<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=128&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T19:59:44+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>128</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="2821" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2703">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/859b8e0968949a54f88ddb61ddd9e069.pdf</src>
        <authentication>8fdb0a2ff0d79d26dc93d0640ebd68da</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15280">
                <text>Amerikadienst 27.02.1957</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15281">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15282">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15283">
                <text>27.02.1957</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15284">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20317">
                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Die Schlüsselworte sollten Recht oder Unrecht sein"&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Vereinigten Staaten als UN-Modellfall&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul C. Hoffman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Wissenschaft notiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Durchleuchtung mit der Ultraschallkammer&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Technischer Fortschritt und Sozialentwicklung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vernünftige Maßnahmen zur Rüstungsbeschränkung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Amerika drängt zur Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gedenktage im März 1957&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aus der Filmwelt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;"Die Geschichte der Menschheit" von Hendrik Willem van Loon verfilmt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aus dem 1957er-Produktionsprogramm der Metro-Goldwyn-Mayer-Filmgesellschaft&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Samuel Barbers "Vanessa" auf dem Programm der Salzburger Festspiele 1958&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Israel muss Beschlüssen der Vereinten Nationen nackommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 20. Februar 1957&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: USA werden sich immer für den Frieden einsetzen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Ansprache Präsident Eisenhowers vom 25. Februar 1957&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1486" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1497">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/87a110b88e5c55332d1134a7ab811112.pdf</src>
        <authentication>51591a39eecc3ee03af1dbd578ed0abf</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7805">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer

27. Februar 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Ölkrise setzt neue Akzente für Währungsreform
- Exklusivinterview mit Sidney Weintraub -

HINTERGRUNDMATERIAL:

US-Truppen in Europa unerläßlicher Sicherheitsfaktor
- Von Unterstaatssekretär Arthur A. Hartman -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�' amerika dienst
United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

I n f o r m a t i o n

Godesbergl,

89-3240

Wirtschaft

Service

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

4/1974

ÖLKRISE SETZT NEUE AKZENTE FÜR WÄHRUNGSREFORM
- Exklusivinterview mit Sidney Weintraub -

Sidney Weintraub, Stellvertretender Unterstaatssekretär für Internationale Finanzen und Wirtschaftliche Entwicklung
im US-Außenministerium und Mitglied der
amerikanischen Delegation auf der Januartagung des Zwanziger-Ausschusses in Rom,
hat in einem Exklusivinterview mit den
Korrespondenten des US-Informationsdienstes Eugene Brake und John H.Harter dargelegt, wie stark die Erdölkrise die Konzeptionen für eine Reform des internationalen Währungssystems beeinflußt hat. Der
in internationalen Fachkreisen renommierte amerikanische Finanzexperte vertritt
in dem Interview die Auffassung, daß die
Reform nunmehr einen anderen Verlauf nehmen
wird als ursprünglich angenommen.

Frage: Rechnen Sie damit, daß die Erdölsituation die Entwicklung des
internationalen Währungssystems beeinflußen wird? Glauben Sie, daß neue
Konzeptionen entwickelt werden müssen?
Antwort:

-1-

�Antwort: Sicher. Viele Konzeptionen haben sich geändert. Einige der
früher als wesentlich erachteten Fragen, die einer dringenden Lösung bedurften, erscheinen heute weniger dringlich - so z.B. die Frage, wie sich
der Dollarüberhang beseitigen läßt. Der Dollar hat sich wieder gefestigt und
beträchtliche Dollarbeträge sind in die Vereinigten Staaten zurückgeflossen.

Andere Fragen beginnen jetzt größere Priorität einzunehmen. Als erstes
ergibt sich die Frage, wie ein fundiertes "Reservemedium" beschaffen sein
muß, das den derzeitigen Gegebenheiten Rechnung trägt. Reservemedien oder
Reservewährungen - oder auch Reserveaktiva genannt - sind Zahlungsmittel,
in denen Länder ihre "Überschüsse" anlegen. So fanden z.B. auf der Tagung
des Zwanziger-Ausschusses in Rom technische Gespräche darüber statt, wie
der Wert der Sonderziehungsrechte (SDR) fixiert werden kann - die in dem
reformierten System das wichtigste Reservemedium bilden sollen. Eine Möglichkeit wäre, einen "Auswahlkorb" von Währungen als Basis zu nehmen, wobei die Gewichtigkeit der einzelnen Währungen nach dem Handel dieser Länder
festgelegt werden könnte, und danach den Wert der Sonderziehungsrechte zu
errechnen. Der Vorteil eines solchen Verfahrens bestünde darin, daß die Gefahr starker Schwankungen des Wertes der Sonderziehungsrechte weitaus geringer wäre - schon nach dem Gesetz der Menge, weil eben die Basis größer
wäre. Ich glaube, daß diese Frage wahrscheinlich bis zum 31. Juli gelöst
sein wird.
Eine

-2-

�Eine weitere in Rom erörterte wichtige Frage betrifft das Wechselkurssystem. Hier zeigt sich, welch starke Veränderungen auf dem Währungssektor
vor sich gegangen sind. Die Minister hatten ursprünglich vereinbart, daß
das internationale Währungssystem in erster Linie auf Leitkursen basieren
sollte - stabilen, aber anpassungsfähigen Paritäten. Im Augenblick jedoch
haben die meisten Länder die Wechselkurse ihrer Währungen freigegeben - die
Marktkräfte können also ihren Wert bestimmen. Angesichts der großen Unsicherheit, die durch die letzten Entwicklungen in der Weltwirtschaft entstanden
ist, gibt es praktisch kaum eine Alternative für die größere Flexibilität,
wie wir sie gegenwärtig haben.

Eine der Fragen, die die Minister jetzt lösen müssen, ist die Formulierung der Richtlinien, nach denen sich ein solches Floaten vollziehen soll.
Das Ziel muß die Gewähr sein, daß sich nicht einzelne Länder

durch ein

Floaten in einer Zeit der Unsicherheit einen Vorteil gegenüber anderen Ländern verschaffen.

Frage: Sieht es nicht so aus, als ob das Floating zu einem wichtigen
Bestandteil des neuen internationalen WährungsSystems werden wird? Wird das
neue System mehr auf floatenden als auf festen Wechselkursen basieren?
1

Antwort: Das ist schwer zu sagen. Meines Erachtens würden die meisten
Regierungen irgendwann eine Rückkehr zu - wie sie es nennen - "stabilen,
aber anpassungsfähigen Paritäten" bevorzugen. Ich glaube nicht, daß wir jemals wieder zu den starren, festen Wechselkursen zurückkehren werden, wie

-3-

�i
wie sie in Bretton Woods festgelegt worden sind. Aber im Augenblick gibt
es praktisch überhaupt kaum eine Alternative zum Floating - d.h. den sehr
gl flexiblen Wechselkursen..Ich weiß nicht, wie lange dieses vorübergehende
i.Floaten.noch dauern wirdj möchte aber annehmen, daß es noch eine Weile weitergehen wird. Solange die•Unsicherheiten noch so groß sind wie im Augenblick, läßt sich schwer absehen,wo die Wechselkurse sich einpendeln werden.
Lassen Sie mich nun an einigen Zahlen dieses Problem aufzeigen. Verschiedene Stellen haben Schätzungen vorgenommen, wie hoch sich die kumulativen Zahlungsbilanzüberschüsse der erdölexportierenden Länder 1974 in laufender Rechnung - also ohne Berücksichtigung anderer Kapitalbewegungen belaufen werden. Man ist dabei auf einen Betrag von 65 Milliarden Dollar gekommen - :eine wahrhaft beunruhigende Zahl. Diese Stellen gehen weiter davon
aus, daß die importierenden Entwicklungsländer weit größere Defizite aufweisen werden als 1973 - vielleicht in einer Größenordnung von 8,5 bis
10 Milliarden Dollar.

•' '

Bedenkt man ferner, daß die gesamte Entwicklungshilfe 1973 etwa genau
den Betrag ausmacht, den diese Länder 1974 an Ölkosten zu tragen haben werden, dann läßt sich ermessen, wie große Veränderungen sich in der finanziellen Struktur dieser Länder vollziehen werden. Die gleiche Situation ergibt
sich auch für die europäischen Länder und die Vereinigten Staaten. Es ist
anzunehmen, daß sich ihre laufenden Kosten • ihre Handels-und Dienstleistungsbilanz - um rund 40 bis 45 Milliarden Dollar verschlechtern werden.
. - . . - ' • . : - , ; • • .

• : . . . . . • .

:

'

••'••

-4-

•*"

-

:

"•

Das

�Das alles sind beunruhigende Veränderungen. Und das Kapital wird
später aus den Erdölländern, die das Geld mit. ihren Exporten verdient haben,
in der einen oder anderen Form wieder in die Industriestaaten zurückfliessen. Dies läßt die Zukunft so ungewiß erscheinen. Und aus diesem Grunde
kann kaum etwas über die weitere Entwicklung der Wechselkurse gesagt werden.
Frage: Wie sehen Sie ganz allgemein die Aussichten für eine Reform des
internationalen Währungssystems? Wird sie schrittweise erfolgen oder wird
es irgendwann im Herbst 1974 oder 1975 zu einem umfassenden Abkommen kom&lt;-&gt;
men?
Antwort: Ich glaube, sie wird schrittweise erfolgen. Im Sommer oder im
Herbst dieses Jahres werden wir, so möchte ich meinen,uns über ein Bewertungsverfahren für die Sonderziehungsrechte geeinigt haben. Das wäre ein
wichtiger Schritt. Ich hoffe, daß wir uns bis dahin auch über die Bestimmungen oder Richtlinien für das Floaten geeinigt haben werden, damit sichergestellt ist, daß kein Land auf Kosten anderer leben kann. Wenn diese beiden Fragen gelöst sind, dann ist schon viel erreicht.

Alle übrigen Punkte des neuen Währungssystems werden wahrscheinlich
erst später geregelt werden, so z.B. welche Rolle ein Reserveindikatorsystem übernehmen soll.

Unser Vorschlag geht darauf aus, daß Wechselkurs-

veränderungen und andere Anpassungsmaßnahmen weitgehend durch die bei den
Reserven eingetretenen Veränderungen bestimmt werden.
Frage:

-5-

�Frage: Können Sie uns trotz der jüngsten Entwicklungen in der Weltwirtschaft und der daraus resultierenden Unsicherheit für die weitere wirt«
schaftliche Planung etwas darüber sagen, welche Aussichten sich angesichts
der Energiesituation für die amerikanische Wirtschaft und die Position des
US-Dollar ergeben?

Antwort: Der Markt ist bisher von der Annahme ausgegangen, daß die
Vereinigten Staaten etwas besser gestellt sind als die übrigen energieimpor»
tierenden Länder, da sie weniger von Energieimporten abhängig sind. Ferner
glaubt man, daß ein großer Teil der gestiegenen Einnahmen der erdölexpor»
tierenden Länder in Form von Investitionen ihren Weg zurück in die Vereinigten Staaten finden werden. Daher kam es zu größeren Kapitalflüssen in die USA
und der Dollar festigte sich. Diese Beurteilung des Marktes ist meines Er»
achtens zumindest für den Augenblick richtig.

In einer Welt floatender Wechselkurse würden jedoch zu starke Kapitalzuflüsse - ohne ausgleichende Abflüsse • den Wechselkurs des Dollar in die
Höhe treiben. Und je mehr der Wechselkurs steigt, umso stärker wird unsere
Handelsbilanz darunter zu leiden haben, da unsere Exporte teurer und unsere
Importe billiger werden. Die Aufhebung unserer Kapitalverkehrskontrollen hat
die Neigung der Börsen, zu stark auf die festere Position des Dollar zu rea»
gieren, gedämpft und öffnet den Weg für den Fluß von Kapital aus den Vereinigten Staaten in andere Industriestaaten, um diesen bei der Finanzierung ihrer
Erdölimporte zu helfen. Meine eigene Auffassung geht dahin, daß die Vereinigten Staaten die Probleme, mit denen wir für dieses und für das nächste Jahr

-6-

�Jahr rechnen, durchaus meistern können, vorausgesetzt, wir verhalten uns
vernünftig und drosseln etwas unseren Energieverbrauch - und ich gehe davon
aus, daß wir dies tun werden.

Das bedeutet auf der einen Seite eine etwas höhere Inflationsrate, als
wir sie sonst haben würden, und auf der anderen einen vernünftigen Ausgleich
unserer internationalen Zahlungskonten und Wirtschaftswachstums. Das Wirtschaftswachstum wird wahrscheinlich nicht so groß sein wie im letzten Jahr,
aber wohl kaum negativ.

Je weiter Sie in die Zukunft blicken, über das nächste Jahr hinaus, umso schwerer läßt sich voraussagen oder absehen, was geschehen wird.
Frage: Die Zeitungen waren kürzlich voll von düsteren Prophezeiungen,
daß der immer schnellere Anstieg der Erdölpreise zu einer weltweiten Rezession führen könnte. Glauben Sie, daß eine solche Gefahr besteht?

Antwort: Eine solche Gefahr ist meines Erachtens gegeben, wenn Länder
unvernünftig handeln, um ihre eigenen kurzfristigen Interessen zu schützen.
Wenn Länder sich auf einen Abwertungswettlauf einlassen oder Einfuhrbeschränkungen oder Exportsubventionen einführen, dann werden andere Länder sich
durch ähnliche Maßnahmen zu schützen suchen. Und dann, so glaube ich, könnte es zu einer weltweiten Rezession kommen.

Ich hoffe jedoch zutiefst, daß

die Länder aus den Erfahrungen der dreißiger Jahre gelernt haben. Meines Erachtens ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit in den Industriestaaten
heute größer als damals.
Wenn

-7-

�Wenn wir etwas besser zusammenarbeiten und vernünftig handeln, glaube
ich wirklich nicht, daß es zu einer weltweiten Rezession kommen wird. Das
besagt nicht, daß die Wachstumsraten nicht zurückgehen werden. Ich nehme
sogar an, daß dies eine Zeitlang der Fall sein wird.

Frage: In den letzten Monaten haben wir gesehen, wie die Preise für
Erdöl und Erdölprodukte immer wieder anstiegen. Gibt es irgendeine Grenze
für diesen ständigen Auftrieb?

Antwort: Ich habe Ihnen bereits einige Zahlen genannt, die zeigen, was
mit den Zahlungsbilanzen der verschiedenen Ländergruppen passieren würde,
Nach meiner Auffassung würden diese zu erwartenden Veränderungen, wenn sie
viele Jahre anhalten, unlösbare Probleme stellen. Das gilt vor allem für
die ärmsten der ölimportierenden Länder.

Es wird vielleicht möglich sein, die höheren Preise dieses Jahr und
vielleicht auch nächstes Jahr noch zu verkraften. Wenn man jedoch in die Zukunft blickt, dann wird der Markt aufgrund der höheren Energiepreise zu
einer starken Forschungs-und Entwicklungstätigkeit anregen. Und dies wird
sich auf die Olpreise auswirken. Nach meiner Auffassung werden diese sehr
hohen Olpreise auf mittlere Sicht etwas zurückgehen. Ich glaube jedoch nicht,
daß sie jemals wieder so niedrig sein werden wie in der Vergangenheit.

1 ;

Frage:

�Frage: Was können die hauptsächlichen öl exportierenden Länder mit dieser gewaltigen Zunahme ihrer Einkommen tun? Könnten besondere Vereinbarungen gefunden werden, um es ihnen zu erleichtern, außerhalb ihrer eigenen
Länder attraktive Investitionsmöglichkeiten zu finden?

Antwort: Ich glaube, diese Länder können mancherlei tun. Wenn ich in
einem dieser Länder Wirtschaftsberater wäre -um so anzufangen - würde ich
sie daran erinnern,daß ihr Öl eines Tages versiegt sein wird oder zumindest,
daß Energie in dieser Form in sehr viel geringerem Maße angewandt werden
wird. Es wäre für diese Länder wirklich klug, ihre Einnahmen so anzulegen,
daß sie ihren Wert behalten, damit die Guthaben dann später, so wie es notwendig wird, für die Entwicklung herangezogen werden können.

Einige dieser Guthaben werden ohne Frage in einheimischer Produktion in»
vestiert werden - also in der Industrie oder anderen Bereichen im eigenen
Lande. Das können der Iran und Venezuela, Indonesien, Nigeria und verschiedene andere Länder tun. Es gibt aber auch Länder - wie beispielsweise Kuwait
und Saudi-Arabien - in denen zwar Investitionsmöglichkeiten im eigenen Lande
bestehen, die jedoch im Verhältnis zu den erwarteten Einnahmen begrenzt sind.
Man muß also davon ausgehen, daß diese Länder ihre finanziellen Guthaben in
Übersee, vielleicht direkt, investieren werden.

Ich bin natürlich der Auffassung, daß die internationale Gemeinschaft
diesen Ländern helfen sollte, gute Investitionsmöglichkeiten zu finden. Das
braucht nicht unbedingt zu bedeuten,daß man ihnen Privilegien einräumt, die

-9-

�die andere Investoren nicht erhalten würden, sondern daß man ihnen dabei
hilft, das zu erwartende gewaltige Kapital so anzulegen, daß es nicht nur den
Interessen des investierenden Landes, sondern auch dem anderer Länder dienen
könnte.

Frage: Wie werden die Länder Europas und Japan ihre gewaltig gestiegenen
Ölrechnungen bezahlen?

Antwort: Nach meiner Vermutung wird es eine Kombination von Entwicklungen
geben. Die ölexportierenden Länder werden mehr Güter aus diesen Ländern importieren, da sie über mehr Devisen verfügen werden, um Importe zu finanzieren. Aber dies wird nur einen relativ kleinen Anteil an ihrem erhöhten Einkommen ausmachen. Was sie dann tun werden, ist noch nicht ganz klar abzusehen. Wollen wir einmal davon ausgehen, daß sie einen Teil ihres erhöhten Kapitals für Investitionen im Ausland benutzen werden - vielleicht durch den
IWF oder vielleicht über den EURO-Dollar-Markt. Dieses Kapital würde dann in
die anderen Länder - Japan, Europa, die Vereinigten Staaten - zurückfließen.
In diesem Falle könnte das Kapital wieder herangezogen werden, um die Importe zu bezahlen.
Was ich also sagen will ist, daß diese Länder zum größten Teil Geld
leihen können, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Nach meiner Überzeugung wird
sich in den nächsten zwölf Monaten folgendes abspielen: Die reicheren Länder
werden in dieser oder jener Form mehr leihen - und das gleiche werden die
Entwicklungsländer tun. Wahrscheinlich werden alle Verbraucherländer dies tun
müssen. Das war für die Vereinigten Staaten und mehrere andere Länder ein

-10-

�ein zwingender Grund, die internationalen Kapitalverkehrsbeschränkungen abzuschaffen.

Frage: Wie würden Sie die gegenwärtige Situation nach der Ölpreiserhöhung zusammengefaßt darstellen?

Antwort: Die Preiserhöhungen sind natürlich beträchtlich gewesen. Sie
kamen ganz plötzlich und sie haben alle ölimportierenden Länder in eine sehr
schwierige Lage gebracht. So etwas hat es bisher nie gegeben, und wir tasten
alle noch etwas, um einen Weg zu finden.

Ich glaube, die ermutigendste Ent-

wicklung auf der Tagung in Rom war die allgemeine Übereinstimmung, daß die
Länder - vor allem die ölimportierenden Entwicklungsländer - ihre Zahlungsbilanzposition und den Beschäftigungsstand im eigenen Lande nicht auf Kosten
anderer Länder schützen dürfen. Ich glaube, sie sind zu der Einsicht gekommen, daß einseitige Maßnahmen dieser Art zur Reaktion anderer Länder führen
müssen und daß dies die Gefahr einer Abwärtsspirale der Weltwirtschaft bringen würde. Ich halte es für sehr wichtig, daß die Welt dies erkannt hat.

Das zweite, was ich für sehr wichtig halte und was immer wieder unterstrichen werden muß, ist die Tatsache, daß wir alle eine ganz ernste Verpflichtung gegenüber den ärmsten Ländern der Welt haben - gegenüber denen
also, denen es am schwersten fallen wird, die gewaltig steigenden Preise zu
bezahlen. So wird sich beispielsweise die Ölimportrechnung Indiens um rund
1 Milliarde Dollar erhöhen - also um eine gewaltige Summe.
Und

-11-

�Und schließlich gibt es noch

Fragen, die in den Bereich der Währungsre-

form fallen. Ich glaube, die Reform wird einen etwas anderen Weg nehmen als
wir eigentlich gedacht hatten. Aber wenn wir bis Juli ein Übereinkommen über
die Bewertung der Sonderziehungsrechte erreicht haben und darüber, wie wir den
Internationalen Währungsfonds stärken können, und wenn es uns gelingt, einen
besseren Entscheidungsapparat zu schaffen - und wenn wir schließlich übereinkommen, daß ein Floating keine "Bettelmannsmethode" sein darf, dann haben wir
sicherlich sehr viel erreicht.

-12-

�amerika dienst
ß

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

Telex:08-85432

4/1974
US-TRUPPEN IN EUROPA. UNERLÄSSLICHER SICHERHEITSFAKTOR
Von Unterstaatssekretär Arthur A.Hartman-

Der neue Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten im amerikanischen
Außenministerium, Arthur A. Hartman,hat.
Mitte Februar vor Kongreßabgeordneten die
Haltung der Nixon-Administration zu Fragen
der europäischen Verteidigung, NATO,
Truppenreduzierung, Lastenverteilung und
Devisenausgleich eindeutig dargelegt.
Hartman hat im State Department die Nachfolge von Walter J. Stoessel angetreten,
der den Posten des Botschafters der Vereinigten Staaten in Moskau übernommen
hat.
In seiner vorbereiteten Erklärung vor
dem ad hoc-Unterausschuß für Fragen der
militärischen Verpflichtungen der USA
in Europa (des Militärausschusses des
Repräsentantenhauses) sowie in den anschließenden Fragen und Antworten betonte Hartman, daß jetzt nicht der Zeitpunkt
für einen einseitigen amerikanischen
Truppenabbau in Europa sei und diese Truppen der Sicherheit der USA ebenso dienten
wie der Sicherheit Europas.
Nachfolgend die Erklärung Hartmans vor
dem Unterausschuß:

�*

"Jeder, der Zeitung liest, wird erkennen, daß dies eine Zeit der Ungewißheit und Neubewertung in Westeuropa ist...".

Sie werden, Herr Vorsitzender, diese Worte als ein Zitat aus dem Bericht
wiedererkennen, den der Sonderausschuß für NATO-Verpflichtungen unter Ihrem
Vorsitz im August 1972 über die "Amerikanischen Verpflichtungen gegenüber
der NATO" erstellt hat. Dabei war 1972 für die meisten westeuropäischen
Länder ein relativ gutes Jahr. Es war ein Jahr des soliden wirtschaftlichen
Wachstums. Im großen und ganzen zeigten die Zahlungsbilanzen der europäischen Länder einen Überschuß auf, während der Dollar unter Druck stand.
Im Oktober 1972 hatten die neun Mitglieder der kurz zuvor erweiterten
Europäischen Gemeinschaft so viel Vertrauen in die Zukunft gesammelt, daß
sie auf der Pariser Gipfelkonferenz feierlich ihre Absicht verkündeten,
noch innerhalb des Jahrzehnts den ganzen Komplex ihrer Beziehungen in eine
Europäische Union zu verwandeln.
Wenn aber im Jahre 1972 in Westeuropa von unterschwelligen Strömungen
der Ungewißheit gesprochen werden konnte, dann ist diese Region heute einem
schweren Sturm ausgesetzt. Die Energiekrise hat bereits einen der Faktoren
in der Gleichung der europäischen Prosperität - nämlich eine unbegrenzte
Versorgung mit Öl zu einem vernünftigen Preis - beseitigt. Die Raten des
wirtschaftlichen Wachstums gehen zurück, das Preisniveau wird noch rascher
ansteigen, die Zahlungsbilanzen geraten ins Defizit und die Devisenreserven
werden schwinden.
An

-2-

«

�An der Integrationsfront ist die Gemeinschaft in Durcheinander geraten. Der Übergang zur nächsten Phase der Wirtschafts-und Währungsunion ist
verschoben worden und die Franzosen haben ihren Franc aus der Währungsübereinkunft der Gemeinschaft herausgenommen. Die Gemeinschaft bemüht sich
noch immer ergebnislos, eine gemeinsame Energiepolitik zu entwickeln. Es
ist ihr bisher nicht gelungen, den toten Punkt bei der Schaffung eines Regionalfonds zu überwinden. Die Situation ist heute so großen Belastungen
ausgesetzt,daß sich viele Europäer ganz offen fragen, ob die neun Mitgliedsländer wirklich den Willen besitzen, weiter zur Einheit fortzuschreiten
oder es zulassen werden, daß die Gemeinschaft stagniert oder gar auseinanderfällt.

Diese Entwicklungen werden sowohl das innere soziale und politische
Gleichgewicht der Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft als auch ihre Beziehungen untereinander auf eine schwere Probe stellen. Ihr erklärtes Ziel einer
"Europäischen Union" bis 1980 wäre sogar in einer Periode unverminderter
Prosperität und enger Zusammenarbeit schon schwer genug zu erreichen gewesen.
Jetzt wird es noch sehr viel schwerer werden.

Unsere ideologischen Gegner verkünden dafür bereits voller Freude die
unmittelbar anstehende Krise des kapitalistischen Systems. Boris Ponomarjew,
stellvertretendes Mitglied des Politbüros und Sekretär der sowjetischen kommunistischen Partei, erklärte am 18. Januar, die Bourgeoisie werde heute so
hart mit all ihren inneren Widersprüchen konfrontiert, daß man von einer

3-

�einer gewissen qualitativen Verlagerung in der Entwicklung der allgemeinen
Krise des Kapitalismus, von einer allgemeinen Verschärfung dieser Krise sprechen könne. Diese Prophezeiung des Unterganges wird ebenso im Mülleimer der
Geschichte landen wie viele andere, zuvor. Ich habe großes Vertrauen.in die
Stärke und Widerstandsfähigkeit von Marktwirtschaften und freien Gesellschaften. Nordamerika und Westeuropa werden sich anpassen, einrichten und
diese neue Herausforderung bestehen lernen,;

Wenn wir jedoch unser Schiff sicher durch diese rauhe See lenken wollen,
dann gibt es dafür keinen vorgegebenen oder zwangsläufigen Kurs. Es wird politische Seemannschaft höchster Ordnung erfordern. Es ist allerdings sicherlich nicht der Zeitpunkt, den Ballast über Bord zu werfen, den die amerikanische Verpflichtung gegenüber der Sicherheit Westeuropas für die Stabilisierung des Schiffes bietet.

,

Der Ernst dieser Verpflichtung liegt in der Präsenz amerikanischer
Streitkräfte in Westeuropa und wird auch weiterhin darin liegen. Selbst eine
bescheidene einseitige Verringerung der amerikanischen Streitkräfte - und
hier möchte ich erneut aus dem Bericht des Sonderausschusses vom August 1972
zitieren - "würde eine negative politische Auswirkung haben... , die in
keinem Verhältnis zu dem tatsächlichen militärischen Effekt stehen würde".

Die politischen Schlußfolgerungen aus dieser Beurteilung, Herr Vorsitzender, gelten heute, im Winter 1973/74, noch viel mehr als damals im
.

'

J

••

•

•

'

•

-

Sommer 1972.
Wir

�Wir halten den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Streitkräfte
in Europa nicht aus einem Akt politischer Nächstenliebe heraus aufrecht,
sondern aus Überlegungen des nationalen Interesses. Es ist nichts eingetreten, was die in Ihrem Bericht aus dem Jahre 1972 getroffene Beurteilung ändern könnte, daß ohne die Unabhängigkeit und Sicherheit Westeuropas "die
amerikanische Position in der Welt, strategisch und wirtschaftlich gesehen,
ernsthaft geschmälert würde". Das Atlantische Bündnis ist der Eckstein des
Gebäudes des Friedens, das wir zu bauen suchen. Und das Bündnis gewinnt
seinen Zusammenhalt aus der Präsenz amerikanischer Truppen auf europäischem
Boden.
Dies war im wesentlichen das Urteil des Mehrheitsberichtes des Sonderausschusses im August 1972. Was seither geschehen ist, bekräftigt nur, daß
dieses Urteil gesund war...

Ich möchte in meiner Erklärung auf einige der

Entwicklungen der letzten anderthalb Jahre eingehen.

Unter den Ländern auf beiden Seiten des Atlantik besteht eine weitgehende Identität der Interessen. Jedoch ist die Vorstellung, die die Öffentlichkeit von den atlantischen Beziehungen gewonnen hat, durch Wolken der
politischen Dissonanz und der kommerziellen Rivalität getrübt worden. Im
April vorigen Jahres hat Außenminister Kissinger vorgeschlagen, daß wir und
unsere Verbündeten im Lichte der veränderten Umstände und der dringenden Erfordernisse der Zukunft unsere gemeinsamen Interessen neu definieren. Er
hat vorgeschlagen, daß wir eine Reihe gemeinsamer Ziele klar herausheben

�herausheben und formulieren, die als Richtschnur für spezifische Aspekte
unserer Beziehungen dienen sollen. Obwohl die Verbündeten nicht immer einig
sein werden, wie an die Probleme herangegangen werden soll, vor allem, wenn
sie außerhalb des Vertragsgebietes auftreten, so müssen wir nach den warnenden Worten des Außenministers doch einfach erkennen, was wir gemeinsam tun
müssen,und welches die Grenzen sind, die wir unserer Autonomie auferlegen
müssen.

Wenn auch die Energiekrise und damit zusammenhängende Probleme die Entwicklung der europäischen Einheit zwar behindern werden, so dürfen wir doch
davon ausgehen, daß der Trend auf lange Sicht auf einen stärkeren und nicht
auf einen schwächeren Zusammenhalt unter den Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft hinauslaufen wird. Vor allem entwickeln die Neun neue Prozesse der
politischen Konsultation und versuchen, in einigen außenpolitischen Fragen
gemeinsame Positionen zu erreichen. Es besteht nicht notwendigerweise ein
Konflikt zwischen europäischer Identität und atlantischer Gemeinschaft. Aber
das transatlantische Verhältnis muß sich neuen Realitäten anpassen.
Seit der Rede des Außenministers im April vorigen Jahres haben wir mit
den neun Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft und mit unseren Verbündeten in der NATO an zwei Deklarationen gearbeitet, die den Rahmen für unsere
künftige Zusammenarbeit auf der einen Seite mit der entstehenden Einheit der
Neun und auf der anderen Seite unter den 15 Mitgliedern des Atlantischen
Bündnisses abstecken sollen. Wir sprechen ferner über eine dritte Deklaration,

�1

Deklaration, die Japan mit diesem gesamten Unterfangen verbinden soll, sowie auch über eine bilaterale amerikanisch-spanische Erklärung. Es geht
vorwärts und wir hoffen, daß diese wichtigen Dokumente noch in diesem Frühjahr unterschriftsreif sein werden. Sie werden die Absicht der Vereinigten
Staaten und ihrer Partner bekräftigen, unter Berücksichtigung der neuen
Faktoren in ihren Beziehungen ihre enge Bindung aufrechtzuerhalten.

Zwischen diesen Bemühungen, die atlantischen Beziehungen auf eine neue
und festere Basis zu stellen, und der Fortsetzung von Verhandlungen mit dem
Osten besteht selbstverständlich kein Widerspruch, ja diese beiden Anstrengungen ergänzen sich gegenseitig. Ost und West sind nicht länger in eine
starre Konfrontation verstrickt. Es ist möglich geworden, unsere Beziehung
zur Sowjetunion rationeller zu pflegen und das Risiko des Konfliktes zu verringern. Aber wir können eine solche Politik nicht auf der Grundlage militärischer Schwäche und politischer Uneinigkeit im Westen führen.

Über fünf Jahre nachdem die Verbündeten beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierungen in Mitteleuropa (MBFR) vorgeschlagen hatten, begannen
im Januar 1973 die Vorgespräche, und jetzt sind die eigentlichen Verhandlungen in Wien in Gang gekommen. Die Ausgangspositionen der östlichen und
der westlichen Seite sind bekannt. Jetzt liegen harte und mühsame Verhandlungen vor uns. Bisher sind beide Seiten übereingekommen, daß MBFR zu dem
Ziel beitragen würde, Sicherheit und Stabilität in Europa zu gewährleisten,
und daß jedes etwa getroffene Abkommen nicht die Sicherheit der einen oder
der anderen Seite verringern darf.

Genauer

-7-

�4

Genauer gesagt, die östliche Seite hat vorgeschlagen, daß die Reduzierungen auf der Basis prozentual gleicher Truppenverringerungen erfolgen sollten, wodurch das derzeitige Kräfteverhältnis der Truppen in Mitteleuropa
erhalten bleiben würde. Auch die Luft-und Atomstreitkräfte sollten in diese
Reduzierung einbezogen werden.
Der Westen seinerseits geht von der Vorstellung aus, daß das Ziel
eines stabileren Gleichgewichts die Berücksichtigung der in Mitteleuropa bestehenden Disparitäten erfordert. Der Osten verfügt über zahlenmäßig
stärkere Landstreitkräfte und Panzerverbände in diesem Raum als die NATO.
Außerdem wurden aus Mitteleuropa abgezogene sowjetische Streitkräfte nur
wenige hundert Kilometer zu überwinden haben, um wieder an der Front zu
stehen, während die Streitkräfte der Vereinigten Staaten den Atlantik überqueren müßten. Wir glauben, daß wir in dem Bemühen, zu einem stabilen Verhältnis bei den Landstreitkräften zu gelangen, den direktesten gangbaren
Weg zur Verringerung der Risiken eines Ausbruchs von Feindseligkeiten gehen
und dadurch die Gefahr einer Eskalation reduzieren.

Dementsprechend hat der Westen vorgeschlagen, daß das Endziel einer
Reduzierung der Landstreitkräfte auf beiden Seiten in einer gemeinsamen
Höchstgrenze für die Gesamtstärke der Landstreitkräfte bestehen sollte,
Zur Zeit verfügt die NATO in diesem Gebiet über Landstreitkräfte in der
Stärke von 770 000 Mann, während die Staaten des Warschauer Paktes über
925 000 Mann verfügen. Der zahlenmäßige Unterschied von fast 150 000 Mann
ist beträchtlich, und unserer Auffassung nach sollte es das Hauptziel der
Verhandlungen sein, diesen Unterschied zu beseitigen.

-8,

D^£

�&lt;

Die Verhandlungen über diese Reduzierungen sollten unserer Meinung
nach in zwei Schritten erfolgen. Wir sollten mit der Verringerung der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte beginnen und dann in der
sich anschließenden zweiten Phase zu der gemeinsamen Höchstgrenze zu gelangen suchen.
Wenn MBFR-Abkommen Zustandekommen - und wir sind optimistisch, daß
dies gelingen wird - dann würden sie der Sache der Entspannung in einer
praktischen und konkret faßbaren Weise förderlich sein und könnten auch
zu anderen Maßnahmen für eine Rüstungskontrolle führen.

Es besteht ganz offensichtlich kaum eine Chance, daß wir unsere Ziele
bei den MBFR-Verhandlungen erreichen, wenn die Vereinigten Staaten ihre
Streitkräfte einseitig reduzieren. Diese Verhandlungen jetzt, da sie voll
in Gang gekommen sind, aufs Spiel zu setzen, hieße allerdings einen hohen
Preis für bescheidene Gewinne zugunsten der Zahlungsbilanz zahlen, die
sich aus der sofortigen Rückkehr eines Teiles der amerikanischen Truppen
aus Europa ergeben würden.

Nun zu einem anderen Aspekt: Die Unterzeichnung des Viermächte-Abkommens über Berlin im Juni 1972 öffnete den Weg zur Einberufung der Konferenz
über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). Die zweite Phase dieser Konferenz findet gegenwärtig in Genf statt. Die an dieser Konferenz beteiligten 35 Nationen erwarten, daß die KSZE in diesem Jahr ihren Abschluß
mit einem Treffen auf hoher Ebene findet. Dies wird wahrscheinlich zu allgemeinen Erklärungen über Grundprinzipien der zwischenstaatlichen Beziehungen

-9-

�Beziehungen sowie zu einer Ost-West-Zusammenarbeit auf wirtschaftlichen und
anderen Gebieten und der Erweiterung von menschlichen Kontakten und Kulturaustauschprogrammen führen. Wir sind nicht mit falschen Erwartungen auf
diese Konferenz gegangen, denn einen Ersatz für einen Friedensvertrag für
den zweiten Weltkrieg wird diese Konferenz nicht bringen. Sie wird Europa
nicht wiedervereinigen und auch nicht die Möglichkeiten für künftige Reibereien völlig beseitigen. Aber sie kann ein Schritt in der richtigen Richtung sein.

Wir sind uns bewußt, daß die beiden großen Nuklearmächte eine besondere Verantwortung für die internationale Gemeinschaft tragen. Im Juni
1973 haben wir mit der Sowjetunion ein Abkommen über die Verhinderung
eines Atomkrieges unterzeichnet. Wir führen auch weiterhin Gespräche über
die Begrenzung der strategischen Rüstungen. Der Ausgang dieser Verhandlungen wird einen weiteren bedeutsamen Hinweis über das Ausmaß geben, bis zu
dem wir die Gefahren einer Konfrontation verringern können.

Aber keines dieser Abkommen mit der Sowjetunion - weder die schon unterzeichneten noch die in Aussicht stehenden - kann die Sicherheit ersetzen,
die wir aus dem Nordatlantikvertrag und den mit ihm verbundenen kollektiven
Verteidigungsvorkehrungen erlangen.

Die Sowjetunion führt zur Zeit ein ehrgeiziges Raketenversuchs-und -ent
Wicklungsprogramm durch, das bereits weitgehend den Grad an Überlegenheit
aufgehoben hat, den wir einmal auf dem Gebiet der strategischen Rüstungen

-lo-

�Rüstungen besaßen. Die konventionellen Streitkräfte der Sowjetunion und des
Warschauer Paktes im mitteleuropäischen Raum werden mit modernstem Kampfgerät ausgerüstet. Und die sowjetische Marine, einstmals eine im wesentlichen
auf die Küstenverteidigung beschränkte Flotte, baut ihre Präsenz auf den
Weltmeeren ständig weiter aus. In einer Zeit einer ungefähren nuklearen Parität gibt es aber keine vernünftige Alternative zu einer glaubwürdigen
konventionellen Verteidigungsposition.

Mancher wird diese Behauptung wohl akzeptieren, jedoch dabei fragen,
warum nicht die europäischen Verbündeten die amerikanischen Streitkräfte ersetzen können, mit deren Rückzug man jetzt - fast dreißig Jahre nach Ende
des zweiten Weltkrieges -ihrer Ansicht nach beginnen sollte. Die Antwort
darauf, Herr Vorsitzender, lautet einfach, daß Westeuropa kein einheitliches
Ganzes ist, sondern aus einer Reihe unterschiedlicher Staaten besteht, die
alle im Schatten der ungeheuren sowjetischen Macht leben, der gewachsen zu
sein keiner von ihnen hoffen darf. Viele westeuropäischen Regierungen gehen
von der Überlegung aus, daß ihr eigenes militärisches Potential nur wenig
Bedeutung für ihre Sicherheit haben würde, es sei denn, daß es innerhalb
eines kollektiven Rahmens an eine bindende amerikanische Verpflichtung gekoppelt sei. Für sie zeigt daher die Stärke der amerikanischen Truppen in
Europa sozusagen den Barometerstand unserer Verpflichtung an. Es wäre daher
sehr unrealistich, zu erwarten, daß die Europäer die Zahl ihrer Streitkräfte vergrößern würden, um die durch den Abzug amerikanischer Truppen

entstan-

denen Lücken aufzufüllen.
Wenn

-11-

�*

Wenn wir jedoch die Politik des Präsidenten der Aufrechterhaltung und

i

Verbesserung unserer eigenen Streitkräfte in Europa durchführen, dann werden die Verbündeten unserem Beispiel folgen, und wir können den bereits eingeleiteten schrittweisen Prozeß einer faireren Verteilung der Lasten der
gemeinsamen Verteidigung weiterführen.

Herr Vorsitzender, in Ihrem Bericht von 1972 kamen Sie zu dem Schluß,
daß die europäischen Partner für die kollektive Verteidigung "mehr tun
könnten und mehr tun sollten". Wir stimmten mit dieser Schlußfolgerung überein, und wir haben unsere Verbündeten nachdrücklich gedrängt, einen größeren Teil der Bürde zu übernehmen. Nach welchen Kriterien man die relative
Anstrengung auch bemißt, so zeigt sich eine verbesserte europäische Leistung:
in dem Anteil, den Europa zu den Gesamtausgaben der NATO-Verteidigung beiträgt; in dem Prozentsatz des Bruttosozialproduktes für die Verteidigung
und in der Zahl der unter Waffen stehenden Männer. So haben beispielsweise
die Verbündeten im Jahre 1970 etwas über 22 Milliarden Dollar für die Verteidigung ausgegeben, verglichen mit 76 Milliarden Dollar der USA. Im Jahre
1973 stiegen die europäischen Verteidigungsausgaben auf 39 Milliarden Dollar,
während die unsrigen mit 78 Milliarden Dollar fast konstant blieben. Die
amerikanischen Aufwendungen für die Verteidigung, gemessen am Bruttosozialprodukt, gingen von 8,4 Prozent im Jahre 1970 auf weniger als 7 Prozent im
Jahre 1973 zurück, während die Aufwendungen unserer Verbündeten in diesem
Zeitraum von 4 Prozent auf 4,2 Prozent anstiegen.
Wir

-12-

,

�Wir haben in den Vereinigten Staaten die Wehrpflicht abgeschafft.
Die meisten unserer Verbündeten haben sie noch. Die Gesamtzahl der Amerikaner im Militärdienst geht von Jahr zu Jahr zurück. Bis zum Ende des Haushaltsjahres 1974 wird sie weniger als 2,2 Millionen betragen. Die Europäer
hingegen haben wie 1972 noch über 3,3 Millionen Mann unter Waffen.

Das europäische Verstärkungsprogramm (EDIP), das Sie in Ihrem Bericht vom Jahre 1972 erläutert haben, hat bemerkenswerte Verbesserungen bei
den NATO-Streitkräften vor allem in jenen kritischen Gebieten gebracht, die
beispielsweise in der Studie über die Verteidigungsprobleme des Bündnisses
für die siebziger Jahre (AD-70) aufgeführt wurden. Das europäische Verstärkungsprogramm wird die Kosten für den Bau von rund 1 6oo Flugzeugunterstäni

den auf 73 NATO-Flugplätzen tragen. Von diesen sind bereits mehr als 700
fertiggestellt und werden vor allem auch von amerikanischen Flugzeugen benutzt - die übrigen werden bis Ende 1975 fertiggestellt sein. Im Rahmen des
EDIP-Programms wurde fortlaufend in jedem Jahr ein neuer Komplex zur Verbesserung der Verteidigung in Angriff genommen. Das Programm wurde im Jahre
1973 mit 2,9 Milliarden Dollar angesetzt und stellt eine Erhöhung von drei
bis vier Prozent an realen Mitteln in den Verteidigungshaushalten der zehn
europäischen Bündnismitglieder dar. Diese sogenannte EUROGROUP hat erst
kürzlich bekanntgegeben, daß sie ihre Verteidigungshaushalte für 1974 um
zwei Milliarden Dollar erhöhen will.

Ein anderer Aspekt der Lastenverteilung, der dem Unterausschuß und
dem amerikanischen Kongreß als ganzem Sorge bereitet hat, ist das Problem

-13-

�t

i

Problem des amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits aufgrund der militärischen
Ausgaben. In seinem außenpolitischen Bericht an den Kongreß vom 3. Mai
1973 hat der Präsident das Bündnis aufgefordert, sich mit diesem Problem
zu befassen. Die Verbündeten haben daraufhin im August 1973 • jedenfalls
noch vor Verabschiedung des Jackson-Nunn-Amendments - eine Studiengruppe
zur Untersuchung der Lastenverteilung eingesetzt, die Mittel und Wege erörtern soll, um mit diesem Problem fertig zu werden. Auf der NATO-Ministerratstagung im Dezember 1973 prüften die Verteidigungsminister den von der
Studiengruppe erstellten Bericht und gaben in ihrem Kommunique1 die Absicht
ihrer Länder bekannt, sich an multilateralen oder bilateralen Abmachungen
für eine gemeinsame Lösung dieses Problems zu beteiligen.

*

Zur gleichen Zeit befinden wir uns jetzt im Endstadium unserer Verhand- »
lungen mit der Bundesrepublik Deutschland über bilaterale Devisenausgleichsvereinbarungen, um die Kosten für die Stationierung unserer Truppen in
Deutschland in unserer Zahlungsbilanz aufzufangen.

Herr Vorsitzender, wie Sie wissen, hat sich die Position unserer Zahlungsbilanz insgesamt in aufsehenerregender Form von einem 9 MilliardenDollar-Defizit im Jahre 1972 zu einem 2 Milliarden Dollar-Überschuß im Jahre
1973 verbessert. Gleichzeitig werden die höheren Erdölpreise die Mehrzahl
unserer europäischen Verbündeten mit massiven Zahlungsbilanzproblemen konfrontieren. Diese krasse Umkehr der relativen Positionen ist ein Faktum,
das der Unterausschuß - wie ich überzeugt bin - sehr sorgsam in Erwägung
ziehen wird.
Herr

-14-

�Herr Vorsitzender, lassen Sie mich zum Schluß kommen. Die Gründe für
eine Aufrechterhaltung unserer Truppen in Europa sind heute zwingender als
im Jahre 1972, als sich der Unterausschuß dieser Frage zuwandte. Ein einseitiger amerikanischer Truppenabbau würde für den Willen und das Selbstvertrauen Europas heute, im Jahre 1974, schädlicher sein, als er es im Jahre
1972 gewesen wäre. Wir müssen, wie der Präsident erklärte, die atlantischen
Bindungen verstärken und nicht abschwächen. Die Verhandlungen über einen beiderseitigen Truppenabbau mit dem Osten sind im Gange. Die europäischen Verbündeten verstärken ihre Streitkräfte. Ihr Beitrag zur gemeinsamen Verteidigungsaufgabe ist im Verhältnis zu unserem eigenen im Wachsen. Unserem nationalen Interesse wird jetzt wie auch früher am besten gedient, wenn wir unsere Streitkräfte in Europa in der derzeitigen Stärke beibehalten, bis beiderseitige Reduzierungen ausgehandelt werden können.
Auf eine kurze Formel gebracht: Diejenigen, die während des letzten
Jahrzehnts für eine einseitige Reduzierung seitens der Vereinigten Staaten
eingetreten sind, haben unserer Auffassung nach keine Argumente für eine
Aufgabe unserer nationalen Einstellung gegenüber Europa angeführt, die die
überragenden nationalen Interessen aufwiegen könnten, die wir dabei zum
Opfer brächten. Das nüchterne Urteil der aufeinanderfolgenden amerikanischen
Administrationen lautete - und wird weiterhin lauten -, daß die Kosten in
Form von Geld und Personal klein sind im Vergleich zu den Risiken, die sich
aus einem Truppenabzug und seinen die Stabilität erschütternden Konsequenzen
ergäben.

+++

-15-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7802">
                <text>27.02.1974</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7803">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7804">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14378">
                <text>Amerikadienst 27.02.1974</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14379">
                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ölkrise setzt neue Akzente für Währungsreform&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Exklusivinterview mit Sidney Weintraub -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Truppen in Europa unerlässlicher Sicherheitsfaktor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Unterstaatssekretär Arthur A. Hartman -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1678" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1689">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/8fea22544d352f2dab3fc0aaa6fe2fbc.pdf</src>
        <authentication>2fd8959b56e0d07a3f5895197dfe7895</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8616">
                    <text>• *

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13
INHALT

DOKUMENTATION
Brief des US-Botschafters in Moskau an die "Literaturnaja Gazeta"
- Wortlaut Die sowjetische Invasion Afghanistans und die Reaktion der Vereinigten
Staaten und ihrer Verbündeten
- Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris Erklärung des Weißen Hauses zu den Olympischen Spielen in Moskau
Erklärung des Weißen Hauses zur Untersuchungskommission im Iran

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Regierung über GiftmUn-Export besorgt
- Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Menschliche Gene werden kartiert

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation

I 1

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

BRIEF DES US-BOTSCHAFTERS IN MOSKAU AN DIE "LITERATURNAJA GAZETA"
- Wortlaut -

MOSKAU - (AD) - Der Botschafter der Vereinigten Staaten in der
UdSSR, Thomas A. Watson, hat in einem Schreiben an die sowjetische Zeitschrift "Literaturnaja Gazeta" den nachhaltigen Wunsch Amerikas nach
"friedlichen und beiderseits nützlichen Beziehungen" zur Sowjetunion
unterstrichen. Die Zeitschrift hatte am 6. Februar einen offenen Brief
an Präsident Carter veröffentlicht, in dem eine Reihe von Maßnahmen der
amerikanischen Regierung als eine Fehleinschätzung der sowjetischen Rolle
in Afghanistan und als Bedrohung des Weltfriedens dargestellt wurde.
In seinem Schreiben an den Chefredakteur der "Gazeta", Alexander
Tschakowskij, gab Botschafter Watson seiner Hoffnung Ausdruck, daß die
Zeitschrift seine Antwort in voller Länge abdrucken werde, damit die Leser
sich ein umfassendes Bild machen könnten.
Am 22. Februar teilte die "Literaturnaja Gazeta" der amerikanischen
Botschaft in Moskau mit, daß sie das Antwortschreiben Watsons nicht

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�nicht veröffentlichen könne.
Das Schreiben von Botschafter Watson an die sowjetische Zeitschrift
hat folgenden Wortlaut:
Sehr geehrter Herr Tschakowskij,
In der Ausgabe der "Literaturnaja Gazeta" vom 6. Februar haben Sie
einen offenen Brief an Präsident Carter veröffentlicht.

Wie Sie wissen,

haben in jüngster Zeit verschiedene große amerikanische Nachrichtenmedien,
darunter Newsweek, The New York Times

und die International Herald Tribüne,

Erklärungen sowjetischer RegierungsVertreter, in denen die sowjetischen
Ansichten zum derzeitigen Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
dargelegt wurden, im vollen Wortlaut veröffentlicht.

Ich vertraue darauf,

daß Sie im gleichen Geiste in der Lage sein werden, diese Antwort in voller
Länge abzudrucken, damit die Leser Ihrer wichtigen Zeitschrift eine ähnliche
Gelegenheit erhalten, sich ein Bild über alle Gesichtspunkte zu machen.
Sie haben Ihrem Brief ein Vorwort vorangestellt, in dem Sie tiefe
Unzufriedenheit und Besorgnis über eine, wie Sie es nannten, "scharfe
Kursänderung in der Politik der amerikanischen Regierung und ihrer möglichen
unerwünschten Folgen für den Weltfrieden" zum Ausdruck brachten. Sie
führten eine Reihe von Maßnahmen der Carter-Administration an, die, wie Sie
sagten, zu einer Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
geführt und letztlich die Intervention der Sowjetunion in Afghanistan
gerechtfertigt hätten. Und schließlich haben Sie den Präsidenten beschuldigt,
die sowjetische Rolle in Afghanistan falsch zu interpretieren und die Motive
und die moralische Berechtigung der amerikanischen Reaktion auf die dortigen
Ereignisse in Frage gestellt.
Es steht außer Frage, Herr Tschakowskij, daß sich die Beziehungen
zwischen unseren beiden Ländern in letzter Zeit verschlechtert haben.

Wie

�Wie Präsident Carter am 20. Januar festgestellt hat, besteht eine eindeutige Bedrohung des Friedens. Aber Ihre Analyse der für diese Situation
verantwortlichen Faktoren ist nicht richtig.
Es ist vielmehr so, daß der Verlauf der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen seit 1973 durch eine Reihe sowjetischer Handlungen negativ
beeinflußt wurde, die in den Vereinigten Staaten die generelle Unterstützung besserer Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern und eines
Abbaus der Spannungen in der ganzen Welt untergraben haben. Ich will nicht
versuchen, in diesem Schreiben die ganze traurige Geschichte aufzurollen.
Ich möchte jedoch, daß Ihre Leser erkennen, daß in den Vereinigten Staaten
der überwältigende Wunsch herrscht, friedliche und beiderseits nützliche
Beziehungen zur Sowjetunion herzustellen; daß die Amerikaner jedoch meinen,
daß es die sowjetischen Maßnahmen waren, die die Entwicklung solcher Beziehungen
verhindert haben.
Die jüngste Aktion dieser Art - der Einmarsch sowjetischer Streitkräfte in Afghanistan - hat eine sehr negative Auswirkung auf die amerikanischen Vorstellungen bezüglich der vor den Sowjets in der Welt verfolgten
Zielen gehabt. Damit Ihre Leser jedoch nicht glauben, diese Reaktion stehe
lediglich in Verbindung mit der Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen, möchte ich die Reaktionen der Völkergemeinschaft der Welt aufzählen.
-

Schon wenige Tage nach der Invasion Afghanistans durch sowjetische
Truppen forderten über 50 Nationen - die Mehrzahl von ihnen
Entwicklungsländer und blockfreie Staaten - den Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen auf, die sowjetische Aktion zu verurteilen
und den Rückzug aus Afghanistan zu verlangen. Die Sowjetunion machte
von ihrem Vetorecht Gebrauch, um so eine Resolution zu blockieren,
die von den Blockfreien abgefaßt und mitgetragen wurde.
Eine

- 3 -

�-

Eine Woche später stimmten 104 Mitglieder der UN-Vollversammlung
- eine überwältigende Mehrheit - für eine ähnliche Resolution, wie
die von der Sowjetunion durch ihr Veto im Sicherheitsrat zu Fall
gebrachte

Wiederum wurde diese Resolution von Mitgliedern der

blockfreien Gruppe abgefaßt und eingebracht.
•

-

Schließlich verurteilten auf der Konferenz von Islamabad vom 26.
bis 29. Januar über 35 islamische Außenminister die sowjetische
Invasion Afghanistans und forderten den Abzug der sowjetischen
Truppen sowie den Abbruch der Beziehungen zu dem mit sowjetischer
Waffengewalt in Afghanistan eingesetzten Regime.
•

-

Diese Reaktionen zeigen die klare Erkenntnis, daß die sowjetische
Invasion Afghanistans eine Herausforderung der gesamten inter- .
nationalen Völkergemeinschaft darstellt.

Noch nie ist eine Aktion

einer Weltmacht auf eine raschere und allgemeinere Verurteilung
gestoßen.

Ihre Leser mögen sich fragen, warum die Welt so energisch

und hart reagierte; eine Rekapitulation der Tatsachen wird ihnen zum
Verständnis helfen:
-

In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember begann eine massive Luftlandeoperation sowjetischer Truppen in Kabul und an anderen Punkten in
Afghanistan, die bis zum 27. Dezember anhielt. Angeblich waren
diese Truppen von dem Amin-Regime angefordert worden.

-

Am Abend des 27, Dezember erlangten diese Streitkräfte nach intensiven
Kämpfen mit afghanischen Truppen die Kontrolle über Kabul und
stürzten

die bestehende Regierung.

Präsident Amin, dessen repressives

Regime die UdSSR mit Waffen, Menschen und Material unterstützt hatte,
wurde liquidiert,

(Sowjetische Behauptungen, Amin sei ein amerika-

nischer Agent gewesen, stießen auf ein klares Dementi, und selbst diejenigen, die unseren Dementis nicht glauben, müssen einsehen, daß

�daß - wären diese Behauptungen wahr gesesen - ein angeblicher
CIA-Agent doch wohl kaum sowjetische Truppen in sein Land gerufen
hätte, damit sie ihn absetzen.)
-

Die erste Bekanntgabe von der Ersetzung Amins durch Babrak Karmal
erfolgte nicht von Radio Kabul, das damals unter dem Angriff
sowjetischer Truppen stand, sondern von Sendern in der Sowjetunion.
Karmal war zu jener Zeit offensichtlich nicht einmal in Kabul,
sondern erschien erst einige Tage später in der Öffentlichkeit.

-

Inzwischen hatten sowjetische Truppen in Stärke von 50 000 Mann
die afghanische Grenze überschritten und verteilten sich über das
ganze Land, wobei sie die wichtigsten städtischen Zentren unter
ihre Kontrolle brachten.

-

Zur Zeit befinden sich über 90 000 sowjetische Soldaten in Afghanistan
- wohl kaum ein begrenztes Truppenkontingent.

-

Sie führen Operationen gegen die auf ihre Unabhängigkeit stolze und
religiöse muselmanische Bevölkerung durch. Diese Bevölkerung hatte
früher gegen das Taraki- und Amin-Regime gekämpft, um ihren Glauben
und ihre Lebensformen zu bewahren. Behauptungen, daß die Opposition
des afghanischen Volkes gegen Taraki, Amin und jetzt gegen Karmal
von außen her angefacht worden sei, werden durch keine Tatsachen
gestützt.

-

Ohne die massive sowjetische Präsenz in Afghanistan würde das
Karmal-Regime zusammenbrechen, da es von der Bevölkerung nicht
getragen wird.

-

Ich habe mich mit diesen Tatsachen etwas eingehender befaßt, weil
ich möchte, daß Ihre Leser wissen, warum die öffentliche Welt-

- 5 -

�Weltmeinung von den Ereignissen in Afghanistan so betroffen wurde.
Dies erschien der Welt als ein klares Beispiel für die Einmischung
in die inneren Angelegenheiten eines kleinen, von Unruhen heimgesuchten
Landes durch eine benachbarte Supermacht.

Angesichts der eindrucks-

vollen militärischen Stärke der Sowjetunion ist es schwer zu
akzeptieren, daß dabei irgendeine Gefahr für lebenswichtige sowjetische
Interessen mit im Spiel war, und daher ist es besonders schwer zu
verstehen, warum die sowjetische Regierung sich zu einer Aktion
entschließen sollte, durch die die internationalen Spannungen an
diesem so entscheidend wichtigen Zeitpunkt in der Weltpolitik
gefährlich erhöht werden.
Wie Sie wissen, wurde der wichtige Vertrag über die Begrenzung der
strategischen Kernwaffen, der in Wien von Präsident Carter und Präsident
Breschnew unterzeichnet worden war, dem Senat der Vereinigten Staaten zur
Ratifizierung vorgelegt und eine ernsthafte Debatte während mehrerer Monate
darüber geführt. Angesichts des sowjetischen Vorgehens in Afghanistan hat
Präsident Carter jedoch die weitere Erörterung des Vertrages durch den Senat
ausgesetzt. Er wird auch weiterhin in engen Beratungen mit dem Kongreß
stehen, um die Kernwaffen unter Kontrolle zu bringen, und ich hoffe, daß es
bald möglich sein wird, die Erörterungen des SALT II-Vertrages im Senat
wieder aufzunehmen.
Was die weiteren von Präsident Carter in Reaktion auf die Invasion
angekündigten Maßnahmen anbetrifft, so sind sie zweifellos für unsere
Beziehungen bedeutsam. In ihnen kommt der Ernst der Situation zum Ausdruck,
die durch die Sowjetunion geschaffen wurde. Wie der Präsident hervorhob,
können die Vereinigten Staaten - zusammen mit anderen Ländern, die sich
zu den Prinzipien der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit bekennen angesichts dieser Herausforderung gegenüber den etablierten Grundsätzen
des Völkerrechts und des internationalen Verhaltens in ihrem Umgang mit
der Sowjetunion nicht weiterhin so tun, als wäre nichts geschehen. Das

- 6 -

�Das heißt nicht, daß wir die Rückkehr in den Kalten Krieg wollen, und es
heißt auch keinesfalls, daß wir das sowjetische Volk und seine offiziellen
Vertreter, mit denen wir viele gute Möglichkeiten für eine für beide Seiten
nützliche Zusammenarbeit und einen Gedankenaustausch geschaffen haben,
"bestrafen" wollten.

Es heißt jedoch, daß wir wollen, daß die sowjetische

Regierung und das sowjetische Volk verstehen, wie stark wir von dem betroffen sind, was in Afghanistan geschah.
Vor diesem Hintergrund können Sie und Ihre Leser vielleicht die
Trauer verstehen, mit der Amerikaner solche maß- und zügellosen Erklärungen,
wie die in Ihrem Brief aufgestellte Behauptung entgegennehmen, daß Präsident
Carter den Kurs eines "rapiden und hysterischen Anti-Sowjetismus" eingeschlagen habe. Das ist einfach nicht wahr. Ihren Lesern eine solche falsche
Anschuldigung vorzusetzen, erschwert nur unnötig den künftigen Kurs unserer
Beziehungen und die Aussichten auf eine friedliche Welt ohne Gefahr eines
Krieges und ohne Verletzung der Souveränität und Unabhängigkeit der Völker.
Sie fragen in Ihrem Brief, welches die Ziele der USA in der kommenden
Zeit seien. Sie können versichert sein, daß sie sich nicht geändert haben.
Unsere Ziele sind: den Frieden erhalten, Mittel finden (vor allem durch
Rüstungskontrolle), um die Spannungen zwischen unseren beiden Ländern und
in der Welt insgesamt zu verringern, und wo es möglich ist und in unserem
beiderseitigen Interesse liegt, die Kooperation zwischen Ost und West zu
erweitern. Aber ehe wir realistisch einen weiteren Fortschritt in Richtung
auf diese Ziele hin erwarten können, muß die Sowjetunion ihrerseits eine
Frage beantworten: Wird die Sowjetunion helfen, stabilere internationale
Verhältnisse zu schaffen, in denen ihre eigenen und die legitimen friedlichen
Anliegen anderer Länder wahrgenommen werden können und wo kein Land die
Invasion durch ein anderes Land zu fürchten hat?
Hochachtungsvoll
gez.: Thomas J. Watson, Jr.
+ + + + +

- 7 -

�Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS UND DIE REAKTION
DER VEREINIGTEN STAATEN UND IHRER VERBÜNDETEN
Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris

PARIS

- (AD) - In einer Rede vor dem "American Club of Paris" ging

der Botschafter der Vereinigten Staaten in Frankreich, Arthur A Hartman,
am 20. Februar 1980 auf die amerikanische Reaktion auf die sowjetische
Invasion Afghanistans sowie auf die Haltung der europäischen Verbündeten
in dieser Frage ein.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte eindringlich und ernsthaft zwei Aspekte des gleichen
Problems behandeln - erstens, die amerikanische Analyse der Ereignisse
in Afghanistan und die darauffolgende Reaktion und zweitens,warum wir nach
meiner Ansicht in dieser Frage Schwierigkeiten mit unseren europäischen
Freunden haben.

Zu

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Zu Anfang meiner Ausführungen möchte ich sagen, daß ein Großteil
unseres Problems zurückgeht auf die Anwendung des französischen Wortes
"detente" - ein großes Mißverständnis, weil entgegen der gängigen Weisheit
die französische Sprache nicht immer eine Hilfe für luzide Klarheit ist,
sondern vielmehr beim Geschriebenen das bewirken kann, was ein Löschblatt
hervorruft, wenn man darauf mit Tinte schreibt. Vom Standpunkt des Westens
läßt sich der Ausdruck "detente" im allgemeinen Sinne als das Verhalten
beschreiben, das man gegenüber einer expansionistischen und mächtigen
Sowjetunion zu einer Zeit einnimmt, in der ein uneingeschränkter Krieg
durchaus zu einem Mittel geworden ist, um die Welt zu zerstören.

Das

Problem in dieser Form hat uns seit über einem Jahrzehnt begleitet und
stellte sich somit zumindest für die letzten drei amerikanischen Präsidenten:
Nixon, Ford und Carter - als Aufgabe und Herausforderung.

Ich habe an den

Bemühungen um eine Definition von Entspannung (detente) in jeder dieser
Administrationen teilgenommen und bin mehr erstaunt über die Kontinuität
dieser Anstrengungen als über ihre Unterschiede.

Für die Regierung der

Vereinigten Staaten bedeutete Entspannung stets eine zweigleisige Politik.
Einerseits bot sie die Aussicht auf ein sichereres und kooperativeres
Verhältnis zur Sowjetunion:

Verminderung des strategischen Wettrüstens,

Steigerung des für beide Seiten vorteilhaften Handels und Investierens,
Schaffung eines Netzes von Beziehungen auf wissenschaftlichem und kulturellem
Gebiet.

Andererseits erforderte die Entspannung eine Zurückhaltung der

Sowjets in ihrem globalen Verhalten sowie eine ausreichende militärische
Stärke Amerikas, um eine glaubhafte Abschreckung gegen den sowjetischen
Expansionismus zu bieten.

Jeweils war der eine Aspekt dieser Politik

immer von entscheidender Wichtigkeit für den anderen; die Verbindung von
Anreiz und Warnung, von Zuckerbrot und Peitsche mußte zusammen bestehen.
Es erwies sich, daß sich eine solche Politik unter den amerikanischen
Gegebenheiten nur sehr schwer durchführen ließ.

So wurde beispielsweise

die eine Seite - die des Anreizes oder Zuckerbrots - durch die Aktion
des Kongresses im Jahre 1974 geschwächt, die ein absolutes Junktim zwischen

- 2 -

�zwischen dem Handel und der sowjetischen Bereitschaft forderte, eine
bestimmte Quote von Emigranten zuzulassen, und die damit der Administration
die Hände band. Moskau lehnte ein solches Junktim ab, und der Handel
welkte. Auf der Seite der Warnung oder der Peitsche blieb der sowjetischkubanische Vorstoß nach Angola Ende 1976 weitgehend unbeantwortet, weil
es in der Öffentlichkeit keine Unterstützung gab, um ihn zu kontern. Aber
wenn es auch in der Durchführung der amerikanischen Politik Inkonsequenzen
gab, so war es doch die sowjetische Aggressivität, die primär für die
Verschlechterung der Beziehungen im Verlauf der letzten Jahre verantwortlich
war. Niemand in der amerikanischen Führung hat sich je irgendwelche
Illusionen über den rücksichtslosen Opportunismus gemacht, dem Moskau
folgte. Die Sowjets selbst haben sich darüber recht deutlich ausgesprochen.
Wie Breschnew im Jahre 1976 sagte: "Entspannung hebt nicht im geringsten...
die Gesetze des Klassenkampfes auf..." Auf den Vorstoß in Angola erfolgten
die von den Sowjets gestützten Bewegungen in Äthiopien, im Südjemen, in
Kambodscha und in jüngster Zeit in Afghanistan.

Auf welche Weise hat die Regierung Carter die Entspannung betrieben?
Nicht viel anders als ihre Vorgänger, nämlich als eine Kombination von
Verhandlungen zur Ermutigung eines zivilisierten sowjetischen Verhaltens
und von Strafen zur Entmutigung sowjetischer Aggressivität.

Die stärkere

öffentliche Betonung der Menschenrechte lag genau auf dieser Linie und
bedeutete eher einen Wechsel in der Betonung und im Stil.
Auf der einen Seite unternahm der Präsident große Anstrengungen,
um den SALT II-Vertrag fertigzustellen - einen Vertrag, der eindeutig
im Interesse der Vereinigten Staaten liegt, errichtet er doch Höchstgrenzen
für die strategische Rüstung der Sowjetunion. Obgleich die Invasion
Afghanistans den Vertrag gefährdet, bleibt der Präsident doch auch weiterhin
der Kontrolle von Kernwaffen verpflichtet. Auf der anderen Seite gibt es
eine Tendenz, die Schritte zu vergessen, die die Regierung Carter schon
vor Afghanistan unternommen hat, um auf die sowjetische Aufrüstung zu

- 3 -

�zu antworten.

Wir entschlossen uns dazu, die mobile Rakete MX zu bauen,

um eine unverwundbare landgestützte Abschreckungswaffe zu bekommen.

Wir

übernahmen eine führende Rolle bei der Entscheidung des Bündnisses,
modernisierte Kernwaffen in Europa als Antwort auf die sowjetische SS-20
zu dislozieren.

Wir begannen mit der Verbesserung unserer Fähigkeit,

amerikanische Streitkräfte rasch in entfernte Gebiete zu dislozieren.
Hierbei handelt es sich um langfristige Politiken.

Die Invasion Afghanistans

machte deutlich, daß auch eine unmittelbarere Antwort erforderlich war.
Was bedeutet Afghanistan?

Meiner Meinung nach wurden viel Tinte und

Worte in dem Versuch verschwendet, die Beweggründe der Sowjets zu definieren.
Aber was immer ihre Beweggründe sind, so ergeben sich doch bestimmte objektive
Konsequenzen aus der Brutalität der sowjetischen Intervention und den dabei
verwendeten Mitteln:
-

Erstens,

zum erstenmal wurden ganze Einheiten sowjetischer Truppen

außerhalb Osteuropas eingesetzt, um die koloniale Herrschaft
Moskaus auszuweiten.

Und wie die Sowjets den Warschauer Pakt

benützten, um die Invasion in Ungarn und in der Tschechoslowakei
zu rechtfertigen, so haben sie ihren Vertrag über Freundschaft
und Zusammenarbeit mit Afghanistan angeführt, um ihre dortige
Invasion zu verteidigen. Es verdient Beachtung, daß Moskau ähnliche
Verträge mit sechs weiteren Ländern hat. Drei davon - Südjemen,
Äthiopien und Irak - in der kritischen Golfregion.
-

Zweitens, die Einnahme Afghanistans spiegelt eine weitere Ausdehnung
des Machtbereichs Moskaus über seine Grenzen hinaus wider und verstärkt die Stützpunkte auf der arabischen Halbinsel und in Ostafrika.

-

Drittens, sowjetische Truppen sind nunmehr in einer Position, um
die Nachbarn Afghanistans unmittelbar zu bedrohen. Sie sind an
den Grenzen zu Pakistan. Außerdem besteht eine zusätzliche Bedrohung

�Bedrohung des angrenzenden Iran, der bereits durch einen Prozeß
der Desintegration gefährdet ist.

Zudem wird das nahegelegene China

unter zusätzlichen Druck gesetzt.

-

Viertens, der sowjetische Vorstoß nach Afghanistan bedroht eine
Region, in der mehr als zwei Drittel des exportierbaren Öls der Welt
lagern.

Unter solchen Umständen war eine kraftvolle amerikanische Reaktion
eindeutig erforderlich.

Versuchen Sie sich einmal die Lage vorzustellen,

hätte es keine solche amerikanische Reaktion gegeben.

Sicherlich würde

eine ganze Reihe der Staaten - vielleicht einschließlich einiger in dem
kritischen Golfgebiet -, die jene 104: 18-Abstimmung bei den Vereinten
Nationen gegen die sowjetische Invasion zustandebrachten, sich stattdessen
untereinander um eine Beilegung des Streites mit den Sowjets streiten.
Diejenigen in Moskau, die begierig danach sind, ihre Macht auszuweiten,und
von den Kosten nicht überzeugt sind, würden den Schluß gezogen haben,
daß sich ihr Einsatz ausgezahlt hat und das Spiel ungestraft erneut
versucht werden könnte.

Und schließlich:

Viele von denjenigen in West-

europa, die heute von amerikanischer Überreaktion flüstern, würden sich
darüber aufgeregt haben, daß die Vereinigten Staaten "ein weiteres Land
verloren" haben.

Daher war der Schritt des Präsidenten, den Sowjets Getreidelieferungen
und fortgeschrittene Technologie vorzuenthalten, sowie seine Anstrengungen
zur Verlegung, Absagung oder Verschiebung der Olympischen Spiele die
richtige Antwort.
unangemessen.

Manche Leute in Europa kritisieren unsere Schritte als

Ich warte noch immer auf eine Liste der angemessenen Schritte.

Manche sagen, diese Schritte würden dem Volk von Afghanistan nicht helfen.
Ich bin mir nicht so sicher.

Aber es geht ohnehin nicht darum!

Das Ziel

der Schritte des Präsidenten war es nicht, die Sowjets zu bestrafen, sondern
sie dadurch vor einer zukünftigen Aggression abzuschrecken, daß ihnen klar-

- 5-

�klargemacht wird, daß sie dafür einen hohen Preis zahlen müssen.
Aufgrund der Bedrohung angrenzender Gebiete beschränkte sich unsere
Reaktion nicht auf Schritte, die unsere bilateralen Beziehungen mit der
Sowjetunion betreffen.

Wir haben auch unser grundlegendes Interesse an

dem Gebiet um den Persischen Golf zum Ausdruck gebracht und unternehmen
Schritte, um die Sicherheit in dieser Region zu erhöhen:
-

Der Präsident hat die Warnung geäußert, daß jeder Versuch einer
außen stehenden Macht, die Kontrolle über die Region um den
Persischen Golf zu erringen, unter "Einsatz aller notwendigen
Mittel, einschließlich militärischer Macht" zurückgeschlagen werden
wi rd.
•

-

Wir haben unsere Flottenpräsenz im Indischen Ozean erhöht und
verstärkt und unternehmen derzeit Schritte, damit wichtige Flottenund Luftstützpunkte in dem Gebiet um Nordostafrika und den
Persischen Golf von unseren Streitkräften benützt werden können.

-

Wir haben unser Abkommen aus dem Jahr 1959 bekräftigt, Pakistan
bei der Wahrung seiner Unabhängigkeit und Integrität zu helfen,
und arbeiten an einem militärischen und wirtschaftlichen Hilfsprogramm für Pakistan.
"

•

•

'

'

"

•

!

.

-

Wir haben Frau Gandhi gegenüber unser Interesse an einer engeren
Zusammenarbeit mit Indien zum Ausdruck gebracht und betont, daß
unserer Ansicht nach eine aggressive Sowjetunion auch für Indien
eine Gefahr darstellen kann.

-

Wir werden mit der Normalisierung unserer Beziehungen zu China
fortfahren und der Volksrepublik militärisches Hilfsgerät - jedoch
keine eigentlichen Waffen - verkaufen.
über
- 6 -

�über die Golfregion hinaus sind wir auch in anderen Gebieten wachsam,
die sowjetischem Druck gegenüber verwundbar sein könnten. Auf dem Balkan
ist die Stabilität unseres Verbündeten Türkei und des bündnisfreien
Jugoslawien für die amerikanische Politik von größter Bedeutung.

Und wir

arbeiten daran, einen Konflikt im Nahen Osten zu verhindern.
Als Ergebnis des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel hat
Israel nunmehr zwei Drittel des Sinai an Ägypten zurückgegeben,und die
Beziehungen zwischen den beiden Ländern verbessern sich ständig. Dies ist
eine bemerkenswerte Tatsache, wenn man sich an die Kriege der Jahre 1967
und 1974 zwischen diesen beiden Ländern und an das Maß erinnert, zu welchem
diese die Großmächte hätte einbeziehen können - und auf diese Weise das
Risiko eines Weltkrieges. Was in Camp David erreicht wurde, ist nicht
vollkommen. Wir wissen, daß es heutzutage keine wichtigere Aufgabe gibt
als diejenige, Fortschritte bei der Palästina-Frage zu erzielen. Ein
Fehlschlag bei dieser Aufgabe würde den Nahen Osten zu dauernder Unsicherheit
und Gefahr verurteilen.
Dies also ist Teil einer ganzen Reihe von Maßnahmen, die die Regierung
der Vereinigten Staaten ergriffen hat. Unsere Antwort auf die Ausweitung
sowjetischer Macht wurde auf mehreren Ebenen gegeben: bilateral, regional
und global. Es handelt sich um eine Antwort, die auf einen Rückzug der
sowjetischen Truppen abzielt, und um einen Versuch, eine garantierte Neutralität
für Afghanistan zu finden. Zugleich ist es eine umfassendere Antwort entworfen, um die Sowjetunion vor Schritten der Aggression an anderen
Stellen abzuschrecken. Sie ignoriert nicht die Tatsache, daß wir uns aus
eigenem Interesse auch weiterhin mit der Sowjetunion auseinandersetzen
werden, besonders in dem Bereich der strategischen Rüstungskontrolle.
Entspannung, verstanden als Methode, die sowohl Anreize als auch Strafen
umfaßt, hat nicht versagt. Aber die sowjetische Aggression hat Strafen
notwendig werden lassen.

Es wird sowjetischer Zurückhaltung bedürfen, um

- 7 -

�um eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit zu ermöglichen. Präsident Carter
deutete die Option an, als er feststellte:
grundlegende Fragen beantworten:

"Die Sowjetuniom muß einige

Will sie dabei helfen, ein stabileres

internationales Umfeld zu fördern, in dem ihre eigenen legitimen, friedlichen
Anliegen verfolgt werden können?

Oder will sie fortfahren, ihre militärische

Macht weit über ihre echten Sicherheitsbedü'rnisse hinaus auszudehnen und
diese Macht für koloniale Eroberung auszunützen?"
Ich glaube, daß die Amerikaner in der gegenwärtigen Krise auf die
einhellige Reaktion unseres Landes auf die zweifache Herausforderung durch
Iran und Afghanistan stolz sein können.

Als Regierung und als Volk haben

wir entschlossen und vernünftig gehandelt - mit Kraft, wenn dies erforderlich
war, mit Zurückhaltung, wenn es solcher bedurfte.

Unsere Antwort auf diese

Herausforderungen hat uns über die Ära nach Vietnam und Watergate hinweggeführt, als wir uns nur allzu oft unbeweglich und gelähmt fanden.
haben wir unsere Stimme und unser Selbstvertrauen wiedergefunden.
eine ruhige, stetige und folgerichtige Politik.

Endlich
Wir verfolgen

Wir würden bei unseren

Verbündeten gern ein gleiches sehen.
Erlauben Sie mir, daß ich mich nun dem Problem zuwende, wie Europa
es sieht»und damit der Frage, warum wir Schwierigkeiten bekamen, zu einer
Verständigung zu gelangen. Erstens, wir sind eine große, offene Demokratie,
die zu ihren Entscheidungen gelangt, indem sie eine unterschiedliche
breite Öffentlichkeit von kontinentalem Größenmaß auf eine vom Präsidenten
vertretene Politik vereint. Fehlt diese Unterstützung durch die breite
Öffentlichkeit, dann kann kein Präsident stark und zielbewußt erscheinen oder in der Tat stark sein. Ein wichtiges Element für jeden amerikanischen
Präsidenten ist die Bekundung vor der Öffentlichkeit, daß unsere Verbündeten
in den gleichen Bahnen denken wir wir selbst.
•

Daher haben die amerikanischen Präsidenten - selbst wenn es keinen
anderen triftigen Grund gab - die Notwendigkeit empfunden, mit ihren

- 8 -

�ihren Verbündeten zu einem Austausch der Ansichten, der Lagebeurteilungen
und der vorgesehenen Strategien zusammenzutreffen.

In Europa scheint in

gewissen Kreisen der entgegengesetzte Impuls zu herrschen.

Da wir relativ

groß und mächtig sind und die einzelnen europäischen Nationen sich selbst
als klein und relativ schwach ansehen, besteht bei den Europäern und vor
allem bei den Franzosen die Tendenz, sich möglichst nicht in eine Lage zu
bringen, in der nach ihrem Gefühl die innenpolitischen Gegner die Führung
beschuldigen könnte, sie beuge sich dem amerikanischen Druck.

Ich fürchte,

daß diese Situation bestehen bleibt bis zu der Zeit, da die wirtschaftliche
Stärke der Europäischen Gemeinschaft -die fast so groß wie die unsrige ist in eine nutzbare politische Kraft und Entscheidung verwandelt werden wird.

Aber wenn wir in dieser Zwischenzeit auch Verständnis für die Probleme
der Form zeigen müssen, was sind denn nun die Fakten?
Als erstes ist hervorzuheben, daß die amerikanischen Ziele und die
unserer Verbündeten die gleichen sind.

Wir wie sie wollen die Bedingungen

schaffen, die notwendig sind, um eine Wiederholung der sowjetischen Aggression
zu verhindern.

Wir wie sie wollen in unseren Beziehungen zu Moskau zu

dem richtigen Gleichgewicht zwischen Festigkeit und Kooperation gelangen,
in dem sich zeigt, was wahre Entspannung überhaupt ist.

Wie sollte das Vorgehen des Westens aussehen?

-

Es muß in der Überzeugung verankert sein, daß Entspannung nicht
teilbar ist; mit anderen Worten, die Sowjets dürfen nicht glauben
können, daß das, was sie in Afghanistan getan haben, in keinem
Zusammenhang mit ihren Beziehungen zu den westlichen Staaten stehe.

-

Ein westliches Vorgehen muß über die bloße Rhetorik hinaus zur
Aktion schreiten.

Die Sowjets werden sich durch Worte allein nicht

davon abbringen lassen, weitere Risiken einzugehen.

- 9-

Sie müssen

�müssen wissen, daß ein fühlbarer Preis zu zahlen sein wird.

So

zu tun, als ob nichts gewesen wäre - das ist kein Rezept für eine
wirksame westliche Antwort auf Afghanistan.
Das westliche Vorgehen muß nicht identische Aktionen seitens der
Verbündeten erfordern, aber es sollte zu parallelen Aktionen führen.
Wie Henry Kissinger vor einigen Wochen in Paris sehr richtig sagte,
wird es nicht gehen,daß die Europäer für sich das Monopol der
Mäßigung haben, während die Amerikaner das Monopol für Druck erhalten.
Das westliche Vorgehen muß nicht die Stärke zum Opfer bringen, die
wir aus unserer politischen Vielfalt ziehen, aber es muß in unseren
gemeinsamen Interessen und Zielsetzungen verwurzelt sein, die uns
als Verbündete einen. Ich glaube, wir sahen diesen Geist in der
Erklärung von Präsident Giscard und Bundeskanzler Schmidt vor zwei
Wochen, als sie die Loyalität ihrer beiden Ländern gegenüber dem
atlantischen Bündnis und ihre Entschlossenheit, ihre dem Bündnis
gegenüber eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, bekräftigten.
In dieser Hinsicht können die Erklärungen gewisser Politiker, daß
Europa "de-nationalisiert" werden und daß Frankreich "einen neuen
Weg zwischen den beiden Supermächten" finden sollte, nur als Ausdruck
neutralistischen Unsinns bezeichnet werden. Es erinnert mich an
eine Episode im Jahre 1939, kurz bevor Hitler den Zweiten Weltkrieg
begann, als die belgische Armee Manöver durchführte, die gegen
Frankreich gerichtet waren, nur um damit ihre Neutralität zu zeigen.
Es scheint mir wichtig, nicht zu vergessen, auf welcher Seite man
steht.

Schließlich gehört zu einem westlichen Vorgehen die Notwendigkeit
häufiger Konsultationen unter den Verbündeten, damit die Gewähr
gegeben ist, daß unsere gemeinsamen Zielsetzungen verfolgt werden,

�werden, daß unsere Lagebeurteilung den letzten Entwicklungen
entspricht und daß unsere Politik in parallelen Richtungen verläuft. Die Mißverständnisse, die die Vorbereitung des Bonner
Treffens überschatteten, sollten nicht unser grundsätzliches Vorgehen überschatten. Ich bin überzeugt, daß das Zusammentreffen
von Außenminister Vance mit Außenminister Francois-Poncet in einem
positiven Geist stattfinden wird.
Warum ist ein einheitliches westliches Vorgehen so wichtig?

Zunächst

einmal deshalb, weil die Vereinigten Staaten kein Monopol auf alle Gelehrsamkeit haben. Wir brauchen den Rat, den Beistand und die Beteiligung
Europas. Außerdem würde ein Mangel an westlicher Einheit es den Sowjets
erlauben, ihr altes Spiel zu betreiben, Europa von den Vereinigten Staaten
zu trennen und Führern in anfälligen Teilen der Welt das Signal zu geben,
daß der Westen Schwäche gezeigt hat. Drittens ist deutlich - auch wenn ich
mir nicht anmaßen möchte, für Europa zu sprechen -, daß die grundlegenden
Interessen Europas betroffen sind, wie die europäische Abhängigkeit von
importiertem Erdöl - neben anderen Faktoren - deutlich machen dürfte.
Wir fordern Europa nicht einfach geistlos dazu auf, sich uns anzuschließen;
aber wir haben ein Recht darauf, von Europa zu erwarten, daß es sich nicht
deshalb von uns distanziert, um seine Unabhängigkeit zu zeigen. Wir fordern
Europa lediglich dazu auf, die Vereinigten Staaten nicht als Kontrastfigur
anzusehen, sondern seine eigenen Interessen zu definieren und danach zu
handeln.
Im Licht unserer gemeinsamen westlichen Ziele kann ich nur erwarten,
daß ein europäischen Vorgehen zum Schutz seiner Interessen den Zusammenhang des Bündnisses stärken würde.

Es wäre tragisch, wenn wir dabei

versagen würden, uns der sowjetischen Herausforderung zu stellen, denn wr
sind so stark, wenn wir einig sind.

Die Sowjets, nicht wir, leiden an

einer alternden Führung, an beginnenden Produktivitätskrisen, an schwerwiegenden Nationalitätenproblemen, hervorgerufen durch die diktatorische

- 11 -

�diktatorische Natur des Regimes.
an zwei Grenzen kümmern.

Sie, nicht wir, müssen sich um Gegner

Sie leiden unter der Unfähigkeit, ihren Einfluß

ander als durch die Ausübung roher Gewalt geltend zu machen,und sind jetzt
von der islamischen Welt als gottlos abgestempelt.

Trotz seiner wirtschaft-

lichen Schwierigkeiten hat der Westen eine wirtschaftliche und technologische
Dynamik - sowie eine politische und moralische Dynamik -, der die Sowjets
nichts entgegensetzen können.
Was wir - wie in allen Zeiten der Krise - als Verbündete brauchen,
ist der politische Wille, uns der Herausforderung auf eine Weise zu stellen,
die unsere gemeinsamen Werte verstärkt. Das ist nicht zuviel verlangt von
Ländern, die das gleiche politische Erbe, die gleichen Vorstellungen von
Freiheit und Demokratie teilen. Die gegenwärtige Herausforderung durch die
Sowjetmacht ist komplex und gefährlich. Aber was mich angeht, so sehe
ich mehr Grund zum Optimismus, was die Antwort der Verbündeten angelangt,
als zur Verzweiflung. Gemeinsam haben wir uns schon früher solcnen Herausforderungen gestellt - in Berlin 1948, in Kuba 1962 und bei der Entscheidung
im vorigen Dezember, der Herausforderung durch die SS-20 mit neuen Raketen
in Westeuropa zu begegnen. Kühle politische Analyse, eine entschlossene
Antwort und eine Fähigkeit, für ein gemeinsames Ziel zusammenzuarbeiten
liegen sicherlich nicht außerhalb unserer Möglichkeiten. Es ist Zeit für
uns alle, daran zu denken, daß das, was uns einigt, wichtiger ist, als was
uns trennt - und weiterzumachen.

+ + + + +

..

.

- 12 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Februar 1980

13

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZU DEN OLYMPISCHEN SPIELEN IN MOSKAU

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus gab am 20. Februar bekannt,
daß Präsident Carter dem amerikanischen Olympischen Komitee empfohlen hat,
keine Mannschaft der Vereinigten Staaten zu den Olympischen Sommerspielen
in Moskau zu entsenden.
Vor einem Monat hatte Präsident Carter erklärt, der werde die Führung
des Nationalen Olympischen Komitees der USA auffordern, die Moskauer
Spiele zu boykottieren, falls die sowjetischen Streitkräfte nicht bis zum
20. Februar 1980 aus Afghanistan abgezogen seien.
Nachdem diese Frist unbeachtet abgelaufen war, erklärte das Weiße
Haus:

"Der Präsident hat deshalb dem Olympischen Komitee der Vereinigten

Staaten mitgeteilt, daß seine Entscheidung unverändert feststehe und wir
keine Mannschaft nach Moskau schicken sollten."
Die Erklärung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:

Am

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Am 20. Januar schrieb der Präsident an den Präsidenten des Olympischen
Komitees der Vereinigten Staaten,Kane, um das Komitee aufzufordern, sich
an das Internationale Olympische Komitee mit dem Vorschlag zu wenden,
die Olympischen Sommerspiele 1980 in Moskau zu verlegen, zu verschieben oder
abzusagen, sollten die sowjetischen Streitkräfte nicht innerhalb eines
Monats vollständig aus Afghanistan abgezogen sein.

Der Präsident forderte

darüber hinaus, daß das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten auch
keine Mannschaft zu den Moskauer Spielen entsenden sollte, falls diese
Vorschläge nicht angenommen würden.
Diese Haltung erhielt die vollste Unterstützung des Kongresses der
Vereinigten Staaten und des amerikanischen Volkes.
Am 12. Februar kündigte das Internationale Olympische Komitee an,
daß es bei seinen Plänen bleiben werde, die Spiele in Moskau abzuhalten.
Am 14. Februar veröffentlichte der Präsident des amerikanischen Olympischen
Komitees, Kane, eine Erklärung, in der es hieß, das Olympische Komitee der
Vereinigten Staaten werde selbstverständlich jede Entscheidung des
Präsidenten darüber akzeptieren, ob eine Mannschaft nach Moskau geschickt
werden solle.
Ein Monat ist jetzt vergangen und die sowjetischen Streitkräfte haben
noch nicht einmal mit dem Abzug aus Afghanistan begonnen. Der Präsident
hat deshalb dem Olympischen Komitee der Vereinigten Staaten mitgeteilt,
daß seine Entscheidung unverändert feststehe und wir keine Mannschaft
nach Moskau schicken sollten. Der Präsident dankte dem Komitee für dessen
Eifer und patriotischen Anstrengungen bei der Unterbreitung des Vorschlags
einer Verlegung, Verschiebung oder Absage der Spiele und ersuchte es,
unverzüglich Schritte einzuleiten, um die Billigung seiner Entscheidung
zu formalisieren.
Das

- 2 -

�Das Olympische Komitee der Vereinigten Staaten hängt bei seinen
Mitteln von der Großzügigkeit amerikanischer Bürger und der amerikanischen
Geschäftswelt ab.

Obgleich keine amerikanische Mannschaft nach Moskau

geschickt wird, führt das Komitee eine Vielzahl anderer wichtiger und
wertvoller Tätigkeiten durch, um ausgezeichnete Leistungen der Athleten in
diesem Land zu unterstützen.

Der Präsident fordert alle amerikanischen

Bürger dazu auf, ihre finanzielle und moralische Unterstützung des
Komitees fortzusetzen.

+ + + + +

- 3 -

�31
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

27. Februar 1980

ERKLÄRUNG DES WEISSEN HAUSES ZUR UNTERSUCHUNGSKOMMISSION IM IRAN

WASHINGTON - (AD) - In einer vom Weißen Haus am 20. Februar 1980
veröffentlichten Erklärung wird unterstrichen, daß die von den Vereinten
Nationen eingesetzte Untersuchungskommission kein Tribunal sei, sondern
eine Mission zur "Tatsachenfeststellung" unternehme, die die Beschwerde
beider Seiten anhören werde. Es wird darin die Hoffnung zum Ausdruck
gebracht, daß die Kommission "eine baldige Lösung der Krise zwischen
unseren beiden Ländern erzielen wird, was die Freilassung der Geiseln
erfordert."
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Generalsekretär Waldheim hat die Errichtung einer Untersuchungskommission
angekündigt, die nach Iran gehen soll, um die Beschwerde des Iran anzuhören
und eine baldige Lösung der Krise zwischen dem Iran und den Vereinigten
Staaten zu ermöglichen. Er hat erklärt, daß die Kommission mit allen unseren
Leuten sprechen wird.
Die

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten und der Iran stimmen in der Einsetzung der
Kommission, wie sie vom Generalsekretär vorgeschlagen wurde, durch beiderseitig annehmbare offizielle Antworten an ihn Liberein.
Bei ihrem Einverständnis haben die Vereinigten Staaten die Erklärung
des Generalsekretärs zur Kenntnis genommen, daß die Kommission eine
Mission zur Tatsachenfeststellung unternehmen wird.
ein Tribunal handeln.

Es wird sich nicht um

Die Vereinigten Staaten setzen voraus, daß die

Kommission die Beschwerden beider Seiten anhören und dem Generalsekretär
berichten wird.

Das amerikanische Volk ist tief gekränkt darüber, daß

der Iran unsere Mitbürger - nachdem er ihnen Schutz zugesagt hatte - als
Geiseln genommen und seit 108 Tagen unter unerträglichen Bedingungen
festgehalten hat.

Die Vereinigten Staaten hegen keinerlei Wunsch, sich in

die inneren Angelegenheiten des Iran einzumischen, aber sie bestehen auf
der sofortigen Rückkehr der 53 Amerikaner, die derzeit illegal in Teheran
festgehalten werden.
•

Die Vereinigten Staaten haben ebenfalls ihre Haltung dahingehend
klargestellt, daß das Zusammentreffen der Kommission mit unseren Mitbürgern
in Einklang mit dem Völkerrecht stehen muß

und daß die Geiseln unter

keinen Umständen einem Verhör unterworfen werden dürfen.

Es ist für die

Kommission jedoch von größter Bedeutung, daß sie ihre vollzählige Anwesenheit feststellen und ihren Zustand beurteilen kann.
Wir hoffen, daß die Kommission - wie es der Generalsekretär gesagt hat
eine baldige Lösung der Krise zwischen unseren beiden Ländern erzielen
wird, was die Freilassung der Geiseln erfordert.

+ + + + +

- 2 -

�3

I a

(KlInternational Communication Agency
Embassy of the United States of America

13

27. Februar 1980

US-REGIERUNG ÜBER GIFTMULL-EXPORT BESORGT
Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft

WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung prüft z.Zt. die
Rechtslage hinsichtlich der ihr möglichen Maßnahmen im Zusammenhang mit
Giftmüllexporten der US-Industrie in andere Länder. Atommüll ist davon
ausgenommen, weil in den Vereinigten Staaten anfallender Atommüll nicht
außer Landes gebracht werden darf. Manche amerikanische Firmen haben mit
anderen Ländern Kontrakte zur Aufnahme von Giftmüll abgeschlossen bzw.
verhandeln noch über solche Projekte, die Transaktionen im Wert von
Millionen von Dollar darstellen.
"Wir sind über mögliche Umwelt- und Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit einer Giftmüll-Lagerung im Ausland besorgt", erklärt Dr. Jack
Blanchard vom Referat Umwelt und Gesundheit im amerikanischen Außenministerium.

Mit dem gleichen Fragenkomplex wurden die Vereinigten Staaten

konfrontiert, als noch vor wenigen Jahren die amerikanische Industrie sich
giftiger Chemikalien und anderer gefährlicher Substanzen an Hunderten von
Stellen im Lande auf verschiedene Weise entledigte.

In einigen Fällen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Fällen verseuchten die Abfälle in der Folgezeit das Grundwasser oder
vergifteten anderweitig die Umwelt, was bei Einwohnern des betreffenden
Gebietes gesundheitliche Schäden hervorrief.
In Kürze wird im Rahmen des neuen Gesetzes über den Schutz und die
Rückgewinnung von Rohstoffen die Beseitigung von Sondermüll in den
Vereinigten Staaten mit Hilfe der gegenwärtig von der amerikanischen Umweltschutzbehörde ausgearbeiteten Bestimmungen überwacht.

Es gibt bei be-

stimmten Abfällen genügend Möglichkeiten zur Entgiftung, Entseuchung und
auch zur Lagerung.

Bei anderen chemischen Stoffen müssen erst noch

Verfahren zur sicheren Beseitigung oder Lagerung entwickelt werden.
"Wir würden es vorziehen", so Dr. Blanchard, "dieses Problem nicht zu
exportieren".

Aber die Situation ist heikel, weil die Absicht der

Regierung gleichbedeutend mit einer Einmischung in Verfahren der Abfallbeseitigung bei amerikanischen privaten Unternehmen
in die Importpolitik fremder Regierungen ist.

und darüberhinaus

"Wir können nur hoffen, daß

jene Regierungen, die der Aufnahme von Sondermüll zustimmen, auch in der
Lage sind, ihn ordnungsgemäß zu lagern", meinte Dr. Blanchard.

Er spielte

damit auf die Tatsache an, daß sich manche Regierungen von dem Abschluß
solcher Kontrakte Einnahmen, neue Arbeitsplätze oder anderweitige Vorteile
von der Abnahme oder Aufarbeitung von Sondermüll versprechen.
Die Frage des Sondermüllexports wurde im Oktober 1979 aktuell, als
die Firma NEDLOG TECHNOLOGY Group, Inc., berichtete, daß sie mit der
Regierung von Sierra Leone in Verhandlungen stehe, um gegen die Zahlung
von Millionen von Dollar Sondermüll in dieses Land verbringen zu können.
Die Abfälle würden bei Zustandekommen des Vertrags von einem Hafen der
Republik Sierra Leone aus ins Landesinnere gebracht, wo die Fa. NEDLOG
den Bau einer Aufarbeitungs- und Rückgewinnungsanlage plane. Abfälle,
aus denen sich keine brauchbaren Chemikalien, Metalle oder andere Stoffe
würden gewinnen lassen, werde man in nicht mehr benutzten Erzbergwerken

- 2 -

�Erzbergwerken, abgeschlossen von der Außenwelt, lagern. Damals wurde
bekannt, daß sich NEDL06 auch an Chile und ein nicht näher bezeichnetes
drittes Land gewandt hatte.
Seitdem berichtete die amerikanische Presse des öfteren über Firmen,
die angeblich andere afrikanische sowie südamerikanische Regierungen ersucht
hätten, Sondermülldeponien gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen.
Während die Fa. NEDLOG seit dem vorigen Jahre ihre Auslandspläne mit
Vertretern der amerikanischen Bundesregierung erörtert und, wie sie
erklärt, zur Zeit keinen Sondermüll zu exportieren habe, sind die zuständigen
Bundesbehörden besorgt, daß die ihnen bekannt gewordenen Fälle nur die
Spitze eines Eisbergs darstellen könnten. Man sei sich darüber im klaren,
daß es künftig immer häufiger zu einer solchen Situation kommen könne,
weil die Gesetze von Bund, Einzelstaaten und Kommunen immer strenger werden
und sowohl die Kosten als auch die technischen Schwierigkeiten der Sondermüllbeseitigung zunehmen.
So hatte beispielsweise die Fa. Allied Chemical im Jahr 1978 mit
einem Unternehmen in Großbritannien, das über eine Anlage zur Entgiftung
des Pestizids Kepone verfügte, einen Vertrag über Sondermüll abgeschlossen.
In den USA war die Kepone-Beseitigung zu einem Politikum geworden, weil
12 Angestellte einer Firma, die das Pestizid herstellte, an Vergiftungen
erkrankten. Außerdem war durch Kepone eine erhebliche Verseuchung des
James River im Bundesstaat Virginia verursacht worden. Aber auch in
Großbritannien kam es zu Reaktionen der Öffentlichkeit; schließlich erklärte
sich ein westdeutsches Unternehmen mit entsprechenden Anlagen bereit,
Kepone sachgemäß zu vernichten. In jedem Fall arbeitete laut Dr. Blanchard
die amerikanische Regierung "eng mit dem Unternehmen und hohen Regierungsbeamten der betreffenden Länder zusammen, um zu gewährleisten, daß jede
relevante Information über die Gefahren von Kepone allen, die mit der Sache
zu tun hatten, zugänglich gemacht wurde". Im allgemeinen jedoch möchte
die amerikanische Regierung einen gewissen Frei räum zwischen Staat und

- 3 -

�und Privatindustrie erhalten.
Gegenwärtig arbeiten amerikanische Regierungsbeamte an der Formulierung
geeigneter Richtlinien für den Export von Sondermüll, was getrennt von den
Bemühungen läuft, Maßnahmen hinsichtlich des Exports gefährlicher Produkte
zu entwickeln, die in den Vereinigten Staaten nur begrenzt oder überhaupt
nicht angewendet werden düfen.

(Für derartige Produkte mußes vielfach

unterschiedliche AnwendungsVorschriften geben: Während beispielswiese
das Schädlingsbekämpfungsmittel DDT in den USA nur mit starken Einschränkungen
verwendet werden darf, gilt es in einer Reihe anderer Länder für MoskitoVernichtungsaktionen und damit für den Schutz vor Malaria als dringend
notwendig.)
Sowohl in bezug auf gefährliche Produkte als auch Abfall Stoffe überprüft
gegenwärtig die amerikanische Regierung die im Zusammenhang mit dem Export
solcher Substanzen üblichen Meldeverfahren. Sie unterstützt, wie Dr.
Blanchard betont, "voll und ganz die Resolutionen des Umweltprogramms der
Vereinten Nationen und der UN-Vollversammlung, die vollständige Informationen
über verbotene oder gefährliche Chemikalien verlange, welche für Exporte
vorgesehen sind und deren Ausfuhr erschwert werden solid'.

+ + + + +

�I

Wi//cn/chaft
und Technik
International Cominunication Agency
Embassy of ihe United States of America

13

27. Februar 1980

MENSCHLICHE GENE WERDEN KARTIERT

- (AD) - Ein relativ schnelles und einfaches Verfahren zur Ortsbestimmung von Genen in menschlichen Chromosomen hat eine Gruppe von
Biochemikern, Medizinern und Genetikern der Universität Kalifornien in
einem Institut in San Francisco und am Lawrence Livermore Laboratory
entwickelt. Es gelang ihnen, die Zeit für den Prozeß der Lokalisierung
eines Gens auf ein paar Wochen zu verkürzen, wofür bisher unter Umständen
mehrere Jahre erforderlich waren.
Wie schwierig die Genbestimmung beim Menschen ist, erhellt schon
aus der Tatsache, daß die Gesamtzahl der Gene, die beim gesunden Menschen
auf den 46 Chromosomen gespeichert sind, vorläufig nur geschätzt werden
kann - auf 50 000 bis 100 000, von denen bisher 3 000 identifiziert wurden.
Davon konnte man inzwischen an die 300 lokalisieren, d.h. sie einem der
46 Chromosomen zuordnen und ihren Platz innerhalb des betreffenden
Chromosoms ermitteln. Eine Kartierung der Gene trägt dazu bei, die Struktur
des genetischen Materials für den menschlichen Organismus besser zu bestimmen und vielleicht auch das Zusammenwirken von Genen bei den ver-

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�verschiedensten Arten gesundheitlicher Störungen zu erfassen.

Die Gen-

Kartierung könnte außerdem Hinweise auf die Natur von chromosomalen Defekten
geben, die schwerwiegende Auswirkungen haben.

Den Ort jener Gene zu finden,

die beispielsweise für Krankheiten wie Hämophilie (Bluterkrankheit),
bestimmte Formen von geistiger Behinderung oder von Polyarthrosen verantwortlich sind, könnte breits den ersten Schritt zu einer die Ursache angehenden
Therapie bedeuten.
Der Schlüssel zu dem jetzigen Erfolg der Wissenschaftler (beteiligt
sind Tony Carrano vom Lawrence Livermore Laboratory, Roger Lebo und Yuet Kan
vom Institut für Genetik in San Francisco und eine Anzahl von Mitarbeitern)
war die Verwendung des am Livermore-Institut entwickelten Zell-Separators.
Mit Hilfe dieser Maschine ist es möglich, Zellen oder Chromosomen blitzschnell zu analysieren und zu trennen.

Von Tausenden menschlicher Zellen

wurden die Chromosomen abgetrennt - mit einer "Ausbeute" von 200 Chromosomen
pro Sekunde.

Dann ging man daran, den Chromosomenverband in seine ver-

schiedenen Untergruppen zu zerlegen.

Dies hätte bei der Anwendung der

bisherigen Verfahren eine Arbeit von Jahren bedeutet, weil bei den im
Labor gewonnenen Zellkulturen nur eine Isolierung von Chromosomen durch
natürliche Prozesse genutzt

werden konnte.

Ein wichtiger Test für das im Lawrence Livermore Laboratory (LLL
abgekürzt) angewandte Verfahren war die Lokalisierung des Gens, das für
die Produktion des Proteins Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) "zuständig"
ist. Die Forscher begannen die Prozedur mit einer "Kopie" des HämoglobinGens. Diese Kopie, in Bakterien kloniert, war ein genaues Duplikat des
"echten" Gens und dazu radioaktiv markiert. Dies wurde durch die
Verwendung eines radioaktiven Isotops von Phosphor erreicht.
Dann galt es, herauszufinden, welchem der 46
Hämoglobin-Gen zuzuordnen ist.

Chromosomen das

Die Wissenschaftler brachten eine Kopie

des Gens mit jedem einzelnen der voneinander getrennten 46 Chromosomen

- 2 -

�Chromosomen in einem "Hybridisierung" genannten Prozeß zusammen.

Beim

Chromosom 11 schließlich war es soweit - die Gen-Kopie verband sich mit
der DNS (Desoxyribonukleinsäure) im Chromosom, das zuständige Chromosom
war gefunden.

Nun wurde der Gen-Ort immer enger eingekreist, bis endlich

mit einer besonderen Aufnahmetechnik die von der Gen-Kopie abgegebene
Radioaktivität den genauen Ort des Hämoglobin-Gens auf dem Chromosom
bestätigte.
"Was unsere Arbeit zur Genort-Bestimmung bisher behinderte, war
die geringe Anzahl von Gen-Kopien, die uns gegenwärtig von verschiedenen
Genen zur Verfügung stehen", berichtet Carrano. Der Forscher hofft, daß
man auf diesem Spezialgebiet schneller vorankommen wird, sobald mehr GenKopien verfügbar werden und mehr Forschungszentren mit besonders leistungsfähigen Zell-Separatoren arbeiten können.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8613">
                <text>27.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8614">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8615">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14030">
                <text>Amerikadienst 27.02.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14031">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brief des US-Botschafters in Moskau an die "Literaturnaja Gazeta"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die sowjetische Invasion Afghanistans und die Reaktion der Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Arthur A. Hartman, Botschafter der USA in Paris -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zu den Olympischen Spiele in Moskau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung des Weißen Hauses zur Untersuchungskommission im Iran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Regierung über Giftmüll-Export besorgt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rechtslage für staatliche Eingriffe wird geprüft -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschliche Gene werden kartiert&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1903" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1914">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/63e2af32ac5adb92dc56d4b938cc92ae.pdf</src>
        <authentication>591f570217e4ae060639bbf5e63ce123</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9559">
                    <text>oimolion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. Februar 1985

k

INHALT
INFORMATION
Beryl W. Sprinkel zum Nachfolger von Martin Feldstein ernannt
- Neuer Vorsitzender des Virtschaftsbeirates des Präsidenten -

DOKUMENTATION
Vereinigte Staaten überprüfen Haltung zu SALT IlrAbkommen
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Shultz: Auslandshilfe ist Investition in die Zukunft
- Erklärung des US-Außenministers vor dem Auf3enpolitischen
Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Sieben Astronauten an Bord
- Neuer CHALLENGER-Flug am 4. März 1985 -

Raumstation - Phase B
- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben

Um Übei/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�27. Februar 1985

BERYL W. SPRINKEL ZUM NACHFOLGER VON MARTIN FELDSTEIN ERNANNT
- Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten -

WASHINGTON
führenden

-(AD)- Präsident

Reagan

hat

Beryl

W. Sprinkel, einen

Vertreter der monetaristischen Denkrichtung, am 22. Februar

1985 zum neuen Vorsitzenden seines Wirtschaftsbeirates ernannt. Sprinkel
tritt damit die Nachfolge von Martin Feldstein an, der wieder an die
Harvard- Universität zurückkehrt.
Sprinkel, der seit März 1981 im Finanzministerium als Staatssekretär
für monetäre Angelegenheiten tätig ist, war an entscheidender Stelle bei
der Ausformulierung der Finanz- und Kreditpolitik der Reagan-Administration beteiligt, nachdem er bereits zuvor als strikter Verfechter einer
strengen Kontrolle des Geldzuwachses - gleich, welche kurzfristigen Auswirkungen dies auf die Zinsen haben würde - bekanntgeworden war. Es ist
nicht zuletzt dieser Strategie, die gegen Ende 1979 von der amerikanischen Bundesbank übernommen wurde, zuzuschreiben, daß die Inflationsrate
in den Vereinigten Staaten mittlerweile in den Griff bekommen wurde.

Sprinkel ist Gegner irgendwelcher staatlicher Eingriffe auf dem Geld-

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�dem Geldmarkt, um den Dollarwert gegenüber ausländischen Währungen zu beeinflussen. Vielmehr geht seine Überlegung dahin, daß -

wie er vor Re-

portern im Foreign Press Center in Washington vergangenen Dezember sagte
- "wir hoffen, daß bei Wirtschaftswachstum im Ausland - etwa in Westeuropa und Japan - sich auch die Wechselkurse der Währungen dieser Länder
verbessern und sich dadurch die Investitionsentscheidungen wieder weniger
auf die Vereinigten Staaten konzentrieren und wir zu einer graduellen
Verringerung des Dollarwertes gelangen".

Im Finanzministerium war Sprinkel auch für die Entwicklung einer ame-

»

*

rikanischen Politik hinsichtlich der internationalen Finanzinstitutionen
wie etwa dem Internationalen Währungsfonds (INF) zuständig. In einem Interview, das er 1984 der vom US-Informationsamt (USIA) herausgegebenen
Publikation "Economic Impact" gab, sagte Sprinkel, die Anpassungsprogramme des IWF seien eine pragmatische Reaktion auf die Schuldenprobleme der
Entwicklungsländer: "Kurzfristig wird dieser Prozeß wahrscheinlich ziemlich schmerzhaft sein..., doch schafft er die Voraussetzungen für eine
anhaltende Verbesserung des Lebensstandards, der Produktion und der Beschäftigungssituation."

Vor seinem Eintritt ins Finanzministerium war Sprinkel Vizepräsident
bei der Harris Trust and Savings Bank in Chikago, wo er insgesamt 28 Jahre tätig war. Daneben war er Direktor von "Harris Economics", einem Beratungsdienst dieser Bank in Wirtschafts- und Finanzfragen. Daneben war er
Mitglied des Wirtschaftbeirats der Zeitschrift TIME, Vorsitzender des Beraterausschusses der American Bankers Association sowie Mitglied des Direktionsgremiums der amerikanischen Handelskammer.
M

Sprinkel, 1923 auf einer Farm bei Richmond, Missouri, geboren, studierte an der University of Missouri und der University of Chicago und
schloß diese Studien mit einem M.A. und einem Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften ab. Er ist verheiratet und lebt in McLean im amerikanischen Bundesstaat Virginia.

* * * * *

�27. Februar 1985

VEREINIGTE STAATEN 'ÜBERPRÜFEN HALTUNG ZU SALT-II-ABKOMMEN
- Pressekonferenz Präsident Reagans -

Washington -(AD)- Präsident Reagan hielt

am 21. Februar

1985 in

Washington eine Pressekonferenz ab, die überwiegend im Zeichen innenpolitischer Themen, wie der geplanten Steuerreform und der Lage der Farmer,
stand. Die außenpolitischen Passagen, deren Wortlaut wir im folgenden
auszugsweise wiedergeben, bezogen sich auf Fragen der Rüstungskontrolle,
den Nahen Osten, Nicaragua und die Währungspolitik:

SALT-II-Abkommen

FRAGE: Jack Anderson schrieb heute in seiner Kolumne, daß Sie 1981
Moskau hätten wissen lassen, daß Sie das SALT-II-Abkommen selbst dann
nicht unterzeichnen würden, wenn es vom Senat ratifiziert würde, und daß
Moskau Ihnen 1982 mitgeteilt habe, daß die Sowjetunion nicht mehr an den
SALT-II-Vertrag gebunden sei und über dessen Grenzen hinaus aufrüsten
werde. Entspricht das den Tatsachen ? ...
ANTWORT

Ich kann mich an keine derartigen Erklärungen seitens

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Erklärungen seitens der Sowjetunion erinnern. Beide Länder haben sich
hauptsächlich wegen der weiterlaufenden Bemühungen um Rüstungskontrollverhandlungen an die Beschränkungen (des SALT-II-Vertrags) gehalten ...
Wir waren der Auffassung, daß es für den Fall, daß es zu neuen Gesprächen
käme, besser sei, an einem Abkommen festzuhalten, das zwar nicht ratifiziert, aber immerhin von unserer damaligen Regierung unterzeichnet worden
war ... Inzwischen sind wir jedoch sicher, daß die Sowjetunion sich über
einige der Beschränkungen hinweggesetzt hat ... Daher steht nun etwas in
Frage, woran wir bislang festgehalten haben. Wenn wir alte Waffen durch
neue ersetzt haben, haben wir stets die alten zerstört. Eine der Vertragsverletzungen der Sowjetunion besteht jedoch darin, daß sie mit Nuklearraketen ausgerüstete Unterseeboote zwar außer Dienst gestellt, sie
dann aber für den Einsatz von Marschflugkörpern umgebaut hat ...

FRAGE: Wollen Sie sich nun weiter an die ausgehandelten Verträge, also z.B. an den ABM-Vertrag halten, während die neuen Verhandlungen anlaufen ?

ANTWORT: Wir werden uns weiter an die Verträge halten, die ratifiziert und in Kraft sind ...
FRAGE: Und SALT-II ?

ANTWORT: Wir werden in einigen Monaten darüber entscheiden, ob wir
genau wie die Sowjetunion dazu übergehen, die vertraglichen Beschränkungen zu verletzen.

Naher Osten

FRAGE: Diese Wochen sind in Wien amerikanische und sowjetische Regierung svert reter zu zweitägigen Gesprächen über den Nahen Osten zusammengetroffen ... Können Sie uns darüber etwas sagen ? ...

ANTWORT: ... Wir waren einfach der Meinung, daß es Zeit für einen
Meinungsaustausch sei, um sicherzustellen, daß es nicht zu irgendwelchen
Fehlkalkulationen kommt, die zu Konfrontationen oder anderen Problemen

2

�anderen Problemen führen könnten. Wir haben die Sowjets über unsere derzeitige Haltung unterrichtet, und sie haben uns die ihre dargelegt; das
war alles.

FRAGE: Strebt die sowjetische Regierung immer noch eine unmittelbare
Verhandlungsrolle im Rahmen der Nahostdiplomatie an ? ...
ANTWORT: Man hat mich noch nicht soweit ins Bild gesetzt, daß ich sagen könnte, ob die Sowjets etwas Konkretes erwähnt haben. Sie haben bislang dazu geneigt, die Vorstellung einer großen internationalen Zusammenkunft zu unterstützen. .Vir sind nicht dafür. Wir glauben nicht, daß so
viele Hände in dem Topf rühren sollten. .Vir gehen auch nicht davon aus,
daß wir selbst an Verhandlungen teilnehmen würden. -Vir haben stets gesagt, daß wir am Rande stehen und nach bestem Vermögen helfen werden, daß
die eigentlichen Verhandlungen aber eine Angelegenheit der Araber, der
Palästinenser und der Israelis sind.

Nicaragua
FRAGE: Außenminister Shultz hat gestern zu verstehen gegeben, dab die
Beseitigung der sandinistischen Regierung Nicaraguas eines der Ziele Ihrer Politik ist ... Ist das Ihr Ziel ?
ANTWORT: Wir wollen sie in ihrer gegenwärtigen Form beseitigen, in
der sie einen kommunistischen, totalitären Staat bildet. Es handelt sich
nicht um eine vom Volke gewählte Regierung ... Wir fühlen uns verpflichtet, Freiheitskämpfern von Afghanistan bis Nicaragua zu helfen, wo wir
können ...

FRAGE: Wenn Sie "beseitigen in ihrer gegenwärtigen Form" sayen, heibt
das dann nicht, daß Sie den Sturz der gegenwärtigen Regierung Nicaraguas
befürworten ?

ANTWORT: Was ich sagen will, ist, daß diese gegenwärtige Regierung
nur ein Element im Kampf gegen Somoza war. Die Freiheitskämpfer waren ein
anderes Element dieser Revolution. Nachdem aber der Sieg errungen war,
- 3 -

�errungen war, haben die Sandinisten genau das getan, was zuvor schon Castro auf Kuba getan hatte. Sie schafften sich die anderen Elemente der
Revolution vom Leibe und brachen die Versprechen, die sie der Organisation Amerikanischer Staaten gegeben hatten, nämlich, daü die Ziele ihrer
Revolution Demokratie, Pressefreiheit, Redefreiheit, Gewerkschaftsfreiheit, Wahlen usw. seien ... Die, die gegen die Sandinisten kämpfen, die
Freiheitskämpfer, sind Nicaraguaner, die die Ziele der Revolution wiederherstellen wollen. Wir werden versuchen, ihnen zu helfen.

FRAGE: Lautet die Antwort auf die Frage, ob Sie den Sturz der gegenwärtigen Regierung Nicaraguas befürworten, dann Ja ? ...

ANTWORT: Nicht, wenn diese gegenwärtige Regierung anderen Sinnes werden und sagen würde: ... Laut uns die Probleme beilegen und die ursprünglichen Ziele verwirklichen.

Währungspolitik

FRAGE: ... Das Problem unserer Farmer besteht z.T. darin, daü sie wegen des überbewerteten Dollars im internationalen Handel preislich nicht
mehr wettbewerbsfähig sind ... Haben Sie erwogen, etwas zu unternehmen,
um den Wechselkurs des Dollar gegenüber anderen Währungen in Europa und
Asien zu senken ?
ANTWORT: Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als der Dollar unterbewertet war; darüber waren auch nicht sehr viele Leute glücklich. Ich
glaube, das Problem des Dollar besteht heute darin, daß unsere Handelspartner in der Welt bisher keinen so starken Konjunkturaufschwung wie wir
erzielen konnten ... Was wirklich notwendig ist, ist eine Belebung ihrer
Wirtschaft, so daß der Wert ihrer Währungen im Verhältnis zu dem der unseren wieder steigt. Das Problem des Handelsdefizits hat zwei Seiten ...
Einerseits haben wir wegen des hohen Dollarkurses Schwierigkeiten, Güter
im Ausland zu verkaufen ... Gleichzeitig profitieren davon aber auch die
Menschen in unserem Lande, indem sie billige Importwaren kaufen können
... Das hält die Inflation unten. Wenn man herumspielt und versucht, den
Dollarkurs zu senken, ohne sich um diese andere Seite des Problems zu

�Problems zu kümmern, dann setzt man die Inflationsschraube wieder in
Gang, und das wollen wir nicht.
Heltraumwaffen
FRAGE: denn Sie und Frau Thatcher in der Annahme rechtgehen, dalo die
Sowjets beabsichtigen, bei den Verhandlungen in Genf Fortschritte in den
Fragen der Mittelstreckenwaffen und der strategischen Waffen von Zugeständnissen Ihrerseits im Hinblick auf Weltraumdefensivwaffen abhängig zu
machen, zu welchen Konzessionen sind Sie dann bereit, um ein Rüstungskontrollabkommen unter Dach und Fach zu bringen ?

ANTWORT: Wenn es den Sowjets ernst ist mit dem, was sie gesagt haben
- d. h. , daß sie die Kernwaffen wirklich vermindern und sogar ganz beseitigen wollen - dann werden sie nach unserer Überzeugung am Konferenztisch
bleiben und mit uns verhandeln. Alles, was wir vorgeschlagen haben und
tun, ist, Forschungsarbeiten zu betreiben. Nach dem AHM-Vertrag ist das
zulässig; wir verstoßen nicht gegen diesen Vertrag. Wenn sich durch unsere Forschungsarbeiten tatsächlich die Möglichkeit zum Bau einer Defensivwaffe ergibt, die das Gleichgewicht verändern könnte, dann wäre ich, wie
ich wiederholt gesagt habe, bereit, vor deren tatsächlicher Einführung zu
verhandeln und über die Aufstellung und den Einsatz dieser Waffe zu sprechen, so daß sie verwandt werden würde, um die Welt von der nuklearen Bedrohung zu befreien, nicht aber, um uns einen Vorteil gegenüber irgendjemand anderem zu verschaffen ...

* * * * *

- 5-

�27. Februar 1985

SHULTZ: AUSLANDSHILFE IST INVESTITION IN DIE ZUKUNFT

Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen
Ausschuß des Repräsentantenhauses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz
hat sich vor dem Kongreß für ein kombiniertes Auslandshilfeprogramm in
Höhe von 14,8 Milliarden Dollar eingesetzt.

In einer längeren Erklärung

vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses am 19. Februar
1985 bezeichnete Shultz die Auslandshilfe als eine kluge Investition in
die Zukunft.

Der amerikanische Außenminister hob hervor, daß die Verei-

nigten Staaten in einer einmaligen Anstrengung seit Oktober vorigen Jahres über 400 Millionen Dollar aufgebracht haben, um über eine Million
Tonnen an Lebensmittel- und sonstiger humanitärer Hilfe nach Afrika zu
schicken.

Als die beiden Hauptempfängerländer amerikanischer Auslands-

hilfe nannte Shultz Israel und Ägypten.

In Europa erhalten die NMTO-

Länder Spanien, Portugal, Griechenland und Türkei Sicherheitshilfe.

Da-

bei streben die Vereinigten Staaten auch eine Lösung der Zypernfrage an.

Der

amerikanische

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432"

�Der amerikanische Auf3enminister betonte vor dem Kongreßausschuß, daß
die Anforderungen der Reagan-Administration das "absolute Minimum" seien.

"Unsere Auslandshilfeprogramme

sind von lebenswichtiger Bedeutung

für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele", betonte Shultz.

Die Erklärung des Außenministers hat folgenden ,Vortlaut:

Ich weiß, daß wir uns über die Notwendigkeit einig sind, im Ausland
kluge Investitionen vorzunehmen, um unsere nationale Sicherheit zu stärken, wirtschaftliche und politische Freiheit zu fördern und den humanitären Anliegen des amerikanischen Volkes gerecht zu werden.
fe ist eine solche Investition.

Auslandshil-

Unser Auslandshilfeantrag für das Haus-

haltsjahr 1985 wird diesem Ausschuß jedoch zu einer Zeit unterbreitet, in
der diese Administration und der Kongreß sich verpflichtet haben, unser
Haushaltsdefizit abzubauen.

Als ehemaliger Direktor des Haushaltsamtes

weiß ich vielleicht besser als mancher andere, was für eine gewaltige
Aufgabe das ist und welch schmerzliche .V ahl hier und da getroffen werden
muß.

Aus der Erkenntnis der übergeordneten Bedeutung einer Senkung des
Haushaltsdefizits heraus haben wir unsere wirtschaftlichen und militärischen Hilfsprogramme sorgfältig auf einen Umfang und eine Zusammensetzung gebracht, die den Minimalanforderungen für die Unterstützung unserer
Außenpolitik entsprechen.
Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, daß unsere Auslandshilfsprogramme von lebenswichtiger Bedeutung für die Erreichung unserer außenpolitischen Ziele sind.

Eine Welt des Friedens, der Freiheit, der interna-

tionalen Stabilität und des menschlichen Fortschritts kann nicht von den
Vereinigten Staaten allein aufgebaut werden.

,V ir brauchen die Unterstüt-

zung und Kooperation der vielen Freunde und Verbündeten in der ganzen
Welt, die unsere Hoffnungen und Träume von einer besseren .Veit teilen und
die sich auf uns verlassen.

Und wenn wir angesichts der schweren und

manchmal gefährlichen Herausforderungen der modernen -Veit mit ihrer Unterstützung rechnen wollen, dann müssen wir selbst ein verläßlicher Part-

�verläßlicher Partner sein.

Wir müssen konsequent sein in unserer Hingabe

an die Werte, die wir so hoch schätzen und verkünden:

die Förderung des

Wohlstandes, die Verteidigung der Freiheit, der Aufbau der Demokratie und
die Achtung der Menschenrechte, die Linderung

des Leidens sowie der

Schutz unserer Freunde und Verbündeten vor Aggression.

In seiner Botschaft über die Lage der Nation hat Präsident Reagan
darauf hingewiesen, daß "Dollar für Dollar an Sicherheitsunterstützung
ebenso viel zur Sicherheit der Welt beiträgt wie unser eigener Verteidigungshaushalt".

Die Stärkung unserer Freunde ist einer der wirksamsten

Wege, unsere Interessen zu schützen und unsere Ziele zu fördern.

Sie

gibt ihnen die Fähigkeit und das Zutrauen, sich selbst zu verteidigen und
für den Frieden zu arbeiten.

Wenn wir heute bereit sind, den relativ be-

scheidenen Preis zu bezahlen und die notwendigen Opfer zu bringen, dann
können wir uns für die Zukunft einen sehr viel höheren Preis und sehr
viel größere Opfer ersparen.

Auslandshilfe ist eine kluge Investition in

unsere Zukunft und die Zukunft der Welt.

Vor zwei Jahren bin ich zum erstenmal vor diesem ehrenwerten Musschuß
erschienen, um unsere Auslandshilfeprogramme zu rechtfertigen.

Ich habe

damals wie auch im vorigen Jahr versucht aufzuzeigen, wie eng unsere Auslandshilfeprogramme

mit

unseren

grundlegenden

außenpolitischen

Zielen

verflochten sind.

Die Ereignisse der letzten zwei Jahre haben mich mehr denn je überzeugt, daß wir auf dem richtigen Weg sind.

Wir haben unsere Beziehungen

zu unseren Freunden in der Entwicklungswelt gegen den sowjetischen Expansionismus gestärkt.

Wir haben erlebt, daß eine Reihe von Entwicklungs-

ländern sich in Richtung freierer und offenerer Volkswirtschaften bewegen.

Die Welt begreift mehr und mehr, daß statische Wirtschaftssysteme

nicht funktionieren.

Freie Marktwirtschaften funktionieren.

Und wir ha-

ben einen außerordentlichen Fortschritt in der Entwicklung demokratischer
Institutionen und den Niedergang von Diktaturen, vor allem in unserer eigenen Hemisphäre, erlebt.

Es

ist

kein

�Es ist kein Zufall, daß wir mit der Entstehung freierer Gesellschaften auch offenere Volkswirtschaften sehen.
das andere.
Wachstum.

Das eine ergänzt und stärkt

Menschen wollen, wenn sie die Wahl haben, wirtschaftliches

Sie wollen Prosperität.

Sie brauchen nur die persönliche Si-

cherheit und das politische und wirtschaftliche Umfeld, das ihnen die
Ausübung ihres Willens und die Anwendung ihrer Talente erlaubt.

Wenn wir

also die Sicherheit und die territoriale Integrität unserer Freunde unterstützen, dann fördern wir damit die grundlegendsten menschlichen Ziele, nämlich Wohlstand und Freiheit.
nem weiteren Ziel, dem Frieden.

Aber wir dienen damit auch noch ei-

Wir haben im Laufe der Jahre immer wie-

der erlebt,daß wirtschaftlicher Fortschritt, persönliche Freiheit und
Weltfrieden eng miteinander verknüpft sind.
ner zweiten Amtsantrittsrede sagte:

Wie Präsident Reagan in sei-

"Amerika muß der unverbrüchliche

Freund der Freiheit bleiben, denn die Freiheit ist unser bester Verbündeter und die einzige Hoffnung der Welt, die Armut zu überwinden und den
Frieden zu bewahren.

Jeder Schlag, den wir der Armut zufügen, wird ein

Schlag gegen ihre dunklen Verbündeten der Unterdrückung und des Krieges
sein.

Jeder Sieg der menschlichen Freiheit wird ein Sieg des Weltfrie-

dens sein."

Heute erleben wir in der Dritten Welt Entwicklungen, die, wenn wir
sie weiterhin fördern, zu einer sichereren und blühenden Welt führen werden.

Es ist unvermeidbar, daß es gelegentlich Rückschläge gibt, aber

wenn wir den Kurs halten, dann wird nach meiner 'Überzeugung das Muster
stabiler und demokratischer Regierungen immer deutlicher hervortreten und
wachsen und stärker werden.

Es bleibt noch viel zu tun.

Der wirksamste Beitrag, den wir der Ent-

wicklungswelt leisten können, ist die Aufrechterhaltung einer gesunden
amerikanischen Volkswirtschaft. Unsere wirtschaftliche Wachstumsrate 1983
war einer der Hauptgründe für den scharfen Anstieg der Einfuhren aus
nicht der OPEC angehörenden Entwicklungsländern auf 92,3 Milliarden Dollar - etwa 14 Prozent mehr als im Jahr davor.

Die Entwicklungsländer

werden im Jahr 1984 noch mehr Gewinn aus dem starken Wachstum unserer
Wirtschaft ziehen.

Darüber hinaus profitieren viele der Entwicklungslän- 4 -

�der Entwicklungsländer von den niedrigeren Kosten des Schuldendienstes
als Ergebnis des Fortschritts, den wir bei der Senkung der amerikanischen
Zinssätze erzielt haben.

Sie gewinnen, wie wir, auch von unserer Ver-

pflichtung, protektionistische Kräfte nicht hochkommen zu lassen.

Mehr als durch jeden anderen Faktor wird jedoch die Innenpolitik
dieser Länder durch Stärke und Durchhaltekraft ihrer Volkswirtschaften
und ihrer politischen Institutionen bestimmt.

Unsere Auslandshilfe kann

jene entscheidend wichtigen Mittel zur Verfügung stellen, die sie brauchen, um diese Ziele zu erreichen.
Aus diesem Rahmenvorstellungen

heraus haben

wir eine

sorgfältige

Haushaltsprüfung vorgenommen, um dafür zu sorgen, daß die Summe unserer
Mittel und jeder einzelne Posten das absolute Minimum betragen, das für
die Verwirklichung und Unterstützung unserer Außenpolitik notwendig ist.

Überblick über den Haushalt 1986 und die Ergänzungsvorlage 1985

Die Auslandshilfevorlage für das Haushaltsjahr 1986 beläuft sich auf
insgesamt 14,8 Milliarden Dollar, d.h. um 300 Millionen weniger als der
Stand der Ausgabeermächtigungsresolution für das Haushaltsjahr 1985.

Wie

ich später darlegen werde, müssen wir noch den Umfang der Wirtschaftshilfe für Israel festlegen.

Wenn diese Zahl schließlich mit einbezogen sein

wird, dann wird die Gesamtsumme unserer Anforderung höher liegen als im
Vorjahr.

Die Wirtschaftshilfe - die Entwicklungshilfe, Lebensmittelhilfe

nach dem Gesetz PL 480, den Wirtschaftsunterstützungsfonds sowie Beiträge
zu multilateralen Entwicklungseinrichtungen
auf 8,2 Milliarden Dollar.

einschließt - beläuft sich

Die Militärhilfe, zu der Zuwendungen, Kredite

und Ausbildungshilfe gehören, beträgt 6,6 Milliarden Dollar.

Die weiteren 4,5 Milliarden Dollar, die für internationale Angelegenheiten beantragt werden - Haushaltsposten 150 - dienen hauptsächlich der
Finanzierung der Tätigkeiten des Außenministeriums, des US-Informationsamtes (USIA), der Export-Import-Bank, des Ausschusses für Internationale

�für Internationale Sendungen, unserer geschätzten Beiträge zu internationalen Organisationen, der Beiträge zu Friedensmissionen der Vereinten Nationen und der Beteiligung Amerikas an multilateralen

internationalen

Konferenzen.

Im Rahmen der Ausgaben für internationale Angelegenheiten - Haushaltsposten 150 - würden nach unserem Antrag einige Posten steigen und
andere zurückgehen.

Die Funktion 150 liegt jedoch insgesamt wesentlich

unter dem für das Haushaltsjahr 1985 verabschiedeten Stand.

Dies wird so

bleiben, selbst wenn eine zusätzliche Summe für Israel, die wir vielleicht beantragen werden, bewilligt wird.

Diese Erhöhungen und Verringe-

rungen in den einzelnen Bewilligungsposten lassen die Prioritäten der
Administration und den Grundgedanken des Einfrierens erkennen, der auf
die Aufstellung dieses Haushaltsvoranschlages angewandt wurde.

Sie las-

sen ferner unsere Bemühungen erkennen, unsere knappen Mittel so zu verteilen, daß sie einen maximalen Ertrag für unsere Außenpolitik erbringen
und dazu beitragen, den dringenden Entwicklungs- und Sicherheitsbedarf
unserer strategischen Partner zu decken.

Unsere Auslandshilfevorlage für das Haushaltsjahr 1986 enthält nur
eine bescheidene neue Initiative - ein verstärktes .Virtschaftshilfepaket
für die Andendemokratien Ecuador, Peru und Bolivien.

Mit dieser einzigen

Ausnahme stellt unser Haushaltsantrag 1986 im großen und ganzen ein Programm der Kontinuität dar, nach dem wir arbeiten, und läßt sowohl die gesamtfiskalischen Begrenzungen erkennen, nach denen wir uns richten müssen, als auch die Tatsache, daß viele unserer früheren Initiativen - vor
allem in Mittelamerika - gut im Zuge sind und einen Fortschritt zu zeigen
beginnen.
Hie

in der Vergangenheit ist der größte Einzelposten unseres Aus-

landshilfeantrages - 28 Prozent der Gesamtsumme - für Israel und Ägypten
vorgesehen.

Dieser Prozentsatz wird natürlich höher liegen, wenn wir die

rtirtschaftshilfefonds für Israel einschließen.

Die Hilfe für Länder, die

uns Stützpunktrechte einräumen - Spanien, Portugal, Griechenland, die
Türkei und die Philippinen - machen weitere 16 Prozent aus; Staaten, in
denen wir militärischen Zugang haben, oder Frontstaaten wie Korea und
- 6 -

�Korea und Thailand bekommen weitere 13 Prozent.

Mittelamerika und die

Karibik machen weitere 11 Prozent unseres Antrages aus.

Die Programme

für alle anderen Staaten belaufen sich nur auf 12 Prozent der insgesamt
beantrag- ten Mittel.

Diese 12 Prozent sind jedoch auf über 80 verschie-

dene Länder und Regionalprogramme verteilt.

Und schließlich machen Bei-

träge zu multilateralen Entwicklungseinrichtungen und freiwillige Beiträge an internationale Organisationen und Programme rund 12 Prozent des Antrags aus; die restlichen Beträge werden aufgewandt für das amerikanische
Friedenskorps, die Auswanderer- und Flüchtlingshilfe, internationale Maßnahmen zur Rauschgiftkontrolle und eine Reihe kleinerer Programme.
rienn ich mich jetzt den einzelnen Posten unseres Antrages zuwende,
dann möchte ich folgende kurze Bemerkungen machen:

- Für die Entwicklungshilfe beantragen wir 2,1 Milliarden Dollar, um
gegen die große Armut in Afrika und Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten anzukämpfen und dazu beizutragen, die Grundlagen für wirtschaftlichen Fortschritt zu legen.

Wir legen großen Nachdruck auf

politische Reformen, eine größere Heranziehung des privaten Sektors
und auf Technologietransfer, um Durchbrüche in der Entwicklung zu erzielen.

Diese -JirtSchaftsprogramme sind ein entscheidender Aspekt

unserer außenpolitischen Gesamtziele.

- In einem engen Zusammenhang mit dem Entwicklungshilfeantrag steht ein
Antrag auf 1,3 Milliarden Dollar im Rahmen des Öffentlichen Gesetzes
480 für Lebensmittelhilfe
freundete Regierungen.

und Zahlungsbilanzunterstützung

für be-

Lebensmittel sind und bleiben das Kernstück

der humanitären Antwort des amerikanischen Volkes auf die tragische
Hungersnot in Afrika.

- Die 2,8 Milliarden Dollar, die wir für den rtirtschaftsunterstützungsfonds beantragt haben, liegen um eine Milliarde Dollar unter dem Betrag, der in der Ausgabeermächtigungsresolution für das Haushaltsjahr
1985 bewilligt wurde.

Dies ist zum Teil auf die Tatsache zurückzu-

führen, daß wir abgewartet haben, irgendwelche Mittel für Israel im

�Israel im Rahmen dieses Fonds zu beantragen.

Ich werde auf die Frage

der Wirtschaftshilfe für Israel später zurückkommen.

- Unser Antrag für Militärhilfe - d.h. direkte Kredite für ausländische
Militärkäufe und Zuwendungen für Militärhilfeprogramme - liegt 860
Millionen Dollar über den Bewilligungen von 1985.

Der größte Teil

dieses Anstiegs, nämlich 525 Millionen Dollar, entfällt auf Israel 1,8 Milliarden Dollar gegenüber 1,4 Milliarden Dollar 1985 - und
'Ägypten - mit 1,3 Milliarden Dollar gegenüber 1,175 Milliarden Dollar.

Darüber hinaus wurde unser Militärhilfeantrag für die Türkei

von dem Stand von 700 Millionen Dollar 1985 auf 785 Millionen Dollar
erhöht.

Für die Philippinen beantragen wir eine Erhöhung um 75 Mil-

lionen Dollar gegenüber dem Stand des Haushaltsjahres 1985.

- Die 2,5 Milliarden Dollar, die wir für die Haushaltsunterfunktion 153
beantragt haben, schließen entscheidend wichtige Mittel zur Förderung
unserer

Sicherheitsprogramme

angesichts

wachsender

terroristischer

Drohungen gegen amerikanisches Personal und amerikanische Einrichtungen ein.

Ferner werden zusätzliche Mittel beantragt, um die Fähig-

keit des Außenministeriums zu verbessern, außenpolitische Informationen zu sammeln und zu interpretieren.

Zusammen mit unserem Antrag für das Haushaltsjahr 1986 unterbreiten
wir drei Nachtragsanträge für das Haushaltsjahr 1985.

Dazu gehören 235

Millionen Dollar an neuen Ausgabeermächtigungen, um unser Ein-MilliardenDollar-Hilfspaket für die Opfer der Hungersnot abzuschließen, die weiterhin große Teile Afrikas südlich der Sahara heimsucht; 237 Millionen Dollar, um unseren rückständigen Zahlungen an mehrere multilaterale Entwicklungseinrichtungen nachzukommen; und 252 Millionen Dollar, um vor allem
zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für amerikanisches Personal und amerikanische Einrichtungen im Ausland zu treffea

DIE REGIONEN

�DIE REGIONEN

Lateinamerika und die Karibik

Nirgendwo erscheint die dynamische Verknüpfung von Auslandshilfe und
nationalen Interessen der Vereinigten Staaten wie auch die von Demokratie
und wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten in klarerem Licht als in
Lateinamerika und in der Karibik. Gerade im vergangenen Jahr hat sich mit
aller Deutlichkeit gezeigt, daß eine demokratische Entwicklung und eine
Absage sowohl an die kommunistische Linke als auch an die extreme Rechte
die Schlüsselfaktoren für einen dauerhaften Frieden und für eine Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards bildea

Unsere Strategie der politischen, wirtschaftlichen und militärischen
Unterstützung von prodemokratischen Kräften hat sich als tragfähig erwiesen. In Anbetracht der Vielschichtigkeit der Lage sollten wir einen Blick
auf die bisherigen Ergebnisse werfen.
Noch 1979 mußte man vier der fünf Staaten Mittelamerikas als undemokratisch bezeichnen, aber in den vergangenen sechs Jahren ist es zu tiefgreifenden Veränderungen gekommen. Nur Nicaragua ist heute immer noch eine Diktatur, wobei an die Stelle eines rechtsgerichteten Tyrannen eine
linksgerichtete Tyrannei getreten ist. Nur Costa Rica hat sich politisch
nicht verändert: Wie damals schon ist es auch heute ein durch und durch
demokratisches Staatswesen, obwohl es sich zunehmend und berechtigterweise Sorgen über die Bedrohung macht, der es sich durch das neue und schwer
bewaffnete kommunistische Willkürregime in seiner unmittelbaren Nachbarschaft ausgesetzt sieht.

In El Salvador waren die spektakulärsten Fortschritte zu verzeichnen.
Noch vor einem Jahr war man in den Vereinigten Staaten, in Westeuropa und
sogar in Lateinamerika vielfach der Ansicht, daß El Salvador in einen
endlosen Krieg zwischen linksgerichteten Guerilleros und rechtsgerichteten Todesschwadronen verstrickt sei. Die Nationale Überparteiliche Kom- 9-

�überparteiliche Kommission für Mittelamerika hielt jedoch an der "Überzeugung fest, daß eine aus Wahlen hervorgegangene Demokratie und ein politischer Dialog - nicht aber eine dem Land von außen aufgezwungene "Teilung der Macht" - eine tragfähige Grundlage abgeben würde, von der aus
die unauflöslich ineinan- der verflochtenen wirtschaftlichen, sozialen,
allgemein- und sicherheitspolitischen Probleme angegangen werden können.
Es bedurfte verstärkter wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Unterstützung, um der Demokratie, den Reformen und der wirtschaftlichen
Niederbelebung eine Chance zu geben, sich durchzusetzen.

Das vergangene Jahr hat gezeigt, daß der von Präsident Duarte eingeschlagene lieg derjenige war, der die beste Gewähr für mehr Achtung vor
den Menschenrechten und für eine Verbesserung der Lebensumstände der Menschen bot.

Die Salvadorianer selbst haben im Jahre 1984 in den beiden

Wahlgängen der Nationalwahlen diese 'Überzeugung zum Ausdruck gebracht und nochmals, auf einer anderen Ebene, als ein ziviles Schwurgericht fünf
ehemalige Mitglieder der Nationalgarde des Mordes an vier amerikanischen
Ordensschwestern für schuldig befand. Diese demokratische Erneuerung fand
die einmütige Unterstützung der Nationalen Überparteilichen Kommission,
Präsident Reagans, einer Parteigrenzen übergreifenden Mehrheit des Kongresses sowie der europäischen Sozial- und Christdemokraten.

Es wäre naiv, zu behaupten, daß in El Salvador heute alles einen .Veg
der Reformen, der politischen Mitte und des Friedens geht.

Die Fort-

schritte sind jedoch tiefgreifend und unbestreitbar. Sie sind zu einem
nicht geringen Teil dem festen Einstehen der Vereinigten Staaten für bestimmte Prinzipien und für die Freunde Amerikas in El Salvador zu verdanken.

Nicht nur die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit in El Salvador,
sondern auch die in Guatemala bezeugen, wie gefährlich es ist, Urteile
auf der Grundlage von Klischees zu fällen. Guatemala, das oftmals als das
Land mit den "schärfsten inneren Gegensätzen" und den "geringsten Aussichten auf eine demokratische Entwicklung" betrachtet wurde, hat solche
herkömmlichen Urteile Lügen gestraft. Die vor sieben Monaten abgehaltenen
- 10 -

�Monaten abgehaltenen Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung wurden
nicht nur weithin als ehrlich und offen anerkannt, sondern enthüllten zur
Überraschung vieler Beobachter auch, daß Kräfte der Mitte die politische
Mehrheit bilden. Daß die Guatemalteken fast ausschließlich aus eigener
Kraft diesen ,Veg eingeschlagen haben, ist ermutigend.

Es gibt jedoch eine Frage, an der sich immer noch beträchtliche Meinung sgegensätze entzünden: Nicaragua. Nährend wir in ganz Mittelamerika
demokratische Reformen fördern, begünstigen die Sowjetunion und Kuba die
Errichtung einer kommunistischen Diktatur in Nicaragua.

Solange die Kräfte der Diktatur keine Hemmungen haben, im Namen des
"proletarischen Internationalismus" den Untergrundkampf anzuheizen und zu
unterstützen, wäre es absurd, wenn die demokratischen Staaten sich selbst
nicht das Recnt zugeständen, die Sache der Demokratie voranzubringen.
Der Friede und die wirtschaftliche Entwicklung in Mittelamerika erfordern sowohl eine verläßliche, sich über viele Jahre erstreckende Finanzhilfe als auch die Gewißheit, daß diese langfristigen Verpflichtungen
auch weiterhin an Gerechtigkeit, Reformen und Freiheit geknüpft bleiben.
Unterstützung durch beide Kongreßparteien ist wesentlich, wenn die Initiative für Mittelamerika den Ansprüchen der überparteilichen Kommission
gerecht werden soll, die gefordert hatte, daß die Vereinigten Staaten eine bis 1989 gültige Verpflichtung übernehmen sollten, in einer kontinuierlichen und voraussagbaren Weise eine Kombination von wirtschaftlichen,
diplomatischen,

allgemein-

und

sicherheitspolitischen

Hilfsmaßnahmen

durchzuführen, deren einzelne Elemente sich wechselseitig verstärken.

Im Rahmen dieser Initiative sollen durch eine Kombination aus umfangreichen wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen und politischen Reformen die Wurzeln der Armut und des politischen Aufruhrs beseitigt werden.

Viele Ar-

beiten sind bereits in Angriff genommen worden. Gespräche mit den Empfängerländern über makroökonomische Anpassungsprozesse finden statt. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Stabilisierung sind Fortschritte erzielt
worden. Im April werden in einzelnen Regionen technische Ausbildungspro- 11 -

�technische Ausbildungsprogramme anlaufen. In dem Bestreben, das Justizwesen der betreffenden Länder zu verbessern, haben wir mit verschiedenen
Regierungen und nicht regierungsamtlichen Organisationen die Zusammenarbeit aufgenommen.

Durch die AID (die amerikanische Behörde für Interna-

tionale Entwicklung - Agency for International Development) und die Export-Import-Bank ist ein Versicherungsprogramm für Handelskredite aufgestellt worden. Die Wiederbelebung und Stärkung der Mittelamerikanischen
Bank für Wirtschaftliche Integration wird geprüft.

Ferner unterstützen

wir aktiv die Wiederbelebung des Gemeinsamen Marktes Mittelamerikas.

Auch der demokratische Trend in der Andenregion ist eindrucksvoll.
Alle der fünf Länder dort besitzen demokratisch gewählte Regierungen. Wie
ihre lateinamerikanischen Nachbarländer im Norden sehen sich auch viele
dieser Staaten ernstzunehmenden Gefahren für ihre Wirtschaft gegenüber.

Ecuador, Peru und Bolivien waren von der letzten weltweiten Rezession
besonders hart betroffen. Ihre Schwierigkeiten wurden durch verheerende
Unwetter, durch Preiseinbrüche bei ihren Hauptexportgütern und im Falle
Perus auch durch eine bösartige maoistische Guerillabewegung noch weiter
verschlimmert.

Die genannten Länder verdienen unsere Hilfe, und es liegt in unserem
Interesse, sie ihnen zu gewähren. Wir schlagen vor, ihre Bemühungen um
wirtschaftliche Erholung mit einem besonderen Andenprogramm zu unterstützen, das im wesentlichen Mittel der Wirtschaftshilfe in Höhe von 70 Millionen Dollar umfassen sollte.

Eine Demokratie, die nicht in der Lage ist, die gravierendsten Wirtsc haftsprobleme anzugehen, wird letzten Endes nicht dauerhafter sein als
die rechts- oder linksgerichteten Diktaturen, an deren Stelle sie getreten ist.
Wir finden es ermutigend, daü die Mehrzahl unserer Nachbarn in Lateinamerika die notwendigen und oftmals schmerzhaften Schritte zur Wiederbelebung der Wirtschaft ergreift. Sie haben die Staatsausgaben gesenkt
- 12 -

�Staatsausgaben gesenkt und den Staatseinnahmen angeglichen. Sie haben aus
Gründen der Devisenersparnis die Einfuhr nicht wesentlicher Güter beschränkt. Sie haben die Wechselkurse ihrer Währungen den wirtschaftlichen
Realitäten angepaßt und so ihrer Exportwirtschaft

neues Leben einge-

haucht. Sie haben in Zusammenarbeit mit den internationalen Finanzinstitutionen ihre Schulden neu geordnet, um eine kontinuierliche und ordentliche Tilgung zu gewährleisten. Sie haben knappe Ressourcen sogar dann
umverteilt, wenn diese in zunehmend geringerem Maße zur Verfügung standen.

Diese Bemühungen fangen an, Ergebnisse zu zeitigen. Die Handelsbilanz
Lateinamerikas mit dem Rest der Welt hat sich erheblich verbessert. Nach
einem Defizit von zwei Milliarden Dollar im Jahre 1981 war 1984 wieder
ein 'Überschuß von schätzungsweise 37,6 Milliarden Dollar zu verzeichnen.
Das kräftige Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten hat für diese
Länder neue Exportmöglichkeiten geschaffen. Auch das reale Prokopfeinkommen ist 1984 um etwa 0,2 Prozent gestiegen - nicht viel, aber besser als
die Schrumpfung um 5,8 Prozent im Jahre 1983 bzw. um 3,3 Prozent im Jahre
1982.

Die Initiative für das Karibische Becken zeigt positive Ergebnisse.
Bei Abzug der Erdölimporte sind die Einfuhren der Vereinigten Staaten aus
dieser Region in den ersten elf Monaten des Jahres 1984 gegenüber 1983 um
19 Prozent gestiegen. Der offene amerikanische Markt bietet den Ländern
der Region auch weiterhin gute Exportmöglichkeiten.

Was Lateinamerika und die Karibik anbelangt, so meine ich, daß die
Administration und der Kongreß Anlaß zu der Schlußfolgerung haben, daß
unsere Politik in den vergangenen vier Jahren erfolgreich war. Das beste,
was wir in den nächsten vier Jahren tun können, ist, unsere Bemühungen
auf der Grundlage einer festen Unterstützung durch beide Kongreßparteien
fortzusetzen.

Die Lehren der jüngeren Vergangenheit und die Richtlinien für die nahe Zukunft lassen sich in einem Satz zusammenfassen: Die Skeptiker hatten
Unrecht im Hinblick auf El Salvador, sie hatten Unrecht im Hinblick auf
- 13 -

�Hinblick auf Grenada und sie haben Unrecht im Hinblick auf Nicaragua, und
zwar immer aus den gleichen Gründen.

Herr Vorsitzender, die Lehren, die die Administration und der Kongreß
gemeinsam aus der Vergangenheit gezogen haben, bilden einen Auftrag für
die Zukunft. Ohne die aktive Unterstützung durch den Kongreß kann die Administration diesen Auftrag nicht erfüllen. Wenn Sie und wir nicht fest
zu unseren Prinzipien und unseren freunden stehen, dann werden wir beide
verlieren.

Ein Margel an politischer Kontinuität würde uns bei der Ver-

wirklichung unserer nationalen Ziele in der besagten Region im Verlaufe
der nächsten Monate und Jahre erheblich im Wege stehea

Afrika

Nach der Erörterung der vielversprechenden Entwicklungen in Lateinamerika wende ich mich nunmehr einer Region zu, in der nach wie vor gravierende Probleme bestehen. Die verzweifelte wirtschaftliche Lage Afrikas
ist mehr denn je ins öffentliche Bewußtsein gerückt.

Ich möchte meine

Darstellung der heutigen Situation in Afrika zum größeren Teil der Wirtschaftskrise widmen, die dort besteht.

Das bedeutet nicht, daß ich den

Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der nationalen
Sicherheit der Länder Afrikas für unbedeutend halte. Sicherheitspolitische Unterstützung bleibt für viele von ihnen wesentlich. Staaten, die
von libyschem Abenteurertum oder von mit sowjetischen Waffen versehenen
feindseligen Nachbarn bedroht sind, können nicht die Energie und die Ressourcen aufbringen, die für ihre wirtschaftliche Entwicklung notwendig
wären.

Wirtschaftlich brüchige Gesellschaften wiederum sind die, die für

Subversion oder direkte Angriffe am anfälligsten sind.

Die Mittel, die wir im Rahmen des Haushaltsplans für 1986 für Afrika
beantragt haben, belaufen sich auf etwas mehr als 1,2 Milliarden Dollar.
Davon sind rund i7 Prozent für Militärhilfe veranschlagt, also ungefähr
der gleiche Betrag wie im Haushaltsjahr 1985. Der Löwenanteil von mehr
als einer Milliarde Dollar ist für die Wirtschaftshilfe vorgesehen. Der
- 14 -

�Vorgesehen.

Der Militäranteil ist zwar klein, aber dennoch äußerst wich-

tig, wenn wir die Ausbildungs- und logistischen Unterstützungsprogramme
fortführen wollen, die wir in die -Vege geleitet haben, und wenn wir denjenigen unter unseren Freunden, die sich Bedrohungen gegenübersehen, zumindest ein Minimum an Rüstungsmaterial zukommen lassen wollen. Die Tatsache, daß das Hörn von Afrika in so geringer Entfernung vom Nahen Osten
und außerordentlich wichtigen Tankerrouten im Roten Meer und im Indischen
Ozean liegt, verleiht unserem Interesse an der Herstellung politisch stabiler und wirtschaftlich gesunder Bedingungen in dieser Region eine zusätzliche strategische Dimension von entscheidender Bedeutung. Daher bemühen wir uns um die Mittel, die notwendig sind, um dem Sudan, Kenia,
Somalia und Djibouti bei der Bewältigung ihrer wirtschaftlichen Probleme
zu unterstützen und dem Sudan und Somalia dabei zu helfen, den sehr realen Gefahren für ihre Sicherheit zu begegnen.

Im südlichen Afrika arbeiten wir auch weiterhin nachdrücklich auf eine gerechte und dauerhafte Regelung für Namibia auf der Grundlage der Resolution Nr. 435 der Vereinten Nationen hin. Desgleichen bemühen wir uns
um eine Änderung des abstoßenden Apartheidsystems in der Republik Südafrika und um die politische und wirtschaftliche Stabilität der Region im
allgemeinen. Die Mittel, die wir für Programme in südafrikanischen Staaten beantragt haben, werden uns in die Lage versetzen, den Ursachen der
wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Region direkt zu Leibe zu rücken.
Wie in Ostafrika, so beabsichtigen wir auch im südlichen Teil des Kontinents, dem destabilisierenden Einfluß der Sowjetunion und des Ostblocks
entgegenzutreten, indem wir Wirtschaftshilfe leisten und eine Alternative
zur Ausbildungs- und sonstigen Militärhilfe der Sowjetunion und des Ostblocks anbieten. Mosambik hat bewiesen, daß es wirklich die Absicht hat,
sich aus seiner starken Abhängigkeit von der Sowjetunion zu lösen und
sich auf eine Position echter Blockfreiheit zuzubewegen. Die kleinen MAPund IMET- (internationale militärische Ausbildungs- und Schulungs-) Programme Mosambiks sind im Hinblick auf eine Ermutigung dieses Prozesses
von besonderer Bedeutung.

In Westafrika hat sich in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, was die
- 15 -

�was die Dürre, von der die Region heimgesucht war, die langfristige wirtschaftliche Stagnation und das libysche Abenteurertum angerichtet haben.
Unsere Unterstützung dient sowohl der Bewältigung der unmittelbaren Krise
als auch der 'Überwindung der Langzeiteffekte der Wirtschaftskrise.

Ich möchte mich insbesondere auf die beiden drängendsten Krisen konzentrieren, denen sich Afrika heute gegenübersieht: den Hunger und die
wirtschaftliche Stagnation. In den vergangenen Monaten sind Tausende und
Abertausende von Afrikanern umgekommen. Nach unseren Schätzungen ist das
Leben von 14 Millionen Afrikanern weiterhin in Gefahr. Wenn sie überleben
sollen, braucnen sie schnellstens Hilfe in Form von Nahrungsmitteln, medizinischer Versorgung und Unterkünften.

Das Problem der Unterernährung ist noch umfassender. Die Ernährung
von schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung Afrikas unterschreitet das
zur Erhaltung der Gesundheit erforderliche Minimum.

Afrika ist die ein-

zige Region der Welt, in der im Verlaufe der vergangenen beiden Jahrzehnte die Nahrungsmittelerzeugung pro Kopf der Bevölkerung abgenommen hat das Ergebnis eines Produktivitätsrückgangs bei gleichzeitig rapide anwachsender Bevölkerung. Die Abhängigkeit Afrikas von Nahrungsmittellieferungen von außerhalb hat in erschreckendem Tempo zugenommen.

Während der

letzten 20 Jahre sind die kommerziellen Getreideeinfuhren Afrikas um neun
Prozent jährlich gestiegen.

Nicht nur die schwere gegenwärtige Nahrungsmittelkrise, sondern auch
die enttäuschenden wirtschaftlichen Leistungen Afrikas haben es für viele
seiner Staaten schwierig gemacht, ihre Schulden zu tilgen, was viele dieser Länder von einer Finanzkrise in die nächste getrieben hat.

Die Wirt-

schaftskrise zwingt die Staaten Afrikas, sich regelmäßig um Umschuldung
zu bemühen. 1984 betrafen 10 der 14 umschuldungen im Club von Paris afrikanische Länder.

Die Vereinigten Staaten haben eine beispiellose Kampagne in die Wege
geleitet, um Afrika sowohl Wirtschaftshilfe als auch Nahrungsmittelnothilfe zu leisten.

In diesem Zusammenhang haben wir unsere Entschlossen- 16 -

�unsere Entschlossenheit zur direkten Hilfeleistung für die Notleidenden
von politischen oder ideologischen Gegensätzen mit irgendwelchen Regierungen nicht beeinträchtigen lassen.

Seit Oktober letzten Jahres haben

wir über 400 Millionen Dollar aufgewandt, um mehr als eine Million Tonnen
an Nahrungsmittelnothilfe und anderen humanitären Hilfgütern nach Afrika
zu schicken.

Wenn man die normalen Nahrungsmittelhilfsprogramme der AID

dazurechnet, dann ist unsere gesamte Nahrungsmittelhilfe für Afrika sogar
noch größer - sie beläuft sich dann bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt des
laufenden Haushaltsjahres auf fast 600 Millionen Dollar.

Die von uns ge-

genwärtig beantragten 235 Millionen Dollar für zusätzliche Nothilfemittel
für Afrika wird unsere uesamtaufwendungen für Nahrungsmittel- und Nothilfe in diesem Jahr auf über eine Milliarde Dollar bringen.

Ich meine, wir

können mit Recht stolz sein auf das, was wir in so kurzer Zeit leisten
konnten.

Auch die unmittelbare Reaktion des amerikanischen Volkes und der Privatwirtschaft war beeindruckend.

Durch großzügige Spenden an freiwillige

private Hilfsorganisationen konnten abermals viele Tausende von Menschenleben gerettet werden.

Die freiwilligen Mitarbeiter dieser Hilfsorgani-

sationen verteilen vor Ort Nahrungsmittel, Medikamente, Bekleidung und
Zelte an die Opfer der Dürre in den abgelegensten Teilen Afrikas.

Sie

kümmern sich auch sonst um diese Menschen, nehmen dabei äußerste Strapazen auf sich und riskieren sogar das eigene Leben.

Humanitäre Hilfe die-

ser Art entspricht den besten Traditionen Amerikas und den Herten, für
die Amerika einsteht.

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit hat sich vor allem auf die unmittelbare Dürrekatastrophe gerichtet, aber es liegt auf der Hand, daß
die wirtschaftlichen Probleme Afrikas tiefgründige Ursachen haben, die
schon viele Jahre zurückliegea

Die Dürre hat die Probleme verschärft, aber sie ist nicht die Hauptursache der afrikanischen Wirtschaftskrise.

Viele afrikanische Regierun-

gen räumen ein, daß politische Fehler der Vergangenheit zu der gegenwärtigen Wirtschaftskrise beigetragen haben.

Wir müssen daher, während wir

die unmittelbare Krise angehen, gleichzeitig nach dauerhafteren Lösungen
- 17 -

�dauerhafteren Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme Afrikas suchen.
Die Vereinigten Staaten stehen an der Spitze derer, die versuchen, den
Ländern Afrikas dabei zu helfen, von planwirtschaftlichen Wirtschaftsmodellen zu solchen überzugehen, die den Kräften des Marktes erlauben, sich
frei zu entfalten, und

die

insbesondere

den Kleinbauern

angemessene

Preisanreize bieten. Zu den strukturellen Problemen, mit denen man sich
auseinandersetzt, zählen ineffiziente Staatsbetriebe, unrealistisch hohe
Wechselkurse, Negativzinsen auf Bankguthaben, unwirtschaftliche Subventionen für Verbraucher und künstlich niedrig gehaltene Herstellerpreise.
Abgesehen von der Nothilfe, mittels derer der Dürrekatastrophe und der
Hungersnot begegnet werden soll, leisten die Vereinigten Staaten Afrika
Wirtschaftshilfe, deren Umfang von 787 Millionen Dollar im Haushaltsjahr
1981 auf mehr als eine Milliarde Dollar im Haushaltsjahr 1985 gestiegen
ist.

Für das Haushaltsjahr 1986 haben wir für die Wirtschaftshilfe wie-

derum insgesamt eine Milliarde Dollar beantragt.

Um reformwilligen Regierungen bei der Durchführung

wünschenswerter

Reformen zu helfen, hat die Administration zwei neue Programme eingeleitet:

1. Der Afrika-Fonds für 'Wirtschaftspolitische Reformen:

Es handelt

sich dabei um ein Programm, für das im Haushaltsjahr 1985 Mittel der
Wirtschaftshilfe in Höhe 75 Millionen Dollar bereitgestellt wurden und
das folgende Hauptziele hat:
- Erstens, denjenigen afrikanischen Ländern zusätzliche Hilfe zu leisten, die dabei sind, politische Veränderungen durchzuführen, oder
die bekundet haben, daß sie bereit und in der Lage sind, einen wachstumsorientierten politischen Kurs einzuschlagen; und

- zweitens, das internationale Hilfssystem für Afrika durch eine bessere Koordination der multilateralen und bilateralen Mittelvergabe auf
Länderebene zu stärken.
Dieses politische Reformprogramm befindet sich zwar noch im Anfangs- 18 -

�im Anfangsstadium, aber bislang waren die Reaktionen auf diese neue Initiative ermutigend.

Die afrikanischen Staaten beginnen in wachsender

Zahl, ihre nationale Wirtschaftspolitik grundlegend zu ändern.

Vor allem

sind sich die politisch Verantwortlichen Afrikas besser denn je zuvor
über die Vorzüge der freien Marktwirtschaft gegenüber planwirtschaftlichen Lösungen im klaren,

dir sind dabei, die ersten afrikanischen Län-

der auszuwählen, die in den Genuß dieses Sonderprogramms kommen sollen.
Darüber hinaus bitten wir andere Geberländer und die internationalen Finanzinstitutionen, mit uns zusammenzuarbeiten und sich an der Finanzierung dieser Unternehmungen zu beteiligen.

Am Rande sei vermerkt, daß

unsere Sicht der Wurzeln der gegenwärtigen .Wirtschaftskrise in Afrika
weltweit von vielen anderen Staaten geteilt wird.

Den letzten Bericht

der .Weltbank über das Afrika südlich der Sahara, in dem betont wird, daß
wirtschaftliche Reformen erforderlich sind, um dem wirtschaftlichen Niedergang Afrikas Einhalt zu gebieten, haben wir mit besonderer Genugtuung
zur Kenntnis genommen. Die Weltbank hat unlängst ein Sonderorgan eingerichtet, das reformwilligen Ländern finanzielle Hilfe leisten und damit
unsere eigenen Bemühungen ergänzen und stützen wird.

2. Die Initiative "Nahrungsmittel für den Fortschritt". Sie wurde unlängst vom Präsidenten angekündigt und dient ebenfalls dem Ziel politischer Reformen, ist aber ausschließlich dem landwirtschaftlichen Bereich
gewidmet.

Diese Initiative wird sich der Nahrungsmittelhilfe bedienen,

um in strategisch bedeutsamen afrikanischen Ländern Reformen im landwirtschaftlichen Schlüsselbereich zu fördern.

Der Hauptakzent liegt auf der

Unterstützung marktwirtschaftlicher Ansätze bei der Preisgestaltung für
landwirtschaftliche Erzeugnisse, auf der Förderung der Vermarktung dieser
Erzeugnisse und auf Hilfestellung bei der Beschaffung und Verteilung von
Düngemitteln, Saatgut und anderen landwirtschaftlichen Grundstoffen.

Ei-

nes der Ziele dieser Initiative besteht darin, reformwilligen Ländern
über einen Mehrjahreszeitraum
Verfügung zu stellen.

hinweg

amerikanische

Nahrungsmittel

zur

Der Verkauf dieser .Waren im Rahmen der jeweiligen

nationalen Wirtschaft würde den Regierungen Mittel an die Hand geben, derer sie sich bedienen könnten, um die notwendigen Anreize und Vorgaben
für die 3auern zu schaffen, gleichzeitig aber für die Verbraucher in den

- 19 -

�in den Städten die Begleiterscheinungen des Übergangs zur Marktwirtschaft
abzumildern.

Die Einzelheiten dieses Vorschlags - so u.a. über die Höhe

der benötigten Mittel und darüber, woher sie genommen werden sollen werden dem Kongreß in Kürze zugeleitet.

Naher Osten und Südasien

Eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele dieser Administration
besteht darin, zur Schaffung eines dauerhaften Friedens zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn beizutragen. Es gibt für den Frieden im
Nahen Osten keine raschen und einfachen Lösungen, aber unsere Hilfestellung ist für die Förderung dieses Friedensprozesses von entscheidender
Bedeutung. Bei der Suche nach Frieden sind Israel und Ägypten auch weiterhin unsere wichtigsten Partner, und diese beiden Staaten würden auch
die größten Empfängerländer der von uns vorgeschlagenen Auslandshilfe für
das Haushaltsjahr 1986 sein. Unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme sind nötig, um die Sicherheit und die Wirtschaft Jordaniens zu stärken, da beide von entscheidender Bedeutung dabei sind, Jordanien in die
Lage zu versetzen, sich den Risiken zu stellen, die damit verbunden sind,
eine wirklich bedeutsame Rolle in diesem Friedensprozeß zu spielen. Unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien und zu den arabischen Golfstaaten sind
wichtige Elemente unserer Bemühungen, den Friedensprozeß zu fördern und wie ich später noch erläutern werde - unsere Interessen im Persischen
Golf zu schützen.

Die Vereinigten Staaten sind seit mehr als drei Jahrzehnten der Sicherheit Israels verpflichtet. Unser Vorschlag zur Sicherheitshilfe zielt
darauf ab, die gewaltige Last zu verringern, die Israels Verteidigungserfordernisse seinen Schultern aufbürden.

Das Programm des Haushaltsjahres

1986 für Verkäufe von Militärgütern ins Ausland wird Israel in die Lage
versetzen, im militärischen Bereich gegenüber seinen potentiellen Gegnern
in der Region einen qualitativen Vorsprung beizubehalten. Weiterer Fortschritt in Richtung Frieden hängt zum Teil davon ab, ob Israel genügend
Vertrauen in seine Fähigkeit hat, Druck von außen zu widerstehen, aber

- 20 -

�widerstehen, aber auch Vertrauen in Unterstützung und Hilfe seitens der
Vereinigten Staaten. Aus diesen Gründen empfehlen wir einen beträchtlichen Anstieg der Auslandsverkäufe militärischer Güter an Israel auf Kredit.
Die amerikanische und die israelische Regierung kamen im vergangenen
Oktober überein, eine Gemeinsame Gruppe für Wirtschaftliche Entwicklung
ins Leben zu rufen, um die wirtschaftliche Entwicklung in Israel, die
Rolle der amerikanischen Hilfe zur Unterstützung des israelischen Anpassungsprogramms sowie die längerfristigen Entwicklungsziele Israels einer
Überprüfung zu unterziehen. Auf einem Treffen im Dezember legten Vertreter der israelischen Regierung das jährliche Weißbuch vor, das die Wirtschaftsziele Israels sowie die Hilfserfordernisse für den Rest dieses
Fiskaljahrs und des Haushaltsjahres 1986 darlegt.

Unsere Sicherheitshilfe spiegelt die amerikanische Verpflichtung zu
Israels Sicherheit und wirtschaftlichem Wohlergehen wider. Außerdem haben
wir unsere Bereitschaft angedeutet, zusätzliche Hilfe in Unterstützung
eines

umfassenden

israelischen

Wirtschaftsprogramms

zur

Verfügung

zu

stellen, das sich wirksam mit den grundlegenden Unausgewogenheiten der
israelischen Volkswirtschaft auseinandersetzt. Denn ohne ein solches Reformprogramm würde eine weitere amerikanische Hilfe die wirtschaftlichen
Probleme Israels nicht lösen, sondern nur dazu beitragen, sie zu verewigen. Mehr noch: Ohne wirtschaftliche Anpassung würde Israel in Zukunft
nur noch stärker von amerikanischer Hilfe abhängen. Die israelische Regierung hat mittlerweile schon

beträchtlichen Fortschritt dabei erzielt,

ein Anpassungsprogramm zu entwickeln. Aber weiterer Fortschritt ist notwendig, wenn dieses Programm Israel wieder auf den Pfad wirtschaftlicher
Gesundung zurückführen soll, und die zusätzliche amerikanische Hilfe wird
daher daher einem solch nützlichen Zweck dienen. Unsere Gespräche werden
sich auch weiterhin nicht nur auf kurzfristige Stabilisierungsmaßnahmen,
sondern auch auf Israels längerfristige Entwicklungsziele konzentrieren,
damit die Bürger dieses Landes auf eine hellere, gedeihlichere Zukunft
hoffenkönnen. Beim Besuch von Ministerpräsident Peres im vergangenen Oktober kamen wir überein, zur Förderung von Auslandsinvestitionen in Israel zusammenzuarbeiten - insbesondere auf dem Hochtechnologiesektor, wo

- 21 -

�Hochtechnologiesektor, wo Israel überaus wettbewerbsfähig ist. Die Regierungen beider Länder überprüfen derzeit die existierenden Programme sowie
die Rahmenbedingungen, die zur Verbesserung des Investitionsklimas in Israel beitragen und ausländisches Kapital ins Land bringen könnten. Es ist
offensichtlich, daß im Fall Israel - genau wie bei anderen Staaten - die
Mobilisierung des inund ausländischen Kapitals von einer Atmosphäre abhängt, die den privaten Unternehmensbereich ermutigt sowie angemessene
Steuerstrukturen und eine Politik des entsprechenden Marktpreises ermöglicht. Initiativen des Privatsektors sind am ehesten dazu in der Lage,
dazu beizutragen, daß Israel seine Entwicklungsziele erreicht, und wir
sind von dem Interesse ermutigt, das sich auch in dieser Hinsicht in beiden Ländern bemerkbar gemacht hat. Unser Ziel ist es, Israel bei dessen
eigenen Bemühungen dahingehend zu unterstützen, die grundlegenden Bedingungen zu schaffen, die in einem Zeitalter neuer Technologie für wirtschaftliches Wachstum notwendig sind.

Das Camp-David-Abkommen wie auch der ägyptisch-israelische Friedensvertrag bleiben auch weiterhin der Eckstein unserer Friedenspolitik im
Nahen Osten. Ägypten hat immer wieder bewiesen, wie sehr es das damit Erreichte zu schätzen weiß, wurde doch wiederholt die Möglichkeit zurückgewiesen, mit einem Abrücken hiervon den Preis für die erneute Übernahme
der historischen Führungsrolle in der arabischen Welt zu bezahlen. Unsere
Hilfe gibt Ägypten die Möglichkeit, stark genug zu bleiben, um auch weiterhin dem Druck radikaler Kräfte zu widerstehen, die das Erzielte zunichte machen wollen. Ägypten bleibt eine wichtige Kraft der Mäßigung und
der Stabilität - nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Afrika, wo es
eine wichtige Rolle bei dem Bemühen der afrikanischen Staaten spielt, vor
libyschem

Abenteurertum

abzuschrecken.

Ägyptens

Fähigkeit, diese

Ab-

schreckungsrolle auch weiterhin beizubehalten, hängt in einem hohen Maß
von unserem Beistand ab. Das Programm des Haushaltsjahres 1986 für Verkäufe von Militärgütern ins Ausland wurde erweitert, um Ägypten in die
Lage zu versetzen, auch weiterhin veraltete sowjetische Ausrüstung zu ersetzen und eine glaubwürdige Abschreckungsmacht in der Region zu bleiben.

Gleichfalls von größtem Interesse für die Vereinigten Staaten ist es,

- 22-

�ist es, im Mittleren Osten den Zugang der Freien Welt zu den lebenswichtigen Ölquellen des Persischen Golfs jetzt und in Zukunft offenzuhalten.
Die Staaten des Persischen Golfs fördern über 25 Prozent des Ölbedarfs
der Freien Welt. Durch unsere Hilfe erhöhen wir die Sicherheit unserer
Freunde in diesem Gebiet. Oman arbeitet eng mit den Vereinigten Staaten
auf unser gemeinsames Ziel hin, Sicherheit und Stabilität in diesem so
wichtigen Gebiet sowie die ungehinderte Durchfahrt der Schiffe durch die
Straße von Hormus zu gewährleisten; das Abkommen mit Oman über die Benutzung seiner Einrichtungen stellt für das amerikanische Oberkommando einen
entscheidenden Aspekt dar. Obgleich sie keine amerikanischen Finanzhilfen
erhalten, haben die anderen GolfStaaten und Saudi-Arabien, die zusammen
mit Oman Mitglieder im Rat für Zusammenarbeit der GolfStaaten sind, Willen und Fähigkeit bewiesen, sich selbst gegen eine Verstrickung in den
iranisch-irakischen Krieg zu wehren. Die Administration führt derzeit eine umfassende Überprüfung unserer Sicherheitsinteressen und unserer Strategien in diesem Bereich durch, wobei sie sich besonders auf die Frage
konzentriert, wie unsere verschiedenen Programme im Sicherheitsbereich
unsere Bemühungen beim Friedensprozeß ergänzen und zu einer allgemeinen
Stabilität der Region beitragen können.

Im nördlichen Afrika unterhalten wir seit langem enge Beziehungen zu
Marokko und Tunesien als echten Freunden und, geopolitisch gesehen, strategisch gelegenen Partnern. Marokko - mit dem wir Transit- und Manöverabkommen haben - und Tunesien sind beide in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Unser Hilfsprogramm für Marokko zielt in Gemeinschaft mit anderen
Geberstaaten darauf ab, die marokkanische Regierung bei der Durchführung
der notwendigen wirtschaftlichen Reformen zu unterstützen. Wir haben der
marokkanischen Regierung gegenüber unsere Enttäuschung hinsichtlich der
unwillkommenen Entwicklung im Rahmen des libysch-marokkanischen Vertrags
vom August 1984 zum Ausdruck gebracht. Ghadafis aggressives Verhalten gegenüber

seinen Nachbarstaaten

und

seine

anhaltende

Unterstützung

des

weltweiten Terrorismus und der Subversion sind noch immer Grund zur Sorge. Wir haben diese Sorge den Marokkanern vorgetragen und ihnen erklärt,
daß wir die Möglichkeit ausschließen, wonach eine Assoziation mit König
Hassan Ghadafi konstruktiv beeinflussen könnte. Trotz unterschiedlicher

- 23-

�Trotz unterschiedlicher

Meinung

hinsichtlich

der Art

und Weise, wie

Ghadafi zu begegnen sei, besteht das wirtschaftliche und politische Argument für diese Hilfe an Marokko fort, ja, es ist nur noch umso triftiger
geworden.

Südasien

Ein Hauptziel unsrer Außenpolitik in Südasien besteht darin, eine
Verhandlungslösung zu erreichen, um die Sowjetunion zum Rückzug aus Afghanistan zu bringen, damit die Flüchtlinge dorthin zurückkehren und die
Afghanen ihre eigene Souveränität und Unabhängigkeit wiedererlangen können. Bei unseren Bemühungen ist es von ausschlaggebender Bedeutung, die
Sicherheit Pakistans angesichts der sowjetischen Einschüchterung zu garantieren. Unser sechsjähriges Hilfsprogramm

für Pakistan dient genau

diesem Ziel. Es soll die Volkswirtschaft Pakistans und deren Entwicklung
unterstützen und durch Vereinbarungen hinsichtlich militärischer Ausrüstung und Ausbildung zur Stärkung seiner Verteidigung beitragen.
Die Vereinigten Staaten haben in Südasien eine Reihe wichtiger Ziele.
Wir sind darum bemüht, Konflikte zwischen den Staaten der Region zu verhindern, zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beizutragen und den
Erfolg demokratischer Institutionen zu fördern. Indien, die größte Demokratie der Welt, spielt bei Frieden und Stabilität der Region eine entscheidende Rolle. Unser Entwicklungshilfsprogramm für Indien möchte sich,
gestützt auf die starke wissenschaftliche und technische Basis Indiens,
auf intensive Forschung und noch bessere technische Ausbildung konzentrieren. Unsere Hilfsprogramme für Bangladesh, Sri Lanka und Nepal sind
Beweis für die amerikanische Unterstützung der gemäßigten, bündnisfreien
Politik und der wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder.

Europa
Die Vorschläge für die Sicherheitshilfe im europäischen Bereich sollen das militärische Ungleichgewicht in Europa beseitigen sowie der yer- 24-

�der verstärkten militärischen Bedrohung durch die Sowjetunion in Mitteleuropa und in Südwestasien entgegenwirken. Die Hilfe unterstützt wichtige
NATO-Verbündete und hat das doppelte Ziel sowohl des weiteren Zugangs der
Vereinigten Staaten zu wichtigen Militäranlagen als auch der Unterstützung dieser Staaten bei der Modernisierung ihrer eigenen Militärkapazitäten. Dadurch fördert unsere Sicherheitshilfe das weitere Vertrauen in
unsere Verpflichtungen, die die Grundlage von Stützpunktabkommen sind.

Ziele der amerikanischen Außenpolitik in Spanien sind die Unterstützung der spanischen Demokratie, die Ermutigung zu Bewegung in Richtung
auf eine offenere Wirtschaft sowie ein Beitrag zur westlichen Verteidigung

durch die Garantie weiteren amerikanischen Zugangs zu wichtigen

Luftwaffen- und Marineeinrichtungen in Spanien. Das Sicherheitshilfsprogramm spielt zum Erreichen dieser Ziele eine entscheidende Rolle.

Das spanische Militär hat eine Rolle übernommen, wie sie für Streitkräfte in einer Demokratie angemessen ist. Unsere Hilfe ist notwendig,
damit Spanien sein Ziel einer Anpassung an NATO-Maßstäbe erreichen kann
und um einen greifbaren Beweis für die Vorteile zu liefern, die sich für
Spanien als Partner des westlichen Bündnisses ergeben und wie sie sich
etwa in seiner bilateralen Beziehung zu den Vereinigten Staaten und in
seiner Mitgliedschaft in der NATO niederschlagen. Unser Sicherheitshilfsprogramm spielt daher eine bedeutsame Rolle dabei, zur Konsolidierung und
Stärkung der neuen demokratischen Institutionen in Spanien beizutragen.

Die Regierung von Premierminister Gonzalez hat den politisch schwierigen Schritt unternommen, die traditionell protektionistische Wirtschaft
Spaniens den Kräften des Marktes zu öffnen. Diese Entscheidung war vor
allem auch deshalb so mutig, weil Spaniens wirtschaftliches Sparprogramm
von hoher Arbeitslosigkeit begleitet war. Doch hat sich die Lage der spanischen Wirtschaft daraufhin im Jahr 1984 eindrucksvoll verbessert. Ohne
unsere Unterstützung hätte das Wirtschaftsprogramm dem spanischen Volk
eine noch weit größere Last auferlegt. Das Sicherheitshilfsprogramm trägt
zur Modernisierung der Wirtschaft durch wissenschaftlichen und technischen Austausch bei und erlaubt es Spanien, seine wirtschaftliche Erho-

- 25-

�wirtschaftliche Erholung ohne Gefährdung seiner militärischen Modernisierung fortzusetzen.

Unsere Ziele hinsichtlich Portugal sind jenen in bezug auf Spanien
gleich. Portugal bemüht sich darum, seine zehn Jahre alten demokratischen
Institutionen zu konsolidieren, während es gleichzeitig eine größere Rolle innerhalb der politischen und militärischen Strukturen des Westens
übernimmt. Zudem führt es ein anspruchsvolles wirtschaftliches Sparprogramm in dem Versuch durch, seine gefährdete Volkswirtschaft zu reformieren, die in Westeuropa an vorletzter Stelle steht. Das amerikanische Sicherheitshilfsprogramm

unterstützt

die

portugiesischen

Bemühungen

um

wirtschaftliche Entwicklung und ermöglicht es Portugal, sein Programm der
militärischen Modernisierung fortzusetzen, das darauf abzielt, in verstärktem Maß Verteidigungsverantwortung im Rahmen der NATO zu übernehmen.

Die amerikanische Sicherheitshilfe für Portugal ist daher eine reale
wie symbolische Unterstützung des Versuchs Portugals, seine Demokratie
und seine freie Marktwirtschaft zu stärken. Sie stellt einen Eckstein bei
Portugals Bemühen dar, innerhalb der NATO eine noch wirksamere Rolle zu
spielen. Und sie dient dazu, den Zielvorstellungen gerecht zu werden, zu
denen die Vereinigten Staaten im Rahmen des Abkommens von 1983 verpflichtet sind.

Unsere Sicherheitshilfe für Griechenland und die Türkei ist ein Beitrag zu den wichtigen strategischen Zielsetzungen an der Südflanke der
NATO. Die Lage der Türkei zwischen der Sowjetunion und dem Nahen Osten
sowie seine Nähe zu Südwestasien macht sie zu einer natürlichen Barriere
gegenüber der sowjetischen Expansion im Mittleren Osten und dem Persischen Golf. Die sowjetische Invasion Afghanistans, der iranisch-irakische
Krieg und die Desintegration des Libanon unterstreichen die Bedeutung eines politisch stabilen und militärisch glaubwürdigen türkischen Verbündeten in dieser unruhigen Region. Unsere militärischen Beziehungen zur Türkei sind für uns auch aufgrund der Tatsache von Vorteil, daß wir die äußerst wertvollen militärischen und nachrichtendienstlichen Anlagen mitbenutzen. Daher haben die Vereinigten Staaten größtes Interesse daran, die
Fähigkeit

der Türkei weiter zu verbessern, ihren NATO-Verpflichtungen

- 26

�NATO-Verpflichtungen nachzukommen und vor einer potentiellen Aggression
in Südwestasien durch die Vorkehrung der Sicherheitshilfe abzuschrecken.

Unsere Interessen beschränken sich nicht auf die Sicherheitsziele der
NATO. Wir haben uns um die Mitarbeit der türkischen Regierung zur Förderung einer friedlichen Regelung der Zypernfrage bemüht. Die türkische Regierung hat die Initiative des UN-Generalsekretärs akzeptiert und unterstützt. Wir arbeiten nun mit allen Parteien daran, um sicherzustellen,
daß die Bemühungen im Anschluß an den jüngsten Gipfel in New York um eine
Beilegung des Konflikts zwischen der Regierung Zyperns und der türkischzypriotischen Gemeinschaft vorankommen. Aus diesem Grund sind wir der
Meinung, daß ein jeder einseitige Versuch, die Sicherheitshilfe für die
Türkei mit Bedingungen hinsichtlich Zypern zu belasten, nicht nur ungerechtfertigt wäre, sondern einen Rückschlag für Aussichten auf eine Regelung des Zypernproblems bedeuten würde.
Im wirtschaftlichen Bereich hat die Türkei weitreichende und mutige
Schritte zur Stabilisierung und Liberalisierung ihrer Wirtschaft unternommen. Die amerikanische Hilfe für die Türkei steht in direktem und konstruktivem Zusammenhang mit den türkischen Bemühungen um die Schaffung
einer freieren und solideren Volkswirtschaft.

Wir bemühen uns auch um einen beträchtlichen Betrag an Sicherheitshilfe für Griechenland. Obgleich wir unsere Meinungsverschiedenheiten mit
der griechischen Regierung haben, so sehen wir diese Differenzen doch im
Rahmen

einer

Beziehung

zwischen

zwei demokratischen

Verbündeten, die

wichtige Interessen teilen. Wir sehen die strategische Bedeutung Griechenlands

im östlichen Mittelmeerraum. Die militärischen Anlagen dort

sind für uns von beträchtlichem Vorteil. Unser Sicherheitshilfsprogramm
ist ein wichtiges Element unserer Beziehungen zu Griechenland. Es wird
nur noch von unseren Anträgen für Israel, Ägypten, die Türkei und Pakistan überboten.

Ostasien und der Pazifik
Auslandshilfe
- 27-

ist

�Auslandshilfe ist eine Investition in die Zukunft, aus der sowohl die
Empfänger als auch der Geber Nutzen ziehen können.

Dies ist besonders

evident im Fernen Osten sowie im Gebiet des Pazifik, wo die aus unserer
Auslandshilfeinvestition resultierenden Erfolge gewaltig sind.

Seit etwa

20 Jahren haben die ostasiatischen Länder eine größere Wachstumsrate er,zielen können als jede andere Region der Welt.

Sie haben diese bemer-

kenswerten Erfolge in erster Linie dadurch erreicht, daß sie sich auf die
Dynamik freier Marktsysteme stützten.

Als Resultat dieses raschen wirt-

schaftlichen Wachstums entfällt auf diese Region ein größerer Anteil unseres Außenhandels als auf irgendein anderes Gebiet der Welt. Da die früheren Hilfeempfänger in diesem Raum jetzt ein Entwicklungsstadium erreicht haben, in dem sie keine bilaterale Unterstützung mehr benötigen in einigen Fällen sind sie sogar selbst zu Geberländern geworden -, entfällt auf Länder im ostasiatischen und pazifischen Raum nunmehr nur ein
geringer Anteil unserer weltweiten Hilfsprogramme - und das trotz der
überaus wichtigen Bedeutung dieser Region für die Vereinigten Staaten.
Aber dennoch hat diese Region, obwohl das Bild im allgemeinen positiv
ist, dringende Wirtschafts- und Sicherheitsprobleme, denen wir uns stellen müssen. Die Auslandshilfeanforderung der Regierung für das Haushaltsjahr 1986 für Ostasien und den Pazifik, das auf diese Pobleme ausgerichtet ist, beläuft sich auf annähernd 818 Millionen Dollar. Die angeforderte Wirtschaftshilfe von 335 Millionen Dollar konzentriert sich
auf die drei größten Mitglieder des Zusammenschlusses Südostasiatischer
Länder (ASEAN) - die Philippinen, Indonesien und Thailand. Der größte
Teil der für die Militärhilfe angeforderten 483 Millionen Dollar ist dafür bestimmt, vor einer direkten militärischen Bedrohung Koreas und Thailands abzuschrecken und unsere engen militärischen Beziehungen zu den
Philippinen, einem Vertragsverbündeten, zu fördern. Ferner schlagen wir
kleinere Hilfsprogramme in anderen ASEAN-Ländern vor sowie in Burma, einem Land, das in zunehmendem Maße im Rahmen unserer Drogenbekämpfungsmaßnahmen wichtig wird -, und für die Inseln des Südpazifik. Ich möchte
jetzt einige unserer spezifischen Besorgnisse und Anliegen aufzeigen.
Die

Philippinen

�Die Philippinen haben schwierige Zeiten hinter sich, die sich nachteilig auf die Wirtschaft ausgewirkt haben.

Die Regierung hat korrigie-

rende Maßnahmen ergriffen und ein wirtschaftliches Stabilisierungsabkommen mit dem

WeltWährungsfonds

abgeschlossen.

Diese Maßnahmen

lassen

Zeichen des Fortschrittes erkennen.

Die Situation auf den Philippinen

wird ferner durch

militärischen

einen

wachsenden

Aufstand

der

Neuen

Volksarmee, des militärischen Arms der Kommunistischen Partei der Philippinen, erschwert, die sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Schwierigkeiten des Landes zunutze machen konnte.

Die Wiederbelebung de-

mokratischer Institutionen, die Schaffung eines langfristigen Wachstums
durch eine strukturelle Wirtschaftsreform, die Aufrechterhaltung unserer
so wichtigen Sicherheitsbeziehungen sowie der erfolgreiche Widerstand gegen eine kommunistische Machtübernahme auf den Philippinen - dies alles
ist eng miteinander verbunden.

Unser integriertes Wirtschafts- und Mili-

tärhilfeprogramm soll all diese Ziele fördern.

Wie die Philippinen, so ist auch Thailand ein Vertragsverbündeter der
Vereinigten Staaten.

Es ist ebenfalls ein Staat in der ersten Linie und

sieht sich ernsthaften Sicherheitsherausforderungen gegenüber, die durch
die von der Sowjetunion unterstützte vietnamesische Aggression im benachbarten Kamputschea verursacht werden.

Unsere Sicherheitshilfe für Thai-

land unterstützt die Bemühungen der Regierung um eine Verbesserung der
sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen in den vom Krieg heimgesuchten
Gebieten an der thailändisch-kambodschanischen Grenze, in die wegen der
anhaltenden

brutalen

Angriffe

Flüchtlingen eingeströmt ist.

seitens

Vietnams

eine

große

Zahl

von

Unsere Militärhilfe soll die Modernisie-

rung der thailändischen Verteidigungskräfte fördern, damit eine Abschrekkung vor einer weiteren Aggression Vietnams geschaffen wird.

Die spezifischen Anstrengungen der Philippinen und Thailands werden
durch die ASEAN-Mitgliedschaft dieser Länder verstärkt - ein Zusammenschluß, der die beste Hoffnung auf Frieden und Stabilität in Südostasien
bietet.

In Übereinstimmung mit unserer nachhaltigen Unterstützung von

ASEAN und in Anerkennung der Bedeutung unserer Beziehungen zu Indonesien
haben wir auch für dieses Land Wirtschafts- und Militärhilfe vorgeschla-

- 29

�Militärhilfe vorgeschlagen.

Trotz einer internationalen Rezession hat

Indonesien bei seinem Entwicklungsprogramme und bei der Fortführung einer
gesunden Wirtschaftspolitik weiterhin gute Fortschritte gemacht.

Unsere

Verkäufe von militärischen Gütern an Indonesien haben unsere gemeinsamen
strategischen Interessen in Südostasien gefördert.

Wir planen ferner die

Fortführung des technischen Hilfspogramms für das ASEAN-Gebiet.

In einem

weiteren ASEAN-Land, nämlich Malaysia, wo amerikanische Privatinvestitionen auch in Zukunft einen wesentlichen Katalysator des wirtschaftlichen
Wachstums und der Entwicklung darstellen werden, hat die Regierung Interesse an einer anhaltenden Verteidigungszusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten im Kontext mit dem bündnisfreien Status dieses Landes bekundet.
Malaysia hat bei internationalen Angelegenheiten eine konstruktive Rolle
gespielt und die ASEAN-Strategie, einen Abzug der vietnamesischen Streitkräfte aus Kampuschea zustande zu bringen, nachhaltig gefördert.

Wir

schlagen vor, unser bescheidenes Militärhilfeprogramm zur Unterstützung
dieser Anstren- gungen fortzusetzen.

Ein weiterer wichtiger Bündnispartner der Vereinigten Staaten ist die
Republik Korea.

Die Verhinderung einer Aggression Nordkoreas gegen Süd-

korea ist unerläßlich für Frieden und Stabilität in diesem Raum und wichtig für unsere eigene Sicherheit.

Bisher waren wir erfolgreich bei der

Abschreckung vor einer Aggression und der Verhinderung eines Wiederauflebens der Feindseligkeiten auf der koreanischen Halbinsel.

Um unsere Un-

terstützung des amerikanisch-koreanischen Bündnisses aufrechterhalten zu
können, schlagen wir eine Fortsetzung des FMS-Kreditprogramms (Verkauf
militärischer Güter im Ausland) vor, das der Republik Korea die Verbesserung der Kapazität ihrer Kampftruppen gestatten wird, von denen zahlreiche Verbände zusammen mit unseren Truppen entlang der entmilitarisierten Zone stationiert sind und die mit uns im Ernstfall unter einem gemeinsamen Kommando operieren würden.

Multilaterale Entwicklungsbanken

Bisher habe ich die überaus wichtige Rolle unterstrichen, die die bi-

- 30-

�die bilaterale Hilfe der Vereinigten Staaten bei der Förderung der Sicherheit und der Stabilität der Entwicklungswelt spielt.

Sie werden mir

sicher zustimmen, daß diese Aufgabe bei weitem zu groß isdt, als daß sie
ein Land allein bewältigen könnte.
auch nicht allein zu tun.

Glücklicherweise brauchen wir dies

Unsere Freunde und Verbündeten in der in-

dustrialisierten Welt setzen beachtliche Mittel für die Förderung des
Entwick- lungsprozesses ein, was wiederum Dividenden in Form der Ausweitung des Handels und der Stärkung demokratischer Institutionen abwirft.
Diese Mittel werden jedoch zu knapp, als daß man sie auf unwirksame Weise
einsetzen dürfte.

Ein koordinierter Ansatz zwischen den Geberländern war

schon immer wünschenswert.

Jetzt ist er von entscheidender Bedeutung.

Ein wesentliches Werkzeug, das einer solchen Zusammenarbeit zur Verfügung steht - und auch weiterhin zur Verfügung stehen wird -, ist die
Zusammenfassung eines Teils unserer Ressourcen durch die Multilateralen
Entwicklungsbanken (MDB).

Die Kreditgewährung durch diese Banken stellt

auch weiterhin eine bedeutsame und wachsende Quelle an Investitionskapital für die Entwicklungsländer dar.

Im Haushaltsjahr 1984 gewährten die

Multilateralen Entwicklungsbanken insgesamt 22 Milliarden Dollar an neuen
Anleihen.

Daß ein solches Kreditgewährungsprogramm mit einer amerikani-

schen Einlage von 1,3 Milliarden Dollar fortgeführt wurde, ist der Beweis
für die Vorteile der Heranziehung dieser Banken, um die Lasten der Hilfe
zu teilen.

Die Vereinigten Staaten ziehen direkten Nutzen aus den Bemü-

hungen dieser Banken um starke und anhaltende Fortschritte in den Entwicklungsländern, indem mehr amerikanische
verkauft werden.

Güter und

Dienstleistungen

Ja, ein beträchtlicher Teil des amerikanischen Handels-

defizits ist dem Rückgang der Käufe schuldengeplagter Entwicklungsländer
zuzuschreiben - einem Rückgang, der mit Hilfe einer angemessenen Entwicklungshilfe in sein Gegenteil verkehrt werden kann.

Während die Multilateralen Entwicklungsbanken eine wertvolle Quelle
der Entwicklungsfinanzierung darstellen, spielen sie eine genauso wichtige Rolle, wenn es darum geht, den Kreditaufnehmern gesunde marktorientierte Ratschläge hinsichtlich der jeweiligen Wirtschaftspolitik zu erteilen.

Ferner legen sie ihren Klienten eine finanzielle Disziplin in

- 31

�Disziplin in bezug auf deren Entwicklungsziele auf.

Auch stellen diese

Institutionen immer mehr Mittel für Projekte und Programme zur Verfügung,
die das private Unternehmertum in der Entwicklungswelt fördern sollen,
über viele Jahre hinweg hat die Tochterorganisation der Weltbank, die Internationale Finanzierungsgesellschaft

(IFC), sich auf die spezifischen

Bedürfnisse des Privatsektors konzentriert.
banken

Die regionalen Entwicklungs-

fangen jetzt an, dem Beispiel der Weltbank zu folgen.

Das ver-

stärkte Eintreten dieser Institutionen für das private Unternehmertum
wird sich vielleicht eines Tages als einer der wichtigsten Faktoren bei
der Unterstützung eines erfolgreichen Entwicklungsprozesses erweisen.

Wir sind davon überzeugt, daß die Multilateralen Entwicklungsbanken
bei der Förderung des weltweiten Wachstums und der Entwicklung sowie bei
der Stärkung des Beitrages des privaten Sektors zu diesem Prozeß eine
entscheidend wichtige Rolle spielen müssen.

Wir erwachten daher unsere

Beteiligung an diesen Banken als notwendige Ergänzung unserer bilateralen
Hilfepolitik.

In den vergangenen Jahren hat sich diese Administration in

engen Konsultationen mit dem Kongreß darum bemüht, die sich aus einer effektiven Unterstützung dieser Institution ergebenden Kosten zu reduzieren, während gleichzeitig eine führende Rolle der Vereinigten Staaten
beibehalten wurde.

Wir waren bei der Aushandlung eines Gesamtauffül-

lungsrahmens erfolgreich, der unserer Meinung nach den Erfordernissen der
Kreditnehmer angemessen ist, aber gleichzeitig unseren finanziellen Zwängen Rechnung trägt.

Die Wahrung einer amerikanischen Führungsrolle hängt

jedoch davon ab, daß wir unseren Verpflichtungen in amgemessener Weise
nachkommen.

Ich fordere daher den Kongreß auf, unsere Anforderungen für

das Haushaltsjahr 1986 in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar sowie unseren
Ergänzungsantrag für das Haushaltsjahr 1985 in Höhe von 237 Millionen
Dollar voll und ganz zu unterstützen.

Zusammenfassung
Zum Abschluß, Herr Vorsitzender, möchte ich das Grundsätzliche der
diesjährigen Haushaltsvorlage unterstreichen.

- 32-

Wir haben die Verantwor-

�die Verantwortung, an der Politik festzuhalten, die bisher gegriffen hat
oder zu greifen beginnt.

Schnellrezepte, die an der eigentlichen Sache

vorbeigehen, oder die Hoffnung auf diplomatische Wunder sind keine verantwortungsbewußten Optionen.

Wenn wir jedoch zusammenstehen, unsere

Grundsätze und unsere Freunde entschlossen, kalkulierbar und realistisch
verteidigen - und dies mit der Standfestigkeit, die diese Probleme erfordern -, dann können wir obsiegen.

Und genau diesem Ziel dient unsere An-

forderung für das Haushaltsjahr 1986.

* * * * *

- 33 -

�27. Februar 1985

SIEBEN ASTRONAUTEN AN BORD
- Neuer 3HAü_ENGER-Flug am 4. März 1985 -

- (AD) - Mit sieben Mann an Bord soll Challenger am 4. März 1985 zum
nächsten Raumtransporterflug starten.

Es ist das 16. Unternehmen im Rah-

men des amerikanischen "Space Shuttle"-Programms.

Während der vier Flug-

tage ist u.a. vorgesenen, einen kanadischen Fernmeldesatelliten sowie den
zweiten TDRS-Satelliten im All abzusetzen.

Der Start war ursprünglich

für den 20. Februar anberaumt, mußte jedoch wegen Reparaturarbeiten am
Hitzeschild auf das jetzige Datum verschoben werden.

Bei TDRS handelt es sich um einen zweieinviertel Tonnen schweren
Nachrichtensatelliten, der in einer erdsynchronen Bahn 35 890 km über dem
Äquator südwestlich von Hawaii stationiert werden wird.

Er dient zur

'Überwachung der Flugbahn anderer amerikanischer Satelliten sowie als besonders leistungsfähige Relaisstation zur Aufnahme und Weitergabe von Daten, die von bis zu 26 Forschungssatelliten ausgestrahlt werden.

Gleich-

zeitig können der Sprechfunkverkehr mit der Besatzung von Raumtransportern in der Erdumlaufbahn und die Flut von Meß- und Arbeitsdaten, die an

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�die an Bord eines Raumtransporters anfallen, über das TDRS-System bewältigt werden.

Schon zwei solcher Satelliten, entsprechend postiert, geben

der NASA (US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) die Möglichkeit, auf die
meisten der bisher bei bemannten Raumfahrtmissionen benutzten Bodenstationen zu verzichten.

Diese vermögen jeweils nur während eines Fünftels

der Zeit, die ein Orbiter in niedriger Umlaufbahn zu einer Erdumkreisung
benötigt, mit ihm Funkkontakt zu halten.

Mit TDRS würde die ständige

Verbindung auf mindestens t&gt;5 Prozent der Dauer eines Erdumlaufs erhöht,
erklärte Lome Robinson von der NASA.

Das erste TDRS-Gerät wurde im April 1983 gestartet.

Ein drittes soll

im November 1985 bei einem späteren Space Shuttle-Flug abgesetzt werden
und als Ersatz zur Verfügung stehen, wenn eines der beiden anderen ausfiele.

Ein TDRS-Nachrichtensatellit kostet ca. 100 Millionen Dollar und

verkörpert die neuesten Entwicklungen der Nachrichtentechnik und Elektronik.

Das TDRS-System wird von der NASA auf zehn Jahre gegen eine Jahres-

gebühr von 250 Millionen Dollar gemietet.

Eigentümer und Betreiber ist

das private Unternehmen SPACECOM (Space Communications Company).

Der bevorstehende CHALLENGER-Flug steht unter dem Kommando von Karol
Bobko, Kopilot ist Donald Williams.

Als Missionsspezialisten wurden Rhea

Seddon, Jeffrey Hoffman und David Griggs von der NASA ausgewählt, als
Nutzlastspezialisten der Franzose Patrick Baudry und Jake Garn, Senator
des US-Bundesstaates Utah.

Senator Garn, Oberst im Reserveoffizierskorps

der US-Luftstreitkräfte und Vorsitzender des für die NASA-Gelder zuständigen Senatsausschusses, ernielt im November 1984 eine Einladung der NASA
zur Teilnahme an einem Raumtransporterflug.

Er nimmt an medizinischen

Experimenten teil, die der weiteren Erforschung der Raumkrankheit gelten.
Zwar sind deren Symptome, die vor allem in den ersten Tagen eines Weltraumflugs bei etwa 40 Prozent der Astronauten auftreten, bestens bekannt,
aber nur teilweise ihre Ursachen.

Das Auftreten der Raumkrankheit ist

dazu angetan, das Arbeitsprogramm zu stören und den Fortgang einer Raumflugmission zu beeinträchtigen.

Patrick Baudry aus Frankreich beabsichtigt, eine Reihe von Experimen- 2 -

�von Experimenten zur Anpassung des menschlichen Organismus an die Schwerelosigkeit durchzuführen.

Dazu gehören u. a. die Messung der Geschwin-

digkeit und Menge des strömenden Blutes und die Ermittlung von Veränderungen dieser Daten in der Start- und Landephase.
mentierausrüstung

Kernstück der Experi-

ist ein Echograph, mit dem Ultraschallaufnahmen

vom

schlagenden Herzen und anderen Organen sowie von Blutgefä'üen und Volumenveränderungen beim strömenden Blut zeitgleich zum Vorgang gemacht werden
sollen.

Die dafür erforderlichen Apparaturen kommen aus Frankreich und

wurden an Bord der CHALLENGER installiert. Der Einfluü von Seheindrücken
auf den Gleichgewichtssinn bei Schwerelosigkeit soll erneut untersucht
werden.

Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, daü Seheindrücke zur

Raumkrankheit beitragen können, wie auch
Rolle dabei spielen.

- 3 -

Veränderungen im Innenohr eine

�27. Februar 1985

RAUMSTATION - PHASE 8
- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben -

- (AD) - Für vorbereitende Arbeiten zum Programm "Raumstation" der
Vereinigten Staaten hat die NASA (US-Behörde für Luft- und Raumfahrt) 230
Millionen Dollar aus ihrem Gesamtbudget von 7,9 Milliarden Dollar vorgesehen (Aufwendungen im Jahr 1985: 155,5 Millionen Dollar).

Wie NASA-Chef

James M. Beggs vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik des amerikanischen Repräsentantenhauses erklärte, seien in erster Linie Definition
der Raumstation und Voranalysen geplant. "Nach unseren gegenwärtigen Terminvorstellungen könnte im Jahr 1987 mit der Entwicklung der Hardware begonnen werden."

Diese Planung gebe internationalen Partnern die Möglich-

keit, so Beggs, im Gleichtakt mit der NASA an eigenen Beiträgen zur Raumstation zu arbeiten.

Nach der Bundesrepublik Deutschland haben inzwi-

schen weitere Mitgliedstaaten der Europäischen .Veitraumbehörde ESA ihre
Bereitschaft zur Teilnahme an der Definitions- und vorläufigen Entwurfsphase (Phase B) erklärt.

Ziel der NASA ist es, innerhalb eines Jahr-

zehnts eine ständig besetzte Raumstation im Orbit zu haben.

Diese Station

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Diese Station soll nach Umfang und Leistungskapazität so ausgelegt
sein, daß sie über mehrere Jahrzehnte in Betrieb gehalten werden kann.
In knapp 500 km Höhe wird sie auf einer um 28,5 Grad zur 'Äquatorebene geneigten Bahn um die Erde kreisen.

Zylinderförmige Druckmodule dienen als

Quartier, Labor- und Arbeitsräume für die Besatzung.

Diese besteht aus

sechs bis acht Spezialisten; jede Gruppe soll sich einige Monate in der
ständig besetzten Station aufhalten.

Die bemannte Weltraumbasis wird von

zwei oder mehr frei fliegenden unbemannten Plattformen begleitet.

JBle

sind Träger von Instrumenten und Ausrüstungen für Langzeitversuche sowie
für die Herstellung bestimmter Produkte und werden von der bemannten Station aus betreut.

Zumindest eine unbemannte Plattform soll in eine pola-

re oder polnahe Umlaufbahn gebracht werden.

Für deren Versorgung und Be-

treuung werden Raumtransporter zuständig sein.

Die Raumfähren haben eine Schlüsselrolle in dem gesamten Programm.
Sie befördern sämtliche Elemente für die Raumstation in den vorgesehenen
Orbit, damit sie dort zusammengebaut werden können.

Außerdem befördern

sie Astronauten, Versorgungsgüter, Ersatzteile, wissenschaftliches Material und Produkte, die im Weltraum erzeugt wurden.

Die Erfahrungen, die

im Laufe der Zeit gesammelt werden, bilden eine Grundlage für Veränderungen, aber auch für die Verwendung von Systemen zur Erweiterung der Raumstation.

Weisungszenträle in der praktischen Arbeit für das vor einem Jahr in
Angriff genommene Programm ist das Johnson-RaumfahrtZentrum in Houston
(Texas).

Im vergangenen Jahr wurden sieben Arbeitsgruppen gebildet, die

verfügbare Technologien nach ihrer Einsatzfähigkeit für das Projekt Raumstation sondieren und sich um die Weiterentwicklung
neuer Technologien kümmern.

vielversprechender

Vier NASA-Zentren sind in die Arbeiten für

Definition und vorläufigen Entwurf eingeschaltet.

Die Federführung für

das Gesamtprojekt liegt bei einer neugeschaffenen Abteilung der US-Behörde für Luft- und Raumfahrt in Washington.

Ausschreibungen für die Phase B (Definition vorläufiger Entwurf) sind
bereits ergangen.

Nach Abschluß der Prüfung der eingereichten Vorschläge
- 2 -

�eingereichten Vorschläge durch die NASA im Frühjahr 1985 werden die ersten Verträge über sog. Arbeitspakete (mit 18 Monaten Laufzeit) vergeben.
Erste VertragserteiLungen über Entwicklung und Bau von Hardware-Elementen
werden 1987 erwartet. Interessierte Firmen wurden aufgefordert, sich an
der Konfiguration "Power Tower" (Gerüststruktur von Moduleinheiten und
Kraftwerk) für Definitionsstudien zu orientieren.

Dies ist eine von meh-

reren Konzeptionen für den Bau einer bemannten Raumstation.

Jedoch wird

von vornherein angenommen, daß es im Verlauf der Studien zu wesentlichen
Änderungen kommen wird.

Der Beteiligung internationaler Partner wird große Bedeutung beigemessen.

Die Regierungen der interessierten Länder finanzieren eigene De-

finitions- und Entwurfsprogramme, die parallel zu den bei der NASA laufenden Programmen durchgeführt werden.

Eine internationale Beteiligung

könnte sich auf drei Ebenen vollziehen: 1) als Mitarbeit von Benutzern,
die Missionen definieren und die Raumstation für eigene Zwecke nutzen;
2) Mitarbeit bei Definitions- und Entwicklunysaufgaben sowie bei der Planung von Aktivitäten, die von einer Raumstation aus wahrgenommen werden
können; 3) aktive Mitwirkung beim Betrieb der Raumstation.

Eigene Pläne und Aktivitäten interessierter Länder zum Projekt Raumstation wurden erstmals im Herbst 1984 mit Vertretern der NASA im Rahmen
internationaler Expertengespräche

erörtert.

Bereits im Frühjahr

1984

hatte sich in den Vereinigten Staaten der wissenschaftliche Beraterausschuß für die NASA konstituiert, zu dessen Vorsitzenden Prof. Peter Banks
(Stanford-Universität) berufen wurde.

Die 22 Mitglieder dieses Komitees

sind Forscher, Universitätsprofessoren und Leiter wissenschaftlich-technischer Laboratorien, auch aus der Industrie.

Der Ausschuß soll die NASA

u. a. bei der Planung wissenschaftlicher Aufgaben für eine Raumstation sowie bei der Koordinierung schon bestehender Programme der Weltraumforschung mit speziellen, von einer Weltraumbasis aus durchzuführenden Projekten unterstützen.

Auch soll er Kontaktstelle für Wissenschaftler der

verschiedensten Fachrichtungen sein, welche Vorschläge zur Nutzung der
Raumstation unterbreiten wollen.

Die NASA berief außerdem ein Beraterko-

mitee für Automatisierung und Robotertechnik - für Technologien also, die
beim Betrieb der Raumstation wichtig sind.
Konkurrenz für den
- 3 -

�Konkurrenz für den Raumtransporter

Vor dem Ausschuß für Wissenschaft und Technik verwies NASA-Chef 3eggs
darauf, daß dem Raumtransporter als Trägergerät für Satelliten, die von
diesem in der Umlaufbahn abgesetzt werden, sowohl von dem europäischen
Konsortium ARIANESPACE als auch von der US-Luftwaffe Konkurrenz durch die
Verwendung von Verlustraketen erwachse.

ARIANESPACE habe sich in den

letzten 14 Monaten einen erheblichen Anteil am Markt für den Start kommerzieller Satelliten gesichert.

Die Europäische Weltraumbehörde ESA be-

absichtige nunmehr den Bau von ARIANE 5, einer Trägerrakete, mit der sehr
viel größere Nutzlasten oder auch ein bemanntes Raumschiff gestartet werden könnten.

Die US-Luftstreitkräfte planten den Aufbau einer Reserve an

(nicht wiederverwenbaren) Trägerraketen für den Start von Satelliten.
Das US-Amt für Meere und Atmosphäre (NOAA) habe sich dafür entschieden,
drei Wetterbeobachtungssatelliten mit TITAN 2-Raketen, die ebenfalls zu
den Verlustraketen zählen, starten zu lassen.

Solche Entwicklungen be-

deuten wachsende Konkurrenz für die wiederverwendbare Raumfähre.

* * * * *

- 4-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9556">
                <text>27.02.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9557">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9558">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13623">
                <text>Amerikadienst 27.02.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13624">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Beryl W. Sprinkel zum Nachfolger von Martin Feldstein ernannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten überprüfen Haltung zu SALT II-Abkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz Präsident Reagans -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz: Auslandshilfe ist Investition in die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Außenministers vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Repräsentantenhauses -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sieben Astronauten an Bord&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neuer CHALLENGER-Flug am 4. März 1985 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Raumstation - Phase B&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erste Kontrakte werden in Kürze vergeben -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2184" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2195">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/00877b47ac9bf31d311944b9f56853d7.pdf</src>
        <authentication>ecdc175e6595eb7af9a4aaef6c5d34c7</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11083">
                    <text>cimcrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

z uu

eou

°a ooes

SSO.'AJSO X j - , r , . . ,

"»««"«u, &lt;*%"£
27. Februar 1991

DEUTSCHAMERIKANISCHE
BEZIEHUNGEN

HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE DEUTSCHAMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN IN DEN
NEUNZIGER JAHREN
Ansprache des Gesandten George F. Ward

UMWELT

USA STREBEN GLOBALE REAKTION AUF
KLIMAVERÄNDERUNG AN
Rede des Unterabteilungsleiters im
Außenministerium Reinstein

GOLFKRIEG

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. Februar 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Telex: 8-85432

�DEUTSCH-AMERIKANISCHE

BEZIEHUNGEN
27. Februar 1991

HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE
DEUTSCH-AMERIKANISCHEN BEZIEHUNGEN
IN DEN NEUNZIGER JAHREN
Ansprache des Gesandten George F. Ward
STUTTGART - (AD) - In einer Rede bei der Amerikanischen Handelskammer in Stuttgart hat der Gesandte bei
der US-Botschaft in Bonn, George F. Ward, am 26. Februar 1991 betont, daß die NATO auch in Zukunft die
"Grundlage westlicher Sicherheit" bleibe. Jedoch müsse sich das Bündnis neuen politischen Aufgaben, etwa
dem Dialog mit den Ländern Osteuropas, zuwenden. Ward sprach sich darüber hinaus für die Bewahrung der
militärischen Komponente der NATO aus: "Wir müssen der Versuchung widerstehen, das Bündnis lediglich
aufrechtzuerhalten und es seiner militärischen Inhalte zu berauben."
In bezug auf den Krieg am Golf stellte der Gesandte fest, deutsche Einheit und Golf krise lie ßen sich auf vielfältige
Weise nicht voneinander trennen: "Mit dem zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa vergrößert sich
auch sein Gewicht in der Welt. Saddam Hussein hat die Weltordnung und die wirtschaftliche Stabilität herausgefordert: der Status der Bundesrepublik als führende politische und wirtschaftliche Macht erfordert zwingend
eine deutsche Rolle."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Gesandten im Wortlaut.

Stellen Sie sich einen Besucher von einem anderen
Planeten vor, der in den letzten vier Monaten dreimal
in Deutschland und in den Vereinigten Staaten war sagen wir, Anfang Oktober 1990, Mitte Januar 1991
und letzte Woche. Bei der ersten Gelegenheit wurde
er Zeuge, wie Deutschland seine wiedergewonnene
Einheit feierte und den Vereinigten Staaten Dank für
ihre Unterstützung bei dieser Leistung zollte. Die
Amerikaner teilten diese Freude. Bei seinem zweiten
Besuch waren die Amerikaner bereits mit dem Golfkrieg beschäftigt, und manche Kritiker in den Vereinigten Staaten warfen Deutschland vor, daß es keine
direktere Rolle unter den Alliierten spiele. Deutschland
hingegen war im Hinblick auf seine eigene Rolle in dem
Konflikt in zwei Lager gespalten. In Rundfunk und
Fernsehen war manchmal recht harte Kritik an den
Vereinigten Staaten zu vernehmen. Beim dritten Mal
war Amerika immer noch mit dem Krieg beschäftigt,
aber dankbar für den deutschen finanziellen Beitrag.
In den Vereinigten Staaten kritisierten Stimmen in den
Medien jedoch nach wie vor das mangelnde direkte
Engagement der Deutschen in dem Konflikt. In Deutsch-

AMERIKA DIENST 8

land war zu beobachten, daß eine überwiegende
Mehrheit der Bevölkerung die alliierten Operationen
am Golf unterstützte und viele Bürger den Familien
amerikanischer Soldaten halfen. Aber eine große
Mehrheit der Deutschen war immer noch gegen eine
Beteiligung der Bundesrepublik.
Was war geschehen? Wie konnte die noch im Oktober
vorherrschende positive Einstellung in die Debatte und
Gewissenserforschung münden, wie sie im Januar zu
beobachten waren? Wo ist das Selbstbewußtsein der
Deutschen geblieben? Was hat den Meinungsumschwung bewirkt? Was hat dazu geführt, daß Vertrauen und Zuneigung für Amerika geschwunden und dann
so stark wiederaufgeflammt sind?
Ich möchte nicht den Versuch unternehmen, die
Mentalität der Deutschen zu erforschen. Als Ausländer kann ich das nicht, und als Diplomat ist es nicht
meine Aufgabe. Mein Anliegen sind die amerikanischdeutschen Beziehungen und ihre herausragende
Bedeutung für amerikanische Interessen. Ich bin

Seite 1

�besorgt, daß die öffentliche Meinung zu beiden Seiten
des Atlantiks so flatterhaft ist. Und hier verwechsele
ich nicht etwa unreflektierte emotionale Äußerungen
mit sachlich begründeten Meinungen.
Seit August letzten Jahres war der Lauf der Geschichte für Politiker und für den Normalbürger zu schnell.
Wir hatten kaum das Ende des kalten Kriegs gefeiert,
als wir mit der ersten neuen Krise konfrontiert wurden.
Gleichzeitig wurde uns schmerzhaft bewußt, daß
Entwicklungen in Osteuropa und der Sowjetunion immer
noch die regionale Sicherheit bedrohen konnten. Wir
sind in den letzten sechs Monaten auf einer politischen
Achterbahn gefahren. Jubelausbrüche und Schocks
begünstigen kein klares Denken. Aber die Erfahrung
hat uns zumindest die Möglichkeiten und Risiken vor
Augen geführt, denen unsere bilateralen Beziehungen
in den neunziger Jahren ausgesetzt sein werden.
Daraus können wir lernen. Eine der wichtigsten Lektionen daraus lautet, daß die für unsere beiden Länder
so wichtige deutsch-amerikanische Partnerschaft nicht
selbstverständlich ist. Diese Partnerschaft ist bedroht,
wenn wir bei den wichtigsten anstehenden Problemen
keine gemeinsamen Ansätze finden.
Heute möchte ich auf drei dieser Probleme eingehen.
Alle drei sind politisch umstritten und beinhalten schwierige Entscheidungen.
Erstens, wie sollte der Westen sich selbst organisieren, damit er seine sicherheitspolitischen
Verpflichtungen in Europa und darüber hinaus
erfüllen kann?
Zweitens, wie sollen wir unsere gemeinsame
Pflicht erfüllen und die Weiterverbreitung von
Technologien verhindern, mit denen Massenvernichtungswaffen hergestellt werden können?
Drittens, wie sollten wir die Welthandelsordnung aufrechterhalten und verbessern?
Es entspricht meiner Interessenlage und meiner beruflichen Richtung, insbesondere den ersten Bereich
abzudecken. Vielleicht können wir den Dialog zu den
beiden anderen bei unserer anschließenden Diskussion vertiefen.
Sicherheitspartnerschaft
Die NATO bleibt Grundlage westlicher Sicherheit. Es
ist nicht übertrieben, dieses Bündnis als erfolgreichstes in der Geschichte zu bezeichnen. Den Deutschen
muß die Bedeutung der NATO nicht erst wieder vor
Augen geführt werden: die Geschlossenheit des
Bündnisses hat vierzig Jahre lang dazu beigetragen,
daß die Vereinigung beider deutscher Staaten möglich
wurde, und deshalb bestand dieses Land darauf, seine
Vollmitgliedschaft zu behalten. Das naive Gerede von
der "Auflösung beider Blöcke" stellt eine unzulässige
Verbindung zwischen der NATO und dem diskreditierten zerfallenden Warschauer Pakt dar.

Seite 2

Mettemich hat jedoch einmal gesagt, Stabilität sei
keine mangelnde Mobilität. Die Welt hat sich seit 1989
viele Male gedreht, es hat sich viel verändert, auch die
von der NATO zu meisternden Aufgaben. Präsident
Bush hat betont, daß unser Bündnis stärker als jemals
zuvor seine politische Rolle in den Vordergrund stellen
muß.
Zu den neuen politischen Aufgaben der NATO zählt
der Dialog mit den Ländern Osteuropas. Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei erkennen die Einzigartigkeit der NATO vielleicht besser als manche im
Westen: aus eigener Erfahrung kennen sie den Unterschied zwischen einem demokratischen und einem
undemokratischen Bündnis. Sie vertrauen darauf,
daß wir Stabilität und Sicherheit garantieren.
Darüber hinaus genießt unser Bündnis auch in Moskau Glaubwürdigkeit, die wir uns zunutze machen
müssen, um unsere Sicherheit zu gewährleisten. Die
sowjetischen Spitzenpolitiker haben gelernt, daß sie
es bei allen sicherheitspolitischen Fragen mit einem
einigen Westen zu tun haben und die Verhandlungspositionen der NATO ernst nehmen müssen. Indem wir
mit einer Stimme sprechen, können wir sowjetische
Fehleinschätzungen verhindern und vernünftige, realistische Reaktionen fördern. Bei allen Fragen, einschließlich konventioneller Rüstungskontrolle, muß die
NATO in ihrer Haltung weiterhin Geschlossenheit
demonstrieren.
Gleichzeitig ist die NATO nach wie vor auch ein
militärisches Bündnis. Dies ist immer noch die beste
Versicherung für die Sicherheit des Westens. Ganz
sicher ist die klassische Bedrohung gewichen. Nur
wenige vertreten noch die Ansicht, die Sowjetunion
setze auf Expansion und Totalitarismus. Dennoch
bleibt die Lage in diesem großen Land unsicher und
potentiell gefährlich. Verteidigungsminister Cheney
hat kürzlich dazu erklärt, die Instabilität in der Sowjetunion stelle eine ebenso große Bedrohung für die
Nachbarstaaten dar wie eine offene Aggression. Wir
müssen der Versuchung widerstehen, das Bündnis
lediglich aufrechtzuerhalten und es seiner militärischen
Inhalte zu berauben.
Dennoch werden sich auch die militärischen Konturen
unseres Bündnisses unweigerlich verändern - auch
der Umfang des amerikanischen militärischen Beitrags. US-Regierungsvertreter wissen, daß sie die
Truppenstärken erheblich verringern müssen. Im Herbst
vergangenen Jahres hat meine Regierung allein in
Deutschland die Schließung von über 100 militärischen Einrichtungen beschlossen. Unser gegenwärtiges Ziel ist ein Personalabbau um etwa 60 000 Mann.
Viele Kongreßabgeordnete fordern noch drastischere
Kürzungen. Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß jegliche Kürzungen nicht die Fähigkeit der
NATO beeinträchtigen, ihre Aufgabe der Abschrekkung und Verteidigung zu erfüllen.

AMERIKA DIENST 8

�Eine verminderte Bedrohung und eine reduzierte Präsenz
von US-Truppen unterstreichen die Notwendigkeit für
neue Verteidigungskonzepte. Beim Londoner Gipfel
im Juli wurden die Leitlinien erarbeitet, und Experten
auf allen Ebenen erörtern die Optionen.

Eine gleichmäßige Lastenverteilung muß zwangsläufig zu einer gemeinsamen Entscheidungsfindung führen. Dies würde vielleicht größeres Verständnis für
Bündnisideen und -initiativen unter den Europäern
hervorrufen.

Eins ist klar: eine gro ßangelegte Vorneverteidigung ist
glücklicherweise nicht mehr entscheidend. Wir können mehr mit geringerem Einsatz tun: zum Beispiel mit
kleineren, mobilen Einheiten, die permanent in Europa
stationiert sind, aber je nach Bedarf verstärkt werden
können.

Die Entwicklung eines neuen institutionellen Rahmens
für die europäische Sicherheit bietet femer sowohl
eine Chance als auch eine Herausforderung. Meinungsverschiedenheiten über einige Aspekte des
Golfkriegs haben neue Schritte in Richtung auf eine
europäische politische und militärische Union nicht
verhindern können. Wir begrü ßen die Harmonisierung
der europäischen Sicherheitspolitik, wenn das Endziel
die Stärkung der gesamten westlichen Zusammenarbeit ist. Seit Jahrzehnten haben gerade die Vereinigten Staaten die Auffassung vertreten, daß eine einzige
europäische Stimme dem transatlantischen Dialog
mehr Klarheit verleihen würde. Natürlich hoffen wir,
daß jede sich entwickelnde europäische Sicherheitsstruktur auch die materiellen Verteidigungslasten erleichtern wird.

Darüber hinaus verändert sich die nukleare Komponente der NATO. Die längere Vorwarnzeit vor einem
möglichen Angriff hat unsere Abhängigkeit von solchen Waffen vermindert. Eine große Bandbreite von
landgestützten Systemen für den Kriegsschauplatz ist
nicht mehr erforderlich. Atomwaffen werden mehr und
mehr zum "letzten Mittel". Aber ihre Präsenz ist
insbesondere in Deutschland nach wie vor erforderlich.
Die NATO verändert nicht ihren sicherheitspolitischen
Kurs aufgrund von Meinungsumfragen. Nichts könnte
unseren Ansatz anschaulicher belegen als die bekannte Episode mit Konrad Adenauer. Als man ihm
verheerende Meinungsumfragen zu einem Thema
vorlegte, das er für wichtig hielt, fragte der Kanzler
seine Berater: "Wie können wir diese Einstellungen
verändern?"
Präsident Havel hat kürzlich erklärt, die NATO sei das
einzige demokratische Bündnis in Europa. Wir haben
die öffentliche Meinung immer berücksichtigt: eine
effektive Strategie erfordert eine solide innenpolitische
Grundlage. Politische Bestätigung ist eine komplizierte Möglichkeit, um eine einfache Wahrheit auszudrükken: wir dürfen keine übermäßigen oder ungerechten
Opfer von den Bürgern der Mitgliedstaaten fordern.
Glücklicherweise können multinationale und mobile
Einheiten und luftgestützte Nuklearsysteme dazu beitragen, eine militärisch glaubwürdige und politisch
dauerhafte Strategie zu gewährleisten.
Eine effektive und dauerhafte Strategie erfordert etwasanderes: eine faire Verteilung der Lasten. Dieses
Thema ist so alt wie die NATO selbst; es ist eines der
wenigen Probleme, die wir niemals erfolgreich lösen
konnten. Heute wird es noch komplizierter. Das
Engagement der Amerikaner für die NATO war mit
hohen Kosten verbunden. Einigen Berechnungen
zufolge wird die Hälfte der US-Verteidigungsausgaben
für Bündniszwecke aufgewendet. Natürlich liegt es im
Interesse der Vereinigten Staaten, die Verteidigung
des Westens aufrechtzuerhalten. Trotzdem betrachten viele Amerikaner die von ihnen getragenen Lasten
seit langem als übermäßig hoch - einige bezeichnen
sie heute sogar als unnötig. Wenn die NATO für
Europa so lebenswichtig ist, so meinen sie, müssen
die Europäer einen größeren Teil der Kosten tragen.

AMERIKA DIENST 8

Zahlreiche Pläne für die künftige Sicherheitsarchitektur Europas liegen auf dem Tisch. Ihnen allen sind vier
Strukturen gemeinsam: NATO, EG, WEU und KSZE.
Als einzige transatlantische Sicherheitsorganisation
erfüllt die NATO eine unerläßliche Funktion. Die EG
könnte eine ergänzende Rolle spielen, indem sie die
europäische Zusammenarbeit außerhalb Europas in
Bereichen wie Entwicklungshilfe und politische Unterstützung verstärkt. Diese Bereiche sind ebenso Teil
einer modernen Sicherheitspolitik wie Waffen und
Armeen. Die WEU ist eine europäische Institution mit
einer historischen und formellen Verbindung zur NATO.
Sie ist deshalb gut geeignet, als Brücke zur Verknüpfung der innereuropäischen mit den transatlantischen
Strukturen zu dienen - jedoch nicht als Zugbrücke, die
nur mit einer Seite verbunden ist. Die KSZE verbindet
die aufstrebenden Demokratien Osteuropas mit der
westlichen Staatengemeinschaft: sie kann eine wertvolle Rolle spielen, indem sie die Wahrung der politischen Freiheiten und die Schlichtung von Streitfällen
gewährleistet.
Am Beginn der neunziger Jahre muß ein weiterer
Punkt klargestellt werden. Die NATO war niemals ein
Bündnis gegen die UdSSR, sie war stets ein Bündnis
für den Westen. Ja - sie entstand während des kalten
Krieges. Aber aus guten Gründen erwähnt der Nordatlantikvertrag weder die Sowjetunion, noch ist er
befristet. Denn der Hauptzweck der NATO besteht seit
jeher in der Sicherung der Stabilität innerhalb des
Vertragsgebietes. Heute können Bedrohungen dieser
Stabilität aus vielen Richtungen kommen. Wie immer
sind Solidarität und Klarheit die beste Versicherung
gegen Fehleinschätzungen in allen möglichen Lagern.
Wir suchen keinen neuen Feind, wir erfüllen eine uns
vertraute Mission mit den gleichen Instrumenten -

Seite 3

�Bereitschaft zum Dialog und einem glaubwürdigen
militärischen Abschreckungspotential.
Zu all diesen Fragen benötigt die NATO einen neuen
Konsens. Wir können nicht zusammenarbeiten, wenn
sich einige Mitglieder an alten Formeln festklammern,
während andere vorgeben, unsere Mission sei erfüllt.
Kein Land ist für die künftige Organisation der westlichen Sicherheit wichtiger als das vereinigte Deutschland. Deutschland ist ein einflußreiches Mitglied der
NATO und der erwähnten anderen Institutionen. Sie
können ohne aktives deutsches Engagement und den
kontinuierlichen Wunsch der Deutschen, mit den Verbündeten Schritt zu halten, nicht gedeihen. Sicherlich
steht dieses Land gegenwärtig vor schweren innenpolitischen Problemen. Aber Deutschland sollte nicht
glauben, die schwierigen Aufgaben der europäischen
Sicherheit seien bereits gelöst. Die sowjetischen
Streitkräfte in den neuen Bundesländern sind lediglich
die sichtbarste Erinnerung an Deutschlands Interesse
an der europäischen Stabilität: langfristig hat kein
Land von einem stabilen, sicheren Europa mehr zu
gewinnen als Deutschland. Ein glaubwürdiger westlicher Sicherheitsrahmen mit politischen und militärischen Grundlagen sowie einer starken europäischen
Komponente dient den deutschen Interessen.
Sicherheitspartnerschaft: Der Golf
Das heutige Europa ist ein Monument des Erfolgs
gemeinsamer Anstrengungen im Sicherheitsbereich.
Es bietet viele Lehren für die Politik andernorts. Wir
müssen diese Lehren prüfen. Denn das Ende des
kalten Krieges bedeutet nicht das Verschwinden militärischer Bedrohungen. Hierfür ist der Golfkrieg ein
anschauliches Beispiel, denn er ist - unglücklicherweise - die erste Krise nach dem kalten Krieg und nicht
notwendigerweise die letzte.Zumindest besitzen wir
heute neue Möglichkeiten, um zur Entschärfung und
Bekämpfung solcher Bedrohungen beizutragen.
Mit der unverzüglichen Entsendung amerikanischer
Truppen nach Saudi-Arabien unternahm Präsident
Bush den ersten, lebenswichtigen Schritt zur Bekämpfung der irakischen Aggression. Die Vereinigten Staaten konnten und können jedoch nicht allein die Wahrung des Völkerrechts wiederherstellen und die Golf region stabilisieren. Insbesondere in Zeiten von Haushaltsengpässen und einer offensichtlichen Konjunkturabschwächung in den Vereinigten Staaten ließe sich
eine einseitige US-Aktion am Golf oder andernorts
innenpolitisch nur sehr schwer durchhalten. Die
Amerikaner wollten deshalb, daß ihre Bemühungen im
Rahmen einer kollektiven Reaktion zum Tragen kamen.
Die internationale Solidarität gegen die Aggression
Saddam Husseins war deshalb unerläßlich, und dies
gilt auch weiterhin. Die Vereinigten Staaten wünschten und erhielten nahezu einhellige Unterstützung für

Seite 4

die Kampagne zur Isolierung Saddam Husseins und
zur Vertreibung seiner Streitkräfte aus Kuwait. Die aus
28 Ländern bestehende Streitmacht, die diese Aufgabe ausführt, sowie auch andere Staaten haben die von
den Vereinigten Staaten getragene Last erleichtert.
Diese internationale Solidarität spiegelte sich vor allem
in den Vereinten Nationen wieder. Dieses Weltgremium und seine Unterorganisationen haben seit langem eine unerläßliche Rolle bei der Bewältigung von
Krankheiten, Hunger, Armut, Unwissenheit und dem
Flüchtlingsproblem gespielt. In der Irak-Krise beweist
es heute die Fähigkeit, ernsthafte Schritte im Sicherheitsbereich zu unternehmen.Saddam Husseins Aggression erwies sich als solch schwerwiegende Bedrohung grundlegender völkerrechtlicher Prinzipien, daß
der Sicherheitsrat mit beispielhafter Entschlossenheit
handelte. Die UN-Sanktionen und die Befugnis zu
deren militärischer Durchsetzung waren historisch
einmalige Schritte. Die Resolution 678 des Sicherheitsrats vom November 1990 war eine vitale und
dramatische Bekräftigung, daß die internationale Staatengemeinschaft handeln wird, um dem Völkerrecht
Geltung zu verschaffen.
Und doch liefern UNO-Beschlüsse nur einen Rahmen
für internationales Vorgehen. Sie sind kein Ersatz für
konkrete Maßnahmen und können dies auch nicht
sein. Hätten wir allein auf die Resolutionen als Instrument der Politik gesetzt, so würde Saddam Hussein
heute vielleicht Paraden in Riad abhalten. Statt dessen versteckt er sich in Bagdad und lernt eine redlich
verdiente Lektion über den Preis von Aggression.
Die Staaten des westlichen Bündnisses haben die
Verantwortung für die Verwirklichung der UN-Resolutionen geteilt. Sie verfügen über die Mittel und Mechanismen für regelmäßige Konsultationen und Koordinierung. Niemand hat vorgeschlagen, das Mandat der
NATO zu erweitern. Offenkundig ist das Einsatzgebiet
der NATO der Nordatlantik. Trotzdem verbietet der
Vertrag aus dem Jahr 1949 keine Konsultationen über
Fragen außerhalb dieses Gebiets, insbesondere wenn
solche Bemühungen dem der NATO zugrundeliegenden Ziel der kollektiven Sicherheit dienen. Zumindest
müssen wir zusammenarbeiten, um verlegte Einheiten
zu ersetzen und die Südflanke zu stärken. Ein NATOPartner befindet sich schließlich unmittelbar am Rand
der Krisenregion.
Zweifelsohne findet dieser Krieg an einem Wendepunkt der deutschen Geschichte statt. Auf vielerlei
Weise lassen sich die deutsche Einheit und die Golfkrise nicht vollständig voneinander trennen: mit dem
zunehmenden Gewicht Deutschlands in Europa vergrößert sich auch sein Gewicht in der Welt. Saddam
Hussein hat die Weltordnung und die wirtschaftliche
Stabilität herausgefordert: der Status der Bundesrepublik als führende politische und wirtschaftliche Macht
erfordert zwingend eine deutsche Rolle.

AMERIKA DIENST 8

�Dieser Krieg paßte nicht in die von vielen Deutschen
gehegte Vision der Zukunft. Nach nahezu einem
halben Jahrhundert des Friedens betrachteten sie den
Krieg ernsthaft als überholt und unmoralisch. Sie
reagierten reflexiv und verurteilten die amerikanische
Politik und häufig die amerikanische Gesellschaft.
Zunächst dominierten sie die öffentliche Diskussion
und sogar die Abendnachrichten.
Die Mehrheit der Deutschen, obwohl traurig und besorgt über den Krieg, reagierte jedoch anders. Sie war
sich der Tatsache bewußt, daß es nicht ausreicht, den
Krieg abzulehnen und für den Frieden einzutreten,
ebenso wie es nicht ausreicht, Verbrechen zu verurteilen und die Justiz zu unterstützen. Gute Absichten und
selbst kluge Diplomatie werden nicht immer die Oberhand behalten. Diejenigen, die dies glauben, würden
Deutschland von den Realitäten der Weltpolitik isolieren - und von seinen Verbündeten. Sie würden Deutschland "selbstsingularisieren" - dies muß sicherlich vermieden werden.
Wir haben Verständnis dafür, daß die Deutschen ihre
Geschichte und ihr Grundgesetz als Hinderungsgrund
für ein aktives Engagement im Golfkonflikt sehen. Wir
messen der deutschen Wirtschaftshilfe für die betroffenen Länder in der Region und Ihrer Unterstützung
der alliierten Bestrebungen großen Wert bei. Angesichts all der Rechnungen auf Bundeskanzler Kohls
Schreibtisch war es keine leichte Entscheidung, rund
17 Milliarden D-Mark für die Operationen in der Wüste
bereitzustellen. Die deutschen politischen und militärischen Behörden haben alles getan, um die Verlegung
amerikanischer Streitkräfte an den Golf zu erleichtern.
Und als Akt der Solidarität wurden deutsche Luftwaffen- und Luftabwehreinheiten in die Türkei entsandt.
Die Operationen der Koalitionsstreitmacht am Golf
werden Erfolg haben. Aber wie sollte der Westen auf
andere potentielle Krisen dieser Art reagieren, damit
sie nicht auch zu einer Krise für unser Bündnis werden?
Es ist zu früh, die Gestaltung des Nahen Ostens in der
Nachkriegszeit mit absoluter Sicherheit vorherzusagen. In jedem Fall können wir nur das Ergebnis
beeinflussen - die Länder in der Region müssen die
Hauptverantwortung übernehmen. Alle interessierten
Parteien müssen jedoch den Aufbau stabiler Strukturen zum Ziel haben, die ein Bollwerk gegen Aggression
bilden. Dabei werden wirtschaftliche Entwicklungshilfe, diplomatisches Engagement und militärische Rückversicherung entscheidende Elemente sein. Kein
Faktor allein kann das Wunder des Friedens bewirken,
und dennoch darf keiner unberücksichtigt bleiben. Die
jüngsten Ereignisse in Europa könnten uns größeres
Vertrauen als je zuvor in die Macht wirtschaftlicher und
politischer Instrumente geben. Dennoch sollten wir uns
vor Augen führen, daß in Europa Handel und Verhandlungen genau deshalb funktioniert haben, weil das
militärische Gleichgewicht eine gewisse Stabilität

AMERIKA DIENST 8

gewährleistete. Unser Ausgangspunkt in dem von
Konflikten erschütterten Nahen Osten ist bedauerlicherweise ein völlig anderer. Es gibt keine Patentrezepte.
Wir begrüßen eine deutsche Beteiligung an allen
westlichen Bestrebungen zur Stabilisierung von Krisenherden. Jeder ist sich der Zwänge bewußt, die
Deutschland im Lauf der Geschichte hinnehmen mußte.
Darüber hinaus kann eine Politik offenkundig nicht
funktionieren, wenn die Mehrheit der Bevölkerung
glaubt, sie stelle einen Bruch ihrer Verfassung dar. Nur
die Deutschen selbst können den Weg bestimmen, mit
dem die Geschichte und das Grundgesetz die Politik
ihres Landes beeinflussen muß. Die Verbündeten und
Nachbarländer würden dennoch eine etwas umfassendere Rolle Deutschlands bei der Bewahrung von
Stabilität in bündnisfremden Gebieten begrüßen. Als
souveräner und ganz und gar demokratischer Staat
sollte sich Deutschland in Zukunft nicht daran hindern
lassen, zu den multilateralen Bestrebungen zum Widerstand gegen offenkundige Aggression beizutragen.
Nichtweiterverbreitung
Während der derzeitigen Golfkrise ist ein unvorstellbar
komplexes und kontroverses Thema wiederaufgetaucht.
Der Irak hat ballistische Raketen eingesetzt und könnte auf chemische Waffen zurückgreifen - eines seiner
Ziele ist Israel. Die Technologie und ein Großteil des
Materials wurde von den westlichen Industrienationen
geliefert.
Es ist schwer, sich ein kontroverseres Problem für die
internationale Staatengemeinschaft und insbesondere den Westen vorzustellen. Transfer von Technologie
für Massenvernichtungswaffen ist kein gewöhnliches
Verbrechen, ganz zu schweigen von einer normalen
Form des Handels. Wie die derzeitige Krise beweist,
können selbst kleinste Versäumnisse enorme Beschuldigungen bewirken.
Eine internationale Reaktion ist unabdingbar. Sollten
sich die Erfahrungen der Vergangenheit bewahrheiten, werden internationale Konventionen sehr langsam hervorgebracht. In der Zwischenzeit dürfen wir
nicht die Hände in den Schoß legen. Das Problem ist
zu gravierend. Jedes Industrieland muß seine Gesetze überprüfen und sie verschärfen. Deutschland
hat diesen Prozeß mit der Formulierung neuer Exportgesetze in die Wege geleitet.
Bestimmungen allein werden sich jedoch nicht als
entscheidend erweisen. Die Einstellung gegenüber
ihrer Durchsetzung ist wichtig: diese Art von Handel
erfordert, daß wir alle im Einklang mit demokratischen
Prinzipien alles in unserer Macht Stehende tun, um
strikte Regeln wasserdicht zu machen.
Auch das Verhalten der Geschäftsleute selbst ist entscheidend. Es sind nicht mehr nur Diplomaten und
Seite 5

�Politiker, deren Handlungsweise die Politik - und das
Ansehen - eines Landes bestimmt. Kurzfristiger Profit
kann langfristige Kosten weit über den finanziellen
Bereich hinaus mit sich bringen. Selbst die große
Mehrheit der Geschäftsleute, die sich wortgetreu an
die Exportgesetze halten, kann durch die Selbstkontrolle des Privatsektors viel gewinnen.
Handel
Als die beiden größten Exporteure der Welt haben
Deutschland und Amerika ein gemeinsames Interesse
an der Erhaltung des internationalen Freihandelssystems. Denn jedes Land, auch in der dritten Welt,
profitiert von freierem Handel. Aus diesem Grund
müssen wir zusammenarbeiten, um den Erfolg der
Uruguay-Runde sicherzustellen. Wenn sie scheitert,
wird es keine Regeln für den Handel mit Waren und
Dienstleistungen im Wert von über 1,3 Billionen Dollar
geben. Produktionsverluste in Milliardenhöhe werden
die Folge sein, wenn die Länder wieder auf Protektionismus und regionale Handelsblöcke zurückgreifen.
Die Zeit läuft. Einige Interessengruppen in allen Ländern der Welt einschließlich der Vereinigten Staaten
hoffen tatsächlich auf ein Scheitern der Genfer Verhandlungen. Ihr Ziel ist, protektionistische Gesetze
voranzutreiben, um ihre eigenen Profite auf Kosten
des Gemeinwohls aufzustocken.
Der Zustand unserer eigenen Gesetzgebung unterstreicht die Notwendigkeit für einen Erfolg des GATT.
Der Kongreß hat eine Frist für die Befugnis des Präsidenten gesetzt, ein einfaches Ja oder Nein für eine
endgültige GATT-Vereinbarung einzuholen. Wenn
der Kongreß das Handelsabkommen nicht im sogenannten "Schnellverfahren" erörtert, könnte die Vereinbarung mit Zusatzartikeln belastet und und fast
gekippt werden.
Die Administration kann eine Verlängerung dieses
Schnellverfahrens beantragen. Sie muß jedoch auf
Fortschritte bei dem entscheidenden Thema in Genf
verweisen können: Landwirtschaft.Zusammen mit
zahlreichen Entwicklungsländern hofft die Caims-Gruppe
inbrünstig, daß die EG in diesem Bereich Flexibilität an
den Tag legt. Die Ziele sind eindeutig: größerer
Zugang zu europäischen Märkten für ausländische
Agrarprodukte, Abbau der EG-Exportsubventionen und
Lockerung internationaler Subventionen durch die EG

- vor allem die Preisstützung der Agrarpolitik der
Europäischen Gemeinschaften.
Wir hoffen auf eine stärkere Führungsrolle Deutschlands, seine europäischen Nachbarländer davon zu
überzeugen, daß viele EG-Handelspraktiken der internationalen Stabilität schlicht und einfach nicht dienlich
sind. Ein Abbau der Spannungen zwischen den Entwicklungs- und Industrieländern allein rechtfertigt eine
Änderung der EG-Politik. Letztlich dient ein solides
Freihandelsabkommen auch den deutschen Interessen.
Die deutsche und die amerikanische Industrie können
eine wertvolle Rolle dabei spielen, die Politiker zu einer
Veränderung der veralteten Agrarpolitik zu drängen.
Die Unternehmer wissen aus Erfahrung, daß Protektionismus keinen Gewinn bringt - gleichgültig in welcher Form und unabhängig vom Einf lu ß der politischen
Lobby.
Diplomaten, Politiker und die Industrie müssen jetzt
zur Rettung des GATT schreiten. Ist uns einmal Erfolg
beschieden, müssen wir diesen Erfolg in konzertierte,
langfristige Bestrebungen zur weiteren Liberalisierung
des Handels umsetzen. Nur auf diese Weise können
wir die beachtliche Erweiterung des durch multilaterale
Handelsgespräche in den vergangenen 50 Jahren
hervorgebrachten weltweiten Wohlstands aufrechterhalten. Bei den Verhandlungen in Genf, die heute
wiederaufgenommen werden, haben unsere beiden
Länder die Gelegenheit, einen wichtigen Beitrag in
diesem Sinne zu leisten.
Schlußbemerkung
Wir hoffen, die Achterbahnfahrt der letzten sechs
Monate ist beendet. Die deutsch-amerikanischen
Beziehungen müssen sich erneut auf einer ebenen,
kontinuierlichen Bahn bewegen und in einem Tempo
entwickeln, das uns allen behagt. Vor allem müssen
wir offen miteinander umgehen und Meinungsverschiedenheiten ausräumen, bevor sie zu politischen
Unstimmigkeiten werden. Dies erfordert ein Höchstmaß an Konsultation und Koordinierung sowie die
Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Wir haben den
Erfolg dieses Rezepts in der Vergangenheit häufig
beobachten können und sind zuversichtlich, daß die
neunziger Jahre weitere Erfolge zeitigen werden.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 8

�U MWELT
27. Februar 1991

USA STREBEN GLOBALE REAKTION AUF
KLIMAVERÄNDERUNG AN
Rede des Unterabteilungsleiters Im Außenministerium Reinstein
WASHINGTON - (AD) - Ein effektives Rahmenabkommen zur Kontrolle von Gasemissionen, die zur Erderwärmung führen, wird dem Unterabteilungsleiter im US-Außenministerium für Umwelt, Gesundheit und Rohstoffe.
I iobert Reinstein, zufolge umfassende Verpflichtungen von den Industrie- und auch den Entwicklungsländern
erfordern.
Bei seiner Anhörung vor einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Reinstein am 21. Februar
199 I. jede Reaktion auf die Klimaveränderungen müsse globaler Art sein. "Emissionen in Entwicklungsländern
nehmen rasch zu. Maßnahmen der Industrienationen allein wären bei der Eindämmung von Emissonen nicht
wirksam genug", so Reinstein.
Reinstein zufolge haben die von den Delegierten bei der ersten Verhandlungsrunde über eine Konvention zur
Klimaveränderung erzielten Vereinbarungen den Weg für kontinuierliche Fortschritte bei der nächsten, für die
ersten beiden Juniwochen in Nairobi anberaumten Sitzung geebnet.
(Jbwohl es bedauerlich sei, daß die Erarbeitung eines Konventionsentwurfs durch die Unterhändler bei der ersten
Sitzung gescheitert sei, einigten sie sich auf die Einrichtung von zwei Arbeitsgruppen, verabschiedeten Verfahrensregeln und erörterten Wege zur wachsenden Beteiligung der Entwicklungsländer, so Reinstein.
Nachfolgend veröffentlilchen wir die Rede von Unterabteilungsleiter Reinstein im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, vor diesem
l Interausschuß zu den Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zur Klimaveränderung Stellung nehmen zu dürfen. Ich möchte mit Ihnen gemeinsam kurz
die Ergebnisse der soeben beendeten VerhandlungsH ii »de, den Zeitplan für zukünftige Sitzungen sowie die
generelle Position der Vereinigten Staaten bei diesen
Verhandlungen erörtern. Dabei möchte ich auch auf
die Nationale Energiestrategie (National Energy Stralegy - NES) eingehen sowie den Beitrag, den sie zur
Bewältigung der Klimaveränderung leisten kann.
Ergebnisse der ersten Sitzung
Ai if Einladung von Präsident Bush haben die Vereiniglen Staaten die erste Sitzung dieser Verhandlungsrunde vom 4. bis 14. Februar 1991 in der Nähe von
Washington veranstaltet. 101 Länder aus allen Regionen der Welt und Vertreter von über 20 internationalen
Organisationen aus den Industrie- und Entwicklungsländern nahmen an dieser Sitzug teil Im Einklang mit
AMERIKA DIENST 8

dem von uns angestrebten offenen Prozeß waren
auch 68 nichtstaatliche Organisationen (Non-Governmental Organizations- NGOs) unter den Teilnehmern,
die einen Beitrag zu den Verhandlungen leisten werden.
Wir wollten uns nicht nur mit der Gastgeberrolle begnügen, sondern haben diese Verhandlungen in dem
Bestreben eröffnet, die Diskussionen maßgeblich
voranzubringen. Wir hatten gehofft, im Verlauf der
Sitzung einen Textentwurf erarbeiten zu können, obwohl
wir davon ausgingen, daß ein solcher Entwurf aufgrund der erwartungsgemäß unterschiedlichen Posi
tionen bei Aufnahme der Verhandlungen zahlreiche
Klammern enthalten würde. Die Erstellung eines
Dokuments mit Klammern hätte die Ausgangspositionen der jeweiligen Vertragsparteien geklärt und damil
die Verhandlungen bei nachfolgenden Sitzungen erleichtert. Aus diesem Grund haben wir eine Reihe von
Dokumenten verteilt, in denen die Sicht der Vereinig
ten Staaten zum Inhalt der Rahmenkonvention erläuSeile 1

�lert wurde. Bedauerlicherweise ließ die Lösung von
Verfahrensfragen jedoch bei der ersten Sitzung keine
Zeit zur Erörterung des umfangreichen Vorschlags.
Die Schwierigkeit, bloße Verfahrensfragen zu lösen,
deutet auf die Komplexität dieses Themas hin und die
Bedeutung, die ihm von vielen Ländern einschließlich
der Vereinigten Staaten beigemessen wird.
Dennoch sind wir zuversichtlich, daß die von uns in
dieser Sitzung vereinbarte Organisation und Verfahrensweise den Weg für kontinuierliche, greifbare Fortschritte in den kommenden Sitzungen ebnen wird.
Wir haben uns auf die Einrichtung von zwei
Arbeitsgruppen geeinigt. In der einen werden
alle Quellen und Senken von Treibhausgasen
erörtert und in der anderen Mechanismen zur
Durchführung der Konvention. Dank dieser
Struktur wird eine umfassende Diskussion der
Themen und Erörterung der gemeinsamen
Anliegen aller Verhandlungspartner gewährleistet.
Wir haben Verfahrensregeln verabschiedet, mit
denen die Entscheidungsfindung durch Konsens erfolgt und die - wie ich bereits erwähnt
habe - allen NGOs gestatten, eine entscheidende Rolle bei den Verhandlungen zu spielen. Die
Vereinigten Staaten haben die Beteiligung der
NGOs außerordentlich befürwortet.
Darüber hinaus haben wir Wege für die zunehmende Beteiligung der Entwicklungsländer
erörtert. Diese Verhandlungen und jede langfristige Antwort auf Klimaveränderungen werden
nur wirksam sein, wenn das breiteste Spektrum
von Nationen beteiligt ist.
Die Vereinigten Staaten waren das erste Land,
das einen Beitrag zu einem freiwilligen Treuhandfonds geleistet hat, der zur Unterstützung
der Beteiligung von Entwicklungsländern gegründet wurde. Die Zahl der teilnehmenden
Entwicklungsländer soHte in späteren Sitzungen erhöht werden, und sie sollten jetzt zur
Entsendung von Experten in der Lage sein.
In Zusammenarbeit mit andeien Nationen haben die Vereinigten Staaten dazu beigetragen,
ein informelles Papier über den wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Forschungsbedarf zu erarbeiten, dem sich die
Konvention widmen sollte. Dieser Gedankenaustausch sollte eine Einigung über diese Abschnitte der Konvention zu einem späteren
Zeitpunkt der Verhandlungen erleichtern.
Darüber hinaus haben wir Übereinstimmung
über die wichtige Rolle erzielt, die die zwischenstaatliche Kommission zur Klimaveränderung
(Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC) bei der Berücksichtigung der technischen
Seite 2

Aspekte der Verhandlungen spielen wird. Mit
diesem Mandat wird die IPCC in der Lage sein,
Informationen weiterzugeben und Fragen technischer Art während der Verhandlungen zu lösen.
Vielleicht noch wichtiger ist, daß wir den Grundstein für
kooperative Beziehungen mit anderen nationalen
Delegationen gelegt haben, was dazu beitragen wird,
den Prozeß voranzubringen und die konstruktive Erörterung unserer Position erleichtern wird.
Nächste Sitzungen
Diese Sitzung war die erste von vier oder fünf Verhandlungsrunden, die unter der Schirmherrschaft der UNOGeneralversammlung mit Resolution 45/212 über den
"Schutz des Klimas der Welt für gegenwärtige und
zukünftige Generationen" ins Leben gerufen wurde.
Die nächste Sitzung ist vorläufig für die ersten beiden
Juniwochen in Nairobi geplant. Nach dieser Sitzung
werden wir im September, dann im Dezember, und
gegebenenfalls im Jahr 1992 zusammenkommen Wie
in Resolution 45/212 niedergelegt, besteht das Ziel
darin, die Verhandlungen abzuschließen, so daß die
Rahmenkonvention zur Unterzeichnung während der
UNO-Konferenz über Umwelt und Entwicklung im Juni
1992 in Brasilien vorgelegt werden kann.
Die amerikanische Sicht der Verhandlungen
Die Vereinigten Staaten gehen diese Verhandlungen
mit mehreren Prinzipien an, die der Schlüssel zu einer
wirksamen Konvention und weltweiten Reaktion auf
Klimaveränderungen sind:
Erstens vertreten wir die Auffassung, daß wir
einen umfassenden Ansatz zur Klimaveränderung erarbeiten müssen, der allen Aspekten
dieses komplexen Themas Rechnung trägt und
alle Treibhausgase sowie ihre Quellen und Senken
anspricht.
Zweitens dürfen wir nicht darauf warten, bis alle
Unwägbarkeiten aus dem Wege geräumt sind,
sondern müssen wirksame und wirtschaftliche
Maßnahmen ergreifen - die bereits aus anderen
Gründen gerechtfertigt sind - und die Treibhausgasemissionen begrenzen.
Drittens müssen wir wissenschaftliche und wirtschaftliche Forschung, systematische Beobachtung, Erstellung, Archivierung und Verteilung
von Informationen sowie technologische Entwicklung weiterhin aggressiv vorantreiben, um
die Unwägbarkeiten zu lösen und eine solide
Grundlage für innovative Antworten zu schaffen.
Viertens müssen wir den besonderen Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung tragen und Mechanismen entwerfen, um die wissenschaftlichen und technischen Instrumente

AMERIKA DIENST 8

�für sie sicherzustellen, die sie zur vollen Beteiligung an wahrhaft weltweiten Bestrebungen
benötigen.

nationale Staatengemeinschaft in einen offenen Dialog über die Logik und Auswirkungen dieses Ansatzes
einzubeziehen.

Fünftens muß jede Reaktion weltweit erfolgen.
Emissionen in Entwicklungsländern nehmen
rasch zu. Maßnahmen der Industrienationen
allein wären bei der Eindämmung von Emissonen nicht wirksam genug. Darüber hinaus müssen
wir der Art und Weise gegenüber aufgeschlossen sein, in der unterschiedliche Verpflichtungen die Wettbewerbsposition der Entwicklungsund Industrieländer beeinflussen könnten. Eine
wirksame Antwort erfordert die Beteiligung aller
Nationen und die Wahrnehmung der unter den
gegebenen Umständen angemessenen Verpflichtungen.

Gerechtfertigte Maßnahmen

Die Vereinigten Staaten werden versuchen, diese
Prinzipien in eine innovative und wirksame Rahmenkonvention umzusetzen, an der sich alle Nationen in
einer konzertierten internationalen Reaktion auf Klimaveränderungen beteiligen.
Ein umfassender Ansatz zur Klimaveränderung
Die Vereinigten Staaten unterstützen aus einer Reihe
von Gründen einen umfassenden Ansatz, der alle
Quellen und Senken von Treibhausgasen berücksichtigt. Dieser Ansatz bietet die erforderliche Flexibilität,
damit jedes Land die Klimaveränderungen im Zusammenhang mit den dort herrschenden Bedingungen
ansprechen kann. Ein umfassender Ansatz stellt
ferner sicher, daß Forschung und technologische
Entwicklung alle Facetten des Problems berücksichtigen. Darüber hinaus gewährleistet ein umfassender
Ansatz, daß wir von den wirtschaftlichsten Möglichkeiten profitieren, um Klimaveränderungen in der gesamten Bandbreite von Ursachen und Rückständen aller
Treibhausgase anzusprechen. Der umfassende Ansatz steht für alle Aktivitäten, bei denen Treibhausgase
freigesetzt oder absorbiert werden und vermeidet die
Schaffung von Anreizen, die Emissionen von einer Art
von Gas oder Sektor zu einem anderen verlagern, was
- wie uns die Erfahrung lehrt - bei einem eng umrissenen Ansatz geschehen kann. Ein umfassender Ansatz
würde jedem Land die Flexibilität einräumen, die beste
Mischung von Maßnahmen zu wählen. Entsprechend
müssen die Rahmenkonvention und alle nachfolgenden rechtlichen Schritte umfassend sein und sich mit
der gesamten Bandbreite von Treibhausgasen sowie
ihren Ursachen und Rückständen befassen. Der erste
IPCC-Bericht zur Beurteilung der Lage stellt darüber
hinaus fest, daß sowohl Begrenzung als auch Anpassung als Teil einer integrierten Reaktion in Erwägung
gezogen werden müssen.
Während der ersten Sitzung haben die Vereinigten
Staaten eine Broschüre verteilt und informelle Diskussionen über den umfasssenden Ansatz geführt. Wir
werden diese Bestrebungen fortsetzen, um die inter-

AMERIKA DIENST 8

Die Vereinigten Staaten ergreifen bereits konkrete
Maßnahmen, die in jedem Fall gerechtfertigt sind und
darüber hinaus den Klimaveränderungen positiv Rechnung tragen. Wie in der Broschüre "America's Climate
Change Strategy: An Action Agenda" (Die Strategie
der Vereinigten Staaten zu den Klimaveränderungen:
Eine Anleitung zum Handeln), die wir bei der ersten
Sitzung verteilt haben, erläutert, wird das Ergebnis
dieser Strategie darin bestehen, daß die Emissionen
von Treibhausgasen in den Vereinigten Staaten im
Jahr 2000 ebenso hoch oder niedriger als im Jahr 1987
sind. Zu diesen Maßnahmen gehören:
Der raschere Abbau des Einsatzes von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) und anderen,
die Ozonschicht schädigenden und als Treibhausgase wirkenden Verbindungen als vom
Montrealer Protokoll gefordert.
Ermutigung zum Energiesparen und zur Reduzierung der Emissionen von Treibhausgasen
durch Obergrenzen für den Ausstoß von Schwefeldioxid auf erheblich reduzierten Niveaus.
Gleichzeitig wird den Kraftwerksbetreibern die
Flexibilität gewährt, diese Obergrenzen auf die
wirtschaftlichste Weise zu erzielen.
Abbau luftverschmutzender Substanzen, die als
Treibhausgase oder deren Vorläufer wirken,
darunter flüchtige organische Verbindungen und
Methan.
Einleitung eines Programms zur Anpflanzung
von einer Milliarde Bäumen pro Jahr.
Beschleunigung der Einführung energiesparender Technologien und Praktiken in Haushalten
und Geschäften.
Förderung des Einsatzes und Erforschung von
nichtfossilen Energieträgern.
Die Rolle der Nationalen Energiestrategie
Die Nationale Energiestrategie, in der sich die Empfehlungen der IPCC widerspiegeln, beinhaltet eine Reihe
von Maßnahmen, die neben ihrer prinzipiellen Einführung aufgrund anderer energierelevanter Gegebenheiten erhebliche Vorzüge für die Umwelt zeitigen,
darunter die Verhinderung des Entstehens künftiger
Emissionen von Treibhausgasen in den Vereinigten
Staaten. Diese Strategie umfaßt Maßnahmen, die
kostenwirksame Alternativen zur Verbrennung fossiler
Brennstoffe für die Erzeugung von Strom sowie effizientere und mit alternativen Treibstoffen betriebene
Fahrzeuge vorsehen, mit denen die durch Verkehr erzeugten Treibhausgase reduziert werden.
Seite 3

�Viele dieser Maßnahmen im Rahmen der NES werden
zusätzlich zu den in der vorgenannten Broschüre
"America's Climate Change Strategy: An Action Agenda"
beschriebenen durchgeführt. Wir gehen davon aus,
daß die amerikanische Strategie in bezug auf die
Klimaveränderungen flexibel sowie in der Lage sein
muß, im Zuge der Verbesserung der wissenschaftlichen und ökonomischen Erkenntnisse über Klimaveränderungen und mögliche Reaktionen darauf modifiziert zu werden.
Wenn keine Maßnahmen getroffen würden, dann werden
einem in der NES enthaltenen Szenarium zufolge in
den Vereinigten Staaten die Emissionen von CO2 einem der wichtigsten Treibhausgase - bis zum Jahr
2030 um schätzungsweise 80 Prozent zunehmen.
Auch der Ausstoß anderer Treibhausgase, etwa Methan, Stickoxide und Kohlenmonoxid wird dieser Prognose gemäß ansteigen. Dieser Zuwachs würde
größtenteils aus dem verstärkten Einsatz von Kohle
zur Stromerzeugung und aufgrund des Anstiegs von
Kfz-Emissionen resultieren. Obwohl solche Vorhersagen immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet
sind, würden die Emissionen von Treibhausgasen
ohne die NES in bezug auf die potentielle Erwärmung
der Erdatmosphäre gemessen um über 2,820 Milliarden Tonnen CO2 Äquivalent zunehmen. Dies wäre bis
zum Jahr 2030 gleichbedeutend mit einem Anstieg um
38,4 Prozent über den Stand des Jahres 1990.
Insgesamt werden die Maßnahmen der NES nicht nur
unsere Verwundbarkeit beim Öl abbauen, die Energieausnutzung in den Vereinigten Staaten verbessern
und unsere Optionen bei der Stromversorgung erhöhen, sondern darüber hinaus die Emissionen der wichtigsten Treibhausgase verringern:
Aufgrund des NES-Szenariums werden die sich
aus der Strategie sowie gegenwärtigen Programmen der Administration ergebenden Maßnahmen die Steigerungsquote bei Emissionen
von Kohlendioxid und Kohlenmonoxid verringern. Dies sind wichtige Treibhausgase, die
sich aus dem Einsatz von Energie, insbesondere der Verbrennung fossiler Brennstoffe, ergeben. Nach dem Jahr 2015 wird der verstärkte
Einsatz alternativer Brennstoffe, erneuerbarer
und nuklearer Energien sowie verbesserte Energieausnutzung dazu führen, daß sich diese
Emissionen auf einem gewissen Stand einpendeln und bis zum Jahr 2030 konstant bleiben.
Durch NES-Maßnahmen sowie die Vorschriften
des Umweltbundesamtes (EPA) zur Kontrolle
von Methan in Mülldeponien werden die Methanemissionen bis zum Jahr 2015 unter den heutigen Stand verringert. Darüber hinaus werden
nach 2015 die jährlichen Methanemissionen
aus Energiequellen weiterhin abnehmen.

Seite 4

Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen, Vorläufer des troposphärischen Ozons, die
zur Erderwärmung beitragen könnten, werden
auf Niveaus belassen, die etwa dem Stand von
1990 oder darunter entsprechen. Zwischen
2015 und 2030 sollen diese weiter reduziert
werden.
Betrachtet man sämtliche Treibhausgase im Hinblick
auf ihren möglichen Beitrag zur Erderwärmung, so
wird die Nationale Energiestrategie zusammen mit den
bestehenden Programmen der Administration den
Anstieg dieser Gase nach dem Jahr 2000 erheblich
begrenzen. Die NES wird es uns ferner gestatten, die
Emissionsmengen auf absehbare Zeit in einer Bandbreite zu halten, die annähernd dem heutigen Stand
entspricht.
Im Einklang mit unserer Strategie zur Klimaveränderung und der NES würde die Rahmenkonvention alle
Staaten verpflichten, ähnliche nationale Strategien zu
entwickeln und die Aufmerksamkeit auf Maßnahmen
zu konzentrieren, die zwar aus anderen Gründen
erforderlich sind, aber gleichzeitig auch die Nettoemissionen von Treibhausgasen begrenzen. Angesichts
der verbleibenden Unsicherheiten im Hinblick auf die
Veränderung des Erdklimas und deren Auswirkungen
wird eine weltweite Reaktion dieser Art einen realistischen, klugen und wirtschaftlichen Rahmen liefern,
innerhalb dessen alle Staaten mit der Durchführung
von Maßnahmen beginnen können, die dem Klima
zugutekommen. Gleichzeitig trägt sie der Tatsache
Rechnung, daß die den verschiedenen Ländern zur
Verfügung stehenden angemessenen Maßnahmen
bedingt durch deren soziale, umweltpolitische und
wirtschaftliche Verhältnisse unterschiedlich ausfallen
werden.
Forschung und systematische Beobachtung
Forschung und systematische Beobachtung sind erforderlich, um unser Verständnis der Klimaveränderungen zu verbessern und uns zu helfen, maßgeschneiderte Reaktionen zu entwickeln, die langfristig
angemessen, effizient, effektiv und durchführbar sind.
Die Forschung kann uns darüber hinaus die benötigten
energiesparenden Technologien liefern, die sowohl
der Wirtschaft als auch der Umwelt zugutekommen.
Wir haben unsererseits ein 2-Milliarden-Dollar-Programm für die Erforschung der Klimaveränderungen
und Entwicklung neuer Energietechniken aufgelegt,
das die Instrumente für die Entwicklung innovativer,
langfristiger Reaktionen bereitstellen wird. Im Einklang mit unseren eigenen Maßnahmen haben die
Vereinigten Staaten zu Beginn der ersten Sitzung ein
informelles Papier vorgelegt, in dem ein solides Programm zur wissenschaftlichen und wirtschaftlichen
Forschung sowie systematischen Beobachtung erläutert wird, wie es von der Rahmenkonvention bereitgestellt werden könnte.

AMERIKA DIENST 8

�Fragen der Durchführung

',

In der Rahmenkonvention müssen noch zahlreiche
weitere spezifische Fragen offen angesprochen werden. Was die Entwicklungsländer angeht, so erkennen wir deren Wünsche und Bestrebungen nach Wirtschaftswachstum. Es ist für die Entwicklungsländer
unerläßlich, an allen Reaktionen auf die Klimaveränderungen in einer Art und Weise beteiligt zu werden,
die sowohl ihren entwicklungspolitischen Erfordernissen als auch den Auswirkungen dieser Entwicklung
auf den Treibhauseffekt Rechnung trägt. Aus diesem
Grund sollte die Rahmenkonvention eine allgemeine
Verpflichtung enthalten, den Entwicklungsländern bei
der Untersuchung und Bewältigung des Klimawandels
finanzielle Hilfen zu gewähren. Die bestehenden bilateralen und multilateralen Finanzhilfemechanismen
sowie insbesondere die neugebildete Globale Umweltfazilität der Weltbank sind angemessene Mechanismen für die Bereitstellung solcher Hilfen.
Technologietransfer ist für eine effektive weltweite
Antwort unerläßlich, und es gibt zahlreiche preiswerte,
wirksame Technologien, die bereits heute geliefert
werden können. In der ersten Sitzung haben wir
unsere Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, Ideen
wie Zentren zur besseren Energieausnutzung und
Demonstrationsprojekte in Land- und Forstwirtschaft
zu untersuchen sowie industrielle Gemeinschaftsvorhaben mit anderen Ländern zu erleichtern, um die
verfügbaren Technologien zu fördern. Die Durchführung dieser Konzepte wird sicherlich im Kontext mit
spezifischen Handlungsverpflichtungen zu sehen sein.
Besondere Anstrengungen müssen unternommen
werden, um die angemessenen Technologien mit den
Erfordernissen in Einklang zu bringen.
Langfristig werden die neuen Technologien eine zunehmend wichtige Rolle bei der Antwort auf den Klimawandel spielen. Viele dieser Technologien existieren
bisher lediglich in unseren Vorstellungen oder bedürfen der Weiterentwicklung, um technologisch und wirtschaftlich durchführbar zu werden. Aus diesem Grund
muß die Rahmenkonvention die richtigen Anreize für
weitere Erforschung, Entwicklung und Verbreitung der
einschlägigen Technologien bieten. Da die Privatwirtschaft diese Erforschung, Entwicklung und Verbreitung neuer Technologien am effektivsten leistet, sollte

*

AMERIKA DIENST 8

die Rahmenkonvention bestrebt sein, Schranken für
die effektive kommerzielle Entwicklung und den Technologietransfer abzubauen und sicherstellen, daß Rechte
an geistigem Eigentum vollen Schutz genießen, um
die notwendigen Anreize zur weiteren Entwicklung
neuer Technologien zu liefern.
Darüber hinaus sollten wir Mittel und Wege zum erforderlichen Transfer von Wissen erörtern, um den Klimawandel zu verstehen, in die Planung einzubeziehen
und zu bewältigen. Die Vereinigten Staaten haben
traditionell umfangreiche technische Hilfe bei der
Behandlung bestimmter Umweltprobleme, der Entwicklung von Umweltinstitutionen und Durchführung
von Länderstudien bereitgestellt. Bei der ersten Sitzung haben wir deshalb erklärt, daß wir in Zusammenarbeit mit anderen Ländern zur Durchführung einzelner Länderstudien bereit sind, um die zur Reduzierung
der Treibhausgase notwendigen Technologien zu
definieren. Auch die NGOs, einschließlich der Wirtschaft, müssen in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle
spielen.
Schlußbemerkung
Herr Vorsitzender, Verfahrensfragen haben uns daran
gehindert, während dieser ersten Sitzung einen von
uns erhofften Konventionsentwurf zu erstellen. Trotzdem haben wir uns auf einen Verhandlungsprozeß
verständigt, der eine zügige, offene und vorurteilsfreie
Erörterung der mit dem Klimawandel zusammenhängenden Fragen fördert. In den folgenden Sitzungen
werden die Vereinigten Staaten weiterhin ein Rahmennabkommen anstreben, das umfassend ist, den Wert
von Maßnahmen anerkennt, die zur Bewältigung des
Klimawandels beitragen und auch aus anderen Gründen gerechtfertigt sind, das ein umfassenderes Programm zur wissenschaftlichen und wirtschaftlichen
Forschung bereitstellt und den besonderen Bedürfnissen der Entwicklungsländer Rechnung trägt. Seien
Sie versichert, daß die Vereinigten Staaten alles in
ihrer Macht Stehende tun werden, um ein solches
Abkommen vor dem von uns beschlossenen Stichtag
im Juni 1992 abzuschließen. Die Vereinigten Staaten
betrachten eine solche Konvention als entscheidenden erster Schritt bei dauerhaften und langfristigen
Bemühungen zur Bewältigung der Klima Veränderungen.

* * *

*

Seite 5

�GOLFKRIEG
27. Februar 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Februar 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. Februar 1991 fort.

4. Februar

7. Februar

Dem US-Außenministerium zufolge transportiert der
Irak militärisches Gerät - auch SCUD-Raketen - in
Konvois ziviler Tanklaster und macht sie damit zu
"legitimen militärischen Zielen".

Außenminister James Baker erklärt, die Vereinigten
Staaten drängten auf die Gründung einer Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung im Nahen Osten, um in
der Nachkriegszeit eine Zukunft in Wohlstand am Golf
sicherzustellen. "Die Zeit des Wiederaufbaus und der
Gesundung sollte nicht die Gelegenheit für Rachefeldzüge gegen ein Land sein, das von den Ambitionen
eines Diktators in den Krieg gezwungen wurde", so
Baker vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats.

6. Februar
Außenminister Baker bekräftigt, das Ziel der Koalitionsstreitmacht am Golf bestehe in "der Befreiung
Kuwaits, nicht der Zerstörung des Irak oder einer
Veränderung seiner Grenzen". In seiner Rede vor
dem Repräsentantenhaus stellt Baker fest: "Seit
nunmehr drei Wochen führt die internationale Koalition
einen Krieg gegen den Irak mit eindeutigen Zielen:
Vertreibung des Irak aus Kuwait, Wiedereinsetzung
der rechtmäßigen Regierung Kuwaits sowie die Gewährleistung von Stabilität und Sicherheit in dieser
entscheidenden Region."
Der türkische Premierminister Yildirim Akbulut erklärt,
Versuche, den Golf krieg zum Krieg zwischen Moslems
und Christen umfunktionieren zu wollen, "sind falsch.
Solche Anschuldigungen sind Propaganda." Er bezeichnet den Irak als expansionistisches Land, das
ständig Krieg führt. Von Anfang an, so Akbulut, habe
die Türkei im Einklang mit den Resolutionen des UNSicherheitsrats gehandelt. Seinen Aussagen zufolge
werde die Türkei nur im Falle eines Angriffs in den
Krieg eintreten.
Radio Bagdad gibt die Entscheidung der irakischen
Regierung bekannt, die diplomatischen Beziehungen
zu Ägypten, Frankreich, Großbritannien, Italien, Saudi-Arabien und den Vereinigten Staaten abzubrechen.

AMERIKA DIENST 8

Flüchtlinge auf dem Weg nach Jordanien berichten,
daß der Irak die Ölquellen und Vorratstanks in Wafra,
Schuaiba und Mina Abdullah in Brand setzt. Ihnen
zufolge veranlaßten die Rauchsäulen am Himmel noch
mehr Zivilisten, von Kuwait nach Jordanien zu fliehen.
8. Februar
Der kuwaitische Informationsminister und Minister des
Volksrats, Dr. Beder Jassim Al-Yakoub, erklärt, "das
Ziel der Militäroperationen am Golf ist die Befreiung
Kuwaits. Es gibt kein anderes Ziel." Diese Aussage
erfolgt als Reaktion auf eine von König Hussein von
Jordanien am 6. Februar gehaltene Rede, in der dieser
behauptete, das Ziel der multinationalen Streitmacht
bestehe in der Zerstörung des Irak.
Der Sprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater,
erklärt, obwohl der Irak ein Signatarstaat der Genfer
Konvention sei, habe ersieh Bitten des Internationalen
Komitees vom Roten Kreuz (ICRC) widersetzt, die
Kriegsgefangenen der Koalitionsstreitmacht zu besuchen und damit erneut "die totale Mißachtung demonstriert, die Saddam Hussein dem Völkerrecht, Menschenleben und zivilisiertem Verhalten" entgegenbringt.

Seite 1

�11. Februar

14. Februar

Radio Bagdad zufolge wird der Irak "niemals das
Feuer einstellen, bis nicht der totale Sieg im Golfkrieg
errungen ist" und ruft die Araber zur Rebellion gegen
ihre Herrscher und Beteiligung am Kampf gegen die
Koalitionsstreitmacht auf. Bagdad erklärt, Kuwait gehöre
für immer zum Irak.

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nimmt in
einer Sitzung hinter verschlossenen Türen die formelle
Erörterung der Golfkrise mit dem Ziel auf, Bagdad vor
Augen zu führen, daß die Debatten kein Zeichen eines
Auf brechens der internationalen Entschlossenheit zur
Befreiung Kuwaits sind.

Bahrains Informationsminister Tarik Moayyid bittet die
internationale Staatengemeinschaft um Gerät und
Experten zur Bekämpfung der schätzungsweise 1,5
Millionen Barrel ausgelaufenen Öls. Das am 25.
Januar vom Irak aus kuwaitischen Ölquellen in den
Golf eingeleitete Öl verlagert sich weiterhin Richtung
Süden zu den Küsten Saudi-Arabiens, Bahrains, Katars und der Vereinigten Arabischen Emirate. Der
Ölteppich stellt eine enorme Bedrohung für Flora und
Fauna im Golf dar und hat die Fischereiindustrie der
Region praktisch vernichtet.

Der Irak habe in der vergangenen Woche 65 Kuwaiter
hinrichten lassen, berichtet Oberst Abdullah al-Kandari, ein kuwaitischer Luftwaffenoberst, bei einer Pressekonferenz des Central Command in Riad. Die Kuwaiter wurden wegen "Subversion" exekutiert, erklärt er,
und "12 von ihnen wurde die Kehle durchschnitten und
der Kopf abgehackt".

12. Februar
Präsident Bush weist Beschuldigungen des irakischen
Präsidenten Saddam Hussein, die Koalitionsstreitkräfte bombardierten willkürlich zivile Ziele im Irak, mit der
Aussage zurück, dies sei "schlicht und einfach nicht
wahr". Der Irak betreibe "einseitige Propaganda und
verbreitet Märchen und Lügen", so Bush im Anschluß
an ein Treffen mit dem britischen Verteidigungsminister Thomas King im Weißen Haus. Präsident Bush
trifft darüber hinaus auch mit dem französischen Verteidigungsminister Pierre Joxe zusammen.
13. Februar
Hunderte von irakischen Zivilisten sterben beim Bombenangriff der Alliierten auf einen gehärteten militärischen Bunker in Bagdad, in dem sie die Nacht verbracht hatten. Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Marlin Fitzwater, bringt Bedauern über den Verlust von Menschenleben zum Ausdruck, stellt jedoch
fest, daß es sich um ein legitimes militärisches Ziel
gehandelt habe sowie ein "planmäßig erfaßtes Führungszentrum, das Instruktionen an die irakischen
Streitkräfte direkt weitergab". Fitzwater verweist darauf, daß die Iraker häufig Zivilisten als menschliche
Schutzschilde verwenden und jetzt Panzer und Artillerie "neben Privathäuser in kleinen Dörfern" stationieren und "Führungszentren auf Schulen und öffentlichen Gebäuden" eingerichtet haben.
Verteidigungsminister Richard Cheney erklärt, den
Flugzeugen der Alliierten sei es gelungen, die von den
Irakern verursachte Ölpest durch Zerstörung der
Rohrleitungen am Terminal einzudämmen. Cheney
fügt hinzu, der Irak habe an zahlreichen Öllagern und
Ölquellen in Kuwait Sprengladungen angebracht. "Zum
Teil sind diese Ladungen bereits explodiert. Viele der
kuwaitischen Ölfelder brennen bereits."

Seite 2

Die irakische Regierung gibt bekannt, daß 17jährige
Schüler zum Wehrdienst eingezogen werden. Einem
Erlaß zufolge müssen sich die Schüler zwischen dem
15. Februar und dem 20. März bei den Einberufungsstellen melden oder sehen sich nicht näher definierten
rechtlichen Schritten ausgesetzt.
15. Februar
Der irakische Präsident Saddam Hussein unterbreitet
ein Angebot zum Abzug aus Kuwait - unter der Bedingung, daß "alle Fälle von Gebietsbesetzungen in der
Region gleichzeitig gelöst werden". Das Angebot ist
ferner an die Bedingung des Abzugs aller ausländischen Truppen geknüpft, einschließlich des unverzüglichen und bedingungslosen Rückzugs Israels aus den
besetzten Gebieten sowie dem Abzug Syriens aus
dem Libanon. Das irakische Angebot gibt vor, alle
militärischen Rückzüge und alle damit verbundenen
politischen Vereinbarungen berücksichtigten die "historischen territorialen Rechte des Irak" und garantierten dem kuwaitischen Volk das Recht, über seine
Zukunft zu bestimmen.
Präsident Bush bezeichnet das irakische Friedensangebot als "grausamen Scherz". Er erklärt, er sehe
"kein Anzeichen eines irakischen Rückzugs aus Kuwait.
Bis das geschieht, wird es bedauerlicherweise keine
Einstellung der Feindseligkeiten geben. Es wird keine
Feuerpause und keinen Waffenstillstand geben."
Abdullah Bishara, der Generalsekretär des sechs
Nationen umfassenden Golf-Kooperationsrats, erklärt,
es dürfe keinen Handel geben und der Krieg werde
fortgesetzt, bis alle Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durchgeführt seien.
Die verbündeten Nationen geben bekannt, der Abzug
des Irak aus Kuwait müsse bedingungslos erfolgen
und die Militäroperationen zur Vertreibung der irakischen Truppen würden fortgesetzt. Der britische
Premierminister Major erklärt, die irakischen Bedingungen des Vorschlags machten ihn "zu einer Art

AMERIKA DIENST 8

�Scheinmanöver". Der französische Außenminister
Dumas drängt auf eine sorgfältige Prüfug des Vorschlags, dennoch müsse man sich vorsehen, daß es
sich "nicht um einen Trick handelt". Regierungsvertreter in Deutschland, Spanien, Belgien, Kanada und
Japan geben ähnliche Erklärungen ab.
In einer CBS-Nachrichtensendung wird berichtet, vier

Mitglieder eines CBS-Fernsehteams, die vor drei
Wochen in der saudiarabischen Wüste in der Nähe der
Grenze zu Kuwait verschwunden waren, würden
angeblich in Bagdad festgehalten. Peter Arnett, CNNKorrespondent in Bagdad, erklärt, das Team sei von
einer irakischen Militärpatrouille festgenommen worden und werde noch immer vom irakischen Geheimdienst verhört.

* * * *

AMERIKA DIENST 8

*

Seite 3

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11078">
                <text>27.02.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11079">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11080">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11081">
                <text>Amerikadienst 27.02.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11082">
                <text>&lt;strong&gt;1. Deutsch-amerikanische Beziehungen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herausforderungen für die deutsch-amerikanischen Beziehungen in den Neunziger Jahren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache des Gesandten George F. Ward&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA streben globale Reaktion auf Klimaveränderung an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Unterabteilungsleiters im Außenministerium Reinstein&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Golfkrieg&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. Februar 1991&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2822" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2699">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/dada6c24c0dc465816dbbd3934873228.pdf</src>
        <authentication>6690c4caef9590d44b4fd0585493b0d3</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15285">
                <text>Amerikadienst 27.03.1957</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15286">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15287">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15288">
                <text>27.03.1957</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="15289">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20316">
                <text>&lt;strong&gt;1. Das Portland-Projekt und seine Nachahmer&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikas Außenpolitik wird öffentlich diskutiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Lebendige Vergangenheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Henry Fords Museum zeigt das Amerika früherer Tage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Was heißt, ein amerikanischer Komponist?&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ihre Musik gehört der ganzen Welt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Von Norman Smith&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Kurznachrichten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;9,7 Mill. Dollar für die UNICEF&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1200 t Molkereiprodukte für ungarische Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Europatour des Cleveland Orchestra&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Anhang&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die NATO ist der Grundstein der Bündnissysteme des Westens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Rede des Leiters des US-Amtes für Verteidigungsmobilisierung, Gordon Gray, gehalten am 23. März 1957 in Boston&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1488" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1499">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/49a9a7f0a34e83076105f02d5b1e9ce2.pdf</src>
        <authentication>4cbdbfb23d70081235404487648d14a1</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="7813">
                    <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

Nummer

27. März 1974

Inhalt

INFORMATION:

Präsident Nixon umreißt transatlantische Beziehungen
- Auszüge aus der Pressekonferenz am 19. März in Houston
Kissinger nimmt zu transatlantischen Beziehungen Stellung
- Auszüge aus der Pressekonferenz am 21. März 1974 Ansprache des Oberbefehlshabers der US-Armee in Europa und der
Siebten Armee, General Michael S. Davison, vor dem Verteidigungsausschuß des Deutschen Bundestages

WIRTSCHAFT:

Tokio-Runde soll weiteren Abbau der Zölle bringen
- Von John J. Harter -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�r
i

*

amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Information

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

6/1974

PRÄSIDENT NIXON UMREISST TRANSATLANTISCHE BEZIEHUNGEN
- Auszüge aus der Pressekonferenz am 19.März in Houston -

HOUSTON — A D — Präsident Nixon hat am 19. März erneut zu den transatlantischen Beziehungen Stellung genommen. Die Ausführungen des Präsidenten zu
Europa im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Jahrestagung des Verbandes
der Rundfunk-und Fernsehjournalisten in Houston, Texas, haben folgenden
Wortlaut:
" Frage: Herr Präsident, auf Ihre ziemlich starken Worte am letzten Freitag über unsere Beziehungen zu unseren europäischen Verbündeten haben sowohl
der französische Außenminister als auch der französische Botschafter in
den Vereinigten Staaten in einem offensichtlich freundschaftlichen Ton geantwortet.

Was ist Ihre Reaktion auf ihre Antwort und haben Sie Reaktionen aus
anderen europäischen Ländern vorliegen?
Antwort:

-1.

�Antwort: Ich war natürlich sehr erfreut über diese Antwort, eine
meines Erachtens recht angenehme Antwort, seitens unserer französischen
Freunde. Wie Sie wissen, stand es mit unseren Beziehungen zu Frankreich bei
meinem Amtsantritt nicht zum besten. Ich traf mit General de Gaulle bei
zwei Anlässen zusammen und ich habe später Präsident Pompidou bei zwei Anlässen getroffen. Darüber hinaus haben wir weitaus bessere Beziehungen zu
den Franzosen entwickelt, als wir sie in den sechziger Jahren hatten. Ich
möchte nicht darauf eingehen, warum das alles so kam, aber ich meine, daß
damals die Schuld zu einem großen Teil bei uns und nicht bei ihnen lag, obwohl beide zu einem gewissen Teil Schuld hatten.

Um jedoch auf den Kern Ihrer Frage zu kommen, die auf die gesamte
Reaktion in Europa abzielt, so möchte ich die Politik der Vereinigten Staaten in bezug auf Europa noch einmal darlegen.

Von dieser Administration ist nur zu gut bekannt, daß sie Verhandlungen
mit denen aufgenommen hat, mit denen wir 20 Jahre lang nicht gesprochen
hatten - mit der Volksrepublik China. Warum? Nun, weil sie die Führer eines
Viertels der Menschen auf der Erde sind, und es weit besser ist, jetzt mit
ihnen zu sprechen, als so lange zu warten, bis sie eine sehr, sehr große
Supermacht sind, die natürlich diese Stärke auch gegen uns und unsere Verbündeten einsetzen könnte.
Zweitens

-2-

�Zweitens haben wir - zum Teil von Mitgliedern der Presse und anderen
sehr heftig kritisiert - Verhandlungen mit der Sowjetunion aufgenommen. Diese Verhandlungen haben schließlich dazu geführt, daß wir mit einer Begrenzung der Nuklearwaffen begonnen haben. Wir haben damit vermieden, daß sich
im Nahen Osten eine Krise oder zumindest eine Konfrontation zu einer weit
schlimmeren Krise ausweitete, und das gilt für verschiedene andere Gebiete,
was unseres Erachtens recht nützlich war.

Als wir damals bessere Beziehungen zu jenen anzubahnen begannen, die
unsere Gegner sind, hielt ich es für richtig, daß dieses Jahr 1974 zu einem
Jahr werden sollte, in dem wir bessere und engere Beziehungen und Konsultationen mit unseren Freunden stärken und entwickeln.

Das ist es, um was es bei dem Jahr Europas ging. Wir haben dabei beachtliche Fortschritte erzielt.
Was nun Übereinstimmung über die Sicherheit - mit anderen Worten das
NATO-Bündnis - angeht, so sind die Deklarationen, die für ein etwaiges Gipfeltreffen der Regierungschefs vorbereitet wurden, sehr gut gediehen.

Was nun

das politische und wirtschaftliche Gebiet angeht, so sind die Gespräche zwischen den "Neun", der Europäischen Gemeinschaft

und den Vereinigten Staaten

nicht gut gediehen. Sie sind nicht gut gediehen aufgrund der Tatsache, daß
die "Neun" uns manchmal, wie wir meinen, nicht voll oder rechtzeitig konsultiert haben. Und zweitens haben sie auf einigen Gebieten tatsächlich eine

-3-

�eine Position eingenommen, die gegenüber den Vereinigten Staaten feindselig
ist.

Unter diesen

umständen war ich daher der Ansicht, daß die von uns be-

absichtigte Reise,die mich und andere europäische Politiker nach Brüssel
führen sollte, um dort ein Kommunique über die neuen Beziehungen zu unterzeichnen, nicht nur im Hinblick auf die Sicherheit, sondern auch auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet, verschoben werden sollte. Sie sollte
meines Erachtens aus folgendem Grund verschoben werden: Man soll niemals
auf eine Gipfelkonferenz gehen, wenn man nicht weiß, was die andere Seite
will. Wenn man auf eine Gipfelkonferenz geht.und zwischen den Staatsmännern
auf dem Gipfel starke Meinungsverschiedenheiten bestehen und diese mit hochtrabenden diplomatischen Worten übertüncht werden, dann dient das nicht der
Sache guter Beziehungen.

Das ist der Grund, warum von dieser Seite des Atlantik einmal ziemlich
direkt etwas über unsere Besorgnisse gesagt werden mußte. Ich möchte, was
die europäischen Länder anbetrifft, sagen, daß wir mit anderen europäischen
Führern in Verbindung gestanden haben, und ich glaube, daß wir die Meinungsverschiedenheiten,die wir auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet haben,
beilegen werden.

Ich möchte damit nicht sagen, daß wir nicht auch weiterhin Konkurrenten sein werden, denn das freie Europa, die Europäische Gemeinschaft, wird

�die Europäische Gemeinschaft, wird eine große wirtschaftliche Einheit sein.
Ich bin jedoch der Meinung, daß wir in einer Zeit, in der die Vereinigten
Staaten den Sicherheitsschild für Europa stellen, von unseren europäischen
Verbündeten und Freunden zumindest erwarten können, daß sie uns konsultieren und nicht auf politischem oder wirtschaftlichem Gebiet aktiv gegen uns
arbeiten.
Das ist das was ich zum Ausdruck bringen wollte. Den anderen von mir
hervorgehobenen Punkt möchte ich ebenfalls etwas näher erläutern. Manche
Leute haben aufgrund meiner Äußerungen in Chicago geglaubt, daß ich mit dem
Mansfield-Amendment oder anderen konform gehen würde, unsere Truppen einseitig zu verringern, und ich glaube, daß Sie diese Frage ebenfalls im Sinn
hatten.

Ich werde, gleichgültig was an wirtschaftlichen und politischen Vereinbarungen getroffen wird, nicht damit konform gehen, weil es im lebenswichtigen Interesse des Weltfriedens und im Interesse der Sicherheit Amerikas wie
auch Europas liegt, daß dieses Bündnis weiterbesteht und daß keine Verringerung der amerikanischen Streitkräfte vorgenommen wird, es sei denn, daß es
mit dem Warschauer Pakt, und natürlich auch mit der Sowjetunion, gegenseitig
vereinbart wird.

Das wird natürlich eines der Themen sein, das wir erörtern werden, wenn
ich mit Herrn Breschnew zusammentreffe.
Ich

-5-

�Ich werde daher weiterhin für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit auf
diesem Gebiet eintreten. Was ich also in Chicago sagen wollte, und ich muß
hier sehr deutlich werden und jeder meiner Zuhörer weiß es, ist, daß in
Amerika ein neues Gefühl des Isolationismus wächst. Nach Korea und nach Vietnam sagen viele Amerikaner:«Laßt uns alle heimholen; wir haben die Last lange
genug getragen. Bring sie aus Europa nach Hause und bring sie aus Korea und
anderen Orten der Welt nach Hause, und wir werden uns um uns selbst kümmern;*

Das ist kurzfristig gesehen eine gute Politik, langfristig und staatsmännisch gesehen ist es katastrophal, weil die Vereinigten Staaten als die
große Macht der freien Welt eine positive Rolle in Europa und in Asien spielen müssen, wenn wir wirklich eine Generation des Friedens und vielleicht sogar eine noch längere Zeitspanne des Friedens erleben wollen.
Und so werden wir weiterhin mit unseren europäischen Freunden arbeiten,
obwohl wir gelegentlich unterschiedlicher Meinung sind. Aber sie müssen begreifen,daß, falls ihre Politik auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet
feindselig uns gegenüber sein sollte, es für jeden Präsidenten schwer sein
wird, einschließlich meiner selbst, der ich so nachhaltig für das Bündnis
eintrete, im Kongreß die notwendigen Bewilligungen durchzubekommen, um weiterhin das tun zu können, was wir nach meiner Auffassung für ihre Sicherheit
und für die unsrige tun müssen.
Das

�I
Das muß ganz klar gesagt werden. Ich glaube, sie begreifen es, und als
Ergebnis ihrer Einsicht werden wir nach meiner Überzeugung Fortschritte
auf den wirtschaftlichen und politischen Gebieten erzielen."

+++

i

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

In

formation

300

T e I e x -. 08 - 8 5 4 3 2

6/1974

KISSINGER NIMMT ZU TRANSATIANTISCHEN BEZIEHUNGEN STELLUNG
- Auszüge aus der Pressekonferenz am 21. März 1974 -

WASHINGTON --(AD)-» Der amerikanische Außenminister Kissinger hat auf
einer Pressekonferenz am 21. März erneut zu den transatlantischen Beziehungen Stellung genommen. Die Ausführungen des Außenministers - soweit sie
Deutschland und Europa betreffen - haben folgenden Wortlaut:

Frage: Herr Außenminister, Sie fliegen in Kürze nach Moskau. Werden
die in letzter Zeit aufgetretenen Schwierigkeiten mit der Europäischen Gemeinschaft in Fragen der Konsultation und ähnlichem sich auf Ihre Position
auswirken oder diese schwächen, wenn Sie mit den sowjetischen Führern
sprechen werden, vor allem über Fragen der Truppenreduzierung?
Antwort: Wir sind sicher, daß sich die Sowjetunion völlig darüber im
klaren ist, daß das transatlantische Bündnis weiterhin der Eckpfeiler der
amerikanischen Außenpolitik bleibt. Unsere Differenzen mit Europa betreffen

-1-

�betreffen die Richtung einer gemeinsamen Initiative, wie wir es nennen.
Unter keinen Umständen werden wir die europäischen Interessen in den Verhandlungen mit der Sowjetunion preisgeben, gleichgültig

welcher Art unsere Mei-

nungsverschiedenheiten mit den Europäern auch sein mögen.

Was die Truppenreduzierungen, was die Verhandlungen über Truppenreduzierungen anbetrifft, so werden sie auf dem Kurs fortgeführt, der innerhalb der
NATO vereinbart worden ist. Wir hatten ein dreiseitiges Gespräch, das in dieser Woche mit Großbritannien und der Bundesrepublik vorgesehen war. Diese
Gespräche nahmen einen guten Verlauf und es gibt eine vereinbarte Position
der Verbündeten,die wir weiterhin verfolgen werden.

Frage: Herr Außenminister, Sie und Präsident Nixon haben in den letzten
Wochen mehrfach von einer Feindseligkeit auf Seiten unserer europäischen Verbündeten gesprochen. Könnten Sie uns sagen, was Sie und der Präsident unter
"Feindseligkeiten" verstehen. Wer ist feindselig und wann?

Antwort: Natürlich, ich habe davon in einem ganz vertraulichen Kreis gesprochen. Meines Erachtens ist es jedoch wenig sinnvoll, wenn ich die Beschul
digungen und Gegenbeschuldigungen, die erhoben worden sind, wiederhole. Lassen Sie mich unsere Ansicht über die Situation im atlantischen Dialog zusammenfassen:

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr vorgeschlagen, daß die
Länder des Atlantik ihre Aussichten für das nächste Jahrzehnt prüfen und

-2-

�und ihre gemeinsamen Zielsetzungen sowie den Rahmen definieren, in dem sie
weiter voranschreiten wollen. Wir haben dies getan, weil wir der Auffassung
sind, daß ein auf der Basis der Gefahr eines unmittelbaren Angriffs gegründetes Bündnis neue Zielsetzungen braucht, sobald die militärische Gefahr sich
ihrem Charakter nach geändert hat und die politische Gefahr differenzierter
geworden ist.
Wir waren ferner der Ansicht, so seltsam das jetzt vielleicht klingen
mag, daß gerade weil Europa, verglichen mit den ersten Phasen der NATO, eine
Eigenständigkeit gewonnen hat und gerade weil Europa, was wir unterstützen
und hoffen, zwangsläufig immer autonomer und unabhängiger wird, eine Neudefinition der neuen Beziehungen im Interesse beider Seiten lag.

Es schien uns ferner, daß die Generation, die die atlantischen Beziehungen geformt und vorangetrieben hatte, allmählich von der politischen Bühne abtrat und daß in jedem einzelnen Land - wie ich dies ja in meiner Rede
betont hatte - eine neue Generation an die Regierung gekommen war und den
geistigen Hintergrund für die Politik aufbaute und schuf, die den atlantischen Beziehungen nicht in der gleichen Weise verpflichtet war, wie die
vorangegangene Generation.

Aus allen diesen Gründen hielten wir es für richtig, daß der Art der
Beziehungen symbolischer Ausdruck gegeben werden sollte. Jeder, der sich mit
den amerikanischen Verhältnissen beschäftigt, muß wissen, daß eine Beherrschung Europas durch die Vereinigten Staaten das letzte wäre, was man hier

-3-

�*

V
hier im Sinne hätte. Jeder, der die Jahresberichte des Präsidenten gelesen
hat, weiß, daß es ein festes Prinzip der amerikanischen Außenpolitik ist,
andere Zentren der Entscheidung zu fördern, vor allem, weil wir der festen
Überzeugung sind, daß es für die Vereinigten Staaten langfristig psychologisch und politisch schädlich wäre, wenn sie die Verantwortung für jede Entscheidung in jedem Teil der Welt und zu jedem Zeitpunkt übernehmen würden.

Wir hatten geglaubt, daß diese ganze Angelegenheit - die später zu
diesen Deklarationen führte - rasch über die Bühne gehen und zu einer konkreten Überprüfung der spezifischen Fragen führen würde, vor denen das atlantische Bündnis jetzt steht.
Ein Jahr lang hatten wir mit einem Verhandlungsprozeß zu tun, bei dem
sich einige unserer Partner so benahmen, als ob wir ein juristisches Dokument zu erreichen suchten, das wir ihnen dann ein Jahr später in Form konkreter Verpflichtungen unter die Nase halten würden - so als ob wir sie
damit vor Gericht zitieren wollten. Und das, was von uns als symbolischer
Ausdruck einer Reihe neuer Zielsetzungen gedacht war,- als ein Versuch, die
Völker der atlantischen Staaten mit einer Außenpolitik zufriedenzustellen,
die auf Freunde und nicht nur auf Gegner ausgerichtet ist - hat sich zu
einem juristischen, doktrinären und legalistischen Streit entwickelt.

Unsere beiden Einwände gegen diesen Streit sind:
Wir haben erstens etwas gegen eine Definition des Konsultationsprozesses, die eher für ein Verfahren unter Gegnern als für ein Verfahren unter

-4-

�unter Freunden zutrifft - bei dem Konsultation vor einer Entscheidung per
Definition der Identität ausgeschlossen wird; und eine Konsultation nach
einer Entscheidung ist praktisch bedeutungslos, weil wir mit wtisungsgebundenen Delegierten oder Vertretern verhandeln müssen, die gar keine Verhandlungsvollmachten haben.

Genauer gesagt, unseres Erachtens bestand eine zu starke Tendenz, die
europäische Identität in Opposition zu den Vereinigten Staaten zu suchen. Und
hier wieder möchte ich klarstellen: Wir bestehen nicht darauf, ja wir halten
es nicht für wünschenswert, daß Europa jeder Politik der USA zustimmt. Wir
haben nichts dagegen,ja wir halten es für wünschenswert, daß Europa seine
eigenen unabhängigen Entscheidungen treffen kann und trifft, selbst wenn sie
•

.

manchmal nicht mit den unseren übereinstimmen.
.
Wenn jedoch die Definition der europäischen Identität von einigen Ländern in der Differenzierung von und einigen Fällen in der Opposition gegen
die Vereinigten Staaten verstanden wird - wenn dies zu einem Merkmal der Identität wird, dann sind die Vereinigten Staaten besorgt - und dann beginnen sich
die Tendenzen, die wir zu beschreiben versucht haben, bemerkbar zu machen.

Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so sind wir immer noch der Auffassung, daß die Länder des atlantischen Raumes in der Lage sein müssen, einigen ihrer gemeinsamen Ziele Ausdruck zu verleihen. Im Rahmen dieses Prozesses
werden sie natürlich umreißen wollen, wieviel Einheit sie wünschen und wieviel
Vielfalt sie ertragen können. Dies sind völlig legitime Fragen, die hier

-5-

�hier aufgeworfen werden.

Wir müssen jedoch diesen legalistischen, zum Teil

doktrinären und juristischen Streit überwinden.

. - ~ ,.:&gt;

Und zweitens ist es gesunden atlantischen Beziehungen, wie wir meinen,
nicht dienlich, eine europäische Identität unbedingt in Opposition zu den Vereinigten Staaten anzustreben. Darüber hinaus sind wir ob der vorsätzlichen Politik einiger Länder besorgt, die, so scheint es uns, auf verschiedenen Gebieten einen feindseligen Kurs eingeschlagen haben - es wäre jedoch niemandem
damit gedient, wenn ich weiter auf diese Dinge einginge.

.,

Frage: Herr Außenminister, wie könnten angesichts der technischen Schwierigkeiten, denen sich die Europäer im Entscheidungsprozeß gegenübersehen,
Ihres Erachtens die Vereinigten Staaten praktisch zu diesem Prozeß zugezogen
werden?

Antwort: Die technischen Schwierigkeiten, denen sich die Europäer beim
Zustandekommen ihrer Entscheidungen gegenübersehen, bedeuten nicht unbedingt,
daß die Entscheidungen stets in der Richtung getroffen werden müssen, die ich
aufzuzeigen versucht habe. Wir haben unsere Auffassung darüber dargelegt, was
wir für notwendig erachten. Wir würden einen Versuch der Europäer voll und ganz
respektieren, ihre Ziele in Gremien festzulegen, denen wir nicht als Mitglied
angehören.

;

: •

' -.

;

\. • .

Unseres Erachtens ist es durchaus möglich, ein Verfahren auszuarbeiten,
bei dem die Europäer in den für die europäische Entwicklung geeigneten Gremien
zusammenkommen

und das uns trotzdem die Möglichkeit gibt, unsere Auffassung

�Auffassung darzulegen.
Wir sind ferner der Ansicht, daß dies in den meisten Fällen nicht zu
einem Zusammenstoß zu führen braucht und auch in keiner Weise zu einer Einmischung in die Entscheidungen, die die Europäer treffen werden.

Wenn die Europäer trotzdem einen Kurs verfolgen wollen, dem wir nicht
zustimmen, dann stehen wir vor dem im Verhältnis zwischen Ländern durchaus
normalen Problem, entweder diese Differenzen auszugleichen oder im Wissen um
diese Meinungsverschiedenheiten weiterzumachen. Zumindest aber können wir
eine Situation wie bei der jüngsten Entscheidung vermeiden, als die Europäer
glaubten, sie hätten uns informiert, während keinem der maßgebenden Politiker in den Vereinigten Staaten ersichtlich war, daß wir von einer unmittelbar bevorstehenden Entscheidung unterrichtet worden seien.
i

'

•

Das ist jedoch etwas, was unseres Erachtens nach geregelt werden kann.

Wir haben jetzt seit einem Jahr versucht, unsere Ansichten in dieser
Frage darzulegen, und wir meinen, daß es nunmehr Sache der Europäer ist, uns
entweder einzeln oder als Gruppe einen Vorschlag zu machen.

Frage: In der Öffentlichkeit ist Besorgnis darüber geäußert worden, daß
in diesem Jahr, während die Untersuchung über eine Amtsenthebung noch nicht
abgeschlossen ist, eine Reise des Präsidenten nach Europa wie auch nach Moskau vorgesehen ist. Können Sie sich vielleicht zu dem Risiko äußern, das
Ihres Erachtens - wenn überhaupt - in einer solchen Reise liegt?

Antwort:

�*

I
Antwort: Natürlich, meines Wissens wird die Untersuchung über ein Impeachment - nach dem, was ich in den Zeitungen gelesen habe - wahrscheinlich
vor diesen Reisen abgeschlossen sein. Zweitens muß der Präsident, bis eine
Entscheidung gefallen ist, seine Amtsgeschäfte so führen, daß dem nationalen
Interesse am besten gedient ist,

Grundlage für die Führung unserer Außenpolitik ist, was nach unserem
Ermessen der Weltfriede und das nationale Interesse der USA erfordern - und
sie wird nicht von der gegenwärtig stattfindenden innenpolitischen Debatte
beeinflußt.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben zuvor gesagt, daß es "seltsam11
klingen mag - wie sehen Sie die Dinge, was die Einigung Europas angeht? Ist
dieser Prozeß Ihrer Meinung nach zum Stillstand gekommen oder ist er rückläufig oder schreitet er voran?
Antwort: Unser Eindruck ist, daß der Prozeß in Richtung auf eine Einigung Europas voranschreitet - trotz der unvermeidlichen Schwierigkeiten,wenn
neun Länder versuchen, ihre Interessen und ihre Entscheidungsfällung zu harmonisieren.

Wir haben unter drei Administrationen die europäische Einheit begrüßt.
Diese Administration unterstützt weiterhin die europäische Einigung und unseres Erachtens wird es im beiderseitigen Interesse, sowohl Europas als auch
der Vereinigten Staaten, liegen, daß dieser Prozeß weiter vorankommt.

Unsere

-8-

�Unsere Besorgnisse waren sehr spezifisch, und sie haben sich nicht gegen die Tatsache einer europäischen Einigung gerichtet, sondern gegen einige
seiner Ausdrucks formen, die wir nicht für organisch oder unvermeidlich halten, und daher sind wir der Ansicht, daß wir ein Problem haben, das lösbar
ist und aus dem wir auf beiden Seiten des Atlantik gestärkt hervorgehen
können.

Frage: Herr Außenminister, haben Sie abgesehen von der europäisch-arabischen Konferenz,die für die Zukunft im Gespräch ist, bei irgendeinem Mitglied des Bündnisses irgendein Zeichen für die von Ihnen erwähnte vorsätzliche, feindselige Politik festgestellt?

Antwort: Die Worte des Präsidenten wie auch meine Worte waren sorgfältig
gewählt. Meines Erachtens ist jedoch mit einer Aufzählung unserer Besorgnisse
keinem nützlichen Zweck gedient. Wir glauben, daß die Politik in einzelnen
Fällen unfreundlich war.
Frage: Herr Außenminister, die Worte des Präsidenten bei zwei Anlässen,
auch wenn sie sorgfältig gewählt waren, schienen vielen von uns generell widersprüchlich zu sein. So schien er am Freitag letzter Woche in Chicago zu drohen - und ich beziehe das Wort sorgfältig ebenfalls hierauf - daß die Europäer, wenn sie nicht kooperieren, sich einem isolationistischen Druck gegenübersähen, dem er machtlos gegenüberstehen würde - einer Forderung nach dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Europa. Steht es mit Ihrer Definition und
der des Präsidenten von einem Gebäude des Friedens in Einklang, wenn Sie

-9-

�Sie abseits stehen und es zulassen, daß dieses Gebäude abgerissen wird?

Antwort: In allen von uns zu Europa abgegebenen Erklärungen haben wir
klarzustellen versucht, daß uns die Gefahr eines amerikanischen Isolationismus beunruhigt und nicht ein Streben nach Vorherrschaft. Der Zweck, und
dessen waren wir uns bewußt, bestand darin, einer Tendenz in Amerika entgegenzuwirken, die Verantwortung abzuschütteln. In diesem Sinne haben wir - in
meiner Rede vom 23. April, in zahlreichen Erklärungen des Präsidenten, in
zahlreichen Berichten des Präsidenten - darzulegen versucht, daß die politischen, wirtschaftlichen und Sicherheitsfaktoren miteinander zusammenhängen,
nicht aufgrund einer Maßnahme der amerikanischen Politik, sondern aufgrund
der Realitäten.

Wir haben in unterschiedlichen Formulierungen darauf hinzuweisen versucht, daß es unrealistisch wäre, zu behaupten, die Verteidigung sei unteilbar, die Außenpolitik jedoch könne ganz allgemein gegensätzlich sein. Und
wir haben in den verschiedenen Formulierungen darzulegen versucht, daß es
nur durch die Formulierung einiger Zielsetzungen, die auch für das amerikanische Volk überzeugend sind, möglich sein würde, auf unbegrenzte Zeit hinaus die Überzeugung zu schaffen,daß die Verteidigungsstruktur im wesentlichen
in der derzeitigen Form beibehalten werden muß.

In dieser Beziehung sind die persönlichen Überzeugungen der führenden
amerikanischen Staatsmänner nicht entscheidend. Der Präsident hat wiederholt
erklärt, daß er das Mansfield-Amendment ablehne. Und die Administration hat

-10-

t

�hat stets die Versuche bekämpft, uns einseitige Reduzierungen aufzuzwingen.
Trotzdem bleibt die Tatsache, daß nach, unserer Überzeugung - wenn die uns beunruhigenden Trends anhalten - die isolationistischen Tendenzen, von denisn
wir gesprochen haben, die Oberhand gewinnen könnten.
i

Ob das mit einem Gebäude des Friedens voll zu vereinbaren wäre, ob dies
für die langfristige Entwicklung nützlich oder schädlich wäre, bliebe dann
abzuwarten. Entscheidungen werden nicht immer allein auf der Basis theoretischer Erwägungen getroffen, sondern in jedem Gemeinwesen auch auf der Basis
des Druckes, der nicht mehr kontrollierbar ist. Wir schlagen daher die Verbindung zwischen diesen verschiedenen strittigen Fragen nicht als eine Art
Erpressung vor. Wir versuchen nicht, eine Verhandlung gegen eine andere auszuspielen. Wir versuchen eine Situation zu umreißen, in der, wenn von den Ländern des Westens keine gemeinsamen Zielsetzungen erreicht werden, ihre Meinungsverschiedenheiten ihren gemeinsamen Interessen zuwiderlaufen könnten.
Es handelte sich um einen Appell an die gemeinsame Regierungskunst, nicht um
eine Einladung zu einem Tauschgeschäft.

Frage: Herr Außenminister, bedenkt man, welchen Nachdruck Sie in der Vergangenheit darauf gelegt haben, daß innerhalb des atlantischen Bündnisses
Einigkeit besteht, bevor die Verhandlungen mit den Russen anlaufen, würden
Sie es da im Augenblick für wünschenswert halten, wenn der Präsident seine
Reise nach Europa vor dem geplanten Gipfeltreffen im Juni unternimmt?

Antwort:

-11-

�Antwort: Ich halte es nicht für richtig, Reisen des Präsidenten überhaupt zu erörtern. Über die Fragen, über die wir in Moskau sprechen, sind
eingehende Konsultationen mit unseren europäischen Verbündeten geführt worden. Der Präsident hat wiederholt erklärt, daß er zu einem Treffen mit den
europäischen Verbündeten bereit sei, wenn in unseren Gesprächen ein konkreter Fortschritt erzielt worden ist, der dies rechtfertigt.

Das ist auch weiterhin unser Standpunkt, und wir meinen, daß es nunmehr
Sache der europäischen Länder ist, auf die von uns im letzten Jahr unternommenen zahlreichen Initiativen zu antworten.

+++

-12-

�4, amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

8 9 - 3 2 4 0

Information

G o d e s b e r g l ,

Service

Postfach

Information

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

6/1974

ANSPRACHE DES OBERBEFEHLSHABERS DER US-ARMEE IN EUROPA UND DER SIEBTEN ARMEE
GENERAL MICHAEL S. DAVISON
VOR DEM VERTEIDIGUNGSAUSSCHUSS DES DEUTSCHEN BUNDESTAGES

Der Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa und der 7. Armee, General Michael S.
Davison, hat am 25. März vor Mitgliedern
des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages zur Rolle der amerikanischen Truppen in Europa im Rahmen der
NATO-Verteidigung Stellung genommen und
seine Auffassungen bezüglich der künftigen Rolle dieser Streitkräfte dargelegt.

Ich glaube, es ist für uns alle höchst wichtig, nach einem besseren Verständnis der Probleme zu suchen, die anerkanntermaßen bestehen, wenn die
Streitkräfte eines souveränen Staates auf dem Territorium eines anderen stationiert sind - und das über einen so langen Zeitraum.

Gerade aufgrund Ihrer Stellung als Vertreter der Bürger der Bundesrepublik
Deutschland sind Sie sich sehr wohl darüber im klaren, daß die Streitkräfte
Ihres Landes und die Truppen der US-Armee in Europa und der Siebten Armee

-1-

�V

4
Armee einem gemeinsamen Ziele dienen - der Verteidigung der Freiheit Westeuropas, und damit, was uns Amerikaner angeht, auch der Vereinigten Staaten.
Es gibt jedoch viele Bürger, die eine stark abweichende Meinung haben, und
viele, die leider unangenehme Erfahrungen mit amerikanischen Soldaten gemacht
haben.

Es wäre wirklich bedauerlich, wenn die amerikanische Präsenz hier zu
einer unerträglichen Last für die deutsche Bevölkerung würde. Wir haben unsere Probleme, ausreichendes Gelände für die Ausbildung unserer Truppen zu finden. Die wachsenden militärischen Erfordernisse aufgrund zunehmender Mechanisierung und zusätzlicher Hubschrauber kollidieren mit dem wachsenden Bedarf
der deutschen Bevölkerung an Grund und Boden für Erholungszwecke, für den
*

Wohnungsbau und für Fabriken. Die deutsche Bevölkerung hat sich bisher als
bemerkenswert kooperativ und geduldig erwiesen.
*

.

. . •

Wir versuchen alles, um der Bevölkerung hier verständnisvoll entgegenzukommen. Auf der anderen Seite müssen wir bereit und in der Lage sein, unsere Aufgabe zu erfüllen. Es gibt einen unerläßlichen Stand der Ausbildung und
Dienstausübung, unter den wir nicht gehen können.
Derartige Tätigkeiten erfordern die Benutzung von Grund und Boden für
Übungsgelände und Flugplätze; wir sind uns jedoch des Landbedarfs der Deutsehen bewußt. Ein ständiger Ausschuß in meinem Hauptquartier in Heidelberg
hat die Aufgabe, laufend zu überprüfen, was wir an Übungsgelände unbedingt
brauchen. Aufgrund dieser Überprüfungen und einer ausgezeichneten Zusammenarbeit mit den jeweiligen Länderregierungen waren wir in der Lage, im Verlauf
-2-

*

�r

Verlauf des vorigen Jahres über 2 OOO Hektar Land wieder für die private oder
öffentliche Nutzung freizugeben.

Bei meinem letzten Hiersein erwähnte ich, daß in den Nachrichtenmedien
häufig Hinweise auf einen angeblich wachsenden Antiamerikanismus zu hören
oder zu lesen seien. Ich erwähnte ferner, daß ich aufgrund meiner ausgedehnten
Kontakte mit deutschen Bürgern aller Schichten festgestellt hatte, daß diese
Behauptungen star-k übertrieben waren und daß die amerikanische militärische
Präsenz im großen und ganzen begrüßt würde.

Derartige Berichte findet man heute weniger häufig.
Gleichzeitig begrüben wir von der US-Armee in Europa sehr die anhaltende Unterstützung, die uns seitens der Bürger der Bundesrepublik durch die Renovierung .der Kasernen für unsere Soldaten zuteil wird, sowie die ständige
Erlaubnis, unentgeltlich Anlagen und Einrichtungen wie Eisenbahnen, Fernstraßen, Wasserwege, Übungsgelande, Lagerhäuser und Kasernen zu benutzen.

Die vor kurzem bekanntgegebene Erneuerung des Devisenausgleichsabkommens
zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik ist ein weiterer Beweis für Ihre Bereitschaft, uns in unseren Bemühungen um einen Beitrag zur
gemeinsamen Verteidigung zu unterstützen, die für unsere beiden Länder so
wichtig ist. Ich glaube, daß dieses bedeutsame Abkommen ein nachdrücklicher
Beweis für den Geist der gegenseitigen Unterstützung ist, der den Verteidigungsschild der NATO so viele Jahre hindurch erhalten hat.
•

Im

-3-

�»

i
Im kommenden Monat begeht die NATO den 25. Jahrestag ihrer Gründung. Ich
möchte eine Analyse der Rolle der US-Armee in Europa und der Siebten Armee
nach einem Viertel Jahrhundert der Beteiligung an dem Verteidigungsschild der
NATO geben und meine Ansichten über diese Rolle in der Zukunft darlegen.

Aufgabe meines Kommandos - der US-Armee in Europa und der Siebten Armee ist es, eine einsatzbereite, disziplinierte Streitmacht von hoher professioneller Qualität bereit zu halten, die im Verein mit den alliierten Streitkräften vor einer gegen Westeuropa und die Vereinigten Staaten gerichteten
feindlichen Aggression abschrecken und mögliche Gegner zu der Überzeugung
bringen kann, daß friedliche Verhandlungen ein besserer Weg sind als bewaffnete Drohungen oder riskante Abenteuer. In dem Maße, in dem wir in der Lage
sind, dieser Botschaft Gehör zu verschaffen, in dem Maße, in dem wir eine
glaubwürdige Abschreckung über ein weites Spektrum der Kriegführung darstellen, das sich vom konventionellen bis zum nuklearen Konflikt erstreckt - in
eben diesem Maße sind wir auch erfolgreich in der Absicherung der auf zwei
Pfeilern ruhenden politischen Strategie des Bündnisses - Abschreckung verbunden mit Verhandlungsbereitschaft.

Wenn wir diese Aufgabe erfüllen wollen, dann liegt es auf der Hand, daß,
je besser unsere Streitkräfte zum Kampf gerüstet sind, die Wahrscheinlichkeit,
daß Abschreckung und Verhandlungen versagen könnten, umso geringer ist.

Die Siebte Armee besteht aus zwei Korps mit 4 1/3 Divisionen (zwei mechanisierte Infanteriedivisionen, zwei Panzerdivisionen und eine Brigade der
ersten mechanisierten Infanteriedivision) und zwei Panzeraufklärungsregimen-

-4-

�Panzeraufklärungsregimentern. Außerdem stehen 3 000 Soldaten in Norditalien
- der Eingreifverband Südeuropa - und eine Brigade in Berlin. Das 32. Luftverteidigungskommando der Armee hat einen breiten Luftverteidigungsgürtel
über Süddeutschland aufgebaut, der die Städte und die alliierten Streitkräfte in diesem Raum schützt. Alles in allem - einschließlich unserer logistischen Einrichtungen - sind es rund 183 000 Soldaten - Männer und Frauen.

Die zwei Korps der Siebten Armee, das V. und das VII. Korps, bilden zusammen mit dem II. und III. deutschen Korps und einer kanadischen mechanisierten Kampfgruppe die Armeegruppe Mitte, die ich in meiner NATO-Eigenschaft befehlige. Im Ernstfall würde diese Armeegruppe rasch durch amerikanische, über doppelte Stützpunkte verfügende Verbände - die restlichen zwei
Drittel der 1. Infanteriedivision, ein weiteres Panzeraufklärungsregiment
sowie bestimmte Nachschubeinheiten - aufgefüllt werden, die aus den Vereinigten Staaten eingeflogen, die in Deutschland eingelagerte und für sie bereit
gehaltene Ausrüstung fassen und ihre Gefechtspositionen einnehmen würden.
Darüber hinaus haben wir die Ausrüstung für zwei weitere Divisionen eingelagert, die rasch nach Europa verlegt werden könnten.

Unsere militärische Position in Europa ist manchmal mit der eines
"Stolperdrahtes" verglichen worden; die Schlußfolgerung daraus wäre, daß eine
symbolische Zahl von Truppen den gleichen Zweck erfüllen würde wie die jetzt
von uns unterhaltenen Streitkräfte. Eine symbolische Zahl von Truppen würde
sozusagen den "Abzug" für die Auslösung eines umfassenden nuklearen Angriffs
gegen den Aggressor bilden. Meine Damen und Herren, ich möchte Sie vor dieser

-5-

�dieser irrigen Auffassung warnen. Ich habe den Auftrag, ein bestimmtes Gebiet
in Mitteleuropa gemäß der vereinbarten NATO-Strategie der flexiblen Antwort
(flexible response) zu verteidigen.

Die Strategie der flexiblen Antwort steht in krassem Gegensatz zu der
Auffassung, wir würden als Reaktion auf einen Angriff praktisch unmittelbar
zur nuklearen Kriegführung übergehen - der sogenannten"Stolperdraht"-Reaktion.
Die NATO-Strategie fordert eine Vorneverteidigung, bei der dem Feind entgegengetreten wird, wenn er seinen Fuß auf NATO-Boden gesetzt hat, und zwar
mit Anwendung der Gewalt, die der Situation angemessen ist.

Die Militärgeschichte ist voller Beispiele dafür, daß eine zahlenmäßig
überlegene Truppe nicht in der Lage war, eine gut ausgebildete, schlagkräftige Verteidigungsorganisation zu schlagen. Wir haben hier eine solche Organisation - die Armeegruppe Mitte mit insgesamt fast 12 Divisionen. Diese
Truppe ist keineswegs lediglich ein "Stolperdraht". Wir verfügen über eine
starke konventionelle Abschreckung wie auch über ein nukleares Potential und
geben damit den Führern unserer Staaten viele Möglichkeiten der Antwort und
der Verhandlungspositionen an die Hand, wenn jemand das Abenteuer suchen sollte.

Manche von Ihnen werden vielleicht bezüglich des konventionellen Potentials der US-Armee in Europa besorgt sein. Im Gegensatz zu Behauptungen gewisser Kreise, daß die Siebte Armee bei einem konventionellen Angriff des Warschauer Paktes geschlagen werden würde, ist dies nicht die Auffassung meiner
Truppenkommandeure. Jeder Divisions-, Brigade-und Bataillonskommandeur weiß

�weiß genau, wo und wie er in einem solchen Kampf zu kämpfen hat, und ist zuversichtlich, daß er die Verteidigung gemäß der vereinbarten NATO~Strategie
der flexiblen Antwort durchführen kann,,

Ein Element, das die Fähigkeit eines militärischen Verbandes bestimmt,
seinen Auftrag ausführen zu können, ist seine Ausrüstung, Mein Kommando hat,
dank der nachhaltigen Unterstützung durch die zuständigen amerikanischen Stellen, in den letzten Jahren sehr solide Fortschritte bei der Modernisierung
und Verbesserung der Ausrüstung gemacht. Ich möchte Ihnen etwas über einige
der Hauptausrüstungsgegenstände sagen, die ich für besonders wichtig halte.

Während des "Oktoberkrieges" im Nahen Osten schenkte die Presse den Panzerabwehr-Handlenkwaffen große Beachtung, die den Ägyptern von der Sowjetunion
geliefert worden waren. Seit geraumer Zeit besitzen wir eine ähnliche, aber
bessere Rakete, die unter dem Namen "TOW" bekannt ist, eine Abkürzung für
"Tube-launched, optically tracked, wire-guided" (rohrverfeuerte, optischkontrollierte Handlenkwaffe). In erster Linie als schwere Panzerabwehrwaffe
gedacht hat die TOW allgemein Beifall gefunden. Ich kann mich an keine in
den letzten Jahren bei der Truppe eingeführte Waffe erinnern, die von unseren
Soldaten bereitwilliger und begeisterter aufgenommen worden wäre. Selbst bei
nur sehr kurzer Ausbildung kann eine TOW-Mannschaft einen feindlichen Panzer
bis auf eine Entfernung von 3 000 m mit großer Wahrscheinlichkeit vernichten.

Die großen Panzerbestände der Armeen des Warschauer Paktes unterstreichen
für uns die Notwendigkeit einer wirksamen Panzerabwehr. Wir sind mit TOW sehr
zufrieden gewesen. Diese Kapazität wird in unseren Infanterieinheiten durch

-7-

�durch eine 90 mm rückstoßfreie Handfeuerwaffe und eine von der Schulter abzufeuernde Panzerabwehrgranate mit Raketenantrieb ergänzt. Als Ersatz für
die 90 mm rückstoßfreie Handfeuerwaffe werden wir in Kürze neue, von der
Schulter abzufeuernde, Panzerabwehrlenkraketen einführen, die unter der
Bezeichnung "Dragon" bekannt sind. Wir haben ferner zahlreiche Verbesserungen
bei unseren M 60-Panzern vorgenommen, wie z.B. durch ein Stabilisierungssystem (das ein Abfeuern der Kanone während der Fahrt gestattet), ein Festkörper-Rechenwerk für die ballistische Feuerleitung sowie durch Veränderungen an Motor und Ketten, die ihm eine größere Beweglichkeit verleihen. Bald
werden wir über einen Laser-Entfernungsmesser verfügen, der unsere Aussichten
für einen Treffer beim ersten Schuß - entscheidend für den Erfolg im Kampf
mit feindlichen Panzern - wesentlich verbessert.

Wir haben bei der US-Armee in Europa sehr interessante Arbeit geleistet
bezüglich des Einsatzes von Hubschraubern zur Vernichtung feindlicher Panzerformationen. Natürlich sind bewaffnete Hubschrauber bereits in Vietnam auf
verschiedene Weise eingesetzt worden, aber es gab Vorbehalte, inwieweit sie
unter europäischen Verhältnissen gegen einen Gegner mit modernen Luftabwehrwaffen erfolgreich eingesetzt werden können.

Im April und Mai 1972 wurden in Deutschland bei Ansbach voll instrumentierte Gefechtsfelderprobungen mit Kampfhubschraubern im Panzerabwehreinsatz
durchgeführt. Amerikanische, kanadische und deutsche Verbände wurden für diese Versuche, bei denen Hubschrauber, Panzer, Luftabwehrwaffen und Düsenflugzeuge eingesetzt waren, ausgewählt und führten sie durch. Das Versuchsinstru-

�Versuchsinstrumentarium umfaßte unter anderem die britische "Simfire" und
andere Laser-Simulatorsysteme für Direktbeschuß und brachte wesentliche
Fortschritte bei der Erprobung taktischer Konzeptionen.

Diese Geräteausstattung eliminierte die alte Frage "Wer hat wen als
ersten abgeschossen?", indem automatisch eine Rauchgranate ausgelöst wird,
die am Hubschrauber oder Panzer angebracht ist, um anzuzeigen, daß ein Treffer erzielt wurde.

Auf der Basis dieser Versuche sind wir zu dem Schluß gekommen;, daß Hubschrauber, die mit Raketen wie die "TOW" bewaffnet sind, in Europa eine wirksame Rolle in der Panzerabwehr spielen können. Die Überlebensfähigkeit der
Hubschrauber wird dadurch erhöht, daß sie die Bodenbeschaffenheit eng ausnutzen und aus niedrigen Positionen auf weite Entfernungen feuern.. Die Ergebnisse unserer Versuche lassen eindeutig erkennen, daß auf jeden Hub"
Schrauberverlust viele abgeschossenen Panzer kommen.

Nach meiner Auffassung wird der Angriffshubschrauber einen festen Platz
im Panzerabwehrarsenal der NATO-Streitkräfte in Europa finden*

Ein großes Problem der Luftverteidigung war in den letzten Jahren, wie
man mit schnellen, niedrig fliegenden eindringenden Maschinen fertig werden
konnte. Aber unsere Kapazität, diese Aufgabe zu erfüllen, wird gegenwärtig
beträchtlich ausgeweitet.
Wir haben unsere Einheiten an der Kampflinie mit der "Redeye HeatSeeking Air Defense Missile" (eine Luftabwehrrakete, die auf Wärme anspricht)

-9-

�anspricht) - einer einfachen Waffe, die von der Schulter abgefeuert werden
kann und normalerweise von zwei Mann bedient wird, ausgerüstet. Die Luftabwehrbataillone der Divisionen sind mit einem MIX von leichten Selbstfahrlafetten für die Lenkwaffe vom Typ "CHARARRAL" und mit der automatischen
sechsläufigen 20-mm Kanone vom Typ "VULCAN" ausgestattet.

Um unsere Luftverteidigung auf Mittelstrecken zu verbessern, haben wir
im November 1972 mit der Dislozierung der verbesserten HAWK«Rakete begonnen.
Sie gibt uns eine größere Reichweite und eine größere Treffsicherheit und damit eine größere Wahrscheinlichkeit, mit dem ersten Schuß zu treffen.

Ich möchte jetzt noch kurz auf organisatorische Schritte eingehen, die
wir ergreifen, um unsere Kampfstärke zu verbessern. Ohne unsere Gesamtstärke
zu verändern, haben wir Personalbestände in unseren Nachschubeinheiten und
Hauptquartieren gefunden, die wir zur Verstärkung unserer Kampftruppe heranziehen.

Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren zwei weitere Panzerbataillone,
zwei Angriffshubschrauberkompanien, ein Luftabwehrbataillon und ein Luftlandebataillon für den Kampfeinsatz aufgestellt. Bis Ende 1974 werden wir unseren vollen Bestand an "LANCE-Bataillonen" zur Verfügung haben, die an die
Stelle der veralteten "HONEST JOHN" und "SERGEANT" treten.
Die Siebte Armee hat gegenüber der Situation, in der sie sich aufgrund
der Personalknappheit durch den Vietnam^Krieg befand, gewaltige Verbesserungen erfahren. Die Unruhe und die nachteiligen Auswirkungen, die durch den

-10-

�1

den ständigen Wechsel von Kommandeuren, •., Off izieren und Unteroff izieren entstanden, sind vorbei» Unsere Ausbildung, angefangen auf Kompanieebene bis zu
großen Übungen . wie das kürzlicn abgeschlossene Manöver "'REFORGER V" (eine
Übung, mit der alljährlich unsere Kapazität erprobt wird, rund ii 000 Soldaten nach Europa einzufliegen, sie mit dort gelagertem Gerät auszurüsten und
ausgedehnten Übungen zu unterziehen - spiegelt in zunehmendem Maße gut ausgebildetes und professionelles militärisches Können wider.

Als weiteres Beispiel kann ich auf unser.e Panzerschießausbildung verweisen. Im Haushaltsjahr 1972 erfüllten 69 Prozent unserer Panzerbesatzungen
die sehr strengen Bestimmungen des Panzerschießwettbewerbs; im Haushaltsjahr
1973 konnten wir die Rate auf 85 Prozent verbessern und so, wie sich die Dinge
jetzt entwickeln, werden wir die Qualifikation der Panzerbesatzungen auf über
90 Prozent steigern können.

Die Siebte Armee hat gute Soldaten. Sie können sich auf sie verlassen.
An der Seite dieser jungen Männer stehen die ebenso tüchtigen Soldaten der
Bundesrepublik Deutschland

und Kanadas. An der Übung ''REFORGER V" waren

alles in allem rund 51 000 amerikanische, deutsche und kanadische Soldaten beteiligt und alle erwiesen sich als gut ausgebildet und mit ihren Aufgaben
bestens vertraut.
Als Befehlshaber der Armeegruppe Mitte halte ich enge Verbindung mit dem
französischen Hauptquartier in Baden-Oos. Obwohl die französischen Streitkräf-

-11-

�'

ir

Streitkräfte in Deutschland nicht Teil des militärischen Aufbaus der NATO
sind, so benutzen wir doch gemeinsam bestimmte Truppenübungsplätze und nehmen
an gemeinsamen Übungen teil. Es ist für mich eine große Beruhigung, zu wissen,
daß diese gut organisierte, gut ausgerüstete, gut ausgebildete und disziplinierte Streitmacht von zwei Divisionen in Südwestdeutschland stationiert ist
und daß auf der anderen Seite der Grenze in Frankreich noch weitere drei Divisionen stehen.

Wie sehe ich nun die Rolle der US-Armee in Europa und der Siebten Armee
in Zukunft? Leider ist meine Kristallkugel trüb.

Ich möchte mich hier nicht über die Bedeutung Europas für die Vereinigi

ten Staaten auslassen. Sollte Westeuropa unter die Hegemonie Rußlands fallen und sollten die arbeitenden Menschen und die Hilfsquellen Europas dem Potential der kommunistischen Welt zufallen, dann wäre das Gleichgewicht der
Kräfte zerstört und die Sicherheit der Vereinigten Staaten wäre in Gefahr.
Der amerikanische Verteidigungsminister Dr. Schlesinger hat es kürzlich so
gesagt: "Die sowjetische Außenpolitik hat seit 1945 die Schwächung der amerikanischen Präsenz und des amerikanischen Einflusses in Westeuropa zum Ziel gehabt."
Unser Kongreß und die Administration haben beschlossen, und werden weiterhin beschließen, den Stand an Streitkräften aufrechtzuerhalten, den beizubehalten für die Vereinigten Staaten klug ist, um ihre Sicherheit zu gewährleisten und zur Stärke des Bündnisses beizutragen.
Meine

-12-

�:

J
Meine Damen und Herren, es scheint mir, daß in der heutigen Welt die
wichtigste strategische Überlegung nicht notwendigerweise die Zahl von Raketen, Unterseebooten und Panzern auf jeder Seite ist.. Die wichtigste Überlegung
ist eine psychologische» Bringt der Westen durch die Qualität und Zahl von
Männern und Waffen in seinen Streitkräften den Willen und die Absicht zum Ausdruck, seine Gesellschaft zu verteidigen?
Machen der Umfang und die Art der alliierten militärischen ,Dis1 erierungen
in Europa in Moskau die Botschaft vernehmbar, daß wir im Westen den Willen und
die Absicht haben, unser gemeinsames Erbe und unsere gemeinsamen Interessen zu
verteidigen?

•

Es ist richtig, daß wir unsere Beziehungen zur Sowjetunion verbessert
haben. Diese Verbesserung ist begrüßenswert. Aber die Sowjetunion sieht keinerlei Konflikt zwischen Entspannung und einer Politik der Erhöhung ihrer militärischen Kapazität. Verteidigungsminister Schlesinger hat dazu erklärt:
"Solange die Sowjets eine Bedrohung darstellen - und ich hoffe, daß diese Bedrohung als Ergebnis unserer Verhandlungen mit ihnen über beiderseitige Truppenverringerungen nachlassen wird - aber solange sie eine Bedrohung darstellen, müssen wir eine Gegenkapazität aufrechterhalten und die Stärke des westlichen Bündnisses erhalten."

Wir haben eine Armee in Europa stehen, auf die nach unserer Auffassung
die Bürger der Vereinigten Staaten stolz sein können und auf die sich nach
unserer Auffassung unsere Verbündeten verlassen 'cönnen„ Sie besteht aus zielbewußten Berufssoldaten, die sich der Pflicht der Verteidigung der Vereinig-

-13-

�I

I
Vereinigten Staaten durch die NATO verschrieben haben.

Wir sind der Auffassung, daß im heutigen politisch»militärischen Klima
die Rolle des Militärs - der Armee, der Marine und der Luftwaffe » in Europa
zu der Stärke beiträgt, von der Dr. Schlesinger gesprochen hat. Ich bin
stolz, die Siebte Armee zu befehligen und mit ihren Offizieren und Mannschaften Dienst zu tun. Ich glaube, Sie dürfen zufrieden sein, daß sie Amerikas
Beitrag zur Armeegruppe Mitte der NATO darstellt.

T"T~T"

-14-

�, amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

6/1974

TOKIO-RUNDE SOLL WEITEREN ABBAU DER ZÖLLE BRINGEN
Von J o h n J .

WASHINGTON -

Harter

(AD) - Z ö l l e s i n d i n d e r G e s c h i c h t e s c h o n immer a u s d e n

v e r s c h i e d e n s t e n Gründen e r h o b e n w o r d e n . Durch V e r t e u e r u n g d e r I m p o r t g ü t e r
wurden e i n h e i m i s c h e I n d u s t r i e n gegen den Wettbewerb a u s l ä n d i s c h e r
n i s s e abgeschirmt oder junge Industriezweige g e s c h ü t z t .

Gleichzeitig

deten d i e Zölle eine wichtige Einnahmequelle d e r Regierungen.
tigen,

Erzeugbil-

In d e r heu-

immer s t ä r k e r von I n t e r d e p e n d e n z g e k e n n z e i c h n e t e n W e l t w i r t s c h a f t

sind

s i e j e d o c h zu einem Anachronismus geworden. Z ö l l e f ö r d e r n den w e l t w e i t e n
Preisauftrieb,

f ü h r e n z u K o s t e n s t e i g e r u n g e n b e i V e r b r a u c h s g ü t e r n und v e r h i n -

dern eine r a t i o n e l l e r e i n t e r n a t i o n a l e Aufteilung der Produktionsmittel.

Die m i t d e r D e k l a r a t i o n von T o k i o - d i e von ü b e r 100 R e g i e r u n g e n a u f
d e r G A T T - M i n i s t e r t a g u n g i n d e r j a p a n i s c h e n H a u p t s t a d t im S e p t e m b e r 1973 g e b i l l i g t w u r d e - e i n g e l e i t e t e n e u e Runde von H a n d e l s v e r h a n d l u n g e n h a t s i c h
u n t e r anderem e i n e n w e i t e r e n w e s e n t l i c h e n Abbau d e r Z o l l s c h r a n k e n zum Z i e l
gesetzt.

Dadurch s o l l d i e A u s w e i t u n g d e s H a n d e l s v e r b e s s e r t ,

Druck g e m i l d e r t u n d d i e P r o d u k t i v i t ä t g e s t e i g e r t

der inflationäre

werden.

Die s e i t Ende d e s z w e i t e n W e l t k r i e g e s vom GATT ( A l l g e m e i n e Z o l l - u n d
Handelsabkommen)

durchgeführten

Runden von H a n d e l s v e r h a n d l u n g e n h a b e n

zu s e h r b e t r ä c h t l i c h e n Z o l l s e n k u n g e n g e f ü h r t .
Z o l l s ä t z e auf a l l e z o l l p f l i c h t i g e n

So wurden d i e a m e r i k a n i s c h e n

I m p o r t e von 52 P r o z e n t im J a h r e
-

1 -

bereits

19 30

�i
1930 - nach Verabschiedung des Smoot-Hawley Gesetzes - stetig bis auf gegenwärtig 8 Prozent abgebaut. Und in den übrigen Ländern kam es ebenfalls laufend
zu Zollsenkungen. In den meisten dieser Staaten liegen die durchschnittlichen
Zollsätze für Fertigerzeugnisse und Halbzeuge zur Zeit zwischen 6 und 14 Prozent.
Trotzdem sind einzelne Industrieerzeugnisse immer noch mit relativ hohen Zöllen
belastet, die in einzelnen Ländern über 20 Prozent hinausgehen und manchmal sogar noch wesentlich höher liegen.
Trotz des Abbaus der Zollschranken sind die Zölle noch immer ein Hemmnis
für den Welthandel. Textilien, Schuhe, Uhren, Glas- und Keramikwaren sind
klassische Beispiele dafür, wie arbeitsintensive Industriezweige vor dem Importwettbewerb abgeschirmt werden. Allerdings griffen die Industriestaaten
häufig auch zu anderen protektionistischen Maßnahmen wie Quotenbeschränkungen
und sonstige nicht-tarifäre Handeissschranken. Im Augenblick haben Neuseeland,
Australien, Finnland und Österreich die höchsten Industriezölle, wobei diese
Länder vorgeben, daß sie auf Grund ihrer Wirtschaftsstruktur einen besonderen
Zollschutz benötigen. Aber auch in den Vereinigten Staaten, Japan und Kanada
liegen einzelne Zölle höher als 20 Prozent, während dies bei der Europäischen
Gemeinschaft weniger häufig der Fall ist. In der Schweiz und in den nordischen
Ländern dagegen sind die Zölle ganz allgemein niedriger. Hohe Zölle sind vielfach auch bei den Entwicklungsländern anzutreffen, wo sie einmal eine wichtige
Einnahmequelle bilden und zum anderen junge Industrien schützen sollen. Doch
haben hier die Stärke der einzelnen Volkswirtschaften sowie die Verfügbarkeit
von Devisen weit größere Bedeutung für die Ausweitung des Imports.

Natürlich wird sich die "Tokio-Runde" auch mit den nicht-tarifären Handelsschranken, dem Agrarhandel sowie den besonderen Handelsproblemen der Entwicklungsländer befassen. Ein wichtiger Maßstab für ihren letztlichen Erfolg wird
jedoch sein, wie weit es gelingt, die noch bestehenden Zölle zu beseitigen.

Vorbereitungen auf die neue Runde von Handelsverhandlungen sind praktisch
seit Abschluß der Kennedy-Runde Mitte 1967 im Rahmen des GATT im Gange. In den
letzten Wochen und Monaten sind von den einzelnen Regierungen die verschiedenen
Verhandlungspläne sowie die Verfahren für einen Austausch von Konzessionen ge- 2 -

�geprüft worden. Dabei wurde davon ausgegangen, daß die neue Verhandlungsrunde
sich über mehrere Jahre hinziehen wird. Bis die Verhandlungen dann im einzelnen
beginnen können - bis zum tatsächlichen Austausch von Konzessionen -, bleibt
allerdings noch viel zu tun.
Bei früheren GATT-Runden mußte stets viel Zeit darauf verwandt werden,
Wege für einen "ausgewogenen" und "gegenseitigen" Austausch von Konzessionen
zu finden, wobei das Fehlen einschlägiger Statistiken sich sehr nachteilig bemerkbar machte. So wurden denn nach Abschluß der Kennedy-Runde Überlegungen
angestellt, wie moderne Datenverarbeitungstechniken in den Dienst der Verhandlungen gestellt werden könnten. Vor allem die Vereinigten Staaten setzten
sich hierfür ein, und es kam schließlich zur Schaffung einer Daten-Bank beim
GATT-Sekretariat, in der detaillierte Angaben über die unterschiedlichen Zölle
der verschiedenen Länder bei den einzelnen Warenpositionen aufgespeichert
werden. Auf Grund dieser Zoll-Studie des GATT, wie sie vielfach genannt wird,
lassen sich die Vor- und Nachteile der einzelnen Alternativen in den künftigen
Zollverhandlungen leichter gegeneinander abwägen.

Im Zuge der Vorbereitungen auf die Tokio-Runde haben die einzelnen Regierungen verschiedene Verfahren für einen Abbau der noch bestehenden Zölle
eingehend geprüft.

Das Verfahren nach Positionen: Von 1947 bis in die sechziger Jahre hinein
bestanden die multilateralen Zollgespräche des GATT vorwiegend aus gleichzeitig
geführten, ineinandergreifenden bilateralen Verhandlungen. Gruppen von Ländern
handelten, Position um Position, Zollsenkungen aus, um so eine etwa gleiche
und gerechte Ausweitung des Warenflusses zu erreichen, und die so vereinbarten
Konzessionen wurden dann auf die anderen Länder übertragen. Die Kompliziertheit dieses Verfahrens führte dazu, daß sich die Verhandlungen sehr lange hinzogen. Und da viel häufiger Senkungen bereits niedriger Zollsätze für relativ
unwichtige Warenpositionen angeboten wurden, blieben die zum Schutze bestimmter
Industrien errichteten hohen Zollmauern praktisch unberührt. Um an diese Zölle
heranzukommen, bedurfte es also eines anderen Verfahrens.
Lineare

�Lineare Zollsenkungen: Die Kennedy-Runde befaßte sich erstmalig mit
"linearen" Zollsenkungen. Die Unterhändler legten einen allgemeinen Prozentsatz fest, um den alle Industriezölle gesenkt werden sollten, und verhandelten
lediglich über Ausnahmen. Auf diese Weise konnte auf einer viel breiteten
Ebene eine Handelsliberalisierung erreicht werden, als dies bei früheren Verhandlungen der Fall war. Dieses Verfahren kann sich, je nach der Höhe des gewählten Prozentsatzes, der für die Durchführung gesetzten Frist sowie der Zahl
der Ausnahmen, mehr oder weniger stark auf den Händelsfluß auswirken.

Harmonisierungsverfahren: Einige Länder haben für die Tokio-Runde verschiedene Harmonisierungsverfahren vorgeschlagen mit dem Ziel, gerade die nach
der Kennedy-Runde noch bei einzelnen Warenpositionen bestehenden hohen Zölle
abzubauen. Diese "Harmonisierung" könnte auf verschiedene Weise erfolgen.. Zum
Beispiel könnten die Zölle nach einem gleitenden Prozentsatz, je nach Höhe des
ursprünglichen Zollsatzes, gesenkt werden. Es könnten auch nur die in einem
Lande geltenden höheren Zölle auf den niedrigeren Satz der anderen Länder angeglichen werden. Und schließlich ließe sich die Kluft zwischen dem hohen und dem
niedrigeren Zollsatz dadurch einengen, daß der hohe Zoll gesenkt und der
niedrigere erhöht wird.

Zollfreier Handel: Einzelne Experten gehen sogar so weit, daß sie zum
Beispiel bei Industrieerzeugnissen bis zum Jahre 2000 einen völlig zollfreien
Handel fordern. Ein solcher Vorschlag würde einen phasenweisen Abbau der Zölle
über einen längeren Zeitraum hinweg bedingen, wobei die einzelnen Zeitabschnitte für die vereinbarten Zollsenkungen bei den einzelnen Warenpositionen
je nach Schutzbedürftigkeit der betreffenden Industriezweige unterschiedlich
lang sein würden. So schön sich dieser Vorschlag in der Theorie ausnehmen mag,
so dürften ihn die Regierungen während der Tokio- Runde kaum annehmen.

Beseitigung der Niedrigzölle: Ein realistischeres Ziel für die gegenwärtige
Runde von HandelsVerhandlungen dürfte da schon die Beseitigung der Niedrigzölle
sein - zum Beispiel aller Zölle, die unter 5 Prozent des Warenwertes liegen.
Ein solcher Vorschlag wird von verschiedenen Seiten unterstützt, da die Kosten

�Kosten der Zollerhebung hier vielfach die potentiellen wirtschaftlichen Vorteile übersteigen dürften.
Vorgehen nach Sektoren: Von kanadischer Seite ist schon seit langem gefordert worden, bestimmten Industriesektoren in den Verhandlungen Vorrang einzuräumen mit dem Ziel, bei diesen alle tarifären und nicht-tarifären Handelsschranken zu beseitigen. Als Begründung wird angeführt, daß auf diese Weise
eine rationellere Verteilung der Produktionsstätten entsprechend den jeweiligen
Standort- und Wettbewerbsvorteilen erreicht werden würde.

Kombination verschiedener Verfahren: Die Unterhändler könnten natürlich
auch verschiedene Verfahren gleichzeitig anwenden. So könnte zum Beispiel eine
lineare Senkung aller Zölle vereinbart werden und gleichzeitig könnten alle
Niedrigzölle aufgehoben werden. Die noch verbleibenden Zölle könnten "harmonisiert" und für bestimmte Wirtschaftssektoren könnte ein praktisch zollfreier
Handel angestrebt werden. Den Entwicklungsländern könnte dabei ein gewisses
Maß an Flexibilität zugestanden werden.

Auf jden Fall wird in amerikanischen Delegationskreisen einer Politik der
Vorzug gegeben, die verschiedene Verfahren kombiniert, da sich so wahrscheinlich ein Höchstmaß an Zollsenkungen während der Tokio-Runde erreichen ließe.

- 5-

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7810">
                <text>27.03.1974</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7811">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="7812">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14382">
                <text>Amerikadienst 27.03.1974</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14383">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Nixon umreißt transatlantische Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz am 19. März in Houston -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger nimmt zu transatlantischen Beziehungen Stellung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Pressekonferenz am 21. März 1974 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ansprache des Oberbefehlshabers der US-Armee in Europa und der Siebten Armee, General Michael S.Davison, vor dem Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tokio-Runde soll weiteren Abbau der Zölle bringen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von John J. Harter -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1907" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1918">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/82a007a4de4d0d83faba3ea17cf5cb16.pdf</src>
        <authentication>bfbf8ced9c697ca723bb9ea78633ba1c</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9577">
                    <text>13

27. März 1985

INHALT

1

INFORMATION
USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nictiolson
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert
DOKUMENTATION
Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 2 1 . März 1985
- Auszüge Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Aufbruch zu den Planeten
Eingehende Klimaanalyse gefordert
- US-Experten schlagen Konsortium f ü r Wetterdaten vor * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Ti 111 1 J l A

Ll»j

&lt;

kl

»IJ

f?
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

USA FORDERN AUFKLÄRUNG ÜBER DEN TOD VON MAJOR ARTHUR NICHOLSON
- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -

Washington -(AD)- Wie am 26. März 1985 aus dem Weißen Haus verlautete, fordern die Vereinigten Staaten von der Sowjetunion eine Zusicherung,
daß es nie wieder zu Zwischenfällen wie der Erschießung eines amerikanischen Verbindungsoffiziers kommen wird. Auf Fragen über den Tod von Major
Arthur Nicholson hin erklärte der Stellvertretende Pressesprecher des
Weißen Hauses, Larry Speakes, daß die Administration die Absicht habe,
sich in Washington und in der DDR weiter um eine Aufklärung des Vorfalls
zu bemühen. "Wir werden bei den Sowjets auch weiterhin auf eine umfassende Erklärung dringen, und wir erwarten definitiv, auch eine zu bekommen.
Wir möchten zugesichert bekommen, daß es niemals wieder zu einem derartigen Vorfall kommen wird," sagte Speakes.

Im Hinblick auf die Äußerung Präsident Reagans, daß der Zwischenfall
ihm ein Gipfeltreffen mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gorbatschow
als "noch dringlicher" erscheinen lasse, erklärte Speakes, daß ein solches Gipfeltreffen ebenso wie die Genfer Rüstungskontrollverhandlungen
einen "Versuch zum Abbau von Spannungen und damit zur Verhinderung sol-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Verhinderung solcher Vorfalle" darstelle.

Er bestätigte, daß bei früheren Gelegenheiten Angehörige des sowjetischen Verbindungspersonals in Sperrgebieten der amerikanischen Streitkräfte in der Bundesrepublik aufgegriffen und unversehrt wieder abgeschoben worden seien. Er fügte hinzu, daß die Vereinigten Staaten Angehörige
des sowjetischen Verbindungspersonals auch in Zukunft nicht anders behandeln würden.

Speakes meinte, daß das Weiße riaus keine Einwände gegen die Art und
Weise hege, in der sich Verteidigungsminister Weinberger zu der Tragödie
geäußert habe. Nach Presseberichten hatte Weinberger das Verhalten des
sowjetischen Wachsoldaten als erneuten Ausdruck der inzwischen bekannten
sowjetischen "KAL-Mentalität" bezeichnet, eine Anspielung auf den Abschuß
einer Passagiermaschine der Korean Air Lines durch sowjetische Kampfflugzeuge vor 18 Monaten.

Die Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, in der es hieb,
daß Nicholson ein Fenster eines sowjetischen Lagergebäudes geöffnet und
durch die Öffnung photographiert habe, wurde vom Sprecher des amerikanischen Außenministeriums, Bernard Kalb, als "offenkundige Zweckbehauptung"
bezeichnet. "Wir können nur sagen, daß die Tatsache, daß die Sowjets nach
der unentschuldbaren Erschießung von Major Nicholson zu allem Überfluß
auch noch eine derart tendenziöse Darstellung des Vorfalls geben, uns mit
Abscheu erfüllt."
Von Journalisten gefragt, ob der Zwischenfall Auswirkungen auf die
Genfer Rüstungskontrollverhandlungen mit den Sowjets haben werde, sagte
Kalb, daß "dieser tragische Vorfall offenkundig nicht zu einer Verbesserung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen beitragen wird. Ich halte
es jedoch für unangemessen, zum gegenwärtigen Zeitpunkt darüber zu spekulieren, welche speziellen Bereiche betroffen sein könnten."

Bereits am 25. März 1985 hatte der Leiter der Europaabteiluny im amerikanischen Außenministerium, Unterstaatssekretär Richard ßurt, vor Journalisten zu dem Vorfall Stellung genommen. Seine Erklärung hat folgenden

�hat folgenden Wortlaut:

Major Nicholson gehörte zu einer aus zwei Mann bestehenden Streife
der Militärischen Verbindungsmission der Vereinigten Staaten in der DDR.
Er und sein Begleiter, Sergeant Schatz, waren unbewaffnet und in einem
amerikanischen Militärfahrzeug unterwegs. Letzteres trug Militärkennzeichen und war als amerikanisches Militärfahrzeug zu erkennen. Die Männer
trugen amerikanische Felduniformen.

Die Militärischen Verbindungsmissionen versehen ihren Dienst auf der
Grundlage eines bilateralen Abkommens zwischen den Streitkräften der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, das kurz nach Ende des Zweiten
Weltkriegs unterzeichnet wurde; im Jahre 1947, um genau zu sein. Die sowjetische Mission ist bei den amerikanischen Streitkräften in der Bundesrepublik Deutschland akkreditiert und wird strikt im Einklang mit den Bestimmungen des Abkommens von 1947 behandelt.
Der Vorfall ereignete sich gestern, am 24. März, um 15.30 Uhr deutscher Zeit in der Nähe von Ludwigslust in der DDR. Ich zeige ihnen den
Ort des Geschehens. Es war genau hier (zeigt es auf einer Karte). Die
gelben

Markierungen

bezeichnen

sogenannte

PRAs,

Permanent

Restricted

Areas (= Sperrbezirke). Es handelt sich dabei um Gebiete, zu denen die
Sowjetunion den Militärischen Verbindungsmissionen den Zutritt verwehrt.
Der Vorfall ereignete sich genau hier (zeigt es auf der Karte), d.h., in
der Nähe, aber nicht innerhalb eines Sperrbezirks.

Als die Zwei-Mann-Streife angegriffen wurde, befand sie sich nicht
innerhalb eines Sperrgebiets, und es waren keine sowjetischen Soldaten in
Sicht. Major Nicholson war aus seinem Fahrzeug ausgestiegen, als auf ihn
und seinen Begleiter etwa um 15.30 Uhr von einem sowjetischen Soldaten,
der aus einem nahegelegenen Waldstück hervorgekommen war, Schüsse abgegeben wurden. Die beiden Männer wurden in keiner Weise gewarnt, bevor die
Schüsse fielen. Einer der ungefähr drei Schüsse, die der sowjetische Soldat abgab, traf Major Nicholson in die Brust.

Als sein Begleiter, Sergeant Schatz, ihm zu Hilfe kommen wollte, wur- 3 -

�wollte, wurde er mit vorgehaltener Waffe zurück zu seinem Fahrzeug befohlen. Mehrere andere sowjetische Soldaten erschienen unmittelbar danach
auf dem Schauplatz und hinderten Major Nicholsons Begleiter daran, ihm
Erste Hilfe zu leisten.
Um etwa 16.20 Uhr traf ein sowjetischer Soldat mit einem Verbandskasten ein. Bis etwa 16.50 Uhr wurden keinerlei Versuche gemacht, Major Nicholson zu helfen. Um diesen Zeitpunkt herum stellte man dann fest, daß
er tot war. Bis etwa 18.30 Uhr wurden Vertreter der Militärischen Verbindungsmission in Potsdam über die Art des Zwischenfalls nicht unterrichtet, so daß der erste amerikanische Vertreter den Schauplatz der Schießerei nicht vor 21.00 Uhr erreichen konnte.
Was ich soeben dargelegt habe, beruht auf den Tatsachen, soweit sie
uns heute bekannt sind. Wir werden natürlich die Einzelheiten weiter prüfen und Lücken in der Darstellung des Hergangs ausfüllen, falls es welche
gibt. Ich bin jedoch sicher, daß die weiteren Untersuchungen, wie umfassend sie auch sein mögen, an einer Grundtatsache nichts ändern werden,
nämlich, daß es für die Ermordung von Major Nicholson oder für den Einsatz von Gewaltmitteln irgendwelcher Art nicht die mindeste Rechtfertigung gibt.

�27. März 1985

13

WILLIAM BROCK ZUM NEUEN US-ARBEITSMINISTER NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 20. März 1985 den
bisherigen Sonderbeauftragten für HandelsVerhandlungen, William E. Brock,
zum neuen Arbeitsminister nominiert.

Brock, der sich konsequent für freien und fairen Handel eingesetzt
hat, wird - nach erfolgter Bestätigung durch den Senat - Nachfolger von
Raymond J. Donovan sein, der am 15. März von seinem Amt zurücktrat.

Der Präsident verwies auf die bisherige Tätigkeit Brocks mit den
Worten: "Er war Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen, und jemand,
der sich vier Jahre lang mit Fragen des Welthandels auseinandergesetzt
hat, kann mit praktisch jedermann verhandeln." Zugleich betonte Reagan,
daß zu den Hauptaufgaben des künftigen Arbeitsministers gehören werde,
"die Beziehungen zur organisierten und nichtorganisierten Arbeitnehmer-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�nichtorganisierten Arbeitnehmerschaft weiter zu verstärken und sich mit
dem dringlichen Problem der Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere bei den
Minderheiten, auseinanderzusetzen."
Brock war seit Januar 1981 als Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen Persönlicher Vertreter des Präsidenten für die Bereiche des Außenhandels. In dieser Eigenschaft setzte er sich mit einer Vielzahl von Problemen - von landwirtschaftlichen Exportsubventionen bis hin zum Stahldumping auf dem amerikanischen Markt - auseinander.
Er trug auch dazu bei, die amerikanischen Handelspartner - wie etwa
Japan, Kanada und die Europäische Gemeinschaft - von der Notwendigkeit
der Verbesserung und Ausweitung der Regeln des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens (GATT) zu überzeugen; ihm wird auch viel von dem Verdienst dafür zugeschrieben, daß es Ende 1985 zu einer neuen Runde multilateraler Handelsverhandlungen kommen dürfte. Gleichzeitig ging er gegen
protektionistische Vorschläge des Kongresses zum Schutz der heimischen
Industrie ebenso nachhaltig an wie gegen unfaire Handelspraktiken mancher
Handelspartner der Vereinigten Staaten.
Brock hat betont: "Wir müssen den Protektionismus beseitigen... Wir
stehen vor der Wahl, entweder mehr Handel zu treiben und damit mehr Beschäftigung zu schaffen oder aber weniger Handel zu treiben und mehr
Arbeitslosigkeit zu riskieren. Nur durch eine Ausweitung des Handels
können wir hoffen, in flexiblen Wachstumsindustrien und -Sektoren langfristige Arbeitsplätze zu schaffen."
Brock vertrat den US-Bundesstaat Tennessee als Senator von 1970 bis
1977; dem Repräsentantenhaus gehörte er von 1963 bis 1970 an.
Als gemäßigter Republikaner wurde Brock 1977 Vorsitzender des Republikanischen Nationalausschusses, ein Amt, das er bis 1981 ausübte. Durch
ihn stieg das Parteivermögen um mehr als das Doppelte, und die Partei
konnte ihre Abhängigkeit von relativ wenigen vermögenden Parteifreunden
reduzieren, indem die Beiträge von anderen Mitgliedern erhöht wurden.
- 2-

�erhöht wurden. Reagan wies darauf hin, daß Brock in dieser Position "dazu
beitrug, die Republikanische Partei neu zu formieren. Er legte den Grundstein für einen der größten Siege der Republikanischen Partei in mehreren
Jahrzehnten."

William Emerson Brock, III. wurde am 23. November 1930 in Chattanooga
als Erbe der Brock Candy Company geboren. Er besuchte bis 1953 die
Washington und Lee University in Virginia und ging im selben Jahr als
Leutnant zur Marine. Von 1954 bis 1956 diente er bei der Siebten Flotte
im Fernen Osten.
Im Jahr

1956 trat er in die Süßwarenfabrik

der Familie ein und

leitete die Marktforschungsabteilung des Unternehmens. Als Vizepräsident
der Firma eroberte er sich dann seinen Platz im amerikanischen Kongreß.

Brock ist mit der ehemaligen Laura Handly verheiratet; das Ehepaar hat
drei Söhne und eine Tochter.

- 3-

�a11T1E 11lh
1

|

4

)lEl71S 3
mt

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

27. März 1985

13

PRESSEKONFERENZ DES US-PRÄSIDENTEN VOM 2 1 . MÄRZ 1985
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan nahm auf einer Pressekonferenz am 21. März 1985 zu einer Vielzahl innen- und außenpolitischer
Fragen Stellung.

Im außenpolitischen Bereich wurden die Möglichkeiten

eines Gipfeltreffens mit Gorbatschow, die jüngsten Ereignisse in Südafrika, der Besuch des Präsidenten in der Bundesrepublik Deutschland sowie
die Themen Mittelamerika und der Nahe Osten angesprochen.

Auf Fragen

nach der Haltung der Vereinigten Staaten im Nahostkonflikt betonte der
Präsident erneut, daß die Vereinigten Staaten zur Lösung der Probleme
beitragen, aber nicht direkt an Verhandlungen teilnehmen wollten.
ist Sache direkter Verhandlungen
Israel", sagte Reagan wörtlich.

"Dies

zwischen den arabischen Staaten und
Er würdigte die Bemühungen des ägypti-

schen Staatspräsidenten Mubarak und des jordanischen Königs Hussein und
sicherte die Unterstützung der Vereinigten Staaten für alle Friedensbemühungen im Sinne der Abkommen von Camp David zu.

Allerdings komme eine

Zusammenkunft mit der PLO nicht in Frage.

Der Präsident gab

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Der Präsident gab zunächst eine kurze Eingangserklärung ab, die folgenden W ortlaut hat:

Ich möchte zunächst ein paar Worte sagen.

Ich möchte den Senat der

Vereinigten Staaten für seine Entscheidung loben, die Produktion von weiteren 21 MX-Raketen zu bewilligen.

Der Senat hat die Entscheidung von vier Präsidenten gebilligt, daß
die MX-Rakete eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Abschreckung ist.

Jetzt ist die Zeit - die Zeit der Bewährung - für das Reprä-

sentantenhaus gekommen.

Die Abstimmung dort wird die Frage beantworten,

ob wir in Genf Einigkeit demonstrieren, oder ob Amerika der Sowjetunion
als eine Nation gegenüberstehen wird, die in den fundamentalsten Fragen
ihrer nationalen Sicherheit gespalten ist.

Seit über einem Jahrzehnt haben wir über die MX debattiert.

Und wäh-

rend wir debattierten, haben die Sowjets über 600 gleichartige Raketen
disloziert und gegen die Vereinigten Staaten gerichtet.

Jetzt stehen sie

kurz davor, zwei neue landgestützte strategische Systeme zu dislozieren,
und wir debattieren immer noch.

Vor kurzem haben die Parlamente von vier NATO-Ländern mutig dafür gestimmt, die Dislozierung von PERSHING II-Raketen und Marschflugkörpern zu
akzeptieren.

Die NATO-Länder warten jetzt darauf, daß der amerikanische

Kongreß den gleichen Mut an den Tag legt - oder die gleiche Entschlossenheit, wie ich sagen möchte.

Keine Anforderung eines amerikanischen Präsidenten für ein wichtiges
strategisches System ist jemals vom amerikanischen Kongreß verweigert
worden.

Es ist diese überparteiliche Einigkeit in Fragen der nationalen

Verteidigung, die die Sowjets (an den Verhandlungstisch) nach Genf zurückgebracht hat.

Wenn diese Tradition in der nächsten Woche im Reprä-

sentantenhaus nicht aufrechterhalten wird, dann ist wenig Aussicht auf
Erfolg in Genf.

Gipfeltreffen
- 2 -

�Gipfeltreffen

FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns Ihre Gedanken zu einem Gipfel-

treffen sagen - warum glauben Sie, wäre es gut, sich mit Gorbatschow zu
treffen; was, glauben Sie, könnte erreicht werden; und warum wurden Sie
bisher abgewiesen?

ANTWORT:

Ich möchte eigentlich nicht von einer Zurückweisung spre-

chen, denn der Mann ist erst einige Tage im Amt, und ich kann mir in etwa
vorstellen, was jetzt auf ihn zukommt.

Aber ich habe das gleiche bei je-

dem seiner drei Vorgänger empfunden, und dann kamen Dinge dazwischen, die
es unmöglich machten - es gibt eine Reihe von Dingen, bilateralen Fragen,
zwischen unseren beiden Ländern - andere Dinge, über die wir sprechen
müßten, als die, über die wir verhandeln oder auf Ministerebene miteinander reden, und einige dieser Dinge könnten vielleicht weitergebracht werden, wenn wir uns auf einem Gipfel treffen.

Das ist also, was ich mit einer Tagesordnung von Dingen meine, über
die man sprechen könnte - beiderseitige Probleme, vor denen wir stehen und ich meine, es ist höchste Zeit, daß wir das tun.

FRAGE: Wie stehen die Aussichten, daß das bald zustandekommt?
ANTWORT:

Ich glaube, daß sie gut sein sollten.

Einige von uns hat-

ten ein anderthalbstündiges Gespräch mit ihm (Gorbatschow) - der Vizepräsident und der Außenminister, als sie dort waren.

Ich meine daher, die

Chancen sind gut.

Der Grund, warum ich die Einladung ausgesprochen habe, liegt in der
Art des Protokolls, wie es besteht.

Wenn Sie zurückblicken, wissen Sie,

warum. Wir sind an der Reihe als Gastgeber. Darum habe ich den Vorschlag
gemacht, die Einladung wurde für den Zeitpunkt ausgesprochen, an dem er
(Gorbatschow) es für passend findet.

Südafrika

�Südafrika
FRAGE:

Sir, heute wurden von Regierungsorganen in

Südafrika bei ei-

ner, wie es aussieht, anhaltenden Woge von Gewalt der Regierung der weißen Minderheit gegen die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung 17 Schwarze
erschossen.

Denken Sie daran, Ihre Politik zu ändern und mehr Druck auf

die südafrikanische Regierung auszuüben, um ihr Verhalten zu ändern?
ANTWORT:

Nein.

Ich kenne den Druck, den wir auf sie ausüben, und

ich kenne die Fortschritte, die wir gemacht haben.
noch ein weiter Weg zurückzulegen ist.

Aber wir wissen, daß

Aber - um es einmal so auszudrüc-

ken - ich glaube, die Tatsache, daß diese Menschen einfach getötet wurden
und daß die Gewalt total von der Seite von Recht und Ordnung ausging,
läßt die Tatsache außer acht, daß die Unruhen dort im Namen von anderen
ausgingen.

Das alles ist tragisch, und wir hoffen, daß das behoben wer-

den kann.

Und es ist auch wichtig zu bedenken, daß auf Seiten der Poli-

zei... einige von der Vollzugsseite, die Gewehre benutzten, auch Schwarze
waren - schwarze Polizisten.
FRAGE: Sehen Sie die Situation so, daß Schwarze eine Bedrohung für
die Weißen darstellten, die Gewehre hatten und die Schwarzen keine?
ANTWORT:

Nein.

Ich sage nur, daß es wachsende Gewalt gegeben hat,

und daß es in Südafrika ein Element gibt, das keine friedliche Regelung
dieser Frage will - das eine gewaltsame Lösung will, das Unruhe in den
Straßen will - und das ist das, was dort vor sich geht.

Ich billige das

nicht, was geschehen ist, und ich glaube, daß wir alle, wie ich sagen
möchte, dieses Regime als widerlich betrachten, aber wir werden weiterhin
versuchen, zu einer friedlichen Lösung beizutragen, wenn wir können.

Besuch in der Bundesrepublik Deutschland
FRAGE:

Herr Präsident, können Sie uns sagen, warum Sie die Entschei-

�die Entscheidung getroffen haben, während Ihrer Deutschlandreise im Mai
am Tag des Sieges in Europa kein Nazi-Konzentrationslager zu besuchen?

ANTWORT:

Jawohl, das kann ich Ihnen sagen.

Ich bin sehr dafür, daß

dieses Mal bei dem Gedenken an die Beendigung des großen Krieges wir
statt der Wiedererweckung der Erinnerungen usw. und der Leidenschaften
jener Zeit diesen Tag vielleicht als den Tag begehen sollten, an dem vor
40 Jahren Frieden und Freundschaft begannen, denn heute finden wir uns
als Verbündete und Freunde der Länder, gegen die wir einst gekämpft haben.

Und daß wir es beinahe als eine Feier des Endes einer 'Ära und des

Beginns dessen begehen sollten, was jetzt für uns rund 40 Jahre des Friedens bedeutet.

Und ich war der Meinung, weil das deutsche Volk - und es leben nur
noch recht wenige, die sich noch an den Krieg erinnern, und sicher kaum
einer, der als Erwachsener irgendwie daran teilgenommen hat - sie (die
Deutschen) haben ein Gefühl, ein Schuldgefühl, das ihnen aufgezwungen
worden ist - und ich halte das für unnötig.

Ich meine, sie sollten Aner-

kennung finden für die Demokratie, die sie aufgebaut haben und die demokratischen Prinzipien, für die sie heute eintreten.

FRAGE:

Hat die westdeutsche Regierung sie gebeten, sich so oder so

zu entscheiden?

ANTWORT:

Nein, aber bei informellen Gesprächen vor einiger Zeit mit

Bundeskanzler Kohl und anderen waren sie der gleichen Ansicht, daß wir
dies als den Beginn von Frieden und Freundschaft zwischen uns begehen
könnten.

Mittelamerika

FRAGE:

Eine Frage zu Mittelamerika:

Stellen Sie, Sir, irgendwelche

'Überlegungen an, die Contras, die gegen die Sandinisten in Nicaragua
kämpfen, als Exilregierung anzuerkennen?
ANTWORT:
- 5 -

Nein,

�ANTWORT:

Nein, daran haben wir überhaupt nicht gedacht, und doch muß

ich Ihnen sagen, daß die Angelegenheit, die jetzt vor dem Kongreß ist die 14 Millionen Dollar (Unterstützung) - nicht das Problem ist.
Es geht darum, daß die Vereinigten Staaten versuchen, einem Volk zu
helfen, dem mit Gewalt, Täuschung und Betrug eine kommunistische Tyrannei
aufgezwungen worden ist, und entweder wir setzen eine Tradition fort, die
wir immer vertreten haben, oder wir geben das ganz auf.
wir sollten das nicht aufgeben.

Und ich meine,

Ich meine, unser Standpunkt ist klar.

* * * * *

- 6-

�27. März 1985

13

WELTWEITE ABSCHEU GEGEN DIE SOWJETISCHE INVASION AFGHANISTANS
- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -

WASHINGTON - (AD) - In einer Proklamation, die den 21. März 1985 den traditionellen Neujahrsbeginn der Bevölkerung Afghanistans - zum Gedenktag gegen die vor fünf Jahren erfolgte Invasion des Landes durch sowjetische Truppen erklärte, sagte Präsident Ronald Reagan: "Die überwältigende Mehrheit der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu
bereiten."

Der Text der Proklamation hat folgenden Wortlaut:

In einer Zeit des Wohlstands denken wir nicht an Hunger und Mühsal.
In einer Zeit des Friedens denken wir nicht an Leiden und Krieg. In einer
Zeit, da unsere Familien in Gesundheit zusammenleben, denken wir nicht an

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wir nicht an das Leid, das über uns käme, würden sie auseinandergerissen.
Und doch kann das afghanische Volk sich von derlei Gedanken nicht losreissen, denn Terror, Mühsal und Leiden sind zu einem Teil seines Lebens
geworden, seit die Sowjetunion vor über fünf Jahren brutal in dieses Land
eingefallen ist und es besetzt hat.

Der 21. März ist für das afghanische Volk der Beginn eines neuen
Jahres. Dies ist traditionell ein Feiertag, wenn die Familien zusammenkommen, um den Neubeginn des Lebens zu begehen, um sich zu erfreuen und
um Gott für seine vielen Gaben zu danken.

Aber heute dürfte es in Afghanistan schwer sein, sich an die Tage zu
erinnern, als das Land in Frieden lebte, als es genug zu essen gab und
als das Heim der Menschen sicher war, denn die überwältigende Mehrheit
der Afghanen befindet sich in einem leidenschaftlichen Kampf, um der sowjetische Besetzung ihres Landes sowie der Herrschaft des Marionettenregimes mit Babrak Karmal an der Spitze ein Ende zu bereiten.

Das Jahr 1984 war für die Afghanen besonders hart. Die Sowjets überkam angesichts ihrer Unfähigkeit, den Geist der afghanischen Freiheitskämpfer zu brechen, ein Gefühl der Vergeblichkeit und sie setzten daher
ihre militärische Macht in verstärktem Maße gegen die Zivilbevölkerung
des Landes ein und zwangen weitere Hunderte und Tausende unschuldiger
Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen.

Berichte über die sowjetischen Scheußlichkeiten und Menschenrechtsverletzungen werden von der Weltöffentlichkeit immer stärker beachtet.
Geachtete Organisationen wie die Menschenrechtskommission der Vereinten
Nationen, wie Amnesty International und wie die Helsinki-Beobachtungsgruppen haben erst kürzlich Studien veröffentlicht, die Einzelheiten des
Terrors aufzeigen, dem das afghanische Volk durch die Sowjets und das
Regime Karmals ausgesetzt ist. Karmals unlegitimierte und brutale Machtausübung dauert nur deshalb an, weil sie durch mehr als 100.000 Soldaten
der sowjetischen Besatzungstruppen gestützt wird.

Alle

Amerikaner

�Alle Amerikaner sind empört über die wachsende Brutalitat der Sowjets
gegen das stolze und freiheitsliebende Volk Afghanistans. Auch hat die
gesamte Staatengemeinschaft diese Besetzung Afghanistans verurteilt. Tatsächlich hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen - mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit aller Staaten - sechsmal eindeutige
Resolutionen verabschiedet, die

- den sofortigen Abzug aller ausländischen Truppen aus Afghanistan forderten;
- das Recht des afghanischen Volkes bekräftigten, seine eigene Regierungsform zu bestimmen und sein eigenes wirtschaftliches, politisches
und gesellschaftliche System zu wählen;

- bekräftigten, daß die Bewahrung der Souveränität, der territorialen
Integrität, der politischen Unabhängigkeit und des bündnisfreien Charakters Afghanistans für eine friedliche Lösung des Problems von entscheidender Bedeutung ist; und

- die Schaffung von Bedingungen forderten, die die afghanischen Flüchtlinge in die Lage versetzen sollen, aus freien Stücken, gesichert und
ehrenhaft wieder in ihre Heimat zurückzukehren.

Alle Amerikaner sind geeint in dem Ziel der Freiheit für Afghanistan.
Ich fordere das amerikanische Volk dazu auf, sich zu einer Zeit, da wir
mit Wohlstand und Sicherheit gesegnet sind, an den afghanischen Kampf gegen Tyrannei und Gewaltherrschaft zu erinnern. Wir sind voll der Bewunderung für den unbeugsamen Mut des afghanischen Volkes, das eine Inspiration für alle freiheitsliebenden Nationen der ganzen Welt ist.

Der Afghanistan-Tag wird dazu dienen, die grundlegenden Prinzipien
wieder in die Erinnerung zurückzurufen, um die es geht, wenn ein Volk um
die Freiheit kämpft, seine eigene Zukunft zu bestimmen wie auch um das
Recht, sich ohne Einmischung von außen selbst zu regieren.

Zollen wir

daher dem tapferen afghanischen Volk unseren Tribut, indem wir den 21.

�wir den 21. März 1985 als Afghanistan-Tag begehen. Unsere Bewunderung
gilt auch weiterhin seiner Sache und seiner Standhaftigkeit; wir werden
auch weiterhin alles in unserer Macht Stehende tun, um dem tapferen afghanischen Volk humanitäre Hilfe zukommen zu lassen - einschließlich jenen Millionen afghanischer Flüchtlinge, die gezwungen wurden, aus ihrer
Heimat zu fliehen.

Deshalb erkläre ich, Ronald Reagan, Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika, hiermit den 21. März 1985 zum Afghanistan-Tag.

Zum Zeugnis dessen habe ich dies unterzeichnet am 21. Tag des März im
Jahr unseres Herrn 1985 und im 209. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika.

(gezeichnet) Ronald Reagan.

* * * * *

- 4-

�27. März 1985

13

NEUER AUFBRUCH ZU DEN PUANETEN

- (AD) - Mehr als zweieinhalb Jahre wird die Sonde GALILEO zum Jupiter unterwegs sein, bis sie (Ende 1988) in die vorgesehene Umlaufbahn um
diesen grötiten Planeten unseres Sonnensystems eintritt.

Wie Geoffrey

Briggs, Direktor des NASA-Programms für die Erforschung

des Sonnensy-

stems, kürzlich auf der 16. Internationalen Konferenz für Mond- und Planetenforschung

(11. -

15. März

1985 im

Johnson-Raumfahrtzentrum

von

Houston, Texas) berichtete, soll diese Orbitersonde im Mai 1986 an Bord
eines Raumtransporters zunächst in eine Erdumlaufbahn und dann mittels
einer Oberstufe der CENTAUR-Rakete auf den Weg zum Planeten Jupiter gebracht werden.

Der Start vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida sei nur

eine Woche nach dem Start von ULYSSES geplant, einer von des amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) gemeinsam mit der Europäischen
Weltraumbehörde (ESA) gebauten interplanetaren Sonde zur Erforschung der
Sonne aus einer polaren Umlaufbahn.

Gegenwärtig wird erwogen, GALILEO auch zur Beobachtung eines Kleinplaneten einzusetzen.

Es handelt sich um Amphitrite im Asteroidengürtel

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Astero.1 je* .gürtel zwischen Mars und Jupiter, einen Körper von ca. 200
km Durchmesser.

GALILEO wird ihn im Abstand von 10 000 bis 20 000 km

passieren und, da er rotiert, Aufnahmen von großen Teilen seiner Oberfläche machen können.

Die Bildauflösung dürfte ca. 100 m betragen - was

bedeutet, daG das kleinste, noch erkennbare Objekt in Wirklichkeit etwa
100 m groß ist. Mit einem speziellen Spektrometer unter den Instrumenten
von GALILEO würde der Kleinplanet komplett abgetastet.

Daraus ergäben

sich Rückschlüsse auf seine Größe, seine Form, die spezifische Dichte und
auf die Zusammensetzung der Minerale an der Oberfläche.

Die Auswertung

der Daten könnte die Frage beantworten helfen, ob es sich bei "Amphitrite" um das Fragment eines aufgebrochenen Planeten handelt und ob der
Asteroidengürtel möglicherweise eine Quelle für viele der Meteorite ist,
die auf die Erde stürzen.

Wenn GALILEO im Dezember 1988 in eine Umlaufbahn um den Planeten Jupiter eintritt, beginnen zum ersten Mal Langzeituntersuchungen an seiner
Atmosphäre, an seiner Magnetosphäre und an seinen zahlreichen Monden.
Die Sensoren an Bord dieses Orbiters werden durch eine Atmosphärensonde
ergänzt, die GALILEO ausstoßen wird und die in die dichte Wolkenhülle
eindringen soll.

Messungen über Turbulenzen, Strömungsvorgänge und Zu-

sammensetzung der Lufthülle wären für die Wissenschaftler von größtem
Interesse.

Auch ULYSSES wird nach dem Absetzen aus dem Nutzlastraum des Raumtransporters zunächst einmal den Weg in Richtung Jupiter nehmen.

Die

hohe Gravitationskraft dieses Planeten wird jedoch in einem bestimmten
Routenabschnitt dazu benutzt, die Sonde aus der Umlaufebene der Planeten
um die Sonne hinauszukatapultieren und auf eine Sonnen-Umlaufbahn
bringen, deren Ebene nahezu senkrecht zur Planetenebene steht.

zu

Nur so

ist es möglich, Beobachtungen an der Sonne auch in deren polaren Bereichen zu machen.
lich.

Sie waren bisher einer direkten Sondierung nicht zugäng-

Diese könnte jedoch zu einem besseren Verständnis der Sonnenakti-

vität und deren Einfluß auf Klima und Wetter auf der Erde beitragen.

Am 15. und 21. Dezember 1984 wurden von der Sowjetunion zwei VEGA- 2 -

�zwei VEGA-Sonden zur Venus gestartet.

Sie sollen, so berichtete Valeri

Barsukov, im Juni 1985 bei Annäherung an den Planeten Landegeräte absetzen, die durch die dichte Wolkenhülle bis zur Oberfläche vordringen.
ter Ausnutzung der Gravitationsbeschleunigung

Un-

durch den Planeten Venus

hoffe man schließend die VEGA-Sonden auf eine Route zu lenken, von der
aus im März 1986 die Nahbeobachtung des Halleyschen Kometen möglich wird.
Außerdem wird VEGA Ballongondeln mit Meßgeräten in die Venus-Atmosphäre
senden.

Dies ist ein Gemeinschaftsprojekt der USA mit Frankreich und hat

zum Ziel, die Häufigkeit von Blitzentladungen, vertikale Windböen, Temperatur und Druck der Atmosphäre sowie Positionen und Dichte der Wolken zu
untersuchen.

Möglicherweise bringen die Meßdaten eine Erklärung für die

Tatsache, daß die Venus-Wolken an der Oberfläche mit 400 km Stundengeschwindigkeit um den Planeten kreisen, während es tief unten, nahe der
Oberfläche, kaum Bewegung gibt.

Barsukov gab in Houseton auch einen Bericht über die spektakulären
Radar-Bilder, die die beiden Sonden VENERA 15 und 16 aus ihren Umlaufbahnen um die Venus zur Erde übermittelten.

Mit Hilfe des Seitenradars -

Mikrowellen, die die Dichte Wolkenhülle über der nördlichen Halbkugel
durchdringen konnten - bekam man die bisher klarsten Bilder von Einschlagkratern, Hügelland, Gebirgsketten und anderen auffälligen Merkmalen
der Venus-Oberfläche.

"Die Aufnahmen erlauben uns einen Vergleich der

Venus-Oberfläche mit der anderer Planeten", sagte Barsukov.

"Sie zeigen

geologisch junge Formationen, Land mit vulkanischer Aktivität und starker
horizontaler Spannung - ähnlich wie auf der Erde.

Derartige Spannungs-

zonen sind auf dem Mond, auf dem Mars oder Merkur nicht zu finden.

Dem-

nach ist die Venus in dieser Hinsicht wirklich ein Schwesterplanet der
Erde."

Geoffrey Briggs kündigte an, daß die Vereinigten Staaten die VenusForschung mit dem Start einer Radar-Kartierungssonde im April 1988 von
Bord eines Raumtransporters fortsetzen wollen.

Die Sonde soll in eine

Umlaufbahn um die Venus eintreten und im Laufe der Zeit die gesamte Oberfläche des Planeten abtasten.

Die Bildauflösung dürfte etwa zehnmal grö-

ßer sein als die der VENERA-Radarsonden.
Vorerst

konzentriert

�Vorerst konzentriert sich jedoch das Interesse auf den Halleyschen
Kometen, über dessen Erscheinen schon in manchen alten Chroniken berichtet wurde. ' Nur alle 76 Jahre kommt er auf seiner weit ausschwingenden
Bahn in Sonnennähe und zeigt sich dann als der größte und lichtstärkste
Komet in unserem Sonnensystem.

Nie zuvor verfügte die Wissenschaft über

so leistungsstarke und vielseitige Forschungsinstrumente, um Geheimnissen
dieses Wanderers im kosmischen Raum auf die Spur zu kommen. Von der Europäischen Weltraumbehörde ESA wird das Forschungsgerät GIOTTO auf den Kometen angesetzt.

Japan beabsichtigt mit zwei Sonden den 160 Millionen

Kilometer langen Schweif zu beobachten und zu fotografieren.

Die Verei-

nigten Staaten planen neben ihrer Beteiligung an den VEGA-Missionen eine
spezielle Raumtransportermission ("Astro 1"), um u.a. mit drei Teleskopen
Untersuchungen im ultravioletten Spektralbereich am Kometen durchführen
zu können.

Auch in die äußeren Regionen unseres Sonnensystems dringen jetzt Forschungssatelliten vor.

Die amerikanische Sonde VOYAGER 2 passiert im Ja-

nuar 1986 den Planeten Uranus in einem Abstand von 102 000 km und gibt
damit den Wissenschaftlern erstmals die Möglichkeit, den 1781 von Friedrich Wilhelm Herschel entdeckten Planeten aus relativer Nähe zu beobachten.

Im vergangenen Jahr wurde auf Fotografien mit lichtstarken Fern-

rohren ein Ringsystem um den Uranus gefunden.

VOYAGER 2, im August 1977 gestartet, sandte von seiner Erkundungsfahrt durch den interplanetaren Raum bereits spektakuläre Bilder von
Jupiter und seinen Trabanten sowie von Saturn, dessen Ringsystem und Monden zur Erde.

Von seinem gegenwärtigen Ziel, dem Uranus, ist er noch

etwa 480 Millionen Kilometer entfernt.

Aber er übermittelt bereits Auf-

nahmen, deren Bildauflösung größer ist als auf den Fotos stationärer Teleskope.

Und es ist zu erwarten, daß die Bildschärfe in den nächsten Mo-

naten immer besser wird.

Nach seinem Vorbeiflug am Uranus wird VOYAGER 2

den Planeten Neptun ansteuern.

Briggs berichtete, daß technische Verbesserungen am "Deep Space Net- 4 -

�Space Network" - einer Kette von amerikanischen Bodenbeobachtungsstationen für interplanetare Sonden - zu großen Hoffnungen auf wissenschaftliche Erkenntnisse durch die Uranus- und Neptun-Sondierung berechtigt.
"Als VOYAGER 2 gestartet wurde, konnten wir Meüdaten und andere wissenschaftliche Informationen aus Bereichen nur wenig jenseits der SaturnBahn empfangen", sagte Geoffrey Briggs.

Inzwischen wurde es dennoch mög-

lich, die wegen der großen Entfernung unvorstellbar schwachen VOYAGERSignale weiterhin aufzunehmen und so zu verstärken,

daß sie der wissen-

schaftlichen Analyse zugänglich sind.

Planetenprogramme

Planet

mittlerer Sonnenabstand

Programm

Venus

108 Millionen km

VEGA, VENERA 15, 16,
Venus-Radarkartierung

Jupiter

779 Millionen km

GALILEO, ULYSSES,
VOYAGER 2

Saturn

1427 Millionen km

VOYAGER 2

Uranus

2872 Millionen km

VOYAGER 2

Neptun

45U1 Millionen km

VOYAGER 2

* * * * *

- 5-

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

13

27. März 1985

EINGEHENDE KLIMAANALYSEN GEFORDERT
- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -

WASHINGTON - (AD) - Die gegenwärtige Dürre in Afrika ist nach Meinung
amerikanischer Wissenschaftler in erster Linie die Folge von einschneidenden Veränderungen im Erdklima.

Deshalb sei es dringend erforderlich,

weltweit meteorologische Daten zu sammeln, um über die Dauer und das zu
erwartende Ausmaß dieser Dürreperiode zuverlässige Voraussagen machen zu
können.

Anläßlich eines von der amerikanischen Bundesbehörde für Meere

und Atmosphäre (NOAA) Anfang März in Washington veranstalteten internationalen Seminars wurde von amerikanischer Seite die Bildung eines Konsortiums vorgeschlagen, das sich um die Beschaffung solcher Daten kümmert.

Ihm sollen Experten aus den USA und aus afrikanischen Ländern an-

gehören.

Wie Dr. Eugene Rasmusson, der Leiter der Abteilung Diagnostik

des NOAA-Zentrums für Klimaanalyse, erklärte, bemühe man sich um Unterstützung des Vorhabens sowohl durch Organisationen

wie NOAA und WMO

(Weltwetterwacht, Organisation der Vereinten Nationen) als auch durch die
Weltbank und durch Stiftungen, die sich auf afrikanische Angelegenheiten
konzentrieren.
Dr. Alan D. Hecht,

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel : 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dr. Alan D. Hecht, der Direktor des NOAA-Amtes für Nationale Programme in Klimafragen, verwies in einem Interview auf Aktivitäten, die als
erstes in Angriff genommen werden sollten:

Bessere Datenerfassung, bes-

sere Kommunikation (d.h. Weitergabe der meteorologischen Daten), Ausbildung von Spezialisten in Afrika, damit diese eigene Forschungsprojekte
durchführen können, und Aufbau eines Informationsnetzes sowohl zwischen
afrikanischen Ländern als auch zwischen Afrika und der übrigen Welt.

Durch die wachsende Zahl von Stationen zur Wetter- wie zur Satelliten-Beobachtung fallen, so Dr. Hecht, unvergleichlich mehr Daten an als
in früheren Jahren.

Diese Einrichtungen geben der Forschung "leistungs-

fähige Instrumente" an die Hand, die dazu genutzt werden müssen, alle
Möglichkeiten zu sondieren.

Es gehe u. a. um Forschungen zur Vorhersage

großräumiger Zirkulation in der Atmosphäre oder z. B. um Untersuchungen
zur Auswirkung von Phänomenen wie des El Nino-Effekts (einer Meeresströmung im Pazifik, die infolge regionaler Änderungen ihres Verlaufs periodische Klimaänderungen zur Folge hat). Solche Studien könnten auch dazu
beitragen, Vorhersagen über klimatische Veränderungen und Bedingungen in
anderen Teilen der Welt, etwa in Afrika, Indien oder Brasilien, zu verbessern.
len.

Es seien komplexe Prozesse, die sich in der Atmosphäre abspie-

Aber die Lufthülle ist nun einmal ein Ganzes, so daß sich Vorgänge

z. B. über dem Pazifik oder über Nordamerika weltweit auswirken.

Dr. Sharon Nicholson, Meteorologin an der Clark University in Worcester (Massachusetts), befaßt sich mit der Frage von KlimaVeränderungen
über lange Zeiträume.

Es gebe einige fragmentarische Unterlagen, aus de-

nen hervorgehe, daß Anfang des 19. Jahrhunderts Afrika eine ähnliche
schwere und anhaltende Dürreperiode durchgemacht haben müsse wie jetzt,
erklärte sie.

Dr. Nicholson ist überzeugt, daß die Ursache für die ge-

genwärtige Trockenheit "in einem schwerwiegenden und sehr wichtigen meteorologischen Phänomen" zu suchen sei, das den Menschen zwinge, sich den
Bedingungen anzupassen.

Möglicherweise dürften Methoden der Bodennut-

zung, die jahrhundertelang üblich waren, jetzt grundsätzlich nicht mehr
angewandt werden.
Über neue Erkenntnisse

�Über neue Erkenntnisse aus Satelliten-Daten berichtete Dr. Yale Mintz
vom amerikanischen Goddard-Institut für Weltraumforschung.

Sie betreffen

die Vorgänge, durch die Bodenfeuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt und
zum Niederschlag wird.

Mintz zeigte auf, da(3 die Oberflächenverhältnisse

auf dem Festland

seine Vegetation, insbesondere

und

der Bewuchs mit

Blattpflanzen und Laubbäumen, die Menge der Verdunstungsfeuchtigkeit und
damit auch die Regenmenge bestimmt.

Diese Daten müßten gesammelt und

sorgfältig untersucht werden, sagte Mintz.

Sie seien schon deshalb von

besonderer Bedeutung, weil die Forschung mittels Satelliten noch jung sei
und die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse künftig immer wichtiger
würden.

Dr. Atanas Todorov, Experte der NOAA und der WMO für Agrometeorologie
und Kenner der Verhältnisse in Afrika, forderte die sofortige Beendigung
der verfehlten Bodennutzung.

Dies sei schwer zu bewerkstelligen und

wahrscheinlich sogar unrealistisch, aber es sei der unbedingt notwendige
erste Schritt, wenn Lösungen für die durch den Menschen und die Natur
verursachten überaus komplexen Probleme gefunden werden sollen.

Todorov

und Nicholson traten für flexible Systeme landwirtschaftlicher Nutzung
ein, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren.

"Hände weg von be-

sonders ergiebigen Feldfrüchten, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen gedeihen und zu Mißernten führen, sobald sich diese Bedingungen ändern" , meinten sie.

Vielmehr sollten sich die Bauern auf verschiedenar-

tige Sorten und Pflanzenkulturen umstellen, damit sowohl in trockenen als
auch in regenreichen Perioden Erträge erwartet werden können.

- 3 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9574">
                <text>27.03.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9575">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9576">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13617">
                <text>Amerikadienst 27.03.1985</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13618">
                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern Aufklärung über den Tod von Major Arthur Nicholson&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Unterstaatssekretär Burt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;William Brock zum neuen US-Arbeitsminister nominiert&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 21. März 1985&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weltweite Abscheu gegen die sowjetische Invasion Afghanistans&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Präsident Reagans zum Afghanistan-Tag -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuer Aufbruch zu den Planeten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eingehende Klimaanalyse gefordert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Experten schlagen Konsortium für Wetterdaten vor -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2188" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2199">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/375e80d70402044399fc43b931dda67d.pdf</src>
        <authentication>49297419823ae48782d14f459686e0c5</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="11107">
                    <text>amcrika
dienet

U.S. Information Service
EmbassvjOf the United States of America

A
5

&amp;i&lt;^

AvN

V*

..PO
.\\0&gt;

*J^.A&lt;*

^"~d&gt;*
&lt;&amp;

•rv

27. März 1991

12

KSE

LEHMAN: BEI KSE FESTE HALTUNG
GEGENÜBER DER UdSSR
Anhörung im Kongreß
SOWJETUNION MUSS HINDERNISSE
GEGEN KSE-VERTRAG ABBAUEN
Rede von Staatssekretär Bartholomew
vor Unterausschuß des Senats

HANDEL

DIE VERLÄNGERUNG DES
"FAST-TRACK"-MANDATS
Eine Übersicht des Weißen Hauses

GOLFKRISE

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom
1. bis 15. März 1991

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-3392372
Telex: 8-85432

�KSE
27. März 1991

LEHMAN: BEI KSE FESTE HALTUNG GEGENÜBER
DER UdSSR
Anhörung im Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten wollen den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE) so schnell wie möglich durchführen und ihn durch zusätzliche Abkommen erweitern. Dies kann jedoch
nur "durch eine feste Haltung gegenüber der Sowjetunion erzielt werden", erklärte der Leiter des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung, Ronald Lehman.

Lehman erläuterte im Unterausschu ß des Senats über
Europäische Angelegenheiten am 20. März 1991, ein
erfolgreiches Ergebnis "wird nur möglich sein, wenn
wir zusammenhalten - im Bündnis und hier im Inland".
"Wenn wir zusammenhalten, übermitteln wir Moskau
eine eindeutige Botschaft: Die Sowjetunion muß verantwortungsvoll und in vollem Einklang mit ihren Verpflichtungen handeln. Wenn sie das tut, können wir
Fortschritte machen," erklärte der ACDA-Direktor.
"Die Regierung will den Vertrag so schnell wie möglich
durchführen," so Lehman. "Es ist an der Zeit, daß die
Sowjetunion handelt, damit der Prozeß der Ratifizierung und Durchführung weitergehen kann."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Anhörung im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, wir begrüßen diese Gelegenheit,
mit Ihnen den Vertrag über Konventionelle Streitkräfte
in Europa (KSE) zu erörtern und Ihnen die jüngsten
Entwicklungen darzulegen. Wie Sie wissen, hielt sich
letzte Woche eine interministerielle Delegation in Moskau
auf, urn mit unseren sowjetischen Kollegen Gespräche
über die sehr ernsten noch ausstehenden Fragen zu
führen, die Beratungen und die Abstimmung über die
Ratifizierung des KSE-Vertrags verhindert haben.
Eingangs möchte ich Ihnen die grundsätzliche Haltung
der Bush-Regierung zum KSE-Vertrag darlegen: Dieser
Vertrag liegt eindeutig im Interesse der Vereinigten
Staaten, Kanadas und ganz Europas. Tatsächlich ist
der KSE-Vertrag ein wichtiger Schritt bei unserem
Streben nach mehr Sicherheit auf der Welt. Wir
werden unser Ziel verwirklichen, in Europa ein sicheres und stabiles Gleichgewicht konventioneller StreitAMERIKA DIENST 12

kräfte auf niedrigeren Niveaus herzustellen und Ungleichgewichte abbauen, die Stabilität und Sicherheit
im Wege stehen und die Fähigkeit zur Führung eines
Überraschungsangriffs oder einer Großoffensive beseitigen. Die Verhandlungen haben darüber hinaus
eine wichtige Rolle gespielt, um in Europa positive
politische Entwicklungen einzuleiten. Deshalb ist die
Regierung der Meinung, daß der KSE-Vertrag ratifiziert und durchgeführt werden soll, wenn die Sowjetunion entsprechende Abhilfe schafft. Wenn der KSEVertrag in Kraft tritt, wird er eine wichtige Rolle in der
europäischen Sicherheitsordnung spielen und einen
entscheidenden Beitrag zur Stabilität in Europa und
einem System der Sicherheit leisten, das auf Zusammenarbeit und nicht auf Konfrontation basiert. Er wird
uns durch die Präsenz vor Ort die Verifizierung der
Zerstörung Tausender von Teilen militärischen Geräts
gestatten. Ferner wird er in einem Zeitalter rascher
Veränderungen eine feste Grundlage für Stabilität,
Gewißheit und Vertrauen bilden.
Unserer Meinung nach teilt der Kongreß diese Beurteilung des Vertrags, und wir begrü ßen insbesondere die
starke Unterstützung des KSE-Vertrags durch die
Mitglieder dieses Unterausschusses. Wir sind uns
einig, daß der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte
in Europa einen positiven Beitrag zur europäischen
Sicherheit leisten wird. Aber wir sind uns sicher auch
einig, daß alle Unterzeichnerstaaten sich an die Bestimmungen halten müssen.
Ich weiß, daß Sie sich all dieser Probleme mit der
Sowjetunion bewußt sind, dennoch möchte ich sie im
folgenden noch einmal kurz zusammenfassen.
Erstens behauptet die Sowjetunion, daß mit Gerät
bestückte Einheiten wie etwa die Marineinfanterie und
Seite 1

�die Küstenverteidigung nicht den Beschränkungen
des Vertrags unterliegen. Diese von allen anderen
KSE-Unterzeichnern zurückgewiesene Behauptung
widerspricht dem Wortlaut des Vertrags und entbehrt
jeder Grundlage in den Verhandlungsprotokollen. Der
Vertrag ist in diesem Punkt eindeutig: jegliches landgestützte Gerät unterliegt - gleichgültig, wem es untersteht - vertragsmäßigen Obergrenzen, e3 sei denn, es
fällt unter eine der im Vertrag niederlegten klar definierten Ausnahmen.
Zweitens enthielt das vor Vertragsunterzeichnung
unterbreitete sowjetische Zahlenmaterial Ungenauigkeiten im Hinblick auf das sich tatsächlich zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung im betreffenden
Gebiet befindliche Gerät. Wir haben kürzlich dazu
Korrekturen erhalten, die gegenwärtig analysiert werden.
Drittens stellt der vor Aushandlung des Vertrags erfolgte Abzug sowjetischen Geräts aus dem Anwendungsgebiet keine Verletzung von KSE dar, obwohl es
Besorgnis erregt, ob die Sowjetunion im Sinne der
Verhandlungen agiert. In den letzten sechs Monaten
haben wir von der Sowjetunion eine Gesamtaufstellung des jetzt östlich des Urals stationierten Geräts und
die Zusicherung über seine letztliche Verwendung
gebeten.
Wir nehmen diese Probleme ernst. Die Regierung wird
dem Senat den KSE-Vertrag nicht vorlegen, damit er
über die Ratifizierung beraten und abstimmen kann,
bis die Sowjetunion ihren Vertragsverpflichtungen
nachkommt.

Verhandlungen, keine Sitzungen der Arbeitsgruppen
oder andere Verhandlungen über Folgefragen geben,
bis unseren Anliegen Rechnung getragen wird.
Darüber hinaus haben wir der Sowjetunion im Gemeinsamen Konsultativausschuß (Joint Consultative Group
- JCG) - dem mit dem KSE-Vertrag geschaffenen
Forum für vertragliche Probleme - deutlich gemacht,
daß ihr Vorgehen im Hinblick auf Artikel III des Vertrags unannehmbar sind. Der Gemeinsame Konsultativausschuß tagt seit dem 21. Januar. Der ursprünglich vorgeschlagene Termin für den Abschluß der
Sitzungsperiode wurde hinausgeschoben, um die noch
ausstehenden Fragen zu lösen. In dieser Zeit hat kein
anderer Unterzeichner die Argumentation der Sowjetunion zu Artikel III unterstützt. Darüber hinaus haben
wir den JCG benutzt, um gegenüber den sowjetischen
Vertretern bestimmte Fragen aufzuwerfen, etwa im
Hinblick auf unsere Probleme mit dem von ihnen als
Teil des vertragsmäßig geforderten obligatorischen
Informationsaustauschs vorgelegten Zahlenmaterials.
Alle anderen Teilnehmer sind ebenso besorgt wie wir.
Viele von ihnen haben ihr Anliegen direkt in Moskau
vorgetragen, manche bei den höchsten Regierungsstellen.
Vor weniger als einer Woche haben wir diese Botschaft gegenüber der sowjetischen Führung in Moskau wiederholt. Außenminister Baker hat die Sowjetunion nachdrücklich zum Handeln aufgefordert, um die
noch anstehenden Probleme zu lösen. Jetzt ist die
Sowjetunion gefordert. Es ist an der Zeit, daß die
Sowjetunion handelt, damit der Prozeß der Ratifizierung und Durchführung weitergehen kann.

Kurz nach Unterzeichnung des KSE-Vertrags haben
die 22 Länder, die sich an KSE beteiligen, ihre Verhandlungen - die sogenannten KSE 1A-Gespräche wiederaufgenommen. Bis unsere Sorgen im Hinblick
auf die Sowjetunion jedoch nicht aus der Welt geschafft sind, stimmen wir mit unseren NATO-Verbündeten überein, keine Folgeverhandkingen über konventionelle Waffen und insbesondere Truppenstärke
zu führen, als ob nichts gewesen wären. Es gibt kein
"Business as usual".

Herr Vorsitzender, ich möchte dort aufhören, wo ich
begonnen habe. Der Vertrag über Konventionelle
Streitkräfte in Europa bietet eine feste Grundlage für
den Aufbau eines stabileren, kooperativeren europäischen Sicherheitsgefüges. Die Regierung will den
Vertrag so schnell wie möglich durchführen. Und wir
wollen den Vertrag mit zusätzlichen Abkommen ergänzen, um Sicherheit und Stabilität Vorschub zu
leisten.

Ich möchte eins klarstellen: KSE 1A wird gegenwärtig
ausgehandelt. Niemand hat diese Folgeverhandtungen verlassen. Unsere Delegation bleibt in Wien und
ist bereit, sofort zu handeln, wenn die Sowjets das
durch die Lösung unserer gegenwärtigen Probleme
ermöglichen. In dieser Runde ist die letzte Plenarsitzung morgen, am 21. März, vorgesehen. Bei der
Gelegenheit werden wir den sowjetischen Vertretern
nochmals unsere Haltung zu den Fragen erklären und
um befriedigende Antworten bitten. Wenn wir solche
Antworten nicht erhalten, wird es keine substantiellen

Wir werden das erwünschte Ergebnis nur durch eine
feste Haltung im Umgang mit der Sowjetunion erzielen. Das wird nur möglich sein, wenn wir zusammenhalten - im Bündnis und hier im Inland. Dabei ist die
Unterstützung des Kongresses für unsere Position
außerordentlich wichtig. Wir begrüßen die Unterstützung, die wir bereits von Ihnen und Ihren Kollegen
erhalten haben. Wenn wir zusammenhalten, übermitteln wir Moskau eine eindeutige Botschaft: Die Sowjetunion muß verantwortungsvoll und in vollem Einklang
mit ihren Verpflichtungen handeln. Wenn sie das tut,
können wir Fortschritte machen.

*

Seite 2

* * *

*

AMERIKA DIPNRT1?

�KSE
27. März 1991

SOWJETUNION MUSS HINDERNISSE GEGEN
KSE-VERTRAG ABBAUEN
Rede von Staatssekretär Barthoiomew vor Unterausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Wenn der Westen den sowjetischen Hindernissen gegen die Ratifizerung und das
Inkrafttreten des Vertrags über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE) nachgibt, würde dies nur "diejenigen in der Sowjetunion ermutigen, die zu Kompromißlosigkeit raten" und später zu weiteren Problemen führen,
erklärte der Staatssekretär für internationale Sicherheitsbelange, Reginald Barthoiomew.

"Die Folge wäre eine Aushöhlung des Gefüges jüngster Ost-West-Vereinbarungen und des durch sie
hervorgebrachten Vertrauens", so Barthoiomew vor
Mitgliedern des Senats-Unterauschusses für Europäische Angelegenheiten am 20. März 1991.

natürlich Ihres eigenen großen Interesses an der Ratifizierung und Durchführung dieses historischen Vertrags bewußt. Ich möchte mit Ihnen bei der Verwirklichung unseres gemeinsamen Ziels zusammenarbeiten.

Ihm zufolge wird die sowjetische Forderung, das Gerät
der Marineinfanterie, des Küstenschutzes und der
strategischen Raketenstreitkräfte von den Vertragsbegrenzungen auszuschließen von allen anderen 21
KSE-Signatarstaaten zurückgewiesen, steht "in krassem Widerspruch zum Wortlaut des Vertrags und
entbehrt jeglicher Grundlage in den Verhandlungsprotokollen".

Zunächst möchte ich betonen, daß der am 19. November 1990 unterzeichnete KSE-Vertrag eine monumentale Errungenschaft der Nachkriegsgeschichte ist. In
vieler Hinsicht ist er eines der weitreichendsten je
geschlossenen Rüstungskontrollabkommen, und sein
Anwendungsbereich geht weit über die tatsächlichen
Waffensysteme hinaus, die er begrenzen wird.

Barthoiomew bekräftigte ferner, die Administration sei
nach wie vor der Ratifizierung und vollständigen Durchsetzung des KSE-Vertrags verpflichtet. Er fügte jedoch hinzu, "ein nur teilweise eingehaltener Vertrag
kann keine sichere oder vertrauenswürdige Grundlage
für die Entwicklung einer neuen Sicherheitsarchitektur
in Europa bieten".

Bei einer Anhörung vor diesem Unterausschuß vor
rund acht Monaten - während die Verhandlungen noch
im Gange waren - habe ich einige der Gründe dargelegt, warum der Abschluß eines KSE-Vertrags für
unsere Interessen von solch vorrangiger Bedeutung
ist. Trotz der seitdem aufgetauchten Probleme sind
wir der Auffassung, daß alle diese Gründe noch immer
stichhaltig sind:

"Die Sowjetunion hat mit ihrer Handlungsweise ein
ernsthaftes Hindernis gegen die Ratifizierung und das
Inkrafttreten dieses Vertrags aufgebaut - und es ist nun
an ihr, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen", so
Barthoiomew.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Staatssekretär Barthoiomew im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, sehr verehrte Mitglieder des Unterausschusses, ich bedanke mich für diese Gelegenheit,
die derzeitigen Probleme des KSE-Vertrags und die
Bestrebungen der Administration zu ihrer Lösung mit
Ihnen erörtern zu können. Darüber hinaus bin ich mir
AMERIKA DIENST 12

Der Vertrag setzt permanente Obergrenzen fest,
mit denen das bestehende Ungleichgewicht der
Streitkräfte in Europa behoben und das sowjetische Potential für einen größeren Angriff mit
kurzer Vorwarnzeit beseitigt wird.
Er schreibt den einseitigen und vertraglich vorgeschriebenen Truppenabzug der Sowjetunion
aus Mittel- und Osteuropa fest.
Die Sowjetunion wird durch den Vertrag verpflichtet - selbst nach dem massiven Abzug von
Gerät östlich des Urals vor der Vertragsunterzeichnung - beträchtliche Mengen an Gerät zu

Seite 1

�zerstören. Der Vertrag dient dazu, die sowjetischen Streitkräfte auszudünnen und die Optionen zur Umstrukturierung der Streitkräfte im
europäischen Teil der UdSSR zu begrenzen.
Der Vertrag fördert unsere politischen Ziele in
Mittel- und Osteuropa durch die Stärkung der
neuen, frei gewählten Regierungen in dieser
Region.
Der Vertrag sieht umfassende Vor-Ort-Inspektionen vor, die nicht nur zur Verifizierung der
Einhaltung sondern durch verbesserte Transparenz zum Aufbau von Vertrauen und Stabilität
beitragen.
Die Durchführung des Vertrags wird die Zusammenarbeit und Koordinierung innerhalb der NATO
bei Rüstungskontrollangelegenheiten im Einklang mit unserem umfassenderen Ziel der
Erweiterung der politischen Komponente des
Bündnisses verbessern.
Neben diesen konkreten Vorzügen wird der KSEVertrag als wichtigstes Fundament der Sicherheitsarchitektur in Europa nach dem kalten Krieg dienen. Er
wird in Europa eine stabile militärische Konstellation
hervorbringen, in der kein Land einen Anreiz oder die
unmittelbar nötigen Mittel hat, um eine großangelegte
Aggression durchzuführen. Nur bei Vorhandensein
dieser Grundlage können wir von einer auf Konfrontation beruhenden Sicherheitsordnung zu einer auf
Zusammenarbeit gegründeten übergehen.
Wir können diese zahlreichen politischen und militärischen Vorteile des Vertrags jedoch nicht in Anspruch
nehmen, wenn dieser nicht vollständig und wortgetreu
so angewendet wird, wie ihn die 22 Staats- und Regierungschefs in Paris unterzeichnet haben. Ein nur
teilweise eingehaltener Vertrag kann keine sichere
oder vertrauenswürdige Grundlage für die Entwicklung einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa bieten.
Die Sowjetunion hat mit ihrer Handlungsweise ein
ernsthaftes Hindernis gegen die Ratifizierung und das
Inkrafttreten dieses Vertrags aufgebaut, und es ist nun
an ihr, dieses Hindernis aus dem Weg zu räumen.
Wie Sie wissen, enthielten die von der Sowjetunion bei
der Unterzeichnung des Vertrags vorgelegten Daten
Ungenauigkeiten. Wir haben dieses Problem der
Sowjetunion gegenüber angesprochen, und in der
Folgezeit wurden diese Ungenauigkeiten teilweise
korrigiert. Darüber hinaus haben die Sowjets von Mitte
1989 bis zur Unterzeichnung des Vertrags große Mengen
an Ausrüstung vom Vertragsgebiet zu Standorten
östlich des Urals verlegt. Eine Verlegung ist keine
Vertragsverletzung, aber sie gibt zu Bedenken Anlaß,
ob die Maßnahmen der Sowjets dem Geist der Verhandlungen entsprechen. Diese Verlegungen haben
den Umfang der Ausrüstung erheblich verringert, die
von den Sowjets andernfalls zerstört werden müßte.
Wir bringen diese beiden Fragen weiterhin gegenüber
Seite 2

den Sowjets zur Sprache, um Lösungen zu finden, die
unsere Anliegen berücksichtigen.
Das bei weitem wichtigste von den Sowjets geschaffene Problem besteht in ihrer Behauptung, die Ausrüstung von Marineinfanterie, Küstenverteidigung und
strategischen Raketenstreitkräften sei von den vertraglichen Begrenzungen ausgenommen. Diese von
allen anderen 21 KSE-Unterzeichnerstaaten zurückgewiesene Behauptung steht in krassem Widerspruch
zum Wortlaut des Vertrags und entbehrt jeglicher
Grundlage in den Verhandlungsprotokollen. Artikel III
des Vertrags ist eindeutig: mit einigen klar definierten
Ausnahmen wird sämtliche landgestützte Ausrüstung
auf die vertraglichen Obergrenzen angerechnet, und
zwar unabhängig von ihrer Zuordnung zu bestimmten
Teilstreitkräften.
Dies ist in erster Linie eine Grundsatzfrage - in gutem
Glauben eingegangene Verpflichtungen müssen erfüllt werden und können nach Unterzeichnung des
Vertrags nicht einseitig neugefaßt werden. Überdies
würde eine Hinnahme dieser sowjetischen Haltung
den Vertrag dadurch untergraben, daß man damit eine
unbeschränkte Aufrüstung mit landgestütztem Gerät
gestatten würde, indem solches Gerät problemlos
Einheiten der Marineinfanterie oder des Küstenschutzes zugeordnet werden könnte.
Wir haben sowjetischen Vertretern auf sehr hoher
Ebene wiederholt verdeutlicht, daß Verpflichtungen,
die von uns allen bei Unterzeichnung des Vertrags
eingegangen wurden, erfüllt werden müssen. Gleichzeitig hat die Administration beschlossen, daß sie den
Vertrag erst dann dem Senat zur Beratung und Ratifizierung zuleiten wird, wenn die Sowjetunion ihre vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, insbesondere die
nach Artikel III. Dieser Ansatz, davon sind wir fest
überzeugt, ist die beste Methode, um die Vertragserfüllung seitens der Sowjetunion zu gewährleisten und
damit den Weg zu Ratifizierung und Inkrafttreten des
Vertrags zu öffnen. Und wir gehen davon aus, daß sich
dieser Ansatz durchsetzen wird.
Die enormen potentiellen Vorteile des KSE-Vertrags
sind Grund genung, um darauf zu bestehen, daß die
Sowjetunion ihren vertraglichen Verpflichtungen vollständig nachkommt. Das Problem ist jedoch gleichzeitig umfassender. Hier steht nicht nur die Integrität des
KSE-Vertrags auf dem Spiel, sondern auch die internationale Glaubwürdigkeit der Sowjetunion in diesem
neuen Zeitalter. Der Disput über den KSE-Vertrag ist
ein Lackmustest für die Bereitschaft der Sowjetunion,
nach dem kalten Krieg ein konstruktiver und verläßlicher Partner beim Aufbau einer stabilen, auf Kooperation gegründeten Ordnung in Europa zu sein.
Gegenwärtig findet in der Sowjetunion eine Debatte
darüber statt, ob die von Moskau in den letzten Jahren
verfolgte Außenpolitik größerer Offenheit und Zusammenarbeit vernünftig war. Die Gegner dieser Politik
möchten einige der Fortschritte wieder rückgängig
AMERIKA DIFNST 12

�machen, die von Ost und West gemeinsam erzielt
wurden. Wenn der Westen bei KSE nachgibt, würden
wir diejenigen in der Sowjetunion ermutigen, die zu
Kompromißlosigkeit raten, und wir würden weiteren
Schwierigkeiten in der Zukunft Vorschub leisten - bei
KSE und bei anderen Abkommen. Die Folge wäre eine
Aushöhlung des Gefüges jüngster Ost-West-Abkommen und des durch sie hervorgebrachten Vertrauens.

* *

AMERIKA DIENST 12

Die Administration bleibt weiterhin der Ratifizierung
und Durchführung dieses Vertrags verpflichtet. Wir
werden mit der Ratifizierung zügig fortfahren, sobald
die Sowjetunion die von ihr bei der Unterzeichnung des
KSE-Vertrags am 19. November 1990 eingegangenen
Verpflichtungen erfüllt hat. Wir freuen uns bei der
weiteren Entwicklung dieses Prozesses auf eine enge
Zusammenarbeit mit Ihnen.

* *

Seite 3

�HANDEL
27. März 1991

DIE VERLÄNGERUNG DES "FAST-TRACK"-MANDATS
Eine Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht zur Verlängerung des "Fast-track"-Mandats wurde am 19. März
1991 vom Weißen Haus veröffentlicht.

"Fast track": Der historische Hintergrund
In diesem Jahrhundert waren sich Kongreß und Exekutive die meiste Zeit der Tatsache bewußt, daß
Verhandlungen über Handelsabkommen und deren
Durchführung besonderer Zusammenarbeit bedürfen.
Nach den durch das Smoot-Hawley-Gesetz von 1930
verhängten Rekordzöllen und der davon mitverursachten Depression erkannten sowohl Kongreß als
auch Exekutive, daß beide Körperschaften nur durch
enge Zusammenarbeit Schranken gegen unseren
Außenhandel abbauen und die internationalen Märkte
für amerikanische Produkte und Dienstleistungen öffnen konnten.
Diese neue Partnerschaft fand ihren Niederschlag im
Gesetz über Handelsabkommen auf Gegenseitigkeit
(Reciprocal Trade Agreements Act) von 1934, das den
Präsidenten nicht nur zum Abschluß von Zollsenkungsabkommen, sondern auch zu deren Durchführung ermächtigte, ohne daß dafür ein besonderes
Gesetz verabschiedet werden mußte.
Als die Staaten begannen, sich weniger auf Schutzmaßnahmen durch Zölle und stärker auf nichttarifäre
Handelsschranken zu stützen, erweiterte sich das
Spektrum der Handelsgespräche, und der Kongreß
schuf das "Fast-track"-Verfahren als notwendige
Ergänzung zu dieser erweiterten handelspolitischen
Tagesordnung.
"Fast-track"-Verfahren für die Billigung von Handelsabkommen waren Bestandteil der vom Kongreß in den
Jahren 1974 und 1979 verabschiedeten Handelsgesetzgebung sowie des Handelsgesetzes von 1988.

AMERIKA DIENST 12

Der "Fast track" ist unerläßlich für erfolgreiche
Handelsgespräche
Der "Fast track" sichert dem Kongreß eine sinnvolle
Beteiligung während des Verhandlungsprozesses zu
und enthält gleichzeitig zwei Garantien, die für erfolgreiche Verhandlungen über Handelsabkommen unerläßlich sind: Erstens ein Votum zur Verwirklichung des
Gesetzes innerhalb eines festen Zeitraums und zweitens den Ausschluß von Veränderungen an diesem
Gesetz.
Diesen Verfahren liegt die Erkenntnis zugrunde, daß
Handelsabkommen, bei denen Ergebnisse in einem
Bereich häufig mit Ergebnissen in anderen verknüpft
sind, besonders anfällig für mehrfache Änderungen
sind, die - obwohl für sich genommen nur minimal zusammengenommen ganze Abkommen zu Fall bringen könnten.
Ob die in einem Handelsabkommen enthaltenen Vorteile insgesamt im Interesse der Vereinigten Staaten
liegen, kann nur durch die Bewertung des gesamten
Pakets entschieden werden.
Mit dem "Fast track" stattete der Kongreß den Präsidenten mit dem gleichen Verhandlungsspielraum aus,
den seine Verhandlungspartner besitzen: er kann
gewährleisten, daß ein international vereinbartes
Abkommen dem Abkommen entspricht, über das im
Parlament abgestimmt wird.
Ohne "Fast track" kann der Präsident unseren Verhandlungspartnern nicht zusichern, daß die von ihnen
verabredete Vereinbarung derjenigen entspricht, die
im Kongreß zur Abstimmung gelangt.

Seite 1

�Ohne diese Zusicherung sträuben sich ausländische
Regierungen dagegen, mit den Vereinigten Staaten zu
verhandeln und werden nicht die einschneidenden
Zugeständnisse machen, die für solche Abkommen
erforderlich sind, die die Vereinigten Staaten zu unterzeichnen bereit sind. Kein Handelspartner wird seine
Verhandlungsposition vollständig ausreizen, wenn er
weiß, daß das Verhandlungsergebnis in Frage gestellt
werden könnte.
Mit Hilfe des "Fast track" haben die Vereinigten Staaten drei bemerkenswerte Vereinbarungen ausgehandelt und durchgeführt, von denen jede durch eine
überwältigende Mehrheit in beiden Häusern des Kongresses bestätigt wurde. Diese Vereinbarungen - die
Ergebnisse der Tokioter Runde von 1979, das Freihandelsabkommen mit Israel von 1985 und das Freihandelsabkommen mit Kanada von 1988 - haben
Handelsschranken abgebaut und zum Wachstum in
den Vereinigten Staaten und weltweit beigetragen.
Die Vereinigten Staaten können aus Vereinbarungen
großen Gewinn ziehen, die Märkte öffnen und Regeln
für den freien und fairen Handel aufstellen. Die Beibehaltung des "Fast track" wird uns die Fähigkeit bewahren, unsere Bemühungen zur Liberalisierung des Handels
und Öffnung von Märkten durch das Allgemeine Zollund Handelsabkommen durch andere multilaterale
und durch bilaterale Vereinbarungen fortzusetzen.
Der Kongreß ist ein unerläßlicher Teil des "Fasttrack"-Prozesses
Das "Fast-track"-Verfahren bewahrt den Einfluß des
Kongresses während der Aushandlung, Bestätigung
und Durchführung von Handelsabkommen.
Um die Beteiligung des Kongresses und des Privatsektors sicherzustellen, enthält das "Fast-track"-Statut ausführliche Benachrichtigungs- und Konsultationsbestimmungen. In jeder Phase von der Initiierung bis
zur Durchführung ist der Kongreß ein aktiver Partner.
Um den "Fast track" für bilaterale oder multilaterale
Abkommen zu benutzen, muß der Präsident den
Kongreß 90 Kalendertage vor der Unterzeichnung
informieren. Zu dem Zeitpunkt, an dem der Präsident
seine 90-Tage-Benachrichtigung erteilt, müssen die
zahlreichen Beratungsgremien des Privatsektors dem
Kongreß und dem Präsidenten ihre Ansichten zu dem
betreffenden Abkommen darlegen. Bei bilateralen
Abkommen muß der Kongreß im voraus über die
Verhandlungen benachrichtigt werden. In den darauffolgenden 60 Arbeitstagen der Legislative kann entweder der Finanzausschuß des Senats oder der Bewilligungsausschuß des Repräsentantenhauses die
Anwendung des "Fast track" durch Abstimmung verweigern.
Nach Erreichung eines Abkommens arbeiten Kongreß
und Administration in enger Abstimmung zusammen,
um Durchführungsgesetze zu formulieren. In diesen
Seite 2

Prozeß wurden alle gesetzgeberischen Ausschüsse
einbezogen, nicht nur diejenigen, die traditionell bei
der Festsetzung handelspolitischer Verhandlungsziele konsultiert werden. Sind das Abkommen und dessen Durchführungsbestimmungen immer noch nicht
akzeptabel, können sie durch Mehrheitsbeschluß eines der beiden Häuser abgelehnt werden.
Wir beteiligen uns gegenwärtig an bilateralen und
multilateralen Handelsinitiativen, die nie gekannte
Aussichten für die Förderung amerikanischer wirtschaftlicher Ziele bieten. Da solche Initiativen im
Gange sind, liegt es eindeutig im nationalen Interesse,
eine Partnerschaft fortzusetzen, die in den vergangenen 60 Jahren ihren Wert bewiesen hat.
Einsatz des "Fast track" nach dessen Verlängerung
Bei der Einbeziehung des "Fast track" in das Handelsgesetz von 1988 hat der Kongreß ausdrücklich eingeräumt, daß eine Verlängerung notwendig und geeignet
sein könnte, damit der Präsident die im Gesetz festgelegten handelspolitischen Ziele effektiv verfolgen kann.
Im Falle seiner Verlängerung wäre der "Fast track" bis
zum 1. Juni 1993 gültig und würde eingesetzt, um
Handelsinitiativen wie den Abschluß der Uruguay Runde,
das Aushandeln eines Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) mit Mexiko und Kanada
sowie die handelspolitischen Ziele der Initiative zur
Förderung der Privatwirtschaft in allen Ländern Amerikas durchzuführen.
Die Unterstützung des "Fast track" wird Fortschritten
bei diesen wichtigen Initiativen Vorschub leisten, ohne
in irgendeiner Weise die Fähigkeit des Kongresses zu
schmälern, jedes Abkommen für sich zu begutachten,
wenn es zur Bestätigung vorgelegt wird.
Ein Votum gegen "Fast track" verhindert "Fast
track" für alle Abkommen
Das derzeitige "Fast-track"-Mandat wäre am 1. Juni
ausgelaufen, wenn der Präsident nicht bis zum 1. März
eine Verlängerung beantragt hätte. Die beantragte
Verlängerung wird automatisch bewilligt, es sei denn,
eines der beiden Häuser des Kongresses lehnt dies
vor dem 1. Juni mit einer gesetzlich vorgeschriebenen
Resolution ab.
Der Wortlaut der Widerspruchsresolution, der in dem
Gesetz niedergelegt ist, stellt eindeutig fest, daß mit
dem Widerspruch alle - multilaterale und bilaterale "Fast-track"-Mandate aufgehoben werden.
Die Widerspruchsresolution kann nicht dahingehend
abgeändert werden, daß sie "Fast track" für einige
Abkommen aufhebt und für andere nicht, weil die
Resolution selbst nicht geändert werden kann. Es ist
beispielsweise nicht möglich, gegen "Fast track" für
die Vereinbarungen der Uruguay-Runde zu stimmen,

AMERIKA DIENST 12

�sie jedoch für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) aufrechtzuerhalten.
Wenn von einem der beiden Häuser Widerspruch
eingelegt wird, ist "Fast track" generell hinfällig und die
Fähigkeit des Präsidenten, erfolgreich irgendein Handelsabkommen auszuhandeln, das der bilateralen oder
multilateralen Zustimmung des Kongresses bedarf, ist
entscheidend eingeschränkt, wenn nicht sogar ganz
aufgehoben.
*

Kurzum: ein Votum gegen "Fast track" ist ein Votum
gegen den Handel.

*

Die Beibehaltung des "Fast track" ist zur SicherStellung wirtschaftlicher Gewinne unabdingbar
Als grö ßte Handelsmacht der Welt sind die Vereinigten
Staaten außerordentlich an der Zukunft des Welthandelssystems interessiert. Exporte sind zu einer lebenswichtigen Quelle für die amerikanische Wirtschaft
geworden. Im Jahr 1990 machte der rund 8,5prozentige Zuwachs amerikanischer Exporte 88 Prozent des
US-Wirtschaftswachstums aus.
Um die Aufstockung der Exporte und das daraus
resultierende Wachstum aufrechtzuerhalten, müssen
wir unsere Bestrebungen zur Öffnung der Weltmärkte
fortsetzen. Wir müssen unsere aktive Führungsrolle
beibehalten. Ohne die Erweiterung von "Fast track"
sind diese Bestrebungen müßig.
Die Beibehaltung der "Fast-track"-Verfahren - und der
Partnerschaft zwischen Kongreß und der Exekutive,
die durch "Fast track" zum Ausdruck kommt - wird
unsere gemeinsamen Bestrebungen zur Liberalisierung des Handels und Öffnung der Märkte durch
GATT, andere multilaterale und bilaterale Abkommen
auf Kurs halten. Kein Land kann von diesen Bestrebungen mehr profitieren als die Vereinigten Staaten.

}

Während wir ins neue Jahrhundert eintreten, sollten
wir nicht zögern, die Möglichkeiten für erweitertes
Wirtschaftswachstum und Wohlstand zu nutzen, die
sich durch erfolgreiche Handelsgespräche bieten.
Um diese Möglichkeiten Realität werden zu lassen,
müssen der Kongreß und die Exekutive weiterhin in
der von "Fast track" vorgesehenen Weise zusammenarbeiten.
BEDEUTUNG UND NUTZEN DER URUGUAY
RUNDE
Die Uruguay-Runde ist bis heute das ehrgeizigste
aller Handelsgespräche
Das Welthandelssystem ist heute entschieden komplexer als im Jahr 1947, als das GATT formuliert
wurde. Über ein Drittel des Welthandels - mehr als 1
Billion Dollar - ist von internationalen Handelsbestimmungen nur unzulänglich abgedeckt.

AMERIKA DIENST 12

Die Verhandlungen der Uruguay-Runde - an denen
108 Länder teilnehmen - sind ehrgeizige Bestrebungen zur Stärkung und Erweiterung des Welthandelssystems und zur weiteren Senkung der Handelsschranken. Im Jahr 1986 in Punta del Este (Uruguay) ins
Leben gerufen, sind diese Verhandlungen die achte
Runde multilateraler Handelsgespräche unter der
Schirmherrschaft des GATT.
Die Vereinigten Staaten waren federführend bei dem
Ruf nach einer alle strittigen Fragen umfassenden
Tagesordnung der Uruguay-Runde. Der Kongreß
legte die Zielsetzungen der Uruguay-Runde in dem im
August 1988 verabschiedeten Allgemeinen Handelsund Wettbewerbsgesetz fest.
Die Tagesordnung der Verhandlungen umfaßt ein
breites Spektrum amerikanischer Interessen, sowohl
bei der Öffnung der Weltmärkte als auch bei der
Festsetzung interner Regeln des Fair play in Bereichen von lebenswichtigem Interesse für die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit - Dienstleistungen, Investitionen, Landwirtschaft und geistigem Eigentum. Die
Verhandlungen lassen sich in vier umfassende Kategorien unterteilen:
1.

Marktzugang (tarifäre und nichttarifäre Maßnahmen, natürliche Rohstoffprodukte, tropische
Produkte und Textilien),

2.

die "neuen" Bereiche Dienstleistungen, Rechte
an handelsbezogenem geistigem Eigentum
(TRIPs) sowie handelsbezogene investitionsmaßnahmen (TRIMs),

3.

Landwirtschaft, und

4.

GATT-Regeln (Schlichtung von Streitigkeiten,
Schutzmaßnahmen, GATT-Artikel einschließlich einer Zahlungsbilanzreform sowie nichttarifäre Maßnahmenkodizes einschließlich Subventionen und Antidumping).

Im Gegensatz zu vorherigen GATT-Verhandlungsrunden nehmen die Entwicklungsländer darüber hinaus
aktiv an allen Aspekten der Verhandlungen teil.
Die Administration hat sich verpflichtet, die Uruguay-Runde in Abkommen münden zu lassen, die
den Zielsetzungen der Vereinigten Staaten wirklich gerecht werden
Diese Entschlossenheit wurde im Dezember 1990 in
Brüssel unter Beweis gestellt. Die amerikanische und
andere wichtige Delegationen legten fest, daß eine
Beendigung des Ministertreffens ohne greifbares
Ergebnis besser wäre als die Ansprüche zurückzuschrauben und minimale Abkommen der UruguayRunde zu akzeptieren.
Die Verhandlungen wurden am 26. Februar 1991 für
alle Bereiche offiziell wiederaufgenommen, als ein
Rahmen für die Aushandlung der Agrarreform geSeite 3

�steckt wurde. Das Tempo der Verhandlungen wird
davon abhängen, wie schnell es uns gelingt, eine
akzeptable Lösung für den Agrarbereich zu finden.
Die Administration ist nicht bereit, unzulängliche Abkommen um eines Abkommens willen zu akzeptieren.
Wir sind jedoch bereit, die Verhandlungen fortzusetzen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde würde der
amerikanischen und der Weltwirtschaft beträchtliche Vorteile bringen
Exporte sind zu einer lebenswichtigen Quelle für die
amerikanische Wirtschaft geworden. Seit Gründung
der Uruguay-Runde im Jahr 1986 waren 40 Prozent
des Gesamtzuwachses des amerikanischen BSP auf
die Aufstockung der Exporte zurückzuführen. 1990
machte der Exportzuwachs 88 Prozent des amerikanischen BSP-Zuwachses aus.
Ein offenes multilaterales Handelssystem ist die beste
Garantie dafür, daß sich die amerikanischen Exportchancen bis ins nächste Jahrhundert weiterhin verbessern. Die Uruguay-Runde ist die wichtigste Initiative
zur Verbesserung dieser Möglichkeiten.
Eine erfolgreiche Uruguay-Runde würde insbesondere der amerikanischen Wirtschaft beträchtliche Vorteile bieten. Dazu zählen:
1.

Niedrigere tarifäre und nichttarifäre Handelsschranken für Fertigprodukte und andere Waren, wodurch die Weltproduktion in den nächsten 10 Jahren um 5 Billionen Dollar und die USProduktion um über 1 Billion Dollar gesteigert
werden könnte, was zusätzlich 16.000 Dollar für
eine vierköpfige amerikanische Familie bedeuten würde.

2.

Regeln zum Schutz geistigen Eigentums amerikanischer Unternehmer, denen jährlich durch
Diebstahl und Nachahmungen ein Verlust von
60 Milliarden Dollar entsteht,

3.

neue Märkte für amerikanische Dienstleistungsunternehmen mit einem jährlichen Exportvolumen von 115 Milliarden Dollar, in denen 90
Prozent aller neuen Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten geschaffen werden,

4.

5.

eine Vereinbarung, die Weltmärkte für Investitionen öffnet und dazu beiträgt, 240 Milliarden
Dollar oder zwei Drittel des gesamten US-Warenexports aufzubringen,
fairer Handel und offene Märkte in der Landwirtschaft, die jetzt amerikanischen Landwirten-mit
einem Exportvolumen von jährlich über 40 Milliarden Dollar führend in der Welt -, neue Chancen bieten,

Seite 4

6.

die vollständige Beteiligung der Entwicklungsländer am Welthandelssystem, mit der sich
amerikanische Exporte in den nächsten 10 Jahren
um 200 Milliarden Dollar steigern ließen,

7.

bessere Regeln zur Beilegung von Streitigkeiten, Antidumping, Subventionen und Korrekturmaßnahmen im Handel, mit denen Vorhersehbarkeit und Sicherheit beim Zugang zu Auslandsmärkten gewährleistet und fairer Handel
im Inland garantiert werden sollen.

Umgekehrt wird die NichtVerlängerung des amerikanischen "Fast-track"-Mandats die Verhandlungen der
Uruguay-Runde beenden und die Aussichten für
Weltwirtschaftswachstum und Zusammenarbeit schmälern.
Ein Zusammenbruch der Runde durch Beseitigung
des "Fast-track"-Mandats würde weltweit zu stärkerem Druck führen, Handels- und Investitionshemmnisse aufzubauen. Eine drastische Abwendung von
offenen Märkten könnte wie bereits in den dreißiger
Jahren zu einer weltweiten Rezession führen.
Trotz des nicht zu garantierenden letztlichen Erfolgs
der Uruguay-Runde sollten die Vereinigten Staaten die
Verhandlungen weiterführen, weil eine erfolgreiche
Runde eindeutig und langfristig im Interesse unserer
Wirtschaft liegt.
BEDEUTUNG EINES NORDAMERIKANISCHEN
FREIHANDELSABKOMMENS
Mit diesem Abkommen - NAFTA - würde eine der
größten Freihandelszonen der Welt geschaffen
NAFTA würde einen ungeheuer großen Markt mit über
360 Millionen Verbrauchern und einem Gesamtvolumen von 6 Billionen Dollar freisetzen.
Von der schrittweisen Beseitigung von Schranken für
den Fluß von Waren, Dienstleistungen und Investitionen und dem besseren Schutz von Rechten an
geistigem Eigentum würde eine breiten Schicht von
Unternehmen, Arbeitnehmern, Landwirten und Verbrauchern profitieren.
Die Gründung eines NAFTA hätte Katalysatorfunktion
für Wachstum und Entwicklung der Wirtschaft in den
Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada, weil es mehr
Handel, Investitionen und Arbeitsplätze gäbe.
Die Bedeutung des Nordamerika-Handels
Kanada ist Amerikas größter, Mexiko sein drittgrößter
Handelspartner. Die Vereinigten Staaten sind für zwei
Drittel ihres Gesamthandels verantwortlich. Im Jahr
1990 würde sich das Handelsvolumen aller drei Länder
auf 237 Milliarden Dollar belaufen.

AMERIKA DIENST 12

�Seit 1980 haben sich die amerikanischen Exporte
nach Mexiko und Kanada von 55,3 Milliarden auf 111,4
Milliarden Dollar verdoppelt. Unsere Exporte in die
Nachbarländer sind in erheblich stärkerem Maße
gestiegen als in alle anderen Länder der Welt.
Die Beseitigung von Schranken würde neue Chancen für Handel und Investitionen bieten
Seit dem Beitritt Mexikos zum GATT im Jahr 1986 und
der Einführung seiner Politik des Abbaus von Handelsschranken haben sich die US-Exporte mehr als verdoppelt - von 12,4 Milliarden auf 28,4 Milliarden Dollar.
1.

2.

3.

Die US-Agrarexporte nach Mexiko - unserem
drittgrößten Markt - beliefen sich 1990 auf 2,5
Milliarden Dollar.
Exporte von Verbrauchsgütern aus den Vereinigten Staaten nach Mexiko haben sich seit
1986 verdreifacht und sind von 1 Milliarde Dollar
auf 3 Milliarden gestiegen.
Die US-Exporte von Investitionsgütern sind von
5 Milliarden Dollar im Jahr 1986 auf etwa 9,5
Milliarden Dollar im vergangenen Jahr gestiegen.

Dies ist noch steigerungsfähig. Mexiko hat größere
Schranken für US-Exporte als wir sie für mexikanische
Lieferungen in die Vereinigten Staaten verhängen.
Zum Beispiel:
1.

2.

Mexikos Zölle betragen im Durchschnitt 10
Prozent, gegenüber den durchschnittlich 4
Prozent, die wir auf mexikanische Exporte in
unser Land erheben.
Mexiko hat nach wie vor ein strenges System
von Einfuhrlizenzen, von dem etwa 40 Prozent
aller amerikanischen Agrarexporte nach Mexiko
betroffen sind.

Darüber hinaus hat Mexiko zwar sein Investitionssystem liberalisiert, dennoch bleibt es immer noch vielen
US-Investitionen sowohl in der Fertigungs- als auch in
der Dienstleistungsindustrie verschlossen, und Erfüllungsbedingungen verzerren Exportchancen für amerikanische Waren.
Mexiko hat sich bereiterklärt, seinen Schutz für die
Rechte an geistigem Eigentum zu verbessern, und wir
erwarten dazu in absehbarer Zukunft konkrete Maßnahmen. Ein NAFTA wird solche Reformen sichern.
NAFTA bietet US-Herstellern, Arbeitnehmern und
Verbrauchern Vorteile
Wirtschaftliche Untersuchungen belegen, daß NAFTA
positive Auswirkungen auf Wirtschaft und Beschäftigung in den Vereinigten Staaten haben wird.
US-Hersteller und Arbeitnehmer werden von NAFTA
durch bessere Absatzmöglichkeiten, verbesserte
Kapazitätsausnutzung und stärkere Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Asien und Europa profitieren.
Amerikanische Verbraucher werden besseren Zugang
zu Qualitätserzeugnissen zu niedrigeren Preisen haben.
NAFTA verbessert die Beziehungen zwischen allen Ländern Nordamerikas
Ein Nordamerikanisches Freihandelsabkommen würde die umfangreichen historischen, familiären, kulturellen und sprachlichen Bindungen der Vereinigten
Staaten mit Mexiko und Kanada festigen.
Wohlhabendere Nachbarn sind bessere Nachbarn und
bessere Abnehmer amerikanischer Waren und Dienstleistungen.
Wir haben ein umfangreiches Programm mit Mexiko
und Kanada, das über Handels-, Wirtschafts- und
Investitionsbeziehungen hinausgeht. Durch die Förderung wirtschaftlichen Wohlstands in allen drei Ländern wird NAFTA uns helfen, Fortschritte bei Fragen
wie Umwelt, Drogen und Auswanderung zu erzielen.

* *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 5

�GOLFKRISE
27. März 1991

DIE GOLFKRISE
Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. März 1991
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend führen wir die Chronologie der Ereignisse am Golf für den Zeitraum vom
1. bis 15. März 1991 fort.

I.März
Der amerikanische Botschafter Edward Gnehm und
20 Angehörige der amerikanischen Botschaft treffen in
Kuwait ein. Ihre erste Amtshandlung ist das Hissen der
amerikanischen Flagge und die offizielle Wiedereröffnung der amerikanischen Botschaft, die am 14. Dezember 1990 evakuiert worden war.

die widerrechtliche Annexion Kuwaits rückgängig macht,

Die kuwaitische Ölgesellschaft gibt bekannt, daß 950
der kuwaitischen Ölquellen brennen oder von den
Irakern auf andere Weise sabotiert wurden. Umweltfachleute am Worldwatch Institute erklären, der von
den Irakern verursachte Ölteppich und die Brandstiftung bei kuwaitischen Ölquellen hätten eine Umweltkatastrophe zur Folge, die Luft, Land und See in der
Region verschmutzen und die Gesundheit von Millionen Menschen bedrohen.

über das Internationale Komitee vom Roten
Kreuz (IKRK) alle vom Irak festgenommenen
Kuwaiter und Bürger aus Drittstaaten freiläßt
sowie die sterblichen Überreste aller verstorbenen Kuwaiter oder Bürger aus Drittstaaten freigibt,

2. März
Der Irak läßt vier im Januar festgenommene CBSFernsehreporter frei, nachdem sie nahezu sechs Wochen
inhaftiert und verhört worden waren.
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet die 13. Resolution zu Kuwait, in der die Rahmenbedingungen für einen dauerhaften Waffenstillstand
festgelegt werden. Die UNO-Resolution 686 wird mit
11 zu 1 Stimme (Kuba) bei Enthaltung von China,
Indien und Jemen verabschiedet. Sieben Länder
unterstützen die Resolution: Belgien, Frankreich,
Großbritannien, Rumänien, die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Zaire. Die Resolution 686 fordert,
daß der Irak:

AMERIKA DIENST 12

im Rahmen des Völkerrechts die Haftung für die
in Kuwait und andernorts angerichteten Schäden übernimmt,

unverzüglich das gesamte beschlagnahmte
kuwaitische Eigentum freigibt,
"feindselige oder provokative Aktionen" einschließlich Raketenangriffen und Flügen von
Kampfflugzuegen einstellt,
alle Kriegsgefangenen über das IKRK freiläßt
und die sterblichen Überreste der Verstorbenen
freigibt, sowie
die Lage der Minenfelder und versteckten Sprengsätze bekanntgibt.
Die französische Regierung hebt das Einfrieren kuwaitischer Vermögenswerte in Frankreich mit einem Dekret
im "Official Journal" auf. Zum Zeitpunkt des Einfrierens am 2. August 1990 beliefen sich die kuwaitischen
Bankguthaben in Frankreich auf 7,3 Milliarden franzö-

Seite 1

�sische Francs. Die im August auf 1,5 Milliarden
französische Francs bezifferten irakischen Einlagen
bleiben der französischen Regierung zufolge ebenso
wie alle anderen finanziellen Transaktionen mit dem
Irak gesperrt.

Seiten eine Linie gezogen worden. Keine der beiden
Streitmächte darf näher als 1.000 Meter an die Linie
herankommen, und der Flugbetrieb der Iraker ist im
Umkreis von 10.000 Metern von dieser Linie untersagt,
so der General.

3. März

Der Irak lä ßt dem US-Central Command zufolge sechs
Kriegsgefangene der Koalitionsstreitmacht aus Italien,
Großbritannien und den Vereinigten Staaten im Rahmen "eines symbolischen, als Zeichen des guten
Willens durchgeführten Gefangenenaustauschs mit
dem Irak" frei. Berichten zufolge sind sie in guter
Verfassung.

Die Annahme der UNO-Resolution 686 durch den Irak
wird mit einem Schreiben von Außenminister Tarik
Asis an die Vereinten Nationen zusammen mit der
Bitte übermittelt, die Resolution "rasch und ehrlich
sowie in objektiver und würdiger Weise" durchzuführen, gibt Radio Bagdad bekannt.
Der UN-Sicherheitsrat genehmigt die Bitte um Flüge
mit Nahrungs- und Arzneimitteln sowie Wasseraufbereitungsanlagen nach Bagdad.
Sieben irakische Generäle treffen mit den führenden
Kommandeuren der Koalitionsstreitmacht in Safwan
im Irak zusammen, um die Bedingungen eines dauerhaften Waffenstillstands auszuhandeln, einschließlich
der Auslieferung von Kriegsgefangenen sowie der
Freilassung der im Irak festgehaltenen Kuwaiter. General
Norman Schwarzkopf und der saudiarabische Generalleutnant Khalid Bin Sultan, Kommandeur der Vereinigten Arabischen Streitkräfte, stimmen überein, daß
das "Klima" der Treffen ausgezeichnet war. "Die
irakische Delegation war bereit, nicht nur auf jede von
uns geäußerte Forderung einzugehen, sondern sie
auch zu erfüllen", erklärt Khalid.
Zu den an dem Treffen teilnehmenden Mitgliedern der
Koalition, die Streitkräfte in der Kriegszone stationiert
haben, zählen: Generalmajor Dschabir al-Sabah (Kuwait), Generalmajor Jusif Madane (Saudi-Arabien),
Generalmajor Ameen Hussne (Ägypten), Oberstleutnant Fahad al-Ganim (Bahrain), Generalmajor Ali Habib
(Syrien), Oberstleutnant Mohammed Ben Atya (Katar), Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate und
aus Oman, Generalleutnant Michael Roquejeoffre,
Kommandeur der französischen Streitkräfte, Generalmajor Mario Arpino (Italien) sowie Kommodore Ken
Summers (Kanada).
Zu der acht Mitglieder zählenden irakischen Delegation gehörten: Generalleutnant Sultan Hasbim Ahmad, Generalleutnant Salah Abbud Mahmud, Generalmajor Khalid Husayn Ali, die Brigadegeneräle Taha
Muhammad Ahmand, Luay Naui Said, Luay Karim
Muhammad und Nawfur Abdul-Hadi al-Hafith sowie
Oberst Mohammed Abdul-Asis.

Der kuwaitische Kronprinz Saad Abdullah Sabah kehrt
nach siebenmonatigem Exil nach Kuwait zurück, um
als zeitweiliger Militärgouverneur des soeben befreiten
Landes zu fungieren. Laut einem vom Emir erlassenen Dekret wird der Kronprinz mindestens drei Monate
unter Kriegsrecht regieren, um die Normalität wiederherzustellen.
S.März
Radio Bagdad zufolge hat der irakische Außenminister
verkündet, daß alle verbliebenen amerikanischen und
alliierten Kriegsgefangenen dem Internationalen Roten Kreuz übergeben wurden.
Der omanische Botschafter in Kuwait, Hilal Bin Salim
Bin Hamud Al-Siyabj, trifft in Kuwait City ein, um die
Botschaft des Oman wiederzueröffnen. Vor seiner
Ankunft hatten an der Befreiung Kuwaits beteiligte
Einheiten der omanischen Armee am 3. März feierlich
die Flagge des Sultanats über der Botschaft gehißt.
6. März
In einer Rede vor beiden Häusern des Kongresses
würdigt Präsident Bush die Befreiung Kuwaits von der
irakischen Besatzung und erklärt, "der Krieg gegen
den Irak ist vorbei". Der Präsident verspricht, sich für
eine stabile Friedensordnung im Nahen Osten einzusetzen. Darüber hinaus weist er Verteidigungsminister Cheney an, unverzüglich mit der Rückführung
amerikanischer Kampfeinheiten vom Golf zu beginnen. Der Präsident fordert Anstrengungen zur Förderung von:
Gemeinsamen Sicherheitsarrangements in der
Region;
Kontrolle der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und der Raketen für deren Einsatz;

4. März

neuen Chancen für Frieden und Stabilität;

Dem Leiter der Operationen der Vereinigten Stabschefs, Generalleutnant Thomas Kelly, zufolge haben
die Streitkräfte der Koalitionsstreitmacht und des Irak
Kontrollmaßnahmen ergriffen, um weitere Konflikte
zwischen beiden Seiten zu verhindern. Er erklärt, im
südlichen Irak sei zum Zwecke der Trennung beider

wirtschaftlicher Freiheit und Wohlstand für alle
Menschen in der Region.

Seite 2

Darüber hinaus erklärt Bush, "die Zeit ist reif für eine
Beendigung des Konflikts zwischen Israelis und Arabern" und verspricht, sich "energisch und entschlos-

AMERIKA DIENST 12

�sen" für die Lösung der Probleme einzusetzen, die
weiterhin den Nahen Osten bedrückten.
Beim Treffen des Golf-Kooperationsrats mit Vertretern
aus Ägypten und Syrien in Damaskus wird eine Erklärung von Damaskus verabschiedet, in der die Befreiung Kuwaits begrüßt wird. Die Erklärung bekräftigt
einen neuen Geist der arabischen Zusammenarbeit,
einschließlich der Schaffung einer arabischen Friedenstruppe, "um die Sicherheit der arabischen Staaten in der Golfregion zu garantieren".
Die Erklärung von Damaskus wird von den Außenministern von Syrien, Ägypten, Katar, Saudi-Arabien,
den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein, Oman
und Kuwait unterzeichnet.
Der britische Premierminister John Major besucht als
erster führender Politiker des Westens seit der Befreiung Kuwaits die Frontstaaten. Er verspricht den
britischen Truppen in Kuwait, "wir werden Euch keinen
Tag länger als nötig hier lassen". Major erklärt ferner,
die Iraker hätten neun Briten freigelassen.
Die Brüsseler EG-Kommission verkündet, sie werde
den vom Krieg verwüsteten Staaten Irak und Kuwait
Hilfe in Höhe von 4,5 Millionen Dollar gewähren. Ein
Sprecher der Kommission teilt mit, die Hilfe für den Irak
sei vom UNO-Sanktionsausschuß genehmigt worden,
um sicherzustellen, daß das gültige UN-Handelsembargo nicht durchbrochen wird.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bestätigt, daß der Irak 35 alliierte Kriegsgefangene freigelassen hat, darunter 1 Kuwaiter, 1 Italiener, 9 Saudis, 9
Briten und 15 Amerikaner. Gleichzeitig trafen 294
irakische Kriegsgefangene aus Saudi-Arabien in Bagdad ein. All diese Kriegsgefangenen wurden im Einklang mit den Bestimmungen der dritten Genfer Konvention vorher von IKRK-Delegierten besucht.
Ein Sprecher der Bundesregierung kündigt an, Deutschland were 5 Minenräumschiffe und zwei Versorgungsschiffe in den Persischen Golf entsenden, um das
Gebiet von Minen zu säubern.
7. März
Der Stellvertretende Direktor des US-Central Command (CENTCOM), Brigadegeneral Richard Neal, trifft
in Saudi-Arabien mit irakischen Vertretern zu Gesprächen über die Rückführung der etwa 60.000 irakischen
Kriegsgefangenen und der im Irak festgehaltenen
Kuwaiter zusammen. Der General erklärt, einige
Angehörige der Koalitionsstreitkräfte seien immer noch
als vermißt gemeldet und vor der Überstellung ihrer
sterblichen Überreste "glaube ich nicht, daß wir dieses
Kapitel abschließen können". Neal stellt fest, er sei
"bester Stimmung aufgrund des Verhaltens der irakischen Regierung" und beeindruckt von der Geschwindigkeit, mit der die Iraker die Kriegsgefangenen der
Koalition freigelassen hätten.

AMERIKA DIENST 12

Abteilungsleiter Pete Williams vom US-Verteidigungsministerium erklärt bei einer Pressekonferenz im
Pentagon, die amerikanischen Truppen würden von
der Arabischen Halbinsel "mit unverzüglicher Wirkung
in einer Größenordnung von etwa 5.000 pro Tag" nach
Hause zurückkehren. Williams stellt darüber hinaus
jedoch fest, daß das Verteidigungsministerium kein
Datum für die Rückkehr aller Streitkräfte festgesetzt
habe.
8. März
Das unter Beteiligung von 43 Staaten stattfindende
Treffen der UN-Menschenrechtskommission in Genf
verabschiedet zwei Resolutionen, in denen der Irak
aufgrund von Menschenrechtsverletzungen gegenüber dem kuwaitischen Volk während der siebenmonatigen Besatzung und wegen flagranter Menschenrechtsverletzungen gegen seine eigene Bevölkerung
verurteilt wird. Beide Resolutionen fordern die Einsetzung von Sonderberichterstattern, um die Verletzungen aufzulisten und der Kommission Bericht zu erstatten.
Das US-Finanzministerium erklärt, angesichts der
Resolution 686 des UN-Sicherheitsrats vom 2. März,
in der die Zusammenarbeit zum Wiederaufbau Kuwaits gefordert wird, würden die Handels- und Reisebeschränkungen für Kuwait gelockert.
In einem Wiederaufleben der öffentlichen Feindschaft
gegenüber dem Irak verurteilt der iranische Präsident
Hodschatoleslam Haschemi Rafsandschani beim
Freitagsgebet in Teheran Saddam Hussein und fordert
den Rücktritt des irakischen Präsidenten.
Die kuwaitische Nachrichtenagentur in London berichtet, das kuwaitische Menschenrechtskomitee habe
über das Rote Kreuz 1181 kuwaitische Gefangene
aufgenommen, die von den irakischen Streitkräften
am 7. März freigelassen wurden. Die Freigelassenen
wurden zur Untersuchung in das Al-Jahra-Hospital in
Nord-Kuwait eingeliefert, "da sie intensive Erschöpfungssymptome aufwiesen", erklärt KUNA.
9. März
Bei einem Treffen mit Außenminister Baker in KuwaitCity sagt der kuwaitische Kronprinz Saad Abdullah
Sabah politische Reformen im Einklang mit der Verfassung Kuwaits zu. Er verspricht zwar, daß "sehr, sehr
bald" Wahlen abgehalten würden, räumt jedoch der
Wiederherstellung der Stabilität in seinem Land Vorrang ein.
Etwa 40 ausländische Journalisten und zwei amerikanische Soldaten, die nahezu eine Woche im Irak
festgehalten wurden, treffen nach ihrer am 8. März in
Bagdad erfolgten Übergabe an das IKRK durch die
irakischen Behörden mit einem Konvoi in Amman ein.

Seite 3

�10. März
Der Emir von Kuwait, Scheich Dschabir al-Ahmed AlSabah erklärte bei seinem Treffen mit Außenminister
Baker in Taif, die kuwaitischen Herrscher werden ihr
Land so bald wie möglich demokratisieren. Aber Probleme wie Demokratie können nur gelöst werden,
wenn der irakische Präsident Saddam Hussein seines
Amtes enthoben werde. Vorher, so der Scheich, "wird
es niemals Frieden oder Stabilität in der gesamten Region geben".
11. März
In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen, Javier Perez de Cuellar, verzichtet der Irak
auf Kuwait. Der vom 8. März datierte Brief des
irakischen ständigen Vertreters bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Emir A. Al-Anbari, übermittelt
die Entscheidung seiner Regierung, die Annexion für
"null und nichtig" zu erklären. Die Entscheidung des
irakischen Revolutionsrats mit dem Datum 5. März war
dem Brief des Botschafters beigefügt und trug die
Unterschrift Saddam Husseins.
Die Export Import Bank der Vereinigten Staaten erklärt, all ihre Programme zur Förderung amerikanischer Exporte nach Kuwait wieder aufnehmen zu
wollen. Die Bank gibt aufgrund des unmittelbaren und
effektiven Finanzierungsbedarfs die Einführung eines
Sonderprogramms bekannt, im Rahmen dessen
amerikanische Handelsbanken der Nationalbank von
Kuwait und anderen kuwaitischen Banken Garantien
für kurz- und mittelfristige Kredite gewähren. Die
Ex Im-Bank führt ihre Entscheidung auf eine Erklärung
der Abteilung zur Kontrolle von Auslandsvermögen im
Finanzministerium zurück, die alle rechtlichen Beschränkungen für die Gründung neuer Unternehmen
in Kuwait aufhebt.
12. März
Eine aus 20 Mitgliedern bestehende Delegation unter
Leitung des Stellvertretenden UN-Generalsekretärs
Martti Artisaari trifft in Bagdad ein und bringt 20 Tonnen
dringend benötigter Arzneimittel mit, deren Lieferung
vom Sanktionsausschuß des UN-Sicherheitsrats
genehmigt war. Die von UN-Generalsekretär Perez de
Cuellar entsandte Delegation soll den Bedarf ermitteln
und wird bis zum 18. März im Irak bleiben. Danach
plant sie eine ähnliche Bestandsaufnahme des Bedarfs an humanitären Hilfsgütern in Kuwait.
Die Delegation umfaßt nicht nur Mitglieder des UNSekretariats, sondern auch Vertreter aus dem Amt des
Koordinators der Vereinten Nationen für Katastrophenhilfe (U.N. Disaster Relief Organization -UNDRO),
der Internationalen Organisation für Auswanderung
(Intematioal Organization of Migration), dem Ernährungs- und Landwirtschaftsprogramm (Food and Agriculture Organization - FAO) und seiner Unterorganisation, dem Welternährungsprogramm (World Food
Seite 4

Programme - WFP), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) und dem
Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (U.N.
Development Programme - UNDP). Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz, eine nicht mit den
Vereinten Nationen verbundene Organisation aus
freiwilligen Helfern, nimmt ebenfalls an dieser Maßnahme teil.
13. März
Präsident Bush nimmt nach Abschluß des Kriegs am
Persischen Golf in Ottawa eine fünftägige Reihe von
Konsultationen mit den Verbündeten auf. In einer
gemeinsamen Pressekonferenz mit dem kanadischen
Premierminister Mulroney weist Bush darauf hin, daß
der irakische Einsatz von Hubschraubern zur Bekämpfung von Rebellen im Irak eine Verletzung des vorläufigen Waffenstillstands darstellt und gelöst werden
muß, bevor ein endgültiger Waffenstillstand vereinbart
werden kann.
Kuwaits Wiederaufbaubestrebungen im Umfang von
100 Milliarden Dollar erhalten durch die Öffnung des
wichtigen Hafens AI Shuaiba für den internationalen
Seehandel erheblichen Auftrieb. Zunächst fuhren die
USS LaSalle und ein britisches Minensuchboot durch
einen Kanal, aus dem alliierte Taucher Minen geräumt
hatten. Dann liefen amerikanische und sowjetische
Handelsschiffe ein und löschten etwa42 Millionen Liter
Trinkwasser für die Kuwaiter, deren Wasserversorgung und Entsalzungsanlagen von fliehenden irakischen Soldaten zerstört worden waren.
14. März
Präsident Bush erklärte auf Martinique (Französisch
Westindien) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
mit dem französischen Präsidenten Mitterand: "Wir
sind erfreut über Syriens Rolle" in der Golfkoalition "sehr erfreut, daß sie auf unserer Seite standen..." Er
bezeichnet Syrien als "ein wichtiges Land in der Region. Es ist entscheidend für alles, was im Libanon
geschieht und ebenso entscheidend bei den mittelfristigen Lösungen für die Palästinafrage."
Der kuwaitische Emir Scheich Dschabir al-Ahmad AlSabah kehrt aus siebeneinhalb Monaten Exil in SaudiArabien infolge der irakischen Besetzung Kuwaits
nach Kuwait zurück. Die Neuigkeit verbreitet sich,
schnell und Kuwait feiert seine Rückkehr. Der Emir
wird in einem Privathaus wohnen, weil der 100 Jahre
alte königliche Palast, wie fast alles in Kuwait, in Schutt
und Asche liegt.
15. März
Der Befehlshaber der alliierten Streitkräfte, General
Norman Schwarzkopf, entsendet Boten, um das irakische Militärkommando zu warnen, daß anhaltende

AMERIKA DIENST 12

�Flüge irakischer Flugzeuge die vorläufige Vereinbarung über einen Waffenstillstand zwischen den Alliierten und dem Irak unterlaufen könnten. Gleichzeitig
verfügen die Befehlshaber verstärkte Luftpatrouillen
über irakischem Territorium.
Auf Wunsch des kuwaitischen ständigen Vertreters bei
den Vereinten Nationen, Mohammed A. Abulhassan,
entsendet UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar eine 29 Mitglieder umfassende Wiederaufbaudelegation nach Kuwait. Das UN-Team unter Leitung des
früheren stellvertretenden UN-Generalsekretärs Abdulrahim A. Farah umfaßt Ingenieure, Umweltschützer
und Menschenrechtsexperten unterschiedlicher UNBehörden, "die die Erfordernisse zum Wiederaufbau

*

AMERIKA DIENST 12

des Landes feststellen", erklärt de Cuellar.
Das US-Verteidigungsministerium erklärt, 35 Länder
hätten Truppen zur Unterstützung der Operationen
Wüstenschild und Wüstensturm stationiert: Afghanistan (Mujahedin), Ägypten, Argentinien, Australien,
Bahrain, Bangladesh, Belgien, China, Dänemark,
Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kanada, Katar, Kuwait, Marokko, die Niederlande, Neuseeland, Niger, Norwegen, Oman, Pakistan, Polen, SaudiArabien, Senegal, Spanien, Südkorea, Syrien, die
Tschechoslowakei, die Türkei, Ungarn, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte Königreich
und die Vereinigten Staaten.

* * *

*

Seite 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11102">
                <text>27.03.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11103">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11104">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11105">
                <text>Amerikadienst 27.03.1991</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="11106">
                <text>&lt;strong&gt;1. KSE&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lehman: bei KSE feste Haltung gegenüber der UDSSR&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung im Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetunion muss Hindernisse gegen KSE-Vertrag abbauen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Staatssekretär Bartholomew vor Unterausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Verlängerung des "Fast-Tracks"-Mandats&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Golfkrise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Chronologie der Ereignisse vom 1. bis 15. März 1991&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="3077" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2917">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/c5253549e02e8bbf2d4fa9fd7a300d89.pdf</src>
        <authentication>f4f77b3488d1bf3faac15aa8ba67a5ca</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16330">
                <text>Amerikadienst 27.04.1962</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16331">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16332">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16333">
                <text>27.04.1962</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16334">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20535">
                <text>&lt;strong&gt;1. Literatur&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationale Buchpreise für Außenseiter&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jury wählte den besten Roman, die beste Dichtung und das beste Sachbuch&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Atom und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Roboter für "heiße" Sachen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Reaktoren in 19 Ländern&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuer Supraleiter entdeckt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Maschine ermittelt Alterungsprozess beim Menschen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Das Porträt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frühling: Von Henry David Thoreau&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zum 100. Todestag des amerikanischen Dichters und Naturphilosophen Henry D. Thoreau am 6. Mai 1962&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
