<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=132" accessDate="2026-11-04T21:13:39+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>132</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2255" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2266">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2ebbcf703c82324fed61f84e1db1b959.pdf</src>
        <authentication>f5d033f82fe0f9a7096747e70879ce5f</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11514">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United^pfetes of America
.&lt;*
.r.

K*°&gt;A

28

15. Juli 1992
* * * * * *

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

PRESSEKONFERENZ VON PRÄSIDENT BUSH
Residenz München

KSZE

BUSH: KSZE MUSS HILFE FÜR BOSNIEN
SICHERSTELLEN
Rede beim KSZE-Gipfel in Helsinki

WAHLEN '92

PARTEIKONVENT DER DEMOKRATEN BEGINNT
AM 13. JULI
Partei zur Nominierung Clintons entschlossen

MODERATE KONTROLLIEREN PARTEITAG DER
DEMOKRATEN
Amerikanische Pressestimmen

DER DEMOKRATISCHE VIZEPRASIDENTSCHAFTSKANDIDAT AL GORE
Amerikanische Pressestimmen

PORTRAT

CLINTON WÄHLT PROTAGONISTEN DES
UMWELTSCHUTZES ALS VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee

EINWANDERUNG

AMERIKANER DISKUTIEREN EINWANDERUNGSPOLITIK IHRES LANDES
Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
15. Juli 1992

BUSH: KONSENS ZUR STÄRKUNG DES WELTWEITEN
WIRTSCHAFTSWACHSTUMS ERZIELT
Die Pressekonferenz des Präsidenten in München
in wesentlichen Auszügen
MÜNCHEN - (AD) - Bei seiner Pressekonferenz zum Abschlu ß des Weltwirtschaftsgipfels der sieben führenden
Industriestaaten hat Präsident Bush am 8. Juli 1992 insbesondere fünf Leistungen der Konferenz gewürdigt: den
"Konsens zur Stärkung des weltweiten Wirtschaftswachstums", weitere Hilfen für Polen durch den Währungsstabilisierungsfonds, um die marktwirtschaftlichen Reformen dort zu unterstützen, die "uneingeschränkte
Unterstützung" für Präsident Jelzins Reformprogramm, die Bekräftigung des Engagements, um die Sicherheit
von Kernreaktoren sowjetischer Bauart zu verbessern und schließlich "eine Reihe von Schritten im Hinblick auf
Jugoslawien, sowohl zur Milderung des schrecklichen Leidens in Bosnien als auch zur Eindämmung der
Ausbreitung ethnischer Konflikte".
Nachfolgend veröffentlichen wir wesentliche Auszüge aus der Pressekonferenz von Präsident Bush im Wortlaut.

Präsident Bush: Ich habe die vergangenen drei Tage
mit der Erörterung der Pflichten und Chancen verbracht, die wir bei der Ermutigung von stärkerem
Wirtschaftswachstum in unseren Ländern und in der
Tat auf der ganzen Welt haben. Darüber hinaus haben
wir auch die kontinuierliche Entwicklung politischer
Reformen in den aufstrebenden Demokratien sowie
regionale politische Themen diskutiert, einschließlich
Jugoslawiens.
Ich möchte fünf Leistungen des Münchner Weltwirtschaftsgipfels nennen: Es ist uns gelungen, einen
Konsens zur Stärkung des weltweiten Wirtschaftswachstums zu erzielen. Die Vereinigten Staaten befinden sich auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung.
Japan, Deutschland und Italien haben in den vergangenen Tagen Maßnahmen zur Verbesserung ihres
Wachstums ergriffen. Die Vereinigten Staaten haben
ihre Zinssätze gesenkt. Diese Maßnahmen werden
zur weiteren Gesundung unserer Volkswirtschaften
beitragen.
Die amerikanischen Exporte in einer wachsenden
Weltwirtschaft werden die Zahl amerikanischer Arbeitsplätze erhöhen. Wir werden mit Polen an neuen
Verwendungsmöglichkeiten des Währungsstabilisierungsfonds zusammenarbeiten, die Marktreformen
unterstützen, sobald Polen mit dem IWF Einigung
bezüglich eines Programms erzielt. Meines Erachtens

AMERIKA DIENST 28

ist dies eine außerordentlich wichtige Ermutigung für
Polen und Ausdruck unseres Vertrauens auf Polens
Verpflichtung zu Marktreformen.
Wir haben unsere uneingeschränkte Unterstützung für
Präsident Jelzins Reformprogramm zum Ausdruck
gebracht. Sie ist ein Tribut an seine Führung und
Vision bei dem Unterfangen, dieses große Land in die
demokratische, marktorientierte Staatengemeinschaft
einzubringen.
Wir haben unser Engagement für die Zukunft sicherer
Kernkraftwerke mit der Zustimmung zu koordinierten
kooperativen Bestrebungen mit Osteuropa und der
ehemaligen Sowjetunion unter Beweis gestellt, um die
Sicherheit von Kernreaktoren sowjetischer Bauart zu
verbessern.
Und schließlich unternehmen wir eine Reihe von Schritten
im Hinblick auf Jugoslawien, sowohl zur Milderung des
schrecklichen Leidens in Bosnien als auch zur Eindämmung der Ausbreitung ethnischer Konflikte.
Mit mehr Wachstum werden wir neue Arbeitsmarktchancen im Inland schaffen. Darüber hinaus werden
wir in der Lage sein, den aufstrebenden Demokratien
bei der Einführung florierender Marktwirtschaften
behilflich zu sein, die für ihre politische und wirtschaftliche Entwicklung so lebenswichtig sind.

Seite 1

�Zum Thema Handel hatten wir einen offenen Meinungsaustausch. Wir sind uns alle der Tatsache
bewußt, daß der Abschluß der Uruguay-Runde dem
Weltwirtschaftswachstum durch die Erweiterung des
Handels für alle Länder - Industrienationen wie Entwicklungsländer gleichermaßen - entschiedenen Auftrieb verleihen wird. Und wir haben im vergangenen
Jahr hart an der Sondierung konstruktiver Lösungen
für schwierige Probleme gearbeitet.
Es ist nur natürlich, daß das Vorgehen so kurz vor dem
Ende schwieriger wird. Aber ich werde darauf beharren, weil die Vorteile des Erfolgs enorm sind. Und alle
Gipfelteilnehmer erwarten bis zum Ende dieses Jahres eine Einigung.
Eines hat sich eindeutig in unseren Erörterungen
abgezeichnet: Der Triumph der Ideale von Demokratie
und freien Marktwirtschaften auf der ganzen Welt
bedeutet, daß Unterscheidungen zwischen innenpolitischen und internationalen wirtschaftlichen Maßnahmen zunehmend an Bedeutung verlieren. Dies gilt
insbesondere für die Vereinigten Staaten, wo über 70
Prozent des Wachstums in den vergangenen fünf
Jahren auf Exporte zurückzuführen ist. Und zweifelsohne ist Amerikas Wohlergehen eng mit einer gesunden Weltwirtschaft verbunden. Dieser Gipfel und wie
wir unsere Verpflichtungen in die Praxis umsetzen,
betreffen jeden Amerikaner.

Hinsicht ermutigen. Meines Erachtens ist einer der
schnellsten Wege zur Gesundung der russischen
Wirtschaft Fortschritt im Energiesektor mit sehr viel
zügigeren Privatinvestitionen.
Frage: Herr Präsident, haben Sie Ihrer Meinung nach
dem amerikanischen Volk und dem Kongreß gegenüber die zukünftige Rolle der NATO im Hinblick auf
Europa und die Welt nach dem Kalten Krieg ausreichend definiert? Heißt das, amerikanische Truppen
müssen je nach Anweisung der NATO in jeden ethnischen Konflikt und jeden Bürgerkrieg eingreifen - und
sollten wir dies tun?
Antwort: Nein, das heißt nicht, daß amerikanische
Truppen zu jedem Konflikt entsandt werden. Aus
unserer Sicht, und ich glaube aus dem Blickwinkel der
meisten wenn nicht aller Teilnehmer ist die NATO der
wesentliche Garant der europäischen Sicherheit. Es
liegt meiner Meinung nach im nationalen Interesse der
Vereinigten Staaten eine starke Präsenz aufrechtzuerhalten, eine starke amerikanische Präsenz in der
NATO. Und ich glaube nicht, daß irgendjemand von
einer Entsendung amerikanischer Truppen ausgeht,
wenn hier oder dort Krawalle oder Konflikte entstehen.

Nun bin ich gerne bereit, auf Ihre Fragen einzugehen.

Jugoslawien ist ein gutes Beispiel. Wir sind daran
interessiert, dort zu helfen, aber ich habe mich nicht zur
Entsendung amerikanischer Truppen nach dort verpflichtet, und niemand geht davon aus, daß NATOTruppen auf den Schauplatz verlegt werden.

Frage: Herr Präsident, in Washington haben Sie ihre
Unterstützung der Idee zum Ausdruck gebracht, die G7 mit Einbeziehung Rußlands zu einer G-8 zu machen.
Ist das vom Tisch gewischt oder...

Frage: Was verstehen Sie unter einem Garant der
Sicherheit? Jemand hat gesagt, Sie warten auf die
Neuformierung der Roten Armee. Was soll das heißen?

Antwort: Ich dachte, ich habe gesagt, wir nehmen zu
diesem Thema eine offene Haltung ein.

Antwort: An diesem Scheideweg ist der Feind die
Unberechenbarkeit. Und eine starke NATO hat den
Frieden bewahrt, seit über 40 Jahren zur Bewahrung
des Friedens in Europa beigetragen und kann ihn in
den nächsten 40 Jahren bewahren. Das ist es, was ich
meine.

Frage: Jemand hat gefragt: "Unterstützen Sie das?",
und Sie haben geantwortet: "Das ist richtig."
Antwort: Nun, ich denke, Sie müssen sich die Erklärung als Ganzes betrachten, aber es wird in Erwägung
gezogen. Ru Bland hat letztes Jahr teilgenommen und
nimmt dieses Jahr teil. Diese Frage wird erst heute
nachmittag erörtert. Aber zweifellos unterstütze ich
Präsident Jelzins Anwesenheit hier. Die Weltwirtschaft ist von einem großen Gefälle gekennzeichnet.
Und vielleicht gelangt man zu dem Schluß, sieben plus
eins ist die Antwort. Wir müssen jedoch zunächst
abwarten und sehen, wie die Verhandlungen laufen.
Frage: Sind Sie besorgt über die Rückschläge in
Rußland im Energiebereich und bei der Inflationsbekämpfung? Sind Sie zufrieden mit den Fortschritten
des wirtschaftlichen Reformpakets in diesem Land?
Antwort: Ich glaube nicht, daß Rußland mit den
Fortschritten seiner Wirtschaftsreformen zufrieden ist.
Und eben die Wirtschaftsreformen wollen wir in jeder

Seite 2

Frage: Herr Präsident, jedes Jahr, oder zumindest in
den vergangenen Jahren, sind wir zu diesen Gipfeltreffen gereist und uns wurde ein Handelsabkommen
versprochen. Das haben Sie auch dieses Jahr getan.
Warum sollte sich dieses Jahr unterscheiden, insbesondere, da Sie anscheindend von der Presse solchen
Widerstand erfahren haben? Hat Präsident Mitterrand
Ihnen gegenüber Verspechungen zur Behandlung dieses
Problems gegeben, sobald sein Referendum abgeschlossen ist?
Antwort: Meines Erachtens herrscht allgemein das
Gefühl vor, daß das Referendum den Franzosen
Probleme verursacht. Ich weiß nur, daß wir am Ball
bleiben. Wir sind jetzt zu einem Abschluß bereit. Ich
habe eindeutig klargestellt - ungeachtet einiger gegenteiliger politischer Kommentare in den Vereinigten

AMERIKA DIENST 28

�Staaten - daß die Maßnahmen nicht der Bereitschaft
zu Fortschritten der Vereinigten Staaten zuwiderlaufen. Und das haben wir auch hier deutlich gemacht.
Aber ich bin enttäuscht.
Wir sind nicht in der Annahme hierhergekommen, daß
dies das Forum sei, in dem die GATT-Runde zum
Abschluß gebracht werden könnte. Wenn ich dieses
Gefühl gehabt hätte, hätten Sie wahrscheinlich unsere
äußerst fähigen Unterhändler hier gesehen. Es gibt
jedoch politische Realitäten, die es dem einen oder
anderen Land erschweren, ein Abkommen zu erzielen.
Ich wei ß nur, daß wir dies unabhängig von den Wahlen
in den Vereinigten Staaten weiterhin vorantreiben. Es
liegt in unserem Interesse. Und dies ist die einzig
richtige Antwort.
Frage: Wie weit ist Präsident Mitterrand Ihnen gegenüber mit Zusicherungen gegangen, daß er sich nach
Beendigung des Referendums der Sache annehmen
wird?
Antwort: Ich möchte nicht dazu Stellung nehmen, wie
weit er gegangen ist. Ich glaube einfach, daß nach
dem Referendum die Bereitschaft der Franzosen größer
sein wird.
Frage: Herr Präsident, mirscheint, man könnte dieses
Abschlußkommunique lesen und logischerweise zu
dem Schluß gelangen, daß Polen und Rußland mehr
von dem Wirtschaftsgipfel profitiert haben als die
Vereinigten Staaten. Wo ist die Substanz für die
amerikanische Wirtschaft?

Antwort: Erstens sollten diese Gipfeltreffen nicht als
etwas angesehen werden, aus dem man mit einer acht
Punkte umfassenden Tagesordnung hervorgeht oder
so ähnlich. Darum geht es hier nicht. Es gibt eine
Weltwirtschaft. Und wenn wir Verpflichtungen zum
Wachstum eingehen, profitieren davon nicht nur die G7 plus 1, sondern alle. Und daher möchte ich feststellen, während wir zusammen mit den Europäern Fortschritte machen, sei es im Hinblick auf Jugoslawien
oder das Weltwirtschaftswachstum, liegt dies im Interesse der Vereinigten Staaten von Amerika. Man kann
die internationale Wirtschaft nicht von der Binnenwirtschaft trennen.
Frage: Ich wollte Ihnen eine Frage zu Boris Jelzin
stellen - Ihre jüngste Meinung über ihn. Er ist hier
gestern zum Abendessen hereingeplatzt. Er beschwerte sich über den 24-Milliarden-Dollar-Fonds, daß ihm
der IWF mehr Restriktionen auferlegt, daß Rußlands
Souveränität beleidigt wird. Sehen Sie ihn als wirklich
verläßlichen Partner oder eher als einen Querschläger?
Antwort: Ich betrachte ihn als sehr mutige Führungspersönlichkeit, die gegen ziemlich gro ße Schwierigkeiten versucht, ein autoritäres kommunistisches System
zu reformieren und in eine Marktwirtschaft umzuwandeln. Und ich kann die Frustration verstehen, die er
AMERIKA DIENST 28

fühlen muß und von Zeit zu Zeit zum Ausdruck bringt
- wo ist ein Stück von dem Kuchen für uns, was bringt
es uns? Aber ich denke, er weiß auch, wenn er vom
IWF Rat zu wirklichen Reformen erhält, mu ß er diesen
befolgen. Es kann schon sein, daß er frustriert ist.
Andererseits unterstützen ihn alle bei diesem Treffen
der G-7 und das, was er versucht. Und ich möchte
nochmals auf den Teil Ihrer Frage eingehen, wo Sie
sagen, er sei hereingeplatzt. Der Tisch war auch für
ihn gedeckt, und er wurde herzlich willkommen geheißen. Meines Erachtens war das keine faire Beurteilung einer mutigen Führungspersönlichkeit.
Frage: Halten Sie die Charakterisierung, er sei wie ein
Elefant im Pozellanladen, für unzutreffend?
Antwort: Nun, diese Charakterisierung habe ich
bisher noch nicht vernommen. Aber der Mann ist stark,
und er ist hart, und er ist engagiert. Das konnte ich bei
meinen verschiedenen bilateralen Zusammentreffen
mit ihm feststellen. Er bemüht sich sehr, und er
genießt unseren Respekt. Er hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie wir alle wissen. Aber er hat
ein gutesjungesTeam um sich, und das sollte man ihm
hoch anrechnen. Kosirew und Gaidar - insbesondere
letzterer im Finanzwesen. Und wir unterstützen ihn
hier. Meines Erachtens hat er sich hier sehr sehr gut
verhalten.
Frage: Herr Präsident, es hat zahlreiche Spekulationen darüber gegeben, daß die Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in der Welt und vielleicht sogar die
des amerikanischen Präsidenten mit dem Ende des
Kalten Krieges etwas geschwächt wurde angesichts
der Schwierigkeiten, die bei allen Volkswirtschaften,
auch Ihrer eigenen, auftreten. Sind Sie der Meinung,
daß bei Treffen wie diesem die Beziehungen zwischen
Ihnen und Ihren Amtskollegen anders sind als früher?
Und falls ja, wie?
Antwort: Nein, ich habe nicht diesen Eindruck.
Frage: Gehen Sie davon aus, daß es die derzeitige
Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten schwieriger
für Sie macht, das Wort zu ergreifen und Ihre Ansichten deutlich zu machen?
Antwort: Nein, denn wenn Sie sich die Volkswirtschaften weltweit ansehen, dann haben zahlreiche
Volkswirtschaften auf der Welt die gleichen Probleme.
Ich kann dies also nicht bestätigen. Seit Operation
Wüstensturm habe ich einen ganz anderen Eindruck.
Frage: Die Vereinigten Staaten haben beim Gipfel
einen Vorschlag unterstützt, der in Helsinki vorgelegt
werden soll und vorsieht, daß die NATO bei der
Friedenssicherung an Orten wie Jugoslawien eingesetzt wird. Die Vereinigten Staaten haben 200.000
Mann bei der NATO. Zuvor haben Sie gesagt, die
Vereinigten Staaten würden keine Truppen an Orte
wie Jugoslawien entsenden. Wie können wir es ver-

Seite 3

�meiden, mit amerikanischen Truppen an der Friedenssicherung teilzunehmen, wenn die NATO diese Rolle
wahrnimmt?
Antwort: Nun, wenn die NATO eine Rolle wahrnimmt,
dann werden sich die Vereinigten Staaten von Amerika
natürlich daran beteiligen. Aber im Hinblick auf Jugoslawien besteht unsererseits ein Interesse daran,
humanitäre Unterstützung dorthin zu liefern, und ich
habe keine Pläne, uns in eine Kampfsituation in Jugoslawien zu verwickeln. Wir haben Marinestreitkräfte,
wir haben Luftstreitkräfte, und wir sind selbstverständlich ein wichtiger und entscheidender Teil der NATO.
Aber nichts davon sollte so interpretiert werden, daß
ich amerikanische Truppen für Kampfeinsätze zusage. Ich sage einfach nicht, was wir in dieser Frage
unternehmen werden.
Ich habe mir heute Colins (Powell, Anm. d. Red.)
Erklärung angesehen, und er hat meines Erachtens
die Haltung der Administration sehr gut dargelegt. Das
Ziel der Lieferung humanitärer Hilfe ohne die zugrundeliegende politische Problematik lösen zu wollen. Ich
glaube also, Sie eilen im Hinblick auf die Erwägungen
der NATO-Rolle für Jugoslawien derzeit den Ereignissen voraus.
Frage: Sie haben in den Vereinigten Staaten mehrere
Male erklärt, die USA seien heute die unbestrittene
Führungsmacht der freien Welt. Meines Erachtens
werden viele dem zustimmen, aber trotzdem haben wir
Schwierigkeiten dabei, unser nationales Interesse in
Bereichen wie dem Handel zur Geltung zu bringen.
Und bei diesen Konflikten in Jugoslawien und in Südafrika scheint unsere Führungsrolle nicht respektiert
zu werden, und demokratische Werte werden nicht
beachtet. Ich frage mich, wie Sie dies wohl interpretieren?

Sie, daß Sie das politische Problem in Jugoslawien
nicht behandeln können. Was kann die neue Weltordnung den Menschen des ehemaligen Jugoslawien
bieten...
Antwort: Ich habe nicht gesagt, daß wir politische
Probleme nicht behandeln können, ich habe vielmehr
gesagt, wir werden keine Truppen der Vereinigten
Staaten einsetzen, um die politischen Probleme zu
lösen. Das ist etwas ganz anderes. Wir unternehmen
energische diplomatische Bemühungen. Wir haben
zunächst an der humanitären Frage gearbeitet und
dann - in solchen Konfliktsituationen - versucht man,
seine besten diplomatischen Bemühungen einzubringen. In diesem Fall arbeitet man mit den Europäern
zusammen. Man unterstützt Lord Carrington, man
unterstützt Cyrus Vance bei seiner Mission für die
Vereinten Nationen, man unterstützt die G-7-Nachbarn Jugoslawiens. Es geht also nicht darum, jedes
mal Truppen zu entsenden, wenn eine solche Situation
entsteht.
Schauen Sie kurz auf die Länder, die heute vom Joch
des Weltkommunismus und der ehemaligen Sowjetunion befreit sind. Und wenn ich Ihrer Frage bis zur
logischen Konsequenz folgen würde, dann wäre die
einzige Lösung für die Probleme in Aserbaidschan und
Armenien oder auf der Krim oder wo immer sonst die
Entsendung amerikanischer Truppen. Und das entspricht nicht der Art und Weise, in der wir unsere Politik
betreiben. Das ist nicht der Weg, um den Frieden zu
erhalten.
Frage: Zurück zu Herrn Jelzin. Wirtschaftsexperten
geben sich zunehmend alarmiert über die 24 Milliarden
Dollar, die insgesamt ziemlich erbärmlich sind angesichts der enormen Aufgaben und Risiken. So hat
Deutschland bereits über 100 Milliarden Dollar für die
Umgestaltung Ostdeutschlands aufgebracht, nur um
dort Stabilität zu bewahren. Sind Ihrer Meinung nach
24 Milliarden Dollar ausreichend?

Antwort: Ich stimme Ihrer Bewertung der amerikanischen Führungsrolle nicht zu, und meiner Meinung
nach würde niemand in der G-7 damit übereinstimmen. Wir arbeiten im Konzert mit unseren Verbündeten. Wir haben eine Weltwirtschaft, und kein einzelnes
Land kann ein Problem allein lösen. Seit ich Präsident
bin, war ich der Überzeugung, daß wir multilateral
vorgehen müssen, wenn dies in unserem Interesse
liegt und zum besten Ergebnis führt, und daran werde
ich mich weiterhin halten.

Antwort: Ich weiß nicht, ob es auf der Welt genug
Geld gibt, um die Probleme der russischen Wirtschaft
sogleich zu lösen. Meines Erachtens ist es eine erhebliche Verpflichtung. Aber sie muß von einer Fortsetzung des energischen Reformprogramms in Rußland
begleitet sein. Und das wird rascher zum Erfolg führen
als alles andere.

Ich akzeptiere diese Einschätzung also nicht. Eine
Sache, die während unserer ganzen Anwesenheit hier
von allen begrüßt wurde, ist die bedeutende Reduzierung der Kernwaffen. Und dies wird hier allgemein als
wichtige Leistung der Führungsrolle der Vereinigten
Staaten von Amerika und Rußlands angesehen. Ich
habe also die Art von Unterton nicht feststellen können, von dem Sie gesprochen haben.

Wir haben vor diesem Treffen über die Kapitalmenge
gesprochen, die seit unserem Amtsantritt, seit dem
Brady-Plan und der Initiative zur Förderung der Privatwirtschaft in den Ländern Amerikas nach Südamerika
geflossen ist. Es ist erstaunlich, wie viele Milliarden
Dollar in diese Länder geflossen sind, als diese ihre
Volkswirtschaften reformiert haben - einige stecken
zur Zeit noch in diesem Reformprozeß.

Frage: Sie haben erklärt, daß Sie am Persischen Golf
für Prinzipien in den Krieg gezogen sind und daraus
eine neue Ordnung entstanden ist. Und heute sagen

Und darin liegt auch die Antwort für Rußland. Das läßt
sich nicht einfach durch einen Kredit des IWF erreichen. Aber man muß dort das Reformprogramm

Seite 4

AMERIKA DIENST 28

�fortsetzen, das Jelzin und Gaidar sehr mutig eingeleitet haben. Und darauf müssen sie aufbauen und noch
rascher mit privaten Investitionen fortfahren. Es gibt
zahlreiche Dinge, die sie tun können und sollten, um
die Dynamik des Privatsektors einzubeziehen. Und
darin liegt letztlich die Antwort. Das wird nicht durch
eine Kapitalspritze der internationalen Finanzinstitutionen bewirkt.
Frage: Herr Präsident, die Interessen der europäischen Bauern scheinen auf diesem Gipfel ziemlich
effektiv verteidigt worden zu sein. Warum geraten die
Interessen der amerikanischen Arbeitnehmer und
Landwirte bei Handelsgesprächen ständig ins Hintertreffen?
Antwort: Ich bin nicht der Meinung, daß die amerikanischen Bauern verloren haben. Wir werden kein
Abkommen verabschieden, das der amerikanischen
Landwirtschaft schadet. Und meines Erachtens geht
niemand davon aus, daß wir dies tun werden.
Was meinen Sie mit "ständig ins Hintertreffen geraten"
- vielleicht ist mir etwas entgangen?
Frage: Jedes Jahr wird uns versprochen, daß bis zum
Jahresende ein GATT-Abkommen zustande kommen
wird - jedes Jahr, seit Sie Präsident sind. Und jedes
Jahr kommt keines zustande. Gibt es Grund zu der
Annahme, daß eines verabschiedet wird...
Antwort: Aber ein schlechtes Abkommen wäre nichts,
für das der amerikanische Bauer dankbar sein würde.
Wir werden ein gutes Abkommen erzielen, und es wird
der Landwirtschaft zugute kommen, weil wir mit allen
überall konkurrieren können. Und das ist die Grundlage der Verhandlungen. Ich glaube also nicht, daß der
amerikanische Landwirt ins Hintertreffen gerät, wenn
man nicht überhastet ein Abkommen verabschiedet,
*

AMERIKA DIENST 28

*

das vielleicht nicht gut ist. Man bemüht sich weiter, bis
man ein gutes Abkommen erreicht hat. Und das ist es,
was wir zu tun versuchen.
Frage: Ist der Status quo für die amerikanischen
Landwirte akzeptabel?
Antwort: Der Status quo ist besser als ein schlechtes
Abkommen, aber er ist nicht so gut wie ein gutes
GATT-Abkommen. Und das ist die Antwort. Im
Hinblick auf Ihre Frage glaube ich nicht, daß der
amerikanische Bauer ständig übers Ohr gehauen wird.
Was er will, ist Zugang zu den Märkten, weil wir wissen,
daß wir konkurrieren können. Und das ist die Art von
Abkommen, die wir zu erlangen entschlossen sind.
Und es sollte ein faires Abkommen sein, und es wird
ein faires Abkommen sein.
Frage: Könnten Sie mir etwas über die Atmosphäre
bei diesem und anderen Treffen sagen? Mit Ausnahme von Premierminister Major hat jeder seine eigenen
innenpolitischen und Wahlprobleme. Wird dieses Thema
zwischen Ihnen erörtert und bemitleiden Sie sich
gegenseitig? Wie würden sie es beschreiben?
Antwort: Das ist eine sehr interessante Frage. Und
eines, was man von diesem Gipfel lernt, ist, daß nicht
nur in den Vereinigten Staaten eine solche Stimmung
der Unruhe herrscht. Es ist sehr interessant, wenn
man mit diesen Staats- und Regierungschefs spricht,
nicht nur von der wirtschaftlichen Seite, sondern auch
von der politischen Seite. Und wir sprechen darüber.
Und jeder hat meines Erachtens dasselbe Vertrauen

wie ich, daß mit dem Wachstum der Weltwirtschaft ein
Großteil dieser Unzufriedenheit verschwinden wird.
Ein Großteil ist wirtschaftlich begründet - nicht alles,
einiges ist schlicht apolitisch. Ja, wir hatten interessante Diskussionen über dieses Thema.

*

*

Seite 5

�KSZE
15. Juli 1992

BUSH: KSZE MUSS HILFE FÜR
BOSNIEN SICHERSTELLEN
Rede bei KSZE-Gipfel in Helsinki
HELSINKI - (AD) - Präsident Bush zufolge muß die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa
(KSZE) "dafür sorgen", daß humanitäre Hilfe die leidende Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina erreicht und
daß die UN-Sanktionen eingehalten werden "egal, was dafür erforderlich ist".
In seiner Rede beim Gipfeltreffen der KSZE-Staaten am 9. Juli 1992 in Helsinki fügte der Präsident hinzu, daß
die KSZE alles in ihrer Macht Stehende zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Konflikts tun und sich
dafür einsetzen sollte, "die Waffen durch einen Waffenstillstand an allen Fronten zum Schweigen zu bringen".
Bush nannte ein Fünfpunkteprogramm, um die KSZE in Jugoslawien und anderen Krisenherden effektiver zu
machen:
Veränderungen zur Demokratie sollten unumkehrbar gemacht werden;
diejenigen, die KSZE-Normen verletzen, sollten dafür zur Rechenschaft gezogen werden;
die Wurzeln von Konflikten sollten behandelt werden;
Mechanismen für die Schlichtung von Streitfällen sollten gestärkt werden;
die KSZE sollte eine euro-atlantische Friedenssicherungsfähigkeit haben.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Zunächst möchte ich Präsident Koivisto und der Regierung sowie dem Volk von Finnland für ihre Gastfreundschaft danken. Es ist angemessen, daß wir
erneut in Helsinki zusammentreffen, der Stadt, deren
Name während des Kalten Krieges zum Symbol für
Hoffnung und Entschlossenheit wurde. Als wir uns im
Jahr 1990 in Paris trafen, erklärten wir den Kalten Krieg
für beendet. Aber selbst dann erfaßten wir nicht, was
uns erwartete. Seit 1990 ist ein ungeheures Imperium
zusammengebrochen, eine Vielzahl neuer Staaten
wurde geboren, und auf dem Balkan tobt ein brutaler
Krieg.
Unsere Welt hat sich bis zur Unkenntlichkeit verändert.
Aber unsere Grundsätze haben sich nicht gewandelt.
Sie haben sich als richtig erwiesen. Mit unseren
Prinzipien als Kompaß müssen wir uns als Gemeinschaft bemühen, den Wandel zu einer friedlichen
Ordnung zu kanalisieren, die dieses Jahrhundert bisher nicht hervorgebracht hat.
Die Vereinigten Staaten haben die KSZE als Instrument zur Förderung der Menschenrechte stets unterstützt. Während des Kalten Krieges betrachteten wir
die Verweigerung von Menschenrechten als HauptAMERIKA DIENST 28

quelle der Konfrontation, die Europa entstellte und
einen Weltkrieg heraufzubeschwören drohte. Und
heute ist es eine neue Ideologie: Intoleranter Nationalismus bringt neue Spaltungen hervor, neue Verbrechen, neue Konflikte.
Weil wir davon ausgehen, daß der Schlüssel zur
Sicherheit in dem neuen Zeitalter darin besteht, einen
demokratischen Frieden zu schaffen, erkennen die
Vereinigten Staaten für die KSZE eine unverzichtbare
Rolle. Und deshalb möchte ich ein Fünfpunkteprogramm vorschlagen, um die KSZE effektiver zu machen.
Erstens sollten wir uns dafür engagieren, den demokratischen Wandel unumkehrbar zu machen. Wir
dürfen uns von den um uns herum stattfindenden
Unruhen nicht so weit lähmen lassen, daß wir unsere
historische Aufgabe aus dem Blickfeld verlieren, die
große Befreiung der vergangenen drei Jahre zu vollenden. Wir sollten die KSZE einsetzen, um demokratische Verfahrensweisen in diesen Gesellschaften zu
fördern, in denen Menschen über Generationen hinweg von den Stiefeln des Staates unterdrückt wurden.

Seite 1

�Wir sollten die Aufffasung zurückweisen, daß die
Demokratie eine Büchse der Pandora geöffnet hat.
Die Demokratie ist nicht die Ursache dieser Probleme,
sondern vielmehr das Mittel, mit dem die Menschen
ihre Differenzen beilegen und ihre Bestrebungen miteinander versöhnen können.

des Kalten Krieges immer noch schwer bewaffnet. Adhoc-Operationen hastig zusammengestellter Einheiten werden nicht ausreichen, und aus diesem Grund
betrachte ich das Angebot der NATO, einen Beitrag
zur Friedenssicherung durch die KSZE zu leisten, als
so wichtig.

Wir haben Beweise dafür. In diesem Saal befinden
sich die Staats- und Regierungschefs von Ländern, für
die die Demokratie sowohl Aggression als auch Bürgerkrieg undenkbar gemacht hat.

Wir haben gelernt, daß die Probleme Europas auch die
Probleme Amerikas sind. Seine Hoffnungen und
Bestrebungen sind auch die unsrigen. Und wegen der
NATO wird mein Land erhebliche militärische Fähigkeiten in Europa belassen, die zur Friedenssicherung
Und zweitens sollten wir uns alle darauf einigen, daß im Rahmen der KSZE beitragen könnten. Die Bewahwir für die in unseren feierlichen Erklärungen niederge- rung des Friedens in Europa ist jedoch nicht Aufgabe
legten Verhaltensnormen zur Rechenschaft gezogen der NATOallein. Wir begrüßen die Rolle der WEU, und
werden. Diejenigen, die KSZE-Normen verletzen, wir laden darüber hinaus jedes hier anwesende Land
müssen ausgesondert, kritisiert, isoliert und sogar mit ein, beim Aufbau einer neuen euro-atlantischen FrieSanktionen bestraft werden. Die heutige Abwesenheit densstreitmacht direkt mit der NATO zusammenzuarSerbiens sollte anderen in diesem Zusammenhang beiten.
eine eindeutige Warnung sein.
Ich muß diese Ausführungen mit einem weiteren Wort
Drittens sollten wir die KSZE darauf verpflichten, die zu dem Alptraum in Bosnien beschließen. Wenn
Wurzeln der Konflikte anzugehen. Die niederländi- unsere KSZE-Gemeinschaft irgendeinen echten Sinn
sche Initiative zur Einsetzung eines Hohen Kommis- in dieser neuen Welt haben soll, dann müssen wir bei
sars für nationale Minderheiten ist ein wichtiger Schritt unseren unmittelbaren Zielen einig sein. Erstens
zur Gewährleistung eines Frühwarnsystems. Es wird sollten wir dafür sorgen, daß Hilfsgüter dorthin gelanuns helfen zu handeln, bevor ein Konflikt ausbricht.
gen, egal, was dafür erforderlich ist. Und zweitens
sollten
wir dafür sorgen, daß die UN-Sanktionen eingeUnser Land, mein Land, hat ein KSZE-Projekt für
halten
werden,
koste es, was es wolle. Und drittens
Toleranz vorgeschlagen, das zu praktischer Zusamsollten
wir
alles
in unserer Macht Stehende tun, um
menarbeit bei der Bekämpfung von Diskriminierung
eine
Ausbreitung
dieses Konflikts zu verhindern. Vierund rassistischen Vorurteilen führen kann. Wir können
tens
sollten
wir
mit
einer Stimme fordern, die Waffen
nicht umhin, dies zur obersten Priorität zu erheben, da
durch
einen
Waffenstillstand
an allen Fronten zum
die sogenannte ethnische Säuberung von Muslimen in
Schweigen
zu
bringen.
Bosnien selbst während unseres Treffens andauert.
Und viertens sollten wir unsere Mechanismen zur
Beilegung von Streitfällen stärken. Die KSZE sollte ein
flexibles Angebot von Leistungen zur Schlichtung,
Aussöhnung und Vermittlung bereitstellen, damit
Konflikte abgewendet werden können. Ein baldiges
Folgetreffen sollte bestimmte Mittel zur Beilegung von
Streitfällen aufgreifen, darunter die amerikanische Idee,
derzufolge unsere Gemeinschaft darauf bestehen kann,
daß sich die Streitparteien der Schlichtung durch die
KSZE unterwerfen.
Und fünftens sollten wir hier und heute beschließen,
eine glaubwürdige euro-atlantische Friedenssicherungsfähigkeit zu schaffen. Diese Region ist aus den Tagen
* *

Seite 2

Ich möchte mit folgendem Gedanken schließen. Wir
wissen heute mehr über dieses neue Zeitalter, seine
Gefahren und auch über seine Möglichkeiten als bei
unserer letzten Zusammenkunft in Paris. Es besteht
immer noch übermäßig viel Unsicherheit, und doch
dürfen wir uns durch das Unbekannte nicht abschrekken lassen. Die von uns hier unternommenen Schritte
werden nur der Anfang sein, aber es sollten entschlossene erste Schritte zu einer echten Gemeinschaft der
Freiheit und des Friedens sein. Und um dieses Zieles
willen bin ich nach Finnland gekommen, um die uneingeschränkte Unterstützung der Vereinigten Staaten
von Amerika zuzusagen.

JL

JL

AMERIKA DIENST 28

�WAHLEN

'92
15. Juli 1992

PARTEIKONVENT DER DEMOKRATEN
BEGINNT AM 13. JULI
Partei zur Nominierung Clintons entschlossen
WASHINGTON - (AD) - Wenn die Demokratische
Partei vom 13. -16. Juli 1992 ihren nationalen Parteikonvent in New York veranstaltet, wird dabei nicht nur
der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, als Präsidentschaftskandidat nominiert, sondern auch Tausenden von Delegierten die Chance gegeben, die Ziele
und Programme ihrer Partei zu definieren - und Millionen von Wählern die Gelegenheit, Partei, Programm
und Kandidaten zu beurteilen.
Die nationalen Nominierungskonvente der beiden großen
Parteien sind ein unabdingbarer Bestandteil des
amerikanischen Wahlprozesses. Ursprünglich bildeten sie den Rahmen für die Wahl des Präsidentschaftskandidaten , aber die wachsende Zahl der Vorwahlen in
den jeweiligen Bundesstaaten und die Wahlversammlungen der vergangenen Jahre haben dies geändert.
Heute ratifizieren die Delegierten nur den durch die auf
Bundesstaatenebene gewonnene Unterstützung bestimmten Präsidentschaftskandidaten. Sie sprechen
sich jedoch auch für den Vizepräsidentschaftskandidaten aus und verabschieden eine "Parteiplattform"
von Zielen, die ihr zukünftiges Programm darstellt.
Die Millionen von Zuschauern, die am Fernseher teilnehmen, sehen eine Parteiführung in Aktion, hören die
von den politisch Verantwortlichen als wichtig erachteten Themen, wie sie an deren Lösung herangehen
wollen sowie die Erläuterungen der Kandidaten, wohin
sie die Nation in den kommenden vier Jahren führen
wollen. Wenn die Demokraten in diesem Jahr zusammenkommen, werden einige Zuschauer zum ersten
Mal den Mann aus der Nähe sehen, den Clinton gerade
zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten ernannt
hat - Senator AI Gore aus Tennessee.
Traditionell versammelt sich die oppositionelle Partei
zuerst und veranstaltet ihren Parteikonvent in der
dritten Juliwoche, während die andere große Partei in
der dritten Augustwoche zusammenkommt. Für die
Republikaner bedeutet das vom 17. - 20. August 1992
in Houston.

AMERIKA DIENST 28

Beim Parteikonvent der Demokraten werden in diesem Jahr 4.288 Delegierte - die Hälfte davon Frauen anwesend sein, und am Eröffnungstag werden von
Senator Bill Bradley aus New Jersey, Gouverneur Zell
Miller aus Georgia und der ehemaligen Kongreßabgeordneten Barbara Jordan aus Texas drei programmatische Reden gehalten. Auch der nationale Vorsitzende der Demokratischen Partei, Ron Brown, die Vorsitzende des Parteikonvents, Gouverneurin Ann Brown
aus Texas und der Bürgermeister der gastgebenden
Stadt New York werden kurze Ausführungen machen.
Unter Verwendung neuer Technologien und Produktionstechniken werden die Demokraten eine Videowand mit 56 großen Fernsehmonitoren als Hintergrund des Podiums im Madison Square Garden, dem
berühmten Veranstaltungsort zahlreicher Sportereignisse installieren, an dem der Parteikonvent stattfindet. Das Programm umfaßt musikalische und tänzerische Darbietungen sowie Reden, da die Demokraten
wissen, daß die Zuschauer - sowohl die Teilnehmer
des Konvents als auch die am Fernseher zu Hause unterhalten werden möchten.
Am 14. Juli stimmt der Konvent über die Verabschiedung der vorgeschlagenen Parteiplattform ab und hört
den Ausführungen von Bürgerrechtler Reverend Jesse Jackson, Senator Jay Rockefeller aus West Virginia, Bürgermeisterin Sharon Pratt Kelly von Washington, D.C., und anderen zu.
Das Thema der diesjährigen Parteiplattform lautet "Ein
Neuer Bund mit dem amerikanischen Volk". Im Entwurf fordert sie eine "Revolutionierung der Regierung,
um den sturen Bürokraten und Eigeninteressen in
Washington Macht zu entziehen und sie wieder in die
Hand des Volkes zu legen". Der Vorschlag enthält
ferner den Aufruf zur Umstrukturierung der Streitkräfte, Wiederherstellung der amerikanischen Führungsrolle, Förderung der Demokratie, weltweiter Schutz
der Umwelt, eine Reform des Sozialwesens und die
freie Wahl auf Schwangerschaftsabbruch.

Seite 1

�Die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten bildet am 15. Juli den Höhepunkt des Konvents. Der New
Yorker Bürgermeister Mario Cuomo, der beim Konvent
der Partei im Jahr 1984 die programmatische Rede
vortrug, wird Clinton offiziell nominieren - mit genügend vorgesehener Zeit für "spontane" Demonstrationen mit Luftballons, Trompeten, Konfetti und plakateschwenkenden Anhängern. Die Bundesstaaten werden in alphabetischer Reihenfolge aufgerufen und die
bevollmächtigten Delegierten geben ihre Stimme für
den Präsidenten ab.
Falls sich mehr als zwei Kandidaten zur Wahl stellen
und keiner die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt,
findet eine zusätzliche Wahl statt. Aber da praktisch
alle Delegierten sich bereits vor dem Parteikonvent
aufgrund der Ergebisse der Vorwahlen in den Bundesstaaten und der Wahlversammlungen für einen Kandidaten verpflichtet haben, wurde in den letzten 40
Jahren keine zweite Stimmabgabe erforderlich.

betischer Reihenfolge. Der Parteikonvent endet mit
der Zustimmungsrede des Präsidentschafts- und Vizepräsidentschaftskandidaten.
Die nationalen Parteikonvente gehen auf das Jahr
1830 zurück, als der erste von einer längst nicht mehr
existierenden politischen Partei, den Anti-Masons,
abgehalten wurde. In jenen Tagen gab es keine guten
Kommunikations- und Transportmittel, und die Konvente wurden als einziger Weg erachtet, auf dem die
Parteifunktionäre ihre Meinugsverschiedenheiten
ausräumen, ihre Prinzipien darlegen und ihre Kandidaten wählen konnten.
Die Demokraten hielten ihren ersten Konvent 1832 ab
und nominierten erneut Andrew Jackson, der als der
siebte Präsident des Landes eine zweite Amtsperiode
antrat.

Die Republikaner veranstalteten ihren Gründungskonvent 1856 und nominierten John Freemont, der später
Im Rahmen des Programms am 15. Juli werden ferner den Präsidentschaftswahlkampf gegen den Demokraauch Senator Edward Kennedy und der ehemalige ten James Buchanan verlor. Aber vier Jahre später
Senator Paul Tsongas, beide aus Massachusetts, nominierten die Republikaner ihren ersten erfolgreichen Kanidaten, Abraham Lincoln, den 16. Präsidensprechen.
ten.
Die Nominierung des Vizepräsidentschaftskandidaten
findet am 16. Juli statt, dem letzten Tag des Parteikon- Alle späteren Parteikonvente haben Experten zufolge
vents, wieder mit Aufruf der Bundesstaaten in alpha- "politische Geschichte" gemacht.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 28

�WAHLEN

'92
15. Juli 1992

MODERATE KONTROLLIEREN PARTEITAG
DER DEMOKRATEN
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben zur Demokratischen Partei am Vorabend
ihres nationalen Parteikonvents in New York Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus
einigen dieser Kommentare.

Thomas Edsall, Washington Post
"Parteivorsitzende und Moderate nutzen den Präsidentschaftswahlkampf von Clinton, um ihre Truppen
zu mobilisieren und diesen Parteitag zu dominieren",
stellt Edsall fest. "Davor fanden sie Organisation und
ideologische Führung im Demokratischen Führungsrat, einer in Washington ansässigen, größtenteils von
Geschäftsleuten mit Verbindung zur Demokratischen
Partei finanzierten Organisation."
Edsall zufolge gründen sich die Attacken der Zentristen auf den vom Bürgerrechtler Reverend Jesse
Jackson und anderen angeführten liberalen Flügel auf
die Überzeugung, daß die Interessen von Minderheiten - Schwarzen, Homosexuellen, Gewerkschaften,
Feministen - die Parteikonvente und Parteiplattformen
in einer Weise dominieren, die die Wähler der Mittelklasse entfremdet hat.

Unterstützung der Koalition von Arbeitern und Schwarzen sowie anderen Minderheiten ist, die ihren Kern seit
den Anfängen des New Deal" unter der Administration
von Präsident Franklin D. Roosevelt gebildet haben.
Jack Germind, Baltimore Sun
Germond stellt fest, daß sich zwar sowohl Clinton als
auch Gore für die Bürgerrechte engagieren, "die rein
aus Südstaatlem zusammengesetzte Liste jedoch auf
eine generelle Wahlstrategie deutet, die einigen Führern der Schwarzen" - insbesondere Jackson und dem
Kongreßabgeordneten aus New York, Charles Rangel, zufolge - "brennende Themen für die Schwarzen
und die Innenstädte nicht genügend berücksichtigt".

Er zitiert einen Anhänger des voraussichtlichen Präsidentschaftskandidaten der Partei, Gouverneur Bill Clinton aus Arkansas, mit den Worten: "Jetzt ist es an uns,
das Ruder der Regierung zu übernehmen und etwas
Besseres für unsere Kinder zu schaffen."

Jackson, der Clinton seit einigen Monaten offen kritisiert hat, unterstützte schließlich die Clinton-GoreListe zwei Tage vor der Eröffnung des Parteitages.
Obwohl Jackson dies laut Germond leugnet, wurde
ihm Berichten zufolge mit dem Verlust seines Sitzes
beim Parteikonvent gedroht, wenn er seine Unterstützung nicht im voraus publik machen würde. Jackson
wird programmgemäß am 14. Juli eine Rede vor dem
Parteitag halten.

Jules Witcover, Baltimore Sun

Kolumnist Carl Rowan

Clintons Entscheidung für Senator AI Gore aus Tennessee als seinen Präsidentschaftskandidaten, so
Witcover, "unterstreicht die Abkehr vom Liberalismus
des Nordens" der Demokratischen Partei.

Rowan, ein Schwarzer und ehemaliger Direktor des
US-Informationsamts erklärt, Kritik der Schwarzen an
der Liste der Demokraten sei "dumm und bedeutungslos". Wenn er in Clintons Haut stecken würde, so
Rowan, würde er 'Versuchen, die Demokratische Partei
aus dem Fegefeuer zu holen, und auch ich würde mich
für diese neue 'Südstaatentstrategie' entscheiden - die
sich auf den Appell zur Einheit der Rassen und nicht
auf das Schüren von Rassenhaß gründet".

Witcover zufolge will Clinton das Wohlergehen aller
Amerikaner verbessern, nicht nur der Armen. Er
verweist jedoch darauf, daß die Demokraten ihre traditionelle Rolle als Fürsprecher der Unterdrückten
beibehalten und die Partei "weiterhin ein Magnet für die
*

AMERIKA DIENST 28

* * *

*

Seite 1

�W A H L E N '92
15. Juli 1992

DER DEMOKRATISCHE
VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDAT AL GORE
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Eine Reihe von amerikanischen Zeitungen haben in Leitartikeln zu Bill Clintons
Entscheidung für den Senator aus Tennessee, AI Gore, als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten Stellung
genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus einigen dieser Kommentare im Wortlaut.

The New York Times

The Washington Post

Als Gouverneur Bill Clinton gestern (9. Juli) Senator AI
Gore als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten vorstellte, betonte Gore, es sei an der Zeit, daß eine neue
Generation von Führungskräften diejenigen ersetzten,
denen ihm zufolge Energie und Ideen ausgegangen
sind. Die demokratischen Kandidaten - beide Mittvierziger - geben in der Tat einen jugendlichen Kontrast zu
George Bush und Ross Perot ab, die beide über 60
Jahre alt sind. Noch wichtiger als jeder Altersunterschied sind jedoch die historischen Kräfte, die diese
jüngere Generation politischer Führungspersönlichkeiten geprägt haben, die nach dem Zweiten Weltkrieg
geboren und herangewachsen sind.

Es ist eine junge Liste, aber dies sind keine unerfahrenen Männer. Die Demokraten setzen besonders auf
die südliche Trumpfkarte, aber das hat für den Wahlausgang mindestens ebenso viele Vor- wie Nachteile.
Auf einer Reihe von Fachgebieten, von Rüstungskontrolle bis zu Umweltbedrohungen, werden die Referenzen Senator Gores die Liste stärken. Daran ist sicherlich nichts verkehrt. Die Demokraten bieten dem Land
eine gute Wahl.

Christian Science Monitor
Gore leistet einen wichtigen Eigenbeitrag für die
demokratische Liste. Er ist einer der originellsten
Köpfe im Senat. Er ist anerkannter Experte zu Umwelt- und Rüstungskontrollfragen und hat solide Referenzen in anderen außenpolitischen Bereichen - etwas, das Clinton fehlt. Als Befürworter des Golfkriegs
könnte Gore nachklingende Sorgen über eine angeblich "weiche" Haltung der Demokraten zur Verteidigung beschwichtigen. Und seine Frau, Tipper Gore,
setzt sich seit langem aktiv für die "Familienwerte" ein,
von denen Vizepräsident Quayle spricht.
Fürdie erste wahrhaft "präsidiale" Entscheidung, die er
zu fällen hatte - die Wahl eines Vizepräsidentschaftskandidaten, der zur Übernahme des höchsten Amts
qualifiziert ist - erhält Bill Clinton eine gute Note.

AMERIKA DIENST 28

The Baltimore Sun
Senator Gores Hauptvorteil ist wahrscheinlich seine
Erfahrung in den Bereichen nationale Sicherheit und
internationale Angelegenheiten als Mitglied des Streitkräfteausschusses. Wie die meisten Gouverneure hat
Clinton auf diesem Gebiet nicht sehr viel vorzuweisen.
Senator Gores weitere Stärke ist, daß er einer der
bekanntesten Protagonisten des Umweltschutzes und
ein Experte der damit in Zusammenhang stehenden
wissenschaftlichen und technologischen Themen ist.
Es ist möglich, daß seine Ansichten und die von Dan
Quayle zu diesen Fragen so unterschiedlich sind (wie
sie durch die führende Rolle des Vizepräsidenten bei
der Deregulierung im Wettbewerbsrat demonstriert
wird), daß ihre Debatten zu diesen Themen die Kampagne der Vizepräsidenten dominieren wird.
The Washington Times
Bill Clintons Entscheidung für Senator Albert Gore aus
Tennessee als seinen Vizepräsidentschaftskandidaten ist interessant. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der

Seite 1

�herkömmlichen politischen Vernunft. Aber sie ist
gleichzeitig ein Schachzug von beachtlicher Schärfe.
Der erste über den Haufen geworfene Aspekt betrifft
die angebliche Notwendigkeit für ein regionales Gleichgewicht der Liste. Ebenso wie Clinton ist Gore ein
Südstaatler, und diejenigen, die erwartet hatten, daß
Clintons Kampagne die "Basis" des Gouverneurs aus
Arkansas verbreitem würde, sind enttäuscht, daß die
Wahl nicht auf jemanden wie Senator Harris Wofford
aus Pennsylvania oder den Abgeordneten des Repräsentantenhauses Lee Hamilton aus Indiana gefallen
ist. Ihre Besorgnis könnte sich jedoch in diesem
äußerst lebhaften politischen Jahr als unbegründet
erweisen. Die Kandidatur von Ross Perot hat die
Wahldynamik maßgeblich beeinflußt. In der Politik
des Präsidentschaftswahlkampfes kann die Republikanische Partei traditionell auf beträchtliche Vorteile
im Westen und Süden verweisen. Perot könnte jedoch
im Westen bewirken, daß Präsident Bush sich seines
Geldes wert erweisen muß. Wenn Bush sehr viel Zeit,
Energie und Geld darauf verwenden muß, dort an der
Spitze der Liste zu bleiben, könnte er für eine Herausforderung im Süden durch eine starke demokratische
Liste besonders empfindlich sein.

Dies sind Fortschritte, aber sie reichen nicht aus.
Diese weißen, männlichen Kandidaten werden noch
ansprechender aussehen, wenn sie Pläne darlegen,
Frauen und Minderheiten wichtige Jobs zu geben. Sie
könnten noch vor der Wahl Ministerposten vergeben.
Los Angeles Times
Was man auch immer über die Verbindung ClintonGore sagen mag - Gore genießt ein hohes Maß an
Vertrauen bei denen, die für ihn gearbeitet haben. In
dieser Hinsicht kommt er dem Modell dessen, wie ein
Kandidat für die Vizepräsidentschaft aussehen soll,
eindeutig näher als andere potentielle Kandidaten.
Mit der Wahl von Gore will Clinton offensichtlich ein
Zeichen setzen im Hinblick auf einen Wechsel zur
Nachkriegsgeneration. Clinton ist 45, Gore 44. (Clinton erklärte, in seiner Jugend Marihuana geraucht,
aber nicht inhaliert zu haben, während Gore ganz
einfach erklärte, in seiner Zeit am College Marihuana
geraucht zu haben und es klugerweise dabei beließ.)
The Philadelphia Inquirer

Wir nehmen an, niemand wird nach Luft schnappen
oder verständnislos mit den Achseln zucken angeUSA Today
sichts der Wahl von AI Gore, dem dynamischen In diesem unorthodoxen Präsidentschaftswahljahr hat hyperdynamischen? - Senator aus Tennessee, der
sich eines nicht geändert: Bis jetzt sind die Kandidaten jetzt Bill Clinton's Mitkandidat bei dem Unterfangen
weiß und männlich. Mit Bill Clintons Entscheidung für wird, die Demokraten aus dem Exil zurück ins Weiße
AI Gore als Vizepräsidentschaftskandidat beläuft sich Haus zu bringen.
die Zahl auf fünf Kandidaten, einschließlich des unabWir können - wenn überhaupt - an wenige denken, die
hängigen Ross Perot.
eine bessere Wahl wären als Mr. Gore, um der bereits
Nur Geraldine Ferraros Nominierung im Jahr 1984 überzeugenden Clinton-Kampagne zusätzliches
unterbricht das historische Muster...
Gewicht zu verleihen.
Eine Rekordzahl von Frauen und Minderheiten bewerben sich in diesem Jahr um ein Amt, daher werden die
künfitgen Präsidentschaftskandidaten mehr Entscheidungen treffen missen.

Tatsache ist, daß wir AI Gore kennen. Wir haben
vieles, für das er steht, bewundernd betrachtet. Und
wir sagen dazu folgendes. AI Gore, meine Damen und
Herren, ist kein Dan Quayle.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 28

�PORTRÄT
15. Juli 1992

CLINTON WÄHLT PROTAGONISTEN DES
UMWELTSCHUTZES ALS VIZEPRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee
WASHINGTON - (AD) - Albert Gore ist vielleicht am
besten bekannt für sein Engagement und die Fähigkeit, "beim Schutz der Umwelt eine führende Rolle zu

1987 beschrieb David Rogers Gore im Wall Street
Journal als "Vollblutpolitiker". Gore sei "absolut konkurrenzfähig, aber anscheinend blind gegenüber den

spielen", erklärte der Hoffnungsträger der Demokraten

ihn treibenden Ambitionen", stellte Rogers fest. "Als

für die Präsidentschaftswahlen, Bill Clinton, am 9. Juli
1992 zu seiner Entscheidung, den 44jährigen Senator
aus Tennessee zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten zu machen.

Nachkomme einer Politikerfamilie trägt erden Stempel
seines populistischen Vaters und führt seine Wahlkampagne mit einem von der Bildung der herrschenden Elite geschärften Intellekt."

Gore, der bereits seit 15 Jahren im Kongreß ist, hat
sich in den letzten zehn Jahren für die Bewältigung
unterschiedlicher Umweltprobleme engagiert - Erderwärmung, Abbau der Ozonschicht und Energieerhaltung. Als starker Verfechter des Umweltschutzes
leitete er eine Senatsdelegation beim jüngsten "Erdgipfel" der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro.

Bei der Bekanntgabe seiner Entscheidung für den
Vizepräsidentschaftskandidaten lobte der Gouverneur
von Arkansas, Clinton, Gores Buch: Earth in the
Balance: Ecology and the Human Spirit, das sich
mit der Zukunft der menschlichen Rasse und der Erde
selbst auseinandersetzt. Das Buch wurde bereits
achtmal neu aufgelegt und war im Frühjahr Houghton
Millers Bestseller unter den Sachbüchern.

Zusätzlich zu seinem starken Interesse an Umweltschutz wird Gore - aufgrund seiner Tätigkeit in Senatsausschüssen - auch als Kenner der Verteidigungspolitik, Rüstungskontrolle und außenpolitischer Themen
angesehen. Er wurde 1976 erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt und übte sein Amt dort bis 1984 aus,
als er in den Senat gewählt wurde.
Sein Familienname ist in der Politik des Staates Tennessee renommiert. Sein Vater, Albert Gore Sr., war
32 Jahre lang Mitglied des Repräsentantenhauses und
des Senats.
Gore werden eine Reihe von Qualitäten zugeschrieben, die ihn potentiell zu einem attraktiven Präsidentschaftskandidaten für die Demokratische Partei machen. Er sieht gut aus, ist wortgewandt und zu seinen
Stärken zählen der Militärdienst in Vietnam, ein berühmter politischer Name, ein makelloses Familienleben und eine - tiefe, jedoch nicht fanatische - religiöse
Überzeugung als bekennender Baptist.
Ein ehemaliger politischer Gegner sagte voraus, Gore
würde auf einer nationalen Liste aufgestellt, und der
konservative Kommentator John McLaughlin hat ihn
als "zu gut, um wahr zu sein" bezeichnet.

AMERIKA DIENST 28

Gore "hat mich gebeten, sein Engagement zu teilen,
nicht nur die Umwelt der Vereinigten Staaten, sondern
der Welt für künftige Generationen zu erhalten. Und
gemeinsam werden wir schließlich den Vereinigten
Staaten eine wirklich umweltbewußte Präsidentschaft
verleihen", verprach Clinton.
Im gesamten Verlauf seines öffentlichen Lebens hat
Gore Clinton zufolge "für das Gesundheitswesen und
Verbaucherschutz gekämpft und ist vielleicht Amerikas führender Verfechter der Entwicklung neuer Technologien - wie Faseroptik und Gentechnologie - zur
Schaffung der hochdotierten Arbeitsplätze, die Amerika beim Übergang ins 21. Jahrhundert benötigt."
Politische Experten betrachten die Wahl Gores als
kühnen Schachzug. Beide Männer sind Südstaatler ihre Bundesstaaten haben eine gemeinsame Grenze
- und werden als relativ vorsichtige gemäßigte Politiker
innerhalb der Demokratischen Partei angesehen. Und
beide sind jung - Clinton ist mit 45 ein Jahr älter als
Gore. "Das ist eine junge Liste, die eine neue Generation markiert", erklärte der Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas Foley, in Washington.

Seite 1

�Gore, der sich im Jahr 1988 erfolglos um die demokratische Nominierung als Präsidentschaftskandidat
beworben hatte, entschloß sich vergangenen Sommer, 1992 nicht erneut anzutreten. Dabei verwies er
auf den Wunsch, mehr Zeit mit seiner Familie zu
verbringen anstatt sich auf Wahlkampf reisen zu begeben. Sein junger Sohn Albert war gerade von einem
Auto angefahren und lebensgefährlich verletzt worden, hat sich seither aber erholt.
Gores Bewerbung um die Präsidentschaft vor vier
Jahren scheiterte nach einem schwachen Abschneiden in der Vorwahl des Staates New York, wo seine
Zustimmungsquote fiel, nachdem der Bürgermeister
von New York, Ed Koch, seine Angriffe auf Gores
Rivalen, den Bürgerrechtler Jesse Jackson, unterbrach, um Gore zu unterstützen. Anlysten zufolge
schadete diese Unterstützung Gore, da Kochs bittere
Attacken auf Jackson Schwarze und Liberale entfremdeten.
Gore wurde am 31. März 1948 in der Bundeshauptstadt Washington geboren, wo sein Vater im zehnten
Jahr als demokratischer Abgeordneter aus Tennessee
tätig war. Gore wuchs in der Hauptstadt auf, wo er die
exklusive St. Alban's Episcopal School für Jungen
besuchte. Er war ein ausgezeichneter Schüler und
Kapitän des Football-Teams.
Gore erwarb im Jahr 1969 ein Bakkalaureat in Staatswissenschaften an der Harvard University, seine
Examensarbeit hatte den Titel "Die Auswirkungen des
Femsehens auf die Führung der Präsidentschaft, 1947
-1969".
Im Vietnamkrieg war Gore Heereskorrespondent beim
20. Pionierbataillon, das außerhalb von Saigon stationiert war. Er sandte Kopien seiner Berichte nach
Hause zu seiner Frau, die sie an die Redaktion des
Tennessean, einer Zeitung in Nashville weiterreichte.
Diese veröffentlichte einige davon, und nach Beendigung seiner Dienstzeit im Jahr 1971 bot man Gore eine
Stelle als Reporter an. Im Jahr 1976 gab Gore seine
journalistische Laufbahn beim Tennessean und sein
Jurastudium an der Vanderbilt University auf, bewarb
sich um den einst von seinem Vater gehaltenen Sitz im
Kongreß - und gewann. Acht Jahre später gewann er

mit 61 Prozent der Stimmen den von dem republikanischen Fraktionsvorsitzenden im Senat, Howard Baker, freigemachten Senatorensitz des Staates Tennessee.
Sowohl als Abgeordneter als auch als Senator war
Gore seinen eigenen Worten zufolge ein "begeisterter
Gemäßigter".
"Ich glaube, daß die Leute den Liberalismus teilweise
diskreditiert haben, weil sie das Vertrauen in dessen
Kompetenz verloren haben", erklärte er, nachdem er
seine erste Kongreßwahl gewonnen hatte. "Sie haben
den Konservatismus diskreditiert wegen dessen offensichtlicher Gleichgültigkeit angesichts von Problemen
beispiellosen Ausmaßes. Es besteht das Gefühl, es
habe zu viel Philosophie und nicht genug gesunden
Menschenverstand gegeben."
Im Kongreß konzentrierte sich Gore besonders auf
Probleme des Gesundheitswesens. In seinem letzten
Jahr als Abgeordneter im Repräsentantenhaus unterstützte er das Gesetz über Organspenden und Transplantationen von 1984, das den Ver- oder Ankauf
menschlicher Organe zu Transplantationszwecken
untersagte und darüber hinaus jährlich 2 Millionen
Dollar bewilligte, um eine nationale Organbank aufzubauen.
Obwohl er sich gegen das freiwillige Schulgebet wandte, stimmte er dafür, Schülern eine Schweigeminute
zuzugestehen, die sie nach eigenem Ermessen nutzen können. Er lehnte das Verbot des Verkaufs von
Handfeuerwaffen über die Grenzen von Bundesstaaten hinweg ab und stimmte gegen die Finanzierung
von Schwangerschaftsabbrüchen aus Bundesmitteln.
Gore ist in die Antarktis gereist, um das Ozonloch zu
studieren und nach Brasilien, um sich über den Schwund
der Regenwälder zu informieren, der das Erdklima
beeinflussen könnte. Er schlug neue Erdbebenwarnsysteme vor und forderte, daß alle Verpackungsmaterialien biologisch abbaubar sein sollten. Er brachte im
Jahr 1989 ein Nationales Hochleistungscomputergesetz (National High Performance Computer Technology Act) ein und forderte alle Länder auf, den Einsatz
von FCKW vor dem Jahr 2000 zu beenden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 28

�EINWANDERUNG
15. Juli 1992

AMERIKANER DISKUTIEREN EINWANDERUNGSPOLITIK IHRES LANDES
Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?
WASHINGTON - (AD) - Historisch gesehen waren
Einwanderer die Quelle der Stärke, Vitalität und Vielfalt
der Vereinigten Staaten, aber einige Amerikaner bezweifeln die Fähigkeit der Nation, weiterhin all diejenigen mit offenen Armen zu empfangen, die sich "nach
freier Luft zum Atmen sehnen".

Damit könnten die Vereinigten Staaten "weiterhin ihrem Vermächtnis als Zufluchtsort gerecht werden" für
Menschen, die vor politischer Verfolgung flüchten bei
gleichzeitiger "Regulierung der Gesamtzahl, die im
Einklang mit unserem nationalen Interesse und Bedarf
steht".

Steven Moore, Direktor für Finanzwesen am Cato
Institute, einer Denkfabrik, die pro Einwanderung eingestellt ist und Dan Stein, Vorstandsmitglied des Verbands für die amerikanische Einwanderungsreform
(Federation for American Immigration Reform - FAIR),
einer nationalen Organisation, die auf schärfere Restriktionen drängt, haben vor kurzem im ausländischen Pressezentrum des US-Informationsamts USIA
in Washington die amerikanische Einwanderungspolititk diskutiert.

Steins "vernünftiger, verantwortungsbewußter Ansatz"
zu Milderung "außer Kontrolle geratener" Einwanderung beinhaltet verschärfte Kontrollen an den Grenzen, Bestrafung von Arbeitgebern, die illegale Arbeitskräfte einstellen, eine Obergrenze von 300.000 Zulassungen legaler Einwanderer pro Jahr, Schließung der
Schlupflöcher bei der Asylgesetzgebung sowie die
Abschaffung von Magneten im Beschäftigungs- und
Sozialwesen, die illegale Einwanderer anziehen.

Moore zufolge "belebt" die amerikanische Fähgikeit,
hart arbeitende, engagierte und von Unternehmergeist
geleitete Talente aus der ganzen Welt anzuziehen,
"kontinuierlich die Energien und Ambitionen des Landes".
"Es scheint unvorstellbar, daß der Wert des Einwanderungsprozesses, von dem Amerika seit über zwei
Jahrhunderten profitiert hat, jetzt in Frage gestellt und
bezweifelt werden soll", schrieb Moore in einem in
Business and Societey Review veröffentlichten Artikel.
Stein argumentiert jedoch folgenderma ßen: "Alles legt
den Schluß nahe, daß Einwanderung ... den wesentlichen nationalen Zielen zuwiderläuft, auf die sich
unser Land derzeit konzentrieren muß."
Ihm zufolge zieht das Land sehr viel mehr Menschen
an als es in der Lage ist, aufzunehmen und einzugliedern. Er schlägt vor, die Einwanderungsreform sollte
es der Regierung gestatten, die Zahlen zu regulieren
und mit Einwanderung in Zusammenhang stehende
Betrügereien zu unterbinden.

AMERIKA DIENST 28

Schätzungen des Cato Institute zufolge kommen jedes
Jahr 750.000 - 800.000 legale Einwanderer in die
Vereinigten Staaten, und zusammen mit den illegalen
beläuft sich die Gesamtzahl auf 1 bis 1,1 Millionen.
FAIR schätzt die Gesamtzahl auf 2 bis 3 Millionen.
"Das klingt so, als ob wir überschwemmt würden",
erklärt Moore. "Wir lassen mehr Einwanderer ins Land
als der Rest der Welt zusammengenommen, aber das
ist kein einmaliger Vorgang. Um die Jahrhundertwende kamen Millionen von Einwanderern nach Amerika."
Der Zuwachs von jährlich einer Million Einwanderern
hat laut Moore bei einer Gesamtbevölkerung von 250
Millionen keine großen Auswirkungen auf die Infrastruktur des Landes.
In einer von Moore im Jahr 1990 für das Hudson
Institute und das American Immigration Institute durchgeführten Erhebung gaben 80 Prozent von 38 befragten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlern an,
Einwanderer hätten "sehr günstige Auswirkungen für
das Wirtschaftswachstum des Landes in diesem Jahrhundert" gehabt, und nahezu zwei Drittel unterstützten
höhere Einwanderungsquoten als Weg, um "den
Lebensstandard in den Vereinigten Staaten zu heben".

Seite 1

�Moore zufolge füllen Einwanderer oft "wichtige Nischen" auf dem Arbeitsmarkt. Landwirtschaft, Viehzucht, Geflügelzucht und Textilindustrie werden "so
sehr von Einwanderern dominiert, daß sie ohne sie bis
heute geschrumpft oder sogar völlig verschwunden
wären", stellt er fest.
Stein dagegen meint, daß sich die amerikanische
Industrie und Volkswirtschaft erheblich verändert haben
und sich nicht länger auf einen unbegrenzten Nachschub ungelernter Arbeitskräfte stützen. "Wir bauen
keine Kohle mehr ab, und wir bauen keine Eisenbahnen (mehr)", führt er aus.
Stein verweist femer darauf, daß Einwanderer von
städtischen Ballungsgebieten im Ausland in städtische
Ballungsgebiete in den Vereinigten Staaten umziehen
und die Infrastruktur von Städten wie New York und
Miami unter der Belastung zusammenbricht. "Bildungswesen, Gesundheitswesen, Krankenhäuser und
Gefängnisse verschlechtern sich", erklärt er. "Städte
wie Los Angeles werden unregierbar."

"Städte florieren", setzt Moore dem entgegen. Er
behauptet, daß New York nur dadurch am Leben
erhalten wird, daß Einwanderer dort arbeiten und neue
Geschäfte gründen. Er stimmt mit Stein darin überein,
daß gebürtige Amerikaner die Städte verlassen und
führt aus, "der einzige Zuzug kommt von Einwanderern".
Stein geht davon aus, daß Amerikas Zukunft in flexiblen Systeminformationstechnologien liegt, die Konkurrenz mit Japan und Deutschland ermöglichen werden. Er nennt Japan als "bemerkenswertes Beispiel
mit einer gesunden und florierenden Volkswirtschaft
ohne bedeutende Einwanderung".
Moore verwirft das Argument für Beschränkungen als
Teil einer historischen Stimmung gegen die Einwanderung. "Da wir wissen, daß die Leute, die während der
vergangenen 200 Jahre diese Behauptung erhoben
haben, unrecht hatten, sollten wir dieser Behauptung
auch heute wenig Glauben schenken", erklärt er.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 28

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11509">
                <text>15.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11510">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11511">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11512">
                <text>Amerikadienst 15.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11513">
                <text>&lt;strong&gt;1. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Pressekonferenz von Präsident Bush&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Residenz München&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: KSZE muss Hilfe für Bosnien sicherstellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede beim KSZE-Gipfel in Helsinki&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Parteikonvent der Demokraten beginnt am 13. Juli&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Partei zur Nominierung Clintons entschlossen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Moderate kontrollieren Parteitag der Demokraten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der demokratische Vizepräsidentschaftskandidat Al Gore&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton wählt Protagonisten des Umweltschutzes als Vizepräsidentschaftskandidaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Senator Albert Gore aus Tennessee&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner diskutieren Einwanderungspolitik ihres Landes&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Beleben Immigranten oder sind sie eine Last?&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2254" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2265">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/209299672294b23a9d916e784f1ae876.pdf</src>
        <authentication>1e2755d0c87c1bbf21d32de1b54e9608</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11508">
                    <text>^ o s ^

^ r o M

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

.&lt;&gt;

^

27

8. Juli 1992

WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

%p
.
,&amp;
^

BAKER: LAGE IN BOSNIEN ÄUSSERST
WICHTIG FÜR G-7
Erklärung in München
G-7 INTENSIVIEREN GESPRÄCHE
ZUR URUGUAY-RUNDE
Regierungsvertreter haben weiterhin
Vorbehalte
STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER G-7
KÖNNTEN HILFE FÜR RUSSLAND
BESCHLEUNIGEN
Offizielle Umschuldung geplant

USA - UNABHÄNGIGKEITSTAG

BUSH: AMERIKANISCHE REVOLUTION
BEEINFLUSST DIE WELT WEITERHIN
Botschaft des Präsidenten zum
Unabhängigkeitstag

ABTREIBUNG

OBERSTES BUNDESGERICHT BESTÄTIGT UND
BEGRENZT RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Recht auf Schwangerschaftsabbruch von
Gesetzen der Bundesstaaten abhängig
DIE ENTSCHEIDUNG DES OBERSTEN
GERICHTSHOFS ZUM RECHT AUF
SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Amerikanische Pressestimmen

WAHLEN '92

NATIONALE POLITISCHE KONVENTE
von Marc Leepson

PORTRÄT

THORNBURGHS ERSTE HERAUSFORDERUNG
BEI DER UNO - DER ETAT
Porträt des neuen Stellvertretenden
Generalsekretärs

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

BAKER: LAGE IN BOSNIEN ÄUSSERST
WICHTIG FÜR G-7
Erklärung in München
MÜNCHEN - (AD) - Die G-7-Staaten nehmen "die Bedeutung der Nichteinmischung" bei der Lieferung
humanitärer Hilfe nach Bosnien-Herzegowina "sehr ernst", wo Menschen "hungern und anderer lebensnotwendiger Dinge beraubt werden", erklärte US-Außenminister Baker am 7. Juli 1992 in München.
Bei einer Pressekonferenz verwies Baker femer auf frühere Diskussionen über Bosnien, bei denen auch "die
Möglichkeit weiterer Aktionen der Vereinten Nationen" erörtert wurde, "die den Einsatz aller erforderlichen Mittel
erlauben würden, um zu gewährleisten, daß die humanitären Bemühungen durchgeführt werden können".
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten eventuell bereit seien, Luftwaffen- und Marineeinheiten für die Öffnung
eines Landkorridors zur Lieferung humanitärer Hilfsgüter bereitzustellen, entgegnete Baker, Präsident Bush
habe "nichts ausgeschlossen", während einige Regierungsvertreter erklärt hätten, der "Einsatz von Landtruppen" sei unwahrscheinlich.
In seiner Eingangserklärung zum Wirtschaftsgipfel verwies Baker darauf, die Vereinigten Staaten seien "erfreut"
über die Vereinbarung zwischen dem Internationalen Währungsfonds und Ru ßland über die erste Kredittranche
von 1 Milliarde Dollar.
Bushs Treffen mit dem russischen Präsidenten Jelzin am 8. Juli werde "ein starkes Signal der Ermutigung für
die demokratischen Reformkräfte in der gesamten ehemaligen Sowjetunion" aussenden, erklärte Baker.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung des amerikanischen Außenministers im Wortlaut.

Zunächst möchte ich feststellen, daß ich von dem
morgigen Treffen mit Präsident Jelzin, dem ersten
demokratisch gewählten Präsidenten Rußlands, ein
starkes Signal der Ermutigung für die demokratischen
Reformkräfte in der gesamten ehemaligen Sowjetunion erwarte.
Präsident Jelzin unternimmt mutige Anstrengungen.
Die Geschichte wird vielleicht einmal urteilen, daß das
Entstehen der Demokratie in Rußland eines der größten Ereignisse unseres Zeitalters ist. In diesem Zusammenhang waren wir erfreut über die Vereinbarung
zwischen dem IWF und Rußland über eine erste
Kredittranche von 1 Milliarde Dollar.
Dies ist besonders wichtig, weil es den Weg für weitere
Mittel der Weltbank und eine, wie wir hoffen, großzügige Umschuldung des Pariser Clubs ebnet.
Neben makroökonomischen Fragen erörterten wir mit
Präsident Jelzin in Washington - und wir werden dies
auch hier in München ansprechen - die Notwendigkeit
rascher Fortschritte, um dort die Elemente einer PriAMERIKA DIENST 27

vatwirtschaft zu verankern. Aus diesem Grund ist
unsere technische Hilfe so bedeutsam, und deshalb
sind wir so sehr darum bestrebt, daß das Freedom
Support Act vom Kongreß verabschiedet wird.
Darüber hinaus möchte ich feststellen, daß wir die
Frage der Sicherheit von Kernkraftwerken äußerst
ernst nehmen. Die G-7 hat einen Aktionsplan entwikkelt, zu dem erhebliche bilaterale Hilfe der Vereinigten
Staaten und anderer gehört, um unmittelbaren Erfordernissen der Betriebssicherheit gerecht zu werden.
Wir haben uns darauf verständigt, unsere Bemühungen in diesem Bereich durch den G-24-Prozeß zu
koordinieren.
Zweitens haben die Staats- und Regierungschefs der
G-7 die sich abzeichnende wirtschaftliche Erholung
zur Kenntnis genommen, waren sich jedoch gleichzeitig darin einig, daß Wirtschaftswachstum zu wichtig ist,
um die ersten positiven Anzeichen bereits als selbstverständlich zu betrachten. Sie sind besorgt darüber,
daß zu viele Menschen noch Arbeit suchen. Wir sind

Seite 1

�erfreut über die Tatsache, daß in der vergangenen
Woche weitere positive Maßnahmen angekündigt
wurden. Insbesondere wird Japan noch dieses Jahr
wichtige haushaltspolitische Schritte zur konjunkturellen Belebung einleiten.

sens, wenn Polen wieder mit dem Internationalen
Währungsfonds ins Reine gekommen ist. Der Präsident ist entschlossen, sich weiterhin für den Erfolg von
Demokratie und freier Marktwirtschaft in Polen zu
engagieren.

Der neue am 1. Juli angekündigte Haushalt der Bundesrepublik Deutschland betont die Zurückhaltung bei
den Ausgaben, die den Weg für eine positivere Stimmung auf den Finanzmärkten ebnen sollte. Die italienische Regierung bemüht sich um ein neues Haushaltspaket, und unser Diskontsatz wurde gerade erst
auf 3 Prozent gesenkt.

Fünftens bringen wir unsere Ideen im Hinblick auf die
Uruguay-Runde vor, um zum Abschluß der Verhandlungen beizutragen. Und obwohl ich der Überzeugung
bin, daß wir seit dem vergangenen Jahr substantielle
Fortschritte erzielt haben, erweisen sich die letzten
Schritte häufig als die schwierigsten. Und meines
Erachtens ist es eine Tatsache, daß die Aufmerksamkeit in Europa seit dem dänischen Referendum zum
Abschluß der Vereinbarungen des Maastrichter Vertrags abgelenkt wurde. Wir hoffen, daß sich dies
ändert und wir weiter vorankommen.

Der Präsident erörterte darüber hinaus mit seinen
Amtskollegen die Bedeutung, die der amerikanischen
Fähigkeit zur mittel- und langfristigen Steigerung des
Wirtschaftswachstums zukommt. Er betonte seine
Programme im Bildungsbereich, zur Umschulung von
Arbeitnehmern sowie zur Schaffung eines konstruktiven Umfelds in unseren Städten durch Maßnahmen
zur Bekämpfung von Drogenmißbrauch und Verbrechen.
Der Präsident erläuterte, wie sich diese Elemente in
eine Strategie einfügen, die darauf gegründet ist, unsere
Gesellschaft verstärktem Wettbewerb und größerer
Wahlfreiheit zu öffnen, während sich staatliche Programme gleichzeitig darauf konzentrieren, den Menschen bei der Anpassung an Veränderungen zu helfen.
Drittens hatten wir hier in München mehrere Diskussionen über Jugoslawien. Wir haben die Notwendigkeit
betont, die humanitäre Reaktion auf die Tragödie in
Bosnien mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln
fortzusetzen. Wir haben über die Bedeutung von
Sofortmaßnahmen gesprochen, um die Ausbreitung
des Konflikts zu verhindern und Sanktionen durchzusetzen, damit Serbien erkennt, daß seine Aktionen
unannehmbar bleiben.
Darüber hinaus haben wir die Notwendigkeit eines
verantwortungsbewußten Handelns seitens Kroatiens
erörtert, wenn dieses Land in die internationale Staatengemeinschaft aufgenommen werden möchte.
Schließlich haben wir die Möglichkeit einer künftigen
umfassenderen internationalen Konferenz angesprochen, um ungelöste Fragen zu behandeln, die sich aus
der Jugoslawienkrise ergeben.
Viertens waren wir erfreut über die Unterstützung, die
dem von Präsident Bush aus Warschau mitgebrachten
Vorschlag entgegengebracht wurde, den polnischen
Stabilisierungsfonds für andere Reformmaßnahmen
verfügbar zu machen, beispielsweise eine Exportfinanzierungsfazilität und Unterstützung des Bankwe*

Seite 2

Sechstens haben wir unterstrichen, wie wichtig es ist,
die Integration der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft sicherzustellen. Unsere Betonung lag auf dem
Bereich Handel, obwohl wir auch die Rolle der Auslandshilfe berücksichtigen. Wir haben über die zur
Verschuldung ergriffenen Maßnahmen gesprochen
und insbesondere unseren beträchtlichen Schuldenerlaß gegenüber den weniger entwickelten Ländern
hervorgehoben.
Darüber hinaus haben wir das Augenmerk auf die
durch die Dürre im südlichen Afrika verursachten äußerst
gefährlichen Bedingungen gelenkt und die anderen
Länder aufgefordert, dem Hilfsappell der Vereinten
Nationen Folge zu leisten. Bis jetzt haben die Vereinigten Staaten die Hauptlast bei der Bewältigung dessen
getragen, was eine schreckliche humanitäre Tragödie
werden könnte.
Zusammenfassend möchte ich feststellen, daß erstens unsere Aktionen in Rußland und Polen unser
kontinuierliches Engagement zur Verbreitung und
Gewährleistung der Demokratie in Teilen der Welt
demonstrieren, wo wir es vor nur wenigen Jahren nicht
für möglich gehalten hätten.
Zweitens ist das Engagement des Präsidenten für
Wirtschaftswachstum im In- und Ausland von Bedeutung, weil es die Schaffung des Wohlstands zum Ziel
hat, den unser Volk benötigt. Und unsere Wirtschaft
funktioniert nur als Teil der globalen Wirtschaft.
Und drittens sind wir uns der Notwendigkeit kollektiver
Aktionen im ehemaligen Jugoslawien bewußt, um die
andauernden Gefahren für unschuldige Männer, Frauen und Kinder zu beseitigen. Natürlich müssen die
Europäer die größere Rolle spielen, aber wir können
als Katalysator wirken und lebenswichtige Unterstützung leisten, um eine effektive internationale Reaktion
sicherzustellen.

*

AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

G-7 INTENSIVIEREN GESPRÄCHE
ZUR URUGUAY-RUNDE
Regierungsvertreter haben weiterhin Vorbehalte
MÜNCHEN - (AD) - Die Vertreter der führenden Industrienationen und ihre hochrangigen Berater haben
den Gesprächen in dem Versuch Auftrieb verliehen,
die andauernde Patt-Situation der Uruguay-Runde
über globale Handelsgespräche zu durchbrechen.

rangiger Vertreter der Vereinigten Staaten fest. "Wir
sind ziemlich optimistisch, daß mit politischem Willen
hier die Fortschritte erzielt werden können, die den
Weg zu einem Abkommen der Uruguay-Runde ebnen."

Vertreter der Vereinigten Staaten, Deutschlands und
der Europäischen Gemeinschaft erklärten am 6. Juli
1992 zu Beginn des 18. jährlichen Weltwirtschaftsgipfels der führenden Industrienationen gegenüber Journalisten, daß die Differenzen teilweise beigelegt worden und sie bereit seien, das Thema hier voranzubringen. Am 1. Juli übernahm Großbritannien den Vorsitz
des Europarats.

Andere Regierungsvertreter waren vorsichtiger - in
Erinnerung daran, daß die Bestrebungen bei den
letzten beiden Gipfeltreffen in Houston und London
nicht den erwarteten Abschluß der Uruguay-Runde
hervorgebracht hatten.

"Die verbleibenden Meinungsverschiedenheiten im
Agrarbereich sind relativ begrenzt und könnten überwunden werden", stellte ein hochrangiger britischer
Vertreter fest.
Regierungsvertretern zufolge bedeutet dies jedoch
nicht, daß es hier in München zu einem Abschluß
kommt, sondern vielmehr haben die politisch Verantwortlichen das Gefühl, das weltweite Handelsabkommen sei von solcher Bedeutung für das Weltwirtschaftswachstum, daß sie etwas unternehmen müssen, um die Verhandlungen wieder auf den Weg zu
einem eventuellen Abschluß zu einem späteren Zeitpunkt zu bringen.
Der amerikanische Finanzminister Nicholas Brady
erklärte in einer Pressekonferenz am Ende der Gespräche des ersten Tages, man habe die Handelsprobleme intensiv erörtert und es herrsche das Gefühl vor,
"den Worten müssen jetzt Taten folgen".
"In den Korridoren finden zahlreiche Gespräche statt",
fuhr Brady fort, räumte jedoch ein, er wäre überrascht,
wenn in den nächsten zwei oder drei Tagen spezifische Vereinbarungen getroffen würden.
"Unseres Erachtens stehen wir kurz vor einem Abkommen, obwohl zwischen den Vereinigten Staaten und
einigen ihrer Partner noch tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten bestehen", stellte ein anderer hoch-

AMERIKA DIENST 27

"Es besteht immer Grund zur Hoffnung", erklärte Jacques Delors, der Präsident der EG-Kommission. "Aber
dies ist nicht der Ort für Verhandlungen."
Der amerikanische Außenminister James Baker stellte auf die Frage nach Fortschritten bei den globalen
Handelsgesprächen fest, diese seien "bescheiden"
gewesen. "Manchmal ist es schwierig, diese letzte
kleine Kluft zu überbrücken, und das ist es, was wir im
Augenblick versuchen", fügte ein anderer amerikanischer Regierungsvertreter hinzu. "Wir sind früher
enttäuscht worden, und deshalb möchte ich unsere
Erwartungen nicht zu hoch schrauben."
Entscheidend für diese Bestrebungen könnte ein Treffen zwischen Präsident Bush und Delors am 7. Juli
sein. Erwartungsgemäß nimmt daran auch Frans
Andriessen, der EG-Kommissar für auswärtige Angelegenheiten und Chefunterhändler der EG bei der
Uruguay-Runde teil.
"Offensichtlich ist das eine Gelegenheit für ziemlich
substantielle Diskussionen zwischen den Vereinigten
Staaten und den EG-Unterhändlern", stellte ein amerikanischer Regierungsvertreter fest.
Bush hat vor Beginn des Wirtschaftsgipfels mehrere
bilaterale Gespräche geführt, darunter ein Abendessen mit dem französischen Präsidenten Mitterrand.
Die Vereinigten Staaten und Frankreich hatten häufig
Kontroversen über Subventionen für die Landwirtschaft - das Thema, das für die derzeitige Patt-Situation der Uruguay-Runde verantwortlich ist.

Seite 1

�Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge
haben die beiden Präsidenten die Uruguay-Runde
erörtert, und das Treffen sei generell "nützlich und die
Atmosphäre ... ziemlich gut gewesen".
Am 6. Juli traf Präsident Bush mit dem italienischen
Präsidenten Giulio Andreotti und später mit Bundeskanzler Kohl, dem Gastgeber des diesjährigen Gipfels
zusammen.
Außenminister Baker führte am 6. Juli Gespräche mit
seinem britischen Amtskollegen Douglas Hurd und mit
EG-Kommissar Andriessen.
Einem amerikanischen Regierungsvertreter zufolge
haben die Vereinigten Staaten bereits ein beträchtliches Maß an Flexibilität in Bereichen bewiesen, die für
die Europäische Gemeinschaft problematisch sind.
Er stellte fest, die Vereinigten Staaten warteten noch
immer auf eine Reaktion auf ihre am 28. Mai vorbrachten Ideen zu Fragen wie Verbesserung des Marktzugangs, Exportsubventionen und die sogenannte "Friedensklausel ", die sich mit Handelsbeziehungen befaßt
und einer Einigung bei der Uruguay-Runde folgen
würde.

Einzelheiten dieser Vorschläge wurden bisher nicht
veröffentlicht.
Er fuhr fort, eine Hauptsorge der EG seien Inlandssubventionen aufgrund der Notwendigkeit, einen Weg
zum Schutz der direkten Zahlungen an die Landwirte
zu finden, die ein Schlüsselelement der jüngsten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EG sind.
"Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, Wege der
Zusammenarbeit mit ihnen zu sondieren, mit denen
dieses spezielle Programm vor den Disziplinen der
Uruguay-Runde geschützt werden kann", stellte der
Regierungvertreter fest.
Zu der Friedensklausel erläuterte er: "Natürlich wollen
wir nicht ein Abkommen der Uruguay-Runde abschließen und uns dann sofort in eine Reihe von Handelskonflikten stürzen."
Er lehnte jedoch eine Stellungnahme dazu ab, was die
Vereinigten Staaten - wenn überhaupt - anbieten könnten,
um ihre Beschwerden gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft im Handelsbereich abzubauen.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 27

�WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
8. Juli 1992

STAATS- UND REGIERUNGSCHEFS DER G-7
KÖNNTEN HILFE FÜR RUSSLAND BESCHLEUNIGEN
Offizielle Umschuldung geplant
MÜNCHEN - (AD) - Vertreter der wichtigsten Industriestaaten gehen davon aus, daß ein Abkommen zwischen
dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und Rußland den Weg für die Beschleunigung der westlichen Hilfe
für das Land bereiten wird.
Staatssekretär David Mulford vom US-Finanzministerium erklärte am 6. Juli 1992 vor Reportern in München, obwohl noch keine endgültige Entscheidung
gefallen sei, könne das Abkommen mit dem IWF zu
einer Umschuldung der russischen Auslandsschulden
führen.

Darüber hinaus erklärte Mulford, dies würde auch auf
die vor dem 1. Januar 1991 aufgelaufenen Schulden
zutreffen - also identisch mit dem gegenwärtigen
Schuldenerleichterungsabkommen sein, das die G-7
vergangenes Jahr mit der ehemaligen Sowjetunion
ausgearbeitet hat.

Die Hilfe für Rußland ist eines der Hauptthemen beim
diesjährigen Weltwirtschaftsgipfel, auf dem die Staatsund Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Deutschlands, Japans, Frankreichs, Großbritanniens, Italiens
und Kanadas nach Wegen suchen, um den Reformprozeß in Rußland vor dem Scheitern zu bewahren.

IWF-Direktor Michel Camdessus, der gerade aus
Moskau eingetroffen war, informierte die Staats- und
Regierungschefs der G-7 am 6. Juli. Ohne unverzügliche Maßnahmen ist Rußland Camdessus zufolge mit
der Aussicht konfrontiert, daß steigende Preise und
wachsende Haushaltsdefizite die Fortschritte bedrohen, die das Land bereits erzielt hat.

Dieser Prozeß wurde am 5. Juli 1992 unterstützt, als
Rußland und der IWF Einigung über die erste Phase
von Wirtschaftsreformen erzielten. Die Vereinbarung
wird Rußland Zugang zu IWF-Krediten in Höhe von 1
Milliarde Dollar sowie nach Erarbeitung eines umfassenderen Abkommens mit dem Fonds die Aussicht auf
weitere Kredite verschaffen.
Mulford zufolge könnte diese Vereinbarung darüber
hinaus eine Beschleunigung der bilateralen Hilfe im
Rahmen des multilateralen Hilfspakets von 24 Milliarden Dollar zur Folge haben, das bereits für Rußland
ausgearbeitet wurde.
Er verwies darauf, daß von den 24 Milliarden Dollar 11
Milliarden in Form bilateraler Hilfe wie etwa Exportkredite und Nahrungsmittelkredite geleistet würden. Von
dieser Summe seien bereits rund 5 bis 6 Milliarden
Dollar ausgezahlt worden, erklärte Mulford.
Wenn es zu einer Umschuldung komme, so werde
diese "wahrscheinlich ziemlich gängigen Charakter
haben... was eine Streckung auf zehn Jahre mit einem
Zahlungsaufschub von vier oder fünf Jahren bedeuten
würde".

AMERIKA DIENST 27

Die neuen in drei Stufen zu verwirklichenden Verpflichtungen sollten verhindern, daß wachsender inflationärer Druck die Wirtschaftsreformen weiter aushöhlt.
Camdessus stellte fest, daß Rußland in den nächsten
Wochen seinen Wechselkurs weiter vereinheitlichen,
die Haushalts- und Geldpolitik straffen und seine Privatisierungsbemühungen fortsetzen werde.
In der zweiten Phase werde das Land seine haushaltsund währungspolitischen Reformen fortsetzen. Solche Reformen könnten durch eine weitere Aufstokkung von IWF-Mitteln unterstützt werden, erklärte
Camdessus. In der dritten Phase würde dann unter
der Voraussetzung, daß die währungs- und haushaltspolitischen Maßnahmen fest verankert sind, der Stabilisierungsfonds für den Rubel in Höhe von 6 Milliarden
Dollar freigegeben, so Camdessus.
Amerikanische Vertreter verwiesen darauf, daß sich
die sieben Staats- und Regierungschefs wahrscheinlich auf die Notwendigkeit koordinierter Maßnahmen
verständigen würden, um das Problem der Sicherheit
von Kernreaktoren sowjetischen Typs zu behandeln,

Seite 1

�die in Osteuropa, den baltischen Staaten, der Ukraine
und Rußland betrieben werden.
Die Vereinigten Staaten haben bereits etwa 40 Millionen Dollar in diesem Bereich zur Verfügung gestellt
und werden voraussichtlich in den kommenden zwei
Jahren insgesamt etwa 100 Millionen Dollar zusagen,
erklärte ein US-Vertreter. Darüber hinaus könnte im
gleichen Zeitraum die G-7-Hilfe insgesamt 450 Millionen Dollar erreichen, während die Länder, in denen
diese Reaktoren betrieben werden, weitere 200 Millionen Dollar beisteuern würden.
Der US-Vertreter verwies ferner darauf, daß weiterhin
Meinungsverschiedenheiten darüber bestehen, ob die
Hilfe bilateral oder multilateral sein und von internationalen Organisationen wie der in London ansässigen
Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung koordiniert werden sollte.
Darüber hinaus werde über ein umfassenderes langfristiges Programm zur Modernisierung alter oder zum
Bau neuer Kernkraftwerke diskutiert werden. Eine
Vereinbarung zu dieser Frage sei beim Gipfel jedoch
unwahrscheinlich.
Die Gespräche konzentrierten sich am ersten Tag des
Gipfels hauptsächlich auf Möglichkeiten zur Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums. US-Finanzminister Nicholas Brady erklärte, das Schlußkommunique werde ziemlich eindeutig feststellen, daß
sich die Länder über die Bedeutung einig sind, die der
Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums
zukommt.

Brady prognostizierte für die Vereinigten Staaten einen Anstieg um 2,5 bis 3 Prozent im Jahr 1992 - im 2.
Quartal möglicherweise etwas weniger als die 2,7
Prozent im ersten Quartal, während das Wachstum im
zweiten Halbjahr wieder stärker zunehmen werde.
Vor dem Treffen hatte Japan erklärt, es werde zusätzliche steuerliche Anreize in Erwägung ziehen während
die Bundesrepublik Deutschland weitere Maßnahmen
zum Abbau ihres Haushaltsdefizits zugesagt hatte.
Obwohl die Vereinigten Staaten gehofft hatten, Deutschland werde in naher Zukunft seine Zinssätze senken,
deutete Brady an, er sei bereit, die deutsche Haltung
zu akzeptieren. "Sie haben gesagt, wir (Deutschland)
werden die Staatsausgaben senken, den Anstieg auf
2,5 Prozent begrenzen", erklärte Brady. "Meines
Erachtens bedeutet dies, daß die für die Währung
Verantwortlichen an einem gewissen Punkt folgen und
die Zinssätze senken können."
In jedem Falle stellte Deutschland klar, daß keine
Pläne zu einer Zinssenkung in naher Zukunft bestünden. Ein deutscher Vertreter verwies in diesem Zusammenhang auf die Besorgnis über die Inflationsrate, die zur Zeit 4,6 Prozent betrage. Dies könne nicht
hingenommen werden, und die Bundesregierung unterstütze die Haltung der Bundesbank, derzufolge eine
Zinssenkung zum jetzigen Zeitpunkt nicht gerechtfertigt sei.
Mulford erklärte, das Thema Wechselkurse sei angesprochen worden, aber die jüngsten Bewegungen
beim Wert des Dollar stünden mit der Senkung der
Leitzinsen in den USA letzte Woche in Zusammenhang und seien "normal".

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�USA-UNABHÄNGIGKEITSTAG
8. JulM992

BUSH: AMERIKANISCHE REVOLUTION
BEEINFLUSST DIE WELT WEITERHIN
Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Die Ideen, die an diesem 4. Juli vor 216 Jahren von den Gründervätern Amerikas
niedergelegt wurden, haben "weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt", erklärte Präsident Bush in
seiner Ansprache im Weißen Haus zum Unabhängigkeitstag und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten stünden
"als Modell für all die Menschen, die ein System der repräsentativen Demokratie und freien Marktwirtschaft
anstreben".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten im Wortlaut.
Während wir Amerikaner diesen 216. Jahrestag der
Unabhängigkeit unserer Nation feiern, danken wir nicht
nur dem Vermächtnis der gesetzmäßig verankerten
Freiheit, sondern auch der kontinuierlichen Verbreitung demokratischer Ideale auf der Welt. Gesegnet
mit dem ungebrochenen Vermächtnis der Freiheit und
mit beispiellosem Frieden und Wohlstand stehen die
Vereinigten Staaten heute als Symbol für die Klugheit
ihrer Gründerväter - und als Modell für all die Menschen, die ein System der repräsentativen Demokratie
und freien Marktwirtschaft anstreben. Über 200 Jahre
nach der Unterzeichnung unserer Unabhängigkeitserklärung wissen wir, daß sich keine politische Überzeugung als richtiger oder mächtiger erwiesen hat als der
Glaube, "daß alle Menschen gleich geschaffen sind;
daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben,
Freiheit und das Streben nach Glück gehören."
Bei dieser Gelegenheit gedenken wir jedoch auch der
Tatsache, daß die Freiheit und Sicherheit Amerikas
nicht immer als selbstverständlich angesehen wurden.
Als die Gründerväter unserer Nation einen "selbständigen und gleichberechtigten Rang" für dieses Land
anstrebten und die amerikanischen Kolonien zu freien
und unabhängigen Staaten erklärten, taten sie dies
ohne Erfolgsgarantie. Vor ihnen lag eine unsichere
Zukunft, und jeder war sich des großen Risikos bewußt, das er und seine Mitbürger mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung eingingen. Heute
können wir uns das Gefühl der Beklommenheit vorstel-

len, das die Unterzeichner erfaßte, als sie ihr Leben, ihr
Vermögen und ihre heilige Ehre auf dieses Dokument
setzten.
Mit einer Hoffnung, die stärker als Furcht war und mit
einem Mut, der ihren großen Überzeugungen in nichts
nachstand, lösten unsere Vorfahren eine Revolution
der Ideen aus, die weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die Welt hat. Der Unabhängigkeitstag ist daher
ein Zeitpunkt enormen Stolzes und der Inspiration für
alle Amerikaner.
In diesem Jahr haben wir zusätzlichen Grund zu feiern,
weil der Unabhängigkeitstag mit dem 500. Jahrestag
der ersten Reise von Christoph Kolumbus nach Amerikazusammenfällt. Auch die Fünfhundertjahrfeier der
Entdeckung Amerikas ruft uns den Mut vor dem Unbekannten ins Gedächtnis, und während wir auf die
Zukunft der Vereinigten Staaten blicken, sind wir ergriffen von dem Beispiel und den Leistungen der
zahlreichen Pioniere und Patrioten, die diesen Weg
vor uns gegangen sind. Die kontinuierliche Bewahrung unseres Friedens wird von uns nicht weniger
Arbeit und Entschlossenheit erfordern, und bei dieser
Gelegenheit möchte ich einen besonderen Gruß an
alle amerikanischen Soldaten auf der ganzen Welt
entbieten, die dazu beitragen, den Weg zu einer sichereren und friedlicheren Welt zu ebnen.
Barbara und ich möchten unseren Mitbürgern einen
friedlichen und vergnüglichen Unabhängigkeitstag
wünschen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�ABTREIBUNG
8. Juli 1992

OBERSTES BUNDESGERICHT BESTÄTIGT UND
BEGRENZT RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Recht auf Schwangerschaftsabbruch von Gesetzen der
Bundesstaaten abhängig
WASHINGTON - (AD) - Das Oberste Bundesgericht
hat am 29. Juni 1992 sein seit langem erwartetes Urteil
über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch verkündet. Darin wird das Prinzip bekräftigt, daß die
Entscheidung über einen Schwangerschaftsabbruch
eher dem einzelnen als dem Staat zusteht, jedoch
unter Berücksichtigung der Vorschriften, die von jedem Bundesstaat im Rahmen seiner Pflicht zum Schutz
des gesellschaftlichen Interesses erlassen werden.
In dem mit 5 gegen 4 Stimmen gefällten Spruch
bestätigte der Oberste Gerichtshof das kontroverse
Urteil im Fall Roe./. Wade aus dem Jahr 1973, in dem
die Richter grundlegende Richtlinien aufstellten, denen die Bundesstaaten bei der Regelung des Rechts
auf Schwangerschaftsabbruch folgen mußten. Die
wichtigste dieser Regeln besagt, daß das Recht einer
Frau auf Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei
Monaten der Schwangerschaft über jedes zwingende
gesellschaftliche Interesse des Staates hinausgeht
und es deshalb in den meisten Fällen außerhalb der
Macht des Staates liegt, ein Verbot auszusprechen.
Die Entscheidung vom 29. Juni bestätigte diese Haltung. Der Gerichtshof billigte jedoch den einzelnen
Bundesstaaten eine weitgefaßte Zuständigkeit zu, das
Recht auf Schwangerschaftsabbruch zu regeln - im
Gegensatz zu einem Verbot -, was zu erheblicher
Verwirrung bei der gesamten Kontroverse führen könnte,
da jeder Staat versuchen wird, das richterliche Mandat
nach eigenem Ermessen zu interpretieren.
Das Gericht bestätigte ein Gesetz des Staates Pennsylvania, das Schwangerschaftsabbrüche auch in den
ersten drei Monaten einschränkt. Zur Unterstützung
des Gesetzes von Pennsylvania wird in der richterlichen Entscheidung festgestellt, daß Gesetze oder
Verfügungen zur Frage des Schwangerschaftsabbruchs
in Zukunft genauester juristischer Prüfung unterzogen

AMERIKA DIENST 27

würden, wenn sie "die Entscheidung zum Schwangerschaftsabbruch erheblichen Einschränkungen" unterwerfen.
Das nahezu uneingeschränkte Recht auf Schwangerschaftsabbruch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten wird deshalb der Interpretation unterer Instanzen bedürfen, um zu entscheiden, was der Oberste Gerichtshof mit Begriffen wie "erhebliche Einschränkungen" gemeint hat.
In seinem mit 5 gegen 4 Stimmen gefaßten Verdikt
machte das Oberste Bundesgericht fast das Urteil im
Fall Roe ./. Wade rückgängig. Der abweichende
Richter Antonin Scalia schrieb für sich, den Vorsitzenden Richter William Rehnquist und die Richter Byron
White und Clarence Thomas, daß "die Bundesstaaten,
wenn sie dies wünschen, den Schwangerschaftsabbruch auf Verlangen gestatten können, jedoch verpflichtet die Verfassung sie nicht dazu".
Die Richter Harry Blackmun und John Paul Stevens
stimmten dafür, im Einklang mit Roe ./. Wade das
Gesetz von Pennsylvania insgesamt zu verwerfen.
Das Urteil war letztlich ein von den Richtern Sandra
Day O'Connor, Anthony Kennedy und David Souter
zustandegebrachter Kompromiß. Sie erläuterten, daß
das Gesetz von Pennsylvania verfassungsgemäß sei,
auch wenn das Recht auf Schwangerschaftsabbruch
bestehen bleibt. "Obwohl Abtreibung ein Verhalten ist,
folgt daraus nicht, daß der Staat das Recht hat, sie
unter allen Umständen zu ächten," schrieben die drei
Richter in ihrem Votum.
Die drei gingen davon aus, daß die grundlegende
juristische Lehre die Achtung von Präzedenzfällen
erfordert - einschließlich Roe./. Wade. In einer öffentlichen Verhandlung erklärte Souter, daß "die Aufhebung von Roe ./. Wade die Legitimität des Gerichts
untergraben würde".
Seite 1

�Und da die dem Obersten Bundesgericht vorliegende
Frage das Ausmaß betraf, in dem das Recht auf
Schwangerschaftsabbruch verfassungsmäßig zulässig ist, war das Ergebnis der Abstimmung der kleinste
gemeinsame Nenner der Mehrheitsentscheidung. Das
bedeutet, daß O'Connor, Kennedy und Souter ihr
Votum mit dem von Blackmun und Stevens bündelten,
um eine Mehrheitsentscheidung herbeizuführen, die
das Grundrecht - jedoch kein absolutes Recht - auf
Schwangerschaftsabbruch bestätigt.
Der Supreme Court bestätigte äußerst kontroverse
Elemente des Gesetzes von Pennsylvania, darunter
die folgenden:
Der Staat kann verlangen, daß Frauen über
Alternativen zum Schwangerschaftsabbruch
sowie über die Entwicklung des Fötus informiert
werden.

Der Oberste Gerichtshof verwarf jedoch eine Bestimmung des Gesetzes, derzufolge Frauen verpflichtet
gewesen wären, ihre Ehemänner von dem Entschluß
zum Schwangerschaftsabbruch zu informieren.
Über den unmittelbaren Urteilsspruch hinaus waren
die Einzelheiten des Gesetzes von Pennsylvania nie
das wichtigste Anliegen in diesem Fall. Zur Debatte
stand vielmehr, ob das Oberste Bundesgericht das
uneingeschränkte Recht auf Abtreibung bestätigen
oder ob es den Bundesstaaten die Mittel geben würde,
um Schwangerschaftsabbrüche in den ersten drei
Monaten in irgendeiner Weise zu regeln. In diesem
Sinne betrachten die Gegner der Abtreibung die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts als Sieg.
In New York begrüßte Präsident Bush in einer von
Pressesprecher Marlin Fitzwater verbreiteten Erklärung das Urteil.

Frauen können gezwungen werden, mindestens
einen Tag nach der Beratung zu warten, bevor
ihnen der Schwangerschaftsabbruch gestattet
wird.

"Ich begrüße die Entscheidung des Obersten Bundesgerichts, mit der die meisten der vernünftigen Einschränkungen des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch durch den Staat Pennsylvania aufrechterhalten
werden", erklärte Bush. "Das Gesetz von PennsylvaVon Ärzten kann verlangt werden, vollständige nia unterstützt die Werte der Familie in einer AngeleUnterlagen über Schwangerschaftsabbrüche zur genheit, die vielleicht die schwierigste Frage ist, mit der
möglichen Veröffentlichung aufzubewahren.
eine Familie konfrontiert werden kann. Meine eigene
Position zum Schwangerschaftsabbruch ist wohlbeUnterhaltsberechtigten, unverheirateten Mädkannt und bleibt unverändert. Ich lehne Abtreibung in
chen unter 18 kann das Recht auf einen Schwanallen Fällen außer Vergewaltigung, Inzest oder Gefahr
gerschaftsabbruch ohne die Zustimmung eines
für das Leben der Mutter ab", stellte der Präsident fest.
Elternteils oder eines Richters verweigert werden, der entschieden hat, daß das Mädchen reif
genug ist, um selbst zu entscheiden.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�ABTREIBUNG
8. Juli 1992

DIE ENTSCHEIDUNG DES OBERSTEN GERICHTSHOFS
ZUM RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH
Amerikanische Pressestimmen
WASHINGTON - (AD) - Zahlreiche amerikanische Zeitungen haben zur Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Abtreibungsrecht vom 29. Juni 1992 Stellung genommen. Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge
aus einigen dieser Kommentare.
The Philadelphia Inquirer
Mit einer knappen Mehrheit hat das Oberste Bundesgericht klugerweise gegen die Aufhebung eines von
ihm erstmals vor 19 Jahren verkündeten verfassungsmäßigen Rechts entschieden: das Recht einer Frau
auf Abtreibung. Das hat bei zahlreichen Abtreibungsgegnern Stöhnen hervorgerufen. Mit mehr Stimmen
hat das Gericht jedoch auch die meisten Artikel eines
im Bundesstaat Pennsylvania gültigen Gesetzes bestätigt, die Schwangerschaftsabbrüche erschweren.
Also schäumen auch die Aktivisten auf der anderen
Seite.

war, jetzt aber ist). Richter Harry Blackmun, Verfasser
von Roe, würdigte Richterin O'Connor und ihre Koautoren - die Richter Anthony Kennedy und David Souter
- für die gestrige Begründung, der sich er und Richter
John Paul Stevens anschlössen. Ebenso wie für uns
und zahlreiche andere Befürworter von Roe ist für ihn
sehr viel beunruhigender als die Schwächung des
Rechtes einer Frau auf Schwangerschaftsabbruch in
dieser Begründung die Tatsache, daß vier der neun
Mitglieder des Obersten Gerichtshofs gestern erklärten, sie würden Roe nicht revidieren: Sie würden
diesen Beschluß zu Fall bringen.
The New York Times

Als traditionelle Befürworter des Rechts auf Abtreibung und Kritiker der lästigen Einschränkungen auf
Bundesstaatenebene sind wir dennoch der Auffassung, daß es eine gute Entscheidung war - und bewundern die aufrichtige Denkweise, die darin Eingang
gefunden hat. Die Mehrheit lie ß keinen Zweifel an ihrer
Überzeugung, daß Schwangerschaftsabbruch ein
Grundrecht ist - und bleiben sollte. Dies ist der Kern
der Entscheidung, und das ist überraschend. Sie hing
von den drei von Ronald Reagan und George Bush
ernannten Richtern ab. Und weil diese drei Richter
gemeinsam unterstrichen, wie unklug es sei, in den
von Roe ./. Wade geschaffenen Präzedenzfall einzugreifen - wie Richter David Souter gestern vom Richtersitz aus betonte - kann dieser Eckpfeiler des Beschlusses mit der Zeit nur stärker werden.
The Baltimore Sun
Diese Entscheidung war unvermeidlich. Richterin
Sandra O'Connor, eine der Verfasserinnen der Begründung, hat seit zehn Jahren eine Analyse der
ungebührlichen Belastung so überzeugend befürwortet, daß einige Richter bei niedrigeren Instanzen dies
als geltendes Recht angenommen haben (was es nicht

AMERIKA DIENST 27

Das Oberste Bundesgericht hat gestern die Freiheit für
amerikanische Frauen - und wegen dreier Moderator,
die Ehre für sich selbst - bewahrt.
Seine Entscheidung zur Abtreibung hat den gestrigen
Tag nicht zu einem Glückstag gemacht. Die Entscheidung wird es den Bundesstaaten gestatten, insbesondere armen Frauen neue Lasten aufzuerlegen. Der
Gerichtshof ist weiterhin so gespalten, daß das Abtreibungsrecht jetzt voll und ganz von dem nächsten
Richter abhängen wird. Aber selbst wenn - durch die
Bestätigung des Falles Roe ./. Wade, der Entscheidung, die das Recht einer Frau auf die Kontrolle des
Schicksals ihrer Reproduktion anerkannte - hat das
gegenwärtige Oberste Bundesgericht einigermaßen
vernünftig entschieden.
USA Today
Weder ein totaler Sieg, noch eine totale Niederlage für
keine Seite. So wird dieser erbitterte alte Kampf
darum, wann eine Frau den Abbruch ihrer Schwangerschaft beschließen kann, auf die Bundesstaaten verlagert.

Seite 1

�Sie wären klug beraten, Roe./. Wade aufrechtzuerhalten und nicht weiter auszuhöhlen, trotz der Einladung
des Obersten Gerichtshofes, daran herumzubasteln.
Das Oberste Bundesgericht hat das Gesetz des Bundesstaates Pennsylvania gebilligt, das forciert, daß
Frauen vor einer Abtreibung über Alternativen unterrichtet werden und 24 Stunden warten sollen, Minderjährige die Erlaubnis ihrer Eltern oder eines Richters
einholen müssen und Kliniken detaillierte Aufstellungen über jeden Schwangerschaftsabbruch, wenn auch
ohne die Namen der Patienten, führen müssen.
All diese Verfügungen sind eine gefährliche Invasion,
die Mißbrauch Tür und Tor öffnet. Die Geschichte
lehrt, daß mindestens einige Staaten von ihrer neuen
Macht zur Bestrafung Gebrauch machen werden oder versuchen, Abtreibung zu verbieten.
The Washington Times
Der zweifelhafte Eingriff, der den Weg ebnet, den
Willen des Volkes derartig zu unterlaufen - nämlich,
daß die Möglichkeit der Abtreibung sich aus dem vom
Obersten Bundesgericht in anderen Fällen formulierten Recht auf Schutz der Intimsphäre ableitet - ist nach
wie vor so ungeprüft und unhaltbar wie als der Oberste
Gerichtshof im Fall Roe das Urteil fällte und die Gesetze der Bundesstaaten zur Abtreibung im Jahr 1973
völlig entkernte. Die Formulierung von O'Connor,
Kennedy und Souter über "eine Begrenzung der Fehlerquote, die glaubhaft früheren Gerichtsentscheidungen zugeschrieben werden kann", ist aufschlußreich.
Sie scheint die Unterscheidung zwischen der tatsächlichen Menge an Fehlern, die das Gericht gemacht hat,
*

Seite 2

und der Fehlerquote vorherzusehen, die ein Gericht
zugestehen kann. Worin besteht dieser Unterschied?
Zweifelsohne werden Versuche der Bundesstaaten
zur Verabschiedung von Abtreibungsgesetzen jetzt
und in Zukunft zahlreiche Möglichkeiten für die solipsistischen, wenn nicht sogar Salomonischen Gedankengänge des Obersten Bundesgerichts zu diesem
Thema bieten.
The Washington Post
Jetzt ist klar, daß es eine mächtige Mitte im Obersten
Bundesgericht gibt, die Präzendenzfälle und soziale
Stabilität zu schätzen weiß. Einerseits sind die Richer
Blackmun und Stevens nicht die stärksten Anhänger
von Roe. Andererseits würden der Gerichtspräsident
und die Richter White, Scalia und Thomas diese
Entscheidung zu Fall bringen und alle Bestimmungen
den Bundesstaaten überlassen. Aber die abschließende Begründung wurde von den Richtern O'Connor,
Kennedy und Souter verfaßt, die über die Verdienste
dieses Falls hinausgingen, um die Bedeutung zukünftiger Präzedenzfälle zu bekräftigen, die Stabilität sicherzustellen und die Achtung vor dem Rechtssystem
zu bewahren. Diese Richter verwiesen auch auf
gesellschaftliche Veränderungen seit 1973 - insbesondere im Hinblick auf den Eintritt der Frauen ins Berufsleben - die ernsthafte Rückschläge erleiden könnten,
wenn das Recht auf Abtreibung nicht geschützt würde.
Unabhängig von ihrer persönlichen Einstellung zur
Abtreibung stimmen sie zu, daß es ihre Pflicht als
Richter ist, "die Freiheit aller zu definieren, nicht ihren
eigenen Moralkodex zwingend vorzuschreiben."

*

AMERIKA DIENST 27

�W A H L E N '9 2
8. Juli 1992

NATIONALE POLITISCHE KONVENTE
von Marc Leepson
Vom 13.-17. Juli 1992 werden die Demokraten ihren Wahlparteitag (Konvent) in New York veranstalten, während
der Wahlparteitag der Republikaner vom 17. - 20. August 1992 in Houston (Texas) stattfinden wird. In dem
nachfolgenden Artikel erläutert der Verfasser die Geschichte und heutige Rolle der nationalen politischen
Konvente, auf denen Demokraten und Republikaner ihre Kandidaten für die Ämter von Präsident und
Vizepräsident nominieren, die Wahlkampfplattform verabschieden und die internen Richtlinien für die nächsten
vier Jahre festlegen.
Der Autor lebt in Washington und ist als freier Schriftsteller tätig. Er war Mitarbeiter bei Editorlal Research
Reports der Zeitschrift Congressional Quarterly sowie Kolumnist und Mitherausgeber des Magazins American Politics.
Den Höhepunkt der alle vier Jahre stattfindenden
Wahlkämpfe um die Nominierung der Präsidentschaftskandidaten bilden jeweils die nationalen Wahlparteitage der beiden großen Parteien. Diese lebhaften Versammlungen wählen die Kandidaten für die Ämter von
Präsidenl und Vizepräsident und verabschieden darüber hinaus die Wahlkampfplattformen ihrer Parteien.
Die Konvente werden im Sommer von Wahljahren,
mehrere Monate vor den eigentlichen Präsidentschaftswahlen im November veranstaltet. Im Jahr 1992 wird
der nationale Konvent der Demokraten vom 13.-16.
Juli 1992 im New Yorker Madison Square Garden
stattfinden, wo schon in den Jahren 1976 und 1980
demokratische Wahlparteitage abgehalten wurden.
Der nationale Konvent der Republikaner wird vom 17.
- 20. August 1992 im berühmten Astrodome von Houston
stattfinden, jener gigantischen. Sporthalle in George
Bushs Wahlheimat Texas.
Die 'grelle Show'
Der amerikanische Journalist und Satiriker H. L. Mencken
(1880-1956) nannte sie einmal "so faszinierend wie
eine Erweckungsversammlung oder eine Hinrichtung...
eine so grelle und ausgelassene, so melodramatische
und obszöne, so unvorstellbar amüsante und absurde
Show, daß man ein ganzes großartiges Jahr in einer
einzigen Stunde durchlebt.*' Der britische Historiker
und Beobachter der amerikanischen Politszene, Sir
Denis William Brogan, bezeichnete sie als "unvollkommenes Organ der repräsentativen Regierung", das
trotzdem "ein unerläßlicher Teil des amerikanischen
Systems ist", der "weit mehr gute als schlechte Dienste
geleistet hat".
AMERIKA DIENST 27

Menckens "grelle Show" und Brogans "unvollkommenes Organ" ist seit 160 Jahren eine amerikanische
politische Institution. Es sind die alle vier Jahre stattfindenden nationalen politischen Konvente, auf denen
die beiden großen dominierenden Parteien der Vereinigten Staaten, Demokraten und Republikaner, ihre
Kandidaten für die Ämter von Präsident und Vizepräsident nominieren, ihre nationalen Wahlkampfplattformen verabschieden und die Richtlinien festlegen, die
für den Umgang innerhalb der Partei in den nächsten
vier Jahren gelten sollen.
Die amerikanische Verfassung enthält keinerlei Hinweis auf die nationalen politischen Konvente. Auch der
amerikanische Kongreß hat niemals ein Gesetz verabschiedet, um solche Institutionen ins Leben zu rufen.
Der nationale politische Konvent ergab sich aus dem
Prozeß zur Nominierung von Präsidentschaftskandidaten. Der nationale Konvent entstand im Jahr 1831
als die Anti-Masonic Party (wörtlich: Anti-FreimaurerPartei, Anm. d. Red.), eine kurzlebige kleine Partei, die
sich gegen die Eliten wandte, in Baltimore (Maryland)
den ersten Konvent veranstaltete. Im nächsten Jahr
hielt die Demokratische Partei - die im Jahr 1792
gegründet und in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts umbenannt wurde - ebenfalls in Baltimore
ihren ersten nationalen Konvent ab.
Bei diesem ersten Wahlparteitag einer großen Partei
nominierten die Demokraten mit einer Zwei-DrittelMehrheit der Delegierten Andrew Jackson aus Tennessee als ihren Präsidentschaftskandidaten sowie
Martin Van Buren aus New York als ihren Kandidaten
für das Amt des Vizepräsidenten. Der erste nationale
Seite I

�Konvent der Republikanischen Partei fand erst im Jahr
1856 in Philadelphia statt - zwei Jahre nachdem die
Partei von einer Gruppe ehemaliger Demokraten und
Whigs gegründet wurde. Dabei wurden John C. Freroorrf aus Kalifornien für das Amt des Präsidenten und
William I... Dayton aus New Jersey für das Amt des
Vizepräsidenten nominiert.
Die frühen Konvente
Diese frühen Versammlungen waren relativ kleine
Veranstaltungen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
zoqen die nationalen Konvente lediglich wenige hundert Delegierte und sehr wenige Zuschauer an. So
nahmen an dem ersten Nominierungskonvent der
Anti-Fieimauier-Partei nur 116 Delegierte aus 13
Bundesstaaten teil. Die Delegierten der frühen Konvente wurden auf unterschiedliche, zumeist informelle
Art und Weise bestimmt. In vielen Fällen wählten die
Parteibosse schlicht vertrauenswürdige Parteimitglieder als Delegierte aus. Einige Staaten entsandten eine
große Zahl Delegierter, die eine wesentlich geringere
Zahl von Stimmen abgaben. Andere Staaten entsandten einen oder zwei Delegierte, die 10, 15 oder noch
mehr Stimmen abgaben. Die Zahl der Stimmen jedes
Staates wurde nach dessen Stärke im Wahlmännergremium festgelegt (der Anzahl von Senatoren und
Abgeordneten dieses Staates im Kongreß).
Der zufällige Charakter der Delegiertenauswahl führte
häufig zu hitzigen Debatten über die Vollmachten der
Delegierten, Parteiplattformen und die Nominierungen
selbst. Regelmäßig kam es zu bitteren Auseinandersetzungen über die Vollmachten der Delegierten. Zu
den umstrittensten zählte ein Kampf, der während des
Konvents der Demokraten im Jahr 1860 ausbrach, als
mehrere Dutzend Delegierte aus Protest gegen die
Ablehnung der Sklaverei den Saal verließen. Eine
Auseinandersetzung ergab sich, als die Delegierten
später versuchten, sich erneut der Versammlung
anzuschließen. Beim republikanischen Wahlparteitag
des Jahres 1912 fand ein wütender Streit über die
Vollmachten von Delegierten statt, die den amtierenden Präsidenten William Howard Taft und den ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt unterstützten.
Denkwürdige Auseinandersetzungen über Punkte der
Wahlkampfplattform fanden auf zahlreichen Konvenion statt, darunter die knappe Annahme einer energischeren Haltung zu den Bürgerrechten beim demokratischen Konvent von 1948. Viele von Streit erfüllte,
zeitraubende Nominierungsschlachten wurden auf
Konventen ausgefochten. Beim nationalen republikanischen Konvent von 1880 etwa waren 36 Wahlgänge
erforderlich, um James A. Garfield zum Präsidentschaftskandidaten der Partei zu küren. Im Jahr 1924
waren die Demokraten bis zum 103. Wahlgang nicht in
der Lage, einen Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, als sie sich schließlich für John W. Davis als
ihren Fahnenträger entschieden.

Seite 2

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Auswahl
der Delegierten schrittweise strengeren Kriterien unterworfen, was auf die Einführung der Präsidentschaftsvorwahlen zurückzuführen ist. Die erste Vorwahl fand
im Jahr 1904 in Florida statt. Acht Jahre später führten
12 weitere Staaten die Vorwahl ein, in der Delegierte
direkt von den Wählern im gesamten Bundesstaat
gewählt werden. Zunächst wurde in den Vorwahlen
lediglich ein Bruchteil der Delegierten des Bundesstaates gewählt, während die restlichen Delegierten
von der Parteiführung des Bundesstaates bestimmt
wurden. Heute jedoch werden praktisch alle Delegierten für die nationalen Konvente bei Vorwahlen sowie
bei Parteiversammlungen in den Bundesstaaten ausgewählt, bei denen führende Parteimitglieder auf
Gemeinde- und Bundesstaatsebene zusammentreten
und beschließen, wer sie bei den nationalen Konventen vertreten wird.
Der letzte Konvent, auf dem öffentlich ausgetragene
bittere Auseinandersetzungen über Vollmachten, Regeln
und Plattformen stattfanden, war der tumultartige
nationale Wahlparteitag der Demokraten in Chicago
im Jahr 1968 - ein Konvent, bei dem weniger als die
Hälfte der Delegierten in Vorwahlen gewählt und lediglich rund ein Drittel der Delegierten auf einzelne Kandidaten festgelegt waren. Der auf dem Höhepunkt der
nationalen Debatte über den Vietnamkrieg abgehaltene Konvent entwickelte sich "zu einem der ungewöhnlichsten Wahlparteitage in der politischen Geschichte
Amerikas", schrieb Theodore White in The Making ot
the President, 1968. Der Konvent wurde von emotionalen, bitteren Debatten über Delegierte, Verfahrensregeln und vor allem die Position der Wahlkampfplattform zum Vietnamkrieg erschüttert. Ein von Senator
Eugene McCarty unterstützter Minderheitsantrag, der
eine unverzügliche Einstellung der Kampfhandlungen
forderte, wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt. Das
Chaos beim Konvent selbst wurde auf den Straßen
von Chicago noch übertroffen, wo sich AntikriegsDemonstranten blutige Straßenschlachten mit der Polizei
lieferten.
Die Konvente von heute
Seit 1968 wurden die nationalen politischen Konvente
sowohl größer als auch von der nationalen Parteiführung strenger an die Zügel genommen. Die Zahl der
Delegierten geht mittlerweile in die Tausende - so
waren beim demokratischen Konvent des Jahres 1988
über 4.100 Delegierte anwesend, während es bei den
Republikanern 2.300 waren. Die schärfere Kontrolle
durch die Parteiführung bedeutete, daß entzweiende
öffentliche Auseinandersetzungen über Plattformen,
Vollmachten und sogar die Kandidaten selbst praktisch beseitigt wurden.
In den vergangenen 20 Jahren hat ein "fundamentaler
Wandel im Charakter des nationalen politischen Konvents" stattgefunden, erklärte Rhodes Cook, ein leitender Mitarbeiter des Congresslonal Quarterly, der als
AMERIKA DIENST 27

�{Berichterstatter an jedem nationalen Konvent seit 1976
teilgenommen hat. Konvente "waren einmal der Ort,
an dem über Nominierungen wirklich entschieden wurde",
stellte Cook fest, weil sie praktisch die einzigen Orte
waren, an denen die nationalen Parteiführer "zusammentrafen oder miteinander als Gruppe kommunizierten". Die Konvente waren ihm zufolge "nationale
Versammlungen, auf denen die Parteien über jeden
Kandidaten und ihre Positionen zu Fragen der Tagespolitik gründlich diskutierten".
Heute ist die Situation jedoch ganz anders. "Praktisch
alle diese Bereiche - die Nominierung, die Plattform,
die Richtlinien, die Vollmachten - die bei den Konventen alten Stils fast unweigerlich Potential für Konflikt
und Wettbewerb bargen, werden heute vorher geregelt", erklärte Cook. Heute bildet der nationale politische Konvent "den Höhepunkt des Nominierungsprozesses. Es ist ein Übergang vom Nominierungsprozeß zum allgemeinen Wahlkampf, weil die Vorwahlen
und Wahlversammlungen im allgemeinen die Delegierten zur Stimmabgabe für den Kandidaten verpflichten, der die Vorwahl gewinnt oder bei der Wahlversammlung die meisten Stimmen auf sich vereinigt."
In Anbetracht der rund 40 Präsidentschaftsvorwahlen
heute stellt Cook fest: "Wenn sie gewinnen wollen,
müssen sich die Kandidaten praktisch in allen Wahlen
stellen. Die Entscheidung wird fast unweigerlich bei
den Vorwahlen getroffen. Der Parteikonvent ist heute
also vielmehr ein Ratifizierungsprozeß dessen, was
zuvor in den Vorwahlen und Wahlversammlungen
stattgefunden hat, als eine Entscheidung."
Die letzte große umstrittene Nominierungsschlacht
fand 1976 statt, als der amtierende Präsident Gerald
Ford die Nominierung der Republikanischen Partei
knapp gegen seinen Rivalen Ronald Reagan gewann.
Aber vier Jahre später, 1980, nominierten die Republikaner Reagan, der dann für zwei Amtsperioden gewählt wurde. Der Kampf zwischen Ford und Reagan
im Jahr 1976 war, so Cook, eher die Ausnahme denn
die Regel dessen, was wir im letzten Vierteljahrhundert
beobachtet haben."
Die einzelnen Tage der Parteikonvente
Trotz der Tatsache, daß die Parteikonvente sehr viel
besser organisiert sind als in der Vergangenheit und
stärker kontrolliert werden, um peinliche Auseinandersetzungen im Saal zu vermeiden, erscheinen sie dennoch
manchmal chaotisch und wie ein Zirkus. Ein Grund
dafür ist die Größe des Spektakels. Die riesigen
Hallen, in denen die Parteikonvente stattfinden, wimmeln von Zehntausenden Delegierten, Parteifunktionären, Journalisten und Beobachtern. Die Säle sind
mit zahlreichen amerikanischen Fähnchen, rot-weißblauen Flaggen, Wahlkampfpostern, Bannern und
Wimpeln geschmückt. Es werden unzählige Reden
gehalten, und es finden lärmende Sympathiekundgebungen für die Kandidaten statt. Der ganze Rummel

AMERIKA DIENST 27

vollzieht sich unter dem wachsamen Auge der nationalen Massenmedien.
Wie verwirrend ist der Parteikonvent selbst? Der
Historiker Daniel Boorstin bot in seinem 1962 verfaßten Buch The Image eine Darstellung aus erster Hand
von der "Enttäuschung", die er bei seinem ersten
nationalen Parteitag empfand, der Zusammenkunft
der Demokratischen Partei im International Amphitheatre von Chicago. "Wir fühlten uns verwirrt durch
die Ereignisse, die in den Sälen stattfanden", stellt
Boorstin fest, der mit seinen drei jungen Söhnen an
dem Parteikonvent teilnahm. "Zusammen mit den
anderen 'wirklichen Zuschauern' verbrachten wir unsere Zeit vor den Fernsehmonitoren, die das Veranstaltungskomitee dort wohlüberlegt aufgestellt hatte.
Diese Fernsehapparate zeigten uns genau dieselben
Bilder, die wir in unserem Wohnzimmer gesehen hätten. Die unglücklichen Delegierten unten im Saal ...
müssen ohne die Hilfe der Fernsehmonitore konfuser
als wir über das gewesen sein, was vor sich ging."
Der erste Tag des Konvents besteht aus dem am
wenigsten verwirrenden Ereignis - der programmatischen Rede - die für gewöhnlich vom besten Redner
der Partei gehalten wird. Diese Rede soll die Parteimitglieder in eine kämpferische Stimmung für die bevorstehende Wahl bringen. Der Hauptredner rühmt darin
die Verdienste seiner Partei und und attackiert die
Opposition mit flammenden Tiraden.
Am zweiten Tag des Parteikonvents nimmt der Vollmachtenprüfungsausschuß die Arbeit auf und entscheidet über die Delegierten, denen ein Sitz zugeteilt
wird und die abstimmen dürfen. An diesem Tag
verabschiedet der Konvent auch seine Plattform, in
der im Detail die Haltung der Partei zu allen wichtigen
innen- und außenpolitischen Fragen dargelegt wird.
Seit der peinlichen öffentlichen Auseinandersetzung
über die Plattform der Demokraten bei ihrem Parteikonvent im Jahr 1968 werden heute die meisten Themen der Wahlplattformen der Demokratischen und der
Republikanischen Partei Wochen vor Beginn der
Konvente ausgearbeitet.
Am dritten Tag des Konvents beginnen die Delegierten
mit der eigentlichen Nominierung der Kandidaten. Der
Gewinner muß eine einfache Stimmenmehrheit auf
sich vereinigen. Das Verfahren beginnt, wenn der
Vorsitzende die namentliche Abstimmung aller Delegationen in alphabetischer Reihenfolge von Alabama
bis Wyoming ankündigt. Der Vorsitzende der jeweiligen Delegation nominiert wiederum einen Kandidaten
oder überläßt es einem anderen Staat, die Nominierung vorzunehmen. Die Nominierungen beginnen mit
äußerst ethusiastischen Lobreden auf den Kandidaten
in den schillernsten Farben. Die Nominierungsansprachen werden von lautstarken Kundgebungen gefolgt,
die nichts oder nur wenig dazu beitragen, die Stimmabgabe der Gegner zu beeinflussen.

Seite 3

�Die Kandidaten selbst glänzen durch Abwesenheit.
Aber in diesem Zeitalter der direkten Kommunikation
stehen die Kandidaten und ihre Gegner in engem
Kontakt zu ihren Verbündeten im Saal. Vor dem
Medienzeitalter erschienen die Kandidaten nicht einmal bei den Parteikonventen. Der Sieger konnte seine
Nominierung bei einer Zeremonie annehmen, die für
gewöhnlich Wochen nach dem Ende des Konvents
abgehalten wurde. Der erste Kandidat, der einem
Parteikonvent seine Zustimmung übermittelte, war
Franklin D. Roosevelt, der die Annahme beim Demokratischen Nationalen Parteikonvent im Jahr 1932
persönlich bekanntgab - acht Jahre nach der ersten
Radioübertragung eines Parteikonvents.

Eine weitere kontroverse Entscheidung für den Vizepräsidenten war, als der amtierende Präsident Franklin D. Roosevelt Senator Harry S. Truman aus Missouri beim Demokratischen Nationalen Parteikonvent 1944
zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten wählte. Die
Entscheidung paßte vielen Vorsitzenden der Demokratischen Partei nicht. Zum einen hatte Roosevelt
bereits einen Vizepräsidenten - Henry A. Wallace - der
Anhänger in der Partei hatte. Zum anderen wurde
Truman allgemein als Unbekannter mit wenig innenpolitischer Erfahrung angesehen. Darüber hinaus wußte
Präsident Roosevelt um seine schwere Erkrankung
und die Wahrscheinlichkeit, daß der von ihm gewählte
Vizepräsident bald Präsident würde.

Fernsehübertragungen begannen 1940. Seit dieser
Zeit endete jeder Parteikonvent mit der Zustimmungsrede des Vizepräsidentschafts- und Präsidentschaftskandidaten. Nach den erforderlichen lautstarken Beifallskundgebungen aus dem Saal stellen sich die erfolglosen Kandidaten, ihre Familienangehörigen und
die Parteivorsitzenden für gewöhnlich zu den Nominierten und deren Familien auf dem Podium in einer
laiidesweit übertragenen Show, bei der die Einheit der
Partei demonstriert wird.

Roosevelt entschied sich fürTruman am Tag nachdem
er für eine nie dagewesene vierte Amtszeit nominiert
wurde. Truman und die Parteivorsitzenden erfuhren
von der Neuigkeit in dem sprichwörtlichen verrauchten
Hinterzimmer - in diesem Fall Suite 506 im Blackstone
Hotel von Chicago. "Der Raum war überfüllt. Jeder
verdammte politische Chef des Landes war da... und
ein halbes Dutzend Gouverneure. Und alle sagten:
"Harry, wir wollen, daß Du Vizepräsident wirst", erklärte Truman der mündlich überlieferten Geschichte Piain
Speaking von Merle Miller zufolge. Truman lehnte ab,
änderte jedoch seine Meinung, nachdem Präsident
Roosevelt aus San Diego im Hotel angerufen hatte.

Der Vizepräsident
Der Kandidat für die Vizepräsidentschaft wird nicht von
den Delegierten des Parteikonvents gewählt. Das ist
die Aufgabe des neu ernannten Präsidentschaftskandidaten, der seinen Kandidaten für die Vizepräsidentschaft am vierten und letzten Tag des Konvents wählt.
Die Entscheidung für den Vizepräsidentschaftskandidaten wird für gewöhnlich getroffen, um die unterschiedlichen Fraktionen der Partei zu vereinigen und
die Wahlliste des Präsidenten geographisch auszugleichen. Gelegentlich - wie es 1988 der Fall war, als
George Bush Senator Dan Quayle aus Indiana wählte
- ist die Entscheidung des Präsidenten umstritten.

"Sagen Sie ihm, wenn er die Demokratische Partei
mitten im Krieg (dem Zweiten Weltkrieg) spalten und
vielleicht diesen Krieg verlieren will, ist dies seine
Sache", zitierte Truman Roosevefts Telephongespräch
Bob Hannegan gegenüber, dem Vorsitzenden des
nationalen Komitees der Demokraten.
"Nun, ich bin ungefähr fünf Minuten herumgegangen",
erinnerte sich Truman, um eine Entscheidung zu treffen. "Schließlich sagte ich, 'In Ordnung Bob, wenn es
das ist, was der alte Mann wünscht, werde ich es tun.'"

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 27

�PORTRAT
8. Juli 1992

THORNBURGHS ERSTE HERAUSFORDERUNG
BEI DER UNO - DER ETAT
Porträt des neuen Stellvertretenden Generalsekretärs
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertretende
Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dick Thornburgh, berußt die Herausforderungen der neuen Position, bei der er letztlich für den Ausgleich des Hauhalts
der Vereinten Nationen verantwortlich ist.
Der ehemalige amerikanische Justizminister, der sein
Amt als Stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen für Verwaltung und Management am 1.
März 1992 angetreten hat, sieht seine Tätigkeit als
einen wichtigen Bildungsprozeß, der gleichzeitig
"besonderes Einfühlungsvermögen verlangt, um den
Blickwinkel der Menschen zu verstehen, die aus unterschiedlichen Kulturen und Regierungsformen hierherkommen".
Thomburgh bringt zu den Vereinten Nationen das
Finanzwissen mit, das er während zweier Amtsperioden als Gouverneur von Pennsylvania erwarb, wo er
für seine Kontrolle des Haushalts und Diversifikation
der Volkswirtschaft des Bundesstaates gelobt wurde.
Als Leiter der kürzlich neu organisierten Verwaltungsabteilung der Vereinten Nationen umriß er drei Ziele:
Bewältigung der Außenstände, Deckung der Kosten
für laufende Operationen auf einer realistischen Grundlage und Schaffung größerer Stabilität für die Zukunft.
In einem vor kurzem gegebenen Interview erklärte
Thornburgh ferner, er werde "alles Erforderliche" tun,
um die Zustimmung zu den Initiativen von Generalsekretär Boutros-Ghali zu gewinnen und nicht davor
zurückschrecken, den Finanzausschuß der Generalversammlung in seinen Räumen aufzusuchen, um
sich die Unterstützung der Diplomaten zu sichern. "Die
Delegationen spielen bei der Verteilung der Mittel
dieser Organisation eine äußerst wichtige Rolle", stellte er fest.
In den vier Monaten seit Aufnahme seiner jetzigen
Tätigkeit hat Thornburgh versucht, "alle möglichen
Lobbyisten" zu treffen, einschließlich Botschaftern und
Delegierten, Vertretern der UNO-Ausschüsse, Mitarbeitern der Vereinten Nationen sowie der UNO-Büros
in Genf und Wien sowie "zahlreiche ehemalige Kollegen und Freunde in der US-Regierung".
AMERIKA DIENST 27

Thornburgh, 59, hat sein Ingenieurstudium an der
Universität Yale abgeschlossen und sein Juraexamen
an der University of Pittsburgh abgelegt. Er war
Direktor des Instituts für Politologie an der John F.
Kennedy School of Government der Harvard University.
Als Gouverneur von Pennsylvania wurde Thornburgh
für seine effiziente Verwaltung der Regierung des
Bundesstaates gelobt. Während seiner Amtszeit wurden
die Steuern gesenkt, die Verschuldung abgebaut und
15.000 unnötige Stellen in der Regierungsbürokratie
abgeschafft. Seine Programme für die Reform des
Sozial- und Bildungswesens sowie die Verbesserung
des Verkehrsnetzes des Bundesstaates fanden landesweit Beachtung und bei einer 1986 von Newsweek
durchgeführten Meinungsumfrage über die Gouverneure des Landes wurde Thornburgh als der effektivste Gouverneur eines "großen Bundesstaates" genannt.
"Es ist erfrischend, wieder in einer Organisation zu
arbeiten, die ihren Haushalt jedes Jahr ausgleichen
muß", erklärte Thornburgh. "Als Gouverneur von
Pennsylvania mußte ich jedes Jahr meinen Haushalt
ausgleichen...
Wir können hier keine Defizite ansammeln, und deshalb müssen wir auf die eine oder andere Weise für die
wahrgenommenen Dienste bezahlen. Obwohl dies ein
gesundes Arbeitsumfeld ist, legt es sicherlich denjenigen unter uns große Lasten auf, die für diese Tätigkeit
verantwortlich sind."
Die neue Verwaltung von Boutros-Ghali ringt mit einem kritischen Mangel an Geldmitteln zu einer Zeit, in
der große Anforderungen an die Weltorganisation
gestellt werden, und als Haushaltsmanager des Generalsekretärs ist Thornburgh damit beauftragt, die riesige Organisation funktions- und reaktionsfähig zu erhalten.
Thornburgh räumte ein, daß die Finanzlage der Vereinten Nationen "bestenfalls prekär" ist und noch durch
die Tatsache verschärft wird, daß die Organisation in
den vergangenen Jahren in der Lage war, von den
Seite 1

�Haushaltsmitteln zur Friedenssicherung "informell...
zu borgen", um die regulären Ausgaben bestreiten zu
können.
"Aufgrund des außergewöhnlichen Zuwachses und
Bedarfs an Mitteln für Operationen zur Friedenssicherung ist das in diesem Jahr höchst unwahrscheinlich,
und wenn sich die Bedingungen nicht ändern, besteht
die Aussicht, daß wir gegen Ende des Jahres am
Rande einer Schließung stehen", stellte er fest.
"Wir sind realistisch. Wir wissen, daß die weltweite
Wirtschaftslage zur Zeit nicht gerade förderlich ist, um
die Mitgliedstaaten zu veranlassen, ihren internationalen Verpflichtungen Priorität einzuräumen. Darüber
hinaus wissen wir, daß insbesondere bei der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, vor allem Rußland und
der Ukraine - beides wichtige Beitragszahler - dieses
Jahr sehr geringe Aussichten auf Leistung ihrer Beiträge bestehen."
Die Vereinten Nationen hätten jedoch "eine Reihe von
Alternativempfehlungen erarbeitet. ... Es ist wichtig,
daß die Mitgliedstaaten angesichts eines finanziellen
Desasters nicht den Eindruck bekommen, daß ... wir
mit business as usual weitermachen", erklärte Thornburgh.
Ebenso wichtig sei es, "das positive Gefühl der Mitgliedstaaten zu stärken, die die Vereinten Nationen
unterstützen, indem wir ihnen mehr Sicherheit verschaffen, daß ihre Beiträge effizient eingesetzt werden", stellte er fest.
Der Generalsekretär hat die Zahl von Spitzenpositionen in der UNO von 30 auf acht reduziert. Die zweite
* *

Seite 2

Phase der Umstrukturierung wird Thornburgh zufolge
darin bestehen, ähnliche Reduzierungen in verschiedenen UN-Abteilungen vorzunehmen, nachdem eine
Überprüfung von Stellen durchgeführt wurde, die sicherstellen soll, daß die Stelleninhaber gemäß den
sich rasch verändernden Bedürfnissen der Organisation eingesetzt werden.
Diese Finanzkrise "kommt zu einem sehr geeigneten
Zeitpunkt", erklärte er und verwies darauf, daß mit dem
Ende des Kalten Kriegs und dem neuen Umfeld, das
für eine Rückkehr zu den Grundprinzipien der UNCharta entstanden sei, heute neue Chancen bestehen, um Fragen in Zusammenhang mit Friedensschaffung und Friedenssicherung, der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, der Umwelt sowie den Menschenrechten auf eine Art und Weise zu behandeln,
die in der Vergangenheit nicht möglich war.
Um dies zu leisten, werden die Vereinten Nationen
Thornburgh zufolge einige alte Abteilungen zusammenlegen und konsolidieren sowie neue einrichten
müssen. Darüber hinaus prognostiziert er, daß sich
zahlreiche Abteilungen mit Wirtschafts- und Sozialfragen beschäftigen werden.
"Wir alle haben die Neigung, Veränderungen abzulehnen, aberich bin der Meinung, daß breite Übereinstimmung darüber besteht, daß sich die Rolle der Vereinten Nationen in diesem Jahrzehnt und in der Zukunft
unweigerlich verändern wird", erklärte er. "Überdies
gehe ich davon aus, daß die meisten Mitgliedstaaten
die Initiative und die Prioritäten akezptieren, die der
Generalsekretär beschrieben hat."

* *

*

AMERIKA DIENST 27

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11503">
                <text>08.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11504">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11505">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11506">
                <text>Amerikadienst 08.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11507">
                <text>&lt;strong&gt;1. Weltwirtschaftsgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: Lage in Bosnien äußerst wichtig für G-7&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung in München&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;G-7 intensivieren Gespräche zur Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Regierungsvertreter haben weiterhin Vorbehalte&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Staats- und Regierungschefs der G-7 könnten Hilfe für Russland beschleunigen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Offzielle Umschuldung geplant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA - Unabhängigkeitstag&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: amerikanische Revolution beeinflusst die Welt weiterhin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Abtreibung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oberstes Bundesgericht bestätigt und begrenzt Recht auf Schwangerschaftsabbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Recht auf Schwangerschaftsabbruch von Gesetzen der Bundesstaaten abhängig&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs zum Recht auf Schwangerschaftsabbruch&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerikanische Pressestimmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale politische Konvente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marc Leepson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thornburghs erste Herausforderung bei der UNO - der Etat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Stellvertretenden Generalsekretärs&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2253" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2264">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8743746c89eda3eebe80cbdfd2295bd2.pdf</src>
        <authentication>2b910f86cc15854aee2fae96ee71b8ae</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11502">
                    <text>cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

26

I.Juli 1992
t**»**

uo*'-'»

Aue 29

5300Bo" n &lt; :

USA-DEUTSCHLAND

GENERALKONSULAT UND AMERIKA HAUS
IN LEIPZIG ERÖFFNET
Rede von Botschafter Kimmitt

START

BAKER: START KANN "NUKLEARE UHR"
ZURÜCKDREHEN
Rede des Außenministers vor dem auswärtigen
Ausschuß des Senats

WELTPOLITIK

GUTES WIRTSCHAFTLICHES EINVERNEHMEN
ZWISCHEN NATIONEN UNABDINGBAR FÜR
WELTFRIEDEN
Rede von Botschafter Seitz

SOZIALES

SOZIALGESETZGEBUNG SPIEGELT PRINZIPIEN
DER GRÜNDERVÄTER WIDER
Großer Anteil des US-Haushalts
entfällt auf Sozialausgaben

UMWELT

DAS MEINUNGSBILD ZU UMWELTFRAGEN IN
22 LÄNDERN
Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen

AIDS

AIDS HINDERNIS FÜR ENTWICKLUNG
Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID

WAHLEN '92

POLITISCHE PARTEIEN VERLIEREN
DIE UNTERSTÜTZUNG DER WÄHLER
Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1992

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-DEUTSCHLAND
I.Juli 1992

GENERALKONSULAT UND AMERIKA HAUS
IN LEIPZIG ERÖFFNET
Rede von Botschafter Kimmitt
LEIPZIG - (AD) -Anläßlich der Eröffnung des Amerikanischen Generalkonsulats undAmerika Hauses in Leipzig
hielt Botschafter Robert M. Kimmitt am 30. Juni 1992 folgende Ansprache, die wir im Wortlaut veröffentlichen.

Herr Ministerpräsident Dr. Biedenkopf,
Herr Ministerpräsident Dr. Vogel,
Herr Oberbürgermeister Dr. Lehmann-Grube,
meine Damen und Herren,
die Eröffnung unseres Generalkonsulats und Amerika
Hauses in Leipzig bedeutet mehr als eine offizielle
Ankündigung, daß die Vereinigten Staaten nach über
50 Jahren hier wieder der Öffentlichkeit zugänglich
sind. Sie ist Ausdruck der Verpflichtung des amerikanischen Volkes gegenüber dem deutschen Volk, daß
wir seine Zukunft aktiv mitgestalten möchten.
Meine Herren Ministerpräsidenten und Herr Oberbürgermeister, durch Ihre Anwesenheit fühlen wir uns
sehr geehrt. Jeder einzelne von Ihnen ist mit seinen
Bemühungen entscheidend an der demokratischen
Umgestaltung Sachsens und Thüringens beteiligt. Ihre
Teilnahme an dieser Zeremonie und Ihre Unterstützung für unsere Bemühungen sind uns besonders
wichtig.
Mit der Einrichtung dieses Generalkonsulats und Amerika
Hauses verbinden wir jedoch noch ein weiteres Motiv.
Wir möchten, daß die Menschen in Sachsen und
Thüringen uns besser kennen- und verstehen lernen.
Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß das Image
Amerikas, das den Menschen der ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten vermittelt wurde, nicht gerade
schmeichelhaft war.
Ich behaupte nicht, mein Land sei perfekt. Aber unsere
Ambitionen und Ideale sind perfekt, und Amerika hat
seinen Anspruch auf Führerschaft stets auf Ideen und
Ideale gegründet, nicht auf wirtschaftliche Stärke oder
militärische Macht.
Amerika ist ein Land der Widersprüche. Das ist
vielleicht unvermeidbar, wenn man seine Größe, Offenheit und das dort herrschende Maß individueller
AMERIKA DIENST 26

Freiheit betrachtet. Es ist möglich, Tausende von
Fakten über das Land zu kennen, und es dennoch nicht
zu verstehen.
Um den Menschen in Sachsen und Thüringen ein
Fenster nach Amerika und seinen Menschen zu geben, haben wir dieses Generalkonsulat und das Amerika
Haus eröffnet. In gewisser Weise stehen diese für den
amerikanischen Geist - einen Geist, der viel mit dem
gemein hat, was gegenwärtig in Mittel- und Osteuropa
stattfindet.
Amerika hat eine lange Tradition der "Frontier", der
Suche nach neuen Herausforderungen und der Hilfe
für andere. Wir möchten Teil der Handlung sein, wo
immer sie sich abspielt und wie sie auch beschaffen
sein mag. In dieser Tradition richten wir diesen Außenposten an der "Frontier" von Mitteleuropas neuer Zukunft
ein, als praktische Antwort auf die dramatischen und
positiven Veränderungen in dieser Region in den vergangenen drei Jahren.
Dies ist Teil eines kontinuierlichen Engagements, das
wir seit dem Zusammenbruch des Kommunismus
entwickelt haben. Dazu möchte ich Ihnen einige
weitere Beispiele aufzählen:
In den vergangenen zwei Jahren haben wir
knapp fünfzig Stipendien an Persönlichkeiten
aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur
in Sachsen und Thüringen für Reisen in die
Vereinigten Staaten vergeben. Ich freue mich
besonders, daß viele dieser Stipendiaten zur
heutigen Eröffnung gekommen sind.
Wir haben veranlaßt, daß Gastprofessoren an
den hiesigen Universitäten lehren und über ein
Dutzend Wissenschaftler aus Leipzig ein Jahr
an amerikanischen Universitäten verbringen
können.
Seite 1

�Wir haben amerikanische Universitäten zur
Aufnahme neuer direkter Verbindungen mit den
Universitäten in dieser Region ermutigt. Mit Unterstützung des Freedom Forum und des US-Informationsamts arbeitet die Ohio University an
der Erweiterung von Austauschprogrammen und
der Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig. Und ich freue mich, daß Professor Ralph
Izard von der Ohio University heute abend hier
anwesend ist.

I

|n Zusammenarbeit mit örtlichen kulturellen
Institutionen und Organisationen hat das Amerika Haus Hunderte von Ausstellungen, Filmvorführungen und Literaturlesungen gefördert.
Wir haben auch Fortbildungsseminare für über
300 Englischlehrer abgehalten.
In diesem Amerika Haus haben wir eine öffentliche Bibliothek mit über 5.000 Bänden eingerichtet. Besucher haben darüber hinaus Zugang zu den Büchern aller Amerika Häuser in
Deutschland mit insgesamt über 30.000 Bänden und in Kürze wird das Amerika Haus über
eine On-Iine-Computerverbindung mit Zugang
zu über 500 Datenbanken in den Vereinigten
Staaten verfügen.
Aus dem Westen Deutschlands abziehende
amerikanische Militäreinheiten haben acht Bibliotheken in Sachsen und Thüringen über
100.000 englischsprachige Bücher gespendet.
Die heutige offizielle Eröffnung des Amerika Hauses
wird die Fortsetzung - und Erweiterung - dieser Bemühungen erleichtern und zum besseren Verständnis
Amerikas hier im Osten beitragen.
Darüber hinaus bestehen zahlreiche private Initiativen, die die deutsch-amerikanischen Beziehungen mit
Leben und Wärme erfüllen. Als ein herausragendes
Beispiel möchte ich die nennenswerte Spende der
"American Women's Group" in Bonn an das Kinderheim der Stadt Ermlitz bei Leipzig erwähnen.
Schließlich ist es besonders wichtig, das intensive
Engagement amerikanischer Firmen in Thüringen und
Sachsen gebührend hervorzuheben. Ihre Präsenz ist
ein konkreter Ausdruck des Engagements des amerikanischen Volkes zur aktiven Mitwirkung an der Zukunft Deutschlands. Diese Firmen können darüber

hinaus eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines
gesamteuropäischen Marktes und der Umstrukturierung der Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa
spielen.
Um die geschäftlichen Aktivitäten amerikanischer
Unternehmen in den neuen Ländern besser fördern zu
können, haben wir in diesem Gebäude ein Büro des
Auswärtigen Handelsdienstes der Vereinigten Staaten
eingerichtet.
Die Investitionen amerikanischer Firmen belaufen sich
heute auf über drei Milliarden D-Mark und haben in den
neuen Ländern mehr als 25.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen. Einhundertfünfzig amerikanische Firmen sind heute in den neuen Ländern
tätig, von Görlitz bis Eisenach, von dem amerikanischen Großunternehmen General Motors/Opel, bis zu
kleinen Betrieben wie McCain-Brehmer-Buchbindereimaschinen. Auch amerikanische Firmen knüpfen in
wachsendem Maße an die hiesigen Traditionen des
Osthandels an: So hat die Chrysler-Vertretung in
Leipzig ihre Tätigkeit bereits in Richtung Baltikum und
Rußland ausgedehnt.
Freie Menschen in unserer Welt mögen unterschiedliche Meinungen vertreten, aber sie können diese Meinungsverschiedenheiten im Geiste gegenseitiger
Achtung und des "Give and Take" austragen. Mit der
Eröffnung dieses Generalkonsulats machen wir gleichzeitig ein Fenster zwischen unseren beiden Gesellschaften auf.
Und durch dieses Fenster werden Sie auf ein Amerika
blicken, das selbst eine pluralistische multikulturelle
Gesellschaft ist. Es ist diese Eigenschaft Amerikas, so
vielfältig und vielschichtig zu sein, die es uns leichter
macht, anderen Völkern und Kulturen die Hand zu
reichen. So verstehen wir uns in unseren Beziehungen
zu anderen als Bestandteile gemeinsamer Bindungen
freier Völker, die im Interesse von Frieden und Wohlstand handeln und wandeln.
Bevor die Bindungen jedoch fester geknüpft werden
können, muß zunächst dieses Band zerschnitten werden.
Erlauben Sie mir deshalb, mit dem feierlichen Akt der
Zerschneidung des Bandes das Generalkonsulat und
Amerika Haus Leipzig für eröffnet zu erklären.
Ich darf also Sie, meine Herren Ministerpräsidenten
und Herrn Oberbürgermeister einladen, mit mir das
Band zu zerschneiden.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

�START
I.Juli 1992

BAKER: START KANN "NUKLEARE UHR"
ZURÜCKDREHEN
Rede des Außenministers vor dem auswärtigen Ausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) -Außenminister Bakerforderte am 23. Juni 1992 den Senat zur Ratifizierung des Vertrags
über die Verringerung strategischer Rüstungen (START) mit der Begründung auf, diese Vereinbarung sei
"entscheidend für die Beendigung des nuklearen Rüstungswettlaufs".
"In sehr realer Weise ist START ein Mittel, mit dem wir anfangen können, die nukleare Uhr zurückzudrehen - da
er sowohl strategische Stabilität als auch Berechenbarkeit fördert", erklärte Baker in seinen Ausführungen vor
dem auswärtigen Ausschuß des Senats.
Baker warnte, bei einer Nichtratifizierung von START würde das neue, am 16. Juni 1992 erzielte russischamerikanische Abkommen zum drastischen Abbau von Nuklearwaffen auf bisher undenkbare Niveaus "bedeutungslos, unsere Sicherheit weniger gewährleistet und die Aussichten für einen erneuten nuklearen Wettbewerb
sowie zunehmende Verbreitung von Kernwaffen wahrscheinlicher".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Baker im Wortlaut.

Vor einer Woche haben Präsident Bush und Präsident
Jelzin das nukleare Zeitalter revolutioniert. Im Rosengarten des Weißen Hauses gaben sie bekannt, daß
Rußland und die Vereinigten Staaten im Verlauf der
nächsten zehn Jahre Nuklearwaffen auf bisher undenkbare Niveaus drastisch reduzieren werden. Mit
diesem Abkommen werden ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen - die einer Hydra gleichenden Monster,
die unsere strategischen Beziehungen zu destabilisieren drohten - beseitigt. Während wir die Nuklearwaffen
auf das zur Gewährleistung unserer Sicherheit erforderliche Niveau reduzieren, werden sich Rußland und
die Vereinigten Staaten zusammen mit ihren Verbündeten und Freunden auch für einen - so hoffen wir konstruktiven Dialog zur Erarbeitung eines Konzepts
für die Stationierung eines weltweiten Schutzsystems
gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen
auf unsere Völker, Freunde und Verbündeten engagieren.
Historiker können zu Recht den vergangenen Dienstag als das Ende des Kalten Kriegs des Wettbewerbs
mit Nuklearwaffen bezeichnen. Die Geschichte des
Endes des Rüstungswettlaufs ist jedoch erst vollendet,
wenn Sie eines der wichtigsten letzten Kapitel abgeschlossen haben: wenn Sie ihre verfassungsmäßige
Pflicht erfüllen und Ihre Zustimmung zu der Ratifizierung des Vertrags über die Verringerung strategischer
Rüstungen (START) geben.
AMERIKA DIENST 26

Ich nehme an, Sie stimmen mir zu, daß START
entscheidend für die Beendigung des nuklearen Rüstungswettlaufs ist. Zum ersten Mal seit Anbruch des
Atomzeitalters haben wir uns auf echte zahlenmäßige
Verringerungen unserer Nuklearwaffen geeinigt, statt
nur Begrenzungen für ihre Zuwachsrate zu setzen. In
sehr realer Weise ist START ein Mittel, mit dem wir
anfangen können, die nukleare Uhr zurückzudrehen da er sowohl strategische Stabilität als auch Berechenbarkeit fördert.
Und während er das Ende des Kalten Kriegs festschreibt, spricht START auch die vielleicht wichtigste
Herausforderung für die Sicherheit unserer Zeit an Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - denn er ist ein
rechtlich bindendes Protokoll.
Darüber hinaus schreibt er diese Errungenschaften
mit dem umfangreichsten und tiefgreifendsten Verifikationsregime aller Zeiten fest und institutionalisiert
durch seine rechtlich bindenden Verfügungen eine
sicherere Welt.
Mit der Ratifizierung von START wird die Grundlage für
eine sicherere Welt gelegt und die Aussicht auf einen
Atomkrieg für immer ausgeschlossen. Sollte START
jedoch nicht ratifiziert werden, wäre das Abkommen
vom vergangenen Dienstag bedeutungslos, unsere
Sicherheit weniger gewährleistet und die Aussichten
für einen erneuten nuklearen Wettbewerb sowie zuSeite 1

�nehmende Verbreitung von Kernwaffen wahrscheinlicher. Denn wie Präsident Bush und sein Amtskollege
Jelzin eindeutig klargestellt haben, geht das neue
Abkommen für weitere Reduzierungen davon aus,
daß der START-Vertrag - mit seinem effektiven Verifikationsregime - ratifiziert und durchgeführt wird. Und
natürlich werden wir so schnell wie möglich das
Abkommen der vergangenen Woche in einem Vertrag
kodifizieren.
Heute möchte ich mit Ihnen, Herr Vorsitzender, kurz
die wesentlichen Bestimmungen des Vertrags erörtern, die Bedeutung des Protokolls erläutern und darlegen, wie die START-Ratifizierung ein entscheidender Schritt zum Aufbau des demokratischen Friedens
ist, den wir mit Rußland und den anderen neuen
unabhängigen Staaten anstreben.
START: Verankerung von Stabilität und Berechenbarkeit
Eines der grundlegenden Ziele von START ist die
Verringerung des Risikos eines Atomkriegs durch die
Verbesserung von Stabilität und Berechenbarkeit,
insbesondere in Krisenzeiten.
Als erstes wird START das Risiko eines Atomkriegs
durch den Abbau der strategischen Streitkräfte in
stabilisierender Art und Weise verringern. Um die im
Rahmen von START vorgenommenen Reduzierungen im Zusammenhang zu sehen, muß man sich
folgendes vor Augen führen: Um die Begrenzungen
von START zu erfüllen, muß während der ersten
sieben Jahre der Durchführung durchschnittlich alle 68
Stunden ein ICBM-Trägersystem, eine SLBM-Abschußvorrichtung oder ein schwerer Bomber aus den ehemaligen sowjetischen Arsenalen zerstört werden.
Das Abkommen der vergangenen Woche zur Beseitigung aller ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen ist der
logische Höhepunkt eines von START eingeleiteten
Prozesses zur Beseitigung von Waffen, deren Verletzbarkeit und Wirksamkeit das Risisko mit sich brachten,
beide Seiten an den Rand einer Auseinandersetzung
zu treiben. Die Abschaffung dieser Waffen, die man im
Ernstfall einsetzen müßte, bevorder Gegner sie zerstören würde, beseitigt praktisch jeden Grund für einen
Erstschlag in einer Krise.
Schwere mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückte ICBMs
wurden zum Symbol der sowjetischen Bedrohung.
Heute hat das demokratische Ru ßland der endgültigen
Verschrottung aller ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen bis spätestens 2003 zugestimmt - und hoffentlich
bis zum Jahr 2000, falls dies technisch und mit Hilfe der
Vereinigten Staaten finanziell bewerkstelligt werden
kann.
Strategische Stabilität wird durch die Berechenbarkeit
verstärkt, die START mit den Bestimmungen zu Offenheit und Transparenz zwingend vorschreibt. START
institutionalisiert die umfassendsten je ausgehandelSeite 2

ten Regime zu Notifizierung, Inspektion, Überwachung
und Datenaustausch. Die Verwirklichung dieser Regime
wird bisher undenkbare militärische Transparenz und
Offenheit schaffen. Diese Regime sind ferner eine
entscheidende Voraussetzung für das Abkommen der
vergangenen Woche.
Ich möchte betonen, daß eine solche Transparenz und
Offenheit durch die Forderungen des Vertrags sichergestellt wird. Beispielsweise wird mit der Ratifizierung
von START die historische Neigung der Sowjets zu
Geheimhaltung telemetrischer Daten beendet, weil
START die Verschlüsselung dieser Daten zwingend
aufhebt. Eine - einst undenkbare - große Leistung des
Vertrags ist, daß er den Parteien mit nur wenigen
Ausnahmen uneingeschränkten Zugang zur Telemetrie der anderen Seite gewährt. Dieser Zugang gestattet uns eine sorgfältigere Überwachung von Raketentests als je zuvor und hilft uns, die Begrenzungen des
Vertrags für Raketen-Gefechtsköpfe und Wurfgewicht,
das Verbot neuer Typen schwerer ICBMs und anderer
Bestimmungen zu verifizieren. Darüber hinaus erhalten wir jedes Jahr Pläne für die Beseitigung strategischer Offensivwaffen auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion. Und wir werden kontinuierlich über
die Bewegungen und Disposition dieser strategischen
Offensivwaffen informiert.
Herr Vorsitzender, mit der Verwirklichung des STARTVertrags gewährleisten wir das Recht zum grundlegenden Gleichstand der Streitkräfte. Die generellen
Obergrenzen von START finden gleichermaßen auf
die Streitkräfte der Vereinigten Staaten und der ehemaligen Sowjetunion Anwendung, während sie die
Flexibilität und Zusammensetzung der Streitkräfte
aufrechterhalten. Gleichzeitig verhindert der Vertrag
nicht die Entwicklung und Stationierung nichtnuklearer
Technologien wie konventioneller Marschflugkörper,
deren Wirksamkeit und Wert für unsere Streitkräfte im
Golfkrieg unterstrichen wurde.
Das START-Protokoll
Ich möchte mich nun dem Protokoll zum STARTVertrag zuwenden, das wir in Lissabon unterzeichnet
haben. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erkannte
dieser Ausschuß, daß die Frage, wer genau unser
Vertragspartner sein würde, ein entscheidendes Problem für START war.
Bei mehreren Diskussionen habe ich Sie der festen
Überzeugung des Präsidenten und meiner selbst versichert, daß die vier neuen Staaten mit strategischen
Offensivwaffen und erklärten vertragsrelevanten Einrichtungen auf ihrem Territorium - Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine - rechtlich verpflichtet
werden müssen, den START-Vertrag zu befolgen und
zu verwirklichen. Gleichzeitig wollten wir die sichere
Kommando- und Verfügungsgewalt über die Nuklearstreitkräfte der ehemaligen Sowjetunion gewährleisten und sicherstellen, daß das Entstehen neuer Staa-

AMERIKA DIENST 26

�ten in Eurasien nicht auch zu einer Vermehrung neuer
Nuklearmächte führen würde. Das Protokoll leistet all
dies und noch mehr.
Das Protokoll verpflichtet Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine rechtlich, als Vertragsparteien
den START-Vertrag zu befolgen und zu verwirklichen.
Mit dem Protokoll fördert die Ratifizierung und Umsetzung des START-Vertrages jetzt unsere grundlegenden Ziele der Nichtverbreitung. Es gewährleistet, daß
die Zahl der Kernwaffenstaaten trotz des Zerfalls der
Sowjetunion nicht zunimmt.
Das Protokoll erweitert deshalb die Rolle des Vertrags,
indem es Belarus, Kasachstan und die Ukraine verpflichtet, dem Nichtverbreitungsvertrag als Nichtkernwaffenstaaten beizutreten. In Zusammenhang mit
den rechtlich bindenden Verpflichtungen, die in Zusatzschreiben der Staatschefs jedes dieser Staaten
niedergelegt sind, bedeutet die Durchführung des
START-Vertrags, daß sieben Jahre nach dem Inkrafttreten keine Kernwaffen oder stationierten strategischen Offensivwaffen in Belarus, Kasachstan und der
Ukraine zurückbleiben werden. Diese Streitkräfte
stellen gegenwärtig ein Viertel der erklärten strategischen nuklearen Gefechtsköpfe des ehemaligen
sowjetischen Militärs.
Belarus, Kasachstan und die Ukraine haben START
als Mittel betrachtet, um kernwaffenfreie Zonen auf
ihren Staatsgebieten einzurichten, ihr Ansehen als
souveräne, unabhängige Staaten zu festigen und der
Welt zu zeigen, daß sie verantwortungsbewußt handeln können und deshalb die vollständige Einbeziehung in die internationale Staatengemeinschaft verdienen. In diesem Sinne hoffe ich, daß der Ausschuß
- ebenso wie der Präsident es getan hat - die Regierungen von Belarus, Kasachstan und der Ukraine zu den
wichtigen Verpflichtungen beglückwünschen wird, die
sie im Interesse des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit eingegangen sind. Durch ihren Verzicht
auf den Besitz von Kernwaffen haben sie ein Beispiel
gesetzt, das andere Staaten befolgen sollten.
Damit dient START als konkretes Beispiel für unsere
Entschlossenheit, unsere Vepflichtungen gemäß Artikel VI des Vertrags über die Nichtverbreitung von
Kernwaffen (NPT) zu erfüllen. Dieser Artikel fordert
jede Vertragspartei auf, Verhandlungen über wirksame Maßnahmen anzustreben, die die Einstellung des
nuklearen Rüstungswettlaufs sowie die nukleare Abrüstung zum Ziel haben.
START und ein demokratischer Frieden
Herr Vorsitzender, der START-Vertrag ist ein Produkt
des Kalten Krieges, aber er ist keineswegs ein Relikt.
Statt dessen ist START ein Tor zu diesem neuen
Zeitalter der Zusammenarbeit, das dazu beitragen
wird, die militärischen Überreste des Kalten Krieges zu

AMERIKA DIENST 26

kontrollieren und zu zerstören. Diese Bemühungen
ergänzen die gegenwärtig stattfindenden Anstrengungen zum Aufbau von Demokratie und freien Marktwirtschaften in den neuen unabhängigen Staaten und zur
Schaffung eines demokratischen Friedens mit ihnen.
Das Inkrafttreten des START-Vertrages ergänzt ferner unsere neuen, praktischen Schritte, um Belarus,
Kasachstan, Rußland und der Ukraine dabei zu helfen,
Kernwaffen unbrauchbar zu machen und zu demontieren. Es steht im Einklang mit unseren Bemühungen,
internationale Wissenschaftszentren in Rußland und
der Ukraine einzurichten, die Waffenspezialisten in der
ehemaligen Sowjetunion dazu ermutigen werden, ihre
Talente für friedliche Zwecke einzusetzen anstatt ihre
todbringenden Fähigkeiten meistbietend im Ausland
anzubieten. Kollektiv werden diese Bemühungen
praktische Vorteile nicht nur bei der Beseitigung der
Folgen des Kalten Krieges zeitigen, sondern uns auch
dabei helfen, einige der drängendsten Herausforderungen zu behandeln, die sich aus dem Ende des
Kalten Krieges ergeben.
Und während er einen Rahmen für die nächsten Schritte zu noch einschneidenderen Reduzierungen liefert,
gewährleistet der Vertrag darüber hinaus, daß erhebliche Kürzungen schon heute beginnen, da Rußland
und die Vereinigten Staaten noch die Kodifizierung der
vergangene Woche erzielten Übereinkunft anstreben.
Ich hoffe, Sie werden jeder Versuchung widerstehen,
die Ratifizierung von START bis zur schriftlichen Niederlegung des Vertrags über die Beseitigung von
Mehrfachgefechtsköpfen zu verzögern. Wir müssen
START jetzt in die Tat umsetzen.
Schließlich möchte ich einen zusätzlichen Aspekt der
Verwirklichung von START hinzufügen, der mit unseren vier Vertragspartnern zu tun hat. Obwohl kontinuierliche bedeutsame Fortschritte beim Aufbau demokratischer Regierungen in Belarus, Kasachstan, Rußland und der Ukraine und bei der Entwicklung stabiler
Beziehungen zwischen ihnen erzielt werden, besteht
aufgrund der enormen wirtschaflichen Belastung für
diese Staaten und Gesellschaften Unsicherheit über
die Zukunft.
Wenn Sie über diese Ungewißheit besorgt sind, ratifizieren Sie START. START liefert eine rechtlich bindende Grundlage, die stabilisierende Veränderungen
festschreibt. Mit der Durchführung von START besitzen wir ein mächtiges Instrument, um den Wandel
unter nahezu allen Umständen sicher zu bewältigen
und zu gewährleisten, daß unsere Interessen geschützt werden. Ohne START jedoch werden wir der
bereits bestehenden erheblichen wirtschaftlichen und
politischen Unsicherheit noch strategische Unsicherheit hinzufügen und damit nicht nur den Staaten der
ehemaligen Sowjetunion, sondern - schlimmer noch auch dem amerikanischen Volk einen Bärendienst
erweisen.

Seite 3

�Zusammenfassung
Kurzum, Herr Vorsitzender, START ist ein gutes
Abkommen - tatsächlich sogar ein historisches. Ebenso wichtig wie die Begrenzungen, die Zeitpläne und die
Verifizierungsregeln ist jedoch der Geist, der unseren
Beziehungen zu den neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion zugrundeliegt.
Sie haben in der vergangenen Woche gesehen, wie
Boris Jelzin diesen Geist verkörpert: Es ist der Geist
des neuen, demokratischen Rußland. Es ist ein Geist,
der Millionen vom Kommunismus Versklavten und
Verarmten die Hoffnung auf Freiheit und Wohlstand
bringt. Und es ist der Geist, der uns die Hoffnung
verleiht, daß wir einen echten demokratischen Frieden
aufbauen können - auf der Grundlage gemeinsamer
Werte, nicht des Gleichgewichts des Schreckens - für
uns und für künftige Generationen von Amerikanern.
Denn, wie Präsident Bush einmal so treffend erklärt

hat: "Demokraten im Kreml können unsere Sicherheit
auf eine Weise sicherstellen, wie es Atomraketen
niemals vermochten."
Durch START und das Freedom Support Act können
wir zur Gewährleistung dieser Sicherheit beitragen und zur Förderung dieses Geistes.
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses: Wir
stehen an einem historischen Wendepunkt. Mit dem
START-Vertrag beginnen wir, ein tragisches 40jähriges Kapitel des nuklearen Wettlaufs zu beenden. Und
mit dem Freedom Support Act können wir beginnen,
ein weiteres Kapitel zu aufzuschlagen - ein Kapitel der
Partnerschaft und Freundschaft mit Rußland und den
unabhängigen Staaten.
Ich bitte den Senat, seine feierliche Pflicht zu erfüllen
und die Geschichte durch umgehende Verabschiedung von beiden vorwärts zu bewegen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 26

�WELTPOLITIK
I.Juli 1992

GUTES WIRTSCHAFTLICHES EINVERNEHMEN
ZWISCHEN NATIONEN UNABDINGBAR
FÜR WELTFRIEDEN
Rede von Botschafter Seitz
LONDON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom amerikanischen Botschafter in Großbritannien,
Raymond G H . Seitz, am 22. Juni 1992 vor der London School of Economics gehaltene Rede im Wortlaut.

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Jahre seit
Beendigung des Zweiten Weltkriegs ist die Verbreitung internationaler Organisationen und Institutionen.
Einige entstanden unmittelbar nach dem Krieg, um
sich mit den verheerenden Konsequenzen dieses
schrecklichen Konflikts zu befassen. Einige wurden
später ins Leben gerufen und hatten eher regionalen
CharaMer, jedoch eine ähnliche Struktur zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Nationen.
Diese Institutionalisierung internationaler Angelegenheiten könnte sich als eine der dauerhaftesten Entwicklungen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erweisen. Insgesamt gesehen, ist sie einzigartig in unserem Zeitalter. Nach früheren Kriegen
wurden Imperien und Bündnisse häufig neu strukturiert, aber echte Institutionen gab es wenige. Das
europäische Konzert im neunzehnten Jahrhundert war
alles andere als symphonisch. Der Völkerbund war
von Anfang an hohl und endete als Farce.
Ich weiß nicht genau, warum unsere Nachkriegsgeneration sich als so geschickt beim Aufbau von Institutionen erwiesen hat. Vielleicht sitzt im tiefsten Inneren
der Seele des Menschen der konstante, pochende
Drang nach Besprechungen. Mit modernen Kommunikationsmitteln und Flugreisen ist dies heute in einer
nie dagewesenen Weise möglich.
Die größten 25 Flughäfen der Welt fertigen eine halbe
Milliarde Passagiere pro Jahr ab. Der amerikanische
Außenminister scheint die Hälfte seiner Zeit im Flugzeug zu verbringen, und Douglas Hurd müßte Ehrenpräsident des britischen Vielfliegerclubs sein. Um in
Washington oder Brüssel zu leben, bedarf es einer
besonderen Toleranz für Wagenkolonnen und Verkehrsstaus, da die Staats- und Regierungschefs der
Welt diese Städte konstant besuchen.
AMERIKA DIENST 26

Woodrow Wilson war der erste Präsident, der während
seiner Amtszeit amerikanischen Boden verließ. In
diesem Sommer werden sich der amerikanische Präsident und der britische Premierminister im Verlauf von
sechs Wochen viermal sehen - in Washington, in Rio,
in München und Helsinki.
Vielleicht spiegelt die Gründung internationaler Institutionen den Fortschritt der Demokratie auf der Welt
wider - so unterschiedlich oder stockend er auch sein
mag. Per definitionem fordert Demokratie, daß Menschen zusammenkommen, diskutieren, Kompromisse
schließen. In Demokratien gleich welcher Couleur
spielen die Regierungsbehörden heute eine größere
Rolle in unserem täglichen Leben als je zuvor und es
überrascht nicht, daß dieses innenpolitische Phänomen international Niederschlag findet. Und weil die
meisten dieser internationalen Organisationen demokratischen Charakter haben, sind sie solider, anpassungsfähiger und dauerhafter.
Viele dieser Institutionen reflektieren die in der Vergangenheit gezogenen Lehren. Wir haben beispielsweise
gelernt, daß wirkliche Sicherheit nicht leicht teilbar ist
und besser kollektiv als individuell gewährleistet wird.
Dies ist zweifelsohne die der NATO zugrundeliegende
Erkenntnis. Wechselseitige Sicherheit ist eine umfassend in die amerikanische Außenpolitik eingegangene
Lehre, und während wir jetzt vielleicht den Umfang
unseres internationalen Engagements anpassen, ist
es wenig wahrscheinlich, daß wir die Lektion als nicht
länger anwendbar verwerfen. Intuitiv hege ich den
Verdacht, daß dieser neue Multilateralismus der Sicherheit nicht zufällig mit einem anderen herausragenden Charakteristikum unseres Zeitalters zusammenfällt - der Entwicklung von Nuklearwaffen - das den
gesunden Menschenverstand der gemeinsamen Verteidigung unterstrichen hat.
Seite 1

�Andere auf die Stärkung des geographischen oder
historischen Zusammenhalts ausgerichtete Organisationen haben ihre eigenen Sekretariate und Tagesordnungen geschaffen: die Organisation für Afrikanische
Einheit OAU und die Organisation Amerikanischer
Staaten OAS, die Arabische Liga und das Commonwealth.
Die Zunahme internationaler Institutionen ist bei dem
globalen Streben nach internationalem Wohlstand
ebenso offenkundig. Hier können wir am besten
sehen, wie die internationalen Handels- und Finanzsysteme Früchte tragen, die aus den Ruinen des
Zweiten Weltkriegs enstanden sind. Die BrettonWoods-Abkommen, die Weltbank, der Internationale
Währungsfonds, das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen haben der Weltwirtschaft ein gemeinsames Vokabular verliehen. Andere Organisationen mit
begrenzterer Mitgliederzahl und enger umrissener
Zielsetzung wie etwa die OECD, der Verband Südostasiatischer Nationen ASEAN, die Karibische Gemeinschaft CARICOM und die Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten ECOWAS sind vertraute Abkürzungen auf der internationalen Bühne. Mit
der Gründung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung EBWE gibt es jetzt vier regionale
Entwicklungsbanken mit einem Gesamtkapital von 75
Milliarden Dollar.
Spezialisierte Behörden wie die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation in Montreal und die Internationale
Seeschiffahrts-Organisation in London oder die Internationale Atomenergie-Organisation in Wien regeln im
Stillen bestimmte Bereiche der Wirtschaftstätigkeit auf
internationaler Ebene und im Einklang mit einer Reihe
vereinbarter internationaler Regeln. Es scheint, daß
die Welt - was ein Engländer in seinen kühnsten
Träumen nicht zu hoffen gewagt hätte - plötzlich klubfähig geworden ist.
Das geschieht nicht ohne Probleme. Die Europäische
Gemeinschaft hat versucht, ihre internen Wirtschaftsangelegenheiten zum grö ßeren Nutzen aller Mitglieder
zu harmonisieren, und ihr politisches Prgramm hat
versucht, die Bedeutung nationaler Grenzen zu verwässern, die historisch gesehen dem europäischen
Kontinent soviel Kummer bereitet haben. Aber die
Vermischung verschiedener Souveränitäten kann eine
brüchige Legierung hervorbringen. Die Formel muß
genau richtig und die Temperatur entsprechend reguliert sein. Demokratien erfordern strukturelle Elastizität bei solchen Experimenten.
Ob Maastricht die richtige Formel ist oder nicht, müssen die EG-Mitgliedstaaten herausfinden. Als umfassenden Vorschlag haben die Vereinigten Staaten jedoch stets den Prozeß der europäischen Integration
unterstützt, in welcher Form und in welchem Tempo er
auch vereinbart werden kann, vorausgesetzt, der Prozeß
berücksichtigt die Interessen anderer fair und offen.

Seite 2

So wie die Dinge jedoch liegen, steht die Europäische
Gemeinschaft bereits als die abenteuerlustigste dieser
neuen Organisationen da.
Während die Gemeinschaft nun ihren Weg durch all
diese Probleme sucht, hoffe ich, daß sie sich nicht allzu
sehr verzettelt oder nur mit sich selbst beschäftigt,
insbesondere bei den Themen, die von der britischen
Präsidentschaft angeschnitten wurden, wie etwa eine
Erweiterung der EG.
All diese Organisationen entstanden in einer Welt, die
durch den Kalten Krieg tief gespalten war. Einige
waren ein Ausdruck dieses Kampfes, andere gediehen
ihm zum Trotz. Aber alle entwickelten sich in einer
Welt mit einem mehr oder weniger gemeinsamen
Rahmen.
Obwohl er Gefahren und Schwächen barg, hatte der
Kalte Krieg den perversen Effekt, gemeinsame Bezugspunkte zu schaffen, eine Methode der Auswertung, und-zumindest für die Vereinigten Staaten-eine
Analyse für das erforderliche Vorgehen vorzunehmen.
Marktwirtschaften bildeten ein Gegengewicht zu Planwirtschaften und Demokratien zu totalitären Regimen.
Darüber hinaus förderte der Kommunismus seine eigene
ideologische Universalität in dem Wissen, wie sehr die
Menschheit versucht ist, Schlangengift als Heilmittel
für alle Gebrechen zu kaufen. Weil die Spaltung so tief
war, vereinfachte sie die Strukturen der Politik und trug
zur Erklärung ansonsten komplexer Gegebenheiten
der Welt bei.
All dies ist jetzt Vergangenheit. Der Kommunismus
löste sich dank seiner eigenen moralischen Korruption
und Unfähigkeit auf. Aber während wir triumphierend
den Kalten Krieg hinter uns ließen, gaben wir auch das
Grundmuster unserer Denkweise auf. Selbst das
Grundvokabular der Vergangenheit - Begriffe wie "die
Sowjetunion" und "Neutralität", "blockfrei" und "Dritte
Welt" - bedarf der Überarbeitung. Statt Klarheit haben
wir Doppeldeutigkeit und eine einigende Bedrohung
wurde durch eine verschwommenere Welt ersetzt, die
vielleicht für uns eine weniger unmittelbare Bedrohung
birgt, jedoch auch weniger sicher und berechenbar ist.
Die alte Welt enthielt eine perverse Ordnung, in der
wenige Regeln als verläßlich angesehen werden konnten und praktisch unveränderlich waren. Darüber
hinaus hatte die alte Welt eine eindeutig moralische
Dimension, die in vertrauten Begriffen artikuliert wurde, und uns wie auch immer ein Gefühl der Verantwortung und des Pflichtbewußtseins verlieh.
Der Zusammenbruch des alten Gefüges vollzog sich
so plötzlich und vollständig, daß die Staubwolken die
Zukunft vernebeln. In den Vereinigten Staaten, die
sich inzwischen seit langem an ein umfassendes
Engagement in den entferntesten Bereichen internationaler Angelegenheiten gewöhnt haben, produzieren

AMERIKA DIENST 26

�die Ministerien und renommierten Denkfabriken gedankenschwere Studien und gelehrte Artikel als hastiges Gerüst für ein schwankendes internationales
Gebäude.
Mit dem Ende des Kalten Kriegs haben wir einen
Kontext verloren und noch keinen angemessenen
Ersatz gefunden. Man kann ohne Übertreibung sagen,
daß wir alle entschlossen sind, das Ende des Kalten
Kriegs nicht zu einer Rückkehr zu vergangenen Zeiten
werden zu lassen - was Yogi Berra, der große Philosoph des amerikanischen Baseball als "neues Dejavu-Erlebnis" bezeichnet hat. Nur Narren würden eine
Rückkehr zu der Vorkriegszeit des konkurrierenden
Nationalismus, geizigen Protektionismus und des
Aufstiegs eines totalitären Imperialismus wünschen,
als wäre der Kalte Krieg ein Irrweg gewesen, von dem
wir keine dauerhaften Lehren oder einen Nutzen ziehen können.
Und hier möchte ich zu der Vielzahl internationaler
Institutionen zurückkommen, die während des Kalten
Kriegs entstanden und eines der großen Vermächtnisse dieser Ära sind. Während wir versuchen, den
Globalismus neu zu definieren und seine plötzliche
Abwesenheit auszugleichen, könnte es sich als nützlich erweisen, hier zu beginnen.
Der erste Gedanke gilt den Vereinten Nationen, einer
anfänglich so vielversprechenden Institution, die durch
die Dichotomie des Kalten Kriegs so rasch frustriert
wurde. Trotz ihrer über Jahrzehnte hinweg offenkundigen Mängel haben sich die Vereinten Nationen als
das einzige Forum der Welt mit anerkannter Legitimität
zur Beilegung von Konflikten erwiesen, zumindest
dann, wenn sich die Parteien geeinigt haben, daß eine
Beilegung wünschenswert ist. Und während Vasallentum der Großmächte in internationalen Angelegenheiten jetzt weniger charakteristisch ist, hat sich der
Handlungsspielraum für UN-Aktionen erweitert.
Dies konnten wir in Angola, Nicaragua und Afghanistan und dem riskanten Unternehmen in Kambodscha
beobachten. Auch der Wegfall sowjetischer Vasallen
hat somit den Weg für die freimütige Reaktion auf die
irakische Invasion in Kuwait bereitet. Selbst wo Staaten dem Willen der internationalen Meinung widerstanden haben, hat die UN durch konzertierte Sanktionen
- gegen Libyen, Jugoslawien und erneut den Irak rasch Druck ausgeübt, obwohl es nicht sicher ist, ob er
den gewünschten Effekt hat. Zumindest herrscht in
den Vereinten Nationen ein neuer Geist, eine neue
Bereitschaft zu handeln und ein neues Potential.
Dennoch bestehen weiterhin strukturelle Mängel.
Friedenssicherung ist ein teures Unterfangen, und die
Außenstände bei den Vereinten Nationen belaufen
sich bereits auf 1 Milliarde Dollar - mein Land ist einer
der Delinquenten, obwohl wir mit 30 Prozent der
Rechnung für die Friedenssicherung bei unseren

AMERIKA DIENST 26

Verpflichtungen aufholen. Während sich der Verantwortungsbereich der UN erweitert, werden unsere
Ressourcen jedoch knapper.
Die Frage ist angebracht, ob die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat die Realitäten der neuen Welt
in angemessener Weise widergibt. Es scheint widersprüchlich, von Japan größere Verantwortung für die
Verwaltung des internationalen Systems zu erwarten,
wenn ihm ein ständiger Sitz in diesem zentralen Rat
verweigert wird. Und wenn Deutschland aufgenommen würde, wäre es merkwürdig, daß Europa vier
ständige Sitze zugeteilt würden.
Die Vereinten Nationen werden sich weiterhin mit der
Frage beschäftigen, wie ihr Mandat die inneren Angelegenheiten eines Staates beeinflussen kann oder
sollte und, falls ja, nach welchen Normen und unter
welchen Umständen es einzusetzen ist. In diesem
Bereich wurden einige wichtige Fortschritte erzielt,
insbesondere bei der vorherrschenden Meinung, daß
Souveränität nicht länger automatisch Immunität
gewährt, wenn die Menschenrechte von Einzelpersonen oder Minderheiten auf ungeheuerliche Art und
Weise verletzt werden.
Dies ist unsicheres Terrain, aber in dieser turbulenten
neuen Welt ist es ebenso wahrscheinlich, daß Konflikte und Auseinandersetzungen im Inland dem Charakter nach ebenso mörderisch sind wie grenzüberschreitende. Die Formalität einer Grenze wird wahrscheinlich für das Problem der Ordnung ebenso wenig Relevanz besitzen wie die technische Unterscheidung
zwischen Vertriebenen und Flüchtlingen zunehmend
als künstlich erscheint. Während wir unseren Weg in
die neue Welt ertasten, wird die institutionelle Anpassungsfähigkeit der Vereinten Nationen entscheidend
für eine neue Ordnung sein.
Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen auch die
Sicherheitsarrangements, die uns in der Vergangenheit solch gute Dienste geleistet haben, einer tiefgreifenden Umstrukturierung unterzogen werden. Der
Warschauer Pakt allerdings ist ohne Salut abgetreten.
Für den Westen ist Sicherheit heutzutage wesentlich
schwieriger zu definieren. Die monolithische Bedrohung der Vergangenheit ist zerbrochen, und mit ihr ist
auch die schreckliche Aussicht auf einen nuklearen
Holocaust verschwunden, die während des Kalten
Krieges wie ein Damoklesschwert über uns schwebte.
Das vergangene Woche zwischen Präsident Bush und
Präsident Jelzin vereinbarte Rüstungskontrollabkommen bedeutet eine echte strategische Revolution.
In den Vereinigten Staaten findet bereits eine Debatte
über unser künftiges sicherheitspolitisches Profil statt.
Extreme Optionen werden mit Publizität bedacht, aber
diese liegen außerhalb der Bereiche, in denen Entscheidungen gefällt werden. Der Präsident hat einen

Seite 3

�vernünftigen Plan vorgelegt, um unsere Streitkräftestruktur in den nächsten fünf Jahren um 25 Prozent zu
verringern, und ein Großteil dieses Abbaus ist bereits
im Gange. Jede Woche verlassen eintausend amerikanische Soldaten Europa. Im Pazifik wurde der
Luftwaffenstützpunkt Clark geräumt, und Subic Bay
wird nächstes Jahr endgültig geschlossen. Wir sind
jedoch ein Land der zwei Ozeane, und der grö ßere Teil
dieser Reduzierungen wird auf unsere Landstreitkräfte
entfallen, während die globale Reichweite unserer
Marine und Luftwaffe aufrechterhalten wird.
Während wirdieses Unterfangen fortsetzen, ist uns ein
sicherheitspolitisches Thema bewußt geworden, das
allen unseren Diskussionen gemeinsam zu sein scheint,
nämlich, daß die amerikanische Präsenz in Übersee
stets eine Art von unausgesprochener Stabilität geliefert hat, die nicht von einer äußeren Bedrohung abhing
und daß eine anhaltende amerikanische Präsenz selbst
auf reduziertem Niveau wünschenswerter Bestandteil
der demokratischen Ordnung in einer Periode ist, in
der die Machtverhältnisse so sehr im Fluß sind und in
der sich die Beziehungen zwischen den Ländern verlagern.
Diese Botschaft vernehmen wir sowohl in Europa als
auch in Asien. Da regionale Sicherheitsbeziehungen
in der neuen Welt noch nicht fest verankert sind,
werden die Vereinigten Staaten als eine Art Sicherheitskompaß betrachtet, der allein durch seine Anwesenheit in einer fließenden Periode des Wandels Stabilität und Zusammenhalt bieten kann. Dies ist eine
Rolle, die unserer Öffentlichkeit schwer zu vermitteln
und gegenüber unserem Kongreß schwer zu rechtfertigen ist.
Ebenso besteht jedoch in Amerika selbst keine Neigung dazu, den Weltpolizisten zu spielen, der die
internationalen Gassen auf Wacht gegen die neuen
Hooligans und Wegelagerer unserer Zeit patrouilliert.
Es gibt eine weitverbreitete Annahme, demzufolge die
Vereinigten Staaten als verbleibende Supermacht der
Welt heute mehr Spielraum für einseitiges Handeln zur
Erlangung sicherheitspolitischer Ziele haben. Meines
Erachtens trifft jedoch eher das Gegenteil zu, nämlich,
daß multilaterales Vorgehen verstärkt zur Vorbedingung amerikanischen Handelns wird, sei es nun von
den Vereinten Nationen, regionalen Organisationen
oder Ad-hoc-Koalitionen sanktioniert wie im Falle des
Golfkrieges. Alleingänge werden für Amerika weniger
und nicht mehr Anziehungskraft haben.
Mit der Entwicklung alternativer aber ergänzender
Sicherheitssysteme baut Europa bereits auf einer starken
institutionellen Basis für diese neue Welt auf und
scheint auf dem richtigen Weg zu sein, um einen
multilateralen Ansatz in der Sicherheitspolitik zu gewährleisten. Die NATO, die für eine fortdauernde
amerikanische Präsenz entscheidend bleibt, hat ihren
Aktionsradius durch den neuen Kooperationsrat mit

Seite 4

den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten nach Osten
erweitert. Die Westeuropäische Union wird mit Substanz angefüllt, damit ein gänzlich europäischer Mechanismus unabhängig funktionieren kann, ohne
die Grundfesten der NATO auszuhöhlen. Das konzeptionell verschwommenere deutsch-französische Korps
könnte ebenfalls hier eingepaßt werden. Und die neu
vereinbarten Beziehungen zwischen der NATO und
der KSZE mögen zwar noch genauerer Definition
bedürfen, aber sie sind ein bemerkenswerter Schritt
zur Anpassung der europäischen Sicherheitsinstitutionen an das Umfeld nach dem Kalten Krieg.
Diese Weiterentwicklung von Organisationen deutet
darauf hin, daß Europa zumindest ein Spektrum von
Sicherheitsinstrumenten zur Verfügung stehen wird,
das in flexiblen Kombinationen eingesetzt werden kann,
um speziellen Erfordernissen gerecht zu werden, entweder der Friedensbewahrung oder sogar der Schaffung von Frieden innerhalb und außerhalb Europas.
Aber während wir all diese glänzenden neuen Utensilien auf den europäischen Sicherheitstjsch legen, bedarf
es lediglich eines Blicks über die Schulter auf die
Brutalität und Barbarei in Bosnien, um sich zu fragen,
ob diese Institutionen bereits gerüstet sind, um die Art
von Konflikten effektiv zu lösen, mit denen Europa in
den kommenden Jahren voraussichtlich konfrontiert
sein wird.
Kein Ereignis hat das Ende des Kalten Krieges so
dramatisch unterstrichen wie der Beitritt der Bestandteile der ehemaligen Sowjetunion zu den internationalen Finanzinstitutionen. Von allen internationalen
Gremien, die in unserer Generation geschaffen wurden, sind die Weltbank und der Internationale Währungsfonds entscheidende Mittel zur Überwindung der
zahlreichen Teilungen der Vergangenheit. Dauerhafte
politische Reformen in den riesigen Gebieten der
eurasischen Landmasse werden in starkem Maß vom
Erfolg ihrer wirtschaftlichen Umgestaltung abhängen.
Bank und Fonds sind nie zuvor auf Herausforderungen
von solchen Dimensionen oder Erwartungen solchen
Ausmaßes gestoßen.
Doch die internationalen Finanzinstitutionen geraten
häufig in eine ausweglose Situation: was wirtschaftlich
erforderlich ist, wird politisch nicht umgesetzt, und was
politisch umgesetzt wird, kann wirtschaftlich unzureichend sein. Besonders der IWF sieht sich häufig dem
klassischen Dilemma von Botschaft und Überbringer
ausgesetzt, und dies könnte sich auch wiederum im
Osten erweisen. Tatsache ist, wenn Regierungen eine
Verzögerungstaktik anwenden, verschieben sie lediglich die Anpassungen, die unvermeidlich so oder so
kommen müssen. Angesichts des durch den Zusammenbruch der Sowjetunion geschaffenen enormen
Vakuums hat der IWF seinen Wirkungsbereich mit
echter Flexibilität und Phantasie erweitert, aber letzten
Endes ist es doch der politische Wille in den neuen
Republiken, der über ihre Zukunft entscheidet.

AMERIKA DIENST 26

�Ebenso wichtig ist es, daß diese Finanzinstitutionen
nicht zu einem Vehikel für eine Art internationaler
Sozialhilfe werden oder Gremien, die lediglich als
Kanäle für den ewigen Transfer von Ressourcen betrachtet werden. Für reich und arm gleichermaßen
besteht der Weg nach vorn in dauerhafter Entwicklung
und Wachstum. Weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene gibt es einen erfolgreichen Ersatz für
den Privatsektor, und die Rolle dieser Institutionen
muß darin bestehen, schwache Volkswirtschaften zu
stabileren Wachstumsmustern hinzuführen - durch
Zahlungsbilanzhilfe, Schuldenmanagement und Strukturkredite - und nicht zu einem System bodenloser
Abhängigkeit.
Und damit kommen wir zu einer der bemerkenswertesten Maßnahmen der Globalisierung in der Nachkriegszeit. Zwischen 1960 und 1990 stieg die Weltproduktion um das Dreifache. Die Vermögenswerte der
führenden 100 multinationalen Unternehmen belaufen
sich auf rund 3,2 Billionen Dollar, und sie beschäftigen
etwa 14 Millionen Menschen. Die führenden fünfzig
internationalen Banken halten insgesamt Vermögenswerte von etwa 10 Billionen Dollar, und der Wert des
Welthandels ist von rund 60 Milliarden Dollar im Jahr
1950 auf nahezu 3,5 Billionen Dollar im Jahr 1990
gestiegen. Telekommunikation und Informationstechniken haben ein neues ineinandergreifendes weltweites Netz geschaffen, und heute gibt es eine sichtbare
Gemeinschaft des weltweiten Finanzwesens und
weltweit operierender Unternehmen, in denen die
Nationalität aus unternehmerischer Sicht keine Rolle

spielt.
Das Verhältnis zwischen Handel und Wachstum und
die rapide Internationalisierung der Märkte könnten
nicht drastischer vor Augen geführt werden. Allein für
die Vereinigten Staaten ist das Exportvolumen seit
Mitte der achtziger Jahre um 13 Prozent jährlich gestiegen. Dreißig Prozent unserer landwirtschaftlichen
Produkte und 20 Prozent unserer Industrieerzeugnisse gehen heute nach Übersee. Wir sind heute die
größte Handelsnation der Welt.
Dieses Phänomen ist zum größten Teil der vielleicht
zähesten aller internationalen Institutionen zu verdanken: dem GATT. Seit seiner Gründung im Jahr 1947
sind die Durchschnittszölle von rund 40 Prozent auf 5
Prozent gesunken. Von den zahlreichen im Lauf der
Jahrzehnte quälend ausgehandelten Runden ist keine
lebenswichtiger oder ehrgeiziger als die laufende
Uruguay-Runde.
Ihr Ziel ist nicht allein der weitere Abbau existierender
Schranken, sondern die Einbeziehung jener expandierenden Sektoren des Handels unter dieses multilaterale Dach der Handelsregeln, die aus dem System
herausgefallen sind, was insbesondere auf Dienstleistungen zutrifft, sowie Ausgleich oder Beseitigung von
Verzerrungen im internationalen Handel, die grund-

AMERIKA DIENST 26

sätzlich innenpolitischer Natur sind, insbesondere der
Agrarsubventionen. Die Verantwortung liegt hier im
großen und ganzen bei den Vereinigten Staaten, der
Europäischen Gemeinschaft und Japan, die zusammengenommen zwei Drittel des Bruttosozialprodukts
der Welt und 61 Prozent des Welthandels repräsentieren.
Bei einem Scheitern der Uruguay-Runde würde eine
besondere Gelegenheit für überproportionales Wachstum der Weltwirtschaft verpaßt. Noch schwerer wiegt,
daß die Welt sich dann sicherlich auf den abschüssigen Weg von Gegenmaßnahmen und Vergeltung
begeben würde, da die Staaten dann einseitige Maßnahmen zur Bewältigung multilateraler Probleme ergreifen würden. Kein einzelner Schritt könnte mehr als
eine erfolgreiche Uruguay-Runde leisten, um die Vielzahl der Themen positiv zu beeinflussen, die heute die
Kommentarseiten unserer Zeitungen beherrschen:
Wachstum in den Entwicklungsländern, Sicherstellung politischer Reformen im Osten, der Umgang mit
der Umwelt, Aufrechterhaltung der Verteidigungshaushalte, Beendigung der weltweiten Rezession und so
weiter. Die Uruguay-Runde bietet eine Gelegenheit,
die nicht von äußeren Faktoren abhängt. Sie ist für
unsere politischen Entscheidungsträger in greifbare
Nähe gerückt.
Wenn wir diese reichhaltige institutionelle Landschaft
betrachten, müssen wir sorgfältig die Möglichkeit eines Bruchs zwischen unseren gemeinsamen sicherheitspolitischen und unseren gemeinsamen ökonomischen Zielen beachten. Während des Kalten Krieges
wurden Wirtschaftsinteressen häufig zugunsten dringenderer sicherheitspolitischer Fragen verdrängt oder
letzteren untergeordnet. Heute jedoch ist Wohlstand
zu einer vordringlichen Definition von Sicherheit geworden.
Wenn wir auf der einen Seite danach streben, Einflußbereich und Legitimität unserer multilateralen Sicherheitsinstitutionen, beispielsweise in der NATO oder
der UNO - zu erweitern und auf der anderen Seite
einseitige Vorteile in Handelsfragen suchen - zum
Beispiel im GATT oder in separaten Sonderabkommen -, werden wir wahrscheinlich das Fundament
eines neuen internationalen Rahmens untergraben.
Die natürliche Spannung zwischen multilateraler Sicherheits- und einseitiger Wirtschaftspolitik kann nicht
schadlos fortbestehen.
Die internationalen Institutionen, die seit dem Kriege
enstanden sind, geben uns ein Forum zur Aussöhnung
dieser Interessen oder zumindest zur Bewältigung von
Meinungsverschiedenheiten. Sie sind kein Ersatz für
nationales Interesse oder nationale Bestrebungen.
Sie sind nicht perfekt und können im großen und
ganzen nicht mehr zum Ausdruck bringen als den
kollektiven Willen der beteiligten Staaten. Bisweilen
können sie zu überheblich und zu isoliert von der

Seite 5

�Öffentlichkeit sein, der zu dienen sie geschaffen wurden, und manchmal können sie eine Entschuldigung
für Untätigkeit sein.
Und doch ist dieses institutionelle Phänomen ein
besonderes Merkmal unserer Zeit. Gemeinsam kön-

nen diese Organisationen als Gegengewicht zu der
beunruhigenden Wiederkehr politischer Zersplitterung
und ethnischen Chauvinismus' dienen. Gemeinsam
können sie Normen für eine bessere, sicherere Welt
s c n a f fen, u n d gemeinsam können sie zwischen uns
u n d e j n e m w e j t e r e Deja-vu-Erlebnis stehen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 26

�SOZIALES
I.Juli 1992

SOZIALGESETZGEBUNG SPIEGELT PRINZIPIEN
DER GRÜNDERVÄTER WIDER
Großer Anteil des US-Haushalts entfällt auf Sozialausgaben
WASHINGTON - (AD) - "Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: daß alle Menschen gleich
geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß
dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören..."

Diese von Thomas Jefferson so beredt in der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 zum Ausdruck
gebrachten Konzepte gehörten zu den Leitprinzipien
der Amerikanischen Revolution.
In den folgenden Jahren wurden sie zum integralen
Bestandteil amerikanischen Lebens und amerikanischer Kultur. Es war die Achtung solcher Prinzipien,
die der Abschaffung der Sklaverei, dem Verbot der
Kinderarbeit und sowohl der Gewerkschafts- als auch
der Bürgerrechtsbewegung den Weg bereiteten.
Heute finden die von Jefferson dargelegten Ideale
darüber hinaus in einem breiten Spektrum von Sozialversicherungsprogrammen ihren Niederschlag, die
gemeinsam ein Sicherheitsnetz schaffen, das die meisten Amerikaner vor den von Präsident Franklin Roosevelt so genannten "Risiken und Wechselfällen des
Lebens" schützt.
Viele dieser Programme entstammen dem historischen Sozialversicherungsgesetz von 1935, das auf
dem Höhepunkt der Großen Depression von Roosevelt und dem Kongreß verabschiedet wurde, um Arbeitnehmer oder deren Familien vor Einkommensverlust aufgrund von unverschuldeter Arbeitslosigkeit,
Eintritt in den Ruhestand, Invalidität oder Tod abzusichern.
Zu den Programmen, die seit damals erfolgreich fortgesetzt wurden, gehören die Renten- und Berufsunfähigkeitsversicherung, die Arbeitslosenversicherung für
diejenigen, die ohne eigenes Verschulden ihren Arbeitsplatz verlieren, Zuschüsse für Einkommensschwache, Senioren und Behinderte, die keinen Rentenanspruch vorweisen können sowie die Hilfe für Familien
mit unterhaltsberechtigten Kindern.

AMERIKA DIENST 26

Roosevelt war zu Recht davon ausgegangen, daß
diese Programme dazu beitragen würden, die Auswirkungen künftiger Rezessionen abzuschwächen, indem sie amerikanischen Arbeitnehmern und deren
Familien eine Grundversorgung zur Verfügung stellten, die "die Höhen und Tiefen von Inflation und
Deflation ausgleichen" würde.
Allein die Ausgaben für die Rentenversicherung betragen heute 25 Prozent des Bundeshaushalts. Im Jahr
1992 werden schätzungsweise 41 Millionen Amerikaner Rentenversicherungszahlungen in Gesamthöhe
von 285 Milliarden Dollar erhalten.
Die meisten amerikanischen Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, können Arbeitslosengeld beantragen, das für gewöhnlich ein Drittel bis die Hälfte ihres
letzten Einkommens beträgt und bis zu 26 Wochen
lang gezahlt wird. In Zeiten außergewöhnlich hoher
Arbeitslosigkeit können diese Leistungen abhängig
vom Ausmaß der Arbeitslosigkeit im Heimatstaat oder
am Wohnort des Arbeitslosen um weitere 13 bis 26
Wochen verlängert werden.
Im Jahr 1991, dem letzten statistisch vollständig erfaßten Jahr, erhielten schätzungsweise 10,4 Millionen
Amerikaner Arbeitslosengeld in Gesamthöhe von 25,3
Milliarden Dollar.
Zuschüsse für Einkommensschwache (SSI) werden in
Form fester monatlicher Bargeldleistungen für Kinder
und Erwachsene gewährt, die arbeitsunfähig oder
blind sind und festgelegte Einkommens- und Vermögensgrenzen nicht überschreiten.
Im Jahr 1991 erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner
SSI-Leistungen des Bundes in Gesamthöhe von über
15,7 Milliarden Dollar, während die einzelnen Bundes-

Seite 1

�Staaten weitere Dienstleistungen und Bargeldzahlungen von rund 3,8 Milliarden Dollar gewährten.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
(AFDC), allgemein als "Sozialhilfe" ("Weifare") bezeichnet, unterstützt Familien, in denen ein Elternteil
verstorben ist, die Familie verlassen hat, arbeitsunfähig geworden ist oder - in rund der Hälfte der 50
Bundesstaaten - arbeitslos geworden ist.
Im Jahr 1991 erhielten etwa 12,5 Millionen Amerikaner
AFDC-Leistungen im Gesamtwert von 20 Milliarden
Dollar. Darin sind Lebensmittelmarken, medizinische
Leistungen und Wohngeld nicht enthalten.
Weitere amerikanische Sozialhilfeprogramme haben
ihre Wurzeln in Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" Mitte der sechziger Jahre. Zu dieser Kategorie

gehören die Krankenversicherung für Senioren und
Behinderte (Medicare), die Krankenversicherung für
Einkommensschwache (Medicaid), Sozialwohnungen
für Einkommensschwache, Head Start, das Vorschulkindern aus Familien, in denen das Einkommen unter
der vom Bund jedes Jahr festgelegten Armutsgrenze
liegt, nahrhafte Mahlzeiten und Betreuung zur Verfügung stellt sowie kostenlose oder preisreduzierte
Frühstücks- und Mittagsmahlzeiten für Kinder, die
öffentliche Schulen besuchen.
Das US-Gesundheitsministerium schätzt, daß im Jahr
1991 etwa 35 Millionen Amerikaner Medicare-Leistungen im Gesamtwert von 113 Milliarden Dollar in Anspruch nahmen. Im selben Jahr erhielten 27,5 Millionen Medicaid-Leistungen im Gesamtwert von 89 Milliarden Dollar.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�UMWELT
1. Juli 1992

DAS MEINUNGSBILD ZU UMWELTFRAGEN
IN 22 LÄNDERN
Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Zusammenfassung gibt einen Überblick über Ergebnisse von Meinungsumfragen, die im Auftrag von Gallup von Januar bis März 1992 in 22 Ländern durchgeführt
wurden.
Besorgnis über Umwelt am größten in Rußland
und Polen
Die Besorgnis über Umweltprobleme wurde in nahezu
jedem Land von wirtschaftlichen Sorgen übertreffen.
Eine Ausnahme bilden die Niederlande, in denen
umweltpolitische Anliegen überwogen.
Gallup stellte Teilnehmern in jedem Land acht getrennte Fragen, um die unterschiedlichen Facetten ihrer
Besorgnis über Umweltprobleme zu messen. So
bewerteten in Rußland und Polen vier Fünftel der
Befragten die Umwelt in ihrem Land als "schlecht" und
gaben an, dies habe nachteilige Auswirkungen auf ihre
Gesundheit. Dagegen hatte nurein Fünftel der Befragten in Dänemark, Norwegen und Finnland diese Besorgnis.

Amerikaner brachten mehr Besorgnis über die Umwelt
zum Ausdruck als die Bürger der meisten anderen
untersuchten Industriestaaten oder die Befragten in
einigen Entwicklungsländern. (US-Öffentlichkeit: 46
Prozent gaben an, die Umwelt ihres Landes sei "schlecht",
67 Prozent erklärten, Umweltprobleme wirkten sich
zumindest "ziemlich stark" auf ihre Gesundheit aus.)
Wasserverschmutzung und Verlust von Regenwäldern gelten als Hauptprobleme
Gallup bat die Teilnehmer in jedem Land, die Bedeutung von sieben "die Welt als Ganzes" betreffenden
Umweltproblemen zu gewichten. Nachfolgend der
Durchschnittsprozentsatz aller 22 Länder derjenigen,
die mit "besonders schwerwiegend" antworteten:
Umweltprobleme der Welt

Insgesamt ist die Besorgnis über Umweltprobleme
innerhalb der untersuchten ehemaligen kommunistischen Länder (Rußland, Polen, Ungarn) größer als in
acht Entwicklungsländern (Brasilien, Chile, Indien,
Mexiko, Philippinen, Südkorea, Türkei und Uruguay)
and wesentlich stärker als in 11 Industriestaaten
(Vereinigte Staaten, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Irland, Japan, Kanada, Niederlande, Norwegen, Schweiz), in denen Gallup Umfragen durchführte.
So gaben in den ehemaligen kommunistischen Staaten 83 Prozent der Befragten an, die Umwelt in ihrem
Land sei "sehr schlecht" oder "ziemlich schlecht",
während in den Entwicklungsländern 54 Prozent und in
den Industriestaaten 30 Prozent diese Meinung vertraten. In den ehemals kommunistischen Staaten meinten darüber hinaus 75 Prozent, Umweltprobleme wirkten sich "sehr stark" oder "ziemlich stark" auf ihre
Gesundheit aus, während dies nur auf 63 Prozent in
den Entwicklungsländern und 39 Prozent in den Industriestaaten zutraf.
AMERIKA DIENST 26

Durchschnittswert für
22 Länder
(% "besonders schwerwiegend")

Verlust von Regenwäldern und Dschungeln 68%
Verschmutzung von Flüssen, Seen
und Meeren

66%

Luftverschmutzung und Smog

62%

Zerstörung der Ozonschicht

62%

Verlust von Tier- und Pflanzenarten

57%

Treibhauseffekt

53%

Bodenerosion, Landverschmutzung
und Verlust von Ackerflächen

52%

Seite 1

�Die als besonders schwerwiegend eingestuften Probleme unterschieden sich je nach Art des Landes, in
dem die Erhebung durchgeführt wurde.
So wurde in den Industriestaaten der Schwund der
Regenwälder als wichtigstes Problem betrachtet, gefolgt von Wasserverschmutzung und dem Abbau der
Ozonschicht. In den Entwicklungsländern gab die
Mehrheit an, das schwerwiegendste Problem sei die
Luftverschmutzung, während der Schwund der Regenwälder und die Wasserverschmutzung auf den
Plätzen zwei und drei folgten. In den ehemals kommunistischen Staaten wiederum stand an erster Stelle die
Wasserverschmutzung, gefolgt von Luftverschmutzung und dem Schwund der Regenwälder.
Industrie- und Entwicklungsländer werden gleichermaßen verantwortlich gemacht
Die Bürger reicher und armer Länder vertraten keine
gegensätzlichen Meinungen zu der Frage wer "mehr
für die heutigen Umweltprobleme der Welt verantwortlich ist". Nahezu keine der von Gallup befragten
Bevölkerungsgruppen wies die Schuld hauptsächlich
der "anderen Seite" zu.
In lediglich einem von acht untersuchten Entwicklungsländern, nämlich der Türkei, vertrat eine
Mehrheit der Befragten die Meinung, die Industriestaaten seien hauptsächlich für die weltweiten Umweltprobleme verantwortlich. In sechs Entwicklungsländern
wurden Entwicklungsländer und Industriestaaten
überwiegend als "gleich verantwortlich" betrachtet. In
Südkorea hielt die Mehrheit die Entwicklungsländer
selbst für verantwortlich.
In fünf von elf untersuchten Industriestaaten
(Dänemark, Deutschland, Finnland, den Niederlanden
und Norwegen) machte die Öffentlichkeit hauptsächlich die Industriestaaten für die heutigen Umweltprobleme der Welt verantwortlich. In den anderen sechs
Industriestaaten (darunter die Vereinigten Staaten)
wies die Öffentlichkeit den Industriestaaten und den

*

Seite 2

Entwicklungsländern ein gleiches Maß an Schuld zu.
Insgesamt waren die Befragten in den Industriestaaten eher als die in anderen Ländern bereit, die Industriegesellschaften für weltweite Umweltprobleme
verantwortlich zu machen.
Unterschiedliche Meinungen über die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der Umwelt
Es überrascht nicht, daß der Abbau der Schulden von
den Entwicklungsländern stärker unterstützt wurde als
von den Industrienationen. Gleichzeitig "befürwortete"
eine eindeutige Mehrheit in den meisten Entwicklungsund Industrieländern "stark" die Bereitstellung von
Informationen zu Umweltschutz und Familienplanung
in sich entwickelnden Gesellschaften. Die ehemaligen
kommunistischen Länder waren dem Informationsaustausch zu Familienplanung am wenigsten geneigt.
In allen Ländern wurden die Befragten um ihre Stellungnahme zu unterschiedlichen Aktionen der Industrienationen zum Schutz der Umwelt in den Entwicklungsländern gebeten.
Folgende Maßnahmen der Industrienationen zum Schutz
der Umwelt in den Entwicklungsländern wurden "stark
befürwortetet": Bereitstellung von Ausbildungsmaterial: in den Industrienationen von 61 %, in den Entwicklungsländern von 75%, in den ehemaligen kommunistischen Ländern von 56%. Bereitstellung von Geräten und Technologie zur Kontrolle der Umweltverschmutzung: in den Industrienationen von 53%, in den
Entwicklungsländern von 73%, in den ehemaligen
kommunistischen Ländern von 62%. Bereitstellung
von Informationen über Familienplanung zur Verringerung der Geburtenrate: in den Industrienationen von
57%, in den Entwicklungsländern von 61%, in den
ehemaligen kommunistischen Ländern von 33%. Erlaß von Schulden der Entwicklungsländer und Verwendung dieser Gelder zum Schutz der Umwelt: in
den Industrienationen von 34%, in den Entwicklungsländern von 64%, in den ehemaligen kommunistischen
Ländern von 44%.

* * *

*

AMERIKA DIENST 26

�AIDS
I.Juli 1992

AIDS HINDERNIS FÜR ENTWICKLUNG
Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Amt für Internationale Entwicklung (USAID) zufolge ist das HIV-Virus, das
AIDS-Erkrankungen verursacht, zur Pandemie geworden und zeitigt die schwersten Auswirkungen in den
Entwicklungsländern.
In einem am 19. Juni 1992 veröffentlichten Bericht des USAID an den Kongreß wird festgestellt, AIDS sei "nicht
nur eine massive Herausforderung an das öffentliche Gesundheitswesen, sondern auch eine ernste Bedrohung
kontinuierlicher sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung".
Der Bericht prognostiziert, daß bis zum Jahr 2000 40 Millionen Menschen mit dem Hl V-Virus infiziert sein werden,
über dreimal soviel wie die 12 Millionen Infizierten des Jahres 1991.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Zusammenfassung des USAID-Berichts im Wortlaut.
Vor einem Jahrzehnt praktisch unbekannt, hat sich
HIV/AIDS heute zur Pandemie entwickelt. Die Entwicklungsländer sind davon am stärksten betroffen. In
zahlreichen Entwicklungsländern ist AIDS nicht nur
eine massive Herausforderung an das öffentliche
Gesundheitswesen, sondern auch eine ernste Bedrohung kontinuierlicher sozialer und wirtschaftlicher
Entwicklung.

das USAID weltweit voraussichtlich 400 Millionen Dollar
für HIV/AIDS-Präventionsmaßnahmen ausgeben.
Die in den vergangenen vier Jahren vor Ort durchgeführten USAID-Maßnahmen und Forschungsarbeiten
haben gezeigt, daß für die Reduzierung der Verbreitung von HIV durch Geschlechtsverkehr erforderliche
Verhaltensänderungen durch geeignete Interventionen verwirklicht werden können.

HIV-Infektionen und AIDS-Fälle
(geschätzte Gesamtzahl in Millionen)
1989 1991 2000 (Prognose)
HIV-Infektionen

6,0

12,0 40,0

AIDS-Fälle

0,6

2,0 10,0

a) nur Erwachsene, alle anderen Zahlen beziehen sich
auf Erwachsene und Kinder.
Das USAID engagiert sich seit 1987 für die Prävention
und Kontrolle von HIV/AIDS. Es hat bei der HIV-AIDSPrävention in über 70 Entwicklungsländern Pionierarbeit geleistet und dort über 700 Interventionsmaßnahmen eingeleitet.
Seit 1987 hat das USAID rund 358 Millionen Dollar für
Maßnahmen zur AIDS-Prävention durch bilaterale Hilfe,
Unterstützung des globalen AIDS-Programms der
Weltgesundheitsorganisation sowie Unterstützung für
basisorientierte und andere Nichtregierungsorganisationen ausgegeben. In den nächsten fünf Jahren wird

AMERIKA DIENST 26

Schätzungsweise 12 Millionen Erwachsene etwa einer von 250 Erwachsenen weltweit - sind
mit HlV-infiziert. Eine Million neuer Infektionen
sind im vergangenen Jahr aufgetreten.
Bis zum Jahresende wird die Gesamtzahl neuer
HIV-Infektionen nahezu zwei Millionen erreichen. Das bedeutet, daß in den nächsten 24
Stunden 5.000 Personen mit HIV infiziert werden, 150.000 in diesem Monat.
Auf Frauen entfällt heute ein Drittel aller HIVInfektionen. Verheiratete und unverheiratete
Frauen aller sozioökonomischen Schichten
werden durch sexuelle Kontakte mit einem infizierten Partner immer häufiger selbst mit dem
HIV-Virus infiziert.
Menschen in den Entwicklungsländern werden
schon bald nahezu 90 Prozent der weltweiten
HIV-Infektionen repräsentieren. Achtzig Prozent dieser Infektionen werden sexuell übertragen.

Seite 1

�I. Auswirkungen in der Dritten Welt
HIV/AIDS greift den Kern der Gesellschaft an, indem
es Menschen auf der Höhe ihrer produktiven Jahre
befällt. Das UN-Entwicklungsprogramm hat berichtet,
daß die Epidemie in den am stärksten betroffenen
Ländern "entscheidende Teile der Erwerbsbevölkerung dezimieren, die Handlungsfähigkeit des Staates
aushöhlen, zu sozialen und bürgerlichen Unruhen
führen sowie jeden Teilbereich der Wirtschaft einschließlich von Landwirtschaft und Verkehrswesen
beeinträchtigen könnte".
Kein Gesundheitssystem in der Dritten Welt ist
derzeit in der Lage, die notwendige medizinische Betreuung für die konstant eskalierende
Zahl von Menschen zu verwalten oder finanzieren, die an AIDS und mit AIDS zusammenhängenden Krankheiten leiden.
HIV-Infektionen schwächen das Immunsystem
und erhöhen das Risiko der Erkrankung an
anderen ansteckenderen Infektionskrankheiten,
wie etwa der Tuberkulose. In zahlreichen Entwicklungsländern erreicht die steigende Zahl
klinischer Tuberkulosefälle bereits epidemische
Ausmaße, die mit HIV/AIDS vergleichbar sind.
Über 50 Prozent der HlV-infizierten Erwachsenen leben im Afrika südlich der Sahara, nahezu
25 Prozent in Asien und rund 17 Prozent in
Lateinamerika und der Karibik.
Afrika
Im Afrika südlich der Sahara sind über sechs Millionen
Erwachsene oder einer/eine von 40 Männern und
Frauen HlV-infiziert. Bis zum Ende des Jahrzehnts
wird sich die Sterbequote bei Erwachsenen in einigen
Gebieten erwartungsgemäß verdreifachen.
Bis zu 8 Millionen HlV-infizierte Kleinkinder könnten
bis zum Jahr 2000 in Afrika zur Welt kommen, und
dadurch könnten Forschritte bei der Bekämpfung der
Kindersterblichkeit verringert oder zunichte gemacht
werden. Zehn Millionen nichtinfizierte Kinder werden
bis zum Jahr 2000 einen oder beide Elternteile durch
HIV/AIDS verlieren.
In diesem Jahrzehnt werden die Folgen von HIV/AIDS
besonders stark in den städtischen Gebieten Ost- und
Zentralafrikas zutage treten, wo bis zu 33 Prozent aller
Erwachsenen bereits infiziert sind oder noch infiziert
werden. In einigen städtischen Großkliniken sind bis
zu 80 Prozent aller stationären Patienten HlV-infiziert,
über das Doppelte des Prozentsatzes im Jahr 1990.
Bis zum Ende des Jahrzehnts könnte sich die Erwachsenensterblichkeit in diesen Gebieten verdreifachen.
Die Emährungs- und Landwirtschaftsorganisation der
Vereinten Nationen schätzt, daß 25 Prozent der Farmen in den am stärksten betroffenen Ländern Afrikas

Seite 2

südlich der Sahara wegen der Dezimierung der Bevölkerung durch HIV/AIDS aufgegeben werden müssen.
Asien

,

Eine Million Erwachsene in Süd- und Südostasien sind
HlV-infiziert, und es wird erwartet, daß sich die Infektionsrate bis 1995 verdreifachen wird. Ohne effektive
Interventionen werden Jahr für Jahr bald schätzungsweise mehr Asiaten als Afrikaner angesteckt werden.
In Thailand, Indien und auf den Philippinen besteht
eine fest verankerte kommerzielle Sexindustrie. In
großen Städten werden Prostitutierte regelmäßig von
einer großen Zahl einheimischer und ausländischer
Kunden aufgesucht. Damit steigt das Risiko der
regionalen und internationalen Verbreitung des HIVVirus. Schätzungsweise 20 Prozent der 300.000 in
Bombay tätigen Prostituierten sind HlV-infiziert.
Thailand gibt an, 30 Prozent der 800.000 Prostituierten
des Landes seien infiziert. Dasselbe gelte für 3 Prozent der 20-21 jährigen Männer, die für den Militärdienst rekrutiert werden sowie 1 Prozent der Frauen,
die medizinische Betreuung bei Schwangerenberatungsstellen in Anspruch nehmen. Thailändische
Prognosen gehen von 4 Millionen HIV-Infektionen bis
zum Ende des Jahrzehnts aus.
Lateinamerika und Karibik
Die Zahl der HIV-Infektionen in Lateinamerika und der
Karibik übersteigt heute eine Million, darunter 10.000
infiziert geborene Kleinkinder. Diese Zahl ist doppelt
so hoch als vor einem Jahr geschätzt wurde.
Schätzungen zufolge sind bis zu 60 Prozent der Prostituierten in Haiti infiziert, und Untersuchungen haben
bei mehreren hundert Prostituierten in Honduras eine
HIV-Verbreitung von bis zu 35 Prozent festgestellt.
II. Rolle/Reaktion von USAID
Das USAID steht seit jeher an vorderster Front der
weltweiten Schlacht gegen die Krankeit. Dies wurde
auf zweifache Art und Weise geleistet: Hilfe durch
USAID-Missionen in Ländern mit hohen und wachsenden HIV-Infektionsraten sowie durch Unterstützung
des und Abstimmung mit dem globalen Programm
gegen AIDS der Weltgesundheitsorganisation (WHO/
GPA).
Im Jahr 1986 rief die WHO mit Hilfe der Vereinigten
Staaten das Sonderprogramm zu AIDS ins Leben, um
Möglichkeiten zur Bewältigung der wachsenden Bedrohung zu sondieren. Das Programm wurde im Jahr
1988 zum WHO/GPA mit dem Mandat erweitert, eine
weltweite Strategie technischer und finanzieller Unterstützung zur Bekämpfung der Krankheit zu entwickeln.
Das USAID war und ist ein konsequenter Förderer und
Partner der WHO/GPA-Bemühungen. Über die Finanzierung hinaus ist das USAID ein aktives Mitglied im

AMERIKA DIENST 26

�Verwaltungsausschuß des WHO/GPA und wichtiger
Teilnehmer im WHO/GPA-Lenkungsausschuß.
Das USAID hat Computermodelle zur Untersuchung und Beobachtung der Epidemie entwikkelt.
Das USAID unterstützt ein auf drei Jahre angelegtes Projekt des Peace Corps, um afrikanischen Ländern bei der Planung und Durchführung von HIV/AIDS-Informationsmaßnahmen zu
helfen, die sich auf Jugendliche innerhalb und
außerhalb der Schulen, Ärzte und Pflegepersonal, Frauen mit hohem Risiko und die Öffentlichkeit im allgemeinen konzentrieren.

den Sexualpartnern auf, die keine Kondome benutzen
und mit einer anderen Geschlechtskrankheit infiziert
sein können oder einen infizierten Partner haben.
IV. Die Ergebnisse
In den vergangenen vier Jahren hat das USAID die
Erfahrung gemacht, daß HIV/AIDS verhindert werden
kann, daß sich informierte Menschen dafür entscheiden, mit Risiken behaftete Verhaltensweisen einzuschränken und daß eine starke nationale Führung für
den Erfolg solcher Programme unabdingbar ist.
USAID-Untersuchungen vor Ort zeigen, daß
eine Verstärkung von Kommunikationsprogrammen gepaart mit auf bestimmte Gruppen ausgerichteten Informationsmaßnahmen sowie aggressiven Kampagnen zur Verbreitung von
Kondomen erfolgreich waren. Interventionsprogramme in Afrika, Asien, Lateinamerika und
der Karibik haben Millionen von Männern und
Frauen erreicht. Weitere Millionen müssen noch
erreicht werden.

Inzwischen werden drei Ziele als grundlegend angesehen, um die Ausbreitung von HIV/AIDS zu verlangsamen, und diese Ziele bilden die Grundlage aller Präventivmaßnahmen des USAID in den nächsten fünf
Jahren.
Diese Ziele sind:
Reduzierung der Zahl von Sexualpartnern;

Maßnahmen zur Förderung der Verwendung
von Kondomen waren in zahlreichen Ländern
Afrikas und Lateinamerikas erfolgreich. Kondomlieferungen des USAID nach Afrika erreichten im Jahr 1991 über 130 Millionen Stück, ein
Anstieg um nahezu 400 Prozent seit 1987 - über
500 Millionen Kondome wurden bisher allein
nach Afrika geliefert.

Verbesserung von Diagnose, Behandlung und
Prävention sexuell übertragener Krankheiten;
größere Verfügbarkeit und Anwendung von
Kondomen.
III. Die Lehren
Wegen des Fehlens eines wirksamen, bezahlbaren
und allgemein verfügbaren Impfstoffs müssen sich
künftige HIV/AIDS-Präventionsprogramrne auf Strategien konzentrieren, die wirksam zum Abbau der
sexuellen Übertragung von HIV/AIDS beitragen. Zu
diesen Strategien zählen: eine Reduzierung der Zahl
von Sexualpartnern, verbesserte Diagnose, Behandlung und Prävention sexuell übertragener Krankheiten
sowie größere Verfügbarkeit und Anwendung von
Kondomen.

Dieser Anstieg geht direkt mit einer gestiegenen Nachfrage einher. Aufgrund des Erfolges einer Reihe
sozialer Vermarktungsprogramme in mehreren Entwicklungsländern gehen derzeit viele politische Entscheidungsträger auf lokaler Ebene dazu über, die
energische Vermarktung von Kondomen zu unterstützen.
Die Investitionen des USAID in HIV/AIDS-Präventions- und Kontrollmaßnahmen werden sich
in den nächsten fünf Jahren mehr als verdoppeln.

Groß angelegte, umfassende Interventionsprogramme, die von den politisch Verantwortlichen, dem Privatsektor und anderen Nichtregierungsorganisationen
uneingeschränkt unterstützt werden, haben in Ländern mit hohen oder rasch ansteigenden HIV-Raten
den größten Effekt. Sorgfältig ausgerichtete Programme für besondere Zielgruppen können am effektivsten
in Ländern mit niedrigen HIV-Raten sein.

Technische Präventionsprogramme allein können die HIV/AIDS-Flut nicht eindämmen. Starke staatliche Unterstützung innerhalb der Entwicklungsländer ist unerläßlich. Das USAID
wird seine Unterstützung von Bemühungen
fortsetzen, um zu der starken politischen Führung zu ermutigen, die für erfolgreiche HIV/
AIDS-Präventionsprogramme erforderlich ist.

Die meisten durch Geschlechtsverkehr übertragenen
Infektionen treten bei Menschen mit häufig wechseln-

* * * *

AMERIKA DIENST 26

*

Seite 3

�WAHLEN '92
I.Juli 1992

POLITISCHE PARTEIEN VERLIEREN DIE
UNTERSTÜTZUNG DER WÄHLER
Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten
WASHINGTON - (AD) - Die beiden wichtigsten Parteien, Demokraten und Republikaner, haben die politische Landschaft Amerikas seit so vielen Jahren definiert und gestaltet, daß sie fast als selbstverständlich
hingenommen wurden - bis zu diesem Jahr.
Zumindest auf der Ebene der Präsidentschaftswahlen
sind viele Wähler nicht zufrieden mit den Kandidaten
beider Parteien oder der von ihnen wahrgenommenen
Parteipolitik, und sie sehen sich nach Alternativen um,
erklärt der bekannte Politikwissenschaftler Richard
Smolka von der American University.
"Deshalb hat der (bisher unerklärte und unabhängige)
Kandidat Ross Perot soviel Erfolg," erklärt Smolka,
verweist aber darauf, daß die Zahl der potentiellen
Perot-Wähler in den Vereinigten Staaten insgesamt
niedriger ist als die Zahl derjenigen, die sich als AntiDemokraten oder Anti-Republikaner bezeichnen.
Dies deutet Smolka zufolge darauf hin, daß die Rolle
der Parteien beim Prozeß der Auswahl des Präsidenten schwindet, was er auf verschiedene Faktoren
zurückführt, einschließlich der zurückgehenden Loyalität der Wähler, der stetig steigenden Zahl der Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten und des Einflusses der Massenmedien.
Aber er verweist auch darauf, trotz der bei den Wählern
zu beobachtenden Illoyalität - und dem damit umschriebenen schwindenden Einfluß der Parteien, "trifft
dies nicht für Parteifunktionäre oder gewählte Vertreter in den Bundesstaaten und Kommunen zu". Bei
diesen Loyalen ist die Anbindung an ihre Partei so
stark wie eh und je. Als Beispiel führt er Kongreßabgeordnete an, die mit ihren Parteiführungen zugunsten
einer besonderen Sache stimmen, auch wenn dies
lokalen Interessen zuwiderläuft.
Die Unzufriedenheit der Wähler mit dem Kongre ß zeigt
sich dieses Jahr auch angesichts solcher Skandale
wie der Ausstellung zahlreicher ungedeckter Schecks
bei der Bank des Repräsentantenhauses. Im ganzen
Land, so Smolka, stehen amtierende Parlamentarier
unter stärkerem Konkurrenzdruck sowohl innerhalb
des Zweiparteiensystems als auch im Hinblick auf unAMERIKA DIENST 26

abhängige Kandidaten. Er erklärt jedoch: "Die Ironie
liegt darin, daß die daraus resultierende Spaltung der
Opposition dem Amtsträger entgegenkommt."
Smolka konstatiert, daß die Parteien als Institutionen
stark sind, weil sie in den Bundesstaaten über Millionen von Dollar verfügen, die sie für die Arbeit an der
Basis ausgeben können - um Berater einzustellen,
politische Anzeigen zu finanzieren und bei den Wahlkämpfen entstehende Reisekosten zu decken. Darüber hinaus verfügen sie über die Organisation, um
Kandidaten zu helfen. "Dies sind Kandidaten, die sich
der Partei bedienen und die nicht von der Partei
ausgesucht werden," erklärt Smolka. "In unserem
System gilt die Eigennominierung, womit es sich von
fast jedem anderen System auf der Welt unterscheidet."
Es ist diese Art System, die es einem unabhängigen
Kandidaten wie Perot gestattet, in einen Wahlkampf
einzutreten. Aber nicht allzuviele unabhängige Kandidaten sind insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten und Kommunen erfolgreich, erklärt Smolka,
weil sie nicht so gut organisiert sind wie die wichtigsten
Parteien.
Das Phänomen Perot könnte mehr beeinflussen als
lediglich die Wahlen 1992. "Es hängt viel davon ab,
welchen Erfolg er hat," erklärt Smolka. "Wenn er im
November über 5 Prozent der Wählerstimmen erlangt
- was augenblicklich als wahrscheinlich gilt - wird er
sich 1996 für Wahlmittel der Bundesregierung qualifizieren und damit für die Zukunft eine Basis schaffen."
Sobald sein Name auf einer Liste steht, mu ß Perot eine
Organisation gründen, auch wenn es sich dabei nur um
seinen eigenen Namen handelt, und diese Organisation hätte dann einen Anspruch auf Wahlmittel, auch
wenn sie später jemand anderes als Perot ins Rennen
schicken würde. "Der Bundeswahlausschuß würde
ihm oder jemand anderem die Mittel zur Verfügung
stellen", erklärt Smolka. "Die Chance besteht, und es
ist eine große Chance."
Auf nationaler Ebene, so Smolka, ist es noch nicht sehr
lange her, daß Parteiführer sich in "rauchgeschwänSeite 1

�gerten Hinterzimmern" hinter verschlossenen Türen
trafen und den Präsidentschaftskandidaten oder
zumindest die Delegierten für den nationalen Nominierungskonvent eines Bundesstaates auswählten. Das
hat sich jedoch geändert, da immer mehr Bundesstaaten Vorwahlen abhielten und Delegierte für die Konvente auswählten, die sich zu einem bestimmten Kandidaten bekannten, den die Partei nicht vorschreiben
konnte. Im Hinblick auf die Aufstellung von Namen auf
Listen oder die Auswahl von Delegierten für die Konvente gehen die Bundesstaaten oder Parteien jedoch
nicht einheitlich vor, und Smolka erklärt, er betrachte
die unterschiedlichen Prozesse als "nicht fair den
Wählern oder Kandidaten gegenüber".

Die Wurzeln der demokratischen Partei gehen zurück
ins frühe 19. Jahrhundert, zu den Präsidenten Thomas
Jefferson und Andrew Jackson, und ein Großteil der
gegenwärtigen Sozialgesetze und der Unterstützung
für Arbeitnehmer und Minderheiten verdanken wir Franklin D. Roosevelt.
Abraham Lincoln war 1860 der erste republikanische
Präsident, und traditionell hat seine Partei mehr Unterstützung von Landbesitzern und wohlhabenderen
Bürgern erfahren. Die republikanische Partei wurde
1964 neu organisert und vom konservativen Flügel
übernommen, als Barry Goldwaterden moderat liberalen Nelson Rockefeiler bei der Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten schlug. Goldwater verlor,
bereitete aber den Weg für die späteren Erfolge der
Konservativen mit Ronald Reagan.

Bei den Konventen wird nicht mehr viel entschieden,
und dieses Jahr haben die Fernsehgesellschaften
angekündigt, sie würden ihre Berichterstattung reduzieren und nicht mehr rund um die Uhr live berichten.
Smolka verweist darauf, daß die Parteien ihre Konvente als "gigantische nationale Versammlungen betrachten, aber die Medien sind nicht daran interessiert, auf
diese Weise über sie zu berichten."

Die Illoyalität läßt sich Smolka zufolge bis in die Nachkriegszeit zurückverfolgen, als der Republikaner Dwight
Eisenhower parteiübergreifenend an die Wähler appellierte und ins Jahr 1964, als die Demokraten aus
dem Süden von Lyndon Johnson zu Goldwater überliefen.

Da das Femsehen bei den Wahlkämpfen eine immer
größere Rolle spielt, sind die Kandidaten in der Lage,
an den Parteiführern vorbeizugehen und sich direkt an
die Wähler zu wenden. Parteisprecher erhalten
Sendezeit, um ihre Meinung zu verkünden, erklärt
Smolka, aber sogar in diesen Fällen haben die Fernsehkommentatoren das letzte Wort mit ihrer Analyse
des Ausgesagten. "Aber dies geschieht nicht nur im
Fall der politischen Parteien", so Smolka. "Die Regierung, die Kirche, alle Institutionen sind solchermaßen
betroffen."

Heute, so Smolka, erklären beide Parteien den Wunsch
nach einer breit gefächerten Wählerschaft, sprechen
aber nach wie vor dieselben Gruppen an. Und beide
haben ein Problem, bei Verfechtern einer kontroversen einzelnen Sache anzukommen. Smolka zieht als
Beispiel die Abtreibung heran, von der er sagt, "sie
steht nicht im Zusammenhang mit anderen wirtschaftlichen oder politischen Problemen, ist aber ein großes
Thema, und beide Parteien verlieren darüber Wähler".
Die Verfechter von "Pro life" erklären, keine Kandidaten unterstützen zu wollen, die "Pro choice" sind und
umgekehrt.

Das Fernsehen hat in diesem Jahr einen neuen Aspekt
in den Präsidentschaftswahlkampf gebracht, da die
Kandidaten tagsüber in Talkshows auftreten. Dies
bietet "einen weiteren Zugang", so Smolka, aber für
"ein anderes Publikum". Er erklärt, "viele Menschen,
die man auf diese Weise erreicht, sehen sich keine
Nachrichten an" und umgekehrt sehen viele, die die
Nachrichten anschauen, keine Talkshows.

Im Hinblick auf die Zukunft der politischen Parteien in
den Vereinigten Staaten erklärt Smolka: "Es ist schwierig zu sehen, wie sie sich schärfere ideologische
Konturen geben könnten. Sie müssen sich unter den
Wählern eine breite Basis schaffen." Aber trotz aller
Kritik an ihnen sind sie Smolka zufolge flexibel genug,
um auf interne Meinungsverschiedenheiten zu reagieren, und es ist unwahrscheinlich, daß sie in Amerika
von der Bildfläche verschwinden.

In Wirklichkeit sind die beiden wichtigsten Parteien auf

nationaler Ebene kaum mehr als Dachorganisationen
der Organisationen auf Bundesstaatsebene.

* *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

�THEMENINDEX
I.Juli 1992

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1992
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1992) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Amerika Heute

7

Atomtests

24

Außenpolitik

17

Bericht zur Lage der Nation

4

Demographie

22

Deutsch-Amerikanische Beziehungen 3
Drogen

EBWE

1,2,8

15

Einwanderer6
Erdgipfel

24

Flüchtlinge

12

Fulbright-Stiftung

14

GATT

1

GUS

6, 7, 14

GUS-Handel

17

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�GUS-Hilfe

4,6,9,15,21,
Sonderdienst, 2.April

GUS-Nuklearwaffen

12

GUS-Wissenschaftler

10,11

Gesundheitswesens
Golfkrieg

3,16

Handel

1,5,9,15

Haushalt

5

IWF

17

Jugoslawische Republiken

14

KSZE

13,14,19, 21

Kolumbus

8

Kongreß

23,24

Landwirtschaft

13

Lastenteilung

14

Libyen

4,13

Martin Luther King

2,3

Menschenrechte

5,8

Minderheiten

18

Mittel-/Osteuropa

11

NAKR

10

NATO

23,24

Nichtverbreitung

15

Porträt

1,4,9

RIAS Berlin Kommission

20

Rassenbeziehungen

21

Rüstungskontrolle

16

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�Senioren

23

Sicherheit

14

Soziales

5

Sozialpolitik

20, 21, 22, 23

UNO

13

US-Außenpolitik

2, 11, 13, 22

US-Weltrolle

18, 23

USA-Deutschland

8, 16, 18, 21

USA-Europa

10, 19, 24

USA-GUS

8,22

USA-Rußland

25

Umwelt

1,6,7 ,9, 13, 18, 19,20,22

Unruhen in Los Angeles

18, 19, 25

VII.Korps

12

VSBM

10

Vereinte Nationen

5

Verteidigung

5

Wahlen '92

"
2, 3,7 ,8, 9, 10,11,12,
15,16

18, 19, 20,21 ,22,23,
Wehrkundetagung

6

Weiterverbreitung

3, 13

Weltwirtschaft

2

Wirtschaft

17

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11497">
                <text>01.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11498">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11499">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11500">
                <text>Amerikadienst 01.07.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11501">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Generalkonsulat und Amerika Haus in Leipzig eröffnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. START&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker: START kann "Nukleare Uhr" zurückdrehen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Weltpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gutes wirtschaftliches Einvernehmen zwischen Nationen unabdingbar für Weltfrieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Seitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Soziales&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sozialgesetzgebung spiegelt Prinzipien der Gründerväter wider&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Großer Anteil des US-Haushalts entfällt auf Sozialausgaben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Meinungsbild zu Umweltfragen in 22 Ländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse amerikanischer Meinungsumfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;AIDS Hindernis für Entwicklung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem AIDS-Jahresbericht des USAID&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Wahlen '92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Politische Parteien verlieren die Unterstützung der Wähler&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stimmung begünstigt unabhängige Kandidaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Halbjahr 1992&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2252" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2263">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/7df1a07b7a19084bea212e043b92eba7.pdf</src>
        <authentication>f7ba44eab14d8948e048c1f974d00f76</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11496">
                    <text>amcrika
^roN

^

^

U. S. InformÄn Service f
^fc&amp;jjjgfog'f America V
Embassy of the Unit^3$erf|£$&gt;f
,T&lt;**V oV ^

I I ^ F ^ ^
J I V M I

*y&amp;

25

USA-RUSSLAND

V i
" J V

24. Juni 1992

BUSH: NUKLEARE BEDROHUNG WEITER
ENTFERNT ALS JE ZUVOR
Erklärungen des Präsidenten beim
Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin
DIE CHARTA FÜR AMERIKANISCH-RUSSISCHE
FREUNDSCHAFT
Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen
unterzeichneten Charta

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR RUSSLAND
Eine Übersicht des Weißen Hauses

EINIGUNG ÜBER STRATEGISCHE
OFFENSIVWAFFEN ERZIELT
Eine Übersicht zur amerikanischrussischen Vereinbarung

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR KONVERSION
DER RÜSTUNGSINDUSTRIE
Gemeinsame russisch-amerikanische
Erklärung

RUSSISCH-AMERIKANISCHES
WAFFENABKOMMEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses

UNRUHEN IN LOS ANGELES

NACH DEN UNRUHEN IN LOS ANGELES
von James Q. Wilson

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

BUSH: NUKLEARE BEDROHUNG WEITER
ENTFERNT ALS JE ZUVOR
Erklärungen des Präsidenten beim Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin
WASHINGTON - (AD) - Bei der Zeremonie zur Begrüßung des russischen Präsidenten Jelzin hat Präsident Bush
am 16. Juni 1992 erklärt, die Bedrohung durch einen verheerenden konventionellen Krieg "ist mit dem
Warschauer Pakt und dem Aufstieg der Demokratie in Rußland verschwunden. Und heute ist die Bedrohung
durch einen nuklearen Alptraum weiter entfernt als jemals seit Anbruch des Atomzeitalters."
Am gleichen Tage einigten sich die Vereinigten Staaten und Rußland auf weitreichende Rüstungsbegrenzungen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines weltweiten Abwehrsystemes gegen begrenzte Angriffe mit
ballistischen Raketen. Präsident Bush stellte dazu bei einem gemeinsamen Termin mit dem russischen
Präsidenten im Rosengarten des Weißen Hauses fest: "Dies sind bemerkenswerte Schritte für unsere beiden
Länder, eine Abkehr von den Spannungen und Verdächtigungen der Vergangenheit und ein greifbarer, wichtiger
Ausdruck unseres neuen Verhältnisses."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Begrüßungsansprache von Präsident Bush sowie seine Erklärung im
Rosengarten des Weißen Hauses im Wortlaut.
1.

Begrüßungsansprache Präsident Bushs für
den russischen Präsidenten Jelzin

Herr Präsident, Frau Jelzin, verehrte Mitglieder der
russischen Delegation, ich begrüße Sie in den Vereinigten Staaten von Amerika. Darüber hinaus begrüße
ich all diejenigen, die sich hier eingefunden haben, um
Präsident Jelzin und Frau Jelzin willkommen zu heißen: Willkommen im Weißen Haus.
Herr Präsident, der heutige Tag markiert den Beginn
einer neuen Ära, eines neuen Typs von Gipfeltreffen.
Dies ist kein Treffen zweier Supermächte, die um
weltweite Vorherrschaft kämpfen, sondern zwischen
zwei Partnern, die danach streben, einen demokratischen Frieden aufzubauen. Von diesem Gipfeltreffen
aus erblicken wir einen neuen Horizont, eine neue Welt
des Friedens und der Hoffnung, eine neue Welt der
Zusammenarbeit und Partnerschaft zwischen dem
amerikanischen und dem russischen Volk. Es ist
unsere Hoffnung, daß diese Partnerschaft für immer
die alten Gegensätze überwinden wird, die unsere
Völker voneinander trennten, die die Welt in Konfrontation und Konflikte stürzten.
Herr Präsident, Ihre Nation hat sich auf ein großes
Experiment eingelassen, eine neue russische Revolution, deren Ziel die Freiheit ist. Die von Rußland
erzielten Fortschritte und die Aussicht auf zukünftige
sind zu einem großen Teil auf den Mut und die Vision
AMERIKA DIENST 25

von Präsident Boris Jelzin zurückzuführen. Herr Präsident, wie Peter der Große definieren Sie das Selbstverständnis Rußlands neu, definieren Sie die Rolle
Ru ßlands in der Welt neu. Aber zum ersten Mal in der
neueren russischen Geschichte beruft sich der Spitzenvertreter dieses Landes zu seiner Legitimation
nicht auf eine Fügung der Geschichte, sondern auf ein
demokratisches Mandat. Sie kommen als gewählter
Präsident hierher - gewählt vom Volk in einer freien und
fairen Wahl. Und wir grüßen Sie.
Gemeinsam, Herr Präsident, gestalten wir bereits unsere
Beziehungen um, und dies hat Vorteile nicht nur für
unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Heute ist mit dem Warschauer Pakt und dem Aufstieg
der Demokratie in Rußland die Bedrohung eines verheerenden konventionellen Krieges verschwunden.
Und heute ist die Bedrohung durch einen nuklearen
Alptraum weiter entfernt als jemals seit Anbruch des
Atomzeitalters.
Herr Präsident, ich sage dies mit einem Gefühl des
Stolzes, einem Gefühl der Ehrfurcht und vor allem mit
einem historischen Gefühl. Es gibt für das Volk der
Vereinigten Staaten, das Volk Rußlands und die
Menschen in der ganzen Welt kein größeres Geschenk als die Beseitigung des schrecklichen Gespenstes eines Weltkriegs. Und denken Sie dabei einen
Moment daran, was dies nicht für Präsidenten, nicht

Seite 1

�für Staatschefs oder Historiker, sondern für Eltern und
deren Kinder bedeutet. Es bedeutet eine Zukunft ohne
Furcht.

stattfindet. Ebenso wie unsere Amerikanische Revolution muß Ihre Russische Revolution einfach gelingen.

Dieses erste russisch-amerikanische Gipfeltreffen gibt
uns eine Chance, das Fundament für eine friedlichere
und materiell bessere Zukunft für alle unsere Bürger zu
legen. Darüber hinaus werden wir Rußlands historischen Übergang zum freien Markt, seine Integration in
die Weltwirtschaft und unser Engagement zur Unterstützung dieser Reformen erörtern. Wir werden neue
Wege suchen, um den Handel zwischen unseren
Ländern zu erweitern, um Wohlstand, Wachstum und
Arbeitsplätze zu schaffen, neue Dimensionen der militärischen Zusammenarbeit zum weiteren Abbau des
Kriegsrisikos und schlie ßlich neue Vereinbarungen zur
Reduzierung von Kernwaffen und zur Beseitigung der
zerstörerischsten Waffen aus unseren Arsenalen.

Ich begrüße Sie, meinen Freund, nochmals im Weißen
Haus. Gott möge dem amerikanischen und dem
russischen Volk eine friedliche Zukunft schenken.
Willkommen. Ich freue mich, daß Sie hier sind.

Heute morgen möchte ich mich jedoch auf unser
Endziel konzentrieren: auf die Herausforderung, einen
neuen Frieden zu schmieden, einen dauerhaften Frieden zwischen unseren beiden Ländern, die niemals
wieder zu Feinden werden dürfen. Heute führen die
Bürger Ru ßlands einen heldenhaften Kampf um genau
dieselben Rechte und Freiheiten, die wir Amerikaner
so sehr schätzen.
Das Schicksal jener Revolution, die Zukunft der
Demokratie in Rußland und den anderen neuen Nationen des ehemaligen sowjetischen Imperiums ist das
wichtigste außenpolitische Anliegen unserer Zeit. Die
Vereinigten Staaten und ihre demokratischen Verbündeten müssen bei der Schaffung eines demokratischen Friedens eine Schlüsselrolle spielen.
Aus diesem Grund fordere ich den Kongreß der Vereinigten Staaten erneut dazu auf, das Freedom Support
Act zu verabschieden, um die demokratischen Reformen in Rußland und den anderen neuen Staaten der
früheren Sowjetunion zu stärken. Die Hilfe, um die ich
den Kongreß gebeten habe, ist in der Tat erheblich,
aber sie macht gleichzeitig nur einen Bruchteil der 4
Billionen Dollar aus, die dieses Land ausgab, um
während des langen Kalten Krieges den Frieden zu
sichern. Die Mittel, die wir heute für Rußland einsetzen, sind eine Investition in ein neues Jahrhundert des
Friedens mit Rußland.
Die Geschichte bietet uns eine seltene Chance. Eine
Chance zu erlangen, was in diesem Jahrhundert bereits zweimal unseren Händen entglitten ist. Es ist die
Vision, die zweimal auf den Schlachtfeldern Europas
untergegangen ist. Die Vision, die uns den langen
Kalten Krieg hindurch Hoffnung gab - der Traum von
einer neuen Welt der Freiheit.
Herr Präsident, wenn wir an die Welt denken, die
unsere Kinder und deren Kinder von uns erben werden, so wird kein anderer Faktor ihre Zukunft stärker
beeinflussen als die Revolution, die heute in Rußland

Seite 2

2.

Erklärung des Präsidenten Im Rosengarten
des Weißen Hauses

Ich freue mich mitteilen zu können, daß Präsident
Jelzin und ich soeben eine außergewöhnliche Vereinbarung über zwei Bereiche von lebenswichtigem Interesse für unsere Länder und die Welt erzielt haben.
Erstens haben wir uns auf weitreichende neue Kürzungen bei den strategischen Waffen geeinigt. Aufbauend
auf der mit Rußland, der Ukraine, Kasachstan und
Belarus erzielten Vereinbarung haben sich unsere
beiden Länder auf noch drastischere Einschnitte bei
den strategischen Waffen verständigt, die erheblich
unter den Niveaus des START-Abkommen liegen. Wir
haben vereinbart, die gefährlisten Waffen der Welt schwere ICBMs und alle anderen ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen - zu beseitigen und unsere strategischen Kernwaffen insgesamt drastisch abzubauen.
Diese drastischen Verringerungen werden in zwei
Stufen stattfinden. Sie werden spätestens im Jahr
2003 abgeschlossen sein und könnten bereits im Jahr
2000 erreicht werden, wenn die Vereinigten Staaten
Rußland bei der erforderlichen Zerstörung ballistischer Raketensysteme helfen können. Mit diesem
Abkommen tritt der nukleare Alptraum für uns selbst,
für unsere Kinder und für unsere Enkel immer weiter in
den Hintergrund. Noch vor wenigen Jahren planten die
Vereinigten Staaten ein strategisches Arsenal von
etwa 13.000 Gefechtsköpfen. Heute haben Präsident
Jelzin und ich vereinbart, daß beide Seiten auf 3.000
bis 3.500 Gefechtsköpfe heruntergehen werden, wobei
jedes Land innerhalb dieser Bandbreite seine eigene
Streitkräftestruktur festlegen kann.
Ich möchte zusätzlich darauf verweisen, daß diese
grundlegende Vereinbarung, die in früheren Zeiten
nicht einmal in einem Jahrzehnt zustande gekommen
wäre, in lediglich fünf Monaten vollendet wurde. Unsere
Fähigkeit, dieses Abkommen so rasch zu erlangen,
legt Zeugnis von dem neuen Verhältnis zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland sowie der persönlichen Führungsrolle unseres Gastes Boris Jelzin ab.
In naher Zukunft werden die Vereinigten Staaten und
Rußland unsere Vereinbarung in einem kurzen Vertragstext niederlegen, den Präsident Jelzin und ich
unterzeichnen und in unseren Ländern zur Ratifizierung vorlegen werden. Präsident Jelzin und ich haben
femer vereinbart, gemeinsam mit den Verbündeten
und anderen interessierten Staaten zusammenzuar-

AMERIKA DIENST 25

�beiten, um ein Konzept für ein weltweites Verteidigungssystem gegen begrenzte Angriffe mit ballistischen Raketen zu entwickeln.
Darüber hinaus werden wir eine hochrangige Beratergruppe bilden, um praktische Schritte zu diesem Ziel
zu untersuchen, darunter die Weitergabe von Frühwarninformationen und Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien zur Raketenabwehr. Diese Gruppe wird darüber hinaus die
Entwicklung einer rechtlichen Grundlage der Zusammenarbeit erörtern wie etwa neue Verträge und Vereinbarungen sowie mögliche Änderungen bestehender Verträge und Vereinbarungen, die für die Verwirk*

AMERIKA DIENST 25

lichung des weltweiten Verteidigungssystems erforderlich sind. Diese Gruppe, deren Vorsitz für die
Vereinigten Staaten Dennis Ross innehat, wird zum
ersten Mal innerhalb der nächsten dreißig Tage in
Moskau zusammentreten.
Abschließend möchte ich feststellen: Dies sind bemerkenswerte Schritte für unsere beiden Länder, eine
Abkehr von den Spannungen und Verdächtigungen
der Vergangenheit und ein greifbarer, wichtiger Ausdruck unseres neuen Verhältnisses. Darüber hinaus
bieten sie vielversprechende Aussichten auf eine künftige
Welt, die gegen die Gefahr eines begrenzten Angriffs
mit ballistischen Raketen geschützt ist.

*

Seite 3

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

DIE CHARTA FÜR AMERIKANISCH-RUSSISCHE
PARTNERSCHAFT UND FREUNDSCHAFT
Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen unterzeichneten Charta
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu der von Präsident Bush und dem russischen Präsidenten
Jelzin unterzeichneten Charta für amerikanisch-russische Partnerschaft und Freundschaft wurde am 17. Juni
1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Aufbauend auf der Erklärung von Camp David vom
Februar 1992 geht die heute von Präsident Bush und
Präsident Jelzin unterzeichnete Washingtoner Charta
von dem neuen Fundament der amerikanisch-russischen Beziehungen - der Demokratie - als solider und
dauerhafter Grundlage für die amerikanisch-russische
Partnerschaft aus. Die Charta legt die neue Tagesordnung der amerikanisch-russischen Beziehungen folgendermaßen dar:
Demokratie und Partnerschaft
Die Vereinigten Staaten unterstützen uneingeschränkt
die Bemühungen der Russischen Föderation zum
Aufbau eines demokratischen Staates und einer
demokratischen Gesellschaft, die sich auf Rechtsstaatlichkeit und Wahrung der Menschenrechte, einschließlich der Rechte von Minderheiten, gründen.
Von gegenseitigem Vertrauen und Respekt als Grundlage ihrer Beziehungen geleitet, betrachten die Vereinigten Staaten und Rußland einander nicht als Gegner
und entwickeln Beziehungen der Partnerschaft und
Freundschaft.
Die Parteien bekräftigen ihre Achtung der Unabhängigkeit, Souveränität und bestehenden Grenzen der
KSZE-Teilnehmerstaaten, einschließlich der neuen
unabhängigen Staaten und erkennen an, daß Grenzveränderungen nur mit friedlichen und auf Übereinstimmung gegründeten Mitteln im Einklang mit den
Regeln des Völkerrechts und den Prinzipien der KSZE
vorgenommen werden können.
Internationaler Frieden und Sicherheit
Die Vereinigten Staaten und Rußland bekräftigen ihre
Entschlossenheit, einen demokratischen Frieden aufzubauen, der auf den beiden gleichgewichtigen Säulen
politischer und wirtschaftlicher Freiheit basiert. Sie
AMERIKA DIENST 25

anerkennen die entscheidende Bedeutung, die dem
Erfolg der Demokratie in Rußland und den anderen
ehemaligen Sowjetrepubliken für internationalen Frieden und Sicherheit zukommt.
Im Einklang mit der UN-Charta und anderen vertraglichen Verpflichtungen bestätigen die Parteien ihre
Verpflichtung, Streitfälle untereinander mit friedlichen
Mitteln beizulegen und sich der Androhung oder des
Einsatzes von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit des jeweiligen
Vertragspartners zu enthalten.
Die Parteien teilen die Vision einer euro-atlantischen
Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok, die
offen für die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Gesellschaften ist. Eine prominente Rolle für
Institutionen wie NAKR, NATO und WEU gemeinsam
mit der KSZE trägt in einzigartiger Weise zur Sicherheit dieser Gemeinschaft bei.
Im Bewußtsein der Auswirkungen des Konflikts in
Jugoslawien haben die Parteien eine Reihe von Initiativen vorgeschlagen, um die europäischen Mechanismen zur Verhütung, Bewältigung und Beilegung von
Konflikten zu stärken und eine glaubwürdige euroatlantische Friedenssicherungsfähigkeit zu schaffen.
Die Vereinigten Staaten und Rußland erkennen an,
daß die Weiterverbreitung von Waffen die neue strategische Herausforderung der Welt nach dem Kalten
Krieg ist. Beide Parteien werden sich für die Stärkung
und Verbesserung der Regeln zur Nichtverbreitung
einsetzen. Die Vereinigten Staaten und Rußland
haben in einer getrennten Erklärung ihrer Entschlossenheit Ausdruck verliehen, bei der Sondierung von
Möglichkeiten zusammenzuarbeiten, ein Frühwarnzentrum gegen ballistische Raketen einzurichten und
bei der Entwicklung von Fähigkeiten und Technologien

Seite 1

�zur Abwehr ballistischer Raketen zusammenzuarbeiten. Darüber hinaus werden sie ihre Bemühungen
beschleunigen, den START-Vertrag und den KSEVertrag umzusetzen und einen Vertrag über weitere
Reduzierungen der strategischen Rüstungen und ein
weltweites Verbot chemischer Waffen abzuschließen.
Mit dem Potential zum Aufbau einer strategischen
Partnerschaft beabsichtigen beide Seiten, die Verteidigungszusammenarbeit zwischen ihren Militärbehörden zu beschleunigen. Dazugehören: die Intensivierung der Kontakte auf allen Ebenen; der Ausbau von
Aktivitäten, mit denen Offenheit bei Doktrin und Operationsplanung gefördert wird; die Schaffung erweiterter Austausch- und Verbindungsprogramme sowie der
Austausch von Ideen zur Förderung angemessener
Beziehungen zwischen Zivilbereich und Militärs in
einer demokratischen Gesellschaft. Die Parteien werden
darüber hinaus Zusammenarbeit bei der Friedenssicherung, Terrorismusbekämpfung und Bekämpfung
des Drogenhandels anstreben.
Wirtschaftliche Freiheit
Die Vereinigten Staaten und Rußland gehen davon
aus, daß für Rußland der sicherste Weg zu langfristigem Wohlstand und zur Integration in die Weltwirtschaft die Fortsetzung des gegenwärtigen Weges
marktwirtschaftlicher Reformen ist.
Die Vereinigten Staaten anerkennen den von der
russischen Regierung eingeschlagenen mutigen Reformkurs und sind entschlossen, ihre Unterstützung
der Reformen fortzusetzen.

Rußland beabsichtigt, die Privatisierung und Entflechtung von Monopolen, die Einführung struktureller und
sektoraler Reformen sowie die Schaffung von Maßnahmen zu beschleunigen, die auf die Förderung von
Wettbewerb sowie wirksamen Eigentums- und Vertragsrechten ausgerichtet sind. Besonderer Bedeutung wird der Einführung einer Landreform und Reformen im Energiesektor zukommen.
Die Russische Föderation beabsichtigt, ihre Gesetze
in den Bereichen Steuern, Eigentum und Vertragsrecht sowie in den Bereichen zu verbessern, die mit
Rechten an geistigem Eigentum in Zusammenhang
stehen.
Die Parteien erkennen die entscheidende Rolle an, die
der Privatsektor spielen wird und beabsichtigen, beiderseitig vorteilhafte russisch-amerikanische Zusammenarbeit bei Handel und Investitionen zu ermutigen.
Die Parteien gedenken, Beschränkungen für Handel
und Investitionen zu lockern und wirtschaftliche Beschränkungen aus der Zeit des Kalten Krieges aufzuheben. Die Parteien werden sich darüber hinaus
bemühen, nationale Exportkontrollsysteme zu stärken
und der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten sowie
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Weiterverbreitung
Handel und Investitionen im Bereich Spitzentechnologie zu fördern. Die Vereinigten Staaten und Rußland
beabsichtigen, bilateral und multilateral zusammenzuarbeiten, insbesondere durch das neue COCOMKooperationsforum.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

DIE AMERIKANISCHE HILFE FÜR RUSSLAND
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende, am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlichte Übersicht bietet eine Zusammenfassung zu den amerikanischen Hilfsprogrammen für Rußland.

Die amerikanische Regierung hat historische Bemühungen unternommen, um die in Rußland stattfindenden demokratischen Veränderungen zu unterstützen.
Während die Verantwortung für den Erfolg des Reformprogramms letztlich nur bei der Regierung und
Bevölkerung Rußlands liegen kann, können die Vereinigten Staaten viel tun um zu helfen, und sie leisten
dies auch in der Praxis. Unsere Strategie besteht
darin, als Teil international koordinierter Bemühungen
humanitäre, technische und makroökonomische Hilfe
zu gewähren, um dem russischen Volk zu helfen,
demokratische Regierungsformen und freie Volkswirtschaften zu schaffen, die Handel und Investitionen
westlicher Partner völlig offenstehen.
Humanitäre Hilfe
Die Vereinigten Staaten lieferten in Phase I der Aktion
Hoffnung mit 24 Flügen schätzungsweise 1.200 Tonnen Nahrungsmittel und 100 Tonnen medizinischer
Versorgungsgüter nach Rußland. Im Rahmen der
gegenwärtig stattfindenden Phase II der Aktion Hoffnung werden 16.000 Tonnen überschüssiger Nahrungsmittel aus Beständen des US-Verteidigungsministeriums sowie 262 Tonnen medizinischer Hilfsgüter
in neun russische Städte geliefert.
Die Vereinigten Staaten haben im Rahmen der medizinischen Initiative des Präsidenten durch Projekt
Hoffnung - eine private Wohltätigkeitsorganisation medizinische Hilfsgüter im Gesamtwert von 12.3 Millionen Dollar geliefert.
Im Rahmen des Programms Nahrungsmittel für den
Fortschritt (Food for Progress) hat das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) mit fünf privaten Wohltätigkeitsorganisationen Vereinbarungen über die Lieferung landwirtschaftlicher Produkte nach Rußland im
Gesamtwert von 90 Millionen Dollar (einschließlich
Transport) abgeschlossen. Das USDA hat ein Abkommen mit der russischen Regierung abgeschlossen,

AMERIKA DIENST 25

das die zusätzliche Bereitstellung von Butter im Gesamtwert von 34 Millionen Dollar vorsieht, die auf den
russischen Märkten verkauft werden sollen. Wie mit
der russischen Regierung vereinbart, werden die Erträge aus diesen Verkäufen zur Unterstützung humanitärer Hilfe verwendet werden.
Gemeinsam mit ihren Verbündeten werden die Vereinigten Staaten in den kommenden Monaten bereit
sein, gegebenenfalls auf zusätzliche Bitten um humanitäre Hilfe in Notfällen zu reagieren.
Makroökonomische Hilfe
Die Vereinigten Staaten beteiligen sich an einem
multilateralen Finanzhilfeprogramm, um das wirtschaftliche Reformprogramm Rußlands zu unterstützen. Der
geschätzte Anteil der Vereinigten Staaten an diesem
Programm beträgt im Kalenderjahr 1992 rund 4,5
Milliarden Dollar. Dazu zählen 900 Millionen Dollar als
amerikanischer Anteil an den Bemühungen der internationalen Finanzinstitutionen (rund 20 Prozent), 1,5
Milliarden Dollar für den Währungsstabilisierungsfonds
für Rußland (einschließlich der Stabilisierungsfonds
für die anderen neuen Staaten könnten bis zu 3
Milliarden Dollar bereitgestellt werden) und etwa 2,1
Milliarden Dollar an bilateraler Hilfe.
Die Aufnahme der Mehrzahl dieser Maßnahmen, einschließlich des Stabilisierungsfonds und der Finanzierung von IWF und Weltbank, hängt vom Abschluß
eines Beistandsabkommens zwischen der russischen
Regierung und dem IWF ab.
Die amerikanischen Beiträge werden sowohl durch
multilaterale Hilfsbemühungen im Rahmen der internationale Finanzinstitutionen als auch durch bilaterale
amerikanische Programme erfolgen. So hat der Präsident beim Kongreß die Bewilligung einer Erhöhung
der IWF-Quote um 12,3 Milliarden Dollar beantragt,
um die Fähigkeit des IWF zur Vergabe von Krediten zu
erweitern.
Seite 1

�Kreditbürgschaften
Das USDA hat für die ehemalige Sowjetunion 3,75
Milliarden Dollar an CCC-Kreditbürgschaften bereitgestellt, um den Ankauf von 25 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Produkte - hauptsächlich durch Rußland - zu ermöglichen. Weitere CCC-Kreditbürgschaften für Rußland in Höhe von 600 Millionen Dollar
wurden vom Präsidenten am 1. April 1992 bekanntgegeben.
An Finanzmitteln der Export-Import-Bank (EXIM) wurden
bis heute neun Exportfinanzierungstransaktionen in
Gesamthöhe von 185 Millionen Dollar genehmigt, und
die EXIM hat eine prinzipielle Einigung über die Finanzierung amerikanischen Geräts und amerikanischer
Dienstleistungen zur Öl- und Gasförderung erzielt.
Die EXIM steht darüber hinaus zur Zeit in Verhandlungen mit der russischen Regierung über 200 Millionen
Dollar an amerikanischen Exporten in den Bereichen
Umwelt und Reaktorsicherheit. Schätzungen der EXIM
zufolge werden bis Ende des Haushaltsjahrs 1993 500
Millionen bis 1 Milliarde Dollar genehmigt werden.
Ein OP IC-Abkommen ist unterzeichnet worden, und
die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat ein russisches
Projekt im Wert von 159 Millionen Dollar über mehrere
Jahre bewilligt.
Technische Hilfe
Die Administration hat für die ehemalige Sowjetunion
620 Millionen Dollar an neu bewilligten Mitteln für
amerikanische humanitäre und technische Hilfe in den
Haushaltsjahren 1992 und 93 beantragt. Mit diesen
Mitteln soll die Verwirklichung des Freedom Support
Act unterstützt werden. In der Zwischenzeit hat die
Administration Hilfsprogramme eingeleitet und in diesem Zusammenhang 85 Millionen Dollar besonders
für diesen Zweck umdirigiert.
Die US-Regierung ist zur Ausgabe zusätzlicher 400
Millionen Dollar für Projekte bereit, die spezifisch mit
der Zerstörung von Nuklearwaffen und Bekämpfung
der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen in Verbindung stehen. Ein Teil dieser Mittel wird für die Beschäftigung von Wissenschaftlern aus der ehemaligen
Sowjetunion zur Verfügung gestellt. Zu diesem Zweck
haben wir 25 Millionen Dollar für die Gründung eines
internationalen Wissenschafts- und Technologiezentrums bereitgestellt.
Wir haben Berater zur Rüstungskonversion nach Nischnij Nowgorod entsandt und werden in den kommenden Monaten Berater in andere russische Städte
schicken.
Wir haben die Arbeit mit der Internationalen FinanzCorporation aufgenommen, um Privatisierungsauktionen in drei Städten in Rußland und der Ukraine zu
*

Seite 2

veranstalten. Diese Auktionen stützen sich auf die
jüngsten erfolgreichen Auktionen in Nischnij Nowgorod und sind insbesondere dafür gedacht, in diesen
Städten kleine und mittelständische Unternehmen zu
verkaufen.
Agrarhilfe. Das USDA plant die Schaffung eines
landwirtschaftlichen Betriebs mit Modellcharakter in
der Nähe von St. Petersburg und wird Experten zur
Einrichtung privater Großmärkte für Nahrungsmittel in
Moskau bereitstellen. Das Amt für Internationale
Entwicklung (Agency for International Development AID) plant die Entsendung von Experten für das Problem nach der Ernte erfolgter Verluste und Futterlagerung. Die Mehrzahl der 1.500 bis 1.800 amerikanischen Freiwilligen des Programms "von Landwirt zu
Landwirt" wird in Rußland arbeiten.
Ferner wurden folgende Programme in die Wege
geleitet: Die Special American Business Initiative
(SABIT) wird für russische Wissenschaftler und Manager Ausbildungspraktika veranstalten (bis jetzt wurden
13 augebildet); das International Executive Service
Corps wird Berater für den Privatsektor bereitstellen;
100 Freiwillige des Peace Corps werden für die Entsendung im Oktober ausgebildet; ein Wohnungsbauberater befindet sich vor Ort in Moskau; ein amerikanisch-russisches Partnerschaftsprogramm für Gesundheitsfürsorge bei Kindern wurde im Mai begonnen; ein
Energienutzungsteam wird in diesem Herbst in Moskau Geräte zur Energieeinsparung installieren.
Hilfe bei der Herstellung von Arzneimitteln wird durch
Waren, Geräte und kurzfristige technische Hilfe zur
Verfügung gestellt, um raschen Ersatz für Betriebe zu
schaffen, die Impfstoffe gegen Masern, Kinderlähmung und Diphtherie produzieren. Damit wird die
Herstellung von zweien dieser Impfstoffe wieder auf
bis zu 100 Prozent des bisherigen Produktionsniveaus
für den Inlandsverbrauch in Rußland angehoben.
Reaktorsicherheit. Bei der Lissaboner Koordinierungskonferenz haben die Vereinigten Staaten ihre Absicht
bekundet, 25 Millionen Dollar zur Unterstützung der
Reaktorsicherheit in der ehemaligen Sowjetunion
bereitzustellen. Ziel dieser Initiative ist die Verbesserung der Betriebssicherheit von Kernkraftwerken
sowjetischer Bauart. Die Betonung liegt auf verbesserten Sicherheitsverfahren, angemessenen Modernisierungsmaßnahmen und Ausbildung der Betreiber
durch die Gründung von regionalen Ausbildungszentren in Rußland und der Ukraine.
Zu weiteren technischen Hilfsprogrammen für die
Planung zählen: Sicherheit von Kohlebergwerken,
Rechtsstaatlichkeit, Ausbildung in Öffentlichkeitsarbeit, demokratische Initiativen, Rechtsberater und
Förderung von Investitionen.

*

AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

EINIGUNG ÜBER STRATEGISCHE
OFFENSIVWAFFEN ERZIELT
Eine Übersicht zur amerikanisch-russischen Vereinbarung
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu der von Präsident Bush und dem sowjetischen Präsidenten Boris Jelzin erzielten Übereinkunft über weitere drastische Verringerungen der strategischen Offensivwaffen wurde am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
und der Präsident der Russischen Föderation haben
sich auf weitere erhebliche Reduzierungen der strategischen Offensivwaffen verständigt. Insbesondere
haben beide Seiten einen umgehend abzuschließenden Vertrag vereinbart, der die folgenden Regelungen
enthält:
Innerhalb des Zeitraums von sieben Jahren nach
Inkrafttreten des START-Vertrags werden sie ihre
strategischen Streitkräfte bis auf folgende Höchststärken reduzieren:

alle ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen beseitigen;
die SLBM-Gefechtsköpfe auf 1.700 bis 1.750
(im Ermessen des jeweiligen Landes) verringern;
Für die Zählung der obengenannten Gesamtzahlen
gilt:
Die Zahl der Gefechtsköpfe, die bei schweren
Bombern mit nuklearem Auftrag angerechnet
wird, entspricht der Zahl der Kernwaffen, die sie
an Bord mitführen können.

Eine Gesamtzahl von Gefechtsköpfen zwischen
3.800 und 4.250 (von jedem Land unabhängig
festzulegen) oder weniger, je nach Ermessen
des jeweiligen Landes.
1.200 Gefechtsköpfe auf ballistischen Interkontinentalraketen (ICBMs), die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet sind.
650 Gefechtsköpfe auf schweren ICBMs.
2.160 Gefechtsköpfe auf U-Bootgestützten
ballistischen Raketen (SLBMs).
Bis zum Jahr 2003 (oder bis zum Ende des Jahres
2000, wenn die Vereinigten Staaten zur Finanzierung
der Zerstörung oder Beseitigung strategischer Offensivwaffen in Rußland beitragen können) werden sie:
die Gesamtzahl auf maximal 3.000 bis 3.500
Gefechtsköpfe (von jedem Land unabhängig
festzulegen) für jede Seite oder - im Ermessen
des jeweiligen Landes - weniger reduzieren;

Den vereinbarten Verfahren zufolge maximal
100 schwere Bomber, die nie für das Mitführen
weitreichender luftgestützter Marschflugkörper
(ALCMs) ausgerüstet waren und für konventionelle Aufträge umgerüstet werden.
Die Parteien beabsichtigen, Beschränkungen für Handel
und Investitionen zu lockern und wirtschaftliche Beschränkungen aus der Zeit des Kalten Krieges aufzuheben. Die Parteien werden sich darüber hinaus
bemühen, nationale Exportkontrollsysteme zu stärken
und der Weiterverbreitung Einhalt zu gebieten sowie
bei gleichzeitiger Bekämpfung der Weiterverbreitung
Handel und Investitionen im Bereich Spitzentechnologie zu fördern. Die Vereinigten Staaten und Rußland
beabsichtigen, bilateral und multilateral zusammenzuarbeiten, insbesondere durch das neue COCOMKooperationsforum.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�USA-RUSSLAND
24.JunM992

GEMEINSAME ERKLÄRUNG ZUR KONVERSION
DER RÜSTUNGSINDUSTRIE
Gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung zur Konversion der
Rüstungsindustrie wurde am 17. Juni 1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation erkennen an, daß die Konversion der
Rüstungsindustrie eine der wichtigsten Herausforderungen nach dem Kalten Krieg und unabdingbar für
den Aufbau eines demokratischen Friedens ist. Beide
Parteien sind sich der Schwierigkeiten bewußt, die den
Bemühungen zur Konversion der Rüstungsindustrie
innewohnen. Die Parteien wissen jedoch ebenso um
die Tatsache, daß die erfolgreiche Konversion von
Ressourcen, die nicht länger für die Verteidigung benötigt
werden, langfristig im wirtschaftlichen und nationalen
Sicherheitsinteresse ihrer Völker liegt. Deshalb erklären die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Russische Föderation ihre Absicht, der Zusammenarbeit bei der Förderung der Rüstungskonversion Vorrang einzuräumen.
In Anerkennung der wichtigen Rolle des Privatsektors
und der praktischen Beteiligung von Unternehmern bei
der komplexen Aufgabe der Rüstungskonversion richten die Vereinigten Staaten von Amerika und die
Russische Föderation einen Amerikanisch-Russischen
Ausschuß zur Konversion der Rüstungsindustrie ein,
der die Konversion durch die Erweiterung von Handel
und Investitionen erleichtern soll. Der zwischenstaatliche Ausschuß wird im Rahmen des AmerikanischRussischen Ausschusses zur Wirtschaftlichen Entwicklung gegründet und darauf ausgerichtet sein, den
Austausch von Informationen und die Förderung von
Handel und Investitionen zu erleichtern, auch durch
die Entwicklung von Kontakten zwischen interessierten Gruppen, die Erweiterung des Informationsaustausches über Unternehmen, die sich in der Konversion befinden und die Verbesserung der Bedingungen
für wirtschaftliche Aktivitäten in beiden Ländern durch
die Identifizierung und Beseitigung von Hindernissen
für erweiterten Handel und Investitionen. Der Ausschußwird die Regierungen beider Länder in regelmäßigen Abständen von den Ergebnissen seiner Aktivitäten unterrichten, damit diese rechtzeitige und effektive
AMERIKA DIENST 25

Maßnahmen ergreifen können, um Hemmnisse für die
bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Konversion
zu beseitigen.
Mit dem Ziel der Förderung erfolgreicher Zusammenarbeit bei der Konversion beabsichtigt jede der Parteien, in naher Zukunft eine Reihe praktischer Schritte zu
unternehmen.
Die Russische Föderation beabsichtigt, auf ihrem
Staatsgebiet ein günstiges politisches, wirtschaftliches, juristisches und genehmigungsrechtliches Klima
für amerikanischen Handel und amerikanische Investitionen zu schaffen, einschlie ßlich der Einführung erforderlicher makroökonomischer Reformen, um die
Konvertierbarkeit des Rubels herzustellen, Bestrebungen für ergänzende mikroökonomische Reformen
zur Unterstützung von Privatisierung und Entflechtung
industrieller Monopole, Verabschiedung von Gesetzen, mit denen Vertrags- und Eigentumsrechte garantiert werden sowie der Veröffentlichung international üblicher Normen für grundlegende geschäftliche
und finanzielle Informationen über Unternehmen, die
sich in der Konversion befinden.
Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, das Engagement amerikanischer Unternehmen in kommerziell
lebensfähigen Konversionsprojekten, darunter Joint
Ventures, in Rußland zu erleichtern - durch die langfristige Abordnung von Beratern bei der Rüstungskonversion, die als Katalysatoren für das Engagement
amerikanischer Unternehmen dienen und den ortsansässigen politischen Entscheidungsträgern und Unternehmensleitern ihr Fachwissen zur Verfügung stellen
sollen, durch die Gründung von Unternehmenszentren
in Rußland, die in Rußland tätigen amerikanischen
Firmen Übersetzungs-, Aus- und Fortbildungseinrichtungen bieten, durch die Schaffung eines wirtschaftlichen Informationsdienstes ("BISNIS") in Washington,
um Unternehmen in Rußland mit potentiellen InvestoSeite 1

�ren in den Vereinigten Staaten zusammenzubringen
sowie durch die Einbeziehung des Handels- und Entwicklungsprogramms, der Entwicklungsgesellschaft
OPIC und der Export-Import-Bank, die Anreize für
amerikanische Privatinvestitionen in kommerziell lebensfähigen Projekten zur Konversion der Rüstungsindustrie bereitstellen sollen.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation unterstützen das Unternehmensforum für Exportkontrollen des COCOM als Mittel, um
die Wunden des Kalten Krieges zu heilen und die
Konversion voranzutreiben, indem Hilfe beim Abbau
von Schranken für den Handel mit Spitzentechnologie
sowie bei der Einführung von dem COCOM vergleichbaren Exportkontrollregimen in Rußland und den anderen
neuen unabhängigen Staaten gewährt wird und Verfahren eingeführt werden, die den zivilen Endverbrauch sicherheitsempfindlicher Waren undTechnologien in Angelegenheiten gemeinsamer Besorgnis si-

cherstellen. Beide Parteien stimmen darin überein,
daß dieser Prozeß auf der beiderseitigen Entschlossenheit beruht, die international gültigen Normen für
Exportkontrollen im Bereich der Nichtverbreitung von
Massenvernichtungswaffen und damit in Zusammenhang stehender Technologien, Raketen und Raketentechnologie, von destabilisierenden konventionellen
Rüstungen und mehrfach nutzbaren Gütern und Technologien streng einzuhalten.
Die Parteien ermutigen nachdrücklich den Ausbau
bilateraler militärischer Kontakte und der Arbeit des
Nordatlantischen Kooperationsrats bei der Behandlung des gesamten Spektrums militärischer Themen,
die entscheidend mit dem Erfolg der Konversion verknüpft sind, darunter die zivile Kontrolle des Militärs in
einer Demokratie, Verteidigungsplanung, Haushaltsund Beschaffungswesen in einer Marktwirtschaft,
Schließung und Umwandlung von Stützpunkten sowie
Demobilisierung, Umschulung und soziale Sicherung.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�USA-RUSSLAND
24. Juni 1992

RUSSISCH-AMERIKANISCHES WAFFENABKOMMEN
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgende Übersicht zu dem russisch-amerikanischen Abkommen über die
Zerstörung und Sicherung von Waffen und die Verhinderung von deren Weiterverbreitung wurde am 17. Juni
1992 vom Weißen Haus veröffentlicht.

Das heute von Präsident Bush und Präsident Jelzin
unterzeichnete Abkommen liefert einen rechtlichen
Rahmen für die Bereitstellung von bis zu 400 Millionen
Dollar aus Haushaltsmitteln des US-Verteidigungsministeriums. Das Abkommen bildet das grundlegende
Instrument für die Bereitstellung der Nunn-Lugar-Hilfe
an Rußland für den Transport, die Sicherung und
Zerstörung nuklearer, chemischer und anderer Waffen der ehemaligen Sowjetunion. Das Abkommen
sieht vor, daß das Verteidigungsministerium das ausführende Organ für die Vereinigten Staaten sein wird.
Das Abkommen gestattet den Parteien, Durchführungsvereinbarungen zur Erlangung dieser Ziele abzuschließen. Die ersten dieser Durchführungsvereinbarungen wurden ebenfalls während des Besuches
von Präsident Jelzin unterzeichnet. Sie umfassen:
Splitterschutzdecken. Die Vereinigten Staaten werden umgehend 200 Sätze von Spezialnylondecken
sowie innerhalb des nächsten Jahres weitere 250
Sätze von in den Vereinigten Staaten hergestellten
Kevlar-Decken nach Rußland liefern. Die Decken
dienen dem Schutz russischer Kernwaffenbehälter.
Notfallausrüstung. Die Vereinigten Staaten werden
mit Beginn des Haushaltsjahrs 1993 1.000 Stück
Spezialkleidung sowie Ausrüstungsgegenstände für
Unglücksfälle liefern, um Rußlands Fähigkeit zu verbessern, auf Unglücksfälle mit Kernwaffen zu reagieren.

Behälter für spaltbares Material. Die Vereinigten Staaten
werden bis Dezember 1995 10.000 Behälter für spaltbares Material herstellen. Diese Behälter werden
eingesetzt, um spaltbares Material aus demontierten
russischen Kernwaffen zu lagern und transportieren.
Chemische Waffen. Die Vereinigten Staaten werden
Finanzhilfe zur detallierten Planung und Mittelverwaltung bereitstellen und Rußland dabei helfen, geeignete Unterstützung von amerikanischen Firmen zu erhalten, um die Maßnahmen zum Abbau der C-Waffen zu
beschleunigen.
Die andauernden Gespräche über sonstige Bereiche
könnten zu zusätzlichen Durchführungsvereinbarungen führen. Dazu zählen:
Sichere Lagerung von kerntechnischen Materialien
und Komponenten von demontierten Kernwaffen.
Sicherheitstechnische Verbesserungen für russische
Eisenbahnwaggons zum Transport von Kernwaffen.
Optionen für die endgültige Beseitigung spaltbaren
Materials von demontierten atomaren Gefechtsköpfen
Rußlands.
Bereitstellung amerikanischer Hilfe für die Einrichtung
eines Systems zur Kontrolle und zum Nachweis über
den Verbleib spaltbaren Materials.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
24. Juni 1992

NACH DEN UNRUHEN IN LOS ANGELES
von James Q. Wilson
Der Autor des nachstehenden Artikels, der zum ersten Mal als zweiteilige Serie im Wall Street Journal erschien,
ist Professor für Management bei der University of California in Los Angeles. Der Nachdruck ist mit folgendem
Zusatz gestattet: Nachdruck mit Erlaubnis von Wall Street Journal, Copyright 1992 Dow Jones &amp; Co., Inc. Alle
Rechte vorbehalten.)
I. Reduzierung der von Schwarzen begangenen
Verbrechen

erwarteten, ist bemerkenswert, daß diese Erwartungen heute unsere Äußerungen und sogar unser Handeln bestimmen.

Bisweilen trägt das Verständnis von Ursachen nicht
zur Findung von Lösungen bei. Zweifellos hat die Wut
von Schwarzen über weißen Rassismus viele Schwarze auf die Straßen von Los Angeles getrieben, nachdem vier Polizeibeamte von der Anklage der Mi ßhandlung Rodney Kings freigesprochen worden waren.
Aus dieser Tatsache zieht manch einer den Schluß,
wenn wir das Polizeiwesen verbessern, den Zorn
abbauen und weitere Krawalle verhindern wollen, müßten
wir dem Rassismus ein Ende bereiten. Diese Schlußfolgerung mag zwar nicht gänzlich falsch sein, aber sie
ist irreführend und, schlimmer noch, sinnlos.

Aber wenn rassistisches Denken abgenommen hat,
warum sind dann die Beziehungen zwischen den Rassen
so schlecht? Warum sind die Wohnviertel von Los
Angeles wie in vielen anderen Städten heute noch
deutlicher nach Rassen getrennt als im Jahr 1965?
Warum behandeln so viele Weiße, die man nicht
Rassisten in des Wortes eigentlicher Bedeutung nennen kann, so häufig Schwarze mit Argwohn oder
reagieren auf ihre Vorschläge mit Mißachtung oder
Unbehagen?

Als im Jahr 1965 Unruhen in Watts (einem von Schwarzen bewohnten Stadtviertel von Los Angeles, Anm. d.
Red.) ausbrachen, war der Rassismus in jeder Hinsicht wesentlich stärker ausgeprägt als heute. Damals
kannten die meisten Weißen keine Schwarzen und
redeten unabhängig von der persönlichen Bekanntschaft über sie häufig in herabsetzenden Klischees.
Es war nahezu unvorstellbar, daß Weiße schwarze
Kandidaten wählen könnten oder eine Arbeitsstelle in
Betrieben annehmen würden, die zahlreiche Schwarze beschäftigten. Schwarze, die den Mut hatten, in
weiße Stadtviertel zu ziehen, stießen häufig auf organisierten Widerstand. Rassisch begründete Zwischenfälle bestanden nahezu ausschließlich in Angriffen von
Weißen auf Schwarze.
Mehr Kontakt
Heute gibt es weit mehr Kontakt zwischen den Rassen.
Alle Meinungsumfragen haben einen starken Rückgang rassistischer Einstellungen bei den Weißen aufgezeigt. Obwohl von manchen der Einwand erhoben
wird, diese Meinungsumfragen belegten lediglich das,
was andere nach Meinung der Befragten von ihnen

AMERIKA DIENST 25

Furcht. Weiße fürchten sich vor jungen schwarzen
Männern (und vor jungen hispanischen Männern). Es
ist nicht Rassismus, der Weiße davon abhält, schwarze Stadtviertel zu entdecken, sondern Furcht. Es ist
nicht Rassismus, der Weiße in Unruhe versetzt, wenn
Schwarze in ihr Wohnviertel ziehen, sondern Furcht.
Es ist nicht Rassismus, der weiße Eltern dazu veranlaßt, ihre Kinder von Schulen mit schwarzen Schülern
abzumelden, sondern Furcht. Furcht vor Verbrechen,
vor Drogen, vor Banden, vor Gewalt.
Diese Furcht beschränkt sich nicht auf Weiße; viele
schwarze Frauen fürchten sich ebenfalls vor schwarzen Männern, und ihre Furcht wiegt doppelt so schwer,
weil sie praktisch keinen Ausweg haben und weniger
Grund zu der Annahme, daß die Polizei ihnen helfen
wird, als weiße Frauen.
Angst existierte auch im Jahr 1965, aber diese war
eher fiktiv als real. Die schwarze Verbrechensquote
lag nur bei etwa einem Drittel der heutigen, Banden
waren mit Luftpistolen und nicht mit Maschinenpistolen bewaffnet, Heroin (ein Sedativum) anstatt Crack
(ein Aufputschmittel) war die bevorzugte Droge, und
die Gesellschaft war beim Einsatz staatlicher Macht

Seite 1

�gegen innenpolitische Bedrohungen mit wesentlich
weniger legalen oder politischen Zwängen konfrontiert.

schwängern, Kinder sich selbst überlassen, Banden
beitreten, mit Drogen handeln und unschuldige Menschen erschießen.

Was die vier Polizeibeamten bei der Festnahme Rodney Kings taten, war meines Erachtens falsch. Sie
sollten bestraft werden. Tatsächlich wurden sie bereits bestraft. Der Polizeianwärter wurde entlassen,
und die drei erfahrenen Beamten wurden bis zum
Ausgang des Verfahrens beim Board of Rights unter
Aussetzung der Bezüge vom Dienst suspendiert. Ob
das, was sie taten, über jeden begründeten Zweifel
hinaus illegal war, ist unklar. Die rassistische Bigotterie jedoch, die heute gegen die Geschworenen von
Ventura County von Leuten gerichtet wird, die nicht
selbst an dem Prozeß teilnahmen oder die Verhandlungsprotokolle gelesen haben, ist erschreckend. Sind
diese Leute, die ein unpopuläres Urteil erklären, indem
sie auf die Rassenzugehörigkeit der Geschworenen
verweisen, bereit, dieselbe Erklärung zu geben, wenn
schwarze Geschworene entscheiden, einen schwarzen Angeklagten freizusprechen oder einen Weißen
zu verurteilen?

Wir können natürlich versuchen, mehr desselben zu
leisten - mehr Head Start, mehr Job Corps. Das ist
wahrscheinlich wünschenswert. Wir können dieser
Mischung einen eher an den jeweiligen Bewohnern
orientierten Polizeistil hinzufügen. Dies geschieht jetzt
in Los Angeles und wird unter dem neuen Polizeichef
fortgesetzt werden. Wir können Möglichkeiten entwickeln, um Arbeitslosen Arbeitsplätze zu verschaffen
und diese Menschen für bestehende Arbeitsplätze
umzuschulen, aber die einzige neue Idee, um dies zu
erreichen - Gewerbezonen -, ist bestenfalls mit Fragezeichen versehen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß
in South Central Los Angeles viele neue Fabriken
eröffnet werden, wenn deren Besitzer Steuervorteile
erhalten. Die Besitzer werden daran denken, was den
koreanischen Ladenbesitzem zugefügt wurde, die ohne
Steuervorteile Geschäfte in schwarzen Wohnvierteln
eröffneten: Sie wurden mit Bomben beworfen, ihre
Läden in Brand gesetzt und geplündert.

Mit der Behauptung, daß die Spannungen zwischen
der Polizei und den Bürgern vielfach - wenn auch nicht
gänzlich - auf Furcht zurückzuführen sind, sollen die
Polizeibeamten nicht entschuldigt werden. Ich bin seit
den frühen sechziger Jahren häufig in Streifenwagen
der Polizei mitgefahren. Der durchschnittliche Polizist
in den Großstädten hat heute wesentlich weniger
Vorurteile als vor dreißig Jahren, aber er (und sie) hat
mehr Angst. Wenn die Polizisten einen jungen schwarzen Mann anhalten, erwarten sie Widerstand anstatt
Kooperation. Wenn sie eine Sozialwohnungssiedlung
betreten, erwarten sie Spott, nicht Dank. Wenn sie auf
eine Bande treffen, erwarten sie einen Kugelhagel
anstatt lediglich mürrischer Beschwerden.

Wir können verbilligte Verkehrsmittel zur Verfügung
stellen, damit Schwarze zu Arbeitsstätten gelangen
können, aber ich bezweifle, daß Verkehrsmittel das
Hauptproblem sind. Jeden Tag warten Tausende von
hispanischen Arbeitern an Straßenecken, die 20 Meilen oder mehr von ihrem Wohnort entfertn sind, in der
Hoffnung, daß sie als Tagelöhner von Unternehmern
und Hausbesitzern angeworben werden. Viele werden eingestellt. Sie alle gelangen mit dem Bus zu
diesen Straßenecken, an denen jedoch keine schwarzen Männer anzutreffen sind.

Furcht kann ein Verhalten hervorbringen, das sich
nicht von Rassismus unterscheiden läßt. Furcht kann,
wie Rassismus, einen Polizisten dazu veranlassen,
einen Verdächtigen einzuschüchtern oder übermäßige Gewalt anzuwenden, um ihn zu bändigen. Furcht
schafft Spannungen, die dazu führen, daß Wrtze gemacht
werden, die mit denen von Rassisten identisch sind.
Als Reaktion auf die Ängste von anderen ist es wahrscheinlicher, daß Polizisten schwarze Männer anhalten und verhören werden als weiße Männer. Statistisch gesehen sind erstere weit verdächtiger als die
letzteren mit dem Ergebnis, daß unschuldige Schwarze eher angehalten werden als unschuldige Weiße.
Furcht wird durch Unwissen am Leben erhalten. Wir
wissen nicht, wie Verbrechen und Gewalt reduziert
oder die Banden aufgelöst werden können. Die Great
Society hat einige gute Dinge hervorgebracht: Head
Start, das Job Corps, verschiedene Bürgerrechtsgesetze. Aber sie hat nichts zur Verbrechensbekämpfung unternommen, und insbesondere nichts zum
raubtierhaften Verhalten junger Männer, die Frauen

Seite 2

Der Abbau von Armut, die Beendigung des Rassismus, Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung
des Schulwesens sind alles gute Vorhaben, ob sie
Verbrechen oder Krawalle nun verhindern oder nicht.
Aber das Problem unserer Großstädte geht weit tiefer.
Es gibt eine Unterschicht, und obwohl zu ihr Angehörige verschiedenen Rassen gehören und sie lediglich
einen Bruchteil der schwarzen Gemeinde ausmacht,
wird sie für ein Phänomen der Schwarzen gehalten.
Solange schwarze Männer sechs- bis achtmal so viele
Gewaltverbrechen begehen wie Weiße, wird dieser
Eindruck bestehen bleiben. Und solange diese Haltung anhält, wird die Furcht unsere Ängste verstärken
und unser Gemeinwesen untergraben.
Mit zunehmendem Wissen über die Ereignisse in Los
Angeles wird immer klarer, daß vieles von dem, was
dort geschah, nicht mit Protesten und alles mit Gier,
Orgien und alten offenen Rechnungen zu tun hatte.
Von den 5.438 Personen, die zwischen Mitternacht
des 30. April und dem Morgen des 4. Mai 1992
festgenommen wurden, waren 568 Weiße, von denen
kaum angenommen werden kann, daß sie soziale
Rebellen waren, die gegen Ungerechtigkeit protestierten. Die hispanischen Festgenommenen übertrafen

AMERIKA DIENST 25

�die schwarzen im Verhältnis von 2.764 zu 2.022. Die
Unruhen wurden durch Wut ausgelöst, aber nachdem
die Mechanismen sozialer Kontrolle einmal übermächtig geworden waren, gewann Habgier die Oberhand.
Und betrachten wir einmal, wer festgenommen wurde.
Keine Minderheit in Kalifornien wurde jemals schlechter behandelt als die Amerikaner japanischer Abstammung. Sie wurden von Geschworenengremien ausgeschlossen, durften nicht wählen, wurden im Jahr 1942
aus ihren Wohnungen abgeholt und viele Jahre lang in
Lagern in der Wüste interniert. Sie waren Ziele unverhüllten und eindeutigen Rassismus. Von den 5.438
Festgenommenen war keiner japanischer Abstammung. Einer war chinesischer, drei waren philippinischer Herkunft.
Verbrechensquote der Schwarzen muß gesenkt
werden
Der beste Weg zum Abbau echten oder eingebildeten
Rassismus ist die Reduzierung der schwarzen Verbrechensquote auf das Niveau der weißen, das weiß Gott
hoch genug ist. (Ich nehme an, niemand wird als
Alternative die Anhebung der weißen Verbrechensquote auf das Niveau der schwarzen befürworten.)
Dies zu tun, wird wesentlich grundlegendere und
umfassendere Veränderungen im Leben schwarzer
Kinder von ihrer Geburt an bis zum Alter von acht bis
zehn Jahren erfordern als alles, was wir zur Zeit in
Erwägung ziehen. Wir haben noch nicht begonnen,
ernsthaft darüber nachzudenken und werden dies
vielleicht niemals tun. Diejenigen, die am meisten
darüber nachdenken müssen, sind die anständigen
schwarzen Bürger, die akzeptieren und im Idealfall
entwickeln und umsetzen müssen, was immer getan
wird.
II. Wie wir in den Innenstädten bessere Werte
vermitteln können
Die Probleme unserer Innenstädte sind zweifach gelagert. Der erste Problembereich betrifft den Mangel an
Arbeitsplätzen, zu geringe Kapitalbildung, schlecht
verwaltete Sozialwohnungsprojekte, ein perverses
Sozialhilfeprogramm und den überlasteten Justizapparat. Dies sind greifbare Probleme, die behandelt
werden können, indem Veränderungen bei den für
Bürger und Behörden verfügbaren Anreizen und
Ressourcen vorgenommen werden. Die öffentliche
Debatte konzentriert sich darauf, wie dies kostengünstig zu leisten ist.
Der zweite Problembereich betrifft Rassismus, Furcht,
Verzweiflung, Widerstand, schlechte Arbeitsmoral,
unzureichende berufliche Fähigkeiten und eine Präferenz für den Anschluß an räuberische Banden gegenüber der Annahme schlechtbezahlter Arbeitsplätze.
Dies sind nicht greifbare Probleme - Probleme, die mit
"Werten" verbunden sind -, die sich mit Geld allein nur
schwer bewältigen lassen, weil durch sie Weiße eher
AMERIKA DIENST 25

von Investitionen oder einer Erweiterung von Chancen
abgeschreckt werden und Schwarze sich weniger
veranlaßt sehen, Chancen zu nutzen.
Wenn sich die staatliche Politik nur den greifbaren
Problemen widmet, werden wir von den Ergebnissen
enttäuscht sein. Viele Menschen wissen dies, und
deshalb, so bin ich überzeugt, haben so wenige gefordert, man solle auf die Krawalle mit einem "Marshallplan für die Städte" reagieren. Die Analogie ist zutreffend: Der Ansatz des Marshallplans funktionierte gut,
als er Völkern mit einer unternehmerischen Vorgeschichte angeboten wurde, deren Volkswirtschaften
von einem Krieg zerstört worden waren. Er funktionierte nicht so gut, als er Völkern angeboten wurde, die
keine Geschichte des Unternehmertums aufwiesen
und in nicht entwickelten Ländern lebten.
Es ist zwingend erforderlich, daß unsere Maßnahmen
sowohl die materiellen als auch die kulturellen Probleme unserer Innenstädte behandeln. Damit diese
Maßnahmen funktionieren, müssen drei Kriterien erfüllt werden: Sie müssen im Frühstadium der Entwicklung von Jugendlichen beginnen (in dem Charakter
und Erwartungen geformt werden), sich auf junge
Männer konzentrieren (sie sind die Quelle von Angst,
die Täter bei Verbrechen, die Väter unehelicher Kinder
und die Mitglieder der Banden) und Anreiz und Strafe
miteinander verbinden (viele legale Chancen werden
nicht genutzt werden, wenn ungesetzliche Alternativen attraktiver erscheinen).
Nachfolgend einige mögliche Strategien:
Schulen:
Die Auswirkungen von Head Start sind häufig nicht von
Dauer. Das liegt daran, daß kein einzelnes befristetes
Programm einen jungen Menschen vor den Belastungen eines Schlüsselkindes feien kann, das alleingelassen wird und sich mit abwesenden Eltern, von Verbrechen heimgesuchten Straßen, räuberischen Banden
und zynischen Gleichaltrigen auseinandersetzen muß.
Head Start sollte den Anfang eines umfassenderen
Programms bilden, das den Bedürftigsten eine Alternative zum nichtexistenten Familienleben bietet.
Ein Weg, um dies zu verwirklichen, wäre die Vergabe
von Gutscheinen an die Mütter von Kindern in Risikogruppen, mit denen sie ihre Kinder in Internaten einschreiben können. Gut situierte Eltern schicken ihre
Kinder bereits in Internate, aber nur wenige dieser
jungen Menschen werden im allgemeinen so stark von
dem stabilen, strukturierten und anregenden Umfeld
eines gut geführten Internats profitieren wie Kinder aus
Familien ohne Status, mit geringem Bildungsgrad und
zurückgebliebener moralischer Entwicklung.
Berufliche Bildung:
Zahlreiche Mitglieder der Unterschicht müssen nicht
nur technische, sondern auch menschliche Fähigkei-

Seite 3

�ten erwerben. Jedoch wird das Engagement, das eine
notwendige Vorbedingung für den Erwerb solcher
Fähigkeiten ist, nur schwer aufzubringen sein, wenn
jemand in einem desorganisierten, drogenverseuchten Wohnviertel und von Freunden umgeben lebt, von
denen er als jemand verhöhnt wird, der sich an die
Autoritäten verkauft oder seine Kumpels verraten hat.
Meines Wissens das einzige umfassende Vollzeitprogramm, das charakterliche Bildung, Entwicklung von
Fähigkeiten, Arbeitserfahrung und Gruppenzusammenhalt miteinander verbunden hat, war das Civilian
Conservation Corps (ein Arbeitsbeschaffungsprogramm
der New-Deal-Ära unter Roosevelt, Anm. d. Red.).
Dieses Modell, das teilweise vom Job Corps nachgeahmt wird, kombinierte die Unterbringung in Wohnheimen, berufliche Bildung, echte Arbeit und verdientes
Einkommen.
Heute gibt es militärische Stützpunkte, die neue
Bewohnersuchen, ein Verteidigungsministerium, das
neue Aufgaben sucht, eine erneuerungsbedürftige
Infrastruktur und eine Umwelt, die der Sanierung bedarf.
Sicherlich gibt es Wege, um aus diesen gleichzeitig
auftretenden Möglichkeiten ein Programm zu entwikkeln, das sich die Fähigkeiten des Militärs bei der
Ausbildung von Männern, dem Aufbau von Moral und
der charakterlichen Festigung zunutze machen kann.
Banden:
Banden entstehen aus vielen Gründen - Stolz, Territorium, Sicherheit, Kriminalität - und nicht alle Banden
sind schlecht. Aber viele Banden sind kriminelle
Vereinigungen, die ganze Stadtviertel terrorisieren,
korrumpieren und verarmen lassen. Die Justizbehörden auf Bundes, Staats- und Gemeindeebene sollten
Kommissionen gründen, die die gesetzlichen Bestimmungen über Verschwörung zur Verfolgung von Straßenbanden ebenso anwenden wie bei der Verfolgung
der Mafia. Programme zum wirtschaftlichen Wiederaufbau werden nicht funktionieren, solange diese Banden
die Straßen kontrollieren, und wirtschaftlicher Wiederaufbau allein wird, selbst wenn er Erfolg hat, nicht
ausreichen, um die Banden zu vertreiben.
*

Seite 4

Drogen:
Drogenhandel existiert, weil eine Nachfrage nach Drogen
besteht. Die Behandlung Drogenabhängiger kann
funktionieren, aber ihr Wirkungsbereich ist begrenzt,
weil es einerseits zu wenig Behandlungsplätze gibt
(eine Tatsache, über die allgemein diskutiert wird) und
weil andererseits zu wenig Menschen der Meinung
sind, Behandlung sei der Duldung des Drogenkonsums vorzuziehen (eine Tatsache, über die fast niemand diskutiert). Es gibt einen Weg, um die Nachfrage
zu reduzieren und die Beteiligung an Behandlungsprogrammen zu fördern ohne Grundfreiheiten anzutasten, und dabei handelt es sich um obligatorische
stichprobenartige Tests von auf Bewährung Verurteilten und vorzeitig aus der Haft Entlassenen.
Die Mehrzahl der Festgenommenen in den meisten
Großstädten haben in den letzten Tagen vor ihrer
Festnahme Drogen zu sich genommen. Einige Bundesstaaten verlangen einen Test als Vorbedingung für
Abweichungen vom System oder Entlassung auf
Bewährung. Aber in kaum einer Stadt werden diese
Testbedingungen rigoros durchgesetzt oder wird das
Nichtbestehen eines Tests mit unverzüglichen Sanktionen bestraft. Einer der Gründe, aus denen die
Menschen über die Alternativen zur Inhaftierung erbost sind, besteht darin, daß diese Alternativen häufig
keine Sanktionen enthalten. Der beste Weg, sie zu
verschärfen, wäre die Erzwingung stichprobenartiger
Tests bei Personen, die bereits der Strafjustiz unterstehen. Dies wird zusätzliche Einrichtungen zur Behandlung Drogenabhängiger erfordern.
Zweifellos ist jeder dieser Vorschläge mit Schwierigkeiten behaftet. Alle kosten Geld. Keiner kann den
Erfolg garantieren. Aber wenn die nationale Debatte
nicht auf die Probleme verlagert wird, auf die diese
Vorschläge eingehen, werden wir wahrscheinlich Geld
und Mühen in der fälschlichen Annahme verschwenden, daß Chancen alles sind, was erforderlich ist.

*

AMERIKA DIENST 25

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11491">
                <text>24.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11492">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11493">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11494">
                <text>Amerikadienst 24.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11495">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: nukleare Bedrohung weiter entfernt als je zuvor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen des Präsidenten beim Gipfeltreffen mit Präsident Jelzin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Charta für amerikanisch-russische Freundschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zu der beim Gipfeltreffen unterzeichneten Charta&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Hilfe für Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einigung über strategische Offensivwaffen erzielt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht zur amerikanisch-russischen Vereinbarung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung zur Konversion der Rüstungsindustrie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame russisch-amerikanische Erklärung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Russisch-amerikanisches Waffenabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Unruhen in Los Angeles&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nach den Unruhen in Los Angeles&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von James Q. Wilson&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2251" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2262">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/2bf0aa3dc750d94977a6dbf6d7fee9a5.pdf</src>
        <authentication>ef368bb2bd5c89a77297693e61ea159c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11490">
                    <text>^ZS7*»

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
'

17. Juni 1992

24

ERDGIPFEL

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG DER
KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel

USA-EUROPA

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der
Konrad-Adenauer-Stiftung

NATO

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz

ATOMTESTS

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums

KONGRESS

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM
KONGRESS BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine
Wahl kompliziert gestalten

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�ERDGIPFEL
17. Juni 1992

BUSH DRINGT AUF RASCHE UMSETZUNG
DER KLIMAKONVENTION
Ansprache bei Umweltgipfel in Rio
RIO DE JANEIRO - (AD) - Präsident Bush hat die anderen Industriestaaten dazu eingeladen, gemeinsam mit
den Vereinigten Staaten unverzüglich an die Arbeit zu gehen, um die von ihm und anderen Staats- und
Regierungschefs bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung unterzeichnete
Konvention zum Schutz des Erdklimas umzusetzen.
"Ich schlage vor, daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur
Erfüllung der speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention vorzulegen", erklärte Bush in seiner Ansprache
bei der Konferenz am 12. Juni 1992. "Lassen Sie uns gemeinsam die hier gesprochenen Worte in konkrete
Maßnahmen zum Schutz des Planeten umsetzen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Präsident Bushs Ansprache in Rio im Wortlaut.

Präsident Collor, Herr Generalsekretär, verehrte Delegationsleiter. Zunächst möchte ich Generalsekretär
Boutros-Ghali meine Bewunderung aussprechen und
mich bei Generalsekretär Maurice Strong für seine
unermüdliche Arbeit bedanken, um diesen "Erdgipfel"
zustande zu bringen. Dies ist wahrhaft eine historische
Versammlung.
Es gibt ein chinesisches Sprichwort: Wenn ein Mensch
die Erde betrügt, wird die Erde den Menschen betrügen. Der Gedanke, den Planeten zu erhalten, damit er
uns erhalten kann, ist so alt wie das Leben selbst. Wir
müssen diese Erde in besserem Zustand hinterlassen
als wir sie vorfanden.
Heute muß diese Binsenweisheit auf neue Bedrohungen angewendet werden, von denen die uns alle am
Leben erhaltenden Ressourcen betroffen sind - die
Atomsphäre und die Ozeane, die Stratosphäre und die
Biosphäre. Wir leben wahrhaft in einem globalen Dorf.
Einige betrachten die vor uns liegenden Herausforderungen als überwältigend. Ich bin der Meinung, daß ihr
Pessimismus unbegründet ist.
Bei der Stockholmer Konferenz vor zwanzig Jahren
war ein Hauptanliegen unserer Vorgänger die schreckliche Drohung eines Atomkrieges - des finalen Umweltverschmutzers. Dies gilt nicht mehr. Nach meiner
Rückkehr aus Rio werde ich in Washington mit dem
russischen Präsidenten Jelzin zusammentreffen, und
das Thema, über das wir sprechen werden, lautet
Kooperation - nicht Konfrontation.
AMERIKA DIENST 24

Vor zwanzig Jahren sprachen einige von den Grenzen
des Wachstums. Heute erkennen wir, daß Wachstum
die Lokomotive des Wandels und der Freund der
Umwelt ist.
Heute ermöglicht ein beispielloses Zeitalter des Friedens, der Freiheit und Stabilität konzertiertes Handeln
für die Umwelt wie niemals zuvor. Dieser Gipfel ist
lediglich ein wichtiger Schritt in dem Prozeß der internationalen Zusammenarbeit bei Umwelt und Entwicklung. Die Vereinigten Staaten werden sich bemühen,
das Versprechen von Rio einzulösen. Denn so wichtig
der Weg nach Rio in der Vergangenheit gewesen sein
mag, noch wichtiger ist der Weg von Rio.
Einige behaupten, Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sei unmöglich. Sie
sollten nach Lateinamerika kommen, wo der Erlaß von
Schulden im Tausch gegen Naturschutzmaßnahmen
(debt-for-nature swaps) Wälder in Costa Rica schützt
und Mittel für die Eindämmung der Umweltverschmutzung in Chile bereitstellt.
Einige behaupten, Umweltschutz bedürfe staatlicher
Kontrolle. Sie sollten nach Osteuropa gehen, wo
Kinder mit ihren vergifteten Körpern heute für die
Sünden gestürzter Diktatoren bezahlen - und nur die
neue Brise der Freiheit die Beseitigung von Umweltschäden erlaubt.
Einige erklären, es werde niemals Veränderungen
geben, weil die Interessen des Status quo zu mächtig

Seite 1

�seien. Nun, sie sollten nur hierher nach Brasilien
kommen, wo Präsident Collor einen neuen Ansatz
erarbeitet, der dem wirtschaftlichen Wert der Erhaltung des Regenwaldes Rechnung trägt.

verwirklichen. Wir sind deshalb bereit, die internationale Umwelthilfe der Vereinigten Staaten um 66 Prozent verglichen mit dem Niveau von 1990 zu erhöhen,
zusätzlich zu den über 2,5 Milliarden Dollar, die wir
über die Entwicklungsbanken der Welt für Projekte der
Einige behaupten, Wirtschaftswachstum und Umwelt- Agenda 21 beisteuern.
schutz seien unvereinbar. Sie sollten in die Vereinigten Staaten kommen - wo in den 20 Jahren seit Wir kommen nach Rio mit besseren wissenschaftliStockholm unsere Wirtschaft um 57 Prozent gewach- chen Erkenntnissen über die Umwelt als jemals zuvor
sen ist, während wir den Aussto ß von Blei in die Luft um sowie mit der Einsicht, daß wir vieles tun, dessen
97 Prozent, den von Kohlenmonoxid um 41 Prozent Auswirkungen noch nicht erwiesen sind. Wir sind
und den Teilchenausstoß um 59 Prozent reduziert femer bereit, unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse
haben. Wir haben unsere Gewässer gereinigt und zu teilen und die Welt bei einem kontinuierlichen
unsere Parks, unberührte Wildnis und Tierbestände Forschungsprogramm anzuführen.
erhalten.
Wir kommen nach Rio mit der Bereitschaft, die beiEinige behaupten, die politisch Verantwortlichen der spiellosen Bemühungen der Vereinigten Staaten beim
Welt scherten sich nicht um die Erde und Umwelt. Schutz von Arten und Lebensräumen fortzusetzen.
Und dies möchte ich eindeutig feststellen: Unsere
Nun, sie alle sollten nach Rio kommen.
Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt werden die
Herr Präsident, wir sind nach Rio gekommen. Wir Bestimmungen des Vertrages sogar noch übertreffen
haben die Besorgnis nicht nur gesehen, wir teilen sie. - in der Tat übertreffen. Aber jenes vorgeschlagene
Wir sind nicht nur besorgt, wir ergreifen Maßnahmen. Abkommen droht die Gentechnik zurückzuwerfen und
Wir kommen nach Rio mit einem Aktionsplan zum den Schutz von Ideen zu untergraben. Und im GegenKlimawandel. Er betont die effiziente Energieausnut- satz zum Klimaabkommen wird sein Finanzierungszung, sauberere Luft, Wiederaufforstung, neue Tech- plan nicht funktionieren. Es ist niemals leicht sich allein
nologie. Und ich freue mich berichten zu können, daß zu einem Prinzip zu bekennen, aber bisweilen erforich gerade die Rahmenkonvention zum Klimawandel dert eine Führungsrolle, dies zu tun. Und heute ist ein
unterzeichnet habe.
solcher Zeitpunkt.
Und heute lade ich meine Kollegen aus den Industriestaaten ein, gemeinsam unverzüglich die Umsetzung
der Konvention in Angriff zu nehmen. Ich schlage vor,
daß unsere Länder bis zum 1. Januar zusammenkommen, um unsere nationalen Pläne zur Erfüllung der
speziellen Verpflichtungen der Rahmenkonvention
vorzulegen. Lassen Sie uns gemeinsam die hier
gesprochenen Worte in konkrete Maßnahmen zum
Schutz des Planeten umsetzen.
Wir sind nach Rio mit dem Vorschlag gekommen, die
internationale Forsthilfe zu verdoppeln. Wir sind zur
Zusammenarbeit bei gleichzeitiger Wahrung der nationalen Souveränität bereit, um neue Strategien zum
künftigen Schutz der Wälder zu erarbeiten. Als Anzahlung werden wir nächstes Jahr die bilaterale amerikanische Hilfe verdoppeln, und wir werden im Inland
Reformen durchführen, indem wir den in amerikanischen Wäldern als Norm geltenden Kahlschlag abschaffen und uns bemühen, jährlich eine Milliarde
Bäume anzupflanzen.

Ich gebe zu, es hat einige Kritik an den Vereinigten
Staaten gegeben. Aber ich muß Ihnen sagen, daß wir
mit Stolz auf das von uns Geleistete und mit dem
festen Engagement nach Rio kommen, die Bilanz
amerikanischer Führung bei Umweltfragen zu erweitem. In den Vereinigten Staaten bestehen weltweit die
strengsten Abgas- und Emissionsvorschriften für
Automobile und Fabriken, die fortschrittlichsten Gesetze zum Schutz von Land und Gewässern sowie der
offenste Prozeß zur Beteiligung der Öffentlichkeit.
Und nun noch eine Binsenwahrheit. Die amerikanische Bilanz beim Umweltschutz ist unerreicht. Ich bin
also nicht hierher gekommen, um mich zu entschuldigen. Wir sind hierher gekommen, um auf wohlüberlegte Ziele und entschlossene Maßnahmen zu drängen.
Und solche Maßnahmen werden unser anhaltendes
Engagement für die Führungsrolle und internationale
Zusammenarbeit beim Umweltschutz unterstreichen.

Wir gehen davon aus, daß der Weg nach Rio gleichermaßen zu Umweltschutz und Wirtschaftswachstum,
Wir kommen nach Rio mit einem umfangreichen Pro- zu Umwelt und Entwicklung weisen muß. Jetzt steht
gramm zur technologischen Zusammenarbeit. Wir fest, für eine kontinuierliche Entwicklung müssen wir
sind bereit - und zwar Regierung und Privatsektor - zur die Umwelt schützen und um die Umwelt zu schützen,
Verbreitung grüner Technologie beizutragen und eine müssen wir die Entwicklung bewahren.
neue Generation sauberen Wachstums einzuleiten.
Es ist gesagt worden, daß wir die Welt nicht von
Wir kommen nach Rio mit der ErkenntnU daß die unseren Vorfahren erben, sondern von unseren KinEntwicklungsländer beim weltweiten Schutz der Umwelt dern ausleihen. Und wenn unsere Kinder auf diese
eine Rolle spielen müssen, aber Unterstützung benö- Zeit und diesen Ort zurückblicken, werden sie dankbar
tigen werden, um dieses sauberere Wachstum zu dafür sein, daß wir uns in Rio getroffen haben. Und sie
Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�werden sicherlich über die erklärten Absichten und
eingegangenen Verpflichtungen erfreut sein. Aber sie
werden uns nach den Maßnahmen beurteilen, die wir
von diesem Tag an ergriffen haben. Wir sollten sie
nicht enttäuschen.

Herr Präsident, ich möchte Ihnen nochmals gratulieren. Herr Generalsekretär, Ihnen gilt unser aufrichtiger
Dank. Und vielen Dank an Sie alle.

* * * * *

AMERIKA DIENST 24

Seite 3

�ERDGIPFEL
17. JunM992

REILLY SIEHT ZAHLREICHE FORTSCHRITTE
BEI UMWELTKONFERENZ
Pressekonferenz beim Erdgipfel
RIO DE JANEIRO - (AD) - Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung konnte in vielen
Bereichen erfolgreich abgeschlossen werden und hat dem Leiter der amerikanischen Delegation zufolge die
Erwartungen übertroffen.
William K. Reilly, der Direktor des US-Umweltschutzamts, erläuterte am 12. Juni vor Journalisten vereinbarte
Deklarationen und Konventionen zu Wäldern, Klima, Ozeanen, Bevölkerung und anderen Themen wie auch die
kurz vor der endgültigen Verabschiedung stehende Agenda 21, eine 800 Seiten umfassende Liste von
Umweltzielen und Maßnahmen zu deren Verwirklichung.
Reilly erklärte, die Vereinigten Staaten seien "zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz", und verteidigte die
amerikanische Umweltpolitik mit den Worten: Im Hinblick auf die Umwelt "ist, glaube ich, die Ansicht ziemlich
weitverbreitet, daß niemand mehr als die Vereinigten Staaten getan hat".
Zu einer Reihe kontroverser Themen bei der Konferenz stellte Reilly fest, die Vereinigten Staaten "werden unter
gar keinen Umständen unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf
Konzessionsbasis anderen zugänglich zu machen", und fügte hinzu, die Vereinigten Staaten hätten eine
eindeutigere Erklärung zum Schutz der Wälder begrüßt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserklärung und nachfolgende Pressekonferenz in wesentlichen
Auszügen.
Wir nähern uns der Endphase dieser Konferenz über
Umwelt und Entwicklung hier in Rio. Sie haben vor
kurzem die Rede des Präsidenten gehört. Meines
Erachtens hat diese Rede sowohl den Ton der Konferenz getroffen als auch im wesentlichen die amerikanischen Erfahrungen erfaßt, die wir mitbringen und
dieser Konferenz zum Nutzen der übrigen Welt anbieten - eine Rede, die auf die beachtlichen Erfolge der
Vereinigten Staaten im Bereich der Umwelt verwies.
Ein Bereich, in dem wir meiner Meinung nach in den
vergangenen 20 Jahren wahrscheinlich so viel, wenn
nicht mehr erreicht haben als jedes andere hier vertretene Land.
Die Rede trug den Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung und unserer Bereitschaft, ihnen weiterhin bei der Bewältigung von Umweltproblemen zu
helfen. In dieser Rede wurde femer auf unsere Absicht
verwiesen, im Umweltbereich weiterhin einen Führungsrolle zu übernehmen. Der Präsident stellte ausdrücklich fest, daß wir die Bedingungen der Konvention zur Artenvielfalt mehr als erfüllen. Wir werden in
diesem Bereich ebenso eine FührungsroHe übernehmen wie beim Schutz von Parks, unberührter Wildnis

AMERIKA DIENST 24

und Tierreservaten. Wir werden den Artenschutzvertrag nicht unterzeichnen, wir werden jedoch weiterhin
anderen beim Schutz der Artenvielfalt behilflich sein
und in den Vereinigten Staaten das Tempo vorgeben,
wo die Gesetze ihresgleichen suchen.
Die Konferenz war eine Folgekonferenz der 1972
abgehaltenen Stockholmer Konferenz über eine
menschliche Umwelt. Diese Konferenz war die erste
internationale Zusammenkunft zu Umweltfragen und
hat das Bewußtsein zu Umweltproblemen geschärft,
mit dem Ergebnis, daß binnen rund eines Jahres
weltweit 65 neue Umweltministerien gegründet wurden. Sie führte zu der Konvention über Entsorgung im
Meer und einer Reihe praktischer Vereinbarungen zur
Umwelt.
Diese Konferenz soll diesen Prozeß maßgeblich voranbringen und umweltpolitische Prioritäten setzen, sie
zu Prioritäten nicht nur für die Umweltminister, sondern auch für die Außen- und Finanzminister machen
und Umweltprioritäten in Handels-, Wirtschafts-, Landwirtschafts- und außenpolitische Fragen einbeziehen.

Seite 1

�Wir können auf eine Reihe von Erfolgen bei dieser
Konferenz verweisen. Ich denke an 3 Uhr heute
morgen, als wir die Verhandlungen über eine Erklärung zum Schutz der Wälder abgeschlossen haben,
von der viele dachten, wir würden sie nie erzielen. Hier
waren 170 Länder vertreten, die alle aus ihrem eigenen
Blickwinkel und von ihrem Standpunkt aus hart verhandelten. Wir hatten eine 800 Seiten umfassende
Agenda 21 mit Verpflichtungen zu Ozeanen, zur Bevölkerung, Beteiligung der Öffentlichkeit, zum Recht
der Gemeinden auf Information, zum Umweltschutz
und zu Wäldern.
Es gab eine Erklärung zum Schutz der Wälder. Es gab
die Rio-Deklaration selbst - ein Dokument, das eine
Reihe von Anliegen zur Umwelt anspricht, und zum
ersten Mal sprechen die mir bekannten Berichte - oder
Verpflichtungen - der Vereinten Nationen über die
Notwendigkeit wirtschaftlicher Instrumente, erkennen
die bedeutende Rolle freier Märkte bei der Unterstützung von Ländern an, die ihre Umweltprobleme angehen und stützt sich in der Tat auf die Erfahrungen der
Vereinigten Staaten.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Verlauf der Konferenz
und insbesondere sind wir befriedigt, daß es uns
gelungen ist, jetzt die meisten Elemente der Agenda
21 zum Abschluß zu bringen. Einige Themen - Finanzierungsfragen - müssen heute abend noch angesprochen werden, und ich vermute, die Diskussionen werden
auch heute wieder bis spät in die Nacht gehen. Aber
die Rio-Deklaration ist eine Leistung, und sie ist abgeschlossen. Der Großteil der Agenda 21 ist bewältigt.
Eine Erklärung zum Schutz der Wälder wurde erzielt,
die in der Tat die Aussicht auf eine andauernde Überprüfung der Prinzipien und die Möglichkeit enthält,
über sie - wie Präsident Bush hofft - zu einer weltweiten
Konvention über Wälder hinauszugehen, obwohl sie
sich dem Ziel der Vereinigten Staaten nicht ausdrücklich verpflichtet, ein Versprechen zu einer globalen
Konvention über Wälder zu erhalten.
Wenn ich 3 oder 4 Monate zurückblicke, als ich hierher
kam, um mit den Brasilianern die Einzelheiten eines
möglichen Präsidentenbesuchs zu erörtern, waren
ihre Erwartungen sehr viel niedriger als sie bis jetzt
tatsächlich verwirklicht und bekräftigt wurden. Sie
hofften auf etwas mehr Geld. Nun, die Vereinigten
Staaten haben die für die Umwelt bereitgestellte Auslandshilfe verglichen mit 1990 um 66 Prozent aufgestockt -150 Millionen Dollar davon fließen in die neue
Initiative zu Wäldern. Diese Initiative wurde sehr gut
aufgenommen.
Inzwischen haben wir das Versprechen von mehreren
Ländern der G-7 erhalten, sich für sie zu engagieren
und sie zu unterstützen. Darüber hinaus gibt e: mehr
als ein halbes Dutzend Entwicklungsland? r mit Wäldern, die an uns herangetreten sind und uns gebeten
haben, ihre Projekte in Erwägung zu ziehen. Wir
hoffen, daß Sie das tun werden. Projekte hier im
Seite 2

Bundesstaat Rio de Janeiro, Projekte am Amazonas,
in Zentralamerika und anderen Teilen Lateinamerikas
sowie auch in Asien.
Dies war ein Erfolg. Und wir sind besonders erfreut,
daß sowohl Premierminister Mulroney als auch Bundeskanzler Kohl die Initiative des Präsidenten erwähnt
und sie unterstützt haben.
Jetzt möchte ich gerne auf Ihre Fragen eingehen.
Frage: Können Sie uns alles über die Konferenz vom
1. Januar sagen? Was versprechen Sie sich davon?
Ist sie ein weiteres Treffen der Staats- und Regierungschefs, nur dieses Mal zur Erderwärmung?
Antwort: Nein, der Präsident hat gesagt, daß wir uns
jetzt zu einem Vertrag über Klimaveränderungen verpflichtet haben. Das Thema, das wir in diesem Zusammenhang seit langem erörtern, sind die spezifischen
Verpflichtungen, die wir zu Klimaveränderungen eingehen. Wir haben uns hier zu einem fünfteiligen
Programm verpflichtet und Präsident Bush sagte, er
werde unser eigenes Aktionsprogramm zu Klimaveränderungen entwickeln, es der Welt vorlegen und es
bis zum 1. Januar fertiggestellt haben. Er ermutigte
andere Länder zur Beschleunigung ihrer eigenen Aktionen bei der Entwicklung spezifischer Maßnahmen
zur Kontrolle von Treibhausgasen und zu einer Zusammenkunft, um diese Informationen auszutauschen
und eine Bilanz vorzunehmen. Hier hätten wir einen
Informationsaustausch, der sich nicht auf Regierungsebene vollziehen würde.
Frage: Haben Sie realistische Erwartungen, daß
andere Länder diesen Termin und diese Herausforderung akzeptieren?
Antwort: Nun, das hoffe ich. Wir wissen, daß die
Niederlande ebenso wie wir nach einem ziemlich eng
gesteckten Zeitrahmen vorgehen. Wir werden sehen,
was die anderen tun können. Meines Erachtens ist
dies eine gute, echte Herausforderung. Er sagt praktisch: Es wird eine Weile dauern, bis der Vertrag
ratifiziert und in die Praxis umgesetzt wird. Verhalten
wir uns doch einfach so, als ob er wirksam wäre und
fangen wir an, die Dinge zu tun, die er im Hinblick auf
Wissenschaft, Bestände, Aktionspläne und so weiter
von uns verlangt.
Frage: Ich dachte, die amerikanische Position lautete,
daß wir grundsätzlich bereits einen Aktionsplan haben
und unserer Meinung nach die übrige Welt artikulieren
sollte...
Antwort: Wir haben die meisten Elemente eines
Aktionsplans erarbeitet, die entweder vorgeschlagen
und verwirklicht oder zumindest in Erwägung gezogen
wurden, und wir hoffen, daß sie in den kommenden
Monaten vom Kongreß verabschiedet werden. Nicht
alle Aspekte sind vollständig abgehandelt. Aber meines Erachtens besteht kein Zweifel, daß wir mehr

AMERIKA DIENST 24

�Stücke dieses Aktionsplans als irgendwer anders haben.
Frage: Haben Sie eine Idee, wo dieses Treffen
stattfinden wird?
Antwort: Nein.
Frage: Mr. Reiliy, als der Präsident in seiner Rede die
amerikanische Bilanz als unerreicht darstellte, hörte
man Gelächter unter den Teilnehmern. Wie konnte es
geschehen, daß die Vereinigten Staaten bei dieser
Konferenz so isoliert dastanden, und warum reagieren
die anderen Nationen so verächtlich auf seine Forderungen?
Antwort: Wie Sie wissen, begann die Konferenz mit
sehr großen Erwartungen. Die absolut unerfüllbaren
bezogen sich auf die Finanzierung. Von Brasilien, von
uns oder von der Mehrzahl der Entwicklungsländer
wurde die Konferenz nie als Veranstaltung angesehen, bei der ein größerer Transfer von Ressourcen
vorgenommen und neue Finanzierungsverpflichtungen von den Industrie- gegenüber den Entwicklungsländern eingegangen würden.
Die Vereinigten Staaten stocken ihre Finanzhilfe erheblich auf, aber verglichen mit den von Maurice
Strong genannten erforderlichen 125 Milliarden Dollar
sind offenkundig weder wir noch sonst jemand in der
Lage, dem gerecht zu werden. Soweit ich weiß, wurde
das Anliegen geäu ßert - Sie werden es heute abend in
der Debatte über die Finanzierung hören - die Auslandshilfe vom derzeitigen Niveau auf 0,7 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Wir sind einfach
nicht in der Lage, eine solche Verpflichtung einzugehen, und ich glaube, das bereitet einigen Ländern
Anlaß zur Sorge.
Im Hinblick auf die Leistungen zum Umweltschutz der
hier vertretenen Nationen ist, glaube ich, die Ansicht
ziemlich weitverbreitet, daß niemand mehr als die
Vereinigten Staaten getan hat. Der Präsident hat
einige davon aufgeführt - 66prozentige Reduzierung
des Partikelausstoßes in den Städten, eine 97prozentige Reduzierung des verbleiten Benzins - wohingegen
die Europäer den schrittweisen Abbau verbleiten Benzins
noch nicht abgeschlossen haben. Wir haben 1974
begonnen. Eine Reduzierung von Kohlenmonoxid und
Schwefeldioxid um über ein Drittel. Enorme Erweiterung unserer Nationalparks und unberührter Wildnis in
diesem Zeitraum.
Meines Erachtens ist weithin anerkannt, daß dies eine
vorbildliche Bilanz ist. Und ich bezweifle stark, daß
selbst die uns kritisierenden nichtstaatlichen Organisationen auf irgendein anderes Land verweisen könnten, das schärfere Gesetze, besseren Umweltschutz
oder größeren Zugang der Öffentlichkeit zur Entscheidungsfindung bei diesen Themen hat als die Vereinigten Staaten.

AMERIKA DIENST 24

Frage: Ich möchte nur sicherstellen, daß ich alles
richtig verstanden habe. Sie sagen, der Grund, warum
wir hier angegriffen wurden, ist, daß wir nicht genug
Geld ausgespuckt haben?
Antwort: Einer der Gründe für die Enttäuschung oder
Unzufriedenheit hier hatte mit dem Finanzierungsniveau zu tun. Dieses Anliegen hat die Entwicklungsländer vor einigen Monaten im Hinblick auf ihre eigene
Beteiligung sehr beschäftigt. Es gab genug Zusagen.
In der Tat konnten wir die Besorgnis Brasiliens zerstreuen und sind eine Verpflichtung in Höhe von 50
Millionen Dollar zum Kernfonds der Umweltfazilität
eingegangen, um zu zeigen, daß wir zu diesem Zweck
zur Aufstockung eines bereits hohen Betrags an Auslandshilfe bereit sind - er belief sich im vergangenen
Jahr auf 11 Milliarden Dollar.
Es besteht keine Frage, daß auch Besorgnis über
unsere Position zum Klimavertrag geäußert wurde,
insbesondere seitens der Europäischen Gemeinschaft,
die bis zum Jahr 2000 eine spezifische Stabilisierungsverpflichtung auf der Grundlage von 1990 wünschte.
Und die von uns getroffene Entscheidung, die Konvention zur Arten Vielfalt nicht zu unterzeichnen, wurde hier
offensichtlich nicht gut aufgenommen. Meines Erachtens wurde sie hier mißverstanden.
Das Argument, das ich in diesem Zusammenhang
vorzubringen versuche, lautet, wenn man die sachfremden Elemente betrachtet, die für mich als Umweltschützer überraschenderweise in einem Dokument so
breiten Raum einnehmen, das eigentlich Flora und
Fauna schützen soll - wenn man das Recht auf geistiges Eigentum, die Regeln für Gentechnologie und das
Finanzierungselement aus der Konvention zum Artenschutz herausnimmt, hätten wir damit kein Problem
gehabt.
Wir sind sehr erfreut, daß die Europäische Gemeinschaft in ihrer eigenen Signatarerklärung einige eben
dieser Probleme zitiert und die Absicht bekundet hat,
auf ihre Behebung hinzuarbeiten. In der Unterzeichnungserklärung zum Artenschutzvertrag von Präsident Collor bezog er sich auf die Notwendigkeit bei der
Behandlung eines so wichtigen Vertrags wie diesem,
daß er universell anwendbar ist und den Wunsch der
brasilianischen Regierung, dies durch Durchführungsmaßmahmen zu bewirken.
Wir sehen dies als Anzeichen, daß bei der Verfassung
von Protokollen zur Artenschutzkonvention unseren
Sorgen Gehör geliehen wird, und darüber sind wir
erfreut.
Frage: Warum mußten wir ihn unterschreiben - warum wollten bestimmte Gruppen, daß wir einen Vertag
unterschreiben, der das unterstützt?
Antwort: Zweifelsohne befindet sich die Welt heute in
einer Krise bezüglich des insbesondere auf die Zerstö-

Seite 3

�rung von tropischen Regenwäldern zurückzuführenden Verlusts von Spezies. Pro Jahr gehen Schätzungen zufolge nahezu 19 Millionen Hektar mit einem
Großteil von Pflanzen- und Tierarten verloren, wovon
viele vernichtet werden, bevor sie überhaupt entdeckt
werden und einen Namen erhalten. Das ist eine
Tragödie für unseren Planeten. Es ist ein Verlust
potentiell nützlicher Produkte, die häufig als Grundlage
für Arzneimittel, Medikamente und Heilmittel dienen.
Und es ist etwas, das wir in den von Präsident Bush
vorgeschlagenen biologischen Übersichten publik
machen möchten.
Wir haben gestern ein Programm für weltweite Bestandsaufnahmen vorgelegt, die wir gemeinsam mit
anderen Ländern durchführen wollen. Sie werden diesen Vorschlag prüfen und entscheiden müssen, ob er
für sie sinnvoll ist, und wir werden ihn entsprechend
anpassen. Der Grund für diesen Vorschlag ist jedoch,
die Grundlage für die Bilanz zu schaffen, was wir an
Arten haben und was verloren gehen könnte, und uns
ein gewisses Gefühl für die Prioritäten bei unserem
Vorgehen zu vermitteln.
Frage: Der Präsident hat gesagt, die Vereinigten
Staaten werden die Bedingungen des Artenschutzvertrags erfüllen oder sogar darüber hinausgehen. Heißt
das, daß die Vereinigten Staaten einen Beitrag zu dem
in dem Vertrag enthaltenen Finanzierungsmechanismus leisten werden?
Antwort: Ja, das trifft zu. Der Finanzierungsmechanismus...
Frage: Selbst wenn wir bei der Verteilung keine Rolle
spielen?
Antwort: Das ist zutreffend. Der Finanzierungsmechanismus der Konvention über Artenvielfalt ist die
Globale Umweltfazilität. Wir sind eine Verpflichtung im
Hinblick auf den Kernfonds dieser Fazilität eingegangen. Offensichtlich haben wir einen gewissen Einfluß
auf die Vergabe dieser Gelder, aber wir werden nur
einer von vielen Geldgebern sein, unabhängig von der
Tatsache, daß wir den Vertrag nicht unterzeichnen.
Frage: Und werden wir auf irgendeine Weise von
unserer Industrie verlangen, ihre Patente und ihr geistiges Eigentum mit anderen zu teilen?
Antwort: Wir werden unter gar keinen Umständen
unserer Industrie vorschreiben, ihre Patente weiterzugeben oder ihre Technologie auf Konzessionsbasis
anderen zugänglich zu machen. Genau dies haben wir
bei diesem Vertrag unter anderem als unangebracht
betrachtet.
Frage: Also werden wir diesem Aspekt, daß entwikkeltere Länder geistiges Eigentum mit den weniger
entwickelten Staaten teilen, von denen sie die Rohstoffe beziehen, nicht entsprechen oder darüber hinausgehen?

Seite 4

Antwort: Was unserer Meinung nach wichtig ist, ist
der Schutz von Pflanzen- und Tierwelt an sich. Wir
haben in der Uruguay-Runde des GATT verhandelt,
um Rechte an geistigem Eigentum besser zu schützen. Wir werden doch nicht hier bei einem Vertrag über
Umwelt aufgeben, was zu schützen wir uns dort so
energisch bemüht haben.
Wir werden weiterhin zur Sammlung von Informationen über Artenvielfalt ermutigen. Und in den Ländern,
in denen so etwas existiert, wie etwa in Costa Rica,
meinen wir, daß die Arten von Arrangements, die dort
zum Beispiel mit Merck ausgehandelt wurden und
denen zufolge Material im Gegenzug für eine Gewinnbeteiligung geliefert wird, sehr vernünftige und angemessene Beziehungen herstellen. Costa Rica war
dazu in der Lage, weil man dort den anderen so weit
voraus ist in dem Wissen, was man zu bieten hat.
Eine Tatsache, mit der wir bei der Agenda 21 sehr
zufrieden sind, ist das Kapitel über Ozeane. Ozeane
waren eine Priorität der Vereinigten Staaten. Wir
waren das Land, das diesen Punkt auf die Tagesordnung setzte. Wir wollten uns insbesondere auf die
Überwachung der Meere unter Einsatz unserer Weltraumtechnik konzentrieren, denn wir haben die einzigartige Fähigkeit, dies zu tun, und uns auf die extreme
Verschmutzung zu konzentrieren, die in zahlreichen
küstennahen Gewässern sowie Gewässern der Binnenmeere der Welt existiert und die im allgemeinen
von Quellen an Land hervorgerufen wird.
Wir erwarten, an der Einberufung einer Konferenz in
den nächsten eineinhalb Jahren mitzuwirken, um
Maßnahmen zur Verwirklichung dieses Kapitels zu
beschleunigen. Darüber hinaus erwarten wir, an der
Entwicklung eines Umlauffonds für die Klärung von
Abwässern mitzuwirken, die von Verschmutzungsquellen an Land produziert werden.
Frage: Könnten Sie uns etwas mehr über die Verhandlungen erzählen, die zu der Einigung über Waldprinzipien führten? Ich habe bemerkt, daß der Abbau
von Handelssanktionen im Schlußtext geblieben ist,
obwohl die Vereinigten Staaten diese Passage gestrichen haben wollten, und daß einige Verweise auf das
Recht auf Entwicklung in irgendeiner Form noch im
Text vorkommen. Wo mußten Sie Zugeständnisse
machen, um...
Antwort: Wie Sie wissen, lehnten wir die Schaffung
eines neuen "Rechts auf Entwicklung" ab, jedoch nicht,
weil wir das Recht eines Landes zu investieren, wirtschaftliche Möglichkeiten zu erschließen und sich
wirtschaftlich zu verbessern bestreiten, sondern vielmehr, weil dieses Konzept eine Vorgeschichte im
Bereich Menschenrechte hat und benutzt wurde, um
Maßnahmen zu rechtfertigen, die in einigen Ländern
die Menschenrechte verletzten und ihnen zuwiderliefen. Wir haben das "Recht auf Entwicklung" konsequent abgelehnt, und ich habe dies erst gestern abend

AMERIKA DIENST 24

�getan. Worauf wir uns geeinigt haben, ist der Wortlaut
"das Recht auf sozio-kulturelle Entwicklung auf tragfähiger Basis", was wir als ausreichend verändertes
Konzept betrachten, das wir unterstützen können.
Ihre andere Frage bezog sich auf Handelssanktionen.
Die Sprachregelung zu Handelssanktionen sah grundsätzlich vor, daß wir an freien Handel glauben und die
Souveränität der Staaten bei der Kontrolle ihrer Rohstoffe anerkennen.
Abgesehen von einigen Einzelheiten bei der Walddeklaration ist sie also nicht so stark wie wir das gern
gesehen hätten. Wir haben uns für stärkere Naturschutzbestimmungen eingesetzt, und wir haben uns
um die Anerkennung des weltweiten Beitrags der
Wälder bemüht, des Werts, den sie als Klimaregulator
und Absorbierer von Kohlenstoff haben.
Diese von uns vertretenen Anliegen wurden von den
Entwicklungsländern, in denen es Wälder gibt, energisch zurückgewiesen. Sie betrachten die Erwähnung
globaler Werte als implizite Bedrohung ihrer Souveränität, die schließlich zu einer Globalisierung oder Internationalisierung ihrer Wälder führen könnte. Deshalb
haben wir einen Großteil der gestrigen Nacht damit
verbracht, einen Wortlaut zu erarbeiten, der den Anliegen beider Seiten gerecht würde, der es uns gestatten
würde, die Gründe klarzustellen, warum wir eine Walderklärung verabschieden, nämlich, weil alle Länder
darüber besorgt sind, wie einige andere Länder mit
ihren Wäldern umgehen.
Wir versuchen nicht, ihre Wälder einem Regime zu
unterwerfen, das wir nicht auf uns selbst anwenden
würden, aber wir erkennen den globalen Wert der
Wälder an. In dem Maß, in dem sie diesen Wert
anerkennen, werden sie weitere Ansprüche auf Ausfr *

AMERIKA DIENST 24

landshilfe geltend machen können, da sie eine Schlüsselrolle bei der Milderung der Klimaveränderung spielen werden.
Wir haben eine Sprachregelung, die meines Erachtens
bei vielen Bestimmungen ziemlich vage ist. Wir haben
uns ebenso - besonders in den letzten Wochen, aber
auch während der gesamten Verhandlungen - ziemlich
energisch darum bemüht, eine Verpflichtung für eine
Waldkonvention zu erlangen. Die Sprachregelung
hierzu legt nahe, daß wir die Angemessenheit der
Erklärung selbst, der Prinzipien weiter überprüfen und
- ich habe den genauen Wortlaut vergessen - die
gegebenenfalls notwendigen internationalen Arrangements berücksichtigen. Für uns bedeutet dies eine
Konvention, für die Entwicklungsländer jedoch nicht.
Frage: Was erwarten Sie in bezug auf internationale
Organisationen, die in den nächsten fünf bis zehn
Jahren die Führungsrolle beim Umweltschutz spielen
werden?
Antwort: Es gibt eine Reihe von Aufgaben, die
verschiedenen Gremien insbesondere im System der
Vereinten Nationen zugewiesen werden - dem UNUmweltprogramm, dem UN-Entwicklungsprogramm
und einer neuen Kommission für tragfähige Entwicklung, die gegründet und dem Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen unterstellt sein wird. Die
Funktionen dieser Kommission sind noch nicht präzise
definiert worden. Sie wird sicherlich eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Verknüpfung von Umwelt
und Wirtschaft zu betonen. Wirhoffen, daßsiebeidem
in UN-Gremien vorherrschenden Denken die Prioritäten etwas über den alten Stand hinausbringen wird.
Und das wird bei der UN-Generalversammlung diesen
Herbst in New York eingehender erörtert werden.

* *

*

Seite 5

�USA-EUROPA
17. JunM992

DAS VERSTÄRKTE AMERIKANISCHE
ENGAGEMENT IM NEUEN EUROPA
Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
BONN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede, die der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Robert. M. Kimmitt, am 15. Juni 1992 bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bonn
gehalten hat. Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Herr Dr. Veen,
meine Damen und Herren,
es ist mir ein großes Vergnügen, heute abend zu Ihnen
über das Thema "Verstärktes amerikanisches Engagement im neuen Europa" zu sprechen. Dies ist ein
Thema, das, wie ich glaube, für ein deutsches Publikum ebenso wichtig ist wie für einen amerikanischen
Botschafter. Darüber hinaus ist dies aufgrund des
starken Engagements der Konrad-Adenauer-Stiftung
für die deutsch-amerikanische Partnerschaft ein besonders geeigneter Anlaß, um die Zukunft der transatlantischen Verbindung zu erörtern, aus der unsere
Länder in den vergangenen vier Jahrzehnten solch
großen Nutzen gezogen haben.
Die Geschichte des Engagements der Vereinigten
Staaten in der Nachkriegszeit - in Partnerschaft mit
ihren europäischen Verbündeten - ist einer der grö ßten
Erfolge in der Geschichte der Neuzeit. Über vier
Jahrzehnte hinweg hat es unseren Ländern den Frieden und die Freiheit bewahrt, indem es die Bedrohung
des Kommunismus eindämmte. Schließlich brach
dieses furchtbare politische und wirtschaftliche System unter dem Gewicht seiner eigenen Widersprüche
und Mißerfolge zusammen.
Trotzdem wird von einigen Beobachtern die These
vertreten, das amerikanische Engagement in Europa
sei in Gefahr, Opfer seines Erfolges zu werden. In
diesem Zusammenhang werden die beiden folgenden
Fragen vielleicht am häufigsten gestellt:
Erstens, wird Amerika nach dem Sieg im kalten
Krieg nun sagen, "der Auftrag ist erfüllt" und
seine Energien und Interessen auf seine drängenden innenpolitischen Probleme richten?

AMERIKA DIENST 24

-

Zweitens, gibt es überhaupt noch eine Rolle für
ein amerikanisches Engagement im neuen
Europa nach dem Zusammenbruch des Kommunismus, und wenn ja, wie sollte diese Rolle
aussehen?

Dies sind die Fragen, die ich im folgenden erörtern
möchte.
Isolationismus ist keine Antwort
Wenn wir uns den bevorstehenden Aufgaben stellen,
müssen wir uns des Sprichworts erinnern: "Es ist in
Ordnung, Fehler zu machen, solange es nicht die
falschen sind." Für die Vereinigten Staaten wäre es ein
fataler Fehler, der Welt den Rücken zuzukehren, sich
von internationalen Verpflichtungen hinter nationale
Schranken zurückzuziehen. Weltweite Interdependenz ist mehr als ein Klischee; sie ist eine Tatsache
des internationalen Lebens in unserer Zeit.
Diejenigen, die sich Gedanken über die Möglichkeit
eines neuen amerikanischen Isolationismus machen,
verweisen auf die historische Anomalie des amerikanischen Engagements in Europa. In seiner letzten Rede
als Präsident warnte George Washington ausdrücklich
vor einer amerikanischen Verwicklung in europäische
Angelegenheiten: "Europa", erklärte Washington, "hat
eine Reihe vordringlicher Interessen, die nicht oder nur
sehr entfernt zu uns in Beziehung stehen." Bis zu ihrer
Teilnahme am Ersten Weltkrieg befolgten die Vereinigten Staaten diesen Rat rigoros. Und wie wir wissen,
folgte auf dieses anfängliche Engagement eine zutiefst isolationistische Reaktion. Könnte eine ähnliche
Reaktion auch dem Ende des Kalten Krieges folgen basierend auf der Überzeugung, Amerika habe seit
1941 für Europa "genug getan" und müsse sich jetzt
anschicken, das eigene Haus in Ordnung zu bringen?

Seite 1

�Die tiefen Wurzeln des amerikanischen Gefühls der
Einzigartigkeit, die sich in einer Art von geistigem
Isolationismus manifestierten, sind nicht von der Hand
zu weisen. Dieser Isolationismus gründete sich auf die
Vision von Amerika als einer "neuen Welt". In Lincolns
Worten bot Amerika die "letzte, beste Hoffnung der
Menschheit", oder, wie der Kolonialgouverneur von
Massachusetts, John Winthrop, mit einer Anleihe beim
Matthäus-Evangelium einmal sagte, eine "Stadt auf
dem Hügel, auf der die Augen aller Menschen ruhen".
Dieser traditionellen Sichtweise zufolge war Amerika
dem Rest der Welt überlegen. Seine Funktion bestand
darin, als Inspiration und Beispiel zu dienen - und dies
könnte am besten gewährleistet werden, wenn es nicht
durch den Kontakt mit einer alten Welt, die in feudalen
Traditionen, Kriegen, und Ungleichheit verhaftet war,
infiziert würde.
Diese utopische Vision ist immer noch nicht tot. Sie
bleibt - und das gilt auch für die Zukunft - eines von
zahlreichen Elementen, die insgesamt die amerikanische Haltung zur Rolle der Vereinigten Staaten in der
Welt formen.
Ich möchte jedoch argumentieren, daß die Erfahrung
dieses Jahrhunderts das amerikanische Volk dazu
veranlaßt hat, die von Washington in seiner Abschiedsrede geäußerte Ansicht über Europa zu revidieren.
Die Welle des Isolationismus, die Amerika nach dem
Ersten Weltkrieg erfaßte, war die letzte ernsthafte
Bestätigung seiner Ansicht, daß die Ereignisse .in
Europa für die Vereinigten Staaten belanglos seien.
Hätte es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben, wäre
dieses Konzept vielleicht das vorherrschende Element
der amerikanischen Politik gegenüber Europa geblieben.
Es gab jedoch einen Zweiten Weltkrieg, und Amerika
stellte eindeutig fest, daß es sich von diesem Kampf
nicht fernhalten konnte, wenn die Welt ein lebenswerter Ort bleiben sollte.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die große Mehrheit des amerikanischen Volkes die Ergebnisse sowohl des Zweiten Weltkrieges als auch des Kalten
Krieges als Bestätigung dafür betrachtet, daß die
Aufrechterhaltung von Frieden und Freiheit in Europa
für die Vereinigten Staaten von unmittelbarem und
vitalem Interesse ist.
Diese Haltung wird von jüngsten Meinungsumfragen
unterstützt. Einer unlängst von Gallup durchgeführten
Umfrage zufolge befürworten sechzig bis siebzig Prozent der Amerikaner eine aktive Rolle der Vereinigten
Staaten in der Weltpolitik, während nur zwanzig bis
dreißig Prozent ein aktives Engagement im Ausland
ablehnen. Der Anteil der Anhänger einer aktiven
amerikanischen Rolle ist erheblich größer als vor fünf
Jahren.
Sicherlich spiegeln die Meinungsumfragen ebenfalls
die Überzeugung der Amerikaner wider, daß innenpolitischen Problemen mehr Aufmerksamkeit als bisher
gewidmet werden muß. Aber sie betrachten diese
innenpolitischen Bemühungen als Ergänzung zum
weiterbestehenden amerikanischen Engagement in
der Weltpolitik und nicht als dessen Ersatz. "America
First" heißt nicht "America Alone".
Ein neues amerikanisches Engagement
In welcher Form sollte dieses Engagement jedoch zum
Ausdruck kommen? Welche Rolle soll Amerika in dem
sich abzeichnenden neuen Europa spielen? Wie können
wir dieses Engagement zum gegenseitigen Vorteil
Europas und der Vereinigten Staaten verstärken?
Zunächst, wie Präsident Bush und Außenminister
Baker wiederholt in öffentlichen Erklärungen klargestellt haben, betrachtet Amerika die europäische Sicherheit weiterhin als entscheidend für die Sicherheit
der Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten sind
und bleiben eine europäische Macht.

Während viele Amerikaner in den dreißiger Jahren
unklugerweise den Aufstieg des Nationalsozialismus
als rein europäische Angelegenheit betrachteten, die
sie ignorieren zu können meinten, wußten die Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg, daß die vom
kommunistischen Expansionsdrang ausgehende
Bedrohung der Freiheit für die Vereinigten Staaten
eine Angelegenheit lebenswichtigen Interesses war.
Es war eine Herausforderung, die nicht nur in Europa,
sondern weltweit erfolgreich bestanden werden mu ßte
- und bestanden wurde.

Es trifft zu, daß der Kalte Krieg vorüber ist. Aber der
blutige Bürgerkrieg, der heute dort wütet, wo vormals
Jugoslawien war - und das Potential ethnisch begründeter Auseinandersetzungen in der ehemaligen Sowjetunion - sind eindeutige Beweise dafür, daß das
goldene Zeitalter von Frieden und Stabilität in Europa
noch nicht angebrochen ist. Die alten Bedrohungen
sind verschwunden, aber neue Ungewißheiten sind
entstanden, die nur durch anhaltendes und enges
amerikanisches Engagement in Europa und insbesondere mit unseren Verbündeten in der NATO gemeistert
werden können.

Nach vierzig Jahren war auch der Sieg im Kalten Krieg
errungen - kein Sieg über das sowjetische Volk, sondern ein Sieg über ein unmenschliches System. Endlich
haben wir - um mit den Worten Präsident Bushs zu
sprechen - ein ungeteiltes und freies Europa vor uns.

Die Vereinigten Staaten sind weiterhin der Überzeugung, daß die NATO trotz der Beendigung des kalten
Krieges das zentrale Instrument bleiben muß, mit dem
Amerika und seine Verbündeten den Frieden in Europa bewahren. Die NATO besitzt über vierzig Jahre

Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�Erfahrung bei den Bestrebungen für dieses Ziel. Sie ist
eine Organisation, die wiederholt ihre Fähigkeit bewiesen hat, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen
und gleichzeitig die Interessen all ihrer Mitgliedstaaten
zu respektieren. Dafür werden auch die Vereingten
Staaten im nächsten Jahr über 270 Milliarden Dollar für
Verteidigungausgaben aufwenden, einschließlich
mehrerer Milliarden Dollar zur Beibehaltung einer fähigen
Streitmacht hier in Europa. Und wir werden hier eine
fähige Streitmacht solange beibehalten, wie wir erwünscht sind. Diese Tatsachen sollte man sich vor
Augen führen, wenn man fragt, was Amerika zum
Schutz des neuen Europas zu tun bereit ist.
Einige legen nahe, daß nun, da der Kalte Krieg vorüber
ist, die NATO der Vergangeheit angehört und die
KSZE jetzt anfangen sollte, mehr Verantwortung für
die europäische Sicherheit zu übernehmen. Niemand,
der die Rolle der Vereinigten Staaten in der KSZE
beobachtet hat, kann an unserem Engagement für sie
zweifeln. Es ist jedoch auch unsere feste Überzeugung, daß NATO und KSZE sich ergänzen. Als ein
Gremium, das alle Mitglieder der europäischen/transatlantischen Staatengemeinschaft umfaßt, ist die KSZE
ein lebenswichtiges Forum zur Erörterung der ganzen
Bandbreite von Themen wechselseitigen Interesses einschließlich, aber nicht nur - der Sicherheit. Als
erprobtes Bündnis mit über vierzigjähriger operativer
Erfahrung ist die NATO in einzigartiger Weise geeignet, konkrete Maßnahmen für die Sache des Friedens
und der Sicherheit zu ergreifen. Dieser Tatsache - daß
NATO und KSZE sich gleichzeitig ergänzen und einzigartig sind - wurde von den NATO-Mitgliedstaaten
beim Gipfel von Oslo Rechnung getragen, als sie die
Dienste der NATO für Friedensmissionen im Namen
der KSZE anboten.
Die Sicht der Vereinigten Staaten zu einer europäischen Sicherheitsidentität
Selbst während wir zusammenarbeiten, um die NATO
an die Bedürfnisse des neuen Europas anzupassen,
sind sich die Vereinigten Staaten der Absicht der EGStaaten bewußt, eine europäische Sicherheitsidentität
zu entwickeln. Von Anfang an haben wir das Ziel der
europäischen Integration unterstützt, und unterstützen deshalb das Konzept einer europäischen Sicherheitsidentität. Besonders in dieser Zeit nach dem
Kalten Krieg müssen wir jedoch falsche Nullsummenanalysen ablehnen, die davon ausgehen, daß die europäische Sicherheitsidentität nur auf Kosten der NATO
geschaffen werden kann. Wie wir in Rom und Maastricht vereinbart haben, ist unser Ziel eine stärkere
NATO, die durch eine fähige, ergänzende europäische
Sicherheitsidentität entsteht.
Aus diesem Grund haben wir einige Fragen im Hinblick
auf das geplante deutsch-französische Korps vorgebracht. Da wir seit langem einen stärkeren europäischen Pfeiler befürworten, sind wir uns der Tatsache
bewußt, daß einige die Augenbrauen hochzogen, als
AMERIKA DIENST 24

wir einige Punkte zu dem vorgeschlagenen Korps
äußerten. Tatsache ist aber, daß die Vereinigten
Staaten, wenn sie weiterhin eine Verpflichtung für die
Sicherheit Europas übernehmen sollen, in der Lage
sein müssen, mit den Europäern den Charakter unserer gemeinsamen Sicherheitsarrangements zu erörtern.
Fragen über die Auswirkungen des deutsch-französischen Korps auf die NATO zur Sprache zu bringen,
zieht deshalb unsere anhaltende Unterstützung einer
europäischen Verteidigungsidentität nicht in Zweifel.
Diese Art von offenem Dialog ist eine Grundbedingung
für ein starkes Bündnis. Und, so möchte ich hinzufügen, wir begrüßen die Bereitschaft von Bundeskanzler
Kohl, Verteidigungsminister Rühe, und Außenminister
Kinkel, unsere Fragen zu diesem Thema zu erörtern.
Wir blicken kontinuierlichen Gesprächen erwartungsvoll entgegen, zwischen Europäern in der WEU und
zwischen den Verbündeten in der NATO, zu unserem
gemeinsamen Ziel einer stärkeren europäischen
Sicherheitsidentität und einer stärkeren NATO.
Zu einer breiter gefächerten Beziehung
Sicherheit ist ein entscheidend wichtiges Thema, aber
nur ein Teilbereich der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Es stimmt, daß uns das Ende des Kalten
Kriegs - mit seinem eminent wichtigen, aber ziemlich
engen Blickwinkel darauf, wie der Bedrohung durch
eine sowjetische Aggression entgegenzutreten sei neue Möglichkeiten bietet, die Perspektive unserer
Beziehungen zu erweitern.
Ein Bereich von zunehmender Bedeutung ist dabei
sicherlich Wirtschaft und Handel. Schließlich sind
gesunde Volkswirtschaften nicht nur für das Wohlergehen unseres Volkes entscheidend, sondern auch für
unsere Fähigkeit, die Lebensbedingungen derjenigen
zu verbessern, die weniger glücklich sind als wir. Und
wir glauben, daß wir dieses Wohlergehen durch Kooperation und Kompromisse am besten garantieren
können.
Wie die schwierigen Verhandlungen über Agrarsubventionen und GATT zeigen, gibt es Bereiche, in
denen eine Zusammenarbeit schwierig ist. Aber wenn
wir unser starkes, übergeordnetes Interesse an der
Erarbeitung akzeptabler Kompromisse im Gedächtnis
behalten, sollten wir in der Lage sein, zu unserem
gemeinsamen Vorteil zusammenzuarbeiten. In dieser
Hinsicht möchte ich betonen, wie sehr wir das Engagement des Bundeskanzlers für ein beiderseitig positives
Ergebnis der GATT-Verhandlungen begrüßen.
Ein weiterer Bereich, in dem die Vereinigten Staaten
ihr Engagement in Europa zu verstärken trachten - und
dies gemeinsam mit ihren Freunden und Verbündeten
zu tun wünschen - ist die gewaltige Aufgabe, den
Ländern Osteuropas und den nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstandenen Staaten dabei zu

Seite 3

�helfen, das verheerende politische und wirtschaftliche
Erbe des Kommunismus zu überwinden.

"Wachstumssektoren" in den amerikanisch-europäischen Beziehungen sein sollte.

Trotz Haushaltsengpässen haben die Vereinigten
Staaten für die neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion etwa sieben Milliarden Dollar bereitgestellt oder
zugesagt. Gemeinsam mit Deutschland haben wir den
Grundstein für ein internationales Wissenschaftszentrum in Rußland und der Ukraine gelegt, um das
Problem der Abwanderung fähiger Wissenschaftler zu
bewältigen. Wir haben die Aktion Hoffnung ins Leben
gerufen, um die dringendste humanitäre Hilfe zu leisten. Bei der jüngsten Konferenz in Lissabon trafen
sich 63 Länder, um weitere Schritte der Hilfe für die
ehemalige Sowjetunion in Erwägung zu ziehen.
Außenminister Baker hat eine Initiative angekündigt,
um die Sicherheit des Betriebs von Atomkraftwerken
sowjetischer Bauart in Eurasien zu verbessern. Als
Teil des Pakets hat er 25 Millionen Dollar zugesagt.

Was die Zusammenarbeit der Vereinigten Staaten und
ihrer NATO-Partner in den vergangenen vierzig Jahren letztlich ermöglicht hat, war ein System gemeinsamer Werte. Nun, da der kalte Krieg vorüber ist, haben
wir die Chance - und ich würde in der Tat sagen, die
moralische Verpflichtung - diese Werte auf die Länder
auszudehnen, die jetzt aus der Dunkelheit des kommunistischen Totalitarismus herausgetreten sind.
Meines Erachtens können Kulturaustauschprogramme der Art, wie sie die deutsch-amerikanischen Beziehungen in den vergangenen vierzig Jahren bereichert
haben, als Modell für unsere gemeinsamen Bestrebungen dienen. Wir möchten unsere Werte wie die
Achtung der Rechte des einzelnen, Respektierung der
Rechte von Minderheiten und der Marktwirtschaft, die
uns so gut gedient haben, auf die Länder Osteuropas
ausdehnen.

Präsident Bush hat unsere Unterstützung für das
multilaterale makroökonomische Hilfspaket der G-7
bekundet, deren Vorsitz dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland innehat. Dieses 24-Milliarden-DollarPaket wird Rußland helfen, seine Volkswirtschaft zu
stabilisieren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen,
und den Weg für Wachstum und Entwicklung zu bereiten. Die Vereinigten Staaten werden nahezu 20 Prozent zu diesem Paket beitragen. Ferner sind wir daran
interessiert, daß wir IWF-Hilfe fürdie anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion bereitstellen.
Die Aufgabe der Schaffung eines "ungeteilten und
freien Europas", in dem all seine Bürger sicher in
Frieden, Demokratie und Wohlstand leben, und wo die
bösen Dämonen des Völkerhasses in der Flasche
bleiben, ist eine Aufgabe für uns alle. Außenminister
Baker hat diese Aufgabe als "kollektives Engagement"
bezeichnet. Es ist eine Aufgabe für die neuen Demokratien selbst, weil keine Hilfe effektiv sein kann, wenn
sie nicht auf Selbsthilfe stößt. Es ist eine Aufgabe für
die wohlhabenden Demokratien Westeuropas, die nicht
nur Geld und Know-how bereitstellen können, sondern
- was noch wichtiger ist - ein Beispiel geben, wie alte
Haßgefühle beigelegt werden können. Und es ist eine
Aufgabe für die Vereinigten Staaten, die darin eine
direkte Fortführung des Engagements in Europa sehen, das seit fünfzig Jahren zu unserem beiderseitigen
Vorteil erfolgt ist.
Eine erweiterte kulturelle Partnerschaft
Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation bei der Stabilisierung der neuen östlichen
Mitglieder der europäischen Familie - all dies ist vordringlich, schöpft aber die mögliche Bandbreite stärkeren amerikanischen Engagements in Europa in keiner
Weise aus. Während der kalte Krieg verebbt, werden
kulturelle und persönliche Kontakte noch wichtiger als
in der Vergangenheit. Ich bin der festen Überzeugung,
daß kulturelle Zusammenarbeit einer der echten

Seite 4

Einige Programme sind bereits mit der "Sicherung des
demokratischen Friedens" befaßt, wie Außenminister
Baker es bezeichnete. Wir haben das Peace Corps
auf Osteuropa ausgedehnt und hoffen, daß bis zum
kommenden Winter mindestens 250 dieser Freiwilligen in der ehemaligen Sowjetunion sein können. Darüber
hinaus benutzen wir das International Executive Service Corps, um pensionierte amerikanische Führungskräfte nach Osteuropa zu entsenden, damit sie ihre
dringend benötigte Managementerfahrung einbringen
können. Das Bürgerkorps Demokratie - eine von
Präsident Bush 1990 ins Leben gerufene nationale
gemeinnützige Organisation - hilft ferner bei der Verwaltung der freiwilligen Unterstützung des amerikanischen Privatsektors für die Volkswirtschaften im Übergang.
Gleichzeitig sollten wir die zwischen den Vereinigten
Staaten und Deutschland geschaffenen Bande weiterhin stärken, denn sie bilden die Grundlage unserer
Zusammenarbeit bei der Bewältigung der vor uns
liegenden Herausforderungen. Wir können Programmen wie dem parlamentarischen Patenschaftsprogramm Kongreß/Bundestag, dem Fulbright-Programm,
dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem
deutsch-amerikanischen Partnerschaftsprogramm und
ähnlichen Bestrebungen nicht genügend Bedeutung
beimessen. Natürlich wissen wir die wichtigen privaten Austauschprogramme zu schätzen, einschließlich
der Schirmherrschaft, die die Adenauer-Stiftung jährlich über eine Delegation des amerikanisch-jüdischen
Komitees übernimmt. Letzte Woche hatte ich das
Vergnügen, diese Delegation bei einem von mir gegebenen Empfang im Anschluß an ihr Mittagessen mit
Kanzleramtsminister Bohl begrüßen zu können.
Wie Ministerpräsident Vogel von unserem Treffen in
Erfurt am 9. April weiß, möchten die Vereinigten Staaten insbesondere die Menschen in den neuen Bundesländern einbeziehen. Bei meinem Besuch in Neubran-

AMERIKA DIENST 24

�denburg im Januar konnte ich mit großer Freude
bekanntgeben, daß die Vereinigten Staaten das Fulbright-Programm und andere Austauschprogramme
um über eine Million Dollar aufstocken, um dem wachsenden Bedarf in den neuen Bundesländern gerecht
zu werden. Bis heute haben wir im Rahmen des
internationalen Besucherprogramms auf unsere Kosten über einhundert junge Deutsche aus den neuen
Ländern in die Vereinigten Staaten eingeladen - Menschen aus allen Berufssparten, in denen wir zukünftige
Führungskräfte sehen - und wir gehen davon aus,
dieselbe Anzahl im nächsten Haushaltsjahr einzuladen. Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
vor kurzem die Gründung der RIAS-Kommission
angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen Medienvertretern und Medienzentren in den
neuen Ländern und den Vereinigten Staaten zum Ziel
hat. Und schließlich stiften die US-Streitkräfte in
Europa Städten und Universitäten in den neuen Bundesländern englischsprachige Bibliotheken amerikanischer Militärstützpunkte, die jetzt geschlossen werden. Bis heute wurden über 125.000 Bücher vom
Westen für den Osten gestiftet - ein greifbares Beispiel
dafür, wie "Schwerter zu Pflugscharen" werden.
Amerika und Europa: Ein Erfahrungsaustausch
Ich habe bereits auf die traditionelle Betrachtungsweise Amerikas von sich selbst als "Stadt auf dem Hügel"
hingewiesen als ein Beispiel, von dem andere etwas
lernen können. Können die Vereinigten Staaten tatsächlich als Teil ihres Engagements in Europa Lektionen anbieten, die sie aus ihren eigenen Erfahrungen
gezogen haben?
Obwohl ich ganz sicher nicht der Kategorie der gegenwärtig so in Mode gekommenen Untergangspropheten angehöre, die die Vereinigten Staaten als kurz vor
dem endgültigen Untergang darstellen, bin ich doch
nicht blind gegenüber den vielen Bereichen, in denen
mein Land große soziale Probleme hat, die dringend
bewältigt werden müssen. Los Angeles ist dafür eine
gute Gedächtnisstütze.
Dennoch bin ich der Ansicht, daß es Dinge gibt, die
Europa von Amerika lernen kann, ebenso wie es viele
Dinge gibt, die Amerika von Europa lernen kann und
lernen sollte.
Amerikanischer Utopismus - die Vision der "Stadt auf
dem Hügel" - wurde immer von einem starken Bewußtsein aufgewogen, daß die Aufgabe des Aufbaus einer
gerechten Gesellschaft stetes Bemühen verlangt. Politik
in Amerika ist keine Suche nach einer definitiven
ideologischen Wahrheit, sondern ein pragmatischer
Prozeß, bei dem die Regierung Antworten auf die
konkreten Bedürfnisse der Bürger nach einem besseren Leben finden muß.
*

AMERIKA DIENST 24

*

Keine vergangene oder gegenwärtige Regierung ist
ein Modell für eine perfekte Gesellschaft. Amerikas
einzigartiger Beitrag ist das Beispiel von Menschen
unterschiedlicher Rassen, Vorgeschichte und Kulturen mit dem kontinuierlichen Bestreben zum Aufbau
und zur Aufrechterhaltung einer demokratischen
Gesellschaft, die den Interessen aller dient. Wir haben
in der Vergangenheit bei diesen Bestrebungen Rückschläge erlitten. In Zukunft werden wir noch mehr
Rückschläge erleiden. Aber Amerika ist eine funktionierende vielrassische, multikulturelle Gesellschaft.
Während sich Europa der zunehmenden Völkervielfalt
stellt, sollten die Europäer unsere Erfahrungen prüfen,
sowohl, um die Dinge aufzugreifen, die wir richtig
gemacht haben als auch um unsere Fehler zu vermeiden.
Schlußbemerkung
Zusammenfassend gestatten Sie mir bitte, eine Geschichte über einen berühmten geistreichen Berliner
zu zitieren, der ein Doppelabteil in einem überfüllten
Schlafwagen bezahlt hatte. Einer der übrigen Passagiere, der keine Reservierung hatte, wandte sich an ihn
und erklärte, er werde jeden Betrag zahlen, um das
Abteil zu teilen. Der Berliner erwiderte postwendend:
"Vielleicht. Aber lassen Sie mich das erst einmal
überschlafen." Bei dem Versuch, den Frieden nach
dem Kalten Krieg zu sichern, können wir uns nicht den
Luxus leisten, die Sache zu überschlafen, die schwierigen Fragen der Zukunft mit Muße zu überdenken.
Wenn wir nicht die Zukunft gestalten, wird sie uns
gestalten.
Das vor uns liegende Jahrhundert hält unvergleichliche Versprechungen und beispiellose Herausforderungen bereit. Wir befinden uns an einem Punkt, wo
die alten Ideologien der Tyrannen zusammengebrochen sind, an der Schwelle der erweiterten Freiheit.
Dennoch sind Armut, die ökologische Bedrohung für
unseren Planeten Erde und politische Instabilität auf
der Welt furchteinflößende Herausforderungen. Diesen Herausforderungen können wir Amerikaner und
Europäer am besten entgegentreten - und vielleicht
nur dann entgegentreten - wenn wir weiterhin Seite an
Seite stehen. Aus diesem Grund wollen die Vereinigten Staaten ihre Verbindungen zu unseren alten europäischen Freunden und Institutionen wie Deutschland
und die NATO als bestem Mittel zum Aufbau von
Verbindungen zu neuen Freunden und neuen Institutionen vertiefen. Das ist die Bedeutung stärkeren
amerikanischen Engagements im neuen Europa.
Ich danke Ihnen und stehe jetzt gerne für Fragen zur
Verfügung.

*

*

Seite 5

�NATO
17. Juni 1992

NATO: STREITMACHT FÜR DEN FRIEDEN
IN DER ZEIT NACH DEM KALTEN KRIEG
von Paul Wolfowitz
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Der nachfolgende Artikel
basiert auf einer Rede vor der U. S. Military Academy Senior Conference in West Point (New York).

In den vergangenen drei Jahren hat sich die NATO
enorm gewandelt - sehr viel mehr als allgemein beachtet - um sich an das drastisch veränderte internationale
Umfeld anzupassen. Darüber hinaus war die NATO
eine treibende Kraft des Wandels und hat das Sicherheitsumfeld zum besseren gewendet.
Dennoch bezweifeln zahlreiche Leute - insbesondere
wenn ihnen diese Veränderungen entgangen sind,
aber auch diejenigen, die sie bemerkt haben - daß es
noch einen Bedarf für das Bündnis gibt, nun da Westeuropa sicherer ist als seit mindestens fünfzig Jahren.
Meine Antwort darauf könnte in einem Satz zusammengefaßt werden - das Bündnis ist heute erneut von
Bedeutung: erstens zur Bewahrung des bisher Erreichten, zweitens zum Schutz der Versprechungen
der Gegenwart und drittens zur Verwirklichung einer
noch vielversprechenderen Zukunft. Zunächst wird
das Prinzip der gemeinsamen Verteidigung, das eines
der größten bisherigen Leistungen der NATO war,
auch in Zukunft von ebensolcher Bedeutung sein,
wenn Sicherheitsrisiken höchstwahrscheinlich gering,
Unsicherheit und Unberechenbarkeit jedoch größer
sein werden. Zweitens ist die von der NATO heute gebotene Stabilität nicht nur für die Mitglieder des Bündnisses lebenswichtig, sondern noch mehr für die neuen Regierungen und Nationen Osteuropas und der
ehemaligen Sowjetunion, die um den Erhalt ihrer hart
errungenen Unabhängigkeit und Demokratie kämpfen. Die von der NATO gebotene Stabilität ist die
erforderliche Grundlage für den künftigen politischen
und wirtschaftlichen Erfolg dieser neuen Demokratien.
Drittens hat die NATO die Chance zur Gestaltung einer
völlig neuen Zukunft, indem sie diese neuen Demokratien Mittel- und Osteuropas und vor allem Rußland in
die demokratische Sicherheitsgemeinschaft einbezieht,
in die demokratische "Friedenszone", die während des

AMERIKA DIENST 24

Kalten Kriegs gegründet wurde. Dennoch wird der
Erfolg dieser drei Missionen weiterhin von der amerikanischen Führungsrolle und einer starken amerikanischen Rolle in europäischen Sicherheitsangelegenheiten abhängen, und diese Führungsrolle hängt wiederum davon ab, daß uns etwas gelingt, mit dem wir
immer Schwierigkeiten hatten: eine drastische Reduzierung unserer Streitkräfte vorzunehmen, ohne die
während des Kalten Kriegs unter großen Opfern erreichte Sicherheitsposition aufzugeben.
Ich möchte mit dem Eingeständnis beginnen, daß ich
immer wieder verwundert darüber bin, wie wenig Aufmerksamkeit dem bemerkenswerten Weg geschenkt
wird, den die NATO in jüngster Zeit zurückgelegt hat,
sowohl bei der Anpassung ihrer Strategie an das neue
internationale Umfeld als auch - was noch wichtiger ist
- bei der Verwirklichung der tiefgreifenden Refomen,
die in der Tat den dramatischen Kurs der jüngsten
Geschichte beeinflußt haben. Bei diesen beiden Ereignissen war die amerikanische Fühungsrolle von
großer Bedeutung.
Im folgenden möchte ich Ihnen vier Beispiele nennen,
wie die NATO unter amerikanischer Führung den Lauf
der Ereignisse verändert und beeinflußt hat. Erstens
hat die beim NATO-Gipfel im Mai 1989 in die Wege
geleitete Initiative den Prozeß der konventionellen
Rüstungskontrolle in Europa umgestaltet. Zusammen
mit anderen politisch Verantwortlichen im Bündnis hat
Präsident Bush eine dramatische neue Initiative zur
konventionellen Rüstungskontrolle vorgeschlagen, die
Bereiche erweitert, die die NATO im Rahmen des
KSE-Vertrags einzubeziehen bereit war und gleichzeitig die Verhandlungen beschleunigt. Das Ergebnis ist
ein KSE-Vertrag, der jetzt einen wesentlichen Beitrag
zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und Europas
leisten wird.

Seite 1

�Zweitens hat das Bündnis in den vergangenen drei
Jahren das Einsatzkonzept und die Doktrin seiner
nuklearen Gefechtsfeldwaffen revolutioniert. Damit
wurde das Fundament für Präsident Bushs kühne und
historische Initiative vom 27. September 1991 zu den
Nuklearstreitkräften gelegt, in der er unter anderen
wesentlichen Schritten den Abzug aller amerikanischen landgestützten taktischen Nuklearwaffen aus
Europa ankündigte. Infolgedessen wird das atomare
Arsenal der NATO auf ein Fünftel seines bisherigen
Umfangs reduziert. Vielleicht noch wichtiger ist, daß
die kontroverse Debatte über nukleare Gefechtsfeldwaffen, die im Jahr 1989 das Bündnis zu spalten
drohte, durch einen Konsens über die Notwendigkeit
eines Mindestniveaus von aus Mehrzweckkampfflugzeugen bestehenden kriegsschauplatzgebundenen
Nuklearstreitkräften in Europa zur Bewahrung von
Frieden und Stabilität ersetzt wurde.

Im Mittelpunkt dieser bemerkenswerten Leistungen
stand die kontinuierliche Effektivität der amerikanischen Führungsrolle seit dem Zweiten Weltkrieg bei
der Schaffung der erforderlichen Bedingungen für die
westeuropäischen Nationen, ihre gemeinsame Verteidigung in kollektiver Weise bereitzustellen, statt in
vergeblichen - und damit gefährlichen - Unterfangen
Krisen als einzelne Nationen im Alleingang zu meistern
zu versuchen. Auf den Punkt gebracht ist das die
Bedeutung der NATO - eine der erfolgreichen Eindämmung des Kommunismus über vierzig Jahre hinweg
ebenbürtige Leistung und eine Errungenschaft, deren
Bewahrung selbst nach dem Zusammenbruch und
dem Verschwinden des Kommunismus lebenswichtig
ist. Dies ist die erste Antwort, die ich auf die hartnäkkige Frage geben möchte, warum wir die NATO selbst
nachdem es keine sowjetische Bedrohung mehr gibt
noch benötigen.

Drittens - und vielleicht am wichtigsten - war die
amerikanische Reaktion auf den Zusammenbruch des
Kommunismus in Ostdeutschland. Unmittelbar nach
dem Fall der Berliner Mauer nutzte Präsident Bush den
Augenblick, um unsere Unterstützung für eine rasche
Vereinigung zum Ausdruck zu bringen und setzte den
Mechanismus zu deren Verwirklichung in Gang - den
sogenannten Zwei-plus-Vier-Prozeß. Von überragender Bedeutung ist, daß das vereinigte Deutschland
Vollmitglied der NATO ist.

In dem Maße, in dem wir derzeit Frieden und Wohlstand im Großteil Europas genießen, ist dies ein
Ergebnis der Sicherheitsstruktur, die wir im Westen
nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen haben. Das
System der kollektiven Verteidigung hat das hervorgebracht, was Verteidigungsminister Cheney als Amerikas "stillen Sieg" bezeichnet hat - die Schaffung einer
wohlhabenden, vornehmlich demokratischen, marktorientierten "Friedenszone" in Europa und Asien. Im
Gegensatz zu der Zerstörung und Tragödie, die Europa von 1900 bis 1945 erleiden mußte, haben die
westeuropäischen Nationen praktisch ein halbes Jahrhundert beispiellosen Wohlstands erlebt. Zusammen
haben wir ein Umfeld geschaffen, von dem man fairerweise sagen kann, daß Krieg zwischen diesen Ländern wirklich undenkbar ist. Das ist ein dramatischer
Bruch mit der tragischen Vergangenheit Europas.

Schließlich hat das Bündnis wichtige Schritte zur Einbeziehung der neuen Demokratien nicht nur als ehemalige Gegner sondern als zukünftige Partner unternommen. Dies war die Botschaft des Londoner Gipfels, der eine neue NATO-Strategie für die Zeit nach
dem Kalten Krieg definierte. Eine der wichtigsten
Initiativen war die Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats - oder NAKR - im Dezember vergangenen Jahres, der die Zusammenarbeit zwischen den
Bündnispartnern und den Ländern des ehemaligen
Warschauer Pakts erleichtem soll. Er bietet ein Forum
und die Gelegenheit zur Arbeit mit den neuen Demokratien in Bereichen von gemeinsamem Sicherheitsinteresse, einschließlich Fragen der Verteidigungsplanung, Rüstungskonversion und anderen mit der Rüstungsindustrie und dem Verteidigungshaushalt in
Zusammenhang stehenden Themen.
Ich möchte die scharfsinnigen Worte des britischen
Verteidigungsministers Malcolm Rifkind aus einer
wichtigen, vor kurzem über die künftige Sicherheit
Europas gehaltenen Rede zitieren: "Diese Entwicklungen illustrieren das anhaltende Engagement aller 16
NATO-Mitgliedstaaten für die Zukunft des Bündnisses. Sie veranschaulichen die Flexibilität der NATO,
ihre Fähigkeit zur Anpassung an die Ereignisse und
ihre lebenswichtige Bedeutung für die Zukunft der
europäischen und transatlantischen Verteidigung."

Seite 2

Obwohl wir und unsere Verbündeten uns bewußt sind,
daß die heute abzuschreckenden Bedrohungen zweifelsohne geringer und weiter entfernt sind als zu der
Zeit, in der wir uns Dutzenden von sowjetischen Divisionen im Herzen Europas gegenübersahen, ist das
derzeitige Sicherheitsumfeld nicht frei von Gefahren.
Es ist uns allen gedient, wenn wir diese uns alle
betreffenden Gefahren gemeinsam bewältigen, so wie
wir uns der größeren Gefahr in der Vergangenheit aus
denselben Gründen gestellt haben. Die Alternative
wären individuelle Bestrebungen, die vielleicht unwirksam wären, mehr kosten und sogar zu Wettbewerb
unter ehemaligen Verbündeten führen könnten.
Die amerikanische Führungsrolle ist immer noch ein
unabdingbarer Faktor für den Zusammenhalt einer
starken Struktur des Bündnisses. Und das Schlüsselelement, das diese Struktur zusammenhält, sind immer
noch die vornestationierten amerikanischen Streitkräfte in Europa. Bedauerlicherweise sehen einige besonders in diesem Land - die amerikanische Militär-

AMERIKA DIENST 24

�macht als Gerüst, das nun, da die Struktur vollendet
ist, problemlos abgebaut werden kann. Das ist natürlich eine bloße Annahme. Wie jeder, derein altes Haus
renoviert hat, weiß, muß man, bevor man eine Wand
einreißt, sicherstellen, daß es keine "tragende Wand"
ist. Wie "tragend" sind unsere vornestationierten Streitkräfte in Europa? Ich kann es nicht mit Sicherheit
sagen, und es verblüfft mich, wenn Leute im Brustton
der Überzeugung behaupten, der Abzug unserer Streitkräfte aus Europa sei kein Problem. Vielleicht denken
sie, die Bewahrung regionalen Friedens sei eine einfachere Angelegenheit als der Umbau eines Hauses.
Die amerikanische Führungsfähigkeit bei der Bewahrung des Schwerpunkts kollektiver Aktionen ergibt sich
aus den über vier Jahrzehnte hinweg entwickelten
soliden und stetigen Arbeitsbeziehungen mit unseren
Verbündeten. Ein Schlüsselelement dieser Beziehungen ist das Muster der routinemäßigen Zusammenarbeit, das mit der Beibehaltung einer amerikanischen
Kampftruppe in Europa einhergeht, die zu Ausbildungs- und Übungsaktivitäten mit ihren europäischen
Partnern in der Lage ist. Dasselbe gilt für die Gelder,
die von den Vereinigten Staaten in verschiedene Infrastrukturprojekte der NATO in ganz Europa investiert
wurden. General Galvin hat meines Wissens mehr
Stunden als irgendjemand anders mit Versuchen verbracht, den Kongreß von der Klugheit dieser Investitionen zu überzeugen. Glücklicherweise mußten wir
diese Einrichtungen niemals in einem Krieg gegen den
Warschauer Pakt einsetzen, aber sie waren vorhanden, als wir sie während des jüngsten Golfkriegs
benötigten. Ohne Zugang zu von unseren Verbündeten - bisweilen kurzfristig - bereitgestellten Einrichtungen in Portugal, Spanien, Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich, Griechenland und der Türkei
wäre es erheblich schwieriger gewesen, Truppen an
den Persischen Golf zu verlegen und dort effektiv zu
operieren.
Bündnisbeziehungen und Bündnisstrukturen werden
unabhängig davon, ob wir als offizielles Bündnis handeln oder nicht, nach wie vor wichtig für unsere Fähigkeit sein, mit Bedrohungen an Orten wie dem Persischen Golf umzugehen. Man braucht jedoch nicht
über Europa hinauszugehen, um potentielle Gefahren
zu erkennen, und damit komme ich zu dem zweiten
Grund, aus dem wir die NATO nach wie vor benötigen,
nämlich, um die Stabilität in Europa zu unterstützen,
die unerläßlich ist, wenn die jungen Demokratien des
ehemaligen Warschauer Pakts bei ihrem Kampf erfolgreich sein wollen, Demokratie und Unabhängigkeit
eine solide Grundlage zu verschaffen. Westeuropa
erscheint heute stabiler und sicherer als in den vergangenen Jahrhunderten, aber das gilt nicht für Europa als
Ganzes. Und bevor nicht Europa als Ganzes sicher ist,
wird selbst die Sicherheit Westeuropas fraglich bleiben. Die NATO muß weiterhin eine wichtige Rolle
spielen, um zu gewährleisten, daß die Bedrohungen
für die europäische Sicherheit auf ein Mindestmaß

AMERIKA DIENST 24

beschränkt bleiben oder, besser noch, gar nicht erst in
Erscheinung treten.
Dies ist eindeutig die Botschaft, die wir von unseren
Freunden in Mittel- und Osteuropa vernehmen, die
darauf zählen, daß die NATO eine solche Rolle spielt.
Es ist erstaunlich, daß einige der nachdrücklichsten
Befürworter der anhaltenden Existenzberechtigung der
NATO und der Bedeutung amerikanischer Truppen in
Europa die neuen demokratischen Entscheidungsträger wie Vaclav Havel und Lech Walesa sind. S-*hat
Präsident Havel erklärt: "Die Instabilität in der ehemaligen UdSSR, in den baltischen Republiken, und insbesondere die Instabilität am Golf zeigt, daß wir nicht nur
an die in weiter Ferne liegende Zukunft denken und
von paneuropäischen Sicherheitsstrukturen träumen
können. Natürlich sollten und müssen wir dies tun,
aber wir können uns nicht darauf beschränken, und wir
müssen darüber hinaus die spezielle und aktuelle
Sicherheitslage bedenken. Diese Lage... verdeutlicht
und verstärkt Argumente für die engere Zusammenarbeit mit der NATO." Selbst in Rußland äußern viele
Demokraten die Ansicht, daß die NATO - die neue und
umgestaltete NATO - für die Stabilität Europas unabdingbar ist.
Wir begrüßen die Entwicklung anderer Institutionen
wie der KSZE als Instrument zur Beilegung von Konflikten, der WEU als Mittel für unsere europäischen
Verbündeten, ihren Eigenbeitrag zur gemeinsamen
Verteidigung zu stärken, des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) der NATO als Mittel, mit dem
unsere ehemaligen Gegner an der NATO teilhaben
können. Aber diese ergänzenden Institutionen werden
ihre Aufgaben nur dann wirksam erfüllen, wenn daneben als Kernstück eine starke NATO besteht, so daß
sie mit der Autorität und Macht dieser außergewöhnlichen Allianz sprechen und handeln können.
Aus diesem Grund hoffen und erwarten wir, daß sich
diese anderen europäischen Institutionen im Einklang
mit den in Rom verabschiedeten und unlängst bei den
Frühjahrstagungen 1992 bekräftigten Vereinbarungen
der NATO entwickeln werden. Wir hoffen darüber
hinaus, daß solche Arrangements auch im Einklang
mit den von den Europäern selbst beim EG-Gipfel in
Maastricht getroffenen Vereinbarungen Gestalt annehmen werden, die WEU als Verteidigungskomponente der Europäischen Union zu entwickeln, um
damit Europa, das Bündnis und die Sicherheit auf dem
gesamten Kontinent zu stärken. Aus diesem Grund
sind wir sehr darum bemüht sicherzustellen, daß das
neu gegründete deutsch-französische Korps die Integrität und Effektivität des Bündnisses letztlich stärkt und nicht schwächt.
Dies bedeutet insbesondere, daß wir einige ernste
Fragen über die vorrangige Unterstellung von Einheiten sowie die Verfahren stellen, mit denen sie dem
Kommando der NATO unterstellt werden.

Seite 3

�Wenn wir das sichere Umfeld bereitstellen können, in
dem sich die neuen Demokratien etablieren und gedeihen können, werden wir die Tür zu einer noch hoffnungsvolleren Zukunft aufstoßen. Wir können über
die Bewältigung der verbleibenden Bedrohungen und
Antagonismen in Europa hinausgehen, um heute aus
ehemaligen Gegnern Sicherheitspartner zu machen.
Dazu wird hoffentlich als wichtigstes Element ein
demokratisches Rußland gehören. Eine solche Leistung würde die demokratische "Friedenszone" auf
ganz Europa und darüber hinaus ausdehnen. Und
dies wird es uns gestatten zusammenzuarbeiten, um
die ganze Welt zu einem sichereren und friedlicheren
Ort zu machen.
Wir unternehmen bereits erste Schritte, um mit Rußland, der Ukraine und den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken sowie den Ländern Ost- und Mitteleuropas an der Schaffung einer Sicherheitsgemeinschaft
zu arbeiten, die alle demokratischen Länder bei der
Bewahrung einer friedlichen Ordnung vereint, in der
alle zu Wohlstand gelangen können. Indem wir diese
Schritte unternehmen, können wir ein Element der
Sicherheit bereitstellen, das Ru ßland und den anderen
neuen Demokratien verdeutlicht, daß es sicher ist,
Ressourcen auf den Aufbau der Demokratie und freier
Märkte zu lenken anstatt Panzer und Raketen zu
bauen.
Einer der wichtigsten neuen Wege, mit denen die
NATO ihrer Mission gerecht wird, ist die Erarbeitung
von Möglichkeiten, um mit den neuen Demokratien
gemeinsam die Neufassung ihrer Einsatzkonzepte in
Angriff zu nehmen. So kann die NATO durch Kontakte
zwischen den Militärs eine exzellente Informationsquelle sein, um den Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts dabei zu helfen, die offensive Militärdoktrin zu einer defensiven Doktrin zu verändern. Bei
dieser Umgestaltung geht es ebenso darum, Gesellschaften vom Militarismus der Vergangenheit abzuwenden wie darum, sie zu demokratischen Werten und
freien Märkten hinzuführen. Je mehr Vertrauen diese
Staaten in ihre eigene Sicherheit haben, desto mehr
werden sie tun, um knappe Ressourcen auf die Schaf-

fung von Demokratie und freien Märkten zu konzentrieren. Dieses Ziel ist von äußerster Bedeutung für die
einzelnen Länder, für Europa als Ganzes und für die
Vereinigten Staaten.
Die NATO hat sich in diesen Prozeß auch durch die
Veränderungen eingeschaltet, die wir bei unserer eigenen Doktrin, Strategie und unserem Einsatzkonzept
vornehmen. In der Tat gibt es zahlreiche Indizien, die
beweisen, daß der Wandel der NATO im Hinblick auf
ihre strategische Orientierung grundsätzlich positive
Auswirkungen auf die Entwicklungen in der damaligen
Sowjetunion hatte. Die erfreulichste Bestätigung hierfür wurde mir bei einer kürzlichen Reise nach Moskau
zuteil, als mir ein demokratisch eingestellter Offizier
mitteilte, daß die Strategieänderungen der NATO beim
Londoner Gipfel für ihn und seine Kameraden äußerst
hilfreich gewesen seien, um die Offiziersversammlung
in Moskau im vergangenen Januar zu veranlassen,
einen gemäßigten Kurs einzuschlagen und eine Konfrontation mit der neuen demokratischen Führung
Rußlands zu vermeiden.
Der Weg zum Erfolg ist noch mit zahlreichen Fallstrikken versehen. Innenpolitisch können die wirtschaftlichen Reformprozesse äußerst schmerzhaft sein, und
die jungen demokratischen Institutionen sind noch
schwach. Darüber hinaus bestehen innerhalb der
Länder wie zwischen ihnen zahlreiche ethnische und
nationale Probleme, die spontan aufflammen oder von
Altkommunisten und extremen Nationalisten ausgenutzt werden könnten, um die demokratische Legitimität zu untergraben.
Wenn - wie Verteidigungsminister Cheney vor dem
Kongreß erklärte -, die Demokratie trotzdem in diesen
Staaten im Lauf der Zeit an Reife gewinnt, besteht jede
Möglichkeit, daß sie nicht nur in Europa, sondern auch
in anderen entscheidenden Regionen eine Kraft für
den Frieden werden. Wir können uns in der Tat sehr
gut vorstellen, daß wir in Krisen wie den Operationen
WüstenschildAMistensturm von Rußland oder anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion in 10 Jahren
nicht nur politische, sondern auch militärische Unterstützung erhalten.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 24

�ATOMTESTS
17. Juni 1992

ATOMTESTS: WARUM SIE WEITERHIN
ERFORDERLICH SIND
Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums
WASHINGTON - (AD) - Die Zusammenfassung und das Weißbuch über Atomtests, die wir nachfolgend im
Wortlaut veröffentlichen, wurden kürzlich vom amerikanischen Verteidigungsministerium herausgegeben.

Die jüngsten Ereignisse werden in den kommenden
Jahren eine drastische Reduzierung der Anzahl amerikanischer Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben
die Frage gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb
ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre
Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr
strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Dies läßt sich anhand folgender Punkte erklären:
Die Vereinigten Staaten führen Atomtests aus folgenden technischen Gründen durch:
Sicherheit - Verbesserte Sicherheitsvorrichtungen für
Kernwaffen werden weiterhin erprobt. Diese Versuche sind unerläßlich, um sicherheitstechnische Verbesserungen bei Kernwaffen vorzunehmen. Unabhängige Untersuchungen wissenschaftlicher Gremien
haben die Vereinigten Staaten dazu aufgefordert, ihre
Bemühungen zur Verbesserung der Sicherheit fortzuführen.
Zuverlässigkeit - Jeweils eines von drei seit 1958
eingeführten Konstruktionsmustern erforderte Kernwaffenversuche, um nach Stationierung dieser Waffen
entstandene Probleme zu beheben. Die Zuverlässigkeit des nuklearen Arsenals würde ohne stetige Atomtests mit der Zeit abnehmen.
Überlebensfähigkeit - Atomtests sind unabdingbar,
um die Haltbarkeit militärischer Systeme zu entwickeln
und verifizieren, die in einem nuklearen Umfeld operieren müssen.
Nukleare Abschreckung wird ein Schlüsselelement der Verteidigungsstrategie sowie die grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung
auf Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen. Die Vereinigten Staaten führen

AMERIKA DIENST 24

diese Tests in umweltverträglicher Art und Weise
sowie im Einklang mit allen bestehenden internationalen Abkommen durch.
Einige behaupten, ein umfassendes Atomtestverbot werde den "Rüstungswettlauf beenden".
Die Ereignisse der vergangenen Jahre strafen
diese Behauptung jedoch Lügen, denn die Fortschritte in der sowjetisch-amerikanischen Rüstungskontrolle sowie jüngste amerikanische
Initiativen und russische Reaktionen zeigen,
daß die Einstellung von Atomtests nicht erforderlich ist, um stabilisierende Abrüstungsmaßnahmen zu erzielen.
Enthüllungen im Hinblick auf das irakische
Nuklearprogramm zeigen eindeutig, daß Atomtests für die Entwicklung einer Kernwaffe nicht
erforderlich sind. Behauptungen, die unser
Testprogramm mit der Weiterverbreitung von
Kernwaffen in Verbindung bringen, werden
ebenfalls nicht den Tatsachen gerecht. Die
Atomtests der Vereinigten Staaten hatten keinen erkennbaren Einfluß auf Länder, die zur
Beschaffung eigener Kernwaffen entschlossen
waren.
Ein wesentlich reduzierter Bestand beseitigt
nicht die Notwendigkeit von Versuchen. Die
Vereinigten Staaten haben das Ausmaß ihrer
Kernwaffenversuche - mit Ausnahme des Moratoriums von 1958 bis 1961 - auf den niedrigsten
Stand seit den frühen fünfziger Jahren verringert, und die Vereinigten Staaten müssen ein
bescheidenes aber effektives Programm aufrechterhalten.
Eine Einstellung der Atomtests würde weder
Kernwaffen beseitigen, noch die internationale
Sicherheit erhöhen. Sie würde aber das Ver-

Seite 1

�trauen der Vereinigten Staaten in ihr verbleibendes nukleares Abschreckungspotential untergraben und ernsthaft ihre Fähigkeit beschneiden, Verbesserungen der nuklearen Sicherheit
vorzunehmen.
Weißbuch über Atomversuche
Die jüngsten Ereignisse werden in den nächsten Jahren einen drastischen Abbau der Zahl amerikanischer
Kernwaffen zur Folge haben. Einige haben die Frage
gestellt, ob die Vereinigten Staaten deshalb ihre unterirdischen Atomtests einstellen können. Tatsache ist
jedoch, daß die Vereinigten Staaten ihre Kernwaffenversuche nicht einstellen können, ohne ihr strategisches Abschreckungspotential zu gefährden.
Infolge der Rüstungskontrollabkommen mit der ehemaligen Sowjetunion sowie einseitiger Maßnahmen
der Vereinigten Staaten und Rußlands wird der Gesamtumfang des strategischen und taktischen Kernwaffenarsenals erheblich schrumpfen. Trotzdem wird
die strategische nukleare Abschreckung ein Schlüsselelement der neuen Verteidigungsstrategie sowie die
grundlegendste Voraussetzung der nationalen Sicherheit bleiben. Solange wir uns zur Abschreckung auf
Kernwaffen stützen, werden wir diese erproben müssen.
Es ist absolut unerläßlich, daß unsere verbleibenden
Bestände durch moderne Forschung, Entwicklung und
Erprobung angemessen unterstützt werden. Die wissenschaftliche Grundlage, die Atomtests erforderlich
macht, kommt in Sicherheit, Zuverlässigkeit und
Überlebensfähigkeit unserer konventionellen und
nuklearen Streitkräfte zum Ausdruck.
Sicherheit
Die Kernwaffen der Vereinigten Staaten sind sicher,
aber neue Technologien, wie etwa zündunempfindliche Explosivstoffe, sind verfügbar geworden, um sie
noch sicherer zu machen. In den vergangenen 40
Jahren hat es mehrere Unfälle mit Kernwaffen gegeben. Sie reichten ihrer Schwere nach von solchen, die
nicht zur Freisetzung von Radioaktivität führten (wie
auf dem Titan-Raketenstützpunkt in Damascus, Arkansas), bis zu einigen wenigen, bei denen die Explosivstoffe in den Waffen zündeten und Radioaktivität
freigesetzt wurde (eine Kemwaffenexplosion fand jedoch
niemals statt). Unser Bewußtsein für die von der
Freisetzung gefährlicher Stoffe ausgehenden Gefahren für die Umwelt ist heute wesentlich stärker als auf
dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Obwohl die
Bilanz der amerikanischen Streitkräfte bei der Vermeidung einer nuklearen Katastrophe in den vergangenen
40 Jahren beispielhaft war, können und sollten wir
mehr tun, um unsere Bevölkerung und unsere Umwelt
zu schützen.
Erstaunlicherweise argumentieren einige Befürworter
eines Atomteststopps, die vorhandenen Bestände seien
Seite 2

"sicher genug". Eine alternative, verantwortungsbewußte Perspektive wurde in einer Untersuchung präsentiert, die unlängst von einem vom Kongreß eingesetzten unabhängigen Gremium (unter dem Vorsitz
von Sidney Drell) durchgeführt wurde. Das Gremium
empfahl den Vereinigten Staaten, ein neues Gleichgewicht zwischen "den erwünschten militärischen Merkmalen (von Kernwaffen) und den Erfordernissen verbesserter Sicherheit" herzustellen. Um dies zu tun,
sollten die Vereinigten Staaten solchen Konstruktionsmustern den Vorzug geben, die Kernwaffen "so sicher
wie praktisch möglich" machen würden. Wir wissen,
wie solche Konstruktionsmuster entwickelt werden
können. Dies zu tun, erfordert jedoch Atomtests.
Zu diesen sicherheitstechnischen Verbesserungen
gehört der Einsatz von "zündunempfindlichen Explosivstoffen" (insensitive high explosives). Dies sind
Explosivstoffe, die bei der Mehrzahl möglicher schwerer Unfälle praktisch nicht gezündet werden können.
Andere sicherheitstechnische Verbesserungen betreffen elektrische Systeme, die eine verbesserte Zündsicherheit nuklearer Gefechtsköpfe bereitstellen. Solche elektrischen Systeme würden zum Beispiel eine
Waffe vor den Auswirkungen elektrischer Streusignale
wie etwa bei Blitzschlag schützen. Wissenschaftler
der National Laboratories des Energieministeriums
haben phantasievolle Möglichkeiten entwickelt, um
diese Sicherheitsvorrichtungen in bereits existierende
Kernwaffen einzubauen. Diese Waffen werden so
ausgelegt, daß eine Freisetzung nuklearen Materials
bei unbeabsichtigter Zündung praktisch ausgeschlossen ist. Ein erheblicher Teil der in den vergangenen
Jahren durchgeführten Atomtests galt hauptsächlich
der Erprobung dieser neuen Sicherheitsvorkehrungen. Mehrere Tests des kommenden Jahres werden
ebenfalls vorrangig der Erprobung sicherheitstechnischer Vorrichtungen dienen. Diese Konstruktionsmuster werden darüber hinaus umfangreiche Tests erfordern, bevor sie bestehende Gefechtsköpfe ablösen
können. Das Drell-Gremium und andere Ausschüsse,
die sich mit der Frage der Sicherheit von Kernwaffen
beschäftigten, haben die Notwendigkeit von Atomtests zur Verbesserung der Sicherheit existierender
Bestände verstanden.
Großes Vertrauen in diese verbesserten Sicherheitsvorrichtungen kann ohne ein verantwortungsbewußtes Testprogramm nicht entstehen. Die Entwicklung
zündunempfindlicher Sprengstoffe für unsere Kernwaffen erforderte über die gesamten siebziger Jahre
hinweg eine erhebliche Anzahl von Tests. Ebenso
befindet sich seit Jahren ein Gefechtskopf in der
Entwicklung, der der Hitze eines Feuers in einem
Flugzeug widerstehen kann, ohne Plutoniumdämpfe
freizusetzen. Mehrere Atomtests waren erforderlich,
um die Entwicklung so weit voranzutreiben, daß besonders ausgelegte Kernwaffen heute Feuerschutz
für bestimmte Unfallszenarien haben. Weitere Versuche werden notwendig sein, um diese Entwicklung

AMERIKA DIENST 24

�abzuschließen, damit alle Kernwaffentypen erfaßt und
noch größerer Feuerschutz gewährleistet wird.
Zuverlässigkeit
Der Kongreß und andere Organisationen haben das
Verteidigungsministerium aufgefordert, eine ausreichende Zahl von Versuchen mit konventionellen Waffensystemen durchzuführen, um deren einigermaßene Zuverlässigkeit sicherzustellen. Atomtests sind
also auch für die Zuverlässigkeit von Kernwaffen
unabdingbar. Obwohl sie zu den komplexesten Waffen im amerikanischen Arsenal zählen, werden Kernwaffen nur einen Bruchteil so ausgiebig erprobt wie
andere von unseren Streitkräften eingeführte Waffensysteme.
Seit 1958 haben die Vereinigten Staaten 41 verschiedene Kernwaffensysteme stationiert. Von diesen
benötigten 14 Kernwaffensysteme nach ihrer Stationierung oder bei Erlangung der Stationierungsreife
korrektive Modifikationen, weil Mängel entweder entdeckt wurden oder bei der Auswertung von Atomtests
zutage tragen. So wurde zum Beispiel nach der
Produktionsaufnahme eines Gefechtskopfs ein letzter
Test im extremen Tieftemperaturbereich dieses Gefechtskopfs durchgeführt. Der für den luftgestützten
Marschflugkörper entwickelte Gefechtskopf war Mitte
der achtziger Jahre zur Stationierung vorgesehen. Die
Testergebnisse waren eine große Überraschung. Der
Gefechtskopf explodierte mit nur einem Bruchteil seiner Sprengkraft. Die Waffe war in nichtnuklearen
hydrodynamischen Tests umfassend erprobt worden,
selbst im extremen Niedrigtemperaturbereich, ohne
Anzeichen von Problemen. Eine Konstruktionsveränderung zu einem sehr viel konservativeren System
wurde an dem Gefechtskopf vorgenommen, und ein
Jahr später wurde er erfolgreich erprobt.
Der nukleare Gefechtskopf für die Sergeant-Rakete
der US-Armee wurde während des Testmoratoriums
von 1958 bis 1961 entworfen, und daher basiert seine
Konstruktion auf nichtnuklearen hydrodynamischen
Tests und computergestützten Konstruktionsberechnungen. Sie wurde im April 1962 erstmals stationiert.
Weil sich die Konstruktion des Gefechstkopfs auf
einen zuvor erfolgreich erprobten Gefechtskopf stützte, herrschte großes Vertrauen, daß der SergeantGefechtskopf erwartungsgemäß funktionieren würde.
Als der Gefechtskopf schließlich erprobt wurde, setzte
er nur einen so geringen Teil seiner erwarteten Sprengkraft frei, daß er militärisch gesehen unwirksam war.
Den Wissenschaftler gelang es, den Konstruktionsfehler zu beheben und einen neu entworfenen (und
erfolgreichen) Gefechtskopf binnen drei Monaten nach
dem Atomtest zu erproben, der das Problem aufgedeckt hatte. Dieses Beispiel veranschaulicht deutlich
die Grenzen und Gefahren modifizierter Gefechtskopfkonstruktionen, die sich ausschließlich auf nichtnukleare Erprobungen und Computerberechnungen
stützen.

AMERIKA DIENST 24

Bestimmte Nuklearwaffen werden in regelmäßigen
Abständen zur Überprüfung aus den Arsenalen abgezogen. Eine unerwartete Verschlechterung bestimmter Komponenten eines Gefechtskopfs oder unvorhergesehene Bedingung, denen der Gefechtskopf ausgesetzt gewesen sein könnte, können unterschiedliche
Unsicherheitsfaktoren über die Leistung des Gefechtskopfs bewirken. Bei der ballistischen Rakete für das
Polaris-Unterseeboot wurde beispielweise festgestellt,
daß der Gefechtskopf einige Jahre nach ihrer Stationierung anfing zu rosten. Ein Atomtest des PolarisGefechtskopfs ergab, daß die Korrosion die Wirkung
des Gefechtskopfs ernsthaft beeinträchtigte. Dieser
Defekt hätte, wenn er nicht behoben worden wäre,
einen Großteil unserer seegestützten ballistischen
Raketen inoperabel gemacht. Ein neuer Gefechtskopf
wurde entworfen, um das Korrosionsproblem zu beheben. Er wurde erfolgreich erprobt, und die bereits
stationierten fehlerhaften Gefechtsköpfe wurden durch
modifizierte Gefechtsköpfe ersetzt.
Probleme mit ähnlich schwerwiegenden Konsequenzen ergaben sich bei Waffensystemen unserer gesamten strategischen Triade und unseren taktischen
Nuklearsystemen. Die Gefechtsköpfe für die Minuteman-Rakete, die ballistische Rakete für das Polaris-UBoot, weitere Raketen der US-Marine außer der Polaris sowie von B-52-Bombem und Kampfbombern getragene Bomben wiesen gravierende Mängel auf, die
durch Atomtests aufgedeckt wurden, nachdem diese
Raketen von unseren Streitkräften stationiert worden
waren. Diese Probleme traten auch in jüngster Zeit
auf, nicht nur in den Frühstadien unseres AtomwaffenEntwicklungsprogramms. Wenn eine Zuverlässigkeitsprüfung der Arsenale vor einigen Jahren schwerwiegende Mängel bei unseren strategischen Nuklearsystemen ergab, hätte es sich bei der betroffenen
Waffe um eine von sechs oder vielleicht acht Waffen
gehandelt. Bei einer sehr viel kleineren, auf weniger
Typen von Gefechtsköpfen gegründeten Nuklearstreitmacht könnten solche Fehler nur bei einer von zwei
oder drei Waffen auftreten. In Anbetracht unseres
Vertrauens in die Aufrechterhaltung einer glaubwürdigen nuklearen Abschreckung auf der Grundlage so
weniger unabhängiger Waffen kommt der Notwendigkeit, die Zuverlässigkeit unserer NuklearwaffensySterne im Auge zu behalten, größere Bedeutung zu als
bisher.
Die meisten Fortschritte, die wir bei der Entwicklung
von Atomsprengköpfen erzielt haben, sind eine direkte
Folge der Atomtests. Vor kurzem legten auf neu
entwickelte hydrodynamische Computercodes gestützte Berechnungen die Vermutung nahe, daß mehrere
aktiv stationierte Nuklearwaffen ihre operativen und
Sicherheitsanforderungen nicht erfüllten. Es war
unmöglich, die Genauigkeit der neuen Berechnungen
ohne die Durchführung von Atomtests zu bestimmen,
die die berechneten Mängel aussonderten. Nachfolgende Atomtests bestätigten die grundsätzliche Rich-

Seite 3

�tigkeit der neuen Computercodes und ergaben Daten,
die unseren Konstruktionsfähigkeiten neue Grenzen
setzten. Trotz dieser großen Vorteile bei der Entwicklung genauerer Computercodes ist der Entwurf von
Atomwaffen nach wie vor eine Art Kunst. Selbst beim
Einsatz der neuesten und modernsten jetzt zur Verfügung stehenden Codes erfordert es Jahre und mehrere Atomtests, damit ein Nuklearwaffenkonstrukteurdie
Grenzen der physikalischen und computergestützten
Konstruktion einschätzen kann, um die Leistung eines
thermonuklearen Geräts berechnen zu können. Unsere Erfahrungen mit der Stationierung von Nuklearsprengköpfen belegen hinreichend, daß Computerberechnungen kaum ein Ersatz für einen Atomtest zur
Bestätigung des richtigen Entwurfs eines Gefechtskopfs sind. Diese Tests bieten uns das einzige verfügbare Mittel, um sicherzustellen, daß das Arsenal noch
zuverlässig ist.
Überlebensfähigkeit und Effektivität unserer
Streitkräfte
Wenn Abschreckung funktionieren soll, dürfen die USStreitkräfte kein leichtes Ziel bei einem Präventivangriff in einer Krise sein. Unsere Vergeltungsstreitkräfte
sowie die Warnsensoren und Führungssysteme, die
sie in Bereitschaft versetzen und ihnen Anweisungen
geben, müssen zur Durchführung entscheidender
Funktionen in der Lage sein, während sie atomaren
Auswirkungen ausgesetzt sind und danach. Der Wert
unserer Abschreckung hängt in hohem Maße von
unserem Vertrauen ab, daß die militärischen Systeme
ihrem Entwurf entsprechend operieren - ein Vertrauen,
dessen sich jeder potentielle Gegner bewußt sein
muß. Atomtests sind der einzige Weg sicherzustellen,
daß ein solches Vertrauen erlangt werden kann.
Veränderungen der bestehenden Verteidigungssysteme wie etwa Modernisierung der Lenksysteme, Sicherheitsmodifizierungen, neue Zünder usw. müssen
geprüft werden um zu gewährleisten, daß sie die Überlebensfähigleit der Systeme nicht beeinträchtigen.
Die Erfahrungen bei der Erprobung strategischer
Raketensysteme waren außerordentlich ernüchternd.
Im Hinblick auf das Überleben atomarer Auswirkungen
wurden möglicherweise tödliche Konstruktionsmängel
bei verschiedenen entscheidenden Komponenten wie
etwa Antennenfenstern, Hitzeschilden und der Elektronik von Lenksystemen bei der Erprobung der Minuteman II und III, der Poseidon, Peacekeepper sowie
der Trident I und II entdeckt. Trotz umfangreicher
überirdischer Erprobung und Analyse wurden diese
Mängel für gewöhnlich nicht aufgedeckt, bis das vollständig integrierte System einem unterirdischen Atomtest unterzogen wurde. Es besteht Grund zu der
Annahme, daß diese Erfahrungen mit strategischen
Raketen auf andere Klassen von Waffensysiemen
anwendbar sind.

Seite 4

Die derzeitge Konzentration auf defensive Waffen wie
antiballistische Gefechtsfeldwaffen stellen eine große
Herausforderung für die Überlebensfähigkeit dar.
Defensive Systeme stützen sich auf weit verbreitete
und in hohem Maße miteinander verbundene Elemente, von denen jedes in einem atomar gestörten Umfeld
ohne Unterbrechung funktionieren muß. Bei zahlreichen defensiven Systemen müssen atomare Härtenormen noch geprüft werden, insbesondere bei weltraumgestützten Sensoren und Kommunikationssatelliten. Aus diesem Grund muß die Erprobung der
nuklearen Überlebensfähigkeit weiterhin die Haltbarkeit dieser Verteidigungssysteme bestätigen.
Obwohl nach wie vor Fortschritte bei der Entwicklung
von Simulatoren erzielt werden, die in der Lage sind,
ein nukleares Umfeld zu reproduzieren, werden sie
den gegenwärtigen und zukünftigen Testanforderungen bei weitem nicht gerecht. Zu der durch Atomtests
erzielten Röntgenerprobung der Härte gibt es derzeit
weder eine Simulationsalternative, noch kann man
eine solche Fähigkeit in den nächsten 10 oder 20
Jahren erwarten.
Erprobung und Verbreitung
Seit langem wird das Argument vorgebracht, daß ein
umfassendes Testverbot "den Rüstungswettlauf beendet". Die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre
strafen eine solche Behauptung Lügen, denn die Fortschritte bei der amerikanisch-sowjetischen Rüstungskontrolle belegen, daß weitere Begrenzungen von
Atomtests nicht erforderlich sind, um stabilisierende
Rüstungsreduzierungen zu erreichen. Eine ähnliche
Annahme, die unser Testprogrmam mit der atomaren
Verbreitung in Verbindung bringt, hält ebenfalls einer
Analyse der aktuellen Ereignisse nicht stand. Zusätzliche Länder sind im vergangenen Jahr dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten (oder haben ihre Absicht
dazu bekundet), und Enthüllungen über das irakische
Programm haben erneut bewiesen, daß die Erprobung
zur Entwicklung einer grundlegenden Nuklearwaffenfähigkeit nicht erforderlich ist. Kann irgendein Zweifel
daran bestehen, daß Saddam Hussein sein Nuklearwaffenprogramm verfolgt hätte, selbst wenn die Vereinigten Staaten ihre Atomtests eingestellt hätten?
Die Initiative des Präsidenten vom 27. September
1991 und sein Bericht zur Lage der Nation vom Januar
1992 werden unser Nukleararsenal drastisch reduzieren. Die von den Vereinigten Staaten geforderte
Anzahl von Atomtests bezieht sich jedoch nicht direkt
auf den Umfang der Arsenale. Ein stark reduzierter
Bestand hebt die Notwendigkeit der Erprobung nicht
auf. Obwohl die Vereinigten Staaten ihre Atomtests
seit Anfang der fünfziger Jahre auf das niedrigste
Niveau zurückgeschraubt haben - mit Ausnahme des
Testmoratoriums on 1958 bis 1961 - müssen sie
weiterhin ein bescheidenes aber effektives Programm

AMERIKA DIENST 24

�aufrechterhalten, mit dem sie nur das für nationale
Sicherheitserfordernisse Notwendige erproben. Der
Argumentation dieses Papiers folgend sind Atomtests
zur Sicherstellung der Zuverlässigkeit und Wirksamkeit unserer Waffen unabdingbar. Ein Verbot von
Atomtests würde weder Nuklearwaffen beseitigen noch

würde die internationale Sicherheit verbessert, aber es
würde das amerikanische Vertrauen in unsere verbleibende atomare Abschreckung untergraben und unsere Fähigkeit zu Verbesserungen der nuklearen Sicherheit drastisch einschränken.

* * * *

AMERIKA DIENST 24

*

Seite 5

�KONGRESS
17. JunM992

NÄCHSTER PRÄSIDENT KÖNNTE VOM KONGRESS
BESTIMMT WERDEN
Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten
WASHINGTON - (AD) - Obwohl die Aussichten gering
sind und ein solches Verfahren seit 1824 nicht mehr
angewandt werden mu ßte, besteht in diesem Wahljahr
die Möglichkeit, daß das amerikanische Repräsentantenhaus anstelle des amerikanischen Volkes den
nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmen könnte.
Der Unsicherheitsfaktor besteht dieses Mal in der
erwarteten unabhängigen Kandidatur des texanischen
Milliardärs Ross Perot, der seine Bewerbung zwar
noch bekanntgeben muß, dessen enthusiastische
Anhänger sich jedoch bereits bemüht haben, seinen
Namen auf den Stimmzetteln der Bundesstaaten in
den gesamten Vereinigten Staaten zu plazieren.
Nationale Meinungsumfragen sehen ihn praktisch
gleichauf mit Präsident Bush und dem Gouverneurvon
Arkansas, Bill Clinton, den voraussichtlichen Kandidaten der Republikaner und Demokraten.
Damit dieses Szenarium eintritt, müßte Perot in genügend Bundesstaaten die Wahl gewinnen, um somit die
Mehrheit eines der beiden Kandidaten von den großen
Parteien im Wahlmännergremium zu verhindern.
Wenn die amerikanischen Wähler am 3. November zu
den Wahlurnen gehen, wählen sie zwar einen Präsidentschaftskandidaten, geben jedoch de facto ihre
Stimmen für eine Liste von Wahlmännem ab, die am
14. Dezember an der Versammlung des "Electoral
College" teilnehmen werden. Wie von der US-Verfassung vorgesehen und im 12. und 23. Verfassungszusatz modifiziert, besteht das Wahlmännergremium
aus 538 Mitgliedern, eines für jeden Senator und jedes
Mitglied des Repräsentantenhauses sowie drei als
Vertreter des District of Columbia.
Die Wahlmännerdelegation jedes Bundesstaats hängt
von der Anzahl seiner Vertreter im Kongreß ab und
verändert sich mit dieser Anzahl entsprechend. Infolge der Neufestlegung von Wahlkreisen nach der Volkszählung 1990 wird Kalifornien als bevölkerungsreichster Bundesstaat 54 Wahlmännerstimmen haben,
während die fünf bevölkerungsärmsten BundesstaaAMERIKA DIENST 24

ten, die jeweils nur einen Vertreter im Repräsentantenhaus haben, wie der District of Columbia jeweils nur
drei Stimmen haben. Die in jedem Bundesstaat ausgewählten Wahlmänner sind für gewöhnlich prominente Politiker des Bundesstaates oder von Gemeinden
sowie Aktivisten der Parteien.
Der 12. Verfassungszusatz schreibt vor, daß Kandidaten für die Ämter des Präsidenten oder Vizepräsidenten zur Wahl eine Mehrheit der Wahlmännerstimmen
(270 von 538) auf sich vereinigen müssen. Die Wahlmänner treten zusammen, um die Wahl des Volkes in
ihren jeweiligen Staaten zu bekräftigen. Nach dieser
Versammlung werden die Stimmzettel der Wahlmänner geöffnet und in einer gemeinsamen Sitzung des
Kongresses am 6. Januar 1993 ausgezählt. Kandidaten für die Ämter des Präsidenten und Vizepräsidenten, die mindestens 270 Wahlmännerstimmen erhalten, werden dann offiziell für gewählt erklärt.
Dieses Verfahren kann dazu führen, daß einem Kandidaten der Sieg verwehrt wird, der landesweit die
meisten Stimmen der Bevölkerung erhalten hat, jedoch nicht genügend Wahlmännerstimmen erringen
konnte, da seine Stärke in weniger bevölkerten Staaten lag, während sein Gegner in den größeren Staaten
mit mehr Wahlmännerstimmen erfolgreich war.
Dies ist dreimal in der Geschichte geschehen, das
letzte Mal im Jahr 1888. In jener nationalen Wahl
erhielt der Republikaner Benjamin Harrison etwa 95.000
Wählerstimmen weniger als der demokratische Amtsinhaber Grover Cleveland, aber im Wahlmännergremium lag Harrison mit 233 zu 168 Stimmen vorn.
Jedes Mal, wenn sich ein starker Kandidat einer dritten
Partei oder ein Unabhängiger um das Präsidentenamt
bewirbt, besteht die Möglichkeit, daß diese Person
genügend Bundesstaaten gewinnt, um die Mehrheit
eines Kandidaten im Wahlmännergremium zu verhindern. In diesem Fall regelt der 12. Verfassungszusatz,
daß das Repräsentantenhaus den Präsidenten der
Vereinigten Staates und der Senat den Vizepräsidenten wählt.

Seite 1

�Als im Jahr 1824 vier Demokraten/Republikaner für
das Präsidentenamt kandidierten, erhielt Andrew
Jackson die meisten Wähler- und Wahlmännerstimmen, was jedoch in beiden Fällen nicht für eine Mehrheit ausreichte. Als die Wahl vor das Repräsentantenhaus kam, wählte dieses John Quincy Adams zum
Präsidenten.
Unter diesen Umständen wählt das Repräsentantenhaus unter den drei Kandidaten, die die meisten
Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen. Jeder
Bundesstaat gibt dabei eine Stimme ab, und die Mehrheit
der Abgeordneten jedes Bundesstaates entscheidet
vorher darüber, auf wen diese Stimme entfallen soll.
Da die Abgeordneten für gewöhnlich nach Parteizugehörigkeit abstimmen, könnte man erwarten, daß unabhängig davon, wen die Bevölkerung dieses Bundesstaates im November wählt - die Stimme eines
Bundesstaates für den Kandidaten abgegeben wird,
der der Mehrheitspartei dieses Bundesstaates im
Repräsentantenhaus angehört. Der gegenwärtigen
Zusammensetzung des Kongresses zufolge kontrol-

lieren die Demokraten die Mehrheit der Sitze von 31
Bundesstaaten im Repräsentantenhaus, die Republikaner kontrollieren zehn, bei acht herrscht Stimmengleichheit, und ein Bundesstaat ist unabhängig.
Diesem Szenarium zufolge würde bei der Abstimmung
für das Amt des Vizepräsidenten jedes der 100 Mitglieder des Senats eine Stimme für jeweils einen der
beiden führenden Kandidaten mit den meisten Wahlmännerstimmen abgeben. Auch hier besteht wiederum die - zwar geringfügige - Chance, daß der gewählte
Vizepräsident nicht der Partei des Präsidenten angehört.
Das Repräsentantenhaus hätte von der Zählung der
Wahlmännerstimmen bis zur Amtseinführung am 20.
Januar 1993 zwei Wochen Zeit, um einen Präsidenten
zu wählen. Bei Stimmengleichheit würden entweder
der gewählte Vizepräsident oder der Sprecher des
Repräsentantenhauses oder andere nachgeordnete
Amtsinhaber bis zu einer endgültigen Einigung als
Präsident amtieren.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 24

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11485">
                <text>17.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11486">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11487">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11488">
                <text>Amerikadienst 17.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11489">
                <text>&lt;strong&gt;1. Erdgipfel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush dringt auf rasche Umsetzung der Klimakonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Umweltgipfel in Rio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reilly sieht zahlreiche Fortschritte bei Umweltkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz beim Erdgipfel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das verstärkte amerikanische Engagement im neuen Europa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt bei der Konrad-Adenauer-Stiftung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO: Streitmacht für den Frieden in der Zeit nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Paul Wolfowitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Atomtests&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomtests: Warum sie weiterhin erforderlich sind&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Weißbuch des US-Verteidigungsministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nächster Präsident könnte vom Kongress bestimmt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Perot-Kandidatur könnte allgemeine Wahl kompliziert gestalten&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2250" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2261">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6ce03fca00f50bf957fe87e97d8077ec.pdf</src>
        <authentication>88b428518c0d517937b80fe2927685e5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11484">
                    <text>cimerika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

£&gt;p
23

/ #

#&lt;f
&amp;

10. Juni 1992

QT

NATO

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat

US-WELTROLLE

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen

KONGRESS

KONGRESS VERABSCHIEDET 27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren
in der Diskussion

SOZIALPOLITIK

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE
IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SENIOREN

ALTERN IN AMERIKA: LANGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere
Menschen in den USA

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der letzten Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�NATO
10. Juni 1992

USA WERDEN IN EUROPA BLEIBEN
"SOLANGE WIR ERWÜNSCHT SIND"
Rede des Stellvertretenden Außenministers beim Nordatlantikrat
OSLO - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben eine grundlegende Verpflichtung für die Sicherheit Europas und
werden in Europa bleiben, solange sie dort erwünscht sind, erklärte der Stellvertetende US-Außenminister,
Lawrence Eagleburger, am 4. Juni 1992 beim Außenministertreffen des Nordatlantikrats.
Eagleburger zufolge wurden die Vereinigten Staaten über mehrere Jahrzehnte hinweg "mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit
und die unserer Partner in der NATO ein und dasselbe sowie unteilbar ist."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Eagleburgers beim Nordatlantikrat im Wortlaut.

Wir kommen heute in Oslo im Anschluß an einen
Zyklus von NATO-Gipfeln zusammen - Brüssel, London, Rom -, deren Ziel die Definition und Neudefinition
der Rolle des Bündnisses in einem Europa radikaler
Veränderungen gewesen ist. Es ist jedoch wichtig,
eine Unterscheidung zwischen der der NATO eigenen
Anpassungsfähigkeit und ihrem zeitlosen fundamentalen Zweck zu treffen - die unteilbare Sicherheit der
etablierten Demokratien Europas und Nordamerikas
zu gewährleisten. Bei der Erfüllung dieses Zwecks hat
sich die NATO als das vielleicht erfolgreichste Bündnis
in der Geschichte erwiesen. Wir haben unsere Freiheiten bewahrt, und wir haben den Frieden in Europa
aufrechterhalten. Wir haben Europa vor einem allgemeinen Krieg bewahrt, wie er in der ersten Hälfte des
Jahrhunderts bereits zweimal das Leben von Europäern und Nordamerikanern zerstört hat. Und wir
haben erlebt, wie die monolithische Bedrohung, der wir
uns gemeinsam entgegengestellt haben, verschwand
und freundlich gesonnene aber schwache demokratische Kräfte in ganz Osteuropa und der ehemaligen
Sowjetunion an die Macht kamen.
So treffen wir heute in einem Gefühl einzigartiger
historischer Leistungen zusammen, um die künftige
Rolle unseres Bündnisses zu erörtern. Wir sind uns
einerseits dessen bewußt, was sich nicht ändern wird
- nämlich, daß dieses Bündnis die praktische Verkörperung unserer gegenseitigen Verpflichtung bleibt,
einander in unserem gesamten demokratischen Herrschaftsbereich zu verteidigen.

AMERIKA DIENST 23

Andererseits sind wir uns ebenso der Tatsache bewußt, daß eine NATO, die uns weiterhin so erfolgreich
dient wie dies während des Großteils des vergangenen halben Jahrhunderts der Fall war, in der Lage sein
muß, sich Veränderungen im internationalen System
und Veränderungen im europäischen Sicherheitsrahmen anzupassen. Insbesondere müssen wir in der
Lage sein, sowohl mit den Bestrebungen als auch mit
den instabilen Verhältnissen umzugehen, die durch
den Zusammenbruch des Kommunismus im Osten
freigesetzt wurden.
Tatsächlich befindet sich die NATO bereits inmitten
dieses Anpassungsprozesses. Angesichts der verringerten Bedrohung haben wir ein neues strategisches
Konzept verabschiedet, die Truppenstärken reduziert
und sind zu flexibleren, mobileren und multinationalen
Streitkräften übergegangen. Angesichts der radikalen
politischen Veränderungen im Osten sind wir durch
das Liaison-Programm der NATO, das im NAKR zum
Ausdruck kommt, auf ehemalige Gegner zugegangen.
Und als Reaktion auf die historischen Schritte Westeuropas zur wirtschaftlichen und politischen Union hat
die NATO den Rahmen für die europäische Sicherheits- und Verteidigungsidentität mitdefiniert und unterstützt.
Deshalb sollten wir die Stabilität des Bündnisses nicht
mit Inflexibilität verwechseln - und unsere Bilanz zeigt,
daß wir dies auch nicht tun. Sogar die Zusammensetzung des Bündnisses könnte unter voller Berücksich-

Seite 1

�tigung unserer strengen demokratischen Normen und
der Notwendigkeit zur Bewahrung des festen Geflechts der gemeinsamen Verteidigung zum geeigneten Zeitpunkt vielleicht erweitert werden.
Heute möchte ich vier grundlegende Bereiche anführen, in denen die NATO nach Auffassung der Vereinigten Staaten ihre Mission konzentrieren muß, um den
Sicherheitsbedürfnissen des neuen Europas gerecht
zu werden.
Erstens sollte die NATO weiterhin die Entwicklung der
KSZE unterstützen, die als flexibles politisches Instrument zur Bewältigung des demokratischen Wandels
und Behandlung der tieferen Ursachen von Konflikten
eine einzigartige Rolle spielen kann. Die KSZE benötigt jedoch eine verbesserte Fähigkeit zum Krisenmanagement und zur Konfliktiösung, um ihr Potential zu
verwirklichen.
Deshalb sollten wir uns hier darauf verständigen, die
Fähigkeiten und Mittel der NATO zur Verfügung zu
stellen, um von der KSZE angeordnete Operationen
zur Friedensbewahrung zu unterstützen. In diesem
Zusammenhang möchte ich eindeutig feststellen, daß
die Vereinigten Staaten bereit sind, grundlegende
Beiträge für die Friedensbewahrung zu leisten, etwa
bei Transport und Logistik. Ferner schließen wir nicht
aus, auf derselben Basis wie andere Staaten Bodenkontingente bereitzustellen. Wie andere Mitglieder
des Bündnisses würden wir eine solche Entscheidung
von Fall zu Fall treffen.
Darüber hinaus erkennen wir an, daß die NATO nicht
die einzige Organisation ist, an die sich die KSZE
gegebenenfalls wenden kann. Die Vereinten Nationen
und die WEU zum Beispiel besitzen ebenfalls Mittel,
die eingesetzt werden können. Überdies sollten wir
bereit sein, die Mitgliedstaaten des NAKR und die
neutralen Länder einzuladen, in Partnerschaft mit der
NATO ebenfalls zu friedensbewahrenden Operationen beizutragen.
Obwohl das Bündnis sich das Recht vorbehalten muß,
über den Charakter seines Engagements von Fall zu
Fall zu entscheiden, gehen wir davon aus, daß die
NATO sich jetzt darauf einstellen sollte, diese neue
Rolle zu übernehmen, und wir sollten dies in einer Art
und Weise tun, die allen KSZE-Mitgliedstaaten offensteht, die zur Friedensbewahrung beitragen möchten.
Die NATO sollte der KSZE vielleicht auch ihre Mittel
und ihr Know-how anbieten, um zivile, Natur- und
Umweltkatastrophen zu bewältigen.
Zweitens muß die NATO weiterhin die Entwicklung
einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität innerhalb des Rahmens unterstützen, der bei
den Gipfeln von Rom und Maastricht definiert wurde.
In diesem Zusammenhang sollten keine Zweifel an der
Haltung der Vereinigten Staaten aufkommen: Wir
haben stets und uneingeschränkt die Entwicklung

Seite 2

einer europäischen Verteidigungsidentität und eines
gestärkten europäischen Pfeilers innerhalb der NATO
unterstützt. Wir gehen davon aus, daß das in Rom
vereinbarte Prinzip solide ist - daß die europäische
Verteidigungsidentität in einer offenen und kooperativen Art und Weise verwirklicht werden sollte. Und wir
sollten in diesem Zusammenhang vorrangig und aktiv
Verbindungen zwischen NATO und WEU entwickeln,
was ebenfalls in Rom vereinbart wurde.
Drittens muß die NATO Pflichten bei der Unterstützung der Reformen in allen ehemaligen WarschauerPakt-Staaten übernehmen. Angesichts dessen, was
wir als Bündnis investiert haben, um Aggressionen des
Ostens über 45 Jahre lang abzuschrecken, ist unser
Interesse am Schicksal befreundeter Demokratien dort
schlicht enorm. Und da ich gerade aus der Region
zurückkehre, kann ich berichten, da ß man dort von uns
erwartet, daß wir dieses Interesse ebenso wie unsere
gesamte stabilisierende Rolle konkret sichtbar machen. Der Arbeitsplan des NAKR ist ein solider Anfang, aber wir müssen zusätzliche Möglichkeiten identifizieren, um Partnerstaaten in Bereichen wie ziviler
Notstandsplanung, Koordinierung des zivilen Flugverkehrs und Konversion der Rüstungsindustrie zu helfen.
Ich möchte hier kurz auf die Bemühungen der Vereinigten Staaten eingehen, die auf vereinbarten Bündnisprioritäten und kontinuierlichen Konsultationen beruhen, um mit der Bedrohung umzugehen, mit der wir
alle gemeinsam jahrzehntelang konfrontiert waren der Bedrohung durch Kernwaffen strategischer und
taktischer Art. Vor einer Reihe von Tagen unterzeichneten die Vereinigten Staaten ein Abkommen, durch
das Belarus, Kasachstan, Rußland und die Ukraine
gemeinsam mit uns zu Vertragspartnern im Rahmen
des START-Abkommens wurden, das zu erheblichen
Verringerungen der strategischen Streitkräfte führen
und nach der Auflösung der ehemaligen Sowjetunion
dort eine einzige Atommacht entstehen lassen wird.
Darüber hinaus hat der amerikanische Kongreß 400
Millionen Dollar bereitgestellt, um uns zu ermöglichen,
Rußland bei der Beseitigung taktischer Kernwaffen
der ehemaligen Sowjetunion zu helfen, die kürzlich zu
diesem Zweck an gesicherten Standorten konzentriert
wurden.

Viertens muß die NATO in der Lage sein, beim Umgang mit der vom Zusammenbruch des Kommunismus hervorgerufenen Instabilität ihre uneingeschränkte Rolle gemeinsam mit anderen verantwortlichen
Institutionen - EG, WEU, NAKR und UN - zu spielen.
Auch während wir heute miteinander diskutieren, tobt
ein Krieg im Herzen Europas. Schon aus humanitären
Gründen muß sich das Bündnis bemühen, das Leiden
im ehemaligen Jugoslawien zu beenden - eine Agonie,
deren Zeugen wir tagtäglich auf unseren Fernsehschirmen werden.

AMERIKA DIENST 23

�Die Herausforderung geht jedoch wesentlich tiefer.
Dieses Bündnis, das nahezu ein halbes Jahrhundert
lang eine einzige alles beherrschende Bedrohung der
europäischen Sicherheit so effektiv vereitelte, muß
jetzt effektiv werden, um die andersartigen aber zahlreichen Konflikte friedlich zu lösen, die die Stabilität
Europas im Zeitalter nach dem kalten Krieg bedrohen.
Wiederum im Falle des ehemaligen Jugoslawiens sollte
die NATO bereitstehen, um in geeigneter Weise und in
Zusammenarbeit mit anderen internationalen Organisationen die Verwirklichung der Resolution 757 des
UN-Sicherheitsrats zu unterstützen.
Ebenso hat die NATO bei den Bemühungen eine Rolle
zu spielen, in Berg-Karabach und bei ähnlichen Konflikten Frieden zu schaffen. Um die Gewalt zu mildem
und ein Verhandlungen förderliches Klima herbeizuführen, haben sich Armenien und Aserbaidschan bereiterklärt, zivilen, unter der Schirmherrschaft der KSZE
operierenden Beobachtern Zugang zu ihrem Staatsgebiet zu gewähren. Wir gehen davon aus, daß unsere
Liaison-Partner im NAKR angesichts geographischer
und historischer Faktoren ideal dafür geeignet sind, die
führende Rolle bei dieser Beobachtermission zu spielen und daß ihnen dies einen Anteil an der von uns
geschaffenen Sicherheitspartnerschaft geben wird.
Die Verbündeten in der NATO würden sie durch den
NAKR unterstützen und damit die Funktionsfähigkeit

der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur mit
ihren überlappenden und sich wechselseitig verstärkenden Mechanismen unter Beweis stellen.
Über den Großteil mehrerer Jahrzehnte hinweg wurden die Vereinigten Staaten mit Zweifeln an ihrem
Engagement für die europäische Sicherheit von denjenigen konfrontiert, die Anpassungen in unserer Sicherheitsarchitektur fordern, als ob ihre Zweifel auf Tatsachen beruhten. In Wahrheit jedoch verfechten die
Vereinigten Staaten als Grundprinzip ihrer nationalen
Politik nach wie vor die Tatsache, daß unsere Sicherheit und die unserer Partner in der NATO ein und
dasselbe sowie unteilbar ist. Dies ist nicht die Funktion
eines Vertrages, sondern nationaler Ziele und nationaler Interessen. Infolgedessen sind wir weiterhin hier in
Europa, und wir werden in Europa bleiben, solange wir
erwünscht sind. Diejenigen, die unseren gegenwärtigen Willen und unsere Beharrlichkeit bezweifeln, haben
ihre Antwort erhalten, als Präsident Bush unsere Absicht
offiziell erklärte, auch nach dem kalten Krieg in Europa
eine substantielle amerikanische Truppenpräsenz im
Rahmen der NATO aufrechtzuerhalten. Diejenigen,
die unsere künftigen Ziele anzweifeln, erhielten ihre
Antwort heute, da wir formell eine neue Mission - eine
Friedensmission - verabschiedet haben, die von der
NATO in diesem, dem neuen Europa erfüllt werden
soll.
*

AMERIKA DIENST 23

*

Seite 3

�US-WELTROLLE
10. Juni 1992

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT WÜNSCHT
WEITERHIN AKTIVE ROLLE IN WELTPOLITIK
Ergebnisse neuer Meinungsumfragen
WASHINGTON - (AD) - Die Ergebnisse von Meinungsumfragen unterstützen nicht die von einer Anzahl
politischer Beobachter vorgebrachte Ansicht, die amerikanische Öffentlichkeit sei "auf dem Weg in den
Isolationismus". Statt dessen zeigen sie, daß eine Mehrheit der Amerikaner weiterhin eine aktive, kooperative
Rolle der Vereinigten Staaten in der Weltpolitik befürwortet, darunter "uneingeschränkte Zusammenarbeit" mit
den Vereinten Nationen sowie der selektive Einsatz militärischer Gewalt. Gleichzeitig sprechen sich die meisten
Amerikaner jedoch dafür aus, der Lösung innenpolitischer Probleme, insbesondere solcher wirtschaftlicher Art,
höchste Priorität einzuräumen.
Zustimmung zu internationalem
konstant oder geringfügig höher

In den letzten Monaten legten die Demoskopen erneut
13 Fragen zur "Trendmessung" vor, die sie von Zeit zu
Zeit stellen, um die Stimmung der Amerikaner im
Hinblick auf das internationale Engagement einzuschätzen. Die Reaktionen auf fünf dieser Fragen
zeigen, daß die Zustimmung zu internationalem Engagement in den achtziger Jahren eindeutig gestiegen
ist. Die Antworten auf zwei Fragen zeigen einen
Rückgang, während bei den verbleibenden sechs keine
Veränderungen festgestellt wurden.
Im großen und ganzen zeigen diese Meinungsumfragen, daß etwa 60 - 70 Prozent der Amerikaner heute
im allgemeinen eine aktive Rolle der Vereinigten Staaten in der Außenpolitik befürworten, während 20 - 30
Prozent ein aktives Engagement im Ausland ablehnen. Dazu folgende Beispiele:
1.

2.

Einer Gallup-Umfrage vom September vergangenen Jahres zufolge wünschten 71 Prozent
eine "aktive Beteiligung" der Vereinigten Staaten an der Weltpolitik - im Vergleich zu 64
Prozent Ende 1986. 23 Prozent zogen es vor,
daß sich die Vereinigten Staaten aus der Weltpolitik "heraushalten" - gegenüber27 Prozent im
Jahr 1986.
Im Februar sprachen sich im Rahmen einer
Untersuchung von Research/Strategy/Management (R/S/M) 74 Prozent der Befragten für die
aktive Verfolgung amerikanischer Sicherheitsinteressen im Ausland entweder multilateral in
Zusammenarbeit mit anderen Staaten (54 Pro-

AMERIKA DIENST 23

zent) oder auf sich allein gestellt (20 Prozent)
aus. Die Unterstützung für ein solches Engagement war gegenüber 1986 (68 Prozent) um 6
Prozent gestiegen. Im Februar meinten 24
Prozent, die Vereinigten Staaten sollten es

Engagement

"möglichst vermeiden, sich in anderen Ländern

zu engagieren" - gegenüber 30 Prozent im Jahr
1986.
3.

Im Hinblick auf den Einsatz militärischer Gewalt
gaben im Februar 64 Prozent der Befragten von
R/S/M an, sie unterstützten den Gedanken,
"amerikanische Truppen zu entsenden", um "bei
größeren militärischen Auseinandersetzungen
... irgendwo im Ausland" zu intervenieren, wenn
der Präsident der Überzeugung sei, dies liege im
besten Interesse des Landes. Im Jahr 1986
unterstützte eine wesentlich geringere Mehrheit
von 54 Prozent eine solche Intervention.

Steigende Priorität für innenpolitische Anliegen
Zur Zeit betrachten nahezu 60 Prozent der Amerikaner
die Wirtschaft als "das wichtigste Problem für die
Vereinigten Staaten von heute" - gegenüber 40 Prozent kurz nach dem Golfkrieg und 30 Prozent kurz
davor. (Gallup 3/92, Time-CNN/Yankelovich 3/92,
CBS/NY Times 1/92)
Lediglich zwei Prozent halten außen- oder verteidigungspolitische Themen für das dringlichste Problem
der Vereinigten Staaten. Selbst wenn die Befragten
aufgefordert wurden, die "gegenwärtig zwei oder drei
wichtigsten Probleme der Nation" zu nennen, gab nur
einer von zehn einen außen- oder verteidigungspolitischen Sachverhalt an.
Seite 1

�Im Januar fragte Gallup danach, "wie wichtig" es für
Präsidentschaftskandidaten wäre, über verschiedene
Themen im Wahlkampf 1992 zu sprechen. Mehr als
doppelt so viele meinten, es sei "sehr wichtig", die
"Wirtschaft" zu erörtern (93 Prozent) als über "nationale Verteidigung" (43 Prozent) oder "Außenpolitik" (37
Prozent) zu sprechen.
Andere Themen lagen irgendwo zwischen diesen
Extremwerten: "Bildungswesen" (87 Prozent: "sehr
wichtig"), "Arbeitslosigkeit" (84 Prozent), "Krankenversicherung" (80 Prozent), "das Defizit im Bundeshaushalt" (79 Prozent), "Verbrechen" (77 Prozent), "Drogen" (77 Prozent), "Steuern" (70 Prozent), "AIDS" (67
Prozent), "die Umwelt" (60 Prozent), "Außenhandel"
(53 Prozent), "Rassenbeziehungen" (48 Prozent) und
"Abtreibung" (38 Prozent).

Öffentlichkeit wünscht weltweites Engagement bei
gleichzeitiger Bewältigung innenpolitischer Probleme
Einer Meinungsumfrage von Potomac Associates vom
letzten Herbst zufolge erhöhte sich der Prozentsatz
derer, die meinten, die Vereinigten Staaten sollten
"uneingeschränkt mit den Vereinten Nationen zusammenarbeiten", von 1985 bis Oktober 1991 um 21
Punkte - von 56 auf 77 Prozent. Im gleichen Zeitraum
nahm jedoch ebenfalls die Unterstützung für "stärkere
Konzentration auf unsere eigenen nationalen (anstatt
internationalen) Probleme" um 18 Punkte zu - von 60
auf 78 Prozent.
Bei beiden Fragestellungen hat die Zustimmungsrate
den höchsten Anteil erreicht, seit Potomac Associates
diese Fragen im Jahr 1964 einführte. Damit wird ein
zentraler Aspekt der gegenwärtigen Stimmung beleuchtet: Die Amerikaner fordern verstärktes Handeln
an der innenpolitischen Front, ohne das Engagement
in der übrigen Welt zu beenden.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�KONGRESS
10. Juni 1992

KONGRESS VERABSCHIEDET
27. VERFASSUNGSZUSATZ
Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion
WASHINGTON - (AD) - Als der Kongreß am 20. Mai
1992 den 27. Zusatz zur amerikanischen Verfassung
verabschiedete, fand damit ein Prozeß seinen Abschluß, der bereits vor über 200 Jahren von James
Madison, einem der Gründeräter der Vereinigten Staaten, eingeleitet worden war.
Die von Madison, dem vierten US-Präsidenten, vorgeschlagene Ergänzung der amerikanischen Verfassung
schreibt vor, daß "kein Gesetz, durch das die Entgelte
für die Dienste von Senatoren und Abgeordneten
verändert werden, in Kraft treten soll, bevor nicht eine
Abgeordnetenwahl stattgefunden hat".
Demnach kann eine vom Kongreß verabschiedete
Diätenerhöhung erst nach der nächsten Wahl zum
Repräsentantenhaus in Kraft treten. Damit wird dem
Wähler Gelegenheit gegeben, einige Nutznießer einer
solchen Erhöhung abzuwählen, wenn er der Überzeugung ist, diese sei unverdient oder ein Akt der Selbstbedienung. Mit dieser Ergänzung der Verfassung wird
beabsichtigt, das Ansehen des Kongresses zu bewahren.
Madison, der entscheidend am Entwurf der Verfassung beteiligt war, hatte diesen Zusatz als Teil eines
Pakets von insgesamt 12 Ergänzungen eingebracht.
Von diesen wurden zehn, die im Jahr 1791 verabschiedet wurden, als Bill of Rights bekannt. Diese Verfassungszusätze garantieren die bürgerlichen Grundfreiheiten amerikanischer Staatsbürger. Der Zusatz über
Diätenerhöhungen fand gemeinsam mit einem weiteren Zusatz über die Erweiterung der Abgeordnetenzahl im Kongreß nicht die erforderliche Unterstützung,
und beide gerieten schließlich völlig in Vergessenheit.
Doch der 27. Verfassungszusatz bewies ein zähes
Leben. Geschürt von einer populistischen Stimmung
in der Politik und einer Rezession wurde er in den
letzten Jahren wiederbelebt und von einem Staatsparlament nach dem anderen verabschiedet. Am 7. Mai
1992 wurde Michigan der 38. Staat, der die in der
Verfassung enthaltene Bestimmung erfüllte, daß jede
Verfassungsänderung von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert werden muß. Am 13. Mai wurde der

AMERIKA DIENST 23

Zusatz vom Obersten Archivar der Vereinigten Staaten für gesetzlich gültig erklärt, und am 20. Mai erklärten die Mitglieder von Repräsentantenhaus und Senat,
daß er ihrer Meinung nach Gesetzeskraft erlangt habe
- trotz seines Alters von zweihundert Jahren.
In der Rückschau zeigt sich, daß Maryland im Jahr
1789 als erster Bundesstaat den Zusatz ratifizierte. In
den nächsten zwei Jahren stimmten fünf weitere Staaten zu. Ohio verabschiedete ihn im Jahr 1873 und
Wyoming im Jahr 1978, womit acht Ratifizierungen
erreicht waren.
Im Jahr 1982 griff Gregory D. Watson, ein 20jähriger
Student, der an der University of Texas an einem
Forschungsreferat arbeitete, das nichtratifizierte
Madison-Amendment auf. Watson startete völlig auf
sich selbst gestellt in Nachtarbeit zu Hause eine Briefkampagne mit dem Ziel, die Abgeordneten in weiteren
30 Parlamenten der Bundesstaaten zur Ratifizierung
zu bewegen. Seine Bemühungen zahlten sich aus.
Bis zum Jahr 1989 hatten weitere 19 Staaten den
Zusatz ratifiziert, und der Prozeß gewann weiteren
Schwung.
Mit steigender Wahrscheinlichkeit einer Ratifizierung
des Verfassungszusatzes brachten einige Mitglieder
des Kongresses und Verfassungsexperten Zweifel
über dessen Rechtmäßigkeit zum Ausdruck. Ihrer
Meinung nach hatten die Gründerväter beabsichtigt,
daß Verfassungszusätze in einer angemessen kurzen
Zeit ratifiziert würden. Die Verfassung bestimmt, daß
jeder Zusatz von jeweils einer Zweidrittel-Mehrheit im
Repräsentantenhaus und im Senat eingebracht und
danach von dreiviertel der Bundesstaaten ratifiziert
werden muß - eine zeitliche Begrenzung des Ratifizierungsverfahrens besteht jedoch nicht. Bei mehreren
früheren und heute vorgeschlagenen Zusätzen setzte
der Kongreß Fristen, nicht jedoch bei diesem.
Der Juraprofessor an der Harvard University, Laurence Tribe, schrieb im Wall Street Journal, es sei "nicht
Aufgabe des Kongresses, die Ratifizierung durch
Michigan im Jahr 1992 für zu jung oder die durch
Maryland im Jahr 1789 für zu alt zu erklären".
Seite 1

�Der Abgeordnete Dick Zimmer bezeichnete
»te den Zusatz als "heute absolut genauso aktuell wie
ie vor über
200 Jahren... Wovor Madison und die Ratifizierer
dieses Zusatzes die Öffentlichkeit schützen
en wollten,
war die größte Vergünstigung im Kongreß - die
die FähigFähigkeit, unsere eigenen Gehälter zu erhöhen,ohne
ohneunseunsere Arbeitgeber, die uns wählenden Menschen,
ischen, zu
befragen."

angesichts der von ihnen wahrgenommenen Verantwortung gering sei. Die politischen Realitäten zwangen sie andererseits dazu, durch einen formellen
Beschluß ihr Einverständnis zu geben.

Bedeutet der Verfassungszusatz, daß die Diäten im
Kongreß ständig schrumpfen werden, da dessen Mitglieder damit rechnen müssen, daß jede von ihnen
verabschiedete Diätenerhöhung ihren Nachfolgern
Zu Madisons Zeit erhielten die Mitglieder des
Kongres- zugute kommen könnte? Das ist zur Zeit noch unklar.
&gt;s Kongresses pro Tag 6 Dollar an Diäten sowie eine AufwandsAufwandsentschädigung von 6 Dollar pro Meile, die sie
(zuPferd)
Pferd) Im Jahr 1989 verabschiedete der Kongre ß ein Gesetz,
e (zu
anreisen mußten, um an den Sitzungen des
Kongress Kongres- c l a s e i n e automatische Anpassung der Diäten an die
ses teilzunehmen. Heute liegen die Diätenm
imKongreß
Kongreß gestiegenen Lebenshaltungskosten festschreibt. Da
bei 130.000 Dollar im Jahr, eine geringe Summe
Summe im
im e s der n e u e Verfassungszusatz den Abgeordneten
Vergleich zu den Gehältern zahlreicher Spitzenmanaitzenmana- verbietet, in der aktuellen Amtsperiode ihre "Entgelte
ger in der Industrie, sehr viel jedoch im Vergleich
ergleich zu
zu z u verändern", könnte dies bedeuten, daß sie solche
den Gehältern der meisten Bürger. Die Mitglieder
des
glieder des gesetzlich festgeschriebenen Erhöhungen nicht ausKongresses geben an, ihre hohen Diätent seien
seien geqe- schlagen werden, da sie bereits Teil ihrer Diäten sind,
rechtfertigt, da sie häufig zwei Wohnsitze unterhalten
jnterhalten Er könnte jedoch auch so ausgelegt werden, daßdiese
müßten - einen in ihrem Heimatstaat und den
anderen Anpassungen tatsächlich unzulässig sind, da sie Veran anderen
in der Bundeshauptstadt Washington. Sie verweisen
verweisen änderungen darstellen. Wahrscheinlich werden die
darüber hinaus auf die Tatsache, daß ihr
ihr Entgelt
Entgelt Gerichte-möglicherweise das Oberste Bundesgericht
- in dieser Angelegenheit das letzte Wort haben.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�SOZIALPOLITIK
10. Juni 1992

ZAHLREICHE PROGRAMME FÜR BEDÜRFTIGE IN USA
Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die als Schlüsselelemente des
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 eingeführten
grundlegenden Sozialversicherungsprogramme zielen darauf ab, die meisten Amerikaner vor Armut zu
bewahren, indem sie einen Teil ihres durch Arbeitslosigkeit, Ruhestand, Berufsunfähigkeit oder Tod eines
nahen Angehörigen entfallenen Einkommens ersetzen.
Diese Programme basieren jedoch in der Regel auf
Dauer der Berufstätigkeit und decken viele Amerikaner, deren Jahreseinkommen unter der bundesweit
festgelegten Armutsgrenze (13.921 Dollar für eine
vierköpfige Familie im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen) liegt,
nicht ausreichend ab. Für die Bedürfnisse dieser
Bürger bestehen zahlreiche sonstige von Bund, Bundesstaaten und Gemeinden - und in vielen Fällen von
privaten Wohltätigkeitsorganisationen und Einzelpersonen - getragene Programme.
Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern
Die Hilfe für Familien mit unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with Dependent Children - AFDC)
- allgemein als "Weifare" (Sozialhilfe) bezeichnet - ist
das umfangreichste und kostspieligste Programm zur
Vergabe von Bargeld und wird teilweise aus dem
Steueraufkommen des Bundes finanziert. AFDC ist
ein vermögensabhängiges Programm, bei dem die
Leistungen je nach Einkommen und Vermögen des
Empfängers begrenzt sind. Es kommt bedürftigen
Familien zugute, in denen ein Elternteil verstorben ist,
die Familie verlassen hat, behindert ist oder - in etwa
der Hälfte der 50 Staaten - arbeitslos geworden ist.
Das Programm wird von den Bundesstaaten nach den
Maßgaben der Bundesregierung verwaltet. Die Kosten werden anteilig aus dem Steueraufkommen von
Bund, Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht.
Per Gesetz müssen mindestens 50 Prozent aller AFDCKosten in einem Bundesstaat von der Bundesregierung getragen werden. Dieser Anteil kann jedoch bis
zu 83 Prozent betragen, da arme Bundesstaaten einen
höheren Bundeszuschuß erhalten.

AMERIKA DIENST 23

Der Anspruch auf Leistungen aus diesen Programmen
ist ebenso wie der Leistungsumfang äußerst unterschiedlich. Nach den Gesetzen der Bundesregierung
muß jeder Bundesstaat auf der Grundlage des Mindestbedarfs an Lebensmitteln, Kleidung und Unterkunft den "Warenkorb" für Familien unterschiedlicher
Größe ermitteln. Dieser Standard unterscheidet sich
von Bundesstaat zu Bundesstaat, was teilweise auf
die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten zurückzuführen ist. So liegen zum Beispiel die Lebenshaltungskosten in Alaska und Hawaii im allgemeinen
höher als in anderen Bundesstaaten, da aufgrund der
geographischen Lage höhere Transportkosten anfallen.
In der Praxis erweisen sich die von den Bundesstaaten
festgesetzten eng definierten Leistungssätze als nicht
ganz ausreichend, um sämtliche legitimen Bedürfnisse zu decken, so daß eine Familie Anspruch auf
AFDC-Leistungen hat, wenn ihr Bruttoeinkommen
weniger als 185 Prozent des errechneten Grundbedarfs beträgt. Dies erlaubt die Nichtanrechnung eines
gewissen Verdienstanteils, um mit einer Erwerbstätigkeit verbundene Ausgaben und Kosten für Kinderbetreuung zu decken. Der Leistungsanspruch endet für
gewöhnlich, wenn das jüngste Kind das 18. Lebensjahr
vollendet.
Die Bundesgesetze schreiben vor, daß bestimmte
arbeitsfähige Empfänger von AFDC - etwa minderjährige Mütter mit Kindern über drei Jahren - sich um einen
Arbeitsplatz, Teilnahme am Schulunterricht oder einen
Ausbildungsplatz bemühen müssen.
Die monatlichen AFDC-Leistungen betrugen für eine
dreiköpfige Familie im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für
das vollständige Daten zur Verfügung stehen, von 114
Dollar in Alabama bis zu 773 Dollar in Alaska, wobei
der Bundesdurchschnitt bei 390 Dollar lag.
Etwa 85 Prozent der Familien, die AFDC-Leistungen
beziehen, erhalten darüber hinaus Lebensmittelmarken, mit denen sie Lebensmittel zu reduzierten Preisen
erwerben können. Bei Anrechnung der Lebensmittelmarken betrugen die Höchstleistungen im Jahr 1990

Seite 1

�von 374 Dollar monatlich in Alabama bis zu 1.277
Dollar in Alaska, der Bundesdurchschnitt lag bei 650
Dollar monatlich.
Darüber hinaus haben die Empfänger von AFDC automatisch Anspruch auf kostenlose medizinische Versorgung im Rahmen von MEDICAID und können unter
Umständen Wohngeld vom Bund oder den Bundesstaaten beziehen.
Vorläufigen Schätzungen zufolge erhielten 12,5 Millionen Personen im Jahr 1991 AFDC-Leistungen im
Gesamtumfang von 20 Milliarden Dollar. Darin sind
Lebensmittelmarken, medizinische Leistungen und
Wohngeld nicht enthalten. Von dieser Gesamtsumme
wurden 11,5 Milliarden Dollar vom Bund bereitgestellt,
der Rest wurde von Bundesstaaten und Gemeinden
getragen.
Zuschüsse für Einkommensschwache
Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) ist ein vermögensabhängiges
Programm, das hauptsächlich von der Bundesregierung finanziert wird. Es bietet feste monatliche Leistungen für Kinder und Erwachsene, die behindert
oder blind sind und bestimmte Einkommens- und
Vermögensgrenzen nicht überschreiten. SSI-Leistungen stehen darüber hinaus Senioren zur Verfügung,
die keine Rente erhalten. Die Barzahlungen werden
aus dem allgemeinen Steueraufkommen geleistet,
nicht aus einem speziellen Treuhandfonds wie im Falle
der gesetzlichen Rentenversicherung.
Die medizinischen Voraussetzungen für Ansprüche
auf SSI-Leistungen für Behinderte sind dieselben, die
für Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bei Berufsunfähigkeit gelten. Für SSI-Leistungen
werden keine Nachweise über frühere Berufstätigkeit
verlangt.
Im Jahr 1992 beträgt der vom Bund festgesetzte
inflationsbereinigte Regelsatz für SSI-Leistungen 422
Dollar im Monat für eine anspruchsberechtigte Einzelperson ohne zusätzliches Einkommen und 633 Dollar
im Monat für ein anspruchsberechtigtes Ehepaar ohne
zusätzliches Einkommen.
Die Obergrenzen für das persönliche Vermögen liegen
heute bei 2.000 Dollar für eine Einzelperson und 3.000
Dollar für ein Ehepaar, wobei der Wert von selbstgenutztem Wohneigentum nicht angerechnet wird.
Wenn der Verdienst den monatlichen SSI-Regelsatz
übersteigt, hat die betreffende Person keinen Anspruch auf diese Leistungen. Wenn jedoch das Einkommen den Satz unterschreitet, werden die Leistungen entsprechend gekürzt. So würde bei einem Reg i l satz von 422 Dollar im Monat eine Person, deren
monatliches Einkommen 200 Dollar beträgt, SSI-Leistungen in Höhe von 222 Dollar erhalten.

Seite 2

Jeder, der aufgrund von Behinderung oder Blindheit
SSI beantragt, kann darüber hinaus von dem Bundesstaat, in dem er wohnt, weitere Zuschüsse oder Dienstleistungen erhalten. Dazu gehören Beratung, medizinische Versorgung, Lebensmittelmarken, berufliche
Qualifizierungsmaßnahmen, Beschaffung von Arbeitsplätzen und andere Hilfen - etwa eine Haushaltshilfe,
Essen auf Rädern und Begleitdienste -, die ihm helfen,
weniger auf andere angewiesen zu sein.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, erhielten etwa 4,9 Millionen Amerikaner SSI-Leistungen des Bundes in Höhe
von über 15,7 Milliarden Dollar, und die Bundesstaaten
stellten weitere Dienstleistungen und Bargeldzulagen
in Höhe von rund 3,8 Milliarden Dollar bereit.
Nahrungsmittelhilfe
Aus Steuermitteln der Bundesregierung finanzierte
Lebensmittelmarken des US-Landwirtschaflsministeriums, die von den Sozialhilfebehörden von Bundesstaaten und Gemeinden verteilt werden, bilden das
größte amerikanische Programm, um Einkommensschwachen Hilfe bei der Ernährung zu gewähren.
Lebensmittelmarken sind hauptsächlich dazu bestimmt,
die Kaufkraft berechtigter einkommensschwacher
Haushalte zu ergänzen, um ihnen eine ausgewogene
preisgünstige tägliche Ernährung zu ermöglichen. Die
Leistungsbezieher müssen etwa 30 Prozent ihres
monatlichen Bargeldeinkommens für den Kauf von
Lebensmitteln aufwenden.
Lebensmittelmarken werden von Einzelhändlern und
Lebensmittelläden angenommen und später von der
amerikanischen Bundesbank in bar erstattet.
Die Marken stehen nahezu allen Haushalten zur Verfügung, die die vom Bund festgesetzten Maßstäbe im
Hinblick auf Monatseinkommen und flüssige Mittel
erfüllen, solange sich arbeitslose erwachsene Haushaltsangehörige im Alter zwischen 18 und 60 Jahren
bereiterklären, sich als arbeitssuchend registrieren zu
lassen und an Fortbildungsprogrammen teilzunehmen, um ihre beruflichen Qualifikationen zu verbessern. Familienmitglieder, die Kinder unter sechs Jahren betreuen oder erwerbsunfähig sind, sind von der
Arbeitspflicht ausgenommen.
Um für den Höchstbetrag an Lebensmittelmarken in
Frage zu kommen, dürfen Haushalte ohne Rentner
oder Behinderte keine anrechnungsfähigen Vermögenswerte (etwa Einlagen auf Girokonten oder Aktien
und Rentenwerte) über 2.000 Dollar besitzen. Davon
ausgenommen ist selbstgenutztes Wohneigentum. Das
monatliche Bruttoeinkommen darf 130 Prozent der
vom Bund festgesetzten Armutsgrenze (etwa 1.508
Dollar im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige Daten zur Verfügung stehen) nicht überschreiten.
Das Nettoeinkommen eines Haushalts darf ferner 100
Prozent der vom Bund festgesetzten Armutsgrenze
nicht überschreiten (1.160 Dollar im Jahr 1991).
AMERIKA DIENST 23

�Haushalte, zu denen Senioren oder Behinderte gehören, unterliegen lediglich der Vorschrift im Hinblick auf
das Nettoeinkommen und dürfen persönliche Vermögenswerte bis zu 3.000 Dollar besitzen. Für diejenigen, deren Monatseinkommen den Höchstbetrag
übersteigt, werden die Leistungen für jeden anrechnungsfähigen Dollar um 30 Cent gekürzt.

Mittagessen im Gesamtwert von etwa 5 Milliarden
Dollar zur Verfügung. Im selben Monat boten etwa
50.000 Schulen 4,9 Millionen Kindern Frühstücksmahlzeiten im Gesamtwert von 84,9 Millionen Dollar.

Jüngsten Untersuchungen zufolge sind 49,2 Prozent
aller Empfänger von Lebensmittelmarken Kinder und
8,4 Prozent ältere Menschen über 60. Etwa 4,7
Prozent der Empfänger haben einen Vollzeitarbeitsplatz, und 19,5 Prozent der Empfängerhaushalte
beziehen ein eigenes Einkommen.

nahrhafte Mahlzeiten und "Imbisse" im Gesamtwert von 94,6 Millionen Dollar im Rahmen des
Lebensmittelprogramms für Kinder und Erwachsene (Child and Adult Care Food Program),
darunter 51,2 Millionen Mahlzeiten, die in gemeinnützigen Kindertagesstätten außerhalb von
Wohngebieten und in Sammelunterkünften
ausgegeben werden sowie 51,4 Millionen in privaten Kinderbetreuungseinrichtungen;

Im März 1992, dem letzten Monat, für den vollständige
Daten zur Verfügung stehen, betrug die monatliche
Höchstzuteilung von Lebensmittelmarken für eine
vierköpfige Familie in den meisten Bundesstaaten 370
Dollar, die Bandbreite reichte jedoch bis zu 737 Dollar
in ländlichen Gebieten Alaskas, wo die Kosten für
Lebensmittel aufgrund der Fracht- und Transportkosten wesentlich höher lagen.
Im März 1992 bezogen 25,7 Millionen Personen Lebensmittelmarken im Gesamtwert von 1,868 Milliarden
Dollar (einschließlich Verwaltungs- und Verteilungskosten). Auf Jahresbasis hochgerechnet ergibt dies
über 22 Milliarden Dollar. Die monatlichen Leistungen
betrugen 1991 durchschnittlich 63,88 Dollar pro Person und 166 Dollar pro Haushalt.
Zwei weitere Nahrungsmittelprogramme, die vom
Nahrungsmittel- und Ernährungsdienst des US-Landwirtschaftsministeriums getragen werden - die nationalen Schulspeisungsprogramme, die jeweils Frühstück und Mittagesssen bereitstellen -, bieten den
beteiligten öffentlichen und privaten Schulen sowie
gemeinnützigen Trägern in Wohngebieten Unterstützung in Form von Geld und Nahrungsmitteln.
Jedes dieser Programme verfügt über ein dreigliedriges Vergütungssystem, das Kindern aus Haushalten
mit Monatseinkommen, die bis zu 130 Prozent der vom
Bund festgesetzten Armutsgrenze betragen, zu freien
Mahlzeiten berechtigt, Kindern aus Haushalten mit
Einkommen zwischen 130 und 185 Prozent der Armutsgrenze (1.508 bis 2.146 Dollar für eine vierköpfige
Familie im Jahr 1991) Mahlzeiten zu einem ermäßigten Preis anbietet und Kindern aus Haushalten, deren
Einkommen 185 Prozent oder mehr über der Armutsgrenze liegt, einen geringen Zuschuß zu den Mahlzeiten gewährt.
Kinder aus Familien, die AFDC erhalten, sind automatisch zu kostenloser Schulspeisung berechtigt. Im
März 1992 bezogen 42 Prozent derjenigen, die eine
kostenlose oder ermäßigte Schulspeisung erhielten,
AFDC-Leistungen.
Im März 1992 stellten rund 92.300 beteiligte Schulen
24,6 Millionen Kindern kostenlose oder ermäßigte
AMERIKA DIENST 23

Weitere vom Landwirtschaftsministerium im März 1992
unterstützte Nahrungsmittelprogramme umfassen:

Mahlzeiten im Rahmen des Nahrungsmittelhilfeprogramms für Frauen, Säuglinge und Kinder
(Special Supplemental Food Program for Women,
Infants and Children - WIC) in Höhe von 223,2
Millionen Dollarfür 5,4 Millionen Menschen, das

medizinische Betreuung und zusätzliche Nahrungsmittel für einkommensschwache Schwangere, Mütter von Säuglingen und Kinder bis zum
5. Lebensjahr vorsieht;
Nahrungsmittel- und Bargeldbeihilfen für die
Bundesstaaten in Höhe von 6,5 Millionen Dollar
im Rahmen des Ergänzenden Nahrungsmittelprogramms (Commodity Supplemental Food
Program), das rund 340.000 Säuglingen, Kindern, stillenden Müttern und älteren Menschen
in einkommenssschwachen Familien zugute
kommt;
Lebensmittelpakete im Wert von 5 Millionen
Dollar für etwa 118.900 Angehörige der Urbevölkerung, die in oder in der Nähe von Reservaten leben;
Lebensmittel im Wert von 30,5 Millionen Dollar
für andere bedürftige Amerikaner, darunter Arme
und Arbeitslose.
Wohnungswesen
Der Großteil der Wohnungsprogramme des Bundes
zielt heute auf Menschen der untersten Einkommensschichten ab - definiert als diejenigen Personen, deren
Einkommen weniger als 50 Prozent des mittleren
Haushaltseinkommens in ihrem geographischen Gebiet
beträgt - sowie auf Personen, deren Haushaltseinkommen zwischen 50 und 80 Prozent des mittleren Einkommens in ihrem Gebiet erreicht. Die Zahl der
Bundeshilfen beziehenden Haushalte wird jedoch durch
die Höhe der Summe begrenzt, die der Kongreß
jährlich für diese Programme bewilligt.
Die beiden wichtigsten Programme sind zur Zeit
Wohngeld und Zuschüsse zu Hypothekenzinsen, die
vom Ministerium für Wohnungs- und Städtebau (HUD)
Seite 3

�sowie von der Heimstättenverwaltung für Landwirte
(FHA) des Landwirtschaftsministeriums vergeben
werden.
Diese Programme bieten zum Beispiel Besitzern privater Mietshäuser Steuervergünstigungen, wenn sie
Mietwohnungen für einkommensschwache Mieter
reservieren. Es können ferner Berechtigungsscheine
ausgegeben werden, die es einkommensschwachen
Mietern gestatten, eine Mietwohnung aus dem Bestand privater Wohnungseigentümer auszuwählen.
Mit Wohngeldprogrammen wird die vom Mieter zu
entrichtende Miete im allgemeinen auf einen bestimmten Prozentsatz - zur Zeit 30 Prozent - seines Gesamteinkommens begrenzt. Dabei zahlt die Bundesregierung die Differenz zwischen dieser Summe und einer
bestimmten "angemessenen" Vergleichsmiete auf dem
freien Wohnungsmarkt. Mit solchen Programmen

kann jedoch auch die Höchstmiete begrenzt werden,
die ein Vermieter verlangen kann. Alternativ kann die
Grundmiete mit einer Formel berechnet werden, die
sich an den dem Hausbesitzer gewährten Zinssubventionen orientiert.
Bei projektbezogenen Programmen können durch
Bundessubventionen die Kapitalkosten für den Bau
abgedeckt, zinsgünstige Finanzierungen für den Bauherrn bereitgestellt werden oder beides zusammen.
Einige Programme subventionieren ferner die nach
Fertigstellung des Objekts anfallenden Betriebskosten.
Im Jahr 1991, dem letzten Jahr, für das vollständige
Daten zur Verfügung stehen, wurden etwa 4,5 Millionen Wohneinheiten durch Wohngeld oder Steuervergünstigungen des HUD im Gesamtwert von 14,4 Milliarden Dollar gefördert. Weitere 800.000 Wohneinheiten erhielten in demselben Jahr Beihilfen von der FHA.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 23

�SENIOREN
10. Juni 1992

ALTERN IN AMERIKA: LÄNGER LEBEN
UND ES MEHR GENIESSEN
Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA
"Altwerden ist nicht so schiecht in Anbetracht der Alternative."
Der französische Schauspieler Maurice Chevalier in vorgerücktem Alter.

Wenn es zutrifft, daß man nur so alt ist, wie man sich
fühlt, dann gibt es heute viele junge Amerikaner.
Die amerikanische Bevölkerung wird kontinuierlich
älter. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, im
höheren Alter nicht mehr zum Kämpfen bereit zu sein
und nur noch im Schaukelstuhl zu sitzen.
In der Tat sind viele Amerikaner mehr beschäftigt als
je zuvor, strafen ihr Alter Lügen und genießen ein
aktives, produktives Leben.
Man sieht sie joggen wie den 92jährigen Arzt Paul
Spangler, der an 11 Marathonrennen teilgenommen
hat, einschließlich dem klassischen Boston Marathon.
Sie engagieren sich für Verbraucherschutz wie die
86jährige Esther Peterson oder schreiben Romane
wie der 85jährige James Michener.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge lebten 1990 in den Vereinigten Staaten mehr als
63,504 Millionen über 50jährige Männer und Frauen
verglichen mit 58,962 Millionen im Jahr 1980. Die
Gesamtbevölkerung der Vereinigten Staaten belief
sich 1990 auf 248,710 Millionen.
In den nächsten 30 Jahren wird sich die Zahl der über
85jährigen Amerikaner voraussichtlich um das Fünffache auf 15 Millionen erhöhen. Noch erstaunlicher ist
die stetig zunehmende Zahl der über 100jährigen
Amerikaner. 1990 betrug sie 36.000 - ein Jahrzehnt
früher, 1980, waren es nur 14.000.
Das Durchschnittsalter der Bevölkerung stieg 1990 auf
32,9 Jahre. 1980 lag es noch bei 30 Jahren. (Unter
Durchschnittsalter versteht man den gleichen Prozentsatz von Menschen, deren Alter über diesem Wert
liegt wie darunter).

AMERIKA DIENST 23

Obwohl zahlreiche Amerikaner noch lange nach dem
herkömmlichen Rentenalter von 65 Jahren erwerbstätig sind (und dadurch aus einigen Reihen Kritik ernten,
weil sie die Arbeitsplätze für jüngere Menschen blokkieren) kann man eine deutliche Tendenz zum Vorruhestand feststellen. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
jemand mit 50 Jahren oder darunter in den Ruhestand
geht und eine zweite Karriere beginnt.
Viele Mittsechziger oder ältere Menschen kommen
jetzt erst richtig in Schwung. Die ihnen eigene Energie,
Erfahrung und ihre Fähigkeiten sind häufig sehr viel
größer als die unreifer, unerfahrener Jugendlicher in
den Zwanzigern.
Da ihre Zahl dramatisch zunimmt, stellen die Senioren
in den Vereinigten Staaten eine Herausforderung für
die Politiker dar, die bisher keinen klar umrissenen
Plan zu Verbesserung der Lebensqualität dieser Bevölkerungsgruppe formuliert haben.
Das wird sich jedoch wahrscheinlich mit zunehmendem Alter der Wählerschaft ändern, die größeren
Einfluß auf die Wahlentscheidung und die Formulierung der Politik nimmt.
Berichten des Statistischen Bundesamts vom Februar
zufolge werden von den 189 Millionen potentiellen
Wählern bei den Präsidentschaftswahlen im November 32,5 Millionen über 65 sein, verglichen mit 30,59
Millionen bei den Wahlen von 1988.
Die Tatsache, daß Amerikaner sowohl länger leben als
auch länger arbeiten, ist auf eine Kombination von
Gründen zurückzuführen. Technologie und Medizin,
zunehmendes Bewußtsein für gesunde Ernährung
und sportliche Betätigung sind nur einige.

Seite 1

�Auch die Erkenntnis, daß die intellektuelle Schärfe,
Energie und Sachkenntnis eines Menschen nicht
zwangsläufig mit dem Alter abnehmen, erhält Amerikaner aktiv und produktiv im Erwerbsleben. In diesem
Zusammenhang stellte Leonard Giambra, ein Psychologe am National Institute on Aging folgendes fest:
"Lernen ist wie jede Fertigkeit - man muß es üben.
Ältere Menschen brauchen länger, um etwas zu lernen. Wir wissen nicht warum, aber was dem älteren
Menschen an Geschwindigkeit fehlt, wiegt er mit Erfahrung und Klugheit auf."
Ein Großteil dieser jüngsten Erkenntnisse der Qualitäten älterer Menschen ist dem inzwischen verstorbenen
Claude D. Pepper zu verdanken, dem langjährigen
amerikanischen Senator und Kongreßabgeordneten
aus Florida, dereinen schließlich vom Kongreß verabschiedeten Gesetzentwurf vorlegte, mit dem ein obligatorisches Rentenalter für praktisch alle Amerikaner
im öffentlichen und Privatsektor verboten wurde. Das
Gesetz trat am 1. Januar 1987 in Kraft.
Dennoch bleibt noch sehr viel zum Schutz der Rechte
älterer Arbeitnehmer zu tun.
"Unsere Gesellschaft ist von erschreckender Nachlässigkeit bei der Behandlung älterer Arbeitnehmer, insbesondere in den oberen Altersgruppen. Wir beobachten eine gravierende Vergeudung von Talenten",
stellt der Fernsehreporter Walter Cronkite in der Aprilausgabe des AARP Bulletin fest, einer von der in
Washington ansässigen American Association of Retired
Persons herausgegebenen Publikation.
Der 75jährige Cronkite, der 1981 als Moderator der
"CBS Evening News" in den Ruhestand trat, erklärte,
ein Teil des Problems sei das Entstehen von Großunternehmen, die Aktienkapital höher bewerten als Produkte und menschliche Beziehungen.
In einem der wenigen Arbeitsbereiche, in dem die
festgesetzte Altersgrenze noch gültig ist - Berufe, die
die öffentliche Sicherheit betreffen - fand eine kürzlich
von der Penn State University erstellte Studie keinen
Grund für die Annahme, daß Öffentliche Sicherheit
durch ältere Arbeitnehmer zum Risiko wird.
"Nur weil sie alt sind, heißt das noch lange nicht, daß
sie nicht als Polizeibeamte, Feuerwehrleute oder
Bwährungshelfer geeignet sind", schließt die Studie.
Dr. Frank Landy, Direktor des Penn-State-Zentrums
für Angewandte Verhaltensforschung, der die Studie
durchführte, erklärte, "ein Großteil des mit dem Alterungsprozeß einhergehenden physischen und psychischen Verfalls ist in Wirklichkeit auf Krankheiten,
Verletzungen und den persönlichen Lebensstil zurückzuführen, statt auf das Altern an sich."
Aufgrund ihrer Erkenntnisse empfehlen Landy und
sein Spezialistenteam, daß im Bereich der öffentlichen
Sicherheit tätige Arbeitnehmer nicht der festgesetzten
Seite 2

Altersgrenze von 65 Jahren unterworfen werden. Die
Ergebnisse der von der Gleichstellungskommission
der Vereinigten Staaten in Auftrag gegebenen Studie
werden dem Kongreß zur Begutachtung vorgelegt.
Sowohl das US-Informationsamt als auch das USAußenministerium nehmen jetzt ältere Männer und
Frauen als Attaches in den amerikanischen auswärtigen Dienst auf, von denen die meisten eine zweite
Karriere beginnen. Eine andere Bundesbehörde, das
Peace Corps, sucht ältere Amerikaner für zweijährige
Auslandsaufenthalte.
Die Leiterin des Peace Corps, Elaine Chao, erklärte
dem US-Informationsamt gegenüber, weil zahlreiche
Amerikaner über 50 früher in den Ruhestand gehen,
"verfügen sie über einen Schatz an Erfahrung und
Fertigkeiten, den sie einbringen können".
Ammenmärchen zufolge sind uns auf Erden dreimal
zwanzig plus zehn Jahre gegeben (70) - einigen mehr,
anderen weniger, im großen und ganzen abhängig
davon, wie gut unsere Gene sind.
Aber schon bald könnte Genetik nicht länger der
entscheidende Faktor der Langlebigkeit sein, stellte
Dr. Robert N. Butler von der Mount Sinai School of
Medicine in New York bei einer im Februar in Washington veranstalteten nationalen Konferenz über das Altern fest.
"Ebenso wie Kolumbus dank der Wissenschaft und
einer Menge Mut und Glück unsichtbare räumliche
Grenzen überwunden hat, könnte es uns bestimmt
sein, die genetisch bestimmte Lebensdauer zu durchbrechen", erklärte Butler.
"Wir haben im 20. Jahrhundert eine wahre Revolution
der Langlebigkeit beobachtet, die eine bemerkenswerte soziale Leistung, nicht die Folge biologischer Evolution ist."
In diesem Jahrhundert haben wir in den Industrienationen fast 25 Jahre an durchschnittlicher Lebenserwartung hinzugewonnen. Dies entspricht in etwa dem in
den vorangegangenen 5.000 Jahren menschlicher
Geschichte beobachteten Zuwachs an Lebenserwartung.
Was ich als Revolution der Langlebigkeit bezeichne,
erfolgte primär aufgrund der Erfolge im Wirtschaftsprozeß und im öffentlichen Gesundheitswesen, wie
etwa die Anwendung der Bakterientheorie von Krankheiten", stellte Butler fest.
Dennoch müssen Senioren sich der Gefahren bestimmter schwerer Krankheiten bewußt sein, die sie
und die Gesellschaft seit einigen Jahren immer häufiger befallen. Butler zufolge sind beispielsweise 10
Prozent der AIDS-Patienten über 55 Jahre, "ein Prozentsatz, der im Steigen begriffen ist".

AMERIKA DIENST 23

�Die den Gedächtnisverlust bewirkende Alzheimersche
Krankheit - die sich so verheerend auf den Betroffenen, die Familie und Gesellschaft auswirkt - ist heute
die viert- oder fünfthäufigste Todesursache und für
ungefähr die Hälfte der Pflegefälle verantwortlicht,
beobachtete Butler.
Noch schlimmer ist, daß sich die Zahl der an der
Alzheimerschen Krankheit leidenden Menschen bis
zum Jahr 2000 voraussichtlich von 4 Millionen auf 12
Millionen verdreifachen wird.
Es ist jedoch eine unleugbare Tatsache, daß die
Menschen ihr Leben durch Vorsorge verlängern können und wollen, die - wie der verstorbene ehemalige
Redakteur der inzwischen eingestellten Saturday Review
of Literature, Norman Cousins, behauptete - zum
einen aus einer gesunden, positiven Einstellung zum
Leben besteht.
"Wir müssen den Begriff 'annehmbare Gesundheit'
überdenken, der die Ansicht widergibt, Veränderungen des Gesunheitszustands seien 'normal', weitgehend unkorrigierbar und erforderten daher keine
Gesundheitsfürsorge", führte Dr. John E. Ware, Jr. von
den New England Medical Center Hospitals bei der
Washingtoner Konferenz über das Altern aus.
Der durch sein Buch "Anatomy of an lllness as Perceived by the Patient" vielleicht am bekanntesten gewordene Schriftsteller und Redakteur Cousins war ebenso
davon überzeugt.
In dem Vorwort zu einem neuen Buch über Senioren
von Pat York mit dem Titel "Going Strong" (Arcade
Publishing, New York, 1991) stellte Cousins fest, daß
von George Solomon und anderen an der University of
California durchgeführte Forschungen die vorherrschende These in Frage stellen, es gebe eine mit dem 50.
Lebensjahr einsetzende automatische Schwächung
des menschlichen Immunsystems.
"Dr. Solomons Forschungen haben den Beweis erbracht, daß die Menschen selbst im fortgeschrittenen
Alter keine Minderung ihrer Immunfunktionen erleben
müssen", schrieb Cousins.
"Systematische Testreihen an einer beträchtlichen
Anzahl von über 75jährigen belegen, daß ihr Immunsystem solange sie über eine einigermaßen gute Gesundheit verfügen einer Schwächung widersteht.
"Dr. Solomon fand in der Tat heraus, daß die Immunsysteme von voll funktionsfähigen älteren Menschen
denen von 30- und 40jährigen und darunter vergleichbar sind."
Nicht alle Menschen werden mit Würde alt und leben
die ganze Zeit ein produktives Leben. Nicht alle

AMERIKA DIENST 23

Menschen werden alt, davon abgesehen. Es gibt
immer einen tödlichen Unfall oder eine Krankheit, die
sie vor ihrer Zeit abberufen.
Aber was ist das Geheimnis derjenigen, die ein langes
und fruchtbares Leben leben? Was hält sie so in
Schwung?
Blättern Sie durch Pat Yorks Buch - eine Aufstellung
von Porträts und Interviews mit 70 Menschen, die 75
Jahre und älter und immer noch "gut dabei sind" - und
es ergeben sich bestimmte Charakteristika.
Obwohl alle diese Senioren weder die gleiche Lebensphilosophie noch dasselbe Geheimnis ihrer Langlebigkeit teilen, haben sie alle eines gemeinsam: große
Lebensfreude, Beschäftigung, einen gesunden Sinn
für Humor, keine Absicht, sich bald zur Ruhe zu
setzen, denken im allgemeinen gut über sich und
andere, engagieren sich für eine ihnen übergeordnete
Sache, sind flexibel und anpassungsfähig.
Derselbe gemeinsame Nenner kann bei der Lektüre
der Kurzbiographien herausragender älterer Amerikaner ausgemacht werden. Zusammengenommen führen diese Faktoren zu einer gesunden, positiven Einstellung zum Leben, die Cousins so wärmstens empfahl.
Wollte man einem dieser Kriterien höheren Wert beimessen als anderen, dann scheint es der Drang zu
weiteren Aktivitäten zu sein. In seinem Vorwort zu
"Going Strong" bemerkte Cousins:
"Keine Krankheit in den Vereinigten Staaten - Krebs,
Herzinfarkt, Diabetes oder multiple Sklerose - ist tödlicher als die Langeweile nach der Pensionierung.
Der Körper gerät in einen Zustand raschen Verfalls,
wenn er seine Existenzberechtigung verliert, wenn
Geist und Muskeln nicht eingesetzt werden, und der
Mensch von der Einschätzung der Gesellschaft umgeben ist, nicht länger einem nützlichen Zweck zu dienen."
Gut über unsere Mitmenschen zu denken, kommt an
zweiter Stelle nach der Beschäftigung. Nachfolgend
die Aussage, die der ehemalige US-Präsident, der jetzt
81jährige Ronald Reagan York gegenüber zu seiner
Lebensphilosophie machte:
"Seit wir alt genug waren zu verstehen, wurde uns
eines eingehämmert: Vorurteile und Diskriminierung rassische oder religiöse - sind eine Todsünde."
Die Fähigkeit, sich nach Rückschlägen wieder aufzurappeln, hält andere fit. Um nochmals Reagan zu
zitieren:

Seite 3

�"Meine Mutter Nelle brachte uns bei, wenn etwas
schiefging, wenn uns etwas unglücklich machte, sollten wir es auf die leichte Schulter nehmen und uns
nicht dadurch verdrießen lassen.

betrachtet. (Der renommierte ehemalige Yale-Professor gab William F. Buckley, Jr. ein "B" statt eines "A",
als der Kolumnist und Redakteur vor 45 Jahren seinen
Kursus besuchte).

Sie versprach, irgendwann würde etwas Gutes geschehen, und wir würden erkennen, daß dies nicht
geschehen wäre, wenn das andere unglückliche Ereignis nicht stattgefunden hätte.

Mit nunmehr 91 Jahren verklagt Weiss heute seinen
derzeitigen Arbeitgeber, die Catholic University ot
America, weil sie ihn entlassen will. Weiss hat die in
Washington, D.C., ansässige Institution der Altersdiskriminierung bezichtigt und die Gleichstellungskommission der Bundesregierung überzeugt, in seinem
Namen einen entsprechenden Schriftsatz zu verfassen.

Ich kann auf ein Dutzend oder mehr Ereignisse in
meinem Leben verweisen, die ihr recht geben."
Da unser Leben nicht nur auf Rosen gebettet ist,
möchte man sich vielleicht die Philosophie des 91jährigen Professors Paul Weiß zueigen machen, der
seine Mitmenschen aus einem etwas voreingenommeneren und vielleicht realistischeren Blickwinkel

Seite 4

Gelegentlich bedarf es eines Wermutstropfens zusammen mit viel Schwung und Elan, um seinen Weg
glücklich auf dem unebenen und steinigen Pfad eines
langen Lebens zu gehen.

AMERIKA DIENST 23

�WAHLEN

'92
10. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanischen Vorwahlkampf ist mit den am 2. Juni 1992 in Alabama, Kalifornien,
Montana, New Jersey, New Mexico und Ohio veranstalteten Vorwahlen zu Ende gegangen, und sowohl Präsident
Bush als auch der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, ist die Nominierung auf den jeweiligen Wahlparteitagen
ihrer Parteien sicher. Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten, über
die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt verfügt.
Der neueste Stand der Delegierten

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)

Bush

75

Clinton

2.509,75

Nichtgebunden

18

Brown

610,25

Buchanan

Tsongas

551

Kalifornien

Nichtgebunden

498

Demokraten

Sonstige

34

7

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

48

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)

Brown

40

Bush

Sonstige

12

1.811

Buchanan

76

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Nichtgebunden

26

Bush

74

Buchanan

26

Sonstige

1

Ergebnisse der Vorwahlen vom 2. Juni

Montana

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 2.
Juni erhalten hat.

Demokraten

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

47

Nichtgebunden

24

Brown

19
10

Clinton

68

Sonstige

Nichtgebunden

20

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Brown

7

Bush

72

Sonstige

5

Nichtgebunden

16

Buchanan

12

AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�New Jersey
Demokraten

Sonstige
Prozentsatz der Stimmen

11

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

59

Bush

64

Brown

20

Nichtgebunden

27

Sonstige

14

Buchanan

Nichtgebunden

7

9

Ohio

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Demokraten

Bush

83

Clinton

61

Buchanan

17

Sonstige

20

Brown

19

New Mexico
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

Clinton

53

Bush

83

Nichtgebunden

19

Buchanan

17

Brown

17

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11479">
                <text>10.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11480">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11481">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11482">
                <text>Amerikadienst 10.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11483">
                <text>&lt;strong&gt;1. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden in Europa bleiben "solange wir erwünscht sind" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Stellvertretenden Außenministers bei Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. US-Weltrolle&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Öffentlichkeit wünscht weiterhin aktive Rolle in Weltpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse neuer Meinungsumfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kongress&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kongress verabschiedet 27. Verfassungszusatz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Diätenregelung seit 203 Jahren in der Diskussion&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zahlreiche Programme für Bedürftige in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Letzter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Senioren&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Altern in Amerika: länger leben und es mehr genießen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hintergrundinformation über ältere Menschen in den USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wahlen'92&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen '92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der letzten Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2249" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2260">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/0c20ad52e291baa91d8b7236247c50bf.pdf</src>
        <authentication>82682b6a84313da1120df738ef2e93a3</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11478">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

22

3. Juni 1992

.«#**

*£
UMWELT

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen

USA-GUS

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau

US-AUSSENPOLITIK

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik
prognostiziert

SOZIALPOLITIK

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

DEMOGRAPHIE

NEUE STATISTISCHE DATEN ZEIGEN
NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
3. Juni 1992

BUSH ERLÄUTERT PLAN ZUR WELTWEITEN
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede über Umweltfragen
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat einen Vierpunkteplan zur weltweiten Zusammenarbeit bei der Lösung
von Umweltproblemen bekanntgegeben, den er bei der Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und
Entwicklung in Rio de Janeiro vorlegen wird.
In einer Rede beim Goddard Space Center erklärte Bush am 1. Juni 1992, er werde eine umfassende neue
Initiative vorschlagen, um der weltweiten Vernichtung von Wäldern bis zum Ende des Jahrzehnts Einhalt zu
gebieten.
"Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen Dollar
erhöhen", erklärte Bush.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bushs Rede im Wortlaut.
Diesen Monat vor zwanzig Jahren versammelten sich
die führenden Politiker der Welt in Schweden, um über
die Umwelt zu sprechen. Die von ihnen verabschiedete Erklärung von Stockholm enthielt die einfache
Schlußfolgerung, daß "... wir durch umfassenderes
Wissen und klügeres Handeln für uns und die Nachwelt ein besseres Leben in einer Umwelt erlangen
können, die stärker im Einklang mit den Bedürfnissen
und Hoffnungen des Menschen steht".
Viel ist seit jenen frühen Tagen des Umweltschutzes
geleistet worden - und viel wurde gelernt.
Wir haben gelernt, daß nur marktorientierte Volkswirtschaften und demokratische Systeme die Rechenschaftspflicht beinhalten, die zum Schutz gegen
Umweltschäden erforderlich ist. Die Rußschicht, wie
sie die Welt vorfand, nachdem der Schleier der Geheimhaltung in Osteuropa gelüftet wurde, war eine
augenfällige Demonstration dieser Tatsache.
Wir haben gelernt, daß die Wirtschaft trotz Reduzierung von Umweltbelastungen wachsen kann. Seit
1973 ist das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten
Staaten um über 50 Prozent gestiegen. Trotzdem
wurde die Luftqualität besser: Die Emissionen von
Kohlenmonoxid, von smogverursachendem Ozon,
Schwefeldioxid und Partikeln sind jeweils um über 20
Prozent gesunken. Die Wasserqualität wurde verbessert: Wir haben eine 80prozentige Reduzierung der
Schwebstoffe erzielt, die von Fabriken und Kläranlagen freigesetzt werden.
AMERIKA DIENST 22

Wir haben gelernt, daß die Technik - unterstützt durch
die richtigen Anreize - der Umwelt Hilfe leisten kann,
die von noch so umfassenden Vorschriften für alte
Technik niemals hätte erbracht werden können. Technischer Fortschritt kann Umweltbelastungen verringern anstatt sie zu verstärken. Gleichzeitig ist der
verbesserte Wirkungsgrad gut für die Gewinne.
Und wir haben gelernt, daß marktorientierte Mechanismen und Flexibilität - auf ehrgeizige Ziele gerichtet und
unterstützt von rigorosen gesetzlichen Bestimmungen
- uns dabei helfen können, Umweltprobleme zu geringeren Kosten zu lösen als per Dekret angeordnete
bürokratische Regelungen.
Wir haben eine neue Generation von Umweltproblemen kennengelernt, die ihrem Umfang nach weltweiten Charakter haben - und zu ihrer Lösung wird internationale Zusammenarbeit erforderlich sein.
Diese Woche werden sich über 100 Staatschefs in Rio
de Janeiro versammeln - und es wird Zeit sein, diese
Lehren anzuwenden. Und welch einen besseren Ort
könnte es für die Erörterung unserer Pläne zur Bewältigung der internationalen Umweltprobleme geben als
das Goddard Space Center.
Bei meinem kleinen Rundgang - der leider allzu kurz
war, mir aber trotzdem einen kleinen Eindruck von der
großartigen Arbeit verschaffte, die von den wunderbaren Mitarbeitern von Goddard geleistet wird - kam mir
der Gedanke, welch großartige Sache es doch wäre,
Seite 1

�wenn diese 100 oder mehr Staatschefs einmal diese
Laboratorien hier besuchen und einen praktischen
Eindruck davon gewinnen könnten, welche Arbeit Sie
hier leisten. Zu sehen, wie sie besser die Veränderungen beobachten können, über die sie sprechen oder
über die sie von ihren Umweltministern informiert
werden. Es ist eine wunderbare Sache. Und meines
Erachtens kam diese Gelegenheit für mich zum richtigen Zeitpunkt, und ich sehe dem Meinungsaustausch
mit den anderen Teilnehmern in Rio gerne entgegen.
Es ist die hier entwickelte Wissenschaft, die der Welt
ein neues Fenster gegeben hat, durch das sie die
Umwelt betrachten kann. Ein von Goddard aus gesteuertes Raumschiff hat der Menschheit das erste
Bild der Erde aus dem Weltraum geliefert. Es waren
Wissenschaftler von Goddard, die den vergangenes
Jahr gestarteten Satelliten zur Erforschung der oberen
Atmosphäre entwickelten, der uns neue Einsichten zur
Beschaffenheit der Ozonschicht liefert.
Und der Löwenanteil der Wissenschaft, die von der
Welt zum Verständnis unseres Klimas angewendet
wird, entstammt einem Programm, dessen Kernstück
sich an diesem Ort befindet - das Programm zur
Erforschung des Klimawandels, das auf der von Goddard
zur Zeit entwickelten Mission zum Planeten Erde aufbaut.
Wenn wir nach Rio gehen, werden die Vereinigten
Staaten stolz als führendes Land der Welt dorthin
gehen - nicht nur bei der Erforschung der Umwelt,
sondern auch bei umweltpolitischen Maßnahmen. Die
Vereinigten Staaten waren das erste Land, das die
Gefahr von FCKW-Emissionen durch die Beseitigung
von Treibgasen im Jahr 1978 anerkannte. Andere
Nationen folgen nun unserem Beispiel - und sie benutzen den Abbau von Treibgasen als Aktivposten, um die
Bedingungen des Montrealer Protokolls einzuhalten.
Wir sind dem von diesem Abkommen verlangten Zeitrahmen um 42 Prozent voraus. Und aufgrund von der
NASA entwickelter wissenschaftlicher Erkenntnisse
haben wir dieses Jahr bereits erklärt, unseren Fahrplan für den völligen Abbau von FCKW zu beschleunigen - bis Ende 1995.

Diejenigen, die vor 20 Jahren in Stockholm zusammentrafen und den UNCED-Gipfel forderten, stellten
ausdrücklich fest, daß die Gespräche in Rio Umwelt
und Entwicklung zum Inhalt haben sollten. Sie wußten
bereits damals, daß beide unauflöslich miteinander
verbunden sind.
Nur eine wachsende Wirtschaft kann die Ressourcen
und den Willen aufbringen, mit der Natur langfristig und
zum Vorteil aller umzugehen. Aber nur natürliche
Ressourcen, die so behandelt werden, können das
Wachstum unterstützen, auf denen die Hoffnung der
Menschen in solch hohem Maße beruht. Per definitionem muß Entwicklung, wenn sie langfristig erfolgreich
sein will, auf Dauer tragfähig bleiben.
Ich lade deshalb zum Vergleich der Bilanz ein, die wir
als Land und als Administration erreicht haben. Sie ist
aggressiv und umfassend. Sie ist ehrgeizig aber
sorgfältig ausgewogen. Was wir in dieser Administration getan haben, spiegelt das neue Umweltbewußtsein wider, das seinem Ansatz nach verfeinert ist und
die Macht des Marktes in den Dienst der Umwelt stellt.
Lassen Sie mich dafür einige Beispiele anführen.
Das von mir vorgeschlagene und unterzeichnete Gesetz
zur Luftreinhaltung von 1990 ist weltweit das ehrgeizigste Gesetz zur Eindämmung der Luftverschmutzung.
Es wird sauren Regen, Smog sowie Emissionen toxischer Chemikalien reduzieren. Es wird dies aber mit
Innovationen erreichen, die von der ganzen Welt
beobachtetwerden. Wirhabenein Handelssystem zur
Reduzierung von Schwefeldioxid, eine neue Generation sauberer Treibstoffe und sauberer Automobilie,
ein massives - und bis heute erfolgreiches - Programm
zur freiwilligen Reduzierung von Luftschadstoffen.
Unsere Nationalparks werden durch Millionen Besucher belastet. Deshalb haben wir in den vergangenen
vier Jahren über eineinhalb Millionen Morgen für Nationalparks, Wälder, Wildschutzgebiete und andere öffentliche Flächen bereitgestellt. Wir haben 57 neue
Wildschutzgebiete geschaffen - und pro Jahr über eine
halbe Million Morgen wichtiger Feuchtgebiete wiederhergestellt oder unter Schutz gestellt. Gleichzeitig
haben wir den Genehmigungsprozeß gestrafft, damit

Wir waren die erste Nation, die bereits im Jahr 1975
Katalysatoren einführte, um die Emissionen von Automobilen und Lieferwagen zu reduzieren. Im Jahr 1982
begannen wir, verbleites Benzin abzuschaffen - und
heute ist der Bleigehalt in unserer Atemluft um 95
Prozent geringer. Andere Nationen ergreifen diese
beiden Maßnahmen erst jetzt.
Ich trat mein Amt mit dem Engagement an, die Bilanz
der amerikanischen Führungsrolle bei Umweltfragen
weiter zu verbessern. Ich habe mich darum auf eine
Art und Weise bemüht, die mit Wirtschaftswachstum
im Einklang steht, weil ein solches Gleichgewicht
unerläßlich ist - und weil dies gleichrangige Ziele sind,
die einander nicht gegenseitig ausschließen.

Seite 2

Projekte, die Feuchtgebiete nicht beeinträchtigen, nicht
verzögert werden - und wir haben sichergestellt, daß
das Recht des Bürgers auf Privateigentum nicht angetastet wird.
Wir haben ein Moratorium für ö l - und Erdgasbohrungen in umweltsensiblen küstennahen Bereichen eingeführt, neue Gesetze zum Schutz vor Ölkatastrophen, zur Beendigung des Dumpings von Holz im
größten Regenwaldgebiet der Vereinigten Staaten dem Tongass - und zur Förderung von Umwelterziehung unterzeichnet. Und wir haben unsere Gesetze
mit strenger Strafverfolgung untermauert, damit die
Umweltverschmutzer die Kosten tragen - und das
Ergebnis waren Rekordbeiträge der Wirtschaft für die
Beseitigung von Altlasten.
AMERIKA DIENST 22

�Und wir haben uns der internationalen Umwelt gewidmet - mit neuen Abkommen zur Verhinderung des
unverantwortlichen Exports von Giftmüll, zum Verbot
des Elfenbeinhandels, um damit der von Wilderern
verursachten Ausrottung der Elefanten Einhalt zu
gebieten, und für den Erlaß von Schulden, um die
Umwelt durch "debt for nature swaps" zu schützen.
Kurzum, unser Land, die Vereinigten Staaten, behält
seinen Platz an vorderster Front der internationalen
Errungenschaften für die Umwelt. Unsere Gesetze
haben als Modell für Umweltgesetze in der ganzen
Welt gedient.
Die umweltpolitischen Leistungen der Vereinigten
Staaten sind nicht das Ergebnis von Mißverständnissen - sie sind das Ergebnis auf Dauer angelegter
Investitionen. Heute geben die Vereinigten Staaten 2
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts - über 100 Milliarden Dollar jährlich - für die Kontrolle der Umweltverschmutzung aus. Im Vergleich zu anderen Ländern
zählen wir damit weltweit zur Spitzengruppe.
Amerikaner waren stets der Meinung, daß Taten vielsagender sind als Worte. Und unser Ansatz zu den in
Rio anstehenden Fragen wurde von einer einfachen
Weisheit geleitet. Wir werden ein gutes Abkommen
über Klimaveränderungen unterzeichnen. Es gründet
sich auf die Idee, daß jede Nation eine Aktionsstrategie
erarbeiten sollte - wie wir dies in den Vereinigten
Staaten getan haben.
Wir haben unseren Plan zuerst im Februar 1991 auf
den Tisch gelegt - mit detaillierten Vorschlägen zum
Handeln und detaillierten Berechnungen darüber, wie
stark die Emissionen von Treibhausgasen reduziert
werden würden. Als sich die wissenschaftliche Erkenntnislage zu FCKW veränderte, fügten wir neue
Maßnahmen hinzu und legten unseren Plan erneut auf
den Verhandlungstisch. Wir zeigten, daß unsere
Maßnahmen die bis zum Jahr 2000 vorhergesagten
Treibhausgasemissionen um 125 - 200 Millionen Tonnen
reduzieren würdne - oder um 7 - 11 Prozent.
Kein anderes Land - mit Ausnahme der Niederlande hat einen solch detaillierten Aktionsplan vorgelegt.
Und deshalb bestanden wir auch darauf, daß der
Schwerpunkt auf Ergebnissen liegt - nicht auf Rhetorik.
Es mag in der Presse nicht viele Schlagzeilen gemacht
haben, aber in einem Bereich nach dem anderen
haben die Vereinigten Staaten detaillierte Vorschläge
gemacht und auf deren Verabschiedung hingearbeitet: Bei Wäldern, Ozeanen, Meeresorganismen, Beteiligung der Öffentlichkeit, Finanzierung.
Ich stelle eindeutig fest: Unser Engagement für
Maßnahmen hat nicht mit Rio begonnen und wird auch
nicht damit enden.

AMERIKA DIENST 22

Wenn ich also nächste Woche nach Brasilien reise,
werde ich mehrere Vorschläge mitbringen, um das
Engagement der internationalen Staatengemeinschaft
in Zukunft zu verstärken. Ich möchte Ihnen deshalb
meinen Vierpunkteplan der Zusammenarbeit vortragen:
Erstens werde ich eine wichtige neue Initiative vorschlagen, um die Wälder der Erde zu schützen und zu
verbessern. Ich erwähnte bereits Lehren, die wir in
bezug auf Kosteneffektivität gezogen haben. Nun,
den Schwund der Wälder aufzuhalten, ist einer der
preiswertesten Schritte, die wir unternehmen können,
um die Emissionen von Kohlendioxid zu verringern.
Die Wälder filtern darüber hinaus Luft und Wasser. Sie
stellen Produkte von Bau- und Brennholz bis zu Arzneistoffen und Nahrungsmitteln zur Verfügung. Beim
G-7 Gipfel in Houston vor zwei Jahren schlug ich eine
internationale Waldkonvention vor. Beim Erdgipfel
sollten wir ein Abkommen über die Prinzipien erreichen, die dorthin führen.
Ich schlage jedoch heute vor, raschere Fortschritte zu
machen. In Rio werde ich die anderen Industriestaaten bitten, mit mir gemeinsam die weltweite Forsthilfe
zu verdoppeln - mit dem Ziel, den Schwund der Wälder
bis zum Ende des Jahrzehnts aufzuhalten.
Als Anzahlung werden die Vereinigten Staaten ihre
bilaterale Forsthilfe nächstes Jahr um 150 Millionen
Dollar erhöhen.
Der Plan sieht die Ermutigung zu Partnerschaften vor
- zwischen Empfängerländern, die neue Projekte vorschlagen könnten und Investorstaaten, die um die
Unterstützung der effektivsten Vorschläge zur Begrenzung von Kohlendioxid oder zum Artenschutz
konkurrieren könnten.
Zweitens zum Klima. Die Unterzeichnung einer Konvention, die Aktionspläne fordert, ist nur ein erster
Schritt - wir müssen sie verwirklichen. Ich werde mich
also daran beteiligen, indem ich den unverzüglichen
Beginn der Verabschiedung von Klima-Aktionsplänen
vorschlage. Natürlich werden wir bei Verfügbarkeit
neuer und besserer wissenschaftlicher Erkenntnisse
über den Klimawandel unseren Aktionsplan entsprechend anpassen.
Die Lösung des Problems des Klimawandels muß die
Entwicklungsländer einbeziehen. Während sie heute
etwa ein Viertel der Weltemissionen verursachen, wird
dieser Anteil bis zum Jahr 2025 auf die Hälfte gestiegen sein. Wir müssen deshalb ihre Beteiligung haben
- und wir werden "Länderstudien" finanzieren, um
ihnen einen Anfang zu ermöglichen.
Diese Länder werden neue Technologien benötigen,
um "grünes Wachstum" zu erreichen. Und Amerika
kann sie zur Verfügung stellen. Mein Haushalt beinhal-

Seite 3

�tet deshalb eine Investition von nahezu einer Milliarde
Dollar für die Entwicklung neuer Technologien zur
besseren Energieausnutzung.

Treibhauseffekt verteilen, und wir werden dieses Jahr
eine Informationsstelle zu den Umweltveränderungen
eröffnen.

Hunderte von amerikanischen Geschäftsleuten werden als Anwälte unserer Technologie nach Rio reisen.
Aber diese Bemühungen müssen fortdauern - der
dritte Teil unseres Plans ist deshalb die Unterstützung
eines umfassenden Programms technologischer Zusammenarbeit. Insbesondere werden wir ein Korps für
technologische Zusammenarbeit (Technology Cooperation Corps) ins leben rufen, um den Bedarf von
Ländern in aller Welt an umweltverträglicher Technologie festzustellen - und dann die Schranken niederzureißen, die deren Verfügbarkeit im Wege stehen.

Diese vier Schritte - ein drastisches Programm zum
Schutz und zur Verbesserung der Wälder, schnelles
Handeln bei den Klimaveränderungen, Zusammenarbeit bei der Anwendung saubererer und effizienterer
Technologien sowie ein kontinuierliches Programm
zur Entwicklung und Weitergabe solider wissenschaftlicher Erkenntnisse - können uns helfen, diese Gelegenheit zu nutzen lange nachdem die Reden in Rio
verklungen sind und die Konferenz beendet ist.

Der vierte Punkt meines Programms für eine sauberere Zukunft ist ein kontinuierliches Programm für Forschung und Verständnis. Dieses Jahr beantragen wir
über 1,4 Milliarden Dollar für das Programm zur Erforschung des weltweiten Klimawandels - das ist mehr als
die Summe, die vom Rest der Welt insgesamt für die
Klimaforschung ausgegeben wird.
Unter der Führung von Dan Goldin hier bei der NASA
werden wir auf ein Programm drängen, das Ergebnisse schneller, preiswerter und besser liefert. In Rio
werde ich vorschlagen, die im Rahmen unseres Programms zur Erforschung der Klimaveränderungen
gesammelten Daten für Wissenschaftler und Forscher
in aller Welt verfügbar und bezahlbar zu machen.
Als Teil dieser Bemühungen werden wir bei der UNCED
Tausende von Computerdisketten mit Daten zum

Vor zwei Jahrzehnten konnten die politisch Verantwortlichen der Welt, als sie sich in Stockholm versammelten, die stürmischen Ereignisse der folgenden
zwanzig Jahre schwerlich voraussehen. Damals sorgten sie sich über Atomkriege als Hauptbedrohung der
Umwelt. Sie konnten damals noch nicht wissen, daß
heute das Gespenst des Atomkrieges - mit seiner
unvorstellbaren Zerstörung - wie nie zuvor in der
Nachkriegsgeschichte in den Hintergrund getreten ist.
Sie konnten sich nicht vorstellen, daß mit dem Fall von
Planwirtschaft und Kommunismus diejenigen, die nach
Rio kommen, die Chance haben würden, ein neues
Zeitalter sauberen Wachstums einzuleiten - geleitet
von der Klugheit freier Völker und angetrieben durch
die Macht freier Märkte.
Sie hätten niemals vorhersehen können, wie weit wir in
20 Jahren gekommen sind. Heute ist es an uns, uns
vorzustellen, wie viel weiter wir noch kommen können.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 22

�USA - G U S
3. Juni 1992

EAGLEBURGER: KALTER KRIEG WAR
TRAGÖDIE FÜR BEIDE SEITEN
Rede in Moskau
MOSKAU - (AD) - Dem Stellvertretenden US-Außenminister Lawrence Eagleburger zufolge war der kalte Krieg
eine "große Tragödie" für die Vereinigten Staaten und die ehemalige Sowjetunion.
In einer Rede vor dem Handels- und Wirtschaftsrat in Moskau erörterte Eagleburger am 27. Mai 1992 die
schwierige Aufgabe des demokratischen Aufbaus, die Partnerschaft zwischen dem Volk der Vereinigten Staaten
und den Völkern der ehemaligen Sowjetunion, wirtschaftliche und technische Hilfe sowie die komplexe Aufgabe
der Entwicklung freier Märkte im früheren Herrschaftsbereich des Kommunismus.
Es ist mir eine Ehre, heute abend an diesem besonderen historischen Ort bei Ihnen sein zu dürfen. Als
jemand, der den überwiegenden Teil der vergangenen
vierzig Jahre in Diensten einer vom kalten Krieg getriebenen und definierten Diplomatie gestanden hat, ist
dies in der Tat einer der befriedigendsten Momente
meiner Karriere. Nie hätte ich mir träumen lassen, daß
ich einmal vor dem Handels- und Wirtschaftsrat hier in
einem demokratischen Moskau sprechen würde, an
diesem Ort, der für mein Land einst das Symbol der
Gegnerschaft war.
Doch die letzten 24 Stunden hier in Moskau haben in
mir ein Gefühl des Erstaunens darüber ausgelöst, daß
wir jemals Gegner waren. Ich kann nur Bedauern
darüber empfinden, daß unsere Feindschaft solange
andauerte und unsere Völker der Früchte der Zusammenarbeit und friedlichen Entwicklung beraubte.
Die Ironie besteht natürlich darin, daß das amerikanische und das sowjetische Volk einander niemals ernsthaft als Feinde betrachteten. Im Gegenteil, auf beiden
Seiten fühlten wir stets eine starke Affinität füreinander
- eine Affinität, die auf der Geschichte, einem Gefühl
gegenseitiger Identifizierung und darüber hinaus auf
einem engagierten und gesunden Gefühl der Konkurrenz miteinander beruhte. Auf vielfältige Art und Weise
sind wir Spiegelbilder: als multiethnische Nationen von
kontinentaler Ausdehnung mit Völkern, die ein besonderes Gefühl für ihre einzigartige Bestimmung und
historische Mission in der Welt haben.
Selbst als Konkurrenten zeugten unsere Bemühungen, einander auszustechen, von gegenseitigem
Respekt und Bewunderung. In mehrfacher Hinsicht
brachte unser Wettbewerb sogar das Beste in uns zum
AMERIKA DIENST 22

Vorschein, da es uns zwang, nach Spitzenleistungen
in allen Bereichen zu streben, von der Raumfahrt bis zu
Olympischen Spielen.
Dennoch war der kalte Krieg in jeder Hinsicht eine
große Tragödie für uns beide. Es ist unbestreitbar, daß
wir beide teuer bezahlten und großes Leid in einem
Zeitraum erduldeten, in dem wir unsere Energien nach
unserem Sieg im Zweiten Weltkrieg besser zur Schaffung einer stabilen, friedlichen und wohlhabenden
Weltordnung eingesetzt hätten. Statt dessen verschwendeten wir diese Energien und wertvolle Ressourcen für die kolossale Torheit des kalten Krieges.
Und heute bezahlen wir dafür den Preis - wie erst
kürzlich auf den Straßen von Los Angeles.
Ich möchte deshalb klarstellen, daß wir in den Vereinigten Staaten auch uns als Opfer desselben totalitären Systems betrachten, das die Völker der ehemaligen Sowjetunion unterdrückte. Die Erlösung, die
schließlich eintrat, war das Werk aller, die sich diesem
System im Westen, in Osteuropa und hier in den
Straßen Moskaus vor gerade neun Monaten in den
Weg stellten.
Heute stehen Sie inmitten der monumentalen Aufgabe, Ihr Experiment der Demokratie und der freien
Marktwirtschaft zu konsolidieren. Ich sage bewußt
"Experiment", denn die Demokratie ist eine Regierungsform, die niemals als dauerhaft gesichert betrachtet werden kann. Sie setzt die Fähigkeit der
Menschen voraus, sich selbst zu regieren, und sie
erfordert ein größeres Maß an wirtschaftlicher und
sozialer Gerechtigkeit als die meisten anderen politischen Systeme. Kurzum, so sehr die Demokratie
unsere besten Eigenschaften belohnt, so fordert sie
Seite 1

�auch unsere besten Eigenschaften, und deshalb ist sie
auf ewig eine experimentelle Regierungsform - "die
schlechteste Regierungsform abgesehen von allen
anderen", wie Winston Churchill zu sagen pflegte.
Die Aufgabe, der Demokratie zum Erfolg zu verhelfen,
ist ein unendlicher Kampf. Der unsere begann mit der
Revolution von 1776, hielt an durch die schreckliche
Krise unseres Bürgerkriegs und geht auch heute noch
weiter. Ihre Aufgabe ist enorm: die gewaltigen menschlichen und wirtschaftlichen Kosten bei der Überwindung der Schäden zu ertragen, die von über 70 Jahren
Mißwirtschaft angerichtet wurden. Aber Sie werden
dies schließlich zumindest nicht im Einklang mit einem
Plan von Kommissaren oder einem aus dem Westen
importierten Plan, sondern im Einklang mit den Werten, Traditionen und geistigen Reichtum Ihrer Völker
tun. Und sie werden dies in dem erfrischenden Klima
der Demokratie tun, in dem die Energien Ihrer Völker
endlich freigesetzt werden, um ihr Potential voll auszuschöpfen.
Damit möchte ich sagen, daß die Arbeit des Wiederaufbaus ausschließlich Angelegenheit der Völker der
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten ist. Wir in den
Vereinigten Staaten können keine Zauberformel anbieten, da weder wir noch andere jemals einen solchen
Übergang von Kommandowirtschaft zu freier Marktwirtschaft versucht haben.
Ich bin jedoch heute hier anwesend, um Ihnen mit
Nachdruck zu versichern, daß das amerikanische Volk
Ihnen in einer Zeit der Not ebenso beistehen wird wie
in den zwanziger Jahren, wie im Zweiten Weltkrieg und
wie im vergangenen Winter. Und ich kann Ihnen
darüber hinaus versichern, daß es unser größter Wunsch
ist, mit Ihnen gemeinsam eine historische Partnerschaft einzugehen, um Ihnen bei der Umsetzung dieses großen Experiments der Demokratie zu helfen.
Ich spreche hier nicht von irgendeiner abstrakten
Partnerschaft, einem Schlagwort von Politikern, sondern von einer echten Partnerschaft zwischen den
beiden in diesem Saal heute abend versammelten
Gruppen: den Vertretern der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten. Dabei handelt es sich weder um Philanthropie noch um Ausbeutung. Es geht um Handel wirtschaftliche Aktivität zum Vorteil beider Partner und
zum Vorteil aller. Dies ist ein Vorhaben, bei dem es nur
Gewinner und keine Verlierer geben sollte. In der Tat
haben die Vereinigten Staaten mit einem solchen
Engagement - Investitionen und Handel - ihren Verbündeten und ehemaligen Gegnern im Zweiten Weltkrieg geholfen, Wohlstand zu erlangen und stabile
Demokratien zu werden, und sie begründeten damit
eine dauerhafte Partnerschaft.
Genau dies möchten wir gemeinsam mit unseren
ehemaligen Gegnern des kalten Krieges erreichen.
Wir betrachten die neuen Nationen der ehemaligen

Seite 2

Sowjetunion als Vertreter eines der potentiell größten
Märkte der heutigen Welt. Wir sehen Arbeitsplätze für
Ihre Bürger ebenso wie für unsere. Wir sehen gegenseitig vorteilhafte und friedliche Beziehungen zwischen
uns. Aber wenn wir über einen möglichen Fehlschlag
Ihres Experiments der Demokratie und des freien
Markts nachdenken, so erkennen wir keinen dieser
Vorteile. Und deshalb brauchen wir Ihren Erfolg, und
wir möchten, daß Sie wirtschaftlich gedeihen.
Wir gehen davon aus, daß das, was Sie neben dem
Know-how und der Hilfe zur makroökonomischen
Stabilisierung, die von der amerikanischen Regierung
gewährt werden, benötigen - das Kapital, die moderne
Technologie und Fachwissen -, in ausreichendem
Umfang nur von unserem Privatsektor geliefert werden kann. Dies ist eine Lehre, die wir aus unseren
zweijährigen Erfahrungen bei der Hilfe für die neuen
Demokratien Osteuropas gezogen haben. Dasselbe
gilt sogar noch stärker für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, in der der Schlüssel zur Wiedergewinnung raschen Wirtschaftswachstums in der Ankurbelung devisenbringender Sektoren wie Landwirtschaft,
Energiewesen und Bergbau liegt.
Um diese Partnerschaft zwischen unseren jeweiligen
Privatsektoren auf den Weg zu bringen, gibt es eine
Vielzahl erleichternder Maßnahmen, die Ihre Regierungen und die meinige heute ergreifen müssen. Ich
werde zunächst die erwogenen und bereits stattfindenden Aktivitäten meiner eigenen Regierung erläutern.
Ich freue mich erstens berichten zu können, daß wir
rasche Fortschritte im Hinblick auf den Abschluß von
Handels-, Investitions- und Steuerabkommen mit den
meisten Staaten der ehemaligen Sowjetunion erzielen
und daß wir bei der Erweiterung des Aktionsradius von
Export-Import-Bank und OPIC ebenfalls voranschreiten.
Zweitens arbeitet die Administration eng mit dem
Kongreß zusammen, um möglichst rasch das Gesetz
zur Förderung der Freiheit (Freedom Support Act) zu
verabschieden. Und eines möchte ich in diesem
Zusammenhang glasklar feststellen: Wir meinen es
mit diesem Gesetz ebenso todernst wie damit, daß wir
alles in unserer Macht Stehende tun werden, um die
Wirtschaftsreformen unserer neuen demokratischen
Freunde zu unterstützen.
Drittens ermächtigt das gleiche Gesetz unsere Regierung, technische Hilfe durch Know-how von Menschen
für Menschen zu liefern. Dazu gehören:
Ausbildung von Beamten aller Ebenen sowie
von Volkswirten, Unternehmern und Wissenschaftlern;
Hilfe in den Bereichen Energie, Wohnungswesen, Landwirtschaft und Verkehr, um Engpässe
für die weitere Entwicklung zu beseitigen;
AMERIKA DIENST 22

�Unterstützung Ihrer Regierungen bei deren
Versuchen zum Wiederaufbau der Infrastruktur
durch Machbarkeitsstudien und technische Hilfe in Zusammenarbeit mit Weltbank und EBWE;
Hilfe für amerikanische Unternehmen, um ihnen
bei der Partnersuche hier zu helfen, ihre Vorschläge zu unterstützen und Finanzmittel für
bestimmte Arten von Folgestudien und Angeboten bereitzustellen, wie wir dies in Mittel- und
Osteuropa tun;
Entsendung von Beratern, die zur Einführung
der finanziellen Institutionen, Gesetze und Vorschriften beitragen werden, mit denen die Marktwirtschaft funktionsfähig gemacht wird.
Mittlerweile hat unser Handelsministerium eine Anzahl
neuartiger Programme entwickelt, mit denen amerikanische Firmen unmittelbar unterstützt werden, die in
der ehemaligen Sowjetunion tätig werden möchten.
Erstens gewährt das Handelsministerium den GUSStaaten Zugang zu einer Datenbank, die Unternehmen in den gesamten Vereinigten Staaten unmittelbar
detaillierte Informationen über Geschäftsmöglichkeiten und örtliche Partner zur Verfügung stellt.
Zweitens arbeitet das Handelsministerium mit amerikanischen Firmen zusammen, um durch das Special
American Business Intemship Training Program (SABIT)
in den Vereinigten Staaten Trainee-Programme für
Manager von GUS-Unternehmen anzubieten.
Und drittens richtet das Handelsministerium gemeinsam mit den neuen unabhängigen Staaten Business
Development Committees (BDCs) ein, die sich auf den
Abbau allgemeiner Hindernisse für Handel und Investitionen konzentrieren und außerdem als Schiedsstellen bei bestimmten Projekten dienen werden, die durch
staatliche Tätigkeit oder Untätigkeit behindert werden.
Schließlich befindet siel t bei uns heute abend die erste
Gruppe amerikanischei Berater für die Konversion der
Rüstungsindustrie, die sich in Nischnij-Nowgorod niedergelassen haben. Sie untersuchen bereits Möglichkeiten, um russische Rüstungsfirmen mit amerikanischen Partnern zusammenzubringen und neue, private Joint Ventures zu gründen, die ausschließlich zivile
Güter produzieren werden.
Dies sind also die Maßnahmen, die von der amerikanischen Regierung durchgeführt wurden, um der Privatwirtschaft in Ihren Ländern und dem meinen zu
helfen. Es gibt jedoch auch Maßnahmen, die von den
Regierungen der neuen unabhängigen Staaten ergriffen werden müssen, um das Handels- und Investitionsklima hier so attraktiv wie möglich zu gestalten.
Es ist eine Tatsache, daß die Länder, die den Kommunismus gestürzt haben, das System des freien Unternehmertums in einer besonderen Phase seiner historischen Entwicklung aufgegriffen haben. Sie taten dies
AMERIKA DIENST 22

gerade in dem Moment, als sich der Weltmarkt zum
wichtigsten Faktor bei der Entscheidungsfindung in
Unternehmen und nationalen Regierungen entwickelt
hatte. Die Realität von heute lautet, daß insbesondere
Kapital dorthin fließen wird, wo es sich ansiedeln
möchte, unabhängig von seiner Herkunft und von den
Absichten dieser Regierungen. Selbst innerhalb der
Vereinigten Staaten haben wir entdeckt, daß Unternehmen Bundesstaaten verlassen werden, in denen
sie über Generationen hinweg ansässig waren, wenn
sie beispielsweise zu dem Schluß kommen, daß das
steuerliche Umfeld in einem anderen Bundesstaat
günstiger für sie ist. Und selbstverständlich nehmen
sie bei diesem Umzug ihre Arbeitsplätze und örtlichen
Steuerbeiträge mit an den neuen Standort. Wir mögen
den Verlust staatlicher Kontrolle beklagen, aber für die
Unternehmen selbst ist der Kampf um das wirtschaftliche Überleben für gewöhnlich so intensiv, daß sie gar
keine andere Wahl haben.
Dies ist die Wirklichkeit, der sich jede Regierung auf
der Welt ausnahmslos stellen muß. Im Fall der Regierungen der ehemaligen sowjetischen Republiken verstehen wir, daß mit dem Entstehen von Märkten Verwirrung aufkommen wird und daß westliche Unternehmen als ideale Einkommensquellen betrachtet werden. In der kurzen Zeit meines Aufenthalts in Moskau
mußte ich jedoch feststellen, daß praktisch alle amerikanischen Geschäftsleute, mit denen ich gesprochen
habe, mir erklärten, ihre Fähigkeit, als Partner zur
wirtschaftlichen Gesundung beizutragen, werde ernsthaft - wenn nicht sogar entscheidend - durch rigide
Vorschriften und steuerliche Praktiken beeinträchtigt,
die sie auf allen Regierungsebenen antreffen.
Ich möchte Sie nicht mit all den Veränderungen langweilen, die amerikanische Geschäftsleute gerne sehen würden. Ich möchte nur kurz die meistgenannten
Hemmnisse aufzählen:
1. Ständige Veränderung und Mangel an Transparenz von Gesetzen und Vorschriften.
2. Ständige Veränderungen und prohibitive
Erhöhungen der Steuersätze.
3. Ungewisse Eigentumsverhältnisse, insbesondere bei natürlichen Ressourcen, sowie sich
überschneidende Zuständigkeiten der verschiedenen staatlichen Ebenen.
4. Zahlungsrückstände der ehemaligen Sowjetunion in Höhe von über 190 Millionen Dollar
gegenüber amerikanischen Unternehmen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß es sich bei den
amerikanischen Unternehmen, die in der ehemaligen
Sowjetunion geschäftlich tätig werden wollen, um
verantwortungsbewußte Firmen handelt; die "Räuberbarone" früherer Zeiten werden von der amerikanischen Regierung weder toleriert noch unterstützt. Wir
haben Firmen, die in lebenswichtigen Bereichen wie
Seite 3

�Nahaingsmittelvertrieb, Verkehr, Kommunikationswesen, Gesundheitsfürsorge, Energiewesen und Rüstungskonversion einen ausschlaggebenden Beitrag leisten
können. Sie können in Ihrem Land Arbeitsplätze
schaffen, und sie können dabei helfen, die von Ihnen
benötigten harten Devisen zu erwirtschaften.

einst tatsächlich Verbündete, aber wir waren gegen
etwas verbündet, das uns von außen entgegentrat gegen eine Bedrohung, der wir gemeinsam gegenüberstanden. Heute haben wir die Chance eines
Bündnisses für etwas - für den demokratischen Lebensstil und die Werte, die wir jetzt gemeinsam haben.

Sie werden jedoch zu all dem nicht in der Lage sein,
wenn das Umfeld nicht günstig ist. Sie können beispielsweise keine Geschäfte machen, wenn eine plötzliche Steuererhöhung den erwarteten Gewinn bei einem bereits ausgehandelten Projekt völlig verschlingt.
Sie können nicht tätig werden, wenn sie es mit einer
Bürokratie zu tun haben, die noch immer nicht in der
Lage ist, mit ihnen auf Arbeitsebene rasch und mit
Autorität zu arbeiten. Sie werden in der Tat abwandern, wenn dies erforderlich ist, um ein günstiges
Umfeld in den ältesten oder den jüngsten demokratischen Marktwirtschaften der Welt zu finden.

Wir sind uns der Tatsache bewu ßt, daß die Möglichkeiten zur Partnerschaft in diesem demokratischen Zeitalter umfassend und vielfältig sind und daß die neuen
unabhängigen Staaten wechselseitig fruchtbare Beziehungen mit ihren europäischen Nachbarn und anderen
entwickeln werden. Einen Punkt möchte ich hier
jedoch eindeutig klarstellen: Die Vereinigten Staaten
sind weder nur ein Partnervon vielen, noch betrachten
wir Sie lediglich als Partner unter vielen anderen. Wir
beide sind Völker mit einem besonderen Auftrag, Völker, die ihren größten Beitrag zur Geschichte und zu
unseren Zeiten noch leisten müssen. Beide wurden
wir in der Vergangenheit bereits von der Geschichte
abgeschrieben, aber bei jeder dieser Gelegenheiten
wurden wir der Herausforderung gerecht - und dasselbe gilt sicherlich auch heute.

Meine Freunde, es ist leicht, sich über die Schwierigkeiten zu ergehen, mit denen wir in dieser Zeit des
Übergangs konfrontiert sind - des Übergangs zum
freien Markt, zur Demokratie und zu einer neuen
Weltordnung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist alles,
was wir sehen können, die Hindernisse auf unseren
Weg und die zu erbringenden Opfer, und wir vernehmen Stimmen, die sagen, die beiden Supermächte des
kalten Kriegs würden in der angebrochenen revolutionären neuen Ära nicht gedeihen.

Gemeinsam besitzen wir die größte Macht in der Welt.
Zwischen uns hat es keine Geschichte bewaffneten
Konflikts gegeben, unabhängig davon, wie schwerwiegend unsere Differenzen im kalten Krieg auch sein
mochten. Zwischen uns kann es deshalb eine Partnerschaft mit größerem Vertrauen und Potential für beiderseitige Fortschritte geben als zwischen allen anderen Völkern in der Welt von heute.

Ich sage jedoch, daß diese Stimmen unrecht haben
und daß jeder, der die Fähigkeiten des amerikanischen Volkes und der Völker der ehemaligen Sowjetunion anzweifelt, mit einer deftigen Überraschung zu
rechnen hat. Ja, wir waren Opfer des kalten Kriegs.
Andere machten wirtschaftliche Fortschritte, während
wir unsere Ressourcen in einer sinnlosen militärischen
Rivalität vergeudeten. Aber sehen Sie nur, welche
Macht und Kreativität wir selbst unter den erschwerten
Bedingungen dieser Rivalität unter Beweis stellten,
und stellen Sie sich vor, was wir nun leisten können, da
unsere Energien in dem gemeinsamen Streben nach
wirtschaftlicher Wiedergeburt und Aufschwung freigesetzt werden können.

Ich weiß, daß die Völker der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, wenn sie auf die Vereinigten Staaten
von Amerika blicken, eine Nation sehen, die sich
rückhaltlos der demokratischen freien Marktwirtschaft
und einer gerechten, stabilen und friedlichen Weltordnung verschrieben hat. Und ich kann Ihnen versichern, daß wir, wenn wir auf Sie blicken, Nationen
sehen, die unter diesem System und unter dieser
Ordnung am besten gedeihen können und werden.
Mit anderen Worten: die Geschichte hat uns zu
Partnern bestimmt. In der Vergangenheit haben wir
dieses Urteil einmal mi ßachtet, und wir und die gesamte Welt zahlten dafür einen schrecklichen Preis. Aber
Gott sei Dank sind wir entschlossen, unserem gemeinsamen Schicksal nicht länger entfliehen zu wollen.

Stellen Sie sich insbesondere vor, was wir nicht als
Gegner, sondern in einer engen und beiderseitig vorteilhaften Partnerschaft leisten können. Wir waren
* *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 22

�US-AUSSENPOLITIK
3. Juni 1992

ETHNISCHE VIELFALT UND AUSSENPOLITIK
Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert
Die wachsende ethnische Vielfalt der amerikanischen Bevölkerung wird langfristig Auswirkungen auf den
Umgang mit auswärtigen Angelegenheiten haben. Dies ist der Tenor des nachfolgenden Artikels, der dem
Bericht der Stanley Foundation über die wachsenden Auswirkungen der ethnischen und geographischen Vielfalt
auf die US-Außenpolitik entnommen ist. Der Beitrag wurde in englischer Sprache in der Zeitschrift Dialogue,
Nr. 1, 1992, veröffentlicht.
Die Vereinigten Staaten verweisen seit langem stolz
auf ihre Rolle als Schmelztiegel kulturell verschiedenartiger Völker. Diese Vielfalt hat sich aber bisher nur
selten in der amerikanischen Außenpolitik niedergeschlagen. Ein neues Zeitalter ist jedoch angebrochen,
in dem die ethnische Vielfalt größere Auswirkungen
auf die Außenpolitik haben wird. Dies hat drei Gründe.
Erstens verändert eine demographische Revolution
die ethnische Zusammensetzung des Landes. Im Lauf
der Geschichte kamen Wellen von Einwanderern in die
Vereinigten Staaten, die eine schrittweise Diversifizierung der Bevölkerung bewirkten. In jüngerer Zeit
unterschieden sich die Einwanderer, deren Zahl seit
1960 etwa 8 Millionen betrug, erheblich von früheren
Wellen.
In den sechziger Jahren begann die Zahl der Einwandereraus Europa abzunehmen, die in der Vergangenheit die Mehrheit gestellt hatten. Dagegen stieg die
Zahl asiatischer und hispanischer Einwanderer steil
an. Auch die Zahl illegal ins Land strömender Einwanderer, insbesondere aus Mexiko, Mittel- und Südamerika nahm erheblich zu. Dieser Zustrom neuer Einwanderer hat die rassische und ethnische Zusammensetzung der Nation verändert.
Die lediglich zahlenmäßige Betrachtung der Neuankömmlinge ist jedoch teilweise irreführend. Die Einwanderer verteilen sich nicht gleichmäßig. Verschiedene Teile der Vereinigten Staaten haben eine größere Zuwanderung erlebt als andere. Infolgedessen
bilden sich neue ethnische Machtzentren. Florida, das
bereits eine große kubanische und afro-amerikanische Bevölkerung hat, wurde von Einwanderern aus
Lateinamerika und der Karibik überschwemmt. New
York, Texas, Kalifornien und Illinois waren ebenfalls
Ziel zahlreicher Einwanderer. Die Auswirkungen dieses Trends lassen sich andeutungsweise Prognosen

AMERIKA DIENST 22

entnehmen, die davon ausgehen, daß in 20 Jahren 85
Prozent der kalifornischen Bevölkerung zu neuen
ethnischen Gruppen gehören werden.
Zusätzlich zu ihrer Zunahme kann zweitens gesagt
werden, daß die Mitglieder der verschiedenen ethnischen Gruppen politisch bewußter werden. In der
Vergangenheit gab es große Unterschiede beim Ausmaßen dem ethnische Gruppen sich selbst definierten
und nach ethnischer Herkunft mobilisiert werden konnten. Einige Gruppen - zum Beispiel Amerikaner polnischer, irischer oder griechischer Abstammung und
amerikanische Juden - organisierten sich anhand der
ethnischen Zugehörigkeit und trachteten danach, die
Außenpolitik zu beeinflussen. Aber dies war eher die
Ausnahme als die Regel. Heute ist die ethnische
Mobilisierung sehr verbreitet. Zu den Beispielen
wachsenden ethnischen Selbstbewußtseins gehört die
immer wichtigere Rolle der Gruppe schwarzer Abgeordneter im US-Kongreß (U.S. Congressional Black
Caucus). Ein weiteres Anzeichen für zunehmendes
ethnisches Bewußtsein ist die Debatte über die Notwendigkeit zur Erweiterung der Lehrpläne, um die
Rolle der ethnischen Gruppen in der amerikanischen
Geschichte angemessen zu berücksichtigen, die
gegenwärtig in den amerikanischen Schulen Wellen
schlägt.
Einige Experten sind der Auffassung, daß für Gruppen, denen die volle Beteiligung an der amerikanischen Politik früher verweigert wurde, die ethnische
Mobilisierung einen Weg bietet, um in das außenpolitische Establishment einzudringen. Insbesondere für
"Farbige" ist ein verbesserter Zugang zum außenpolitischen Establishment von Bedeutung, unabhängig
davon, ob dies die Politik verändert oder nicht. Für
andere ethnische Gruppen, die noch starke Bindungen
zu ihren Herkunftsländern unterhalten, ist die ethni-

Seite 1

�sehe Mobilisierung ein Weg zur Einflußnahme auf die
amerikanische Außenpolitik, die diesen Ländern zugute kommen soll.
Eine dritte Veränderung, die zur wachsenden Bedeutung der ethnischen Vielfalt in den Vereinigten Staaten
beiträgt, ist die zunehmende Rolle von Bundesstaaten
und Gemeinden bei der Gestaltung der Außenpolitik.
Dieser Trend vervielfacht die Kanäle, durch die ethnische Gruppen die Politik beeinflussen können. Nationale Interessen stehen nicht mehr notwendigerweise
mit lokalen und Bundesstaatsinteressen in Einklang.
Infolge inneren wirtschaftlichen Drucks versuchen viele
Bundesstaaten heute, sich selbst am internationalen
Wirtschaftssystem zu beteiligen, um Handelsbeziehungen zu anderen Ländern zu entwickeln. So haben
beispielsweise mehrere Bundesstaaten Handelsmissionen in Tokio eingerichtet, um japanische Investitionen anzulocken.
Der Trend zur weltumspannenden Produktion fördert
direkte Wirtschaftsverbindungen zwischen Amerikanern und anderen Gesellschaften auf nichtstaatlicher
Ebene. Eine weitere Kategorie von Verbindungen
betrifft persönliche Beziehungen zu Verwandten im
Ausland. Institutionelle Bindungen werden durch
Programme von Sister Cities, der Organisation für
Städtepartnerschaften, und andere kulturelle Organisationen geschaffen. Die Politik wird unweigerlich
beeinflußt, da Basisinitiativen immer mehr Amerikaner
mit Menschen im Ausland in Kontakt bringen.
Ein Beispiel für die Auswirkung des Engagements der
Basis auf den au ßenpolitischen Proze ß war der Erfolg
der Anti-Apartheidbewegung bei der Veränderung der
amerikanischen Politik gegenüber Südafrika. Angesichts des Drucks von Kirchen, Studenten und AfroAmerikanern stießen Bundesstaaten und Gemeinden
aus ihren Pensionsfonds Anteile an Unternehmen ab,
die in Südafrika tätig waren. Gemeindevertreter riefen
darüber hinaus Programme ins Leben, um der schwarzen Mehrheit Südafrikas zu helfen.
Während also der allgemeine Trend zu verstärkter
ethnischer Mobilisierung bei außenpolitischen Themen geht, bestehen erhebliche Unterschiede darin,
wie sich dies in den einzelnen Gruppen manifestiert.
Es ist offenkundig geworden, daß Vorgeschichte, Interessen und Programme verschiedener Gruppen stark
voneinander abweichen.
Obwohl die amerikanischen Juden de facto keine
ethnische Gruppe sind, stellen sie das meistdiskutierte
Modell einer effektiven außenpolitischen Mobilisierung dar. Mehrere Umstände haben die amerikanischen Juden in die Lage versetzt, eine mächtige Lobby
zu werden. Der erste ist die Geschichte der Verfolgung, die den Juden in der ganzen Welt ein starkes
Gefühl gemeinsamer religiöser Identität verlieh. Zweitens
gab der Holocaust der jüdischen Gemeinde ein mächtiges Symbol, mit dem sie sich mobilisieren konnten.

Seite 2

Drittens gibt das Ziel, die amerikanische Unterstützung Israels sicherzustellen, einen eindeutigen Schwerpunkt politischer Aktivität vor. Schließlich ist die
amerikanische jüdische Gemeinde aufgrund ihres relativen Wohlstands und des hohen Grads politischer
Beteiligung in einer guten Position, um die Politik zu
beeinflussen. Wie von einigen bemerkt wurde, kann
es sich die jüdische Gemeinde leisten, die Israelfrage
zum wichtigsten Faktor ihrer innenpolitischen Bemühungen zu machen, was bei anderen Gruppen nicht
der Fall ist.
Afro-Amerikaner ähneln den Juden darin, daß auch sie
ein starkes ethnisches Zusammengehörigkeitsgefühl
haben, das auf ihrer historischen Erfahrung gründet:
der Sklaverei. Das Erbe der Sklaverei hat die Amerikaner afrikanischer Herkunft in der Gesellschaft wirtschaftlich und politisch benachteiligt. Trotz der Fortschritte der Bürgerrechtsbewegung kämpfen AfroAmerikaner immer noch um Chancengleichheit und
größere Beteiligung am amerikanischen politischen
System. Sie konzentrieren sich hauptsächlich auf
innenpolitische Fragen der Gerechtigkeit.
Im Bereich der Außenpolitik war es für Amerikaner
afrikanischer Herkunft aus einer Reihe von Gründen
schwierig, in das System einzudringen. Erstens haben
sie kein gemeinsames Thema, um das sie sich mobilisieren könnten. Dies wird noch verstärkt durch die
Tatsache, daß sich Afro-Amerikaner weder mit einem
einzelnen Herkunftsland identifizieren können noch
persönliche Bindungen zu einem einzelnen Land
außerhalb der Vereinigten Staaten haben. Die Lage in
Südafrika hat den Afro-Amerikanern jedoch die Gelegenheit gegeben, sich bei einem Thema zu engagieren, das ihrer historischen Erfahrung in den Vereinigten Staaten entspricht. Der Erfolg der Anti-Apartheidbewegung unterstreicht das Potential innerhalb der
afro-amerikanischen Gemeinde, um den außenpolitischen Prozeß zu beeinflussen.
Obwohl die Neigung besteht, die Amerikaner asiatischer Herkunft als homogene ethnische Gruppe zu
betrachten, ist diese Kategorie äußerst vielfältig.
Amerikaner japanischer, chinesischer und philippinischer Abstammung haben eine lange Geschichte in
den Vereinigten Staaten. In der Vergangenheit vermieden sie es jedoch, eine ethnisch geprägte Politik zu
betreiben. Die neueren Einwanderungswellen aus
Südostasien waren politisch jedoch äußerst aktiv. Wie
im Fall der amerikanischen Juden verstärkt der relative
Wohlstand der Amerikaner asiatischer Herkunft deren
Fähigkeit, das außenpolitische Establishment zu beeinflussen. Die neuen asiatischen Einwanderer sind
wohlhabender und gebildeter als frühere Zuwanderer,
und der Wohlstand der etablierten asiatisch-amerikanischen Gemeinde nimmt ebenfalls zu. Dies bedeutet,
daß die Amerikaner asiatischer Herkunft ausreichende Mittel zur Verfüngung haben, die sie bei Wahlkämpfen auf lokaler und nationaler Ebene einsetzen können.
AMERIKA DIENST 22

�Veränderungen im internationalen System verstärken
ebenfalls die innenpolitische Bedeutung der asiatischamerikanischen Gemeinde. Das Selbstverständnis
der Amerikaner japanischer Abstammung wurde durch
die wachsende Rolle Japans als wirtschaftliche Supermacht gefördert. Dies hat den Eindruck verstärkt, daß
Amerikaner japanischer Herkunft als Brücke zwischen
den Vereinigten Staaten und Japan in der Außenpolitik
dienen können. Zu den Themen, die Amerikaner
asiatischer Herkunft zu beeinflussen versuchen, gehört die amerikanische Einwanderungspolitik.
Wie bereits erwähnt, hat die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Im Jahr 1970 hatten Hispanier
einen Anteil von 4,5 Prozent an der amerikanischen
Bevölkerung. Im Jahr 1988 war dieser Anteil auf 8
Prozent gestiegen. Wie der asiatische Bevölkerungsanteil ist auch diese Gruppe extrem mannigfaltig,
wobei Mexikaner (als zahlenmäßig stärkste), Kubaner
und Puertoricaner die drei größten Untergruppen bilden. Wirtschaftlich bestehen große Unterschiede
innerhalb der hispanischen Gemeinde, in der die
Amerikaner kubanischer Abstammung im allgemeinen
wesentlich wohlhabender sind als Mexikaner und
Puertorikaner.
Die Vielfalt der hispanischen Gemeinde hat es den
politisch Verantwortlichen erschwert, sich effektiv für
außenpolitische Themen einzusetzen. Eine bemerkenswerte Ausnahme waren die Bestrebungen der
Amerikaner kubanischer Abstammung, die amerikanische Politik gegenüber Fidel Castro zu beeinflussen.
Für die Mehrheit der Hispanier sind innenpolitische
Themen wie Zugang zu Bildungsinstitutionen, Gesundheitswesen, Recht auf die eigene Sprache und
Sozialleistungen nach wie vor am wichtigsten. Im
Hinblick auf die Außenpolitik haben unterschiedliche
hispanische Gruppen verschiedene Programme. Die
Puertoricaner sind besorgt über die möglicherweise
von den Vereinigten Staaten gewährte Souveränität
Puerto Ricos. Die Mexikaner befassen sich mit Handels- und Einwanderungsproblemen, insbesondere der
Behandlung illegaler Einwanderer.
Die arabisch-amerikanische Gemeinde weist ebenfalls eine große ethnische und politische Vielfalt auf.
Ihre Wurzeln gehen zu mehreren Ländern im Nahen
Osten und in Nordafrika zurück. Die politische Mobilisierung wurde durch Klassen- und berufliche Unterschiede bebindert. Auch die Beziehungen zwischen
den Amerikanern arabischer Abstammung und ihren
Herkunftsländern variieren. Die Libanesen waren beispielsweise außerordentlich erfolgreich beim Sammeln von Spenden für den Libanon, wohingegen die
Amerikaner syrischer Abstammung enge kulturelle,
aber relativ lockere politische Beziehungen mit Syrien
unterhalten.

AMERIKA DIENST 22

Auf innenpolitischer Ebene betrachten sich Araber, die
seit einiger Zeit in den Vereinigten Staaten leben, als
stark assimiliert, insbesondere diejenigen, die keine
sprachlichen Bindungen mehr zu ihrem Herkunftsland
haben. Obwohl diese Araber sich nicht im ethnischen
Sinne unterscheiden, wurden sie vor allem aufgrund
der Ereignisse im Nahen Osten und zunehmend als
Reaktion auf die von Amerikanern jüdischer Abstammung zugunsten Israels durchgeführten Aktivitäten in
die außenpolitische Debatte eingebracht.
Das Bild, das sich aus der Bevölkerungszusammensetzung der Vereinigten Staaten ergibt, weist unterschiedliche Gruppen auf - jede mit den ihr eigenen
Stärken und Schwächen und jede mit einer anderen
Basis für außenpolitische Kampagnen. Diese Tatsache erschwert die Gestaltung einer schlüssigen, kontinuierlichen und integrierten Außenpolitik außerordentlich.
Die amerikanische Außenpolitik war traditionell die
Domäne von weißen Männern, sowohl innerhalb als
auch außerhalb der Regierungskreise. In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich diese Situation allmählich gewandelt, so daß heute mehr Frauen und Angehörige von Minderheiten im politischen Entscheidungsprozeß zu finden sind. Dennoch sind die Fortschritte
begrenzt. In einer kürzlich erstellten Studie über in den
letzten zehn Jahren von den Medien befragte außenpolitische Experten war die Mehrzahl weiß, männlich
und konservativ.
Begrenzter Zugang zur Außenpolitik hat es einigen
ethnischen Gruppen erschwert, selbst auf unterster
Ebene in das System einzusteigen. Für wirtschaftlich
benachteiligte Gruppen sind schlechte Bezahlung,
Anfängerpositionen und Volontariate bei außenpolitischen Organisationen keine echte Alternative. In den
wichtigsten außenpolitischen Institutionen wie Forschungszentren, Eliteuniversitäten und im auswärtigen Dienst sind Minderheiten immer noch unterrepräsentiert.
Ein Argument für die Einbeziehung lautet, daß neue
Akteure in den außenpolitischen Prozeß eingeführt
werden, deren Interessen und Erfahrungen sich von
der herkömmlichen Außenpolitik unterscheiden. Aus
diesem Grund wäre eine diversifiziertere außenpolitische Gemeinde wertvoll, unabhängig davon, ob diese
neuen Akteure den politischen Entscheidungsfindungsprozeß grundlegend ändern oder nicht. Die Einbeziehung der gesamten Bandbreite ethnischer Gruppen in
die Außenpolitik würde sowohl in der Regierung als
auch außerhalb zur Verbesserung des Bildes von
einem Land mit ethnischer Vielfalt beitragen. Durch
die Einbeziehung in die Außenpolitik könnten die Vertreter der ethnischen Gruppen schließlich als Vorbild
für ihre Gemeinden dienen.

Seite 3

�Die Einbeziehung würde auf der anderen Seite nicht
zwangsläufig zu einer tiefgreifenden Veränderung führen.
Obwohl der Zugang als Einstieg in das System dienen
kann, muß dies nicht notwendigerweise zu konstruktiver Beteiligung führen. Der Preis der Einbeziehung
könnte die pauschale Akzeptanz des Status quo sein
statt der Versuch, ihn zu ändern. Die Einbeziehung
aus rein "symbolischen" Gründen könnte zu Fetischismus führen und dadurch Probleme der Legitimität und
Glaubwürdigkeit für die Vertreter der ethnischen Gruppen schaffen.
Darüber hinaus führt die Einbeziehung aus zwei Gründen nicht zwangsläufig zu einer Erweiterung der Bandbreite von Problemen auf der au ßenpolitischen Tagesordnung: Wenn die einzigen Personen in der Politik
diejenigen wären, die dieselben Ansichten vertreten
wie die traditionellen außenpolitischen Institutionen,
oder wenn die Vertreter der ethnischen Gruppen mit
einem unterschiedlichen Weltbild gezwungen würden,
ihre Meinungen aus politischen Gründen zu unterdrükken. Obwohl es in jüngsten Administrationen beispielsweise einige Amerikaner afrikanischer Abstammung in hochrangigen außenpolitischen Positionen
gegeben hat, scheint dies keine Auswirkungen auf die
amerikanische Außenpolitik zu haben.
Die Rolle, die ethnische Gruppen im außenpolitischen
Prozeß spielen können, hängt von ihren Beziehungen
untereinander und zu ihrem Herkunftsland ab. Natürlich variiert diese Beziehung von Gruppe zu Gruppe.
Zu den ausschlaggebenden Faktoren zählt, wann die
Einwanderer in die Vereinigten Staaten gekommen
sind, warum sie ihr Land verlassen haben, welche
politische, wirtschaftliche und strategische Anziehungskraft ihr Land hat und ob seine Ideologie sich von der
der Vereinigten Staaten unterscheidet. Sind die Beziehungen gut, können sich Kampagnen der ethnischen
Gruppen zum Nutzen des Heimatlands auswirken, wie
es bei den Amerikanern jüdischer Abstammung mit
Israel der Fall war. Sind die Beziehungen zwischen
den Einwanderern und ihrem Heimatland jedoch
schlecht, kann sich das Engagement der ethnischen
Gruppen zum Nachteil ihres Heimatlandes erweisen.
Vor Castros Regime fliehende Kubaner waren vehemente Befürworter der amerikanischen Politik, die auf
die Isolierung Kubas abzielt.
Veränderungen der Verbindungen, die ethnische
Gruppen mit ihrem Heimatland unterhalten, können
maßgebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit der Gruppe
zur Einflußnahme auf den außenpolitischen Prozeß
haben. Früher vollzog sich ein Großteil der Kontakte
zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern durch inoffizielle, persönliche Kanäle. Die Gründung von Partnerstadtprogrammen und kulturellen
Organisationen hat zur Formalisierung, Stärkung und
Förderung der kulturellen Bande beigetragen. Zur Zeit
gewinnen jedoch die wirtschaftlichen und politischen
Bande zwischen ethnischen Gruppen und ihren Heimatländern zunehmend an Bedeutung. Dies geschieht
Seite 4

häufig mit der stillschweigenden Zustimmung des
Heimatlandes, das von besseren Handels- und Wirtschaftschancen zu profitieren hofft. Die japanische
Regierung hat beispielsweise beachtliche Wirtschaftsbeziehungen mit Kanada entwickelt, das einen großen
Bevölkerungsanteil von Amerikanern japanischer
Abstammung hat, auf die 30 Prozent der gesamten
Auslandsinvestitionen des Landes zurückzuführen sind.
Diese Beziehungen sind jedoch auch mit Problemen
für beide Seiten behaftet. Das Problem für das Heimatland entsteht, wenn seine Einwandererein größeres Mitspracherecht im politischen Prozeß des Heimatlandes fordern und Einfluß auf innenpolitische
Entscheidungen nehmen möchten. Für das Heimatland ist es ein ebenso ungemütliches Risiko, wegen
der Beziehungen zu einer ethnischen Gruppe in innenpolitische Querelen der Vereinigten Staaten hineingezogen zu werden. Einige afrikanische Befreiungsbewegungen sind sehr um die Unterstützung von Amerikanern afrikanischer Abstammung bestrebt, obwohl
sie nicht gerne in die Rassenkonflikte der Vereinigten
Staaten verwickelt werden möchten.
Als anderes Extrem ergeben sich auch Probleme für
ethnische Gruppem, die nicht als Lobbyisten im Namen
ihrer ehemaligen Heimatländer, sondern vielmehr als
amerikanische Bürger mit einer eigenen Sichtweise
außenpolitischer Angelegenheiten fungieren wollen.
Aufgrund ihres Engagements für Japan fürchten
Amerikaner japanischer Abstammung eher als Japaner statt als amerikanische Staatsbürger angesehen
zu werden. Das Engagement einer ethnischen Gruppe sollte sich jedoch auch nicht auf Belange ihres
Herkunftslandes beschränken. Viele Amerikaner afrikanischer Abstammung fürchten, wenn sie zu sehr mit
Afrika in Verbindung gebracht werden, in der größeren
außenpolitischen Gemeinde politisch an den Rand
gedrängt zu werden.
In einer Weise könnte sich größeres Engagement der
ethnischen Gruppen für außenpolitische Themen als
gefährlich erweisen. Angesichts der gegenläufigen
Interessen und Programme unterschiedlicher ethnischer Gruppen besteht die Möglichkeit, daß Kampagnen der ethnischen Gruppen den außenpolitischen
Prozeß in einen Krieg zwischen ethnischen Gruppen
verwandeln könnte, die um begrenzte Ressourcen,
politische Posten und Einfluß kämpfen.
Das Ende des kalten Kriegs hat für den Prozeß der
außenpolitischen Entscheidungsfindung ein Vakuum
hinterlassen. Es gibt kein umfassenderes Gefüge
einer Supermacht, das konkurrierende Ansprüche
enthnischer Gruppen in Einklang bringen könnte und
dadurch entsteht die Gefahr, daß die ethnischen Gruppen
in den Vereinigten Staaten in Konflikte im Ausland
verwickelt werden. Wenn die Sowjetunion und andere
Länder in rivalisierende ethnische Einheiten zerfallen,
könnten ihre Kämpfe die ethnischen Konflikte in den
Vereinigten Staaten verschärfen.

AMERIKA DIENST 22

�Aus diesem Grund könnte die Einbeziehung neuer
Gesichter in die außenpolitische Gemeinde die Fähigkeit der Vereinigten Staaten zur Übernahme einer
Führungsrolle in der Welt nach dem kalten Krieg
verbessern. Einige Experten haben den Vorschlag
unterbreitet, daß Amerikaner und Ausländer sich auf
der Grundlage gemeinsamer Probleme über tiefere
soziale Bindungen mobilisieren könnten. Mit diesem
Ansatz könnte das Potential anderer Länder zur Lö-

* *

AMERIKA DIENST 22

sung interner und regionaler Kontroversen verstärkt
werden. Obwohl das Ende des kalten Kriegs eine
Konfliktquelle beseitigt hat, könnte es andere regionale und ethnische Konflikte mit wichtigen innenpolitischen und internationlaen Konsequenzen freisetzen.
Es muß ein Weg gefunden werden, um unterschiedliche ethnische Interessen und Programme in eine
schlüssige, integrierte außenpolitische Tagesordnung
der Vereinigten Staaten umzusetzen.

* *

Seite 5

�SOZIALPOLITIK
3. Juni 1992

KRANKENVERSICHERUNG FÜR SOZIAL
SCHWACHE UND SENIOREN
Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben gegenwärtig kein einheitliches, nationales Krankenversicherungssystem für alle Bürger. Es gibt jedoch zwei Einzelprogramme, die gemeinsam die medizinische Versorgung für die meisten derjenigen gewährleisten, die keine private Krankenversicherung
haben.
Als Teil von Präsident Johnsons "Krieg gegen die
Armut" wurde im Jahr 1965 Medicare ins Leben gerufen, um älteren Menschen eine Krankenversicherung
zubieten. Darüber hinaus wurde Medicaid eingeführt,
um die Kosten für die medizinische Versorgung von
sozial Schwachen und Behinderten abzudecken, die
keinen Anspruch auf Medicare haben.
Im Jahr 1990, dem letzten Jahr, für das vollständige
statistische Daten zur Verfügung stehen, waren 87,5
Prozent aller Amerikaner während des ganzen oder
eines Teils des Jahres in irgendeiner Form krankenversichert.
Davon entfielen 14,6 Prozent auf Medicare, 11,2 Prozent auf Medicaid. 73,1 Prozent hatten einen privaten
Versicherungsschutz, der von Arbeitgebern, Gewerkschaften oder den Vorsicherten selbst finanziert wurde, und 12,5 Prozen* waren überhaupt nicht krankenversichert. (Diese Zahlen ergeben insgesamt über
100 Prozent, da ein Teil der unter Medicare und
Medicaid Versicherten daneben einen privaten Versicherungsschutz hatten.)
Schätzungen des US-Gesundheitsministeriums zufolge bezogen im Jahr 1991 35 Millionen Amerikaner
Leistungen von Medicare in einer Gesamthöhe von
113,9 Milliarden Dollar. Im gleichen Jahr erhielten 27,5
Millionen Personen Leistungen von Medicaid im Gesamtumfang von 89,1 Milliarden Dollar.
Medicare für die älteren Mitbürger
Medicare besteht aus zwei Teilen, die beide von der
Bundesregierung verwaltet werden. Alle Amerikaner
ab 65 Jahren, die aufgrund ihrer früheren Beschäftigung oder der des Ehegatten Anspruch auf Rentenzahlungen haben, können unabhängig von persönliAMERIKA DIENST 22

chem Einkommen oder Vermögen Leistungen der
Krankenhausversicherung (Teil A) beziehen. Durch
Zahlung eines minimalen monatlichen Beitrags kann
nahezu jeder Bürger über 65 eine Krankenversicherung (Teil B) abschließen, die Arzthonorare, diagnostische Untersuchungen, ambulante chirurgische Leistungen, Laboruntersuchungen und andere medizinische Leistungen für ambulante Patienten abdeckt.
Teil A wird aus Mitteln derselben Lohnsummensteuer
finanziert, die für die Finanzierung der Rentenversicherung erhoben wird, während Teil B vollkommen
aus dem von jedem Versicherten entrichteten Monatsbeitrag - 31,80 Dollar im Jahr 1991 - abgedeckt wird.
Im Jahr 1992 erstattet Teil A in den ersten 60 Tagen der
stationären Behandlung 100 Prozent aller versicherten Kosten in einem von Medicare zugelassenen
Krankenhaus - nach Zahlung eines einmaligen Selbstbehalts von 652 Dollar in jedem Leistungszeitraum.
Danach werden von Teil A alle versicherten Leistungen abgedeckt, mit Ausnahme einer "Rückversicherungs"-Zahlung, die der Patient erbringen muß.
Falls eine solche Behandlung von Medicare für notwendig erachtet wird, leistet Teil A darüber hinaus für
sämtliche versicherten Dienstleistungen während der
ersten zwanzig Tage des Aufenthalts in einem anerkannten Pflegeheim, wenn der Patient zuvor an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen stationär im
Krankenhaus behandelt wurde. Vom 21. bis zum 100.
Tag muß der Versicherte eine Selbstbeteiligung von
81,50 Dollar pro Tag aufbringen. Nach dem 100. Tag
übernimmt Medicare in demselben Leistungszeitraum
keine weiteren Leistungen für den Aufenthalt in einem
Pflegeheim.
60 Tage nach Entlassung aus stationärer Krankenhausbehandlung oder Aufenthalt in einem Pflegeheim
beginnt eine neue Abrechnungsperiode, und der Versicherte kann erneut Leistungen in Anspruch nehmen.
Teil A deckt ferner von Medicare anerkannte häusliche
Pflege ab - einschließlich von Teilzeit- oder vorübergehender Pflege, sozialen Dienstleistungen, Thera-

Seite 1

�pie, Heil- und Hilfsmitteln - sowie sämtliche Leistungen der Behandlung von unheilbar Kranken in von
Medicare zugelassenen Sterbekliniken.
Nach Teil B der Krankenversicherung werden 80 Prozent
sämtlicher versicherten Leistungen für ambulante
Behandlung von Medicare übernommen nachdem der
Patient den Selbstbehalt von 100 Dollar pro Kalenderjahr bezahlt hat. Danach können die Versicherten
ihren Eigenanteil auf 20 Prozent der versicherten
Leistungen begrenzen, indem sie Ärzte und Leistungsanbieter wählen, die sich an die von Medicare genehmigten Gebührensätze halten. Andere Ärzte können
bis zu 20 Prozent über die Gebührensätze von Medicare hinausgehen, wobei der Differenzbetrag vom
Versicherten zu erbringen ist.
Versicherte in Teil A und Teil B können ihre Kosten
senken und Vorsorgeleistungen erhalten, die für
gewöhnlich nicht von Medicare abgedeckt sind, indem
sie besondere im voraus bezahlte Krankenversicherungen abschließen - etwa HMOs (Health Maintenance Organizations) und CMPs (Competitive Medical
Plans) -, die koordinierten Versicherungsschutz bieten
anstatt der traditionellen gebührenorientierten Vorsorge.

ßige Vorsorgeuntersuchungen und anschließende
Behandlung von Kindern unter 21 Jahren, Hilfe bei der
Familienplanung, Behandlungsmöglichkeiten in ländlichen Gebieten sowie den Krankentransport umfaßt.
Die Medicaid-Programme der Bundesstaaten sind
gesetzlich verpflichtet, die Prämien, Selbstbeteiligungen und Eigenanteile zu übernehmen, die gemäß Teil
A und B für Versicherte von Medicare zu zahlen sind,
wenn deren Einkommen unter der von der Bundesregierung festgelegten Armutsgrenze liegen - im Jahr
1991 waren dies 6.932 Dollar für einen Alleinstehenden. Die Bundesstaaten müssen darüber hinaus die
Prämien für Teil A bei bestimmten Behinderten übernehmen, die zwar arbeiten, deren Einkünfte und persönliches Vermögen einen Anspruch auf Medicaid
jedoch ausschließen.
Der Bundesanteil an den Leistungen von Medicaid in
Höhe von 89,1 Milliarden Dollar betrug im Jahr 1991
50,8 Milliarden Dollar, während die Bundesstaaten
38,3 Milliarden trugen. Einer vom Kongreß festgelegten Formel zufolge übernimmt die Bundesregierung in
den Bundesstaaten mit dem geringsten Pro-KopfEinkommen einen größeren Anteil an Medicaid. Der
Bundesanteil kann zwischen 50 und 80 Prozent betragen.

Medicaid für Einkommensschwache
' Die Kriterien für die Inanspruchnahme von Medicaid,
das von den Bundesstaaten nach Richtlinien der
Bundesregierung verwaltet wird, werden von den einzelnen Staaten festgelegt und variieren von einem
Bundesstaat zum anderen. In den meisten qualifiziert
sich eine Person für dieses Programm, wenn das
Familieneinkommen unter der Armutsgrenze liegt.
Alle Personen, die Leistungen entweder durch Zuschüsse für Einkommensschwache (Supplemental
Security Income - SSI) oder Hilfe für Familien mit
unterhaltsberechtigten Kindern (Aid to Families with
Dependent Children - AFDC) erhalten, sind automatisch durch Medicaid versichert. Bei SSI handelt es
sich um ein vom Bund finanziertes und verwaltetes
öffentliches Hilfsprogramm, in dessen Rahmen Kindern und Erwachsenen, die blind oder behindert sind,
kaum eigenes Vermögen oder Einkommen besitzen
und von anderen Sozialhilfeprogrammen nur unvollständig abgedeckt sind, festgesetzte monatliche Beträge bar ausgezahlt werden. AFDC unterstützt Familien
mit Bargeld, in denen ein Elternteil verstorben ist, die
Familie verlassen hat, behindert oder - in einigen
Bundesstaaten - arbeitslos ist.

Die amerikanischen Aufwendungen für das Gesundheitswesen
Die nationalen Aufwendungen für das Gesundheitswesen gehören zu den am schnellsten wachsenden
Komponenten der amerikanischen Wirtschaft und sind
von 74 Milliarden Dollar im Jahr 1970 auf heute über
800 Milliarden Dollar gestiegen. Falls keine weiteren
Schritte zur Kostendämpfung unternommen werden,
so könnten die Ausgaben im Gesundheitswesen Präsident Bush zufolge bis zum Jahr 2000 auf 1,6 Billionen
Dollar steigen.
Bush hat einen eigenen umfassenden Reformplan
vorgelegt, der sich hauptsächlich auf eine arbeitgeberfinanzierte private Krankenversicherung stützt - einen
Plan, der laut Bush die Kosten senken sowie weiteren
36 Millionen Menschen, die gegenwärtig keinerlei
Krankenversicherung haben, Versicherungsschutz
gewähren und gleichzeitig dem Bürger die Wahlfreiheit
in bezug auf die Art des Versicherungsschutzes erhalten würde.
Sonstige zur Zeit vom Kongreß behandelte Vorschläge zur Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung umfassen einen dem kanadischen System vergleichbaren Plan, bei dem die Regierung die Krankenversicherung finanziert und verwaltet sowie das "Playor-Pay"-Modell, wonach der Arbeitgeber entweder seinen
Beschäftigten einen Krankenversicherungsschutz bieten
oder für den Arbeitnehmer die Beiträge an eine nationale Krankenversicherung übernehmen müßte.

Bei Medicaid muß jeder Bundesstaat für bestimmte
einkommensschwache Amerikaner ein Paket von
Grundleistungen bereitstellen, das auch ambulante
und stationäre Krankenhausversorguno, ärztliche
Leistungen, die Dienste ausgebildeter Krankenpfleger, Labor- und diagnostische Untersuchungen,
Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen, regelmä* * * *

*
AMERIKA DIENST 22

�W A H L E N '9 2
3. Juni 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (27. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho.
Bush und
Vorwahlen

Clinton

gewinnen

weitere

drei

Nach wie vor herrscht bei den Wählern in den Vereinigten Staaten große Unzufriedenheit. Dies zeigt sich
auch in den Ergebnissen der am 26. Mai 1992 veranstalteten Vorwahlen in Arkansas, Kentucky und Idaho,
wo trotz leichter Siege für Präsident Bush und Bill
Clinton ein großer Anteil an nichtgebundenen Stimmen abgegeben wurde.
Die Nominierung von Bush und Clinton bei den jeweiligen Konventen der Republikaner und Demokraten ist
zweifellos beschlossene Sache, aber es mehren sich
die Anzeichen, die auf ein Dreierrennen hindeuten, an
dem auch der bisher noch unerklärte Präsidentschaftskandidat Ross Perot teilnehmen wird.
Bush errang 87 Prozent der republikanischen Stimmen in Arkansas, 74 Prozent in Kentucky und 64
Prozent in Idaho, wo "nichtgebundene" und Stimmen
für den konservativen Herausforderer Pat Buchanan
die übrigen Stimmen unter sich aufteilten.
Clinton verbuchte 68 Prozent in seinem Heimatstaat
Arkansas, 56 Prozent in Kentucky und 50 Prozent in
Idaho. Dabei wurden mehr ungebundene Stimmen
abgegeben als für einen der demokratischen Mitbewerber in allen drei Vorwahlen. Die Anhänger von
Perot, dessen Name auf keinem der Stimmzettel erscheinen konnte, forderten die Wähler auf, ihre Unterstützung für ihn durch die Abgabe nichtgebundener
Stimmen zu bekunden.
In den Vorwahlen für Kongreßmandate verloren die
Demokraten Carroll Hubbard aus Kentucky, der bereits neun Legislaturperioden Mitglied des Repräsentantenhauses ist, und Bill Alexander aus Arkansas, der
24 Jahre Mitglied des Kongresses ist, als achter und

neunter Abgeordnete in diesem Jahr ihre Vorwahlen.
Beide hatten in dem Skandal um die Bank des Repräsentantenhauses über 100 ungedeckte Schecks ausgestellt.
Der neueste Stand der Delegierten
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Tsongas

550,00

Nichtgebunden

546,25

Brown

394,25

Sonstige

27,00

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush

1.414

Buchanan

76

Nichtgebunden

16

Ergebnisse der Vorwahlen vom 26. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 26.
Mai erhalten hat.
Arkansas
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

68

Nichtgebunden

18

Brown

11

Sonstige

AMERIKA DIENST 22

1.977,50

3

Seite 1

�Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Idaho

Bush

87

Demokraten

Buchanan

13

Clinton

50

Nichtgebunden

28

Brown

17

Kentucky
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

56

Sonstige

Nichtgebunden

28

Republikaner Prozentsatz der Stimmen

5

Brown

8

Bush

64

Sonstige

8

Nichtgebunden

23

Buchanan

13

Republikaner Prozentsatz der Stimmen
Bush

74

Nichtgebunden

26
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 22

�DEMOGRAPHIE
3. Juni 1992

NEUE STATISTISCHE DATEN
ZEIGEN NATION IM ÜBERGANG
Rekordeinwanderung in achtziger Jahren
WASHINGTON - (AD) - Im Jahr 1990 waren nahezu 20
Millionen Menschen oder acht Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung von 248 Millionen Einwanderer. Den neuen, am 29. Mai 1992 vom Statistischen
Bundesamt der Vereinigten Staaten veröffentlichten
Zahlen zufolge war dies der höchste jemals verzeichnete Anteil von im Ausland geborenen Amerikanern an
der Gesamtbevölkerung.
Von diesen 20 Millionen kamen 8,7 Millionen in den
achtziger Jahren in die Vereinigten Staaten, "die größte Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die
in der Geschichte des Landes während eines Jahrzehnts registriert wurde", wie der Demograph Jeffrey
Passei vom Urban Institute feststellt.
"Im Hinblick auf Nettoeinwanderung - die Zahl derer,
die kamen, minus die Zahl derer, die das Land verließen - halten die achtziger Jahre den Rekord" und
übertrafen sogar noch die massive Einwanderungswelle um die Jahrhundertwende, so Passei. Die neuen
Bevölkerungsdaten zeigten, daß "eine sehr große Zahl
von Menschen in den Vereinigten Staaten heute eine
andere Sprache spricht als Englisch".
Die Zahlen offenbarten, daß sich der Anteil derjenigen,
die zu Hause eine andere Sprache als Englisch sprechen, von 6,6 Prozent im Jahr 1980 auf 13,8 Prozent
oder über 32 Millionen Menschen im Jahr 1990 mehr
als verdoppelte. Von diesen Personen - ab 5 Jahren
aufwärts - gaben 43,9 Prozent an, Sie sprächen Englisch "nicht sehr gut".
Passei zufolge zeigen die neuen Daten darüber hinaus, daß der Anteil der im Ausland Geborenen von
Region zu Region große Unterschiede aufweist. In
den westlichen Bundesstaaten der USA seien 14,8
Prozent der Bevölkerung im Ausland geboren, im
Nordosten 10,3 Prozent, im Mittleren Westen 3,6
Prozent und im Süden 5,3 Prozent.

Die neuen Informationen über die Einwanderung in die
Vereinigten Staaten in den vergangenen 10 Jahren
beruhen auf der Volks- und Wohnstättenerhebung
des Jahres 1990, in deren Rahmen 17 Millionen Haushalte ein umfangreiches Formular auszufüllen hatten.
Die Einwanderung hatte "dramatische Auswirkungen"
auf die rassische und ethnische Zusammensetzung
des Landes, erläutert Passei: "Zwischen 80 und 90
Prozent der Einwanderer kommen heute aus asiatischen und hispanischen Ländern. Der asiatische
Bevölkerungsanteil habe sich in den achtziger Jahren
verdoppelt, und die hispanische Bevölkerung sei um
60 Prozent gewachsen. Die hispanische Bevölkerung
der Vereinigten Staaten beträgt heute 22,4 Millionen,
die asiatische 7,3 Millionen Menschen.
"Aufgrund der gegenwärtigen Einwanderungszahlen
ist ein weiterer rascher Anstieg der asiatischen und
hispanischen Bevölkerungsanteile zu erwarten", stellt
Passei fest. "Und bei diesem Umfang der Einwanderung wird der hispanische Bevölkerungsanteil den der
Schwarzen im Jahr 2010 überholen."
Die Daten über Einwanderung bilden nur einen kleinen
Teil der im Rahmen des neuen Zensus gewonnenen
überaus umfassenden Informationen, die auf wachsende Unterschiede zwischen Regionen und Bevölkerungsgruppen in den Vereinigten Staaten hinweisen.
Die Daten zeigen, daß das mittlere Haushaltseinkommen inflationsbereinigt im Landesdurchschnitt von 1979
bis 1989 um 6,5 Prozent wuchs, während die mittleren
Kosten für Besitzer von Wohneigentum, die eine
Hypothek aufgenommen hatten, zwischen 1980 und
1990 um 26,9 Prozent zunahmen.
Die Zahlen weisen ferner darauf hin, daß nahezu 60
Prozent aller Mütter mit Kindern unter sechs Jahren
zum Zeitpunkt der Erhebung erwerbstätig waren,
während dies im Jahr 1980 nur bei 46 Prozent der Fall
gewesen war.

* * * *

AMERIKA DIENST 22

*

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11473">
                <text>03.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11474">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11475">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11476">
                <text>Amerikadienst 03.06.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11477">
                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush erläutert Plan zur weltweiten Umweltzusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede über Umweltfragen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-GUS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eagleburger: Kalter Krieg war Tragödie für beide Seiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Moskau&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. US-Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ethnische Vielfalt und Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wachsender Einfluß auf US-Außenpolitik prognostiziert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sozialpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Krankenversicherung für sozial Schwache und Senioren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Demographie&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue statistische Daten zeigen Nation im Übergang&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rekordeinwanderung in achtziger Jahren&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2248" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2259">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5747da70c3c7c39062a2f82f170e0251.pdf</src>
        <authentication>fd6242e7e8d9e2ef6adbd5b8af9a934e</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11472">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

27. Mai 1992

21

5300 * * *

2

GUS-HILFE

BAKER KÜNDIGT PLAN ZUR VERHINDERUNG
EINES ZWEITEN TSCHERNOBYL AN
Rede in Lissabon

USA-DEUTSCHLAND

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN: DAS FUNDAMENT DER NÄCHSTEN
VIERZIG JAHRE
Rede von Botschafter Kimmitt bei der
Atlantik-Brücke

KSZE

KONSOLIDIERUNG DER DEMOKRATIE
PRIORITÄT DES NEUEN EUROPAS
Rede von Paula Dobriansky bei KSZE

RASSENBEZIEHUNGEN

RASSENBEZIEHUNGEN IN DEN USA AUS DER
SICHT EINES SCHWARZEN UNIVERSITÄTSPROFESSORS
Stellungnahme von Professor Randall Kennedy

SOZIALPOLITIK

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SCHÜTZT
ARBEITNEHMER VOR FOLGEN DER ARBEITSLOSIGKEIT
Dritter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN «92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�GUS-HILFE
27. Mal 1992

BAKER KÜNDIGT PLAN ZUR VERHINDERUNG
EINES ZWEITEN TSCHERNOBYL AN
Rede in Lissabon
LISSABON - (AD) - US-Außenminister Baker hat drei neue multilaterale Hilfsprogramme für die Staaten der
ehemaligen Sowjetunion vorgeschlagen, darunter 25 Millionen Dollar zur Gründung regionaler Zentren in
Rußland und der Ukraine, um Mitarbeiter von Kernkraftwerken auszubilden und die Sicherheitsverfahren zu
optimieren.
Bei der Lissaboner Konferenz über Hilfe für die neuen unabhängigen Staaten der ehemaligen Sowjetunion
forderte Baker am 23. Mai 1992 eine "Multilaterale Initiative für Reaktorsicherheit", die die "echte Gefahr"
eines "neuen Tschernobyl" verringern würde.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede Bakers im Wortlaut. Es gilt das gesprochene Wort.
Heute vor vier Monaten schlössen wir die Washingtoner Koordinierungskonferenz ab, die zur Arbeitsteilung entschlossen war, um einen dringenden weltweiten Notstand zu beheben und das Versprechen der
Freiheit in den neuen unabhängigen Staaten über den
harten Winter hinweg zu bewahren.
Gemeinsam haben wir diesen Notstand überwunden.
Gemeinsam haben wir Hilfe bereitgestellt, und wir
haben Hoffnung vermittelt. Und gemeinsam schlössen wir uns den Völkern der neuen unabhängigen
Staaten an, um die Freiheit lebendig zu erhalten, als
sie am meisten gefährdet war.
Heute begrüßen wir die neuen unabhängigen Staaten
als vollwertige Partner bei dem Koordinierungsproze ß,
der in Washington begann. Für jeden dieser neuen
Staaten, für ihre Völker und politischen Entscheidungsträger war und ist der Weg der Reformen nicht
leicht. Sie erkennen, daß der Erfolg der Freiheit in
ihren Händen, nicht in unseren, liegt, und sie haben
nicht um Almosen gebeten. Statt dessen haben sie um
unsere Partnerschaft und unsere Hilfe ersucht.
Hier in Lissabon müssen wir diese Partnerschaft stärken. Wir müssen die von uns in Washington begonnene Arbeit beschleunigen und unser kollektives Engagement zur Unterstützung wirtschaftlicher und politischer Freiheit verstärken. Meines Erachtens gibt es
drei Aufgaben, die unsere Arbeit hier und in den
kommenden Monaten beherrschen sollten: Erstens
die Einleitung von Sofortmaßnahmen, um künftige
humanitäre Notsituationen zu lindern und zu verhindern; zweitens die Konzentration der technischen Hilfe

AMERIKA DIENST 21

zur Unterstützung mikroökonomischer und struktureller Reformen; drittens die Aufnahme von Konsultationen über die Zukunft des Koordinierungsprozeses. Ich
möchte auf jeden dieser Bereiche eingehen.
Die erste Aufgabe - die sofortige Einleitung präventiver Maßnahmen - dient der Minimierung der Risiken
künftiger humanitärer Notlagen. Obwohl unser kollektives Handeln zur Meisterung der Notsituation des
letzten Winters beitrug, sind die Bedingungen in den
neuen unabhängigen Staaten nach wie vor schwierig
und werden zweifellos mit Eintreten der kalten Witterung im nächsten Winter erneut verschärft werden.
Die von den stellvertetenden Vorsitzenden musterhaft
geleiteten Arbeitsgruppen haben hervorragende Arbeit geleistet, um die Bemühungen des vergangenen
Winters zu koordinieren. Insbesondere möchte ich
die stellvertretenden Vorsitzenden aus den Niederlanden und Venezuela zu ihrer hervorragenden Arbeit bei
der Leitung der Energiegruppe beglückwünschen. Ihre
Bemühungen unterstreichen den Wert der Ausdehnung internationaler Koordinierungsanstrengungen auf
ein breites Spektrum von Ländern, von denen jedes
einzigartiges und wertvolles Fachwissen einbringt.
Heute sollten die Arbeitsgruppen jedoch ihren Schwerpunkt im Hinblick auf Maßnahmen verfeinern, die
künftigem Mangel an Waren, Medikamenten, Energie
und Unterkünften vorbeugen können. So müssen wir
etwa im Nahrungsmittelbereich beginnen, diesen Staaten
bei der Bewältigung von Problemen bei Produktion und
Einsatz landwirtschaftlicher Chemikalien zu helfen,
darunter Düngemittel, Pestizide und Herbizide, damit

Seite 1

�sie ihr eigenes landwirtschaftliches Potential voll ausschöpfen können. Im Energiebereich bedeutet dies
die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung
mit Brennstoffen und Strom für Landwirtschaft und
Nahrungsmittelverarbeitung - insbesondere während
der Erntesaison - in allen neuen unabhängigen Staaten und besonders in Armenien und Kirgistan. In der
Medizin bedeutet dies die Beschleunigung unserer
Bemühungen, um zur Schaffung von Märkten zu
ermutigen und wieder eine einheimische Pharmaindustrie aufzubauen.
Es bedeutet darüber hinaus die volle Integration jedes
der neuen unabhängigen Staaten in die Arbeitsgruppen. Diese Einbindung bringt jedoch auch Pflichten mit
sich, und ich muß offen erklären, daß der politische
Wille zur Beteiligung an diesen kollektiven Anstrengungen eingesetzt werden muß, um bürokratische
Hindernisse und die Überreste des Kommandosystems der stalinistischen Ära aus dem Weg zu räumen. So wurde mir zum Beispiel berichtet, daß der
Arbeitsgruppe Energie bei der Durchführung einer
Untersuchung zur Energieausnutzung aus Gründen
der nationalen Sicherheit der Zugang zu einer Raffinerie verweigert wurde. Die internationale Staatengemeinschaft kann denen nicht helfen, die sich selbst
nicht helfen, und das bedeutet, daß wir alle uneingeschränkt miteinander zusammenarbeiten müssen.
Die neuen unabhängigen Staaten haben darüber hinaus die Verantwortung, mikro- und makroökonomische Reformen zu beschleunigen. Die Unterstützung
künftiger Reformen durch konzentrierte und koordinierte technische Hilfe sollte unsere zweite Aufgabe
sein. In Washington sind wir übereingekommen, daß
technische Hilfe eine entscheidende "Brücke" zwischen humanitärer Hilfe und langfristigen makro- und
mikroökonomischen Reformen ist. Jetzt ist es an der
Zeit, diese Brücke zu stärken.
Wir haben die Mitgliedschaft der neuen unabhängigen
Staaten in den internationalen Finanzinstitutionen stets
unterstützt, und wir unterstützen die Bemühungen des
Internationalen Währungsfonds (IWF) voll und ganz,
mit den neuen unabhängigen Staaten bei der Zusammenstellung makroökonomischer Programme zusammenzuarbeiten. Aber die makroökonomische Stabilisierung allein kann die wirtschaftliche Gesundung nicht
garantieren. Sie muß durch mikroökonomische und
strukturelle Veränderungen ergänzt werden. Die neuen
Staaten - unterstützt durch das Know-how der internationalen Staatengemeinschaft - müssen eine energische Politik betreiben, um Wettbewerb, echte Eigentums- und Vertragsrechte, Privatisierung und Entflechtung von Monopolen sowie sektorale Reformen zu
fördern. Diese Maßnahmen werden nicht nur die
Entwicklung freier Märkte fördern und die vvirtschaffliehe Erholung beschleunigen, sondern auch zur Linderung künftiger humanitärer Notsituationen beitragen.
In Energiewesen und Landwirtschaft zum Beispiel
können Marktwirtschaften die Exporterlöse steigern,
Seite 2

die Kosten für Nahrungsmittelimporte senken und
gleichzeitig dringenden Bedarf stillen. Das liegt im
Interesse aller.
Deshalb möchte ich alle Teilnehmer an dieser Konferenz auffordern, ihre technischen Hilfeprogramme zu
verstärken, insbesondere diejenigen - wie unser Peace Corps, Programme von Landwirt zu Landwirt, die
Eurasia-Stiftung und Amerika Häuser-, die Menschen
dort einsetzen können, um den Transfer von Knowhow zu optimieren.
Vorzugsweise sollten wir multilateral arbeiten, wie wir
dies zum Beispiel durch unser Programm für Berater
vor Ort der Arbeitsgruppe tun, die sich mit der Wohnungssituation beschäftigt. Dabei nutzen wir die jeweiligen Stärken der einzelnen Länder sowie deren technisches und regionales Know-how. Ein weiteres Beispiel ist die Entwicklung einer engen Partnerschaft
zwischen uns und der Türkei, um freie Märkte und
Demokratie im Kaukasus und Mittelasien zu fördern,
und mit Israel sondieren wir zur Zeit Ideen zur Förderung der Landwirtschaft in Mittelasien.
Mit dem Ziel der Förderung multilateraler technischer
Hilfe möchte ich drei Initiativen ankündigen, die als
Katalysator für kollektive Maßnahmen auf breiter Basis
dienen sollen.
Erstens schlagen wir eine Multilaterale Initiative für
Reaktorsicherheit vor. Die Gefahren eines neuen
Tschernobyl sind real, und diese Initiative dient dazu,
das Risiko von Unfällen bei Kernreaktoren russischen
Typs zu reduzieren, indem die Sicherheitsmängel der
Reaktoren sobald wie möglich behoben werden. Als
ersten Schritt schlagen wir vor, die bereits existierenden Bemühungen unseres Energieministeriums und
der kerntechnischen Genehmigungsbehörde (Nuclear
Regulatory Commission) auszubauen und zwei Regionale Ausbildungszentren zu gründen - eines in Rußland und eines in der Ukraine. Diese Zentren werden
eine Grundausbildung in Sicherheitsverfahren sowie
Ausrüstung bereitstellen. Das Zentrum in der Ukraine
wird femer computergestützte Simulatoren bieten. Diese
werden allen Staaten der GUS und den baltischen
Staaten offenstehen. Darüber hinaus werden wir ein
Paket zur Verbesserung der Betriebssicherheit und
von Maßnahmen zur Reduzierung von Risiken vorantreiben. Wir hoffen, andere werden sich an diesen
Bemühungen beteiligen, um ein Problem zu bewältigen, das eindeutig globale Dimensionen aufweist, und
wir möchten in den kommenden Wochen mit unseren
Freunden und Verbündeten bei Maßnahmen zusammenarbeiten, die wir gemeinsam unternehmen könnten.
Zweitens schlagen wir ein Multilaterales Programm
zur Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung
vor. Dieses Programm, das auf einer von mir erstmals
mit Bürgermeister Sobtschak aus St. Petersburg erörterten Idee fußt, ist darauf ausgerichtet, durch den

AMERIKA DIENST 21

�Verkauf von den neuen unabhängigen Staaten gespendeten Agrargütern zu Marktpreisen private Märkte zu entwickeln. Wir planen, den erfolgreichen
Bemühungen der Europäischen Gemeinschaft zu folgen und die Erlöse aus dem Verkauf dieser Waren
einzusetzen, um zur Entwicklung von Nahrungsmittelverteilungssystemen beizutragen, Kredite für landwirtschaftliche Betriebe und Privatlandwirte zu vergeben
und das soziale Sicherungsnetz zu stärken. Wir
werden unsere Beteiligung durch die Lieferung von
Nahrungsmitteln in Höhe von 35 Millionen Dollar einleiten. Wir sind bereit, weitere Mittel für ein multilaterales
Vorhaben dieser Art einzusetzen.
Drittens schlagen wir eine Initiative Partner bei der
Konversion der Rüstungsindustrie vor. Diese würde
auf unserer Praxis aufbauen, in wichtigen Städten in
allen GUS-Staaten langfristig Berater bei der Rüstungskonversion vor Ort einzusetzen.
Das Ziel wäre die Beschleunigung der Rüstungskonversion und die Ermutigung zu Investitionen durch
Bereitstellung praktischer Beratung durch Experten
für Regionen, Städte und Unternehmen, die auf zivile
Produktion umgestellt werden. Die Konversion der
Rüstungsindustrie wird für die Freisetzung von Ressourcen für wirtschaftliche Gesundung, Wachstum
und Wohlstand entscheidend sein.
Obwohl wir all diese Initiativen einseitig vorantreiben
werden, ist unser Ziel die Einbeziehung so vieler
internationaler Partner wie möglich. Ich hoffe, andere
werden sich unseren Initiativen anschließen und jede
zu einem wahrhaft multilateralen Vorhaben machen.
Die dritte vor uns liegende Aufgabe ist die Umgestaltung dieses Ad-hoc-Koordinierungsprozesses, der zur
Bewältigung einer kurzfristigen Notlage entwickelt wurde,
zu einem Prozeß, der unserem kollektiven Engagement langfristig dienen kann. Wir müssen Mechanismen entwickeln, um unsere Bemühungen zu koordinieren, besonders im Hinblick auf die weiteren Reformen in den neuen unabhängigen Staaten. Ich möchte
vorschlagen, daß wir zu einem geeigneten Zeitpunkt
die Idee in Erwägung ziehen, Konsultativgruppen oder
-mechanismen ins Leben zu rufen, um Reformen in
den einzelnen Staaten zu unterstützen.
Viele von Ihnen wissen, daß Konsultativgruppen oder
-mechanismen traditionell das Empfängerland oder
die Empfängerländer, wichtige bilaterale Geber und
multilaterale Institutionen wie Weltbank, IWF, regionale Entwicklungsbanken und das Entwicklungsprogramm
der Vereinten Nationen einbeziehen. Sie wurden in
der Vergangenheit von verschiedenen Organisationen, einzelnen Ländern oder einer Kombination von
beiden geleitet und traten für gewöhnlich einmal im
Jahr zusammen. Bisweilen gehört dazu auch eine
Kerngruppe, die häufiger zusammentritt.

AMERIKA DIENST 21

Sicherlich stehen zahlreiche Modelle zur Wahl, und wir
müssen uns nicht starr auf ein bestimmtes Muster
festlegen, um die mannigfaltigen Bedürfnisse der neuen
unabhängigen Staaten in den Griff zu bekommen.
Angesichts der historischen Herausforderung, vor der
wir stehen - die Unterstützung von Reformen in zwölf
Staaten gleichzeitig - sollten wir bereit sein, neue und
innovative Koordinierungsmechanismen zu erwägen.
Wir werden Form und Struktur solcher Gruppen oder
Mechanismen untersuchen müssen, den Grad der
Zusammenarbeit, den sie leisten sollten, die für die
Befriedigung der Bedürfnisse der neuen unabhängigen Staaten wünschenswerte Zahl sowie die Frage,
wer an welchen Gruppen oder Mechanismen beteiligt
sein, ihren Vorsitz führen und wann sie zweckmäßigerweise mit der Unterstützung des Reformprozesses
beginnen sollten.
Meines Erachtens sollten wir Konsultativgruppen oder
-mechanismen einsetzen, um die Hilfe effektiv zu
koordinieren, solide makroökonomische und strukturelle Maßnahmen zu unterstützen und die politische
und wirtschaftliche Koordinierung in diesen Prozeß
einzubeziehen. Zweifellos müssen sich die neuen
unabhängigen Staaten uneingeschränkt an der Entwicklung dieses Prozesses beteiligen, und diese
Mechanismen sollten - zum gegebenen Zeitpunkt - so
eingerichtet werden, daß die einzigartige Situation in
den unabhängigen Staaten berücksichtigt wird. Wir
sollten darüber hinaus ein breites Spektrum bilateraler
und multilateraler Geber zur Beteiligung ermutigen.
Sicherlich sind dies Fragen, die wir hier nicht entscheiden können. Ich gehe jedoch davon aus, daß es
nützlich wäre, wenn diese Konferenz diese Idee gutheißen würde, so daß wir an die Lösung dieser Probleme gehen und die Gruppen oder Mechanismen zu
gegebener Zeit zur Unterstützung des Reformprozesses aktiv werden können.
Bevor ich schließe, möchte ich der Europäischen
Gemeinschaft - insbesondere Portugal - für die Ausrichtung dieser Konferenz danken und unseren japanischen Partnern sagen, daß wir dem nächsten Treffen
in Tokio im Herbst gerne entgegensehen. Ich möchte
darüber hinaus eine weitere Frage erörtern, die anzusprechen ich von Ereignissen gezwungen werde, die
außerhalb der Kontrolle dieser Konferenz liegen.
Wie ich in jüngster Zeit mehrmals erklärt habe, bietet
sich uns - mit dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus - die Chance, in Eurasien einen dauerhaften Frieden zu schaffen, einen auf gemeinsame Werte
gegründeten demokratischen Frieden. Dies ist wirklich eine Chance, wie sie in hundert Jahren nur einmal
auftritt. Aber uns bleibt noch viel Arbeit zu tun, wenn
wir diese Chance zur Realität machen möchten.
Während wir uns zusammenschließen, um unsere
Bemühungen für die Staaten Mittel- und Osteuropas

Seite 3

�zur Überwindung der von Jahren stalinistischer Planung verursachten wirtschaftlichen Verwüstung zu
teilen, liegen noch weitere Hindernisse auf dem Weg.

internationale Staatengemeinschaft sollte diese Barbarei, diesen Affront für unser kollektives Gewissen
nicht länger tolerieren.

In Jugoslawien, in Nagorny-Karabach, in Trans-Dnjester und an anderen Orten Eurasiens schüren jahrhundertealte Animositäten einen tragischen Kreislauf der
Gewalt und führen zur gefährlichen Eskalation von
Konflikten, die auch benachbarte Gebiete erfassen
können. Diese Konflikte verursachen großes menschliches Leid und verschärfen die politischen Spannungen. Sie bedrohen besonders den Reformprozeß und
die Hoffnung auf Demokratie. Während wir uns bemühen, die Wirtschaftshilfe für die neuen unabhängigen
Staaten zu koordinieren, sollten wir die uns hier zur
Verfügung stehende Zeit im Vorgriff auf unsere Bemühungen nutzen, politische Lösungen für diese Konflikte
zu finden.

Ich fordere deshalb jeden Staat und jede Organisation
bei dieser Konferenz auf, allen ihnen zur Verfügung
stehenden Einfluß aufzubieten, um bewußt zu machen, daß Aggression ihren Preis hat und daß die Welt
sicheres Geleit für humanitäre Konvois sowie die
unverzügliche Öffnung des Flughafens von Sarajevo
fordert. Ich fordere jeden Staat und jede Organisation
bei dieser Konferenz auf, sich in einer kollektiven
Anstrengung zusammenzuschließen, um unseren
politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Einfluß zu mobilisieren und klarzustellen, daß die Blockade des Friedens und die Terrorisierung unschuldiger
Menschen ihren Preis hat. Verehrte Ministerkollegen,
mein Grundtenor lautet folgendermaßen: Wir sollten
einen humanitären Alptraum im Herzen Europas nicht
In Jugoslawien ist jeder Versuch zum Frieden blockiert akzeptieren.
worden, und wir werden heute Zeugen menschlichen
Leids in schrecklichem und massivem Umfang. Die

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 21

�USA

-

DEUTSCHLAND
27. Mai 1992

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN:
DAS FUNDAMENT DER NÄCHSTEN VIERZIG JAHRE
Rede von Botschafter Kimmitt bei der Atlantik-Brücke
HAMBURG - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede, die der amerikanische Botschafter in der
Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 25. Mai 1992 bei einer Konferenz anläßlich des 40jährigen
Bestehens der Atlantik-Brücke in Hamburg gehalten hat. Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Staatsminister Schäfer,
Herr Leisler Kiep,
Frau Dr. Linde mann,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
Es ist mir eine große Ehre, an den Feierlichkeiten zum
vierzigsten Jahrestag der Atlantik-Brücke und später
an der Ehrung von Henry Kissinger hier in Hamburg
teilnehmen zu können. In Anerkennung des wesentlichen Beitrags Ihrer Organisation zum transatlantischen Verständnis habe ich im vergangenen September das Bonner Büro der Atlantik-Brücke als Ort für
meine erste Rede als Botschafter gewählt. Heute
möchte ich Sie nicht nur zu Ihrer bisher geleisteten
ausgezeichneten Arbeit beglückwünschen, sondern
auch einige Gedanken zu unseren gemeinsamen
Aufgaben in den kommenden Jahren darlegen.
Das neue Zeitalter erfordert neue konzeptionelle Ansätze,
neue Koalitionen, neue Partnerschaften.
Bevor ich mich dem ersten Thema zuwende, möchte
ich kurz Rückschau auf die Welt in der Zeit halten, als
die Atlantik-Brücke im Mai 1952 ins Leben gerufen
wurde.
Rückblick-Mai 1952
Diese Zeiten waren die dunklen Anfangstage des
kalten Kriegs, eine Periode, in der sich die Teilung
Europas und Deutschlands verfestigte. Im Mai 1952
veröffentlichte die Zeitschrift Life einen von John Foster
Dulles verfaßten, höchst umstrittenen Artikel, in dem
Dulles den kalten Krieg nicht als einen rein wirtschaftlichen oder politischen, sondern als vornehmlich moralischen Kampf definierte. Die Frontlinien waren gezogen.
AMERIKA DIENST 21

Im Zentrum des Konflikts lag Deutschland - sein Territorium ein potentielles Schlachtfeld, sein Schicksal
beherrscht von der Konfrontation der Supermächte.
Da die Sicherheit der freien Welt auf dem Spiel stand,
wurden die Vereinigten Staaten zur Schutzmacht für
Deutschland. Der ideologische Kampf des kalten
Kriegs war real, in der Tat tödlich, aber gleichzeitig
unnormal und künstlich wie die innerdeutsche Grenze
und die Berliner Mauer. Im Lauf der Geschichte
erwiesen sich dieser Kampf und seine künstlichen
Gebilde als vergänglich. Die Geschichte hielt große
Überraschungen bereit - insbesondere das annus mirabilis 1989. Um einen amerikanischen Historiker zu
zitieren: "Als die Nationen Westeuropas 1989 die
Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution
begingen, wurde sie von den Nationen Osteuropas
wiederholt."
Als im November 1989 die Mauer und mit ihr der
Eiserne Vorhang fiel, reagierten die Vereinigten Staaten und die Amerikaner mit großer Freude. Wir jubelten über den Fall der barbarischen Schranken und
später über die Vereinigung Deutschlands. Obwohl
wir uns jedoch der Tatsache bewußt sind, daß Europa
heute in sicherheitspolitischer Hinsicht sicherer ist als
je zuvor in der Nachkriegszeit, gaben wir uns keinen
Illusionen hin. Wir wußten, daß das Ende des kalten
Kriegs kein Zeitalter ewigen Friedens eingeläutet hatte. In der anbrechenden neuen Ära konnten wir jedoch
ebenfalls auf einen moralischen Kompaß und ein
institutionelles Fundament zurückgreifen. Etablierte
Institutionen erhielten neue Bedeutung wie die NATO
und die EG im öffentlichen und die Atlantik-Brücke im
privaten Bereich.

Seite 1

�Während des kalten Kriegs bildeten sicherheitspolitische Probleme den Schwerpunkt der transatlantischen
Partnerschaft. Die Konzentration auf diese Fragen
war verständlich, erfolgte jedoch gelegentlich auf Kosten
des menschlichen Aspekts. Glücklicherweise machten sich weitblickende Protagonisten wie Senator William
Fulbright an die Arbeit, unsere Gesellschaften auf der
menschlichen Ebene zu verknüpfen. Er setzte seine
Hoffnungen für die Zukunft in Menschen statt in die
Politik. Er war überzeugt, daß persönliche Bindungen
der Schlüssel zu vertieftem Verständnis und Bereicherung der internationalen Beziehungen sind. Im Frühjahr vor 40 Jahren rief er das nach ihm benannte
Austauschprogramm ins Leben. Dank des FulbrightProgramms konnten rund 25.000 Deutsche und
Amerikaner im jeweils anderen Land studieren und
unsere verbindenden gemeinsamen Werte aus erster
Hand kennenlernen.
Senator Fulbright war nicht allein. 1952 trug auch Eric
Warburg, der vor dem Naziregime in die Vereinigten
Staaten geflohen war, zur Gründung der AtlantikBrücke als Mittel zur Vertiefung der deutsch-amerikanischen Bindungen und Verbesserung des bilateralen
Verständnisses bei. Bundespräsident von Weizsäkker erklärte später, Warburg "verkörperte in seiner
Person die Brücke über den Atlantik". Diese Vision hat
noch heute Bestand - in amerikanischen Staatsmännern wie Henry Kissinger und in solchen Programmen
der Atlantik-Brücke wie "Junge Führungskräfte".
Die Beispiele von Fulbright und Warburg führen uns
vor Augen, daß die Nachkriegsgeneration von Führungskräften außergewöhnlich war. John J. McCIoy,
ein Mitglied dieses Elitekorps, sprach sogar von einem
"perikleischen Zeitalter". Auf beiden Seiten des Atlantiks übernahmen die Führungskräfte die enorme Verantwortung für den Wiederaufbau Europas und den
Schutz der Freihheit. Der Marshallplan und die NATO,
"zwei Hälften derselben Walnuß", wie Präsident Truman es formulierte, verkörperten in konkreter Form
das amerikanische Engagement für Europa. Mit der
Zeit florierten die westlichen Volkswirtschaften und die
Freiheit gedieh. Die besiegten ehemaligen Gegner
traten wieder der internationalen Staatengemeinschaft
bei. Im Hinblick auf die deutsch-amerikanischen Bindungen veränderte sich das Fundament der Beziehungen von Fürsorge zu Partnerschaft - from patronage to
partnership - und brachte dadurch einen der größten
Erfolge der Nachkriegszeit hervor.
Partner in der Führung
Die deutsch-amerikanische bilaterale Partnerschaft ist
an Bedeutung unübertroffen, und mein Ziel besteht
darin, sie jeden Tag stärker zu machen. Wir sind uns
jedoch der Bedeutung Europas klar bewu ßt, sowohl für
Deutschland als auch für die Vereinigten S'.aaten. Aus
diesem Grund stärken wir unsere Bindungen zu ueutschland und lehnen eine "Nullsummenanalyse" entschlos-

Seite 2

sen ab, die vorgibt, wir könnten dies nur auf Kosten der
Beziehungen zu anderen Ländern - insbesondere in
Europa - bewirken. Wir versuchen ebenso wie Sie,
auch diese Beziehungen zu verbessern.
Am 3. Oktober letzten Jahres besuchte ich Hamburg,
um an den Feiern zum ersten Jahrestag der deutschen
Einheit teilzunehmen. Ich kann mich lebhaft an die im
Stadtzentrum wehenden Fahnen erinnern. Die Flaggen, immer als Trio - die der Stadt Hamburg, der
vereinigten deutschen Nation und der Europäischen
Gemeinschaft - symbolisierten die Perspektiven der
Deutschen für heute und morgen.
Selbst wenn wir daher unsere bilateralen Bindungen
zu Deutschland betonen, tun wir dies im umfassenderen europäischen Kontext. Bei der Begrüßung von
Bundespräsident von Weizsäcker im Weißen Haus
stellte Präsident Bush im vergangenen Monat fest:
"Sie sind unser Partner beim Aufbau eines geeinteren
und kooperativeren Europas, und in diesem Geiste
begrü ßen wir das deutsche Engagement für internationale Angelegenheiten uneingeschränkt". Starke bilaterale Beziehungen stehen voll und ganz im Einklang
mit Fortschritten zu einem geeinteren Europa, einem
Ziel, das die Vereinigten Staaten über Jahre hinweg
konsequent unterstützt haben.
Präsident Bush ging auch auf die Entwicklung unserer
bilateralen Beziehungen ein und sprach von Deutschland als "einst unser Gegner, jetzt unser enger Freund
und Partner in der Führung". Präsident Bush hat auf
Deutschland als Amerikas Partner in der Führung
erstmals in einer prophetischen Rede vor drei Jahren
in Mainz verwiesen. Damals wurde diese Geste von
der deutschen Öffentlichkeit herzlich aufgenommen.
Sie wurde von vielen jedoch mehr als Bestätigung für
die erreichte Gleichberechtigung in den bilateralen
Beziehungen gesehen als ein Ruf nach konzertierter
Aktion.
In der Tat war die Mainzer Rede beides. Sie war ein
Wegweiser für die darauffolgenden tumultartigen Zeiten. Nachdem wir jedoch in diesem Frühjahr ein
wirkliches Erdbeben in Bonn überlebt haben, kann ich
mit gewisser Berechtigung sagen, daß die Vereinigung
Deutschlands ein politisches Erdbeben war. Sie war
ein Ziel, das wir über Jahre hinweg uneingeschränkt
und konsequent unterstützt hatten, aber ihr Tempo
war überraschend für uns, für Sie und Ihre Nachbarländer. Die amerikanische Reaktion war jedoch unmißverständlich und vielleicht einzigartig: Wir unterstützten die Vereinigung Deutschlands von Anfang an
uneingeschränkt und ohne zu zögern.
Das Konzept der deutsch-amerikanischen Partnerschaft ist ein natürliches, weil es auf einem breiten
Fundament gemeinsamer Werte ruht: Demokratie,
Prinzipien der freien Marktwirtschaft, Achtung der Rechte
des einzelnen und Rechtsstaatlichkeit sowie Bereit-

AMERIKA DIENST 21

�schaft, den Bedürftigen die Hand zu reichen. Darüber
hinaus haben mehr als ein Viertel aller Amerikaner
deutsche Vorfahren. Die Partnerschaft hat daher tiefe
Wurzeln.
Eine Partnerschaft bringt Menschen mit der gleichen
Sichtweise und Orientierung zusammen, die die
Wahrscheinlichkeit ihres Erfolgs durch die Bündelung
ihrer Ressourcen verbessern wollen. Es wird Meinungsverschiedenheiten geben, die sich jedoch auf
die Mittel und Taktiken beschränken. Es wäre in der
Tat nützlich, wenn solche Differenzen in einer Partnerschaft nie an die Oberfläche kämen - sei es in einer
Rechtsanwaltskanzlei, einer Ehe oder einer bilateralen
Beziehung. Sie stellen nicht die zugrundeliegenden
Ziele in Frage, sondern verweisen schlicht und einfach
auf die Notwendigkeit besserer Kommunikation.
Das Ideal ist nicht so sehr 10Oprozentige Übereinstimmung wie 100prozentige Konsultation. Diese häufig
verschwommene Unterscheidung ist ausschlaggebend.
Wo es Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik gab,

erstreckten sie sich auf die Mittel, und nicht auf die
Ziele.
Aussichten für die Führungsrolle
Deutschland muß - und sollte - nicht zögern, eine
Führungsrolle zu übernehmen. Zweifelsohne gibt
diese Aussicht in den Köpfen mancher Leute Anlaß zur
Sorge. Einige dieser Sorgen beziehen sich auf den
Begriff "Führung", der infolge derdeutschen Geschichte einen Beiklang hat, der dem Wort "leadership" für
uns nicht anhaftet. Führung bedeutet nicht "Herrschaft" oder Hegemonie. Sie bedeutet das Ergreifen
der Initiative bei gemeinsamen Interessen und anderen ein Beispiel zu geben, dem sie folgen können.
Hitlers Streben nach Übermacht hat zu Recht Deutschlands aggressiven Alleingang diskreditiert. Es sollte
jedoch nicht auf immer die deutsche Entschlossenheit
ersticken, in einem kollektiven Rahmen gemeinsamer
Werte und vereinbarter Ziele die Führungsrolle zu
übernehmen. Wieder einmal, und nicht zum ersten
Mal, ist Deutschland vereinigt und mächtig. Neu in der
Weltgeschichte ist, daß Deutschland auf einem soliden demokratischen Fundament vereinigt ist - eine
vielversprechende Tatsache für Deutschlands Rolle in
der Weltpolitik.
Partnerschaft in der Führung bedeutet keine Partnerschaft, in der wir uns aneinanderklammern. Wenn
dem Konzept Erfolg beschieden sein soll, muß man
sich vor Augen führen, daß Partner ihre individuellen
Bedürfnisse und Prioritäten ebenso wie ihre Grenzen
haben. Deutschland wird weiterhin seine eigene,
einzigartige geopolitische Lage haben, sein eigenes
innereuropäisches Programm und besondere bilaterale Beziehungen beispielsweise zu Frankreich und Polen
unterhalten.

AMERIKA DIENST 21

Führung erfordert ein Engagement für kollektives
Handeln. Einige politische Entscheidungsträger müssen
von anderen unterstützt werden, um gemeinsame
Ziele zu verwirklichen. Wenn wir Deutschland ermutigen , mit uns Partner in der Führung zu sein, tun wir dies
in der Überzeugung, daß Deutschland diese Rolle
primär als stolzes und verantwortungsbewußtes Mitglied multilateraler Organisationen wie der NATO, der
Europäischen Gemeinschaft und der Vereinten Nationen ausfüllen wird. Kollektives Handeln zur Erlangung
gemeinsamer Ziele - das ist Partnerschaft, das ist
Führung in der neuen Welt von heute.
Bei einer unserer größten Herausforderungen - der
Hilfe für die aus dem ehemaligen Sowjetblock entstandenen Staaten - blicken wir auf Deutschland als wichtigen Partner bei dem Vorhaben, das Außenminister
Baker als Politik des "kollektiven Engagements" bezeichnet hat. Wir planen, mit Deutschland eng zusammenzuarbeiten, indem wir Pflichten koordinieren und
teilen. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich feststellen, wie sehr wir die bisherigen deutschen Bemühungen anerkennen. Deutschlands Beiträge sind groß,
wichtig und werden sehr geschätzt.
Wir teilen auch Deutschlands Gefühl der Dringlichkeit
in bezug auf die Bedürfnisse der neuen Nationen.
Gleichzeitig bin ich enttäuscht über den fälschlich
entstandenen Eindruck, die Vereinigten Staaten setzten ihr Gewicht nicht genügend ein. Die Tatsachen
sprechen eine andere Sprache.
Trotz Haushaltsengpässen haben die Vereinigten Staaten seit 1990 den neuen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion über 7 Milliarden Dollar an Hilfe gewährt oder zugesagt. In Zusammenarbeit mit Deutschland haben wir die Grundlage für ein internationales Wissenschaftszentrum in Rußland und in der Ukraine geschaffen,
um das Problem der Abwanderung von Wissenschaftlern in den Griff zu bekommen. Bei der
Washingtoner Koordinierungskonferenz haben
wir uns gemeinsam mit unseren Verbündeten
darum bemüht, unsere Hilfe durch Koordinierung effektiver zu gestalten. Später unternahmen wir massive Bemühungen im Rahmen der
Aktion Hoffnung, um dringende humanitäre
Bedürfnisse zu erfüllen.
Bei der Lissaboner Konferenz des vergangenen
Wochenendes kamen 63 Länder zusammen,
um weitere Hilfsmaßnahmen für die ehemalige
Sowjetunion zu erörtern. Außenminister Baker
kündigte eine Initiative zur Verbesserung der
Betriebssicherheit sowjetischer Kernkraftwerke
in Eurasien an. Als Teil dieses Pakets sagte er
25 Millionen Dollar zu.
Präsident Bush gab vergangenen Monat unsere
Unterstützung für das multilaterale makroökonomische Hilfspaket der G-7 bekannt, deren

Seite 3

�Vorsitz dieses Jahr die Bundesrepublik Deutschland innehat. Dieses 24-Milliarden-Dollar-Paket, zu dem die Vereinigten Staaten 25 Prozent
beitragen werden, hilft den eurasischen Republiken, ihre Volkswirtschaften zu stabilisieren,
die Inflation unter Kontrolle zu bringen und den
Weg für Wachstum und Entwicklung zu bereiten. Präsident Bush hat darüber hinaus kürzlich
das "Freedom Support Act" vorgeschlagen, einen
umfassenden Rahmen zur Bewältigung der
militärischen, politischen und wirtschaftlichen
Probleme Rußlands und Eurasiens.
Darüber hinaus sollten wir nationale Bestrebungen
nicht zu eng fassen. Wir sollten auch den amerikanischen Beitrag zur gemeinsamen Verteidigung in Betracht ziehen - in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Um ihre NATO-Verpflichtungen zu erfüllen, haben die
Vereinigten Staaten Hunderte Milliarden von Dollar
aufgewendet, und sie werden in der Zukunft weitere
Milliarden dafür aufbringen.
Die vor uns Hegenden Aufgaben und Chancen
Wenn wir uns den bevorstehenden Aufgaben stellen,
müssen wir uns des Sprichworts erinnern: "Es ist in
Ordnung, Fehler zu machen, solange es nicht die
falschen sind." Fürdie Vereinigten Staaten wäre es ein
fataler Fehler, der Welt den Rücken zuzukehren, sich
von internationalen Verpflichtungen hinter nationale
Schranken zurückzuziehen. Weltweite Interdependenz ist mehr als ein Klischee; sie ist eine Tatsache
des internationalen Lebens in unserer Zeit.
Professor Goldman wird später über die andere Seite
der transatlantische Brücke sprechen, über die politische Szene in Amerika. Er wird zweifellos unsere
innenpolitische Situation ansprechen. Wenn ich dazu
einige Beobachtungen beitragen darf, so würde ich
einen Aspekt der amerikanischen Präsidentschaftsvorwahlen dieses Frühjahrs betonen - nämlich, daß
das amerikanische Volk sowohl dem Isolationismus
als auch dem Protektionismus entsagt hat. Ebenso
wie Deutschland aus seinen furchtbaren Erfahrungen
in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gelernt hat,
gilt dasselbe auch für die Vereinigten Staaten.

In den kommenden Jahren müssen wir die Lehren der
Geschichte anwenden. Wir müssen weiterhin den
Sackgassen von Isolationismus und Protektionismus
widerstehen. Natürlich müssen wir im Inland stark und
einig sein, wenn wir im Ausland aktiv und zur Führung
in der Lage sein möchten. Aber auch der Umkehrschluß trifft zu. In einer von militärischer und wirtschaftlicher Kriegführung zerrissenen feindseligen Weit
werden wir unfähig sein, die von uns angestrebte
Gesellschaft im Inland zu errichten.
Heute morgen hatte ich die Gelegenheit, in Bonn mit
Teilnehmern des Austauschprogramms Kongreß/
Bundestag zusammenzutreffen. Es richtet sich an

Seite 4

Studenten und junge Berufstätige und stellt Stipendien
und Gastfamilien im jeweiligen Partnerland zur Verfügung. Über 5.000 Deutsche und Amerikaner haben
seit seiner Gründung vor nahezu zehn Jahren davon
profitiert. Wir beginnen jetzt, die Auswirkungen dieses
Programms zu sehen, da sich zahlreiche ehemalige
Teilnehmer heute um Fulbright- und andere Stipendien bewerben, um ihr Verständnis des anderen Landes zu vertiefen und sich auf Führungspositionen in
beiden Ländern vorzubereiten.
Zweifellos sind das Austauschprogramm Kongreß/
Bundestag, das Fulbright-Programm, der Deutsche
Akademische Austauschdienst, das deutsch-amerikanische Partnerschaftsprogramm, und andere staatlich geförderte Bestrebungen für die Kommunikation
zwischen unseren beiden Ländern von entscheidender Bedeutung. Die Schaffung direkter persönlicher
Beziehungen ist der "Wachstumsmarkt" unserer Arbeit, denn nichts kann überzeugender sein als solche
authentischen Erfahrungen.
Trotzdem haben diese offiziellen Programme nur einen kleinen Anteil an den gesamten persönlichen
Kontakten. Weit mehr ist als Ergebnis von Privatinitiativen und individueller Kreativität geschehen. Gerade
im kulturellen, zwischenmenschlichen Bereich hat die
Atlantik-Brücke einige ihrer bemerkenswertesten Beiträge geleistet, und dort müssen wir in Zukunft einen
Teil unserer Energien bündeln.
"Was zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa erforderlich ist", so schrieb Dr. Kissinger unlängst, "ist nicht mehr Struktur, sondern etwas nicht
greifbares, wie die besonderen Beziehungen, die immer
zwischen Amerika und Großbritannien bestanden
haben." Im Hinblick auf die deutsch-amerikanischen
Beziehungen ist die institutionelle Struktur in der Tat
bereits vorhanden. Durch die Erleichterung persönlicher Kontakte tragen Austauschprogramme dazu bei,
die menschliche Dimension einzubringen, die den
Kern jeder besonderen Beziehung bildet. Und wir
anerkennen die Bedeutung der Einrichtung und des
Ausbaus solcher Programme in den neuen Bundesländern, denen wir deshalb Priorität eingeräumt haben.
Schlußbemerkungen
Zusammenfassend gestatten Sie mir bitte, eine Geschichte über einen berühmten geistreichen Berliner
zu zitieren, der ein Doppelabteil in einem überfüllten
Schlafwagen bezahlt hatte. Einer der übrigen Passagiere, der keine Reservierung hatte, wandte sich an ihn
und erklärte, er werde jeden Betrag zahlen, um das
Abteil zu teilen. Der Berliner erwiderte postwendend:
"Vielleicht. Aber lassen Sie mich das erst einmal
überschlafen." Bei dem Versuch, den Frieden nach
dem kalten Krieg zu sichern, können wir uns nicht den
Luxus leisten, die Sache zu überschlafen, die schwie-

AMERIKA DIENST 21

�rigen Fragen der Zukunft mit Muße zu überdenken.
Wenn wir nicht die Zukunft gestalten, wird sie uns
gestalten.

Freiheit retteten. Dieser Ausbruch an Kreativität ist
einer der strahlendsten Momente der amerikanischen
Geschichte."

Die atlantische Brücke war von großartigen Erfolgen
gekennzeichnet. Wir sind heute hier versammelt, um
diesen Erfolg zu feiern. Gleichzeitig wird die Brücke in
den kommenden Jahren mehr Verkehr tragen und
deshalb, wie der Bundeskanzler gerne sagt, braucht
sie neue Fahrspuren. Wir sollten den stärkeren Verkehr begrüßen, denn er wird nicht nur den Interessen
der Vereinigten Staaten und Deutschlands dienen,
sondern der ganzen freien Welt.

Wieder einmal ist die Welt an einem Wendepunkt
angelangt, einem Punkt, der neue Kreativität und
Führungskraft in Deutschland und Europa ebenso wie
in den Vereinigten Staaten erfordert. Die "Chancen
der Freiheit" stehen auf dem Spiel. Für Amerikaner
und Europäer ist das Ziel klar: zusammenzuarbeiten
und die Segnungen, derer wir uns erfreuen, in ganz
Europa und darüber hinaus zu verbreiten. Wenn wir
danach trachten, anderen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben,
stärken wir damit unsere Länder und Völker sowie die
Bande, die uns so eng miteinander verbinden.

Heute sind wir mit einer Situation konfrontiert, die der
Deutschlands vor fünfundvierzig Jahren ähnelt. Der
Krieg ist vorbei; jetzt ist die Zeit des Wiederaufbaus
gekommen. In seinen Memoiren würdigt Dr. Kissinger
die Nachkriegsgeneration amerikanischer Politiker, die
durch ihr Engagement für Europa "die Chancen der

Wie der ehemalige Außenminister Genscher - von
Verteidigungsminister Rühe in seiner Abschiedsansprache für Genscher vergangene Woche zitiert - zu
sagen pflegte: "Es kann uns nicht gut gehen, wenn es
anderen schlecht geht."
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

*

AMERIKA DIENST 21

* * *

*

Seite 5

�KSZE
27. Mai 1992

KONSOLIDIERUNG DER DEMOKRATIE
PRIORITÄT DES NEUEN EUROPAS
Rede von Paula Dobriansky bei KSZE
HELSINKI - (AD) - Der Konsolidierung von Demokratie und marktorientierten Volkswirtschaften in Mittel- und
Osteuropa sowie der ehemaligen Sowjetunion muß derzeit absolute Priorität eingeräumt werden. Dies erklärte
die Leiterin der Abteilung für Politik und Programme des US-Informationsamts, Paula Dobriansky, am 20. Mai
1992 in einer Rede vor der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki.
Dabei verwies Dobriansky darauf, daß sich die Hilfe für diese Länder auf fünf Eckpfeiler gründen mu ß, und zwar
"die Struktur der Regierung selbst... eine faire und unabhängige Justiz ... Bildung ... freie und unabhängige
Medien ... (sowie) Wirtschaftswachstum und Wohlstand".
Die amerikanische Politik unterstreiche "die Ernsthaftigkeit unserer Entschlossenheit und unseres Engagements
zur Förderung einer Gemeinschaft freier und demokratischer Nationen, die sich der Rechtsstaatlichkeit und dem
Schutz der Menschenrechte im In- und Ausland verschrieben haben," erklärte Dobriansky.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Paula Dobriansky im Wortlaut.

Ich bin geehrt, vor dieser Konferenz über eine Frage zu
sprechen, der von der amerikanischen Regierung
absolute Priorität eingeräumt wird: die Konsolidierung
von Demokratie und marktorientierten Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa sowie der ehemaligen
Sowjetunion.
Angesichts der einzigartigen und außergewöhnlichen
Rolle, die die KSZE seit 1975 bei Überwachung und
Ausbau der Menschenrechte sowie der Förderung
demokratischer Ziele im Ausland gespielt hat, ist es
angebracht, daß ich heute hier Strategien zur Unterstützung der demokratischen Revolution erörtere.
Epochale Dokumente wie die - in dieser Stadt unterzeichnete - KSZE-Schlußakte und Schlußdokumente
der Wiener Folgekonferenz, der Bonner Wirtschaftskonferenz und des Kopenhagener Treffens über die
menschliche Dimension haben Maßstäbe gesetzt, an
denen die Bilanz der KSZE-Mitgliedstaaten im Bereich
der Menschenrechte gemessen wird. Zusammengenommen definieren diese durch den Konsens aller
KSZE-Mitgliedstaaten zustandegekommenen Dokumente die grundlegenden Elemente eines demokratischen Fundaments.
Angesichts der geostrategischen Umgestaltung der
europäischen politischen Landschaft hat sich die Rolle
der KSZE erstaunlicherweise noch erweitert. Dokumente der KSZE liefern weiterhin wichtige Parameter
AMERIKA DIENST 21

über das Verhalten der Länder im Bereich der Menschenrechte, aber zusätzlich wurden KSZE-Institutionen gegründet, die als multilaterale Clearingstellen
dienen und zur Entwicklung demokratischer Institutionen und Prozesse beitragen sollen. Wie Sie wissen,
hat die KSZE neue Herausforderungen angenommen,
die sich aus den neuen Realitäten wie freie Wahlen,
Konfliktbewältigung und parlamentarische Verfahren
ergeben.
Der kalte Krieg ist vorbei. Unsere Aufgabe besteht
heute darin, vordem existierende regionale politische,
wirtschaftliche und soziale Unterschiede auszugleichen, zur Schaffung demokratischer Gesellschaften
beizutragen und in diesen Rechtsstaatlichkeit zu fördern, die Gerechtigkeit und Zivilcourage hervorbringt
sowie Menschenrechte und Freiheiten schützt. Wir
betrachten unsere Zukunft als unauflöslich mit der
Zukunft der Demokratie im neuen Europa verbunden.
Meine Institution, das Informationsamt der Vereinigten
Staaten von Amerika (USIA), engagiert sich voll und
ganz für den Aufbau von Demokratie und Marktwirtschaften in Übersee. Das USIA hat bereits über 40
Jahre lang demokratische Werte erläutert und unterstützt. Das USIA setzt diese Tradition durch die aktive
Förderung des Austauschs von Informationen und
Menschen im Hinblick auf Fragen wie Selbstregierung,
Rechtsstaatlichkeit, freie Medien und freie Märkte fort.
Seite 1

�Der Auftrag des USIA umfaßt drei Aspekte: a) einem
internationalen Publikum überzeugend die Außenpolitik der amerikanischen Regierung zu erläutern, b) ein
Bild des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und
gesellschaftlichen Lebens in Amerika zu vermitteln
und c) Programme zur Unterstützung von Demokratie
und Marktwirtschaft zu erarbeiten. Wir bemühen uns,
diese Ziele durch die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten des USIA zu erlangen, darunter Vortragsreisen, Publikationen, Rundfunksendungen der
Voice of America (VOA), Fernsehsendungen des
Worldnet, akademischer und kultureller Austausch
und Stipendien, Informationsveranstaltungen für ausländische Journalisten, Ausstellungen, internationale
Besucherprogramme sowie die Veröffentlichung eines
täglichen Bulletins mit Artikeln, Dokumenten und
Redetexten.
Aber was haben wir konzeptionell und praktisch diesen
Ländern zu bieten, die sich im Übergang zur Demokratie befinden? Was wir ihnen bieten können - mit
unseren Plänen, Ideen und unserer Erfahrung sowie
unserer konkreten Hilfe - ist, zur Konsolidierung der
institutionellen Grundlagen der modernen Demokratie
beizutragen. Unseres Erachtens ruht dieses Fundament auf fünf Eckpfeilern, die den Schwerpunkt unserer technischen Hilfe bilden.
Der erste Eckpfeiler ist die Struktur der Regierung
selbst. Es ist einfacher, die Ideale der Demokratie zu
loben als eine funktionsfähige, dauerhafte demokratische Regierung aufzubauen. Demokratie bedeutet in
der Tat mehr als den einmaligen Sturz eines tyrannischen Regimes oder auch eine oder zwei demokratische Wahlen. Wir unterstützen Formen begrenzter
Regierung, die individuelle Freiheiten garantieren. Wir
betrachten diese Freiheiten nicht als Geschenk der
Regierung, sondern als Grundrechte, die von verfassungsmäßigen Kontrollmechanismen geschützt sind,
die Machtmißbrauch verhindern. Um zur Entwicklung
gut funktionierender begrenzter Regierung beizutragen, haben wir Programme, die sich mit parlamentarischen Verfahrensweisen, Wahlen, Gemeindeverwaltung und politischen Organisationen beschäftigen.
Der zweite institutionelle Eckpfeiler der Demokratie ist
eine faire und unabhängige Justiz. Dem einzelnen
muß in einer demokratischen Gesellschaft wirtschaftliche und politische Gerechtigkeit zuteil werden. Es ist
in der Tat die Justiz, die die Grundlage dieser Gesellschaften von totalitären Edikten zur Rechtsstaatlichkeit verschiebt. Im Rahmen eines besonderen Programms (professionals-in-residence) entsenden wir
Richter, Rechtsanwälte und Juraprofessoren nach
Übersee, um beim Entwurf von Verfassungen und
Justizreformen tätig zu werden, rechtsstaatliche Verfahren, Verwaltungs-, Straf- und Verfassungsrecht zu
erörtern.

Seite 2

Der dritte Eckpfeiler jeder Demokratie ist Bildung.
Durch Forschungsstipendien, das USIA-Lehrbuchprogramm und Austauschprogramme von Dozenten und
Studenten versuchen wir, eine umfassende Ausbildung in Geisteswissenschaften zu fördern, die unabhängiges, kreatives Denken und Selbstvertrauen anstelle
eines formellen, starren Ausbildungsssystems der
Indoktrinierung und Abhängigkeit ermutigt.
Viertens sind freie und unabhängige Medien der Nerv
einer demokratischen Gesellschaft. Demokratische
Gesellschaften sprechen praktisch per definitionem
mit vielen Stimmen. Zusammen mit westlichen privaten Medien strebt USIA die Schaffung unabhängiger
Medieninstitutionen für Nachrichten, Information und
Meinungsbildung in aufstrebenden Demokratien an.
Wir haben ausländische Journalisten in die Vereinigten Staaten zur Beobachtung unserer Medienpraktiken eingeladen und Experten in Journalismus und
Kommunikationswesen ins Ausland zur Durchführung
von Workshops entsandt. Darüber hinaus werden wir
in Kürze an einem Freien Medienseminar der KSZE
teilnehmen, zu dem unsere Delegation weitere Einzelheiten vorlegt. Dieses Seminar wird vom Büro für
demokratische Institutionen und Menschenrechte
organisiert.
Der fünfte Eckpfeiler der Demokratie ist Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Wir sehen eine untrennbare Verbindung zwischen Demokratie, Wirtschaftswachstum und Wohlstand. Unseres Erachtens bietet ein
demokratisches politisches System mit seinem demokratischen Unterbau des freien Unternehmertums die
besten Aussichten für wirtschaftliche Entwicklung. Über
das VOA-Radioprogramm "Democracy in Action:
Economics" und USIA-Publikationen erörtern wir das

Konzept freier Marktwirtschaften und geben konkrete
Beispiele für deren erfolgreiche Anwendung.
Unsere Hilfsbestrebungen konzentrieren sich konkret
auf die Förderung dieser fünf Eckpfeiler. Wir können
jedoch keine Patentrezepte für Demokratie vorschreiben und tun dies auch nicht. Der Hauptgrund hierfür ist
nicht nur Bescheidenheit. Wie bereits schon zahlreiche Politologen erkannt haben, muß ein Einklang
zwischen dem politischen System eines Landes und
seiner Kultur, Geographie und Geschichte bestehen.
Demokratie kann nicht unmittelbar von einem Land auf
ein anderes übertragen werden.
Bei der Förderung dieser Grundsätze muß man sich
darüber hinaus vor Augen führen, daß diese Aufgabe
nicht allein die Domäne der Regierungen ist - wir haben
kein Monopol auf demokratische Werte. Der Privatsektor muß ebenfalls eine Schlüsselrolle spielen. Jeden
Tag höre ich von neuen Programmen, die von privaten
Gruppen, Stiftungen, Organisationen und selbst Einzelpersonen durchgeführt werden, die ohne staatliche
Unterstützung Fortschritte erzielen. Symbolisch und

AMERIKA DIENST 21

�praktisch gesehen sind Programme des Privatsektors
ein äußerst wichtiges, sogar entscheidendes Element
der Bestrebungen zur Förderung und Konsolidierung
von Demokratie. Denn es ist die bürgerliche Gesellschaft, die demonstriert, daß Demokratie nicht von
Regierungen gewährt, sondern durch die Bestrebungen ihrer Bürger unterstützt und bewahrt wird.
Welche Art von praxisorientierten Programmen wurden angesichts der veränderten politischen Landschaft
in Europa vom US-Informationsamt entwickelt? Im
folgenden einige Beispiele:
Im Rahmen ihres Rundfunkprogramms "Making
Democracy Work" veranstaltet VOA Sendungen mit Regierungsvertretern, Journalisten,
Bürgermeistern, Unternehmern und anderen
wichtigen Gesprächspartnern.
Die Veröffentlichung von zwei in 34 Sprachen
übersetzten Broschüren mit dem Titel "What is
Democracy?" und "What is a Free Market Economy?".
Ein Buchübersetzungsprogramm, mit dem Bücher
über amerikanische Geschichte, Wirtschaft,
Leben und Institutionen, Wirtschafts- und Unternehmenstechniken in mehreren Sprachen
herausgegeben werden, unter anderem so
bekannte Werke wie "Democracy in America"
von de Tocqueville, "The Federalist Papers" und
"American Political Tradition" von Hofstaedter.
Forschungsstipendien für weiterführende Studien und praktische Ausbildung in den Vereinigten Staaten in den Bereichen Unternehmensverwaltung, Wirtschaftswissenschaften, Jura und
öffentlicher Verwaltung.
Austausch von Studenten, Professoren, Berufsanfängem und jungen Führungskräften, Parlamentariern, Journalisten und Bürgermeistern,
die durch unsere Verbindungen zu Universitäten, Stipendien, Austausch- und internationalen Besuchsprogramme Tausenden von Menschen zugute kommen.
Programme für amerikanische Redner und in
den Vereinigten Staaten wohnhafte Fachleute,
die im Land Seminare und Workshops in Unternehmensverwaltung, öffentlicher Verwaltung,
Staatsrecht und Journalismus durchführen.
Darüber hinaus wollen unsere Programme auch einige
der bestehenden Herausforderungen und Hemmnisse

einer friedlichen Demokratisierung durch Bereitstellung relevanter Informationen, Austausch konkreter
Erfahrungen, Erleichterung des Dialogs und Erläuterung der Bedeutung demokratischer Prozesse ansprechen.
In Hinblick auf menschliches Leid spielen Nationalitätenkonflikte eine praktisch unvorstellbare Rolle in einigen Teilen Europas und der Welt. Zahlreiche Konflikte
sind natürliche Auswüchse des Zerfalls des Kommunismus, wohingegen andere jahrhundertealt sind und
nichts mit politischer Ideologie zu tun haben. Demokratie ist die beste Grundlage, um solch hartnäckige
Konflikte zu lösen. Es ist die Demokratie, die den
erforderlichen Rahmen für die friedliche Beilegung von
Konflikten zwischen diametral entgegengesetzten
Parteien bietet - einen Rahmen, der den Gedanken
von Kompromiß, loyaler Opposition, Schutz des einzelnen vor Tyrannei durch eine Mehrheit und der
Beteiligung von Minderheiten an einer repräsentativen
Regierung enthält.
Eine weitere Herausforderung beim Aufbau der Demokratie sind religiöse Intoleranz, Bigotterie und Fremdenfeindlichkeit. Weltweit konnten wir beobachten,
wie zahlreiche Religions- und Bürgerkriege durch solchen Haß geschürt wurden. Der Geist religiöser
Toleranz und die Respektierung der Interessen anderer Menschen sind unabdingbare Bestandteile einer
Politik stabiler und demokratischer Institutionen.
Das amerikanische Engagement für den Aufbau von
Demokratie ist mehr als nur anregende Rhetorik und
die Dirigierung von Wirtschaftshilfe zu demokratischen
Regierungen. In der Tat umfaßt es alle Aspekte
unserer Außenpolitik. Es wird durch alle Behörden
einschließlich USIA sowie durch Privatorganisationen
und Einzelpersonen in die Praxis umgesetzt. Wir
versuchen, die Achtung des Völkerrechts zu fördern,
dem Einsatz von Aggression als staatlichem Mittel die
rechtliche Grundlage zu entziehen und höhere Wertschätzung der durch regionale Institutionen gebotenen Möglichkeiten hervorzubringen. Die demokratische Umgestaltung ist noch im Gange, und die aufstrebenden Demokratien sind nach wie vor instabil. Wir
sind bereit, alle uns zur Verfügung stehenden Mittel zu
nutzen, um international Geächtete in die Schranken
zu weisen. Unsere Politik unterstreicht die Ernsthaftigkeit unserer Entschlossenheit und unseres Engagements zur Förderung einer Gemeinschaft freier und
demokratischer Nationen, die sich der Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz der Menschenrechte im Inund Ausland verschrieben haben.

* * * *

AMERIKA DIENST 21

*

Seite 3

�RASSENBEZIEHUNGEN
27. Mai 1992

RASSENBEZIEHUNGEN IN DEN USA AUS DER SICHT
EINES SCHWARZEN UNIVERSITÄTSPROFESSORS
Stellungnahme von Professor Randall Kennedy
WASHINGTON - (AD) - Randall Kennedy, Juraprofessor der Harvard University, ist diametral entgegengesetzter Meinung zu den Verfechtern der These, es
habe sich bei den Beziehungen zwischen den Rassen
in den Vereinigten Staaten "nichts geändert".
"Das ist absolut falsch", so der schwarze Wissenschaftler und Autor Kennedy. "Das Leben, das ich
führe und was mir geboten wird, unterscheidet sich
deutlich von den Möglichkeiten meines Vaters."
In den sechziger Jahren in Washington aufgewachsen, wo die Rassentrennung bereits aufgehoben war,
besuchte Kennedy die Princeton University und die
Yale Law School und studierte ein Jahr mit einem
Stipendium in Oxford. Ihm zufolge war es vor 1960
schwieriger für Schwarze, solche Bildungschancen
wahrzunehmen, weil die Rassentrennung damals in
zahlreichen amerikanischen Bundesstaaten die Regel
war.
Kennedy ist Herausgeber der Zeitschrift "Reconstruction", in der Artikel über künstlerische, soziale, politische und wirtschaftliche Themen veröffentlicht werden, die für die afrikanisch-amerikanische Gemeinde
von Bedeutung sind. Vor kurzem kehrte er aus Dänemark zurück, wo er über die Chancen für in den
Vereinigten Staaten lebende Schwarze referiert hatte.
Die Schwarzen haben in den Vereinigten Staaten
beachtliche politische und wirtschaftliche Fortschritte
erzielt, aber es gab auch "enorme Frustration", stellte
Kennedy in einem am 18. Mai 1992 in Harvard geführten Telephoninterview fest.
Größtenteils dank der in den vergangenen 30 Jahren
"zur Rassenintegration ergriffenen Gleichstellungsmaßnahmen" haben schwarze Amerikaner "heute bessere
Chancen als noch vor 25 oder 35 Jahren denkbar
gewesen wäre", so Kennedy.
Obwohl die Beziehungen zwischen den jeweiligen
Rassen in den Vereinigten Staaten noch lange nicht
perfekt sind, "ist es unangebracht, uns selbst und den

AMERIKA DIENST 21

Menschen im Ausland zu sagen, die Herzen und
Einstellungen der Menschen haben sich nicht geändert", erklärte er.
Indem er auf die "komplexe Mischung" der ethnischen
Beziehungen in den Vereinigten Staaten verwies, stellte
Kennedy fest, er wolle die Menschen daran erinnern,
daß die Vereinigten Staaten "ein riesiges, unglaublich
kompliziertes Land" sind. Und die schwarze Gemeinde habe "regionale, religiöse und Klassenunterschiede", fuhr er fort.
Als Beispiel der von den Schwarzen an der politischen
Front erzielten Fortschritte zitierte Kennedy: "Ein
schwarzer Amerikaner ist Gouverneur von Virginia
(Douglas Wilder)... und das ist etwas, was 1960 als
abwegiger Gedanke angesehen wurde." Er fügte
hinzu: "Belegt dies einen beachtlichen Wandel des
Sozialverhaltens und der Sitten? Die Antwort lautet
meines Erachtens eindeutig Ja."
Als ein Beispiel der verbesserten Rassenbeziehungen
in den Vereinigten Staaten nannte Kennedy die Berufung von General Colin Powell durch Präsident Bush
zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs im Jahr
1989 - womit Powell, ein Schwarzer, der ranghöchste
Soldat der Streitkräfte wurde.
In einem 1990 zu dieser Ernennung in "Reconstruction" erschienenen Kommentar bezeichnet der schwarze Wissenschaftler diese als Anzeichen der "massiven
Veränderungen im Verhalten der Rassen, die weite obwohl sicherlich nicht alle - Teile der amerikanischen
Machtelite erfaßt haben. Was Bush 1989 tat, wäre
1962 für John F. Kennedy oder 1966 für Lyndon B.
Johnson unvorstellbar gewesen."
Professor Kennedy erklärt seinem europäischem
Publikum, die Tatsache, daß Schwarze so hohe
Machtpositionen in der amerikanischen Regierung
errungen haben, beweise die "wichtigen und guten
Veränderungen im amerikanischen Leben".

Seite 1

�Gleichzeitig, fügte er hinzu, gibt es eine "harte Realität"
in den Vereinigten Staaten, nämlich, daß "die Rassenfrage jeden Aspekt des amerikanischen Lebens betrifft", sei es Politik, Sport, Musik oder Wirtschaft.
Aufgrund der vom Kongreß 1964 und 1965 verabschiedeten Bürgerrechte schützen die Gesetze jetzt
die Rechte von Minderheiten jedoch "eindeutig" besser
als vorher.
Kennedy, der nach seinem Examen an der Yale University Assistent von Richter Thurgood Marshall am
Obersten Bundesgericht war, stellte fest, "vor 1960
gab es kein Bundesgesetz, das den Menschen verbot,
Schwarze offen und ausdrücklich zu diskriminieren".
Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 hat dies verändert,
erklärte Kennedy und verwies darauf, es habe Diskriminierung aufgrund von Rassenzugehörigkeit untersagt und "ist seither mehrere Male ergänzt worden, um
dieses Verbot zu erweitern".
Darüber hinaus habe das Wahlrechtsgesetz von 1965
"große Auswirkungen auf die Politik gehabt", indem es
Gesetze der Bundesstaaten beseitigte, mit denen
Schwarzen das Wahlrecht verwehrt wurde, und sie
damit vollständig in das politische Leben der Nation
einbezogen habe.
Im Jahr 1960 "gab es in den Vereinigten Staaten
zahlreiche Regionen, in denen Schwarze zu viel Angst
hatten, wählen zu gehen. Dies ist heute nirgendwo in
den Vereinigten Staaten der Fall."
Dies bedeutet Kennedy zufolge jedoch nicht, daß das
Land seine Rassenprobleme gelöst hat. "Offensichtlich stehen wir vor großen Problemen, das lehren uns
die Unruhen von Los Angeles." Es sei jedoch wichtig,
die Grundvoraussetzungen zum Vergleich heranzuziehen, und die Lage der Schwarzen sei im Jahr 1960
politisch schlechter gewesen als im Jahr 1992.
Als Beispiel für den Einfluß der Schwarzen bei Wahlen
führte Kennedy die Opposition im US-Senat gegen
Präsident Reagans Nominierung von Robert Bork für
das Oberste Bundesgericht in den achtziger Jahren
an, eine Nominierung, gegen die sich erstaunlicherweise zahlreiche weiße Senatoren aus den Südstaaten wandten, eine Gruppe, die viele von Borks konservativen Ansichten teilte.
"Warum, meinen Sie, machten diese weißen, zumeist
konservativen Männer gegen Bork Front?" fragte
Kennedy. Sie hätten dies getan und damit Borks
Nominierung zum Scheitern gebracht, "weil ihre schwarzen Wähler ziemlich lautstark ihre Ablehnung Borks
bekundeten", und "darin kam das Wahlrechtsgesetz
von 1965 zum Ausdruck".

Seite 2

Außerdem "wurde im Jahr 1982 auf dem Höhepunkt
der Reagan-Administration, die viele als den Bürgerrechten gegenüber gleichgültig oder feindselig betrachten, das Wahlrechtsgesetz ergänzt und gestärkt",
stellte Kennedy fest.
Auf die Frage nach unzulässigem Verhalten von Polizisten als potentieller Ursache weiterer Unzufriedenheit und Unruhen in den Städten erklärte Kennedy,
daß "die Aussonderung junger schwarzer Männer für
harten Zugriff" durch die Polizei ein großes Problem in
Amerika sei.
"Schwarze Amerikaner, besonders schwarze Männer,
sind von Diskriminierung bei der Strafverfolgung betroffen." Wenn er zum Beispiel in seinen Lehrveranstaltungen in Harvard die Studenten frage, wie viele
von ihnen von der Polizei angehalten und durchsucht
worden seien, "ist es immer erstaunlich, daß eine
überwältigende Zahl der Studenten, die ihre Hand
heben, schwarze Männer sind".
Ein weiteres "enormes Problem für die schwarze
Bevölkerung" besteht Kennedy zufolge darin, daß
Schwarzen im allgemeinen nicht derselbe Schutz der
Polizei vor Verbrechen zuteil wird, die ihre Stadtviertel
heimsuchen. Dies ist jedoch dringend erforderlich,
"weil es für Schwarze fünfmal wahrscheinlicher ist,
Opfer eines Mordes und noch viel wahrscheinlicher,
ausgeraubt zu werden. Schutz durch die Polizei ist
unerläßlich, und davon erhalten sie nicht genug."
"Die schwarze Bevölkerungsgruppe ist also doppelt
betroffen", so Kennedy. Die "tragische" Gleichung
lautet, daß schwarze Opfer eines Strafverfolgungssystems sind, "das sie nicht ausreichend schützt", und
dasselbe System "sie allzuoft mißhandelt".
Leider sei es so, daß "diese Mi ßhandlungen eine lange
Geschichte haben" und, was vielleicht noch schlimmer
sei, "diese Mißhandlungen ebensolange toleriert worden sind".
Die Schwarzen seien, wie Kennedy betonte, jedoch
nicht die einzigen, die sich über Rassendiskriminierung empörten. Vor dem Ausbruch der Unruhen in Los
Angeles seien "viele Weiße von der offenkundigen
Tolerierung der Bigotterie angewidert gewesen", die
bei den Geschworenen zum Ausdruck gekommen sei,
die der Mißhandlung eines wehrlosen Schwarzen in
Los Angeles angeklagte Polizisten freisprachen.
Kennedy erklärte, er sei mit seinem europäischen
Publikum der Meinung, eine Lösung der komplizierten
Rassenprobleme in Amerika sei unmöglich, solange
Bürger und Personen in offizieller Funktion nicht "eine
absolute Intoleranz gegenüber jeder Art von rassistischem Verhalten" zeigten.

AMERIKA DIENST 21

�SOZIALPOLITIK
27. Mai 1992

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SCHÜTZT
ARBEITNEHMER VOR FOLGEN
DER ARBEITSLOSIGKEIT
Dritter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die Arbeitslosenversicherung
wurde im Jahr 1935 als Teil des Sozialversicherungsgesetzes eingeführt, um für Arbeitnehmer und deren
Familien die wirtschaftlichen Härten infolge vorübergehender Arbeitslosigkeit zu mildern.
Ursprünglich erhielten Arbeitslose in den meisten Staaten
Leistungen für maximal 13 bis 16 Wochen. Heute kann
ein Großteil der Amerikaner, die ohne eigenes Verschulden arbeitslos geworden sind, eine Grundversorgung durch die Arbeitslosenversicherung beantragen,
die für gewöhnlich bis zu 26 Wochen lang ein Drittel bis
die Hälfte ihres letzten Einkommmens beträgt.
In Zeiten außergewöhnlich hoher Arbeitslosigkeit können
diese Leistungen für weitere 13 Wochen verlängert
werden, abhängig vom Grad der Arbeitslosigkeit in
Heimatstaat oder Gemeinde des Arbeitslosen.
Eine Verlängerung der Leistungen ist den heutigen
Gesetzen zufolge zulässig, wenn in einem Bundesstaat die Arbeitslosenquote unter den Versicherten
während der letzten 13 Wochen mindestens 6 Prozent
betrug oder wenn sie 5 Prozent überschreitet und
mindestens 20 Prozent über der der vergangenen
beiden Jahre liegt.
In Zeiten landesweiter Rezession, wenn viele Bundesstaaten unter hoher und anhaltender Arbeitslosigkeit
leiden, können Präsident und Kongreß darüber hinaus
Bundesmittel bewilligen.
Solche Mittel wurden im November 1991 und erneut im
Februar dieses Jahres gewährt, um in der gegenwärtigen Konjunkturflaute die Folgen überdurchschnittlich
hoher Arbeitslosigkeit zu mildern.
Am 12. Mai 1992 bat Präsident Bush den Kongreß,
diese Mittelvergabe über ihren planmäßigen Ablauf im
Juli hinaus bis zum April 1993 zu verlängern. Diesem
Vorschlag zufolge, der schätzungsweise weitere 2,5
Milliarden Dollar kostet, würden die Leistungen in
Staaten mit hoher Arbeitslosigkeit zusätzlich zu den

AMERIKA DIENST 21

regulären 26 Wochen um bis zu 30 Wochen verlängert,
in allen anderen Staaten um bis zu 20 Wochen. Der
Präsident forderte darüber hinaus bis nächsten Februar eine Untersuchung an, die Empfehlungen für
eine dauerhafte Reform der gegenwärtigen Arbeitslosenversicherung unterbreiten soll.
Die Notwendigkeit verlängerter Leistungszahlungen
hat in den vergangenen beiden Jahren zugenommen,
da sich die Arbeitslosenquote im Gleichschritt mit der
Rezession erhöhte.
Neun US-Bundesstaaten und Territorien - Alaska,
Maine, Massachusetts, Michigan, Oregon, Puerto Rico,
Rhode Island, Vermont und West Virginia - haben im
Jahr 1991 die Leistungszahlung verlängert. Im Jahr
1992 war dies jedoch nur in Puerto Rico der Fall.
In den meisten Staaten können Arbeitslose eine Woche
nach Eintritt der Arbeitslosigkeit die Grundversorgung
beantragen, selbst wenn sie bald ihren alten Arbeitsplatz zurückbekommen oder rasch einen neuen finden.
Statistiken des US-Arbeitsministeriums belegen, daß
nur wenige der Bezieher von wöchentlichem Arbeitslosengeld dies für den gesamten Zeitraum von 26 Wochen
tun. Im letzten von der Arbeitslosenstatistik vollständig
erfaßten Jahr 1991 betrug die Durchschnittsdauer der
Arbeitslosigkeit saisonbereinigt 15,4 Wochen.
Die Zahlen für das erste Quartal des Jahres 1992
weisen einen Anstieg der Durchschnittsdauer auf 16,4
Wochen im Januar, 17 Wochen im Februar und 17,1
Wochen im März auf - ein Anzeichen dafür, daß mehr
Arbeitnehmer für einen längeren Zeitraum arbeitslos
waren und größere Schwierigkeiten hatten, einen neuen
Arbeitsplatz zu finden.
Mit Ausnahme weniger Staaten, in denen die Arbeitnehmer direkt geringe Beiträge entrichten, wird die
Arbeitslosenversicherung durch getrennte Steuern der
Bundesstaaten sowie eine von den Unternehmen

Seite 1

�aufgebrachte Lohnsummensteuer des Bundes finanziert. Das System wird von Dienststellen der Bundesstaaten nach Richtlinien des US-Arbeitsministeriums
verwaltet.

Neben dem Arbeitslosengeld bestehen zahlreiche
andere gesetzlich festgeschriebene Programme, die
Arbeitslosen in den Vereinigten Staaten zugute kommen.

Als Faustregel gilt, daß Mittel der Bundesstaaten benutzt
werden, um in den ersten 26 Wochen direkte Leistungen an die Arbeitslosen zu zahlen. Die Lohnsummensteuer des Bundes wird verwendet, um Verwaltungskosten zu decken und bis zu 50 Prozent der Kosten bei
verlängerter Leistungszahlung zu finanzieren.

So müssen etwa Unternehmen, die mindestens 100
Vollzeitarbeitskräfte beschäftigen, geplante Betriebsschließungen oder Massenentlassungen mindestens
60 Tage im voraus ankündigen. Dies hilft den Arbeitnehmern, sich auf den bevorstehenden Arbeitsplatzverlust einzustellen und gibt ihnen Zeit, einen anderen
Arbeitsplatz zu suchen. Darüber hinaus werden die
Regierung des Bundesstaats und die Gemeindeverwaltungen gewarnt und können so rechtzeitige und
geeignete Hilfen anbieten.

In den meisten Bundesstaaten muß ein Antragsteller
im letzten Kalenderjahr mindestens zwei Quartale lang
beschäftigt gewesen sein, um Arbeitslosengeld in
Anspruch nehmen zu können. Alle Bundesstaaten
schreiben vor, daß ein Antragsteller arbeitsfähig sein
und zur Verfügung stehen muß, wenn ein geeigneter
Arbeitsplatz gefunden wird.
Wie die Rentenversicherung ist die Arbeitslosenversicherung ein vermögensunabhängiges Programm, bei
dem die Höhe der Leistungen nicht von anderen Einkommensarten oder Vermögenswerten des Empfängers abhängt. Im Gegensatz zur Rentenversicherung
ist der Umfang der Leistungen jedoch nicht standardisiert und fällt von Ort zu Ort sehr unterschiedlich aus.
Im nationalen Durchschnitt lag das wöchentliche Arbeitslosengeld im Jahr 1991 bei 170 Dollar pro Empfänger, wobei die Bandbreite von 82 Dollar in Puerto
Rico bis zu 227 Dollar in Massachusetts reichte. Darüber
hinaus wurden in 14 Bundesstaaten Zuschläge für
Familienangehörige gezahlt. Dazu gehörte auch
Massachusetts, wo die wöchentlichen Leistungen
insgesamt bei maximal 423 Dollar lagen.
Dem Arbeitsministerium zufolge erhielten 10,4 Millionen Amerikaner im Jahr 1991 Arbeitslosengeld in
Gesamthöhe von 25,3 Milliarden Dollar. Davon wurden 880 Millionen Dollar - einschließlich von 122
Millionen Dollar an Anpassungshilfen für Arbeitnehmer, die infolge ausländischer Importe ihren Arbeitsplatz verloren hatten - aus Bundesmitteln bereitgestellt, während der Rest von den einzelnen Staaten
getragen wurde.

* *

Seite 2

Beschäftigte wie auch arbeitslose Arbeitnehmer, deren Jahresverdienst unter die nationale Armutsgrenze
fällt -10.857 Dollar für eine dreiköpfige Familie im Jahr
1991 - können weitere Sozialhilfeprogramme in Anspruch nehmen, etwa Wohngeld, Lebensmittelmarken, subventionierte medizinische Versorgung, überschüssige landwirtschaftliche Produkte, Hilfe für Familien
mit unterhaltspflichtigen Kindern sowie allgemeine
Sozialhilfeleistungen, die durch ungebundene Zuschüsse des Bundes an die Staaten finanziert werden.
Viele Arbeitslose können sich darüber hinaus im Rahmen
zahlreicher Aus- und Fortbildungsprogramme des
Bundes und der Staaten umschulen lassen, während
Jugendliche aus einkommensschwachen Familien und
Minderheiten, die zum ersten Mal eine Beschäftigung
suchen, das äußerst erfolgreiche, von der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Bundesstaaten
und Privatfirmen betriebene Programm Job Corps in
Anspruch nehmen können.
Die meisten Einzelpersonen, die an einer solchen
Ausbildung teilnehmen, erhalten Arbeitsplätze, bei denen
mehr als der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn
von 4,25 Dollar gezahlt wird.
Jeder Bundesstaat hat sein eigenes Unfallversicherungsprogramm, das amerikanischen Arbeitnehmern
und deren Familien im Falle beruflich bedingter Verletzung, Invalidität oder Tod zusätzliche Leistungen bietet. Einige dieser Programme reichen bis zum Beginn
des 20. Jahrhunderts zurück.
* *

*

AMERIKA DIENST 21

�WAHLEN

'92
27. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (20. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in Washington und Oregon.
Bush und Clinton gewinnen die Vorwahlen in
Washington und Oregon
Präsident Bush und der Gouverneur von Arkansas, Bill
Clinton, haben die Vorwahlen ihrer jeweiligen Parteien
am 19. Mai in den Bundesstaaten Washington und
Oregon mühelos gewonnen, aber die unerwarteterweise handschriftlich eingefügten Stimmen für den
nichtgebundenen Präsidentschaftskandidaten Ross
Perot könnten sich als Vorboten künftiger Probleme für
sie erweisen.
Bush siegte bei den Rennen der Republikaner über

seinen konservativen Herausforderer Pat Buchanan
mit einem Vorsprung von fast 4 zu 1 in Oregon und
schnitt im Staat Washington mit einem Vorsprung von
6 zu 1 noch besser ab.
Beim Wahlkampf der Demokraten errang Clinton rund
50 Prozent der Stimmen in beiden Bundesstaaten.
Sein verbliebener Rivale, der ehemalige Gouverneur
von Kalifornien Jerry Brown, gewann einen Anteil der
Delegierten für den nationalen Parteitag aus Oregon,
aber für Clinton ist die für die Nominierung erforderliche Mehrheit jetzt in greifbare Nähe gerückt.
Als echte Überraschung - da er in keinem der beiden
Bundesstaaten kandidiert hatte - erhielt Perot sowohl
in Washington als auch Oregon eine beachtliche Anzahl
von handschriftlich eingefügten Stimmen. In dem
spärlich besiedelten Distrikt von San Juan (Washington) konnte Perot aufgrund der für ihn abgegebenen
Stimmen bei den Vorwahlen beider Parteien die Führung übernehmen.
In Oregon wird die Auszählung der handschriftlich
abgegebenen Stimmen einige Tage erfordern. Anhand der bei Wählern beim Verlassen der Wahllokale
von CNN durchgeführten Umfragen gaben jedoch
jeweils rund 11 Prozent der Republikaner und Demokraten an, für Perot gestimmt zu haben.

AMERIKA DIENST 21

Die CNN-Meinungsumfrage an den Wahllokalen ergab auch beträchtliche Unterstützung für Perot durch
die Wähler beider führender Parteien in Oregon bei
den allgemeinen Wahlen. Die demokratischen Wähler
unterstützen Perot vor Clinton mit 45 zu 41 Prozent, die
republikanischen Wählergaben Bush bei den Vorwahlen mit 49 zu 40 Prozent den Vorzug vor Perot.
Perots Koordinator für den Wahlkampf in Oregon, Ted
Thomas, erklärte, er habe den Anhängern von Perot
gesagt, sie sollten sich darauf konzentrieren, Perots
Namen auf den Stimmzettel für die alleg meine Wahl zu
bekommen - und sich nicht mit Proteststimmen bei den
Vorwahlen abgegeben. "Ich vermute, sie haben uns
nicht zugehört", stellte er fest.
Angesichts der noch bevorstehenden acht Vorwahlen,
einschließlich der großen in Kalifornien am 2. Juni,
könnte sich der Gedanke handschriftlich eingefügter
Stimmen Analysten zufolge zu einer neuen Form der
Protestwahl gegen Bush und Clinton ausweiten.
Die neuesten Zahlen
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton

1.855,50

Nichtgebunden

574,25

Tsongas

551,00

Brown

394,25

Sonstige

32,00

Republikaner (zui• Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan

1.350
74

Nichtgebunden

2

Sonstige

1
Seite 1

�Ergebnisse der Vorwahlen vom 19. Mai

Bundesstaat Washington

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der Demokraten
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 19.
Clinton
Mai erhalten hat.
Oregon
Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Prozentsatz der Stimmen
51

Brown

29

Tsongas

16
4

Clinton

50

Sonstige

Brown

35

Republikaner

Tsongas

11

Bush

83

Buchanan

13

Sonstige

4

•

Sonstige
Republikaner

4
Prozentsatz der Stimmen

Bush

76

Buchanan

22

Sonstige

2
* * * *

Seite 2

Prozentsatz der Stimmen

*

AMERIKA DIENST 21

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11467">
                <text>27.05.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11468">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11469">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11470">
                <text>Amerikadienst 27.05.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11471">
                <text>&lt;strong&gt;1. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Baker kündigt Plan zur Verhinderung eines zweiten Tschernobyl an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede in Lissabon&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanischen Beziehungen: das Fundament der nächsten vierzig Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt bei der Atlantik-Brücke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konsoldierung der Demokratie Priorität des neuen Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Paula Dobriansky bei KSZE&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Rassenbeziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rassenbeziehungen in den USA aus der Sicht eines schwarzen Universitätsprofessors&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Professor Randall Kennedy&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Sozialpolitik&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Arbeitslosenversicherung schützt Arbeitnehmer vor Folgen der Arbeitslosigkeit &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dritter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2247" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2258">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/43629df29d69abb73c275de363629298.pdf</src>
        <authentication>354ac9a62684dbf6f69d7e244b55db19</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11466">
                    <text>^s*? 7 «

%rION

amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

4&lt;o

20

20. Mai 1992

B K J W s y 0 ' ^ Services
Oeichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

UMWELT

BUSH WIRD AN UMWELTGIPFEL IN RIO
TEILNEHMEN
Erklärung des Präsidenten

VEREINIGTE STAATEN SEHEN GUTE
CHANCEN FÜR ABKOMMEN IN RIO
Verhandlungen vor Abschluß

RIAS BERLIN KOMMISSION

IM GEISTE VON RIAS
Ansprache von Botschafter Kimmitt
in Berlin
DIE RIAS BERLIN KOMMISSION
Eine Übersicht

SOZIALPOLITIK

ARMUT IN AMERIKA TROTZ PROBLEMEN
IN INNENSTÄDTEN RÜCKLÄUFIG
Erster einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

SOZIALVERSICHERUNG BEHEBT ARMUT
UNTER ÄLTEREN AMERIKANERN
Zweiter einer Reihe von Artikeln zur
US-Sozialpolitik

WAHLEN '92

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�UMWELT
20. Mai 1992

BUSH WIRD AN UMWELTGIPFEL IN RIO TEILNEHMEN
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Bush hat dem Präsidenten von Brasilien und Vertretern der Vereinten Nationen
mitgeteilt, er werde an der im Juni in Rio de Janeiro stattfindenden UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung
teilnehmen.
In einer am 12. Mai veröffentlichten Erklärung zu seinem Entschluß stellte Bush fest, er begrüße die am
vorausgegangenen Wochenende verabschiedete Rahmenkonvention über die Klimaveränderungen. Er zählte
eine Reihe von Maßnahmen der Vereinigten Staaten im letzten Jahrzehnt auf, die bewiesen hätten, daß der
Schutz der Umwelt und die Förderung von Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen können.
Darüber hinaus stellte der Präsident fest, daß die Konferenz in Rio neben den Klimaveränderungen auch
Fortschritte beim Schutz der Meere und der darin lebenden Organismen erzielen, die Beteiligung der
Öffentlichkeit am umweltpolitischen Entscheidungsfindungsprozeß fördern und die Wälder der Erde schützen
sollte.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.
Ich habe gerade Präsident Collor von Brasilien, den
Generalsekretär der UNO, Boutros Ghali und den
Generalsekretär der UNO-Konferenz über Umwelt und
Entwicklung (UNCED), Maurice Strang, davon unterrichtet, daß ich an der Konferenz von Rio Anfang Juni
teilnehmen werde. Die heutigen Umweltprobleme sind
weltweiter Natur - und jedes Land muß dabei helfen,
sie zu lösen.
Wie die Vereinigten Staaten seit über zwei Jahrzehnten demonstriert haben, können der Schutz der Umwelt
und die Förderung von Wirtschaftswachstum Hand in
Hand gehen - in der Tat entspricht es unserer Überzeugung, daß sie Hand in Hand gehen müssen. In den
frühen achtziger Jahren haben wir stufenweise verbleites Benzin abgeschafft. Andere Länder sind gerade
dabei, diesem Beispiel zu folgen. Wir haben Treibgase
bereits im Jahr 1978 abgebaut, und dieses Jahr haben
wir den völligen Abbau von FCKW bis zum Jahr 1995
angekündigt. In den vergangenen drei Jahren haben
wir uns bemüht, diese Bilanz weiter zu verbessern durch die Unterzeichnung des neuen Gesetzes zur
Luftreinhaltung und des Gesetzes über Ölverschmutzung, die Verhängung eines Moratoriums für Öl- und
Gasbohrungen vor unseren Küsten, Investitionen in
unsere Nationalparks, die Einleitung eines Programms
zur Anpflanzung von einer Milliarde Bäumen jährlich
und die Durchsetzung unserer Umweltgesetze, damit
die Verursacher für die Kosten der Umweltverschmutzung aufkommen.

AMERIKA DIENST 20

Im Ausland haben sich die Vereinigten Staaten energisch darum bemüht, verantwortungsbewußte Umweltpolitik durch unsere bilateralen Hilfeprogramme
sowie durch die Weltbank und das System der Vereinten Nationen zu fördern. Ich bin davon überzeugt, daß
unsere jahrzehntelangen Erfahrungen bei der Entwicklung - und Verwirklichung - wirtschaftlich solider
Maßnahmen anderen helfen können, die Umwelt zu
verbessern.
In Rio werden den politisch Verantwortlichen der Welt
eine Reihe von Dokumenten vorliegen. Eines dieser
Dokumente wird eine Rahmenkonvention über die
Klimaveränderungen sein, die am vergangenen Wochenende verabschiedet wurde. Wir begrüßen das
Ergebnis, und ich beglückwünsche die Unterhändler
dafür, daß sie sich bei diesem historischen Schritt
zusammengeschlossen haben. Diese Rahmenkonvention wird das Wirtschaftswachstum und unsere
Fähigkeit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht
bremsen.
Die Klimaveränderungen sind nicht das einzige in Rio
zur Diskussion stehende Thema. Es ist lebenswichtig,
daß Fortschritte ebenfalls beim Schutz der Meere und
der darin lebenden Organismen, bei der Förderung
von Offenheit und öffentlicher Beteiligung am umweltpolitischen Entscheidungsfindungsprozeß, der Förderung einer verantwortlichen Behandlung und des
Schutzes von Wäldern und Arten Vielfalt weltweit sowie
in vielen anderen Bereichen erzielt werden.
Seite 1

�Ich sehe den Gesprächen darüber erwartungsvoll
entgegen, wie alle Nationen durch Zusammenarbeit
gewährleisten können, daß wir unseren Kindern und

Enkelkindern einen gesunden und sicheren Planeten
übergeben,

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�UMWELT
20. Mai 1992

VEREINIGTE STAATEN SEHEN GUTE
CHANCEN FÜR ABKOMMEN IN RIO
Verhandlungen vor Abschluß
WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium sieht keine großen Hindernisse, die dem
Abschluß eines weitreichenden Abkommens beim UNO-Erdgipfel in Rio de Janeiro im Wege stehen könnten,
das bis ins nächste Jahrhundert hinein umweltpolitische Prioritäten setzen würde.
Dem Abteilungsleiter für Ozeane und internationale umweltpolitische und wissenschaftliche Angelegenheiten,
E. Curtis Bohlen, zufolge wurde im vergangenen Jahr bei den Verhandlungen über ein Agenda 21 genanntes
Aktionsprogramm ein großes Maß an Übereinstimmung erzielt.
"Ich bin optimistisch. Meines Erachtens steht Agenda
21 unmittelbar vor der Vollendung", erklärte Bohlen
kürzlich in einem Interview.
Bohlen bezeichnete Agenda 21 als Liste von Programmen, die von den Regierungen in den nächsten 10 bis
15 Jahren durchgeführt werden müssen, um die Welt
zu einer umweltverträglichen wirtschaftlichen Entwicklung zu veranlassen. Es handelt sich hierbei nicht um
einen Vertrag, und deshalb wäre Agenda 21 für die
Regierungen auch nicht bindend, betonte Bohlen.
Darüber hinaus hat es beim Entwurf einer als Rio
Declaration bezeichneten Erklärung über Umwelt- und
Entwicklungsprinzipien erhebliche Übereinstimmung
gegeben, so der Abteilungsleiter. Dieser Entwurf wird
zur Zeit von den US-Behörden geprüft. "Wir sind nicht
sicher, ob irgendwelche (Probleme) bestehen", sagte
Bohlen. "Im großen und ganzen ist sie für uns akzeptabel. Es steht für mich außer Frage, daß es definitiv
eine Erklärung von Rio geben wird."
Bohlens Optimismus steht im Gegensatz zu Sorgen
zahlreicher amerikanischer Umweltschutzgruppen, es
werde keine Übereinkunft geben, die zu einschneidenden Maßnahmen gegen lokale, regionale und globale
Probleme führen werde. Ein Großteil dieser Besorgnis
geht auf den öffentlich ausgetragenen Streit zwischen
Entwicklungsländern und Industriestaaten zurück.
Dieser Streit resultiert maßgeblich aus Geldforderungen der Entwicklungsländer, um beispielsweise moderne Technologie zur effizienten Energieausnutzung
zu erwerben und einzusetzen. Eine solche Technologie würde den Einsatz von Rohstoffen zur Energieerzeugung reduzieren und deshalb die Umwelt weniger
schädigen.

AMERIKA DIENST 20

"Meines Erachtens können wir eine befriedigende
Einigung über die finanziellen Mechanismen erzielen",
erklärte Bohlen. Bei der letzten Verhandlungsrunde im
März, an der über 150 Staaten beteiligt waren, habe es
bereits nahezu eine Einigung über die Finanzierung
gegeben. "Hätten wir zwei oder drei Tage mehr
gehabt, wir hätten die Verhandlungen abschließen
können", meinte Bohlen.
Die Entwicklungsländer hatten dabei ihre Forderung
nach einem "Grünen Fonds" fallengelassen, der von
den Industriestaaten finanziert und von den Leistungsempfängern mit den Geldgebern zusammen verwaltet
werden sollte. Japan und die nordeuropäischen Staaten boten einen Kompromiß an, der von der G-77, der
Gruppe von Entwicklungsländern, modifiziert wurde.
"Für uns wäre es kein Problem gewesen. Mit nur
wenigen geringfügigen Änderungen hätten wir diesem
Papier zustimmen können", erklärte Bohlen. Die
Europäische Gemeinschaft habe sich jedoch dagegen
gewandt, aber die Vereinigten Staaten hofften, daß die
EG ihre Haltung noch einmal überdenken werde.
Der Kompromiß hätte neue Hilfe in unbestimmter
Höhe bereitgestellt, die durch die bestehenden Programme der Weltbank und anderer multilateraler Institutionen eingesetzt worden wäre. Ein solcher Kompromi ß wurde unlängst in Gesprächen bei der Weltbank in
Washington zwischen einigen der größten Entwicklungs- und Industrieländer erzielt. Dies verstärkt Bohlen
zufolge den Optimismus, daß bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen in Rio ein umfassendes Abkommen verabschiedet werden kann.
Einige Vertreter der Vereinten Nationen haben darauf
verwiesen, daß die Entwicklungsländer zusätzlich 70
Milliarden Dollar jährlich an Hilfe benötigten, um wirt-

Seite 1

�schaftliche Fortschritte zu erzielen und gleichzeitig die
Umwelt zu schützen. Sie erhalten gegenwärtig jährlich
etwa 55 Milliarden Dollar an Hilfe.
Die Vereinigten Staten waren von Beginn der Verhandlungen über Agenda 21 an davon überzeugt, daß
der Schutz von Ozeanen und Wäldern sowie die
technische Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern zu den wichtigsten Themen gehören, so Bohlen.
Einigung wurde im großen und ganzen über die Notwendigkeit zur Kontrolle der vom Land aus verursachten Meeresverschmutzung erzielt, wie etwa der Entsorgung von Abfällen auf See. Feuchtgebiete und
Korallenriffe würden den bereits ausgehandelten Artikeln zufolge ebenfalls mehr Schutz erfahren.
Wie Bohlen feststellte, wurde bei einigen Fischereifragen jedoch noch keine Einigung erzielt. Eine der
wichtigsten ist die Tatsache, daß Kanada den Fischfang vor seiner Ostküste beschränken möchte, während sich die EG aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen dagegen gewandt habe.
"Ein Grund, warum wir uns darauf (auf die Ozeane)
konzentriert haben, ist, daß es sich dabei um ein
Gebiet handelt, dem noch nicht so viel internationale
Aufmerksamkeit zuteil geworden ist wie den Umweltproblemen zu Lande", erklärte Bohlen.
Die Kapitel zur technischen Zusammenarbeit seien im
großen und ganzen von den Vereinigten Staaten entworfen worden. Darin wird die Fortbildung von Vertretern aus den Entwicklungsländern beim Umgang mit
Umweltproblemen sowie die Bereitstellung umweltverträglicher Technologie für die dritte Welt gefordert.
Bohlen zufolge sind bereits zahlreiche Waldprobleme
gelöst worden. Die Wälder sind nicht nur wichtig, weil
sie traditionell als Schutz für die Artenvielfalt und

Reinheit des Trinkwassers betrachtet werden, sondern auch, weil sie einige der Gase absorbieren, die
zur Erderwärmung beitragen könnten. Wissenschaftler haben davor gewarnt, daß die Erwärmung zu
tiefgreifenden Klimaveränderungen führen könnte.
Das Tempo des Fortschritts wurde bei den Verhandlungen im März größtenteils deshalb gebremst, weil
Brasilien und andere Entwicklungsländer die Resultate einer anderen internationalen Verhandlungsrunde
abwarten wollten, die sich mit der Kontrolle von Treibhausgasen beschäftigt, stellte Bohlen fest. Einige
Länder hätten darüber hinaus abwarten wollen, bis
eine Einigung zur Finanzierung von Umweltprogrammen in den Entwicklungsländern erreicht sei.
Bei den kürzlich in New York abgeschlossenen Verhandlungen über die Erderwärmung einigte man sich
auf die Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen mit dem Ziel, zu dem Niveau von 1990 zurückzukehren.
Die Entwicklungsländer hätten bei einer vor kurzem in
Malaysia veranstalteten Konferenz erklärt, sie befürworteten energisch ein Abkommen über die Wälder, so
Bohlen. Die Vereinigten Staaten hofften, ein solches
Abkommen werde die Grundlage eines Vertrags bilden, der später zum Schutz der Wälder ausgehandelt
werden sollte.
Amerikanische Umweltschützer haben die Vereinigten
Staaten beschuldigt, sich auf den Schutz der tropischen Regenwälder zu konzentrieren und sich gleichzeitig zu weigern, ihre eigenen Praktiken im Forstbereich zu überdenken. "Wir haben befürwortet, daß die
Prinzipien bei jeder künftigen Konvention alle Wälder
der Welt umfassen sollten, nicht nur die tropischen",
erklärte Bohlen. Dies sei seit Beginn der Verhandlungen die Position der Vereinigten Staaten gewesen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�RIAS

BERLIN

KOMMISSION
20. Mai 1992

IM GEISTE VON RIAS
Ansprache von Botschafter Kimmitt in Berlin
BERLIN - (AD) - Anläßlich der Unterzeichnung des Abkommens zur Gründung der RIAS BERLIN Kommission
hielt der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 19. Mai 1992 die
folgende Ansprache.
Herr Bundesminister,
Frau Präsidentin,
Herr Intendant,
liebe Mitarbeiter von RIAS,
verehrte Gäste,
es ist mir eine besondere Ehre, heute hier in Berlin
anwesend zu sein.
Wie für so viele meiner Landsleute ist Berlin eine
besondere Stadt mit einem ganz eigenen Reiz. Witz,
Energie, Kreativität, Entschlossenheit und Unabhängigkeit - all dies zeichnet den Geist von Berlin aus. Seit
seiner Gründung im Jahr 1946 ist RIAS Teil dieses
Geistes gewesen und hat selbst zu ihm beigetragen.
Mit der Gründung der RIAS BERLIN Kommission
markieren wir einen Wendepunkt, den Beginn eines
neuen Kapitels in der Geschichte dieser einzigartigen
Institution.
Wir sollten uns jedoch der Tatsache erinnern, daß
RIAS seit seiner Gründung gewachsen ist und sich
kontinuierlich verändert hat. Von der US-Militärregierung ins Leben gerufen, begann RIAS als Quelle
elementarer Informationen für die Bevölkerung Berlins. Er war ein Leitfaden zum Überleben, indem er
Informationen über Arbeitsplätze, Nahrungsmittel,
Brennstoff und Kleidung, über die Verteilungsstellen
für Lebensmittelkarten und die Zeiten übermittelte, zu
denen es Strom gab. Langfristig noch wichtiger war die
Tatsache, daß er eine Quelle zutreffender Nachrichten
war, die den elementaren Bestandteil von Demokratie
und Freiheit darstellen.
Im Lauf der Zeit expandierte der RIAS und begann, auf
Mittelwelle und Ultrakurzwelle zu senden. Sein Programm umfaßte Nachrichten und Unterhaltung, Musik
und Kommentare. Seine Rolle ging über die eines
lokalen Rundfunksenders für Berlin hinaus, und er
wurde zum Fenster der Freiheit für die Menschen in
Ostdeutschland. Das vom RIAS verkörperte Niveau

AMERIKA DIENST 20

eines objektiven, unvoreingenommenen Journalismus
beeinflußte die Entwicklung des Journalismus im
Nachkriegsdeutschland und hatte für die Deutschen
im Osten Modellcharakter. Die talentierten Rundfunkfachleute des RIAS paßten sich geschickt veränderten
Zeiten und einem gewandelten Publikum an.
RIAS 2, der vor einigen Jahren eingerichtet wurde und
sich an jüngere Zuhörer richtet, wurde über Nacht zum
Erfolg. RIAS 2 ist nach wie vor das populärste Programm für junge Menschen in Ostdeutschland. Auch
dem RIAS-Fernsehen - einem von den Regierungen
der Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik
Deutschland großzügig unterstützten ehrgeizigen
Vorhaben - wurde aufgrund seiner innovativen und
lebendigen Sendungen die rasche Anerkennung der
Öffentlichkeit zuteil. An dieser Stelle möchte ich dem
Beirat von RIAS TV meinen besonderen Dank aussprechen. Die hervorragenden Persönlichkeiten, die
ihre Zeit geopfert haben, um diesem neuen Programm
beratend zur Seite zu stehen, haben einen wichtigen
Beitrag zu seinem Erfolg geleistet.
Im Lauf der Zeit wurde RIAS auch in einem anderen
Sinn zum Modell. Als bilaterale Institution, die von den
Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland gemeinsam betrieben wurde, war RIAS ein Beispiel erfolgreicher deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit bei einem gemeinsamen Anliegen, das auf
gemeinsamen Werten beruhte.
Die Erlangung der deutschen Einheit am 3. Oktober
1990 markierte für den RIAS einen weiteren Wendepunkt. Einstmals eine bilaterale Institution, wird der
RIAS zu einer rein deutschen Rundfunkanstalt. RIAS
TV hat bereits den Sendebetrieb für die Deutsche
Welle aufgenommen, RIAS 2 wird schon bald unter
privater Leitung zu senden beginnen, und es bestehen
Pläne, RIAS 1 in eine neue nationale Rundfunkanstalt
einzugliedern. Die Tradition des RIAS, das von ihm so
lange verkörperte journalistische Niveau und seine

Seite 1

�langjährigen Verdienste um die transatlantischen
Beziehungen werden, davon bin ich überzeugt, in
neuen Formen und neuen Rollen von diesen Institutionen fortgeführt werden.

Als Zeuge der jüngsten Geschichte kann niemand von
uns die Bedeutung der Presse und insbesondere der
elektronischen Medien in der heutigen Weltpolitik
bezweifeln. Wie schon in der Vergangenheit werden
die deutsch-amerikanischen Beziehungen auch in
Die Tradition wird auch von der heute gegründeten Zukunft von den Medien beeinflußt. Durch die UnterRIAS-Kommission fortgesetzt werden. Das Abkom- stützung des Austauschs von Rundfunkfachleuten und
men, das wir unterzeichnen, anerkennt die Leistungen Volontären sowie durch andere medienbezogene
des RIAS in den vergangenen fünfundvierzig Jahren Maßnahmen kann die RIAS-Kommission eine effektials transatlantische Medienbrücke, die sich dem unab- ve Kraft für die Vertiefung des Verständnisses zwihängigen Journalismus und der Demokratie verschrie- schen unseren beiden Ländern sein. Sie kann unsere
ben hat. Aber die Kommission wird nicht nur den Beziehungen stärken, die für uns alle von solch lebensLeistungen der Vergangenheit Tribut zollen. Vielmehr wichtiger Bedeutung sind. Ich bin stolz darauf, für die
symbolisiert sie unser Engagement für die anhaltende Vereinigten Staaten von Amerika dieses Abkommen
Unterstützung derselben Prinzipien in der Zukunft.
über die Gründung der RIAS-Kommission zu unterzeichnen.
Ich danke Ihnen.
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�RIAS

BERLIN

KOMMISSION
20. Mai 1992

DIE RIAS BERLIN KOMMISSION
Eine Übersicht
BERLIN - (AD) - Am 20. Mai 1991 haben Präsident
Bush und Bundeskanzler Kohl gemeinsam die Gründung einer RIAS-Kommission zur Unterstützung und
Förderung von Informations- und Austauschprogrammen mit den fünf neuen Bundesländern angekündigt.
Die nach dem RIAS - Rundfunk im Amerikanischen
Sektor (von Berlin) - benannte "RIAS BERLIN Kommission" wurde am 19. Mai 1992 ins Leben gerufen, als
der Botschafter der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, und der
Bundesminister des Innern, Rudolf Seiters, das bilaterale Abkommen zur Gründung der Kommission unterzeichneten.
Der RIAS wurde im Jahr 1946 von der US-Militärregierung in Berlin gegründet, um den Bürgern von Berlin
eine zuverlässige und unabhängige Informationsquelle zu bieten. Der RIAS wurde zum wichtigen Kulturund Informationsmedium nicht nur für Berlin, sondern
auch für die Bevölkerung Ostdeutschlands. RIAS
wurde zum Synonym für Objektivität und Zuverlässigkeit sowie des amerikanischen Engagements für Berlin. Der als gemeinsame amerikanisch-westdeutsche
Rundfunkanstalt konzipierte Sender umfaßte schließlich zwei Hörfunkprogramme, RIAS 1 und RIAS 2,
sowie einen Fernsehsender, der im Jahr 1988 den
Betrieb aufnahm. Vom Fall der Berliner Mauer bis
Ende 1991 erhielt der RIAS eine Flut von nahezu 2,7
Millionen Glückwunsch- und Dankesschreiben von
ostdeutschen Zuhörern, die die historische Rolle des
RIAS unterstrichen.
Die deutsche Vereinigung im Oktober 1990 markierte
das Ende eines Kapitels in der Geschichte des RIAS
und der direkten amerikanischen Beteiligung an seinem Sendebetrieb. Die Vereinigten Staaten sind in
dieser Übergangsphase weiterhin beim RIAS engagiert, während die Regierung der Bundesrepublik
Deutschland den RIAS in das nationale Rundfunksystem integriert.
Die Bundesrepublik plant, das Programm von RIAS 1
in einem neuen nationalen Hörfunksender mit dem
Deutschlandfunk und dem ostdeutschen Sender DSKultur zu verschmelzen. Der im Herbst 1985 für junge
Zuhörer geschaffene RIAS 2 wird demnach als privaAMERIKA DIENST 20

ter Sender fortbestehen. RIAS-TV hat bereits den
Sendebetrieb als Fernsehstation der Deutschen Welle, des deutschen Auslandsrundfunks, aufgenommen.
Die RIAS BERLIN Kommission hat das Ziel, das RIASErbe des objektiven Journalismus und der deutschamerikanischen Zusammenarbeit im Zeitalter nach
dem kalten Krieg fortzuführen - durch die Förderung
der deutsch-amerikanischen Völkerverständigung im
Bereich Rundfunkwesen durch Unterstützung eines
breiten Spektrums medienbezogener Maßnahmen.
Das am 19. Mai 1992 unterzeichnete Abkommen
würdigt die Leistungen des RIAS in den vergangenen
45 Jahren als eine der unabhängigen, objektiven Berichterstattung im Geist der Demokratie verpflichtete
transatlantische Brücke.
Zu den Maßnahmen, die von der Kommission unterstützt werden können, gehören: Austausch von Personen und Informationen im Bereich Rundfunkjournalismus zwischen der Bundesrepublik Deutschland und
den Vereinigten Staaten, Unterstützung von Rundfunk- und Fernsehproduktionen, die zum deutschamerikanischen Verständnis beitragen, Zuwendungen für die gelegentliche transatlantische Übertragung
von Rundfunkproduktionen, die dieses gegenseitige
Verständnis in herausragender Weise fördern sowie
Auszeichnung von Hörfunk- und Fernsehproduktionen, die in besonderem Maße zur Völkerverständigung zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Bundesrepublik Deutschland beitragen.
Bei der Durchführung dieser Zwecke schenkt die
Kommission jenen Produktionen und Maßnahmen
besonderes Augenmerk, die in der Tradition des RIAS
den besonderen Bedingungen und Erfordernissen der
Länder Rechnung tragen, die ehemals die Deutsche
Demokratische Republik bildeten.
Die Kommission besteht aus zehn Mitgliedern, von
denen fünf Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland und fünf amerikanische Staatsbürger sind. Der
Bundesinnenminister und der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland sind Ehrenvorsitzende. Der Bundesinnenminister und der amerikanische Botschafter haben das Recht, die Kommis-

Seite 1

�sionsmitglieder ihres jeweiligen Landes zu ernennen
und abzuberufen.
Der Verwaltungssitz der Kommission wird in oder bei
Berlin sein, ihre Treffen und die Arbeit ihrer Mitarbeiter
können jedoch gegebenenfalls an anderen Orten stattfinden. Die Kommission wird durch einen Beitrag der
Bundesrepublik Deutschland von zwanzig Millionen
DM im Jahr 1992, und einen weiteren Beitrag von
ebenfalls 20 Millionen DM im Jahr 1993 finanziert. Die
Hälfte dieses Beitrags wird von der Bundesrepublik
Deutschland stellvertretend für die Vereinigten Staaten von Amerika in Anerkennung des 45jährigen
Engagements der Vereinigten Staaten für RIAS bereitgestellt. Die von der Kommission durchgeführten
Programme und anderen Aktivitäten einschließlich der
Verwaltungskosten werden durch die Zinsen und andere
aus den Kapitalreserven abgeleitete Erträge finanziert.
Die Kommission wird von der Bundesrepublik Deutschland als zwischenstaatliche Organisation anerkannt
und genießt in der Bundesrepublik Deutschland Vor-

rechte, Befreiungen und Immunitätsrechte, die in dem
am 21. November 1947 von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen angenommenen Abkommen
über die Vorrechte und Befreiungen der Sonderorganisationen niedergelegt sind. Im Rahmen ihrer jeweils
geltenden Gesetze und der Rechtsvorschriften der
Europäischen Gemeinschaften gewährt die Bundesrepublik Deutschland der Kommission Befreiung von
Abgaben und Zöllen.
Die fünf amerikanischen Mitglieder der RIAS BERLIN
Kommission wurden bereits ernannt. Es sind: Der
Direktorder Voiceof America, Chase Untermeyer, der
ehemalige Stellvertretende Verwaltungsleiter des USInformationsamts, Henry Hockeimer, die renommierte
und zur Zeit in Deutschland tätige Journalistin Elizabeth Pond, die Gesandte-Botschaftsrätin für öffentliche Angelegenheiten bei der Amerikanischen Botschaft in Bonn, Cynthia Miller und die Leiterin der
Abteilung für öffentliche Angelegenheiten bei der
Amerikanischen Botschaft - Außenstelle Berlin, Caroline Osterling.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 20

�SOZIALPOLITIK
20. Mai 1992

ARMUT IN AMERIKA TROTZ PROBLEMEN
IN INNENSTÄDTEN RÜCKLÄUFIG
Erster einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Die jüngsten Ausschreitungen
in Los Angeles haben erneut Sorgen der Öffentlichkeit
über die Eintracht zwischen den Rassen und die
Effizienz staatlicher Programme zur Bekämpfung der
Armut aus den dreißiger und sechziger Jahren geweckt.
Trotz geschätzter Ausgaben von 3,389 Billionen Dollar
für Bundessozialhilfeprogramme zwischen 1965 und
1990 deuten jüngste Untersuchungen auf eine Verbreiterung der Einkommenskluft zwischen sehr reichen und sehr armen Personen in den Vereinigten
Staaten hin.
Mehrere traditionell arme Bevölkerungsgruppen hatten beeindruckende wirtschaftliche Fortschritte zu
verzeichnen, während andere entweder nicht vorangekommen oder noch weiter ins Hintertreffen geraten
sind. In einer offenen Gesellschaft wie in den Vereinigten Staaten sind es gerade letztere, die am meisten ins
Auge fallen.
Heute leben zahlreiche schwarze, hispanische und
aus Asien stammende Amerikaner in innerstädtischen
Gebieten, die von einer starken Armutskonzentration
gekennzeichnet sind. Aufgrund des Mangels an Arbeitsplätzen und eines wachsenden Gefühls der Verzweiflung haben sich manche Jugendliche der Innenstädte dem Drogenhandel, der Bandenkriminalität und
anderen verbrecherischen Aktivitäten zugewandt, womit
sie zur Verfestigung des Teufelskreises der Armut
beitragen, dem sie entfliehen möchten.
Die Ausschreitungen in Los Angeles wurden durch den
Freispruch von vier weißen Polizisten von der Anklage
der übermäßigen Gewaltanwendung bei der Festnahme eines schwarzen Verdächtigen ausgelöst. Die
Wurzeln der Unruhe in den Innenstädten gehen jedoch
weit tiefer und sind auch in anderen amerikanischen
Städten zutage getreten.
Einer vom 6.-8. Mai 1992 durchgeführten Meinungsumfrage von New York Times/CBS News zufolge
gaben 61 Prozent der Befragten an, die Bundesregierung gebe nicht genug für die Verbesserung der Lebensbedingungen der schwarzen Amerikaner aus - gegenAMERIKA DIENST 20

über 35 Prozent, die diese Meinung im Jahr 1988
vertreten hatten. Darüber hinaus erklärten 63 Prozent,
den Problemen rassischer Minderheiten werde zu
wenig Aufmerksamkeit geschenkt - verglichen mit 34
Prozent vor vier Jahren.
Viele Amerikaner sagen jedoch auch, sie lehnten
höhere Steuern ab, die speziell für die Bewältigung
dieser und anderer mit der Armut in Verbindung stehender Probleme eingesetzt würden.
Die durch die Unruhen in Los Angeles ausgelöste
neuerliche Debatte wird teilweise durch den Eindruck
geschürt, daß die Armut in den Vereinigten Staaten in
den letzten Jahren zugenommen hat.
Tatsächlich geht aus den Daten des amerikanischen
Statistischen Bundesamts jedoch hervor, daß die Armut
in den vergangenen 30 Jahren ständig gesunken ist
und angesichts von Fluktuationen in der amerikanischen Konjunktur mal höher und mal niedriger lag.
Die Armutsquote aller Amerikaner fiel von einem Spitzenwert von 22,4 Prozent im Jahr 1959 - dem ersten
Jahr, in dem diese Informationen aufgezeichnet wurden - auf einen Tiefstand von 11,1 Prozent im Jahr
1973. Nach der Rezession von 1981/82 stieg sie im
Jahr 1983 auf 15,2 Prozent, woraufhin sie bis 1989
schrittweise auf 12,8 Prozent zurückging und im Jahr
1990 wieder auf 13,5 Prozent stieg.
Zwischen 1989 und 1990 erhöhten sich die Armutsquoten bei Weißen und Hispaniern geringfügig, während sich die Quoten bei Schwarzen und Amerikanern
asiatischer Herkunft kaum veränderten.
Armut wird in den Vereinigten Staaten traditionell
anhand der Geldmittel gemessen, die erforderlich sind,
um Alleinstehenden und Familien zu niedrigstmöglichen Kosten eine ausgewogene tägliche Ernährung zu
sichern. Diese Summe wird um den Faktor drei
multipliziert, um der Tatsache Rechnung zu tragen,
daß Amerikaner durchschnittlich ein Drittel ihres Einkommensfür Nahrungsmittel ausgeben und zu Beginn
jedes Kalenderjahres den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt.
Seite 1

�Im Jahr 1991 betrug die offizielle Armutsgrenze 6.932
Dollar für Alleinstehende, 8.867 Dollar für einen Zweipersonenhaushalt, 10.857 Dollar für einen Dreipersonenhaushalt, 13.921 für einen Vierpersonenhaushalt,
16.457 Dollar für einen Fünfpersonenhaushalt und
18.590 Dollar für einen Sechspersonenhaushalt.
Diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf das
Bruttoeinkommen vor Steuern und beinhalten keinerlei Sachleistungen an sozial Schwache in Form von
Krankenversicherung des Arbeitgebers, Lebensmittelmarken, subventionierten Ernährungsprogrammen,
medizinischen Leistungen, Sozialwohnungen und
anderen wichtigen staatlichen Leistungen. Vertreter
des Statistischen Bundesamts behaupten, bei Anrechnung der Sachleistungen läge die offizielle Armutsquote weitere 2-4 Prozent niedriger. Zur Zeit
besteht jedoch keine allgemeine Übereinstimmung
über eine Methode zur Bewertung dieser Hilfe.
Unmittelbar nach den Ausschreitungen in Los Angeles
entsandte Präsident Bush eine Arbeitsgruppe zur
Bekämpfung der Armut in die Region und gab die
Bereitstellung von rund 800 Millionen Dollar für Hilfsleistungen der Bundesregierung bekannt, um den Grundstein für den Wiederaufbau der verwüsteten Stadtgebiete zu legen.
Zu dem Hilfspaket zählen Notunterkünfte und Mietzuschüsse für durch die Unruhen obdachlos gewordene
Einwohner, Mittel zur Instandsetzung öffentlicher Einrichtungen, Katastrophendarlehen mit niedrigen Zinsen zum Wiederaufbau der beschädigten Geschäfte
und Wohnhäuser, Sofortzahlungen der Sozialversicherung an diejenigen, deren monatliche Zahlungen
durch die Ausschreitungen verzögert wurden, Verteilung von Babynahrung und anderen dringend benötigten Nahrungsmitteln an örtliche Aufbewahrungstellen
sowie die beschleunigte Bereitstellung von bereits von
der Stadt und vom Distrikt Los Angeles bewilligten
Bundesmitteln.
Nach Besuchen in Los Angeles und Philadelphia zur
Beurteilung der innerstädtischen Probleme aus erster
Hand unterbreitete Präsident Bush am 12. Mai einen 6
Punkte umfassenden Vorschlag, der die Wiederherstellung von Recht und Ordnung, die Schaffung neuer
Arbeitsplätze und die Verbesserung wirtschaflicher
Chancen für die Armen in den Stadtzentren zum Ziel
hat.
Der Bush-Plan, der in großen Teilen bereits vorlag,
aufgrund der Engpässe im Bundeshaushalt jedoch
aufgeschoben worden war, würde rund 36.000 Familien in den Innenstädten helfen, 1993 ein Eigenheim zu
erwerben und weiteren 65.000 Familien die Starthilfe
dazu geben.
Darüber hinaus würden dank dieses Plans Drogenhändler und andere kriminelle Elemente von den Stra*
Seite 2

ßen "verbannt", um ein der wirtschaftlichen Erholung
förderliches Umfeld zu schaffen, "Unternehmenszonen" geschaffen, die Investoren Steueranreize zur
Gründung von Arbeitsplätze schaffenden Unternehmen bieten, das Bildungswesen für öffentliche, private
und kirchliche Schulen verbessert, den Bundesstaaten mehr Spielraum zur Anpassung der verfügbaren
Ressourcen an den kommunalen Bedarf eingeräumt
und den Jugendlichen in den Innenstädten bessere
Arbeitsmöglichkeiten und Ausbildung geboten.
Quellen des Weißen Hauses zufolge hofft der Präsident auf die Finanzierung dieser - schätzungsweise
3,6 Milliarden Dollar betragenden - Programme ohne
Steuererhöhungen oder Überschreitung des 1990 mit
dem Kongreß vereinbarten Ausgabenlimits.
"Zweifelsohne ist es an der Zeit, alte Ideen zu verwerfen und etwas Neues auszuprobieren", erklärte Bush
bei einer Pressekonferenz am 12. Mai nach einem
Treffen mit Kongreßabgeordneten beider Parteien.
Speaker Tom Foley, der Vorsitzende der die Mehrheit
im Repräsentantenhaus haltenden Demokraten erklärte, das Treffen mit Bush sei "gut verlaufen", es
habe "viele Gemeinsamkeiten und einen konstruktiven
Ansatz zur Ausräumung von Differenzen" zwischen
Administration und den Vorschlägen des Kongresses
gegeben.
Zur Bewältigung der Armut kann der Präsident auf eine
große Bandbreite öffentlicher und privater Mittel der
Sozialhilfe zurückgreifen, die zusammen ein "soziales
Netz" schaffen, mit dem die meisten Amerikaner vor
dem geschützt werden sollen, was Präsident Franklin
Roosevelt als "die Unbilden und Wechselfälle des
Lebens" bezeichnete.
Viele dieser Programme sind im Rahmen der von
Roosevelt und dem Kongreß auf dem Höhepunkt der
Großen Depression von 1935 verabschiedeten bahnbrechenden Sozialversicherungsgesetze entstanden.
Zu dieser Kategorie zählen die Sozialversicherung für
ältere und behinderte Amerikaner, Arbeitslosenversicherung für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz ohne
eigenes Verschulden verloren haben, zusätzliche
Sozialleistungen für arme, ältere und behinderte
Amerikaner, die nicht für Sozialleistungen in Frage
kommen sowie Hilfe für Familien mit unterhaltspflichtigen Kindern.
Andere Programme verdanken ihren Ursprung Präsident Lyndon Johnsons Mitte der sechziger Jahre verabschiedetem Projekt "Krieg der Armut". Zu den seit
dieser Ära noch bestehenden und weiterentwickelten
Programmen zählen Medicare für Ältere und Behinderte, Medicaid für die Armen und Head Start, mit dem
Vorschulkindern aus Familien, deren Einkommen
unterhalb der Armutsgrenze liegt, Schulspeisungen
und Unterbringung in Tagesstätten geboten werden.

*
AMERIKA DIENST 20

�SOZIALPOLITIK
20. Mai 1992

SOZIALVERSICHERUNG BEHEBT ARMUT
UNTER ÄLTEREN AMERIKANERN
Zweiter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik
WASHINGTON - (AD) - Den Eckpfeiler des amerikanischen Sozialwesens bilden eine Reihe während der
Großen Depression von Präsident Franklin Roosevelt
und dem Kongreß im Rahmen des bahnbrechenden
Sozialversicherungsgesetzes von 1935 geschaffenener Sozialversicherungsprogramme.
Roosevelt ging zu Recht von der Annahme aus, daß
diese Programme dazu beitragen würden, die Auswirkungen eines zukünftigen wirtschaftlichen Konjunkturrückgangs aufzufangen, indem amerikanischen Arbeitnehmern eine Einkommensquelle zur Verfügung
gestellt wurde, die "die Höhe- und Tiefpunkte von
Deflation und Inflation abschwächen würde".
Eine in dieser Gesetzgebung vorgesehene Reihe von
Programmen - Rentenversicherung, Hinterbliebenenund Berufsunfähigkeitsversicherung - wurde unter
dem Namen "Sozialversicherung" bekannt.
Dem amerikanischen Rentenversicherungsverband
zufolge hat die Sozialversicherung mehr getan, um die
Armut unter älteren Amerikanern zu beheben als jede
andere Initiative im Bereich des Sozialwesens. Und
Studien des Forschungsdienstes des Kongresses einer Institution des amerikanischen Kongresses gelangen zu dem Schluß, daß die Sozialversicherung
der "Hauptgrund" für eine echte Abnahme der Armutsquote unter den älteren Mitbürgern ist.
Dem amerikanischen Statistischen Bundesamt zufolge belief sich der Anteil der Personen über 65, die 1959
- als die Bundesregierung mit der Erstellung solcher
Statistiken begann - an oder unter der Armutsgrenze
lebten, auf 33,1 Prozent. Bis 1990, dem letzten Jahr,
aus dem Daten zur Verfügung stehen - war diese Zahl
auf 12,2 Prozent gesunken und lag damit weit unter der
Armutsquote von 13,5 für die Gesamtbevölkerung.
Die Armutsgrenze für eine alleinstehende Person über
65 belief sich 1991 auf 6.532 Dollar und lag damit leicht
unter der für jüngere Mitbürger festgesetzten Grenze
von 6.932 Dollar.

AMERIKA DIENST 20

Die Sozialversicherung hat als bei weitem größter
Bestandteil des amerikanischen Sozialwesens seit
ihrer Verabschiedung umfangreiche Veränderungen
erfahren. Ihre wesentlichen Prinzipien - obligatorische
Beteiligung, Qualifizierung für ihre Leistungen durch
Tätigkeit in einer versicherungspflichtigen Beschäftigung, Leistungen auf der Grundlage des bisher erwirtschafteten Einkommens und Finanzierung durch eine
von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu entrichtenden
Lohnsummensteuer - blieben jedoch unverändert.
Im Lauf der Jahre kamen Leistungen für Familienangehörige und Hinterbliebene des pensionierten Arbeitnehmers sowie für berufsunfähig gewordene Arbeitnehmer und deren Familien hinzu. Die obligatorische
Versicherung wurde auch auf Landwirte und Hausangestellte, Freiberufler, Angehörige der Streitkräfte,
bestimmte Regierungsbeschäftigte und Angestellte
gemeinnütziger Organisationen erweitert.
Zur Zeit liegt das normale Rentenalter bei 65 Jahren.
Arbeitnehmer können jedoch auch schon mit 62 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wobei jedoch
ihre monatliche Rente auf Dauer um 20 Prozent gekürzt wird, wenn mindestens 10 Jahre lang eine versicherungspflichtige Beschäftigung bestanden hat. Ab
dem Jahr 2000 wird das normale Rentenalter für den
vollen Bezug der Rente stufenweise auf 67 Jahre
angehoben. Der vorzeitige Ruhestand bei gekürzten
Bezügen ist weiterhin mit 62 Jahren möglich, aber die
Kürzung fällt noch drastischer aus.
Bei der Einführung der Sozialversicherung im Jahr
1937 erfaßte diese weniger als 60 Prozent aller amerikanischen Arbeitnehmer. Heute deckt sie 95 Prozent
der Erwerbsbevölkerung ab. Einige Saison- und Teilzeitarbeitskräfte in Kleinunternehmen sind von der
Versicherungspflicht ausgenommen und versichern
sich auch nicht freiwillig.
Die Ausgaben für die Sozialversicherung betragen
heute etwa 25 Prozent der Gesamtausgaben des
Bundeshaushalts, und einer von sechs Amerikanern
erhält eine monatliche Rente.

Seite 1

�Der Sozialversicherungsverwaltung zufolge arbeiten
gegenwärtig etwa 132 Millionen Amerikaner in versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen, und
etwa 41 Millionen Personen werden im Jahr 1992
Leistungen in Gesamthöhe von 285 Milliarden Dollar
beziehen. Rentenzahlungen werden dieses Jahr an
etwa 28,2 Millionen Altersrentner und deren Gattinnen, 5,6 Millionen verwitwete Amerikaner, 3,7 Millionen Invaliden und deren Gattinnen sowie 3,5 Millionen
Kinder pensionierter, berufsunfähiger oder verstorbener Arbeitnehmer geleistet.
Die monatlichen Durchschnittsleistungen im Jahr 1992
variieren von 584 Dollar für eine alleinstehende Witwe
oder einen Witwer im Rentenalter, 610 Dollar für einen
berufsunfähigen alleinstehenden Arbeitnehmer von
65 Jahren oder darüber, bis zu 1.067 Dollar für ein
Rentnerehepaar, wobei beide Partner Rentenansprüche erworben haben und 1.252 Dollar für einen verwitweten Elternteil mit zwei Kindern.
Die Sozialversicherung wurde hauptsächlich geschaffen, um eine Grundlage wirtschaftlicher Sicherheit zu
gewährleisten, die durch eigene Ersparnisse, Betriebsrenten und Familienmittel ergänzt werden sollte.
Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, daß die
Sozialversicherung heute für die meisten älteren
Amerikaner die wichtigste Einkommensquelle ist. Bei
59 Prozent der Personen ab 65 Jahren stellt sie
mindestens die Hälfte des verfügbaren Gesamteinkommens, bei 24 Prozent liegt dieser Anteil bei 90 und
bei 13 Prozent der Senioren bei 100 Prozent.

Heute erhalten über ein Drittel aller Rentenbezieher
darüber hinaus eine Betriebsrente von durchschnittlich 525 Dollar im Monat, und viele beziehen zusätzliche Leistungen in Form von Steuervergünstigungen,
subventionierten Fahrten, verbilligter medizinischer
Versorgung sowie Ermäßigungen auf Lebensmittel
und Medikamente.
Zahlen des Arbeitsministeriums deuten darauf hin,
daß etwa 40 Millionen Amerikaner Mitglieder privater
Rentenversicherungen sind, die monatliche Leistungen gewähren, wenn der Versicherte in den Ruhestand tritt oder berufsunfähig wird. Diese Leistungen
erfolgen zusätzlich zu denjenigen, die bei Versicherungen auf Bundes- und Einzelstaatsebene bestehen.
Gegenwärtig gibt es etwa 1,7 Millionen private Rentenversicherungspläne, deren Gesamtmittel sich auf über
2 Billionen Dollar belaufen. Obwohl sich Mitgliedsbedingungen und Leistungen von Plan zu Plan unterscheiden, sind deren Mitglieder zumeist bei größeren
Unternehmen beschäftigt und verdienen mehr als
Nichtmitglieder.
Im Jahr 1990 erhielten über neun Millionen Amerikaner
und deren Familien Leistungen aus Betriebsrenten in
Höhe von 126 Milliarden Dollar.
Berücksichtigt man sämtliche Einkommensquellen, so
belief sich das mittlere Jahreseinkommen aller Haushalte, deren Vorstand 65 Jahre oder älter war, im Jahr
1990 auf 16.855 Dollar. Im gleichen Jahr bestanden
15,5 Millionen Haushalte, deren Vorstand eine ältere
Person war, oder 76,3 Prozent aller Haushalte dieser
Kategorie in Eigenheimbesitzern.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�WAHLEN

'9 2
20. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachstehend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (13. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen in West Virginia und Nebraska.
Bush und Clinton gewinnen zwei
Vorwahlen

weitere

Während der Termin für den unvermeidlichen Kampf
um das Weiße Haus im November immer näher rückt,
haben Präsident Bush und der Gouverneur von Arkansas, Bill Clinton, die Vowahlen ihrer jeweiligen Parteien
in West Virginia und Nebraska am 12. Mai mühelos
gewonnen.
Clinton errang in West Virginia mit einer Mehrheit von
6 zu 1 einen großen Vorsprung vor seinem verbliebenen demokratischen Herausforderer, dem ehemaligen
kalifornischen Gouverneur Jerry Brown und konnte
alle 31 Delegierten dieses Bundesstaates für den
nationalen Parteitag auf sich vereinigen. In Nebraska
betrug Clintons Vorsprung 2 zu 1, wo 17 Prozent der
demokratischen Wähler sich nicht eindeutig für einen
Präsidentschaftskandidaten entschieden hatten.
Clinton, der nur noch 436 Delegierte zur Nominierung
benötigt, hat die Gründung eines Gremiums bekanntgegeben, das mögliche Aspiranten für die Vizepräsidentschaftskandidatur sondieren soll. Den Vorsitz
dieser Kommission führt Warren Christopher, ein
ehemaliger Staatssekretär im US-Außenministerium
und Veteran dreier demokratischer Regierungen.

Die neuesten Zahlen
Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.145)
Clinton
Nichtgebunden

631

Tsongas

526

Brown

357

Republikaner (zur Nominierung erforderlich: 1.105)
Bush
Buchanan
Nichtgebunden

Ebenfalls in West Virginia hat der demokratische
Gouverneur Gaston Caperton bei seiner Kandidatur
um die Wiederwahl vier Herausforderer besiegt und
wird sich im November dem republikanischen Beauftragten für die Landwirtschaft, Cleve Benedikt, gegenübersehen.
AMERIKA DIENST 20

1.236
70
8

Ergebnisse der Vorwahlen vom 12. Mai
Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 12.
Mai erhalten hat.
West Virginia
Demokraten

Auf der republikanischen Seite konnte Bush in den
beiden Bundesstaaten über 80 Prozent der Stimmen
auf sich vereinigen. Sein konservativer Herausforderer Pat Buchanan bleibt im Rennen, obwohl der Präsident bereits die Unterstützung von mehr als genug
Delegierten zur Sicherstellung seiner Nominierung
hat.

1.709

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

74

Brown

12

Tsongas

7

Sonstige

7

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

81

Buchanan

15

Sonstige

4
Seite 1

�Nebraska
Demokraten

Republikaner
Prozentsatz der Stimmen

Bush

84
14

Clinton

48

Buchanan

Brown

22

Sonstige

Tsongas
Nichtgebunden
Sonstige

Prozentsatz der Stimmen

2

7
17
6
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11461">
                <text>20.05.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11462">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11463">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11464">
                <text>Amerikadienst 20.05.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11465">
                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush wird an Umweltgipfel in Rio teilnehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten sehen gute Chancen für Abkommen in Rio&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Verhandlungen vor Abschluß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. RIAS Berlin Kommission&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Geiste von Rias&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Kimmitt in Berlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die RIAS Berlin Kommission&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Sozialpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Armut in Amerika trotz Problemen in Innenstädten rückläufig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erster einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sozialversicherung behebt Armut unter älteren Amerikanern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zweiter einer Reihe von Artikeln zur US-Sozialpolitik&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2246" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2257">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/6365384484612b050c8f017793ccbafa.pdf</src>
        <authentication>978b10112021a925454861991e52c690</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11460">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

19

13. Mai 1992

5300 &amp;°°n

USA-EUROPA

DIE TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN:
EINE STABILE GRUNDLAGE FÜR DIE ZUKUNFT
EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt

KSZE

USA FORDERN EINSTWEILIGEN AUSSCHLUSS
SERBIENS AUS DER KSZE
Rede von Botschafter Kornblum beim
KSZE-Folgetreffen

UNRUHEN IN LOS ANGELES

BUSH: NACH AUSSCHREITUNGEN IN
LOS ANGELES "EHRLICHE AUSSPRACHE"
ERFORDERLICH
Videokonferenz mit Zeitungsverlegern
- Auszüge -

MEINUNGSUMFRAGEN ZUM KING-URTEIL
Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen
gegen Freispruch

UMWELT

KLIMAKONVENTION FÜR GIPFEL
IN RIO VERABSCHIEDET
Abkommen soll Erderwärmung aufhalten

WAHLEN '92

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delegierten und Ergebnisse
der Vorwahlen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�USA-EUROPA
13. Mai 1992

DIE TRANSATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN:
EINE STABILE GRUNDLAGE FÜR
DIE ZUKUNFT EUROPAS
Rede von Botschafter Kimmitt
BONN - (AD) - In einer Rede vor der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität erörterte der Botschafter der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, Robert M. Kimmitt, am 6. Mai 1992 die
historische Übergangsphase, in der sich die transatlantische Gemeinschaft heute befindet und ging auf die
Institutionen, die die neue Sicherheitsarchitektur bilden, den Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetunion und
Osteuropas sowie das amerikanische Engagement in den neuen Bundesländern ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kimmitt im Wortlaut.

Einleitung
Es ist mir eine große Freude, heute die Rheinische
Friedrich-Wilhelms-Universität mit ihrer langen und
reichen Tradition herausragender akademischer Leistungen besuchen zu dürfen, und ich fühle mich geehrt, daß Sie mich eingeladen haben, heute abend
einen Vortrag zu halten. Das Nordamerika-Programm
dieser Universität genießt verdientermaßen den Ruf,
einer der besten Fachbereiche für Amerikanistik in
Deutschland zu sein. Professor Hönnighausen und
allen mit diesem wichtigen Programm betrauten Dozenten gebührt Lob. Ich möchte jedoch auch die
Studenten beglückwünschen, die ihr Examen im Rahmen
des Nordamerika-Programms ablegen. Wir wissen
die von Ihnen zur Vertiefung des Verständnisses meines
Landes geleistete Arbeit au ßerordentlich zu schätzen,
und Sie können unserer weiteren Unterstützung Ihrer
Bestrebungen versichert sein.
Für gewöhnlich halte ich Reden vor einem deutschen
Publikum in deutscher Sprache. Angesichts Ihres
besonderen Interesses an Nordamerika und Ihrer
Vertrautheit mit unserer Kultur und Sprache haben
Ihre Dozenten und meine Mitarbeiter mich jedoch
überzeugt, daß es angemessener wäre, meine Rede
heute abend auf englisch zu halten.
Einer der ersten und größten Philosophen und Staatsmänner meines Landes, Thomas Jefferson, war ein
beredter Befürworter der Bildung in einer Demokratie.
Jefferson war der dritte amerikanische Präsident und
Hauptverfasser unserer Unabhängigkeitserklärung einem der wichtigsten Dokumente der Menschheit zu
den Menschenrechten. Er war auch der Gründer einer
AMERIKA DIENST 19

unserer renommiertesten öffentlichen Universitäten,
der University of Virginia in meinem Heimatstaat. Als
Verfechter von Bildung als Grundstein politischer Freiheit
schrieb Jefferson, daß Freiheit und Ignoranz unvereinbar sind. Bildungsinstitutionen wie in Charlottesville
(Virginia) und Bonn sind daher das Kernstück unserer
jeweiligen demokratischen Systeme.
Bildungsinstitutionen sind auch das Kernstück unserer
Beziehungen als Nationen zueinander. Die jüngsten
deutschen Initiativen unter der Schirmherrschaft von
Bundeskanzler Kohl und Professor Werner Weidenfeld ermutigen amerikanische Studenten, mehr über
Deutschland und die Europäische Gemeinschaft zu
lernen. Zu diesen Initiativen zählen das Bundeskanzler-Stipendium, mit dem junge amerikanische Dozenten an deutsche Universitäten eingeladen werden und
die kürzlich an den drei führenden amerikanischen
Universitäten Harvard, Georgetown und der University
of California eingerichteten Centers of Excellence for
European Studies. Die Vereinigten Staaten begrüßen
Bildungsprogramme wie diese, denn sie führen uns
über die Ereignisse und Klischees des Alltags in die
höheren Sphären von Verständnis und Erfahrung.
Länder wie Deutschland und Amerika sind vielfältig
und komplex, häufig scheinbar widersprüchlich. Man
kann Länder und zahllose Fakten darüber kennen, sie
jedoch immer noch nicht verstehen. Verstehen erfordert Bemühungen und Studien, nicht nur der Sprache
eines Landes, sondern auch seiner historischen Entwicklung, der politischen und wirtschaftlichen Strukturen, philosophischer Traditionen, künstlerischer Leistungen und des sozialen Gefüges.

Seite 1

�Die jüngsten Ausschreitungen in Los Angeles sind ein
anschaulicher - wenn auch tragischer - Beweis dieser
Tatsache. Sie demonstrieren, wie wir in den Vereinigten Staaten immer noch lernen, unsere unterschiedliche ethnische Herkunft mit unseren Grundrechten und
Pflichten als Bürger in Einklang zu bringen. Eines
unserer höchsten Ideale ist soziale Gleichberechtigung unabhängig von der Rasse, das wir sowohl in der
Praxis als auch im Grundsatz erzielen wollen.
Im Idealfall wird internationales Verständnis auch durch
die Erfahrung des Studiums, der Arbeit und des Aufenthalts in einem anderen Land erzielt, das heißt,
durch das Erlebnis neuer kultureller Voraussetzungen
und Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum
hinweg. Ich schätze mich glücklich, die Gelegenheit zu
solch einer Erfahrung in Deutschland in einer frühen
und formenden Phase meines Lebens gehabt zu haben.
Als junger Mann habe ich hier mehrere Jahre gelebt,
während mein Vater in den sechziger Jahren als
Offizier der US-Armee hier diente, und ich bin sehr
stolz, als Vertreter meines Landes hierhin zurückgekommen zu sein.
Heute abend möchte ich mit Ihnen die historische
Übergangsphase erörtern, in der sich unsere transatlantische Gemeinschaft jetzt befindet, die Institutionen, die die neue Sicherheitsarchitektur bilden, den
Wiederaufbau der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropas und das amerikanische Engagement in den
neuen Bundesländern.
Zeit des Übergangs
Seit über vier Jahrzehnten arbeiten Westeuropa und
die Vereinigten Staaten zur Gewährleistung ihrer Sicherheit zusammen. Unsere Bestrebungen haben
mehr Früchte getragen, als die meisten von uns je zu
träumen gewagt hätte.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit haben die Vereinigten Staaten Westeuropa gegen seine drängendsten Gegner verteidigt: "Hunger, Armut, Verzweiflung
und Chaos", wie es der damalige Außenminister George
C. Marshall bezeichnete, als er 1947 seinen berühmten Plan darlegte. Diese Rede wurde in der ältesten
Institution für Hochschulbildung der Vereinigten Staaten, der Harvard University, gehalten, eine Tatsache,
die das Beziehungsgeflecht in unserem demokratischen System zwischen Bildung, Freiheit und humanitärer Anteilnahme für die Bedürftigen unterstrich.
Der Marshallplan war die Saat der bemerkenswerten
Erholung Europas und insbesondere Westdeutschlands. Aufgrund der enormen Kreativität im Westen
Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren wurden
Programme und Institutionen geschaffen, die frische
Wunden heilten, einen ehemaligen Gegner zu einem
starken Verbündeten machten und die stabile Grundlage der transatlantischen und Europäischen Gemeinschaft schufen. Im gesamten Verlauf des kalten

Seite 2

Krieges haben sich die Vereinigten Staaten und ihre
westlichen Verbündeten standhaft dagegen gewehrt,
daß der Kommunismus sein Einflußgebiet ausweitete.
Ereignisse historischen Ausmaßes begannen im
November 1989 mit der Öffnung der Berliner Mauer
und erreichten ihren Höhepunkt im vergangenen Herbst,
als das kommunistische System in der Sowjetunion
zusammenbrach. Demokratische Werte triumphierten, gemeinsam haben wir den kalten Krieg gewonnen.
Jetzt stehen wir an einem besonders wichtigen Scheideweg in der Geschichte, da sowohl Europa als auch
die Vereinigten Staaten erwägen, wie sie am besten
bei der Gewährleistung unserer gemeinsamen Sicherheit, Freiheit und unseres Wohlstands für die Zukunft
zusammenarbeiten können. Die Herausforderungen,
mit denen wir uns heute bei der Umstrukturierung der
Sicherheitsordnung nach dem kalten Krieg konfrontiert sehen, sind unterschiedlicher Art, aber nicht weniger
wichtig oder einschneidend als diejenigen, denen sich
unsere Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg gegenübersahen. Dieselbe Art der Kreativität wie nach
dem Zweiten Weltkrieg ist jetzt beim Aufbau der neuen
Institutionen erforderlich, die in der euro-atlantischen
Gemeinschaft von Vancouver bis Wladiwostok reichen werden. Wie am Ende des Zweiten Weltkriegs
müssen wir jetzt unsere ehemaligen Gegner in unsere
Gemeinschaft einbeziehen, indem wir ihnen und uns
gegenüber die Notwendigkeit betonen, unsere gemeinsamen Werte anzunehmen: Demokratie, Respekt für den einzelnen und Rechtsstaatlichkeit sowie
freie Marktwirtschaften.
Dennoch ist die Situation nicht identisch mit der in den
vierziger Jahren. Im Gegensatz zur unmittelbaren
Nachkriegszeit halten die Vereinigten Staaten weder
50 Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt, noch
sind wir weltweit die einzige Atommacht. Unser bevorzugter Ansatz zur Verwirklichung dieses Ziels ist daher
eine Politik des kollektiven Engagements - die Länder
vereinigen ihre Ressourcen und Talente beim gemeinsamen Streben nach einer besseren Welt in Europa
und darüber hinaus.
Die wirklichen Bedrohungen der Sicherheit kommen in
diesem Jahrzehnt nicht von der klassischen Konfrontation zwischen Supermächten, sondern von der sich
aus dem Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums, Revolutionen andernorts, der Weiterverbreitungvon Kernwaffen, Drogenhandel und - wie wir es im
Golfkrieg beobachten konnten - Umweltterrorismus
ergebenden Instabilität. Um uns gegen solche Gefahren zu wappnen, müssen wir alte multinationale Institutionen wie NATO, KSZE, die Europäische Gemeinschaft und die Vereinten Nationen mit neuem Leben
erfüllen und mögliche neue wie den Nordatlantischen
Kooperationsrat entwickeln. Wir müssen uns auch vor
Augen führen, daß die kulturellen, wirtschaftlichen und

AMERIKA DIENST 19

�handelspolitischen Aspekte unserer Beziehungen in
den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung
gewinnen, währen die transatlantischen Sicherheitsverbindungen so wichtig wie zuvor bleiben.
Institutionen für die neue Sicherheitsarchitektur
Wir haben heute das Glück, daß im Gegensatz zu vor
45 Jahren die Institutionen, die das Bollwerk unserer
multilateralen Bestrebungen bilden werden, bereits
existieren und erprobt sind, obwohl sie offensichtlich
an neue Gegebenheiten angepaßt werden müssen.
In gewissem Sinne kann die Konferenz für Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa, die KSZE, mit Stolz
für sich in Anspruch nehmen, den Rahmen für Ideale
zu bilden, in dem die Institutionen eher technischer
Natur richtig funktionieren können. Im Einklang mit
den Veränderungen in Europa setzten sich die Vereinigten Staaten neben anderen an führender Stelle
dafür ein, die KSZE von einem schlichten Prozeß zu
einer Institution umzuwandeln. Sie ist die einzige
paneuropäische und gleichzeitig transatlantische Institution mit 51 Nationen als Mitgliedern, die sich von
Vancouver bis Wladiwostok erstreckt.
Bei der Eröffnung des KSZE-Folgetreffens in Helsinki
im März legte der Stellvertretende Außenminister
Lawrence Eagleburger die amerikanische Sichtweise
unserer vier Punkte umfassenden Zielsetzung für die
KSZE in der Zeit nach dem kalten Krieg dar:
als Maßstab für die Bewertung der Einhaltung
von Demokratie und Menschenrechten zu dienen,
ein Forum für politische Konsultationen und
konzertierte Aktionen zur Bewältigung des
Wandels bereitzustellen,
als wichtigstes Forum für Gespräche über konventionelle Rüstungskontrolle in Europa zu dienen und
die Arbeit zum Aufbau demokratischer Institutionen und marktwirtschaftlicher Reformen zu
unterstützen.
Damit verkörpert die KSZE die von der euro-atlantischen Gemeinschaft angenommenen Werte und Ideale. Alleine ist die KSZE jedoch nicht in der Lage, auf all
die heute in Europa bestehenden Sicherheitsbedürfnisse einzugehen. Aus diesem Grund müssen wir uns
auf einen alten und erprobten Freund verlassen, die
Organisation des Nordatlantikvertrags.
Die NATO bildet nach wie vor den Eckpfeiler der
europäischen Sicherheit und spielt weiterhin eine
Schlüsselrolle bei der Stabilisierung ganz Europas.
Darüber hinaus ist die NATO die Verkörperung der
transatlantischen Verbindung zwischen Nordamerika

AMERIKA DIENST 19

und Europa, eine Verbindung, die in den kommenden
Jahrzehnten ebenso wichtig sein wird wie in der Vergangenheit.
Präsident Bush hat eindeutig klargestellt, daß die
Vereinigten Staaten eine europäische Macht sind und
bleiben werden. Als Reaktion auf das verbesserte
Sicherheitsumfeld in Europa reduzieren wir die amerikanischen Streitkräfte hier um die Hälfte. Wir werden
jedoch einsatzfähige amerikanische Streitkräfte in
Europa und Deutschland stationiert lassen, solange
unsere Verbündeten dies wünschen. Und obwohl es
in den Vereinigten Staaten in diesem Wahljahr eine
Debatte über die Zahl der verbleibenden Streitkräfte
geben könnte, wird eine glaubwürdige amerikanische
Präsenz in Europa von beiden Häusern des Kongresses nachhaltig unterstützt. Trotz der offenkundigen
Priorität, die amerikanische Wähler innenpolitischen
Problemen beimessen, machen sie deutlich, daß die
Vereinigten Staaten nicht in Isolationismus verfallen
dürfen, denn um zu Hause stark sein zu können,
müssen wir im Ausland stark sein.
Aus diesem Grund wird die NATO nicht nur die politischen Mechanismen und die militärische Hardware
zur Aufrechterhaltung einer starken und glaubwürdigen Verteidigung bereitstellen, sondern dank der ihr
eigenen Stärke die Führungsrolle übernehmen, um
maßgeblich zur Bewältigung des friedlichen Wandels
in Europa beizutragen. In diesem Zusammenhang
möchte ich einen starken Befürworter der NATO zitieren, der das Bündnis als "reine Verteidigungsgemeinschaft" beschrieben hat, "die dazu beigetragen hat
sicherzustellen, daß dieser Kontinent für nahezu ein
halbes Jahrhundert von Krieg verschont blieb". Diese
Worte stammen weder von einem Amerikaner, noch
einem Deutschen oder einem anderen NATO-Mitglied. Es sind vielmehr die Worte von Vaclav Havel,
dem Präsidenten der Föderation der Tschechischen
und Slowakischen Republik.
Einer der Hauptindikatoren der Fähigkeit der NATO,
sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen, war
die Reaktion des Bündnisses auf den Wunsch der
Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts und der
Sowjetunion, Verbindungen zur NATO aufzunehmen.
Auf der Grundlage einer von Außenminister Genscher
und seinem Amtskollegen Baker ins Leben gerufenen
Initiative gründete die NATO im vergangenen Herbst
den Nordatlantischen Kooperationsrat oder NAKR.
Der NAKR dient als Treffpunkt zwischen Ost und
West, um sowohl umfassende Sicherheitsfragen als
auch spezifische Verteidigungsangelegenheiten anzusprechen. Am 1. April dieses Jahres kamen die
Verteidigungsminister der NAKR-Staaten zum ersten
Mal zusammen, um einen Arbeitsplan für die Zukunft
zu entwerfen. Zu den wichtigsten Elementen des
Arbeitsplans zählt die Konversion der Rüstungsindu-

Seite 3

�strie für zivile Zwecke sowie Hilfe bei der Integration
des Militärs in demokratische Gesellschaften in den
aufstrebenden Staaten Ost- und Mitteleuropas und
der ehemaligen Sowjetunion.
Ein anderer Weg, mit dem die NATO und damit die
europäische Sicherheit verbessert werden kann, besteht in der Stärkung einer europäischen Sicherheitsidentität. Die Vereinigten Staaten waren seit langem
ein Verfechter der europäischen Integration und haben
die Ergebnisse des Maastrichter Gipfeltreffens vom
vergangenen Dezember begrüßt. Eines der Schlüsselelemente des Integrationsprozesses ist die Entwicklung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik in der Europäischen Gemeinschaft.
Das NATO-Ministertreffen in Kopenhagen, der NATOGipfel in Rom und das Treffen in Maastricht haben die
Absicht Europas bekräftigt, die NATO als wichtigste
Sicherheitsorganisation in Europa aufrechtzuerhalten.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft stimmen überein, daß die Entwicklung eines
starken europäischen Sicherheitspfeilers die NATO
ergänzen, nicht mit ihr konkurrieren sollte. Bei der
Verfolgung dieses gemeinsamen Ziels müssen wir
eine Nullsummenanalyse entschieden zurückweisen,
ein Konzept, das fälschlicherweise davon ausgeht,
eine stärkere europäische Sicherheitsidentität könne
sich nur auf Kosten der NATO ergeben. Unser Ziel ist
sowohl ein stärkeres Europa als auch eine stärkere
NATO.
Aufbau des Ostens
Wir verfolgen dieses gemeinsame Ziel, weil das Schicksal der Vereinigten Staaten eng mit dem Europas
verbunden ist. Amerikas demokratische Prinzipien
wurden auf europäischem Boden entworfen, gelangten auf unserem Kontinent zur Reife und beeinflussen
heute alle anderen Demokratien einschließlich der
jetzt in Osteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten - GUS - entstehenden in hohem Maße. In
seiner Rede vor dem amerikanischen Kongreß 1990
sprach Präsident Havel beredt davon, wieviel Anregung er und zahlreiche andere durch die amerikanischen Verfassung und die Bill of Rights erhalten haben.
Wohlstand, Technologie und die politische Kultur der
Vereinigten Staaten und Westeuropas zusammengenommen sind voll und ganz zur Bewältigung der Herausforderungen der Zeit nach dem kalten Krieg in der
Lage. Für die internationale Sicherheit ist es von
entscheidender Bedeutung, daß sich politisch legitime, stabile Demokratien in Osteuropa und der GUS
entwickeln. Wir alle in der transatlantischen Gemeinschaft teilen eine besondere Verpflichtung, diesen
aufstrebenden Demokratien bei ihren Bemühungen
zur Entwicklung freier Institutionen und Marktwirtschaften zur Seite zu stehen.

Seite 4

Im September vorigen Jahres definierte Außenminister Baker fünf Prinzipien, von denen sich die amerikanische Politik gegenüber den neuen Mitgliedstaaten
der GUS leiten läßt. Wir möchten, daß sie das
Selbstbestimmungsrecht ihrer Völker achten, demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien einhalten, die
Menschenrechte, einschließlich des Schutzes von
Minderheiten gewährleisten, bestehende Grenzen
achten und ihre Veränderung nur mit friedlichen Mitteln
sowie mit Zustimmung der anderen Seite anstreben
und schließlich, daß sie internationale Verpflichtungen
und die Normen des Völkerrechts einhalten, insbesondere die Bestimmungen der Schlußakte von Helsinki
und der Charta von Paris.
Im wirtschaftlichen Bereich leisten die Vereinigten
Staaten Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion
umfassende und mannigfaltige Hilfe. Die amerikanische Unterstützung für die GUS beläuft sich bis heute
auf 5 bis 6 Milliarden Dollar. Darüber hinaus helfen wir
Osteuropa. In den Jahren 1990 und 1991 betrug diese
Unterstützung insgesamt 2 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr lieferten die Vereinigten Staaten 18
Millionen Tonnen Nahrungsmittel, außerdem Bekleidung, Unterkünfte und medizinische Hilfsgüter in die
Sowjetunion. Darüber hinaus leisten die Vereinigten
Staaten die größten Kapitalbeiträge eines einzelnen
Landes zu den für Osteuropa und die GUS eingerichteten Investitionsfonds von Weltbank, Internationalem
Währungsfonds und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung.
Mit Geld alleine lassen sich unsere gemeinsamen
Ziele jedoch nicht verwirklichen. Darüber hinaus müssen
wir direkt auf die Bürger zugehen. Eingedenk dieses
Ziels haben wir Botschaften in allen Staaten der GUS
eröffnet. Erst gestern hat der Direktor des amerikanischen Peace Corps in Washington angekündigt, daß
bis zum Jahr 1993 etwa 500 Freiwillige des Peace
Corps in der GUS tätig sein sollen. Im Weißen Haus
werden Präsident Bush und der ukrainische Präsident
Krawtschuk ein Abkommen über die Entsendung von
Freiwilligen des Peace Corps in die Ukraine unterzeichnen. Diese werden hauptsächlich in den Bereichen wirtschaftliche Entwicklung und Englischunterricht tätig werden. Zu ihnen zählt der Präsident eines
Stahluntemehmens ebenso wie ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender einer Vertriebsfirma für Nahrungsmittel. Die Freiwilligen erhalten für ihre Arbeit keinerlei
Gehalt, sondern lediglich die Kosten für Unterkunft und
Verpflegung werden vergütet. Wir sind sehr stolz auf
diese Amerikaner, die unsere Tradition freiwilligen
Dienstes in der ehemaligen Sowjetunion unter Beweis
stellen werden.
Die Vereinigten Staaten begrüßen voll und ganz alles,
was die Bundesrepublik Deutschland getan hat und
weiterhin tut, um den aufstrebenden Demokratien
Europas zu helfen. Deutschland stand bei den Bestre-

AMERIKA DIENST 19

�bungen an vorderster Front, die neuen Staaten Osteuropas in europäische Organisationen wie die KSZE
einzugliedern und sie durch den Nordatlantischen
Kooperationsrat enger an die NATO heranzuführen.
Die Deutschen haben ferner erhebliche Summen für
bilaterale Unterstützung und humanitäre Hilfe aufgebracht, und die Bundesrepublik Deutschland hat eine
führende Rolle übernommen, um andere Staaten zur
Beteiligung an dieser Hilfe zu veranlassen.
In diesem Geist der Zusammenarbeit kündigten Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush letzten Monat
einen multilateralen Hilfsplan der Gruppe der sieben
führenden Industrieländer für Rußland im Gesamtumfang von 24 Milliarden Dollar an. Die Vereinigten
Staaten werden etwa 25 Prozent dieser Summe aufbringen. Die G-7 unternahm diesen Schritt, um ihre
Unterstützung für die anhaltenden Reformbemühungen Rußlands zu unterstreichen. Weitere Formen
westlicher Hilfe für die GUS und Osteuropa werden
beim Weltwirtschaftsgipfel von München im Juli auf
der Tagesordnung stehen. Wir müssen zusammenarbeiten, um sozialen Unruhen und wirtschaftlicher Instabilität in dieser Region Einhalt zu gebieten und bei
den Menschen Vertrauen in die demokratischen Institutionen aufzubauen. Die Vereinigten Staaten engagieren sich weiterhin dafür, ganz Europa Einheit und
Freiheit zu bringen, denn wir sind uns der Tatsache
bewußt, daß ein vereinigtes Europa einen positiven
Einf lu ß auf Stabilität, Demokratie und Wohlstand in der
ganzen Welt haben wird.
Die neuen Bundesländer
Nirgendwo sind die Herausforderungen - und Chancen
- für die neuen Demokratien und Marktwirtschaften
offenkundiger als in dem Gebiet, das die ehemalige
Deutsche Demokratische Republik umfaßt. Seit der
politischen Vereinigung am 3. Oktober 1990 haben
sich Politiker und Bürger dieses Landes mit den beispiellosen Herausforderungen der Integration zweier
verschiedener Gesellschaften auseinandergesetzt.
Diese Herausforderungen gehen auch die Amerikaner
an. Tatsächlich spielen die wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte der deutschen Vereinigung heute eine
Schlüsselrolle in der bilateralen Tagesordnung.
Ohne ihre alten Freunde im Westteil Deutschlands zu
vernachlässigen, richten die Vereinigten Staaten ihre
Aufmerksamkeit heute vorrangig auf die fünf neuen
Bundesländer. Im wirtschaftlichen Bereich sind nahezu 150 amerikanische Firmen tätig, und die fünf führenden Unternehmen haben über 2 Milliarden DM
investiert und über 20.000 Arbeitsplätze geschaffen
oder erhalten. Im Jahr 1991 haben der Treuhand
zufolge amerikanische Unternehmen zusätzliche Investitionen von 1,5 Milliarden DM in Treuhandunternehmen zugesagt. Diese Firmen vertreten die Bauindustrie, Elektronik, Automobilindustrie, Pharmazeutik,
Telekommunikation, Bankwesen, Einzelhandel und
die Reisebranche. Diese amerikanischen Unterneh-

AMERIKA DIENST 19

men tragen dazu bei, die Infrastruktur Ostdeutschlands zu erneuern, seine Technologie zu modernisieren, seine Arbeitnehmer umzuschulen und den Lebensstandard in Ostdeutschland zu heben.
Die Botschaft übernimmt eine führende Rolle dabei,
noch mehr amerikanische Firmen zu einem Engagement zu ermutigen. Unsere Handelsabteilung berät
amerikanische Unternehmen bei Investitionen in Ostdeutschland - und zwar sowohl durch direkte Beratung
als auch durch Information von Firmen in den Vereinigten Staaten über spezifische Investitionsmöglichkeiten. Wir helfen interessierten Unternehmen, die richtigen Kontakte bei derTreuhand, Gemeindeverwaltungen und Landesregierungen sowie ostdeutschen Firmen herzustellen. Wir vergrößern unseren wirtschaftlichen Mitarbeiterstab in Berlin, und wir haben nun
auch einen wirtschaftlichen Berater in Leipzig. Im
Rahmen von 'Trade Days" in Sachsen, SachsenAnhalt und Thüringen haben wir Geschäftspartner
miteinander in Kontakt gebracht. Wir nutzen westliche
Industrie- und Handelsmessen, insbesondere die in
Hannover, um ostdeutsche und amerikanische Wirtschaftsvertreter miteinander bekannt zu machen. Die
amerikanisch-deutsche Wirtschaftszusammenarbeit in
den neuen Ländern stellt eine beispielhafte wirtschaftliche Partnerschaft dar. Sie stellt unser gemeinsames
Engagement für die freie Marktwirtschaft als besten
Weg unter Beweis, um die wirtschaftliche Wiederbelebung in den neuen Bundesländern zu verwirklichen.
Für dieses akademische Publikum ist jedoch wahrscheinlich der kulturelle Aspekt des Einigungsprozesses von größter Bedeutung. Die Vereinigten Staaten
engagieren sich in einem anhaltenden Prozeß dafür,
den Ostdeutschen die demokratischen Werte zu vermitteln, die unsere beiden Staaten gemeinsam haben.
Obenan auf unserer Prioritätenliste stehen Programme, die der akademischen und intellektuellen Freiheit
gewidmet sind, der Pressefreiheit und dem politischen
Wahlprozeß. Während wir unsere seit langem bestehenden Austauschprogramme und Fortbildungsseminare in den westlichen Ländern fortsetzen, gilt ein
Hauptaugenmerk der Botschaft heute der Einrichtung
und Aufrechterhaltung von Kontakten mit Bürgern der
ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik. Seit
der Vereinigung Deutschlands haben wir an mehreren
wichtigen Programmen gearbeitet, um dieses Ziel zu
verwirklichen. Dazu gehören folgende Aktivitäten:
Anfang Juli werden wir ein neues Amerika Haus
in Leipzig eröffnen. Wie unsere anderen Kulturzentren weltweit wird es eine umfangreiche
Bibliothek mit amerikanischen Büchern und
Zeitschriften aufweisen, und seine Programme
werden als Fenster zur zeitgenössischen amerikanischen Gesellschaft dienen. Darüber hinaus wird es mit unserem modernstes Computersystem zur Informationsrecherche ausgestattet
sein.

Seite 5

�In Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen
erweitern wir unser Programm für den Englischunterricht sowie Amerikanistikstudien in den
neuen Bundesländern. Insbesondere arbeiten
wir mit dortigen Englischlehrern zusammen, um
sie mit modernen Methoden des Englischunterrichts und der Amerikanistik bekannt zu machen. Jahrzehntelang wurden Lehrer und Schüler dort lediglich mit Propaganda und Falschinformationen abgespeist. Wir haben in den neuen
Bundesländern einen echten Hunger nach Informationen über Amerika festgestellt und tun
unser Bestes, um ihn zu befriedigen.
Unser internationales Besucherprogramm wurde mit zusätzlichen Mitteln aufgestockt und
erweitert. Dieses Programm ermöglicht jüngeren Aufsteigern aus verschiedenen Berufssparten einmonatige intensive Studienreisen in die
Vereinigten Staaten. Über fünfzig Deutsche
aus den neuen Bundesländern haben seit der
deutschen Vereinigung an diesem Programm
teilgenommen, und diese Zahl wird weiter steigen.
Ein neues von den Regierungen der Vereinigten
Staaten und Deutschlands gemeinsam unterstütztes Programm ermöglicht es Gruppen von
Parlamentariern, Journalisten und Lehrkräften
aus den neuen Bundesländern, die Vereinigten
Staaten zu besuchen und wichtige Kontakte in
ihren Tätigkeitsbereichen herzustellen.
Bundeskanzler Kohl und Präsident Bush haben
die Gründung der RIAS-Kommission angekündigt, die die Förderung von Kontakten zwischen
Medienvertretern in den neuen Ländern und
den Vereinigten Staaten zum Ziel hat.
Das parlamentarische Patenschaftsprogramm
Kongreß/Bundestag wurde auf die fünf neuen
Länder ausgedehnt. Dieses Programm, das
heute nahezu zehn Jahre alt ist, bietet deutschen und amerikanischen Schülern die Gelegenheit, ein ganzes Jahr im jeweils anderen
Land zu verbringen, dort bei Gastfamilien zu
leben, die Schule zu besuchen und dauerhafte
Freundschaften zu schließen. Die erste Gruppe
junger Ostdeutscher, die an diesem Programm
teilnahm, reiste im Jahr 1990 in die Vereinigten
Staaten. Darüber hinaus haben wir auch junge
Amerikaner in die neuen Bundesländer geschickt.
Mit der Schließung einiger amerikanischer Stützpunkte in Westdeutschland werden englischsprachige Bibliotheksbestände akademischen
Zuschnitts von diesen Stützpunkten an Universitäten und andere Institutionen in den neuen
Ländern übergeben. Bis heute waren zehn
ostdeutsche Universitäts-, Regional- und Stadtbibliotheken Empfänger von Beständen im
Gesamtumfang von über 130.000 Bänden.
Seite 6

Besonders eingehen möchte ich auf das Fulbright-Programm in Deutschland, das größte
staatlich geförderte binationale Austauschprogramm der Welt. Seit seiner Gründung vor 40
Jahren haben 12.000 Deutsche an dem Programm teilgenommen, von denen einige vielleicht heute abend hier anwesend sind. Dieses
Programm wurde auf die neuen Ländern ausgedehnt, um ostdeutsche Universitäten und Intellektuelle mit ihren Kollegen in den Vereinigten
Staaten in Kontakt zu bringen. Im nächsten
akademischen Jahr wird ein Viertel aller deutschen Fulbright-Stipendiaten aus Ostdeutschland kommen. Um diese verstärkte Einbeziehung ostdeutscher Professoren und Studenten
zu erleichtern, haben die Vereinigten Staaten
dieses Jahr ihre Mittel für das Programm um
nahezu eine Million Dollar aufgestockt. Die
bilaterale Fulbright-Kommission, die die Stipendiaten auswählt, wird von Fulbright-Kommissionen in derganzen Welt als Vorbild betrachtet, an
dem sich alle anderen messen lassen müssen.
Die amerikanisch-deutsche Kommission fördert
neben Austauschstipendien eine Reihe von
Sonderprojekten. Ein Beispiel ist die vor genau
einem Monat in Berlin veranstaltete Konferenz
für Fulbright-Stipendiaten aus ganz Europa. Diese
Konferenz wurde durch die Anwesenheit des
Programmgründers, Senator William Fulbright,
besonders geehrt. Er verlieh den ersten Fulbright-Preis für hervorragende Leistungen im
Fach Amerikanistik, eine unlängst von der Fulbright-Kommission in Deutschland gestiftete
Auszeichnung. Sie wird jedes Jahr an einen
deutschen Doktoranden verliehen, dessen Dissertation dem Urteil eines wissenschaftlichen
Gremiums zufolge einen herausragenden Beitrag im Fachbereich Amerikanistik geleistet hat.
Die Kommission hofft, daß dieser Preis Deutsche zu weiterer wissenschaftlicher Beschäftigung mit den politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Vereinigten Staaten ermutigen wird.
Die Liste offizieller amerikanischer Aktivitäten in den
neuen Bundesländern endet hiermit nicht. Wir untersuchen Wege zum Ausbau kooperativer Vorhaben in
den Bereichen Bildung und Kultur, und wir begrüßen
Ihre Anregungen zu diesen Bemühungen. Insbesondere sind wir bereit, mit dem Bundesbildungsministerium sowie den Kultusministerien, Universitätsrektoren, Dekanen, Professoren und akademischen Vereinigungen zusammenzuarbeiten, um Amerikanistikprogramme - vorrangig in den neuen Bundesländern - zu
entwickeln, aber wir sind ebenfalls begierig, auch mit
westdeutschen Institutionen zu kooperieren. Unser
Ziel bei der Entwicklung dieser Programme besteht
darin, das deutsch-amerikanische Verständnis in der
gesamten Bundesrepublik zu verbessern.

AMERIKA DIENST 19

�In diesem Geist ist es mir heute abend eine große
Freude, die Einrichtung eines weiteren Preises unter
meiner Schirmherrschaft zu verkünden, der der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität gewidmet ist des Ambassador's American Studies Award. Vom
Herbst dieses Jahres an wird der Ambassador's Award
jährlich für die beste Magister- oder Doktorarbeit im
Fachbereich Amerikanistik an der Bonner Universität
verliehen. Ich freue mich darauf, im Oktober zur
Eröffnungsfeier des Wintersemesters den ersten Preisträger bekanntzugeben. Der Ausgezeichnete wird als
Gast der amerikanischen Regierung in die Vereinigten
Staaten reisen, um an einem besonderen einmonatigen Studienprogramm teilzunehmen, das sich schwerpunktmäßig auf die verschiedenen Aspekte des Lebens
in Amerika und der dortigen Gesellschaft konzentriert.
Mit der Schaffung dieses Preises hofft die Botschaft,
einen greifbaren Beitrag zum interdisziplinären Amerikanistikprogramm dieser Universität zu leisten und
junge Deutsche zu fördern, die in den ersten Jahren
ihrer beruflichen Laufbahn mehr über die Vereinigten
Staaten erfahren möchten.
Wenn künftige Regierungsvertreter, wirtschaftliche
Führungskräfte, Journalisten und andere, die an der
Ausgestaltung der deutsch-amerikanischen Beziehungen mitwirken, effektiv miteinander kommunizieren
und die Maßnahmen und Ziele des jeweils anderen
zutreffend bewerten sollen, benötigen sie ein tiefes
Verständnis der jeweils anderen Gesellschaft. Wir
gehen davon aus, daß all diese Bildungs- und Kulturinvestitionen in Deutschland und seine künftigen Entscheidungsträger auf viele Jahre hinaus zur transatlantischen Zusammenarbeit beitragen werden. Wie
Bundeskanzler Kohl erklärt hat, werden diese Programme auf der transatlantischen Brücke zwischen
unseren beiden Ländern in der Tat eine neue Fahrspur
eröffnen - und sie dadurch breiter, tragfähiger und - wie
wir hoffen - in der Zukunft noch frequentierter machen.
Schlußbemerkung
Denken Sie abschließend an unser Glück, in dieser
Zeit historischer Veränderungen, Herausforderungen
und Chancen leben und arbeiten zu können. Den
Vereinigten Staaten, Deutschland und anderen Mitgliedern der transatlantischen Gemeinschaft bietet
sich heute eine einmalige Gelegenheit, ihre demokratischen Werte und Traditionen mit Ländern zu teilen,

*

AMERIKA DIENST 19

die nie zuvor unter demokratischen Regierungen gelebt haben. Ich hoffe und glaube, daß die Geschichte
diesen Abschnitt als größte Stunde unserer Gemeinschaft verzeichnen wird. Um dieses Ziel zu erlangen,
müssen wir weiterhin die politischen Institutionen stärken, die unsere Sicherheit verbessern werden. Und
wir müssen den neuen Demokratien Europas weiterhin die technische und finanzielle Hilfe gewähren, die
sie zum Erfolg benötigen. Durch Zusammenarbeit
können wir diese Herausforderungen meistern und ein
neues Zeitalter des Wohlstands und Friedens für alle
einleiten.
Im Hinblick auf unsere speziellen deutsch-amerikanischen Beziehungen bieten unsere beiden Nationen für
die ganze Welt ein anschauliches Beispiel dafür, wie
ehemalige Gegner Partner und Freunde werden können. Als Botschafter der Vereinigten Staaten von
Amerika in der Bundesrepublik Deutschland gedenke
ich alles in meiner Macht Stehende zu tun, um zu
gewährleisten, daß Frieden und Wohlstand, die wir
über vier Jahrzehnte lang geteilt haben, Bestand haben.
Bundeskanzler Kohl, Präsident Bush, Außenminister
Genscher, Außenminister Baker und viele andere
Amerikaner und Deutsche stehen ebenfalls zu dieser
Verpflichtung. Aber wenn wir Erfolg haben wollen,
benötigen wir die Hilfe aller hier Anwesenden, insbesondere die der akademischen Gemeinde. Als Wissenschaftler und Lehrer können Sie dazu beitragen,
den Lauf der Geschichte zu bestimmen, denn Sie sind
in einer einzigartigen Position, um Herz und Verstand
der jüngeren Generation Ihres Landes zu erreichen.
Sie können bei den künftigen Entscheidungsträgern
Deutschlands die geistigen Charakteristika und Qualitäten kultivieren, die der Demokratie und der deutschamerikanischen Zusammenarbeit Dauerhaftigkeit
verleihen: eine Leidenschaft für die Wahrheit, die
kritische Untersuchung von Ideen, rationale Auseinandersetzung, Respekt für die Ansichten anderer und
eine unstillbare Neugier im Hinblick auf die Welt, in der
wir alle leben. Sie können für künftige Generationen
die notwendige Verbindung zwischen politischer und
geistiger Freiheit erhellen, zwei grundlegenden Menschenrechten, die die Freiheit des menschlichen Geistes fördern.
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit und freue mich,
beim Empfang mit vielen von Ihnen persönlich zusammentreffen zu können.

* * *

*

Seite 7

�KSZE
13. MaM992

USA FORDERN EINSTWEILIGEN AUSSCHLUSS
SERBIENS AUS DER KSZE
Rede von Botschafter Kornblum beim KSZE-Folgetreffen
HELSINKI - (AD) - In einer Rede vor der Plenarsitzung am 6. Mai 1992 erläuterte der amerikanische Delegierte beim KSZE-Folgetreffen in Helsinki, Botschafter John C. Kornblum, die Lage in Bosnien-Herzegowina und
forderte, das Töten müsse ein Ende haben und die KSZE "über ihre am 15. April und 1. Mai abgegebenen
Erklärungen hinausgehen und Sanktionen gegen Serbien verhängen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kornblum im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, wir sind heute hier zum dritten Mal
in drei Wochen zusammengekommen, um die tragische Situation in Bosnien-Herzegowina zu erörtern.
Dieser stolze Staat ist ein Mikrokosmos von Problemen, die das Gefüge der ehemaligen jugoslawischen
Republik zerrissen haben. Wie meine Regierung seit
Beginn der Krise eindeutig klargestellt hat, liegt diesen
Problemen nicht nur eine Ursache zugrunde. Es gibt
nicht nur eine schuldige Partei und kein Patentrezept
für die Bewältigung der Katastrophe, die die Völker
dieses stolzen und historischen Teils von Europa
heimgesucht hat.
Die Vereinigten Staaten bekräftigen in deutlichster
Form die Forderung, daß alle für diesen Konflikt und
die Gewalt verantwortlichen Parteien aufrichtig und
unermüdlich zum Erfolg des von der Europäischen
Gemeinschaft eingeleiteten Friedensprozesses beitragen sollen. Die gesamte Menschheit leidet unter
Ihren Aktionen! Das Töten muß eine Ende haben!
Die Erkenntnis der Komplexität des Konflikts spricht
die für Aggression Verantwortlichen nicht von der
Schuld für ihre Taten frei. Wir haben im vergangenen
Jahr Hunderte von Stunden damit verbracht, die Ereignisse zu erörtern, die Ursachen herauszufinden und an
diejenigen heranzukommen, die dem Töten ein Ende
bereiten können.
Es ist genug geredet worden. Wir sind uns der
Vielschichtigkeit der Lage bewußt. Wir sehen auch,
daß weiterhin unschuldige Menschen sterben. Historische Städte und wertvolle Relikte der westlichen
Kultur zerfallen in Schutt und Asche.

AMERIKA DIENST 19

Unsere heutige Aufgabe besteht darin, unser Augenmerk auf die Hauptverantwortlichen dieser Tragödie
zu lenken. Wir müssen erneut versuchen, der Gewalt
Einhalt zu gebieten, indem wir in deutlichen Worten
unsere kollektive Entrüstung über diese von den
Aggressoren an den Tag gelegte offenkundige Mißachtung der KSZE-Verpflichtungen und menschlicher
Verhaltensnormen zum Ausdruck bringen.
Herr Vorsitzender, aus der ganzen Komplexität tritt
eine eindeutige Tatsache zutage: Die Rolle der politisch Verantwortlichen in Serbien und der sogenannten jugoslawischen Bundesarmee ändert sich nicht.
Es gibt ein festes Verhaltensmuster. Jedes Mal, wenn
ein weiterer Teil derehemaligen jugoslawischen Republik abgetrennt wurde, haben die serbischen Politiker
und die Bundesarmee erneut auf Gewalt zur Verfolgung ihrer politischen Ziele zurückgegriffen. Jedes
Mal, wenn ein historischer Konflikt zu gären begann,
sind die Bundesarmee, serbische Freischärler und
serbisches Material auf dem Schauplatz aufgetaucht.
Das Ziel bestand in der Herbeiführung politischer
Fakten durch Gewalt statt durch Verhandlungen.
Die Vereinigten Staaten bringen ihr tiefempfundenes
Mitgefühl für alle Opfer dieser Tragödie zum Ausdruck.
Wir trauern um die vielen serbischen Opfer dieses
Konflikts. Wir hegen keinen Groll gegen die serbische
Nation oder ihr Volk. Im Gegenteil - unsere Verbindungen zu Serbien bestehen seit langer Zeit. Zehntausende unserer Bürger haben ihre Wurzeln in Serbien.
Darüber hinaus wissen wir die von Serbien im Rahmen
der aktiven Beteiligung Jugoslawiens am KSZE-Prozeß übernommene Rolle zu schätzen.

Seite 1

�Unser Konzept im Hinblick auf die KSZE war stets eher
inklusiv als exklusiv. Die Vereinigten Staaten vertreten
weiterhin die Ansicht, daß die KSZE der Sache des
Friedens am besten als Forum dienen kann, in dem
das Verhalten anhand der in der Schlußakte von
Helsinki festgelegten Normen beurteilt wird. Die KSZE
ist ein Ort des Dialogs. Verletzer dieser Normen
sollten sich die KSZE-Tradition von Überprüfung und
Empfehlung zu eigen machen.

operieren, ist die Bundesarmee die übermächtige
Streitmacht. Es liegt in der Macht der Bundesarmee
und der politisch Verantwortlichen in Serbien, einen
positiven Beitrag zum Frieden zu leisten. Hätten sie
ihre Versprechungen ernst genommen, hätten sie
bereits vor langer Zeit begonnen, einen Waffenstillstand in Bosnien-Herzegowina durchzusetzen. Statt
dessen wurde die Unterstützung von Gewalt und damit
der Einsatz von Gewalt intensiviert.

Trotz dieser Tradition hat meine Regierung vor drei
Wochen als erste den Vorschlag unterbreitet, Serbien
vorübergehend von der Mitgliedschaft in der KSZE
auszuschließen, wenn seine Rolle in dem Konflikt
andauert. Wir haben diesen Schritt unternommen,
weil der Grad der Verletzungen von KSZE-Verpflichtungen wirklich tragische Ausmaße angenommen hatte.
Unseres Erachtens sollte der KSZE Gehör geschenkt
werden. Wir konnten uns keinen besseren Weg denken, der serbischen Führung eine persönliche Botschaft zukommen zu lassen. Eine Schockbehandlung
war erforderlich.

Unsere Verantwortung für die Bewältigung dieser Situation liegt auf der Hand. Das KSZE-Folgetreffen
sollte die Erörterung der Einzelheiten der jugoslawischen Krise fortsetzen, die meine Delegation in dieser
Woche in Arbeitsgruppen vorgeschlagen hat. Bedauerlicherweise standen wir in den meisten Fällen ziemlich alleine da. Diejenigen, die den Dialog als Hauptinstrument der KSZE unterstützen, sollten sich beteiligen. Sonst wird dieses Instrument nutzlos.

Eine Zeitlang sah es so aus, als ob unsere Botschaft
vernommen worden sei. In der vergangenen Woche
wurden wir Zeuge mehrerer Absichtserklärungen. Wir
erörterten die Implikationen eines von Serbien und
Montenegro ausgerufenen neuen Staats. Meine
Regierung hat sich ihre Stellungnahme zum Status
dieser neuen Republik vorbehalten. Wir stimmten
jedoch überein, wenn Bosnien-Herzegowina sich durch
unverzügliche Vollmitgliedschaft in der KSZE ebenfalls an dem Dialog beteiligen könnte, würde es sich als
nützlich erweisen, den serbischen Vertretern den
Verbleib zu gestatten, trotz der unsicheren Rechtsgrundlage für ihre Anwesenheit.
Beim Treffen des Ausschusses Hoher Beamter am 1.
Mai brachten alle Teilnehmerstaaten ihre kollektive
Entschlossenheit zur Intensivierung der Konsultationen und einer detaillierten Überprüfung der Lage in
Bosnien-Herzegowina zum Ausdruck. Wir erklärten
unsere eindeutige Absicht, diese Überprüfung zu
benutzen, um den der Aggression Schuldigen unsere
kollektive Entschlossenheit zu verdeutlichen, der
Aggression Einhalt zu gebieten.
Herr Vorsitzender, das ist unsere heutige Aufgabe.
Die Handlungen seit dem 1. Mai haben den politisch
Verantwortlichen in Serbien und der Bundesarmee
unseren Tadelsbeschluß eingebracht. Es kann nicht
länger irgendein Zweifel an den von diesen politisch
Verantwortlichen begangenen eindeutigen, groben und
nicht behobenen Verletzungen der Schlußakte bestehen. Die Luftangriffe auf Sarajevo, der Beschuß von
den Bergen und die Geiselnahme des Präsidenten von
Bosnien-Herzegowina durch die Bundesarmee haben
den Konflikt noch verschärft.
Obwohl es widersprüchliche Berichte darüber gibt, wer
die Kämpfe an diesem Wochenende begonnen hat
und obwohl auch andere Streitkräfte in der Region
Seite 2

Dieser Dialog sollte jedoch auch in die Praxis umgesetzt werden. Wir sollten diese Überprüfung weiterhin
als Grundlage unserer kollektiven Aktionen im Ausschuß Hoher Beamter benutzen.
Beim Treffen des AHB heute nachmittag sollten wir die
Verantwortung für die Aufgabe übernehmen, die uns
auferlegt wurde. Wir sollten unter Beweis stellen, daß
die KSZE in der Tat das Gremium zur Bewältigung des
Wandels sein kann, das wir in ihr sehen möchten.
Wenn es uns nicht gelingt, uns der heutigen Herausforderung zu stellen, kann kein noch so phantasievolles
Gefüge neuer Strukturen und Mechanismen, ganz zu
schweigen von Visionen komplexer und obligatorischer Rechtsverfahren unser politisches Zögern wettzumachen.
Bei der Sitzung heute nachmittag werden die Vereinigten Staaten die Verabschiedung einer Erklärung vorschlagen, die endgültig zu dem Schluß gelangt, daß
ein Muster eindeutiger, grober und andauernder Verletzungen der KSZE-Verpflichtungen vorliegt. Die
jüngsten Ereignisse lassen keinen Zweifel an der
Existenz solch gravierender Verletzungen. Uns vor
der Verantwortung der Artikulierung dieser offenkundigen Tatsache zu drücken, hieße, die Glaubwürdigkeit
des gesamten Prozesses in Frage zu stellen.
Diese Schlußfolgerung sollte in eine Erklärung aufgenommen werden, die folgende Forderungen umfaßt:
Die unverzügliche Beendigung der Gewalt und
Einhaltung des Waffenstillstands durch alle
Parteien.
Sofortige Beendigung der Unterstützung aller
paramilitärischen Streitkräfte durch die Nachbarländer von Bosnien-Herzegowina.
Unverzüglicher Rückzug der Bundesarmee aus
Bosnien-Herzegowina oder Unterstellung unter
eine rechtmäßige bosnische Regierung.

AMERIKA DIENST 19

�Bereitstellung humanitärer Hilfe für die Bevölkerung von Bosnien-Herzegowina und die Flüchtlinge in der betroffenen Region.

seinen Namen und seinen Sitz in der KSZE erhebt,
erfüllt in keiner Weise die Normen oder Verpflichtungen der KSZE.

Einrichtung sicherer Land-, See- und Luftkorridore zur Sicherstellung, daß wichtige Lebensmittel und unerläßliche medizinische Versorgungsgüter einschließlich der von den Spendern bereitgestellten die betroffene Bevölkerung erreichen.

Bis er dies tut, ist unseres Erachtens noch nicht einmal
die am 1. Mai vereinbarte vorläufige Beteiligung länger
gerechtfertigt. Die serbischen Vertreter sollten von
allen KSZE-Aktivitäten ausgeschlossen werden, bis
wir einen Konsens über ihre erneute Aufnahme erzielen.

Ernsthafte Beteiligung am von der Europäischen Gemeinschaft eingeleiteten Friedensprozeß und uneingeschränkte Unterstützung
der UN-Friedenstruppen sowie der EG-Beobachtermission. In diesem Zusammenhang sprechen die Vereinigten Staaten der Regierung des
Königreichs Belgien ihr aufrichtiges Beileid zum
Tod eines belgischen Mitglieds der EG-Mission
aus. Er war ein echter Diener des Friedens.

Hoffentlich wird unsere Botschaft gehört. Unsere
Überprüfung sollte fortgesetzt werden, sowohl beim
Folgetreffen als auch bei der vor dem 18. Mai anberaumten Sitzung des Ausschusses Hoher Beamter.
Verbessert sich die Situation, sollten wir dies zum
Ausdruck bringen. Falls nicht, sollten wir noch drastischere Maßnahmen in Erwägung ziehen.

Sobald diese Botschaft eindeutig formuliert ist, müssen wir den nächsten logischen Schritt unternehmen.
Die blo ße Wiederholung der Forderung nach Maßnahmen hat sich als nicht ausreichend erwiesen. Es ist an
der Zeit für die Teilnehmerstaaten zu beweisen, daß
sie angesichts von Aggression nicht die Hände in den
Schoß legen. Wir müssen über unsere am 15. April
und 1. Mai abgegebenen Erklärungen hinausgehen
und Sanktionen gegen Serbien verhängen.
Wir vertreten weiterhin die Auffassung, daß die einstweilige Aufhebung der KSZE-Mitgliedschaft den deutlichsten Beweis unserer Entschlossenheit darstellen
würde. Das alte Jugoslawien ist von der Landkarte
verschwunden. Der Staat, der jetzt Ansprüche auf

*

AMERIKA DIENST 19

Herr Vorsitzender, dies sind tragische und enttäuschende Tage für diejenigen, die an die Prinzipien der
KSZE glauben. Es ist deutlich geworden, daß das
Ende der militärischen und ideologischen Konfrontation in Europa die Gefahr ernsthafter Konflikte nicht
beseitigt hat. Jede Minute, die die Krise in Jugoslawien
andauert, ist eine Tragödie für uns. Jeder Tag des
Konflikts schwächt die Vision, die nach wie vor die
grö ßte Hoffnung für dauerhaften Frieden in Europa ist.
Wir dürfen diese Hoffnung nicht aufgeben. Wir dürfen
nicht die Hände in den Schoß legen, während unsere
Prinzipien eindeutig und grob verletzt werden. Die
KSZE kann diese Probleme nicht alleine lösen. Ihre
Mittel sind begrenzt. Aber wir sind die Bewahrer der
Hoffnungen und Werte, die uns stark machen. Auch
dies ist eine wichtige Rolle. Wir dürfen sie in diesem
Augenblick der Krise nicht vernachlässigen.

* * *

*

Seite 3

�UNRUHEN

IN LOS

ANGELES
13. Mai 1992

BUSH: NACH AUSSCHREITUNGEN IN LOS ANGELES
"EHRLICHE AUSSPRACHE" ERFORDERLICH
Videokonferenz mit Zeitungsverlegern - Auszüge
WASHINGTON- (AD)- Präsident Bush hat am 6. Mai 1992 erklärt, nach den schweren Ausschreitungen in Los
Angeles, die im Anschluß an die Entscheidung eines kalifornischen Geschworenengremiums zum Freispruch
von vier weißen Polizisten vom Vorwurf der Mißhandlung des schwarzen Autofahrers Rodney King ausgebrochen waren, sei nun eine "ehrliche Aussprache" erforderlich.
Alle Amerikaner teilten den Wunsch, daß sich "das, was in Los Angeles geschehen ist, niemals wiederholt",
erklärte Bush in einer Videokonferenz beim Kongreß des Verbandes amerikanischer Zeitungsverleger. "Wir alle
möchten die Probleme lösen. Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist Zeit für eine ehrliche
Aussprache."
Der "einzige Weg nach vorn" ist Bush zufolge "eine offene nationale Diskussion über Familie, über Werte, über
staatliche Politik und über Rasse. ... Und genau dies gedenke ich in den kommenden Tagen zu tun."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Entschuldigen Sie bitte die kurze Verzögerung. Ich
komme gerade von einer unerwartet langen Pressekonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Krawtschuk. Übrigens hatten wir ein wichtiges Treffen, das
meiner Meinung nach sehr erfolgreich verlief. Die
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Ukraine entwickeln sich weiter, und diese Beziehungen sind sehr wichtig. Ich werde in zwei Stunden
erneut mit ihm zusammentreffen.
Bevor ich auf Ihre Fragen antworte, möchte ich Ihnen
einen kurzen Überblick zum neuesten Stand der Ereignisse in Los Angeles geben. Wenn ich heute auf meine
Ansprache an das amerikanische Volk von Freitag
abend (1. Mai) zurückblicke, denke ich an den Eid, den
ich als Präsident abgelegt habe und den Verfassungsauftrag, die Ruhe im Land aufrechtzuerhalten. Das
eine weiß ich: Wir können und dürfen Gewalt niemals
billigen, denn ohne Frieden kann es keine Hoffnung
geben.
Wir alle sind dankbar dafür, daß unsere Maßnahmen
die Ruhe in Los Angeles wiederhergestellt haben. Die
Kinder gehen wieder zur Schule. Die Stadtbusse
fahren wieder. Das Ausgehverbot wurde aufgehoben.
Und nach dem Schock und Spektakel der vergangenen Woche fühlen wir uns durch die Willenskraft der
Menschen von Los Angeles ermutigt, die sich zusammenschlössen, um ihre Gemeinde in Ordnung zu
bringen.
AMERIKA DIENST 19

Ich möchte kurz darauf eingehen, was wir auf Bundesebene tun, um in Zusammenarbeit mit dem Gouverneur und dem Bürgermeister beim Wiederaufbau zu
helfen. Da ich die Stadt zum Katastrophengebiet
erklärt habe, wird das Bundesamt zur Bewältigung von
Notständen (Federal Emergency Management Agency - FEMA) Einzelpersonen, Familien sowie Stadt und
Landkreis Los Angeles Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Einer vorläufigen Schätzung zufolge wird sich
diese Hilfe auf etwa 300 Millionen Dollar belaufen.
Wir werden den am stärksten von der Gewalt betroffenen Menschen direkte Beihilfen gewähren, und zwar
persönliche Beihilfen von bis zu 11.500 Dollar, um
dringenden Bedarf an Nahrungsmitteln, Kleidung und
Medikamenten zu decken. Diese Beihilfen werden
darüber hinaus zur Bereitstellung von Notunterkünften
eingesetzt. Dazu gehören Gelder zur Versorgung mit
Wohnraum für maximal 18 Monate für Familien, die
ihre Wohnung verloren haben oder Geld für die Reparatur gering beschädigter Häuser. Darüber hinaus
helfen wir mit Krisenberatung sowie Arbeitslosenhilfe
für diejenigen, die infolge der Katastrophe ihren Arbeitsplatz verloren haben.
Vor Ort in Los Angeles wurde bereits eine Katastrophendienststelle eingerichtet. Über die gebührenfreie
Rufnummer des FEMA können Gesprächspartner in
englischer, spanischer, chinesischer, thailändischer,

Seite 1

�koreanischer und laotischer Sprache erreicht werden.
Darüber hinaus wird das FEMA dem Staat Kalifornien
und der Gemeindeverwaltung helfen, um die für das
tägliche Leben unerläßlichen öffentlichen Dienstleistungen wie Wasser- und Stromversorgung wiederherzustellen. Dies ist ein gemeinsames Programm,
ein Programm der Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung, Bundesstaat und Gemeinde.
Neben diesen Notbeihilfen werden wir durch das Amt
für mittelständische Unternehmen Katastrophendarlehen von bis zu 500.000 Dollar für geschäftliche Verluste gewähren, die von den Versicherungen nicht
übernommen werden sowie bis zu 100.000 Dollar für
Eigenheimbesitzer und Mieter für nichtgedeckte Schäden. Vorläufigen Schätzungen zufolge werden Darlehen von etwa 300 Millionen Dollar im Gebiet von Los
Angeles vergeben werden.
Schließlich hat das Landwirtschaftsministerium die
Lieferung von über 2.000 Kisten Frühstückskost, über
2.000 Kisten Babynahrung sowie nahezu 250 Kisten
Magermilchpulver veranlaßt und wird weiterhin den
Nahrungsmittelbedarf in Los Angeles beobachten.
Insgesamt beläuft sich die gesamte Bundeshilfe zur
beschleunigten wirtschaftlichen Erholung in Los Angeles auf schätzungsweise 600 Millionen Dollar.
Ich werde heute abend nach Kalifornien reisen, um
mich aus erster Hand über die Lage in Los Angeles zu
informieren. Ich werde dort mit Mitgliedern der Gemeinde zusammentreffen, um zu erörtern, wie wir
weiter am Aufbau einer Zukunft der Hoffnung, des
Verständnisses und der Toleranz arbeiten können einer Zukunft, in der kein Platz für Haß ist. Das ist eine
Geschichte, die wir alle sicherlich gedruckt sehen
möchten.
Ich möchte folgendes zu dem Wunsch aller Amerikaner sagen, daß sich das, was in Los Angeles geschehen ist, niemals wiederholt. Wir alle möchten die
Probleme lösen. Dies ist nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist Zeit für eine ehrliche Aussprache.
Und Tatsache ist, daß in den vergangenen Jahrzehnten die Ausgaben gestiegen sind, die Zahl der Programme gewachsen ist, aber trotzdem, seien wir ehrlich: das hat nicht viele der grundlegenden Probleme
gelöst, die unsere Städte plagen. Wir brauchen eine
ehrliche, offene nationale Diskussion über Familie,
über Werte, über staatliche Politik und über Rasse.
Das ist der einzige Weg nach vorn. Und genau dies
gedenke ich in den kommenden Tagen zu tun.
Ich werde niemals vergessen, wie mich Bürgermeister
Bradley von Los Angeles mit anderen Bürgermeistern
vor wenigen Monaten besuchte. Und wie alle anderen
- Bürgermeister von Klein- und Großstädten - verwies
er darauf, daß der Zerfall der Familie, die Auflösung
der amerikanischen Familie, den Problemen zugrundeliegt, mit denen die Städte konfrontiert sind. Und wir
müssen Wege finden, um die amerikanische Familie

Serie 2

zu stärken. Barbara tut dies, indem sie Eltern dazu
ermutigt, ihren Kindern vorzulesen, und wir versuchen
dies durch unser Bildungsprogramm zu tun sowie
durch die Überholung des Sozialhilfesystems, das in
der Vergangenheit Familien ermutigt hat, getrennt zu
leben. Aber die Familie ist bei all dem von Bedeutung.
Und schließlich, so möchte ich noch anmerken, gilt das
auch für den Privatsektor. Peter Ueberroth hat mir
gestern mit großem Optimismus erläutert, wie der
Privatsektor sich jetzt in einigen dieser Gebiete engagieren kann, um Arbeitsplätze zu schaffen, die ihnen
Hoffnung fürdie Zukunft geben werden, nicht nur einen
Mechanismus zum Kitten der Probleme, sondern echte
Hoffnung für die Zukunft.
Ich gehe also mit Optimismus an die Arbeit. Ich weiß,
daß wir mehr leisten müssen. Das ganze Land muß
mehr leisten. Und ich freue mich darauf, dorthin zu
reisen und dann dem Land einige Empfehlungen über
die zu treffenden Maßnahmen zu unterbreiten.
Frage: Die New York Times behauptet in ihrem
heutigen Leitartikel, daß die Ausgaben für Direkthilfe
an die Städte inflationsbereinigt seit 1981 um 60 Prozent zurückgegangen sind. Erstens, wie erklären Sie
diese Statistik den Menschen in Los Angeles, die Sie
bald treffen werden? Und zweitens, wenn viele von
ihnen im letzten Jahrzehnt einen drastischen Rückgang ihrer wirtschaftlichen Chancen erlebt haben,
dann werden sie sicherlich wissen wollen, ob die
jüngsten Ereignisse Sie davon überzeugt haben, Ihre
Strategien in bezug auf Bundeshilfen für die Städte zu
überdenken.
Antwort: Nun, erstens würde ich den Leitartikel der
New York Times gern selbst sehen. Ich habe den
Direktor des Haushaltsbüros (OMB) gebeten, mir die
Summen zu nennen, um die die Bundesausgaben
erhöht wurden, und sie wurden drastisch erhöht. Wir
werden vielleicht danach beurteilt, ob man Geld in
diese hoffnungslosen Projekte aus Ziegeln und Mörtel
stecken sollte, wie wir sie zum Beispiel in St. Louis
verkommen sahen und die jedermann der Menschenwürde berauben.
Wenn Sie ein solches Programm herausgreifen und
sagen, daß die Ausgaben gesunken sind, so haben Sie
Recht. Was wir versucht haben, war, sie auf unterschiedliche Weise zur Geltung zu bringen. Wir haben
es mit ungebundenen Zuschüssen versucht, die es
den einzelnen Gemeinden gestatten, es selbst besser
zu machen. Aber insgesamt kann ich Ihnen versichern, daß die Ausgaben gestiegen sind. Ich müßte
also genau sehen, wovon die New York Times da
spricht.
Wie lautete der zweite Teil Ihrer Frage?
Frage: Der zweite Teil lautete, daß viele Menschen in
Los Angeles im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich
erhebliche Einbußen ihrer wirtschaftlichen Chancen
AMERIKA DIENST 19

�hinnehmen mußten. Diese Menschen werden sicherlich wissen wollen, ob die jüngsten Ereignisse Sie
davon überzeugt haben, Ihre Strategien zur Vergabe
von Bundeshilfen an die Städte zu überdenken.

Ich werde alles tun, was die Bundesregierung vermag,
um die örtliche Polizei, die Bürgermeister, die Gouverneure bei ihren Hilfsanforderungen zur Bewahrung
des Friedens zu unterstützen. Das ist ein Punkt.

Antwort: Wir sollten sicherlich den Status quo der
Bundeshilfen an die Städte überdenken. Und das war
ein Gesichtspunkt, als wir den Menschen das HOPEProgramm zum Eigenheimerwerb (Home Ownership
for People Everywhere) oder die Einrichtung von
Gewerbezonen anboten, um Gewerbebetriebe in den
Gemeinden anzusiedeln. Wie ich bereits sagte, ist
dies meines Erachtens nicht die Zeit für Schuldzuweisungen. Es ist vielmehr eine Zeit, umzudenken und
zur Bewältigung der Probleme der Städte einige neue
Ideen auszuprobieren. Wir alle sind doch wohl der
Meinung, daß es nicht funktioniert hat. Es hat in den
vergangenen 10 Jahren nicht funktioniert, und dasselbe gilt auch für die vergangenen 30 Jahre.

Und dann der andere: Was sollen wir tun,, um die
Probleme zu lösen? Wie bringen wir Hoffnung dorthin,
wo Hoffnungslosigkeit herrschte? Meine Aufgabe
besteht nun darin, ein Paket von Antworten zu finden,
die diesen Menschen, von denen Sie sprechen, die
Chance geben, etwas Neues zu versuchen. Und da
bin ich nicht pessimistisch. Ich bin wirklich der Ansicht,
daß in unserem Land aus Verzweiflung oder Düsternis
manchmal echte Chancen erwachsen. Und deshalb
werde ich in diesem Sinne an das Problem herangehen, ohne Groll in meinem Herzen, und alles in unserer
Macht Stehende tun, um zu helfen.

Wir müssen also alles in unserer Macht Stehende tun.
Ich muß jedoch wegen meiner Besorgnis über das
erschreckende Defizit im Bundeshaushalt stets im
Auge behalten, wie viele Dollar in der Gemeinde zur
Geltung kommen können. Und das ist einer der
Gründe dafür, daß mir die Ausführungen Peter Ueberroths gefallen - worüber wir zu sprechen versucht
haben bei den Punkten des Lichts, Menschen, Nachbarn, die anderen Nachbarn helfen, bei ungebundenen
Zuschüssen und dem Abbau gesetzlich vorgeschriebener Programme.
Einer der Punkte, bei denen ich neben anderen mit den
Leitartikeln der New York Times nicht übereinstimme,
betrifft das Konzept vorgeschriebener Programme.
Wissen Sie, jeder Gouverneur kommt nach Washington und sagt, bitte schreiben Sie nicht noch mehr
Programme vor. Bitte verabschieden Sie keine Programme, die mir als Gouverneur oder meinen Bürgermeistern vorschreiben, wie sie das Geld auszugeben
haben. Wir haben also einen Vorschlag für einen
erheblichen ungebundenen Zuschuß, der seit einiger
Zeit im Kongreß anhängig ist, und vielleicht ist es jetzt
an der Zeit, sich zu besinnen und diesen aufzugreifen.
Ich würde ihnen also sagen: Ich bin mit dem Status quo
nicht zufrieden, und sicherlich sind auch Sie mit dem
Status quo unzufrieden, also laßt uns ein paar neue
Ideen ausprobieren. Laßt uns Veränderungen versuchen. Und dies ist nicht die Zeit für Demagogie oder
Schuldzuweisungen. Meines Erachtens ist es Zeit, die
Situation sensibel und vernünftig zu analysieren, zu
tun, was ich hier vorgeschlagen habe, also die Ressourcen des Bundes bei diesem Problem zur Geltung
zu bringen und dann zu sagen: Laßt uns eine neue
Seite aufschlagen und sehen, was gesunden wird.
Dabei sollten wir stets im Gedächtnis behalten, da ß wir
Gesetzlosigkeit und Gewalt nicht in Kauf nehmen
dürfen. Wir können dies also trennen.

AMERIKA DIENST 19

Und ich muß Ihnen sagen, daß ich über die Reaktion
des Gouverneurs und des Bürgermeisters auf die
Antwort der Bundesregierung hocherfreut bin. Es ist
nicht leicht, wenn man die Bundesregierung als Partner wünscht, denn man möchte verhindern, daß sie
eine dominierende Stellung einnimmt. Ich gehe davon
aus, daß wir bei der Beendigung der Gewalt richtig
gehandelt haben, und ich hoffe, wir werden auch bei
unserer Hilfe für die Menschen richtig handeln, die
ihrer dringend bedürfen.
Frage: Sie haben angedeutet, daß unser heutiges
Sozialhilfesystem einige grundlegende Schwächen hat
und diese mit der Krise in Los Angeles in Zusammenhang stehen. Welche präzisen Ideen haben Sie zur
Reform der Sozialhilfe, und wie werden diese sich auf
die Krise auswirken?
Antwort: Die beste Antwort zur Reform der Sozialhilfe
besteht darin, den Bundesstaaten mehr Spielraum für
Innovationen zu geben. Und genau dies haben wir
gerade im Staat Wisconsin getan. Wir haben andere
Staaten aufgefordert, ebenfalls Anträge zu stellen,
damit auch sie Innovationen einführen können.
Die Rolle des Bundes besteht also hauptsächlich
darin, den Staaten die erforderliche Flexibilität zu
geben. Meiner eigenen Philosophie liegt jedoch der
Gedanke zugrunde, Anreize zum Arbeiten und Anreize zum Lernen zu geben. Und bei diesem Programm
sollten wir wirklich Fortschritte machen, denn darin
liegt meines Erachtens die Antwort. Ich glaube nicht,
daß sich von Washington aus eine allgemeingültige
Sozialhilfegesetzgebung entwickeln läßt. Wir müssen
diese Haltung überwinden. Und gerade in einem
Wahljahr ist es schwierig, wenn man all die Versprechen großartiger Pläne hört, die nur zu Mehrausgaben
des Bundes führen.
Es tut mir leid, aber ich glaube nicht, daß die zentralisierten Antworten des Bundes funktionieren, und ich
glaube nicht, daß sie von den Menschen unterstützt

Seite 3

�werden sollten, die in der Zukunft darunter zu leiden
hätten. Bei der Sozialhilfe versuchen wir es also mit
diesem breiteren, dezentralisierten Ansatz, dem die
Philosophie zugrundeliegt, die ich Ihnen gerade erläu-

tert habe. Ich glaube, er wird beim amerikanischen
Volk auf positive Resonanz stoßen, und ich wünsche
denjenigen in Wisconsin, die gerade auf dieser Grundläge zu arbeiten beginnen, Erfolg mit diesem Ansatz.

fc Je fc 9c fc

Seite 4

AMERIKA DIENST 19

�UNRUHEN

IN

LOS

ANGELES
13. Mai 1992

MEINUNGSUMFRAGEN ZUM KING-URTEIL
Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen gegen Freispruch
WASHINGTON - (AD) - Einer am 6. Mai 1992 veröffentlichten Meinungsumfrage der Los Angeles Times
zufolge und laut nationalen Erhebungen, die nach dem
Urteil im Rodney-King-Prozeß durchgeführt wurden,
lehnt eine klare Mehrheit weißer und schwarzer Amerikaner den Beschlu ß der Geschworenen eindeutig ab,
die weißen Polizisten vom Vorwurf der schweren
Mißhandlung freizusprechen. Die Mehrheit für die
Kritiker war jedoch bei Weißen geringer als bei Schwarzen.
In nach dem Urteilsspruch durchgeführten getrennten
Umfragen erklärten über 90 Prozent der Afro-Amerikaner und über 60 Prozent der weißen Amerikaner, sie
lehnten den Geschworenenspruch ab. Eine Mehrheit
der Weißen und Schwarzen meinte ferner, das USJustizministerium solle die weißen Polizisten wegen
Verletzung der Bürgerrechte von Rodney King anklagen.
Den amerikanischen Gesetzen zufolge ist dies eine
getrennte Anklage, die vom Bund erhoben wird. Die
Polizeibeamten würden nicht erneut der Mißhandlung
von Rodney King angeklagt, da diese Beschuldigung
bereits von dem kalifornischen Gerichtshof behandelt
wurde. Statt dessen würde vor einem Bundesgericht
Anklage wegen der Verletzung von Rodney Kings
Bürgerrechten erhoben. Einer der Polizeibeamten
könnte erneut wegen eines Anklagepunkts belangt
werden, bei dem sich die Geschworenen des kalitonischen Gerichts nicht einigen konnten.

2. Gallup/Newsweek: "Glauben Sie aufgrund dessen,
was Sie über den Mißhandlungsfall Rodney King wissen, daß der Freispruch der weißen Polizisten gerechtfertigt war oder nicht?"
Weiße Schwarze
Ungerechtfertigt

73%

92%

Gerechtfertigt

12%

4%

Keine Meinung

15%

4%

3. ABC/Washington Post: "Meinen Sie aufgrund
dessen, was Sie wissen, daß man die Polizisten im Fall
Rodney King eines Verbrechens schuldig hätte sprechen sollen, oder wissen Sie nicht genug, um das zu
sagen?"
Weiße

Schwarze

64%

92%

Unschuldig

5%

1%

Weiß nicht

31%

7%

Schuldig

Neue Anklage
1. Gallup/Newsweek: "Die Bundesregierung könnte
den Bürgerrechten zufolge weitere Schritte gegen die
an dem Fall beteiligten Polizisten unternehmen. Würden
Sie solche Schritte begrüßen?"
Weiße Schwarze

Nachfolgend die Resultate nationaler Meinungsumfragen im einzelnen:

Ja

77%

91%

Das Urteil

Nein

17%

6%

1. Time-CNN/Yankelovich: "Wie hätten Sie abgestimmt, wenn Sie Mitglied der Jury gewesen wären?"

Keine Meinung

6%

3%

Weiße Schwarze
Schuldig

62%

92%

4%

2%

34%

6%

Nicht schuldig
Unsicher

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�2. ABC/Washington Post: "Meinen Sie, das USJustizministerium sollte diese Polizeibeamten wegen
der Verletzung der Bürgerrechte von Rodney King
belangen oder nicht?"
Weiße Schwarze
Sollte belangen

63%

97%

Sollte nicht

17%

1%

Weiß nicht

20%

2%

Die nationalen Daten ähneln denen, die sich in der
Meinungsumfrage der Los Angeles Times für das
Gebiet von Los Angeles ergaben. Die Zeitung berichtete am 6. Mai 1992, daß 7 1 % der Bewohner von Los
Angeles den Urteilsspruch ablehnten - 58% der Weißen und 93% der Schwarzen. Nahezu drei Viertel
gaben an, zu der Jury von Skni Valley hätten auch
Schwarze gehören sollen. Rund 90% der Befragten
begrüßten die Entscheidung des US-Justizministeriums zu ermitteln, ob die Polizisten die Bürgerrechte
Rodney Kings verletzt haben.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 19

�UMWELT
13. Mai 1992

KLIMAKONVENTION FÜR GIPFEL
IN RIO VERABSCHIEDET
Abkommen soll Erderwärmung aufhalten
NEW YORK - (AD) - Unterhändler aus über 140
Staaten haben am 9. Mai 1992 eine Konvention über
Klimaveränderungen verabschiedet, die ein Programm
zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen umta ßt und die Industriestaaten verptlichtet, den Entwicklungsländern bei der Erarbeitung von Plänen tür
umweltverträgliches Wirtschaftswachstum zu helfen.
Dem Stellvertretenden Abteilungsleiter im US-Außenministerium, Robert Reinstein, zufolge spiegelt die
Konvention "grundsätzlich wider, wo wir heute wissenschaftlich, technisch, wirtschaftlich und politisch stehen. Es ist der richtige Start für langfristige Bemühungen. Meines Erachtens werden wir diese Fragen
besser verstehen, wenn wir diesen Weg weiterverfolgen."
Der Text der Konvention, der im Rahmen der UNKonferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de
Janeiro im Juni zur Unterzeichnung ansteht, wurde am
Ende eines 10tägigen Sitzungsmarathons aufgrund
einer Konsensentscheidung verabschiedet und mit
starkem Applaus begrüßt. Die New Yorker Konferenz
hatte versucht eine Formel zu entwickeln, die trotz der
unterschiedlichen Interessen von Industriestaaten und
Entwicklungsländern für alle annehmbar ist.
Binnen Minuten nach der Verabschiedung bezeichnete Malaysia den Text als "grundsätzlich fehlerhaft" und
erklärte, es könne sich an keinen Maßnahmen beteiligen, die aus dieser Konferenz resultierten. Dagegen
bot Deutschland an, das erste Treffen der Vertragsparteien auszurichten.
Der amerikanische Chefunterhändler Reinstein geht
davon aus, daß die Konvention ein effektives Mittel
darstellt, um das Problem der Erderwärmung zu behandeln.
"Es ist ein äußerst ausgewogenes Paket", erklärte er.
"Es spiegelt nicht den Konsens aller Parteien wider,
das wissen wir alle, aber es stellt einen hervorragenden Versuch dar, die verschiedenen Ansichten gegeneinander abzuwägen."

AMERIKA DIENST 19

"Grundsätzlich handelt es sich um eine prozeßorientierte Konvention", stellte Reinstein fest. "Diese Konvention umreißt ein Programm, demzufolge die Länder
Berichte darüber vorlegen, was sie tun, um die Klimaveränderungen in den Griff zu bekommen - entweder
durch Reduzierung der Nettoemissionen oder durch
Anpassung ... Sie sieht Überprüfungen und Bewertung dieser Bemühungen durch die anderen Länder
vor."
Das Ziel des Abkommens ist die Stabilisierung der
Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Niveau, das gefährliche künstliche
Eingriffe in das Klimasystem verhindern würde. Dieses Niveau sollte "innerhalb eines Zeitrahmens erreicht werden, der so gesteckt ist, daß er den Ökosystemen die natürliche Anpassung an die Klimaveränderungen gestattet, um sicherzustellen, daß die Nahrungsmittelproduktion nicht gefährdet ist und zu gewährleisten, daß wirtschaftliche Entwicklung in umweltverträglicher Weise voranschreitet", so der Text.
Die Industriestaaten werden verpflichtet, bei der
Modifizierung künstlich produzierter Emissionen von
Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen die Führungsrolle zu übernehmen. Dabei wird anerkannt, daß
ein Einfrieren dieser Emissionen auf dem Stand von
1990 zur Stabilisierung beitragen würde.
Die Konvention stellte ein fein austariertes Gleichgewicht zwischen Industriestaaten, Ländern der dritten
Welt und Ländern her, deren Volkswirtschaften sich im
Übergang befinden, wie etwa in Osteuropa. Verschiedene Interessengruppen hatten versucht, auf die
Unterhändler Einfluß zu nehmen, darunter Umweltschützer, die einen schärferen Vertrag mit Obergrenzen für Emissionen wollten sowie einige Industriebranchen, die am liebsten gar keinen Vertrag gehabt hätten.
Der Vorsitzende des Verhandlungskomitees, Jean
Ripert, erklärte, die Konvention sei "ein Schritt, nur ein
Schritt, aber ein entscheidender". Er erkannte an, daß
die Konvention Umweltschützer mit "einer Vision",

Seite 1

�nicht befriedigen werden, die eine Beschleunigung des
Prozesses wünschten. Er argumentierte jedoch, daß
"über 100 Regierungen eine konkrete Zusammenarbeit ... einleiten werden, nicht nur durch Unterzeichnung und Verabschiedung von Erklärungen, sondern
durch Beteiligung an einem Aktionsprozeß".
Auf Fragen über die Sprachregelung der Konvention,
die der Frage von Emissionszielen für das Jahr 2000
ausweicht, antwortete Ripert, der Text weise "konstruktive Mehrdeutigkeiten" auf, die komplexe wissenschaftliche Phänomene, wirtschaftliche Erwägungen,
unterschiedliche Bedingungen und nationale Empfindlichkeiten berücksichtigten.
"Das Ziel sind nicht Richtwerte", erklärte er. "Letztlich
ist wichtig, daß nicht nur Europäer und Amerikaner,
sondern auch die Japaner und andere in die gleiche
Richtung blicken."
Reinstein zufolge betrachten die Vereinigten Staaten
die Erwähnung der Emissionswerte von 1990 als die
Art von Bezugsgröße, die erforderlich ist, "wenn man
aktiv werden, nationale Maßnahmen ergreifen und
entsprechende Schritte unternehmen will".
Die Zahl von 1990 wird benutzt werden um festzustellen, "ob wir im Vergleich zu dieser Bezugsgröße Fortschritte gemacht haben. Es handelt sich nicht um eine
rechtliche Verpflichtung, genau zu diesem Niveau
zurückzukehren", stellte er fest.
Reinstein nannte die Konvention "ein Paket (mit) einer
Interdependenz aller Elemente", das "dem Rest der
Welt die Botschaft übermittelt, daß wir ... bei der
Bewältigung des Klimawandels zu Fortschritten bereit
sind".
"Es ist einem Kartenhaus vergleichbar", erklärte er.
"Wir haben es geschafft, es aus individuellen nationalen Positionen zusammenzusetzen, die ziemlich verschieden waren. Trotz der Differenzen, mit denen wir
hier anreisten, haben wir ein bemerkenswertes Maß
an Übereinstimmung zu der Art von Kompromiß erreicht, der aus den Verhandlungen hervorgehen kann."
Reinstein wies Behauptungen zurück, daß die Konvention mit den amerikanischen Forderungen übereinstimme.
"Wir sind einige Kompromisse eingegangen", stellte er
fest. "Der Text... beinhaltet Kompromisse der Vereinigten Staaten ebenso wie seitens der meisten anderen Länder. Der Text wird kaum der Position irgendeines Landes entsprechen. Die Länder kamen mit einer
Vielzahl von Positionen zu einer Vielzahl von Aspekten
an den Verhandlungstisch ... Wir haben versucht, ein
Gleichgewicht bei den Emissionszusagen, den Finanzierungszusagen, der Berichterstattung, Überprüfung
und so weiter zu finden."

Seite 2

Eine der wichtigsten Stärken des Vertrags ist der
Folgeprozeß, der systematische Überprüfungen sowie einen Dialog zwischen Wissenschaftlern, politischen Entscheidungsträgern und Wirtschaft vorsieht.
Der Exekutivsekretär des Verhandiungskomitees,
Michael Zammit Cutajar, erklärte, der Vertrag sei "ein
Kompromiß, der breite Beteiligung an dem eingeleiteten Prozeß gestartet, und Beteiligung ist das Wesentliche. Meines Erachtens werden so alle wichtigen
Parteien einbezogen."
Die Konvention sieht ein Leitungsgremium sowie einen langfristigen Prozeß zur ständigen Überprüfung
von Maßnahmen und die Einbeziehung neuer wissenschaftlicher Daten vor. Die erste Konferenz würde
sechs Monate nach Inkrafttreten des Vertrags veranstaltet. (Der Vertrag tritt drei Monate nach seiner
Ratifizierung durch mindestens 50 Staaten in Kraft.)
Eine zweite offizielle Konferenz würde demnach im
Jahr 1998 stattfinden, um die von den einzelnen Ländern erzielten Fortschritte zu erörtern. Sie würde
darüber hinaus eine Gelegenheit bieten festzustellen,
welche weiteren Beschlüsse oder Vereinbarungen
angesichts des größeren technischen Verständnisses
der Klimaveränderungen und der wirtschaftlichen Folgen
von Reaktionen darauf erforderlich sein könnten.
Obwohl keine spezifische Summe für die Hilfe an
Entwicklungsländer festgesetzt wird, verpflichtet der
Vertrag die Industriestaaten dazu, die Entwicklungsländer bei der Überprüfung ihrer Lage, Entwicklung
von Plänen und Durchführung von Maßnahmen zu
unterstützen, die bei der weltweiten Reaktion auf die
Klimaveränderungen hilfreich wären. In der Februarrunde der Verhandlungen über den Vertrag sagten die
Vereinigten Staaten 25 Millionen Dollar zu, um den
Ländern bei der Erstellung nationaler Berichte zu
helfen sowie weitere 50 Millionen Dollar für die globale
Umweltfazilität (GEF) von Weltbank, UN-Entwicklungsprogramm und UN-Umweltprogramm.
Die Delegierten waren außerstande, in der vor Rio zur
Verfügung stehenden Zeit die Differenzen darüber
auszuräumen, wie die Industriestaaten langfristig finanzielle und technische Hilfe leisten sollen. Die
vorgeschlagene Konvention sieht vor, die Einzelheiten
bei der ersten Konferenz der Vertragsparteien auszuarbeiten. In der Zwischenzeit wird die Finanzierung
durch die GEF erfolgen. Die Industriestaaten können
ferner auf bilateraler oder regionaler Basis sowie durch
andere multilaterale Kanäle Hilfe bereitstellen.
Darüber hinaus wurde eine Resolution für die im
September beginnende 47. Sitzungsperiode der
Generalversammlung erarbeitet. Sie würde ein Adhoc-Sekretariat ins Leben rufen, das vor Inkrafttreten
des Vertrags die Arbeit aufnehmen soll. Das Sekreta-

AMERIKA DIENST 19

�riat würde sich mit den Durchführungsverfahren, den
Mitteln für die Einbeziehung wissenschaftlicher Daten
und anderen Aufgaben beschäftigen, die der ersten
Konferenz der Vertragsparteien die Arbeitsaufnahme
erleichtern würden.
Diese Übergangsmechanismen sind Reinstein zufolge notwendig, da "es für die bereits zugesagten Gelder
sonst keine Möglichkeit gibt ... unmittelbar in den
Entwicklungsländern wirksam zu werden. Ansonsten
müßten wir vielleicht drei, vier oder sechs Jahre warten."
Bei einer Pressekonferenz zum Ende der Verhandlungen wies Reinstein ferner Anschuldigungen zurück,
die Vereinigten Staaten hätten die Führungsrolle beim
Umweltschutz abgegeben, die sie 1972 innehatten.
"Wir haben immer noch den Idealismus, der zur ersten
Umweltkonferenz in Stockholm führte", erklärte er.
"Aber heute besitzen wir 20 Jahre Erfahrung und die
Erkenntnis, daß Umwelt kein abstraktes Ideal an und
für sich ist, sondern ein integraler Bestandteil der
gesamten menschlichen Erfahrung in Zusammenarbeit mit unserem Zuhause, der Erde und all den
anderen Geschöpfen, mit denen wir sie teilen."

*

AMERIKA DIENST 19

*

Reinstein zufolge geht es bei der bevorstehenden
Konferenz in Rio de Janeiro "nicht nur um die Umwelt,
sondern darum, wie wir unsere Umweltideale mit all
den anderen Aspekten in Einklang bringen, mit denen
wir uns hier auseinandersetzen müssen - das heißt
Wirtschaft, Nahrungsmittel, Bekleidung, Unterkunft,
Armut, wirtschaftliche Entwicklung".
"Was die Vereinigten Staaten nach Rio mitbringen, ist
eine beachtliche Erfahrung bei dem Versuch, diese
Integration in den Vereinigten Staaten durchzuführen
und der Erkenntnis, daß es nicht immer so einfach ist,
sich für ein umweltpolitisches Ziel einzusetzen ohne zu
berücksichtigen, daß es in das Gesamtbild von Gehaltsschecks und Essen auf dem Tisch eingeordnet
werden muß", erklärte er.
Reinstein mahnte die Reporter, die amerikanische
Haltung nicht als sorglos zu interpretieren: "Meines
Erachtens sehen die Leute einen gewissen Pragmatismus, der mit Verschleppungstaktik verwechselt wird."
Reinstein fügte hinzu: "Wir müssen in die Zukunft
blicken. Wir haben hier etwas für die Zukunft geschaffen, für künftige Generationen, das viele Möglichkeiten
zur Partnerschaft zwischen allen Staaten bietet."

*

*

Seite 3

�WAHLEN

'9 2
13. Mai 1992

ZWISCHENBERICHT ZU DEN WAHLEN '92
Anzahl der Delgierten und Ergebnisse der Vorwahlen
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte inoffizielle Übersicht zeigt die Anzahl der Delegierten,
über die jeder Kandidat zum gegenwärtigen Zeitpunkt (7. Mai) des US-Wahlprozesses verfügt sowie die
Ergebnisse der Vorwahlen vom 5. Mai in North Carolina, Indiana und District of Columbia.

Demokraten (zur Nominierung erforderlich: 2.1 45)

Indiana

Clinton

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

1.665

Nicht gebunden

627

Clinton

63

Tsongas

526

Brown

21

Brown

349

Tsongas

12

Republikaner (zui' Nominierung erforderlich: 1 .105)

Sonstige

4

Bush

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

Bush

80

Buchanan

20

1.211
68

Buchanan
Nicht gebunden

8

Ergebnisse der Vorwahlen vom 5. Mai

District of Columbia

Die nachfolgende Übersicht zeigt den Prozentsatz der
Stimmen, die jeder Kandidat bei den Vorwahlen am 5.
Mai erhalten hat.

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Clinton

74

North Carolina

Brown

7

Demokraten

Prozentsatz der Stimmen

Tsongas

10

Clinton

64

Unentschieden

Brown

10

Republikaner

Prozentsatz der Stimmen

9

Tsongas

8

Bush

81

Sonstige

3

Buchanan

19

Unentschieden
Republikaner

15
Prozentsatz der Stimmen

Bush

70

Buchanan

10

Unentschieden

20

AMERIKA DIENST 19

Seite 1

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11455">
                <text>13.05.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11456">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11457">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11458">
                <text>Amerikadienst 13.05.1992</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11459">
                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die transatlantischen Beziehungen: eine stabile Grundlage für die Zukunft Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. KSZE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern einstweiligen Ausschluss Serbiens aus der KSZE&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kornblum beim KSZE-Folgetreffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Unruhen in Los Angeles&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bush: Nach Ausschreitungen in Los Angeles "ehrliche Aussprache" erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Videokonferenz mit Zeitungsverlegern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinungsumfragen zum King-Urteil&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Große Mehrheit von Weißen und Schwarzen gegen Freispruch&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Klimakonvention für Gipfel in Rio verabschiedet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Abkommen soll Erderwärmung aufhalten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wahlen'92&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zwischenbericht zu den Wahlen'92&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anzahl der Delegierten und Ergebnisse der Vorwahlen&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
