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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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Z12462C
Li-

53170

Bonn
27. Oktober 1993

43

NATO

PARTNERSCHAFTEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER NATO
Verteidigungsminister Aspin in Deutschland

ABRÜSTUNG

USA UMREISSEN ABRÜSTUNGSZIELE
Rede des amtierenden
ACDA-Direktors vor UNO-Ausschuß

UMWELT

SCHLUSSELELEMENTE DES AKTIONSPLANS
ZU KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax: 0228 -3341 02

�NATO
27. Oktober 1993

PARTNERSCHAFTEN ZUR
UNTERSTÜTZUNG DER NATO
Verteidigungsminister Aspin in Deutschland
TRAVEMÜNDE - (AD) - Der amerikanische Vorschlag über eine begrenzte militärische Partnerschaft zwischen
der NATO und den europäischen Nationen wird "den Handlungsspielraum der NATO in dieser neuen Zeit nach
dem Kalten Krieg, nach dem Zerfall der Sowjetunion, erweitern", erklärte US-Verteidigungsminister Aspin.
Dazu zählen "Friedenssicherung, aber auch Such- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe und Krisenmanagement", stellte Aspin am 21. Oktober 1993 auf einer Pressekonferenz in Travemünde fest, wo er mit den
anderen Verteidigungsministern der NATO zusammentraf.
Zuvor hatte er geäu ßert, der Vorschlag für eine Partnerschaft wäre ein erster Schritt zu einer möglichen, jedoch
nicht automatisch erfolgenden Mitgliedschaft Rußlands und anderer Nationen des ehemaligen Warschauer
Pakts in der NATO.
Dem Verteidigungsminister zufolge bestände ein zweiter an seine Amtskollegen gerichteter Vorschlag der Vereinigten Staaten darin, die Bekämpfung der Weiterverbreitung auf die Tagesordnung der NATO zu setzen.
Das sei notwendig, weil die alte atomare Bedrohung durch Tausende von Sprengköpfen in der Sowjetunion "einer
brandneuen atomaren Bedrohung" gewichen ist, "der Möglichkeit eines terroristischen Staats, einer terroristischen Organisation, die sich vergleichsweise geringe Mengen von Nuklearwaffen beschaffen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Äußerungen von Verteidigungsminister Aspin auf der Pressekonferenz im
Wortlaut.
Zunächst möchte ich kurz auf die beiden von uns bei
diesem Treffen vorgelegten Vorschläge eingehen. Einer
bezog sich auf eine Partnerschaft für den Frieden. Der
andere ist ein Vorschlag zur Bekämpfung der Weiterverbreitung als Punkt auf der Tagesordnung der NATO.
Diese beiden Vorschläge müssen bis zum NATOGipfel noch weiterentwickelt und präzisiert werden und
sind hoffentlich in irgendeiner Form Bestandteil des für
den kommenden Januar anberaumten Gipfels.
Beide Vorschläge entstanden aus dem grundlegenden
Konzept, daß die NATO im Kern ein Sicherheitsbündnis ist. Sie ist ein Militärbündnis, das sich mit der
Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten befaßt. Das ist die
Grundlage, auf der sie sich weiterentwickelte, und
natürlich das Fundament für den Erfolg der NATO.
Dies sollte unseres Erachtens Teil der Frage der
Erweiterung der N ATO-Mitgliedschaft sowie der Frage
sein, welche Staaten unter welchen Bedingungen
beitreten sollten. Dadurch entstand bei uns die Idee,
das Konzept der NATO als Sicherheitsbündnis zu
nutzen, um eine Beziehung zu potentiellen neuen
Mitgliedern zu entwickeln.
AMERIKA DIENST 43

Der Vorschlag lautet, daß die Länder, die der NATO
beitreten wollen - und selbstverständlich beschränkt
sich das nicht nur auf die Beitrittswilligen, sondern es
sind auch die gemeint, die sich der Initiative Partner für
den Frieden anschließen - aufgefordert werden, ein
Partnerschaftsabkommen mit der NATO zu unterzeichnen, wenn sie dies wünschen. Diesem Partnerschaftsabkommen würde dann ein Plan zur Umsetzung folgen mit einem Programm, das nähere Einzelheiten zur Einbeziehung des jeweiligen Landes in die
Institution NATO gibt.
Letztlich streben wir die gemeinsame Entwicklung von
Fähigkeiten zwischen der Organisation NATO und den
einzelnen Ländern durch gemeinsame Übungen,
gemeinsame Planung und gemeinsame Ausbildung
an, um schließlich zu einer Interoperabilität von Gerät
und Operationsmethoden zwischen der NATO und
den Partnerstaaten zu gelangen. Mit dieser Methode
verbessern wir die Fähigkeiten der NATO, indem wir
den Handlungsspielraum der NATO in dieser neuen
Zeit nach dem Kalten Krieg, nach dem Zerfall der
Sowjetunion, erweitern. Dazu zählen natürlich FrieSeite 1

�denssicherung, aber auch Such- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe und Krisenmanagement. Dies
sind die Aufgaben, die die NATO als Organisation
wahrnehmen wird.
Die Idee vors Partnern - Partnern für den Frieden besteht in der Entwicklung von gemeinsamen Fähigkeiten zwischen der Institution NATO und diesen anderen
Ländern zur Verbesserung des Handlungsspielraums
der NATO bei der Bewältigung dieser Aufgaben. Zur
Zeit gibt es einen gewissen Handlungsspielraum zwischen den NATO-Partnern, den derzeitigen NATOMitgliedstaaten. Durch Partnerschaft würden wir die
Ressourcen erweitern, um die Fähigkeiten anderer
Länder aufzustocken. Um dies zu erzielen, müssen
wir gemeinsame Operationen und gemeinsame Ausbildung sicherstellen und hoffen letztlich auf ein gewisses Maß an Interoperabilität zwischen ihnen. Die Idee
ist ihre Erweiterung und zwar durch Partnerschaft für
den Frieden. Das war die zugrundeliegende Idee.

greßausschüssen, die jahrelang Doktrinen, Streitkräftestrukturen und so weiter zur Bewältigung dieser
nuklearen Bedrohung entwickelten.
Die nukleare Bedrohung ist einer brandneuen atomaren Bedrohung gewichen. Die neue nukleare Bedrohung besteht jetzt in der Möglichkeit eines terroristischen Staats, einer terroristischen Organisation, die
sich vergleichsweise geringe Mengen von Nuklearwaffen beschaffen. Dies wirft die Frage auf, wieviel dieser
alten Doktrinen und Geräte der alten Bedrohung auf
die neue Bedrohung Anwendung finden. Es gibt Anlaß
zu der Sorge, daß es nicht allzuviel sein könnte - ein
völlig neues Denken und die Entwicklung einer ganz
neuen Strategie zur Bewältigung dieser Bedrohung
könnten erforderlich sein sowie völlig neues Gerät und
eine neue Sichtweise, während sich diese neue Bedrohung entfaltet.

Ich bin einer derjenigen, deren Antwort "Ja" lautet. Ja,
diese neue atomare Bedrohung wird eine neue atomaIch möchte nun kurz auf den zweiten Vorschlag einge- re Reaktion erfordern, und diese Reaktion wird sich
hen - die Initiative zur Bekämpfung der Weiterverbrei- von der bisherigen unterscheiden. Das bedeutet, wir
tung - und dann werden wir gerne Ihre Fragen beant- müssen anfangen, darüber nachzudenken, müssen
worten. Die Welt - und natürlich die NATO - sieht sich gemeinsam die Arbeit aufnehmen und gemeinsam
heute, in der Weit nach dem Kalten Krieg, nach dem darüber nachdenken. Und es ist ein Vorschlag, daß wir
Zerfall der Sowjetunion, mit einer brandneuen atoma- in der NATO - wiederum, indem wir zu den Wurzeln der
ren Bedrohung konfrontiert.
Sicherheit, den Wurzeln einer sicherheitsorientierten
NATO zurückkehren - eine neue Bedrohung in Angriff
Die alte nukleare Bedrohung bestand in Tausenden nehmen, mit der sich alle Mitglieder des Bündnisses
Gefechtsköpfen in der Sowjetunion. Über die Jahre individuell und kollektiv konfrontiert sehen, und ihr bei
hinweg haben wir - "wir" bedeutet alle von uns in der unseren jährlichen Sitzungen neuen Auftrieb verleiNATO - sorgfältig formulierte Theorien, Strategien, hen.
Fähigkeiten zur Kriegführung, Verteidigung, militärisches Gerät des einen oder anderen Typs entwickelt, Dies war der zweite Vorschlag. Wie ich bereits erum dieser nuklearen Bedrohung zu begegnen. Es gab wähnt habe, entwachsen beide Vorschläge dem
ganze Studienbereiche, die sich mit Abschreckung Hauptinteresse des Bündnisses - einem im Kern siund Kriegführung, mit Rüstungskontrolle, dem Kräfte- cherheitsorientierten Bündnis. Ich bin jetzt gerne zur
gleichgewicht und anderem befaßten. Ichsprechevon Beantwortung Ihrer Fragen bereit.
Universitäten und Denkfabriken, verschiedenen Kon-

* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�ABRÜSTUNG
27. Oktober 1993

USA UMREISSEN ABRÜSTUNGSZIELE
Rede des amtierenden ACDA-Direktors vor UNO-Ausschuß
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Eindämmung der Verbreitung nuklearer und konventioneller Waffen sei eine
der höchsten Prioritäten der Vereinigten Staaten und die Clinton-Administration beabsichtige, sie "besser in das
Gefüge unserer Beziehungen zu den Nationen der Welt" zu integrieren, erklärte der geschäftsführende Direktor
des amerikanischen Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control und Disarmament Agency
- ACDA), Thomas Graham Jr., in einer am 19. Oktober 1993 vor dem Ersten Ausschu ß der UN-Generalversammlung gehaltenen Rede.
Graham umri ß die Ziele der Clinton-Administration bei der Gewährleistung der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, Schaffung globaler Normen für die Rüstungskontrolle, Anwendung vertrauensbildender
Maßnahmen bei der Beilegung regionaler Streitigkeiten und Beseitigung überflüssiger Waffen aus der Zeit des
Kalten Krieges.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des amtierenden ACDA-Direktors im Wortlaut.

Von vorigen Direktoren des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung vor diesem Ausschuß gehaltene
Reden verwiesen auf die Notwendigkeit einer Anpassung der Rüstungskontrolle an die teifgreifenden Veränderungen, deren Zeuge wir fast täglich auf den
Fernsehschirmen werden.

tiken und -programme aus der Zeit des Kalten Krieges

werden diese Periode des Wandels beeinflussen, nicht
beherrschen, wie einige befürworten. Wir haben bei
diesem Anpassungsprozeß einen guten Anfang gemacht. Wir haben jedoch noch einen weiten Weg
zurückzulegen.

Ich dachte, in diesem Jahr könnte ich mich einem
neuen Thema zuwenden. Die Realität spricht jedoch
dagegen. Nach dem Ende des Kalten Krieges beobachten wir weiter mit bemerkenswerter Geschwindigkeit und Regelmäßigkeit aufsehenerregende Veränderungen. Einige dieser Veränderungen sind sehr
positiv - wie das jüngste israelisch-palästinensische
Abkommen oder die Machtübergabe in Südafrika.

Wir sollten im Zusammenhang mit Rüstungskontrolle
zwei wichtige Punkte im Gedächtnis behalten. Erstens
ist Rüstungskontrolle ein allen zur Verfügung stehendes politisches Instrument. Es kann und muß von uns
allen zu guten Zwecken eingesetzt werden, nicht nur
für uns selbst, sondern für die gesamte internationale
Staatengemeinschaft. Zweitens müssen wir uns
konstant bewußt sein, daß Rüstungskontrolltransaktionen grundsätzlich politischer Natur sind, während
Einige Veränderungen sind jedoch äußerst beunruhi- das Zahlmittel der Rüstungskontrolle militärische
gend - die Drohung Nordkoreas, aus dem Nichtverbrei- Fähigkeiten sind.
tungsvertrag (NW) auszutreten, die Verhöhnung der
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch den Irak Im Kern dreht sich Rüstungskontrolle um die Gestalund seine Bestrebungen zum Wiederaufbau seiner tung bestimmter Arten von Beziehungen, Erwartunmilitärischen Fähigkeiten sowie auf der ganzen Welt gen und Verhaltensweisen. Als solches kann sie
ausbrechende Konflikte, die Tragödien ungekannten nützliche Richtlinien auf dem Weg bieten, den wir zu
Ausmaßes verursachen.
selten für eine friedliche Lösung von Streitigkeiten und
die effektive gewaltlose Handhabung konkurrierender
Die Summe dieser - guten und schlechten - Verände- Interessen eingeschlagen haben.
rungen ist die Notwendigkeit zur Neubewertung der
Tagesordnung für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Wenn Rüstungskontrolle diese Rolle jedoch erfolgNichtverbreitung sowie der fortgesetzten Anpassung reich spielen soll, müssen wir vier vordringliche Aufgavon Rüstungskontrolle an das sich abzeichnende si- ben erfüllen:
cherheitspolitische Umfeld. Die RüstungskontrollprakAMERIKA DIENST 43

Seite 1

�1.

Gewährleistung der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme,

2.

Schaffung globaler Normen für die Rüstungskontrolle,

3.

Anwendung der Lehren der Rüstungskontrolle
und vertrauensbildender Maßnahmen bei der
Beilegung regionaler Streitigkeiten und

Unterzeichner - streben Mutmaßungen zufolge
offensive chemische Waffenfähigkeiten an.
Trotz des seit 20 Jahren aufgrund der Konvention über biologische Waffen (BW-Konvention)
bestehenden Verbots biologischer Waffen haben wir Beweise, daß einige Länder die Entwicklung biologischer Waffen weiterverfolgen.

In Washington engagiert man sich dafür, in der Nichtverbreitungsarena über das "business as usual" hin4.
Beseitigung überflüssiger Waffen und Überka- auszugehen. Präsident Clinton unterstrich sein Engapazitäten der Rüstungsindustrien aus der Zeit gement in seiner jüngsten Rede vor der Generalverdes Kalten Krieges.
sammlung der Vereinten Nationen, in der er NichtverIch möchte Ihnen kurz darlegen, wie meine Regierung breitung "zu einer der obersten Prioritäten unserer
die von uns erzielten Fortschritte bei der Ausführung Nation" erklärt hat. "Wir beabsichtigen, die Nichtverdieser entscheidenden Aufgaben und den vor uns breitung enger in das Gefüge unserer Beziehungen zu
den Nationen und Institutionen der Welt einzubezieliegenden Herausforderungen sieht.
hen."
Nichtverbreitung
Bei dieser Gelegenheit hat der Präsident auch einen
Das globale Umfeld der Nichtverbreitung hat sich umfassenden Ansatz zur Nichtverbreitung bekanntgedramatisch verändert. Ebenso wie die bereits erwähn- geben und drei Prinzipien umrissen, von denen unsere
ten Veränderungen jedoch sowohl positive als auch Politik zu Nichtverbreitung und Exportkontrollen geleinegative Entwicklungen enthielten, ist das Nichtver- tet sein wird. Das erste - Nichtverbreitung zu einer
breitungsumfeld von Erfolgen und schlimmen Vorah- höheren Priorität zu machen und sie fester in unsere
Beziehungen zu anderen Ländern zu integrieren nungen gekennzeichnet:
habe ich bereits erwähnt.
Das internationale Engagement für die Sache
der Nichtverbreitung wächst nach wie vor stän- Das zweite Prinzip ist, daß die Vereinigten Staaten
dig, wie durch den jüngsten Beitritt Südafrikas, aktiv die Erweiterung von Handel und TechnologieausFrankreichs und Chinas zum Nichtverbreitungs- tausch mit Nationen anstreben, einschließlich ehemavertrag (NW) sowie durch Argentiniens und ligen Gegnern, die globale Nichtverbreitungsnormen
Brasiliens Bestrebungen zur Inkraftsetzung des einhalten.
Vertrags von Tlatelolco unter Beweis gestellt.
Schließlich werden die Vereingten Staaten versuchen,
Obwohl der Zusammenbruch der Sowjetunion einen neuen Konsens - sowohl im In- als auch im
nicht zum Entstehen neuer Nuklearwaffenstaa- Ausland - zu bilden, um die Nichtverbreitungsbestreten führte, hat in der Ukraine die Debatte über bungen zu fördern und sie in unsere wirtschaftlichen
die Ratifizierung des START-Vertrags und die Ziele einzubeziehen.
Einhaltung des NW Fragen über die Zukunft
der in der ehemaligen Sowjetunion verbliebe- Als Reaktion auf die Geißel der Verbreitung von
nen Nuklearwaffen aufgeworfen. Die falschen Massenvernichtungswaffen besteht unsere erste AufAntworten könnten das gesamte Nichtverbrei- gabe in der Stärkung des Fundaments für Nichtverbreitung. Die zweite Aufgabe ist, darauf aufzubauen.
tungsregime bedrohen.
Traditionelle Lieferanten haben die Exportkon- Nuklerae Nichtverbreitung
trollen im Zusammenhang mit der Verbreitung
von Waffen verschärft, während neu auftretende Lieferanten diese Bestrebungen zu unterminieren versuchen.

Mit nahezu 160 Vertragsparteien ist der NW ein
Eckpfeiler des internationalen nuklearen Nichtverbreitungsregimes und die oberste rechtliche und politische
Barriere für die weitere Verbreitung von Nuklearwaffen. Der NW spiegelt den internationalen Konsens
Die Zahl der Mitglieder des NW hat sich auf
gegen die Verbreitung von Nuklearwaffen wider, die
nahezu 160 erhöht, einschließlich aller fünf Nueine der ernsthaftesten Bedrohungen der globalen
klearwaffenstaaten. Mitglieder wie Nordkorea
Sicherheit und Stabilität ist. Seit über 20 Jahren hat der
und Irak, die den NW nicht einhalten, untergraNW seinen Parteien Sicherheit und wirtschaftliche
ben jedoch die Wirksamkeit des Vertrags.
Vorteile gebracht. Durch die erfolgreiche EindämÜber 150 Nationen haben die Chemiewaffen- mung der Verbreitung von Nuklearwaffen hat der NW
konvention unterzeichnet, aber einige der Nicht- die Bestrebungen der Vereinigten Staaten und andeunterzeichner - und vielleicht auch einige der rer zum Abbau ihrer eigenen Kernwaffenarsenale erleichtert.

Seite 2

AMERIKA DIENST 43

�Die sicherheitspolitischen Vorteile des N W sind in
jeder Region der Welt offenkundig. Die Einhaltung des
N W durch Südafrika im Jahr 1991 hat beispielsweise
die Sicherheit aller afrikanischen Staaten erhöht und
einen konkreten Beitrag zu den regionalen Bestrebungen zur Gründung einer nuklearwaffenfreien Zone in
Afrika geleistet. Der N W kann einen entscheidenden
Beitrag leisten sowie die durch den Zusammenbruch
der ehemaligen Sowjetunion möglicherweise verursachte Verbreitung von Nuklearwaffen eindämmen.
Die Einhaltung des N W durch alle neuentstandenen
Staaten wird zur Beseitigung des Risikos der gefährlichen Verbreitung von Kernwaffen beitragen und produktive Beziehungen zu den Nachbarstaaten und
anderen erleichtern. Die uneingeschränkte Einhaltung
von Nordkoreas Verpflichtungen im Rahmen des N W
ist ebenfalls unabdingbar für den Abbau der Spannungen in Asien.
Der N W hat auch die weitreichende Zusammenarbeit
bei der friedlichen Nutzung von Atomenergie für die
wirtschaftliche und soziale Entwicklung gefördert, insbesondere in den Entwicklungsländern. Viele Staaten
konnten aufgrund ihrer Mitgliedschaft im N W von den
Vorteilen der Kemwaffentechnologie für friedliche
Zwecke profitieren.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
die unbegrenzte und bedingungslose Erweiterung des
N W im Jahr 1995 die beste Versicherung für den
weiteren Beitrag des Vertrags zu globaler Sicherheit
ist. Er wird der internationalen Staatengemeinschaft
die lebenswichtige und verläßliche Grundlage verleihen, auf der weitere Rüstungskontroll- und Abrüstungsmaßnahmen verfolgt werden können. Er wird zuverlässigen Zugang zu Nuklearmaterial und -technologie
für die NW-Parteien gewährleisten. Infolgedessen
werden die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende tun, um die unbegrenzte und bedingungslose Erweiterung des N W im Jahr 1995 sicherzustellen.
Während wir den N W stärken, müssen wir jedoch
auch unsere weitergehenden Bestrebungen zur Beendigung der Verbreitung von Nuklearwaffen erweitern.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten ihre
Unterstützung fürzwei Initiativen bekanntgegeben, bei
denen wir an alle Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft appellieren, unserem Beipiel zu folgen.
Die erste ist eine multilaterale Konvention über das
Verbot der Produktion von hochangereichertem Uran
oder der Trennung von Plutonium für Nuklearexplosionen außerhalb der internationalen Sicherheitsvorschriften. Ein solches Abkommen wird andere Maßnahmen
ergänzen, die wir im Zusammenhang mit spaltbarem
Nuklearmaterial zu verfolgen beabsichtigen. Dazu
zählen:
Die Beseitigung - wo immer dies möglich ist - der
Anhäufung übermäßiger Bestände an hochan-

AMERIKA DIENST 43

gereichertem Uran oder Plutonium und die Sicherstellung, daß die bereits existierenden
Materialien den höchsten Normen der Sicherheit und internationalen Zählweise unterliegen.
Abbau der Notwendigkeit für hochangereichertes Uran in zivilen nuklearen Aktivierungseinrichtungen.
Ermutigung restriktiverer regionaler Arrangements zur Begrenzung der Produktion von
spaltbarem Material in instabilen Regionen mit
einem hohen Weiterverbreitungsrisiko.
Inspektionen des nicht länger für die Abschrekkung der Vereinigten Staaten benötigten spaltbaren Materials durch die internationale Atomenergie-Organisation.
Verfolgung des Kaufs von hochangereichertem
Uran aus der ehemaligen Sowjetunion und
anderen Ländern sowie seine Nutzung für friedliche Zwecke als Reaktorbrennstoff.
Das zweite vorrangige Ziel der Vereinigten Staaten eine entscheidende Änderung der Politik unter der
Clinton-Administration - ist der unverzügliche Abschluß
des Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot
(Comprehensive Test Ban Treaty - CTB). Wir begrüßen die Entscheidung der Genfer Abrüstungskonferenz, ihrem Ad-hoc-Ausschuß für ein Atomtestverbot
ein Mandat zur Aushandlung eines CTB zu verleihen,
und sehen einer aktiven Rolle unsererseits bei diesen
Verhandlungen entgegen, wenn die Genfer Abrüstungskonferenz im Januar ihre neue Sitzungsrunde aufnimmt. Darüber hinaus hoffen wir, daß wir in diesem
Jahr eine Resolution über ein Testverbot des Ersten
Ausschusses unterstützen können.
Die Vereinigten Staaten vertreten von jeher die Auffassung, daß diesen Zielen auch mit der Einhaltung des
andauernden Moratoriums für Atomtests durch alle
Nuklearstaaten gedient wäre. Bedauerlicherweise
teilen nicht alle Staaten diese Ansicht, und die Vereinigten Staaten bedauern zutiefst die chinesische Entscheidung zur Durchführung eines unterirdischen
Atomtests. Präsident Clinton hat China aufgefordert,
von weiteren Tests Abstand zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Nuklearmächten das globale
Testmoratorium einzuhalten - ein unerläßlicher Beitrag zur Erlangung eines baldmöglichen umfassenden
Atomtestverbots.
Nichtverbreitung chemischer und biologischer
Waffen
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die
Beseitigung chemischer und biologischer Waffen ist
nicht weniger stark als ihr Engagement für die nukleare
Nichtverbreitung. Die Unterzeichnung der Konvention
über chemische Waffen (CW-Konvention) im Januar
dieses Jahres ist ein Meilenstein in der Rüstungskon-

Seite 3

�trolle, der alle Pattsituationen durchbricht und neue
Verfahrensweisen eröffnet.

tungchemischerund biologischer Waffen verfolgt. Die
Australiengruppe hat stets die universelle und effektive Durchführung der CW- und BW-Konventionen
Wir sind erfreut, daß bis Oktober 1993 über 150 unterstützt und wird weiter auf die Erlangung dieses
Staaten die CW-Konvention unterzeichnet haben. Die Ziels durch die Förderung multilateraler ExportkontrolEinhaltung sollte jedoch universell sein. Wir fordern len für C- und B-waffenfähiges Material und Gerät
alle Staaten zur Unterzeichnung der Konvention auf. hinarbeiten, das für Waffenprogramme beschafft werden
Ein solcher Schritt ist nicht ein Akt des Großmuts, soll. Die Vereinigten Staaten fordern alle Länder auf,
sondern des Eigeninteresses.
die Durchführung von Exportkontrollisten der Australiengruppe in Erwägung zu ziehen.
Ich kann nur Präsident Clintons Appell an alle Signatarstaaten einschließlich der Vereinigten Staaten wieder- Nichtverbreitung von Raketen
holen, die CW-Konvention so schnell wie möglich zu
unterzeichnen, damit sie zum frühesten Zeitpunkt in Die Einführung moderner Raketenfähigkeiten in die
nur 15 Monaten in Kraft treten kann. Wir werden das Arsenale einer zunehmenden Zahl von Staaten verAbkommen dem amerikanischen Senat voraussicht- wandelt das geostrategische Umfeld in ein gefährlilich in diesem Herbst unterbreiten und hoffen, er hat die cheres Terrain. Sie schaffen neue Bedrohungen auf
Beratungen bis Anfang 1994 abgeschlossen und seine größere Entfernungen, bei denen zuvor keine BedroZustimmung erteilt.
hung existierte. Sie nähren das Schreckgespenst von
Bevölkerungen, die weit entfernt von einer militäriWährend wir dem Inkrafttreten der Konvention erwar- schen Konfrontation Opfer eines nuklearen, chemitungsvoll entgegensehen, sind wir durch die Arbeit der schen oder biologischen Angriffs werden. Sie führen
CW-Vorbereitungskommission in Den Haag ermutigt. neuen Streit und neue Kontroversen in die bereits
Sie hat keine leichte Aufgabe. Die technischen Details belasteten Beziehungen vieler Staaten ein.
sind äußerst umfangreich und die Ausarbeitung der
Verwaltungsverfahren kann zermürbend sein. Diese Als Teil ihrer neuen Initiative zur Nichtverbreitung
Aufgabe ist jedoch entscheidend, wenn die Konven- verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur Fördetion effektiv funktionieren soll, und wir werden weiter- rung der Richtlinien des Raketentechnologie-Kontrollhin eine aktive Rolle bei der Gewährleistung überneh- regimes (Missile Technology Control Regime - MTCR)
men, daß die Normen nicht auf Kosten des Nutzens als globaler Nichtverbreitungsnorm sowie als Mechagesenkt werden. Wir ermutigen die anderen Staaten, nismus für gemeinsame Aktionen zur Bekämpfu ng der
dasselbe zu tun.
Verbreitung von Raketen.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
Konvention über biologische Waffen (BW) seit ihrem
Inkrafttreten in mehrfacher Weise verbessert wurde,
einschließlich der weitverbreiteten und zunehmenden
Mitgliedschaft sowie derdrei Überarbeitungskonferenzen. Die Vereinigten Staaten unterstützen weitere
Bestrebungen zur Verbesserung der BW-Konvention.
Im einzelnen streben wir die Schaffung eines Transparenz-Regimes an, das die Wirksamkeit der Konvention
und ihre Einhaltung verbessert.
Wir unterstützen den einhelligen Bericht der zur Identifizierung und Prüfung potentieller BW-Verifizierungsmaßnahmen einberufenen Ad-hoc-Gruppe von Regierungsexperten, die vor kurzem ihre Arbeit beendet hat.
Der Bericht wird allen Parteien zur Erörterung vorgelegt. Wenn die Mehrheit der Staaten die Einberufung
einer Konferenz zur Prüfung des Berichts beantragt,
wird eine solche Konferenz anberaumt. Die Vereinigten Staaten ermutigen alle Parteien, dies ernsthaft in
Erwägung zu ziehen und unterstützen die frühzeitige
Einberufung einer solchen Konferenz.
Zusätzlich zur Unterstützung der Vereinigten Staaten
für die CW- und BW-Konventionen nehmen sie auch
an der aus 25 Mitgliedern bestehenden Australiengruppe teil, die multilaterale Maßnahmen - einschließlich Exportkontrollen - zur Verhinderung der Verbrei-

Seite 4

Wir müssen die wachsende Bedrohung von leichter
verfügbaren Raketenfähigkeiten meistern. Die Freunde und Streitkräfte der Vereinigten Staaten sind durch
ballistische Raketenfähigkeiten in Krisengebieten wie
dem Golf und der koreanischen Halbinsel einem Risiko
ausgesetzt. Eine solche Entwicklung liegt in niemandes Interesse. Wir müssen das Problem sowohl von
der Angebots- als auch von der Nachfrageseite angehen.
Förderung globaler Rüstungskontrollnormen
Die Stärkung bereits existierender Grundlagen der
Nichtverbreitung - NW, BW-Konvention, CW-Konvention sowie der Nichtverbreitungsgruppen wie das
Raketentechnologie-Kontrollregime, die Gruppe der
Lieferanten von Atommaterial und die Australiengruppe - tragen zur Erreichung unseres zweiten großen
Rüstungskontrollziels bei und fördern globale Normen
für die Rüstungskontrolle.
Die von der internationalen Staatengemeinschaft befürworteten Normen spiegeln sich auch in der Unterstützung von internationalen Institutionen bei der
Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung
wider.
Aus diesem Grund muß die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO), die bei der Anwendung interAMERIKA DIENST 43

�nationaler Sicherheitsvorschriften unter dem NW eine
wichtige Rolle spielt, die für effiziente Arbeit erforderliche finanzielle Unterstützung erhalten. Die Vereinigten Staaten und andere Länder sollten bereit sein, mit
der IAEO die zur Wahrnehmung ihrer Verantwortung
nötigen Informationen auszutauschen und sie politisch
uneingeschränkt unterstützen.
In ähnlicher Weise muß die Vorbereitungskommission
für die CW-Konvention sicherstellen, daß die zur
Durchsetzung der CW-Konvention in Übersee geschaffene Organisation für das Verbot chemischer
Waffen (Organization for the Prohibition of Chemical
Weapons - OPWC) effizient und effektiv ist und nicht
zu einer aufgeblähten internationalen Bürokratie wird,
in der die Interessen der Bürokraten an erster Stelle
stehen und die des Vertrags erst an zweiter.

Unterstützung regionaler Rüstungskontrolle
Die dritte große auf der Tagesordnung für die Rüstungskontrolle nach dem Kalten Krieg stehende Aufgabe ist die Anwendung der aus der Rüstungskontrolle
gezogenen Lehren sowie vertrauensbildender Maßnahmen bei der Beilegung regionaler Konflikte. Ebenso wie andere Aspekte der internationalen Rüstungskontrolle geben die Aussichten für regionale Rüstungskontrolle Anlaß zu Optimismus und Besorgnis gleichermaßen.
Positiv ist, daß eine Reihe von Entwicklungen das
wachsende Interesse der Staaten an einem regionalen
Ansatz zu Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden
Maßnahmen widerspiegeln. Im vergangenen Jahr
konnten wir folgendes beobachten:

Die Vereinten Nationen verkörpern ebenso wie die
Genfer Abrüstungskonferenz globale Rüstungskontrollnormen. Einzelnen Mitgliedern gefällt vielleicht
nicht jeder Aspekt ihrer Arbeit oder jede vorgebrachte
Idee, aber die von ihnen organisierten Foren - wie das
heutige Treffen - sind für die Förderung der Völkerverständigung, die der Kern einer globalen Norm ist,
unabdingbar.

Den Beginn eines Dialogs über Sicherheitsfragen unter den Mitgliedern des Verbands Südostasiatischer Nationen (Association of Southeast Asian Nations - ASEAN) sowie Bestrebungen einiger Staaten Südostasiens zur Förderung der Suche nach einer Lösung potentieller
Konfliktursachen wie dem Disput über die Spratlyinseln.

Die Einhaltung von Rüstungskontrollabkommen ist
ebenfalls eine entscheidende Norm. Die Frage der
Einhaltung ist in der Tat von grundlegender Bedeutung. Ereignisse wie die fortgesetzte Verletzung der
Resolutionen des Sicherheitsrates und das Entstehen
neuer Staaten auf der ganzen Welt betonen erneut die
Bedeutung einer universellen Beachtung von Rüstungskontrolle fürdie Weltordnung. Die Vereinigten Staaten
und andere sie unterstützende Länder planen die
Wiedereinführung einer Resolution über diese wichtige Angelegenheit.

Die fortgesetzte Realisierung und Erforschung
der Möglichkeiten regionaler Rüstungskontrolle
durch die Staaten Lateinamerikas, beispielsweise Argentinien.

Internationale Vorschriften manifestieren sich auch in
unseren Maßnahmen zur Bekämpfung der Weiterverbreitung. Unsere Exportkontrollsysteme reflektieren
beispielsweise unsere wahre Einstellung zu den Verpflichtungen, die wir durch unseren Beitritt zu multilateralen Abkommen eingegangen sind. Wirksame
Exportkontrollen unterstreichen die Ernsthaftigkeit
unserer Absichten sowie unsere Erkenntnis, daß
multilaterale Abkommen und multilaterale Exportkontrollen komplementäre Instrumente zur Erreichung
von Zielen bei Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung
sind. Aus diesem Grund harmonisieren die Vereinigten Staaten ihre Kontrollen im Inland so weitgehend
wie möglich mit den multilateral vereinbarten. Gleichzeitig schaffen wir unilaterale Kontrollen ab, die nicht
von essentieller Bedeutung für unsere nationale Sicherheit sowie unsere außenpolitischen Interessen
sind und arbeiten mit anderen Ländern zusammen, um
veraltete Kontrollen zu beseitigen, die den rechtmäßigen Handel ungebührlich erschweren.

AMERIKA DIENST 43

Stetige Fortschritte der Arbeitsgruppe für multilaterale Rüstungskontrolle und regionale Sicherheit (Arms Control and Regbnal Security - ACRS),
die als Teil des Friedensprozesses im Nahen
Osten ins Leben gerufen wurde.
Verhandlungen über eine atomwaffenfreie Zone
in Afrika.
Diese und ähnliche Entwicklungen demonstrieren, daß
einzelne Regionen unterschiedliche sicherheitspolitische Bedürfnisse und Probleme haben und deshalb
die Staaten dieser Regionen auf sie zugeschneiderte
Rüstungskontrollbestrebungen unternehmen können,
um nicht nur Frieden und Stabilität im eigenen Land zu
fördern, sondern auch in der internationalen Staatengemeinschaft als Ganzes.
Besorgniserregend ist, daß das Interesse an regionaler Rüstungskontrolle und vertrauensbildenden Maßnahmen nicht von allen geteilt wird. Einige Staaten
müssen noch überzeugt werden, daß Rüstungskontrolle ein nützliches Instrument für die Regelung schwieriger Beziehungen zwischen Staaten sein kann. Andere
wiederum entzogen sich ihrer kollektiven Verantwortung, praktische und angemessene Schritte zur Rüstungskontrolle zu unternehmen, und versteckten sich
hinter dem nicht stichhaltigen Argument, daß es bei
der Rüstungskontrolle darum gehe, die Waffen anderer, vor allem der Supermächte, zu kontrollieren.

Seite 5

�Eine auf der Tagesordnung für Rüstungskontrolle und
vertrauensbildende Maßnahmen weit oben stehende
quälende Frage ist die destabilisierende Auswirkung
übermäßiger konventioneller Aufrüstung. Die Verantwortung für eine solche Anhäufung wird häufig den
Staaten zugeschoben, die Waffen liefern. Obwohl die
Industrienationen tatsächlich Überkapazitäten in der
Rüstungsindustrie sowie überschüssige militärische
Ausrüstung haben, ist ein Großteil dessen nachfragebedingt. Obwohl die Lieferantenstaaten einen Teil der
Verantwortung für destabilisierende Waffentransfers
tragen, sind es vorrangig die Abnehmer der Waffen,
die die Auswirkungen ihrer Rüstungskäufe auf die für
die sozio-ökonomische Entwicklung eines Landesund
die regionale Stabilität verfügbaren Ressourcen abwägen müssen.

weise den Vorschlag unterbreitet, daß die Staaten
Informationen über militärische Bestände und Beschaffung durch die nationale Produktion bereitstellen.
Wir sehen der Arbeit der Genfer Abrüstungskonferenz
im nächsten Jahr im Hinblick auf diesen Vorschlag und
einige andere jetzt auf dem Tisch liegende entgegen.

Die Einrichtung und Arbeit des durch die Resolution
über Transparenz im Rüstungsbereich geschaffenen
Ad-hoc-Ausschusses, des seit mehreren Jahren von
der Genfer Abrüstungskonferenz ersten neu eingerichteten Ausschusses und des einzigen zu konventioneller Rüstung, war eine wichtige und positive Entwicklung. Wir sind jedoch enttäuscht, daß nur einige
Staaten zur Diskussion entscheidender Fragen bereit
sind, die sie stark betreffen, beispielsweise Transparenz beim Transfer konventioneller Waffen. Ferner
sind
wir enttäuscht, daß einige Mitgliedstaaten der
Maßnahmen zum Transfer von Waffen - sowohl seiGenfer
Abrüstungskonferenz den Versuch zur Erweitens der Käufer als auch der Verkäufer - müssen in
terung
des
Anwendungsbereichs dieser Resolution
Betracht ziehen, daß zwischen den legitimen Verteidiunternommen
haben, um Massenvernichtungswaffen
gungserfordernissen und dem internationalen Sichermit
einzubeziehen
und die Diskussion von Fragen zu
heitsinteresse an der Verhinderung einer destabilisiekonventionellen
Waffen
abzulenken, die eine direktere
renden Aufrüstung ein Gleichgewicht aufrechterhalten
Auswirkung
auf
ihre
eigene
Sicherheitspolitik haben.
werden muß, insbesondere in Spannungsgebieten
oder Konfliktregionen.
Bevor ich auf das nächste Thema zu sprechen komZur Erlangung dieses Gleichgewichts verdient nach me, möchte ich eine weitere bedeutende Maßnahme
Ansicht der Vereinigten Staaten der Vorschlag des zur Verbesserung der Transparenz erwähnen. Am 6.
UN-Generalsekretärs zu regionalen Abkommen ernst- August dieses Jahres gab der Senat seine Ansichten
hafte Prüfung, genauer zu definieren, was übermäßige und Zustimmung zur Ratifizierung des Vertrags über
oder bedrohliche militärische Kapazitäten darstellen. Offene Himmel, der bis heute weitestgehenden internationalen Bestrebung zur Förderung von Offenheit
Andere Punkte auf der Tagesordnung für regionale und Transparenz der Streitkräfte und ihrer Aktivitäten.
Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnah- Der Vertrag sieht ein vertrauensbildendes Regime von
men - die häufig eng mit dem Problem des Waffen- gegenseitigen Beobachtungsflügen über dem gesamtransfers verbunden sind - beziehen sich auf Transpa- ten Gebiet aller Signatarstaaten vor - einem riesigen
renz und Offenheit. Wenn keine regionale Verständi- Territorium.
gung darüber erreicht werden kann, was unter übermäßiger Aufrüstung zu verstehen ist - die wahrschein- Der Vertrag über Offene Himmel, der am 24. März
lich geraume Zeit erfordern wird - wäre ein leichterer 1992 in Helsinki von 25 Staaten unterzeichnet wurde,
Schritt zur Erlangung dieses Ziels größere Offenheit wird nach der Hinterlegung von 20 Ratifizierungsurund Transparenz bei der Waffenbeschaffung.
kunden in Kraft treten, einschließlich der aller Staaten
mit einer passiven Quote von acht oder mehr Flügen.
Aus der Perspektive der Vereinigten Staaten sind 80 Wir ermutigen alle Signatarstaaten, die Ratifizierung
Reaktionen auf das 1991 durch die Resolution über des Vertrags zügig vorzunehmen.
Transparenz im Rüstungsbereich (Transparency in
Armaments - TIA) erstellte UN-Register über konven- Der potentielle Umfang von Offene Himmel geht weit
tionelle Waffen eine gute Reaktion - aber nicht gut über die Grenzen seiner anfänglichen Signatarstaaten
genug. Das UN-Register über konventionelle Waffen hinaus. Die neuen unabhängigen Staaten der ehemakann ganz offensichtlich verbessert werden, und die ligen Sowjetunion werden als neue Mitglieder angeseVereinigten Staaten sehen dem für nächstes Jahr hen und können jederzeit beitreten. Andere Mitglieder
anberaumten Treffen von Regierungsvertretern er- der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
wartungsvoll entgegen, einschließlich einer verstärk- Europa (KSZE) werden wahrscheinlich bald nach
ten Teilnahme von Mitgliedstaaten und besseren Inkrafttreten einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen.
Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten wird der Vertrag
Ergebnissen.
jedem interessierten Staat vorbehaltlich der ZustimDie Vereinigten Staaten haben bereits einige ihrer mung aller ursprünglichen Signatarstaaten offensteIdeen zur Förderung von Transparenz und Offenheit hen.
dargelegt. Während der Verhandlungen des Ad-hocAusschusses der Genfer Abrüstungskonferenz über Der Vertrag über Offene Himmel wird zu größerer
Transparenz im Rüstungsbereich haben wir beispiels- Offenheit und Transparenz bei militärischen AngeleSeite 6

AMERIKA DIENST 43

�genheiten in ganz Europa beitragen. Heute hat er
vielleicht größere Auswirkungen, entweder durch
erweiterte Teilnahme an dem Regime oder als mächtiges Modell für andere Regionen.
Nach dem Kalten Krieg
Die letzte große Aufgabe auf der Tagesordnung der
Rüstungskontrolle ist die Beseitigung des Schattens,
den die Relikte des Kalten Krieges werfen, einschließlich der Überrüstung auf atomarer und konventioneller
Ebene sowie der Überkapazität der Rüstungsindustrie.
Sicherstellung der Ratifizierung von START
Am 3. Januar 1993 unterzeichneten die Vereinigten
Staaten und Rußland das zweite Abkommen über die
Verringerung strategischer Rüstungen. Dieses im
allgemeinen als START-II-Vertrag bezeichnete Abkommen setzt den Prozeß der Stabilisierung des Abbaus
von Atomwaffenbeständen in den Vereinigten Staaten
und Rußland fort, der mit dem START-I-Vertrag begonnen wurde. Er geht jedoch über START I hinaus,
da er die Stabilität der verbleibenden Arsenale drastisch erhöht, indem er die Bestände spätestens bis
zum Jahr 2003 auf ein Niveau von 3.000 bis 3.500
Waffen senkt. Auch verbietet er schwere und mit
Mehrfachgefechtsköpfen bestückte ballistische Interkontinentalraketen, die traditionsgemäß als die destabilisierendsten erachtet werden.
START II ist ein bilateraler Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland. Im Unterschied
dazu ist START I ein multilateraler Vertrag zwischen
den Vereinigten Staaten, Belarus, Kasachstan, Rußland und der Ukraine. Er besteht aus unabhängigen
Abkommen, die gleichzeitig in Kraft treten. START II
basiert jedoch auf den Definitionen und Verifikationsverfahren von START I. START II kann gemäß seinen
eigenen Bestimmungen nicht umgesetzt werden, bevor
START I in Kraft tritt.
Die baldmögliche Inkraftsetzung dieser beiden Abkommen ist ein Hauptziel der Vereinigten Staaten.
Sicherheit und Abrüstung
Obwohl wir der Ansicht sind, daß sich die Atomwaffen
in der ehemaligen Sowjetunion unter zuverlässiger
Kontrolle befinden, hat der Zusammenbruch der
Sowjetunion zu neuer Besorgnis über die Sicherheit
dieser nuklearen Systeme geführt. Im Laufe der
vergangenen zwei Jahre hat der Kongreß nahezu 1
Milliarde Dollar für die sichere Zerlegung von Massenvernichtungswaffen und die Verhinderung der Weiterverbreitung solcher Waffen bewilligt und beabsichtigt
im kommenden Jahr weitere 400 Millionen Dollar hierzu bereitstellen.
Unsere Aktivitäten in diesem Bereich ergänzen die
Umsetzung von Rüstungskontrollabkommen, stehen

AMERIKA DIENST 43

jedoch nicht in direktem Zusammenhang damit. Eine
Anzahl von Abkommen ist bereits in Kraft getreten,
darunter zehn Abkommen mit Rußland über Fragen
wie Hilfe beim Entwurf von Lagern für spaltbares
Material, Kontrolle und Nachweis von spaltbarem Material
sowie Zerlegung strategischer Offensivwaffen. Mit
Belarus wurden sechs Abkommen geschlossen, und
zur Zeit handeln wir Rahmenabkommen mit Kasachstan und der Ukraine aus, denen Zusatzabkommen
zur Durchführung folgen sollen.
Umsetzung von KSE und die Zukunft der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
Der infolge des Kalten Krieges entstandene militärische Schatten wurde nicht nurvon Atomwaffen geworfen. Im Hinblick auf konventionelle Waffen war Europa
die am stärksten bewaffnete Region auf der Welt.
Dieses Problem ging der Vertrag über konventionelle
Streitkräfte in Europa (KSE) an noch bevor die Berliner
Mauer fiel. Heute steht der KSE-Vertrag kurz vordem
Ende des ersten Jahres einer dreijährigen Phase für
die Reduzierung großer Mengen konventioneller
Rüstungen.
Ich freue mich Ihnen mitteilen zu können, daß die KSEVertragsparteien bisher den Abbau - im allgemeinen
durch Zerstörung - von mehr als 13.900 Panzern,
gepanzerten Kampffahrzeugen, Artillerieteilen, Kampfflugzeugen und Angriffshubschraubern bekanntgegeben haben - eine nach jedermanns Maßstab erhebliche Reduzierung. Zudem haben wir noch zwei weitere
Jahre, bis 1995, bevor wir in die Abbauphase eintreten.
Insgesamt ist die Umsetzung des KSE-Vertrags
bemerkenswert gut vonstatten gegangen. Der KSEVertrag ist sehr kompliziert und seine Umsetzung war
nicht ohne Mängel. Einige Probleme müssen noch in
Wien von dem Gremium zur Überwachung des Vertrags, der Gemeinsamen Konsultativgruppe, behandelt werden.
Wir hoffen und erwarten, daß sich dieser positive
Zustand fortsetzen wird. Die erneute Verhandlung der
Bestimmungen des Vertrags liegt in niemandes Interesse. Ein solcher Versuch würde die heiklen Kompromisse, die den KSE-Vertrag ermöglichten, gefährden.
Selbst in diesen veränderten Zeiten bleibt der KSEVertrag ein fundamentaler Bestandteil des europäischen Sicherheitssystems nach dem Kalten Krieg. Er
muß wirksam funktionieren und seine Ziele einer
umfassenden Reduzierung konventioneller Waffen
erreichen, bevor weitere Schritte in Betracht gezogen
werden können.
Das bedeutet jedoch nicht, daß man nicht über zusätzliche Rüstungskontrollbestrebungen und vertrauensbildende Maßnahmen als Beitrag zur Sicherheit in
Europa nachdenken sollte. Das ist in der Tat die
Aufgabe des KSZE-Forums für Sicherheit und Zusammenarbeit. Dieses Forum hat nach einjährigem Beste-

Seite 7

�hen bereits Fortschritte bei einer Anzahl von Fragen
auf seinem Aktionsplan gemacht. Hierzu zählen ein
Verhaltenskodex auf dem Gebiet der Sicherheitsbeziehungen, Informationsaustausch, Verteidigungsplanung, Entwicklung der Prinzipien der Nichtverbreitung
und des Transfers konventioneller Waffen, Kontakte
zwischen den Militärs einzelner Länder sowie Arbeit an
sicherheits- und vertrauensbildenden Maßnahmen.
Die Arbeit des KSZE-Forums für Sicherheit und Zusammenarbeit richtet sich auf das für Dezember 1994
anberaumte Folgetreffen der KSZE in Budapest. Wir
hoffen, bis Budapest eine Anzahl von im Zusammenhang mit diesen und anderen Angelegenheiten stehende Fragen abschließen zu können.

Andere Fragen konventioneller Waffen
Die Vereinigten Staaten bringen dieses Jahr eine
Resolution ein, die sich mit der Hauptquelle regionaler
Instabilität und menschlicher Tragödien befaßt. Schätzungen der US-Regierung zufolge sind mehr als 85
Millionen nicht entschärfte Landminen in 62 Ländern
weltweit verteilt. Jeden Tag werden neue gelegt.
Ungefähr 150 Menschen - die Mehrheit Zivilisten werden jede Woche von Landminen getötet oder verletzt. Landminen sind eine Quelle regionaler Destabilisierung, da sie wirtschaftlichen Wiederaufbau und
Entwicklung hemmen, die Rückführung von Flüchtlingen verhindern und ein beständiges Element von
Chaos in nach politischer Stabilität strebenden Ländern darstellen.

Rüstungskonversion
Ein Vermächtnis des Kalten Krieges waren nicht nur
Waffen, sondern auch die zu ihrer Herstellung erforderlichen Industrien. Die Konkurrenten bei dieser
Konfrontation sehen sich jetzt einer enormen Überkapazität in der Rüstungsindustrie gegenüber. Die
Konversion dieser Kapazitäten zu friedlicher kommerzieller Nutzung trägt zu Wirtschaftswachstum bei und
ist eine hohe Priorität. Besonders akut ist das Problem
in der ehemaligen Sowjetunion, da diese sich von einer
vom Verteidigungssektordominierten Kommandowirtschaft in eine Marktwirtschaft umgestalten will.
Wir alle haben ein Interesse an einer erfolgreichen
Konversion der Rüstungsindustrie, nicht nur weil das
daraus resultierende Wirtschaftswachstum größere
Stabilität fördern sollte, sondern auch weil sie anderen
wichtigen Zielen der Rüstungskontrolle wie der Nichtverbreitung dient. Alternative Beschäftigung von
Wissenschaftlern aus dem Rüstungsbereich in der
ehemaligen Sowjetunion ist beispielsweise zu einem
ganz wichtigen Anliegen geworden. Kurzfristige zivile
Forschungs- und Entwicklungsprojekte für diese Wissenschaftlerwerden durch die neugeschaffenen internationalen Wissenschafts- und Technologiezentren in
Moskau und Kiew finanziert. Darüber hinaus haben
diese Wissenschaftler die Möglichkeit, langfristig Hightech-Unternehmen im Zivilbereich zu schaffen, die
kommerziell tragfähig sind. Zur Untersuchung dieses
Konzepts hat meine Behörde in Zusammenarbeit mit
dem Energieministerium und dem russischen Atomenergieministerium unternehmerische Workshops in
Moskau unterstützt, an der eine Reihe russischer
Atomforscher teilnehmen.

Unseres Erachtens ist es an der Zeit, dieses Problem
an der Wurzel zu packen. Im vergangenen Jahr hat die
amerikanische Regierung ein einjähriges unilaterales
Moratorium für den Export von gegen Personen gerichtete Landminen verlängert. Der Senat verabschiedete vor kurzem einstimmig eine dreijährige Verlängerung dieses Moratoriums. Wir erwarten, daß das
Repräsentantenhaus in Kürze über diese Frage abstimmt. Ich bitte Sie um die Unterstützung meiner
Regierung bei ihren Bemühungen, die Welt mit Hilfe
von Exportkontrollen von Landminen zu befreien.
Schlußbemerkung
Ich habe heute ausführlich die vor uns liegenden
Aufgaben im Bereich Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung angesprochen, weil es von Bedeutung ist, die
bestehenden Handlungsmöglichkeiten und -erfordernisse zu erkennen. Wie dieser Überblick zeigt, haben
wir bei mehreren Fragen in einer Reihe von Regionen
mit einer ganzen Anzahl von Rüstungskontrollinstrumenten größere Fortschritte gemacht.

Wir haben Fortschritte erzielt, aber es liegt noch ein
langer Weg vor uns. Wie ich bereits erwähnte, müssen
wir darüber nachdenken, wie wir Rüstungskontrolle
und vertrauensbildende Maßnahmen nutzen können,
um die für eine stabile und friedliche Welt erforderlichen Erwartungen, Beziehungen und das Verhalten zu
fördern. Wir werden unsere Ziele nicht erreichen,
wenn wir nicht die gefährliche Tendenz der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen umkehren
können, wenn wir nicht strenge internationale Normen
für die Nichtverbreitung aufstellen und beibehalten
können, wenn wir nicht zur Beilegung von StreitigkeiDas Problem ist natürlich nicht allein Rußland oder die ten in jenen Regionen der Welt beitragen können, die
Ukraine. Die anderen Staaten der ehemaligen Sowjet- am anfälligsten für Gewalt und Konflikte sind, wenn
union, die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Pakts, uns nicht die sichere und dauerhafte Beseitigung der
die NATO und die Vereinigten Staaten selbst sehen Überreste des Kalten Krieges gelingt.
sich Herausforderungen unterschiedlicher Größenordnung im Bereich der Rüstungskonversion gegenüber. Veränderungen in der internationalen Situation beinIn einer Welt, in der wirtschaftliche Sicherheit in der Öf- halten zwar möglicherweise Gefahren und sicherlich
fentlichkeit an erster Stelle steht, können wir es uns Herausforderungen, jedoch auch die Hoffnung, den
nicht leisten, die Technologie und das Talent der Ver- Antagonismus des Kalten Krieges durch Zusammenarbeit zu ersetzen und ein immer stabileres strategiteidigungsindustrie ungenutzt zu lassen.
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�sches Gleichgewicht zu schaffen, die Weiterverbreitung zu verhindern und regionale Konflikte einzudämmen. Wir werden dazu beitragen, diese Hoffnungen

Realität werden zu lassen, wenn wir alle weiterhin
gemeinsam vernünftige Rüstungskontrolle und vertrauensbildende Maßnahmen anstreben.

* *

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Seite 9

�UMWELT
27. Oktober 1993

SCHLUSSELELEMENTE DES AKTIONSPLANS
ZU KLIMAVERÄNDERUNGEN
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat einen Aktionsplan zu Klimaveränderungen vorgeschlagen, der die
vielleicht größte Gefahr für die Umwelt unseres Planeten bekämpfen soll. Der Plan beruht weitgehend auf der
freiwilligen Verpflichtung der Industrie, die Emissionen der zurglobalen Erwärmung beitragenden Treibhausgase
zu reduzieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine am 19. Oktober 1993 vom Weißen Haus herausgegebene Übersicht, die
die Schlüsselelemente von Präsident Clintons Aktionsplan zusammenfaßt.

Überblick und Schlüsselelemente des Plans
Der Aktionsplan zu Klimaveränderungen
umfaßt nahezu 50 Initiativen aus allen Wirtschaftssektoren. Es handelt sich hierum ein die
gesamte Wirtschaft betreffendes Problem, das
Lösungen aus allen Bereichen der Wirtschaft
erfordert,
,,

betrifft alle Treibhausgase - Kohlendioxid, Methan, Stickoxid und andere Gase. Ferner sind
forstwirtschaftliche Maßnahmen vorgesehen, um
den Kohlenstoffvorrat in den amerikanischen
Wäldern zu erhalten,
soll zügig und entschieden umgesetzt werden
und Verzögerungen aufgrund von Gesetzen
und Vorschriften möglichst begrenzen,
fördert die Partnerschaft mit der Industrie, wo
gezielte staatliche Leitung und ein flexibler Ansatz
eine kostengünstige Reduzierung der Emissionen bewirken können. Der Plan fördert Investitionen in Technologien der Zukunft und stärkt
die amerikanische Position auf dem Weltmarkt
für Umwelttechnologie,
wird durch Bundesmittel unterstützt - zwischen
1994 und dem Jahr 2000 mit 200 bis 300 Millionen Dollar jährlich, das sind insgesamt 1,9 Mil-

AMERIKA DIENST 43

liarden Dollar an neuen und umgelenkten Finanzmitteln,
senkt das Defizit durch zwei neue politische
Maßnahmen. Eine erlaubt Pendlern, sich die
vom Arbeitgeber bezahlte Parkgebühr auszahlen zu lassen, wobei der Wert dieser Leistung
dem zu versteuernden Einkommen angerechnet wird. Die zweite würde Privatunternehmern
gestatten, bereits bestehende staatliche Wasserkraftwerke zu modernisieren und den zusätzlich gewonnenen Strom als Gegenleistung
für Pachtzahlungen zu verkaufen. Diese Reformen führen zu Einnahmen aus neuen Markttransaktionen, die zur Reduzierung der Treibhausgase beitragen und sich zwischen 1994
und dem Jahr 2000 auf 2,7 Milliarden Dollar
belaufen werden,
setzt zwischen 1994 und dem Jahr 2000 Privatinvestitionen in Umwelttechnologien in Höhe
von 60 Milliarden Dollarfrei. Diese Investitionen
zahlen sich für amerikanische Unternehmen
und Bürger aus - sie sollen zwischen 1994 und
dem Jahr 2000 zu einer Senkung der Energiekosten in Höhe von mehr als 60 Milliarden Dollar
führen und zwischen 2001 und 2010 zu weiteren
Energieeinsparungen in Höhe von über 200
Milliarden Dollar,

Seite 1

�umfaßt ein gemeinsames Pilotprogramm, um
Erfahrung bei der Auswertung von Investitionen
in anderen Ländern zur Reduzierung von Emissionen zu gewinnen,
wird aktiv auf Fortschritte bei der Erreichung des
vom Präsidenten gesetzten Zieles hin überprüft
und gegebenenfalls neue Programme zur Sicherstellung einer Reduzierung der Emissionen
ins Leben rufen,
stellt ein Team des Weißen Hauses auf, das
Strategien für die langfristige Reduzierung der
Emissionen entwirft, einschließlich Abgasen von
Kraftfahrzeugen und Lastkraftwagen.
Schlüsselprogramme einzelner Sektoren
Wohnungswesen
Energiesparende Hypothekeninitiative, um
Hausbesitzern bei herkömmlichen Hypotheken
die Möglichkeit zur Finanzierung von Energiesparmaßnahmen einzuräumen, wenn die eingesparten Energiekosten die erhöhte Hypothekenzahlung mehr als ausgleichen.
Aggressivere Normen für die Überprüfung der
Effizienz bei einer Reihe von Haushaltsgeräten,
um den Energieverbrauch und die Stromrechnungen zu senken. Diese Normen werden von
innovativen öffentlichen/privaten Konsortien
ergänzt, die die Hersteller zur Entwicklung
energiesparender Geräte ermutigen, indem sie
der besten Technologie einen Absatzmarkt
garantieren.
Handel
Bedeutend erweiterte Partnerschaftsprogramme fürdie Energieeinsparung in Bürogebäuden.
Diese sind erfolgreichen Bestrebungen des Umweltschutzamtes nachempfunden und enthalten eine Erweiterung des Programms "Green
Light" dieses Amtes sowie neue koordinierte
Bestrebungen des Umweltschutzamtes, genannt
Energy Star Buildings, und des Energieministeriums, genannt Rebuild America program.
Hilfe bei der Finanzierung gemeinsam getragener Demonstrationsprojekte für kommerzielle
Bautechnologie bei staatlichen, bundesstaatlichen und kommunalen sowie privaten Gebäuden.
Industrie
Motoren - eine Partnerschaft zwischen Verwendern von Motoren (die praktisch den größten
Energieverbauch haben), Herstellern, Einrichtungen und dem Energieministerium zur Förderung effizienter Motoren.

Seite 2

Gründung von Marktkonsortien fürden Kauf von
modernen, energiesparenden Geräten für die
Industrie.
Transportwesen
Reform des Parkens, um dem Arbeitnehmer die
Option zu geben, den Gegenwert des vom
Arbeitgeber bezahlten Parkplatzes in bar zu
erhalten als Anreiz, nicht allein zur Arbeit und
zurück nach Hause zu fahren - und Einnahmen
zu schaffen (das statt der Parkgenehmigung
ausgezahlte Bargeld muß als Einnahme versteuert werden).
Eine einjährige Strategie für das Transportwesen. Das Büro für Wirtschaftspolitik des Weißen Hauses (Office of Economic Policy - OEP),
der nationale Wirtschaftsrat (National Economic Council - NEC) und das Büro für Wissenschaft und Technologie des Weißen Hauses
(Office of Science and Technology Policy OSTP) werden ein Team anführen, um zwingend vorgeschriebene oder nicht zwingend vorgeschriebene Mechanismen zum Abbau der
Treibhausgasemissionen des Transportsektors
auszumachen - dem Sektor mit den am schnellsten zunehmenden Emissionen.
Elektrizitätswerke
Freiwillige Verpflichtungen der Elektrizitätswerke zum Abbau der Treibhausgase. Das Energieministerium hat von rund 60 Elektrizitätswerken Absichtserklärungen für die Aushandlung
von Grenzwerten für Treibhausgasemissionen
erhalten, die über 60 Prozent der C02-Emissionen dieses Sektors erzeugen.
Erweiterung der integrierten Ressourcen-Planungshilfe für die Überwacher bundesstaatlicher Elektrizitätswerke zur Verbesserung der
Energiesparprogramme und Entwicklung erneuerbarer Energiequellen.
Normen für elektrische Transformer zur Verbesserung der Übertragungsleistung.
Methan und andere Gase
Aggressive Vorschriften des Umweltschutzamts
für Müllhalden zur Begrenzung der Methanemissionen von Müllhalden und zur Weiterverwendung des aufgefangenen Methans im Energiesektor.
Erweitertes Erdgasprogramm ("Star") des
Umweltschutzamts zur Verringerung des Austretens von Methan aus Erdgasleitungs-Verteilersystemen.
Freiwillige Abkommen und Partnerschaften mit
FCKW- und Aluminiumherstellern zur VerwenAMERIKA DIENST 43

•
,

�düng von hochmodernem Gerät zur Verringerung potentieller Treibhausgasemissionen im
Herstellungsbetrieb.
Forstwirtschaft

Zukunft ein. Der internationale Rahmen bedarf
jedoch noch der Weiterentwicklung. Das Pilotprogramm des Präsidenten trägt zur Vertiefung
der Erfahrungen bei und fördert den internationalen Rahmen. Der Plan erfüllt mit Hilfe von
Aktionen im Inland das für das Jahr 2000 gesetzte Ziel.

Erweiterung dertechnischenHilfedes Landwirtschaftsministeriums an Kleinbau ern fü r bessere
Forstverwaltung, womit der Kohlenstoffvorrat in Überwachung und Beurteilung
stehenden Wäldern erhöht wird.
Der Aktionsplan enthält Bestimmungen für
Erweiterung der Recyclingprogramme des
kontinuierliche Überwachung, Auswertung und
Umweltschutzamts und des Landwirtschaftsmieventuelle Überarbeitung, wenn Emissionstennisteriums, die zur Reduzierung der Nachfrage
denzen anzeigen, daß mehr zur Verwirklichung
nach Urholz für Papier und Pulpe beitragen.
des Ziels getan werden muß, zum Emissionsniveau von 1990 zurückzukehren. Der Plan sieht
Internationale Bestrebungen
ferner interministerielle Arbeitsgruppen unter
dem Vorsitz des Weißen Hauses zur ErarbeiGemeinsames Pilotprogramm zur Durchführung.
tung
einer langfristigen Strategie zu KlimaveProjekte zum Emissionsabbau in Übersee werränderungen
vor, einschließlich Emissionen des
den gemeinsam durchgeführt und nehmen breiten
Transportsektors.
Raum bei den Plänen zahlreicher Länder für die

* *

AMERIKA DIENST 43

Seite 3

�</text>
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Embassy of the United States of America

27. November 1904

GEDANKEN 'ÜBER DAS OST-W£ST-VERHÄLTNIS
Rede des US-Botschafters vor der I n d u s t r i e - und Hanaelskammer
in Berlin -

': Dienstag, 27. November 1984, 17.3U Uhr MEZ

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�BERLIN - (AD) - Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika
in der Bundesrepublik Deutschland, Arthur F. Burns, erklärte am 27. November 1984 vor der Industrie- und Handelskammer in Berlin, daß Präsident
Reagan und seine Administration der Herstellung harmonischerer Beziehungen zur Sowjetunion "höchste Priorität einräumen".

Die Vereinigten Staa-

ten seien bereit, mit der Sowjetunion über alle Rüstungskontrollabkommen,
einschließlich der Weltraumwaffen wie auch der strategischen Nuklearwaffen und nuklearen Mittelstreckensysteme (INF), zu sprechen.

Wichtig für

den Erfolg dieser Bemühungen sei vor allem die Solidarität des Westens.

Die Ausführungen von Botschafter Burns unter dem Titel "Gedanken über
die Ost-West-Beziehungen" haben folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über die Gelegenheit, vor einem so erlesenen Publikum
über das Thema der Ost-West-Beziehungen sprechen zu dürfen.

Die Stadt

Berlin bietet einen besonders geeigneten Rahmen, um über dieses lebenswichtige Thema zu sprechen.

In keiner Stadt kommt die tragische Spaltung

Europas schmerzlicher zum Ausdruck.

Keine Stadt macht die Notwendigkeit

so deutlich, vernünftige und wirksame Mittel und Wege zur Überwindung
dieser Spaltung zu finden.

Die Berliner kennen die Probleme, die ein geteiltes Europa geschaffen
hat, und die Schwierigkeit, sie zu lösen, aus erster Hand.

Die Berliner

Mauer erinnert sie ständig daran, sich keinen Illusionen hinzugeben, es
wären leichte Lösungen zufinden.

Sie wissen nur zu gut, daß ein verein-

ter Wille, Mut und Geduld für eine bessere Zukunft notwendig sind.

Die

Berliner

�Die Berliner wissen aber auch, daß Grund zur Hoffnung besteht.

Der

Abschluß des Viermächte-Abkommens vor 13 Jahren hat gezeigt, daß für einige der praktischen Probleme, vor denen die Bevölkerung Berlins steht,
vernünftige Lösungen gefunden werden können - trotz anscheinend unüberwindbarer Differenzen zwischen Ost und West.
eindrucksvoller Erfolg.

Dieses Abkommen ist ein

Aufgrund dieses Abkommens leben die Westberliner

heute sicherer, reisen freizügiger und erfreuen sich engerer Kontakte zu
ihren Freunden und Verwandten in Ostberlin und in der Deutschen Demokratischen Republik, als das vor J3 Jahren möglich war.

Die Berliner haben also Grund zum Optimismus.

Sie wissen, daß im Le-

ben der einzelnen und der Familien einige Verbesserungen erreicht worden
sind.

Sie sind sich darüber im klaren, daß weitere Verbesserungen not-

wendig wie auch möglich sind.

Und sie können außerdem versichert sein,

daß weiterer Fortschritt, wann immer er eintritt, das Vertrauen nähren
wird, das notwendig ist, den noch umfassenderen Frieden - eingebettet in
Gerechtigkeit und Freiheit - zu erreichen, den wir alle suchen.

Als Berliner wissen Sie alle, daß die Entwicklung besserer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik eben gerade auch menschliche Beziehungen umfaßt.

So wie

im Falle Ihrer geteilten Stadt besteht auch die Notwendigkeit, praktische
Lösungen der schmerzlichen Probleme zu finden, die sich aus einer geteilten deutschen Nation ergeben.

Dies wird zwangsläufig ein sich lange hin-

ziehender Prozeß sein, der seine Enttäuschungen wie auch Erfolge bringen
wird.

Eine fundamentale Aufgabe für uns alle ist es, die humanitären

Ziele dieses Prozesses im Auge zu behalten und nicht zuzulassen, daß er
anderen Zielsetzungen untergeordnet wird.

Die Bevölkerung und die Regierung der Vereinigten Staaten begrüßen
die Entwicklung engerer Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschland.
Präsident Reagan hat in seiner Rede vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen im September dieses Jahres dieses Ziel ausdrücklich unterstützt.
Ein konstruktiver Dialog zwischen den beiden deutschen Staaten ist offensichtlich von großer Bedeutung für das Wohlergehen des deutschen Volkes,
- 2 -

�deutschen Volkes, und wir in den Vereinigten Staaten sind bereit, alles
in unserer Macht Stehende zu tun, um ihn zu fördern.

Wir Amerikaner tei-

len die Hoffnung des deutschen Volkes, daß ein Prozeß friedlicher Entwicklung am Ende zu einem wiedervereinten und demokratischen Deutschland
in einem Europa führen wird, das von seinem Stacheldraht und seinen Gefängnismauern befreit sein wird.
Wie heute wohl jeder erkennt, ist das Verhältnis zwischen meinem eigenen Lande und der Sowjetunion eine Angelegenheit von vitaler Bedeutung
für die Zukunft Deutschlands - ja, für die Zukunft der ganzen Welt.

Es

ist jetzt fast 40 Jahre her, daß der Zweite Weltkrieg zu Ende ging.

In

diesem Zeitraum hat sich Europa der Segnungen des Friedens erfreut - ein
Zustand, der durch die politische und militärische Einigkeit des Westens
ermöglicht wurde.

Trotzdem ist es eine beunruhigende Tatsache, daß wir

im Westen und der Warschauer Pakt im Osten ständig mit Garnisonen und
wachsenden Rüstungsarsenalen heiastet sind.

Nicht nur, daß die Kosten

dieser Verpflichtung an Menschen und Material wirtschaftlich gesehen hoch
sind, auch die geistige und psychologische Belastung der fortdauernden
Spannung ist groß.

Die Logik der Situation erfordert eindeutig, daß wir mit der Sowjetunion daran arbeiten, ein harmonischeres Verhältnis herzustellen.

Ich

kann Ihnen versichern, daß Präsident Reagan und seine Administration diesem Ziel höchste Priorität einräumen.

Wenn wir Amerikaner und unsere eu-

ropäischen Freunde die Weltlage abwägen und Pläne für eine bessere Zukunft entwerfen, dann macht uns jede vernünftige Überlegung klar, daß ein
konstruktives Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Mittelpunkt unseres Anliegens stehen muß.

Im Januar vorigen Jahres hat der Präsident ausführlich die Politik
Amerikas gegenüber der Sowjetunion dargelegt und in seiner jüngsten

Rede

vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen unsere grundsätzliche Politik erneut bestätigt.

Was der Präsident immer wieder hervorhebt, ist

die dringende Notwendigkeit, ein gutes Arbeitsverhältnis zur Sowjetunion
herzustellen - ein Verhältnis, das durch größere Zusammenarbeit und Ver-

�und Verständigung gekennzeichnet ist.
pflichtung zu einem

Genau diesen Punkt, Amerikas Ver-

realistischen, produktiven Ost-West-Dialog, möchte

auch ich heute abend unterstreichen.

Ich weiß, daß unsere europäischen

Verbündeten diese Verpflichtung teilen.

Beziehungen zwischen Ländern sind eine höchst komplexe und sensitive
Angelegenheit.

Auch Regierungen benehmen sich leider nicht immer über-

legt und vernünftig.

Sie bestehen aus einzelnen Menschen, die wie jeder

von uns der Gebrechlichkeit der menschlichen Natur unterworfen sind.

Bis

zu einem gewissen Grade ist die unvollkommene Einsicht ein untrennbarer
Teil des Lebens selbst.

Wir finden das unter Mitgliedern der gleichen

Familie, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen Pfarrern und
ihrer Gemeinde, zwischen Lehrern und ihren Schülern.
des Mißverständnisses

sind

unter

Regierungen

Die Möglichkeiten

souveräner

Staaten umso

größer, als sie - wie dies gewöhnlich der Fall ist - durch Unterschiede
der Sprache, Geschichte und Kultur wie auch der geographischen Lage getrennt sind.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es selbst im täglichen

Leben sehr schwierig ist, das Vertrauen zwischen Personen wiederherzustellen, wenn es erst einmal zerstört ist.

Ich verrate Ihnen kein Ge-

heimnis, wenn ich Ihnen sage, daß die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen derzeit in einer schwierigen Phase stecken - einer Phase, in der die
gigantische Aufgabe der Herstellung von Vertrauen und Zutrauen von größter Bedeutung ist und jetzt in Angriff genommen wird.

Ich möchte heute abend über mehrere Schritte sprechen, die wir alle
in der westlichen Gemeinschaft - Amerikaner und Europäer - unternehmen
könnten, um eine günstige Entwicklung zu fördern.

Diese Schritte würden,

wie ich meine, zur Verbesserung des Klimas zwischen Ost und West beitragen und es erlauben, daß sich die Beziehungen auf einer gesünderen Basis
entwickeln, als dies in der jüngsten Vergangenheit der Fall war.
Der erste Schritt, den ich hervorheben möchte, ist die Notwendigkeit,
daß sich alle Seiten auf dem Gebiet der Ost-West-Beziehungen in der Sprache mäßigen.

Eine heftige Sprache kann nicht zum Bau der Brücke des Ver-

trauens beitragen, die zwischen den NATO-Ländern und den Ländern des War-

�des Warschauer Paktes notwendig ist.

Es ist besonders wichtig, daß die

Vereinigten Staaten als durchaus selbstbewußte Nation der Sowjetunion die
konstruktive Haltung, die Höflichkeit und die Rücksichtnahme entgegenbringen, die für einen nützlichen Dialog notwendig sind.

Natürlich hoffe

ich, daß die Sowjetunion sich in ähnlicher Weise verhalten wird.

Ich bin ferner der Überzeugung, daß politische Führer und Journalisten überall im Westen größere Selbstdisziplin üben und eine Sprache
vermeiden müssen, die dazu neigt, westliche Differenzen bezüglich der
Ost-West-Beziehungen zu übertreiben, oder die unrealistische öffentliche
Erwartungen hinsichtlich dessen weckt, was rasch erreicht werden kann,
oder die ein düstereres Bild malt, als es durch den tatsächlichen Stand
der Dinge gerechtfertigt wäre.

Natürlich machen wir uns alle Gedanken

über das Problem der Ost-West-Beziehungen und möchten unsere Auffassung
zum Ausdruck bringen.

Aber wir müssen dies in einer Art und Weise tun,

die vermeidet, in der Öffentlichkeit Leidenschaften anzustacheln, oder
die das Risiko birgt, Meinungen zu nähren, die der Sache schaden, die wir
alle unterstützen.

Ohne Frage ist jetzt die Zeit für eine ruhige und

leidenschaftslose Erörterung der Beziehungen zwischen Ost und West gekommen - und nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen uns
selbst.

Der zweite Punkt, den ich anführen möchte, ist der, daß wir mehr in
die Zukunft als in die Vergangenheit blicken müssen.

Damit meine ich,

daß wir nicht erwarten sollten, daß die Ost-West-Beziehungen in Zukunft
wieder in den Bahnen des politischen Denkens und Handelns verlaufen werden, die wir mit der Entspannung der siebziger Jahre verbinden.

Die Ge-

schichte wiederholt sich selten so haargenau, und wir sollten damit auch
nicht rechnen.

Wir müssen aus der Vergangenheit lernen, aber wir sollten

nicht versuchen, sie zu wiederholen.

Verbesserte Beziehungen zwischen

der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten, die nach meiner Überzeugung
kommen werden, werden eine neue historische Phase in diesem Verhältnis
darstellen und könnten durchaus neue Formen annehmen.

Es wäre naiv zu erwarten, daß die Schwierigkeiten der letzten Jahre

�letzten Jahre einfach über Bord geworfen werden könnten, und daß das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einfach wieder an jenem Punkt anknüpfen könnte, an dem es sich zu verschlechtern begann.

Ein Grund

für gelegentliche

Meinungsverschiedenheiten

zwischen

Amerikanern und Europäern ist, daß unsere Völker die Ergebnisse der Entspannung nicht genau gleich bewertet haben.

Die Europäer sahen Vorteile

aus dem Prozeß der Entspannung ebenso wie das amerikanische Volk.

Was

die Amerikaner jedoch auch erkannten und was die Europäer vielleicht unterschätzt haben, als sie die positiven Ergebnisse hervorhoben, war die
diesen Prozeß begleitende sowjetische Verhaltensweise des militärischen
Abenteurertums und der Nichtbeachtung der Menschenrechte.

Aus amerikani-

scher Sicht - und unsere nationalen Interessen sind globalen Ausmaßes war die Bilanz von Gut und Böse aus dem Entspannungsprozeß für uns eindeutig weniger günstig als für die Europäer, die die vorteilhaften Ergebnisse viel direkter sehen konnten als die bedauerlichen Elemente des sowjetischen Verhaltens.

Die Europäer müssen erkennen, daß das Verhalten der Sowjets während
des letzten Jahrzehnts - angefangen von ihrer gewaltigen Aufrüstung zu
einer Zeit, da die amerikanischen Verteidigungsausgaben tatsächlich zurückgingen, bis zu ihrer Intervention in Afghanistan und Polen - Amerika
nicht unberührt lassen konnte.

Wer das nicht einsehen will, kennt das

amerikanische Volk oder die Rolle, die die Vereinigten Staaten in der
heutigen Welt notwendigerweise spielen müssen, nur unzureichend.

Keine

amerikanische Administration, ob republikanisch oder demokratisch, hätte
gegenüber einer solchen Serie von sowjetischen Handlungen ihre Augen verschließen oder nachlässig darauf reagieren können.

Trotzdem, und dies ist mein dritter Punkt, müssen wir in der heutigen
Zeit damit beginnen, die Grundlagen für ein neues Stadium der Ost-WestBeziehungen zu schaffen.

Der vielleicht beste Weg, dies zu tun, besteht

darin, unmittelbare Fortschritte in begrenzten, spezifischen Fragen zu
erzielen und uns nicht durch die gewaltigen Schwierigkeiten entmutigen zu
lassen, denen wir begegnen, wenn wir große und umfassende Abkommen anstreben.

Wie im Falle Berlins müssen wir die gesamte Tagesordnung der
- 6 -

�Tagesordnung der offenstehenden Fragen betrachten und entscheiden, welche
von ihnen - so geringfügig sie auch sein mögen - sich für ein baldiges
Übereinkommen eignen mögen.

Fortschritt in einem Bereich solcher spe-

zifischer Fragen kann dazu beitragen, das Vertrauen und das Zutrauen zu
schaffen, die für noch anspruchsvollere Bemühungen notwendig sind.

Si-

cherlich wäre der konstruktive Dialog gleichzeitig auf allen Gebieten der
Ost-West-Beziehungen außerordentlich wünschenswert, und doch dürfte es so
sein, daß ein wesentlicher Fortschritt in den entscheidenden Rüstungsund Sicherheitsfragen nur in dem Maß stattfinden kann, in dem sich die
psychologische Einstellung verbessert - vor allem bei den Regierenden im
Osten. Und wenn wir auch im Westen gerne eine rasche und günstige Lösung
der Ost-West-Probleme sähen, so warnt uns die Geschichte, daß großzügige
internationale Abkommen, denen das Fundament präziser Definition und gegenseitigen Vertrauens fehlt, auf lange Sicht mehr schaden als nützen
können.

Mein vierter Punkt geht dahin, daß es heute zumindest zwei Bereiche
gibt, in denen wir bald derlei bescheidene Schritte unternehmen können einmal den Bereich des Austausches von Personen,zum andern die Zusammenarbeit bei anderen, nichtpolitischen Angelegenheiten. Meine Besuche in
der Sowjetunion und meine Unterhaltungen mit sowjetischen Bürgern haben
mich davon überzeugt, daß es zur Verbesserung der Beziehungen zwischen
den Regierungen am wichtigsten ist, die direkte Kommunikation aufrechtzuerhalten und so viel wie möglich über den anderen in Erfahrung zu bringen. Ich erinnere mich an einen gehässigen Ausfall gegen die Vereinigten
Staaten durch einen Moskauer Regierungsvertreter in den sechziger Jahren,
auf den ich nur dadurch reagierte, daß ich die Stirn runzelte; als er
aber sich laut damit brüstete, daß die Sowjets bei der Kontrolle des
Rauchausstoßes von Elektrizitätswerken erfolgreicher wären als die Amerikaner, bemerkte ich sofort: "Vielen Dank für diesen Hinweis, denn wir
müssen wirklich von Ihnen lernen." Diese schlichte menschliche Regung erwies sich als ausreichend, um den Weg für eine absolut zivilisierte Unterhaltung zwischen uns zu ebnen, die darauf folgte.

Ich bin der festen Überzeugung, daß eine Stärkung der Studentenaustauschprogramme,

die

Verbesserung

der

Zusammenarbeit

bei den wissen-

�den wissenschaftlichen, kulturellen und kommerziellen Unterfangen sowie
das Bemühen, Menschen zueinanderzubringen, wann immer dies möglich ist,
sowohl dem Osten als auch dem Westen zum Vorteil gereichen.

Es ist

schließlich die sowjetische Seite, die Mauern durch Europa gebaut hat,
und es liegt in unserem Interesse zu zeigen, daß wir Kontakte zwischen
unseren Völkern begrüßen.

Mein fünfter Punkt bezieht sich hauptsächlich auf uns in der westlichen Gemeinschaft.

Die NATO ist heute eindeutig ein stärkeres Bündnis

als vor zwei oder drei Jahren.

Ich meine dennoch, daß wir im Westen in

bezug auf das Thema Ost-West-Beziehungen einen engeren Konsens anstreben
müssen.

Natürlich stimmt es, daß unsere Meinungsverschiedenheiten oft-

mals übertrieben werden.

Dennoch müssen wir ehrlich einsehen, daß unsere

Standpunkte sich bisweilen unterschieden haben und dies bis zu einem gewissen Grad noch immer tun.

Angesichts unserer demokratischen Traditio-

nen und der schwierigen Zeiten, in denen wir leben, sollte dies überhaupt
nicht überraschend sein.

Aber während wir an einer Verbesserung der Ost-

West-Beziehungen arbeiten, ist es von entscheidender Bedeutung, daß wir
im Westen ein klareres Verständnis davon haben, wohin wir bei unseren Beziehungen mit dem Osten gehen wollen und welche konkrete Politik uns am
ehesten dorthin führen wird.

Neben der Aufgabe klarzustellen, wie wir im Westen die neue Ära
sehen, in die wir vielleicht eintreten werden, und wie wir die Ost-WestBeziehungen am wirkungsvollsten in den Griff bekommen könnten, ist es vom
amerikanischen

Standpunkt

aus von großer

Bedeutung, Fortschritte

bei

solch problematischen Themen wie der Lastenteilung im Verteidigungsbereich und den Möglichkeiten der Behandlung der Sicherheitsprobleme außerhalb Europas zu machen.

Wir müssen auch darüber nachdenken, ob die west-

liche Hauptbeschäftigung der letzten ein, zwei Jahre, zu einem Rüstungskontrollabkommen zu gelangen, nicht vielleicht dazu geführt haben könnte,
Anstrengungen zu vernachlässigen, um ein besseres Verständnis mit der Sowjetunion über andere politische Fragen zu erreichen.

Die Verringerung

von atomaren und anderen tödlichen Waffen ist offenkundig eine Angelegenheit von sehr großer Bedeutung, aber wir dürfen uns nicht der Illusion
- 8 -

�der Illusion hingeben, daß dies allein eine ausreichende Bedingung für
die Bewahrung des Friedens sei.
Notwendig ist es, im Westen zu einem breiteren Konsens zu gelangen,
denn Tatsache ist, daß keiner von uns durch alleiniges Handeln die OstWest-Beziehungen verbessern kann.

Man sollte nicht erwarten, daß wir in

den Vereinigten Staaten es auf eigene Faust tun. Die Anstrengung muß gemeinsam unternommen werden, damit es künftig so wenig Mißverständnisse
innerhalb des Bündnisses oder falsche Vorstellungen des Ostens hinsichtlich unserer Einigkeit wie möglich gibt.

Erst einmal bei einem stabilen

Konsens angekommen, müssen wir bei der Durchführung der Politik, zu der
wir gemeinsam gelangt sind, geduldiger und stetiger werden, als wir dies
bisweilen in den vergangenen Jahren waren.

Mein sechster und letzter Punkt ist der, daß wir in den westlichen
Demokratien im Gegensatz zu geschlossenen Gesellschaften darauf achten
müssen, daß die Bevölkerung bei uns einsieht, daß die Aufrechterhaltung
unserer wirtschaftlichen, militärischen und moralischen Starke die beste
Garantie ist, die es für den Frieden in unserem Zeitalter gibt.

Wir müs-

sen dafür Sorge tragen, daß die Menschen bei uns die Notwendigkeit einer
entschlossenen und einheitlichen Verteidigungspolitik sowie von Maßnahmen
in Richtung auf eine Verringerung der Spannungen zwischen Ost und West
akzeptieren.

Genauso wenig wie Berlin die vergangenen vierzig Jahre hät-

te überleben können, wäre es auf sich allein angewiesen gewesen, so hätte
auch der Westen nicht überleben können, wäre er schwach oder geteilt gewesen.

Dadurch, daß sie es der Sowjetunion unmöglich macht, uns einzu-

schüchtern, hat die NATO Europa die längste Zeit des Friedens in diesem
Jahrhundert beschert.

Der Schlüssel zu unserem Fortschritt bei den Be-

ziehungen zum Osten war in der Vergangenheit stets die westliche Solidarität, und ich bin fest überzeugt, daß dies auch in den kommenden Jahren
so sein wird.

Einige wohlmeinende Stimmen in meinem Land ebenso wie hier in Westeuropa haben zur Verringerung der Spannungen zwischen Ost und West stark
vereinfachende Vorschläge unterbreitet - wie etwa einseitige Abrüstung
- 9 -

�einseitige Abrüstung durch den Westen oder sofortiges Einfrieren der Dislozierung neuer Kernwaffen. Solche Vorschlägesind für die Sache des Friedens gefährlich und müssen durch die verantwortliche politische Führung
in Nordamerika und Westeuropa mit Nachdruck zurückgewiesen werden.

Ich

befürchte, daß einige unserer Bürger, insbesondere unter den jungen Leuten, den komplexen Charakter der Ost-West-Beziehungen

übersehen.

Die

westliche Politik bedarf zweifelsohne der Prüfung durch die Öffentlichkeit, aber sie darf auch nicht Gegenstand hastigen Experimentierens werden.

Die wirkliche Herausforderung, vor der der Westen steht, ist nicht

die Frage nach der Entscheidung, "rot oder tot" zu sein, sondern die
weitaus schwierigere, nämlich sicherzustellen, daß dies für uns nie die
Alternative sein wird.

Ich habe mich über die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion deshalb näher ausgelassen, weil es von lebenswichtiger Bedeutung ist, das zu tun, was wir verantwortlicherweise tun können,
um unsere Beziehungen zu verbessern.

Aber im Interesse einer ausgewo-

genen Perspektive muß ich auch anmerken, daß trotz der Meinungsverschiedenheiten zwischen Amerika und der Sowjetunion auf vielen Ebenen die Kontakte zwischen unseren beiden Ländern fortgeführt werden.

Die Treffen im

September zwischen Präsident Reagan und Außenminister Shultz mit Außenminister Gromyko waren die sichtbarsten dieser Kontakte. Andere finden
routinemäßig statt.

Ich selbst treffe mich von Zeit zu Zeit mit den so-

wjetischen Botschaftern in Berlin und Bonn, um Themen von beiderseitigem
Interesse zu besprechen.

Ohne Zweifel gibt es bei uns in den Vereinigten

Staaten auch weiterhin große Besorgnis über die Tatsache, daß die sowjetischen Unterhändler im vorigen Jahr die ent- scheidenden Verhandlungen
über Kernwaffen in Genf verlassen haben.

Aber die Unterbrechung dieser

Verhandlungen hat uns nicht von der Hoffnung abgebracht, daß sie bald
wieder aufgenommen werden; und wir setzen auch die Bemühungen fort, in
anderen Bereichen eine gemeinsame Basis zu fin- den.

Dabei haben wir

tatsächlich einen gewissen Fortschritt erzielt - zum Beispiel, bei der
technischen Verbesserung der Fernmeldeverbindung zwischen unseren beiden
Regierungen.

Es gibt auch noch andere hoffnungsvolle Zeichen.
- 10 -

Die Stockholmer

�Die Stockholmer Konferenz über Abrüstung in Europa dauert noch immer an,
die

Wiener

Verhandlungen

über

eine

Verringerung

der

konventionellen

Streitkräfte werden fortgeführt und die UN-Abrüstungskonferenz tut ihre
Arbeit.

Was jedoch am wichtigsten ist, der schwierige Prozeß von Ver-

handlungen über verifizierbare Rüstungskontrollabkommen mit den Sowjets
wird, wie vor einigen Tagen bekanntgegeben wurde, in Kürze wieder aufgenommen werden.

Sicherlich sind dies alles Verhandlungen, die nur langsam

vorangehen und bisweilen entmutigen; aber wir müssen geduldig bleiben und
unsere Bemühungen um eine Verbesserung der Ost-West-Beziehungen fortsetzen.

Präsident Reagans Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Natio-

nen war ein Beispiel dafür, als er periodische Konsultationen zwischen
sowjetischen und amerikanischen Experten über regionale Probleme sowie
die Einrichtung regelmäßi- ger Treffen auf Ministerebene vorschlug, um
die gesamte Bandbreite der Themen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion zu besprechen.

Die jüngsten Äußerungen des Staats- und

Parteichefs Tschernenko ließen erkennen, daß er den Vorstellungen des
Präsidenten nicht abgeneigt ist, und sie haben zu einem weiteren nützlichen diplomatischen Meinungs- austausch beigetragen.

Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten bereit sind, mit
der

Sowjetunion

Weltraumwaffen

über

alle

Rüstungskontrollthemen,

einschließlich

der

wie auch der strategischen Nuklearwaffen und nuklearen

Mittelstreckensysteme zu sprechen.

Meine Regierung wird sich auch wei-

terhin entschlossen darum bemühen, den Dialog mit der Sowjetunion in eine
konstruktive Richtung zu lenken.

Der Hindernisse für den Fortschritt

gibt es viele; die Gründe für ihre Überwindung sind daher nur umso zwingender.

Lassen Sie mich diese Überlegungen zu den Ost-West-Beziehungen damit
abschließen, daß ich noch einmal auf Ihre schöne Stadt eingehe.

Berlin

ist nicht nur eine Stadt mit tapferen und entschlossenen Einwohnern;
Berlin verkörpert zugleich die Dinge, die wir Amerikaner für verteidigungswert halten.

Ich persönlich schätze meine Bindungen zu Berlin.

Ich

komme oft hierher - nicht nur wegen der Anziehungskraft, die diese Großstadt hat.

Ich komme hierher, um zu arbeiten und den Geist aufzufrischen^
Berlin
- 11 -

ist

eine

�Berlin ist eine Stadt, in der man sich als Amerikaner rasch wohlfühlt.

Seit jeher zieht sie energische Menschen aus allen Teilen Deut-

schlands an und gibt ihnen die Chance, sich zu bewähren.
und Status weniger bedeutsam als Energie und Talent.

Hier sind Rang

Dies sind Werte,

die von den Amerikanern geteilt und bewundert werden.

Deshalb

arbeiten

wir

eng

mit

den

Berlinern,

der

Bundesrepublik

Deutschland sowie unseren britischen und französischen Verbündeten zusammen, um sicherzustellen, daß die Westsektoren Berlins in der modernen
Welt eine Kraft von Bedeutung bleiben.

Hier gibt es eine Vielfalt von

Möglichkeiten auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie, in der
Geschäftswelt, in der Städteplanung, bei der Neuerung im Sozial- und
Bildungswesen.

Wir sehen unsere Aufgabe nicht nur in der Verteidigung

der Stadt, sondern auch in der Zusammenarbeit mit Ihnen auf diesen Gebieten, damit Berlin auch weiterhin eine lebenssprühende
Weltstadt bleibt.

und attraktive

Zusammen mit den Berlinern haben wir kürzlich einen

Ausschuß ins Leben gerufen, um neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen uns zu fördern - insbesondere auf wirtschaftlichem Gebiet, bei der
Städteplanung und bei der Ausweitung des Studentenaustausches.

Wir freu-

en uns über den jüngsten wirtschaftlichen Wiederaufschwung in Berlin; wir
sind in bezug auf Ihre Zukunft zuversichtlich und optimistisch; und wir
versichern Ihnen unsere Entschlossenheit, bei der Entwicklung der Stadt
an Ihrer Seite eine positive Rolle zu spielen.

Aus amerikanischer Sicht braucht der Fortschritt immer wieder eine
solide Grundlage.

Derzeit ist die Position der Alliierten in Ihrer Stadt

naturgemäß mit dem besonderen Status Berlins und der Sicherheit der Stadt
verflochten.

Aus unserer Sicht besteht unsere Funktion hier darin, Sach-

walter der deutschen Nation zu sein.
lungen dieser Stadt nicht als ewig.

Wir erachten die derzeitigen Tei-

Bis zu dem Tag, da beide Teile Ber-

lins und Deutschlands in Freiheit wiedervereint sind, bietet die Präsenz
der Alliierten in Berlin die unersetzliche Grundlage für das Wohlergehen
dieser Stadt.

Die
- 12 -

Erhaltung

�Die Erhaltung dieser Grundlage bringt unvermeidlicherweise für alle
Betroffenen einige Lasten mit sich.

Ich weiß nur zu gut, daß man sich

mit Truppenübungen in Ihren Wäldern und anderen Sachverhalten, die sich
aus unserer Präsenz ergeben, nicht immer leicht abfinden kann.

Aber Sie

können sicher sein, daß die Amerikaner Ihren Anliegen gegenüber aufgeschlossen bleiben werden und daß wir alles in unserer Macht Stehende tun,
um die Schwierigkeiten so gering wie möglich zu halten, die wir bisweilen
bei der Verteidigung der Sicherheit und der Freiheit dieser Stadt verursachen.

Lassen Sie mich zusammenfassend sagen, daß Frieden und Freiheit für
uns im Westen nicht voneinander zu trennen sind.

Das heldenhafte Bei-

spiel der Berliner Bürger während der Luftbrücke 1948-49 zeigte, daß
Frieden und Freiheit
werden können.

sogar unter den

schwierigsten Umständen bewahrt

Es gibt guten Grund zu glauben, daß sie in unserer heu-

tigen Welt gleichfalls voll bewahrt und an die kommenden Generationen
weitergereicht werden können.

* * * * *

- 13 -

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und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47
I N H A L T

DOKUMENTATION
Gemeinsame Erklärung nach dem Genfer Gipfeltreffen
- Reagan und Gorbatschow wollen Abrüstungsverhandlungen beschleunigen

Genf-Bericht Reagans vor dem amerikanischen Kongreß
- Wortlaut der Ansprache -

USA und UdSSR eröffnen Konsulate in Kiew und New York
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

USA und UdSSR unterzeichnen Allgemeines Austauschabkommen
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

USA und UdSSR vereinbaren Erweiterung des Austausches und der
Kontakte
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

USIA für Kulturabkommen mit UdSSR zuständig
- Presseverlautbarung des US-Informationsamtes * * * * *

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-8543'

i

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

GEMEINSAME ERKLÄRUNG NACH DEM GENFER GIPFELTREFFEN
- Reagan und Gorbatschow wollen Abrüstungsverhandlungen beschleunigen -

GENF - (AD) - Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow wollen
die Verhandlungen über Atom- und Weltraumwaffen beschleunigen, um "ein
Wettrüsten im Weltraum zu verhindern und es auf der Erde zu beenden sowie
die Zahl der Kernwaffen zu begrenzen und zu verringern und die strategische Stabilität zu erhöhen."
In einer am 21. November 1985 veröffentlichten gemeinsamen Erklärung
nach dem Genfer Gipfeltreffen fordern beide "baldigen Fortschritt, insbesondere in den Bereichen gemeinsamen Interesses, einschließlich des Prinzips einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung der
Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der UdSSR sowie des Gedankens eines Interimsabkommens bei den nuklearen Mittelstreckensystemen."

Die gemeinsame Erklärung hat folgenden Wortlaut:
In

gegenseitigem

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2'
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�In gegenseitigem Einvernehmen trafen sich der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Ronald Reagan, und der Generalsekretär des Zentralkomitees

der

Kommunistischen

Partei

der

Gorbatschow, vom 19. bis 21. November in Genf.
amerikanischer

Sowjetunion,

Michail

An dem Treffen nahmen auf

Seite Außenminister George Shultz, Stabchef des Weißen

Hauses, Donald Regan, Sicherheitsberater Robert McFarlane, der amerikanische Botschafter in der UdSSR, Arthur Hartman, der Sonderberatewr des
Präsidenten und Staatssekretär für Rüstungskontrolle, Paul H. Nitze, die
Unterstaatssekretärin

für europäische Angelegenheiten, Rozanne Ridgway,

sowie der Sonderberater des Präsidenten für Fragen der nationalen Sicherheit, Jack Matlock, teil. Auf sowjetischer Seite nahmen das Mitglied des
Politbüros

des

Zentralkomitees

der

KPdSU,

Außenminister

E.A.

Schewardnadse, der Erste Stellvertretende Außenminister, G.M. Kornienko,
der sowjetische Botschafter in den Vereinigten Staaten, A.F. Dobrynin,
der Leiter der Propagandaabteilung des Zentralkomitees der KPdSU, A.N.
Yakowlew, der Leiter der Abteilung für Internationale Information des
Zentralkomitees der KPdSU, L.M. Samjatin, sowie der Assistent des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU, A.M. Alexandrow, teil.

Diese umfassenden Gespräche deckten die grundlegenden Fragen der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und der gegenwärtigen internationalen
Lage ab.

Die Treffen waren offen und nützlich.

Ernste Meinungsverschie-

denheiten bleiben bei einer Reihe kritischer Fragen bestehen.

Obgleich sie sich der Unterschiede in ihren Systemen und ihrer Behandlung der internationalen Fragen bewußt blieben, gelangten die beiden
Führer dennoch zu einem größeren Verständnis der Sicht der jeweils anderen Seite.

Sie waren sich hinsichtlich der Notwendigkeit der Verbesse-

rung der amerikanisch-sowjetischen

Beziehungen und der internationalen

Lage als Ganzes einig.

In diesem Zusammenhang bestätigten beide Seiten die Bedeutung eines
weitergehenden Dialogs, der ihr Bemühen um Gemeinsamkeiten bei der Behandlung der anstehenden Probleme widerspiegelt.
Sie kamen

�Sie kamen überein, in nächster Zukunft erneut zusammenzutreffen.

Der

Generalsekretär nahm eine Einladung seitens des Präsidenten der Vereinigten Staaten an, die Vereinigten Staaten von Amerika zu besuchen, und der
Präsident der Vereinigten Staaten nahm eine Einladung des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU an, die Sowjetunion zu besuchen.

Die

näheren Vereinbarungen und die zeitliche Planung der Besuche wird durch
diplomatische Kanäle festgelegt werden.

Bei ihren Zusammentreffen kam es zu Übereinstimmung bei einer Reihe
konkreter Fragen.

Die Bereiche der Übereinstimmung sind auf den folgen-

den Seiten aufgelistet.

Sicherheit

Beide Seiten waren nach Erörterung der wichtigsten Sicherheitsfragen
und im Bewußtsein der besonderen Verantwortung der UdSSR und der Vereinigten Staaten für die Aufrechterhaltung des Friedens einer Meinung, daß
ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.
Angesichts der Tatsache, daß jeder Konflikt zwischen der UdSSR und den
Vereinigten Staaten katastrophale Folgen haben könnte, betonten sie die
Bedeutung der Verhinderung eines Krieges zwischen ihnen - gleich, ob nuklear oder konventionell.

Sie werden keine militärische Überlegenheit

anzustreben versuchen.

Nuklear- und Weltraumgespräche

Der Präsident und der Generalsekretär sprachen über die Verhandlungen
bei Kern- und Weltraumwaffen.
Sie kamen überein, die Bemühungen bei diesen Verhandlungen in der Absicht zu intensivieren, die Aufgabe, wie sie in der gemeinsamen amerikanisch-sowjetischen Vereinbarung vom 8. Januar 1985 gestellt wurde, zu erfüllen - nämlich, ein Wettrüsten im Weltraum zu verhindern und es auf der

�auf der Erde zu beenden sowie die Zahl der Kernwaffen zu begrenzen und zu
verringern und die strategische Stabilität zu erhöhen.

Angesichts der kürzlich von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion unterbreiteten Vorschläge forderten sie baldigen Fortschritt, insbesondere

in den Bereichen gemeinsamen Interesses, einschließlich des

Prinzips einer 50prozentigen, zweckdienlich durchgeführten Verringerung
der Kernwaffen der Vereinigten Staaten und der UdSSR sowie des Gedankens
eines Interimsabkommens bei den nuklearen Mittelstreckensystemen.

Im Rahmen der Verhandlungen über diese Abkommen wird es auch zu Vereinbarungen über wirksame Maßnahmen zur Verifizierung der Einhaltung dieser eingegangenen Verpflichtungen kommen.

Zentren für Risikoverringerung

Beide Seiten kamen überein, auf Expertenniveau die Fragen von Zentren
zu untersuchen, durch die das nukleare Risiko vermindert werden kann, wobei die Fragen und Entwicklungen der Genfer Verhandlungen in Rechnung gestellt werden.

Sie äußerten sich befriedigt über die jüngsten Schritte

in diese Richtung - wie etwa die Modernisierung des Heißen Drahtes zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten.

Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen

Generalsekretär Gorbatschow und Präsident Reagan bekräftigten erneut
die Verpflichtung der UdSSR und der Vereinigten Staaten gegenüber dem
Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen sowie ihr Interesse an einer gemeinsamen, auch mit anderen Staaten betriebenen, Stärkung
des Nichtweiterverbreitungssystems und einer weiteren Ausweitung des Vertrags, unter anderem durch erhöhte Mitgliedschaft.

Sie

stellten

�Sie stellten mit Befriedigung die insgesamt positiven Resultate der
jüngsten Überprüfungskonferenz des Vertrags über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen fest.

Die UdSSR und die Vereinigten Staaten bekräftigten erneut ihre Verpflichtung, die sie gemäß dem Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von
Kernwaffen eingegangen sind, in gutem Glauben und in Einklang mit Artikel
VI des Vertrages Verhandlungen über Fragen der Begrenzung der Kernwaffen
und der Abrüstung zu führen.
Die beiden Seiten haben die Absicht, auch weiterhin für eine Stärkung
der Internationalen Atomenergiebehörde einzutreten sowie die Tätigkeiten
der Behörde bei der Verwirklichung von Schutzmaßnahmen sowie bei der Förderung der friedlichen Verwendung der Kernenergie zu unterstützen.

Sie sehen die Praxis regelmäßiger sowjetisch-amerikanischer Konsultationen hinsichtlich der Nichtweiterverbreitung

von Kernwaffen positiv,

waren diese doch bislang sachlich und konstruktiv, und bringen ihre Absicht zur Fortführung dieser Praxis auch in Zukunft zum Ausdruck.

Chemische Waffen
Im Rahmen ihrer Gespräche über Sicherheitsprobleme bekräftigten beide
Seiten erneut, daß sie für ein generelles und umfassendes Verbot chemischer Waffen sowie die Vernichtung der vorhandenen Bestände solcher Waffen sind.

Sie kamen überein, die Bemühungen um den Abschluß einer wirk-

samen und verifizierbaren internationalen Konvention zu diesem Thema zu
beschleunigen.

Beide Seiten kamen überein, die bilateralen Expertengespräche über
alle Aspekte eines solchen Verbotes chemischer Waffen - einschließlich
der Frage der Verifizierung - zu intensivieren.

Sie kamen überein, einen

Dialog über die Verhinderung der Weiterverbreitung chemischer Waffern in
die Wege zu leiten.
MBFR
- 5-

�MBFR
Beide Seiten unterstrichen die Bedeutung, die sie den Wiener (MBFR)
Verhandlungen beimessen und brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, sich
um positive Ergebnisse zu bemühen.

KVAE
Beide Seiten, die der Stockholmer Konferenz über Sicherheits- und
Vertrauensbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa große Bedeutung beimessen und den dort erzielten Fortschritt feststellten, brachten ihre Absicht zum Ausdruck, in Zusammenarbeit mit den anderen Teilnehmerstaaten
einen baldigen und erfolgreichen Abschluß der Arbeit der Konferenz zu erleichtern.

Zu diesem Zweck unterstrichen sie erneut die Notwendigkeit

eines Dokumentes, das beiderseitig

annehmbare Vertrauens- und Sicher-

heitsbildende Maßnahmen enthalten und dem Grundsatz der Nichtanwendung
von Gewalt konkreten Ausdruck und konkrete Wirkung verleihen würde.

Anhaltender Dialog

Präsident Reagan und Generalsekretär Gorbatschow waren sich hinsichtlich der Notwendigkeit einig, den Dialog auf den verschiedensten Ebenen
auf eine regelmäßige Basis zu stellen und zu intensivieren.

Dabei wird

neben Treffen zwischen den Führungen der beiden Länder an regelmäßige
Treffen zwischen dem sowjetischen und dem amerikanischen Außenminister,
sowie zwischen den Spitzen anderer Ministerien und Ämter gedacht.

Sie

sind sich darin einig, daß die jüngsten Treffen der Minister etwa des
Landwirtschafts-, Wohnungsbau- und Umweltschutzministeriums nützlich waren.

Angesichts der Tatsache, daß der Gedankenaustausch hinsichtlich regionaler Fragen auf Expertenebene sich als nützlich erwiesen hat, kamen
sie überein, einen solchen Austausch auf regelmäßiger Basis fortzuführen.
Beide Seiten
- 6-

�Beide Seiten beabsichtigen, die Programme des bilateralen kulturellen, pädagogischen und wissenschaftlich-technischen Austausches auszuweiten und auch die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu entwickeln.

Der

Präsident der Vereinigten Staaten und der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU nahmen an der Unterzeichnung des Abkommens über Kontakte
und Austausch im wissenschaftlichen, pädagogischen und kulturellen Bereich teil.

Sie waren sich hinsichtlich der Bedeutung der Tatsache einig, humanitäre Fälle im Geist der Zusammenarbeit zu lösen.

Sie sind der Meinung, daß es größeres Verständnis zwischen unseren
Völkern geben sollte und daß sie zu diesem Zweck zu mehr Reisen und Kontakten von Volk zu Volk ermutigen wollen.

Luftsicherheit im nordpazifischen Raum
Die beiden Führer stellten mit Befriedigung fest, daß in Zusammenarbeit zwischen der japanischen, der amerikanischen und der sowjetischen
Regierung ein Maßnahmenpaket erstellt wurde, um die Sicherheit der Flugrouten über den Nordpazifik zu erhöhen und haben Schritte ausgearbeitet,
um dies zu verwirklichen.

Zivilluftverkehr/Konsulate
Sie bestätigten, daß Delegationen aus den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion Verhandlungen mit dem Ziel begonnen haben, den Flugverkehr
wieder aufzunehmen.

Die beiden Führer brachten ihren Wunsch zum Aus-

druck, bald zu einem beiderseitig vorteilhaften Abkommen zu gelangen.

In

diesem Zusammenhang wurde Übereinstimmung über die gleichzeitige Eröffnung von Generalkonsulaten in New York und Kiew erzielt.

Umweltschutz

�Umweltschutz

Beide Seiten waren sich hinsichtlich eines Beitrags zum Schutz der
Umwelt - einer weltweiten Aufgabe - mittels gemeinsamer Forschung und
praktischer Maßnahmen einig.

In Einklang mit dem bestehenden amerika-

nisch-sowjetischen Abkommen in diesem Bereich werden nächstes Jahr in
Moskau und in Washington Konsultationen zu bestimmten Programmen der Zusammenarbeit stattfinden.

Austausch und Initiativen

Die beiden Führer waren sich hinsichtlich des Nutzens eines erweiterten Austausches und vermehrter Kontakte einig - auch auf neuartige Weise
in einer ganzen Reihe wissenschaftlicher, erzieherischer, medizinischer
und

sportlicher Bereiche (unter anderem Zusammenarbeit

bei vermehrtem

Austausch im Erziehungsbereich sowie bei Inhalten und Methoden bei den
verschiedenen Ebenen des Schulunterrichts; Maßnahmen zur Förderung des
Russischstudiums in den Vereinigten Staaten und des Englischstudiums in
der UdSSR; jährlicher Austausch von Professoren zur Abhaltung spezieller
Kurse in Geschichte, Kultur und Wirtschaft an den entsprechenden Abteilungen der sowjetischen und amerikanischen Hochschulinstitutionen; Stipendien beider Länder für die besten Studenten der Naturwissenschaften,
der Technologie, der Sozialwissenschaften und der philosophischen Fakultäten für ein akademisches Jahr; Abhaltung regelmäßiger Treffen bei den
verschiedenen

Sportarten

Sportereignissen).

und

verstärkte

Fernsehberichterstattung

von

Beide Seiten kamen überein, die Zusammenarbeit bei

der Bekämpfung der Krebskrankheit wieder aufzunehmen.

Die entsprechenden Stellen in jedem der beiden Länder werden angewiesen, spezielle Programme für diesen Austausch zu erarbeiten.

Die ent-

standenen Programme werden von den Führungen bei ihrem nächsten Treffen
geprüft werden.
Fusionsforschung

�Fusionsforschung

Die beiden Führer betonten die potentielle Bedeutung der Arbeit, die
auf die Nutzung der kontrollierten thermonuklearen Fusion zu friedlichen
Zwecken abzielt und setzten sich in diesem Zusammenhang für die größtmögliche praktikable Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit ein, um
zum Nutzen der gesamten Menschheit eine Energiequelle zu erschließen, die
im wesentlichen unerschöpflich ist.

- 9-

�27. November 1985

47

GENF-BERICHT REAGANS VOR DEM AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Wortlaut der Ansprache -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat nach seiner Rückkehr
von

dem

Gipfeltreffen

mit

dem

sowjetischen

Generalsekretär

Michail

Gorbatschow dem amerikanischen Kongreß am 21. November 1985 Bericht erstattet.

In seiner Ansprache, die vom amerikanischen Fernsehen übertra-

gen wurde, bezeichnete Reagan die Begegnung in Genf als "für beide Seiten
lohnend".

Das Gipfeltreffen sei ein guter Anfang gewesen, um einen Fort-

schritt auf allen Gebieten zu erreichen.

Jetzt gelte es, auf diesem An-

fang weiter aufzubauen.

Der amerikanische Präsident hatte am gleichen Tag bereits in Brüssel
die Regierungschefs des Nordatlantischen Bündnisses über das Genfer Gipfeltreffen, vor allem über seine über fünfstündigen vertraulichen Gespräche mit Generalsekretär Gorbatschow unterrichtet.

Diese Konsultation mit

dem Bündnis vor und nach dem Gipfeltreffen sei als hervorragendes Beispiel für die Stärke der Allianz angesehen worden, so erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, Larry Speakes.
Die Ansprache

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Die Ansprache des Präsidenten vor der gemeinsamen Sitzung beider Häuser des amerikanischen Kongresses hat folgenden Wortlaut:

Mr. Speaker, Herr Präsident, Mitglieder des Kongresses, hochverehrte
Gäste, meine amerikanischen Mitbürger.

Es ist schön, wieder zu Hause zu sein.
für diesen wundervollen Empfang.

Nancy und ich danken Ihnen

Und bevor ich fortfahre, möchte ich

Nancy ein persönliches Dankeschön sagen.

Sie war ein hervorragender Bot-

schafter des guten Willens für uns alle.

Sie wußte nicht, daß ich das

hier sagen würde.

Mr. Speaker, Senator Dole, ich möchte Sie wissen lassen, daß Ihre unterstützenden

Erklärungen

sehr hoch geschätzt wurden und werden.

Sie

können es sich nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn man bei Verhandlungen mit den Sowjets den Kongreß, die Verbündeten und das amerikanische
Volk fest hinter sich weiß.

Wie Sie wissen, bin ich gerade von Gesprächen mit Generalsekretär
Gorbatschow aus Genf zurückgekehrt.

In den letzten Tagen haben wir über

15 Stunden in mehreren Treffen mit dem Generalsekretär und den Mitgliedern seiner amtlichen Delegation verbracht.

Schätzungsweise fünf dieser

Stunden waren Gesprächen zwischen Gorbatschow und mir, Auge in Auge, gewidmet.

Das war der beste Teil - unser Gipfeltreffen am Kamin.

Ich weiß, daß es viele Kommentare und Meinungen darüber geben wird,
was diese Treffen hervorgebracht haben, und welcher Art sie waren.

In

Genf waren über 3000 Reporter und so ist es möglich, daß es 3000 Meinungen darüber geben wird, was geschehen ist.

Vielleicht ist der alte Rund-

funkberichterstatter in mir, der mich dazu bewogen hat, Ihnen direkt meinen eigenen Bericht zu geben.

Wir kamen zusammen, wie sich das gehört.

Ich hatte einen neuen An-

fang gefordert - und wir haben einen neuen Anfang gemacht.

Ich kann

nicht behaupten, daß wir zu einer geistigen Übereinstimmung über solche
- 2 -

�über solche Grundfragen wie Ideologie oder nationale Zielsetzungen gekommen sind - aber wir verstehen einander jetzt besser.
dend wichtig für den Frieden.

Das ist entschei-

Ich habe eine bessere Vorstellung gewonnen

und ich glaube, auch er.
Es war ein konstruktives Treffen - so konstruktiv sogar, daß ich mich
freue, Herrn Gorbatschow im nächsten Jahr in den Vereinigten Staaten begrüßen zu dürfen.

Und ich habe seine Einladung angenommen, im darauffol-

genden Jahr nach Moskau zu kommen - wir haben das draußen auf dem Parkplatz vereinbart.

Ich habe gefunden, daß Generalsekretär Gorbatschow ein energischer
Verfechter der sowjetischen Politik ist.
ein guter Zuhörer.

Er war ein gewandter Redner und

Unsere Themen wurden durch die Fakten dieses Jahrhun-

derts bestimmt.
Diese letzten 40 Jahre waren keine leichte Zeit für die Welt.

Sie

kennen die Tatsachen, und ich brauche hier die geschichtlichen Abläufe
nicht aufzuzählen.

Es genügt zu sagen, daß es sich die Vereinigten Staa-

ten nicht leisten können, sich Illusionen über die Natur der UdSSR zu machen.

Wir können nicht davon ausgehen, daß sich ihre Ideologie und Ziel-

setzung ändern wird.

Das bedeutet, andauernden Wettbewerb.

Unsere Auf-

gabe besteht darin, dafür zu sorgen, daß dieser Wettbewerb
bleibt.

friedlich

Bei all dem, was uns trennt, können wir es uns nicht leisten,

daß Verwirrung die Dinge noch weiter kompliziert.
einander klar und wir müssen direkt sein.

Wir müssen uns über-

Wir müssen einander den Tribut

der Offenheit zollen.

Als ich das erstemal meinen Amtseid leistete, begannen wir mit der
Sowjetunion auf eine Weise zu verhandeln, die realistischer war, als in
den davorliegenden Jahren.

Und so begannen in einem ganz realen Sinne

die Vorbereitungen für das Gipfeltreffen nicht erst vor einigen Monaten,
sondern schon vor fünf Jahren, als wir - mit der Hilfe des Kongresses
- damit begannen, unsere Wirtschaft zu stärken, unseren nationalen Willen
wieder herzustellen und unsere Verteidigung und unsere Bündnisse wieder

�Bündnisse wieder aufzubauen.

Amerika ist wieder stark - und unsere Stär-

ke hat uns die Fähigkeit verliehen, mit Selbstvertrauen zu sprechen und
dafür zu sorgen, daß keine echte Chance zur Förderung von Freiheit und
Frieden verpaßt wird.
funktioniert.

Ich

Wir dürfen jetzt nicht eine Politik aufgeben, die

brauche

Ihre

anhaltende

Unterstützung,

um

Amerika

stark zu erhalten.

Das ist die Geschichte, die hinter dem Genfer Gipfeltreffen steht,
und das ist der Zusammenhang, in dem es stattgefunden hat.

Und darf ich

hinzufügen, daß wir ganz besonders daran interessiert waren, daß unsere
Treffen den bereits in Gang befindlichen Verhandlungen über eine Verringerung der Kernwaffen Auftrieb geben würden.

Es wäre töricht, wenn man

bei diesem Thema nicht noch einen Schritt weiter - eine Meile weiter
- oder in diesem Falle sogar 4000 Meilen weiter gehen würde.
Wir haben über die großen Probleme unserer Zeit gesprochen.

Ich habe

vor dem ersten Treffen klargemacht, daß keine Frage beiseite geschoben,
kein Problem unterdrückt würde, nur weil die eine oder andere Seite es
als unbequem oder unangenehm empfinden könnte.

Ich habe diese Fragen zum Gipfel mitgebracht und sie Generalsekretär
Gorbatschow vorgelegt.
Wir sprachen über Kernwaffen und wie man sie verringern könnte.

Ich

habe unsere Vorschläge über gerechte, verifizierbare und einschneidende
Verringerungen erläutert.

Ich habe meine Überzeugung dargelegt, daß un-

sere Vorschläge nicht nur eine Welt schaffen würden, die sich sicherer
fühlt, sondern die wirklich sicherer ist.

Ich freue mich, heute abend berichten zu können, daß Generalsekretär
Gorbatschow und ich hier einem gewissen Fortschritt erzielt haben.

Wenn

wir auch noch einen langen Weg vor uns haben, so gehen wir doch zumindest
in die richtige Richtung.

Wir haben die Rüstungskontrolle vorangebracht,

von dem Punkt, an dem wir im Januar dieses Jahres standen, als die Sowjets an den Verhandlungstisch zurückkehrten.
Wir haben

�Wir haben beide unsere Unterhändler angewiesen, ihre lebenswichtige
Arbeit zu beschleunigen.

Die Welt wartet auf Ergebnisse.

Wir kamen in bezug auf Genf vor allem überein, daß jede Seite sich
darangehen sollte, die offensiven Kernwaffen in geeigneten Kategorien um
50 Prozent zu verringern.

In unserer gemeinsamen Erklärung haben wir ei-

nen baldigen Fortschritt in dieser Richtung gefordert und die Gespräche
auf unser Hauptziel, die Verringerung der Angriffswaffen, ausgerichtet.
Wir forderten ein Interimsabkommen über nukleare

Mittelstreckensysteme,

das, wie ich hoffe, zur völligen Abschaffung dieser Klasse von Raketen
führen wird.

All dies mit genauer Verifizierung.

Wir haben auch Fortschritte bei der gemeinsamen Bekämpfung der Weiterverbreitung von Kernwaffen erzielt, ein Gebiet der Rüstungskontrolle,
auf dem wir seit Jahren wirksam zusammengearbeitet haben.

Wir haben auch

einen Dialog über die Bekämpfung der Ausbreitung und Anwendung chemischer
Waffen erörtert, während wir uns über ein totales Verbot bemühen.

Andere

Dialoge auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle - in Wien über konventionelle Streitkräfte und in Stockholm über die Verringerung der Möglichkeiten
eines Überraschungsangriffes
erhalten.

in Europa - haben ebenfalls neuen Auftrieb

Und schließlich sind wir übereingekommen, die Arbeit an Risi-

koverminderungszentren zu beginnen - eine Entscheidung, die von den Senatoren Nunn und Warner, die so beredt

für diesen Gedanken

eingetreten

sind, mit besonderer Befriedigung aufgenommen werden dürfte.

Ich habe unsere Strategische Verteidigungsinitiative erklärt - unsere
Forschungsanstrengung,

die die Möglichkeit

defensiver Systeme ins Auge

faßt, die letztlich alle Länder vor der Gefahr eines Atomkrieges schützen
könnten.

Diese Diskussion

führte zu einem sehr direkten Meinungsaus-

tausch.

Herr Gorbatschow beharrte darauf, daß wir ein Strategisches Verteidigungssystem dazu benutzen könnten, um Angriffswaffen in den Weltraum zu
verbringen und eine nukleare Überlegenheit zu gewinnen.
Ich habe

�Ich habe klargemacht, daß SDI nichts mit Angriffswaffen zu tun hat,
sondern daß wir vielmehr nichtnukleare Verteidigungssysteme untersuchen,
die nur angreifende Raketen, aber keine Menschen bedrohen würden.

Wenn

unsere Forschung Erfolg hat, dann wird sie die sicherere und stabilere
Welt, die wir anstreben, sehr viel näher bringen.
selbst

gegen

Raketenangriffe

verteidigen

und

die

Länder könnten sich
Menschheit

könnte

schließlich und endlich aus dem Gefängnis des gegenseitigen Schreckens
entrinnen - das ist mein Traum.

So habe ich die Chance begrüßt, Herrn Gorbatschow erklären zu können,
daß wir eine Nation sind, die verteidigt, statt anzugreifen, daß unsere
Bündnisse defensiv und nicht offensiv sind.
are Überlegenheit an.
der Sowjetunion an.

Wir streben nicht die nukle-

Wir streben keinen Erstschlagsvorteil gegenüber
Ja eines meiner fundamentalen Ziele bei der Rü-

stungskontrolle ist es, Erstschlagwaffen überhaupt abzuschaffen.

Das ist

der Grund, warum wir eine 50prozentige Verringerung der bedrohlichsten
Kernwaffen

vorgeschlagen

haben, vor allem jener, die einen Erstschlag

ausführen könnten.

Ich bin in der Darlegung unserer friedlichen Absichten noch weiter
gegangen.

Ich habe unseren Vorschlag bei den Genfer Verhandlungen für

ein wechselseitiges Programm offener Laboratorien in der strategischen
Verteidigungsforschung erläutert.

Wir machen das Angebot, sowjetischen

Experten zu erlauben, sich aus erster Hand zu vergewissern, daß es bei
SDI nicht um Offensivwaffen geht.

Amerikanischen Wissenschaftlern würde

erlaubt, vergleichbare Einrichtungen des strategischen Verteidigungsprogramms der Sowjets zu besuchen, bei denen es seit vielen Jahren in der
Tat um sehr viel mehr geht als Forschung.

Und schließlich habe ich Herrn Gorbatschow in einem weiteren Punkt
Gewißheit gegeben.

Ich habe für den Fall, daß unsere Forschung die Mög-

lichkeit einer Verteidigung gegen Nuklearraketen aufzeigt, versprochen,
uns mit unseren Verbündeten und mit der Sowjetunion zusammenzusetzen, um
zu sehen, wie wir zusammen alle strategischen Raketen durch eine solche
Verteidigung ersetzen könnten, die niemand bedroht.
Wir haben

�Wir haben über Bedrohungen des Friedens in mehreren Regionen der Welt
gesprochen.

Ich habe meine Vorschläge für einen Friedensprozeß erläu-

tert, um den Kriegen

in Afghanistan, Nicaragua, Äthiopien, Angola und

Kambodscha Einhalt zu gebieten.

Das sind Länder, wo Aufständische, die

für das Volk sprechen, sich gegen

Regime stellen, die

offensichtlich

nicht den Willen des Volkes repräsentieren oder dessen Zustimmung haben.
Ich habe versucht, sehr deutlich zu machen, wo unsere Sympathien liegen,
und ich glaube, es ist mir gelungen.

Wir haben über Menschenrechte gesprochen.

Wir Amerikaner sind der

Überzeugung, daß die Geschichte nichts deutlicher als dieses lehrt:

Jene

Länder, die die Rechte ihrer eigenen Völker achten, neigen unausweichlich
dazu, auch die Rechte ihrer Nachbarn zu achten.
her keine abstrakte moralische Angelegenheit -

Menschenrechte sind dasie sind eine Angelegen-

heit des Friedens.

Und schließlich haben wir über die Kommunikationsschranken

zwischen

unseren Gesellschaften gesprochen, und ich habe meine Vorschläge für echte Kontakte von Volk zu Volk in einem größeren Umfang näher erläutert.

Amerikaner

sollten

die

Hoffnungen und Befürchtungen

Bevölkerung

der

Sowjetunion

kennen

und die Tatsachen ihres Lebens.

- ihre
Und die

Bürger der Sowjetunion müssen den tiefen Wunsch aller Amerikaner nach
Frieden und unser unerschütterliches Eintreten für die Freiheit kennenlernen.

Wie Sie sehen können, erstreckten sich unsere Gespräche über einen
weiten Bereich.

Lassen Sie mich Ihnen hier an dieser Stelle sagen, wo-

rüber wir uns einig waren und worüber nicht.

Wir liegen in einer Reihe von Fragen, wie zu erwarten war, weiterhin
weit auseinander.

Wir haben jedoch in einer Reihe von Dingen Überein-

kunft erzielt, und wir stimmen darin überein, wie ich bereits erwähnte,
weiterhin zusammenzukommen.
Bewegungsspielraum,

Das ist wichtig und sehr gut.

Handlungsspielraum

und

Möglichkeiten

Es gibt immer
des

Fort-

�des Fortschritts, wenn Menschen miteinander reden statt übereinander.

Wir haben ein neues Abkommen geschlossen, das dazu dienen soll, die
besten amerikanischen Künstler und Akademiker in die Sowjetunion zu bringen.

Die Ausstellungen, die zu diesem Austausch gehören werden, sind ei-

nes der wirksamsten Mittel und Wege für den durchschnittlichen Sowjetbürger, unsere Lebensweise kennenzulernen.
Möglichkeiten

Dieses Abkommen wird auch die

für Amerikaner ausweiten, das reiche kulturelle Erbe des

sowjetischen Volkes kennenzulernen - denn seine Künstler und Akademiker
werden hierherkommen.

Wir haben

ferner beschlossen, mit einer Reihe von Initiativen von

Volk zu Volk voranzuschreiten, die über einen stärkeren Kontakt hinausgehen, nicht nur zwischen den politischen Führern unserer beiden Ländern,
sondern auch zwischen unseren Studenten, Lehrern und auch anderen.
haben Nachdruck auf den Jugendaustausch gelegt.
eingefleischte

Vorstellungen

Wir

Das wird dazu beitragen,

zu überwinden, Freundschaften

zu schaffen

und, um es ganz offen zu sagen, eine Alternative zur Propaganda bieten.

Wir haben vereinbart, ein neues sowjetisches Konsulat in New York und
ein neues amerikanischen Konsulat in Kiew einzurichten.

Dies wird zum

erstenmal in Jahrzehnten eine ständige amerikanische Präsenz in der Ukraine bringen.

Wir haben auch zusammen mit der japanischen Regierung mit der Sowjetunion ein Pazifisches Flugsicherungsabkommen geschlossen.

Dies soll dazu

dienen, kooperative Maßnahmen einzuführen, um die Sicherheit der zivilen
Luftfahrt in dieser Region des Pazifik zu verbessern.

Was einmal gesche-

hen ist, darf nie wieder geschehen.

Als einen möglichen Weg, um mit dem künftigen Energiebedarf der Welt
fertigzuwerden, sind wir auch für eine internationale Kooperation eingetreten, um die Durchführbarkeit der Gewinnung von Verschmelzungsenergie
zu prüfen.
Alle diese
- 8 -

�Alle diese Schritte sind Teil einer langfristigen Bemühung, ein stabileres Verhältnis zur Sowjetunion aufzubauen.
daß dies leicht wäre.

Niemand hat je gesagt,

Aber wir sind ein großes Stück weitergekommen.

Was den sowjetischen Expansionismus in einer Reihe von Regionen in
der Welt angeht, so werden wir, obwohl wenig Aussicht auf unmittelbaren
Wandel besteht, weiterhin die heldenhaften Anstrengungen jener unterstützen, die für die Freiheit kämpfen.

Aber wir haben auch vereinbart, unse-

re Zusammenkünfte mit den Sowjets über diese und andere regionale Konflikte fortzusetzen und zu intensivieren, um auf politische Lösungen hinzuarbeiten.
Wir kennen die Grenzen wie auch die Versprechungen von Gipfeltreffen.
Dies war schließlich der elfte Gipfel der Nachkriegszeit - und die Differenzen dauern immer noch an.

Aber wir sind überzeugt, daß fortgesetzte

Treffen zwischen den Führern der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
dazu beitragen können, diese Differenzen zu überbrücken.

Es ist eine Tatsache, daß jeder neue Tag neue Möglichkeiten bringt.
Es liegt an uns, ihn mit jenen Dingen zu erfüllen, die uns dem Fortschritt und dem Frieden näherbringen.

Daher ist Hoffnung eine realist-

ische Einstellung - und Verzweiflung ein uninteressantes kleines Laster.

Hat sich die Reise also gelohnt?

Als vor 30 Jahren Präsident Eisen-

hower gerade von einem Gipfeltreffen in Genf zurückgekehrt war, sagte er
"...die Kluft, die den Osten und den Westen trennt... ist breit und
tief".

Das gilt auch heute noch nach drei Jahrzehnten.

Aber sicherlich war dieses Treffen für beide Seiten lohnend.
Gipfel hat einen neuen Realismus hervorgebracht.

Der

Der Gipfel selbst war

ein guter Anfang und jetzt wird es für uns darauf ankommen, stetig auf
ihm aufzubauen.

Ich warte ebenso wie Sie ungeduldig auf Ergebnisse.

Aber guter Wille

und schöne Hoffnungen allein bringen nicht immer dauerhafte Resultate.

�dauerhafte Resultate.

Patentlösungen lösen keine großen Probleme.

So wie wir uns unsererseits vor Illusionen hüten müssen, so müssen
wir sie auf sowjetischer Seite zerstreuen.

Ich habe Herrn Gorbatschow

klargemacht, daß wir das Mißtrauen und den Argwohn zwischen uns abbauen
müssen, wenn wir solche Dinge vollbringen wollen, wie eine Verringerung
der Waffen; dazu wird es der Taten, nicht nur der Worte allein bedürfen.
Ich glaube, er stimmt mir darin zu.

Wohin geht die Reise von hier?
Beziehungen ist stark.
reit und erstreben ihn.

Nun, unser Wunsch nach verbesserten

Wir sind für einen schrittweisen Fortschritt beWir wissen, daß Frieden mehr ist als nur das

Nichtvorhandensein eines Krieges.

Wir wollen keinen trügerischen Frieden

und keinen zerbrechlichen Frieden.
illusionärer Entspannung aus.

Wir waren nicht auf irgendeine Art

Wir können uns nicht mit kosmetischen Ver-

besserungen zufriedengeben, die die Bewährungsprobe der Zeit nicht bestehen würden.

Wir wollen echten Frieden.

Als ich heute abend zurückflog, habe ich über vieles nachgedacht.

In

einigen Tagen werden Familien in ganz Amerika zusammenkommen, um Thanksgiving - das Erntedankfest - zu feiern.

Und so wie unsere Vorväter einst

nach Amerika reisten, sind wir nach Genf gereist mit Frieden als unserem
Ziel und Freiheit als unserem Leitstern.

Denn es kann nichts Besseres

geben als das Streben nach Frieden und keine größere Zielsetzung als die
Erhaltung der Freiheit.

Es ist jetzt 350 Jahre her, seit dem ersten Danksagungstag, als Pilgerväter und Indianer an der Schwelle eines unbekannten Kontinents zusammensaßen.

Und heute sind wir an der Schwelle einer unbekannten Zukunft

versammelt - aber genau wie unsere Vorväter nicht voller Angst, sondern
voller Hoffnung und Gottvertrauen.

* * * * * *

- 10 -

�27. November 1985

47

USA UND UDSSR ERÖFFNEN KONSULATE IN KIEW UND NEW YORK
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 21. November 1985 eine Verlautbarung herausgegeben, in der ein Abkommen der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion über die Eröffnung neuer Konsulate in Kiew und New York
bekanntgegeben wird.
Die Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind übereingekommen, auf
der Basis voller Gegenseitigkeit hinsichtlich der Personalstärke und der
administrativen Vereinbarungen Konsulate in Kiew und New York zu eröffnen.

Nach sowjetischer Auffassung ist diese wechselseitige Eröffnung von

Konsulaten abhängig von dem erfolgreichen Abschluß von Verhandlungen über
die

Wiederaufnahme

des zivilen

Luftverkehrs

zwischen

beiden

Ländern.

Beide Seiten werden weitere Gespräche über die Bedingungen führen, unter
denen die Konsulate personell besetzt und für das Publikum geöffnet werden.
Auf dem

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Auf dem Gipfeltreffen 1974 zwischen Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew wurde eine wechselseitige Eröffnung von Konsulaten in Kiew
und New York vereinbart.

Die ersten Schritte waren damals getan und bei-

de Länder hatten schon Vorausabteilungen am Ort, um die formelle Eröffnung

vorzubereiten, als im Jahr 1979 die Sowjets in Afghanistan einmar-

schierten. Die Vorausabteilungen wurden zurückbeordert.
Im Sommer 1983 stimmten wir im Prinzip erneut zu, Konsulate in Kiew
und New York zu eröffnen.

Weiterer Fortschritt wurde von den Sowjets

verhindert, die die Eröffnung der Konsulate von Verhandlungen über eine
Wiederaufnahme der Flüge der (sowjetischen) Luftfahrtlinie Aeroflot (nach
den USA) abhängig machten.

Wir haben ihre Verknüpfung dieser Fragen

nicht akzeptiert und weiterhin jede der Fragen gesondert behandelt.
Dieses Abkommen über die Eröffnung von Konsulaten steht im Einklang
mit dem Wunsch des Präsidenten, die Kontakte zwischen unseren beiden Völkern auszudehnen und die Verständigung zwischen ihnen zu fördern. Es
handelt sich um einen nützlichen und praktischen Schritt für die Vereinigten Staaten wie für die Sowjetunion. Ein Konsulat in Kiew wird uns
eine amtliche amerikanische Präsenz in einem wichtigen sowjetischen Zentrum der Landwirtschaft, der Kultur und des Handels bieten, das jährlich
von Tausenden von amerikanischen Touristen besucht wird.

* * * * *

- 2-

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

USA UND UDSSR UNTERZEICHNEN ALLGEMEINES AUSTAUSCHABKOMMEN
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON -

AD) - Das Weiße Haus hat am 21. November 1985 eine Ver-

lautbarung über die Unterzeichnung eines Allgemeinen

Austauschabkommens

zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion herausgegeben, die
folgenden Wortlaut hat:

Amerikanisch-sowjetisches Allgemeines Austauschabkommen
Am 21. November 1985 haben die Vereinigten Staaten von Amerika und
die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in Genf ein Allgemeines
Austauschabkommen unterzeichnet.

Seit über 25 Jahren haben formelle kul-

turelle und erzieherische Austauschprogramme mit der Sowjetunion bestanden.

Die Unterzeichnung dieses Abkommens ist der krönende Abschluß eines

anderthalbjährigen

Prozesses, der im Juni

1984 begann, als Präsident

Reagan bekanntgab, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, in Verhandlungen über dieses wichtige Abkommen einzutreten.
Direktere Kontakte

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Direktere Kontakte zwischen dem amerikanischen und sowjetischen Volk
In seiner Ansprache an die Nation am vorigen Donnerstag (14. November) vor seinem Treffen mit Generalsekretär Gorbatschow erklärte Präsident Reagan:

"Dauerhafter Frieden erfordert Offenheit, ehrliche Kommuni-

kation und die Möglichkeit für unsere Völker, einander direkt kennenzulernen".

Während der letzten Jahre ist das Allgemeine Austauschabkommen

zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion ein wichtiges Instrument dieses wichtigen Prozesses gewesen.

Dieses Abkommen ist ein

konkreter Ausdruck dieses Wunsches.

Ziele
Über die beiderseitigen Vorteile hinaus, die sich aus der gemeinsamen
Nutzung von Fachwissen, Ressourcen und Daten für die Lösung gemeinsamer
Probleme ergeben und den kulturellen Reichtum hinaus, den beide Seiten
aus der Teilhabe an den Besten des jeweils anderen gewinnen, können Austauschprogramme auch dazu beitragen, Hindernisse abzubauen, das Mißtrauen
zu vermindern, das Maß der Heimlichtuerei zu senken und eine offenere
Welt herbeizuführen. Wie der Präsident in seiner Rede vor der Smithsonian-Konferenz über amerikanisch-sowjetischen Austausch erklärte, "haben zivilisierte Menschen überall ein echtes Interesse daran, Kontakte,
Kommunikation und Kreativität so breit, tief und frei zu gestalten, wie
nur möglich".

Umfang des Abkommens
Zu den spezifischen Austauschtätigkeiten, die in diesem Abkommen angesprochen werden, gehören:
- wechselseitige amerikanische und sowjetische Ausstellungen zum Thema
Reisen über Aspekte des Lebens und der Gesellschaft eines jeden Landes, die unter sprachkundiger Leitung überall im anderen Land gezeigt
- 2 -

| jj

:

t I
|

!

�Land gezeigt werden sollen;

Austausch von mindestens zehn einzelnen darstellenden Künstlern und
mindestens zehn großen Gruppen der darstellenden Kunst eines jeden
Landes;

Ausweitung

des

akademischen

und

erzieherischen

Austausches,

ein-

schließlich von 15 Fulbright-Professoren, 40 langfristigen IREX-Forschungsbeauftragten, Sprachlehrerausbildungsprogrammen, Sprachlehreraustausch, Austausch zwischen Archiven und gemeinsamen Seminaren;

Austausch in einem weiten Bereich freiberuflicher Tätigkeiten auf den
Gebieten der Kunst, des Theaters, des Sports, des Films, der Architektur, der Musik, des Rechtswesens, des Journalismus, der Medizin,
der Museen sowie des Rundfunks und Fernsehens;

Austausch von Publikationen, einschließlich Buchausstellungen, Zeitschriften und technischen Publikationen zwischen Bibliotheken;

Verteilung der Zeitschrift "America Illustrated" in der Sowjetunion
und der Zeitschrift "Soviet Life" in den Vereinigten Staaten;

Austausch von Parlamentariern

und

anderen Regierungsvertretern

auf

Bundes-, Landes- und Gemeindeebene; und

Ausweitung des Austausches

zwischen

staatsbürgerlichen

und gesell-

schaftlichen Organisationen sowie des Tourismus und der Sportbegegnungen .

Hintergrund

Amtliche Austauschabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion gibt es seit 1958.

Die Amerikanische Nationalausstellung bot

den Rahmen für das berühmte "Küchengespräch" von 1959 zwischen Nixon und

�Nixon und Chruschtschow.

Von

1959 bis 1972 wurden diese Tätigkeiten

durch eine Reihe von Zwei Jahresabkommen fortgesetzt.

Am 19. Juni 1973

unterzeichneten Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew ein Sechsjahresabkommen.

In den siebziger Jahren, als fast ein Dutzend bilatera-

ler kooperativer Abkommen auf kulturellem, erzieherischem sowie wissenschaftlichem und technologischem Gebiet in Kraft waren, nahm der amerikanisch-sowjetische Austausch zu.

Ein

Austauschabkommen

wird

zwar

zwischen

Regierungen

geschlossen,

aber es ebnet den Weg für ein starkes Engagement des Privatsektors im
Austausch.

Universitäten, Ballettensembles, Theatergruppen, Sportorgani-

sationen, Kirchen und Berufsvereinigungen von 'Ärzten, Rechtsanwälten usw.
können ihre sowjetischen Partnereinrichtungen zu Konferenzen, Konzerten,
Tourneen und Fachtagungen in die Vereinigten Staaten einladen.

Umgekehrt

werden Amerikaner Gegenbesuche in allen Teilen der Sowjetunion machen.

Präsident Reagan hat wiederholt einen stärkeren Zugang zum Fernsehen
und anderen Medien in beiden Ländern durch vereinbarte Vertreter gefordert.

In seiner Rede in der vorigen Woche hat der Präsident die Frage

gestellt:

"Wenn sowjetische Sprecher ungehindert im amerikanischen Fern-

sehen auftreten können und in der amerikanischen Presse abgedruckt und
gelesen werden

- warum

sollte das sowjetische Volk nicht das gleiche

Recht haben, zu sehen, zu hören und zu lesen, was wir Amerikaner zu sagen
haben?"

Das Abkommen schließt jetzt das Prinzip von Fernsehauftritten

von Vertretern beider Länder ein.

* * * * *

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

USA UND UDSSR VEREINBAREN ERWEITERUNG DES AUSTAUSCHES UND DER KONTAKTE
- Verlautbarung des Weißen Hauses -

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 21. November 1985 eine Verlautbarung herausgegeben, in der eine amerikanisch-sowjetische Vereinbarung über die Ausweitung der Austauschprogramme und Kontakte zwischen
beiden Völkern auf Gebieten der Wissenschaft, der Bildung, der Medizin
und des Sports bekanntgegeben wurde.

Die Verlautbarung hat folgenden Wortlaut:
In seiner Ansprache an das amerikanische Volk am 14. November am Vorabend seiner Abreise zum Gipfeltreffen mit Generalsekretär Gorbatschow in
Genf forderte Präsident Reagan eine Reihe neuer kühner Initiativen, um
die Bevölkerung der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in direkten
Kontakt zu bringen.

In seiner Rede erklärte der Präsident:
dert

"Dauerhafter Frieden erfor-

Offenheit, ehrliche Kommunikation und die Möglichkeit für unsere

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�für unsere Völker, einander direkt kennenzulernen."

Der Präsident zeigte

auch seine Entschlossenheit, "bisher noch unentdeckte Wege (zu) finden,
wo amerikanische und sowjetische Bürger fruchtbar zum Wohle der Menschheit zusammenarbeiten können."

In diesem Sinne waren sich die beiden Staatsmänner über die Nützlichkeit einer Ausweitung des Austausches und der Kontakte auf einer Reihe
von Gebieten der Wissenschaft, der Bildung, der Medizin und des Sports
einig.

Hintergrund

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hatten über 25 Jahre lang
formelle Kultur- und Austauschprogramme.

Wir haben gerade ein neues All-

gemeines Austauschabkommen für einen akademischen, kulturellen und künstlerischen Austausch

geschlossen.

Dieses Abkommen sieht wechselseitige

Darbietungen aus Theater, Kunst, Design und Technologie vor, die unter
sprachkundiger Leitung das andere Land bereisen.

Traditionelle Austauschprogramme dieser Art sind wertvoll, jedoch ist
mehr notwendig.

Der Präsident hofft, daß wir das gegenseitige Mißtrauen

abbauen, das Maß der Heimlichtuerei verringern und eine offenere Welt
herbeiführen können.

Seine Austauschinitiative erstreckt sich auf neue

Programme, um den tagtäglichen Kontakt zwischen unseren beiden Völkern zu
stärken.

Wie sehen diese Initiativen aus?
Zu den Austauschinitiativen, auf die sich die Vereinigten Staaten und
die UdSSR geeinigt haben, gehören:

- der jährliche Austausch von Professoren, um besondere Lehrveranstaltungen in Geschichte, Kultur und Volkswirtschaft an höheren Bildungsanstalten in der Sowjetunion und Amerika abzuhalten;
- die Schaffung
- 2 -

�- die Schaffung eines amerikanisch-sowjetischen Stipendienprogramms für
die besten Studenten der Naturwissenschaften und der Technologie in
jedem Land jeweils für ein Studienjahr;

- Maßnahmen zur Förderung des Unterrichts in der russischen Sprache in
den Vereinigten Staaten und der englischen Sprache in der UdSSR;

- ein gemeinsames Krebsforschungsprogramm;

- ein Programm für die Zusammenarbeit in der Entwicklung von Software
für Kleincomputer für den Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen; und

- Ausweitung der Kontakte im Sport, einschließlich regelmäßiger Wettkämpfe in verschiedenen Sportarten und verstärkte Fernsehberichterstattung über Sportereignisse.
Ziel dieser Initiativen ist es, Brücken zwischen den Völkern beider
Länder zu bauen.

Diese Vorschläge würden Kontakte ausweiten, die Zusam-

menarbeit auf einem der schwierigsten Gebiete der heutigen Medizin stärken und Menschen in beiden Ländern ermutigen, zusammen zu arbeiten und zu
studieren.

Sobald die beiden Regierungen die Türen für diese Art von Austausch
geöffnet haben, wird unsererseits die Administration sich nach geeigneten
Persönlichkeiten für die Leitung dieser Programme umsehen.

Der Präsident

hat daher die Absicht, hochrangige Regierungsvertreter zu ernennen, die
mit

dem Privatsektor

zusammenarbeiten

sollen, um sicherzustellen, daß

diese Austauschinitiativen verwirklicht werden.

Die sich daraus ergeben-

den Programme werden von beiden Führern auf ihrem nächsten Treffen begutachtet werden.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. November 1985

47

USIA FÜR KULTURABKOMMEN MIT UDSSR ZUSTÄNDIG
- Presseverlautbarung des US-Informationsamtes-

WASHINGTON - (AD) - Ein neues allgemeines Austauschabkommen zwischen
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in den Bereichen Kultur, Ausbildung, Wissenschaft und Technologie wurde am 21. November 1985 in Genf
von Außenminister Shultz und seinem sowjetischen Amtskollegen Schewardnadse unterzeichnet.

Diese Unterzeichnung bedeutet das erste offizielle

Austauschabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR seit dem
Jahr 1979.

Das neue Abkommen, für das das US-Informationsamt (USIA) zuständig
sein wird, wird bis 1991 gelten und den Umfang der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen in einer Vielzahl von Bereichen ausweiten.

Es ermög-

licht es beiden Ländern, über einen Zeitraum von sechs Jahren zwei bis
vier Ausstellungen zu zeigen und gibt jeder Seite das Recht, als Mittel
verstärkter gegenseitiger Verständigung
zum Fernsehen zu fordern.

für ihre Repräsentanten Zugang

Auch Austausch im sportlichen Bereich sowie

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Bereich sowie Kontakte zwischen staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen
Organisationen werden betont.

Teil des vereinbarten sechsjährigen "Schirms" ist ein Verfahrensdokument, das die ersten drei Jahre des Abkommens abdeckt und das vorsieht,
daß mindestens zehn öffentliche Konzerte größerer Gruppen der darstellenden Künste und zumindest zehn einzelner Künstler jedes Landes stattfinden.

Es wird erwartet, daß der Austausch im akademischen Bereich auf-

grund der neuen Formulierungen erheblich erweitert wird, wobei an Erweiterung und Vertiefung des Lehr- und Forschungsbereichs für amerikanische
Wissenschaftler, genauer definierte Möglichkeiten für verbesserten Zugang
zu Forschungsmaterial in der UdSSR und Wohnen und Reisen innerhalb der
Sowjetunion gedacht ist.

Andere neue Bereiche des Abkommens ermutigen zu Kontakten zwischen
den Archivaren beider Länder und - zusätzlich zu Lehrern und Wissenschaftlern im Fulbright-Rahmen - zu Austausch von Grundschul- und Gymnasiallehrern.
USIA-Direktor Charles Z. Wick beschrieb die Vereinbarungen mit den
Worten:

"Sie stellen einen neuen Ausgangspunkt der amerikanisch-sowjet-

ischen Abkommen dar, auf die andere bedeutsame und beiderseitig vorteilhafte Abkommen aufbauen können.

Beide Seiten haben die Bereitschaft gezeigt, über die Grenzen früherer Abkommen hinauszugehen, um nicht nur den zahlenmäßigen Austausch zwischen beiden Staaten zu erhöhen, sondern um neue Bereiche des Einverständnisses zu finden, die das Potential in sich tragen, das internationale Verständnis zu verbessern.

Dadurch werden die Spannungen in der

Welt abgebaut und dadurch kommen auch wir dem Ziel eines Weltfriedens näher.

Wenn beide Seiten erkennen, wie wichtig die Rolle ist, die das Fernsehen in der öffentlichen Diplomatie spielt, ist dies ein entscheidender
Schritt beim Aufbau eines konstruktiven Dialogs zwischen unseren beiden
Nationen."
Die Wanderausstellungen,
- 2-

�Die Wanderausstellungen, die das Abkommen vorsieht, werden sich auf
Hauptaspekte von Leben und Gesellschaft der Vereinigten Staaten beziehen
und von russischsprechenden amerikanischen Führern begleitet sein.

"America Illustrated", die russischsprachige Monatsschrift von USIA,
wird auch weiterhin in der Sowjetunion im Austausch zur Verbreitung der
sowjetischen Monatsschrift, "Soviet Life", die in Amerika herauskommt,
erscheinen.

Das erste amerikanisch-sowjetische Austauschabkommen wurde 1958 unterzeichnet, und solche Abkommen liefen bis 1979, als die Vereinigten
Staaten nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan das Abkommen
aufkündigten.

Die Verteilung von "America Illustrated" und "Soviet Life" wurde auch
noch Anfang der achtziger Jahre trotz fehlender formaler Abkommen fortgesetzt.

Auch der akademische Austausch zwischen den beiden Ländern wurde

fortgeführt, wenn auch in einem erheblich verringerten Umfang.

Die amerikanischen Ausstellungen, die noch unter dem früheren Abkommen in den Jahren 1977 bis 1979 zu sehen waren, waren "Photography USA"
und "Agriculture USA".

Zu den bekannteren Gruppen, die die Sowjetunion

in diesem Zeitraum besuchten, gehörten die "Paul Taylor Dance Company",
das New Yorker Kammerorchester "Pro Arti", die "Nitty Gritty Dirt Band",
B.B. King, das Broadway-Stück "The Gin Game" und "Holiday on Ice".
Der Verhandlungsprozeß über ein neues Abkommen begann im Juli 1984,
als die Vereinigten Staaten der sowjetischen Regierung einen Entwurf vorlegten.

Im darauffolgenden Monat wurden die formellen Gespräche in Mos-

kau begonnen und dabei zwischen beiden Seiten über 60 Sitzungen abgehalten.

* * * * *

- 3-

�</text>
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Library Services
Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

47

TERRORISMUS

27. November 1991

ZUSÄTZLICHE INFORMATIONEN ZUM BOMBENANSCHLAG VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

LIBYEN WEITERHIN FÜR TERRORAKTE
VERANTWORTLICH
Broschüre des US-Außenministeriums

IRANER UND PFLP-GC: DIE ERSTEN
VERDÄCHTIGEN NACH DEM SPRENGSTOFFANSCHLAG VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

LIBYSCHER TERRORISMUS
UND PAN AM-FLUG 103
Kommentar der Stimme Amerikas

DROGEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

MARTINEZ FORDERT EUROPÄER AUF, SICH
DEM DROGENPROBLEM ZU STELLEN
Rede in Brüssel

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�TERRORISMUS
27. November 1991

ZUSATZLICHE INFORMATIONEN ZUM
BOMBENANSCHLAG VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
Die libysche Regierung war für den Bombenanschlag auf Flug 103 der Pan Am am 21. Dezember 1988
verantwortlich. Die folgende Übersicht des US-Au ßenministeriums erläutert sowohl das Beweismaterial, das der
amerikanischen Anklage gegen zwei libysche Regierungsbeamte zugrundeliegt als auch Hintergrundinformationen, die Verbindungen zwischen den Beschuldigten und ranghohen libyschen Regierungsvertretern aufzeigen.
Zusammenfassung
Schottische Behörden und das amerikanische Justizministerium haben gegen zwei Libyer Anklage wegen
der Ausführung des Bombenanschlags erhoben: gegen
Abd el-Bassit el-Mikrahi, ein ranghohes Mitglied des
libyschen Geheimdienstes sowie gegen Lamin Fuheima, den ehemaligen Leiter des Büros der Libyan Arab
Airlines (LAA) in Malta. Die Beschuldigungen beruhen
auf eindeutigen Beweisen, wonach el-Mikrahi, Fuheima und andere, nicht identifizierte Mitverschwörer die
Bombe in die Maschine der Pan Am einschmuggelten,
indem sie
einen korrekt ausgefüllten Gepäckanhänger der
Air Malta beschafften und anbrachten, mit dessen Hilfe sie die Sicherheitskontrollen für Gepäck umgingen und den Koffer mit dem Sprengsatz in den Zubringerflug für die Pan Am-Maschine in Heathrow und sodann in diese Maschine selbst einschmuggelten;
den Zeitzünder so einstellten, daß der Sprengsatz etwa eine Stunde nach dem planmäßigen
Abflug der Maschine von London-Heathrow
detonieren würde;
ihr Wissen und ihren Zugang aufgrund ihres
Rangs als offizielle Vertreter der Libyan Arab
Airlines benutzten, um die Operation auf dem
Flughafen Luqa von Valletta zu unterstützen.
Damit wären sie in der Lage gewesen, die
Sicherheitskontrollen zu umgehen und sicherzustellen, daß der Koffer mit der Bombe unter
das Gepäck eines Air Malta-Fluges nach Frankfurt gelangte.

AMERIKA DIENST 47

El-Mikrahi, ein hochrangiger Mitarbeiter des libyschen
Nachrichtendienstes, handelte mit Billigung höchster
Stellen der libyschen Regierung. Wir gehen davon
aus, daß Sa'id Raschid - ein führender Planer und
Vollstrecker libyscher terroristischer Aktionen gegen
die Vereinigten Staaten und Dissidenten im vergangenen Jahrzehnt und Mitglied des inneren Kreises der
libyschen Regierung - der hohe Regierungsvertreter
war, der den Anschlag leitete. Eine derart ausgeklügelte und aufwendige Operation mit Personen, die der
libyschen Führung so nahestanden, konnte nur mit
Zustimmung hoher libyscher Regierungsvertreter stattfinden.
Der Fall
Die amerikanische Anklage stützt sich auf nachfolgend zusammengefaßte Beweise, die libysche Regierungsvertreter unmittelbar mit dem Koffer, in dem sich
die Bombe befand, sowie mit dessen Einfügung in das
Gepäcksystem in Verbindung bringen. Die Beweise
sprechen darüber hinaus für eine direkte Verbindung
zwischen el-Mikrahi und der schweizerischen Firma,
die den bei dem Anschlag verwendeten Zeitzünder
herstellte.
Der Koffer. Technischen Untersuchungen zufolge
handelte es sich bei dem Gepäckstück mit der Bombe
um einen Hartschalenkoffer der Marke Samsonite.
Folgende Beweise sprechen für eine direkte Verbindung von el-Mikrahi und Fuheima mit dem Koffer:
El-Mikrahi trifft unter falschem Namen zusammen mit Fuheima aus Libyen kommend am
Abend des 20. Dezember 1988, einen Tag vor
dem Bombenanschlag, in Valletta ein. Fuhei-

Seite 1

�ma, der frühere Leiter des LAA-Büros in Valletta, hatte weiterhin uneingeschränkten Zugang
zum Flughafen. El-Mikrahi und Fuheima führten bei dieser Gelegenheit einen großen, braunen Hartschalenkoff er der Marke Samsonite mit
sich.
Schottische Ermittler fanden heraus, daß Kleidungsstücke in dem Koffer mit dem Sprengsatz
aus einem maltesischen Bekleidungsgeschäft
stammten. Ein Libyer hatte diese Kleidungsstücke einige Wochen vor dem Anschlag, wahrscheinlich am 7. Dezember 1988, erworben.
Ankunftsformulare des Flughafens zeigen, daß
sich el-Mikrahi am 7. Dezember 1988 in Malta
aufhielt.
Im Februar 1991 wurde el-Mikrahi als dem Libyer ähnelnd beschrieben, der die Kleidung
gekauft hatte.
Die Einfügung. Unterlagen des Frankfurter Flughafens vom 21. Dezember zufolge wurde ein unbegleitetes Gepäckstück mit Flug 180 der Air Malta (KM 180)
vom Flughafen Luqa in Valletta nach Frankfurt transportiert und dort in den Zubringerflug für Pan Am 103
umgeladen. Die Beweise deuten darauf hin, daß ein
korrekt ausgefüllter Gepäckanhänger der Air Malta
den Koffer mit dem Sprengsatz zum John F. KennedyFlughafen in New York via Pan Am 103 dirigiert haben
würde. Die folgenden Beweise bringen el-Mikrahi und
Fuheima unmittelbar mit diesem Verfahren in Verbindung:
Fuheimas Terminkalender enthält einen Erinnerungsvermerk für den 15. Dezember 1988, demzufolge Gepäckanhänger der Air Malta abgeholt
werden sollten - eine Verletzung von Bestimmungen des Flughafens und der Fluggesellschaft. Andere Eintragungen deuten darauf hin,
daß Fuheima seinen Auftrag erfüllte.
Gemäß Aufzeichnungen und Aussagen von
Mitarbeitern des Flughafens Luqa wurde das
Gepäck für Flug KM 180 etwa zur selben Zeit
abgefertigt wie ihre Gepäckstücke für einen
Flug der Libyan Arab Airlines (LN 147) nach
Tripolis.
El-Mikrahi - immer noch unter falschem Namen
reisend - ging am Morgen des 21. Dezember
1988 an Bord von LN 147, demselben Morgen,
an dem der Sprengsatz unter das Gepäck von
KM 180 geschmuggelt wurde. El-Mikrahis
Rückflug nach Libyen wurde am selben Schalter
abgefertigt wie KM 180, und die Abfertigungszeiten für beide Flüge überschnitten sich.
Der Zeitzünder. Das Fragment eines zu dem Sprengsatz in Pan Am 103 gehörenden Schaltkreises war Teil
eines hochmodernen Zeitzünders des Typs, den senegalesische Beamte im Besitz zweier im Februar 1988
Seite 2

festgenommener libyscher Teroristen fanden. Die als
MST-13 gekennzeichneten Zeitzünder wurden von
Meister et Bollier (MEBO), einer schweizerischen
Elektronikfirma mit Sitz in Zürich hergestellt. Die
Zeitzünder des Typs MST-13 sind einmalig. MEBO
war der alleinige Hersteller. Alle produzierten Zeitzünder dieses Typs wurden nach Libyen geliefert.
MEBO lieferte der Libyschen Organisation für Äußere
Sicherheit (ESO, auch bekannt unter dem Namen
Jamahirya Security Organisation - JSO) Ende 1985 20
MST-13 Zeitzünder. Danach wurden keine Geräte
dieses Typs mehr hergestellt. Zwei Elektroingenieure
der ESO bestellten die Zeitzünder und nahmen sie in
Empfang: Izz Eidin Hinschiri, gegenwärtig Minister für
Komunikationswesen und Verkehr, und Sa'id Raschid.
El-Mikrahi ist ein naher Verwandter und alter Weggefährte von Sa'id Raschid. Zu dem Zeitpunkt als
Raschid die Zeitzünder in Empfang nahm, war elMikrahi sein direkter Untergebener.
El-Mikrahi mietete bei MEBO ein Büro und hielt sich im
Dezember 1988 zumindest zweimal kurz in Zürich auf.
Die Verantwortlichkeit der libyschen Regierung
Die Schlußfolgerung, daß die libysche Regierung den
Anschlag auf Pan Am 103 genehmigte, ergibt sich aus
der zentralen und andauernden Rolle Abd el-Bassit elMikrahis in libyschen Geheimdienstoperationen sowie
seiner engen Verbindung mit libyschen Regierungsvertretern, die Libyens Einsatz des Terrorismus als
Instrument staatlicher Politik in den vergangenen Jahren
durchgesetzt und geleitet haben. Die langjährige
Laufbahn dieser Vertreter deutet darauf hin, daß die
libysche Regierung ihre Operationen, Taktiken und
Ziele ständig unterstützt hat.
El-Mikrahis nachrichtendienstliche Aufgaben. Abd
el-Bassit el-Mikrahis tiefe Verstrickung in die sicherheitsempfindlichsten und vordringlichsten Beschaffungsoperationen Libyens zeigt, daß er das volle Vertrauen
der libyschen Führung besaß. Wir gehen davon aus,
daß ihm seine Kontakte und Erfahrung in den Bereichen Zivilluftfahrt, Speditionswesen und Betrieb kleiner Unternehmen auch eine intakte Infrastruktur lieferten, um die Durchführung des Sprengstoffanschlags
auf Pan Am 103 zu unterstützen.
El-Mikrahi ist ein ranghoher Mitarbeiter des Nachrichtendienstes mit engen Verbindungen zum militärischen Beschaffungsapparat Libyens sowie zur ESO.
Im Jahr 1987 wurde er Direktor des Zentrums für
strategische Studien (CSS), einer Einheit, die dem
ESO und dem Ministerium für militärische Beschaffungen durch verschiedene Aktivitäten zuarbeitete, darunter
Beschaffung chemischer Grundstoffe für Chemiewaffen. Ein in Deutschland im Jahr 1988
tätiger Untergebener el-Mikrahis spielte eine

AMERIKA DIENST 47

�wichtige Rolle bei der Beschaffung und Lieferung chemischer Grundstoffe für C-Waffen nach
Libyen. El-Mikrahi wird auch mit einem führenden Manager des libyschen C-Waffenprogramms
in Verbindung gebracht;
Beschaffung von Flugzeugen und Flugzeugteilen für das libysche Militär und die LAA. Badri
Hassan, ein weiterer enger Mitarbeiter el-Mikrahis, gehört zu Libyens führenden Experten zur
Umgehung amerikanischer Embargobestimmungen, die den Verkauf amerikanischer Technologie und Flugzeugteile an Libyen verbieten;
Unterstützung libyscher Bemühungen, lateinamerikanische Terrorgruppen für sich zu gewinnen oder zu fördern. Unter der Führung elMikrahis hat das CSS anderen nach außen
tätigen libyschen Dienststellen geholfen, indem
es Propagandakampagnen beisteuerte, Informationen über die Haltung radikaler Gruppen
sammelte und die nachrichtendienstliche oder
operative Eignung von Arabern bewertete, die in
Zielländern ansässig waren;
Gründung von Reisebüros und anderen Tarnunternehmen, um Reisen sowie die Bewegung
von Gerät und Personal zu erleichtern, eine
Tätigkeit, die unserer Auffassung nach sowohl
die Beschaffungs- als auch Beeinflussungsprogramme des CSS und anderer libyscher Geheimdienstelemente unterstützte.
Zu den hochrangigen Libyern, die eng mit el-Mikrahi
und anderen an diesen Aktivitäten beteiligten Vertretern des CSS zusammenarbeiteten, gehören:
Oberst Rifi Ali el-Scherif, ein hoher libyscher
Offizier, der eine prominente Rolle bei den Beschaffungsbemühungen Libyens spielt. Oberst
el-Scherif, der Mentor und Förderer von Badri
Hassan, hat angeblich die Bemühungen elMikrahis und Badri Hassans zur Beschaffung
amerikanischer Flugzeuge über Benin in den
Jahren 1986 und 1987 unterstützt und die Gründung eines Reisebüros als gemeinsames Unternehmen von CSS/militärischer Beschaffung
in Osteuropa gefördert.
Sa'id Raschid, der im Jahr 1988 den Spezialisten el-Mikrahis in Deutschland für die Beschaffung chemischer Grundstoffe zur C-Waffenproduktion bezahlte und anleitete.
Die terroristischen Aktivitäten von el-Mikrahi
El-Mikrahis Position und Kontakte im libyschen Geheimdienstapparat machen ihn zu einem festen Mitglied im Lager seines Vetters ersten Grades Sa'id
Raschid - einem führenden Planer und Vollstrecker der

AMERIKA DIENST 47

terroristischen Maßnahmen Libyens und mächtigem
Mitglied im inneren Kreis der libyschen Führung. Vor
seinem Amtsantritt als Direktor des CSS zu Beginn
des Jahres 1987 war el-Mikrahi mindestens zwei Jahre
lang ESO-Leiter für Flugsicherheit und dabei unmittelbar Raschid unterstellt, der im Jahr 1986 Operationsleiter der ESO war.
El-Mikrahi führte seine terroristischen Aktivitäten auch
nach seinem Dienstantritt als Leiter des CSS fort. Im
Jahr 1988
traf sich el-Mikrahi in Malta mit einer Gruppe
libyscher Agenten, die eine Reise in den Tschad
zur Durchführung einer nicht bekannten Operation planten. Abdallah Senussi, der neuernannte Operationsleiter der ESO befahl der Gruppe,
die Operation abzubrechen, da sie nicht in der
Lage war, die notwendigen Flugverbindungen
herzustellen. Senussi ist einer von vier Libyern,
gegen die von Frankreich am 30. Oktober 1991
wegen des Bombenanschlags auf den Flug
UTA 772 im September 1989 Anklage erhoben
wurde. Die Maschine war nach dem Abflug aus
Ndjamena explodiert.
traf er sich mit griechischen Waffenhändlem
und interessierte sich dabei für den Ankauf von
1.000 Briefbomben und damit zusammenhängendem Gerät.
Sa'id Raschid und die libyschen
Terroroperationen
Sa'id Raschid hat kontinuierlich libysche Bemühungen
zur Durchführung terroristischer Aktionen gegen
amerikanische Interessen in den frühen achtziger Jahren
geleitet. Raschid genießt seit langem bevorzugten
Zugang zu den höchsten Ebenen der libyschen Regierung und ist an einem breiten Spektrum nachrichtendienstlicher Aktivitäten beteiligt. Er ist ranghohes
Mitglied des Büros der Revolutionskomitees, das die
Ausführung der radikalen Politik der libyschen Regierung im In- und Ausland überwacht.
Raschid stieg zwischen 1980 und 1985 rasch in den
Rängen der ESO und im Apparat der libyschen Revolutionskomitees auf, indem er sich aggressiv für die
Programme der libyschen Regierung zur Ermordung
von Dissidenten sowie die terroristischen und subversiven Aspekte der libyschen Afrikapolitik engagierte.
Ein italienisches Gericht verurteilte Raschid in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen seiner Führung
eines Teams, das im Juli 1980 einen Exil-Libyer in
einem Mailänder Bahnhof ermordete. Dieser Mord
war einer unter vielen im Rahmen einer Kampagne
gegen Dissidenten, die in ganz Westeuropa stattfand
und von Raschid zumindest bis 1985 geleitet wurde.

Seite 3

�Im Oktober 1980 führte Raschid eine Gruppe
nach Togo, die die Ermordung des Präsidenten
von Tschad, Hissan Habre, plante.
Im Jahr 1983 inhaftierte Libyen widerrechtlich
37 französische Staatsbürger und übte damit
erfolgreichen Druck auf Frankreich zur Freilassung Raschids aus, der in Paris verhaftete
worden war und auf die Auslieferung nach Italien wegen der Mordanklage in Zusammenhang
mit dem Mord in Mailand von 1980 wartete.
Raschid begann Ende 1981, Anschläge speziell gegen
amerikanische Interessen durchzuführen, als er die
operative Gesamtverantwortung für die libyschen
Bemühungen zum Sturz des sudanesischen Regimes
von Dschaf ar Numeiri übernahm, der damals ein enger
Verbündeter der Vereinigten Staaten war. In dieser
Zeit zeichneten Raschid und seine Untergebenen für
Ausbildung, Ausrüstung und Anleitung sudanesischer
Terroristen verantwortlich, die versuchten, Sprengstoffanschläge gegen amerikanische Interessen durchzuführen, wobei sie verschiedentlich getarnte Sprengsätze mit "Decade"-Zeitzündern sowie Semtex-H
benutzten. Decade-Zeitzünder waren in den frühen
achtziger Jahren typisch für libysche und von Libyen
unterstützte Terroristen.
Eine dieser Bomben, die in einer Stange Zigaretten
untergebracht war, wurde beim gescheiterten Sprengstoffanschlag auf einen Pan Am-Flug im Dezember
1983 benutzt. Der Terrorist versuchte damals, ein
unbegleitetes Gepäckstück auf einen Alitalia-Flug von
Istanbul nach Rom einzuchecken. Das Gepäckstück,
das von türkischen Sicherheitskräften aufgrund verstärkter Sicherheitsmaßnahmen entdeckt wurde, war
mit einem Gepäckanhänger ausgestattet, der es auf
einen Pan Am-Flug von Rom nach New York geleitet
hätte, was in etwa dem Verfahren entsprach, das im
Fall von Pan Am 103 erfolgreich angewendet wurde.
Raschid spielte weiterhin eine Schlüsselrolle bei der
libyschen Planung von Anschlägen auf amerikanische
Interessen, nachdem die Spannungen zwischen beiden Ländern Mitte der achtziger Jahre zugenommen
hatten.
Raschids Agenten begannen mit Planungen für
einen Anschlag auf amerikanische Einrichtungen in der Türkei im Jahr 1986, die in dem
gescheiterten Sprengstoffanschlag auf den
amerikanischen Offiziersclub in Ankara Ende
April 1986 gipfelten. Der Offizier des libyschen
Nachrichtendienstes, der die Operation in der
Türkei leitete, benutzte eine Tätigkeit bei der
LAA als Deckmantel.
Raschid beauftragte mehrere Palästinenser,
Anschläge auf amerikanische Einrichtungen in
Deutschland zu verüben, und er leitete den
Sprengstoffanschlag auf die Diskothek La Belle

Seite 4

in Berlin. Dem Sprengsatz von La Belle, der
besonders amerikanische Soldaten und deren
Angehörige töten sollte, fielen drei Personen,
darunter zwei Amerikaner, zum Opfer.
Am Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf die
Diskothek La Belle reiste Raschid nach Khartum, wo er die Arbeit mit sudanesischen Oppositionellen weiterführte. Raschid hielt sich am
15. April 1986 in Khartum auf, als ein Mitarbeiter
der amerikanischen Botschaft als Vergeltung
auf den amerikanischen Bombenangriff gegen
Libyen vom selben Tag schwer verletzt wurde.
• Raschid gehörte zu den libyschen Ingenieuren,
die der schweizerischen Firma MEBO die Spezifikationen für den Bau des Zeitzünders lieferten, der bei Pan Am 103 benutzt wurde. Darüber hinaus demonstrierte er vor palästinensischen Rekruten eine von MEBO hergestellte
femgesteuerte Aktentaschenbombe.
Beide im Senegal mit dem MEBO-Zeitzünder
festgenommenen Libyer waren seit Anfang der
achtziger Jahre Raschids Untergebene.
Anfang 1987 beförderte die libysche Regierung Raschid von der ESO zum Leiter der Libyan Electronics
Company, die tief in Technologietransfer und andere
Beschaffungsaktivitäten verstrickt ist. Gleichzeitig
ernannte die libysche Regierung el-Mikrahi zum Leiter
des Zentrums für strategische Studien. Wir gehen
davon aus, daß die beiden Cousins ihre Aktivitäten im
Zuge ihres zunehmenden Engagements für Beschaffungsprogramme weiter koordinierten - wie im Falle
ihrer gemeinsamen Führung von el-Mikrahis Beschaffungsspezialisten für chemische Waffen in Deutschland.
El-Mikrahis andere Vorgesetzte. Als Direktor des
CSS war el-Mikrahi den folgenden prominenten Libyern entweder unterstellt, oder er unterhielt direkte
Kontakte zu ihnen.
ESO-Direktor Ibrahim el-Bischari benutzte das Büro
el-Mikrahis bei der MEBO in Zürich als Adresse und
behauptete, daß el-Mikrahi ihm als Direktor des CSS
unmittelbar unterstellt war. El-Bischari ist gegenwärtig
libyscher Außenminister und hat angeblich weiterhin
seinen Posten beim Nachrichtendienst inne.
Im Herbst 1988 war Abdallah el-Senussi el-Mikrahis
unmittelbarer Vorgesetzter bei der ESO. El-Mikrahi
war ein Terrorist, der beim CSS für Senussi arbeitete.
El-Senussi gehört zu den wichtigsten nachrichtendienstlichen Mitarbeitern der libyschen Regierung. Über
Jahre hinweg genehmigte, leitete und finanzierte er
eine Reihe libyscher Terroraktionen. Die französische
Justiz hat wegen des Sprengstoffanschlags auf UTA
772 vom September 1989 Anklage gegen el-Senussi
erhoben.

AMERIKA DIENST 47

�Nassir Ali Aschur wird sowohl mit el-Mikrahi als auch
den MEBO-Zeitzündern in Verbindung gebracht. Aschur,
der frühere Tests der Zeitzünder beaufsichtigte, mit
denen ihre vollständige Zerstörung bei einer Detonation sichergestellt werden sollte, wurde zwei Tage vor
dem Sprengstoffanschlag auf Pan Am 103 in el-Mikrahis Haus gesehen. Maltesische Einreiseformulare und
eine amerikanische nachrichtendienstliche Quelle
bestätigen außerdem, daß sich Aschur und el-Mikrahi
Anfang Oktober 1988 in Malta trafen und die beiden im
August 1987 gemeinsam von Zürich nach Malta reisten. Aschur ist den Franzosen zufolge der Verschwörung mitschuldig, da er massive libysche Waffenlieferungen - darunter Tonnen von Semtex-H - an die
Provisional Irish Republican Army organisierte.
Abdallah Mahmud Hidschasi ist wahrscheinlich ebenfalls ein wichtiger Kontaktmann el-Mikrahis, obwohl wir
keine konkreten Beweise für eine direkte Verbindung
besitzen. Hidschasi, Raschids langjähriger Förderer,
war bis 1986 Direktor des libyschen Ministeriums für
militärische Beschaffungen. Im Jahr 1988 war er
angeblich führend an der Organisierung libyscher
subversiver Operationen in Westafrika und im Tschad
beteiligt.
Ibrahim Najili, den die Franzosen am 30. Oktober 1991
wegen seiner Beteiligung am Sprengstoff anschlag auf
UTA 772 anklagten, wurde von mehreren Quellen als

*

AMERIKA DIENST 47

*

der ESO-Vertreter in Athen identifiziert, der potentielle
Lieferanten für Waffen und Flugzeugteile mit el-Mikrahi zusammenbrachte. El-Najili wurde Mitte 1989 ESOLeiter für Flugsicherheit. El-Mikrahi hatte dieselbe
Position inne bevor er Direktor des CSS wurde.
Der historische Kontext
Vorhergehend wurden die libyschen Verbindungen zu
Pan Am 103, die beteiligten Personen sowie die zentrale Rolle dieser Personen bei terroristischen und
nachrichtendienstlichen Programmen der libyschen
Regierung beschrieben. Die Verwicklung der libyschen Regierung in den Terrorismus beginnt jedoch
nicht mit der Zerstörung von Pan Am 103 und endet
damit auch nicht. Wir haben ein konsequentes Muster
eines von Libyen geförderten Terrorismus festgestellt,
das auch nach dem blutigen Anschlag auf Pan Am 103
bis heute andauert. Dieses Muster entkräftet jedes
Argument, Pan Am 103 sei eine Einzeloperation
gewesen, die nicht die Zustimmung höchster libyscher
Stellen genossen habe. Eine so wichtige Operation
konnte nicht ohne die Zustimmung der höchsten Ebenen
der libyschen Regierung durchgeführt werden.
Zahlreiche weitere von Libyen geförderte Terroranschläge werden in öffentlich zugänglichen Weißbüchern erläutert, die vom US-Außenministerium Mitte
November 1991, im August 1990, Januar 1989 und
1986 veröffentlicht wurden.
*

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Seite 5

�TERRORISMUS
27. November 1991

LIBYEN WEITERHIN FÜR TERRORAKTE
VERANTWORTLICH
Broschüre des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) -Nachfolgend veröffentlichen wir die vom US-Außenministerium im November 1991
herausgegebene Broschüre "Libyen weiterhin für Terrorakte verantwortlich".

Einleitung
Dieses Weißbuch soll den Kontext für die Beschuldigungen der amerikanischen und schottischen Behörden gegen libysche Staatsbürger wegen der Bombenexplosion bei Flug 103 der Pan Am im Dezember 1988
liefern. Zu diesem Zweck wird die Haltung der Regierung Gaddafi gegenüber Terrorismus und die libysche
Verantwortung für Terroranschläge dargelegt.
Anhand von Analysen des libyschen Verhaltens über
viele Jahre hinweg, auf der Grundlage der Ermittlungen der Bombenexplosion während Flug 103 der Pan
Am seit 1988, aufgrund der Struktur des libyschen
Regimes und der Beziehungen zwischen führenden
Vertretern dieses Regimes gelangen wir zu der Schlußfolgerung, daß die Bombenexplosion bei Flug 103 der
Pan Am kein Zufall sondern eine von der libyschen
Regierung autorisierte Aktion war. Libyens Unterstützung des Terrorismus begann in den frühesten Tagen
des Gaddafi-Regimes. Bereits 1972 bot der libysche
Revolutionsführer Muammar Gaddafi extremistischen
Bewegungen seine Hilfe an - einschließlich der Provisional Irish Republican Army und der Black PowerBewegung in den Vereinigten Staaten - sowie Unterstützung für alle Gruppen im Nahen Osten, die zu
einem Angriff auf Israel bereit seien. 1973 entsandte
Gaddafi Terroristen nach Italien, um ein israelisches
Flugzeug abzuschießen, und bereits 1975 befahl er
die Ermordung libyscher im Ausland lebender Systemkritiker. Obwohl Dissidenten traditionell kaum - wenn
überhaupt - eine Bedrohung für Gaddafis Herrschaft
darstellten, konzentrierte sich der libysche Revolutionsführer auf deren Beseitigung. Die Ermordungen
fanden Anfang und Mitte der achtziger Jahre statt und
dazu zählten zwei Attentate (eines davon erfolgreich)
auf libysche Studenten in den Vereinigten Staaten.

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Die libysche Beteiligung an und die Unterstützung von
Terrorakten expandierte Anfang der achtziger Jahre.
Tripolis stellte Pässe für Mitglieder der Abu Nidal
Organisation (ANO) aus, die im Dezember 1985 einen
Anschlag auf einen Ticketschalter der El AI im Wiener
Flughafen verübten. Auch die Bombenexplosion in der
Berliner Diskothek La Belle, bei der im April 1986 drei
Menschen einschließlich zwei amerikanischer Soldaten getötet wurden, geschah mit libyscher Hilfe.
Über Jahre hinweg, selbst als libysche Agenten und
ihre Handlanger Terroranschläge planten und ausführten, suchte Gaddafi regelmäßig die internationale
Besorgnis durch die öffentliche Verurteilung des Terrorismus zu beschwichtigen. 1977 plante Gaddafi
beispielsweise die Ermordung eines amerikanischen
Botschafters, nachdem er gerade Präsident Carter
versichert hatte, er sei um gute Beziehungen zu den
Vereinigten Staaten bestrebt. Darüber hinaus gab
Gaddafi regelmäßig öffentliche Dementis seiner Beteiligung an Terrorakten heraus, während sein Nachrichtenapparat Terroranschläge vorbereitete.
Die libyschen Aktionen waren nicht auf israelische und
westliche Ziele begrenzt. Mitte der achtziger Jahre
unterstützte Libyen Anschläge auf den ägyptischen
Staatspräsidenten Mubarak, den ehemaligen Präsidenten des Sudan, Numeiri, den Präsidenten von Zaire, Mobutu, den ehemaligen tunesischen Präsidenten
Bourguiba und den ehemaligen Präsidenten des Tschad,
Habre. Abgesehen von Terroranschlägen und der
Unterstützung von Terrorakten hat Gaddafi immer
wieder versucht, Regierungen in Afrika, Asien und
Lateinamerika zu unterwandern.

Seite 1

�Die Bilanz der vergangenen fünf Jahre
Der Luftangriff der Vereinigten Staaten auf Libyen
1986 sowie zunehmender internationaler Druck haben
Tripolis' Unterstützung des Terrorismus nicht beendet.
Nach dem Luftangriff begann Gaddafi Scheinfirmen
und andere Organisationen einzusetzen, um die libysche Handschrift zu vertuschen. Darüber hinaus
unternahm Gaddafi besondere Anstrengungen, die
libysche Beteiligung an Terroranschlägen zu verschleiern, um Libyens Wirtschaftsbeziehungen mit seinen
afrikanischen Nachbarn und den führenden europäischen Handelspartnern nicht aufs Spiel zu setzen. Die
Libyer unterstützten unmittelbar nach dem amerikanischen Luftangriff vom April 1986 eine Reihe von
Operationen gegen die Vereinigten Staaten. Tripolis
war verantwortlich für die Schüsse auf einen Mitarbeiter der Amerikanischen Botschaft am 15. April 1986 im
Sudan und für die Schüsse auf einen anderen Botschaftsangehörigen in Sanaa (Nordjemen) am 25.
April 1986. Ferner wurden am 18. April 1986 zwei
Libyer bei dem Versuch festgenommen, einen Anschlag auf den amerikanischen Offiziersclub in Ankara
mit Granaten zu verüben, die sie vom dortigen libyschen Volksbüro erhalten hatten. Die Libyer gestanden, es sei ihnen befohlen worden, der Anschlag
müsse so viele Tote und Verwundete wie möglich zur
Folge haben, insbesondere Frauen und Kinder.
Unseres Erachtens war Libyen verantwortlich für die
Explosion bei Flug 103 der Pan Am am 21. Dezember
1988 über Lockerbie in Schottland, und in frühere
Terroranschläge auf der ganzen Welt verwickelte
hochrangige Regierungsvertreter bereiteten die Operation vor. Gerichtsgutachten zufolge konnte der
Zünder der Bombe nur aus libyschen Beständen stammen, und ein Vertreter der libyschen Fluggesellschaft
Libyan Arab Airlines konnte dank seines Rangs die
Sicherheitskontrollen in Malta umgehen, um die Operation zu unterstützen.
In den vergangenen Jahren hat Libyen palästinensische Terroristen unterstützt und ihnen geholfen, Anschläge gegen israelische und westliche Ziele auszuführen:
Im Mai 1990 versuchten Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF) einen Seeangriff auf Israel. Die Operation scheiterte, 4
Terroristen wurden getötet und 12 festgenommen. Libyen bildete die Gruppe aus und stellte
modernes Gerät, Waffen und das Schiff für die
Operation zur Verfügung.

Libyen sieht in Afrika ein attraktives Umfeld für seine
Operationen und ist verantwortlich für mehrere Anschläge dort:
Am 30. Oktober 1991 erließ ein französischer
Richter internationale Haftbefehle, in denen vier
libysche Regierungsvertreter der Beteiligung an
der Bombenexplosion während des UTA-Flugs
772 im September 1989 beschuldigt wurden.
Im März 1990 wurden libysche Diplomaten nach
einer Bombenexplosion im Hilton Hotel in Addis
Abeba - dem offensichtlichen Versuch, den dort
logierenden israelischen Botschafter zu töten ausgewiesen.
Im Februar 1988 wurden zwei bekannte Terroristen in Dakar (Senegal) festgenommen, die
sich im Besitz von Sprengstoff und Waffen
befanden.
Im Oktober 1987 explodierte eine Bombe im
Büro von World Vision, einer privaten Hilfsorganisation, die in Moudou im Tschad tätig ist.
Nach Cotonou (Benin) entsandte libysche Diplomaten unterstützten die Terroristen, die den
Anschlag verübten.
Im März 1987 explodierte eine Bombe im Cafe
"L'Historil" in Dschibuti, wobei 11 Menschen
verletzt und 50 verwundet wurden. Die Libyer
befahlen einer Palästinensergruppe, der Volkskampffront, den Anschlag auszuführen, andenfalls würde ihnen Tripolis' finanzielle Unterstützung entzogen.
Die Libyer unterstützen Terroristengruppen in Europa,
insbesondere die Provisional Irish Republican Army
(PIRA), die Oberst Gaddafi als populäre nationale
Befreiungsbewegung bezeichnet. Mitte der achtziger
Jahre versorgte Libyen die Gruppe mit Waffen. Die
libysche Handschrift wurde im Oktober 1987 offenkundig, als französische Behörden den Frachter "Eksund"
vor der Küste Frankreichs abfingen und 150 Tonnen
für die PIRA bestimmte Waffen und Sprengstoff beschlagnahmten. Libyen hat die PIRA auch finanziell
unterstützt.
Seit April 1986 habe libysche Mörder drei in Griechenland, Italien und Frankreich ansässige libysche Dissidenten und Gaddafi-Gegner ermordet. Tripolis hat
nach wie vor andere im Exil lebende vermeintliche
"Gegner" der libyschen Regierung im Visier.
Derzeitige Unterstützung des Terrorismus

Im Juli 1988 griffen Angehörige der ANO das
griechische Kreuzfahrtschiff 'The City of Porös"
an, wobei neun Menschen getötet und über 100
verletzt wurden. Libyen stellte die bei der
Operation verwendeten Waffen zur Verfügung.

Seite 2

Trotz der Bestebungen der internationalen Staatengemeinschaft ist die libysche Beteiligung an Terrorakten
noch immer umfangreich. Tripolis ist einer der größten
Geldgeber für Terroristen weltweit und gestattet Terrorgruppen weiterhin, in Lagern in Libyen zu operieren.

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�Im Nahen Osten unterstützen die Libyer ein breites
Spektrum von Terrorgruppen:
Die ANO - die über 100 Terroranschläge ausgeführt hat und auf deren Konto seit ihrer Gründung der Tod von über 280 Menschen und
mindestens 650 Verletzte gehen - erhält weiterhin beträchtliche libysche Unterstützung. Die
Gruppe hat ihr Hauptquartier in Tripolis, und
Libyen stellt der ANO Ausbildungseinrichtungen und mehrere Millionen Dollar jährlich zur
Verfügung.
Gaddafi hat für Ahmed Dschebrils Volksfront
zur Befreiung Palästinas - Generalkommando
1990 über 1 Million Dollar bereitgestellt. Die
Gruppe war verantwortlich für Bombenexplosionen in zwei amerikanischen Militärzügen in
Deutschland in den Jahren 1987 und 1988.
Teile der PLF sind weiterhin in Libyen stationiert
und erhalten finanzielle und logistische Unterstützung von der libyschen Regierung. Auf das
Konto der Gruppe geht eine lange Liste von
Terroranschlägen, einschließlich der Entführung
des Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro" im Oktober 1985, die die Ermordung eines an den
Rollstuhl gefesselten amerikanischen Passagiers zur Folge hatte sowie der bereits erwähnte
Anschlag auf einen Strand in Tel Aviv.
Libyen finanziert außerdem Sa'ika und Elemente des palästinensischen Islamischen Heiligen
Kriegs.
Libyen unterstützt gezielt ausgewählte Nichtpalästinensergruppen. Das Hauptkriterium scheint das Ausmaß
zu sein, in dem eine Gruppe ihre Fähigkeit und Bereitschaft zum Angriff auf die Feinde Libyens weltweit
demonstriert, einschließlich amerikanischer und westlicher Ziele.
In Europa unterhält Libyen Beziehungen zur PIRA,
trotz Gaddafis Behauptung Anfang dieses Jahres,
seine Unterstützung für diese Gruppe eingestellt zu
haben. Die Libyer haben Kontakte zu der kurdischen
Separatistengruppe PKK, die zahlreiche Terroranschläge gegen türkische Ziele ausgeführt hat.
Ein Hauptempfänger der libyschen Finanzhilfe in Asien
ist die Kommunistische Partei der Philippinen (CPP)
und ihr militärischer Flügel, die Neue Volksarmee
(NPA), die seit 1987 10 Amerikaner getötet hat. Die
Libyer haben der CPP und der NPA seit 1987 mindestens 7 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.
In Lateinamerika versuchen die Libyer weiterhin,
Gruppen ausfindig zu machen, die zur Ermordung von
Amerikanern bereit sind. Im vergangenen Jahr bezahlte Tripolis der haitianischen Befreiungsorganisation beispielsweise über 20.000 Dollar, um einen
Anschlag auf die Amerikanische Botschaft in Port-au-

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Prince zu verüben. Die Mission der Gruppe scheiterte
jedoch. Libyen hat erfolglos versucht, die Nationale
Befreiungsfront Farabundo Marti in El Salvador zu
rekrutieren, um gegen Geld anitwestliche Anschläge
durchzuführen.
Die Libyer haben femer Kontakte mit anderen Terrorgruppen in der Region unterhalten, einschließlich der
costaricanischen patriotischen Organisation Juan Santa
Maria, der revolutionären Bewegung Tupac Amaru in
Peru sowie der patriotischen Front Manuel Rodriguez
in Chile.
Das Antiimperialistische Zentrum (AIC) - auch unter
dem Namen Mathaba bekannt - wird von der libyschen
Regierung zur Unterstützung des terroristischen Netzes benutzt und spielt daher eine wichtige Rolle in
Gaddafis Terrorismusstrategie. 1982 zur Unterstützung von "Befreiungs- und Revolutionsgruppen" gegründet, hat das AIC eine Reihe von offenkundig
antiwestlichen Konferenzen in Tripolis veranstaltet.
Gleichzeitig hat das AIC den Auftrag, Revolutionäre für
ideologische und militärische Ausbildung in Libyen
auszumachen und zu rekrutieren. Während ihrer
Ausbildung in AlC-Lagern werden bestimmte Personen weiter ausgebildet, etwa im Umgang mit Waffen
und Sprengstoff sowie Indoktrinierung.
Das AIC wird von Mussa Kussa geleitet, einem Vertrauten Gaddafis, der gleichzeitig der Stellvertretende
libysche Außenminister ist. Mit Vertretern in zahlreichen libyschen Botschaften weltweit, betreibt das AIC
unabhängig verdeckte Operationen und verteilt Gelder
an terroristische, Rebellen- und subversive Gruppen.
Ausbildung
Oberst Gaddafi bildet nach wie vor Terroristen und
systemkritische Organisationen aus dem Nahen Osten, Afrika, Asien und Lateinamerika in Lagern in Libyen, auch in Tripolis, aus. Zu den größten Ausbildungslagern zählen:
El Kalah. Ungefähr 100 Kilometer südwestlich
von Tripolis gelegen, ist El Kalah die wichtigste
ANO-Einrichtung in Libyen. Im vergangenen
Jahr hat die ANO das Lager beträchtlich erweitert.
Ausbildungslager7. April. Rund 9 Kilometer von
Tripolis entfernt, werden in dieser Einrichtung
Afrikaner und Lateinamerikaner sowie libysche
Militärs in Terrorismus und Subversion ausgebildet.
Hafenanlage Sidi Bilal. Die Terroristen, die den
Seeangriff gegen Israel vom Mai 1990 verübten,
wurden hier ausgebildet.
Bin Ghaschir. Unmittelbar südlich von Tripolis
geigen, werden in dieser Einrichtung Systemkritiker aus Afrika, Asien und Lateinamerika in
Terror- und Guerillataktiken ausgebildet.
Seite 3

�Ras el Hilal. In dieser Einrichtung wurden
palästinensische Terroristen ausgebildet.
Perspektiven für terroristische Beteiligung
Terrorismus ist ein wichtiges Instrument der libyschen
Außenpolitik. Libyen wird stets Terrorakte zur Durchsetzung seiner Ziele einsetzen, insbesondere wenn
Oberst Gaddafi der Auffassung ist, seine Beteiligung
plausibel dementieren zu können. Gaddafis Einsatz
und Unterstützung von Terroranschlägen als politisches Instrument strafen seine Bemühungen Lügen,
die Welt glauben machen zu wollen, er unterstütze
keine Terrorakte. Die für Terroranschläge verantwortlichen libyschen Regierungsvertreter sind weiterhin in
hochrangigen Ämtern. Im vergangenen Jahr benannte Gaddafi Ibrahim Bischari, den Leiter des libyschen
Nachrichtendienstes und Hauptdrahtzieher bei libyschen Terroranschlägen in den achtziger Jahren zum
libyschen Außenminister.
Gaddafi und Entführungen
Daß Gaddafis Erklärungen nur Worthülsen sind, wird
am besten durch Libyens andauernde Beteiligung an
Entführungen illustriert, obgleich er dies stets weit von
sich weist. 1978 entführten libysche Agenten des
Nachrichtendienstes Imam Mussa Sadr, den geistigen
Führer der libanesischen Schiiten unmittelbar nach
dessen Ankunft in Tripolis. Mussa Sadr starb in der
libyschen Gefangenschaft. Während der achtziger
Jahre dementierte Gaddafi öffentlich die illegale Festsetzung von Geiseln durch Extremistengruppen im
Libanon. Dennoch bezahlte und veranlaßte Libyen im
April 1986 die Ermordung von drei westlichen Geiseln
im Libanon, unter anderem des Amerikaners Peter
Kilburn. Im November 1987 entführte die Abu Nidal
Organisation (ANO) die Jacht "Silco" in internationalen
Gewässern. Die Geiseln - belgische und französische
Staatsbürger - wurden nach und nach freigelassen,
die letzte erst im Januar 1991. Die Jacht wurde auf
Anweisung des libyschen Nachrichtendienstes von
Elementen der ANO entführt und einige der Geiseln
wurden sogar auf libyschem Boden festgehalten.
Vergleich zwischen Gaddafis öffentlichen
Erklärungen zu Terrorismus und den Tatsachen
Behauptung: Libyen "lehnt Terrorakte einschließlich der Ermordung von friedlichen, unschuldigen alten Männern, Frauen oder Kindern weltweit ab, sei es an Bord eines Flugzeugs oder
andernorts". Inlandsdienst Tripolis, 5. September 1986.
Tatsache: Libyen stellte der Abu Nidal Organisation finanzielle und logistische Unterstützung
für die Entführung der Pan Am Maschine auf
dem Flug 073 nach Karatschi in Pakistan zur

Seite 4

Verfügung, bei der 21 Passagiere getötet und
120 verwundet wurden. 5. September 1986.
Behauptung: Libyen leugnet die Beteiligung der
Provisional Irish Republican Army (PIRA) an
dem Bombenanschlag in Enniskillen (Nordirland), bei dem 11 Menschen starben und 65
verletzt wurden. JANA, 10. November 1987.
Tatsache: Französische Behörden fangen am
31. Oktober 1987 ein Schiff mit 150 Tonnen
Waffen und Sprengstoff ab, das von der libyschen Regierung bereitgestellt wurde und für
die PIRA in Irland bestimmt war. Vier frühere
Schiffsladungen gelangten erfolgreich an ihren
Bestimmungsort.
Behauptung: "Die große Dschamahiriah praktiziert weder Terrorismus, noch unterstützt sie
ihn". Oberst Gaddafi, 11. Februar 1988.
Tatsache: Am 21. Dezember explodierte die
Pan Am Maschine 103 über Schottland. Dabei
wurden 259 Personen an Bord und 11 Einwohner von Lockerbie getötet. Die libysche Beteiligung steht außer Frage.
Behauptung: Libyen "bekräftigt nach wie vor,
daß es Terrorismus öffentlich verurteilt und
ablehnt". JANA, 9. April 1989.
Tatsache: Auf Anweisung hochrangiger Regierungsvertreter in Tripolis verüben libysche
Agenten einen Sabotageakt gegen Flug 772 der
UTA. Die Maschine explodiert über Niger, wobei
alle 171 Menschen an Bord ums Leben kommen. 19. September 1989.
Behauptung: In Bezug auf den PLF-Anschlag
auf Israel erklärt Libyen, es "bestehe keine
Verbindung zwischen Libyen und dieser Operation". JANA, 6. Juni 1990.
Tatsache: Libyen hat den Anschlag der PLF auf
Israel vom 30. Mai 1990 materiell unterstützt,
der von der libyschen Küste aus verübt wurde,
indem es den Beteiligten umfangreiche Ausbildung, militärisches Gerät sowie Navigationsinstrumente zur Verfügung gestellt hat.
Behauptung: Gaddafi erklärt der ägyptischen
Presse im Juni 1991, daß "Abu Nidal überhaupt
nicht operiert. Die Welt hat seit Jahren nichts
mehr von ihm gehört... Abu Nidal ist nicht in
Libyen."
Tatsache: Die ANO hat weiterhin ihr Hauptquartier in Tripolis und von Abu Nidal selbst wei ß
man, daß er sich mit Oberst Gaddafi getroffen
hat. November 1991.

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�Die libysche Benutzung terroristischer
Frontorganisationen
Aufgrund der öffentlichen Bloßstellung der Rolle der
Libyschen Volksbüros im internationalen Terrorismus
zu Beginn der achtziger Jahre hat Libyen in den
vergangenen Jahren einige seiner terroristischen
Unterstützungsoperationen auf andere Institutionen
verlagert. Zu diesen Institutionen gehören die Islamic
Call Society, Studentenorganisationen und Freundschaftsgesellschaften sowie libysche Tarnunternehmen. Durch den Einsatz zahlreicher Organisationen
ist Libyen in der Lage, seine Aktivitäten selbst nach
Enttarnung einer Gruppe fortzusetzen.
Scheinfirmen bieten libyschen Agenten Deckmantel
und Täuschungsmöglichkeiten. Einige dieser Unternehmen wurden wahrscheinlich als legitime Firmen
gegründet und danach durch Erpressung zur Zusammenarbeit mit den libyschen Nachrichtendiensten
gezwungen. Die Scheinfirmen stellen in der Regel
eine Partnerschaft mit einheimischen Bürgern her, um
ihre Tarnung zu verbessern. Die Partner dieser Firmen wissen selten, daß sie es mit libyschen Geheimdienstagenten oder libyschen Geschäftsleuten zu tun
haben, die ihre Befehle von der libyschen Regierung
erhalten.
Zu den libyschen Scheinfirmen, die mit Sicherheit
mittelbar oder unmittelbar an terroristischen Operationen des vergangenen Jahrzehnts beteiligt waren,
gehören Exo-Commerce sowie Sarra oder Sarrah. So
hat zum Beispiel die in Benin ansässige Firma Sarrah
Ende der achtziger Jahre unter dem Deckmantel
"legitimer" Geschäftstätigkeit Waffen und Sprengstoff
für terroristische Aktionen in benachbarte afrikanische
Länder geschmuggelt. Eine weitere Tarnorganisation,
die Germa Shipping and Stevedoring Company mit
Sitz in Griechenland besaß das Schiff Tiny Star, das
am 30. Mai 1990 für einen Angriff der PLF auf Israel
benutzt wurde, der von einem libyschen Hafen ausgegangen war.
Darüber hinaus dienen weitere Unternehmen als
Handlanger des libyschen Nachrichtendienstes. Neutron
International wird von Musbah Warfalli geleitet, einem
Planer libyscher Anschläge auf libysche Dissidenten in
den frühen achtziger Jahren. Die Libyan Arab Foreign
Investment Company (LAFICO) befindet sich vollständig im Besitz des libyschen Staates und wird bisweilen
vom libyschen Nachrichtendienst als Tarnung eingesetzt. Die General Arab African Company ist eine
weitere Handelsfirma, die als Tarnunternehmen des
libyschen Nachrichtendienstes im gesamten Afrika
südlich der Sahara dient.
Selbst libysche Geschäftsleute, die nicht sofort mit
dem libyschen Geheimdienst oder einer Tarnfirma in
Zusammenhang gebracht werden, wurden für Operationen benutzt. So nahm zum Beispiel die Regierung

AMERIKA DIENST 47

des Tschad im Januar 1991 zwei sich als Geschäftsleute ausgebende libysche Agenten fest, die offenbar
versuchten, Sprengstoff nach Ndjamena zu schmuggeln. Wir haben Grund zu der Annahme, daß zahlreiche weitere libysche Geschäftsleute und Unternehmen weltweit Verbindungen zum libyschen Nachrichtendienst unterhalten.
Die im Staatsbesitz befindliche libysche Fluglinie Libyan Arab Airlines (LAA) bietet Passagier- und Frachtdienste nach Europa, Afrika und dem Nahen Osten an.
Obwohl ihre Aktivitäten an sich legitim sind, wurde die
LAA benutzt, um Waffen, Sprengstoff und Terroristen
zu transportieren. Zu den Libyern, die in Zusammenhang mit Waffenlieferungen an die PI RA von 1985 bis
1987 beschuldigt werden, gehört auch ein Mitarbeiter
der LAA. Ein LAA-Flug wurde im August 1986 bei der
Flucht von sechs Terroristen benutzt, die für den
Anschlag auf den britischen Stützpunkt in Akrotiri
(Zypern) am 3. August verantwortlich gemacht werden. Die sechs waren als Mitglieder der Besatzung
getarnt, und der Kapitän der Maschine machte den
Flughafenbehörden gegenüber falsche Angaben über
die Anzahl des Personals, um ihre Anwesenheit zu
vertuschen. Die Fluglinie ist weiterhin in einer guten
Position, um Anschläge zu unterstützen, insbesondere da mindestens 30 Prozent der im Ausland stationierten LAA-Mitarbeiter Agenten des libyschen Nachrichtendienstes sind.
Die von den Libyern zur Propagierung des Islam
geschaffene Islamic Call Society (ICS) wird für legitime
religiöse Zwecke eingesetzt, aber Gaddafi benutzt
daneben den philantropischen Ruf der Organisation,
um sein terroristisches Programm zu fördern. Das
ICS-Büro in Curacao unterstützte Separatisten, die in
Cayenne (Französisch Guayana) im Januar 1987 einen
Bombenanschlag auf ein Regierungsgebäude verübten. Während eines Großteils der achtziger Jahre
benutzte Tripolis das Büro der Call Society in Cotonou
(Benin) zur Rekrutierung und Finanzierung von Terroristen in der Region.
Die Libyer setzen ferner Reisebüros in der ganzen
Welt ein, um Reisen einheimischer Terroristen nach
Libyen zur weiteren Ausbildung zu erleichtern. Das
Reisebüro bucht dabei für gewöhnlich Dissidenten/
Terroristen auf Routen über Drittländer, damit deren
eigentlicher Bestimmungsort - libysche Ausbildungslager für Terroristen - unentdeckt bleibt.
Der UTA-Flug 772
Am 30. Oktober 1991 erließ ein französischer Richter
internationalen Haftbefehl gegen vier libysche Regierungsvertreter wegen ihrer Rolle beim Bombenanschlag auf UTA-Flug 772 im September 1989. Die
Maschine auf dem Flug von Brazzaville (Kongo) nach
Paris über Ndjamena (Tschad) explodierte über der
Wüste im Südwesten von Niger. Dabei wurden alle
171 Passagiere und Besatzungsmitglieder getötet.

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�Unter den Passagieren waren sieben Amerikaner,
darunter die Frau des amerikanischen Botschafters im
Tschad. Neben den Haftbefehlen gegen Abdallah
Senussi (ein Verwandter von Gaddafi und stellvertretender Kommandeur der libyschen Nachrichtendienste), Najili Ibrahim (ein Untergebener Senussis), Abd
El-Asragh und Abbas Musbah (ein Vertreter der libyschen Dienste in Brazzaville) erließ der Richter internationale Fahndungsgesuche gegen Mussa Kussa
(Leiter des AIC und Stellvertretender Außenminister)
und Abd El-Salam Sadma. Al-Asragh, der Erste
Sekretär des libyschen Volksbüros in Brazzaville, wird
beschuldigt, den Sprengstoff geliefert und drei Kongolesen rekrutiert zu haben, um eine Kofferbombe in der
Maschine unterzubringen. Zwei dieser drei Personen
sind zur Zeit in Haft - einer in der Volksrepublik Kongo,
der andere in Zaire.
Wie Libyen Terroristen finanziert
Die Libyer benutzen eine Reihe von Mechanismen, um
terroristische Gruppierungen zu finanzieren:
Tripolis verteilt häufig Geld an Terroristen, die
zur Ausbildung im Lande sind. Praktisch alle in
Libyen ausgebildeten aktiven Terroristen erhalten mindestens Reisegeld sowie eine kleine
Summe für persönliche Ausgaben.
Libysche Volksbüros und das AIC werden für
die Weitergabe von Geldern an Terroristen
eingesetzt.
Radikale palästinensische Gruppen erhalten
häufig libysche Mittel über Bankkonten, insbesondere im Nahen Osten.
In seltenen Fällen haben die Libyer Kuriere
eingesetzt, um Geld an terroristische Organisationen zu übermitteln. Die Übergabe findet für
gewöhnlich in einem Drittland statt.
Libysche Ausbildungslager
Libyen bildet seit den frühen siebziger Jahren Palästinenser und andere Terroristen im Land selbst aus.
Neben zwei Haupteinrichtungen in Tripolis und Umgebung haben die Libyer in den vergangenen beiden
Jahrzehnten kleinere, über das gesamte Land verteilte
Ausbildungslager betrieben. In einigen Fällen wurden
Terroristen auf libyschen Militärstützpunkten ausgebildet. So wurden zum Beispiel im Jahr 1988 Mitglieder
der radikalen Palästinensergruppe Volkskampffront
(Populär Struggle Front) auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Region Aouzou ausgebildet. Mitglieder
der Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommand sind mit Sicherheit auch in libyschen Militärlagern ausgebildet worden.
Zu den nichtpalästinensischen Gruppierungen, die in
den letzten Jahren in Libyen ausgebildet wurden,
gehören die ecuadorianische Alfaro Vive, CarajoOrganisation, die M-19 aus Kolumbien, die HaitianiSeite 6

sche Befreiungsorganisation, die Patriotische Front
Manuel Rodriguez aus Chile, die Armenische Geheimarmee für die Befreiung Armeniens und die Japanische Rote Armee.
Terroristen aus Asien, Lateinamerika und Afrika begeben sich häufig legal zur Ausbildung nach Libyen,
indem sie sich als Studenten ausgeben. Bisweilen
reisen Bürger aus Staaten der dritten Welt zu ihrer
Meinung nach legalen AusbHdungszwecken nach Libyen,
etwa zur technischen und religiösen Ausbildung. Bei
ihrer Ankunft werden sie dann jedoch am Flughafen
von Soldaten in Empfang genommen, auf einen Lastwagen verfrachtet und zu einem Ausbildungslager für
Terroristen/Dissidenten transportiert. Diejenigen Studenten, die sich libyschen Ouvertüren gegenüber
ablehnend verhalten, werden umgehend des Landes
verwiesen und als unwürdige Studenten gebrandmarkt.
Extremisten reisen auch auf anderen Wegen nach
Libyen. So fuhren etwa im Jahr 1987 Radikale aus
Mauritius nach Tripolis, wo sie angeblich an einer
Jugendkonferenz teilnahmen. Statt dessen begaben
sie sich in ein Ausbildungslager für Terroristen.
Anhang
Libysche Unterstützung des Terrorismus seit dem
15. April 1986
Sommer 1990 - Libyen stellt der Haitianischen Befreiungsorganisation 20.000 Dollar zur Verfügung, um
einen Anschlag auf die Amerikanische Botschaft in
Port-au-Prince zu verüben. Haitianische Vertreter
verhaften zwei der Agenten bevor sie den Anschlag
verüben können.
Mai 1990 - Mitglieder der Palästinensischen Befreiungsfront versuchen, Israel von See her anzugreifen;
vier werden getötet und 12 gefangengenommen. Die
Libyer sind an allen Teilen der vereitelten Operation
beteiligt und liefern moderne Ausrüstung, Navigationshilfen, Know-how bei der Planung sowie die Waffen,
die beim Angriff benutzt werden.
März 1990 - Eine Bombe explodiert im zweiten Stock
des Hilton Hotels in Addis Abeba (Äthiopien). Die
Detonation ereignet sich etwa 50 Meter von der Suite
des israelischen Botschafters entfernt. Die äthiopische Regierung verweist danach zwei libysche Diplomaten wegen ihrer Verwicklung in die Tat des Landes.
September 1989 - Eine Bombe explodiert auf dem
UTA-Flug 772 über dem Niger. Alle 171 Passagiere
und Besatzungsmitglieder an Bord werden getötet.
Die französische Untersuchung des Vorfalls kommt zu
dem Schluß, daß die Operation von Libyen geplant
und vom libyschen Volksbüro in Brazzaville durchgeführt wurde. Die Franzosen haben internationale
Haftbefehle gegen vier libysche Regierungsvertreter
wegen Beteiligung an dem Anschlag erlassen.

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�April 1989 - Fünf Personen - darunter zwei Amerikaner - werden verletzt und mehrere Fahrzeuge beschädigt, als eine Bombe in der Nähe des Haupteingangs
zum US-Costa Rican Binational Cultural Center in San
Jose (Costa Rica) detoniert. Die Santa Maria Patriotic
Organisation führt diesen Anschlag durch, ihre Mitglieder wurden in Libyen ausgebildet.
Dezember 1988 - Eine Maschine der Pan Am explodiert auf Flug 103 über Schottland. Alle 259 Personen
an Bord, darunter 189 Amerikaner, kommen dabei
ums Leben. Elf Einwohner von Lockerbie werden
getötet.
Juli 1988 - Terroristen der Abu Nidal Organisation
(ANO) greifen das griechische Kreuzfahrtschiff City of
Porös mit Maschinengewehren und Handgranaten an.
Neun Personen werden getötet und nahezu 100 verletzt. Die benutzten Waffen wurden von Libyen geliefert, und die Terroristen waren mit libyschen Pässen
nach Griechenland eingereist.
April 1988 - Von Libyen unterstützte Terroristen sind
am Bombenanschlag auf eine Kommunikationseinrichtung der amerikanischen Luftwaffe bei Humosa
(Spanien) beteiligt.
Februar 1988 - Zwei bekannte libysche Terroristen
werden zusammen mit einem senegalesischen Staatsangehörigen in Dakar (Senegal) wegen Sprengstoffund Waffenbesitz festgenommen.
Dezember 1987 - Ein Sprengsatz detoniert in der
USO-Lounge in Barcelona. Dabei wird ein amerikanischer Marineangehöriger getötet, neun Personen werden
verletzt. Eine fiktive Gruppe bezichtigt sich des Anschlags. Die Untersuchung belastet jedoch Libyen als
Urheber der Operation.
November 1987 - Die ANO entführt die Jacht "Silco" in
internationalen Gewässern des Mittelmeers. Die "Silco" hat acht belgische und französische Staatsbürger
an Bord. Die letzten Geiseln werden am 21. Januar
1991 freigelassen. Der libysche Nachrichtendienst ist
bei der ANO-Aktion federführend.
Oktober 1987 - Der französische Zoll stoppt die "Eksund",
ein französisches Schiff, das 150 Tonnen Waffen und
Sprengstoff für die Provisional Irish Republican Army
an Bord hat. Zur Ladung gehören Boden-Luft-Raketen
sowie der Plastiksprengstoff Semtex. Vier frühere
Ladungen erreichen in den Jahren 1986 und 1985
ungehindert ihren Bestimmungsort.
Oktober 1987 - Eine Bombe explodiert im Büro von
World Vision, einer privaten amerikanischen Wohltätigkeitsorganisation in Moudou (Tschad). Niemand
wird verletzt. Der Sprengsatz wird angeblich von
Terroristen gelegt, die vom libyschen Volksbüro in
Cotonou (Benin) unterstützt wurden.

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Juni 1987 - Zwei Libyer erschießen einen libyschen
Dissidenten in Rom. Die Killer werden verhaftet. Sie
bezeichnen sich selbst als Mitglieder des "libyschen
Revolutionskomitees".
Mai 1987 - Zwei Killer versuchen, einen prominenten
libyschen Dissidenten in Wien zu ermorden. Einer der
Täter verliert bei der Flucht seinen libyschen Paß.
April 1987 - Zwei Araber verwunden einen Stabsfeldwebel der britischen Armee und seinen Begleiter bei
einer Autofahrt nahe Limassol (Zypern) durch Schüsse. Zwei später aufgrund dieser Tat verhaftete Araber
werden als von Libyen unterstützte Terroristen identifiziert.
März 1987 - Eine Bombe explodiert auf der KousseriBrücke, die Kamerun und den Tschad verbindet. Der
Zeitzünder wurde zu früh eingestellt, so daß der Bombenleger, ein Bürger des Tschad, der für die Libyer arbeitete, getötet wurde.
März 1987 - Eine Bombe explodiert im Cafe "L'Historir
in Dschibuti. Dabei werden 11 Personen getötet und
über 50 verletzt. Die von Libyen unterstützte Volkskampffront begeht diesen Anschlag, da Libyen gedroht hat, ihr die finanzielle Unterstützung zu entziehen.
Januar 1987 - Eine Bombe explodiert in einem Regierungsgebäude von Cayenne in Französisch Guayana.
Die von Libyen geleitete Islamic Call Society in Curacao unterstützt Dissidenten aus Guayana bei der
Ausführung dieses Anschlags.
Januar 1987 - Ein libyscher Geschäftsmann und offener Kritiker von Oberst Gaddafi wird von zwei wahrscheinlich libyschen Killern außerhalb Athens erschossen.
September 1987 - Libyen liefert Sprengstoff, der bei
einem Angriff der ANO auf die Neve-Shalom-Synagoge in Istanbul verwendet wird. Dabei kommen 21
Menschen ums Leben.
September 1986- Im Verlauf einer versuchten Entführung von Flug 73 der Pan Am in Karatschi töten
Terroristen der ANO 21 Personen, darunter zwei
Amerikaner. 120 Menschen werden verletzt. Das
libysche Volksbüro in Islamabad unterstützte zumindest einen der Entführer durch Bereitstellung von
Reisedokumenten.
August 1986 - Terroristen greifen den britischen Luftwaffenstützpunkt in Akrotiri (Zypern) mit Mörsern,
raketengetriebenen Granaten und Handfeuerwaffen
an und verwunden dabei zwei britische Staatsbürger.
Die sechs Terroristen entkommen als vermeintliche
Besatzungsmitglieder eines Fluges der Libyan Arab
Airlines. Der Kapitän machte den Flughafenbehörden

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�gegenüber falsche Angaben zur Anzahl der Besatzung, um ihre Anwesenheit zu verschleiern. Femer
zeigen Markierungen auf nach dem Anschlag aufgefundenen Mörserteilen, daß die Waffen Teil zweier
getrennter Lieferungen sind, die in den Jahren 1976
und 1977 an Libyen gegangen waren.
Juni 1986 - Ein gegen Oberst Gaddafi eingestellter
libyscher Geschäftsmann wird in Versailles von libyschen Killern erschossen.

April 1986 - Zwei Libyer werden unweit des USOffiziersklubs in Ankara festgenommen, als sie im
Begriff sind, einen Anschlag mit sechs in der Sowjetunion hergestellten Splittergranaten zu begehen, die
sie vom libyschen Volksbüro erhalten haben.
April 1986 - Libyen organisiert den Mord an einer
amerikanischen und zwei britischen Geiseln im Libanon.

April 1986 - Libyen steht mit den Schüssen auf einen
April 1986 - Libyen steht hinter der Erschießung eines amerikanischen Diplomaten in Khartum in Verbindung.
Diplomaten der US-Botschaft in Nordjemen.
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�TERRORISMUS
27. November 1991

IRANER UND PFLP: DIE ERSTEN VERDÄCHTIGEN
NACH DEM SPRENGSTOFFANSCHLAG
VON LOCKERBIE
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
Die vorherrschende Hypothese im Fröhstadium der
Ermittlungen nach dem Bombenanschlag auf Flug 103
der Pan Am basierte auf Hinweisen, denen zufolge der
Anschlag Ergebnis gemeinsamer Planungen des Korps
der Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und der
Volksfront für die Befreiung Palästinas - Generalkommando (PFLP-GC) war:
Zuverlässige Geheimdienstberichte deuteten
darauf hin, daß die PFLP-GC und Elemente der
iranischen Regierung als Vergeltung für den
versehentlichen Abschuß einer iranischen
Passagiermaschine durch ein US-Kriegsschiff
im Juli 1988 einen Anschlag auf ein amerikanisches Ziel planten.
Am 26. Oktober 1988 verhaftete die deutsche
Polizei eine von Hafis Dalkamoni geführte Zelle
der PFLP-GC. Die Polizei fand in Dalkamonis
Pkw einen Sprengsatz, der gezielt für den Einsatz gegen ein ziviles Flugzeug gebaut worden
war. Dazu gehörte ein mit einem Höhenmesser
verbundener Schalter, der gewährleistete, daß
die Bombe nach Erreichen der normalen Flughöhe detonieren würde und kurzfristige Luftdruckschwankungen während der Sicherheitskontrolle im Flughafen keine vorzeitige Explosion auslösen würden.
Frühzeitige Erkenntnisse bei den Ermittlungen
im Fall von Pan Am 103 deuteten darauf hin,
daß die Bombe ebenso wie im Falle des in
Dalkamonis Auto gefundenen PFLP-GC-Sprengsatzes in einem Kofferradio der Marke Toshiba
untergebracht war und aus weniger als 500
Gramm PETN und RDX bestand - der beiden
Komponenten, die bei SEMTEX-H Verwendung
finden.
Die Ermittler kamen zu dem Schluß, daß sich
der Koffer mit dem Sprengsatz in einem Gepäckcontainer befand, der umgeladenes Ge-

AMERIKA DIENST 47

päck eines Zubringerflugs aus Frankfurt enthielt
- dem Ort, an dem im Oktober 1988 ein Großteil
der Aktivitäten der PFLP-GC konzentriert war.
Mit der Zeit wurde jedoch die erste Theorie, wonach die
PFLP-GC in den Anschlag von Lockerbie verwickelt
war, durch neues Beweismaterial erschüttert. Die
Ermittlungen wurden in folgende Richtungen fortgeführt:
Es wurde herausgefunden, daß sich das in
Dalkamonis Pkw entdeckte Toshiba-Radio mit
der Bombe dem Aussehen nach wesentlich von
dem Radio unterschied, das den technischen
Experten zufolge den Sprengsatz von Pan Am
103 enthielt.
Zusammen mit dem Sprengsatz von Lockerbie
verpackte Kleidungsstücke waren am oder um
den 7. Dezember 1988 in Malta gekauft worden.
Darüber hinaus zeigten Unterlagen des Frankfurter Flughafens, daß der Koffer mit dem Sprengsatz als unbegleitetes Gepäckstück von einem
Flug der Air Malta, der Valletta am Morgen des
Anschlags verlassen hatte, in einen Zubringerflug zu Pan Am 103 umgeladen wurde.
Im Juni 1990 wurde entdeckt, daß der Sprengsatz von Lockerbie im Gegensatz zu den Sprengsätzen der PFLP-GC, die Höhenmesserschalter und relativ primitive Zeitzünder verwendeten, durch einen hochmodernen Zeitzünder
ausgelöst wurde. Ferner fanden wir heraus,
daß der Zeitzünder von Lockerbie im Jahr 1985
nach Libyen geliefert worden war und daß zwei
libysche Terroristen mit einem identischen Zeitzünder im Februar 1988 im Senegal verhaftet
worden waren.
An der Absturzstelle der Pan Am 103 wurden
keinerlei Hinweise darauf gefunden, daß die
Terroristen einen mit einem Höhenmesser verbundenen Schalter benutzten.
Seite 1

�Zusammspiei verschiedener staatlicher Förderer?

Libyen Anschläge auf Flugzeuge zur gleichen Zeit
plante, zu der die Zelle der PFLP-GC in Deutschland
Heute machen wir die libysche Regierung für den ihre Sprengsätze baute. Tripolis wußte ferner um die
Anschlag von Lockerbie verantwortlich. Wir können Verbindung der PFLP-GC mit dem Iran - und es war
eine umfassendere Verschwörung zwischen Libyen selbst während des iranisch-irakischen Krieges ein
und anderen Regierungen oder terroristischen Organi- enger Verbündeter Teherans.
sationen nicht ausschließen. Die zur Verfügung stehenden Informationen untermauern diesen Schluß Syrien, der wichtigste politische Förderer der PFLPjedoch nicht. Wir gehen davon aus, daß Libyen - die GC und ein weiterer starker Verbündeter des Iran, war
Hauptquelle finanzieller Unterstützung der PFLP-GC zumindest im weiteren Sinne über die Bündnisse und
in den achtziger Jahren - wahrscheinlich von den Operationen der PFLP-GC informiert. Trotz dieser
früheren Plänen Dalkamonis für Bombenanschläge Verbindungen besitzen wir keine Informationen über
gegen Flugzeuge wußte. Die Aktivitäten, die im Herbst eine direkte Zusammenarbeit von Iran, Syrien und
1988 von den Libyern durchgeführt wurden, die unmit- Libyen zur Unterstützung der geplanten Bombenantelbar für den Anschlag von Lockerbie vom Dezember schläge der PFLP-GC auf Flugzeuge oder des liby1988 verantwortlich waren, deuten darauf hin, daß schen Sprengstoffanschlags von Lockerbie.

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�TERRORISMUS
27. November 1991

LIBYSCHER TERRORISMUS UND PAN AM-FLUG 103
Kommentar der Stimme Amerikas
WASHINGTON -(AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen am 15. November 1991 von der Stimme Amerikas
gesendeten Kommentar zur Sicht der US-Regierung.

Nach umfangreichen Ermittlungen sind die Vereinigten Staaten zu dem Schluß gelangt, daß die libysche
Regierung für den Sprengstoffanschlag auf ein amerikanisches Verkehrsflugzeug über Lockerbie (Schottland) verantwortlich ist. Bei der Explosion kamen alle
259 Personen an Bord der Pan Am-Maschine auf dem
Flug 103 sowie 11 Einwohner von Lockerbie ums
Leben.
In dieser Woche haben amerikanische und britische
Behörden Haftbefehle gegen zwei Libyer wegen ihrer
Beteiligung an dem Sprengstoffanschlag erlassen.
Die Anklage gründet sich auf zwingende Beweise, die
Abd el-Bassit Ali el-Mikrahi, einen hochrangigen Agenten des libyschen Geheimdienstes, und Lamem Fuheimah, den ehemaligen Leiter des Büros der Libyan
Airlines in Malta, mit dem Koffer in Verbindung bringen,
der die Bombe enthielt.
Wie der Stellvertrende Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, jedoch betonte, war der
Anschlag keine "Einzeloperation. Eine Operation dieser
Größenordnung, an der Personen aus der unmittelbaren Umgebung der libyschen Führung beteiligt waren,
konnte nur mit Genehmigung hochrangiger libyscher
Regierungsvertreter durchgeführt werden." Boucher
erklärte, die Vereinigten Staaten machten "die libysche Regierung für die Ermordung von 270 Menschen
verantwortlich".
Wie das Au ßenministerium in einem kürzlich veröffentlichten Bericht darlegt, hat Libyen seit der Machtübernahme von Moammar Gaddafi vor 20 Jahren kontinuierlich den internationalen Terrorismus unterstützt.
Bereits 1972 bot Gaddafi extremistischen Bewegun-

gen öffentlich seine Unterstützung an - einschließlich
der Provisional Irish Republican Army und der Black
Power-Bewegung in den Vereinigten Staaten - sowie
Unterstützung aller Gruppen im Nahen Osten, die zu
einem Angriff auf Israel bereit seien. Gaddafi entsandte 1973 Terroristen nach Italien, um ein isrealisches
Verkehrsflugzeug abzuschießen und befahl bereits
1975 die Ermordung im Ausland lebender libyscher
Dissidenten. Anfang der achtziger Jahre nahm die libysche Beteiligung an Terrorakten zu. Tripolis stellte
Pässe für Mitglieder der Abu Nidal Organisation aus,
die im Dezember 1985 einen Anschlag auf einen Flugschalter der israelischen Fluggesellschaft im Wiener
Flughafen verübt hatten. Darüber hinaus unterstützte
Libyen den Sprengstoffanschlag auf die Berliner Diskothek La Belle im April 1986, bei dem drei Menschen,
unter ihnen zwei amerikanische Soldaten, getötet
wurden.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater,
stellte fest, die Vereinigten Staaten "erwägen jetzt
ernsthaft, welche Maßnahmen im Hinblick auf Libyen
zu ergreifen sind". Er fügte hinzu, Präsident Bush "wird
enge Konsultationen mit dem britischen Premierminister John Major und anderen Staats- und Regierungschefs führen, um gemeinsam eine kooperative internationale Reaktion auf diese terroristische Greueltat der
Regierung Gaddafi zu erarbeiten". "Obwohl nichts die
Menschen wieder zum Leben erwecken kann, die bei
dem Sprengstoffanschlag auf die Pan Am-Maschine
ihr Leben lassen mußten", betonte Fitzwater, haben
sich die Vereinigten Staaten verpflichtet, "alles in ihrer
Macht Stehende zu tun, damit Gerechtigkeit waltet und
solche Terrorakte in Zukunft verhindert werden".

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�DROGEN
27. November 1991

MARTINEZ FORDERT EUROPÄER AUF,
SICH DEM DROGENPROBLEM ZU STELLEN
Rede in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - Gouverneur Robert Martinez hat im Zuge seiner Bemühungen um verstärkte Zusammenarbeit mit den europäischen Ländern beim Kampf gegen Drogen erklärt, es sei jetzt an der Zeit, "unser Bündnis
bei der Bekämpfung dieses internationalen Problems zu erweitern". Der Direktor des Amts für nationale
Drogenbekämpfungspolitik verwies in seiner Rede vor dem Rat für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des
Zollwesens (CCC) in Brüssel am 20. November 1991 auf eine Studie des Europaparlaments, derzufolge über
die Hälfte der in Europa verübten Verbrechen mit Drogen in Zusammenhang stehen. Dies sollte, so stellte er
fest, "Motivation genug sein, um Ihre Bemühungen fortzusetzen".
Die abnehmende Nachfrage in den Vereinigten Staaten habe die Drogenhändler bereits dazu veranlaßt, nach
neuen Märkten Ausschau zu halten - "neuen Märkten in Europa, Lateinamerika und Asien. Wie wir... beobachten
konnten, sind große Mengen an Drogen zu Billigpreisen das Rezept für eine Drogenepidemie", erklärte Martinez
in diesem Zusammenhang.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Gouverneur Martinez im Wortlaut.
Seit meiner Bestätigung als Drogenbeauftragter Präsident Bushs habe ich eine Reihe von Auslandsreisen
durchgeführt. Meine früheren Reisen, insbesondere
nach Lateinamerika, dienten dazu, die Hilfe meines
Landes zur Eindämmung des Angebots an Drogen zu
erweitern - eines Angebots, von dem heute kein Land
verschont bleibt. Präsident Bush hat ein historisch
einmaliges Verhältnis mit Lateinamerika aufgebaut,
um dieses Ziel zu erreichen. Meine Reise nach
Europa, in deren Rahmen ich mit dieser angesehenen
Gruppe zusammentreffe, gilt jedoch einem anderen
Problemfeld, dem ich mich noch nicht gewidmet habe.
Heute spreche ich zu den Drogenverbraucherländern
als Vertreter des größten Verbraucherlands. Für uns
ist das Problem weniger das Angebot, obwohl Ihr
Gremium natürlich ein Interesse an der Eindämmung
des Angebots sämtlicher Drogen hat. Das Problem
besteht für die meisten unserer Länder darin, aus
unser aller Erfahrungen zu lernen, um unser schädliches Verlangen nach Drogen zu reduzieren.
Ich möchte jedoch ein noch tiefergehendes Problem
ansprechen - letzteres kann jedoch weder von dieser
Konferenz noch von der heutigen Generation politisch
Verantwortlicher gelöst werden. Ich muß dieses Problem aufgrund des besonderen historischen Verhältnisses zwischen unseren Ländern hier in Europa erörtern. Die hier vertretenen Staaten kämpfen nicht um
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eine demokratische Regierungsform - wir sind die
Staaten, in denen die Demokratie blüht und gedeiht.
Unsere Verfassungssysteme, die einst Experimente
waren, sind heute beispielhaft. Wir streben nicht nach
dem Ziel der demokratischen Regierung - wir setzen
den Standard. In Dschungeln und Wüsten überall auf
der Welt kämpfen Männer und Frauen heute für das,
was uns als selbstverständlich gilt. Die Menschen
Osteuropas haben Jahrzehnte gewartet, um einen
Geschmack von der für uns normalen Freiheit zu
bekommen.
Aus diesem Grund erhält meine Reise nach Europa
eine tiefere Bedeutung. Ich kann Ihnen erklären, was
wir Amerikaner aus harten Erfahrungen gelernt haben:
Drogenmißbrauch ist eine unmittelbare und besondere Bedrohung der demokratischen Regierungsform.
Er zerstört den Charakter unserer Bürger. Er führt zu
sozialer Entwurzelung. Er schädigt die Traditionen
des zivilisierten Umgangs miteinander und der Selbstkontrolle, die freien Gesellschaftssystemen Stabilität
verleihen. Er zerreißt Gemeinschaften und Familien.
Er bedeutet enorme Lasten für unser Gesundheitswesen.
So zerstörerisch Drogenmißbrauch für unsere Gesellschaften ist - der Drogenhandel ist eine noch größere
Bedrohung für Länder, die nach demokratischer Regierung streben. Der Drogenhandel bedeutet eine
Seite 1

�direktere Bedrohung der aufstrebenden Demokratien
in der Welt. Ernte und Produktion von Rauschgift
zerstören viele Morgen fruchtbaren Landes. Drogendollar verzerren und untergraben ihre im Aufbau befindlichen Volkswirtschaften. Demokratien befinden
sich im Belagerungszustand. Die Waffen der Killer
fordern das Leben zahlreicher Richter, Politiker und
Führungskräfte. Und die politisch Verantwortlichen
jener Länder haben reagiert, da sie sich der Tatsache
bewußt wurden, daß die Freiheiten, für die sie so lange
gekämpft hatten, bedroht waren. Die amerikanischen
Beziehungen zu vielen Verbündeten in Drogenproduktionsländem haben sich von Ablehnung zu Zusammenarbeit gewandelt. Wo wir dereinst mit den Fingern
aufeinander zeigten, gehen wir heute Seite an Seite.
Wo wir einst kritisierten, verhandeln wir heute über die
Probleme, denen wir uns gemeinsam stellen müssen.
Wo wir einst zueinander sagten, es waren Ihre Bürger,
die das Drogenproblem geschaffen haben, erklären
wir heute, daß Drogen jedermanns Problem und wir
bereit sind, es gemeinsam zu lösen.
Bei meinem Aufenthalt in Europa, in dessen Rahmen
ich Gedanken zu Strafverfolgung sowie Angebotsreduzierung austauschen möchte, geht es also um mehr
als die Verfeinerung unsere Maßnahmen zur Drogenbekämpfung. Vor dem Hintergrund dieses politischen
Problems lautet die tief ergehende Frage, wie die Völker der Welt mit den Vorzügen der Freiheit umgehen
werden. Wir müssen uns fragen: wie werden wir
zusammenarbeiten - zur Reduzierung von Angebot
und Nachfrage illegaler Drogen -, um die Dauerhaftigkeit dieser Vorzüge sicherzustellen?
Diese Frage bildet den Kern meiner heutigen Botschaft: Drogenmißbrauch und -handel sind eine internationale Bedrohung, der wir uns gemeinsam stellen
müssen, weil das Drogenproblem auf vielfältige Art
und Weise unsere Demokratien gefährdet. Die Geißel
des Kokains, Heroins, Marihuanas und anderer Drogen hat sich von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, von
Kontinent zu Kontinent ausgebreitet. Wir alle werden
uns immer stärker bewu ßt, da ß keine Gesellschaft von
dem Elend verschont bleibt, das mit Drogenherstellung und -mißbrauch einhergeht. Ich bin nicht nach
Europa gekommen, um Trübsinn zu verbreiten, künftiges Unheil oder verstärkten Drogenkonsum auf diesem Kontinent vorherzusagen - alle hier Versammelten wissen um diese Gefahren. Aber ich möchte den
CCC darüber informieren, welche Erfahrungen die
Vereinigten Staaten bei der Konfrontation mit dieser
Bedrohung sowie bei der Zusammenarbeit mit anderen Ländern zur Beseitigung des Drogenhandels
gewonnen haben.
Als Präsident Bush sein Amt antrat, waren Drogen in
den Vereinigten Staaten ein kritisches nationales und
internationales Problem. Drogenkonsum führte zu
Blutvergießen auf unseren Straßen, beraubte Mütter
ihrer Söhne und brach die Herzen vieler Familien.

Seite 2

Präsident Bush gelobte, dieser Bedrohung in den
Vereinigten Staaten und im Ausland den Garaus zu
machen.
Wir haben diese Versprechen mit einer umfassenden
Strategie untermauert, die im In- und Ausland Drogenhandel und -konsum auf breiter Front in Angriff nimmt.
Wenn sich die Vereinigten Staaten ausschließlich nur
auf ein Element des Drogenphänomens konzentrieren
würden, wären unsere Bemühungen zum Scheitern
verurteilt. Wie alle Demokratien dies tun sollten,
begannen wir unseren Kampf gegen dieses Problem
im Inland beim einzelnen Bürger. Unsere innenpolitische Strategie ist sowohl weitreichend als auch bemerkenswert einfach - Reduzierung des Drogenkonsums durch Strafverfolgung, Überzeugungsarbeit und
Therapie. Strafverfolgung, Aufklärung und Therapie
stehen in keinem Spannungsverhältnis zueinander,
sie sind einander ergänzende Kräfte, die die Nachfrage nach Drogen reduzieren.
Wir haben uns in den Vereinigten Staaten dem zerstörerischen Verlangen nach Drogen gestellt. Um unsere
Verpflichtung zur Verringerung der Nachfrage nach
Drogen in den Vereinigten Staaten zu erfüllen, haben
wir die Verantwortung - und die Folgen - dem einzelnen
Konsumenten auferlegt. Wenn die Konsumenten die
Botschaft der Vernunft nicht beherzigen, dann müssen
sie um die Folgen wissen. Das Konzept der Rechenschaftspflicht des Konsumenten ist meines Erachtens
im Wesensgehalt einer freien Gesellschaft verankert daß der einzelne Entscheidungsfreiheit haben muß
und für die von ihm getroffene Entscheidung verantwortlich ist.
Wir konzentrieren so viel Aufmerksamkeit auf den
Gelegenheitskonsumenten, weil unserer Ansicht nach
der Gelegenheitskonsument der wichtigste Verbreiter
der Drogenabhängigkeit ist. Gelegenheitskonsumenten sind eine wandelnde Werbung für Drogenmißbrauch, weil sie die Illusion verbreiten, daß sie ihr
Leben unbeeinträchtigt von den schädlichen Folgeerscheinungen des Drogenkonsums weiterführen können. Der Gelegenheitskonsument sichert den Drogenhändlern das Geschäft und erhält den Fluß von
Drogen, Chemikalien und schmutzigem Geld aufrecht,
der sich durch Flughäfen, Bahnhöfe und Depots ergießt. Es sind diese Personen, nicht die mittellosen
Abhängigen auf der Straße, die andere davon überzeugen, daß Drogenkonsum niemandem schadet.
Wir haben die Einführung kreativer Sanktionen befürwortet, um jenen kritischen Augenblick der ersten Entscheidung zu verhindern - der Entscheidung, ob man
Drogen von einem Freund oder Bekannten annimmt
oder nicht. Dazu gehören der Entzug des Führerscheins, Verlust des Arbeitsplatzes sowie Entzug des
Anrechts auf eine Sozialwohnung, um nur einige zu
nennen.

AMERIKA DIENST 47

�Unsere Botschaft an die wichtigsten Gesetzesbrecher
- die Drogenbosse und die Händler auf unseren Straßen - war ebenso direkt: hartes gesetzliches Durchgreifen reduziert Drogenverbrechen, verringert das
Angebot und stört den Markt für Drogen.
Ich bin mir bewußt, daß solche Strenge von einigen als
unnötig repressiv betrachtet wird. Man sollte jedoch
solche Schlußfolgerungen vermeiden, bevor man sich
nicht mit den schrecklichen Folgen des Drogenmißbrauchs beschäftigt hat - Säuglinge, deren kleine
Körper von Drogen entstellt sind, die ineinander verkeilten Waggons eines verunglückten Zugs, der von
einem drogenabhängigen Zugführer gesteuert wurde,
vielversprechende Sportler, die jung sterben - wir
haben gesehen, wie der Konsum von Kokain in den
Vereinigten Staaten zu viele Tragödien dieser Art
verursacht hat.
Wir haben darüber hinaus ein Programm zur Unterbindung des Nachschubs entwickelt, das die Drogenhändler in der Luft, zu Wasser und zu Lande unter
Druck setzen soll. Die Vereinigten Staaten haben der
Versuchung widerstanden, ihre Grenzen abzuriegeln,
da dies weder machbar ist noch im Einklang mit
unserem Erbe als Nation von Einwanderern oder unserer
Verfassungstradition steht. Wenn wir jedoch unsere
Bestrebungen zur Unterbindung des Drogennachschubs
aufgeben würden, hieße dies, wir würden unserer
Verantwortung nicht gerecht, unsere Bürger vor der
ernsthaften Drogengefahr zu schützen.
Der CCC hat die lebenswichtige Aufgabe übernommen, nicht nur Ihre Bürger sondern alle Menschen auf
der Welt zu schützen. Durch Informations- und Gedankenaustausch sowie Koordinierung der Aktivitäten
der Zollfahndung machen Sie all unsere Gesellschaften sicherer. Ich freue mich, daß der CCC die Verabschiedung eines dem "Carrier lnitiative"-Programm
der Vereinigten Staaten entsprechenden Programms
befürwortet hat. Durch die "Carrier Initiative" hat die
amerikanische Zollfahndung enge Arbeitsbeziehungen mit privaten See- und Lufttransportgesellschaften
entwickelt, um den Drogenfluß zu verringern. Bis
heute haben über 1.800 Luft- und Seetransportgesellschaften die Sicherheit an ihren Terminals und an Bord
ihrer Flugzeuge und Schiffe verbessert und arbeiten
mit der amerikanischen Zollfahndung zusammen, um
vermutete Schmuggelversuche auszumachen und
bekanntzugeben. Wir beglückwünschen den CCC für
seine Folgeaktionen zum beim Londoner Wirtschaftsgipfel 1991 verabschiedeten "Carrier Initiative"-Abkommen. Die Tatsache, daß der Privatsektor die
Verantwortung zur eigenständigen Kontrolle übernimmt,
bevor er von den Strafverfolgungsbehörden dazu
angehalten wird, ist eine entscheidende Entwicklung
bei der Drogenbekämpfung.
Neben dem durch unsere aggressive Strafverfolgungskampagne geschaffenen Schutz haben wir eine Aufklärungsoffensive in die Wege geleitet. Programme
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zur Aufklärung und Schärfung des Bewußtseins sind
auf Arme und Reiche, Kinder und Erwachsene, auf die
Vorstädte und Innenstädte ausgedehnt worden. Wir
tragen die Verantwortung, unsere Kinder die harten
Lektionen des Drogenmißbrauchs in den Klassenzimmern zu lehren bevor sie sie in den Hinterhöfen oder
auf einer Polizeiwache lernen. Wenn es unseren
Lehrern, Rektoren und Eltern nicht gelingt, gemeinsam ein drogenfreies Umfeld zu schaffen, dann werden wir zweifelsohne unseren Kindern nicht gerecht.
Glücklicherweise haben heute praktisch alle Schulbezirke in den Vereinigten Staaten Drogen- und Alkoholpräventionsprogramme eingeführt, um im Kindergarten, in Grund- und weiterführenden Schulen die Gefahren von Crack, Kokain und anderen Drogen zu
vermitteln.
Wir wissen auch, daß die große Mehrheit der amerikanischen Drogenkonsumenten erwerbstätig ist. Aus
diesem Grund haben sich Großunternehmen und kleine Firmen dem Kampf gegen Drogen angeschlossen
und führen Drogenbekämpfungsmaßnahmen durch,
um die Beschäftigten vom Drogenkonsum abzuhalten.
Darüber hinaus werden Unterstützungs- und Beratungsprogramme für diejenigen eingeführt, die drogenabhängig sind. Ähnliche Progamme und Maßnahmen sind gesetzlich für alle Arbeitsplätze im Staatsdienst vorgeschrieben.
Seit dem Höhepunkt der Drogenepidemie in den Vereinigten Staaten hat unsere umfassende Strategie
drastische Fortschritte an der Heimatfront erzielt. Die
Drogenhändler sehen, daß wir es ernst meinen. Während
die Zahl der Straftaten 1990 insgesamt praktisch
unverändert blieb, gibt es Anzeichen, daß drogenbezogene Straftaten in unseren größeren Städten ihren
Höhepunkt erreicht haben. In den Vereinigten Staaten
ist weniger Kokain verfügbar. Und wir intensivieren
unseren Kampf gegen die Drogenhändler. Im vergangen Jahr haben die Bundesbehörden allein über 100
Tonnen an Kokain beschlagnahmt.
Diese umfassende Strategie zeitigt Erfolge. Die Hälfte
der Drogenkonsumenten in den Vereinigten Staaten
enthält sich bereits der Drogen und erhält Hilfe. Zwischen 1985 und 1990 fiel der Drogenkonsum der
Amerikaner um 44 Prozent - über 10 Millionen ehemalige Drogenabhängige nehmen keine Drogen mehr. In
nur zwei Jahren, von 1988 bis 1990, verringerte sich
der gelegentliche Kokainkonsum um 29 Prozent,
während der häufige Gebrauch um 23 Prozent abnahm.
Es gibt noch ermutigendere Anzeichen, daß die amerikanischen Jugendlichen die Drogenbotschaft erhalten. Umfragen belegen, daß unter High-School-Absolventen und Erstsemestern die Abneigung größer ist
als je zuvor. In zahlreichen Schulen treten landesweit
amerikanische Kinder drogenfreien Jugendgruppen
bei, die Reisen, Clubs und Sportereignisse organisieren, bei denen die einzige Auflage für die Teilnahme in

Seite 3

�dem Versprechen besteht, keine Drogen zu nehmen.
Dies alles ergibt folgende Tatsache: der Drogenkonsum in den Vereinigten Staaten nimmt ab.
In den Vereinigten Staaten freuen wir uns über diese
Fortschritte, aber wir müssen wachsam bleiben und
weiterhin das Ausmaß und die Entwicklung unseres
Drogenkonsums sowie die Konsequenzen des Drogenmißbrauchs beobachten. Die Erstellung von Daten über die Tendenzen des Drogenkonsums in meinem Land gibt uns die erforderlichen Richtlinien an die
Hand, um kostengünstige Maßnahmen zur Unterbindung des Nachschubs an den Grenzen sowie kreative
Therapie- und Präventionsprogramme in die Wege zu
leiten, um der Drogengefahr zu begegnen. Ohne
solche Informationen werden nationale Mittel und die
Fähigkeit zur Motivierung unserer Bürger vergeudet,
sich mit dem Drogenproblem auseinanderzusetzen.
Unsere umfassende Strategie macht auch auf internationaler Ebene Fortschritte. Während wir uns der
Realität des Nachfrageproblems stellen, haben die
Kokain produzierenden Länder Lateinamerikas mit
amerikanischer Unterstützung begonnen, ihr Angebotsproblem in den Griff zu bekommen. Alte Mißverständnisse haben den Weg zu neuer Zusammenarbeit
und einer starken und zunehmenden Entschlossenheit bereitet, gemeinsam die Drogenhändler zu bekämpfen. Die aggressiven Aktionen der lateinamerikanischen Regierungen geben vielen Drogenhändlern
Anlaß zur Sorge. Zahlreiche internationale Drogenhändler sitzen in Mexiko, Kolumbien, Bolivien und
anderen Teilen der Welt im Gefängnis und warten auf
ihren Prozeß. Chemikalien, Waffen, Flugzeuge, Geld
und andere Instrumente des Drogenhandels wurden in
Rekordmenge beschlagnahmt oder zerstört.
Viele dieser Länder haben Schritte unternommen, den
Anbau von Koka, Marihuana und Mohn einzustellen.
Drogenbeschlagnahmungen sind in Lateinamerika auf
dem Vormarsch. 1987 wurden weniger als 60 Tonnen
Kokain beschlagnahmt, 1990 wurden über 160 Tonnen konfisziert und in diesem Jahr wurde die Gesamtmenge des vergangenen Jahres bereits überschritten.
Überall sind Drogenbeschlagnahmungen auf dem
Vormarsch. Im vergangenen Jahr hat die Drogenfahndung der hier vertretenen Länder 477 Tonnen illegaler
Drogen konfisziert. Weltweit haben aggressive Zollmaßnahmen den Drogenhändlern aller Nationen einen schweren Schlag zugefügt.
Die Drogenbarone von Kolumbien, Bolivien und Peru
- und allmählich weltweit - haben sich als das entpuppt,
was sie wirklich sind: Kriminelle der untersten Kategorie. Sie haben allzu deutlich gezeigt, daß sie auf jede
Taktik zurückgreifen werden, egal wie gewalttätig, mit
jedem Verbündeten kollaborieren werden, egal wie
gemein, und Demokratien unterminieren werden, egal
zu welchem Preis für die guten Menschen in ihren
Ländern. Ich bin mir bewußt, daß den meisten Ihrer
Länder die Gefahr und soziale Unruhe erspart geblie-

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ben ist, mit denen sich die Vereinigten Staaten und ihre
Partner in den Andenstaaten konfrontiert sahen, und
viele weltweit das Drogenproblem noch immer als
"amerikanisches" Problem ansehen. Aber die Drogenbanden Ostasiens, die Heroinhändler der Balkanroute
oder die Haschischverkäufer des Nahen Ostens sind
nicht weniger gravierend, nur weil sie nicht ebenso
häufig auf Gewalt zurückgreifen. Im Stillen untergraben sie das Wohlergehen von Familien, Städten, Institutionen und Nationen mit den illegalen Drogen, die sie
liefern.
Die relative Ruhe dieses Kontinenets sollte einen nicht
zu der Annahme verleiten, die Gefahr habe sich abgeschwächt oder unsere Aufgabe sei erledigt. Die jüngste Studie des Europäischen Parlaments, die belegt,
daß über die Hälfte der in Europa begangenen Straftaten drogenbezogen ist, sollte Motivation genug sein,
um Ihre Bemühungen fortzusetzen. Wir sehen bereits
Anzeichen, daß die verringerte Drogennachfrage in
den Vereinigten Staaten die Drogenhändler auf die
Suche nach neuen Märkten schickt - neuen Märkten in
Europa, Lateinamerika und Asien. Wie wir in Ländern
wie Pakistan beobachten konnten - in denen es den
Statistiken zufolge eine halbe Million neuer Heroinsüchtiger pro Jahr gibt - sind gro ße Mengen an Drogen
zu Billigpreisen das Rezept für eine Drogenepidemie.
Während die Welt ungeduldig die Entstehung des
Europäischen Binnenmarkts erwartet, sollten die europäischen Grenzen nicht Hochsaison für Drogenhändler beim Verkauf ihrer illegalen Ware signalisieren.
Wie wir in den Vereinigten Staaten sehen konnten,
schafft ein überwältigendes Drogenangebot soziale
Probleme, deren Behebung riesige Ressourcen und
viele Jahre benötigt.
Dies ist der Grund, warum multilaterale Organisationen wie der CCC so wichtig sind. Aber Kooperation
muß mehr sein, als der Austausch von Informationen,
Ideen und Ressourcen. Kooperation erfordert das
Ausräumen von Mißtrauen und Rivalität sowie bessere Koordination zwischen den Zoll- und anderen Polizei- und Strafverfolgungsbehörden, weil wir alle einen
gemeinsamen Feind haben. Alle Drogenhändler müssen
wissen, daß sie sich mit einer geschlossenen, effektiven und entschlossenen Front konfrontiert sehen.
Händlerringe werden nicht durch willkürliche, unkoordinierte Durchsuchungen auf Flugplätzen oder Häfen
zerschlagen. Aber mit enger Zusammenarbeit und
dem Austausch von Informationen können Sie etwas
bewirken. Wir düfen es internationalen Kriminellen
schlicht und einfach nicht gestatten, frei zu agieren,
während die gesetzestreuen Nationen der Welt daneben stehen und nichts tun.
Während sich die Drogenhändler weltweit auf der
Flucht befinden, haben wir die historische Chance,
dem Drogenhandel ein für allemal das Geschäft zu
versalzen. Es ist jetzt an der Zeit für Ihre Länder, Ihre
Anstrengungen zu verdoppeln, um sicherzustellen,
daß die sozialen Zerstörungen von Drogenmißbrauch
AMERIKA DIENST 47

�und -abhängigkeit nicht das Gefüge Ihrer Länder zunichte
machen. Es ist jetzt Zeit, weiter sowohl auf den
hiesigen als auch auf den von Ihnen zusammen mit
unseren Freunden in Lateinamerika und Asien in die
Wege geleiteten Strafverfolgungs-, Therapieprogrammen und Unterstützungsmaßnahmen aufzubauen. Es
ist jetzt an der Zeit, unser Bündnis bei der Bekämpfung
dieses internationalen Problems zu erweitern. Wir
müssen die Zusammenarbeit in allen Bereichen ausdehnen - nicht nur bei der Zollfahndung oder den
Strafverfolgungsbehörden - so gut sie auch sein mögen.
Wir brauchen einen besseren Austausch von Erfahrung und Know-how bei Präventions- und Therapieprogrammen sowie bei Programmen zur Aufklärung
und Schärfung des Bewußtseins.

*

AMERIKA DIENST 47

*

Mit dem Ende des Eisernen Vorhangs und dem Zerfall
alter Regime ist eine neue Ära in Europa angebrochen.
Diese Ära darf nicht von den sich zusammenziehenden Wolken des Drogenmißbrauchs und der Verzweiflung verdunkelt werden. Jeder gefaßte und bestrafte
Drogenhändler, jedes Kind, das die Gefahren des
Drogenkonsums begreift, jeder Abhängige, der"clean°
und nüchtern wieder in die Gesellschaft eingegliedert
werden kann, wird die Zukunft Ihrer Länder erhellen.
Lassen Sie uns enger zusammenarbeiten, um bessere Drogenbekämpfungsprogramme sowie freie und
dauerhafte Institutionen aufzubauen, damit sich unsere Freunde in Lateinamerika, Südwest- und Südostasien und anderen drogenproduzierenden Ländern mit
uns ungeschmälert durch die Tyrannei der Drogen des
hellen Lichts der Demokratie erfreuen können.
*

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zusätzliche Informationen zum Bombenanschlag von Lockerbie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Libyen weiterhin für Terrorakte verantwortlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Broschüre des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Iraner und PFLP-GC: die Ersten Verdächtigen nach dem Sprengstoffanschlag von Lockerbie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Libyscher Terrorismus und Pan Am-Flug 103&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Kommentar der Stimme Amerikas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Martinez fordert Europäer auf, sich dem Drogenproblem zu stellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Brüssel&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>27. Dezember 1978

30

INHALT

DOKUMENTATION
Carter kündigt volle diplomatische Beziehungen mit Peking an
- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 Erklärung der USA zur Anerkennung der Volksrepublik China
Präsident Carter erläutert China-Entscheidung vor der Presse
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Lebenswichtige Energieforschung
US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung neuer Technologien
- von Dale D. Myers -

Staatssekretär im US-Energieministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
War die Planetenbildu.ig anders?
Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der bisher
gültigen Theorie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

CARTER KÜNDIGT VOLLE DIPLOMATISCHE BEZIEHUNGEN MIT PEKING AN
- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 15. Dezember 1978
in einer kurzfristig angesetzten Fernseh- und Rundfunkansprache vom Weißen
Haus aus mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China
vom 1. Januar 1979 an volle diplomatische Beziehungen aufnehmen werden.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Guten Abend. Ich möchte ein gemeinsames Kommunique verlesen, das
auch in diesem Augenblick von der Führung der Volksrepublik China bekanntgegeben wird.
"Gemeinsames Kommunique über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China
am 1. Januar 1979.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China sind
übereingekommen, sich gegenseitig anzuerkennen und mit Wirkung vom 1. Januar
1979 diplomatische Beziehungen aufzunehmen.
Die Vereinigten Staaten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten erkennen die Regierung der Volksrepublik
China als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas an.

In diesem Zu-

sammenhang wird das Volk der Vereinigten Staaten kulturelle, kommerzielle
sowie andere inoffizielle Beziehungen mit dem Volk von Taiwan aufrechterhalten.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China bekräftigen die Grundsätze, die von beiden Seiten in dem Kommunique von
Schanghai vereinbart wurden, und unterstreichen erneut, daß
-

beide Seiten die Gefahr eines internationalen militärischen
Konfliktes zu reduzieren wünschen;

-

keine Seite eine Hegemonie - die Herrschaft einer Nation über die
andere - in der asiatisch-pazifischen Region oder in irgendeiner
anderen Region der Welt anstrebt und jede Seite den Anstrengungen
irgendeines anderen Landes oder einer Gruppe von Staaten entgegentritt, eine solche Hegemonie zu errichten;

-

keine Seite bereit ist, im Namen einer dritten Partei zu verhandeln oder in Abkommen oder Vereinbarungen mit der anderen
einzutreten, die gegen andere Staaten gerichtet sind;

-

die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die chinesische
Position anerkennt, daß es nur ein China gibt und daß Taiwan ein Teil
Chinas ist;

und daß

beide Seiten glauben, daß eine Normalisierung der chinesischamerikanischen Beziehungen nicht nur im Interesse des chinesischen
und des amerikanischen Volkes liegt, sondern auch zur Sache des
Friedens in Asien und in der Welt beiträgt.

�Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China
werden zum 1. März 1979 Botschafter austauschen und Botschaften einrichten."
Unser Land und die Volksrepublik China haben gestern dieses endgültige historische Abkommen erzielt.
Am 1. Januar 1979 - in etwas mehr als 2 Wochen - werden unsere
beiden Regierungen eine volle Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
erreichen.
Als eine Nation talentierter Menschen, die ein Viertel der gesamten
Bevölkerung der Erde umfaßt, spielt China eine wichtige Rolle in den
weltpolitischen Angelegenheiten - eine Rolle, die in den vor uns liegenden
Jahren nur noch wichtiger werden kann.
Wir ergreifen diesen wichtigen Schritt nicht aus kurzlebigen taktischen
oder vorteilhaften Gründen.

Wenn wir anerkennen, daß die Volksrepublik

China die einzige Regierung Chinas ist, dann erkennen wir eine einfache
Realität an. Aber diese Entscheidung betrifft weit mehr als eine Anerkennung
der Fakten.
Vor der Entfremdung der letzten Jahrzehnte hat das amerikanische und
das chinesische Volk eine lange Geschichte der Freundschaft verbunden.
Wir haben bereits damit begonnen, einige dieser früheren Bindungen neu
anzuknüpfen. Ein rascher Ausbau unserer Beziehungen erfordert jedoch
jene Art von Strukturen, welche diplomatische Beziehungen möglich machen
werden.
Die Änderungen, die ich heute Abend ankündige, werden von großem
langfristigen Nutzen sowohl für das Volk der Vereinigten Staaten als auch
Chinas sein und, so glaube ich, für alle Völker der Welt.

Die

�Die Normalisierung sowie die erweiterten kommerziellen und kulturellen
Beziehungen, die damit zusammenhängen, werden zum Wohlergehen unseres
eigenen Landes und zu unserem nationalen Interesse beitragen,und sie werden
die Stabilität in Asien fördern.
Diese positiven Beziehungen zu China

können in nützlicher Weise der

Welt zugute kommen, in der wir leben und in der unsere Kinder leben werden.
Wir haben bereits damit begonnen, unsere Verbündeten sowie den Kongreß
über die Einzelheiten unserer geplanten Maßnahmen zu unterrichten.
bin bereits in Verbindung mit den Führern Taiwans getreten.

Ich

Aber ich möchte

auch dem Volk von Taiwan eine besondere Botschaft vermitteln, mit dem
das amerikanische Volk in der Vergangenheit umfassende, enge und freundschaftliche Beziehungen unterhalten hat und dies auch in Zukunft tun
wi rd.
Wie die Vereinigten Staaten in dem Kommunique von Schanghai im Jahre
1972 unterstrichen haben,werden wir auch weiterhin ein Interesse an der
friedlichen Lösung der Taiwan-Frage haben.
Ich habe besondere Aufmerksamkeit darauf verwendet, sicherzustellen,
daß eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China das Wohlergehen des Volkes von Taiwan nicht
gefährden wird.
Das Volk der Vereinigten Staaten wird unsere gegenwärtigen kommerziellen,
kulturellen, handelspolitischen sowie andere Beziehungen mit Taiwan durch
nichtregierungsamtliche Möglichkeiten aufrechterhalten.

Zahlreiche

andere Länder tun dies bereits mit Erfolg.
Diese Entscheidungen und Maßnahmen eröffnen ein neues und wichtiges
Kapitel in der Geschichte unseres Landes und auch in weltpolitischen

- 4 -

�weltpoli tisehen Angelegenhei ten.
Um den Nutzen dieses neuen Verhältnisses zwischen der Volksrepublik
China und den Vereinigten Staaten zu fördern und zu beschleunigen, freue
ich mich, ankündigen zu können, daß der stellvertretende Ministerpräsident
Teng meine Einladung zu einem Besuch Washingtons Ende Januar angenommen
hat.

Sein Besuch wird unseren Regierungen die Gelegenheit bieten, mit-

einander über globale Fragen zu sprechen und gemeinsam mit der Arbeit an
der Förderung der Sache des Weltfriedens zu beginnen.
Diese Erteignisse sind das endgültige Resultat langer und ernsthafter
Verhandlungen, die von Präsident Nixon im Jahre 1972 aufgenommen und unter
der Präsidentschaft von Präsident Ford weitergeführt wurden. Die Ergebnisse
legen Zeugnis ab von den stetigen und entschlossenen überparteilichen Bemühungen unseres Landes, eine Welt aufzubauen, in der der Friede das Ziel
sowie die Verantwortung aller Länder sein wird.
Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und China verfolgt keinen anderen Zweck als diesen:

die Förderung des

Friedens.
Aus diesem Geiste heraus - und zu dieser Zeit des Friedens - bin ich
besonders stolz darauf, Ihnen heute Abend diese gute Nachricht mitteilen
zu können.

- 5 -

�a

1
I

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Dezember 1978

30

ERKLÄRUNG DER USA ZUR ANERKENNUNG DER VOLKSREPUBLIK CHINA

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus veröffentlichte am 15. Dezember 1978
eine "Erklärung der Vereinigten Staaten" zur amerikanischen Anerkennung
der Volksrepublik China, die folgenden Wortlaut hat:
"Mit dem 1. Januar 1979 anerkennen die Vereinigten Staaten von Amerika
die Volksrepublik China als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas.
Mit dem gleichen Datum gewährt die Volksrepublik China den Vereinigten
Staaten von Amerika eine solche Anerkennung.

Die Vereinigten Staaten

nehmen damit diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.
Zur gleichen Zeit, am 1. Januar 1979, werden die Vereinigten Staaten
von Amerika Taiwan mitteilen, daß sie die diplomatischen Beziehungen beenden und daß das gegenseitige Verteidigungsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Republik China in Einklang mit den Bestimmungen des Vertrages aufgehoben wird.

Die Vereinigten Staaten erklären ferner, daß sie

ihr verbleibendes militärisches Personal innerhalb von vier Monaten von
Taiwan abziehen werden.
In der

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�In der Zukunft werden das amerikanische Volk und das Volk von Taiwan
wirtschaftliche, kulturelle und andere Beziehungen ohne offizielle
Regierungsrepräsentation und ohne diplomatische Beziehungen beibehalten.
Die Administration wird sich um Anpassungen an unsere Gesetze und
Bestimmungen bemühen, die die Beibehaltung kommerzieller, kultureller
und anderer nicht auf Regierungsebene liegender Beziehungen unter den
neuen Umständen, wie sie nach der Normalisierung bestehen werden, erlauben.
Die Vereinigten Staaten sind zuversichtlich, daß das Volk von Taiwan
einer friedlichen und prosperierenden Zukunft entgegensieht.

Die Vereinigten

Staaten haben auch weiterhin ein Interesse an der friedlichen Lösung der
Taiwan-Frage und erwarten, daß sie von den Chinesen selbst friedlich gelöst
werden wird.
,

•

•

Die Vereinigten Staaten glauben, daß die Aufnahme diplomatischer,
Beziehungen zur Volksrepublik China zum Wohlergehen des amerikanischen
Volkes, zur Stabilität in Asien, wo die Vereinigten Staaten ein großes
Sicherheits- und Wirtschaftsinteresse haben, und zum Frieden für die
gesamte Welt beitragen wird."

+ + + + +

'••

•

�I

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

PRÄSIDENT CARTER ERLÄUTERT CHINA-ENTSCHEIDUNG VOR DER PRESSE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Unmittelbar nach seiner neunminütigen Fernsehansprache traf Präsident Jimmy Carter mit Pressevertretern im Weißen
Haus zusammen und erläuterte ihnen seine Entscheidung.
Die Niederschrift der Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
Präsident Carter: Ich wollte kurz vorbeikommen und Sie wissen lassen,
daß dies meiner Auffassung nach ein außerordentlich wichtiger Augenblick
in der Geschichte unseres Landes ist. Es ist ein Augenblick, den ich
und meine beiden Vorgänger mit Nachdruck angestrebt haben. Wir haben den
Standpunkt der Vereinigten Staaten mit Festigkeit vertreten, und erst
seit den letzten Wochen hat sich immer mehr herausgestellt, daß Ministerpräsident Hua und der stellvertretende Ministerpräsident Teng zu einer
Normalisierung der Beziehungen bereit waren. Ich glaube, daß die Interessen
von Taiwan in angemessener Weise geschützt worden sind. Einer meiner Mitarbeiter wird Ihnen die Einzelheiten erläutern.
Unser

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D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Unser Botschafter dort, Leonard Woodcock, hat bei der nachdrücklichen
und deutlichen Darlegung unserer Ansichten gegenüber den Vertretern der
Volksrepublik China hervorragende Arbeit geleistet.

Ich werde mich in

angemessener Weise auf den Besuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten
Teng vorbereiten.

Wir haben ihn an dem einen Tag eingeladen, und ohne

Verzögerung hat er am nächsten Tag die Einladung angenommen, und ich
glaube,er sieht dieser Reise mit großer Erwartung und auch Vergnügen
entgegen.
Ich habe heute abend persönlich mit Ministerpräsident Ohira gesprochen.
Heute früh haben wir die Vertreter Taiwans unterrichtet, und wir haben auch
zahlreichen führenden Politikern in aller Welt von dieser langerwarteten
Entwicklung in unserer nationalen Diplomatie Kenntnis gegeben.
Ich glaube, einer der größten Nutzen, der sich aus dieser Entwicklung
ergibt, ist die Fortsetzung starker Handels- und kultureller Beziehungen
mit Taiwan, dem Volk von Taiwan, sowie eine neue Aussicht auf prosperierende
Handelsbeziehungen mit fast einer Milliarde Menschen in der Volksrepublik
China.
Die Entwicklung wird natürlich auch gefördert durch die neue Möglichkeit,
das chinesische Volk (besser) zu verstehen und energisch für den Frieden
in diesem Gebiet sowie für den Frieden überhaupt in der Welt zu arbeiten.
Heute nachmittag wurde die Sowjetunion durch ihren hiesigen Botschafter
Mr. Dobrynin unterrichtet, und ich glaube,die Sowjets waren mit der Tatsache
vertraut, daß wir eine Normalisierung erwarteten, wann immer die Chinesen
bereit waren, auf unsere vernünftigen Bedingungen einzugehen.

Sie waren

also nicht überrascht.
Wie Sie sehr wohl wissen, unterhalten die Sowjetunion und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen.
Meine
- 2 -

�Meine Beurteilung dieses Schrittes läuft darauf hinaus, daß er von
fast jedem Land dieser Welt, vielleicht von allen Ländern, wohlwollend
aufgenommen wird, weil er zur Stabilität beiträgt.

Die Sowjets sowie

andere Länder wissen sehr wohl - und zwar auf grund unserer privaten
Erläuterungen, nicht nur erst kürzlich, sondern schon in den vergangenen
Monaten - daß wir absolut nicht den Wunsch haben, unsere neuen Beziehungen
zu China zum Nachteil der Sowjets oder irgendeines anderen Landes zu
benutzen.
Wir sind der Überzeugung, daß dieser Schritt die Stabilität fördern
und keine Instabilität in Asien sowie der übrigen Welt hervorrufen wird.
Darüber bin ich sehr erfreut. Und es ist kein Zweifel, daß ich
einen Hauptteil dieses Erfolges Präsident Nixon und Präsident Ford zuschreiben muß, die die Grundlage für diese erfolgreichen Verhandlungen
gelegt haben. Und der größte Teil der Prämissen, die vor sechs Jahren
oder mehr im Kommunique von Schanghai niedergelegt wurden, ist jetzt
verwirklicht worden.
Man kann also sagen, daß ich erfreut bin, und ich weiß, daß die
Welt auf Ihre genaue Erläuterung der Ergebnisse wartet.
Frage:

Wie wurde es von den Führern im Kongreß aufgenommen?

Antwort: Die Reaktion war gemischt. Einige der anwesenden Führer
im Kongreß haben seit sehr langem sehr starke freundschaftliche Beziehungen
zu den Vertretern der Regierung von Taiwan, sie sind aber nicht so eingehend vertraut mit den offiziellen Vertretern der Volksrepublik China.
Eine der am ausgiebigsten debattierten Fragen war, ob wir unser
Verteidigungsabkommen mit Taiwan abrupt beenden würden oder ob wir den
Vertrag in Einklang mit seinen eigenen Bestimmungen aufheben würden.

- 3 -

Und

�Und die Vertreter der Volksrepublik stimmten der von uns vertretenen
Position zu, daß wir Taiwan ein Jahr im voraus von der Vertragsaufhebung
unterrichten würden und daß das Verteidigungsabkommen während des Jahres
1979 gültig bleiben solle.

Ich glaube, das hat einige der Besorgnisse

und Bedenken bei den Senatoren verringert.
Eine andere von ihnen zum Ausdruck gebrachte Sorge war, ob wir unsere
kulturellen und unsere Handelsbeziehungen zum Volk von Taiwan beibehalten
würden oder nicht.

Ich gab ihnen die Versicherung, daß wir das könnten

und daß die Chinesen das wüßten.

Und wir werden den Kongreß schon recht

bald zu Beginn der Sitzungsperiode um eine besondere Gesetzgebung ersuchen, die eine solche Form des Austausches mit dem Volk von Taiwan
möglich macht.

Dazu würde auch gehören, daß die Export- Importbank

und die OPIC (Overseas Private Investment Corporation) ermächtigt werden,
bei spezifischen Handelsverhandlungen Garantien zu übernehmen und zu
helfen.
Ich glaube, daß wir viele ihrer Besorgnisse haben verringern können,
aber dennoch wird es sicher einige Kongreßmitglieder geben, die der
Ansicht sind, daß wir den "status quo" hätten beibehalten sollen. Ich
nehme jetzt noch eine letzte Frage entgegen!
Frage:
antworten?
Antwort:

Wird die ganze Nation auf Ihre Rede mit massivem Beifall
Und wie, meinen Sie, wird die Reaktion auf Ihre Rede in Taiwan sein?
Ich bezweifle, daß es in Taiwan massiven Beifall geben

wird, aber wir tun alles, was wir vermögen, um dem Volk von Taiwan zu
versichern, daß für uns an der Spitze - als das eine, was an der Spitze
der Prioritäten in unseren Beziehungen zur Volksrepublik und zu ihnen
steht - daß das Wohlergehen des Volkes von Taiwan keinen Schaden erleiden wird.
Die Antwort

-4 -

�Die Antwort auf die andere Frage - ich glaube nicht, daß dies einen
irgendwie nachteiligen Effekt auf die in der Sache davon unabhängigen
SALT-Verhandlungen haben wird.

Und meiner Ansicht nach haben die Sowjets,

wie ich bereits früher sagte, mit dieser Entwicklung gerechnet.

Sie

waren nicht überrascht, und wir haben sie in jüngster Zeit darüber informiert.
Ihre Reaktion war nicht abweisend,und wir werden energisch weiter vorangehen, so wie wir dies in den letzten Monaten getan haben, und zwar durch
meine eigene Administration, um ein erfolgreiches SALT-Abkommen zum
Abschluß zu bringen."

+ + + + +

- 5 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

LEBENSWICHTIGE ENERGIEFORSCHUNG
US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung
neuer Technologien
- von Dale D. Myers Staatssekretär im US-Energieministerium

- (AD) - Eines der ersten energiepolitischen Ziele Präsident Carters,
die Senkung der Zuwachsrate für den Verbrauch, ist der Verwirklichung
nähergekommen: Sie betrug 1977 nur noch 2,1 Prozent und lag damit um
mehr als die Hälfte niedriger als 1976. Mit der Verabschiedung des
Nationalen Energiegesetzes ist zu erwarten, daß sich diese günstige
Entwicklung noch beschleunigen wird und die Zuwachsrate merklich unter
die Marke von 2 Prozent gebracht werden kann. Das Nationale Energiegesetz
soll außerdem helfen, bis zum Jahr 1985 ölimporte im Umfang von 2,5 bis
2,9 Millionen Barrel pro Tag (ca. 357 000 - 415 000 Tonnen/Tag) einzusparen. Allein das Erdgasgesetz wird dafür sorgen, daß die ölimporte
um 50 Prozent zurückgehen. Die Einsparungen für die Handelsbilanz
könnten bis 1985 etwa 14 Milliarden Dollar (nach heutigem Dollarwert) ausmachen.
Aber

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

�Aber das jetzt in Kraft getretene Gesetz ist nur ein Anfang.

Eines

der wichtigen Ziele der nächsten Stufe - des Nationalen Energieplanes II,
der Anfang 1979 bekanntgegeben wird - ist die Lösung des ülpreisproblems.
Der Preis von einheimischem öl muß ungefähr auf das Preisniveau von Importöl
angehoben werden.

Preispolitik, Sparmaßnahmen und die Ermutigung zur Inan-

spruchnahme von Alernativ-Energien, wie dies im Energiegesetz vorgesehen
ist, sollen maßgeblich zur Verringerung der ölimporte beitragen.

Fortschritte

zur Nutzung von alternativen Energiequellen werden allerdings durch
Investitionen in neue Technologien erkauft werden müssen.
Dies ist natürlich mit vielen Problemen verbunden.
an die sogenannte "tertiäre" Erdölgewinnung.

Man denke nur

In den heute vorhandenen

und erschlossenen ölfeldern liegen schätzungsweise noch 300 Milliarden
Barrels (fast 43 Milliarden Tonnen), wenn die herkömmliche primäre und
die senkundäre Förderung abgeschlossen ist.
Drittel der ursprünglichen ölvorräte.

Das sind noch immer zwei

Um aber nur einen Teil dieser

"Reste" aus dem Boden zu holen, sind hochentwickelte, sehr viel wirksamere
und aufwendige Fördertechniken notwendig.

Die meisten sind unter den

heutigen Marktverhältnissen unwirtschaftlich und verlangen Investitionen,
die vorläufig nur schwer zu realisieren sind.
Ähnlich ist es mit der riesigen Menge von Erdgas, die in Schiefervorkommen des Appalachen-Gebirges, in tiefliegenden Sanden in Oklahoma
und bestimmten geologischen Schichten entlang der Küste des Golfs von
Mexiko eingeschlossen sind. Es werden spezielle und komplizierte neue
Verfahren notwendig sein, um diesen wertvollen Rohstoff zu lokalisieren,
mengenmäßig zu erfassen und mit entsprechenden Bohrungen zu fördern.
Die Produktion von Synthesegas und synthetischen Flüssigbrennstoffen
schafft Möglichkeiten, den Kohlenverbrauch in den Vereinigten Staaten
auszuweiten.

Kohle, die in den USA 90 Prozent der Reserven an fossilen

Brennstoffen ausmacht, auf die aber nur 18 Prozent des amerikanischen

�amerikanischen Verbrauchs an Primärenergie entfallen, muß wieder zu einem
Hauptlieferanten für Energie werden.

Bis jetzt ist es aber noch nicht

möglich, synthetische Brennstoffe aus Kohle zu Preisen herzustellen, die
mit den Preis für Erdgas oder Erdöl konkurrieren könnten.

Es ist jedoch

nicht auszuschließen, daß mit der Zeit - etwa im Laufe der nächsten 10
Jahre - infolge des Anstiegs der Preise für öl und Gas der Ausgleich eintritt und unter Umständen die Substitutionsenergien, die heute doppelt so
teuer sind wie öl, nicht nur wettbewerbsfähig werden, sondern sogar bei
entsprechend großem Angebot dazu beitragen könnten, die ölpreise zu drücken.
Es liegt deshalb im nationalen Interesse, die Forschung auf dem Gebiet
der synthetischen Brennstoffe wie auch auf anderen Gebieten umgehend massiv
zu fördern. Die amerikanische Industrie muß die geeigneten neuen Technologien
zur Verfügung haben, wenn Importöl unerschwinglich teuer wird. Das USEnergieministerium erfüllt hier eine wichtige Funktion. Von Anfang an ist
es eine seiner Hauptaufgaben, die sogenannte Kommerzialisierung zu unterstützen - d.h. die beschleunigte Umsetzung von Technologien aus dem
Versuchsstadium in die marktreife Anwendung. Mit allen seinen Abteilungen
ist das Ministerium bemüht, der Kommerzialisierung den Weg zu ebnen.
Im November setzte es eine ganze Serie von Konferenzen mit Vertretern von
Industrie und Wirtschaft aus allen Teilen der USA in Gang, um Kommerzialisierungspläne detailliert darzustellen, Technologie-Transfer zu beschleunigen
und die Weichen zu stellen für die Einführung neuer Technologien, von denen
in der Sicht des Ministeriums die Privatindustrie nun profitieren kann.
Aber die Regierung kann nur Katalysator sein.

Die eigentlichen

Beiträge müssen von der Privatwirtschaft kommen, die über die Ressourcen
verfügt, welche die Regierung weder besitzt noch wünscht.

Bis jetzt

sind ungefähr 20 neue Verfahren als besonders förderungswürdig eingestuft
worden.

Sie betreffen in erster Linie Stromerzeugung, die Herstellung

von flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und Wärmeerzeugung mit Sonnenenergie.

Einige von ihnen sind sehr aussichtsreich, haben aber eine

- 3 -

�eine verhältnismäßig lange Anlaufzeit, andere könnten sofort - wenn auch
bescheidene - Beiträge zur Energieproduktion leisten.
Von grundsätzlicher Bedeutung sind die Arbeiten auf dem Gebiet
der Fördersteigerung für Erdöl und von unkonventionellen Verfahren zur
Förderung von Erdgas.

Intensivförderung bei öl könnte, wenn sich

keine

besonderen Schwierigkeiten ergeben, bis 1985 etwa 143 000 Tonnen pro Tag,
bis 1990 fast 300 000 Tonnen pro Tag an Erdöl bringen.
Gasförderung sind die Aussichten sogar noch besser:

Für die unkonventionelle

Durch sie könnten

etwa ab 1985 Gasmengen produziert werden, die fast 143 000 Tonnen entsprechen,
und 1990 bereits dreimal so viel.
Sofortige, allerdings bescheidene Beiträge dürften einige andere
neue Technologien leisten - z.B. die Wirbelbettverbrennung von Kohle zur
Verringerung der Schwefelbestandteile in der Abluft, die Anlage kleiner
Wasserkraftwerke sowie verschiedene Solarenergiesysteme.

Der Energie-

ertrag wird aber in den nächsten Jahren bei allen diesen Systemen nur das
Äquivalent von rund 7 000 Tonnen öl/Tag erreichen.
Einsparungstechniken, insbesondere in Verbindung mit Motoren,
Heizanlagen und Geräten, die weniger Energie verbrauchen, lassen außerdem
auf weitere Rückgänge der amerikanischen ölimporte in allernächster Zeit
hoffen. Schon allein technische Verbesserungen an ölheizanlagen könnten den
Tagesverbrauch um fast 36 000 Tonnen senken.
All dies läßt erkennen, daß es kein Patentrezept gibt, um unsere
ölimporte zu verringern. Wir brauchen vielmehr ein breites Spektrum von
Technologien, wenn wir für die achtziger und neunziger Jahre schmerzliche
Konsequenzen für die Wirtschaft vermeiden wollen. Im Weitvergleich
zeigen die Vereinigten Staaten übrigens eine günstigere Entwicklung, als
dies gemeinhin dargestellt wird. So erhöhte sich in der Zeit von 1967 1977 in der ganzen Welt die ölnachfrage um 70 Prozent, in den USA dagegen
nur um 46 Prozent. Im Jahr 1967 betrug der Anteil Amerikas am Welt- 4 -

�Weltölbedarf 35 Prozent; bis 1977 war er auf 30 Prozent zurückgegangen.
In vielen anderen Ländern hat er sich in den letzten 10 Jahren mehr
als verdoppelt.

Im Jahr 1967 machten die ölexporte aus dem Nahen

Osten

nach Westeuropa und Japan ca. 943 000 Tonnen/Tag aus; zehn Jahre später,
1977, beliefen sich die Mengen auf 1,85 Millionen Tonnen pro Tag.
Amerikanische öl kaufe in den Nahostländern machten 1967 etwa 28 500 Tonnen
pro Tag aus.

Im darauffolgenden Jahrzehnt stiegen unsere Importe aus

dieser Region prozentual gesehen erheblich - aber den 1,85 Millionen
Tonnen für Europa und Japan stehen nur wenig mehr als 370 000 Tonnen
pro Tag für die Vereinigten Staaten gegenüber»

+ + + + +

5 -

�1
»

3

Uli//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

WAR DIE PLANETENBILDUNG ANDERS?
Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der
bisher gültigen Theorie

- (AD) - Die Theorien über den Ursprung und die Entwicklung der
Planeten unseres Sonnensystems müssen möglicherweise revidiert werden.
Am Ames-Forschungszentrum der NASA in Mountain View (Kalifornien), der
Leit- und Auswertungszentrale für das Projekt PIONIER-VENUS I und II,
versuchen Wissenschaftler.die ersten Ergebnisse der Serienstudie vom
9. Dezember 1978 zu deuten, die den Erwartungen aufgrund der bestehenden
Theorie absolut nicht entsprechen.
Sie betreffen in erster Linie Informationen über die Atmosphäre
des leuchtenden Gestirns, das einmal als Schwesterplanet der Erde bezeichnet wurde. Die "Geschwister" scheinen jedoch grundverschieden
voneinander zu sein. Ob sie überhaupt Familienähnlichkeit besitzen und
tatsächlich aus dem gleichen Urstoff zu etwa gleicher Zeit entstanden
sind, wird immer fraglicher.
Es waren

Postfach 20 0 3 0 0

Tel: 02221-89 32 40

�Es waren nämlich höchst unerwartete Daten, die sowohl die Umlaufsonde
(PIONIER-VENUS I ) , die am 4. Dezember 1978 in einen stark exzentrischen
Venusorbit eingeschwenkt war, als auch die fünf direkt auf den Planeten
gelenkten Forschungsgeräte zur Erde funkten.

Deren Gemeinschaftsattacke

kam am 9. Dezember, nachdem sie bereits im November, noch etwa 11 Millionen
km von der Venus entfernt, voneinander getrennt worden waren und jedes
auf eigener Bahn auf das Ziel zuflog.

Vier von ihnen sollten Absturzbahnen

folgen, die die Gewähr gaben, daß sowohl die Tag- und Nachtseite der
Venusatmosphäre als auch ihr pol- und äquatornaher Bereich sondiert wurden.
Eines dieser Geräte brachte dann sogar der Wissenschaft ein Sondergeschenk,
indem es nach dem Aufstürz noch unerwartet für weitere 68 Minuten Meßdaten
zur Erde funkte.

Dann waren die Batterien erschöpft, und sicherlich

hatte auch die Hitze (mehr als 480°C) ihr Teil zu seinem Verstummen beigetragen.

Der "Bus", das ursprüngliche Trägergerät für die vier Auf-

sturzsonden, verglühte etwa 130 km über der Oberfläche in der Atmosphäre
der Venus.

Seine Meßdaten waren nach dem Eintauchen in den Luftmantel

vier Minuten lang empfangen worden.
Die Ermittlung von Temperaturen, Druck und Zusammensetzung der
Venusatmosphäre, direkte Messungen und Beobachtungen in verschiedenen
Höhenbereichen waren die Aufgaben der AufSturzsonden.

Die Ingenieure

hatten sie so zu konstruieren, daß sie beim Durchgang durch die Atmosphäre
samt der ca. 20 km dicken dichten Wolkenschicht oberhalb von ca. 50 km
Höhe auch den extremen Hitze- und Druckverhältnissen in Bodennähe standhielten.

Und nur ganz präzise Berechnungen konnten die Gewähr geben,

daß die Geräte auch tatsächlich die gewünschten Punkte auf der Oberfläche
in harter Landung erreichten.

Wäre z.B. die Erde das Ziel gewesen, würde -

dies nur zum Vergleich - das Netz ihrer Verteilung von Oslo in Norwegen
und der Malagassenrepublik im Indischen Ozean bis hin zur Amazonasmündung
in Brasilien und einem Punkt im Pazifik vor der Stadt Santiago de Chile
reichen.
- Hochbetrieb im Funkverkehr mit sechs Satelliten gleichzeitig -

- 2 -

�Nicht weniger schwierig und kompliziert war die Bewältigung der
nachrichtentechnischen Aufgaben auf dem Höhepunkt der Mission.
nach "Fahrplan" kam die Sechsergruppe am Planeten Venus an.
kritische Phase:

Exakt

Erste

Einsteuern des Orbiter in die vorgesehene Umlaufbahn.

Mehrfach wurden in den ersten Tagen der venusnächste und venusfernste
Bahnpunkt verändert,bis schließlich mit 233 km und 65 983 km die bestmöglichen Werte für die Umlaufellipse erreicht waren.

Während dieser Zeit

mußte natürlich auch der Funkverkehr mit der noch immer im Anflug befindlichen Fünfergruppe (PIONIER-VENUS II) voll aufrechterhalten werden.
Am 9. Dezember endlich tauchten innerhalb von Minuten ihre vier gegen
Reibungshitze geschützen Aufsturzsonden nacheinander in die Venusatmosphäre
ein.

Wenig später folgte der "Bus".

vom Arnes-Forschungszentrum meint:

Projektleiter Dr. Charles Hall

"Es war der komplizierteste Job von

Satellitenüberwachung und Funkverkehr, den wir je hatten".
Die Beobachtungsstationen auf der Erde mußten zu sechs Geräten gleichzeitig Verbindung halten, von denen jedes einzelne Hunderte von Informationseinheiten ("bits") in der Minute übermittelte.

Mit dem Eintritt der

vier Landesonden in die dichte Venusatmosphäre kam es bei allen zunächst
einmal zum "Blackout", wie man dies z.B. von zurückkehrenden AP0LL0Raumschiffen her kannte:

Um die Kapsel bildet sich infolge der Reibungs-

hitze ein Mantel glühender ionisierter Gase, die den Funkkontakt unterbrechen.

Während des weiteren Absinkens meldete sich aber jede der Sonden

präzise zum erwarteten Zeitpunkt wieder und übermittelte ihre zahlreichen
Meßdaten.
"Unterhalb von 49 km Höhe ist die Atmosphäre bemerkenswert klar, bis
hinunter zum Boden", fand Dr. Boris Ragent vom Arnes-Forschungszentrum.
In 15 km Höhe registrierten alle vier Sonden eine Temperatur von 377°C.
Von da an zeigte sich bei allen das gleiche Problem:

Die Temperatur-

messer spielten plötzlich verrückt, möglicherweise als Folge eines Kurzschlusses, den die stark korrodierend wirkende Atmosphäre hervorgerufen

- 3 -

�hervorgerufen haben könnte.

"Was wirklich passierte, verstehen wir noch

nicht", erklärt Dr. Alvin Seiff (Arnes-Institut). Die Daten für die übrigen
Meßwerte dagegen kamen bis zum Aufstürz - in einem Fall noch für weitere
68 Minuten - ordnungsgemäß durch.
1972 übrigens noch 107 Minuten

Die sowjetische Sonde VENERA 8 hatte

nach ihrer Landung Daten von der Oberfläche

gesendet, dabei 480 C als Oberflächentemperatur sowie einen Druck von mehr
als dem 90fachen des Drucks an der Erdoberfläche gemessen.
Diese Daten stimmen gut mit jenen überein, die amerikanische Wissenschaftler in Untersuchungen von der Erde aus ermittelt hatten.

Sie kenn-

zeichneten die Venus als eine lebensfeindliche, höllisch heiße Welt.

Ein

sogenannter Treibhauseffekt unvorstellbaren Ausmaßes bestimmt dort die
Umweltbedingungen.

Das Kohlendioxid, aus dem die Venusatmosphäre zu mehr

als 95 Prozent besteht, und Wasserdampf stauen die Wärme der Sonneneinstrahlung, so daß die Wärme nicht in den Weltraum abgestrahlt wird.

Da-

durch erfährt die Oberfläche eine Aufheizung auf mörderische Temperaturen.
Die amerikanischen Sonden meldeten Werte um 483°C.

Verständlich, daß

unter diesen Bedingungen Wasser in flüssiger Form nicht existieren kann,
auch wenn der hohe Druck den Siedepunkt erhöht,

übrigens lieferten optische

Sensoren der Sonde, die die harte Landung länger als eine Stunde überlebte,
Anhaltspunkte über die Beschaffenheit der Oberfläche:

Durch den Aufstürz

wurden Staubmassen aufgewirbelt, die vier Minuten brauchten, bis sie
wieder zu Boden gesunken waren.
- Theoretiker in Verlegenheit Aufregung verursachte zunächst einmal die Erkenntnis, daß der Gehalt
der Venusatmosphäre an dem Edelgas Argon, und zwar an dem Isotop mit
der Massenzahl 36, etwa lOOmal größer ist als in der Erdatmosphäre.

Das

Gas müsse, so meinen die Wissenschaftler, noch aus dem Urstoff von Gasen
und Staub stammen, der sich vor 4,5 Milliarden Jahren um den neugeborenen
Stern, unsere Sonne, bewegte.
haben.

Aus ihm dürften sich die Planeten gebildet

Weshalb aber die Venus soviel mehr Argon als die Erde, und noch

- 4 -

�noch sehr viel mehr als der Mars habe zurückhalten können, ist noch ein
Rätsel.
Theoretisch müßten die inneren Planeten - Merkur, Venus, Erde, Mars schon vor langer Zeit ihre Urgase zum größten Teil verloren haben. Und es
gibt vorläufig keine einleuchtende Erklärung, weshalb die Venus ihre
Uratmosphäre behielt, die Erde dagegen sie weitgehend verlor. Denn beide
Planeten haben etwa die gleiche Masse, sind ungefähr gleich groß und
haben - nach kosmischen Maßstäben - eine vergleichbare Entfernung zur
Sonne.
"Unsere Vorstellungen von der Planetenbildung waren notgedrungen
stark vereinfacht", meint Michael B. McElroy von der Harvard-Universität,
einer der Projektwissenschaftler. "Schließlich war die Erde bis vor
wenigen Jahren der einzige Planet, den wir näher erforscht hatten. Aus
den 'Bausteinen', die wir von der Erde her kannten, versuchten wir in
der Theorie die Planeten Merkur, Venus und Mars zu konstruieren." Dazu
Dr. Thomas Donahue von der Universität Michigan: "Wir müssen wieder zurück
an die Tafel und neue Theorien über die Bildung und die Evolution von
Planeten entwickeln." Viele der neuen Meßdaten seien mit der Theorie
vom gemeinsamen Ursprung gerade der Planeten Erde und Venus nicht zu vereinbaren.
Inzwischen ausgewertete erste Daten von der Umlaufsonde, des Orbiter,
zeigen, daß die Luft in der Hochatmosphäre über dem Nordpol ca. 25°C wärmer
ist als über dem Äquator, wo am meisten Sonnenlicht einfällt. Es wird
angenommen, daß atmosphärische Strömungen vom Äquatorbereich in Richtung
zu den Polen diese Unterschiede hervorrufen. In der Venusatmosphäre
steigt heiße Luft über der Äquatorzone auf, verliert auf ihrem Weg zu
den Polen an Wärmeenergie, sinkt deshalb in tiefere Schichten ab und wird
dabei durch Kompressionskräfte aufgeheizt.
Wie die

�Wie die vier Landesonden fand auch der Orbiter - er braucht für
einen Umlauf 24 Stunden 14 Minuten - mit Hilfe eines Massenspektrometers
Sauerstoff, Kohlenstoff bezw. Kohlendioxid, Helium, Stickstoff, Neon
und Wasserdampf in der Atmosphäre.

In ca. 370 km Höhe registrierte

er überwiegend atomaren Sauerstoff, fand aber auch molekularen Sauerstoff
neben Wasserstoff, Helium, Stickstoff und C0 2 .

In tieferen Bereichen

ändert sich, so Harry Taylor vom Goddard-Raumflugzentrum.die relative
Häufigkeit dieser Substanzen.

Wegen des schwachen Magnetfeldes an der

Venus könnten, so wird ferner vermutet, von dem sehr "heißen", wenn auch
schwachen Sonnenwind große Gasmengen aus dem Bereich der hohen Ionosphäre
in der Lufthülle der Venus fortgetragen werden.
Die Spektrometer geben Hinweise auf deutliche und scharfe Übergänge
zur IonoDause bei 612 km und 532 km Höhe - sowohl in der Abstiegs- als
in der Atrfetiegsbahn des Orbiter.

Die Daten lassen auf ausgeprägte

Strukturen, aber auch Störungen in diesem Bereich schließen.

Die Tatsache,

daß die Elektronen-Temperaturen, d.h. ihre Bewegungsenergie, nahe dem
venusnächsten Bahnpunkt höher sind als erwartet, könnte auf eine wirksamere
Aufheizung der hohen Ionosphäre durch den Sonnenwind zurückzuführen sein,
als man erwartet hatte. Aber es wäre auch denkbar, daß ein noch unbekannter
Mechanismus am Werke ist, durch den die obere Schicht der Ionosphäre
gegenüber der unteren isoliert wird.
Die Wissenschaftler - unter ihnen Spezialisten aus anderen Ländern

wie Dr. Jaques Blamont von der Universität Paris und Prof. Ulf von Zahn
von der Universität Bonn - werden auf Monate hinaus mit der Analyse der
Daten von den PIONIER-VENUS-Sonden beschäftigt sein. Sie hoffen, Ähnlichkeiten wie ausgeprägte Unterschiede zwischen den inneren Planeten ermitteln
und Antworten auf die Frage finden zu können, weshalb die Entwicklung
auf dem Planeten Venus anders verlaufen ist als auf der Erde. Dies könnte
sogar für die Zukunft der Menschen auf unserem Planeten und ihren Umgang
mit Natur und Umwelt von erheblicher Bedeutung sein. Denn einen selbst-

- 6-

�selbstverschuldeten "Treibhauseffekt" z.B., der durch gedankenlose Anreicherung der irdischen Lufthülle mit Kohlendioxid verursacht würde,
können wir uns nicht leisten.

+ + + + +

/

A

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan begrüßt freigelassene US-Geiseln im Weißen Haus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident warnt vor Gewaltakten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Clark: Stellvertretender Außenminister&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&amp;nbsp;Murray L. Weidenbaum: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bill E. Brock: Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des früheren Präsidenten Carter nach dem Treffen mit den Heimkehrern aus dem Iran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Wissenschaftler warnt vor Wirkung von Zigarettenrauch auf Säuglinge&amp;nbsp;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON

#

2 8 . J a n u a r 1987

I N HA LT

DOKUMENTATION
Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation
- 27. Januar 1987 -

Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung
des Terrorismus unternehmen
- Ansprache von Justizminister Meese -

Anhaltender Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus
- NorIdnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumflug ohne Risiko gibt es nicht
- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Fluren
im Jahr 1988 -

* * * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
28. Januar 1987

PRÄSIDENT REAGANS BOTSCHAFT ZUR LAGE DER NATION
- 27. Januar 1987 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Reagan hat am 27. Januar 1987 vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses seine in der Verfassung vorgesehene Botschaft zur Lage der Nation - "State of the Union Address" - verlesen.
Präsident Reagan erklärte, die Erde sei jetzt aufgrund der Bemühungen seiner Administration um die Wiederherstellung der Stärke Amerikas, ein sicherer
Ort, aber "obwohl die Welt sicherer ist, so ist sie doch nicht sicher".
Reagan drückte sein "Bedauern über eine Sache aus. Ich bin bei unserer Aktion
im Iran ein Risiko eingegangen. Es hat nicht geklappt, und ich übernehme dafür die volle Verantwortung".
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte Ihnen allen, den Mitgliedern
dieses
historischen
100.
Kongresses
der Vereinigten
Staaten
von Amerika, gratulieren.
In diesem
200. Jahr unserer Verfassung werden
Sie und ich von starken Säulen getragen - von den Menschen, deren Worte
und Taten Wind in die Segel der Freiheit geblasen haben.
Wir müssen dennoch immer daran
denken, daß unsere Verfassung nicht
gefeiert werden sollte, weil sie so
alt, sondern weil sie so modern ist modern wegen derselben Energie, des-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

selben Geistes und der Versprechen,
die jeden ereignisreichen Tag im Parlamentsgebäude von Philadelphia erfüllten. Wir werden uns heute abend
von ihren Taten leiten lassen, aber
ihre Worte werden uns immer lenken.
Bitte sehen Sie es mir nach, wenn
ich Ihnen eine Geschichte aus jenen
Tagen erzählen möchte.
Philadelphia
war im Frühjahr 1787 vom Stolz aller
Bürger erfüllt und die Zeitungen begannen, anläßlich der Ankunft der Delegierten der Versammlung deren Namen
mit Titeln auszuschmücken.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Die
Gouverneure
der
einzelnen
Staaten wurden "Exzellenz" genannt.
Richtern und Kanzlern war die Bezeichnung "Honorable" mit groGem "H"
vorbehalten, Kongreßabgeordneten dagegen waren "honorable" mit kleinem
"h". Alle anderen Mitglieder wurden
"die folgenden ehrwürdigen Herrschaften" genannt.
Bei diesem 100. Kongreß berufe
ich mich auf meine besonderen Befugnisse als Präsident und erkläre, daß
jedem von Ihnen kein geringerer Titel
als "Honorable" mit großem "H" zusteht.
Wir sehen heute abend an diesem
ehrwürdigen Ort ein neues Gesicht.
Bitte gratulieren Sie mit mir zusammen dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Jim Wright. Mr. Speaker, sie
werden sich an eine ähnliche Situation bei ihrer ersten Sitzung im
Kongreß vor 32 Jahren erinnern. Dort
war wie heute der Platz des Sprechers
neu vergeben worden und ein anderer
bedeutender
Sohn
von
Texas,
Sam
Rayburn, - "Mr. Sam" - saß auf Ihrem
Platz.
ich könnte
keine besseren
Worte finden, als die, die Präsident
Eisenhower an jenem Abend benutzte:
"Wir werden zusammen noch viel zu tun
haben; ich bin sicher, daß wir es
schaffen werden - und daß wir es in
Eintracht und mit Wohlwollen angehen
werden".
Heute abend möchte
ich diesen
Wunsch wiederholen, und Ihnen, Mr.
Speaker wie auch dem Mehrheitsführer
des Senats, Bob Byrd, der 34 Jahre
hervorragenden
Dienstes
in
den
Kongreß einbringt, sagen: obwohl es
Veränderungen in diesem Kongreß gibt,
bleiben
Amerikas
Interessen
doch
gleich.
Ich bin zuversichtlich, daß
dieser Kongreß zusammen mit den Führern der Republikaner, Bob Michel und

Bob Dole, in die Geschichte
wird.

eingehen

Vor sechs Jahren habe ich an dieser Stelle den Kongreß gebeten, gemeinsam mit mir in Amerika einen neuen Anfang zu machen.
Auf das Ergebnis können wir stolz
sein.
Unsere
Inflationsrate
ist
jetzt die niedrigste seit einem Vierteljahrhundert. Der Leitzins ist von
21,5 Prozent vor unserem Amtsantritt
auf heute 7,5 Prozent gefallen, und
diese Zahlen haben den größten Zuwachs an Hausneubauten der letzten
acht Jahre hervorgerufen.
Die - immer noch zu hohe - Arbeitslosenquote
ist die niedrigste
seit nahezu sieben Jahren, und es
sind etwa 13 Millionen neuer Stellen
geschaffen worden. Mehr als 61 Prozent aller Personen über 16 Jahre,
Männer wie Frauen, sind berufstätig der höchste jemals verzeichnete Prozentsatz .
Lassen sie uns die Ärmel hochkrempeln, an die Arbeit gehen und
Amerikas wirtschaftlichem Motor wieder Vollgas geben.
Auch unsere in der ganzen Welt
erzielten
Fortschritte
sollten
uns
Mut
machen.
Das Wichtigste
ist:
Amerika lebt in Frieden und die Freiheit ist auf dem Vormarsch. Wir haben in den vergangenen Jahren viel
getan, um unsere Verteidigung, unsere
Bündnisse und unsere Führungsrolle in
der Welt wiederherzustellen.
Unsere
Söhne und Töchter in den Streitkräften tragen wieder mit Stolz ihre Uniformen .
Aber
obwohl
wir
soviel
Fortschritt erzielt haben, so möchte ich
doch zu einer Sache mein Bedauern
ausdrücken. Ich bin bei unserer Ak-

- 2 -

�tion im Iran ein Risiko eingegangen.
Es hat nicht geklappt und ich übernehme dafür die volle Verantwortung.
Die Ziele waren ehrenwert.
Ich
glaube nicht, daß es falsch war, zu
versuchen, Kontakte zu einem Land von
strategischer Bedeutung herzustellen
oder zu versuchen, Leben zu retten.
Und ganz sicher war es nicht falsch,
zu versuchen, Freiheit für unsere in
barbarischer Gefangenschaft gehaltenen Mitbürger zu erlangen. Aber wir
haben nicht das erreicht, was wir
wollten, und bei dem Versuch selbst
wurden
ernstliche
Fehler
begangen.
Aber wir werden der Sache auf den
Grund gehen, und ich werde alle hierzu notwendigen Aktionen unternehmen.
Aber wenn wir über die Vergangenheit sprechen, dürfen wir nicht die
Erfolge der Zukunft außer acht lassen. Es darf nie von dieser Generation von Amerikanern gesagt werden,
sie sei so sehr von ihrem Versagen
besessen gewesen, daß wir uns geweigert hätten, Risiken einzugehen, die
die Sache des Friedens und der Freiheit in der Welt hätten vorantreiben
könnten.
Es steht
eine Menge
auf dem
Spiel, und unser Land und die ganze
Welt blicken auf uns - um zu sehen,
ob wir weiterhin gemeinsam im nationalen Interessen vorangehen oder uns
durch Parteilichkeit schwächen lassen.
Und damit über die amerikanische
Politik keine Mißverständnisse aufkommen: Wir werden weder untätig zusehen, wenn unsere Interessen oder
unsere Freunde im Mittleren Osten bedroht werden, noch werden wir terroristischer Erpressung nachgeben.
Also, meine Damen und Herren des
Kongresses, lassen Sie uns an die Arbeit gehen.

Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, daß unsere Bemühungen zur Wiedererrichtung der stärke Amerikas dazu geführt haben, daß die Welt ein
sichererer Ort ist. Anfang des Monats habe ich einen Haushalt vorgelegt, mit dem Amerika verteidigt und
unsere Schwungkraft aufrechterhalten
wird, um die Versäumnisse des vergangenen Jahrzehnt wettzumachen.
Ich
bitte Sie, für eine Verteidigung und
für ein Budget der Außenpolitik abzustimen, das "Ja" sagt zum Schutz unseres Landes.
Obwohl die Welt sicherer
ist sie doch nicht sicher.

ist, so

Seit 1970 haben die Sowjets 500
Milliarden
Dollar
mehr
in
ihre
Streitkräfte investiert als wir. Sogar heutzutage, wo eine von drei sowjetischen Familien immer noch kein
fließend warmes Wasser hat und die
Durchschnittsfamilie
zwei
Stunden
täglich damit beschäftigt ist, für
ihre
Grundbedürfnisse
einzukaufen,
stellte die Regierung die Mittel bereit, um in den vergangenen fünf Jahren Waffen im Wert von 75 Milliarden
Dollar an ihre Satellitenstaaten zu
liefern - an solche Länder wie Syrien, Vietnam, Kuba, Libyen, Angola,
Äthiopien, Afghanistan und Nicaragua.
Wie könnte jemand angesichts der
120 000 Mann an Kampftruppen und Militärpersonal und 15 000 Militärberater in Asien, Afrika und Lateinamerika noch an der einseitigen sowjetischen Entschlossenheit zweifeln, ihren Machtbereich auszuweiten?
Trotzdem hat der Kongreß meine Forderung
nach
der
wichtigen
amerikanischen
Hilfe für die Sicherheit freier Länder dieses Jahr um 21 Prozent gekürzt, und die von mir in den vergangenen drei Jahren beantragten Mittel
für die Verteidigung wurden ebenfalls

- 3 -

�um 85 Milliarden Dollar beschnitten.
Diese Hilfsprogramme dienen unserem nationalen Interesse genauso wie
unseren gegenseitigen Interessen, und
wenn die Programme vernichtet werden,
wird dadurch amerikanischen Interessen Schaden zugefügt. Meine Freunde,
es ist meine Pflicht als Präsident,
Ihnen heute abend nochmals zu sagen,
daß es keinen sichereren Weg gibt,
die Freiheit zu verlieren als unsere
Entschlossenheit aufzugeben.
Heute zeigen die tapferen Menschen in Afghanistan genau diese Entschlossenheit.
Die Sowjetunion will
angeblich eine friedliche Einigung in
Afghanistan, setzt aber dennoch ihren
brutalen Krieg fort und unterstützt
ein Regime, dessen Tage ganz eindeutig gezählt sind.
Wir sind bereit,
eine politische Lösung zu unterstützen, die den schnellen Rückzug aller
sowjetischen Truppen und die wahre
Selbstbestimmung
des
afghanischen
Volkes herbeiführt.
In Mittelamerika
befindet sich
die Sache der Freiheit ebenfalls auf
dem Prüfstand. Und unsere Entschlossenheit wird auch dort auf die Probe
gestellt. Ganz besonders hier schaut
die Welt zu, wie diese Nation reagiert.
Heute leben über 90 Prozent
der Völker Lateinamerikas in Demokratien.
Die Demokratie befindet sich
in Mittel- wie auch in Südamerika auf
dem Vormarsch.
Das
kommunistische
Nicaragua fällt hier aus dem Rahmen es unterdrückt die Kirche, die Presse
wie auch die Befürworter der Demokratie und leistet der Subversion in
dieser Region Vorschub.
Wir unterstützen
diplomatische
Bemühungen,
aber diese Anstrengungen können niemals erfolgreich sein, wenn die Sandinisten ihren Krieg gegen das nicaraguanische Volk gewinnen.

Unser Engagement für eine westliche Welt, die vor Agression sicher
ist, ist nicht spontan bei unserem
Amtsantritt entstanden.
Es geht auf
die Monroe-Doktrin von 1823 zurück
und lebt in unserer historisch gewachsenen,
überparteilichen
amerikanischen
Politik
fort.
Franklin
Roosevelt erklärte, wir "sind entschlossen, alles zu tun, um den Frieden in dieser Hemisphäre zu erhalten". Präsident Truman sagte es noch
deutlicher:
"internationaler Terrorismus... versucht, in allen Teilen
Amerikas
die
Unabhängigkeit...
zu
zertreten, zu unterminieren und zu
zerstören. Wir dürfen das hier nicht
zulassen".
Und John
F. Kennedy erklärte,
"...über eine Vorherrschaft des Kommunismus in dieser Hemisphäre kann
niemals verhandelt werden".
Vielleicht werden einige von Ihnen von diesem historischen Engagement abrücken, aber ich werde dies
nicht tun .
In diesem Jahr feiern wir das
zweite Jahrhundert unserer Verfassung. Die Sandinisten haben ihre vor
erst zwei Wochen unterzeichnet - und
sie
dann
ausgesetzt.
Wir
wissen
nicht, wie dort über meine Worte von
heute abend berichtet werden wird,
und das aus einem einfachen Grund:
Es gibt keine Pressefreiheit in Nicaragua .
Die
nicaraguanischen
Freiheitskämpfer haben uns niemals gebeten,
für sie zu kämpfen, aber ich werde
mit allen Mitteln dagegen kämpfen,
daß ihnen das Blut entzogen wird und
werde sie nicht dem Tod, der Niederlage oder einem Leben ohne Freiheit
überlassen.
Es darf keinen sowjetischen Brückenkopf in Mittelamerika
geben.

�Wir Amerikaner haben den Dialog
immer der Auseinandersetzung vorgezogen, und wir bleiben immer offen für
konstruktivere
Beziehungen
zur Sowjetunion.
Aber ein verantwortungsvolleres verhalten der Sowjets auf
der ganzen Welt bildet einen wesentlichen Bestandteil im amerikanischsowjetischen
Verhandlungsprogramm.
Auch bei den anderen Verhandlungspunkten sind Fortschritte notwendig wie
die vollständige
Respektierung
der Menschenrechte und offenere Kontakte zwischen unseren Gesellschaften
und natürlich Abrüstung.
Im vergangenen Oktober bot sich
in Island eine kurze Gelegenheit, die
die Sowjets zunichte machten, weil
sie
unsere
Strategische
Verteidigungsinitiative (SDI) lähmen wollten.
Das habe ich ihnen damals nicht gestattet.
Und das werde ich auch
jetzt und in Zukunft nicht zulassen.
Es bildet unser positivstes und vielversprechenstes
Verteidigungsprogramm.
Es ist - für beide Seiten der Weg zu einer sichereren Zukunft,
hin
zu
einer
Struktur,
die
das
menschliche Leben verteidigt anstatt
es zu bedrohen.
SDI wird weiter
fortgesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten haben der
Sowjetunion ernsthafte, gerechte und
weitreichende Vorschläge unterbreite,
und dies ist ein Augenblick der seltenen Gelegenheit für die Abrüstung.
Aber ich und auch die amerikanischen
Unterhändler in Genf werden die Unterstützung des Kongresses benötigen.
Die
Einarbeitung
der
sowjetischen
Verhandlungsposition
in das amerikanische Gesetz wäre nicht die richtige Methode zur Erzielung einer guten
Übereinkunft.
Ich
muß
den
Kongreß darauf hinweisen, daß ich gegen jede Bemühung zur Beschneidung
unserer nationalen Sicherheit und un-

serer Verhandlungsposition
einlegen werde.

mein

Veto

Heute spielen wir auch eine Rolle
bei der Ausweitung des friedlichen
Handels in der ganzen Welt. Wir werden daran arbeiten, um unsere Möglichkeiten auf internationalen Märkten bei der Uruguay-Runde der Handelsverhandlungen zu erweitern und um
ein Handelsabkommen zwischen den beiden größten Handelspartnern der Welt,
den Vereinigten Staaten und Kanada,
abzuschließen, das in die Geschichte
eingehen wird.
Unsere grundlegende Handelspolitik bleibt bestehen: Wir sind nach
wie vor gegen Protektionismus, weil
Amerikas Wachstum und seine Zukunft
vom Handel abhängen. Aber wir werden
auf gerechtem und freien Handel bestehen. Wir wollen immer Partner im
Handel bleiben, aber dabei niemals
ein schwacher Partner sein.
Lassen Sie uns nun vom Ausland
ins Inland zurückkehren, weil Amerika
im Ausland nur so stark ist wie im
Inland.
Dieser 100. Kongreß hat eine große Verantwortung.
Ich möchte nur
leise
daran
erinnern, daß
vieles
hiervon
unerfüllte
Verpflichtungen
der Vergangenheit sind.
Das amerikanische Volk muß ungeduldig sein,
wenn wir keine Ordnung in den öffentlichen Einrichtungen herstellen.
Wir haben erheblichen Erfolg bei
der Wiederherstellung unserer wirtschaftlichen Integrität zu verzeichnen, und wir haben unsere Nation vor
dem
schlimmsten
wirtschaftlichen
Durcheinander seit der Depression bewahrt .
Aber es gibt noch mehr zu tun.
Zunächst ist das Bundesdefizit enorm.

- 5 -

�Seit Jahren habe ich darum gebeten, daß wir die Ausschweifungen unserer Regierung nicht an unsere Kinder weitergeben. Was dem Kongreß zu
tun bleibt, ist die Verabschiedung
eines Zusatzes zur Verfassung, durch
den ein ausgewogener Haushalt obligatorisch wird und der die Regierung
zwingt, mit ihren Mitteln hauszuhalten.
Die Bundesstaaten, die Städte
und die Familien Amerikas gleichen
ihren Haushalt aus. Warum können wir
das nicht?
Zum nächsten Punkt - das Budgetverfahren bietet einen traurigen Anblick. Das Fehlen von Stichtagen und
der Alptraum von monströsen Haushaltsfortschreibungen, bei denen Hunderte von Milliarden Dollar in eine
einzige Vorlage gepackt werden, muß
beendet werden.
Wir bitten den Kongreß noch einmal:
Geben Sie uns das gleiche Instrument, das 43 Gouverneuren zur
Verfügung steht - ein selektives Veto, um sinnlose und unnötige Projekte, die allein niemals überleben würden, beseitigen können.
Ich werde
dem Kongreß breitgefächerte Empfehlungen zum Haushalt zuleiten, aber
zuerst möchte ich Ihre Vorschläge sehen.
Lassen Sie uns an die Arbeit
gehen und dies zusammen bewältigen.
Lassen Sie mich jetzt über das
diesjährige Budget sprechen.
Obwohl
ich einen Haushalt vorgelegt habe,
der sich innerhalb der von GrammRudman-Hollings gesetzten Zielvorgaben für die Reduzierung des Defizits
bewegt, sind mir Vorschläge bekannt
geworden, um diesen Fahrplan zu verlängern. Nun, ich denke, das amerikanische Volk hat genug davon, dieselben alten Entschuldigungen zu hören.
Gemeinsam sind wir eine Verpflichtung eingegangen, den Haushalt

auszugleichen; lassen Sie uns dieses
Versprechen jetzt einhalten.
Was nun Vorschläge betrifft, denen zufolge die Antwort in höheren
Steuern
liegt:
Das
amerikanische
Volk
hat diesen angestaubten Vorschlag wiederholt zurückgewiesen. Es
weiß, daß wir nicht deshalb Defizite
haben, weil die Menschen zu wenig
Steuern bezahlen; wir haben Defizite,
weil der umfangreiche Regierungsapparat zu viel Geld ausgibt.
Im nächsten Monat werde ich dem
Kongreß
zwei
zusätzliche
Reformen
vorlegen.
Wir haben ein Ungeheuer von Sozialhilf esystem
herangezüchtet, das
eine
schockierende Anklage
unseres
Sinnes
für
Prioritäten
darstellt.
Unser
nationales
Sozialhilfesystem
besteht aus ca. 59 größeren Programmen und über 6 000 Seiten an Gesetzen
und Vorschriften. Im Jahr 1985 wurden dafür 132 Milliarden Dollar ausgegeben .
Ich werde eine neue Sozialhilfestrategie vorschlagen - ein Programm
der Sozialhilfereform durch staatlich
geförderte Vorhaben zur Durchführung
in der Gemeinde. Es ist jetzt an der
Zeit, diesen unzeitgemäßen sozialen
Dinosaurier zu reformieren und endlich die Falle der Armut zu zerbrechen. Wir werden diejenigen, die ohne eigenes Verschulden unsere Hilfe
brauchen,
niemals
ihrem
Schicksal
überlassen. Aber lassen Sie uns daran arbeiten, herauszufinden, wie viele Menschen aus der Abhängigkeit von
Sozialhilfe befreit werden können, um
wieder selbst für ihren Unterhalt zu
sorgen; denn dies ist das, was die
große Mehrheit der Sozialhilfeempfänger mehr als alles andere will.
Und dann

lassen

Sie uns ein fi-

�nanzielles Gespenst beseitigen, das
vor allem den älteren Amerikanern zusetzt - die Furcht vor einer Krankheit, die so teuer ist, daß sie zu
einer
unerträglichen
Wahl
zwischen
Bankrott oder Tod führen kann. Ich
werde in Kürze einen Gesetzentwurf
vorlegen, der dazu beitragen soll,
die Alten von der Furcht vor katastrophalen Krankheiten zu befreien.

Zu dieser Gesetzesvorlage werden
Reformen im rechtlichen Bereich zum
Abbau von Vorschriften sowie Waffen
zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken
gehören.
Wettbewerbsfähikeit
bedeutet auch, unseren Landwirten die
Chance zu geben, fair und umfassend
an einem sich verändernden Weltmarkt
teilzuhaben.

Wie immer muß die Vorbereitung
auf die Zukunft bei unseren Kindern
beginnen. Wir müssen ihnen neue und
anspruchsvollere Ziele setzen.
Wir
Es wird vielfach behauptet, Amemüssen von uns selbst und unseren
rika sei im Begriff, seinen Wettbe- I Kindern mehr verlangen, indem wir das
werbsvorteil zu verlieren.
Das wird
Analphabetentum bis zum Jahr 2 000
nicht geschehen, wenn wir jetzt handrastisch
abbauen.
Unsere
Kinder
deln. Wie gut sind wir auf den Einsollten die Grundlagen von Mathematik
tritt in das 21. Jahrhundert vorbeund Naturwissenschaften beherrschen,
reitet?
Zeit meines Lebens hat Ameund wir sollten darauf bestehen, daß
rika der Welt die Maßstäbe gesetzt.^ die Schüler beim Verlassen der High
Jetzt ist es Zeit, zu entscheiden,
School die grundlegenden Texte unsedaß wir auf einem so außergewöhnres nationalen
Erbes studiert und
lichen Leistungsniveau in das nächste
verstanden haben.
Jahrhundert eintreten sollten, wie es
in der Geschichte niemals zuvor dage
Und da ist noch eine Sache, bei
wesen ist.
der
wir
nicht
nachlassen
können.
Lassen Sie uns unsere persönlichen
Anstrengungen verdoppeln, jedem Kind
Wir werden dies erreichen:
Erein sicheres und drogenfreies Lernumstens, indem wir sicherstellen, daß
feld zu schaffen. Wenn der Kreuzzug
der Staat alles nur Mögliche untergegen Drogen bei unseren Kindern Ernimmt, um Amerikas Wettbewerbsfähigfolg hat, werden wir diese Geißel im
keit zu fördern.
Zweitens muß jedera
ganzen Land besiegen.
Einzelne nach außergewöhnlichen Leistungen streben, die sich nicht in
neuen
Vorschlägen
oder
Milliarden
Und schließlich:
Laßt uns damit
neuer öffentlicher Mittel ausdrücken.
aufhören, die geistigen Wurzeln unseStattdessen gehört dazu ein Aufwand
rer nationalen Identität zu verleugan amerikanischem Geist und einfach
nen. Ohne göttliche Hilfe hätte ungeradlinigem amerikanischen Mumm.
sere Nation nicht entstehen können.
Wie ist es möglich, daß wir eine Nation mit Gebeten aufbauen, aber ein
Der Kongreß wird in Kürze meine
Klassenzimmer nicht zum freiwilligen
umfassenden Vorschläge zur VerbesseGebet
benutzen
können?
Der
100.
rung unserer Wettbewerbsfähigkeit erKongreß der Vereinigten Staaten sollhalten - einschließlich neuer Wissente in Erinnerung bleiben als derjenischafts- und
Technologiezentren
und
ge, der die Vertreibung Gottes aus
erheblicher zusätzlicher Mittel für
amerikanischen
Klassenzimmern
beendie Grundlagenforschung.
dete .
Lassen Sie uns nun in die Zukunft
blicken.

- 7

�Das
Streben
nach
außergewöhnlichen Leistungen im 21. Jahrhundert
beginnt in den Klassenzimmern und muß
sich dann am Arbeitsplatz fortsetzen.
Über 20 Millionen neue Arbeitsplätze
werden bis zum Ende dieses Jahrhunderts geschaffen werden. Dann müßte
unsere Wirtschaft in der Lage sein,
jedem einen Arbeitsplatz zu geben,
der arbeiten möchte.
Wir müssen
unsere Arbeitnehmer
auch dazu befähigen, sich an die
schnellen
Veränderungen
ihrer
Arbeitsplätze anzupassen, und ich werde
ein beträchtliches neues, auf Umschulung und Arbeitsplatzmobilität ausgerichtetes Engagement des Bundes vorschlagen.
In den nächsten Wochen werde ich
dem Kongreß eine Reihe von Sonderbotschaften zuleiten - zu Haushaltsreform, Reform der Sozialhilfe, katastrophalen Krankheiten, Wettbewerbsfähigkeit, einschließlich Bildungswesen, Handel, Ausbildung und Unterstützung
von Arbeitskräften, Landwirtschaft und zu anderen Themen.
Der Kongreß kann uns diese Instrumente geben, aber um sie funktionsfähig zu machen, müssen wir alle
unser Bestes geben. Das ist der Kern
amerikanischer Größe.
Die Verantwortung
der
Freiheit
treibt uns zu höherem Wissen und, wie
ich glaube, zu moralischer und geistiger Größe. Durch niedrigere Steuern und einen kleineren Regierungsapparat besitzt der Staat Mittel, um
den Geist der Menschen zu befreien.
Aber nur wir, jeder Einzelne von uns,
können dafür sorgen, daß sich der
Geist an unseren eigenen Maßstäben
emporschwingt.
Es

ist die Vortrefflichkeit, die

der Freiheit ihren Glanz verleiht.
Und ist es nicht das, was wir am
besten tun?
Wir treten jetzt in das dritte
Jahrhundert
unseres Bestehens ein,
aber es ist falsch, eine Nation nach
Jahren zu beurteilen.
Amerika kann
nicht am Kalender gemessen werden,
weil wir dazu bestimmt sind, ein endloses Experiment der Freiheit zu sein
- mit uneingeschränktem Horizont, ohne Grenzen für das, was wir zu tun
vermögen, ohne Endpunkt für unsere
Hoffnungen.
Die amerikanische Verfassung ist
unser leidenschaftlicher und begeisternder Begleiter auf unserem Weg
durch die Geschichte.
Sie erwuchs
aus der grundlegendsten Eingebung in
unserer Existenz: Daß wir hier sind,
um Gott zu dienen, indem wir als
freie Menschen leben - daß das Leben
in Freiheit in uns die erhabensten
Regungen und die besten Fähigkeiten
erweckt. Daß wir diese Gaben für gute und edle Zwecke benutzen und sie
nicht nur für uns selbst und unsere
Kinder,
sondern
für
die
gesamte
Menschheit sichern würden.
Über die Jahre hat mich nichts so
berührt, wie das Gespräch mit der
amerikanischen Jugend. Und insbesondere die ganz Kleinen - mit ihren
frischen Gesichtern und ihrem Wissensdurst - werden von Zeit zu Zeit
Fragen nach unserer Verfassung stellen.
Ich hoffe, daß Sie als Mitglieder
des Kongresses es nicht als Bruch des
Protokolls auffassen, wenn Sie es mir
erlauben, diese Gedanken wiederum mit
den jungen Menschen zu teilen, die
heute abend zusehen oder zuhören mögen .
Ich

habe

die

Verfassungen

einer

�Reihe von Ländern gelesen - darunter
die der Sowjetunion. Einige Menschen
sind überrascht, wenn sie hören, daß
sie eine Verfassung haben, die dem
Volk angeblich eine Reihe von Freiheiten gewährt.
Viele Länder haben
in ihre Verfassungen Bestimmungen für
Rede- und Versammlungsfreiheit eingefügt.
Wenn dies stimmt, warum ist
dann die Verfassung der Vereinigten
Staaten so außergewöhnlich?
Der Unterschied ist so klein, daß
er fast unserer Aufmerksamkeit entgeht - aber er ist so großartig, daß
er uns die ganze Geschichte in nur
drei Worten erzählt: WIR, DAS VOLK.
In diesen
anderen
Verfassungen
teilt die Regierung den Völkern dieser Länder mit, was ihnen zu tun erlaubt
ist.
In unserer Verfassung
teilen wir, das Volk, der Regierung
mit, was ihr erlaubt ist und daß sie
nur die: Dinge tun kann, die in diesem
Dokument aufgezählt werden und sonst
nichts.
Praktisch alle anderen Revolutionen in der Geschichte haben nur einen
Kreis von Herrschern durch einen anderen ersetzt. Unsere Revolution ist
die erste, die besagt, daß das Volk
der Herr ist und die Regierung sein
Diener .
Vergessen Sie das niemals. Eines
Tages könnten Sie in diesem Zimmer
sitzen - aber wo immer Sie auch sind,
Amerika verläßt sich darauf, daß Sie
Ihr Bestes tun - weil hier in Amerika
das Volk herrscht.
Nur drei Worte.
Wir, das Volk. Dazu gehören die
Jungs, die an Weihnachten in klirrender Kälte auf einem Wachtposten am
38. Breitengrad in Korea oder an Bord
eines Flugzeugträgers im Mittelmeer
- 9

Dienst tun. Viele Meilen von zuhause
entfernt. Aber sie tun ihre Pflicht.
Wir, das Volk.
Dazu gehören die
rmherzi gen, deren Zahl wir nicht
Stimmeri können, die den Tag mit eim kurzen Gebet für Geiseln, die sie
emals kennenlernen werden und für
e Familien vermißter Soldaten, den sie nie begegnen werden, beginnen. Warum? Weil wir so sind, dieser einzigartige Menschenschlag, den
wir als Amerikaner bezeichnen.
Wir, das Volk. Das sind Landwirte in harten Zeiten, die aber niemals
damit aufhören, eine hungrige Welt zu
ernähren. Das sind die Freiwilligen
in Krankenhäusern, die ihre Tränen
zurückhalten, während sie um das Leben eines Säuglings kämpfen, dessen
Mutter Drogen nahm. Und, bitte vergeben Sie mir diese persönliche Reminiszenz - das sind Millionen von Müttern wie Nelle Reagan, für die es
niemals einen Fremden gab und die
niemals
einen
Hungrigen
an
ihrer
Küchentür abwiesen.
Wir, das Volk.
Sie widerlegen
den
Fernsehkommentar
der
vorigen
Woche, der
unseren Optimismus und
Idealismus herabwürdigte.
Das sind
die Unternehmer, die Baumeister, Pioniere und eine Menge normaler Leute die wahren Helden unseres Landes, die
die ungewöhnlichste Nation von tatkräftigen Menschen in der Geschichte
bilden. Man weiß, daß sie Amerikaner
sind, denn ihr Geist ist so groß wie
das Universum und ihre Herzen sind
größer als ihr Geist.
Wir, das Volk. Wir gehen in das
dritte Jahrhundert eines Traums und
wehren uns gegen Zyniker , die behaupten,
daß
wir
keine
Fortschritte
machen werden.
Sind

wir

am

Ende?

Oder

stehen

�wir am Anfang?
Nun, ich kann es
nicht besser sagen, als eine wahre
Geschichte zu erzählen - eine Geschichte, die von James Madison am
17. September 1787, ganz am Ende der
verfassunggebenden Versammlung aufgezeichnet wurde. Als die letzten Mitglieder das Dokument unterzeichneten,
blickte Benjamin Franklin - mit 81
Jahren der älteste Delegierte und von
schwacher Gesundheit - auf den Stuhl,
auf dem George Washington täglich den
Vorsitz hatte.
Hinter diesem Stuhl
befand sich ein Gemälde der Sonne,
die über dem Horizont steht.
Indem
er sich den ihm zunächst Sitzenden
zuwandte, befand Franklin, daß es für
den Künstler schwierig sei, beim Malen von Bildern zwischen einer aufgehenden und einer untergehenden Sonne
zu unterscheiden.
Ich weiß, daß wir, wenn wir dort
wären, diese um Franklin herum sitzenden Delegierten
sehen würden
sich zu ihm hinbeugend, um ihm besser
zuhören zu können.
Dann begann Dr.
Franklin, ihnen seine innersten Hoffnungen und Ängste über das Resultat
ihrer Bemühungen mitzuteilen, und er
sagte dabei folgendes:
"Ich habe oft... das Bild hinter
dem Präsidenten betrachtet, ohne in
der Lage zu sein, zu entscheiden, ob
sie auf- oder untergeht:
Heute jedoch habe ich nach langer Zeit das
Glücksgefühl, zu wissen, daß es eine
aufgehende und nicht eine untergehende Sonne ist. "
Sie können jede Wette eingehen,
daß sie aufgeht, denn, meine Mitbürger, Amerika ist nicht am Ende; seine
besten Tage haben gerade erst begonnen .

+ + + +++

�AMERIKA DIENST
V l o N **

Dokumentation

28. Januar 1987

ALLE STAATEN MÜSSEN DIE NOTWENDIGEN SCHRITTE ZUR BEENDIGUNG DES
TERRORISMUS UNTERNEHMEN
- Ansprache von Justizminister Meese WASHINGTON - (AD) - In einer Ansprache vor einer Konferenz zum Thema "Terrorismus in einer technologischen Welt" erklärte der amerikanische Justizminister Edwin Meese am 21. Januar 1987, Staaten müßten den "politischen Willen"
besitzen, gegen den Terrorismus vorzugehen. Während er seine besondere Unterstützung für die Anwendung juristischer Verfahren im Kampf gegen den Terrorismus betonte, erklärte der Minister aber auch, daß es Fälle gebe, in denen "wir
bereit sein müssen, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer".
Die Ausführungen von Justizminister Meese haben folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute das Thema Terorismus unter dem Gesichtspunkt der
Herrschaft des Gesetzes beleuchten.
Dafür gibt es vielleicht kein besseres Beispiel als die Auseinandersetzung mit einer Geschichte, die in
dieser
Woche
die
Nachrichten
beherrscht. Ich spiele damit natürlich
auf unsere Bemühungen in der amerikanischen Regierung und insbesondere
im Justizministerium an, eine derjenigen Personen der Gerichtsbarkeit zu
überantworten, die der Entführung des
TWA-Fluges 847 im Juni 1985 und des
Mordes an einem Angehörigen der amerikanischen Marine beschuldigt werden.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Wir sollten vielleicht diese Geschichte von Anfang an aufrollen
sie beginnt am 14. Juni 1985, dem
Tag, an dem sich die Flugzeugentführung ereignete.
Auf der Grundlage der Bundesgesetze gegen Luftpiraterie und Geiselnahmen in amerikanischen Flugzeugen
haben wir kurze Zeit danach, am 3.
Juli 1985, gegen drei Personen Anklage erhoben, die identifiziert worden
waren und von denen wir glaubten, daß
sie für diesen Vorfall verantwortlich

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�seien.
Am gleichen Tag erließ der
Bezirksgerichtshof hier in Washington
Haftbefehle gegen diese Personen.
Die Dokumente wurden bis zum 17.
Oktober unter Verschluß gehalten, als
wir den Gerichtshof ersuchten, sie zu
öffnen. Und im November wurden förmliche Anklageschriften gegen diejenigen erlassen, die wir als Täter beschuldigten.
Fast 14 Monate später - am 13.
Januar dieses Jahres - wurde eine
dieser
Personen,
Mohammad
Ali
Hamadei, von den Behörden der Bundesrepublik Deutschland verhaftet.
Am
nächsten Tag - dem 14. Januar - haben
wir der Regierung der Bundesrepublik
Deutschland ein vorläufiges Auslieferungsersuchen übermittelt.
Am darauffolgenden Tag haben wir dem Gerichtshof hier in Washington den Antrag unterbreitet, die Anklageschriften freizugeben, um das rechtliche
Verfahren weiterzuführen.
Erst gestern haben wir der Bundesregierung
die Papiere überstellt und um die
Auslieferung von Hamadei an die Vereinigten Staaten ersucht.
Wir erwarten, daß das Auslieferungsverfahren
bald
abgeschlossen
sein
wird
und
daß
Hamadei
nach
Washington
gebracht wird, um sich
dort vor Gericht zu verantworten. Zu
diesem
Zeitpunkt wäre der nächste
Schritt in diesem juristischen Verfahren, ihn vor Gericht zu stellen.
Dies ist also der Verlauf der Geschichte bis heute.
Sie weist auf
einen Punkt hin, dessen Erkenntnis
sehr wertvoll ist: wenn wir uns nun
mit der Zukunft, dem Aufkommen neuer
Technologien und ihrer Beziehung zum
Terrorismus beschäftigen, bleiben die
alten Gesetze und juristischen Verfahren auch im technologischen Zeitalter noch auf den Terrorismus an- 2

wendbar. Sie weist ebenso auf einen
Punkt hin, den diese Administration
schon längere Zeit betont hat: obwohl
der Terrorismus zweifellos eine Bedrohung für die Herrschaft des Gesetzes darstellt, kann dieses Gesetz
selbst benutzt werden, um den Terrorismus zu bekämpfen, ganz gleich ob er
sich nun innerhalb der Grenzen unseres eigenen Landes oder auf internationalen Schauplätzen zuträgt.
Insbesondere möchte ich Ihnen gegenüber darauf hinweisen, daß dieser
Vorfall zunächst die Bedeutung der
Existenz von Gesetzen unterstreicht,
nach denen wir Anklage gegen diejenigen erheben können, die auch im Ausland Akte des Terrorismus gegen unsere Staatsbürger begehen.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten hat klugerweise strafrechtliche
Bestimmungen erlassen, die uns in Situationen wie der gegenwärtigen die
Jurisdiktion übertragen und uns damit
in die Lage versetzen, unmittelbar
wichtige
und notwendige
rechtliche
Schritte zu unternehmen.
Zweitens zeigt dieses Beispiel,
daß, wenn eine von uns gesuchte Person in einem anderen Land festgenommen wird, wie in diesem Fall, rechtliche Mittel bestehen müssen, um diese Person in die Vereinigten Staaten
zu bringen und sie dort vor Gericht
zu stellen. Die Auslieferung ist eines dieser Mittel.
In diesem Fall
wird sie sich als das wichtigste Mittel erweisen.
Wir unterhalten mit
mehr als 100 Staaten Auslieferungsverträge, darunter natürlich auch die
Bundesrepublik
Deutschland.
Solche
Verträge, die vor der Festnahme bestehen müssen, liefern eine ordentliche Rechtsgrundlage, auf der solche
Personen, die hier bei uns terroristischer
Verbrechen
angeklagt
sind,
hierhin gebracht werden können, um

�sich vor Gericht zu verantworten.
Drittens illustriert dieser Fall,
daß es eben nicht genügt, die notwendigen
strafrechtlichen
Vorschriften
oder Auslieferungsverträge zu haben.
Es ist ebenso notwendig, daß ein
starker Wille besteht, diese rechtlichen Instrumente zu benutzen. Gegenwärtig erlebt die Welt etwas besonders Wichtiges in diesem Kampf gegen den internationalen Terrorismus.
Ich beziehe mich dabei auf eine Bekundung des Willens, des politischen
Willens, zweier Nationen - der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland.
Zweifellos werden einige unter Ihnen sein, die Fragen zu
der TWA-Angelegenheit stellen möchten. Wenn es die Zeit erlaubt, werde
ich einige davon so gut ich kann beantworten, jedenfalls so gut, wie ich
dies unter dem Diktat der Klugheit im
Vorfeld eines möglichen Strafprozesses vermag.
Für den Augenblick jedoch möchte ich das Thema Terrorismus
etwas breiter angehen, indem ich einen Überblick darüber gebe, was zur
Bekämpfung dieses Übels getan werden
muß.
Erstens müssen wir in der Regierung und diejenigen, die in Presse,
Hochschule und Wirtschaft tätig sind,
die Öffentlichkeit erziehen, was den
wahren Charkter und das Ausmaß des
Terrorismus angeht.
Botschafter
Benjamin
Netanyahu,
Israels Vertreter bei den Vereinten
Nationen, der den vom Terrorismus geforderten Blutzoll persönlich kennt,
weil sein Bruder als mutiger Oberstleutnant die Aktion von Entebbe leitete, in deren Verlauf er getötet
wurde, hat den Terrorismus als "willkürlichen
und systematischen
Mord,
Verstümmelung und Bedrohung Unschuldiger zur Einflößung von Furcht für
politische
Zwecke"
definiert.
Es

kann niemals Ziele geben, die nobel
genug sind, um Mittel wie diese zu
rechtfertigen.
Terroristen
bedrohen
nicht nur
eine Nation, ein Volk oder eine Einzelperson,
sie befinden sich buchstäblich im Krieg gegen die Herrschaft des Gesetzes, gegen die Normen
und Ideale der Zivilisation.
Zusätzlich ist es wichtig, ein
wirksames Programm gegen den Terrorismus zu besitzen. Dies muß hier bei
uns wie auch im Ausland gelten.
In den letzten Jahren haben wir
große Fortschritte erzielt. Und doch
müssen wir gleichzeitig weiterhin außergewöhnliche Wachsamkeit und Vorsicht walten lassen, weil die Möglichkeit
terroristischer
Anschläge
immer besteht.
in den Vereinigten
Staaten resultiert der Erfolg, den
wir erzielt haben, teilweise aus der
Tatsache, daß die Exekutivorgane sich
eingehend mit den für die Bekämpfung
des Terrorismus notwendigen Fähigkeiten vertraut gemacht haben.
Dies
gilt nicht nur auf Bundeseebene für
Organisationen wie etwa den Geheimdienst und das FBI.
Auch örtliche
Polizeibehörden, die mit den Bundesbehörden
zusammenarbeiten
haben in
den letzten Jahren eine Menge getan,
um auf terroristische Reaktionen vorbereitet zu sein.
Insbesondere das
FBI hat großartige Arbeit auf diesem
Gebiet geleistet. Als Ergebnis seiner
beträchtlichen
Bemühungen
und,
wie ich offen gestehen muß, mit etwas
Glück, ist die Anzahl terroristischer
Vorfälle
innerhalb der Vereinigten
Staaten von 112 im Jahr 1977 auf lediglich 7 im Jahr 1985 und 8 im Jahr
1986 zurückgegangen. Unsere Wachsamkeit besteht weiter und unser Wille
zur Verfolgung von Terroristen dauert
auch heute an, und dies nicht nur im
Ausland in dem von mir erwähnten

�Fall, sondern innerhalb der letzten
48 Stunden mit der Verhaftung eines
der "Weathermen"-Terroristen, die auf
Vorfällen beruht, die sich vor 17
Jahren zugetragen haben. Diese Person wurde festgenommen und wird vor
Gericht gestellt werden.
Allein im
Jahr 1985 hat das FBI durch seine Bemühungen 23 einzelne terroristische
Vorhaben
innerhalb der Vereinigten
Staaten und über einhundert im Ausland entdeckt und verhindert.
Im
Jahr 1986 wurden durch die Arbeit des
FBI mindestens vier
terroristische
Anschläge vereitelt.
Gleichzeitig mit der Verbesserung
der Fähigkeiten von FBI und anderen
Bundesbehörden
- Geheimdienst, Amt
für Alkohol, Tabak und Feuerwaffen
und andere - haben wir auch die Rolle
der Anwälte in der Strafrechtsabteilung ausgeweitet. Auf Grund der Notwendigkeit und der verstärkten Betonung der Anwendung don Gesetzen und
normalen
strafrechtlichen
Verfahren
gegen Terroristen haben unsere Experten ihre Fähigkeiten als Anwälte bei
der Behandlung dieser Fälle weiterentwickelt.
Wir hatten das Glück,
daß einer der Staatsanwälte des Justizministeriums als Teil eines Kontingents unserer Botschaft in Rom zugeteilt wurde.
Durch die guten Dienste nicht nur
der Staatsanwälte sondern auch unserer Kollegen im Außenministerium und
unserer Diplomaten und Botschafter im
Ausland, haben wir an der internationalen Front dem Aufbau des notwendigen rechtlichen Rahmens beträchtliche
Energie gewidmet, um die Festnahme,
Anklage, Auslieferung und die Strafverfolgung von im Ausland festgenommenen Terroristen zu erreichen.
Im
Lauf des letzten Jahrzehnts hat der
Kongreß eine Vielzahl wichtiger Gesetze verabschiedet, durch die unsere
Jurisdiktion über terroristische Ak-

te, die gegen unsere Staatsangehörigen im Ausland begangen werden, auszuweitet wurde. Wir tun dies in einer Weise, die Konflikte mit oder
Einmischung in die legitime Strafverfolgung anderer Länder vermeidet und
eher auf eine Ergänzung von deren Bemühungen abzielt. Wir haben festgestellt, daß dies sehr hilfreich gewesen ist, indem es seitens dieser Länder die unverzügliche Beschäftigung
mit solchen Vorfällen ermutigt hat,
von denen unsere Bürger
betroffen
sind.
Wir haben außerdem neue Auslieferungsverträge
ausgehandelt
und
alte modifiziert, um sie auf den neuesten Stand zu bringen und die Herausforderungen
bewältigen, die bei
der Strafverfolgung von Terroristen
in den achtziger Jahren entstehen.
Während all dieser Prozesse war
der politische Wille bedeutsam, da es
wichtig ist, daß das Engagement und
die Verpflichtung bestehen, bei bestimmten Ereignissen alle notwendigen
Maßnahmen zu ergreifen und alle notwendigen Mittel zu benutzen. Im allgemeinen versuchen wir, den Terrorismus durch das von mir soeben beschriebene rechtsstaatliche Verfahren
zu bekämpfen, das wir auch jetzt im
Fall der Verantwortlichen für den Angriff auf TWA-Flug 847 anwenden.
In anderen Fällen müssen wir jedoch bereit sein, andere Mittel anzuwenden, einschließlich militärischer.
Zweimal im vorigen Jahr haben wir zur
Selbstverteidigung und zur Verteidigung des Gesetzes andere Mittel benutzt. Wir haben dies beim Abfangen
eines Passagierjets getan, der die
Mörder beförderte, die an der Achille
Lauro-Entführung beteiligt waren sowie später bei der Bombardierung militärischer Ziele in Libyen, nachdem
wir Beweise für die libysche Beteiligung an der Zerstörung des Nachtclubs
in West Berlin erhalten hatten.

�Man mag argumentieren, daß jede
Methode, also die Anwendung rechtlicher oder militärischer Mittel, das
Risiko der Vergeltung seitens derselben blutdürstigen Terroristen entweder hierzulande oder im Ausland beinhaltet. Und zweifellos gibt es solche Gefahren. Aber Terroristen darf
keine Immunität zugestanden werden,
nur weil sie das Leben Unschuldiger
bedrohen.
Dieses Prinzip gilt für Strategien wie die Aktion gegen Libyen oder
die israelische Rettungsoperation in
Entebbe.
Aber sie gilt ebenso für
Geiselsituationen, wie wir sie heute
erleben.
Wir haben eine moralische
Verpflichtung
anderen
potentiellen
Geiseln gegenüber - theoretisch betrifft dies jedermann - vor Geiselnehmern nicht zu kapitulieren.
Dies
zu tun, würde zukünftig viele weitere
Zwischenfälle dieser Art ermutigen.
Ein Terrorist kann auf verschiedene Art und Weise gewinnen oder zumindest einen Sieg für sich reklamieren. Offensichtlich gewinnt der Terrorist, wenn eine Regierung seinen
Forderungen nachgibt, da dies seine
Überlegenheit und die Ohnmacht der
Regierung demonstriert.
Zweitens gewinnt der
Terrorist
etwas, wenn er seine Drohung wahrmacht und dadurch Verletzung, Tod
oder Zerstörung von Eigentum verursacht. Dies führt bei den Bürgern zu
Zweifeln an der Fähigkeit der Regierung,
ihre
primäre
Verantwortung
wahrzunehmen, die im Schutz von Leben
und Eigentum ihrer Staatsbürger besteht .
Drittens kann ein Terrorist für
sich einen Sieg reklamieren, wenn er
eine Gesellschaft oder eine Gruppe
von Menschen in einem Ausmaß ein-

schüchtert, daß er Furcht oder Veränderungen in den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten der Menschen oder in ihrem Lebensstil verursacht, weil der
Terrorist dann die Gesellschaft seinem Willen unterworfen hat. Und der
Terrorist kann auch bedeutende Vorteile für sich verbuchen, wenn er
durch seine Provokation eine Uberreaktion bei der Regierung hervorruft,
so daß diese Regierung Schritte unternimmt, die außergewöhnlich
hart
sind, wie etwa die Verweigerung der
Grundrechte für die Bürger oder ungerechtfertigte Eingriffe in deren Leben oder wenn er die Regierung selbst
dazu veranlaßt, die Herrschaft des
Gesetzes aufzugeben und dadurch mit
gleicher Münze zurückzuzahlen. Solch
harte Maßnahmen seitens einer Regierung säen Ressentiments, Unzufriedenheit, Abneigung und letztendlich Illoyalität unter den Bürgern und dienen damit den Zielen, für die der
Terrorist kämpft. Deshalb müssen die
größten intellektuellen Anstrengungen
jeder Nation und jeder Gesellschaft
diesem Prozeß der Bekämpfung des Terrorismus gelten.
Wir haben in den vergangenen zehn
Jahren feststellen können, daß Terroristen behindert und letztlich besiegt werden können. Dazu sind eine
Reihe von Maßnahmen notwendig, über
die Sie durch andere Referenten und
deren Vorträge und Reden informiert
werden.
Lassen Sie mich auf einige
dieser Maßnahmen eingehen.
Wir müssen ständige Wachsamkeit
üben, um terroristische Zwischenfälle
zu verhindern und die Anschläge der
Terroristen zu vereiteln. Dazu gehören bestmögliche und ausgefeilteste
nachrichtendienstliche Mittel, zu denen Überwachung und Ermittlungen
natürlich im Rahmen des Gesetzes zählen. Dazu zählen ebenfalls erhebliche Kontrollen verbunden mit Wach-

- 5 -

�samkeit darüber, wer die Grenzen verschiedener Länder überschreitet.
Zur Bekämpfung
des Terrorismus
gehört auch eine sorgfältige Vorbereitung, so daß auf den teroristischen Angriff selbst angemessen reagiert werden
kann.
Hierzu zählen
viele Dinge, die ich bereits erwähnt
habe - Planung und
Zusammenarbeit
zwischen Exekutivbehörden, ferner eine Strategie und Grundsätze, mit deren Hilfe schwierige Fragen im voraus
beantwortet werden können: wie Geiselnahmen zu handhaben sind, die Weigerung, sich den Forderungen von Terroristen zu unterwerfen, all diese
Dinge, über die das sorgfältige Nachdenken im ruhigen Umfeld ohne einen
gerade
stattfindenden
Terrorangriff
schwer genug fällt; wenn aber eine
solche
Reflektion
nicht ruhig und
sorgfältig erfolgt, ist es unmöglich,
damit im Rahmen der Spannungen und
unter den Bedingungen eines Terrorangriffs selbst fertigzuwerden.
Die Bekämpfung
des Terrorismus
erfordert
ebenfalls eine
fundierte
Ausbildung und Arbeit bei gemeinsamen
Einsätzen, so daß die Abteilungen der
Polizei beispielsweise lernen, zusammenzuarbeiten und ihre Arbeit zu verknüpfen. Und, um noch einmal auf das
Thema der Herrschaft des Gesetzes zurückzukommen, dazu gehört auch die
Entwicklung angemessener Gesetzesbestimmungen. Ich habe bereits die Art
der von uns benötigten Bestimmungen
beschrieben.
Dazu
zählt auch die
Existenz von erfolgreichen Vorgehensweisen der Gerichte.
Unsere englischen Freunde haben
eine Menge darüber gelernt, wie Verfahrensweisen bei Gericht in Nordirland verändert werden mußten, um mit
den dortigen terroristischen Anschlägen fertigzuwerden.
Und die Schaffung
angemessener
Verfahrensweisen

umfaßt die notwendige Sicherheit, so
daß der Prozeß selbst für alle Beteiligten, auch die Richter und die Geschworenen, sicher durchgeführt werden kann.
Und
schließlich
erfordern
die
Maßnahmen gegen den Terrorismus eine
bewußte und geschulte Bürgerschaft,
die uns unterstützt.
Ich habe einige der von uns in
unserem Land durchgeführten Schritte
beschrieben.
Wir
unternehmen
aber
auch Schritte mit unseren Verbündeten
auf internationaler Basis.
Zwölf Länder der Europäischen Gemeinschaft haben sich zu einer Gruppe
zusammengeschlossen,
die
sich
aus
meinen Kollegen in anderen Ländern
zusammensetzt - den Justiz- oder Innenministern, je nachdem, wem die
größte Verantwortung für öffentliche
Sicherheit
und Polizeiaufgaben
zufällt. Und in diesen Ländern ist besonders im vergangenen Jahr viel getan worden.
Aus einer Gruppe, die bisher nur
einmal jährlich in formellem Rahmen
zusammenkam, ist eine effiziente Arbeitsgruppe geworden, die sich auf
den höchsten Ebenen der Regierungen
dieser Länder direkt mit dem Problem
des Terrorismus beschäftigt. Als Ergebnis hat sie ein höheres Ausmaß an
internationaler
Zusammenarbeit
bei
Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus erzielt.
Der
Zusammenarbeit
wurde im Bereich der Grenzkontrollen
und der Kontrolle von Visa und Reisenden verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet. Es liegt eine neuerliche Betonung auf dem Austausch nachrichtendienstlicher
Informationen
und dem
Informationsaustausch über verdächtige
Terroristen
und
terroristische
Vereinigungen wie auch über Methoden
und Taktiken von Terroristen, beson-

�ders im Hinblick auf die Art der Finanzierung terroristischer Aktivitäten.
Und es gibt eine gemeinsame
Übereinkunft,
verdächtige
Personen
auszuweisen. Vor einigen Jahren war
es nur allzuoft zu einfach für einen
verdächtigen
Terroristen, nach der
Ausweisung aus einem Land leichten
Zugang zu einem anderen zu finden.
Jetzt hat die Zusammenarbeit einen
Punkt erreicht, an dem eine aus einem
Land ausgewiesene Person keinen Zugang mehr zu einem anderen Land findet.
Diese Verfahrensweise
hat auch
die erneute Zusammenarbeit unter den
Polizeibehörden im Hinblick auf deren
gemeinsame Vorgehensweise, Ausbildung
und andere Maßnahmen zur Ausarbeitung
ihrer Operationen gefördert.
Im April 1986 waren die Vereinigten Staaten zum ersten Mal in ihrer
Geschichte in der Lage, eine informelle Mitgliedschaft in dieser Gruppe
herzustellen, so daß wir auch über
den Vorsitzenden dieser Gruppe und
mittels
regelmäßiger
Verständigung
und Zusammenarbeit in den Genuß dieser gemeinsamen Aktivitäten kommen.
Diese Beziehung hat einen wertvollen
Beitrag
für unsere Fähigkeiten im
Kampf gegen den Terrorismus geleistet
und wird uns jetzt - und in größerem
Umfang auch in Zukunft - in die Lage
versetzen, besonders im Bereich technologischer Neuerungen in den Beratergruppen
dieser
europäischen Gemeinschaft einen Beitrag zu leisten.
Bei der Bekämpfung der Bedrohung
des Terrorismus durch das Gesetz ist
es eminent wichtig, daß nicht die
Grundsätze dieser Gesetze selbst geopfert werden.
In diesem Zusammenhang denke ich daran, daß ein besonders wichtiger Teil dieser Konferenz
die Aufmerksamkeit ist, die sie der
Rolle der Medien dabei zuteil werden
- 7

lassen .
Natürlich wissen wir alle, daß
Terroristen erst durch Publizität Erfolg haben. Und doch ist es gleichzeitig absolut unerläßlich, daß wir
trotz der terroristischen Bedrohung
nicht einen Schritt von unserem Konzept der Pressefreiheit abrücken.
1985 gab es in England zur Zeit
des Besuchs von Mitgliedern der amerikanischen Anwaitskammer erhebliche
Spannungen über die Rolle der Presse
beim Terrorismus, besonders nachdem
sich dort gerade einige Anschläge ereignet hatten.
Die englische Premierministerin
und andere äußerten
sich zu diesem Thema. Ich denke, daß
es wichtig ist, daß wir angesichts
des Terror ismus erkennen, daß es der
Regierung in keinem Fall zusteht, der
Presse vorzuschreiben, wie sie bei
der
Berichterstattung
über
dieses
Phänomen vorgehen soll.

Es stellte die schlimmste Mißachtung des Gesetzes dar, wenn die Regierung Richtlinien oder Beschränkungen über die Art und Weise, wie die
Presse ihre Arbeit, auch im Bereich
des
Terrorismus,
verrichten
soll,
aufstellen würde.
Meiner Ansicht nach steht es den
Medien selbst zu, und so ist es auch
besonders im vergangenen Jahr in diesem Land geschehen, ihre eigene Position, ihre Verhaltensmaßregeln, ihre
eigenen Verhaltensmaßstäbe und ihre
eigenen Pflichten zu überprüfen. Und
das ist eine der Tatsachen, die sie
bei dieser Konferenz hören werden.
Aber auch im Privatsektor sollten die
dort tätigen Medien in diesem Land
weder durch Zwang von seiten der Regierung noch durch deren Gebote beeinflußt werden.
Wir gehen alle davon aus, daß die

�Herrschaft des Gesetzes unser gemeinsames Erbe darstellt, nicht nur, wenn
es um die Durchsetzung von Gesetzen
oder Terrorismus geht, sondern auch
wenn der Handel und der tägliche Umgang der Menschen untereinander betroffen sind.
Bei allem, was wir
tun, bietet sie die Grundlage für unser Leben und ist die Quelle unserer
Stärke, unseres Wohlstandes und unseres Glücks. Ohne die Herrschaft des
Gesetzes würde in jedem Teil unseres
Lebens das Chaos herrschen. Dies ist
ein Vermächtnis, das wir über das
britische Parlament hinweg bis zu den
Volksversammlungen im antiken Griechenland zurückverfolgen können. Und
sie ist ein Versprechen dieses goldenen Zeitalters in Amerika an noch ungeborene Generationen.

aufkommen: obwohl die Technik sicher
eine notwendige Waffe im Kampf gegen
den Terrorismus darstellt, reicht sie
dennoch nicht aus. Die Technik allein kann das Problem des Terrorismus
nicht lösen. Die Lösung des Terror ismus liegt einzig und allein in der
Bekräftigung unseres politischen Willens, ihm zu widerstehen und dabei
die uns zur Verfügung stehenden Mittel zu benutzen.
Lassen Sie mich
nochmals die Bedeutung der gemeinsamen Willensbekundung der Bundesrepublik Deutschland und der Vereinigten
Staaten
betonen.
Die Länder, die
sich für die Bekämpfung des Terrorismus einsetzen, müssen bereit sein,
jedes verfügbare Mittel zu benutzen,
einschließlich, wie im vorliegenden
Fall, des Rechtsmittels.

Dieses Versprechen geben wir auch
den Demokratien, die noch in den Kinderschuhen stecken, sowie denen, die
noch nicht ins Leben gerufen worden
sind.

Der Terrorist rechnet damit, daß
er
unseren
Willen
zum
Widerstand
durch eine Welle der Furcht brechen
kann. Ihm das Gegenteil zu beweisen,
wird Entschlossenheit und Mut auf allen Ebenen erfordern.

Aber unsere Hoffnungen nach Freiheit gemäß dem Gesetz werden wenig
fruchten, wenn wir nicht die heute
von uns zu unternehmenden Schritte
durchführen, um sie zu sichern.
Wie Sie sicher wissen, werden in
diesem Kampf auf beiden Seiten hochentwickelte technische Mittel angewandt.
Von meinem Blickwinkel aus
betrachtet, scheint die Technik keiner Seite einen entscheidenden Vorteil verschafft zu haben. Die Technik selbst ist neutral - und doch
fähig, großen Schaden anzurichten,
aber auch imstande, großes Unglück zu
verhindern.
Der Westen hat es bisher wünschenswert gefunden
und wird dies
auch in Zukunft tun, den Terrorismus
mit Hilfe der Technik zu bekämpfen.
Aber
damit
keine
Mißverständnisse

Die Vereinigten Staaten traten in
ihrer gesamten Geschichte als friedliebende Nation auf.
Aber so sehr
die Amerikaner den Frieden geliebt
haben, noch mehr lieben sie die Freiheit. In diesem Jahr begehen wir den
zweihundertsten Gründungstag unserer
Verfassung, und die Tatsache, daß unsere Regierungscharta gesetzlich verankert wurde, um den Frieden für alle
Generationen zu bewahren, genau wie
die Gründungsväter unserer Nation in
ihrer Arbeit für die Unabhängigkeit
Freiheit vor Bequemlichkeit und Sicherheit gestellt haben, bildet einen
sehr wichtigen Grundsatz für dieses
Konzept von der Herrschaft des Gesetzes.
Ich bin fest davon überzeugt,
daß heute im Zusammenhang mit dem anläßlich dieser Konferenz besprochenen
Thema die Freiheit nicht weniger als
in den Jahren 1776 oder 1787 weiter-

- 8 -

�hin den ersten Platz in der Skala der
amerikanischen Werte einnnehmen wird.

* * * * * *

�AMERIKA DIENST
VON

4

Dokumentation

28. Januar 1987

ANHALTENDER FORTSCHRITT IM KAMPF GEGEN DEN TERRORISMUS
- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -

WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Sonderbotschafter für Terrorismusbekämpfung, L. Paul Bremer, zufolge haben die Vereinigten Staaten und Westeuropa im vergangenen Jahr bei akuten Fragen zur Behandlung des Terrorismus erhebliche Fortschritte erzielt.
Bei einer am 23. Januar 1987 von Worldnet per Satellit übertragenen Pressekonferenz beantwortete Botschafter Bremer Fragen von Journalisten aus Rom,
Paris, Den Haag, London und Bonn.
Nachfolgend drucken wir diese Diskusion in Auszügen.

Frage:
Würde es ihre Regierung
verstehen, wenn sich die Bundesrepublik weigerte, Mohammad Hamadei auszuliefern, um das Leben der deutschen
Geiseln in Beirut zu retten?
Antwort:
Zum Problem Hamadei:
Wie der Justizminister am Mittwoch
sagte, ist das Verfahren für einen
Versuch, seine Auslieferung zu beantragen und zu erreichen, im Gange.
Dieses verfahren ist sehr kompliziert
und erfordert die Erstellung zahlreicher
Dokumente, die
ins
Deutsche
übersetzt und der bundesdeutschen Re-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

gierung übergeben werden müssen,
ist jetzt geschehen.

Das

Das Verfahren dauert weiter an.
Wir haben volles Vertrauen, daß es im
Einklang mit den deutschen Gesetzen
und
unseren
Auslieferungsverträgen
voranschreiten wird.
Aber ich glaube, daß es vielleicht angesichts der
schwierigen Lage, in der sich die
bundesdeutsche
Regierung
im Augenblick befindet, keine gute Idee ist,
daß ich oder irgendein anderer Sprecher zu dieser Situation weitere Kommentare abgeben.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�An twor t:
Frage:
Sind im Augenblick zwischen Washington und Bonn Verhandlungen über dieses Problem der Auslieferung Hamadeis im Gange?
Antwort:
Nein.
Wie
ich bereits erwähnte, haben wir im Einklang
mit den in unseren Verträgen festgelegten Verfahrensweisen und mit den
bundesdeutschen Gesetzen unsere juristischen
Dokumente vorlegt.
Das
Verfahren dauert an.
Frage:
Ich möchte Ihnen dieselbe Frage noch einmal stellen: Werden die Vereinigten Staaten darauf
bestehen, daß dieser sich gerade in
Frankfurt
aufhaltende Terrorist an
die Vereinigten Staaten ausgeliefert
wird, auch wenn das bedeuten sollte,
daß die beiden deutschen Geiseln im
Libanon getötet werden?
Antwort:
Ich kann nur wiederholen, was ich bereits sagte: Unserer Erfahrung nach - und wir haben in
Fällen von Geiselnahme erhebliche Erfahrungen sammeln können - machen öffentliche Diskussionen dieser Fälle
in solch einem delikaten Augenblick
die Situation nicht gerade leichter
lösbar.
Ich weiß, daß Bundeskanzler Kohl
in der Bundesrepublik zu diesem Thema
eine Nachrichtensperre verhängt hat,
die auch von unserer dortigen Botschaft respektiert wird. Dennoch ist
unsere Haltung allseits bekannt. Wir
haben die Auslieferung Hamadeis beantragt.
Die Anträge sind der bundesdeutschen Regierung übergeben worden, das Verfahren
läuft und ich
glaube, dabei sollten wir es belassen.
Frage:
Waren Sie bis jetzt mit
der Haltung der bundesdetuschen Regierung zufrieden?

- 2

Ja .

Frage:
Das
Problem, wie
bei
Geiselnahmen, besonders bei der Geiselsituation im Libanon und zuvor im
Iran, zu verfahren sei, ruft weiterhin Polemik und Kontroversen hervor.
Glauben Sie, daß Erpressung von Seiten der Terroristen erfolgreich dazu
beitragen wird, Regierungen und Länder aus dem Gleichgewicht zu bringen,
die zu ihren Opfern werden und die
internationale
Zusammenarbeit
gegen
den Terrorismus ernsthaft gefährden
wird?

t

t

Antwort:
Sie
bitten
mich
um
eine Zukunftsvorhersage, was für einen Diplomaten immer etwas risikoreich ist. Ich kann Ihnen nur sagen,
was ich darüber denke und wiederhole,
daß meiner Ansicht nach der Stand der
internationalen
Zusammenarbeit
beim
Terrorismus viel weiter fortgeschritten ist als er das noch vor einem
Jahr war.
Ich habe gerade drei Jahre als
amerikanischer Botschafter in Europa
verbracht und mit beträchtlichem Interesse die Entwicklung eines europäischen Konsenses über die Bedeutung
der
Terror ismusbekämpfung
verfolgt.
Ich glaube, wir haben bei einer Reihe
praktischer Fragen erhebliche Fortschritte erzielt.
Eine interessante
Zahl - und es handelt sich hier um
Vorabstatistiken - , die wir herausgefunden haben, besagt, daß bezüglich
des Terrorismus in Europa im Jahr
1986
internationale
Terroranschläge
um 40 Prozent zurückgegangen sind.
Unseren Statistiken zufolge ist
der durch Gruppen aus dem Mittleren
Osten verursachte Terrorismus in Europa im vergangenen Jahr um 70 Prozent zurückgegangen. Obwohl es gewiß
schwierig ist, festzustellen, welche
Faktoren
genau zu diesem
Rückgang

(

«

�beigetragen haben, glaube ich, daß
die Art unserer Zusammenarbeit in allen Bereichen des Terrorismus erheblich zu diesem Rückgang beigetragen
hat.
Wir wollen hoffen, daß diese
Zusammenarbeit in Zukunft weitergeführt wird.
Frage:
Wenn
der
Terrorist
Hamadei von den bundesdeutschen Behörden an die Vereinigten
Staaten
übergeben wird, zieht Washington es
in Betracht, ihn im Austausch gegen
amerikanische Geiseln zu benutzen?
Antwort:
Nein.
Wenn
Hamadei
an die Vereinigten Staaten ausgeliefert wird, so ist es unsere Absicht wie dies auch der Justizminister bereits am Mittwoch sagte - ihn nach
amerikanischem Gesetz zu verurteilen.
Frage:
Herr
Botschafter,
ken Sie, daß die Regierung der
desrepublik
im
Fall
Hamadei
bleiben und den Forderungen der
roristen nicht nachgeben sollte?

denBunhart
Ter-

Antwort:
Ich
denke, daß
die
Regierung der Bundesrepublik Deutschland sich in einer sehr delikaten Situation befindet. Wir sind uns dessen
natürlich
bewußt
und
da wir
selbst schon eine Reihe von Geiselnahmen durchgemacht haben, haben wir
sehr viel Verständnis für den heiklen
Charakter dieser Situation.

einen Antrag
auf Auslieferung von
Hamadei gestellt und wir wissen, daß
die Verfahren - sehr komplizierte juristische Verfahren - ihren Fortgang
nehmen.
Frage:
Herr
Botschafter,
wie
interpretieren Sie den Auslieferungsvertrag?
Ist er für beide Seiten
bindend oder schreibt er lediglich
einen Austausch von Papier vor?
Antwort:
Auslieferungsverträge
regeln die Auslieferung von Straftätern verschiedener Kategorien, nachdem die im Rahmen der Gesetze beider
Staaten - in diesem Fall der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland - geschaffenen Voraussetzungen in die Tat umgesetzt worden
sind.
Ich bin mit den innerstaatlichen
Verfahren in der Bundesrepublik nicht
genügend vertraut.
In den Vereinigten Staaten gilt, daß, wenn ein Gericht über die mögliche Auslieferung
eines Straftäters befunden hat, die
eigentliche
Entscheidung
über
die
Auslieferung an unsere Exekutive, in
diesem
Fall das
Justizministerium,
zurückverwiesen
wird.
Ich
weiß
nicht, ob dies auch in der Bundesrepublik gilt, aber so funktioniert es
in den Vereinigten Staaten.

Meiner Meinung nach wäre es unklug von mir, zu versuchen, der Bundesregierung einen Rat zu geben, wie
diese Situation gelöst werden könnte.
Sie ist sehr heikel und muß seitens
der Bundesregierung mit großer Sensibilität behandelt werden.

Nachdem also die Voraussetzungen
erfüllt worden sind und wenn unsere
Richter
bestimmen, daß die Person
wirklich diejenige ist, die in einem
anderen Land gesucht wird, würde eine
solche Person dann zur Auslieferung
in Betracht kommen, nachdem unser
Justizministerium
dies
entschieden
hätte.

Ich möchte also nicht versuchen,
der
Bundesregierung
zu raten, wie
diese Situation zu lösen ist.
Wie
ich anfangs schon sagte, haben wir

Frage:
Herr
Botschafter, arbeiten amerikanische und deutsche Beamte im Fall Hamadei zusammen? Auch
in Beirut?

- 3 -

�war .
Antwort:
Natürlich halten wir
zur Regierung der Bundesrepublik über
unsere normalen rechtlichen Kanäle in
der Frage unseres Auslieferungsantrages in bezug auf Herrn Hamadei Verbindung - also zwischen unserem Justizministerium und dem Justizministerium der Bundesrepublik.
Aufgrund der dort vorgelegten Dokumente unterhalten wir regelmäßige
Kontakte. Wie ich schon sagte, läuft
meiner Einschätzung nach zur Zeit das
Verfahren der Auswertung dieser Papiere
in
Übereinstimmung
mit
den
deutschen Gesetzen und unserem Auslieferungsvertrag.

Was sehen Sie als die primäre
treibende Kraft hinter Geiselnahmen
überhaupt an? sind es Motive Einzelner, die die Freilassung von Franzosen fordern oder solche von befreundeten Regierungen, die ihre zusätzlichen Forderungen stellen wollen?
Antwort:
Es ist schwierig, auf
diese allgemeine Frage zu antworten,
weil gegenwärtig unserer Zählung zufolge mehr als 20 Ausländer unterschiedlicher Nationalität im Libanon
von verschiedenen Gruppen festgehalten werden.

Frage:
Herr
Botschafter,
die
Vereinigten Staaten haben im Mittleren Osten gewisse Kontakte ausgebaut.
Werden die Deutschen an den Informationen, die aufgrund dieser Kontakte
in Erfahrung gebracht werden, beteiligt?

In manchen Fällen hat keine Gruppierung die Verantwortung
für die
Geiselnahme übernommen.
In anderen
Fällen hat sich eine Gruppe verantwortlich erklärt, aber keine Forderungen gestellt.
In wieder anderen
Fällen haben die Gruppen sowohl die
Verantwortung
übernommen
als
auch
Forderungen gestellt.

Antwort:
Sie
können
sicher
sein, daß wir alle Informationen, die
wir in der Frage der Geiselnahme von
Staatsangehörigen
irgendeines Landes
erhalten sollten - es gibt, wie ich
schon sagte, Staatsangehörige vieler
Länder, die dort als Geiseln festgehalten werden - den betroffenen Staaten sofort zur Kenntnis bringen werden .

Sie sehen also, wie schwierig es
ist , über die Motivationen jeder
dieser Gruppen eine allgemeine Aussage zu machen. Was auch immer die Motive sein mögen, wir verurteilen sie.
Wir glauben nicht, daß Terrorismus
toleriert werden sollte.

Frage:
Botschafter Bremer, wir
sehen uns in Libyen einer Situation
gegenüber, in der private Gruppen Angehörige der westlichen Welt ihrer
Freiheit beraubt haben, um dann die
Freilassung ihrer Freunde in ausländischen
Gefängnissen
zu
verlangen.
Dies zum ersten. Dann mischten sich
befreundete Regierungen ein, die sich
anbieten, zu vermitteln, wenn ihnen
Waffen und Geld gewährt wird - wie
dies bei Syrien und Libyen der Fall
- 4

Frage:
Glauben Sie nicht, daß
die Aufnahme guter Beziehungen zu Syrien, Iran und Libyen eine wirkungsvollere Art und Weise der Anwendung
des Satzes "gut vorgebeugt ist halb
geheilt" darstellt?
Antwort:
Wir haben diese Frage
bereits früher gehört und stimmen dem
nicht zu. Nehmen wir den Fall Libyen. Unsere Regierung hat fünf Jahre
lang versucht, daran zu arbeiten, die
libysche Unterstützung des Terrorismus zu beenden. Dabei haben wir alle

�Arten von friedlichen Maßnahmen angewandt. Wir haben es mit öffentlicher
und
mit Geheimdiplomatie
versucht.
Wir
haben schließlich Wirtschaftssanktionen und politische Sanktionen
ausprobiert.
Wir haben zu militärischen
Mitteln
gegriffen,
und
schließlich hat Präsident Reagan nach
fünf Jahren und angesichts überwältigender Beweise einer libyschen Beteiligung am Terrorismus einen begrenzten Angriff auf Ausbildungslager für
Terroristen in Libyen angeordnet.
Im Falle Syriens gingen wir nach
demselben Muster vor ; wir haben sehr
lange versucht, die Syrier dazu zu
bewegen, dem Terrorismus ihre Unterstützung aufzukündigen. Wie sie wissen, hat sich Präsident Reagan, nachdem die britische Regierung ihre diplomatische Beziehungen zu Syrien im
November abbrach, entschieden, trotz
Aufrechterhaltung diplomatischer Beziehungen unseren Botschafter abzuziehen - als Beweis für die politische Bedeutung, die wir diesem Problem des staatlich unterstützten Terrorismus beimessen.
Frage:
Herr
Botschafter,
tun
die Europäer genug, um den Terrorismus zu bekämpfen?
Antwort:
Ich
denke, wir
tun
alle nicht genug. Wir können niemals
sagen, daß wir genug tun, bis wir es
geschafft haben, dem Terrorismus ein
Ende zu machen. Solange es noch Terrorismus in der Welt gibt, tun wir
alle nicht genug.
Ich möchte lieber
über den günstigen Trend sprechen,
anstatt diesen Punkt zu betrachten.
Unsere vorläufigen Zahlen für das
Jahr 1986 zeigen, daß international
die Gesamtzahl terroristischer Vorfälle gegenüber 1985 ungefähr gleich
geblieben ist. Das ist immer noch zu
viel.
Das sind international unge-

fähr 800 Vorfälle pro Jahr. Wenn Sie
aber davon ausgehen, daß wir von 1983
bis 1984 und von 1984 bis 1985 einen
jährlichen Anstieg von 30 bis 40 Prozent hatten, dann denke ich, daß wir
zumindest ein gewisses Maß an Befriedigung aus der Tatsache ziehen können, daß im Jahr 1986 die Zahl der
Vorfälle anscheinend gleich geblieben
ist.
Ich meine, daß unsere Kooperation
beginnt, erfolgreich zu sein.
Dies
ist nicht genug; ich glaube, daß wir
alle mehr tun können, insbesondere
bei der Verbesserung unseres Austauschs
von
Geheimdienstinformationen, unserer Fähigkeit zur Entdeckung
von Terroristen
beim
überschreiten
internationaler Grenzen, bei unserer
Fähigkeit zur Verbesserung der Grenzsicherung und beim Informationsaustausch, etwa über gefälschte Reisepapiere .
Es gibt also eine Reihe von Dingen, an denen wir arbeiten und wo
zweifellos wir alle mehr tun können.
Frage:
Herr
Bremer,
glauben
Sie, daß die Vereinigten Staaten und
Europa über die Zusammenarbeit bei
der Identifizierung und Auslieferung
von Terroristen und den Informationsaustausch hinaus versuchen sollten,
eine
gemeinsame
Eingreiftruppe
zu
entwickeln, um mit Notfällen, wie
Flugzeugentführungen, fertig zu werden?
Antwort:
Es hat auch auf dieser Seite des Atlantik einige Diskussionen zu diesem Thema gegeben. Obwohl es oberflächlich ein attraktiver
Gedanke sein könnte, finde ich selbst
es sehr schwierig zu verstehen, wie
das in der Praxis funktionieren soll.
Es ist sehr schwierig, sich vorzustellen, wie die an solch einer Truppe beteiligten Staaten in der Lage

- 5 -

�sein würden, die Art von sehr schneilen und unmittelbaren Entscheidungen
zu treffen, wie sie bei terroristischen Vorfällen oft verlangt werden,
insbesondere bei einer militärischen
Reaktion auf einen Fall von Terrorismus.
Das bedeutet jedoch nicht,
daß man sich nicht mit einer solchen
Frage beschäftigen sollte.

gedeuteten
Art
der
schon bereitet wurde.

Frage:
Was sind Ihrer Meinung
nach in Europa und den Vereinigten
Staaten die wahrscheinlichen konkreten Möglichkeiten für die Erzielung
einer
umfassenden
Übereinkunft für
eine gemeinsame Bekämpfung des Terrorismus?
Antwort:
Ich denke, wir haben
schon beträchtliche Fortschritte erzielt.
Ich weiß nicht, wie Sie das
Wann
einer
endgültigen
umfassenden
Übereinkunft und das Wie einer Bekämpfung des Terrorismus definieren,
aber ich glaube, daß wir beträchtliche Fortschritte erzielt haben.
Wenn sie zum Beispiel auf das
vergangene Jahr zurückblicken, dann
haben wir große Anstrengungen unternommen, um Staaten, die den Terrorismus fördern, davon abzubringen.
Im
vergangenen Jahr hat es in diesem Bereich auch in Europa beträchtlichen
Fortschritt gegeben. Die Europaische
Gemeinschaft hat am 27. April dazu
eine energische Erklärung abgegeben,
der in den anschließenden Monaten zusätzliche, ebenfalls sehr energische
Erklärungen und weitere Taten europäischer Regierungen gefolgt sind, um
den staatlich geförderten Terrorismus
zu verurteilen, zunächst gegenüber
Libyen und in jüngster Zeit, im November und Dezember, gegen Syrien.
Ich meine, daß die Grundlage für
eine
sehr
bedeutsame
Übereinkunft
zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa in der Frage der von Ihnen an- 6 -

* * * *

Zusammenarbeit

�^DJ^&lt;

^7

&lt;X

AMERIKA DIENST
Wissenschaft und Technik

2 8 . J a n u a r 1987

RAUMFLUG OHNE RISIKO GIBT ES NICHT
DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von S h u t t l e - F l ü g e n
im J a h r 1988 -

WASHINGTON - (AD) - Im nächsten
Jahr, frühestens am 18. Februar 1988,
soll zum ersten Mal nach dem CHALLENGER-Unglück vom 28. Januar 1986
wieder ein Raumtransporter starten.
Vorgesehen ist eine Mission von vier
TagenDauer mit der DISCOVERY.
Kommandant Frederick Hauck wird zusammen
mit den Astronauten Richard Covey als
Kopilot sowie John Lounge, George
Nelson und David Hilmers als Missionsexperten den Flug unternehmen.
Auf einer am 15. Januar 1987 in
Washington veranstalteten Pressekonferenz ließ Hauck jedoch keinen Zwei-

United States Information Service
Embassy of the United States of America

fel daran, daß dieser "als sehr optimistisch
einzuschätzende
Termin"
nur dann eingehalten werde, wenn er
persönlich und die Verantwortlichen
der NASA
(US-Behörde für Luft- und
Raumfahrt) von der Sicherheit und
Flugbereitschaft des Geräts überzeugt
seien.
Hauck betonte, daß er und die
Kollegen - alle erfahrene Astronauten
- glücklich seien, für diesen Flug
benannt worden zu sein. Die bemannte
Raumfahrt solle und müsse weitergehen.
Dennoch sei das Unglück, bei

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�dem sieben Astronauten an Bord ihr
Leben verloren, noch frisch im Gedächtnis und werde nicht vergessen
werden.
"Für uns alle ist der 28.
Januar
ein schreckliches Trauma...
aber wir blicken auch vorwärts und
werden alles tun, daß so etwas nie
wieder geschieht", sagte Hauck. Allerdings werde ungeachtet aller Anstrengungen, auch der Bemühungen um
die Entwicklung eines Rettungssystems
zum Aussteigen in der ersten Flugphase, immer mit Gefahren zu rechnen
sein. "Lassen Sie mich sehr deutlich
sagen:
Es wird nie einen Raumflug
geben, mit dem nicht auch ein Risiko
verbunden wäre". Er sei jedoch überzeugt, daß "wir es aufgrund der Veränderungen seit dem Unfall - in bezug
auf Personen, Organisationen, Umkonstruktionen - mit einer gestärkten,
einsichtigeren Behörde zu tun haben".
Er fühle sich sehr ermutigt, daß für
die Vereinigten Staaten die Aussicht
bestehe, ihre führende Stellung in
der bemannten Raumfahrt zurückzugewinnen.
Auf Fragen von Journalisten sagte
Richard Covey, daß die NASA-Astronauten sehr großen Wert darauf legten,
aus dem Raumtransporter aussteigen zu
können, falls ein Motor versage oder
es zu anderen ernsten Pannen im Flug
käme. Er fügte jedoch hinzu, daß sie
auch ohne eine Notausstiegsvorrichtung fliegen würden, wenn die Ingenieure der Meinung seien, daß eine
solche Sicherung nicht gegeben werden
könne.
(Gegenwärtig wird bei der
Firma Rockwell International ein Rettungssystem entwickelt, bei dem eine
seitliche
Einstiegsluke
abgesprengt
wird. Die Astronauten würden mittels
kleiner Raketen aus der Kabine gezogen und dann am Fallschirm landen.
NASA-Sprecher verwiesen darauf, daß
dieses Verfahren nur im kontrollierten Flug bei niedriger Geschwindigkeit unterhalb von 6 000 m Höhe funk-

tionieren könne.
Die Kosten werden
auf 50 Millionen Dollar geschätzt.)
Die Erprobung der umkonstruierten
Feststoffraketen geht jetzt in die
kritische Phase. Richard Truly, beigeordneter NASA-Administrator für bemannte Raumfahrt, berichtete, daß die
Versuche mit verkürzten Versionen des
Zusatzantriebs
erfolgreich
abgeschlossen seien und in Kürze Brenntests mit Geräten in natürlicher Größe aufgenommen würden. Diese enthalten
500 Tonnen
festen Treibstoff.
Die Rakete wird dazu auf dem Testgelände in horizontaler Position verankert, die Erprobung erfolgt stationär.
Ein Expertengremium des Nationalen Forschungsrates (NRC) warnte vor
kurzem erneut vor einer zu kurzfristigen Planung für die Wiederaufnahme
der Raumflüge, weil im Testprogramm
zu wenig Raum für möglicherweise auftretende weitere technische Schwierigkeiten und notwendig werdende Alternativen gelassen sei. Auch brachte es seine Besorgnis wegen der Tatsache zum Ausdruck, daß sich das neue
Material für die kritischen O-RingDichtungen bei vorläufigen Tests als
unzulänglich erwies. Da das neue Material, das kältefest sein sollte,
von Schmiermasse in der Verbindungsstelle zwischen den Segmenten angegriffen wurde, sahen sich die Techniker gezwungen, auf das kälteempfindliche frühere Material zurückzugreifen und kleine Heizvorrichtungen einzubauen. Die NRC-Gruppe tritt dafür
ein, für alle Fälle zusätzlich ein
anderes, kältebeständiges Material zu
entwickeln, das keine Heizung bei
tiefen
Starttemperaturen
brauche.
"Aber wir sind noch nicht so weit,
und wir wollen uns jetzt nicht an einem neuen Problem festbeißen", meinte
John Thomas, Manager für das Technikerteam, das sich mit der Umkonstruktion
befaßt.
"Das Verhalten
des

�jetzt verwendeten
verstehen wir ."

Materials

dagegen

Die NRC-Expertengruppe wies außerdem auf mögliche Probleme in der
Verbindung zwischen Feststoffraketenmantel und Düse am unteren Ende hin,
weil dort nach dem neuen Konzept Bolzen vorgesehen seien, die zuvor nicht
vorhanden waren.
Dies könnte die
Leckgefahr mit einem Ausdringen heißer Gase erhöhen. Truly versicherte,
daß alle Empfehlungen der NRC-Gruppe
in einen Interimsbericht aufgenommen
würden und NASA-Ingenieure mit ihr
regelmäßig die Empfehlungen erörterten .

- 3-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagans Botschaft zur Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 27. Januar 1987 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Alle Staaten müssen die notwendigen Schritte zur Beendigung des Terrorismus unternehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache von Justizminister Meese -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhaltende Fortschritte im Kampf gegen den Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Worldnet-Konferenz mit Botschafter Bremer -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumflug ohne Risiko gibt es nicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- DISCOVERY-Kommandant zur Wiederaufnahme von Shuttle-Flügen im Jahr 1988 -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
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United

States

Information

53 B o n n - B a d G o d e s b e r g l ,

Tel:

89-3240

Nummer

Information

Service

Postfach

300

UDO
D O K U

ITlöntCltiOn

Te I e x : 0 8 - 8 5 4 3 2

9

28. Februar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Teil III der Botschaft über die Lage der Nation: Die Wirtschaft
- Wortlaut Rogers-Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
vom 21. Februar 1973
- Auszüge Wortlaut des amerikanisch-chinesischen

Kommuniques

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger b e r i c h t e t über seine China-Reise
- Wortlaut der einleitenden Erklärung -

INFORMATION:

vierte internationale technische Konferenz in Japan
(13. - 16. März 1973)

WIRTSCHAFT:
USA erläutern Zielsetzungen bei den bevorstehenden HandelsVerhandlungen
- Auszüge aus der Ansprache von William R. Pearce vor dem Verband
kanadischer Erporteure Jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse ist ausreichend
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�ii amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

9/1973

TEIL III DER BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION: DIE WIRTSCHAFT
-Wortlaut-

WASHINGTON -»(AD)-« Der dem amerikanischen Kongreß am 22. Februar unterbreitete Teil III der Botschaft Präsident Nixons über die Lage der Nation,
der sich mit der Situation der amerikanischen Wirtschaft befaßt, hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Heute, in diesem dritten Teil meiner Botschaft über die Lage der
Nation für 1973, möchte ich über die Lage unserer Wirtschaft berichten und
den Kongreß ersuchen, gemeinsam mit mir die Grundlagen einer neuen Ära der
Prosperität in den Vereinigten Staaten zu errichten.
Die Lage unserer Nation ist in fundamentaler Weise abhängig von der
Lage unserer Wirtschaft. Ich freue mich, berichten zu können, daß unsere
wirtschaftlichen Aussichten sehr gut sind. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren können wir einer Epoche echter Prosperität in einer Zeit des Friedens
entgegensehen. Wir können in der Tat die größte Prosperität erreichen, die
dieses Land jemals erlebt hat.
Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn wir selbst Disziplin
üben und uns auf bestimmte grundlegende politische Richtlinien einigen:
—Wir

-1-

�-- Wir müssen Zurückhaltung üben bei den Ausgaben der Bundesregierung.
—

Wir müssen in den Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen Vernunft
walten lassen.

-- Wir müssen den Erfordernissen der Phase III unseres wirtschaftlichen
Stabilisierungsprogramms voll und ganz entsprechen.
-- Wir müssen unsere Bemühungen, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten, fortsetzen.
-«. Und wir müssen der Wettbewerbsherausforderung im Außenhandel energisch begegnen.
Es ist mir klar, daß das amerikanische Volk bei der Unterstützung dieser Politik fest zusammensteht. Sein Präsident hält zu ihm. Und wenn die
Mitglieder des 93. Kongresses die uns dieses Jahr vorliegenden Alternativen
prüfen, so bin ich gewiß, daß sie sich ebenfalls an dieser großen Aufgabe
beteiligen werden.

- Die Auswirkung der Wirtschaft auf das Leben der Menschen In dieser Botschaft werden meine grundlegenden wirtschaftlichen Empfehlungen dargelegt, die Prioritäten gesetzt und einige der Bereiche aufgezeigt,
auf denen weitere detaillierte Pläne später vorgelegt werden.
Ich möchte unsere wirtschaftliche Lage aber auch in einer weniger formellen Form erörtern: Wie wirken sich statistische Normen, Vergleiche und
Tabellen auf das tägliche Leben der einzelnen Amerikaner und ihrer Familien
aus?
Wir bauen unsere Wirtschaft nämlich nicht auf, um kalte, unpersönliche
Statistiken für unsere Geschichtsschreibung zu schaffen, sondern um das Leben
unserer Menschen zu verbessern.
Grundsätzlich

-2-

�Grundsätzlich wirkt sich die Wirtschaft auf die Menschen auf dreierlei
Weise aus. Einmal beeinflußt sie ihre Arbeitsplätze - wie viele verfügbar
sind, wie sicher sie sind und wie gut sie sind. Zweitens wirkt sie sich auf
die Bezahlung der Menschen für ihre geleistete Arbeit aus = und darauf, wie
viel sie mit diesem Einkommen kaufen können. Schließlich wirkt sie sich darauf aus, wie viel die Bevölkerung an Steuern an die Regierung zu entrichten hat.

- Ermutigende Arbeitsmarktlage Zunächst einmal, die Arbeitsmarktlage ist heute sehr ermutigend. Die
Zahl der in Arbeit Stehenden in unserem Lande ist 1972 um 2,3 Millionen gestiegen ~ das ist die größte Zunahme in 25 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ging
von einem Stand von 6 Prozent im Jahre 1971 auf 5 Prozent im letzten Monat
zurück.
Der Grund, warum die Zahl der Arbeitsplätze so schnell zugenommen hat,
ist, daß die Wirtschaft im letzten Jahr real um 6 1/2 Prozent expandierte
-- das ist eines der besten Ergebnisse des letzten Viertel Jahrhunderts. Unsere Wirtschaftsberater rechnen für 1973 mit einer Wachstumsrate von fast
7 Prozent. Das würde die Arbeitslosigkeit bis Ende des Jahres auf einen Stand
von 4 1/2 Prozent herabdrücken.
5 Prozent Arbeitslosigkeit ist zu viel. Trotzdem ist es aufschlußreich,
diese Zahl von 5 Prozent genauer zu prüfen. Zum Beispiel:
-» Nur 40 Prozent der jetzt als arbeitslos Geführten befinden sich in
diesem Status, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Entlassungsrate war Ende des Jahres niedriger als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem
Korea^Krieg.
-- Die übrigen 60 Prozent haben ihren Arbeitsplatz entweder freiwillig
verlassen oder sie bemühen sich erstmals um einen Arbeitsplatz oder sie tre-

-3-

�treten nach einer langen Zeitspanne erneut wieder in das Arbeitsleben ein.
-- Rund 45 Prozent der Arbeitslosen waren weniger als 5 Wochen ohne
Arbeit.
-- Verglichen mit früheren Zeiten, in denen die Arbeitslosenrate sich
in etwa auf dem gegenwärtigen Stand befand, ist die Arbeitslosenrate bei
männlichen Arbeitnehmern, Haushaltsvorständen und verheirateten Männern niedr
ger. Bei verheirateten Männern beträgt sie nur 2,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit bei diesen Gruppen sollte 1973 noch weiter zurückgehen.
Dieser Erfolg auf dem Beschäftigtensektor ist umso bemerkenswerter, da
weit mehr Menschen Arbeit suchen als sonst. Zum Beispiel sind fast drei
Millionen Amerikaner seit 1969 aus mit der Verteidigung zusammenhängenden
Arbeitsplätzen entlassen worden - in dieser Zahl sind auch über eine Million
Kriegsveteranen enthalten.
Die Arbeitslosenrate bei Veteranen des Vietnamkrieges liegt gegenwärtig
bei 5,9 Prozent - also über der allgemeinen Arbeitslosenrate, aber geringfügig unter der Arbeitslosenrate für Männer in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre
Dies ist zwar bedeutend besser als die 8,5 Prozent vor einem Jahrj die Arbeitslosenrate von 5,9 Prozent ist jedoch immer noch zu hoch.
Das Problem, Arbeitsplätze für Kriegsveteranen zu schaffen, die so viel
für ihr Land gegeben haben, wird im kommenden Jahr weiterhin obenan auf meiner Liste der dringenden Anliegen stehen.
Frauen und junge Menschen haben sich ebenfalls in noch nie dagewesenen
Zahlen um Arbeit bemüht. Doch

wie im Falle der Kriegsveteranen, hat die Zahl

der Arbeitsplätze für diese Gruppen noch schneller zugenommen. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen und jungen Menschen ist somit zurückgegangen - aber sie
liegt immer noch zu hoch und bedeutet für unser Land eine große Vergeudung.
Wenn wir jetzt in eine neue Ära der Prosperität in Friedenszeiten eintreten, hat unser Wirtschaftssystem Platz - ja es besteht ein Bedarf - für
jede verfügbare Arbeitskraft.
Die
-4-

�Die Rolle der Frau wird in unserer Wirtschaft immer stärker werden. Und
sie sollte das - nicht nur, weil die Erweiterung der Arbeitsplatzchancen
für Frauen ihr Recht hat, sondern auch, weil Amerika sonst nicht sein volles
wirtschaftliches Potential entfalten kann, sofern nicht jede Frau, die arbeiten will, einen Arbeitsplatz finden kann, der ihr faire Entlohnung und
gleiche Fortkommensmöglichkeiten bietet.
Diese Regierung hat sich verpflichtet, dieses Ziel zu fördern. Wir unterstützen den Zusatzartikel (zur Verfassung) über gleiche Rechte. Wir haben
die Tür für die Beschäftigung qualifizierter Frauen im Bundesdienst geöffnet. Wir haben ähnliche Bemühungen in den Wirtschaftsunternehmen und in den
Instituten gefordert, die Aufträge oder Unterstützung seitens der Bundesregierung erhalten. Gerade im letzten Jahr haben wir einen Beratungsausschuis
über die Rolle der Frau in der Wirtschaft geschaffen. Dieser Ausschuß wird
federführend mitwirken, die wirtschaftlichen Probleme aufzuzeigen, denen sich
die Frau gegenübersieht, und mit dazu beitragen, die Haltung zu ändern, die
ungerechte und unlogische Schranken für ihre Beschäftigung schafft.

- Lohn und Kaufkraft -

Die zweite große Frage ist, welche Entlohnung die Menschen für ihre Arbeit erhalten und was sie dafür kaufen können.
Hier sind die Berichte ebenfalls gut. Es stehen nicht nur mehr Menschen
in Arbeit, sondern sie erhalten auch eine höhere Entlohnung für ihre Arbeit.
Das durchschnittliche pro-Kopf-Einkommen ist 1972 um 7,7 Prozent gestiegen
- das liegt weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Am wichtigsten ist jedoch, daß diese Erfolge nicht durch steigende Preise
zunichtegemacht werden - wie dies oftmals in den siebziger Jahren der Fall
war. Die Bundesregierung gab in dieser Zeit zu viel Geld zu schnell aus, und
das Ergebnis war eine galoppierende Inflation.
Während

»5-

�Während die Löhne in diesen Jahren sehr schnell, anstiegen, nahm die
Kaufkraft nicht zu. Vielmehr blieb die Kaufkraft unverändert oder sie ging
sogar zurück. Die Inflation führte zu einem wirtschaftlichen Stillstand, bei
dem ein Arbeitnehmer oftmals eine sechsprozentige Gehaltserhöhung jährlich
haben mußte, nur um den gleichen Stand halten zu können.
Das hat sich jetzt geändert. Die Inflationsrate ist im letzten Jahr gegenüber dem Stand von vor vier Jahren auf fast die Hälfte gesenkt worden.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens nahm im letzten
Jahr stärker als in irgendeinem Jahr seit 1955 zu; sie stieg um 4,3 Prozent
an - dies entspricht etwa zwei Extrawochenlöhnen.
Wir rechnen damit, daß die Inflation 1973 noch weiter abgebaut werden
kann - und zwar aus mehreren Gründen.
Ein Hauptgrund ist die wachsende Opposition im Lande gegen zu stark
steigende Bundesausgaben. Die Öffentlichkeit erkennt in immer stärkerem Maße,
was solche Ausgaben für Preise und Steuern bedeuten. Als folge hiervon haben
wir jetzt eine gute Chance, die beste seit Jahren, um der Ausweitung des Bundeshaushaltes Einhalt zu gebieten. Das wird mehr als irgendeine andere Maßnahme dazu beitragen, das Familienbudget zu schützen.
Andere Kräfte arbeiten ebenfalls für uns. Die Produktivität ist im
letzten Jahr stark gestiegen - was bedeutet, daß der durchschnittliche Arbeiter mehr produziert und daher mehr verdienen kann, ohne daß hierdurch die
Preise in die Höhe getrieben werden. Darüberhinaus wird die Tatsache, daß
das freie Einkommen im letzten Jahr real so stark gestiegen ist, zu vernünftigen Lohnforderungen in diesem Jahr führen. Die Arbeitnehmer werden nicht
mehr einen früheren Lohnruckstand aufzuholen haben.
Schließlich haben wir ein neues System von Lohn-und Preiskontrollen
- ein System, das das Richtige für 1973 ist.
-Strikte

�- Strikte Kontrollen und Kampf gegen die Lebensmittelpreise-

Jeder Gedanke, daß die Kontrollen praktisch aufgehört haben, ist völlig
falsch. Wir haben noch immer strikte Kontrollen, Wir setzen sie immer noch
entschlossen durch. Was sich geändert hat, ist die Art, wie wir sie durchsetzen.
Das alte System war abhängig von einer Bürokratie in Washington, die
im voraus größere Lohn-und Preiserhöhungen billigen mußte.. Obwohl dieses
System während seiner Geltungsdauer wirksam war, begann es doch zu Ungerechtigkeiten zu führen und sich in der Bürokratie zu verlieren. Das neue System
wird diese Gefahren vermeiden. Wie die meisten unserer Gesetze basiert es
weitgehend auf Selbstverwaltung und auf der freiwilligen Mitarbeit des
amerikanischen Volkes.
Sollten jedoch einige nicht mitmachen, so verfügen wir über den Willen
und die Mittel, sie dazu zu zwingen.
Allen wirtschaftlichen Interessen, die etwa glauben sollten, daß das
neue System ihnen, offen oder heimlich, gestatten wird, Gewinne zu erzielen,
die über die von uns festgesetzten Sicherheitsgrenzen hinausgehen, möchte
ich folgendes in klaren und unmißverständlichen Worten sagen:
Wir werden jede Verhöhnung unserer anti-inflationistischen Bestimmungen
und Normen als nichts anderes als einen Versuch wirtschaftlicher Brandstiftung ansehen, der die Stabilität unserer Volkswirtschaft bedroht - und wir
werden dementsprechend handeln. Wir möchten, daß die Phase III so freiwillig
wie möglich gehandhabt wird. Aber wir werden so viel Zwang ausüben, wie
notwendig ist.
Unser neues System findet breite Unterstützung bei Wirtschaft und Gewerkschaften - das ist der entscheidende Punkt für jedes erfolgreiche Programm. Es wird uns auf den Tag vorbereiten, an dem Kontrollen nicht länger
mehr notwendig sind. Es wird uns die Möglichkeit geben, uns auf solche

-7-

�solche Gebiete zu konzentrieren, auf denen die Inflation am störendsten war
- auf die Bauwirtschaft, die Gesundheitsfürsorge und vor allem auf die Lebensmittelpreise .
Wir werden dem schwierigen Problem der Lebensmittelpreise besondere Aufmerksamkeit schenken und unsere Maßnahmen hierauf konzentrieren. Diese Preise
haben auf Großhandelsebene in den letzten Monaten stark angezogen, so daß
die Statistiken der Einzelhandelspreise im Januar und Februar zwangsläufig
eine starke Zunahme aufweisen werden. Praktisch werden wir wahrscheinlich
noch auf Monate hinaus eine Erhöhung der Lebensmittelpreise erleben.
Die diesem Problem zugrundeliegende Ursache ist, daß die Lebensmittelversorgung nicht schnell genug ausgeweitet worden ist, um mit der schnell
steigenden Nachfrage Schritt halten zu können. Wir dürfen jedoch schnell
steigende Lebensmittelpreise nicht als eine ständige Erscheinung im Leben
der USA hinnehmen. Wir müssen dieser inflationistischen Spirale Einhalt gebieten, indem wir die Ursachen der steigenden Lebensmittelpreise auf allen
Fronten angehen. Der Verbesserung der Lebensmittelversorgung muß von uns
oberste Priorität gegeben werden, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu
können.
Wir ergreifen nachdrückliche Maßnahmen, um unsere Lebensmittelversorgung
zu verbessern:
—

Wir ermutigen die Farmer, mehr Land in Bestellung zu nehmen, sowohl
für Feldfrüchte wie auch für die Viehzucht.

-- Wir werden mehr Fleisch und Trockenmilch aus dem Ausland hereinlassen.
-- Wir haben die Subventionen für Agrarexporte eingestellt.
-- Und wir bauen die Regierungsbestände an Agrarerzeugnissen ab und ermutigen die Farmer, ihre eigenen Bestände zu verkaufen.

Derartige

-8-

�Derartige Maßnahmen werden dem Anstieg der Lebensmittel-Großhandelspreise Einhalt gebieten und den Anstieg der Lebensmittel-Einzelhandelspreise
verlangsamen. Leider wird sich nichts von dem, was wir tun können, bereits
in den nächsten Monaten entscheidend auswirken. Aber die von mir ergriffenen Maßnahmen werden für die zweite Hälfte des Jahres eine nachhaltige Wirkung haben.
Diese Maßnahmen werden ferner unseren Farmern helfen, ihre Einkünfte
durch Ausweitung der Erzeugung und ohne gleichzeitige Preiserhöhungen zu verbessern.. Wir rechnen damit, daß die Agrarpreise Ende des Jahres nicht höher
liegen werden als zu Jahresbeginn.
Aus allen diesen Gründen haben wir eine gute Chance, die Gesamtinflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2 Prozent zu senken.
- Beibehaltung des Steuerniveaus Die dritte wichtige wirtschaftliche Frage ist, wieviel
kerung an Steuern zu zahlen hat und wieviel

Geld die Bevöl-

ihr zu ihrer eigenen Verfügung

bleibt. Hier ist das Bild ebenfalls vielversprechend.
Seit 1950 hat sich der Anteil der Steuern am durchschnittlichen Familieneinkommen in den Vereinigten Staaten fast verdoppelt - er ist auf über
20 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hatte 1950 weniger
als eine Stunde seines Achtstundentages gearbeitet, um seine Steuern bezahlen zu können; heute arbeitet er fast zwei Stunden täglich für den Steuereinzieher .
Wären die Steuersenkungsvorschläge während unserer ersten Amtszeit nicht
angenommen worden, so wäre die Lohnaufbesserung des durchschnittlichen Arbeitnehmers im letzten Jahr fast völlig durch die höheren Steuern aufgezehrt
worden

und die Steuerzahler müßten dieses Jahr weitere 25 Milliarden Dollar

an Einkommenssteuer entrichten.
Der

-9-

�Der einzige Weg, um die Steuern nicht höher werden zu lassen, ist,
die Bundesausgaben nicht weiter steigen zu lassen.
Dies ist der Grund, warum wir Bundesprogramme kürzen, einstellen oder
reformieren, die das Geld des Steuerzahlers verschwenden.
Meine Administration blickt auf eine vierjährige Erfahrung mit allen
unseren Bundesprogrammen. Wir haben detaillierte Studien durchgeführt und
ihre Kosten und Ergebnisse miteinander verglichen. Aufgrund dieser Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Kosten zahlreicher Bundesprogramme nicht länger mehr gerechtfertigt sind. Zu ihnen gehören:
-- Bauprogramme, durch die mehr Krankenhäuser errichtet werden, wenn
ein Überschuß an Krankenhausbetten besteht;
-- Lehrerstipendien, die den Lehrerberuf für mehr Leute attraktiv machen
sollen, wenn bereits zehntausende von Lehrern keinen Arbeitsplatz
in ihrem Beruf finden können;
-- Programme zur Subventionierung von Schulplätzen für Kinder von Bundesangestellten, die bereits genügend Steuern an kommunale Stellen
zur Unterstützung ihrer örtlichen Schulen entrichten;
-- Programme für die Fortsetzung sozialer Beihilfezahlungen an Personen, die nicht mehr in den Kreis der Berechtigten fallen oder zu
hohe Einkünfte haben.
Solche Programme mögen klingende Namen haben; sie mögen nach einer
guten Sache klingen, aber hinter einem anspruchsvollen Etikett kann sich ein
böser Fehlschlag verbergen. Und wenn wir nicht bald die Programme einstellen, die sich als Fehlschlag erwiesen haben,dann werden wir bald kein Geld
mehr für Programme haben, die erfolgreich sind.
Es ist behauptet worden, unsere Haushaltskürzungen ließen einen Mangel
an Mitgefühl für die Unterprivilegierten erkennen. Die beste Antwort auf
diese Beschuldigung ist ein Hinweis auf die Tatsachen. Wir setzen in unserem

-10-

�unserem Haushalt für das nächste Jahr (1973/74) 66 Prozent mehr ein, um
den Armen zu helfen, als vor vier Jahren; 67 Prozent mehr, um den Kranken
zu helfen; 71 Prozent mehr, um den alten Menschen zu helfen,und 242 Prozent mehr, um den Hungrigen und Unterernährten zu helfen.
Insgesamt beläuft sich unser Budget für Aufgaben im Dienste des Menschen auf eine Rekordhöhe von 125 Milliarden Dollar - also fast auf das
Doppelte der Summe vor vier Jahren, als ich mein Amt antrat.
Wir haben unsere Ausgabenprioritäten bereits von Verteidigungsprogrammen auf Programme im Dienste des Menschen verlegt. Jetzt müssen wir unsere
Ausgabenprioritäten von Programmen, die einen schlechten Ertrag pro Dollar
erbracht haben, auf Programme verlegen, die ihr Geld wert sind. Damit zeigen wir, daß wir uns wirklich um jene kümmern, die in Not sind.
Die Frage ist nicht, ob wir helfen, sondern wie wir helfen. Indem wir
Programme abstellen, die Verschwendung bedeuten, können wir uns auf Programme konzentrieren, die funktionieren.
Unser jüngstes Paket an Haushaltskürzungen kann im Laufenden Finanzjahr 11 Milliarden Dollar einsparen, 19 Milliarden Dollar im nächsten Haushaltsjahr und 24 Milliarden Dollar im darauffolgenden Jahr. Das bedeutet
für jeden der 75 Millionen Steuerzahler in Amerika im Laufe der nächsten
drei Jahre eine durchschnittliche Ersparnis von 700 Dollar.
Ohne die Einsparungen, die ich durch Programmkürzungen und Reformen
erzielt habe, würden sich die Gesamtausgaben auf jeweils 261 Milliarden
Dollar, 288 Milliarden Dollar und 312 Milliarden Dollar belaufen - Zahlen,
die entweder höhere Steuern oder eine neue Welle lähmender Inflation oder
beides zusammen bedeuten würden.
Um

-11-

�Um die Ausgaben des Bundes in Grenzen halten zu können, ist es absolut
unerläßlich, daß der Kongreß voll und ganz mit uns zusammenarbeitet. Ich
appelliere an den Kongreß, als eine seiner dringendsten Aufgaben
Haushaltsjahr einen Gesamtausgabenplafond

für jedes

festzulegen. Ich möchte ihn auch

ersuchen, ein ordentliches Verfahren zu entwickeln, um die Einhaltung des
Plafonds zu garantieren.

- Die internationale Herausforderung -

In den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Amerikaner in zunehmendem Maße den ernsten Fragen zugewandt, vor denen wir auf dem internationalen Handels-und Währungsschauplatz stehen.
Dies ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten - so hervorragend sie in der Wissenschaft, in der Vermarktung und in den Dienstleistungen sein mögen - die Weltmärkte mit den modernen Erzeugnissen unserer Technologie und unserer modernen Produktionsmittel beherrschen können.
Das ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten automatisch
mehr im Ausland verkaufen können,als wir von anderen Ländern kaufen. Wir stehen vor neuen Herausforderungen auf dem Gebiete des internationalen Wettbewerbs und befinden uns somit in einer Periode substantieller Anpassungen in
unseren Beziehungen zu unseren Handelspartnern.
Eine Konsequenz dieser Entwicklungen war die Maßnahme, die wir in der
letzten Woche ergriffen haben, um den relativen Wert des Dollar beim Handel
im Ausland zu ändern.
Wir haben diesen Schritt wegen des ernsthaften Handelsungleichgewichts
ergriffen, das die wachsende

Prosperität unseres Volkes bedrohen könnte.

Amerika hat von anderen Ländern mehr gekauft als diese Länder von uns. Und genau so wie eine Familie oder ein Unternehmen nicht auf unbegrenzte Zeit mehr
kaufen als verkaufen kann, so ist dies auch im Falle eines Landes.
Eine

-12-

�Eine Änderung der Wechselkurse wird uns helfen, dieses Bild zu ändern.
Sie bedeutet, daß unsere Exporte auf den internationalen Märkten preislich
konkurrenzfähiger werden und sich besser verkaufen.

Unsere Importe anderer-

seits werden nicht so schnell anwachsen.
Diesem Schritt müssen jedoch Reformen folgen, die grundlegender sind.
Erstens benötigen wir ein flexibleres internationales Währungssystem
- ein System, das zum Gleichgewicht ohne Krisen führt. Die Vereinigten Staaten haben im September letzten Jahres fundamentale Vorschläge für ein solches System unterbreitet. Für andere Länder ist es jetzt an der Zeit, sich
gemeinsam mit uns für Maßnahmen hinsichtlich dieser Vorschläge einzusetzen.
Zweitens müssen amerikanische Produkte einen faireren Anteil an einem
offeneren Welthandelssystem erhalten, damit wir die amerikanischen Märkte
und die amerikanischen Arbeitsplätze ausweiten können. Wenn andere Länder
einen Verkauf unserer Waren im Ausland erschweren, dann kann unser Handelsungleichgewicht nur noch schlimmer werden.

- Die Verantwortung des Kongresses -

Amerika Defindet sich ohne Frage auf dem Wege zu einer neuen Ära der
Prosperität. Die Zeichen sind klar und deutlich, und mit jedem Monat gewinnen
wir mehr an Schwungkraft. Aber wir können sehr leicht vom Wege abkommen, wenn
der Kongreß nicht mit dabei ist und mithilft, den Kurs zu halten.
Wenn wir auf das Jahr 1973 blicken, dann können wir sicher sein, daß
die Lage unserer Wirtschaft tatsächlich in großem Maße von den Entscheidungen abhängt, die der Kongreß in diesem Jahr trifft.
Im Laufe der nächsten Monate werde ich auf unverzügliche Maßnahmen des
Kongresses bezüglich einer ganzen Anzahl wirtschaftlicher Vorschläge drängen. Zusammengenommen werden diese Vorschläge eines der wichtigsten Bündel

-13-

�Bündel wirtschaftlicher Initiativendarstellen, die jemals von irgendeinem
Kongreß in unserer Geschichte erörtert worden sind. Ich hoffe - wie dies
auch unser ganzes Volk tut -,daß der Kongreß mit Umsicht und ohne Verzug
handelt.
Zu den Punkten, die mein Wirtschaftspaket für 1973 enthält, gehören:
—

eine Verlängerung des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms.

Die gegenwärtige Vollmacht läuft in Kürze aus,und ich habe den Kongreß ersucht, das Gesetz um ein Jahr bis zum 30. April 1974 zu verlängern. Ich hoffe, daß dies ohne weitere allgemeine Zwangsnormen oder die Auflage starrer
Vorentscheidungen geschehen wird - Schritte, die eine vernünftige Durchführung dieses Programms nur behindern würden. Eine so hochkomplizierte Wirtschaft kann auf diese Weise einfach nicht über längere Zeiträume wirksam
reguliert werden.
-- das Steuerprogramm. Ich werde ein Steuerprogramm empfehlen, das
weitere Reformen auf den 1969 und 1971 bereits erreichten aufbaut.
-- Vermögenssteuerentlastung. Ich werde ferner Empfehlungen vorlegen,
damit die schwere Belastung für ältere Amerikaner durch die Vermögenssteuer
gemildert wird.
—

Steuerkredit für nicht-öffentliche Schulen. Ich werde ein Gesetz

vorschlagen, das einen Einkommenssteuerkredit für in nicht-öffentlichen
Volksschulen gegebenen Unterricht vorsieht. Diese Institutionen stellen eine
wertvolle nationale Einrichtung dar, die das öffentliche Schulsystem bei zu
starken Aufnahmezahlen entlastet, in unseren Erziehungsprozeß eine willkommene Vielfalt bringt und Millionen von Eltern größere Möglichkeiten bietet.
—

Handelsgesetz

Ein weiterer Punkt, der obenan auf unserer Tagesord-

nung steht, werden neue Handelsvorschläge sein, die ich dem Kongreß in Kürze
unterbreiten werde. Sie werden es uns leichter machen, nicht nur unsere Handelsschranken zu senken, wenn die anderen Länder die ihren abbauen, sondern
auch unsere Schranken zu erhöhen, falls dies notwendig ist, um faire Verhältnisse zu schaffen.
--Andere

-14-

�-- Andere Reformen. Ich werde ferner später Empfehlungen unterbreiten
für eine Verbesserung unseres privaten Pensionssystems, unseres Arbeitslosenunterstützungsprogramms, unserer Gesetze über Mindestlöhne sowie die Art,
wie wir unsere Transportsysteme handhaben, um diese zu modernisieren, sie
gerechter und besser zu machen.
-- Ausgabenlimit. Schließlich, und das ist äußerst wichtig, werde ich
den Kongreß ersuchen, noch in diesem Jahr feste Höchstgrenzen für die Bundesausgaben zu setzen.
Die von mir in dem diesjährigen Haushalt vorgeschlagenen Kürzungen
fielen mir nicht leicht. Daher kann ich es gut verstehen, daß es dem Kongreß
nicht leicht fallen wird, sie beizubehalten, wenn jede besondere Interessengruppe mit ihren eigenen Vertretern im Kongreß für ihre eigenen besonderen
Interessen wirbt. Aber der Kongreß sollte Höherem als nur besonderen Interessen dienen; seine oberste Aufgabe muß es stets sein, dem öffentlichen Interesse zu dienen.
Wir müssen uns ferner darüber klar sein, daß niemand im Kongreß zur
Zeit damit beauftragt ist, alle unsere Bundesaufgaben zusammenzuaddieren
und ihre Gesamtauswirkungen auf Steuern und Preise zu untersuchen. Es ist
so, als ob jedes Mitglied einer Familie für sich einkaufen geht, ohne zu
wissen, wieviel

Geld in dem gesamten Familienbudget verfügbar ist und wie,,

viel die übrigen Familienmitglieder ausgeben oder auf die verschiedenen Kreditkarten kaufen.
Um diese Probleme zu lösen,schlage ich vor, daß der Kongreß umgehend
eine Gesamtausgabenhöchstgrenze für jedes Finanzjahr festlegt. Ein solcher
Schritt würde es dem Kongreß ermöglichen, gemeinsam mit mir darauf hinzuarbeiten, die Ausgaben im laufenden Finanzjahr auf 250 Milliarden Dollar, im
nächsten Finanzjahr auf 269 Milliarden Dollar und im Finanzjahr 1974/75 auf
288 Milliarden Dollar beschränkt zu halten. Neben der Verabschiedung einer
Jahreshöchstgrenze empfehle ich ferner, daß der Kongreß innere Reformen erwägt, durch die ein regulärer Mechanismus für die Entscheidung geschaffen

-15-

�geschaffen wird, wie diese Höchstgrenze einzuhalten ist.
Keine andere wirtschaftliche Empfehlung, die ich dem Kongreß zu unterbreiten habe, ist für das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes wichtiger. Ich glaube, daß die meisten Mitglieder des Repräsentantenhauses und
des Senats die Ausgaben niedrig halten wollen. Die meisten Kongreßmitglieder stimmten im Prinzip

für eine Ausgabenhöchstgrenze, als der Senat und

das Repräsentantenhaus im vergangenen Herbst eine Höchstgrenze billigten.
Leider konnten die beiden Häuser sich nicht auf eine endgültige Formulierung einigen. Meines Erachtens sollten sie bald zusammenkommen - damit der
Kongreß in diesem Jahr mit einem entschlossenen Sinn für Haushaltsdisziplin
arbeiten kann.
Es steht viel auf dem Spiel. Wenn wir die Ausgaben nicht einschränken
und wenn meine empfohlenen Kürzungen rückgängig gemacht werden, so müßten
die Einkommenssteuern um 15 Prozent erhöht werden, um die zusätzlichen Ausgaben bezahlen zu können.
Die Gewaltenteilung zwischen dem Präsidenten und dem Kongreß ist in
den letzten Wochen ein beliebtes Gesprächsthema geworden. Natürlich sollten
wir niemals unsere große Sorge um die Erhaltung eines verfassungsmäßigen
Gleichgewichts aufgeben.
Aber wir sollten auch niemals die Tatsache übersehen, daß wir gemeinsame
Verantwortungen wie auch getrennte Gewalten haben.
Es gibt viele Gebiete, auf denen der Präsident und der Kongreß im Namen
des gesamten Volkes zusammenarbeiten sollten und müssen - und die Höhe
der Ausgaben, die sich direkt auf das Portemonnafc jeder einzelnen Familie
des Landes auswirkt, ist eines der wichtigsten.
Ich habe mein Versprechen gehalten, daß ich keine Programme empfehlen
werde, die eine allgemeine Steuererhöhung erfordern oder einen inflationären Druck auslösen würden.Nunmehr liegt es beim Kongreß, diesen Bemühungen zu entsprechen durch eine eigene Ausgabenhöchstgrenze.
-Die

-16-

�- Die Entscheidung Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära einer langen und wachsenden
Prosperität für die Vereinigten Staaten.
Im Gegensatz zu früheren Hochkonjunkturen wird diese Prosperität nicht
durch einen Krieg stimuliert sein. Sie wird auch nicht durch die Seuche
der Inflation aufgezehrt werden. Sie wird solide sein; sie wird stetig sein;
und sie wird von Bestand sein.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln, können wir diese neue Prosperität auf viele Jahre hinaus haben. Wenn wir dies nicht tun, dann können wir,
wie Franklin Roosevelt einst warnte, "an

den Felsen einer zügellosen Haus-

haltspolitik zerschellen".
Wir haben die Wahl. Wählen wir eine von Verantwortung getragene
Prosperität!

Weißes Haus
22. Februar 1973

g e z . Richard Nixon

-H-+

-17-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Boa

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

9/1973

ROGERS-ERKLÄRUNG VOR DEM AUSSENPOLITISCHEN AUSSCHUSS
DES US-SENATS VOM 21.FEBRUAR 1973
-Auszüge-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 21. Februar vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats die
Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik niedergelegt. Seine Einleitung sowie die die Handels-und Währungspolitik, das Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft und die Ost-West-Beziehungen betreffenden Passagen
haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender!
Vor fast genau vier Jahren erschien ich vor diesem Ausschuß, um die
Hauptziele unserer Außenpolitik darzulegen. Ich erklärte damals, daß wir
erstens eine dauerhafte Lösung in Vietnam anstreben würden, in deren Rahmen
sowohl Nordvietnam als auch seine Nachbarn in Frieden und nicht nur im
Stadium eines ausgesetzten Kriegszustandes leben können; daß zweitens die
Vereinigten Staaten bei der Suche nach einem Frieden im Nahen Osten eine
aktive Rolle spielen würden; daß wir drittens ein zunehmend vereintes

.1-

�vereintes Westeuropa

'legünstigen und in diesem Sinne mit ihm zusammenar-

beiten würden; daß wir viertens den Ausbau beiderseits nützlicher Beziehungen
zu Ost uro,r

anstreben würden: daß fünftens unsere Politik einen ernsthaf-

ten Versuch einschließen würde, zu einer konstruktiveren Beziehung zu Peking
zu gelangen, und dab wir sechstens hofften, einen wesentlichen Fortschritt
zu verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion zu machen.
Im vorigen Jahr konnte ich Ihrem Ausschuß berichten, daß wir im Nahen
Osten mit beachtlichem Erfolg tätig waren; daß wir im Begriffe waren, uns
aus dem Konflikt in Indochina zurückzuziehen, und daß wir nachhaltige Anstrengungen unternahmen, um sowohl die Zusammenarbeit mit unseren Freunden
in Westeuropa und Japan zu verstärken, als auch um unsere Beziehungen zu jenen zu verbessern, mit denen wir fundamentale Meinungsverschiedenheiten haben, wie etwa die Sowjetunion und die Volksrepublik China; und daß der Präsident sich nachhaltig für die Errichtung eines Gebäudes des Friedens durch
Verhandlungen einsetzte.
Die Erfolge bei der Erreichung unserer außenpolitischen Ziele waren
höch;,t ermutigend • in jüngster Zeit vor allem natürlich das Vietnam-Abkommen.
In meinem ersten außenpolitischen Bericht erklärte ich, daß meine größte
Hoffnung darin bestehe, unter den Amerikanern eine neue nationale Einheit
und Zielsetzung in unserer Außenpolitik schaffen zu können - einer Politik,
die nicht länger von den düsteren Schatten der Vergangenheit gejagt wird,
sondern sich den Chancen der Zukunft zuwendet. Nachdem wir nun die Hauptquelle der Spaltung in unserem Lande hinter uns gelassen haben, besteht aller
Grund zu der Anna.ime, daß wir zusammenarbeiten können, um diese Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen wiederherzustellen. Der Zweck meines Hierseins ist gerade
der, darum zu bitten, daß wir uns für diese Aufgabe einsetzen.

Nach

�Nach einer langen und oft entmutigenden militärischen Auseinandersetzung
mag sich bei manchen Amerikanern eine gewisse Sehnsucht einstellen, sich von
den Lasten und Verantwortlichkeiten einer aktiven Rolle in der Weltpolitik
zurückzuziehen. Schon zweimal in diesem Jahrhundert war unsere erste Reaktion,
uns zurückzuziehen und uns auf innenpolitische Fragen zu konzentrieren. Dieses Mal, so bin ich überzeugt, werden wir diesen Fehler nicht machen.
Wir müssen natürlich die Überdehnung der Rolle Amerikas vermeiden, die
unsere Politik in der Vergangenheit manchmal gekennzeichnet hat. Aber unser
eigenes Selbstinteresse verlangt von uns, den neuen Konsensus in unserer
Außenpolitik auf etwas aufzubauen, was ich als eine Politik des 'realistischen Engagements* bezeichnen möchte - eine Politik, in deren Rahmen wir
weiterhin unseren Anteil an der Verantwortung tragen, auch wenn wir andere
auffordern, die größeren Rollen zu übernehmen, deren sie heute fähig sind.
Es mag gelegentlich unterschiedliche Beurteilungen geben, wo hier der
richtige Punkt der Ausgewogenheit sein mag. Ich bin jedoch sicher, daß dieser
Ausschuß, der Kongreß, und das amerikanische Volk unsere Auffassung teilen
werden, daß ein verantwortungsbewußtes und in richtigem Maße engagiertes
Amerika einem Amerika vorzuziehen ist, das vor einer Führungsrolle in der
Welt zurückschreckt und sich zurückzieht.
Ich werde mich in den kommenden Monaten ernsthaft bemühen, mit diesem
Ausschuß und mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um eine wohlüberlegte und
hoffentlich gemeinsame Einstellung zur Rolle Amerikas zu entwickeln. Lassen
Sie mich diesen Prozeß mit der Darlegung einiger der Hauptprobleme beginnen,
vor denen wir heute stehen

—Handels-

�--Handels-und Währungspolitik--

Ein dringendes allgemeines Ziel der Außenpolitik besteht darin, einen
baldigen Fortschritt bei der Reformierung des Handels-und Währungssystems
zu erzielen. In der vorigen Woche hat Präsident Nixon die Initiative ergriffen, um eine neue Währungskrise zu überwinden, indem er eine Abwertung
des Dollar angeordnet hat. Bei dieser Maßnahme war ihm die Zusammenarbeit
vieler Länder, vor allem der beiden Länder, sicher, deren Dollarreserven
die höchsten sind, nämlich Deutschland und Japan.
Die von uns ergriffenen Währungsmaßnahmen waren ein wichtiger Schritt
in der Neuordnung unserer wirtschaftlichen Beziehungen. Aber sie waren
kein Allheilmittel. Es müssen ihnen grundsätzliche Änderungen des Währungssystems folgen. Der Präsident und Finanzminister Shultz haben die
Prinzipien umrissen, die nach unserer Auffassung die Grundlage eines solchen Systems sein könnten. Es ist für den Zwanziger-Ausschuß wichtig, ohne
Verzug auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Innerhalb der nächsten Wochen wird Präsident Nixon dem Kongreß die
Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung unterbreiten, von der
er bereits gesprochen hat. Das unmittelbare Hauptziel dieser Gesetzgebung
wird darin bestehen, die Fähigkeit amerikanischer Arbeiter und Geschäftsleute zu verbessern, auf den Weltmärkten zu konkurrieren. Das langfristige
Ziel dieser Gesetzgebung wird darin bestehen, die Bedingungen des internationalen Handels weiter auszudehnen und zu liberalisieren.
In bilateralen Gesprächen und in den formellen Handelsverhandlungen,
die in diesem Herbst beginnen, werden wir darauf bestehen, daß amerikanischen Erzeugnissen eine faire und vernünftige Behandlung zuteil wird. Die
Vol macht, die der Präsident vom Kongreß erhalten möchte, in bestimmten
Fällen Zölle zu erhöhen, dient dazu, diesen Zweck zu erreichen, und nicht
etwa verstärkte Handelsschranken aufzurichten. Unser Ziel ist gerade das
Gegenteil.
Weder

-4-

�'

Weder für uns noch für irgendeinen unserer Handelspartner wäre eine Erhöhung statt einer Senkung der Handelsschranken der Weg zum größten wirtschaftlichen oder politischen Nutzen. Dieser Weg könnte höchstens zur internationalen Diskriminierung, Isolierung und Autarkie führen. Auf lange Sicht
gesehen werden sich die größten Vorteile aus einem schrittweisen Abbau der
tarifären und nicht-tarifären Schranken - auf absolut gegenseitiger Basis sowohl für industrielle wie auch für landwirtschaftliche Güter ergeben,
und zwar einem Abbau bis zu dem Punkt, wo sie keine fühlbare Behinderung
des Handels mehr darstellen.
Während die Industrienationen die internationalen Wirtschaftsbeziehungen noch immer beherrschen, gewinnen die Entwicklungsländer jedoch zunehmend
an Bedeutung - in der Energie-und Rohstoffversorgung, in Handel und Investitionen und auf einer Vielzahl anderer Gebiete, angefangen von der Nutzung
der Meere bis zur Erhaltung der Umwelt. Gleichzeitig verbreitert sich die
wirtschaftliche Kluft weiterhin und wird nicht etwa geringer. In dieser Tatsache liegt die Wurzel potentiell ernster Zukunftsprobleme zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern.
Wir beabsichtigen daher, mit neuem Nachdruck darauf zu dringen, daß unsere Entwicklungspolitik umfassend ist; wir verfolgen dabei eine Politik, die
nicht lediglich Hilfe gewährt, sondern alle Aspekte der wirtschaftlichen Beziehungen der industrialisierten Welt mit der Entwicklungswelt einschließt.
Unser Ziel wird es sein, sowohl mit Industriestaaten wie mit Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um die Wachstumsrate des pro-Kopf-Einkommens der
ärmeren Nationen zu beschleunigen und gleichzeitig die beiderseitigen Interessen an verstärktem Handel und verstärkter Investition zu fördern.
Ich habe den neuen Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
(im State Department), William Casey, ersucht, alle dem Ministerium zur Verfügung stehenden Hilfsmittel auf diese Aufgabe zu konzentrieren, um so
unterschiedliche Elemente wie Bevölkerungskontrolle, internationale Investitionen, Ausweitung des Handels, Zollpräferenzen, Warenabkommen, Zuwendungen
und Anleihen und Umschuldung unter einen Hut zu bringen.
Die
-5-

�-- Die Europäische Gemeinschaft -Die wirtschaftlichen Fortschritte - mit ihren starken politischen Auswirkungen - sind ebenfalls die Hauptanregung dafür gewesen, daß der Präsident das Jahr 1973 als ein Jahr wichtiger Entwicklungen in unseren Beziehungen zu Europa betrachtet. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
stellt sich uns sowohl als eine Herausforderung wie auch als eine Chance.
Wir werden uns in diesem Jahr darum bemühen, so dauerhafte und konkrete Bindungen zu der Gemeinschaft herzustellen, daß unsere Beziehungen eine weitere
Säule der amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit wird.
Wir müssen ferner eine baldige Beseitigung von Praktiken innerhalb der
Gemeinschaft erreichen, die sich gegen unsere Erzeugnisse als diskriminierend
auswirken. Wir werden dieses Ziel in unseren Gesprächen mit der Gemeinschaft
noch vor der Handelskonferenz in diesem Herbst verfolgen.

-- Ost-West-Beziehungen —

Verbesserte Beziehungen zu Osteuropa werden ebenfalls von Bedeutung
sein. Wir unternehmen bereits zusammen mit unseren westeuropäischen Verbündeten eine nachhaltige gemeinsame Anstrengung, um durch eine Verstärkung der
menschlichen Kontakte, des Informationsflusses und des Handels mit Osteuropa
Schranken gegenüber dem Zusammengehörigkeitsgefühl Europas abzubauen. Der
Fortschritt der Vorbereitungsgespräche für die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, auf der diese Themen eine Hauptrolle spielen werden, ist ermutigend gewesen. Wir rechnen mit bedeutsamen Ergebnissen bei den
Verhandlungen in diesem Sommer. Wir haben auch die Absicht, diesen Fortschritt
auf bilateralem Wege voranzutreiben, indem wir unsere eigenen Beziehungen zu
Osteuropa verbessern, vor allem indem wir versuchen, mit der Tschechoslowakei und Bulgarien ähnliche Fortschritte zu erzielen, wie wir sie anderswo
bereits gemacht haben.
Mit

�Mit diesen Bemühungen geht eine Politik der weiteren Verbesserung der
Sicherheit durch Rüstungskontrolle einher. Von zentraler Bedeutung sind natürlich die Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen. Wir
sind ermutigt über den kürzlichen öffentlichen Hinweis von Parteichef
Breschnew auf einen 'schrittweisen Abbau» strategischer Waffen und hoffen,
daß im Rahmen des jetzt zur Verhandlung stehenden Abkommens ein solcher Abbau erreicht werden kann.
Vor einigen Wochen sind auch Sondierungsgespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa angelaufen. Im Herbst dieses Jahres sollen eigentliche Verhandlungen beginnen. Eine
Verringerung der Streitkräfte, die sich so lange in Mitteleuropa gegenübergestanden haben, ist zwar technisch schwierig, jedoch einfach in der Konzeption
und würde den Abbau strategischer Waffen

noch verstärken und weiter zur

Entspannung und zum Frieden in Europa beitragen. In der Zwischenzeit ist
es jedoch wichtig, daß wir die Verteidigungskapazität der NATO nicht einseitig verringern.
Herr Vorsitzender, in einer Zeit, da unsere Aufmerksamkeit noch immer
so stark auf ein Problem ausgerichtet ist - nämlich Indochina - ist es wichtig, daß wir den weiten Bereich des Fortschritts auf einer Vielzahl anderer
Gebiete erkennen. Ich habe heute kurz eine Reihe von Fragen gestreift, die
uns angehen,und habe dabei auch auf einige ungelöste Probleme hingewiesen.
Ich habe jedoch versucht, diese Probleme in die richtige Perspektive zu
rücken und darauf hinzuweisen, wie weit wir in nur vier Jahren gekommen sind.
Der Ausschuß ist voll und ganz auf dem laufenden über die Entwicklungen
in unseren Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China. Für andere, weniger dramatische, aber auf lange Sicht gleich wichtige Gebiete - wie
Umweltverschmutzung, Bevölkerungskontrolle, Rauschgift, Erschließung der

-7-

�der Ozeane, Flugzeugentführung und Terrorismus - haben wir viel Zeit und
Mühe aufgewandt. Herr Vorsitzender, wir dürfen alle stolz auf das sein,
was wir in diesen letzten vier Jahren erreicht haben, und ich bin sicher,
daß die nächsten vier Jahre unter der Führung von Präsident Nixon eine
Periode des weiteren Fortschritts zu unserem Ziel darstellen werden: einer
Welt des Friedens."

• 8-

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9/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-CHINESISCHEN KOMMUNIQUES
WASHINGTON --(AD)— Das am 22. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte gemeinsame amerikanisch-chinesische Kommunique1 hat folgenden
Wortlaut:
Der Berater des amerikanischen Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Dr. Henry A. Kissinger, hat die Volksrepublik China vom 15. bis
19. Februar besucht. In seiner Begleitung befanden sich Herbert G. Klein,
Alfred Le S. Jenkins, Richard T. Kennedy, John J. Holdridge, Winston Lord,
Jonathan T. Howe, Richard Solomon und Peter W. Rodman.
Der Vorsitzende Mao Tse-tung hat Dr. Kissinger empfangen. Dr. Kissinger
und Mitglieder seiner Begleitung führten umfassende Gespräche mit Ministerpräsident Chou En-tlai, Außenminister Chi Peng-lei, dem stellvertretenden
Außenminister Chiao Kuan-hua und weiteren chinesischen Regierungsmitgliedern. Mr. Jenkins führte gleichlaufende Gespräche über technische Fragen
mit dem Abteilungsleiter im Außenministerium Chang Wen-chin. Alle Gespräche wurden in einer zwanglosen Atmosphäre geführt und waren ernsthaft,
offen und konstruktiv.
Die

-1-

�Die beiden Seiten überprüften die Entwicklung der Beziehungen zwischen
den beiden Ländern in dem Jahr, das seit dem Besuch Präsident Nixons in der
Volksrepublik China verstrichen ist, sowie andere Fragen von beiderseitigem
Interesse. Sie bekräftigten die Prinzipien des gemeinsamen Kommuniques, das
im Februar 1972 in Schanghai herausgegeben worden war, sowie ihre gemeinsame
Verpflichtung, eine Normalisierung der Beziehungen herbeizuführen. Sie vertraten die Ansicht, daß der in dieser Zeit erzielte Fortschritt den Völkern
ihrer beiden Länder zum Vorteil gereicht.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß nunmehr die Zeit reif für
eine Beschleunigung der Normalisierung der Beziehungen ist. Zu diesem Zweck
haben sie sich verpflichtet, ihre Kontakte auf allen Ebenen zu erweitern. Sie
vereinbarten ein konkretes Programm für eine Ausweitung des Handels wie auch
des Austausches auf wissenschaftlichen, kulturellen und anderen Gebieten.
Um diesen Fortschritt zu erleichtern und die Kommunikationen zu verbessern wurde vereinbart, daß jede Seite in naher Zukunft ein Verbindungsbüro
in der Hauptstadt der anderen Seite errichten wird. Einzelheiten sollen über
die bestehenden Kanäle ausgearbeitet werden.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zur
Verminderung der Spannungen in Asien und in der Welt beitragen wird.
Dr. Kissinger und seine Begleitung gaben ihrem tiefen Dank für die ihnen
gewährte herzliche Gastfreundschaft Ausdruck.

+++

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9/1973

KISSINGER BERICHTET UEBER SEINE CHINA-REISE
-Wortlaut der einleitenden Erklärung-

WASHINGTON --(AD)— Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 22. Februar auf einer Pressekonferenz in Washington über seine Reise nach der Volksrepublik China und
nach Nordvietnam berichtet und sich den Fragen der Journalisten gestellt.
Seine einleitende Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich dachte, ich beginne am besten mit einigen Bemerkungen über meine Reise nach der Volksrepublik China, beantworte
dann einige Fragen dazu sowie zum Kommunique und schließe dann daran einige
zusätzliche Feststellungen zu der Presseunterrichtung an, die (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ron Ziegler im Hinblick auf das Kommunique1 von
Hanoi bereits vorgenommen hat.
Um das Kommunique in die richtige Perspektive zu rücken und einige
Worte dazu zu sagen, sollte man sich die Entwicklung unserer China-Politik
vor Augen führen. Als wir im Jahre 1969 unsere ersten Kontakte mit der Volksrepublik China durch dritte Parteien aufnahmen und im Jahre 1971 dann direkt,

-1-

�direkt, hatten die Vereinigten Staaten seit nahezu 20 Jahren keinerlei Kontakt mit der Volksrepublik China gehabt; zumindest keinen Kontakt auf einer
wirklich bedeutsamen Ebene.
Unsere ersten Gespräche zielten in erster Linie darauf ab, Vertrauen
zu schaffen, wobei jeder seine Position darlegte und wobei Kommunikationskanäle eingerichtet wurden. Im vorigen Jahr bestanden unsere Erfolge darin,
daß die Richtungen sowie die Wege aufgezeigt wurden, die man beschreiten
könnte. Nach der Beendigung des Krieges in Vietnam und im Zuge unserer Gespräche in Peking konnten wir einige dieser Wege beschreiten und über den
Versuch, die Hindernisse und das Mißtrauen zu beseitigen hinaus zu einigen
konkreteren und positiveren Erfolgen zu gelangen.
Was sich in diesen Konferenzen vollzog, war praktisch eine Fortsetzung
der Möglichkeiten, die während des Besuches unseres Präsidenten und im Zuge
der Gespräche zwischen ihm und dem Vorsitzenden Mao sowie Ministerpräsident
Chou En-lai aufgezeigt worden waren; allerdings nahmen sie nunmehr konkretere Form an. Wie es im Kommunique heißt, überprüften wir ausführlich den
Fortschritt in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, und wir überprüften auch ausführlich die weltpolitische Situation.
Wir erörterten die Grundsätze des Kommuniques von Schanghai, besonders
diejenigen, die sich mit dem Wunsche nach einer Normalisierung der Beziehungen, dem Wunsche nach einem Abbau der Gefahr eines militärischen Konfliktes,
sowie der nachdrücklichen Versicherung beider Seiten befassen, daß sie nicht
nach einer Hegemonie im pazifischen Bereich streben - wobei jede Seite sich
gegen den Versuch irgendeines anderen Landes stellt, diese Hegemonie zu erreichen und wobei betont wird, daß die Beziehungen zwischen China und den
Vereinigten Staaten niemals gegen irgendein drittes Land gerichtet sein
würden.
In

-2-

�In diesem Geiste beschlossen wir, die Normalisierung der Beziehungen
zu beschleunigen und die Kontakte auf allen Gebieten zu vertiefen; eii.
erstes konkretes Programm für die Erweiterung dieser Kontakte wurde ausgearbeitet .
Angesichts dieses neuen Bereiches von Kontakten kam man zu der Ansicht,
daß der bestehende Kanal in Paris nicht ausreichend sei und daß deshalb jede Seite in der Hauptstadt der anderen ein Verbindungsbüro einrichten würde.
Dieses Verbindungsbüro soll sich mit Fragen des Handels wie auch mit allen
anderen Angelegenheiten befassen, mit Ausnahme der rein formellen diplomatischen Aspekte unseres Verhältnisses, aber im übrigen soll dieses Büro
den ganzen Bereich der Beziehungen erfassen. Dieses Verbindungsbüro wird in
nächster Zukunft eingerichtet werden. Beide Seiten werden innerhalb der
nächsten Wochen Vorschläge hinsichtlich der technischen Erfordernisse unterbreiten und dann wird es für die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China möglich sein, miteinander in der Hauptstadt des jeweils anderen zu
unterhandeln.
Damit nun dieser Wunsch nach einer Normalisierung der Beziehungen konkreten Ausdruck erfährt, wurde eine Reihe von Schritten vereinbart.
Zunächst einmal haben uns die Chinesen als ein Zeichen ihres guten
Willens davon in Kenntnis gesetzt, daß sie während des Zeitraums unseres Abzuges aus Vietnam gleichzeitig die beiden militärischen Gefangenen, die in
China festgehalten werden, freilassen wollen, nämlich Korvettenkapitän
(Robert J.) Flynn und Major (Philipp E.) Smith. Sie werden seit 1967 bezw.
seit 1965 in China festgehalten und werden innerhalb der nächsten Wochen
freigelassen.
Ministerpräsident Chou En-lai hat mich ferner gebeten, Präsident Nixon
davon in Kenntnis zu setzen, daß das chinesische Strafgesetz die Möglichkeit
einer periodischen Überprüfung des Strafmasses von Gefangenen vorsieht und

3

�und daß diese Bestimmung auch im Falle von John Downey angewandt werden würde. Das chinesische Strafgesetz sieht eine Herabsetzung des Strafmasses
aufgrund guter Führung vor. Uns ist erklärt worden, daß die Führung und das
Verhalten von Mr. Downey beispielhaft gewesen sei und daß sein Fall in der
zweiten Hälfte dieses Jahres überprüft werden würde.
Im Hinblick auf weitere bisher ungelöste Fragen, die über andere Kanäle
erörtert wurden, kamen wir überein, daß die miteinander zusammenhängenden
Fragen der amerikanischen Privatansprüche gegen die Volksrepublik China und
der blockierten Guthaben der Volksrepublik China in den Vereinigten Staaten
in naher Zukunft auf einer globalen Basis ausgehandelt werden sollen. Erste
Gespräche über dieses Thema werden in der nächsten Woche zwischen Außenminister Rogers und dem chinesischen Außenminister beginnen, wenn beide an
der internationalen Vietnamkonferenz in Paris teilnehmen; wir rechnen damit,
daß diese Verhandlungen rasch und in einer umfassenden Weise abgeschlossen
werden können, und wir sind sicher, daß beide Seiten in einem konstruktiven
Geiste und mit einer Haltung an diese Verhandlungen herangehen werden, die
in Übereinstimmung mit unserer Absicht steht, die Verbesserung unserer Beziehungen zu beschleunigen.
Was einen verstärkten Austausch zwischen den beiden Ländern anbetrifft,
so haben die Chinesen zugestimmt, im Herbst dieses Jahres das Philadelphia
Symphonie-Orchester, im Frühjahr ein Ärzte-Team, im Sommer Gruppen von Wissenschaftlern, eine Gruppe von Lehrern weiterführender Schulen sowie in vermehrtem Maße Abgeordnete und Senatoren, sowie Sportler (verschiedener Sparten)
einzuladen.
Die Volksrepublik China hat der Entsendung einer archeologischen Ausstellung aus der Verbotenen Stadt nach den USA zugestimmt, die wahrscheinlich
im Jahre 1974 zu uns kommen wird, sowie der Entsendung einer Gruppe von
Wasserwirtschaftsexperten, einer Gruppe von Hormonspezialisten, einer Gruppe
von Hochenergiephysikern sowie eines Teams \o n Turnern.
Wenn

-4-

�Wenn die Verbindungsbüros eingerichtet sind, besteht die Möglichkeit
für die Entwicklung weiterer Kontakte und für die Beschleunigung dieses gesamten Prozesses. Der Hauptpunkt, den ich hier herausstellen möchte, ist folgender:
Unsere Kontakte zur Volksrepublik China haben sich von einem Zustand der
Feindseligkeit zur Normalisierung hin bewegt. Beide sind wir der Auffassung,
daß es für den Weltfrieden von entscheidender Bedeutung ist, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China in weltpolitischen Angelegenheiten
verantwortungsbewußt handeln; daß wir Teil einer internationalen Gesellschaft
sind, in der alle Nationen ein entscheidendes Interesse an der Wahrung des
Friedens haben und daß sich deshalb, wie es im Kommunique von Schanghai bereits betont und jetzt noch einmal bekräftigt wurde, die Normalisierung der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China nicht
gegen andere Länder richtet, sondern daß dies Teil des Planes ist, den der
Präsident immer verfolgt hat, nämlich die Errichtung eines Gebäudes des Friedens, an dem alle Länder teilhaben können und an dem alle Länder ein Interesse haben.
Es bleibt mir nur noch zu sagen, daß wir mit außerordentlicher Höflichkeit empfangen wurden und daß die Gespräche in einer - wie es immer geheißen
hat - ungezwungenen Atmosphäre stattgefunden haben.

Nach der Beantwortung von Fragen zu diesem Komplex wandte sich Dr.Kissinger seinem Besuch in Hanoi zu. Hierzu erklärte er wörtlich:
Ich möchte noch eine allgemeine Feststellung zu meinem Besuch in Nordvietnam anfügen. Ein großer Teil der Kommentare, die ich seit meiner Rückkehr
und auch während meiner Reise gesehen habe, befaßte sich mit der Wirtschaftskommission und der Wirtschaftshilfe, über die jetzt gesprochen wird. Lassen
Sie mich versuchen, dies in die richtige Perspektive zu rücken.....
Es

-5-

�Es war nicht der Hauptzweck meines Besuches in Hanoi, ein wirtschaftliches Hilfsprogramm auszuarbeiten. Hauptzweck dieses Besuches war es vielmehr, mit der Führung der Demokratischen Republik Vietnam einen Kontakt herzustellen, um herauszufinden, ob es möglich sein würde, mir ihr in Indochina
eine ähnliche Beziehung herzustellen, wie wir sie mit der Volksrepublik China
herstellen konnten.
Sie müssen sich vor Augen halten, daß die Führer der Demokratischen Republik Vietnam fast ihr ganzes Leben lang entweder im Gefängnis oder mit dem
Führen von Guerilla-Kriegen oder dem Führen von internationalen Kriegen zugebracht haben. Noch niemals in ihrem Leben haben sie eine Möglichkeit gehabt,
an normalen diplomatischen Beziehungen mit anderen Ländern teilzuhaben oder
sich auf die friedliche Entwicklung ihres Landes und ihres Gebietes zu konzentrieren.
Aus welchen Gründen auch immer haben sie jetzt ein gewisses Interesse
zumindest an der Sondierung der Möglichkeit einer konstruktiveren Beziehung und einer friedlicheren Entwicklung gezeigt. Den größten Teil meiner
Zeit in Hanoi habe ich darauf verwandt, über die Verwirklichung des Abkommens
sowie darüber zu sprechen, welche Formen eine Normalisierung der Beziehungen
annehmen könnte.
Man sollte das Wirtschaftsprogramm nicht als eine Art Almosen betrachten und darin auch nicht nur ein reines Wiederaufbauprogtamm sehen; man sollte es vielmehr als einen Versuch ansehen, der es den Führern Nordvietnams
ermöglichen soll, mit anderen Ländern, insbesondere westlichen, in einem
kontruktiveren Verhältnis zusammenzuarbeiten und damit einen Anstoß zu einer
friedlicheren Entwicklung zu geben.

Die

-6-

�Die Wirtschaftskommission bietet den Führern der Demokratischen
Republik Vietnam die erste Möglichkeit, mit verantwortlichen Amerikanern
über etwas anderes zu sprechen als über Waffenstillstand oder militärische
Vereinbarungen, und deshalb war mein Besuch Teil eines Versuches, von
einem Zustand der Feindseligkeit zur Normalisierung zu gelangen. Deshalb
ersuchen wir nicht aus wirtschaftlichen Gründen und auch nicht in erster
Linie aus humanitären Gründen um die Unterstützung des Gedankens eines
solchen Programmes, sondern weil wir versuchen wollen, in Indochina Frieden
zu schaffen und damit zum Frieden in der Welt beizutragen.

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9/1973

VIERTE INTERNATIONALE TECHNISCHE KONFERENZ IN JAPAN
(13.-16.März 1973)

—(AD)-- Vom 13. bis 16. März 1973 wird in Kyoto (Japan) die 4. Internationale Konferenz über das "Sicherheitsauto" abgehalten. Veranstalter ist
der im Jahre 1969 geschaffene NATO-Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS). Dieses meist kurz als "Umweltausschuß" titulierte Komitee ist zu einer wichtigen Kontaktstelle für Experten der verschiedensten
Fachgebiete geworden - Experten, die sich in erster Linie damit befassen,
für Probleme wie Luft-und Wasserverschmutzung, unzureichende Straßen-und
Verkehrssicherheit, Verbesserung des Gesundheitswesens in allgemeiner und
spezieller Sicht oder bestmögliche

Hilfe nach Naturkatastrophen gute Lösun-

gen zu finden. In jedem Fall sind auf internationaler Ebene wirksamere Maßnahmen oder bessere Modelle für künftige Aktionen zu entwickeln, als sie
ein einzelnes Land präsentieren könnte.
Nicht alle an den CCMS-Projekten beteiligten oder daran interessierten
Länder sind Mitglieder der NATO. Auch Drittländern stehen die wissenschaftlich-technischen Arbeitskreise dieser Organisation offen. Von einer solchen gemischten Gruppe wird das Projekt "Experimentelles Sicherheitsauto"
(ESV) durchgeführt. Ihr gehören neben den Vereinigten Staaten die Länder
Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,

-1-

�Italien, Niederlande sowie Japan und Schweden an. Nach den ersten drei Konferenzen in Paris (Januar 1971), Stuttgart (Oktober 1971) und Washington
(Mai 1972) wird nun Japan der Gastgeber sein. Die fünfte Konferenz ist für
das Frühjahr 1974 in England vorgesehen.
Die USA haben inzwischen mit jenen NATO-Ländern, die zu den wichtigsten
Autoproduzenten gehören, bilaterale Vereinbarungen über die Konstruktion von
Sicherheits-Modellfahrzeugen in verschiedenen Größenklassen getroffen. Mit
Japan und Schweden wurden ähnliche Abkommen geschlossen. Parallel zu den ESVEntwicklungen laufen in einigen Ländern ergänzende Studien - Erforschung
von Unfallursachen (Niederlande), Alkohol am Steuer (Kanada), technische
Überwachung von Kraftfahrzeugen (Bundesrepublik), Notarzteinrichtungen
("Italien), Fußgängersicherheit (Belgien) und bauliche Gefahren der Straße
(Frankreich).
Die bevorstehende 4. Technische Konferenz über Sicherheitsfahrzeuge
wird sowohl für die Fachpresse als auch für die Tagespresse\on Interesse
sein. Soweit zu erfahren war, sollen einige neue Modelle von Sicherheitsfahrzeugen vorgestellt werden. Außerdem ist damit zu rechnen, daß einige
Firmen die Öffentlichkeit darüber informieren werden, welche technischen
Neuerungen in bezug auf "mehr Sicherheit im Auto" in die Serienproduktion
übernommen werden sollen.
Die Vereinigten Staaten werden durch Experten des US-Verkehrsministeriums
sowie der großen Autofirmen vertreten sein. Aus der Bundesrepublik werden
Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der an der Entwicklung von ESVFahrzeugen beteiligten Firmen VW jnd Daimler-Benz sowie der Zulieferindustrie
und der Versicherungsgesellschaften erwartet.

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9/1973

USA ERLÄUTERN ZIELSETZUNGEN BEI DEN BEVORSTEHENDEN HANDELSVERHANDLUNGEN

-Auszüge aus der Ansprache von William R.Pearce vor dem Verband kanadischer
Exporteure-

WASHINGTON --(AD)-- Der Stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons
für Handelsverhandlungen, William R. Pearce, hat vor dem Verband kanadischer Exporteuie in Toronto die Ziele der Vereinigten Staaten bei den
bevorstehenden Handelsverhandlungen erläutert.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die am 22. Februar in Washington veröffentlicht worden war, haben folgenden Wortlaut:
"

Am 1. Januar sind Großbritannien, Dänemark und Irland der

Europäischen Gemeinschaft beigetreten. Innerhalb eines Zeitraumes von fünf
Jahren werden sie die Zoll-und die sonstigen Handelsbestimmungen der Gemeinschaft übernommen haben. Sie werden ferner in den Genuß der Präferenzabkommen kommen, die die Gemeinschaft mit anderen Ländern in Westeuropa, im
Mittelmeerraum und in Afrika abgeschlossen hat.

•

Von den traditionellen Lieferanten der neuen Mitgliedsstaaten wird
dies mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Wenn die drei Länder sich jetzt

�jetzt dem gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft anpassen, werden einige
ihrer Zölle sinken.
Auf anderen Gebieten wird die Höhe des Zollschutzes stark steigen. Wir
sind am meisten besorgt über die Auswirkungen auf die Absatzmärkte für Agrarerzeugnisse . Während des letzten Jahrzehnts haben die drei Länder im Durchschnitt 10 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr importiert. Wenn Großbritannien
zu den festen Zöllen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens zurückkehren
und wenn Dänemark und Irland ihr derzeitiges Preissystem beibehalten würden,
könnten wir innerhalb von 5 Jahren mit einem Ansteigen ihres Netto-Importbedarfs um rund 50 Prozent rechnen. Auf der anderen Seite würden sie im Rahmen
der gemeinsamen Agrarpolitik der Gemeinschaft in dieser Zeit zu Netto-Getreideexporteuren werden.
In gleicher Weise sind wir auch über unsere Exporte von Zitrusfrüchten
und Tabak besorgt, die auf ein höheres Niveau von Importschutz und auf einen
wachsenden Wettbewerb seitens bevorzugter Lieferanten im Mittelmeerraum und
in Afrika stoßen werden.
Die Gemeinschaft hat den Standpunkt eingenommen, daß sie niemandem etwas
schuldig ist; daß die Senkungen in den Zolltarifen der drei neuen Mitglieder
die Lieferanten aus Drittländern für den Schutz mehr als kompensieren, der
sich aus der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft sowie
der Annahme ihrer gemeinsamen Agrarpolitik ergibt.
Die Vereinigten Staaten können dem nicht beipflichten. Gleichgültig, was
für Auswirkungen die Erweiterung auf unseren Handel insgesamt haben wird
- und wer kann schon sagen, wie diese Auswirkungen sein werden - einige Warengruppen werden neue, restriktivere Handelsschranken zu gewärtigen haben.
Natürlich werden wir die Vorteile der Angebote der Gemeinschaft auf anderen
Sektoren auf einer Fall-zu-Fall-Basis beurteilen. Wir sind jedoch nicht verpflichtet - weder aus logischen noch aus gesetzlichen Gründen - zu akzeptieren, was uns angeboten wird.
Bestenfalls

-2-

�Bestenfalls wird es schwer werden, eine Übereinkunft zu erzielen. Ja,
einige haben sogar vorgeschlagen, daß die Erweiterungsfrage in die umfassenderen Verhandlungen einbezogen und dort gelöst werden sollte. Dies wäre
für uns schwierig. Es wird schwer fallen, den Kongreß davon zu überzeugen,
daß wir mit den umfassenden Vollmachten betraut werden können, die für die
neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen notwendig sind, wenn die Erweiterungsfrage weiterhin ungelöst bleibt....
Die Vereinigten Staaten messen den später in diesem Jahr beginnenden
multilateralen Verhandlungen große Bedeutung bei. Wir haben zunächst in den
bilateralen Handelsgesprächen, die in Zusammenhang mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember 1971 standen, die übrigen großen Handelsländer aufgefordert, umfassende Verhandlungen zu unterstützen. Diese sind für eine Ausweitung des Handels wie auch für eine Verbesserung des internationalen Handelssystems erforderlich, das den Veränderungen der auf den Handel einwirkenden
Faktoren, die seit der Ausarbeitung der GATT-Statuten in den vierziger Jahren
eingetreten sind, Rechnung trägt
Zölle - Wir werden einen Abbau der Zölle anstreben. Obwohl die Bedeutung der
Zölle in sechs aufeinanderfolgenden Runden von GATT-Verhandlungen immer mehr
verringert worden ist, bleiben sie weiterhin ein Hindernis für eine Ausweitung des Welthandels. Zollverhandlungen haben im Hinblick auf das wachsende
Handelsvolumen im Rahmen der Präferenzsysteme vermehrt an Bedeutung gewonnen.
Im Gegensatz zu Presseberichten haben die Vereinigten Staaten nicht eine
völlige Beseitigung der Zölle vorgeschlagen. Soweit wir sehen können, ist
kein Mitgliedsland bereit, in diesem frühen Stadium eine solche Verpflichtung
einzugehen. Was wir vorgeschlagen haben, ist, daß die künftige Arbeit des
GATT-Ausschusses für den Handel mit Industrieerzeugnissen mit einer -allerdings hypothetischen- Erörterung eines zollfreien Handels mit Industrieerzeugnissen zwischen den Industriestaaten beginnen könnte. Wenn wir uns jetzt

3-

�jetzt dazu durchringen, die vernünftigen Grenzen eines Zollschutzes für
bestimmte Erzeugnisse und Warengruppen zu prüfen, so würde dies bereits
den größtmöglichen Fortschritt bei den Zollsenkungen fördern.

Nicht-tarifäre Handelsschranken - Ein Fortschritt bei den Zollverhandlungen
hängt in gewissem Maße auch von einem Erfolg bei der Behandlung der nichttarifären Handelsschranken ab. Sofern die nicht-tarifären Handelsschranken
nicht in die internationalen Bestimmungen einbezogen werden können, werden
sie weiterhin die Erfolge von Zollverhandlungen zunichtemachen. Ein Fortschritt hier wird schwer sein. Die GATT-Mitgliedsstaaten haben mehr als 800
nicht-tarifäre Handelsschranken festgestellt. Nicht einmal zwei von diesen
scheinen einander gleich zu sein. Oft ist es schwierig, ihre Auswirkungen auf
den Handel zu bewerten, und noch schwerer ist es, Wege für ihren Abbau ohne
Beeinträchtigung des legitimen Zwecks zu finden, dem sie dienen sollen. Es
wird unsere Aufgabe sein, die nicht-tarifären Handelsschranken abzubauen
oder zu beseitigen, die nicht gerechtfertigt sind, und Bestimmungen für die
Harmonisierung und Kontrolle der übrigen zu finden
Die Vereinigten Staaten haben im GATT-Landwirtschaftsausschuß ein Verfahren vorgeschlagen, das für eine Liberalisierung des Agrarhandels im Laufe
der Zeit benutzt werden könnte. Wir haben praktisch vorgeschlagen, daß alle
Elemente des Schutzes in gemischte Zollkomponenten umgerechnet werden, die
von Anfang an gegen Erhöhungen geschützt sind. Die Zollsenkungen könnten dann
Erzeugnis für Erzeugnis ausgehandelt und über einen längeren Zeitraum verteilt
durchgeführt werden. Wir haben keinerlei Einschränkungen des Rechtes der Regierungen vorgeschlagen, das Einkommen ihrer Erzeuger aufzubessern, aber wir
haben vorgeschlagen, daß die Systeme für eine solche Förderung so beschaffen
sein sollen, daß sie sich im Handel so wenig wie möglich niederschlagen.
Wir sind nicht auf ein solches Vorgehen festgelegt; wir haben es als
Basis für die Aufnahme von Gesprächen vorgeschlagen. Genauso wenig sind wir in
der Frage der Rohstoffabkommen festgelegt. Wir sind uns im klaren darüber,

-4-

�darüber, daß Änderungen bei den landwirtschaftlichen Subventionierungssystemen nicht über Nacht durchgeführt werden können. Es werden Übergangsabkommen notwendig sein, und dies könnte in der Tat irgendwelche multilateralen Abkommen erfordern. Wir werden jede derartige Vereinbarung danach beurteilen, in welchem Maße sie im Laufe der Zeit zu einer grundlegenden Liberalisierung und Ausweitung des Agrarhandels beitragen kann.

Sicherheiten - Die Vereinigten Staaten werden ferner die Erörterung eines
neuen multilateralen Sicherheitssystems unterstützen.
Die Bestimmungen des Artikel XIX des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens, die die Mitgliedsstaaten zu einer Beschränkung solcher Importe ermächtigen, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zufügen könnten,
waren für die Lösung von Problemen im Zusammenhang mit den immer schnelleren
Änderungen in den Welthandelspraktiken nicht ausreichend. Infolgedessen haben alle großen Handelsländer ihre eigenen Lösungen außerhalb des Rahmens der
gegenwärtigen GATT-Bestimmungen entwickelt. Ein derartiges Vorgehen hat dazu geführt, den Wert der bestehenden GATT-Verpflichtungen zu untergraben.
Was notwendig erscheint, ist ein neues multilaterales Sicherheitssystem, das
Bestimmungen und Verfahren schafft, die alle Länder akzeptieren und denen sie
in Praxis und Theorie nachkommen können.
Obwohl zweifellos noch keine Übereinstimmung besteht, beginnen jetzt die
Hauptelemente eines neuen, ergänzenden Systems Form anzunehmen. Im Rahmen
eines solchen Systems könnten die schnell zunehmenden Importe, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zuzufügen drohen, vorübergehend eingeschränkt werden, um den einheimischen Industrien Zeit zur Anpassung an den
neuen Wettbewerb zu geben. Im Gegensatz zu den derzeitigen Verfahren nach
Artikel XIX würde das delikate Gleichgewicht der Lastenaufteilung unter einem
neuen multilateralen System erreicht werden - nicht durch Zollkompensationen
oder durch Vergeltung, sondern durch eine Verpflichtung seitens der den Import einschränkenden Länder, den einheimischen Anpassungsprozeß zu fördern
und zu beschleunigen.

,

�Obwohl die Konzeption eines neuen multilateralen Sicherheitssystems weite Unterstützung gefunden hat, ist auch Besorgnis hinsichtlich seiner wahrscheinlichen Auswirkungen auf bestehende Handelsverpflichtungen geäußert worden. Wir selbst sind in bezug auf diesen Aspekt ebenfalls besorgt. Aber eine
größere Sorge ist für uns die Verwundbarkeit des gesamten GATT-Systems, solange nicht ein Weg gefunden wird, um die sich ausweitende Kluft zwischen den
sich schnell ändernden Handelspraktiken und den mehr begrenzten Kapazitäten
der Binnenwirtschaften zu überbrücken, sich diesem neuen Wettbewerb anzupassen. Die Aufgabe scheint uns darin zu bestehen, Bestimmungen zu entwickeln,
die ein Ausweichen auf multilaterale Sicherheiten auf solche Fälle begrenzt,
wo eine echte Notwendigkeit besteht."

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9/1973

JÜNGSTE NEUFESTSETZUNG DER WECHSELKURSE IST AUSREICHEND
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Mit der jüngsten Dollarabwertung und dem Aufwärtsfloaten des Yen ist die erforderliche Neufestsetzung der Wechselkurse
abgeschlossen worden, die mit dem Smithsonian-Abkommen von 1971 nur
zum Teil gelöst worden war.
Dies hat der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, am 27. Februar vor dem Bankenausschuß des amerikanischen Senats
unmißverständlich zu verstehen gegeben. Nach Ansicht Volckers reichen
die Veränderungen der Wechselkurse, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden haben, für eine Korrektur der internationalen Ungleichgewichte
aus, sobald sie erst einmal voll auf Handel, Investitionen und andere
internationale Transaktionen durchgeschlagen sind. Gleichzeitig hat
der Staatssekretär jedoch unterstrichen, daß die Neufestsetzung der
Wechselkurse nur eines von drei Erfordernissen für die Wiederherstellung
des Gleichgewichts und der Stabilität in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist. Die beiden anderen Erfordernisse' sind, daß die Vereinigten Staaten weiterhin erfolgreich die Inflation unter Kontrolle halten
und daß den amerikanischen Exporten Zugang zu den Märkten anderer Länder gewährt wird.
Volcker

�1
I

i

Volcker hatte vor dem Ausschuß das eingebrachte Gesetz über die offizielle Neufestsetzung der Dollar-Parität begründet. Die Devisenmärkte verhalten sich bereits so, als ob die zehnprozentige Dollarabwertung Gesetzeskraft habe; die Verabschiedung des Gesetzes durch den Kongreß ist jedoch erforderlich, damit die amerikanische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) offiziell von der Paritätsänderung in Kenntnis setzen kann. Nach
dem bisherigen Verlauf der Hearings im Senat dürfte mit keiner Opposition
gegen das Gesetz zu rechnen sein.
Auf Fragen der Senatoren eingehend hatte Volcker betont, daß es sich bei
der Neufestsetzung der Wechselkurse im Jahre 1971 um einen "Kompromiß" gehandelt habe, der erst nach harten Verhandlungen erreicht worden war und seines
Erachtens den Erfordernissen nicht voll gerecht geworden sei. Die Vereinigten Staaten, so meinte Volcker, wären damals bei der Neufestsetzung der
Wechselkurse wesentlich weiter gegangen, als dann von den Finanzministern im
Dezember 1971 vereinbart worden sei. Dieses Mal halte er die Neufestsetzung
der Wechselkurse jedoch für ausreichend.
1971, so sagte Volcker, habe man den amerikanischen Schätzungen über das
erforderliche Ausmaß der Wechselkursänderungen keinen Glauben geschenkt. Die
USA seien für wesentlich größere Veränderungen als ihre Handelspartner eingetreten; die späteren Entwicklungen hätten jetzt die Situation in neuem Licht
erscheinen lassen. In der Zwischenzeit habe sich eine wesentliche Änderung in
der Haltung der einzelnen Länder gegenüber Handels-und Zahlungsbilanzungleichgewichten durchgesetzt. Selbst Länder mit Handelsüberschüssen fänden
sich jetzt mit der Tatsache ab, daß Ungleichgewichte unerwünscht sind und
korrigiert werden sollten.
Auf Presseberichte angesprochen,wonach die Möglichkeit von Goldverkäufen aus amerikanischen Regierungsbeständen zur Beruhigung der Spekulation
auf den privaten Goldmärkten im Gespräch sei, meinte Volcker, die Vereinigten

-2-

�Vereinigten Staaten hätten in dieser Frage in den letzten Tagen keinerlei
Kontakte mit anderen Regierungen gehabt. Die amerikanische Regierung halte
sich vielmehr weiterhin an das internationale Abkommen über einen gespaltenen Goldmarkt, nach dem Regierungen kein Gold auf dem privaten Markt kaufen
oder verkaufen dürfen. Eine etwaige Entscheidung über eine Änderung dieses
Abkommens, so betonte Volcker, könne von den Vereinigten Staaten allein nicht
getroffen werden. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, seien die USA dafür,
daß das Gold in dem internationalen Währungssystem künftig eine geringere
Rolle spielen sollte. Im Rahmen einer solchen künftigen Entwicklung, so meinte Volcker, würden Goldverkäufe, um den höheren Marktpreis zu nutzen, nicht
störend wirken. Auf den Vorschlag eines Senators, wonach die Vereinigten
Staaten den Internationalen Währungsfonds zu Goldverkäufen aus seinen Beständen auffordern sollten, um den inoffiziellen Weltpreis herabzudrücken, erwiderte Volcker, daß diese Frage von Zeit zu Zeit aufgeworfen worden sei,
daß aber von der einen oder der anderen Seite ein solcher Gedanke immer wieder abgelehnt wurde. In einer vor dem Ausschuß abgegebenen vorbereiteten Erklärung hatte Volcker bereits betont, daß der offizielle Goldpreis von
42,22 Dollar pro Unze in keiner Weise den Schluß zulasse,"daß wir eine generelle Änderung des Goldpreises als ein angebrachtes oder nützliches Mittel
zur Erhöhung der internationalen Liquidität betrachten". Gerade die wilden
spekulativen Fluktuationen des Goldpreises auf dem freien Markt, so fügte
der Staatssekretär hinzu, deuteten auf eine der schwerwiegenden Unzulänglichkeiten des Währungssystems hin, dieses Metall als Basis zu benutzen.
Die beiden Abwertungen des US-Dollar 1971 und jetzt sind nach Ansicht
Volckers für die USA wie auch die übrigen Länder eine unerfreuliche Erfahrung
gewesen. Sie seien jedoch, so betonte der Staatssekretär, erforderlich gewesen, um eine wichtige Anpassung in der Nachkriegswirtschaft zum Abschluß zu
bringen. Doch könne und dürfe dies nicht zu einer Politik für die Zukunft werden. Die Welt brauche ein Währungssystem, das weniger anfällig für Ungleichgewichte, Marktstörungen und Spekulationen sei, durch die die jüngsten

-3-

�I

jüngsten Verhandlungen notwendig geworden seien. Für die USA gelte es zunächst einmal, mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden. Darüberhinaus müsse eine neue internationale Handelsordnung geschaffen werden. Wörtlich sagte Volcker: "Wir arbeiten so hart wie nur möglich auf diese Ziele
hin und erwarten von unseren Handelspartnern eine aufgeschlossene Haltung."
Auch der Vorsitzende des Federal Reserve Board - der amerikanischen Notenbank - Arthur Burns vertrat vor dem Ausschuß die Ansicht, daß das
Smithsonian-Abkommen und die jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse die
USA eindeutig wieder auf den Weg zu einem Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zurückgebracht hätten. Die Auswirkungen der letzten Dollarabwertung würden
allerdings erst 1975 voll durchschlagen, während das Smithsonian-Abkommen
schon 1973 und 1974 voll zur Wirkung kommen werde. Wie Burns erklärte, könne
für 1975 bereits wieder mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA
gerechnet werden, "und dies ist der Grund, warum ich sage, wir sollten nicht
mehr an eine weitere Abwertung denken". Die USA, so fuhr Burns fort, hätten
in den letzten eineinhalb Jahren die Inflation weit besser als irgendein anderes Land unter Kontrolle gebracht. Dieser Kurs werde fortgesetzt werden.
Darüberhinaus werde es auch ein wichtiges Ziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik in diesem Jahre sein, ein Klima zu schaffen, das zu Investitionen in
den USA ermutige.

-4-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teil III der Botschaft über die Lage der Nation: Die Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rogers-Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des US-Senats vom 21. Februar 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des amerikanisch-chinesischen Kommuniques&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger berichtet über seine China-Reise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der einleitenden Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vierte internationale technische Konferenz in Japan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(13. - 16. März)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erläutern Zielsetzungen bei den bevorstehenden Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache von William R. Pearce vor dem Verband kanadischer Exporteure -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse ist ausreichend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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28. Februar 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache Präsident Carters in Atlanta vom 20. Februar 1979
- Amerikas Rolle in einer Welt des Wandels und der Umwälzung Kommunique zum Abschluß des Besuchs von Präsident Carter in Mexiko
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Meeresbergbau - eine zentrale Aufgabe für Seerechtskonferenz
- Interview mit US-Botschafter Richardson -

Um Übcr/cndung von
ßcIcgcKcmpkuen wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28. Februar 1979

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS IN ATLANTA VOM 20. FEBRUAR 1979
• Amerikas Rolle in einer Welt des Wandels und der Umwälzung

ATLANTA, GEORGIA - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 20. Februar 1979
in einer Ansprache vor der Technischen Hochschule von Atlanta, Georgia, die
Rolle der Vereinigten Staaten in der heutigen Welt aufgezeigt.

Carter, ehe-

mals Gouverneur des Staates Georgia, hatte am gleichen Tage vor dem Parlament
dieses Einzelstaates seine Entschlossenheit bekräftigt, den Kampf gegen die
Inflation als innenpolitisches Hauptanliegen fortzusetzen.

Er rief alle

Amerikaner auf, Zurückhaltung zu üben, um die wirtschaftliche Gesundheit der
USA zu erhalten.

Er werde allen Versuchen von Interessengruppen, den Kampf

gegen die Inflation zu unterminieren, mit Festigkeit widerstehen.
Die außenpolitische Rede des Präsidenten vor der Technischen Hochschule
hat folgenden Wortlaut:
Ich bin stolz, Schüler des Georgia Institute of Technology gewesen zu
sein, und dankbar für das, was ich hier gelernt habe.
Als ich die Technische Hochschule bezog, befand sich die gesamte Welt
im Krieg.

Unser Land wurde von zwei Seiten her angegriffen und war gerade

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�V

gerade dabei, sich in einem zweifelhaften Bemühen auf totale Kriegsanstrengungen einzustellen, wie wir sie seit der Zeit, in der wir uns in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegenseitig bekriegt hatten, nicht mehr
gekannt haben.

Es war noch nicht die Zeit der Siege, und viele Menschen

fürchteten, die Demokratien des Westens könnten überwältigt werden.
Heute sehen wir uns einer sehr anderen Welt gegenüber

als der Welt,

in der ich aufgewachsen bin. Alte Reiche sind verschwunden, und die Landkarten weisen neue und im Stadium der Entwicklung begriffene Länder aus, die
Namen führen, die wir im Jahre 1942 noch nicht kannten.

Eines aber hat sich

nicht so sehr verändert, wie ich gehofft hatte: Wir leben noch immer in
einer Welt voll von Gefahren, einer Welt, in der die Demokratie und die Freiheit ständig in die Schranken gefordert werden, einer Welt auch, in der der
Friede von Tag zu Tag neu gewonnen werden muß.
Allzu vielen Menschen fehlt es noch immer an den einfachsten Lebensnotwendigkeiten, und allzu vielen werden die wichtigsten Menschenrechte auch
heute vorenthalten.
Wie die Ereignisse der letzten Tage gezeigt haben, bleibt der Friede ein
zerbrechliches Gebilde - verwundbar durch Angriffe von allen Seiten.
Die Unruhen im Iran, im westlichen Indischen Ozean und in Südostasien
sind eine Herausforderung an unsere Entschlossenheit und unsere Führungsqualitäten. Sie unterstreichen die Bedeutung der Stärke unserer nationalen
Verteidigung, der Klugheit unserer Diplomatie und der Standhaftigkeit unserer Bemühungen um Rüstungsbegrenzungen und Frieden.
Ich möchte heute zu Ihnen über Amerikas Rolle und Zielsetzungen in dieser Welt des Wandels und der Umwälzung sprechen.
Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Vereinigten Staaten die führende Nation in dem Bemühen, unsere Welt einem stabilen Frieden und einer echten

- 2 -

J

�echten Sicherheit näher zu bringen.

Wir haben die stärkste Wirtschaft der

Erde, wir haben die stärksten Streitkräfte der Erde,und wir teilen uns in die
Lasten der gemeinsamen Verteidigung mit unseren ausländischen Freunden, deren Sicherheit und Prosperität für uns so wichtig ist wie für sie selbst.
Gemeinsam mit unseren starken Verbündeten ist es uns gelungen, mehr
als ein Drittel eines Jahrhunderts lang einen Weltkrieg zu verhindern - die
längste Zeit eines allgemeinen Friedens in einer modernen Geschichte hindurch.
Wir helfen mit, ein Welthandels- und Währungssystem aufrechtzuerhalten,
das einem größeren Teil aller Menschen dieser Erde einen größeren Wohlstand
eingebracht hat, als sie ihn je in der Geschichte verzeichnen konnten.
Wir helfen mit, Konflikte unter anderen Ländern zu lösen, damit jedes
seine eigene Zukunft in Unabhängigkeit und Frieden gestalten kann.
Und wir tragen dazu bei, die Vorbedingungen aufrechtzuerhalten, unter
denen über einhundert neue Länder entstanden sind und unter denen die Hoffnungen
einer Menschheit - und deren Erfüllung - einen revolutionären Aufschwung genommen haben.
Kurz gesagt, wir gewährleisten das Fundament der weltweiten Sicherheit
und des wirtschaftlichen Fortschritts in einer Welt beispielloser Veränderungen
und Konflikte.

In einer solchen Welt trägt Amerika eine vierfache grundlegen-

de Verantwortung für die Sicherheit:
- Die Stärke und Sicherheit unserer Völker aufrechtzuerhalten;
- zu unseren Verbündeten und Freunden zu stehen;
- ihre nationale Unabhängigkeit und die Integrität zu gewährleisten; und
- beharrlich für den Frieden zu arbeiten.
Die Vereinigten Staaten können den Gang der Ereignisse in anderen Ländern
nicht bestimmen.

Wir

�»

Wir sind nicht gegen Veränderungen.

Viele der politischen Strömungen

in der Welt von heute verleihen einer Sehnsucht Ausdruck, die auch wir teilen:
der Sehnsucht nach einer Welt, in der die legitimen Hoffnungen und Wünsche von
Völkern und Einzelpersonen mehr Aussicht auf Erfüllung haben als bisher.
Die Ungewißheit und Unruhe, die mit dem Wandel einhergehen, haben aber
auch eine dunkle Seite.

Sie wurde uns in dem sinnlosen Gewaltakt vor Augen

geführt, zu dem es in der vergangenen Woche in Afghanistan gekommen ist, als
ein tapferer und guter Mann - Botschafter Adolph Dubs - sein Leben in Ausführung
seiner Pflicht als Repräsentant der Vereinigten Staaten lassen mußte.

Wenn

wir uns heute hier im Georgia Institute of Technology zusammenfinden und uns
der Segnungen der Freiheit und des Friedens erfreuen, sollten wir nicht vergessen, daß wir dieser Segnungen wegen in der Schuld von Männern und Frauen wie
Spike Dubs stehen.
Die dunklere Seite des Wandels wird auch sichtbar, wenn Länder in Aufruhr
Außenseitern, denen es nicht um die Förderung menschlicher Zielsetzungen, sondern um die Ausweitung ihrer eigenen Machtposition auf Kosten anderer geht,
Gelegenheit zur Ausnutzung ihrer Lage bieten.
Während ich heute hier zu Ihnen spreche, findet im Iran, mit dem wir seit
über 30 Jahre enge Beziehungen unterhalten, eine Revolution statt. Wir hatten
gehofft, der Iran könnte seine Modernisierung ohne tiefe innere Konflikte betreiben; wir waren bestrebt, zu diesbezüglichen Anstrengungen durch Unterstützung seiner Regierung, durch die Förderung innerer Veränderungen in Richtung
auf den Fortschritt und die Demokratie und durch unsere Mitwirkung bei der
Schaffung eines allgemeinen Umfelds regionaler Stabilität zu ermutigen.
Die Revolution im Iran ist ein Produkt tiefgreifender sozialer, politischer,
religiöser und wirtschaftlicher Faktoren, die aus der Geschichte des Landes
herrühren. Diejenigen, die argumentieren, die Vereinigten Staaten sollten
oder könnten direkt intervenieren, um den Gang der Ereignisse aufzuhalten,
schätzen die Realitäten im Iran falsch ein.
Das
- 4 -

«

�Das gleiche gilt für jene, die die Propagandathese verbreiten, der Schutz
unserer Bürger käme einer direkten Intervention gleich.

Wir haben im Iran

nicht interveniert,und wir werden dort nicht intervenieren; seine Zukunft
jedoch bereitet uns und unseren Freunden und Verbündeten echte Sorge.

Der

Iran ist ein wichtiges Land in einem kritischen Gebiet der Erde; ein unmittelbarer Nachbar zur Sowjetunion; ein wichtiger öl Produzent und Umschlagplatz
für den größten Teil des weltweiten ölhandels.

Das Land ist zudem nach wie

vor eine wichtige potentielle Kraft für die Stabilität und den Fortschritt
in diesem Gebiet.

Der Iran ist ein stolzes Land mit einer langen Geschichte des Ringens
um die Errichtung und Gewährleistung seiner eigenen Freiheit.

Seine Unabhän-

gigkeit liegt auch in unserem eigenen lebenswichtigen Interesse und in dem
unserer engsten Verbündeten - und wir werden für sie eintreten.
Nach den Unruhen von heute wird dieses leidgeprüfte Volk, wie wir hoffen,
einen stabilen Staat errichten, der den Erfordernissen des persischen Volkes
gerecht zu werden vermag und diese große Nation in die Lage versetzen wird,
nicht nur unabhängig zu bleiben, sondern seine innere Stärke und sein Gleichgewicht zurückzugewinnen.

Wir sind bereit, das Land in diesem Streben in an-

gemessener Weise zu unterstützen und mit der iranischen Regierung und dem
iranischen Volk als Nation zusammenzuarbeiten, die sich mit uns in die gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Aspirationen teilt.
Aber so, wie wir die Unabhängigkeit und Integrität des Irans respektieren,
müssen dies auch andere Länder tun.

Wenn andere einzugreifen beabsichtigen, di-

rekt oder indirekt, seien sie im voraus gewarnt, daß dies ernste Folgen haben
und unsere gesamten Beziehungen zu ihnen berühren wird.

Gleichzeitig intensivieren wir unsere Anstrengungen, die Stabilität überall im Nahen Osten zu mehren, damit die Sicherheit und Unabhängigkeit der Länder in diesem Teil der Erde gewahrt bleibt.
Auf
- 5-

�Auf meine Weisung hin reiste der Verteidigungsminister kürzlich zu umfassenden Konsultationen bezüglich der Sicherheit dieser Region nach Israel,
Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien.

Wir sind entschlossen, gemeinsam mit

diesen und anderen Völkern darauf hinzuarbeiten, die friedliche Entwicklung
dieses Raumes auf eine gesunde und dauerhafte Grundlage zu stellen.
Die jüngsten Schwierigkeiten in diesem Gebiet unterstreichen die Notwendigkeit, mit noch größerem Eifer für den Frieden zwischen Israel und seinem
arabischen Nachbarn zu arbeiten.

Zu diesem Zweck werden Verhandlungsdelega-

tionen aus Israel und Ägypten auf Einladung der Vereinigten Staaten noch in
dieser Woche nach Camp David zurückkehren.
Ich werde alles tun, was ich zu tun vermag, um die Verhandlungen in Camp
David zu einem Erfolg zu bringen - einschließlich der Einberufung einer weiteren Gipfelkonferenz, sofern dies nötig sein sollte und die Beteiligten eine
hinreichende Flexibilität an den Tag legen. Ich fordere alle führenden Politiker im Nahen Osten auf, sich die entscheidende Bedeutung eines Erfolgs
dieser Gespräche für diesen Raum klarzumachen.
Für uns in den Vereinigten Staaten hat jede Krise im Nahen Osten äußerst
direkte und ernste Folgen. Wir machen uns jedoch ebenso große Sorgen um das,
was heute in Südostasien geschieht: Wir unterstützten die Unabhängigkeit und
Integrität von Nationen in jeder Region; wir werden zu unseren Freunden stehen,
und wir werden auf den Frieden hinarbeiten.
In den letzten Wochen wurden wir Zeuge einer vietnamesischen Invasion in
Kambodscha und.- als eine Folge derselben- einer Überschreitung der Grenze zu
Vietnam durch die Chinesen. Beide Schritte bedrohen die Stabilität einer der
wichtigsten und verheißungsvollsten Regionen der Erde: Südostasien. Wir sind
gegen beide Aktionen. Lassen Sie mich hier kurz die Grundsätze umreißen, die
uns in unserem Verhalten leiten:
- Wir

�• Wir werden uns nicht in Konflikte zwischen asiatischen und kommunistischen
Ländern einmischen.

Unsere nationalen Interessen sind nicht unmittelbar be-

droht, auch wenn wir uns wegen der weiterreichenden Auswirkungen dessen sorgen,
was sich dort abspielt.

- Wir bedienen uns aller verfügbaren diplomatischen und politischen Mittel,
um alle Beteiligten zur Mäßigung zu ermutigen und einen größeren Krieg zu vermeiden.

Wenngleich unser Einfluß wie unser Engagement begrenzt ist, bleiben wir

die einzige große Macht der Erde, die mit allen betroffenen Parteien direkte
und offene Gespräche führen kann.

Aus diesem Grund haben wir meiner Überzeugung

nach eine nützliche und wichtige Rolle in dem Bemühen um die Wiederherstellung
der Stabilität zu spielen.

- Wir werden unsere Bemühungen - sowohl in direkten Kontakten mit den betroffenen Ländern als auch über die Vereinten Nationen - fortsetzen, ein Ende
der Kämpfe in dieser Region zu erreichen, einen Rückzug der vietnamesischen
und chinesischen Streikräfte herbeizuführen und die Wiederherstellung der Unabhängigkeit und Integrität aller betroffenen Länder zu erwirken.

- Gleichzeitig bringen wir weiterhin unsere tiefe Sorge zum Ausdruck,
daß sich dieser Konflikt ausdehnen könnte - mit unvorhersehbaren und ernsten
Konsequenzen nicht nur für die Völker in diesem Raum, sondern auch darüber
hinaus.

Auf jeden Fall sind wir völlig darauf vorbereitet, unsere Lebensinter-

essen zu schützen, wo immer sie gefährdet werden.

- Wir stehen in enger Konsultation mit unseren Freunden und Verbündeten
dieses Raumes - insbesondere mit den Mitgliedstaaten der Vereinigung Südostasiatischer Länder.

Ihre anhaltende Stabilität und Prosperität sind für uns

von großer Wichtigkeit.

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Volksrepublik China ist bereits ein vollzogenes Faktum, das nicht mehr
rückgängig gemacht werden wird.

Hier ging es einfach um die Anerkennung der

Realität der Regierung in Peking.

iü
- 7-

�In den letzten Tagen hatten wir direkte Konsultationen mit Staatsmännern
in aller Welt sowie mit unseren eigenen führenden Vertretern im Kongreß über
die Ereignisse sowohl im Nahen Osten als auch in Südostasien.

Die Vernatwor-

tung, vor der wir stehen, wird von der Regierung und dem Kongreß geteilt, von
uns und unseren Verbündeten, und unser gemeinsames Verständnis und Eintreten
für eine gemeinsame Sache ist von lebenswichtiger Bedeutung.
Viele Nationen sind besorgt - ja fühlen sich bedroht - wegen der Unruhen
in Südostasien und Südwestasien.

Um unseren Freunden zur Seite zu stehen und

ihnen zu helfen, ihren Sicherheitserfordernissen nachzukommen, werde ich mich
mit dem Kongreß beraten, damit bestimmt werden kann, welche zusätzliche militärische Unterstützung notwendig ist.

Diese zusätzliche Unterstützungsmaß-

nahme ist von entscheidender Bedeutung für die Stabilität im Gebiet des Indischen Ozeans.
Und lassen Sie mich wiederholen:

Im Nahen Osten, In Südostasien und an-

derswo in der Welt werden wir an der Seite unserer Freunde stehen; wir werden
unsere Verpflichtungen erfüllen und die lebenswichtigen Interessen der Vereinigten Staaten schützen.
So wie wir uns diesen unmittelbaren Krisen stellen, so werden wir auch
ständig die weitergefaßten Erfordernisse der Sicherheit im Auge behalten.
Wenn wir unserer Verantwortung nachkommen wollen, müssen wir auch weiterhin die für unsere Verteidigung notwendigen Streitkräfte aufrechterhalten
und zur Verteidigung unserer Verbündeten beitragen. In diesem Jahr habe ich
eine wesentliche reale Erhöhung des Verteidigungshaushaltes vorgeschlagen.
Die Ereignisse der letzten Wochen unterstreichen die Verantwortung des
Kongresses, diese Mittel in voller Höhe zu bewilligen. Es darf kein Zweifel
daran bestehen, daß das amerikanische Volk voll und ganz bereit ist, seine
Verpflichtungen zu erfüllen und diese Verpflichtungen durch militärische
Stärke zu stützen.
Unruhe

�Unruhe und Krisen unterstreichen auch die entscheidende Notwendigkeit,
wo immer möglich darauf hinzuarbeiten, den Wettstreit bei den strategischen
Waffen zu stabilisieren und abzubauen.

Diese Bemühungen verfolgen letztlich

dieselben Ziele wie unsere starke Verteidigung:
Stabilität und des Friedens.

die Ziele der Sicherheit, der

In Verfolg dieser Ziele sieht sich unsere Nation

in diesem Jahr keiner wichtigeren Aufgabe gegenüber als dem erfolgreichen Abschluß eines Abkommens über die Begrenzung strategischer Rüstungen (SALT).

So wie wir natioanle Unabhängigkeit unterstützen und unseren Freunden
und Verbündeten in schweren Zeiten helfen, müssen wir auch daran arbeiten,
die Kernwaffen unter Kontrolle zu bekommen, die das Leben auf unserem gesamten
Planeten gefährden.

Denn ein SALT-Abkommen ist ein fundamentales Element der

strategischen und politischen Stabilität in einer turbulenten Welt - einer
Stabilität, die uns die notwendige politische Grundlage bieten kann, gerade
solche Krisen einzudämmen, denen wir uns heute gegenübersehen, und zu verhindern, daß sie zu einer nuklearen Konfrontation ausufern.

Nach über sechsjährigen Verhandlungen, die von drei Administrationen geführt wurden, ist eine Einigung über fast alle wesentlichen Komponenten eines
vernünftigen und verifizierbaren SALT II-Vertrages erreicht worden.

Der sich jetzt herausbildende SALT II-Vertrag wird zum erstenmal eine
gleiche Anzahl strategischer Waffen für beide Seiten festlegen.

Er wird da-

mit den zahlenmäßigen Vorteil der Sowjets rückgängig machen, der sich vorübergehend aufgrund des SALT I-Vertrages aus dem Jahre 1972 ergeben hatte.
Um auf diesen Stand zu kommen, wird die Sowjetunion die Gesamtzahl ihrer
strategischen Waffen reduzieren müssen,

über 250 sowjetische Raketen oder

Bomber - zehn Prozent ihrer strategischen Streitkräfte - werden zerstört
oder abgebaut werden müssen.

Zur gleichen Zeit könnten wir - da wir gegen-

wärtig erheblich unter der vereinbarten Höchstgrenze liegen - unsere eigenen
operativen strategischen Streitkräfte erheblich verstärken.

Das
- 9 -

�Das SALT II-Abkommen wird auch durch Verhandlung festgelegte Begrenzungen
für den Bau neuer Waffentypen und die Verbesserung bereits vorhandener Waffen
- das sogenannte qualitative Wettrüsten - setzen.

SALT II wird die Größe der

landgestützten Raketen und die Zahl der Gefechtsköpfe, mit denen sie ausgerüstet werden können, begrenzen.

Ohne diese Begrenzungen könnte

die Sowjet-

union die Zahl der Gefechtsköpfe auf ihren großen landgestützten Raketen gewaltig vermehren - was schwerwiegende Konsequenzen für das strategische Gleichgewicht haben würde.
SALT II wird daher auch zu unserer Fähigkeit beitragen, mit der zunehmenden Verwundbarkeit der landgestützten Raketen fertigzuwerden.

Ohne dieses Ab-

kommen könnte die Sowjetunion einfach weiterhin die Zahl ihrer Gefechtsköpfe
vermehren und damit unsere Anstrengungen zum Schutze unserer eigenen Raketen
zunichte machen.
Das Abkommen wird es uns und unseren Verbündeten gestatten, alle Verteidigungsprogramme beizubehalten, die wir nach unserer Meinung vielleicht
einmal brauchen werden: die M-X-Rakete; das Trident-Unterseeboot und die
Raketen; die aus der Luft, vom Boden oder vom Schiff aus gestarteten Marschflugkörper (Cruise Missiles); Flugzeuträ'ger mit Marschflugkörpern und den
neuen Fernbomber.
So wird SALT II uns die Möglichkeit geben, unsere eigenen wohldurchdachten Programme fortzusetzen und zugleich wichtige Grenzen in bezug auf das
setzen, was die Sowjetunion im anderen Falle vielleicht tun würde. Ohne das
SALT II-Abkommen könnten die Sowjetunion bis 1985 ihre strategischen Streitkräfte um fast ein Drittel verstärkt haben. Wir müßten mit einem solchen
militärischen Aufbau notwendigerweise gleichziehen. Die Kosten wären enorm,
und die Risiken liegen auf der Hand. Und beide Nationen wären letzten Endes
weniger sicher.
Außerdem aber wird jeder SALT II-Vertrag, den ich unterzeichne, auch
in angemessener Weise verifizierbar sein, wobei wir unsere eigenen unabhängigen Mittel einsetzen werden, um sicherzugehen, daß sich die Sowjets an die Be- 10 -

�Bedingungen des Abkommens halten.

Bei SALT steht zu viel auf dem Spiel, als

daß man sich auf bloßes Vertrauen verlassen könnte.
SALT II wird spezifisch jeden Eingriff und jede Störung verbieten, die
unsere Fähigkeit beeinträchtigen könnten, die Einhaltung des Vertrages zu
verifizieren.

Jeder Versuch von Seiten der Sowjetunion, unsere Verifizierungs-

tätigkeiten zu stören, wäre ein offenkundige Verletzung des Abkommens und ein
frühes Signal für jede Art von Täuschung.
Lassen Sie mich zum Abschluß dieses Abkommen in Beziehung zu unserem
Verhältnis zur Sowjetunion und den Turbulenzen setzen, die in vielen Teilen
der Welt bestehen. Die Frage ist nicht, ob SALT aus diesem Zusammenhang gelöst werden kann. Das kann es nicht. Wie ich oft gesagt habe, ist unser Verhältnis zur Sowjetunion eine Mischung von Zusammenarbeit und Wettstreit, und
als Präsident der Vereinigten Staaten besteht für mich keine schwierigere und
heiklere Aufgabe,als diese beiden auszubalancieren. Ich kann und will es nicht
zulassen, daß der Druck aus dem unvermeidlichen Wettstreit die Möglichkeiten
zur Zusammenarbeit ausschaltet - genau so wenig, wie ich es zulassen kann, daß
Zusammenarbeit uns blind macht für die Realitäten des Wettstreits. Weil dieses
sorgfältig ausgehandelte und verantwortungsvolle Rüstungskontroi labkommen die
Welt gefahrloser und sicherer machen wird, liegt es in unserem nationalen
Interesse, an ihm festzuhalten, auch wenn wir den Wettstreit mit der Sowjetunion an anderen Plätzen in der Welt fortsetzen.
Ich werde mich daher bemühen,beides zu tun; ein SALT II-Abkommen abzuschließen und auf jedes sowjetische Verhalten, das unsere Interessen beeinträchtigt .entsprechend zu reagieren.
SALT II abzulehnen, das würde bedeuten, daß der unvermeidliche Wettstreit
bei der Rüstung mit strategischen nuklearen Waffen noch gefährlicher werden
würde.

Jede Krise, jede Konfrontation, jeder Konfliktpunkt - so ernsthaft

er an sich schon sein mag - würde ein zusätzliches Maß an Bedeutung und eine
weitere Dimension der Gefährlichkeit erhalten.

Denn er würde sich dann in

einem Klima ungezügelten strategischen Wettrüstens und nachlassender strate- 11 -

�strategischer Stabilität ereignen.
Gerade weil wir fundamentale Differenzen mit der Sowjetunion haben, sind
wir entschlossen, diese äußerst gefährliche Dimension unseres militärischen
Wettstreits unter Kontrolle zu bekommen.
In der heutigen Welt ist es von lebenswichtiger Bedeutung, daß dem Streben nach Idealen ein verantwortungsbewußter Einsatz von Macht entspricht.

In

den Vereinigten Staaten findet sich beides. Unsere Ideale haben die Welt seit
mehr als zwei Jahrhunderten inspiriert.

Und drei Generationen hindurch hat

unsere Macht anderen Nationen bei der Verwirklichung ihrer eigenen Ideale geholfen.
Die Entschlossenheit und die Stärke der Zielsetzung des amerikanischen
Volkes sind von entscheidender Bedeutung für die Stabilität in einer turbulenten Welt.

Wenn wir zusammenstehen und einen stetigen Kurs einhalten, kann

Amerika seine Prinzipien und Interessen schützen und eine Kraft des Friedens
sein.

Die Amerikaner haben immer die Herausforderungen einer solchen Führungs-

aufgabe akzeptiert.

Ich bin zuversichtlich, daß wir dies jetzt auch tun

werden.

+ + + + +

- 12 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8

28. Februar 1979

KOMMUNIQUE ZUM ABSCHLUSS DES BESUCHS VON PRÄSIDENT CARTER IN MEXIKO
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Zum Abschluß des Staatsbesuchs von Präsident Jimmy
Carter in Mexiko vom 14. bis 16. Februar 1979 wurde ein gemeinsames amerikanisch-mexikanisches Kommunique - in Spanisch und Englisch - veröffentlicht,
das folgenden Wortlaut hat:

Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Mexikanischen Staaten,
Licenciado Jose Lopez Portillo, hat der Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, Jimmy Carter, vom 14. bis 16. Februar 1979 Mexiko einen Besuch
abgestattet.

Beide Präsidenten führten eingehende Gespräche in einer Atmosphäre der
Ernsthaftigkeit, der Freunschaft und des gegenseitigen Verständnisses.

Sie

erörterten internationale Probleme, Probleme der westlichen Hemisphäre und
bilaterale Angelegenheiten der Zeit, seit Präsident Lopez Portillo Washington
einen Staatsbesuch abgestattet hat - dem ersten Besuch eines ausländischen
Staatsoberhauptes nach der Amtsübernahme von Präsident Carter.

Beide

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�Beide Präsidenten überprüften das Funktionieren des amerikanisch-mexikanischen Konsultationsmechanismus, der während jenes Besuches eingerichtet
worden war, um anstehende Fragen beider Länder im Zusammenhang mit einem bilateralen Gesamtverhältnis zu erörtern.

In dieser Hinsicht beschlossen sie,

den Mechanismus zu stärken und ihn mit einer stärkeren Dynamik, einem stärkeren
Zusammenhalt und einer größeren Flexibilität auszustatten, um ihn funktionstüchtiger zu gestalten.

Zu diesem Zweck kamen sie überein, daß im Sinne der

in diesem gemeinsamen Kommunique niedergelegten Richtlinien innerhalb eines
Zeitraumes von vier Monaten konkrete Empfehlungen vorgelegt werden sollen,
wie der Mechanismus anstehende Probleme wirksamer lösen kann unter Berücksichtigung der engen Beziehung dieser Probleme untereinander.
Bei der Betrachtung der internationalen Szene und der ernsten Probleme,
die den Weltfrieden berühren, bekräftigten beide Präsidenten ihr Vertrauen
in die Vereinten Nationen, in der Überzeugung, daß diese Institution die beste
Alternative ist, um eine friedliche Welt in Recht und Gerechtigkeit zu erreichen. Sie waren sich ferner darüber einig, daß alle möglichen Anstrengungen
unternommen werden müssen, damit die Vereinten Nationen einen neuen Auftrieb
erhalten. Sie brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, zu diesem Zweck in
dem Sonderausschuß für die Charta der Vereinten Nationen und für die Stärkung
der Rolle der Organisation zusammenzuarbeiten. Sie brachten auch ihre Unterstützung der wichtigen Arbeit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS)
und die Notwendigkeit der Stärkung und Modernisierung dieser regionalen Organisation zum Ausdruck.
Sie unterstrichen, daß ein neues internationales System von den anerkannten Prinzipien des internationalen Verhaltens geleitet sein muß, vor
allem den folgenden: Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer
Staaten, Verbot der Androhung oder Anwendung von Gewalt, Achtung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker, friedliche Lösung von Konflikten und das souveräne Recht jedes Landes, seine Naturschätze voll und ganz für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung seines Volkes zu nutzen.
Beide

- 2 -

�Beide Präsidenten brachten ihre Übereinstimmung darüber zum Ausdruck,
daß Frieden mehr ist als nur das Fehlen von Feindseligkeiten; zum Frieden
gehört auch die Beseitigung von Hunger, Krankheit, Analphabetentum, Armut,
Unwissenheit und Ungerechtigkeit - Aufgaben, für die alle Länder der internationalen Gemeinschaft gemeinsam eine Verantwortung tragen.

Die beiden Präsidenten erörterten die Entwicklung der Volkswirtschaften
beider Länder in ihren weltweiten Zusammenhängen.

Sie stimmten darin über-

ein, daß erhebliche Anstrengungen unternommen werden sollten, um das internationale Wirtschaftssystem mit dem Ziel anzugleichen und zu verbessern, den
Interessen und Besorgnissen der Entwicklungsländer Rechnung zu tragen.

Sie

brachten ihre Besorgnis wegen der weltweiten Probleme der Inflation, der Arbeitslosigkeit, des Protektionismus und der Schwierigkeiten auf dem Geld- und
Finanzsektor zum Ausdruck.

Sie anerkannten, daß es wichtig sei, einen ange-

messenen Transfer von realen Ressourcen in die Entwicklungsländer zu gewährleisten und eine stabile wirtschaftliche und soziale Entwicklung in aller
Welt zu fördern.

Die Staatschefs verpflichteten sich dazu, die größtmöglichen Anstrengungen
zur Verwirklichung der auf der 10. Sondersitzung der Vereinten Nationen über
Abrüstungsfragen aufgestellten Zielsetzungen zu unternehmen, und sie würdigten
in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung des Vertrags über das Verbot von
Kernwaffen in Lateinamerika (des Vertrags von Tlatelolco).

Präsident Lopez

Portilla sprach Präsident Carter seine Anerkennung für die Unterzeichnung
des Protokolls I des Vertrages von Tlatelolco aus und gab seiner festen Hoffnung Ausdruck, daß es umgehend ratifiziert werde.

Präsident Lopez Portillo

anerkannte die Wichtigkeit des Abschlusses eines Abkommens über Begrenzungen
der strategischen Rüstungen als einer soliden Basis für weitere Vereinbarungen
auf diesem Gebiet.

Die beiden Präsidenten hatten einen Meinungsaustausch über mögliche Maßnahmen zur Begrenzung des Transfers konventioneller Waffen sowohl auf weltweiter als auch auf regionaler Ebene, und Präsident Carter bekräftigte in diesem Zusammenhang das Eintreten seiner Administration für Selbstbeschränkung
- 3 -

�Selbstbeschränkung im Transfer konventioneller Waffen, wie sie von den Ländern
Lateinamerikas und des karibischen Raumes auf einer Tagung in Mexiko im August
1978 angeregt worden ist.

Er bekräftigte ferner die Politik seiner Administra-

tion, die seitens der an dieser Angelegenheit interessierten Länder ergangenen
Entscheidungen zu respektieren.

Die Präsidenten würdigten des weiteren die Be-

deutung der Konferenz der Vereinten Nationen über konventionelle Waffen, die im
weiteren Verlauf dieses Jahres stattfinden wird.
Die Präsidenten drückten ihr besonderes Interesse an einer Stärkung der
internationalen Organisationen aus, die sich mit dem Schutz der Garantien der
Persönlichkeitsrechte befassen.

Sie gaben insbesondere ihrer Anerkennung der

Tätigkeit der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechtsfragen Ausdruck
und forderten die anderen Länder der Westlichen Hemisphäre auf, die Kommission
uneingeschränkt zu unterstützen.

von
sie
und
der

Beide Führer drückten ihre tiefe Sorge wegen der Krise aus, die das Volk
Nikaragua und dessen grundlegende Menschenrechte noch immer berührt, und
bekräftigten ihren Entschluß, sich auf der Suche nach einer demokratischen
fairen Lösung für diesen Konflikt weiterhin der Vereinten Nationen und
Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zu bedienen.

Im Zuge der Erörterung der Handelsbeziehungen zwischen ihren Ländern
sprachen beide Präsidenten mit Befriedigung von dem anhaltenden Anstieg des
Handelsaustausches. Präsident Lopez Portillo verwies auf das historische
Defizit Mexikos im Handel mit den Vereinigten Staaten - insbesondere wenn
man die jüngsten Verkäufe von mexikanischem öl ausklammert -, und er unterstrich die Zweckmäßigkeit, alle zu seiner Verminderung notwendigen Maßnahmen
zu ergreifen und eine Steigerung der Ausfuhren von mexikanischen Produkten
- insbesondere von stark veredelten Produkten - zuzulassen, was beiden Ländern
Vorteile bringen wird. Präsident Carter betonte die Notwendigkeit, die Handelsschranken auf breiter Front abzubauen. Er verwies in diesem Zusammenhang auf
die von den Vereinigten Staaten angebotenen Handelskonzessionen, die für
Mexiko von großem Nutzen sein würden.
Präsident

�Präsident Lopez Portillo führte aus, daß die Mitgliedschaft Mexikos im
GATT, wie dies im September 1973 in Tokio dargelegt

worden ist, letztlich

von der Gewährung von Sonderbedingungen an die Entwicklungsländer abhängen
werde; von der Gleichbehandlung gleichgestellter Länder und der ungleichen
Behandlung ungleicher Länder; von den Endergebnissen der Multilateralen Handel sverhandlungen; und von den Bedingungen für seine Verhandlungen über den
Beitritt zum GATT, die es am 16. Januar dieses Jahres aufgenommen hat.

Mexiko

wird eine Entscheidung treffen, die auf der Vereinbarkeit der Liberalisierung
des Handels mit dem Stand und den Bedingungen der wirtschaftlichen Entwicklung
in Mexiko berühren wird.
Präsident Carter betonte sein entschiedenes Eintreten für eine Expansion des Welthandels und

einen Abbau der Handelsschranken und gab auch seiner

Hoffnung Ausdruck, daß Mexiko eine größere Rolle in der Gestaltung und im Management eines verbesserten Welthandelssystems spielen werde.

Die beiden Präsidenten stimmten darin überein, daß ein rascher und zufriedenstellender Abschluß der Multilateralen Handelsverhandlungen einen wichtigen Schritt in Richtung auf eine Verbesserung der Weltwirtschaft darstellen
wird.

Sie vertraten jedoch die Auffassung, daß diese Verhandlungen nur dann

erfolgreich zum Abschluß gebracht werden können, wenn Entwicklungsländer wie
Mexiko gleichberechtigte Partner des Zustandekommens ihrer Ergebnisse sind.
Um das zu erreichen, ist es notwendig, die Erklärung von Tokio voll und ganz
zu verwirklichen, insbesondere was die differenzierte Behandlung der Entwicklungsländer angeht.

Sie kamen ferner überein, zu versuchen, im Rahmen der Multilateralen Handel sverhandlungen ihre bilateralen Handelsgespräche erfolgreich und innerhalb
des kürzesten Zeitraums abzuschließen.

Die Präsidenten bekräftigten die Er-

klärung von Tokio in dem Sinne, daß Mexiko einen Beitrag zu den Multilateralen
Handelsverhandlungen nur leisten wird, soweit es seine Handels-, Finanz- und
Entwicklungsmöglichkeiten zulassen.

Präsident Carter begrüßte die Bemühungen

Mexikos, die nicht-tarifären Handelsschranken allmählich abzubauen, und erach-

�erachtete diese Anstrengungen als einen potentiellen Beitrag zu den eben erwähnten Verhandlungen.
Die beiden Präsidenten stimmten ferner darin überein, daß die zukünftige
Erweiterung des Handels zwischen den beiden Ländern eine ständige Liberalisierung der Handelspolitik beider Länder nötig machen wird - und zwar im Einklang
mit den handeis-, finanz- und entwicklungspolitischen Erfordernissen beider
Nationen.

Sie verpflichteten sich ferner, ihre hierauf abzielenden Anstrengun-

gen zu erneuern und auf dem Gebiet der Handels- und Finanzfragen enge Konsultationen zu pflegen.

Präsident Lopez Portillo bekräftigte den Entschluß der

mexikanischen Regierung, den Prozeß des allmählichen Abbaus der nicht-tarifären
Handelsschranken fortzusetzen und dies vorsichtig, umsichtig und in Übereinstimmung mit den internationalen wirtschaftlichen Bedingungen zu tun. Präsident Carter wies darauf hin, daß seine Administration im Rahmen der Verwirklichung der amerikanischen Handelsgesetze den Exporterfordernissen Mexikos
besondere Aufmerksamkeit geschenkt und sich verpflichtet habe, auch weiterhin
jedem Protektionismus entgegenzutreten und sich allen Versuchen zu widersetzen,
die Gewähr des Zugangs mexikanischer Produkte zum amerikanischen Markt zu verringern.
Beide Präsidenten erkannten den gegenseitigen Vorteil an, der sich aus
dem allgemeinen amerikanischen Präferenzsystem ergibt. Präsident Lopez Portillo
wies jedoch darauf hin, daß dieses System ernsthafte Begrenzungen hinsichtlich
seiner vollen Nutzung enthält und daß Maßnahmen/für eine Verbesserung des
Systems ergriffen werden sollten, insbesondere in bezug auf eine Liberalisierung
der Anwendung der sogenannten "Wettbewerbsklausel". Präsident Carter unterstrich, daß die im Rahmen des allgemeinen Präferenzsystems nach den USA eingeführten mexikanischen Waren sich in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt
haben und daß Mexiko der Hauptnutznießer der Handelspräferenzen in Lateinamerika sei.
Präsident Lopez Portillo brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß die neuen
Regeln für den internationalen Handel die Interessen der Entwicklungsländer in
angemessener Weise in Rechnung stellen und die zunehmenden protektionistischen
- 6 -

�protektionistischen Maßnahmen seitens der Industrieländer nicht institutionalisieren würden.

Präsident Carter unterstrich, daß Protektionismus ansteckend

sei und alle Länder bedrohe, und wies auf die Bilanz seiner eigenen Bemühungen gegen den Protektionismus hin, dem in allen Ländern entgegengetreten werden
sollte.
Die beiden Präsidenten hoben die Bedeutung der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technologie als Mittel für die Bewältigung zahlreicher wirtschaftlicher und sozialer Probleme hervor. Sie waren sich ferner
über die beiderseitigen Vorteile einer Intensivierung dieser Zusammenarbeit
einig.
Die beiden Präsidenten brachten ihre Genugtuung hinsichtlich der Pläne
für eine Stärkung des gegenwärtigen Mechanismus für eine wissenschaftliche
und technologische Zusammenarbeit zwischen beiden Nationen zum Ausdruck und ersuchten die zuständigen Stellen ihrer jeweiligen Länder auf diesen Gebieten,
die Durchführung dieser Pläne zu beschleunigen und zwar innerhalb der Gemeinsamen Kommission für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit und
des Konsultativorgans.
Um ihre Verpflichtung zu unterstreichen, verwiesen die beiden Präsidenten auf die während des Besuches unterzeichneten Abkommen über die Urbarmachung von Trockengebieten und über die Städteplanung sowie auf das Memorandum bezüglich der Absprache über wissenschaftliche und technische Kooperation, das ebenfalls während des Besuches unterschrieben wurde.
ten ferner Pläne für das Institut für technologische

Sie erörter-

Zusammenarbeit, das nach

ihrer Ansicht eine kooperative Forschung und Entwicklung zwischen den beiden
Ländern erleichtern würde.
Beide Präsidenten tauschten ihre Ansichten über Fischereifragen aus, weil
sie dies im vorrangigen Interesse beider Länder liegend erachteten, und kamen
überein, die Diskussion auf diesem wichtigen Gebiet auch in Zukunft fortzusetzen.
Die
- 7 -

�Die beiden Staatsmänner führten auch ein umfassendes Gespräch über das
Energieproblem, das sowohl bilaterale als auch globale Aspekte umfaßte. Sie
stimmten darüber überein, daß es nicht möglich ist, Energiequellen von der
wirtschaftlichen Entwicklung zu trennen - nicht nur für Länder, die darüber
verfügen, sondern auch für Länder, die diese nicht haben, und deswegen sollte
eine Wirtschaftsordnung auf die Notwendigkeit eingehen, den Erfordernissen
der armen Länder Rechnung zu tragen, und Investitionen sollten so angelegt
sein, daß sie deren Industrialisierung fördern.
Auf Mexikos Potential als energieproduzierendes Land eingehend erklärte
Präsident Lopez Portillo noch einmal, daß die Energievorkommen als ein der
Menschheit gehörendes Gut angesehen werden müßtehund daß daher die Produktion,
Verteilung und der Verbrauch dieser Ressourcen in einer geregelten und vernünftigen Weise zu erfolgen habe, einschließlich der Finanzierung und des
Transfers von

Technologien, die allen Entwicklungsländern zugänglich seien.

Präsident Carter brachte sein Interesse an diesem Gedanken und seine Bereitschaft zum Ausdruck, diese Thematik weiter zu sondieren.
Die beiden Präsidenten beschlossen,unverzüglich mit dem Entwurf von
Plänen für eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie zu beginnen, unter
strikter Beachtung ihrer jeweiligen nationalen Politik,und - was auch immer
der Fall sein möge - den Handel mit Kohlenwasserstoffprodukten, Elektrizität
und anderen Energiequellen in Gang zu setzen oder zu expandieren.
Beide Präsidenten kamen überein, eine gemeinsame mexikanisch-amerikanische
Studie über die Möglichkeiten eines Austausches von elektrischer Energie auf
einer vernünftigen Basis entlang ihrer gemeinsamen Grenze zu planen.
In bezug auf die Kernenergie wies Präsident Carter auf die Notwendigkeit
einer Beschleunigung der Exporte von angereichertem Uran nach Mexiko hin, damit die elektrizitätserzeugenden Anlagen in Gang gesetzt werden können, die
die mexikanische Regierung plant.
Beide

�Beide Präsidenten kamen ferner überein, die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit auf dem Energiesektor, einschließlich der Sonnen- und
geothermisehen Energie, zu unterstützen und zu fördern.

Präsident Carter er-

klärte, daß seine Regierung bei der Zusammenarbeit behilflich sein würde, um
die technologischen Kapazitäten in Mexiko zu erweitern.
•

Die Ergebnisse dieser Abkommen, Studien und Besprechungen würden in den
Bericht der konsultativen Gremien aufgenommen werden.

Bezüglich eines späteren Verkaufs von Überschüssen an mexikanischen Erdgas an die Vereinigten Staaten erörterten die Präsidenten die künftigen Möglichkeiten solcher Transaktionen.

Für die Vereinigten Staaten verpflichtete sich Präsident Carter.Mittel
und Wege zur Beschleunigung der Verkäufe von Petroleos Mexicanos an kaufinteressierte Gesellschaften zu finden.

Was Mexiko betrifft, so wird die Regierung erneut die Menge der möglichen
Überschüsse überprüfen und dabei die mit der Einrichtung des nationalen GasPipeline-Netzes entstehenden Notwendigkeiten berücksichtigen.

Auf dieser Grundlage kamen die beiden Präsidenten überein, daß die Vertreter ihrer Regierungen sobald wie möglich zusammenkommen und mit den Erörterungen beginnen sollten, wie sich Beschlüsse über diese Angelegenheiten am
besten erleichtern lassen.

Die beiden Präsidenten stimmten ferner überein, gemeinsam die Aussichten
für künftige Verkäufe von Erdöl und Erdölprodukten von Mexiko an die Vereinigten Staaten zu prüfen.

Das Phänomen der mexikanischen Wanderarbeiter wurde im Gesamtrahmen der
sozialen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern erörtert.
Die beiden Präsidenten verpflichteten sich zu einer engen bilateralen Zusammen-

- 9-

�Zusammenarbeit, um eine integrale, realistische und langfristige Lösung zu
finden, bei der die Würde und die Menschenrechte dieser Arbeiter respektiert
werden und bei der auch die vielen sozialen, wirtschaftlichen und Entwicklungsprobleme Beachtung finden, die mit dieser Angelegenheit verbunden sind.
In diesem Zusammenhang kamen sie überein, daß ihre Regierungen weiterhin
in engem Kontakt über alle Aspekte des Problems der Wanderarbeiter beraten
würden, einschließlich der damit verbundenen wirtschaftlichen und sozialen
Auswirkungen in beiden Ländern,und sie einigten sich ferner darüber, daß der
gemeinsame Konsultationsausschuß unverzüglich zusammentreten sollte, um voll
und gemeinsam an den Ergebnissen ihrer jeweiligen Studien und Forschungen in
bezug auf dieses Problem teilzuhaben.
Präsident Lopez bekräftigte, daß Mexiko keine Arbeiter, sondern Güter
exportieren wolle,und er stellte ferner fest, daß das Phänomen der Wanderarbeiter Teil des Arbeitslosenproblems ist, dessen Lösung ein vorrangiges Anliegen des mexikanischen Staates als verfassungsmäßige Aufgabe ist und das
im Rahmen der Entwicklungsprogramme Mexikos untersucht wird.

Er fügte jedoch

hinzu, daß es notwendig ist, dabei zu bedenken, daß es sich hier um ein lang
anstehendes Problem bilateraler Natur handelt, das durch einen echten Bedarf
ausgelöst wurde und das auf jeden Fall hinsichtlich seiner menschlichen Aspekte
Achtung verdient und eine klare und objektive Analyse erfordert, wobei in Betracht gezogen werden muß, daß restriktive Maßnahmen auf anderen Gebieten die
Lösung verzögern, die beide Länder sich für dieses Problem wünschen.
Präsident Carter brachte seine Besorgnis über das Problem der illegalen
Einwanderung in die Vereinigten Staaten und deren Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten zum Ausdruck.

Er wies auf die Verpflichtung der amerika-

nischen Regierung hin, die Einwanderungsgesetze anzuwenden»sowie auf die Notwendigkeit, jene vor den Richter zu bringen, die Einwanderer ohne Papiere über
die Grenze bringen.
Die Präsidenten sprachen über den Stand der Grenzbeziehungen und bekräftigten ihr Ziel, einen ausreichenden Fluß von Gütern und Menschen zu för- 10 -

�fördern, alle Arten von Schmuggel zu bekämpfen, der die Volkswirtschaften
beider Länder nachteilig beeinflußt,und die Zusammenarbeit zwischen den Behörden beider Länder zu stärken.
Sie stellten mit Befriedigung den Erfolg der gegenwärtigen Programme zur
Unterbindung des Handels mit gefährlichen Drogen fest, und verpflichteten sich,
ihre Anstrengungen zur Unterdrückung der Herstellung von und des Handels mit
ungesetzlichen Rauschgiften weiter zu stärken und auszuweiten. Präsident
Carter wies ganz besonders auf die erfolgreiche Arbeit der mexikanischen Behörden bei der Unterdrückung des Rauschgifthandels hin. Die beiden Präsidenten
kamen überein, mit benachbarten Ländern die Möglichkeit multilateraler Programe
zu sondieren, die sie bei der Stärkung der Vorkehrungen gegen den Rauschgifthandel unterstützen würden.
Beide Führer bekräftigten die Bedeutung einer qualitativ guten und ausreichenden Wasserversorgung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Bürger
auf beiden Seiten der Grenze.

Sie wiesen die Internationale Grenz- und Wasser-

kommission an, im Rahmen bestehender Abkommen sofortige Empfehlungen für einen
weiteren Fortschritt zu einer dauerhaften Lösung der Sauberhaltung der Gewässer entlang der Grenze zu unterbreiten.
Die Präsidenten kamen überein, ihre Konsultationen über einen weiten Bereich internationaler politischer und wirtschaftlicher Fragen fortzusetzen,und
bekräftigten ihre Absicht, engen Kontakt zu halten und der Stärkung und Ausweitung der zahlreichen Gebiete der Zusammenarbeit, die zwischen beiden Ländern bestehen, ihre persönliche und anhaltende Aufmerksamkeit zu schenken.
Präsident Carter schlug vor, daß beide Präsidenten im Sommer erneut zusammentreffen, um den Bericht des Beratungsorgans zu erörtern und den Fortschritt in den in Mexiko-Stadt besprochenen Fragen zu prüfen.
Portillo hat diesen Vorschlag gerne angenommen.

+ + + + +

- 11 -

Präsident Lopez

�8

28. Februar 1979

MEERESBERGBAU - EINE ZENTRALE AUFGABE FÜR SEERECHTSKONFERENZ
Interview mit US-Botschafter Richardson

GENF - (AD) - Mehr Verständnis für die Besorgnisse der anderen
Staaten und eine größere Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit den
wirtschaftlichen Realitäten erbrachten nach Ansicht von Botschafter
El 1iot L. Richardson die dreiwöchigen informellen Konsultationen von
Mitte Januar bis Anfang Februar 1979 in Genf.

Sie gingen der VIII.

Plenarsitzung der Internationalen Seerechtskonferenz der Vereinten
Nationen voraus, die vom 19. März bis 26. April in Genf abgehalten wird.
In einem Exklusivinterview mit Robin Newman, Korrespondent des US-Amtes
für Internationale Kommunikation (USICA), ist der Sonderbotschafter
Präsident Carters für die UN-Seerechtskonferenz im besonderen auf die
Differenzen in der Frage der marinen Erzförderung eingegangen, für deren
überbrückung jetzt "berechtigte Hoffnungen bestehen."

Das Interview hat

folgenden Wortlaut:

FRAGE:

"Herr Botschafter, die dreiwöchigen informellen Konsultationen

bereiteten die achte Plenarsitzung der Seerechtskonferenz vor.

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Hat sich

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�sich die Haltung der Delegationen seit dem Ende der letzten Sitzungsperiode im September 1978 geändert?"
ANTWORT:

"Ich glaube, ganz allgemein kann über die drei Wochen

langen Konsultationen, die wir in Genf hatten, gesagt werden, daß sie
sowohl eine größere Bereitschaft als auch mehr Möglichkeiten im Vergleich
zu allen früheren Phasen der Erörterung erkennen ließen, für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Lösung zu suchen."
FRAGE:
ANTWORT:

"Was wurde im einzelnen während der drei Wochen erörtert?"
"Es ging meistens um Probleme des Tiefseebergbaus.

Hier

ergeben sich die Hauptschwierigkeiten aus den Besorgnissen der Entwicklungsländer und der Industrieländer über den Grad der Handlungsfreiheit, der
der Internationalen Meeresbergbaubehörde zugebilligt werden könnte bzw.
sollte.

Da ja die Seerechtskonferenz auf dem Grundsatz basiert, daß

die Hilfsquellen in der Tiefsee der gesamten Menschheit gehören, sehen
die Länder der Dritten Welt die Funktionen einer Meeresbergbaubehörde
unter der Persnektive, daß die der Mehrheit verantwortlichen Körperschaften maximale Entscheidungsfreiheit haben müßten.
Andererseits werden die Industrieländer von dem Ziel motiviert,
ein Höchstmaß an Vertrauen zu einem sicheren und objektiven System zu
schaffen, das zu Investitionen in den Tiefseebergbau ermutigt."
FRAGE:

"Meinen Sie damit, daß es den Industrieländern hauptlächlich

um die Garantie des Zugangs ihrer Wirtschaftsunternehmen zum Meeresbergbau geht?"
.

ANTWORT: "Wir haben deutlich gemacht, daß in einer Situation, in
der ein einziges Projekt Investitionen bis zu 1 Milliarde Dollar erfordern kann, der Investor die Gewähr haben muß, daß die Umstände und Be-

�Bedingungen, unter denen die Investition getätigt wurde, nicht willkürlich oder überraschend verändert werden, solange keine vernünftige
Chance besteht, die Investitionen zu amortisieren und einen fairen
Ertrag zu bekommen.
Diese Besorgnis beeinflußt die Höhe der Zahlungen, die der Vertragsnehmer an die (Internationale Meeres-) Behörde in der Form von Einführungsgebühren, Produktionskosten oder Abgaben und Gewinnanteilen vorzunehmen
hat. Sie gilt ferner für jede vorgeschlagene Verpflichtung zum TechnologieTransfer. Und sie gilt vor allem für Prozesse der Entscheidungsfindung
seitens der höchsten Körperschaften der Behörde - nämlich der Vollversammlung und des Rates."
FRAGE:
ANTWORT:

"Warum ist der Meeresbergbau für Industrieländer so wichtig?"
"Sie sehen eine wachsende Abhängigkeit vom Meeresboden als

eine Quelle für Nickel, Kupfer, Kobalt und Mangan voraus, wenn die Landvorkommen erschöpft sind.

Dies führt dazu, daß man der Klarheit und

Objektivität der Verfahren bei der Gewährung von Meeresbergbau-Kontrakten
besonderes Gewicht beimißt. Auch gibt es Besorgnisse, daß jede Art von
Begrenzung der Produktion aus dem Meer zum Schutz von Erzeugern an Land
nicht dazu führen dürfe, den Zugang zu einer angemessenen Zahl von Abbaufeldern von vornherein zu unterbinden - besonders nicht in den ersten
Jahren.
Ich meine, daß wir jetzt einem gegenseitigen Verständnis für die
Sorgen der anderen Seite näherkommen. Und obgleich unsere Differenzen
in vielen der von mir angesprochenen Fragen noch erheblich sind, führt
dieses Verständnis doch zu der sehr realen Erwartung, daß unsere Differenzen
überbrückt werden können."
FRAGE: "Wenn es nun zu der nach Ihrer Auffassung möglichen Obereinkunft käme - was bedeutete sie für eine Gesetzgebung auf amerikanischer

�amerikanischer Seite?"
ANTWORT:

"Wir haben wiederholt und eindringlich versucht, klar zu

machen, daß unabhängig vom Fortschritt der Konferenz vorläufige gesetzliche
Regelungen getroffen werden müssen.

Und zwar deshalb, weil den mit Meeres-

bergbau befaßten Firmen eine lange Anlaufzeit zugestanden werden muß für
ihre Entscheidungen über die kostspielige und großtechnische Erprobung
ihrer Ausrüstung und, was noch wichtiger ist, über die Anschaffung ihrer
Förderschiffe, Transportschiffe und Produktionseinrichtungen.

Vielleicht

gelingt es der Konferenz noch, sich über eine ratifikationsfähige Konvention
zu einigen.

Aber dies vermag niemand mit Sicherheit vorauszusagen.

Des-

halb bestünde für die Marinetechnologie-Firmen überhaupt kein sicherer
rechtlicher Rahmen für ihr Vorgehen - es sei denn, sie wären
Erfolg der Konferenz auf eigenes Risiko vorauszusetzen.

bereit, den

Dazu aber sind

sie nicht bereit.
Eine gesetzliche Regelung würde in jedem Fall durch einen Vertrag
abgelöst werden, und man würde Vorsorge im US-Gesetz tragen, daß Entwicklungsländer am Ertrag Anteil haben, ähnlich dem, was auch für den Seerechtsvertrag geplant ist. Da jedoch frühestens 1985, vielleicht erst noch
später, damit zu rechnen ist, daß Meeresbergbau auf kommerzieller Basis
in Gang kommt, hat die Seerechtskonferenz noch viel Zeit, ihre Arbeit
zum Ende zu bringen, bis der Meeresbergbau Realität wird. Es ist eine
wichtige Sache, über die Voraussetzung kein Mißverständnis aufkommen zu
lassen, daß es im Interesse aller Völker liegt, die technologischen
Fähigkeiten zum Abbau der Manganknollen am Meeresboden ordnungsgemäß und
fortlaufend zu entwickeln."
FRAGE: "Wie ist der gegenwärtige Stand hinsichtlich der beiden anderen großen Streitfragen - - Festlandsockel und maritime Grenzen?"
ANTWORT:

"Das Problem, für Küstenländer eine äußere Hoheitsgrenze

- 4 -

�Hoheitsgrenze auf dem Festlandsockel zu ziehen, ist in doppelter Hinsicht
kritisch.

Zum ersten setzt die Kompetenz der internationalen Meeresboden-

behörde dort ein, wo das Hoheitsrecht des KUstenstaates endet.

Deshalb

ist es notwendig, diese Linie exakt zu bestimmen.
Zum zweiten wird angenommen, daß der Festlandsockel jenseits der
200-Meilen-Grenze riesige wertvolle Vorkommen an öl und Gas enthält.
Aufgrund der Konvention über das Kontinentalschelf, über die auf der
ersten Seerechtskonferenz im Jahr 1958 verhandelt wurde, reicht das
Hoheitsgebiet der Küstenländer bis zu der Grenze des Bereichs, in dem
eine Ausbeutung möglich ist - eine vage Linie, die sich immer weiter seewärts verlagerte, je mehr die Tiefwasser-Bohrtechnik verbessert wurde.
Auch diese Fähigkeit macht es jetzt notwendig, eine eindeutige Linie
zu ziehen.

über das praktische Vorgehen, wie diese Linie zu ziehen sei, kam
es zu harten Auseinandersetzungen.

Die Länder mit einem Seebereich

(d.h. mit breiter Schelfzone) haben sich zusammengeschlossen und unterstützen die.sogenannte irische Formel, die eine bestimmte Sedimentdicke
zum Maßstab nehmen will.

Manche Länder bevorzugen eine eindeutige

Begrenzung nach Meilen.

Einige befürworten eine Hoheitsgrenze der

Küstenstaaten bei der 200-Meilen-Zone, wobei alles, was jenseits dieser
Grenze lieft, der Internationalen Meeresbodenbehörde unterstehen soll.

Im Verlauf der jüngsten Zwischentagung wurden in informellen Diskussionen
über einen möglichen Kompromiß
gewisse Fortschritte erzielt.

zwischen diesen verschiedenen Standpunkten
Bis zum Beginn der Plenarsitzung am

19. März werden die betroffenen Länder das Für und Wider alternativer
Lösungen eingehend analysieren.

Gleichzeitig vertreten die Länder mit

Seebereichen, die nicht über die 200-Meilen-Zone hinausreichen, und die
Inlandstaaten ohne Zugang zum Meer mit Nachdruck ihr Interesse an einer
Beteiligung an den Erträgen aus der Ausbeutung mariner Hilfsquellen der^

- 5 -

�der Schelfgebiete.

Wenn es sich als möglich erweist, über eine Abgrenzungs-

formel Einigung zu erzielen, wird sich das Schwergewicht auf eine Übereinkunft zur Beteiligung an den Erträgen verlagern."
FRAGE:
ANTWORT:

"Wie steht es mit der Abgrenzung nationaler maritimer Grenzen?"
"Auf der letzten Tagung wurden nur in beschränktem Umfang die

allgemeinen Prinzipien erörtert, die auf die Grenzziehung zwischen den
ausschließlich als Wirtschaftszonen anzusehenden Bereichen und den Schelfzonen gegenüberliegender oder angrenzender Staaten anzuwenden wären.

In

der Hauptsache galten die Diskussionen den verschiedenen Wegen zu einer
Beilegung von Seegrenz-Streitigkeiten zwischen solchen Staaten.
Es werden verschiedene Möglichkeiten in Erwägung gezogen. Sie umfassen Elemente wie eine gütliche Einigung durch Vermittler statt Schiedsspruch und den Ausschluß älterer Streitfälle von einigen oder allen Verfahren zur Beilegung von strittigen Fragen. Eine endgültige Lösung sowohl
für die wesentlichen Grundsätze als auch für die Regelung von Streitigkeiten kann leicht zu den letzten Punkten gehören, über die die Konferenz
entscheidet."
FRAGE: "Halten Sie es für möglich, daß eine Einigung im Streit um
den Meeresbergbau die Lösung anderer Streitpunkte erleichtert?"
ANTWORT: "Ja. Man hat allgemein erkannt, daß man mit Lösungen für
die Fragen des Meeresbergbaus noch weiter im Rückstand ist als mit Lösungen
für andere Probleme, darunter die der Schiffahrt, des Fischfangs, der
Meeresverschmutzung und der Rechte von Küstenländern auf Ressourcen. Ich
glaube, daß mit einer Übereinkunft zu einem Ordnungssystem für den Meeresbergbau auch die verbleibenden Probleme aus Bereichen, die nicht den
Meeresboden betreffen, rascher einer endgültigen Beilegung zugeführt werden
könnten."
+ + + + +

- 6 -

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        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters in Atlanta vom 20. Februar 1979&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerikas Rolle in einer Welt des Wandels und der Umwälzung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué zum Abschluss des Besuchs von Präsident Carter in Mexiko&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Heeresbergbau - eine zentrale Aufgabe für Seerechtskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit US-Botschafter Richardson -&lt;/em&gt;</text>
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