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28

2 5 .Juli

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. JuliDas neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten
-WortlautUSA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-WortlautVolcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche
-Auszüge-

HI NTERGRUNDMATERIAL :
Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend
ändern

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Vitamin Bft-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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28/1973

PRÄSIDENT NIXON GIBT NEUES STABILISIERUNGSPROGRAMM BEKANNT
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18.Juli-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat am 18. Juli die Maßnahmen der
Phase IV seines Programmes zur Stabilisierung von Preisen und Löhnen bekanntgegeben. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"Das amerikanische Volk steht jetzt vor einer äußerst wichtigen Entscheidung. Wir haben einen Preisstopp, um die Inflationswelle einzudämmen,
die ausbrechen würde, wenn die Kontrollen aufgehoben würden. Gleichzeitig
drückt aber der Preisstopp auch die Produktion herab und schafft so Verknappungen, die bei einem Anhalten des Preisstopps und der Kontrollen
immer schlimmer zu werden drohen und zu noch höheren Preisen führen koennen.
In dieser Situation sind uns zwei extreme Ratschläge angeboten worden. Der eine Vorschlag besagt, daß wir Preis-und Lohnkontrollen als ständigen Aspekt der amerikanischen Wirtschaft akzeptieren sollten... Der andere Vorschlag läuft darauf hinaus, jetzt den Schritt zur Freiheit zu tun
und alle Kontrollen sofort aufzuheben...
Wenn

-1-

�Wenn wir klug sind, dann entscheiden wir uns heute nicht für einen
dieser extremen Vorschläge, sondern bemühen uns um den bestmöglichen

Aus-

gleich zwischen unseren Interessen, indem wir die Inflationsrate auf der
einen Seite verlangsamen und die Produktion sowie Produktivität der USA
auf der anderen Seite erhalten.
Die Hauptelemente der von uns benötigten Politik sind folgende:
Erstens, das Kontrollsystem muß greifen...
Zweitens, das Kontrollsystem muß selektiv sein, Es muß eine Lockerung
der Beschränkungen zulassen, die die Produktion am stärksten beeinträchtigen. ..
Drittens, das Kontrollsystem muß eine ausreichende Gewähr dafür bieten,
daß es zu gegebener Zeit auslaufen wird, damit der Anreiz zu Investitionen
und zur Produktion erhalten bleibt und ein Schutz gegen Bestrebungen besteht, die Kontrollen zu verewigen.
Viertens, das Kontrollsystem muß durch entschlossene Maßnahmen zum
Ausgleich des Haushalts untermauert werden, so daß die Übernachfrage den
inflationistischen Druck nicht ständig nährt, der das Leben mit oder ohne
Kontrollen so erschwert.
Wir hatten 1973 ein ungewöhnliches Zusammentreffen von Umständen, die
zu einem schnellen Preisauftrieb führten. Die Binnenwirtschaft erlebte einen
Boom von ungewöhnlichem Ausmaß, der einesehr starke Nachfrage nach Gütern
und Dienstleistungen auslöste. Der Boom in anderen Ländern und die Dollarabwertung, so erwünscht diese von den meisten Gesichtspunkten her auch
sind, haben die Preise für Waren, die wir exportieren oder importieren,
steigen lassen.
Diese Kräfte lösten Anfang 1973 einen starken Preisanstieg aus. Der
Index der Verbraucherpreise erhöhte sich in der Zeit von Dezember 1972 bis
Mai 1973 - auf Jahresbasis - um rund 8 Prozent...
Ein

�Ein gewisser angestauter Druck für eine We!!e von Preiserhöhungen ist
für das Ende des Preisstopps zu erwarten. Abgesehen von dieser noch nicht
verkrafteten Welle von Preiserhöhungen bestehen die Bedingungen, die Anfang
1973 zu dem Preisanstieg führten, aber noch weiter, auch wenn es nicht mehr
so viele sind. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wird weniger
stark als im ersten Halbjahr ansteigen. Das Lebensmittelangebot wird zunehmen, wenn

auch nicht schnell genug. Unsere Position im Welthandel wird sich

verbessern, und dies wird den Dollar stärken.
Alles in allem wird die Tendenz zu Preissteigerungen in den restlichen
Monaten des Jahres 1973 - eine Tendenz, die sich entweder in höheren Preisen niederschlagen oder durch Kontrollen unterdrückt wird - weniger stark
als im ersten Halbjahr, aber immer noch größer als erwünscht sein.
Vor allem gibt es keine Möglichkeit - mit oder ohne Kontrollen -, einen
beträchtlichen Anstieg der Lebensmittelpreise zu verhindern. Bis 1974 sollten wir jedoch eine wesentlich gemäßigtere Inflationsrate erreichen können.
Dann wird die für dieses Jahr zu erwartende gute Futtermittelernte zu einem
weit größeren Lebensmi.ttelangebot geführt haben, und die Gesamtnachfrage
dürfte dann weniger schnell als 1973 steigen.
Diese befriedigendere Situation auf der Inflationsfront wird erreicht
werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
Erstens ... müssen wir ... Preise und Löhne niedrig halten.
Zweitens dürfen wir es nicht zulassen, daß die derzeitigen Kontrollen
1974 die Produktion stark herunterdrücken - ein Problem, das bei Fleisch und
Geflügel am deutlichsten auftritt.
Drittens dürfen wir es nicht zulassen, daß die Übernachfrage andauert
oder wieder auflebt, die neue inflationistische Kräfte auslösen wird. Aus
diesem Grunde ist die Kontrolle des Bundeshaushalts ein unerläßlicher Bestandteil der Gesamtanstrengungen...
Das

-3-

�Das Kontrollprogramm der Phase IV

Die Kontrollen werden bindend sein. Der Erfolg des Programms wird jedoch von einem hohen Maß an freiwilliger Einhaltung abhängen...
Trotzdem sind die von uns jetzt vorgeschlagenen Bestimmungen strenger,
und es ist nur fair gegenüber denjenigen, die sich freiwillig daran halten,
sicherzustellen, daß die anderen dazu gezwungen werden.
Mit Ausnahme der Lebensmittel wird der Preisstopp bis zum 12. August
in Kraft bleiben. Es werden jedoch Modifizierungen der Preisstoppbestimmungen vorgenommen werden, um die gröbsten Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Grundlegend für die Preisbestimmungen der Phase IV ist, daß die Preise
in dem Ausmaß steigen dürfen, wie sich die Kosten erhöhen, und zwar in
Dollar pro Einheit und ohne irgendeine Gewinnspanne auf die zusätzlichen
Kosten... Die Lohnbestimmungen der Phase II und III werden weiter in Kraft
bleiben. Bei größeren Belegschaften wird eine Benachrichtigung von Lohnanhebungen weiterhin erforderlich sein.
Dies sind, und das räumen wir ein, einschneidende Bestimmungen, in gewisser Hinsicht einschneidender als in der Phase II. Aber die Situation
ist ebenfalls in vieler Hinsicht schwieriger als in Phase II. Solange das
System jedoch als vorübergehend betrachtet wird, kann unserer Ansicht nach
die Wirtschaft weiter prosperieren, der Arbeitsfriede in der Industrie gewahrt bleiben und die Produktion im Rahmen dieser Bestimmungen sich weiter
ausweiten...
Die besondere Situation bei Lebensmitteln
Nirgendwo ist das Dilemma der Preiskontrollen deutlicher zu Tage getreten als bei Lebensmitteln. Zu Anfang des Jahres bildeten die steigenden Lebensmittelpreise den Hauptteil des Inflationsproblems, statistisch wie auch

�auch psychologisch. Wenn es irgendwo einer Zurückhaltung bei den Preisen bedurft hätte, so war dies bei Lebensmitteln der Fall. Aber seit für die Fleisch
preise am 29. März Höchstgrenzen festgesetzt wurden und besonders seit dem
am 13. Juni verfügten Preisstopp, hat sich bei den Lebensmitteln ganz deutlich gezeigt, wie schädlich Kontrollen für die Versorgung sein können. Wir
haben erlebt, wie Küken ertränkt und trächtige Schweine und Kühe, also praktisch im kommenden Jahr anfallende Lebensmittel, geschlachtet und Versandbetriebe geschlossen wurden...
Wir müssen sorgfältig einen Weg verfolgen, der zwischen einer Preispolitik für Lebensmittel,die so starr ist, daß die Erzeugung stark eingeschränkt wird

und die so zwangsläufig in einigen Monaten zu Verknappungen

führt, und einer Preispolitik für Lebensmittel liegt, die so locker ist, daß
sie uns einen unnötigen und untragbaren Preisauftrieb bringt. Auf dieser Basis haben wir für Lebensmittel die folgenden besonderen Bestimmungen erlassen:
1.

Ab sofort können Erzeuger und Verteiler von Lebensmitteln, Rindfleisch

ausgenommen, ihre Preise in Cent pro Stück in dem Maße erhöhen, wie die
Kosten für die landwirtschaftlichen Rohprodukte seit dem Basiszeitraum für
den Preisstopp (1.-8.Juni) gestiegen sind.
2.

Für die Rindfleischpreise gelten weiterhin die gegenwärtigen Höchst-

grenzen.
3.

Die oben genannten besonderen Bestimmungen laufen am 12. September

aus; nach diesem Zeitpunkt gelten für Lebensmittel die gleichen Bestimmungen
wie für andere Produkte.
4.

Landwirtschaftliche Rohprodukte bleiben von den Preiskontrollen ausge-

nommen.
Um

-5-

�Um eine Erleichterung bei den extrem hohen Preisen für Futtermittel
zu schaffen, die .sich stark auf die Preise für Fleisch, Geflügel, Eier und
Molkereiprodukte auswirken, haben wir Exportbeschränkungen für Sojabohnen
und verwandte Erzeugnisse eingeführt, bis die neue Ernte auf den Markt kommt.
Diese Beschränkungen werden bis dahin in Kraft bleiben. Ständige Exportkontrollen sind jedoch nicht die Politik dieser Regierung, und wir beabsichtigen im Augenblick keine Ausdehnung der Kontrollen über den derzeitigen
Stand hinaus. In gewissem Maße hebt sich die Wirkung von Exportkontrollen
als Antiinflationsmaßnahme von selbst auf. Eine Begrenzung unserer Exporte
verringert unsere Devisenerlöse, drückt den Wert des Dollar und erhöht die
Kosten der Waren,' die wir einführen, was sich wiederum auf die Lebenshaltungskosten der amerikanischen Familien auswirkt. Eine Begrenzung unserer
Agrarexporte läuft darüber hinaus auch unserer grundlegenden Politik zuwider,
Absatzmärkte für unsere Agrarerzeugnisse im Ausland zu erschließen. Sofern
die Ernteerwartungen bei uns nicht sehr enttäuschend sind oder die Auslandsnachfrage äußerst groß ist, werden Exportkontrollen nicht erforderlich
sein. Das Melden von Exportaufträgen für Agrarerzeugnisse wird jedoch auch
weiterhin notwendig sein. Unsere Politik muß stets davon ausgehen, daß die
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Lebensmittelversorgung im Inland von
grundlegender Wichtigkeit ist.
Die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft in den kommenden Monaten
und Jahren bedingt eine maximale Agrarerzeugung. Ich appelliere an die amerikanischen Farmer , so viel wie möglich zu produzieren. Es liegen Berichte
vor, daß Farmer zögerten, Vieh aufzuziehen, weil sie nicht sicher waren, ob
ihnen die Bestimmungen der Regierung einen fairen Ertrag ihrer Investitionen
gestatten würden, und vielleicht auch, weil sie die Einführung von Höchstpreisen für Lebensmittel ablehnten. Ich hoffe, daß diese Berichte nicht zutreffen. Im letzten Jahr ist das reale Nettoeinkommen pro Farm um 14 Prozent
gestiegen, fürwahr eine beachtliche Zunahme. Ich kann den amerikanischen
Farmern versichern, daß die Regierung nicht die Absicht hat, sie zu diskri-

�diskriminieren. Die heute bekanntgegebenen Bestimmungen sollten den Farmern
Vertrauen geben, daß die Regierung sie nicht daran hindern wird, einen
fairen Ertrag aus ihren Investitionen für die Lebensmittelerzeugung zu erzielen.
Der Landwirtschaftsminister... hat entschieden, daß es 1974 keine Reduzierung der Anbauflächen für Futtergetreide, Weizen und Baumwolle geben wird.
•«« •

Der Prozeß bei der Aufhebung der Kontrollen
Es besteht keine Notwendigkeit, daß ich meinen Wunsch,die Kontrollen
zu beenden und zu einem freien Markt zurückzukehren, erneut wiederhole. Ich
glaube, daß ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung, wenn ihm ein abgewogener Überblick über die Optionen gegeben wird, diesen Wunsch teilt...
Und trotzdem muß ich eine Politik der Geduld fordern. Ein Übergang zu
völliger Freiheit jetzt würde höchst wahrscheinlich auf Abwegen und in einem
Sumpf von noch viel länger dauernden Kontrollen enden. Ich bin beeindruckt
von der einstimmigen Empfehlung der führenden Vertreter von Gewerkschaften
und Wirtschaft im Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeirat, daß die Kontrollen Ende
1973 auslaufen sollten. Ich hoffe, da'ß dies möglich sein wird, und werde
alles in meinen Kräften stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen. Ich halte
es jedoch nicht für klug, uns auf ein bestimmtes Datum für die Beendigung
aller Kontrollen zu diesem Zeitpunkt festzulegen...

Haushaltsausgleich
Den Schlüssel für den Erfolg unserer Anti-Inflationsanstrengungen bildet
der Haushalt. Wenn die Bundesausgaben anschwellen und das Defizit steigt,
dann wird das Kontrollsystem dem Nachfragedruck nicht standhalten können. Die
häufigste Ursache für einen Zusammenbruch von Kontrollsystemen war, daß £j&gt;

-7-

�es nicht gelang, die Haushalts-und Währungspolitik einzuschränken. Wir dürfen es nicht zulassen, daß dies auch bei uns geschieht.
Ich bin mir sicher, daß der Federal Reserve Board durch Verlangsamung
der Geld-und Kreditausweitung unsere Anti-Inflationsanstrengungen unterstützen
wird. Aber man sollte und darf nicht erwarten, daß die Währungspolitik alleine
die erforderliche Zurückhaltung übt. Auch ein weiterer Beitrag von der Haushaltsseite ist erforderlich.
Ich schlage vor, daß wir uns als Ziel für das laufende Haushaltsjahr
einen ausgeglichenen Haushalt setzen. In der Vergangenheit habe ich als Norm
für den Bundeshaushalt vorgeschlagen, daß die Ausgaben die Einnahmen, die bei
einer Vollbeschäftigung erzielt würden, nicht überschreiten sollten. Wir halten diese Norm ein. Aber unter den heutigen Umständen... können wir uns es
nicht mehr leisten, uns an diese Mindestnorm zu halten. Wir müssen unser Ziel
höher setzen und den Haushalt tatsächlich ausgleichen.
Dieses Ziel zu erreichen wird schwierig sein - schwieriger, als es dies
zunächst den Anschein hat. Meine Ausgaben waren ursprünglich für das Finanzjahr 1973/74 auf 268,7 Milliarden Dollar veranschlagt worden. Seit Vorlage
dieses Haushaltes haben die Expansion der Wirtschaft, die Inflation und andere Faktoren die Einnahmen auf die Höhe der ursprünglich veranschlagten Ausgaben ansteigen lassen. Während dies geschah, sind aber auch die voraussichtlichen Ausgaben gestiegen...
Es ist klar, daß bei den voraussichtlichen Ausgaben mehrere Milliarden
Dollar gekürzt werden müssen, wenn wir den Haushalt ausgleichen wollen. Das
wird schwerfallen, da mein ursprünglicher Haushalt bereits scharf kalkuliert
war. Ich erachte dies jedoch für notwendig und versichere Ihnen feierlich,
darauf hinzuarbeiten.
Wir sollten uns daran erinnern, daß ich es vor etwas mehr als einem Jahr
als das Ziel für das Finanzjahr 1972/73 bezeichnet habe, die Ausgaben unter

�unter 250 Milliarden Dollar zu halten. Damals war man deswegen sehr skeptisch,
und es fielen Andeutungen, daß diese Zahl nur politischen Zwecken dienen
sollte und nach den Wahlen vergessen sein würde. Aber ich habe dies so gemeint, die Bevölkerung stand hinter mir, und der Kongreß hat mich unterstützt.
Heute kann ich Ihnen berichten, daß dieses Ziel erreicht worden ist und daß
die Gesamtausgaben im Finanzjahr 1972/73 unter 249 Milliarden Dollar lagen.
Ich werde die administrativ möglichen Schritte ergreifen, um das Ziel
eines ausgeglichenen Haushaltes im Finanzjahr 1973/74 zu erreichen. Als Beginn werde ich anordnen, daß die Zahl der Zivilangestellten der Bundesregierung am Ende des Finanzjahres 1973/74 unter der jetzt im Haushalt angewiesenen
liegen muß...
Trotz der schwierigen Situationen und Entscheidungen, vor denen wir jetzt
stehen, ist die amerikanische Wirtschaft stark. Die Gesamterzeugung liegt um
6 1/2 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Beschäftigtenzahl ist um drei
Millionen gestiegen, und die Realeinkommen sind höher als zuvor. Auch was die
Inflation anbetrifft, ist die Entwicklung bei uns besser als in den meisten
Teilen der Welt. So sollten wir ob unserer Lage nicht verzweifeln. Aber wir
haben Probleme, und sie sind zum Teil schwerwiegender Natur, denn wir und die
übrige Welt erwarten von der amerikanischen Wirtschaft eine optimale Leistung.
Wir können noch besseres leisten. Und wir werden dies in beiderseitigem Einvernehmen und mit Unterstützung des amerikanischen Volkes tun."

+-H-

-9-

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28/1973
DAS NEUE WIRTSCHAFTLICHE STABILISIERUNGSPROGRAMM IN STICHWORTEN
-Wortlaut-

WASHINGTON —(AD)-- Das Weiße Haus hat am 18. Juli eine Zusammenfassung
der wichtigsten Punkte des neuen wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
veröffentlicht, die folgenden Wortlaut hat:
"Das Ziel
Die Verringerung der in den ersten sechs Monaten des Jahres 1973 verzeichneten Inflationsrate bei minimalen nachteiligen Auswirkungen auf die
Versorgung.
Der Rahmen
- Die Phase IV ist gesetzlich bindend; sie umfaßt die meisten Sektoren der Wirtschaft, verlangt Vorausmeldungen und beschränkt den Preisanstieg, indem Kosten nur Dollar um Dollar weitergegeben werden dürfen.
- Der Preisstopp bleibt auf allen Gebieten bis zum 12. August in Kraft,
die Sektoren

Lebensmittel und Gesundheitswesen ausgenommen, für die so-

fort gesonderte Bestimmungen in Kraft treten.
- Für alle Wirtschaftssektoren - außer dem

Lebensmittelsektor -

werden mit Wirkung vom 12. August neue Bestimmungen in Kraft treten, die
jetzt zur Stellungnahme veröffentlicht werden. Stellungnahmen müssen bis

�I
bis zum 31. Juli erfolgt sein.
- Die während der Phasen II und III geltenden Richtlinien für Löhne
und Zuwendungen bleiben weiter gültig.
- Kleinbetriebe (60 Beschäftigte und weniger), die Sätze der öffentlichen Versorgungsbetriebe, Zinsen und Renten sowie Löhne und Preise bei
Holz und Sperrholz fallen ab 12. August nicht mehr unter die Bestimmungen.
- Es werden Verfahren für die Prüfung einer schrittweisen Aufhebung der
Kontrollen in der Industrie festgelegt.

LebensmittelSektor
- Die Preisbestimmungen der Phase IV werden in zwei Phasen, A und B,
unterteilt.

' •-'

,

Phase A (tritt sofort in Kraft)
- Die Höchstpreise für Rindfleisch bleiben bestehen.
- Bei allen übrigen Lebensmitteln dürfen die Preise nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis heraufgesetzt werden, die dem Kostenanstieg bei den
landwirtschaftlichen Rohprodukten entspricht.
Phase B

(tritt am 12. September in Kraft)

- Die Höchstpreise für Rindfleisch werden aufgehoben.
- Erzeuger und Verteiler dürfen alle Kostenerhöhungen auf einer Dollarum-Dollar-Basis weitergeben. ••••-'
- Andere Aspekte der Lebensmittelbestimmungen werden den Kontrollen auf
dem Industrie-, dem Dienstleistungs-, dem Großhandels- und dem Einzelhandelssektor angeglichen.
Industrie

-2-

�Industrie-utid Dienstleistungssektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden:
- von den Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen
Dollar verlangen, daß sie den Lebenshaltungskostenrat 30 Tage im voraus benachrichtigen, bevor Preiserhöhungen in Kraft treten dürfen;
- von Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Dollar die Vorlage von ViertelJahresberichten verlangen;
- von allen Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von weniger als
50 Millionen Dollar, aber mit mehr als 60 Beschäftigten, die Vorlage eines
Jahresberichtes verlangen;
- einen neuen Basiszeitraum für Preiserhöhungen und Kostennachweis festlegen - das letzte Quartal des vor dem 11. Januar 1973 abgelaufenen Finanzjahres. Vor dem neuen Basiszeitraum der Phase IV angefallene Kosten dürfen
nicht als Rechtfertigung für höhere Preise benutzt werden;
- die Weitergabe von Kosten nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis gestatten;
- die Begrenzungen für die Gewinnspanne beibehalten.

Einzel-und Großhandelssektor (ohne Lebensmittel)
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
-Am

�- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden verlangen:
- eine vorherige Billigung der Preisgestaltungspläne durch den Lebenshaltungskostenrat auf der Basis der einzelnen Warengruppen bei Gesellschaften
mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Dollar;
- Kontrolle der Bruttospannen bei diesen Warengruppen;
- Beibehaltung der Begrenzung der Gewinnspannen.
-

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Erdölsektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden vorsehen:
- Höchstpreise für Benzin, Heizöl und Dieselkraftstoff. Die Höchstpreise
setzen sich aus den tatsächlichen Kosten des Verkäufers der Produkte und dem
Aufschlag in Dollar und Cent zusammen, der im Einzelhandel für das gleiche
Produkt am 10. Januar .1973 galt;
- einen Höchstpreis für Rohöl;
- - Die Mehrförderung von Rohöl und die entsprechenden Mengen der alten
Förderung sind davon auszunehmen;
- Höchstpreise und Oktanzahl müssen an jeder Tankstelle angegeben sein.

Bestimmungen für besondere Sektoren
- Das Gesundheitswesen wird von dem Preisstopp sofort ausgenommen und
wieder den bindenden Kontrollen der Phase III unterworfen.
- Die vorgeschlagenen Bestimmungen für das Versicherungswesen werden jim

-4-

�am 19. Juli zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht. Die neuen Bestimmungen werden am 12. August in Kraft treten. Bis dahin bleibt der Preisstopp
in Kraft.

Löhne
- Die allgemeinen Normen der Phasen II und III für Löhne und Zuwendungen bleiben bestehen. Die Berichte müssen eingehendere Informationen über die
Erhöhung von Löhnen und Zuwendungen enthalten.
- Benachrichtigungen über eine Anhebung von Löhnen und Zuwendungen durch
die größten Verhandlungsgruppen werden weiterhin notwendig sein. Vorausbenachrichtigungen werden in besonderen Fällen verlangt.
- Innerhalb des Lebenshaltungskostenrates ist eine neue Organisation
zur Überprüfung einer Anhebung von Löhnen, Gehältern und Zuwendungen im Bereich der Bundesstaaten und der Kommunalverwaltungen geschaffen worden."

-H-+

�Gegenüberstellung der wichtigsten Bestimmungen der Phasen II, III und IV
(' .",!. f 'i

Phase II

Phase IV

Phase III

Industriesektor:
-•*----------—»«f&lt;

Kostensteigerungen Kostensteigerungen einschließlich Gewinnspanne werden voll- weitergegeben

Weitergabe auf Dcllar-um-Dollar-Basis ohne Gewinn-

if

spanne
Basis

Letzte Preiserhö-

Letzte Preiserhö-

Basiszeitraum

hung oder Stand

hung vor dem 11.

letztes Quartal des

vom 1. Jan. 1971

Jan. 1973

vor dem 11. Jan.
beendeten Finanzjahres

Gewinnspanne

Basispreis

Die 2 besten von

Die besten 2 der

3 Finanzjahren

nach dem 15. Aug.

vor dem 15. Aug.

1968 beendeten

1971

Finanzjahre

wie Phase III

Höchstpreis, der für 10 Prozent der

Durchschnittliche

Produktion 30 Tage lang vor dem Zeit-

Preis im letzten

raum vom 16.Aug. bis 13. Nov.1971

Quartal des vor dem

gefordert worden ist

11. Jan. 1973 beendeten Geschäftsjahres

&gt;i

': (.iL

• . .:•;

-•&lt;••;

Verfahren

�.

Phase II

Phase III

Phase IV

Verfahren und Geltungs.

Alle Firmen mit

Ab 2. Mai 1973 von

Alle Firmen mit

bereich

Jahresumsatz

allen Firmen mit

Jahresumsatz

Vo vau sme1düng en

von über 100

Jahresumsatz von

von über 100

Millionen D o L

über 25 Millio-

Millionen Dol-

lar; 30 Tage vor nen Dollar, die

lar; 30 Tage

Preisanhebung;

Preisanhebungen

vor Preisanhe-

Zustimmung er-

von über 1,5 %

bung; kann er-

forderlich

des Indexes

folgen, sofern

durchgeführt

Lebenshaltungs-

hatten; 30 Tage

kostenrat sie

vor Preisanhe-

nicht aussetzt,

bung

ablehnt oder
kürzt. Recht zur
Überprüfung bereits erfolgter
Preisanhebungen

Kriterien für Aus-

Bedeutende Här-

Wenn sie sich

Bedeutende H ä r -

nahmen

ten oder Unge-

von selbst an

ten oder Unge-

rechtigkeiten

die Bestimmun-

rechtigkeiten un-

gen der Phase II

ter Berücksichti-

halten

gung etwaiger Störungen für die
Wirtschaft

Meldungen

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Jahresumsatz

Jahresumsatz

Jahresumsatz von

von über 50 Mil-

oder Einnahmen

über 50 Millionen

lionen Dollar

von über 250

Dollar viertel-

vierteljährlich

Millionen Dollar

jährlich; nicht

vierteljährlich

befreite Firmen
mit Jahresumsatz
darunter jährlich

«•7Ausnahmen

�Phase III

Phase II
Ausnahmen für Klein-

Weniger als 60 Angestellte

Phase IV
Wie Phase II, jedoch aufgrund neu-

betriebe

er Einschätzung

Andere Sektoren:

Lebensmittel

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen; in
2 Phasen unterteilt

Erdöl

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen

Versicherungen

Sonderbestimmungen, die vom allgeraeinen Preisniveau abhängen

Öffentliche Versor-

Bestätigung der

Besondere Krite-

gungsbetriebe

zuständigen Be-

rien

Revidierte Sonbestimmungen

Ausgenommen

hörden erforderlich
Gesundheitswesen

Besondere Bestimmungen

Wie Phase III bis
neue Bestimmungen
ausgearbeitet
sind

Renten

Sonderbestimmungen

-8-

Ausgenommen

Ausgenommen

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USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die amerikanische Regierung hat am 18. Juli offiziell
bestätigt, daß die Vereinigten Staaten damit begonnen haben, auf den Devisenmärkten aktiv zu intervenieren mit dem Ziel, "geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten."
Die kurze gemeinsame Erklärung des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board enthält keine Einzelheiten, doch kann angenommen werden, daß
die Vereinigten Staaten unter den gegenwärtigen Umständen für eine Intervention

ausländische Währungen zum Ankauf von Dollar verwendet haben,

um so den Rückgang des Dollar-Kurses zu verlangsamen oder in sein Gegenteil umzukehren.
Aufgrund der kürzlich erweiterten Vereinbarungen mit den ausländischen Notenbanken kann der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - bis zu 17 980 Millionen Dollar in ausländischen Währungen für derartige Operationen aufnehmen. Die Vereinigten Staaten könnten ferner ihre
Sonder-und ihre regulären Ziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) oder ihre Goldreserven einsetzen, um sich ausländische Währungen
zur Stützung des Dollar-Kurses zu beschaffen.
Die

�Die am 18. Juli veröffentlichte gemeinsame Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
"Der Vorsitzende des Federal Reserve Board und der Finanzminister

ha-

ben gemeinsam die folgende Erklärung herausgegeben:
•Auf der Sitzung der Finanzminister und der Notenbankgouverneure am
16. März 1973 in Paris wurde Übereinstimmung darüber erzielt, daß eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein
könnte, um die Aufrechterhaltung geordneter Marktverhältnisse zu erleichtern. Angesichts der dem Dollar innewohnenden Stärke und nach Konsultationen zwischen dem Federal Reserve Board, dem Finanzministerium und den Vertretern anderer Länder wurde am 10. Juli mit Interventionen des Federal
Reserve Board an der New Yorker Devisenbörse begonnen. Aktive Interventionen werden auch künftig zu gegebener Zeit und in der erforderlichen Größenordnung erfolgen, um geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten.1"

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VOLCKER VERWEIST AUF FORTSCHRITTE DER INTERNATIONALEN WÄHRUNGSGESPRÄCHE
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul Volcker, hat am 19. Juli vor einem Unterausschuß des
amerikanischen Repräsentantenhauses zu dem derzeitigen Stand der internationalen Währungsgespräche Stellung genommen, die bereits zu einer Übereinstimmung über zahlreiche Grundprinzipien, darunter die Notwendigkeit
eines besseren Mechanismus für die Anpassung von Zahlungsbilanzen, geführt
hätten. Die wesentlichen Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben
folgenden Wortlaut:
"Ich glaube, daß jetzt, zum Teil durch Klärung der Auffassung aller
Seiten, ein besseres Verständnis für bestimmte Punkte besteht, die wir bei
Unterbreitung unserer Vorschläge hervorgehoben haben. Vor allem haben wir
darauf bestanden, daß die verschiedenen Elemente des monetären Systems
- Konvertierbarkeit, Wechselkurssystem, Anpassungsprozeß, Bereitstellung und
Art der internationalen Währungsreserven - als Teile eines ausgewogenen und
in sich geschlossenen Systems entwickelt werden müssen. Wir brauchen daher,
wenn ein System konvertierbarer Währungen wirklich funktionieren soll, eine
Technik, die gewährleistet, daß Anreize für Anpassungen nicht nur für Defizitländer mit schwindenden Reserven gelten, sondern gleichermaßen für
Überschuß-und Defizitländer. Die Toleranz, die wir für temporäre Ungleich-

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�Ungleichgewichte im System zulassen wollen - und eine gewisse Toleranz
ist notwendig - muß im Einklang mit der Verfügbarkeit von Reserven zur Finanzierung von Ungleichgewichten stehen. Höhe der Reserven, die die einzelnen Länder in der Praxis halten möchten, und Verfügbarkeit solcher Reserven
im Rahmen dieses Systems müssen auf breiter Basis aufeinander abgestimmt
sein. Die als internationale Reserven benutzten Aktiva dürfen keinen spekulativen Verzerrungen ausgesetzt sein, und die einzelnen Länder müssen frei
und flexibel über sie verfügen können...
Meines Erachtens ist es fair, zu sagen, daß die Mitglieder des Zwanziger-Ausschusses bereits zu bestimmten, mehr oder weniger einstimmig gefaßten Schlußfolgerungen gelangt sind. Man schließt sich uns bei der Suche
nach wirksameren Mechanismen an, die zeitgemäßere

und effektivere Zah-

lungsbilanzanpassungen gewährleisten sollen und die sich in gleicher Weise
auf Überschuß-wie auf Defizitländer auswirken - ihr Fehlen hat ganz wesentlich zum Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods beigetragen.
Es besteht eine allgemeine Bereitschaft, die These zu akzeptieren,
daß Anreize und Druck erforderlich sein könnten, um den Anpassungsprozeß
zu 'disziplinieren». Gleichzeitig möchten die meisten Länder es den betreffenden Staaten weitmöglichst überlassen, wie die Anpassung vorgenommen
wird - während solche Anpassungsformen verhindert werden sollen, die für das
internationale Handels-und Zahlungssystem abträglich sind.
Wir haben vereinbart, daß das Wechselkurssystem auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basieren soll, wobei ein Floaten von Wechselkursen sich
in bestimmten Situationen als nützliche Technik erweisen könnte. Wir stimmten darin überein, daß die globale Liquidität besser gelenkt werden sollte
und daß modifizierte Sonderziehungsrechte (vielleicht mit anderem Namen)
zum Hauptreservemedium werden sollten. Wir waren uns einig darüber, daß
effektivere Mittel notwendig sind, um mit den Problemen der kurzfristigen

-2-

�kurzfristigen

Kapitalflüsse fertig zu werden, obwohl noch beträchtliche

Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der angebrachten Form der diesbezüg
liehen Kontrollen verbleiben.
Eine Übereinstimmung über diese Punkte ist wichtig und trägt zur Ermutigung bei. Ich lasse mich jedoch nicht dazu verleiten, etwa zu glauben, daß
das Maß an Übereinstimmung über diese Punkte, so wichtig jeder von ihnen im
einzelnen ist, ausreicht, um die Vereinbarkeit, die Ausgewogenheit und Kohärenz, von der ich sprach, insgesamt zu gewährleisten., Im besonderen haben
wir noch viel Arbeit zu bewältigen, um diese Prinzipien funktionsfähig zu
machen und zwar im Sinne spezifischer und festgelegter Verhaltensnormen, die
für alle akzeptabel sind.
Zum Beispiel möchten wir alle ganz allgemein ein besseres Verfahren für
die Anpassung von Zahlungsbilanzen. In der Praxis jedoch stellt der schwerfällige und abstrakte Begriff 'Zahlungsbilanzanpassungen» jede Regierung
vor schwierige wirtschaftliche Entscheidungen und delikate politische Probleme. Wer soll entscheiden, welche Maßnahme wann und von welchem Land getroffen werden soll?

Praktisch müssen wir praktikable Antworten auf diese Fra-

gen finden und zwar Antworten, die für alle Handel treibenden Länder in ihrer Gesamtheit wie auch für die einzelnen Staaten zufriedenstellend sind.
Wir müssen zum Beispiel den geeigneten nationalen Ermessensspielraum, die
Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das Ausmaß festlegen, bis
zu dem »objektive Indikatoren» nutzbringend angewandt werden können. Auf allen
diesen Gebieten ist eine volle Übereinstimmung noch nicht erreicht worden.
Das von uns im September letzten Jahres gesetzte Ziel war, bis zur
nächsten Septembertagung des IWF in Nairobi Übereinstimmung über die groben
Umrisse der Reform zu erreichen. Unser Ziel von heute bis zum September
bleibt weiterhin, ein weitmögliches Gebiet der Übereinstimmung zu erreichen,
so daß die Arbeit über die Durchführungsbestimmungen zur Verwirklichung

3-

�Verwirklichung dieser Prinzipien fortschreiten kann. Dies bedeutet, daß
Nairobi nicht das Ende der Reformarbeiten sein wird; selbst unter den günstigsten Aspekten wird noch eine Menge zu tun sein, um die Durchführungsbestimmungen abzufassen und die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen
vorzubereiten...
Seit März hat es bei einigen Wechselkursen, vor allem zwischen dem
Dollar und einigen europäischen Währungen, beträchtliche Bewegungen gegeben.
Ich, wie auch viele andere, glauben, daß die Bewertung bestimmter Währungen
gegenüber dem Dollar weiter gegangen ist, als dies gerechtfertigt oder erforderlich war, um das langfristige internationale Zahlungsbilanzgleichgewicht, und auch im besonderen den Ausgleich unserer eigenen Zahlungsbilanz,
wieder herzustellen.
Bei der Bewertung der letzten Wechselkursveränderungen möchte ich betonen, daß die starken Ausschläge sich fast ausschließlich auf die europäischen Länder beschränkten, die an einem gemeinsamen Floaten - an der sogenannten 'Schlange* - beteiligt sind. Ja, der Dollar war seit Monaten gegenüber den Währungen der Länder, auf die rund 75 Prozent unseres Handels entfallen, ziemlich konstant. Zu diesen Ländern gehören unsere wichtigen Handelspartner außerhalb Europas,Japan, Kanada und die meisten Entwicklungsländer, aber auch einige wichtige europäische Länder wie zum Beispiel Großbritannien und Italien.
Bei der Auswertung dieser jüngsten Erfahrungen möchte ich einige für
eine längerfristige Reform relevante Schlüsse ziehen:
- - Erstens, in einer Situation, die durch größere, während eines langen
Zeitraums aufgebaute Zahlungsungleichgewichte charakterisiert wird, mit
gleichzeitigen Unsicherheiten und spekulativen Strömungen, führen Versuche-,
feste Währungsrelationen aufrechtzuerhalten, zu wiederholten Spannungen und

�und Krisen. Solche Spannungen werden noch durch die Tatsache vergrößert, daß
die Ungleichgewichte sich nachhaltig auf die Hauptwährung des Systems - den
Dollar - ausgewirkt haben. In einer derartigen Situation bildete das Floaten
von Währungen, im Gegensatz zu den verfügbaren Alternativen, eine allgemein
akzeptable Arbeitsgrundlage für den Zeitraum bis zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts, und die derzeitigen Anzeichen deuten darauf hin, daß der
Handelsfluß und die langfristigen Investitionen nicht ernst beeinträchtigt
worden sind.
— Zweitens unterstreicht diese Erfahrung meines Erachtens, was die
Erzielung stabilerer Währungsrelationen anbetrifft, wie wichtig die Schaffung eines Ausgleichs der amerikanischen Zahlungskonten ist. Keine Reform
des internationalen Währungssystems kann einen Ersatz für dieses Erfordernis bilden. Wir können, als Teil des Reformprozesses, das Ausmaß, in dem
das System vom Dollar abhängig ist, reduzieren, aber wir können nicht der

Tatsache ausweichen, daß die Vereinigten Staaten weiterhin die größte Wirtschaftseinheit bleiben werden und daß es für andere Länder wie auch für uns
wichtig ist, daß der Dollar gesund bleibt.
-- Drittens, die jetzt in Kraft befindlichen Interimsvereinbarungen sind
kein Ersatz für eine langfristige Reform. Sie geben keinen Rahmen für vereinbarte und einigermaßen klare Bestimmungen, die notwendig sind, um den
längerfristigen Erfordernissen des Systems zu entsprechen. Dies ist die Aufgabe der Reform.
-- Viertens beweisen die von mir zu Anfang meiner Ausführungen aufgezeigten Schwierigkeiten, auf die wir gestoßen sind, welche Gefahren sich ergeben, wenn man einen Aufbau von Zahlungsbilanzungleichgewichten über einen
längeren Zeitraum hinweg zuläßt. Obwohl die Februarabwertung fast überall als
ausreichend betrachtet wurde, haben die unumgängliche Zeitspanne bis zu ihrem
Wirksamwerden und die hieraus resultierende Unsicherheit, bis diese Auswir-

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�I
t

Auswirkungen voll durchschlagen können, zu den darauf folgenden Marktstörungen beigetragen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit wirksamer Anreize für
Länder - für die USA wie auch für andere -, sich entwickelnde Ungleichgewichte umgehend anzupassen. Dies wiederum ist die Aufgabe der Reform.
-- Fünftens, die Instabilität des privaten Goldmarktes mit dem starken
Hochschnellen der Preise hat erneut bewiesen, daß dieses Metall als zentrales Reservemedium eines neuen Systems ungeeignet ist.
-- Schließlich hat sich, während eine Reihe von Ländern vermehrt zur
Anwendung von Kontrollen für kurzfristiges Kapital griffen, um so den massiven
Flüssen beweglicher Gelder, wie sie sich in der heutigen Welt ergeben können,
zu begegnen, erneut gezeigt, daß die Wirksamkeit solcher Kontrollen begrenzt
ist. Derartige Kontrollen scheinen keine adäquate Lösung für das Problem der
Spekulationen und der Ungleichgewichte zu sein."
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28/1973

ALASKA-PIPELINE KÖNNTE SITUATION AUF DEM WELTÖLMARKT EINSCHNEIDEND ÄNDERN
Von John Uhler

--(AD)-- Die projektierte Ölleitung aus dem Norden des amerikanischen Bundesstaates Alaska zu den nächstgelegenen Häfen am Pazifik dürfte früher
Realität werden als zunächst erwartet, da der US-Senat jetzt wichtige Entscheidungen getroffen hat. Durch die Abstimmung vom 17. Juli 1973 wurde
eine Anzahl jener Hindernisse aus dem Wege geräumt,die eine Aufschiebung
des Baues der Pipeline verlangten, bis eine Studie zum Alternativprojekt
mit Verlegung der Trasse durch Kanada vorgelegen hätte. Der Senat entschied
u.a., daß die Beschränkung der Trassenbreite in den Gebieten in Regierungsbesitz auf je 7,5 m links und rechts der Rohrleitung zu entfallen habe,
weil andernfalls die erforderlichen Versorgungsstraßen nicht gebaut und
die Trassen nicht über Bergregionen geführt werden könnten.
In seiner Eigenschaft als Senatspräsident setzte sich Vizepräsident
Agnew auch für die Aufnahme eines Zusatzparagraphen in die Gesetzesvorlage
ein, in dem erklärt wird, daß die Erfordernisse des Umweltschutzgesetzes
von 1970 berücksichtigt seien und das Projekt durch Gerichtsurteile, die
unter Berufung auf das Umweltschutzgesetz gefällt wurden, nicht länger aufgehalten werden dürfe.
In

�In seiner Energiebotschaft an den Kongreß hatte Präsident Nixon bereits im April dieses Jahres um eine rasche Entscheidung ersucht, damit mit
den Bauarbeiten für die 1 280 km lange Rohrleitung begonnen werden könne.
Mehr als ein Jahr lang mußte sich die Regierung mit den Umweltschützern auseinandersetzen, die Schäden für die Tundra und die Tierwelt befürchteten.
Jetzt fehlen noch die Verabschiedung der Vorlage durch das Repräsentantenhaus
und

entsprechende Beschlüsse der Bundesgerichte im Hinblick auf mögliche

künftige Beschwerden.
Obgleich die Umweltschützer bereits wissen ließen, daß sie ihre Kampagne zur Blockierung des Baues der neuen Pipeline fortsetzen würden, besteht gute Aussicht, daß diese Streitfrage noch in diesem Jahr beigelegt
wird. Die Bauarbeiten könnten noch im Herbst in Angriff genommen werden,
so daß schon in etwa drei Jahren Öl durch die Leitungen fließt. Um 1980 dürf
te Alaska täglich etwa 286 000 Tonnen Erdöl liefern; das entspräche etwa
10 Prozent des amerikanischen Erdölbedarfs, der dann bei drei Millionen Tonnen pro Tag liegen dürfte. Der letztgenannten Zahl liegt die Schätzung zu»
gründe, daß die 1980 erforderlichen Importe der USA doppelt so hoch liegen
wie 1973. Die Explorationsbohrungen in Alaska dürften schon in Kürze wieder
aufgenommen werden, und es besteht Grund zu der Annahme, daß man durch sie
zusätzlich neue Vorkommen lokalisieren kann.
Die ersten abbaufähigen Öllager in Alaska wurden 1968 entdeckt. Große
Ölfirmen taten sich zusammen, um die Anlage einer Rohrleitung von 1,2m
Durchmesser zu finanzieren, durch welche heißes Öl zu dem eisfreien Hafen
Valdez an der Südküste Alaskas transportiert werden sollte. Von dort hätten
es Tanker zum Weitertransport in die amerikanischen Raffinerien an der Pazifikküste übernommen. Die Ökologen wandten sich jedoch gegen diesen Plan,
da sie befürchteten, daß Flora und Fauna in Alaska und im Golf von Alaska
allein durch die Existenz einer Leitung, in der heißes Öl fließt, und durch
die zahlreichen Tanker gefährdet seien, die eine mögliche Quelle für Öl-

-2-

�Ölverschmutzungen größten Stils darstellten. Die stärksten Bedenken verursachte die Tatsache, daß die Pipeline durch ein Erdbebengebiet in Alaska
führt, wo ein Bruch der Rohrleitung verheerende Folgen hätte. Das US-Innenministerium zog in Zusammenarbeit mit anderen Behörden zahlreiche Gutachter
hinzu, um Mittel und Wege zu finden, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen
Schäden an der Pipeline zu verhindern. Bei der Überlandleitung sollen beispielsweise automatische Ventile eingebaut werden, die den Ölfluß sofort
unterbinden,sobald auch nur ein minimales Leck auftritt. Tägliche Patrouillenflüge über das gesamte Gebiet, in dem die Trassen verlaufen, und häufige
Inspektionen zu Lande sollen eine Gewähr dafür bieten, daß kein Öl in die
zahlreichen Flußläufe einsickert. Den Tankern im Golf von Alaska wird untersagt, Spill-Öl und Ballastwasser abzulassen.
Die Alaska-Leitung dürfte Kosten von insgesamt 3 Milliarden Dollar verursachen; weitere 2 Milliarden Dollar sind für den Bau zusätzlicher Öltan ker notwendig. Hätte man sich für den Verlauf einer Ölleitung durch Kanada
entschieden, bei der eine Strecke von 4 800 km zu überwinden wäre, würden die
Kosten doppelt so hoch sein - nämlich 6 Milliarden Dollar. Präsident Nixon
erklärte zu dem Projekt in seiner Energiebotschaft vom 8. April 1973 unter
anderem:
"In einer Zeit, in der wir wachsende Mengen von Rohöl importieren und
dabei unsere Zahlungsbilanz erheblich in Unordnung bringen, außerdem zu
einer Zeit, in der wir beachtliche Ölverknappungen erleben, sind wir eindeutig auf die 286 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, die Alaska liefern könnte - eine Menge, die ein volles Drittel unserer gegenwärtigen Importe ausmachen würde....
Ich appelliere an den Kongreß, diese Angelegenheit schnell zu behandeln, damit wir den Bau der Ölleitung so schnell wie möglich in Angriff nehmen können.
Ich

-3-

�\

Ich wende mich gegen jede weitere Verzögerung, die durch die nochmalige
Untersuchung der Frage entstünde, ob es ratsam sei, die Ölleitung durch Kanada zu verlegen. Unserem Interesse an einer raschen Steigerung unserer Ölversorgung wird am besten damit gedient, daß die Alaska-Leitung gebaut wird.
Sie könnte viel schneller fertiggestellt werden als eine Pipeline durch Kanada; ihre gesamte Kapazität würde für den Transport von Öl benutzt, das auf
amerikanischem Territorium gefördert wird und für amerikanische Märkte in
Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht wird. Außerdem würde der
Bau einer Leitung durch Alaska eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen
für Amerikaner in Alaska und in der Schiffbauindustrie schaffen..."
Einige Senatoren waren deshalb gegen den Bau der Alaska-Leitung, weil,
wie sie behaupteten, das Öl an Japan verkauft würde, während die Oststaaten
der USA in immer stärkerem Maße au*f Importe aus dem Nahen Osten angewiesen
seien. Im US-Innenministerium ist man jedoch der Meinung, daß schon im Jahre
1980 das gesamte in Alaska geförderte Öl in Alaska selbst, in Hawaii und den
drei Bundesstaaten der Westküste verbraucht würde. Befürworter des AlaskaProjektes im Senat schlugen außerdem vor, zwar an Japan Alaska-Öl zu liefern, jedoch mit der Auflage, daß dann Japan aus seinen Verträgen mit dem
Mittleren Osten die Lieferung der gleichen Mengen Öl aus diesen Ländern nach
den Vereinigten Staaten veranlassen solle. Auf diese Weise würden die Transportkosten auf einem.Minimum gehalten, weil das Öl auf den kürzesten Seewegen angeliefert werde.

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28/1973

VITAMIN B,-ZUSATZTHERAPIE BEI LANGZEITDIALYSE
o

--(AD)-- Etwa 12 000 Menschen in den Vereinigten Staaten werden durch regelmäßige Blutwäsche mit einer "künstlichen Niere" am Leben erhalten.
An einem der Dialyse-Zentren, den Kliniken der Stanford-Universität (Kalifornien), wurde bei Patienten, bei denen die Dialyse-Behandlung schon über
einen langen Zeitraum durchgeführt wird, ein auffälliger Mangel oder sogar das Fehlen eines wichtigen Enzyms festgestellt. Es handelt sich um
Aspartat-Transaminase, die eine Schlüsselrolle beim Gewebestoffwechsel
spielt.
Zunächst wurde vermutet, daß bei der Dialyse das für die Bildung des
Enzyms wichtige Vitamin B, (Pyridoxin) "ausgewaschen" wird. Auf einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Chemie (19. Juli 1973
in New York) berichtete nun eine Wissenschaftlergruppe der Stanford-Universität über ihre Erfahrungen und die Mutmaßungen zur Ursache des beobachteten Enzymmangels. Dr. Paul L. Wolf, der zusammen mit Dr. Norman Coplon,
Dr. Alan S. Coulson und Dorothy Williams (med.-techn.Assistentin) nach New
York gekommen war, erklärte in einem Interview, daß möglicherweise sogar
das Enzym selbst beim Dialyseprozeß "ausgewaschen" werde. In einer jetzt in
Angriff genommenen gründlichen Studie hoffe man, diese Frage zu klären.
Die Wissenschaftler neigen allerdings eher zu der Ansicht, daß nur das
Vitamin B,, das als Koferment für die Aktivität der Aspartat-Transaminase

-l-

�Transaminase (abgekürzt GOT) von Bedeutung ist, beim Blutwäsche-Prozeß reduziert werde.
Eine unzureichende GOT-Aktivität ist bisher nur als eine Begleiterscheinung in der Schwangerschaft bekannt. Keine der Patientinnen, die gegenwärtig am Dialysezentrum von Stanford behandelt werden, erwartet jedoch ein
Baby. Künftig sollen alle Patienten, die auf Langzeitdialyse angewiesen
sind, Vitamin B, als Zusatztherapie erhalten, um den Pyridoxin-Spiegel zu
normalisieren. Andernfalls ist mit Komplikationen wie Anämie, Nierensteinen,
Dermatitis, neurologischen Störungen und bei Frauen, die die Pille nehmen,
mit Depressionen zu rechnen.
Aufgrund der schon früher gemachten Erfahrung, daß bei Langzeitdialyse
Vitamin C und Folsäure ausgewaschen werden,verordnet man seit geraumer
Zeit den Patienten diese Wirkstoffe zusätzlich zur medikamentösen Therapie.
Dadurch sollen Störungen der Blutgerinnung und anämische Erscheinungen verhindert werden.

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. Juli -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Volcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend ändern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vitamin B-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse</text>
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1. August 1973

29

Inhalt

DOKUMENTATION:

Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen
Integration
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optimistischer Atmosphäre
Von Eugene Brake
Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden
Von John Holway
US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt
-WortlautDie wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni
-Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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29/1973

BOTSCHAFTER GREENWALD BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG PER EUROPÄISCHEN INTEGRATION
-AuszügeDUBLIN --(AD)-- Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter Joseph A. Greenwald, hat am 27. Juli in einer Rede vor
der US-Handelskammer in Irland erneut die Unterstützung der europäischen In
tegration durch die Vereinigten Staaten bekräftigt. Die wesentlichen Teile
der Rede des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
"Meine Regierung hat von Anfang an die Schaffung, Stärkung und Erweiterung der europäischen Institutionen unterstützt. Pie Zusammenarbeit zwischen
den europäischen Ländern war ein unerläßliches Element für den Erfolg des
Marshall-Planes. Seit 25 Jahren haben die Vereinigten Staaten^- unter demokratischen wie auch republikanischen Regierungen, die europäische Integration
- die Kohle- und Stahlgemeinschaft, den Gemeinsamen Markt, EURATOM, das
Europäische Parlament und den Gerichtshof - als in ihrem eigenen wie auch
im gemeinsamen Interesse unserer Atlantischen Völkergemeinschaft liegend erachtet
Diese Unterstützung ist von Präsident Nixon bekräftigt
;

Ausführungen am 23 April zum Jahr Europas

worden. In seinen

hat Dr. Kissinger den Zusammen-

hang zwischen unserer seit langem befolgten Europa-Politik und den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Veränderungen aufgezeigt, die in
den letzten 10 oder 15 Jahren eingetreten sind. Er hat gemeinsame amerika
nisch-europäische Anstrengungen gefordert, um unsere gemeinsamen Absichten

-1-

�1
\

Absichten und Zielsetzungen neu zu formulieren. Eine solche auf den heutigen
Stand gebrachte politische Deklaration würde den Rahmen geben, in dem wir die
Meinungsverschiedenheiten leichter beilegen könnten, die sich zu einem großen
Teil aus den engen Wechselbeziehungen innerhalb der freien Welt ergeben.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin überzeugt, daß ein starkes,
geeintes Europa uns allen mehr zum Vorteil gereicht als ein schwaches gespaltenes Europa. Wir waren ermutigt durch den bedeutenden Schritt, den die Vertreter Irlands und der übrigen acht Länder der Europäischen Gemeinschaft im
Oktober letzten Jahres getan haben, als sie sich feierlich zum Fortschritt
in Richtung auf eine Europäische Union bekannten. In einer Würdigung der
Gipfelerklärung der Neun hat Präsident Nixon betont, daß die amerikanische
Regierung voll und ganz die Ziele der EG-Mitgliedsstaaten teile, auf eine
Reform des Weltwirtschaftssystems .. hinzuarbeiten, und zwar in einer Weise,
durch die eine Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme
der Entwicklungswelt erreicht werden4.

Handels - und Währungsreform
Damit komme ich zu der zweiten grundlegenden Politik. Die Vereinigten
Staaten haben während der gesamten Nachkriegszeit stets die Führung bei den
Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels und des Zahlungsverkehrs übernommen. Zum Teil als Folge der veränderten Position der USA in der Weltwirtschaft haben in Amerika die protektionistischen Strömungen zugenommen. Trotz
dieser Tendenz hat Präsident Nixon bei zahlreichen Anlässen immer wieder
unterstrichen, daß er sich weiterhin dem Ziel eines freieren Waren-und Kapitalverkehrs verpflichtet fühlt. Weit wichtiger noch, er hat den mutigen
Schritt getan und dem Kongreß ein umfassendes Handelsgesetz vorgelegt. Pie
von ihm geforderten Verhandlungsvollmachten werden die Vereinigten Staaten

~2~

'

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i

Staaten in die Lage versetzen, an der gemeinsam von den USA, der EG und Japan im Februar 1972 vorgeschlagenen neuen Runde von Handelsgesprächen teilzunehmen .
Obwohl es in der Vergangenheit Abweichungen und Warnungen gegeben hat,
und dies auch weiterhin der Fall sein wird, die Zweifel an der Beständigkeit
unserer europäischen und internationalen Wirtschaftspolitik aufkommen lassen
könnten, so glaube ich, ist auf lange Sicht die Richtung klar. Und unter der
Voraussetzung, daß wir zu einer neuen gemeinsamen Grundlage finden können,
wird nach meiner Auffassung die auf einer atlantischen Zusammenarbeit basierende Zukunft voller Verheißungen sein.

Landwirtschaft
Es ist jetzt an der Zeit, daß wir von allgemeinen Formulierungen weg zu
te

konkreten Fragen übergehen. Ich habe das Thema Landwirtschaft

aus drei Grün-

den angeschnitten: einmal ist es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg
der multilateralen Handelsverhandlungen; zweitens ist es in Form einer gemeinsamen Agrarpolitik ein notwendiges Element - besonders für Irland der gegenwärtigen Europäischen Gemeinschaft; und drittens bedeuten die von
einigen in der letzten Zeit ergriffenen Schritte eine grundlegende Veränderung der internationalen Situation von Angebot und Nachfrage. Lassen Sie mich
diese Punkte jetzt der Reihe nach aufgreifen.

Multilaterale Handelsverhandlungen
Im weiteren Verlauf dieses Jahres werden die EG, die Vereinigten Staaten
und weitere Handelsländer eine neue wichtige Runde von Verhandlungen aufneh,
men,um im Rahmen des GATT die Handelsschranken abzubauen. Seit Ende der
Kennedy-Runde sind jetzt sechs Jahre verstrichen. In dieser Zeit haben sich

�sich Meinungsverschiedenheiten in Handelsfragen ergeben, und in einigen Fällen
sind sie zu echten Ärgernissen in unseren allgemeinen Baziehungen geworden,
weil es keine gemeinsamen Liberalisierungsanstrengungen gab. Die Teilnahme
an den multilateralen Verhandlungen sollte diese Situation korrigieren und
Meinungsverschiedenheiten in dem umfassenderen Rahmen beiderseitiger Konzessionen leichter lösbar machen. Neue Verhandlungen sind ferner deswegen notwendig, um zu vermeiden, daß einzelne Teilnehmer dem innenpolitischen Druck nach
Entliberalisierung nachgeben.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Verhandlungen gute Aussicht auf
Erfolg haben. Wir haben mit der EG und Japan vereinbart, daß die Verhandlungen auf Gegenseitigkeit basieren müssen. Für die großen Exportländer wie die
Vereinigten Staaten bedeutet Gegenseitigkeit, daß Gebiete, auf denen wir
einen Wettbewerbsvorteil halten - wie zum Beispiel die Landwirtschaft - in
einer wirklich bedeutungsvollen Weise einbezogen sind. Natürlich war der
Agrarsektor durch soziale und politische Erwägungen belastet. Aber andere politische - und wirtschaftliche - Faktoren fordern eine Verbesserung des
Agrarhandels.
»
Gemeinsame Agrarpolitik
In der gesamten industrialisierten Welt - und noch mehr in den Entwicklungsländern - wies das Problem der Landwirtschaft auf einen Wirtschaftssektor hin, der vernachlässigt worden war. Die landwirtschaftlichen Einkommen
waren im allgemeinen niedriger als die der städtischen Bevölkerung, und innerhalb der Landwirtschaft selbst gab es deutliche Einkommensunterschiede.
In zahlreichen Ländern, unter anderem auch in den USA, haben die Regierungen
besondere Programme für die Bauern durchgeführt. So überrascht es nicht, daß
einer der ersten Schritte der sich entwickelnden Europäischen Gemeinschaft
eine gemeinsame Agrarpolitik (CAP) war.
Ich möchte jedoch hoffen, wie auch Sir Ghristopher Soames dies kürzlich
in Straßburg sagte, daß die CAP nicht für alle Zeiten in ihrer gegenwärtigen
Form als eingefroren betrachtet wird. Wir haben aus unseren Fehlern in der

-4-

i

�der Agrarpolitik gelernt, und vielleicht kann die Europäische Gemeinschaft
von unseren Erfahrungen ebenfalls profitieren.
Die sozialen und politischen Ziele der amerikanischen Landwirtschaftsprogramme sind durch Stützung hoher Binnenmarktpreise nicht erreicht worden.
Marktkräfte und Druck der Verbraucher in jüngster Zeit wirkten sich auf den
Kongreß aus und beeinflußten die Haltung der Regierung wesentlich. Die hohen
Preise für Agrarprodukte beeinträchtigten ferner den amerikanischen Export
und schufen Probleme für die amerikanische Industrie. Unter diesen Umständen
sind wir von dem System der Preisstützung abgegangen.
Bis jetzt haben die Europäer zahlreiche ähnliche Erfahrungen gemacht
wie wir. Und es scheinen einige Zweifel an der Wirksamkeit der CAP zu bestehen. Wenn jetzt die europäischen Produzenten und Verbraucher immer mehr Erfahrungen mit der Praxis der gemeinsamen Agrarpolitik sammeln, wird die Europäische Gemeinschaft entscheiden können, ob die derzeitigen oder andere Vereinbarungen den europäischen Zielen am besten gerecht werden. Es gibt verschiedene Techniken, die gegenwärtig im Rahmen der CAP angewandt werden, unter anderem Direktzahlungen bei besonderen sozialen Problemen, und die Kommission
ist dabei, ihre eigene Bewertung und ihre eigenen Empfehlungen auszuarbeiten.
Obwohl es kein Geheimnis ist, daß wir nicht immer mit allen Aspekten
der die amerikanischen Interessen berührenden CAP einverstanden waren, so war
und ist es doch der eindeutig umrissene Standpunkt meiner Regierung, daß wir
nicht die gemeinsame Agrarpolitik zu Fall bringen wollen. Genauso wenig halte ich es für angebracht, irgend jemandem zu raten, welche Richtung dieses
Programm einschlagen sollte. Wenn ich jedoch sehe, welche überragende Bedeutung Weidewirtschaft und tierische Erzeugnisse für die irische Landwirtschaft
haben, so scheint es mir, daß eine Politik mit dem Ziele, die europäischen
Preise für Futtermittel niedrig zu halten, Irland großen Nutzen bringen
würde.
Die

-5-

�Die derzeitige Futtermittelkrise

Aufgrund der von den Vereinigten Staaten verfügten Exportkontrollen für
Sojabohnen und andere Produkte sind grundlegende Fragen aufgeworfen worden,
die die Handelsverhandlungen und vielleicht sogar die gegenwärtige Agrarpolitik überschatten könnten. Die sich schnell entwickelnde Proteinknappheit
hat zu einigen übereilten Schlußfolgerungen geführt - zum Beispiel, daß die
Vereinigten Staaten nicht mehr ein zuverlässiger Lieferant seien und Europa
nach Selbstversorgung streben müsse. Bevor ich zu diesen Fragen Stellung nehme,
möchte ich kurz aufzeigen, wie es zu dieser Situation kam und was wir zu tun
versuchen.
Unsere Prüfung der Situation bei Futtermitteln im Juni zeigte, daß bei
diesen Erzeugnissen Kontrakte über die Lieferung größerer Mengen aus der vorjährigen Ernte sowie aus Reservebeständen abgeschlossen worden waren, als
tatsächlich vorhanden sind. Zu der Verknappung und zu den höheren Preisen kam
es nicht aufgrund eines gestiegenen amerikanischen Verbrauchs, sondern aufgrund
verschiedener ausländischer Faktoren - eine starke Zunahme der Auslandsnachfrage nach proteinhaltigen Futtermitteln, die langfristige Bevölkerungszunahme,
die geringeren Fischfänge in Peru und die ungünstige Witterung in zahlreichen
Gebieten. Die vorjährige amerikanische Sojabohnenernte brachte einen Rekordertrag, doch der inneramerikanische Bedarf stieg nicht wesentlich. Praktisch
ging der gesamte Mehrertrag in den Export. Und im Rahmen der während der Sommer
monate bis zur Einbringung der neuen Ernte gültigen Zuteilungssystems werden
wir weiterhin unsere ausländischen Kunden bedienen. Wir sind uns unserer Verpflichtung durchaus bewußt, einen großen und wachsenden Weltmarkt mit Sojabohnen zu beliefern, und wir tun unser Bestes, um dieser Verpflichtung nachzukommen .
Im letzten Jahr hat die amerikanische Regierung für den Anbau von Getreide und Sojabohnen über 16 Millionen Hektar Land zusätzlich freigegeben, was
etwa der gesamten bestellten Landfläche in Frankreich entspricht. Die vom

-6-

�,t

vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium Anfang Juli veröffentlichten
Erntevoraussagen, die auf den Anfang Juni eingegangenen Berichten basieren,
deuten auf eine potentielle Ertragssteigerung der Sojabohnenernte im September hin sowie auf einen zwar nicht ganz so großen, aber doch beträchtlichen
Mehrertrag bei der Getreideernte. Wenn das Wetter weiter günstig bleibt,
werden die Aussichten recht gut sein. In der letzten Woche sind aus der amerikanischen Bodenreserve weitere 7,6 Millionen Hektar für die Bestellung
freigegeben worden, was etwa der gesamten bestellten Landfläche in der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Dieser Schritt wird 1974 zu einer weiteren Steigerung der verfügbaren Ernteerträge führen.
Nun zurück zu den Zweifeln, die angesichts der kürzlichen amerikanischen
Maßnahmen aufgekommen sind. Da die Launen des Wetters und die peruanischen
Fischfänge schlecht vorauszusehen sind, bezweifele ich es, daß irgend jemand
voraussagen kann, ob wir nun in eine Zeit chronischer Verknappungen in der

Landwirtschaft eingetreten sind oder nicht. Der stabilisierende Faktor in
der Nachkriegszeit scheinen die von den Vereinigten Staaten eingelagerten Vorräte gewesen zu sein. Wir glauben jedoch, daß die derzeitig offensichtliche
Verknappung

des Angebots kurzfristiger Natur sein wird. Wenn man über die

Zuverlässigkeit von Lieferanten spricht, so muß man auch die Zuverlässigkeit
der Kunden in Rechnung setzen. Beide Seiten müssen mit Vertrauen zueinander
arbeiten können.
Angenommen,wir sehen uns einer langfristigen strukturellen Veränderung
- auf kommerzieller Basis - von Angebot und Nachfrage auf der Welt gegenüber.
Meines Erachtens ist es dann Unsinn, wenn die heute hochindustrialisierten
Länder in der Landwirtschaft oder auf anderen Gebieten an eine neue Art von
Autarkie denken. Es scheint mir ganz unmöglich, die Uhr zurückzudrehen, selbst
auf der Basis einer erweiterten Europäischen Gemeinschaft, bis wir wieder
weit zurück in einer vor der Interdependenz liegenden Zeit sind. Ob wir es
gerne sehen oder nicht, unsere Volkswirtschaften sind so miteinander ver-

�verflochten, daß Selbstversorgung weder in der Landwirtschaft noch in der
Industrie, im Handel, auf dem Währungssektor oder bei Investitionen möglich
ist und daß es auf internationaler Ebene auch nicht möglich ist, sich bestimmte genehme Sektoren für einen langfristigen Schutz oder eine Selbstversorgung
herauszusuchen.

Internationale Investitionen

Ich möchte mich jet;zt Zweifeln zuwenden, die hinsichtlich des freien Kapitalflusses über die nationalen Grenzen hinweg geäußert worden sind. Die bewährten Prinzipien, die für den Abbau der Handelsschranken, sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft, sprechen, gelten auch für den Kapitalverkehr. Dieser Faktor der Gütererzeugung wird am wirksamsten zum Tragen gebracht,
wenn ein freier Verkehr auf der Basis der Marktkräfte möglich ist. In dem
Maße, wie Regierungen den Markt für internationale Kapitalbewegungen verzerren,
gehen auch die Möglichkeiten zurück, die wirtschaftlichen Hilfsquellen für
alle auf die wirksamste Weise einzusetzen.
Aus politischen und sozialen Gründen müssen Regierungen in demokratischen Ländern manchmal von rein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten abgehen.
Auf dem Investitionssektor besteht ein Druck in beiden Richtungen. In unserem
Falle haben die Vertreter der Gewerkschaften versucht, amerikanische Firmen
von Neugründungen im Ausland abzuhalten mit der Behauptung, daß damit amerikanischen Arbeitern Arbeitsplätze verloren gingen. Dieses Argument wird von
der amerikanischen Industrie heftig bestritten, und die Regierung hat für
eine stetige und offene Politik zusammen mit Steuervorschlägen optiert, um
sicherzustellen, daß der Kapitalverkehr nicht aufgrund künstlicher Anreize
stattfindet.
Manchmal erachten es Regierungen für notwendig, Kapitalflüsse aus Zahlungsbilanzgründen zu unterbinden. So haben die Vereinigten Staaten mehrere
Jahre lang eine Zinsausgleichssteuer auf aus den USA nach anderen Ländern

-8-

�Ländern abfließendes Kapital erhoben. Diese Steuer gilt sowohl für amerikanischeswie auch für ausländisches Kapital. Dm den Anreiz zu steigern und um
den Investanten zu versichern, daß sie bei einer späteren Rückführung ihrer
aus den USA abgezogenen Gelder nicht bestraft werden, hat Finanzminister Shultz
im Februar dieses Jahres angekündigt, daß die Zinsausgleichssteuer Ende 1974
auslaufen wird.
Einige Regierungen haben die Bedingungen auf dem internationalen Investitionsmarkt auf andere Weise geändert, indem sie den eigenen und den ausländischen Geschäftsleuten beträchtliche Anreize boten. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es genauso wichtig ist, für internationale Investitionen eine gleiche Behandlung sicherzustellen wie beim Welthandel. Aus
diesem Grunde haben wir in der Organisation für Europäische Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) auf die Durchführung einer Studie über die verzerrenden
Auswirkungen der Investitionspolitik von Regierungen gedrängt, die zu Richtlinien für steuerliche und sonstige Anreize führen würde, die von den Regierungen beachtet werden müßten, wenn sie ausländisches Kapital anziehen und
lenken wollen.
Besondere umstände können besondere Lösungen erfordern. Ich möchte annehmen, daß, genauso wie die GATT-Bestimmungen außergewöhnliche Maßnahmen in
außergewöhnlichen Situationen vorsehen, bei den Verhaltensnormen für internationale Investitionen das gleiche gilt. Solange es solche internationalen Normen noch nicht gibt, steht jedoch der Weg für den Wettbewerb um ausländisches
Kapital offen. Bei einem solchen Wettbewerb können sowohl die Kapitalgeber
wie die Kapitalnehmer Schaden leiden. Regierungen werden vielleicht feststellen, daß die von ihnen gewährten Konzessionen größer als die erzielten Vorteile sind, während die privaten Investoren vielleicht feststellen werden, daß
ihre langfristigen Kalkulationen auf falschen Annahmen basieren.

Schlußfolgerungen

�Schlußfolgerungen
Ich sollte am Ende noch einen weiteren kontroversen Punkt anschneiden,
der

sich hinter dem Schlagwort 'Globalisierung' verbirgt. In unserer Umgangs-

sprache sind damit die angeblichen amerikanischen Bemühungen gemeint, alle
Aspekte unserer Beziehungen zu Europa in ein großes Verhandlungspaket zu
packen. Das ist jedoch nicht das, worauf sich Dr. Kissinger bezog, als er
betonte, daß der amerikanisch-europäische Handel, monetäre, politische und
Sicherheitsfragen aufgrund der Realitäten eng miteinander verknüpft sind.
Er hat nicht vorgeschlagen, daß sie alle in einer einzigen Verhandlungsrunde
behandelt werden sollten.
Die am meisten ins Auge fallenden Bindeglieder auf wirtschaftlichem Gebiet sind Handel und Geld. Handelsbilanzen wirken sich auf den internationalen
Wert der Währungen aus, und Änderungen der Wechselkursparitäten wirken sich
auf den Handel aus. Es ist ermutigend, daß unsere europäischen Partner diese
Konzeption nur 18 Monate später akzeptiert haben, nachdem wir den Gedanken
engerer Beziehungen zwischen Handels-und Währungsverhandlungen ins Gespräch gebracht hatten.
Ich habe einige weitere Bindeglieder angedeutet. Es ist nicht möglich,
ausgewogene und auf Gegenseitigkeit beruhende Handelsverhandlungen ohne Einbeziehung des Agrarsektors zu führen. In gleicher Weise muß jedes lebensfähige
internationale Wirtschaftssystem vereinbarte Regeln über Maßnahmen einschliessen, die sich auf den Fluß von Investitionen auswirken.
Im größeren Rahmen lassen sich Frieden und Sicherheit auf der Welt -innerhalb oder außerhalb von Bündnissen - kaum ohne gleiche und praktisch durchführbare Bestimmungen für das Wirtschaftsgeschehen aufrechterhalten. In diesem Sinne ist 'Globalisierung* ein relevanter Begriff..."

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29/1973

KONFERENZ DES ZWANZIGER-AUSSCHUSSES ENDETE IN OPTIMISTISCHER ATMOSPHÄRE
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Die zweitägigen Gespräche der Finanzminister und Notenbankpräsidenten der im Zwanziger-Ausschuß vertretenen Länder, die am 30
und 31. Juli in Washington stattfanden, haben alle Teilnehmer davon überzeugt, daß der Wille vorhanden ist, tragbare Kompromisse bei den entscheidenden Fragen zu finden, die noch den Weg zu einem neuen internationalen Währungssystem versperren.
Dies zeigen übereinstimmend erste Äußerungen einzelner Konferenzteilnehmer. So erklärte ein europäischer Notenbankpräsident, er sei mit sehr geringen Erwartungen zu der Konferenz gekommen, habe jedoch jetzt das Gefühl, daß
eine Beilegung der noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten möglich sei.
Damit könne dann mit der Ausarbeitung der Artikel eines neuen Abkommens bereits im kommenden Frühjahr begonnen werden.
Per Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, wollte sich nicht ganz so spezifisch äußern. Nach Abschluß der Konferenz sagte er vor Korrespondenten, unter den Teilnehmern habe allgemein
die Auffassung bestanden, daß es nunmehr möglich sei, weiter voranzugehen,
und daß für die Probleme, die in den bisherigen Verhandlungen aufgetreten
seien, praktikable Lösungen gefunden werden könnten.
Vor

�Vor allem bei zwei eng miteinander verbundenen Problemen, die für eine
Feform des internationalen Währungssystems von entscheidender Wichtigkeit sind
- der Anpassungsprozeß und die Konvertierbarkeit - , konnten Fortschritte in
Richtung auf eine Annäherung der Standpunkte erzielt werden. Offensichtlich
sind die einzelnen Delegationen jetzt befriedigt darüber, daß die Vereinigten
Staaten kein vollautomatisches Anpassungssystem vorschlagen - ein System, das
Überschußländer zu bestimmten Maßnahmen zwingen würde, sobald ihre Reserven
eine bestimmte Höhe erreicht haben. Diese Möglichkeit hat Volcker ganz ausgeschlossen. Gleichzeitig wurde in immer stärkerem Maße die Nützlichkeit eines
objektiven Indikators anerkannt, der zur Korrektur von Ungleichgewichten in
den internationalen Zahlungsbilanzen beitragen soll. Und man war sich auch da~
rüber im klaren, daß eine Möglichkeit gegeben sein muß, auf Überschußländer
einen gewissen Druck ausüben zu können, wenn das System "symmetrisch" sein
soll.
Bei Defizitländern besteht, wie Volcker betonte, ganz naturgemäß ein
Druck, Maßnahmen zur Korrektur von Zahlungsbilanzungleichgewichten zu ergreifen. Defizitländern bleibt keine andere Wahl, als Veränderungen ihrer Wechselkurse zuzulassen oder andere korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie
mit ihren Reserven oder Kreditmöglichkeiten am Ende sind. Nunmehr gehe es darum, einen Weg zu finden, um einen ähnlichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben. Den europäischen Vorschlag, eine Art Steuer auf Überschußreserven
eines Landes zu erheben, ist nach den Worten Volckers ein Versuch zur Lösung
dieses Problems.
Volcker unterstrich jedoch zugleich, daß weder die Vereinigten Staaten
noch irgendein anderes Land ein neues internationales Währungssystem wünschten,
das weitgehend auf Druck oder Sanktionen basiere. Das Ziel sei vielmehr, klar
umrissene Verhaltensnormen festzulegen, an die die Länder sich zu halten haben..
Nur wenn sie dies nicht tun, könnten Strafen angewandt werden, aber es sei
wichtig, wie Volcker sagte, daß die Möglichkeit eines internationalen Druckes

�Druckes im Hintergrund stehe.
Die Fragen der Konvertierbarkeit und der A n p a s s u n g stehen In einem engen
Zusammenhang zueinander und nach Auffassung der Vereinigten Staaten ist ein
striktes Konvertierbarkeitssystem

- bei dem die Vereinigten S t a a t e n zur Ein-

w e c h s l u n g v o n D o l l a r , die sich im Besitz anderer Notenbanken befinden, in a n dere R e s e r v e n m e d i e n bereit sein m ü ß t e n - für sie nicht tragbar, sofern nicht
auch der A n p a s s u n g s p r o z e ß so strikt gehandhabt w i r d , daß ein Entstehen

großer

Defizite oder Überschüsse in den Zahlungsbilanzen der einzelnen L ä n d e r verhindert w i r d . Die Konvertierbarkeitsfrage
jedoch ein anderes Gesicht, w e n n ein

erhält nach den W o r t e n V o l c k e r s

" M u l t i w ä h r u n g s s y s t e m " für I n t e r v e n t i o -

nen angenommen w ü r d e , bei dem die einzelnen R e g i e r u n g e n bei ihren M a ß n a h m e n
zur Stabilisierung der W e c h s e l k u r s e statt w i e bisher nur Dollar k ü n f t i g ein
Paket verschiedener W ä h r u n g e n benutzen w ü r d e n .
A u c h die Frage eines Zusammenhanges zwischen der Reform des internationalen Währungssystems und der E n t w i c k l u n g s h i l f e

ist auf der Sitzung eingehend er-

örtert w o r d e n . Nach den W o r t e n Volckers hat sich der amerikanische

Standpunkt

in dieser Frage nicht g e ä n d e r t . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n , so erklärte V o l c k e r ,
begrüßten und gewährten E n t w i c k l u n g s h i l f e , hielten jedoch eine Abgrenzung gegenüber M a ß n a h m e n für erforderlich, die das internationale

Währungssystem

funktionsfähig erhalten sollen.Die Entwicklungsländer w ü r d e n am m e i s t e n v o n
einem internationalen Währungssystem p r o f i t i e r e n , das w i r k s a m und

reibungslos

a r b e i t e , einen o f f e n e n Handel gewährleiste und eine Prosperität ihrer Volksw i r t s c h a f t e n ermögliche.
II I

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29/1973
EBERLE: USA LASSEN ÜBER AGRARIMPORTE MIT SICH REDEN
Von John Holway
WASHINGTON -~(AD)~~ Die Vereinigten Staaten sind bereit, über eine Senkung
der Schranken für Agrarimporte zu sprechen, wenn dafür ein besseres "Management" ähnlicher Schranken in Europa und anderswo zugesagt wird. Dies erklärte der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William Eberle, am 25. Juli vor amerikanischen Landwirtschaftsattaches in Washington.
Eberle, der die amerikanische Delegation bei den internationalen Handelsverhandlungen führen wird, die im September in Tokio beginnen sollen,
gab in großen Zügen einen Überblick über seine Verhandlungsposition. Nach
den Worten Eberles zielen die Vereinigten Staaten auf eine Stärkung der
Marktmechanismen ab und wollen im Agrarhandel von Subventionen, Zöllen und
anderen verzerrenden Maßnahmen wegkommen. Wenn die Europäische Gemeinschaft
erkläre, daß ihre Gemeinsame Agrarpolitik (CAP) nicht Verhandlungsgegenstand sein könne, so sagte Eberle weiter, dann sei es nicht allzu schwierig
für die USA, das zu akzeptieren. Amerika verlange nicht von Europa, daß es
sein System aufgeben solle, aber es gebe genügend Spielraum, über die Anwendung des Systems zu verhandeln. Man müsse sich auf die Gebiete konzentrieren, auf denen die Anwendung der Gemeinsamen Agrarpolitik verbessert werden
könne .
Als ein weiteres Gebiet, über da^s man sprechen könne« nannte Eberle die
Exportsubventionen. Die beste Gelegenheit, diese Subventionen abzubauen, sei

-1-

�sei eine Zeit hoher Preise. Auch über die Abschöpfungen könne man verhandeln,
denn es sei immerhin bedeutsam, ob diese variablen Abgaben 100 Prozent des
Importpreises ausmachten oder nur 60 Prozent.
Wie Eberle betonte, würde ein Abbau der Schranken zur Bekämpfung der
Inflation beitragen und dem Verbraucher zugutekommen. Das gelte auch für Japan.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits prüfen nach den Ausführungen Eberles
Möglichkeiten, ihrerseits Schranken abzubauen. So habe das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine Studie über mögliche Auswirkungen der Abschaffung
aller Restriktionen für die Einfuhr von Molkereiprodukten in den Jahren zwischen 1972 und 1980 erstellen lassen. Nach der Studie könnte dies zu einem
Rückgang der amerikanischen Milcherzeugung um zehn Prozent führen; dieser
Verlust würde jedoch durch die Steigerung der Produktion auf anderen Agrargebieten mehr als ausgeglichen. Diese Studie sei nur eine von vielen, die gegenwärtig durchgeführt würden. Sie sei, so betonte Eberle, "keine Verhandlungs
basis, aber wir suchen nach Ideen." Eberle wies weiter darauf hin,» daß Japan
mehr Orangen nach den USA verkaufen wolle, die Entwicklungsländer mehr tropische Früchte, Australien mehr Weizen und Wolle und Kanada mehr Früchte und
Gemüse. "Wir sind bereit, über diese Dinge zu sprechen in dem Sinne: Wie kommen wir zu einer besseren Handelsbilanz?", so betonte Eberle. ,
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten wies darauf hin, daß Europa über
hohe amerikanische Industriezölle sprechen wolle, und das sei durchaus legitim
Aber es müsse sowohl auf dem Industriesektor wie auch auf dem Agrarsektor ein
Fortschritt erzielt werden. Er bekräftigte erneut, daß die Vereinigten Staaten
danach streben, das System der M^istbegünstigungsklausel auf das Sonderpräferenzsystem des Gemeinsamen Marktes angewendet zu sehen. Amerika begreife zwar,
daß es besondere kulturelle und historische Bindungen gebe, aber es sei zu
fragen, ob das für 55 Länder gelte.
Eberle

-2-

�Eberle räumte ein, daß auch über Exportkontrollen, wie etwa die amerikanische Kontrolle für die Ausfuhr von Sojabohnen und Schrott gesprochen werden müsse. Auf der anderen Seite brauche es die Welt nicht zu schockieren,
wenn ein Land bei Verknappungen einzelner Agrarprodukte ein System von Kontrollen benötige. Dies könne sogar vorteilhaft sein. Wenn manche Länder über
dieses Problem sprechen wollten, dann seien die USA jedoch nicht negativ eingestellt.
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten unterstrich ferner die Parallelität
der Handelsverhandlungen und der im September in Nairobi beginnenden Weltwährungsgespräche. Handels-, Währungs-*und Investitionssysteme machten zusammen ein besseres Gesamtwirtschaftssystem aus, so sagte er. Die Handelsgespräche sollten auf jeden Fall fortgeführt werden, auch wenn es noch kein Übereinkommen in den gegenwärtigen Gesprächen über Kompensationen der USA für Handelsverluste durch den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gebe. Er
hoffe jedoch,daß ein solches Übereinkommen bis September erreicht werde.

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29/1973

US-HANDELSMINISTERIUM GIBT WEITERE EINZELHEITEN DES LIZENZIERUNGSSYSTEMS
BEKANNT
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium hat am 27. Juli
weitere Einzelheiten des Lizenzierungssysteros für die 41 Agrarprodukte bekanntgegeben, für deren Ausfuhr aufgrund der Ankündigung vom 5. Juli vorübergehend Lizenzen ausgestellt werden müssen. Die Bekanntgabe des Handelsministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Am 5. Juli hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für 41
Agrarprodukte, darunter eßbare Öle, tierische Fette und proteinhaltiges Viehfutter, bekanntgegeben.
Aufgrund der die 41 Agrarprodukte betreffenden Bekanntgabe vom 5. Juli
sind Lizenzen für Aufträge ausgestellt worden, die am oder vor dem 13. Juni
1973 für Exporte vor dem 1. Oktober 1973 angenommen worden sind. Heute
(27. Juli) hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für den Export
dieser Agrarprodukte aufgrund von Aufträgen bekanntgegeben, die nach dem
13. Juni angenommen worden sind, aber noch vor dem 1. Oktober ausgeführt
werden sollen. Es hat ferner die beschlossenen Verfahren für Erdnußmehl und
Baumwollsaatmehl, die Aflotoxin enthalten, verkündet.
Erstens werden für die neun Agrarprodukte, Sojabohnen und Baumwollsaatöl usw., Lizenzen für die Ausfuhr vor dem 1. Oktober zu 100 Prozent ausgestellt .solange noch ein Rest an nicht ausgeführten Aufträgen besteht, die

-1

�die am oder vor dem 20. Juli angenommen und gemeldet worden waren

Dies ist

der letzte Meldetermin für die bisherige Fortschreibung der Statistiken über
die veranschlagten Gesamtexporte.
Das Handelsministerium warnt die Exporteure davor, irgendwelche Schlüsse
bezüglich eines Lizenzierungssystems für Exportaufträge bei diesen neun AgrarProdukten zu ziehen, die nach diesem Termin gemeldet worden sind.
Zweitens werden Lizenzen für die 32 anderen Agrarprodukte ausgestellt
und zwar unter Berücksichtigung der Mengen, die jeder Exporteur von diesen
Agrarprodukten jeweils in den Monaten Juli bis September 1972 ausgeführt hat.
Praktisch wird der Exporteur eine Quote auf der Basis der bisherigen Ausfuhren
bei jedem dieser Agrarprodukte erhalten. Gegen diese Quote werden alle Exportlizenzen für Aufträge aufgerechnet, die am oder vor dem 13. Juni angenommen worden sind. Sofern diese Ausfuhren die Quote nicht übersteigen, kann für
den Rest eine Lizenz auf nach dem 13. Juni angenommene Aufträge für eine Ausfuhr vor dem 1. Oktober ausgestellt werden.
Für alle diese 32 Agrarprodukte, ausgenommen Talg, der nicht für menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote jeweils 100 Prozent der Exporte
in den Monaten Juli bis September 1972 betragen. Bei Talg, der nicht für den
menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote auf 90 Prozent der früheren
Ausfuhren des Exporteurs festgelegt. Es werden Lizenzen auf dieser Basis von
100 Prozent der nicht ausgeführten Aufträge, die nach dem 13. Juni angenommen wurden, solange ausgestellt, bis die Quotenhöchstgrenze erreicht ist.
Darüber hinaus hat das Handelsministerium bekanntgegeben, daß es die
noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Exportaufträge auf Lieferung von für den menschlichen Genuß geeigneten Erdnüssen zu 100 Prozent lizenzieren wird, gleichgültig wann diese Aufträge angenommen wurden. Allerdings muß der Exporteur bei der Ausfuhr der Zollstelle eine Bescheinigung des
US-

••;.' . "

-2-

�US-Landwirtschaftsministeriums vorlegen, daß es sich um Erdnüsse handelt, die
für den menschlichen Genuß geeignet sind.
Bei Erdnußmehl, das 25 ppm Aflatoxin enthält, wird das Handelsministerium
die noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Aufträge zu 100 Prozent
lizenzieren, gleichgültig zu welchem Zeitpunkt der Auftrag angenommen wurde.
Allerdings muß bei der Ausfuhr eine Bescheinigung des US-Landwirtschaftsministeriums über den Aflatoxingehalt vorgelegt werden.
Ferner teilt das Handelsministerium mit, daß zwar kein Lizenzierungssystem für aflatoxinhaltiges Baumwollsaatmehl geschaffen worden ist, daß jedoch
Exporteure, die eine Lizenz für solche Exporte erhalten wollen, diese unter Berufung auf die Härteparagraphen der Exportkontrollbestimmungen, die am 10.
Juli 1973 veröffentlicht worden sind, beantragen sollen."

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29/1973
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN USA IM JUNI
- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates WASHINGTON --(AD)— Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten hat am 26. Juli
seinen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten im Juni dieses Jahres veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt:
Die im Juli veröffentlichten Statistiken für den Monat Juni und davor
zeigen ungewöhnlich scharfe Kontraste in der Wirtschaft.
1.

Die Inflation hat weiterhin rasch zugenommen bis zu dem Zeitpunkt, als

am 13. Juni der Preisstopp angeordnet wurde. Trotz der Inflation waren jedoch die Realeinkommen der Verbraucher nach Anpassung an die Preise hoch
und zeigten eine steigende Tendenz.
2.

Die Expansionsrate in der Wirtschaft hat sich verlangsamt, Produktion

und Beschäftigung waren jedoch hoch, und die Arbeitslosigkeit ging zurück.
3.

Unsere internationale Handelsbilanz hat sich verbessert, der Wert des

Dollar an den ausländischen Devisenmärkten ging jedoch zurück.
Das überragende Problem, was die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit und Regierung angeht, war die Inflation.
Die überragende Tatsache, was die Lebensbedingungen der amerikanischen
Bevölkerung angeht, war der hohe Stand der realen Einkommen und des realen
Verbrauchs.
Der
-1-

�Der Index der Verbraucherpreise stieg von Mai bis Juni um 0,6 Prozent.
Dieser Anstieg trat fast ausschließlich vor dem Preisstopp II ein. über das
Verhalten der Preise während des Preisstopps liegen noch keine statistischen
Unterlagen vor.
Der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni um 0,6 Prozent war der gleiche wie im April und im Mai. Die Zunahme während dieser drei Monate war etwas
geringer als in den vorangegangenen drei Monaten. Die Jahresrate der Zunahme
des Verbraucherpreis-Indexes ging von 8,6 Prozent in den ersten drei Monaten
des Jahres auf 7,4 Prozent im zweiten Quartal zurück. Diese leichte Verlangsamung der Inflationsrate war auf einen Rückgang der Inflationsrate bei den
Lebensmittelpreisen zurückzuführen, die jedoch selbst nach dem Rückgang außerordentlich hoch blieben...
Ziemlich weitverbreitet war die Zunahme der Verbraucherpreise außerhalb
des Lebensmittelsektors. Außergewöhnlich starke Zunahmen traten bei Benzin
und Gebrauchtwagen auf. Zu der Beschleunigung der Preisbewegung trugen auch
wesentlich Kleidung und Dauergüter für den Haushalt bei.
Ein wichtiges Element der Preissteigerungen in diesem Jahr war der scharfe Anstieg der Importpreise, was zum Teil auf den Weltboom und zum Teil auf
die Abwertung zurückzuführen war. Obwohl der Anteil dieses Faktors schwer zu
erfassen ist, läßt sich der Umfang aus der Tatsache ermessen, daß der Preisindex für Importe (in den Berechnungen des Bruttosozialproduktes) zwischen dem
ersten und dem zweiten Quartal dieses Jahres mit einer Jahresrate von 41 Prozent gestiegen ist. Die Preise der in den Großhandelspreisindex aufgenommenen
importierten Industriegüter stiegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit einer Jahresrate von 39 Prozent...
Das zweite Quartal 1973 brachte eine deutliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz. Auf der Basis eines Indikators überstiegen die Exporte in diesem Quartal etwas die Importe, verglichen mit einem Importüber-

-2-

�Importüberschuß von 1,5 Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Auf der Basis
eines anderen Indikators war im zweiten Quartal 1973 noch immer ein Delizit
von rund 300 Millionen Dollar vorhanden gegenüber einem Defizit von 1,7
Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Nach den Statistiken des Bruttosozialproduktes änderten sich unsere Nettoexporte an Gütarn und Dienstleistungen
von einem Defizit auf Jahresbasis von 5,7 Milliarden Dollar vor einem Jahr
in einen Überschuß - auf Jahresbasis - von 1,7 Milliarden Dollar im zweiten
Quartal 1973. Diese BSP-Statistiken sind jedoch erst vorläufig...
Die Statistiken für das erste Halbjahr zeigen das Bild einer Wirtschaft;
mit großen Leistungen - in Produktion, im Realeinkommen, in der Beschäftigung
und in der Handelsbilanz.Es trat eine notwendige und wünschenswerte Verlangsamung der Expansionsrate ein, ohne daß jedoch irgendwelche Anzeichen von
Störungen sichtbar wurden. Die Wirtschaft kämpfte mit einem großen Inflationsproblem. Ein Element in diesem Kampf war die Anstrengung der Regierung, die
Ausgaben zu beschränken.
Im Finanzjahr 1972/73 betrugen die Bundesausgaben 246 Milliarden Dollar,
was wesentlich unter den ursprünglichen Haushaltsvoranschlägen lag. Die Zunahme des Geldumlaufs im ersten Halbjahr lag bei einer Jahresrate von rund
sechs Prozent, verglichen mit einer Jahresrate von acht Prozent im Jahre 1972.
Ende des ersten Halbjahres wurde eine Intensivierung der antiinflationären
Anstrengungen bekanntgegeben. Das System der Lohn-Preis-Kontrollen soll wesentlich verschärft werden. Eine Politik der monetären Zurückhaltung soll fortgesetzt werden. Das Ziel der Politik soll ein restriktiverer Haushaltsansatz
sein, um das Budget für das Finanzjahr 1973/74 auszugleichen. Auf diese Weise
will die Regierung versuchen, die Inflation einzudämmen und gleichzeitig den
Wohlstand des Landes aufrechtzuerhalten.

i""l '(*

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen Integration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optmistischer Atmosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates -&lt;/em&gt;</text>
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Dokumentation

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Nummer

8. August 1973

30

Inhalt

DOKUMENTATION:
Gemeinsames Kommunique des Treffens zwischen Nixon und Tanaka

•Wortlaut-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Bei der Suche nach Frieden kann es kein Moratorium geben
Von Dr. Henry Kissinger

WIRTSCHAFT:
Burns: Restriktionskurs zeitigt erste Erfolge
-Auszüge aus einer Erklärung vor dem Kongreß»
US-Wirtschaftsbeirat veröffentlicht Halbjahresbericht

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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30/1973

GEMEINSAMES KOMMUNIQUE DES TREFFENS ZWISCHEN NIXON UND TANAKA
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Präsident Nixon und der japanische Ministerpräsident Tanaka
haben am 1. August zum Abschluß ihrer zweitägigen Gespräche folgendes gemeinsames Kommunique veröffentlicht:
"1.

Ministerpräsident Tanaka und Präsident Nixon trafen am 31.Juli und am

1. August in Washington zu umfassenden und fruchtbaren Erörterungen einer
Vielzahl von Fragen beiderseitigen Interesses zusammen.
2.

Die Gespräche der beiden Staatsmänner fanden in einer Atmosphäre der Herz-

lichkeit und des Vertrauens statt, die dem Ton und Inhalt nach den umfassenden
und engen Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten entsprach.
Das Treffen konzentrierte sich in erster Linie auf zahlreiche gemeinsame Zielsetzungen, die Japan wie auch die Vereinigten Staaten verfolgen, sowie die gemeinsame Verpflichtung der beiden Länder, in eine neue Ära dieser freundschaftlichen Beziehungen einzutreten. Sie unterstrichen, welchen hohen Wert sie der
bedeutenden Rolle beimessen, die jedem ihrer Länder zukommt, was die Sache
des Weltfriedens, den Wohlstand und den starken Wunsch anbetrifft, wo immer
möglich auf der Welt gemeinsam durch kooperative Bemühungen auf dieses Ziel
hinzuarbeiten.
3.

-1-

�3.

Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten die Beständigkeit

der freundschaftlichen und kooperativen Beziehungen zwischen Japan und den Vereinigten Staaten, die auf einer gemeinsamen politischen Auffassung von den persönlichen Freiheiten und den offenen Gesellschaftssystemen sowie einem Gefühl
der Interdependenz beruhen. Sie betonten besonders, daß die Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern einen immer bedeutenderen globalen Aspekt haben und
einen wesentlichen Beitrag zu dem Bemühen um friedliche Beziehungen überall
auf der Welt leisten.
4.

Der Ministerpräsident und der Präsident haben ihre Befriedigung über den

anhaltenden Dialog bekundet, der seit ihrem Treffen auf Hawaii im September
1972 auf verschiedenen Ebenen über Fragen von beiderseitigem Interesse stattgefunden hat, und die Entwicklung der internationalen Situation erörtert. Sie
sprachen über den weltweiten Trend in Richtung auf Entspannung, der zum Ausdruck kommt in dem Fortschritt des Dialogs zwischen den Vereinigten Staaten
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, den bevorstehenden Verhandlungen über die beiderseitige Reduzierung von Truppen und Rüstungen in
Mitteleuropa, der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit, in Europa, der
Rückkehr der Volksrepublik China in die internationale Völkergemeinschaft und
der Unterzeichnung der Pariser Abkommen über eine Friedensregelung in Indochina.
Sie gaben der Hoffnung Ausdruck, daß dieser Trend zur friedlichen Beilegung von
Meinungsverschiedenheiten überall auf der Welt führen werde.

5.

Der Ministerpräsident und der Präsident waren sich einig über die Notwen-

digkeit, auf dem Gebiet der internationalen Politik ständige Konsultationen
über Fragen von beiderseitigem Interesse zu führen. Sie gaben ihrer Genugtuung
über den Fortschritt Ausdruck, der auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle sowie
bei der Vermeidung von Konflikten erzielt worden ist; dies schließt auch die
SALT-Abkommen und das amerikanisch-sowjetische Abkommen über die Verhinderung
eines Atomkrieges ein.
6.

�t

6.

Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Befriedigung von der

Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und der Volksrepublik China sowie der Entwicklung in Richtung auf normalere Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China Kenntnis. Sie gaben ihrer starken
Hoffnung Ausdruck, daß es durch strikte Durchführung der Pariser Abkommen zu
einem stabilen und dauerhaften Frieden in Indochina kommen wird. Sie bekräftigten ihre Entschlossenheit, zum Wiederaufbau in Indochina beizutragen. Sie begrüßten die neuen Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel und bekundeten
die Bereitschaft ihrer Regierungen, zur Förderung von Frieden und Stabilität
in diesem Räume beizutragen. Sie verpflichteten sich feierlich, weiterhin die
regionale Zusammenarbeit in Asien zu erleichtern, die einen wichtigen Beitrag
zur Gewährleistung eines dauerhaften Friedens überall in der Welt darstellt.
7.

Der Präsident verwies darauf, daß eine Grundsatzerklärung wünschenswert

sei als Richtlinie für die künftige Zusammenarbeit zwischen den demokratischen
Industriestaaten. Der Ministerpräsident bekundete ein positives Interesse
hieran. Der Ministerpräsident und der Präsident vereinbarten, daß Japan und
die Vereinigten Staaten enge Konsultationen hierüber führen werden, wenn die
Vorarbeiten für eine Deklaration voranschreiten, die für alle interessierten
Länder akzeptabel ist.
8.

Der Ministerpräsident und der Präsident waren sich darüber im klaren, daß

der bestehende Rahmen internationaler Beziehungen die Grundlage für den jüngsten
Trend in Richtung auf eine Verminderung der Spannungen in Asien bildete, und
bekräftigten, daß anhaltend enge und kooperative Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Rahmen des Vertrages über gegenseitige Zusammenarbeit und
Sicherheit einen wichtigen Faktor für die Erhaltung der Stabilität in Asien
bilden. Der Präsident bekräftigte die Absicht der Vereinigten Staaten, ausreichende Abschreckungsstreitkräfte in diesem Raum zu belassen. Die beiden Staatsmänner nahmen mit Befriedigung von den ständigen Bemühungen Kenntnis, die reibungslose und wirksame Durchführung des Vertrages sicherzustellen, und stimmten darin überein, daß weitere Schritte wünschenswert sind, um die Einrichtungen
und Standorte der amerikanischen Streitkräfte in Japan umzugruppieren und zu
konsolidieren.
-3-

�9.

Der Ministerpräsident und der Präsident haben in der Erkenntnis, daß der

stärkste transozeanische Handel zwischen zwei Ländern in der Geschichte der
Menschheit das Leben der Bevölkerung Japans und der Vereinigten Staaten ganz
wesentlich verbessert hat, zugesagt, sicherzustellen, daß dieser Handel weiter
zunehmen und zur Ausweitung sowie zur Prosperität der Weltwirtschaft als Ganzes
und der gesamten Beziehungen zwischen den beiden Ländern beitragen wird. Sie
befaßten sich mit Genugtuung mit den Gesprächen, die der Gemeinsame JapanischAmerikanische Ausschuß für Handel und Investitionen auf der Juli-Tagung in Tokio
geführt hat und über die der Präsident sich namens der Vereinigten Staaten erneut anerkennend äußerte. Sie sprachen über die deutliche Verbesserung der Handelsbilanz zwischen den beiden Ländern sowie über die Absicht beider Regierungen, eine Politik mit dem Ziele zu verfolgen, das Tempo dieser Verbesserungen
aufrechtzuerhalten. Sie erörterten die Förderung der Investitionen zwischen den
beiden Ländern und sprachen über die Absicht der Vereinigten Staaten, die vom
Präsidenten erneut bekräftigt wurde, alles in ihren Kräften stehende zu tun, um
Japan die erforderlichen Rohstoffe, einschließlich Agrarprodukte, zur Verfügung
zu stellen. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten die auf dem
oben erwähnten Treffen erzielte Übereinstimmung, daß Japan und die Vereinigten
Staaten auf der Basis der jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen mit neuen
Perspektiven bei der Ausgestaltung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen rechnen
könnten.
10.

Der Ministerpräsident und der Präsident unterstrichen erneut die Bedeutung,

die sie einem erfolgreichen Abschluß der multilateralen Verhandlungen auf den
Gebieten des Handels und der Währung beimessen. Sie bekräftigten das Ziel, einen
offenen und fairen Welthandel sowie Investitionen und ein reformiertes internationales Währungssystem zu erreichen, das den Erfordernissen einer immer
stärker voneinander abhängigen Weltwirtschaft entspricht. Sie gaben ihrer beiderseitigen Befriedigung darüber Ausdruck, daß im September in Tokio die Ministerkonferenz stattfinden soll, um die neue Runde von multilateralen Handelsverhandlungen in Gang zu setzen. Sie bekräftigten die feste Absicht ihrer Regie-

-4-

�(

Regierungen, auf der Jahrestagung des Weltwährungsfonds, die später in diesem
Monat in Nairobi stattfindet, auf ein möglichst umfassendes Abkommen über die
Prinzipien einer Währungsreform hinzuarbeiten. Sie versicherten, bei diesen
beiden Vorhaben kooperative Anstrengungen zu unternehmen, um zusammen mit den
übrigen Ländern der Welt baldige und konstruktive Ergebnisse sicherzustellen.
11.

Der Ministerpräsident und der Präsident vereinbarten, die koordinierten

Bemühungen fortzusetzen, um eine stetige Versorgung mit Energiequellen sicherzustellen, die dem schnell steigenden Bedarf ihrer Völker entspricht. In diesem Zusammenhang bekundeten sie ihre gemeinsame Absicht, gerechte und harmonische Beziehungen zu den Erdölländern aufrechtzuerhalten, die Möglichkeit zu
prüfen, ob im Rahmen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) eine Vereinbarung über die Erdölverteilung in Krisenzeiten
ausgearbeitet werden kann, und den Rahmen der Zusammenarbeit für eine Erschliessung und Ausbeutung von Energiequellen sowie für die Erforschung und Entwicklung neuer Energiequellen wesentlich zu erweitern.
»

12. Der Ministerpräsident und der Präsident bekräftigten die Bedeutung der
engen Zusammenarbeit zwischen den beiden Regierungen, um eine stetige Versorgung mit angereichertem Uran sicherzustellen, wie auch der Zusammenarbeit bei
der notwendigen Forschung und Entwicklung. Sie vereinbarten, daß die beiden Regierungen alles in ihren Kräften stehende tun sollten, damit ein gemeinsames
japanisch-amerikanisches Programm zu diesem Zweck auf befriedigende Weise realisiert werden kann. In diesem Zusammenhang gab der Präsident bekannt, daß die
amerikanische Regierung eine Gruppe amerikanischer Firmen ermächtigt hat, mit
einem privaten japanischen Partner einen Kontrakt über die Durchführung einer
gemeinsamen Studie über die wirtschaftlichen, rechtlichen und technischen Faktoren abzuschließen, die beim Bau einer Anlage zui Anreicherung von Uran in
den Vereinigten Staaten, an der Japan beteiligt sein könnte, entstehen.
13.

-5-

�I
13.

Der Ministerpräsident und der Präsident erkannten an, daß erweiterte Pro-

gramme für verbesserte Kommunikationen und ein besseres Verständnis von entscheidender Wichtigkeit für die Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden
Ländern sind. Der Ministerpräsident gab unter Hinweis auf die warme Aufnahme,
die die Japan-Stiftung in den Vereinigten Staaten gefunden hat, bekannt, daß
die japanische Regierung über diese Stiftung verschiedenen amerikanischen Universitäten Gelder in Höhe von 10 Millionen Dollar zur institutionellen Förderung
von Japanstudien, einschließlich der Einrichtung diesbezüglicher Lehrstühle, zur
Verfügung stellen wird. Der Präsident bekundete seine Absicht, die Unterstützung
solcher amerikanischen Projekte auf kulturellem Gebiet sowie auf dem Gebiet des
Erziehungswesens zu verstärken, die sich in der Vergangenheit als so erfolgreich
erwiesen haben, sowie den Kongreß in naher Zukunft um Bewilligung der Mittel,
die noch im GARIOA-Fondsvorhanden sind, für die Verstärkung des amerikanischjapanischen Austausches auf kulturellem Gebiet sowie dem Gebiet des Erziehungswesens zu ersuchen.

14.

Der Ministerpräsident und der Präsident gaben

ihrer Genugtuung über die

wachsende Zusammenarbeit zwischen Japan und den Vereinigten Staaten auf dem Gebiet des Umweltschutzes Ausdruck. Sie würdigten die jetzt in Durchführung befindlichen kooperativen Programme, die die beiden Länder in die Lage versetzen würden, die Verschmutzung von Luft und Wasser sowie andere Umweltprobleme, unter
anderem die mit der Abwasserbeseitigung und der photochemischen Luftverschmutzung
zusammenhängenden Probleme, zu bekämpfen. Sie bekräftigten, daß solche kooperativen Programme zum Schutze der Umwelt und zur Entwicklung von Maßnahmen zur Bekämpfung der Verschmutzung in beiden Ländern beitragen würden.
15.

Der Ministerpräsident und der Präsident nahmen mit Befriedigung die Erfol-

ge der kooperativen Programme im medizinischen, wissenschaftlichen und technologischen Bereich zur Kenntnis, die während der letzten zehn Jahre zwischen den
beiden Ländern entwickelt wurden. Sie kamen überein, angesichts der umfassenderen

-6-

�i
umfassenderen Erfordernisse des kommenden Jahrzehnts eine Gesamtüberprüfung
der kooperativen Beziehungen auf diesen Gebieten durchzuführen.
16.

Unter Anerkennung der Tatsache, daß die Vereinten Nationen einen wichtigen

Beitrag zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit leisten und ein effektives Forum für kollektive Konsultationen darstellen,

stimmten der Minister-

präsident und der Präsident darin überein, daß Japan und die Vereinigten Staaten in vollem Umfange zusammenarbeiten sollten, um dazu beizutragen, daß die
Weltorganisation sich in einer konstruktiven Richtung bewegt. Der Präsident
brachte die Überzeugung zum Ausdruck, daß - wenn der Sicherheitsrat gemäß der
Charta der Vereinten Nationen seiner Hauptverantwortung für die Wahrung des
internationalen Friedens und der Sicherheit nachkommen solle - ein Weg gefunden werden müsse, um eine ständige Vertretung Japans im Sicherheitsrat sicherzustellen, dessen Hilfsquellen und dessen Einfluß von großer Bedeutung in weltpolitischen Fragen ist. Der Ministerpräsident brachte seine Genugtuung über
diese Erklärung zum Ausdruck.
17.

Der Präsident erneuerte die bestehende Einladung an ihre Majestäten, den

Kaiser und die Kaiserin von Japan, zu einem Besuch der Vereinigten Staaten
und brachte die Hoffnung zum Ausdruck, daß dieser Besuch zu einem beiderseitig
genehmen Datum in naher Zukunft stattfinden werde. Der Ministerpräsident brachte seinen tiefempfundenen Dank für diese Einladung zum Ausdruck und übermittelte seinerseits eine Einladung der japanischen Regierung zu einem Japan-Besuch
des Präsidenten und Mrs. Nixon. Der Präsident nahm diese Einladung an und sprach
seinen herzlichen Dank für die aufrichtigen Gefühle (Japans) den Vereinigten
Staaten gegenüber aus, die durch diese Einladung symbolisiert würden. Man
hofft, daß der Japan-Besuch des Präsidenten, der auf diplomatischem Wege arrangiert werden soll, zu einem beiderseits genehmen Zeitpunkt vor Ende 1974 stattfinden wird.
18.

-7-

�I

i
18.

Der Ministerpräsident wurde von AußenministerMasayoshi Ohira, von dem

japanischen Botschafter in den Vereinigten Staaten, Takeshi Yasukawa, und von
dem stellvertretenden Vizeminister für Außenpolitische Angelegenheiten, Koyohiko
Tsurumi, begleitet. Auf amerikanischer Seite nahmen ferner Außenminister William
P. Rogers, der Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit,
Dr. Henry A. Kissinger, sowie der amerikanische Botschafter in Japan, Robert S.
Ingersoll, an den Gesprächen teil.

M

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30/1973
«

BEI DER SUCHE NACH FRIEDEN KANN ES KEIN MORATORIUM GEBEN
Von Dr. Henry Kissinger
Der Berater Präsident Nixons für Fragen der
Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 2. August von der International Platform Association die Theodore
Roosevelt-Auszeichnung erhalten, die jedes
Jahr an den "hervorragenden Bediensteten
der amerikanischen Regierung" verliehen wird.
Der folgende Artikel basiert auf der Ansprache, die Dr. Kissinger bei der Entgegennahme der Auszeichnung gehalten hat.

Bei der Vorbereitung meiner Rede habe ich einige Zeit nach einem passenden Zitat von Theodore Roosevelt gesucht. Schließlich fand ich eines, das
eine Saite bei mir anklingen ließ, da ich einige Wochen zuvor von den jüngsten,
mir fast endlos erscheinenden Sitzungen mit Le Duc Tho (dem nordvietnamesischen Vertreter) zurückgekehrt war. Im Jahre 1905 hat Präsident Roosevelt bei
seinen Gedanken über den russisch-japanischen Krieg einem Freund anvertraut:
"Der Umgang mit Senatoren ist manchmal ein ausgezeichnetes Training für Geduld, aber Sie dürfen mir glauben, der Umgang mit diesen Friedensgesandten
ist eine noch härtere Aufgabe gewesen. Wenn man höflich und freundlich und

-1-

�und geduldig zum hundersten Male etwas erklären soll, was völlig auf der Hand
liegt, und ich doch lieber meinem Zorn Luft gemacht hätte und aufgesprungen
wäre und ihnen die Köpfe zusammengestoßen hätte - nun, ich kann nur hoffen,
daß die Selbstbeherrschung letztlich für meinen Charakter gut sein wird."
Etwas ernster formuliert enthält ein Satz aus einer Rede Roosevelts im
Jahre 1899 in Chicago im wesentlichen den Gedanken, über den ich heute mit
Ihnen sprechen möchte: "Es ist viel besser, große Dinge zu wagen, glorreiche
Triumphe zu feiern, auch wenn es gelegentlich Fehlschläge gibt, als sich in
die Reihen jener kleinen Geister einzuordnen, die sich weder stark freuen
noch stark leiden, da sie in dem grauen Zwielicht leben, das weder Sieg noch
Niederlage kennt."
Wenn die Geschichte nichts anderes lehrte, so zeigt sie doch eindeutig,
daß keine große Nation es sich leisten kann, den Moment zu verpassen, an dem
nach den Worten Teddy Roosevelts "große Dinge gewagt werden müssen." Ist die
Gelegenheit erst verpaßt, so ist sie mit allen vernünftigen Argumenten oder
Selbstrechtfertigungen nicht mehr zurückzuholen.
Die Vereinigten Staaten stehen nach meiner Auffassung vor einem solchen
historischen Moment. Dieser Moment ist für uns als Volk gekommen, nicht als
Parteigänger irgendeiner bestimmten Sache. Die Folgen eines Versagens werden
nicht von dieser Administration getragen werden muessen,sondern von ihren Nachfolgern in den kommenden Jahrzehnten - nicht von unseren heutigen Zeitgenossen,
sondern von künftigen Generationen.
In den internationalen Beziehungen unserer Nation sind in den letzten' vier
Jahren große Veränderungen zu verzeichnen gewesen.
- Wir haben den Krieg in Südostasien beendet. Wir suchen jetzt, Bedingungen
der Stabilität und der Anpassung zu schaffen, die es ermöglichen, daß der politische Wettbewerb an die Stelle des Blutvergießens und des Hasses tritt,die
seit über einer Generation Indochina zerrissen haben.
-Wir

�- Wir bauen ein neues Verhältnis zu einem alten Gegner auf - zur Volksrepublik China. Die Feindseligkeit zweier Jahrzehnte hat nachgelassen, wir nähern
uns normalen Beziehungen, und zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges
sind alle großen Nationen an dem internationalen System voll beteiligt.
- Wir haben unablässig daran gearbeitet, auf dem Varhandlungswege viele
der politischen Probleme zu lösen, die unser Verhältnis zur Sowjetunion so
strittig gestaltet und die so lange den Weltfrieden bedroht haben. Und was noch
wichtiger ist, eben dieser Prozeß der Verhandlung über einen weiten Bereich von
Fragen hat die Möglichkeit eines starken und dauerhaften gegenseitigen Interesses an Frieden und Zusammenarbeit geschaffen,
- Wir sind auf dem Wege, traditionelle Freundschaften mit unseren engsten
Freunden

und Verbündeten in der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan neu zu

beleben und zu stärken. Es ist ein Weg, der - wie wir hoffen - nicht einfach mit
einer Wiederholung bekannter Riten enden wird, sondern mit einer neuen Anerkennung der Tatsache, daß das, was eine Gemeinschaft freier Nationen eint, weit &gt;ber
die zweitrangigen Fragen hinausgeht, die uns trennen.
Wir lebten in einer Welt, die sich so an die Allgegenwart des Kalten Krieges gewöhnt hatte, daß selbst die einfachsten Routineangelegenheiten friedlicher Beziehungen zwischen Nationen im Schatten der globalen Konfrontationen abgewickelt wurden. Es gibt auch weiterhin fundamentale Probleme, aber sie
. . ' ..ich*: »Ihr

so durchdringend, daß sie den Ablauf aller internationalen Be-

ziehungen beherrschen. Die Geschichte der Nachkriegsära war eine nie endende Anstrengung, den Frieden durch Krisenbeherrschung aufrechtzuerhalten. Das Gebäude
des Friedens, das wir uns vorstellen, würde stattdessen durch eine wachsende Einsicht aller Nationen getragen, daß ihnen selbst an Stabilität liegen muß und daß
diese Stabilität gewährleistet ist, wenn man aus einem Gefühl der Gerechtigkeit
heraus und mit Mäßigung handelt. Die Welt beginnt zu begreifen, daß ihre Zielsetzungen nicht Gefangene ihrer Ängste zu sein brauchen, sondern daß diese Zielsetzungen gemäß ihren Hoffnungen und Träumen gestaltet werden können.
Aber
-3-

�Aber das sind alles nur Anfänge und keine vollendeten Tatsachen. Ob die
Schößlinge, die gesteckt worden sind, zur Reife kommen werden, wird in großem
Maße davon abhängen, wie wir uns als Nation im Laufe der nächsten Jahrzehnte verhalten werden. Und wo wir in zehn Jahren stehen werden, wird davon abhängen, was
wir heute tun, was wir nächste Woche tun und was wir in den kommenden Monaten
tun.
Unser Einfluß zum Guten oder zum Bösen wird nach dem Urteil der Welt an
unserer Beständigkeit und unserem Selbstvertrauen gemessen werden. Unsere Außenpolitik wird wenig bedeuten, wenn andere Nationen unsere Handlungen als sporadische Initiativen einer kleinen Gruppe sehen, die keine einheitliche nationale
Zielsetzung oder Übereinstimmung reflektiert* Keine Außenpolitik - so genial sie
auch sein mag - hat irgendeine Erfolgschance, wenn sie nur von dem Geiste einiger weniger und von niemandem im Herzen getragen wird.
Die Außenpolitik darf nicht zu einem Alibi oder zu einer Ablenkung von innenpolitischen Mißständen werden. Aber ebenso wenig dürfen innenpolitische Probleme als Ausrede benutzt werden, um unsere internationalen Verantwortlichkeiten
aufzugeben. Bei der Suche nach einer friedlichen Welt kann es kein Moratorium
geben. Und wenn wir dieser Suche nach Frieden nachgehen, dann müssen wir auf
die besten Köpfe unseres Landes zurückgreifen können - welcher parteipolitischen
Überzeugung sie auch sein mögen - nicht auf einer überparteilichen Basis, sondern auch einer unparteilichen Basis. Besonders in diesem Augenblick der notwen-,
digen Selbstprüfung müssen wir auch die Basis unserer nationalen Einheit bekräftigen.
Als einer, der als Flüchtling vor dem Totalitarismus in dieses Land kam,
bin ich mir ganz besonders bewußt, was Amerika noch immer für die Welt bedeuten
kann und wie ein Rückzug Amerikas aus der Welt die Menschheit der Hoffnung und
der Zielsetzung berauben würde. Darum bete ich, daß wir den Geist wiedererlangen
mögen, den Teddy Roosevelt so gut vertreten hat, und daß erneut eine Generation
von Amerikanern bereit sein wird, "sich stark zu freuen und stark zu leiden"
und gewaltige Anstrengungen in Bereichen zu unternehmen, die uns durch unsere
gemeinsamen Zielsetzungen gesteckt sind,

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30/1973

BURNS: RESTRIKTIONSKURS ZEITIGT ERSTE ERFOLGE
-Auszüge aus einer Erklärung vor dem KongreßWASHINGTON --(AD)— Der Vorsitzende des Federal Reserve Board

(die amerika-

nische Notenbank) Arthur Burns hat am 3. August vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des amerikanischen Kongresses den Restriktionskurs der Notenhank verteidigt und betont, daß diese restriktiven Maßnahmen nunmehr erste
Erfolge zu zeitigen beginnen. Die wesentlichen Teile der Ausführungen von
Burns haben folgenden Wortlaut:
"... Unser Inflationsproblem in diesem Jahr geht vorwiegend auf Ursachen
zurück, auf die die inneramerikanische Währungs-und Finanzpolitik keinen
Einfluß hat. Ein weltweiter Boom ist im Gange, der Dollar ist abgewertet worden, und sowohl bei Agrarprodukten als auch bei industriellen Grundstoffen
haben sich Verknappungen ergeben. Starke Preissteigerungen, die auf solche
Ursachen zurückgehen, lassen sich mit den üblichen Waffen der wirtschaftlichen
Stnbilisierungspolitik nicht schnell beheben...
Sowohl die Währungs- als auch die Haushaltspolitik haben im letzten Jahr
den richtigen Weg eingeschlagen. Zurückblickend scheint es jedoch, daß noch
etwas mehr Zurückhaltung hätte geübt werden sollen. Zugegeben, die Bemühungen,
das Limit der Bundesausgaben einzuhalten, waren erfolgreich. Im Gegensatz zu
den vielfach geäußerten Erwartungen ist das Ziel des Präsidenten, die Bundesauspahen unter 250 Milliarden Dollar zu halten, nicht nur erreicht, sondern

-1-

�sondern sogar noch übertroffen worden. Die tatsächlichen Haushaltsausgaben
in dem soeben abgelaufenen Finanzjahr lagen etwas unter 247 Milliarden Dollar.
Trotzdem ist ein Defizit von über 14 Milliarden Dollar immer noch sehr groß.
Es war gerade in einer Zeit rasch wachsenden

Wohlstandes besonders unange-

bracht, und es trug zur Belebung der privaten Ausgaben und zur Verstärkung
des Preisdrucks bei.
Die Währungspolitik begann im Frühjahr 1972 einen restriktiven Kurs einzuschlagen, als man es zuließ, daß der wachsende Druck auf den Finanzmärkten
sich in höheren Zinssätzen für kurzfristige Gelder niederschlug. Im Verlaufe
des Jahres zeigte sich, daß mit dem Zinsanstieg bei kurzfristigen Geldern
nicht in dem gewünschten Maße eine Mäßigung bei der Geld-und Kreditausweitung
insgesamt einherging. Der Federal Reserve Board (US- Notenjank) begann daher
im Herbst vorigen Jahres energischere Maßnahmen in Richtung auf eine restriktive Geldpolitik zu ergreifen...
Im Januar ...: billigte der Federal Reserve Board die erste einer Reihe
von Diskonterhöhungen mit dem Ziel, die Ausweitung der Reserven über den Diskont einzuschränken und die Geschäftsbanken zu einer Einschränkung der Kreditausweitung zu veranlassen. Insgesamt wurde in diesem Jahr der Diskont sechs
Mal bis auf seinen jetzigen Stand von 7 Prozent heraufgesetzt - ein Satz, den
unsere Finanzmärkte seit über 50 Jahren nicht mehr gehabt haben. Im Mai setzte
der Federal Reserve Board ferner die Mindestreserven für jede weitere Erhöhung
ausstehender großgestückelter Kassenscheine (Certificates of deposit - CD)
bei Mitgliedsbanken weiter herauf. Und der Federal Reserve Board tat noch
einen weiteren Schritt, wie es ihn meines Erachtens noch nie zuvor gegeben hat,
und ersuchte Nichtmitgliedsbanken sowie Filialen und Tochtergesellschaften
ausländischer Banken, freiwillig die den Mitgliedsbanken auferlegten Mindestreserven zu akzeptieren. Ende Juni wurden die Mindestreserven erneut heraufgesetzt - dieses Mal für Einlagen von Tagesgeldern bei Mitgliedsbanken.
Da

-2-

�J
Da diese restriktiven Maßnahmen in einer Zeit, ergriffen wurden, da die
Kreditnachfrage ungewöhnlich groß war, stiegen die Zinsen bei kurzfristigen
Papieren stark an und bei langfristigen Papieren folgten die Zinsen - wenn
auch in einem zeitlichen Abstand und in geringerem Maße. Die Rendite von
Dreimonatsschuldscheinen des Schatzamtes betrug kürzlich über 8 Prozent verglichen mit einem Satz von 5 Prozent Ende letzten Jahres und 4 Prozent zum
gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Und die Primarate für Bankkredite an erste
Adressen in der Wirtschaft ist seit dem 1. Januar von 5 3/4 auf 8 3/4 Prozent
angestiegen... Auf jeden Fall zeigen die Indikatoren..., daß unsere restriktive Politik im zweiten Quartal erste Erfolge zu zeitigen begann. Zum Beispiel ging die Jahreszuwachsrate der gesamten Bankausleihungen auf etwa
10 Prozent zurück gegenüber Zuwachsraten in den beiden vorangegangenen Quartalen von über 15 Prozent, die Zunahme der Bankkredite, vor allem der Kredite
an die Wirtschaft, verlangsamte sich wesentlich, je mehr sich die Kreditpolitik der Banken überall im Lande verschärfte.
Dies sind charakteristische Zeichen einer sich anbahnenden Zurückhaltung
auf den Geld-und Kreditmärkten, und ich rechne daher damit, daß sich die Zunahme der Versorgung mit jederzeit greifbarem Geld in naher Zukunft verlangsamen wird. Lassen Sie mich jedoch klarstellen, daß, falls die bereits vom
Federal Reserve Board ergriffenen restriktiven Maßnahmen die Geld-und Kreditexpansion nicht auf ein erträgliches Maß reduzieren!, weitere Schritte in dem
erforderlichen Umfang ergriffen werden....
Zeichen eines stärkeren fiskalischen Verantwortungsbewußtseins in den
Vereinigten Staaten würden wesentlich dazu beitragen, das Vertrauen in den
Dollar wiederherzustellen, das für die Stabilisierung der ausländischen Devisenmärkte so dringend notwendig ist. Bis Mai dieses Jahres war der durchschnittliche Dollarpreis von zehn wichtigen Währungen (der Währungen Japans,
Kanadas und acht europäischer Länder) um 20 Prozent über die Wechselkursparität angestiegen, die noch im Frühjahr 1970 galt. Ein solches Ausmaß der Neu-

-3-

�Neufestsetzung der Wechselkurse war von den Währungsbehörden allgemein als
notwendig und nützlich erachtet worden. Aber in den letzten zwei oder drei
Monaten hat die Währung unseres Landes eine weitere Abwertung hinnehmen müssen, wobei der durchschnittliche Dollarpreis der oben erwähnten zehn Währungen um 7 Prozent stieg, während sich der Dollarpreis der DM um 20 Prozent,
des französischen Franc um 10 Prozent und des Schweizer Franken um 12 Prozent erhöhte.
Diese jüngste Abwertung des Dollar läßt sich mit keiner realistischen
Bewertung des internationalen Preisniveaus oder irgendwelchen grundlegenden
Trends in unserer Wirtschaft, unserer Handels-oder unserer Zahlungsbilanz
rechtfertigen. Im Jahre 1972 hatten wir ein Handelsdefizit von fast 7 Milliarden Dollar - eine Situation, die korrigiert werden mußte und korrigiert worden ist. Im ersten Quartal dieses Jahres ging dieses Defizit auf eine Jahresrate von weniger als 4 Milliarden Dollar zurückjund im zweiten Quartal war
das Defizit praktisch verschwunden. Die Exporte werden wahrscheinlich in
den kommenden Monaten dieses Jahres und 1974 beträchtlich ansteigen, wenn sich
die Auswirkungen unserer verbesserten Wettbewerbsposition verstärken. Die
Verbesserung unserer Handelsbilanz wird daher immer größer werden, so daß
wir 1974 und 1975 zum ersten Male seit Mitte der sechziger Jahre wieder einen
beträchtlichen Handelsüberschuß haben werden.
Die kürzliche zu weit gehende Abwertung des Dollar gegenüber den kontinental-europäischen Währungen erfolgte trotz dieser günstigen Aussichten für
die Handels-und Zahlungsbilanz. Ihre Ursachen lassen sich nicht genau feststellen. Nach meinem eigenen Eindruck handelt es sich um einen Vertrauensschwund gepaart

mit einer wachsenden Furcht, daß die Inflation in den Ver-

einigten Staaten außer Kontrolle geraten sein könnte. Andere Faktoren spielten zweifellos auch eine Rolle - unter anderem die Verschärfung der Währungspolitik im Ausland,vor allem in Westdeutschland, das starke spekulative
Hochschnellen des Marktpreises für Geld, die zunehmende Ungewißheit, ob
unsere Regierung die wirtschaftlichen Probleme wirksam meistern würde, sowie wilde Gerüchte über eine weitere Dollarabwertung.
-4-

�Die unbeständige Haltung der Devisenmärkte seit Mitte Mai war für die
Währungsbehörden hier und im Ausland Anlaß zu ernster Sorge. Diese Sorge erreichte Anfang Juli einen Höhepunkt, als die Marktverhältnisse eine Zeit lang
zerrüttet waren und normale kommerzielle Transaktionen nachteilig beeinflußten.
Angesichts dieser Bedingungen und nach eingehenden Konsultationen mit den
Finanzministerien und den Vertretern anderer Länder begann der Federal Reserve
Board auf dem Devisenmarkt zu intervenieren. Wie am 18. Juli in einer vom
Federal Reserve Board und dem Finanzministerium gemeinsam herausgegebenen Erklärung betont wurde, werden auch künftig Interventionen stattfinden und zwar
zu einem Zeitpunkt und in einer Größenordnung, wie dies für die Aufrechterhaltung geordneter Marktverhältnisse angebracht ist.
Vor etwas über einem Monat habe ich vor Ihrem Unterausschuß für Internationale Wirtschaftsfragen erklärt, daß ich Zweifel an der Wirksamkeit eines
allgemeinen Systems floatender Wechselkurse habe. Die Erfahrungen der letzten
Wochen haben meine Skepsis wesentlich bestärkt. Wenn wir auch nicht zu einem
System fester Wechselkurse zurückkehren sollten, wie es aus den Abkommen von
Bretton Woods hervorgegangen ist, so können wir uns aber auch nicht ein System
leisten, das einer jede Stabilität untergrabenden Spekulation ausgesetzt ist,
wie wir dies kürzlich erlebt haben.
Ein Hauptziel derzeitiger Verhandlungen über Währungs-und Handelsbeziehungen ist es, ein Wechselkurssystem zu entwickeln und einzuführen, das solche
Extreme vermeidet. Aber wir werden keinen Erfolg bei der Verwirklichung solcher Währungsvereinbarungen, unter denen internationaler Handel und internationale Investitionen wirklich gedeihen können, haben, wenn nicht hier und im
Ausland Maßnahmen ergriffen werden, um den fast chaotischen inflationistischen
Bedingungen ein Ende zu machen, die gegenwärtig in weiten Teilen der Welt bestehen.
Die

�Die vor uns liegenden binnenwirtschaftlichen und internationalen Aufgaben sind schwierig, aber sie lassen sich bewältigen. Sie müssen in der
richtigen Perspektive gesehen werden. Unser Land erfreut sich eines hohen
Wohlstandes. Aber es ist ein verderblicher und freudloser Wohlstand, und
dies wird weiter so bleiben, bis wir die Inflation wirklich unter Kontrolle
gebracht haben. Wir können dies nicht erreichen, bevor wir nicht finanziell
unser Haus in Ordnung gebracht haben. Ein wesentlicher Schritt in dieser
Richtung wäre getan, wenn der Kongreß dieses Jahr Vorschläge für eine Haushaltsreform verabschieden würde, wie sie kürzlich von dem Gemeinsamen Ausschuß zum Studium einer Haushaltskontrolle vorgelegt worden sind. Sein einstimmig angenommener Bericht spricht sich dafür aus, daß jedes Jahr ein
Ausgabenlimit gesetzlich festgelegt wird, das in einem organischen Zusammenhang zu den Einnahmen der Bundesregierung und der Einzelstaaten sowie
der Wirtschaftslage steht. Er verdient die volle Unterstützung dieses hohen
Ausschusses."
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30/1973

US-WIRTSCHAFTSBETRAT VERÖFFENTLICHT HALBJAHRESBERICHT

WASHINGTON -«•''AD)— Der Wirtschaftsbeirat Präsident Nixons hat in seinem am
1. August veröffentlichten Halbjahresbericht an den amerikanischen Kongreß
eine deutliche Verbesserung auf zahlreichen Wirtschaftssektoren festgestellt,
"Die meisten Komponenten der amerikanischen Zahlungsbilanz", so heißt
es in dem Bericht, "zeigten im 1, Halbjahr 1973 eine wesentliche Verbesserung. Das Defizit in der amerikanischen Warenbilanz ging von 1,7 Milliarden Dollar im 4. Quartal 1972 ... auf praktisch null im 2 Quartal 1973 zurück. Bei Gütern und Dienstleistungen . ,. dürfte die Bilanz im 2. Quartal
1973 wahrscheinlich einen beträchtlichen Überschuß ausweisen."
Der Bericht weist weiter auf die neue Politik zur Stärkung der antiinflationistischen Maßnahmen hin, die aus drei Hauptelementen bestehen, Diese
sind einmal Zurückhaltung bei den Haushaltsausgaben, die sich in dem angestrebten Ziel eines ausgeglichenen Haushalts für das laufende Finanzjahr niederschlägt, eine gemäßigte monetäre Politik sowie ein schärferes, aber selektives und nur vorübergehendes Kontrollprogramm für Preise und Löhne.
Nach Ansicht des Wirtschaftsbeirates haben vor allem sieben Faktoren zu
der hohen Inflationsrate im 1- Halbjahr 1973 beigetragen, die aber nur vorübergehender Natur seien. So rechnet der Beirat nicht mit einem weiter anhaltenden Rückgang der Agrarerzeugung, sonder vielmehr mit ihrer erneuten

~1-

�erneuten Zunahme. Auch der Dollarkurs wird nach Auffassung des Beirats nicht
weiter nachgeben, sondern eher wieder anziehen. Es wird nicht erwartet, daß
die gegenwärtige Inflationsrate in den übrigen Ländern unverändert anhält.
In der Privatwirtschaft - ohne Landwirtschaft - rechnet der Beirat mit einer
jährlichen Zunahme der Produktivität von nur 2,3 Prozent. Die in den letzten
18 Monaten verzeichnete monetäre Expansionsrate wird sich nach Auffassung
des Beirats nicht weiter fortsetzen. Bei einer klugen fiskalischen und monetären Politik hält es der Beirat durchaus für möglich, daß eine angemessene
Preisstabilität ohne irgendwelche Preis-und Lohnkontrollen erreicht werden
kann. Allerdings warnt der Beirat, daß in den kommenden Monaten weiterhin eine
starke Tendenz zu Preisanhebungen bestehen werde und es sich zur Zeit noch
nicht absehen lasse, wie lange diese Tendenz anhalten und wie stark sie sein
werde. Es sei versucht worden, der Bevölkerung klar zu machen, daß es weder
möglich noch wünschenswert ist, alle diese potentiellen Preiserhöhungen zu
unterdrücken. Doch sei es möglich und wünschenswert, sie zu verlangsamen und
herabzudrücken.
Der Beirat hält die Inflation weiterhin für "das große wirtschaftliche
Problem". Allerdings gebe es nur wenig Anzeichen dafür, daß die bisherige Inflation zu einer Schwächung der Wirtschaft geführt habe. Der Beirat weist in
diesem Zusammenhang darauf hin, daß die Beschäftigtenzahl in den USA vom 4

Qu

tal 1972 bis zum 2. Quartal 1973 um rund 1,6 Millionen gestiegen ist.
Nach Ansicht des Beirats wird sich die Zuwachsrate der realen Gütererzeugung von - auf Jahresbasis - 5,6 Prozent im 1. Halbjahr 1973 allmählich verlangsamen. Gleichzeitig werde die Arbeitslosenrate unter den im Juni verzeichneten Stand von 4,8 Prozent absinken. Angestrebt werde eine Situation, in der
die Zunahme der realen Gütererzeugung etwa der normalen Wachstumsrate entspreche. Dieses angestrebte Ziel von 4,5 Prozent per annum werde voraussichtlich
1974 erreicht werden können.
-H-f

2-

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Dokumentation

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Nummer

15. August 1973

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Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:

Eine einflußreiche Stimme im amerikanischen Kongreß
-Interview mit Senator Jacob Javits aus New YorkDas neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz
-Gesicherte Ertrags-und EinkommensteigerungVon John J. Harter

INFORMATION:
"Moderne Krankenhausausrüstungen"
-Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt-

WIRTSCHAFT:
Rückgang der Ernteerwartungen in USA läßt an Exportkontrollen denken
-Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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31/1973

EINE EINFLUSSREICHE STIMME IM AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Interview mit Senator Jacob J a v i t s

a u s New York -

Der r e p u b l i k a n i s c h e S e n a t o r J a c o b J a v i t s
a u s New York g e h ö r t z u d e n e i n f l u ß r e i c h s t e n
P e r s ö n l i c h k e i t e n im a m e r i k a n i s c h e n Kongreß
und i s t M i t g l i e d d e s w i c h t i g e n A u ß e n p o l i t i s c h e n Ausschusses des Senats. J a v i t s
s t u d i e r t e J u r a , w a r im z w e i t e n W e l t k r i e g
S o l d a t a u f dem e u r o p ä i s c h e n u n d dem p a z i f i s c h e n K r i e g s s c h a u p l a t z , w a r dann Gen e r a l s t a a t s a n w a l t d e s S t a a t e s New Y o r k ,
den e r a c h t J a h r e l a n g im R e p r ä s e n t a n t e n h a u s u n d dann a b 1956 a l s S e n a t o r v e r t r a t .
E r w i r d zum l i b e r a l e n F l ü g e l s e i n e r P a r t e i
g e r e c h n e t u n d h a t i n dem f o l g e n d e n I n t e r v i e w
m i t u n s e r e m I P S - K o r r e s p o n d e n t e n B a r r y Brown
s e i n e Auffassungen zu wichtigen w e l t p o l i t i s c h e n Fragen d a r g e l e g t .

Die "War Powers B i l l "

Frage: Senator J a v i t s ,

v i e l l e i c h t dürfen w i r u n s e r Gespräch m i t einem

Thema b e g i n n e n , m i t dem S i e , w i e i c h w e i ß , e n g v e r t r a u t s i n d , ü b e r d a s a l l e r d i n g s i n u n s e r e m Lande i n l e t z t e r Z e i t mehr a l s e i n e i n n e n p o l i t i s c h e F r a g e g e sprochen wird,

u n d zwar im Zusammenhang m i t dem K r ä f t e v e r h ä l t n i s

und d e r E x e k u t i v e im a m e r i k a n i s c h e n R e g i e r u n g s s y s t e m .

der Legislative

I c h meine d i e s o g e n a n n t e

"War Powers B i l l " . Wie s o l l t e man d a s n a c h I h r e r A u f f a s s u n g im A u s l a n d v e r -

-

1-

�verstehen? (Dem amerikanischen Kongreß liegen zwei Gesetzesentwürfe vor, die
sich ausdrücklich mit dem verfassungsmäßigen Recht des Präsidenten als "Oberster
Befehlshaber der Streitkräfte", und dem Recht des Kongresses "Armeen aufzustellen" und "Krieg zu erklären", befassen und eine eindeutige juristische
Klärung und Abgrenzung dieser Rechte, der "War Power", versuchen. Eine dieser
Vorlagen, nämlich die im Senat, wurde von Senator Javits - zum ersten Mal am
15. Juni 1970 - zusammen mit 60 anderen Senatoren eingebracht. Keine dieser
beiden Vorlagen ist bisher endgültig verabschiedet worden.)

Antwort: Ich meine, das sollte als eine Bekräftigung der amerikanischen
Verpflichtung angesehen werden, wenn eine solche Verpflichtung tatsächlich
eingegangen worden ist - es sollte keineswegs als ein Mittel betrachtet werden,
die amerikanische Position zu schwächen. Was wir in der "War Powers Bill" sagen,
ist, daß der Präsident zur Erfüllung einer Verpflichtung der Vereinigten Staaten
nur mit Zustimmung des Kongresses in den Krieg ziehen darf. Das bedeutet nämlich
nichts anderes, - wenn es erst einmal geschehen ist - als daß das ganze Land
engagiert ist. Wenn der Präsident aus seiner eigenen Vollmacht heraus in den
Krieg zieht - wie er dies in Vietnam sehr stark getan hat - dann ist das Ergebnis

Spaltung, eine Tendenz zur Zurückhaltung, die Unfähigkeit zu einer Ge-

samtanstrengung - alles Schwächen, die unsere Führung des Vietnam-Krieges gekennzeichnet haben. Vom Standpunkt anderer Nationen aus gesehen wären diese
also besser daran - viel besser daran - wenn die Vereinigten Staaten unter dem
"War Powers Act" operierten. Sie, die anderen, wüßten, daß wir, wenn wir einmal
in den Krieg ziehen, um eine nationale Verpflichtung einzulösen, ohne Einschränkung bis zum Ende gehen würden, weil die effektive politische Führung des amerikanischen Volkes geschlossen hinter einem solchen Kurs stehen würde.

Frage: Sie würden also die von Ihnen vorgeschlagene Gesetzgebung in keiner
Weise als einen Ausdruck des Neoisolationismus betrachten?

Antwort: Im Gegenteil, sie versucht die Vereinigten Staaten in die Lage
zu versetzen, das Übel anzupacken - unseren Verantwortlichkeiten in der Welt
als Nation total nachzukommen. Man kann eine solche Politik nicht dadurch verfolgen, daß man nur den Präsidenten den Kopf hinhalten läßt.
Entspannung
- 2-

�- Entspannung und Sicherheit -

Frage: Wird die Stabilität der amerikanischen Position, die Ihrer Ansicht
nach durch die von Ihnen befürwortete Gesetzgebung unterstrichen wird, durch
die Entspannungsatmosphäre geschwächt oder gefährdet?

Antwort: Die Entspannung ist meiner Auffassung nach gut, j* überaus
wünschenswert, da man durch sie lernt, mit Völkern zu sprechen, deren Ideoloqie
wir nicht teilen. Natürlich haben wir eine andere Ideologie als die Völker der
Volksrepublik China oder der Sowjetunion, und sie haben eine andere als wir.
Aber alle Völker der Welt haben doch ein gemeinsames Interesse an ihrer gemeinsamen Zukunft, was den Bereich der Wirtschaft, der Umwelt und der Gesellschaft
angeht. Wir müssen diese gemeinsamen Interessen erkennen, damit die Gefahr eines
Konfliktes geringer wird. Insofern befürworte ich nachdrücklich eine Entspannung.
Eine Entspannung bedeutet jedoch nicht, daß wir darüber die Bestrebungen
solcher Nationen oder den Druck vergessen, unter dem sie operieren. Im Falle der
Sowjetunion ist deren Motivation in erster Linie ideologisch bedingt; die Sowjets
sind immer noch der Meinung, daß die Welt kommunistisch sein sollte, daß das Ergebnis dann eine bessere Welt wäre. Wir sind diametral anderer Meinung. Die
Volksrepublik China hat ein gewaltiges Menschenpotential ; sie muß irgendetwas
mit sich selbst anfangen. Derartige Realitäten müssen wir in Rechnung stellen.

vir müssen also weiterhin einige notwendige Vorsichtsmaßnahmen treffen.
Trotz unserer Hoffnungen gibt es immer noch keine Instrumente für eine Herrschaft des Rechtes statt einer Herrschaft der Gewalt in der Welt - nicht in
den Vereinten Mationen und auch nicht in irgendeinem anderen Forum. Solange
sich kein solcher Wandel vollzogen hat, müssen wir sicherstellen, daß Ach keine
Bedingungen entwickeln, die irgendeinen aggressiven Politiker verführen könnten,
sein Land in eine Aggression zu führen. Daher bin ich der Ansicht, daß das Bemühen um Sicherheit ein notwendiger Faktor der Entspannung bleibt, und dies
bedingt eine angemessene und ausreichende Verteidigungsposition. Die Hauptverteidigungsorganisation, der wir angehören, nämlich die NATO, gewinnt dadurch
besondere 3edeutung.
Die

�- Die amerikanische T r u p p e n s t ä r k e i n Europa F r a g e : Damit kommen w i r zu der Frage der A u f r e c h t e r h a l t u n g der amerikanischen Truppenstärke i n Europa. Man weiß, daß Sie auch i n d i e s e r Kontroverse
e i n e führende Rolle s p i e l e n . Könnten S i e I h r e Ansicht zu diesem Thema d a r legen?

Antwort: Es g e h t n i c h t darum, ob e i n S o l d a t oder g a r 10 000 S o l d a t e n aus
dem amerikanischen NATO-Kontingent abgezogen werden oder n i c h t , sondern es
geht vielmehr darum, daß d i e Größenordnung d e r amerikanischen S t r e i t k r ä f t e

in

Europa - rund 300 000 S o l d a t e n - 4 1/2 Divisionen - n i c h t r e d u z i e r t w i r d .
Meiner Meinung nach i s t d i e s zum gegenwärtigen Z e i t p u n k t aus zwei Gründen von
e n t s c h e i d e n d e r Bedeutung.

E r s t e n s , und das habe i c h b e r e i t s erwähnt, darf gerade i n e i n e r Z e i t der
Entspannung niemand zu dem Gedanken v e r l e i t e t werden, daß durch p o l i t i s c h e n
o d e r m i l i t ä r i s c h e n Druck mehr e r r e i c h t werden könnte a l s durch e i n e F o r t s e t z u n g
des Entspannungsprozesses. Der zweite Grund - und d i e s e r e r g i b t s i c h aus dem
e r s t e n - i s t , daß gerade d i e Russen am meisten wünschen, daß w i r w e i t e r h i n
Truppen i n Deutschland s t a t i o n i e r t haben, u n g e a c h t e t der Art und Weise, wie
s i e dagegen w e t t e r n . Wenn w i r nämlich d i e s e Truppen d o r t n i c h t

unterhielten,

dann wissen s i e , daß d i e s nur e i n e s t ä r k e r e deutsche Rüstung bedeuten würde,
und davor haben s i e mehr Angst a l s vor i r g e n d etwas anderem. Wir s i n d immerhin
e i n e Supermacht, mit d e r d i e Sowjetunion auf g l e i c h e r Ebene u n t e r g l e i c h e n Bedingungen v e r h a n d e l t . Unsere Präsenz macht es für s i e weniger notwendig,

sich

mit i h r e n f e s t g e f a h r e n e n V o r s t e l l u n g e n h i n s i c h t l i c h e i n e s deutschen Revanchismus
auseinanderzusetzen.
Würden wir unsere Truppen heute aus Europa a b z i e h e n , dann würde d i e s

ferner

b e d e u t e n , daß d i e Russen an einem Abkommen über e i n e b e i d e r s e i t i g e und ausgewogene Truppenreduzierung d e s i n t e r e s s i e r t würden. Darüber h i n a u s würde d i e s d i e
meisten w e s t e u r o p ä i s c h e n Länder dazu ermutigen, e i n e e r n s t h a f t e k o l l e k t i v e Vert e i d i g u n g s p o s i t i o n aufzugeben. Das i s t t r a u r i g , aber wahr und ich b i n f e s t davon ü b e r z e u g t .
Nun

�Nun können wir uns allerdings die zusätzliche Devisenlast nicht leisten,
und wir sollten sie auch nicht tragen - etwa eineinhalb Milliarden Dollar im
Jahr für die Stationierung unserer Truppen in Europa - zu einem Zeitpunkt, da
wir hinsichtlich unserer internationalen Zahlungsbilanz in Schwierigkeiten
sind. Die Lösung sollte also darin bestehen, daß Europa die Devisenkosten für
unsere Präsenz in Europa und für unser Verbleiben dort bezahlt, und zwar in
einer Stärke, die der heutigen allgemeinen Größenordnung entspricht.

- Entspannung und Ideologie -

Frage: Sie haben von den Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen gesprochen. Ferner wird im Rahmen der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa verhandelt. Können Sie uns Ihren Standpunkt hinsichtlich der amerikanischen Position bei diesen parallel laufenden
Gesprächen darlegen?

Antwort: Hier ist es wichtig, daß wir darauf bestehen, daß jedes sich aus
diesen Verhandlungen ergebende Abkommen spezifische Bestimmungen beinhalten muß,
die den freien Austausch von Menschen und Ideen zwischen Ost und West fördern;
wir dürfen es nicht zulassen, daß die Sowjetunion die Konferenz einfach dazu
benutzt, die Spaltung Europas zu bestätigen. Die einzige Gewähr, die wir dafür
haben können, daß die Russen ihre Macht nicht konsolidieren und eine aggressive
Präsenz in Mitteleuropa fortsetzen - daß sie beispielsweise nicht massive
Streitkräfte wieder direkt an die Grenzen Westdeutschlands zurückverlegen -,
besteht darin, daß wir die Möglichkeit haben, uns darüber zu informieren. Es
muß einfach einen Fluß an Wissen und Informationen sowie einen Austausch von
Ideen geben statt einer absoluten geschlossenen Gesellschaft.

Der einzige Grund für uns, den Russen einen gewissen Zugang zu unserer
eigenen Wirtschaft zu gewähren, und zwar im Rahmen der Weizenverkaufe und der
vorgeschlagenen industriell en Vorhaben, besteht darin, ihnen die Vorstellung zu
vermitteln, daß sie in dieser Welt leben können, daß die Außenwelt der Sowjetunion nicht verhärtet gegenübersteht. Die einzige Möglichkeit, ihnen dies ver-

�verständlich zu machen, besteht darin, daß wir irgendwie mit ihnen in Kontakt
kommen und daß wir sie in Kontakt mit uns bringen. Wir brauchen einen offenen
Austausch von Menschen und Ideen und Gütern, wobei das eine so wichtig ist
wie das andere.

Sollten die Russen meinen, der einzige Grund dafür, daß wir an einem
Handel mit ihnen interessiert sind, seien die Dollar, um die es geht, dann
irren sie sich sehr. Wir sind jahrelang hervorragend ohne irgend einen Handel
mit der Sowjetunion ausgekommen, und das könnte jederzeit wieder der Fall sein.
Der einzige Grund, warum wir Handel treiben, ist, daß dies Teil des dreifachen
Prozesses ist, Geist und Chancen der Völker zu erschließen und ihnen Zugang
zu unseren Waren zu vermitteln.

Frage: Besteht hier nicht eine gewisse Ungereimtheit zwischen der Vorstellung, daß eine offenere sowjetische Gesellschaft erreicht werden kann,
und dem Festhalten der Sowjetunion an der Tatsache - aus der Sicht der Sowjets daß es keine Koexistenz im ideologischen Bereich geben kann?

Antwort: Das ist sicherlich der Fall. Das ist eine völlige Widersinnigkeit, ein völliges Paradox, eine völlige Gabelung, aber dies bedeutet nicht,
daß wir nicht versuchen müßten, diese Barriere niederzureißen, daß wir darangehen müssen, jeden sichtbar werdenden Fortschritt zu nutzen. Wenn wir aufgeben und zu der Ansicht gelangen würden, die einzige Möglichkeit zur Beendigung
des ideologischen Antagonismus sei eine nukleare Vernichtung, dann könnten wir
genau so gut gleich Selbstmord begehen. Niemand ist dieser Ansicht, weder wir
noch die Russen. Die einzige pragmatische Methode, zu tatsächlichen Abkommen
zu gelangen und zu sehen, wie sie funktionieren - wobei man sich immer vor
Augen halten muß, daß man nicht einfach die Hände in den Schoß legen und das
beste hoffen kann - ist daher die Methode, die wir anwenden, und meiner Meinung
nach ist das eine gesunde Methode.

China

�- China und Japan i n der Atmsophäre der Entspannung Frage: Lassen Sie uns einen Augenblick auf die andere S e i t e der Welt
gehen. S i e haben auf die Tatsache hingewiesen, daß d i e Volksrepublik China
s i c h e b e n f a l l s an der Schaffung e i n e r Atmsophäre der Entspannung b e t e i l i g t .
Sie haben schon vor l a n g e r Z e i t e i n e Änderung d e r amerikanischen P o l i t i k
gegenüber China b e f ü r w o r t e t ,

n i c h t wahr?

Antwort: J a , schon s e h r früh. Ich g l a u b e , daß d i e s e i n e gesunde P o l i t i k
i s t . Man kann n i c h t einfach an 800 Millionen Menschen i n der Welt - etwa 20
b i s 25 Prozent d e r Weltbevölkerung - vorbeigehen, und es g i b t auch keinen Grund,
d i e s zu t u n . Die Chinesen s i n d e i n s e h r p r o d u k t i v e s Volk, e i n a l t e s Volk mit
e i n e r großen T r a d i t i o n . Wir können mit ihnen leben und w i r wünschen mit ihnen
zu l e b e n , und am b e s t e n können wir d a s , wenn w i r p r a k t i z i e r e n , was w i r p r e d i g e n .
Wir sagen, daß die M ö g l i c h k e i t , d i e Menschen zu einem Leben i n Frieden und z u r
g e g e n s e i t i g e n H i l f e i n der Entwicklung zu v e r a n l a s s e n , d a r i n b e s t e h t , s i e durch
den Austausch von Ideen und Gütern aufgeschlossen zu machen. Nun, wenn w i r das
sagen, dann s o l l t e n w i r das auch p r a k t i z i e r e n , wenn s i e uns d i e Möglichkeit dazu
geben. Und genau darüber verhandeln wir im Augenblick. Deshalb b i n i c h s t o l z
darauf, daß i c h b e r e i t s i n den J a h r e n 1969 und 1970 dafür e i n t r a t , daß d i e Vere i n i g t e n S t a a t e n s i c h dem Gedanken a u f s c h l i e ß e n s o l l t e n , b e s s e r e Beziehungen zu
der Volksrepublik China h e r z u s t e l l e n .
Frage: Ich nehme an, daß Sie g l e i c h z e i t i g anerkennen, daß das Bündnis mit
Japan genau so w i c h t i g i s t wie das NATO-Bündnis?
Antwort: Ohne jede Frage und aus dem g l e i c h e n P r i n z i p h e r a u s . Japan i s t
d i e p r o d u k t i v s t e Nation im O s t e n , was die T e c h n o l o g i e , d i e P r o d u k t i v i t ä t

seiner

W i r t s c h a f t und die A k t i v i t ä t s e i n e r Bevölkerung angeht. Die J a p a n e r haben ebenf a l l s e i n e t o t a l i t ä r e T r a d i t i o n , aber s e l b s t die T a t s a c h e , daß w i r im zweiten
Weltkrieg Feinde waren, was niemand vergessen kann, darf n i c h t v e r h i n d e r n ,

daß

Amerikaner und J a p a n e r gemeinsam für e i n e b e s s e r e Welt e i n t r e t e n . Wir können
mit einem so großen und e f f e k t i v e n Volk n i c h t i n einem k o n s t a n t e n Zustand der
F e i n d s e l i g k e i t leben. Die J a p a n e r können e i n e überaus w i c h t i g e Rolle b e i der Be-

7 -

�1
Befreiung Asiens von jahrhundertealten Übeln, Krankheiten und Armut s p i e l e n ,
und Japan kann auch wesentlich dazu beitragen, China zu helfen, weil es ihm
w i r t s c h a f t l i c h weit voraus i s t .
Ich erachte daher den gemeinsamen Sicherheitsvertrag mit Japan immer noch
als sehr wichtig - und in unterschiedlichem Ausmaß i s t dies auch der F a l l mit
unseren anderen Sicherheitsvereinbarungen, die wir mit den Philippinen, mit
Australien und Neuseeland, mit Thailand usw. haben. Selbst was unser Verhältnis
zu Formosa a n b e t r i f f t , so schwierig dieses auch sein mag, so müssen wir doch
die Tatsache respektieren, daß dort 12 Millionen Menschen leben, die s e l b s t
bestimmen s o l l t e n , wie sie r e g i e r t werden wollen, und deren Zukunft nicht
durch Gewalt bestimmt werden darf.
Das a l l e s sind schwierige Probleme, aber ich bin der Meinung, daß wir
dabei sind, s i e weitaus i n t e l l i g e n t e r zu lösen, als dies jemals in unserer
Nachkriegsgeschichte der Fall gewesen wäre.

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31/1973

DAS NEUE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFTSGESETZ
-Gesicherte Ertrags- und EinkommensteigerungVon John J.Harter

WASHINGTON -«.(AD)— Das neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz, stellt in
Form und Inhalt eine bedeutsame Wende dar. Angesichts der weltweiten Verknappung an landwirtschaftlichen Erzeugnissen - vor allem an Futtergetreide und Naturfasern - wird der amerikanische Farmer ermutigt, die Produktion zu steigern, ohne dabei fürchten zu müssen, daß sein Einkommen wesentlich zurückgeht.
Das von Präsident Nixon am 10. August unterzeichnete neue Gesetz
- der "Agriculture and Consumer Protection Act of 1973"- ist von vorneherein
auf eine vierjährige Geltungsdauer abgestellt und wird für die Ernte 1974
ebenso verbindlich sein wie für die Ernte 1977.
Zunächst soll das Gesetz den Anbau von Weizen, Futtergetreide und
Baumwolle fördern. Der Anbauanreiz soll vor allem von den Marktpreisen ausgehen, jedoch sind bestimmte Sicherheitsklauseln eingebaut,die den Farmer
vor einem Preisverfall auf den Weltmärkten schützen sollen. Dabei wird die
maximale Ausgleichszahlung pro Farmer und Erntejahr jedoch auf 20 000 Dollar

-1-

�Dollar . gegenüber 55 000 Dollar in dem am 31. Dezember dieses Jahres auslaufenden Gesetz - festgelegt.
Für die Ernte 1974 und 1975 sind bereits Preisgarantien vorgesehen, die
jedoch beträchtlich unter den gegenwärtigen Weltmarktpreisen für Weizen,
Mais und Baumwolle liegen. Für die Ernten 1976 und 1977 sind bestimmte Faktoren für eine Erhöhung der garantierten Mindesterlöse eingebaut. So wird
der Garantiepreis 1976 von dem Garantiepreis 1975 plus den in dem Jahr angestiegenen landwirtschaftlichen Betriebskosten ausgehen und dazu entsprechend den jeweiligen Hektarerträgen eingependelt werden. Eine ähnliche Anpassung wird dann für 1976 vorgenommen werden.
Der amerikanische Landwirtschaftsminister Earl L. Butz sprach von einem
"historischen Wendepunkt" der amerikanischen Landwirtschaftspolitik, da
nach vierzig Jahren der Einschränkung und Schrumpfung wieder auf Expansion
umgeschaltet werde, um der steigenden Nachfrage in den Vereinigten Staaten
und in der Welt nachkommen zu können. Butz versicherte in diesem Zusammenhang, daß die Nixon-Administration auch weiterhin an einer liberalen Handelspolitik festhalten wolle. Er, Butz, sei überzeugt, daß die amerikanische Landwirtschaft der erhöhten Nachfrage gerecht werden könne. Er räumte ein, daß
ein wachsender Druck festzustellen sei, jedoch wird von anderen amerikanischen
Regierungsvertretern die Ansicht geäußert, daß das neue Gesetz eine Erhöhung
der landwirtschaftlichen Anbaufläche um zwei bis drei Prozent mit sich bringen werde.
Prinzipiell soll der Einfluß der Regierung auf die Landwirtschaft
- außer durch bestimmte Garantien und Anreize - so klein wie möglich gehalten
werden. Der einzelne Farmer soll ermutigt werden, das anzubauen, was nach
seiner Ansicht entsprechend der Leistungsfähigkeit seines Betriebes und der
Marktlage den höchsten wirtschaftlichen Ertrag bringt. Nur wenn die Preise
unter die gesetzlichen Richtpreise fallen, erhält der Farmer einen Ausgleich;

�Ausgleich; direkte Subventionen für unzureichende Ernteerträge - außer
bei katastrophalen Mißernten - sollen praktisch gestrichen werden. Landwirtschaftsminister Butz rechnet damit, daß die Ausgleichszahlungen der Regierung im Jahre 1974 unter 500 Millionen Dollar liegen werden - verglichen
mit Subventionen in Höhe von rund vier Milliarden Dollar im Jahre 1972.
Präsident Nixon hat in einer Erklärung anläßlich der Unterzeichnung
des Gesetzes dieses als einen "realistischen Kompromiß" zwischen den Auffassungen des Kongresses und denen der Administration bezeichnet. Die Verteilung von Lebensmitteln für Sozialfürsorgeempfänger, die von dem vorigen
Gesetz in verstärktem Maße übernommen worden ist, stößt beim Präsidenten
auf wenig Gegenliebe. Nach seiner Auffassung solle Unterstützung in Barund nicht in Sachleistungen erfolgen,und er wird in Kürze dazu eine neue
Vorlage unterbreiten.
Ebenso ist Landwirtschaftsminister Butz über die fünfprozentige Anhebung der Subventionen für Molkereiprodukte nicht begeistert. Allerdings
sieht das neue Gesetz eine Sonderstudie über den Einfluß erhöhter Einfuhren
von Molkereierzeugnissen auf die amerikanische Milchwirtschaft vor. Die
Subventionen für das laufende und das am 1. April 1974 beginnende Marktjähr
entsprechen dem gegenwärtigen Preisniveau und sollen die ausreichende Versorgung des amerikanischen Verbrauchers mit Molkereierzeugnissen sicherstellen.
Andere wichtige Aspekte des neuen Gesetzes sind eine umfassende Zählung
in der amerikanischen Landwirtschaft im Jahre 1974; ein Anreiz für private
Forstbetriebe zur stärkeren Aufforstung und eine verstärkte Exportförderung
für private Betriebe durch das Landwirtschaftsministerium. In diesem Zusammenhang müssen alle Exporteure von Weizen, Futtergetreide, Ölsaaten,
Baumwolle und bestimmten anderen Erzeugnissen dem Landwirtschaftsministerium
wöchentlich einen detaillierten Bericht über alle Exportverkäufe unterbreiten.
Das

�Das Gesetz ist - wie gesagt - ein Kompromiß, aber per Saldo sieht es,
wie Präsident Nixon erklärte, vor, "daß der Farmer den größten Teil seines
Einkommens auf dem Markt verdient.... Da die Auslands-und Binnenmärkte für
landwirtschaftliche Erzeugnisse expandieren, wird der amerikanische Steuerzahler der direkte Nutznießer dieser neuen Programme sein. Dieses neue Gesetz ist gut für den Verbraucher, gut für unsere wachsende Binnenwirtschaft
und nützlich für unseren Außenhandel."

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31/1973
"MODERNE KRANKENHAUSAUSRÜSTUNGEN"
-Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt-

--(AD)— Rund 25 amerikanische Hersteller zeigen vom 17.-21. September
1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt am Main ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet modernisierter und automatisierter Krankenhausausrüstungen.
Unter anderem werden Spezialeinrichtungen für folgende Sachgebiete zu
sehen sein:
Integrierte EDV-Systeme mit Peripherieeinrichtungen, darunter medizinische Datenbanken, Einrichtungen für die strahlentherapeutische Behandlung, rechnerunterstützte Dosimetrie, Datenverarbeitung bei der Herzkathe".irisierung

sowie Einrichtungen für die chirurgische Patientenüberwachung.

Ferner wird ein automatisiertes Testsystem für phyisi©logische Profile und
Anamnese einschließlich Datenspeicherung, -Verarbeitung und -ausdrucker
vorgestellt.
Moderne Behandlungseinrichtungen umfassen u.a. Spezialkrankenbetten
mit elektrischer Verstellmöglichkeit, tragbare Wiederbelebungsgeräte, elektrische Sedativsysteme zum drogenfreien Schlaf sowie diverse Rehabilitationseinrichtungen.

»
Aus

-1-

�Aus dem medizinischen und chirurgischen Bereich werden neben vielen anderen Produkten batteriegespeiste Leuchten und Instrumente für den Einmalgebrauch, Faseroptikleuchten und pneumatische Instrumente für die Mikrochirurgie zu sehen sein. Fernerhin sind Tucherzeugnisse aus nicht-gewebten, vernetzten, natürlichen oder künstlichen Fasern,einlagig oder laminiert,zu
erwähnen.
80 7o der Firmen sind zum ersten Mal auf dem deutschen oder europäischen
Markt und daher besonders interessiert an Verbindungen zu Lizenznehmern bezw.
Vertriebsgesellschaften.
Wegen des zu erwartenden Interesses wird das gleichzeitig mit der Ausstellung stattfindende Symposium von zwei auf drei Tage (18.,19.,20. September) erweitert.

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31/1973

RÜCKGANG DER ERNTEERWARTUNGEN IN USA LÄSST AN EXPORTKONTROLLEN DENKEN
-Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway-

WASHINGTON — ( A D ) — Nachdem die diesjährigen Ernteerwartungen in den Vereinigten Staaten offensichtlich geringer sind als noch im vorigen Monat angenommen, räumt man in amtlichen Kreisen in Washington ein, daß die Möglichkeit der Einführung von Exportkontrollen für Getreide zumindest "geprüft"
wird, um dem starken Preisauftrieb zu begegnen.
Obwohl der Rückgang der geschätzten landwirtschaftlichen Erträge nicht
allzu groß ist und die Gesamternte bei den meisten Getreidearten sogar über
den Rekorderträgen des Vorjahres liegt, ist doch bereits ein Druck auf die
ohnehin knappe Versorgungslage zu spüren.
Zuständige Stellen in Washington erklären ohne Umschweif, daß entweder
der Verbrauch im eigenen Lande oder die Exporte gedrosselt oder gar die
- ohnehin niedrigen - Reserven weiter verkleinert werden müssen. Diese amtliche Stellungnahme erfolgte genau zu dem Zeitpunkt, da amerikanische Zeitungen mit Schlagzeilen die Erhöhung des Brotpreises - um 2 Cent pro Laib verkündeten. Der Stellvertretende Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im amerikanischen Landwirtschaftsministerium, Richard Bell,
verhehlte nicht, daß die Bevölkerung mit weiteren Erhöhungen der Lebensmittelpreise rechnen müsse. Aber nicht nur der amerikanische Verbraucher wird

�wird mehr bezahlen müssen - auch der ausländische Käufer wird die rasch
steigenden Preise für Weizen, Mais und andere Erzeugnisse bezahlen - oder
darauf verzichten - müssen. Nach Auskunft von Bell haben bereits einige
- von ihm nicht genannte - Länder angekündigt, daß sie sich vom amerikanischen
Markt zurückziehen wolen. Damit dürfte eine Entlastung des Marktes und ein
Nachlassen des Preisdrucks eintreten.
Wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium erklärt, wird die Prüfung der neuen Statistiken noch "einige Tage" in Anspruch nehmen, während
der eine erneute Prüfung der Möglichkeit von Exportkontrollen vorgenommen
werde. Dabei werde man sich unter anderem mit der großen Zahl der "ungenannten" Exportkäufer befassen, bei denen es sich im wesentlichen um Spekulanten
handeln dürfte. Ein Großteil der von diesen aufgekauften Getreidemengen dürfte das Land gar nicht verlassen, sondern zu erhöhten Preisen an amerikanische
Kunden verkauft werden. Wie Bell ausführte, würde der tatsächliche Weizenexport nach Abzug dieser rund sechs Millionen Tonnen "ungenannter" Käufe nur
rund 35 Prozent des zu erwartenden Angebots betragen. Normalerweise führen
die Vereinigten Staaten rund 50 Prozent ihres Weizens (Erzeugung plus Reserven) aus. Daher, so sagte Bell, sei er über die jetzt vorliegenden Statistiken nicht "besonders alarmiert" . Es gebe auch keinen bestimmten Punkt, an dem
sein Ministerium "automatisch" Exportkontrollen empfehlen würde.
In diesem Zusammenhang erklärte Bell, daß die amerikanische Regierung
für den Fall, daß es zu Exportkontrollen kommen sollte, das für die Sojabohnen angewandte Modell nicht wieder benutzen würde. Künftige Systeme würden
sicher anders aussehen, und bestehende Kontrakte würden so weit wie nur irgend möglich erfüllt.
Am stärksten sind die Ernteaussichten bei Mais zurückgegangen. Obwohl
die amerikanischen Farmer sieben Prozent mehr Anbaufläche bestellt haben als
im Vorjahr, wird die Ernte nach den revidierten Schätzungen nur um zwei Prozent über dem Vorjahr liegen (nämlich bei 5 661 379 000 Bushel gegenüber
5 553 061 000 Bushel im Vorjahr). Der Hektarertrag ging wegen der großen

�großen Überschwemmungen im Frühjahr zurück, und die Ernteerwartung sank dann
wegen der Trockenheit in den Hauptanbaustaaten Iowa und Illinois in den
letzten Wochen. Wenn der jetzt einsetzende Regen weiter anhält, dürfte jedoch im September wieder eine leichte Verbesserung der Ernteerträge eintreten.
Die Verknappung an Mais bringt naturgemäß einen Preisdruck auf anderes
Futtergetreide mit sich. Dabei sind die Ernteerwartungen bei Hafer vom l.Juli
bis 1.August

von

716 615 000 Bushel auf 707 756 000 Bushel und bei Gerste

von 439 642 000 Bushel auf 430 181 000 Bushel zurückgegangen.
Bell versicherte im übrigen, daß die amerikanische Regierung weiterhin
plane, die Exportkontrollen für Sojabohnen im nächsten Monat wieder aufzuheben, und auch im nächsten Jahr sei nicht an die Wiedereinführung von Exportkontrollen für dieses landwirtschaftliche Erzeugnis gedacht.

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                <text>Amerikadienst 15.08.1973</text>
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            <description>An account of the resource</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine einflussreiche Stimme im amerikanischen Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Senator Jacob Javits aus New York -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das neue amerikanische Landwirtschaftsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gesicherte Ertrags- und Einkommenssteigerung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Moderne Krankenhausausrüstungen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachtagung und Ausstellung im US-Handelszentrum Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückgang der Ernteerwartungen in USA lässt an Exportkontrollen denken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Sonderkorrespondenten John Holway -&lt;/em&gt;</text>
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32

2 2 . August

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:

Rogers-Pressekonferenz vom 20. August 1973
-Auszüge zu EuropaUSA werden Kambodscha weiterhin unterstützen
-Erklärung des Weißen Hauses-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Schlesinger berichtet über neue Raketenentwicklungen in der UdSSR
-Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers vom
17. August-

WIRTSCHAFT:
US-Zahlungsbilanz wesentlich verbessert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Neue Höchstgrenzen für Flugzeugabgase in USA
Die Erzhütte am Meeresboden
-Stärkste Anreichung im Zentralgraben des OzeanrückensLASER 73
-US-Firmen auf der ersten internationalen Messe für opto-elektronische Geräte in München-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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32/1973

ROGERS-PRESSEKONFERENZ VOM 20. AUGUST 1973
- Auszüge zu Europa -

WASHINGTON --.(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hat
am 20. August eine Pressekonferenz abgehalten, auf der er zu einer Viel*

zahl von außenpolitischen Fragen Stellung nahm. Er gab ferner bekannt, daß
der Iran offiziell die Einladung angenommen habe, an Stelle von Kanada

*

Mitglied der Internationalen Kontroll-und Überwachungskommission in Südvietnam zu werden. Der amerikanische Außenminister befaßte sich ferner mit dem
"Jahr Europas" und betonte in diesem Zusammenhang, daß die Gespräche der
USA mit ihren europäischen Verbündeten über dieses Thema gut vorangekommen
seien.
Die Fragen und Antworten zu diesem Komplex haben folgenden Wortlaut:
"Frage: Herr Außenminister, dies ist das Jahr Europas- Nun ist in allen
möglichen Berichten davon die Rede, daß die Antworten der europäischen Regierungen ziemlich langsam eingingen. Sind Sie darüber besorgt, daß die
Antworten nicht termingerecht erfolgten?
Antwort: Nein, wir haben keine Sorge, daß sie etwa nicht termingerecht
geantwortet hätten. Unserer Meinung nach haben sie es sogar. Im übrigen gab
es überhaupt keine Termine für die Antworten, aber wir sind der Ansicht, daß

-1-

�daß die Gespräche, die wir mit unseren europäischen Freunden und Verbündeten
geführt haben, gut vorangekommen sind.
Lassen Sie mich noch etwas zu dem Jahr Europas sagen.
Erstens haben wir - das heißt Präsident Nixon - ausführliche Gipfelgespräche mit zahlreichen europäischen Staatsmännern geführt, die sich meiner Meinung nach gut ausgewirkt haben.
Zweitens haben wir gerade die erste Phase der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hinter uns, die ganz anders verlief,
als viele erwartet hatten. Meines Erachtens war sie erfolgreich, und wenn
die zweite Phase der Verhandlungen dieser Konferenz gut verläuft, dann glaube ich, daß einige Aussichten für ein Nachlassen der Spannungen in Europa
gegeben sind.
Drittens haben wir uns auf ein Datum für die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen geeinigt. Diese Verhandlungen
werden am 30. Oktober beginnen. Am 24. September wird meines Wissens die
zweite Phase der KSZE anlaufen und im Herbst die zweite Phase der SALT-Gespräche. Die NATO prüft das Problem des Verhältnisses zwischen dem Bündnis
und den Vereinigten Staaten und Kanada. Die Europäische Gemeinschaft befaßte sich ebenfalls mit diesem Problem. Wir haben ferner mit verschiedenen
Regierungen zahlreiche Gespräche über das Thema einer Grundsatzerklärung geführt.
Außerdem werden in diesem Herbst - im September - Handelsverhandlungen
in Japan beginnen. In Nairobi werden Verhandlungen über Währungsfragen aufgenommen werden. Und der Präsident plant noch in diesem Jahr eine Reise
nach Europa.
Alle diese Dinge lassen also eine große Aktivität im Zusammenhang mit
dem sogenannten Jahr Europas erkennen.
Wir

-2-

�Wir sind der Ansicht, daß der Meinungsaustausch mit unseren europäischen Freunden und die Gespräche mit Japan - ich habe ja gerade erst an dem
Ministertreffen in Tokio teilgenommen - über dieses Thema gut vorangekommen
sind.
Wir üben keinerlei Druck auf die europäischen Nationen aus; dies muß
ein koordiniertes und kooperatives Vorhaben sein. Wir sind jedoch der Meinung, daß das Zustandekommen dieser Deklaration wichtig ist und wir glauben
an ihren Erfolg.
Frage: Herr Außenminister, welche generellen Gedanken sollten nach Ansicht der USA in eine Grundsatzerklärung aufgenommen werden? Und glauben
Sie, daß es zu einer großen europäischen Gipfelkonferenz kommen wird, wenn
Präsident Nixon nach Europa reist?
Antwort: Was den letzten Teil Ihrer Frage angeht, so bin ich nicht
sicher. Die generellen Gedanken, die wir vorgebracht haben, sind die, die
man wohl erwarten konnte. Sie befassen sich mit der Wechselwirkung zwischen
Wirtschaftsfragen, Sicherheitsüberlegungen - Währungsfragen, politischen
Fragen, Sie befassen sich mit der Notwendigkeit, amerikanische Truppen in
Europa stationiert zu halten, und der Frage, auf welcher Basis sie dort
bleiben werden. Sie befassen sich mit der Frage der Lastenverteilung - was
das eigentlich heißt und was alles dazu gehören sollte -, mit der Haltung
der Vereinigten Staaten gegenüber der Gemeinschaft und mit der Haltung der
Gemeinschaft gegenüber den Vereinigten Staaten, mit einer Bekräftigung der
Respektierung der Souveränität aller Nationen, die diese Deklaration unterzeichnen, und gleichzeitig mit der Anerkennung der Bedeutung der kollektiven
Sicherheit.
Dies sind einige der Dinge. Selbstverständlich gibt es noch eine ganze
Reihe anderer Dinge, die hierher gehören, aber ich meine doch, daß Sie in
etwa eine Vorstellung davon haben, über welche Themen wir sprechen.
Wir

�Wir sind der Auffassung, daß dieses Verhältnis zu Kuropa wichtig ist
und daß es in irgendeinem Stadium - zumindest wahrscheinlich, wenn auch nicht
notwendigerweise gleichzeitig mit Japan - später dann im Lichte der gegebenen
Realitäten geklärt und neu bekräftigt werden muß.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben von der Wechselwirkung zwischen
wirtschaftlichen Fragen und Sicherheitsüberlegungen gesprochen. Wollen Sie da
mit ausdrücken, daß Sie sich in dieser Grundsatzerklärung darum bemühen werden, daß Europa die Verbindung zwischen diesen beiden Komplexen anerkennt und
daß beide Seiten die Probleme des jeweils anderen hierbei anerkennen müssen,
sowie die Tatsache, daß der eine von dem anderen abhängt?
Antwort: Nein, so nicht. Ich meine, daß hier langsam strittige Begriffe
ins Spiel kommen, die die Leute nicht mehr ganz verstehen. Worüber wir sprechen, ist unser Gesamtverhältnis, wie es sich im Lichte der gegenwärtigen
Realitäten darstellt, ohne irgendein Junktim und ohne irgendeinen Versuch,
das eine gegen das andere auszuspielen..."

"•••;.'';

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32/1973

USA WERDEN KAMBODSCHA WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
-Erklärung des Weißen Hauses-

WASHINGTON — ( A D ) — Die Vereinigten Staaten werden die kambodschanische
Regierung auch weiterhin nachdrücklich gegen aufrührerische Kräfte unterstützen und Kambodscha mit einem Höchstmaß an vom Kongreß bewilligter Wirtschafts-und Militärhilfe versorgen. Dies geht aus einer am 15. August, dem
Tage der Einstellung der amerikanischen Luftunterstützung für kambodschanische Truppen, veröffentlichten Erklärung des Weißen Hauses hervor, in
der es weiter heißt, daß die USA auch in Zukunft auf einen ausgehandelten
Waffenstillstand in Kambodscha drängen werden. Präsident Nixon werde mit
dem Kongreß zusammenarbeiten, um entsprechende Maßnahmen zu ergreifen,
sollte Nordvietnam versuchen, die Stabilität von Indochina zu gefährden.
Die Erklärung des Weißen Hauses, die von Pressesprecher Jerry Warren
verlesen wurde, hat folgenden Wortlaut:
"Wie bekannt, ist die Kampftätigkeit amerikanischer Flugzeuge in Kambodscha eingestellt worden. Um unseren Standpunkt hinsichtlich dieser
Aktion unmißverständlich zum Ausdruck zu bringen und alle Mißverständnisse
seitens anderer zu vermeiden, möchte ich die folgenden Punkte unterstreichen:
-- Wie

-1-

�--Wie der Präsident in seinem Schreiben an die führenden Politiker des
Kongresses vom 2. August mitgeteilt hat, beendet die amerikanische Regierung
die Kampftätigkeit in Kambodscha gemäß einer spezifischen, direkten und verbindlichen Anweisung des Kongresses. Der Präsident hat weiterhin ernste Vorbehalte hinsichtlich der Klugheit dieser Maßnahme der Legislative. Er ist
besorgt darüber, daß der Kongreß durch seine Maßnahme einen wichtigen Anreiz
für eine Regelung auf dem Verhandlungswege beseitigt,

die Sicherheit der

Nachbarn Kambodschas in Südostasien geschwächt und das Gebäude des Friedens
in Indochina,wie in den Abkommen vom 27. Januar dargelegt, unterminiert hat.
Vor allem aber unterminiert diese Maßnahme des Kongresses die Aussichten auf
einen Weltfrieden, indem nämlich bei Freunden und Gegnern gleichermaßen Zweifel hinsichtlich der Entschlossenheit und der Fähigkeit der Vereinigten Staaten wach werden, zu internationalen Abkommen zu stehen, wenn diese durch
andere Parteien verletzt werden.
-- Unter Hinweis auf die durch diese legislative Maßnahme hervorgerufenen Gefahren hat der Präsident nur überaus zögernd den 15. August als Datum
für die Einstellung der Angriffe al.s einen notwendigen Kompromiß akzeptiert,
um eine größere Störung der Tätigkeit der amerikanischen Regierung zu verhindern und der Khmer-Republik mehr Zeit zur Anpassung an die neue Situation
zu geben. Man wird sich erinnern, daß der Präsident zum Zeitpunkt der Verabschiedung dieses Gesetzes vor der Alternative stand, entweder den 30. Juni
als Datum der Einstellung zu akzeptieren, oder durch ein Veto gegen das Bewilligungsgesetz, dem diese Gesetzesvorlage beigefügt war, jegliche Regierungstätigkeit lahm zu legen. Eine sofortige Einstellung aller Kampfunterstützung für die Khmer-Republik angesichts eines massiven Angriffs des Gegners wäre eine unverantwortliche Aktion gewesen, die die kambodschanische
Regierung der notwendigen Zeit beraubt hätte, Vorbereitungen für die Zukunft
zu treffen. Angesichts dieser extremen Alternativen war der einzig gangbare
Weg,das Datum des 15. August widerstrebend zu akzeptieren.
--Während

�-- Während der jetzt verstrichenen sechs Wochen hat unsere Kampfunterstützung aus der Luft zusammen mit den kambodschanischen Bemühungen um eine
Verbesserung und Verstärkung der kambodschanischen Streitkräfte die KhmerRepubjik in einen besseren Verteidigungszustand versetzt. Wir hoffen, daß die
Regierung in der Lage sein wird, sich selbst zu verteidigen und gegen die
aufrührerischen Kräfte und deren nordvietnamesische Protektoren zu bestehen.
-- Inzwischen werden die Vereinigten Staaten angesichts der gegenwärtigen Herausforderung fest zur Khmer-Republik stehen und ein Höchstmaß an
Wirtschafts-und Militärhilfe gewähren, so wie dies durch die gegenwärtigen
rechtlichen Beschränkungen möglich ist.
-- Wir werden weiterhin mit Nachdruck einen Waffenstillstand durch Verhandlungen zwischen den Khmer-Parteien unterstützen. Unsere Hauptziele in
diesem Gebiet sind eine Beendigung der Kampfhandlungen sowie die Respektierung der Souveränität und Neutralität Kambodschas. Trotz der Bemühungen
zahlreicher interessierter Parteien und des guten Willens der Khmer-Republik
lehnt die kommunistische Seite weiterhin unnachgiebig jeden Kompromiß ab.
-- Ich möchte ferner an die in seinem Schreiben vom 2. August enthaltene Warnung des Präsidenten erinnern, daß die nordvietnamesischen Führer einen
sehr gefährlichen Fehler begehen würden, sollten sie die Einstellung der amerikanischen Kampftätigkeit in Kambodscha als eine Einladung verstehen, in
Südostasien eine Politik der Aggression zu verfolgen. Hanoi sollte sich ganz
klar darüber sein, daß der Präsident mit dem Kongreß zusammenwirken wird, um
die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, sollte Nordvietnam eine Offensive
starten, die die Stabilität in Indochina gefährdet und die Regelungen außer
Kraft zu setzen droht, die nach so vielen Opfern seitens so vieler Menschen
nach so langer Zeit erreicht worden sind."

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32/1973

SCHLESINGER BERICHTET ÜBER NEUE RAKETENENTWICKLUNGEN IN DER UDSSR
-Auszüge a u s d e r P r e s s e k o n f e r e n z

des US-Verteidigungsministers

vom 17.August-

WASHINGTON --(AD)-» Der amerikanische Verteidigungsminister James B.
Schlesinger hat bestätigt, daß die Sowjetunion in den letzten Wochen erfolgreich Raketen mit Mehrfach-Gefechtsköpfen (MIRV) erprobt hat. Die Chance,
bei den amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) eine Kontrolle dieser Waffensysteme zu erreichen,
bezeichnete Schlesinger als gering.
Zu Beginn seiner Pressekonferenz sagte Schlesinger unter anderem:
"Wir rechnen verstärkt mit einer Periode,in der sich das Hauptgewicht
der Tätigkeit des Verteidigungsministeriums von den Feindseligkeiten in Südostasien ur.d dieser Region auf die Aufgaben des Verteidigungsministeriums
in dem viel größeren Umfang verlagern wird, wie er in anderen Teilen der
Welt, vor allem durch die NATO, gegeben ist. Ich setze meine Gespräche mit
den Verteidigungsministern der verschiedenen europäischen Länder fort,und
diese Gespräche sind bisher recht gut verlaufen."
Der

-1-

�Der amerikanische Verteidigungsminister teilte dann mit, daß gegenwärtig Verhandlungen mit der thailändischen Regierung über eine Reduzierung der
amerikanischen Truppen in Thailand stattfinden und daß sein Voranschlag für
den Verteidigungshaushalt 1975 voraussichtlich unter sechs Prozent des Bruttosozialproduktes liegen werde„
Zu den strategischen Entwicklungen in der UdSSR sagte er wörtlich:
"Ich weiß, daß einige von Ihnen an der Frage der Entwicklung der strategischen Kapazitäten der Sowjetunion interessiert sind. In den letzten Wochen haben die Sowjets erfolgreich Flugversuche mit Mehrfach-GefechtskopfKapazität (MIRV-Kapazität) demonstriert. Zumindest zwei ihrer Raketen haben
eine MIRV-Kapazität gezeigt. Wie Sie wahrscheinlich wissen, haben die Sowjets
seit einigen Jahren ein aggressives Entwicklungsprogramm verfolgt.
In der Entwicklung befand sich nicht nur die SSNX-8 Rakete für die
Unterseeboote der Delta-Klasse, sondern auch vier Interkontinentalraketen
(ICBM). Zwei davon haben bereits eine MIRV-Kapazität demonstriert. Wir rechnen damit, daß auch die beiden anderen (Typen) mit MIRV-Kapazität ausgestattet werden."

Die Fragen und Antworten zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
l'Frage: Herr Minister, wann könnte die sowjetische MIRV-Kapazität realisiert werden? Sie sagen, sie wurde erprobt. Wann können wir damit rechnen,
daß sie (die Sowjets) sie in ihren Arsenalen haben werden?
Antwort: Ich glaube,man hat einen guten Maßstab,wenn man mit zwei Jahren
von den ersten Versuchsstadien bis zu dem Punkt der eigentlichen Dislozierung rechnet. Es kann etwas länger dauern, aber unsere frühere Schätzung
scheint durchaus angebracht, daß sie (die Sowjets) etwa im Jahre 1975 einsatzbereite,.mit MIRV ausgestattete Streitkräfte disloziert haben dürften.

Frage:

-2-

�Frage: Können Sie uns sage, daß sie (die Sowjets) tatsächlich MehrfachGefechtsköpfe erprobt haben?
Antwort: Ja.
Frage: Herr Minister, um was für Raketen handelt es sich?
Antwort: Die erste Demonstration der MIRV-Kapazität fand mit der SSX-17
statt; in jüngerer Zeit wurde sie mit der SSX-18 demonstriert, die, wie Sie
wissen, die große Rakete ist, die voraussichtlich an die Stelle der SS-9
treten soll.
Frage: Wieviele(Gefechtsköpfe) auf dieser SS»18, Herr Minister?
Antwort: Mindestens sechs.
Frage: Herr Minister, welche Bedeutung kommt dieser Zahl von Gefechtsköpfen auf der SS-18 zu?
Antwort: Mit einer bestimmten

Nutzlast - einer feststehenden Netto-

Nutzlast - sind die Sowjets gezwungen gewesen, die Zahl der Gefechtsköpfe gegen die Stärke der einzelnen Gefechtsköpfe abzuwägen. Das heißt praktisch
- das möchte ich unterstreichen - daß die Sowjets - eines Tages in der Zukunft - über ein Aufgebot an Gefechtsköpfen mit einer Stärke in der Größenordnung von einer Megatonne verfügen werden. Und wenn dann, wie anzunehmeit,
die Treffsicherheit steigen wird, dann kann sich das zu einer wesentlichen
bedrohlichen Gegenmacht zu den in den USA stationierten strategischen Vergeltungsstreitkräften entwickeln.
Frage: Herr Minister, um auf die sowjetische Raketenentwicklung zurück zukommen, wenn Sie von einer möglichen künftigen Bedrohung unserer landgestützten Raketenstreitmacht sprechen, dann klingt das ganz ähnlich wie das,
was Herr Laird (der frühere amerikanische Verteidigungsminister) vor einigen
Jahren gesagt hat, als er erklärte, die Sowjetunion strebe eine ErstschlagKapazität an. Wüerden Sie das, was sie (die Sowjets) jetzt getan haben, nach
solchen Begriffen interpretieren?
Antwort:

�i
Antwort: Ich meine, die Sowjets streben einen strategischen Vorteil an;
sie haben ein aggressives Programm.

Ob sia jemals einen strategischen

Vorteil erreichen werden, wird davon abhängen, ob die Vereinigten Staaten
auf Veränderungen in der sowjetischen Militärposition reagieren oder ob sie
es unterlassen, darauf zu reagieren.
Was nun die Erreichung einer Erstschlag-Kapazität angeht, so kann eine
solche Kapazität, wenn man sie im eigentlichen Sinne als die andere Seite
entwaffnend betrachtet, von keiner Seite erreicht werden, weder von den
Sowjets noch von uns.
Frage: Herr Verteidigungsminister, bedeutet dies, daß Sie sich jetzt
innerhalb Ihres Ministeriums mit Nachdruck für die 'Trident8 sowie für neue
Unterseeboote und neue Raketen einsetzen werden?
Antwort: ... Ich bin ganz allgemein der Ansicht, daß - wenn die Fakten
hinsichtlich der sowjetischen Entwicklungen oder der Entwicklungen irgendwo
sonst vollständig vor dem amerikanischen Volk und dem amerikanischen Kongreß
liegen - diese in angemessener Weise darauf reagieren werden und daß keine
Notwendigkeit für irgendeinen übermäßigen Nachdruck besteht.
Frage: Herr Verteidigungsminister, welche Chancen gibt es Ihrer Meinung
nach für irgendeine Art von MIRV-Kontrollen im Rahmen der gegenwärtigen SALTRunde?
Antwort: Sie haben sich wesentlich verschlechtert.
Frage: Wie meinen Sie das, was ist geschehen?
Antwort: Wenn die Sowjets erst einmal die Flugtestphase hinter sich gebracht haben, ist die Möglichkeit der Verifizierung von Kontrollen wesentlich unterminiert, und in den SALT-Verhandlungen haben wir immer wieder darauf bestanden, daß die Möglichkeit gegeben sein muß, alle Abkommen zu verifizieren, die die amerikanische Regierung eingeht. Wenn wir von der Tatsache
des Beginns der MIRV-Flugteste ausgehen, dann wird also unsere Fähigkeit der

-4-

/

�der Beobachtung schnell, sehr schnell unterhöhlt* Wie Sie wissen ist dieses
Thema bereits früher aufgebracht worden, und ich meine, es ist nur fair, zu
sagen, daß die Sowjets nicht besonders an MIRV-Begrenzungen, an umfassenden,
generellen MIRV.» Begrenzungen interessiert waren. ..
Frage: Herr Verteidigungsminister, wann ist nach den Feststellungen
Ihrer Computer der Punkt erreicht, an dem die Sowjets uns an Gefechtsköpfen
überholt haben werden?
Antwort: Das hängt natürlich von dem Tempo der Dislozierung seitens der
Sowjets ab, nachdem sie - wir wir einmal annehmen wollen - ihre Testperiode
beendet, haben. Wir würden sagen, daß 1975 ein annäherndes Datum für den Beginn, ihrer Dislozierung ist, aber hier würde es sich um InterkontinentalRaketen (ICBM) handeln« Vielleicht würden sie bis 1979 über eine gleiche Zahl
von Gefechtsköpfen für ihre Interkontlnental-Raketen verfügen., Zum gegenwär.»
tigen Zeltpunkt kann ich nicht voraussagen wie schnell sie ihre unterseebootgestützten ballistischen Raketen (SLBM) mit MIRV ausrüsten werden, und
daher kann man die Gesamtzahl ihrer Gefechtsköpfe nicht vorhersagen. Wenn die
Sowjets jedoch ihr gegenwärtiges Programm fortsetzen, dann werden sie Anfang
der achtziger oder Mitte der achtziger Jahre über eine ungeheure Kräfte»
struktur verfügen,..
Frage: Vielleicht könnten Sie uns noch etwas über SALT sagen, und awar
hinsichtlich der von den Sowjets jetzt entwickelten MIRV-Kapazität?
Antwort: Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion gingen aus SALT I
jeder mit gewissen Vorteilen und gewissen Nachteilen hervor. Aber man war der
Ansicht, daß Vorteile und Nachteile sich auf beiden Seiten etwa die Waage hielten. Die Vereinigten Staaten besaßen eine klare und demonstrierbare Überlegenheit hinsichtlich bestimmter technologischer Aspekte - der Qualität der Gefechtsköpfe,, der Qualität der Leitsysteme und überhaupt der MIRV-Technologie im allgemeinen. Die Sowjets besaßen eine Überlegenheit, hinsichtlich der
Netto-Nutzlastkapazität und der Anzahl der ICBM=Abschußvorrichtungen„ Die
amerikanischen Vorteile - und darüber sollten wir uns meiner Meinung nach

-5-

�nach völlig im klaren sein - sind dahinschwindende Vorteile in dem relativen
Sinne nämlichs daß sich die Sowjetunion allmählich die Technologien aneignets
die bisher von den Vereinigten Staaten demonstriert wurden; folglich müßte
die Ausgangsbasis für das SALT I-Abkommen zu einem späteren Punkt überprüft
werden.
Wenn die Sowjets nun die technologische Lücke schließen und über eine
MIRV-Kapazitätä verbesserte Gefechtsköpfe und verbesserte Leitsysteme verfügen, sehen sich die Vereinigten Staaten nicht in der Lages die zahlenmäßigen
oder quantitativen Vorteile zu tolerieren*, die die Sowjetunion gegenwärtig
besitzt,
Ich glaube, das ist der Kernpunkt des Jaickson~Gesetzeszusatzes3 den der
Kongreß im letzten Jahr verabschiedet hat9 daß es nämlich ein in etwa ausgewogenes Gleichgewicht geben müsse.Wenn die amerikanischen Vorteile geringer
werden, dann müssen auch die sowjetischen Vorteile in gleicher Weise geringe!
werdav, so daß die quantitativen Diskrepanzen verringert werden müssens
wenn die Sowjets die qualitative Lücke schließen»

Worüber wir ohne Frage am

meisten besorgt. sindsist die Tatsache, daß die Sowjets ein unverhältnismäßig
hohes Maß an Netto-Nutzlast haben - ihre Netto-Nutzlast steht im Verhältnis
von vier zu eins. Sie verfügen über etwa fünfzig Prozent mehr Interkontinental-Raketena Wenn sie die Technologien, die sie sich jetzt erwerben, mit dem
Nutzlastgewicht verbinden, das sie aufgrund des Interimsabkommens - und ich
betone Interimsabkommen - besitzen, dann könnten sie ein klares Übergewicht
an Gegenschlagkapazität gegenüber den Vereinigten Staaten entwickeln.
Wir wollen es nicht zulassen, daß sich ein solches Ungleichgewicht hinsichtlich der strategischen Kräfte entwickelt; daher wird es Ziel und Zweck
der SALT II-Verhandlungen sein, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten und die
Verbindung dieser neu erworbenen Technologien mit den bestehenden zahlenmässigen Vorteilen der Sowjets auszuschließen...
Frage:

-6=

�Frage: Herr Minister, in der Vergangenheit haben die Russen beispielsweise 15 Prototypen von Kampfflugzeugen entwickelt und dann nur zwei oder
drei davon in die Massenproduktion übernommen. Glauben Sie, daß sie alle
vier dieser neuen ICBM produzieren werden?
Antwort: Nein.
Frage: Gibt es irgendwelche Beweise, daß die Produktion von ein oder
zwei dieser Typen bereits aufgenommen worden ist?
Antwort: Es gibt keine Beweise für eine Produktion. Nach unserer Beurteilung sind zwei dieser Raketen (die SSX-17 und die SSX-19) als Nachfolger
für die SS-11 vorgesehen. Wenn diese Annahme stimmt, dann werden sie wahrscheinlich nicht beide dislozieren, sondern zwischen diesen beiden wählen.
Die SSX-18 ist offensichtlich der Nachfolger der SS-9. Der Zweck der
SSX-16 ist uns nicht klar. Die SSX-16 könnte die B asis für eine Dislozierung
mobilpr Raketen sein, aber wir kennen den Verwendungszweck nicht genau. Es
liegt also auf der Hand, daß die Pläne die Dislozierung mindestens zweier
der in der Entwicklung befindlichen Typen erfordern würden.
Frage: Herr Minister, Sie sprachen vorhin, wenn ich Sie richtig verstanden habe, von der Tatsache, daß keine Seite eine Erstschlag-Kapazität erreichen könne. Warum sind die Russen dann Ihrer Auffassung nach an einer Gegenschlag-Kapazität interessiert? Welches sind Ihre Beweggründe oder Absichten für den Besitz einer Gegenschlag-Kapazität mit ihren MIRV?
Antwort:Weil die Entscheidung, einen Schlag gegen Städte zu führen
- einen massiven Schlag gegen Städte - eine Entscheidung ist, die keine der
beiden Seiten ohne weiteres treffen wird. Daher könnte jede Seite in eine
Situation geraten, die genau die Umkehr jener Situation ist, die Verteidigungsminister McNamara in seiner Rede in Athen im Jahre 1962 beschrieben hat, die
dann später die Grundlage für seine Rede in Ann Arbor bildete.
Sie

�Sie werden sich erinnern, was er damals sagte. Er zeigte eine Reihe von
Umständen auf, bei denen die Vereinigten Staaten im wesentlichen mit einer
unverwundbaren Zweitschlag-Kapazität ausgestattet waren und gleichzeitig die
Möglichkeit besaßen, im einzelnen bestimmte sowjetische militärische Ziele
durch den Einsatz der amerikanischen strategischen Streitkräfte zu zerstören.
Die Höglichkeit, die den Sowjets erstrebenswert sein mag, ist die, diese Umstände umkehren zu können, und damit könnten die Sowjets in die Position
kommen, erstens eine unverwundbare Abschreckung zu besitzen, und zweitens
amerikanische oder verbündete militärische Konzentrationen eine nach der anderen zu zerstören. Dies würde insgesamt gesehen zu einem Ungleichgewicht
führen, und wir planen nicht, in eine Position zu geraten, in der wir vor
einem Gesamtungleichgewicht stehen."

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US-ZAHLUNGSBILANZ WESENTLICH VERBESSERT

WASHINGTON --(AD)-- Die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten hat sich
im zweiten Quartal dieses Jahres wesentlich verbessert, wie aus den
vorläufigen Schätzungen hervorgeht, die das amerikanische Handelsministerium am 15. August veröffentlicht hat. Diese Verbesserung wird auf
mehrere Ursachen zurückgeführt, darunter auch Transaktionen, über die
noch keine endgültigen Zahlen vorliegen.
Der Gesamtabfluß von Dollar - sowohl durch den Erwerb von Dollar
durch Privatpersonen im Ausland wie durch die Transaktionen von Zentralbanken - ging von 6,7 Milliarden Dollar im ersten Quartal scharf auf
1,5 Milliarden Dollar im zweiten Quartal zurück (alles unter Berücksichtigung saisonbedingter Schwankungen)„ Damit ist das kleinste Liquiditätsdefizit seit 1970 erreicht worden.
Der Nettozufluß von kurzfristigen Geldern war im zweiten Quartal
nicht unbeträchtlich und hat Abflüsse ausgeglichen, die Anfang des Jahres
vor der zweiten Abwertung des Dollar und dem Floating der Hauptwährungen
eingetreten waren. Von großer Bedeutung auf lange Sicht ist die Tatsache,
daß sich die amerikanische Handelsbilanz weiter verbessert und fast einen
Ausgleich erreicht hat. Auf dem Sektor Güter und Dienstleistungen ist im

-1-

�im zweiten Quartal sogar mit einem Überschuß von 706 Millionen Dollar zu
rechnen.
Nach einer heute häufig angewandten Bemessungsgrundlage der Zahlungsbilanz - nämlich nach den Veränderungen in den Reserven und Verpflichtungen
gegenüber ausländischen Währungsbehörden - haben die Vereinigten Staaten
im zweiten Quartal sogar einen kleinen Zahlungsbilanzüberschuß zu verzeichnen. Das amerikanische Handelsministerium hat jedoch vor einer Überbewertung
dieser Berechnung nach dem Stand der offiziellen Transaktionen gewarnt, da
sie durch das weitverbreitete Floating der Wechselkurse in Frage gestellt
werde. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, daß die einzige
massive Intervention auf dem Devisenmarkt im zweiten Quartal von Japan
vorgenommen wurde, das Dollar verkaufte, um den Yen zu stützen. Insgesamt
nahm der Gesamtdollarbetrag in Händen ausländischer Währungsbehörden im
zweiten Quartal ab.

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32/1973

NEUE HÖCHSTGRENZEN FÜR FLUGZEUGABGASE IN USA

- (AD) - Die amerikanische Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) setzte
neue Maximalwerte für Flugzeugabgase fest. Gleichzeitig wurde ein Modifizierungsprogramm für Turbotriebwerke und ein Versuchsprogramm für Bodenkontrollausrüstungen angekündigt. Auf Grund der neuen Normwerte wird die
Emission von Rauch, Kohlenmonoxid, Kohlenwasserstoffen und Stickstoffoxiden
reduziert. Mit Ausnahme von Helikoptern sind alle

zivilen Flugzeuge davon be-

troffen - von der kleinsten einmotorigen Maschine bis zum größten Passagierflugzeug.

Die Bestimmungen gelten generell für alle Turbinentriebwerke, die nach
dem 1. Januar 1979 gebaut werden. Bei Flugmotoren, die nach dem 1. Januar 1981
zugelassen werden, sind die Abgasvorschriften noch strenger. Für FlugzeugKolbenmotoren, die nach dem 31. Dezember 1979 gebaut werden, gelten in bezug
auf die von ihnen freigesetzten Gas- und Rauchmengen neue Bestimmungen.

Die neuen Maximalgrenzen bedeuten, daß bei allen Turboproptriebwerken
sowie Turbofan- und Turbojet-Triebwerken mit weniger als 3630 kp Schubleistung
die Kohlenwasserstoffabgase um 80 Prozent, Xohlenmonoxid um 60 Prozent und
Stickstoffoxide um 20 Prozent zu reduzieren sind. Zu den Flugzeugen, die solche
Motoren benutzen, gehören z.?. Geschäftsflugzeuge wie Lear Jet, Grumman Gulfstream, Lockheed Jetstar, Lockheed Electra, Fairchild F27 und Convair 540.
Für

-

I

-

�Für Triebwerke über 3630 kp Schub wird ab 1979 eine Verringerung der Abgase um 60 Prozent für Kohlenmonoxid, um 70 Prozent für Kohlenwasserstoffe
und um 50 Prozent für Stickstoffoxide verlangt. Davon werden die Flugmotoren
der meisten großem kommerziellen Passagierflugzeuge wie Boeing 707, 727, 737,
747 und DC-8 sowie DC-9 betroffen. Bei Kolbentriebwerken ist nach dem 31. Dezember 1979 eine Drosselung der Abgase um 30 Prozent für Kohlenwasserstoffe
und 50 Prozent für Kohlenmonoxid vorgeschrieben; gleichzeitig wird verfügt,
daß die Mengen von Stickstoffoxiden nicht ansteigen dürfen. Zu dieser Gruppe
gehören die kleineren Geschäfts- und Privatflugzeuge wie Cessna 150, Piper
Cherokee 140 und Beechcraft Queen Air.

Die Hilfsaggregate sind von den Beschränkungen nicht ausgenommen. Bei
ihnen wird eine Reduzierung des Kohlenmonoxids um 30 Prozent und der Stickstoffoxide um 50 Prozent verlangt; die Menge der Kohlenwasserstoffe in den
Abgasen darf die gegenwärtigen Werte nicht übersteigen. Diese Aggregate werden
für den Betrieb von Bordsystemen benutzt, wenn sich die Maschine am Boden befindet und die Triebwerke nicht laufen.

Die EPA schlug außerdem vor, alle vor 1979 gebauten großen Gasturbinentriebwerke in den Herstellerwerken so umzubauen, daß die Abgase die für 1979
festgesetzten Höchstgrenzen nicht überschreiten. Bei der Bestimmung dieser
Grenzwerte wurden die zur Zeit laufenden einschlägigen Forschungsprojekte
innerhalb der US-Luftstreitkräfte und der Raumfahrtbehörde NASA berücksichtigt.
In deren Auftrag befassen sich derzeit Firmen wie General Electric und Pratt &amp;
Whitney damit, mit Hilfe der heute üblichen Triebwerkstypen bestimmte Teile
von Neukonstruktionen zu testen und auf diese Weise die Umrüstung auf
verbesserte Abgassysteme bzw. die Prüfung von deren Funktionsfähigkeit unter
den Gesichtspunkten der neuen Bestimmungen zu erleichtern.

Die EPA verbot jetzt auch das Ablassen von Treibstoff von Gasturbinentriebwerken; außerdem setzte sie für spezielle Triebwerke neue Höchstgrenzen
für Rauchgasmengen fest. So müssen beispielsweise die JT8D-Triebwerke der Maschinen vom Typ Boeing 727 und 737 sowie der DC-9 bis zum 1. Januar 1974 mit
Rauchkontrollen ausgestattet sein. Die entsprechende Umrüstung wurde bereits

�b e r e i t s durch f r ü h e r e Vereinbarungen der F l u g g e s e l l s c h a f t e n mit der Bundesr e g i e r u n g i n Angriff genommen und i s t nahezu a b g e s c h l o s s e n . Am 1. J a n u a r 1976
l ä u f t d i e F r i s t für d i e Triebwerke d e r Boeing 747, DC-10 und L-1011 a b . Da
es s i c h h i e r b e i jedoch um neue Flugzeugtypen h a n d e l t , wurde beim Bau d i e Abg a s r e d u z i e r u n g schon weitgehend b e r ü c k s i c h t i g t . Bei den Flugzeugen vom Typ
Boeing 707 und DC-8 muß d i e Umrüstung b i s zum 1. J a n u a r 1978 beendet
sein.
Die b i s 1990 a n f a l l e n d e n Kosten werden auf 141 Millionen D o l l a r g e s c h ä t z t .
Im Rahmen der m i l i t ä r i s c h e n P r o j e k t e und der Raumfahrtprogramme der Bundesreg i e r u n g d ü r f t e n jedoch Forschungs- und Entwicklungsaufgaben im Zusammenhang
mit diesem P r o j e k t mit 15 M i l l i o n e n D o l l a r Bundesmitteln f i n a n z i e r t werden.
A l l e s i n allem i s t anzunehmen, daß s i c h d i e s e Maßnahmen im F l u g p r e i s nur g e r i n g f ü g i g n i e d e r s c h l a g e n , nämlich mit e i n e r Erhöhung um kaum mehr a l s einem
zehntel Prozent.

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32/1973

DIE ERZHÜTTE AM MEERESBODEN
S t ä r k s t e A n r e i c h u n g im Z e n t r a l g r a b e n d e s O z e a n r ü c k e n s

-

(AD) - An e i n z e l n e n S t e l l e n s c h e i n e n d i e M e t a l l a n r e i c h e r u n g s p r o z e s s e

in d e rTiefsee schneller abzulaufen,

a l s man b i s h e r v e r m u t e t e . D i e s i s t d a s

E r g e b n i s d e r A n a l y s e von M a n g a n k n o l l e n , d i e von Bord d e s

Forschungsschiffes

DISCOVERER d e r U S - B u n d e s b e h ö r d e f ü r M e e r e s - und A t m o s p h ä r e n f o r s c h u n g
im M i t t e l a t l a n t i k

(NOAA)

z u r Oberfläche g e h o l t wurden. S i e zeichnen s i c h durch

einen

u n g e w ö h n l i c h h o h e n G e h a l t an r e i n e m Mangan a u s , d a s s i c h h u n d e r t Mal s c h n e l l e r
a n g e s a m m e l t h a b e n muß a l s b e i j e n e n m a n g a n h a l t i g e n E r z k n o l l e n ,
a u s g e d e h n t e n T e p p i c h e n am M e e r e s b o d e n g e f u n d e n

d i e i n zum T e i l

werden.

Nach Meinung von Dr. P e t e r A. Rona (NOAA) b e r u h t i n d i e s e m F a l l d e r Anreicherungsvorgang vermutlich aufhydrothermisehen Prozessen.

Das Mangan-

knollen-Vorkommen i n d e r Z e n t r a l s p a l t e e i n e s T e i l e s d e s m i t t e l a t l a n t i s c h e n
Rückens i s t d a s e r s t e d i e s e s U r s p r u n g s t y p s ,

d a s man b i s h e r i n den g r o ß e n W e l t -

m e e r e n g e f u n d e n h a t . Nach Dr. Rona i s t anzunehmen, daß d u r c h ä h n l i c h e

Prozesse

d o r t auch A n r e i c h e r u n g e n a n d e r e r M e t a l l e z u s t a n d e kommen. H y d r o t h e r m i s e h e
t i v i t ä t n e n n t man e i n e n m i n e r a l b i l d e n d e n P r o z e ß , wenn h e i ß e
d i e M e t a l l e i n Lösung e n t h a l t e n ,

Ak-

Flüssigkeiten,

durch F e l s s p a l t e n strömen oder

zirkulieren

und d a b e i M e t a l l m i n e r a l e a b l a g e r n .

Der Vorgang s t e h t w a h r s c h e i n l i c h m i t dem

sogenannten "sea-floor

d e r Ausdehnung d e s T i e f s e e b o d e n s

spreading",

d e r " N a h t s t e l l e n " von E r d k r u s t e n s c h o l l e n ,
unaufhörlich

entlang

i n Zusammenhang. E r v o l l z i e h t

sich

an den m i t t e l o z e a n i s c h e n Rücken, d i e s i c h u n t e r W a s s e r i n e i n e r

- I -

�einer 76 000 km langen Berg- und Gebirgskette durch die großen Meeresbecken
der Erde ziehen. Der Zentralgraben des Mittelatlantikrückens wird als die
Nord-Südachse des Ausdehnungszentrums angesehen, wo geschmolzenes Gestein
aus dem Erdinnern an die Oberfläche dringt und bei der Erstarrung neuen
Meeresboden bildet.

Die von Dr. Martha Scott und Dr. Robert B. Scott (Texas A&amp;M University)
vorgenommenen Analysen ergaben, daß die Zuwachsrate bei dieser Art von Manganknollen mindestens 180 mm in 1 000 000 Jahren betragen muß; demgegenüber
wachsen im gleichen Zeitraum bisher gefundene Knollen kaum 10 mm. In den
letzten paar Tausend Jahren scheint das Wachstum der Knollen im Zusammenhang
mit regionaler vulkanischer Aktivität noch erheblich beschleunigt worden zu
sein. Es sieht ganz so aus, als wirke sich dieses Phänomen gegenwärtig immer
stärker aus. Die Proben enthalten 40 Prozent ungewöhnlich reines Mangan.

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32/1973

LASER 73
US-Firmen auf d e r e r s t e n i n t e r n a t i o n a l e n Messe
für o p t o - e l e k t r o n i s c h e Geräte i n München

-

(AD) - Im Rahmen der i n t e r n a t i o n a l e n Messe LASER 73, d i e i n Verbindung

mit Fachvorträgen und Seminaren vom 4. b i s 7. September 1973 i n München abgeh a l t e n w i r d , p r ä s e n t i e r t e i n e amerikanische Firmengruppe e i n e Gemeinschaftsschau mit den neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der L a s e r t e c h n i k i n den
V e r e i n i g t e n S t a a t e n . Die b e t e i l i g t e n Firmen aus den USA t r a g e n zu e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n V e r a n s t a l t u n g i n d e r Bundesrepublik b e i , d i e e r s t m a l i g nur dem Geb i e t der O p t o - E l e k t r o n i k gewidmet i s t .

Die i n den l e t z t e n J a h r e n e n t w i c k e l t e n o p t o - e l e k t r o n i s c h e n

Verfahren

haben b e r e i t s e i n Stadium e r r e i c h t , i n dem s i e a l s m a r k t f ä h i g anzusehen s i n d .
Eine optimale Anwendung i n der Forschung, Technik und I n d u s t r i e e r f o r d e r t

je-

doch e i n g r ü n d l i c h e s Studium d e r denkbaren Möglichkeiten, wofür Begegnung und
Gespräch zwischen Produzenten und I n t e r e s s e n t e n e i n e w e s e n t l i c h e Voraussetzung
bilden.
F e s t k ö r p e r - , Gas- und F l ü s s i g l a s e r ,
Laser s t e h e n

chemische»Ionen- und Metalldampf-

für d i e v e r s c h i e d e n s t e n Anwendungen wie das Schneiden von Mate-

r i a l i e n a l l e r A r t , für m e d i z i n i s c h e Ausrüstungen, für Analysen,

Verfahrens-

k o n t r o l l e , Landvermessung und Höhenmessung, für Nachrichtensysteme,

Datenver-

a r b e i t u n g s s y s t e m e , Warn- und S i c h e r h e i t s s y s t e m e , für m i l i t ä r i s c h e Ausrüstungen,

�Ausrüstungen, holografische und interferometische Systeme, für Schalt- und
Regelkreise mit Licht zur Verfügung. Spezielle Materialien in der Form von
Kristallen, Gläsern, Gasen, Chemikalien und Farben, Ausrüstungen für den
optischen "Pumpvorgang" und Zubehör verschiedenster Art, wie sie auf der Messe
gezeigt werden, stellen die Grundlage der modernen Lasertechnik dar. Sie verdankt ihren außerordentlich hohen Standu. a. Licht- und Strahlen-Detektoren
für den sichtbaren Bereich und die unsichtbaren Teile des Spektrums, Lichtund Strahlenquellen verschiedenster Art, Lichtübertragungssystemen mit optischen Fasern und Speziallinsen, Modulationssystemen, Abbildungssystemen,
elektrooptischen Analysensystemen, Spezialmikroskopen, holografischen Spezialausrüstungen und Kameras, Apparaturen für den Betrieb im Vakuum und in
bestimmten Gasmedien - alles Dinge, die zu den Exponaten der Messe LASER 73
gehören.

In Halle 2 auf dem Münchener Messegelände zeigen die 15 amerikanischen
Aussteller, die 19 US-Firmen vertreten, auch Instrumente, die zum ersten Mal
auf dem europäischen Markt erscheinen. Als Beispiel sei das Modell 3000 der
Firma AVCO EVERETT RESEARCH LABORATORY INC

(Everett, Mass.) erwähnt, bei

dem es sich um einen abstimmbaren Farbstofflaser handelt. Es ist ein kompaktes
Tischgerät mit dem neuesten AVCO-Stickstofflaser als optische Pumpquelle, das
einen außerordentlichen großen Spektralbereich erfaßt, äußerst variabel ist
und dank der Möglichkeiten für eine Einzelimpulsauslösung sehr exaktes Arbeiten
zuläßt.

Die Firma COHERENT RADIATION (Palo Alto, Kalifornien) zeigt u.a. ihr
neues Modell 90, einen einfachen 10 mW Helium-Cadmium-Laser, zu einem erstaunlich niedrigen Preis. Das Instrument arbeitet mit 10 mW Ausgangsleistung auf
der Wellenlänge 4416 8 und erzeugt hohe Lichtenergien für photochemische Experimente und Lichtstreuversuche. Die Wellenlänge 4416 fi (sichtbares Blau) liegt
in dem Bereich, in dem die Photomultiplier ihre größte Empfindlichkeit haben.
In der Datenverarbeitung benutzt man diese Wellenlänge, um Daten auf Film zu
speichern. Auch für die Fluoreszenzspektroskopie sowie holografische Aufzeichnung s verfahren hat dieses Gerät Bedeutung.
+ + + + +
- 2-

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rogers-Pressekonferenz vom 20. August 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden Kambodscha weiterhin unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Weißen Hauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schlesinger berichtet über neue Raketenentwicklung in der UdSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz des US-Verteidigungsministers vom 17. August -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zahlungsbilanz wesentlich verbessert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Höchstgrenzen für Flugzeugabgase in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Erzhütte am Meeresboden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Stärkste Anreichung im Zentralgraben des Ozeanrückens -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;LASER 73&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Firmen auf der ersten internationalen Messe für opto-elektronische Geräte in München -&lt;/em&gt;</text>
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U H u
DokumÖntotJOn

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29. August

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Nixon gibt Wechsel Im US-Außenministerium bekannt
-Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. AugustSchriftwechsel zwischen Nixon und Rogers
-WortlautKissinger-Pressekonferenz vom 23. August
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Weltwirtschaftskonferenz in Tokio vor großen Aufgaben
-US-Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes aufVon John Holway
Amerikanische Vorstellungen über das Weltwährungssystem
-US-Finanzministerium veröffentlicht HintergrundmaterialUSA werden auf Modifizierung der EG-Agrarpolitik drängen
-Eberle nimmt zu Agrarfragen StellungUS-Handelsbilanz verbessert sich weiterhin

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Spurenelemente
-Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätztVon Gertrud Weiss
SKYLAB-Beobachtungen
Zellen unter dem Protonen-Mikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Dokumentation

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33/1973

NIXON GIBT WECHSEL IM US-AUSSENMINISTERIUM BEKANNT
-Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. August-

SAN CLEMENTE, Kalifornien —(AD).-- Präsident Nixon hat auf einer Pressekonferenz am 22. August den Rücktritt von Außenminister William P. Rogers mit
Wirkung vom 3. September bekanntgegeben und gleichzeitig mitgeteilt, daß
er dem Senat die Nominierung seines Berates für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, als Nachfolger von Rogers zur Bestätigung zugeleitet habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Nicht nur mit dem Ausdruck des tiefen amtlichen Bedauerns, sondern
auch des tiefen persönlichen Bedauerns, gebe ich den Rücktritt von Außenminister William Rogers zum 3. September bekannt. Ein Schreiben, das im Anschluß an diese Pressekonferenz veröffentlicht werden wird, läßt erkennen,
wie hoch ich seine Arbeit als Außenminister einschätze. Ich möchte heute nur
darauf hinweisen, daß er bereits nach den ersten vier Jahren, zurücktreten
wollte. Er willigte ein, weiter in seinem Amt zu bleiben, weil einige ungeheuer wichtigen Probleme anstanden, einschließlich der Verhandlungen, die
zur Beendigung des Krieges in Vietnam führten, des Moskauer Gipfeltreffens,
der Europäischen Sicherheitskonferenz, wie auch Probleme in anderen Gebieten

�Gebieten - Lateinamerika und Asien - wo der Außenminister, wie Sie wissen,
in den letzten acht Monaten sehr rege tätig war.
Wenn er jetzt ins Privatleben zurückkehrt, dann werden wir ihn nicht
nur in seiner amtlichen Eigenschaft vermissen, sondern ich werde ihn auch
persönlich vermissen, denn er ist mir im Laufe der Jahre ein sehr enger persönlicher Freund und Berater gewesen. Diese persönliche Freundschaft und Beratung wird mir, wie ich hoffe und wie ich weiß, jedoch erhalten bleiben.
Als seinen Nachfolger werde ich Dr„ Henry Kissinger nominieren, und die
Nominierung zur Bestätigung dem Senat zuleiten. Drc Kissinger wird Außenminister werden und sein Amt antreten, nachdem er vom Senat bestätigt worden
ist.
Ich hoffe, daß der Senat ohne Verzug mit den Anhörungen zur Bestätigung
voranschreiten wird, da

eine Reihe von Angelegenheiten von großer Bedeutung

ansteht.,

•

So liegen beispielsweise einige Aufgaben vor, die Auslandsreisen von
Dr. Kissinger verlangen; sie müßten verschoben werden, wenn der Senat mit
seinen Anhörungen in Verzug gerät. Die Eignungen Dr. Kissingers für seinen
Posten sind Ihnen, meine Damen und Herren, wie ich glaube ebenso gut bekannt,
wie all jenen, die uns jetzt an Rundfunk und Fernsehen zuhören und zusehen.
Er wird auch als Außenminister seinen Posten als Berater des Präsidenten für
Fragen der Nationalen Sicherheit beibehalten. Er wird mit anderen Worten eine
ähnliche Beziehung zum Weißen Haus haben wie George Shultz. Wie Sie wissen,
ist George Shultz Finanzminister und gleichzeitig Berater des Präsidenten für
Wirtschaftliche Angelegenheiten.
Der Zweck dieser Einteilung besteht darin, eine engere Koordinierung
zwischen dem Weißen Haus und den Ministerien sicherzustellen - in diesem Fall
zwischen dem Weißen Haus, dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Außenministerium, das die Hauptarbeit auf diesem Gebiet leistet. Ein weiterer Zweck

-2-

�Zweck besteht darin, die Arbeit den Ministerien zuzuleiten, in die sie
gehört, und ich bin überzeugt, daß diese Änderung in dieser Hinsicht - wenn
also Dr. Kissinger das Amt des Außenministers übernimmt und seinen Posten
als Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit beibehält nicht nur den Interessen einer besseren Koordinierung, sondern auch den Interessen einer effektiven Außenpolitik dient.
Ich möchte abschließend bezüglich Außenminister Rogers nur noch sagen,
daß er - und das mag jetzt wie Eigenlob klingen, aber ich sage es jetzt um
seinetwillen und nicht um meinetwillen - auf eine der, wie ich meine,

er-

folgreichsten Zeitspannen der Außenpolitik irgendeiner Administration in
der Geschichte zurückblicken kann - eine Ära, in der wir den längsten Krieg
in der Geschichte Amerikas beendet haben, eine Ära, in der wir darüber hinaus begonnen haben, ein Gebäude des Friedens zu errichten - vor allem im
Hinblick auf die beiden Großmächte, die Volksrepublik China und die Sowjetunion, wo wir zuvor nichts anderes vorfanden als eine häßliche und manchmal sehr, sehr schwierige Konfrontation. Wir haben immer noch einen weiten
Weg vor uns. Es gibt noch Unruheherde im Gebiet des Nahen Ostens und andere,
wie in Südostasien, auf die wir hier näher eingehen könnten. Aber wenn Außenminister Rogers auf seine Jahre - viereinhalb Jahre - im Amt zurückblickt,
dann darf er sehr stolz darauf sein, daß er einer der Hauptarchitekten einer
meiner Meinung nach sehr erfolgreichen Außenpolitik gewesen ist."

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33/1973

SCHRIFTWECHSEL ZWISCHEN NIXON UND ROGERS
»Wortlaut-

WASHINGTON -«(AD)«"« Der Schriftwechsel zwischen Präsident. Nixon und dem ausscheidenden Außenminister William P. Rogers, der am 22. August vom Weißen
Haus veröffentlicht wurde, hat folgenden Wortlaut:
(Schreiben Nixons )
Lieber Bill:
Nur mit größtem Zögern und Bedauern nehme ich Ihren Rücktritt als
Außenminister an.
Ich kann es nicht, ohne dankbar an das Viertel Jahrhundert unserer persönlichen Freundschaft zurückzudenken, an gemeinsam geschlagene Schlachten
und gemeinsam durchgestandene Krisen und an Ihre unerschütterliche Zuversicht, Ihr gutes Urteil und Ihren klaren Kopf.
Ich erinnere mich noch lebhaft, daß Sie der erste waren, an den ich mich
um Rat und Beistand wandte, als ich 1955 die schreckliche Nachricht von Präsident Eisenhowers Herzanfall erhielt, und ich erinnere mich, wie viel mir
Ihre Ruhe, Ihr vernünftiger Zuspruch bedeutete, als ich in dieser Stunde der
Prüfung das Rechte tun wollte. Aber das war nur einer der vielen Fälle zuvor
und danach, bei denen ich mich instinktiv um Rat an Sie gewandt und mich in

-1-

�in jenen kritischen Momenten, die die wahre Bewährungsprobe nicht nur für
die Freundschaft eines Mitarbeiters, sondern auch für seinen Charakter sind,
so sehr auf Ihr Urteil verlassen habe.
Nur wenige Männer haben so viel von sich selbst für Ihr Land gegeben
wie Sie mit Ihren acht Jahren hervorragender Tätigkeit als Stellvertretender
Justizminister und Justizminister während der Eisenhower-Administration und
jetzt mit der viereinhalbjährigen Übernahme der schweren Verantwortung

als

Außenminister, und zwar in einer besonders entscheidenden Zeit in der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik. Ihr Einsatz war immer von völliger Hingabe und Selbstlosigkeit gekennzeichnet. Die Nation schuldet Ihnen ein gewaltiges Maß an Dank.
Als Außenminister haben Sie unser Land im Ausland mit großem Geschick
vertreten..Sie haben eine historische Rolle in der Formulierung und Verwirklichung jener Politik gespielt, die nach meiner Überzeugung, und - wie ich
weiß m auch nach Ihrer Überzeugung, auf lange Sicht ein Gebäude des Friedens
in der Welt erstellen kann, das bis weit in die Zukunft Bestand haben und es
ermöglichen wird, daß Meinungsverschiedenheiten unter Nationen am Verhandlungstisch statt auf dem Schlachtfeld beigelegt werden. Das ist eine Leistung,
auf die Sie ungeheuer stolz sein können, so wie ich auf den entscheidend
wichtigen Beitrag unendlich stolz bin, den Sie dazu geleistet haben.
Nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in dem weiten Bereich anderer Fragen, in denen ich Ihren Rat suchte, ist mir dieser mit Offenheit und
Mut und mit beispielhafter Einsicht gegeben worden. Ich habe das außerordentlich geschätzt, und die Nation ist dank Ihres Dienstes weit besser daran
- einer Dienstleistung, die - wie ich weiß--.rr.it großen persönlichen Opfern
verbunden war.
Pat (Mrs. Nixon) wünscht Ihnen und Adele (Mrs. Rogers) ebenso wie ich
für die kommenden Jahre alles Gute, und wir hoffen, daß wir uns auch weiterhin recht oft sehen werden.
Mit herzlichsten Grüßen
hochachtungsvoll
gez. Richard Nixon
-2-

�(Schreiben Rogers')

Sehr geehrter Herr Präsident:
Ich erkläre

hiermit meinen Rücktritt vom Posten des Außenministers mit

Wirkung vom 3. September 1973.
Wegen unserer persönlichen Freundschaft, die sich über einen so langen
Zeitraum erstreckt hat, tue ich diesen Schritt mit einiger Trauer. Sie werden
sich jedoch erinnern, daß ich bei der Annahme des Amtes den festen Entschluß
gefaßt hatte, mit dem Ende Ihrer ersten Amtszeit in die private Anwaltspraxis
zurückzukehren. Aus verschiedenen dringenden Gründen jedoch, vor allem wegen
der Abschlußphase unseres Engagements im Vietnamkrieg, des unsicheren Waffenstillstandes im Nahen Osten, der Anfangsphase der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa und wegen der Notwendigkeit, unseren Beziehungen
zur NATO, CENTO, zu Japan, Südkorea und unseren lateinamerikanischen Verbündeten unmittelbare Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wurde vereinbart, daß ich
noch eine Zeit im Amt bleiben sollte.
Jetzt, da die Vereinigten Staaten ihren langen Krieg in Indochina beendet
haben, da der Waffenstillstand im Nahen Osten auf seinen dritten Jahrestag
zurückblickt, da die erste Phase der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in befriedigender Weise zu Ende gegangen ist und unsere Beziehungen zu unseren Verbündeten wie auch zur Sowjetunion und der Volksrepublik China auf einer guten Grundlage stehen, glaube ich, daß die Zeit für einen
Wechsel gekommen ist.
Es ist für mich ein großes Privileg und eine große Ehre gewesen, daß ich
der Nation während der vergangenen viereinhalb Jahre als Außenminister habe
dienen können. Unter Ihrer starken und wirksamen Führung ist der Kurs unserer
Außenpolitik außerordentlich erfolgreich verlaufen. Aufgrund Ihrer Politik,
Ihrer Initiative und

Entschlußkraft sowie der loyalen Unterstützung und Hilfe

von vielen anderen, darunter jene im State Department, mit denen es mir vergönnt war

zusammenzuarbeiten, ist die Welt zu einer weitaus friedlicheren

Stätte geworden,als sie es vor viereinhalb Jahren war.

-3-

�I
Unter Ihrer Führung sind wir auf dem Wege zur Errichtung eines Gefüges
internationaler Beziehungen, das die Hoffnung auf Frieden und Stabilität
für künftige Generationen bietet. Die Vollendung dieser Aufgabe vor allem
ist es, die für die gesamte Menschheit so wichtig ist und die weiterhin eine
große Unterstützung seitens der Öffentlichkeit während des Restes Ihrer
Amtszeit erfordert.
Nehmen Sie bitte meinen Dank und das tiefe Gefühl der Wertschätzung
dafür entgegen, daß Sie mir die Chance gaben, meinem Lande in diesen entscheidenden und wichtigen Jahren in der Geschichte unserer Nation dienen zu
können. Adele (Mrs. Rogers) schließt sich meinen herzlichsten persönlichen
Grüßen an Sie und Pat (Mrs. Nixon) an.

Hochachtungsvoll
gez. William P. Rogers

1

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33/1973

KISSINGEEUPRESSEKONFERENZ VOM 23, AUGUST
»Auszüge»

SAN CLEMENTE, Kalifornien ~.»(AD)~« Der designierte amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat am 23 August auf einer Pressekonferenz seine
Vorstellungen von der künftigen Amtsführung, dem Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative und den außenpolitischen Zielen der Vereinigten Staaten allgemein dargelegt,, Nach einer einführenden Erklärung nahmen Fragen
nach der Situation in Kambodscha und dem Einfluß innenpolitischer Probleme
auf die Außenpolitik einen großen Raum ein.
Wir geben im folgenden wesentliche

Auszüge aus der Eingangserklärung

und die Fragen im Wortlaut wieder, die sich mit Europa befassen.
"Zunächst möchte ich betonen, daß mir der Präsident mit meiner Nominierung eine große Ehre erwiesen hat...
Nun möchte ich etwas zu dem sagen, was vor uns liegt. Jede Administration möchte eine bessere Welt hinterlassen, als sie vorgefunden hat, und
die wichtigste Aufgabe, vor der unser Land auf dem Gebiet der Außenpolitik
steht, ist die Herbeiführung eines stabilen Friedens.
Während der ersten Amtsperiode des Präsidenten wurden viele wichtige
und revolutionierende Änderungen vorgenommen. Diese erforderten zu einem

-1-

�einem großen Teil Geheimdiplomatie, und sie wurden von einem recht begrenzten
Kreis durchgeführt. Heute sind wir jedoch in einer anderen Phase. Die Grundlagen, die gelegt worden sind, müssen jetzt zum Bau eines dauerhafteren Gebäudes führen. Das Begonnene ist noch immer sehr zerbrechlich.
Wenn Sie zurückdenken, dann ist es erst drei Jahre her, daß wir gleichzeitig Krisen im karibischen Raum, im Nahen Osten und in Berlin erlebten.
Es ist nur zwei Jahre her, daß wir die Beziehungen zur Volksrepublik China
anknüpften, und in der gleichen Periode haben die Beziehungen zu unseren
traditionellen Freunden einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht.
Was wir also versuchen werden, ist eine Festigung des Begonnenen, mehr
Nachdruck auf unsere Beziehungen zu Europa und Japan zu legen und während
dieser Amtszeit des Präsidenten den Aufbau eines Gebäudes abzuschließen, das
wir an nachfolgende Administrationen übergeben können, damit bei ihrer Amtsübernahme die Welt ein sichererer Ort sein wird.
Dies wird allerdings eine stärkere Institutionalisierung der Außenpolitik erfordern als bisher. Eine der Anforderungen bei der Übernahme des Außenministeriums wird in der Fähigkeit bestehen, mit den ausgezeichneten Fachleuten zu arbeiten,die noch da sein werden, wenn diese Administration ihre Amtszeit beendet hat, und die, wie zu hoffen steht, die wertvollen Traditionen
fortsetzen werden, die bis dahin geprägt sein werden...
Der Stab des Nationalen Sicherheitsrates wird weiterhin eine interministerielle Rolle spielen. Es wird einen stärkeren personellen Austausch zwischen dem Außenministerium und dem Nationalen Sicherheitsrat geben, als dies
bisher möglich war. Die Einzelheiten dazu möchte ich jedoch bis nach meiner
Bestätigung verschieben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Institutionalisierung der Außenpolitik
wird darin bestehen, den Kongreß in eine enge Partnerschaft zur Entwicklung,
Planung und Durchführung unserer Außenpolitik zu bringen.
Gestern

-2-

�Gestern habe ich jedes Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und wichtige Mitglieder des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses angerufen und ihnen all das dargelegt, was ich Ihnen, meine
Damen und Herren, heute vortrage.
Die Außenpolitik dieser Administration ist nicht auf parteipolitischer,
sondern auf nationaler Basis angelegt, und es ist von entscheidender Bedeutung, daß der Kongreß voll begreift, was wir zu tun beabsichtigen. Selbst in
meiner gegenwärtigen Stellung als Berater des Präsidenten bin ich regelmäßig
mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zusammengetroffen...
Es sind Fragen aufgetaucht, ob die doppelte Position des PräsidentenBeraters und Außenministers mich veranlassen könnten, das Exekutivprivileg
in Anspruch zu nehmen. Darf ich Ihnen heute darauf antworten: Der Zweck der
Kombination der beiden Positionen ist, wie der Präsident gestern betont hat,
ein Versuch, die Gestaltung der Politik vom Weißen Haus in das Außenministerium zu verlegen, und sie damit der Kontrolle durch den Kongreß und die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen.
Ich gehe daher davon aus, daß ich in allen Fragen (vor dem Kongreß) aussagen werde, in denen traditionsgemäß Außenminister ausgesagt haben... Ich
wäre jedoch nicht in der Lage, über persönliche Gespräche zwischen dem Präsidenten und mir oder über direkte Ratschläge auszusagen, die ich dem Präsidenten gegeben habe - aber ich könnte darüber ohnehin nichts aussagen, und bisher ist auch noch nie ein Kabinettsmitglied aufgefordert worden, etwas über
Gespräche mit dem Präsidenten auszusagen. Die Absicht des Präsidenten geht
auf jeden Fall dahin, die dem Kongreß verfügbare Information zu vermehren...
Die Absicht des Präsidenten und meine Absicht bestehen ferner darin, eine
neue und volle Partnerschaft mit dem Kongreß zu entwickeln, was die Gestaltung einer Politik angeht, die im nationalen Interesse liegt, und jetzt, da
der Vietnam-Krieg hinter uns liegt - und damit die Hauptursache der Spaltung
in diesem Lande über die Außenpolitik - wissen wir, daß wir in der Lage sein

-3-

�sein werden, ein solches Arrangement mit den Mitgliedern der Kongreßausschüsse
und mit all denen, die ich persönlich kenne und mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe, auszuarbeiten.
Und nun noch ein Wort über das Verhältnis des Außenministeriums und unserer Außenpolitik zur Öffentlichkeit. Wenn wir den dauerhaften Frieden erreichen wollen, den wir anstreben, und wenn wir eine außenpolitische Tradition
hinterlassen wollen, die in den nachfolgenden Administrationen von einer unparteilichen Basis getragen wird, dann haben wir die Pflicht, unsere Anschauungen und Zielsetzungen und politischen Entscheidungen der Öffentlichkeit zu
erläutern, und ich habe die Absicht, nach meiner Bestätigung führende Persönlichkeiten der meinungsbildenden Elemente in diesem Lande ins Außenministerium
einzuladen, damit sie uns beraten, wie wir diese Aufgabe am wirkungsvollsten
lösen können.
Wir werden unser Bestes tun, unsere Außenpolitik so offen zu führen,
wie es mit dem uns allen gemeinsamen Ziel vereinbar ist, nämlich einen dauerhaften Frieden herbeizuführen. Das über allem stehende Ziel einer jeden Administration muß,wie ich bereits zu Anfang gesagt habe, sein, die Fluktuationen der täglichen Schlagzeilen von den dauerhafteren Leistungen zu unterscheiden. Und jeder ernsthafte Mensch wird wissen und daran denken, daß das, an was
man sich bei jeder Administration erinnern wird, die Dinge sein werden, die
Bestand haben und zum Wohle unserer Kinder beitragen werden. Und ich kann nur
sagen, daß wir alle Anstrengungen machen werden, um eine friedlichere Welt zu
hinterlassen und ein besseres Amerika - und das ist alles, was ich heute sagen
möchte...
Frage: Herr Dr. Kissinger, ein Sprecher des französischen Staatspräsidenten sagte gestern, daß er zwar einen Besuch begrüßen würde, daß er aber
meine, daß es sich mehr um einen Informationsaustausch handeln würde und daß
es wirklich kein Abkommen auszuarbeiten gäbe und daß er ausdrücklich gegen die
atlantische Gipfelkonferenz sei, die Sie anstrebten. Wie beeinflußt das aus
Ihrer Sicht das Jahr Europas?
Antwort:

�Antwort: Die europäischen Außenminister kommen im September zusammen,
um eine europäische Antwort auf unseren Vorschlag auszuarbeiten. Ich glaube,
daß ich hier nicht Stellung nehmen sollte, bevor wir wissen, wie ihre Antwort aussehen wird, denn es gibt in Europa viele Ansichten.
Frage: Herr Dr. Kissinger, wann plant der Präsident nach Europa zu
reisen, und wie sind heute die Aussichten für eine Art von Grundsatzerklärung,
während er dort ist?
Antwort: Die Frage ist, wann wird der Präsident voraussichtlich nach
Europa reisen, und wie sind die Aussichten für eine Grundsatzerklärung, während er dort ist.
Die Entscheidung über den Zeitpunkt wird nach dem Treffen der europäiischen Außenminister getroffen werden, das im September stattfindet, und bei
dieser Gelegenheit wird er auch beantworten können, was sich ergeben wird;
aber wir gehen davon aus, daß eine Reise des Präsidenten nach Europa um eines
bedeutsamen sachlichen Ergebnisses wegen stattfinden muß und es sich nicht
einfach um eine Galatour handeln darf."

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33/1973

WELTWIRTSCHÄFTSKONFERENZ IN TOKIO VOR GROSSEN AUFGABEN
-US~Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes aufVon John Holway

WASHINGTON —(AD)-- Wenn am 12. September in Tokio die Mitglieder des Allgemeinen Zoll~und Handelsabkommens (GATT) auf Ministerebene zusammenkommen,
um sich mit Problemen des Handels zu befassen, dann wird der Ausgang dieser dreitägigen Konferenz von entscheidender Bedeutung nicht nur für das
Verhältnis Europa-Amerika, sondern für die Zukunft der Weltwirtschaft
insgesamt sein.
Der amerikanische Chefdelegierte und Sonderbeauftragte Präsident
Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, sieht immerhin einen Lichtblick darin, daß eine Reihe schwieriger Fragen vorgeklärt
werden konnte - auch wenn noch zahlreiche tiefgreifende Meinungsverschieden™,
heiten herrschen. So hat man sich schließlich auf die Parallelität der Handelsverhandlungen und der Währungsverhandlungen (die am 24, September in
Nairobi beginnen) geeinigt. Zunächst hatte die Europäische Gemeinschaft unter Führung Frankreichs darauf bestanden, daß die Währungsreform zuerst
kommen muß. Mit der Erhöhung des Dollar waren jedoch Besorgnisse über eine
zu günstige Rate für die USA etwas zurückgegangen, und jetzt werden sogar
Stimmen laut, die fragen, warum die USA auf einer Handelsreform bestünden

-1-

�bestünden, da doch durch die Abwertung des Dollar ein kleiner Handelsüberschuß zu verzeichnen sei.
Botschafter Eberle hat hier in einem Interview ganz klar Stellung genommen: "Wir sind niemals davon ausgegangen, daß Handelsgespräche dem Hauptzweck dienten, die Zahlungsbilanz zu korrigieren; sie können dazu beitragen. Aber das beste WährungsSystem der Welt wird nicht funktionieren, wenn
die Mehrheit der Nationen Schranken um sich herum aufgebaut hat, die sie isolieren und die eine Ausweitung des Handels verhindern."
Seit 25 Jahren, so Eberle, hat die Welt Handelsschranken errichtet, die
zu gewaltigen Handelsüberschüssen Japans und anderer Nationen und zu einem
großen Handelsdefizit der Vereinigten Staaten führten. Dieses Ungleichgewicht
kann einmal durch einen Abbau der Handelsschranken und zum anderen durch eine
Reform der Wechselkurse korrigiert werden, aber diese beiden Dinge stehen in
einem inneren Zusammenhang und lassen sich kaum das eine ohne das andere lösen.
Eberle glaubt auch nicht, daß vor der Konferenz in Tokio noch das Problem
einer eventuellen Ausgleichsleistung der Europäischen Gemeinschaft an die
Vereinigten Staaten wegen der Erweiterung des Gemeinsamen Marktes gelöst werden wird. Man hatte sich in den USA eine gewisse Hoffnung gemacht, daß eine
Regelung (für die Einführung der Abschöpfungsbeträge bei landwirtschaftlichen
Erzeugnissen an Stelle der früheren im allgemeinen niedrigeren Einfuhrzölle)
noch vor Beginn der Handelsverhandlungen bekanntgegeben werden könne. Allerdings, so betont Eberle, muß diese Frage gelöst werden, ehe die USA im kommenden Frühjahr in die eigentlichen ernsthaften Verhandlungen eintreten.
Nach Auffassung Eberles braucht der Erfolg der Tokioer Konferenz nicht
durch die - an sich bedauerliche - Tatsache beeinträchtigt zu werden, daß
weder die Vereinigten Staaten noch die Europäische Gemeinschaft mit einem
vollen Mandat an den Verhandlungstisch kommen.
Beim

�*

Beim Gemeinsamen Markt wird es bis Ende dieses wenn nicht bis Anfang
nächsten Jahres dauern, bis die Parlamente der neun Mitgliedsstaaten und
die Europäische Kommission einen gemeinsamen Verhandlungsauftrag erteilt
haben werden . Und der amerikanische Kongreß wird sicherlich nicht bis zum
12. September das neue Handelsgesetz verabschiedet haben, das der Regierung
der Vereinigten Staaten die notwendigen Verhandlungsvollmachten erteilt.
Eberle ist jedoch keineswegs pessimistisch und rechnet damit, daß die
neue Handelsgesetzvorlage bis Ende September oder Anfang Oktober das Repräsentantenhaus passiert haben wird, nachdem sich der Haushaltsausschuß
bereits eingehend - wenn auch noch nicht abschließend - damit befaßt hat.
Bis Ende des Jahres - und damit zum ursprünglich vorgesehenen

Termin -

wird das Gesetz nach Auffassung Eberles auch vom Senat verabschiedet sein.
Offene Fragen im Kongreß sind die allgemeinen Zollpräferenzen für die Entwicklungsländer und die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel für die
Sowjetunion. Die Chancen für eine Billigung der ersten Forderung sind nach
Meinung Eberles "gut", während die Annahme des zweiten in der Vorlage gestellten Antrages wegen der sogenannten Auswanderungssteuer für Juden in
der Sowjetunion "fraglich" erscheint.
Nach Auffassung Eberles werden die Vereinigten Staaten und die Entwicklungsländer - die von einer allgemeinen Zollsenkung ohne Frage profitieren
würden - im Laufe der Verhandlungen viele gemeinsame Punkte haben. Die USA
nehmen immerhin einen größeren Prozentsatz von deren Exporten auf als andere Industrienationen.
Die Europäische Gemeinschaft, so meint Eberle weiter, wird nicht auf
eine Erneuerung der umstrittenen Gegenpräferenzen für afrikanische und
andere Entwicklungsländer drängen, die zu einer Assoziierung dieser Länder
mit dem Gemeinsamen Markt und in einigen Fällen zu einem praktischen Ausschluß billigerer amerikanischer Erzeugnisse geführt haben. Diese Ankündigung bezeichnet Eberle als "einen guten Anfang". Allerdings habe die

-3-

�die Europäische Gemeinschaft auch mit anderen Regionen Präferenzen eingeführt, über die gesprochen werden müßte. Schließlich ginge es hier um eine
klare Schädigung des amerikanischen Handels.
Etwas anders betrachtet Eberle Sonderregelungen mit Norwegen, da es
hier ausschließlich um Europa ginge. Eine weltweite Sonderregelung sei
jedoch etwas anderes.

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33/1973

AMERIKANISCHE VORSTELLUNGEN ÜBER DAS WELTWÄHRUNGSSYSTEM
-US-Finanzministerium veröffentlicht Hintergrundmaterial -

WASHINGTON --(AD)-- Wie sich die Vereinigten Staaten die Reform des Weltwährungssystems in großen Zügen vorstellen, geht aus einer jetzt vom amerikanischen Finanzministerium veröffentlichten Dokumentation hervor. Die wesentlichen Gesichtspunkte dieser zwölfseitigen Darstellung wurden zwar bereits auf der vorjährigen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) bekannt, aber einige Punkte wurden jedoch jetzt im Hinblick auf die
kommende Jahrestagung des IWF im September in Nairobi näher definiert. Vor
allem sollen durch die Veröffentlichung des Finanzministeriums einige Mißverständnisse und falsche Vorstellungen hinsichtlich des amerikanischen
Standpunktes ausgeräumt werden.
Wesentliche Punkte des Papiers sind:
- Die Vereinigten Staaten sind nicht der Auffassung, daß die gegenwärtigen Vereinbarungen, nach denen die Kurse für den Dollar und einige an'»
dere Währungen an den internationalen Devisenbörsen frei nach Angebot und
Nachfrage floaten können, auf lange Sicht eine Reform oder einen Ersatz für
vereinbarte Regeln darstellen.
-Die

�- Die Vereinigten Staaten haben bereits im September vorigen Jahres vorgeschlagen, daß der Stand der internationalen Reserven eines Landes als objektiver Indikator gelten solle, ob ein Überschuß-oder Defizitland etwas zum
Ausgleich seiner internationalen Zahlungsbilanz tun müsse. Allerdings hat
Washington niemals von einem "automatischen" System gesprochen, bei dem auf
das "Signal" des Indikators hin eine Anpassung erfolgen "muß". Die internationale Gemeinschaft soll das Recht haben, das Signal des Indikators außer Acht
zu lassen, wenn es als unberechtigt oder falsch angesehen wird. Das Signal
sollte auf jeden Fall jedoch die Aufmerksamkeit auf das Problem lenken, wobei dem betroffenen Land die Wahl zwischen einer Wechselkursanpassung oder
anderen Maßnahmen zur Korrektur des Zahlungsungleichgewichts frei bleiben
soll.

,

- Die Vereinigten Staaten sind nicht der Auffassung, daß ein System,in
dem der Indikator lediglich Konsultationen auslösen würde, funktionsfähig
wäre. Entscheidungen über Anpassungsmaßnahmen sind für jede Regierung schwierig und unbequem, und es besteht die Tendenz, solche Entscheidungen immer
wieder hinauszuschieben, selbst wenn sie längst fällig gewesen wären. Ebenso sperren sich auch internationale Gruppen, schwierige und politisch heikle
Fragen wie Anpassungsmaßnahmen unverzüglich in Angriff zu nehmen. Nach ame"
rikanischer Auffassung besteht also ohne einen objektiven Indikator die Gefahr, daß die notwendigen Maßnahmen verschleppt oder überhaupt nicht ergriffen werden.
« Die Vereinigten Staaten akzeptieren das Argument anderer Länder, daß
"stabile aber regulierbare Nennwerte" - wie es in dem Kommunique1 des Zwanziger-Ausschusses Anfang dieses Jahres geheißen hatte • den Schwer=und Angelpunkt des neuen Systems bilden sollten. Man ist sich auch einig darüber, daß
die Bandbreiten für Schwankungen dieser Nennwerte größer sein sollten, als
dies vor 1971 zugelassen war. Auf der anderen Seite darf nach amerikanischer
Auffassung aber auch nicht zugelassen werden, daß die Nennwerte selbst in ein

-2-

�ein völliges Mißverhältnis geraten. Daher müßten

rechtzeitig Anpassungen

vorgenommen werden. Nach Ansicht der USA soll allen Ländern auch das Recht
zum Floaten zugestanden werden. Wenn das System von Bretton Woods als einen
seiner Kernpunkte eine Abwertung aus Wettbewerbsgründen verurteilte, dann
muß ein neues System nach amerikanischer Überzeugung eine Unterbewertung aus
Wettbewerbsgründen ebenso scharf verurteilen.
- Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es anderen Ländern
freigestellt sein sollte, Dollar oder andere Währungen als Teil ihrer Reserven zu halten, wenn sie dies wünschen. Eine solche freie Wahl würde "ein
wichtiges Element der Elastizität für das System" und die Möglichkeit bieten,
"mit starken kurzfristigen und umkehrbaren Kapitalflüssen fertig zu werden",
ohne daß die betroffenen Länder gezwungen wären, ungerechtfertigte Anpassungen vorzunehmen oder restriktive Maßnahmen einzuführen. Der zulässige Umfang
der angesammelten Devisen würde durch die Grenzen bestimmt, die nach dem amerikanischen Vorschlag für objektive Indikatoren für die Gesamtreserven gesetzt
werden.
- Die Vereinigten Staaten haben einen Vorschlag für ein Reserveausgleichssystem unterbreitet. Ein Vorschlag, der in einem Bericht des Direktoriums des Internationalen Währungsfonds (IWF) enthalten ist, würde vorsehen,
daß ein Land mit einem Zahlungsbilanzdefizit sofort Sonderziehungsrechte (SDR)
- eine vom IWF geschaffene Reservewährung - oder andere Primaerreserven abgibt. Die Vereinigten Staaten haben stattdessen ein System der Konvertibilität vorgeschlagen, bei dem jedes Land bereit wäre, seine von einem anderen
Land erworbene Währung zurückzukaufen und dafür mit Sonderziehungsrechten,
anderen Primärreserven (wie Gold) oder mit der Währung des Landes zu bezahlen,
das auf einen Ausgleich drängt - aber nur wenn das andere Land die Währung
zum Ausgleich anbot. Wenn also das Land, das die Währung erwirbt, diese eine
Zeitlang in seinen Reserven halten will, dann würde nach dem amerikanischen
Plan das Land, dessen Währung erworben wird, nicht sofort Reserven verlieren.
- Die

3-

�- Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß das Gold
nicht von heute auf morgen entmonetarisiert werden, d.h. völlig seiner Verwendung im Weltwährungssystem entzogen und völlig dem privaten Nutzer und
Halter überlassen werden kann. Die Rolle des Goldes sollte jedoch nach amerikanischer Auffassung mehr und mehr zurückgehen und die USA treten daher für
entsprechende Vereinbarungen ein, die jedoch das vereinbarte Ziel nicht gefährden dürfen, die SDR zur Hauptreservewährung zu machen.
- Die Vereinigten Staaten treten für ein Multiwährungs-Interventionssystem ein, d.h. alle Nationen sollen bei einer Intervention auf den Devisenmärkten zur Stabilisierung von Wechselkursen eine Reihe von Währungen kaufen
oder verkaufen.
- Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Fragen des Handels, der internationalen Währungsreform und der Investitionen eng miteinander zusammenhängen. Sie haben daher eine engere Zusammenarbeit der mit diesen Fragen befaßten internationalen Gremien vorgeschlagen. Sie sind jedoch
nicht der Ansicht, daß die Währungsverhandlungen das Ergebnis der detaillierten Handelsverhandlungen im GATT abwarten müßten - und umgekehrt daß die Handel sverhandlungen auf die Währungsreform warten müßten.
- Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß der Internationale Währungsfonds (IWF) auf zweierlei Weise gestärkt wird: Erstens,indem er klarer gefaßte Statuten erhält und zweitens durch die Gewährleistung der Beteiligung
der Mitgliedsstaaten auf höherer Ebene. Nach amerikanischer Auffassung bieten sich mehrere Alternativen für eine strukturelle Verbesserung - so beispielsweise eine Umgestaltung des Executive Board (Rat der Exekutivdirektoren),
ein neuer Exekutiv-Ausschuß (Executive Committee) oder eine Beibehaltung des
Zwanziger-Ausschusses evtl. mit Stellvertretern.

•

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USA WERDEN AUF MODIFIZIERUNG DER EG-AGRARPOLITIK DRÄNGEN
-Eberle nimmt zu Agrarfragen StellungWASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden die Europäische Geraeinschaft drängen, die Handhabung ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik zu modifizieren, wenn vermutlich im März nächsten Jahres in Genf die eigentlichen
Handelsverhandlungen beginnen. Die USA würden jedoch nicht - wie dies mancherots angenommen wird - darauf bestehen, daß Europa seine Agrarpolitik
vollständig aufgäbe. Dies geht aus einem kürzlichen Interview des Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter
William Eberle, hervor.
"Wir akzeptieren die Tatsache", so erklärte Eberle, "daß es eine Gemeinsame Agrarpolitik gibt". Schließlich hätten die USA ja auch Programme, die
das Einkommen der Farmer schützen sollten. Die Vereinigten Staaten seien
jedoch gegen die unvernünftig hohen Abschöpfungsbeträge bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die die Dollarabwertung praktisch unwirksam machten.
Dadurch werde es unmöglich, daß die preiswerteren amerikanischen Agrarerzeugnisse die Hürde des Europäischen Marktes überwinden könnten. Auch gegen
die Exportsubventionen wenden sich die USA nach den Worten Eberles. Er könne
sich eine Reihe von Möglichkeiten vorstellen, wie die Europäer ihre Gemeinsame Agrarpolitik ohne diese beiden Erscheinungen handhaben und doch die wesentlichen Ziele der bestehenden Politik wahren könnten.
Für

-1-

�Für den amerikanischen Sonderbeauftragten gibt es keinen Zweifel, daß
der Verbraucher in Europa durch die Abschöpfungsbeträge genau so getroffen
wird wie der amerikanische Farmer. Man könne es sich in Europa nicht leisten,
die Preise zu erhöhen, um die Bauern zu unterstützen. Dies würde nur zu
Lohnerhöhungen führen, was wiederum eine schädliche Auswirkung auf die Wirtschaft hätte. "Daher werden meiner Meinung nach sowohl die Regierungen als
auch die Verbraucher in Europa auf unserer Seite sein", meinte Eberle. Das
heiße natürlich nicht, daß es nicht in vielen Teilen Europas ernsthafte wirtschaftliche und politische Probleme gebe

und dort nach neuen Systemen ge-

sucht werden müsse. Wenn der Gemeinsame Markt eine Senkung der Abschöpfungsbeträge in Erwägung ziehe, so Eberle,dann seien auch die Vereinigten Staaten
bereit, über einen Abbau ihrer eigenen Einfuhrschranken zu sprechen.
Zur Frage, welche Folgen die amerikanischen Exportkontrollen für Sojabohnen auf die am 12. September in Tokio beginnende Welthandelskonferenz haben würden, meinte Eberle, er glaube nicht an größere Auswirkungen. Der
Sonderbeauftragte Präsident Nixons verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß
diese Kontrollen nur vorübergehender Natur seien und daß jedes größere Land
in der Welt sowie die meisten Entwicklungsländer ebenfalls Exportkontrollen
haben. Darüber hinaus hätten die Vereinigten Staaten ihre Agrarproduktion
vergrößert, und der gesamte Zuwachs sei in den Export gegangen. Im übrigen
sei das Problem bei Sojabohnen nicht durch die USA entstanden, sondern durch
ein weltweites Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage, bei dem die Handelspartner Amerikas eine Rolle spielten. "Wir sind immer ein guter, verantwortungsbewußter und verläßlicher Lieferant gewesen", so sagte Eberle. Andere Länder hätten jedoch ihren Bedarf unterschätzt und seien dann urplötzlich
mit enormen Bestellungen an die USA herangetreten. Wer seine Bestellungen
erst nach der Aussaat mache, gehe immer ein großes Risiko ein.
Eberle

�Eberle zog folgendes Fazit: "Wenn man sich mit anderen Nationen an einen
Tisch setzt und das Problem erklärt, dann verstehen sie offensichtlich, warum die Vereinigten Staaten so handeln mußten, wie es der Fall war. Natürlich
werden jene Leute, die uns in die Defensive zu drängen suchen, dies psychologisch gegen uns verwenden."
Das beste Argument,das für einen Abbau der Handelsschranken spricht,
so fügte er hinzu, sei die weltweite Inflation. "Die Menschen wünschen Qualitätslebensmittel zu einem niedrigeren Preis. Die einzige Stelle, von der
sie dies erhalten können, sind die Vereinigten Staaten."

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33/1973

US-HANDELSBILANZ VERBESSERT SICH WEITERHIN

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent
hat in einer am 24. August veröffentlichten Erklärung darauf hingewiesen,
daß sich die amerikanische Handelsbilanz im Juli weiter verbessert hat. Der
Außenhandelsüberschuß für den Monat Juli betrug 106 Millionen Dollar; dies
sei ein weiterer Hinweis für einen sich festigenden Handel.
Die Erklärung Dents hat folgenden Wortlaut:
"Der Außenhandelsüberschuß für Juli in Höhe in 106 Millionen Dollar
läßt erkennen, daß die Verbesserung des grundlegenden Handelsverhältnisses
der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern anhält.
Nach zwei aufeinander folgenden Jahren großer Handelsdefizite wurde im
zweiten Quartal ein geringer Überschuß berichtet. Die Zahlen für den Monat
Juli stellen nun einen weiteren Beweis für eine Festigung der Handelssituation dar.
Dollar
Die Exporte für Juli in Höhe von 5,9 Milliarden/bedeuten einen Höchststand und zeigen eine Verbesserung in zehn aufeinander folgenden Monaten
an. Ein starkes Anwachsen der ausländischen Käufe an Maschinen und industriellen Gütern war die Hauptvariable. Die Agrarexporte nahmen trotz
Preiserhöhungen ab.
Im

-1-

�Im Jahre 1973 haben sowohl der Industrie-als auch der Agrarsektor zu
einer verbesserten Bilanz beigetragen. Wir sollten jedoch nicht die großen
Aufgaben unterschätzen, die für die amerikanische Industrie und Landwirtschaft
bei ihrer Konkurrenz auf den Weltmärkten weiterhin bestehen. Der Handel kommt
allen Ländern zugute, indem er den Lebensstandard erhöht. Dies ist ein dynamischer Prozeß, der die amerikanischen Firmen herausfordert,kreativ und produktiv zu sein, wenn sie voll an diesen wachsenden Märkten partizipieren
wollen.
Eine Ausweitung der Exporte wird zur Stärke unserer Wirtschaft beitragen und die Zahl der unseren Menschen zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze
vergrößern. Verstärkte Exporte werden uns ferner die Möglichkeit an die
Hand geben, für wichtige Importe wie Erdöl und Stahl sowie für attraktive
Verbrauchsgüter bezahlen zu können."

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33/1973

SPURENELEMENTE
-Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätztVon Gertrud Weiss

--(AD)— Es sind nur winzig kleine Mengen von Metallsalzen und anderen Mineralien, die der menschliche Körper neben den für die Ernährung wichtigen
Stoffen zur Aufrechterhaltung der normalen Lebensvorgänge braucht. Sobald
aber z.B. der Tagesbedarf von 20 Tausendstel Gramm Zink oder von zwei
Tausendstel Gramm Kupfer nicht gedeckt werden kann, treten schwerwiegende
Störungen am Nervensystem und im Stoffwechsel oder bei der Blutbildung
auf. Auf der anderen Seite ist jedoch auch ein Ansteigen des Kupferserumgehaltes über den normalen Wert hinaus ein Alarmzeichen - sie ist dann zu
beobachten, wenn z.B. eine Eisenmangelanämie besteht, wenn Infekte oder
Tumoren vorhanden sind. Die Kontrolle des Kupferserums hilft also mit,
Hinweise auf vielleicht noch gar nicht entdeckte Erkrankungen zu bekommen.
Vielen Wissenschaftlern, die sich mit der Natur und der physiologischen Bedeutung der sogenannten Spurenelemente befassen, ist es unverständlich, daß die klinische Medizin im allgemeinen so wenig Interesse für die
in den letzten Jahren gewonnenen neuen Erkenntnisse zeigt. Diese könnten,
wie Dr. Ross H. Seasly vom Kettering Medical Center (Kettering, Ohio) erklärt, schon für die Diagnose ungemein wertvolle Dienste leisten.
Aus

-l-

�Aus zahlreichen Laboratorien in aller Welt kommen immer wieder neue
Nachrichten über Beobachtungen, die beispielsweise Zusammenhänge zwischen
bestimmten Krankheitsbildern beim Menschen und speziellen Umweltbedingungen
wie geobotanischen oder industriellen Einflüssen erkennen lassen. Und Ergebnisse von Experimenten mit Tieren, an denen man die Auswirkung von Spurenelementen einzeln und kombiniert bei unterschiedlichen Konzentrationen untersucht, sind dazu angetan, Krankheitsbilder und Möglichkeiten zur Verhütung und vielleicht auch Heilung von Krankheiten mehr als bisher unter dem
Gesichtspunkt zu sehen: Welche Rolle spielen die Spurenelemente tatsächlich
bei den physiologischen Prozessen und bei pathologischen Vorgängen im menschlichen Organismus?
Daß für eine Beantwortung dieser Frage weitaus mehr in Betracht gezogen
werden muß als nur die bekannten Effekte der üblicherweise als wichtige
Spurenelemente angesehenen Stoffe wie Kupfer, Mangan, Kobalt, Jod, Fluor,
Zink, Bor, Eisen etc., zeigen eindringlich Forschungsergebnisse aus jüngster
Zeit. Viele wurden, wie Thomas H. Maugh von der amerikanischen Zeitschrift
"Science" in der Ausgabe Nr. 4096 (20. Juli 1973) berichtet, im Juni 1973
auf der 7. Jahreskonferenz der Universität von Missouri über "Spurenelemente
und Umweltmedizin" behandelt.
Die neuen Erkenntnisse gehen über Feststellungen wie z. B. jene weit
hinaus, daß Blei oder Methylquecksilber auch bei geringen Konzentrationen
schwerste Schädigungen - vor allem am zentralen Nervensystem - verursachen
können. Das Spurenelement Selen verwandelt sich innerhalb eines recht kleinen
Spielraums vom lebenswichtigen Stoff in ein Gift. Beryllium wirkt stark
karzinogen und ist außerdem in höherer Konzentration ein Kurzzeitgift, in
schwacher Konzentration ein Langzeitgift für ganze organische Systeme.
Nickelcarbonyl-Verbindungen spielen als Ursache von Lungenkrebs eine Rolle,
und Kadmium, Arsen, Selen und Yttrium rufen bei Labortieren Krebs hervor.
Alles

�Alles in allem scheinen viel mehr Spurenelemente, als bisher angenommen,
die Lebensprozesse aktiv zu beeinflussen. Und offenbar bestehen überaus komplexe Zusammenhänge bei den Wechselwirkungen von Spurenelementen im Organismus und in bezug auf ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Fred Loser (Eastman Dental Center in Rochester, New York) fand bei der Untersuchung menschlicher Zähne, die von Personen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten stammten, nicht weniger als 43 Elemente, die als reguläre Bestandteile beim Aufbau des Zahnschmelzes anzusehen sind. In manchen Zahnproben stellte er darüberhinaus noch weitere 25 Elemente fest. Dagegen traten 30 vornehmlich den schweren Elementen zuzurechnenden Substanzen in keinem einzigen Fall auf.
Die hier zur Debatte stehenden Spurenelemente wurden nicht, wie etwa
Fluor, mit dem Trinkwasser, sondern wohl in erster Linie mit der Nahrung vom
Körper aufgenommen. Obgleich die Mehrzahl von ihnen keinen Einfluß auf die
Entwicklung von Karies zu haben scheint, ist doch anzunehmen, daß Vanadium,
Bor, Strontium, Barium, Lithium, Titan und Aluminium Karies verhüten helfen,
während Blei, Kupfer, Zink, Selen und Chrom die Kariesbildung fördern. Durch
Versuche an Ratten fand Clive C. Solomons (Universität Colorado), daß Molybdän im Zahnschmelz die Zahnstruktur festigt - was auch mit

Berichten über

eine kariesverhütende Wirkung des Molybdäns übereinstimmt -, daß es sich
jedoch auf das Knochensystem ungünstig auswirkt. Bei Anwesenheit von Molybdän wird nämlich weniger Kalzium aufgenommen. Bei den so behandelten Ratten
entwickelt sich Osteoporose. Auch Kadmium hat einen entkalkenden Effekt»
In Volksgruppen, die beispielsweise Pflanzen als Nahrung verzehren, die
entsprechend den jeweiligen Bodenbedingungen mit bestimmten Elementen besonders angereichert sind, entwickeln sich typische, d.h. häufiger als normal auftretende Krankheitsbilder (z.B. Diabetes, Gallensteine, Darmgeschwüre, Bluthochdruck, Lungen- und Brustkrebs bei den Pirna-Indianern in Arizona).
Aber auch in Gebieten mit hohem Zivilisationsstandard sind regional auffäl-

-3-

�auffällige Krankheiten zu beobachten, die auf den Einfluß von Spurenelementen zurückgehen. Die sogenannte

Biertrinker-Kardiomyopathie,die in Omaha

(Nebraska), in Minneapolis sowie 1965 und 1966 in einigen Städten in anderen Ländern zahlreichen Menschen das Leben kostete, dürfte dadurch verursacht worden sein, daß die zur Schaumstabilisierung verwendeten winzigen
Mengen Kobalt die toxische Wirkung des Spurenelements Selen, das in den betroffenen Gebieten natürlichen Ursprungs ist, gesteigert haben. Dr. Robert E.
Burch vom Krankenhaus der Veterans Administration in Omaha fand bei Experimenten an Ratten, daß 10 ppm Selen (10 Anteile auf eine Million Anteile) in
einer eiweißarmen Nahrung das Wachstum der Tiere beeinträchtigten, zur Vergrößerung von Herz und Leber führten und die Konzentrationen von Magnesium,
Kupfer und Mangan in diesen und anderen Organen verringerten.
Blutanalysen auf Spurenelemente scheinen ein noch unausgeschöpftes Reservoir für Zustandskontrollen schwerkranker Patienten und für Frühdiagnosen
bestimmter Erkrankungen zu sein. Dr. A. Flynn (CaseWestern Reserve University
in Cleveland , Ohio) beobachtete ein Ansteigen der Zinkkonzentration im Blut
unter Stress, wie z.B. nach Operationen, Traumen und Verbrennungen, und zwar
proportional zur Schwere der Belastung. Der Zinkspiegel sinkt, wenn sich der
Patient erholt. Dr. M. Nosdrjukina (Institut für Geochemie und analytische
Chemie der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, Moskau) berichtet, daß
der Mangan- und Nickelspiegel im Blut unmittelbar vor einem Herzinfarkt rapide
ansteige, und daß Veränderungen der Normalkonzentration dieser Spurenelemente
schon im Frühstadium der Erkrankung als Kriterien für die Diagnose gelten
könnten.
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SKYLAB-BEOBACHTUNGEN

--(AD)-- Eine riesige "Blase" in der Gashülle der Sonne konnten die
SKYLAB II-Astronauten Bean, Dr. Garriott und Lousraa am 21. August 1973
über längere Zeit beobachten und fotografieren . Das Gebilde erreichte eine
Größe von drei Vierteln des Sonnendurchmessers, der ca. 1,4 Millionen km
beträgt. Die Blase hatte sich an der Ostseite des Sonnenkörpers entwickelt
und stand in Zusammenhang mit einer ungeheuer starken Eruption auf der
Rückseite der Sonne.
Nach Meinung von Dr. Robert MacQueen vom Hochatmosphären-Observatorium in Boulder (Colorado) handelt es sich dabei um"das bemerkenswerteste
Naturereignis seit Beginn des Unternehmens SKYLAB II". Von der Auswertung
der Film-und Fernsehaufnahmen, die die SKYLAB-Besatzung gemacht hat - die
Fernsehbilder wurden sofort zur Erde übermittelt - sowie von den übrigen
Meßdaten im Zusammenhang mit diesem Phänomen auf der Sonne hoffen die
Wissenschaftler, neue Erkenntnisse zu den Wirkungen bzw.Wechselwirkungen
der von der Sonne bei einer Eruption ausgestoßenen Partikelmassen mit der
Sonnenatmosphäre zu erhalten. Daraus könnten sich z.B. auch wichtige Gesichtspunkte für eine detaillierte Erklärung der Vorgänge in der Erdatmosphäre nach heftigen Sonneneruptionen ergeben. Zwar sind manche Effekte
bekannt - z. B. vorübergehende totale Störung des Funkverkehrs, Beeinträch-

-i»

�*

Beeinträchtigung der Funkverbindungen rund um die Erde oder das farbenprächtige Schauspiel der Polarlichter. Von dem tatsächlichen Ausmaß samt
der "Bandbreite" der Wechselwirkungen von Partikeln, elektrischen und magnetischen Feldern mit der Lufthülle der Erde weiß man dagegen noch recht
wenig - ganz abgesehen davon, daß sie wohl auch die biologische Welt an der
Erdoberfläche beeinflussen.
Eine höchst interessante Beobachtung bei Sonneneruptionen machte bereits die SKYLAB 1-Besatzung, die sich vom 25. Mai bis zum 22. Juni 1973
an Bord der Station aufgehalten hatte. Die Sonnenaufnahmen im Röntgenlicht,
die die Astronauten zur Erde zurückbrachten, lassen nämlich vermuten, daß
eine starke Eruption, bei der gewaltige Massen von Sonnenmaterial ausgeschleudert werden, unter umständen zu einer Art Reaktionskette mit weiteren
Eruptionen

in großer Entfernung vom "Herd" führen kann. Sie wird offenbar

durch die auf die Sonne zurückfallenden Materiemassen in Gang gesetzt.
Neben der Beobachtung der Sonne widmen die SKYLAB II-Astronauten aber
auch viel Zeit und Aufmerksamkeit der Mutter Erde. Einer der Höhepunkte der
damit verbundenen Projekte war am 5. August 1973 eine Gemeinschaftsaktion
auf den verschiedensten Beobachtereben en — im Weltraum, an Bord von For—
schungsflugzeugen in der Luft und schließlich auf See im Nordosten des Golfs
von Mexiko durch Wissenschaftler an Bord von Forschungsschiffen, die Besatzungen von Sportfischereibooten sowie mit Hilfe von Meßbojen.
Beobachtungsgebiet war ein fast 10 000 qkm großes Dreieck im Nordosten
des Golfs von Mexiko, das der unbemannte amerikanische Wettersatellit NOAA-2
und SKYLAB mehrmals am Tage überflogen. NOAA-2 und die Raumstation hatten
die günstigsten Positionen, um aufgrund einer Vielzahl von Messungen Daten
zu liefern, die z.B. Aufschluß über Salz-und Chlorophyllgehalt, Temperaturen
und Farbschattierungen im Meerwasser

geben können. Daraus sind wiederum

Rückschlüsse auf den Zustand des betreffenden Meeresgebietes mit Strömungen,
Temperaturschichtungen, aufströmendem nährstoffreichen Wasser, Plankton-

-2-

�Plankton-Konzentrationen, klarem oder trübem Wasser und auf andere Faktoren
zu ziehen, die für die Lebensbedingungen der Fische eine wichtige Rolle spielen.
Neun der 138 beteiligten Seefahrzeuge waren Forschungsschiffe der USBundesbehörde für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA). Bei den übrigen
handelte es sich meist um die Boote von Sportfischern, die in dem betreffenden Seegebiet eine Art Wettfischen nach ganz bestimmten Regeln veranstalteten. Nur sieben Fischarten waren für den Fang zugelassen - unter anderem mehrere makrelenartige Fische und zwei Arten von Thunfisch.
Die Sportangler führten gleichzeitig Aufzeichnungen darüber, was sie an
Fischen gesichtet, aber nicht gefangen hatten. Nach der Rückkehr der SKYLAB IIBesatzung sollen die an Bord der Raumstation erzielten Meßergebnisse mit den
Daten des NOAA-2-Satelliten verglichen und zusammen mit den von den Schiffen
ausgemachten lokalen Beobachtungen ausgewertet werden. Auf diese Weise will
man einfach anzuwendende Meßgrößen erarbeiten, die die Beurteilung erleichtern, ob sich zu einem gegebenen Zeitpunkt in dem oder jenen Seegebiet Fischfang lohnt oder nicht.

+++

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�»

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ZELLEN UNTER DEM PROTONEN-MIKROSKOP

— ( A D ) — Am Enrico Fermi-Institut der Universität Chicago arbeitet Prof.
Riccardo Levi Setti mit einigen Kollegen an der Entwicklung eines neuen
Verfahrens, das mit Hilfe von Protonen den Blick in das Zellinnere ermöglichen soll. Die Technik ähnelt der von Prof. Albert V. Crewe (Universität
Chicago) entwickelten Methode zur Verbesserung des Auflösungsvermögens
beim Raster-Elektronenmikroskop. Im Gegensatz dazu kann jedoch das Protonen-Mikroskop sowohl für Untersuchungen auf Zellebene als auch auf
Molekularebene benutzt werden.
Bei der Zelluntersuchung ergeben sich auf dem Betrachtungsschirm
des Protonen-Mikroskops Abbildungen, die Dichteunterschiede im Gewebe unvergleichlich besser herausheben, als dies mit den herkömmlichen RöntgenMikroaufnahmen möglich ist. Deshalb ist dies ein besonders vielversprechendes Verfahren beim Studium von Krebszellen, die im Vergleich zu gesunden Zellen anomale Dichteverteilungen aufweisen. Professor Setti, der aus
Mailand stammt und der Universität Chicago seit 1956 angehört, erklärt
die Arbeitsweise folgendermaßen: "Das Mikroskop arbeitet bei Energien um
100 Kilovolt. Schnelle Protonen sind im Gegensatz zu Elektronen und Röntgenstrahlen in der Lage, in Materie bis zu einer exakt definierten Tiefe
vorzudringen. Bei einer Beschleunigung auf 100 KV durchdringen sie etwa
1 Mikron, d.h. 1/1 000 mm biologisches Material. Bei einem Zellschnittpräparat von etwa 1 Mikron Dicke vermögen die Protonen gerade noch die

�die Wand zu durchdringen. Innerhalb der Zelle befindet sich der dichte Kern;
im Vergleich dazu weist das Zellplasma eine erheblich geringere Dichte auf.
Jene Protonen, die durch die Zone größter Dichte gehen, werden dort gestoppt. Nur die anderen Protonen, die die leichter durchlässige Zone passieren, sind auf der Rückseite des Präparates wieder zu erfassen."
Die "Geschosse" für das Protonenbombardement liefert ein Abtaststrahl,
der über das Präparat geführt wird. Aus den vom Präparat durchgelassenen Protonen ergibt sich ein Bild, das wichtige Rückschlüsse auf die Bedingungen im
Zellinnern zuläßt. Der besondere Vorteil des Abtastens mit Protonen besteht
darin, daß bei dieser Methode - im Gegensatz zur Untersuchung mit Röntgenoder Elektronenstrahlen - keine Vorbehandlung des Präparats durch Färben
oder Versetzen mit bestimmten Chemikalien zur Verbesserung der Kontraste erforderlich ist. Man untersucht also die Zellen in einem unveränderten Zustand.
Für Untersuchungen auf molekularer Ebene wird ein Auflösungsvermögen
bis zu wenigen Angström (1 A = 1 zehnmillionstel Millimeter) angestrebt, bei
dem Moleküle und sogar Atome sichtbar werden. Dann müßte es bei der Untersuchung einzelner organischer Moleküle beispielsweise auch möglich sein, die
Plätze ausfindig zu machen, wo sich Wasserstoff befindet. Für die biologische und physiologische Forschung hat dies große Bedeutung.
Nach Prof. Setti ist es günstig, mit einer kleinen Partikelquelle zu beginnen, wenn man Elektronen oder andere Partikel beispielsweise auf einen
Punkt von nur wenigen A Durchmesser fokussieren will. Die kleinsten Elektronenquellen sind feine Wolframspitzen. Wird um sie herum ein sehr starkes
elektrisches Feld aufgebaut, indem man die Spitze an eine negative Hochspannungsquelle anschließt, kommt es zur sogenannten Feldemission, umgibt
man aber die gleiche Spitze mit einer Wasserstoff-Atmosphäre oder irgendeinem anderen Gasmedium und kehrt nun das Feld um, so daß die Spitze, elektrisch positiv ist, kommt es zur sogenannten Feldionisation.
Mit

�Mit einer solchen Feldionisationsquelle arbeit Setti jetzt. Sie scheint
die besten Ergebnisse bei sehr tiefen Temparaturen zu liefern. Die Spitzen
müssen mit flüssigem Wasserstoff oder flüssigem Helium gekühlt werden.
Für das Arbeitsmodell ihres Protonen-Mikroskops entwickelten Prof.Setti,
William Escovitz und Thimothy Fox einen besonderen Kryostaten. Sie benutzten
ein von Prof. Crewe und seiner Gruppe gebautes Raster-Elektronenmikroskop
mit 30 Kilovolt Leistung und stellten es auf den Betrieb mit 100 Kilovolt
Spannung um.
Prof. Setti will in enger Zusammenarbeit mit Dr. William Steward die
Anwendungsmöglichkeiten des Protonen-Abtaststrahls für die Zellradiographie
sondieren. Dr. Steward, Assistenzprofessor für Pathologie und Direktor der
Neuropathologischen Abteilung an der Universität Chicago, besitzt bereits
reiche Erfahrung in der Makro-Abbildung von Krebsgewebe und Tumoren mit
energiereichen Protonenstrahlen, die von einem Zyklotron erzeugt werden. Das
neue Projekt Settis soll nun dieses bewährte Verfahren mit der Ausdehnung
dieser Untersuchungsmethode auf den Mikrobereich ergänzen und der Forschung
wie der Diagnose bei Krebs neue Möglichkeiten eröffnen.

+++

�</text>
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Nummer 34

6 . S e p t e m b e r 1973

Inhalt
WIRTSCHAFT
Shultz rechnet mit baldiger Einigung über Währungsreform
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers Neuentdeckung des US-Marktes für ausländische Investoren
Von Sam Burks

HINTE RGRUNDMATE RIAL

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Arbeitsreiche Wochen für den amerikanischen Kongreß
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei Von James S. Aldrich

•n
i
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Seerechtsvertrag vordringlich
Ultravioletteinstrahlung und Hautkrebs-Häufigkeit
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen
Mini-Apparatur soll Bauchspeicheldrüse ersetzen

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34/1973

SHULTZ RECHNET MIT BALDIGER EINIGUNG ÜBER WÄHRUNGSREFORM
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
rechnet damit, daß bis zum Frühjahr kommenden Jahres eine Einigung über die
allgemeinen Grundsätze eines neuen Weltwährungssystems erzielt werden kann.
Shultz umriß am 30. August den Standpunkt der Vereinigten Staaten zur Reform
des internationalen Währungssystems in einem Exklusiv-Interview mit unserem
Korrespondenten Eugene Brake wie folgt:

"Frage: Herr Minister, was sollten nach Ihrer Auffassung die Endziele
der Reform des internationalen WährungsSystems sein? Mit anderen Worten,
welches sind die Kriterien für ein gut funktionierendes internationales Währungssystem?

Antwort: Ein Währungssystem dient dem Zweck, den Fluß des Handels und der
Investitionen und anderer finanzieller Transaktionen unter den Ländern zu erleichtern. Es hat keinerlei Selbstzweck, sondern es soll den Fluß der Dinge erleichtern, die sich in Geld ausdrücken - Handel, Investitionsprogramme, Hilfsprogramme usw.

Frage: Könnten Sie uns etwas darüber sagen, wie sich die amerikanischen
Vorschläge für eine internationale Währungsreform zu diesen Zielen verhalten?

Antwort:

�Antwort: Ein WährungsSystem sollte diesen Fluß des Handels, der Hilfe
und der Investitionen erleichtern, indem es sicherstellt, daß all diese Dinge,
wenn sie zusammenkommen und zusammen die Zahlungsbilanz darstellen, auch wirklich in einem echten Gleichgewicht sind. Das heißt, wenn Länder in ein großes
Defizit geraten, dieses System die Situation so im Griff hat, daß sie etwas
tun, um diese Defizite abzubauen. Auf der anderen Seite sollte das System in
derselben Weise die Korrektive an die Hand geben, die gewährleisten, daß ein
Land, das einen großen Überschuß ansammelt, etwas gegen diesen Überschuß tut.
Das System sollte also gewährleisten, daß insgesamt in dem Fluß des Handels
und anderer Transaktionen die Gesamtsummen in einem vernünftigen

Gleichgewicht

stehen - genauso wie in unserem persönlichen Leben, wo wir Geld verdienen und
Geld ausgeben und wo wir wissen, daß in einer gewissen Zeitspanne diese Dinge
so oder so ausgeglichen sein müssen.

Frage: Glauben Sie, daß unter den Ländern des Zwanziger-Ausschusses (des
IWF) für die internationale Währungsreform allgemeine Übereinstimmung über die
Ziele und die amerikanische Einstellung zu diesen Fragen herrscht?

Antwort: Es herrscht allgemeine Übereinstimmung über die Wichtigkeit der
Neugestaltung des Währungssystems sowie darüber, daß wir ein Währungssystem
brauchen, zu dem die Völker, die die Händler und Investoren der Welt sind, Zutrauen haben. Das ist das Ziel aller. Es wird viel darüber argumentiert, wie
dieses Währungssystem im einzelnen aufgebaut sein sollte. Wir haben eine Reihe
von Ansichten darüber dargelegt, und diese Ansichten sind, wie ich meine, begrüßt und sehr ernst genommen und sorgfältig geprüft worden. Ich glaube, daß
zumindest einige Länder diese Ansichten überzeugend gefunden haben. Wir haben
auch die anderen angehört. Es hat im Zwanziger-Ausschuß ein guter Austausch von
Informationen und Ideen stattgefunden.

Frage: Haben die Vereinigten Staaten ihre Gedanken über die Währungsreform
aufgrund dieses Meinungsaustausches modifiziert?

Antwort: Wir haben an einem Gesprächsprozeß teilgenommen, wir haben zugehört, und wo wir gefunden haben, daß wir die Auffassung anderer akzeptieren
- 2-

�akzeptieren können, haben wir versucht, sie in unsere eigenen Gedankengänge
aufzunehmen. In diesem Sinne kann ich Ihre Frage mit Ja beantworten.
Frage: Der Zwanziger-Ausschuß hat in den Mittelpunkt des neuen internationalen WährungsSystems die Formulierung 'stabile, aber regulierbare Nennwerte' gestellt. Gibt es über diesen Begriff eine gewisse Übereinstimmung hinr
sichtlich seiner Bedeutung oder gibt es unterschiedliche Interpretationen?

Antwort: Als diese Formulierung eingebracht wurde, bedeutete dies - zumindest meiner Auffassung nach - mehr oder weniger, daß einige recht wesentliche Meinungsunterschiede sozusagen übertüncht worden sind, obwohl diese Formel
in Einklang mit der Vorstellung stand, daß wir von dem neuen Wechselkurssystem
erwarten, daß es weit flexibler sein wird als das alte und größere Möglichkeiten
bieten wird, die Kurse zu verändern. Aber zu jenem Zeitpunkt bestanden große
Meinungsverschiedenheiten darüber, wie der Anpassungsprozeß im einzelnen genau
funktionieren sollte und würde. Seither scheinen sich eine Menge dieser Meinungsverschiedenheiten mehr oder weniger von selbst gelöst zu haben. Heute herrscht
eine sehr viel größere Übereinstimmung darüber, was diese Formel in der Praxis
tatsächlich bedeuten könnte.

Frage: Könnten Sie uns etwas über die Art des sich offensichtlich abzeichnenden Konsenses darüber sagen, was stabil

und regulierbar bedeuten würde?

Antwort: Worauf es hinausläuft ist, daß wir mehr und mehr Arbeit eben dem
Problem gewidmet haben, wie Wechselkursveränderungen vorgenommen würden, wieviel Druck erzeugt würde, um Anpassungen zu erreichen und wie dieser Druck erzeugt werden sollte. Von unserem Standpunkt aus gesehen, war es sehr wichtig,
uns mit den Gedanken aller vertraut zu machen, daß es Veränderungen geben
würde und daß man sie sich symmetrisch -vorstellen müsse, d.h., daß sie sowohl
die Überschußländer als auch die Defizitländer betreffen müssen. Ich glaube,
daß dieser Punkt anerkannt worden ist. Es war interessant, daß die Franzosen,
die allgemein als im Gegensatz zu uns stehend geschildert wurden, einen Negativzins für übermäßig große Reserven vorgeschlagen haben, was ein hartes Korrektiv gegen Überschußländer wäre. Das ist genau die Art von Maßnahmen, auf die

�&lt;

die wir abzielten. Wir meinten, daß der französische

Vorschlag recht inter-

\

essant sei und haben ihn unterstützt.
Frage: Manche Leute haben in der Vergangenheit offensichtlich geglaubt,
daß sehr stabile Kurse oder sogar festgelegte Kurse notwendig seien, um den
Handel zu erleichtern. Die Vereinigten Staaten sind offensichtlich der Auffassung, daß wir mehr Flexibilität brauchen. Warum ist diese Flexibilität so
wichtig?

Antwort: Damit die Wechselkurse voraussagbarer werden, und damit sie einen
Stand erreichen, der dazu beiträgt, eine Anpassung in den Handels- und Investitionsflüssen - mit anderen Worten, der Zahlungsbilanz - herbeizuführen. Die
Welt nach dem zweiten Weltkrieg beruhte auf einem System sogenannter fester
Wechselkurse, aber in Wirklichkeit veränderten sich diese Wechselkurse recht
oft und zwar konvulsivisch. Jedermann verteidigte den Mythos, sie seien fest.
Noch am Abend vor einer großen Änderung pflegte der Finanzminister des betroffenen Landes laut zu erklären, daß er den Wechselkurs niemals ändern würde.

*

Am nächsten Tag pflegte er ihn dann zu ändern. Es gab sehr viel Bewegung,
aber sie war immer mit großen Schmerzen und großer Agonie verbunden. Und so

i

dachten wir also, daß die Notwendigkeit für Veränderungen der Wechselkurse auf
der Hand lag und daß wir eine Methode finden müßten, daß sie öfter und in kleineren
Spannen vorgenommen werden konnte, und vor allem ohne die konvulsivischen Auswirkungen, die sie vorher begleitet hatten.

Frage: Liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, ein Zahlungsbilanzdefizit zu haben, oder liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, einen Zahlungsbilanzüberschuß zu haben? Ich glaube, daß man in der Vergangenheit davon
ausgegangen ist, die Vereinigten Staaten hätten ihr Defizit gerne, und ich
glaube, man ist auch davon ausgegangen, daß einige Länder ihre Überschüsse aufrechterhalten wollten.

Antwort: Es gibt eine Art von neuem Marktantilismus in der Welt, der offensichtlich zu predigen scheint, daß Überschüsse wünschenswert seien. Nach meiner
Überzeugung ist ein Überschuß, der durch mehr Exporte als Importe geschaffen

�geschaffen wird, nicht unbedingt wünschenswert. Der Grund, warum man exportiert,
ist, daß man importieren will. Man arbeitet sozusagen, weil man ein Einkommen
haben möchte, das es einem ermöglicht, die Dinge zu kaufen, die man haben will.
Wenn sich also die Welt damit zufriedengäbe, uns auf ewig ihre Güter zu geben
und niemals die Gegenrechnung aufzustellen, dann wäre das eine große Sache
für die Vereinigten Staaten. Aber wir wissen, daß sich Menschen nicht über
einen längeren Zeitraum so verhalten. Früher oder später werden sie sagen, 'Moment mal, wir sollen Euch nicht immer unser gutes Erdöl und unsere Rohstoffe
und Automobile und Luxuserzeugnisse geben und nie etwas anderes als Bezahlung
erhalten als Papierdollar, die wir niemals einlösen. Wir wollen auch etwas dafür bekommen können'. Man kann also nicht auf ewig im Defizit leben.

Frage: Ich möchte sie gerne zwei Dinge fragen, die, wie ich meine, im Ausland immer ganz und gar mißverstanden wurden: das eine ist die 'Automatik'.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß der Stand der Reserven eines
Landes als 'objektiver Indikator' dafür beobachtet werden sollte, ob eine
Zahlungsbilanzanpassung notwendig ist. Aber soweit ich weiß, haben weder Sie
noch irgendein anderer Sprecher der amerikanischen Regierung je vorgeschlagen,
daß die zu treffenden Maßnahmen schon vorher genau vorgeschrieben und festgelegt würden, so daß die betroffene Regierung keine Freiheit der Wahl hätte.

Antwort: Das ist richtig. Wir haben in aller Deutlichkeit gesagt, daß es
nicht nur keine absolute Automatik geben würde, sondern daß das, was angezeigt
werden würde, die Notwendigkeit einer Anpassung wäre, und daß es wichtig wäre,
der einzelnen Regierung einen weiten Auswahlbereich zu lassen, wie sie mit dem
Problem fertig werden möchte.

Frage: Bei dem anderen, was ich Sie noch fragen möchte, handelt es sich
um das Problem der Konsultation als ersten Schritt zur Anpassung. Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß es wichtig sei, daß die Indikatoren, sofern sie einen bestimmten Punkt erreichen, zur berechtigten 'Annahme' für ein
Tätigwerden seitens des betroffenen Landes führen sollten - sei es im Sinne einer
Wechselkursanpassung oder einer anderen Maßnahme? Warum würden Konsultationen
nicht genügen?
Antwort:

- 5-

�Antwort: Wir halten es für wichtig, daß es Konsultationen gibt und wir

»

haben angeregt, die Ebene der Beteiligung der Länder im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, damit diese Konsultationen mehr Bedeutung gewinnen
können. Aber wir sind auch der Auffassung, daß wir darauf bedacht sein müssen,
nicht immer nur zu konsultieren und niemals Maßnahmen zu treffen. Wenn es ein
ernstes Problem gibt, dann ist es sehr leicht, eine Konferenz einzuberufen
und zu konsultieren und zu erklären, 'wir hatten ein gutes Gespräch1 und dann
auseinanderzugehen, wenn es eigentlich so hätte sein müssen, daß irgendetwas
getan worden wäre. Konsultationen sind schon recht, aber wir müssen so etwas
wie ein festes Gerüst in diesem Prozeß haben. Darum haben wir uns so intensiv
mit den Indikatoren befaßt - Indikatoren, die eine Voraussetzung dafür schaffen
würden, daß auch wirklich Maßnahmen getroffen würden, und darum hat uns der
französische Vorschlag eines Negativzinses für übertrieben große Reserven so
gut gefallen - weil diese Dinge wirklich Maßnahmen auslösen.

Frage: So wie ich es sehe, lassen die jüngsten öffentlichen Formulierungen
des amerikanischen Standpunktes erkennen, daß der Hauptindikator der Stand der
Reserven eines Landes wäre, daß jedoch einem Signal dieses Indikators nicht unausweichlich eine Anpassung folgen müßte. Aus einer Veröffentlichung des, amerika- »
nischen Finanzministeriums geht hervor, daß die internationale Gemeinschaft
die Vollmacht haben würde, den Indikator zu überstimmen, wenn er als falsch
angesehen würde. Wie würde das funktionieren? Wer würde die Entscheidung treffen,
daß in einem bestimmten Fall keine Maßnahme zu treffen wäre?

Antwort: Das wäre die Auffassung des Konsultativgremiums. Irgendein Gremium
des IWF würde sich mit dem Problem befassen - vielleicht die Exekutivdirektoren
oder wenn eine stärkere Beteiligung durch eine Gruppe auf höherer Ebene gegeben
ist, könnten es Fälle geben, in denen sich diese Gruppe damit befassen würde.

Frage: Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß die Überschußländer
ebenso aktiv an der Korrektur von Ungleichgewichten teilnehmen sollten wie die
Defizitländer? Würde das System nicht funktionieren, wenn einfach nur die. Defizitländer abwerten und keine Aufwertungen erfolgen?

&lt;

• n&lt;
••

•

• •

Antwort:
- 6 -

•'.

* i,.~

�Antwort: Nein, dieser Meinung sind wir nicht. Wir sind der Auffassung,
daß eine Anpassung von beiden Seiten eine raschere Anpassung und eine gerechtere
Anpassung gewährleisten würde. Es könnte beispielsweise so sein, daß ein Land
einen Überschuß hat, weil es hohe Schranken gegen Importe errichtet hat und
seine Exporte sehr stark fördert. Hier muß vielleicht ein Druck ins Spiel gebracht werden, um einen Abbau dieser Importschranken zu erreichen. Das ist einer
der Wege, auf dem eine Anpassung stattfinden wird. Es ist ein Hauptmittel der
Anpassung und wir sollten es nicht wegwerfen.

Frage: Manche Leute scheinen der Ansicht zu sein, daß das oberste Problem
der internationalen Währungsreform die Konvertibilität sei, d.h. die Schaffung
eines Systems, in dem die Vereinigten Staaten nicht in der Lage wären, ihre
Defizite durch die Ansammlung von Dollar durch andere Länder zu finanzieren.
Welchen Standpunkt nehmen die Vereinigten Staaten zu dem Thema der Konvertibilität ein?

Antwort: Wir haben erklärt, daß wir durchaus bereit sind, an einem konvertiblen System teilzunehmen und den ßollar konvertierbar zu halten, wenn die Bedingungen in Ordnung sind. Wenn versucht werden sollte, uns heute konvertierbar zu machen, dann hätten wir nicht die Reserven,um alle die draußen stehenden
Dollar einzutauschen. Daher kann es nicht funktionieren. In einem gewissen Sinne
ist die Konvertibilität etwas, was am besten funktioniert, wenn man es nicht
braucht,und nicht funktioniert, wenn die Leute es verzweifelt herbeizuwünschen
scheinen. Ich möchte jedoch annehmen, daß, wenn man ein System erreichen kann,
das die Aussicht auf ein Gleichgewicht in sich trägt, die Konvertibilität mit
dazu hilft, ein wirksames Korrektiv einzuführen, das dieses Gleichgewicht aufrechterhält, wenn man es erst erreicht hat - wenn es einen echten Druck zur
Anpassung gibt und wenn die Forderung nach Symmetrie erfüllt wird, über deren
Notwendigkeit wir bereits gesprochen haben.

Frage: Im September vorigen Jahres haben Sie, wenn ich mich recht erinnere,
vom Floating als von etwas gesprochen, das man vielleicht auf einer doch eher
kurzfristigen Basis zu tun wünsche. Sind Sie jetzt, nachdem fast jeder seit
6 Monaten floatet, etwas gelassener bezüglich des Floating? Oder schätzen die
- 7-

�die Vereinigten Staaten heute die Nützlichkeit des Floatens anders ein als
vor einem Jahr?

Antwort: Unser Vorschlag sah zwei Arten des Floating vor: Das eine ist ein
zeitweiliges Floaten, bei dem ein Land einen Stand der Wechselkurse erreicht
hat, diese aber aus dem Gleichgewicht geraten sind und man nicht weiß, welches
der richtige Kurs für sie ist, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie
floaten also eine Zeit lang, mit anderen Worten, sie lassen ihre Wechselkurse
nach Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten sich frei bewegen - und durch
das Floating wird der Wechselkurs festgelegt.

Wir hatten auch das Konzept, daß ein Land über einen längeren Zeitraum
floatet, wie es beispielsweise Kanada und Großbritannien getan haben. Wir haben
beides in unserem Plan. Und ich glaube, daß die jüngste Erfahrung, nachdem
die Welt mehr auf der Basis eines floatenden Wechselkurses war, als es dies
seit langer Zeit gegeben hat, den Vorteil gezeigt hat,über diese Möglichkeit
zu verfügen.

Ich glaube, es ist bemerkenswert, daß bei all den Veränderungen und mit
all der Aufregung im WährungsSystem, die wir im letzten Jahr erlebt haben,
der Handel im Gegensatz zu den Voraussagen vieler sich weiterhin ausgeweitet
hat - und sich stark ausgeweitet hat. Das Floating-System scheint also ganz
gut funktioniert zu haben. Es hat den Handel nicht abgedrosselt. Die Leute
haben Mittel und Wege gefunden, sich aus der Affaire zu ziehen und mit einer
sehr viel flexibleren Situation fertig zu werden. Auf der anderen Seite haben
sich - wie ich meine - viele Leute bei der Floating-Situation etwas unwohl
gefühlt und haben die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß es wichtig sei,
doch einige Spielregeln für das Floating festzulegen, wenn es denn ein solches
geben soll»und diese Regeln sichtbarer zu machen als bisher.

Frage: An was für Regeln würden Sie denken?
Antwort: Ich würde an Regeln für die Ansammlung von Reserven denken, sowie die Art und Weise und das Ausmaß einer Intervention. Man kann einen soge- 8-

�sogenannten floatenden Kurs haben, wenn es aber starke Marktinterventionen
um
durch das entsprechende Land gibt,/dafür zu sorgen, daß der Kurs sich nicht
wirklich ändert, sondern auf einem bestimmten Punkt bleibt, dann ist das in
Wirklichkeit kein Floating. Es erfüllt nicht den Zweck, den Kurs durch den
Markt beeinflussen zu lassen. Und daher braucht man gewisse Regeln, damit ein
Floating nicht irgendwie dazu benutzt wird, einen besonderen Vorteil aus einer
Situation zu ziehen.
Frage: Hat man daran gedacht, sich mit dem Euro-Dollar zu befassen, wie
etwa durch eine Regulierung des Euro-Dollar-Marktes?

Antwort: Das ist sicherlich ein großes Problem, das noch im Hintergrund
steht. Es steht ein großer Betrag an über die ganze Welt verteilten Dollar aus,
mit dem man, wenn es ein System geben soll, das auf einer internationalen Reserve beruht, wohl in irgendeiner Weise fertig werden muß. Dies stellt ein
Übergangsproblem dar, dem wir und andere uns stellen müssen, und es handelt
sich um ein recht schwieriges Problem.

Wir meinen, daß wir eine gewisse Konsolidierung der Dollar-Guthaben im
Ausland haben müssen, die zum Teil die Grundlage für den Euro-Dollar-Markt bilden.
Das würde darauf abzielen, diesen Markt bis zu einem gewissen Ausmaß auszutrocknen. Aber es ist die Frage, wieweit man diesen Markt austrocknen will.

Frage: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß es ausländischen
Regierungen gestattet sein sollte, Dollar in ihren Reserven zu halten, wenn sie
das wollen?

Antwort: Weil wir der Auffassung sind, daß es dem System etwas mehr
Elastizität geben wird, etwas mehr Raum für die Anpassung, etwas mehr Spielraum, als wenn man alles auf die Grundlage einer festen Zahl von Sonderziehungsrechten stellen würde, die periodisch ausgegeben werden, nämlich gerade einer
ganz bestimmten Zahl. Wenn man zuläßt, daß ein relativ kleiner fluktuierender
Betrag von Devisen in dem System präsent

ist, dann bringt das eine gewisse

Elastizität.
Wir
- 9-

�Wir haben vorgeschlagen, daß, wenn das ausgebende Land keine Einwände
erhebt, es für ein Land möglich sein sollte, Währungen in seiner Reserve
zu halten, wenn es dies wünscht. Andere sind nun wieder der Auffassung, daß
dies keine gute Idee sei und das ist ein gewisser Streitpunkt.

Frage: Gäbe es nach dem amerikanischen Plan eine gewisse Grenze für den
Betrag an Dollar, den andere Länder halten könnten?

Antwort: Nein, wir haben keine spezifische Begrenzung vorgeschlagen.
Selbstverständlich gäbe es schon per defihitionen in dem Plan eine Grenze,
und zwar in dem Sinne, daß wir oder jedes andere Land in der Lage wären, zu
sagen, 'nein, ich will nicht, daß Ihr mehr von meiner Währung haltet'. In
diesem Falle würden andere alle zusätzlichen Beträge, die sie erhalten haben,
zurückgeben müssen.
-

.

Frage: Würden Sie etwas zu dem Zeitplan von Monsieur M. Giscard d'Estaing
für die Verhandlungen über die internationale Währungsreform sagen?

Antwort: Nun, ich möchte sagen, es ist ein vernünftiger Zeitplan und es
ist ein Zeitplan, der viel erörtert wurde: daß wir in Nairobi zusammenkommen
werden, daß wir ein bestimmtes Pensum schaffen werden, daß wir wahrscheinlich
irgendwann im Spätherbst erneut zusammenkommen werden, und daß wir bis zum
Frühjahr ein vereinbartes Paket von Grundsätzen entwickelt haben werden, die
eindeutig genug sind, daß die Juristen die Sache übernehmen und damit beginnen,
Abkommen usw. zu entwerfen. Ich bin überzeugt, daß dies eine Art von Konsens
war, der sich aus der Ministertagung des Zwanziger-Ausschusses ergeben hat,
die wir vor etwa einem Monat in Washington abgehalten haben, und an der auch
Monsieur Gistard d'Estaing teilnahm. Dies stellt seitens vieler Leute ein neues
Denken dar, da viele glaubten, daß es länger dauern würde, diese Aufgabe zu
lösen. Es mag vielleicht länger dauern, aber gegenwärtig sind die Leute einigermaßen optimistisch, daß ein Abkommen erreicht werden kann.

Frage: Wie stellen sich die Vereinigten Staaten vor, daß diese Währungsvorschläge nicht durch Handeln oder Nichthandeln auf dem Gebiet des Handels und
- 10 -

&gt;

�(

und der Investitionen blockiert oder aufgehoben werden?

Antwort: Wir beginnen gleichzeitig mit einer neuen multinationalen Runde
von Handelsverhandlungen. Sie werden im September in Tokio beginnen. Ich bin
sicher, daß die Währungsfragen gelöst sein werden, bevor die Verhandlungsrunde
über Handelsfragen abgeschlossen ist, aber wir haben erklärt, daß diese beiden
Dinge zusammengesehen werden müssen und wir werden weiterhin diesen Punkt in
den GATT-Verhandlungen vorbringen und darauf achten, wie das Währungssystem
nicht nur in der Vereinbarung, sondern auch in seiner Durchführung aussehen
wird."

+ + + + +

- 11 -

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34/1973

NEUENTDECKUNG DES US-MARKTES FÜR AUSLÄNDISCHE INVESTOREN
Von Sam B u r k s

WASHINGTON - (AD) - Eine immer größere Zahl ausländischer Unternehmer
hat erkannt, welche günstige Investitionsmöglichkeiten der amerikanische Markt
ihnen heute bietet. Und wie in den Aufbaujahren der amerikanischen Wirtschaft
beginnen sie diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Nach Schätzungen eines namhaften Bankhauses in New York beliefen sich die
Aufwendungen ausländischer Unternehmer für den Kauf oder die Ausweitung von
Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten allein im ersten Quartal 1972 und
im ersten Quartal dieses Jahres zusammen auf 1,5 Milliarden Dollar, wobei etwa
zwei Drittel dieser ausländischen Investitionen mit ausländischen Mitteln finanziert wurden.

Die ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten haben
sich nach Angaben eines New Yorker Marktforschungsinstituts in den letzten zehn
Jahren nahezu verdoppelt und beliefen sich Ende 1972 auf rund 14 Milliarden
Dollar. Nach Ansicht des Instituts deuten alle Anzeichen darauf hin, daß diese
Entwicklung sich in den nächsten zehn Jahren noch beschleunigen wird. Unter
den Begriff Direktinvestitionen fallen nicht die Anlagen ausländischer Investoren
in amerikanischen Wertpapieren, die Ende 1972 rund 38 Milliarden Dollar betrugen.
Die von dem Institut - dem Conference Board - vorgenommenen Erhebungen zeigen
weiter, daß sich die Erträge aus diesen ausländischen Investitionen in den USA

- 1 -

�USA seit 1962 verdreifacht haben und daß etwa die Hälfte dieser Erträge von
den ausländischen Investoren abgezogen wurde.

In Kreisen amerikanischer Anlageberater ist man fast einstimmig der Auffassung, daß gerade im Augenblick der Erwerb amerikanischer Fertigungsunternehmen für Ausländer besonders attraktiv ist. Als Grund hierfür wird das Zusammenfallen einer Reihe besonders günstiger Faktoren angeführt. Einmal, so wird
betont, haben die beiden letzten Dollar-Abwertungen dazu geführt, daß für den
Erwerb amerikanischer Firmen oder die Übernahme einer Beteiligung weit weniger
Devisen erforderlich sind, als dies vor dem August 1971 der Fall war. Aber auch
das niedrige Kursniveau an der New Yorker Börse läßt den Erwerb größerer Aktienpakete und damit die Übernahme einer Beteiligung heute erheblich attraktiver
erscheinen.

Das britische Finanzmagazin "The Economist" stellt in seiner Ausgabe vom
14. Juli 1973 fest, daß die Kurse an der New Yorker Börse seit Jahresbeginn um
rund 16 Prozent gefallen und Aktien, wie General Motors, Ford, Chrysler oder
andere führende Werte besonders günstig erhältlich sind. Für DM, so schreibt

die Zeitschrift, sind amerikanische Firmen heute um rund 30 Prozent billiger
erhältlich

als noch vor zwei Jahren und bei japanischen Yen um circa 25 Pro-

zent. Selbst bei Bezahlung mit britischen Pfund Sterling ergibt sich noch eine
Ersparnis von etwa sechs Prozent.

Ausländische Firmen sind, so betonen diese Kreise, aber auch deshalb am
Erwerb amerikanischer Fabriken interessiert, weil sie hoffen, so etwaige Zollmauern umgehen zu können, die bei einer eventuellen Zunahme protektionistischer
Strömungen in den USA zu Handelsbeschränkungen und damit einer Verschlechterung
ihrer Wettbewerbsposition führen könnten, die sich gerade erst aufgrund der
Dollar-Abwertungen erheblich verbessert hatte. Auch verfügten zahlreiche ausländische Unternehmen bereits vor diesen Dollar-Abwertungen über beträchtliche
Dollarbeträge, so daß sich jetzt für sie die Möglichkeit ergibt, die entstandenen
Abwertungsverluste durch Ankauf amerikanischer Wertpapiere auszugleichen, deren
Kursniveau augenblicklich relativ niedrig ist und bei denen mit einem erheblichen
Kursgewinn gerechnet werden kann, wenn der derzeitige Wirtschaftsaufschwung in
den USA anhält.
Em
- 2-

�Ein weiterer Anreiz für Ausländer zu Investitionen in den USA ist nach
Auffassung dieser Kreise die relativ niedrige Inflationsrate in den Vereinigten
Staaten. Wie die Organisation für Europäische Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) in ihrem Augustbericht betont hat, war die Inflationsrate in Amerika im
Juni trotz erheblicher Preissteigerungen immer noch eine der niedrigsten aller
nichtkommunistischen Ländern. Die von der OECD veröffentlichten Statistiken
zeigen weiter, daß die Vereinigten Staaten in den Jahren von 1968 bis 1972 im
Durchschnitt eine jährliche Inflationsrate von 4,5 Prozent aufzuweisen hatten,
während sie in der Bundesrepublik 5,9 Prozent und in Japan 4,8 Prozent betrug.

Ein weiterer, für ausländische Investoren interessanter Punkt ist die Tatsache, daß die Arbeitskosten in den USA in der letzten Zeit weit langsamer gestiegen sind als in den meisten anderen großen Industriestaaten. Sie erhöhten
sich zum Beispiel in Japan seit 1967 um 82 Prozent und in der Bundesrepublik
um 85 Prozent, während die Zunahme in den Vereinigten Staaten von 1968 bis
1972 lediglich 16 Prozent betrug. Zu einem großen Teil ist dies natürlich ebenfalls auf die Dollar-Abwertungen zurückzuführen.

Aber auch die Bemühungen der amerikanischen Regierung, durch Lockerung
einzelner Bestimmungen ein günstiges Klima für ausländische Investitionen zu
schaffen, haben ihren Zweck nicht verfehlt.

Diese und andere Entwicklungen haben eine Reihe großer ausländischer
Konzerne veranlaßt, sich entweder über Aktienkäufe oder durch direkten Erwerb
eigene Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten zu verschaffen. So haben eine
britisch-amerikanische Firma den Warenhauskonzern Gimbel Brothers, Lloyds die
Western Bank and Trust Company of Los Angeles, und die schweizer Firma Nestle
die Stouffer Foods, einen bedeutenden Hersteller von Tiefkühlnahrungsmitteln
übernommen. Der Erwerb der Texasgulf Inc. durch die kanadische Development
Corporation und die Übernahme der Ronson Corporation durch die italienische
Firma Liguigas stehen bevor und Michelin, Siemens, Sony sowie weitere bedeutende
Unternehmen haben angekündigt, daß sie eigene Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten errichten wollen. Aber auch zahlreiche andere holländische,

- 3-

�holländische, schweizer, italienische, kanadische und skandinavische Gesellschaften intensivieren ihr USA-Geschäft. Volvo wie auch die Volkswagen AG
haben ihr Interesse an eigenen Montagewerken in den Vereinigten Staaten bekundet.

+ + + + +

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34/1973

ARBEITSREICHE WOCHEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei -

Von James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der 93. Kongreß der Vereinigten Staaten, der am
5. September nach seiner einmonatigen Sommerpause wieder zusammentrat, steht
vor arbeitsreichen Wochen, die auch einiges an Konflikten bringen dürften.
Innenpolitischen Zündstoff enthalten vor allem die Fragen der Abgrenzung der
verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten und des Kongresses: das Recht des
Einsatzes amerikanischer Truppen, die Sperrung von Mitteln, die vom Kongreß
bereits bewilligt wurden, die Billigung von Abkommen, die nicht die Natur von
Verträgen haben, usw. Etwas kontrovers dürften auch geplante gesetzliche Bestimmungen für die Finanzierung von Wahlfeldzügen sein. Weitere innenpolitische
Vorlagen betreffen den Bau einer fast 1300 km langen Pipeline durch Alaska,
Massenverkehrsprojekte und schließlich die eventuelle Umstellung der USA auf
das metrische System. Großen Raum werden natürlich Verteidigungsfragen, die
Auslandshilfe und vor allem das neue Handelsgesetz einnehmen.

Von unmittelbarem und aktuellem Interesse werden jedoch die Anhörungen
und Beratungen über die Nominierung von Dr. Henry Kissinger zum Außenminister
der Vereinigten Staaten sein, die bereits am 7. September beginnen sollen und
sich bis in die kommende Woche erstrecken werden.

Auf

- 1-

�Auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung steht die Finanzierung wichtiger Projekte im Mittelpunkt, wie die Entwicklung eines neuen Jagdflugzeuges,
des neuen B-1-Bombers, eines neuen Flugzeugträgers mit Nuklearantrieb und der
neuen Unterseeboote des Typs Trident.

Das Repräsentantenhaus hat sich bei der Verabschiedung eines Beschaffungsgesetzes in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar geweigert, eine Höchstgrenze für
im Ausland - vor allem in Europa - stationierte Truppen festzulegen. Der Senat
erwägt jedoch eine Kürzung der amerikanischen Streitkräfte in Übersee - wiederum vor allem in Europa - um 150 000 Mann. Die Frage der Stationierung im Ausland wird wohl das schwerste Hindernis für den Vermittlungsausschuß beider
Häuser darstellen, wenn er im Herbst eine gemeinsame Fassung beider Vorlagen
erarbeiten muß.

Auch eine Einigung beider Häuser in der Frage der Auslandshilfe wird
nicht ganz einfach werden. Das Repräsentantenhaus hat bereits eine Vorlage
verabschiedet, die von der Konzeption ausgeht, daß den Menschen selbst - bilateral - geholfen werden soll, während große Entwicklungsprojekte mehr Aufgabe der multinationalen Hilfsprogramme wären. Einige Senatoren - vor allem
der Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit, Mike Mansfield, und der einflußreiche demokratische Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses , William
Fulbright, - treten für eine stärkere amerikanische Beteiligung an multilateralen Hilfsprogrammen ein, während beispielsweise Senator Hubert Humphrey
eine Vorlage unterstützt, die sich den Vorstellungen des Repräsentantenhauses
nähert.

Präsident Nixon hat für das Hilfsprogramm 2,936 Milliarden Dollar angefordert. Die Vorlage des Repräsentantenhauses sieht 2,833 Milliarden Dollar
für diese Programme vor, von denen 1,046 Milliarden Dollar auf die Wirtschaftshilfe, 1,155 Milliarden Dollar auf die Militärhilfe und 632 Millionen Dollar
auf den Wiederaufbau in Indochina nach Beendigung des Krieges in diesem Jahr
sntfallen sollen. Es ist damit zu rechnen, daß der Senat diese Beträge noch
beschneiden wird.
Der

�1
I

/
L

Der Senat wird außerdem über eine Vorlage abstimmen, die 50,2 Millionen
Dollar für die Tätigkeit des Senders Radio Free Europe und Radio Liberty vorsieht, die die weitere Ausstrahlung von Programmen nach den osteuropäischen
Ländern und der Sowjetunion ermöglichen soll. Nach den Bestimmungen dieser
Vorlage soll ein fünfköpfiges Gremium eingesetzt werden, das die Tätigkeit
der beiden Sender überwacht und die Mittel für ihren Betrieb verteilt.

Senator Fulbright, dessen Ausschuß die Vorlage gegen seine Einwände
billigte, erklärte, daß er einen Zusatzantrag einbringen werde, wonach die
finanziellen Beiträge der amerikanischen Regierung mit Beginn des Jahres
1974 fünfzig Prozent der Ausgaben für die beiden Sender nicht übersteigen
dürften; die restliche Summe sei dann von den europäischen Regierungen und
privaten Quellen aufzubringen.

Das neue Handelsgesetz, das unter anderem Präsident Nixon und seinen Beauftragten die Vollmacht zu Verhandlungen über eine Senkung der Zoll- und
Handelsschranken geben soll, wird voraussichtlich diesen Herbst in der zweiten
Kammer verabschiedet werden. Der Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses
hat seine Beratungen darüber schon fast abgeschlossen. Die endgültige Verabschiedung dürfte Anfang nächsten Jahres erfolgen. Das Haus wird in den nächsten
Wochen auch ein Gesetz über die amtliche Festlegung des Wertes des Dollar in
Gold und Sonderziehungsrechten, die Erlaubnis zum privaten Goldbesitz in den
USA, die Meldepflicht von Währungstransaktionen durch multinationale Firmen
sowie die Forderung nach einer internationalen Währungsreform behandeln. Auch
eine Vorlage über Exportkontrollen für knappe Erzeugnisse (Weizen, Sojabohnen
usw.) steht an.

Völlig umstritten ist eine Vorlage über die Bewilligung der Mittel für
das Außenministerium, da hier durch Zusätze ein Verbot künftiger Stützpunktabkommen mit anderen Ländern - es sei denn mit ausdrücklicher Billigung durch
den Senat - sowie eine Offenlegung der Akten für Kongreßausschüsse vorgesehen
wären. Sollte die Vorlage in dieser Form verabschiedet werden - die Chancen
im Repräsentantenhaus stehen 50 zu 50 - dann ist ein Veto des Präsidenten
sicher. Der Präsident wird sich das in der bisherigen Verfassungspraxis ge- 3-

�r
•\

J
geübte Recht des Abschlusses von Abkommen nicht nehmen lassen. Der Billigung
durch den Senat bedürfen nur feierliche internationale Verträge im Sinne des
Völkerrechts.
Ob verfassungsrechtliche Fragen oder finanzielle Fragen, Präsident und
Kongreß werden gemeinsam gangbare Wege finden müssen. Weniger Aufregung aber
sicherlich viel Mühe wird mit einer Vielzahl von Vorlagen verbunden sein, die
eine Verbesserung von Pensionsplänen, Wohnbauförderung für sozial schwache
Bevölkerungsschichten, die Schaffung eines Verbraucherschutzamtes, Massenverkehrsprojekte, Maßnahmen bei Rohölverknappung usw. vorsehen.

Was den "Anschluß" der Vereinigten Staaten an das metrische System angeht,
so

ist die

Ausschuß-Behandlung im Repräsentantenhaus praktisch abgeschlossen,

und die Befürworter hoffen auf eine baldige Debatte im Plenum. Der Senat hat
sich allerdings mit diesem Problem überhaupt noch nicht befaßt.

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34/1973

NEUER SEERECHTSVERTRAG VORDRINGLICH

- (AD) - Nach Ansicht der Vereinigten Staaten dürfen die geplanten Verhandlungen über die Formulierung eines neuen internationalen Seerechts nicht
länger hinausgeschoben werden, nachdem am 24. August 1973 die sechste und
letzte vorbereitende Konferenz in Genf zu Ende gegangen ist. An dieser Tagung
des UN-Komitees für den Meeresboden nahmen die Vertreter von 91 Ländern teil.
Die eigentlichen Verhandlungen über den neuen Seerechtsvertrag sollen im April
*

1974 in Santiago de Chile beginnen. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen
wird im November in New York eine Organisationssitzung abhalten, auf der auch
die zuständigen UN-Vertreter gewählt werden sollen.

Schon vor drei Jahren machte Präsident Nixon darauf aufmerksam, daß in der
Unzulänglichkeit des geltenden Seerechts die Wurzel zu möglichen internationalen
Konflikten liege. Der Meeresboden-Ausschuß der Vereinten Nationen, der sich
bisher mit den daraus erwachsenden Problemen befaßte, vermochte jedoch keine
Einigung über neue Formulierungen zu Fragen wie der Ausdehnung der Hoheitsgewässer, der Durchfahrt durch Meerengen, Navigation, Schutz der marinen Umwelt,
Meeresforschung, wirtschaftliche Anrechte von Küstenstaaten auf Gebiete jenseits der Hoheitsgrenze auf See oder eine internationale Verfügungsgewalt und
Behörde für den Meeresboden außerhalb nationaler Hoheitsgrenzen zu erzielen.
Dies veranlaßte eine Reihe von Nationen, vor Beginn der eigentlichen Konferenz
die Einlegung einer siebten Vorverhandlungsrunde zu fordern.

Damit

-

I

-

�Damit würden die allgemeinen Verhandlungen über ein neues Seerecht wieder
hinausgeschoben, was John R. S. Stevenson, der Leiter der US-Delegation für
die Meeresbodenkonferenz, wegen der dann zu erwartenden Fortsetzung der von
mancher Seite praktizierten Willkürhandlungen auf See und der unsicheren Situation für zahlreiche Staaten für gefährlich hält.

Schon während der sechsten Verhandlungsphase gab Mr. Stevenson zu verstehen, daß zwar die ganze Welt daran interessiert sei, wenigsten "Mindestvereinbarungen" über die wichtigsten Fragen zu erreichen, daß es jedoch "keine befriedigende Alternative zu einem internationalen Abkommen gibt." Dieses könne
nur funktionsfähig sein, wenn darin die Interessen aller Nationen im größtmöglichen Umfang berücksichtigt werden. Ein nur mit Stimmenmehrheit angenommener
Vertrag wäre wenig sinnvoll, weil sich dann möglicherweise einflußreiche Länder,
die ihn ablehnen, nicht an seine Bestimmungen halten.

Zu den noch ungelösten alten Problemen, die seit der letzten großen
Konferenz im Jahr 1960 mitgeschleppt werden, sind durch die neuen Nutzungsmöglichkeiten für die Weltmeere weitere hinzugekommen. Etwa 50 Prozent der Erdölvorkommen der Welt werden im Meeresboden vermutet. Die wichtigsten Reserven
der Zukunft für Kupfer und Nickel sieht man in den Manganknollen-Teppichen, die
auf dem Grund der Tiefsee - außerhalb nationaler Hoheitsgewässer - liegen. Industrie- und Entwicklungsländer, seefahrende Nationen und Binnenstaaten sind
an ihrer Ausbeutung interessiert, für die nun ein für alle akzeptabler Modus
gefunden werden muß. Manche Entwicklungsländer fordern, daß einer internationalen
Behörde das ausschließliche Abbaurecht für die Tiefsee-Mineralien übertragen
werden und daß diese Behörde entscheidet, wer die Vorkommen in welchem Umfang
abbauen dürfe. Industrienationen wie die USA dagegen sind der Auffassung, die
Behörde solle im Rahmen eines Lizenzierungs- und Verordnungssystems die Abbauaktivität regeln und dafür Sorge tragen, daß die internationale Gemeinschaft
in erster Linie durch die Verteilung von Gewinnen und Angebote auf technische
Hilfe Nutzen davon habe.

Mit der starken Ausweitung des Schiffsverkehrs und der industriellen Aktivität im ozeanischen Raum nimmt die MeeresVerschmutzung und die Gefährdung der

�der marinen Umwelt zwangsläufig ernste Ausmaße an, wenn dieser Entwicklung
nicht durch Maßnahmen auf internationaler Ebene Einhalt geboten wird. Den
organisatorischen Rahmen dazu soll eine Konferenz von UN-Mitgliedstaaten erarbeiten, die am 4. September 1973 begann.

Auch die Hochseefischerei gibt immer wieder Anlaß zu Streitigkeiten. Die
Vereinigten Staaten nehmen den Standpunkt ein, daß Küstenländer

das erste An-

recht an Fischbeständen in ihren jeweiligen wirtschaftlichen Interessengebieten
vor der Küsten haben. Bei Fischarten wie Lachs, die in küstennahen Flüssen
laichen, aber Wanderzüge über Tausende von Seemeilen unternehmen, sollten dem
Herkunftsland die Fangrechte vorbehalten sein, während für andere Spezies wie
Thunfisch, die ebenfalls Wanderzüge über große Entfernungen unternehmen, eine
internationale Kontrolle vorzusehen ist. Dies alles sind nur Einzelbeispiele
für die Unmenge von Fragen und Probleme, die mit der Formulierung eines neuen
Seerechts aus der Welt geschafft werden sollen.

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34/1973

ULTRAVIOLETTEINSTRAHLUNG UND HAUTKREBS-HÄUFIGKEIT
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen

- (AD) - Seit langem wird vermutet, daß ein Zusammenhang zwischen Ultravioletteinstrahlung der Sonne und Hautkrebs besteht. Um diesen nach Möglichkeit auch beweisen und definieren zu können, installierten kürzlich Wissenschaftler der US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA) ein Netz
von Meßgeräten, mit denen die jeweilige Menge der ultravioletten Einstrahlung
ermittelt und die Ozonschicht in der Atmosphäre sondiert wird. Gleichzeitig
wird mit Hilfe besonders empfindlicher Dosimeter, die die Reaktion der Hautrötung beim Menschen unter Sonneneinstrahlung nachvollziehen, das Auftreten
und der Grad von "Sonnenbrand" in den von der Überwachungsaktion erfaßten Gebieten registriert. Denn der Verdacht, daß jener Strahlungsanteil des Sonnenlichts, der zu Sonnenbrand führt, auch die Entwicklung von Hautkrebs begünstigt,
scheint nicht unbegründet zu sein.
Die NOAA-Wissenschaftler arbeiten bei diesem Projekt eng mit dem Nationalen
Krebsforschungsinstitut, einer Abteilung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) sowie der Temple-Universität in Philadelphia (Pennsylvanien)
und dem Nationalen Wetterdienst zusammen. Die Studie wird z.T. vom US-Verkehrsministerium finanziert, das durch sein Sonderprojekt zur Bewertung klimatischer
Einflüsse ("Climatic Impact Assessment Program") die möglichen Auswirkungen von
Abgasen sehr hochfliegender Flugzeuge auf das Klima

und die normale Struktur

der Atmosphäre zu ergründen sucht.
Das
- 1 -

�Das US-Verkehrsministerium ist deshalb an der Studie besonders interessiert, weil immer wieder die Befürchtung geäußert wird, daß künftige Flotten
von Überschall-Transportflugzeugen und Passagiermaschinen, die zur Erreichung
von Überschallgeschwindigkeiten in großen Höhen fliegen müssen, die schützende
Ozonschicht "verdünnen" oder gar zerstören könnten. An der Erdoberfläche würde
man sehr viel größere Mengen von ultravioletter Strahlung empfangen, wenn diese
nicht von der Ozonschicht absorbiert würde.
Dr. Lester Macha, der Direktor des NOAA-Instituts für Atmosphärenforschung
in

Boulder (Colorado), erklärte in diesem Zusammenhang, daß man genau ermitteln

wolle, wie sich die Sonnenbrand verursachende Sonnenstrahlung mit der geographischen Breite, mit dem Ozongehalt der Luft, mit Staub- und Aerosolkonzentrationen in der Atmosphäre sowie mit verschiedenen meteorologischen Faktoren
verändert. Diese Informationen werden zu Daten in Beziehung gesetzt, die das
Nationale Krebsforschungsinstitut über Art, geographische Verteilung und Häufigkeit von Hautkrebs zusammenstellt.

Die Spezialinstrumente messen Ultraviolettstrahlung im Wellenlängenbereich zwischen 2800 und 3200 Sngström. Der Teil des Spektrums, der Hautkrebs
verursacht, ist allerdings nicht genau bekannt. Jedoch ist anzunehmen, daß
exakte Beobachtungen der unter bestimmten Einstrahlungsbedingungen auftretenden
Hautrötung (eine Folge von Überfüllung und Verstopfung der Kapillaren) und
gründliche Erhebungen zur Frage "Sonnenbrandreaktionen der Haut und Hautkrebs"
die Wissenschaft ein gutes Stück voranbringen werden.

Auffallend ist, daß in südlichen Breiten Hautkrebs häufiger vorkommt
als in den gemäßigten und polnäheren Breiten. Im allgemeinen sprechen diese
Formen von Krebs gut auf Behandlung an und sind nicht lebensbedrohlich. Dennoch
warnen der öffentliche Gesundheitsdienst der USA und die "American Cancer
Society" immer wieder vor dem ausgedehnten Sonnenbad, um einen der möglichen
Faktoren für die Entstehung von Hautkrebs auszuschalten.

Parallel zu den beschriebenen Untersuchungen laufen unter Verwendung der
'.', .eichen Instrumente verschiedene Studien, mit denen man eine Reihe anderer

�anderer biologischer Reaktionen auf Ultraviolettlicht untersuchen will.
Eines dieser Forschungsgebiete ist die Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen
Pflanzenwachstum und UV-Einstrahlung. An diesen Projekten sind jedoch keine
NOAA-Wissenschaftler beteiligt.

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34/1973

MINI-APPARATUR SOLL BAUCHSPEICHELDRÜSE ERSETZEN

- (AD) - Wissenschaftler des "Joslin Research Laboratory" in Boston
(Massachusetts) entwickelten und erproben derzeit eine Apparatur, die wichtige Funktionen der Bauchspeicheldrüse übernehmen soll. Wie Dr. J. Stuart
Soeldner, Forschungsdirektor des Instituts, in einem Interview mit der "Stimme
Amerikas" erklärte, handelt es sich dabei um ein winziges, implantierbares
Gerät, das fortlaufend den Blutzuckerspiegel ermitteln und entsprechend des
jeweiligen Meßwertes eine Mikrodosis von Insulin in den Körper des Diabetikers
einschleusen soll.

Durch dieses neue Behandlungsverfahren versucht man die beim LangzeitDiabetes häufig auftretenden Komplikationen wie Nierenversagen, Herz- und
Gefäßleiden - oft verbunden mit einer immer stärkeren Beeinträchtigung der
Sehfähigkeit - zu mildern oder ganz auszuschalten. Sie ergeben sich im Laufe
der Zeit, weil der Diabetiker bei der herkömmlichen Behandlung mit InsulinInjektionen einfach nicht in der Lage ist, den Blutzuckerspiegel ständig innerhalb der günstigsten, normalen Grenzwerte zu halten.

Das Projekt der Forschergruppe um Dr. Soeldner, an dem auch zwei Raumfahrtwissenschaftler (Dr. Chang und Dr. Eisenberg) beteiligt sind, befindet
sich noch im Experimentierstadium. Aber die Wissenschaftler sind sehr optimistisch, daß es ihnen gelingen wird, die "künstliche Bauchspeicheldrüse"
so klein zu halten, daß die Apparatur ohne Schwierigkeit im Unterhautgewebe
am Magen implantiert und ihr Insulinvorrat von außen regelmäßig ergänzt
werden kann.
Dr. Soeldner

�Dr. Soeldner verweist darauf, daß 2, 3 und selbst 4 Insulinspritzen pro
Tag keine Garantie dafür bieten, den Blutzuckerspiegel normal zu halten."Mit
der Funktionstüchtigkeit der gesunden Bauchspeicheldrüse, insbesondere ihrer
Beta-Zellen in den sogenannten Langerhansschen Inseln, konnte sich bisher auch
die beste Therapie mit einer stets aufs Sorgfältigste vorgenommenen Insulineinstellung nicht messen. Es habe, so Dr. Soeldner, den Anschein, als ob die
Beta-Zellen, die das Insulin produzieren, speichern und freisetzen, auch die
Fähigkeit hätten, kontinuierlich den Blutzuckerspiegel zu messen. Und entsprechend dem jeweiligen "Meßwert" geben sie ebenso kontinuierlich die Menge
Insulin ab, die zur Aufrechterhaltung des Normalwertes erforderlich ist.

Die fortlaufende Ermittlung des Glukose-Spiegels ist die eine Schlüsselfunktion der neuen Apparatur, die Freigabe der entsprechenden Menge Insulin
aus dem Nachfüllbehälter die zweite. Der dafür erforderliche Mechanismus wurde
von Dr. Chang und Dr. Eisenberg entwickelt. Er sollte ohne bewegliche Teile
und mit minimalem Energieaufwand funktionieren; außerdem durfte er keinerlei
toxische Verbindungen enthalten oder erzeugen. Das Nachfüllen, das vorläufig
einmal pro Tag erfolgt, soll mit weiterer Vervollkommnung der Apparatur später
auf einmal pro Woche beschränkt werden können. Der Blutzuckerspiegel des
Patienten soll auf diese Weise zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem Normalstand gehalten werden. Wahrscheinlich bedeutet das für ihn auch die Einhaltung
einer weniger strikten Diät - von der Befreiung von ernsten Komplikationen
einmal ganz abgesehen.

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- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz rechnet mit baldiger Einigung über Währungsreform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuentdeckung des US-Marktes für ausländische Investoren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsreiche Wochen für den amerikanischen Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von James S. Aldrich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Seerechtsvertrag vordringlich&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ultravioletteinstrahlung und Hautkrebs-Häufigkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mini-Apparatur soll Bauchspeicheldrüse ersetzen</text>
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Nummer

35

12. September 1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß
- Auszüge WIRTSCHAFT
US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus
- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies Von Sam Burks

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen,
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet Von John J. Harter

INFORMATION
Audio-Visuelle Geräte und Systeme
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technik für den Umweltschutz
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss
Schwefelmonoxid im interstellaren Raum

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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35/1973

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN US-KONGRESS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 10. September eine Sonderbotschaft an den Kongreß gerichtet, in der dieser ersucht wird, die VorrangGesetzesvorlagen der Regierung vordringlich zu behandeln und zu verabschieden. Amerika, so unterstrich Nixon, "sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die noch gelöst werden müssen".
Die wichtigsten Teile der Botschaft des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Wenn der Kongreß jetzt für die letzten Monate der Legislaturperiode
1973 zusammengetreten ist, steht er erneut vor einer entscheidend wichtigen
Aufgabe.
Unser Land sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die
rasch gelöst werden müssen.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln im Kampf
gegen die steigenden Preise. Und sie wollen, daß jeder mögliche Schritt jetzt
getan wird - nicht erst in einem Jahr oder in der nächsten Sitzungsperiode
des Kongresses.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in
diesem Jahr, damit wir genügend Heizmaterial für unsere Wohnungen, genügend
Energie für unsere Fabriken und genügend Treibstoff für unsere Verkehrsmittel
haben.

�Sie fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in diesem
Jahr, damit Verbrechertum und Drogenmissbrauch bekämpft werden. Der
Prozentsatz schwerer Verbrechen geht zum ersten Male seit 17 Jahren auf
nationaler Ebene zurück, und die Amerikaner wollen, daß diese Entwicklung
anhält.
Es besteht ferner eine dringende Notwendigkeit, die Qualität unserer
Schulen zu verbessern, die Bundesprogramme für unsere Städte und Gemeinden
zu reformieren, eine bessere Berufsausbildung anzubieten, unsere Wohnungsbauprogramme zu reorganisieren, eine Reform unserer Wahlkampfpraktiken
durchzuführen, die Bestand hat, sowie unsere Position auf den Weltmärkten
zu stärken.
Von überragender Bedeutung ist die anhaltende Verpflichtung Amerikas,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens in der Welt zu errichten. Unser Volk
lebt jetzt zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder in Frieden und
es erwartet von seinen Führern, daß sie alles Erforderliche tun, um den
Frieden zu wahren - unter anderem auch solche Maßnahmen, die die starke
Verteidigungsposition der USA

erhalten.

Gleichzeitig ist klar, daß zahlreiche Kongreßmitglieder

zu Beginn

der Herbstsitzung der Legislative den Wunsch haben, sich vermehrt in die
Regierungsarbeit einzuschalten. Sie möchten, daß das amerikanische Volk
mehr Respekt vor dieser großen Institution hat, und daß ihre Autorität
wächst.
Ich persönlich begrüsse eine solche Renaissance des Kongresses. Aber
ich glaube auch, daß der Präsident eine starke Position haben muß - und
ich werde mich weiterhin allen Bemühungen widersetzen, das Präsidentenamt
solcher Vollmachten zu entkleiden, die es haben muß, um wirksam arbeiten
zu können - doch glaube ich ebenso, daß der Kongreß eine starke Position
haben sollte.
Wenn ich dem Kongreß heute diese Botschaft unterbreite, so möchte
ich seine Aufmerksamkeit auf über 50 Gesetzesentwürfe lenken, die ich im
Laufe dieses Jahres bereits vorgelegt habe. Diese Entwürfe haben jetzt
zusammen mit meinen normalen Ermächtigungsgesetzen höchste Dringlichkeit,

�Dringlichkeit, wenn wir unserer Verantwortung nachkommen wollen.
Im Geiste einer verantwortungsbewußten Zusammenarbeit, die zwischen der
Exekutive und dem Kongreß bestehen muß, wenn wir in diesem Herbst einen
echten Fortschritt erzielen wollen, bin ich voll und ganz bereit, eng mit
den Mitgliedern des Kongresses zusammenzuarbeiten, soweit es um eine Abänderung dieser Gesetzesvorlagen geht ...
Es gibt natürlich beätimmte Prinzipien von entscheidender nationaler
Bedeutung, bei denen es keine Kompromisse geben kann - die Notwendigkeit,
Haushaltsdisziplin zu üben, eine starke nationale Sicherheitsposition zu
behalten und die erforderlichen Vollmachten der Exekutive zu erhalten.
Doch innerhalb diesen Grenzen bin ich bereit, wo immer möglich, praktikable
Kompromisse zur Lösung unserer nationalen Probleme zu suchen.
Keine Frage liegt der amerikanischen Öffentlichkeit heute mehr am
Herzen als die steigenden Verbraucherpreise. Der Kampf gegen die Inflation
muß für uns für den Rest dieses Jahres oberste Priorität haben.
Die Exekutive hat sich bereits aktiv in diesen Kampf eingeschaltet:
- Wir haben nachdrückliche neue Wirtschaftskontrollen verfügt, die zur
Reduzierung der Inflationsrate bis Ende des Jahres beitragen sollen.
- Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Ausweitung des Lebensmittelangebots ergriffen, so daß die Erzeugung mit der wachsenden Nachfrage Schritt
halten wird. Das Landwirtschaftsgesetz, das den Kongreß im letzten Monat
passiert hat und unterzeichnet worden ist, wird wesentlich hierzu beitragen.
- Drittens hat das Federal Reserve System (US-Bundesbank) angemessene Kontrollen der Geldflüsse innerhalb der Wirtschaft ausgearbeitet, was
für die Eindämmung der Inflation unerläßlich ist.
Wir bewegen uns in der richtigen Richtung, aber wir müssen uns darüber
im klaren sein, daß wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir auch die
eine, wichtigste Waffe in unserem Arsenal einsetzen: die Kontrolle des
Bundeshaushalts. Jeder Dollar, um den wir das Defizit im Bundeshaushalt
verringern, ist ein weiterer Schlag gegen Preiserhöhungen. Und wir können
im Augenblick nichts Wirksameres im Kampf gegen die Inflation tun, als das

- 3 -

�das Defizit völlig zu beseitigen und den Bundeshaushalt auszugleichen.
Eines der wichtigsten, dem Kongreß gegenwärtig vorliegenden Gesetze
ist die von mir eingebrachte Vorlage zur Reform des Handels von 1973. Es ist
wichtig, daß dieses Gesetz in den kommenden vier Monaten verabschiedet wird.
Dieses Gesetz bringt die wohl bedeutsamste Reform unserer Einstellung
gegenüber dem Welthandel seit über einem Jahrzehnt. Aber es basiert auf
einer starken Tradition, die seit den Tagen Franklin Roosevelts stets gewahrt wurde, und es gibt der Exekutive die erforderlichen Vollmachten, damit
sie die Vereinigten Staaten bei den Handelsverhandlungen mit anderen Ländern
wirksam vertreten kann.
Die vor uns liegenden Wochen und Monate sind eine besonders wichtige
Zeit für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Dieser Monat bringt die
offizielle Eröffnung einer neuen und äußerst wichtigen Runde von Handelsverhandlungen in Tokio und die Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) und
der Weltbank in Nairobi. Die Tagung in Nairobi ist für die Verhandlungen
über eine Reform des internationalen WährungsSystems von größter Wichtigkeit.
Die aus diesen beiden Konferenzen erwachsenden Entscheidungen werden der
Weltwirtschaft auf viele Jahre hinaus eine neue Form geben. Die Vereinigten
Staaten können sich an diesen Gesprächen weit wirksamer beteiligen, wenn
der Kongreß die Hilfsmittel bereitstellt, die das von mir vorgeschlagene
Gesetz für eine Reform des Handels enthält.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine offenere Handelswelt
anstreben. Wir sind der Ansicht, daß künstliche Schranken für den Handel
zwischen den einzelnen Ländern oftmals Schranken für die Prosperität innerhalb dieser Länder selbst bilden. Das Handelssystem sollte jedoch nicht
nur offener sondern auch fairer sein. Der Handel muß für alle Länder nach
gleichen Spielregeln abgewickelt werden - er muß unseren Arbeitern, Farmern
und Geschäftsleuten die Möglichkeit bieten, solche Erzeugnisse, die sie am
billigsten produzieren nach anderen Ländern zu exportieren, sowie als Verbraucher die Güter zu kaufen, die ihre Partner in anderen Ländern am
billigsten herstellen. Für die Verhandlungen über ein offeneres und gerechteres Handelssystem müssen unsere Unterhändler mit Vollmachten ausgestattet sein, die denen ihrer Gesprächspartner aus anderen Ländern entsprechen.

Meine

�Meine Vorlage über eine Reform des Handels enthält eine Reihe solcher
Vollmachten und würde damit unsere Verhandlungsposition stärken. Ich betone
erneut, daß der Kongreß einen Mechanismus schaffen sollte, der ihm für engere
Konsultationen und eine engere Zusammenarbeit mit der Exekutive am besten geeignet erscheint, um sicherzustellen, daß seine Auffassungen angemessen vertreten werden, wenn die Handelsverhandlungen voranschreiten.

Gleichzeitig habe ich aber auch entsprechende Maßnahmen gefordert, um
sicherzustellen, daß die Vorteile eines expandierenden Handels auf faire Weise
allen Teilen unserer eigenen Bevölkerung zugutekommen und kein Teil unserer
Wirtschaft unfaire Lasten auf sich nehmen muß. Meine Vorschläge würden uns
größere Flexibilität für die Gewährung geeigneter Hilfe geben, wenn Importe
schwerwiegende binnenwirtschaftliche Probleme schaffen. Sie würden ferner
unsere Programme für Anpassungshilfe sowie andere

Formen von Kompensation

liberalisieren, um den aufgrund steigender Importe freigesetzten Arbeitern
zu helfen. Sie würden uns weiter in die Lage versetzen, uns besser mit den unfairen Handelspraktiken anderer Länder zu befassen und durch Ausweitung des
Handels einen Teil der zu hohen ausländischen Dollarkredite abzusaugen, die zu
Störungen auf dem Binnenmarkt führen könnten.

Andere in der Vorlage enthaltene

Vollmachten würden uns größere Flexibi-

lität für den Einsatz unserer Handelspolitik im Kampf gegen die Inflation
geben, für die Korrektur unserer Zahlungsbilanz, für die Ausweitung unserer
Exporte und für die Förderung unserer außenpolitischen Ziele. Eine Bestimmung
dieser Gesetzesvorlage würde den Präsidenten ermächtigen, die Meistbegünstigungsklausel auf solche Länder anzuwenden, die noch nicht in den Genuß dieses
Status kommen. Sie wäre besonders nützlich für die Ziele unserer Außenpolitik,
und ich werde diese Bestimmung weiterhin nachdrücklich unterstützen.

In seiner Gesamtheit stellt das vorgeschlagene Gesetz für eine Reform
des Handels von 1973 einen entscheidend wichtigen Baustein dar, wenn wir uns
jetzt um die Errichtung eines dauerhaften Gebäudes des Friedens in der Welt
und seine dynamische und stabile Wirtschaft im eigenen Land bemühen. Bei den
vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen würde dieses Gesetz es uns ermög- 5 -

�ermöglichen, mehr Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, bessere Absatz-

i

markte für die amerikanischen Erzeuger, umfassendere Möglichkeiten für die
amerikanischen Investoren und niedrigere Preise für die amerikanischen Verbraucher sicherzustellen.

Gesetz zur Regelung des Exports

Die von meiner Regierung am 13. Juni vorgeschlagene Änderung des Gesetzes
zur Regelung des Exports (Export Administration Act) stellt eine weitere Waffe
dar, die im Kampf gegen die steigenden Preise nützlich sein könnte.

Eine der

wichtigsten Ursachen für den jüngsten inflationistischen Preisauftrieb waren
der ungewöhnlich starke Wirtschaftsboom im Ausland und die hieraus resultierende
zusätzliche Nachfrage nach unseren Erzeugnissen. Insgesamt gesehen sollte dieser
Boom als eine gesunde, langfristige Entwicklung für unsere Wirtschaft wie auch
i

für die übrigen Länder gewertet werden. Ich sagte jedoch bereits im Juni:
Wenn wir in den Vereinigten Staaten ernste Verknappungen haben und uns entscheiden müssen, ob wir den Auslands- oder den Inlandsbedarf decken sollen,
'dann muß der amerikanische Verbraucher Vorrang haben'.

Aus diesem Grunde habe ich um neue und flexiblere Vollmachten ersucht, um
bestimmte Kontrollen für Lebensmittel und andere Exportgüter verfügen zu können,
wann und wo sie erforderlich sind. Ich werde jedoch weiterhin ständige Kontrollen ablehnen, weil sie das gesamte Gefüge gesunder Handelsbeziehungen durcheinanderbringen und stören können und so den Kampf gegen die Inflation erschweren. Unsere begrenzten Kontrollen bei Sojabohnen sind am letzten Freitag
abgeändert worden, so daß neue Exportkontrakte voll erfüllt werden könnet;.
Dieser Schritt wurde getan, weil wir überzeugt sind, daß die Vorräte und die
Erträge der neuen Ernte für die Deckung unseres eigenen Bedarfs mehr als ausreichend sind.
Trotzdem ersuche ich weiterhin um die im Juni geforderte Vollmacht, um
sicherzustellen, daß wir notfalls neuen Gegebenheiten schnell entsprechen
können. Ich möchte ferner betonen, daß neue Kontrollen nur verfügt werden,
wenn sie absolut notwendig sind ...
Gesetz
- 6 -

�\.

Gesetz zur Verwertung von Lagerbeständen

Eine weitere wichtige Maßnahme, die der Kongreß im Kampf gegen die
steigenden Preise ergreifen kann, ist die Gewährung der erforderlichen Vollmachten, damit ein Teil unserer nationalen Bestände an strategisch wichtigen
Rohstoffen verkauft werden kann - Rohstoffe, die nicht länger aus Gründen
der nationalen Sicherheit benötigt werden. Ich habe im April um eine solche
Vollmacht ersucht, damit Waren im Wert von 4 Milliarden Dollar aus unseren
Beständen abgegeben werden können. Solche Verkäufe, die eine Steigerung des
Angebots an wichtigen Rohstoffen auf dem Markt ermöglichen, könnten dazu beitragen, dem hart bedrängten amerikanischen Verbraucher Erleichterung zu verschaffen. Weiter könnte dieses Gesetz dazu beitragen, Arbeitsplätze für Arbeiter zu erhalten und zu beschaffen, deren Arbeitsplatz davon abhängig ist,
daß genügend Grundstoffe wie Aluminium, Zinr,und Kupfer, bei denen das Angebot
knapp ist, zur Verfügung stehen.

Die Vorräte der US* an strategisch wichtigen Rohstoffen sind noch immer
auf die wirtschaftlichen und militärischen Realitäten der fünfziger Jahre ausgerichtet - praktisch wurden 95 Prozent der derzeitigen Bestände vor 1959 angekauft. In den siebziger Jahren haben sich jedoch unsere militärischen Erfordernisse geändert - und genauso hat sich unser Wirtschaftspotential, um
ihnen entsprechen zu können, geändert. Die von mir vorgeschlagenen neuen Richtlinien für die Bevorratung würden unsere nationale Sicherheit angesichts dieser
veränderten Realitäten peinlich genau schützen, gleichzeitig aber unsere wirtschaftliche Position wesentlich stärken. Ich bedaure es, daß diese Vorlage in
den letzten Monaten nicht schneller vorangekommen ist. Zwecks Verbesserung der
Wirksamkeit, Sparsamkeit und Preisstabilität ersuche ich erneut um seine
rasche und positive Verabschiedung ...

Vordringliche

- 7-

�Vordringliche Aufgabe auf dem Energie-Sektor

Ich habe schon früher betont, und möchte dies hiermit ganz ausdrücklich
wiederholen, daß die Lücke zwischen dem für Amerika vorausberechneten kurzfristigen Energiebedarf und den uns verfügbaren einheimischen Energiereserven
in einem Maße größer wird, das unsere unmittelbare Aufmerksamkeit erfordert.

Ich bin dabei, alle angemessenen Maßnahmen im Rahmen meiner Kompetenzen
zu ergreifen, um zu einer Steigerung unserer Vorräte und zu einer Abschwächung
unseres Bedarfs zu kommen. Für die weitere Zukunft habe ich Pläne für eine umfangreiche Ausweitung unserer Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen angekündigt, und ich habe Gouverneur John Love, meinen Chefberater in Energiefragen,
gebeten, in Zusammenkünften mit offiziellen Vertretern der Bundesstaaten sich
um eine vorübergehende Modifizierung der Luftqualitäts-Grenzwerte zu bemühen.
Solche Abänderungen würden helfen, im kommenden Winter den Brennstoffmangel

'

zu reduzieren. Darüber hinaus werde ich in Kürze mit Mitgliedern der US-Atomenergie-Kommission zusammentreffen, um zu ermitteln, ob wir Atomkraftwerke
rascher in Betrieb nehmen können. Aber das Energieproblem verlangt mehr als
nur Maßnahmen des Präsidenten. Es verlangt auch, daß der Kongreß handelt.

Es ist von lebenswichtiger Bedeutung, daß der Kongreß nicht auf den Anstoß
durch Energieverknappung wartet, um die Gesetze zu verabschieden, die zur
Deckung unseres Bedarfs notwendig sind. Wir haben regional in diesem Sommer
bereits Unzulänglichkeiten in bezug auf die Benzinversorgung erlebt, und im
kommenden Winter dürfen wir ähnliche Probleme in bezug auf Heizöl haben.

Langfristig gesehen sind die Prognosen für eine ausreichende Energieversorgung der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. Wir besitzen die Hilfsquellen
und die Technologie, um unseren wachsenden Bedarf zu decken. Um jedoch den Anforderungen auf weite Sicht gerecht werden und kurzfristige ernste Probleme
vermeiden zu können, müssen wir eine konzentrierte Anstrengung unternehmen, die
die Regierung, die amerikanische Industrie und das amerikanische Volk gleichermaßen mobilisiert.
Ich
- 8 -

i

�Ich habe kürzlich um die Verabschiedung von sieben wichtigen, dem Kongreß
unterbreiteten Energie-Gesetzesvorlagen ersucht. Nicht alle von ihnen können
im gleichen Tempo behandelt werden. Vier sind jedoch von äußerster Dringlichkeit und verlangen eine Entscheidung noch vor Jahresende. Diese vier würden
den Bau der Alaska-Pipeline, den Bau von Tiefwasser-Häfen, die Freigabe der
Erdgaspreise und die Schaffung neuer Standardvorschriften für den Tagebau ermöglichen. Alle vier dieser Gesetzesvorlagen sind sowohl auf unseren kurzfristigen als auch auf unseren langfristigen Bedarf ausgerichtet.

Alaska-Ölleitung

Unser erstes Ziel in bezug auf gesetzliche Maßnahmen - ein Ziel, das noch
in diesem Monat erreicht werden sollte - ist die Verabschiedung der Gesetzesvorlage über die Alaska-Ölleitung. Der Bau der Pipeline würde uns mit zusätzlich 286 000 Tonnen Öl pro Tag versorgen, über die wir die volle Kontrolle
haben und die uns zur gleichen Zeit um drei Milliarden Dollar pro Jahr von notwendigen Importen entlasten würden. Ich habe eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen, um jede weitere Verzögerung im Bau der Alaska Ölleitung zu vermeiden,
und ich stelle mit Genugtuung fest, daß beide Häuser des Kongresses diesen Gesetzesvorschlag mit gewissen Abwandlungen bereits verabschiedet haben. Ich ersuche dringend darum, daß der Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus seine Aufmerksamkeit so bald wie nur irgend möglich diesen Vorlagen zuwendet, damit mit dem Bau der Pipeline begonnen werden kann.

Tiefwasser-Häfen

So lange die einheimischen Hilfsquellen nicht voll erschlossen sind und
der technologische Fortschritt an einem Punkt angelangt ist, an dem genügend
Energiequellen zur Verfügung stehen, sind wir auf die Einfuhr von ausländischem
Erdöl angewiesen. Gegenwärtig sind jedoch die Hafenanlagen unzureichend ausgestattet, um unseren Einfuhrerfordernissen gerecht zu werden.
Wegen
- 9 -

�Wegen unserer begrenzten Hafen-Kapazitäten können die Supertanker, die
gegenwärtig für den Erdöltransport dienen, nicht in beliebigen Häfen an unserer
Atlantikküste entladen werden. Ich habe deshalb Maßnahmen vorgeschlagen, die
zum Bau und Betrieb von Tiefwasser-Häfen ermächtigen, und zwar in einer Weise,
die mit unseren vordringlichen Umweltschutzmaßnahmen in Einklang steht und
die Rechte und Verantwortlichkeiten der betreffenden Bundesstaaten berücksichtigt.

Wir dürfen diese wichtigen Gesetze nicht hinausschieben. Würden wir dies
tun, so bedeutete dies eine weitere Verzögerung wirtschaftlicher Einfuhren von
Erdöl und erhöhte Kosten für den amerikanischen Verbraucher, eine unnötige Gefährdung unserer Küstengebiete und weitere Verluste an Einkünften zugunsten
kanadischer und karibischer Häfen, die bereits in der Lage sind, die Ladungen
großer Supertanker zu löschen.

Erdgas
i

Über mehrere Jahre haben Bestimmungen der Bundesregierung in bezug auf
Erdgas dazu beigetragen, den Preis für dieses Produkt künstlich niedrig zu
halten. Große Industrieverbraucher haben dieses System der Preisregulierung begrüßt - es half ihnen, ihre Brennstoffkosten niedrig zu halten, und da Erdgas
außerdem der sauberste unserer fossilen Brennstoffe ist, hat es sie auch in die
Lage versetzt, Umweltschutz-Vorschriften bei künstlich niedrigen Kosten einzuhalten. Dieses Vorschriftensystem hatte jedoch leider auch zur Folge, daß die
Produzenten entmutigt wurden, ihre Kapazität auszuweiten. Infolge des hohen Verbrauchs durch die Industrie und der gleichzeitigen Zurückhaltung der Produzenten,
neue Erdgasvorkommen zu suchen und zu erschließen, sehen wir uns jetzt einer
Erdgasverknappung gegenüber.

Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß wir bei Erdgas allmählich auf freie
Marktpreise hinarbeiten, indem wir zulassen, daß sich der Preis für Erdgas
aus neu erschlossenen einheimischen Vorkommen entsprechend dem Angebot und der
Nachfrage auf dem freien Markt einpendelt. Dieses Verfahren müßte zu einer

�einer sichereren Versorgung mit Erdgas zu einem Preis führen, der fühlbar
niedriger ist als der für andere Energiequellen. Obgleich es dabei kurzfristig
zu einer Erdgas-Preiserhöhung kommen kann, dürfte sich diese in engen Grenzen
halten.

Tagebau

Unsere am reichsten vorhandene Energiequelle ist Kohle. Wir müssen lernen,
mehr davon zu verwenden, und wir müssen lernen, dies in einer Weise zu tun,
bei der weder das Land, das wir bewohnen, noch die Luft, die wir atmen, geschädigt werden.

Tagebau ist einerseits die wirtschaftlichste Form von Bergbau, andererseits aber die Methode, mit der die meisten UmweltZerstörungen angerichtet
werden. Die durch Tagebau verursachten Schäden sind jedoch wieder gutzumachen,
das Land ist rekultivierbar. Meines Erachtens trägt die Bergbauindustrie die
Verantwortung dafür, solche Rekultivierungsmaßnahmen zu ergreifen, und ich
meine, man muß dies von ihr verlangen.

Ich habe einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der Normen für die Bodenreklamation festsetzt und Bestimmungen für den gesamten Bergbau über und unter
Tage in den Vereinigten Staaten enthält. Für die Einhaltung dieser Standardvorschriften hätten die Bundesstaaten zu sorgen. Ich ersuche erneut um die Verabschiedung dieser Vorlage, denn sie würde uns in die Lage versetzen, das Angebot
an einem höchst wirtschaftlichen Brennstoff zu steigern und dabei gleichzeitig
die ernsten Umweltschaden, die wir in der Vergangenheit als Preis in Kauf
nehmen mußten, zu verhindern.

Reorganisation der Bundesenergiepolitik

Die oben erörtertenvier Gesetzesvorlagen zum Thema Energie können und
sollten vom Kongreß in diesem Jahr verabschiedet werden. Die Regierung hat
- 11 -

�hat drei weitere Maßnahmen vorgeschlagen, deren baldige Verabschiedung wichtig,

t

jedoch nicht so vordringlich ist, daß sie noch in diesem Jahr behandelt werden
müßte. Ich möchte hoffen, daß diese Maßnahmen weit oben auf der Liste der in
Zukunft zu behandelnden Gesetzesvorlagen stehen.

Eine dieser Vorlagen sieht eine Reorganisation der Bundesenergiepolitik
vor. Während Energie eines der akutesten Probleme unseres Landes ist, und
während die Erhaltung und effektive Nutzung unserer natürlichen Hilfsquellen
ein zwingendes Gebot unserer Politik darstellt, ist es gegenwärtig unmöglich,
diese miteinander in Beziehung stehenden Ziele in einem koordinierten Verfahren
anzugehen. Unsere Fähigkeit, Hilfsquellen zu bewirtschaften und für unsere Bedürfnisse Sorge zu tragen, darf nicht in den Fesseln alter administrativer
Formen und Institutionen verbleiben.

Ich habe wiederholt erfahren, wie notwendig gründliche Reorganisationen
.
.
.
bei der Exekutive in der Bundesregierung sind. Ich glaube, die Notwendigkeit

•

einer Reorganisation ist auf dem Gebiet der natürlichen Hilfsquellen besonders
akut. Ich habe bereits dringend ersucht - und ich erneuere dieses dringende Er- '
suchen - , ein Ministerium für Energie und natürliche Hilfsquellen zu schaffen,
das es uns erlaubt, mit diesen Fragen in einer umfassenderen und effektiveren
Weise fertig zu werden.
Ich ersuche den Kongreß außerdem, eine neue, unabhängige Behörde für
Energieforschung und

-entwicklung zu schaffen, damit wir in Zukunft den best-

möglichen Gebrauch unserer Forschungs- und Entwicklungsmittel sicherstellen
können. Unsere Anstrengungen auf den Gebieten Forschung und Entwicklung könnten
die ergiebigsten Lösungen für das Energieproblem herbeiführen. Aus diesem
Grunde gab ich kürzlich Pläne bekannt, in den nächsten fünf Jahren mit Bundesmitteln in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein entsprechendes Programm in die
Wege zu leiten. Der Kongreß braucht in diesem Jahr keine gesetzlichen Maßnahmen
zur Bereitstellung von Mitteln zu ergreifen; aber in den kommenden Jahren wird
es für den Kongreß erforderlich sein, eine solche Ausstattung mit Geldmitteln
zu genehmigen.
Da
:'
- 12 -

�Da die Vorschriften bei den Atomenergie-Hilfsquellen besser und gerechter
durchgeführt werden können, wenn sie nicht mehr mit dem Komplex Entwicklung
und Förderung gekoppelt sind, habe ich außerdem im Reorganisationspaket eine
eigene und unabhängige Atomenergiekommission für die Durchführung dieser bedeutsamen Aufgabe vorgesehen.

Standort von Kraftwerken
Eine der wichtigsten Energiefragen, denen wir uns 1973 gegenübersehen,
ist die, ob wir genügend Strom verfügbar machen können, um unsere Städte zu
beleuchten, Gebäude zu kühlen und zu heizen und unsere Industrie in den kommenden Jahrzehnten mit Betriebsstrom zu versorgen. Eine der Lösungen für dieses
Problem liegt in der gesteigerten Nutzung von Kernenergie. Man schätzt, daß
bis zum Jahr 2000 annähernd die Hälfte der Stromerzeugung in den Vereinigten
Staaten auf Kernenergie basieren wird.

Wir verfügen nunmehr über angemessene Sicherheitsbestimmungen und -maßnahmen, um zu gewährleisten, daß Kernkraftwerke sicher und in bezug auf Umweltschutz akzeptabel sind. Aber die Art und Weise, in der wir manchmal diese
Sicherheitsmaßnahmen anwenden, verursacht unvernünftig große Verzögerungen
beim Bau. In ähnlicher Weise kam es zu unverhältnismäßig langer Verzögerung
bei der Standortsuche für Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten
und noch immer - und dies auch für die nächsten drei Jahrzehnte - den Hauptanteil unserer Stromerzeugungskapazität stellen. Ich habe dementsprechend Gesetzes vorschlage vorgelegt, die den Prozeß der Standortermittlung für Kraftwerke und Stromleitungen vereinfachen, gleichzeitig aber weiterhin öffentliche
Gesundheit und Umwelt voll schützen. Diese Gesetzesvorlage wird seit zwei
Jahren geprüft, und mir liegt außerordentlich viel daran, sie aus den Ausschüssen herauszubekommen und als Gesetz wirksam werden zu lassen.

Wiederherstellung

�Wiederherstellung und Erneuerung unserer Umwelt

i

In meiner Botschaft vom 15. Februar dieses Jahres an den Kongreß konnte
ich berichten, daß unsere Nation aus einer Ära der Vernachlässigung der Umwelt
in eine Ära der Wiederherstellung und Erneuerung der Umwelt eingetreten ist.
Der 92. Kongreß half in den Jahren 1971 und 1972 mit der Verabschiedung einer
Anzahl wichtiger Maßnahmen, um diesen Prozeß in Gang zu bringen.

Leider hat der Kongreß 19 meiner Vorlagen zum Umweltschutz bisher nicht
behandelt, und die Regierung leitete sie deshalb im letzten Winter dem neuen
Kongreß wieder zu. Während die Mehrzahl dieser Maßnahmen noch immer auf Behandlung wartet, gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß ihnen der Kongreß seine Aufmerksamkeit zuwendet.

Manche sagen, wir seien das Opfer unseres eigenen Erfolges - insofern
nämlich, als wir auf dem Gebiet des Umweltschutzes wichtige Gesetze verabschiedet haben, und viele nunmehr versucht sind, sich auf diesen Lorbeeren
auszuruhen. Aber eine solche lässige Haltung wäre gefährlich. Es gibt viele Ge- *
biete auf dem Sektor Umwelt, die noch behandelt werden müssen. Drei besonders
wichtige Fragen sind die nationale Politik der Bodennutzung, Vorschriften für
toxische Substanzen und die Gewährleistung der Sicherheit von Trinkwasser ...

Bekämpfung von Verbrechen und Drogenmißbrauch ...

Gesetz zum Heroinhandel

Trotz unserer ermutigenden Fortschritte bei der Ausschaltung der Quellen
für Drogenmißbrauch in Amerika haben wir bei dieser wichtigen Aufgabe noch
einen langen Weg vor uns. Der Schwerpunkt beim Drogenproblem in den Vereinigten
Staaten liegt bei den 'harten Drogen1 - mit Heroin an der Spitze. Heroinhandel
ist mit dem ganzen Spektrum von Kriminalität verflochten, vom international
organisierten Verbrechen bis zum Straßenraub. Der Heroinhandel ist eines der
- 14 -

�der einträglichsten Gebiete krimineller Aktivität, und wir werden niemals in
der Lage sein, damit wirksam fertigzuwerden, bis die Maßnahmen, die wir dagegen zum Tragen bringen können, so schwerwiegend sind, wie heute der damit
zu erzielende Gewinn attraktiv erscheint.

Untersuchungen aus der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß zehntausende jener,
die wegen Rauschgiftdelikten in Haft genommen wurden, sofort wieder für ein
Jahr und länger auf die Straße zurückkehren, wenn es ihnen gelingt, bei den
Gerichten bis zur Verhandlung Zeit zu gewinnen. Noch alarmierender ist die
Tatsache, daß viele Tausende rechtskräftig wegen Rauschgiftdelikten Verurteilter
ihre Gefängnisstrafe niemals antreten. Solche Tatsachen bedeuten, daß die
Strafen für den Handel mit harten Drogen eine unwirksame Abschreckung sind, wenn
man sie mit den möglichen Profiten aus dieser kriminellen Multi-MilliardenDollar-Aktivität vergleicht.
Die Schlußfolgerung ist einfach. Wir brauchen Gesetze, die uns in die
Lage versetzen, Heroinhändler von den Straßen weg zu bekommen. Ich habe einen
Gesetzesvorschlag unterbreitet, der genau das erreichen würde. Er sieht harte
neue Strafen für Heroinhändler vor, einschließlich eines Minimums an zwangsläufig abzubüßenden Gefängnisstrafen. Er würde auch einem Richter erlauben,
die Gefahr für die Allgemeinheit abzuwägen, die sich aus der Freilassung eines
in Haft genommenen Heroinhändlers gegen Kaution ergäbe.

Heroinhandel ist eine eindeutige und allgegenwärtige Gefahr, über deren
schlimme Auswirkungen sich alle vernünftigen Menschen einig sein können. Während zahlreiche Vorschläge, die ich dem Kongreß vorlegte, möglicherweise einer
längeren Zeit der Prüfung bedürfen, ist vernünftigerweise nicht anzunehmen,
daß sich darunter auch jene befinden, in denen es um die Notwendigkeit der
Zerschlagung des Heroinhandels geht. Deshalb ersuche ich darum, daß der Kongreß
sofort den Gesetzesvorlagen seine Aufmerksamkeit widmet,welche uns helfen,
diesen Markt des Elends auszuschalten.
Umstellung

- 15 -

�Umstellung auf das metrische System

Amerikaner halten an ihrer Tradition fest und tun Dinge gern auf ihre
eigene Weise. Nachdem wir von Kindheit an an die Vorstellung von Inch, Meile
oder Pfund (US-Pfund) gewöhnt sind, bereitet es uns begreifliche Schwierigkeiten, uns die Begriffe Zentimeter, Kilometer, Gramm oder Kilo vorzustellen.
Wenn wir uns jedoch überlegen, daß der übrigen Welt unser Maßsystem genau die
gleichen Schwierigkeiten bereitet, dann müssen wir, so traurig das ist, zu
dem Schluß kommen, daß wir außer Tritt sind.

In einer Welt des integrierten Handels und der wachsenden persönlichen
Kontakte ist es für uns nur klug, unsere Vorstellungen und Instrumente der
Maße

und Gewichte anzupassen.

Ich habe dem Kongreß empfohlen, die entsprechenden Gesetze über eine Umstellung Amerikas auf das metrische System zu verabschieden. Dies kann auf
vernünftige Weise geschehen, ohne abrupte oder alles störende Auswirkungen.
Ich freue mich, daß der Vorschlag der Administration gegenwärtig dem zuständigen
Unterausschuß des Repräsentantenhauses vorliegt. Ich bitte darum, daß der Senat
ebenfalls ohne Verzug die Maßnahmen für diese notwendige Umstellung erörtert.

Verteidigung - Außenpolitik - Auslandshilfe
Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt lebt Amerika im Frieden. Nun
müssen wir lernen, diesen Frieden zu erhalten - eine Aufgabe, die zumindest
genau solche Anforderungen stellt und in vieler Hinsicht sogar noch subtiler
ist als das Ringen um die Beendigung des Krieges.

Nach einem Krieg besteht stets die Versuchung, in eine Periode des Rückzugs und der Isolierung einzutreten. Aber gewiß haben wir aus den in der Vergangenheit mit der überstürzten Abrüstung gemachten Erfahrungen gelernt, daß
man dieser Versuchung widerstehen muß. Und sicherlich haben wir auch gelernt,
daß unser Fortschritt bei der Sicherung des Friedens in weitem Maße der Beibe-

�Beibehaltung unserer militärischen Stärke und der standhaften, verantwortungsbewußten Rolle, die wir in der Weltpolitik gespielt haben,zu verdanken ist.

In den letzten Jahren ist es schon beinahe Mode geworden, einfach zu erklären, daß man alles, was wir im eigenen Lande irgendwie an Extraprogrammen
haben wollen, ja mühelos dadurch finanzieren können, daß man das Verteidigungsbudget um fünf oder zehn oder auch zwanzig Milliarden Dollar beschneidet. Diese
Einstellung ist schlimmer als bodenloser Leichtsinn - sie ist selbstmörderisch.
Auch wenn wir das beste Angebot an innenpolitischen Programmen in der ganzen
Welt hätten, so würde dies doch nichts bedeuten, wenn wir unsere Freiheit verloren hätten oder wegen unserer Schwäche in den Abgrund eines nuklearen Krieges
gestoßen würden.

Die Hoffnung der Welt auf Frieden hängt von Amerikas Stärke ab - sie hängt
absolut davon ab, daß wir nie in die Position der zweitstärksten Macht der
Welt zurückfallen ...

Wir sind nun bereits seit Jahren in den langen und mühseligen Prozeß verwickelt, durch Verhandlungen zu einer beiderseitigen Begrenzung der strategischen
Nuklearwaffen zu gelangen. Abkommen von historischer Bedeutung sind bereits
erreicht und weitere stehen in Aussicht. Außerdem finden in diesem Jahr Gespräche statt, die auf eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa gerichtet sind. Aber der eigentliche Punkt, um den es bei all
diesen Verhandlungen geht, ist folgender: Wenn der Friede erhalten bleiben
soll, dann müssen die Begrenzungen und Reduzierungen auf beiden Seiten erfolgen.
Über das,was die eine Seite umsonst herzugeben bereit ist, wird die andere Seite
gar nicht erst verhandeln.

Wenn Amerikas Friede und Amerikas Freiheit wert sind, erhalten zu bleiben,
dann sind sie auch die Kosten wert, die mit dem für ihre Erhaltung jeweils
notwendigen Grad an militärischer Stärke verbunden sind. Wir dürfen nicht in
die Torheit verfallen, den Grad dieser Stärke herabzusetzen und damit unsere
Hoffnungen und die Hoffnungen der Welt auf eine friedliche Zukunft zu untergraben.
Obwohl

�Obwohl mein Budget für die Militärausgaben - gemessen in konstanten
Dollar - seit 1968 um fast ein Drittel herabgesetzt worden ist, droht der
Kongreß mit weiteren Verteidigungskürzungen, die die größten seit 1949 sein
würden. Eine solche einseitige Maßnahme - ohne die genau gleichen Konzessionen
von Seiten unserer Gegner - könnte die Chancen für weitere Rüstungsbegrenzungen
oder -reduzierungen unterminieren. Ich werde daher solchen Kürzungen aktiv
Widerstand entgegensetzen.

Das mit der Sowjetunion im vorigen Jahr unterzeichnete Abkommen über
Rüstungsbegrenzungen hat dem rapiden Anwachsen der Zahl der strategischen Waffen
endlich Halt geboten. Trotz dieses konkreten Erfolges bleibt noch viel zu tun,
um eine kontinuierliche Stabilität zu gewährleisten und unsere Verhandlungen
über ein ständiges Abkommen in bezug auf die strategischen Rüstungen zu unterstützen. Ein energisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm ist unerläßlich,
um die unbedingte Gewähr zu bieten, daß kein Gegner jemals einen entscheidenden
Vorteil durch einen technologischen Durchbruch erzielen wird und daß massive
Dislozierungsaufwendungen daher nicht erforderlich sein werden. Aber der Kongreß
ist dabei, die Mittel für die Forschung und Entwicklung bis unter die von der
Vernunft gebotenen Mindestgrenzen zu beschneiden, einschließlich unserer Programme für Raketen und Luftverteidigung. Auch die Trident- und B-1-Programme,
die für die Aufrechterhaltung einer zuverlässigen Abschreckung entscheidend
wichtig sind, laufen Gefahr, völlig beschnitten zu werden.

Zu all dem hat der Senat auch noch eine tief einschneidende und unannehmbare Kürzung unserer militärischen Mannschaftsstärke um 156 000 Mann beschlossen. Eine solche Maßnahme würde uns dazu zwingen, die Zahl der Schiffe
unserer Seestreitkräfte zu verringern, während die Sowjetunion ihre Marine
weiterbin in einem bisher beispiellosen Ausmaß ausbaut, und die Stärke unseres
Heeres und unserer Luftwaffe zu reduzieren, während die Sowjetunion und die
Chinesen weiterhin weitaus größere Streitkräfte unterhalten.

Zu diesen Reduzierungen kommt ferner noch ein gewichtiger Vorschlag vom
Senat, der wesentliche einseitige Truppenabzüge aus Europa fordert - ein Fehler,
der eine gefährliche Auflösung des NATO-Bündnisses einleiten könnte. Die Ver- 18 -

�Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen
am 30. Oktober. In diesem Augenblick unmittelbar vor den Verhandlungen würden
Truppenkürzungen in Europa und die Reduzierung der militärischen Mannschaf t.sstärke unsere Chancen zerstören, mit den Staaten des Warschauer Paktes zu
einem Abkommen über die Verringerung der Truppenstärken in Europa auf einer
Basis der Gegenseitigkeit zu gelangen. Würde es dem Kongreß gelingen, diese
geplanten Kürzungen durchzusetzen, dann würden die Vereinigten Staaten weitreichende Konzessionen machen, noch ehe die eigentlichen Gespräche begonnen
haben.

Genau so unannehmbar sind Kürzungen bei anderen Verteidigungsprogrammen.
Es ist wider alle Logik, die Kapazitäten Amerikas in eben dem Augenblick zu
beschneiden, in dem die Sowjetunion ihre eigenen verstärkt. Und es würde
schwierig sein, die heiklen Situationen im Nahen Osten und Asien zu stabilisieren, wenn der Kongreß die wirksamen Mittel nimmt, die die Stabilität möglich machten.

Eine weitere Angelegenheit, die für mich allerersten Rang hat, ist unsere
Verpflichtung gegenüber einem gesunden Programm bilateraler und multilateraler
Auslandshilfe. Ich habe dem Kongreß im Frühjahr vernünftige und annehmbare Forderungen für unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme unterbreitet. Diese
Programme stellen ein zentrales Element in der Befähigung Amerikas dar, mit
seinen Verbündeten für die Erhaltung des Friedens und der Stabilität in der
Welt zusammenzuarbeiten. Unglücklicherweise hat der Kongreß meine Forderungen
nicht günstig behandelt.

Das Repräsentantenhaus hat das Militärhilfeprogramm bereits um 25 Prozent
gekürzt und der Senat hat es um die Hälfte reduziert. Nicht nur wurden die
Mittel in ungewöhnlicher Weise gekürzt, sondern außerdem wurden im Ausschuß
restriktive Zusätze eingebracht, denen im Plenum vielleicht noch weitere
folgen. Ich kann es nicht hinnehmen, daß diese entscheidend wichtigen Programme
in solcher Hast und Reaktion verstümmelt werden.

Die
- 19 -

�r

Die laufenden Hilfsprogramme werden mit Hilfe einer Übergangsermächtigung
finanziert, die am 30. September abläuft. Dieser Zustand ist unbefriedigend, vor
allem angesichts der Anforderungen, die sich aus den nordvietnamesischen Waffenstillstandsverletzungen in Kambodscha ergeben. Dabei will der Kongreß weiterhin
nicht nur geringere Dollarbeträge zur Verfügung stellen, sondern erhebt darüber
hinaus sogar noch die unsinnige Forderung nach Zugang zu heiklen Informationen
und verlangt entgegengesetzt wirkende Bedingungen bei bestimmten Programmen.
Diese Forderungen sind unannehmbar; sie würden unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Welt schwer beeinträchtigen.

Ich habe die Absicht, alles nur erdenkliche zu tun, um die Mittel für die
Sicherheitshilfe-Anforderungen im Haushalt 1974 zu erhöhen. Ich werde mich auch
nachdrücklich gegen alle Versuche des Kongresses wenden, unvernünftige Forderungen zur Beschränkung der notwendigen außenpolitischen Hoheitsrechte der Exekutive durchzusetzen. Ein Geist der überparteilichen Zusammenarbeit hat das
Stahlgerüst gebildet, das Amerika über den kalten Krieg und über Vietnam getragen hat. Wir dürfen die großen Möglichkeiten des friedlichen Fortschritts
in der Nachvietnam-Ära nicht durch den Verlust dieses starken überparteilichen
Geistes gefährden.

Wenn wir ein wirklich dauerhaftes Gebäude des Friedens bauen wollen,
dann muß unser Fortschritt bei der Reform des Handels- und WährungsSystems
der Welt von Anstrengungen begleitet sein, den ärmeren Ländern zu einem gerechteren Anteil an der wachsenden Prosperität der Welt zu verhelfen. Zu diesem
Zweck ersuche ich den Kongreß, unseren fairen Anteil an den Beiträgen zu den
multilateralen Entwicklungsbanken zu bewilligen - sowohl die anstehenden Beiträge, die jetzt dem Kongreß vorliegen, als auch andere Vorschläge, über die
ich gegenwärtig mit dem Kongreß berate und die in naher Zukunft offizell eingebracht werden. Unsere bilateralen Hilfsprogramme sind ebenfalls ein wesentlicher Teil unserer Anstrengungen, die Entwicklung in der Welt zu fördern,
und ich ersuche den Kongreß, diesen Programmen seine volle Unterstützung zu
geben.
All
- 20 -

�All diese Anstrengungen stellen kurzfristige Investitionen in Frieden
und Fortschritt dar, die von gewaltiger langfristiger Bedeutung sind. Wenn
wir versuchen, hier heute ein paar Dollar einzusparen, so kann uns das morgen
weit mehr kosten.

Wenn der Kongreß, die Administration und die Bevölkerung in den kommenden
Wochen zusammenarbeiten, können wir viele in dieser Botschaft aufgezeigte
Ziele erreichen. Und wir werden am wirksamsten zusammenarbeiten, wenn wir im
Auge behalten, daß unsere letztliche Verantwortung nicht gegenüber einer Partei
noch einem geistigen Standpunkt, ja noch nicht einmal gegenüber einem Regierungszweig besteht. Unsere letztliche Verantwortung besteht gegenüber dem
Volk - und alles was wir tun, muß von dessen besten Interessen geleitet sein."

- 21 -

�amerika dienst
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States

Bonn-Bad

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Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

35/1973

US-FINANZMINISTER ZEIGT VORSICHTIGEN OPTIMISMUS
Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat auf einer Pressekonferenz am 7. September im Weißen Haus einen vorsichtigen
Optimismus hinsichtlich der kommenden Handelsverhandlungen und der Reform des
internationalen Währungssystems an den Tag gelegt. Die wesentlichen Auszüge
der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:

"Wie Sie wahrscheinlich wissen, habe ich (am 6. September) einige Zeit
allein mit Präsident Nixon verbracht, um die Reise nach Tokio, Nairobi, Moskau,
Bonn und Jugoslawien und die damit verbundenen Zwecke zu erörtern. Und dann
sprachen wir über den Großhandelspreisindex und was hier zu tun wäre ...

Zunächst über die Reise: Wie es der Präsident sieht - und wie wir es alle
sehen - kommen wir im Verlauf weniger Wochen mit unseren Handelspartnern zusammen - als erstes bei der Eröffnung wichtiger Verhandlungen, die mit der Gestaltung des Handels zu tun haben. Darunter fallen Zollschranken und nichttarifäre

Handelsschranken. Dazu werden Erörterungen von Schutzbestimmungen

und -Systemen und von vielen anderen Fragen gehören. Hier handelt es sich um
die Eröffnung eines langen und schwierigen Prozesses - eines Prozesses, der
nach unserer Auffassung für das amerikanische Volk fruchtbar sein wird und
ebenso für andere Völker in der Welt.

Es
- 1 -

�1
Es wird schwierig werden, aber bei der Erörterung von Handelsfragen

J|

sollte doch niemand vergessen, daß es sich im Grunde um eine Situation handelt,
in der jeder gewinnen kann. Wir werden die Interessen der Vereinigten Staaten
hart vertreten, aber in einem Rahmen, in dem jeder aus diesen Verhandlungen
einen Gewinn ziehen kann.

Zweitens werden wir als ein Team zu der Jahrestagung des Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank gehen, und wir werden an einer weiteren Tagung
des Zwanzigerausschusses teilnehmen. Wir hoffen auf weitere Fortschritte auf
dem Gebiet der internationalen Währungsreform, und wir werden, das liegt auf
der Hand, auch die Probleme der Entwicklungsländer und der Gewährung von Hilfe
an diese Länder erörtern.

Wir werden dann weiter nach Rußland reisen. Diese Reise war zur Zeit
des Gipfeltreffens dort vereinbart worden. Es wird eine reguläre Sitzung der
Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission stattfinden und wir werden eine
Reihe von Fragen erörtern, die für die weitere Arbeit dieser Kommission grundlegend sind. Und dann werde ich über Bonn zurückreisen, um dort mit meinem
Freund Helmut Schmidt zusammenzutreffen und vor der Deutschen Gesellschaft
für

Auswärtige Politik zu sprechen. Anschließend werde ich einen Gegenbesuch

in Jugoslawien machen. Diese gsamte Reise ist ein Versuch, unsere internationale
Wirtschaftspolitik im Interesse einer friedlichen und aufblühenden Welt weiter
voranzutreiben.

Ich freue mich, im Zusammenhang hiermit - und das betrifft die Weltwirtschaft - in Namen des Präsidenten bekannt geben zu können, daß wir im Weißen
Haus eine Konferenz des Präsidenten über Exportausweitung veranstalten werden.
Diese Konferenz wird am 11. Oktober um 0145 PM (Ortszeit) im Ostzimmer des
Weißen Hauses beginnen. Wir rechnen mit einer Teilnahme von rund 250 Vertretern
führender Exportunternehmen aus allen Teilen der USA. Handelsminister Dent
wird auf dieser Konferenz federführend sein.

Ich möchte betonen, daß die Unternehmer nicht auf diese Weise zum Export
angehalten werden sollen, sondern es soll ihnen aufgezeigt werden, daß die

- 2 -

�die amerikanischen Erzeugnisse jetzt überall auf der Welt wettbewerbsfähig
sind. Es liegt nunmehr bei unseren Unternehmen, unseren Produzenten, diese
Tatsache zu nutzen und in das Exportgeschäft einzusteigen. Dadurch werden
Arbeitsplätze und die Voraussetzungen geschaffen, daß wir die benötigten wichtigen Importe bezahlen können.

Neben der Erörterung dieser Fragen werden wir uns natürlich auch mit all
den Punkten befassen, die vorgebracht werden und den Export erschweren könnten
und bei denen die Regierung helfen könnte ...

Einmal zeigen die statistischen Berichte über die Arbeitsmarktentwicklung ... daß die Wirtschaft stark ist und die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr
niedrig bleibt ... Auf der anderen Seite erleben wir ein schreckliches Drama
- das Problem der steigenden Preise - das uns bedrückt und das durch den heute
veröffentlichten Index der Großhandelspreise noch dramatisiert wird ...
Wie Sie wissen, wurden diese Zahlen Mitte August zusammengestellt ... Greift
man verschiedene Agrarprodukte heraus und nimmt man die prozentuale Veränderung
gegenüber dem Höchststand bei dem betreffenden Produkt Mitte August ..., dann
ergeben sich folgende Zahlen: Sojabohnen minus 47 Prozent, Sojabohnenschrot
minus 56 Prozent, Sojabohnenöl minus 41 Prozent, Weizen minus 10 Prozent Weizen hat noch eine anziehende Tendenz -, Mais minus 30 Prozent, Rinder
minus 15 Prozent, Schweine minus 35 Prozent - allein gestern ein Rückgang um
5 Dollar pro 1O0 Pfund Lebendgewicht - Brathähnchen minus 27 Prozent ...

Frage: Wenn Sie jetzt die Statistiken über den Rückgang der Preise für
Agrarprodukte während der letzten Tage anführen, wollen Sie den Verbrauchern
damit sagen, wie Sie das in der Vergangenheit wiederholt getan haben, daß das
Schlimmste nunmehr hinter uns liegt?

Antwort: ... Dieser Rückgang hat praktisch ... Tag für Tag seit dem Höchststand, den die Großhandelspreise erreicht hatten, angehalten, und wenn die
Preise auf dem derzeitigen Stand bleiben oder noch weiter nachgeben, dann
dürfte das bedeuten, daß auch die Lebensmittelpreise zurückgehen werden. Und
natürlich hängt dies auch zu einem großen Teil von der Ernte, nicht nur hier,
- 3-

�hier, sondern auch im Ausland, ab. Die Ernte ist noch nicht eingebracht, die
Aussichten sind jedoch sehr gut, und natürlich bemühen wir uns sehr um eine erneute wesentliche Ertragssteigerung im kommenden Jahr. Das ist es, was wir zur
Lösung des Problems unternehmen ...

Frage: Herr Minister, die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr für
über eine Milliarde Dollar Weizen an die Sowjetunion verkauft ... Können Sie
uns sagen, ob hier ein Trugschluß hinsichtlich der Auswirkungen für die amerikanische Landwirtschaft vorlag und ob diese neue Konferenz zu weiteren Agrarexporten anspornen soll?

Antwort: Der amerikanische Weizen ist wettbewerbsfähig; allerdings ist
es interessant, daß wir aus anderen Ländern Beschwerden über zu hohe Preise erhalten, daß sie nicht so viel kaufen können, wie sie möchten, und ob wir nicht
ihre Käufe subventionieren könnten.

Und wir sagen: 'nein ... Ihr bezahlt genau den gleichen Preis, den die
Amerikaner bezahlen'. Und das wirkt sich natürlich meines Erachtens erheblich
auf die Auslandsnachfrage aus ... Zum Beispiel erhalten wir jetzt aufgrund
des vom Präsidenten im Juni angeordneten Programms im voraus Informationen
über die Exportpläne, und uns liegen Zahlen über das vor, was im August geschehen soll ... Ich glaube, die Größenordnung liegt etwa zwischen 3,2 uni
4,1 Millionen Tonnen ...

Nach dem Stand vor Beginn der letzten Augustwoche sind 2 177 Millionen
Tonnen exportiert worden. In der letzten Augustwoche dürfte es noch etwas mehr
geworden sein. Wir haben diese Zahlen noch nicht vorliegen, aber es ist klar,
daß die tatsächlich exportierten Mengen wahrscheinlich nicht mehr als zwei
Drittel der ursprünglich für den Export vorgesehenen Menge ausmachten. Es ist
viel Spekulation und viel Luft in diesen Zahlen, und dies wird meines Erachtens nunmehr erkannt. Das wirkt sich jetzt auf die Preise aus. Die Preisrückgänge, die ich Ihnen verlesen habe, sind enorm, und man beginnt sich jetzt
zu fragen, ob all diese Nachfrage wirklich echt war oder ob sie angesichts der
höheren Preise dahinschwindet ...
Wir

�r

Wir bemühen uns natürlich darum, in Gesprächen mit den Sowjets, mit anderen,
mit unseren Handelspartnern, eine Vorstellung darüber zu bekommen, wie groß der
Bedarf wirklich sein wird. Wir haben Sitzungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu diesem allgemeinen Thema angeregt
und wir sind der Ansicht, daß solche Konsultationen und Abkommen darüber, wie
groß die zu importierenden Mengen wirklich sein werden, sehr nützlich sein können.

Aber natürlich sind wir auch der Auffassung, daß die amerikanische Landwirtschaft ein Gebiet ist, auf dem wir einen erheblichen Wettbewerbsvorteil
haben und auf dem wir große Mengen exportieren können. Wir haben dies natürlich
in all den Jahren getan und glauben, daß wir das auch weiterhin tun können. Wir
möchten diese Märkte erschließen, die Erzeugung steigern und diese Produkte im
Ausland verkaufen ...

Frage: Herr Außenminister, der Präsident hat auf seiner Pressekonferenz
recht nachdrücklich betont, daß es durchaus gemeinsame Bemühungen seitens der
westlichen, Erdöl verbrauchenden Ländern geben könnte, um zu bestimmten Maßnahmen zu kommen, die die arabischen Erdölexporte aus dem Nahen Osten in die
USA im Falle unfairer Enteignungen oder Preisfestsetzungen herabdrücken würden.
Werden Sie mit irgend einem unserer europäischen Verbündeten auf Ihren Reisen
nach Nairobi und Tokio über dieses Problem sprechen?

Antwort: Ja, auf allen Konferenzen der Finanzminister, zu denen ich gekommen bin, sprachen wir über die Fragen, die anstanden, aber wir führten daneben während der Mittagspause und auf den Gängen auch Gespräche, und diese
befaßten sich auch mit Energie und Lebensmitteln sowie damit, wie wir diese
Probleme handhaben werden. Denn das Problem der Versorgung und das Problem der
sehr großen Preissteigerungen betrifft jeden. Praktisch sind wir wahrscheinlich
von den großen Industriestaaten am besten weggekommen. Diese Fragen beschäftigen
alle.

Abgesehen von dem, was auf der Basis von Gesprächen mit unseren Lieferanten
und den Konkurrenten auf diesem Gebiet erreicht werden kann, erscheint es mir
wichtig, daß wir uns hinsetzen, um unser Energieproblem hier im eigenen Land
- 5-

�*
Land und unter anderen Verhältnissen wie in jedem anderen Land zu lösen. Wir

,,

können das erreichen. Wir verfügen über die grundlegenden Energievorkommen.
Wir müssen lediglich lernen, Energievorkommen in einer Weise zu erschließen
und zu nutzen, die mit unseren Umweltzielen vereinbar ist ...

Frage: Werden Sie auf Ihrer Reise gemeinsame Maßnahmen mit den übrigen
Verbraucherländern erörtern?

Antwort: Wir werden darüber sprechen, was für alle von Nutzen sein könnte.
Ich möchte keine bestimmte Richtung aufzeigen, die die Gespräche nehmen
könnten ...

Frage: Herr Minister, ist der Dollar Ihrer Ansicht nach gegenüber den
anderen Hauptwährungen unterbewertet? Steht dies in einem Zusammenhang mit den
hohen Lebensmittelpreisen in den Vereinigten Staaten und haben Sie für Nairobi
und Tokio irgend einen Plan, um dieses Problem zu lösen?

Antwort: Meines Erachtens ist der Dollar im Augenblick etwas unterbewertet. •
Wir haben im Frühjahr, im März glaube ich, in Verhandlungen einen Kurs festgesetzt und wir hielten ihn damals für richtig. Der Handel mit dem Dollar erfolgte
auf einem zum Teil floatenden Markt. Der Dollar-Kurs hat sich im Juli etwas
verschlechtert. Er hat sich seitdem wieder etwas erholt, und wir haben, wie dies
gestern bekannt gegeben worden ist, einen etwas anderen Interventionskurs verfolgt, als wir mit unseren Kollegen auf der Pariser Konferenz vereinbart hatten,
auf der das jetzt von uns benutzte System festgelegt wurde, indem wir nicht
intervenieren, um einen Preis zu stützen, sondern indem wir intervenieren, um
einen geordneten Markt aufrecht zu erhalten. Angesichts dieses Prozesses und
der, wie ich glaube, wachsenden Erkenntnis, daß der Dollar unterbewertet ist,
hat sich der Wert des Dollar geändert.

Und nun zu dem zweiten Teil Ihrer Frage, natürlich glaube ich, je niedriger
der Wert des Dollar ist - um es einmal so auszudrücken, um so billiger ist es,
Dinge in den Vereinigten Staaten zu kaufen. Und bis zu einem gewissen Maß haben
wir natürlich sehr hart gearbeitet, um eine Änderung des Dollar-Kurses zu bewirken.

Wir
- 6 -

�Wir hielten ihn für überbewertet, so daß unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten stark benachteiligt waren. Aber wir wollen hier nicht zu weit gehen
nur aus dem einen Grunde, den Ihre Frage anschneidet.

Frage: Herr Minister, der starke Anstieg der Lebensmittelpreise im Frühjahr und Sommer scheint sich in den letzten Lohnabsprachen dieses Jahres noch
nicht niedergeschlagen zu haben. Können Sie sagen, warum das so ist, und dazu
Stellung nehmen, wie lange die Arbeitnehmer noch Geduld üben sollen, wenn der
Anstieg der Lebensmittelpreise und die Inflation ganz generell nicht unter
Kontrolle kommen?

Antwort: Ich glaube, es gibt eine ganze Reihe von Gründen für das meines
Erachtens hervorragende Verhalten bei den TarifVerhandlungen dieses Jahres.
Zunächst einmal sollte man sich daran erinnern, daß die Unterhändler, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Verhandlungsrunden - und wir haben dies
Ende letzten Jahres gesagt und Ihnen gegenüber betont - im Gegensatz zu diesen
Situationen, in ihre Verhandlungen eintraten, nachdem sie in der dreijährigen
Laufzeit ihres Vertrages einen echten Einkommenszuwachs gehabt hatten und nachdem eine relative Zunahme der Beschäftigtenzahl in dieser Zeit erzielt worden
war, so daß sie sich im Gegensatz zu früheren Runden in einer relativ guten
Position befanden ...

Meines Erachtens ist von Seiten der Unternehmer wie auch der Arbeitnehmer
wirklich staatsmännisches Verhalten an den Tag gelegt worden. Ich glaube, daß
unsere Beamten innerhalb der Regierung mit dazu beigetragen haben ... Die Tarifverhandlungen dieses Jahres sind nahezu abgeschlossen. Die Verhandlungen in der
Automobilindustrie dauern noch an und es stehen noch einige andere Verhandlungen
bis Ende des Jahres an, aber die großen TarifVerhandlungen haben wir im allgemeinen hinter uns ... Was nun die Lebensmittelpreise anbetrifft ..., so glaube
ich, liegt es in der Natur der Sache, warum es so wichtig ist, daß wir alles
in unseren Kräften stehende tun, um das Inflationsproblem zu bekämpfen, das
Angebot an Agrarprodukten zu steigern, eine disziplinierte Währungspolitik zu
verfolgen und alles vernünftigerweise nur mögliche zu tun, um die Inflation
unter Kontrolle zu bringen.
Frage:
- 7-

�1

Frage: Herr Minister, meines Wissens zirkuliert seit etwa einem Monat
i,

ein Regierungserlaß im Weißen Haus, demzufolge die Steuervergünstigungen für
Exporteure solcher Erzeugnisse ausgesetzt werden würden, die den Exportkontrollen
des Handelsministeriums unterliegen. Erstens, rechnen sie in naher Zukunft damit,
daß der Erlaß unterzeichnet und veröffentlicht wird, und zweitens, aus welchem
Grund ist die Unterzeichnung dieses Erlasses jetzt um mehrere Wochen verzögert
worden?
Antwort: ... Der Präsident hat dargelegt, daß seine Politik gegen Exportkontrollen gerichtet ist. Wir haben außer den vor einigen Monaten verfügten
Exportkontrollen, die Ende dieses Monats auslaufen sollen, keine weiteren erlassen.

Wir haben die Lage sehr sorgfältig beobachtet und wir halten es für recht
wahrscheinlich, daß im Lebensmittelbereich keine weiteren Kontrollen verfügt
zu werden brauchen. Wenn die Ernte gut eingebracht ist, wie wir dies zur Zeit
erwarten, und wir hier die Preisveränderungen halten können ... dann werden wir
natürlich keine weiteren Exportkontrollen benötigen ...

Frage: Herr Minister, mit welchem zeitlichen Ablauf rechnen Sie bei dem
i

jetzt dem Kongreß vorliegenden Handelsgesetz?
Antwort: ... Der Ausschuß arbeitet sich durch die Materie recht gut durch.
Die Mitglieder scheinen der Auffassung zu sein, daß sie Ende dieses Monats
oder Anfang Oktober ihre Arbeit beendet haben werden ...

Frage: ... Was halten Sie davon, wenn das Handelsgesetz keine Vollmacht
zu Verhandlungen über die Meistbegünstigungsklausel für Rußland oder China enthalten einschließen würde?

Antwort: Der Präsident erachtet die Meistbegünstigungsklausel für wichtig.
Sie ist für unsere sich jetzt entwickelnden Beziehungen zu diesem Teil der Welt
- nicht nur Rußland und China, sondern auch zu anderen Ländern - wichtig. Wir
möchten, daß sie in das Gesetz einbezogen wird, der Präsident hat dies unter- 8-

�f

unterstützt und wir haben mit Mitgliedern des Kongresses zusammengearbeitet,
um festzustellen, welche Formulierung angebracht wäre. Wir sind sehr daran
interessiert, daß dies verabschiedet wird, und der Präsident hat diesen Standpunkt von Anfang an vertreten und vertritt ihn noch heute."

- 9 -

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35/1973

MULTINATIONALE GESELLSCHAFTEN VERSTÄRKEN PRODUKTION
IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -

Von Sam Burks

WASHINGTON - (AD) - Die Umsätze der multinationalen Gesellschaften außerhalb ihrer Heimatländer nehmen gegenwärtig doppelt so rasch zu wie das Bruttosozialprodukt der Welt, und es steht zu erwarten, daß Anfang der achtziger Jahre
rund 25 Prozent der gesamten Produktion der nicht-kommunistischen Welt auf
solche Gesellschaften entfallen werden. Im Gefolge dieser Expansion wird sich
die Produktionstätigkeit dieser Firmen immer mehr aus den Vereinigten Staaten,
Europa und Japan in die weniger entwickelten Gebiete der südlichen Hemisphäre
verlagern.

Dies geht aus einer am 4. September vom "Diebold Institute for Public
Policy Studies" - eine mit der Dieboldgruppe für Internationale Unternehmensberatung assoziierte Stiftung - veröffentlichten Studie hervor, die den Titel
"Wirtschaft und Entwicklungsländer - eine Studie über die Rolle privater Unternehmer bei der wirtschaftlichen Entwicklung" trägt. Die Veröffentlichung dieser
122 Seiten zählenden Studie erfolgte zu dem gleichen Zeitpunkt, da in New York
auf Einladung der Vereinten Nationen eine Expertengruppe sich mit einer Untersuchung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen multinationaler Firmen befaßte.
Einen
- 1 -

�Einen Hauptgrund für diese Expansion nach Süden sieht die Studie darin,
daß die reichen Länder nunmehr in eine nach-industrielle Ära eintreten, in der
sie sich immer stärker auf die Bereitstellung von technologischem Wissen und
Dienstleistungen konzentrieren, statt selbst Güter zu produzieren. Gleichzeitig
wächst ihre Fähigkeit, durch ein geschicktes Offerieren des für die Produktionssysteme erforderlichen technologischen Wissens sowie neuer Ausbildungsmethoden
für Unternehmer und Fachkräfte solche Kenntnisse anderen Ländern zu vermitteln.

Die Studie führt sieben traditionelle Gründe für die Verlagerung der
Produktion in weniger entwickelte Länder an - der Wunsch, sich Zugang zu billigeren
Arbeitskräften und billigerer Energie zu verschaffen; aus den sich verändernden
Handelsgepflogenheiten Vorteile zu ziehen; in der Nähe eines expandierenden Auslandsmarktes zu sein; zu verhindern, daß die Konkurrenz vorher bereits die Märkte
und Versorgungsquellen mit Beschlag belegt; den einheimischen Antitrust-Bestimmungen zu entgehen; sich gegen zyklische Schwankungen auf den Binnenmärkten
abzusichern; sowie aus einer voll integrierten Geschäftstätigkeit auf größerer
Ebene Nutzen zu ziehen.

Die europäischen Länder werden nach Auffassung der Studie nicht länger
Fabrikarbeiter importieren, wie sie dies in den fünfziger und sechziger Jahren
taten. Vielmehr werden sie ihre Fabriken nach Süden dorthin verlagern, wo die
Gastarbeiter früher herkamen. Junge japanische Arbeiter sind zum Beispiel nicht
mehr bereit, in kleinen, nur niedrige Löhne zahlenden einheimischen Betrieben
zu arbeiten, die schon immer Einzelteile für die großen japanischen Konzerne
hergestellt haben. Die Folge ist, daß japanische Firmen bereits dazu übergegangen sind, Kontraktbetriebe in den Niedriglohnländern Südostasiens und Lateinamerikas zu errichten.

Die Diebold-Studie warnt, daß diese erwartete Ausweitung der Produktion
in den Entwicklungsländern durch einen Nationalismus in den Gastländern verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden könnte. Um dieser Gefahr auszuweichen, wird den multinationalen Gesellschaften geraten, folgenden Kurs zu
verfolgen:
- Es

�- Es sollte vermieden werden, daß die als Ersatz für Importe errichteten
Unternehmen sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden, sofern nicht
überzeugende Argumente hierfür bestehen - zum Beispiel fehlendes einheimisches Kapital oder keine geeigneten einheimischen Partner. Bei exportorientierten Unternehmen könnte es jedoch angebracht sein, wenn sie
sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden.

- Es sollte zugestanden werden, daß die einheimischen Arbeitskräfte das
Gefühl haben müssen, daß sie mit zur Ausbildung herangezogen und ebenfalls in Spitzenpositionen beschäftigt werden und daß sie wo möglich,
in ihrem Lande Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchführen können.

- Es sollte nicht versucht werden, weit über den ortsüblichen Sätzen liegende
Löhne zu zahlen, sondern stattdessen vereinbart werden, höhere Steuern
zu zahlen, um so zur Entwicklung der Infrastruktur beizutragen und eine
Lohninflation zu verhindern.

- Es sollte nicht versucht werden, Steuern durch Manipulationen von Dienstleistungen oder Transferpreisen zu umgehen.

- Es sollte vereinbart werden, Abkommen in gewissen Zeitabständen immer
wieder neu auszuhandeln.

- Es sollte vermieden werden, Werke auf Gebieten zu errichten, die bisher
stets eine Domäne einheimischer Investoren waren.

- Es sollte möglichst viele Aufträge an einheimische Kontraktfirmen vergeben werden.
- Es sollten keine besonderen Konzessionen in Anspruch genommen werden,
die nicht auch den einheimischen Geschäftsleuten zugänglich sind.

- Es sollten Aktien an einheimische Tochtergesellschaften ausgegeben werden,
sofern eine funktionsfähige Börse besteht.
Ganz
- 3-

�Ganz allgemein kommt die Studie zu der Feststellung: "Wenn ein Entwicklungsland

ein eigenes festes

Wirtschaftsethos sowie ein eigenes Wirtschafts-

leben hat, dann dürften die multinationalen Gesellschaften der Welt auch einen
Weg finden, um an seine Tür zu klopfen und um Zugang zu ersuchen. Dann wird es
Sache des Entwicklungslandes sein, darüber zu entscheiden, unter welchen Bedingungen ihnen dies gestattet werden wird". Auf der anderen Seite, so warnt
die Studie, wird eine Entwicklungspolitik, die nicht erfolgreich ist, das
einheimische

Wirtschaftsethos abtöten und Schranken gegen die Mitarbeit aus-

ländischer Unternehmen errichten, die unter solchen Umständen nicht in dieses
Land werden kommen wollen.

Die Studie empfiehlt den Regierungen der Gastländer folgende Schritte, um
private Investitionen anzuziehen und im Lande zu halten:

- Sie sollten unabhängige einheimische Firmen dabei unterstützen, damit sie
als Zulieferbetriebe ausländischer multinationaler Unternehmen fungieren
können, wobei die großen Möglichkeiten aber auch die besonderen Probleme
beachtet werden sollten, die sich für die Zulieferbetriebe der japanischen
Großunternehmen ergaben.

- Sie sollten es ablehnen, Produktionsziele für Fertigungsindustrien über
einen langen Zeitraum hinaus im voraus aufzustellen, da ein großer Teil
der Produktion in den nächsten 20 Jahren aus völlig neuen Erzeugnissen bestehen wird. Aus dem gleichen Grunde sollten jedoch Ziele für "Infrastruktur"
Industrien gesetzt werden.

- Sie sollten Schulungs- und Ausbildungsprogramme importieren, bei denen
Verfahren unter Ausnutzung moderner Fernmeldeeinrichtungen und Großrechenanlagen benutzt werden.
- Sie sollten die staatlichen Entwicklungsanstrengungen auf die Bereitstellung von Fernmelde- und Transporteinrichtungen konzentrieren und
nicht auf die Arbeit der Fertigungsindustrien.
- Sie
- 4 -

�- Sie sollten den Multinationalen den Betrieb exportorientierter Unternehmen, die Tätigkeit im Bergbau und auf dem Erdölsektor sowie die
Führung moderner technologisch hoch entwickelter Betriebe gestatten.

- Sie sollten gemeinsamen Unternehmen Vorrang einräumen, um so technologische Kenntnisse zu importieren, sofern in dem betreffenden Entwicklungsland die eigene wirtschaftliche Infrastruktur weit genug entwickelt ist,
damit mehrere gemeinsame Unternehmen auf dem gleichen Industriesektor miteinander konkurrieren können. Ist dies nicht der Fall, dann sollte den
multinationalen Unternehmen die Arbeit unter nicht-monopolistischen Bedingungen gestattet werden oder es sollten technologische Kenntnisse auf
Wettbewerbsbasis importiert werden.

- Es sollte dafür gesorgt werden, daß einzelne Industrien für eine gewisse
Zeit besonderen Schutz erhalten, damit sie den Import übernehmen und
selbst exportieren können. Wird dies nicht erreicht, so soll der Schutz
entzogen werden.

- Es soll versucht werden, die multinationalen Gesellschaften fair und gerecht zu besteuern, ihnen aber gleichzeitig der Vorteil billiger Arbeitskräfte belassen werden.

- Es soll ein "Expertenberatungsdienst" geschaffen werden, entweder in
Form eines internationalen Instituts oder als unabhängige Beratergruppe,
um festzustellen, wie die multinationalen Gesellschaften ihr Rechnungswesen aufbauen.

- Die Besteuerung soll so gestaltet werden, daß die Vergabe von Kontrakten
an einheimische Firmen gefördert wird.

- Es soll eine nationale Politik auf der Annahme entwickelt werden, daß
die Entwicklungsländer über ein nicht voll ausgenutztes Potential an
Arbeitskräften verfügen, die in wachsendem Maße angelernt werden können.
Die
- 5 -

�Die Diebold-Studie ist die zweite einer Reihe von Untersuchungen, die
sich mit der sich wandelnden Rolle der Privatunternehmen in einer nach-industriellen Gesellschaft sowie den Möglichkeiten für eine Steigerung der Produktivität im privaten und öffentlichen Sektor befaßt.

- 6 -

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35/1973

US-DELEGATION OPTIMISTISCH ÜBER TOKIOER HANDELSVERHANDLUNGEN
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -

Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Vertreter der Vereinigten Staaten für die Handelsverhandlungen in Tokio vom 12. bis 14. September haben sich optimistisch über
die Aussichten geäußert, eine neue Ausweitung des Welthandels und eine Reform
der internationalen Regeln für diesen Handel herbeizuführen. Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) in der japanischen
Hauptstadt wird nach Auffassung von Botschafter William D. Eberle, dem Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, zu einem "zentralen
Punkt" werden, um die "allgemeine Richtung und den Ton" der kommenden Verhandlungen zu bestimmen.

Der 20-köpfigen amerikanischen Delegation unter Führung von Finanzminister
George P. Shultz gehören neben Eberle unter anderem der Staatssekretär für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im Außenministerium, William J. Casey; der
Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan; der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Herbert Stein; und der Stellvertretende
Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter Harald B. Malmgren, an.

Botschafter Eberle will die Zusammenkunft in Tokio weder als "zeremonielle
Formalität" noch als "Punkt der Konfrontation" gesehen wissen. Die Verhandlungen
werden nach seiner - sicherlich von allen Fachleuten geteilten - Auffassung

- 1-

�Auffassung langwierig, weitgreifend, technisch und kompliziert sein. Die hohe
Ebene der Delegierten der beteiligten Länder und Institutionen dürfte nach
Ansicht Eberles das Zustandekommen einer "gemeinsamen Deklaration" erleichtern,
die die Richtschnur für die kommenden detaillierten Verhandlungen bieten soll.
Die Verhandlungen werden voraussichtlich Ende Oktober in Genf auf der Ebene
des GATT-Ausschusses fortgesetzt und dürften in der ersten Hälfte 1974 in ihr
eigentliches Sachstadium treten.

Die Ziele sind bekannt: Liberalisierung der Zollsätze, Abbau der nichttarifären Handelsschranken, Liberalisierung des Agrarhandels und Reform der
internationalen HandelsregeIn, vor allem hinsichtlich der Schutzbestimmungen
für einheimische Industrien.

Für die gemeinsame Deklaration sind bereits weitgehende Vorbereitungen
getroffen worden, wobei die Frage des Zusammenhangs zwischen HandelsVerhandlungen und WährungsVerhandlungen, sprich Währungsreform, sowie die Position
der am weitesten zurückliegenden Entwicklungsländer noch umstritten sind.

Der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan, der offiziell
den Titel "Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik" trägt,
rechnet mit einer sehr aktiven Rolle der Entwicklungsländer bei den kommenden
Handelsverhandlungen. Diese Verhandlungen können nach Auffassung Flanigans den
Entwicklungsländern große wirtschaftliche Vorteile bringen, wenn sie gekillt
sind, sich an der wirtschaftlichen Expansion zu beteiligen. Ihr Lebensstandard
könne auf die Dauer nur gehoben werden, wenn sie ihre Güter und Erzeugnisse
in den "Hauptstrom des Welthandels" einbringen können.

Flanigan sieht ferner eine große Chance für die Entwicklungsländer in
der Steigerung der Privatinvestitionen. Gerade das Privatkapital könne zu einer
wirksamen Quelle der Entwicklung werden. Allerdings, so räumt Flanigan ein, sei
in diesem Zusammenhang die Verstaatlichung ohne Entschädigung in manchen Ländern
zu bedauern, da sie das zur Entwicklung dringend gebrauchte ausländische Kanital
abschrecke. Jedes Land, so betonte Flanigan, habe natürlich das Recht, innerhalb seiner Grenzen Betriebe zu verstaatlichen, aber das Land habe dann auch

�auch die Pflicht, eine entsprechende Entschädigung zu leisten. "Wir sind der
Auffassung", so erklärt der Wirtschaftsberater des Präsidenten, "daß es ein
schwerer Fehler für ein Land ist, ausländische Investitionen zu verstaatlichen,
wenn es selbst nicht über genügend Kapital verfügt".
Die Nixon-Administration wird nach den Worten Flanigans weiterhin für
bilaterale und multilaterale Auslandshilfe für die Entwicklungsländer eintreten. Allerdings dürfe man sich über die Wirkung der offiziellen Hilfe - die
bei allen OECD-Ländern zusammen nur zwei Prozent des Bruttosozialprodukts der
Entwicklungsländer ausmacht - keinen Illusionen hingeben. Neben den Privatinvestitionen sei für die Entwicklungsländer vor allem ein Abbau der Zoll- und
Handelsschranken in der ganzen Welt - vor allem auf dem Agrarsektor - von entscheidender Bedeutung.

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35/1973

AUDIO-VISUELLE GERÄTE UND SYSTEME
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

Vom 11. bis 15. Oktober 1973 - parallel zur Buchmesse - zeigen im USHandelszentrum in Frankfurt am Main über fünfundzwanzig amerikanische Hersteller ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der audio-visuellen Geräte
und Systeme. Einige dieser Firmen kommen mit ihren Erzeugnissen erstmals
nach Deutschland und suchen auf diesem Wege Kontakte zu deutschen Unternehmen.

Das Ausstellungsprogramm umfaßt Videorecorder (Band und Kassette), Anlagen
für die Produktion von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder für Originalbänder), Bandkopiergeräte,
Prüfeinrichtungen und Reinigungsgeräte, VCR-Software, Bildplattensysteme, EVRBauteile und -Software, Projektionswände, CCTV-Geräte, Mattscheibenprojektoren
für Super-8-Kassetten, Bausteine für Lernmaschinen, computergesteuerte Unterrichtssysteme, Software für computerunterstütztes Lernen, Simulationseinrichtungen, Overhead-Projektoren, Transparent-Kopiergeräte für Overhead-Projektoren
und Bildstreifen-Dia-Projektoren.

Auf der angeschlossenen Tagung am 12., 13. und 14. Oktober werden Experten
in Fachvorträgen zu den jüngsten Erfahrungen auf dem Sektor der Audiovision
Stellung nehmen.
Anmeldungen und Programme durch US-HandelsZentrum, 6000 Frankfurt am Main,
Bockenheimer Landstraße 2 - 4 , Telefon (0611)-72 08 Ol, Telex 41 65 35.
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TECHNIK FÜR DEN UMWELTSCHUTZ
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss

- (AD) - In einer Gemeinschaftsausstellung zeigen 15 der amerikanischen
Firmen, die die internationale Fachmesse "Technik im Umweltschutz" beschicken
(ENVITEC 73, 8. - 14. Oktober 1973 in Düsseldorf), ihre neuesten Entwicklungen
an Apparaturen und Verfahren. Sie wenden sich, wie die anderen der z.T. ebenfall
auf nationalen Gemeinschaftsständen vertretenen 330 Aussteller

aus 15 Ländern,

an Interessenten der verschiedensten Fachbereiche. Diese repräsentieren in
erster Linie Behörden, Industrieunternehmen und kommunale Betriebe, welche z.B.
Wasser und Abwässer behandeln und überwachen, bei denen feste, flüssige und gasförmige Abfallstoffe anfallen oder die sich mit Lärmschutz befassen.

Zu dem mit der Messe verbundenen Weltkongreß der "Internationalen Union
zur Verhütung von Luftverschmutzung" werden Wissenschaftler und Ingenieure,
Beauftragte von Verwaltung und Politik aus 18 Ländern nach Düsseldorf kommen.
Die Veranstaltungen und die persönlichen Kontakte bieten reichlich Gelegenheit,
Erfahrungen und Meinungen über Probleme und mögliche Verbesserungen von Umweltschutzmaßnahmen und nicht zuletzt über Wege zu einer Verminderung dadurch entstehender Belastungen für Wirtschaft und Staat auszutauschen.

Die Kosten sind enorm. So schätzte vor ca. einem Jahr der Beirat Präsident Nixons für Umwelthygiene die Aufwendungen, die allein in den Vereinigten

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l

Vereinigten Staaten in den Jahren 1971 bis 1980 für den Umweltschutz aufzubringen sind, auf 287 Milliarden Dollar. Die Bewältigung solcher zwingenden
Aufgaben bereitet schon den Volkswirtschaften der Industrieländer in finanzieller, handelspolitischer und technischer Hinsicht erhebliche Schwierigkeiten.
Und diese Schwierigkeiten tragen zu den - vielfach recht umstrittenen - Bestrebungen bei, die künftige Industrieentwicklung zugunsten des Umweltschutzes
zu steuern und sogar für ein wirtschaftliches "Null-Wachstum" zu plädieren.
Sie erklären auch, weshalb manche Entwicklungsländer auf Forderungen nach mehr
Umweltschutz allergisch reagieren - auch wenn sie sich darüber klar sind, daß
Umweltschäden vor nationalen Grenzen nicht Halt machen und reiche wie arme
Länder treffen.

Einer Fachmesse wie ENVITEC 73 kommt deshalb u.a. die Aufgabe zu, das
Verständnis für den ungemein weitreichenden Komplex "Umweltschutz" zu fördern.
Sicherlich gibt sie auch Anregungen, wie durch Rationalisierung der Umwelttechnik der Preis für den Umweltschutz verringert und durch eine nationale bzw.
regionale Harmonisierung der Umweltpolitik deren Effektivität gesteigert werden
könnte.

Daß es dabei kaum ohne Kompromisse abgeht, zeigt beispielsweise die
Suspendierung der für 1976 vorgesehenen verschärften amerikanischen Bestimmungen
zur Emission von Stickstoffoxiden für ein ganzes Jahr durch die US-Behörde für
den Umweltschutz (EPA). Sie gab damit dem Ersuchen der Automobilwerke Ford,
General Motors und Chrysler statt, es für die 1976er Modelle noch bei einer
Abgas-Toleranzgrenze von 2 Gramm Stickstoffoxiden pro Meile zu belassen. Der
vorgesehene Grenzwert von 0,4 g/Meile sei, wie die Firmen darlegten, in der
Serienfertigung einfach noch nicht realisierbar. Aber selbst die Einhaltung des
Zwischengrenzwertes von 2 g/Meile erfordert bei den meisten Autotypen den Einbau einer Zusatzausrüstung für die Abgas-Rezirkulation (EGR-System). Durch diese
Vorrichtung, die 10 Dollar kostet, wird gleichzeitig die Kilometerleistung verbessert. Die für 1976 ebenfalls vorgesehene strikte Reduzierung der Emission
von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid wird allerdings von der Zwischenlösung in bezug auf Stickstoffoxide nicht berührt.
Auch
- 2-

�Auch der jüngste Vorschlag Präsident Nixons, schwefelreiches Rohöl als
Energierohstoff zu verwenden, um Versorgungsengpässe kurzfristig zu überwinden,
und in diesem Zusammenhang die strengen Kontrollen für die Emission von Schwefeldioxid vorübergehend etwas zu lockern, ist ein Kompromiß. Er wurde im Zusammenhang mit einem neuen Acht-Punkte-Dringlichkeitsprogramm für die Energieversorgung der Vereinigten Staaten vorgelegt.

In den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten gelten zwar noch immer
unterschiedliche Vorschriften für die Reinhaltung der Luft. Die Bundesstaaten
haben jedoch Mindestanforderungen zu beachten, wie sie z.B. die EPA in bezug
auf Luftqualität im Zusammenhang mit Luftverschmutzung bei außergewöhnlichen
Witterungsbedingungen stellt. Im übrigen werden die von der EPA bisher festgesetzten Grenzwerte, die bundesweit gelten, von den Einzelstaaten erst nach Ablauf einer gewissen Frist mit der Anpassung ihrer eigenen staatlichen Vorschriften
an diese Grenzwerte übernommen.
Für Schwefeloxide, feste Partikel und Staub, Kohlenmonoxid, photochemische
oxidierende Verbindungen, Kohlenwasserstoffe und Stickstoffoxide liegen "BundesGrenzwerte" bereits vor, die Ausdehnung solcher Bestimmungen auf weitere Schmutzund Schadstoffe in der Luft ist wahrscheinlich. Dabei wird zwischen einem
"primären" Grenzwert, der die Gesundheit der Allgemeinheit schützen soll, und
einem - meist niedrigeren -"sekundären"Grenzwert unterschieden. Letzterer ist
eine Schutzmaßnahme für das Allgemeinwohl, die beispielsweise die Mengen von
Schmutz- und Schadstoffen wegen ihres Einflusses auf Kleidung, Gebäude, Metalle,
Vegetation, Agrarprodukte, Tiere, etc., begrenzt.

So können z.B. Schwefeloxide in der freien Luft von gewissen Konzentrationen an das Auftreten von Erkrankungen der Atmungsorgane begünstigen, die
Todeshäufigkeit erhöhen und zu Schäden an Bauwerken oder anderen Sachwerten
sowie an Anpflanzungen führen. Um ganz spezielle Erscheinungen wie Gesundheitsschäden zu vermeiden, ist der nationale primäre Maximalwert (als jährlicher
Mittelwert) auf 80 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bzw. 0,03 Teile Schwefeloxide
in 1 Million Teilen Luft (abgekürzt ppm) festgesetzt. Der sekundäre Grenzwert
dagegen, der eine Beeinträchtigung des Allgemeinwohls verhindern soll, liegt

- 3-

�liegt - als arithmetisches Mittel - bei 60 Mikrogramm/cbm bzw. bei 0,02 ppm,
wobei die EPA auch kürzere Fristen der Exponierung als ein ganzes Jahr berücksichtigt.

Die Umweltschutzbehörde EPA gibt zu den bundeseinheitlichen Maximalwerten auch die technischen Informationen zur Bekämpfung und Kontrolle der
betreffenden Schadstoffe, zu den Kosten für die Emissionskontrolle, zu allen
bekannten Verfahren sowie Alternativ-Methoden, die eine spezielle Form der
Luftverschmutzung verhindern. In diesem Rahmen von Schutzmaßnahmen sind dann
die Einzelstaaten dafür verantwortlich, Emissions-Grenzwerte für Schmutz- und
Schadstoffe festzusetzen, die von einer bestimmten Quelle, z.B. einem Industriebetrieb, ausgehen. Neu errichtete Betriebe sind durch Bundesgesetz verpflichtet,
von vornherein die bestmöglichen Verfahren zur Abluftreinigung anzuwenden.
Aber noch immer belaufen sich die Schäden, die in den USA jährlich durch verschmutzte Luft an Gesundheit und Sachwerten angerichtet werden, auf schätzungsweise 16 Milliarden Dollar.

Acht amerikanische Firmen in der US-Gemeinschaftsausstellung für ENVITEC 73
sind auf Ausrüstungen und Verfahren für den Sektor "Reinhaltung der Luft" spezialisiert und bieten u.a. an:

Freeman Laboratories, Inc. (Rosemont, Illinois) zeigt eine Anzahl von Meßgeräten zur Überwachung von Stickoxiden, Schwefeloxiden, Schwefelwasserstoff,
Chlor und anderen Schadstoffen.

Horiba Instruments, Inc. (Santa Ana, Kalifornien) zeigt Geräte und Systeme
zur Automobilgasüberwachung, einschließlich Geräte für die Fahrzeugprufung
in bezug auf Emissions-Grenzwerte.

Metal Bellows Co. (Sharon, Massachusetts) zeigt geschweißte Metall-Membrandruckdosen. Die von dem Unternehmen gebauten Vakuum-Kompressorpumpen basieren
auf einer Technologie, die für Druckdosen, wie sie die Luft- und Raumfahrt benötigt, entwickelt wurde.
Monitor

�Monitor Labs., Inc. (San Diego, Kalifornien) zeigt eine neue Baureihe
von Gasanalysengeräten, die nach dem Chemolumineszenz-Verfahren arbeiten
und über die Messung des Ozongehaltes die Bestimmung und Aufzeichnung von
Schadstoffkonzentrationen ermöglichen. Das System 7000 bietet die Möglichkeit
einer vollständigen Datenerfassung, so daß man an einer Reihe von strategisch
plazierten Meßplätzen innerhalb einer Kontrollregion in kürzester Zeit Informationen zur Überschreitung von Emissions- und Immissionswerten bekommt.

Research-Cottrell (Bound Brook, New Jersey), das wohl größte Unternehmen
der Welt auf dem Gebiet "Umwelttechnik", zeigt Elektrofilter zur Reinigung von
Industrieabgasen. Darüber hinaus befaßt es sich mit allen Aspekten der Luftreinhaltung, von der Beratung bis zur Errichtung schlüsselfertiger Systeme.

Scott Research Laboratories, Inc. (Plumsteadville, Pennsylvania) zeigt
Meßinstrumente und -Geräte für Emissionsmessung, Datenverarbeitung, statistische
Analysen, Entwürfe und Bau von Meßsystemen, etc.

Summit Filter (Summit, New Jersey) präsentiert sein Spezialerzeugnis,
die doppelwandige Filterkerze System 720, die sich in jede Standard-Entstaubungsanlage einbauen läßt.

Western Precipitation - Joy (Los Angeles, Kalifornien) zeigt elektrische
Abschneider (Gewebefilter) für hohe und niedrige Temperaturen, Mehrfach-Zyklonenentstauber, Hoch- und Niederdruck-Gaswäscher, Luftschleusen, Staub-Austragorgane und Prüfgeräte.

Alle genannten Firmen sind an Vertretungen in Europa und an Fabrikationsabkommen mit europäischen Unternehmen interessiert.

- 5 -

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35/1973

SCHWEFELMONOXID IM INTERSTELLAREN RAUM

- (AD) - Mit einem Radioteleskop des Kitt Peak-Observatoriums in Arizona
entdeckten die beiden amerikanischen Astrophysiker Dr. Carl A. Gottlieb und
Dr. John A. Ball Schwefelmonoxid-Moleküle im Sternbild Orion. Die Zahl der
bisher bekannt gewordenen chemischen Verbindungen, aus denen die Moleküle in
den unendlich weiten Räumen zwischen den Sternen bestehen, erhöht sich damit
auf 22. Nach der Entdeckung der 21. Verbindung dauerte es allerdings ein ganzes
Jahr, bis man die nächste fand.

Eine ganze Anzahl dieser Moleküle zählt zu den organischen Verbindungen,
was natürlich immer wieder zu Spekulationen über mögliche Vorstufen für die
Entstehung von Leben im Kosmos Anlaß gibt. Das auf der Erde unbeständige
Schwefelmonoxid (SO), dessen Moleküle mit Hilfe der 3 mm-Frequenz erfaßt wurden,
ist die fünfte kosmische Verbindung, die Schwefel enthält. Mit Ausnahme der
schon vor längerer Zeit entdeckten Verbindung Silizium-Monoxid enthalten die
übrigen Molekülen eines oder mehrere der häufigsten Elemente - nämlich Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff.

Die neue Entdeckung ist für die Forschung deshalb von besonderer Bedeutung,
weil dadurch eine Möglichkeit eröffnet wurde, Rückschlüsse auf die Häufigkeit
von Sauerstoff im Kosmos und auf die Prozesse der Molekülbildung zu ziehen.
Allerdings sind dafür sehr komplizierte und langwierige Berechnungen notwendig.
Die Kenntnis dieser Prozesse hilft jedoch, z.B. die Evolution der Sterne und
der interstellaren Gase besser zu verstehen.
Die
- 1 -

�Die 3 mm-Radioimpulse von den Schwefelmonoxid-Molekülen, die inzwischen
auch ein Radioobservatorium der Universität Texas auf dem MT. Locke empfing,
wurden entdeckt, als man mit der Antenne des Kitt Peak-Observatoriums Orion A
anpeilte. Dies ist eine Radioquelle im Sternbild Orion,dessen helle Gaswolken
gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Einer Mitteilung der amerikanischen
"National Science Foundation" zufolge, die die Untersuchungen von Gottlieb und
Ball unterstützte, veröffentlichten die Wissenschaftler ihre Entdeckung im
"Astrophysical Journal".

- 2 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Audio-Visuelle Geräte und Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technik für den Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwefelmonoxid im interstellaren Raum</text>
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36

ig. September

1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Shultz fordert Abbau aller Handelsschranken
Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung
in Tokio

WIRTSCHAFT
T o k i c ) - K o n f e r e n z l ä ß t e r f o l g r e i c h e V e r h a n d l u n g e n i n Genf
Von J o h n H o l " a y

erwarten

S t e i n r e c h n e t m i t A u s g l e i c h d e r U S - Z a h l u n g s b i l a n z noch i n d i e s e m J a h r
Von J c h n Holway
US-Landwirtschaftsministerium

rechnet für

1974 m i t noch h ö h e r e n

Ernteerträgen
- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zielsichere Umweltpolitik in den USA
Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene
veröffentlicht
Lebenswichtiger Gewässerschutz
ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wasserreinhaltung
Von G. Weiss
Polarimeter spürt Luftverschmutzer auf

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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36/1973

SHULTZ FORDERT ABBAU ALLER HANDELSSCHRANKEN
Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung
in Tokio

TOKIO - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat am
12. September bei der Eröffnung der GATT-Ministertagung den Abbau aller Handels
schranken, der landwirtschaftlichen wie der industriellen, gefordert und die
Mitarbeit der Vereinigten Staaten bei diesen gemeinsamen Bemühungen zugesagt.
Die Rede des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:

"Dies ist eine historische Konferenz, und ich habe die Ehre, an ihr teilnehmen zu dürfen. Wir sind hier, um den ersten offiziellen Schritt in Richtung
auf eine wesentliche Ausweitung und Verbesserung der weltweiten Handelsbeziehungen zu tun. Diese Verhandlungen basieren auf dem, was in der Vergangenheit, in der Kennedy-Runde und zuvor, erreicht worden ist. Sie sind gleichzeitig ein kühner Schritt, der über das in der Vergangenheit Erreichte hinausgeht. Unsere derzeitigen Verhandlungen haben einen weiter gesteckten Rahmen,
sind in ihren Zielen ehrgeiziger und werden von den wirtschaftlichen und politischen Realitäten geleitet.

Bevor ich nach Tokio kam, wurde mir gesagt, daß dieses Treffen Anlaß für
zahlreiche Reden zugunsten eines offenen Welthandels sein werde. Ich glaube,
daß dies der Fall sein wird, und ich halte es für ganz richtig, daß dies so
ist. Wenn wir jetzt einen Weg der Verhandlungen einschlagen, die viele Monate

- 1 -

�Monate dauern und sich mit äußerst komplexen Details befassen werden, dann
sollten wir uns die Prinzipien vor Augen halten, die unseren Bemühungen zu
Grunde liegen. So klar uns diese Prinzipien auch erscheinen mögen, der Weg,
sie in die Praxis umzusetzen, war stets schwierig und ist bei weitem noch
nicht abgeschlossen.

Das grundlegende Prinzip, das uns hier zusammenführt, ist ganz einfach
und bedarf keiner großen Erwähnung. Wenn immer es einen freiwilligen Warenaustausch gibt, haben beide Seiten - der Käufer und der Verkäufer - etwas zu gewinnen. Ist dies nicht der Fall, dann wird die eine oder die andere Seite den
Warenaustausch ablehnen. Dieses Prinzip gilt genauso, ob die beiden Parteien
aus verschiedenen Ländern kommen, oder ob sie aus dem gleichen Land stammen.
Hindernisse, die Regierungen dem Handel in den Weg legen, binnen- wie außenwirtschaftliche, hindern die Menschen daran, miteinander Geschäfte abzuschließen,
die für alle Beteiligten von Nutzen sein würden.

Es geht um mehr als nur darum, daß ein Land nur die Güter, die es im
Augenblick am billigsten herstellt, gegen die Waren, die andere Länder heute
am billigsten erzeugen, exportiert. Ein offener Handel zwingt uns alle, rationeller zu arbeiten, und spornt uns hierzu an. Der Sog des ausländischen
Wettbewerbs zwingt die Unternehmer aller Länder dazu, mehr Neuerungen einzuführen, größere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zu machen und sich
stärker den Wünschen der Verbraucher anzupassen.

Unsere Generation hat mehr Grund, sich dem Zwang dieser Vorstellungen zu
beugen, als irgend eine andere Generation vor uns. Wir haben den größten und
umfassendsten wirtschaftlichen Fortschritt in der Geschichte der Welt erlebt.
Dieses Zusammenfallen von Entwicklungen ist natürlich kein Zufall. Die Ausweitung der internationalen Gütererzeugung hat zur Expansion des Handels beigetragen, aber die Expansion des Handels hat ebenfalls zur Ausweitung der
internationalen Gütererzeugung beigetragen. Ein besserer Zugang zu den Märkten
hat die Spezialisierung der Gütererzeugung gefördert, und damit auch die bessere
Nutzung der Hilfsquellen jedes einzelnen Landes. Der Wettbewerbsdruck ausländischer Firmen hat den technologischen Fortschritt und die Initiative der
Wirtschaft belebt.

_n

�Als Folge einer offeneren Weltwirtschaft sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Bürger aller Länder wesentlich größer geworden und ist der
Lebensstandard überall auf der Welt gestiegen. Ein freierer Handel hat zu höheren Reallöhnen für die Arbeitnehmer und einem größeren Güterangebot für die
Verbraucher geführt.

Eine der jüngsten Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik ist für uns
alle eine heilsame Lehre. Die Regierungen in vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Australien, Japan, Kanada, einigen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten, sahen sich aus binnenwirtschaftlichen Gründen gezwungen,
ihre Zölle oder Quoten einseitig abzubauen, ohne entsprechende Konzessionen
der anderen Länder zu fordern. Wenn auch die Umstände in jedem einzelnen
Falle verschieden waren, so zeigt dies doch, daß wir nicht jeden Abbau eigener
Beschränkungen als Konzession anderen gegenüber betrachten sollten, die nur
dann von Wert ist, wenn von den anderen eine noch größere oder eine zumindest
gleich große Konzession gemacht wird. Die allgemeinen Prinzipien, die als
Richtlinien für unsere Arbeit dienen, besagen, daß der Abbau unserer eigenen
Handelsschranken genauso ein Gewinn für uns ist wie ein Abbau der Handelsschranken anderer.

Natürlich gibt es Einschränkungen für die grundlegende Vorstellung von
einer Handelsliberalisierung. Die Teilnehmer an dieser Konferenz, die Regierungen angehören oder im politischen Leben stehen, sind sich dieser Einschränkung besonders bewußt. Ein wesentlicher Abbau der Handelsschranken kann
zu örtlichen und vorübergehenden Schwierigkeiten führen, die nicht ignoriert
werden dürfen, so groß die Vorteile auf lange Sicht und ganz allgemein auch
sein mögen. Ein vorübergehender Schutz führt manchmal zu einer Leistungsfähigkeit, die sonst nicht zu erreichen gewesen wäre. Andere Vorbehalte müssen ebenfalls bedacht werden.

Diese Einschränkungen sind ein Beweggrund für Abstufung, Selektivität und
Gegenseitigkeit. Zweifellos wird ein großer Teil der Zeit in den jetzt beginnenden Verhandlungen solchen Einschränkungen gewidmet sein. Aber lassen Sie
uns, wie wir in den Vereinigten Staaten sagen, das Ziel, nämlich die Liberali- 3-

�Liberalisierung und Ausweitung des Handels, nicht aus den Augen verlieren und
versuchen, die Probleme in einer mit dem großen Ziel am besten zu vereinbarenden
Weise zu lösen.

Ich sehe eine Reihe wichtiger Aufgaben für diese Verhandlungen. Wenn ich diese
jetzt aufführe, so besagt das nicht, daß damit der gesamte Rahmen von Fragen
umrissen ist, die in diesen Verhandlungen behandelt werden sollen, noch besagt
dies, daß diese Fragen zwangsläufig Tagesordnungspunkte der Verhandlungen sein
müssen.

Richtlinien und Verfahren

Die zentrale Aufgabe dieser Verhandlungen ist, wie ich dies sehe, Richtlinien und Verfahren zu erarbeiten, die die Beseitigung der Handelsschranken
gestatten und den Regierungen die Möglichkeit belassen, ihren binnenwirtschaft- .
liehen Verantwortungen nachzukommen. Zahlreiche, immer noch den Welthandel behindernde Handelsschranken sind die Folge von Bemühungen einzelner Regierungen,
eine Vielzahl unterschiedlicher binnenwirtschaftlicher, sozialer und politischer
Ziele zu erreichen. Wir müssen die Maßnahmen erarbeiten, durch die diese Handelsschranken beseitigt oder abgebaut werden können. Da nationale Erfordernisse und
politische Präferenzen häufig voneinander abweichen, müssen wir Regeln entwickeln, die jeder einzelnen Regierung genügend Spielraum für die Formulierung
und Verfolgung ihrer eigenen Politik geben. Gleichzeitig müssen wir die Länder
dazu ermutigen, politische Maßnahmen zu erarbeiten, die Störungen der wirtschaftlichen Interessen anderer Länder auf ein Minimum reduzieren.

In einer interdependenten Welt wird die von einer Regierung zur Durchführung
ihrer Aufgaben verfolgte Politik zwangsläufig ab und zu in Konflikt mit der von
anderen Regierungen verfolgten Politik geraten. Wir werden uns daher auf die
Verfahren und Vereinbarungen konzentrieren müssen, die solche Konflikte auf
ein Minimum reduzieren und etwa sich ergebende Streitfälle beilegen. Unsere
gemeinsamen Institutionen wie das GATT haben diese Aufgabe gut versehen. Diese
Institutionen werden immer älter und wenn sie auch strukturell gesund sein

�sein mögen, so ist es doch wichtig, daß wir unsere jüngsten Erfahrungen bei
der Behandlung von Handelsproblemen genau prüfen, um festzustellen, wo Bestimmungen und Verfahren auf den neuesten Stand gebracht und verbessert werden
können.

Schutz vor Marktstörungen verursachenden Importen
Unsere jüngsten Erfahrungen zeigen, daß wir unä besonders mit den Bestimmungen und Verfahren zur Lösung von Problemen befassen müssen, die durch
Marktstörungen verursachende Importe hervorgerufen werden. Jedes hier vertretene Land hat es schon einmal für notwendig befunden, vorübergehend den Import einzuschränken, um der einheimischen Industrie ausreichend Zeit zu Anpassungen zu geben. Häufig haben die solche Maßnahmen betreffenden derzeitigen
Bestimmungen und Verfahren sich als unzulänglich erwiesen, und die Regierungen
mußten inoffizielle Vereinbarungen ausarbeiten. Obwohl solche Vereinbarungen
sich als zweckdienlich erwiesen haben, so konnten sie doch nicht alle Probleme
beseitigen, und oftmals führten sie zu unnötigen internationalen Reibungen.
Es ist an der Zeit, daß wir dieser Frage offen ins Auge sehen und gemeinsam
ein für alle akzeptables Schutzsystem ausarbeiten.

Lebensmittel
Ein weiteres Gebiet, auf dem gemeinsame Maßnahmen wünschenswert wären,
ist die Landwirtschaft. Die derzeitigen Verknappungen landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Gefahr, daß solche Verknappungen sich in der Zukunft wiederholen werden, verleiht der Notwendigkeit, ein rationelleres Verfahren für die
Erzeugung von und den Handel mit Agrarerzeugnissen auszuarbeiten, große Dringlichkeit. Wenn wir diesen Anlaß dazu nutzen, die Möglichkeiten für den Welthandel auf diesem Sektor auszuweiten, dann können wir für alle mehr Lebensmittel
zu niedrigeren Preisen verfügbar machen.

Es

- 5-

�Es sind verschiedene Anregungen unterbreitet worden, wie dies erreicht
werden könnte. Wir sind bereit, jeden ernsthaften Vorschlag zu prüfen.

Im vorigen Jahr haben wir es erlebt, wie der Welthandel mit Agrarerzeugnissen dazu beitragen kann, Lebensmittelverknappungen zu vermeiden, die anderenfalls kritisch gewesen wären. Der Rückgang der Weltgetreideernte wurde für viele
Länder dadurch gemildert, daß sie, vor allem aus den Vereinigten Staaten, Getreide importieren konnten. Trotz ungünstiger Witterung und geringerer Ernteerträge in unserem Land konnten wir den Ländern in allen Teilen der Welt, zum
Teil auf Kosten eines starken Abbaus unserer eigenen Vorräte, wesentlich größere
Mengen an Agrarprodukten und Futtermitteln zur Verfügung stellen.

Unsere Weizenexporte im Finanzjahr 1972/73 stellten sich auf 32 Millionen
metrische Tonnen. Das ist fast die doppelte Menge, die im Finanzjahr 1971/72
exportiert wurde,und macht rund 75 Prozent der amerikanischen Ernteerträge
aus. Die Futtergetreideexporte stiegen stark von 21 auf 35 Millionen Tonnen an.
Und die Sojabohnenexporte erhöhten sich auf 14 Millionen Tonnen, was eine Zunahme um zwei Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Über die Hälfte
unserer Sojabohnenernte wurde exportiert - ja, der gesamte Mehrertrag unserer'
Sojabohnenernte ging im letzten Erntejähr in den Export.

Zwar wurden unsere Vorräte stark abgebaut, doch rechnen wir mit einer ausgezeichneten Futtergetreideernte und einer Rekordsojabohnenernte in diesem Jahr,
so daß wir im Finanzjahr 1973/74 die Auslandsnachfrage bei diesen Agrarprodukten
bei einem Exportniveau, das selbst den Rekordstand des vorangegangenen Finanzjahres übersteigt, befriedigen können. Wir rechnen ferner damit, daß unsere
Weizenexporte nahe an den sehr hohen Stand des letzten Jahres kommen und den
vernachlässigten Weltbedarf decken werden. Wir haben Millionen von Hektar Land
wieder in die Bestellung genommen und 1974 werden die Anbaubeschränkungen für
alles Land, das in Reserve gehalten wurde, fallen. Wir haben bewiesen, daß die
Vereinigten Staaten in der Not wirklich ein zuverlässiger Lieferant sind - und
daß auf ihr absatzorientiertes System Verlaß ist.
Das

�*

Das Meistbegünstigungsprinzip

Ich möchte mich jedoch jetzt einer Entwicklung zuwenden, die für die
Vereinigten Staaten eine Quelle wachsender Besorgnis bildete. In den letzten
Jahren haben wir eine Tendenz festgestellt, von dem Gedanken eines einheitlichen Welthandelssystems abzugehen, in dem alle Länder gleich behandelt werden.
Das Meistbegünstigungsprinzip bildete einen Eckpfeiler unseres weltweiten
Handelssystems. Jetzt erleben wir, daß dieses Prinzip immer stärker mißachtet
wird. In einer Zeit, da der Kreis der am Welthandelssystem beteiligten Länder
ständig zunimmt, müssen wir uns erneut zu den Idealen einer einheitlichen,
nicht-diskriminierenden Handelsordnung bekennen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß wir weiterhin die zahlreichen regionalen Bemühungen unterstützen, eine politische und wirtschaftliche
Integration zu erreichen. Dies ist dort sinnvoll, wo Nachbarländer mit einer
gemeinsamen Tradition feststellen, daß sie wirtschaftlich in wachsendem Maße
miteinander verflochten sind. Wir müssen jedoch darauf bestehen, daß solche
Bemühungen nicht das weltweite System untergraben dürfen, das wir gemeinsam
aufgebaut haben und das uns so große Vorteile gebracht hat. Es ist daher wichtig,
daß di'e regionalen Gruppierungen angehörenden Länder sich so organisieren, daß
sie als Einheit wirksam die Verpflichtungen erfüllen können, die sie selbst
einzeln als Länder eingegangen sind.

Unterstützung der Entwicklungsländer

Wir unterstützen die Bemühungen, den Entwicklungsländern besonderen Zugang
zu Auslandsmärkten zu geben. Unseres Erachtens werden solche Vereinbarungen
sowohl den Industriestaaten als auch den Entwicklungsländern Vorteile bringen.
Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß es weder angebracht noch wünschenswert ist, wenn wir darauf bestehen, daß diese Länder die gleichen Pflichten
auf sich nehmen, die wir von den Ländern erwarten, die bereits ein relativ
hohes Maß an wirtschaftlicher Entwicklung erreicht haben. Gleichzeitig erwarten wir jedoch dem Entwicklungsstand eines Landes angemessene Zusagen und
- 7-

�»

I
•und eine Mitbeteiligung an der Verantwortung für ein wirksames Funktionieren
des weltweiten Systems. Keine internationale Maßnahme kann Erfolg haben, wenn
nicht die, die daraus Nutzen ziehen, auch zu ihr beitragen. Und das System
als ganzes kann nicht funktionieren, wenn nicht alle Länder zu seiner Effektivität beitragen.

Der Zusammenhang von Währung und Handel

Zum Schluß möchte ich noch ein Wort zu dem Zusammenhang zwischen unseren
Bemühungen hier und den Bemühungen um eine Reform des internationalen Währungssystems sagen. Wir sind uns darüber klar, daß zwischen Währungs- und Handeisfragen ein Zusammenhang besteht. Ein Hauptziel eines internationalen Währungssystems ist einerseits die Erleichterung des Handels. Dieses Ziel wird ernstlich gefährdet, sobald die Beziehungen auf dem Währungsssektor nicht stabil
sind. Auf der anderen Seite ist es genauso logisch, daß der Anpassungsprozeß
auf dem Währungssektor weniger wirksam und weniger nachgiebig ist, wenn der
Handel durch direkte Maßnahmen eingeschränkt wird und nur langsam, partiell
und verzerrt auf die Kräfte des monetären Anpassungsprozesses reagieren kann.

Kurz gesagt, Maßnahmen auf einem Gebiet können auf anderen Gebieten erzielte Lösungen zunichte machen, doch sollte dies nicht zugelassen werden.
Aus diesem Grunde ist eine gleichzeitige Verbesserung aller Elemente des
internationalen Wirtschaftssystems notwendig.

Obwohl konkreter Fortschritt auf einem Gebiet der Verhandlungen nicht als
Faustpfand für spezifische Verhandlungen auf einem anderen Gebiet benutzt
werden sollte, wird der Erfolg auf dem einen Gebiet letztlich auch vom Erfolg
auf dem anderen anhängen.
Wo in spezifischen Fällen Überschneidungen vorkommen, sollte die auf einem
Gebiet geleistete Arbeit die Arbeit auf den anderen Gebieten ergänzen und sie
nicht zunichtemachen.
Verhandlungsmandat

�Verhandlungsmandat der Vereinigten Staaten
Meine Regierung hält es für wichtig, daß die durch diese Verhandlungen
gegebenen Möglichkeiten genutzt werden und ist bestrebt, dynamisch mitzuarbeiten. Zur Durchführung der ausgehandelten Veränderungen und zur Bekräftigung unseres Bekenntnisses zu den grundlegenden Zielsetzungen bedarf es natürlich der Unterstützung, des Rates und der Zustimmung unseres Kongresses. Präsident Nixon hat dem Kongreß im April dieses Jahres sein Gesetz für eine Reform
des Handels unterbreitet. Dieses Gesetz ist im Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses eingehend und sehr konstruktiv geprüft worden und wird im Kongreß
wahrscheinlich noch einige Monate lang erörtert werden. Die maßgebenden demokratischen und republikanischen Ausschußmitglieder haben in der letzten Woche
ihre 'Hoffnung und Auffassung bekundet, daß wir die Behandlung des Gesetzes
bis zum 1. Oktober abgeschlossen haben werden1. Sie erklären ferner: 'Unseres
Erachtens wird der Ausschuß ein Gesetz vorlegen, daß einen ausreichenden Rahmen
für umfassende Verhandlungen mit dem Ziel gibt, die Handelsschranken zu beseitigen und den Welthandel wesentlich auszuweiten. Wir hoffen und wünschen,
daß der Kongreß dieses Gesetz in absehbarer Zeit verabschieden wird, um diese
Verhandlungen zu erleichtern.'

Die Tatsache, daß unser Handelsgesetz noch vom Kongreß geprüft wird, beeinträchtigt unsere aktive und volle Teilnahme an dieser Phase nicht. Die Verhandlungen, die auf dieser Konferenz beginnen, werden sich am Anfang darauf
konzentrieren, den dann kommenden detaillierten Verhandlungsprozeß vorzubereiten. Wir stehen weiterhin zu der Zusage, mit der substantiellen Arbeit in
diesen Verhandlungen Ende Oktober dieses Jahres zu beginnen und diese Arbeit
intensiv, kontinuierlich und ohne Verzögerung fortzusetzen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß die Haltung
des Kongresses gegenüber diesen Verhandlungen - und damit auch das Mandat, das
er unseren Unterhändlern geben wird - davon beeinflußt sein wird, wie wir in
den kommenden Monaten einige der noch offenen Fragen mit unseren Handelspartnern
lösen werden. Wir haben bereits kürzlich befriedigende Abkommen mit einigen
unserer wichtigen Handelspartner über die Beseitigung seit langem bestehender

- 9 -

�bestehender Handelsbeschränkungen erzielt, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren sind. Dies war eine sehr positive Entwicklung und zeigt den amerikanischen
Beobachtern eindeutig, daß das GATT funktioniert. Trotzdem stehen zur Zeit
noch einige andere Fragen an. Wir betrachten die Lösung dieser Fragen als Beweis dafür, daß wir darauf bauen können, daß die internationale Völkergemeinschaft ein Abkommen über eine offenere und bessere Welthandelsordnung erreichen
kann. Wir wissen, daß es unbedingt notwendig ist, dem Kongreß zu beweisen, daß
Grund für solches Vertrauen besteht.

Die Haltung der Vereinigten Staaten

Kurz gesagt, die Haltung der Vereinigten Staaten wird, was diese Verhandlungen anbetrifft, auf folgenden Gedanken basieren:

1. Wir wollen die Möglichkeiten für den Welthandel ausweiten und sind bereit, voll an den gemeinsamen Bemühungen um die Beseitigung oder die Reduzierung
aller Handelsschranken, der landwirtschaftlichen wie auch der industriellen,
mitzuarbeiten.

2. Wir streben ein Abkommen an, das allen Beteiligten Vorteile bringt und
von allen anerkannt wird. Dies bedingt, daß das Abkommen vom Standpunkt jedes
einzelnen Teilnehmerlandes ausgewogen ist. Wir sind jedoch der Ansicht, daß es
nicht notwendig ist, auf einer Ausgewogenheit jeder einzelnen Komponente

jedes

Abkommens zu bestehen, da dadurch das, was erreicht werden kann, in einem unerwünschten Maße beschränkt werden würde.

3. Unseres Erachtens sollte der zollfreie Handel wesentlich ausgeweitet
und der Durchschnittszoll bei den noch verbleibenden zollpflichtigen Waren erheblich gesenkt werden.

4. Wir betrachten es als ein Hauptziel dieser Verhandlungen, möglichst
viele nicht-tarifären Handelsschranken zu beseitigen, und diejenigen, die nicht
beseitigt werden können, so weit wie möglich abzubauen.
5. Der
- 10 -

�5. Der Abbau der Schranken für den Agrarhandel ist ein Hauptziel, und
die diesbezüglichen Verhandlungen sollten zusammen mit den Verhandlungen
über Industrieerzeugnisse vorangehen. Wir sollten vereinbaren, daß in solchen
Fällen, in denen wir binnenwirtschaftliche Maßnahmen zur Unterstützung unserer
eigenen Farmer für notwendig erachten, diese Maßnahmen nicht den Landwirten
anderer Länder schaden dürfen.

6. Unseres Erachtens wird eine maximale Liberalisierung des Handels erreicht, wenn wir Übereinstimmung über ein multilaterales Schutzsystem erzielen
können, das den Regierungen geeignete Maßnahmen gestattet, wenn eine zu schnelle
Ausweitung der Importe die einheimische Produktion einer bestimmten Industrie
zu zerrütten droht. Gleichzeitig werden wir jedoch sicherstellen, daß solche
Maßnahmen nicht umfassender sind und länger dauern, als dies für den binnenwirtschaftlichen Anpassungsprozeß notwendig ist.

7. Wir stehen besonderen Verfahren oder Vereinbarungen aufgeschlossen gegenüber, die dazu benutzt werden, gemeinsame Verhandlungsziele zu erreichen.

8. Wir wünschen, daß die Verhandlungen sofort beginnen und schnell voranschreiten und verpflichten uns zu einer optimalen Mitarbeit, damit dieses Ziel
erreicht wird.

Gehen wir ans Werk!

Wir erwarten, daß der Ausschuß für Handelsverhandlungen (TNC) eine wichtige
Rolle dabei übernehmen wird, diese Verhandlungen in Richtung auf das gewünschte
Ziel zu lenken. Wir hoffen, daß der Ausschuß mit seiner Arbeit so bald wie möglich beginnt, Verfahren für die Untergruppen festlegt und dafür sorgt, daß diese
sofort kontinuierlich und wirksam die Arbeit an den wesentlichen Punkten der
Verhandlungen aufnehmen. Wir hoffen, daß die teilnehmenden Regierungen sich auf
die Verhandlungspläne konzentrieren, die grundlegende analytische Arbeit, die
möglichst bald getan werden muß, aufnehmen und mit diesem Prozeß im Ausschuß
nicht später als am 1. November beginnen werden. Sobald ein Anfang gemacht ist,
- 11 -

�I
ist, sollten wir die Arbeit ernsthaft und kontinuierlich fortführen, damit das
Ziel, 1975 zum Abschluß zu kommen,erreicht werden kann.

Unseres Erachtens bildet die vom Vorbereitungsausschuß im Juli ausgehandelte
Deklaration eine gesunde Basis für die Aufnahme solcher Verhandlungen. Sie gibt
uns nützliche politische Richtlinien, denen unsere Unterhändler folgen sollen.
Wir wissen, daß hinsichtlich der Deklaration einige Meinungsverschiedenheiten
bestehen, die sich auf ganz spezifische Punkte des Inhalts oder des Schwerpunkts
beziehen. Die Deklaration setzt jedoch einen Rahmen, um ein für uns alle wünschenswertes Ergebnis zu erreichen. Diese Deklaration in eine Änderung unserer Handelsbeziehungen umzusetzen, ist die Aufgabe, vor der wir während dieser Verhandlungen
stehen werden.

Der Fortschritt, den wir uns alle bei diesen Verhandlungen wünschen, kann
nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden, zu denen alle von uns auf
geeignete Weise beitragen müssen und aus denen wir alle entsprechende Vorteile
ziehen werden. Diese Deklaration von Tokio soll als Ausgangsbasis und Ansporn
dienen. Die Vision von der Zukunft, die in der Vergangenheit die Völker angespornt hat, große Ziele zu erreichen, soll auch uns bei den gemeinsamen Bemühungen leiten, eine dauerhafte Handelsordnung zu errichten, die zur internationalen Eintracht und Prosperität für uns und für die künftigen Generationen
beitragen wird."

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36/1973

TOKIO-KONFERENZ LÄSST ERFOLGREICHE VERHANDLUNGEN I N GENF ERWARTEN

Von John Holway

TOKIO - (AD) - Der von allen Teilnehmerstaaten der GATT-Ministertagung
in Tokio gezeigte "gute Wille" läßt nach amerikanischer Auffassung auf einen
erfolgreichen Verlauf der Gespräche in Genf schließen, wo Ende Oktober die
eigentlichen Verhandlungen über einen weltweiten Abbau aller Handelsschranken
beginnen werden.

Diesen Optimismus in Kreisen der amerikanischen Delegation begründete
der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter
William Eberle, damit, daß sich Presseberichte aus allen Teilen der Welt
nicht bewahrheitet haben. Danach hätten die Verhandlungen in diesem Herbst
noch nicht beginnen können und einzelne Regierungen einen Aufschub gewünscht.
Vielmehr, so erklärte Eberle nach Abschluß der Konferenz, hätten die Finanzminister Frankreichs, der USA, Japans sowie zahlreicher anderer Länder und
auch die EWG feste Zusagen gemacht, daß die bevorstehenden Verhandlungen den
richtigen Verlauf nehmen und Fortschritte erzielen könnten.

Aber auch die inoffiziellen Kontakte der Minister außerhalb des Konferenzsaales, so betonte der Botschafter, hätten die Aussichten auf einen erfolgreichen
Verlauf der kommenden Verhandlungen verbessert. Sollten sich im Zuge dieser Ende
Oktober beginnenden Verhandlungen Probleme ergeben, so könnten die Minister auf
politischer Ebene miteinander sprechen, "und ich glaube, das ist äußerst wichtig."
Der
- 1 -

�i
Der nächste Schritt liegt nach Ansicht Eberles jetzt bei dem in Tokio
eingesetzten Ausschuß für HandelsVerhandlungen, der am 24. Oktober oder kurz
danach in Genf zusammentritt, um mit der analytischen Arbeit zu beginnen, die
den eigentlichen Verhandlungen vorangehen muß. Natürlich, so fügte Eberle hinzu, bestehe auch die Gefahr, daß bei den Genfer Gesprächen erneut Spannungen
entstünden. Er erachte dieses Risiko aber angesichts der von den Ministern
in Tokio gegebenen Zusagen für gering. Der in der japanischen Hauptstadt manifestierte politische Wille berechtige zu der Hoffnung, daß die bevorstehenden
Verhandlungen einen guten Verlauf nehmen und erfolgreich sein werden.

Natürlich, so fuhr Eberle fort, gebe es nationale Maßnahmen, die international

Spannungen auslösen könnten. Der Botschafter erwähnte in diesem Zu-

sammenhang die amerikanischen Gegenzölle bei Erzeugnissen, die zu ungewöhnlich
niedrigen Preisen in die USA eingeführt werden, weil sie von den betreffenden
Exportländern subventioniert sind. Diese Frage sollte in einem multilateralen
Rahmen behandelt und mit den Handelspartnern der USA erörtert werden. Das sei
in jedem Fall einseitigen Maßnahmen, die nur zu Vergeltungsschritten führen
würden, vorzuziehen.

Die amerikanische Verhandlungsdelegation wird im Oktober in Genf zu einem
Zeitpunkt eintreffen, da

das neue amerikanische Handelsgesetz vom Kongreß

sicherlich nocht nicht verabschiedet sein wird und auch die Europäische Gemeinschaft noch über kein

Verhandlungsmandat verfügen dürfte. Dies habe jedoch,

so betonte Eberle, während der organisatorischen und analytischen Phase der
Konferenz nichts zu besagen, da die echten Verhandlungen mit Vorschlägen und
Gegenvorschlägen erst danach beginnen könnten.

Im Gegensatz zur Kennedy-Runde haben sich die USA dieses Mal bereit erklärt, allen Vorschlägen über eine Harmonisierung der Zölle sowie deren Auswirkungen zu prüfen, so daß bereits vor den eigentlichen Verhandlungen gemeinsame
statistische Unterlagen erarbeitet sind, auf denen dann die Verhandlungen aufbauen können. Diese Vorbereitungen, so sagte Eberle, brauchten allerdings
Zeit, doch sollte es trotzdem möglich sein, wie beabsichtigt, die Verhandlungen
1975 zum Abschluß zu bringen. Für die USA würde dies bedeuten, daß das Ende
- 2-

�Ende der Verhandlungen nicht mit dem nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zusammenfallen würde.

Bei der Kennedy-Runde fand der größte Teil der harten Verhandlungen in
den letzten acht Monaten statt. Dieses Mal werden die Unterhändler über zwei
Jahre Zeit haben, um die neue Verhandlungsrunde zu einem erfolgreichen Abschluß
zu bringen. Seit der Kennedy-Runde hat sich der Welthandel mehr als verdoppelt.
Aber in diesen Verhandlungen wurde auf den Gebieten des Agrarhandels und der
nicht-tarifären Handelsschranken nicht viel erreicht. Dieses Mal nun werden
die Unterhändler gerade diese beiden Probleme besonders eingehend erörtern.

Aber auch den Problemen der Entwicklungsländer soll weit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nach Ansicht Eberles werden die Verhandlungen gerade
für diese Länder "einige wesentliche Verbesserungen" bringen. Sie dürften
sowohl von den Sonderpräferenzen der Industriestaaten als auch von dem allgemeinen Abbau der Zollschranken zwischen allen Ländern profitieren.

Erstmalig werden die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden Verhandlungen einen eigenen Präferenzplan für die Entwicklungsländer vorlegen. Dadurch
könnten nach Ansicht Eberles die Präferenzschemen Japans, Europas und anderer
Industriestaaten verbessert werden. Aber auch die Beseitigung der nicht-tarifären Handelsschranken dürfte für die Entwicklungsländer besondere Bedeutung
haben. Und das Gleiche gilt, wie Eberle betonte, für die Verhandlungen über eine
Angleichung der Hygienebestimmungen und der Verpackungsnormen sowie für die
Fragen, die den Entwicklungsländern den Export ihrer Erzeugnisse in die Industriestaaten erleichtern könnten.

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36/1973

STEIN RECHNET MIT AUSGLEICH DER US-ZAHLUNGSBILANZ NOCH IN DIESEM JAHR
Von John Holway

TOKIO - (AD) - Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats Präsident Nixons,
Dr. Herbert Stein, rechnet mit einem Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz noch vor Ende dieses Jahres. Im letzten Jahr hatte die Zahlungsbilanz
dei USA ein Defizit von rund 7 Milliarden Dollar aufgezeigt.

Gleichzeitig, so betonte Stein am 12. September vor Korrespondenten,
werde die Inflationsrate in den USA bis zum zweiten Halbjahr 1974 "sehr deutlich" zurückgehen. Die derzeitige Inflationsrate in den USA von rund 8 Prozent
sei nur vorübergehend. Eine Rückkehr zu "den goldenen Zeiten der sechziger
Jahre" mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent sei allerdings wenig wahrscheinlich. Doch dürfte mit einem Rückgang auf 3 bis 3,5 Prozent zu rechnen sein.
Diese Rate sei nach amerikanischen Maßstäben zwar immer noch hoch, liege jedoch niedriger als in irgend einem anderen Lande.

Für seine Voraussage führte Stein vier Gründe an. Einmal werde die Rekordernte in diesem Jahr zu einer Steigerung des Lebensmittelangebots führen und
einen Druck auf die Preise ausüben. Zweitens werde der Wert des Dollar wieder
steigen, der bereits etwa 60 Prozent des Verlustes seit Jahresbeginn aufgeholt
habe. Drittens werde sich der Boom in den USA abkühlen. Und viertens werde sich
der Wirtschaftsaufschwung in Japan, der Bundesrepublik und anderen Industriestaaten verlangsamen.

Stein
- 1 -

�Stein gab zu, daß eine Gefahr bestehe, daß sich der Wirtschaftsaufschwung
zu schnell verlangsame und in eine Rezession übergleiten könnte. Doch bestehe
aller Grund zur Annahme, daß dies vermieden werden könne. Die Wirtschaft verhalte sich vorsichtiger als bei früheren KonjunktüraufSchwüngen und die Währungsprobleme würden sorgfältiger als bei früheren derartigen Entwicklungen
gehandhabt. Die Regierung sei jedoch auf der Hut und werde das Steuer rechtzeitig herumwerfen, falls die Entwicklung den falschen Weg einschlagen sollte.

Stein stimmte zu, daß der US-Dollar noch immer unterbewertet sei. So
lange die amerikanische Zahlungsbilanz noch ein kleines Defizit aufweise, werde
auch der Druck auf den Dollar fortbestehen. Dies werde sich jedoch ändern, sobald die amerikanische Zahlungsbilanz den erwarteten Überschuß aufweise. Es
lasse sich im Augenblick schwer sagen, so fuhr Stein fort, welches der richtige
Wechselkurs für den US-Dollar - oder auch für irgend eine andere Währung - sei.
Daher seien die Vereinigten Staaten an einem Währungssystem interessiert, in
dem eine Anpassung von Wechselkursen möglich ist.

In Gesprächen während der GATT-Tagung betonte Stein

gegenüber japanischen

Regierungsvertretern und Wirtschaftsexperten, daß die Vereinigten Staaten nicht
die Absicht hätten, im Rahmen ihrer Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation
Handelsrestriktionen zu benutzen. Vielmehr, so sagte Stein, kämpften die USA
gegen den Preisauftrieb mit einer Liberalisierung ihrer Handelspolitik an.
Genauso würden die USA auch keinen Druck auf den Dollarkurs ausüben, um auf
diese Weise der amerikanischen Wirtschaft einen Auftrieb zu geben und die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten abzubauen. Vielmehr werde versucht,
den Wirtschaftsboom durch eine Hochzinspolitik und andere Maßnahmen abzukühlen,
obwohl die amerikanische Arbeitslosenquote immer noch bei 4,7 Prozent liege.

Zu den bereits wieder aufgehobenen Beschränkungen für den Export von Sojabohnen meinte Stein, angesichts des äußerst starken Anstiegs der Lebensmittelpreise in den USA hätten ungewöhnliche, aber sehr gemäßigte und zeitlich begrenzte Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die Vereinigten Staaten seien beispielsweise das einzige Land der Welt, das noch frei Getreide exportiere. Die
Sojabohnenexporte hätten zu Ende des ErnteJahres reduziert werden müssen, da
- 2-

�da mehr exportiert als geerntet worden sei, doch diese Kontrollen hätten lediglich zwei oder drei Monate gedauert und es würden immer noch mehr Sojabohnen
exportiert als je zuvor. Die Vereinigten Staaten hätten alleine den Proteinmangel der übrigen Welt ausgleichen müssen, und aus diesem Grunde - und nicht
als Maßnahme zur Bekämpfung der Inflation - seien die Beschränkungen vorgenommen
worden. Bei ihren Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation, so fuhr Stein
fort, hätten die USA ihre Beschränkungen abgebaut. So seien zum Beispiel die Importkontrollen für Milch, Fleisch und Käse verringert worden, und es werde gegenwärtig geprüft, ob die Einfuhrbeschränkungen bei Käse völlig fallen könnten.
Die Inflation in den USA könne nur durch eine Liberalisierung des Handels bekämpft werden.
Stein unterstrich erneut, daß die Prosperität der Vereinigten Staaten und
ein starker US-Dollar für die übrige Welt genauso wichtig wie für die USA selbst
seien. Die amerikanische Regierung müsse gemäßigte und verantwortungsbewußte
Maßnahmen ergreifen. Die Vereinigten Staaten betrachteten die Wirtschaft als
einen sehr wichtigen Teil ihrer Beziehungen zur übrigen Welt und hätten weniger
als irgend ein anderes Land der Welt ihre Außenwirtschaftspolitik zur Erreichung
binnenwirtschaftlicher Ziele manipuliert. Ziel der amerikanischen Wirtschafts-,
Währungs- und Auslandshilfepolitik in den letzten 20 Jahren sei es gewesen,
nicht etwas für die eigene Wirtschaft, sondern vielmehr etwas für die übrige
Welt zu tun.

Abschließend betonte Stein, die Vereinigten Staaten hätten gerade im letzten
Jahr - ebenso wie zahlreiche andere Länder - festgestellt, daß die Inflation
ein weltweites Problem ist und die einzelnen Länder nur begrenzt allein dagegen
ankämpfen könnten. Daher seien die USA an der Möglichkeit gemeinsamer Anstrengungen interessiert, um so die weltweite Inflation einzudämmen und die einzelnen
Regierungen vermehrt in die Lage zu versetzen, der Inflation im eigenen Lande
Herr zu werden.

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36/1973

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTERIUM RECHNET FÜR 1974 MIT NOCH HÖHEREN
ERNTEERTRÄGEN
- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -

WASHINGTON - (AD) - Mit Ernteerträgen, die noch erheblich über der diesjährigen Ernte liegen werden, rechnet das amerikanische Landwirtschaftsministerium
für 1974.

Wie der Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium, Carroll
Brunthaver, und der Leiter des Amtes für Agrarwirtschaft, Donald Paarlberg,
am 17. September vor der Presse betonten, stützen sich ihre Voraussagen vor
allem auf die geplante Ausweitung der Anbauflächen. Änderungen auf Grund der
Wetterbedingungen, der Verfügbarkeit von Dünger und Treibstoff sowie der veränderten Wirtschaftssituation lägen allerdings durchaus im Bereich des Möglichen. Bei den meisten Agrarerzeugnissen, vor allem bei Sojabohnen, müsse auch
für 1974 mit steigenden Exporten gerechnet werden, lediglich bei Mais und
Futtergetreide dürften die Ausfuhren zurückgehen. Eine Stellungnahme über die
künftige Entwicklung der Agrarprexse lehnten beide ab, doch dürften ihrer Ansicht nach die Preise bei Weizen wie auch bei Sojabohnen nachgeben.

Die wichtigsten Teile des auf der Pressekonferenz veröffentlichten Ernteberichts des Landwirtschaftsministeriums der USA haben folgenden Wortlaut:

"Die
- 1 -

�"Die Ernteaussichten bei Futtergeteide, Sojabohnen, Weizen und Baumwolle
haben sich im August noch verbessert, so daß sich die angespannte Versorgungslage im Erntejahr 1973/74 etwas entspannt hat. Bei Reis wird der Nachfragedruck trotz der wesentlich höheren diesjährigen Ernte anhalten. Dieser neue
Erntebericht enthält zum Teil auch Voraussagen für die Ernte im kommenden Jahr
und für das Erntejahr 1974/75. Die gesetzlichen Beschränkungen lassen allerdings
die Veröffentlichung von Ernteschätzungen bei Baumwolle nicht zu. Bei Reis ist
das Programm für 1974 noch nicht bekannt gegeben worden. Bei den Angaben für
1974 handelt es sich um sehr grobe Schätzungen. Sie sollen im wesentlichen auf
die erwarteten Veränderungen hinweisen. Diese Schätzungen können sich durchaus
noch ändern, sobald weitere Informationen verfügbar werden. Ein zur Veröffentlichung am 21. Dezember vorgesehener Bericht wird eine offizielle Schätzung
der mit Winterweizen bestellten Anbauflächen enthalten. Über die Anbaupläne
bei den anderen wichtigen Agrarprodukten wird Anfang 1974 berichtet werden.
Weizen:
Die Weizenernte 1973, die nahezu eingebracht ist, hat einen Rekordertrag
von 46 Millionen Tonnen erbracht, aber die Vorräte sind um 10 Prozent niedriger
als vor einem Jahr und haben auf Grund der geringen Überhangsbestände aus der
alten Ernte den niedrigsten Stand seit 1967 erreicht. Der Gesamtverbrauch im
Erntejähr 1973/74 wird zwar etwas niedriger als im vorangegangenen Erntejähr
sein, aber die Erträge der letzten Ernte übersteigen, so daß die Überhangsbestände im kommenden Sommer weiter auf etwa 8 Millionen Tonnen zurückgehen
dürften. Anbaufläche und Ernteerträge werden 1974 weiter zunehmen, einen Ausgleich schaffen und so zu einem Ansteigen der Vorräte über den derzeitigen
Stand führen. Vorausgesetzt, daß sich der Verbrauch wenig ändert, dürften die
Überhangsbestände dann um rund 2,7 Millionen Tonnen höher liegen.

Futtergetreide:
Die Besserung der Ernteaussichten bei Mais und Hirse im letzten Monat hat
die angespannte Marktlage bei Futtergetreide etwas verbessert. Obwohl die Vorräte zu Beginn des ErnteJahres 1973/74 wesentlich niedriger sind, dürften die
besseren Ernteaussichten das Gesamtangebot etwa auf dem Stand des ErnteJahres
- 2-

�Erntejahres 1972/73 halten. Da der Verbrauch sich wahrscheinlich ungefähr auf
der Höhe des Vorjahres halten wird, dürften die Bestände zu Ende des Erntejahres 1973/74 eher niedriger sein. Der Export dürfte etwas zurückgehen, aber
der Verbrauch auf dem Binnenmarkt dürfte - angesichts der höheren Viehhaltung weiter steigen. Die Anbauflächen dürften im nächsten Jahr erheblich zunehmen, so
daß die Vorräte im darauffolgenden Jahr zunehmen werden.

Sojabohnen:
Die Überschußbestände bei Sojabohnen betrugen am 1. September 1973 rund
1,7 Millionen Tonnen. Die Ernte ist sehr gut verlaufen und die Gesamtvorräte
im Erntejahr 1973/74 werden um rund 23 Prozent höher liegen als im Vorjahr. Obwohl Weiterverarbeitung und Export um rund 15 Prozent höher sein werden als im
Vorjahr, dürften die Überhangbestände am 1. September 1974 mit schätzungsweise
5,4 Millionen Tonnen dreimal so hoch liegen wie dieses Jahr.

Der Verbrauch von Sojabohnenschrot auf dem Binnenmarkt und der Exportbedarf werden im Erntejahr 1973/74 steigen. Die Exportzahlen auf der Tabelle geben
die Exportabsichten für Sojabohnenschrot wieder und tragen der voraussichtlichen
Weltmarktsituation bei Proteinen sowie dem Verhältnis zwischen Sojabohnenschrot
und Sojabohnenöl Rechnung.

Die Überhangbestände bei Sojabohnenöl (roh und verarbeitet) sind am 1. Oktober 1973 sehr gering. Die vermehrte Gewinnung von Sojabohnenöl im Erntejähr
1973/74 sollte jedoch eine Zunahme des inneramerikanischen Verbrauchs auf den
normalen Stand von 136 080 Tonnen gestatten. Angesichts einer erwarteten stärkeren
internationalen Konkrrenz, unter anderem auch durch Sojabohnenöl, das aus exportierten amerikanischen Sojabohnen gewonnen worden ist, und eines Rückgangs des
Exportförderungsprogramms der amerikanischen Regierung nach Pl-480 dürften die
Ausfuhren von Sojabohnenöl im Erntejahr 1973/74 mit 453 600 Tonnen um rund
90 720 Tonnen niedriger liegen als im Erntejähr 1972/73.

Die

- 3-

�Die 1974 mit Sojabohnen bestellten Flächen werden voraussichtlich etwas
niedriger sein, da die Anbauflächen bei Mais und Baumwolle wesentlich erhöht
werden dürften und normale Wetterbedingungen im kommenden Jahr vorausgesetzt
werden.

Baumwolle:

Obwohl sich die Ernteaussichten gegenüber dem Vormonat verbessert haben,
dürfte der Ernteertrag gegenüber 1972 um rund 6 Prozent zurückbleiben. Der Gesamtverbrauch wird mengenmäßig etwas höher als im Erntejahr 1972/73 liegen.
Der verstärkte Export wird den geringeren Bedarf der einheimischen Fabriken
mehr als ausgleichen. Damit dürften die Überhangbestände im Sommer nächsten
Jahres etwas unter dem Stand von 3,8 Millionen Ballen am 1. August 1973 liegen.

Reis:
Die Septemberschätzungen der Reisernte 1973 liegen mit 4,4 Millionen
Tonnen um 16 Prozent höher als die Vorjahresernte. (Diese Schätzungen berücksichtigen etwaige Schäden des Wirbelstumes Delia Anfang September nicht.) Die
höheren Ernteerträge werden nicht nur die Vorräte auffüllen, die zu Beginn
des neuen Erntejahres auf den niedrigsten Stand seit 1962 abgesunken waren,
sondern auch zu einem vermehrten Angebot führen. Aber die internationale Versorgungslage ist die angespannteste seit Jahren. Die amerikanischen Vorräte
dürften im Sommer 1974 leicht ansteigen."

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ZIELSICHERE UMWELTPOLITIK IN DEN USA
Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene
veröffentlicht

- (AD) - Der vierte Jahresbericht des US-Präsidialbeirats für Umwelthygiene, der am 17. September 1973 veröffentlicht wurde, dokumentiert, daß
man in den Vereinigten Staaten nach der Schaffung von Rahmenrichtlinien für
den Umweltschutz an die Feinarbeit gegangen ist. Der 500 Seiten starke Report
bringt nichts sensationell Neues, gibt jedoch eine wertvolle und kritische
Übersicht über die Fortschritte wie die Schwierigkeiten, die sich im Verlauf
der letzten zwölf Monate ergaben. Gleichzeitig zeigt er auf, an welcher Stelle
und in welcher Weise die Strategie geändert werden muß, um die bereits definierten Ziele des Umweltschutzes auch wirklich zu erreichen.

Für den gesamten Komplex "Umweltschutz" beginnt jetzt eine neue Phase.
Der erste Abschnitt, in dessen Verlauf vor allem die Öffentlichkeit auf die
Probleme aufmerksam gemacht und zu einem entsprechenden Verhalten veranlaßt
werden mußte, ist erfolgreich abgeschlossen. Viele der Gesetze und Vorschriften,
die der Präsidialbeirat für Umwelthygiene (CEQ) in seinem ersten Bericht im
Jahr 1970 empfahl, sind inzwischen rechtskräftig geworden. Aus dem neuen
-vierten - Jahresbericht geht auch hervor, daß sich seit dem ersten "Tag
der Erde" am 22. April 1970 die Zahl der Umweltschutzorganisationen in den
Vereinigten Staaten verdoppelt und ihr Einfluß beträchtlich zugenommen hat.
Die

- 1 -

�I
Die großen Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Umweltschutz wirken
- und auch das geht aus dem Bericht hervor - weit über die Grenzen der USA
hinaus. Das gilt natürlich in erster Linie für Projekte, die internationale
Zusammenarbeit erfordern oder interantionalen Erfahrungs • und Meinungsaustausch ratsam erscheinen lassen. Beispiele für gemeinsame Aktionen sind die
CCMS-Projekte der NATO, für die zu lösenden Aufgaben die MeeresVerschmutzung,
die Abfallbeseitigung und die Umweltprobleme im Zusammenhang mit der Energieproduktion. In dem Begleitschreiben zu dem Bericht an den Kongreß der Vereinigten
Staaten erklärt Präsident Nixon unter anderem: "Unsere Aktivität blieb nicht
auf die Lösung eigener Umweltprobleme beschränkt. Wir haben in der Gemeinschaft
der Völker eine starke Führungsrolle übernommen, um Antworten auf Umweltfragen
zu finden und internationale Anstrengungen zu fördern, durch die Probleme gelöst werden sollen, die an nationale! Grenzen nicht haltmachen ... Dank amerikanischer Initiative

ist es in den letzten Jahren gelungen, die Umweltsituation

zu verbessern ..."

Zum ersten Mal wird die Lage der Städte ausführlich in einem gesonderten
Kapitel behandelt. Es sei nicht zu erwarten, daß "unsere Städte in der Mehrzahl
niedergerissen oder völlig neu noch zu unseren Lebzeiten wieder aufgebaut
werden. Vielmehr sollten wir das Alte mit dem Neuen in einer Weise verbinden,
die den Charakter und die besondere Note unserer Städte bewahrt und die in
ihnen vorhandenen Elemente als Leitlinien für künftigen Fortschritt und künftige
Veränderungen nutzen."
Das Kapitel über "Internationale Aktion für den Umweltschutz" erwähnt
u.a. die für Oktober vorgesehene Konferenz der zwischenstaatlichen beratenden
Organisation für die Seeschiffahrt (IMCO), auf der Kontrollen für das Ablassen
von öl und anderer Schmutz- und Schadstoffe von Schiffen behandelt werden. Im
gleichen Kapitel wird der Sorge Ausdruck gegeben, daß wegen der in zahlreichen
Ländern in Kraft getretenen Gesetze gegen Luft- und Wasserverschmutzung ein
Teil der Abfallstoffe, die früher an Ort und Stelle in die Luft und einheimische
Gewässer eingeleitet wurden, jetzt im Meer beseitigt werden könnten.

Ein

- 2-

�Ein weiteres Kapitel ist dem Thema "Internationaler Handel und Umweltpolitik" gewidmet. Es macht auf die Gefahr aufmerksam, daß Subventionen, die
eine Regierung als Hilfe an die Industrie gibt, um Umweltschutzausrüstungen
zu installieren, die Handelsbilanzen verzerren könnten. Solche Subventionen
dürften nicht dazu führen, die echten Produktionskosten zu verschleiern.

- 3-

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36/1973

LEBENSWICHTIGER GEWÄSSERSCHUTZ
ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wasserreinhaltung
Von G. Weiss

- (AD) - Amerika läßt sich die Programme für den Gewässerschutz und die
Abwasserreinigung einiges kosten. Die Bundes-Umweltschutzbehörde EPA z.B.
stellte im Finanzjahr 1973, das am 30. Juni zu Ende ging, den Bundesstaaten
und einigen Großstädten die Rekordsumme von 3,1 Milliarden Dollar zur Verfügung, damit diese etwa 3500 Kläranlagen bauen bzw. ausbauen. Die größten Anteile erhielten New York (81,9 Millionen Dollar) und Detroit (80,2 Millionen
Dollar).

Die amerikanische Industrie investierte im Jahr 1972 rund 2,04 Milliarden
Dollar auf dem Sektor "Abwasserbehandlung". Das Fünffache wäre allerdings nach
einer Erhebung von McGraw-Hill erforderlich, um die vorhandenen Anlagen so auszurüsten, daß den gegenwärtigen Umweltschutz-Bestimmungen Genüge getan werden
kann. Dennoch gibt es ermutigende Anzeichen dafür, daß Seen und Flüsse in
Amerika bereits sauberer geworden sind. Aber viele Probleme der Wasserverschmutzung sind eben noch immer unbewältigt.

Den neuen Umweltschutzbestimmungen zufolge müssen ca. 30 000 Industrieunternehmen und 22 000 städtische Betriebe die in Gewässer eingeleiteten Abwassermengen verringern. Die überaus aktive EPA hofft, im Jahr 1976 von den

- I -

�den meisten Flüssen und Seen "relative Sauberkeit" melden zu können. Bei dem
bereits als "biologisch tot" erklärten Erie-See z.B. sind jetzt schon Anzeichen
vorhanden, daß sich die Situation verbessert. Allerdings dürfte es im Einzugsbereich der Abwässer mancher Ballungszentren - u.a. im Räume Boston - noch bis
Mitte der achtziger Jahre dauern, bis die Belastung der Gewässer mit Schmutzund Schadstoffen und mit überwärmtem Kühlwasser auf einen erträglichen und vertretbaren Grad zurückgeht. Nur dann ist auf die Dauer auch dafür gesorgt,
daß die Trinkwasserversorgung und die Abwehr von Krankheits- und Seuchengefahr
gesichert werden können.
Das Einleiten von stark radioaktiven Stoffen oder solchen für chemische
oder biologische Waffen ist schon seit 1970 verboten. Für blei- und quecksilberhaltige Abfälle gibt es seit 1972 strenge Mengenbegrenzungen. Ab Januar 1974
unterliegt auch das Einleiten anderer toxischer Stoffe strikter Kontrolle. Ein
Stoff gilt als toxisch, wenn er Tod, Krankheit, Verhaltensanomalien, Krebs,
Erbänderungen, physiologische Fehlsteuerungen oder physische Anomalien beim
Menschen und bei anderen Lebewesen direkt oder indirekt hervorruft. Dabei ist
die EPA gehalten, bei der Festsetzung der Maximalwerte einen weiten SicherheitsSpielraum zu berücksichtigen. Das kann z.B. auch bedeuten, daß sie notfalls
jegliches Einleiten eines toxischen Abwassers, gleich welcher Menge, untersagt.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde gibt gleichzeitig Informationen
über die "bestpraktizierbaren" und die "bestverfügbaren" Verfahren zur Wasserreinhaltung heraus. Die Angaben basieren auf einer Anzahl verschiedener Faktoren, u.a. Kosten für die Reinigungstechnik, Alter der Industrieausrüstungen,
Art des Reinigungsverfahrens und ökologischen Auswirkungen außerhalb des WasserBereichs. Darüber hinaus wird die EPA künftig auf Maßnahmen verweisen, durch
die das Einleiten von Industrieabwässern völlig ausgeschaltet werden kann.
Dies ist ein Ziel, das 1983 im ganzen Land verwirklicht werden und auch die
Nachbehandlung von Abwässern aus städtischen Kanalisationen einbeziehen soll.

Schon jetzt sind die Gewässerschutzbehörden der einzelnen Bundesstaaten
verpflichtet, einzelnen Verschmutzern strengere Kontrollen aufzuerlegen, wenn

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wenn sich herausstellt, daß die "bestpraktizierbaren" und "bestverfügbaren"
Verfahren unter bestimmten Umständen nicht ausreichen, um die Einhaltung der
maximalen Belastungswerte zu gewährleisten. Deshalb müssen die Bundesstaaten
täglich Belastungsmaxima, einschließlich Wärme, festsetzen, die das Leben in
der Natur, vor allem den Fischbestand, nicht beeinträchtigen. Spätestens im
Oktober 1973 gibt die EPA Detaillisten der Schadstoffe bekannt, für die tägliche Maximalmengen festgesetzt werden. Die Bundesstaaten wiederum haben der
EPA bis April 1974 Aufstellungen mit den zulässigen Tagesbelastungswerten für
die einzelnen Gwässer zur Genehmigung vorzulegen.

Die von der EPA revidierten Kriterien für die Wasserqualität, die noch
vor Ende 1973 in Kraft treten sollen, berücksichtigen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Schmutz- und Schadstoffen auf
Oberflächen- und Grundwasser, auf Gesundheit und Allgemeinwohl, auf Plankton,
Fischarten, Krustentiere, frei lebende Tiere, Pflanzen, Ufer- und Küstengebiete, Naturschönheiten und Erholungsgebiete. Sie enthalten u.a. Informationen
über die Konzentration und Verdünnung von Belastungsstoffen durch biologische,
physikalische und chemische Prozesse. Darüber hinaus sollen Hinweise gegeben
werden, was in den Vereinigten Staaten zu tun sei, um die chemische, physikalische und biologische Integrität der Gewässer incl. Grundwasser und Meer,
wiederherzustellen, den Fisch- und Tierbestand zu schützen und die Wasserqualität so zu überprüfen, daß von der Verfahrensseite her das Menschenmögliche
für einen wirksamen Schutz getan werden kann.

Die amerikanische Industrie hat zahlreiche Verfahren erarbeitet und Ausrüstungen entwickelt, die bei den Programmen für die Reinhaltung der Gewässer
eine wichtige Rolle spielen. Anläßlich der internationalen Messe ENVITEC 73
in Düsseldorf (8. - 14. Oktober 1973) werden einige davon im Rahmen einer USGemeinschaftsausstellung demonstriert. So zeigt u.a.:

Bio-Pure (Boise, Idaho) ein nach einem aeroben Verfahren arbeitendes
Hausabwasser-Aufbereitungsgerät sowie ein Mengenregulierverfahren.
Ionics, Inc.

- 3-

�Ionics, Inc. (Watertown, Mass.) ein neuartiges Sauerstoffbedarfs-Meßgerät zur Bestimmung des Gesamtionenbedarfs sowie ein Gerät zur Ermittlung
der Kohlenstoffkonzentration.
•

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Martek Instruments, Inc. (Newport Beach, Kalifornien) tragbare Feldinstrumente für Wasseranalysen die nach den Spezifikationen für Laborgeräte
gebaut sind.
r

Scientific Industries, Inc. (Mineola, N.Y.) Kontrollinstrumente zur Überwachung der Luftverschmutzung sowie weitere Systeme für Immissions- und Emissionsmessungen.

Sigmamotor, Inc. (Middleport, N.Y.) drei Arten von bewährten Probennehmern - Sammelprobennehmer (bei 9,5 oder 19 Litern Behältergröße), Einzelprobennehmer (24 Flaschen von je 450 ccm) und Proportionalprobennehmer.

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POLARIMETER SPÜRT LUFTVERSCHMUTZER AUF

- (AD) - Der Raum Los Angeles ist berüchtigt für Luftverschmutzung.
Diese ist allerdings nicht allein auf die Mengen der in die Luft geblasenen
Abgase und Rauchpartikel von Autos, Industriebetrieben und Heizanlagen zurückzuführen. Vielmehr nimmt die Situation erst infolge der dort herrschenden
besonderen meteorologischen Bedingungen häufig unerträgliche Formen an. Wegen
dieser Gegebenheiten sind schon seit Jahren die Umweltschutzbestimmungen in
Kalifornien und speziell in diesem Gebiet strenger als in anderen Bundesstaaten
der USA. Gegenwärtig werden weitere drastische Maßnahmen, u.a. Einschränkungen
in bezug auf den Autoverkehr, vorbereitet.

Die wissenschaftlichen Informationen über die Prozesse, die zu der gefürchteten Smogbildung führen, sind jedoch noch immer recht unzulänglich.
Dr. Jacob C. Kuriyan, Professor für Meteorologie an der Universität Kalifornien
in Los Angeles, versucht nun seit einigen Monaten, mit Hilfe eines Spezialinstruments, eines sog. Polarimeters, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.
An Bord eines Helikopters kreuzt er in 1500 m Höhe zwischen Meer und Gebirge
über der Stadt, die weit über 100 km Ausdehnung hat. Das 15 kg schwere Polarimeter, das von der Raumfahrtfirma TRW, Inc., entwickelt wurde, mißt sowohl
die Intensität des Lichts als auch seine Polarisierung, d.h. die durch die
Streuung in der Atmosphäre bewirkte Orientierung der Lichtwellen.
Den

- 1 -

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Den Messungen liegt die Tatsache zugrunde, daß ein großer Teil der
Strahlungsenergie, die die Erde von der Sonne aufnimmt, wieder in die Atmosphäre sowohl an deren natürlichen Molekülen als auch an den durch menschliche
Aktivität eingebrachten Molekülen und Partikeln gestreut wird. Mit den Polarimeter-Messungen lassen sich jederzeit und überall die Mengen und die Größe
von Schmutzpartikeln in der Luft ermitteln und sogar zu ihrer Quelle zurückverfolgen. Das Instrument gibt auch dem Wissenschaftler eine Möglichkeit,
herauszufinden, wie atmosphärische Partikel als Kondensationskeime zur Wolkenbildung und zu Regen führen.

Die Intensität und die Streuung der Sonnenstrahlung beeinflussen die
gesamten Zirkulationsvorgänge in der Erdatmosphäre. Kuriyan verweist darauf,
daß es mit der Polarisationsforschung möglich sei, mehr über die Mechanismen
der Erwärmung und Abkühlung auf der Erde und die sie begleitenden Wetterveränderungen zu erfahren. Ein besonderer Vorteil der Polarimetrie ist die dabei
praktizierte Fernmeßtechnik, bei der das Prüfobjekt nicht beeinflußt oder verändert wird. Da dieses Verfahren theoretisch auch von Satelliten aus angewandt
werden kann, zieht die NASA gegenwärtig ein entsprechendes Experiment zur
Überwachung von Luftverschmutzung für einen künftigen unbemannten Satelliten
in Erwägung. Prof. Kuriyan hat dafür bereits ein verbessertes Polarimeter vorgeschlagen, das keine beweglichen Teile besitzt und wartungsfrei arbeitet.
Mit derartigen Instrumenten ließe sich sogar die Atmosphäre von anderen Planeten unseres Sonnensystems untersuchen.

Auf der "Internationalen Konferenz über Strahlung und Fernerkundung der
Atmosphäre" (28. - 30. August 1973 an der Universität Kalifornien in Los
Angeles, Kalifornien) wurde in Anwesenheit von 150 Wissenschaftlern der USA,
der Bundesrepublik, Japans, der Niederlande, aus Jugoslawien und der Sowjetunion der gegenwärtige Stand der Polarimetrie und ihre Bedeutung für die Lösung von Umweltproblemen erörtert.

+ + + + +

- 2-

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz fordert Abbau aller Handelsschranken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung in Tokio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tokio-Konferenz lässt erfolgreiche Verhandlungen in Genf erwarten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stein rechnet mit Ausgleich der US-Zahlungsbilanz noch in diesem Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Landwirtschaftsministerium rechnet für 1974 mit noch höheren Ernteerträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zielsichere Umweltpolitik in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene veröffentlicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lebenswichtiger Gewässerschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wassereinhaltung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Polarimeter spürt Luftverschmutzer auf</text>
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2 7 . September 1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Rede von A u ß e n m i n i s t e r K i s s i n g e r v o r d e r UN-Vollversammlung
- Wortlaut -

Kissinger und Europa
- Fragen und Antworten vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß

HINTERGRUNDMATERIAL
Die neue Zusammenarbeit in der Außenpolitik der USA
- Außenminister und Kongreß kamen sich näher Von Marie H. Koenig
Die wachsende Energiekrise und der Mittlere Osten
Staatssekretär William J. Casey fordert mehr Zusammenarbeit der ErdölVerbraucherländer

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pioniere an der Weltraumfront
Unternehmen SKYLAB II nach 59 Tagen glücklich beendet
Von G. Weiss
V e r b e s s e r t e Technik f ü r den Hochseefunk
Abwasserkodex f ü r e i n z e l n e I n d u s t r i e b r a n c h e n
US-Umweltschutzbehörde g i b t e x a k t e R i c h t l i n i e n f ü r den Gewässerschutz

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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37/1973

REDE VON AUSSENMINISTER KISSINGER VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der neue Außenminister der Vereinigten
Staaten, Dr. Henry Kissinger, hat am 24. September vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen eine Rede gehalten, in der er den politischen Kurs seines
Landes absteckte. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut

"Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Delegierte, meine
Damen und Herren:

Als erstes möchte ich mich mit meinen Glückwünschen denen anschließen,
die bereits dem Botschafter von Ecuador, Leopold Benites, zu seiner Wahl zum
Präsidenten der Vollversammlung gratuliert haben. Seine langjährigen Erfahrungen
in den Vereinten Nationen, seine zahlreichen Beiträge zum Völkerrecht und dem
interamerikanischen System sind eine Gewähr dafür, daß diese 28. Vollversammlung
von einer überragenden Persönlichkeit geleitet wird.

Ich trete - nachdem ich erst vor zwei Tagen in meinem Art bestätigt worden
bin - hier vor Sie als der wahrscheinlich jüngste Außenminister der Welt hin.
Daß Präsident Nixon mich beauftragte, als meine erste Amtshandlung hier vor
den Vereinten Nationen zu sprechen, bekräftigt erneut die große Bedeutung, die
die Vereinigten Staaten den Werten und Idealen der Weltorganisation beimessen.
Es
- 1-

�»

Es wäre töricht, hier zu bestreiten, daß das amerikanische Volk, gleich
vielen anderen Völkern, oftmals enttäuscht war, weil diese Organisation nicht
mehr Erfolg dabei hatte, die Hoffnungen ihrer Gründer auf einen weltweiten
Frieden zu konkretisieren.

Aber trotz unserer Enttäuschungen stehen die Vereinigten Staaten weiterhin
zu dem Ziel einer Weltgemeinschaft. Wir werden fortfahren, in diesem Parlament
der Menschheit darauf hinzuarbeiten, dieses Ziel zu verwirklichen.

Vor zwei Jahrhunderten sagte der Philosoph Kant voraus, daß es eines
Tages zu einem ewigen Frieden kommen werde - entweder als Folge des moralischen
Strebens der Menschen oder als Folge einer physischen Notwendigkeit. Was damals
utopisch erschien, dürfte morgen zur Realität werden; bald wird es keine Alternative mehr geben. Uns bleibt nur die Wahl, ob durch unseren Weitblick die
Welt geschaffen wird, wie sie der Charta vorschwebt, oder ob es aufgrund unserer
Kurzsichtigkeit zur Katastrophe kommen wird.

Die Vereinigten Staaten haben sich entschieden. Mein Land strebt einen
echten Frieden, nicht nur einen Waffenstillstand an. Wir wollen eine Welt, in
der die Herrschaft des Rechts regiert und in der die grundlegenden Menschenrechte allen an der Wiege mitgegeben werden. Unabhängig von der bilateralen
Diplomatie, den pragmatischen Abkommen und den dramatischen Schritten der
letzten Jahre schwebt uns ein umfassender, institutionalisierter Friede vor ein Friede, für dessen Förderung und Verankerung in den Herzen der Menschen
diese Organisation einzigartige Voraussetzungen mit sich bringt.

Von diesem Geiste wird die amerikanische Außenpolitik geleitet sein.

Diese Haltung wird unsere Arbeit in dieser Organisation bestimmen.

Wir können auf der Grundlage solider Fortschritte aufbauen. Viele der
Krisen, die frühere Vollversammlungen belasteten, liegen hinter uns. Es wurden
Abkommen über Berlin geschlossen; es herrscht Waffenruhe im Nahen Osten; der
Vietnam-Krieg ist beendet worden. Die starre Konfrontation, die ein Viertel-

�•

ViertelJahrhundert lang das Leben der Völker bestimmt und diese Organisation
geschwächt hat, ist gemildert worden.

Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besteht jetzt ein
gemeinsames Interesse daran, eine nukleare Katastrophe zu verhindern und ein
weitgespanntes Netz konstruktiver Beziehungen zu schaffen. Die Gespräche über
eine Begrenzung der strategischen Rüstungen haben bereits zu historischen Abkommen geführt, die auf eine Verlangsamung des Wettrüstens und die Gewährleistung
einer strategischen Stabilität abzielen; wir haben heute die Verhandlungen über
dieses Thema wieder aufgenommen. Die positiven Ergebnisse, die wir uns erhoffen,
werden die Sicherheit der gesamten Menschheit stärken.

Nach zwei Jahrzehnten der Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China ist es zu einem konstruktiven Dialog und einem produktiven Austausch gekommen. Präsident Nixon ist mit den führenden Männern jenes
Landes zusammengetroffen; wir haben einem historischen Kommunique zugestimmt,
das ehrlich unsere Meinungsverschiedenheiten und unsere gemeinsamen Prinzipien
aufzeigt; und jeder hat ein Verbindungsbüro in der Hauptstadt des anderen errichtet.

Viele andere Länder haben die Initiative ergriffen und - in der Substanz
wie im Geist - zur Milderung der Spannungen beigetragen. Die Länder Europas
und Nordamerikas nehmen gegenwärtig an einer Konferenz zur Förderung von Sicherheit und Zusammenarbeit teil. Die beiden deutschen Staaten haben ihren Platz
in dieser Vollversammlung eingenommen.

Indien, Pakistan und Bangladesch haben damit begonnen, Fortschritte in
Richtung auf eine begrüßenswerte Aussöhnung zu machen. Nord- und Südkorea stehen
endlich in einem Dialog, von dem wir hoffen, daß er zu einer neuen Ära des
Friedens und der Sicherheit unter uns führen wird.

So solide diese Erfolge auch sein mögen, so haben sie doch die Gefahren
und Spaltungen, das Erbe der Nachkriegszeit, lediglich etwas entschärft. Wir

- 3-

�Wir haben zahlreiche Konfrontationen des kalten Krieges beendet; doch selbst
in diesem Raum ist das Vokubular des Argwohns noch vorhanden. Die Milderung
der Spannungen wird von manchen lediglich als ein taktisches Zwischenspiel
vor einem erneuten Kampf betrachtet. Andere argwöhnen, daß.ein ZweimächteKondomini um im Anbruch sei.

Und nachdem die Spannungen zwischen den beiden

ursprünglichen Blöcken nachgelassen haben, nimmt eine dritte Gruppe immer
stärker die Züge eines eigenen Blocks ah - der Block der Blockfreien.

So befindet sich die Welt in einem unsicheren Schwebezustand zwischen
alten Schlagworten und neuen Realitäten - zwischen der Auffassung, daß der
Friede nichts als eine Pause in einem endlosen Kampf sei, und der Vision von
einem Frieden, die eine weltweite Zusammenarbeit verheißt.

Im Jahre 1946 hat James Byrnes - der erste amerikanische Außenminister,
der vor dieser Vollversammlung eine Rede hielt - darüber gesprochen, wie die
Vereinten Nationen dazu beitragen könnten, das übliche Denken in Begriffen
nationaler Isolierung zu überwinden und Fortschritte in Richtung auf 'eine
weltweite Verständigung und Toleranz zwischen allen Völkern' zu machen.

Die Vereinigten Staaten werden sich niemals mit einer unsicheren Waffenruhe gegenseitig aufwiegender Blöcke und einer Anpassung je nach Lage zufrieden
geben. Wir wissen, daß Stärke unterwürfige Passivität erzwingen, aber nur
Gerechtigkeitssinn Übereinstimmung erreichen kann. Wir sind überzeugt, daß
ein Bau, der die menschlichen Werte ignoriert, sich als kalt und leer erweisen
und den meisten Menschen keine Erfüllung bringen wird.

Die Vereinigten Staaten sind der festen Auffassung:

- daß Gerechtigkeit nicht durch nationale Grenzen eingeengt werden darf;
- daß Wahrheit universal und nicht ausschließliches Eigentum eines Volkes,
einer Gruppe oder einer Ideologie ist;
- daß Mitgefühl und Menschlichkeit all unserer Unternehmungen beflügeln
muß.
In

�In diesem Geiste rufen wir die Vollversammlung auf, gemeinsam mit uns
von Entspannung zur Zusammenarbeit, von Koexistenz zur Gemeinschaft weiterzuschreiten.

Wir müssen auf unserem Weg mit der Welt, wie sie jetzt ist, und mit den
Fragen, die heute vor uns liegen, beginnen. Die Vereinigten Staaten werden
keine Anstrengungen scheuen, um die Spannungen weiter abzubauen und zu einer
größeren Stabilität zu kommen.

- Wir werden im Geiste des Kommuniques von Shanghai mit unserer Suche nach
einer neuen Beziehung zur Volksrepublik China fortfahren.

- Wir werden uns um die Förderung positiver Entwicklungen in anderen
Teilen Asiens bemühen.

Der unsichere Friede in Indochina muß gestärkt werden; die Völkergemeinschaft der Welt kann sich keinen Rückfall in einen Krieg in diesem Raum leisten
und ihn auch nicht zulassen.

- Wir werden weiterhin nachdrücklich den Aufbau konstruktiver Beziehungen
zur Sowjetunion betreiben.

- Wir werden uns um die Förderung der Aussöhnung in Europa bemühen. Bei
den im nächsten Monat beginnenden Verhandlungen werden wir eine Reduzierung
der Streitkräfte anstreben, die in diesem geteilten Kontinent einander so lange
gegenüber gestanden haben.

- Wir werden unserer Politik der Partnerschaft auf der westlichen Hemisphäre neue Dynamik verleihen.

- Wir werden unser Versprechen einlösen, die Selbstbestimmung, die wirtschaftliche Entwicklung und die Menschenwürde überall auf dem afrikanischen
Kontinent zu fördern.

- 5-

- Wir

�- Wir werden die Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen
mit Nachdruck vorantreiben. Wir erachten diese Gespräche als von entscheidender
Bedeutung für die Sicherheit und die Stabilität in dieser Epoche.

- Wir werden nach Lösungen für das weltweite Problem der konventionellen
Waffen suchen, das an unseren Hilfsguellen zehrt und die Feuer lokaler Konflikte
schürt.

Diese Anstrengungen seitens der Vereinigten Staaten werden von folgenden
Grundprinzipien geleitet sein:

- Wir haben nicht den Wunsch zu beherrschen. Wir werden - so wie wir dies
in diesem Jahrhundert immer getan haben - jedem Land entgegentreten, das sich
für einen solchen Weg entscheidet. Wir sind nicht aufgefordert worden,uns an
einem Kondominium zu beteiligen; wir würden eine solche Aufforderung zurückweisen, falls sie an uns gerichtet werden sollte.

- Wir werden niemals unsere Verbündeten oder unsere Freunde im Stich
lassen. Die Stärkung unserer traditionellen Bindungen bildet die unerläßliche
Voraussetzung für die Entwicklung neuer Beziehungen zu früheren Gegnern.

- Wir werden durch die Vereinten Nationen wie auch durch bilaterale
Beziehungen für den Frieden arbeiten.

Wir sind uns unserer besonderen Verpflichtung als ständiges Mitglied
des Weltsicherheitsrates bewußt, die Suche nach gerechten Lösungen in den
Teilen der Welt zu unterstützen, die wie gegenwärtig der Nahe Osten von Zank
und Streit heimgesucht werden. Auch wenn wir die Anstrengungen der direkt Betroffenen nicht ersetzen können, so sind wir doch bereit, unseren Einfluß
geltend zu machen, um einen Geist des Ausgleiches zu schaffen und die Beteiligten
zu praktischem Fortschritt zu ermutigen.

Aber Fortschritte in den traditionellen Tagesordnungspunkten sind nicht
genug. Je mehr Erfolg wir bei der Lösung politischer Probleme haben, umso

�umso mehr andere und vielleicht größere Aufgaben ergeben sich. So wie die Welt
stabiler wird, müssen wir uns der Frage der Ziele der Entspannung zuwenden.
So wie die Gefahr des Krieges zurückgeht, so erhält das Problem der Lebensqualität noch mehr Dringlichkeit und Bedeutung.

Wir sind Mitglieder einer Weltgemeinschaft, die durch die moderne Wissenschaft, die moderne Technologie und die neuen Kommunikationsformen tatsächlich
so eng zusammengerückt ist, daß wir dafür politisch noch nicht vorbereitet sind.
Die Technologie übersteigt tagtäglich die Fähigkeit unserer Institutionen, mit
ihren Ergebnissen fertig zu werden. Unser politischer Einfallsreichtum muß
mit unseren wissenschaftlichen Visionen Schritt halten. Das ist gleichzeitig
die größte Aufgabe und die größte Chance dieser Organisation:

Die Verschmutzung von Luft, Wasser und Erde ist ein weltweites Problem.

Der gestiegene Getreideverbrauch hat zu einem Abbau der Lebensmittelreserven der Welt auf einen gefährlich niedrigen Stand geführt.

Die Nachfrage nach Energie übersteigt das Angebot und die Notwendigkeit
technologischer Neuerungen ist vordringlich.

Die Expansion der Weltwirtschaft wird durch restriktive Handelsblöcke
und ein internationales WährungsSystem behindert, das nicht flexibel genug
ist.
Die Ausbeutung der Hilfsquellen des Meeresbettes, die zur Deckung des
Bedarfs der schnell wachsenden Bevölkerungszahl notwendig ist, erfordert eine
weltweite Zusammenarbeit und darf nicht in weltweiten Streit ausarten.

Aufgaben einer solchen Größenordnung können nicht von einer Welt gelöst
werden, die in sich selbst abschließende Nationalstaaten oder in starre Blöcke
aufgespalten ist.

Ich
- 7-

�/

Ich habe nicht die Absicht, heute auf das gesamte Gebiet der internationalen
Zusammenarbeit einzugehen. Vielmehr werde ich kurz einige besonders anschauliche
Gebiete gemeinsamen Handelns streifen. Ich versichere, daß die Vereinigten Staaten
bereit sind, diese Probleme gemeinsam zu lösen und Vorschläge zu ihrer Lösung
vorzulegen:

1. Eine Weltgemeinschaft verlangt die Eindämmung von Konflikten.

Die Vereinten Nationen sind in ihrer 28jährigen Geschichte auf diesem
Gebiet nicht immer müßig gewesen. In Indochina, auf dem indischen Subkontinent,
im Nahen Osten, im Kongo und auf Zypern haben sie bewiesen, daß sie wirksame
Ermittlungs-, Schlichtungs- und Friedensmissionen durchführen können. Dieser
zentrale Aspekt der Arbeit der Vereinten Nationen muß gestärkt werden. Auf
einem kleinen Planeten, der technologisch so miteinander verbunden und wirtschaftlich so interdependent ist, können wir uns den ständigen Ausbruch von Konflikten
und die Gefahr ihrer Ausbreitung nicht länger leisten,
4

Trotzdem haben wir es in den letzten Jahren erlebt, daß wir uns in nutzlosen Debatten über die Durchführung von Friedensmissionen und das Maß der Kontrolle verstrickt haben, die der Weltsicherheitsrat über den Friedensapparat
ausüben sollte - ein toter Punkt, der lediglich sicherstellte, daß ein ständiger
Friedensapparat nicht zustande kam. Jede Einheit zur Erhaltung des Friedens,
diewir aufgestellt haben, um eine Krise zu meistern, war eine Improvisation,
Argument und Kontroverse entstand.

Wir dürfen nicht länger zögern. Es ist an der Zeit, daß wir uns auf Richtlinien für die Erhaltung des Friedens einigen, damit diese Organisation bei
künftigen Krisen rasch, zuverlässig und wirksam handeln kann. Zur Überwindung
des toten Punktes sind die Vereinigten Staaten bereit, sich zu überlegen, wie
der Weltsicherheitsrat bei der Durchführung von Friedensmissionen eine zentralere
Rolle übernehmen kann. Wenn alle Länder, die es angeht, an das Problem mit dem
Wunsche herantreten, eine gemeinsame Lösung zu erreichen, dann können die Vereinten Nationen auf dieser Sitzung einen wichtigen Schritt vorwärts tun.

2. Eine

�2. Eine Weltgemeinschaft muß die größtmögliche Zahl von Mitgliedern haben.

Der Ausschluß eines qualifizierten Staates verwehrt nicht nur Regierungen,
sondern auch Völkern eine Vertretung. Die Mitgliedschaft in diesem Gremium
sollte ein Schritt in Richtung auf eine Aussöhnung sein und nicht eine Quelle
des Konflikts. Es ist an der Zeit, daß Nord- und Südkorea ihre ihnen hier zustehenden Plätze angeboten werden, ohne daß dadurch eine künftige Entwicklung
in Richtung auf einen Zusammenschluß präjudiziert wird.

In diesem Geist unterstützen wir auch die ständige Mitgliedschaft Japans
im Weltsicherheitsrat.

3. Eine Weltgemeinschaft muß sicherstellen, daß alle ihre Völker ausreichend ernährt werden.
Die zunehmende Gefährdung der Lebensmittelversorgung der Welt erfordert,
daß sich diese Vollversammlung vordringlich damit befaßt. Seit 1969 ist der
weltweite Getreideverbrauch rascher gestiegen als der Ernteertrag. Die Vorräte
sind auf dem niedrigsten Stand seit Jahren angelangt. Wir stehen heute vor der
Aussicht, daß die Welt - selbst bei Rekordernten - ihre stark zurückgegangenen
Vorräte in diesem Jahrzehnt nicht wieder auffüllen kann.

Kein Land

kann dieses Problem allein meistern. Die Vereinigten Staaten

schlagen daher vor:
- daß 1974 unter den Auspizien der Vereinten Nationen eine Welternährungskonferenz einberufen wird, um Mittel und Wege zur Gewährleistung einer ausreichenden Lebensmittelversorgung zu erörtern und die Anstrengungen aller Länder
nutzbar zu machen, um Hunger und Unterernährung als Folge von Naturkatastrophen
zu bekämpfen;

- daß Länder, die dazu in der Lage sind, technische Hilfe zur Konservierung
von Lebensmitteln anbieten. Die Vereinigten Staaten sind bereit, gemeinsam mit
anderen solche Hilfe zu gewähren.
4. Eine
- g-

�f

4. Eine Weltgemeinschaft darf nicht in ewig reiche und ewig arme Länder
aufgespalten bleiben.

Lassen Sie uns daher auf dieser Vollversammlung beschließen, in diesem
Jahr die Suche nach neuen und großzügigen Lösungen für die Entwicklungsprobleme aufzunehmen - und dabei die besten Köpfe der Welt einzuschalten. Unsere
Suche muß ehrlich und realistisch sein, aber sie muß auch ebenso frei von
zwingenden Forderungen, antagonistischen Vorschlägen, ideologischen Konfrontationen oder propagandistischer Rhetorik sein - oder wir werden mit Sicherheit
einen Fehlschlag erleiden.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich an dieser neuen Suche zu beteiligen und großzügig die in zwei Jahrzehnten gewonnenen Erfahrungen zur Verfügung zu stellen. Wir haben gelernt, daß wir mit unserer Fähigkeit, Länder umzuformen, nicht zu weit gehen dürfen - aber wir haben auch gelernt, wie viel
Fortschritt möglich ist.

,

Wir werden uns ohne Vorbedingungen, in einer versöhnlichen Haltung und
mit dem Versprechen zur Zusammenarbeit beteiligen. Wir fordern nur, daß die
anderen das gleiche akzeptieren.

In diesem Geiste sind die Vereinigten Staaten bereit, ernsthaft den Vorschlag des hochverehrten Präsidenten von Mexiko für eine Charta der wirtschaftlichen Rechte und Pflichten von Staaten zu prüfen. Ein solches Dokument wird
einen bedeutenden und historischen Beitrag leisten, wenn es das wahre Streben
aller Nationen widerspiegelt; wenn daraus lediglich eine Verurteilung einer
Gruppe von Ländern durch eine andere wird, dann wird gar nichts erreicht werden.
Um allgemeine Unterstützung zu finden - und verwirklicht werden zu können müssen die vorgeschlagenen Rechte und Pflichten fair abgesteckt werden und
müssen wir den Anliegen der Industriestaaten wie auch der Entwicklungsländer
Rechnung tragen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihre Pflichten in einem
humanen und kooperativen Geist festzulegen.

5. Schließlich
- 10 -

�5. Schließlich muß eine Weltgemeinschaft Wissenschaft und Technologie
zum Wohle aller einspannen.
Wir müssen damit beginnen, unsere beachtlichen technologischen Kenntnisse
unseren beachtlichen technologischen Erfordernissen anzupassen. Wir müssen
Mittel und Wege für die gemeinsame und einsichtsvolle Erschließung unserer
Energieguellen finden. Wir müssen verantwortungsbewußt die Probleme des Bevölkerungswachstums anpacken, das die Weltbevölkerung rasch an die Grenzen
dessen treibt, was unsere Erde ernähren kann. Wir müssen eine neue wissenschaftliche Revolution in Angriff nehmen, um die Produktivität der Landwirtschaft
aller Länder zu steigern. Kein Gebiet menschlicher Unternehmung ist, was seinen
Fortschritt anbetrifft, so abhängig von einer offenen Welt; kein Gebiet bedarf
so dringend einer internationalen Zusammenarbeit, um seinen potentiellen Gefahren begegnen zu können.

Herr Präsident, meine Mitdelegierten:

Sind wir bereit, die Imperative einer globalen Gesellschaft zu akzeptieren und unsere Arbeit mit einer neuen Vision zu erfüllen? Oder sollen wir
uns mit einer temporären Pause der Unruhe zufrieden geben, die unser Jahrhundert
erschüttert hat? Sollen wir mit einseitigen Forderungen und sterilen Konfrontationen fortfahren? Oder sollen wir in einem Geiste des Kompromisses, der durch
das Bewußtsein eines gemeinsamen Schicksals bestimmt wird, voranschreiten?
Nach unserer Überzeugung müssen wir von einer zögernden,aus der Notwendigkeit
geborenen Zusammenarbeit weg zu einer echten, auf gemeinsamen Zielsetzungen
beruhenden kollektiven Anstrengung kommen.

Das ist eine Entscheidung, die kein Land allein treffen kann. Wir können
alte Schlagworte wiederholen, oder um neue Hoffnung ringen. Wir können die
Protokolle unseres Tuns mit Bitterkeit füllen oder wir können uns der Beseitigung der größten Nöte der Menschheit widmen. Das Ideal einer Weltgemeinschaft
mag als unrealistisch abgetan werden - aber große Werke waren stets Ideale,

�Ideale, bevor sie zur Realität wurden. Wollen wir uns diesem vornehmsten
aller möglichen Ziele weihen und schließlich das erreichen, was uns so lange
versagt blieb: echte Verständigung und Toleranz unter den Menschen.

Ich danke Ihnen, Herr Präsident."

- 12 -

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37/1973

KISSINGER UND EUROPA
- Fragen und Antworten vor dem Außenpolitischen Senatsaussehuß ~

WASHINGTON - (AD) - Als designierter Außenminister hat Dr. Henry Kissinger
vor seiner Bestätigung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zu zahllosen Fragen Stellung genommen. Von besonderem Interesse hier sind seine Ausführungen im Zusammenhang mit Europa:
(7. September 1973)
Senator Pell (Demokrat, Rhode Island): "Wie Sie wissen, wird im Zusammenhang mit Europa die Frage eines Truppenabzugs und der (Verringerung der) Truppenstärke diskutiert und ich frage mich, ob wir nicht unsere militärische Verpflichtung aufrechterhalten und doch die Aufwendungen für unsere Coca Cola-Truppen
und ihren Familienanhang entsprechend der Empfehlung Präsident Eisenhowers verringern könnten, um damit in der Lage zu sein, unsere finanziellen Verpflichtungen zu verringern und doch unsere tatsächliche militärische Präsenz in der
Weise, wie es sein sollte, beizubehalten. Glauben Sie, daß das geht?

Kissinger: Senator, erlauben Sie mir, daß ich diese Frage zuerst in einem
mehr allgemeineren Sinne beantworte. Unsere Truppen in Europa haben eine Reihe
von Funktionen. Die eine besteht darin, unsere Bündnisverpflichtung zum Ausdruck zu bringen. Dazu bedarf es keiner abstrakten Zahlengröße.

Zweitens haben sie eine besondere strategische Funktion, im Falle die
Abschreckung aus irgendeinem Grund versagen sollte.
Nun,
- 1-

�Nun, exnes der Ziele, das wir in dem Dialog zu erreichen versuchten, den
wir mit Europa begannen, besteht darin, irgendwie zu einer Definition der
Sicherheitsziele, die wir in Europa haben, zu gelangen, und es '..at auf Seiten
einiger Europäer hier doch eine ziemlich ambivalente Haltung gegeben, insofern sie einerseits unsere Truppen in Europa aus symbolischen Gründen zu halten
wünschen, andererseits aber, zumindest seit einiger Zeit, sich dem Versuch
widersetzen, diesen Truppen ihre volle Funktion einzuräumen, weil sie fürchteten, dies könnte die Abschreckung schwächen.
Wir glauben nun, daß es notwendig ist, eine rationale Strategie für alle
in der NATO zu entwickeln, in deren Sinne wir dann die Debatte über die Stärke
der Truppen in Europa führen könnten ...

(10. September 1973)
t

Senator Javits (Republikaner, New York): "Dr. Kissinger, Ihnen lastet
man die Erklärung an, und ich sage dies nicht gehässig, daß dies das Jahr
Europas sei. Ist es denn immer noch das Jahr Europas?

Kissinger: Ja, Senator, es ist noch das Jahr Europas.

Senator Javits: Hat sich bei uns im eigenen Land oder im Ausland irgendetwas ereignet, wodurch sich Ihre ursprünglich, wie ich glaube, im April 1973
zum Ausdruck gebrachte

Ansicht geändert hätte, daß dies die Konzentration von

höchster Priorität für die Administration sein würde?

Kissinger: Das sogenannte Jahr Europas ist der Konzentrationspunkt und
eine Aufgabe sehr hoher Priorität, ja sogar der höchsten Priorität für die
Administration geblieben.

Um den Fortschritt zu begreifen, der in dieser Hinsicht gemacht werden
kann, muß man verstehen, daß es hier verschiedene Prozesse gibt, die gleichzeitig ablaufen.
Da

�Da ist einmal die Veränderung in den strategischen Beziehungen, die durch
das Anwachsen des strategischen Arsenals der Sowjets hervorgerufen wurde. Da
ist ferner die Veränderung in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Europa
und den Vereinigten Staaten, aus einer Position der Vorherrschaft seitens der
Vereinigten Staaten zu einer Position, in der die Europäer sich enger zusammenschließen und selbstsicherer werden.

Da ist der Prozeß der europäischen Integration, der dazu führt, daß die
Europäer zu ein und derselben Zeit mit uns als einzelne Nationen in Beziehunge
treten und doch versuchen eine einheitliche europäische Identität zu gewinnen,
die mit einer Stimme für sich sprechen kann.

Und schließlich gibt es auch noch das Problem, wie wir die jeweiligen
Gespräche, die wir mit den Europäern führen, mit den Gesprächen in Beziehung
bringen, die mit den Japanern geführt werden mögen.

Nun, alle diese Prozesse werden zu gleicher Zeit gehandhabt und das erfordert eine ziemlich komplizierte Partitur. Nachdem die Europäer anfänglich
auf einer bilateralen Basis mit uns verhandelten, entschieden sie plötzlich,
daß sie die Gelegenheit unserer Initiative wahrnehmen wollten, um nunmehr auch
ihre eigene einheitliche Ansicht über die politische Zukunft der atlantischen
Gemeinschaft Gestalt werden zu lassen,und daher haben wir sie seit etwas zwei
Monaten nicht öffentlich gedrängt, um ihnen Gelegenheit zur Gestaltung dieser
Ansichten zu geben.

Die europäischen Außenminister der Europäischen Gemeinschaft kommen
heute und morgen in Kopenhagen zusammen und ich glaube, Senator Javits, Sie
werden sehen, daß der Prozeß des sogenannten Jahres Europas nach dieser Tagung beginnen wird, Gestalt anzunehmen.

Senator Javits: Ich nehme an, daß dies für Sie persönlich von höchster
Priorität sein wird angesichts Ihres beachtlichen Erfolges in China und der
Sowjetunion.
Kissinger:
- 3-

�I
Kissinger: Sie haben Recht, Senator Javits, das wird für mich von höchster
Priorität sein ... Ich glaube die Beziehung muß wirklich trilateral sein, sie
muß Japan, die Vereinigten Staaten und Europa in sich schließen.

Senator Javits: Genau! Ich stimme voll und ganz damit überein. Es heißt,
daß unsere Politik darauf aus ist, die Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialprobleme unter einem großen Thema, einer sogenannten Charta - der AtlantikCharta - zusammenzufassen, und daß die europäische Politik nicht von einer
Charta, sondern von einer Deklaration ausgeht, die die Wirtschafts- und Sozialprobleme getrennt von den Sicherheitsfragen behandeln will.

Hat sich nun die Politik der Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht geändert oder sollte sie sich nach Ihrer Ansicht ändern, oder aber sollten wir
fest zu der These stehen, daß alle Übereinkommen, die wir mit Europa auch eingehen mögen, immer die Form eines Gesamtkomplexes, eines Pakets, haben sollten.

Kissinger: Unser Interesse, Senator, richtet sich auf die gültige Ordnung
nicht auf das Verfahren oder auf den Namen, den Sie dem Dokument geben, ob man
es nun eine Charta oder eine Deklaration nennen mag, und für uns besteht da
kein besonderer Vorrang.

Außerdem hat sich, als wir das Problem eingehender mit den Europäern
untersucht haben gezeigt, daß einige der Probleme die Sache einer bestimmten
Gruppe von Institutionen sind, und andere Probleme wieder von anderen Institutionen behandelt werden, was es noch schwieriger macht, mit einem allumfassenden
Dokument herauszukommen.

Zum zweiten kann sich Japan bestimmten Aspekten dieser Erörterung anschließen, aber es würde doch in Schwierigkeiten kommen, wenn es sich beispielsweise einem Dokument anschließen sollte, sich an ein Dokument halten
sollte, das verschiedene Verteidigungserwägungen einschließen würde. Und daher wird die Richtung, in die wir wohl gehen werden, ein Dokument sein, das
sich mit den wirtschaftlichen und politischen Fragen befaßt, die die Neun
angehen - ein Dokument, das die Verteidigung angeht, schließt die NATO-Länder
- 4-

�NATO-Länder ein. Dabei werden sich die Japaner vielleicht dem politischen und
wirtschaftlichen Dokument anschließen. Und schließlich könnte es eine kurze/
allumfassende Deklaration geben, die all diese Dokumente in einen Zusammenhang
zueinander stellt. Das ist die allgemeine Richtung, in die wir heute zu gehen
scheinen.
Senator Javits: Dr. Kissinger, würden Sie nicht sagen, daß dies eine
ausgesprochene Konzession an die europäische Auffassung darstellt, wie sie von
den Neun, und vor allem von Frankreich, zum Ausdruck gebracht worden ist?

Kissinger: Es stellt keine Konzession an die französische Auffassung dar,
da die Franzosen sich zunächst jeder Verhandlung mit der Neun als Einheit sehr
stark widersetzt hatten. Da diese Dokumente aber nur einen Sinn haben, wenn
sie auf beiden Seiten des Atlantik die Überzeugung hervorrufen, daß sie die
Realitäten einer neuen Ära widerspiegeln, ist es notwendig, daß beide Seiten
Konzessionen machen, und es ist vor allem von entscheidender Bedeutung, daß
man auf beiden Seiten des Atlantik an diese Dinge nicht in einem Geist der
Konfrontation herangeht.

Senator Javits: Ein Element der Verhandlungen sind die beiderseitigen
Truppenreduzierungen, wie die Russen es nennen, oder die beiderseitigen, ausgewogenen Truppenreduzierungen, wie wir es nennen. Sehen Sie innerhalb des
nächsten Jahres eine wesentliche Verringerung der Stärke der amerikanischen
Truppen in Europa kommen, es sei denn es kommt zu einem Abkommen?

Kissinger: Die Verhandlungen über beiderseitige Truppenreduzierungen
werden am 30. Oktober beginnen, und wir hoffen, daß im Laufe des kommenden
Jahres sehr beträchtliche Fortschritte erzielt werden können, die dann zu
einer gewissen Verringerung der amerikanischen Truppen führen. Wir wären gegen
eine einseitige Verringerung der amerikanischen Truppen, solange kein solches
Abkommen besteht.

(11. September 1973)
- 5-

�1
(11. September 1973)

Senator Aiken (Republikaner, Vermont): Es ist bereits die Frage angeschnitten und gestellt worden, welche weiteren (militärischen) Reduzierungen
bis 1976 zu erwarten seien. Sehen Sie irgendwelche bedeutsamen Verringerungen
unserer militärischen Stärke zwischen heute und dem genannten Zeitpunkt?

Kissinger: Senator Aiken, wir werden jetzt am 30. Oktober mit Verhandlungen
beginnen, die zu einer beiderseitigen Verringerung der Streitkräfte in Europa
führen. Wir befinden uns gegenwärtig in der Exekutive in einem Prozeß der Überprüfung unserer gesamten strategischen Position und unserer nationalen Interessen in vielen Teilen der Welt angesichts neuer Bedingungen, und unser ständiges
Bemühen geht darauf aus, unsere militärische Position an die Realitäten der
Situation anzupassen - ich möchte also meinen, daß einige weitere Verringerungen
möglich sind, aber ich kann einfach nicht sagen, welche Form sie annehmen werden.
I

Senator Aiken: Und die Kosten für Ausrüstung und Versorgung sind entsprechend gestiegen.

Kissinger: Was die Ausgaben für unsere Streitkräfte, vor allem in Europa,
angeht, so stehen wir gegenwärtig in Verhandlungen mit den Europäern, um die
Belastung unserer Zahlungsbilanz, die durch diese Streitkräfte hervorgerufen
wird, zu reduzieren, ja zu beseitigen."

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37/1973

DIE NEUE ZUSAMMENARBEIT IN DER AUSSENPOLITIK DER USA
- Außenminister und Kongreß kamen sich näher Von Marxe H. Koenig

WASHINGTON - (AD) - Wenn die Anhörungen von Dr. Henry Kissinger vor dem
Außenpolitischen Ausschuß des Senats etwas zustande gebracht haben, dann sicherlich die Aussicht auf eine neue stärkere und vor allem vertrauensvollere
Zusammenarbeit zwischen dem Außenminister und dem Kongreß. Aus der 305 seitigen
Niederschrift der öffentlichen Hearings wird deutlich, daß die Senatoren viele
Fragen an den designierten Außenminister hatten - und sicherlich auch manche
Vorbehalte - aber auch daß es Kissinger gelungen ist, seinen Mann zu stehen.

Dr. Henry Kissinger hat seit fünf Jahren entscheidenden Anteil an dramatischen Erfolgen der amerikanischen Außenpolitik, die die politische Landschaft in der Welt tiefgreifend verändert haben. Seine geheime Reise nach
Peking, die den Weg für ein neues Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China bereitete, war ein Beispiel für Ein-Mann-Diplomatie
im besten Sinne. Und doch hat derselbe Diplomat, der in langen zähen Geheimverhandlungen mit den Nordvietnamesen den Durchbruch zum Frieden in Indochina
schaffte, vor dem Außenpolitischen Ausschuß erklärt, daß er als Professor
mehrere Abhandlungen über die Gefahr "virtuoser" Alleingänge geschrieben habe.
Und dieser Auffassung sei er heute noch.

"Ich

�"Ich bin imbedingt überzeugt ...", so erklärte er am 7. September in
dem überfüllten Saal des Ausschusses unter den grellen Jupiterlampen des
Fernsehens, "daß die Notwendigkeit für eine Institutionalisierung der Durchführung unserer Außenpolitik besteht." Als Außenminister habe er eine ganz
andere Rolle als er sie als Berater des Präsidenten habe. Kissinger versicherte,
daß er eng mit dem Ausschuß zusammenarbeiten werde, um diesen stärker an der
Gestaltung der Außenpolitik zu beteiligen.

Der einflußreiche Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses, Senator
J.W. Fulbright, bescheinigte Kissinger einen "brillanten Geist" und beglückwünschte ihn zu seinen historischen Erfolgen in Peking und Moskau. Gleichzeitig
aber stand er nicht an zu erklären, daß die bisherige "sporadische" Unterrichtung von Mitgliedern des Ausschusses in Zukunft als unzureichend betrachtet
werden würde. Wenn Kissinger den Verlust des nationalen Konsens in der Außenpolitik bedauere, dann müsse eine stärkere Gemeinsamkeit mit dem Kongreß geschaffen werden. Der neue Außenminister ließ in diesem Zusammenhang keinen
Zweifel daran, daß er den Konsens für außerordentlich wichtig hält und verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß Präsident Nixon ihm in dieser Hinsicht
einen klaren Auftrag erteilt habe.

Kissinger legte dar, daß in den letzten vier Jahren Initiativen ergriffen
wurden, die ein äußerst delikates Vorgehen und größte Geheimhaltung erforderten,
wenn sie Erfolg haben sollten. Nun aber gelte es auf diesen Grundlagen ein
"dauerhafteres Gebäude aufzubauen, das kommenden Administrationen übergeben
werden kann."

Seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bewies Kissinger, indem er dem Ausschuß hinter verschlossenen Türen einen Einblick in seine Arbeit gewährte und
versicherte, daß er auch weiterhin die Mitglieder an dem Entscheidungsprozeß
beteiligen wolle. Er hoffe, so sagte er, mit ihnen eine Methode ausarbeiten
zu können, mit deren Hilfe sie über Pläne der Administration unterrichtet werden
können, "bevor etwas geschieht" und der Ausschuß über den Verlauf von Konferenzen
und Ereignissen ins Bild gesetzt werden kann.
Die

�Die "Entspannung" zwischen der Exekutive und dem Außenpolitischen Ausschuß
- der sich oft übergangen fühlte - wird keine leichte Aufgabe für den neuen
Außenminister werden. Aber er hat mit beredten Worten seine Absichtserklärung
abgegeben, und es bleibt jetzt abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.

- 3-

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37/1973

DIE WACHSENDE ENERGIEKRISE UND DER MITTLERE OSTEN
Staatssekretär William J. Casey fordert mehr Zusammenarbeit
der Erdöl-Verbraucherländer

- (AD) - William J. Casey, Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im USAußenministerium, behandelte in einer Rede vor führenden Vertretern der amerikanischen Wirtschaft das Thema "Die wachsende Energiekrise und der Mittlere Osten".
Im Folgenden geben wir die Ansprache auszugsweise wieder.

"Auf dem Energiesektor ist die internationale Zusammenarbeit weniger gut
strukturiert als beispielsweise in Handels- und Währungsfragen. Aber die meisten
Nationen haben erkannt, daß sie sowohl im Interesse der Verbraucher als auch der
Produzenten notwendig ist. So suchen sie nach Möglichkeiten, durch internationale
Zusammenarbeit die Gefahr eines Zusammenbruchs der Energieversorgung zu vermindern und die Grundlage für eine Ausweitung der Energierohstoffe nach Menge
und Art zu schaffen.

Jedes Land hat dabei eine andersgeartete Ausgangssituation, die durch natürliche Hilfsquellen, Technologie, Finanzkraft und Organisationformen bestimmt
wird. Zentrale Aufgabe

der Zusammenarbeit wird es sein, diese jweiligen Fak-

toren wirksam zu kombinieren, um speziellen und gemeinsamen Bedürfnissen gerecht
zu werden.
Das

�Das könnte z.B. durch eine Zuteilung von Öl in Krisenzeiten geschehen.

y

Die USA und die europäischen Nationen praktizierten es in improvisierten Aktionen im Jahr 1956, als der Suezkanal geschlossen wurde, und 1967 nach dem
arabisch-israelischen Sechstagekrieg. Die internationalen Mineralölsgesellschaften, die den größten Teil ihres Öls aus dem Mittleren Osten, Afrika und
Südamerika beziehen, sind verpflichtet, ihre Abnehmer gerecht und gleich zu
behandeln. Die Volkswirtschaften der wichtigsten Energieverbraucher, nämlich
der europäischen Länder, der USA und Japans, sind so voneinander abhängig, daß
eine krasse Reduzierung der Energieversorgung bei einem von ihnen automatisch
nachteilige Auswirkungen auf die anderen hätte. Deshalb bildet ein gerechter
Zuteilungsschlüssel für die Energiewirtschaft eine Sicherheit,durch die Vertrauen aufgebaut und auch eine Zusammenarbeit auf anderen Gebieten gefördert
werden kann. Übrigens existiert innerhalb Europas bereits seit 17 Jahren ein
Erdöl-Zuteilungsplan, der jedoch bisher noch nicht in Aktion getreten ist. Gegenwärtig untersuchen die USA zusammen mit den europäischen Ländern und mit
Japan, Kanada und Australien die Möglichkeiten zu seiner Ausweitung auf andere
Mitglieder der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) .

Dieser Plan könnte als ein kleiner Schritt in Richtung auf eine Lösung
des Problems von Versorgung und Preisinstabilität in einer Welt betrachtet
werden, die erkennen muß, in welchem Ausmaß ihr wirtschaftliches Wachstum von
flüssigen und gasförmigen Kohlenwasserstoffen abhängt, die nur in begrenzter
Menge - noch dazu mit schwindenden Reserven - vorhanden sind. Alle Verbraucher
sind äußerst besorgt über die in einigen Ländern herrschende Tendenz, entgegen
eingegangener Verpflichtungen und ohne angemessene Entschädigung Ölfelder und
Produktionsanlagen,die private Mineralölunternehmen entdeckten und erschlossen,
zu enteignen und den Preis, zu dem dieses Öl an den Verbraucher weitergegeben
werden kann, stark zu erhöhen. Diese Politik mag kurzfristig Vorteile einbringen.
Erfahrene Politiker der erdölproduzierenden Ländern sehen jedoch ein, daß ein
solches Verhalten die Produktionsfähigkeit beeinträchtigt und wahrscheinlich
sogar die Möglichkeiten der Regierungen untergräbt, für ihre Völker eine lebensfähige Wirtschaft mit ausreichenden Variationsmöglichkeiten aufzubauen.
Wenn
- 2-

�Wenn auch bis zum Ende dieses Jahrhunderts die Welt auf die reichen Ölvorkommen am Persischen Golf weitgehend angewiesen sein wird, steht doch bereits fest, daß keine Zeit mehr verloren werden darf, für sie Ersatz zu suchen.
Die Vereinigten Staaten können nach und nach ihren Energiebedarf aus eigenen Beständen decken. Und je kräftiger die ölproduzierenden Staaten die Preise erhöhen, desto schneller werden neue Energiequellen konkurrenzfähig, desto intensiver wird man in den USA und vor der amerikanischen Küste nach öl- und Gasfeldern suchen, und desto energischer wird man gegen die Verschwendung von
Energie vorgehen.

Was feste Energierohstoffe wie Kohle anlangt, so befinden sich hier die
Vereinigten Staaten in der gleichen Position wie der Mittlere Osten in bezug
auf Öl. Fast die Hälfte aller Kohlevorkommen der Erde liegen auf dem Territorium der USA. Und aus den Ölschieferlagern in Colorado, Utah und Wyoming mit
einem Ölgehalt von rund 285 Milliarden Tonnen müßten sich, wie ein kürzlich
veröffentlichter Bericht des Nationalen Erdölrates besagt, 14 Milliarden Tonnen
Rohöl zum Preis von 42 Dollar pro netr. Tonne gewinnen lassen. Auf dieser Basis ist es durchaus möglich, synthetisches Gas und Öl aus Kohle mit Verfahren
zu erzeugen, die jenen weit überlegen sind, welche während des zweitens Weltkrieges in Deutschland angewandt wurden. Die amerikanischen Kraftfahrer könnten
das so gewonnene Benzin zu niedrigeren Preisen tanken, als die europäischen
und japanischen Kraftfahrer heute in ihren Ländern bezahlen müssen. Gleichzeitig würde diese Entwicklung zu technischen Neuerungen führen und Gewohnheiten
so verändern, daß die Wachstumsrate des Verbrauchs weniger steil ansteigen
würde als bisher.

Aber noch ehe es soweit ist, tragen sicherlich auch die soeben aus den
Hauptstädten der ölproduzierenden Länder

bekannt gewordenen Preise im Verein

mit den Steuer- und Explorationserleichterungen, die Präsident Nixon forderte,
dazu bei, daß man zu Lande und vor den Küsten in den USA und andernorts in
der Welt nach neuen Öl- und Gasvorkommen sucht.

Das

- 3-

�Das von der amerikanischen Bundesregierung mit 10 Milliarden Dollar aus-

i

gestattete Energieforschungs- und Entwicklungsprogramm wird zusammen mit den
Anstrengungen der Privatindustrie und den in Versuchsbetrieben erzielten Ergebnissen ein übriges tun, um Energie aus Kohle rentabler und für die Praxis auch
unter den Aspekten des Umweltschutzes akzeptabel zu machen. Gleichzeitig hilft
es, das Reservoir der Atom- und Sonnenenergie besser auszuloten und schließlich
die Energieproduktion aus Kohlenwasserstoffen durch diese neuen Quellen zu ersetzen. In mancherlei Hinsicht können wir dabei auf schon bekannter Technologie
aufbauen. Und was den Rest angeht, so verlassen wir uns auf die Kräfte, mit
denen es schon einmal möglich war, die Kernspaltung in vier Jahren zur technischen Reife zu bringen, synthetischen Kautschuk sogar in noch kürzerer Zeit
zu erzeugen und die Landung von Menschen auf dem Mond in neun Jahren zu bewerkstelligen.
Das viele Reden und Jammern über die Energiekrise hat uns vergessen lassen,
daß wir selbst daran etwas ändern könnten. Der Nationale Erdölrat untersuchte
im vergangenen Jahr die Bedarfsentwicklung bis zum Jahr 1985 und sondierte Mittel
und Wege, wie man ihr gerecht werden könnte. Er kam zu dem Schluß, daß in den
Vereinigten Staaten der Bedarf um jährlich 4,2 Prozent steigen werde ... Bliebe
der gegenwärtige Trend der Preisentwicklung, der Wachstumsbeschränkungen für
die Produktion auf Grund von Umweltschutzmaßnahmen und in der Explorationsaktivität für Gas und Öl bestehen, so müßte Amerika im Jahr 1985 rund 38 Prozent
seines Energiebedarfs durch Öl- und Gasimporte decken.

Ein günstigeres Bild ergäbe sich jedoch, wenn die wegen befürchteter Um••/eltschäden geäußerten Bedenken gegen den Bau der Alaska-Pipeline, gegen mehr
Kernenergie und synthetische Brennstoffe, gegen zusätzliche Exploration

im

Schelfgebiet und auf regierungseigenem Land aufgegeben würden und mehr wirtschaftliche Anreize für die Auffindung neuer Öl- und Gasfelder aeschaffen würden ...
Dann würden wir nämlich 1985 nur 11 Prozent unserer Energierohstoffe in Form
von Öl und Gas importieren müssen. Und noch eine Tatsache hebt hervor, wie
sehr wir selbst die Kontrolle über unser Energiegeschick in Händen haben: Wir
könnten außerdem den Bedarf für Importöl wesentlich verringern und das Zahlungsbilanzdefizit sowie jeglichu Versorgungsabhängigkeit wegen unseres Energiebe- 4 -

�Energiebedarfs sogar völlig beseitigen, wenn wir die Wachstumsrate und den
Verbrauch für Energie auf 3,4 Prozent herabdrücken, also geringfügig unter
die Wachstumsrate von 3,6 Prozent, wie wir sie von 1955 bis 1970 hatten ...

Würde die Jahresproduktion von Kraftwagen mit günstigerem Benzinverbrauch
(12 Liter auf 100 km oder weniger) nur um 10 Prozent erhöht, so bedeutete das,
daß in zehn Jahren diese Wagen 50 Prozent des Kraftfahrzeugbestands ausmachen.
Dadurch würde die für die nächsten zehn Jahre errechnete jährliche Wachstumsrate des Energieverbrauchs in den USA nicht mehr mit 4,2 Prozent, sondern mit
3,2 anzusetzen sein ... Und wenn wir im Verlauf der kommenden zehn bis zwölf
Jahre die Hälfte der Frachtgüter nicht mehr von Lastwagen, sondern mit der Bahn
transportieren ließen, würden wir bis 1985 etwa 129 OOO Tonnen Öl pro Tag
sparen ... Die amerikanische Bundesregierung hat Maßnahmen in die Wege geleitet,
um einer Erschließung der auf bundeseigenem Boden vermutlich vorhandenen neuen
Vorkommen von öl, Gas und Kohle den Weg zu ebnen, ".her es wäre auch ratsam,
mehr Atomkraftwerke in die Stromversorgung einzubeziehen ...

Die US-Regierung machte bereits Bestandsaufnahme auf jenen Gebieten, wo
verstärkte Anstrengungen in Forschung und Entwicklung erwarten lassen, zusätzliche Versorgungsguellen für Erdöl, Gas und Kraftstrom zu erschließen, Energieguellen sicherer und umweltfreundlicher zu machen und zur Einsparung von Energie
bei höherem Nutzeffekt beizutragen. Im Rahmen der OECD sondieren die USA derzeit, mi t anderen Staaten die in den einzelnen Ländern eventuell gegebenen Möglichkeiten für nutzbringende Weiterentwicklung. Zusammen mit anderen Regierungen
würde dann geprüft, welche Projekte sich für gemeinsame Forschung und Entwicklung eigneten ...

Enorme Investitionen

Investitionen in der Größenordnung von mehr als 300 Milliarden Dollar
werden in den nächsten 10 bis 12 Jahren erforderlich sein, um unseren Energiebedarf zu decken und in der Versorgung unabhängiger zu werden. Diese Anstrengungen werden sich auf unsere Kapitalmärkte auswirken. Eine unserer Hauptaufgaben wird darin bestehen, die Projekte und unsere Kapitalmärkte so zu ent- 5-

�entwickeln, daß sie für ölproduzierende Staaten für eine langfristige Anlage
der Reichtümer attraktiv sind, die sie aus dem Boden holen. Sie haben weitblickende Politiker, die den Wunsch der jungen Generation erkennen, in einer
Welt zu. leben, in der Öl neben den anderen Energiequellen zur Deckung des Weltbedarfs beiträgt. Sie wollen arbeitsteilige Wirtschaftsformen, und sie wollen
ihre Völker bis zu einem gewissen Grade an dem weitgespannten Weltenergiesystem,
wie es die Zukunft verlangt, teilhaben lassen.

Viele Firmen und Unternehmer analysieren gegenwärtig die im Mittleren
Osten verfügbaren billigen Brennstoffe, Gasfelder und andere Rohstoffvorkommen,
um herauszufinden, inwieweit mit dem Einsatz von Kapital und technischem Knowhow
Düngemittel, petrochemische Stoffe und verschiedene energieintensive Produkte
auf die Weltmärkte gebracht werden könnten. Es ist die Politik der Vereinigten
Staaten, diesen Prozeß im Rahmen weltweiter Aktivitäten zu fördern und zu erleichtern, mit denen wir alle für mehr und bessere Energie arbeiten und gemeinsam eine mannigfaltigere Beteiligung an einer sich ausweitenden und besser
strukturierten Weltwirtschaft anstreben."

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37/1973

PIONIERE AN DER WELTRAUMFRONT
Unternehmen SKYLAB II nach 59 Tagen glücklich beendet
Von G. Weiss

- (AD) - Genau 59 Tage, 10 Stunden und 9 Minuten nach ihrem Start zur
SKYLAB-Station am 28. Juli 1973 kehrten Alan L. Bean (41), Dr. Owen K. Garriott
(42) und Jack R. Lousma (37) am 25. September zur Erde zurück. Der Hubschrauberträger USS NEW ORLEANS erwartete das zweite Team, das im "Himmelslabor" gearbeitet hatte, ca. 2 30 Seemeilen südwestlich von San Diego, der amerikanischen
Hafenstand am Pazifik im Süden Kaliforniens.

In Sichtweite des Bergungsschiffs schwebte die APOLLO-Kapsel mit den drei
Astronauten und kostbarer wissenschaftlicher Fracht an Bord aufs Meer. Die
letzte Hürde, eine ungewöhnlich rauhe See mit fast drei Meter hohen Wellen,
wurde durch die Umsicht

und Erfahrung der Bergungstaucher bei der Sicherung

der Kapsel und durch das vorsichtige Manövrieren des riesigen Schiffes, das
sie sofort an Bord nahm, gut überwunden. Ein Raumfahrtunternehmen war beendet,
das nach Aussage von Dr. James Fletcher, des Leiters der US-Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA), die Wissenschaftler mindestens fünf Jahre lang beschäftigen
wird.

SKYLAB II brach alle bisherigen Rekorde. Die Astronauten haben ihren
Heimatplaneten 859 Mal umrundet, u.a. mehr als 77 000 Aufnahmen von der Sonne
und fast 17 000 Aufnahmen von der Erde gemacht und dazu von ihr auf ca. 30 OOO

�t

ca. 30 000 m Magnetband zahllose Meßdaten aufgezeichnet. Kommandant Bean,

'

der schon bei APOLLO 12 dabei war und mit Charles Conrad im November 1969
auf dem Mond im "Meer der Stürme" landete, steigerte seine "Weltraumzeit"
auf mehr als 69 Tage. Wissenschaftlerastronaut Garriott verbrachte in drei
Außenbordmanövern 13 Stunden und 43 Minuten im freien Raum. Auf die 93 Minuten
Umlaufzeit im Erdorbit umgerechnet bedeutet dies, daß er dabei insgesamt neun
Mal um unseren Planeten "spazierte".

Aber mit Spazierengehen hatten die damit verbundenen, z.T. recht schwierigen
Aufgaben und Manöver wahrlich nichts zu tun. Es galt z.B. Störungen am Sonnenobservatorium zu beheben, nach möglichen Leckstellen in Kühlflüssigkeitssystemen
zu suchen, Filmmagazine von Teleskopkameras zu bergen, einen zusätzlichen Sonnenschutz aufzuziehen, Experimentierausrüstungen an der Außenwand anzubringen oder
Wartungsarbeiten zu verrichten. Zwei der Astronauten stiegen jeweils aus, der
dritte blieb auf Wache in der Kommandozentrale. Wegen des regelmäßigen Durchgangs durch die Schattenzone auf der Nachtseite der Erde mußten sie in dieser
Zeit die Arbeit mehrmals für gut 30 Minuten unterbrechen und dort, wo sie
sich draußen gerade befanden, den nächsten "Sonnenaufgang" beim Wiedereintritt
in die Tagzone abwarten.

Kleinarbeit für kommende Jahrzehnte

Gelegentlich erinnerten sich die Menschen auf der Erde doch noch der
fast vergessenen Männer der SKYLAB-Raumstation - vor allem dann, wenn sie in
der Abenddämmerung oder kurz nach Einbruch der Dunkelheit zufällig den leuchtenden "Stern" entdeckten, der im letzten Glanz der untergehenden Sonne ziemlich schnell über den Himmel zog.
Seit dem 14. Mai umkreist die Station 435 km über der Erde unseren Planeten.
Ihre Bahn führt über Länder und Meere zwischen dem 50. Grad nördlicher und südlicher Breite, über alle Gebiete in Höhe der amerikanisch-kanadischen Grenze
oder der Linie Paris-Frankfurt-Kiew-Baikalsee auf der Nordhalbkugel bis hinunter
zu den Falklandsinseln

und dem antarktischen Meer südlich von Australien auf

der Südhalbkugel. Die Tatsache, daß dadurch fast alle besiedelten Gebiete und
- 2-

�und die für die Rohstoffversorgung der Menschheit wichtigen Regionen erfa"*
werden, nutzten auf Einladung der NASA die Wissenschaftler zahlreicher Länder
dazu, die verschiedensten Beobachtungen in Auftrag zu geben.

Neuland für die Medizin

Dieser zweite SKYLAB-Einsatz - das 29. bemannte Raumf ahrtunterrehmen ier
USA - war, soweit sich dies so kurze Zeit nach der Landung beurteilen läßt,
das bisher größte Ereignis und das wichtigste Experiment für die Zukunft der
Raumfahrt. Die drei Männer an Bord wußten sehr wohl, daß sie nicht nur technische Pionierarbeit in vieler Hinsicht zu leisten hatten, sondern daß auch
von ihrer Rolle als Versuchsperson der Medizin vieles für die künftige Entwicklung der Raumfahrt abhing. Nie zuvor hatten Menschen so lange Zeit im Zustand der Schwerelosigkeit gelebt und gearbeitet, isoliert von der Familie,
den Freunden, Mitmenschen - und von dem irdischen Milieu, das in einem jahrmillionenlangen Prozeß die Funktionen des menschlichen Organismus geprägt hat.
Nur über die Mittel der Elektronik gab es Verbindung zur Mutter Erde. Daß
den Dreien gegen Ende der Mission die Isolierung doch manchmal etwas zu schaffen
machte, gaben sie ein paar Tage vor der Landung offen zu. Aber es ist der besondere Gewinn aus dem Unternehmen SKYLAB II, eine Vorstellung davon bekommen
zu haben, wie groß die - wohl noch immer nicht ausgeschöpften - Fähigkeit ••.
des Menschen tatsächlich sind, physische und psychische Belastungen

als Folge

der völlig anderen Lebensbedingungen in der Raumstation zu ertragen und Anpassungsreaktionen zu entwickeln. Für die aufgrund früherer Beobachtungen aufgestellten Hypothese, daß diese Reaktionen in Intervallen ablaufen und einen
Rhythmus von ca. 12 Tagen haben könnten, gibt es jetzt gewisse Bestätigungen»

Das Flugunternehmen begann mit mancherlei Schwierigkeiten. Technische
Pannen wie der Ausfall einiger Lagesteuerungsdüsen an dem als Fähre zwischen
Erde und Raumstation benutzten APOLLO-Raumschiff veranlaßten anfangs die NASA
sogar, den Noteinsatz eines zweiten APOLLO-Geräts als Rettungsfahrzeug zu erwägen. Die beruhigenden Ergebnisse der Inspektionen durch die Astronauten an
Bord und die gründlichen Bodentests in Houston rechtfertigten jedoch den Ent- 3-

�• *%

Entschluß, darauf zu verzichten. Wie dann bei der Rückkehr der Verlauf von
Wiedereintritt in die Atmosphäre und Abstieg zur Landestelle zeigte, leistete
das SKYLAB II-Team auch mit dem leicht lädierten Fahrzeug präzise Arbeit.
Besorgnis verursachten in den ersten eineinhalb Wochen die massiven
Symptome von Bewegungskrankheit bei allen drei Astronauten. In dieser Form
hatte man sie bei amerikanischen Raumfahrern noch nicht erlebt. Auch für die
Mediziner kamen diese Erscheinungen zunächst überraschend, weil sich, obgleich
man sie vor Beginn des SKYLAB-Programms wegen der ungewohnten Geräumigkeit des
Himmelslabors im Vergleich zur kleinen APOLLO-Kapsel eigentlich erwartet hatte,
bei der ersten SKYLAB-Gruppe nichts davon zeigte. Heute wird dieser Reaktionsunterschied damit erklärt, daß die Gruppe I wegen der Beschädigungen der Raumstation beim Start nach dem Andocken noch drei Tage in ihrer APOLLO-Kapsel
verblieb und Zeit hatte, sich umzugewöhnen, die Gruppe II dagegen sofort nach
der Ankunft in das Zwei-Etagen-"Haus" umstieg.

Anfänglich konnten die Drei wegen der ständig auftretenden Übelkeit und
der anderen Begleiterscheinungen ihr Arbeitsprogramm nur teilweise oder überhaupt nicht erfüllen. Sie hielten die Mahlzeiten nicht ein und verloren immer
mehr an Gewicht. Nach ca. 10 Tagen waren die akuten Störungen jedoch überwunden,
der Organismus paßte sich an. Mit immer härterem Fitness-Training taten die
Astronauten ein übriges, um Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf Herztätigkeit und Kreislaufsystem, auf Stoffwechsel (z.B. Verlust von Calcium und
Phosphor) und Muskelmasse soweit wie möglich zu kompensieren. Und das scheint
ihnen ausgezeichnet gelungen zu sein: Vor der Rückkehr lag ihr Körpergewicht
nur noch wenige Pfund unter dem vor dem Start. In den letzten vier Flugwochen
zeigten sie sich in einem Maße aktiv - z.B. mit 7 oder gar 9 Stunden Sonnenbeobachtung an vielen Tagen, Einbeziehung immer neuer Experimente in das
laufende Programm -, daß dies der Flugkontrolle in Houston schon nicht mehr
ganz geheuer erschien. Aber die handfeste Bestätigung des Trainingseffekts
brachten auch die ersten Schritte, die sie nach dem Aussteigen aus der APOLLOKapsel auf der USS NEW ORLEANS wieder auf irdischem Boden machten. Die ausgiebig erörterten Erfahrungen der ersten Gruppe - Conrad, Dr. Kerwin und Weitz kamen ihnen für den eigenen "Lernprozeß" im Weltraum sehr zustatten. Allerdings

- 4-

�Allerdings dürfte jetzt die Rückgewöhnung mit allen ihren Begleitumständen
doch längere Zeit in Anspruch nehmen.

Die Sonne spielte mit
Die Sonnen- und Erdbeobachtung für spezielle astro - und geophysikalische,
geologische, hydrologische und viele andere Forschungsprogramme waren neben
den medizinischen und biologischen Experimenten Hauptpunkte auf dem Programm.
Und die Sonne spielte mit. Sie hielt sich nicht an die ihr nach der Statistik
zukommende Ruheperiode, sondern lieferte Strahlungsausbrüche und Eruptionen im
Bilderbuchstil. An Bord der SKYLAB-Station wurde jede Phase - soweit dies möglich war, in enger Zusammenarbeit mit Sonnenobservatorien rund um die Erde und
ergänzt durch Synchronbeobachtungen von Forschungssatelliten wie OSO - gründlich studiert. Nach Ansicht der Astrophysiker stellt das zurückgebrachte Filmund Meßmaterial, das jetzt ausgewertet werden kann, das Wertvollste dar, was
der Wissenschaft bisher überhaupt zur Verfügung steht.

Fieberkarten von der Erde
In der zweiten Augusthälfte wurde das Erderkundungsprogramm gelegentlich
durch Wolkendecken über manchen gerade zur Beobachtung vorgesehenen Gebieten
behindert, so z.B. über der Lagune Rodrigo de Freitas bei Rio de Janeiro, wo
tote Fische tonnenweise an der Oberfläche treiben. In insgesamt 26 Aufnahmeserien mit den optischen und elektronischen Augen der SKYLAB-Station und mit
den Handkameras der Astronauten gelang es jedoch - häufig synchron mit dem
Arbeitsprogramm des unbemannten Satelliten ERTS 1 - diese weitgesteckte Aufgabe immer besser in den Griff zu bekommen.

Die vom SKYLAB II-Team gesammelten Daten vermitteln Wissenschaftlern der
verschiedensten Fachrichtungen, Ingenieuren

und Politikern neue Einsichten

und Maßstäbe für manche ihrer Probleme - von Dürrekatastrophen bis zu Vulkan-

- 5 -

�Vulkanausbrüchen, Wirbelstürmen, Waldbränden, umfassender Kartierung unzulänglich erfaßter Regionen»bestmöglicher Trassenführung für Pipelinen und
Straßen, bis zur massiven Verschmutzung von Küstengewässern.

Zu den interessantesten Beobachtungen zählen Infrarotaufnahmen von aktiven
Vulkanen auf den Galapagos-Inseln, vulkanischen Gebieten in Südostasien und von
einem unterseeischen Vulkan

im Räume Japan. Sie könnten dazu beitragen, durch

"Fieberkarten" von der Erdoberfläche, die anomal hohe Temperaturen anzeigen,
vor Vulkanausbrüchen und z.T. auch Erdbeben rechtzeitig zu warnen.

Ein Schweizer Wissenschaftler will mit Hilfe von SKYLAB-Aufnahmen im
Alpengebiet versuchen, eine Bestandsaufnahme von Schneeverhältnissen und
Gletschern zu machen und die Vorhersagemöglichkeiten für Lawinengefahr zu verbessern. Meereskundler aus Brasilien koordinieren ihre Arbeit mit den aus der
SKYLAB-Station gemachten Beobachtungen, um Meeresströmungen und Wassertemperaturen zu kartieren und so Hinweise auf fischreiche Regionen und andere
ozeanische Hilfsquellen zu bekommen.

Der SKYLAB-Projektleiter der iranischen Regierung sucht an Hand der SKYLABund ERTS-Aufnahmen nach möglichen Mineralvorkommen und Wasservorräten in seinem
Land. Ein Fachmann für Ökologie in Israel benutzt SKYLAB-Bilder als wichtige
Arbeitsgrundlage in einer Studie, bei der Wüsten und Trockengebiete daraufhin
geprüft werden, ob sie sich für eine Kultivierung eignen. Dies alles sind
nur ein paar Beispiele von vielen, die zeigen, in welcher Form das Unternehmen
SKYLAB reale irdische Probleme lösen zu helfen und einzelne Projekte voranzubringen vermag.

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VERBESSERTE TECHNIK FÜR DEN HOCHSEEFUNK

- (AD) - Wissenschaftler der US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA) fanden nach jahrelangem Experimentieren eine Möglichkeit,
Schiffsantennen so zu präparieren, daß sie auch bei heftigen Stürmen und
Regen funktionsfähig bleiben. Bisher war es stets ein Problem, auf See Funkkontakte aufrechtzuerhalten, wenn bei länger dauernden Stürmen und schwerem
Seegang Gischt und Salzwasser die Isolatoren der Funkantenne immer wieder
überspülten und schließlich Kurzschlüsse herbeiführten. In solchen Fällen
kann ein Schiff keine Funkverbindung mehr mit anderen Schiffen oder Küstenstationen unterhalten.

Die Funkantennen für die Übermittlung und den Empfang von Nachrichten
über Funktelefon oder Fernschreiber sind durch Porzellan-Isolatoren vom Stahlrumpf isoliert. Solanne Isolatoren sauber, trocken und hochpoliert sind, verhindern sie, daß elektrischer Strom in den Antennen mit dem Schiffskörper
kurzgeschlossen wird. Sobald die Isolierkörper jedoch mit Salzkristallen aus
dem Meerwassergischt oder einer Regenwasserschicht bedeckt sind, sickert
elektrischer Strom aus. Die Leistung der Antenne wird dadurch stark verringert
und fällt bei längerdauernden Schlechtwetterperioden ganz aus.

William F. Seibold (NOAA-Amt für die Schiffahrt) entwickelte ein Verfahren,
bei dem die Porzellan-Isolatoren mit einem silikonhaltigen Schmiermittel überzogen werden, an dem Wasser nicht haften bleibt. Um die Silikonschicht ihrerseits gegen andere Verunreinigungen wie Staub oder Rußteilchen aus verbranntem

- I -

�verbranntem Heizöl zu schützen, wird sie wiederum von einer Fiberglasschicht
abgedeckt. Drei Schiffe der NOAA-Flotte - MT MITCHELL, RESEARCHER und RAINIER haben in den letzten zwei Jahren das von Seibold mit einem Kostenaufwand von
2200 Dollar entwickelte Verfahren mit großem Erfolg erprobt. Nach Ansicht
des Erfinders könnte es auch für Funk- und Fernsehstationen an Land von Bedeutung sein, um beispielsweise Ansammlungen von Eis und Schnee auf Isolatoren
zu verhindern. Solche Ansammlungen führen gelegentlich auch zu kurzschlußartigen
Erscheinungen und zu unangenehmen Frequenzveränderungen für die Ausstrahlung
von Funkwellen über Richtantennen.

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ABWASSERKODEX FÜR EINZELNE INDUSTRIEBRANCHEN
US-Umweltschutzbehörde gibt exakte Richtlinien für den Gewässerschutz

- (AD) - Für die ersten zwei von insgesamt 28 verschiedenen Industriebranchen, deren Abwässer künftig besonderer Kontrolle unterliegen sollen, gab
jetzt die US-Behörde für Umweltschutz (EPA) Richtlinien heraus. Es handelt
sich um Fabrikationsanlagen, in denen Zuckerrüben verarbeitet werden und
Fiberglas für Isolierzwecke hergestellt wird.
Zuckerfabriken dürfen ab 1. Juli 1977 nicht mehr Abwässer durch Einleiten in offene Gewässer beseitigen, sofern sie selbst Grund und Boden besitzen, um dort geeignete Anlagen zur Abwasserbehandlung zu errichten. Ist
dies nicht der Fall, darf je nach der Situation und den Umweltbedingungen des
betreffenden Betriebs Kühlwasser aus dem Raffinationsprozeß unter bestimmten
Auflagen in begrenzter Menge auch noch nach diesem Zeitpunkt, jedoch nicht
länger als bis 1983, durch Einleiten beseitigt werden. Im Gegensatz dazu gelten
für die Rückstände vom Rübenwaschprozeß ab sofort und ohne Berücksichtigung
lokaler Gegebenheiten die gleichen strengen Kontroll-Bestimmungen.

Mitentscheidend für das ab 1983 gültige Verbot, nicht oder unzureichend
behandelte Abwässer überhaupt noch einzuleiten, war die Tatsache, daß schon
heute 11 von 52 Zuckerfabriken abwasserfrei arbeiten, d.h. auf eigenem Gelände ihre Abwässer so weiterbehandeln, daß sie beim Einleiten in offene Ge-

�Gewässer als "sauberes Wasser" gelten können. Die Investitionen für die Erfüllung der Umweltschutz-Auflagen für die gesamte Branche werden auf 9 bis
16 Millionen Dollar, der damit verbundene Mehrverbrauch an Strom auf jährlich
46 Millionen Kilowatt geschätzt.

Auf dem Sektor "Fiberglas für Isolierzwecke" arbeiten bereits sechs
von 19 Fabriken abwasserfrei. Hier betragen die notwendigen Investitionen
6 bis 7 Millionen Dollar für die gesamte Industrie. Um den EPA-Bestimmungen
nachzukommen, wären 38,6 Millionen Kilowatt Strom pro Jahr zusätzlich erforderlich. In beiden Fällen muß bei neuen Fabrikanlagen bereits von vornherein
dafür gesorgt werden, das Abwässer auf eigenem Gelände behandelt und nicht
einfach durch Ableiten in offene Gewässer beseitigt werden.

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