren. Das stimmt nur
Erfolg haben kann, ist das Fehlen einer Managerkaste.
zur Hälfte. Es stimmt in bezug auf den kalten Krieg,
Wenn ich vom Fehlen einer solchen Kaste spreche, so
aber die Kommunisten haben ihn verloren. Es stimmt
ist dies zugleich ein Hinweis darauf, warum die Analojedoch nicht, daß die freie Welt ihn gewonnen hat.
gie zum Marshallplan nicht funktioniert. Wenn wir
Wir müssen uns vor Augen führen, daß der kalte Krieg nämlich Rußland betrachten und zum Vergleich die
kein traditioneller Krieg ist, den große Mächte um Situation in Europa und auch in Japan nach dem
Territorium gefochten haben. Es war ein Krieg der Zweiten Weltkrieg nehmen, so wurde durch die fünf
Ideen, der Ideen des Kommunismus gegen die Ideen Kriegsjahre die Gruppe der Manager in Westeuropa
der Freiheit. Wir können diesen Krieg am eindeutig- und Japan nicht beseitigt. Siebzig Jahre des totalitästen in Rußland beobachten, wo die Saat des Kommu- ren Kommunismus in Rußland haben jedoch die
nismus zuerst gesät wurde. Das russische Volk hat die Managerkaste in Rußland zerstört. Deshalb muß ein
sehr bitteren Früchte dieser Saat geemtet und danach anderer Ansatz gewählt werden als einfach ein neuer
dem Kommunismus abgeschworen. Sie haben ihm Marshallplan. Dies sind die negativen Punkte.
abgeschworen, weil er nicht funktioniert hat.
Es bestehen aber auch einige positive Faktoren, die
Aber jetzt steht die Freiheit auf dem Prüfstand, und
wenn die Freiheit nicht funktioniert, wird das russische
Volk nicht aufgrund dessen zum Kommunismus zurückkehren, sondern meiner Ansicht nach zu einem
sogenannten neuen Despotismus greifen, in dem es
seine Freiheit gegen Sicherheit eintauscht, die Führungsrolle abgibt und seine Zukunft in die Hände jener
legt, die ihm das Lebensnotwendige sichern und Versprechungen machen, wobei sie auch über die Möglichkeiten verfügen, diese zu verwirklichen. Dieser
neue Despotismus, eine Nachwirkung des sterbenden
Kommunismus, der sich in Rußland in imperialistischen Aktivitäten äußern würde, wie sie immer wieder
in der russischen Geschichte vorkamen - dieser neue
Despotismus könnte eine sehr viel gefährlichere Bedrohung für Frieden und Freiheit in der Welt - insbesondere für den Frieden - sein als der alte sowjetische
Totalitarismus. Deshalb müssen wir hier und heute
darauf eingehen.
Wenden wir uns also Rußland zu. Beim Mittagessen
habe ich zu Dr. Brzezinski gesagt, ich sei nicht der
Meinung, man solle die Ereignisse in der Ukraine und
Seite 2

wir bisweilen übersehen, und einer davon ist der, daß
Rußland ein äußerst reiches Land ist, reich an Bodenschätzen und reich an Menschen. Es ist ein hochindustrialisiertes Land. Das russische Volk ist ein großartiges Volk, ein starkes Volk. Wir müssen uns der
Tatsache bewußt sein, daß 95 Prozent der Russen
lesen und schreiben können. Wir müssen berücksichtigen, daß etwa 90 Prozent der Erwerbstätigen einen
unserer High School vergleichbaren Abschluß haben.
Wir müssen darüberhinaus anerkennen, daß Rußland
einige der besten Wissenschaftler, der besten Ingenieure hervorbringt, insbesondere im Rüstungsbereich.
Manch einer vergißt, daß der erste Mensch im Weltraum kein Amerikaner, sondern ein Russe war.
Auf der Habenseite steht noch ein weiterer Faktor, den
wir häufig übersehen. Puschkin schrieb im 19. Jahrhundert, daß Aufstände in Rußland meist sinnlos und
gewalttätig seien. Besonders bedeutsam an der
Revolution, die sich gerade vollzogen hat, war die
Tatsache, da ß sie nicht gewalttätig und schon gar nicht
sinnlos war. Und dies ist ganz besonders Gorbatschow und Jelzin zu verdanken.

AMERIKA DIENST 11

�Der wichtigste Faktor auf der Habenseite ist jedoch die
Tatsache, daß Rußland, das neue Rußland, eine
starke Führungspersönlichkeit hat. Es besteht allerdings die Tendenz, Boris Jelzin zu unterschätzen.
Einige behaupten, er sei in seiner Politik nicht demokratisch genug. Andere wiederum meinen, er sei
intellektuell nicht leistungsfähig und sozial nicht umgänglich genug.
Ich habe in den vergangenen 44 Jahren viele politische
Entscheidungsträger erlebt. Ich würde sowohl Gorbatschow als auch Jelzin als politische Schwergewichte
bezeichnen. Beide wurden als Bauernsöhne geboren.
Gorbatschow wurde ein Mann von Welt, Jelzin blieb
ein Mann des Volkes. Und Jelzin darf dies jetzt niemals
vergessen.
Wenn er nun die Weltbühne betritt, muß er stets im
Gedächtnis behalten, daß er, wenn er die Welt verändern möchte, zunächst Rußland verändern muß. Er
muß es von der Diktatur zu einer Demokratie verwandeln. Er muß eine Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft verwandeln. Und wenn er dies verwirklichen
will, wird er Hilfe brauchen. Die Frage lautet: Sollten
wir diese Hilfe bereitstellen?
Betrachten wir zunächst die positiven Faktoren im
Hinblick auf Jelzin. Jelzin hat seinen persönlichen Mut
bewiesen, als er sich auf einen Panzer stellte und einer
Bande von parteibuchtragenden Killern gegenübertrat, die einen stalinistischen Putsch anzettelten.
Darüber hinaus stellen wir fest, daß Jelzin - und dies ist
meines Erachtens sogar noch wichtiger - politischen
Mut hat. Mit der Freigabe des Rubelwechselkurses hat
er seine große Popularität aufs Spiel gesetzt. Es gibt
dort eine enorme Inflation, die erhebliche wirtschaftliche Härten verursacht und infolgedessen seine Popularität verringert hat. Es war jedoch der notwendige
erste Schritt, um von einer Kommandowirtschaft zu
einer freien Marktwirtschaft zu kommen.

Was benötigt er? Er benötigt eine Reihe von Dingen.
Um nur einige kurz zu erwähnen: er benötigt beispielsweise Hilfe vom IWF und aus anderen Quellen, und es
wird Milliarden Dollar erfordern, um den Rubel zu
stabilisieren. Er benötigt mehr offene Märkte für die
Exporte, die Rußland, das neue Rußland, im Westen
und in anderen Teilen der Welt erzielen möchte. Er
benötigt darüber hinaus die Hilfe des Westens im
Hinblick auf humanitäre Hilfe. Und es muß zweifellos
eine Einrichtung geben, eine westliche Gruppe, die alle
Bedürfnisse analysieren und bewerten sollte und dann
ein Programm entwickeln würde, um mit der Privatwirtschaft und den Regierungen zu erarbeiten, wie diese
Bedürfnisse erfüllt werden können.
Ich möchte nicht weiter ins Detail gehen, weil die
Experten Sie darüber informieren können. Um jedoch
eine sehr kurze Zusammenfassung zu geben, es ist für
uns wichtig zu erkennen, daß Jelzin sehr substantielle
Wirtschaftshilfe aus dem Westen benötigt. Nicht nur
aus den Vereinigten Staaten, wie ich betonen möchte,
sondern aus dem Westen. In ihrem heutigen Leitartikel schätzt die New York Times die Kosten der Hilfe
für einige der von mir erwähnten und andere Bereiche
auf etwa 20 Milliarden Dollar jährlich für einen Zeitraum
von fünf Jahren. Das ist viel Geld. Wie die Londoner
Financial Times jedoch gestern ausführte, müssen
20 Milliarden Dollar jährlich mit der zwanzigmal so
hohen Summe verglichen werden, die der Westen
noch im letzten Jahr vor dem Zusammenbruch des
Kommunismus für die Verteidigung gegen den Sowjetkommunismus ausgab. Unter diesen Umständen wird
somit alles in die richtige Perspektive gerückt.

Im Gegensatz zu Gorbatschow - lesen Sie dessen
erste Kolumne in der New York Times vor wenigen
Tagen - hat Jelzin nicht nur dem Kommunismus,
sondern auch dem Sozialismus eine Absage erteilt. Er
hat überdies alle von Gorbatschow geerbten Auslandshilfeprogramme eingestellt, die im Jahr 1990 den
russischen Haushalt mit 15 Milliarden Dollar belasteten. Dazu gehörte die Unterstützung einer Reihe von
Staaten, einschließlich Kubas, die dem Westen und
den Vereinigten Staaten ablehnend gegenüberstanden. Und wir alle wissen, daß er im Bereich der
Rüstungskontrolle mit der mutigen Rüstungskontrollinitiative Präsident Bushs nicht nur gleichgezogen hat,
sondern diese noch übertraf.

Kommen wir jetzt zu den harten politischen Fragen.
Was tun die Vereinigten Staaten? Wie werden wir
diesem Problem gerecht, insbesondere wenn wir uns
inmitten eines Präsidentschaftswahlkampfs und einer
Rezession befinden? Und das erste vorgebrachte
Argument, das auch gut aufgenommen wird, lautet,
daß die Vereinigten Staaten lange genug diese Last
getragen haben, es sei jetzt für andere an der Zeit, sie
zu übernehmen, daß wir nach dem Zweiten Weltkrieg
natürlich unseren Verbündeten Hilfe geleistet hätten,
aber auch unseren besiegten Feinden und diesen
damit die Erholung von den Folgen des Zweiten Weltkrieg ermöglicht hätten. Es sei deshalb an der Zeit,
daß diejenigen, denen wir geholfen haben, die Lasten
für die Unterstützung Rußlands, der anderen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropas übernehmen, es sei an der Zeit, daß
diejenigen, denen wir bei der Erholung von den Folgen
des Zweiten Weltkriegs halfen, nun den anderen bei
der Erholung von den Folgen des kalten Krieges
helfen. Sie haben recht.

Was stellen wir also fest? Wir stellen fest, daß Jelzin
der prowestlichste Führungspolitiker in der russischen
Geschichte ist. Unter diesen Umständen verdient er
deshalb unsere Hilfe.

Die Hauptlast zur Erfüllung des Bedarfs in Rußland
und den anderen Ländern, die Hilfe benötigen, muß
von den Ländern Europas und Japan getragen werden, denen wir nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�haben. Die Vereinigten Staaten sind jedoch die reichste und stärkste Nation der Welt, und wir müssen die
Führungsrolle übernehmen. Dies können wir nur tun,
wenn wir am Verhandlungstisch sitzen. Wie Ben Stein
in einem anderen Zusammenhang sagte, kann man
nur am Tisch sitzen, wenn man auch Chips setzen
kann. Und wir haben genügend Chips, um ein ernsthafter Mitstreiter für die Führungsrolle zu sein.
In einem Wahljahr sehen wir uns jetzt mit einer grundlegenden Frage konfrontiert. Was haben wir davon?
Was haben wir davon, den Menschen in Rußland, der
Ukraine und den anderen unabhängigen Ländern der
ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas zu helfen?
Und die Antwort lautet, wir haben sehr viel davon.
Das Sprichwort sagt, jeder ist sich selbst der Nächste,
und ich stimme zu. Die Hilfe für Rußland, und ich
spreche hier insbesondere von Rußland, ist jedoch
kein Almosen. Wir müssen uns vor Augen führen, falls
Jelzin scheitert, ist die Alternative nicht besser, sondern unendlich viel schlechter. Wir müssen uns vor
Augen führen, wenn Jelzin versagt, wenn die Freiheit
versagt, wird die neue an ihre Stelle tretende Tyrannei
bedeuten, daß es mit der Friedensdividende vorbei ist,
daß wir wiederaufrüsten müssen und dies unendlich
viel mehr kosten wird als die Hilfe, die wir zur Zeit
bereitstellen. Es würde auch bedeuten - wenn Jelzin
scheitert, wenn die Freiheit in Rußland scheitert - daß
die große Woge der Freiheit, die die Welt in den
vergangenen zwei oder drei Jahren überflutet hat, zu
verebben beginnt und Diktatur statt Demokratie die
Woge der Zukunft sein wird.
Sollte der Freiheit in Rußland jedoch Erfolg beschieden sein, würde dies folgendes bedeuten. Es bedeutet, daß Rußland anderen - insbesondere China und
den anderen noch verbleibenden kommunistischen
Ländern - als Beispiel dient, auch für andere nichtkommunistische Diktaturen der Welt Modellcharakter hat
und sie wie ein starker Magnet anzieht.
Es würde auch bedeuten, daß wir mit dem Erfolg
Rußlands eine völlig neue Weltordnung scharfen würden
- eine neue Weltordnung in dem Sinne, was sie für
jeden bedeuten kann, insbeondere für uns in den
Vereinigten Staaten. Denken Sie nach. Seit siebzig
Jahren hat das kommunistische Rußland versucht,
den Kommunismus weltweit zu exportieren. Wenn
Jelzin und die Reformen Erfolg haben, wird ein demokratisches, freies Rußland das Positive und die Ideen
der Freiheit weltweit exportieren. Und das heißt, daß
wir in den kommenden Jahren Auswirkungen erleben
werden, die weit über Rußland, Europa und die ganze
Welt hinausgehen. Wirtschaftlich gesprochen bedeutet dies, daß das neue Rußland mit all der Produktionskapazität, die ihm in einer freien Wirtschaft zur Verfügung steht, gute Märkte für amerikanische Produkte
bietet. Das bedeutet Milliarden Dollar an Handel und
potentiell Millionen Arbeitsplätze.

Seite 4

Wenn Jelzin Erfolg hat, wenn die Demokratie überlebt,
bedeutet dies auch, daß unsere Kinder und Enkelkinder die Angst vor einem möglichen Atomkrieg beseitigt
haben, die sie jetzt verfolgt, weil Demokratien keine
Kriege anzetteln.
Wir kommen jetzt jedoch zu einer anderen politischen
Frage, und soweit ich weiß, interessieren sich die
Leute heutzutage für Politik. Die politische Frage
lautet: Alle Meinungsforscher sagen ihren Kandidaten, sprich nicht die Außenpolitik und insbesondere
nicht die Auslandshilfe an, weil Auslandshilfe als politisches Thema Gift ist. Sie haben unrecht, und die
Geschichte belegt dies.
Ich erinnere mich noch so lebhaft als sei es gestern
gewesen daran, was Harry Truman 1947 tat. Lassen
Sie mich erläutern, was er tat und warum er es tat. Im
Januar des Jahres 1947 lag Harry Trumans Popularitätsrate bei 35 Prozent. Die überwiegende Mehrheit
des Kongresses war republikanisch. Er hatte bei der
Wahl des 80. Kongresses im November zuvor eine
enorme Niederlage erlitten. Und ich erinnere mich als
sei es gestern gewesen, daß Harry Truman - unbekümmert, einige sagen sogar ein wenig großspurig vor einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses Millionen Dollar an Hilfsleistungen für Griechenland und
die Türkei beantragte, um die kommunistische Subversion und eine mögliche kommunistische Aggression abzuwenden. Es war eine außerordentlich knappe Abstimmung für zwei sehr junge und - wie die Geschichte später lehrte - recht ehrgeizige Kongre ßabgeordnete.
Die liberalen Demokraten in Jack Kennedys Wahldistrikt Massachusetts waren gegen militärische Auslandshilfe. Und die konservativen Republikaner in
meinem Distrikt Kalifornien waren gegen alle Auslandshilfe. Angesichts der Umstände und nach sorgfältigem Abwägen stimmten wir jedoch beide dafür,
und eine Mehrheit im republikanischen Repräsentantenhaus und im Senat stimmte für das Programm, das
später zum Mashallplan und noch später zur NATO
weiterentwickelt wurde, das nicht nur den Kommunismus eindämmte, sondern die Zeit einräumte, die zum
Scheitern des Kommunismus erforderlich war, so wie
er unweigerlich im vergangenen Jahr in der Sowjetunion und natürlich vor zwei Jahren in Osteuropa scheiterte.
Dies war ein unerläßlicher Akt. Im folgenden Jahr
gewann Harry Truman, der im Januar 1947 nur eine
Zustimmungsrate von 35 Prozent hatte, die Präsidentschaftswahl. Noch wichtiger ist jedoch, daß diese von
einem demokratischen Präsidenten eingeleitete und
von einem republikanischen Kongreß unterstützte Aktion,
Hilfe für Griechenland und die Türkei bereitzustellen,
den Grundstein legte. Es war ein unerläßlicher Schritt
zur Eindämmung des Kommunismus und der allmählichen Schaffung der Grundlage für den Sieg der

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�Freiheit in Rußland und der Sowjetunion. Und dann
gibt es die aktuelle Situation, in der ein republikanischer Präsident mit einem demokratischen Kongreß
die Chance hat, Maßnahmen zu ergreifen, um Rußland und den anderen Ländern Hilfe zur Verfügung zu
stellen, die wir hier erwähnt haben, die den Sieg der
Freiheit gewährleisten. Dies ist ein politisches und
auch ein außenpolitisches Thema.
Wir haben also eine Situation, die folgendermaßen
zusammengefaßt werden kann. Während des kalten
Kriegs taten die Vereinigten Staaten und die anderen
Nationen alles in ihrer Macht Stehende, um den Erfolg
grundsätzlich schlechter Ideen zu vereiteln. Jetzt
müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um
den Erfolg der Ideen sicherzustellen, die gut sind.
Wenn die Vereinigten Staaten und die Menschen in
den Vereinigten Staaten beispielsweise so hervorragend reagieren könnten wie damals und das von mir
erwähnte Programm unterstützen würden, das Harry
Truman vor 47 Jahren in die Wege geleitet hat - ein
Programm, dessen Zweck in der Verhinderung und
Abwehr eines Kriegs besteht - wäre es nicht noch
erhebender, wenn die Vereinigten Staaten sich anderen Nationen bei einem Programm anschließen würden, das die Segnungen des Friedens bewirkt?
Mit anderen, einfachen Worten: Der Krieg bringt das
schlechteste und das beste im Menschen hervor.
Wirklicher Frieden kann und wird nur das beste hervorbringen. Dies ist die Frage, der sich alle, nicht nur die
politisch interessierten Amerikaner heute stellen müssen,
und meines Erachtens kennen wir die Antwort.

* *

AMERIKA DIENST 11

Wenn wir in die Zukunft blicken, müssen wir uns vor
Augen führen, daß wir diese große Verantwortung
tragen, daß dies aber auch eine einmalige Chance ist.
Das 20. Jahrhundert wird als Jahrhundert der Kriege in
die Geschichte eingehen. Mit unserer Führungsrolle
zu dieser Zeit können wir dazu beitragen, das
21 Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Friedens
und der Freiheit zu machen. Das ist unsere Herausforderung.
In seiner Rede zum Eisernen Vorhang erklärte Winston Churchill: "Im Augenblick steht Amerika auf dem
Höhepunkt der Weltmacht. Dies ist ein feierlicher
Augenblick für die amerikanische Demokratie, denn
der Primat der Macht geht mit einer schrecklichen
Rechenschaftspflicht für die Zukunft einher."
Den Pessimisten und Negativem zum Trotz besitzen
diese Worte heute noch dieselbe Gütigkeit wie vor
genau 45 Jahren.
Amerika hat heute diese Verantwortung, und wir sagen, warum nicht jemand anderes? Und wenn die
Amerikaner nicht die Führungsrolle übernehmen, wer
dann? Die Japaner? Die Chinesen? Die Russen? Die
Deutschen? Sie sind die einzigen Nationen der Welt,
die das Potential derwirtschaftlichen und militärischen
Macht besitzen, um im nächsten Jahrhundert zu führen. Dies ist unser Augenblick der Größe. Dies ist
unser Augenblick der Wahrheit. Wir müssen diesen
Augenblick ergreifen, denn wir halten die Zukunft in

unseren Händen.

* *

*

Seite 5

�GUS -

WISSENSCHAFTLER
18. März 1992

WISSENSCHAFTSZENTRUM SOLL VERBREITUNG
VON WAFFEN VERHINDERN
Außenminister Baker über ein neues Projekt in Rußland
BRÜSSEL - (AD) - Am 11. März 1992 sagte Au ßenminister Baker die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
ein neues Internationales Zentrum für Wissenschaft und Technologie in Moskau zu, das sowjetischen
Wissenschaftlern, die an der Entwicklung von Waffen beteiligt sind, neue Arbeitsplätze bieten soll. Baker
erklärte, "unsere Aufgabe ist vordringlich".

Die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft und Japan würden entscheidende Beiträge zu diesem
Zentrum leisten, das Baker zufolge frühere sowjetische Wissenschaftler davon abhalten soll, für andere Länder
an nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen, Trägersystemen für Raketen oder modernen militärischen
Technologien zu arbeiten.
Bei einer Sondersitzung zu dem neuen Zentrum erinnerte Baker daran, bei einem kürzlichen Besuch in
Tscheljabinsk 70, einer der wichtigsten Entwicklungsstätten für Atomwaffen der früheren Sowjetunion, habe er
"Besorgnis vernommen, daß sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen bis zu einem Punkt
verschlechtern könnten, an dem sogar sehr patriotische und verantwortungsbewußte Spezialisten versucht sein
könnten, ihre Fähigkeiten skrupellosen Regimen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen".
Bakar zufolge würde das Zentrum dieses "Ausbluten" verhindern und "einige der besten Köpfe daransetzen, die
quälendsten Probleme der Menschheit" lösen zu helfen und etwas Positives für das Wohl" der Menschen in
Rußland zu tun.
Baker bemerkte, von offizieller Seite hoffe man das auf russische Kosten errichtete Zentrum im Frühsommer
eingerichtet und funktionsfähig sowie die Projekte bewilligt und finanziert zu haben.
Nachfolgern veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Außenminister Baker.
Erst vor drei Wochen hatte ich die einmalige Gelegenheit, Tscheljabinsk 70 zu besuchen - eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen für Atomwaffen in der
früheren Sowjetunion. Dies ist ein Ort, dem einige der
fähigsten Köpfe einer ganzen Generation ihre kreative
Energie zur Verfügung stellten, um Waffen zu entwickeln, die dem kalten Krieg seine bedrohlichste Dimension gaben.
uo.1 wurde mir bewußt, daß der Umbruch, der die
frühere sowjetische Gesellschaft außerhalb der stark
gesicherten Tore dieser abgelegenen Gemeinschaft in
den Bergen des Urals grundlegend verändert hat,
auch das Leben der Spezialisten im Innern auf den
Kopf stellt. Ich bin mit einer Gruppe hochrangiger
Mitarbeiter und Spezialisten zusammengetroffen und
habe mir angehört, was das Ende des kalten Kriegs und die daraus resultierende schwindende Nachfrage
h ihr^n Talenten - für sie bedeutete.

AMERIKA DIENST 11

Was ich dabei vernommen habe, war die tiefe Unsicherheit der Wissenschaftler über das, was die Zukunft bringen mag und Angst vor den möglichen negativen Auswirkungen für ihre Familien. Ich sah die
Entmutigung auf ihren Gesichtern über das, was hochqualifizierte Wissenschaftler wohl am meisten fürchten - das Fehlen intellektuell anspruchsvoller Arbeit.
Ich vernahm ferner die Besorgnis, daß sich die wirtschaftlichen und beruflichen Bedingungen bis zu einem Punkt verschlechtern könnten, an dem sogar sehr
patriotische und verantwortungsbewußte Spezialisten
versucht sein könnten, ihre Fähigkeiten skrupellosen
Regimen auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen.
Aber ich hörte auch einige sehr ermutigende Dinge von
den Wissenschaftlern in Tscheljabinsk. Ich hörte von
ihrer Bereitschaft - vielmehr ihrem Engagement - ihre
Fähigkeiten, die sie bisher für die Entwicklung von

Seite 1

�Waffen einsetzten, für nichtmilitärische Zwecke zur
Verfügung zu stellen. Ferner wurde der Wunsch laut,
nach Jahrzehnten physischer und intellektueller Isolation am internationalen Austausch der wissenschaftlichen Welt teilzunehmen und dringende technische
Probleme zu lösen, mit denen sich die Gesellschaft als
Ganzes konfrontiert sieht, nicht nur der kleine Teilbereich der Rüstungsindustrie.
Mit anderen Worten, in Tscheljabinsk 70 stieß ich auf
eine realistische Einschätzung der schwierigen vor
uns liegenden Herausforderungen zusammen mit dem
starken Wunsch, sich diesen Herausforderungen direkt zu stellen. Was fehlt, sind die finanzielle Förderung und der institutionelle Rahmen, um die Unterstützung dorthin zu lenken, wo sie benötigt wird.
Deshalb ist unser heutiges Treffen wichtig. Durch die
Einrichtung eines gut finanzierten Internationalen
Zentrums für Wissenschaft und Technologie können
wir in der Waffenentwicklung tätigen Wissenschaftlern
und Technikern gute Möglichkeiten bieten, um ihre
Talente in nichtmilitärischen Bereichen produktiv einzusetzen. Dadurch können wir die Anreize für hochqualifizierte Mitarbeiter minimieren, Tätigkeiten aufzunehmen, die der Verbreitung von nuklearen, chemischen oder biologischen Waffen, Trägersystemen für
Raketen oder anderer moderner militärischer Technologie dienen.
Der Kampf gegen die Weiterverbreitung - die vordringlichste sicherheitspolitische Herausforderung der
neunziger Jahre und darüber hinaus - sollte daher ein
Kernpunkt der von diesem Zentrum finanzierten Projekte sein. Durch die Verwirklichung dieses wichtigen
Ziels können die Projekte des Zentrums auch umfassenderen Zielen gerecht werden. Sie können einen
Beitrag zu kontinuierlichen Bestrebungen leisten,
Massenvernichtungswaffen zu reduzieren und zu
zerstören. Sie können zu den Anstrengungen der
früheren Sowjetrepubliken beitragen, die schwierige
Umstellung von hochmilitarisierten Kommandowirtschaften zu marktorientierten Systemen zu schaffen, die
dem zivilen Bedarf gerecht werden. Und sie können
helfen, Lösungen für wichtige nationale und internationale Probleme zu finden, etwa im Zusammenhang mit
Umwelt, Gesundheit und Energie.
Unsere Aufgabe ist vordringlich. Wir müssen die Idee
eines Internationalen Zentrums für Wissenschaft und
Technologie so schnell wie möglich in die Tat umsetzen. Deshalb freuen wir uns, daß Vertreter aus der
Europäischen Gemeinschaft, Japan und den Vereinigten Staaten - drei Parteien, die erwartungsgemäß
wichtige finanzielle Beiträge für das Zentrum leisten

werden - jetzt gemeinsam mit Rußland ein internationales Abkommen zur offiziellen Gründung des Zentrums vorbereiten. Wir sollten alles in unserer Macht
Stehende tun, um die Unterzeichnung und das Inkrafttreten dieses Abkommens vor Ende März zu gewährleisten. Dann sollten wir mit konkreten Schritten
fortfahren, damit das Zentrum im Frühsommer eröffnet werden kann und funktionsfähig ist - mit bewilligten
und finanzierten Projekten. Die von uns heute veröffentlichte gemeinsame Erklärung beschreibt eine Reihe
von Maßnahmen für die nächsten Monate, damit das
Zentrum im Sommer seinen Betrieb aufnehmen kann.
Der Erfolg des Zentrums wird breite internationale
Unterstützung erfordern - von Regierungen, dem Privatsektor und auch von der Gemeinschaft internationaler Wissenschaftler. Wir begrüßen heute hier die
Teilnahme der Staaten der früheren Sowjetunion und
freuen uns auf den Meinungsaustausch mit ihnen über
die Organisation und die Funktionsweise des Zentrums.
Darüber hinaus begrü ßen wir die Beteiligung potentieller Sponsoren, einschließlich der hochrangigen Vertreter der Hauptgeberländer, die die ersten Vorstandsmitglieder des Zentrums sein werden. Wir hoffen, die
Zahl der Länder steigern zu können, die umfangreiche
Beiträge zu dem Zentrum leisten und gemeinsam mit
uns den Vorstand bilden werden. In diesem Zusammenhang möchte ich heute bestätigen, daß die Vereinigten Staaten jetzt aktiv die erforderlichen Schritte
unternehmen, um die 25 Millionen Dollar bereitzustellen, mit denen wir das Zentrum ins Leben rufen und
seine Projekte finanzieren wollen.
Das Problem, das wir hier lösen müssen, wird manchmal auch als "Ausbluten" bezeichnet - der Abfluß von
Talenten insbesondere an Orte, wo dieses Talent für
nicht wünschenswerte Ziele eingesekl v»;id. Das
Internationale Zentrum für Wissenschaft und Technologie, wie wir es ins Leben rufen wollen, kann dieses
Ausbluten stoppen.
Aber es kann noch mehr tun. Es kann einige der
besten Köpfe daransetzen, die quälendsten Probleme
der Menschheit lösen zu helfen. Es kann eine Rolle bei
der Umlenkung der produktiven Ressourcen der früheren Sowjetunion spielen und und etwas Positives für
das Wohl der Menschen tun. Die gemeinsamen
wissenschaftlichen Projekte des Zentrums werden
nicht nur die Grenzen der Wissenschaft erweitern - sie
werden die freundschaftlichen Bande zwischen unseren Ländern verstärken.
Für uns ist dies Rettung vor dem Ausbluten. Es ist eine
Lösung, in die es sich zu investieren lohnt.
•

*

Seite 2

*

"§C ff

AMERIKA DIENST 11

�MITTEL-/OSTEUROPA
18. März 1992

USA WOLLEN ZUSÄTZLICHE GELDER
FÜR MITTEL- UND OSTEUROPA
Eagleburger vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses
WASHINGTON - (AD) - Die Bush-Administration hat im Haushalt 1993 450 Millionen Dollar für die Unterstützung der neuen Demokratien in Mittel- und Osteuropa beantragt. Dies sind 50 Millionen Dollar mehr als im
laufenden Haushaltsjahr, wie der Stellvertretende US-Außenminister Lawrence Eagleburger vordem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Bewilligungen feststellte.
Eagleburger zufolge sind diese zusätzlichen Mittel erforderlich, weil die Vereinigten Staaten heute mehr Staaten
in der Region helfen. Zu den sechs bisherigen Hilfeempfängern sind Estland, Lettland, Litauen und Albanien
hinzugekommen.
Die zusätzlichen Staaten haben laut Eagleburger "mit die dringendsten und langfristigsten Bedürfnisse in der
Region".
Präsident Bush möchte darüber hinaus in den Haushaltsjahren 1992 und 1993 620 Millionen Dollar an
humanitärer Hilfe und technischer Unterstützung für die ehemalige Sowjetunion bereitstellen. Diese Mittel
werden Eagleburger zufolge mit den bereits bewilligten 860 Millionen Dollar kombiniert.
Eagleburger appellierte an den Kongreß, diese "vergleichsweise bescheidenen Summen" zu bewilligen, da dies
im wirtschaftlichen Eigeninteresse der Vereinigten Staaten liege.
Nachfolgend veröffentlichen wir Eagleburgers Erklärung vor dem Unterausschuß im Wortlaut.
In den vergangenen Jahren waren wir Zeugen atemberaubender Veränderungen in Mittel- und Osteuropa
sowie der ehemaligen Sowjetunion. Über vier Jahrhunderte lang war Rußland ein imperialer, autoritärer
Staat, der seine Nachbarn dominierte und die Stabilität
sowohl in Europa als auch in Asien bedrohte. Heute
jedoch haben der Zusammenbruch des sowjetischen
Imperiums und die Diskreditierung des Kommunismus
bei 400 Millionen Menschen in der Region neue Hoffnungen auf Frieden und Wohlstand aufkeimen lassen.
Infolgedessen bietet sich uns die Aussicht auf ein
demokratisches Rußland, das sein Imperium aufge'öst hat und seine Energien auf innere Reformen
anstatt auf äußere Expansion lenkt. Dies ist eine
Aussicht, die sich unmittelbar auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten auswirkt, und es liegt
deshalb in unserem nationalen Interesse, sie zu unterstützen.
Aber diese Aussicht birgt noch viele Unsicherheiten,
und sie könnte leicht einem historisch bekannteren
Zustand weichen. Es gibt keine Garantie dafür, daß
sich die neuen Staaten Mittel- und Osteuropas oder
diejenigen der ehemaligen Sowjetunion zu befreunde-

AMERIKA DIENST 11

ten, wohlhabenden Demokratien entwickeln werden.
Sie sind auf ihrem Weg der Reformen mit enormen
Hindernissen konfrontiert, da der Kommunismus diese
Länder und ihre Volkswirtschaften an den Rand des
Ruins getrieben hat. Letztlich wird der Erfolg vom
Willen und der Entschlossenheit der Regierungen und
Völker der Region abhängen. Die westliche Hilfe kann
jedoch etwas bewirken, und wir haben die Pflicht vor
der Geschichte und gegenüber künftigen Generationen, unseren Teil dazu beizutragen, um ihrem demokratischen Experiment zum Erfolg zu verhelfen. Für
uns steht dabei auf dem Spiel, ob die jüngste Metamorphose von gefährlichen Gegnern zu Freunden und
Partnern ein dauerhaftes oder vorübergehendes
Phänomen ist.
Sicherlich besitzen die Vereinigten Staaten keine
unbegrenzten Mittel, insbesondere in einer Zeit ernster wirtschaftlicher Schwierigkeiten im Innern. Aber
das amerikanische Volk, das Billionen Dollar für die
Führung und den Gewinn des kalten Krieges ausgab,
ist hoffentlich willens, heute vergleichsweise bescheidene Summen aufzuwenden, um zu gewährleisten,
daß wir nicht unter anderem Vorzeichen erneut mit

Seite 1

�einer alten Bedrohung konfrontiert werden. Wenn wir
heute das Richtige tun, werden wir alles in unserer
Macht Stehende geleistet haben, um unseren Kindern
das Gespenst des Atomkrieges und die kolossalen
Verteidigungsausgaben zu ersparen, mit denen unsere Generation seit dem Zweiten Wettkrieg leben mußte.
Auch unser Wohlstand steht auf dem Spiel. Die Völker
Mittel- und Osteuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion bilden einen enormen neuen Markt für Handel
und Investitionen des Westens. Wir müssen uns aktiv
darum bemühen, den amerikanischen Privatsektor in
den Wiederaufbau dieser Region einzubinden. Ein
solches Engagement wird den USA nicht nur neue
wirtschaftliche Chancen eröffnen, sondern auch dazu
beitragen, Präsenz und Einfluß der Vereinigten Staaten in diesen aufstrebenden Demokratien zu stärken.
Sicherlich möchten wir nicht, daß der ehemalige
COMECON-Block durch Maßnahmen und Vereinbarungen mit anderen Handelspartnern für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen verschlossen ist. Unser Privatsektor kann positive Beispiele für die Werte des freien Marktes liefern, die
sowohl bei uns als auch im Ausland Grundlage des
Wohlstands sind. Durch den Einsatz amerikanischer
Waren und Dienstleistungen im Gegensatz zur bloßen
Überreichung von Schecks an ausländische Regierungen schafft unser Hilfsprogramm Arbeitsplätze im Inland sowie in Übersee.
Die amerikanischen Programme in Mittel-und
Osteuropa
Beim Beginn unserer Hilfsprogramme in den neuen
unabhängigen Staaten können wir uns auf die bisher in
Mittel- und Osteuropa gewonnenen Erfahrungen stützen. Als wir unser Hilfsprogramm im Jahr 19ß9 mit
dem Gesetz zur Unterstützung der osteuropäischen
Demokratien (SEED) einleiteten, unternahmen lediglich Polen und Ungarn umfassende Reformbemühungen. Heute unterhalten wir Programme in zehn Staaten Mittel- und Osteuropas. In den vergangenen 2 1 /
2 Jahren haben wir gemeinsam mit dem Kongreß ein
kreatives Hilfsprogramm entwickelt, das traditionelle
Maßnahmen mit innovativen Ansätzen verbindet, so
etwa die Unternehmensfonds in Polen, Ungarn, der
Tschechoslowakei und Bulgarien. Wir haben ebenso
wie die Osteuropäer gelernt, was rasch funktioniert
und was nicht, und wir streben weiterhin danach,
unsere Programme nach Bedarf anzupassen, um unsere
Ziele zu fördern.
Die in unsere Programme eingebaute Flexibilität hat
entscheidend dazu beigetragen, daß wir Mittel gegebenenfalls verlagern konnten, um auf plötzliche Veränderungen in einzelnen Empfängerstaaten zu reagieren
- Veränderungen, die unvermeidlich sind, wenn man
die zur Zeit durchgeführten beispiellosen Reformen
und die damit einhergehenden Umwälzungen berücksichtigt. Hätten wir zum Beispiel jedem Land in jedem

Seite 2

Haushaltsjahr Mittel zugewiesen, so wären wir nicht in
der Lage gewesen, Mittel zu transferieren, um auf die
dramatischen Ereignisse des vergangenen Jahres in
Bulgarien, Albanien und den baltischen Staaten zu
reagieren.
Meines Erachtens war es auch korrekt, daß wir den
Großteil unserer Hilfe direkt auf den Privatsektor konzentriert haben. Der Sturz des Kommunismus bedeutete eine Ablehnung staatlichen Einflusses im Alltagsleben. Wir möchten die noch in den Kinderschuhen
steckenden privaten Institutionen in diesen Ländern
stärken, anstatt bürokratische Strukturen zu verfestigen. Überdies gehen wir davon aus, daß der wichtigste Grund dafür, daß die Vereinigten Staaten die
Auszahlung ihrer Hilfszusagen mehr als doppelt so
schnell wie die Europäische Gemeinschaft leisten
konnte, darin liegt, daß wir unmittelbar mit dem privaten und nichtstaatlichen Sektor zusammenarbeiten
anstatt überstaatliche Institutionen der Empfängerländer zu gehen.
Darüber hinaus waren wir bestrebt, unser Hilfsinstrumentarium mit neuen Initiativen zu verbinden, die
amerikanische Handelsmöglichkeiten verbessern und
amerikanische Investitionen stärken sollen. Langfristig wird die Wirkung von Kapital, Waren und Dienstleistungen des amerikanischen Privatsektors auf die
Entwicklung freier Märkte im Ausland wesentlich größer sein als jede staatliche Hilfe, die wir anbieten
könnten.
Das Programm der Administration für Mittel- und
Osteuropa im Haushaltsjahr 1993
Bei der weiteren Bereitstellung humanitärer und technischer Hilfe für die unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist es unerläßlich, daß wir keine
Mittel aus unseren Programmen für Mittel- und Osteuropa abziehen. Erfolg oder Scheitern dcc politischen
und wirtschaftlichen Umbruchs vom Baltikum bis zum
Schwarzen Meer wird entscheidende Auswirkungen
auf die Aussichten für eine erfolgreiche Umgestaltung
in Rußland und den anderen unabhängigen Staaten
haben.
Die Finanzierung unseres Programms für Osteuropa
bleibt deshalb von unserem GUS-Programm streng
getrennt. Darüber hinaus beantragen wir für das
Haushaltsjahr 1993 eine Erhöhung der Gelder für
Mittel- und Osteuropa um 50 Millionen Dollar - auf 450
Millionen Dollar gegenüber 400 Millionen im Haushaltsjahr 1992. Der Zuwachs in unserem Antrag trägt
der Tatsache Rechnung, daß wir heute mehr Ländern
helfen. Als wir den Haushalt 1992 einbrachten, unterhielten wir Hilfsprogramme für sechs Länder. Seither
haben wir Estland, Lettland, Litauen und Albanien in
die Liste aufgenommen, und die Nachzügler haben mit
die dringendsten und langfristigsten Bedürfnisse in der
Region.

AMERIKA DIENST 11

�Mit der Veränderung in der Zahl der Empfängerländer
haben sich auch die Bedürfnisse gewandelt, die wir zu
erfüllen trachten. Obwohl wir weiterhin den Übergangscharakter unseres Hilfsprogramms für Osteuropa betonen, sind wir uns der Tatsache bewußt, daß wir
einigen Teilen der Region über einen erheblich längeren Zeitraum als ursprünglich geplant Hilfe leisten
müssen. Albanien zum Beispiel entspricht einem
traditionellen Entwicklungsland, in dem die Vereinigten Staaten und andere Geberländer wahrscheinlich
auf viele Jahre hinaus beim Aufbau von Institutionen
engagiert sein werden.
Im Hinblick auf das Programm möchten wir auf unseren Erfolgen aufbauen. Hier sind unsere Pläne für das
Haushaltsjahr 1993:
Polen wird im Einklang mit seiner Größe und
Bedeutung weiterhin der größte Einzelempfänger von Hilfe sein.
Wie in der Vergangenheit werden wir unser
Programmbudget auf Projekte für demokratische Initiativen (etwa 7,5 Prozent des Gesamtbetrages), zur Verbesserung der Lebensqualität (17,5 Prozent) und zur wirtschaftlichen
Umstrukturierung (75 Prozent) aufteilen.
Die Unternehmensfonds werden den größten
Einzelposten aus dem Haushalt 1993 erhalten,
da sie recht erfolgreich und rasch auf die Bedürfnisse des Privatsektors reagiert haben. Wir
gehen davon aus, daß die Fonds weitere Unterstützung von Gebern und Privatsektor anziehen
werden, wie bereits von den polnischen und
ungarischen Fonds unter Beweis gestellt wird.
Ein weiteres Schlüsselprogramm ist die amerikanische Unternehmensinitiative, mit der Handel und Investitionen der Vereinigten Staaten in
Osteuropa gefördert werden sollen. Damit wird
gleichzeitig amerikanischen Unternehmen geholfen und neue Arbeitsmöglichkeiten für die
Osteuropäer geschaffen.
Auch die Förderung von privaten landwirtschaftlichen Betrieben und Agrarunternehmen ist nach
wie vor oberste Priorität.
Wir werden weiterhin alle Länder Mittel- und
Osteuropas ermutigen, die Privatisierung voranzutreiben. Unsere Programme in diesem
Bereich machen einen bedeutenden Anteil
unserer Hilfe im Haushaltsjahr 1993 aus.
Das Programm der Administration für die neuen
unabhängigen Staaten im Haushaltsjahr 1993
Im Hinblick auf unserer Aktivitäten in der ehemaligen
Sowjetunion werden wir auf unsere Erfahrungen in
M?«a|- und Osteuropa zurückgreifen. Diese Paralle-

AMERIKA DIENST 11

len sind jedoch nur begrenzt gültig. Es handelt sich
hierbei um zwölf völlig neue Länder, die mit unterschiedlicher Geschwindigkeit und in unterschiedlicher
Weise Fortschritte bei den Reformen erzielen werden.
Die Herausforderungen, mit denen wir uns in der
ehemaligen Sowjetunion konfrontiert sehen, sind
umfangreicher als die, denen wir uns in Mittel- und
Osteuropa gegenübersahen. Die Region ist sehr viel
größer, hat sehr viel mehr Bewohner, und die Probleme sind tiefgreifender. Der unmittelbare humanitäre
Bedarf erstreckt sich auf zahlreiche Bereiche, und die
Risiken politischer Instabiltät in bestimmten Gegenden
sind hoch. Private Geschäftsbeziehungen und soziale
Kontakte mit dem Westen sind verglichen mit dem
Großteil Osteuropas vor drei Jahren sehr viel weniger
entwickelt. Neue Regierungstrukturen werden gerade
erst geschaffen und die Gesetze noch geschrieben.
Und natürlich gibt es eine enorme Verteidigungsindustrie einschließlich einer atomaren Komponente, der
im Rahmen unserer Hilfsprogramme besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird.
Mit anderen Worten: Die vor uns liegenden Herausforderungen sind beispiellos. Nur Geld in den Topf zu
werfen - vor allem Geld, das wir in diesen Zeiten
schwerlich vergeuden können - wird diese Probleme
nicht lösen. Willkürlich in die Region gepumptes Geld
könnte in der Tat Reformen verhindern und eben die
Abhängigkeiten schaffen, die zu lange in diesen Ländern bestanden haben. Wir müssen Vorsicht walten
lassen und die Ressourcen einzelner amerikanischer
Regierungsbehörden und eines engagierten Privatsektors bündeln, um die dringendsten humanitären
Krisen zu überwinden und politische Instabilität zu
verhindern. Darüber hinaus müssen wir auch die zur
Förderung tragfähiger Wirtschaftsreformen erforderlichen Marktmechanismen schaffen. Entscheidend für
diese Bestrebungen ist, die Beteiligung amerikanischer und westlicher Unternehmen an Handel und
Investitionen zu fördern.
Um diese beiden gleich wichtigen Ziele zu erreichen,
hat der Präsident für die Haushaltsjahre 1992 und
1993 neue Bewilligungen für die ehemalige Sowjetunion in Höhe von 620 Millionen Dollar beantragt. Diese
Mittel würden zur Bereitstellung von Hilfslieferungen
und technischer Hilfe zur Unterstützung demokratischer Reformen und Förderung der wirtschaftlichen
Umstrukturierung verwendet.
500 Millionen Dollar dieses Betrags würden für
humanitäre und technische Hilfe zur unmittelbaren Erfüllung dringenden Bedarfs aufgewendet.
Die technische Hilfe soll die notwendige Brücke
zwischen kurzfristiger humanitärer Hilfe zur
Bewältigung der Engpässe und der mittelfristigen Entwicklung zur Förderung des erfolgreichen Übergangs zu einer demokratischen
Gesellschaft und Marktreformen schlagen.

Seite 3

�Im Haushaltsjahr 1993 werden 100 Millionen
Dollar des Wirtschaftshilfefonds für technische
Hilfe zur Förderung demokratischer Reformen
und wirtschaflticher Umgestaltung bereitgestellt.

Förderung von Investitionen in den Energiesektor und dessen zunehmende Effizienz.
Förderung von bilateralem Handel und Investitionen, um den amerikanischen Privatsektor zu
ermutigen, in den neuen unabhängigen Staaten
tätig zu werden.

10 Millionen Dollar aus dem Entwicklungshilfefonds werden im Haushaltsjahr 1993 für Entwicklungshilfe in den ärmsten Staaten aufgeInitiativen zur Förderung der Entwicklung einer
wendet, und im Haushaltsjahr 1993 werden 10
demokratischen
Gesellschaft einschließlich
Millionen Dollar aus dem Fonds PL480 bewilligt,
Rechtsstaatlichkeit,
Bildungsreform, öffentlicher
um amerikanische Landwirte und AgrarexperVerwaltung
und
Medienprogrammen.
ten in die neuen unabhängigen Staaten zu entsenden, damit sie ihren dortigen Kollegen mit
Genausowenig wie in Osteuropa beabsichtigen wir,
Ausbildung und Rat zur Seite stehen.
bestimmte Obergrenzen für unsere Hilfe an die einzelDie Mittel werden den gesetzlich bereits bewilligten nen Staaten bei gleichzeitiger Umverteilung unserer
Ressourcen in Höhe von 860 Millionen Dollar zuge- Ressourcen festzusetzen, um sich wandelnde Bedürfschlagen. Sie werden folgendermaßen aufgeschlüs- nisse zu erfüllen und die unterschiedlichen Ebenen der
Reformbestrebungen anzusprechen. Unseren Schätselt:
zungen zufolge wird ungefähr die Hälfte der amerikaRund 210 Millionen Dollar an Nahrungsmittelhil- nischen Hilfsleistungen aufgrund der Größe und Befe (Nahrungsmittel im Wert von 165 Millionen deutung Rußlands dorthin gehen. Der Ukraine, Armeund überschüssige Bestände des US-Verteidi- nien, Kasachstan und Kyrgysstan räumen wir ebengungsministeriums in Höhe von 45 Millionen falls Priorität ein und werden sie entsprechend berücksichtigen.
Dollar).
100 Millionen Dollar vom US-Verteidigungsministerium zum Transport der Hilfslieferungen.
400 Millionen Dollar aus dem Verteidigungshaushalt zur Beseitigung atomarer und chemischer Waffen.
30 Millionen zur Bereitstellung dringend benötigter medizinischer Güter.

Generell wollen wir die Hilfe auf allen Ebenen - national
oder lokal - so angemessen und wirksam wie möglich
gestalten und sowohl mit staatlichen als auch nichtstaatlichen Gremien zusammenarbeiten. Wir werden
neue Mechanismen vorschlagen wie etwa die Eurasia
Foundation - eine Privatorganisation mit dem Ziel,
rasch auszahlbare Fonds für technische Hilfe, Ausbildung von Führungskräften und den Aufbau demokratischer Institutionen bereitzustellen.

120 Millionen Dollar an Mitteln vom Amt für
internationale Entwicklung (AID) und CCC-Kreditbürgschaften für technische Hilfsprogramme.

Obwohl noch viel zu tun bleibt, haben die Vereinigten
Staaten eine Führungsrolle bei der Erfüllung der vordringlichsten Bedürfnisse übernommen. Wir haben 21
Darüber hinaus hofft das Peace Corps bis zum Ende Millionen Tonnen an Getreide und andeien Nahrungsdes Haushaltsjahres 1993 bis zu 500 Freiwillige in die mitteln sowie Medikamente und medizinische Versorneuen unabhängigen Staaten zu entsenden, und wir gungsgüter im Wert von über 35 Millionen Dollar
werden mit Hilfe der Entwicklungsgesellschaft OPIC geliefert. Bis heute haben wir nahezu 70 Prozent
und der Eximbank amerikanische Investitionen und unserer Verpflichtungen erfüllt (einschließlich der landwirtschaftlichen Kredite) - ein sehr viel höherer ProExporte in die Region fördern.
zentsatz als andere Geberländer. Wir haben bereits
Unsere technischen Hilfsprogramme sind auf folgende Botschaften in elf der neuen Staaten eröffnet oder sind
Bereiche zugeschnitten:
dabei, dies zu tun. Wir sind damit befaßt, eine AIDVertretung vor Ort zu schaffen. Und, wie Sie vielleicht
Programme zur Privatisierung und Umstruktu- wissen, hat der Außenminister vergangene Woche
rierung der nochmilitarisierten Volkswirtschaf- Richard Armitage, der die Aktion Hoffnung erfolgreich
ten der neuen unabhängien Staaten durch die organisiert hat, zum Koordinator unseres gesamten
Konversion der Rüstungsindustrie und Umrü- Hilfsprogramms für die neuen unabhängigen Staaten
stung zu verbraucherorientierter Produktion.
ernannt.
Aktivitäten zur Förderung der Marktwirtschaft In Anbetracht der vor uns liegenden Herausforderunund zwar sowohl der makro- als auch der mikro- gen muß auch festgestellt werden, daß die amerikaniökonomischen Seite.
sche Hilfe nur ein Teil der internationalen Reaktion ist,
Verbesserungen bei Verteilung und Transport an der über 50 Nationen und multilaterale Institutionen
von Nahrungsmitteln sowie der Systeme für hu- beteiligt sind, um den neuen unabhängigen Staaten
Hilfe im Wert von rund 27 Milliarden Dollar zu leisten.
manitäre Dienstleistungen.
Bei der im Januar in Washington abgehaltenen KoorSeite 4

AMERIKA DIENST 11

�dinierungskonferenz kamen 54 Delegationen zusammen, um spezifische Aktionspläne für die Bereiche
Nahrungsmittel, Medikamente, Energie und technische Hilfe zu erarbeiten. Auch auf bilateraler und
multilateraler Ebene sind wir mit Vertretern der neuen
unabhängigen Staaten zusammengetroffen, um diese
Initiativen zu erörtern und durchzuführen. Wir übernehmen eine Führungsrolle bei der Unterstützung der
baldmöglichen Mitgliedschaft der neuen Staaten in
den internationalen Finanzinstitutionen, um die erforderliche makroökonomische Stabilisierung und Strukturveränderung zu fördern.
Zusammenfassend sollten wir uns vor Augen führen,
daß die westliche Staatengemeinschaft unter amerikanischer Führung zusammengearbeitet hat, um

während der dunklen Jahre des kalten Kriegs Demokratie und freies Unternehmertum zu schützen. Wir
haben den Menschen, die unter der Last des Totalitarismus leben mußten, Auftrieb und Hoffnung gegeben.
Es ist nun an uns allen, danach zu trachten, daß das
Versprechen einer Welt mit mehr Sicherheit und
Wohlstand verwirklicht wird. Unter amerikanischer
Führung haben die westlichen Demokratien erneut
eine Partnerschaft geschmiedet - dieses Mal mit unseren ehemaligen Gegnern - um unseren Kindern eine
stabilere Zukunft zu bieten. Wir blicken der Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Erweiterung der
Hilfe erwartungsvoll entgegen, die so sehr in unserem
nationalen Interesse liegt.

* * * *

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 5

�W A H L E N '92
18. März 1992

DIE VORWAHLERGEBNISSE DES "SUPERDIENSTAGS"
Der Stand der Delegiertenstimmen
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die Zahl der Delegierten, die jeder Präsidentschaftskandidat nach den Ergebnissen des "Superdienstags" am 10. März 1992 für sich in Anspruch nehmen kann.

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Parteiversammlungen in Hawaii

Clinton

707,25

Brown

14

Tsongas

349,25

Clinton

50

Nichtgebunden

300,75

Tsongas

13

Brown

81,25

Sonstige

23

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Louisiana

Bush

560

Brown

7

46

Clinton

69

Tsongas

11

Sonstige

13

Buchanan
Nichtgebunden

6

Die
Ergebnisse
der
Vorwahlen
Parteiversammlungen am "Superdienstag"

und

Massachusetts
Demokraten

Stimmenanteil (%)
Brown

15

Clinton

11

Tsongas

66

Sonstige

8

Parteiversammlungen in Delaware
Brown

19

Clinton

21

Tsongas

30

Nichtgebunden

30

Mississippi
Brown

10

Clinton

73

Tsongas

8

Sonstige

9

Florida
Brown

12

Clinton

52

Tsongas

34

Sonstige

2

AMERIKA DIENST 36

Seite 1

�Parteiversammlungen in Missouri

Louisiana

Brown

7

Buchanan

27

Clinton

45

Bush

62

Tsongas

11

Duke

9

Nichtgebunden

37

Sonstige

2

Mississippi

Oklahoma
Brown
Clinton

17

Buchanan

71

Bush

Tsongas (keine
Teilnahme)
Nichtgebunden

Duke
0

Oklahoma

12

Buchanan

Rhode Island

70
3

19

Duke

Clinton

21

Rhode Island

Tsongas

53

Buchanan

Sonstige

17

Bush
Sonstige

Brown

8

Clinton

67

Buchanan

Tsongas

19

Bush

Sonstige

6

Texas

32

5

Tennessee

Sonstige

5

Texas

Brown

8

Clinton

65

Bush

Tsongas

19

Sonstige

Sonstige

8

Republikaner

11

Bush

Brown

Tennessee

1?

Buchanan

Stimmenanteil (%)

Florida
Buchanan

32

Bush

68
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 36

�WAHLEN

'92
18. März 1992

VORWAHLEN UND PARTEIVERSAMMLUNGEN AM
"SUPERDIENSTAG"
Amerikanische Pressestimmen
Eine Reihe amerikanischer Zeitungen haben ihre Leitartikel den Ergebnissen der Vorwahlen und Parteiversammlungen vom "Superdienstag" am 10. März 1992 gewidmet. Nachfolgend einige Auszüge aus den
Kommentaren.

The Miami Herald
Im zweiten Anlauf bewirkte der Superdienstag für die
Demokraten, was seine Erfinder die ganze Zeit beabsichtigt hatten: Er machte einen Gemäßigten aus dem
Süden, Gouverneur Bill Clinton aus Arkansas, im
Nominierungsprozeß rechtzeitig genug zum Spitzenkandidaten der Partei, um starke rationale Anerkennung und Unterstützung für ihn aufzubauen... März ist
häufig der Monat der Zerreißproben für die Präsidentschaftskandidaten. Während sich das Feld verkleinert, verlagert sich die Gunst der Wähler von der
Frage, wer der beste Kandidat für ihre Partei ist zu der
Frage, wer der beste Präsident für die Nation wäre.
Das ist die entscheidende Frage für den letzten Superdienstag - den ersten Dienstag im November.
Detroit Free Press
Der Superdienstag hat einige wichtige Fragen über
den Auswahlprozeß bei den Präsidentschaftswahlen
beantwortet, läßt jedoch noch grundlegende Probleme
für uns in Michigan und unsere Nachbarn in Illinois
offen. Unsere Präsidentschaftsvorwahlen haben Pilotcharakter. Die am Superdienstag beteiligten Staaten haben dem Wahlkampf ihren Stempel aufgedrückt.
Wir hoffen, wir in Michigan können an unserem "Dienstag" den Auswahlprozeß entscheidend beeinflussen.
Baltimore Sun
Der enorme Stimmengewinn, den der Gouverneur von
Arkansas, Bill Clinton, im Süden einschließlich des
wankelmütigen Staates Florida für sich verbuchen
konnte, versetzt den ehemaligen Senator von MassacnusbuS, Paul Tsongas, in eine defensive Situation im
Hinblick auf die Vorwahlen der nächsten Woche, in der
Sieg ein Muß ist... Präsident Bush... hat die NominieAMERIKA DIENST 11

rung fest in der Tasche, und Patrick Buchanan wird
früher oder später entscheiden müssen, wie lange er
noch am Image des Amtsinhabers seiner Partei kratzen will.
Christian Science Monitor
Der Wahlkampf der Demokraten ist nicht vorbei. Tsongas
könnte am nächsten Dienstag in Illinois und Michigan
mit starken Auftritten neuen Auftrieb erhalten. Aber
nach dem Superdienstag hat Tsongas fast einen stehenden Start.
Auf der republikanischen Seite hat sich ein inzwischen
erprobtes Muster bewährt: Bush hat alle Wahlkämpfe
leicht gewonnen, konnte jedoch die verteufelten Proteststimmen nicht abschütteln. Er wird versuchen, die
Sorgen der Wähler anzusprechen, indem er den
Wahlkampfpfad verläßt und sich wieder als "Präsident" gibt. Der Herausforderer Pat Buchanan steht
eher als verdrießlicher Verlierer da. Der Wahlkampf
der Republikaner ist jetzt stinklangweilig geworden.
Erst beim Parteitag im August wird er wieder spannend.
The Washington Post
Da die Nominierung der Republikaner endlich entschieden scheint, ist der Wahlkampf der Demokraten
im Augenblick fesselnder. Vieleicht weil sie sich so
sehr an schlechte Nachrichten gewöhnt haben, scheinen zahlreiche Demokraten entschlossen, einige gute
Nachrichten, die ihren Weg kreuzten, in schlechte
umzumünzen. Zwischen ihren Kandidaten, die etwas
zu sagen haben, spielt sich ein ziemlich lebhafter,
interessanter und inhaltsreicher Wahlkampf ab. Der
Gedanke, ein unbeleckter Dritter könnte auftauchen
und gekrönt werden, scheint sich abzuschwächen: Es
Seite 1

�ist keinesfalls klar, ob dieser Dritte bei den Wählern
besser abschneiden würde als die drei Mitstreiter es
bereits im Wahlkampf tun. Es wurde zu Recht weithin
festgestellt, daß Gouverneur Clinton begonnen hat,
die demokratische Koalition wiederzubeleben, die in
jüngster Zeit kurz vor der Auflösung stand. Seine
Fähigkeit, eine schwarze Wählerschaft und eine wei ße
Arbeiterklasse zu mobilisieren, ist ein Durchbruch für
die Demokraten, die während der vergangenen Wahlen mehr gehandelt und gefeilscht haben als sich der
Aufgabe zu widmen, eine Koaliton zu schmieden, die
einen sozialen, rassischen und wirtschaftlichen Querschnitt bietet.
New York Times
Von allen Zahlen, die nach dem Superdienstag bekanntgegeben wurden, fällt eine besonders ins Auge.
Der weiße Südstaatler Bill Clinton gewann in Florida
die Hälfte der demokratischen Wählerstimmen, aber
etwa 75 Prozent der Stimmen von den Schwarzen.
Gouverneur Clinton mag die Nominierung der Demokraten gewinnen oder auch nicht, und er mag Präsident Bush im Herbst ein schwieriges Rennen bereiten
oder auch nicht. Wie auch immer - diese eine Zahl
bezeugt vielleicht zum ersten Mall seit der Vorwahlkampagne Robert Kennedys in Indiana im Jahr 1968,
daß es politisch möglich ist, arme schwarze und der Arbeiterschicht entstammende weiße Wähler zusammenzubringen. Letztlich ist es möglich, daß Amerikaner ihre rassische Teilung überwinden und sich statt
dessen auf ihre gemeinsamen Interessen konzentrieren.
Clintons Wahlkampf mag noch andere Schläge erleiden, die Beziehung von ihm und seiner Frau zu einem
gescheiterten Sparkassenangestellten muß noch geklärt
werden. Oder vielleicht verschafft ihm die Vorwahl
nächste Woche in Illinois einen entscheidenden Vorteil. Wie auch immer, Clintons Wahlkampf hat bereits
etwas erreicht, an das man sich erinnern wird: Die
Amerikaner können ohne Bitterkeit sagen: Schwarze
und Weiße stehen zusammen.
Kolumnist George Will
Clinton verfügt über viel Geld und wird wahrscheinlich
nominiert werden, obwohl er bedenklich viele Schwachstellen hat. Tatsächlich gewinnt er gerade aufgrund
derer: die Menschen bewundem die Art und Weise,
wie er sich durchbeißt und all die Last trägt. Aber die
Last bleibt, und im Herbst werden die Republikaner
sich in dieser Hinsicht nicht zurückhalten.
Dennoch tritt Clinton gegen einen Präsidenten an, den
ein Drittel der Republikanischen Partei und zwei Drittel
seiner Basis republikanischer Anhänger ablehnen.
Bush, der über die gesamte Exekutive gebietet, hat
zugelassen, daß das Thema des Wahlkampfes von
einem Kolumnisten auf Urlaub bestimmt wird. Erstaunlich.
Seite 2

Kolumnist Carl Rowart
Eines der bemerkenswertesten Dinge an den Wahlen
am Superdienstag ist die Tatsache, daß Gouverneur
Bill Clinton schließlich die armen Weißen und die
armen Schwarzen überzeugt, daß sie dasselbe Schicksal haben. Er scheint die Armen in Florida - wo es etwa
eine halbe Million Arbeitslose gibt - davon zu überzeugen, daß sie es sich nicht leisten können, sich gegenseitig zu bekämpfen, während privilegiertere Menschen Bildungschancen und Arbeitsplätze abstauben.
Clinton bekam nicht nur einen hohen Anteil der Stimmen von den armen Weißen und der weißen Mittelklasse, sondern auch drei von vier Stimmen aus der
schwarzen Bevölkerung.
Kolumnist Paul Greenberg
Es geht jetzt um die Nominierung von Bill Clinton für
das Amt des Präsidenten. Die 'White Hope' aus Hope
in Arkansas müßte sich schon einiges leisten, um zu
verlieren. Er hat die Delegierten aus dem Süden hinter
sich, wenn er in die von der Rezession angeschlagenen Staaten im Rostgürtel geht, nach Michigan und
Illinois. Er hat das Geld, und er verfügt über die
Organisation. Er hat die Helfer und die Unterstützung
seiner Partei. Er hat die Jugend und den Jargon, Züge
von Kennedy, und er verfügt über die Fähigkeit, uns zu
erzählen, was wir hören wollen. Er verkörpert den
echten, authentischen Geist der neunziger Jahre. Er
wird die Gewerkschaften gewinnen, auch wenn Bill
Becker von der AFL-CIO in Arkansas versucht, sie zu
warnen, wer wen bekommt. Er hat Hillary, das typische Mädchen aus Park Ridge, Illinois. Er hat alles
außer Charakter, und wann war dieser Mangel je ein
Hindernis für politisches Fortkommen in diesem oder
irgendeinem anderen Land?
Kolumnist William Murchison
Clintons Aufschwung am Superdienstag verändert die
Lage zugunsten Bushs Wiederwahl kaum. Bush, ein
potentieller Jimmy Carter? Ich habe Neuigkeiten für
Gennifer Flowers Seelenverwandte: Bill, Sie sind nicht
Ronald Reagan. Pat Buchanan mit seinem Ergebnis
von etwa 30 Prozent ist wahrscheinlich sogar in konservativen Staaten wie Texas fast am Ende.
Newsday
Erster Kommentar von Paul Tsongas: "Am Superdienstag sollten Leute w&lt;o ich aus dem Rennen geworfen werden. Nun, ich bin immer noch da." Beim
zweiten Teil seiner Aussage hat er recht, nicht ganz
jedoch beim ersten. Konservative Demokraten hatten
sich vom Superdienstag eine defensive Maßnahme
erwartet, um irgendeinen liberalen Yankee davon
abzuhalten, sich mit der Nominierung der Partei zum
Präsidentschaftskandidaten davonzumachen, während
andere Kandidaten noch in den Startlöcherr. ctsckien.

AMERIKA DIENST 11

�Und dieses Jahr hat es funktioniert... Es hat so gut
funktioniert, da ß der Gouverneur von Arkansas nun als
Favorit in die Vorwahlen der nächsten Woche geht.
Kolumnist Richard Cohen
Trotz all ihrer Unberechenbarkeit sind die Vorwahlen in
bestimmter Hinsicht doch berechenbar. Sie sind immer
instruktiv. Wir haben viel über Clinton erfahren (man
benötigt schon eine silberne Gewehrkugel, um ihn
aufzuhalten) und über Tsongas (er ist nicht ganz
derjenige, für den man ihn hielt). Seit New Hampshire
und insbesondere im Fernsehen erwies sich Tsongas
als weinerlicher, nörgelnder, unverbesserlicher Rechthaber, der einfach keinen Frohsinn erzeugt. "Ich
werde Ihnen etwas sagen, Bill Clinton", erklärte er am
Dienstag abend, "solange ich da bin, werden Sie sich
Ihren Weg ins Wei ße Haus nicht erschleichen." Das ist
das Programm eines Streithammels, kein Schlagwort,
hinter dem sich Millionen sammeln können.
Es liegt nicht an Tsongas, daß er ein Wei ßer aus einem
Nordstaat mit einem relativ kleinen schwarzen Bevölkerungsanteil ist. Und es sollte eine Rolle spielen, daß
er zwei Jahre freiwillig als Entwicklungshelfer in Äthiopien diente. Ausschlaggebend ist aber die Tatsache,
daß die Schwarzen im Süden für Bill Clinton stimmten
- ein Ausdruck des Vertrauens, den die Demokratische
Partei nicht übersehen kann und der überdies einem
Gouverneur zugutekam, der mit einer Art von Reform
der Sozialhilfe in Verbindung steht, der Konservative

applaudieren können.
Wall Street Journal

großartig es wäre, wenn er sich ohne Opposition für die
republikanische Nominierung bewerben würde, ohne
den Partisanenkrieg Buchanans. Dann könnte er sich
auf den quicklebendigen Gouverneur aus Arkansas
konzentrieren. Was der Präsident und das Land statt
dessen zur Zeit dringend benötigen, ist ein ernsthafter
politischer Wettbewerb zwischen ernsthaften Kandidaten mit ernsthaften Ideen. Zum jetzigen Zeitpunkt
scheinen wir eher in die entgegengesetzte Richtung zu
gehen. Kein Wunder, daß die Wähler so verdrossen
sind.
Los Angeles Times
Bush ist die Hauptzielscheibe der Unglücklichen, denn
er ist der einzige Präsident, den Amerika hat, und der
Präsident ist nun einmal das sichtbare Symbol des
politischen Establishments in Amerika.
Bush verliert bei jeder Vorwahl zwischen einem Viertel
und einem Drittel der republikanischen Wählerstimmen. Unmittelbarer Nutznießer ist Buchanan, dessen
fragwürdige oder besorgniserregende Ansichten über
Handel, Juden, Schwarze und zahlreiche andere Dinge ihn offenkundig für das Präsidentenamt ungeeignet
machen.
Eine Art Glück im Unglück für die Nation, eine Art
Silberstreif am Buchanan-Horizont ist die Tatsache,
daß der belesene und bisweilen scharfzüngige politische Journalist dem ehemaligen Ku-Klux-Klan-Führer
David Duke Stimmen entzieht, dessen Präsidentschaftswahlkampf in Louisiana ins Leere gelaufen zu sein
scheint.

Wir bezweifeln, daß das, was die Vereinigten Staaten
heute benötigen, eine leichte Wiederwahl von George
Bush ist. Der Präsident sprach gestern davon, wie

*

AMERIKA DIENST 11

*

Seite 3

�</text>
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                <text>Amerikadienst 18.03.1992</text>
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                <text>&lt;div&gt;&lt;strong&gt;1. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: aktive Außenpolitik, starke Verteidigung erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten zur Rolle der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die neue Welt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Präsident Nixon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GUS-Wissenschaftler&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftszentrum soll Verbreitung von Waffen verhindern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Baker über ein neues Projekt in Rußland&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Mittel-/Osteuropa&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA wollen zusätzliche Gelder für Mittel-und Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eagleburger vor Unterausschuß des Repräsentantenhauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vorwahlergebnisse des "Superdienstags"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Stand der Delegiertenstimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorwahlen und Parteiversammlungen am "Superdienstag"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;/div&gt;</text>
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U.S. Information Service
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10

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NACC

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11. März 1992

#0°
NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim
Nordatlantischen Kooperationsrat

USA-EUROPA

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem
Streitkräfteausschu ß

GUS-WISSENSCHAFTLER

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in
falsche Hände geben

VSBM

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca

WAHLEN '92

GESETZE FORDERN FAIREN WETTBEWERB
BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel,
Ausgabenüberwachung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 0300
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NACC
11. März 1992

NEUE NACC-MITGLIEDER SOLLEN DEM
NICHTVERBREITUNGSVERTRAG BEITRETEN
Rede von Außenminister Baker beim Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Am 10. März 1992 forcierte Außenminister Baker alle neuen Mitglieder des Nordatlantischen
Kooperationsrats (North Atlantic Cooperation Council - NACC) auf, "baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten
dem Nichtverbreitungsvertrag beizutreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einzuhalten".
In seiner Rede beim NACC-Ministertreffen in Brüssel hieß Baker die neuen Staaten der früheren Sowjetunion
im Kooperationsrat willkommen. Georgien ist die einzige ehemalige Sowjetrepublik, der keine Mitgliedschaft
gewährt wurde.
Baker verwies darauf, die Anwesenheit der neuen Mitglieder "erweitert zwar unseren Horizont, aber unsere Ziele
bleiben unverändert: Vertrauen und konkrete Kooperation unter uns zu schaffen, mit denen sich eine euroatlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt".
Zu den Krisen in Jugoslawien und Nagorny-Karabach erklärte Baker, sie betonten die Notwendigkeit, daß die
NATO- und NACC-Mitglieder überlegen, wie die beiden Organisationen "zur Vermeidung und zum Abbau des
Risikos künftiger Konflikte in Europa beitragen können".
Nachfolgend veröffentlichen wir Außenminister Bakers Rede im Wortlaut.
Vor nur sechs Monaten, als die Einrichtung dieses
Rats erstmals vorgeschlagen wurde, hat niemand von
uns geahnt, daß wir heute in einer Gruppe von 35
Ländern zusammenkommen würden, entschlossen,
die Teilungen der Vergangenheit zu heilen und eine
neue Zukunft aufzubauen. Heute begrüßen wir die
neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion im NACC.
ihre Anwesenheit erweitert zwar unseren Horizont,
aber unsere Ziele bleiben unverändert: Vertrauen und
konkrete Zusammenarbeit unter uns zu schaffen, mit
denen sich eine euro-atlantische Gemeinschaft demokratischer Werte und Institutionen vollständig verwirklichen läßt.
Seit Generationen, ja seit Jahrhunderten, standen
einige der 16 NATO-Verbündeten in ständigem Wettstreit miteinander, der in Konflikte, Kriege und Zerstörung ausartete. Die NATO hat dem ein Ende bereitet.
Jetzt müssen wir auf dieses Modell der Zusammenarbeit zurückgreifen, um sowohl alte als auch neue
Konflikte unter den Nachbarn im Osten zu schlichten.
Die Bedürfnisse der aufstrebenden Demokratien sind
zahlreich und vielfältig. Es gibt Raum für sich ergänzende Aktionen einer Reihe von Organisationen und
all unserer Regierungen. Durch den NACC werden die
NATO-Mitglieder ihr einzigartiges und erfolgreiches
AMERIKA DIENST 10

Know-how auf eine Weise teilen, die unseren Partnern
bei der Lösung von Problemen hilft, die für die Umgestaltung ihrer Gesellschaften und Erfüllung ihrer Verpflichtungen im Rahmen der KSZE entscheidend sind.
In der Tat sollten Kooperationsrat und KSZE sich
gegenseitig verstärken. Anstatt uns in theoretischen
Debatten über vorherbestimmte institutionelle Rollen
zu ergehen, sollten wir eine pragmatische Haltung zur
Lösung der bestehenden Probleme einnehmen. So
wird der Sicherheitsdialog des NACC gemeinsam mit
der Zusammenarbeit bei der Verifizierung und Durchführung von Rüstungskontrollmaßnahmen die Effektivität des KSZE-Sicherheitsforums nach Helsinki fördern. Der Nordatlantische Kooperationsrat könnte
ferner KSZE-Bemühungen zur Verhinderung und
Bewältigung von Konflikten unterstützen.
Der von uns heute verabschiedete bescheidene Arbeitsplan ist nur ein Anfang. Wir müssen die Dynamik
beibehalten, um auf künftig sich entwickelnde Bedürfnisse zu reagieren. In den kommenden Monaten
sollten wir unsere Arbeit verstärken. Wir ermutigen die
Regierungen unserer neuen Partner sowie unsere
Verbündeten in der NATO, zusätzliche Vorhaben zu
entwickeln.

Seite 1

�Auf unserem weiteren Weg sollte die Reaktion der
NATO auf einzelne Liaison-Partner im Einklang mit
Tempo und Ausmaß von Demokratisierung, Wirtschaftsreformen, Demilitarisierung und der Erfüllung von
Verpflichtungen stehen, die im Hinblick auf Kernwaffen und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie der dazugehörigen Technologie
eingegangen wurden. Fortschritte bei der Verwirklichung demokratischer Ideale sollten für unsere Reaktion eine wichtige Meßlatte sein.
Die jüngsten Ereignisse unterstreichen für die NATO
und die Mitglieder des Kooperationsrats die Notwendigkeit zu überlegen, wie diese Institutionen effektiver
mit neuen Herausforderungen umgehen können.
Ich möchte einige davon erörtern.
Erstens können regelmäßige Konsultationen Vertrauen und Sicherheit in ganz Europa aufbauen. Unsere
hier bei der NATO in vielen Jahren gewonnenen Erfahrungen bestätigen dies. Erst unlängst hat die Arbeit
der High Level Working Group zur KSE spezielle für
den gesamten euro-atlantischen Raum gültige Vereinbarungen zur Ratifizierung des Vertrags hervorgebracht, der das Sicherheitsfundament eines neuen
Europas bilden wird. Jetzt müssen wir auch den Rest
des Weges zurücklegen - von der politischen Verpflichtung zur praktischen Realität -, damit der KSEVertrag bis zum Gipfel von Helsinki im Juli in Kraft
treten kann.
Im nuklearen Bereich haben wir seit Präsident Bushs
Initiative vom vergangenen September große Fortschritte gemacht. Jetzt ist es von entscheidender
Bedeutung, daß alle neuen Mitgliedstaaten dieses
Rats baldmöglichst als atomwaffenfreie Staaten dem
Nichtverbreitungsvertrag beitreten und seine Bestimmungen unmißverständlich einhalten.
Zweitens müssen wir uns dem drängenden Problem
der Konversion der Rüstungsindustrie widmen. Bei
meinem jüngsten Besuch in Tscheljabinsk konnte ich
feststellen, wie immens und dringend die Aufgabe der
Rüstungskonversion nicht nur in physischer, sondern
auch in menschlicher Hinsicht ist. Die NATO kann bei
dem vielschichtigen Problem der Rüstungskonversion
einzigartiges Fachwissen einbringen. Wir sollten uns
erneut überlegen, ob der Nordatlantische Kooperationsrat diese Aufgabe besser unterstützen kann, indem
er eine Arbeitsgruppe zur Rüstungskonversion einsetzt, die sich auf spezielle Programme konzentriert,
die nach dem zur Zeit geplanten Seminar entwickelt
werden könnten.
Ich möchte in diesem Zusammenhang auf die bevorstehende Gründung des Internationalen Wissenschaftsund Technologiezentrums hinweisen. Das Zentrum
wird in der Rüstungsindustrie beschäftigten Wissenschaftlern und Ingenieuren Möglichkeiten eröffnen,
ihre Talente für nichtmilitärische Projekte einzusetzen,

Seite 2

und Anreize minimieren, sich an Aktivitäten zu beteiligen, die zur Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen sowie anderer moderner Militärtechnik
führen könnten. Obwohl es sich hierbei nicht um eine
Initiative dieses Gremiums handelt, ist das Zentrum
ein Beispiel für die Vorteile gemeinsamer Maßnahmen
zur Lösung schwieriger Probleme.
Drittens müssen wir alle Wege sondieren, um den
Ausbruch ethnischer und regionaler Konflikte zu verhindern. Noch bevor das erste zarte Gras auf den
frischen Gräbern in Kroatien wachsen konnte, hören
wir von blutigen Fehden in Bosnien. Wir haben jedoch
die Chance, den Circulus vitiosus zu durchbrechen,
wenn wir einvernehmlich unsere diplomatischen und
anderen Ressourcen nutzen. Die NATO hat die Bestrebungen der KSZE-Berichterstattermission und der
Vereinten Nationen zur Entsendung von Friedenstruppen uneingeschränkt unterstützt. Das Bündnis hat alle
Parteien aufgefordert, im Rahmen der von der EG
geförderten Carrington-Kommission auf eine politische Lösung des Konflikts hinzuarbeiten. Die Mitglieder des Bündnisses werden weiterhin enge Konsultationen mit der NATO über die Jugoslawien-Krise führen.
In Nagorny-Karabach haben die Vereinigten Staaten
die von der EG unterstützten andauernden Bestrebungen Rußlands und Kasachstans zur Vermittlung in
diesem Konflikt ermutigt. Bei weiterer Gewaltanwendung wird es keine Sieger geben - weder in Armenien,
Aserbaidschan noch sonst irgendwo. Es ist nicht
ruhmreich, Witwen und Waisen den Aufbau der demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaften zu überlassen, dem oberste Priorität eingeräumt
werden sollte. Die Parteien müssen jetzt ihre Anstrengungen zur Durchführung der Bestimmungen des
russisch-armenischen-aserbaidsnhanischen Kommuniques und der Entscheidungen des KSZE-Ausschusses hochrangiger Beamten vom 28. Februar verdoppeln. Zusätzliche Schritte von uns und seitens der
internationalen Staatengemeinschaft könnten als
Reaktion auf die Gewalt und deren Beendigung erforderlich sein.
Diese beiden Konflikte unterstreichen die Notwendigkeit für die NATO und die Mitglieder des Nordatlantischen Kooperationsrats zu erwägen, wie diese beiden
Gremien zur Verhinderung und Minderung des Risikos
zukünftiger Konflikte in Europa beitragen können. Wir
müssen die von unseren niederländischen Kollegen im
Hinblick auf die Arbeitsteilung der Institutionen bei der
Friedenssicherung unterbreiteten konstruktiven Gedanken weiterverfolgen. Wir stimmen überein, daß
Infrastruktur, Ressourcen und operative Erfahrungen
der NATO gut geeignet sind, die Bestrebungen zur
Friedenssicherung zu unterstützen, die in Zukunft von
der KSZE oder den Vereinten Nationen sanktioniert
werden könnten. Darüber hinaus könnten die praktischen Formen der Zusammenarbeit, die die NATO mit

AMERIKA DIENST 10

�unseren Partnern im Nordatlatischen Kooperationsrat
bis hin zum Austausch auf Militärebene und dem
Treffen der Verteidigungsminister am 1. April entwickelt, die höchst wünschenswerte umfassendere Beteiligung an solchen Operationen erleichtern.
Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat kann die
NATO konkret Fachwissen und operative Erfahrungen

*

AMERIKA DIENST 10

*

zu verteidigungs- und sicherheitspolitischen Belangen beisteuern, die unseren Liaison-Partnern den
Übergang zu dauerhaften demokratischen Systemen
erleichtern werden. Durch Zusammenarbeit mit unseren neuen Partnern können wir ein erfolgreiches Programm des Nordatlantischen Kooperationsrats verwirklichen, das zur Sicherheit und Stabilität in der
ganzen euro-atlantischen Gemeinschaft beitragen wird.

*

*

Seite 3

�USA - E U R O P A
11. März 1992

GALVIN: WEITERHIN INTERESSE DER USA
AN ENGAGEMENT IN EUROPA
General Galvin vor dem Streitkräfteausschuß
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Anhörung im Streitkräfteausschuß des Senats erklärte der Oberbefehlshaber
der US-Streitkräfte in Europa, General John R. Galvin, es liege voll und ganz im Interesse der Vereinigten
Staaten, sich weiterhin in Europa zu engagieren und dort Einfluß zu nehmen.
"Dazu benötigen wir (jedoch) eine leistungsfähige, glaubwürdige und einsatzfähige Streitmacht in Europa, die
für eine große Bandbreite von Missionen bereit steht," erklärte Galvin. "Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht verschwunden."
Galvin zufolge ist die NATO am besten in der Lage, auf die vielfältigen Herausforderungen zu reagieren, die in
den nächsten Jahren auf Europa zukommen. "Unsere Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa," konstatiert Galvin.
Im Hinblick auf den Abbau der US-Streitkräfte in Europa verwies Galvin darauf, die Vereinigten Staaten hätten
am 30. Januar 182 Einrichtungen geschlossen. Ihm zufolge stellt dies einen Abbau um 13 Prozent des USEigentums in Europa dar.
Nachfolgend veröffentlichen wir General Galvins Rede im Wortlaut.

Herr Vorsitzender und verehrte Ausschußmitglieder,
der Umfang und das Tempo der Veränderungen in der
politischen Landschaft Europas setzen sich in nie
dagewesenem Ausmaß fort. Die wichtigste jüngste
Veränderung ist die politische Umgestaltung der
Sowjetunion. Die überwältigende militärische Bedrohung der Sowjets gegenüber Europa ist verschwunden. An Stelle der früheren Sowjetunion sind zwölf
unabhängige Staaten getreten - einige mit Atomwaffen
-, die alle eine Lösung ihrer massiven politischen und
wirtschaftlichen Probleme anstreben. Trotz der Hilfe
anderer Länder besteht ein hohes Potential für Unruhen.
Das Verschwinden der sowjetischen Bedrohung ist
keine Garantie für Frieden und Stabilität in Europa.
Andere beunruhigende Kräfte sind in den Vordergrund
getreten. Regionale Spannungen bestehen weiterhin,
und sie haben sich in einigen Fällen - in Jugoslawien
und im Transkaukasus - zu offenen Konflikten ausgeweitet. Vielen dieser Konflikte auf dem Kontinent liegt
eine traditionelle Völkerfeindschaft zugrunde, und neue
Freiheiten infolge der Beseitigung totalitärer Regime
hauen a!tc F?&gt;ndschften Wiederaufflammen lassen.
Trotz der Vermittlung der Vereinigten Staaten bei den

AMERIKA DIENST 10

laufenden Friedensverhandlungen zwischen Israel und
seinen Nachbarn bleiben die Grundprobleme ungelöst. In den vergangenen zehn Jahren sind stärkere
fundamentalistische Tendenzen zu beobachten. Der
Drogenhandel, ein weltweites Problem, hat in Afrika
zugenommen, zum Teil infolge der stärkeren Überwachung und der verstärkten Unterbindung des Nachschubs in Süd- und Mittelamerika.
Die Welt im allgemeinen und Europa im besonderen
befinden sich in einem Zeitabschnitt grundlegenden
Wandels: dem Übergang vom Bekannten und Berechenbaren zum Unsicheren und Unberechenbaren.
Die Ereignisse der letzten drei Jahre hätten sich Anfang 1989 nicht vorhersagen lassen. Was 1995 bringen wird, ist schwer einzuschätzen. Es gibt weiterhin
Bedrohungen für US-Interessen, aber sie sind unklarer und vielfältiger. Unser Verständnis der neuen Situation basiert nicht auf einem Schlagwort, sondern
auf einem durchdachten Prozeß. Der Sicherheitsbedarf der Vereinigten Staaten hat eine neue und größere Dimension erhalten. Wir müssen mit einer unerwarteten Krise oder einem unerwarteten Krieg fertigwerden können. Unsere neue nationale Militärstrategie
wurde vor diesem Hintergrund konzipiert.

Seite 1

�In früheren Anhörungen dieses Jahres hat der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs vier Grundsätze der
amerikanischen Sicherheitsstrategie dargelegt: strategische Abschreckung, Vorneverteidigung, Reaktion
im Konflikt und Neuorganisation.
Aus meinem Blickwinkel als Oberbefehlshaber der
US-Streitkräfte in Europa ist die Vorneverteidigung der
US-Streitkräfte der Schlüssel fürunsere Strategie. Wir
haben nach wie vor vitales Interesse an Frieden,
Stabilität und Wohlstand in Europa. In der ersten
Hälfte dieses Jahrhunderts haben uns Konflikte und
Instabilität in Europa veranlaßt, Hunderttausende
amerikanischer Soldaten zu entsenden, damit sie in
zwei blutigen Kriegen für die Wiederherstellung des
Friedens kämpfen. In der Wirtschaft sind wir ein
wichtiger Handelspartner der Länder Europas und
verfügen 1991 über einen steigenden und umfangreichen Handelsüberschuß von etwa 17 Milliarden Dollar.
Ein Gro ßteil unserer Kultur und unseres Erbes stammt
aus Europa, und etwa 1,7 Millionen US-Bürger leben
und arbeiten dort. Kurzum: die Sicherheit Amerikas ist
von der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Stabilität in Europa nicht zu trennen.
Nach dem ersten Weltkrieg entwickelten wir eine isolationistische Haltung und wandten uns von Europa
ab. Damit hinterließen wir eine instabile und potentiell
explosive Situation. Das Fehlen einer zusammenhaltenden Struktur oder eines entsprechenden Forums
zur Lösung nationaler Streitigkeiten zusammen mit
starkem politischen und wirtschaftlichem Nationalismus führten letztlich zum Krieg. Trotz einiger Widerstände kamen wir zurück, um den Frieden wiederherzustellen und unsere Interessen zu schützen, aber zu
einem hohen Preis für die amerikanischen Bürger und
unsere Ressourcen. Das Ende des Zweiten Weltkriegs hinterließ dasselbe Potential für weitere Instabilität. Die militärische Macht und die zunehmenden
Ambitionen der Sowjetunion mit ihrer dominanten
Position in Osteuropa haben uns zum Bleiben veranlaßt und zur Bildung des Nordatlantischen Bündnisses
geführt. Unsere Präsenz der letzten 40 Jahre hat dazu
beigetragen, daß eine weitere sowjetische Expansion
verhindert wurde, und sie hat den westeuropäischen
Ländern ein Umfeld geschaffen, in dem sie gemeinsam wachsen und gedeihen konnten. Dieses durch
eine Vornepräsenz dokumentierte Engagement der
Vereinigten Staaten hat sich ausgezahlt. Die zweite
Hälfte dieses Jahrhunderts ist von Frieden und Stabilität gekennzeichnet. Der Unterschied zwischen dem
Krieg in der ersten Hälfte des Jahrhunderts und dem
Frieden in der zweiten kann zum großen Teil auf einen
wichtigen Faktor zurückgeführt werden... auf das
Engagement der Vereinigten Staaten, dokumentiert
durch die kontinuierliche Präsenz der US-Streitkräfte
in Europa.
Jetzt befinden wir uns in einer ähnlichen Situation nach
einem anderen Krieg. Der kalte Krieg ist vorbei, und
unsere früheren Gegner betrachten uns in ihren schwieSeite 2

rigen Zeiten als Freunde und Helfer. Obwohl sich viel
verändert hat, ist die Welt zu klein, unsere Wirtschaft
zu international, und unsere Ressourcen sind zu begrenzt, um sich aus Europa in eine "Festung Amerika"
zurückzuziehen. Die Geschichte zeigt eindeutig, daß
unsere militärische Präsenz einen stabilisierenden Effekt
auf Europa und darüber hinaus Vorteile für unsere Sicherheit hat. Unsere Verbündeten sind sicn dieser
Tatsache bewußt. Beim Gipfeltreffen in Rom im
November vergangenen Jahres sind sie übereingekommen: "die Präsenz nordamerikanischer konventioneller Streitkräfte und nuklearer Streitkräfte der
Vereinigten Staaten bleibt lebenswichtig für die Sicherheit Europas, die untrennbar mit der Sicherheit Nordamerikas verbunden ist". Seit über 43 Jahren ist unser
Engagement in der NATO der Stützpfeiler des Bündnisses.
Die NATO ist die erfolgreichste Sicherheitsorganisation der Geschichte. Die nordatlantische Solidarität
und die kollektive Verteidigung haben den kalten Krieg
erfolgreich beendet. Wir müssen jetzt die NATO aus
einem neuen und breiteren Blickwinkel betrachten.
Während die Westeuropäer die Sicherheitsimplikationen infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion in
den Griff bekommen, suchen die Osteuropäer nach
neuen Strukturen, an denen sie ihre Sicherheit verankern können. Die NATO verfügt über die Erfahrung,
Infrastruktur und die Mechanismen, um sich dem
veränderten Sicherheitsumfeld erfolgreich anzupassen. In den vergangenen zwei Jahren hat das Bündnis
bei seinen Zusammenkünften in London, Kopenhagen
und Rom ein neues Strategisches Konzept entwickelt
und verabschiedet, um diesen neuen Herausforderungen gerecht zu werden.
Das Konzept schlägt kleinere Streitkräfte vor, ferner
größere Mobilität, bestimmte Grade der Einsatzfähigkeit, multinationale Streitkräfte, Aufwuuliäfjotential,
militärische Kontakte mit früheren Gegnern und eine
Betonung des Krisenmanagements. Durch den Nordatlantischen Kooperationsrat bietet die NATO den
Demokratien Osteuropas und den Ländern der früheren Sowjetunion ein Forum für ihre Sicherheitsprobleme. Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn und sogar
Rußland haben um ihre Aufnahme in die NATO gebeten. Diese Länder haben erkannt, daß die NATO die
beste Möglichkeit bietet, ihren Bedarf an Sicherheit zu
befriedigen und darüber hinaus die einzige Alternative
zu neuen nationalen Verteidigungsstrukturen ist.
Zusätzlich zu verstärktem Dialog und der Zusammenarbeit mit früheren Gegnern ist die NATO auch an
anderen Fronten aktiv.
In den vergangenen 20 Monaten sind Streitkräfte der
NATO-Länder unter der Schirmherrschaft von sechs
verschiedenen Organisationen mindestens achtmal
zum Einsatz gekommen. Im Golf krieg wurden Aufk'ärungsflugzeuge der NATO und Teile der mobilen Eingreiftruppe in die Türkei entsandt, während andere

AMERIKA DIENST 10

�NATO-Streitkräfte die Kommunikationswege am Mittelmeer sicherten. Marineeinheiten der NATO-Länder
wurden unter der Kontrolle der Westeuropäischen
Union eingesetzt. Streitkräfte von 15 NATO-Staaten
haben an der Operation Wüstensturm teilgenommen.
NATO-Länder einer anderen Koalition haben mit der
Operation Provide Comport auf die Leiden der Kurden
reagiert. Patriot-Raketen aus den NATO-Ländern
wurden nach Israel geschickt. Einige der NATO zugeteilte Streitkräfte haben Ausländer aus Zaire evakuiert,
manche NATO-Mitglieder haben unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen Streitkräfte als
Beobachter nach Jugoslawien entsandt und werden
weitere Soldaten zu Friedensmissionen dorthin schikken. Heute werden die Möglichkeiten und die Infrastruktur der NATO bei der Aktion Hoffnung eingesetzt.
In jedem dieser Fälle wurde mit Hilfe von Streitkräften
reagiert, die der NATO zugeteilt waren - für ihre
Mission personell ausgestattet, ausgerüstet und ausgebildet von NATO-Ländern unter verschiedenen
Kommandos.
Die amerikanische Führungsrolle in der NATO basiert
auf der Präsenz unserer Streitkräfte in Europa. Die
Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Beeinflussung
von Ereignissen in Europa ergibt sich durch unser
sichtbares und kontinuierliches Engagement für das
Bündnis. Um dem Sicherheitsbedarf der Vereinigten
Staaten auf einem europäischen Gefechtsfeld Rechnung zu tragen, haben wir in Europa Basisstreitkräfte
entwickelt und damit dem neuen Sicherheitsumfeld
und der angespannten Finanzlage Rechnung getragr; i. Als Vorsichtsmaßnahme im Hinblick auf die
unsichere Zukunft sind wir bestrebt, nicht zu schnell zu
weit zu gehen. Zusätzlich zu ihren militärischen Fähigkeiten demonstrieren die in Europa stationierten Basisstreitkräfte unseren Verbündeten in Europa, daß wir
bereit sind, weiterhin bei den europäischen SicherheitsentscJ-.cidungen eine Führungsrolle zu übernehmen. Folgende Streitkräfte wird es im Haushaltsjahr
1995 noch geben:
Eine erheblich geringere, aber glaubwürdige kriegsschauplatzgebundene nukleare Abschreckung.

Unterstützung für Einsätze im Mittelmeer;
unseren Betrag zur NATO-Luftverteidigung;
Eine Gruppe Flugzeugträger im Mittelmeer, die folgendes bietet:
Überlegenheit auf See;
Übertragung von Macht;
Kontrolle auf See.
Eine amphibische Einsatztruppe mit Marineinfanteristen, die auf dem gesamten Kriegsschauplatz im
Eventualfall einsatzbereit sind.
Zusätzlich zu diesen Streitkräften verfügen die Basisstreitkräfte in Europa über ausreichende Nachrichtendienste, Kommunikationseinrichtungen, Luftverteidigung und Logistik, einschließlich der damit zusammenhängenden Infrastruktur, um die Ankunft der
Verstärkungseinheiten aus den Vereinigten Staaten
oder die Stationierung von Einheiten außerhalb des
Bündnisgebietes zu unterstützen.
Diese Streitkräfte im Umfang von insgesamt 150.000
Soldaten (Heer: 92.200, Luftwaffe:44.800 und Marine:
13.000) sind um die Hälfte kleiner als unsere Streitkräfte vor zwei Jahren. Wir haben diese erheblich kleineren Streitkräfte konzipiert, um unser Engagement für
die NATO zu demonstrieren, regionale Stabilität zu
gewährleisten, einen Schutz gegen Unsicherheit zu
bieten sowie die Infrastruktur und logistische Unterstützung für die Verstärkung der Einsätze andernorts
aufrechtzuerhalten.
Sie werden in der Lage sein, jeglicher Bedrohung
unserer kriegsschauplatzgebundenen Interessen entgegenzutreten und verleihen den Vereinigten Staaten
eine Kampffähigkeit, die gegebenenfalls auch zur
Unterstützung strategischer Ziele andernorts eingesetzt werden kann. Eine solch vielseitige Streitmacht,
die auf Konflikte sämtlicher Intensitätsstufen reagieren
kann, ist darauf ausgerichtet, sich die Fähigkeiten
jeder Teilstreitkraft zunutze zu machen und die Fähigkeiten unserer Verbündeten in der NATO zu ergänzen.

Ein fähiges Heereskorps mit
der kleinsten Einheit, die zur Kampfführung
fähig ist,
dem niedrigsten Bereitschaftsgrad, um eine
optimale Luft-Boden-Schnittstelle zu erreichen,
einem Beitrag zu den multinationalen NATOStreitkräften.
Drei bis vier Jagdgeschwader, davon eines in der
Südregion: Diese Geschwader bieten:
ausreichende Streitkräfte für die Überlegenheit
in der L «ift und Luftunterstützung für Landstreitkräfte;

AMERIKA DIENST 10

Um diese erheblich kleinere europäische Streitmacht
aufrechtzuerhalten, wird eine wesentlich geringere
Zahl an Personal, Ausrüstung, Einrichtungen und finanziellen Mitteln erforderlich sein als im kalten Krieg.
Um die Herausforderungen der kommenden Jahre zu
bewältigen, haben wir mehrere Schlüsselbereiche
ausgewählt, in denen unsere Resourcen konzentriert
werden sollten. Wir haben unsere Erfahrungen aus
dem kalten Krieg und der Operation Wüstensturm
genommen, diese mit dem Wissen um die knappen zur
Verfügung stehenden Mittel verbunden und eine Liste
von Prioritäten erstellt, die unserer Meinung nach
erforderlich sind, um unsere Planung zum Truppenabbau vollständig zu verwirklichen und gleichzeitig eine
glaubwürdige Kampftruppe in Europa zu bewahren.
Seite 3

�Unsere wichtigste Priorität im Hinblick auf die Mittelanforderungen des European Command gilt weiterhin
unserem Personal, das angemessene Wohn- und
Arbeitsbedingungen, eine Gemeinde, die ihre Grundbedürfnisse erfüllt, und eine vernünftige medizinische
Versorgung verdient. Im vergangenen Jahr haben
vom Kongreß beschlossene Einsparungen für den
Unterhalt von Liegenschaften, den Betrieb der europäischen Stützpunkte, Betrieb und Erhaltung (O&amp;M)
sowie Ortskräfte unsere Fähigkeit verringert, unsere
Truppen und deren Familien zu unterstützen und die
Kosten für Instandsetzung und Unterhalt unserer Einrichtungen erhöht.
Unsere zweite Priorität ist die Einsatzbereitschaft und
Ausbildung unserer bestehenden Streitkräfte. Das
breite Spektrum von Aufträgen, zu deren Ausführung
unsere künftige Streitmacht in der Lage sein müßte,
erfordert von uns die Stationierung kampfbereiter
Einheiten. Wir bemühen uns weiterhin um die Verfeinerung dessen, was ich als den "richtigen Mix" an
Ausbildungsaktivitäten bezeichne. Zu diesem Mix
gehören der Einsatz von Computersimulationen,
Manöver und Stabsrahmenübungen sowie Verbundmanöver der verschiedenen Teilstreitkräfte. Die Integration dieser unterschiedlichen Methoden gestattet
es uns, wichtige und unverzichtbare Ausbildungselemente zu geringeren Kosten und mit knapperen Mitteln
zu verwirklichen. Der Schlüssel zu Qualität und Realismus in der Ausbildung ist das "Warrior Preparation
Center". Als gemeinsame Einrichtung der Teilstreitkräfte erlaubt es uns die Durchführung der operativen
Ausbildung mittels realistischer Computersimulation
und verringert somit die Notwendigkeit von Großmanövern.
Meine dritte Priorität ist die Erhaltung unserer Investitionen in die amerikanische Infrastruktur in Europa.
Auch bei Abzug, Konsolidierung und Verlegung von
Einheiten sowie der Schließung von Stützpunkten
werden weiterhin Mittel für Instandhaltung sowie O&amp;M
benötigt. Auf verbleibenden Stützpunkten müssen
eine Reihe von Bauvorhaben vollendet werden. Unser
Antrag für dieses Jahr ist bescheiden: nur fünf Projekte in Gesamthöhe von 43 Millionen Dollar. Diese
Projekte in Grafenwöhr, Hohenfels, Rhein-Main und
Souda Bay sind erforderlich, um Lebens- und Umweltqualität auf diesen Stützpunkten aufrechtzuerhalten.
Wegen der Streichung des Infrastrukturprojekts Crotone untersucht die NATO eine Reihe von Alternativen,
um einen geeigneten Standort für die amerikanischen
Flugzeuge zu finden, der den Haushaltsengpässen
der Vereinigten Staaten und des Gastlandes Rechnung trägt. Wir werden mit der Prüfung dieser Optionen voraussichtlich im April beginnen, und die NATO
plant, dieses Thema beim nächsten Treffen des Verteidigungsplanungsausschusses im Frühjahr erneut
aufzugreifen. Das NATO-Infrastrukturprogramm wurde
von Gast- und Benutzerstaaten gründlich überprüft,
um sicherzustellen, daß nur stichhaltige Vorhaben

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finanziert werden. Der Haushaltsantrag des Verteidigungsministeriums in Höhe von 221,2 Millionen Dollar
für Infrastrukturvorhaben der NATO im Haushaltsjahr
1993 stellt das Mindestmaß für die Instandsetzung
bestehender NATO-Einrichtungen, Projekte der nuklearen Sicherheit sowie die Nutzung vorfinanzierter
Projekte dar.
Strategische Mobilität ist meine vierte Priorität. Unsere Streitkräfte müssen einsatz- und reaktionsfähig sein,
und dies gilt insbesondere angesichts der Reduzierung unserer Vornepräsenz. Die Fähigkeit zur Verlegung von Kampftruppen in jede Region wird auch in
den kommenden Jahren eine strategische Priorität
sein. Die Operationen in Südwestasien haben gezeigt,
daß der erste Teil der Mobilitätsgleichung in Stationierungs- und Überflugrechten bei befreundeten Nationen besteht. Unsere Fähigkeit zur Stationierung von
Truppen in vielen Teilen der Welt hängt von unseren
Verbündeten ab. Für den Rest der Gleichung benötigen wir für die Projektion amerikanischer Machtmittel
ausreichende Luft-und Seetransportkräfte im Verbund mit land- und seegestützter vorgelagerter Ausrüstung. Die Kombination aus Unterstützung durch die
Verbündeten, strategischer Luftbrücke und voreingelagertem Gerät hat es uns erlaubt, die für den erfolgreichen Verlauf der Mission enscheidende Kampfkraft
herzustellen. Die ungewisse Zukunft wird uns zwingen, dasselbe Niveau an strategischer Flexibilität
aufrechtzuerhalten.
Meine fünfte Priorität ist die selektive Modernisierung.
Die Kommandeure der Kampftruppen benötigen Systeme, die den besten Mix von Mobilität, Führung,
Feuerkraft und Kommunikation gewährleisten. Eine
kluge Auswahl zur Verfügung stehender und hochmoderner Systeme gewährleistet die größtmögliche
Kampffähigkeit. Der Schlüssel zum Erfolg auf dem
modernen und künftigen Gefechtsfeld isi Jiw Fähigkeit
der Kommandeure, gegnerische Kräfte zu orten, identifizieren, auszumanövrieren und an Feuerkraft zu
übertreffen. Einige dieser Systeme, die ihren Wert im
Golfkrieg bewiesen haben, sind das gemeinsame
Aufklärungs/Zielangriffsradarsystem (Joint Surveillance/Target Attack Radar System), moderne Mehrzweckkampfflugzeuge und -hubschrauber, moderne Mehrzweckmarineeinheiten und moderne amphibische Kräfte.
Schließlich bitte ich um Ihre Unterstützung für die
Militärhilfeprogramme, insbesondere in Afrika. Die
etablierten und aufstrebenden Demokratien bedürfen
der Unterstützung. Sie sind mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, darunter soziale, wirtschaftliche und Umweltprobleme, die durch Armut, AIDS,
Dürre und Hungersnöte noch komplizierter werden.
Wir können ihnen mit Programmen wie dem African
Regional Military Assistance Program helfen, das eine
Anzahl von Leistungen zum staatlichen Aufbau bereitstellt. Eine kleine Investition heute wirH !n den kommenden Jahren erhebliche Dividenden einbringen.

AMERIKA DIENST 10

�Die nächsten Jahre werden unsere Fähigkeit auf die
Probe stellen, bisher unbekannten Herausforderungen zu begegnen. In den vergangenen 24 Monaten
haben wir über 40 krisenhafte Vorgänge erlebt und auf
30 reagiert, indem wir irgendeine Dimension unserer
vorne stationierten Militärmacht eingesetzt haben. Die
Reaktionen erstreckten sich über das gesamte Spektrum militärischer Aktivitäten: humanitäre Hilfe für den
Nordirak über die Türkei, Evakuierungsoperationen in
Liberia und Zaire und Kampfoperationen in Südwestasien. In Europa stationierte Patriot-Flugabwehreinheiten wurden nach Saudi-Arabien und Israel verlegt,
und Streitkräfte des European Command sind weiterhin aktiv an der Operation Provide Comfort beteiligt
und unterstützen heute die Aktion Hoffnung in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten.
Im vergangenen Jahr haben wir unsere europäische
Streitkräftestruktur weiter gestrafft. Obwohl der Golfkrieg den Schwerpunkt unserer Bemühungen zeitweise verlagerte, hat sich die Intensität nicht verändert.
Wir haben das VII. Korps vom Golf nur zurückgeführt,
damit Tausende von Soldaten und deren Familienangehörige ihre Sachen packen und in die Vereinigten
Staaten zurückkehren konnten. Wir haben den Truppenabbau dort forgesetzt, wo wir stehengeblieben
waren, und haben in einigen Fällen das Tempo sogar
beschleunigt. In den vergangenen zwei Jahren haben
wir über 230.000 Soldaten, Zivilisten und Familienangehörige aus Europa in die Vereinigten Staaten zurückgeführt, während wir über 90.000 Soldaten nach
Südwestasien verlegten. Wir haben ferner erhebliche
Fortschritte bei der Reduzierung unserer europäischen
Stützpunkte gemacht. Bis zum 30. Januar 1992 hatten
wir 182 Einrichtungen geschlossen und damit unseren
Bestand in Europa um 13 Prozent reduziert. Darüber
hinaus arbeiten wir unermüdlich an der Verwirklichung
der Kernwaffeninitiative des Präsidenten, indem wir
unsere landaestützten Kernwaffen abziehen und die
amerikanischen chemischen Waffen in Europa bereits
beseitigt haben.

Interessen berühren, und unseren Truppenabbau in
Europa fortzusetzen, erfordert ein Engagement seitens der Vereinigten Staaten. Wir müssen unsere
Streitkräftestruktur so planen, daß eine glaubwürdige
Abschreckung gewährleistet, regionale Stabilität gefördert und eine Fähigkeit zur flexiblen Reaktion auf
Krisen gesichert sind. Um unsere neue Strategie zu
verwirklichen, müssen wir weiterhin den Bedürfnissen
unseres Personals größte Aufmerksamkeit schenken
und ihm angemessene Wohn- und Arbeitsbedingungen, den besten Mix modernisierter Ausrüstung und
die realistischste Ausbildung geben, die wir entwickeln
können.
Das Ende des kalten Kriegs und die politische Umgestaltung der ehemaligen Sowjetunion stellen eine historische Zäsur dar, die uns eine enorme Chance zur
Entwicklung eines stabilen und dauerhaften Friedens
in Europa bietet. Zentrale Voraussetzung für die
Erlangung dieses Ziels ist das Prinzip der kollektiven
Sicherheit. Als Organisation mit über 40 Jahren der
Zusammenarbeit und Erfahrung ist die NATO in der
besten Position, um auf das breite Spektrum der
Herausforderungen zu reagieren, mit denen Europa in
den kommenden Jahren konfrontiert sein wird. Unsere
Unterstützung und Führungsrolle im Bündnis bietet die
beste Hoffnung für ein sicheres und stabiles Europa.
Die Geschichte zeigt uns, daß die Sicherheit und
Stabilität Europas mit unserer eigenen untrennbar
verbunden sind. Diese Prämisse ist mit der Auflösung
der Sowjetunion und des Warschauer Pakts nicht
verschwunden. Unsere Vomepräsenz in Europa schützt
die Vereinigten Staaten und amerikanische Interessen
und liefert ein Bindeglied, das uns die Möglichkeit gibt,
wichtige, unsere gemeinsame Verteidigung betreffende Entscheidungen zu beeinflussen. Es liegt in unserem besten Interesse, in den europäischen Angelegenheiten engagiert und einflußreich zu bleiben. Dazu
benötigen wir eine leistungsfähige, glaubwürdige und
einsatzfähige Streitmacht in Europa, die für eine gro ße
Bandbreite von Missionen bereit steht.

Das Problem der Ungewißheit in den Griff zu bekommen, auf Krisen zu reagieren, die unsere nationalen

*

AMERIKA DIENST 10

* * *

*

Seite 5

�GUS-WISSENSCHAFTLER
11. M I R 1982

DIE ZIELE DES INTERNATIONALEN
WISSENSCHAFTSZENTRUMS
Kernwaffen-Know-how nicht in falsche Hände geben

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Baker zufolge
stehen die Vereinigten Staaten an vorderster Front bei
den Bemühungen, in Rußland ein internationales
Zentrum ins Leben zu rufen, das Nuklearwissenschaftlern der ehemaligen Sowjetunion dabei helfen soll,
Versuchungen zu widerstehen, ihr Wissen an Staaten
zu verkaufen, die nach dem Besitz von Kernwaffen
trachten.

Obwohl das internationale Zentrum in Rußland eingerichtetwürde, könnten laut Baker Wissenschaftler aus
allen GUS-Staaten dort arbeiten. Die von den Vereinigten Staaten zugesagten 25 Millionen Dollar würden
einem im vergangenen Jahr für die Unterstützung
sowjetischer nuklearer Abrüstungsbemühungen eingerichteten Sonderfonds des US-Verteidigungsministeriums von 400 Millionen Dollar entnommen.

Die Vereinigten Staaten haben zunächst 25 Millionen
Dollar für die Gründung dieses Zentrums angeboten.
Weitere Beiträge sind von Deutschland und Japan
zugesagt worden, so Baker am 3. März 1992 in einer
Frklärung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhausesfür Haushaltsfragen. Baker begründete
mit seiner Erklärung den Haushaltsantrag des USAußenministeriums für das Haushaltsjahr 1993.

"Es würde als Clearing-Stelle für Projekte dienen, die
von diesen Personen verwirklicht werden könnten und
sie auf interessante, befriedigende und geistig anregende Weise beschäftigen würden. Sie wären dann
nicht mehr versucht, ihr Know-how über Kernwaffen
auf dem schwarzen Markt anzubieten", stellte Baker
fest. Der amerikanische Privatsektor werde ermutigt,
"sich für dieses Zentrum zu engagieren, es zu unterstützen und sich daran zu beteiligen".

"Ich glaube nicht, daß es irgendeine Garantie dafür
gibt, daß «*«s "'cht geschehen wird", räumte der
Minister auf die Frage ein, ob die Gefahr einer Weitergabe kernwaffentechnischen Wissens an den instabilen Nahen Osten bestehe. "Wenn Sie sich anschauen,
wie diese Wissenschaftler bezahlt wurden, und welche
Summen ihnen für die Weitergabe ihre Wissens angeboten werden könnten... ist es schwer vorstellbar, jede
Abwanderung auszuschließen."
"Diese Personen haben uns jedoch ausdrücklich versichert, daß sie eigentlich nur eine interessante TätigI-Qit sowie die Möglichkeit suchen, ihr Wissen in einer
intellektuell anregenden Art und Weise und so anzuwenden, daß sie damit ihre Familie ernähren können",
erklärte Baker.
Der Außenminister war im Rahmen einer Reise durch
einige Staaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) im vergangenen Monat in Tscheljabinsk,
einer ehemals streng geheimen atomaren Forschungseinrichtung der früheren Sowjetunion, mit einer Gruppe von Wissenschaftlern zusammengetroffen.

AMERIKA DIENST 10

Das Wissenschaftszentrum wird diese Woche eines
der wichtigsten Themen der Erörterungen im Rahmen
eines Treffens des Nordatlantischen Kooperationsrats
in Brüssel sein. Baker nimmt als Leiter der amerikanischen Delegation an diesem Treffen teil, bei dem
Vertreter der NATO, des ehemaligen Warschauer
Pakts und der aus der früheren Sowjetunion hervorgegangenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten zugegen sein werden.
Die Vereinigten Staaten haben mit den Führungen
einiger der neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion bereits Gespräche über Probleme in
Zusammenhang mit Kernwaffen geführt, so über deren sichere Lagerung und Transport sowie die Konversion kernwaffentechnischen Materials, das bei Demontage und Zerstörung sowjetischer Kernwaffen
zurückbleibt. Baker war nicht sicher, ob das gesamte
Nuklearmaterial für friedliche Zwecke umgerüstet werden
kann, da es viel mehr waffenfähiges Material gebe als
in Kernreaktoren allein verwendet werden könne.

Seite 1

�"Wir sind bestrebt, insbesondere mit den Russen bei
der Entwicklung eines Buchführungs- und Kontrollsystems zusammenzuarbeiten, um über den Verbleib
des Materials in Rußland auf dem Laufenden zu bleiben", erklärte Baker und fügte hinzu: "Wir haben das
Problem auch mit einigen unserer Partner und Verbündeten in der NATO erörtert." Er wisse jedoch "bis heute
von keinen Bemühungen, dies im Rahmen irgendeines multilateralen Abkommens zu institutionalisieren".
In Beantwortung einer Frage erklärte der Außenminister, die letzte Woche abgeschlossene Aktion Hoffnung sende den neuen Staaten der früheren Sowjetunion "ein Signal der Hoffnung", daß "der Rest der Welt
und insbesondere die Vereinigten Staaten, ihnen helfen will". Die auf Initiative der Vereinigten Staaten
zustandegekommene Luftbrücke umfaßte 65 Einsätze mit einer großen Menge dringend benötigter Nahrungs- und Arzneimittel für alle früheren Sowjetrepubliken außer Georgien.

des Sicherheitsrats hat der Irak "die Resolutionen
gebrochen und wurde über die ernsthaften Konsequenzen einer kontinuierlichen Nichteinhaltung gewarnt", erklärte Baker und fügte hinzu, es "besteht
immer die Möglichkeit, gegebenenfalls das Inspektionsregime zu stärken". Er konstatierte, "es hat keine
Abnahme oder Auflösung der Entschlossenheit" der
Mitgliedstaaten stattgefunden, "eine vollständige Erfüllung" der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch
den Irak sehen zu wollen.

Naher Osten. Baker erklärte, die Vorteile eines erfolgreichen Friedensprozesses im Nahen Osten wären
nicht nur für die Länder in der Region, sondern auch für
viele Länder auf der ganzen Welt "von Bedeutung".
"Offen gesagt berührt uns die Tatsache, daß die
Parteien sich zum ersten Mal seit vierzig Jahren an
einem Tisch zusammensetzen und miteinander reden
und daß - zumindest bis jetzt - niemand die Verhandlungen verlassen hat," erklärte der Außenminister.
"Unserer Meinung nach fangen sie an, sich auf das
Baker erklärte anläßlich seines Besuches der Republi- Wesentliche zu konzentrieren... und wir hoffen, daß
ken Zentralasiens, "es vermittle den Menschen in einer dies anhält."
Region einen guten Eindruck, in der die Vereinigten
Staaten sich engagieren sollten und wo für uns wich- Kreditbürgschaften für Israel. Der Außenminister
tige Interessen auf dem Spiel stehen". Auf die Luft- bekräftigte, es liegt an der israelischen Regierung",
brücke müssen weitere Aktionen folgen, unter ande- die "volle Finanzierung" der Kreditbürgschaften für
rem Lieferungen von Getreide und weiteren Medika- Siedlungen in Höhe von 10 Milliarden Dollar zu erhalmenten, die Baker zufolge in allen neuen Staaten ten. Letzte Woche erklärte Baker, die Regierung
"dringend benötigt werden". Baker erklärte femer, die werde die Gesamtforderung unterstützen, wenn Israel
Vereinigten Staaten würden mit ihren engen Verbün- alle Besiedlungsaktivitäten in den besetzten Gebieten
deten über die Fortführung der humanitären Hilfe in aufgibt. "Meiner Ansicht nach ist es nur vernünftig, daß
größerem Umfang sprechen.
die Vereinigten Staaten nicht direkt oder indirekt etwas
finanzieren wollen, das sie ablehnen", erklärte Baker.
Der Außenminister erörterte eine Reihe weiterer The- Alternativ würde die Regierung Kreditbürgschaften für
menkreise.
einen niedrigeren Betrag übernehmen, mit dem Israel
die im Januar 1992 noch andauernden Bauarbeiten
China. Baker bekräftigte, die Bush-Regierung sei abschließen könnte.
weiterhin dagegen, die Meistbegünstigungsklausel für
China vom Verhalten des Landes bei den Menschen- USIA und Stimme Amerikas. "Meines Erachtens
rechten und Chinas Einhaltung der Richtlinien des spielen sie nach wie vor eine wichtige Rolle bei der
Kontrollregimes für Raketentechnologie abhängig zu Durchführung unserer Außenpolitik", erklärte Baker.
machen. "Zwischen uns bestehen grundlegende "Wir messen der Stärkung des internationalen RundMeinungsverschiedenheiten im Hinblick darauf... wie funkwesens eine hohe Priorität bei und wollen die Botwir es schaffen, daß China tut, was wir wollen", erklärte schaften der Prinzipien und Werte - Demokratie und
Baker gegenüber der Kongreßabgeordneten Nancy Freiheit beispielsweise - verbreiten, an die wir glauben.
Pelosi. Baker fügte hinzu, die Vereinigten Staaten Auch angesichts all der Veränderungen, die stattgeseien "nicht zufrieden mit den Reaktionen" der chine- funden haben, sehe ich nicht, daß die Rolle unserer
sischen Behörden auf die Menschenrechtsfragen sowie Informationsdienste abnimmt. Sie werden neue Ziele
das Problem der Ausreisefreiheit und hätten sie auf definieren müssen. Das sollten sie tun. Zum Beispiel
diese Frage "noch einmal angesprochen".
liegt es jetzt verstärkt in unserem Interesse, unsere
Irak. Baker verwies darauf, der UN-Sicherheitsrat Botschaft in Zentralasien zu verbreiten. Wir sind
habe kürzlich energisch erklärt, "das Versagen des beispielsweise daran interessiert, bis ins kommunistiIraks bei der Offenlegung aller Aspekte seiner Waffen- sche Asien vorzudringen", erklärte der Au ßenminister.
programme und bei der Zerstörung einiger Geräte zur Die Forderung für das Haushaltsjahr 1993 beläuft sich
Herstellung von Raketen" untersuchen und verurteilen auf 1,14 Millionen Dollar für das US-Informationsamt
zu wollen, wie es im Rahmen des Waffenstillstands für und 220 Millionen Dollar für den Internationalen Rundden Persischen Golf vereinbart wurde. Nach Ansicht funkrat.

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Schließung von Vertretungen. Baker erklärte, das
Avtenministeriuni möchte einige diplomatische Vertretungen schließen, verwies aber darauf, entsprechende Vorschläge in cer Vergangenheit seien immer
am Widerstand des Kongresses gescheitert. "Wir
stehen gegenwärtig in engen Konsultationen mit dem

Kongreß über die Schließung von Konsulaten in Porto,
Antwerpen und Lyon und erwägen die Möglichkeit der
Schließung auch in Genua und Amsterdam", erklärte
Baker. Darüber hinaus möchte das Au ßenministerium
einen Abbau bei anderen Vertretungen vornehmen,
die er nicht im einzelnen nannte.
* *

AMERIKA DIENST 10

Seite 3

�VSBM
11. März 1992

MARESCA ZU VSBM-VERHANDLUNGEN
Pressekonferenz mit Botschafter Maresca
WIEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Leiter der US-Delegation bei den Verhandlungen über
Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen (VSBM), Botschafter John J. Maresca, am 4. März 1992 in
Wien gegebene Pressekonferenz im Wortlaut.

Botschafter Maresca: Ich danke Ihnen, daß Sie so
zahlreich erschienen sind. Ich hielt dies für eine gute
Gelegenheit, Sie wieder auf den neuesten Stand unserer
Aktivitäten zu bringen und werde heute morgen auf
verschiedene Aspekte unserer Arbeit eingehen. Der
eine sind die VSBM-Verhandlungen, der zweite die
kontinuierliche Arbeit an dem neuen, nach Helsinki ins
Leben gerufenen Sicherheitsforum, der dritte Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums (CPC) einschließlich der heute nachmittag beginnenden, und dann
möchte ich kurz die vom Komitee hochrangiger Beamter in Prag Ende letzter Woche im Hinblick auf Nagorny-Karabach entschiedene Vorgehensweise erörtern.
Ebenfalls anwesend ist Brigadegeneral Burt Davitte,
unser militärischer Vertreter bei diesen Verhandlungen, falls technische Fragen bezüglich des VSBMDokuments auftauchen sollten.
Ich möchte zunächst mit dem VSBM-Dokument beginnen, das im Augenblick verabschiedet wird. Ich denke,
man wird in Kürze eine Einigung erzielen. Wir befassen uns wie gewöhnlich mit den in letzter Minute
vorgenommenen unterschiedlichen Interpretationen,
und wenn wir das hinter uns gebracht haben, wird das
Dokument verabschiedet. Wahrscheinlich haben Sie
bereits Informationen hierüber erhalten. Das Dokument selbst wird Ihnen später zur Verfügung gestellt.
Ich möchte einige Aspekte dieses neuen VSBM-Dokurppnts hervorheben, die von Interesse sind.
Zunächst ein paar Anmerkungen über das Klima, oder
wenn Sie so wollen, Beweise dafür, wie sehr sich die
Dinge verändert haben. Heute morgen führt Litauen
den Vorsitz über die abschließende Plenarsitzung, und
das zur Abstimmung vorgelegte Papier wurde von
Polen unterbreitet. Wie die meisten von Ihnen wissen,
die diese Verhandlungen in der Vergangenheit verfolgt
haben, war Polen bisher ein neutraler Koordinator, der
die Rolle ub«i nommen hat, das Schlußdokument vorzulegen. In diesem Fall wurde die abschließende
AMERIKA DIENST 10

Arbeit von Polen vorgenommen, und zusammen mit
dem Vorsitz Litauens belegt dies meines Erachtens,
wie sehr sich die Lage bei der KSZE gewandelt hat. Sie
werden im weiteren Verlauf meiner Ausführungen
zusätzliche Beispiele hierfür erhalten.
Dem VSBM-Dokument wurden eine Reihe neuer Elemente hinzugefügt. Das Dokument selbst umfaßt all
die bisher im VSBM-Prozeß vereinbarten Aspekte
zusammen mit den neuen Elementen, die seit der
Unterzeichnung des letzten VSBM-Dokuments hinzugefügt wurden. Ich werde sie kurz erwähnen.
Erstens natürlich die erweiterte Mitgliedschaft. Die
Mitgliederzahl beträgt jetzt 48, und dies wurde als
erstes im Dokument festgehalten. In den Anhängen
finden sich ferner Sprachregelungen über die Anwendung von VSBM auf das Territorium der neuen Mitgliedstaaten.
Im Hinblick auf die neuen Maßnahmen selbst wurden
Vorkehrungen für einen relativ umfassenden Austausch technischer Daten einschließlich Photographien neuer wichtiger Waffensysteme getroffen, die in
Zukunft eingeführt werden. Die Absätze 12 und 13
befassen sich mit diesem Thema, und Sie können dies
im Dokument nachlesen, sobald Sie es erhalten haben.
Zweitens sind in Absatz 35 Verfügungen enthalten,
daß die neuen Waffenssysteme bei der ersten Gelegenheit nach ihrer Einführung demonstriert werden.
Drittens enthält das Dokument die Bestimmung zur
Berichterstattung über Einheiten, die vorübergehend
auf bestimmten Niveaus aktiviert werden. Zum ersten
Mal ist so etwas enthalten. Hierbei handelt es sich um
den Versuch, ein Problem anzugehen, mit dem sich
die militärischen Planer seit einiger Zeit im Hinbilck auf
den Streitkräfteaufwuchs befassen. Absatz 11 behandelt diesen Aspekt.
Seite 1

�Die nächste Verfügung ist auch für Laien interessant.
Sie hat den Titel "Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen". Wie Sie wissen, gibt es bereits eine Bestimmung
über ungewöhnliche militärische Aktivitäten. Diese
Maßnahme über Besuche, um Besorgnis zu zerstreuen, ist ein Zusatz zu ungewöhnlichen militärischen
Aktivitäten. Der zugrundeliegende Gedanke ist, daß
ein Land Vertreter anderer Staaten zum Besuch eines
Gebiets einladen kann, das Besorgnis auslöst, um sich
selbst zu vergewissern, ob es Anlaß zu solcher Besorgnis gibt. Wenn Sie sich im einzelnen damit befassen wollen, finden Sie diese Bestimmungen in Absatz
19.
Soweit ich weiß, wurden zum ersten Mal echte VSBMBeschränkungen bei Aktivitäten von Landstreitkräften
vorgenommen. Dies ist ein kompliziertes Thema. Ich
möchte Sie nicht in alle Details einweihen - Sie können
es selbst nachlesen. Praktisch bedeutet es jedoch,
daß nur noch eine Übung großen Umfangs - 40.000
Soldaten oder 900 Panzer - alle zwei Jahre abgehalten
werden darf. In Absatz 71 sind die Einzelheiten
enthalten, und dies ist das erste Mal, daß tatsächlich
eine Begrenzung der Art von Aktivitäten vorgenommen wurde, die durchgeführt werden können.
Um die letzte dieser neuen Maßnahmen zu erwähnen
- es gibt eine Bestimmung, daß Inspektionen, die im
Rahmen des letzten VSBM-Dokuments bereits möglich waren, durch multinationale Inspektionsteams
durchgeführt werden können. Wenn ein Land die
Durchführung einer Inspektion entscheidet, kann es
andere Länder zur Teilnahme an dieser Inspektion
einladen. Eine solche Verfügung ist zum ersten Mal
enthalten und findet sich in Absatz 96.
Dies sind die wesentlichen neuen Bestimmungen, auf
die ich Ihr Augenmerk lenken wollte. Dies wird natürlich die letzte Sitzung der VSBM-Verhandlungen sein.
Die Verhandlungen wurden in Stockholm aufgenommen und haben bisher einschließlich diesem drei
Dokumente hervorgebracht. Ich denke, Sie wissen
über den Verhandlungsverlauf Bescheid. Ich möchte
jedoch hinzufügen, daß das VSBM-Konzept - das
Konzept der Vertrauensbildung - nicht mit diesen
Verhandlungen endet. Parallel dazu arbeiten wir hart
an der Vereinbarungen für ein neues Sicherheitsforum
- um die verwendete Sprachregelung zu benutzen -,
das nach dem Folgetreffen in Helsinki gegründet werden
soll. Man geht wohl im großen und ganzen davon aus,
daß es hier abgehalten werden und den Rahmen für
die Fortsetzung der Gespräche und Verhandlungen
über eine Reihe von Bereichen der Sicherheit einschließlich diesem Konzept der Vertrauensbildung bieten
soll. Wir erwarten also die Fortsetzung des VSBMKonzepts in diesen neuen Verhandlungen. Die Vereinbarungen für dieses neue Forum werden hier bis zum
Beginn des Nachfolgetreffens in Helsinki erörtert, und
alle dazu getroffenen Beschlüsse werden an das Treffen in Helsinki weitergeleitet und gegebenenfalls in

Seito 2

Helsinki weiterverfolgt, so daß das Forum sobald wie
möglich nach dem Treffen in Helsinki eröffnet werden
kann.
Im Hinblick auf die Aktivitäten des Konfliktverhütungszentrums möchte ich nur zwei Aspekte erwähnen. Als
ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, erwähnte ich die
Planungen zu zwei sogenannten Miniseminaren. Das
erste wurde vor einigen Wochen in Bratislava über die
Konversion der Verteidigungsindustrie auf zivile Produktion abgehalten. Unseres Erachtens war es sehr
erfolgreich. Da es sich vom Charakter her um ein
Seminar handelte, zielte es nicht auf vereinbarte Ergebnisse ab. Wir hatten jedoch das Gefühl, daß der
Austausch von Erfahrungen und Ansichten außerordentlich erfolgreich war. Dieses Thema wird zweifelsohne in diesem Forum und andernorts weiter erörtert
werden.
Heute nachmittag beginnen wir unser zweites Miniseminar unter der Schirmherrschaft des Konfliktverhütungszentrums. Es befaßt sich mit der Rolle der
Streitkräfte in einer demokratischen Gesellschaft. Dies
wurde von Polen als mögliches Diskussionsthema
vorgeschlagen. Das letzte Thema wurde von der
Tschechoslowakei eingebracht. Unseres Erachtens
waren diese beiden Themen sehr wichtig für die Weiterentwicklung des heute nachmittag stattfindenden
Seminars. Ich erwarte, daß die Gespräche sich darauf
konzentrieren werden, wie militärische Organisationen von zivilen Regierungen in einem demokratischen
Land und damit einhergehenden Aspekten kontrolliert
werden können. Es gibt eine Tagesordnung, und wenn
Sie Interesse daran haben, kann ich die einzelnen
Punkte der Tagesordnung mit Ihnen durchgehen.
Grundsätzlich ist jedoch dies das Thema und wird es
wohl im weiteren Verlauf der Woche bleiben - heute
nachmittag, den ganzen Donnerstag und Freitag.
Zahlreiche Delegationen haben Experten und Sprecherentsandt, die über Erfahrungen in diesem Bereich
verfügen und speziell für dieses Seminar hier sind - uns
inbegriffen. Die Gespräche finden vorwiegend zwischen Menschen statt, die sich direkt mit diesen Themen befassen und diesbezügliche Erfahrungen gesammelt haben.
Schließlich möchte ich Ihnen noch über das Treffen
des Ausschusses ranghoher Beamter in Prag in der
vergangenen Woche berichten. Natürlich wurde die
Presse dort schon informiert, aber ich glaube, daß es
auch für Sie hier von Interesse ist. Deshalb haben wir
in diesem Raum zwei Dokumente für Sie ausgelegt.
Das eine ist der Bericht des Sonderberichterstatters,
der von der KSZE nach Nagorny-Karabach entsandt
wurde, das andere ist das Entscheidungspapier des
Ausschusses ranghoher Beamter im Hinblick auf diesen Bericht. Wenn Sie erlauben, möchte ich Ihnen
einige Punkte dieses Entscheidungspapiers erläutern,
da sie meines Erachtens nicht nur im Hinblick auf die
Lage in Nagorny-Karabach, sondern auch als Demon-

AMERIKA DIENST 10

�stration dessen interessant sind, wie die KSZE heutzutage kontinuierlich danach strebt, eine positive Rolle
bei diesen fortschreitenden Entwicklungen zu spielen
und auf diese Art von Krisen einzugehen. Sicherlich
haben wir im vergangenen Sommer bereits einschlägige Erfahrungen in Jugoslawien gesammelt. Wir
haben dabei gewiß einige Lektionen gelernt. Einige
derselben Ideen finden sich auch hier wieder und
werden auf verschiedene Art und Weise weiterentwikkelt.
Ich möchte hier nur einige Dinge erwähnen. Im zweiten Absatz wird von der KSZE das Waffenstillstandsabkommen unterstützt, das unter der Führung Rußlands und Kasachstans zustandegekommen ist. Das
war eine ganz normale Vorgehensweise, da jener
Waffenstillstand unlängst vereinbart worden war, obwohl
ich einräumen muß, daß er nicht eingehalten wurde.
Absatz 4 enthält eine Sprachregelung über ein Embargo für Waffenlieferungen an Streitkräfte, die sich in
diesem Gebiet an Kampfhandlungen beteiligen sowie
eine Bitte, daß die Staaten das Konfliktverhütungszentrum darüber informieren, welche Schritte sie in diesem Zusammenhang eingeleitet haben. Jeder, dermit
der Frage vertraut ist, weiß, daß der Munitionsnachschub eines der großen Probleme in diesem Konflikt
ist.
Der fünfte Absatz gilt den Bemühungen zur Entwicklung humanitärer Hilfe. Auch hier findet sich wieder
eine neuer Schritt. Der amtierende Vorsitzende der
KSZE wird aufgefordert, direkten Kontakt mit Organisationen aufzunehmen und diese zur Bereitstellung
humanitärer Hilfe zu ermutigen.
Auch Absatz 6 enthält einen Bereich, den die KSZE
bisher nicht berücksichtigt hatte. Wir unterstützen
darin das Konzept von Korridoren für die Lieferung
humanitärer Hilfsgüter. Der Gedanke an sich ist für
dieses Papier nichts Neues, aber daß die KSZE versuchen solle, bei der Schaffung solcher Korridore mitzuwirken, ist eine neue Aktivität der KSZE. Das gleiche
gilt für den Austausch von Geiseln und die Rückführung von Toten, was in diesem Gebiet ein äußerst
sensibles Thema ist.
Auf Seite 3 werden in Absatz 15 die Vermittlungsbemühungen Rußlands und Kasachstans grundsätzlich
unterstützt. Damit erfährt dieser Prozeß Rückhalt bei
Jcr KSZE, einen Rückhalt dieser gesamten Staatengemeinschaft für diese Vermittlungsbemühungen. Wir
betrachten dies grundsätzlich als vielversprechendsten Weg, der bereits besteht und deshalb in diesem
Dokument von uns unterstützt wird.
Der nächste Absatz enthält Aussagen über die Einbeziehung der Behörden und Vertreter von NagornyKarabach. Damit soll sichergestellt werden, daß die
Ansichten der ortsansässigen Bevölkerung in diesen
Diskussionen zum Tragen kommen.

AMERIKA DIENST 10

Absatz 17 schlägt vor, daß der amtierende Vorsitzende der KSZE an diesen Diskussionen teilnehmen
sollte. Wenn dies nützlich und notwendig wäre, könnten sie auch unter der Schirmherrschaft der KSZE
fortgesetzt werden. Auch hier gibt es wiederum
Möglichkeiten, die bereits in der Vergangenheit von
der KSZE untersucht wurden.
Absatz 18 ist besonders interessant, weil darin vorgeschlagen wird, da ß der amtierende Vorsitzende grundlegende Sondierungen durchführen sollte, um festzustellen, ob sich innerhalb der KSZE-Gruppe Staaten
befinden, die zu einer Beobachtungs- oder Überwachungsgruppe beitragen könnten, falls es zu einem
echten Waffenstillstand kommen sollte.
Dies sind meiner Ansicht nach die wichtigsten Punkte,
die zeigen, daß sich die KSZE hier darum bemüht, auf
eine äußerst sensible und schwierige Lage zu reagieren.
Nach dieser Einführung möchte ich nun gerne Ihre
Fragen zu diesen oder anderen von mir erwähnten
Aspekten beantworten oder weitere Erläuterungen
abgeben.
Frage: Könnten Sie uns mehr Informationen darüber
geben, was nach Helsinki stattfinden soll? Wird es
eine Zusammenlegung der KSE- und VSBM-Verhandlungen geben, oder was sonst?
Botschafter Maresca: Daran arbeiten wir gerade,
und ich kann Ihnen nicht viel sagen, weil noch nichts
vereinbart wurde. Wir erwarten, daß es zu einem
weitreichenden Sicherheitsforum kommen wird, das
natürlich alle KSZE-Mitgliedstaaten einbeziehen und
ein breites Themenspektrum erörtern wird, darunter
weitere Abrüstungsmaßnahmen. Alles, was sich aus
jeder dieser hier stattfindenden Verhandlungen ergeben könnte, kann in diesem Forum als weiterem Verhandlungsgremium für Rüstungskontrolle behandelt
werden. Meines Erachtens besteht jedoch auch die
starke Überzeugung, daß sich die Lage in einem
solchen Ausmaß verändert hat, daß wir auch über
einen tiefergehenden Dialog über Sicherheitsfragen
nachdenken sollten, durch den wir einander über
Probleme informieren und versuchen könnten, gemeinsame Wege zu deren Bewältigung zu finden.
Darüber hinaus läßt sich kaum etwas sagen, weil noch
nichts vereinbart wurde. Aber dies wäre ein Forum, um
beide Konzepte zu behandeln.
Frage: Könnten Sie etwas über das Zielgebiet sagen,
auf das das Wiener Dokument von 1992 künftig angewendet werden soll, insbesondere jenseits der östlichen Seite des Urals. Nach dem Zerfall der Sowjetunion befinden sich ja einige Staaten in deren ehemaligen
ost- und mittelasiatischen Teilen. Sind diese Länder in
diesem Dokument vertreten? Oder in welcher Form
haben sie den anzuwendenden Vereinbarungen zugestimmt?

Seite 3

�Antwort: Wir sprechen eigentlich nicht von einem
Zielgebiet. Wir benutzen einen anderen Begriff - den
der Anwendungszone (zone of application). Zielgebiet
hat einen anderen Sinnzusammenhang. Dies wird in
den Anhängen zum Dokument erläutert. Grundsätzlich war es so, daß die neuen Teilnehmerstaaten
zugestimmt haben, die VSBM-Bestimmungen auf ihr
Staatsgebiet anzuwenden. Dazu gehören die asiatischen Republiken. Die Frage der Ausweitung der
Zone über den Ural hinaus an sich wurde hier nicht
angesprochen. Der Begriff der Zone bleibt im früheren
Sinn bestehen. Das heißt, es wird von Europa gesprochen. Dieses Konzept ist das Grundkonzept. Darüber
hinaus haben sich die neuen Staaten bereiterklärt, die
VSBM auf ihr Territorium anzuwenden. All dies ist in
Anhang I enthalten. Wenn Sie sich näher damit
beschäftigen, so werden Sie feststellen, daß dies das
Endergebnis ist. All diese Länder haben dem Dokument auf der Grundlage unserer Konsensverfahren
zugestimmt. Das Konsensprinzip lautet, daß fehlender Widerspruch eine Zustimmung darstellt. Das ist
unsere Regel.
Frage: Ich stelle fest, daß in dem Prager Dokument
der hochrangigen Beamten der Begriff des amtierenden Vorsitzenden der KSZE benutzt wird. Können Sie
das erläutern? Ist das der Vorsitzende des Rats, und
gibt es ein Rotationsprinzip? Wer ist zur Zeit dieser
Vorsitzende? Besteht eine Perspektive, daß ein bestimmter Außenminister oder sein Büro KSZE-Funktionen wahrnimmt?
Antwort: Der gegenwärtige amtierende Vorsitzende
wird von der Tschechoslowakei gestellt. Die Verfahrensweise folgt der in der Pariser Charta vereinbarten
Sprachregelung. Der Vorsitz wechselt auf der Grundlage dessen, wer zuletzt Gastgeber des Ministerrats
war. Der letzte Ministerrat der KSZE fand in Prag statt.
Die Tschechoslowakei erhielt damals den Vorsitz. Der
Außenminister der Tschechoslowakei war der Vorsitzende bei diesem Treffen, und er bleibt bis zum
nächsten Ministerrat amtierender Vorsitzender. Der
nächste Ministerrat wird Anfang Dezember in Schweden stattfinden. Infolgedessen wird dann Schweden
den Vorsitz übernehmen.

Frage: Erstens, bei der Vollversammlung sind nur 40
Delegationen anwesend. Welche Delegationen sind
nicht hier? Zweitens, welches ist der letzte Termin für
die Mandatsvorbereitung? Ist es der 24. März? Und
wenn das Mandat bis dahin nicht steht, werden die
Verhandlungen in Helsinki oder Wien stattfinden?
Welches ist der letzte Termin für die Vorbereitung des
Mandats?
Antwort: Bei der ersten Frage habe ich die Anwesenden nicht gezählt. Aber einige neue Staaten der
früheren Sowjetunion sind heute wohl abwesend. Es
ist verständlich, daß sie eine Weile benötigen, bis sie
sich an den Rhythmus dieser Zusammenkünfte gewöhnen und Mitarbeiter dafür abstellen. Daher sind

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einige von ihnen abwesend. Im Hinblick auf die zweite
Frage ist den Formulierungen der Zusammenfassung
des Prager Dokuments der Minister in Prag zu entnehmen, daß die Schlußfolgerungen der inoffiziellen
Konsultationen - wie wir unsere Gespräche im Forum
nach Helsinki beschreiben - der Zusammenkunft in
Helsinki übermittelt werden. Demgemäß gehen wir
davon aus, daß jede weitere Arbeit beim HelsinkiFolgetreffen geleistet wird, falls diese Schlußfolgerungen nicht endgültig und vollständig sind. Am Ende
dieses Treffens ist dann der endgültige Termin.
Frage: Delegationen gehen mit einem Programm zu
dieser Konferenz. Gab es aus amerikanischer Sicht
etwas, das hier in Wien nicht erzielt worden ist, oder
was wünschen Sie sich für die nächsten zwei oder drei
Jahre?
Antwort: Erstens ist dies ein laufender Prozeß. Unserer
Meinung nach ein sehr breitgefächerter Prozeß, der
die Sicherheitslage in vielerlei Hinsicht verbessert. Es
ist schwer zu sagen, daß es bei dem einen oder
anderen Punkt eine klare Zielsetzung gibt. Es ist ein
laufender Prozeß, und unserer Ansicht nach trägt
diese Art von Prozeß einfach durch Dialog und Gedankenaustausch und regelmäßige Vereinbarung spezifischer Maßnahmen dazu bei, daß mißtrauischen Ländern ihr Mißtrauen genommen wird und die Möglichkeiten für echte Konflikte verringert werden. Wenn Sie
eine spezielle Zielsetzung genannt haben wollen, dann
ist es diese. Wir wollen in Europa eine Situation der
Stabilität und Sicherheit, und jedes Land soll seinen
Sicherheitsbedarf erfüllt wissen. Der Prozeß ist Teil
der Zielsetzung. Ich könnte es nicht eingehender
beschreiben, weil es ein so langer und breitgfächerter
Ansatz ist, daß man schwerlich an irgendeinem Punkt
von bestimmten Zielen sprechen kann. Wir betrachten
es als laufenden Prozeß.
Frage: Vielleicht könnte der Brigadegeneral uns etwas darüber berichten, welche Bedeutung Sie diesen
vertrauensbildenden Maßnahmen in militärischer Hinsicht beimessen. Welchen Wert hat die Erweiterung
der bestehenden Bestimmungen in den beiden früheren Dokumenten?
Brigadegeneral Davitte: Wie der Botschafter bereits
ausgeführt hat, ist eine der wichtigsten kürzlich vereinbarten Maßnahmen die sogenannte Einschränkungsmaßnahme. Es ist das erste Mal, daß militärische
Aktivitäten in der Anwendungszone tatsächlich begrenzt werden. Das ist ein Schritt von großer Bedeutung. Der nächste militärisch wichtige Punkt wäre die
Einführung neuen Geräts in der Anwendungszone und
Offenheit und Transparenz über dieses Gerät im Hinblick auf Demonstrationen und den Austausch technischer Informationen über qualitative Parameter dieses
Geräts, die für andere KSZE-Staaten von Interesse
sind. Insgesamt sind dies zwei der wichtigsten Merkmale der sieben oder acht unterschiedlichen, spezifischen Maßnahmen, die wir in dieser jüngsten Ver-

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�handlung vereinbart haben. Insgesamt sind sie für uns
sehr befriedigend, militärisch von Bedeutung, und sie
stehen im Einklang mit den Prinzipien der Verizif ierung
und militärischen Bedeutung, wie sie im Mandat von
Madrid verankert sind.
Frage: Welche Bestimmungen gibt es für den Fall
einer anderen militärischen Übung, die die Grenze von
40.000 überschreitet?
Bridagegeneral Davitte: Nun, es ist verboten, mehr
als eine Übung mit über 40.000 Soldaten im Jahr
abzuhalten. Die Länder, die dieses Dokument verabschiedet haben, haben auch vereinbart, dies nicht zu
tun.
Botschafter Maresca: Das heißt, jede Übung über
einer bestimmten Grenze muß vorher gemeldet werden. Im ersten Fall, daß eine Benachrichtigung über
eine solche Übung stattfindet, fände darüber ein
Gespräch statt, bei dem Einwände vorgebracht werden könnten. Dasselbe würde bei einer Verletzung der
Bestimmung gelten. Das heißt, wenn eine Übung über
dieserGrenzeläge oder das vereinbarte Maß übersteigen würde. Wir haben bereits eine Bestimmung für
Gespräche über die Durchführung, sowohl auf jährlicher Basis als auch jederzeit im CPC. Das wäre also
das Forum für Einwände im Falle einer Verletzung.
Frage: Ist bereits entschieden worden, wann diese
Maßnahmen in Kraft treten - im Mai, Juni oder Juli?
Antwort: Ja, es gibt schon einen Termin - den 1. Mai.
Frage: Zwei Fragen zu Nagorny-Karabach. Erstens,
haben die hochrangigen Beamten bereits eine Reaktion oder einen Hinweis der Parteien in NagornyKarabach im Hinblick auf ihre Forderungen? Zweitens
haben Sie bereits darauf hingewiesen, daß die Unterhändler ihre Erfahrungen aus der Krise in Jugoslawien
verarbeitet haben. Könnten Sie das bitte noch näher
ausführen? Was hat man aus dem Konflikt in Jugoslawien gelernt, das sich auf Nagorny-Karabach anwenden ließe?
Antwort: Zur ersten Frage möchte ich sagen, daß sie
in den humanitären Bereich fällt. Wie Sie vielleicht
wissen, hält sich eine französische Gruppe dort auf,
um genau das zu tun, was wir in diesem Dokument tun,
im Hinblick auf die Gewährung von humanitärer Hilfe
v;nd Einrichtung humanitärer Korridore. Während wir
darüber sprechen, versuchen sie heute, genau das zu
tun. Das wäre ein erster Hinweis auf eine Reaktion,
wenn es möglich wäre, dies zu tun. Wir würden dies als
entscheidenden Schritt nach vorn betrachten. Ich bin
dort gewesen und kann Ihnen versichern, daß die Lage
verzweifelt ist und sie diese Art Hilfe benötigen. Zweitens
zu den Lektionen aus der Jugoslawienkrise. Eine
wichtige Lektion ist meiner Ansischt nach, daß es sich
bei der KSZE um ein Forum handelt, das in dieser Art
Krisen das Mandat hat, um eine Vermittlerrolle zu
spielen. Im Falle Jugoslawiens hat im wesentlichen die
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KSZE die Bestrebungen verfügt, unterstützt und anerkannt, die dann von der Europäischen Gemeinschaft
durchgeführt wurden. Tatsächlich wurde die Beobachtergruppe, die nach Jugoslawien reiste, später eine
KSZE-Gruppe, weil mehrere KSZE-Länder, nicht Länder
der Gemeinschaft, daran teilnahmen. In diesem Fall
tun wir dasselbe im Hinblick auf eine Vermittlerrolle,
was Ru ßland in Kasachstan tut. Wir wenden dasselbe
Muster an. Die KSZE ist eine große Organisation, und
es ist für sie sehr schwierig, eine solche Operation
ohne einen Mittler durchzuführen, der in ihrem Auftrag
handelt. Das war ein Beispiel für die Art von Lehre, die
gezogen worden ist. Daraus würde ich schließen, daß
die KSZE eine Stärke in dieser Situation hat - sie
verfügt in einer solchen Situation über das Urteil der
großen Familie europäischer und nordamerikanischer
Länder und kann ein Land oder eine Ländergruppe
auffordern, in ihrem Namen als Vermittler bei einem
solchen Konflikt aufzutreten. Das ist eine gute Lektion,
wie die KSZE in einer solchen Situation einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Ich denke, ich werde eine
weitere Frage beantworten.
Frage: Meine Frage betrifft das Verhältnis zwischen
öffentlicher Meinung, wissenschaftlicher Analyse und
vertrauensbildenden Maßnahmen. Wenn Sie das
Wiener Dokument von 1990 und auch das neue Dokument in erweiterter Form lesen, werden Sie merken,
daß ein Großteil des Datenaustauschs zwischen den
Teilnehmerländern in vielen militärischen Bereichen
eine einmalige Offenheit schafft. Mein Eindruck ist
jedoch, daß die Daten immer noch ausschließlich in
Regierungskreisen zirkulieren, und der Öffentlichkeit
nicht zugänglich gemacht werden. Die öffentliche
Meinung wird sich der Bedeutung dieses Prozesses
nicht bewußt. Denken Sie, dies sollte geändert werden, und wie kann man es ändern?
Antwort: Im Kontext des Konfliktverhütungszentrums
erörtern wir seit einiger Zeit die Möglichkeit einer
Datenbank, die all diese Informationen sammelt und
mit deren Hilfe ein Jahrbuch zusamengestellt werden
könnte, in dem all diese Informationen veröffentlicht
werden. Sie haben recht, daß wir über eine einmalige
Fülle von Informationen verfügen, die jetzt ausgetauscht werden. Diese Bestimmungen im Hinblick auf
Daten über neue Waffensysteme, die übrigens zum
großen Teil auf einen polnischen Vorschlag zurückgehen, machen viele Daten zugänglich, die wir niemals
zuvor hatten. Ein Großteil dessen ist sehr technisch
und besteht aus Photos etc. Allein diese Fülle macht
eine Auswahl der Informationen für die Öffentlichkeit
erforderlich. Und es gibt bei einigen Ländern Empfindlichkeiten im Hinblick auf die Veröffentlichung solcher
Informationen. Deshalb streben wir nach einem Weg,
um eine Datenbank einzurichten, die all diese Informationen sammelt, so daß sie in einem Jahrbuch veröffentlicht werden können. Das ist ein Projekt für die
Zukunft und wird meiner Ansicht nach weiter erörtert
werden. Ich danke Ihnen.

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�WAHLEN '92
11. März 1992

GESETZE FÖRDERN FAIREN
WETTBEWERB BEI DEN WAHLEN
Vergabe öffentlicher Mittel, Ausgabenüberwachung

WASHINGTON - (AD) - In den Vereinigten Staaten
wurde bei den nationalen Wahlen 1988 etwa 1 Milliarde
Dollar von den oder für die Kandidaten ausgegeben,
die ein Amt in der Bundesregierung anstrebten - den
Präsidenten, den Vizepräsidenten und etwa 500 neu
zu besetzende Sitze im Kongreß.
In einem Land von der Grö ße der Vereinigten Staaten,
das dem demokratischen Wahlprozeß so stark verpflichtet ist, verwundert es nicht, daß ein großer Teil
des Geldes für Kampagnen ausgegeben wird, um in
ein Amt gewählt zu werden. Aber es gibt Gesetze, die
einen fairen Wettbewerb der Kandidaten sicherstellen
und gewährleisten, daß wohlhabende Bürger und Interessengruppen sich mit ihren Mitteln keinen unfairen
Vorteil verschaffen. Ferner gibt es eine unabhängige
Regierungsbehörde, die Bundeswahlkommission
(Föderal Elections Commission - FEC), die diese
Gesetze zur Finanzierung von Wahlkampagnen durchführt.
Die Gesetze gelten nur für Kandidaten für ein Amt
innerhalb der Bundesregierung - den Präsidenten, den
Vizepräsidenten, die Senatoren und Abgeordneten
des Repräsentantenhauses sowie die sie unterstützenden Komitees. Sie decken drei umfassende Bereiche ab: die öffentliche Finanzierung der Präsidentschaftswahlen, Beiträge und Ausgaben zur Beeinflussung dieser Wahlen und die Offenlegung der von den
politischen Komitees unterbreiteten Informationen über
die Finanzierung der Wahlkampagne. Nachfolgend
ein Überblick, wie die Gesetze und die Kommission
funktionieren.
Öffentliche Finanzierung
Beim System der öffentlichen Finanzierung müssen
die Präsidentschaftskandidaten und die Parteiversammlungskomitees verschiedene Bedingungen erfüllen.
Wenn die FEC zu dem Schluß kommt, daß diese
Bedingungen erfüllt sind, vergibt sie den Betrag aus

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öffentlichen Mitteln, auf den der Kandidat oder das
Komitee Anspruch hat. Diese Mittel ergeben sich aus
den Dollars, die Steuerzahler im Rahmen ihrer Einkommenssteuer freiwillig entrichten.
Die FEC überwacht darüber hinaus alle Empfänger
öffentlicher Mittel, um sicherzustellen, daß die Mittel im
Einklang mit dem Gesetz ausgegeben werden und
kann von den Komitees deren Rückzahlung verlangen, wenn dies nicht der Fall ist.
Die öffentliche Finanzierung ist in drei Bereiche eingeteilt: Ausgleichsfonds für die Vorwahlen, Zuschüsse zu
den Parteiversammlungen und den allgemeinen Wahlen.
Ausgleichsfonds für die Vorwahlen
Den Präsidentschaftskandidaten werden bei den Vorwahlen zum Teil öffentliche Mittel in Form von Ausgleichszahlungen zur Verfügung gestellt. Erfolgreiche
Kandidaten erhalten für Spenden bis zu 250 Dollar den
entsprechenden Betrag aus dem staatlichen Wahlkampffonds. Nur Spenden von Einzelpersonen werden aufgestockt, obwohl der Präsidentschaftskandidat bei den Vorwahlen Spenden politischer Komitees
annehmen darf.
Nur Kandidaten, die die Nominierung als Präsidentschaftskandidat durch ihre Partei anstreben, stehen
Ausgleichszahlungen zu. Ein Kandidat muß sich dafür
ualifizieren, indem er die Unterstützung der breiten
Iffentlichkeit für sich gewinnt: Er muß in mindestens
20 Bundesstaaten über 5.000 Dollar an ausgleichbaren Spenden aufbringen. Jeder Kandidat muß zustimmen:

2

Die Wahlkampfausgaben für alle Vorwahlen auf
10 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich (COLA)
zu begrenzen. Dies wird als nationales Ausgabenlimit bezeichnet. 1988 belief sich der Betrag
auf 27,7 Milliarden Dollar.

Seite 1

�Die Wahlkampfausgaben in jedem Bundesstaat
auf einen bestimmten von der FEC anhand der
gesetzlich verankerten einwohnerspezifischen
Formel festgesetzten Betrag zu beschränken.

Kandidaten kleinerer und neuer Parteien können sich
für öffentliche Zuschüsse zu ihren allgemeinen Wahlkampfkosten qualifizieren, wenn sie oder ihre Partei
einen Stimmenanteil von mindestens 5 Prozent erzielen. Während die Kandidaten kleinerer oder neuer
Die Ausgaben aus persönlichen Mitteln auf 50.000 Parteien die öffentlichen Mittel durch private Spenden
Dollar zu begrenzen.
ergänzen können und ein Teil der Kosten für die
Wahlkampffinanzierung nicht auf ihr Ausgabenlimit
Ausgabenlimits und Begrenzungen der Ausgaben des
angerechnet werden, unterliegen sie ansonsten denKandidaten aus persönlichen Mitteln sind nur für öfselben Ausgabenbegrenzungen und anderen Vorschriffentliche Zuschüsse eine Voraussetzung. Die Beteiliten wie die Kandidaten der großen Parteien.
gung an dem Programm zur Vergabe öffentlicher
Mittel ist freiweillig - entscheidet sich ein Kandidat Spenden und Ausgaben
gegen öffentliche Zuschüsse, braucht er sich nicht an
die Ausgabenobergrenzen halten.
Die FEC ist darüber hinaus für die Anwendung des
Gesetzes über Spenden und Ausgaben zur BeeinflusKommt der Präsidentschaftskandidat für die Ausgleichs- sung bundesweiter Wahlen zuständig. Dem Wahlgezahlungen in Frage, stehen ihm öffentliche Mittel in setz zufolge können diese Spenden in Form von Geld,
Höhe der von Einzelpersonen entrichteten Beträge bis Darlehen sowie Geschenken in Form von Waren und
zu 250 Dollar pro Einzahlung zu.
Dienstleistungen erbracht werden, nicht jedoch in Form
von freiwilliger Arbeit. Zu den Ausgaben gehören
Selbst wenn ein Kandidat nicht mehr aktiv an den
Ankäufe und Zahlungen, die zur Beeinflussung bunVorwahlen teilnimmt, kann er öffentliche Zuschüsse
desweiter Wahlen erfolgen.
zur Rückzahlung von nachweislich für den Wahlkampf
gemachten Schulden beantragen. Jeder in Frage Unternehmen, Arbeitnehmerorganisationen und lankommende Kandidat kann öffentliche Mittel erhalten, desweit tätigen Banken ist es untersagt, Spenden oder
die bis zu 50 Prozent des nationalen Ausgabenlimits Ausgaben zu tätigen, sie können jedoch politische
für den Vorwahlkampf ausmachen.
Komitees gründen. Das Gesetz untersagt femer
Spenden
von staatlichen Auftragnehmern sowie solFinanzierung des Parteitags
che Spenden, die von einer Person im Namen einer
Jeder größeren politischen Partei stehen 4 Millionen anderen Person erbracht werden. Ausländische StaatsDollar plus der COLA zur Finanzierung ihres Bundes- bürger dürfen ebenfalls keine Spenden in Zusammenparteitags zur Nominierung des Präsidentschaftskan- hang mit irgendeiner Wahl in den Vereinigten Staaten
didaten zu. 1988 erhielten die Demokratische und die tätigen - dies gilt für Bundes-, Bundesstaats- und
Republikanische Partei jeweils 9,2 Milliarden Dollar für Gemeindewahlen gleichermaßen.
die Nominierungsparteiversammlungen. Eine kleinere Partei kann ebenfalls für Zuschüsse zum Parteitag Eine Einzelperson darf pro Wahl bis zu 1.000 Dollar an
in Frage kommen, die sich aus dem Stimmenanteil des das Komitee eines Bundeskandidaten spenden. Da
Kandidaten bei den letzten Präsidentschaftswahlen diese Obergrenzen für jede einzelne W?hl gelten,
könnte eine Einzelperson 1.000 Dollarfüreine Vorwahl
errechnen.
sowie weitere 1.000 Dollar für die allgemeine Wahl
spenden. Beiträge von Einzelpersonen unterliegen
Die Finanzierung der allgemeinen Wahlen
ebenfalls einer jährlichen Obergrenze: ein einzelner
Die von den Parteien offiziell nominierten Präsident- kann pro Jahr bis zu 25.000 Dollar an Komitees für
schaftskandidaten kommen für eine direkte öffentliche Bundeswahlkämpfe spenden.
Beihilfe von 20 Millionen Dollar plus Inflationsausgleich
in Frage. Im Jahr 1988 erhielten die Republikanische Auch die Beiträge der politischen Komitees unterlieund die Demokratische Liste je 46,1 Millionen Dollar. gen Obergrenzen. Von besonderem Interesse sind
Um sich für diese öffentlichen Mittel zu qualifizieren, Beiträge der politischen Aktionskomitees, kurz "PACs
muß der Kandidat die Ausgaben auf die Höhe der genannt.
Beihilfe beschränken. Er darf darüber hinaus keine
privaten Wahlkampfspenden annehmen. Private Es gibt zwei Arten von PACs. Bei der ersten handelt
Spenden dürfen jedoch im Rahmen bestimmter Ober- es sich um politische Komitees, die von Unternehmen,
grenzen angenommen werden, wenn sie auf ein Arbeitnehmerorganisationen oder eingetragenen MitSonderkonto eingezahlt werden, das nur zur Beglei- gliedsorganisationen gegründet werden. Während
chung bestimmter juristischerund Verwaltungskosten das Gesetz solchen Gruppen die Auszahlung von
verwendet werden darf. Jeder Kandidat kann femer Spendengeldern aus ihren Haushalten untersagt,
bis zu 50.000 Dollar aus seinem persönlichen Vermö- gestattet es ihnen ausdrücklich, separate Fonds einzurichten, zu verwalten und dafür um Beiträge zu
gen ausgeben.
werben, die dann Spenden vergeben können.

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�Bei der zweiten Art von PAC handelt es sich um ein Offenlegungspflicht
unabhängiges Gremium, ein Komitee, das nicht direkt
mit einem Kandidaten oder einer Partei, einem Unter- Politische Komitees müssen Berichte über Einnahmen
nehmen oder einer Arbeitnehmerorganisation verbun- und Ausgaben vorlegen. Das Hauptwahlkampfkomiden ist. Unabhängige Komitees sind häufig ideologi- tee eines Kandidaten, der sich nach dem Gesetz
sche Organisationen oder Gruppen, die sich auf ein qualifiziert hat, muß sich registrieren lassen und
Wahlkampffinanzierungsberichte einreichen. Das
Hauptanliegen konzentrieren.
Komitee muß seine Gesamteinnahmen und -ausgaDie Obergrenze für Spenden der PACs an das autori- ben offenlegen und darüber hinaus alle Spenden von
sierte Wahlkampfkomitee eines Kandidaten beträgt anderen politischen Komitees sowie Spenden von
entweder 5.000 Dollar pro Wahl (bei einem qualifizier- Einzelpersonen an das Komitee, die 200 Dollar im
ten Mehrkandidatenkomitee) oder 1.000 Dollar pro Kalenderjahr übersteigen, einzeln aufführen. AusgaWahl (bei anderen Komitees). Im Gegensatz zu ben müssen ebenfalls einzeln aufgeführt werden.
Einzelpersonen unterliegen politische Komitees keinem jährlichen Spendenlimit.

* *

AMERIKA DIENST 10

* *

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