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                    <text>22. August 1979

34
INHALT

INFORMATION
Grußadresse Präsident Carters an dieUN-Wissenschaftskonferenz in Wien
Carter entläßt schweres Rohöl aus der Preisüberwachung
- Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen DOKUMENTATION
Schlesinger vor dem Nationalen Presseclub
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers
WIRTSCHAFT
EG-Einfuhren nach USA bis 1987 zu 70 Prozent zol1 begünstigt
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde
auf die amerikanischen Einfuhren
- Von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

HINTERGRUNDMATERIAL
Bessere Kontrollen für Risikochemikalien gefordert
- Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Bakterien mit Kompaß
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen in der
Tierwelt auf der Spur
- Von G. Weiss -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Information
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34

22. August 1979

GRUSSADRESSE PRÄSIDENT CARTERS AN DIE UN-WISSENSCHAFTSKONFERENZ IN WIEN

WIEN - (AD) - Auf der Eröffnungssitzung der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung (UNCSTD)
am 20. August 1979 in Wien verlas der Leiter der amerikanischen Delegation,
Theodore Hesburgh, die folgende Grußadresse Präsident Carters:
Diese Konferenz ist eine neue Reise in Richtung Fortschritt.
Ihr Bestreben belebt aufs neue den Geist für Abenteuer in uns allen.
Es fordert die Menschheit heraus, eine bessere Zukunft zu gestalten.

Nach

Jahrhunderten des Fortschritts erforschen wir vielleicht jetzt nicht nur
die Grenzen des Wissens, sondern auch die Grenzen der Gerechtigkeit.
Diesmal dürfen wir nicht dabei scheitern, auf die dringenden Bedürfnisse der Entwicklungsländer mit mehr als nur mit leeren Worten zu antworten. Denn umgekehrt können wir alle aus ihrer Teilnahme an einem neuen und
stärkeren Weltwirtschaftssystem Nutzen ziehen.
Wagen wir es, im starken Geist der Vorstellungskraft, der Erfindungsgabe und des Einfallsreichtums die Welt neu zu gestalten und bis zum Jahr

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�Jahr 2000 die schlimmsten Auswüchse der Armut zu beseitigen.

Gebrauchen

wir unser Wissen, um die Mittel für die grundlegenden Bedürfnisse aller
Menschen bereitzustellen.

Erfinden wir gemeinsam eine dynamischere Partner-

schaft zwischen Regierungen und Privatinstitutionen, um dem gemeinsamen
Interesse aller Länder zu dienen.
Wir müssen uns schrecklichen Herausforderungen stellen.

Ihre Lösung

fordert ein gemeinsames Wagnis aller Länder.
Dieses Wagnis wird unvermeidlich die Freiheit vergrößern, denn zum
Erfolg sind ungehinderter' Informationsfluß, freier Zugang zum Marktplatz
der Ideen und weitester Spielraum für wissenschaftliche Erfindung und Initiative notwendig.
Breite Beteiligung sollte unser Unternehmen kennzeichnen, denn nichtverbreitetes Wissen ist verschwendetes Wissen.

Die weltweite Verbreitung

technischen Wissens muß ein befreiendes Wagnis sein, an dem alle teilnehmen
und aus dem alle Gewinn ziehen.
Unsere vordringlichste Aufgabe muß darin bestehen, bei der Bildung
wissenschaftlicher und technologischer Potentiale in den Entwicklungsländern
zu helfen. Ihre eigenen Fähigkeiten zur Erfindung und Erneuerung, zur wissentlichen Auswahl der richtigen Technologien und zum Handel auf der Grundlage von Tatsachen und nicht von Träumereien sind der einzig sichere Weg,
um durch die weltweite Verbreitung von Technologie nicht zu einem neuen
System der Abhängigkeit zu gelangen.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits hoffen, durch ein "Institut für
wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit" zu diesem gemeinsamen
Unternehmen beitragen zu können, dessen Einrichtung wir für diesen Herbst geplant haben. Dieses Institut ist eine unserer wichtigsten Neuerungen, um
den Entwicklungsländern zu helfen, die den Wunsch hegen, Technologien zu
schaffen und anzuwenden, die ihren Bedürfnissen am besten entsprechen. Seine

�Seine Arbeit wird meine ganze persönliche Unterstützung haben.

Ich werde

sicherstellen, daß es eng mit ähnlichen Programmen und Institutionen in anderen Teilen der Welt zusammenarbeitet.
Ich bin überzeugt, daß unsere wissenschaftliche Gemeinschaft, unsere
Regierungsbehörden und unsere Privatinstitutionen ihre Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprogrammen verstärken werden, um die endemischen
Probleme wie Nahrungsmangel, Energiekrise, Bevölkerungsexplosion und Mangel
an angemessener Gesundheitsfürsorge anzupacken - Probleme, die uns alle angehen.
Ich gelobe unsere Bereitwilligkeit, alle praktischen Bemühungen zu
unterstützen, die uns dabei helfen können, diese Probleme zu überwinden
- eine Welt zu schaffen, in der Erziehung jedermann erreichbar ist, die
Hungrigen sich selbst ernähren können, Millionen von tropischen Krankheiten
befreit sind, Volkswirtschaften sich entwickeln, um Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen, und weltweiter Handel den Fortschritt eines jeden Landes
garantiert.
Diese Konferenz stellt unsere Verpflichtung auf die Probe, die Früchte
des wissenschaftlichen Fortschritts weltweit zu teilen und die Kräfte der
Technik zum Wohl der ganzen Menschheit zu meistern. Ihnen, Frau Präsident,
und allen Delegierten, die diese Hoffnung und dieses Ziel vertreten, übermittle ich meine aufrichtigsten Wünsche für ein erfolgreiches Bemühen.

- 3 -

�mJiJ

1
I

77ÜJ

Infoimcilion
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22. August 1979

34

CARTER ENTLÄSST SCHWERES ROHÖL AUS DER PREISÜBERWACHUNG
Förderung soll bis 1990 auf 750 000 Barrel pro Tag steigen

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 17. August 1979 durch Präsidialerlaß die Preiskontrolle bei schwerem Rohöl mit sofortiger Wirkung aufgehoben.

Der Präsident kündigte in diesem Zusammenhang an, daß er den Kon-

greß ersuchen werde, schweres Rohöl auch von der geplanten Steuer für ungerechtfertigte Gewinne der ülgesellschaften (Windfall Profits Tax) auszunehmen,
Wie das Weiße Haus anläßlich der Unterzeichnung des Erlasses erklärte,
ist diese Maßnahme notwendig, um einen Anreiz zur verstärkten Nutzung dieser
Ölvorkommen zu geben. Schweres Rohöl ist eine sehr zähflüssige, fast teerähnliche Substanz, die zu fördern, zu transportieren und zu raffinieren die
Anwendung sehr kostspieliger Technologien erforderlich macht, da diese Art
von Rohöl zur Verflüssigung und Verarbeitung einer stärkeren Erhitzung bedarf.
Die Vereinigten Staaten verfügen über Reserven an schwerem Rohöl in
der Größenordnung von schätzungsweise 10 Milliarden Barrel (159 Liter).
Im Weißen Haus rechnet man damit, daß die Freigabe des Preises von schwerem
Rohöl geeignet ist, die heimische Gewinnung von derzeit 250 000 Barrel pro

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�pro Tag bis 1985 um 200 000 Barrel und bis 1990 um 500 000 auf 750 000 Barrel
zu steigern.

Die bisher bestehenden Preiskontrollen hielten den Preis von

zwei Dritteln der heimischen Förderung an schwerem Rohöl auf rund 6 Dollar
pro Barrel, während der verbleibende Rest zu einem Preis von etwas mehr als
13 Dollar abgesetzt werden konnte. Die Herausnahme einer ölsorte aus der
Preiskontrolle gestattet nunmehr den Verkauf zu Marktpreisen, die nach Angaben des Weißen Hauses mit etwa 16 Dollar um zwei bis drei Dollar unter denen
für leichtere Rohöle liegen.
Die Förderung von schwerem Rohöl zu dem gesetzlich vorgeschriebene^ Preis
war wirtschaftlich gesehen angesichts der hohen Förderkosten kaum vertretbar
und hielt sich deshalb in engen Grenzen. Ohne Freigabe des Preises wäre nach
Auffassung des Weißen Hauses mit einem weiteren Rückgang der Förderung zu
rechnen gewesen.
Bei der Formulierung des neuen Präsidialerlasses hat die Carter-Administration auch die Frage entschieden:
Rohöl" zu verstehen?

Was eigentlich ist unter "schwerem

Der Flüssigkeitsgrad oder, technisch ausgedrückt, die

Viskosität von Rohöl bestimmt sich nach dessen Schwere. Während sehr leichtes Rohöl mit der Viskositätszahl 40 relativ dünnflüssig ist, sind öle mit
niedrigeren Viskositätszahlen schwerer und zähflüssiger und nur sehr schwierig zu fördern und zu verarbeiten.
Die Administration entschied, die obere Grenze für die Herausnahme aus
der Preisüberwachung bei der Viskositätszahl 16 zu ziehen. Damit sind alle
Fördermengen von öl mit Viskosität 16 und darunter von der Kontrolle ihrer
Abgabepreise befreit.
Das amerikanische Energieministerium wird im September öffentliche Einvernahmen zu der Frage abhalten, ob auch schwere öle mit einer höheren Viskositätszahl als 16 mit Rücksicht auf die höheren Förderkosten aus der Preisüberwachung herausgenommen werden können.

Die Befreiung von der Steuer für unge-

rechtfertigte Gewinne aber soll in jedem Falle auf Rohöle mit der Viskositats-

�Viskositätszahl 16 und darunter beschränkt bleiben.
Der größte Teil der amerikanischen Vorkommen von schwerem Rohöl liegt
im Staat Kalifornien.

Kleinere Lagerstätten finden sich auch in Texas,

Louisiana, Oklahoma, Mississippi und Wyoming.
Mit der Unterzeichnung des Schwerölerlasses erfüllt Präsident Carter
eine Zusage, die er am 15. Juli in seiner Rede zur Energielage gegeben hat.
Er nahm die Unterzeichnung einmal mehr zum Anlaß, den Senat zur Verabschiedung des von der Administration vorgeschlagenen Gesetzes zur Besteuerung von
ungerechtfertigten Gewinnen der ülgesell Schäften und zur Ablehnung der Ausnahmebestimmungen aufzufordern, die der Finanzausschuß in Abänderung der Vorlage erwägt.
Die Sondergewinnsteuer ist als eine flankierende Maßnahme zur stufenweisen Aufhebung der Preisüberwachung bei Mineralöl Produkten konzipiert,
die bereits in die Wege geleitet wurde. Mit dieser Steuer sollen alle außerordentlichen Einkünfte der öl gesell Schäften als Folge der Beendigung der
Preiskontrolle weggesteuert werden.

- 3 -

�1

Dokumentation

I

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22. August 1979

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SCHLESINGER VOR DEM NATIONALEN PRESSECLUB
- Abschiedsrede des scheidenden Energieministers -

WASHINGTON

- (AD) - Der aus dem Amt scheidende US-Energieminister

James Schlesinger hat am 16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub
in Washington eine vielbeachtete Rede gehalten, in der er sich mit einer
Reihe von Problemen auseinandersetzte, die sich aus der gegenwärtigen
Energiesituation der westlichen Welt ergeben.
Die Rede hatte folgenden Wortlaut:
"The World Crisis" ist der Titel der Geschichte des I. Weltkriegs,
die Winston Churchill geschrieben hat. Rückblickend erscheint uns dieser
Krieg als ein auf seltsame Weise auf Europa begrenzter Streit, obgleich
er letztlich doch einen Eingriff von außen erforderte, um zu einer Lösung
zu führen, was die Europäer, auf sich selbst gestellt, nicht lösen konnten.
Ähnliche Betrachtungen mag man sowohl über den II. Weltkrieg als auch über
den Kalten Krieg anstellen. Seit 1945 benötigte man das standhafte Eintreten der amerikanischen Macht zur Erhaltung der Stabilität und Unabhängigkeit von Westeuropa, Japan und den anderen Ländern, die man früher als die

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�die Freie Welt bezeichnete.

Ohne die amerikanische Macht können die

verbleibenden freien Länder in geostrategischer Hinsicht keine unabhängige
Einheit mehr bleiben.
Seit 1945 hat die Welt eine kontinuierliche Krise durchgemacht, die
jene von Churchill beschriebene winzig erscheinen läßt - eine Krise,
geboren aus dem andauernden Konflikt zwischen der Sowjetunion und den
Vereinigten Staaten und deren Verbündeten.

Es ist vielleicht das be-

zeichnendste Element der Energiekrise, wie sie sich seit dem Anfang der
siebziger Jahre entwickelt hat, daß durch sie dem politischen und ideologischen
Wettstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eine neue
Dimension verliehen wird - eine Dimension, die sich auf dramatische Weise
durch die sowjetischen Handlungen und Drohungen im Verlauf des Nahostkriegs im Jahr 1973 ankündigte.

Es ist eine größere Dimension, die Themen

wie Benzinknappheit und wirtschaftliche Lage in die richtige Perspektive
rückt, denn sie hat Gewalt genug, um das politische Schicksal der Menschheit
zu bestimmen.
Wir stehen heute einer Weltkrise gegenüber, die größere Ausmaße hat
als jene, die Churchill vor einem halben Jahrhundert beschrieb und die
durch das Olproblem noch unheilvoller wurde.
Der strategische Mittelpunkt dieser Krise liegt jetzt am Persischen
Golf und den angrenzenden Gebieten des Nahen Ostens mit ihren umfangreichen
ölreserven. Deshalb konzentriert sie sich auf eine Region politischer
Unbeständigkeit, die charakterisiert ist durch geschichtliche Feindseligkeiten und durch Nationalstaaten, deren Sozialstrukturen noch nicht genug
entwickelt sind, um den Stößen des raschen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Wandels zu widerstehen. Und doch bleibt der Westen, bleiben
alle freien Länder, ja, bleibt die Freiheit selbst in der nahen Zukunft
angewiesen auf den Zugang zu den Ölquellen dieser unbeständigen Region.
Niemand

�Niemand hat diese aufkommende Abhängigkeit und die darin enthaltene
Verwundbarkeit in ihrem ganzen Umfang vorhergesehen.

In der Architektur

der Nachkriegszeit bildete der NATO-Vertrag die tragende Säule für die
Sicherheit des Westens. Jedoch war er lediglich eine traditionelle Verteidigungsgemeinschaft zum Zweck des Schutzes der territorialen Integrität
der Unterzeichnerstaaten.

Im Licht der anschließenden Entwicklungen ist

er heute eine unzureichende Grundlage für die westliche Sicherheit, da er
selbst keinerlei Schutz der Energiequellen beinhaltet, von denen unser
kollektives überleben abhängt.
Bis vor kurzem noch lieferte die Furcht, die die Macht Amerikas als
solche einflößte, genug Abschreckung vor äußerer Invasion und außerdem ein
Mindestmaß an politischer Stabilität in diesem Gebiet. Nach 1945 konnte
der amerikanische Druck noch Stalin selbst dazu bringen, sowjetische Streitkräfte aus dem Nordiran abzuziehen. Heute geht der Druck Breschnews in
die andere Richtung. Die geostrategische Landschaft hat sich dramatisch
verändert. Die Auflösung der nördlichen Klammer, die politischen Unruhen
in den beiden Jemen und am Hörn von Afrika sowie die Verwundbarkeit der
anderen Golfstaaten - alles deutet auf die Notwendigkeit einer neuen wirkungsvollen Antwort.
Sogar hinsichtlich des militärischen Gleichgewichts ist die Entwicklung
beunruhigend.

Die Sowjetunion befindet sich ganz in der Nähe und bewegt

sich in einer Region, auf die Rußland schon seit den Tagen Peters des Großen
ein Auge hatte.

Ihre

militärische Macht wächst weiterhin - am drohendsten

in Form erhöhter strategischer Beweglichkeit und Stärke ihrer Luftlandedivisionen.

Innerhalb der Region selbst existiert kein Gegengewicht.

Die

Streitkräfte des Schah hätten vielleicht eine bruchstü'ckhafte Verteidigung
ergeben, aber heute ruht die Sicherheit auf dem Schutze Allahs.

Die Kräfte

des Westens in der Region sind gering und befinden sich am entferntesten
Ende langer Versorgungslinien.

Die großen Militärreserven des Westens sind

weit weg - mit allem, was dies für eine rasche Reaktion bedeutet.

- 3 -

Es gibt

�gibt keine dauernde und bedeutsame militärische Präsenz der Vereinigten
Staaten - eine Tatsache, die die Bewohner dieser Region erwägen müssen,
wenn sie sich über die Militärpräsenz Gedanken machen, die im Norden liegt.
Bei den vielen Amerikanern, die durch Vietnam zu dem Glauben gelangt
sind, militärische Schwäche sei eine Form der Tugend und der moralischen
Stärke, erregen diese Bedingungen wenig Unruhe.

Stille Anpassung ist hier

die einzige Verteidigung, und deutliche Hinweise auf das Vernünftige einer
solchen Einstellung finden sich immer.

Kürzlich war Georgi Arbatov, dessen

Beziehungen zum KGB vielleicht nicht so bekannt sind wie seine Fähigkeit,
amerikanische Eliten zu beeinflussen und zu beruhigen, in einem Interview
der Meinung, daß die Sowjetunion "sich sicherlich nicht in die westliche
Ölversorgung einmischen würde", denn dies "wären sehr feinselige Handlungen
nahe einer Kriegserklärung".
läufigen

Zweifellos werden manche Leute solche bei-

mündlichen Garantien völlig beruhigend finden.

Ich stelle

lediglich fest, daß uns die Episode einen Hinweis gibt auf jene Möglichkeiten,
über die die Sowjets nachgrübeln und die sie, wie wir nur hoffen können,
zumindest für den Augenblick verworfen haben.
Für die weniger Selbstgefälligen sind die Folgerungen deutlich:

die

sowjetische Kontrolle des ölhahns im Nahen Osten würde das Ende der Welt
bedeuten, wie wir sie seit 1945 kennen, und das Ende der Vereinigung
freier Länder.
Daraus folgt ziemlich deutlich, daß wir dies auf lange Sicht nicht
hinnehmen können angesichts eines regionalen Obergewichts der sowjetischen
Militärmacht. Ein Mindesterfordernis ist die Errichtung eines annähernden
Gleichgewichts der militärischen Stärke in dieser Region. Ohne ein solches
Gleichgewicht wird es keine abschreckende Kraft geben, die in der Lage ist,
dem langfristigen sowjetischen Druck zu widerstehen - was unvermeidlicherweise eine ständige Aushöhlung des westlichen Einflusses bedeuten würde.
Geht man von der massiven sowjetischen Präsenz gleich jenseits der Grenze

- 4 -

�Grenze aus, so wäre die "Entmilitarisierung des Indischen Ozeans" lähmend.
Einem solchen Schritt sollte man keine weiteren Überlegungen widmen, denn
er würde die Stationierung umfangreicher Seestreitkräfte in diesem Gebiet
ausschließen und dadurch auch die Aufhebung des bestehenden Ungleichgewichts.
Es reicht nicht aus, einfach
Es ist notwendig, es wirkungsvoll
aufzunehmen. Dies ist es, was in
reichtum und unsere Stärke messen

nur einen "Bogen der Krisen" auszumachen.
mit den heute herrschenden Bedingungen
den kommenden Jahren unseren Einfallswird.

Selbst wenn es nicht zum Schlimmsten kommt und die Kontrolle des ölhahns nicht der entscheidende Punkt der Ost-West-Auseinandersetzung wird sei es durch sowjetischen Verzicht oder durch wirkungsvolle Abschreckung -,
bleiben die Schwierigkeiten beträchtlich. Das Obergewicht und die Nähe
der sowjetischen Militärmacht vergrößern die sowjetische Möglichkeit der
Einflußnahme und der Untergrabung. Im Iran sind das Wiederauftauchen der
Tudeh-Partei (vor allem bei der Organisation der ölfelder) sowie die teils
offene, teils verdeckte Stärkung der prosowjetischen Linken wesentliche
Entwicklungen im letzten Jahr gewesen. Man fühlt, wie allmählich die
Infrastruktur für einen späteren Coup geschaffen wird, parallel zu den
Ereignissen, die in den letzten Jahren aus Afghanistan bekannt geworden
sind. Erst kürzlich auch hat der Irak einen weiteren internen Machtkampf
überlebt, der gekennzeichnet war durch neue Elemente eines religiösen
Schismas, das durchaus auf fortdauernde Instabilität hindeutet - nach
einem langen und anhaltenden Kampf zur Meisterung der internen kommunistischen
Drohung.
Aber sogar wenn wir solche Möglichkeiten äußern Unheils beiseite lassen,
können wir den öl ström aus den OPEC-Ländern noch immer nicht als gänzlich
gesichert ansehen. Das weltweite System der ölförderung und -Verteilung
ist schon jetzt zum Zerreißen angespannt; wenig Entlastung ist in Sicht wenn überhaupt. Jede größere Unterbrechung, gleichgültig, ob sie von

- 5 -

�von politischen Entscheidungen, politischer Instabilität, terroristischen
Akten oder ernsten technischen Problemen herrührt, würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben.
Auf einem so angespannten Markt werden einige der Förderer ein Katzund-Maus-Spiel treiben - entweder aus ökonomischen Motiven (um die Spotpreise hoch zu halten), aus politischen Motiven oder aus reiner Halsstarrigkeit.

Die Durchführung oder die Androhung von Schritten zur Verminderung

oder Umleitung der ölförderung von Staaten wie Nigeria, Libyen und Algerien
beweisen die Verknappung auf dem Markt und zugleich die fortwährende
Verwundbarkeit der Verbraucherländer.
Außerdem bewegt sich der Iran weiterhin am Rande der Anarchie entlang.
Eine neue Unterbrechung der persischen Exporte würde schwerwiegende
Störungen zur Folge haben. Und schließlich beruhen sogar solche begrenzte
Unterbrechungen des öl Stroms auf der Prämisse einer anhaltenden Stabilität
und Unterstützung durch Saudiarabien. Denn der Anteil Saudiarabiens ist
nicht nur kritisch, er ist auch im Ansteigen begriffen. Wenn wir erkennen,
daß die unmittelbare Energiezukunft von einem politisch stabilen Saudiarabien abhängt, müssen wir zugleich erkennen, daß das Königreich heute ein
Land ist, das dem Ferment des sozialen Wandels ausgesetzt ist - ein Land,
in dem das Gespür für Korruption wächst - auf dramatische Weise in den
Nachwehen der Ereignisse im Iran im letzten Jahr. Und wenn wir die mögliche
Bedeutung der Entwicklungen im Iran nicht anerkennen wollen, brauchen wir
nur bei Tocqueville nachzulesen, was er über die Auswirkung eines starken
wirtschaftlichen Wandels auf überkommene Sozial strukturen schreibt. Der
Gegenstand ist so heikel, daß man nur selten darauf anspielt, aber
Zurückhaltung bedeutet kaum, daß der Gegenstand nicht von schwerwiegendster
Bedeutung ist.
Die Kommentare zu diesem Punkt unterstreichen nur, daß der Fluß des
OPEC-Öls unsicher und möglicherweise schweren und unvorhersagbaren Erschütterungen unterworfen ist. Indessen: sogar wenn wir Glück haben und
- 6 -

�und es keine Versorgungsunterbrechungen gibt, wird der Fluß dieses Erdöls insgesamt wahrscheinlich nicht anwachsen.
Die Förderkapazität der OPEC-Länder wird wahrscheinlich nicht zunehmen.
Diese Vorhersage spiegelt die politischen Entscheidungen wider, die wahrscheinlich getroffen werden hinsichtlich der Attraktivität zusätzlicher
Investitionen zur Erweiterung der Produktionskapazität sowie der begrenzt
vorhandenen Rohstoffe. Die OPEC-Produktion wird noch nicht einmal um zehn
Prozent über den derzeitigen Umfang hinaus ansteigen, vielmehr wird sie
in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich abnehmen. Die Produktion der
Länder, die der OPEC nicht angehören, mag vielleicht sogar hinsichtlich
der Prozentwerte deutlich ansteigen; dies geschieht jedoch von einem
verhältnismäßig bescheidenen Ausgangspunkt aus. In absoluten Zahlen werden
diese Steigerungen weniger bedeutsam sein - vielleicht zehn Prozent des
gegenwärtigen Verbrauchs der freien Welt- und werden zu einem großen Teil
von den Entwicklungsländern und den anderen Industrienationen verbraucht.
Die weltweite ölförderung und der weltweite Verbrauch werden nie weit
über 65 Millionen Barrel pro Tag hinausgehen, und wir bewegen uns schon
ganz in der Nähe dieser Schwelle. Erdöl, der erwählte Brennstoff, der die
gewaltige wirtschaftliche Expansion seit dem II. Weltkrieg angetrieben hat,
wird nicht mehr länger in steigenden Mengen zur Verfügung stehen, um ein
weiteres Wachstum der Weltwirtschaft anzuheizen.
Es ist unvermeidlich, daß die Preise den wachsenden Nachfragedruck
vor dem Hintergrund des beschränkten Angebots widerspiegeln.

Der Einfluß

Saudiarabiens auf zurückhaltende Preiserhöhungen im Rahmen der OPEC ist
bereits deutlich geschwunden.

Bei geringer oder bei keiner Oberschuß-

kapazität wird die Preisbewegung unvermeidlich nach oben gehen, außer bei
einer weltweiten Rezession.
Unter diesen Umständen ist es verständlich und kam sogar in Mode,
über das OPEC-Kartell herzuziehen. Ohne Zweifel ist dies rein gefühlsmäßig

- 7 -

�gefühlsmäßig befriedigend.

Aber wir müssen uns darüber im klaren sein,

daß keine noch so laute Beschimpfung oder ein Fäusteschütteln die Realitäten
der Versorgung und des Preises ändern kann.

Die OPEC-Länder besitzen etwa

80 Prozent der nachgewiesenen ölreserven der freien Welt - und dieser
Prozentsatz wird wahrscheinlich ansteigen.

Zudem kontrollieren jetzt

Marktkräfte die Preisbewegungen und treiben den internationalen ölpreis
unerbittlich nach oben.

Tatsächlich haben unsere Nachbarn, Kanada und

Mexiko, sowie die Norseeförderlander Preise festgesetzt, die merkbar über
die der OPEC hinausgehen.

Es wird Zeit für uns, die Realität anzuerkennen -

egal, wie schmerzlich dies sein mag.
Die Energiezukunft ist düster und wird wahrscheinlich im kommenden
Jahrzehnt noch düsterer werden.

Wenn wir tatkräftige und kluge Gegenmaß-

nahmen ergreifen, kann die Zukunft etwas weniger finster werden;

aber im

Licht der geschichtlichen Erwartungen können solche Gegenmittel nur zur
Linderung dienen.
Wie stabil, wie elastisch ist unsere innenpolitische Grundlage angesichts der Schwierigkeiten, die sich für die nationale Sicherheit und
die Wirtschaft durch die Verwundbarkeit und die Zwänge bei der Energieversorgung ergeben? Genug Grund zur Sorge ist sicherlich vorhanden. Nach
Vietnam engagiert sich unser Volk nicht mehr für Themen der Außenpolitik
und der militärischen Sicherheit. Nach Watergate mißtraut man häufig allen
unseren Institutionen.
Ein überraschend hoher Anteil der amerikanischen Bevölkerung gesteht,
daß man nicht an eine echte Energieknappheit glaubt. Dies mag ein
Verteidigungsmechanismus sein, der entwickelt wurde, um den schmerzhaften
Gedanken zu verdrängen, daß ein schmerzhafter Wandel unvermeidlich ist, und
um die tiefere, vielleicht unbewußte Erkenntnis zu verbergen, daß das
Problem wirklich existiert. Aber viele stehen bereit, um Trost zu spenden,
wobei sie vorschlagen, daß man durch diese oder jene institutionelle

- 8 -

�institutionelle Einrichtung das Energieproblem ganz einfach lösen könne.
Die politische Linke schiebt die Schuld auf die Ölindustrie.
Rechte beschuldigt die Regierung.

Die politische

Aber ein solches Verhalten spiegelt nur

die Tendenz nach Watergate wider, auf Institutionen einzuschlagen.

Auf

Institutionen einzuschlagen ist lediglich eine andere Art, dem Problem auszuweichen;

es ist unwahrscheinlich, daß es zu erhöhter Förderung von Rohöl

führt.
Die weitverbreitete Einbildung, die Vereinigten Staaten besäßen enorme
nachgewiesene ölreserven, die nur verborgen seien und von denen niemand
spricht, ist nur sehr schwer zu erklären. Vielleicht fällt sie ganz einfach
unter das Kapitel Psychopathologie. Aber es ist Wasser auf die Mühlen
der paar Gewissenlosen, die die Hoffnungen und Ängste des amerikanischen
Volkes ausnutzen wollen und die auf immer andere Weise behaupten, daß
irgendwo da draußen ein riesiges öllager existiert, das alle anderen
Beschwerden in Nichts auflösen wird. Cenagogie kann nur schwerlich einen
wirkungsvollen Ersatz für Rohöl abgeben.
Was müssen wir tun, wenn wir das Problem der Energieversorgung und
der wirtschaftlichen Rückwirkungen in den Griff bekommen wollen, das sich
daraus ergibt? Erstens müssen wir das Problem in seiner ganzen Tiefe und
Tragweite anerkennen - ohne Ausflüchte.
Zweitens müssen wir die bekannten Allheilmittel beiseite stellen jene Visionen von neuen öl strömen aus Saudiarabien, Mexiko und China, die
verborgenen inländischen Lager oder, als neuestes, synthetische Brennstoffe.
Drittens müssen wir alle unsere Voraussetzungen überdenken: welche
Lieferungen sind wahrscheinlich, welche Preise sind annehmbar, welche
Brennstoffe sind annehmbar, welche Risiken sind annehmbar und welche
Umweltschutzbestimmungen und andere Regeln funktionieren.
Wir

- 9 -

�Wir sollten erkennen, daß die Inlandsförderung von Erdöl nicht steigen
und wahrscheinlich sogar in den nächsten zehn Jahren sinken wird.

Wenn wir

hart arbeiten und wenn wir in den Grenzgebieten Glück haben, sind wir
vielleicht in der Lage, die Rohölförderung in etwa auf dem derzeitigen Stand
zu halten.

Die Vereinigten Staaten fördern immerhin gegenwärtig so viel

öl wie Saudiarabien.

Aber wir beuten unsere eigenen, nachgewiesenen

Reserven etwa sechsmal so rasch aus.

Dies kann nicht lang so weitergehen.

Glücklicherweise sind die Aussichten für die einheimische Erdgasgewinnung vielversprechender.

Aber es ist unwahrscheinlich, daß wir die

Gewinnung in den nächsten zehn Jahren deutlich über den gegenwärtigen Stand
anheben werden.

Deshalb werden wir insgesamt keine zusätzliche Inlands-

versorgung bei Kohlenwasserstoffderivaten haben.

Wenn sich die öleinfuhren

bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag einpendeln - entweder durch bewußte Einfuhrbeschränkungen oder durch mangelnde Verfügbarkeit -, werden wir woanders
suchen müssen, falls die Wirtschaft auch weiterhin wachsen soll.
Trotz des beträchtlichen und erfreulichen Nutzeffekts der Einsparung
wird für das Wirtschaftswachstum auch weiterhin zusätzliche Energie benötigt. Der Energiekoeffizient ist nunmehr auf 0,5 oder 0,6 vermindert
worden. Wir sollten darum kämpfen, ihn dort zu halten - und ich bin sicher,
daß wir dies schaffen. Dennoch muß die Nutzung sowohl der Kohle als auch
der Kernkraft steigen - mit einer Rate von sechs Prozent pro Jahr, wenn wir
ein bescheidenes Wirtschaftswachstum beibehalten wollen.
Es ist ganz einfach. Da die Verfügbarkeit der Kohlenwasserstoffderivate
im Grund festgelegt ist, müssen Kohle und Kernkraft, in Prozentzahlen ausgedrückt, von ihrer im Augenblick relativ niedrigen Basis aus rascher anwachsen.
Aber die Verwendung von Kohle wird nicht rasch genug und ausreichend ansteigen, solange die Bedingungen des Gesetzes über die Luftreinheit
("Clean Air Act") unverändert bleiben. Angesichts der gegebenen mechanischen
und gesetzgeberischen Hinderungsgründe ist es wohl möglich, für eine Bei-

- 10 -

�Beibehaltung der Normen der Reinerhaltung der Luft einzutreten, nicht aber
die gebotene verstärkte Nutzung der Kohle zu verwirklichen.

Die wohlbekannten

psychologischen und verfahrensmäßigen Hindernisse gegen den Bau von Kernkraftwerken müssen ebenfalls überwunden werden.
Ganz offen: wenn wir keine größere Verwendung von Kohle und Kernkraft
erreichen, wird es diese Gesellschaft im kommenden Jahrzehnt womöglich nicht
schaffen.
Längerfristig sollten wir die Produktion synthetischer Brennstoffe
vorantreiben. Allerdings werden synthetische Brennstoffe die Gleichung im
kommenden Jahrzehnt nicht wesentlich beeinflussen. In den neunziger Jahren
könnte eine solche Produktion eine nützliche Zunahme der Versorgung ermöglichen.
Aber sie ist kein Allheilmittel. Wenn wir jedoch ein solches Programm vor
zehn Jahren in die Wege geleitet hätten, würde der ölmarkt heute nicht so gespannt und nicht so riskant sein, und der Preis des Öls würde vielleicht um
einige Dollar pro Barrel niedriger sein als dies jetzt der Fall ist.
Das Dilemma ist rienlich deutlich. Wir müssen mehr Kohle und Kernkraft
mit den uns heute zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten
verwenden; sonst stehen wir einem verminderten Wirtschaftswachstum und
einer ansteigenden Arbeitslosenquote gegenüber. Die politischen Rückwirkungen einer solchen wirtschaftlichen Stagnation würden die Aufmerksamkeit
von den internationalen Schwierigkeiten ablenken und sie zugleich vermehren.
Kurz: wenn wir unsere Energieprobleme wirksam in den Griff bekommen
wollen, müssen wir eine Anpassung, ja sogar eine Einschränkung unserer
historischen Erwartung in Kauf nehmen. Wie wird die amerikanische Gesellschaft
auf diese Revolution der eingeschränkten Erwartungen antworten? Ich weiß es
nicht. Ich weiß jedoch, daß nur eine bewegliche und selbstbewußte Gesellschaft in der Lage sein wird, diese widrigen Probleme in den Griff zu bekommen, - ohne grundlegende Veränderung ihrer öffentlichen Insitutionen.

Und
- 11 -

�Und - ich komme auf meine einleitende Beschreibung der Herausforderungen
auf der internationalen Szene zurück - nur eine selbstbewußte Gesellschaft
kann auch weiterhin wirkungsvoll die internationale Verantwortung der
Vereinigten Staaten tragen.
Es gibt noch so viel mehr zu sagen.
einen grundlegenden Punkt hinweisen:

Aber ich möchte zum Abschluß auf

das Energieprogramm muß als Teil eines

viel umfassenderen strategischen Bildes angesehen werden.

Die Energie zwingt

uns, unsere Aufmerksamkeit auf neue Aspekte alter Machtrivalitäten zu lenken
und unsere Aufmerksamkeit neu auf Bereiche der Welt zu konzentrieren, die
außerhalb unserer überlieferten Belange liegen.
gewaltig.

Die Herausforderungen sind

Einerseits müssen wir unsere Volkswirtschaften rasch an die

Bedingung chronischer Knappheit bei der traditionellen Energieversorgung
anpassen;

andererseits müssen wir Umstände vermeiden, in denen unentbehrliche

Energievorräte unter die Herrschaft einer feindlichen Macht fallen.

Von

unserem Erfolg hängt das wirtschaftliche und politische überleben der
Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten ab - und womöglich der Freiheit
selbst.
Wir haben schon einmal solchen Herausforderungen gegenüber gestanden.
Nach dem II. Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten den Weitblick, ihre
Macht und ihr Prestige für die Stärkung Westeuropas einzusetzen. Durch
diese Tat wurden wirtschaftlicher Wiederaufstieg und Sicherheit erreicht.
Heute sind die Umstände und einige der Herausforderungen anders. Doch
einmal mehr werden wir unsere Macht und unser Prestige zur Stützung der
unabhängigen Staaten am Persischen Golf einzusetzen haben, um eine Bedrohung
von außen auszuschließen. Dies ist die unvermeidliche strategische Voraussetzung, um erfolgreich durch diese Periode des Übergangs im Energiebereich
zu gelangen.
Die Geschichte hat diese amerikanische Nation zu einer Supermacht
bestimmt, tatsächlich der einzigen großen Supermacht unter den freien

- 12 -

�freien Ländern.

Sollten die Vereinigten Staaten in dieser Verantwortung

versagen, würde es andere geben, die - obwohl um einiges weniger dafür
gerüstet - schnell bereit wären, die sich bietende Gelegenheit zu ergreifen mit dem sich daraus ergebenden Verlust unseres Vermächtnisses der Freiheit.
Wenn das amerikanische Volk es vorzieht, sich abzuwenden, wird die Geschichte
uns nicht vergeben.

+ + + + +

- 13 -

�Wirt/choft
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Embassy of the United States of America

34

22. August 1979

EG-EINFUHREN NACH USA BIS 1987 ZU 70 PROZENT ZOLLBEGONSTIGT
Eine Übersicht über die Auswirkungen der Ergebnisse der Tokio-Runde auf
die amerikanischen Einfuhren
- von unserem Korrespondenten Jon Schaffer -

WASHINGTON - (AD) - Als direkte Folge der Zollsenkungen, die in den
kürzlich abgeschlossenen Multilateralen Handelsverhandlungen der TokioRunde vereinbart wurden, dürften sich die Einfuhren der Vereinigten Staaten
an Industrieprodukten bis zum Jahre 1987 um rund fünf Prozent gegenüber dem
Stand von 1978 erhöhen, schätzen staatliche amerikanische Außenhandelsexperten.
Für sich allein genommen, werden die in Genf ausgehandelten Zollsenkungen mithin keinen sehr nachhaltigen Einfluß auf die Entwicklung des
amerikanischen Außenhandels ausüben. Dennoch rechnen die Experten damit,
daß die Zollsenkungen - in Verbindung mit den neuen Regelungen und Verfahrensweisen in bezug auf nicht-tarifäre Handelshindernisse - langfristig
die Wettbewerbsposition der USA bei verschiedenen Gütern erheblich verbessern

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�verbessern und somit eine Erhöhung des amerikanischen Anteils am Weltmarkt
nach sich ziehen werden.
Insgesamt erstrecken sich die Zollsenkungen bei Zugrundelegung des
Standes von 1976 auf US-Einfuhren an Industrieprodukten im Wert von 47,6
Milliarden Dollar.

Dies ergibt sich aus den neuen Zollisten und anderen

Materialien, die das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen soeben veröffentlicht hat.

Auf der Basis der Einfuhren von

1976 haben die Vereinigten Staaten eine Senkung ihrer Zölle im Durchschnitt
um etwa 31 Prozent zugesichert, was die Zollbelastung von Industrieprodukten
von 8,3 auf 5,7 Prozent verringern wird.

Die Zollsenkungen werden sich auf

rund zwei Drittel der amerikanischen Einfuhren von Industrieprodukten
erstrecken; von dem verbleibenden Drittel ist der größte Teil ohnehin zollfrei .
Rechnet man die den Entwicklungsländern gewährten Zollbefreiungen
hinzu, wird das Durchschnittsniveau der Zollbelastung auf die gesamten
amerikanischen Einfuhren an Industrieprodukten dank der Ergebnisse der
Multilateralen Verhandlungen von 6,1 Prozent auf 4,2 Prozent zurückgehen.
Bei den meisten Positionen werden die Senkungen, beginnend 1980, in acht
gleichen Schritten vorgenommen und damit 1987 voll wirksam werden.
Die Europäische Gemeinschaft hat zugesichert, ihre Zollsätze auf
Importe von Industrieerzeugnissen im gleichen Zeitraum von bisher 6,3
Prozent auf 4,6 Prozent durchschnittlich zu reduzieren.
-

Die Vereinigten Staaten sind ferner bereit, den Anteil an zollfreien
Einfuhren an Industrieprodukten von schätzungsweise 25 auf etwa 30 Prozent
zu erhöhen.
Alle genannten Ziffern berücksichtigten die mit den Industriestaaten
und rund 19 Entwicklungsländern getroffenen Vereinbarungen über Zoll Senkungen.

- 2 -

�Zollsenkungen.

Die Verhandlungen mit den Entwicklungsländern sind noch

nicht restlos abgeschlossen.

Nach Mitteilung des amerikanischen Handels-

ministeriums werden von den laufenden Zoll Verhandlungen mit Entwicklungsländern nur etwa 100 Zollpositionen aus einer Gesamtzahl von rund 6 000
berührt.

Die Zollsenkungen auf dem industriellen Sektor betreffen in erster
Linie Kraftfahrzeuge, elektronische Geräte für den Haushalt, Eisen und
Nichteisenmetalle, Textilien, chemische Grundstoffe, Gummi und plastische
Massen, Leder, Messerwaren und Tafelgeschirr, Büro- und Buchungsmaschinen,
nicht-elektrische Maschinen, elektrische Schwermaschinen und wissenschaftliche Instrumente.

Die für Entwicklungsländer wichtigsten Produkte, die von den amerikanischen
Zollsenkungen betroffen werden, sind:

Holzwaren einschließlich Papier,

chemische Grundstoffe, Maschinen, NE-Metalle, Eisen, Textilien und landwirtschaftliche Produkte.

Auf Sektoren, auf denen die Einfuhr von Produkten

aus Entwicklungsländern negative Auswirkungen auf die Beschäftigungslage
in den Vereinigten Staaten haben könnte - Schuhindustrie und Fernsehgerätebau - halten sich die amerikanischen Zollsenkungen in engen Grenzen.

Die Zölle auf Erzeugnisse des Fahrzeugbaus - Personen- und Lastkraftwagen, Busse und Fahrzeugteile - werden um über 20 Prozent auf ein Durchschnittsniveau von 2,6 Prozent sowohl bei den zollpflichtigen als auch bei
den Gesamteinfuhren gesenkt, wobei sich letztere 1976 auf über 7,3 Milliarden
Dollar bezifferten.

Auf dem Gebiet elektronischer Haushaltgeräte - ein-

schließlich Kühlschränke und andere Apparate -

sollen die Zoll Senkungen

sowohl auf die zollpflichtigen als auch auf die Gesamtimporte von 35,2
Prozent auf durchschnittlich 4,1 Prozent verringert werden.

Bei anderen

Gütern wie NE-Metallen und elektrischen Schwermaschinen stehen Senkungen
in der Größenordnung von 42 bzw. 41 Prozent der zollpflichtigen und der
Gesamteinfuhren in Aussicht, während bei Gütern wie Lederwaren einschließlich

- 3 -

�einschließlich Schuhe und Geldbörsen nur Zoll Senkungen in Höhe von 3,8
Prozent vorgesehen sind.
Was elektrische Schwermaschinen angeht, wird die Senkung der amerikanischen
Zölle von der Annahme des in den Multilateralen Handelsverhandlungen vereinbarten Kodex über staatliche Beschaffungskäufe durch die anderen Industriestaaten abhängig gemacht.
Auf dem Sektor der Ausrüstungen für die zivile Luft- und Raumfahrt
haben sich die Vereinigten Staaten und andere wichtige Industrienationen
darauf geeinigt, alle Zölle auf Zivilflugzeuge, Flugmotoren, Flugzeugteile
und Flugsimulatoren abzuschaffen.

Darüberhinaus kamen diese Länder überein,

Käufe für ihre nationalen Fluggesellschaften ausschließlich auf der Basis
von Preis, Qualität und Lieferzeiten zu treffen.
Die an den Genfer Verhandlungen der Tokio-Runde beteiligten Länder
sind ferner übereingekommen, daß gewisse Erzeugnisse, deren Einfuhr die
heimische Wirtschaft gefährden könnte, entweder zum Teil oder gänzlich
von der Zoll Senkung ausgenommen bleiben sollen. Ein Produkt wird dann als
die Wirtschaft des Importlandes gefährdend angesehen, wenn dieses zu der
Auffassung gelangt, schon eine geringfügige Verringerung der Zölle könne
eine große Zunahme der Einfuhr derselben nach sich ziehen und damit die
heimische Industrie ernsthaft schädigen.
Die in Genf vereinbarte generelle Zoll Senkungsformel wurde von den
Verhandlungsdelegationen als eine generelle Richtschnur angesehen, nicht
aber als ein rechtlich-verbindliches Dokument. Beispielsweise hätten
Zoll Senkungen gemäß der allgemeinen Formel auf dem Textilsektor zu einer
Verminderung der Einfuhrbelastung um 57 Prozent geführt. Die tatsächlichen
Zoll Senkungen, die die Vereinigsten Staaten auf diesem Sektor zugestanden
haben, führten jedoch zu einer Senkung um 21 Prozent. In ähnlicher Weise
haben die USA im Bereich der schutzbedürftigen Stahlindustrie geringere

- 4 -

�geringere Zoll Senkungen als die generellen Senkungen nach der allgemeinen
Formel in Höhe von 26 Prozent angeboten.

Auch andere Länder stellten

auf mehreren Bereichen Zollsenkungen in Aussicht, die unterhalb der
Senkungen gemäß der Allgemeinformel liegen.

Die Interessen importgefährdeter heimischer Industrien wurden auch
insofern berücksichtigt, als die Verwirklichung der Zollzugeständnisse in
mehreren Teilphasen erfolgen wird.

Die erste Zollsenkung bei Textilien

und Stahl soll in allen Ländern nicht vor dem Jahr 1982 vorgenommen werden.

Das Amt des Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen
veröffentlichte des weiteren Dokumente, die zeigen, welche Auswirkungen die
amerikanischen Zollsenkungen auf Entwicklungsländer haben werden.

Wie aus

diesem Amt hierzu verlautet, haben die Vereinigten Staaten den 19 Entwicklungsländern, mit denen die Verhandlungen inzwischen abgeschlossen werden konnten,
für spezifische Produkte Zoll Senkungen von annähernd 27 Prozent und im
Einzelfall sogar um bis zu 60 Prozent angeboten.

Obwohl sich die Agrarverhandlungen größtenteils auf die nicht-tarifären
Handelshindernisse erstreckten, werden die amerikanischen Ausfuhren an
Agrarprodukten - unter Ausschluß von Nahrungsmittel Zubereitungen, die zu
den Produkten der Fertigungsindustrie gerechnet werden - als Ergebnis der
vereinbarten Zollsenkungen um rund 11 Millionen Dollar zunehmen.

Die

Vereinigten Staaten haben gewichtete Senkungen der Agrarzölle um schätzungsweise 50 Prozent vereinbart.

Größere Zollsenkungen sind bei tierischen

Produkten vorgesehen, wobei die wichtigste Konzession eine 60 prozentige
Senkung der Zölle auf Schurwolle bester Qualität darstellt.

Die US-Zoll Senkungen im Bereich der Industrieerzeugnisse resultieren
im Endeffekt in einer Zollbefreiung solcher Waren aus den Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft.

Sie werden sich, nach Abschluß des stufen-

weisen Abbaus, wertgemäß auf 3,1 Milliarden Dollar gegenüber 2,2 Milliarden

- 5 -

�Milliarden Dollar im Jahre 1976 belaufen. Während 1976 rund 50 Prozent
der zollpflichtigen Einfuhren an Industrieerzeugnissen aus EG-Ländern mit
einer Zoll bei astung von weniger als 5 Prozent nach Amerika einströmten,
erhöht das Zollabkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen
Gemeinschaft deren Anteil auf 70 Prozent.
Amerika hat sich bereit erklärt, die Zölle auf Einfuhren aus EGLändern bei Industriechemikalien um 35 Prozent, bei Gummi und Platikmassen um 30 Prozent, bei Produkten aus Stein, Lehm oder Glas um 34 Prozent,
bei Eisen und Stahl um 26 Prozent und bei Erzeugnissen der Kraftfahrzeugindustrie um 25 Prozent zu reduzieren.

+ + + + +

- 6 -

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22. August 1979

34

BESSERE KONTROLLEN FÜR RISIKOCHEMIKALIEN GEFORDERT
Studie des Präsidialausschusses für toxische Substanzen -

- (AD) - Ergebnisse seiner zweijährigen Untersuchungen legte jetzt der
"Präsidiale Strategie-Ausschuß für Maßnahmen auf dem Gebiet der toxischen
Substanzen" in Form eines Berichtsentwurfes vor, zu dem Fachkreise und die
amerikanische Öffentlichkeit bis zum 30. September 1979 Stellung nehmen und
Änderungen vorschlagen können. Die Kommission, die 1977 von Präsident Carter
ins Leben gerufen wurde und der Vertreter von 18 Bundesbehörden angehören,
empfiehlt neue gesetzliche und andere bundesweite Aktionen, um das ständig
wachsende Problem der Entwicklung und Verwendung toxischer Chemikalien in
den Griff zu bekommen. An der Spitze des Ausschusses steht Gus Speth, der
neue Vorsitzende des Präsidialbeirats für Umweltqualität.
"Industriell hergestellte toxische Chemikalien sind in beachtlichem Umfang als Ursache von Erkrankungen und Todesfällen anzusehen", erklärt Speth.
Allein bei 20 - 38 Prozent der Krebserkrankungen werde als Ursache die Einwirkung karzinogener Substanzen am Arbeitsplatz angenommen.

Berufsbedingte

Risiken, zu denen auch die Arbeitsunfälle zählen, seien in den Vereinigten
Staaten für schätzungsweise 100 000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich zu
machen.

Der Bericht des Strategie-Ausschusses analysiere und bewerte zum

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�zum ersten Mal "systematisch die Probleme und Unzulänglichkeiten in den Forschungsbemühungen und Verordnungen des Bundes, ferner die von der Bundesregierung unternommenen Schritte zur Überwindung solcher Probleme sowie Empfehlungen für Verbesserungen."
Die mehr als zwei Dutzend Gesetze und Verordnungen, die den Umgang mit
toxischen Chemikalien regeln, seien vom Ansatz und Aufbau her gut und geben,
wie es in der Studie heißt, die Kompetenz zu einer fast vollständigen Überwachung bei einer Exposition mit toxischen Chemikalien.

In mindestens vier

Bereichen seien jedoch zusätzliche Gesetze erforderlich:
- mehr Befugnisse des Bundes auf dem Gebiet der Kosmetika;
- Säuberung stillgelegter und z.Zt. nicht benutzter Giftmülldeponien;
- Abbau der Schranken gegen den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und
vertraulichen Daten; und
- Bereitstellung von Bundesmitteln für eine verstärkte Teilnahme der
Öffentlichkeit an der Regelung des Umgangs mit toxischen Substanzen.
Außerdem wird hervorgehoben, daß das Problem der toxischen Chemikalien
sehr viel umfangreicher sei, als es den heute zur Verfügung stehenden Mitteln,
sich mit ihm auseinanderzusetzen entspreche. Es gebe Tausende von Substanzen,
die nicht unter die Gesetze fallen und dennoch auf ihre möglichen Umweltauswirkungen hin untersucht werden müßten. Und es gebe viele akute oder auch
chronische, sich langsam entwickelnde oder diffuse Schädigungen, die vielleicht
durch solche Umweltchemikalien verursacht werden und unter diesem Gesichtspunkt zu untersuchen seien. Die in den letzten Jahren unternommenen Anstrengungen zur Koordinierung und Verbesserung der Effektivität behördlicher Aktionen reichten noch nicht aus, um die für die Gesetze gesetzten Ziele zu erreichen. Nur mit direkten Regierungsverordnungen in bezug auf das Freisetzen
von möglicherweise gefährlichen Chemikalien und deren Einwirkung auf Mensch

- 2 -

�Mensch und Umwelt sei ein angemessener Schutz für die öffentliche Gesundheit
und die Umwelt zu erwarten.

Vorbeugung sei der Schlüssel, um Krankheiten

und Umweltprobleme, die durch toxische Chemikalien ausgelöst werden, unter
Kontrolle zu bekommen.

Die aufsichtführenden Behörden müßten bereits handeln

und eingreifen können, wenn Anzeichen für gefährliche Auswirkungen überzeugend
sind, jedoch noch keine gesicherten Beweise vorlägen.
Wichtige Empfehlungen der Kommission:
- Schaffung eines zentralen Datennetzes der Regierung, um einen schnellen
Zugang zu allen Arten von Informationen über chemische Substanzen zu gewährleisten.

Gegenwärtig sind entsprechende Informationen in mehr als 220 Daten-

systemen getrennt gespeichert.
- Abbau noch bestehender gesetzlicher und administrativer Barrieren gegen
den Austausch von Geschäftsgeheimnissen und anderen vertraulichen Informatonen
über toxische Substanzen - sowohl von Behörde zu Behörde als auch gegenüber
Kontraktnehmern des Bundes -, ohne dadurch eine angemessene Absicherung wirtschaftlicher Interessen zu beeinträchtigen.

Die Öffentlichkeit sollte eben-

falls mehr Zugang zu vertraulichen Daten über die Auswirkungen von Chemikalien
auf Gesundheit und Sicherheit erhalten.
- Verstärkte Forschung in Bundeslaboratorien auf kritischen Gebieten wie
Epidemiologie und Toxikologie.
- Bundesweit sollen die Möglichkeiten, bei Notfällen wie dem Freiwerden
giftiger Chemikalien oder dem Ausdringen von gefährlichen Substanzen in nicht
mehr benutzten Giftmülldeponien wirksam einzugreifen, durch umfassende neue
Kompetenzen umgehend verbessert werden, um z.B. das Säubern der Deponien und
die Finanzierung solcher Maßnahmen zu sichern.
Da es sich bei der Kontrolle toxischer Chemikalien um weltweite Probleme
handelt, wird den zuständigen amerikanischen Behörden empfohlen, sich um eine

- 3 -

�eine internationale Koordinierung praktischer Maßnahmen und besseren internationalen Informations- und Meinungsaustausch über die Toxizität von Substanzen zu bemühen.
Der Verband der chemischen Industrie der USA kritisierte den Berichtsentwurf der Kommission und forderte, daß "jede neue Regierungsinitiative auf
diesem Gebiet auf reale Bedürfnisse zugeschnitten sein muß und nicht in unnötige Aktionen und kostspielige neue Regierungsprogramme ausarten darf."

+ + + + +

�34

22. August 1979

BAKTERIEN MIT KOMPASS
Experimentelle Forschung kommt magnetischen Orientierungshilfen
in der Tierwelt auf der Spur
Von G. Weiss

- (AD) - Bei der Untersuchung von Schlammbakterien aus der Umgebung des
Ozeanographischen Forschungsinstituts Woods Hole im US-Bundesstaat Massachusetts
stieß Dr. Richard P. Blakemore (jetzt Staatsuniversität von New Hampshire) im
Jahr 1975 auf Mikroben, die bei der Fortbewegung eine bestimmte Richtung bevorzugen.

Man vermutete bald, daß es das erdmagnetische Feld sei, das dieses

Verhalten beeinflußt.

In der Folgezeit wurden im nordamerikanischen Raum wei-

tere Mikroorganismen mit dieser Eigenschaft entdeckt, und zwar sowohl in salzhaltigem Wasser als auch in Süßwasser.

Durch Experimente konnte dann Dr. Ad. Kalmijn vom Woods Hole-Institut
nachweisen, daß die Bakterien, die nur wenige Tausendstel Millimeter lang sind,
sich an einem Magnetfeld orientieren können und dies in Verbindung mit dem
erdmagnetischen Feld auch tatsächlich tun:
ein.

Sie halten stets die Nordrichtung

In den geographischen Breiten, wo bisher die Untersuchungen vorgenommen

wurden, ist dies gleichbedeutend damit, daß sie so ihren Weg nach unten in

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�in ihren Lebensbereich d.h. in Schlammgründe und Sedimente finden.

Denn die

vertikale Feldkomponente auf der Nordhalbkugel ist in diesen Breiten bereits
stärker als die horizontale.

Die eigene Schwere würde nicht ausreichen, um

die Bakterien rasch absinken zu lassen.

Bringt man sie in ein künstliches

Magnetfeld und polt dieses um, reagieren sie darauf sofort mit Bewegung in
der Gegenrichtung.

Dr. Blakemore vermochte eine solche Bakterienart zu iso-

lieren und in Reinkultur zu züchten.

Diese Mikroben gehören zur Gruppe der

Spirillen (Schraubenbakterien) und erhielten die Bezeichnung "MS-1" (MS für
"magnetotactic spirillum").
Ein Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in
Boston, Dr. Richard B. Frankel vom Francis-Bitter-Institut für Magnetforschung,
befaßte sich eingehend mit bisher bekannt gewordenen magnetischen Bakterien,
um herauszufinden, welcher Mechanismus wohl hinter der Nordorientierung stecke,
über die Ergebnisse seiner Arbeiten berichtete er kürzlich in einem Vortrag
in Washington.

Den Schlüssel für das Verhalten bilden, so Dr. Frankel, win-

zige Magnete im Bakterium.

Dabei handelt es sich, wie elektronenmikroskopische

Untersuchungen ergaben, um eine Kette von 22 (manchmal auch etwas mehr) Partikeln von mehr oder weniger kubischer Form, die ähnlich wie die Nadel eines
Kompasses funktionieren.

Sie bestehen aus Magnetit, einer Eisen-Sauerstoff-

Verbindung der chemischen Formel Fe^O,.
Jeder Magnetkristall hat eine Kantenlänge von etwa 500 Angström (1 8 =
1/10 000 000 mm), d.h. von fünf Hunderttausendstel Millimeter. Dies ist eine
kritische Größe, weil dann nämlich unter Raumtemperatur die magnetischen Eigenschaften am günstigsten sind. Wären die Partikel kleiner, würde bei Raumtemperatur die Wärmeenergie ihrer Umgebung ihre magnetische Orientierung verändern. Wären sie sehr viel größer, würden sie ihre Polarität verlieren.
Offenbar entwickelten diese Bakterien einen physiologischen Prozeß, mit
dem sie Magnetitpartikel der günstigsten Größe in der Zelle synthetisieren.
Diese ergeben den Kompaß mit der festen Orientierung, wobei sich der nach Norden weisende Pol an dem Ende befindet, das der zur Fortbewegung dienenden

�dienenden Geißel gegenüberliegt.

Mit Spannung wartet Frankel jetzt auf

Sedimentproben aus Südamerika, die möglicherweise Bakterien enthalten, welche ebenfalls magnetisch sind.

Wie werden sie sich auf der Nordhalbkugel

verhalten?
Chemische Analysen der Magnetbakterien aus Nordamerika ergaben, daß
sie eine um das Zehnfache höhere Eisenkonzentration besitzen als andere Bakterien.

Sie müssen demnach, so Dr. Frankel, ihren Kompaß aus Eisenionen

synthetisieren, die sie gewissermaßen in ihrer Umgebung zusammenkehren.

Wie

sie aber das Größenproblem für die Kristalle gelöst haben, ist unbekannt.
Das wiederum ist eine Frage, die jetzt die Elektronik-Industrie interessiert.
Weitere Entdeckungen auf diesem Gebiet, könnten vielleicht sogar für die Medizin von Bedeutung sein.
Nicht zuletzt aufgrund der Entdeckung magnetischer Bakterien erhielt
die Erforschung des Orientierungssinns der Vögel großen Auftrieb. Im Verlauf
des letzten Jahres wurde bekannt, daß Wissenschaftler an Universitäten in
New York und New Jersey im Kopf der Taube und im Hinterleib der Biene ein
"magnetisches Organ" gefunden hätten, das den Tieren die Orientierung im erdmagnetischen Feld ermögliche.

+ + + + +

- 3 -

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                    <text>Information
und
7H {l/iiWiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35
INHALT

DOKUMENTATION
Fernsehinterview mit Vizepräsident Mondale vor Beginn seiner China-Reise
- Auszüge Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten Walter F. Mondale in der
Universität von Peking
USA: Technische Kapazität der Entwicklungsländer muß verbessert werden
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Die Nation macht Ernst mit dem Sparen
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Erster Vorstoß einer Forschungssonde zum Planeten Saturn
- Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel InfraschalIwellen zeigen schwache Erdbeben an

Um Übcf/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
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Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

FERNSEHINTERVIEW MIT VIZEPRÄSIDENT MONDALE VOR BEGINN SEINER CHINA-REISE
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Vor Abflug zu seinem einwöchigen Besuch in China
erklärte der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale am 24. August 1979
in Washington, er hoffe auf Gespräche, die zu Fortschritten in einer ganzen
Reihe von Prob!einkreisen führen werden: neben Themen wirtschaftlicher und
kultureller Art sowie im Bereich von Wissenschaft und Technik sollen vor
allem das SALT II-Abkommen und das Problem der Vietnamflüchtlinge - das er
"eine der grausamsten Erscheinungen in der jüngeren Geschichte" nannte - zur
Sprache kommen.
Die entsprechenden Auszüge aus dem Interview mit der amerikanischen
Fernsehgesellschaft NBC haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Es sind Treffen mit den höchsten Vertretern Chinas geplant.

Was wollen Sie - außer freundschaftlichen Gesprächen - vor allem erreichen?
ANTWORT:

Es gibt eine ganze Reihe von Zielen, die wir auf dieser Reise

verfolgen und die die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
erweitern und vertiefen sollen. Viele davon liegen im wirtschaftlichen Be-

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Bereich - wie Handel, Geschäfts- und Kreditprobleme; andere auf kulturellem
Gebiet, wieder andere im wissenschaftlichen und technischen Bereich.

Wir

werden uns mit der ganzen Bandbreite dieser Fragen auseinandersetzen.
FRAGE:

Erwarten Sie die Ankündigung spezieller Vereinbarungen, die viel-

leicht im Verlauf Ihres Besuchs getroffen werden?
ANTWORT:

Ich glaube, wir werden Fortschritte machen, obwohl es schwer

ist, jetzt schon Genaues zu sagen.

Darf ich vielleicht eines anmerken?

Hat

man einmal mit der Normalisierung der Beziehungen zu einem Land begonnen
- was wir auf Präsident Carters Initiative hin in diesem Jahr getan haben -,
dann kann Normalisierung entweder ungeheuer viel oder aber auch so gut wie
gar nichts bedeuten.

Wir sind nunmehr mitten in dem schwierigen, aber sehr

wichtigen Prozeß der echten Normalisierung der Beziehungen, so daß die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten in rechtlicher Hinsicht
sowie hinsichtlich der Struktur denjenigen Beziehungen sehr ähnlich sein werden, die wir mit den anderen Großmächten der Welt unterhalten.

Hierum geht

es im Grund bei meiner Reise.
FRAGE:

Ich habe gehört, daß die Chinesen seit Beginn der Normalisierung

am 1. Januar dieses Jahres recht enttäuscht sind darüber, daß die Dinge auf
unserer Seite in Washington nicht schneller in Bewegung geraten:
abkommen zum Beispiel liegt noch nicht einmal dem Kongreß vor.

das HandelsHören Sie das-

selbe?
ANTWORT: Ich meine, wir haben gute Fortschritte gemacht. Die Normalisierung ist erst neun Monate alt. Wir haben klargestellt, daß wir die Meistbegünstigungsklausel und das Handelsabkommen noch in diesem Jahr dem Kongreß
vorlegen werden; außerdem noch eine ganze Reihe weiterer Punkte, mit denen
ich mich auf dieser Reise beschäftigen werde. Ich glaube, sie werden zufrieden sein.
FRAGE:

�FRAGE:

China hat Angst vor der Sowjetunion und die chinesische Führung

wünscht vielleicht die Zusicherung, daß wir es mit den Sowjets in Asien, rund
um die Welt, aufnehmen werden.

ANTWORT:

Wie werden Sie ihr diese Zusicherung geben?

Es steht außer Frage, daß neben unseren bilateralen Beziehungen

die internationalen Sicherheitsprobleme eines der Themen sind, die wir diskutieren werden.

Wir werden zweifellos SALT diskutieren; zweifellos auch wer-

den wir die strategische und militärische Position der Vereinigten Staaten
besprechen; wir werden die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen diskutieren,
und wir werden ganz einfach die Bilanz ziehen, die gekennzeichnet ist von
Standhaftigkeit, Zurückhaltung und unserer großen Sorge um Stabilität in Frieden auf dieser Welt, und wir werden das Interesse unterstreichen, das wir alle
daran haben.

FRAGE:

Und zweifellos werden wir all dies ausführlich besprechen.

Werden Sie ihnen berichten, daß Sie die Ratifizierung des SALT-

Abkommens durch den Senat erwarten?
ANTWORT:

FRAGE:

Ja - und ich glaube fest daran, daß es ratifiziert werden wird.

Nach Ihrem Besuch in China werden Sie nach Hongkong reisen, wo

eine große Zahl von Flüchtlingen aus Südostasien lebt.

Viele dieser Menschen

wurden zum Teil deshalb zu Flüchtlingen, weil China voriges Jahr Vietnam angriff.

Tut China alles, was es tun sollte, um diesen Menschen zu helfen?

ANTWORT:

Zunächst: obwohl wir die Invasion Chinas in Vietnam ablehnten,

glauben wir nicht daran, daß dies der Grund dafür war, daß diese Flüchtlinge
das Land verließen.

Wenn Menschen in ein Boot steigen und ihr Leben riskieren

- und es gibt Schätzungen, denen zufolge 30, 40, ja 50 Prozent tatsächlich
auf dem Meer sterben -, dann tun sie das aus Verzweiflung.
wegen seiner brutalen Vertreibungspolitik verurteilt.

Wir haben Vietnam

Sie ist eine der grau-

samsten Erscheinungen in der heutigen Welt und in der jüngeren Geschichte;
und so sehr wir auch gegen den Überfall Chinas auf Vietnam protestierten:
dies ist nicht der Grund.
Wir
- 3 -

�Wir reisen nach Hongkong, um zu versuchen, den angelaufenen Prozeß zu
beschleunigen, bei dem unser Land sich nach meinem Dafürhalten an die Spitze
gesetzt hat: meiner Meinung nach hat Präsident Carter dieses Problem klarer
erkannt als die meisten anderen Länder. Wir wollen helfen, sicherzustellen,
daß diese Flüchtlinge in Hongkong - und Hongkong ist nebenbei bemerkt sehr
großzügig bei der Aufnahme und der Versorgung der Flüchtlinge gewesen - durch
unsere Zusammenarbeit mit den dortigen Behörden hierher oder in andere Länder
gebracht werden können und diese kleine Insel dadurch etwas Entlastung erfährt.
FRAGE:

Wir haben normalisierte Beziehungen zu China. Würde es das

Flüchtlingsproblem Ihrer persönlichen Meinung nach entschärfen, wenn wir
unsere Beziehungen auch zu Vietnam normalisierten?
ANTWORT: Ich glaube nicht an einen solchen Zusammenhang. Es gibt keine
Entschuldigung für das, was Vietnam mit dieser grausamen und herzlosen Vertreibung von Tausenden und Abertausenden seiner eigenen Bürger tut. Und es
sind nicht nur die Bootsflüchtlinge, die Vietnam über das Meer verlassen.
Es gibt Tausende und Abertausende Menschen, die aus Kamputschea, wir nannten
es früher Kambodscha, fliehen, weil Vietnam durch die Invasion dieses Landes
den Versuch unternimmt, dieses Volk durch eine Marionettenregierung zu beherrschen.
FRAGE: Sind Sie nach der UN-Konferenz vorigen Monat in Genf, auf der
Sie den Präsidenten vertraten, damit zufrieden, daß die Welt im großen und
ganzen alles, was in ihrer Macht steht, für diese Flüchtlinge tut?
ANTWORT:

Ich kann nicht sagen, ob die Welt alles tut, was sie kann.

Aber ich glaube, sagen zu können, daß die zivilisierte Welt bei diesem Flüchtlingsproblem weit mehr tut

als sie bei vielen anderen Flüchtlingsproblemen

getan hat, von denen ich weiß.

Wir nehmen viele Tausende von Flüchtlingen in

den Vereinigten Staaten auf, und ich glaube, wir sind hier führend.
der ganzen Welt bringen wir Länder dazu, Flüchtlinge aufzunehmen.
- 4 -

Aber in
Gerade

�Gerade die ASEAN-Länder im asiatischen und pazifischen Raum arbeiten hervorragend und errichten jetzt Zwischenlager.
entgegenkommend gewesen.

Die Erstasyllander sind sehr

Ich denke, die Welt hat ziemlich gut auf dieses

Problem geantwortet.

+ + + + +

- 5 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

ANSPRACHE DES AMERIKANISCHEN VIZEPRÄSIDENTEN WALTER F. MONDALE
IN DER UNIVERSITÄT VON PEKING

PEKING - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale, der
sich zu einem einwöchigen Besuch in der Volkserepublik China aufhält, hat
am 27. August 1979 an der Universität von Peking eine Rede gehalten, die vom
chinesischen Fernsehen im ganzen Land ausgestrahlt wurde. Trotz der "grundlegenden Unterschiede" zwischen den beiden Ländern, so sagte der US-Vizepräsident, gebe es "viele parallele strategische und bilaterale Interessen".
Mondale wandte sich gegen eine Isolierung Chinas und wies darauf hin, daß
die Normalisierung der Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten
dabei helfe, diese Isolierung abzubauen, die auch den amerikanischen Interessen zuwiderlaufe.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Es ist eine Ehre für mich, zu Ihnen zu sprechen, und ich überbringe
Ihnen die herzlichen Grüße und die Freundschaft des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und des amerikanischen Volkes.

Für

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
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D5300 Bonn 2

�Für einen Amerikaner meiner Generation bedeutet ein Besuch der Volksrepublik China, den Pulsschlag der modernen politischen Geschichte zu fühlen.
Nahezu drei Jahrzehnte lang waren unsere beiden Länder voneinander isoliert.
Aber der althergebrachte Hunger nach Kommunikation vereint die Menschheit.
Er zwingt uns dazu, gemeinsame Grundlagen zu finden.
Vor tausend Jahren drückte es einer Ihrer Dichter so aus:

"Wir erweitern

unseren Gesichtskreis um dreihundert Meilen, wenn wir nur eine Treppe hinaufsteigen".

Wir steigen diese Treppe nun zusammen hinauf.

Jeden Tag nehmen wir eine andere Stufe.

Heute nachmittag habe ich das

Vorrecht, der erste amerikanische Politiker zu sein, der direkt zu den Bürgern
der Volksrepublik China spricht.
Und keine andere Kulisse hätte für diese Rede und für unsere Beziehung
symbolischer sein können als dieser Ort des Neubeginns.
modernen China kristallisiert sich in der Geschichte

Die Geschichte des

der Universität von

Peking und der anderen hervorragenden Institutionen, die Sie vertreten.

An

so gut wie jedem Wendepunkt im China des 20. Jahrhunderts war Bei-da (die
Universität) der Hebelpunkt.
Vor 60 Jahren begann hier die Bewegung des 4. Mai, die ein Zeitalter von
beispielloser geistiger Gärung einleitete.

Sie unternahm die Anstrengung,

die chinesische Kultur und Gesellschaft zu modernisieren.

Sie schuf eine neue

Grundlage, auf der sich östliche und westliche Kulturen trafen.

Und ihr

System des gegenseitigen Respekts stärkt heute unsere eigene kulturelle Zusammenarbeit.
Vor 44 Jahren war es dieser Ort, an dem die Bewegung vom 9. Dezember
eine ganze Studentengeneration dazu anspornte, äußerer Aggression zu widerstehen.

Und ihre Botschaft der Souveränität und des Nichtangriffs untermauert

heute unsere eigene politische Zusammenarbeit.
Und

�Und während China in die Zukunft blickt, sind es wiederum diese Universität und Ihre anderen Forschungszentren, die beim Vorstoß auf "die vier
Modernisierungen" vorangehen.

Und der enge Zusammenhang zwischen Ihren Ent-

wicklungszielen und unseren eigenen Interessen wird die Grundlage für unsere
fortdauernde wirtschaftliche Zusammenarbeit abgeben.
Heute befinden sich unsere beiden Länder an einem Schlüsselpunkt. Wir
haben unsere Beziehungen normalisiert. Der Vorhang hat sich geöffnet. Das
Dunkel hat sich gelichtet. Wir drängen darauf, mehr voneinander zu erfahren,
gegenseitig Anteil zu nehmen an den Ausformungen unseres täglichen Lebens und
die menschlichen Bande der Freundschaft zu schmieden.
Dies ist ein reicher Anfang.

Aber es ist nur ein Anfang.

Ein modernes China, das seinen Platz in der Völkerfamilie einnimmt, bemüht sich nicht nur um die Suche nach Freundschaft, sondern auch um die Suche
nach Sicherheit und Entwicklung. Und ein Amerika, das seine Beziehungen zu
China vertieft, tut dies nicht nur aus einem echten Gefühl heraus und nicht
nur aus naturgegebener Neugier. Amerika tut es aufgrund der gleichen Kombination von Prinzip und Eigeninteresse, die die Triebkraft ausgereifter Beziehungen zwischen allen modernen Staaten ist.
Unsere Aufgabe heute besteht darin, die Grundlage für eine dauerhafte
Beziehung morgen zu schaffen. Wir könnten diese Aufgabe nicht ohne unsere
Feundschaft bewältigen. Aber wir können sie auch nicht mit Freundschaft allein
vollenden.
Dies ist die Botschaft, die ich im Namen Präsident Carters dem Volk von
China bringe - eine Botschaft über Amerika, seine Absichten in der Welt und
unsere Hoffnungen hinsichtlich unserer Beziehungen zu Ihnen.
Geschichtlich sind die Amerikaner ein zuversichtliches Volk.
litik wurzelt in unseren Werten.

Unsere Po-

Wir pflegen unseren fundamentalen Glauben
- 3 -

�Glauben an die Menschenrechte, an das Mitgefühl und an die soziale Gerechtigkeit.
nalisiert.
lich.

Wir glauben, daß unser demokratisches System diese Werte institutioDie unseren Bürgern offenstehenden Möglichkeiten sind unvergleich-

Unsere Debatten sind lebhaft und offen.

Und die Gegensätze, die wir

unter uns austragen, gleichgültig, ob über strategische Nuklearpolitik oder
über Energie, sind Zeichen der dauerhaften Stärke unserer Gesellschaft.
Mein Land ist mit unübertroffenen natürlichen Ressourcen gesegnet.
dem haben wir ein unvergleichliches Arbeitspotential:
schaftler, Ingenieure, Industrielle und Finanzleute.

Außer-

Arbeiter, Bauern, WissenDurch ihren Einfalls-

reichtum sind wir in der Lage, unsere natürlichen Güter in Überfluß umzuformen - nicht nur für uns selbst, sondern für die Welt.
Natürlich stehen wir ungelösten Problemen gegenüber.

Aber die hohen

Ziele, die wir uns selbst setzen, und unsere Entschlossenheit, sie zu erreichen,
sind ein Maßstab für den Geist unserer Nation.

In diesem Streben, in diesem

ruhelosen Verfolgen eines besseren Lebens fühlen wir eine besondere Wesensverwandtschaft mit dem Volk des modernen China.
In der Weltgemeinschaft suchen die Vereinigten Staaten internationale
Stabilität und Frieden. Aber wir geben uns keinen Illusionen hin, was die
Hindernisse angeht, denen wir gegenüberstehen. Wir wissen, daß wir in einer
gefährlichen Welt leben. Und wir sind entschlossen, auch weiterhin militärisch vorbereitet zu sein. Wir passen unsere Verteidigungsmittel dem fortgeschrittensten technischen Wissen an, das es gibt. Wir haben in Europa und
in Asien Bündnisse geschmiedet, die mit jedem Jahr stärker werden. Gemeinsam mit unseren japanischen und westlichen Verbündeten werden wir sicherstellen, daß unsere Investition in Sicherheit der Aufgabe entspricht, den
Frieden zu sichern - wie wir dies seit 30 Jahren tun.
Aber wir wollen mehr sein als ein starker und zuverlässiger Partner im
Bereich der Weltpolitik.

Wir glauben auch an eine Welt der Vielfalt.

Hin-

sichtlich der chinesisch-amerikanischen Beziehungen bedeutet dies, daß wir

- 4 -

�wir die besonderen Eigenschaften respektieren, die das große chinesische
Volk zu unserer Beziehung beiträgt.

Und trotz der manchmal grundlegenden

Gegensätze zwischen unseren beiden Systemen verpflichten wir uns dazu, gemeinsam mit Ihnen unsere vielen parallelen strategischen und bilateralen
Interessen zu fördern.
Somit nimmt jedes Land, das darauf aus ist, Sie im Bereich der Weltpolitik zu schwächen oder zu isolieren, eine Haltung ein, die den amerikanischen Interessen zuwiderläuft. Aus diesem Grund haben die Vereinigten
Staaten die Beziehungen zu Ihrem Land normalisiert»und aus diesem Grund
müssen wir daran arbeiten, unsere neue Freundschaft zu vertiefen und zu
stärken.
Nunmehr müssen wir darauf drängen, unsere Beziehungen zu erweitern
und ihnen besondere Kennzeichen zu verleihen. Die grundlegenden Aufgaben,
denen wir gegenüberstehen, liegen in dem Aufbau konkreter politischer Bindungen im Kontext der gegenseitigen Sicherheit, in der Errichtung breiter
kultureller Beziehungen in einem Rahmen echter Gleichheit und in dem Schmieden praktischer wirtschaftlicher Bande mit dem Ziel des gemeinsamen Nutzens.
Während wir unsere gemeinsamen Interessen inhaltlich auffüllen, investieren wir in die Zukunft unserer Beziehung. Je wirkungsvoller wir unsere Tagesordnung voranbringen, je mehr Bande wir zwischen uns errichten, umso mehr
können wir darauf vertrauen, daß unsere Beziehung dauern wird.
Und so legt das, was wir heute erreichen, den Grundstein für das kommende Jahrzehnt.

Die achtziger Jahre werden Zeuge unserer Zusammenarbeit

und unserer Zusammenarbeit mit anderen Ländern, um die Weltprobleme anzugehen.

Bereicherung der Weltwirtschaft, Begrenzung internationaler Konflik-

te, Schutz der Unabhängigkeit von Staaten:

diese Ziele müssen auch aus der

Perspektive unserer bilateralen Beziehung heraus verfolgt werden.

Je tiefer

diese Beziehung ist, umso erfolgreicher wird dieses weltweite Streben sein.
Dies

�Dies sind die Themen, die mir Präsident Carter für meinen Besuch in
der Volksrepublik China mitgegeben hat. Dies ist diewesentliche Botschaft,
um deren Übermittlung mich Präsident Carter gebeten hat.

Es ist die Tages-

ordnung, die wir in Zukunft gemeinsam verfolgen.
In den acht Monaten seit der Normalisierung sind wir Zeuge einer raschen
Ausweitung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen geworden.
Wir haben ein Schulden- und Vermögensabkommen erzielt und ein Handelsabkommen unterzeichnet.

Der Handel zwischen unseren Ländern weitet sich aus.

Amerikanische öl gesell Schäften helfen Ihnen bei der Erschließung der ölreserven, die vor der Küste Chinas liegen.
Gemeinsame Kommissionen für chinesich-amerikanische Wirtschaftsbeziehungen sowie für wissenschaftlichen und technischen Austausch sind ins Leben gerufen worden.

Wir haben einen regen Austausch von Delegationen auf

Regierungsebene gehabt, einschließlich der Besuche zahlreicher Leiter unserer
entsprechenden Ministerien und Behörden.

Und der Besucherfluß zwischen un-

seren beiden Ländern erreicht neue Ausmaße.
Wir haben eine starke Antriebskraft zur Zusammenarbeit entwickelt. Gemeinsam sollten wir sie erhalten und stärken.
Denn ein starkes, sicheres und in der Modernisierung begriffenes China
liegt auch im amerikanischen Interesse in den nächsten zehn Jahren.
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft bietet Ihre ständige Weiterentwicklung nicht nur ein besseres Leben für das chinesische Volk.

Sie dient auch

unseren Interessen, denn Ihre Fortschritte auf dem Gebiet der Landwirtschaft
werden die begrenzten Nahrungsmittel Vorräte der Welt vergrößern.
Im Bereich des Handels wird unseren Interessen durch Ihre sich erweiternden Exporte an natürlichen Ressourcen und Industriegütern gedient.

- 6 -

Und

�Und gleichzeitig sind die Käufe, die Sie mit Hilfe dieser Exporte finanzieren können, Ihren Interessen dienlich.
Durch Ihre fortschreitende Industrialisierung bieten Sie Ihrer Bevölkerung einen höheren Lebensstandard . Und gleichzeitig wird dadurch auch unseren
Interessen gedient, denn eine solche Entwicklung wird den Handelsfluß stärken,
die Wohlstandslücke zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern
verengen und dazu beitragen, eine Hauptursache der weltweiten Instabilität
abzuschwächen.
Und was am wichtigsten ist:

Ihren und unseren politischen Interessen

wird durch Ihre wachsende Stärke auf allen Gebieten gedient, denn dies trägt
dazu bei, andere abzuschrecken, die sonst versuchen könnten, sich Ihnen aufzuzwingen.
Die Bemühungen in den zwanziger und dreißiger Jahren, China schwach
zu halten, haben die gesamte Welt destabilisiert. Viele Jahre lang stand
China im Scheinwerferlicht konkurrierender Großmachtpolitik. Ein zuversichtliches China jedoch kann zur Wahrung des Friedens in diesem Raum beitragen.
Heute bescheren die bisher einmaligen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen China, Japan und den Vereinigten Staaten Nordostasien internationale
Stabilität.
Deshalb ist eine Vertiefung unserer wirtschaftlichen, kulturellen und
politischen Beziehungen strategisch so wichtig - nicht nur für Ihre Sicherheit, sondern für den Frieden der gesamten Weltgemeinschaft.
Wir unternehmen gegenwärtig entscheidende Schritte, um unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen.
Erstens wird Präsident Carter noch vor Jahresende das mit Ihnen geschlossene Handelsabkommen dem Kongreß zur Billigung zuleiten.
kommen wird die Meistbegünstigung auf China ausdehnen.

- 7 -

Dieses Ab-

Seine Weiter!eitung

�Weiterleitung an den Kongreß ist mit keinerlei anderweitigen Auflagen verknüpft.
Zweitens werde ich ein Abkommen über die Entwicklung des hydroelektrischen Potentials der Volksrepublik China unterzeichnen.

Amerikanische Re-

gierungsstellen sind bereit, an der Erschließung der Wasserkräfte für Zwecke
der Stromerzeugung auf der Basis von Kompensationsgeschäften mitzuwirken.
Drittens sind die Vereinigten Staaten bereit, der Volksrepublik China
bei der Export-Import-Bank auf Fallbasis Kreditlinien in Gesamthöhe von zwei
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg zu eröffnen.
Läßt das Tempo der Entwicklung dies geboten erscheinen, sind wir bereit, weitere Kreditvorkehrungen ins Auge zu fassen.

Diesbezügliche Gespräche sind

bereits im Gange.
Viertens wird die Carter-Administration noch in diesem Jahr den Kongreß
um die Vollmacht ersuchen, amerikanischen Geschäftsleuten einen Anreiz zu
Investitionen in China zu bieten - in Gestalt von Garantien und einer Ausfall Versicherung bei der Staatlichen Gesellschaft für private Auslandsinvestitionen (Overseas Private Investment Corporation).
Wir sind ferner willens, uns gemeinsam mit der chinesischen Regierung
um ein möglichst rasches Zustandekommen eines Textil-, eines Schiffahrtsund eines Zivilluftfahrtabkommens zu bemühen.
Durch den Ausbau unserer kulturellen Beziehungen werden die Universitäten, wie in der Vergangenheit, wieder zu einem wichtigen Ort der Begegnung
zwischen Chinesen und Amerikanern werden.
Heute studieren tüchtige angehende Wissenschaftler aus China in Amerika
und amerikanische Wissenschaftler - von denen ich viele heute hier begrüßen
darf - studieren in China. Dieser Austausch erneuert das Erbe einer hochgeschätzten Tradition. An Universitäten im gesamten Gebiet der Vereinigten
Staaten beflügeln heute zahlreiche Amerikaner das geistige Leben, die in den
- 8 -

�den dreißiger und vierziger Jahren in China gelernt und gelehrt haben - keiner
von ihnen steht wohl in höherem Ansehen als Professor John K. Fairbank, der
uns die Ehre seiner Teilnahme an dieser Chinareise erweist.

Wir sind gleich-

zeitig stolz darauf, daß chinesische Wissenschaftler, die in Amerika Landwirtschaft, Technik und Medizin studiert haben, heute die Kenntnisse, die
sie sich in unserem Lande angeeignet haben, auf den Fortschritt der
chinesischen Gesellschaft verwenden können.

Wir sind dabei, wechselseitige Beziehungen - Beziehungen auf der Basis
echter Reziprozität - zu entwickeln.

Sie werden von uns mit vielen Aspekten

der Wissenschaft und Technologie vertraut gemacht.

Unsere Anthropologen

und Archäologen verfügen über Forschungstechniken, die sie Ihnen zur Erforschung Ihrer eigenen Vergangenheit gerne zur Verfügung stellen werden.
Amerikanische und chinesische Sozial- und Geisteswissenschaftler können sich
gegenseitig viele Einsichten vermitteln und ein besseres Verständnis für unsere jeweiligen Institutionen und Wertvorstellungen wecken.

Und so wollen wir, mit Ihrer Hilfe, unseren Horizont erweitern.
sische Forscher leisten auf vielen Schlüsselgebieten Pionierarbeit:

Chinevon der

Therapie von Hautverbrennungen bis zur Erdbebenvorhersage - und wir sind
willens, hier von Ihnen zu lernen.

Wo der wissenschaftliche Fortschritt eine

weltweite Zusammenarbeit erforderlich macht - auf den Gebieten der Astronomie, der Ozeanographie und der Meteorologie - werden unsere gemeinsamen Anstrengungen der ganzen Welt zugute kommen.

Unsere Sozial- und Geisteswissen-

schaftler haben kaum erst begonnen, sich mit Ihrem Verständnis der Geschichte,
des gesellschaftlichen Wandels und des Potentials des Menschen vertraut zu
machen.

Starke bilaterale Beziehungen dienen auch unseren strategischen Interessen,

über sie können unsere beiden Länder die Entstehung jener Art von

Weltgemeinschaft fördern, die wir anstreben - eine Welt, die Mannigfaltigkeit
respektiert und den konstruktiven Wandel begrüßt.
Es

- 9 -

�Es gibt heute auf der Erde 162 Länder, von denen die meisten arm sind.
80 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungsländern.

Tag für Tag

erheben Menschen in diesen Ländern ihr Haupt, um Unabhängigkeit und Gerechtigkeit zu fordern. Tag für

Tag stoßen Versuche von Machthabern, ihre Völ-

ker zu unterdrücken, auf wachsenden Widerstand.

Die Regierungen beginnen

mehr und mehr nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die grundlegende
Klugheit und Anständigkeit des Schutzes der Rechte ihres Volkes durch das
Gesetz zu begreifen.
Wenn die politische Macht in den Ländern gerechter verteilt wird, wenn
die Macht von einigen wenigen auf die Mehrzahl der Länder verteilt wird und
wenn ein Zeitalter des Kolonialismus dem einer gerechteren internationalen
Ordnung Platz macht - dann verdienen diese Veränderungen die Unterstützung
der ganzen Welt.
In den letzten Jahren standen die Vereinigten Staaten als die stärkste
Militär- und Wirtschaftsmacht der Erde vor einer grundlegenden Wahl: Sollten
wir uns gegen den Wind des Wandels stemmen und unsere nationale Sicherheit
durch Verteidigung des Status quo zu gewährleisten trachten? Sollten wir uns
mit einigen wenigen anderen Ländern in betrügerische Machenschaften mit dem
Ziel einlassen, die Welt zu beherrschen? Oder sollten wir den Wandel gutheißen, die erforderlichen Anpassungen vornehmen und bei der Gestaltung einer
gerechteren Weltordnung mithelfen?
Es darf keine Zweifel darüber geben, welche Wahl mein Land getroffen hat.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß jeder Versuch eines Landes,
ein anderes zu beherrschen, zum Scheitern verurteilt ist. Kein Land, das sich
ausschließlich auf ein wachsendes Waffenarsenal oder auf direkte oder indirekte
Interventionen verläßt, kann hoffen,seine Sicherheit langfristig wahren zu
können. Im Gegenteil: Länder, die diesen Kurs einschlagen, werden auf diese
Weise in eine immer stärkere Isolation geraten und umso anfälliger werden.
Nichts

- 10 -

�Nichts bezeugt unseren Glauben an diese Prinzipien deutlicher als die
Normalisierung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen.

Diese Normalisie-

rung signalisiert unser Bewußtsein, daß die amerikanische Sicherheit in den
vor uns liegenden Jahren nicht durch ein Festhalten am Status quo und nicht
durch betrügerische Machenschaften mit dem Ziel gewahrt werden kann, andere
zu beherrschen, sondern durch Förderung der Entstehung einer Welt aus unabhängigen Ländern, mit denen wir positive Beziehungen aufbauen können.

Das ist die Art von Weltgemeinschaft, die wir anstreben.

Unser Streben

gilt einer Vision der Mannigfaltigkeit, konstruktiverer Bindungen - und allem
voran des Friedens.

In einer Welt, die hofft, neue Energiequellen zu finden, ist der Frieden
von grundlegender Wichtigkeit. In einer Welt, die darauf bedacht ist, den Hunger und die Ungleichheit in der Verteilung des Wohlstands zu beseitigen, ist
ein weltweites Gleichgewicht von entscheidender Bedeutung.

In einer Welt, die

sich anschickt, ansteckende Krankheiten auszurotten und unsere Umwelt zu
schützen, ist die internationale Zusammenarbeit ein grundlegendes Gebot.

Der Idee, diesen Frieden zu erlangen, dieses Gleichgewicht zu wahren und
diese Zusammenarbeit weiterzuentwickeln fühlen sich die Vereinigten Staaten
voll und ganz verpflichtet.

Anläßlich des Besuchs des stellvertretenden Ministerpräsidenten Deng
und von Frau Zhuo in den Vereinigten Staaten im Januar, erklärte Präsident
Carter:

"Wir sind diese neuen Beziehungen nicht um irgendwelcher kurzfristi-

ger Gewinne willen eingegangen.

Wir haben uns langfristig einer Weltgemein-

schaft unterschiedlicher ... und unabhängiger Völker verschrieben.

Wir sind

überzeugt, daß ein starkes und sicheres China eine kooperative Rolle bei der
Entwicklung einer so gearteten Weltgemeinschaft spielen wird."

Lassen Sie mich diesen Punkt unterstreichen.

Jeder, der Amerika zu ver-

stehen sucht, wird zwangsläufig immer wieder auf die Idee der Mannigfaltigkeit

- 11 -

�Mannigfaltigkeit stoßen.

Die Vereinigten Staaten sind eine Nation aus Ein-

wanderern, die sämtliche ihre spezifischen Begabungen und Traditionen in unsere Gesellschaft eingebracht haben.
Das amerikanische Volk findet sein gemeinsames Erbe nicht in einer einzigen blutmäßigen Abstammung, nicht in Tausenden von Jahren einer gemeinsamen
nationalen Geschichte, sondern in der Gemeinsamkeit der Ideale. Wir glauben
zutiefst an die Mannigfaltigkeit, die uns formt.

Wir halten sehr viel von To-

leranz, vom Pluralismus und von gegenseitiger Achtung.
Wir beabsichtigen die gleichen Pinzipien auch in der Führung unserer
Außenpolitik in den achtziger Jahren zu befolgen.

Was die chinesisch-amerika-

nischen Beziehungen angeht, bedeutet das nicht, daß wir immer einer Meinung
sein werden.
In einer Welt aber, die die Vielfalt respektiert, können so unterschiedliche Länder wie die Vereinigten Staaten und China Seite an Seite auf die Erreichung gemeinsamer Ziele hinarbeiten.

Gemeinsam ist es uns möglich, unsere

beiden Kulturen gegenseitig zu befruchten, unsere beiden Volkswirtschaften
zu kräftigen und unseren beiden Völkern ein besseres Leben zu bieten.

Und

gemeinsam können wir mithelfen, die Weltgemeinschaft zu stabilisieren - indem
wir die Achtung vor der Vielfalt mehren und uns entschlossen jedem Versuch der
Intoleranz und Beherrschung anderer entschlossen widersetzen.
Im letzten Monat schlössen sich China und die Vereinigten Staaten vielen
anderen Nationen in Genf an, um sich der Qualen der indochinesischen Flüchtlinge anzunehmen.
jeder Beschreibung.

Die Ungeheuerlichkeit ihrer menschlichen Tragödie spottet
In einer Welt, die dieses Leiden zu mildern sucht - ein

Leiden, das die nationalen Grenzen überschreitet - ist der Weg
der Weg

des Gewissens

der gemeinsamen Sache.

Heute schaut die Welt auf uns. In gewissem Sinn erproben wir, ob ein
Industrieland und ein sich entwickelndes Land - jedes mit unterschiedlichen

- 12 -

�unterschiedlichen Traditionen, jedes mit unterschiedlichen Systemen - eine
breite, dauerhafte und konstruktive Beziehung errichten können.

Sicherlich

werden schwerwiegende Hindernisse zu überwinden sein. Aber wenn wir zusammenarbeiten können, werden es uns die kommenden Generationen danken.

Wenn wir

versagen, werden nicht nur unsere Kinder darunter leiden: die gesamte Welt
wird die Folgen fühlen.
Mannigfaltigkeit und Stabilität sind keine neuen Themen der chinesischamerikanischen Beziehungen. Einst sagte Präsident Roosevelt: "Es ist zum
Vorteil und nicht zum Nachteil der anderen Länder, wenn eine Nation stabil
und wohlhabend wird,; wenn sie in der Lage ist, innerhalb ihrer Grenzen den
Frieden zu bewahren und stark genug ist, zu keiner Aggression von außen zu
ermutigen. Wir hoffen von ganzem Herzen auf den Fortschritt in China. Und
soweit wir mit friedlichen und gesetzlichen Mitteln dazu in der Lage sind,
werden wir unseren Teil beitragen, um diesen Fortschritt zu unterstützen."
Vor drei Generationen war dies eine visionäre Einsicht, und die darauf
folgenden Ereignisse konnten die Erfüllung dieses Versprechens nur verzögern.
Lassen Sie uns mit dem Blick in die Zukunft beschließen, das Licht dieser Einsicht aufs neue zu entzünden.

+ + + + +

- 13 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

USA:

TECHNISCHE KAPAZITÄT DER ENTWICKLUNGSLÄNDER MUSS VERBESSERT WERDEN
- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz -

WIEN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation auf der
Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienst
der Entwicklung, Botschafter Theodore Hesburgh, hat am 20. August 1979
in Wien mit Nachdruck unterstrichen, daß die wissenschaftliche und technische
Kapazität der Entwicklungsländer verbessert werden müsse.
Seine Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Zu Recht wurde diese schöne Stadt an der Donau,Zeugin so vieler bedeutender geschichtlicher Erreignisse, zum Ort für die Gestaltung der
neuen Konturen unserer Zukunft gewählt. Denn über Jahrhunderte hinweg
war Wien ein Mittelpunkt der Kultur und weitreichender diplomatischer
Entscheidungen. Beim Gedanken an das Vergangene, an Schlachten und
Symphonien, an den Genius von Sigmund Freud, von Ignaz Semmelweiss, von
Konrad Lorenz, Ernst Mach und Lise Meitner erinnert Wien an die Wechselfälle der Zeiten und an die Vielseitigkeit des Menschen.
Heute

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�Heute ist diese Stadt eine der Hauptstädte des Systems der Vereinten
Nationen, Gastgeber für die Zentrale der Organisation der Vereinten Nationen
flir industrielle Entwicklung und für die Internationale Atomenergiebehörde.
Beide sind Symbole für die Möglichkeiten des Fortschritts, aber beide erinnern
uns zugleich an die Gefahren der Moderne.

Der Anstieg der Industrialisierung,

begleitet von ungewünschter Umweltverschmutzung, die friedliche Nutzung der
Atomenergie, verfolgt von den Gefahren der Kernkraft:

all das enthüllt nicht

nur die Möglichkeiten der Technik, sondern zugleich ihre negative Kehrseite.
Von daher kommt die Unsicherheit der Ergebnisse, der Doppelsinn der Versprechungen, aber auch die Notwendigkeit des hohen moralischen Anspruchs.
Und wieder war es hier in Wien, wo vor nur zwei Monaten mit der Unterzeichnung des SALT II-Abkommens ein neuer Beweis dafür erbracht wurde, daß
der Geist der Zusammenarbeit für den Frieden letztlich vielleicht doch über
das schreckliche Gespenst einer nuklearen Katastrophe die Oberhand behält.
Der Vertrag ist ein beredtes Zeugnis für die zentrale These unserer Zeit,
die den Menschen vor allem durch seine Verantwortung dem Mitmenschen und der
Geschichte gegenüber definiert. Es ist dies der menschlich-soziale
Imperativ des modernen Zeitalters.
Dieser Imperativ ist das einzige leitende Kriterium, mit dessen Hilfe
wir vielleicht die raschen, sich überschlagenden Fortschritte der Technik
beherrschen können, aber es ist auch der humane Imperativ, der diese Fortschritte möglich macht. Wissenschaft und Technik bedeuten Wissen und Macht,
die ihre wahre Bedeutung und Richtung im Leben der ganzen Menschheit finden
müssen.
Technischer Fortschritt ist mehr als eine Chronologie der Erfindungen.
Er muß ein Gesetz der menschlichen Vernunft in der Geschichte sein, eine
Darstellung des Traumbildes vom wahren Leben und die Wahl der wünschenswerten
Mittel, um zu ihm zu gelangen.
Die
- 2 -

�Die moderne Wissenschaft verändert das Bild, das der Mensch von sich
selbst hat.

Wir sehen uns nicht mehr länger als kleines Zahnrad in einer

Newtonschen Welt des Determinismus, in der die Rolle des Menschen reduziert
wird auf die eines Betrachters, im besten Fall eines Hinnehmenden, oft die
eines Opfers.

Wir sehen diese moderne Welt nicht als statisch, sondern

als fortwährend sich ändernd, eine Welt, in der der Mann und die Frau diese
Veränderung als frei und verantwortlich Handelnde beeinflussen.

Wissenschaft

und Technik sind zu einer ausgeprägt menschlichen Erfahrung geworden, zu
einem Abenteuer und einer Herausforderung, um eine bessere Welt zu schaffen.
Vor zehn Jahren flogen wir zum Mond. Der eigentliche Lohn für dieses
Unternehmen bestand nicht in dem, was wir auf der Mondoberfläche fanden,
sondern in dem Bild, das es uns von unserem eigenen Planeten gewährte. Aus
dieser fernen Perspektive konnten wir zum ersten Mal die feine Zerbrechlichkeit und Schönheit dieses Raumschiffs erkennen, das wie ein Edelstein aussieht und das wir Heimat nennen. Tatsächlich wissen wir jetzt, daß die Erde
aus der Ferne schöner ist als aus der Nähe.
Wissenschaft und Technik sind nicht die Garanten der Zivilisation, sie
bürgen nur für die Möglichkeit der Zivilisation.

Schnelle Autos oder Schnelle

Brüter, Synthetik und Kybernetik machen noch keine Zivilisation.

Wenn unsere

Existenz nicht über die Oberflächlichkeiten des Materialismus hinausgeht und
nicht zu einem sinn - und bedeutungsvollen Leben wird, werden Wissenschaft
und Technik keine Kennzeichen des Fortschritts, sondern nur äußerer Pomp
der Moderne sein.

Das Streben nach höchster wissenschaftlicher Leistung

muß auf der Verfolgung menschlicher Ziele gründen.
Aber können wir wirklich Zivilisation nennen, worin wir leben?
-

Wenn ein Viertel der Erdbevölkerung in elender Armut hungernd und
durch Unwissenheit untätig und dumpf dahinlebt?
Wenn

- 3 -

�-

Wenn allein in diesem Jahrhundert über 100 Millionen Menschen den
Kriegen zum Opfer gefallen sind?

-

Wenn heute noch Millionen ihrer elementaren Menschenrechte wegen
ihrer politischen Überzeugung, ihres religiösen Glaubens, ihres
ethnischen Ursprungs oder ihrer wirtschaftlichen Lage beraubt sind?

-

Wenn technischer Fortschritt oft genug in vielen Gesellschaften nur
eine neue Form der Unterdrückung der Frau bedeutet?

Heute steht die Welt an vielen Fronten kritischem Mangel gegenüber.
Wir leben unter der immer wiederkehrenden Drohung der weltweiten Energiekrise,
der Erschöpfung unserer nicht erneuerungsfähigen Energievorräte und der
Plünderung unserer Umwelt.

Unser Ökosystem ist durch ein dramatisches

Bevölkerungswachstum belastet, unsere Sicherheit durch das andauernde Wettrüsten gefährdet und unser Wohlergehen durch Inflation und Währungschaos in
Frage gestellt.
Bedeutet dies, daß wir die Grenzen unseres Wachstums erreicht haben?
Haben wir tatsächlich die Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik zum
Wohl der Menschheit erschöpft oder ist nur unser Geist erschöpft? Ich hoffe,
daß diese Konferenz lebendiges Zeugnis davon ablegen wird, daß weder unser
Wissen noch unser Geist erschöpft sind und daß wir unsere kollektive Verwundbarkeit umwandeln können in eine Welt der wechselseitigen Abhängigkeit,
eine Welt der Interdependenz von Nationen und der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem Menschen und seinem Ökosystem.
Ja, wir leben in einer unvollkommenen Welt, und die Weltwirtschaft
arbeitet nicht so gut, wie sie es sowohl für die armen als auch für die
reichen Länder sollte.

- 4 -

�Das System der weltweiten technischen Erfindungen, ihrer Weitergabe
und ihrer Verwendung läßt in seinen Grundstrukturen den Zusammenhang vermissen, der den Großteil der Weltbevölkerung einschließt und ihm nützt.
Wir haben die rechte Mischung aus höchster wissenschaftlicher Leistung
und benötigten Technologien noch nicht gefunden.

Angesichts des ungeheuren

Potentials der Dritten Welt ist es unsinnig, daß ungefähr 95 Prozent aller
Forschung und Entwicklung in der industrialisierten Welt durchgeführt wird.
Noch tragischer ist, daß nur ein Prozent der weltweiten Forschung und
Entwicklung auf den Gebieten der Gesundheit, der Landwirtschaft, des Wohungsbau und der industriellen Technik für die Bedürfnisse der armen Hälfte der
Bevölkerung dieser Erde verwendet wird. Länder geben sechsmal mehr für die
militärische Forschung als für die Forschung im Energiebereich aus. Sogar
die meisten Entwicklungsländer geben mehr für Waffen als für Gesundheit
und Erziehung aus.
Es ist eine unvollkommene Welt, in der Wissenschaftler und Techniker
der Entwicklungsländer nicht an den letzten und besten, den wirtschaftlichsten
und angemessensten Technologien teilhaben. Es ist eine schreckliche Verschwendung, daß Millionen von Analphabeten und Unausgebildeten nicht an
unserem technischen Fortschritt teilhaben können - sei es als Empfänger oder
als Schöpfer neuer Erfindungen, um ihr Leben zu verbessern.
Es ist eine unzulängliche Weltwirtschaftsordnung, die keinen umfassenden
Nutzen aus der kraftvollen und dynamischen Rolle der internationalen
Geschäftswelt und Industrie zieht und die noch immer nicht das richtige
Gleichgewicht zwischen den Interessen des Privatunternehmens und den
Entwicklungsländern gefunden hat.
Genauso wie die moderne Wissenschaft das Bild des Menschen von sich
selbst ändert, so ändern sich die neuen Beziehungen zwischen den Nationen,

- 5 -

�Nationen, zwischen Nord und Süd, und ändern unsere Vorstellung von globalen
und nationalen Interessen.

Dieser Wandel ist gesund, dieser Wandel ist gut,

und wir brauchen ihn nicht zu fürchten. Wie unser Außenminister, Cyrus Vance,
sagte: "Wir dürfen uns nicht durch den Mythos verleiten lassen, zu glauben,
daß wir nur den Radikalismus ermuntern, wenn wir den Wandel ermutigen oder mit
den Kräften des Wandels verkehren." Wir wollen diesen Wandel ermutigen "mit
einer positiven, langfristigen Strategie gegenüber der Dritten Welt", um noch
einmal den Außenminister zu zitieren. Lassen Sie uns deshalb diesen Dialog
für den Wandel auf dieser Konferenz fortführen.
Erstens müssen wir darauf hinarbeiten, die Industrieländer empfänglicher
zu machen für die Wünsche der Entwicklungsländer, damit die Fortschritte in
Wissenschaft und Technik im Norden dem Süden größeren Nutzen bringen.
Zweitens müssen wir die Beteiligung und den Anteil der Entwicklungsländer
an der Weltwirtschaftsordnung ausweiten, darin eingeschlossen den weltweiten
Technologieumlauf.
Drittens müssen wir eine ausgeglichenere Beziehung

zwischen den Ent-

wicklungsländern und der internationalen Privatwirtschaft schaffen, so daß
beim weltweiten Technologietransfer das Interesse auf beiden Seiten wächst.
Die Aufgabe dieser Konferenz besteht nicht darin, die Irrtümer der Vergangenheit aufzuzählen, sondern Wissenschaft und Technik in das Gewebe der
Zukunft einzuflechten, in das Gewebe der Entwicklung. Wir brauchen Zusammenarbeit, nicht Zusammenstoß.
Die Frage lautet nicht, ob wir etwas tun sollen, sondern wie wir es erreichen sollen.
Wie können wir den Ideenreichtum und die Energien der wissenschaftlichen
Gemeinschaft am besten mobilisieren, um neue große Anstrengungen zur Beseitigung der schlimmsten Aspekte der Armut bis zum Jahr 2000 zu unternehmen?
Welche
- 6 -

�Welche Art der Zusammenarbeit kann die Kapazitäten auf dem Gebiet der
Wissenschaft und Technik in den jeweiligen Entwicklungsländern heranbilden,
ohne die es dort niemals eigenständiges Wachstum und unabhängigen Fortschritt
gibt?
Wie können wir das gegenwärtige Ungleichgewicht auf dem weltweiten Technologiemarkt berichtigen, damit die Entwicklungsländer auswählen können, was
sie brauchen, und ablehnen können, was sie in diesem internationalen Supermarkt der Produkte und Verfahren nicht benötigen?
Wie können wir die wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit am
ehesten stärken, um den weltweiten Druck auf die Wasser- und NahrungsmittelVersorgung, auf Energiequellen und Rohstoffe zu vermindern und um wirksam
mit den Problemen des Bevölkerungswachstums und der Zerstörung der Umwelt
fertigzuwerden?
Keine dieser Herausforderungen kann durch ein einzelnes Land allein angenommen werden. Aber was wir einzeln und gemeinsam für die Entwicklung der
Wissenschaft und der Technik und mit Hilfe von Wissenschaft und Technik für
die Entwicklung getan haben, ist ein guter Anfang.
Während der letzten 30 Jahre haben zum Beispiel die Vereinigten Staaten
mehr als 100 Milliarden Dollar zur Entwicklungshilfe beigetragen.

In diesem

Jahr ist unsere Hilfe auf nahezu sieben Milliarden Dollar angestiegen.

Dabei

enthält unsere Auslandshilfe immer auch in irgendeiner Form unseren Anteil
an wissenschaftlichen Erkenntnissen, technologischen Kenntnissen und technischen Produkten.
Den Kern der amerikanischen Zusammenarbeit bildet auch weiterhin die
Anwendung des technologischen know-how zur Erhöhung der Nahrungsmittel Produktion in den Entwicklungsländern.
Wir
- 7 -

�Wir beabsichtigen, im Verlauf der nächsten fünf Jahre umfangreiche und
echte Erhöhungen unseres Beitrags an die Konsultativgruppe für internationale
Landwirtschaftsforschung vorzunehmen.

Und wir laden andere Länder dazu ein,

sich uns bei dieser Anstrengung anzuschließen.
80 Prozent unserer Entwicklungshilfe gehen in Länder mit einem Pro-KopfEinkommen von unter 300 Dollar pro Jahr, um den Bevölkerungsmassen breiteren
Zugang zu Produktionstechniken, Gesundheitsvorsorge, Familienplanung und
Elementarerziehung zu geben.
Um die wissenschaftliche und technische Infrastruktur in den Entwicklungs
ländern zu stärken, unterstützen wir weit über 100 Universitäten und mehr als
300 Berufsschulen.

Jedes Jahr helfen wir Zehntausenden von Menschen in den

Entwicklungsländern, um in weiterbildenden Schulen in den Vereinigten Staaten
und in Drittländern zu studieren.
Wir teilen jetzt und auch weiterhin mit den Entwicklungsländern die Fortschritte, die wir bei unseren anspruchsvollsten Technologien machen, wie zum
Beispiel:
- Die Vereinigten Staaten beabsichtigen die Investition von 24 Millionen
Dollar in ein neues Sechsjahresprogramm zur Untersuchung der Wirksamkeit von
Satelliten als Mittel für Sendungen über Erziehung und zur verbesserten Kommunikation in abgelegenen, ländlichen Gebieten.
- Die Vereinigten Staaten werden die Initiative ergreifen, um zum Zweck
der Entwicklung einers internationalen Systems die Hersteller und die Abnehmer von Beobachtungssatelliten zusammenzubringen. Wir sind der Meinung, daß
Satelliten auf eine Weise betrieben werden sollten, die allen Interessierten
einen leichten Zugang zu den Daten ermöglicht und die eine Datensammlung ohne
unnötige Wiederholungen und zum höchstmöglichen gegenseitigen Nutzen zuläßt.
Die Absicht dabei ist, sicherzustellen, daß die Entwicklungsländer ihren Zugang zu Informationen über die Verwendung und Bewirtschaftung von Wäldern,
- 8 -

�Wäldern, Weideland, Wasserversorgung, Bodenerhaltung und das Auffinden neuer
Mineralien und Wasserquellen verbessern.

- Die Vereinigten Staaten weiten ihre Hilfe im Bereich der erneuerungsfähigen Energiequellen deutlich aus und arbeiten an kooperativen Methoden zur
Anwendung fortgeschrittener Technologien, einschließlich der Solartechnik,
für die Energiebedürfnisse der Entwicklungsländer.

Bei der Anwendung von Wissenschaft und Technik in der Entwicklung kann
jedoch ausländische Hilfe kein Ersatz für Eigeninitiative sein.

Mangelhaft

ernährte und kranke Menschen ohne Heim und ohne Arbeitsplatz brauchen keine
väterlichen Zusprüche.

Sie brauchen Werkzeug und Handwerk, Kapital und Ge-

legenheit, Hilfe zur Selbsthilfe, um ihre eigenen elementaren Bedürfnisse befriedigen zu können.
Der Ausbau der Kapazitäten und der Infrastruktur im Bereich der Wissenschaft und Technik in den Entwicklungsländern muß der erste entscheidende
Schritt sein, um die schlimmsten Aspekte der Arm,ut zu beseitigen und um die
Entwicklungsländer zu einem echten Partner bei diesem weltweiten wissenschaftlichen und technischen Unternehmen zu machen.

Erziehung auf allen Ebenen steht

im Mittelpunkt der menschlichen Entwicklung und ist der Schlüssel zu höherer
Lebensqualität.

Deshalb haben wir bei der Verstärkung der örtlichen wissenschaftlichen
und technischen Infrastrukturen geholfen, bei Programmen zur unternehmerischen,
technischen und allgemeinbildenden Erziehung, bei Forschungsinstituten, bei
Tätigkeiten im Bereich der Standardisierung, bei der landwirtschaftlichen Beratung und auf dem Informationsgebiet, bei der Laborversorgung, bei Ausrüstungszentren und Ausbildungsaufgaben.

Der technische Beistand und der Export von Sachverständigenwissen muß
sich auf die einheimische Fähigkeit stützen können, um Probleme auszumachen
und um Prioritäten zu setzen.
Um
- 9-

�0

Um auf die Herausforderung der Bildung einer solchen eigenen Kapazität
zu antworten, errichten wir auf die persönliche Initiative Präsident Carters
hin ein neues Institut für wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit.
Die wichtigsten Funktionen des Instituts umfassen:
- Gewinnung des Beistands der Entwicklungsländer bei der Erstellung
einer Dringlichkeitsliste in Forschung und Entwicklung.
- Langzeitforschung und -entwicklung bei schwierigen Entwicklungsproblemen.
- Aufbau internationaler Verbindungen der Zusammenarbeit innerhalb der
wissenschaftlichen und technischen Gemeinschaft.
- Mobilisierung der Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten verschiedener öffentlicher und privater Unternehmen in den Vereinigten Staaten.
- Förderung des Interesses amerikanischer wissenschaftlicher und technischer Institutionen an gemeinsamer Forschung, Ausbildung und anderen kooperativen Tätigkeiten.
- Einbeziehung des Privatsektors der Vereinigten Staaten in die Anstrengungen zur Verbesserung von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung.
Wir können nicht im Ernst über gerechtere und ausgeglichenere Muster
der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit nachdenken, solange
die Entwicklungsländer nicht die Macht des wissenschaftlichen Wissens und
der wissenschaftlichen Information besitzen. Beträchtliche Mengen an Information, im öffentlichen Bereich angesiedelt, stehen den Entwicklungsländern
bereits zur Verfügung. Zudem steht ein großer Teil des technischen Wissens
privaten Sektoren durch öffentliche Informationssysteme zur Verfügung, die
dieses Wissen beschreiben, oder durch die Quellen, bei denen solches technisches Wissen erhältlich ist.
Aber
- 10 -

�Aber wir sollten nicht so tun, als sei auf dem internationalen Technologiemarkt alles in bester Ordnung.

Technisches Wissen wird oft genug als

ein Produkt verkauft, das sich diejenigen am wenigsten leisten können, die
es am dringendsten benötigen,

übertragene Technologie entspricht häufig nicht

den Bedürfnissen vor Ort, ist unrentabel und unempfindlich gegenüber den Auswirkungen auf die Umwelt.
Eine solche Weitergabe von technischem Wissen ist ein schlechtes Geschäft.
Aber gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß die Privatwirtschaft schon
immer eine bedeutende Quelle der Erneuerung gewesen ist, ein wichtiger Partner
bei der Verbreitung von technischem Wissen und ein unabdingbarer Faktor des
Wirtschaftswachstums in den Entwicklungsländern. Deshalb müssen wir unseren
Dialog über eine lange Reihe von Maßnahmen fortsetzen, die die Verhandlungsfähigkeit der Entwicklungsländer bei ihrem Erwerb ausländischer Technologie
vergrößert und ihre Teilnahme am Technologiemarkt nicht nur als Verbraucher,
sondern auch als Anbieter verstärkt.
Durch neue Initiativen und fortgesetzte Programme müssen wir auf dieser
Konferenz und in den kommenden Jahren neue Bereiche und neue Mechanismen der
Zusammenarbeit finden. In seiner Grußadresse an diese Konferenz sprach Präsident Carter von Wissenschaft und Technik im Dienst der Entwicklung als einem
"gemeinsamen Unternehmen". Die erschreckenden Herausforderungen, denen wir
alle, Industrieländer ebenso wie Entwicklungsländer, gegenüberstehen, machen
dieses gemeinsame Unternehmen zu einem weltweiten Gebot. Deshalb begrüßen
die Vereinigten Staaten die Erklärung von Bukarest, in der die Entwicklungsländer erneut ihre Bereitwilligkeit bestätigten, im Wissen um die Dringlichkeit auf die Gewährleistung eines Erfolgs dieser Konferenz hinzuarbeiten.
Wir bewohnen einen Planeten mit begrenzten Vorräten, mit einer einzigen
ükosphäre und mit einem gemeinsamen Schicksal. In dieser Welt der wechselseitigen Abhängigkeit sind wir alle Entwicklungsländer. Die Unterschiede
zwischen dem Norden und dem Süden, zwischen dem Osten und dem Westen sind gering im Vergleich zu der Ungeheuerlichkeit der gemeinsamen Aufgaben, vor
denen die Menschheit steht.
Deshalb
- 11 -

�Deshalb sind wir bereit, bei vernünftigen Unternehmen mitzuarbeiten,
die die weltweite wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit stärken.
Wir glauben fest daran, daß dies eine gemeinsame Anstrengung sein wird, bei
der weltumfassende Werte die Organisationsprinzipien für Forschung und Entwicklung sind, bei der der Wert des Wissens und der technischen Produkte gemessen wird an ihrem Beitrag zu den umfassenderen Sorgen über das menschliche
Wohlergehen.
Wissenschaft und Technik sollten neue Grenzen eröffnen und neue Möglichkeiten um sich an allem zu erfreuen, was die Schönheit und die grenzenlosen
Elemente dieses Planeten Erde bieten.
Unsere Generation muß der Garant dieses neuen Morgen sein.

Es ist unsere

Aufgabe, in dieses neue Zeitalter einzuführen, den Boden zu bereiten und den
Samen zu säen, der reiche Früchte tragen wird.
dreifache sein:

Und unsere Ernte wird eine

ein neues Reich der Vernunft, ein neues Reich der Wirklich-

keit und ein neues Reich der Rechte.
Lassen Sie uns dieses Reich der Vernunft errichten. Denn bei den Anstrengungen, die wir unternehmen, kann es nicht darum gehen, daß die Gewinne
jener, die Gleichheit und Gleichberechtigung suchen, gleichzeitig als Verlust
derjenigen verzeichnet werden, die derzeit mehr besitzen. In diesem Reich
können wir den Lehrsatz vom gegenseitigen Nutzen beweisen, daß nämlich Fortschritte in einem Teil der Welt zum Nutzen aller andern sind.
Lassen Sie uns das Reich der Wirklichkeit anerkennen. Diese Wirklichkeit zwingt uns, uns der kommenden Krisen der Weltgemeinschaft bewußt zu
werden. Mögen auch unsere materiellen Vorräte schwinden, unsere überkommenen
Energiequellen versiegen, es gibt eine unerschöpfliche und stets erneuerungsfähige Quelle: unseren Erfindungsreichtum, unsere Vorstellungskraft, unser
Wissen und unsere Technik - und vor allem unser menschliches Streben, das
all dies in eine neue Welt verwandeln kann.

Und
- 12 -

�Und lassen Sie uns mit Hilfe von Wissenschaft und Technik ein neues
Reich der Menschenrechte erschaffen:
- in dem der internationale Geist der Zusammenarbeit die Grundrechte in
den Mittelpunkt unserer Tagesordnung für das 21. Jahrhundert stellt;
- dessen Merkmal die Freiheit ist, dessen Eckpfeiler die Gleichberechtigung von Mann und Frau und dessen Kennwort die Gerechtigkeit;
- in dem Wohltaten, die aus den Vorratsschätzen dieser Erde kommen, keinen
besonderen Nutznießer kennen und sie nicht durch irgendeine nationale Grenze
eingeschränkt werden, solange noch irgendwo Menschen in Not sind.
Deshalb, Frau Präsident, lassen Sie uns unser Morgen zu einer Welt des
Teilhabens machen, in der die Freiheit des Forschens und des Schaffens sowie
die Möglichkeit, die Früchte unserer Arbeit zu teilen, zu den wirklichen Kennzeichen der Zivilisation werden.

- 13 -

�(Kl-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. August 1979

35

DIE NATION MACHT ERNST MIT DEM SPAREN
- Amerika senkt den Energieverbrauch Von unserem Korrespondenten James Füller

- (AD) - Die Gewohnheiten des Energieverbrauchs haben sich in den USA
nach dem ülembargo von 1973/74 entscheidend geändert.

Häuser werden heute

anders gebaut und beheizt, neue Automodelle unter dem Gesichtspunkt der
höchstmöglichen Kraftstoff-Wirtschaftlichkeit konstruiert (von Hybrid-Fahrzeugen und Elektroautos einmal ganz abgesehen), und die Industrie wägt unter
dem Gesichtspunkt des Energieverbrauchs sehr genau ab, was und wie sie produziert.
Wie kürzlich Elliot Estes, der Präsident des größten amerikanischen
Automobilkonzerns General Motors bekannte, zwinge die Öffentlichkeit die
Autoindustrie geradezu, ihre Produktion von Benzinschluckern auf wirtschaftliche Autos umzustellen.

Die Industrie habe "eine harte Lektion erhalten"

und werde sie so bald nicht vergessen.
Regierungsstellen gehen auf allen nur erdenklichen Gebieten beim Energiesparen mit gutem Beispiel voran:

In der Zeitspanne 1977/78, in der der Ge-

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�Gesamtenergieverbrauch der USA um 7,4 Prozent anstieg, verringerten sie
- der riesige Militärapparat eingeschlossen - ihren Verbrauch um 3,7 Prozent.
Allein diese Einsparquote würde ausreichen, um "mehr als eine Million Eigenheime ein Jahr lang zu beheizen", wie ein Sprecher des US-Energieministeriums
erklärt.
Mehr Forschung soll die Situation verbessern helfen.

Während 1973 für

Energie-Forschungsprojekte staatliche Mittel in Höhe von 479 Millionen
Dollar bewilligt wurden, erreichte dieser Posten im letzten Finanzjahr 3,5
Milliarden Dollar.

Weitere Erhöhungen sind für das nächste Haushaltjahr

vorgesehen.
Die Verwaltungen einer Reihe von Großstädten zeigen sich sehr aktiv.
Da ist z.B. New York, dessen Stadtrat jetzt Sparmaßnahmen empfahl, die die
jährliche Stromrechnung von 101 000 Dollar auf 75 000 reduziert. Da ist
Boston, wo die Stromrechnungen für den Verbrauch allein im Rathaus seit 1976
um 16 000 Dollar zurückgingen. Und in Seattle (Bundesstaat Washington an
der Westküste) suchen die Versorgungsbetriebe gemeinsam mit mittleren und
kleinen Unternehmen intensiv nach Möglichkeiten, mehr Wasserkraft einzusetzen anstatt die Kapazität der ölheizkraftwerke auszuweiten.
Was Energiesparen finanziell bedeuten kann, zeigt die Entwicklung
der Preise: Sie stiegen seit 1973 für Kleinverbraucher bei Erdgas um mehr
als das Doppelte, bei Strom um zwei Drittel und für Heizöl für das Einfamilienhaus um 65 Prozent an. Eine Studie des Kongreßamtes für TechnologieBewertung (0TA) hebt hervor, daß der Energieverbrauch privater Haushalte,
der in den sechziger Jahren um durchschnittlich 4,6 Prozent im Jahr anstieg,
seit den frühen siebziger Jahren auf 2,6 Prozent Zuwachsrate zurückgegangen
sei.
Die Privatwirtschaft erweist sich als einfallsreich.

Da gewähren

Banken in Colorado beim Neukauf von Wagen, die im Stadtverkehr nicht mehr
als 11 Liter Benzin verbrauchen, auf Kredite zwei Prozent Zinsnachlaß, und

- 2 -

�und bei Maßnahmen zur besseren Isolierung von Häusern und bei anderen energiesparende Aktivitäten sogar 3 bis 4 Prozent "Rabatt".

Konstruktion und Be-

trieb von Geschäftshäusern haben einschneidende Veränderungen durchgemacht.
Wolkenkratzer werden wieder mit Fenstern gebaut, die sich öffnen lassen.
Fenster werden so konstruiert, daß in Bürogebäuden und Hotels das einfallende
Sonnenlicht einen optimalen Anteil für Beleuchtung und Heizung übernimmt.
Mehr und mehr werden Hausdächer mit Sonnenkollektoren bestückt.

In Gebäuden

modernster Konstruktion wird bereits die Abwärme der Beleuchtungskörper,
der elektrischen Schreibmaschinen und selbst die Körperwärme der Menschen, die
dort arbeiten, für die Energieversorgung genutzt.

Der seit ein paar Jahren in den USA vor allem auf dem Lande zu verzeichnende Mehrverbrauch an Holz spart gegenwärtig 500 000 Barrel Erdöl ein. Man
hofft, bis 1985 die allein durch diese Maßnahme eingesparte Menge auf eine
Million Barrel (1 Barrel = 159 Liter) steigern zu können.

Die Regierung

unterstützt finanziell die Verwendung technisch moderner Öfen zur Holzverbrennung.

Wie die Umweltschutzbehörde EPA kürzlich bekanntgab, haben die neuen
Wagen aus Detroit eine um 60 Prozent größere Kilometerleistung als die Modelle
von 1973. Mineralölexperten sagen voraus, daß die neuesten, sehr wirtschaftlichen Modelle Anfang der achtziger Jahre eine bemerkenswerte Reduzierung des
Benzinverbrauchs bewirken werden.

Ein Rückgang des Kraftstoffverbrauchs

landesweit gesehen ist bereits zu verzeichnen:

Die Steigerungsrate, die in

den sechziger und frühen siebziger Jahren bei 5 Prozent lag, beträgt heute
ca. 2 Prozent im Jahr.

Der durch Kongreßgesetz seit 1975 ausgeübte Zwang

zur besseren Wirtschaftlichkeit der Kraftfahrzeuge verfehlt seine Wirkung
nicht.

Kleine Wagen machen heute 55 Prozent des Absatzes aus (gegenüber

35 Prozent im Jahr 1972).

Importierte Fahrzeuge dieser Art, die noch im

vorigen Jahr 17 Prozent des Auto-Absatzes ausmachten, liegen bereits bei
23 Prozent.

Und

- 3 -

�Und jetzt werden Benzinmengen auch zunehmend durch Alkohol Zusätze gestreckt.

Dieser Alkohol, der sich aus den verschiedensten Rohstoffen wie

Getreide- und Holzabfällen, Zuckerrüben, Mais und Weizen oder aus Abfallprodukten bei der Nahrungsmittel Verarbeitung gewinnen läßt, soll helfen,
daß 1982 schon mehr als eine Milliarde Liter und 1985 mindestens 2,3 Milliarden Liter Mischkraftstoffe vom Typ GASOHOL verfügbar sind.

Die Regie-

rung hat Kreditgarantieen in Höhe von 30 Millionen Dollar für den Bau großer
GASOHOL-Produktionsanlagen zugesagt.

Das Landwirtschaftsministerium gibt

weitere vier Millionen Dollar für Forschungen auf dem Gebiet der Vergärung
der Grundstoffe.
Der Präsidialbeirat für Umwelthygiene mißt dem Einsparen von Energie
besonderes Gewicht bei. In einem kürzlich vorgelegten Bericht ("The Good
News About Energy") vertritt er die Ansicht, daß sich der wirtschaftliche
Fortschritt der Vereinigten Staaten keineswegs verlangsame, wenn der Energieverbrauch durch systematische Sparmaßnahmen wesentlich beschnitten würde.
Gemessen an der realen, d.h. preisbereinigten Wachstumsrate für das Bruttosozialprodukt, die in früheren Jahren in etwa auch der Wachstumsrate für
den Energieverbrauch entsprach, sei eine Verringerung der letztgenannten
Größe auf etwa ein Drittel der des Bruttosozialprodukts bis zum Jahr 2000
denkbar. Schon heute sei, wie Dr. James Schlesinger in seiner Rede vom
16. August 1979 vor dem Nationalen Presseclub in Washington erwähnte, der
Energiekoeffizient zur Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts bei 0,5 oder
0,6 angelangt.
Wenn Energiesparen überall ernst genommen werde, schwinde auch, so der
Präsidialbeirat für Umwelthygiene, die Abhängigkeit von Kohle und Kernkraft.
Anstatt 500 neuer Kohle- und Kernkraftwerke benötige Amerika dann in den
nächsten Jahrzehnten nur etwa 125, was weniger Umweltbelastungen und Strahlengefahren sowie Schonung der Landschaft bedeute.
In einer Vergleichsstudie zum Verhalten anderer wichtiger Industrieländer, die William Vogely, Leiter des Departments für Mineral öl Wirtschaft

- 4 -

�Mineralölwirtschaft der Universität Pennsylvanien, kürzlich abschloß, werden
mit schlüssigen Beweisen Behauptungen widerlegt, daß die Vereinigten Staaten
riesige Mengen von Energie verschwendeten. Vor allem in den Neuenglandstaaten,
die nach Bevölkerungsdichte, Entfernungen und Klima die meisten Ähnlichkeiten
mit den Ländern Westeuropas aufweisen, werde pro Million des jeweiligen bundesstaatlichen Bruttosozialprodukts weitaus weniger Energie verbraucht als
in Großbritannien, in den Niederlanden und in Schweden. Allerdings ergäbe
sich in den geographisch völlig anders gearteten Bundesstaaten des Westens,
Mittelwestens und Südwestens, wo Energie billiger, der Gebrauch des Autos
infolge der Weite des Landes zwangsläufig sehr viel intensiver sei, ein anderes Bild: Dort wird gegenwärtig pro Million Dollar des bundesstaatlichen
Bruttosozialprodukts mehr Energie verbraucht als in anderen Industrieländern.
Alles in allem gesehen setze sich aber der Trend zu rationellerer Nutzung
von Energie immer stärker durch. Die Vereinigten Staaten lernen, eine gegebene Energiemenge mit immer besserem Nutzeffekt zu gebrauchen.

+ + + + +

- 5 -

�I

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
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29. August 1979

35

ERSTER VORSTOSS EINER FORSCHUNGSSONDE ZUM PLANETEN SATURN
Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel

- (AD) - Die amerikanische Raumsonde PIONIER 11 kreuzt am 1. September
1979 die Bahn des Planeten Saturn. Dank der im Dezember 1974 am Planeten
Jupiter gewonnenen Schwerebeschleunigung war sie auf eine Bahn gelenkt worden, die sie in hohem Bogen über die Sonne und die Bahnen der inneren Planeten hinweg zu der dem damaligen "Standort" des Jupiter gegenüberliegenden
Seite des Sonnensystems führte. Und da der Planet Saturn auf seinem Umlauf
um die Sonne sich nunmehr just an diesem Kreuzpunkt befindet, haben die
Wissenschaftler durch PIONIER 11 zum ersten Mal Gelegenheit zur Nahbeobachtung dieses zweitgrößten Satelliten der Sonne. In nur 1900 km Abstand
passiert er die wahrscheinlich aus kleinen Partikeln sowie Eis- und Gesteinsbrocken bestehenden Ringe und in 21 400 km Entfernung die farbenreiche, gebä'nderte Wolkenhülle. Seit ihrem Start im April 1973 in Kap Canaveral hat
die Sonde inzwischen drei Milliarden Kilometer zurückgelegt.
Nahaufnahmen vom Planeten, seinen Ringen und drei seiner zehn Monde
sowie wissenschaftliche Messungen sind die Aufgaben der Sonde, die bereits
Ende 1974 vom Jupiter so viele aufschlußreiche Daten zur Erde gefunkt hatte.
Die bei der größten Annäherung gewonnenen Aufnahmen werden zwanzigmal mehr

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�mehr Details zeigen als die besten Fotos, die mit leistungsstarken Teleskopen
von der Erde aus gemacht werden können.

Die Instrumente des PIONIER re-

gistrieren eventuell vorhandene Magnetfelder, Strahlengürtel oder besonders
energiereiche Partikel, messen Temperaturen, Dichte und Zusammensetzung der
oberen Wolkenschichten sowie jegliche Wärmeabstrahlung aus dem Planeteninnern.
Alle diese Daten werden der Forschung helfen, die Mengen von Wasserstoff und
Helium (den zwei Hauptbestandteilen des Planeten Saturn), die Struktur der
Gashülle mit Schichtung, charakteristischer Bewegung der Wolkenmassen und
horizontaler wie vertikaler Strömung in der Atmosphäre näher zu bestimmen,
"über den Saturn wissen wir heute noch sehr viel weniger als über Jupiter
vor dem Besuch von PIONIER 10 und 11", meint Dr. John H. Wolfe, Projektleiter für das PIONIER-Programm der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA am
Arnes-Forschungszentrum in Mountainview (Kalifornien).
Gelegentlich wird auf der Erde atmosphärisches Rauschen infolge Radiostrahlung vom Saturn registriert, was darauf hindeuten könnte, daß Saturn
ebenso wie Jupiter, Erde und Merkur ein Magnetfeld besitzt. Wenn dem so ist,
würde dieses Feld wohl auch elektrisch geladene Partikel halten, beschleunigen und Strahlungsgürtel aufbauen, die in gewisser Weise mit den Ringen
des Saturn in Wechselwirkung treten. Von der Erde aus sind drei Ringe sichtbar, die 77 000 km Abstand vom Saturn erreichen. Aber die Forscher vermuten
noch jenseits des äußeren Ringes einen weiteren, unsichtbaren Ring "E". Die
drei optisch wahrnehmbaren Ringe haben eine Gesamtbreite von 64 800 km.
Ein eventuell vorhandener "E"-Ring könnte diesen Wert verdoppeln. PIONIER 11
würde unmittelbar durch ihn hindurchgehen, wenn er zweimal die Äquatorebene
kreuzt. Enthielte der hypothetische "E"-Ring feinen Staub, so könnte dieser
das Ende für die Sonde bzw. deren Funktiqnsfähigkeit bedeuten. Dr. Wolfe
schätzt die Chance, daß PIONIER bei der hohen Fluggeschwindigkeit Kollisionen
mit dichten Staubpartikeln überlebt, auf 50:$0. Der Flugkurs mußte jedoch
so gewählt werden, weil PIONIER 11 gleichzeitig Pfadfinder für die Sonden
V0YAGER 1 und 2 ist, die 1980 und 1981 am Saturn eintreffen werden.

Von

�Von den zehn bisher bekannten Saturn-Monden sollen drei, nämlich Iapetus,
Rhea und Titan von den PIONIER-Instrumenten unter die Lupe genommen werden.
Iapetus, der zweitäußerste im Mondsystem, ist auf der Stirnseite bei seinem
Umlauf um den Planeten Saturn sechsmal heller als auf der Rückseite.

Polari-

sationsmessungen und Messungen der Lichtintensität sollen den Wissenschaftlern
Anhaltspunkte dafür geben, weshalb es zu dieser Helligkeitssteigerung kommt.
Von Rhea, dem Mond Nr. 6, sollen u.a. Masse und Dichte ermittelt werden.
Das Hauptinteresse gilt jedoch dem Mond Nr. 7, Titan. Er ist größer als
der innerste Sonnenplanet, Merkur, und um ein Drittel größer als unser Erdmond. Den Saturn umkreist er im Abstand von 1,5 Millionen km. Seine Atmosphäre
erscheint bei Fernrohrbeobachtungen verschwommen hell und durchsetzt von
orangefarbenen Schwaden. Durch spektroskopische Untersuchungen wurde Methan
in der Atmosphäre festgestellt. Sie könnte ungefähr die Dichte der Erdatmosphäre an der Oberfläche haben. Auf jeden Fall ist sie sehr viel dichter
als die Marsatmosphäre.
Nur ein Zehntel der Menge von Sonnenlicht, das die Erde erreicht, dringt
bis zum Titan vor. Dennoch könnte die Titan-Atmosphäre die Wärme speichern,
falls sie dafür dicht genug ist, was die Temperatur an der Oberfläche erhöhen
würde. Der sog. Gewächshauseffekt der Lufthülle und ihr Gehalt an Methan
(was Ähnlichkeitm11 der Erdatmosphäre vor Beginn der Entwicklung von Leben
besitzt) könnte Umweltbedingungen schaffen, in der organische Moleküle hervorgebracht werden, aus denen sich lebende Materie aufbaut. Titan gilt nach dem
Mars als "die letzte Hoffnung, organisches, lebensähnliches Material in unserem Sonnensystem" zu finden, erklärt Projektleiter Wolfe. PIONIER 11 wird
den Mond Titan in 356 000 km Abstand passieren.
Saturn, der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems, ist nur wenig kleiner als der Jupiter.

Sein Volumen beträgt das 815fache des Erdvolumens, aber

seine Masse ist nur 95 Mal größer, weil er in der Hauptsache aus den Leichtelementen Wasserstoff und Helium besteht.

PIONIER 11 nähert sich von oben

her und kreuzt am 1. September um 17.00 Uhr MEZ die Ringebene außerhalb des
- 3 -

�des äußeren Ringes zum ersten Mal, bei einer Geschwindigkeit von 10 km pro
Sekunde.

Auf ihrem Weiterflug unterhalb der Ringe wird die Sonde bis zur

größten Annäherung an den Saturn um 19.00 Uhr MEZ auf 32 km/sec beschleunigt.

Dann verschwindet PIONIER 11 hinter dem Planeten und steigt wieder

zur Ringebene auf, die er nach 100 Minuten noch einmal kreuzt.

Die Schwere-

beschleunigung, die ihm der Saturn erteilt, bringt ihn auf einen Kurs, der
ihn in der Bewegungsrichtung des Sonnensystems relativ zum Zentrum der Milchstraße hinausführt in den interstellaren Raum.

Diesen erreicht er aber erst

in etwa 40 Jahren, wenn er in etwa 14,9 Milliarden km Abstand zu unserer Sonne
das Sonnensystem verlassen und in die "Heliopause" eintreten wird.

+ + + + +

.

�I

Uliz/cn/chofl
\mö Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
29. August 1979

35

INFRASCHALLWELLEN ZEIGEN SCHWACHE ERDBEBEN AN

- (AD) - Das Hundegebell in der Nacht wurde allmählich lästig. Don
Stierman, Geologe der Universität Kalifornien (Riverside), fand ebensowenig
Schlaf wie seine Kollegen, mit denen er in der Mojavewüste zur Durchführung
von Feldmessungen im Zelt übernachtete. In den Mittagstunden des vorangegangenen Tages waren im Süden Kaliforniens zwei starke Erdstöße registriert
worden. Daraufhin begab sich die Wissenschaftlergruppe auf schnellstem Wege
in die Mojavewüste, um dort mit tragbaren Seismometern Nachbeben aufzunehmen.
Tatsächlich zeigten die Instrumente im Verlauf von 40 Stunden etwa
1000 weitere Erdstöße an. Die meisten waren allerdings sehr schwach.
Stierman wurde ihrer nur durch das Klickgeräusch des Seismometers gewahr,
das neben seinem Schlafsack stand. Aber Hunde in der näheren und weiteren
Umgebung schlugen jedes Mal an. Dies erinnerte an Beschreibungen von ungewöhnlichem Verhalten von Tieren vor einem stärkeren Erdbeben - was aber war
es wirklich, was die Hunde so störte? Empfindliche Schallmeßgeräte, die
auch Signale erfaßten, die das menschliche Ohr nicht wahrzunehmen vermag,
schienen das Rätsel lösen zu helfen: Selbst die schwachen Nachbeben verursachten donnerähnliche Geräusche, aber in der Form von Schallwellen so niedriger Frequenz, daß das menschliche Ohr sie nicht zu hören vermag. Sie
wurden übrigens im Zusammenhang mit sehr schwachen Beben zum ersten Mal beobachtet - vielleicht deshalb, weil die Mojavewüste für solche Messungen be-

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�besonders günstige Bedingungen bietet.
gut.

Der Granit leitet Schallwellen sehr

Ein weiterer glücklicher Umstand für die Beobachtungen war auch die

Tatsache, daß es sich um Flachbeben handelte, der Herd also nahe der Erdoberfläche lag.

Selbst schwache Erdstöße, die nicht einmal den Punkt 1 auf der

Richterskala erreichten, erzeugten donnerähnliches Grollen - aber nur im
Infraschallbereich.

Die Hunde mit ihrem besseren Hörvermögen reagierten

darauf völlig normal.

Sie bellten, wie sie es auch bei Gewitterdonner tun.

Nach Meinung Stiermans ist das Auftreten von Infraschall wellen auch bei
leichten Erdstößen, die z.B. einem schweren Beben vorausgehen, eher eine Erklärung für das auffällige Verhalten von Tieren - eine bessere jedenfalls
als die Theorien über Veränderungen des elektrischen Feldes oder aus der Erde
ausdringende Gase.

Man könnte und sollte jedenfalls aufgrund der jetzt ge-

machten Beobachtungen versuchen, auffälliges Verhalten von Hunden in die Auswertung von Seismogrammen einzubeziehen.
es ständig.

Schwache "Hintergrund"-Beben gibt

Sie sind auf den Meßstreifen von Vorläufern schwerer Erdbeben

im Gebiet der jeweiligen Meßstationen nicht zu unterscheiden.

Wird jedoch

gleichzeitig in der betreffenden Region bei Hunden ungewöhnliches Verhalten
beobachtet, könnte dies helfen, die äußerst begrenzten Möglichkeiten für
eine Erdbebenvorhersage auszuweiten.

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fernsehinterview mit Vizepräsident Mondale vor Beginn seiner China-Reise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des amerikanischen Vizepräsidenten Walter F. Mondale in der Universität von Peking&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Technische Kapazität der Entwicklungsländer muss verbessert werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Chefdelegierten auf der Wiener Konferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Nation macht Ernst mit dem Sparen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Amerika senkt den Energieverbrauch -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von unserem Korrespondenten James Fuller&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster Vorstoß einer Forschungssonde zum Planeten Saturn&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Sechs Jahre nach dem Start erreicht PIONIER 11 das zweite Ziel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Infraschallwellen zeigen schwache Erdbeben an</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I
I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

5. September 1979

I N H A L T

INFORMATION
Donald F. McHenry:

Neuer US-Chefdeleoierter bei den Vereinten Nationen

DOKUMENTATION
Brown:

USA müssen globale Stärke beibehalten

- Wortlaut des Interviews mit "National Public Radio'

WIRTSCHAFT
Ansprache Solomons auf dem Europäischen Forum in Alpbach
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Explosionsartige Entwicklung des Weltfunkverkehrs
- Gigantische administrative Aufgabe für Internationale Fernmeldeunion

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�I

1
&gt;

Information
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36

5. September 1979

DONALD F. MCHENRY: NEUER US-CHEFDELEGIERTER BEI DEN VEREINTEN NATIONEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Diplomat Donald F. McHenry ist
von Präsident Carter zum Nachfolger von Andrew Young als Chefdelegierter
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen ernannt worden.
teilte das Weiße Haus am 31. August 1979 mit.

Dies

McHenry, ein Schwarzer wie

Young, war bisher dessen Stellvertreter bei der Weltorganisation in New
York.

Die Nominierung muß noch vom amerikanischen Senat bestätigt werden.

McHenry wurde einer breiten Öffentlichkeit vor kurzem im Falle der
Bolschoi-Ballerina Ludmilla Wlasowa bekannt, in dem er auf amerikanischer
Seite die Verhandlungen führte.

Seine Geschick, schwierige Situationen

mit Geduld und Ausdauer zu meistern, wird in dem kurzen Dialog deutlich,
den er in diesem Zusammenhang mit einem sowjetischen Diplomaten hatte. Als
dieser sich zu ihm wandte und begann:

"Ich hasse es, unhöflich zu sein,

aber...", unterbrach ihn McHenry mit der lakonischen Bemerkung:

"Wenn Sie

es hassen, unhöflich zu sein, seien Sie es doch einfach nicht!"

Durch seine zweijährige Erfahrung, die er während seiner Tätigkeit
bei den Vereinten Nationen sammeln konnte, wird es ihm nicht schwerfallen,
die Beziehungen weiter auszubauen, die sein Vorgänger geknüpft hat. Zu

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�t

Zu dieser Erfahrung gehören so vielfältige Themenkreise wie die NamibiaFrage, die Beschäftigung mit dem Nahen Osten, Südostasien und Fernost sowie mit Abrüstung und Weltraumproblemen.

"Er wird ein Symbol sein für

die Entschlossenheit des Präsidenten, den Prozeß der Brückenbildung zu
den Entwicklungsländern und vor allem zu denen in Afrika fortzusetzen",
hieß es in der Presseerklärung des Weißen Hauses.
Präsident Carter, der darauf hinwies, daß die Ernennung auch durch
Außenminister Vance und durch Andrew Young "mit Nachdruck empfohlen" wurde,
zeigte sich zuversichtlich darüber, daß die sich ständig verbessernden Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Entwicklungsländern durch
die Wahl McHenrys weiterhin positiv beeinflußt würden.

Darüber hinaus hob

Carter die gründliche Vertrautheit des neuen Botschafters mit allen Themen
der Vereinten Nationen hervor.
McHenry gilt als ruhiger Mann und unermüdlicher Arbeiter, der seine
Privatsphäre schätzt und dessen Interesse vor allem seiner Arbeit gilt.
Während sein Vorgänger Young sich durch seine Beteiligung an der Bürgerrechtsbewegung der sechziger Jahre einen Namen machte, ist die Karriere
McHenrys durch Universität und Außenministerium gekennzeichnet.
Geboren am 13. Oktober 1936 in St. Louis, Missouri, erhielt er an
der State University of Illinois 1957 sein erstes Diplom als Bachelor
of Science, 1959 den Grad eines Master of Science an der Southern Illinois
University. Danach unterrichtete er erst an dieser Universität, später
an der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Howard University in Washington,
wo auch Andrew Young studiert hatte. Nachdem er 1963 ins Außenministerium
eingetreten war, wurde er bereits 1969 Assistent des damaligen frischernannten Außenministers William Rogers. Als Henry Kissinger dessen Nachfolger wurde, schied McHenry aus dem State Department aus und arbeitete
als Projektleiter der Carnegie-Stiftung in Washington sowie als Lehrer
an der Georgetown-Universität und der Brookings Institution, bevor er im
April 1977 als zweiter Mann der Vereinigten Staaten im UN-Sicherheitsrat
im Rang eines Botschafters vereidigt wurde.
+ + + + +

�3

I

1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

5. September 1979

36

BROWN: USA MÜSSEN GLOBALE STÄRKE BEIBEHALTEN
Wortlaut des Interviews mit "National Public Radio

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat am 24. August 1979 in einem Interview mit der amerikanischen Rundfunkanstalt "National Public Radio" unterstrichen, daß die Vereinigten Staaten ihre
globale Stärke aufrechterhalten müßten. Gleichzeitig wies er darauf hin, daß
eine jährliche echte Erhöhung der Verteidigungsausgaben von drei Prozent die
USA in den Stand setzen werde, ein angemessenes militärisches Gleichgewicht
mit der Sowjetunion zu wahren. Das Interview hat folgenden Wortlaut:
FRAGE: Herr Minister, sobald der Kongreß wieder zusammentritt, werden
Sie erneut vor dem Thema SALT stehen, und ich würde gerne wissen, ob Sie uns
sagen können, wie es mit einer Ratifizierung des Vertrags durch den Senat aussieht.
ANTWORT: Ich meine, Mr. Kondracke, wir haben von Seiten der Regierung
überzeugend dargelegt, daß der Vertrag die Schwungkraft des sowjetischen Aufbaus im Bereich strategischer Waffen etwas abbremst, und ich glaube, daß
dieses Abbremsen ein für die Vereinigten Staaten hilfreicher Vorgang ist. Der

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�Der SALT II-Vertrag erlaubt es den Vereinigten Staaten, zu tun, was wir tun
müssen, um sicherzustellen, daß sich das strategische Gleichgewicht nicht gegen uns neigt. Natürlich garantiert SALT II noch nicht, daß wir entsprechend
handeln, und in der Tat hat sich die Diskussion folgerichtig dahingehend entwickelt, daß sie sich nun auf das Thema der amerikanischen Verteidigungsprogramme sowohl in strategischer als auch in allgemeiner Hinsicht konzentriert
sowie auf das Gleichgewicht in militärischer Hinsicht zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion.

Dies wird meiner Meinung nach zum großen Teil

bestimmen, wie der Senat letztlich über SALT II abstimmt.
Wir haben klargestellt, daß das Abkommen selbst, daß der SALT II-Vertrag
selbst ausgewogen und verifizierbar ist und daß er eine vernünftige Grundlage
für weiterreichende Rüstungsbegrenzung und Abrüstung durch anschließende Verhandlungen bietet.

Ich glaube nicht, daß man uns in dieser Hinsicht erfolg-

reich herausgefordert hat.

Die Probleme, die angeschnitten wurden, sind Pro-

bleme des militärischen Gleichgewichts, der Militärprogramme und die Frage,
ob die Zustimmung des Senats zum SALT II-Vertrag die Vereinigten Staaten so
beruhigen würde, daß sie das Notwendige nicht mehr tun würden, und andererseits, was SALT uns für unsere eigene Sicherheit zu tun erlaubt.
FRAGE: Senator Nunn und die Senatoren Tower und Jackson haben folgenden
Vorschlag gemacht: wir sollten fünf Prozent ausgeben, also eine echte fünfprozentige Steigerung des Verteidigungsbudgets haben. Dies scheint der Preis
dafür zu sein, daß sie der Ratifizierung von SALT II zustimmen - besonders im
Fall von Senator Nunn. Glauben Sie, daß dies der Betrag ist, den die Administration aufbringen muß, um grünes Licht zu bekommen?
ANTWORT: Ich glaube nicht, daß dies nur eine Frage der Verteidigungsausgaben ist, und zweifellos würden verschiedene Senatsmitglieder auch verschiedene Ansichten darüber haben, was ein angemessenes Niveau für die Verteidigungsausgaben ist. Bei jeder Analyse dieser Frage sollte man zunächst
zwei Tatsachen beachten: eine davon ist, daß die Sowjetunion seit mehr als
15 Jahren,seit nunmehr fast 20 Jahren schon ihre Verteidigungsausgaben pro

- 2 -

�pro Jahr um bereinigte drei bis vier Prozent erhöht hat, während die Vereinigten Staaten in diesem Jahr einen geringeren Verteidigungshaushalt haben und
in diesem Jahr weniger für Verteidigung ausgeben als im Jahr 1963, bevor der
Aufbau wegen Vietnam begann.
Es ist unmöglich, daß hinsichtlich der vergleichbaren Wirksamkeit auf
beiden Seiten dieser Vorgang sich abgespielt hat ohne eine Tendenz in Richtung
auf eine erhöhte sowjetische Militärkapazität im Vergleich zu den Vereinigten
Staaten - und tatsächlich ist dies auch geschehen. Zur Zeit sind wir in etwa
gleichwertig, aber wenn dieser Trend über Jahre hinweg anhält, wird die Sowjetunion in fünf, sicher in zehn Jahren militärisch weit voraus sein - gleichgültig, welchen Maßstab man anlegt. Dagegen müssen wir etwas tun, egal ob
mit oder ohne SALT II. Der SALT II-Vertrag macht es uns etwas leichter und
ermöglicht es uns, es mit geringeren Ausgabenerhöhungen zu tun, die sonst
notwendig gewesen wären,um das strategische Gleichgewicht zu garantieren.
Dies ist ein Punkt.
Der andere Punkt ist, daß der Kongreß in den letzten Jahren die vom Präsidenten geforderten Geldmittel beschnitten hat. Ober die letzten zehn Jahre
hinweg hat er sie meiner Schätzung nach um rund 50 Milliarden Dollar reduziert.
Nun, diese 50 Milliarden Dollar hätten hinsichtlich unserer militärischen Kapazität und Verteidigungsbereitschaft einen großen Unterschied gemacht.
Auch in diesem Jahr hat der Kongreß die Bewilligung der Verteidigungsgelder für das Haushaltsjahr 1980 noch nicht abgeschlossen, aber es gibt
Gruppen im Kongreß, in den Haushalts- und Bewilligungsausschüssen, die gerade
ihre Arbeit wieder aufgenommen haben, die wiederum umfangreiche Kürzungen im
Budget des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1980 vorgeschlagen haben. Nun
weiß ich zwar, daß, milde gesprochen, der Kongreß nicht mit einer Stimme
spricht, aber es ist für uns sehr schwierig, einen Kongreß zufriedenzustellen,
der sagt, wir sollten für Verteidigung mehr ausgeben, als wir geplant haben
und gleichzeitig einen Kongreß zufriedenzustellen, der sagt, unsere Vorschläge
gingen zu weit.
Auf
- 3 -

�Auf diese zwei Tatsachen wollte ich hinweisen.
eine weitere Beobachtung machen:

Dann aber möchte ich

obwohl der Umfang der Ausgaben der einfachste

und kürzeste Weg ist, um zu sagen, waswir für die Verteidigung tun, kommt
es doch zu einem großen Teil darauf an, wofür man es ausgibt. Geld kann mehr
oder weniger wirksam und brauchbar ausgegeben werden.

Wir glauben, daß das,

was wir vorgeschlagen und was wir uns gegenüber unseren Verbündeten zu tun
verpflichtet haben, nämlich ein echtes dreiprozentiges Wachstum pro Jahr und
nach Inflation über mehrere Jahre hinweg* uns genug Spielraum läßt, um ein
angemessenes Gleichgewicht mit den Sowjets aufrechtzuerhalten.
Nun glauben wir, daß wir tatsächlich im Fiskaljahr 1979 real drei Prozent
mehr ausgeben werden als im Fiskaljahr 1978. Für das Fiskaljahr 1980 enthielt
unser vorläufiger Haushalt, den wir im Januar dem Kongreß vorlegten, eine
Unterschätzung der gegenwärtigen Inflation und insoweit sind wir für das Defizit verantwortlich, wir von der Exekutive. Wenn auch der Kongreß noch kürzt,
wird er für ein zusätzliches Defizit verantwortlich sein.
Wir sollten auch weiterhin unseren Verpflichtungen gegenüber unseren
NATO-Verbündeten gerecht werden. Und es sind jetzt Überlegungen im Gange, welcher der beste Weg sei, um dies zu tun. Aber ich meine, wir müssen mehr tun
als nur einen bestimmten festgesetzten Prozentsatz an realem Zuwachs zu erreichen - gleichgültig, ob es drei oder vier Prozent oder sonstwas sind. Wir
haben gesagt, daß drei Prozent eine Verpflichtung darstellen, die wir eingegangen sind. Aber es ist genauso wichtig, wofür man sie ausgibt, und wir
sind bereit, klarzustellen - nebenbei: wir haben dies bereits getan, aber
vielleicht müssen wir es besser erklären -, welche zusätzlichen Verstärkungen
- konventionell, strategisch - und welches zusätzliche Potential im Sinne
unserer Verteidigungsbereitschaft, unserer Fähigkeit hinsichtlich der Beweglichkeit unserer Streitkräfte etc. unser vorgeschlagenes Verteidigungsprogramm
ermöglichen wird.,
.&lt; i~ ,
. , ;y
FRAGE: Während der SALT-Anhörungsverfahren schien auch der ehemalige
Außenminister Kissinger die jetzige Regierung mehr als die früheren Regierungen für die wachsende Lücke zwischen der amerikanischen und der sowjetischen
- 4'--

�•

sowjetischen Kapazität auf dem Gebiet der strategischen Waffen verantwortlich
zu machen.

Ich würde gerne wissen, was Sie als Antwort auf diese Behauptung

sagen?
ANTWORT:

Nun, er ist für Selbstbezichtigung nicht empfänglicher als je-

der von uns, aber ich denke, es stimmt, daß er gesagt hat, dies Problem habe
sich nicht gestellt, das Problem des militärischen Gleichgewichts habe sich
allein dieser Administration gestellt.

Er wurde in der Tat über frühere

Regierungen befragt und machte klar, daß er, könnte er bestimmte Dinge noch
einmal tun, sie anders machen würde, etwa hinsichtlich der Verteidigungslage
unseres Landes.

Vielleicht beschreibt man es am besten, wenn man sagt, daß

er das Problem während dieser Administration erkannt hat.
FRAGE:

Eines der Themen, bei dem sowohl Senator Nunn als auch Kissinger

fest zu bleiben schienen, war die Dislozierung der MX-Rakete, und ich schließe
daraus, daß diese Regierung zu eben dieser Entscheidung gelangt ist und daß
der Präsident dabei ist, die endgültige Entscheidung darüber zu fällen.
Stehen die Dinge so?
ANTWORT: Der Präsident hat die Entscheidung getroffen, mit der Entwicklung der Rakete voranzugehen. Dies tat er vor einigen Monaten, genauer, vor
zwei Monaten. Zu jener Zeit waren wir ausreichend davon überzeugt, daß wir
in der Lage sein würden, auch eine Form der Dislozierung zu erreichen, eine
Form der überlebensfähigen mobilen Dislozierung, so daß wir das Gefühl hatten
und der Präsident folgerte, daß es eine angemessene Entscheidung sei, die
Rakete zu produzieren. Die Entscheidung über die Art der Dislozierung sollte
innerhalb weniger Wochen fallen. Der Präsident hat sie noch nicht getroffen.
Es gab jedoch eine Reihe von Treffen zu diesem Thema, und die endgültige Entscheidung wird, wie ich andeutete, ziemlich bald gefällt.
FRAGE:

Das Pentagon soll eine landgestützte Form empfohlen haben, eine

Fortführung der landgestützten Dislozierung der Rakete.

Einige Kritiker sagen

jedoch, es sei billiger und vielleicht auch weniger provozierend den Sowjets

�Sowjets gegenüber sowie vielleicht auch weniger gefährlich für uns, wenn
man die Rakete auf dem Meer auf kleineren Schiffen unterbringe.

Auf billi-

gen U-Booten nahe einem Hafen könnten sie verborgen werden und so einem Angriff weniger ausgesetzt sein als bei der landgestützten Form.
ANTWORT:

Es gibt mehrere Wege, Raketen zu dislozieren.

jetzt überlebensfähige seegestützte Raketen.

Wir dislozieren

Unsere Einstellung zu den stra-

tegischen Waffen ist, eine Mischform zu haben in dem Sinm, daß einige davon Ra&gt;
keten sind, d.h. ballistische Raketen, und andere wieder "air-breathing",
d.h. Bomber oder Marschflugkörper.

Gemischt auch hinsichtlich ihrer Dis-

lozierung, so daß die Sowjets, falls sie eine Möglichkeit finden, eine Form
der Stationierung anzugreffen, immer noch nach einer weiteren Möglichkeit
suchen müssen, um die andere Form der Stationierung anzugreifen.

Ein Vorteil

dieser Art von gemischter strategischer Macht besteht darin, daß selbst bei
Schwächung des einen Beins dessen, was wir die "Triade" nennen, wir Zeit genug haben, es wieder in Ordnung zu bringen, bevor die anderen verwundbar
sind.
Genau dies geschieht nun. Unsere landgestützten Interkontinentalraketen
(ICBMs) werden zu Beginn der achtziger Jahre verwundbar sein aufgrund der
größeren Anzahl der sowjetischen Gefechtsköpfe und der Verbesserung ihrer
Treffgenauigkeit. Dadurch werden die Silos, in denen unsere landgestützten
Raketen stationiert sind, die verbunkerten Silos, verwundbar. Unsere Bomber
werden jedoch weiterhin überlebensfähig bleiben und in der Lage sein, entweder
selbst oder mit Marschflugkörpern durchzudringen. Und unsere seegestützten
ballistischen Raketen, unsere ballistischen Raketen, die von U-Booten aus gestartet werden, - davon bin ich überzeugt, darauf vertraue ich - werden während der achtziger Jahre unverwundbar sein.
Schwieriger ist es, Konkretes über die neunziger Jahre zu sagen.

Falls

die Sowjets in der Lage sein sollten, alle ihre Anstrengungen zu konzentrieren
- zum Beispiel auf ein Unternehmen zum Anti-U-Boot-Krieg -, könnten einige
neue Entwicklungen in der Lage sein, unsere U-Boote sogar auf ziemlich große

- 6 -

�große Entfernungen auszumachen; durch Angriffe auf jene verhältnismäßig begrenzten Gebiete, wo sie in der Lage wären, unsere U-Boote auszumachen, und
durch Angriffe auf unsere Bomberbasen könnten sie in der Lage sein, beide
zu zerstören.

Ich bin davon überzeugt, daß dies nicht in den achtziger Jahren

geschehen wird; aber falls es in den neunziger Jahren geschehen sollte, wäre
es sehr hilfreich, ein landgestütztes überlebensfähiges System zu haben, dessen Zerstörung die Sowjets auf eine andere Weise versuchen müßten.

Anti-

U-Boot-Krieg ist kein hilfreicher Weg, um herauszufinden, wo die landgestützten Raketen sind.
Zusammenfassend würde ich daher Ihre Fragen bejahen: man kann unterseebootgestützte ballistische Raketen haben, wir haben sie, und was wir tun
wollen, ist die Aufrechterhaltung einer vielfältigen Streitkraft, da sie weniger verwundbar ist durch einen einzelnen technologischen Fortschritt auf
Seiten der Sowjetunion sowie weniger verwundbar gegenüber einer Zusammenballung ihrer Möglichkeiten in einem Angriff auf eine einzelne strategische
Kraft.
FRAGE: Es gibt einige Kritiker, hauptsächlich die "Tauben", die sich
um die Tatsache sorgen, daß uns die MX-Rakete, sobald wir sie dislozieren,
die Möglichkeit des Erstschlags gegen die sowjetischen landgestützten Raketen gibt, die einen größeren Teil der sowjetischen Streitkraft darstellen, als
dies bei unseren landgestützten Raketen der Fall ist. Und die Frage ist,
wollen wir diese Art Möglichkeit oder gibt es einen anderen Weg, um die Sowjets
dazu zu bringen, einige ihrer schweren Raketen gegen unsere MX auszuhandeln,
mit anderen Worten, sie gar nicht erst zu dislozieren?
ANTWORT:

Wir haben versucht, Anfang 1977 die Sowjets dazu zu bringen,

ihre landgestützten Kräfte zu reduzieren, so daß sie für unsere landgestützten
ICBMs weniger bedrohlich sein würden.

Sie weigerten sich.

Und jetzt ist

es, wie ich glaube, wohl zu spät, selbst wenn sie diese Richtung einschlagen,
diesen Weg beschreiten wollten.

Es überrascht mich immer wieder, daß manche

Amerikaner weitaus mehr besorgt wegen der Überlebensfähigkeit der sowjetischen
Streitmacht sind, als sie sich über die Überlebensfähigkeit der amerikanischen
- 7 -

�amerikanischen Kräfte Sorgen gemacht zu haben scheinen.

Ich glaube aller-

dings dennoch, daß sie damit einen legitimen Punkt treffen.

Ich bedaure

nur, daß sie niemals in ähnlicher Weise ihre Besorgnis wegen der amerikanischen Streitkräfte

zum Ausdruck gebracht haben.

Die Tatsache, daß die

Sowjets einen größeren Teil ihrer Streitmacht in festen landgestützten
Raketen etabliert haben, ist ihre Angelegenheit.

Es ist ja nicht so, daß

ihre anderen Streitkräfte etwa kleiner als die unsrigen sind; es ist vielmehr
so, daß diese Streitmacht etwas größer ist und daß sie etwa zwei Drittel
ihrer Streitkraft gewissermaßen in die landgestützten ICBMs etabliert haben.
Wenn sie den Umfang ihrer landgestützten ICBM-Streitmacht verdreifachen würden, dann würde sie nicht viermal, sondern zwölfmal größer als die unsrige
sein.

Aber ich würde deswegen darum nicht besorgter sein, und auf der Linie

der von Ihnen angeführten Argumente möchte es scheinen, daß ich dies sein
sollte.

Das heißt, je größer sie werden, um so mehr sollte ich mich darum

sorgen - umso mehr sollten sich die Vereinigten Staaten über die Bedrohung
Sorgen machen, die von ihnen ausgeht.
Ich glaube, man muß sich dabei daran erinnern, daß, wenn die Vereinigten
Staaten in der Lage wären, die sowjetische landgestützte ICBM-Streitmacht
zu bedrohen, die Sowjets immer noch ihre unterseebootgestützten ballistischen
Raketen haben und damit nach meiner Ansicht auch in der Lage wären, uns von
jedem unprovozierten Angriff abzuschrecken. Wenn ihre landgestützten ICBMs
durch unsere Streitkräfte bedroht würden, dann wäre die für sie angebrachte
Maßnahme, etwas mehr Geld auszugeben, um diese Streitmacht überlebensfähig
zu machen, was wir ja auch tun.
Wenn wir ihre in festen Silos verbunkerten Raketen nicht bedrohen, dann
können sie das Geld dafür ausgeben, größere und bessere Raketen herzustellen,
die uns stärker bedrohen. Und ich halte das für eine weitaus angenehmere!Situation als diejenige, in der sie gezwungen sind, mehr von ihrer strategischen
Stärke auf andere Systeme zu verteilen, wie beispielsweise die unterseebootgestützten ballistischen Raketen oder die Bomber, die weniger ErstschlagWaffen sind. Mit anderen Worten, wenn zur Wahl steht, ob die Sowjets ihre

- 8 -

�ihre Waffen überlebensfähiger oder für uns bedrohlicher machen, dann ziehe
ich es vor, sie dazu zu bringen, daß sie sie überlebensfähiger machen.

FRAGE:

Einige Fragen zu den nicht-strategischen Systemen.

Zuerst, es

ist durchaus möglich, daß die Sowjets, wenn sie uns an unserer verwundbarsten
Stelle treffen wollen, uns bei unserer Ölversorgung packen würden.

Senator

Hart und andere haben gesagt, daß wir zum Schutz dieser lebenswichtigen Ader
mehr Geld für die Marine und weniger für die. Armee aufwenden müssen, vor allem
für mehr kleinere Schiffe, als in den derzeitigen Budgets vorgesehen ist.
Was sagen Sie dazu?

ANTWORT:

Nun, hier handelt es sich um zwei Probleme.

Das eine besteht

darin, ob wir genug für die Verteidigung ausgeben und hierzu gibt es eine
Reihe unterschiedlicher Ansichten, und das zweite - die Frage nach der richtigen Ausgewogenheit.

Ich glaube, wir können es uns nicht leisten, unseren Landstreitkräften
etwas von der Stärke zu nehmen, die sie brauchen, um die Anstrengungen unserer europäischen Verbündeten bei der Aufrechterhaltung eines vernünftigen
Gleichgewichts in Europa kraftvoll zu unterstützen. Wenn wir dies tun, wenn
wir wirklich ein vernünftiges Gleichgewicht wahren, dann wird die Verletzlichkeit der Ölversorgung noch immer bestehen bleiben - zum Teil die der Vereinigten Staaten, aber diese wiederum weniger, da wir einen wesentlich geringeren Anteil unseres Öls aus dem Nahen Osten beziehen
und natürlich erst recht die Japaner.
verwundbar.

als die Europäer

Unter diesen Umständen sind sie recht

Es ist daher für uns wichtig, unsere globale Stärke aufrechtzu-

erhalten.

Ich glaube, es ist richtig, daß wir dazu im Indischen Ozean und mit über
weite Distanzen operierenden Seestreitkräften weitaus besser imstande sind
als unsere Verbündeten.

Und so könnte es schon sein, daß sie in der Zukunft

einen weitaus größeren Anteil an der Last der militärischen Streitmacht in
ihren eigenen Regionen übernehmen sollten, während wir mehr in die Richtung

- 9-

�Richtung der globalen militärischen Stärke gehen.

Ich schließe das nicht

aus, aber dazu bedarf es eines sehr sorgfältig getroffenen Übereinkommens
von Seiten unserer Verbündeten, daß sie die Differenz übernehmen. Wenn
wir unsere militärischen Anstrengungen insgesamt nicht steigern, dann werden sie dies sicherlich auch nicht tun. Wenn wir aber unsere militärischen
Anstrengungen insgesamt steigern, dann, so glaube ich, werden sie vielleicht
durchaus bereit sein, zuzugestehen, daß sich das Schwergewicht dieser Steigerung auf Gebiete erstreckt wie strategische Systeme oder globale Flottensysteme, die sie für sich selbst höchstwahrscheinlich nicht entwickeln
würden.
Was die Zahl der Schiffe und die Kosten für einzelne Schiffe angeht, so
würde ich zustimmen, daß die Allianz als ganzes genügend Schiffe haben muß,
um in der Lage zu sein, eine Menge verschiedener Plätze zur gleichen Zeit
zu kontrollieren.

Die Schwierigkeit besteht nur darin, daß die Gefährdung,

vor allem die aus der Luft, für unsere Überwasserschiffe ständig wächst
und daß umfangreiche und aufwendige Systeme notwendig sind, um sich dagegen
zu schützen.
Erneut möchte ich sagen, daß es vielleicht möglich ist, hier zu einer
Arbeitsteilung zu gelangen, wobei die Vereinigten Staaten die Masse der
größten und kompliziertesten Schiffe, wie nur wir sie bauen können, stellen.
Wir sind das einzige Mitglied des Bündnisses, wenn man von den Franzosen absieht, das Flugzeugträger besitzt, und die Franzosen haben nur eine sehr
kleine Zahl - ich glaube, es sind zwei. Wir sind die einzigen, die in der
Lage sind, die komplizierten Radaranlagen mit phasengesteuerter Abtastung
zu bauen, die für die Luftverteidigung in hochgefährdeten Gebieten notwendig
sind. Soweit stimme ich also mit Senator Hart 'überein, aber ich würde es
insofern anders ausdrücken, als ich sage, die Allianz als ganzes braucht eine
ganze Reihe weiterer Schiffe zu niedrigeren Kosten, einige unter Anwendung
neuer Konzeptionen, und die Frage, welche davon wir bauen und welche unsere
Verbündeten, das ist etwas, was wir miteinander ausarbeiten müssen.
FRAGE:
- 10 -

�FRAGE:

Eine letzte Frage.

Es ist der Vorschlag gemacht worden, daß wir

unsere konventionelle Militärhilfe für Pakistan erhöhen sollten, um dieses
Land von der Entwicklung eigener Kernwaffen abzubringen.

Was halten Sie von

dieser Idee?
ANTWORT: Ich wäre sicherlich für eine Verbesserung unserer Beziehungen
zu Pakistan, was es uns erlauben würde, mit Unterstützung verschiedenster
Art entgegenkommender zu sein, wenn sie sich eindeutig dazu verpflichteten,
keine nuklearen Sprengsätze zu entwickeln und sich in ihren Handlungen entsprechend verhielten. Solange sie dazu nicht bereit sind, gibt es de facto
ein Gesetz, das es uns verbietet, ihnen die Art von militärischen Lieferungen,
Kreditvergaben und auch andere Dinge auf nicht-militärischem Gebiet zukommen
zu lassen, wie wir es im anderen Falle sehr gerne täten. Ich wäre hocherfreut - und, wie ich weiß, auch die amerikanische Regierung - die Vereinigten
Staaten wären hocherfreut, wenn Pakistan eine solche Verpflichtung einginge
und sie auch einhielte.
FRAGE: Aber es gibt keinen Hinweis, daß Pakistan zu einem Handel solcher Art bereit ist?
ANTWORT: Nun, das ist etwas, was Pakistan für sich selbst zu entscheiden
haben wird. Wir sind nicht in der Position, es davon abzubringen, etwas zu
tun. Wir können nur versuchen, es zu ermutigen, nicht zu einer Nuklearmacht
zu werden, und wir haben dies getan.

- 11 -

�I

1

Wift/choft

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

36

5. September 1979

ANSPRACHE S0L0M0NS AUF DEM EUROPÄISCHEN FORUM IN ALPBACH
- Wortlaut -

ALPBACH, ÖSTERREICH - (AD) - Der Staatssekretär im amerikanischen
Finanzministerium, Anthony M. Solomon, hat am 27. August auf dem Europäischen
Forum in Alpbach einer Ansprache gehalten, in der er sich mit einer Reihe
von finanzpolitischen Fragen befaßte.

Insbesondere ging er auf die Sonder-

ziehungsrechte sowie auf das geplante Substitutionskonto des Internationalen
Währungsfonds ein.
Die Rede Solomons hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, an diesem Symposion zum Thema der internationalen Währungsbeziehungen teilnehmen zu können.

Die Organisatoren dieser Veranstaltung

haben mich ursprünglich gebeten, über die Beziehungen zwischen dem Dollar und
dem neuen Europäischen Währungssystem (EWS) zu sprechen.
schen beiden ist wichtig.

Die Relation zwi-

Ich halte es aber für ebenso wichtig und aufschluß-

reich, die umfassendere Frage der Entwicklung des Weltwährungssystems zu behandeln, das den Rahmen für die Beziehungen zwischen dem Dollar und dem EWS
abgeben wird.

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem meines Erachtens eine

klarere Definition sowohl notwendig als auch realisierbar ist.
Wir

Postfach 20 03 0 0 • Tel: 02221-89 32 40
D 5 3 0 0 Bonn 2
Telex:08-85432

�Wir alle kennen die eingehenden Diskussionen über eine internationale
Währungsreform, die Anfang dieses Jahrzehnts im Zwanziger-Ausschuß geführt
wurden.

Wir erinnern uns an dessen Entscheidung, keine revolutionäre Um-

strukturierung des Weltwährungssystems zu veranlassen, sondern einen flexibleren und pragmatischeren Kurs zu verfolgen, der dem Bedürfnis flexiblerer
Wechselkurse Rechnung trägt, den Anpassungsprozeß erleichtert und das System
befähigt, sich in Rücksicht auf die Erfordernisse des Wandels allmählich
weiterzuentwickeln.

Eingangs hatten die verhandelnden Parteien ein sehr

durchstrukturiertes System in Erwägung gezogen, das die Delegierung eines
hohen Maßes an Autorität an.eine zentrale Körperschaft oder eine Reihe strenger Regeln für das Verhalten der einzelnen Volkswirtschaften vorsah.
konnte man sich aber nicht einigen.

Darauf

Die damalige Entscheidung war zum Teil

von der Erkenntnis geprägt, daß die sich anbahnende Energiekrise umfangreiche
und wichtige Veränderungen zur Folge haben werde, die sich nicht mit der notwendigen Sicherheit voraussagen ließen.
Diese Entscheidung war realistisch. Selbst das damals eingeführte hochflexible Wechselkurssystem mußte inzwischen ernsthafte Belastungen ertragen
und stand zu verschiedenen Zeiten am Rande des Zerbrechens. Es besteht der
berechtigte Wunsch nach mehr Ordnung und Stabilität. Wir müssen indes auch
anerkennen, daß die Welt drastische wirtschaftliche Umwälzungen und abrupte
Veränderungen in den Zahlungsströmungen ohne allgemeinen Rückgriff auf schädigende Restriktionen zu überleben vermochte. Dank großer und anhaltender
Anstrengungen konnten sich unsere Volkswirtschaften aus der tiefsten Rezession der Nachkriegsperiode herausarbeiten. Unser offenes System internationaler Handels- und Kapital ströme, das nunmehr durch die Ergebnisse der Multilateralen Handelsverhandlungen abgesichert ist, besteht fort und funktioniert bestens. Es hat im wahrsten Sinn des Wortes allen Stürmen getrotzt.
Hätten sich die Teilnehmer an den Verhandlungen des Zwanziger-Ausschusses damals für einen anderen Kurs entschieden und den Versuch unternommen, das Währungsgebäude zu errichten, über das sie zunächst beraten hatten, hätten die
nachfolgenden Ereignisse diesen Apparat aller Wahrscheinlichkeit nach hinweggefegt, und die Aussichten der Weltwirtschaft wären heute viel trüber.
Die

�Die Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre sind jedoch sehr lehrreich.
Sie haben uns unsere wechselseitige Abhängigkeit nachdrücklich ins Bewußtsein
gerückt.

Wir wissen um unsere Abhängigkeit von den öleinfuhren.

Wir wissen,

daß die ganze Welt im Falle der Änderung der Lebensgewohnheiten der Sardellen
unter einem Eiweißmangel zu leiden hätte, der echte und extreme Konsequenzen
sowohl für die Verbraucher als auch die Erzeuger von Proteinträgern zur Folge haben müßte.

Wir wissen, daß die Inflation oder der Rückgang der Produk-

tion in einer unserer Volkswirtschaften alle Volkswirtschaften berührt.

Unsere

Nachkriegsentscheidung, ein offenes, kooperatives und wirksames Welthandelsund Zahlungssystem aufzubauen, hat uns fraglos viele Vorteile gebracht.

Sie

hat aber nach meinem Urteil auch für die Welt die alles andere überragende
Notwendigkeit mit sich gebracht, die Wirtschaftspolitik der Länder auf weltweiter Basis besser zu organisieren, zu koordinieren und letztlich auch zu
handhaben.

Die Schwierigkeiten der siebziger Jahre waren letztlich keine Folge des
Versagens des einen oder anderen Währungsmechanismus.
Konvertibilität waren nicht überlebensfähig.

Feste Wechselkurse und

Auch das Floating war streng

genommen weder damals noch heute eine echte Antwort, auch wenn die flexiblen
Kurse und eine generell flexiblere Einstellung zur Anpassung der Wechselkurse
mitgeholfen haben, schwierige Zahlungsbilanzprobleme zu erleichtern und notwendige Korrekturen vorzunehmen.

Das Problem ist weit umfassender, ein Problem zudem, mit dem sich die
Welt auseinandersetzen muß:

Ob sie bereit ist, in aller Offenheit über eine

teilweise Übertragung der nationalen Verfügungsgewalt über die Wirtschaftspolitik an eine internationale Körperschaft zu verhandeln oder nicht.

Ich stelle

diese Frage im vollen Bewußtsein dessen, daß ein solcher Schritt im gegenwärtigen Augenblick politisch nicht realistisch ist.

Die nationale Verfügungs-

gewalt und Autonomie werden aber ohnehin schon durch die Tatsache unserer
wechselseitigen Abhängigkeit - unserer Interdependenz - begrenzt.

Die Frage

ist, ob wir es lernen, das Management unserer Volkswirtschaften zum Vorteil
aller Länder zu koordinieren, oder ob wir uns von den aus dieser Interdependenz

- 3 -

�Interdependenz resultierenden Belastungen und Pressionen den Schwung der
letzten drei Jahrzehnte nehmen lassen und in ein nationalistisch orientiertes und letztlich autarkes internationales Regime zurückverfallen wollen.
Der Zwang der Ereignisse erfordert, daß wir eine Wahl treffen.

Es gibt auf

lange Sicht kein Zwischending - und die lange Sicht wird kürzer und kürzer.
Ich möchte keine Zweifel darüber aufkommen lassen, wie meine eigene
Wahl lautet:

Ich bin der Auffassung, daß das Pulsieren und das Wachstum

der Weltwirtschaft ebenso wüe die zunehmende wechselseitige Abhängigkeit,
die unabdingbarer Bestandteil eben dieses Wachstums war, allen zugute gekommen sind.

Ich habe nicht den Eindruck, daß eine Umkehr dieses Trends

- sei es als Ergebnis bewußter Entscheidungen oder als Folge des Versäumnisses, gemeinsam zu handeln -, den Vereinigten Staaten oder der Welt als
Ganzem irgendwelche Vorteile bringen könnte.
Ich halte es vielmehr für einen Glüaksumstand, daß die Währungsunterhändler Anfang dieses Jahrzehnts - trotz des praktischen Problems, sich zu
einem gewissen Zeitpunkt auf eine umfassende Reform einigen und diese verwirklichen zu müssen - das Fundament für eine allmähliche Evolution eines
weit wirksameren und koheränteren Managements der Weltwirtschaft zu legen
vermochten.
Dieses Fundament bilden zwei wichtige Bestimmungen in der geänderten
Fassung der Satzung des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie sind schwer
lesbar, rühren aber dennoch an den Kern des Problems.
Die erste Bestimmung erteilt dem IWF ausdrücklich die Vollmacht, die
Wechsel kurspolitik der Mitgliedstaaten und den Verlauf des Anpassungsprozesses
der Zahlungsbilanzen zu überwachen. •
Die zweite setzt das Ziel, die Sonderziehungsrechte (Special Drawing
Rights-SDRs) zur hauptsächlichen Liquiditätsreserve des internationalen Währungssystems zu erheben.
Zusammengenommen
- 4 -

�Zusammengenommen geben diese beiden Bestimmungen - die sich einerseits
mit der Anpassung und andererseits mit der Liquidität befassen - die Basis
für die Stärkung der Position des Internationalen Währungsfonds bei der Lenkung des Gesamtsystems ab.

Was die Überwachungsbefugnis angeht, hat der

Fonds inzwischen Grundsätze für die Führung der Wechsel kurspolitik durch die
Mitgliedstaaten und Verfahren und Kriterien für die Beurteilung der Politik
derselben durch den IWF festgelegt.

Der Internationale Währungsfonds er-

kennt in den Richtlinien und in der politischen Handhabung dieser Überwachung
die Tatsache an, daß sich diese Anstrengungen nicht auf die Wechsel kurspolitik im engsten Sinne begrenzen lassen, sondern weitergreifend sein und die
Binnenwirtschaftspolitik insoweit einbegreifen müssen, als diese den Prozeß
der Zahlungsbilanzanpassung berührt.

Die Überwachungsbestimmungen bieten

dem IWF die Möglichkeit, nicht nur Länder mit Zahlungsbilanzdefiziten, sondern auch Überschußländer sowohl hinsichtlich der internationalen Auswirkungen ihrer Politik als auch hinsichtlich der Methoden zu beraten, die sie
vernünftigerweise anwenden sollten, um Zahlungsungleichgewichte auszugleichen.
Die neue Regelung bietet zudem Aussicht auf eine größere Symmetrie in der
Haltung gegenüber dem Anpassungsprozeß, der unerläßliche Voraussetzung für
ein erfolgreich arbeitendes System bildet.

Der Fortschritt in der Wahrnehmung dieser Überwachungsaufgabe durch den
Fonds vollzieht sich langsam und wohlüberlegt.

Das ist verständlich, sind

diese Befugnisse doch erst kurze Zeit in Kraft und besteht doch

zudem die

Notwendigkeit, den Wunsch der Mitgliedstaaten zu respektieren, sich jene
begrenzte Autonomie zu erhalten, die sie in der internationalen Wirtschaft
besitzen.

Für mich ist klar, daß diese Befugnisse des Internationalen Wäh-

rungsfonds weiterentwickelt und gestärkt werden müssen, wenn wir zu einer
echten und dauerhaften Währungsstabilität auf weltweiter Basis gelangen
wollen.

Die Zielrichtung der Überwachungsbestimmungen stimmt:

legenden Voraussetzungen für die Stabilität zu schaffen.

die grund-

Ihre Bewährungs-

probe besteht darin, sie zu einem wirksamen Rahmen für die Koordinierung der
Politik und letztlich auch für die Festlegung derselben durch den Internationalen Währungsfonds zu machen.
Auf
- 5-

�Auf dem Gebiet der internationalen Währungsreserven und Liquidität,
mißt man jetzt langfristig der Entwicklung der Rolle der Sonderziehungsrechte
wieder größere Bedeutung bei.

Vor einem Jahrzehnt sah man in den Sonder-

ziehungsrechten eine potentiell wichtige Neuerung, ein Mittel zur Schöpfung
der benötigten Weltliquidität ohne die gleichzeitige Anhäufung staatlicher
Dollarbestände.

Die Schaffung der SDRs erfolgte jedoch nicht in der Hoffnung,

damit das Problem der Zahlungsungleichgewichte und auch nicht das der fortgesetzten Ausweitung sowohl der Nachfrage nach als auch des Angebots an Devisen in Form von Dollar und anderen Währungen lösen zu können.

Bei den Er-

örterungen im Zwanziger-Ausschuß faßten allerdings alle beteiligten Länder
schon eine zentrale Rolle der Sonderziehungsrechte ins Auge.

Und trotz der

Entscheidung, den Versuch der Errichtung eines stark strukturierten Systems
zu unterlassen, wurde das Ziel, die Sonderziehungsrechte zum hauptsächlichen
Liquiditätsmedium zu entwickeln, in die neue Fassung der IWF-Statuten eingearbeitet.

Dieses Ziel steht im Einklang mit den generellen Auffassungen von heute.
Weite Kreise sind der Meinung, daß die Stabilität des gesamten Systems durch
die Benutzung einer einzigen international geschaffenen und verwalteten Reserveeinheit gefestigt werden wird.

Auch wenn wir nicht alle Implikationen

einer derartigen Weiterentwicklung des Systems wirklich kennen, ist doch
klar, daß uns die Pressionen der letzten Jahre an die Probleme gemahnen, die
dann entstehen können, wenn es zu erheblichen Umschichtungen von Reservewährungen kommt - nicht nur auf den Devisenmärkten, sondern auch, was die
Auswirkungen auf die Kapitalmärkte und die Wirtschaft einzelner Länder angeht.
Gleichzeitig haben die Bestände in Fremdwährungen angesichts des großen internationalen Finanzbedarfs und bedingt durch das Fehlen einer praktischen Alternative erheblich zugenommen.

Es besteht wenig Grund zu der Annahme, daß sich

diese Situation ändern wird, solange eine solche Änderung nicht bewußt herbeigeführt wird.

Eine Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte, die uns

langfristig die Aussicht auf ein aktiveres Management der internationalen
Liquidität durch den Internationalen Währungsfonds bietet, wäre eine wichtige
Ergänzung, die im Verein mit dessen Überwachungsbefugnissen den Einfluß des

- 6 -

�des Fonds auf die Anpassung der Zahlungsbilanz ausweiten könnte.
Vom amerikanischen Standpunkt aus betrachtet lenkt die Aufwertung der
Rolle der Sonderziehungsrechte die künftige Entwicklung des ganzen Systems
in eine legale und wünschenswerte Bahn. Die große internationale Rolle,
die der Dollar heute spielt, ist das Produkt eines evolutionären Prozesses,
der sich von dem übergewicht der amerikanischen Wirtschaft in den ersten
Nachkriegsjahren, der Mechanik des Systems von Bretton Woods und der Offenheit und Stärke der amerikanischen Geldmärkte herleitet. Wir sind uns der
Verantwortung bewußt, die uns aus der derzeitigen Rolle des Dollar erwächst,
und wir sind entschlossen, die Dollarstabilität zu erhalten, obwohl Entwicklungen in der Weltwirtschaft in den letzten Jahren eine gewisse Basis für
eine allmähliche Verminderung der relativen Rolle des Dollar gegeben erscheinen lassen. Viele Volkswirtschaften entwickeln sich im Vergleich zur
amerikanischen Wirtschaft relativ wie auch absolut um einiges rascher.
Die Kapitalmärkte mehrerer Länder haben sich verbreitert und arbeiten heute
wirksamer, und die in früheren Zeiten verfügten Kontrollen der Kapitalströme wurden in vielen Fällen gelockert. Die formellen und technischen
Arrangements des derzeitigen Weltwährungssystems machen den Rückgriff auf
den Dollar für Zwecke der Intervention und der Devisenbeschaffung nicht zwanghaft. Die Errichtung des Europäischen Währungssystems, bei dem der Nachdruck auf der Intervention in bezug auf die Währung der Teilnehmerstaaten und
nicht auf dem Dollar liegt, stellt in dieser Hinsicht eine bedeutsame Veränderung dar.

Aber trotz solcher grundlegender Veränderungen bringen die Vereinigten
Staaten einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Weltliquidität auf, während andere Länder die Rolle, die ihnen nach der Stärke ihrer Binnenwirtschaft und ihres Zahlungsbilanzüberschüssen rechtmäßig zukommt, noch immer
nicht voll und ganz einnehmen. Es wäre ein kostspieliges und der Weltwirtschaft abträgliches Unterfangen, wollten die Vereinigten Staaten den Versuch unternehmen, die Offenheit ihrer Kapitalmärkte zu verringern. Was
heute gebraucht wird, ist eine positivere Einstellung und aktivere Mitarbeit

- 7 -

�Mitarbeit auf Seiten anderer - die Bereitschaft,einen angemesseneren Anteil
an der Verantwortung für die Deckung des Kreditbedarfs der Welt zu übernehmen.
Weitere Schritte können in Gestalt der Beseitigung der Devisenkontrollen und
anderer Restriktionen des Zugangs zu den Kapitalmärkten unternommen werden.
Darüber hinaus bietet vielleicht auch das Europäische Währungssystem wichtige Möglichkeiten.

In Phase zwei der Verwirklichung des EWS ist die In-

stitutionalisierung des ECU (der Europäischen Währungseinheit, European
Currency Unit) als eines Schlüssels zum Zahlungsausgleich innerhalb der Europäischen Gemeinschaft vorgesehen.

Sicherlich ist der ECU geeignet, das euro-

päische regionale Währungsarrangement zu stärken und dazu beizutragen, es zu
verfestigen; fraglich ist aber, ob die Teilnehmerstaaten am EWS dem ECU eine
größere Rolle zugestehen oder möglicherweise sogar dazu ermutigen werden.
Viele Kreise sind im Hinblick auf ihre eigene Währung eher geneigt, von der
Übertragung einer Rolle als Reservemedium abzuraten.

Dennoch kann der ECU

eine Alternative bieten und vielleicht die Übernahme einer stärkeren Rolle
Europas bei der Deckung des Kreditbedarfs der Welt erleichtern, ohne gleichzeitig das Reservesystem in eine noch größere Abhängigkeit von nationalen
Währungen zu führen.

Obwohl eine solche Entwicklung einen Schritt vorwärts

darstellen könnte, würde sie natürlich keinen so entschiedenen Fortschritt
in Richtung auf das Endziel der Errichtung einer einzigen, der Entscheidungsgewalt der Weltgemeinschaft als Ganzes unterliegenden internationalen Reserveeinheit darstellen wie die Sonderziehungsrechte.
Es dürfte aus diesen Überlegungen klar hervorgehen, daß die Vereinigten
Staaten nicht den Wunsch haben, dem Dollar künstlich eine Sonderstellung zu
verschaffen, auch wenn wir seine derzeitige Wichtigkeit kennen und entschlossen sind, seine Stabilität zu gewährleisten. Eine allmähliche Verringerung
der internationalen Rolle des Dollar scheint mit den grundlegenden Entwicklungen der Weltwirtschaft vereinbar. Sollte sich diese Aussicht materialisieren, werden den Vereinigten Staaten hieraus keine Schwierigkeiten erwachsen. Unser Ziel ist es vielmehr, sicherzustellen, daß der Wandel reibungslos
und im Einklang mit den Erfordernissen einer stabilen, offenen und expandierenden Weltwirtschaft verläuft. Die Entwicklung der Sonderziehungsrechte zu

- 8 -

�zu einem geachteten, akzeptierten und nützlichen Reservemedium könnte zu
einem geordneten Wandel und einer Weiterentwicklung in Richtung auf ein
besser zu handhabendes Reservesystem beitragen.

Die Mitgliedstaaten des Internationalen Währungsfonds haben bereits eine
Reihe von Schritten unternommen, die Rolle der Sonderziehungsrechte zu stärken.

Sie sind übereingekommen, die Zuteilungen wieder aufzunehmen; sie haben

Maßnahmen ergriffen, die Zinssätze für Sonderziehungsrechte enger an die
Zinssätze auf den Geldmärkten heranzuführen; und sie haben die Verwendungsmöglichkeiten für Sonderziehungsrechte ausgeweitet.

Kürzlich hat der IWF

auch eine eingehende Untersuchung der Möglichkeit der Errichtung eines sogenannten Substitutionskontos eingeleitet, das die Annahme von Dollarbeträgen
im Austausch für SDR-denominierte Forderungen gestatten würde.

Die Konzeption des Substitutionskontos ist nicht neu.

Ein Konto dieser

oder ähnlicher Art war Bestandteil der meisten Reformpläne, die im ZwanzigerAusschuß diskutiert wurden.

Auch wenn ein solches Konto zum damaligen Zeit-

punkt nicht eingerichtet wurde, herrschte doch weitgehende Übereinstimmung
darüber, daß diese Idee weiter verfolgt werden sollte.

Es ist angebracht, sie

als möglichen Beitrag zu einer Wiederingangsetzung des Trends zu eine" stärkeren Inanspruchnahme der Sonderziehungsrechte erneut aufzugreifen.

Ein Substitutionskonto in geeigneter Form wäre für die internationale Gemeinschaft in mehrerer Hinsicht reizvoll.

Die Sonderziehungsrechte und der ECU

sind ein vielgestaltiges Instrument, das von Natur aus weniger Wechselkursrisiken birgt als die Ansammlung von Beständen einer einzigen nationalen Währung.

DasSubstltütionskonto wäre ein international anerkanntes störungsfreies

Mittel für die Länder, eine stärker differenzierte und stabilere Liquiditätsposition zu erreichen ohne gezwungen zu sein, eine Reihe von nationalen Währungen anzusammeln.

Und die Errichtung eines solchen Kontos könnte zukunfts-

weisend sein - ein konkreter Schritt in Richtung auf die verstärkte

Nutzung

eines im wahrsten Sinn des Wortes internationalen Reservemediums, der Sonderziehungsrechte, und eine Sperre, die uns daran hindert, aus eigenem Versagen

- 9-

�Versagen in ein ungeregeltes multiples Währungssystem zu schlittern.
Wir müssen sehr viel Sorgfalt auf die Gestaltung eines solchen Kontos
verwenden, soll es diesen Zielsetzungen gerecht werden.
sein.

Das wird nicht leicht

Das Konto sollte beispielsweise eine langfristige Verknüpfung mit den

Sonderziehungsrechten einschließen, die nicht rückgängig gemacht werden kann,
wenn sich die Verhältnisse ändern.

In der Praxis müssen die Wesensmerkmale

der Liquiditätseinheit, die über dieses Konto zugeteilt wird, sowohl für die
Besitzer als auch die Begeber von Liquidität attraktiv sein und den Bedürfnissen von Ländern in sehr unterschiedlichen Verhältnissen Rechnung tragen.
Gleichzeitig sollten die Hauptcharakteristika dieses Instruments denen der
Sonderziehungsrechte so ähnlich wie möglich sein - was im Laufe der Zeit und
mit zunehmender Erfahrung Veränderungen auch der Wesensmerkmale der Sonderziehungsrechte nach sich ziehen könnte.

Ein solches Konto müßte ferner einen

angemessenen Ausgleich zwischen den Rechten und Pflichten der Teilnehmerstaaten in unterschiedlichen Situationen und - eine besonders schwierige Frage - eine gerechte Verteilung jedweder Kosten sicherstellen, die aus dem
Unterhalt dieses Kontos erwachsen.
Soll dasSubstitiitionskonto erfolgreich sein - richtungweisend für die Anstrengungen, die Entwicklung des ganzen Systems in eine vernünftige Bahn zu
lenken -, bedarf es der umfassenden und echten Unterstützung und weitgehenden
Beteiligung der Weltgemeinschaft. In den vor uns liegenden Monaten werden
wir feststellen, ob eine solche Unterstützung zu erwarten ist. Sollte dies
nicht der Fall sein, müssen wir bereit sein, andere Schritte in Erwägung zu
ziehen, die geeignet scheinen, eine ordnungsgemäße Entwicklung des Reservesystems zu gewährleisten.
Es ist wichtig, daß wir uns darüber klar werden, was wir von einem Substi
tutiönskonto erwarten können und was nicht. Es sollte nicht als ein dramatischer Schritt oder ein revolutionärer Wandel angesehen werden. Es vermag
weder die immer wiederkehrenden Probleme der Zahlungsungleichgewichte zu lösen noch die Stabilität der Devisenmärkte zu gewährleisten. Es kann Belastun- 10 -

�Belastungen des internationalen Währungssystems nicht verhindern, die von
Steigerungen der ölpreise und dem damit zusammenhängenden gewaltigen Finanzierungsbedarf ausgehen . Es wird die Probleme der Führung unserer Volkswirtschaften in einer Welt zunehmender wechselseitiger Abhängigkeit nicht
beseitigen.

Diese Probleme müssen vielmehr, wie ich schon ausgeführt habe,

durch die parallele Weiterentwicklung der Befugnisse des Internationalen
Währungsfonds und seines Einflusses auf den Anpassungsprozeß in fortgesetzter
Zusammenarbeit unter den wichtigsten Industriestaaten hinsichtlich ihrer makroökonomischen und Währungspolitik gelöst werden.
Was aber ein Substitutiohskonto vermag, ist wichtig und wert, einen Versuch zu wagen. Es würde die Richtung, die wir in der Zukunft einzuschlagen
beabsichtigen, klar aufzeigen. Es wäre ein fester Schritt in Richtung auf
die verstärkte Inanspruchnahme einer internationalen Liquiditätseinheit mit
dem Potential eines aktiveren Managements von Liquiditätsreserven in staatlichem Besitz. Das Sübstitutionskonto würde ferner die wertvolle Möglichkeit
bieten, größere Erfahrungen im Umgang mit den Sonderziehungsrechten zu
sammeln und den Boden für eine langfristige Ausweitung ihrer Rolle sowohl
im staatlichen als auch im privaten Bereich zu bereiten.
Wird das Ziel einer Stärkung der internationalen Rolle der SDRs bestätigt und ein Sübstitutionskonto eingerichtet, verbleibt uns noch immer eine
umfassende Tagesordnung für künftige Untersuchungen und, im Endergebnis,
Verhandlungen. Nach meiner persönlichen Auffassung werden im Lauf der Zeit
zwei Punkte besondere Beachtung gewinnen:
Erstens die Frage, ob sich die umfassendere internationale Rolle der
SDRs nur auf Transaktionen und den Zahlungsausgleich zwischen Regierungen
oder auch auf private Transaktionen erstrecken solle. In den jüngsten Erörterungen im Internationalen Währungsfonds hat man dem Prpblem erhebliche
Beachtung geschenkt, wie man der Währungseinheit, die dieses Konto herausgeben würde, eine Marktorientierung verleihen und damit deren Liquidität
und Anziehungskraft steigern kann. Es gibt darüber hinaus Gründe genug, die

- 11 -

�die private Nutzung von Sonderziehungsrechten dergestalt zu fördern, daß
das ganze System in Richtung auf eine verminderte Inanspruchnahme nationaler
Währungen hin verändert wird.

Ich weiß, daß die Nutzung von Sonderziehungs-

rechten in privaten Kreisen auf Skepsis stößt.

Man hat auf privater Seite

einige Erfahrungen mit "Korb"-Instrumenten gesammelt, und die Märkte haben
sich in der Vergangenheit stets als innovations- und evolutionsfähig erwiesen.

Die Sonderziehungsrechte wären für private Kreditnehmer und Kreditge-

ber kein schwer zu handhabendes Zahlungsinstrument.

Deshalb glaube ich, daß

die Möglichkeit der Entwicklung einer privaten Rolle der Sonderziehungsrechte gegeben ist.

Sollten die Regierungen diese Entwicklung für wünschenswert

erachten, können sie diese durchaus fördern - beispielsweise durch die Ausgabe von auf Sonderziehungsrechten denominierten Bonds im Zuge staatlicher
Kreditaufnahmen zum Zwecke des Zahlungsbilanzausgleichs.

Es ist keine Fra-

ge, daß die Entwicklung einer umfassenden privaten Rolle für die SDRs viel
Zeit in Anspruch nehmen wird.

Sie ist aber realisierbar und kann sich bei

Weiterentwicklung des Systems als höchst wünschenswert erweisen.
Zweitens erhebt sich die Frage, ob und in welchem Ausmaße unsere Bemühungen zur Stärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte innerhalb des Systems
von einer aktiveren Regulierung der Nachfrage und des Angebots an internationaler Liquidität durch die Regierungen begleitet sein sollen. Die rasche Expansion des internationalen Anleihengeschäfts der Banken - sämtliche auf
nationale Währungen und weitgehend auf Dollar lautend - hat nicht nur den
Rückgriff des Systems auf nationale Währungen verstärkt, sondern auch Besorgnis hinsichtlich der Stabilität des Systems als solchem geweckt. Was das
Angebot angeht, widmen die Notenbanken der großen Industriestaaten diesen
aus Vorsicht gestellten Fragen und auch der Frage, ob eine Notwendigkeit für
eine stärkere staatliche Regulierung des Volumens der internationalen Bankgeschäfte besteht, das ihrer Tätigkeit auf den nationalen Märkten gleichkommt, zur Zeit besondere Aufmerksamkeit. Was die Nachfrage angeht, müssen
wir die Möglichkeit ins Auge fassen, die Überwachungsrone des IWF in bezug
auf den Anpassungsprozeß dahingehend zu erweitern, daß ihm eine Beratungsfunktion hinsichtlich der Angemessenheit der Kreditaufnahme der einzelnen
- 12 -

�einzelnen Länder in Rücksicht auf ihre eigene Situation und die des Währungssystems insgesamt zuerkannt wird.

Diese Fragen sind offensichtlich von Rele-

vanz nicht nur für die Führung der nationalen Währungspolitik der Länder,
sondern auch für das wirksame Funktionieren des Prozesses der Anpassung der
Zahlungsbilanzen.
Die Fragen, die ich bezüglich dieser beiden allgemeinen Gebiete aufgeworfen habe, sind ihrem Wesen nach langfristig. Wir müssen sie aber rechtzeitig aufgreifen und beantworten und unsere Anstrengungen fortsetzen, unser
in zunehmendem Maße interdependentes weltweites Währungssystem besser zu
managen. Kurzfristig werden sich unsere Erörterungen verstärkt auf das
Problem konzentrieren, eine Entscheidung zu treffen, ob das Ziel einer Ausweitung der Rolle der Sonderziehungsrechte innerhalb des Systems im Sinne
der derzeitig vorliegenden Vorschläge weiter verfolgt werden soll und, falls
dies geschieht, welche Schritte zu deren Verwirklichung unternommen werden
können.
Ehe ich zum Abschluß komme, möchte ich noch kurz auf die derzeitige
Weltwirtschaftslage und ihre Relation zu den langfristigen Fragen Stellung
nehmen, die ich heute hier erörtert habe. Wie schon erwähnt, hat sich die
Welt den öl Preiserhöhungen und anderen Störungen Mitte dieses Jahrzehnts
mit hinreichendem Erfolg angepaßt. Bedauerlich ist, daß die Weltwirtschaft
durch die 60prozentige Steigerung der öl preise in der ersten Jahreshälfte
erneut in eine Situation hineingezogen wurde, die in mancher Hinsicht an
jene Periode erinnert. Die Überschüsse der OPEC-Länder werden abermals
stark zunehmen - etwa in der Größenordnung von 40 Milliarden Dollar. Die
öl importierenden Länder der Erde werden schwere Defizite erleiden. Die
ärmeren unter den Entwicklungsländern werden hiervon besonders benachteiligt.
Das Wirtschaftswachstum wird weltweit schrumpfen und die Inflation in allen
Ländern verschlimmert. Die internationalen Finanzierungserfordernisse werden
rasch zunehmen, und wir müssen mit dem erneuten Auftreten gewisser Belastungen
und Finanzierungsschwierigkeiten einzelner Länder rechnen.

Wir
- 13 -

�Wir sollten darüber aber unsere Stärke nicht vergessen. . Das internationale Finanzierungssystem - das private ebenso wie das staatliche - hat seine
Fähigkeit gezeigt, auf wechselnde Erfordernisse rasch und wirksam zu reagieren.

Unser Instrumentarium für die Zusammenarbeit im monetären Bereich ist

gut entwickelt.

Die großen Ungleichgewichte unter den wichtigsten Industrie-

staaten sind im Schwinden begriffen.

Die deutschen Überschüsse sind stark

rückläufig, und der japanische Überschuß ist gänzlich verschwunden.

Die

amerikanische Zahlungsbilanzposition gewinnt rasch an Stärke, und wir können
schon im nächsten Jahr mit einem bescheidenen Überschuß rechnen.

Diese Ver-

änderungen geben im Verein mit der festen Zusage der Vereinigten Staaten,
die Stärke und Stabilität des Dollar zu wahren, eine gute Basis für stabilere
Devisenmärkte ab. Und der Internationale Währungsfonds - gestützt durch die
ergänzende Finanzierungsfazilität und in Kürze gestärkt durch die im letzten
Jahr gebilligte Erhöhung der Einlagequoten - ist in einer guten Position,
die verstärkte Nachfrage seiner Mitglieder nach Finanzierungsmitteln für
Zwecke des Zahlungsausgleichs und für die Anpassungsprogramme zu befriedigen.
Kurz gesagt, die jüngsten öl Preiserhöhungen werden zweifelsohne auf dem
Gebiet der internationalen Finanzen Schwierigkeiten hervorrufen. Man wird
deshalb die Entwicklung der Lage sorgfältig beobachten müssen; die Sicherungsvorkehrungen für die Aufrechterhaltung unseres offenen Systems des
Handels- und des Zahlungsverkehrs sind noch immer stark. Gleichzeitig müssen wir uns darüber klar werden, daß die derzeitigen Schwierigkeiten zum
Teil Symptom eines anderen, langfristigen Problems sind: die in zunehmendem Maße interdependente und anfällige Weltwirtschaft in Gang zu halten.
Die vornehmliche Beschäftigung mit kurzfristigen Erfordernissen darf unsere
Aufmerksamkeit nicht von der Notwendigkeit ablenken, Schritte in Erwägung
zu ziehen, die unternommen werden können, um die Entwicklung unseres Systems
v
langfristig besser zu steuern..
Lassen Sie mich zum Abschluß noch einige Punkte klar herausstellen.
Das vornehmliche Ziel der Vereinigten Staaten in den Bestrebungen zur Ver- 14 -

�Verbesserung des Weltwährungssystems ist dessen geordnete Weiterentwicklung.

Wir erwarten beispielsweise als ein Ergebnis der Überwachungstätig-

keit des Internationalen Währungsfonds Ratschläge bezüglich unserer eigenen
Politik, und wir werden diese Ratschläge sehr ernsthaft in Erwägung ziehen.
Wir rechnen damit, daß andere ein gleiches tun.

In den Diskussionen um

ein Substitutionskonto sind wir nicht darauf aus, anderen Ländern Änderungen
in der Handhabung ihrer Währungsreserven aufzudrängen, sondern eine zusätzliche attraktive Option anzubieten, den in der neugefaßten IWF-Satzung
aufgestellten Zielsetzungen einen tieferen Sinn zu geben und den Weg zu
einem stabileren Währungssystem in der Zukunft zu weisen.

In keiner dieser

Bemühungen suchen wir uns unserer Verantwortung zu entziehen, das Gleichgewicht in unseren Außenwirtschaftsbilanzen wiederherzustellen und die
Stabilität des Dollar zu wahren.
werden ihr nachkommen.

Diese Verpflichtung ist klar, und wir

Es ist nicht unser Ziel, weder heute noch in der

Zukunft, die Weiterentwicklung des EWS zu behindern oder in die Entwicklung
des ECU einzugreifen.

Wir sind uns zudem bewußt, daß der Erfolg des EWS

zum Teil von der Stabilität des internationalen Systems insgesamt - einschließlich der Stabilität des amerikanischen Dollar - abhängt, und daß
der Tätigkeit des EWS große Bedeutung für die Stabilität des umfassenderen
Systems zukommt.
Wir sehen uns mit der zunehmend dringlicheren Notwendigkeit konfrontiert, gemeinsam zu entscheiden, wie wir unsere interdependente Weltwirtschaft zu gestalten wünschen. Sollte es uns nicht möglich sein, weiter
voranzuschreiten, besteht die echte Gefahr, daß wir zurückfallen. Es wäre
sinnlos, annehmen zu wollen, ein starkes kooperatives Management auf diesem
Gebiet werde über Nacht und so gut wie von selbst Zustandekommen. Wir
können und müssen aber unseren Kurs klar abstecken und Schritte einleiten,
die geeignet sind, die weitere Entwicklung des Systems wirksam zu lenken.

+ + + + +

- 15 -

�5. September 1979

36

EXPLOSIONSARTIGE ENTWICKLUNG DES WELTFUNKVERKEHRS
Gigantische administrative Aufgabe für Internationale

Fernmeldeunion

- (AD) - Das Stimmenbabel im Luftraum und erdnahen Weltraum wird immer
größer.

Die moderne Funktechnik macht es möglich, daß Millionen gleichzeitig

reden, und ihre Zahl wächst mit jeder Minute.
formation und Kommunikation.

Wir leben im Zeitalter der In-

Durch Fernsehen, Radio, Telefon und Funkschnell-

schreiber kann nahezu jeder mit jedem irgendwo auf dieser Erde in Sekundenschnelle in Verbindung treten.
Es ist Aufgabe der Internationalen Fernmeldeunion (ITU), zu verhindern,
daß in dieser Flut die einzelnen Stimmen untergehen. Auf der nächsten Konferenz in Genf, die am 24. September 1979 beginnt, werden die Vertreter von 154
Nationen nicht nur eine Bilanz der letzten 20 Jahre ziehen, sondern - was noch
viel wichtiger ist - Pläne ausarbeiten, die auch in den nächsten 20 Jahren jeder
Stimme eine Chance geben, gehört zu werden. Die im Verlauf der Gespräche auf
der "World Administrative Radio Conference (WARC)" (Internationale Konferenz
über die Zuteilung von Frequenzen) getroffenen Entscheidungen werden den Kommunikationsfluß auf der Welt für den Rest dieses Jahrhunderts ganz entscheidend
beeinflussen.
Dies

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dies ist die bei weitem größte Konferenz in der Serie internationaler
Tagungen, die bis auf das Jahr 1865 zurückgehen.

Damals setzten sich zum

ersten Mal die europäischen Länder zusammen, um Regeln für den TelegraphieDienst auszuarbeiten.

Das war die Geburtsstunde der ITU.

Beginnend mit die-

sem Jahr werden die Entwicklungsländer eine wichtige Rolle spielen.

Die meisten

von ihnen existierten noch gar nicht, als auf der letzten Konferenz im Jahr
1959 Beschlüsse für die folgenden zwei Jahrzehnte gefaßt wurden.

Der politischen

Revolution, die diesen Nationen inzwischen zum Leben verhalf und ihrer Stimme
Gehör verschaffte, entspricht eine nicht weniger tiefgreifende technische Revolution.
Vor 20 Jahren steckte die Raumfahrttechnik noch völlig in den Kinderschuhen. Fernsehen und mobile Funkstationen an Land spielten kaum eine Rolle.
Heute aber breiten sich Fernsehsendebereiche wie das Geäst eines Baumes in jeder Stadt und in Tausenden kleiner Ortschaften ständig weiter aus. Radiound Fernsehsendungen über Satelliten werden um die ganze Erde ausgestahlt.
Und die Geräte der neuen Technik werden ständig weiter verbessert, die Kosten
gesenkt: Trotz Inflation kostet die Nachrichtenübermittlung über Satelliten
von Jahr zu Jahr weniger. Die Organisation für Internationale Fernmeldesatelliten (INTELSAT), ein Konsortium von mehr als 100 Mitgliedstaaten, hat
kürzlich ihre Gebühr für eine voll ausgelastete Telefonleitung erneut reduziert, und zwar um 16 Prozent auf 960 Dollar pro Monat. Die gleiche Dienstleistung kostete im Jahr 1965 noch 5334 Dollar. Hätte die Gestaltung der Gebühren mit der Inflation Schritt gehalten, müßten dafür heute ungefähr 11 000
Dollar bezahlt werden.
Das Funkwellenspektrum kennt offenbar keine Begrenzung mehr nach oben.
Funkingeneüre können bereits Frequenzen bis hinauf zu 500 Gigahertz - das sind
100 Milliarden Schwingungen in der Sekunde - benutzen. Die jungen Länder
möchten sicher sein, in dieser Entwicklung nicht übergangen zu werden. "WARC
wird ein Wendepunkt werden", meinte ein amerikanischer Regierungsvertreter.
Die ITU werde nicht länger den Charakter eines westlichen Klubs behalten können und müsse zu praktischen Kompromissen gelangen. Einige Entwicklungslander
- 2 -

�Entwicklungsländer verlangen bereits Garantien, daß Teile des Wellenspektrums
für sie reserviert werden, bis sie ihre eigene Technik soweit entwickelt haben,
daß sie Gebrauch davon machen können.

Die Vereinigten Staaten teilen die Ansicht, daß jedermann das gleiche
Recht haben solle, seine Stimme hörbar zu machen.

Aber sie geben dem in der

Vergangenheit bewährten flexiblen Verfahren den Vorzug.

Wenn Nationen einen

bestimmten Teil aus dem Wellenspektrum benötigten, koordinierten sie dies mit
anderen Ländern und ersuchten die ITU um die Genehmigung, die auch gewöhnlich
erteilt wurde.

Diesem Improvisieren ist es zu verdanken, daß trotz des immer

wieder überraschenden Entwicklungstempos der Technik der ständig wachsende Bedarf an Frequenzbändern noch immer gedeckt werden konnte.

Teile des Spektrums

für Nationen zu reservieren, die sie noch gar nicht verwenden können, wäre nach
Ansicht der Vereinigten Staaten Vergeudung.

Durch eine solche Politik würden

auch Anreize blockiert, sich um Technologien zu bemühen, die einen noch sehr
viel sparsameren Umgang mit den Bandbereichen ermöglichen.

Aber einige Teile des Wellenspektrums sind nun einmal stärker in Anspruch
genommen als andere.

Das Spektrum der Radiofrequenzen reicht von sehr niedri-

ger Frequenz (VLF - ^lery low frequency) mit etwa drei Kilohertz (die Untergrenze für das Hörvermögen beim Menschen)

und Wellenlängen von 3000 m bis zu ex-

trem hohen Frequenzen (EHF) mit Wellenlängen von nur 1 mm.

Hochfrequenzbereiche

(HF) und Bereich sehr hoher Frequenzen (VHF), mit den Bändern für Fernsehen,
Kurzweilenfunk, Polizeiwagen und Taxis, Schiffsfunk zur Küste und Funkverbindungen vom Boden zu Flugzeugen, Funktelefone usw. liegen irgendwo in der Mitte.
Dafür die notwendigen Anpassungen zu finden, wird eine schwierige Aufgabe für
die WARC sein.

Denn immer mehr Länder und Organisationen müssen sich in die

vorhandenen Möglichkeiten teilen, und die technischen Experten müssen sich viel
Neues einfallen lassen, um noch mehr Stimmen in die Bandfrequenzen hinerinzuquetschen.

Die Entwicklungsländer, die hohe Frequenzen für ihre eigenen Nach-

richtenmedien sehr viel verwenden und gleichzeitig in den internationalen
"Kurzwellenklub" drängen, werden besonders darauf bedacht sein, ihre Interessen
auf diesem Gebiet zu wahren.
Ein
- 3 -

�Ein weiteres Problem sind die Fernmeldesatelliten.

Platz wäre sicher-

lich genug vorhanden für viele dieser technischen Wunderwerke. Aber weil sie
auf den gleichen Frequenzen zu benachbarten Punkten auf der Erde senden, gibt
es eine Grenze dafür, wie nahe sie am Himmel beieinander stehen können. Einige Länder sind der Ansicht, daß die "Parkplätze" bald belegt sein werden.
Weitere Gesprächsthemen sind die Ausweitung des Mittelwellenfunks, Radarsatelliten für Landvermessung, Wettervorhersage, kontinuierliche Überwachungsaufgaben usw., ferner solare Kraftstrom-Satelliten, Radioastronomie und vieles
andere..

Die USA hoffen, daß die Konferenz bei den technischen Problemen bleibt,

die allein schon kompliziert genug sind, und sich nicht auf politische Seitengleise abdrängen läßt. Die ITU hat sich bisher stets auf technische Fragen
konzentriert und sich - zur allgemeinen Zufriedenheit - immer bemüht, die Voraussetzungen zu schaffen, daß die wachsende Zahl der Stimmen in ihrer ganzen
Verschiedenheit auch hörbar werden.
Amerika ist entschlossen, diese Tendenz weiterhin zu unterstützen. Die
USA haben großes Interesse daran, den funktionsfähigen internationalen Konsens
zu erhalten. Gelänge dies nicht, wäre das Chaos nicht weit. So ist die Konferenz, wie die Zeitschrift "Business Week" schreibt, "zum Erfolg verurteilt".

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Donald F. McHenry: Neuer US-Chefdelegierter bei den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brown: USA müssen globale Stärke beibehalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Interviews mit "National Public Radio" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Solomons auf dem Europäischen Forum in Alpbach&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Explosionsartige Entwicklung des Weltfunkverkehrs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Gigantische administrative Aufgabe für Internationale Fernmeldeunion -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>ii

1

Information
und

ii

7TT

&gt;

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

INHALT

DOKUMENTATION
Erklärung Präsident Carters zur Stationierung der M-X Rakete

Präsident Carter fordert höheren Verteidigungshaushalt
- Wortlaut des Schreibens an den Kongreß -

Präsident Carter:

Feste Diplomatie erforderlich

- Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba Erklärung des US-Außenministers zur NATO-Politik
- Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas -

Erklärung von Außenminister Vance zur Anwesenheit sowjetischer Truppen
auf Kuba

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Prüfung von Umweltchemikalien
- Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

ERKLÄRUNG PRÄSIDENT CARTERS ZUR STATIONIERUNG DER M-X RAKETE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 7. September 1979 seine Entscheidung über die neue Generation nuklearer Interkontinentalraketen bekanntgegeben. In einer längeren Erklärung erläuterte der Präsident diese Entscheidung.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Ich habe eine Erklärung über das neue strategische Abschreckungssystem
abzugeben, die ich als recht bedeutsam erachte. Manche Beobachter werden
sie auf eine Stufe stellen mit zwei anderen zentralen Entscheidungen, die in
diesem Jahrhundert von Präsidenten getroffen wurden: die eine war die Errichtung des Strategischen Luftkommandos selbst unter Präsident Truman, die andere
die spätere Entscheidung Präsident Kennedys über die Einführung des Systems
der verbunkerten Minuteman-Raketen.
Nahezu

30 Jahre lang hat unser Land nunmehr vor jedem Angriff abge-

schreckt und den Frieden durch ein sich ergänzendes System von Kernwaffen
zu Lande, zur See und in der Luft gesichert, ein System, das allgemein als die
"Strategische Triade" bekannt ist.
Durch

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�»•

&lt;

Durch die Aufrechterhaltung der besonderen Stärke und Vorteile, die eine
jede dieser drei getrennten Waffengattungen bietet, machen wir es jedem Feind
unmöglich, einen Gegenschlag auf sie alle auszuführen.
Meine Administration hat nun mit einem Programm zur Modernisierung und
Verbesserung aller drei Systeme der gesamten strategischen Triade begonnen,
um jeden Angriff zu überleben.

Unsere Bomberflotte wird verstärkt durch Marsch-

flugkörper, die mit Kernsprengköpfen ausgerüstet sind.

Unsere strategische

Unterseebootflotte wird durch Trident-U-Boote und Trident-Raketen verbessert.
Als Folge der zunehmenden Zielgenauigkeit der strategischen Systems wurden jedoch die festen, landgestützten Interkontinentalraketen (ICBMs) oder
die verbunkerten Interkontinentalraketen wie unsere Minuteman immer anfälliger gegen Angriffe.

Ein System beweglicher Interkontinentalraketen wird

diese Verwundbarkeit erheblich vermindern.

Deshalb entschied ich vor eini-

gen Monaten, daß die umfassende Entwicklung und Dislozierung einer neuen,
großen, beweglichen Interkontinentalrakete, bekannt als die M-X, in Angriff
genommen werden soll.

Ich habe diese Entscheidung getroffen, um unserem Land

jetzt und in Zukunft eine sichere strategische Abschreckung zu gewähren.
Die M-X wird es uns ermöglichen, mit einer modernisierten, unübertroffenen, überlebensfähigen strategischen Abschreckung durch unsere Triade aus
Interkontinentalraketen, U-bootgestützten Raketen und Schweren Bombern fortzufahren:

die mit Marschflugkörpern ausgerüstete Triade aus ICBMs, U-boot-

gestützten ballistischen Raketen und Schweren Bombern.
Die Art und Weise, in der wir die M-X dislozieren, um ihren eigenen Schutz
vor einem Angriff zu vergrößern, ist lebenswichtig für ihre Fähigkeit zur
Verteidigung unseres Landes.
Zur Zeit meiner Entscheidung für den Bau der M-X, legte ich fünf wesentliche Kriterien fest, die ein Stationierungssystem zu erfüllen hat.

- 2 -

Erstens:

�»

Erstens:

es muß zu der Fähigkeit der Strategischen Streitkräfte beitragen,

einen Angriff zu überleben.

Zweitens:

es muß verifizierbar sein, um einen

Maßstab zu setzen, der als Vorläufer für die Verifizierbarkeit mobiler ICBMSysteme auf beiden Seiten dienen kann.

Drittens:

es muß die nachteiligen

Auswirkungen auf unsere Umwelt so gering wie möglich halten. Viertens:
seine Dislozierung muß für den amerikanischen Steuerzahler zu einem vernünftigen Preis möglich sein.

Und fünftens:

es muß in Einklang mit existieren-

den SALT-Vereinbarungen stehen sowie mit unserer Zielsetzung bei SALT III,
umfangreiche gegenseitige Verminderungen der strategischen Waffen auszuhandeln.

Im Licht dieser Kriterien und nach umfassender Konsultation mit Verteidigungsminister Harold Brown und meinen anderen wichtigsten Beratern

habe

ich mich für die folgende Struktur der Stationierung des M-X-Raketensystems
entschieden:

die M-X wird beweglich in einem Bunkersystem entlang eines

Straßennetzes stationiert, das in unseren westlichen Wüstengegenden konstruiert werden und dessen Gesamtgebiet 25 Quadratmeilen nicht überschreiten wird.

Dieses System wird aus 200 Raketentransportern oder -Startanlagen bestehen, die alle rasch beweglich sind auf Spezialstraßen, die annähernd 23
horizontale Unterstände verbinden.

Lassen Sie mich darlegen, wie dieses System die Kriterien erfüllt, die
ich festgelegt habe.

Erstens:

es erhöht die Überlebensfähigkeit unserer Ra-

keten durch die Vervielfachung der Anzahl von Zielen, die angegriffen werden
müßten.

Denn da nicht feststeht, in welchem der 23 Unterstände sich die

Rakete befindet, müßten alle 23 Unterstände angegriffen werden, um sicherzugehen, daß die Rakete selbst angegriffen wird.

Die Fähigkeit der Raketen zur raschen Fortbewegung stellt sicher, daß
kein Angreifer in der Lage ist, vorzeitig herauszufinden, wo die Raketen disloziert sind, und dann nur diese Stellungen angreifen könnte.

Tatsächlich

wären die Raketen in der Lage, ihre Unterstände noch während der Flugzeit

- 3 -

�&lt;

Flugzeit einer feindlichen Interkontinentalrakete zu wechseln.

Zudem ist

das System beweglich genug, so daß wir die Dislozierungsskala nach oben oder
unten in Beantwortung einer zukünftigen feindlichen Bedrohung anpassen oder
aber mit zukünftigen SALT-Verhandlungen fortfahren können.
Zweitens:

das System ist angemessen verifizierbar.

Das spezielle

Straßennetz ist auf vorbezeichnete Gebiete begrenzt, und die begleitenden
Raketentransportfahrzeuge werden nicht in der Lage sein, sich auf anderen
als auf den gekennzeichneten Straßen fortzubewegen.
Die Unterstände werden so entworfen, daß sie geöffnet werden können,
um nachzuweisen, daß in ihnen keine zusätzlichen Raketen verborgen sind.
Diese und andere Eigenschaften werden dieses System angemessen verifizierbar machen.
Drittens hält das System die Auswirkung auf die Umwelt so niedrig wie
möglich. Die Bunker sind ebenerdig. Die Öffentlichkeit wird weiterhin Zugang zu den Gebiet haben. Nur die Unterstände selbst werden eingezäunt
sein. Das gesamte System wird, wie ich eben sagte, der öffentlichen Benutzung lediglich etwa 25 Quadratmeilen Land entziehen.
Viertens: das System ist erschwinglich. Die veranschlagten Kosten
über eine volle 10-Jahresperiode, also die Gesamtkosten, die die Entwicklung, die Herstellung und die Dislozierung umfassen, belaufen sich auf 33
Milliarden Dollar, den Dollarwert von 1980 zugrundegelegt. Obwohl sich diese Erstellungskosten mit fortlaufendem Programm etwas ändern können, ist es
doch wichtig, festzustellen, daß die Kosten für dieses System, ausgedrückt
in einem gleichbleibenden Dollarwert, nicht höher sein werden als die Kosten
für jedes der ursprünglichen drei Stützen unserer strategischen Triade
- sei es die B-52-Waffe, die Polaris-Poseidon-Waffe oder das Minuteman ICBMSystem.
Schließlich steht das System in Einklang mit den vorhandenen SALT-Ver-

�SALT-Vereinbarungen und mit unseren Ziel Vorstellungen für SALT III.

Indem wir dieses System dislozieren, machen wir der Sowjetunion klar,
daß sie keinerlei strategische Vorteile aus dem fortgesetzten nuklearen
Wettrüsten erzielen kann.

Dies ist eine grundlegende Vorbedingung für

wirkungsvollere Abkommen über Rüstungskontrolle.

Ebenso wichtig ist die

Tatsache, daß dieses System in die Richtung auf eine Verminderung der strategischen Waffen zielt, da wir besseren Schutz mit weniger Raketen erhalten.

Ohne ein solch bewegliches Bunkersystem wäre der einzige Weg zur Auf-

rechterhai tung unserer Abschreckung eine starke Erhöhung der Anzahl unserer
strategischen Systeme oder Kernraketen.

Im Verlauf einer Reihe von Entscheidungen, die zu dieser Ankündigung
führten, habe ich die potentielle Bedrohung unserer Minuteman-Waffe sorgfältig untersucht.

Diese Bedrohung ist echt.

Das System, das ich hier aus-

geführt habe, wird diese Gefahr am ehesten bannen, während es gleichzeitig
die Bedingungen erfüllt, die ich zu Beginn im einzelnen angegeben habe.
Das System ist überlebensfähig, es ist verifizierbar, es hat die geringste
Auswirkung auf die Umwelt, es ist finanziell erschwinglich, und es steht
in Einklang mit unserem Ziel

der ausgedehnten Verminderung der strategischen

Waffen bei SALT.

Zusammenfassend:

dieses System wird die Sicherheit unseres Landes

vergrößern, indem es sowohl unsere strategische Abschreckung verstärkt als
auch die Aussicht auf wirkungsvollere Rüstungskontrolle bietet.
System ist kein Verhandlungsgegenstand.

Dieses

Es ist ein System, das Amerika

braucht und für seine Sicherheit haben wird.

Ich bin zuversichtlich, daß

das amerikanische Volk seine Dislozierung unterstützen wird.

Unglücklicherweise leben wir noch nicht in einer solchen Welt, die es
uns erlauben würde, alle unsere Mittel in den Dienst des Friedens zu stellen.
Und als Präsident habe ich keine höhere Pflicht als diejenige, die Sicherheit
der Vereinigten Staaten über jeden Zweifel hinaus zu schützen.

- 5-

Solange die

�I

die Bedrohung eines Krieges andauert, werden wir alles tun, was notwendig
ist, um diese Bedrohung der Sicherheit unseres Landes zu bannen.

Wenn

SALT II ratifiziert und SALT III erfolgreich ist, wird vielleicht die Zeit
kommen, da kein Präsident mehr diese Art Entscheidung zu treffen haben wird
und das M-X System das letzte Waffensystem von solch ungeheuer zerstörerischer
Gewalt sein wird, das wir je bauen mußten.

Ich bete inständig für diese Zeit;

aber bevor sie kommt, werden wir bauen, was wir bauen müssen, sogar während
wir weiterhin für gegenseitige Zurückhaltung bei der strategischen Rüstung
arbeiten.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

PRÄSIDENT CARTER FORDERT HÖHEREN VERTEIDIGUNGSHAUSHALT
- Wortlaut des Schreibens an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 11. September 1979 in zwei
gleichlautenden Schreiben an den Sprecher des Repräsentantenhauses und den
Präsidenten des Senats den Kongreß darüber informiert, daß er für das Haushaltsjahr 1980 um die Bewilligung von zusätzlichen 2,7 Milliarden Dollar für
den Verteidigungshaushalt nachsuchen werde.
Der Text des Schreibens hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Ich bin sicher, daß Sie mit mir darin übereinstimmen, daß wir weder die
legitimen amerikanischen Interessen im Ausland wirkungsvoll sichern noch Frieden, Gerechtigkeit und Ordnung zu Hause ungefährdet aufrechterhalten können,
wenn unsere nationale Sicherheit nicht durch angemessene Verteidigungskräfte
geschützt wird. Die grundlegende Verantwortung des Präsidenten - eine Verantwortung, die er mit dem Kongreß teilt - besteht darin, Verteidigungskräfte
zu unterhalten, die angemessen sind, um die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu garantieren. Diese Administration stellte sich dieser Verantwortung, indem sie sofort und nachdrücklich vorging, um den Abwärtstrend bei

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�4

bei den amerikanischen Verteidigungsanstrengungen umzukehren.

Dies zeigt

eine Analyse der Trends bei den effektiven Verteidigungsausgaben seit Mitte
der sechziger Jahre. Auf den NATO-Gipfeltreffen im Mai 1977 und 1978 überzeugten wir unsere Verbündeten davon, sich uns zur Verfolgung des Ziels eines
tatsächlichen dreiprozentigen jährlichen Wachstums der Verteidigungsausgaben
sowie bei einem ehrgeizigen und langfristigen Verteidigungsprogramm für das
Bündnis anzuschließen.

Zusammen bedeutete dies einen Wendepunkt - nicht nur

für die Vereinigten Staaten, sondern für das gesamte Bündnis.
Was uns anbelangt, so handelten wir umgehend, um diesen Entschluß in die
Tat umzusetzen.

Wir genehmigten die Produktion der XM-1 Panzer; wir erhöhten

wesentlich die Anzahl unserer Panzerabwehr-Lenkflugkörper; wir dislozierten
F-15 und zusätzliche F-lll in Europa sowie Ausrüstung für zusätzliche Landstreitkräfte.

Wir verminderten den Rückstand bei der

Schiffsüberholung und

schlichteten vertragliche Meinungsverschiedenheiten, die den Fortgang beim
Schiffbau bedrohten.

Bei den strategischen Systemen beschleunigten wir die

Entwicklung und begannen mit der Beschaffung der weitreichenden luftgestützten
Marschflugkörper, mit der Dislozierung der Trident I-Raketen sowie mit der
Modernisierung unserer Interkontinentalraketen-Streitmacht durch unsere Verpflichtung zur Dislozierung der M-X Rakete in überlebensfähiger Stationierung.
Diese und weitere Initiativen waren die Bausteine eines entschlossenen
Programms, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten militärisch stark
bleiben. Die Vorlage des Budgets für das Haushaltsjahr 1980 letzten Januar
war entworfen worden, um dieses Programm fortzuführen. In den darauffolgenden
Monaten ist die Inflationsrate jedoch höher gestiegen, als bei den Kostenkalkulationen im Zusammenhang mit diesem Verteidigungsprogramm angenommen worden war. Demzufolge habe ich die Absicht, dem Kongreß unverzüglich einen
Zusatz zum Verteidigungshaushalt zuzusenden, um genügend Geldmittel bereitzustellen, damit im Haushaltsjahr 1980 mit der Durchführung eines Verteidigungsprogramms der Administration fortgefahren werden kann, das sich auf unsere genaueste Abschätzung der im Verlauf des Haushaltsjahres zu erwartenden
Inflationsrate stützt. Obwohl die genauen Berechnungen, die zur Vorbereitung
- 2 -

�Vorbereitung eines Gesetzeszusatzes notwendig sind, im Moment noch durchgeführt werden, erwarte ich, daß der Zusatzbetrag ungefähr 2,7 Milliarden Dollar
an Haushaltsvorgriffsmitteln über die Budgetforderung der Administration vom
Januar 1979 hinaus umfassen wird.

Inflationsausgleich als solcher ist nicht genug, um sicherzustellen,
daß wir auch im Haushaltsjahr 1980 mit einem angemessenen Verteidigungsprogramm fortfahren.

Auch müssen das Programm und die Mittel im wesentlichen

so genehmigt und bewilligt werden, wie wir sie vorgelegt haben.

Deshalb wer-

de ich im Verlauf der Beratungen des Kongresses über den zweiten Haushaltsbeschluß Obergrenzen für die nationale Verteidigung für das Haushaltsjahr
1980 in Höhe von 141,2 Milliarden Dollar an Haushaltsvorgriffsmitteln und
130,6 Milliarden Dollar an Ausgaben unterstützen.

Außerdem werde ich den

Kongreß ersuchen, das Verteidigungsprogramm der Administration für das Haushaltsjahr 1980 zu unterstützen, und insbesondere die Bewilligungsausschüsse,
die Geldmittel auch zuzuteilen, die zu seiner Durchführung notwendig sind.

Zudem plane ich für das Haushaltsjahr 1981 einen weiteren realen Anstieg
der Verteidigungsausgaben.

Das Verteidigungsministerium arbeitet zur Zeit

die Einzelheiten dieses Haushalts aus.

Es wäre aus diesem Grund verfrüht,

die Merkmale dieses Budgets über die Feststellung hinaus zu beschreib- ,
daß es mit dem breitangelegten Vorstoß unseres Verteidigungsprogramms fortfahren wird und daß ich die Absicht habe, auch weiterhin unsere gegenseitigen
Verpflichtungen mit unseren NATO-Verbündeten unterstützen werde.

Obwohl dieses Verteidigungsprogramm angemessen ist, ist klar, daß wir
noch mehr ausgeben könnten und dadurch mehr militärische Schlagkraft erhalten würden.

Aber unsere nationale Sicherheit beinhaltet mehr als die reine

militärische Schlagkraft; es gibt noch andere legitime Forderungen, die an
unsere Haushaltsmittel gestellt werden.

Diese miteinander im Widerstreit

liegenden Prioritäten werden uns stets begleiten bei dieser ausgedehnten Vielfalt von Budgetentscheidungen, die zu treffen sowohl der Kongreß als auch
der Präsident aufgerufen sind.

Die Verteidigungsausgaben sind in der Tat

- 3 -

�Tat - in konstanten Dollar ausgedrückt - niedriger als im Jahr 1963 und
stellen einen viel niedrigeren prozentualen Anteil am Bruttosozialprodukt
dar (5 Prozent im Vergleich zu 9 Prozent).

Es gibt Leute, die glauben,

daß dies einen Rückgang der amerikanischen Militärmacht verursacht hat und
daß das militärische Gleichgewicht sich nun gegen uns neigt.
nicht daran, aber ich bin über die Trends beunruhigt.

Ich glaube

Ich glaube, es ist

für uns notwendig, diesen Trends entgegenzuarbeiten.
Der Verteidigungsminister wird dem Kongreß in den kommenden Monaten
die hervorstechenden Züge unseres Verteidigungsprogramms hinsichtlich der
Ziele, die es unserer Meinung nach zu erreichen gilt, darlegen sowie das
5-Jahres-Verteidigungsprogramm unterbreiten, durch das wir diese Ziele erreichen wollen. In diesem Zusammenhang wird er neben vielen anderen Themen
auch ausführen, wie das M-X Programm sowie unsere anderen strategischen Programme zur Aufrechterhaltung des wesentlichen Gleichgewichts zwischen den
zentralen strategischen Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beitragen werden, wie wir planen, die nuklearen Gefechtsfeldwaffen in
Zusammenarbeit mit unseren NATO-Verbündeten zu modernisieren, und wie unsere
Programme für die allgemeinen Streitkräfte sowohl zu unserer militärischen
Fähigkeit beitragen, unsere NATO-Verbündeten zu unterstützen als auch rasch
Streitkräfte zu dislozieren, um unsere vitalen Interessen in anderen Gebieten
zu verteidigen. Diese Darstellung kann als Grundlage für kommende Diskussionen
dienen (einschließlich öffentlicher Anhörungen), die es uns erlauben werden,
den nationalen Konsens zu schaffen, der ein grundlegendes Erfordernis für ein
starkes und sicheres Amerika ist.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

37

PRÄSIDENT CARTER: FESTE DIPLOMATIE ERFORDERLICH
Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 7. September 1979 die
Anwesenheit einer sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba als eine sehr ernsthafte Angelegenheit bezeichnet, die die amerikanischen Beziehungen zu Moskau
nachteilig beeinflussen könne.

Gleichzeitig betonte er, die gegenwärtige

Situation erfordere eine feste Diplomatie und nicht Panik oder Übertreibung.
Die Erklärung Carters hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte mir ein paar Minuten Zeit nehmen, um zu Ihnen über die Anwesenheit der sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba zu sprechen.

Die Fakten

im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit sind von Außenminister Vance sehr
eingehend dargelegt worden, einmal in seiner öffentlichen Erklärung,zum anderen in seiner Aussage vor dem Kongreß.

Kurz zusammengefaßt sind es die

folgenden:
Infolge der intensivierten nachrichtendienstlichen Bemühungen sind wir
zu der Erkenntnis gekommen, daß eine sowjetische Kampfbrigade derzeit in
Kuba stationiert ist.

Wir haben gewisse Anhaltspunkte, die darauf hin-

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�hinweisen, daß sich eine solche Einheit schon einige Zeit, vielleicht sogar
mehrere Jahre, auf Kuba befunden hat.
Die Brigade besteht aus 2000 bis 3000 Soldaten.

Sie ist mit konventio-

nellen Waffen wie etwa 40 Panzern und einigen Feldartilleriegeschützen ausgerüstet und hat als geschlossener Verband Übungen durchgeführt.
Es ist keine Angriffseinheit.

Sie besitzt weder Luft- noch Seetrans-

portausrüstung und verfügt auch über keine Waffen, die für einen Angriff auf
die Vereinigten Staaten geeignet wären.
über den Zweck dieser Kampfeinheit besteht noch keine Klarheit.

Doch

hat der Außenminister in meinem Sinne und für unsere Nation gesprochen, als
er am Mittwoch erklärte, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfbrigade
auf Kuba eine sehr ernsthafte Angelegenheit ist und daß dieser Status quo
nicht akzeptabel ist.
•

Wir sind uns unserer Fähigkeit sicher, unser Land oder ein jedes Land
unserer Freunde vor einer Aggression von außen verteidigen zu können.

Die

Frage, die sich stellt, ist von anderer Art. Sie betrifft die Stationierung
sowjetischer Kampftruppen hier in der westlichen Hemisphäre, in einem Land,
das als sowjetischer Handlanger bei militärischen Abenteuern in anderen Gebietender Welt, wie beispielsweise in Afrika, auftritt.
Es ist unser Recht, darauf zu bestehen, daß die Sowjetunion unsere Interessen und Belange respektiert, wenn die Sowjetunion erwartet, daß wir ihre
Gefühle und Belange respektieren. Andernfalls werden die Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern unausweichlich nachteilig beeinflußt werden. Wir verfolgen diese Angelegenheit mit der Sowjetunion sehr ernsthaft und stehen in
enger Konsultation mit dem Kongreß.
Lassen Sie mich betonen, daß es sich hier um eine sensitive Angelegenheit handelt, der sich unsere Nation gegenübersieht.

- 2 -

Wir alle und unsere

�unsere Nation als Ganzes müssen nicht nur mit Festigkeit und Stärke, sondern
auch mit Ruhe und einem Sinn für Proportionen reagieren.
Die Situation von heute erfordert eine feste Diplomatie und nicht Panik
oder Übertreibung.

Wenn Außenminister Vance diese Angelegenheit in den kom-

menden Tagen mit sowjetischen Vertretern erörtert wird, können der Kongreß
und das amerikanische Volk dazu beitragen, einen erfolgreichen Ausgang dieser
Erörterungen und Verhandlungen zu gewährleisten, indem sie eine Atmosphäre
erhalten helfen, in der unsere Diplomatie arbeiten kann.
Ich weiß, daß ich für die führenden Vertreter im Kongreß, mit denen
ich heute Nachmittag zusammengekommen bin, und auch für meine eigene Administration spreche, wenn ich meiner Überzeugung Ausdruck gebe, daß unsere
Nation sich auch weiterhin als ruhig und bedacht
schlossen erweisen wird.

- 3 -

wie auch als stark und ent-

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

37

12. September 1979

ERKLÄRUNG DES US-AUSSENMINISTERS ZUR NATO-POLITIK
Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas

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�WASHINGTON - (AD) - Außenminister Vance unterstrich in einer am 10. September 1979 veröffentlichten Erklärung, daß die Vereinigten Staaten entschlossen sind, ihre europäischen Verbündeten mit konventionellen wie mit Kernwaffen zu verteidigen.

In Anspielung auf kürzlich geäußerte Befürchtungen, daß

sich "der amerikanische Nuklearschirm" im Fall eines Angriffs auf Europa
nicht öffnen werde, zitierte Vance den amerikanischen Präsidenten, demzufolge "die NATO ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik" ist, und fügte hinzu:

"Daran hat sich nichts geändert, und wir beabsichtigen keine Än-

derung vorzunehmen."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Die Sicherheit Europas und die Sicherheit der Vereinigten Staaten sind
untrennbar.

Diese zentrale Tatsache ist die Grundlage unserer strategischen

Doktrin und unserer Verteidigungsplanung seit mehr als vier Jahrzehnten.
Unsere Verbündeten sind mit uns überzeugt, daß unsere gegenseitige Sicherheit
gemeinsame Anstrengungen erfordert und daß unsere Verteidigung unteilbar
ist.

Amerikas Verpflichtung, bei der Verteidigung Europas mit allen notwen-

digen Mitteln - sowohl nuklearen als auch konventionellen - zu helfen, sollte
nicht in Frage gestellt werden.

Die umfangreichen Streitkräfte, die wir in

Europa disloziert haben, sind ein konkreter Beweis dieser Verpflichtung.
Präsident Carter stellte in seiner Erklärung zum dreißigsten Jahrestag
der Allianz fest, "die entschlossene Unterstützung der NATO durch den Kongreß und das amerikanische Volk bringt deren tiefe Überzeugung zum Ausdruck,
daß die NATO ein Eckpfeiler der amerikanischen Außenpolitik ist".
Die grundlegende Strategie der NATO ist die der flexiblen Antwort.
Zu verschiedenen Gelegenheiten hat Präsident Carter die amerikanische Unterstützung dieser Strategie zum Ausdruck gebracht.

Daran hat sich nichts ge-

ändert, und wir beabsichtigen auch keine Änderung vorzunehmen.
Die

�Die zur Zeit innerhalb der NATO laufenden Verteidigungsanstrengungen
zeigen die gemeinsame Entschlossenheit der Verbündeten, sich den neuen Herausforderungen zu stellen.

Um die konventionellen Streitkräfte der NATO zu

verbessern und die kombinierten Hilfsquellen wirkungsvoller zu verwenden,
führt das Bündnis ein langfristiges Verteidigungsprogramm durch.

Wir arbei-

ten bei der Planung der Modernisierung unserer europabezogenen nuklearen
Gefechtsfeldwaffen zusammen.

Und wir entwickeln eine einheitliche Haltung

des Bündnisses hinsichtlich zukünftiger Verhandlungen über Rüstungsbeschränkungen.
Gleichzeitig verwirklichen die Vereinigten Staaten ein umfassendes
und energisches Programm zur Modernisierung aller Teilbereiche unserer strategischen Streitkräfte. Unsere Entschlossenheit zur Aufrechterhaltung des
strategischen Gleichgewichts zeigte sich letzte Woche erneut, als der Präsident ankündigte, daß wir die uneingeschränkte Entwicklung der neuen M-X
Rakete mobiler Stationierung betreiben werden, die bei völliger Verifizierbarkeit gemäß SALT die langfristige Überlebensfähigkeit unserer landgestützten strategischen Waffen sicherstellen wird.
Unsere strategischen Modernisierungsprogramme spiegeln unsere Entschlossen
heit wider, nicht nur das strategische Gleichgewicht, sondern auch die Kapazität zur flexiblen Antwort - sowohl hinsichtlich des Ausmaßes als auch der
Ziele dieser Antwort - auf jeden Angriff gleich welcher Stärke gegen uns
selbst oder unsere Verbündeten aufrechtzuerhalten.
Dies war die Politik der Vereinigten Staaten seit vielen Jahren. Dies
wird auch weiterhin die Politik der Vereinigten Staaten sein. Und wir werden die zur Durchführung dieser Politik notwendigen Streitkräfte unterhalten.
Diese Modernisierung der nuklearen und konventionellen Streitkräfte
wird ja gerade deshalb vorgenommen, weil die Verbündeten dadurch vor einer
Aggression abzuschrecken suchen, daß sie die Integrität und Glaubwürdigkeit
- 3 -

�Glaubwürdigkeit unserer Optionen für unsere Antwort in ihrer gesamten
Bandbreite gewährleisten.

Um vor einem Angriff abzuschrecken, muß die

NATO - erkennbar - sowohl die Fähigkeit als auch die Flexibilität und Entschlossenheit besitzen, angemessen zu antworten.

Nur so können wir dem

Warschauer Pakt den Preis des Anzetteins oder der Fortführung eines Konfliktes und die Gefahr vor Augen führen, daß sich ein konventioneller regionaler Konflikt in Europa durch Eskalation zu einem umfassenden Nuklearkrieg ausweiten könnte.
Die Sicherheit des Bündnisses hängt nicht nur von den kollektiven
militärischen Streitkräften und der gemeinsamen Entschlossenheit ab - so
unabdingbar diese sind.

Sie hängt gleichermaßen ab von den gemeinsamen

Bindungen zwischen den verbündeten Völkern und ihrer schöpferischen Kraft
und Vitalität, wenn es darum geht, den Herausforderungen zu begegnen, denen
wir uns gemeinsam gegenübersehen.

Wir sind von der fortgesetzten Fähig-

keit des Bündnisses überzeugt, diese aufzubringen.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

12. September 1979

37

ERKLÄRUNG VON AUSSENMINISTER VANCE ZUR ANWESENHEIT SOWJETISCHER TRUPPEN
AUF KUBA

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance hat am
5. September 1979 zu Beginn seiner Pressekonferenz in einer Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba Stellung genommen und betont, daß
die USA dies als "sehr ernsthafte Angelegenheit" ansehen. Er unterstrich, daß
dieser Vorgang im Gegensatz zu der seit langem bestehenden Politik der USA
stehe und daß Washington die Angelegenheit in den nächsten Tagen mit der Sowjetunion besprechen wolle. Ferner sicherte er der Öffentlichkeit umfassende Informationen zu.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Lassen Sie mich mit ein paar Bemerkungen über die Anwesenheit einer
sowjetischen Kampfbrigade auf Kuba beginnen. Wir sehen das als eine sehr
ernsthafte Angelegenheit an, die unsere Beziehungen zur Sowjetunion berührt.
Die Anwesenheit dieser Einheit steht im Gegensatz zu der seit langem bestehenden amerikanischen Politik.

Der

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
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�Der Nachweis, daß es sich bei dieser Einheit um eine Kampftruppe handelt,
wurde kürzlich durch unsere Nachrichtendienste erbracht.

Sie sind nunmehr zu

dem Schluß gekommen, daß diese Einheit schon seit mindestens Mitte der siebziger Jahre auf Kuba ist.

Eine erneute Analyse der älteren, bruchstückhaften

Daten im Lichte der erst in jüngerer Zeit gesammelten Informationen läßt darauf
schließen, daß Teile einer sowjetischen Brigade wahrscheinlich schon seit
den frühen siebziger Jahren auf Kuba sind, möglicherweise sogar noch eher.
Der Prozeß der erneuten Analyse älterer Informationen dauert noch an.
Die Einheit scheint aus 2000 bis 3000 Mann zu bestehen.

Sie umfaßt mo-

torisierte Schützenbataillone, Panzer- und Artilleriebataillone sowie Kampfund Nachschubeinheiten.

Diese Zahlen kommen noch zu dem Personal der mili-

tärischen und militärtechnischen Berater auf Kuba hinzu, die wir zur Zeit auf
etwa 1500 bis 2000 schätzen.
Die genaue Aufgabe der Kampfeinheit ist unklar. Die Brigade verfügt
nicht über Luft- und Seetransporteinrichtungen, die sie zu Angriffsoperationen
befähigen würden. Ihre Anwesenheit wird aber auch nicht durch unsere bilateralen Vereinbarungen mit den Sowjets aus den Jahren 1962 oder 1970 gedeckt.
Trotzdem stellt die Anwesenheit einer sowjetischen Kampftruppe auf Kuba
eine Angelegenheit ernster Besorgnis dar.
Ich werde diese Angelegenheit mit den Sowjets in den kommenden Tagen
weiterverfolgen.
Ich werde dieses Thema heute nachmittag mit dem außenpolitischen Ausschuß des Senats erörtern und das von uns den Sowjets gegenüber geplante Vorgehen darlegen. Wir werden die Presse und die Öffentlichkeit dabei umfassend
informieren. Ich bin mir Ihres Verständnisses dafür sicher, daß dem Interesse unseres Landes nicht damit gedient wäre, wenn ich mich hier auf Einzelheiten dieses Vorgehens einlassen würde.
+ + + + +
- 2 -

�12. September 1979

37

PRÜFUNG VON UMWELTCHEMIKALIEN
Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an -

- (AD) - Etwa 50 000 verschiedene chemische Substanzen befinden sich
auf dem Markt, und ungefähr 1000 werden jährlich neu eingeführt. In den wenigsten Fällen werden sie rein verwendet; die Zahl der Zubereitungen und
Mischungen schätzt man sogar auf über eine Million. Sie werden wegen bestimmter Vorzüge für den industriellen, wirtschaftlichen oder privaten Verbrauch
fabriziert. Welche Reaktionen und Wechselwirkungen mit bzw. in der Umwelt
aber im Laufe der Zeit durch sie eintreten, ist im allgemeinen noch kaum erforscht. Epidemiologische Studien im weitesten Sinne könnten hier weiterhelfen - aber angesichts der Kosten und des Aufwandes an Personal und Versuchsanlagen versteht es sich von selbst, daß nur einzelne Schwerpunkte herausgegriffen werden können. Ein Musterbeispiel sind noch immer die Studien,
die schließlich in den sechziger Jahren enge Zusammenhänge zwischen Zigarettenrauchen und bestimmten Krebserkrankungen aufgedeckt haben - aber erst zu einem Zeitpunkt, als Millionen und Abermillionen von Menschen der Gefahr über
Jahrzehnte ausgesetzt gewesen waren.

Im

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�Im Gegensatz zu physikalischen Faktoren wie ionisierenden Strahlen
oder ultraviolettem Sonnenlicht, die in Abhängigkeit von der Dosis Krebs
erzeugen (wobei jedoch über die Langzeitwirkung äußerst niedriger Dosen
noch keine Aussagen gemacht werden können), sind erst relativ wenige chemische und biochemische Stoffe als Kanzerogene erkannt.

Wie wichtig dies-

bezügliche Untersuchungen sind, zeigt das Beispiel der Nitrosamine:

Im

Organismus werden aus Bausteinen, die als Einzelsubstanzen keineswegs gefährlich zu sein brauchen, krebserzeugende Verbindungen synthetisiert.
Erst in jüngster Zeit hat die Forschung damit eine weitere Quelle für das
Auftreten von Krebs erkannt.
Das Nationale Krebsforschungsinstitut der Vereinigten Staaten testet
in einem vor wenigen Jahren angelaufenen Programm in Versuchen an Ratten
und Mäusen systematisch die mögliche kanzerogene Wirkung von Chemikalien
- in erster Linie von solchen, die die Industrie produziert.

(Auch die

Natur bringt in bestimmten Pflanzen kanzerogene Stoffe hervor.)

Aber

selbst in diesem Programm ist die Beschränkung auf "Schwerpunktchemikalien"
wie Farbstoffe, Insektizide und Pestizide, Kosmetika, Produkte und Zwischenprodukte der petrochemisehen Industrie samt einzelner Komponenten geboten.
Denn die Prüfung einer einzigen Substanz in Tierversuchen ist langwierig
und mit ca. 250 000 Dollar Kosten anzusetzen.
Wenn unter der Einwirkung von Umweltchemikalien (übrigens sind auch
Viren als mögliche Quelle anzusehen) ein Organismus Krebs entwickelt, so
bedeutet das, daß in den Chromosomen Mutationen stattgefunden haben, die
ganz bestimmte Veränderungen in der Zellphysiologie hervorrufen. Es müssen
z.B. Gene - die kleinsten Einheiten der Träger von Erbanlagen - außer Funktion gesetzt worden sein, die das normale Zellwachstum steuern. Forschungen
in diesem Mikrobereich der Biologie wurden im Zusammenhang mit der Entwicklung der sog. Gentechnologie außerordentlich intensiviert und erweitert.
Als eines der "Nebenprodukte" ist ein regelrechter Schnelltest auf die mögliche Karzinogenität von Substanzen zu werten, den Dr. Bruce N. Arnes, Professor der Biologie an der Universität Kalifornien in Berkeley, im Verlauf

- 2 -

�Verlauf von mehr als zehn Jahren entwickelte und ständig weiter verbesserte.
Er erlaubt die rasche und äußerst empfindliche Prüfung "mutagener" Chemikalien, die damit auf ihre krebsauslösende oder krebsfördernde Wirkung, aber
auch auf andere für Mensch und Umwelt ungünstige Folgen untersucht werden
können.

Etwa 2000 staatliche und private Laboratorien auch außerhalb der

USA wenden ihn bereits an.

Am Anfang stand ein Projekt der Grundlagenforschung:

Dr. Arnes und seine

Mitarbeiter wollten herausfinden, wie bei Salmonellen Gene im DNS-Molekül,
das die gesamte Erbsubstanz enthält, als Reaktion auf veränderte Nährstoffe
aktiviert oder "abgeschaltet" werden.

Es zeigte sich u.a., daß z.B. ein

Bakterienstamm, bei dem es zu bestimmten Mutationen, d.h. Änderungen der
genetischen Substanz, gekommen und das Wachstum beeinträchtigt war, durch
eine weitere, künstlich herbeigeführte Mutation zu rapidem Wachstum gebracht
werden konnte.
kennen.

Eine eingetretene Mutation sei, so Prof. Arnes, leicht zu er-

Man könne in einer einzigen Schale Kulturen mit einer Milliarde

Bakterien züchten.

Mutiert nur ein einziges Bakterium, so bilden seine Ab-

kömmlinge schon innerhalb von 24 Stunden eine sichtbare neue Kolonie.

Aufgrund der Ergebnisse Tausender von Experimenten konnte Arnes aufzeigen, daß fast alle Chemikalien, die bei Tieren und Menschen Krebs auslösen,
auch in Bakterien Mutationen beim wichtigsten biologischen Molekül, der
Desoxyribonukleinsäure (DNS), hervorrufen.

Mit dem Salmonellentest kann

dies heute sehr schnell herausgefunden werden.
findlicher

Er wurde kürzlich noch emp-

gemacht, indem den Bakterienkulturen homogenisiertes Ratten-

lebergewebe zugesetzt wird, um gewissermaßen im Simulationsverfahren Prozesse auszulösen, mit denen der Organismus "aktive" Formen karzinogener Substanzen hervorbringt.

Der Arnes-Test wurde zum wichtigen Spurensucher:

Durch ihn fand man

kanzerogene Substanzen in einer Anzahl von Haarfärbemitteln und in einem
Imprägnierpräparat für Kinderschlafanzüge, das diese unbrennbar machen sollte.

Die Firma DuPont Co. entschied jetzt, zwei neue Freon-Treibmittel, die

- 3 -

�die eigentlich ozonschädliche Verbindungen ersetzen sollten, nicht zu produzieren, weil sie sich als mutagen erwiesen hatten. Dies sind nur ein paar
aus einer Fülle von Beispielen.
Andere Wissenschaftler haben zahlreiche weitere Kurztests zur Ermittlung und Messung der Mutagenität entwickelt.

Einige von ihnen, z.B. die

Verwendung tierischer Zellen in Gewebekulturen, hält Arnes für sehr aussichtsreich.

Da jedoch mit jedem der Schnellverfahren nur einige wenige Karzinogene

ausfindig gemacht werden können, auf die beispielsweise andere Tests gar
nicht ansprechen, bevorzuge man immer mehr die "Test-Batterie".

"Wir müssen

Wege finden, um Schwerpunkte zu setzen", so Arnes, "damit Risiken für den Menschen herausgefunden und definiert werden können."

In der Praxis sei es ein-

fach nicht möglich, jedes karzinogene Agens zu verbieten.

Gegenwärtig ar-

beiten er und einige Kollegen an der Analyse der Ergebnisse von etwa 1000
veröffentlichten Krebstests aus Tierversuchen.

Die Ergebnisse dieser Studie

sollten, wie Arnes meint, einen wichtigen Beitrag dazu leisten, welche Chemikalien für den Menschen eine besondere Gefahrenquelle darstellen und deshalb
samt ihren möglichen Kombinationen als erste unter die Lupe genommen werden
müssen.
(Die bisherigen Ergebnisse der Forschungen von Prof. Arnes auf dem Gebiet der Kanzerogene sind in einer vom "California Poiicy Seminar" veröffentlichten Broschüre zusammengefaßt. Sie trägt den Titel: "Environmental
Chemicals Causing Cancer and Genetic Birth Defects: Developing a Strategy
to Minimize Human Exposure". Sie kann vom "Institut of Governmental Studies,
University of California, Berkeley, California 94720" bezogen werden und
kostet drei Dollar.)
+ + + + +

- 4-

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                <text>Amerikadienst 12.09.1979</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Präsident Carters zur Stationierung der M-X Rakete&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter fordert höheren Verteidigungshaushalt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut des Schreibens an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter: Feste Diplomatie erforderlich&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des US-Außenministers zur NATO-Politik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vance bekräftigt Amerikas Entschlossenheit zur Verteidigung Europas -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Außenminister Vance zur Anwesenheit sowjetischer Truppen auf Kuba&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Prüfung von Umweltchemikalien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bakterienkulturen zeigen mutagene und krebsauslösende Wirkung an -&lt;/em&gt;</text>
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1

I

Information
und
pH;i'iiiWiTCT
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. September 1979

38

INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung
- Wortlaut Brown erläutert den Verteidigungshaushalt der USA
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats

Carter und Vance würdigen Fortschritte seit Camp David
- Wortlaut der Erklärungen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Nachrichtensatelliten-Schaltzentralen am Himmel

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Omni bus mit Turbomotor
- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf überlandlinien
Aminosäuren in Antarktis-Meteoriten

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyros
Vance hat am 24. September 1979 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
die weltpolitische Position der Vereinigten Staaten erläutert und dabei auch
vor einer Verschlechterung des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses gewarnt,
wenn das Problem der sowjetischen Kampftruppen auf Kuba nicht befriedigend gelöst werden könne.

Die Rede von Vance hat folgenden Wortlaut:

Wir kommen in dieser Sitzungsperiode der Vollversammlung an der Schwelle
eines neuen Jahrzehnts zusammen.

Es wird eine Zeit komplexer Herausforderungen sein - eine Zeit, in der
mehr als je zuvor kooperative Anstrengungen von Nationen nicht nur eine Sache
des Idealismus, sondern des direkten Selbstinteresses sein werden.

Das jetzt zu Ende gehende Jahrzehnt ist durch raschen Wandel gekennzeichnet gewesen - weitreichenden und grundlegenden Wandel.
- Wir

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�- Wir haben es mit furchterregenden technologischen Entwicklungen zu
tun.
Die Erringung nationaler Unabhängigkeit hat die politische Geographie
unseres Planeten verändert.
- Innerhalb der Nationen erleben wir ein beschleunigtes Anwachsen wirtschaftlicher, politischer und sozialer Erwartungen des einzelnen.
- Die unerbittliche Feindseligkeit des Kalten Krieges hat einem vielfältigeren Verhältnis zwischen Ost und West Platz gemacht, das Elemente des Wettstreits und der Zusammenarbeit enthält.
- Die simple Vorstellung von einer bipolaren Welt ist überholt.

In zu-

nehmendem Maße breiten sich neue Systeme und Treueverhältnisse aus, und die
politische und militärische Macht verteilt sich immer mehr.
- Auch die Weltwirtschaftsordnung unterzieht sich unerbittlicheren Veränderungen. Viele Länder, die früher zu den benachteiligten gehörten, erringen heute globale Wirtschaftsmacht. Die wirtschaftliche Interdependenz
ist für die Bürger aller Länder zu einer Realität des täglichen Lebens geworden.
Diese tiefgreifenden Veränderungen haben sich meist in konstruktiver
Weise ausgewirkt - sie haben das Leben zum Besseren verändert und neue Möglichkeiten für kollektive Anstrengungen und schöpferische Diplomatie erschlossen.
Aber während diese Entwicklungen zeigen, daß ein Fortschritt möglich ist,
zeigen sie keineswegs, daß er unausweichlich ist. Ich sage das aus zwei Gründen.
Erstens, in einer Reihe von Gebieten wird das Tempo des derzeitigen Fortschritts durch den gewaltigen Umfang der kommenden Herausforderungen minimalisiert.
Das nächste Jahrzehnt wird darüber entscheiden, ob wir die kollektive
Klugheit und den gemeinsamen Willen besitzen, eine Reihe zwingender und miteinander zusammenhängender Probleme zu überwinden, die umfassend gelöst werden
müssen.
- Die

�II»««!" "

- Die Notwendigkeit, neue Formen der Energie zu entwickeln, wird eine
ständige Herausforderung darstellen.

Wir sind in die schwierige Übergangs-

phase von einer Erdölwirtschaft in eine auf anderen Energiequellen basierende
Wirtschaft eingetreten.

- Selbst ohne diese zusätzliche Bürde stehen wir vor der zwingenden
Aufgabe, den Menschen ihre Grundansprüche zu erfüllen und das brandgefährliche
Mißverhältnis

zwischen Reichtum und Verzweiflung zu verkleinern.

Die Nah-

rungsmittelknappheit in den Entwicklungsländern bezifferte sich beispielsweise 1975 auf 12 Millionen Tonnen.

Sie könnte sich bis 1990 auf 70 bis 85

Millionen Tonnen erhöhen, wenn nicht eine starke Erhöhung der Produktion eintritt.

- Wir müssen einen vernünftigen Ausgleich zwischen den überquellenden
Ansprüchen von mehr Menschen nach einem besseren Leben und der unausweichlichen
Realität einer zerbrechlichen Umwelt finden.
- Solche Aussichten tragen den Samen künftigen Streits in sich.

Wenn

diese Saat reift und die Zunahme und die Ausbreitung der Waffen anhält, dann
werden regionale Konflikte umso gefährlicher - was ihre Opfer an Menschen und
Material und was das erhöhte Risiko einer Ausbreitung der Konfrontation angeht.

- Und obgleich wir die Tage der unerbittlichen Feindschaft überwunden haben, können sich die Ost-West-Beziehungen in gefährlicher Weise verschlechtern,
wenn eine Seite die Sicherheitsinteressen der anderen mißachtet.

Unsere Fähigkeit, diese Aufgaben zu meistern, hängt von einem zweiten
Problem ab:

Werden wir uns diesen Herausforderungen gemeinsam stellen und ge-

meinsam profitieren? Oder werden wir uns durch Abneigung teilen und damit beherrschen lassen?

Ich muß ganz offen sagen, daß ich die Antwort darauf nicht sicher weiß.

Es
- 3 -

�Es gibt einige Gründe zur Ermutigung.

In den letzten Jahren wurde es

für die hier versammelten Nationen leichter, in vielen verschiedenen Gremien
eher miteinander als übereinander zu sprechen.
Ost und West sind in die umfassendsten RüstungskontrollVerhandlungen
der Geschichte eingetreten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ha-

ben bedeutsame Begrenzungen der strategischen Waffen in einem Vertrag ausgehandelt, der nun auf seine Ratifizierung wartet.
Nord und Süd haben Fortschritte bei Finanz-, Handels- und Rohstoffthemen
erzielt - weit mehr Fortschritt als öffentlich zugestanden wird.

Einigung

wurde erzielt über eine starke Erhöhung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Darlehen durch die multilateralen Entwicklungsbanken

sind angestiegen.

Ausgedehnte Handelsmöglichkeiten haben sich durch die kürz-

lich abgeschlossenen Handelsverhandlungen eröffnet. Auch in anderen Bereichen
sind wir vorangekommen - wie etwa bei den internationalen Schulden und bei
einem Gemeinsamen Rohstoffonds.. Wir sollten diesen Fortschritt erkennen
und auf ihm aufbauen.
Auch in Richtung auf eine Lösung einiger tiefverwurzelter regionaler
Streitigkeiten haben wir Schritte unternommen.
Aber gleichzeitig bin ich besorgt darüber, daß Faktoren am Werk sind,
die diesen kooperativen Trend umkehren könnten.
Der Ernst der Probleme, denen wir gegenüberstehen, könnte Länder dazu
veranlassen, ihre eigenen separaten Vorteile auf Kosten der internationalen
Zusammenarbeit zu verfolgen. In Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten wird
es sogar für verhältnismäßig wohlhabende Länder schwieriger, über ihre eigenen internen Anliegen hinauszublicken und sich den internationalen Bedürfnissen zu stellen. Die Geschichte lehrt uns in eindrucksvoller Weise, daß
Not kurzfristige Abkapselung hervorbringen kann. Not kann Instinkte der Selbsterhaltung auf Kosten der anderen wecken. In solchen Zeiten erheben sich die
- 4 -

�die Stimmen des wirtschaftlichen Nationalismus in allen unseren Ländern.
Wir müssen ihnen widerstehen.
Genauso müssen wir den Stimmen der internationalen Konfrontation widerstehen.

In einer Reihe internationaler Verhandlungen - politischen wie wirt-

schaftlichen - haben wir uns durch einige der schwierigsten Themen hindurchgearbeitet, die zur Debatte standen.

Nun dürfen wir uns nicht dem Gefühl der

Vergeblichkeit hingeben und eine Spirale der Rhetorik freisetzen, die das
Trennende eher vertieft als es zu überbrücken.

Wir können uns den Herausforderungen der achtziger Jahre stellen, wenn
ein jeder der hier Versammelten sich der Verantwortung stellt, die wir alle
teilen.
Unsere vorrangigste Aufgabe besteht darin, die Suche nach dem Frieden
fortzusetzen und die Gefahr und Zerstörungskraft des Krieges zu vermindern.

Die Zukunft zweier Regionen - des Nahen Ostens und des südlichen Afrikas hängen von den wesentlichen Entscheidungen ab, die in den kommenden Monaten
gefällt werden.

Wir sind der Meinung, daß der Vertrag vom 26. März 1979 zwischen Ägypten
und Israel die dem arabisch-israelischen Konflikt innewohnenden Gefahren vermindert und einen Grundstein für einen Ausgleich gelegt hat, der dauerhaft
und gerecht sein kann.

Aber der spektakuläre Friedensschluß zwischen Israel und Ägypten und
die erfolgreiche Ausführung der ersten Schritte des Friedensvertrags haben
die Notwendigkeit nicht verschleiern können, auf einen Frieden zwischen Israel
und seinen anderen Nachbarn hinzusteuern.

Es bleibt in der Tat die feste Ansicht meiner Regierung, daß weiterer
Fortschritt in Richtung auf einen umfassenden Frieden wesentlich ist.
Wir
- 5-

�Wir wissen, daß eine endgültige Regelung sich den legitimen Rechten des
palästinensischen Volkes zuwenden muß. Die Frage der Palästinenser muß in
allen ihren Aspekten gelöst werden.
Während der Friedensprozeß sich weiterentwickelt, ist es unser tiefster
Wunsch, daß Vertreter des palästinensischen Volkes und der Regierungen von
Jordanien und Syrien sich dieser Suche anschließen mögen.
Dies steht in Übereinstimmung, ja, unterstreicht, unsere unerschütterliche Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit und Wohlergehen - jetzt
und in der Zukunft.
Keine der in diese schwierigen Verhandlungen verwickelten Parteien mächt
sich Illusionen darüber, daß die Lösung der palästinensischen Frage leicht
sein wird.

Aber die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß Fortschritte

auf dieses Ziel hin gemacht werden.
Die Erhaltung der Integrität des Libanon ist für den Frieden im Nahen
Osten ebenfalls entscheidend. Es gibt jetzt eine leicht verwundbare Feuereinstellung im Südlibanon. Aber wir brauchen nicht nur eine Feuereinstellung,
wir brauchen einen weitgreifenden Waffenstillstand. Auf dieses Ziel werden
wir in unseren Gesprächen mit den anderen interessierten Regierungen hier
in dieser Vollversammlung hinarbeiten. Der Libanon hat schon viel zu viel
gelitten.
Der Wunsch nach Frieden wird von allen Völkern des Nahen Ostens geteilt.

Wir erkennen, daß es Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, wie

man dieses gemeinsame Ziel am besten erreichen könnte. Wir glauben daran,
daß der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist - in der Tat der einzige,
der praktische Ergebnisse gezeitigt hat. Wir rufen all diejenigen auf, die
ehrlich den Frieden suchen, sich uns bei diesem Unternehmen anzuschließen.

Ein

�Ein Schritt in Richtung auf den Frieden ist auch beim RhodesienKonflikt unternommen worden.

Die Parteien führen jetzt Verhandlungen über

eine Lösung, die eine echte Mehrheitsherrschaft mit wesentlichen Rechten
für die Minderheit verbinden könnte.

Die britische Regierung, die Länder

des Commonwealth und die Parteien selbst verdienen höchste Anerkennung für
diesen neuen Schritt.

Ein übereinkommen über eine faire Verfassung und

Neuwahlen - wie dies im Lusaka-Kommunique gefordert wird -, könnte die
großen Qualen des Krieges beenden.

In Namibia habenwir beträchtliche Fortschritte gemacht.
bleiben Hindernisse.

Aber noch

Die Kontaktgruppe arbeitet mit den betroffenen Par-

teien zusammen, um Wege zur Lösung der wenigen noch ausstehenden Themen zu
finden.

Wir unterbewerten die Schwierigkeiten nicht, aber keiner von uns

sollte andererseits die Möglichkeiten unterschätzen, die eine Regelung für
das gesamte südliche Afrika bringen würde.

Bei den meisten Verhandlungen kann man am ehesten durch einen stufenweisen Fortgang Fortschritte erzielen.
nen lösen.

Einen Knoten kann man nie von in-

Wir müssen bei den Teilen beginnen, die wir greifen können

und dann den Weg zum Ende des Problems gehen.

Die Geschichte wird hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir uns unsere Chancen für einen Frieden entgleiten lassen.

Im Fortgang der Ver-

handlungen werden die Themen, denen wir uns zuwenden, immer schwieriger.
Aber wir dürfen nicht zulassen, daß Befürchtungen und Begierden, die vor
uns liegen, den bereits erzielten Fortschritt untergraben.

Während wir um die Lösung dieser und anderer Konflikte ringen, müssen
wir auch der Tatsache ehrlich ins Gesicht sehen, daß unsere Erde von denjenigen gequält wird, die Unschuldige bekriegen, wie wir gerade vor ein
paar Wochen durch den tragischen Tod von Lord Mountbatten sahen.

Wir

brauchen mehr internationale Zusammenarbeit, um die barbarischen Praktiken
der Terroristen zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten unterstützen voll
und ganz die grundlegenden Elemente der entworfenen Konvention, die die
- 7 -

�die Geiselnahme ächten soll.

Der Abschluß dieses Vertrags wird zu einer

wachsenden Übereinstimmung darüber beitragen, daß Terrorismus nicht toleriert werden wird - ungeachtet der politischen Sache, die seine Täter zu
verfolgen vorgeben.
Schließlich bringt die Notwendigkeit des Friedens eine internationale
Verpflichtung mit sich, die Verbreitung und die Anhäufung von Waffen zu beschränken.
Eine besondere Verpflichtung fällt dabei den größeren Nuklearmächten
zu - den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion -, um den Wettstreit bei
den strategischen Waffen zu zügeln.

Der SALT II-Vertrag kann ein wichtiger

Schritt auf die Erfüllung dieser Verpflichtung hin sein.
Dem Ziel der strategischen Stabilität wird weiterhin gedient, wenn die
Sowjetunion, Großbritannien und die Vereinigten Staaten in der Lage sind,
Einigkeit über ein umfassendes Kernversuchsverbot zu erzielen.
Während die nuklearen Supermächte einen Weg suchen, um zu gegenseitiger
Zurückhaltung zu gelangen, müssen alle Nationen aber auch die direkte Bedrohung ihrer Sicherheit durch die Weiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.
Entwicklungen im Lauf der letzten Jahre können den Anstrengungen bei der Nonproliferation neuen Schwung verleihen - einschließlich eines Fortschritts bei
den internationalen Bemühungen um die Bewertung des Kernbrennstoffzyklus,
die uns bei der Auffindung von sichereren Wegen helfen können, um die Kernenergie für die Menschheit zu entwickeln; einschließlich der Verstärkung
der IAEA-Sicherheitsbestimmungen; der beträchtlichen Zunahme der Signatarstaaten des Nonproliferationsabkommens; des Inkrafttretens des Vertrags von
Tlatelolco, der nun endlich in unmittelbarer Reichweite zu sein scheint;
sowie der Verpflichtung einer Reihe von Nuklearmächten,unter bestimmten Umständen von der Verwendung von Kernwaffen gegen Nichtnuklearstaaten abzusehen. Aber es gab auch ernste Rückschläge: weitere Absichtserklärungen zur
Beschaffung von Kernwaffen unter Mißachtung der innewohnenden Gefahren für
die regionale und internationale Sicherheit. Die Konferenz zur Überprüfung

�Überprüfung des Nonproliferationsvertrags im nächsten Jahr wird eine gute
Gelegenheit zur Inventur sein - und zur Verdopplung unserer Anstrengungen,
um Fortschritte bei dieser dringenden internationalen Priorität zu erzielen.

Neben der Suche nach Frieden teilen wir eine zweite Verantwortung:
Wir müssen empfänglich sein für die internationalen Auswirkungen unserer
nationalen wirtschaftlichen Entscheidungen und der Versuchung widerstehen,
unsere Wirtschaftsprobleme auf Kosten anderer zu lösen.

Die Unklugheit des wirtschaftlichen Nationalismus wurde in der Vergangenheit grausam demonstriert.

Die Weltwirtschaftskrise vor einem halben

Jahrhundert wurde durch eine Welle des Protektionismus ausgeweitet, vertieft und verlängert.

Die Erinnerung daran hat uns zu einem neuen multila-

teralen Handelsabkommen angespornt - in der Absicht, Märkte zu eröffnen
und sieoffen zu halten, sogar in einer Zeit des wirtschaftlichen Drucks.

Lassen Sie mich heute auf ein Thema eingehen, das am deutlichsten die
direkte Verbindung zwischen nationalen Entscheidungen und globalen Folgen
widerspiegelt.

Dieses Thema ist die Energie.

In fast keinem anderen Be-

reich ist die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns deutlicher und drinoender.
Sie ist ein Thema, das uns jetzt zu entzweien droht - wirtschaftlich und
politisch.

In einer Zukunft der größeren Knappheit, könnten diese Entzwei-

ungen das Gefüge des guten internationalen Einvernehmens schwächen, das diese Organisation verkörpert.

Alle Nationen werden leiden, wenn nicht alle Nationen verantwortungsbewußt handeln:

in ihrem Energieverbrauch, bei der Festsetzung der Preise,

bei der Produktion.

Trotz einer schwierigen Prognose hinsichtlich unserer Energiezukunft,
glaube ich daran, daß die Grundlage für einen Fortschritt vorhanden sein
könnte.

Bis
- 9 -

�Bis in die siebziger Jahre hinein handelten die modernen industriellen
Volkswirtschaften nach zwei grundlegenden Annahmen, die auch die Beziehungen
zwischen den ölimporteuren und den ölexporteuren regierten: daß öl billig
sei und die Vorräte unerschöpflich.

Jetzt erkennen alle Länder, daß diese

beiden Annahmen nicht mehr richtig sind.
Die auf dem Tokioer Gipfeltreffen seitens der wichtigsten Industrieländer
eingegangenen Verpflichtungen beweisen dies deutlich.

Meine Regierung unter-

nimmt ehrgeizige Anstrengungen, um das Energieproblem anzupacken, und bemüht
sich, diese Verpflichtungen noch zu erweitern.
- Präsident Carter hat die Vereinigten Staaten darauf festgelegt, im
Jahre 1979 nicht mehr als 8,2 Millionen Barrel öl pro Tag einzuführen und
niemals die Höchstgrenze unserer Importe zu überschreiten, die 1977 erreicht
wurde.
- Der Gesamtbetrag für Forschung und Entwicklung in den USA auf dem
Energiesektor beläuft sich in diesem Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar.

Für

die Entwicklung und die Nutzung der Sonnenenergie investieren wir in diesem
Jahr allein 528 Millionen Dollar und im nächsten Jahr 600 Millionen Dollar.
- Wir weiten die Entwicklung synthetischer Brennstoffe beträchtlich
aus, um Nutzen aus den reichlich vorhandenen Kohle- und ölschiefervorkommen
in unserem Lande zu ziehen.
Ein großer Teil dieser neuen Energietechnologie wird auch in anderen Ländern angewandt werden können. Wir werden bestrebt sein, sie anderen unter
beiderseitig zufriedenstellenden Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Denn
wir sind uns darüber im klaren, daß wir durch die Unterstützung anderer bei
der Lösung ihrer Energieprobleme dazu beitragen, unsere eigenen zu lösen.
Lassen Sie mich aufzeigen, auf welche Weise wir bereit sind, mit anderen
zusammenzuarbeiten, damit wir unserem gemeinsamem Energiebedarf gerecht werden:
- Wir
- 10 -

•

�- Wir haben zusammen mit anderen Industrieländern der Schaffung einer
provisorischen internationalen Technologiegruppe zugestimmt, die Mittel und
Wege zur Ausweitung der internationalen Beteiligung an der kommerziellen Entwicklung alternativer Brennstoffe empfehlen wird.
- Ich habe im vorigen Jahr feierlich zugesichert, daß die Vereinigten
Staaten mehr tun würden, um ihre technischen Talente für die Entwicklung anderer zu mobilisieren. Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß wir
im nächsten Monat ein Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit einrichten werden. Dieses Institut wird für die Verwirklichung
der Ziele arbeiten, die von der Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienste der Entwicklung festgelegt wurden. Es wird
mithelfen, die Menschen in den Entwicklungsländern in den Genuß unserer Technologien kommen zu lassen - und es wird mithelfen, deren eigene technologische
Kapazität zu erweitern. Der die Politik festlegende Rat des Instituts wird
Experten aus den Entwicklungsländern einschließen. Die Enlwicklung der Energie
wird zu seinen höchsten Prioritäten gehören.
- Wir werden aktiv an den Vorbereitungen für die Weltkonferenz für neue
und erneuerungsfähige Energie im Jahre 1981 mitarbeiten.
- Auf dem kürzlichen Weltwirtschaftsgipfel wurde die Weltbank aufgefordert, die Führung bei der Koordinierung unserer Unterstützung der Entwicklungsländer auf dem Energiesektor zu übernehmen.

Wir schlagen vor, daß die Welt-

bank eine Expertengruppe zusammenruft, um die Frage der Forschung, der Entwicklung und der Ausbildung im Energiebereich im einzelnen zu überprüfen.

Ins-

besondere könnte diese Gruppe sich ein Bild verschaffen über die Arbeit der
bereits bestehenden Energieforschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern, und zwar nationaler wie internationaler.

Darüber hinaus könnte

sie Vorschläge unterbreiten, wie die gegenwärtigen Institutionen gestärkt
werden können und ob neue multilaterale Institutionen ins Leben gerufen werden
sollten.
- Wir

�- Wir unterstützen die Erweiterung des Programms der Weltbank zur Erforschung und Entwicklung mineraler Brennstoffe.
- Die Bank prüft gegenwärtig ebenfalls, ob örtliche Programme der Entwicklungsfinanzierung angemessen sind, um die rasche Anwendung von Sonnenenergie,
kleinen Wasserkraftwerken sowie anderen erneuerungsfähigen Energietechnologien
in den Entwicklungsländern zu unterstützen.
- Die Interamerikanische Entwicklungsbank hat die Schaffung einer Fazilität empfohlen, die eine politische Risikoversicherung sowie Anleihegarantien
für private Investitionen in Energie- und Mineral Projekte in ihrem Bereich
gewähren soll.

Dies könnte eine wirksame

gieentwicklung anzureizen.

Methode sein, um zur dortigen Ener-

Wir sind bereit, diese Initiative mit der Bank

weiterzuverfolgen und mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um einen akzeptablen Vorschlag zu entwickeln.
So wie die Industrienationen jetzt ernsthafte Anstrengungen machen,um
ihren ölbedarf einzuschränken, und den Entwicklungsländern helfen, ihren großen
Energieaufgaben zu entsprechen, rückt die Frage immer mehr in den Mittelpunkt,
ob die öl produzierenden Länder bereit sind, die Preise zu stabilisieren und
- soweit dies in ihrer Macht steht - eine angemessene Versorgung zu garantieren. Sollte dies nicht geschehen, dann hätte das weiterhin harte Konsequenzen
für die Weltwirtschaft, insbesondere für die ärmeren Länder.
Wir haben Verständnis für den ganz natürlichen Wunsch der öl exportierenden
Länder, mit dieser wertvollen Quelle für zukünftige Generationen haushälterisch umzugehen. Und wir akzeptieren die Tatsache, daß ölpreise nicht nur den
Umfang der Nachfrage, sondern auch - langfristig gesehen - die Knappheit der
Vorräte reflektieren müssen - solange diese Knappheit nicht herbeigezogen
wird, um die Preise zu manipulieren.
Aber die ölproduzenten müssen begreifen, daß es eine Grenze gibt, bis
zu der die Volkswirtschaften der ölverbrauchenden Länder sowie die Weltwirtschaft gehen können.
Wir

�Wir alle müssen auf unserem Weg immer verantwortungsvoll vor Augen haben,
daß unsere nationalen Energieentscheidungen tiefgreifende globale Auswirkungen
haben werden - und daß sie eines Tages die Verantwortlichen entweder wieder
heimsuchen oder aber ihnen helfen werden.

Eine dritte Aufgabe ist eine verstärkte Verpflichtung, das Leben unserer Mitmenschen zu verbessern - ihnen das zum Leben Notwendige zu verschaffen,
ihnen die Chance zum Fortschritt zu geben, ihnen eine Mitsprache bei den Entscheidungen zu garantieren, die ihre Zukunft entscheidend beeinflussen werden.

Wir haben auf dem Gebiet der Menschenrechte Fortschritte erzielt, aber
wir müssen noch mehr tun.
Im vorigen Jahr haben einige Länder Schritte unternommen, um den Schutz
des Rechts und demokratische Institutionen wiederherzustellen.

Und wir haben

auch die Schaffung eines interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte,
den nachhaltigen Appell der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) auf
Einrichtung von Menschenrechtsinstitutionen auf dem afrikanischen Kontinent
sowie die Aktivierung der Menschenrechtsverfahren der UNESCO erlebt.

Niemand kann bestreiten, daß die Menschenrechte zu einem immer größer
werdenden Anliegen werden.

Und doch ist es eine traurige Wahrheit, daß -

selbst wo wir hier heute zusammenkommen - Männer und Frauen sich Verfolgung
Tod und Unterdrückung dafür gegenübersehen, daß sie es wagen, die Rechte auszuüben, die vor drei Jahrzehnten in der Charta dieser Körperschaft niedergelegt wurden.

Unsere gemeinsame große Aufgabe ist es, die Bestrebungen und

Hoffnungen aller Menschen auf die menschliche Würde des einzelnen zu fördern.

Unsere Verpflichtung und unser Einsatz müssen sich auf wirtschaftliche
wie auf politische und soziale Rechte erstrecken - denn sie alle sind unerläßlich für die Menschenwürde.

Verbesserungen des wirtschaftlichen Wohlergehens,

Chancen und Möglichkeiten für die Teilnahme am politischen Prozeß sowie ein
wachsendes Verständnis für wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung

- 13 -

�Gleichberechtigung können wesentlich dazu beitragen, daß die Mißstände behoben werden, die zu nationalen Erschütterungen und zu internationalen Spannungen führen können.
Wollen wir der Verpflichtung nachkommen, allen Völkern zu einem besseren
Leben zu verhelfen, müssen wir alle darauf bedacht sein, den Nord-Süd-Dialog
über die großen Themen hinausgreifend auf spezifische Fälle zu lenken - auf
besonders dringliche Bereiche, auf denen es möglich ist, praktische Ziele der
Entwicklungsarbeit zu verwirklichen.

Gestatten Sie mir, daß ich in diesem Zu-

sammenhang auf die Anstrengungen zu sprechen komme, die wir unternehmen, um
ein Ziel zu erreichen, das uns allen schon aus einfachen humanitären Gründen
gemeinsam sein sollte: daß bis Ende dieses Jahrhunderts kein Mensch auf dieser
überaus fruchtbaren Erde mehr zu hungern braucht.
Im vorigen Jahr traf ich die Feststellung, daß wir uns durch das gute
Wetter und überreiche Ernten nicht dazu verleiten lassen sollten, in unserem
Bewußtsein der Dringlichkeit dieses Problems nachzulassen.
Seither haben schlechte Ernten in mehreren Ländern die Weltnachfrage nach
Nahrungsmitteln beträchtlich vergrößert. Dieser Sachverhalt unterstreicht
die Notwendigkeit der Anlage ausreichender Vorräte, um die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen.
Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten alles unternehmen werden,
was sie nur zu tun vermögen, um eine weltweite Ernährungskrise zu verhindern.
Die amerikanische Ernte wird dieses Jahr Rekordhöhenerreichen. Wir haben
für das kommende Jahr alle Beschränkungen des Weizenanbaus aufgehoben. Wir
haben eine im Besitz der Farmer befindliche Getreidereserve angelegt, die durch
die Ansammlung und Abgabe von Vorräten mitgeholfen hat, die Lieferungen zu
stabilisieren.
Ein Weizenabkommen liegt noch immer außerhalb unserer Reichweite.
- 14 -

Wir

�Wir dürfen dieses Ziel aber nicht aufgeben.

Wir sollten die Verhandlungen

über eine neue Ernährungshilfekonvention unverzüglich zum Abschluß bringen.
Der Welternährungsrat fordert ein diesbezügliches Abkommen bis Mitte der
achtziger Jahre.

Wir sind für die Verwirklichung dieser Empfehlung.

Bis

dahin werden wir die Aufstockung der Nahrungsmittelhilfezusage, die die Konvention beinhalten soll, von uns aus erfüllen.

Gleichzeitig muß die Ausweitung der Weltnahrungsmittel Produktion mit großem Nachdruck betrieben werden,

über die Hälfte der amerikanischen Entwick-

lungshilfe entfällt heute auf die Landwirtschaft.

Wir werden uns weiterhin

um eine Hebung der Ertragsfähigkeit der wichtigsten Nahrungsmittelpflanzen,
die Erhaltung der Ertragskraft der Anbauflächen und die Ausweitung der Forschung bemühen, die dem Zweck dient, Methoden zur Steigerung des Ertrags der
traditionellen und auch neu gezüchteter Pflanzenarten zu finden - vor allem
solcher Pflanzen, die auch von ärmeren Bauern angebaut werden können.

Diese Bemühungen genießen die wirksame Unterstützung durch mehrere internationale landwirtschaftliche Forschungsanstalten.

Wir sind für die vorgeschlagene Verdoppelung der Mittel, die diese Forschungsanstalten erhalten sollen, und wir beabsichtigen, unsere Beiträge zu
erhöhen.

Wir hoffen, daß auch andere Länder entsprechende Beiträge leisten

werden.

Wir müssen uns aber darüber im klaren sein, daß diese Anstrengungen auf
lange Sicht zunichte gemacht werden, wenn das Wachstum der Erdbevölkerung nicht
verlangsamt wird.

Die Hälfte der Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter

haben noch immer keinen ausreichenden Zugang zu Familienplanungsdiensten.

Wir

müssen uns ernsthaft bemühen, allen Völkern neben Komponenten wie den grundlegenden Gesundheitsdiensten und einer ausreichenden Nahrungsmittel- und Wasserversorgung auch die Familienplanung so rasch wie nur möglich zur Verfügung zu
stellen.

Kurzfristig
- 15 -

�Kurzfristig müssen wir bereit sein, überall dort Notstandshilfe zu
leisten, wo Menschen von Hunger bedroht sind oder Flüchtlinge Schutz suchen
- in Afrika, in Lateinamerika, in Südostasien und wo sonst noch.
Der von Vizepräsident Mondale in Genf unterbreitete Vorschlag zur Errichtung eines Wiederansiedlungsfonds für Flüchtlinge spiegelt unsere Überzeugung wider, daß sich die Völkergemeinschaft auf globaler Basis mit der
weltweiten und sehr ernsten Flüchtlingskrise befassen sollte. Wir fordern
die Völker dringend auf, sich an diesem Fonds zu beteiligen.
Tatkräftige und umfassende internationale Maßnahmen sind erforderlich, um
den Hungernden in Kampuchea Hilfe zu bringen, die gegenwärtig eine der großen
Tragödien unseres modernen Zeitalters erleben.

Zehntausende kranker und hun-

gernder Khmer stauen sich gegenwärtig an der Grenze nach Thailand.
tausende dürften ihnen bald folgen.

Hundert-

Eine noch größere Hunger- und Krankheits-

welle scheint zu drohen - insbesondere angesichts der jüngsten Berichte über
verstärkte Feindseligkeiten.

Um eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes

abzuwehren, muß so bald wie möglich ein internationales Programm humanitärer
Hilfe in Kampuchea eingerichtet werden.
in der Lage sein, ein

Internationale Organisationen müssen

koordiniertes, umfangreiches und wohl durchorganisiertes

Programm der Notstandshilfe für alle hilfsbedürftigen Khmer in Gang zu

^&gt;tzen.

Wir jedenfalls befürworten diesbezügliche Anstrengungen.
Die Ernährungskrise in Kampuchea birgt die Möglichkeit der Vervielfachung
des Flüchtlingsstroms und entsetzlicher Leiden unter allen jenen, die nicht
zu fliehen vermögen. Der Flüchtlingsstrom aus Vietnam, Laos und Kampuchea
hat bereits großes Leid über hunderttausende unschuldiger Menschen gebracht
und den Ländern, in denen sie zunächst um Asyl bitten, schwere Lasten aufgebürdet.
Die Völkergemeinschaft beginnt zu reagieren. Doch humanitäre Maßnahmen
allein reichen nicht aus. Die Völkergemeinschaft muß vielmehr größere und
energischere Anstrengungen unternehmen, den Frieden in jenem Gebiet wiederherzustellen und die Probleme, die die Ereignisse in Indochina zur Folge hatten,

�hatten, durch nicht-militärische Mittel zu lösen.

Sie stellen eine Bedrohung

der Stabilität dieses gesamten Gebietes dar.

Meiner Überzeugung nach können wir die Aufgaben lösen, die uns hieraus
erwachsen.

Wir dürfen allerdings ihre Größe nicht unterschätzen.

Die Beile-

gung regionaler Streitigkeiten und die Einführung neuer Begrenzungen der Instrumente des Krieges erfordern neue Manifestationen des nationalen und internationalen Willens.

Die achtziger Jahre können sehr wohl eine anhaltende

Energiekrise mit sich bringen.
ten Hungersnot »erden.

Sie können ein Jahrzehnt einer weitverbreite-

Wenn es nicht gelingt, die rasch ansteigenden Defizite

der Entwicklungsländer in den Griff zu bekommen, wird die Wirtschaft vieler
unter ihnen stagnieren, wenn nicht sogar zusammenbrechen.

Weltweite Probleme wie diese erfordern weltweite Gegenmaßnahmen.
Die Vollversammlung wird darüber entscheiden, ob eine neue Verhandlungsrunde über Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit für Entwicklungszwecke
eingeleitet werden wird.

Lassen Sie mich heute hier die Feststellung treffen,

daß die Vereinigten Staaten an den Konsultationen im Ausschuß des Plenums
teilnehmen werden, wenn es darum geht, Klarheit über die wirksamste Methode
der Führung solcher Verhandlungen zu treffen.

Sollen neue weltweite Verhandlungen zum Erfolg führen, müssen alle Teilnehmer die politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten aller anderen realistisch einschätzen.

Wir müssen jenen Problemen Priorität einräumen, bezüg-

lich deren Lösungen konkrete Ergebnisse möglich sind.

Und wir sollten es ver-

meiden, daß es zu Überschneidungen mit der Arbeit bereits bestehender Institutionen kommt.

Auf diese Weise können solche Verhandlungen mithelfen, einen

weltweiten Konsens über die zu treffenden Maßnahmen zustande zu bringen.

Viele der Fragen, die ich hier aufgeworfen habe, stehen bereits an vorderer Stelle auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen.

Die Notwendigkeit

der Zusammenarbeit zum Zwecke der Lösung dieser Probleme macht es notwendig,
die Vereinten Nationen noch weiter zu stärken.
waltungsreformen sind dringend notwendig.
- 17 -

Finanz-, Verfahrens- und Ver-

Als erster Schritt fordern wir,

�wir, daß die Empfehlungen des Generalsekretärs, die jetzt von dieser Vollversammlung angenommen wurden, voll und ganz verwirklicht werden.
Die Dringlichkeit der Anliegen, die ich hier dargelegt habe, macht es
notwendig, daß alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen künftig größere Anstrengungen als bisher unternehmen.
Unterscheidungen zwischen Nord und Süd spiegeln ebenso wie die Unterscheidung zwischen Ost und West Unterschiede in den Interessen wider.

Sie sprielen

eine Rolle bei der Definition der strittigen Fragen und bei der Klarstellung
der gegebenen Wahlmöglichkeiten.

Wir müssen uns dazu verpflichten, Bereiche

ausfindig zu machen, auf denen unsere Interessen übereinstimmen.
Jeder von uns hat seine besonderen Qualifikationen, die es zu entfalten
gilt, und auch seine besonderen Ziele, denen er nahezukommen trachtet.
will nicht behaupten, daß es anders sein könnte oder sollte.

Ich

Die Vereinigten

Staaten glauben an eine Welt der Mannigfaltigkeit.
Aber lassen Sie uns hier, hier auf dieser Vollversammlung, den Entschluß
fassen, uns aus unseren gemeinsamen Ansprüchen und unserer gemeinsamen Menschlichkeit heraus der gemeinsamen Suche nach Gemeinsamkeiten zu verschreiben.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

BROWN ERLÄUTERT DEN VERTEIDIGUNGSHAUSHALT DER USA
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat am 19. September 1979 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats ausführlich zu dem Verteidigungshaushalt 1980 Stellung genommen.

Er ging im

Zusammenhang mit der Ratifizierung von SALT II auch besonders auf die Zusagen
der Vereinigten Staaten gegenüber dem Atlantischen Bündnis ein.

Die Ausführungen Browns haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,

ich begrüße diese Gelegenheit, über den Verteidigungshaushalt 1980 und
unsere militärische Position gerade im Zusammenhang mit den Anhörungen über
die Ratifizierung des SALT II-Vertrages zu sprechen.

Der Verteidigungshaus-

halt ist der konkrete und unmittelbare Ausdruck unserer Verteidigungspolitik
und unserer Verteidigungsprogramme.

Er bildet die Grundlage für unsere na-

tionale Verteidigungskapazität in nächster Zukunft.

Rüstungskontrolle

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Rüstungskontrolle ist nur eine Seite - wenn auch sicherlich eine wichtige Seite - der Medaille der nationalen Sicherheit.

Es ist daher ganz ver-

ständlich, daß die Anhörungen über die Ratifizierung sich jetzt weitergefaßten Überlegungen sowohl der Rüstungskontrollaspekte als auch der verteidigungspolitischen und programmatischen Aspekte unserer nationalen Sicherheitspolitik zugewandt haben.

Verteidigungshaushalte und unsere Rüstungskontroi 1-

politik lassen sich am besten in einem Zusammenhang erkennen, der beides erfaßt.

Umgekehrt kann man die amerikanische Politik der nationalen Sicherheit

insgesamt nur im Zusammenhang mit den Politiken und Programmen unserer Verbündeten, den Zielen der Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten und den Herausforderungen unserer Gegner richtig bewerten.
Darüber hinaus dürfen wir nicht nur diese "strategischen" oder internationalen
Faktoren in unserer Verteidigungsplanung in Erwägung ziehen, sondern müssen
auch den "strukturellen" oder innenpolitischen Zusammenhang unserer Entscheidungen berücksichtigen.

Zu diesem Zusammenhang gehören unsere amerikanischen

Stärken, wie Technologie und Fachwissen, und unsere amerikanischen Schwächen,
wie Inflation, Energie und konkurrierende Prioritäten im Haushalt.
Wie Ihnen bekannt ist, kündigte der Präsident vorige Woche seine Absicht
an, die wechselseitige Verpflichtung im Bündnis zu einem Realanstieg der Verteidigungsausgaben um drei Prozent pro Jahr durch die Vorlage eines Nachtragshaushalts über 2,7 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1980 zu erfüllen.
Dieser Nachtrag ist als Ausgleich für die Tatsache nötig, daß durch die Inflation die Voranschläge für das Verteidigungsbudget des Haushaltsjahres 1980
in solchen Bereichen wie höhere Treibstoffkosten aufgrund des OPEC-Beschlusses
über höhere öl preise, Anstieg der Kosten für die Lagerhaltung, Gütertransport
sowie ungünstigere Wechselkurse übertroffen wurden. Alle diese Veränderungen
sind bereits eingetreten, und die zusätzlichen Kosten sind gewiß. Erhöhte
Treibstoffkosten allein sind für nahezu ein Drittel dieses 2,7 Milliarden
Dollar-Nachtragshaushaltes verantwortlich. Diese Entwicklungen konnten nicht
angemessen im Budget berücksichtigt werden, als es dem Kongreß im Januar vorgelegt wurde. Diese Kostenerhöhungen sind zwar unangenehm, aber sie müssen durch
Erhöhungen im Haushaltsplan ausgeglichen werden, wenn wir unsere Verpflichtung

- 2 -

�Verpflichtung zu einem dreiprozentigen Realanstieg der Verteidigungsausgaben
wirklich einhalten wollen.

Die Einhaltung dieser Verpflichtung ist für unsere nationale Sicherheit
von grundlegender Bedeutung.

Während der letzten 15 Jahre sind die sowje-

tischen Ausgaben für die Streitkräfte ständig angestiegen, während unsere eigenen im Verlauf dieses Zeitraums de facto gesunken sind.

Mit unseren Ver-

bündeten haben wir uns verpflichtet, diesen Trend umzukehren und stattdessen
bescheidene, aber gleichmäßige und deutliche Erhöhungen unserer Ausgaben zu
erreichen.

Wie ich es im einzelnen im Verlauf meiner Darlegungen erläutern

werde, wird dieser Zuwachs in Verbindung mit den Anstrengungen unserer Verbündeten und mit einer wirkungsvolleren Verwendung unserer Mittel es ermöglichen,
auch weiterhin unsere Ziele zu erreichen - nicht nur was die strategischen
Waffen und die NATO anbetrifft, sondern auch im Pazifik und weltweit.

Wenn

wir bei der Erfüllung unserer Verpflichtung versagen, dann werden andere Verbündete - von denen praktisch alle unter den Problemen der Inflation

und der

miteinander im Wettstreit stehenden Forderungen nach Geldmitteln leiden, die
nicht weniger drückend sind als unsere eigenen - noch weit weniger in der Lage
sein, das Ziel zu erreichen.

Unsere Anstrengungen, die darauf abzielen, unsere

Verbündeten zur Erfüllung ihres Anteils zu bewegen, werden völlig untergraben,
wenn wir als Führungsmacht des Bündnisses diese drei Prozent selbst nicht erreichen.

Ich möchte Ihnen heute das Prinzip erläutern, das unserer Zielsetzung
zugrundeliegt, die drei Prozent jährliches Realwachstum bei den Verteidigungsausgaben zu erreichen.

Wie so oft ist es auch hier der Fall, daß einige Mit-

glieder dieses Ausschusses sowie andere Kongreßmitglieder und Teile der Öffentlichkeit

größere Erhöhungen wünschen.

Und es gibt andere, die glauben, daß

unser Vorschlag übertrieben sei. Mein eigenes Urteil geht dahin, daß in diesem
Fall und zu dieser Zeit die richtige Wahl in der Mitte liegt und daß drei
Prozent zu dieser Zeit eine angemessene Zahl ist - nicht weil dieser Zahl eine
besondere Zauberkraft innewohnt, sondern weil die Programme, die eine solche
reale Zuwachsrate finanzierbar macht, angemessen erscheinen, um unsere Ziel-

- 3 -

�Zielsetzungen zu erreichen und den gefährlichen Trends Einhalt zu gebieten,
die wir erkennen.

Die sowjetische Herausforderung
Die Sowjetunion ist sicherlich unser größter und stärkster Konkurrent
auf der internationalen Szene. Sie ist das einzige Land, das den Fortbestand
der Vereinigten Staaten selbst und unserer wichtigsten Verbündeten in Europa,
Asien und in der übrigen Welt gefährden könnte. Vergleichbare Verteidigungsausgaben sind nur ein Anzeichen der Gesamtstärke.
in vieler Hinsicht das stärkste Land der Welt.

Die Vereinigten Staaten sind

Kein anderes Land - sicher

nicht die Sowjetunion - kann sich mit uns hinsichtlich der Wirtschaftskraft,
der politischen Stabilität, der technologischen Möglichkeiten messen oder in
bezug auf Lebensform und internationale Politik solchen Anklang finden.
militärische Macht ist wichtig.

Aber

Angesichts der sowjetischen Militärmacht

müssen wir das Verhältnis der Trends bei den amerikanischen und den sowjetischen Militärausgaben betrachten.

Wenn wir unsere Verteidigungsausgaben

der letzten Zeit mit denen der Sowjetunion vergleichen, dann empfinden wir
die Trends als beunruhigend.

Die sowjetischen Verteidigungsausgaben sind über

mehr als 15 Jahre hinweg jedes Jahr ständig angestiegen.

Mit wachsendem sowjet-

ischen Bruttosozialprodukt sind auch die Verteidigungsanstrengungen gewachsen und machten einen mehr oder weniger konstanten Prozentsatz dieses Bruttosozialprodukts aus. Während der genaue Umfang des sowjetischen Verteidigungshaushaltes nur schwer zu messen ist, so wissen wir doch, daß es die Vereinigten Staaten 45 Prozent mehr als unser gegenwärtiges Budget kosten würde, um
das zu tun, was das sowjetische Militär in diesem Jahr vornimmt.
•

Am wesentlichsten ist die Tatsache, daß der Trend zum weiteren realen
Wachstum unverkennbar ist. Die sowjetischen Ausgaben haben nicht auf die
amerikanische Zurückhaltung reagiert. Wenn wir bauen, bauen sie; wenn wir
unsere Ausgaben kürzen, bauen sie weiter.
Das
- 4 -

�Das Mißverhältnis in unseren Anstrengungen ist beunruhigend, mehr noch
hinsichtlich der Investitionen als der jährlichen Betriebskosten.

In der

Tat haben die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen von früheren Investitionen gelebt.

Zum Beispiel haben uns die Sowjets hinsichtlich der Ausgaben

während der letzten zehn Jahre auf dem Gebiet der strategischen Waffen in
einem Verhältnis von zwei oder drei zu eins übertroffen und haben als ein Ergebnis tatsächlich einen Stand der Gesamtparität erreicht.

Ein vernünftiges

weltweites Gleichgewicht herrscht noch dank unserer früheren Anstrengungen,
aber wenn wir nicht handeln, wie es das Programm vorsieht, um unsere Anstrengungen zu erhöhen, würde die Differenz zwischen den gegenwärtigen Anstrengungen sich bald in einem unannehmbaren Ungleichgewicht widerspiegeln.

Um

ein wesentliches Gleichgewicht im strategischen Bereich aufrechtzuerhalten,
brauchen wir eine einsichtige Ausgabenerhöhung - sogar mit SALT II. Wenn
SALT II nicht in Kraft tritt, wären eindeutig noch größere Ausgabenerhöhungen
notwendig - ohne erhöhte Sicherheit und vielleicht mit gefährlich erhöhtem
Risiko.

Unsere Aufgabe ist es, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das unsere
Zielsetzungen, unsere Prioritäten und unsere Vorteile widerspiegelt - nicht
um die sowjetischen Streitkräfte zu verdoppeln.

Deshalb sollen und dürfen

wir nicht einfach versuchen, es den Sowjets Dollar für Rubel, Panzer für Panzer, Mann für Mann nachzumachen.

Was wir tun müssen ist, Streitkräfte zu

dislozieren, die es uns erlauben, eine Strategie des Gegenschlags aufrechtzuerhalten und eine Kapazität, die die Sowjets oder jeden anderen Gegner in
dieser schwierigen und gefährlichen Welt davon abhält, unsere lebenswichtigen
Interessen oder die unserer Verbündeten zu gefährden.

Die Sicherheitsbedürf-

nisse der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind nicht deckungsgleich.
Die Kosten für die Planung unserer Seestreitmacht und für den Schutz der
Seewege haben zum Beispiel nur wenig Entsprechung bei den sowjetischen Militärausgaben, genauso wie die sowjetischen Kosten für die strategische Luftverteidigung oder die Grenzverteidigung bei uns.

Folglich können wir nicht

aus den Unterschieden zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Verteidigungsausgaben schließen, welches Niveau unsere Verteidigungsausgaben
haben sollten.
Was
- 5-

�Was die Forderungen unseres Verteidigungshaushalts bestimmt, sind die
Kosten jener Programme, die notwendig sind, um die Ziele unserer nationalen
Sicherheit zu erreichen - im Kontext der durch die Sowjets oder andere Gegner auf diese Ziele gerichteten Bedrohungen.

Bei der Beurteilung jener For-

derungen müssen wir die Beiträge unserer Verbündeten sowie unsere Verpflichtungen gegenüber ihnen in Rechnung stellen und die Beschränkungen, die der
sowjetischen Bedrohung durch Rüstungskontroi labkommen auferlegt wurden.

Zu-

dem müssen wir uns darüber einig werden, in welchem Maß wir uns zur Erreichung unserer nationalen Sicherheitsziele auf Verteidigungsprogramme verlassen müssen im Gegensatz zu politischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen.
Die Vereinigten Staaten sind nicht dazu aufgerufen, die Verteidigung
der Freien Welt allein auf ihre Schultern zu nehmen.

Unsere europäischen

und asiatischen Verbündeten leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Sicherheit wie wir zu der ihrigen.

Unsere NATO-Verbündeten zum Beispiel stellen

über 90 Prozent der stehenden Landstreitkräfte der NATO zu Friedenszeiten
und 75 Prozent der stehenden taktischen Luftstreitkräfte der NATO.

Außer-

dem sind dem Realwert nach die Gesamtausgaben für Verteidigung der europäischen NATO-Länder in den Jahren seit 1970 deutlich angestiegen, während
unsere gesunken sind.

Wir haben das militärische Potential unserer Ver-

bündeten bei der Festlegung des Umfangs des Verteidigungshaushaltes für das
Jahr 1980 sowie bei unserer Verpflichtung zu einem dreiprozentigen realen
Zuwachs pro Jahr in Betracht gezogen.
Unsere Beurteilung der verschiedenen Überlegungen, die ich dargelegt
habe, hat uns zu dem Schluß geführt, daß das von uns vorgeschlagene Programm
sowie der dreiprozentige Realzuwachs bei den Verteidigungsausgaben zu seiner
Finanzierung der angemessene Betrag ist, der für die Verteidigungsprogramme
zur Aufrechterhaltung unserer Ziele im Rahmen der nationalen Sicherheit
aufgebracht werden muß. Ich würde nun gerne auf die Grundlagen für jedes
Hauptgebiet der Verteidigungsaufgaben kurz eingehen und ausführen, wie wir
uns die Verwendung der Mittel im Verteidigungshaushalt vorstellen, um den
Herausforderungen zu begegnen, denen wir gegenüberstehen.
Zu

�Zu Beginn möchte ich wiederholen, daß das Verteidigungsbudget für das
Haushaltsjahr 1980, einschließlich des vorige Woche vom Präsidenten angekündigten Nachtrags, eine reale Wachstumsrate bei den Ausgaben für das Haushaltsjahr 1980 von drei Prozent vorsieht, wenn man die Inflation voll berücksichtigt.

Für das Haushaltsjahr 1981 planen wir einen ähnlichen Realzuwachs.

Dieses Budget wird im Moment noch bearbeitet, so daß es verfrüht wäre, über
die Feststellung hinauszugehen, daß es den allgemeinen Schwung unseres Verteidigungsprogramms beibehalten und unsere gemeinsame Verpflichtung unseren
Verbündeten gegenüber untermauern wird.

Sie sind keine Konzession und kein

Handelsobjekt, um Zustimmung für SALT zu erreichen.

Strategische Streitkräfte
Wie ich in meinem Verteidigungsbericht im Januar dieses Jahres dargelegt habe, sind unsere strategischen Ziele:

- Abschreckung
- Stabilität, sowohl hinsichtlich Krisen- als auch Rüstungskontrolle
- wesentliche Gleichwertigkeit

Im Zuge dieser Anhörungen haben wir die verschiedenen laufenden Programme erläutert, mit denen wir weiterhin diese unsere höchsten und vorrangigsten Ziele erreichen wollen.

Dr. William J. Perry hat kürzlich ausgesagt,

wie die Dislozierung der MX-Rakete mit Hilfe einer überlebensfähigen Stationierungsmethode in unsere strategischen Streitkräfteplanungen paßt. Wir
verbessern ferner unsere mit Luftstrahltriebwerken angetriebene Streitmacht
(Bomber und luftgestützte Marschflugkörper - ALCM) sowie unsere seegestützte
Raketenstreitmacht.

Was das mit Luftstrahltriebwerken angetriebene Element

der Triade anbetrifft, so schreiten wir in der Entwicklung der luftgestützten
Marschflugkörper voran.

Die zwei Versionen der'luftgestützten Marschflug-

körper machen Fortschritte, und unsere erste B-52-ALCM-Staffel wird 1983
serienreif sein.

Im Jahre 1985 werden 80 Prozent unserer B-52 G-Bomber mit

- 7 -

�mit ALCM ausgerüstet sein und der Rest bald danach.

Und schließlich ist ein

Trägerflugzeug für Marschflugkörper in der Planung, das bis 1987 fertiggestellt sein soll - oder sogar noch früher, sollte sich dies als notwendig
erweisen.

Die ersten unserer neuen und leistungsstärkeren Trident I unter-

seebootgestützten ballistischen Raketen werden im kommenden Jahr disloziert.
In dem dann folgenden Jahr wird unser erstes mit 24 Abschußanlagen ausgerüstetes Trident-Unterseeboot in Dienst gestellt.

Ihm folgen bis 1983 jährlich ein

SSBN und dann zwei Boote alle drei Jahre.
Die höchste Priorität in der Verteidigung der Vereinigten Staaten nimmt
die Garantie ein, daß kein Land in die Versuchung kommt, Nuklearwaffen gegen
uns, unsere Streitkräfte, wo auch immer, oder unsere Verbündeten oder andere
Länder einzusetzen, deren Sicherheit für uns wichtig ist, und sicherzustellen,
daß unsere nukleare Kapazität zu unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten vor anderen Streitkräften oder vor Bedrohungen unserer Interessen beiträgt.
Zusätzlich zur Aufrechterhaltung der Abschreckung und der Stabilität
gegenüber der Sowjetunion verfolgen die Vereinigten Staaten eine strategische
Politik der wesentlichen Gleichwertigkeit oder der ungefähren Parität und
eine ausgleichende Strategie, die die Indienststellung von Streitkräften beinhaltet, welche notwendig sind, um zu verhindern, daß die Sowjets irgendeines ihrer nationalen Ziele erreichen, das sie durch einen nuklearen Angriff
anstreben könnten, oder um zu verhindern, daß sie irgendeinen Gewinn in dieser
Richtung erzielen, ohne entsprechende Verluste hinnehmen zu müssen. Wesentliche Gleichwertigkeit soll der Sowjetunion jeden politischen oder militärischen Vorteil verwehren, der aus der Vorstellung relativer Kapazitäten
oder dem tatsächlichen Einsatz nuklearer Waffen abgeleitet werden könnte.
Präsident Carter hat bereits angedeutet, daß die Ausgaben für strategische
Systeme im Verteidigungshaushalt für das Finanzjahr 1981 angehoben werden.
Die Modernisierungsprogramme für den Verteidigungshaushalt dieses und des
nächsten Jahres sollen die Zuverlässigkeit, die Überlebensfähigkeit und die

- 8 -

�die die Verteidigungsdurchdringungskapazität unserer strategischen Vergeltungsstreitkrä'fte sowie unsere entsprechende Gefechts-, Kontroll- und Fernmeldekapazitä't aufrechterhalten und sicherstellen, daß der damit geleistete Beitrag zur Stabilität und zur glaubwürdigen Abschreckung für die absehbare Zukunft unvermindert weiterbesteht.

Es gibt eine Reihe hauptsächlicher Bedrohungen, die möglicherweise die
Stabilität des nuklearen Gleichgewichts stören könnten.

Die erste ist ein

schrankenloser nuklearer Wettstreit, der zu ungeheuer erhöhten Verteidigungshaushalten und zu andauernder Unsicherheit führen würde.

Der SALT Il-Vertrag»

der Ihnen jetzt vorliegt, wird uns in den Stand setzen, das nukleare Gleichgewicht auf niedrigerer Ebene aufrechtzuerhalten, wobei beide Seiten auf
weniger strategische Nuklearträgerwaffen begrenzt werden, als die Sowjets
ohne ein solches Abkommen dislozieren könnten.

Lassen Sie mich ferner unter-

streichen, daß SALT II in keiner Weise unsere Bemühungen behindern wird,eine
wesentliche Gleichwertigkeit aufrechtzuerhalten oder die Streitkräfte aufzustellen und beizubehalten, die für unsere Verteidigungserfordernisse notwendig sind.

Eine besondere Gefahr für die strategische Politik der Vereinigten Staaten stellt die zunehmende Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen zu Anfang und Mitte der achtziger Jahre dar.

Diese Verwundbarkeit

ergibt sich durch die Expansion und Modernisierung der sowjetischen Interkontinentalraketenstreitkräfte.

Die Administration will dieser wachsenden

Verwundbarkeit unserer landgestützten Systeme auf zweifache Weise begegnen:
durch Rüstungskontrolle und durch strategische Programme.

Einerseits wird

SALT II das Ausmaß der Bedrohung der amerikanischen landgestützten Systeme
begrenzen.

Zum andern ist die Entscheidung gefallen, in vollem Ausmaß mit

der technischen Entwicklung und Dislozierung der MX-Rakete bei einer mobilen
Stationierungsweise voranzugehen.

Die MX wird im Jahre 1986 die erste ope-

rative Kapazität erreichen und drei Jahre später voll einsatzfähig sein.
Damit wird gewährleistet sein, daß eine genügende Zahl unserer Interkontinentalraketen einen sowjetischen Überraschungsangriff überleben würden.
Eine
- 9 -

�Eine andere Aufgabe, vor der wir stehen, ist die Notwendigkeit zur Modernisierung einiger unserer veraltenden Systeme. Zusätzlich zur MX modernisieren wir sowohl die Unterseebootstreitkräfte als auch die auf Luftstrahltriebwerken basierenden Waffensysteme unserer Triade.
Ich halte es für notwendig, daß ich mich an diesem Punkt mit einer falschen Zweiteilung befasse, wie sie von einigen Kritikern unserer strategischen Programme im allgemeinen und von SALT II im besonderen dargestellt
wird.

Sie entwerfen da ein Bild für Anfang bis Mitte der achtziger Jahre,

in dem die theoretische Verwundbarkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen uns in eine Position bringen würde, in der wir erpreßbar werden.
Es wird behauptet, daß ein nuklearer Angriff auf unsere Interkontinentalraketen, der durch eine kleine Zahl von sowjetischen Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen und hoher Treffsicherheit den Präsidenten vor ein
Dilemma stellen würde, das entweder auf Kapitulation hinausliefe oder einem
Selbstmord gleichkäme, weil den Vereinigten Staaten keine andere aktive Reaktion bliebe als sowjetische Städte zu vernichten und dadurch mit Sicherheit
unsere eigene Vernichtung zu bewirken.
Lassen Sie mich im Zusammenhang mit dieser Frage hervorheben, daß die
Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen nicht gleichbedeutend mit
der Verwundbarkeit der Vereinigten Staaten oder unserer Abschreckungsmacht
ist. Insbesondere würden wir selbst nach einem hypothetischen Verlust praktisch
all unserer Interkontinentalraketen nicht vor dem angeblichen Dilemma der
Kapitulation durch Nichthandeln oder der Auslösung eines umfassenden Angriffs
auf sowjetische Städte stehen, wobei unsere eigenen Städte einem sowjetischen
Gegenangriff preisgegeben wären. Das Problem der Verwundbarkeit unserer
Interkontinentalraketen besteht tatsächlich und erfordert eine Lösung, aber
die Krise der Abschreckungskraft, die von den Erfindern eines solchen falschen
Dilemmas vorausgesagt wird, besteht nur in deren Einbildung. Selbst unter
den pessimistischsten Bedingungen würden die Vereinigten Staaten mehrere tausend intakte Sprengköpfe behalten sowie die verbleibenden Unterseeboote,
Bomber und Marschflugkörper und auch die angeschlagene Interkontinental -

- 10 -

�Interkontinentalraketenstreitmacht.

Damit aber verblieben eine Reihe von

Optionen für Maßnahmen gegen militärische und industrielle Ziele sowie gegen die Städte und nicht nur ein massierter Angriff auf dichtbesiedelte
Zentren.

Wir könnten zum Beispiel unsere Vergeltungsschläge gegen die üb-

riggebliebenen sowjetischen strategischen Streitkräfte, gegen nukleare und
konventionelle militärische Ziele im Gefechtsfeld und gegen ausgewählte Industrie- und Kontrollpunkte richten und hätten immer noch genügend Gefechtsköpfe in Reserve, um vor einem gegen die Städte gerichteten Schlagabtausch
abzuschrecken.

Was die politische oder psychologische Auswirkung der Behauptung anbetrifft, die Sowjets seien relativ besser imstande, auf mehrere Jahre hinaus
die eine Säule unserer Triade zu bedrohen, als wir dies vermöchten, so halte ich dies für eine Übertreibung.

Erstens, wir sind dabei und werden auch

weiterhin unsere Kapazität in bezug auf die beiden anderen Säulen unserer
Triade verstärken.

Wir werden über eine erhebliche und zunehmende Kapazi-

tät gegen dieses Element ihrer Streitmacht verfügen.

Was die politische Auswirkung der Verwundbarkeit der Interkontinentalraketen anbetrifft, so bin ich auch der Meinung, daß hier das zählt, was
vorhanden ist. Aber weil hier das zählt, was sichtbar ist, hat auch ein Programm zur Erlangung einer künftigen Kapazität und nicht nur eine faktisch
vorhandene Kapazität eine politische Bedeutung.

So beruht beispielsweise

unsere Schätzung der Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen in weitem Maße auf Kalkulationen mit 308 SS-18-Raketen, von denen jede mit zehn
Wiedereintrittsgefechtsköpfen ausgerüstet ist. Aber die Sowjets haben mit
der Dislozierung dieser Version ihrer SS-18 soeben erst begonnen und haben
noch einige hundert SS-9-Silos übrig, die für die SS-18 umgebaut werden
können.

Ein beträchtlicher Teil von ihren 308 "schweren" Interkontinental-

raketen sind SS-9 Raketen, die mit einem Wiedereintrittsgefechtskopf ausgerüstet sind,und der größte Teil besteht zur Zeit aus SS-9-Raketen und SS-ISRaketen mit einem Gefechtskopf.

Aber es ist durchaus richtig, wenn wir der

von ihnen geplanten künftigen Kapazität größte Aufmerksamkeit zuwenden.

- 11 -

Weil

�Weil die ALCM-, die Trident- und jetzt die MX-Programme reale Dinge sind,
wird uns von einigen der gleichen Vorauseffekt zugute kommen.

Zusammengefaßt:

Mit SALT können wir die strategischen Ziele erreichen,

und wir haben die dafür notwendigen Programme.

Ohne SALT stehen wir vor wach-

senden Unsicherheiten, zunehmenden Risiken und aller Wahrscheinlichkeit nach
erhöhten Kosten.

Die NATO

Das NATO-Bündnis hat das gemeinsame Ziel, eine ausreichende militärische
Stärke aufrechtzuerhalten, um vor einer Aggression abzuschrecken und - sollte dies notwendig werden - um in der Lage zu sein, die territoriale Integrität des Bündnisses erfolgreich zu verteidigen.

Ob die Kapazität der NATO

ausreichend ist, um diese Ziele zu erreichen, muß im Lichte der Kapazität
des Warschauer Paktes geprüft werden, was jedoch nicht bedeutet, daß die
NATO-Streitkräfte ein spiegelgetreues Abbild der Streitkräfte des Warschauer
Paktes zu sein brauchen - weder im Umgang noch in der Zusammensetzung.

Es

wäre eine zu große Vereinfachung, wollte man das Urteil, ob die Verteidigung
der NATO ausreicht, nur von Statistiken über Gerät und Geldausgaben abhängig machen.

Trotzdem ist die anhaltende Modernisierung und Vergrößerung

der Streitkräfte des Warschauer Paktes Anlaß zur Besorgnis.

Das konventionelle Kräfteverhältnis in Europa:

Im Laufe der letzten

zehn Jahre sind die sowjetischen und nichtsowjetischen Streitkräfte des
Warschauer Paktes vergrößert und qualitativ verbessert worden.

Im letzten

Jahrzehnt haben die in Osteuropa stationierten sowjetischen Streitkräfte um
rund 150 000 Mann zugenommen, einschließlich der 70 000 Mann und fünf Divisionen, die seit 1968 in der Tschechoslowakei disloziert wurden.

Im gleichen

Zeitraum hat sich der traditionelle Vorsprung des Warschauer Paktes an Panzern vergrößert, und die Sowjets haben heute etwa 45 000 mittlere Panzer
für das NATO-Gebiet bereitgestellt.

Obwohl seit 1973 die Zahl ihrer taktischen

- 12 -

�taktischen Flugzeuge nur gering erhöht wurde, handelt es sich bei den meisten
sowjetischen Kampfflugzeugen und Jagdbombern um Modelle, die seit 1970 eingeführt wurden.

Sie haben einen wesentlich erhöhten Aktionsradius sowie ver-

besserte Flug- und Hilfssysteme, Wartung und Aufklärungssensoren.
wjetische Militärdoktrin

Die so1-

legt weiterhin den Nachdruck auf die Tugenden der

Tarnung, der Täuschung und der Überraschung.

Die sowjetische Taktik legt

Wert auf überwältigende Feuerkraft, Schockwirkung und rasche Offensivbewegung.
Die qualitativen und quantitativen Veränderungen der Kapazität des Warschauer
Paktes machen es in zunehmendem Maße wahrscheinlich, daß er die Lücke zwischen Doktrin und Praxis überbrücken konnte.

Die Aufrüstung des Warschauer Paktes hatte jetzt jedoch eine erfrischende
Wirkung auf die NATO.

Die vom Bündnis verabschiedeten Verteidigungspläne ver-

sprechen - wenn sie voll verwirklicht sind - den Vorsprung des Warschauer Paktes auszugleichen, wenn nicht sogar zu übertreffen.

Im Jahre 1978 verabschie-

deten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Länder ein Langfristiges Verteidigungsprogramm (LTDP) mit über 120 spezifischen Maßnahmen zur Verbesserung
der konventionellen Streitkräfte der NATO.

Neben dieser Entscheidung ging

ein übereinkommen über das gemeinsame Ziel einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben aller Mitgliedstaaten um real drei Prozent im Jahr einher.
Länder haben im großen und ganzen diese Verpflichtung eingehalten.

Die NATODie Ver-

teidigungsausgaben der anderen NATO-Staaten verzeichneten im Haushaltsjahr
1978/79 eine Erhöhung von durchschnittlich 2,9 Prozent.

Das Langfristige Verteidigungsprogramm sieht eine Verbesserung der NAT0Kapazität auf allen Gebieten vor.

Zu den wichtigsten Initiativen gehören

Pläne, die Fähigkeit der NATO, auf einen Angriff mit kurzer Vorwarnzeit zu
reagieren, wesentlich zu verbessern.

Zu den spezifischen Programmen zur

Stärkung der Einsatzbereitschaft der NATO gehört eine Erhöhung der Zahl der
Panzer in Europa, die Verbesserung der Panzerabwehr der NATO, die Modernisierung und zahlenmäßige Verstärkung von Luft-Boden-Waffen, Verbesserung der
NATO-Verteidigung gegen chemische Kriegführung und die Verstärkung der Kapazität der NATO, kurzfristig die Munitionsbestände zu erhöhen.
Abgestimmt
- 13 -

�Abgestimmt auf das Langfristige Verteidigungsprogramm .wurden die amerikanischen Anstrengungen weiter fortgesetzt.

Wir haben unserem NATO-Arsenal

weitere 47 000 ferngelenkte Raketen zur Panzerbekämpfung hinzugefügt, haben
mit der qualitativen Verbesserung unserer M-60-Panzer begonnen, haben die
Zahl unserer Hubschrauber vergrößert und zwei weitere Artilleriebataillone
zu den bereits in Europa stationierten disloziert.

Die in Westeuropa statio-

nierten amerikanischen Streitkräfte wurden seit Anfang 1975 um 9500 Mann verstärkt.

Im derzeitigen, sich auf fünf Jahre erstreckenden

Verteidigungs-

plan ist die Aufstellung von 3900 XM-1-Panzern und 3400 Mannschaftspanzern
bis Mitte 1980 vorgesehen.
Ein zweites Ziel des Langfristigen Verteidigungsprogramms besteht in
der qualitativen Verbesserung der Fähigkeit der NATO, eine rasche und wirksame Verstärkung des Alliierten Kommandos Europa durch frühzeitige und
blitzschnelle Mobilisierung zu erreichen. Das Kernstück dieser Bemühung
bildet die amerikanische Verpflichtung, die Zahl unserer zur Verstärkung
in den ersten zehn Tagen nach der Mobilisierung zum Einsatz kommenden Landstreitkräfte bis 1984 zu verdoppeln und bis 1986 zu verdreifachen - gemessen am derzeitigen zahlenmäßigen Anteil - und zwar durch Vorausstationierung
der Waffen und des Geräts in Europa. Wir finanzieren außerdem Programme,
die bis 1985 zu einer 50prözentigen Erhöhung der Zahl auf amerikanischen
Flugplätzen stationierten taktischen Flugzeuge der US-Luftwaffe führen
werden, die mit der Dislozierung unserer Truppen nach Europa innerhalb von
zwei Tagen beginnen können.
Aufgrund der Verbesserungsprogramme für die amerikanischen BündnisStreitkräfte und des Langfristigen Verteidigungsprogramms wird die NATO ihre
konventionellen Streitkräfte schon im Verlauf der nächsten Jahre wesentlich
verstärken, vor allem was die Landstreitkräfte und die Luftstreitkräfte in
der Mittelregion anbetrifft. Der Warschauer Pakt wird seine Streitkräfte
auch weiterhin verbessern, aber die heutigen Trends deuten darauf hin, daß
das Bündnis - wenn die derzeitigen Programme der NATO voll finanziert werden
- bis zur Mitte der achtziger Jahre ein glattes militärisches Plus erziel- 14 -

�erzielen durfte. Der Hauptgrund für dieses Plus liegt darin, daß die programmierte Doppelanstrengung der NATO, ihre Streitkräfte zu modernisieren,
und die Fähigkeit zu rascher Verlegung amerikanischer Verstärkungen nach
Europa die Verbesserungen des Warschauer Paktes, die sich allein aus der
Modernisierung ergeben, mehr als wettmacht.
Eine fundamentale Voraussetzung für einen Nettogewinn ist jedoch die
volle Verwirklichung unseres Verteidigungsprogramms. Wenn die Billigung der
vollen dreiprozentigen Erhöhung im Verteidigungshaushalt 1980 scheitert,
dann würde das den Schwung des Langfristigen Verteidigungsprogramms zum Erlahmen bringen. Sollten die Vereinigten Staaten hier versagen, dann muß man
damit rechnen, daß die anderen NATO-Staaten diesem Beispiel folgen. Wenn
die NATO mit ihren Streitkräfteverbesserungen scheitert, dann wird das Ergebnis bestenfalls darin bestehen, daß ein ungemütliches militärisches
Kräfteverhältnis nicht verbessert wird. Ein wahrscheinlicheres Ergebnis
wäre ein ernster Verfall der Sicherheit des Bündnisses.
Nuklearstreitkräfte in und für Europa - Theater Nuclear Forces (TNF):
Die NATO unternimmt ferner Anstrengungen zur Verbesserung der Gefechtsfeld-TNF und der weiterreichenden TNF-Waffensysteme. Die Politik der NATO
bezüglich der TNF ist darauf angelegt, eine glaubwürdige Abschreckung vor
einem Angriff mit TNF und vor einem großangelegten konventionellen Angriff
abzuschrecken. Diese Politik verlangt, daß wir unsere TNF diversifizieren,
damit sie für jede Ebene einer Aggression des Warschauer Paktes das Risiko
einer nuklearen Antwort bieten und in ausreichendem Maße überlebensfähig sind, um nicht zu einem sowjetischen Präventivschlag einzuladen.
Seit mindestens 20 Jahren haben die Sowjets eine nukleare Bedrohung aufrechterhalten, die sich mit ihren SS-4- und SS-5-Raketen und ihren Mittelstreckenbombern vom Typ Badger gegen Westeuropa richtete.

Während der letzten

zehn Jahre hat die Sowjetunion ihre europabezogenen Nuklearstreitkräfte (TNF)
verbessert und vergrößert.

Die vielleicht dramatischste und potentiell ge-

- 15 -

�gefährlichste Verbesserung der weitreichenden sowjetischen TNF bestand in
der Dislozierung des Backfire-Bombers und der mobilen mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Mittelstreckenrakete (IRBM) vom Typ SS-20.

Als Antwort

sind wir und unsere NATO-Verbündeten in einer Anzahl von Modernisierungsund Verbesserungsanstrengungen unserer TNF begriffen, die die Vorteile der
Sowjets ausgleichen werden.

Sowohl um der Bedrohung durch die weitreichenden sowjetischen TNF begegnen zu können, als auch um sicherzustellen, daß die Sowjets keine Lücke in
dem ganzen Bereich der Fähigkeiten der NATO zur Antwort und zur Eskalation
finden können, befindet sich die NATO in einer großen Überprüfung ihrer eigenen weitreichenden TNF-Systeme und möglicher Schritte zur Rüstungskontrolle
bezüglich der TNF.

Eingehende Untersuchungen und Konsultationen über die

Größe der Streitkräfte, ihre Dislozierung und andere Fragen treten in das
Schlußstadium ein, und wir zielen auf Entscheidungen des Bündnisses über Mo
dernisierung und Rüstungskontrolle bis Ende des Jahres ab.

Die Vereinigten

Staaten unterstützen diese Bemühungen zur Stärkung der Verteidigungsposition
und der Sicherheit der NATO nachdrücklich.

Die führenden Politiker der NATO-

Staaten, deren Unterstützung von znetraler Bedeutung für eine Entscheidung
des Bündnisses über die Modernisierung der weitreichenden TNF ist, haben
klargemacht, daß die Nichtratifizierung von SALT II ernste, und vielleicht
sogar fatale Auswirkungen auf diese Modernisierungspläne haben würde. Zu
den in Frage kommenden Systemen für eine Moderniserung gehören landgestützte
Marschflugkörper und die ballistischen Raketen vom Typ Pershing II. Beide
Systeme sind mobil (und daher überlebensfähig), können mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zu ihren Zielen durchdringen und sind außerordentlich treffsicher.

Wir sind ferner dabei, unsere Kurz- und Mittel Streckensysteme zu modernisieren, indem wir Waffen einführen, die eine verbesserte Reichweite und
Treffsicherheit, größere Flexibilität und erhöhte Sicherheit bieten.

Das

zusammengefaßte Ergebnis dieser Verbesserungen dürfte die Glaubwürdigkeit
der NATO-Strategie der flexiblen Antwort in den Augen der Sowjets erhöhen,

- 16 -

�erhöhen, die Abschreckung stärken und die Fähigkeiten der NATO vergrößern,
auf eine sowjetische Aggression zu reagieren.

Bevor ich mich anderen Gebieten der Welt zuwende, möchte ich direkt über
die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
sprechen.

Um diese Frage in eine historische Perspektive zu rücken, möchte

ich darauf hinweisen, daß es sich hier um ein Anliegen handelt, das in unseren
Beziehungen zu unseren Verbündeten immer wieder aufgetaucht ist.

Es trat

nach dem Zweiten Weltkrieg während der Krise in Griechenland zutage, während
des Staatsstreichs in der Tschechoslowakei und während der Blockade von Berlin.
Wir antworteten mit dem Punkt-Vier-Programm, dem Marshall-Plan und dem Nordatlantikvertrag.

Das Problem tauchte wieder auf nach der sowjetischen Atom-

explosion im Jahre 1949 und der Invasion Koreas, und wir antworteten mit der
Schaffung einer integrierten militärischen Struktur - SHAPE (Oberstes Hauptquartier der Alliierten Mächte in Europa) - und der Stationierung amerikanischer Kampftruppen in Europa.

Es trat Mitte der fünfziger Jahre als Ergeb-

nis der thermonuklearen Kapazität der Sowjetunion und ihrer Dislozierung von
Langstreckenbombernauf, und wir antworteten mit taktischen Nuklearwaffen und
Zwei Schlüssel Systemen im Rahmen von Programmen der Zusammenarbeit.

Es kam

während der Raketen-Lücke und der Berlin-Krise von 1961 auf, und wir antworteten mit der Zusage von Polaris- und später Poseidon-Gefechtsköpfen an den
Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) und der Schaffung der Nuklearen Planungsgruppe.

Es ist daher nicht überraschend, daß das Problem erneut

auftauchte, als die Sowjets begannen, eine strategische Parität zu erreichen.
Und wir antworten erneut, nicht nur mit dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
und den Anstrengungen zur Modernisierung der TNF, sondern auch mit dem erhöhten Schwung unserer eigenen strategischen Programme.

Aber selbst wenn wir Überlegungen über unsere Antworten anstellen, ist es
wichtig

zu erkennen, daß ein Teil der Infragestellung unserer Glaubwürdig-

keit in unnötigem Händeringen besteht, das durch das von mir angesprochene
gar nicht bestehende Dilemma hervorgerufen wird.

Wir stünden nicht, wie ich

bereits betont habe, vor einer grausamen Wahl, bei der der einzig mögliche

- 17 -

�mögliche Weg des Einsatzes unserer strategischen Streitkräfte für die Verteidigung Europas ein massiver Angriff auf sowjetische Städte wäre, was praktisch die sichere Zerstörung unserer eigenen Nation bedeuten würde.

Unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte und unsere TNF und unsere konventionelle
Kapazität sind - wie das sein muß

- ohne Rücksicht auf die Umstände eines

Angriffs in der Lage und werden es bleiben, die Zielsetzungen des Angriffs
zunichte zu machen oder Schäden zuzufügen, die in keinem Verhältnis zu den
zu erwartenden Gewinnen (der anderen Seite) stehen.
Lage, vor einem Angriff abzuschrecken.

Sie sind daher in der

Das ist das Wesen der flexiblen Ant-

wort und einer (gegen einen Gegner) ausreichenden Strategie.
Lassen Sie mich allen, die es hören wollen - einschließlich jener in
Europa und in unserem Lande, die es besser wissen müßten, aber immer noch
dazu neigen, unsere Verpflichtung zur Verteidigung Europas in Frage zu stellen
- klar und deutlich sagen:

Die Vereinigten Staaten sind auf die Sicherheit

und Integrität Westeuropas verpflichtet, nicht nur weil das im Interesse
Europas liegt,sondern weil es auch im lebenswichtigen Interesse der Vereinigten Staaten liegt.

Das ist die fundamentale Grundlage der nationalen Sicher-

heitspolitik der Vereinigten Staaten mindestens seit 1947,und wenn man so
will,sogar seit 1917.
Das ist unsere Politik, weil jede Bedrohung Westeuropas nicht nur eine
Bedrohung unserer kulturellen und geistigen Wurzeln, sondern eine vitale
Bedrohung unserer wirtschaftlichen, politischen und militärischen Sicherheit
ist. Das war unsere Politik. Das ist unsere Politik. Und wir müssen und
werden weiterhin über die militärischen Mittel verfügen, um dieses Ziel zu
gewährleisten. Vor allem die Verpflichtung der zentralen strategischen
Streitkräfte Amerikas für die Sicherheit der NATO bleibt bestehen. Präsident Carter bekräftigte diese Verpflichtung zu Beginn seiner Amtszeit:
"Möge sich niemand täuschen.

Die Vereinigten Staaten sind bereit,

all die Streitkräfte einzusetzen, die für die Verteidigung des NATO-Gebietes notwendig sind."
Die
- 18 -

�Die Parität hat die Gültigkeit dieser Verpflichtung nicht geändert.
Es hat sich niemals um eine Verpflichtung ohne Risiken gehandelt ,und seit
die Sowjetunion wesentliche und überlebensfähige Nuklearstreitkräfte besitzt, sind diese Risiken in der Tat groß.

Keine jahrzehntelang hat Amerikas

Verpflichtung gegenüber Europa von einer Fähigkeit abgehangen - oder sich des
Luxus erfreut -,den Schaden für die Vereinigten Staaten von einem allgemeinen
sowjetischen Angriff in niedrigeren Grenzen zu halten.

Es ist ein bitterer

aber unausweichlicher Aspekt der nuklearen Realität, daß im Nuklearzeitalter
die Abschreckung sehr viel mehr von unserer Fähigkeit abhängt, Nuklearwaffen
einzusetzen,um einem Gegner Verluste zuzufügen, als von unserer Fähigkeit,
den Schaden bei uns zu begrenzen.

Es bestehen natürlich große Ungewißheiten

darüber, was passieren würde, wenn Kernwaffen eingesetzt würden.

Niemand

kann auf seine Vorhersagen vertrauen, wie sich ein nuklearer Schlagabtausch
entwickeln würde.

Aber gerade diese Ungewißheit, zusammen mit den fürchter-

lichen Folgen, die sich aus einer maximalen Eskalation sicherlich ergeben
würden, ist ein wesentliches Element der Abschreckung.

Die amerikanischen Nuklearstreitkräfte tun jedoch - mit der Parität
genauso wie vor der Parität - mehr, als nur das Risiko einer unkontrollierten
Eskalationzu dramatisieren. Sie können den Sowjets Verluste zufügen, die weit
über das hinausgehen, was diese ihrerseits an möglichen Gewinnen von einer
Aggression erwarten könnten.

Mit zunehmender Zahl der Gefechtsköpfe werden

die Vereinigten Staaten über eine wachsende Kapazität zur flexiblen Antwort
auf eine weite Vielfalt von Zielplanungen verfügen.

Solche Gegenangriffe

könnten in einem solchen hypothetischen Szenarium militärische und wirtschaftliche Ziele von sehr hohem Wert für die UdSSR zerstören und würden den Vereinigten Staaten noch immer ausreichende Streitkräfte belassen, um vor einem
letzten massiven Schlagabtausch gegen Bevölkerungs- und Industriezentren
abzuschrecken oder ihn durchzuführen.

Das Ziel des Besitzes der Kapazität,

den Sowjets sehr hohe Verluste zufügen zu können, wenn dies notwendig würde,
und dabei weiterhin zu versuchen, die Eskalation unter Kontrolle zu halten,
ist seit vielen Jahren die zentrale Rolle der zentralen strategischen Streitkräfte der USA in der NATO-Doktrin der flexiblen Antwort gewesen.

Dies

bleibt so, selbst wenn wir uns alle darüber im klaren sind, daß es keine

- 19 -

�keine Gewähr geben kann, daß ein Nuklearkrieg nicht in einen für beide Seiten tödlichen allgemeinen Schlagabtausch eskalieren würde.
Die inhärente und wachsende Flexibilität der amerikanischen Streitkräfte
wird die Sowjets weiterhin vor die Aussicht auf Verluste stellen, die ihre Gewinne in einem weiten Bereich der Angriffsebenen überwiegen würde.

Selbst

bevor das Problem der Verwundbarkeit der Minuteman-Raketen durch die Dislozierung der MX-Rakete in ihrer überlebensfähigen Stationierungsmethode gelöst ist, bleibt daher die Doktrin der flexiblen Antwort und die Verpflichtung
der zentralen stategischen Streitkräfte der USA für die NATO-Verteidigung lebensfähig.
Daß wir die Aufmerksamkeit der Kapazität der amerikanischen Streitkräfte
zuwenden, militärische Ziele zerstören zu können, bedeutet keine Änderung
unserer Strategie, sondern leinen weiteren andauernden Prozeß der wirksamen Ver
wirklichung dieser Strategie. Die amerikanischen Streitkräfte haben immer
eine wesentliche Kapazität besessen, gegen militärische Ziele zurückzuschlagen,
wie auch gegen Bevölkerungs- und Industriezentren zurückzuschlagen. Wir haben es immer als wichtig erachtet, daß wir im Falle eines Krieges in der Lage
wären, die Streitkräfte ins Visier zu nehmen, die den Vereinigten Staaten und
unseren Verbündeten Schaden zufügen könnten. Wir haben dies trotz unserer Erkenntnis getan, daß es für keine Seite möglich ist, alle oder sogar die
meisten der Streitkräfte der anderen Seite zu vernichten, die einen massiven
Schaden zufügen könnten.
Diese Konzentration auf militärische Ziele steht nicht im Widerspruch
zur Abschreckung, noch schwächt sie diese. Sie unterstützt und stärkt sie
vielmehr. Es ist nach unserer Auffassung im Sinne der Abschreckung wichtig,
daß wir in der Lage sind, nicht nur Bevölkerungs- und Industriezentren ins
Visier zu nehmen, sondern auch militärische Ziele, die für unsere potentiellen
Gegner von Wert sind. Die Aussicht auf einen Verlust dieser potentiellen militärischen Ziele wie auch auf Schäden in Bevölkerungs- und Industriezentren
dürfte dazu beitragen, vor einem Krieg abzuschrecken.
EingreifStreitkräfte
- 20 -

�Eingreifstreitkräfte (RDF)
Obgleich ein Konflikt zwischen NATO und Warschauer Pakt der ernsteste
Eventualfall ist, für den die Vereinigten Staaten planen müssen, ist es viel
wahrscheinlicher, daß die Vereinigten Staaten ihre Interessen in anderen Teilen der Welt herausgefordert sehen - entweder durch die Sowjetunion oder je
nach Umständen durch eine andere Macht. Die Unterbrechung der Ölversorgung,
teilweise hervorgerufen durch die Unruhen im Iran, war eine lebhafte Mahnung,
auf welche Weise die amerikanischen Interessen durch Ereignisse in der Dritten
Welt gefährdet werden können. Der Nahe Osten, Afrika und Asien bleiben ebenfalls Gebiete eines möglichen Konflikts. Die Vereinigten Staaten müssen ihre
Fähigkeit aufrechterhalten, angemessene Streitkräfte an entlegene Plätze zu
entsenden, um ihre Freunde und Verbündeten zu unterstützen. Seit 1969 ist es
unsere Politik, in Verbindung mit unseren Verbündeten ausreichende allgemeine
Streitkräfte zu unterhalten, damit wir gleichzeitig mit einem größeren Krisenf a n - von einem Umfang&gt;wie er in Mitteleuropa auftreten könnte - und einem
begrenzteren Eventualfall fertigwerden könnten.
Wir sind dabei, eine programmatische und planvolle Anstrengung zu
unternehmen, um die amerikanische Fähigkeit zu erhöhen, Streitkräfte rasch
in entfernte Teile der Welt zu dislozieren; auf die Einzelheiten werde ich
später eingehen. Der erste Schritt bei dieser Anstrengung bestand darin,
Einheiten, die im Fall einer NATO-Krise nicht für rasches Eingreifen vorgesehen oder designiert sind, zur Verwendung als EingreifStreitkräfte zu kennzeichnen. Unser Ziel ist es, Streitkräfte zur Verfügung zu haben, die zur
Beantwortung eines begrenzten Krisenfalls gebraucht werden können oder im
Verlauf eines NATO-Krieges zu einem zweiten Gefechtsfeld entsendet werden
können, ohne die NATO-Verteidigung zu schwächen.
Gestatten Sie mir einen Augenblick, um ein landläufiges Mißverständnis
aus der Welt zu schaffen.

Wir haben nicht die Absicht, eine Eingreifstreit-

kraft als separate Einheit von bestimmter Größe aufzustellen.

Stattdessen

werden wir über EingreifStreitkräfte verfügen, die bei begrenzten Eventualfällen für einen Einsatz bereitstehen würden.
- 21 -

Die Streitkräfte, die für eine

�eine rasche Dislozierung ausersehen sind, würden ein Reservoir darstellen,
von dem eine spezielle Streitmacht abgezogen und so zugeschnitten werden
würde, daß sie den Erfordernissen des jeweiligen Eventualfalls gerecht würde.
Das Heereselement könnte zum Beispiel von einem Rangerzug bis hin zu einem
aus mehreren Divisionen bestehenden Truppenkörper reichen, der aus über
100 000 Mann mit Nachschubeinheiten besteht.

Die Armeeteile würden ange-

messen und in Verbindung mit Teilen der Luftwaffe, des Marinekorps und der
Marine operieren.
Als Teil des RDF-Konzepts planen wir, die Nachschubeinheiten und die
Versorgung so zu programmieren, daß unsere begrenzten Kräfte im Eventualfall in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum hinweg in ungünstiger
Umgebung zu operieren.
Wie es der Ausdruck besagt, ist eine rasche Antwort wahrscheinlich in
einem begrenzten Eventualfall entscheidend. Daher gibt der Verteidigungshaushalt der Verbesserung der amerikanischen Mobil Streitkräfte absoluten
Vorrang.

Asien
Asien ist ebenso wie Westeuropa für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung. Unsere Verteidigungspolitik ist so gestaltet, daß
sie die regionale Stabilität in Asien erhält, vor einem Angriff auf Korea
abschreckt und die amerikanischen Interessen sowie die Interessen unserer
Verbündeten im Fall eines Angriffs schützt.
In den letzten Jahren haben die sowjetischen Streitkräfte in Asien
erheblich zugenommen.

Im Jahre 1965 hatten die Sowjets 20 Divisionen und

210 Kampf-/Angriffsflugzeuge in diesem Gebiet.

Heute sind dort gut über

40 Divisionen und mehr als 1000 Kampf-/Angriffsflugzeuge.

Seit 1976 hat

die sowjetische Pazifikflotte zusätzliche Überwasser-Kriegschiffe erhalten,
einschließlich der "Minsk" (ein Flugzeugträger der Kiew-Klasse), die
- 22 -

�die "Ivan Rogov" (ein Amphibien-Angriffstransporter) und mehrere Atomunterseeboote.

Andere Ereignisse haben jedoch die amerikanische Position in Asien gestärkt.
Wir haben bedeutende Vorteile aus der Normalisierung unserer Beziehungen zur
Volksrepublik China gezogen.

Besonders das Ende unserer Konfrontation mit

Peking hat amerikanische Mittel freigesetzt und uns größere Beweglichkeit bei
unserer globalen Planung ermöglicht.

Peking unterstützt auch eine starke

NATO und versucht nicht länger, die amerikanisch-japanische Verteidigungsbeziehung zu untergraben.

Im Verlauf des letzten Jahres haben wir unsere Beziehungen zur Republik
Korea gestärkt.

Die nordkoreanische Kampfkraft ist zwar erhöht worden, aber

ich muß feststellen, daß dies nicht das Ergebnis einer plötzlichen Verstärkung
der nordkoreanischen Streitkräfte war.

Vielmehr entdeckten wir als Ergebnis

einer besseren Analyse unserer nachrichtendienstlichen Daten Trends, die zu
Anfang und gegen Mitte der siebziger Jahre übersehen worden waren.
koreanische Kapazität nimmt ebenfalls zu.

Die süd-

Der Anteil des Bruttosozialprodukts,

den man in Südkorea für die Landesverteidigung ausgibt, stieg von etwa 4 Prozent zu Beginn der siebziger Jahre auf nahezu 7 Prozent im Jahre 1977. Was
uns angeht, so hat Präsident Carter einen weiteren Abzug amerikanischer Kampftruppen in der Schwebe gehalten, und wir haben letzten November die Luftwaffe Koreas durch die Dislozierung eines zusätzlichen F-4-Geschwaders aus
den Vereinigten Staaten verstärkt.

Die amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen sind zur Zeit wahrscheinlich besser als je zuvor.

Die japanische Einstellung hinsichtlich

Verteidigungsangelegenheiten hat sich ebenfalls geändert - teilweise aufgrund einer wachsenden Einsicht in das Anwachsen der sowjetischen Militärkapazität in dieser Region.

Es herrscht in der Öffentlichkeit eine wachsende

Bereitschaft, die Notwendigkeit japanischer Selbstverteidigungsstreitkräfte
und den amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag zu akzeptieren.

Die Ver-

einigten Staaten haben ihre Zusage, vor über einem Jahr gegeben, eingelöst,

- 23 -

�eingelöst, ihre militärische Stärke in Asien aufrechtzuerhalten.

Wir werden

weiterhin umfangreiche Streitkräfte im Westpazifik unterhalten, die die 2.
Infanteriedivision (deren

Dislozierungspläne 1981 erneut überdacht werden),

10 Geschwader landgestützter Kampf-/Angriffsflugzeuge, die Amphibienstreitmacht des 3. Marinekorps einschließlich des dazugehörigen Luftgeschwaders auf
Okinawa sowie die 20 bis 25 Kriegsschiffe der Siebten Flotte umfassen.

Das Kräfteverhältnis zur See
Historisch gesehen bestanden die beiden grundlegenden Funktionen der
amerikanischen Marine in der Überwachung der Meere und der Geltendmachung
von Stärke.

Die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Funktionen ist eine wesent-

liche Voraussetzung,wenn die Vereinigten Staaten die Meere benutzen wollen,
um ihre nationale

Politik zu unterstützen und die Streitkräfte einer jeden

Nation zu besiegen, die den Versuch unternehmen sollte, ihnen eine solche
Verwendung streitig zu machen.
Die amerikanische Verteidigungspolitik nutzt die Kontrolle der Meere
und die Geltendmachung von Stärke, um 1) die Seeverbindungen nach Europa zu
schützen; 2) um andere wichtige Seeverbindungen zu schützen; 3) um die
Streitkräfte der Verbündeten an den Flanken der NATO zu unterstützen; und
4) um die Streitkräfte der Verbündeten im westlichen Pazifik und in anderen
Gebieten der Welt zu unterstützen. Kurz: wir müssen in der Lage sein,
Überlegenheit zur See auszuüben, wo immer und wann immer dies für uns erforderlich ist. Die Herausforderung dieser unserer Fähigkeit kommt von unserem gefährlichsten potentiellen Gegner - der Sowjetunion.
•

In der Vergangenheit sind wir Zeuge einer Vergrößerung der sowjetischen
Marine geworden.

Jedoch hat die sowjetische Herausforderung im Marinebereich

seit Mitte der siebziger Jahre neue Formen angenommen, wobei die Betonung
auf qualitativen Verbesserungen lag.

Erst vor zwei Jahren wurde die so-

wjetische Unterseeboot-Streitmacht (einschließlich ihrer Kapazität hinsieht-

�hinsichtlich von Marschflugkörpern) die größte Bedrohung zur See für die
amerikanischen Interessen.

Jedoch beginnt die wachsende Streitmacht der

Backfire-Bomber, die für Marschflugkörper ausgerüstet sind und die den
sowjetischen Marine-Luftstreitkräften zugewiesen wurden, eine ernsthafte
Bedrohung unserer Seestreitkräfte zu werden, wie ich im Januar dieses Jahres mitgeteilt habe.

Auch in Zukunft werden wir Zeuge einer fortgesetzten Erhöhung der
sowjetischen Herausforderung im Marinebereich sein:

mehr Backfire-Bomber,

verbesserte sowjetische Unterseeboote und das Auftreten sowjetischer
V/STOL-Flugzeugträger vom Typ Kiew und Minsk.

Wir haben unser Verteidigungsprogramm in Verbindung mit einigen unserer Verbündeten entworfen, um diesen Herausforderungen entgegenzutreten
und um uns in die Lage zu versetzen, weiterhin unsere grundlegende Strategie
zu verwirklichen, die Seeherrschaft in den für unsere Sicherheit wichtigen
Gebieten angesichts dieser Bedrohungen zu gewährleisten.

Wir bauen Lenkwaffenzerstörer vom Typ DDG-47, die mit AEGIS-Raketen
ausgerüstet sind, um unsere Streitkräfte in die Lage zu versetzen, der Bedrohung durch Backfire-Marschflugkörper standzuhalten, während sie ihre
Mission der Seeherrschaft ausüben.

AEGIS ermöglicht uns eine wichtige Ver-

besserung der Verteidigungskapazität; ein DDG-47-Zerstörer kann mit sehr
viel mehr Marschflugkörpern fertig werden als unseres derzeitigen Lenkwaffenschiffe.

Umgekehrt konfrontieren wir die Sowjets mit einer Bedrohung durch

unsere Marschflugkörper, die ihnen Sorge bereiten wird, indem wir unsere
HARPOON-Raketen gegen Schiffe dislozieren und die neuen TOMAHAWK-Raketen entwickeln.

Diese Systeme können nicht nur von Überwasserschiffen abgeschossen

werden, sondern werden schon - wie dies bei der HARPOON der Fall ist - für
unsere P-3-Flugzeuge und unsere Unterseeboote beschafft.

Die Dislozierung

der HARPOON wird unsere Bedrohung sowjetischer Schiffe gewaltig erhöhen.
Für das Ende der Programmperiode planen wir die Dislozierung der HARPOON
für eine große Anzahl von Startanlagen auf Überwasserschiffen, Untersee-

- 25 -

�Unterseebooten und an Flugzeugen, was uns in die Lage versetzen wird, sowjetische Schiffe auf Millionen von Quadratmeilen Meeresoberfläche zu bedrohen.
Wir haben Schritte unternommen - einschließlich der Forderung nach einem
neuen Flugzeugträger im Haushaltsplan -, um unsere seegestützten Luftkapazitäten aufrechterzuerhalten.

Die Aufrechterhaltung von 12 dislozierbaren

Flugzeugträgern mit ihren modernisierten Luftgeschwadern und den dazugehörenden
Geleitschiffen stellt für die Sowjets die größte Herausforderung zur See dar:
die Notwendigkeit für sie, der amerikanischen Fähigkeit zur Geltendmachung
von Stärke etwas entgegenzustellen.
Die zweite Antwort auf die sowjetische Herausforderung zur See ist unsere
wirkungsvolle Kapazität im Bereich der Unterseebootbekämpfung (ASW). Wir
unterhalten ein halbes Dutzend verschiedenartiger ASW-Systeme, die sich gegenseitig ergänzen. Im Kriegsfall wären die sowjetischen Unterseeboote auf
ihrem Weg zum Abfangen oder zum Angriff auf unsere Streitkräfte sowie bei
ihrer Rückkehr in die Heimathäfen einem Spießrutenlaufen zwischen Sperr-,
Gebiets- und Punktverteidigungssystemen ausgesetzt. Zahlreiche Studien des
Verteidigungsministeriums, einschließlich derjenigen, die von der Marine
durchgeführt wurden, zeigen den kumulativen Effekt unserer ASW-Systeme sowie der unserer Verbündeten, die in der Lage sind, der sowjetischen Unterseebootbedrohung zu begegnen - obgleich vielleicht erst nach einer verlustreichen Schlacht von Wochen oder Monaten.
Wir setzen auch weiterhin unseren technologischen Vorsprung in den
ASW-Kapazitäten ein, indem wir Rundumüberwachungssensor-Schleppsysteme
(SURTASS-Systeme) entwickeln, die auf unseren TAGOS-Schiffen Verwendung
finden und unsere Ortungskapazitäten stark erhöhen werden. Unser taktisches Rundum-Schleppsonar (TACTAS) wird unsere ASW-Fregatten der KNOXKlasse und die Zerstörer der 963-Klasse mit stark verbesserten Ortungskapazitäten über große Entfernungen ausstatten. Als Ergänzung zu diesen Systemen
dient unsere Beschaffung der LAMPS-MK-III-Hubschrauber, die unsere überwasserschiffe in die Lage versetzen werden, ihre Ortungen über große Ent- 26 -

�Entfernungen mit dem Einsatz von Waffen über größere Entfernungen ergänzen.
Die fortlaufende Entwicklung und Beschaffung unserer Mine vom Typ CAPTOR
wird für die sowjetischen Unterseeboote eine zusätzliche Bedrohung bei ihrem
Versuch darstellen, natürliche Meerengen zu durchfahren.

Die fortlaufende

Beschaffung unserer Angriffsunterseeboote und die künftige Entwicklung einer
neuen, billigeren, aber wirkungsvollen Klasse von Unterseebooten Mitte der
achtziger Jahre garantiert uns ebenfalls, daß wir darauf vorbereitet sind,
jede Art von Herausforderung der Sowjets auf hoher See zu begegnen.

Zusammenfassung

Ich glaube, es ist fair, wenn ich sage, daß die Erörterung von SALT II
die erste Gelegenheit einer tiefgreifenden Überprüfung der amerikanischen Verteidigungspolitik und -programme nach Vietnam bot.

Der Verteidigungshaus-

halt für das Finanzjahr 1977, den der Kongreß 1976 billigte - das letzte
Budget

Präsident Fords - und in dem sich die erste reale Erhöhung der nicht

auf Vietnam bezogenen Vorgriffsmittel für den Verteidigungshaushall, seit einem
Jahrzehnt niederschlug, bot Anzeichen der um sich greifenden Einsicht, daß
mehr für die Verteidigung getan werden müsse.

Der Trend für erhöhte reale

Verteidigungsausgaben nach einem Jahrzehnt der Kürzungen wurde unter Präsident Carter in drei aufeinander folgenden Haushalten deutlich.

Zum Teil wird dadurch anerkannt, daß die sowjetische Bedrohung gewachsen
ist.

Zum Teil wird damit auf die Erfordernisse reagiert, die unerfüllt blieben,

als sich nach Vietnam eine Anti-Verteidigungsstimmung breit machte.

In diesem

Sinne glaube ich, daß diese Haushaltsdebatte im Zusammenhang mit SALT II ein
gesundes Zeichen für die Vitalität unseres Landes und seines demokratischen
Prozesses ist.

Ich bin der Überzeugung, daß sich im Kongreß der Konsens her-

ausbildet, daß wir mehr für die Verteidigung ausgeben müssen.

Ich glaube,

daß die vom Präsidenten vorgeschlagenen drei Prozent ein angemessenes Gleichgewicht bilden zwischen dem, was unser Verteidigungsbeitrag zu unseren Zielen
der nationalen Sicherheit sein sollte, und zwischen dem, was klug ist hinsichtlich der Wahrung unserer wirtschaftlichen und internationalen politischen

- 27 -

�politischen Stärke sowie der Erfüllung unserer anderen dringenden Erfordernisse.

Mehr zu tun, würde das Risiko eines Anheizens der Inflation und des

Unterminierens des sich herausbildenden Konsens für die Verteidigungsanstrengungen mit sich bringen.

Weniger zu tun, würde nicht nur die wesentlichen

Programme der USA gefährden, sondern auch das gesamte Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO unterminieren.

Sollte SALT abgelehnt werden, stehen

wir vielleicht vor der grausamen Wahl zwischen noch höheren Ausgaben für die
strategischen Streitkräfte und damit dem Risiko, daß die konventionellen
Streitkräfte gekürzt werden müssen, um die strategischen Programme zu finanzieren, oder dem jähen Abbau der letzteren.
Ich fordere Sie daher mit allem Nachdruck auf, sowohl die dreiprozentige
reale jährliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms Präsident Carters zu
unterstützen als auch SALT II rasch zu ratifizieren.

Wenn wir beides gemein-

sam tun, können wir unsere nationalen Sicherheitsziele angesichts einer realen sowjetischen Herausforderung und anderer Herausforderungen in den kommenden Jahren verwirklichen.

Wenn wir beides nicht erreichen, werden wir uns

Anfang der achtziger Jahre vor grausamen Entscheidungen und immer gefährlicher
werdenden Schwierigkeiten sehen.

+ + + + +

28 -

�1

B

E.1 iiH

•^

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

CARTER UND VANCE WÜRDIGEN FORTSCHRITTE SEIT CAMP DAVID
- Wortlaut der Erklärungen -

WASHINGTON - (AD) - Zum ersten Jahrestag der Vereinbarungen von Camp
David am 17. September 1979 würdigten der amerikanische Präsident und der
Außenminister die Fortschritte, die seither zwischen Israel und Ägypten
erzielt worden sind.

Die Ansprache Carters hat folgenden Wortlaut:

"Heute vor einem Jahr, am 17. September 1978, kehrten Israels Premierminister Begin, Ägyptens Präsident Sadat und ich von Camp David mit einem
Abkommen zurück, das einen Rahmen für den Frieden im Nahen Osten bildet.

Damals glaubten wir daran, daß wir einen historischen Wendepunkt in
der bitteren Geschichte dieser leidgeprüften Region erreicht hätten.

Nur

ein Jahr später ist dieser Glaube unverrückbare Wirklichkeit geworden.

Nach 30 Jahren Feindschaft und Krieg lebt Israel in Frieden mit seinem
größten arabischen Nachbarn.
bessern sich täglich.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern ver-

Die Bestimmungen des Friedensvertrages werden einge-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�eingehalten - präzise und planmäßig.
Dieser Friede besteht nicht mehr allein aus Worten auf dem Papier.
Er steht nunmehr auf dem Boden der Tatsachen und lebt als Glaube in den
Herzen von Millionen Menschen.

Dieser bemerkenswerte Wandel - von

Krieg zu Frieden, von Feindschaft zu Freundschaft - wurde beim k'ürzlichen
Besuch Präsident Sadats in Haifa deutlich sichtbar, als er mit aufrichtiger Wärme und Begeisterung von der Bevölkerung und der Führung Israels
empfangen wurde.
Solche Ereignisse, die noch bis vor ganz kurzer Zeit erstaunlich, ja
nahezu undenkbar erschienen wären, werden jetzt nahezu als Routine akzeptiert.

Dies ist in sich selbst ein Maßstab dafür, wie weit wir schon auf

dem Wege zum Frieden vorangekommen sind.

Daher lohnt es sich, bei dieser

Gelegenheit sich daran zu erinnern, welch ein außerordentlicher Wandel der
Geisteshaltung stattgefunden hat.
Die bisherigen Erfolge Ägyptens und Israels bei der Überwindung dreier
Jahrzehnte der Feindseligkeit gibt uns erneute Zuversicht, uns den noch
verbleibenden schwierigen Aufgaben zu stellen.
Unser Ziel ist immer die Schaffung eines umfassenden Friedens gewesen,
in dem Israel schließlich in Sicherheit und Ruhe mit allen seinen Nachbarn
leben kann. Die Vereinbarungen von Camp David sind ein großer Schritt auf
diesem Weg gewesen. Wir unterschätzen die vor uns liegenden Schwierigkeiten
nicht. Aber wir wußten von Anfang an, daß der Weg hart und steinig sein
würde. Und wenn wir heute auf die dauerhaften Errungenschaften des letzten
Jahrzehnts zurückblicken, dann sind sie eine Rechtfertigung dafür, daß wir
unser Auge fest auf das Ziel des Friedens gerichtet haben, anstatt in das zur
Genüge bekannte Gejammer einzustimmen, daß kein Frieden erreicht werden
könne.

�Der in Camp David vor einem Jahr entworfene Friedensprozeß geht gut
voran.

Die Gespräche über eine volle Autonomie für das Jordan-Westufer

und den Gaza-Streifen werden planmäßig in einer Atmosphäre des guten Willens
und der ernsthaften Zusammenarbeit fortgesetzt.

Ich bin fest davon über-

zeugt, daß diese Gespräche Erfolg haben werden.

Ihr Fortschritt ist ein

Tribut an den Weitblick und den Mut von Präsident Sadat, Premierminister
Begin und die Menschen ihrer beiden großen Völker.

Während der nächsten

Monate wird es unsere gemeinsame Aufgabe sein, auch weiterhin zu zeigen,
daß der Frieden funktionsfähig ist und daß wir durch den Beweis unserer Taten
andere Nationen und Staatsmänner davon überzeugen, mit uns zusammen diese
Suche nach einem dauerhaften Frieden, nach

Sicherheit und der Möglichkeit

zu einem sinnvollen Leben für alle Menschen im Nahen Osten fortzusetzen."

Die Erklärung von Außenminister Vance hat folgenden Wortlaut:

"Heute vor einem Jahr wurden die historischen Abkommen zwischen Ägypten
und Israel in Camp David erzielt, von Präsident Sadat und Premierminister
Begin im Weißen Haus unterzeichnet und von Präsident Carter beglaubigt.

Wir

alle, die das Privileg hatten, an diesen Verhandlungen beteiligt gewesen zu
sein, hegen auch weiterhin ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und der Bewunderung für die drei Staatsmänner, deren Vision zu dieser Leistung geführt
hat.

Heute ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, wie weit wir in diesem
einen Jahr seit der Unterzeichnung der Vereinbarungen von Camp David gekommen
sind.

Die vor einem Jahr eingegangenen Verpflichtungen werden jetzt gewissen-

haft eingelöst.

Der ägyptisch-israelische Friedensvertrag wurde unterzeichnet und wird,
wie vereinbart, ausgeführt - mit Hingabe und in einem Geist der Zusammenarbeit
auf beiden Seiten.

Die Welt kann die praktischen Ergebnisse sehen, die er-

- 3 -

�erzielt worden sind.

Die israelischen Streitkräfte werden Zone um Zone ab-

gezogen und es werden die Grundlagen vorbereitet für eine Normalisierung der
Beziehungen.
Das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel beginnt sich auszuweiten
und zu vertiefen.

Mit zunehmender Reife wird dieses Verhältnis demonstrieren,

daß die Abkommen eingehalten werden.

Es wird nicht nur zeigen, daß Frieden

erreicht werden, sondern daß er auch dauerhaft sein kann.
Die neue Verhandlungsrunde, die in Camp David vorgesehen ist, beginnt
ebenfalls plangemäß.

Heute existiert zum erstenmal in dem über 30jährigen

arabisch-israelischen Konflikt ein Mechanismus, um mit der Lösung jener Fragen zu beginnen, die für die Palästinenser so bedeutsam sind.

Die derzeitigen

Verhandlungen über ein Abkommen, das den Bewohnern des Jordan-Westufers und
des Gaza-Streifens volle Autonomie gewähren soll, gewinnen an Schwung.
An diesem Jahrestag schließen sich alle meine Kollegen und ich Präsident
Carter an, um uns selbst zu einer verstärkten Anstrengung zu verpflichten,
damit auf den soliden Grundlagen, die in Camp David erstellt wurden, weitergebaut werden kann. Wir rufen all diejenigen, die den Frieden suchen und lieben, dazu auf, sich mit uns zu verbinden.

+ + + + +

�26. September 1979

38

NACHRICHTENSATELLITEN-SCHALTZENTRALEN AM HIMMEL

- (AD) - Auf der Internationalen Funkwellenkonferenz (WARC), die am
24. September 1979 unter Teilnahme von mehr als 150 Ländern in Genf begann,
wollen die Vereinigten Staaten einen Plan zur Frequenzaufteilung vorlegen,
durch den für alle interessierten Länder in den kommenden zwei Jahrzehnten
die Beteiligung am Satellitenfunk optimal gesichert werden könnte. Sie sind
sogar überzeugt, daß er eine Verdreifachung oder gar Viervierfachung der
Zahl geostationärer Satelliten - in Höhen von ca. 36 000 km über dem Äquator
eingeschossen - erlauben würde, ohne daß diese sich durch Störung der Abstrahlung von Funkimpulsen des Nachbarn gegenseitig

behindern.

Um dies zu

verhindern, müssen Fernmeldesatelliten mindestens sechs Grad auseinander
plaziert sein, d.h. etwas weiter als Funksatelliten, die zu vielen, weit
auseinanderliegenden Empfängerstationen auf der Erde senden.

Kern des amerikanischen Vorschlags ist eine Teilung des FunksatellitenFrequenzbandes in zwei Hälften: Die Funksatelliten sollen die niedrigeren
Frequenzen, die Satelliten mit genau begrenztem Dienstleistungsbereich dagegen (sie sind letztlich Relaisstationen für Signale zwischen bestimmten
Punkten auf der Erde) die höheren Frequenzen verwenden.

Auf diese Weise

könnte man einen Funk- und einen Relaissatelliten praktisch übereinander
plazieren, ohne daß der eine den anderen behindert.
Am

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�Am bisherigen Improvisationsverfahren für die Zuteilung von Frequenzen
sollte man nach Ansicht amerikanischer Delegationsmitglieder festhalten,
weil dies - im Gegensatz zu der von manchen Entwicklungsländern gewünschten
Methode der Reservierung bestimmter Frequenzbereiche für sie bis zum Aufbau
eines eigenen Satellitenfunks-technologische Neuentwicklungen begünstige.
In den Konstruktionsbüros und Labors bemühten sich z.B. die Ingenieure um
die Entwicklung von besseren Antennen, durch die immer weniger Abstand zwischen den Satelliten erforderlich werde. Millionen von Dollar

an Entwick-

lungsgeldern wurden beispielsweise bereits für ein - in ein bis zwei Jahren
technisch ausgereiftes - Projekt aufgewendet, das es erlauben wird, mit
kleinen Antennen selbst abgelegene Dörfer in den Satellitenfunk einzubeziehen.

"Millionen und Abermillionen wenden die USA dafür auf, diese Ausrüstun-

gen immer mehr Entwicklungsländern zukommen zu lassen", meinte Richard
Shramm von der US-Delegation.
Zwar mag die Konstruktion und der Start eines eigenen Satelliten
attraktiv sein - wirtschaftlicher jedoch ist das Anmieten von Frequenzbereichen eines bereits vorhandenen Satelliten. Einige Beispiele demonstrieren dies: Mit dem Start eines "PALAPA"-Satelliten kam Indonesien mit älteren sowjetischen und INTELSAT-Satelliten in Konflikt. Dies sei jedoch,
wie amerikanische Regierungsvertreter erklären, nur deshalb geschehen, weil
Indonesien die Entwicklung der geeigneten Antennen nicht abgewartet habe.
Wäre der Start nur um ein Jahr hinausgeschoben worden, hätten die Antennen
geändert und die Probleme vermieden werden können. Indien geriet in ähnliche Schwierigkeiten, als es seinem Satelliten zu viele Aufgaben gleichzeitig - nämlich Wetterbeobachtung und Fernmeldedienst - übertragen wollte
und so mit anderen benachbarten Satelliten in Konflikt geriet.
Algerien dagegen mietete, wie Dr. Sidney Metzger, Chefwissenschaftler
von INTELSAT, berichtet, einen Transponder mit einem Fernsehkanal und 200
Sprechkanälen zur Bedienung von 15 Erdstationen an.
Jahr eine Million Dollar.

Es zahlt dafür pro

Ein eigener Satellit hätte ca. 100 Millionen

Dollar gekostet - bei einer aktiven Lebensdauer von nur sechs oder sieben
Jahren.

INTELSAT

�INTELSAT kann für Algerien und and re Entwicklungsländer derart preiswerte Leistungen deshalb erbringen, wei die Organisation "Reserve"-Satelliten einsetzt, die bei Ausfall eine

regulären Fernmeldesatelliten des-

sen Aufgaben sofort übernehmen sollen - ein Fall, der bisher noch nie eingetreten ist. "So ist es für jeden ein
s Geschäft", meint Dr. Metzger,
"und es bringt allen Nutzen."

- 3 -

�26. September 1979

38

OMNIBUS MIT TURBOMOTOR
- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf Oberland!inien -

- (AD) - Von außen unterscheiden sie sich kaum von den großen Überlandbussen der Greyhound-Linien, die in den Vereinigten Staaten in allen Landesteilen anzutreffen sind. Das einzig Auffallende sind zwei große Auspuifföffnungen, die dem rückwärtigen Teil eines Düsentriebwerks ähneln und dort angebracht sind, wo sich normalerweise das Rückfenster des Omnibusses befindet.
Die Fahrgäste in den bequemen Sitzen bemerken nach kurzer Zeit, daß etwas
Altgewohntes fehlt - nämlich das Brummen und Vibrieren des Dieselmotors.
Man hört nur noch ein leichtes Summen. Und wenn der Fahrer die Klimaanlage abschaltet, die das Summen verursacht, ist praktisch kein Laut mehr
zu hören.
Ab Oktober 1979 verkehren vier der neuen Turbobusse auf den überlandlinien zwischen Washington, Philadelphia und Boston. Es sind Versuchsfahrzeuge des Greyhound-Unternehmens, die mit Unterstützung des US-Energie-Ministeriums gebaut wurden und betrieben werden. Sie sind mit Gasturbinen
ausgerüstet, die eher mit den Düsentriebwerken moderner Flugzeuge als mit
den herkömmlichen Dieselmotoren zu vergleichen sind. Im Gegensatz zu diesen
schlucken Gasturbinen nahezu alles, was brennt - Benzin, Alkohol oder die ver-

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�verschiedenen synthetischen Brennstoffe, die z.Zt. entwickelt werden.

Und

ihre Abgase sind wesentlich sauberer und viel weniger mit Schadstoffen belastet.
Turbomotoren arbeiten, wie die Diesel- und Benzinmotoren, nach dem
Prinzip der inneren Verbrennung.

Aber sie stellen insofern eine Besonder-

heit dar, als sie einen kontinuierlichen Kraftfluß erzeugen:

Heiße, expan-

dierende Gase wirken auf die Schaufelblätter des Turbinenrades und versetzen es in Rotation.

Mischung von angesaugter Luft mit Kraftstoff, Kompres-

sion, Verbrennung und Ausstoßen der Abgase bilden einen kontinuierlichen,
ruhig fließenden Vorgang.

Ihm ist es zu verdanken, daß der Turbinenmotor

weniger Schmiermittel braucht und eine größere Lebensdauer hat.

Der her-

kömmliche Dieselmotor eines Omnibusses muß nach ca. 700 000 Betriebskilometern überholt werden.

Bei der Gasturbine ist dies erst nach mehr als 1,5

Millionen Kilometern erforderlich.
Wie Frank Nageotte, der Vorsitzende der Greyhound-Unternehmens, in
Washington jetzt vor Pressevertretern erklärte, soll das Gemeinschaftsprogramm mit dem US-Energieministerium die besonderen Vorteile der Verwendung
von Hochleistungs-Turbomotoren demonstrieren - u.a. den sparsamen Kraftstoffverbrauch, weniger Zeit- und Kostenaufwand für die Wartung, leichteres
Starten bei Kälte, weniger Abgase und die Möglichkeit zur Verwendung von
Kraftstoffen, die aus öl, Kohle, Getreide und Holzabfällen hergestellt sind.

�38

26. September 1979

AMINOSÄUREN IN ANTARKTIS-METEORITEN

- (AD) - Zwei der in der Antarktis aufgefundenen Meteoriten enthalten
Aminosäuren - organische Verbindungen, die Bestandteile von Proteinen sind
und für alle Lebensvorgänge gebraucht werden.

Wie Dr. Cyril Ponnamperuma,

der Direktor des Laboratoriums für chemische Evolution an der Universität
Maryland auf einer Tagung der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in
Washington berichtete, handelt es sich um "nicht-biologische Aminosäuren
extraterrestrischen Ursprungs".

Das heißt, daß sie als "präbiotische Sub-

stanzen" durch physikalische Prozesse entstanden sind und nicht als Überreste lebender betrachtet werden können.

Die untersuchten Meteoriten sind von dem sehr seltenen Typ der kohlenstoffhaltigen Chondriten.

Der Fundort ist für die Wissenschaft von besonderer

Bedeutung, da in der Antarktis die Gefahr einer "Verschmutzung" durch organisches Material so gering wie nirgends sonst auf unserer Erde ist.

Das

Analysenergebnis stütze, wie Dr. Ponnamperuma erklärte, die Theorie, daß der
für die Erde postulierte chemische Evolutionsprozeß sich auch andernorts
abspiele.

Es

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�f
Es gibt nur 20 Aminosäuren, aus denen normalerweise das Eiweiß lebender
Organismen auf der Erde aufgebaut ist.

Einige der in den Meteoriten gefun-

denen Aminosäuren gehören nach Aussage des Forschers nicht zu dieser Gruppe.
Einer der Hauptunterschiede war, daß einige der Aminosäuren aus den Meteoriten bei der Untersuchung im polarisierten Licht sich sowohl als linksdrehend
wie auch als rechtsdrehend erwiesen, während lebende Organismen irdischer
Herkunft ausschließlich linksdrehende Aminosäuren enthalten (d.h. sie lenken
einen Strahl polarisierten Lichts beim Durchgang durch die wässrige Aminosäurelösung nach links ab). Mit dieser Methode können Strukturunterschiede
von Aminosäuren aufgezeigt werden.

"Bei dem in unserem Laboratorium ange-

wandten Verfahren wurde demonstriert, daß die Meteoriten gleiche Mengen
rechts- und linksdrehender Aminosäuren enthalten", erklärte Dr. Ponnamperuma.
"Dies ist ein Beweis dafür, daß die Säuren nicht das Ergebnis von Lebensprozessen sind, sondern daß sie eine präbiotische Form dieser Substanzen darstellen".

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown erläutert den Verteidigungshaushalt der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter und Vance würdigen Fortschritte seit Camp David&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtensatelliten-Schaltzentralen am Himmel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Omnibus mit Turbomotor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf Oberlandlinien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aminosäuren in Antarktis-Meteoriten&amp;nbsp;</text>
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m ü3

0 [3

londcrdien/t
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. Oktober 1979

CARTER KÜNDIGT MASSNAHMEN IN DER KARIBIK AN
- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 1. Oktober 1979

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�WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am Abend des 1. Oktober
1979 (03.00 Uhr, 2. Oktober deutscher Zeit) in einer vielbeachteten Rundfunk- und Fernsehansprache an das amerikanische Volk Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Vereinigten Staaten im karibischen Raum angekündigt.

Gleichzeitig teilte er mit, daß die Sowjetunion versichert habe,

ihre Brigade auf Kuba nicht auf Kampfstärke zu bringen.

Carter appellierte

ferner erneut an den amerikanischen Senat, der Ratifizierung von SALT II zuzustimmen.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte heute abend zu Ihnen über das Thema sprechen, das mir am
meisten am Herzen liegt, wie dies bei jedem Präsidenten der Fall war:

Das

Thema heißt Frieden und Sicherheit der Vereinigten Staaten.

Wir leben heute abend in Frieden, wie wir während meiner gesamten Amtszeit in Frieden gelebt haben.
Friede des Starken.
der Welt.

Der Friede, dessen wir uns erfreuen, ist der

Unsere nationale Verteidigung sucht ihresgleichen in

Diese Verteidigung ist heute stärker als sie vor zwei Jahren war,

und sie wird heute in zwei Jahren stärker sein als jetzt wegen der sorgfältig

�sorgfältig geplanten Verbesserungen, die mit Ihrer Unterstützung und mit der
Unterstützung durch den Kongreß durchgeführt werden.
Unser Programm der Modernisierung und Stärkung der Streitkräfte des NATOBündnisses ist mit der vollen Mitarbeit und Beteiligung unserer europäischen
Beteiligten im Gange.

Unsere strategischen Nuklearstreitkräfte sind mächtig

genug, jeden potentiellen Gegner um ein Vielfaches zu zerstören, und die Unverletzbarkeit dieser Streitkräfte wird bald durch ein neues System mächtiger
mobiler Raketen noch stärker gewährleistet werden.

Diese Systeme dienen der

Stabilität und der Verteidigung.
über diese militärische Verteidigung hinaus stehen wir an der Schwelle
eines großen Fortschritts in der Kontrolle der Nuklearwaffen - der Einführung
des zweiten Vertrages über die Begrenzung strategischer Waffen, kurz SALT II.
Ich möchte Ihnen heute abend auch über die sowjetische Brigade auf Kuba,
über die so viel publiziert wurde, und über deren Bedeutung für das wichtige
Verhältnis zwischen unserem Lande und der Sowjetunion berichten.
Das ist kein leichtes oder einfaches Thema.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind die zwei stärksten Länder
auf der Erde, und unser Verhältnis ist komplex, denn es geht um starke Elemente
sowohl des Wettstreits als auch der Zusammenarbeit.
Unser fundamentales Denken steht im Widerspruch zueinander und recht oft
stehen auch unsere nationalen Interessen im Widerspruch zueinander. Aber als
zwei große Nationen haben wir auch gemeinsame Interessen und haben ein überwältigendes beiderseitiges Anliegen, nämlich gemeinsam einen Nuklearkrieg zu
verhindern. Wir müssen daher einsehen, daß Abkommen zur Kontrolle von Kernwaffen für beide Länder von lebenswichtiger Bedeutung sind. Und wir müssen
in unseren Beziehungen auch Zurückhaltung üben und ein Gespür für die Anliegen
des anderen haben.
Kürzlich

�Kürzlich haben wir Beweise dafür erhalten, daß eine sowjetische Kampfbrigade sich seit mehreren Jahren auf Kuba befindet.
ischer

Die Anwesenheit sowjet-

Kampftruppen auf Kuba stellt für uns eine ernste Angelegenheit dar.

Ich möchte Ihnen gleich zu Beginn versichern, daß wir keiner unmittelbaren, konkreten Bedrohung gegenüberstehen, die sich zu einem Krieg oder
einer ernsten Konfrontation ausweiten könnte.
Aber wir stehen einer Herausforderung gegenüber. Es ist eine Herausforderung an unsere Klugheit, eine Herausforderung an unsere Fähigkeit, auf feste,
entschlossene Weise zu handeln, ohne die Grundlage für eine Zusammenarbeit zu
zerstören, die dabei hilft, den Weltfrieden zu erhalten und die Nuklearwaffen
zu kontrollieren. Es ist eine Herauforderung an unsere Entschlossenheit, auf
die sowjetische Konkurrenz und auf die militärische Aktivitäten Kubas auf
der ganzen Welt eine angemessene und wirkungsvolle Antwort zu geben.
Lassen Sie mich nun das spezifische Problem der sowjetischen Brigade
erklären und das allgemeinere Problem der sowjetisch-kubanischen Militärtätigkeit in der Dritten Welt beschreiben.
Hier der Hintergrund zu den sowjetischen Streitkräften auf Kuba:

Wie

die meisten von Ihnen wissen, versuchte die Sowjetunion vor 17 Jahren in der
Zeit des Kalten Krieges plötzlich, offensive Nuklear-Raketen und Bomber auf
Kuba einzuführen.

Diese direkte Bedrohung der Vereinigten Staaten endete

mit dem sowjetischen Zugeständnis, jene Kernwaffen abzuziehen,sowie einer
Verpflichtung, danach keine Offensivwaffen mehr auf Kuba einzuführen.
Zur Zeit jener Raketenkrise des Jahres 1962 befanden sich mehr als 20 000
sowjetische Soldaten auf Kuba.
und wir überwachten ihren Abzug.

Die meisten davon wurden ebenfalls abgezogen,
Es wurde angenommen, daß es sich bei den

Zurückbleibenden nicht um Kampftruppen handelte, sondern daß sie blieben, um
Kubaner zu beraten und auszubilden sowie um nachrichtendienstliche Tätigkeiten zu verrichten.
Erst
- 3 -

�Erst kürzlich erhielten amerikanische Nachrichtendienste überzeugende
Beweise dafür, daß einige dieser sowjetischen Streitkräfte als Kampfeinheit
aufgestellt worden waren.

Als sich dann die Aufmerksamkeit auf eine sorg-

fältige Überprüfung früherer Nachrichtendaten richtete, wurde unseren Experten die Schlußfolgerung möglich, daß diese Einheit schon seit mehreren
Jahren existiert hatte - möglicherweise seit Mitte der siebziger Jahre, vielleicht sogar noch länger.

Diese Einheit scheint aus einer Brigade in Stärke von zwei oder dreitausend Mann zu bestehen.

Sie ist mit etwa 40 Panzern und anderen modernen

militärischem Gerät bewaffnet.

Sie ist als Kampfeinheit aufgebaut und ihre

Ausbildungsübungen waren die einer Kampfeinheit.

Es handelt sich weder um eine große Streitmacht noch um eine Angriffstruppe.

Sie stellt für uns auch keine direkte Bedrohung dar.

über keine Luftlande- oder Landungskapazität.

Sie verfügt

Im Unterschied zur Krise von

1962 geht es nicht um eine nukleare Bedrohung der Vereinigten Staaten.

Trotzdem ist diese sowjetische Brigade auf Kuba eine ernste Angelegenheit.

Sie trägt zur Spannung im karibischen und mittelamerikanischen Raum

bei.

Die Lieferung moderner Waffen an Kuba und die Anwesenheit sowjetischer

Marinestreitkräfte in kubanischen Gewässern haben die sowjetisch-kubanischen
Militärbeziehung verstärkt.

Sie haben die Befürchtungen einiger Länder,

unter sowjetischen oder kubanischen Druck zu geraten, vermehrt.

Im Verlauf der letzten Jahre haben die Sowjets die Lieferung von militärischen Gütern an Kuba erhöht.

Als Ergebnis besitzt Kuba heute mit die

größten und am besten ausgerüsteten Streitkräfte in diesem Gebiet.

Diese

Streitkräfte werden dazu benutzt, in andere Länder in Afrika und im Nahen
Osten einzudringen.

Zwischen Kuba und der Sowjetunion besteht ein besonderes Verhältnis.
Die Kubaner erhalten ihre Waffen unentgeltlich.

Andere sowjetische Satelliten-

�Satellitenstaaten müssen für ihre militärischen Lieferungen bezahlen.

Das kommunistische Regime auf Kuba hat wirtschaftlich versagt; es kann
nicht aus eigener Kraft bestehen.

Die Sowjetunion muß etwa acht Millionen

Dollar täglich an Wirtschaftshilfe nach Kuba schicken.

Fidel Castro bezahlt für die russischen Waffen nicht in Geld; das kubanische Volk zahlt einen viel höheren Preis.

In jedem internationalen Streit,

bei jedem internationalen Problem folgt das kubanische Regime automatisch der
sowjetischen Linie.

Die sowjetische Brigade ist eine Manifestation der Vorherrschaft Moskaus
auf Kuba.

Sie erhöht das Niveau dieser Vorherrschaft - und sie erhöht das

Niveau der Verantwortung, die die Sowjetunion für die Eskalierung kubanischer
Militäraktionen im Ausland trägt.

Nun möchte ich noch darüber berichten, was wir tun, um diese Probleme
zu lösen' und um diesen Aktivitäten zu begegnen.

Während der letzten drei Wochen haben wir dieses Thema ausführlich mit
hohen Vertretern der Sowjetunion besprochen.

Wir haben klargestellt, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfeinheit auf Kuba für uns eine sehr ernste Angelegenheit darstellt.
Sowjetunion

Die

gibt nicht zu, daß die fragliche Einheit eine Kampfeinheit ist.

Jedoch haben uns die Sowjets gewisse Erklärungen hinsichtlich unserer Bedenken abgegeben:

- daß es sich bei der fraglichen Einheit um ein Ausbildungszentrum handelt; daß es sich mit nichts anderem als Ausbildung befaßt und auch nichts
anderes tun kann;

- daß ihre Funktion oder ihr Status als Ausbildungszentrum nicht geändert
werden wird.

Wir verstehen das so, daß die Sowjets nicht beabsichtigen, die
- 5 -

�die Einheit zu vergrößern oder mit zusätzlichen Fähigkeiten auszustatten;

- sie haben erklärt, daß das sowjetische Personal auf Kuba keine Bedrohung der Vereinigten Staaten oder irgendeines anderen Landes darstellt
oder darstellen wird;

- daß sie erneut das übereinkommen von 1962 bestätigen sowie die beiderseitig vereinbarte Bekräftigung dieses Übereinkommens im Jahre 1970 und daß
sie sich auch in Zukunft daran halten werden.

Auch wir unsererseits bestä-

tigen dieses übereinkommen erneut.

Diese Zusicherungen wurden mir auf höchster Ebene der sowjetischen Regierung gegeben.
Obgleich wir überzeugende Beweise dafür besitzen, daß die Einheit eine
Kampfbrigade ist, sind die sowjetischen Erklärungen über den zukünftigen Nichtkombattantenstatus der Einheit bedeutsam.

Trotzdem werden wir uns nicht allein auf diese sowjetischen Erklärungen
verlassen.

Erstens werden wir den Status der sowjetischen Streitkräfte durch

erhöhte Überwachung Kubas kontrollieren.
daß

Zweitens werden wir sicherstellen,

keine sowjetische Einheit auf Kuba als eine Kampfeinheit benützt werden

kann, um die Sicherheit der Vereinigten Staaten oder irgendeines anderen
Landes dieser Hemisphäre zu bedrohen.

Diese Länder dürfen darauf vertrauen, daß die Vereinigten Staaten auf
ein Ersuchen nach Beistand handeln werden, um einer jeden solchen Bedrohung
durch sowjetische oder kubanische Streitkräfte zu begegnen.

Diese Politik steht in Einklang mit unserer Verantwortung als Mitglied
der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und als Partei des Vertrages
von Rio.

Es ist eine erneute Bekräftigung der Erklärung John F. Kennedys

aus dem Jahre 1963 unter neuen Umständen, "daß wir es keinen Truppen aus Kuba
erlauben würden, die Insel Kuba in irgendeiner Offensivhandlung gegen irgend- 6 -

�irgendein Nachbarland zu verlassen."
Drittens errichte ich ein Ständiges Hauptquartier der Gemeinsamen Einsatzstreitmacht in der Karibik auf Key West in Florida.

Für dieses Haupt-

quartier werde ich Streitkräfte von denjenigen Teil Streitkräften zuweisen,
die für erweiterte Planung und die Durchführung von Manövern zuständig sind.
Dieses Hauptquartier wird, wenn notwendig, für den Einsatz zugeteilte Streitkräfte einsetzen.

Das wird unsere Fähigkeit zur Beobachtung und zur raschen

Antwort auf jeden versuchten militärischen übergriff wesentlich verbessern.
Viertens werden wir militärische Manöver in der Region verstärken und
werden diese von nun an regelmäßig durchführen.

Im Einklang mit bestehenden

vertraglichen Rechten werden die Vereinigten Staaten selbstverständlich ihre
Streitkräfte in Guantanamo beibehalten.
Fünftens werden wir unsere Wirtschaftshilfe erhöhen, um die unbefriedigten wirtschaftlichen und menschlichen Ansprüche im karibischen Raum zu erfüllen und darüber hinaus die Fähigkeit der beunruhigten Völker zu gewährleisten, dem sozialen Aufruhr und einer möglichen kommunistischen Herrschaft
zu widerstehen.
Die Vereinigten Staaten haben ein weltweites Interesse an Frieden und
Stabilität. Deshalb habe ich den Verteidigungsminister angewiesen, die Kapazität unserer Eingreifstreitkräfte im Hinblick auf den Schutz unserer eigenen Interessen und die Erfüllung von Hilfeersuchen unserer Verbündeten und
Freunden weiter auszubauen. Wir müssen in der Lage sein, unsere Land-, Seeund Luftstreitkräfte nach entfernten Plätzen zu verbringen - rasch und mit
angemessenem Nachschub.
Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean verstärkt.
Wir bauen die Kapazität unserer Nachrichtendienste weiter aus, um die
militärischen Aktivitäten der Sowjets und Kubas laufend zu beobachten - in

- 7 -

�in Kuba und überall auf der Welt.

Wir werden unsere Anstrengungen verstärken,

um unsere entscheidend wichtigen nachrichtendienstlichen Quellen und Methoden
der Nachrichtensammlung vor Schaden zu schützen, ohne bürgerliche und verfassungsmäßige Rechte zu beeinträchtigen.

Diese Schritte spiegeln meinen Entschluß wider, den Frieden zu bewahren,
unsere Bündnisse zu stärken und die Interessen der Vereinigten Staaten zu verteidigen.

Als ich sie entwarf, habe ich nicht nur meine Ratgeber konsultiert,

sondern auch führende Männer im Kongreß und eine aus Vertretern beider Parteien bestehende Gruppe hochangesehener amerikanischer Bürger.

Die Entschei-

dungen sind meine eigenen und ich übernehme die volle Verantwortung für sie
als Präsident und Oberbefehlshaber.

Ich bin zu dem Schluß gelangt, daß die Frage der Brigade sicherlich kein
Grund für eine Rückkehr zum Kalten Krieg ist.

Eine Konfrontation könnte viel-

leicht für gewisse Leute emotionell auf wenige Tage oder Wochen befriedigend
sein; sie würde sich aber auf unsere; nationalen Interessen und die Sicherheit
der Vereinigten Staaten zerstörerisch auswirken.

Wir müssen die grundlegende Politik fortführen, die die Vereinigten
Staaten 20 Jahre lang unter sechs Administrationen beider Parteien verfolgt
haben - eine Politik, die anerkennt, daß wir uns auf einigen Gebieten mit
der Sowjetunion in einem Wettstreit befinden und daß wir auf anderen die Zusammenarbeit mit ihr erstreben, insbesondere was die Erhaltung des Friedens
und die Begrenzung der Kernwaffen angeht.

Meine amerikanischen Mitbürger, die größte Gefahr für die amerikanische
Sicherheit bilden im gegenwärtigen Augenblick nicht die zwei-oder dreitausend
sowjetischen Soldaten auf Kuba.

Die größte Gefahr für alle Länder der Erde

- einschließlich der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion - bildet das
Scheitern einer gemeinsamen Anstrengung zur Erhaltung des Friedens und
letztliche Bedrohung durch einen Krieg mit Kernwaffen.

Ich
- 8 -

die

�Ich erneuere meine Aufforderung an den Senat der Vereinigten Staaten,
den SALT II-Vertrag zu ratifizieren.

SALT II ist ein solider Vertrag.

Die Erfüllung seiner Bestimmungen

sicherzustellen, wird keine Frage des Vertrauens sein.

Wir verfügen über

ausgeklügelte Nationale Technische Mittel, die sorgfältig auf die Sowjetunion ausgerichtet sind und die Verifizierbarkeit des Vertrags gewährleisten.
Dieser Vertrag ist der wichtigste Schritt, der je unternommen wurde, um
die strategischen Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen.

Er gestattet es uns, unsere Verteidigung zu stärken und das strategische
Gleichgewicht bei geringeren Risiken und Kosten aufrechtzuerhalten. Während
der letzten Jahre haben wir eine reale Erhöhung unserer Verteidigungsausgaben
vorgenommen, um die Ziele unseres Fünfjahresplanes für die Verteidigung zu
erreichen.

Mit SALT II können wir diese Steigerungen auf die Gebiete konzen-

trieren, auf denen unsere Interessen am stärksten bedroht und direkte militärische Herausforderungen am wahrscheinlichsten sind.

Die Ablehnung des SALT-Vertrages würde den Frieden und die Sicherheit
der Nation ernstlich gefährden.

Natürlich bestehen Meinungsverschiedenheiten mit den Sowjets.
bestehen Konflikte mit ihnen.

Natürlich

Gäbe es keine Meinungsverschiedenheiten und

Konflikte, brauchten wir keinen Vertrag, um die Möglichkeit eines Krieges
mit Kernwaffen zwischen uns zu vermindern.

Sollte SALT II abgelehnt werden, könnten diese Meinungsverschiedenheiten
und Konflikte eine neue und unheildrohende Dimension annehmen.
grund eines uneingeschränkten

Vor dem Hinter-

nuklearen Wettrüstens könnte jede Konfrontation

oder jeder Streitfall den Keim einer nuklearen Konfrontation bergen.

Darüber hinaus ist SALT II von entscheidender Bedeutung für die amerikanische Führungsrolle und für eine weitere Stärkung des westlichen Bündnisses.
- 9 -

�Bündnisses.

Offenkundig ist ein sicheres Europa von lebenswichtiger Bedeu-

tung für unsere eigene Sicherheit.

Die führenden Politiker unserer europäischen Verbündeten befürworten
SALT II einmütig.

Wir haben in den letzten Tagen mit einer Reihe führender

Staatsmänner gesprochen.

Und ich kann Ihnen heute abend sagen, daß diese

führenden Staatsmänner und ihre Länder im Falle einer Verweigerung der Zustimmung des Senats zum SALT-Vertrag perplex und alarmiert wären.

Sollten

unsere Verbündeten das Vertrauen in unsere Fähigkeit verlieren, eine Beschränkung der Nuklearwaffen erfolgreich aushandeln zu können, besteht die
Gefahr, daß unsere Bemühungen um den Aufbau einer stärkeren und geschlosseneren
NATO scheitern.

Ich weiß, daß dies für die Mitglieder des Kongresses eine beunruhigende
und schwierige Frage in einer, beunruhigenden und schwierigen Zeit darstellt.
Der Senat aber hat eine Tradition als die größte beratende Körperschaft der
Welt;

und die ganze Welt blickt heute auf den Senat.

Ich bin zuversichtlich,

daß alle Senatoren ihre Verantwortlichkeit so ausüben werden, wie dies unser nationales Interesse erfordert.

Tagespolitik und Kernwaffenarsenale sind zwei verschiedene Dinge.
Wir dürfen mit der Sicherheit der Vereinigten Staaten kein politisches
Spiel betreiben.

Wir dürfen kein politisches Spiel mit dem überleben der

Menschheit treiben.

Wir dürfen kein politisches Spiel mit SALT II treiben.

Dazu ist SALT II viel zu wichtig - von viel zu großer Bedeutung für unser
Land, unsere Verbündeten und die Sache des Friedens.

Der Zweck des SALT II-Vertrages und der Zweck meiner Maßnahmen in bezug
auf die sowjetisch-kubanischen militärischen Beziehungen ist genau der gleiche:
die Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten und den Weltfrieden aufrechtzuerhalten.

Als
- 10 -

�Als eine mächtige Nation - als eine Supermacht - tragen wir eine besondere Verantwortung für die Aufrechterhaltung der Stabilität, auch wenn es
ernsthafte Meinungsverschiedenheiten unter Ländern gibt.
Wir haben seit 1917 grundlegende Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion gehabt.

Ich hege keine Illusionen über diese Meinungsverschiedenheiten;

die beste Methode aber, sie erfolgreich auszutragen, besteht darin, die
amerikanische Einheit, den amerikanischen Willen und die amerikanische Stärke
zu wahren.
Ich bin entschlossen, das zu tun.
Das Ringen um den Frieden - das lange und schwere Ringen, Massenvernichtungswaffen unter die Kontrolle der menschlichen Vernunft und des menschlichen
Rechtes zu bringen - ist die zentrale und dramatische Herausforderung unseres
Zeitalters.
Zu einem anderen Zeitpunkt der Herausforderung in der Geschichte unseres
Landes hat Präsident Abraham Lincoln dem amerikanischen Volk zugerufen:
"Wir werden auf erhabene Weise die letzte und beste Hoffnung der Erde retten
oder sie auf schäbige Weise verlieren."
Wir haben damals klug gehandelt und die Einheit der Union bewahrt.
wir auch heute klug handeln und die Welt retten.

- 11 -

Wollen

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                <text>Carter kündigt Maßnahmen in der Karibik an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten am 1. Oktober 1979 -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1979

39
I N H A L T

DOKUMENTATION
Rede des amerikanischen Außenministers vor der Vereinigung für Außenpolitik
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- Vance überprüft die amerikanische Lateinamerika-Politik -

HINTERGRUNDMATERIAL
Präsident Carter würdigt neues Bundesministerium für Bildung
Die Renaissance des ethnischen Bewußtseins in Amerika
- Von Nathan Glazer Mehr Wettbewerb könnte Energiemarkt beruhigen
- Studie des Mellon-Instituts zur Produktivität auf dem Sektor Energie Synthetische Brennstoffe - eine Zukunftsversicherung
- US-Energieminister Duncan befürwortet massive Investitionen -

WIRTSCHAFT
Duncan bekräftigt Energiesparziele der USA
- Rede des neuen US-Energieministers in Paris Tokio-Runde verspricht europäisch-amerikanische Annäherung
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten James F. Füller -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

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Dokumcntotion
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1979

39

REDE DES AMERIKANISCHEN AUSSENMINISTERS VOR DER
VEREINIGUNG FÜR AUSSENPOLITIK
- Vance überprüft die amerikanische Lateinamerika-Politik

NEW YORK - (AD) - Am 27. September 1979 gab der amerikanische Außenminister, Cyrus Vance, vor der Vereinigung für Außenpolitik in New York in einer
vielbeachteten Rede einen Überblick über die Lateinamerika-Politik seines
Landes.

Er nahm auch zu der Fähigkeit Kubas Stellung, die innenpolitischen

Spannungen seiner Nachbarländer durch seine "engen militärischen Verbindungen"
mit den Sowjets auszunützen und unterstrich, daß die amerikanischen Besorgnisse über diese sowjetisch-kubanischen militärischen Bindungen "auch von
anderen Ländern der westlichen Hemisphäre geteilt" würden.

Die Rede hat folgenden Wortlaut:

Es ist für mich ein großes Vergnügen, heute hier bei Ihnen zu sein.
Wie Carter Burgess und viele von Ihnen wissen, bewundere ich seit langem die
Rolle, die die Vereinigung für Außenpolitik Jahr für Jahr dabei spielt, das
Verständnis der Öffentlichkeit für die wichtigen internationalen Themen zu
verbessern.

Immer wieder hat die Vereinigung die Brücke gebildet zwischen

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�zwischen der Öffentlichkeit und denjenigen, die sich berufsmäßig mit Außenpolitik beschäftigen.
Ich möchte Ihnen heute für diese Anstrengungen danken.
Die Vereinigung verdient Lob dafür, daß sie sich den zentralen Themen
von morgen zuwendet und nicht nur den Schlagzeilen von heute.
Ich möchte heute über eine Region sprechen, in der die Wellen an der
Oberfläche mehr Aufmerksamkeit erregt haben als die tieferen Strömungen, durch
die jene entstehen.

Ich spreche über Lateinamerika.

Unterhalb des Konflikts

und der Kontroverse findet ein ruhigerer, aber grundlegender Wandel in dieser
Hemisphäre statt.

Er führt zu wirtschaftlichem Wachstum, zu Demokratie und zu

größerem internationalen Engagement.
Diese Trends sind weder gleichförmig noch unveränderlich. Ausgeprägte
Gegenströmungen sind ebenfalls vorhanden. Das Zusammenspiel dieser und anderer
Kräfte mag zuweilen Unruhe hervorrufen. Aber die großen Richtungen sind unverkennbar. Die Volkswirtschaften expandieren, demokratische Werte behaupten
sich eher und die internationale Rolle der lateinamerikanischen Länder erweitert und vertieft sich.
Lassen Sie mich diese grundlegenden Trends in dieser Region etwas erläutern. Was bedeuten sie für die dortigen Länder und für die Vereinigten
Staaten? Und wie gestalten wir, im Bewußtsein dieser Veränderungen, unsere
Beziehungen zu den anderen Nationen der westlichen Hemisphäre?

Lateinamerika heute
Wi rtschaftswachstum
Während der letzten Generation hat überall in dieser Region ein gewaltiges Wirtschaftswachstum stattgefunden.

,
- Seit

�- Seit 1960 expandieren die Volkswirtschaften Lateinamerikas rasch, und
als ein Ergebnis davon ist der Anteil Lateinamerikas am Welthandel um mehr
als ein Drittel gestiegen.

- Die Region produziert und exportiert eine wachsende Vielfalt von Fertigwaren sowie Rohstoffe und öl.

- Eine Reihe von Ländern in Lateinamerika zählt nunmehr zu den am meisten
industrialisierten und urbansten Ländern der Welt.

Einige treten als welt-

weite Wirtschaftsmächte auf.

Diese Lebenskraft ist eng mit unserem eigenen Wohlergehen verbunden.
In einem viel größeren Ausmaß als je zuvor ist das tägliche Leben der Bürger
von New York und Caracas, von Mexiko City und Los Angeles miteinander verbunden.

Soziale und wirtschaftliche Verhältnisse in anderen Bereichen der Hemi-

sphäre haben direkte Auswirkungen auf uns und alle unsere Lebensbereiche.

Der Strom von Menschen und von Gütern, von Technologie und Kapital in
beiden Richtungen bewegt sich auf nie dagewesenem Niveau.

Drei Länder

- Brasilien, Mexiko und Venezuela - zählen zu unseren 12 wichtigsten Handelspartnern mit der größten Wachstumsrate.

Mit der raschen Entwicklung Lateinamerikas ging eine Verschiebung in
Richtung auf eine pragmatischere Wirtschaftspolitik einher.

So gut wie alle

Planer der Hemisphäre haben dogmatische Strategien zugunsten gemischter Volkswirtschaften verworfen.

Die Regierungen erfüllen bestimmte wesentliche Funk-

tionen, aber der Privatsektor spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Der

ideologische Druck, der die Privatinvestitionen umgab, hat nachgelassen, da
sowohl die Gastländer als auch die ausländischen Investoren gelernt haben,
zum gegenseitigen Vorteil miteinander zu verhandeln.

Dies sind willkommene

Entwicklungen, denn sie ermöglichen es der amerikanischen Geschäftswelt, ihre
Dynamik derjenigen Lateinamerikas hinzuzufügen.

Sicherlich

�Sicherlich gibt es noch immer eine Menge ernster wirtschaftlicher Probleme
in dieser Region.

Die dortigen Gesellschaften spüren die Konsequenzen der

Inflation, der hohen Energiepreise und der Verlangsamung des wirtschaftlichen
Wachstums in der ganzen Welt.

Einige Staaten der Karibik beginnen gerade mit

der mühsamen Aufgabe, ihre nationale Unabhängigkeit in meßbaren Fortschritt
für ihre Völker umzusetzen.

Regionale Zersplitterung hemmt noch immer die

Entwicklung sowohl in der Karibik als auch in Mittelamerika.
Starke wirtschaftliche Ungleichheiten plagen die Region.

Die Früchte

des raschen Wachstums haben in vielen Fällen die arme Mehrheit noch nicht erreicht - und die Kluft weitet sich aus. Für zu viele bringt jeder neue Morgen
die harte Wirklichkeit des Wollens und der Vergeblichkeit.
Aber trotz bestehender Probleme bleibt die Tatsache, daß das enorme
Potential der Region sich bemerkbar zu machen beginnt.

Die Herausforderung

für das Lateinamerika der achtziger Jahre besteht darin, anhaltendes Wachstum
mit größerer Gleichheit zu verbinden.
Während Handel, Technologietransfer, Kapital ströme, Wanderbewegungen,
Fischrechte und andere Wirtschaftsthemen an die Spitze der Tagesordnung der
Hemisphäre drängen, gibt es für uns neue Möglichkeiten - und ebenso neue Ursachen der Reibung. Nationale Interessen werden auf allen Seiten nach Kräften verteidigt. Diese Interessen werden manchmal aneinanderstoßen. Während
zum Beispiel der Handel sich ausdehnt, müssen wir weiterhin sicherstellen,
daß dies auf eine Weise stattfindet, die fair für alle Handelspartner und für
alle Amerikaner ist.
Aber wenn wir mit einer realistischen Einschätzung des Interesses vorangehen, das wir am beiderseitigen Wohlergehen haben, können wir gemeinsamen
Boden finden.

Der

- 4 -

�Der demokratische Wiederaufstieg

Eine zweite Dimension der Veränderungen, die jetzt in dieser Region
stattfinden, ist die allmähliche, zwar ungleichmäßige, aber dennoch deutlich
erkennbare Bewegung hin zu mehr Demokratie und Achtung der Menschenrechte.

- Vor einem Jahr übertrug die Dominikanische Republik die Macht auf
friedliche Weise auf einen gewählten Kandidaten der Opposition - zum erstenmal in diesem Jahrhundert.
- Ekuador und Bolivien setzten kürzlich verfassungsmäßige Regierungen
ein - nach zehn Jahren Militärherrschaft.

- Peru hat eine neue Verfassung angenommen und bereitet sich auf allgemeine Wahlen im nächsten Jahr vor.

- In Mittelamerika versucht Nikaragua die Erbschaft von 40 Jahren Diktatur
zu überwinden.

Honduras wird im nächsten Frühjahr eine verfassungsgebende

Versammlung wählen.

- In Lateinamerika insgesamt haben die letzten zwei Jahre viele konkrete
Verbesserungen hinsichtlich der Menschenrechte gebracht.

Wir haben diesen

Wiederaufstieg begrüßt und unterstützt.

Aber der Wettkampf zwischen Demokratie und autoritärer Herrschaft ist
noch lange nicht vorüber.

Ungerechtigkeit, das Gefühl der Vergeblichkeit und

Furcht können Teufelskreise gewalttätiger Extreme hervorbringen und eine Polarisierung innerhalb der Länder und in der Region hervorrufen.

Repression

und Terrorismus oder ihre Narben bestehen weiter - sogar in Ländern mit einstmals stolzen demokratischen Traditionen.

Daher sind die Aussichten für Demokratie und Menschenrechte nicht überall gleich.

Aber die Strömungen bewegen sich in günstige Richtungen.

- 5-

Der

�Der Übergang zu stabileren und offeneren Systemen findet statt und gewinnt
an Schwung.
Diese Bewegungen hin zu demokratischeren und offeneren Gesellschaften
in Lateinamerika liegen eindeutig in unserem Interesse.

Die große Stärke der

Demokratie besteht in ihrer Flexibilität und ihrer Elastizität.

Sie eröff-

net die Möglichkeit für weitgestreute politische und wirtschaftliche Beteiligung.

Durch die Ermutigung' von Kompromiß und Schlichtung unterstützt sie

den evolutionären Wandel.
Kurz: die Entwicklung hin auf eine Demokratie dient unseren Interessen
in einer dynamischen Staatengemeinschaft der westlichen Hemisphäre.
•

Größeres internationales Engagement
Eine dritte Dimension der Veränderungen in Lateinamerika ergibt sich
aus der wachsenden Rolle, die die Länder dieser Hemisphäre bei der Gestaltung
regionaler und internationaler Stellungnahmen zu gemeinsamen Problemen spielen.
In der Region selbst haben Initiativen Lateinamerikas zu der durch den
Vertrag von Tlatelolco geschaffenen kernwaffenfreien Zone und dem neugeschaffenen Gerichtshof für Menschenrechte geführt. Im vorigen Monat haben die Staaten des Andenpaktes, enger zusammengeführt in ihrem gemeinsamen Streben nach
demokratischeren Systemen, die Deklaration von Quito herausgegeben, in der
sie sich verpflichten, für eine weitere Demokratisierung und für die Menschenrechte in der Region einzutreten. Die Initiative dieser südamerikanischen
Staaten - zusammen mit dem Eintreten Mexikos, Costa Ricas, Panamas und ähnlich gesinnter Länder in der Karibik - gab der Organisation der Amerikanischen
Staaten (OAS) die Möglichkeit, eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des
politischen Umschwungs in Nikaragua zu spielen. Die OAS hat dadurch an Stärke
und Bedeutung gewonnen.
Die
- 6 -

�Die Staaten Lateinamerikas und der Karibik spielen ferner eine immer
entscheidendere Rolle bei den globalen Verhandlungen zwischen Nord und Süd.
Von den Seerechtsverhandlungen bis zur Schaffung der UNCTAD haben die Staaten Lateinamerikas ihre Führungsrolle energisch in Anspruch genommen.

Unsere Auffassungen werden zuweilen auseinander gehen - ja sogar stark
voneinander abweichen - so wie dies in unserer Einstellung zu einigen Erklärungen der Fall ist, die auf der jüngsten Konferenz der Blockfreien in
Havanna abgegeben wurden.

Aber die lateinamerikanischen Initiativen bilden

einen immer wichtigeren Bestandteil des globalen Rahmens, innerhalb dessen
wir arbeiten müssen, um zu größerer Prosperität und Sicherheit für unser
eigenes Volk zu gelangen.

Die Verwirklichung der grundlegenden amerikanischen

Ziele in der Welt - von der Gestaltung eines besser funktionierenden internationalen Wirtschaftsgefüges bis zum Stopp der unheilvollen Ausbreitung nuklearer Waffen (Nonproliferation) - wird mehr als je zuvor von unserer Fähigkeit abhängen, mit unseren Freunden in der westlichen Hemisphäre zusammenzuarbeiten.

Künftige Beziehungen zu Lateinamerika

Was bedeutet das alles für die künftigen Beziehungen zu unseren Nachbarn?

Wenn wir der Region die entsprechende Aufmerksamkeit zuwenden, können
die hier vor sich gehenden Veränderungen zu festeren und dauerhafteren Bindungen führen.

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern Lateinamerikas werden auch weiterhin von den zwischen uns bestehenden Unterschieden
der Macht beeinflußt werd-en.

Das führt zu unterschiedlichen Vorstellungen

und entgegengesetzten Auffassungen über den einzuschlagenden Weg in bezug auf
viele Probleme.

Aber das Wachstum Lateinamerikas bringt ein neues Gleichge-

- 7 -

�Gleichgewicht.

Die interamerikanischen Beziehungen werden offenerer und

stärker in die Zukunft gerichtet.
Wir haben in dieser Administration von Anbeginn an eine vereinte Anstrengung unternommen, um einen Kurs abzustecken, der die neuen Realitäten
der Hemisphäre und die spezifischen Unterschiede zwischen den lateinamerikanischen Nationen und Völkern in Rechnung stellt.
Wie Präsident Carter im vorigen Jahr in seiner Rede vor der Organisation
Amerikanischer Staaten (OAS) sagte, "werden Schlagworte nicht länger genügen,
um die Vielfalt der amerikanischen Staaten zu beschreiben, noch wird eine
einzige Formel von Nutzen sein, da unsere individuellen und unsere gemeinsamen
Interessen so eindeutig globalen Ausmaßes sind.

Die Probleme... erfordern es,

daß wir in der westlichen Hemisphäre umfassender denken und handeln."
Schon in den ersten Tagen nach Übernahme seines Amtes hat Präsident
Carter klar seine Absicht bekundet, einen neuen Panamakanal-Vertrag abzuschließen, um die Basis zu festigen, auf der der Kanal in Betrieb gehalten
und verteidigt wird und die Rechte und die Erwartungen des panamaischen Volkes
berücksichtigt werden. Die neuen Verträge treten am 1. Oktober in Kraft.
So wie Amerikaner mit Recht stolz auf unseren Erfolg beim Bau dieses
technischen Wunderwerks gewesen sind, als andere daran scheiterten, so sollen
auch wir stolz darauf sein, daß es uns gelungen ist, eine neue Partnerschaft
mit Panama aufzubauen. Denn hier wird eine neue Richtung in unserem Umgang
mit der Hemisphäre gewiesen - die auf gemeinsam getragener Verantwortung beruht, nicht auf Beherrschung oder Abhängigkeit, auf Gerechtigkeit und Anpassung, nicht auf Konfrontation.
Vor wenigen Monaten habe ich in einer Rede vor der National Urban League
die Elemente dieser neuen Einstellung und Haltung gegenüber den Entwicklungsländern ganz allgemein aufgewiesen. Gestatten Sie mir, daß ich heute diese
Haltung beschreibe, soweit sie unsere Beziehungen zu den uns am nächsten lie-

�liegenden und am stärksten industrialisierten Teil der Entwicklungswelt betrifft.

Erstens, in unseren Wirtschaftsbeziehungen sind wir bemüht, sowohl die
Mitbeteiligung als auch die Mitverantwortung der Entwicklungsländer an dem
internationalen Wirtschaftssystem zu verstärken.

Wir haben in den letzten Jahren hier einige echte Fortschritte erzielt.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist stärker geworden, besser mit Kapital ausgestattet und der Entwicklungswelt gegenüber aufgeschlossener geworden.

Die neuen Handelsbestimmungen, auf die man sich Anfang dieses Jahres

geeinigt hat, eröffnen für Länder, die sich dem Welthandelssystem anschließen,
neue Chancen und Möglichkeiten.

Eine Reihe von Einzel abkommen wurde abge-

schlossen, um die schädlichen Preisschwankungen bei bestimmten Rohstoffen
zu begrenzen.

Und wir haben Übereinstimmung über die Zusammensetzung eines

Gemeinsamen Fonds erzielt, um bei der Stabilisierung der Rohstoffpreise behilflich zu sein.

Wir haben uns auch zur Erzielung weiteren handfesten Fortschritts verpflichtet, wobei ein Themenkreis, der gerade für die Karibik und Mittelamerika
von besonderer Bedeutung ist, das ausgehandelte internationale Zucker-Abkommen
darstellt.

Wir haben zwar die Ratifizierung dieses Abkommens durch den Kongreß

noch nicht sicherstellen können, werden jedoch aufgrund seiner Bedeutung auch
weiterhin für seine Annahme wirken.

Die ständigen Veränderungen in der Weltwirtschaft erfordern ständige
Kreativität zum Ausgleich der Interessen aller Länder.
zu Mexiko sind dafür das beste Beispiel.

Unsere Beziehungen

Die Liste der unsere Beziehungen

betreffenden Themen und deren Vielfalt ist wahrscheinlich länger als die mit
jedem anderen Land der Welt, denn wir haben 2000 Meilen gemeinsame

Grenze,

wir haben die gleichen demokratischen Ideen, unsere Volkswirtschaften sind
beide stark und unabhängig - und deshalb ist Mexiko für uns eines der wichtigsten Länder in der Welt.
Wenn
- 9 -

�Wenn Präsident Carter und Präsident Lopez Portillo morgen zusammentreffen,
werden sie dies mit der beiderseitigen Erkenntnis der gemeinsamen Notwendigkeit
tun, auch weiterhin die Zusammenarbeit zwischen uns zu stärken.
reiche Abschluß der Verhandlungen über Erdgas vorige

Der erfolg-

Woche zeigt die Vorteile,

die wir beide erzielen können.
Zweitens, wir konzentrieren unsere Aufmerksamkeit und unsere Hilfsmittel
auf praktische Lösungen konkreter Entwicklungsprobleme.
Wir zielen mit unserer bilateralen Hilfe auf den drückenden täglichen
Bedarf in den ärmeren Ländern, und wir gewähren ärmeren Ländern Hilfe in Notfällen - wie der Dominikanischen Republik und Nikaragua, die beide um ihren
Wiederaufbau nach Katastrophen durch Natur und Mensch ringen.
Durch die Interamerikanische Entwicklungsbank und andere internationale
Finanzinstitutionen arbeiten wir für eine Erhöhung der Nahrungsmittel- und
Energieproduktion sowie für die Ausbreitung größerer sozialer Gleichheit in
der gesamten Hemisphäre.
Gleichzeitig verstärken wir unsere Unterstützung für die Integration
innerhalb der Region: durch den Andenpakt und den Mittelamerikanischen Gemeinsamen Markt. Als einen Schritt zu größerer Zusammenarbeit zwischen den
Ländern der Karibik haben wir und andere Geberländer uns ihnen angeschlossen,
um die Karibikgruppe für Zusammenarbeit bei der Wirtschaftsentwicklung zu
bilden.
Die meisten Armen des Kontinents leben in Ländern, deren nationales ProKopf-Einkommen gestiegen ist und die deshalb unsere bilaterale Unterstützung
nicht mehr erhalten. Dieses Dilemma betrifft, obwohl es nicht auf Lateinamerika beschränkt ist, dieses Gebiet mehr als jedes andere. Wie die Früchte
des Wachstums verteilt werden, hängt in erster Linie von nationalen Entscheidungen ab. Aber auch die internationale Gemeinschaft muß mehr dazu beitragen,
um alle Bedürftigen zu erreichen.
Diese
- 10 -

�Diese vielfältigen kooperativen Unternehmungen tragen nicht nur zum
Fortschritt Lateinamerikas bei; sie sind auch von grundlegender Bedeutung
für die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit, die wir uns selbst
von den Ländern der Region wünschen.

Drittens, durch unsere beständige Unterstützung der Menschenrechte versuchen wir, auch anderen Regierungen dabei zu helfen, auf die zunehmenden
Forderungen nach Gerechtigkeit und umfassender Beteiligung am politischen
und wirtschaftlichen Leben ihrer Völker zu reagieren.

Auf welche Weise eine Gesellschaft mit dem Wandel fertig werden will,
muß sie allein entscheiden.

Aber weder können abweichende Ansichten auf

die Dauer ausgeschlossen noch kann Unterdrückung in irgendeiner Gesellschaft
beibehalten werden, ohne daß der Samen für gewalttätige Erschütterungen gesät wird.

Wir haben die Folgen autoritärer Herrschaft in Nikaragua gesehen.

Die

Herausforderung für uns besteht heute darin, uns den anderen in dieser Region
anzuschließen, um dem Volk und der Regierung von Nikaragua dabei zu helfen,
aus den Trümmern von Diktatur und Revolution

erfolgreich eine stabile, ge-

sunde und demokratische Gesellschaft zu errichten.

Die fast gänzlich ausblei-

benden Vergeltungsmaßnahmen gegen Mitglieder der Somoza-Regierung sind ein
vielversprechender Beginn für eine Entwicklung, von der wir glauben, daß sie
ein humaner Prozeß des sozialen Wandels in enger Verbindung mit den Demokratien der Hemisphäre sein wird.
Durch das Angebot unserer Freundschaft und unseres wirtschaftlichen Beistands erhöhen wir die Aussichten auf eine Demokratie in Nikaragua.

Wir

können nicht garantieren, daß sich die Demokratie dort durchsetzen wird, aber
wenn wir Nikaragua den Rücken kehren, können wir nahezu sicher sein, daß die
Demokratie scheitern wird.

Wir

�Wir werden einige Zeit brauchen, um das Vermächtnis der Vergangenheit
zu überwinden und eine Beziehung des gegenseitigen Vertrauens mit der neuen
Regierung aufzubauen.

Wir müssen geduldig, standhaft und auf unvermeidliche

Meinungsverschiedenheiten gefaßt sein. Aber solange in Nikaragua der Pluralismus gedeiht und wir ihn respektieren, bin ich sicher, daß die Beziehungen
sich günstig entwickeln werden.
Auch sonst in der Region werden wir den konstruktiven Wandel ermutigen
und unterstützen, bevor die Bindungen zwischen Regierung und Volk unwiederbringlich auseinanderbrechen und Radikalismus und Unterdrückung gemäßigte
Lösungen vertreiben.
Viertens:

wir müssen uns immer wieder daran erinnern, daß es einen we-

sentlichen Unterschied zwischen dem sozialen und politischen Wandel gibt, der
von inneren Faktoren herrührt und jenem, der das Resultat des Drucks und der
Kräfte von außen ist. Wir müssen erkennen, daß innere Zerrissenheit bei Nationen nicht notwendigerweise bedeutet, daß eine Hand von außen im Spiel ist.
Aber gleichzeitig müssen wir auf die Tatsache achten, daß innere Spannungen
einem Übergriff von außen Gelegenheit bieten.
In der Vergangenheit haben wir in diesem Zusammenhang unseren Bedenken
über Kubas Anstrengungen Ausdruck verliehen, den sozialen und politischen
Wandel bei seinen Nachbarn zu seinem eigenen Vorteil auszunützen.
Unsere Bedenken werden von anderen Ländern der Hemisphäre geteilt.

Die

Nationen Lateinamerikas sind dem Grundsatz fest verpflichtet, einer äußeren
Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten zu widerstehen.

Diese ihre Ent-

schlossenheit respektieren und unterstützen wir voll und ganz.
Kubas Fähigkeit zur Ausnutzung dieser internen Spannungen wird durch
seine engen militärischen Verbindungen zur Sowjetunion verstärkt. Die kürzliche Bestätigung der Anwesenheit einer sowjetischen Kampfeinheit hat diese
Bedenken weiter verdichtet.
Wir
- 12 -

�Wir versuchen durch diplomatische Verhandlungen mit der Sowjetunion die
durch die Anwesenheit dieser Streitkräfte aufgeworfenen Fragen zu klären.
Es stehen bedeutsame Interessen unserer gesamten Beziehung zur Sowjetunion
auf dem Spiel. Wir wünschen, jeden Teil in angemessener Perspektive zu halten.

Jedoch werden wir sicherstellen, daß unsere Interessen voll gewahrt

bleiben.
Das fünfte Element unserer Strategie ist die Unterstützung regionaler
Anstrengungen zur Lösung regionaler Konflikte. Lateinamerika ist der Schauplatz einer Anzahl latenter und potentiell explosiver territorialer Streitfragen. Allerdings wurde im Lauf des letzten Jahres bei einer Anzahl von
ihnen ein vernünftiger Fortschritt erzielt.
- Die Befürchtungen hinsichtlich eines Konfliktes in den Anden haben
stark nachgelassen.
- Im Beagle-Kanal-Streit zwischen Argentinien und Chile, obwohl noch
ungelöst, wird vermittelt.
- El Salvador und Honduras kommen sich bei der Lösung ihrer Grenzsteitigkeit näher.
Bei diesen und anderen Territorialfragen in der Region bleiben die zugrundeliegenden Meinungsverschiedenheiten.

Wir werden weiterhin die gemein-

samen Anstrengungen unterstützen, um die alte Tradition der Hemisphäre zu bewahren, ihre internationalen Streitfragen auf friedlichem Weg zu lösen.
Sechstens und abschließend, bei der Verfolgung dieser Strategie werden
wir mit jeder Nation zusammenarbeiten, die bereit ist, mit uns auf praktische
gemeinsame Ziele hinzuarbeiten.
wachsender Vielfalt.

Lateinamerika ist ein Kontinent großer und

Unser Interesse liegt nicht darin, uns dieser Vielfalt

zu widersetzen, sondern darauf zu bauen für das gemeinsame Gute.
Zusammenfassung

- 13 -

�Zusammenfassung
Wandel und Wachstum - in den Vereinigten Staaten, in Lateinamerika und
in der Welt - schaffen beides:

neue Möglichkeiten und neue Zwänge.

ben die interamerikanischen Angelegenheiten verwandelt.

Sie ha-

Heute sind diese

Beziehungen für unser Leben im eigenen Land von viel unmittelbarerer Bedeutung als je zuvor.

Die verwirrenden Dilemmas, die neuen Probleme und die

sich vergrößernden Chancen:

Dies alles erfordert neue Führung, neue Initia-

tiven und neue Wege, um den Zusammenhang herzustellen.
Wir haben einen Kurs eingeschlagen, der alle diese neuen Dimensionen in
Rechnung stellt.
- Wir werden auf eine Verbesserung des Klimas für gerechtes Wachstum hinarbeiten.
- Wir werden ökonomische und politische Vielfalt respektieren und ermutigen.
- Wir werden Lateinamerikas wachsenden Einfluß begrüßen und wir werden mit
seinen Nationen in der internationalen Arena zusammenarbeiten.
Ich glaube, daß wir mit Geduld, mit der Aufmerksamkeit, die die Region verdient, und mit angemessenem Respekt vor dem Trachten unserer Mitbürger der
Hemisphäre in den kommenden Jahren eine zunehmend schöpferische und fruchtbare
Ära der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und den Nationen
Lateinamerikas erleben werden.

+ + + + +

- 14 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

39

10. Oktober 1979

PRÄSIDENT CARTER WÜRDIGT NEUES BUNDESMINISTERIUM FÜR BILDUNG

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter nannte die Schaffung eines neuen
amerikanischen Bundesministeriums für Bildung und Erziehung einen bedeutenden
Schritt in dem Bemühen, die Leistungsfähigkeit der Bundesregierung zu erhöhen,
In einer Erklärung, die das Weiße Haus am 27. September 1979 veröffentlichte, stellte Carter fest, daß es nun ein gesondertes Ministerium gebe,
das den Erziehungsprogrammen die notwendige Klarheit und Richtung bieten
könne.

Das Repräsentantenhaus hatte am gleichen Tag mit 215 gegen 201 Stim-

men für einen mit dem Senat ausgehandelten Gesetzeskompromiß gestimmt.

Der

Senat hatte die Gründung des Ministeriums am 24. September mit 69 gegen 22
Stimmen gebilligt.

Schon in seiner Wahlkampagne hatte Carter die Schaffung eines separaten
Erziehungsministeriums als eines seiner Ziele genannt und das Thema auch in
seinem Bericht zur Lage der Nation vor dem Kongreß im Januar 1979 wieder aufgegriffen.

Die

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�Die Errichtung des neuen Ministeriums bedeutet Carter zufolge einen
konstruktiven Beitrag der Bundesregierung zur Verbesserung der Bildung.wobei
jedoch die örtliche Kontrolle der Schulen beibehalten werden soll:

"Ich

wehre mich entschieden dagegen, kommunalen und einzelstaatlichen Gremien das
Vorrecht zu entziehen, die Lehrpläne sowie die Anstellung und Entlassung des
Lehrpersonals zu bestimmen."
James T. Mclntyre, Jr., der Direktor des Amtes für Planung und Haushalt sagte am 27. September, er erwarte eine reibungslose Reorganisation, da
die Carter-Administration bereits eine klar festgelegte Bildungspolitik betreibe.
Das neue Ministerium wird nicht nur aus den entsprechenden Abteilungen
des jetzigen Ministeriums für Gesundheit, Erziehung und Soziales bestehen,
sondern auch Aufgaben übernehmen, die bisher in die Zuständigkeit anderer
Behörden fielen, so etwa Schulen für Kinder amerikanischer Soldaten im Ausland (bisher Verteidigungsministerium) oder Ausbildung für Gastarbeiter
(bisher Arbeitsministerium).

+ + + + +

�10. Oktober 1979

39

DIE RENAISSANCE DES ETHNISCHEN BEWUSSTSEINS IN AMERIKA
- Von Nathan Glazer -

- (AD) - Was das Bewußtsein der ethnischen und rassischen Herkunft und
Mannigfaltigkeit in den Vereinigten Staaten angeht, sind wir in den letzten
zehn Jahren Zeugen einer bemerkenswerten Wandlung geworden. Es ist bekannt,
daß die Vereinigten Staaten wahrscheinlich die ethnisch vielfältigste Nation
der Erde ist. So riesig groß wie die Verschiedenartigkeit ist auch die Zahl
der Gruppen. Der Großteil der Amerikaner ist angelsächsischer Herkunft. Daneben geben 21 Millionen Amerikaner ihren ethnischen Ursprung als deutsch an,
12 Millionen als irisch, 7 Millionen als italienisch, und der Umfang von polnischen, norwegischen schwedischen, russischen, tschechischen, slowakischen,
ungarischen, griechischen, ukrainischen und anderen Gruppen beträgt jeweils
eine Million und mehr. Es gibt mehr als 23 Millionen Schwarze, 7 Millionen
Amerikaner mexikanischer Abkunft, Hunderttausende aus jedem der vielen lateinamerikanischen Länder, 3 Millionen oder mehr Asiaten (Japaner, Chinesen,
Philippinos, Inder, Koreaner, Vietnamesen) und fast eine Million amerikanischer
Indianer. Innerhalb nur weniger Jahre bildete sich eine Gruppe von mehr als
600 000 Kubanern aus Flüchtlingen aus Kuba, und von mehr als 200 000 Vietnamesen
aus Flüchtlingen von Vietnam.
Die

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Telex:08-85432

�Die Entstehung einer so gemischten Nation ruft ernste Probleme hervor
und viele davon sind der Welt wohlbekannt.

Weniger gut bekannt ist die Tat-

sache, daß die Vereinigten Staaten sich gewandelt haben:

Von einem Land, in

dem durch Gesetz und Meinung von allen diesen Gruppen erwartet wurde, ihre
Sprache und ihre Gebräuche aufzugeben und Teil eines gemeinsamen amerikanischen
Volkes zu werden, zu einem Land, in dem jede Gruppe nunmehr beträchtliche
Rechte hat, bis zur Beibehaltung ihrer eigenen Sprache und ihres eigenen Erbes.
Zwei Beispiele dieses Wandels:

Bis spät in die sechziger Jahre hinein

wurde es für selbstverständlich gehalten, daß die öffentlichen Schulen in
Amerika in englischer Sprache unterrichteten.

Ja, in manchen Einzel Staaten

forderten sogar Gesetze von den Oberschulen, lediglich auf Englisch zu unterrichten - ausgenommen natürlich den Unterricht in Fremdsprachen.

Gegen Ende

der sechziger Jahre führte die Bundesregierung Programme zur zweisprachigen
Erziehung ein, um jenen, die in einer Fremdsprache erzogen worden waren, während einer Übergangszeit zu helfen.

Im Jahre 1974 erklärte der Oberste Ge-

richtshof, daß diejenigen, die kein Englisch sprachen, einen rechtlichen Anspruch darauf haben.

Viele Einzel Staaten haben seither Gesetze verabschiedet,

die die Ausbildung in der entsprechenden Sprache des Kindes verlangen.
Ein zweites Beispiel für diesen Wandel: Bis vor wenigen Jahren erforderte die Mitwirkung am politischen System Amerikas die Kenntnis der Englischen
Sprache, und es lag an dem einzelnen, der wählen wollte, Englisch zu lernen.
Aber vor einigen Jahren wurde durch Bundesgesetz festgelegt, daß in denjenigen Wahlbezirken, in denen eine beträchtliche Gruppe von Anderssprachigen
lebt, die Wahl unterlagen in diese Sprachen übersetzt werden müssen und dieser
Personenkreis bei der Wahl Beistand in der eigenen Sprache erhält.
Diese eindrucksvollen Entwicklungen warfen Fragen hinsichtlich der
ethnischen Zukunft der Vereinigten Staaten auf: Das Modell dieser Zukunft
war der "Schmelztiegel" gewesen, das Aufgehen aller dieser Völker in einem
amerikanischen Volk. Dieses Ideal wurde durch die Politik auf bestimmten Gebieten gefördert. In der Erziehung und Bildung gab es die Politik der "Ameri-

- 2 -

�"Amerikanisierung" - durch den Unterricht in Englisch, durch Verurteilung
einer doppelten Loyalität, durch die Forderung nach Loyalität allein gegenüber den Vereinigten Staaten.

Während es jeder Gruppe erlaubt war, ihre ei-

genen Sprachschulen, Zeitungen und Publikationen sowie Kirchen, Vereinigungen
und Organisationen in der fremden Sprache beizubehalten, ging man davon aus,
daß mit der Zeit eine "Assimilierung" und "Aufsaugung" der verschiedenen Elemente unserer Bevölkerung in eine englischsprechende gemeinsame Kultur stattfinden würde.

Unsere Bürgerrechtsgesetzgebung, die 1964 mit einem wirkungsvollen Gesetz zur Aufhebung der Diskriminierung bei Beschäftigung, Ausbildung, öffentlichen Einrichtungen und bei Vorhaben, die von der Regierung bezuschußt wurden, einen Höhepunkt erlebte, wurde als Geburtshelfer eines gemeinsamen Volkes
angesehen.

Aber die wachsende ethnische und rassische Bewußtwerdung und der

damit verbundene Stolz haben in den Vereinigten Staaten diese Erwartungen in
Frage gestellt.

Und die Regierung hat ihre eigene Einstellung geändert, wie

wir im Falle des Wahlrechts und der Erziehung gesehen haben.

Auch haben sich diese Entwicklungen nicht auf die Vereinigten Staaten
beschränkt.

Obgleich die Lage in jedem Land anders ist, bemerken wir dennoch,

wie mächtig und anhaltend ethnische Bindungen bei allen Nationen sind.

In den Vereinigten Staaten ist vor allem ein Thema in den Vordergrund
getreten:

der offenkundige Widerspruch zwischen den dem einzelnen garantier-

ten Rechten ungeachtet seiner Rasse, seiner Religion oder seiner Herkunft und
der häufig empfundenen Notwendigkeit, die Lage einiger Minderheitsgruppen durch
das zu verbessern, was wir "affirmative Aktion" nennen.

Zusatzartikel XIV

zur Verfassung der Vereinigten Staaten - zum Schutz der Rechte der gerade befreiten Sklaven - besagt:

"Kein Staat darf ... irgend jemandem innerhalb

seines Hoheitsbereiches den gleichen Schutz durch das Gesetz versagen".
Das Bürgerrechtsgesetz des Jahres 1964 wurde in einer Zeit erlassen, als alle
Gruppen der Meinung waren, die richtige Einstellung der Regierung zu ethnischen,
rassischen und religiösen Unterschieden bestünde darin, sie zu ignorieren, also

- 3 -

�also "farbenblind" zu sein.

Diskriminierung wegen Rasse, Religion oder Her-

kunft bei Beschäftigung und bei Programmen, die von der Bundesregierung bezuschußt werden, wurde verboten.

Aber sehr rasch begannen die Regierungstel-

len "Farbenbewußtheit" anstatt "Farbenblindheit" zu praktizieren, um die
Auswirkungen der Diskriminierung in der Vergangenheit zu korrigieren.

Diese

"Farbenbewußtheit" übernahmen auch viele Einrichtungen der höheren Bildung
und viele Arbeitgeber, um vor allem den Anteil der Schwarzen und auch anderer
unterrepräsentierter Gruppen zu erhöhen.
Bedeutete dies, daß nunmehr andere Gruppen diskriminiert wurden? So
jedenfalls argumentierte Marco Defunis, ein Jude, als er nicht zur juristischen
Fakultät der Universität von Washington zugelassen wurde: Man hätte ihm die
Aufnahme nicht verweigern dürfen, da Personen anderer rassischer und ethnischer
Zugehörigkeit mit schlechteren Qualifikationen aufgrund des "farbenbewußten"
Zulassungsprogramms der Universität von Washington angenommen worden waren.
Der Oberste Gerichtshof gelangte zu keiner Entscheidung. Allan Bakke brachte das gleiche Argument gegenüber der medizinischen Fakultät der Universität
von Kalifornien vor. In diesem Fall gelangte das Gericht mit Mühe zu einer
Entscheidung: Zwar könne er zugelassen werden, da die medizinische Fakultät
eine strenge Quote für Minoritäten festgelegt habe, um ihre Anzahl zu erhöhen; gleichzeitig stellte es jedoch fest, daß bei Zulassungen zur medizinischen Fakultät die Rasse in Betracht gezogen werden könne. Erst kürzlich
hatte ein Arbeiter, Brian Weber, seinen Arbeitgeber verklagt, da der Arbeitgeber und die Gewerkschaft ein Programm für mehr schwarze Facharbeiter erstellt hatten und man Weber, einem Weißen, die Teilnahme an diesem Programm
verweigert hatte. Das Gericht kam zu keiner einheitlichen Auffassung, fällte
aber mehrheitlich den Spruch, daß solche Programme legitim seien.
Dieses Problem erhielt die Bezeichnung "umgekehrte Diskriminierung",
Diskriminierung der Mehrheit, nicht der Minderheit. "Umgekehrte Diskriminierung" ist ein Programm, bei dem eine diskriminierende Gruppe, die im Verhältnis zu ihrer Größe keine wichtigen Posten hat, bevorzugt wird. Das kommt
nicht nur in den Vereinigten Staaten vor. Seit seiner Unabhängigkeit hat
- 4 -

�hat Indien solche "Reservate" für Mitglieder der niedrigen Kasten bei den
Bildungseinrichtungen und bei Arbeitsplätzen im Regierungsbereich.

Kanada

hat den Versuch gemacht, die Anzahl französischsprechender höherer Beamter
zu erhöhen.

Aufgrund unserer Verpflichtung zur Wahrung der Rechte des einzelnen und
der neueren Verpflichtung zur "Farbenblindheit" der öffentlichen Hand sowie
aufgrund der Vielfalt unserer ethnischen und rassischen Gruppen ist es gerade
für die Vereinigten Staaten besonders schwer, eine einheitliche und logische
Politik der "umgekehrten Diskriminierung" zu entwickeln.

Jetzt verlangen

nicht nur die Schwarzen besondere Bevorzugung, sondern auch die Amerikaner
mexikanischer Abkunft, die Puertorikaner, andere Hispano-Amerikaner, die verschiedensten asiatischen Gruppen, die amerikanischen Indianer und andere mehr.
Zudem haben wir Gesetze erlassen, die Diskriminierung auf der Grundlage von
Geschlecht, Alter und Behinderung zu verbieten.

Diese Gesetze wiederum kön-

nen von Regierungsstellen und Gerichten so interpretiert werden, daß sie ein
gewisses Maß an "umgekehrter Diskriminierung" beachten, d.h. besondere Bevorzugung derjenigen Gruppe

fordern, für deren Schutz diese Anti-Diskriminierungs-

gesetze entworfen wurden.

"Umgekehrte Diskriminierung" stellt ein Problem für Länder dar, in denen bestimmte Gruppen wegen Diskriminierung oder aus anderen Gründen zurückbleiben.

Das Problem ist vielleicht deshalb in den Vereinigten Staaten am

schwierigsten, weil wir alle in einer integrierten Gesellschaft aneinander
gebunden sind, und keine Gruppe davon träumt, sich von der Nation loszulösen,
um in einem autonomen Gebiet zu leben, wie dies viele ethnische Gruppen in
anderen Ländern tun.

Wir sind in den Vereinigten Staaten bereits so sehr ver-

mischt, daß dies nicht mehr möglich ist.

Wenn jede Gruppe ein eigenes Terri-

torium haben könnte, würde das Problem der umgekehrten Diskriminierung gar
nicht erst auftauchen:

Ethnische Forderungen würden dann in Forderungen nach

Autonomie oder Unabhängigkeit umgesetzt werden, wie dies in vielen Ländern
geschieht.

Für die Vereinigten Staaten und für andere Länder, die eine inte-

grierte Gesellschaft haben, wirft die umgekehrte Diskriminierung
gende Fragen auf, die etwa so formuliert werden können:
- 5-

beunruhi-

Können wir eine

�eine "farbenblinde" und integrierte Gesellschaften erreichen - was, wie ich
meine, die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten wollen -, indem wir
eine Politik verfolgen, die eben nicht "farbenblind" ist?
Die Regierung ist dieser Ansicht.

Sie glaubt, Unternehmer und Arbeit-

geber dazu bringen zu können, die Rasse und die ethnische Zugehörigkeit ihrer
Arbeitnehmer statistisch festzuhalten und Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit zu bevorzugen, daß aber dies irgendwann einmal in Zukunft aufgehoben und abgeschafft werden kann, sobald echte Gleichheit erzielt worden ist.
Aber ich glaube, daß die Notwendigkeit, einige Gruppen zu bevorzugen, andere
Gruppen dazu bringt - und viele haben dies bereits getan -, dem Kampf und der
Forderung Vorrang zu geben.

Und wie kann man Gruppen davon überzeugen, eine

Vorzugsstellung aufzugeben, nachdem man sie ihnen erst einmal eingeräumt hat?
Meiner Meinung nach ist es so: Wenn man erst Überlegungen hinsichtlich Rasse
und ethnischer Zugehörigkeit bei Beschäftigung und Ausbildung in Rechnung
stellt, dann wird dies nur die Zahl der Gruppen erhöhen, die man in Betracht
ziehen muß, so wird es den einzelnen nur noch stärker an die Identitäten
festbinden, die gerade von der Regierungspolitik bevorzugt werden, und es wird
somit schwierig, wenn nicht unmöglich, zu einer Regierungspolitik zurückzufinden, die den Einzelmenschen ungeachtet seiner Rasse oder seines nationalen
Ursprungs behandelt.
Andere Aspekte der Regierungspolitik verstärken ebenfalls diese verschiedenen Identitäten, vor allem Erziehungsprogramme, die fremdsprachlichen Unterricht betonen, und den Unterricht über fremde Kulturen sowie die neuen Wahlrechte, die man denjenigen gewährt, die eine andere Sprache sprechen.
Das Phänomen des Ethnischen ist eine Realität; die Renaissance des
Ethnischen überall in der Welt ist nicht Ergebnis einer Mode oder ausländischer
Propaganda. Aber die Antwort der Staaten auf diese Renaissance wird von ihrer
Geschichte und ihren Hoffnungen abhängen. Wenn verschiedene Gruppen durch
ihre Geschichte hindurch eigenständig bleiben wollten und tief mit ihrer Sprache
und ihrer Kultur verwurzelt sind, bedarf es der Einfühlsamkeit, um einen gemeinsamen Staat und gemeinsame Ziele beizubehalten. Manchmal wird auch Ein-

�Einfühlsamkeit nicht helfen und Trennung bleibt als einzige Alternative.
Aber sollte bei erfolgreicher Integration und Schaffung einer gemeinsamen
Kultur diese Entwicklung rückgängig gemacht, der Sinn für unterschiedliche
Abstammung gestärkt und Rechte und Privilegien gewährt werden, die auf ethnischer und rassischer Zugehörigkeit beruhen?

Die Schaffung einer gemeinsamen Kultur, einer gemeinsamen Sprache und
gemeinsamer Loyalität aus unterschiedlichen Völkern war ein erstaunlicher
Erfolg der Vereinigten Staaten.

Ich bin besorgt darüber, daß wir von einer

Politik abgehen, die diesen Erfolg ermöglicht hat.

Die Betonung des Englischen

als unserer gemeinsamen Sprache diskriminiert gegenüber denjenigen, die es
nicht sprechen.

Die Betonung gleicher Behandlung aller bei Erziehung und Be-

schäftigung diskriminiert nicht gegenüber denjenigen, die in der Vergangenheit ungleich behandelt wurden,

besonders da viele Programme denjenigen hel-

fen, die unter unzureichender Erziehung, geringem Einkommen oder Berufen ohne
Zukunft leiden.

Und ich bin der Meinung, daß der Versuch, durch Eingriffe der

Regierung, Sprachen und Kulturen zu erhalten und einer immer längeren Liste
der Rassen und der Gruppen Sonderbehandlung zu gewähren, Uneinigkeit mit sich
bringen wird.

Dies zwingt zu einer Politik der Streitigkeiten, bei der es

kaum eine Umkehr gibt.

Das wachsende Geltendmachen des Ethnischen hat viel für sich, uriid wir
sollten ihm Verständnis entgegenbringen.

Es ist falsch, die Sprache eines

Menschen zu unterdrücken oder Menschen eine nationale Identität aufzuzwingen,
die sich dagegen wehren.

Auch die Verweigerung politischer und erzieherischer

Rechte wegen Rasse, Farbe, Herkunft und Religion ist falsch.

In der Vergan-

genheit und in vielen Ländern war dies häufig - und es kommt immer noch häufig
vor.

über diese Prinzipien sind wir uns alle einig.

Aber was schuldet eine

Regierung den verschiedenen nationalen Minderheiten, die es in vielen Ländern
gibt, außer der negativen Erfordernisse nämlich, niemanden zu unterdrücken,
niemanden zu mißbrauchen und niemanden zu benachteiligen?

Dies ist eine viel

schwierigere Frage.

Wir
- 7 -

�Wir hofften auf eine neue Gesellschaft, eine integrierte Gesellschaft,
einen neuen Menschen und ein
listische Hoffnung.

neue Kultur.

Vielleicht war es eine unrea-

Aber viele Menschen zogen die Vereinigten Staaten gerade

wegen dieser Hoffnung an.

Ist es möglich, sie zu verwirklichen und fair ge-

genüber so vielen rassischen und ethnischen Gruppen zu sein, aus denen das
amerikanische Volk besteht?

Das wird noch lange Zeit eine Herausforderung

bleiben.
•

+ + + + +

�(Kl-

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Oktober 1979

39

MEHK WETTBEWERB KÖNNTE ENERGIEMARKT BERUHIGEN
- Studie des Mellon-Instituts zur Produktivität auf dem Sektor Energie

WASHINGTON - (AD) - Milliarden von Dollar hätten die amerikanischen Verbraucher im Jahr 1978 an Energiekosten sparen können, wenn es ihnen möglich
gewesen wäre, sich von konkurrierenden Technologiesystemen diejenigen mit den
billigsten Dienstleistungen auszusuchen.

Zu diesem Schluß kommt eine am

20. September 1979 veröffentlichte Studie, die vom Zentrum für Energieproduktivi tat des Mellon-Instituts (Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh,
Pennsylvanien) unter der Leitung von Roger W. Sant (früher Bundesenergiebehörde der USA) ausgearbeitet wurde.

Sie basiert auf Computeranalysen, die

über den Zeitraum von acht Monaten erstellt worden sind, und trägt den Titel:
"LEAST-COST ENERGY STRATEGY:

MINIMIZING CONSUMER COSTS THROUGH C0MPETITI0N"

(Strategie für die billigste Energie: Verminderung der Verbraucherkosten durch
Wettbewerb).
Der bisher eingehaltene Weg sei unproduktiv gewesen, so heißt es in der
Studie, weil in den Vereinigten Staaten Energie als Ware mit abnehmenden Beständen anstatt als Dienstleistungsobjekt betrachtet wurde, dem sich sehr
viele miteinander in Konkurrenz stehende Unternehmen widmen könnten. Die
Analyse hebt die besondere Bedeutung des bereits in Gang gekommenen Prozesses

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�Prozesses hervor, Energie vom Wirtschaftswachstum abzukoppeln sowie EnergieDienstleistungen als Management-Aufgaben zu betrachten und die heutigen
Energieversorgungs- und Liefersysteme durch leistungsfähigere zu ersetzen.
Die amerikanische Energiepolitik sei zu sehr mit eng begrenzten Fragen
wie Verringerung der ölimporte, Ausbau der Kernenergie, Einführung verbesserter bzw. besser geeigneter Technologien, Sonnenenergie, Preiskontrollen für
öl und Gas, Einsparung, "Verzicht" und Umweltfragen beschäftigt gewesen, anstatt das Hauptproblem der Energiekrise anzupacken - nämlich Kostensenkung,
insbesondere besseres Management, als die zentrale Aufgabe zu erkennen.
Für die Richtigkeit dieser These sprächen dem Bericht zufolge überzeugende Beispiele:

Einige Sektoren der amerikanischen Industrie hätten ohne

nennenswerte Steigerung des Investitionskapitals oder Produktionseinschränkung den Energiebedarf um 10 - 30 Prozent gesenkt.

In den zwei Jahrzehnten

vor dem arabischen ölembargo von 1973 habe, wie Roger Sant hervorhebt, ein
Wirtschaftswachstum um vier Prozent generell eine vierprozentige Steigerung
des Energieverbrauchs bedeutet.

"Heute erfordert eine Zunahme des Bruttoso-

zialprodukts um 4 Prozent eine Erhöhung des Energieverbrauchs um nur zwei Prozent."
Von 1973 bis 1978 sei der Ausstoß der amerikanischen Wirtschaft an Waren
und Dienstleistungen um 12 Prozent gestiegen, während der industrielle Energieverbrauch um mehr als 10 Prozent zurückgegangen sei. Von 1973 bis 1976 hätten
außerdem die bundesstaatlichen Organisationen ihren Energieverbrauch sogar um
30 Prozent gesenkt, ohne gleichzeitig alte Ausrüstungen durch moderne zu ersetzen. Diese Fortschritte in bezug auf die Energie-Produktivität seien, wie
Sant ausführte, ohne "Opfer" oder ein allgemeines Absinken der Produktivität
in den USA erreicht worden. Sie seien vielmehr ein erster Beweis dafür, daß
entgegen der noch vor wenigen Jahren gültigen These "Energie- und Wirtschaftswachstum entkoppelt werden können".
Der Analyse zufolge könnte bei Anwendung einer Strategie der geringstmöglichen Kosten der Energieverbrauch in den Vereinigten Staaten im Jahr 2010

�2010 pro Ausstoßeinheit ca. 60 Prozent weniger betragen als 1973. Wenn dabei die Amerikaner die Möglichkeit der freien "Produktwahl" hätten, könnte
diese Strategie "neue Wettbewerbskräfte freisetzen, die Wahlmöglichkeiten
der Verbraucher vervielfachen, mit der Zeit die realen Kosten von EnergieDienstleistungen auf ein niedrigeres Niveau zwingen, den Bedarf an Energielieferungen senken und einen wesentlichen Beitrag zu einer gesunden nationalen Wirtschaft und Umwelt leisten", betont Sant.
Würde man sich auf diese Strategie konzentrieren, so heißt es weiter
in der MelIon-Studie, ließe sich die Versorgung mit Energie "von einer übermäßig regulierten, in gewisser Weise monopolistischen Aktivität beim Verkauf
von Strom, öl oder Erdgas in ein faszinierendes Wettbewerbsengagement für
den Verkauf von Energie-Dienstleistungen umwandeln".

Einbezogen wären bei-

spielsweise die Wohnhausisolierung, dezentralisierte Kraftwerke, Wasserheizung mit besserem Wirkungsgrad, Umrüstung von Gebäuden, Wärmepumpen und
andere Ausrüstungen.

Der Bedarf an Importöl würde letztlich immer geringer

- ein Ergebnis der Analyse, das auch ihre Initiatoren überraschte.

Die bisherige amerikanische Energiepolitik habe, beispielsweise durch
Preiskontrollen mittels Subventionen für öl oder Beibehaltung von Benzinhöchstpreisen bei gleichzeitigen gesetzlichen Vorschriften für den Kraftstoffverbrauch, zu tiefgreifenden Verzerrungen auf dem Energiemarkt geführt.
Ein Wettbewerb mit anderen Alternativen sei dadurch erschwert oder sogar abgeblockt worden.

Jedoch seien die Risiken und Kosten einer Wettbewerbsbe-

schränkung durch Preiskontrollen auf dem Energiemarkt bedeutend größer als
die Risiken und Kosten, die sich bei freiem Wettbewerb ergeben.

Der Bürger habe, so Sant, es bisher versäumt, die große Chance individuellen Handelns wahrzunehmen, weil sich die Amerikaner daran gewöhnt hätten,
von der Regierung zu erwarten, daß sie etwas gegen das Energieproblem unternimmt.

"Dies gab der Regierung eine unangemessene Rolle auf dem Energiesektor,

wodurch das Problem sich ständig verschlimmerte", heißt es in der Studie.

+ + + + +
- 3 -

�39

10. Oktober 1979

SYNTHETISCHE BRENNSTOFFE - EINE ZUKUNFTSVERSICHERUNG
US-Energieminister Duncan befürwortet massive Investitionen

WASHINGTON - (AD) - Für eine Förderung der Produktion synthetischer Brennstoffe durch Anreize, die die amerikanische Regierung der Privatwirtschaft zur
Verringerung der Anfangsrisiken bietet, setzte sich der Energieminister der
USA, Charles W. Duncan, vor einem Senatsausschuß ein.

Schon in absehbarer

Zeit dürften in Anbetracht der heutigen ölpreise diese Brennstoffe wirtschaftlich sein, erklärte der Minister vor einem Unterausschuß des Bewilligungsausschusses des Senats, der sich gegenwärtig mit der Gesetzesvorlage Präsident
Carters über die Einführung neuer synthetischer Brennstoffe befaßt.
Im Hinblick auf die notwendige Anlaufzeit für den Bau der Anlagen liege
es eindeutig im nationalen Interesse, Entwicklung und Produktion synthetischer
Brennstoffe sofort in Angriff zu nehmen.

"Wir werden sicherstellen müssen,

daß spätestens 1990 beachtliche Mengen auf den Markt kommen können", meinte
Duncan.

"Und wir müssen die erforderliche industrielle Basis schaffen für den

Fall, daß wir uns in den neunziger Jahren gezwungen sehen, die einheimische
Produktion massiv und rasch auszuweiten."

Zwar sei die Reaktion der Amerikaner

auf die Appelle zum Energiesparen "ermutigend", doch brauche die Nation zusätzliche flüssige und gasförmige Brennstoffe, um die bereits getätigten Investitionen gut zu nutzen.
Die

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�Die von Präsident Carter vorgeschlagene Anreizpalette umfaßt u.a. Maßnahmen im Bereich der Verordnungen und der Finanzierung (z.B. Steuernachlässe, Kredite und Anleihen), um Investitionen der Privatwirtschaft für Technologien zur Gewinnung synthetischer Brennstoffe zu ermutigen.

Der Plan

sieht nicht nur die Aufhebung der Preiskontrollen für einheimisches Rohöl und
Erdgas vor, damit im Verbraucherpreis die Kosten für Energie-Ersatzbeschaffung
auch zum Ausdruck kommen, sondern außerdem die Bereitstellung von Mitteln für
Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprogramme, um auf diese Weise die
technischen Entwicklungen zu beschleunigen und Umweltbelastungen durch synthetische Brennstoffe zu verringern.
Laut Duncan solle die Energie-Sicherungsgesellschaft die Herstellung
synthetischer Brennstoffe und Gase sowohl durch Anleihegarantien als auch
durch Abnahmeverträge fördern. Sie könne dazu beitragen, daß bis 1990 etwa
250 000 Tonnen Mineralöl-Ersatzprodukte hergestellt werden. Zu diesen zählten Gas und flüssige Brennstoffe aus Kohle (z.B. Methan, Benzin und Heizöle),
ferner öl aus Ölschiefer sowie Flüssigbrennstoffe aus Biomassen und anderen
Energiequellen. Das gegenwärtige Programm schließe Mittel für mehrere Pilotanlagen zur Kohleverflüssigung und Kohlevergasung ein; außerdem habe das
Energieministerium Gelder für den Bau von zwei großen Demonstrationsanlagen
zur Kohleverwertung angefordert. Die Regierung der Bundesrepublik und Japans
sowie einige private amerikanische Firmen erklärten sich bereit, sich an der
Finanzierung zu beteiligen. Die Firma "Great Plains Gasification Associates"
- eine Gemeinschaft von Unternehmen zur Förderung und den Pipelinetransport
von Erdgas - habe vom US-Energieministerium für den Bau einer Anlage zur Kohlevergasung bereits ein Darlehen von drei Millionen Dollar erhalten. Es handle
sich um das einzige kommerzielle Projekt in der Welt zur Gewinnung von Gas
mit hohem Heizwert. Die Anlage dürfte die Produktion im Jahr 1983 aufnehmen.
Die seit den dreißiger Jahren bekannten Technologien zur Verflüssigung und
Vergasung von Kohle könnten nach Meldung von George Fumich, Programmdirektor
des US-Energieministeriums für fossile Energie,'die Grundlage für kommerzielle Projekte abgeben, die im Laufe der Zeit neue, wirtschaftlichere und
mit besserem Wirkungsgrad arbeitende Verfahren einsetzen werden.
Wie
- 2 -

�Wie das US-Handelsministerium Ende September 1979 bekanntgab, werden
nicht nur amerikanische Mineralölunternehmen im Inland, sondern auch ihre
ausländischen Tochterfirmen auf der Suche nach neuen Mineralölquellen die
Investitionen kräftig erhöhen.

Als Größenordnung für 1980 wird eine Anhe-

bung um 18 Prozent (1979: 12 Prozent) auf 13,2 Milliarden Dollar genannt.
Kanadische Töchter amerikanischer Firmen z.B. planten eine Erhöhung um 15
Prozent - hauptsächlich für Projekte zur Extraktion von öl aus Teersanden
und zur Gewinnung von synthetischem Rohöl. Auch Niederlassungen in der
Bundesrepublik, in den Niederlanden, in Dänemark und Australien hätten kräftige Investitionserhöhungen geplant.

- 3 -

�1

Ulirl/chofl

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America
10. Oktober 1979

39

DUNCAN BEKRÄFTIGT ENERGIESPARZIELE DER USA
Rede des neuen US-Energieministers in Paris

PARIS - (AD) - Vor den Energieministern der Mitgliedsländer des Wirtschaftsgipfels, der Europäischen Gemeinschaft und Vertretern der Internationalen Energieagentur (IEA) unterstrich der neue Energieminister der Vereinigten Staaten, Charles Duncan, am 26. September 1979 in Paris erneut die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten, ihre ülimporte auf das Niveau zu beschränken, wie es auf dem Wirtschaftsgipfel im Juni in Tokio vereinbart
worden war.
Die Rede des Energieministers hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich, auf meinem ersten Auslandsbesuch als Energieminister
heute hier bei Ihnen zu sein und hoffe im Laufe der kommenden Monate auf
herzliche und fruchtbare persönliche Beziehungen zu Ihnen allen.
Das Gipfeltreffen in Tokio war der jüngste Meilenstein unserer gemeinsamen Anstrengungen, mit den drängenden Energiefragen fertigzuwerden, vor
denen wir alle stehen. Für viele von uns kennzeichnete die Energiekonferenz
in Washington und die anschließende Schaffung der Internationalen Energieagentur (IEA) den ersten großen Schritt in Richtung auf einen koordinierten
Lösungsversuch der schwerwiegenden Energieprobleme, denen unsere Länder gegen-

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�gegenüberstehen.

Die IEA hat ihre ursprünglichen Zielsetzungen erreicht,

indem sie ein öl Verteilungssystem für den Notfall eingerichtet hat, sowie
ein Programm für langfristige Zusammenarbeit und ein Ziel für die öleinfuhren der Mitgliedsländer als Gruppe für das Jahr 1985.
Während des ersten Quartals dieses Jahres stellten die parallelen Anstrengungen der IEA und der Europäischen Gemeinschaft bedeutsame Faktoren
dar, um mit der Kürzung der persischen Produktion und dem schwerwiegenden
Preisdruck fertigzuwerden, der sichtbar wurde.
Obwohl diese Anstrengungen wesentlich dazu beitrugen, das Marktgleichgewicht wiederherzustellen, müssen wir uns darüber im klaren sein, daß unsere Antwort auf jede zukünftige Verknappung stärker und rascher ausfallen
muß, wenn wir maßlose Preissteigerungen verhindern wollen.

Die Entwicklung

eines wirkungsvolleren Krisenmanagements muß sowohl für die IEA als auch
die EG eine vorrangige Frage sein.
Die jährlichen Wirtschaftsgipfel sind für die Stärkung und Koordinierung
unserer Anstrengungen immer wichtiger geworden. Im Verlauf der letzten
Jahre ist das Thema Energie an die erste Stelle der Tagesordnung dieser Gipfeltreffen getreten. Auf höchster Regierungsebene wird Energiethemen nunmehr die hohe Bedeutung beigemessen, die sie eindeutig verdienen.
Für uns ist es jetzt wichtig, auf diese Liste der Errungenschaften
aufzubauen. Ich freue mich auch deshalb besonders über dieses Treffen, weil
es mir Gelegenheit gibt, Ihnen zu versichern, daß die Vereinigten Staaten
sich zu den weitreichenden Maßnahmen bekennen, über die in Tokio Übereinstimmung erzielt worden ist. Es ist für uns alle von größter Bedeutung,
den Schwung beizubehalten, den wir vor drei Monaten so wirkungsvoll erzeugten.
Gipfelkonferenzen und dazwischen liegende Treffen von ranghohen Beamten
können unseren gemeinsamen Politiken entscheidenden politischen Auftrieb und
Richtung geben - und tun dies auch.

Gleichzeitig müssen wir uns daran er-

innern, daß wir in der wichtigen Aufgabe, unsere Entscheidungen zu befolgen,
- 2 -

�befolgen, sie genau abzustimmen und sie in die Wirklichkeit umzusetzen,
nicht nachlassen dürfen und sie am besten mit Hilfe gewachsener Strukturen
erfüllen können.
Bis jetzt habe ich über unsere gemeinsamen Antworten gesprochen. Lassen
Sie mich nun auf die Lage in den Vereinigten Staaten eingehen. Kurz nach
seiner Rückkehr aus Tokio hat sich Präsident Carter in einer bedeutsamen
Energierede an das amerikanische Volk gewandt und eine Reihe mutiger neuer
Initiativen angekündigt - gedacht, um unsere Abhängigkeit von öleinfuhren
weiter zu reduzieren. Obwohl wir eine schriftliche Zusammenfassung dieser
neuen politischen Aktionen verteilt haben, würde ich doch gerne die wichtigsten Bereiche herausheben:
- Am grundlegendsten ist die deutliche Absicht des Präsidenten, sicherzustellen, daß die zukünftigen ölimporte der Vereinigten Staaten das Niveau
von 8,5 Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) nicht übersteigen werden.
- Weiterhin ist es für 1979 unsere

Absicht, die öleinfuhren auf einem

etwas geringeren Niveau von 8,2 MMB/D zu halten; im Jahr 1980 werden wir unsere Einfuhren auf 8,5 MMB/D begrenzen und zu Kontingentierungsmechanismen
greifen, falls dies notwendig sein sollte; die Vereinigten Staaten sind bereit, nachdrückliche administrative Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen,
daß unsere Ziele erreicht werden.
- Ein Energiemobilisierungsamt wird geschaffen, um die Umwege, Verzögerungen und scheinbar endlosen Hindernisse zu umgehen, die bisher wesentliche
Energieprojekte gehemmt haben.
- Eine Gesellschaft für Energiesicherung wird umfangreiche Anstrengungen
in die Wege leiten, um alternative Energiequellen zu entwickeln.
- Die öffentliche Hand wird

aufgefordert, ihren Ölverbrauch im Laufe der

nächsten zehn Jahre um 50 Prozent einzuschränken.
- Ein
- 3 -

�- Ein mutiges Einsparungsprogramm wird die Mittel und Einrichtungen
bereitstellen, um sicherzustellen, daß die Energie erheblich wirksamer genutzt wird.
Diese Verpflichtungen kommen zu der schon jetzt eindrucksvollen Reihe
von Maßnahmen hinzu, die vom Präsidenten in früheren Energiebotschaften angekündigt wurden, einschließlich der phasenweisen Freigabe der inländischen
öl- und Erdgaspreise.
Die bisherige amerikanische Leistung ist weit besser als man weithin
glaubt.

In den sechziger und frühen siebziger Jahren,stieg unser Energie-

verbrauch im direkten Verhältnis zu unserem Wirtschaftswachstum.
hat sich dieses Verhältnis beträchtlich reduziert:

Seit 1973/74

Zwischen 1976 und 1978

stieg unser Energieverbrauch mit einer jährlichen Durchschnittsrate von 2,1
Prozent, während unser Wirtschaftswachstum eine Durchschnittsrate von über
4,4 Prozent auswies.
In der ersten Hälfte dieses Jahres erreichten die Vereinigten Staaten
eine beträchtliche Minderung ihres Ölverbrauchs, verglichen mit der Leistung
von 1978: Während der Verbrauch in vielen Industrieländern in unterschiedlichem Maß anstieg, erlebten die Vereinigten Staaten einen effektiven Rückgang von über einem Prozent.
Obgleich einige dieser Einsparungen unfreiwillig waren und auf die
Zwangslage beim Verbrauch im Verlauf der persischen Förderrückgänge zurückzuführen waren, gibt es vielversprechende grundlegende Trends.
Auf dem Benzinmarkt, der für 37 Prozent des Ölverbrauchs in diesem Jahr
verantwortlich ist, sieht es so aus, als hätten wir endlich den Anstieg der
Benzinnachfrage unter Kontrolle gebracht.

Die neuesten Zahlen deuten darauf

hin, daß der amerikanische Benzinverbrauch durch Einsparung und verbesserte
Motorenleistung sich abschwächt. Während der ersten acht Monate des Jahres
1979 betrug der amerikanische Benzinverbrauch etwa 3,4 Prozent weniger als
im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres.
Obgleich

�Obgleich diese Entwicklungen in Verbindung mit den Initiativen, die ich
beschrieben habe, für uns ein Erfolgserlebnis sind, kann keiner von uns hier
mit Optimismus in die Zukunft des ölmarktes blicken.
Wir müssen uns etwas Bessers einfallen lassen, als auf dem Ölmarkt nur
auf dramatische Preissprünge und periodische Rezessionen zu warten, um die
Nachfrage zu regeln.

Das bedeutet, daß wir die auf dem Tokioter Gipfel ent-

wickelten Initiativen nachdrücklich in die Tat umsetzen müssen.
Der Erfolg von Tokio spiegelte die Tatsache wider, daß sich alle wichtigen Industrieländer zum erstenmal zum gemeinsamen Handeln verpflichteten.
Ohne nationale Einfuhrziele, auf die man sich gemeinsam geeinigt hat, fehlt
jedem Land die Gewähr, daß auch alle anderen einen fairen Anteil an den Bemühungen übernehmen, was eine wesentliche Voraussetzung für eine Unterstützung
durch die Öffentlichkeit ist.
Ohne eine gemeinsame Verpflichtung zur Entwicklung alternativer Energiequellen und zur Bereitstellung öffentlicher und privater Mittel, die eine
solche Entwicklung erfordert, werden die Aktionen einzelner Länder dieser Herausforderung gegenüber unzureichend bleiben.
Der Tokioter Gipfel erkannte diese Tatsachen und handelte entsprechend.
Aber seine Entscheidungen können nur dann in die Wirklichkeit umgesetzt werden,
wenn wir uns an die Voraussetzungen erinnern, die ihnen zugrundeliegen: gemeinsame Entscheidungen, gegründet auf eine gemeinsame Einschätzung des Problems und ein gemeinsames Bewußtsein für das, was notwendig ist.
Ich sehe mit Genugtuung, daß den alternativen Energiequellen auf unserer
Tagesordnung eine vorrangige Stellung eingeräumt wurde.

Es ist für uns von

entscheidender Bedeutung, den öl exportierenden Ländern vor Augen zu führen,
daß wir uns der begrenzten Ölversorgung in dem vor uns liegenden Zeitraum bewußt sind und daß wir ernsthafte nationale Maßnahmen ergreifen, um den Druck
auf den ölmarkt zu verringern, indem wir unser eigenes Potential mobilisieren.
Wir
- 5 -

�Wir müssen auch die Fähigkeit des Marktes verbessern, mit unerwarteten
Versorgungsschwierigkeiten fertigzuwerden.

Eine der bedeutsamsten Entwick-

lungen des letzten Jahres war der Verlust der Flexibilität des Weltölmarktesaufgrund der Versorgungsgrenzen und der verminderten freien Kapazität.

Des-

halb müssen wir dort, wo es möglich ist, wieder eine größere Flexibilität herzustellen versuchen, indem wir unsere öl Vorräte klug einteilen und zur Entwicklung zusätzlicher Kapazitäten ermutigen.
Schließlich müssen wir erkennen, daß wir eine kollektive Verantwortung
teilen für eine geordnete und rechtzeitige Entwicklung eines stabilen und
sichereren Energiemarktes.

Ich bin davon überzeugt, daß wir die Mittel und

den politischen Willen haben, um uns dieser Verantwortung zu stellen.

+ + + + +

- 6-

�Wirl/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
10. Oktober 1979

39

TOKIO-RUNDE VERSPRICHT EUROPÄISCH-AMERIKANISCHE ANNÄHERUNG
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Farnes F. Füller -

Die Tokio-Runde der Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN), die wohl
kompliziertesten Verhandlungen, die auf dem Gebiet des internationalen Handels
jemals stattfanden - versprechen eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse des
Handelsabkommens, das im April dieses Jahres
nach langen und mühsamen Verhandlungen paraphiert wurde.
Die wachsende Interdependenz in der Weltwirtschaft, die rasche Ausweitung des internationalen Handels und das Entstehen regionaler Handelsblöcke
- vor allem der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - haben im Laufe der
letzten 20 Jahre eine neue Einstellung in der amerikanischen Handelspolitik
herbeigeführt. Heute liegt der Nachdruck sehr viel mehr auf einer Ausweitung der Exporte.
Leider sind die Regierungen der Industrieländer in zunehmendem Maße
nachhaltigen Forderungen ausgesetzt, durch die Errichtung von Handelsschranken Arbeitsplätze im eigenen Lande zu retten, und es ist damit zu rechnen, daß

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�daß sich dieser Trend in den nächsten 20 Jahren verstärken wird, wenn das
wirtschaftliche Wachstum nachläßt.

Dabei hat die Zusammenarbeit zwischen

Europa und den Vereinigten Staaten in Handelsfragen beiden Seiten geholfen,
den Forderungen nach Protektionismus zu widerstehen.
Der Stellvertretende Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen der USA,
Geza Feketekuty, der für handelspolitische und Entwicklungsfragen zuständig
ist, ist der Auffassung, daß die amerikanisch-europäischen Beziehungen aufgrund der engen persönlichen Arbeitsbeziehungen, die sich während der mühsamen,
fünfjährigen Handelsverhandlungen in Genf entwickelten, auf eine "viel gesündere Basis" gestellt wurden.

Wenn die Vertreter von Ländern so lange zusammen-

arbeiten, um etwas zu erreichen, "dann wird es sehr viel schwieriger, einseitige Maßnahmen zu treffen, die anderen Ländern schaden",so betonte er.
Eine ganze Reihe der im Rahmen der MTN getroffenen Abkommen betrafen Bereiche
des potentiellen Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Europa.

Wenn

diese Fragen ungelöst blieben, könnten sie sich zu politischen Konfrontationen
ausweiten und zu einer Verschlechterung der politischen Bindung zwischen beiden Seiten führen.
Feketekuty, der sich erst vor kurzem in Frankreich und in der Bundesrepublik Deutschland aufhielt, um über die Handelsvereinbarungen zu sprechen,
erklärte, eines dieser Gebiete des potentiellen Konflikts sei die Mauer der
Vorzugszölle, die die Europäische Gemeinschaft umgeben. In den Abkommen im
Rahmen des MTN werden die Industrieländer aufgefordert, ihre Einfuhrzölle in
den nächsten acht bis zehn Jahren um durchschnittlich 33 Prozent zu senken
- und damit die Zollmauer abzubauen und eine der Hauptursachen für die Beschwerden der amerikanischen Exporteure zu beseitigen, die sich gegenüber den
europäischen Exporteuren innerhalb der Gemeinschaft benachteiligt fühlten.
Der wohl wichtigste Erfolg der Handelsübereinkünfte ist die Vereinbarung
einer Reihe internationaler Verhaltensregeln, die die Herabsetzung von etwa
800 nichttarifären Handelsschranken zum Ziel haben, die häufig ausländische
Waren wirksamer vom inländischen Markt fernhalten als Zölle.

Durch diese

Verhaltensnormen sollen unter anderem die Export-Subventionen für Fertigwaren

�Fertigwaren durch Regierungen beseitigt werden; restriktive Normen und Zollbewertungsverfahren herabgesenkt werden; alle Zölle für den Verkauf von Zivil flugzeugen aufgehoben werden und amtliche Beschaffung für internationale Ausschreibung geöffnet werden.

Die neuen Regeln sollen auch den Handel auf einigen seit langem geschützten Agrarmä'rkten intensivieren.

Nach Auffassung Feketekutys sind diese Übereinkommen auf nichttarifärem
Gebiet ein ganz großer Erfolg, da es bisher kaum so etwas ähnliches gab.
"Wir hatten immer Zoll Senkungen, aber mit dem Abbau der nichttarifären Handelsschranken betreten wir Neuland", sagte er.

Dieser Kodex bezüglich der Subventionen ist nach Auffassung Feketekutys
für die amerikanisch-europäischen Beziehungen besonders wichtig, da es hier
um gefühlsmäßig häße Eisen gehe.

Die bisher subventionierten Erzeugnisse

stellten wichtige Gebiete der Handelsinteressen dar - wie etwa Stahl und
elektronisches Gerät.

Die Tendenz der Europäischen Gemeinschaft, zu Export-

subventionen Zuflucht zu nehmen, habe amerikanische Geschäftsleute und Farmer
immer irritiert, die sich über unfaire Wettbewerbsvorteile für die subventionierten Waren beklagten.

Der Subventionskodex wird auch die Disziplin bei der Gewährung von Binnenhandel ssubventionen erhöhen und gibt den Ländern Regeln an die Hand, Gegenmaßnahmen gegen subventionierte Erzeugnisse zu ergreifen, die ihren eigenen
Handel negativ beeinflussen.

Man kann nach Ansicht des amerikanischen Handelsbevollmächtigten die
Handelsverhandlungen insgesamt als einen Erfolg bezeichnen, jedoch gäbe es
noch wichtige Abkommen, die noch nicht vollendet seien.

Dazu gehöre der

problematische Kodex für Sicherheitsbestimmungen, mit deren Hilfe ein Land
den Zustrom ausländischer Importe, die der einheimischen Wirtschaft zu schaden drohen, abbremsen kann.
"Das
- 3 -

�"Das ist ein entscheidend wichtiges Übereinkommen", so erklärte Feketekuty,
"denn alles, was bisher ausgehandelt wurde, ist bedeutungslos, wenn die Länder
sich nicht an ein vereinbartes Verfahren halten, in dessen Rahmen sie die
Regeln in einer Notsituation außer acht lassen können.

Und derzeit besteht

ein völliges Patt zwischen den verschiedenen Gruppen bezüglich des Kodex über
Sicherheitsbestimmungen und wir müssen uns rasch bemühen, diesen toten Punkt
zu überwinden oder einen anderen Weg suchen."
Der amerikanische Handelsbevollmächtigte sieht den toten Punkt hauptsächlich in der Anwendung sogenannter selektiver Importmaßnahmen.

Nach den be-

stehenden Regeln des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) sind hohe
Zölle oder Importquoten erlaubt, aber sie müssen auf alle Länder angewandt
werden, die das bestimmte Erzeugnis liefern, statt nur auf das Land, das den
Markt überschwemmt.
"Eine Reihe von Ländern, vor allem die Europäische Gemeinschaft und
skandinavische Länder haben argumentiert, es bringe eine unnötige Verzerrung,
wenn man beispielsweise alle Schuhimporte kontrollieren wolle, wenn das Problem nur in den Importen aus ein oder zwei Ländern bestehe", so führte
Feketekuty aus.

"Sie vertreten ferner die Auffassung, daß selektive Maßnahmen

gegen Importe weniger internationalen politischen Widerstand hervorriefen."
Die europäischen Länder, so fuhr er fort, beschwerten sich darüber, daß
die Vereinigten Staaten die Nichtdiskriminierungsregeln mit Hilfe des Abkommens über geordnete Märkte umgehen könnten, durch das ein exportierendes Land
zu freiwilligen Einschränkungen der Exporte eines bestimmten Produkts veranlaßt werden kann. Die Vereinigten Staaten seien dazu leichter in der Lage,
so behaupteten die Europäer, weil den USA stärkere Hebel, wie etwa die Auslandshilfe, zur Verfügung stünden, um Druck auszuüben.
"Natürlich sind die Entwicklungsländer und die Japaner sehr gegen ein
Verfahren der selektiven Anwendung der Sicherheitsbestimmungen, da sie bei
der Anwendung dieser Bestimmungen eine Diskriminierung befürchten", so führte

- 4 -

�führte Feketekuty aus, "und sich als künftige Opfer sehen.

Auch die Vereinig-

ten Staaten zögern etwas, hier mitzumachen, da wir glauben, daß dies das gesamte Prinzip der Meistbegünstigung untergraben könnte, das während der letzten 40 Jahre das Kernstück der amerikanischen Handelspolitik darstellte."

Wie Feketekuty betonte, würden die Vereinigten Staaten die Verhandlungen
jedoch nicht wegen dieses Punktes scheitern lassen.

Man rechne damit, daß

das neue Abkommen ein gewisses Maß an selektiven Maßnahmen zulassen werde..
Der tote Punkt sei im wesentlichen zwischen den Europäern auf der einen und
den Asiaten auf der anderen Seite entstanden.

Zu anderen Verhaltensregeln, über die noch verhandelt werden muß, gehören ein Rahmenabkommen für den Agrarhandel und ein Abkommen über den Schutz
von Warenzeichen.

Das Hauptziel des Landwirtschaftsabkommens besteht darin, einen Rahmen
für Gespräche und eine erhöhte Zusammenarbeit im Rahmen des GATT zu schaffen,
um Konflikte über Agrarhandelspolitiken zu vermeiden.

Obwohl das Abkommen

in großen Zügen ausgearbeitet ist, gibt es noch wichtige Details, über die
man sich einigen muß.

Das Abkommen über den Schutz von Warenzeichen, das im wesentlichen
Warenzeichen und Handelsbezeichnungen schützen soll, steht kurz vor dem Abschluß und es müssen noch einige technische Details geklärt werden.

Mit der Verabschiedung des 1979er Gesetzes über die Handelsabkommen
hat der amerikanische Kongreß die notwendigen gesetzgeberischen Grundlagen
für die Verwirklichung der Zoll Senkungen, die Einführung neuer Regeln für
nichttarifäre Senkungen und neue Regeln für nichttarifäre Handelsschranken
geschaffen, wie sie bei den Multilateralen Handelsverhandlungen (MTN) vereinbart wurden.

Andere Länder müssen jetzt ebenfalls die gesetzlichen Maßnahmen

zur Verwirklichung dieser Beschlüsse treffen.

- 5-

Man rechnet damit, daß der

�der Rat der Europäischen Gemeinschaft in Kürze über das Paket abstimmen
wird.

Viele der Abkommen sollen am 1. Januar 1980 in Kraft treten, die üb-

rigen spätestens bis 1981.

- 6 -

�</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

40

17. Oktober 1979
I N H A L T

DOKUMENTATION
Pressekonferenz Präsident Carters am 9. Oktober 1979
- Auszüge zu Kuba - Verteidigung - Inflation - Kambodscha
Ansprache von Vizepräsident Mondale vor der ATA
- Angebot Breschnews muß im Zusammenhang gesehen werden •
Die NATO im vierten Jahrzehnt:

Verteidigung und Entspannung

- Ansprache Brzezinskis auf der Jahrestagung der ATA in Washington

WIRTSCHAFT
US-Zentral bankrat verschärft Kampf gegen die Inflation
- Bekanntmachung des Federal Reserve Board vom 6. Oktober 1979

HINTERGRUNDMATERIAL
SALT II und die NATO-Verbündeten
- Senator Joseph Biden legt Bericht vor 25 Jahre intensive Forschung in der Antarktis
- US-Wissenschaftler starten zur neuen Saison

Um Über/endung von
Belegexemplaren wirö
gebeten

Postfach 20 03 0 0

Tel: 02221-89 3240

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

40

17. Oktober 1979

PRESSEKONFERENZ PRÄSIDENT CARTERS AM 9. OKTOBER 1979
Auszüge zu Kuba - Verteidigung - Inflation - Kambodscha

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat auf einer Pressekonferenz am 9. Oktober
1979 Fragen bezüglich der sowjetischen Truppen
auf Kuba und der Verteiaigung - im Zusammenhang mit dem jüngsten Angebot
Breschnews - sowie zur Inflationsbekämpfung und der Hilfe für Kambodscha
beantwortet. Einen großen Raum nahmen verständlicherweise innenpolitische
Fragen ein. Carter unterstrich in diesem Zusammenhang, daß er es nicht
für gut für die Vereinigten Staaten halte, wenn bereits jetzt über mögliche
Präsidentschaftskandidaten gesprochen und praktisch mit dem Wahlkampf
begonnen werde. Er halte an seinem Entschluß fest, seine Entscheidung
darüber, ob er im kommendan Jahr kandidieren werde, am 4. Dezember bekanntzugeben. Das sei noch früh genug.
Die Fragen und Antworten zu den genannten außenpolitischen Themen
haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�FRAGE:

Herr Präsident, glauben Sie, daß Sie das Problem der

sowjetischen Brigade auf Kuba entschärft und jene, die einen höheren
Verteidigungshaushalt wollen, soweit zufriedengestellt haben, daß die
Ratifizierung des SALT-Vertrages noch in diesem Jahr erreicht wird und
wenn ja wie?
ANTWORT:

Ich bin überzeugt, daß SALT noch in diesem Jahr hauptsächlich

um seiner eigenen Meriten willen ratifiziert wird.

Für mich liegt auf

der Hand, daß der SALT-Vertrag im besten Interesse unseres Landes liegt.
Er stärkt die Sicherheit der Vereinigten Staaten, er trägt zum Weltfrieden
bei, er wird unsere Bündnisse stärken und er wird uns unseren Platz als
führende Macht der westlichen Welt erhalten.

Und er wird es uns schließlich

erleichtern, die Ausbreitung nuklearer Sprengköpfe über die ganze Welt unter
Kontrolle zu bringen.
Nach meiner Auffassung haben wir die Frage der sowjetischen Kampfeinheit auf Kuba ausreichend beantwortet. Ich meine, wir haben jede Bedrohung durch diese Einheit isoliert. Wir werden unsere Überwachung dort
verstärken und ich glaube, daß dies eine wichtige Frage war, mit der wir
uns befassen mußten.
Ich glaube, wir haben diese Frage angemessen beantwortet.
Was den Verteidigungshaushalt angeht, so muß darüber noch entschieden
werden. Ich habe mich zu einer realen Steigerung unserer Verteidigung um
drei Prozent verpflichtet. Ich habe diese Position während der letzten
drei Jahre aufrechterhalten. Sie ist für uns, für unsere Verbündeten
und für die Stärke Amerikas wichtig. Wenn ich eine Notwendigkeit für
erhöhte Verteidigungsprogramme sehen sollte, so würde ich nicht zögern,
sie dem Kongreß zu empfehlen.
FRAGE: Herr Präsident, was ist Ihre Reaktion auf die Erklärung Dr.
Kissingers, daß die sowjetischen Truppen auf Kuba die erste organisierte
- 2 -

�organisierte Streitmacht in dieser Hemisphäre seit der Monroe-Doktrin
seien, die wir akzeptiert haben und, Herr Präsident, sind Sie der Auffassung,
daß die sowjetischen Truppen auf Kuba den wachsenden Expansionsdrang der
Russen, der Sowjetunion symbolisieren?
ANTWORT: Die Truppen auf Kuba sind schon seit langer Zeit dort. Ich
habe die Rede Kissingers nicht gelesen. Ich habe Zeitungsberichte darüber
gelesen. Seine wesentlichen Vorstellungen sind mit meinen eigenen vereinbar, daß die Anwesenheit einer sowjetischen Kampfeinheit auf Kuba eine
ernste Angelegenheit ist, auf die wir, wie ich meine, so gut wir konnten,
reagiert haben.
Zweitens, ist dies nicht die wichtigste Frage; vielmehr ist es wichtig,
dies zu erkennen und alles in unserer Macht stehende zu tun, um kubanische
Interventionen oder Abenteuer in der ganzen Welt einzudämmen. Wie Sie
wissen, begann dies alles im wesentlichen mit der Verlegung eines Truppenkörpers von über 10 000 Mann aus Kuba nach Angola im Jahre 1975, also noch
bevor ich Präsident war.
Wir betrachten dies als eine wesentliche Bedrohung.

Ich habe keinerlei

Berichte gelesen, daß Kissinger andere Schritte empfohlen hätte als diejenigen,
die ich am 1. Oktober der Nation dargelegt habe. Wir haben also ein
gemeinsames Anliegen.
war.

Ich glaube, daß unsere Antwort maßvoll und angemessen

Ich bin keineswegs dafür, daß die Sowjets ihren Einfluß auf die

Kubaner oder auf sonst jemand in der Welt ausweiten.
Das ist immer Teil der Geschichte der Sowjetunion gewesen.

Wir haben

immer versucht, ihnen zu begegnen und nach meiner Meinung in ausreichender
Weise auf friedlicher Basis mit ihnen zu wetteifern.

Und wenn wir nach

meiner Ansicht die Militärausgaben kontrollieren können, und Gleichheit
und Rüstungskontrolle erreichen, dann können wir uns mit den Sowjets auf
friedlicher Basis mit ausgezeichneten Aussichten auf einen Sieg messen.

Die
- 3 -

�Die Sowjets stellen ein&lt; totalitäres Land dar.
der Freiheit und der Demokratie verpflichtet.

Wir sind dem Frieden,

Die Sowjets unterdrücken

die Rechte des einzelnen Menschen um der Rechte des Staates willen.
tun genau das Gegenteil.

Wir

Die Sowjets sind eine atheistische Nation.

haben tiefe und grundlegende religiöse Glaubensüberzeugungen.

Wir

Die Sowjets

legen den Hauptnachdruck auf die militärischen Aspekte ihrer Wirtschaft.
Unsere Wirtschaft ist in viel größerem Maße darauf ausgerichtet, die Vorteile
wirtschaftlichen Wachstums dem einzelnen zugute kommen zu lassen.

Ich

glaube, daß'uns außerdem unser Bemühen, die Einhaltung der Menschenrechte
zu verbessern, nationale Hoffnungen und Wünsche zu respektieren und nicht
in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzugreifen, einen zusätzlichen
Vorteil bei einem friedlichen Wettstreit mit den Sowjets gibt.

Ich habe

daher keinerlei Befürchtungen oder Ängste bezüglich eines intensiven
Wettstreits mit den Sowjets auf friedlicher Basis.
Offensichtlich will ich das gleiche, das Präsident Breschnew will:
nämlich die Vermeidung eines Atomkrieges. Wir haben manches gemeinsam, so
die Verhütung eines Krieges und wir haben anderes gemeinsam, nämlich den
Willen zum Wettstreit. Wir sind den Sowjets gegenüber in vielen Dingen
im Vorteil und ich hoffe, daß wir das in Zukunft ebenso ausnützen wie in
der Vergangenheit.
FRAGE: Herr Präsident, in Ihrer Rede zu Kuba dieser Tage sprachen
Sie davon, daß Sie die Kapazität unserer EingreifStreitkräfte erhöhen
wollen. Könnten Sie mir vielleicht sagen, unter welchen Umständen Sie
bereit wären, im Nahen Osten militärisch zu intervenieren?
ANTWORT: Ich sehe derzeit keinen Anlaß für eine militärische Intervention unsererseits irgendwo in der Welt. Das wäre ein Entschluß, den
ich nur treffen würde, wenn nach meiner Auffassung die Sicherheit unseres
Landes direkt bedroht wäre.
FRAGE:

�FRAGE:

Herr Präsident, um auf Ihre Äußerungen bezüglich des Wett-

streits mit der Sowjetunion hinsichtlich der Rüstungen zurückzukommen,
würden Sie die Dislozierung der Pershing-Rakete durch die NATO als Gegengewicht zu der SS-20 befürworten, und wenn ich noch eine weitere Frage
hinzufügen darf, haben Sie irgendeine Reaktion auf Präsident Breschnews
bedingtes Angebot über Rüstungsreduzierung in Mitteleuropa?
ANTWORT: Unsere Verbündeten und wir prüfen sorgfältig die Bedeutung
der Erklärung von Präsident Breschnew. Ich möchte jedoch darauf hinweisen,
daß das, was er in Wirklichkeit anbietet, die Fortsetzung ihrer eigenen
Modernisierungsrate ist, so wie sie bisher war, vorausgesetzt, wir modernisieren überhaupt nicht.
Die Sowjets haben eine natürliche Verringerung der Startanlagen in
den letzten Jahren gehabt. Sie haben die alten SS-4 und SS-5 durch die
SS-20 ersetzt, zwar nicht auf der Basis eins zu eins, aber die SS-20
hat drei Gefechtsköpfe und die alten Raketen hatten nur einen Gefechtskopf. Die SS-20 hat eine viel größere Reichweite. Sie kann die Länder
unserer westlichen Verbündeten als Ziel erreichen, selbst wenn sie im
zentralen Gebiet Rußlands stationiert ist.
Sie ist drei bis sechsmal treffsicherer als die alten Raketen, an
deren Stelle sie trat, und darüber hinaus ist sie beweglich, d.h. sie kann
nicht genau geortet und mit einem Präventivschlag vernichtet werden, wenn
das der Wunsch seitens der Verbündeten werden sollte.
Die Sowjets haben ferner ältere Flugzeuge durch den Backfire-Bomber
ersetzt. Es handelt sich also um einen nicht ganz so konstruktiven Vorschlag wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Ich glaube, es handelt
sich um eine Bemühung, die Bereitschaft oder den Willen unserer Verbündeten
zu schwächen, sich selbst ausreichend zu verteidigen.
Nach

�Nach meiner Beurteilung sollte die Entscheidung getroffen werden, die
militärische Stärke der westlichen Verbündeten zu modernisieren und dann mit
der vollen Verpflichtung und Entschlossenheit zu verhandeln, die Rüstungen
auf beiden Seiten, beim Warschauer Pakt und den NATO-Ländern abzubauen, so daß
wir Gleichwertigkeit der militärischen Stärke, Gleichheit der militärischen
Stärke erhalten und einen niedrigeren Gesamtstand der Rüstungen haben.

Das

ist das, was wir zu erreichen hoffen.
Ich darf darauf hinweisen, daß Bundeskanzler Schmidt, ich glaube gestern,
oder am Tag zuvor, erklärt hat, daß eine Voraussetzung für eine Entscheidung
unserer NATO-Verbündeten ist, daß wir diese Schritte ergreifen, die er als
lebenswichtig für die Sicherheit der NATO hält, nämlich die Verabschiedung
von SALT II.
Wenn wir also bei der Kontrolle der bestehenden strategischen Atomwaffen
der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten durch SALT II erfolgreich sein
können, dann werden wir den nächsten Schritt tun, um die Nuklearwaffen abzubauen, die keine internationale Reichweite haben.

Und damit zusammen werden

wir weiterhin unsere Anstrengung um eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der konventionellen Rüstungen fortsetzen.
Es handelt sich um einen interessanten Vorschlag und es handelt sich um
einen Vorschlag, der aussichtsreich sein könnte. Wir prüfen ihn sorgfältig,
aber es ist kein so großer Schritt wie man auf den ersten Blick meinen möchte.

Kambodscha
FRAGE: Herr Präsident, nach allen Berichten scheint es so zu sein, daß
in den kommenden Monaten eine Million oder mehr Menschen in Kambodscha des
Hungers sterben könnten. Ich weiß, daß Sie darüber gestern mit dem Papst gesprochen haben. Was kann unsere Regierung zusammen mit anderen Gruppen tun?
ANTWORT:

�ANTWORT: Wir sind für die Gewährung humanitärer Hilfe eingetreten,
besonders für Nahrungsmittel für die Bevölkerung von Kambodscha, von denen
Hunderttausende, vielleicht Millionen Hunger leiden. Wir versuchen, mit den
unsicheren Führern dieses Landes zusammenzuarbeiten - unsicher, weil das Land
kriegerisch umstritten ist -, um einen Mechanismus zu finden, so daß vor allem
durch die Vereinten Nationen, das Rote Kreuz und UNICEF Lebensmittel zu diesen Menschen gebracht werden könnten, die innerhalb Kambodschas leben.
Hier besteht ferner ein rechtliches Problem bezüglich der Mittel für
Flüchtlinge, denn es ist rechtlich noch nicht festgelegt, ob eine Person, die
das Land nicht verlassen hat, trotzdem als Flüchtling bezeichnet werden kann.
Die Tatsache, daß das Land durch einen Krieg gespalten ist, bedeutet eine
Komplikation. Wir sind jedoch bereit und willens, zusammen mit anderen Ländern
humanitäre Hilfe für all die Menschen in Kambodscha zu leisten, die Hunger
leiden und wir werden hier ohne weitere Verzögerung zu Werke gehen, sobald es
möglich ist, sich anderen Ländern diesen Bemühungen anzuschließen,

Inflationsbekämpfung
FRAGE: Herr Präsident. Sind Sie bereit, an Ihrer Politik des knappen
Geldes festzuhalten, selbst wenn Ihnen das politisch bei den Vorwahlen schaden könnte?
ANTWORT: Jawohl. Es liegt auf der Hand, daß unsere Regierung aus drei
Einheiten besteht, die entweder durch die Verfassung oder das Gesetz säuberlich
getrennt und unabhängig gemacht worden sind. Eines dieser Elemente ist der
Federal Reserve Board (Präsidium der Bundesbank)»das auf verschiedene Weise
das Recht hat, die Geldversorgung durch Veränderung der Zinssätze und der Geldreserven, die von Banken gehalten werden müssen und nicht ausgeliehen werden
können, usw. festzulegen.
Der Kongreß hat die letzte Entscheidung über die Besteuerung und der Präsident hat die Hauptverantwortung dafür, den Haushalt auszuarbeiten und dem
- 7 -

�dem Kongreß zu unterbreiten.
Nach meiner Auffassung besteht kein Zweifel - und dies ist durch meine
langen Gespräche während der letzten Wochen mit den Gewerkschaften, durch
ein Abkommen mit den Gewerkschaften erhärtet worden -, daß ich und die Gewerkschaften und die Unternehmer und alle Interessierten, einschließlich des
Kongresses darin übereinstimmen, daß die Bedrohung Nummer eins unserer Volkswirtschaft die Inflation ist und ich habe die Absicht, als höchste Priorität
beizubehalten, gegen die Inflation zu arbeiten.
Was immer man also tun muß, um die Inflation in den Griff zu bekommen,
ich werde es tun. Ich bin mir darüber im klaren, daß die Auswirkungen der
Inflation sehr viel schwerer auf jenen lasten, die am wenigsten in der Lage
sind, sich die Grundansprüche des Lebens zu leisten. Und ich bin mir auch
darüber im klaren, daß es einige Elemente der Inflation gibt, die sich unserer Kontrolle entziehen. Der Preis für Energie, der der Welt in den letzten
zehn Monaten von der OPEC aufgebürdet wurde, hat eine Steigerung um 60 Prozent erfahren. Hätte es die Erhöhungen des Energiepreises beispielsweise nicht
gegeben, dann wäre die Inflationsrate während dieses Sommers die gleiche gewesen, wie 1978 und 1977. Ich kann also die Energiepreise, die der Welt durch
die OPEC aufgebürdet werden, nicht kontrollieren. Aber wir werden weiterhin
mit höchstem Vorrang gegen die Inflation kämpfen.
FRAGE: Herr Präsident, um auf die Politik des knappen Geldes der Bundesbank zurückzukommen: die von dem westdeutschen Finanzminister Emminger (gemeint ist offensichtlich der Bundesbankpräsident, Anm. der Redaktion) genannten
Zahlen und die des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Lyndon Larouche
haben letzteren zu der Behauptung veranlaßt, daß diese rasch zu dem Zusammenbruch von 1979 führen würden. Werden Sie etwas tun, um den Dollar und die
Wirtschaft zu stabilisieren, indem Sie bei Ihren Schritten zur Demonetisierung
des Goldes mit Europa zusammenarbeiten, wie Larouche und andere das vorgeschlagen haben?
ANTWORT:
- 8 -

�ANTWORT: Das ist in Aussicht genommen, aber sicherlich nicht mehr dieses
Jahr. Wir arbeiten mit unseren Verbündeten und Freunden und Handelspartnern
zusammen, um das weltweite Währungssystem zu stabilisieren, einschließlich
gelegentlich des Verhältnisses zwischen Währungen eines Landes und eines anderen Landes und gelegentlich der Grundmetalle. Ich sehe keine Bedrohung
des Wohlergehens irgend eines Amerikaners aufgrund eines raschen Ansteigens
des Goldpreises, ausgenommen für jene, die früh verkauft und spät gekauft haben. Aber was den Durchschnittsbürger angeht, so hat der Goldpreis, ob er
bei 200 Dollar pro Unze oder 400 Dollar pro Unze liegt, sehr wenig Bedeutung.
Vor kurzem hat der Federal Reserve Board beschlossen, die Zinssätze zu
erhöhen und andere Schritte bezüglich der Geldreserve zu ergreifen, die von
Banken gehalten werden müssen. Das hat zu einer Stärkung des Dollars geführt,
der bereits angefangen hatte, sich zu stärken und er bewegt sich nach meiner
Auffassung durchaus innerhalb kontrollierbarer Grenzen, er ist stabil. Ich
habe eine Analyse gelesen, die zeigte, daß innerhalb des letzten Jahres der
Preis des Dollars, der Wert des Dollar, im Vergleich zu den Währungen all
unserer Handelspartner wesentlich gestiegen ist. Unter den OPEC-Ländern und
ihren Handelspartnern ist der Wert des Dollar noch bevor wir diesen kürzlichen Schritt getan haben, im letzten Jahr um acht Prozent gestiegen.
Der Dollar also ist nach! meiner Oberzeugung stabil und die Weltwirtschaft
ist nach meiner Meinung stabil und ich sehe keine Notwendigkeit, zu einem starren Goldpreis und einem Goldstandard überzugehen .
FRAGE: Herr Präsident, die Großhandelspreise steigen weiter, was darauf hindeutet, daß eine weitere Inflation auf der Ebene der Einzelhandelspreise für den Rest dieses Jahres und darüber hinaus eintreten wird. Die
meisten der Voraussagen, die Sie und Ihre Wirtschaftsberater bezüglich der
Wirtschaft gemacht haben, haben sich als eher zu niedrig erwiesen und müssen
von allem hinsichtlich der Inflation ständig nach oben revidiert werden. Glauben Sie nicht, daß es an der Zeit ist, für eine Art Neubewertung Ihrer wirtschaftlichen Programme und Politiken? Werden Sie weiterhin einfach den gleichen Kurs verfolgen oder glauben Sie, daß eine gewisse Überprüfung Ihrer

�Ihrer Politik angebracht ist?
ANTWORT:

Ich meine, daß das Programm bisher gut durchdacht war und sehr

gute Ergebnisse gezeitigt hat. Wir sind alle von der Inflationsrate überrascht, die, wie ich bereits sagte, hauptsächlich durch die jährliche Steigerungsrate der Energiepreise während der letzten Monate von über 100 Prozent
auf das Jahr umgerechnet, herbeigeführt wurde.
Man könnte auch, wie ich bereits erwähnt habe, wenn man diese Steigerungen
der Energiepreise außer Acht lassen könnte, sagen, daß die Inflationsrate in
diesem Jahr die gleiche wäre wie in den beiden vorangegangenen Jahren.
Wir haben das Haushaltsdefizit um 36 Milliarden Dollar gesenkt, seit ich
mein Amt angetreten habe.

Wir haben die Gesamtzahl der Bediensteten der Bun-

desregierung verringert.

Wir haben den Prozentsatz des Bruttosozialprodukts,

der von der Regierung ausgegeben wird, um volle zwei Prozent von 23,5 Prozent
auf 21,5 Prozent gesenkt.

Wir haben den Papierkrieg um 15 Prozent verringert.

Wir haben nachhaltig damit begonnen, Preisverordnungen aufzuheben. Das
heißt, wir haben damit begonnen, die Nase der Regierung aus dem Sektor der
Privatunternehmen und dem Privatleben der Menschen herauszunehmen. Wir haben
eine nachhaltige Anstrengung unternommen, ungerechtfertigte Ausgaben abzustellen und wir haben, wenn es notwendig war, Schritte unternommen, um den
Wert des Dollar zu stabilisieren. Wir haben ferner den Kongreß zum ersten Mal
ein Mittel vorgeschlagen, durch das die inflationäre Auswirkung des Imports
von 50 Prozent unseres Erdöls verringert werden könnte. Das ist ein langer,
langsamer und mühsamer Prozeß gewesen, aber ich glaube, wenn der Kongreß
seine Arbeit am Energiepaket in diesem Jahr abschließt, wird dies den einen
wichtigen Faktor beseitigen, der eine überhöhte Inflation verursacht hat.
Ich habe nicht die Absicht, unsere grundlegende Politik zu ändern und ich
bin der Überzeugung, daß wir vielleicht unzureichend beurteilte Ergebnisse
sogar von den Lohn-Preis-Richtlinien erhalten haben.

S£

- 10 -

�So sind die Lohnerhöhungen beispielsweise in diesem Jahr, während der
ersten neun Monate dieses Jahres, niedriger gewesen als 1978. Wir hatten über
eine Million organisierter Arbeiter, die Kontrakte innerhalb der Lohn-PreisRichtlinien unterzeichnet haben.
sam erwiesen.

Und die Preisnormen haben sich als sehr wirk-

So hat sich der Preis der Güter, die unter Preisnormen fallen,

beispielsweise nur halb so stark erhöht wie jene Güter, die nicht kontrolliert
werden können, wie beispielsweise das OPEC-Öl.

Ich meine also, daß im allge-

meinen unsere Politik zureichend und gut ist und ich habe die Absicht, sie
fortzusetzen.

- 11 -

�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

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17. Oktober 1979

ANSPRACHE VON VIZEPRÄSIDENT MONDALE VOR DER ATA
- Angebot Breschnews muß im Zusammenhang gesehen werden

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter Mondale
nahm am 10. Oktober 1979 im Rahmen einer Ansprache auf der Jahrestagung der
Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (Atlantic Treaty Association
- ATA) auch zu dem Angebot Breschnews einer Truppenverminderung in Ostdeutschland Stellung und betonte, dieses Angebot müsse im Zusammenhang mit der heutigen Gesamtsituation gesehen werden.
Die ATA, in der die privaten Atlantischen Gesellschaften und Organisationen
aus den 15 Mitgliedsländern des Atlantischen Bündnisses zusammengeschlossen
sind, hielt vom 9. bis 13. Oktober ihre Jahrestagung in Washington ab.
Die Rede des amerikanischen Vizepräsidenten auf der ATA-Tagung hat folgenden Wortlaut:
Ich freue mich über die Gelegenheit und die Ehre, vor dieser Vereinigung
zu sprechen, deren Tätigkeit von so ungemein großer Bedeutung und Wirkung seit
ihrer Gründung vor vielen Jahren ist.
Und

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Und ich möchte Ihnen ein Lob aussprechen für die hervorragende Rolle,
die die ATA bei der Unterstützung der NATO spielt.

Heute würde ich gern

die Stärke und die Beständigkeit der amerikanischen Führung im Rahmen dieser
Vertragsorganisation kritisch betrachten und betonen, in welchem Maß SALT II,
über das derzeit im Senat der Vereinigten Staaten entschieden wird, zur Sicherheit des Bündnisses beiträgt.

Sie wissen:

wenn ich im Namen der amerikanischen Verpflichtung gegen-

über der NATO spreche, so spreche ich nicht nur im Namen des Präsidenten der
Vereinigten Staaten, Jimmy Carter, sondern meiner Ansicht nach hat die Geschichte unseres

Landes gezeigt, daß die Verpflichtung unseres Landes der NATO

gegenüber von Anfang an bis zum heutigen Tag ständig eine überparteiliche amerikanische Verpflichtung darstellt - dauerhaft und umfassend hinsichtlich ihrer
öffentlichen Unterstützung.

In der Tat beinhaltete die erste Mission der neuen Regierung im Verlauf
der ersten Stunden nach der Amtseinführung meine Reise in mehrere Länder,
in deren Verlauf mein erster Aufenthalt im NATO-Hauptquartier in Brüssel sofort die Verpflichtung der neuen Administration unterstrich, die intensivste
Beziehung zur NATO und die intensivste Beziehung zwischen den Vertragspartnern
innerhalb der NATO fortzusetzen.

Im Jahr 1977 sandte mich der Präsident im Verlauf dieser ersten Auslandsmission nach Brüssel, um diese Botschaft zu unterstreichen.

In den über 30

Jahren, die seit der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags verstrichen sind,
haben wir mit unseren Verbündeten drei Jahrzehnte der Stärke, des Friedens und
des Erfolgs geteilt, wie es sie noch nie vorher gegeben hat.

Die zwölf Länder, die den Nordatlantikvertrag 1949 unterzeichneten, bestätigten erneut ihren Glauben an den Sinn und die Prinzipien der Charta der
Vereinten Nationen.

Sie betonten ihren Wunsch, mit allen Völkern und allen

Regierungen in Frieden zu leben.

Sie haben sich zur Sicherung der Prinzipien

von Demokratie, Freiheit des Einzelmenschen und Herrschaft des Rechts verpflichtet.
Und
- 2 -

�Und vor allem kamen sie darin 'überein, ihre Fähigkeit zum Widerstand
gegen einen bewaffneten Angriff auszubauen.

Ein Angriff gegen einen - das

war die Ansicht aller - sollte als ein Angriff gegen alle angesehen werden.

Es ist schwer, sich in diesen ruhigeren und wohlhabenderen Zeiten vorzustellen, welch ein ehrgeiziger, ja visionärer Schritt dieser Vertrag war.

Wie

ehrgeizig, optimistisch von Frieden zu sprechen, als die Trümmer des Zweiten
Weltkriegs noch nicht einmal ganz weggeräumt waren, und wie weitsichtig, sich
einer kollektiven Anstrengung zum Widerstand gegen Aggression anzuschließen,
als so viele der Unterzeichnerstaaten einzeln verwundbar waren.

Das NATO-Bündnis hat bemerkenswerte Flexibilität und Beweglichkeit gezeigt.

Es hat immer wiederauftretende Probleme im Innern und Herausforderungen

von außen überwunden.

Es wurde strategischen und doktrinären Änderungen unter-

zogen - von einer Ära der massiven Vergeltung zu einer Ära der flexiblen Antwort.

Es hat beidem standgehalten.

Daß das Bündnis so viele Herausforderungen überlebt hat und trotzdem
gedeiht, bietet den Beweis dafür, daß seine Charta - genau wie unsere eigene
Verfassung - in der Tat ein lebendiges Dokument ist, weit genug, universell
genug und erprobt genug, um als eine Grundlage für die Zukunft zu dienen.

Aber heute dürfen wir als Verbündete nicht selbstgefällig werden.

Wenn sich die Herausforderung, vor der das Bündnis steht, in den letzten
Jahren geändert hat, so hat sie sich um nichts verringert.

Wenn die Bedrohung

des Bündnisses in mancher Hinsicht subtiler geworden ist, ist sie dennoch
schrecklich.

Und wenn die Sowjetunion sich mehr der Zusammenarbeit mit dem

Westen öffnet5als dies 1949 der Fall war, so bleiben die schwerwiegenden Meinungsverschiedenheiten und der starke Wettbewerb zwischen Ost und West weiterhin bestehen.

Ich brauche vor dieser Zuhörerschaft nicht die lange Geschichte des

- 3 -

�des militärischen Aufbaus der Streitkräfte des Warschauer Paktes durch die
Sowjets zu beschreiben.
berufliche

Für viele von uns ist diese Geschichte eine tägliche

Herausforderung gewesen.

Es ist eine Herausforderung, der sich Präsident Carter von Beginn seiner
Amtstätigkeit an gestellt hat: durch die Gestaltung der amerikanischen Verteidigungsstreitkräfte und durch seine Entscheidung, die Ausgaben für Verteidigung um jährlich real drei Prozent anzuheben.

Aber hierbei handelt es sich

nicht um eine Anstrengung, die wir allein tragen; jeder unserer Verbündeten
muß dazu beitragen, wenn wir zusammen Vorteil daraus ziehen wollen.
Wie Sie wissen, hat der Präsident dem Kongreß eine Forderung nach Aufstockung des Haushalts für das Haushaltsjahr 1980 um 2,7 Milliarden Dollar
vorgelegt, damit wir trotz der erhöhten Inflation, die uns alle beunruhigt,
die Verpflichtung erfüllen können, die wir der NATO gegenüber in aller Ernsthaftigkeit eingegangen sind.
Erkennbare Stärke dient als Abschreckung vor einem Krieg. Mit unseren
Verbündeten zusammen haben wir den Prozeß der Modernisierung unserer Verteidigungen für die kommenden Jahrzehnte begonnen, um der massiven Aufrüstung der
Sowjetunion und des Ostens zu begegnen.
Wie Sie wissen, hat Präsident Breschnew gerade vor einer Woche in OstBerlin den einseitigen Abzug einer bestimmten Anzahl sowjetischer Truppen und
Panzer sowie von anderem militärischem Gerät aus Osteuropa angeboten. Wir
würden eine solche Verringerung begrüßen, aber es ist absolut notwendig, daß
sie im richtigen Zusammenhang gesehen wird,und zu diesem Zusammenhang gehören
folgende Faktoren:
Erstens übertreffen die sowjetischen Streitkräfte in Europa heute diejenigen des NATO-Bündnisses zahlenmäßig bei weitem. Daher erhöhten wir, wie
ich das im Namen des Präsidenten vor der UN-Sondersitzung über Abrüstung unmittelbar vor Beginn des NATO-Gipfeltreffens 1978 in Washington begründet habe
- 4 -

�habe, in der NATO unsere Verteidigungshaushalte - nicht weil wir gerne wollten, sondern aus der Notwendigkeit heraus, einer Notwendigkeit, die uns zum
Beispiel bei in Europa stationierten Panzern durch das Verhältnis von 3 : 1
zugunsten des Warschauer Pakts aufgenötigt wurde.

Zweitens wurden die sowjetischen Kernwaffen in und für Europa aufgestockt.
Der Backfire-Bomber und jetzt auch ihre neue SS-20, eine ballistische, mobile
Mittelstreckenrakete, erhöht die sowjetische Militärkapazität beträchtlich nicht nur in Europa, sondern auch in Asien, Afrika und im Nahen Osten.

Und drtttens liegt es offensichtlich im sowjetischen Interesse, die NATO
von der entscheidenden Modernisierung der konventionellen und der nuklearen
Waffen in und für Europa abzuhalten.

Während wir die Ankündigung von Präsident Breschnew sorgfältig und in
positiver Einstellung prüfen, müssen wir uns zugleich daran erinnern, daß der
vom NATO-Bündnis im Lauf der letzten 20 Jahre geübten Zurückhaltung bei den
Nuklearstreitkräften in und für Europa (TNF) nicht durch eine entsprechende
Zurückhaltung auf Seiten der Sowjets begegnet wurde.

Aus eben diesem Grund

ist die Arbeit der NATO-Gruppen über die TNF-Modernisierung und die TNFRüstungskontrolle von so entscheidender Bedeutung, ebenso wie die Entscheidung,
die wir als Führungsmacht des Bündnisses in diesem Jahr hinsichtlich der modernisierten TNF treffen müssen, die in der Lage sind, den realen und existierenden sowjetischen TNF zu widerstehen, die gegen unser Bündnis gerichtet sind.

Während die Abschreckung auf TNF-Niveau für alle von uns von großem Belang ist, steht der Wettbewerb zwischen Ost und West auf dem Niveau der strategischen Kernwaffen für unsere Verteidigung und unser Überleben im Mittelpunkt.

Wie wir diesen Wettstreit in den Griff bekommen:

Dies betrifft höchst

unmittelbar das Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau und eines jeden
Kindes überall im Bündnis, ja sogar in der ganzen Welt.

Diese Woche tritt, wie Sie sicher wissen, der Außenpolitische Ausschuß
des Senats in die letzte

Phase seiner Anhörungen zu SALT II ein.
- 5-

Lassen Sie

�Sie uns im Augenblick, da der Senat sich dieser historischen Entscheidung
nähert, auf den Inhalt der Debatte und der Anörungen vor dem Ausschuß blicken.
Jede einzelne Bestimmung von SALt II wurde innerhalb von tagelangen Anhörungen genauestens geprüft.

Das Abkommen setzte sich gegen jede einzelne

Kritik durch, die dagegen vorgebracht wurde.
fel verifizierbar.
nisses.

Der Vertrag ist ohne jeden Zwei-

Er liegt auch ohne jeden Zweifel im Interesse des Bünd-

Er stärkt unsere Sicherheit und ist ein sinnvoller Schritt in Rich-

tung Abrüstung.
SALT II hat parteipolitischen Angriffen standgehalten.

Es ist eine Tat-

sache, daß der Präsident, als er die Verhandlungen über strategische Waffen
übernahm, viele Bestimmungen eines Vertragsentwurfs mitübernahm, die von seinem Vorgänger ausgehandelt worden waren.

Wir haben nicht nur auf diesem Ent-

wurf aufgebaut, wir haben ihn verbessert, indem wir die Bandbreite des Abkommens ausweiteten, die quantitativen und qualitativen Beschränkungen stark
verbesserten und den Grundstein zur Aushandlung weiterer Beschränkungen zugunsten unseres nationalen Interesses im Rahmen von SALT II legten.
SALT II hat auch den entschlossenen Anstrengungen widerstanden, das
Abkommen mit anderen Themen zu verbinden oder es als Faustpfand für Probleme
zu verwenden, die von der Höhe der Verteidigungsausgaben bis zur sowjetischen
Präsenz auf Kuba reichten; Themen also, die zwar in sich wichtig sind, aber
die man nicht mit dem anstehenden SALT-Vertrag verknüpfen darf.
Für die Verteidigungsexperten in dieser Versammlung brauche ich nicht
im einzelnen auf den positiven Trend beim amerikanischen Verteidigungshaushalt
seit 1977 einzugehen.
Trend fortzusetzen.
seren Verbündeten

Es bedarf keiner Verknüpfung zu SALT II, um diesen

Tatsache ist, daß der Präsident in Zusammenarbeit mit undie Militärausgaben um jährlich real drei Prozent angeho-

ben hat und eine Umkehr des Rückgangs bewirkt hat, der seit mehreren Jahren
anhielt.

Wir werden dieses Wachstum fortführen und noch mehr fordern, falls

unsere Verteidigungserfordernisse dies notwendig machen.
Um
- 6 -

�Um mit der sowjetischen Präsenz auf Kuba fertigzuwerden, haben wir eine
Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die sowjetische Rolle zu neutralisieren,
einschließlich erhöhter amerikanischer Überwachung und militärischer Präsenz
in der Karibik.

Wir werden sicherstellen, daß die Sowjets auf Kuba keine Be-

drohung der Vereinigten Staaten oder anderer Länder in diesem Gebiet darstellen.
Als der Präsident diese Maßnahmen vor einer Woche ankündigte, betonte
er - ich zitiere -, daß "die größte Gefahr für die amerikanische Sicherheit...
gewiß nicht die zweiDie größte Gefahr für
meinsamen Anstrengung
durch einen Krieg mit

oder dreitausend sowjetischen Soldaten auf Kuba bilden.
alle Länder der Erde... bildet das Scheitern einer gezur Erhaltung des Friedens und die letztliche Bedrohung
Atomwaffen."

Und schließlich ist SALT II das Kernstück in der vom Bündnis verfolgten
Politik, die sowohl die Verteidigung als auch die Entspannung zum Ziel hat.
Für die Vereinigten Staaten bietet SALT II den Rahmen, um die strategischen
Programme zur Stärkung unserer Sicherheit zu verfolgen und dabei zugleich das
Wettrüsten zu zügeln. In eben dieser Weise gibt SALT dem Bündnis einmal das
Fundament, um zu einem Konsens über das weitere Vorgehen bei der Modernisierung der für die NATO wesentlichen TNF zu gelangen und fordert zum anderen
Rüstungskontroll initiativen, um die sowjetische Bedrohung Europas unter Kontrolle
zu halten.
Wenn daher der Senat für die SALT II-Verträge stimmt - und ich bin überzeugt, daß der Senat den Vertrag ratifizieren wird - dann wird er damit nicht
nur für ein starkes und stabileres Verhältnis zur Sowjetunion stimmen, sondern
auch einen entscheidend wichtigen Anstoß für eine stärkere NATO und zu Anstrengungen für eine' Reduzierung der nuklearen Bedrohung geben, der sich unsere
Verbündeten in der Zukunft gegenübersehen.

Das ist der Grund, warum die Mit-

glieder des Nordatlantischen Bündnisses ohne Ausnahme und mit großer Stärke
für SALT II eingetreten sind.

Das
- 7 -

�Das ist auch der Grund, warum SALT II von so zentraler Bedeutung für die
weitere amerikanische Führungsrolle in diesem großen Bündnis ist.
Vor einiger Zeit, bald nach der Unterzeichnung der SALT II-Abkommen, besuchte ich sieben Einzel Staaten unseres großen Landes, um mit Leuten, die
einen breiten Querschnitt der Bevölkerung unseres Landes repräsentieren, über
SALT zu sprechen.
Ich fand eine überwältigend positive Reaktion.

Das amerikanische Volk

ist sich bewußt, daß die strategische Rüstungsbegrenzung eine Frage von lebenswichtiger Bedeutung für unsere Nation und für die Menschheit ist. Sie wollen,
daß ein jedes Abkommen, das wi r eingehen, fair ist, und sie glauben, daß dieser Vertrag fair ist. Sie wollen einen Vertrag, der unsere Sicherheit schützt
und sie begreifen, daß dieser Vertrag die Sicherheit Amerikas erhöht.

Sie

wollen, daß der Vertrag ratifiziert wird und daß wir in unseren Anstrengungen
zur Verringerung der Gefahr eines nuklearen Kriegs fortfahren.
Sie begreifen, daß SALT unsere Sicherheit nicht untergräbt.

Sie sind sich

darüber im klaren, daß SALT nicht auf blindem Vertrauen, sondern auf Vorsicht
beruht und daß es in angemessener Weise verifiziert werden kann.

Sie glauben

auch, daß wir SALT II brauchen, wenn wir zu SALT III weiterschreiten wollen.
Wenn mir hier eines deutlich wurde, dann die Tatsache, daß das amerikanische Volk ehrlich glaubt - so wie der Präsident und ich es tun - daß das
SALT II-Abkommen in unserem Interesse ist und daß es weitaus besser ist,dieses
Abkommen als gar kein Abkommen zu haben.
Jeder Tag bringt weitere Unterstützung für den Vertrag. Erst in der vorigen Woche erhielt ich einen Brief vom Präsidenten der Nationalen Union der
Farmer, die einen breiten Querschnitt der ländlichen Bevölkerung Amerikas
repräsentiert. In diesem Brief erklärte er - und ich zitiere: "Der gesamte
Vorstand der Union der Farmer ist einstimmig der Meinung, daß die Nation in
der Rüstungskontrolle rasch vorankommen muß. Es wäre tragisch", so heißt es
weiter, "wenn der ganze Prozeß einen Rückschlag durch die Ablehnung des vor- 8 -

�vorliegenden Vertrags erleiden würde.

Daher ist die Billigung des SALT-Ver-

trags noch in dieser Sitzungsperiode von entscheidender Bedeutung, damit die
nächsten Schritte bald in Angriff genommen werden können und hoffentlich zu
einem weiteren Fortschritt für die Menschheit führen."

"Ein Fortschritt für die Menschheit" - das ist es, worum es bei dem
SALT-Prozeß letztlich geht.
Wie Sie alle wissen, konnte Amerika in der vorigen Woche einen ungewöhnlichen Besucher begrüßen.

Zu den fröhlichen Menschenmengen in den Städten

und Landgemeinden, zu den Millionen im ganzen Lande, die ihn auf dem Fernsehschirm sahen, brachte der Heilige Vater eine leuchtende Botschaft an die
Menschheit und an alle Amerikaner, eine Botschaft der Liebe und des Glaubens,
des Optimismus und des Vertrauens und der Gnade.
Diese Botschaft hat tief in uns ruhende Saiten angerührt.
sere besten und edelmütigsten Gefühle frei.
Fenster in unserer Seele.

Sie setzte un-

Sie öffnete der Wahrheit ein

Sie erinnerte uns erneut daran, wofür unsere Zivili-

sation eigentlich steht - und zu wessen Schutz diese Vereinigung hier gegründet wurde und sich in der Geschichte ihres Bestehens so bewährt hat - ;worum
es geht und wofür wir einstehen, das ist der Schutz der und die Liebe zur Demokratie, unser Streben nach sozialer Gerechtigkeit und unsere Hoffnung für
unsere Kinder.

Am Ende sind das auch die Träume, die unser NATO-Bündnis zusammengeführt
haben.

Das ist sein tieferer Sinn.

Ein nuklearer Weltenbrand führt solche Träume ad absurdum.

Heute, mit

der Entscheidung über SALT II, haben wir die einmalige Chance, um einen weiteren Schritt von diesem letztlichen Wahnsinn wegzurücken und einen Schritt
in Richtung auf Sinn und Vernunft hin zu tun - und ich bin überzeugt, wir
werden die richtige Wahl treffen.

Ich danke Ihnen herzlich!

+ + + + +
- 9-

�ITiiwi

11 • 11 "

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Oktober 1979

40

DIE NATO IM VIERTEN JAHRZEHNT: VERTEIDIGUNG UND ENTSPANNUNG
Ansprache Brzezinskis auf der Jahrestagung der ATA in Washington

WASHINGTON - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident Carters,
Zbigniew Brzezinski, hat in einer Ansprache auf der Jahrestagung der
Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (Atlantic Treaty Association ATA) am 10. Oktober 1979 zu aktuellen Fragen des westlichen Bündnisses
Stellung genommen. Die Ausführungen Brzezinskis haben folgenden Wortlaut:

I
Ich begrüße diese Gelegenheit, mit Ihnen hier auf Ihrer 25. Jahrestagung zusammenzukommen und in zwangloser Form Ihnen einige Gedanken zum
Thema der Sicherheit des Westens und der Beziehung zwischen Verteidigung
und Entspannung vorzutragen. In dieser Zeit eines beispiellosen globalen
Wandels ist es ein Erfordernis unserer kollektiven Sicherheit, daß die
Vereinigten Staaten ein globales Machtgleichgewi cht erfolgreich erhalten und
dabei an der Gestaltung eines Rahmens für globalen Wandel mithelfen.
Diese

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Diese beiden unbedingten Gebote - ein Machtgleichgewi cht und ein
Rahmen für den Wandel - sind keine Schlagworte. Jedes stellt einen
schwierigen und lebenswichtigen Prozeß dar, von kritischer Bedeutung
für unsere Sicherheit.

Die Aufrechterhaltung eines Machtgleichgewichts

als solches wäre unzureichend, denn es ließe das dringende Gebot unberücksichtigt, sich darüber bewußt zu sein, daß eine erwachte Weltbevölkerung
auf fundamentalen Veränderungen in den menschlichen Lebensbedingungen beharrt.
Die Gestaltung eines Rahmens für einen globalen Wandel unter Außerachtlassung der Realitäten der Macht aber würde zu einer fundamentalen weltpolitischen Instabilität mit beitragen; sie würde die globale Umgestaltung
aus einem potentiell positiven Prozeß in einen Zustand zunehmender
Aufsplitterung und schließlicher Anarchie umwandeln.
Seit 1945 haben die Vereinigten Staaten die zentrale Rolle bei der
Aufrechterhaltung einer globalen Stabilität gespielt.

Anfänglich

konzentrierten sich unsere Benühungen vor allem auf die Verteidigung Westeuropas.

Heute stellen Westeuropa, der Ferne Osten und der Nahe Osten

drei eng miteinander in Beziehung stehende strategische Zonen von zentraler
Bedeutung für das überleben des Westens als Ganzes und für die globale
wirtschaftliche Stabilität dar.

Das ist eine wichtige strategische

Realität und hat politische wie militärische Auswirkungen.

Die Vereinigten

Staaten müssen mit den Ländern in allen drei Zonen zusammenarbeiten,
um die Unabhängigkeit dieser Regionen zu schützen.
Die Entwicklung kooperativerer Beziehungen zu einer Macht wie China
ist ein anderer wichtiger neuer Faktor in der geopolitischen Gleichung,
der zu größerer globaler Stabilität beiträgt.

Was nun

�II
.. Was nun das strategische nukleare Gleichgewicht anbetrifft, so brachte
die letzten dreißig Jahre eine Verschiebung von der Monopol- und Vormachtstellung der USA zu der weitaus komplexeren Situation der gegenseitig
gesicherten Zerstörung.
Darüber hinaus ergibt sich aus dem gewaltigen Impuls, mit dem die
Sowjets ihre Nuklearmacht ausbauen in der Tat die Möglichkeit, daß die
Sowjetunion vielleicht doch eine wahrhaft nukleare Kriegsführungskapazität
zu erlangen sucht. Dementsprechend müssen wir, wenn wir an die achtziger
Jahre denken, acht haben auf die nuancierte psychologisch-politische
Beziehung zwischen Kapazitäten für eine wirksame Abschreckung und
Kapazitäten für eine Kriegsführung. Und daher müssen wir - um eine
wirksame Abschreckung beizubehalten - unsere eigene Kapazität erhöhen, um
einen Konflikt in Ruhe meistern und eine nukleare Eskalation wirksam
unter Kontrolle halten zu können.
Unsere Aufgeschlossenheit gegenüber der wachsenden Komplexität
der Abschreckung ist aber nur ein Element in dem globalen Machtverhältnis.
Rüstungskontrolle - ein neuer Faktor in der globalen Sicherheit - ist
ebenfalls von Bedeutung. Daher leisten solche Schritte wie SALT I und
SALT II, die auf der Einsicht beruhen, daß Sicherheit nicht nur durch
Waffen allein gewonnen werden kann, einen Beitrag zu größerer Stabilität
und Voraussagbarkeit in der stratetischen Gleichung.

III
Das politische Erwachen der Menschheit und die daraus resultierende
weltweite Umverteilung der Macht ist die alles beherrschende Realität

�Realität unserer Zeit.

Gegen Ende dieses Jahrhunderts werden etwa

vier Fünftel der Menschheit in Asien, Lateinamerika und Afrika leben.
Infolgedessen kann der Westen nicht länger in der Weltpolitik dominieren.
Die einzige Alternative zu dieser dominierenden Stellung ist eine weitere
globale Kooperation, die auf der Anerkennung des grundlegenden Wandels
beruht.

Nur so läßt sich sicherstellen, daß der globale Wandel nicht in

wilder, chaotischer Form erfolgt und in immer stärkerem Maße von unseren
Gegnern ausgenutzt wird.
Es ist daher wichtig, daß die unvermeidlichen Spannungen, die mit
einem fundamentalen sozio-politischen Wandel verbunden sind, nicht von
Großmächten, sei es direkt oder indirekt, ausgenutzt werden. Dem Export
der Revolution durch Stellvertreter oder durch direkte militärische Macht
muß Widerstand geleistet werden, denn andernfalls wird der globale Wandel
zu einer globalen Anarchie werden. Aus diesen Überlegungen heraus ergibt
sich die gebieterische Forderung, daß Selbstbeschränkung und Zurückhaltung
das Leitprinzip für das Verhalten der Großmächte in bezug auf lokale
Konflikte in den weniger stabilen Teilen der Welt sein müssen.
Zu den Hauptelementen unserer Bemühungen um die Förderung einer
wahrhaft globalen Kooperation, durch die eine gerechtere Teilhabe an
der globalen politischen und wirtschaftlichen Macht erzielt werden soll,
zählen dementsprechend:
Erstens, die enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten,
Westeuropa, und Japan;
zweitens, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zu einigen
der regional und international einflußreichen aufstrebenden Länder
der dritten Welt, einschließlich der gemäßigten arabischen Staaten,
deren Einfluß wesentlich ist für die Gestaltung eines wirtschaftlichen
und politisch gemäßigten Nahen Ostens;
drittens

�drittens, stärkere Berücksichtigung der multilateralen und regionalen
Organisationen, wie die UN, die OAU und ASEAN, da sie die hervortretenden neuen Realitäten einer im wahrhafteren Sinne pluralistischen
Welt repräsentieren.

IV
Beim gemeinsamen Abstecken dieses Rahmens, der viele dieser Möglichkeiten umfaßt, behält die Rolle der NATO ihre elementare Bedeutung.

Das

Bündnis, ein Garant grundlegender westlicher Sicherheit, hat für uns im
Zusammenhang mit dem weltweiten strategischen Gleichgewicht eine besondere
Bedeutung.

Lassen Sie mich einige Worte zu einem besonders wichtigen Aspekt

dieses Gleichgewichts sagen.
Beim Eintritt ins vierte Jahrzehnt ihres Bestehens steht die NATO
vor einer Herausforderung und einer Entscheidung wie nie zuvor in ihrer
Vergangenheit. Die Herausforderung kommt von einer entschlossenen,
mächtiger werdenden Sowjetunion. Wir haben jedoch die Wahl, ob wir das
sowjetische Übergewicht ruhig hinnehmen oder es wirkungsvoll verhindern
sollen. Lassen Sie mich über beides reden.
Zunächst die Herausforderung. Es ist eine Tatsache, daß die Sowjetunion ihre militärischen Ausgaben im Verlauf der letzten 15 oder sogar
20 Jahre erhöht hat. Die Ausstrahlung der sowjetischen Macht hat bereits
weltweiten Umfang angenommen. Hand in Hand damit fährt die Sowjetunion
fort, wesentliche Mittel für eine regionale Aufrüstung bereitzustellen.
In keinem Bereich ist diese Aufrüstung deutlicher als bei den sowjetischen
Streitkräften gegenüber Westeuropa. Zu dieser Aufrüstung gehören alle
Aspekte der sowjetischen Militärmacht: konventionelle Streitkräfte,
taktische Kernwaffen längerer und kürzerer Reichweite sowie interkontinentale

�interkontinentale Waffen.
Ein Teil dieser Aufrüstung - die taktischen Nuklearwaffen großer
Reichweite - geben besonders zu denken.

Die SS-20-Raketen stellen gegen-

über den vorausgegangenen Generationen des sowjetischen Raketenarsenals
sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht einen ungeheuren
Fortschritt dar.

Im Vergleich zu den älteren SS-4 und SS-5 ist die SS-20

dreimal so treffsicher wie die eine und sechsmal so treffsicher wie die
andere.

Und während eine frühere Generation gegen die europäischen NATO-

Länder gerichteter Raketen nur einen einzigen Gefechtskopf trug, sind
es bei der SS-20 drei.

Zudem vergrößern die Beweglichkeit der SS-20, ihre

größere Reichweite sowie die Tatsache, daß ihre Abschußanlagen nach einem
ersten Abfeuern rasch wieder nachgeladen werden können, sowohl die
Zerstörungskraft der Waffe als auch ihre Überlebensfähigkeit gegenüber
einem Angriff erheblich.
Zusätzlich zur SS-20 Rakete hat die Sowjetunion einen Bomber mittlerer
Reichweite disloziert - den Backfire Bomber -, dessen Reichweite, die jene
von früheren sowjetischen Flugzeugen weit übersteigt, ihn zum direkten
Angriff auf Westeuropa befähigt.
Wir sind uns im klaren darüber, daß die Sowjets ein umfangreiches
und anhaltendes Programm zur Modernisierung, Ausweitung und Dislozierung
ihrer Nuklearstreitkräfte in und für Europa (TNF) betreiben. Was dies
praktisch bedeutet, kann man einfach und zugleich nüchtern so ausdrücken:
Bei der gegenwärtigen Dislozierungsrate der Sowjets wird ungefähr jeden
zweiten Tag ein neuer SS-20 Gefechtskopf disloziert.
•

Einesoich anhaltende Anstrengung geht weit über das hinaus, was man
mit der Befriedigung vernünftiger Verteidigungsnotwendigkeiten erklären
könnte. Und trotzdem hat die NATO im gleichen Zeitraum tatsächlich nichts
getan, um ihre eigenen weitreichenden Nuklearstreitkräfte in und für

�für Europa (TNF) zu verbessern.
Die Herausforderung, vor der wir nun stehen, ist nicht nur eine
militärische. Meiner Meinung nach haben wir weit mehr von der Möglichkeit
politischer Einschüchterung zu befürchten. Wenn die NATO als unwillig
oder als unfähig zur Beantwortung der Drohungen eines auf europäisches
Gebiet begrenzten nuklearen Kriegs angesehen werden sollte - und der
Mangel jeglicher wirksamer Nuklearstreitkräfte in Europa müßte sie nahezu
mit Sicherheit in diesem Licht erscheinen lassen - dann würde sich die
Chance für politische Pressionen von selten der Sowjets entsprechend vergrößern.
Das ist die Herausforderung. Die Entscheidung liegt eindeutig bei uns.
Wir können als ein Bündnis beschließen, nichts zu tun, um die erhebliche
Modernisierung der sowjetischen Nuklearstreitkräfte in und für Europa
(TNF) wettzumachen. Wir können ruhig dasitzen und abwarten und hoffen,
daß wir mit den Konsequenzen der Ungleichheit fertig werden können;
wir können uns auch in Passivität einlullen lassen und das Bündnis in
einer Situation der Ungleichheit und wachsenden Verwundbarkeit belassen.
Oder wir können jetzt wirksame Maßnahmen ergreifen. Das wiederum heißt:
Dislozierung starker in Europa stationierter Systeme, die fähig sind,
sowjetisches Territorium zu erreichen.
Eine solche Entscheidung, NATO-Systeme zu dislozieren, würde nicht
nur die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung intakt erhalten, sondern
auch zu einer Verbesserung der Bedingungen beitragen, unter denen sinnvolle Rüstungskontroll Verhandlungen zwischen Ost und West stattfinden
können. Im Einklang mit unseren beiden Zielen der Abschreckung und
Entspannung hat das Bündnis in Beratungen während des letzten Jahres
in der Tat aktiv die Möglichkeiten einer sinnvollen Politik der Rüstungskontrolle zusammen mit der Notwendigkeit der Modernisierung der für Nuklearwaffen eingerichteten Systeme sondiert. Es ist kein Geheimnis, daß wir

- 7 -

�wir beide Wege - wirksame Rüstungskontrolle und Modernisierung

- als

einander ergänzend ansehen und daß wir erwarten, bis zum Ende dieses
Jahres in überzeugender Weise auf beiden Wegen voranzukommen.

Die wahre

Bewährungsprobe für die Zielsetzung der NATO liegt bei den Parlamenten
und der Öffentlichkeit unserer Verbündeten.

Sind sie bereit, den

politischen Preis zu zahlen, der notwendig ist, um die unendlich viel kostspieligere Alternative zu vermeiden, bei der es bestenfalls auf Einschüchterung und schlimmstenfalls sogar auf Krieg hinausläuft?
Möge kein Zweifel an unserer unbedingten Verpflichtung oder unserer
Entschlossenheit bestehen, Europa mit allen notwendigen Mitteln - nuklearen
und konventionellen - verteidigen zu helfen.

Die Verpflichtung der

Vereinigten Staaten gegenüber der Sicherheit Europas ist unerschütterlich.
Sie ist ein geschlossenes und vollständiges Ganzes.

Wir sehen die Sicherheit

Westeuropas als einen Tai! unserer eigenen Sicherheit.

Wir sind uns

bewußt, daß jede Bedrohung der Sicherheit Westeuropas eine direkte Bedrohung
der Sicherheit der Vereinigten Staaten ist.

Die unbedingte Verpflichtung

Amerikas, Europa nuklear oder konventionell zu verteidigen, ist ein
integraler Bestandteil unserer eigenen Verteidigungsposition.

Es gibt

keine erdenklichen Umstände, unter denen wir nicht auf eine gegen die
Sicherheit unserer Verbündeten in Europa gerichtete Drohung reagieren
würden.
Die Gefahr, der wir uns in den achtziger Jahren gegen'übersehen
könnten, wird nicht die Abkopplung Amerikas von Europa sein, sondern
viel eher wird die Gefahr von einer Fehleinschätzung seitens der Sowjets
herrühren - das heißt von der Meinung, daß sich das Bündnis durch
Versäumnis,mit den sich verändernden strategischen Verhältnissen Schritt
zu halten, von seiner traditionellen Zielsetzung abgekoppelt habe.
Wir müssen jeden nur möglichen Grund für eine solche Fehleinschätzung
beseitigen.

Es ist meine Überzeugung, daß die Entscheidung, die Präsident

- 8 -

�Präsident Carter vor wenigen Wochen in bezug auf die MX-Rakete getroffen
hat, und die Entscheidungen, die die NATO in Kürze über die Nuklearstreitkräfte in und für Europa (TNF) treffen muß, zu den bedeutsamsten zählen,
die das westliche Bündnis je zu treffen hatte. Historisch gesehen stehen
diese Entscheidungen auf der gleichen Stufe mit der Schaffung des
Strategischen Bomberkommandos durch Präsident Truman und der Dislozierung
der Interkontinentalraketen durch Präsident Kennedy.

Eine jetzige

positive Entscheidung wird uns überlebensfähige Systeme auf beiden Seiten
des Atlantik geben. Diese wiederum werden die Verhandlungsfähigkeit des
Westens in Krisensituationen außerordentlich verstärken und damit zu einer
globalen Stabilität beitragen.
Wir nähern uns in unserem Bündnis einer Wasserscheide. Das Problem,
vor dem wir stehen, ist im Grunde ein ganz einfaches: Wir müssen nicht
zwischen Entspannung und Verteidigung wählen. Wir müssen beides haben und mit politischem Willen - können wir dies auch.

+ + + + +

- 9 -

�ffl

mm

3W

Wirt/chcift
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Oktober 1979

40

US-ZENTRALBANKRAT VERSCHÄRFT KAMPF GEGEN DIE INFLATION
Anhebung des Diskontsatzes - Einführung einer Zusatz-Reservepflicht
Restriktion der Geldmengenausweitung
- Bekanntmachung des Federal Reserve Board vom 6. Oktober 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Federal Reserve
Board (Direktorium des US-Zentralbankensystems) hat am
6. Oktober eine Reihe einschneidender Maßnahmen zur
Eindämmung der Inflation bekanntgegeben:
Anhebung des Diskontsatzes von 11 auf 12 Prozent,
Einführung einer achtprozentigen Zusatz-Reservepflicht
auf den Zuwachs bestimmter Bankverbindlichkeiten und
striktes Beharren auf den für 1979 gesetzten GelmengenZielspannen.
Der Federal Reserve Board forderte in diesem Zusammenhang
alle in den Vereinigten Staaten tätiqen Banken auf,
künftig keine Kredite mehr zu gewähren, die mit dazu
beitragen könnten, die Gold-, Waren- und Devisenspekulation anzuheizen.
Wie

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Wie Finanzminister G. William Miller am 8. Oktober
unter Hinweis auf die anti-inflationistischen Maßnahmen
des Zentralbankensystems (Federal Reserve System) auf
einer Tagung der Vereinigung der amerikanischen Bankiers
(American Bankers Association) in New Orleans erklärte,
fordere der Kampf gegen die Inflation "Disziplin und
Mäßigung" von allen Amerikanern. Amerika gehe einer
Periode einer fair verteilten Austerität entgegen.
Miller kündigte die Schaffung einer Dreiergruppe aus
Vertretern der Unternehmer, der Gewerkschaften und des
Staates an, deren Hauptaufgabe es sein werde, Normen
für die Lohnentwicklung aufzustellen, um inflationären
Pressionen von Seiten der Lohn- und Preisentwicklung
entgegenzuwirken.
Die Maßnahmen des Federal Reserve Board vom 6. Oktober
werden, den Ausführungen Millers vor der Bankier-Vereinigung zufolge, die Kontrolle über die Expansion der
Geldmenge und der verfügbaren Kreditmittel verbessern
und die Stabilität auf den Devisenmärkten erhöhen.
Der Vorsitzende des Federal Reserve Board, Paul Volker,
nahm in einer Rede vor der Vereinigung amerikanischer
Bankiers am 9. Oktober gleichfalls Stellung zu den
neuen Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation. Er verwies
auf die "dramatische Zunahme der Besorgnis im ganzen
Lande wegen der inflationären Entwicklung - eine
Besorgnis, die über wirtschaftliche, soziale und selbst
politische Interessen hinausgreift" und nannte sie "einen
unmißverständlichen Hinweis" darauf, daß Amerika der
Inflation energisch entgegentreten werde.
Die Bekanntmachung des Federal Reserve System (Zentralbankensystem)
vom 6. Oktober hat folgenden Wortlaut:
Der Federal Reserve Board hat heute eine Reihe von komplementären
Maßnahmen verfügt, die eine bessere Kontrolle über die Expansion der Geldmenge und der Bankkredite sicherstellen und mithelfen dürften,spekulative
Auswüchse auf den Geld-, Devisen- und Warenmärkten zu unterbinden und die
inflationistischen Kräfte einzudämmen.

�Es werden folgende Maßnahmen ergriffen:
1.

Eine einstimmig beschlossene einprozentige Erhöhung des Diskontsatzes von 11 auf 12 Prozent.

2.

Einführung einer achtprozentigen Zusatz-Reservepflicht auf den
Zuwachs an "managed liabilities" (von den Banken zur Refinanzierung
ihres Kreditgeschäftes aufgenommene Mittel der auf Seite 6 beschriebenen Art. Anmerkung der Redaktion) - Verbindlichkeiten,
die aktiv dazu benutzt wurden, die rasche Expansion der Bankkredite zu finanzieren.

Auch diese Maßnahme wurde vom Federal

Reserve Board einstimmig beschlossen.
3.

Eine Änderung der Methode der Führung der Geldpolitik, die auf
das Ziel gerichtet ist, das Wachstum der Geldmenge für den Rest
dieses Jahres innerhalb der zuvor vom Federal Reserve Board
beschlossenen Zielspannen zu halten. Diese Spannen stehen im
Einklang mit einem mäßigen Wachstum der Geldmenge während der
nächsten Monate. Dieser Beschluß bedeutet, daß in den täglichen
Operationen größerer Nachdruck auf die den Banken zur Verfügung
stehenden Reserven und weniger Nachdruck auf die Einengung kurzfristiger Schwankungen des Zinssatzes für Federal Funds (von
Banken aufgenommene kurzfristige Gelder, meist Tagesgelder, aus
den Reserve-Beständen beim Zentralbankensystem. Anmerkung der
Redaktion). Dieser Schritt fand die einmütige Billigung des
Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee - FOMC),
der sich aus den sieben Mitgliedern des Direktoriums den Zentralbankensystems und fünf der Präsidenten der 12 Bundeszentralbanken
zusammensetzt.

Anläßlich der Bekanntgabe dieser Änderungen gab der Federal Reserve
Board folgende Erklärung ab:
Die
- 3 -

�"Die Inflation setzte sich in den letzten Monaten mit
extrem hohen Raten fort.

Zum Teil spiegeln die hohen Inflations-

raten die stark gestiegenen Energiepreise wider;
dürfte in den kommenden Monaten nachlassen.

dieser Druck

Dennoch ist eine

angemessene Begrenzung des Geld- und Kreditangebots ein wesentlicher
Bestandteil eines jeden Programms, das die dringend notwendige
Verringerung des inflationären Drucks und der inflationären
Erwartungen zum Ziel hat.

Eine derartige Begrenzung des Geld-

und Kreditangebots soll mit dazu beitragen, neue Unsicherheiten
bezüglich der künftigen Preisentwicklung und auch Marktverzerrungen
zu vermeiden, die den gegenwärtig in Gang befindlichen wirtschaftlichen Anpassungsprozeß zu erschweren geeignet sind.

Sie

wird mithelfen, eine stabile Basis für die Preisgestaltung auf den
Kapital-, den Devisen- und den Warenmärkten wiederherzustellen.

Gemäß den Bestimmungen des Humphrey-Hawkins-Gesetzes setzt
der Federal Reserve Board jedes Jahr Zielspannen für die Geldmenge und das Volumen des Kreditgeschäftes der Banken fest und
erstattet dem Kongreß hierüber Bericht. Gegen Mitte dieses Jahres
wurden die Zielspannen für 1979, die für den Zeitraum vom 4.
Quartal 1978 bis zum 4. Quartal 1979 gelten, überprüft und auf
Spannen von 1,5 bis 4,5 Prozent für die Geldmenge M-l, 5 bis
8 Prozent für die Geldmenge M-2 und 6 bis 9 Prozent für die Geldmenge M-3 festgesetzt '', Diese Zielspannen, werden unter Berück-

Die Zielspanne für M-l basiert auf der Annahme, daß es zu einer
Verlagerung in der Größenordnung von 3 Prozent von Sichteinlagen auf
(niedrig-verzinsliche) Automatische Umbuchungs-Konten (Automatic Transfer
Service Accounts - ATS Accounts) bzw. Abrufkonten mit schriftlicher
Kündigung (Negotiable Order of Withdrawl Accounts - NOW Accounts) kommen
werde. Inzwischen hat sich gezeigt, daß 1,5 Prozent der Sichteinlagen
solchermaßen verlagert wurden, sodaß sich die berichtigte Zielspanne
für M-l auf 3 bis 6 Prozent beläuft.

- 4 -

�Berücksichtigung der geringer als erwartet ausgefallenen Verlagerung von Sichteinlagen auf ATS- und NOW-Konten generell als
angemessen angesehen.
Die Ausweitung der Geldmengen in den verschiedenen Abgrenzungen und des Bankkreditgeschäfts hat sich in den letzten
Monaten rascher vollzogen als dies mit diesen Zielspannen
vereinbar ist. Sie würde, ließe man den Dingen freien Lauf,
unter dem Gesichtspunkt userer grundlegenden wirtschaftlichen
Zielsetzungen sicherlich exzessiv ausfallen. Die jüngsten
Aktionen des Federal Reserve Board, die den zwangsläufigen
zeitlichen Verzögerungen des Wirksamwerdens Rechnung tragen,
dürften geeignet sein, die Ausweitung der Geld- und Kreditvolumina in den nächsten Monaten in den Grenzen der Zielspannen zu halten. Die heute angekündigten Maßnahmen sollen
eine weitere Gewähr dafür schaffen, daß diese Zielspannen eingehalten werden."
Der Federal Reserve Board betonte, daß die Banken die Gewährung von
Krediten vermeiden sollten, die Spekulationen auf den Gold-, Waren- und
Devisenmärkten Vorschub leisten könnten.

Diskontsatz
Mit der angekündigten Anhebung des Diskontsatzes entsprach der
Federal Reserve Board dem Ersuchen der Direktoren der Zentralbanken in
New York, Philadelphia, Cleveland, Richmond, Minneapolis und San Francisco.
Der Diskont ist der Zinssatz, den Mitgliedbanken auf Gelder bezahlen
müssen, die sie bei der für ihren Distrikt zuständigen Distriktzentralbank aufnehmen. Die verfügten Änderungen tretem am Montag, dem 8. Oktober,

- 5 -

�in Kraft.
Der Federal Reserve Board gab zu verstehen, daß der Diskontsatz
innerhalb des allgemeinen Rahmens der bestehenden Rediskontierungsrichtlinien flexibel gehandhabt werden soll, um vor einer überhöhten Geldaufnahme durch die Mitgliedbanken des Zentralbankensystems abzuschrecken.

Zusatz-Reservepf1icht
Die vom Federal Reserve Board gebilligte Zusatz-Reservepflicht
erstreckt sich auf jeden Zuwachs der Verbindlichkeiten von Mitgliedbanken, der unter dem Edge-Act operierenden Gesellschaften und der
Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken.
Das bedeutet, daß diese Institute fortan verpflichtet sein werden,
eine zusätzliche Reserve in Höhe von 8 Prozent der Einlagen zu unterhalten,
um die sich ihre "managed liabilities" über einen Grundbetrag hinaus erhöhen. Diese Verbindlichkeiten schließen ein: hohe Termineinlagen
(Einlagen in Höhe von 100 000 Dollar und darüber mit einer Laufzeit von
weniger als einem Jahr), Eurodollar-Kredite, Pensionsgeschäfte in Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden und von Nicht-Mitgliedbanken
aufgenommenen Federal Funds. (Bei Mitgliedbanken, Edge-Act-Gesel1 Schäften
und amerikanischen Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken aufgenommene Federal Funds sind von der Reservepflicht befreit, um eine doppelte
Erfassung durch diese zu vermeiden.)
Die Zusatz-Reservepflicht wird über die bereits bestehenden Mindesreserveverpflichtungen der Mitgliedbanken und Edge-GesellSchäften hinaus
wirksam. Große Termineinlagen unterliegen beispielsweise bereits seit
November vergangenen Jahres einer zweiprozentigen zusätzlichen Reservepflicht, die zu der nach der Laufzeit von 1 bis 6 Prozent gestaffelten

- 6 -

�gestaffelten allgemeine Reservepflicht hinzukommt.
Die derzeitige Reservepflicht auf Eurodollar-Kreditaufnahmen beträgt
null Prozent, während Federal Funds-Transaktionen und Pensionsgeschäfte
in Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden von der Reservepflicht befreit sind.

Die Zusatz-Reservepflicht betrifft jedoch auch

Kredite, die Auslandsfilialen von Mitgliedbanken Gebietsansässigen gewähren und Aktiva, die Mitgliedbanken, Edge-GesellSchäften und amerikanische
Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken auf mit ihnen affiliierte
Institute übertragen.
Basis für die Zusatz-Reservepflicht sind 100 Millionen Dollar oder
der Durchschnittsbetrag an "managed liabilities" von Mitgliedbanken,
Edge-GesellSchäften oder den amerikanischen Außenstellen einer ausländischen
Bank in den beiden dem 26. September vorausgehenden Bilanzwochen, wobei
der jeweils größere Betrag maßgebend sein soll. Jeder Zuwachs der "managed
liabilities" über diese Basis hinaus unterliegt der Zusatz-Reservepflicht
in Höhe von 8 Prozent.
Da die Zusatz-Reservepflicht für die Gesamtheit der "managed liabilities"
einer Bank gilt, kann eine Zunahme bei einer Art Verbindlichkeiten - beispielsweise bei den auf hohe Beträge lautenden Depositen-Zertifikaten
(Certificates of Deposits) - gegen eine Abnahme in einer anderen Art von
Verbindlichkeiten aufgerechnet werden, ohne daß sich hieraus eine Erhöhung der Reservepflicht ergibt.
Diese Maßnahme richtet sich gegen die Arten von aufgenommenen Geldern,
die von den Banken in den letzten Monaten aktiv dazu benutzt wurden, die
Ausweitung ihres Kreditvolumens zu finanzieren. Die Mitgliedbanken verfügen gegenwärtig schätzungsweise über derartige "managed liabilities"
in Höhe von mehr als 240 Milliarden Dollar. Der Bestand ist während der
letzten drei Monate um etwa 17 Milliarden Dollar gestiegen. Etwa die Hälfte

- 7 -

�Hälfte der Zunahme der Bankenkredite in diesem Zeitraum wurde aus derartigen "managed liabilities" finanziert.
Die Zusatz-Reservepflicht erstreckt sich auch auf den Nettozuwachs
bei allen Pensionsgeschäften in Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden, die Mitgliedbanken, Edge-GesellSchäften und amerikanische
Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken eingeben

mit Ausnahme

solcher Geschäfte, die sie mit anderen Mitgliedbanken, Edge-GesellSchäften
und amerikanischen Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken abschließen.

Befreiung von der Zusatz-Reservepflicht ist jedoch im Falle

von Wertpapieren des Bundes und der Bundesoberbehörden zulässig, die
ein Institut in seinen Handelsbeständen hält - bei Titeln also, die
zum Weiterverkauf gehalten werden.

Der Federal Reserve Board erwartet,

daß es die hiervon betroffenen Institute unterlassen, Wertpapiere aus
ihren Anlagebeständen auf ihre Handelsbestände zu übertragen, um auf diese
Weise die Zusatz-Reservepflicht zu umgehen.
Die Zusatz-Reservepflicht wird wirksam für den Zuwachs an "managed
liabilities" in der am 11. Oktober beginnenden Bilanzwoche der während
des am 25. Oktober beginnenden Sieben-Tages-Zeitraums fortbesteht. Da
amerikanische Filialen und Zweigstellen ausländischer Banken erstmals
Reserven beim Zentralbankensystem halten müssen, beginnt für sie die
Pflicht zum Unterhalt von Reserven am 8. November.

Maßnahmen des Offenmarktausschusses
Unter den neuen Verfahrensreneln, die der Offenmarktausschuß für
die Abwicklung von Offenmarktgeschäften - dem wichtigsten Instrument
des Federal Reserve Board für die Durchführung seiner Operationen - einge
führt hat, kann es bei den Zinssätzen für Federal Funds von Tag zu Tag
oder von Woche zu Woche zu größeren Schwankungen kommen. Die Federal

- 8 -

�Federal Funds-Rate ist der Zinssatz, den Geschäftsbanken bei der Aufnahme
kurzfristiger Mittel, gewöhnlich als Tagesgeld zu zahlen haben.
Während der letzten Jahre hat der Offenmarktausschuß für die Federal
Funds-Rate gewöhnlich eine relativ enge Spanne festgesetzt. Um eine
bessere Kontrolle über die Reserve-Basis zu erlangen, wird es fortan
notwendig sein, innerhalb einer breiteren Spanne größere Fluktuationen
der Federal Funds-Rate zuzulassen, soweit sich diese aus dem Marktgeschehen
ergeben.
Im Zuge ihrer Offenmarktgeschäfte kauft und verkauft das Zentralbankensystem Staatspapiere über seine Handelsagentur in der Federal
Reserve Bank of New York auf dem offenen Markt. Kurz gesagt, der Ankauf
von Wertpapieren erhöht den Umfang der Bankreserven während ein Verkauf
solcher diese vermindert.

+ + + + +

- 9-

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17. Oktober 1979

40

SALT II UND DIE NATO-VERBÜNDETEN
- Senator Joseph Biden legt Bericht vor -

WASHINGTON - (AD) - Der Vorsitzende des Unterausschusses für europäische
Angelegenheiten des Außenpolitischen Ausschusses des Senats, der demokratische
Senator Joseph Biden aus Delaware, legte am 9. Oktober 1979 einen Bericht vor,
der auf die Auswirkungen des Abkommens zur Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT II) auf die Verbündeten der Vereinigten Staaten im Rahmen der NATO
eingeht.
Der Senator gab dazu vor dem Außenpolitischen Ausschuß folgende Erklärung

ab:
Als Vorsitzender des Unterausschusses für europäische Angelegenheiten
ist es heute meine Absicht, einen Bericht der Mitarbeiter dieses Ausschusses
vorzulegen, der den Titel "SALT und die NATO-Verbündeten" trägt. Zugleich will
ich das bedeutsame Thema unterstreichen, das dieser Bericht dokumentiert, nämlich die entscheidende Beziehung zwischen der Ratifizierung des SALT II-Abkommens und&gt; der Stärke des Atlantischen Bündnisses.
Kein

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Tel: 02221-89 32 40
Telex: 08-85432

�Kein Aspekt der amerikanischen Militärmacht - unsere Interkontinentalraketen, unsere strategischen Bomber, unsere Unterseeboote - ist für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten von größerer Bedeutung als die Stärke und
Einheit des Bündnisses der westlichen Demokratien.
stein unserer nationalen Verteidigung.

Die NATO ist der Grund-

Daher ist nichts, was sich aus einer

Zustimmung oder einer Ablehnung von SALT II durch den Senat ergibt, von größerer Bedeutung als die Wirkung, die ein solches Ergebnis auf das Bündnis, auf
seine politische Einheit und seine militärische Stärke haben wird.

Aus diesem Grund glaube ich, daß der Bericht, den ich heute vorlege,
verstanden werden sollte als ein Bericht, der sich der grundlegenden Frage
zuwendet, vor der der Senat in der SALT-Debatte steht.

Lassen Sie mich den Bericht zunächst in seinen Kontext stellen.

über mehrere Monate hinweg haben die Kritiker des Vertrages im Verlauf
der sich entwickelnden SALT-Debatte eine Reihe von Taktiken benützt.

Zu Be-

ginn ging die Hauptstoßrichtung dahin, den Vertrag deshalb anzugreifen, weil
er, wie es damals zu sagen Mode war, angeblich "fatale Fehler" hatte. Vor
Beginn der Anhörungen über den SALT-Vertrag sah es so aus, als stellte diese
Propaganda von den "fatalen Fehlern" tatsächlich eine ernsthafte Bedrohung
des Vertrags dar.

Tatsächlich bestand eine der herausragendsten Leistungen

des Prozesses der öffentlichen Anhörungen darin, ziemlich rasch und schlüssig

darzulegen, daß diese Anschuldigungen über die Bedingungen des Vertrags

im wesentlichen haltlos waren.

Besonders bemerkenswert war in dieser Hinsicht

das sogenannte "schwere-Raketen"-Argument, das man nunmehr als den Versuch
einiger Leute ansehen kann, Kapital aus dem Angstwert dessen zu schlagen, was
nicht nur kein Thema, sondern aufgrund der Grenzen der Fraktionierung im Vertrag ein eindeutig positiver Zug des SALT II-Abkommens war.

Eine weitere Frage, die aufgeworden wurde, betraf die Verifizierbarkeit
des Vertrags.

Unter eingehender Prüfung ist auch diese Kritik verblaßt. Als

Mitglied des Ausschusses für Nachrichtendienste habfe ich mich mit diesen Fragen eingehend beschäftigt und glaube, daß die Verifizierbarkeit ein Thema ist,
- 2-

�ist, das man nunmehr zu den Akten legen sollte.

Wieder ein anderes Problem war das des "Junktims".

Unter dieser Über-

schrift haben wir eine große Vielfalt von etwas erlebt, was ich euphemistisch
als "politische Kreativität" bezeichnen möchte.

Einige Senatoren haben mutig

darauf bestanden, wir sollten SALT zu dem Versuch verwenden, jeden Aspekt des
sowjetischen Verhaltens überall in der Welt zu kontrollieren - obgleich sie
nie erklärten, auf welche Weise sie dies tun wollten.

Andere wiederum schienen

bescheidener zu sein und die Zukunft von SALT nur mit einer Brigade sowjetischer
Truppen auf Kuba zu verknüpfen.

Beide Anstrengungen sind natürlich zum Schei-

tern verurteilt, da die eine an Hybris leidet, die andere an einem nahezu humoristischen Verlust der Proportionen.

Es steht zu hoffen, daß die zirkusähn-

liche Atmosphäre der letzten Monate eine ernüchternde Katharsis ermöglicht
und daß die SALT-Debatte nun wieder einmünden kann in die Erkenntnis, daß dieser Vertrag für sich gewertet werden muß als ein Schritt in Richtung auf eine
verifizierbare Rüstungsbegrenzung und nicht als geopolitische Verhaltenskontrolle.

Für ein weiteres Problem sorgte eine Gruppe von "Kraftmeiern", zu deren
Mitgliedern der ehemalige Außenminister Kissinger sowie eine Reihe anderer
gehört, die keine Regierungsverantwortung mehr tragen, die aber auch einige
Senatoren umfaßt.

Die Mitglieder dieser Gruppe versuchen, eine Art innenpoli-

tischem Junktims zu schaffen, indem sie nach folgendem Prinzip vorgehen:
Egal, wieviel die Regierung für Verteidigung ausgeben will - sie wollen zwei
Prozent mehr und werden nicht für SALT stimmen, solange sie diese nicht erhalten.

Man kommt nicht umhin, anzunehmen, daß diese Einstellung weniger mit der

Landesverteidigung zu tun hat als mit einer bestimmten Art des politischen Posierens derjenigen, die als Schiedsrichter der Senatsdebatte betrachtet werden
möchten.

Und dann gibt es da schließlich noch eine Kritik, die die NATO-Verbündeten
Amerikas betrifft, die sich zwar einhellig für den SALT II-Vertrag ausgesprochen haben, dies aber, wie man behauptet, angeblich nur getan haben, weil sie
aus Loyalität dem Seniorpartner der NATO gegenüber dazu gezwungen waren. Pri- 3 -

�Privat haben unsere Verbündeten dieser Behauptung zufolge tiefgreifende Bedenken:

Speziell mögen sie die Bedingungen des Vertrags nicht und ganz all-

gemein sehen sie den Vertrag als ein Zeichen für die Schwäche Amerikas.
Als ich mir bei Beginn der Debatte darüber klar wurde, daß man sich mit
dieser unfundierten Gerüchtemacherei über unsere europäischen Verbündeten werde
zu befassen haben, entschloß ich mich zu drei Schritten:
- Der erste bestand darin, persönlich mit einer Reihe vielfältiger offizieller Vertreter der Verbündeten sowohl im NATO-Kommando als auch in den Regierungen verschiedener wichtiger Verbündeter zusammenzukommen und mit ihnen
über SALT zu sprechen.
Besonders wichtig waren für mich in dieser Hinsicht meine Gespräche mit
Bundeskanzler Helmut Schmidt und vielen Persönlichkeiten aus der militärischen
und politischen Führungsspitze in der Bundesrepublik Deutschland.
- Der zweite Schritt bestand in der Durchführung öffentlicher 'Anhörungen"
über die Frage der Haltung unserer Verbündeten.

Bei diesen Anhörungen wurde

bezüglich der seit langem gültigen Tradition des Ausschusses insofern eine
Ausnahme gemacht, als Zeugnisse aus erster Hand von einer speziellen europäischen Delegation entgegengenommen wurden,die so ausgewählt war, daß sie
die Nordatlantische Versammlung repräsentierte, das interparlamentarische Organ
des NATO-Bündnisses.
- Drittens und am umfassendsten, gab ich den Auftrag für eine gründliche
Studie durch den Stab unseres Außenpolitischen Ausschusses.

Diese Studie

stand unter der Leitung der beiden Spezialisten für europäische Angelegenheiten
des Ausschusses, John Ritch und Alfred Friendly.

Sie stützten sich in ihrer

Analyse - und in diesem Bericht - auf Dutzende von Interviews mit gutunterrichteten Europäern, wobei der Kreis der Befragten Journalisten und Akademiker,
aber auch Bedienstete europäischer Behörden und Regierungsbeamte der höchsten
Ränge in der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Großbritannien einschloß.
Aus
- 4 -

�Aus all den drei Initiativen ergab sich eine einzige uneingeschränkte
Wahrheit:

Die Verbündeten wollen SALT - sie wollen, daß der Vertrag ratifi-

ziert wird und daß er bald ratifiziert wird.

Diese Tatsache war mir aus

meinen Gesprächen mit den führenden Vertretern der Verbündeten klar geworden,
sie fand ihren Widerhall in dem Zeugnis der Delegation der Nordatlantischen
Versammlung und kommt in eindeutiger Stärke und Überzeugungskraft in dem Bericht zum Ausdruck, den ich heute vorlege.

Der Wert dieses Berichts liegt, wie ich glaube, darin, daß er dokumentiert und eindringlich erklärt, warum unsere Verbündeten den SALT-Vertrag
wollen und warum im anderen Falle die Auswirkung einer Ablehnung von SALT für
das Bündnis - und damit für die amerikanische Sicherheit - so schädlich sein
würde.

Ganz allgemein gesagt:

Das Bündnis braucht die Ratifizierung von SALT

aus zwei Gründen - aus einem politischen und aus einem militärischen.
Der politische Grund ist die Notwendigkeit zu einer erneuten Bekräftigung
einer starken amerikanischen Führungsrolle im Atlantischen Bündnis.

Man muß

verstehen, daß Ereignisse der letzten Jahre - so die wenig eindrucksvolle Reaktion Amerikas auf die Energiekrise, der starke Verfall des Dollar und ersichtliche SChlappen der amerikanischen Außenpolitik in Gebieten von Vietnam
bis zum Iran - zusammengewirkt haben,um unter den Europäern ernsthafte Zweifel
an der Kompetenz und Stärke Amerikas aufkommen zu lassen.

Zur gleichen Zeit

aber verlassen sich die Verbündeten auch weiterhin auf die Vereinigten Staaten,
das Rückgrat der NATO zu bilden und die Führung des Bündnisses bei der Gestaltung der Ost-West-Beziehungen zu übernehmen.

Würden die Vereinigten Staaten

jetzt einen SALT-Vertrag, der von' drei Administrationen ausgehandelt wurde,
verwerfen - und damit einen Prozeß, der nach Ansicht der Europäer einen wesentlichen Beitrag leistet zu den stabilen Ost-West-Beziehungen, von denen
ihre Sicherheit abhängt -, so würde ganz Europa von den tiefgreifendsten und
weitreichendsten Zweifeln an der Verläßlichkeit der USA als Führer des Westens
ergriffen werden.
Der
- 5-

�Der militärische Grund liegt darin, daß die Anstrengungen der NATO
zur Erzielung eines zufriedenstellenden Gleichgewichts bei den Nuklearstreitkräften in und für Europa (Theater Nuclear Forces - TNF) in hohem
Maß von der Ratifizierung des SALT-Abkommens abhängen.

Diese Anstrengung

der NATO besteht ihrem Entwurf nach im wesentlichen aus zwei Teilen: der
erste ist ein Programm zur Modernisierung der TNF, um die Abschreckung der
NATO in Europa zu stärken.

Der zweite ist eine Initiative zur europabezo-

genen Rüstungskontrolle, die aus dieser Position der Stärke heraus wahrscheinlich im Rahmen von SALT III durchgeführt werden soll, und die einen Versuch
darstellt, zu einem Ost-West-Abkommen zu gelangen, das ein stabiles Gleichgewicht in Europa kodifiziert. Wegen der akuten politischen Empfindlichkeiten, die eine Dislozierung von Kernwaffen in Westeuropa umgeben, besteht
nunmehr innerhalb des Bündnisses Einigkeit darüber, daß jede Entscheidung
hinsichtlich der TNF-Modernisierung von einer gleichzeitigen Anstrengung
des Bündnisses zur Erzielung einer europabezogenen Rüstungskontrolle begleitet
werden muß, ja, wahrscheinlich ohne eine solche politisch unmöglich wäre.
Zur Erzielung eines endgültigen und einstimmigen Übereinkommens hinsichtlich
dieses zweigleisigen Vorgehens hat sich die NATO den Dezember 1979 als Ziel datum gesetzt. Aber eine amerikanische Ablehnung von SALT II könnten wegen
der Verhinderung der Möglichkeit einer Rüstungskontrolle in Europa oder wegen
ihres Verschiebens auf unbestimmte Zeit diese ganze Anstrengung leicht aushöhlen.

Das Ergebnis wäre ein gefährlicher Schereneffekt:

Die TNF-Ver-

besserungen der NATO wären behindert, während die sowjetische TNF-Dislozierung
sich frei entfalten

könnte.

Daher sollten sich jene Senatoren, die echt und ernsthaft um das Atlantische Bündnis besorgt sind, meiner Meinung nach durch die Sachzwänge der
NATO gezwungen fühlen, diesen Vertrag und seine Ratifizierung ohne Verzögerung zu unterstützen.

Umgekehrt müßten unsere sowjetischen Gegner, falls

sie so unaufrichtig sind, wie man oft behauptet, nichts lieber sehen als die
Niederlage dieses Vertrags im Senat. Wie die Erklärung Präsident Breschnews
in der letzten Woche zeigt, haben die Sowjets deutliche Bedenken hinsichtlich der
von der NATO beabsichtigten Schritte.

Und nichts könnte wirkungsvoller die

amerikanische Führung des Bündnisses und die Anstrengungen der NATO zur Ver- 6 -

�Verbesserung ihrer relativen militärischen Stärke schädigen, als eine Niederlage von SALT II im Senat.

Ich hege die Hoffnung, daß diese Wahrheit allmäh-

lich unseren angeblich so harten Vertragsgegnern dämmert.
Während sich die Debatte im Senat nun der Entscheidung nähert, muß der
zentrale Punkt wiederholt und erneut betont werden:

Es liegt im ureigensten

Verteidigungsinteresse der Vereinigten Staaten, diesen Vertrag zu ratifizieren,
damit wir zu einer Stärkung der NATO und der erneuten Bekräftigung der amerikanischen Führung im westlichen Bündnis gelangen können.

Wenn wir durch kurz-

sichtiges gesetzgeberisches Handeln versagen, werden wir nicht nur das amerikanische Ansehen schwächen, sondern auch das Bündnis, von dem unsere Sicherheit
abhängt.

Der Sinn der vor uns liegenden Debatte muß es sein, diese Wahrheit

so laut und deutlich werden zu lassen, daß sie das politische Posieren hinwegfegt, das uns jetzt noch bestürmt - und bedroht.

+ + + + +

- 7 -

�0.[g|H n

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

17.Oktober 1979

40

25 JAHRE INTENSIVE FORSCHUNG IN DER ANTARKTIS
- US-Wissenschaftler starten zur neuen Saison •

- (AD) - Mit dem Beginn des Sommers auf der Südhalbkugel kommt auch die
Forschungsarbeit in der Antarktis wieder voll in Gang. Zahlreiche Wissenschaft! ergruppen, häufig in internationaler Zusammensetzung, bereiten sich in
den USA und in einer Anzahl anderer Länder auf die neue Saison vor. Für die
Vereinigten Staaten ist es ein Jubiläumsjahr. Sie können auf nunmehr 25
Jahre kontinuierlicher und intensiver Forschungstätigkeit auf dem Weißen Konti
nent zurückblicken. Am 29. November 1979 jährt sich außerdem zum 50. Mal
der erste Flug über den Südpol, den Richard E. Byrd mit drei Begleitern von
dem neuerrichteten Stützpunkt "Little America" aus unternahm. Er führte
über eine Strecke von 2575 km und dauerte mehr als 18 Stunden.
Byrd, Vizeadmiral der amerikanische Marine, war Ende der zwanziger Jahre
und in der Folgezeit der Motor für die amerikanische Antarktisforschung. Er
leitete damals - fast hundert Jahre nach der letzten Pionierfahrt eines Amerikaners in diese Region - eine private Expedition, die sich von 1928 bis 1930
in der weißen Wildnis aufhielt. Fünf Jahre später harrte Byrd, der erneut
eine private Forschergruppe in die Antarktis geführt hatte, fünf Monate lang
allein auf einem kleinen Stützpunkt in Höhe des 80. Breitengrades aus, um

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�um zum ersten Mal während des Winters regelmäßig meteorologische Beobachtungen
zu machen.

Von 1939 bis 1941 leitete er die erste von staatlicher Seite aus-

gerüstete wissenschaftliche Expedition der USA in die Antarktis. Mit seinen
geologischen und geophysikalischen Beobachtungen und Messungen sowie seinen
Luftaufnahmen erfaßte Byrd nahezu die Hälfte des im wesentlichen noch unbekannten, riesigen Kontinents.

Sie erwiesen sich für spätere Großaktionen wie die

des Internationalen Geophysikalischen Jahres (IGJ) von 1957/58 als eine unschätzbar wertvolle Grundlage, wenn auch inzwischen manche Annahmen und Schlußfolgerungen revidiert werden mußten.

Moderne Technik in der Antarktis
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Flugzeuge, Helikopter und Motorschlitten gehören heute zur Standardausrüstung bei Forschungsexpeditionen in der Antarktis. Dennoch kann in vie~
len Fällen auf Hundeschlitten und Skier noch nicht verzichtet werden. Die
Vereinigten Staaten unterhalten derzeit vier ständig besetzte Stationen - als
größte McMurdo am Rossmeer und am Rande des Ross-Eisschelfs, die gleichzeitig
als Organisations- und Nachschubzentrale dient, ferner die Stationen AmundsenScott (direkt am Südpol) sowie Siple und Palmer am inneren bzw. äußeren Ende
der Palmer-Halbinsel nahe der Südspitze des südamerikanischen Kontinents.
Eine Anzahl von größeren Stützpunkten wie die Byrd-Station (etwa auf halbem
Wege von McMurdo zur Siple-Station) dienen nur noch als Basis für Expeditionen
von Ende November bis Ende Februar, wenn Wetter und Temperaturen erträglich
und die Lichtverhältnisse günstig sind.
Als am 27. August dieses Jahres Marine-Transportflugzeuge vom Typ
LC-130-HERCULES,von Point Mugu in Kalifornien kommend, auf einer Schneepiste vor McMurdo landeten, lag die Antarktis noch in der Winterdämmerung.
Für die überwinternde Besatzung war dies nach harten Monaten wieder der erste
direkte Kontakt mit der Außenwelt. Seit nunmehr 25 Jahren bringt die USMarine die technischen Ausrüstungen und den Hauptteil des Nachschubs für die
Forscher und Betreuungsmannschaften der amerikanischen Stationen heran. Das

- 2-

�Das wissenschaftliche Programm, das von der Geologie, Geographie und Geophysik über Ozeanographie, Hochatmosphären- und Sonnenphysik bis zur Biologie und Medizin praktisch alle naturwissenschaftlichen Bereiche umfaßt,
liegt in Händen der Nationen Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten
Staaten; sie läßt seit 1968 einen Teil der Versorgung und die technische
Betreuung von drei der vier ständigen US-Stationen, ferner die Errichtung
von nur zeitweilig benutzten Stützpunkten und deren Wartung von einem kalifornischen Privatunternehmen wahrnehmen.

Als im Jahr 1959 zwölf Staaten (Argentinien, Australien, Belgien, Chile,
Großbritannien, Frankreich, Japan, Neuseeland, Norwegen, Südafrika, Sowjetunion und USA) den Antarktisvertrag mit dem Ziel abschlössen, die Region von
militärischen, wirtschaftlichen und politischen Interessen frei zu halten,
hielt man eine mögliche Ausbeutung ihrer Boden- und Naturschätze für höchst
unrealistisch.

Die Antarktis sollte als internationale, kernwaffenfreie

Zone vor kommerzieller Ausbeutung geschützt werden und ausschließlich der
Forschung als riesiges Naturlaboratorium dienen.

(Im Jahr 1977 schloß sich

Polen dem Vertragswerk an, dem in Kürze auch die Bundesrepublik Deutschland
beitreten wird.)

Aber schon zwei Jahrzehnte später, nämlich auf der 10. antarktischen
Konsultativkonferenz (17. September bis 5. Oktober 1979 in Washington) sahen sich die Vertragsmächte veranlaßt, die Frage der Exploration und Ausbeutung mineralischer Rohstoffe der Antarktis, insbesondere von Erdöl, offiziell ausgiebig zu behandeln.

Erneut verpflichteten sie sich zu freiwilli-

ger Selbstbeschränkung, wie der amerikanische Delegationsleiter und Konferenzvorsitzende, John Negroponte, auf einer Pressekonferenz am 10. Oktober hervorhob.

Inoffiziell wurde auch die Frage des Schutzes der Tier- und Pflanzen-

welt in den antarktischen Gewässern eingehend besprochen, insbesondere der
als Eiweißquelle begehrten Kri11 krebse.

Die Delegierten einigten sich über Empfehlungen zur Zusammenarbeit auf
dem Gebiet des Nachrichtenwesens in der Antarktis, bei Richtlinien für den

- 3 -

�den Tourismus und der ständigen Beobachtung der Auswirkungen aller Aktivitäten auf die gesamte antarktische Welt und ihr Umfeld.

Während die mögliche

Erschließung der mineralischen Rohstoffe noch nicht als vordringliche Frage
angesehen wurde - die dafür erforderliche Technologie dürfte gut 10 bis 20
Jahre auf sich warten lassen -, gilt die Fischerei seit der Einführung von
Beschränkungen durch zahlreiche Länder in Gewässern innerhalb der 200-MeilenZone zu ihrem Hoheitsgebiet als ein höchst aktuelles Problem.

Inzwischen

fischen, wie Negroponte berichtete, bereits Schiffe aus Japan, der UdSSR,
Polen, Südkorea, Taiwan, der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in den
Gewässern rund um die Antarktis.

Ein vor zwei Jahren vorgelegter Entwurf

zur Kontrolle der Fänge konnte wegen französischer Befürchtungen um eigene
Interessen an Gewässern um Inseln, die Frankreich für sich beansprucht, noch
nicht rechtskräftig werden.

Naturschutz
Sogar der Tourismus hat inzwischen in der unwirtlichen Antarktis Fuß
gefaßt, wenn auch in sehr bescheidenem Umfang und nur in einigen ihrer Randgebiete. Angesichts dieses Umstandes und der ständig verstärkten Forschungstätigkeit sahen sich jedenfalls die Vereinigten Staaten veranlaßt, im Sinne
der Zielsetzungen des Antarktisvertrags strikte Schutzbestimmungen für die
Pflanzen- und Tierwelt auf dem Kontinent und in den ihn umgebenden Meeren
zu erlassen. Amerikanischen Staatsbürgern ist es - bei Androhung hoher Geldstrafen - verboten, antarktische Säugetiere oder Vögel zu fangen, an sich zu
nehmen oder zu töten, besonders geschützte Zonen oder Areale, die für die
Forschung von besonderem Interesse sind, zu betreten oder Pflanzen und Tiere
aus anderen Erdteilen ohne Sondergenehmigung in die Antarktis zu verbringen.
Die Strafbestimmungen für unberechtigtes Verbringen von Säugetieren und Vögeln
aus der Antarktis in die USA gelten sowohl für Amerikaner als auch für Ausländer.
Ungeachtet der schwierigen Lebensbedingungen vermögen bestimmte Pflanzenund Tierarten in der Region recht gut zu existieren.
- 4 -

Zwar ist die Artenviel-

�Artenvielfalt nicht gerade groß, aber in den eisigen Gewässern um den Weißen
Kontinent wimmelt es von Leben.

Das heißt jedoch nicht, daß das ökologische

System in diesem Teil der Erde aus dem Gleichgewicht gebracht werden dürfe,
ohne Schaden zu nehmen.

Es reagiert außerordentlich empfindlich auf Störungen

und bedarf wegen der extrem niedrigen Temperaturen sehr langer Zeiträume für
eine Erholung.

Pflanzliche Kuriosa
In der Pflanzenwelt wurden offenbar ganz spezielle Anpassungsmechanismen
an die extremen Lebensbedingungen in der Antarktis entwickelt. So berichtete
kürzlich eine Forschergruppe vom "Virginia Tech" in Blacksburg von der Entdeckung rosa-orangefarbener Algen unter der Eisdecke von Süßwasserseen, die
mit weniger als 0,1 Prozent der Sonnenlichtmenge auskommen, die auf die Oberfläche auftrifft. Normalerweise können Algen nicht mehr existieren, wenn die
Lichtmenge niedriger ist als etwa ein Prozent des Lichts an der Oberfläche.
Die Entdeckung sei besonders bemerkenswert, so die beteiligten Forscher
(Dr. Bruce C. Parker und Dr. George M. Simmons), weil der Fundort - zwei
Seen in den von den sonst üblichen Eismassen freien "Trockentälern" ca. 100 km
westlich der McMurdo-Station - vier Monate lang in völliger Nacht und weitere
vier Monate im Dämmerlicht liegt. Die Algen wachsen in 7,5 bis 10 cm dicken
Matten, wie sie nirgends sonst auf der Erde gefunden werden. "Offenbar eine
bisher unbekannte, neue Organisationsform von Organismen, die sowohl an die
extremen Licht- als auch Temperaturbedingungen angepaßt sind", meint Dr. Parker.
Die Wassertemperatur beträgt fast Null Grad Celsius, bei der die Forscher in
Taucherausrüstung etwa 6 m unter der Oberfläche auf die ersten Matten stießen.
Sie ergeben viele Tonnen lebender Materie in den Seen und wandern im Verlauf
der paar Sommerwochen vom Boden bis in Oberflächennähe. Dabei verändert
sich die flache Algenmatte in ein bis zu einem Meter hohes stalagmitenähnliches Gebilde. Mikroskopisch kleine Organismen, und zwar Rädertierchen,
finden in den Algenverbänden Nahrung und Wohnung.
In
- 5 -

�In den Randmeeren der Antarktis wurde von Wissenschaftlern des BigelowInstituts für Meeresforschung in West Boothbay Harbor (Maine) pflanzliches
Plankton entdeckt, das bis zu 90 Prozent des bei der Photosynthese verwerteten Kohlendioxids für den Aufbau von Fetten nutzt.

Demgegenüber beträgt der

entsprechende Anteil bei Pflanzen in anderen Teilen der Weltmeere weniger als
10 Prozent.

"Die massive Synthese von Fett könnte ein Mittel sein, die lange

Polarnacht zu überstehen", vermutet Dr. Morris, der Forschungsdirektor des
Instituts.

Die Pflanzen zehren es auf, wie Tiere im Winterschlaf ihren Speck,

und das Wachstum ruht in dieser Zeit.

Daß die Bildung von "Winterfett" in

kalten Regionen bis in das Reich einzelliger Pflanzen reichen kann, vermutete
bisber niemand.

Vorschau auf das Forschungsprogramm 1979/80
Bei den Amerikanern stehen in der kommenden Saison 80 Forschungsprojekte
auf dem Programm. Das umfangreichste und aufwendigste sind die z.T. mehrjährigen Untersuchungen von Geologen,- Paläontologen, Gletscherforschern und
Meteorologen im Ellsworth-Gebirge. Gemeinsam mit Kollegen aus vier anderen
Ländern sucht man nach Hinweisen zur Entstehung des ca. 320 km langen und 80 km
breiten Faltengebirges, in dem die höchsten Erhebungen (etwa 5000 m) der Antarktis zu finden sind. Auch seine mögliche Rolle beim Aufbrechen von Gondwanaland, dem "Urkontinent" der Erde, steht zur Debatte. Nach heutigen Erkenntnissen sind Afrika, Australien, Südamerika, die Antarktis und Indien Teile
dieser riesigen Landmasse gewesen.
Das Abbrechen und Auseinanderdriften der Teile des Urkontinents, das vor
ca. 200 Millionen Jahren einsetzte, ist die Grundlage der Theorie zur Plattentektonik.

Sie besagt, daß sich Schollen der Erdkruste als Reaktion auf Ströme

heißer Materie, die aus dem Erdinnern aufwallt, bewegen.

Kollisionen zwischen

den Platten sind der Theorie zufolge die Ursache von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und der Bildung von Gebirgen.
Die

�Die Suche nach pflanzlichen und tierischen Fossilien, die erstmals
1962/63/64 in der Antarktis gefunden wurden, wird wieder intensiviert, um
mehr über die Entwicklung von Leben und die Umweltbedingungen in der Region
vor einigen Hundert Millionen Jahren zu erfahren.

Durch frühere Funde weiß

man, daß die Antarktis einst ein gemäßigtes, teilweise sogar tropisches Klima gehabt haben muß.

Untersuchungen zum Wachsen und Schrumpfen der Eismassen (sie haben heute
stellenweise eine Dicke von 4000 m) sollen Hinweise auf die weltweite Klimaentwicklung geben.

In sehr warmen Zwischeneiszeiten, z.B. vor 224 000 Jahren,

verlor der Weiße Kontinent wahrscheinlich sehr große Teile seines Schelfeises.

Vom Hubschrauber aus werden amerikanische und deutsche Wissenschaftler
einen Gebirgszug auf radioaktive Elemente sondieren.

In ihm wurden bereits

Kohleschichten entdeckt - und dort findet sich auch meistens Uran.

Die Suche

nach Meteoriten, die das Alteis nach und nach freigibt, geht weiter.

Im

Ellsworth-Gebirge wurden in den letzten drei Jahren 1300 Exemplare gefunden
- schon fast ebenso viele wie bisher in der ganzen übrigen Welt zusammen.
Einige Antarktismeteoriten sind ganz seltene Typen; zwei enthalten Aminosäuren extraterrestrischen Ursprungs.

+ + + + +

- 7 -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>Amerikadienst 17.10.1979</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz Präsident Carters am 9. Oktober 1979&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge zu Kuba - Verteidigung - Inflation - Kambodscha -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache von Vizepräsident Mondale vor der ATA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Angebot Breschnews muss im Zusammenhang gesehen werden -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die NATO im vierten Jahrzehnt: Verteidigung und Entspannung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache Brezinskis auf der Jahrestagung der ATA in Washington -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Zentralbankrat verschärft Kampf gegen die Inflation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Bekanntmachung des Federal Reserve Board vom 6. Oktober 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SALT II und die NATO-Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Senator Joseph Biden legt Bericht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;25 Jahre intensive Forschung in der Antarktis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Wissenschaftler starten zur neuen Saison -&lt;/em&gt;</text>
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I

Information
und
Dokumentation

1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Oktober 1979

41

INHALT

DOKUMENTATION
Grußbotschaft Carters zum 10. Jahrestag des NATO-Ausschusses für Aufgaben
der modernen Gesellschaft

INFORMATION
Synthesebrennstoffe für die Energiepalette
- Entwicklung von Kohlenprodukten in amerikanisch-deutscher Zusammenarbeit
Wasserkraft besser nutzen
- Das Potential der kleinen Staudämme -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die amerikanische strategische Abschreckung und die europäische Sicherheit
- Von McGeorge Bundy Nur weltweite Kampagne verspricht Erfolg
- USA fordern enge Zusammenarbeit zur Rauschgiftbekämpfung -

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Oktober 1979

41

GRUSSBOTSCHAFT CARTERS ZUM 10. JAHRESTAG DES NATO-AUSSCHUSSES
FÜR AUFGABEN DER MODERNEN GESELLSCHAFT

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich des 10. Jahrestages der Gründung des NAT0Ausschusses für Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS) wurde auf der Eröffnungssitzung in Washington am 23. Oktober 1979 von Douglas M. Costle, dem
Leiter der amerikanischen Behörde für Umweltschutz, eine Grußbotschaft Präsident Carters verlesen, die folgenden Wortlaut hat:
Ich grüße herzlichst die Mitglieder und Freunde des NATO-Ausschusses für
Aufgaben der modernen Gesellschaft, die hier den 10. Jahrestag seiner Gründung
begehen.
Ihr erstes Jahrzehnt war gekennzeichnet durch bemerkenswerte Leistungen
bei unseren gemeinsamen Anstrengungen zur Schaffung eines für uns selbst und
für kommende Generationen sichereren und gastlicheren Planeten. In großem Maß
dank Ihrer Arbeit haben wir bessere Techniken zur Warnung vor Luftverschmutzung
und zu ihrer Kontrolle entwickelt. Unsere Landstraßen und Stadtzentren wurden
dank Ihrer wirkungsvollen Programme im Bereich der Verkehrssicherheit und der
städtischen Beförderungsmittel verbessert. Und in Ihren Ausschußprogrammen
kommen Sie bei der gewaltigen Anstrengung zum Verständnis und zur Kontrolle der

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Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�der Proliferation gefährlicher Stoffe gut voran.
Wir haben diese Tätigkeit als Verbündete begonnen, weil wir die Gefahr
erkennen, der das Fundament unserer Gesellschaften durch diese Herausforderungen
der Umwelt ausgesetzt ist.

Unsere Fähigkeit, uns den Verantwortlichkeiten un-

serer industriellen und technologischen Stärke zu stellen, ist ein Maßstab für
unseren Erfolg als freie Partner in einem großen Bündnis.

Dadurch erfüllen wir

unsere Verpflichtungen gegenüber unseren Bürgern und gegeneinander, nämlich zu
friedlichen und freundschaftlichen internationalen Beziehungen, zu Stabilität
und Wohlergehen beizutragen.
Lassen Sie uns auf dieser Vollversammlung zum 10. Jahrestag des NATO-Ausschusses für Aufgaben der modernen Gesellschaft die Zeit nehmen, über unsere
Leistungen nachzudenken und uns zu einer Arbeit gratulieren, die so wohl verrichtet wurde.
uns liegen.

Aber widmen wir uns auch erneut den vielen Aufgaben, die vor

Probleme, die man sich vor 10 Jahren noch nicht hätte vorstellen

können, fordern heute unsere enge Konsultation und Zusammenarbeit.

Ich bin

sicher, daß dieser Ausschuß diese neuen Herausforderungen ebenso annehmen wird,
wie er die seines ersten Jahrzehnts überwunden hat.
Ich spreche Ihnen ein Lob für Ihren Erfolg aus. Ich empfehle Ihnen, Ihre
künftige Arbeit mit der gleichen Zielstrebigkeit zu verfolgen, mit der gleichen
Vitalität und Verpflichtung den Zielen des Bündnisses und dem Trachten aller
Völker gegenüber nach einer ordentlichen und sicheren Qualität des Lebens.

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�Information

i

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

41

24. Oktober 1979

SYNTHESEBRENNSTOFFE FÜR DIE ENERGIEPALETTE
Entwicklung von Kohleprodukten in amerikanisch-deutscher Zusammenarbeit

- (AD) - Zusammenarbeit bei der Entwicklung synthetischer Brennstoffe
aus Kohle ist Gegenstand eines Abkommens, das am 5. Oktober 1979 von USEnergieminister Charles W. Duncan und Dr. Volker Hauff, Minister für
Forschung und Technologie der Bundesrepublik, in Washington unterzeichnet
wurde.

Auf Grund dieser zweiten Vereinbarung im Rahmen einer vierteiligen

Serie übernehmen die Regierung in Bonn und deutsche Firmen 25 Prozent
der Gesamtkosten für den endgültigen Entwurf, den Bau und Betrieb einer
Demonstrationsanlage, die in der Nähe von Morgantown (Westvirginia)
errichtet werden soll. Der Baubeginn ist für das Jahr 1981, die Inbetriebnahme für Mitte 1984 vorgesehen.

Nach ersten Schätzungen belaufen

sich die Gesamtkosten auf mehr als eine Milliarde Dollar.
Bei einem Tagesdurchsatz von 6 000 Tonnen stark schwefelhaltiger Kohle
will man verschiedenartige synthetische Flüssigbrennstoffe herstellen,
deren Gesamtenergie-Gehalt jenem von knapp 3 000 Tonnen Rohöl pro Tag
entspräche. Die Umwandlung von Kohle in flüssige Brenn- und Kraftstoffe
erfolgt nach einem direkten "Verflüssigungs"-Prozeß, dem sog. SRC ("Solvent

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�("Solvent Refined Coal")-Verfahren.

Bei dieser Methode werden aus Kohle

gewonnene aromatische Verbindungen unter bestimmten Druck- und Temperaturverhältnissen als Lösungsmittel für die organischen Kohlebestandteile
benutzt.

Aschen und unlösliche organische Stoffe werden sodann abfiltriert.

Das nach Rückgewinnung des Lösungsmittels zurückbleibende Produkt ist der
Ausgangsstoff für die Herstellung verschiedener flüssiger Brennstoffe.
Der SRC-Prozeß ist eines von mehreren Verfahren zur Produktion von
Flüssigbrennstoffen aus Kohle im kontinuierlichen Betrieb, die gegenwärtig untersucht werden.

(Eine weitere Möglichkeit ist die "indirekte

Verflüssigung", wobei die Kohle zunächst in Gas und dann erst in Flüssigkeiten umgewandelt wird.)

Das für die Demonstrationsanlage Morgantown

vorgesehene Verfahren wurde seit 1974 in einem kleinen Versuchsbetrieb
in Fort Lewis (US-Bundesstaat Washington) getestet.

Dort lag der Tages-

durchsatz bei 30 Tonnen Kohle.

- US-Senat für industriellen Zwei-Stufen-Plan Die Kohleverflüssigung stellt einen der umfangreichsten Programmpunkte
im Energieplan Präsident Carters dar. Angesichts der enormen Kosten des
ursprünglich vorgeschlagenen Mammutprogramms in Höhe von 88 Milliarden
Dollar empfahl jetzt der US-Senat auf Grund einer Reihe finanz- und
wirtschaftstechnischer Studien, den Aufbau einer "Synfuel"-Industrie in
zwei Stufen in Angriff zu nehmen und sich dafür mehr Zeit zu lassen als
zunächst geplant. (Mit dem Kurzbegriff "Synfuels", werden die synthetisch
gewonnenen gasförmigen und flüssigen Brennstoffe aus Kohle und anderen
Rohstoffen bezeichnet.)
Die Ergebnisse der Studien sind in einer Ende September vom US-Senat
veröffentlichten Kostenanalyse zusammengefaßt. Der Bericht hebt eingangs

- 2 -

�eingangs hervor, daß durch eine effizientere Anwendung "alternativer
Mechanismen" wie intensives Energiesparen, Verwendung von mehr Kohle
nach den herkömmlichen Verfahren und sofortige Aufhebung der Preiskontrollen
für einheimisches öl die Mengen von Importöl verringert und dies, kurzfristig gesehen, weniger kosten würde als die Produktion synthetischer
Brennstoffe mit den heute verfügbaren Techniken.

"Wenn ein Aspekt der

Energiefrage deutlich geworden ist", heißt es in dem Bericht, "so der, daß
kein Programm allein die Energiekrise zu lösen vermag."
In dem Bericht wird empfohlen, bis 1985 zunächst 10-12 Hydrierund Kohleumwandlungsanlagen in einer Größenordnung zu errichten, die
jener von kommerziellen großtechnischen Werken entspricht. In diesen Betrieben sollen die wirtschaftlichen und technischen Gegebenheiten der
verschiedenen Synfuel-Verfahren getestet werden, ehe man in der zweiten
Stufe den Bau zahlreicher Großanlagen in Angriff nimmt. Die Produkte
dieser Betriebe entsprächen im Jahr 1985 dem Energiegehalt von knapp
43 000 Tonnen Rohöl pro Tag. Gleichzeitig würden die Anlagen wichtige
Informationen über betriebstechnische Probleme sowie Umweltbelastungen
durch jedes einzelne Verfahren erbringen, bevor massive Investitionen
unternommen worden seien.
Wie Senator Gary Hart (US-Bundesstaat Colorado) auf einer Pressekonferenz in Washington erklärte, erlaube ein Zwei-Stufen-Programm zur
Entwicklung synthetischer Brennstoffe ein elastischeres Vorgehen bei
den Bemühungen der Vereinigten Staaten, dem Energiebedarf der Zukunft
gerecht zu werden. Selbst mit einer solchen langsameren "Gangart" sei
es möglich, das von Präsident Carter gesteckte Ziel - synthetische Brennstoffe im Äquivalent von ca. 360 000 Tonnen öl pro Tag bis zum Jahr
1990 - zu erreichen.
Die Studie hebt außerdem folgende Punkte besonders hervor:
Die
- 3 -

�Die geplanten Synthesebrennstoff-Programme haben wahrscheinlich
geringe oder gar keine Auswirkungen auf Inflation und Arbeitslosigkeit.
-

Neben der Preisfrage gibt es noch andere Probleme, die den kommerziellen Aufbau einer Industrie für synthetische Brennstoffe beeinträchtigen könnten, u.a. Bedenken wegen der damit verbundenen
Schäden und Belastungen für die Umwelt, staatliches Reglement
sowie Genehmigungsbeschränkungen.

Die meisten Schwierigkeiten

in den achtziger Jahren dürften jedoch bei der Bauindustrie wegen
der Auslegung, Konstruktion und der Errichtung solcher Anlagen
auftreten.
-

Preisgarantien, mit denen die US-Regierung ein fixiertes Preisniveau über dem ölmarktpreis für Synfuel-Produzenten gewährleistet,
wären in wirtschaftlicher Hinsicht der effektivste Anreiz für die
Privatwirtschaft.

Jedoch sind dafür eine Vielzahl finanzieller

Mechanismen notwendig . . . Angestrebt werden sollte der Aufbau
eines konkurrierenden und vielschichtigen Marktes mit kleinen wie
großen Produzenten von synthetischen Brennstoffen.
Der Energie-Ausschuß des US-Senats beschloß am 11. Oktober 1979 ein
20-Milliarden-Dollar-Programm für die Finanzierung und den Bau von bis zu
drei Synthesebrennstoff-Anlagen, nachdem der Bewilligungsausschuß des
Senats die Bereitstellung dieses Betrags empfohlen hatte.

+ + + + +

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Information

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24. Oktober 1979

41

WASSERKRAFT BESSER NUTZEN
Das Potential der kleinen Staudämme

- (AD) - Im Vergleich zu den Investitionen auf dem Gebiet der SyntheseBrennstoffe ist der Aufwand, den eine intensivere Nutzung von Wasserkraft
erfordert, geradezu lächerlich gering.

In seinem Energieprogramm für

ländliche Gebiete hatte Präsident Carter im April 1979 angekündigt, daß
100 kleine Talsperren umgebaut würden, um ab 1981 ca. 300 Megawatt Strom
liefern zu können, und daß bis 1985 die Modernisierung von weiteren 300
Staudämmen geplant sei. Das US-Energieministerium stellte für diese
Vorhaben bisher 300 Millionen Dollar in Form von kostenanteiligen Anleihen
und Beihilfen für private Gruppen zur Verfügung.
Auf der internationalen Konferenz "Wasserkraft 1979" Anfang Oktober 1979
in Washington wurde die Frage der besseren Nutzung von Kleinkraftwerken
eingehend erörtert.

Nach neuesten Studien könnten z.B. die Vereinigten

Staaten, wie Präsidentenberater Jack Watson ausführte, jährlich zusätzliche
27 000 Megawatt Strom von 5 200 bereits vorhandenen kleinen Stauanlagen
gewinnen.

Diese Wasserkraft würde etwa 20 Millionen Tonnen Erdöl pro

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�pro Jahr ersetzen.
Als kleine Wasserkraftanlage wird eine Staumauer von ca. 20 m Höhe
definiert, an der täglich 15 Megawatt elektrische Energie erzeugt werden
können.

Diese reicht aus, um den Strombedarf von 3 000 Familien auf dem

Lande während der verbrauchsintensiven Sommermonate zu decken.

Die

Stauanlagen sind meist im Besitz von Farmern, Ranchern und anderen
Privatpersonen bzw. Gruppen.

Als Quellen zur Erzeugung von Wasserkraft

seien sie jedoch, wie Watson erklärte, nur unzureichendentwickelt, obgleich
sie zusammen ungefähr die Hälfte der Wasserkraftkapazität der Vereinigten
Staaten ausmachten.

Nach Schätzungen des amerikanischen Energieministeriums

dürfte, weltweit gesehen, das ungenutzte Wasserkraftpotential sogar noch
sehr viel höher sein.
Die Kosten der von kleinen Wasserkraftwerken erzeugten Energie könnten
laut Watson mit den Stromkosten bei neuen Kohle- oder Kernkraftprogrammen
konkurrieren - aber mit dem Unterschied, daß Wasserkraft "die sauberste
und sicherste Energiequelle ist und sich außerdem ständig erneuert".
Gegen die verhältnismäßig kleinen Bauwerke sei vom Ästetischen her kaum
etwas einzuwenden. Die Auswirkungen auf das Ökosystem der Flußlandschaft
seien gering, manchmal sogar sehr positiv. Und die erforderliche Technologie
sei seit langem etabliert.
Den größten Kostenfaktor bei kleinen Wasserkraftwerken stellen die
Anfangsinvestitionen für die Bauwerke und Maschinenausrüstungen dar.
Betriebs- und Wartungskosten dagegen liegen, wie aus statistischen Erhebungen
des US-Energieministeriums über vorhandene Anlagen hervorgeht, sehr niedrig
und werden von der Inflation nicht berührt.
Angesichts des großen Interesses von Farmern, Kommunal Verwaltungen,
Genossenschaften und anderen Gruppen wurde inzwischen auf Initiative von
Prof. Lewis W. Klotz (Universität New Hampshire) und Sam Barnes, Ingenieur

- 2 -

�Ingenieur für Wasserbau der Stadtverwaltung von Columbus (Ohio), ein
unabhängiger Verband ins Leben gerufen.

Er nennt sich "American Small

Hydropower Association" und hat sich zum Ziel gesetzt, die diversen Gruppen,
die an der Entwicklung kleiner Wasserkraftwerke interessiert sind, zusammenzubringen, technische Informationen auszutauschen und die Nutzbarmachung
von Wasserkraft auch im kleinen Rahmen nach Kräften zu fördern.

+ + + + +

�41

24. Oktober 1979

DIE AMERIKANISCHE STRATEGISCHE ABSCHRECKUNG UND DIE
EUROPÄISCHE SICHERHEIT

- Von McGeorge Bundy -

Am 7. September 1979 hielt McGeorge Bundy
auf der Jahreskonferenz des Internationalen
Instituts für Strategische Studien (IISS)
in Villars in der Schweiz e ine Rede zum
Thema der amerikanischen Ab schreckung und
der Sicherheit Europas, auf der folgender
Artikel basiert. McGeorge Bundy war unter
den Präsidenten Kennedy und Johnson Berater
für Fragen der nationalen S icherheit. Gegenwä'rtig lehrt er als Profess or für Geschichte
an der Universität von New York.

Vor was sollte die amerikanische strategische Abschreckung abschrecken?
Um darauf eine Antwort zu erhalten, dürfen wir nicht auf die Sprache der politischen Führer hören.

Bezeichnenderweise wollten sie vor einer "Aggression"

abschrecken, aber sie haben gezögert, genau zu definieren, welche Handlungen
die Abschreckung auslösen würde.

Es ist verhältnismäßig einfach, unter die-

sen Schirm die 50 amerikanischen Einzel Staaten zu versammeln; aber es gibt
auch Südostasien und Afrika, um uns daran zu erinnern, daß strategische Waffen
wenig nützen in entfernten Regionen, die von ihren eigenen internen Streit-

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�Streitkräften beherrscht werden.

In solchen Fällen kann die Abschreckung

allerhöchstens eine bescheidene Wirkung dadurch haben, daß sie die Direktheit
und Sichtbarkeit sowjetischer Aktivität einschränkt.

Aber wie steht es in

Europa?

Der amerikanische strategische Schutz Westeuropas ist bisher ein klassischer Fall doktrinärer Verwirrung und pragmatischen Erfolgs.

1949 war das Jahr

des ersten sowjetischen Atomversuchs; sechs Monate vorher war es das Jahr des
Nordatlantikvertrags.

Der durch Artikel V gewährte nukleare Schutz hat 30

Jahre lang durch dick und dünn überdauert.

Es gab oft Alarm,und es gab große

Veränderungen - keine davon bemerkenswerter als der einzigartige Übergang von
einer nackten politischen Zusicherung zu einer umfangreichen militärischen Dislozierung in den Jahren 1950-1951. Aber es gab die ganze Zeit, wie jüngst
scharfsinnig bemerkt wurde, in Europa immer ein "anhaltendes Gleichgewicht".
Dieses Gleichgewicht spiegelt nicht nur die tiefe politische Wirklichkeit
wider, daß beide Seiten das, was jetzt besteht, einer großen und nicht vorhersagbaren Änderung durch Gewalt vorziehen, sondern zugleich ein Machtgleichgewicht, in dem das Engagement der amerikanischen strategischen Abschreckung
ein wesentliches Element darstellt.

über die Art und Weise, auf die diese Abschreckung angewendet wird oder
werden sollte, gab es immer wiederkehrende Debatten.

Am einen Ende gibt es

ein paar Leute, die glauben, daß es eigentlich nichts abzuschrecken gebe, da
die sowjetische Bedrohung Europas nicht militärisch sei und im wesentlichen
nicht militärisch sein werde.

Am anderen Ende gibt es einige Militärs und ein

paar zivile Verbündete, die argumentieren, daß wir die Russen auf allen Ebenen
mit in Europa stationierten Nuklearstreitkräften einholen, ja sogar übertreffen
müßten.

Die Argumente der zuversichtlichen NATO-Oberbefehlshaber sind sich

von Norstad bis Haig so ziemlich gleich.

In regelmäßigen Abständen haben

Propheten unterschiedlicher Überzeugungskraft argumentiert, daß das Verhältnis strategischer nuklearer Abhängigkeit seiner inneren Natur nach instabil
sei und daß das neue Europa seine eigene ausreichende Stärke wünschte und benötigte:

Ich dachte selbst einmal so.

- 2-

Eine besonders schwere und irrige

�irrige Sorge bestand zeitweilig darin, daß ein neubelebtes Westdeutschland
nicht für immer seinen eigenen Status als Land ohne Kernwaffen hinnehmen
könnte in einem Bündnis mit drei Staaten, die über Kernwaffen verfügten.
Es gab Experten, die bei jeder neuen amerikanischen Doktrin den Trost für
Europa anzweifelten, egal,ob es um die massive Vergeltung oder die flexible
Antwort oder die nahtlose NATO-Triade ging.

Und auch sowjetische Drohungen

aller Art - politisch und militärisch, konventionell und nuklear, tatsächlich
und hypothetisch - haben in Abständen das Gleichgewicht belastet.

Das geht

so weiter.
Es ist hier nicht der Ort, um die Doktrinen der NATO oder die Probleme
der Modernisierung der Kernwaffen zu behandeln. Sie sind nicht unerheblich.
Aber obwohl es eine innewohnende Spannung zwischen den Wünschen der Militärs
und den Haushalten in Friedenszeiten gibt, und dies in allen NATO-Ländern,
obwohl.die NATO ihren Zweck erfüllt hat, ohne jemals ihren eigenen Zielvorstellungen hinsichtlich des Umfangs ihrer Streitkräfte nahegekommen zu sein,
und obwohl es bei der Planung für jede Art dritten Kriegs in Europa eine Unvorhersagbarkeit gibt, der man nicht entrinnen kann, so gibt es doch eine Schwelle
der Stärke und der Glaubwürdigkeit, unter die die NATO-Streitkräfte nicht gehen sollten. Aus diesem Grund unterstützte ich die allgemeine Anstrengung
der letzten beiden Jahre.
Aber hinsichtlich der Zukunft der strategischen Abschreckung für Europa
sehe ich mich selbst sowohl als Konservativer als auch als Optimist. In
ihrem innersten Kern ist sie nie eine separate Kraft gewesen, über viele •
Jahre hinweg waren die verläßlichsten strategischen Waffen der NATO die zugeteilten amerikanischen Unterseeboote, und sie wiederum waren selbst nur so
zuverlässig wie die amerikanische Garantie. Es gibt keinen Weg, diese Realität durch neue Dislozierungen von weiterreichenden Waffen zu ändern, und es
gibt keinen Grund für die Amerikaner, ihren Verbündeten so etwas aufzudrängen.
Auch wird die grundlegende Garantie nicht daran gemessen, daß man die Anzahl •
der von Amerika kontrollierten weiterreichenden Waffen der NATO mit den SS-20
und den Backfire-Bombern vergleicht. In Erinnerung daran, daß diese strategische Welt unvermeidlich zweigeteilt ist, müssen wir erkennen, daß in keinem
- 3 -

�keinem Augenblick des ernsthaften Drucks weder Washington noch Moskau solche
amerikanische Waffen als eine Streitmacht betrachten würden, die getrennt
verwendet wird oder eindeutig begrenzt ist.

Alle von Amerika kontrollierten

Waffen, die die Sowjetunion erreichen können, würden mit größter Gewißheit
für beide die gleiche Bedeutung haben.
Daraus folgt, daß der strategische Schutz Europas so stark oder so schwach
ist wie die amerikanische strategische Garantie, egal,welche amerikanische
Waffen bei der NATO disloziert sind.

(Ich schließe hier nicht einen nützlichen

Beitrag durch das Vorhandensein der britischen und französischen Waffen aus,
obgleich sie keine wesentliche Variable in der gegenwärtigen Debatte darstellen,
egal, wie man sie einschätzt).

Und ich bin der Ansicht, daß die Wirksamkeit

dieser amerikanischen Garantie wahrscheinlich in der Zukunft ebenso groß sein
wird wie in der Vergangenheit.

Schließlich war sie 30 Jahre lang wirksam,und

20 dieser Jahre waren, wie wir gesehen haben, eine Zeit der grundlegenden Parität der gegenseitigen Zerstörungsgewalt.
Die anhaltende Wirksamkeit der amerikanischen Garantie hing nicht von der
strategischen Überlegenheit ab. Sie hing vielmehr von zwei entscheidenden Faktoren ab: der sichtbaren Dislozierung umfangreicher amerikanischer Streitkräfte
in Europa sowie dem deutlichen Risiko, daß jeder ernsthaftere Schlagabtausch
zwischen sowjetischen und amerikanischen Streitkräften rasch und unkontrollierbar allgemein, nuklear und schrecklich werden würde. Der schwerwiegendste
Angriff auf den strategischen Schirm in jenen Jahren war die Kampagne von
Senator Mansfield für eine Truppenverminderung - und ich betrachte es als ein
sehr gutes Zeichen, daß mit seinem Ausscheiden aus dem Senat die Verminderung
unseres militärischen Engagements in Europa als politisches Thema verschwunden
ist.
Niemand weiß natürlich, ob ein größeres Engagement in Europa sich zu
strategisch-nuklearem Ausmaß eskalieren würde. Aber der wesentliche Punkt
liegt in der Umkehr: Niemand kann wissen, ob dies nicht doch einträte. Gerade weil diese Waffen anders sind, und gerade weil das bestehende Kräfteverhältnis in Europa für beide Seiten erträglich ist, ist sogar das kleinste Ri- 4 -

�Risiko eines großen nuklearen Schlagabtausches viel zu hoch.

Ich glaube an

das, was Michael Howard hinsichtlich der Abschreckungskraft sogar einer ungewissen Bedrohung als "Healeys Theorem" bezeichnet hat:

"Wenn die Chancen

auch nur 1 : 100 stehen, daß Kernwaffen eingesetzt werden, dann wäre dies
noch genug, um einen Angreifer abzuschrecken - auch wenn es nicht genug wäre,
um einen Verbündeten zu beruhigen."

Und zur Beruhigung des Verbündeten würde

ich auf die Realität meiner Anwesenheit hinweisen, auf die Realität meines
fortgesetzten Augenmerks auf eine vermehrte Anstrengung und auf die Realität
der strategischen Stabilität.

Ich würde ferner auf die Tatsache hinweisen,

daß in der Entspannung selbst eine starke Abschreckungswirkung liegt.

Denn

wer von uns glaubt wirklich daran, daß die Sowjetunion danach lechzt, uns alle
auf ein Niveau der Rüstungsausgaben zurückzubringen, wie wir es nach Korea
und dem Sputnik hatten?
Wir dürfen nicht vergessen:

wenn es an die oberen Grenzen der Gewalt-

anwendung geht, sind die beiden Supermächte im Umgang miteinander äußerst vorsichtig.

Das geht nicht auf die Einschätzung der Erst- oder Zweitschlagka-

pazität der jeweiligen Streitkräfte zurück
kalation vorhanden ist oder nicht.

oder weil ein übergewicht der Es-

Nur wenige Führer der beiden Staaten haben

gewußt, was solche Begriffe bedeuten.

Sie wagen es ganz einfach nicht, es

auf einen Krieg mit dem andern ankommen zu lassen, weil sie Angst davor haben,
was geschehen könnte, wenn er sich zu einem Nuklearkrieg ausweiten würde
- was jederzeit möglich wäre.

Der Fall Kuba bestätigt diese Regel.

Die bei-

den Regierungen machten sich zwar gegenseitig fast verrückt, aber gerieten
zu keiner Zeit in die Nähe eines Nuklearkriegs.

Und seither sind beide noch

vorsichtiger geworden.

Daher lautet meine Schlußfolgerung, daß unbedeutende Änderungen der
strategischen Zahlen keine Bedrohung der strategischen Garantie Amerikas in
der NATO bedeuten.

Diese Garantie beruht nicht auf der Anzahl der Gefechts-

köpfe, sondern auf einer Verpflichtung, die für die andere Seite ein Risiko
darstellt, ein gänzlich unannehmbares und seiner Natur nach unvorhersagbares
Risiko.

Auch glaube ich nicht, daß die tatsächliche Wirksamkeit dieser Ab-

schreckung besonders empfindsam ist gegenüber dem Auf und Ab des europäischen
- 5-

�europäischen Vertrauens in diese oder jene amerikanische Regierung.

Sicher

ist gegenseitiges Vertrauen über den Atlantik hinweg wichtig, und sicher hat
die NATO eine recht unglückliche Geschichte wiederkehrender Mißverständnisse.
Aber die Neutronenwaffe ist nicht der Schild Europas.

Dieser Schild ist die

amerikanische Triade, deren Verpflichtung durch 300 000 Amerikaner vor Ort
glaubwürdig wird.
Die augenblickliche Konzentration auf die Verteidigungspläne, zunächst
durch die Warnungen von Senator Nunn und später von Kissinger ausgelöst, ist
ein indirektes Kompliment für die Verteidigung des SALT II-Abkommens durch
die Regierung, von Harold Brown mit einer bewundernswerten Kombination von Geduld und Klugheit geführt. Auch wird die Aufmerksamkeit auf das richtige Thema
gelenkt.

Unsere strategische Abschreckung ist gegenwärtig gesund, aber ein

Teil davon ist nicht so dauerhaft überlebensfähig, wie wir es gern hätten.

Die

UdSSR ist nicht dabei, einen Erstschlag gegen unsere Minuteman zu führen.
Die sowjetische Führung weiß - einige Schreiber von Szenarien vielleicht nicht -,
daß die Vereinigten Staaten wahrscheinlich nicht passiv die gleichzeitige Verwüstung von acht Staaten hinnehmen würden.

Aber wir sehen, daß überschüssige,

überlebensfähige Zweitschlagkraft zum Wesen der Abschreckung gehört.

Es ist

richtig, sich mit der Minuteman zu befassen.
Auch ist es richtig,die Angelegenheit in Suche nach einem Konsens durchzudiskutieren. Da die Abschreckung auf beiden Seiten so groß ist, gibt es einen
breiten Sicherheitsspielraum, und es ist vernünftig, unsere Streitkräfte über
das Gefahrenniveau hinaus auszubauen, um das Vertrauen der breiten Öffentlichkeit zu befriedigen. Und es ist ebenso richtig, die Frage in den Gesamtrahmen
des Verteidigungshaushalts zu stellen. Wenn die MX 30 Milliarden Dollar kostet
und uns womöglich mehr gibt als wir brauchen: Würden wir dann nicht besser
daran tun, etwas kleineres zu kaufen und das Ersparte anderweitig zu verwenden?
Ich beantworte die Frage nicht. Ich stelle nur fest, daß diese Diskussion für
uns alle von Vorteil ist und es den Kritikern aller Art schwieriger macht, der
Verantwortung auszuweichen, die mit der Beteiligung an dem tatsächlichen Prozeß
der tatsächlichen Entscheidungssuche verbunden ist.
Bei

�Bei der Modernisierung sollten wir schließlich bei allen Wahlmöglichkeiten an das Urteil denken, das zwei unserer besten Kenner auf diesem Gebiet
abgegeben haben.

Das erste stammt von Bernard Brodie und besagt, daß es viel

wichtiger ist, diese Art von Krieg nicht zu haben,als durch ihn irgendeinen
unbedeutenden Vorteil zu verfolgen.

"Thukydides hatte recht:

Frieden ist besser als Krieg, nicht nur, weil

er angenehmer ist, sondern weil er viel leichter vorhersagbar ist.

Ein Plan

und eine Politik, die einen Krieg mit ziemlicher Sicherheit vermeiden, sind
daher ihrer Wichtigkeit nach in jeder Hinsicht besser als eine, die das Ziel
der Abschreckung abwertet, um die Chancen auf einen Sieg zu vergrößern."

Die zweite Warnung kommt von Raymond Aron:

daß nämlich die Logik der

strategischen Abschreckung uns nicht an sich schon Frieden verspricht.

Die

großen Staaten, so sagt er uns, werden keinen Krieg auf Leben und Tod miteinander führen, wenn sie vernünftig sind.

"Aber", so fährt er fort, "wenn die

Philosophen den Menschen oft ein vernunftbegabtes Wesen genannt haben, so
haben sie dieses Adjektiv selten mit gleicher Zuversicht auf die Geschichte
der Menschheit angewandt."

Was die Vernunft am meisten bestätigt, ist,keinen Augenblick zu vergessen,
wie unterschiedlich diese Waffen sind.

- 7 -

�moleno
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

41

24. Oktober 1979

NUR WELTWEITE KAMPAGNE VERSPRICHT ERFOLG
USA fordern enge Zusammenarbeit zur Rauschgiftbekä'mpfung

- (AD) -

Das schwerwiegende Problem des illegalen Rauschgifthandels

"verdient wahrhaft weltweite Anstrengungen" sowohl seitens der einzelnen
Regierungen als auch der internationalen und regionalen Organisationen.
Dies erklärte Mathea Falco, Unterstaatssekretärin im US-Außenministerium
für internationale Betäubungsmittel-Angelegenheiten, vor dem Senatsunterausschuß für Strafrechtsfragen.
internationales Problem geworden.

Der urogenmißbrauch sei ein sehr ernstes
Vor allem Westeuropa und Südostasien

litten heute unter den Auswirkungen von Heroinabhängigkeit und illegalem
Rauschgifthandel weitaus stärker als vor einem Jahrzehnt, als dies
vorwiegend als ein amerikanisches Problem betrachtet wurde.

Auch in den

Vereinigten Staaten werde durch Drogen viel Leid verursacht - ganz abgesehen
davon, daß durch den illegalen Handel und die illegalen Geschäfte mit dem
Ausland dem Staat jährlich etwa 2 Milliarden Dollar verloren gehen.

In der von Ms. Falco vorgelegten Übersicht heißt es u.a., daß es
sich "die USA einfach nicht leisten können, ohne die Hilfe anderer
Nationen und internationaler Finanzinstitute alles Notwendige zu tun".

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�tun".

Schon vor zwei Jahren hatte Präsident Carter in einer Botschaft

an den Kongreß das unermeßliche menschliche Leiden, den gesellschaftlichen
Schaden und die enormen Profite der Händler angesprochen, die das volkswirtschaftliche System verzerren und politische Korruption heraufbeschwören können.
Das gegenwärtige internationale Programm der Vereinigten Staaten zur
Drogenbekämpfung zielt darauf ab, Barrieren gegen die Flut von Heroin,
Kokain und Marijuana, die ins Land kommt, zu errichten.

Die beiden erst-

genannten Rauschgifte werden ausnahmslos, Marijuana zum größten Teil im
Ausland hergestellt.

Wie Ms. Falco erklärte, geben die Vereinigten

Staaten mehr als 800 Millionen Dollar dafür aus, um die Nachfrage nach
illegalen Rauschgiften und deren Einschleusung und Verkauf zu reduzieren.
Von dem Betrag werden 40 Millionen Dollar von US-Außenministerium für
bilaterale Programme und für solche Länder aufgewandt, in denen der meiste
illegale "Stoff" produziert wird.

"Unsere Projekte sind darauf abgestellt,

nicht nur kurz- und langfristig das Angebot an illegalen Drogen für den
Gebrauch in den Vereinigten Staaten zu verringern", erklärte die Unterstaatssekretärin, "sondern auch anderen Nationen zu helfen, ihre eigenen
Maßnahmen zur Verminderung illegaler Drogen zu stärken".
Im neuen Haushaltjahr, das am 1. Oktober begann, hat das US-Außenministerium
17 Millionen Dollar zur Unterstützung latainamerikanischer Länder bei der
Kontrolle von illegalem Opium und Kokain, ca. acht Millionen Dollar für
die Kontrolle von Opium in Ostasien und fast neun Millionen Dollar zur
Kontrolle von Opium aus dem Nahen Osten eingeplant. In der letztgenannten
Region "werden die größten Mengen von Schlafmohn illegal angebaut", sagte
Ms. Falco. Neben bilateralen Maßnahmen zur Drogenkontrolle legten die
USA in den letzten Jahren besonderes Gewicht auf die Mobilisierung internationaler Aktionen zur Bekämpfung des Problems. Seit dem Jahr 1971 leisten
sie den höchsten Beitrag zum UN-Fonds für die Kontrolle von Drogenmißbrauch.

In

�In Erörterungen vor dem Forum der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OPEC) haben die USA das Rauschgiftproblem
wiederholt zur Sprache gebracht.

Sie unterstützen außerdem energisch

Anstrengungen zur Drogenkontrolle in Asien im Rahmen des Colombo-Plans und
der Vereinigung südostasiatischer Länder (ASEAN).

Mit internationalen

und regionalen Finanzinstitutionen haben die USA ebenfalls Kontakt aufgenommen.

Das US-Amt für internationale Entwicklung (AID) ist gesetzlich

verpflichtet, Hilfsprojekte mit Vorrang zu behandeln, die den illegalen
Anbau von drogenhaltigen Pflanzen verringern helfen. Aber "nur wahrhaft
weltweite Anstrengungen ... werden auf lange Sicht zu einer Lösung des
Problems illegaler Drogen führen", meinte Mathea Falco.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Grußbotschaft Carters zum 10. Jahrestag des NATO-Ausschusses für Aufgaben der modernen Gesellschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Synthesebrennstoffe für die Energiepalette&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Entwicklung von Kohlenprodukten in amerikanisch-deutscher Zusammenarbeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wasserkraft besser nutzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das Potenzial der kleinen Staudämme -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische strategische Abschreckung und die europäische Sicherheit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von McGeorge Bundy -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur weltweite Kampagne verspricht Erfolg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA fordern enge Zusammenarbeit zur Rauschgiftbekämpfung -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

31. Oktober 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Senator Nunn zu MBFR und zur TNF-Modernisierung
- Wortlaut der Rede vom 22. Oktober 1979 -

HINTERGRUNDMATERIAL
US-NATO-Botschafter erörtert TNF-Modernisierungsprogramm
- Interview mit Botschafter W. Tapley Bennett,Jr. -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Magnetfeldforschung aus dem Weltraum
- MAGSAT-Meßdaten als Indikator für Bodenschätze und Schollenbewegungen
in der Erdkruste Synthesegas aus Braunkohle

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
42

31. Oktober 1979

SENATOR NUNN ZU MBFR UND ZUR TNF-M0DERN1SIERUNG
- Wortlaut der Rede vom 22. Oktober 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Der demokratische Senator Sam Nunn aus Georgia
hat am 22. Oktober 1979 in Washington auf einer von dem "Institute for
Foreign Policy Analysis" und der Konrad-Adenauer-Stiftung veranstalteten
Tagung eine vielbeachtete Rede gehalten, die folgenden Wortlaut hat:

Ich freue mich und fühle mich geehrt, an einer Diskussion über einen
beiderseitigen und ausgewogenen Truppenabbau (MBFR) teilzunehmen, die von
dieser hervorragenden Gruppe veranstaltet wird.

Ich bin der Meinung - und

habe das in den vergangenen Jahren bei verschiedenen Gelegenheiten auch gesagt - daß idealerweise die MBFR-Gespräche und die SALT II-Verhandlungen
auf einem parallelen Kurs hätten ablaufen sollen.

Es ist nicht meine Absicht, mich hier heute abend ausführlich über
SALT auszulassen.

Es muß jedoch immer wieder und mit Nachdruck darauf

hingewiesen werden, daß strategische Rüstungsverhandlungen nicht in einem
Vakuum stattfinden können.

Das Ziel unserer Bemühungen um eine Rüstungs-

kontrolle sollte nicht einfach eine Reduzierung der Rüstungen sein.

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Das

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Das Ziel sollte vielmehr sein, die Sicherheit der westlichen Welt zu fördern
und die Stabilität zu wahren, indem militärische Anreize und Befürchtungen
vermindert werden, die jede Seite zu einem Erstschlag mit irgendwelchen
Waffen ermuntern könnten, seien es nun nukleare oder konventionelle Waffen.

Unglücklicherweise glauben manche Leute in den Vereinigten Staaten, daß
man strategische Nuklearplanung und Rüstungskontrolle von der Planung für
Nuklearstreitkräfte in und für Europa (Theater Nuclear Forces - TNF) sowie
für konventionelle Streitkräfte trennen könnte.
glauben her, daß

Dies rührt aus dem Irr-

ein strategischer Nuklearangriff "aus heiterem Himmel

heraus" die größte Gefahr bedeutet,der sich die Menschheit gegenübersieht.
Wenn auch niemand diese Möglichkeit ausschließen kann und wir deshalb strategische Streitkräfte aufrechterhalten müssen, um vor ihr abzuschrecken, so
ist dies meiner Meinung nach doch der unwahrscheinlichste Hintergrund für
einen Nuklearkrieg.

Es ist viel wahrscheinlicher, daß ein strategischer

nuklearer Schlagabtausch aus einer vorhergehenden Konfrontation zwischen
der Sowjetunion und der freien Welt auf der konventionellen oder der TNFEbene herrührt.

Worauf es ankommt, ist, daß die Vereinigten Staaten, die NATO und die
freie Welt in der Lage sein müssen, vor einem Krieg mit der Sowjetunion abzuschrecken und zwar auf jeder Ebene eines potentiellen Konfliktes:
strategischer Ebene, auf TNF-Ebene und auf konventioneller Ebene.

auf

Dies ist

ein Junktim in seiner wahrsten militärischen Bedeutung, und es hat die Grundlage für die NATO-Triade seit der Formulierung der Strategie der flexiblen
Antwort durch das Bündnis im Jahre 1967 dargestellt.

Es besteht jetzt die

große Gefahr, daß die Elemente dieser Triade auseinander gekoppelt werden,
nicht so sehr aufgrund des SALT II-Protokolls und auch nicht aufgrund der
sowjetischen Bemühungen, das TNF-Modernisierungsprogramm der NATO zu sabotieren.

Die wahre Bedrohung der Integrität der NATO-Triade liegt in dem

Versäumnis des Bündnisses, seine konventionelle und seine TNF-Situation dem
Verlust der strategischen Nuklearüberlegenheit Amerikas anzupassen.

Der

Verlust dieser Überlegenheit schafft die zwingende Notwendigkeit, eine glaubwürdige Abschreckung auf der TNF-Ebene und auf der Ebene der konventionellen

- 2 -

�konventionellen Streitkräfte zu entwickeln.

Wie Sie wissen, hat der sowjetische Staats- und Parteichef Breschnew
am 6. Oktober in Ostdeutschland eine Rede gehalten, in der er ankündigte,
daß die Sowjetunion im Laufe der nächsten zwölf Monate ihre Streitkräfte in
diesem Land um 20 000 Mann und 1000 Panzer verringern wolle.

Breschnew er-

klärte ferner, daß die Sowjetunion bereit sei, ihre auf Westeuropa gerichteten TNF-Waffen zu reduzieren, falls die NATO bereit sei, auf ihre geplante Dislozierung der Pershing II und des Marschflugkörpers (Cruise Missile)
mit großer Reichweite zu verzichten.

In bezug auf jene NATO-Länder, die vielleicht bereit wären, die Pershing II
und die Marschflugkörper auf ihrem eigenen Boden zu akzeptieren, nahm
Breschnew kein Blatt vor den Mund:
"Wir müssen klar und deutlich sagen", so unterstrich er, "daß die Verwirklichung dieser Raketenprojekte radikal die strategische Situation auf
dem europäischen Kontinent verändern und die internationale Atmosphäre vergiften würde, und selbstverständlich müßten wir dann zusätzliche Schritte
ergreifen...

Sollte die Bundesrepublik Deutschland diese neuen Raketen ak-

zeptieren, so ist es nicht schwierig sich vorzustellen, welche Konsequenzen
sie erwarten würde, falls dieses Waffensystem jemals angewendet würde."

Breschnew fügte hinzu, daß die Sowjetunion "niemals Nuklearwaffen gegen
jene Staaten einsetzen wird, die sich weigern, solche Waffen zu produzieren
oder für sich zu erwerben, und sie nicht auf ihrem Territorium stationieren."

Das "Zuckerbrot" in der Rede Breschnews ist seine offensichtliche Bereitschaft, über Begrenzungen hinsichtlich der sowjetischen Mittelstreckensysteme während SALT III zu verhandeln, sowie seine Ankündigung eines einseitigen Abzugs einiger sowjetischer Truppen und Panzer aus Ostdeutschland.

Die "Peitsche" in der Rede Breschnews ist der unverblümte Versuch, die
zukünftige TNF-Struktur der NATO zu diktieren und die NATO in ein MBFR- 3 -

�MBFR-Abkommen hineinzulocken, das die Datenfrage ignoriert.

Die Botschaft

hinsichtlich einer TNF-Modernisierung ist klar. Nachdem die Sowjetunion
ihre eigenen TNF modernisiert hat, ist sie nunmehr bemüht, die NATO daran
zu hindern, ein Ähnliches zu tun.

Nach der Dislozierung des Backfire-

Bombers, der SS-20, der SS-21, der SS-22 und der SS-23 ist die Sowjetunion
bestrebt, die NATO daran zu hindern, ihre eigenen Verbesserungen einzuführen.
Nachdem sie den Propagandakrieg gegen die Neutronenwaffe gewonnen hat, scheint
die Sowjetunion zuversichtlich zu sein, daß sie das Bündnis von einem TNFModernisierungsprogramm abschrecken kann.
Seit Mitte der siebziger Jahre haben die Sowjets ihre TNF bis zu einem
Punkt erweitert und modernsiiert, wo sie jetzt vielleicht als der NATO überlegen hinsichtlich solcher entscheidender Kategorien wie der überlebensfähigkeit, der Beweglichkeit und der Reichweite angesehen werden kann. Die
Sowjets haben die Anzahl ihrer nuklearen Gefechtsköpfe, die für Ziele in
Europa bestimmt sind, verdoppelt. Sie haben zumindest zwei neue nukleare
Artilleriekaliber eingeführt. Sie ersetzen ihre alten taktischen BodenBoden-Raketen mit weitaus beweglicheren und treffsicheren Systemen. Sie
haben eine große Menge neuer taktischer Flugzeuge mit großer Reichweite beschafft, die Nuklearwaffen tragen können. Und mit der Dislozierung der
SS-20 sowie der Backfire-Bomber haben die Sowjets jene territorialen Zufluchtsorte eliminiert, derer sich die NATO einstmals in einem taktischen
nuklearen Schlagabtausch hätte erfreuen können. Darüber hinaus haben die
Sowjets im Gegensatz zur NATO ihre konventionellen Streitkräfte so ausgerichtet, ausgerüstet und ausgebildet, daß sie einen nuklearen und chemischen
Kampf überleben und sogar zu ihren Gunsten nutzen könnten.
Die taktische nukleare Situation der NATO zeigt einige beunruhigende
Kontraste auf.

Die NATO-Streitkräfte verlassen sich weiterhin auf ein In-

ventar unhandlicher und weitgehend veralteter Waffen, die Ende der fünfziger
und Anfang der sechziger Jahre entwickelt wurden.

Die NATO verfügt über zu

viele Waffen des falschen Typs, über Waffen mit zu hoher Sprengkraft, zu verwundbar gegenüber einem gegnerischen Präventivschlag und zu begrenzt in
der Reichweite.

Ja, es kann gesagt werden, daß kein geringer Anteil der etwa
- 4 -

�etwa 7000 nuklearen Gefechtsköpfe, die die NATO heute in Europa disloziert,
gefährlicher für das Bündnis als für den potentiellen Gegner sind, den sie
abschrecken sollen.

Diejenigen, die sich weitgehend vor einer TNF-Moderni-

sierung fürchten, scheinen nicht zu begreifen, daß nichts zu tun die überhaupt größte Gefahr darstellt.

Zwei Drittel der 7000 taktischen Nukleargefechtsköpfe der NATO sind an
Trägersysteme

gebunden, die über eine Reichweite von weniger als 160 Meilen

(rund 160 km) verfügen, wobei die meisten Reichweiten von 10 bis 20 Meilen
haben.

Die begrenzte Reichweite der 155 mm und 8 Inch-Nuklear-Artillerie der

NATO und ihre taktischen Boden-Boden-Raketen - einschließlich der neuen LanceRakete - würden aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Einsatz gegen Ziele auf
NATO-Territorium beschränken.

Das Wissen, daß der Großteil der taktischen

Nuklearwaffen der NATO, wenn eingesetzt, auf Schläge gegen Ziele auf NATOTerritorium beschränkt bliebe, wird die Sowjetunion wohl kaum erschrecken
oder abschrecken.

Die Fähigkeit, Pakt-Streitkräfte der zweiten und dritten Linie in Osteuropa und in Westrußland zu neutralisieren, ist das Kernstück jeder glaubwürdigen Abschreckung durch taktische Nuklearwaffen der NATO.

Die Fähigkeit

(des Warschauer Paktes), diese Streitkräfte der zweiten Welle aufzustellen
und sie rasch durch Polen und Ostdeutschland heranzuführen, ist das Schlüsselelement der Überlegenheit des Paktes über die NATO auf konventionellem Gebiet.
Der Pakt verfügt mit der Dislozierung der SS-20 und der in Rußland stationierten
Backfire-Bomber bereits über die Fähigkeit, die Aufstellung und die Heranführung der operativen Reserven der NATO zu stören und diese zu vernichten.

Das Problem ist, daß die NATO heute nicht in der Lage ist, sowjetische
Streitkräfte in den westlichen Militärdisktrikten Rußlands glaubwürdig zu
bedrohen; ja sogar die Fähigkeit der NATO, ein Risiko für Pakt-Streitkräfte
in bestimmten Teilen Osteuropas zu schaffen, ist fraglich.

Diese Fähigkeit

beruht fast ausschließlich auf taktischen Flugzeugen mit größerer Reichweite
und den veraltenden Pershing I-Raketen.

Beide sind in zunehmendem Maße ver-

wundbar gegen präventive Vernichtung durch einen nuklearen, und, wenn es darauf
- 5 -

�darauf ankommt, sogar einen konventionellen Angriff.

Es ist ein Paradoxon,

daß jene NATO-Waffen, die am wenigsten durch einen Präventivschlag verwundbar sind - Nuklearartillerie und kleinere taktische Raketen - weniger Abschreckungswert haben, weil ihnen die Reichweite fehlt, um Pakt-Territorium
zu treffen, wo sie am meisten schaden könnten, während jene Systeme, die
eine größere Reichweite haben, zur präventiven Vernichtung förmlich einladen.
Nach meiner Auffassung besteht eine vorzeigbare Kapazität der NATO darin,
die Bewegung der Reserven des Paktes in und für Europa zu unterbinden oder
sie direkt zu vernichten, bevor sie nach Westeuropa herüberkommen. Das könnte
die Notwendigkeit weitgehend verringern, daß die Nuklearwaffen der NATO auf
das eigene Territorium der NATO abgefeuert werden müßten. Viele Analytiker
auf dem Gebiet der Verteidigung glauben, daß die erste Welle der Streitkräfte
des Paktes - wenn ihnen die ständige Verstärkung und der ständige Nachschub
durch aus Osteuropa heranrückende Streitkräfte der zweiten und dritten Welle
verwehrt wird - allein durch die konventionellen Streitkräfte der NATO isoliert und vernichtet werden könnten. Weitreichende Systeme, wie die Pershing II
und die bodengestützten Marschflugkörper, würden, indem sie Pakt-Streitkräfte
mit Vernichtung bedrohen, ehe sie NATO-Boden erreichen, die derzeitige große
Abhängigkeit der NATO von Waffen mit kurzer Reichweite verringern. Wenn ihre
Dislozierung mit wesentlichen Verbesserungen der Überlebensfähigkeit, der Befehls- und Leitsysteme und der Einsatzkonzeptionen verbunden wird, dann könnten sie den Weg zu einer Verringerung der Zahl der in Europa dislozierten
Nukleargefechtsköpfe bereiten.
Das vorgeschlagene Modernisierungsprogramm ist ein nachhaltiger erster
Schritt zur Verbesserung. Es würde die Reichweite und die Überlebensfähigkeit
wesentlich steigern. Die NATO steht noch immer vor der Aufgabe, Befehlsund Leitsysteme sowie Doktrin und Einsatzkonzeptionen zu verbessern. Die NATO
muß auch ein Programm für die Verbesserung der Überlebensfähigkeit der allgemeinen Streitkräfte unter nuklearen Verhältnissen entwickeln.
Wenn

�Wenn die Rede Breschnews vom 6. Oktober ein Hinweis sein sollte, dann
scheint es, daß die Sowjetunion tief besorgt ist über den Fortschritt, den
die NATO-Gruppe auf hoher Ebene bei der Ausarbeitung eines TNF-Modernisierungsprogramms gemacht hat.

Die Pershing II und der Marschflugkörper mit

großer Reichweite sind nicht lediglich wirksame Gegenmittel gegen die SS-20
und den Backfire-Bomber.

Die ihnen innewohnende Mobilität macht sie weniger

verwundbar durch einen Präventivangriff unter der Annahme einer minimalen
taktischen Vorwarnzeit.

Es scheint jedoch ferner, daß sich die Sowjetunion akut bewußt ist,
daß das Wissen des Bündnisses um die Dinge, die getan werden müssen, nicht
durch den entsprechenden politischen Willen, es zu tun, ergänzt wird.

Die

Sowjets wissen, daß die Niederlande, Belgien und der linke Flügel der regierenden Sozialdemokratischen Partei in Deutschland die schwächsten Glieder in der NATO-Kette bezüglich dieser Angelegenheit sind.

Sie wissen, daß

die Niederländer zögern, TNF-Waffen mit großer Reichweite auf ihrem eigenen
Boden zu akzeptieren, und sie können in den Zeitungen lesen, daß eine glatte
Ablehnung der Niederländer, das zu tun, das ganze TNF-Modernisierungsprogramm
zu Fall bringen könnte, da es entsprechende Ablehnungen durch die Bundesrepublik
Deutschland, Belgien und Italien auslösen könnte.

Paradoxerweise macht die

klaffende Lücke in der konventionellen Vorneverteidigung der NATO, als das
"Gebiet des niederländischen Korps" bekannt, die TNF-Modernisierung nur umso
zwingender.

Die Präsenz einer einzigen niederländischen Brigade in der Bun-

desrepublik Deutschland, statt des erforderlichen vollen Korps von zwei Divisionen stellt eine ständige Einladung zu einer sowjetischen Militärparade
bis hin nach Amsterdam dar.

Nach einem Bericht der New York Times vom 18. Oktober hat der Vorsitzende
der Verteidigungskommission des niederländischen Parlaments, de Vries, erklärt:

"Wenn die Niederlande der Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen auf ihrem Territorium nicht zustimmen sollten, dann wäre die
Regierung von Bundeskanzler Schmidt nicht in der Lage, NATO-Plänen für eine
- 7 -

�eine Dislozierung der Raketen in Westdeutschland zu folger)."
Ich neige stark zu der Annahme, daß entweder die New York Times Herrn
de Vries falsch zitiert hat oder daß Herr de Vries die Position der Regierung Schmidt falsch dargestellt hat.
Bundeskanzler Schmidt ist eine der im militärischen Bereich scharfsichtigsten Führungspersönlichkeiten der westlichen Welt, und er hätte nicht
die Notwendigkeit der TNF-Modernisierung für die NATO bekräftigt, wenn er
nicht daran glauben würde.

Nachdem er bekräftigt hat, daß die Modernisierung

für die deutsche Sicherheit und für die NATO notwendig ist, bin ich fest davon überzeugt, daß Bundeskanzler Schmidt nicht zulassen würde, daß diese Entscheidung durch das niederländische Parlament zu Fall gebracht wird.

Daher

bin ich auch ermutigt, daß die deutsche Regierung die Richtigkeit des Artikels
in der New York Times später dementiert hat.

Ich kann es nicht glauben, daß

der ehemalige bundesdeutsche Verteidigungsminister und jetzige Bundeskanzler
die künftige Sicherheit seines eigenen Landes und Westeuropas in die Hand des
niederländischen Parlaments legen würde.

Ich weiß, das britische Parlament

würde das nicht tun,und auch die Belgier und die Italiener würden es meiner
Meinung nach nicht tun.
Damit ich nicht mißverstanden werde: Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, daß die niederländische Regierung und das Parlament die TNF-Modernisierung billigen werden. Ich weiß, daß es sowohl in der niederländischen
Regierung als auch beim niederländischen Militär kluge und politisch mutige
Persönlichkeiten gibt, die die Gefahr erkennen, die der Status quo in sich
birgt.
•

Jene wohlmeinenden Seelen, die die Modernisierung ablehnen, sprechen
unbeabsichtigt für einen Kurs, der
1. sich weiterhin auf eine exzessive Anzahl taktischer Nuklearwaffen
verlassen würde;
2. weiterhin

�2. weiterhin zu präventiven Angriffen auf solche Systeme bei jeder
Konfrontation einladen würde;

3. die Abschreckung vermindern und die Möglichkeit einer Fehlkalkulation erhöhen würde, die zu einem Krieg führen könnte;

4. die Aussichten auf ausgehandelte beiderseitige Verringerungen schmälern würde; und
5. zu einer NATO-Dyade führen würde, die nur aus strategischen Kernwaffen und den konventionellen Streitkräften besteht.

Wenn die TNF-Modernisierung in Europa durchkreuzt werden sollte, hätten
die Vereinigten Staaten eines Tages keine andere Wahl, als schließlich die
Möglichkeit des Abzugs jener Waffen ins Auge zu fassen.

Eine TNF-Position,

die für die NATO gefährlicher ist als für den Warschauer Pakt, muß modernisiert oder aber aufgelöst werden.

Sie kann nicht einfach ignoriert werden.

In diesem Jahrhundert sind viele Amerikaner auf den europäischen Schlachtfeldern gefallen.

Wir sind erneut dazu bereit, aber nur für ein Europa, das

sich für seine eigene Verteidigung einsetzt.

Die Alternative besteht natürlich darin, daß die Westeuropäer Präsident
Breschnew beim Wort nehmen, als er versprach, "niemals Kernwaffen gegen jene
Staaten einzusetzen, die es ablehnen, solche Waffen herzustellen oder für
sich selbst zu beschaffen ,und sie nicht auf ihrem Staatsgebiet haben".

Angenommen, Herr Breschnew und seine Nachfolger halten dieses Versprechen,
so würden unsere europäischen Verbündeten und Freunde so sicher, geschützt
und frei sein wie Ungarn und die Tschechoslowakei, die beide einen Nuklearangriff durch die Sowjets vermieden haben.

Das TNF-Modernisierungsprogramm wurde auch mit dem merkwürdigen Argument der Niederländer und einiger anderer Europäer konfrontiert, daß die
Ratifizierung von SALT II eine Vorbedingung für die Annahme des Programms
- 9 -

�Programms sei.

Das Argument scheint zu sein:

"Wenn SALT abgelehnt oder

verzögert wird, dann werden wir diesen Amerikanern eine Lektion erteilen.
Wir werden

sie zwingen, ihre gefährlichen, nichtüberlebensfähigen, wirkungs-

losen Waffen mit kurzer Reichweite auf unserem Boden zu belassen."

Dies er-

innert mich an einen Film der Marx-Brothers, in dem Chico, dessen Leben von
bewaffneten Räubern bedroht wird, sich eine Waffe an den Kopf hält und ruft:
"Wenn ihr näher kommt, drücke ich ab!".
Dazu muß ich sagen: Wenn das Modernisierungsprogramm wegen Verzögerung
oder sogar Ablehnung von SALT II durch den Senat gestrichen wird, war die
Unterstützung für die TNF-Modernisierung bei der NATO wahrscheinlich so
schwach, daß sie ohnehin nicht zustande gekommen wäre.
Unsere NATO-Verbündeten sind gleichberechtigte Partner und sollten mit
allem Respekt behandelt werden. Sie haben logische und stimmige Argumente
dafür, daß SALT II gebilligt werden sollte. Ich werde mir die Gedanken und
Ideen unserer Freunde und Verbündeten sorgfältig anhören. Die Drohung einer
Zurückweisung der TNF-Modernisierung ist jedoch kein Argument, das ich ernsthaft erwägen werde. Würde man diese Drohung als ein ernsthaftes Argument
für die Ratifizierung von SALT II akzeptieren, dann müßte man daraus schließen, daß unsere Verbündeten sich nicht für ihre eigene Verteidigung einsetzen.
Sollte dies der Fall sein, dann wäre die Zukunft des Bündnisses nicht rosig,
gleichgültig, ob SALT ratifiziert oder verworfen wird.
Die Rede Breschnews vom 6. Oktober war deutlich ein gutgezielter Torpedo,
der auf das TNF-Modernisierungsprogramm gerichtet war. Um nichts weniger
aber war sie ein kalkulierter Schritt, um den gegenwärtigen toten Punkt hinsichtlich der Daten auf der Wiener Konferenz über beiderseitige und ausgewogene Truppenverminderungen (MBFR) zu umgehen. Die Gespräche in Wien sind
festgefahren, weil der Warschauer Pakt weiterhin darauf besteht, 180 000
Mann weniger Truppen in dem durch die Richtlinien abgesteckten Gebiet stationiert zu haben,als die NATO annimmt. Entweder sind die Nachrichtendienste
der NATO völlig im Irrtum oder die Sowjetunion macht sich einer gröbl ichen

- 10 -

�gröblichen Täuschung schuldig.

Ich bin geneigt, mir die letztere Erklärung

zu eigen zu machen.
Man kann jedoch argumentieren, daß sogar eine Lösung des Zahlenstreits
über Truppenstärken, die für die NATO zufriedenstellend ausfällt, noch immer
keine Grundlage für ein vernünftiges MBFR-Abkommen abgibt.

Die beharrliche

Konzentration der NATO auf Erzielung von Verminderungen hauptsächlich im Bereich der Truppenstärken spiegelt eine grundlegend falsche Auffassung wider,
daß nämlich Truppenstärken der entscheidende Indikator der jeweiligen militärischen Kapazitäten der NATO und des Warschauer Paktes seien.
Im derzeitigen Richtliniengebiet stehen die 792 000 Mann Landstreitkräfte der NATO nicht einfach den 935 000 Mann der Truppen des Warschauer
Paktes jenseits der innerdeutschen Grenze gegenüber. Sie stehen 57 Pakt-Divisionen gegenüber, die für einen überraschenden Blitzkrieg organisiert,
disloziert, ausgebildet und ausgerüstet sind, in dem eine Angriffsgeschwindigkeit von bis zu 100 km täglich möglich wäre. Mobilität, Feuerkraft,
Organisation und Taktik regieren den Kampfverlauf auf dem modernen Schlachtfeld - nicht die Anzahl der Soldaten. Indem die NATO auch weiterhin ihre
Aufmerksamkeit auf die Gesamttruppenstärke richtet, ja, sich sogar darauf
konzentriert, verfolgt sie in Wien ein Abkommen, das für die Realitäten des
militärischen Kräfteverhältnisses in Europa irrelevant sein könnte.
Sogar wenn Mannschaftsstärke ein sinnvoller Maßstab militärischer Macht
wäre, dann würden solche Begrenzungen wahrscheinlich ohne Inspektionen vor
Ort nicht verifizierbar sein. Die Bewegungen sowjetischer Truppen nach und
von Mitteleuropa können mit nur wenig Zuversicht verfolgt werden, und aufgrund der Nähe der Sowjetunion zu Mitteleuropa würde ein vom Gedanken der
Truppenstärke beherrschtes MBFR-Abkommen in sich selbst unausgewogen sein.
Kurz: Verringerungen der Truppenstärke können sicher Teil eines MBFR-Abkommens sein, aber solange es nicht von anderen Maßnahmen begleitet wird,
wäre ein solches Abkommen Selbstbetrug.
Bisher
- 11 -

�Bisher wurden die MBFR-Verhandlungen unter dem Gesichtspunkt betrachtet,
daß allein die Präsenz umfangreicher Streitkräfte in Mitteleuropa die Quelle
militärischer Instabilität auf dem Kontinent sei.
nung.

Ich bin nicht dieser Mei-

Meiner Ansicht nach wurzelt diese Instabilität nicht in der Präsenz

von Streitkräften, sondern vielmehr in der Möglichkeit ihres plötzlichen und
unerwarteten Einsatzes.
Seit der formellen Annahme der Strategie der flexiblen Antwort durch
die NATO im Jahr 1967

ruhte die Verteidigung Westeuropas auf der Vorausset-

zung, daß die NATO bei einer größeren Invasion durch den Warschauer Pakt genügend Vorwarnzeit haben würde.

Diese Voraussetzung schien in den späten

sechziger und frühen siebziger Jahren gültig zu sein.

Die vorne dislozierten

sowjetischen Streitkräfte in Osteuropa schienen unfähig, eine solche Invasion ohne umfangreiche, zeitraubende und daher feststellbare Verstärkung aus
den westlichen Militärdistrikten der Sowjetunion durchzuhalten.

Dies ist

nicht mehr länger der Fall.
Wie in dem Bericht, den der verstorbene Senator Bartlett und ich dem
Senat im Januar 1977 vorlegten, nachgewiesen wird, hat die Modernisierung
und Verstärkung der sowjetischen Streitkräfte im Richtliniengebiet im Verlauf der letzten zehn Jahre dem Warschauer Pakt die Kapazität verliehen,
eine potentiell entscheidende Invasion Westeuropas ohne vorherige Verstärkung zu unternehmen. Sowjetische Streitkräfte in Rußlands westlichen Militärdistrikten brauchen nicht mobilisiert zu werden, bevor der Angriff begonnen
hat.
Die Folgen einer Invasion durch den Warschauer Pakt mit nur wenig oder
keiner Vorwarnung sind für die NATO weitreichend. Es ist dem Bündnis als
Verdienst anzurechnen, daß sein Langfristiges Verteididungsprogramm, wenn es
voll verwirklicht wird, die Kapazität der NATO, einem Überraschungsangriff
zu widerstehen, vergrößern wird. Wenn jedoch die Lösung der Probleme, die
sich durch die verminderte Vorwarnzeit stellen, das zentrale Ziel der Planung
der NATO-Streitmacht ist, muß eine Wiederherstellung der angemessenen Vor- 12 -

�Vorwarnzeit das überragende Rüstungskontroll ziel des Bündnisses in Wien sein.

Rüstungskontrolle muß die Dienerin der Streitkräfteplanung sein, nicht
ihr Herr.

Unglücklicherweise könnte die Verfolgung des Ziels der beidersei-

tigen Verminderung des Kräftestands das gegenwärtige Ungleichgewicht nicht
verändern.

Die Beibehaltung des bestehenden konventionellen Kräfteverhält-

nisses in Mitteleuropa auf einem niedrigeren Stand der Streitkräfte würde
keinerlei Garantie gegen die Gefahr eines Angriffs ohne Warnung bieten.

Aus meiner Sicht ist es schon lange überfällig, unser Hauptinteresse
auf der MBFR-Konferenz von der Verminderung der Präsenz militärischer Streitkräfte in Mitteleuropa auf die Verhinderung ihres Einsatzes in plötzlicher
und unerwarteter Weise zu verlagern.

Das heißt, sich auf die Schaffung eines

Rüstungskontroll Verfahrens zu konzentrieren, das einen Überraschungsangriff
unmöglich macht.

Um genauer zu sein:

Es bedeutet die Errichtung eines umfassenden Systems

miteinander verbundener Maßnahmen, gestützt auf dauernde und durchdringende
Inspektionen vor Ort in Europa.

Dies würde genaue Kenntnis jeder vermuteten

militärischen Aktivität ermöglichen.

Es ist wiederum das Verdienst der NATO,

daß solche Maßnahmen nunmehr innerhalb des Bündnisses aktiv erwogen werden.
Ich habe die Hoffnung, daß diese Überlegung wachsende Aufmerksamkeit erregen
wird, um eine Einstellung zu den MBFR-Verhandlungen zu entwickeln, die in
erster Linie auf eine Verminderung der Bedrohung durch einen Angriff aus
dem Stand abzielt.

Lassen Sie mich zum Abschluß folgendes sagen:

Ich bin durch den Fort-

schritt ermutigt, den das Bündnis bei der Formulierung eines TNF-Modernisierungsprogramms gemacht hat.

Desgleichen bin ich ermutigt durch die Annahme

des Langfristigen Verteidigungsprogramms durch die NATO, das sich den schwerwiegenden Mängeln in der Position der konventionellen Streitkräfte zuwendet.
Das ist der einzige Weg, auf dem wir bei der NATO eine glaubwürdige Ab-

- 13 -

�Abschreckung aufrechterhalten können.

Es ist der einzige Weg, auf dem wir

eine sinnvolle Rüstungskontrolle in Europa erzielen können.

Wir wissen,

was wir tun müssen, um die ungünstigen militärischen Trends der letzten zehn
Jahre umzukehren.

Das Problem ist jetzt, ob wir den politischen Willen auf-

bieten können, es zu tun.

&lt;

+ + + + +

�3

I 3

ndInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

31. Oktober 1979

US-NATO-BOTSCHAFTER ERÖRTERT TNF-MODERNISIERUNGSPROGRAMM
- Interview mit Botschafter W. Tapley Bennett,Jr. -

WASHINGTON

- (AD) - Der Ständige Vertreter der Vereinigten Staaten

im Nordatlantikrat, Botschafter W. Tapley Bennett Jr., hat in einem Interview
mit der Korrespondentin Candis Cunningham vom Amt für Internationale
Kommunikation (USICA) zu dem Programm für die Modernisierung der Nuklearstreitkräfte in und für Europa (Theater Nuclear Forces - TNF) sowie zu
anderen Problemen der NATO Stellung genommen.

Nachfolgend das Interview

im Wortlaut:
FRAGE: Herr Botschafter, die NATO prüft gegenwärtig ihre Erfordernisse
für eine Modernisierung der TNF mit großer Reichweite. Geschieht dies
als Antwort auf die Modernisierung der sowjetischen TNF mit großer Reichweite, wie sie sich beispielsweise durch die SS-20 und den BackfireBomber manifestiert? Oder liegt ein Grund dafür in der Doktrin der NATO?
Werden die TNF mit großer Reichweite zur NATO-Politik der Abschreckung
und der flexiblen Antwort beitragen?
ANTWORT:

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex: 08-85432

�ANTWORT:

Ich möchte sagen, es ist in erster Linie auf das letztere

abgezielt, nämlich unsere Abschreckung auf dem neuesten Stand zu halten,
denn - wie Sie wissen - sind die beiden Säulen der NATO die Abschreckung
und die Entspannung.
Aber man kann keine ausgewogene Entspannung haben, wenn man nicht
über eine glaubwürdige Verteidigung verfügt, um den erforderlichen Schutz
zu gewähren, den man haben will.
Programm.

Und genau das tut der Westen mit diesem

Sie werden sich erinnern, daß es Präsident Carter war, der

im Dezember 1977 in Warschau als erster öffentlich auf die SS-20 hinwies.
Nun herrscht die gemeinsame Auffassung, daß die strategische oder
interkontinentale Abschreckung noch immer in gutem Zustand ist. Aber wir
haben heute grob gesprochen eine Parität statt der überwältigenden Überlegenheit, derer wir uns einst erfreuten. Wenn wir auf strategischer
Ebene eine Parität haben und wenn gleichzeitig Westeuropa durch 600 oder
700 - über 700 - Mittel Streckenwaffen aus der Sowjetunion abgedeckt wird,
die nach Westeuropa reichen, dann sind wir offensichtlich im Nachteil,
weil unsere gegenwärtig in Westeuropa stationierten Raketen, die TNF,
nicht in die Sowjetunion reichen. Und um dieses Ungleichgewicht zu
korrigieren, sprachen wir im letzten Jahr über TNF.
FRAGE: Worin bestand in der Vergangenheit die Politik der NATO
hinsichtlich der TNF-Kapazitäten mit großer Reichweite - und warum ist
die gegenwärtige TNF-Kapazität der NATO unzureichend, um den sowjetischen
TNF-Ausbau mit großer Reichweite entgegenzuwirken? Warum haben wir es
dem Warschauer Pakt erlaubt, sich auf diesem Gebiet einen Vorteil zu
verschaffen?
ANTWORT:

Wie Sie wissen, stützt sich die grundlegende Strategie

des Westens, der NATO, auf die flexible Antwort.

Diese beinhaltet

strategische Waffen, konventionelle Streitkräfte und die TNF.

- 2 -

Wir waren

�waren damit beschäftigt, unsere strategischen Waffen auf dem neuesten
Stand zu halten und dort das Gleichgewicht beizubehalten.

Inzwischen ist die Stärke der Sowjets gewachsen.
wir das einfach so hingenommen?

Nun, warum haben

Demokratien brauchen einige Zeit, um

zu erkennen, daß die andere Seite sich einen Vorteil zu verschaffen
sucht.

Niemand denkt an einen Angriff von Seiten des Westens.

Können

Sie sich Länder wie Dänemark oder die Niederlande vorstellen, die sich
zu einem Angriff auf die Sowjetunion entschließen?

Das ist geradezu

lächerlich.

Andererseits brauchen wir eine Verteidigung gegen das, was auf uns
aus dem Osten zukommen kann; und hier gab es immer ein Ungleichgewicht
im konventionellen Bereich.

Bisher hatten wir den amerikanischen nuklear-

strategischen Schirm, der es uns ermöglichte, mit einem Ungleichgewicht
auf der konventionellen Seite zu leben.

FRAGE:

Wird die Stationierung amerikanischer Marschflugkörper mit

großer Reichweite und ballistischer Raketen in Europa einen "AbkopplungsEffekt" auf die amerikanischen strategischen Arsenale von der Verteidigung
Europas haben?

ANTWORT:

Nein, überhaupt nicht.

Sie wäre "abkoppelnd", wenn wir

dabei versagen würden, voranzugehen und diese Entscheidungen gemeinsam
zu treffen.

Wenn die Europäer allein vorangehen würden und die Amerikaner

nicht beteiligt wären - das wäre "abkoppelnd".

FRAGE:

Vizepräsident Mondale vertrat in einer Rede Anfang Oktober

die Ansicht, daß das Angebot des sowjetischen Präsidenten Leonid Breschnew,
20 000 Soldaten und 1 000 Panzer aus Ostdeutschland abzuziehen, in der
Absicht erfolgte, die NATO von den entscheidenden Anstrengungen zur

- 3 -

�zur Modernisierung der konventionellen und TNF-Waffen wegzulocken.

Wie

werden die Verbündeten auf dieses Angebot des Kremls reagieren?
ANTWORT:

Ich meine, sie haben sehr gut reagiert.

Breschnew war hinreichend augenfällig.

Die Rede von

Sie war nicht zu intellektuell,

und die Leute können die Tatsache durchschauen, daß er in einem gewissen
Sinn nur sagte: wir behalten unsere Waffen, und ihr bekommt eure nicht und daher sollte jeder glücklich sein.

Nun gut, wir sind über diese Idee

nicht glücklich.
FRAGE:

Sie haben also nicht das Gefühl, daß die Rede irgendwie von

den Anstrengungen der NATO zur Modernisierung ablenken wird?
ANTWORT:

Ich bezweifle nicht, daß einige Leute von dem Gedanken

angezogen werden, zu verhandeln, um die sowjetische Ernsthaftigkeit zu
prüfen.

Aber der entscheidende Punkt ist doch, daß der Westen sechs,

acht Jahre lang Zurückhaltung gezeigt hat und die Sowjets ständig gerüstet
haben.

Zurückhaltung angesichts ihrer fortgesetzten Aufrüstung zu zeigen,

führt nur zu weiterer Unterlegenheit unsererseits.
FRAGE: Zusammen mit der Untersuchung ihrer Bedürfnisse im Bereich
der Langstrecken-TNF-Modernisierung diskutiert die NATO auch die Möglichkeit
von Anstrengungen zusammen mit der Sowjetunion bei der Rüstungskontrolle
der TNF-Waffen mit großer Reichweite. Wäre es besser, wenn es Erfolge
bei den Anstrengungen zur Rüstungskontrolle gäbe, bevor mit der Langstrecken-TNF-Modernisierung begonnen wird?
ANTWORT: Die Geschichte und die Erfahrung bei Verhandlungen mit
den Sowjets zeigt immer wieder, daß man nie etwas für nichts bekommt.
Und bevor wir keine Waffen disloziert haben, werden wir auf die Sowjets
nicht sehr überzeugend wirken, wenn wir vorschlagen, sie sollten zurückgehen und ihre Kernwaffen reduzieren. Versprechen über künftige Absichten

�Absichten zahlen sich bei Verhandlungen mit den Sowjets nicht aus.

FRAGE:

Wird das Bündnis die Vorschläge von Breschnew im Zusammenhang

mit den stattfindenden MBFR-Gesprächen in Erwägung ziehen?

Sehen Sie

persönlich irgendwelche positiven Aspekte in diesem Breschnew-Angebot?

ANTWORT:

Nun, natürlich freuen wir uns über das sowjetische Angebot

einer Reduzierung um 20 000 Mann und 1 000 Panzer.

Es ist nicht viel,

wenn man daran denkt, wie viele Truppen sie an der zentralen Front jenseits
der Grenze der Bundesrepublik Deutschland haben.

Ein wesentliches Problem bei den MBFR-Gesprächen liegt darin, daß wir
die Frage der Daten nicht lösen können.

Unsere Nachrichtendienste sagen

uns, daß die Sowjets viele Tausend Soldaten mehr haben als sie eingestehen;
solange wir kein übereinkommen darüber erzielen, wieviele Truppen beide
Seiten haben, können wir offensichtlich auch nicht darüber zu einem
Einklang kommen, wie wir diese Truppen reduzieren sollen.

Und obgleich

wir uns also über dieses einseitige Angebot von sogar 20 000 Mann freuen,
so ist dies verhältnismäßig wenig im Vergleich zu dem, was die Sowjets
stationiert haben.

FRAGE:

Betrachten Sie die Einführung von modernisierten Systemen

bei TNF-Waffen der NATO mit großer Reichweite als Verhandlungsgrößen bei
künftigen Gesprächen über

ANTWORT:

Ich glaube,

Rüstungsbegrenzungen?

ich würde es nicht so sehen.

Wir sind wirklich

an einem Ausbau unserer eigenen Verteidigung und Abschreckung interessiert.

Wenn nun die Sowjets durch eine solche Abschreckung genügend beeindruckt
und überzeugt sind, daß wir auf eine Reduzierung des Rüstungsbestands auf
beiden Seiten zugehen können, dann ist dies sicher unser Langzeitziel:
diese Rüstungslast zu verringern, die für die Sowjets doch ebenso schwer

- 5-

�schwer sein muß wie für uns. Beide Seiten würden Vorteil daraus ziehen,
die hohe Anzahl ihrer Waffen zu reduzieren und auf einen kleineren Umfang
zu bringen.
FRAGE:

Herr Botschafter, wie werden die Bestimmungen des SALT II-

Vertrags, wenn sie vom amerikanischen Senat ratifiziert sind, die Anstrengungen der NATO bei der Langstrecken-TNF-Modernisierung und Rüstungskontrolle beeinflussen?
ANTWORT: Das SALT II-Abkommen hat bezüglich dieser Waffen auf dem
europäischen Kontinent nichts zu sagen. Bei SALT handelt es sich ausschließlich um ein strategisches Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion. Es hätte keine Auswirkung auf den Aufbau unseres
Arsenals auf dem europäischen Kontinent.
Und lassen Sie mich in aller Deutlichkeit sagen: Der einzige Grund
für unseren Aufbau ist die Tatsache, daß die Sowjets bereits aufgebaut
haben. Sie versuchen das Gleichgewicht zu stören, das wir besaßen.
FRAGE:

Wie steht es um die RüstungskontroiIbemühungen?

Wird sich

SALT II negativ auf die RüstungskontroiIbemühungen auf dem Gebiet der
TNF auswirken?
ANTWORT: Nein, ich glaube nicht, denn Rüstungskontrolle ist die
andere Seite unserer Politik. Wie Sie schon gesagt haben, arbeiten wir
in der Zeit, in der wir modernisieren, gleichzeitig an Vorschlägen
und Maßnahmen für die Rüstungskontrolle. Wir wollen, daß der Fortschritt
in der Rüstungskontrolle und in der Modernisierung Hand in Hand geht.
Aber das eine ist der Wagen und das andere das Pferd.

Das Pferd

der Modernisierung zieht den Wagen der Rüstungskontrolle.
FRAGE:

�FRAGE:

Wenn sich die NATO selbst Rüstungskontrollanstrengungen mit

dem Warschauer Pakt verschreibt, die sich auf TNF mit großer Reichweite
erstrecken, wird dies dann durch den SALT-Prozeß oder durch die Verhandlungen
über beiderseitige und ausgewogene Truppenverringerung (MBFR) in Wien
geschehen?
ANTWORT: Ich glaube, man ist allgemein zu der Auffassung gelangt,
daß es SALT III sein wird - wenn wir diese Phase in dem langen Prozeß
der Abrüstungsverhandlungen erreichen -, in dessen Rahmen über die Waffen
auf dem europäischen Kontinent gesprochen werden wird. Deshalb sind ja diese
anstehenden Verhandlungen von so großem Interesse für unsere europäischen
Verbündeten, weil sie involviert sein werden.
FRAGE:

Herr Botschafter, was werden nach der TNF-Modernisierung

die höchsten Prioritäten der NATO für die achtziger Jahre sein?

Hat

es auf den anderen neun Gebieten des Langfristigen Verteidigungsprogramms
der NATO einen Fortschritt gegeben?
ANTWORT: Ja, wir arbeiten aktiv daran. Das Programm ist erst etwa
ein Jahr in Kraft, und wir haben die Ergebnisse der Diskussionen über
den Verteidigungsfragebogen von diesem Herbst noch nicht vorliegen.
Dabei berichtet jedes Land jedes Jahr, was es tut, und das wird dann
bewertet. Dieser Prozeß hat eben erst begonnen.
Die Ausschüsse und die Gruppen, die sich mit den verschiedenen
Aspekten des Langfristigen Verteidigungsprogramms befassen, waren jedoch
sehr aktiv und kommen gut voran.
FRAGE:

Können Sie hier einige spezifische Beispiele nennen, wie

etwa Schritte zur Interoperabilität?
ANTWORT:

- 7 -

�ANTWORT:

Natürlich ist gerade das letztere ein sehr wichtiges

Konzept, an dem die europäische Seite ebenso wie die amerikanische ein
großes Interesse hat - eben an diesem Konzept der Standardisierung, oder
vielleicht besser gesagt, Interoperabilität.

Hier arbeiten wir sehr

aktiv an dem sogenannten C-3-Projekt - Command, Control und Communications Befehls-, Leit- und Fernmeldesystem, wo es gerade auf Koordinierung ankommt.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist genau darauf angelegt,
zu rationalisieren und eine bessere Verwaltung für diese gewaltigen
Geldsummen zu finden, die wir für unsere Verteidigung ausgeben. Mit
anderen Worten, wir wollen mehr für das Geld, das wir ausgeben.

So sind

wir beispielsweise übereingekommen, im Rahmen der Interoperabilität und
Standardisierung die deutsche Panzerkanone zu kaufen, um unsere Streitkräfte
damit auszurüsten.

Das ist für die Deutschen eine wichtige Sache, und

wir bekommen eine gute Panzer-Kanone.
Das ist die sogenannte Zweibahnstraße der militärischen Beschaffung.
Das fliegende Frühwarnsystem AWACS wird ein gemeinsames Programm all
unserer Länder sein. Das Flugzeug vom Typ F-16 ist ein Projekt, an dem
fünf Länder - die Vereinigten Staaten, Norwegen, Dänemark, die Niederlande und Belgien - beteiligt sind. Das sind nur einige der Beispiele
der Bemühungen um stärkere Standardisierung.
FRAGE:

Kürzlich hat die Bundesrepublik Deutschland erklärt, daß

sie ihre Verteidigungsausgaben nicht um real drei Prozent erhöhen werde.
Glauben Sie, daß dieses Beispiel bei anderen NATO-Verbündeten Schule machen
könnte?
ANTWORT:

Die Deutschen sind selbstverständlich in dem ganzen Aufbau

unserer Verteidigungspolitik sehr wichtig.

Wir hoffen sehr, daß sie

die dreiprozentige Erhöhung real vornehmen werden, auf die sich all

�all unsere Regierungen geeinigt haben.
Ich hoffe, daß die Deutschen das Geld aufbringen werden, um auf
drei Prozent zu gehen, weil wir uns auf diese Zahl geeinigt hatten.
Es ist wichtig, daß alle Länder diese Zusage erfüllen, soweit es in ihren
Kräften steht.

Wie ich bereits zuvor sagte, die Bundesrepublik nimmt

eine große Bedeutung in unserer ganzen Verteidigungszusammenarbeit ein.
Und was sie tut, wird offensichtlich eine Wirkung auf andere haben.
FRAGE: Wie stehen die Aussichten, daß Griechenland und die Türkei
ihre bilateralen Beziehungen verbessern werden, damit die Südostflanke
der NATO besser stabilisiert wird?
ANTWORT: Das Bündnis hat sehr hart an der Lösung dieses Problems
gearbeitet. Es ist eine lange und mühsame Geschichte mit diesen griechischtürkischen Schwierigkeiten. Der Fortschritt ist langsam, aber ich hoffe,
daß wir Fortschritte machen. Ich meine, beide Länder möchten zu einer
Lösung gelangen, beide sagen es jedenfalls. Die Führung in beiden Ländern
möchte wieder zu den kooperativeren Vereinbarungen zurückkehren, die wir
früher hatten.
Wir sind optimistisch, aber vorsichtig optimistisch.

+ + + + +

- 9 -

�a
»

3

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

42

31. Oktober 1979

MAGNETFELDFORSCHUNG AUS DEM WELTRAUM
MAGSAT-Meßdaten als Indikator für Bodenschätze und
Schollenbewegungen in der Erdkruste

- (AD) - Vier Monate lang soll der neue amerikanische Forschungssatellit MAGSAT (dies ist die Abkürzung für "Magnetic Field Satellite"),
der auf polarer Bahn die Erde in 350 bis 500 km Höhe umkreist, das erdnahe
Magnetfeld messen. Auf Grund dieser Meßdaten können Geologen und Geophysiker Rückschlüsse auf das Vorhandensein von Mineralanreicherungen
in der Erde und den Verlauf der Grenzen zwischen Erdkrustenschollen ziehen,
was für die Erdbebenforschung von großer Bedeutung ist. Mit den Bordinstrumenten werden Stärke und Richtung sowohl des globalen Magnetfeldes
als auch der "Oberflächenfelder" der Erde erfaßt.
Magnetfelder werden durch elektrische Ströme verursacht, die durch
und um die Erde sowie in der Hochatmosphäre fließen.

Es wird vermutet,

daß das globale Magnetfeld der Erde auf Ströme zurückzuführen ist, die
im Erdkern erzeugt werden.

Die Oberflächenfelder dagegen können durch

magnetische Stürme induziert werden oder auf bestimmten Gegebenheiten in

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 4 0
Telex:08-85432

�in der Erdkruste beruhen - beispielsweise der Existenz eines großen
Eisenerz-Vorkommens in Afrika, das auf Grund einer starken magnetischen
Oberflä'chenanomalie vor einiger Zeit von einem Satelliten entdeckt wurde.
Die MAGSAT-Daten werden, wie Pitt Thome, Direktor der Abteilung
Ressourcenforschung bei der US-Luft- und Raumfahrtbehörde NASA, auf einer
Pressekonferenz erklärte, das Material für weltweite Magnetfeldkarten zu
Navigationszwecken, für die Ausarbeitung globaler Magnetfeldmodelle und
für Karten von der Erdoberfläche abgeben, auf denen magnetische Anomalien
wie jene in Afrika verzeichnet sind.

Diese Informationen wiederum geben

Hinweise auf die Entwicklung der Erdkruste und auf die verschiedenen
geologischen Prozesse, die zur Erzbildung und zur Entstehung von Erdölvorkommen führten. Zwar ist schon seit Jahren bekannt, so Dr. John
Denoyer, Geophysiker am Geologischen Bundesamt der Vereinigten Staaten,
daß Gesteinsformationen (d.h. Schichten der Erdrinde) je nach ihrer
Beschaffenheit elektrische Ströme verschieden gut leiten.

Und da ein

direkter Zusammenhang zwischen elektrischen Strömen und Magnetfeldern
besteht, ist es möglich, aus Magnetfelddaten Rückschlüsse auf die
Temperatur, Zusammensetzung und Struktur (z.B. Verwerfungen und Einbrüche)
von Gesteinsformationen zu ziehen. Verständlicherweise konzentriert
sich jetzt das Interesse besonders auf Formationen, die für Erdöl- und
Mineral vorkommen charakteristisch sind.
Erst in den Jahren von 1965 bis 1971 erkannten die Wissenschaftler,
daß entsprechende Untersuchungen nicht ausschließlich an der Erdoberfläche
möglich sind, sondern daß auch Satelliten dazu sehr viel beitragen können.
Dies zeigte sich bei der Analyse der Daten von sechs amerikanischen
Satelliten, die Magnetometer an Bord hatten. Mit den Instrumenten sollte
seinerzeit die Stärke des globalen Magnetfelds, das aus dem Erdkern
stammt, exakt bestimmt werden. Außerdem hoffte man, einige Erkenntnisse
darüber zu gewinnen, wie dieses Feld entsteht und weshalb es im Laufe von
Jahrmillionen immer wieder eine Umkehrung erfährt - d.h. der magnetische

- 2 -

�magnetische Nordpol zum Südpol wird und umgekehrt. "Und dabei entdeckten
wir", erklärte Pitt Thome, "daß die Daten niedrig fliegender Satelliten
auch Angaben über separate Magnetfelder enthielten, die auf Unregelmäßigkeiten im Aufbau der Erdkruste zurückzuführen sind. Dies öffnete die
Tür zu einem völlig neuen Bereich von Untersuchungen". Man kann nunmehr
aus magnetischen Meßdaten physikalische Merkmale von Gesteinen ableiten
und so Unterschiede herausfinden, die zwischen erdölhaltigen Formationen
und Muttergestein für die verschiedensten Mineralien bestehen. "Kombiniert
mit geophysikalischen Daten wie z.B. Gravitationswerten werden die Magnetfeldmessungen helfen, wirtschaftlich wichtige Mineral- und Erdölvorkommen
zu lokalisieren", meinte Dr. Denoyer.
Auch auf die Erdschollenbewegungen und damit auf den Prozeß der
sog. Kontinentaldrift geben magnetische Karten von der Erdoberfläche
Aufschluß. So sind beispielsweise gewisse magnetische Merkmale von Afrika
jenen von Südamerika auffallend ähnlich, was - neben manchem anderen darauf schließen läßt, daß die beiden Kontinente einmal miteinander verbunden
waren. Die Erdrinde besteht, wie man heute vermutet, aus Schollen (auch
"Platten" genannt), die sich in ständiger Bewegung befinden. Manche
tragen Kontinente und Meere, manche nur Kontinente, manche Teile von
beiden. Gleit- und Reibungsvorgänge an den Schollenrändern bauen Spannungen
auf, die sich ti Erdbeben entladen.
Jetzt soll die Beobachtung der Veränderung von Magnetfeldern in einem
bestimmten Zeitraum helfen, auch Erkenntnisse darüber zu gewinnen, mit
welcher Geschwindigkeit sich die Erdschollen bewegen. Die Erfassung der
Oberflächenfelder durch MATSAT kann mit einem fünfmal größeren Auflösungsvermögen erfolgen als mit den Magnetometern, mit denen höher fliegende
Satelliten ausgerüstet waren. Die Messungen aus dem Weltraum laufen
synchron mit Messungen an der Erdoberfläche auf allen fünf Kontinenten.
Von den 32 an dem Experiment beteiligten Wissenschaftlern sind nur 19
Amerikaner - die übrigen 13 vertreten die Länder Australien, Brasilien,

- 3 -

�Brasilien, Großbritannien, Frankreich, Indien, Italien, Japan und
Kanada. Die Auswertung der Meßdaten dürfte zwei Jahre in Anspruch nehmen,

+ + + + +

•

- 4 -

�I

Wi//en/chaft
mid Technik
International Communication Agency
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31. Oktober 1979

SYNTHESEGAS AUS BRAUNKOHLE

(AD) - Die amerikanische Bundesaufsichtskommission für Energiefragen (FERC - Federal Energy Regulatory Commission) hat "im Prinzip"
der Errichtung eines großen Kohlevergasungswerkes zugestimmt, wo zum
ersten Mal in den Vereinigten Staaten Braunkohle anstatt Steinkohle
in Synthesegas umgewandelt werden soll. Damit ist die erste Hürde zur
Verwirklichung dieses Projekts überwunden. Die Anlage, deren Gesamtkosten auf ca. eine Milliarde Dollar geschätzt werden, soll in Norddakota
gebaut werden und die Energieversorgung von 30 Millionen Menschen im
Osten der USA sichern helfen.
Die stark aschehaltige Braunkohle besitzt nur etwa die Hälfte des
Heizwerts der in den amerikanischen Oststaaten gewonnenen Steinkohle.
Die FERC hat noch Bedenken wegen der zu erwartenden Gebühren für das
Kohlegas. Denn das Firmenkonsortium, das die Anlage errichten will,
ersuchte darum, mit den Kosten den gesamten Abnehmerkreis seiner
Versorgungsunternehmen belasten zu dürfen, d.h. auch jene Abnehmer, die
gar kein Gas beziehen. Dieser Vorschlag wurde von der FERC bisher nicht
genehmigt.
+ + + + +

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

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          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Senator Nunn zu MBFR und zur TNF-Modernisierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Rede vom 22. Oktober 1979 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-NATO-Botschafter erörtert TNF-Modernisierungsprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Botschafter W. Tapley Bennett, Jr. -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Magnetfeldforschung aus dem Weltraum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- MAGSAT-Messdaten als Indikator für Bodenschätze und Schollenbewegungen in der Erdkruste -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Synthesegas aus Braunkohle</text>
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