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3

Informotion
und
Dokumentation

La I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24

4. Juli 1979
INHALT

DOKUMENTATION
Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der
Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer
Offensivwaffen
Protokoll zum Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und
der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung
Strategischer Offensivwaffen
Vereinbarte Erklärungen und gemeinsame Absprachen bezüglich des Vertrages
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer Offensivwaffen
Sowjetische "Backfire"-Erklärung
Gemeinsame Erklärung der Prinzipien und grundlegenden Richtlinien für Anschlußverhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen
Memorandum des Einverständnisses zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Aufstellung einer Datengrundlage für die Zahlen strategischer Offensivwaffen

Um Über/endung von
Bclcgcxcmplorcn wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

V E R T R A G
ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
UND
DER UNION DER SOZIALISTISCHEN SOWJETREPUBLIKEN
ÜBER DIE BEGRENZUNG STRATEGISCHER OFFENSIVWAFFEN

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, im folgenden Vertragsparteien genannt, sind
im Bewußtsein dessen,daß ein Krieg mit Kernwaffen verheerende Folgen
für die gesamte Menschheit haben würde,
ausgehend von den Grundprinzipien der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken vom 29. Mai 1972,
der Beschränkung der strategischen Rüstungen besondere Bedeutung beimessend und entschlossen, ihre Anstrengungen fortzusetzen, die mit dem
Vertrag über die Begrenzung der Ballistischen Raketenabwehrsysteme und dem

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�dem Interimsabkommen über gewisse Maßnahmen in bezug auf die Beschränkung
Strategischer Offensivwaffen vom 26. Mai 1972

begannen,

in der Überzeugung, daß die in diesem Vertrag verfügten zusätzlichen
Maßnahmen zur Begrenzung Strategischer Waffen zur Verbesserung der Beziehungen
zwischen den Vertragsparteien beitragen, das Risiko des Ausbruchs eines
Krieges mit Kernwaffen verringern helfen und den internationalen Frieden
und die internationale Sicherheit stärken werden,
eingedenk ihrer Verpflichtung gemäß Artikel VI des Vertrags über die
Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen,
geleitet von dem Grundsatz der Gleichheit und der gleichen Sicherheit,
in Anerkennung dessen, daß die Stärkung der strategischen Stabilität
den Interessen der Vertragsparteien und den Interessen der internationalen
Sicherheit entspricht,
in Bekräftigung ihres Wunsches, Maßnahmen zu einer weiteren Begrenzung
und der weiteren Verringerung der strategischen Waffen zu treffen«und eingedenk des Ziels der Verwirklichung einer allgemeinen und vollständigen
Abrüstung,
und in ihrer erklärten Absicht, in naher Zukunft Verhandlungen aufzunehmen, um die strategischen Rüstungen weiter zu begrenzen und weiter
zu verringern,
wie folgt übereingekommen:

Artikel

�ARTIKEL I
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, in Übereinstimmung mit den
Bestimmungen dieses Vertrags die Strategischen Offensivwaffen quantitativ
und qualtitativ zu begrenzen, Zurückhaltung bei der Entwicklung neuer
Typen von Strategischen Offensivwaffen zu üben und andere Maßnahmen zu
ergreifen, die in diesem Vertrag vorgesehen sind.

ARTIKEL II
Im Sinne dieses Vertrags sind
1.

Startanlagen für Interkontinentale Ballistische Raketen (ICBM)
bodengestützte Startanlagen für ballistische Raketen mit einer
Reichweite von mehr als der kürzesten Entfernung zwischen der
Nordostgrenze des kontinentalen Teil des Territoriums der
Vereinigten Staaten und der Nordwestgrenze des kontinentalen
Teils des Territoriums der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das heißt mit einer Reichweite von über 5 500 Kilometern.

2.

Startanlagen für Unterseebootgestützte Ballistische Raketen (SLBMs)
auf mit Kernkraft angetriebenen Unterseebooten installierte
Startanlagen für ballistische Raketen oder auf Unterseebooten
gleich welchen Typs installierte Startanlagen für moderne
ballistische Raketen.

3.

Als Schwere Bomber werden angesehen:
a) derzeitig auf Seiten der Vereinigten Staaten von Amerika
Bomber der Typen B-52 und B-l und auf Seiten der Union der

- 3 -

�der Sozialistischen Sowjetrepubliken Bomber der Typen
Tupolew-95 und Myasischew;
b)

künftige Typen von Bombern, die den Einsatz als Schwerer
Bomber ähnlich oder besser als die im vorstehenden Unterabsatz (a) genannten ausführen können;

c)

Typen von Bombern, die für Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern ausgerüstet sind; und

d)

Typen von Bombern, die für ASBMs ausgerüstet sind.

Ballistische Luft-Boden-Raketen (ASBMs) sind alle solche Raketen,
die eine Reichweite von mehr als 600 Kilometern haben und in Flugzeugen oder an deren Außenseite installiert sind.
Startanlagen für ICBMs und SLBMs, die mit Wiedereintritts-Lenkflugkörpern (Mehrfachgefechtsköpfen) (MIRVs) bestückt sind, sind
Startanlagen der Typen, die für den Start von mit MIRVs bestückten
ICBMs oder SLBMs entwickelt und erprobt wurden.
Mit MIRVs bestückte ASBMs sind ASBMs der Typen, die mit MIRVs flugerprobt wurden.
Schwere Bomber sind ICBMs, die ein höheres Start- oder Wurfgewicht als
das der - sowohl hinsichtlich ihres Startgewichts als auch ihres Wurfgewichts - schwersten der leichten ICBMs aufweisen, die von der einen
oder anderen Vertragspartei zum Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses
Vertrags disloziert wurden.
Marschflugkörper sind unbemannte Lenkflugkörper mit Eigenantrieb
als Waffenträger, die ihren Flug über den größten Teil ihrer Bahn
unter Ausnutzung des aerodynamischen Auftriebs zurücklegen

�zurücklegen und die von Flugzeugen aus flugerprobt sind oder auf
Flugzeugen disloziert werden, das heißt luftgestützte Marschflugkörper oder solche Träger, auf die in von Artikel IX, Unterabsatz
1 (b) Bezug genommen wird.

ARTIKEL III
1.

Bei Inkrafttreten dieses Vertrags verpflichtet sich jede Vertragspartei,die Startanlagen für ICBMs, die Startanlagen für SLBMs, die
Schweren Bomber und die ASBMs auf eine Gesamtzahl von nicht mehr
auf 2 400 zu begrenzen.

2.

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, vom 1. Januar 1981 an die
Strategischen Offensivwaffen, auf die in Absatz 1 dieses Artikels
Bezug genommen wird, auf eine Gesamtzahl von nicht mehr als 2 250
zu begrenzen und den Abbau solcher Waffen einzuleiten, die zu jenem
Zeitpunkt diese Gesamtzahl übersteigen würden.

3.

Innerhalb der in Absatz 1 und 2 dieses Artikels verfügten Gesamtzahlen und gemäß den Bestimmungen dieses Vertrags

hat jede Ver-

tragspartei das Recht, die Zusammensetzung dieser Gesamtzahlen
zu bestimmen.
4.

Für jeden Bomber eines für ASBMs ausgerüsteten Typs

schließen

die Gesamtzahlen, die in Absatz 1 und 2 dieses Artikels festgelegt
werden, die Höchstzahl solcher Raketen ein, für die ein Bomber
dieses Typs für einen operativen Einsatz ausgerüstet ist.
5.

Ein Schwerer Bomber, der nur für ASBMs ausgerüstet ist, wird selbst
nicht in die in Absatz 1 und 2 dieses Artikels festgelegten

- 5 -

�festgelegten Gesamtzahlen einbezogen.
•

Die Verminderungen der Zahlen der Strategischen Offensivwaffen,
die in Durchführung der Bestimmungen in Absatz 1 und 2 dieses
Artikels erforderlich werden, werden so ausgeführt, wie dies in
Artikel XI verfügt wird.

ARTIKEL IV
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, nicht mit dem Bau von
zusätzlichen festinstallierten ICBM-Startanlagen zu beginnen.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, festinstallierte ICBMStartanlagen nicht an einen anderen Ort zu verbringen.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine Startanlagen für
leichte ICBMs oder für vor 1964 dislozierte ICBMs älterer Typen
in Startanlagen für nach diesem Zeitpunkt dislozierte Typen von
schweren ICBMs umzubauen.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, im Verlauf des Prozesses
der Modernisierung und der Ersatzbeschaffung für verbunkerte
ICBM-Startanlagen das ursprüngliche Innenvolumen von verbunkerten
ICBM-Startanlagen um nicht mehr als 32 Prozent zu vergrößern.
Innerhalb dieser Grenze hat jede Vertragspartei das Recht, zu
entscheiden, ob eine solche Vergrößerung über eine Erweiterung
des ursprünglichen Durchmessers oder der ursprünglichen Tiefe
einer verbunkerten ICBM-Startanlage oder beider Dimensionen
bewerkstelligt wird.
Jede

- 6 -

�5. Jede Vertragspartei verpflichtet sich,
a) die Dislozierungsgebiete von ICBM-Startanlagen nicht mit
Interkontinentalraketen über die für Zwecke der normalen
Dislozierungen, der Wartung, der Ausbildung und der Ersatzbeschaffung erforderliche Zahl hinaus zu bestücken;
b) an den Startorten der ICBM-Startanlagen über die Erfordernisse
der normalen Dislozierung hinausgehend keine Lagermöglichkeiten
für ICBMs zu schaffen und keine solchen Raketen zu lagern;
c)

keine Systeme für die rasche Nachladung von ICBM-Startanlagen
zu entwickeln, zu erproben oder zu dislozieren.

6.

Gemäß den Bestimmungen dieses Vertrags verpflichtet sich jede
Vertragspartei, zu keinem Zeitpunkt Strategische Offensivwaffen,
auf die in Artikel III, Absatz 1 Bezug genommen wird, in einer über
die normalen Zeitpläne für den Bau hinausgehenden Zahl in Bau zu
haben.

7.

Jede Vertragspartei verpflichtet sich keine ICBMs, mit einem
höheren Start- oder Wurfgewicht als dem der - sowohl hinsichtlich
ihres Start- oder Wurfgewichts - schwersten zum Zeitpunkt der
Unterzeichnung dieses Vertrags dislozierten ICBMs der einen oder
anderen Vertragspartei zu entwickeln, zu erproben oder zu dislozieren.

8.

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine landgestützten
Startanlagen für andere ballistische Raketen als ICBMs in Startanlagen für den Start von ICBMs umzuwandeln und solche nicht zu
diesem Zweck zu erproben.

9.

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine neuen Typen von ICBMs - d_as

- 7 -

�das heißt, Typen von ICBMs, die bis zum 1. Mai 1979 nicht flugerprobt worden sind - flugzuerproben oderidislözieren, ;äußer daß jede
Vertragspartei einen neuen Typ einer leichten ICBM flugerproben
und dislozieren darf.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine ICBMs eines bis
1. Mai 1979 flugerprobten Typs mit Wiedereintritts-Flugkörpern
in größerer Zahl als der Höchstzahl an Wiedereintritts-Flugkörpern, mit der eine ICBM jenes Typs bis zu jenem Zeitpunkt flugerprobt wurde, flugzuerproben oder zu dislozieren.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine ICBMs des gemäß
Absatz 9 dieses Artikels zulässigen einen neuen Typs mit einer
größeren Zahl an Wiedereintritts-Flugkörpern, mit der eine ICBM
der einen oder anderen Vertragspartei bis zum 1. Mai 1979 flugerprobt wurde - zehn -»flugzuerproben oder zu dislozieren.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine SLBMs mit einer
größeren Zahl an Wiedereintritts-Flugkörpern als der Höchstzahl
an Wiedereintritts-Flugkörpern, mit der eine SLBM der einen oder
anderen Vertragspartei bis zum 1. Mai 1979 flugerprobt wurde
- 14 -.flugzuerproben oder zu dislozieren.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine ASBMs mit einer größeren
Zahl an Wiedereintritts-Flugkörpern als der Höchstzahl an Wiedereintritts-Flugkörpern, mit der eine ICBM der einen oder anderen
Vertragspartei bis zum 1. Mai 1979 flugerprobt wurde - zehn -,
flugzuerproben oder zu dislozieren.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, zu keinem Zeitpunkt an
schweren Bombern, die für Marschflugkörper mit einer Reichweite
von mehr als 600 Kilometern ausgerüstet Sind,ieine größere

�größere Zahl an Marschflugkörpern zu dislozieren als das Produkt
aus 28 mal der Zahl solcher Schwerer Bomber.

ARTIKEL V

Innerhalb der in Artikel III, Absatz 1 und 2 verfügten Gesamtzahlen
verpflichtet sich jede Vertragspartei, die Startanlagen für mit
MIRVs bestückte ICBMs und SLBMs.mit MIRVs bestückte ASBMs und
schwere

Bomber, die für Marschflugkörper mit einer Reichweite

von mehr als 600 Kilometern ausgerüstet sind, auf eine Gesamtzahl
von höchstens 1 320 zu begrenzen.

Innerhalb der in Absatz 1 dieses Artikels verfügten Gesamtzahl,
verpflichtet sich jede Vertragspartei,die Startanlagen für mit
MIRVs bestückte ICBMs und SLBMs und für mit MIRVs bestückte
ASBMs auf eine Gesamtzahl von höchstens 1 200 zu begrenzen.

Innerhalb der in Absatz 2 dieses Artikels verfügten Gesamtzahl
verpflichtet sich jede Vertragspartei,die Startanlagen für mit
MIRVs bestückte ICBMs auf eine Gesamtzahl von höchstens 820 zu
begrenzen.

Für jeden Bomber eines Typs, der für mit MIRVs bestückte ASBMs
ausgerüstet ist, schließen die in Absatz 1 und 2 dieses Artikels
verfügten Gesamtzahlen die Höchstzahl von ASBMs ein, für die ein
Bomber jenes Typs für einen operativen Einsatz ausgerüstet ist.

Innerhalb der in Absatz 1, 2 und 3 dieses Artikels verfügten
Gesamtzahlen und gemäß den Bestimmungen dieses Vertrags hat jede
Vertragspartei das Recht, die Zusammensetzung der Gesamtzahlen

- 9 -

�Gesamtzahlen zu bestimmen.

ARTIKEL VI
Die in diesem Vertrag verfügten Begrenzungen finden auf jene
Waffen Anwendung, die
a)

einsatzbereit;

b)

in der Endphase der Konstruktion;

c)

in Reserve, auf Lager oder eingemottet;

d)

in der Überholung, in Reparatur, in Modernisierung oder im
Umbau sind.

Jene Waffen, die sich in der Endphase der Fertigung befinden, sind:
a)

SLBM-Startanlagen auf Unterseebooten, deren Seeerprobung
begonnen hat;

b) ASBMs nachdem ein Bomber eines für derartige Raketen ausgerüsteten
Typs das Werk, die Fabrik- oder anderweitige Anlage verlassen
hat, wo die Endmontage oder der Umbau zum Zwecke der Ausrüstung
für derartige Raketen ausgeführt wurde;
c)

andere Strategische Offensivwaffen, die in einem Werk, einer
Fabrik- oder anderweitigen Anlage endmontiert werden, nachdem
sie das Werk, die Fabrik- oder anderweitiger Anlage verlassen
haben.
ICBM

�ICBM und SLBM-Startanlagen eines nicht der in Artikel V verfügten
Begrenzung unterliegenden Typs, die sich im Umbau in Startanlagen
eines jener Begrenzung nicht unter!iegtenden Typs befinden, fallen
wie folgt unter jene Begrenzung:
a) Festinstallierte ICBM- Startanlagen, sobald die Umbauarbeiten
das Stadium erreichen, das zum ersten Mal eindeutig erkennen
läßt, daß sie im Umbau begriffen sind;
b) SLBM-Startanlagen auf einem Unterseeboot, sobald jenes Unterseeboot erstmals in See sticht, nachdem deren Umbau vorgenommen
wurde.
ASBMs auf einem Bomber, der von einem Bomber eines Typs, der mit
nicht den in Artikel V verfügten Begrenzungen unterliegenden
ASBMs ausgerüstet ist.in einen Bomber eines Typs umgebaut wird,
der mit jener Begrenzung unterliegenden ASBMs ausgerüstet ist,
fallen unter jene Beschränkung, robald der Bomber das Werk, die
Fabrik- oder anderweitige Anlage verläßt, wo ein derartiger Umbau
vorgenommen wurde.
Ein Schwerer Bomber eines Typs, der nicht der in Artikel V,
Absatz 1 verfügten Begrenzung unterliegt, fällt unter jene Begrenzung, sobald er das Werk, die Fabrik- oder anderweitige Anlage verläßt, wo er in einen Schweren Bomber eines für Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 Kilometern ausgerüsteten
Typs umgebaut wurde. Ein Bomber eines Typs, der nicht der in
Artikel III, Absatz 2 oder 3 verfügten Begrenzung unterliegt,
fällt unter jene Begrenzung und die in Artikel V, Absatz 1 verfügte Begrenzung, sobald er das Werk, die Fabrik- oder anderweitige
Anlage verläßt, wo er in einen Bomber eines für Marschflugkörper
mit einer Reichweite von über 600 Kolometer ausgerüsteten Typs

- 11 -

�Typs umgebaut wurde.
Die Waffen, die den in diesem Vertrag verfügten Begrenzungen
unterliegen, fallen unter diese Begrenzungen,bis sie demontiert
werden, zerstört werden oder anderweitig aufhören, diesen Beschränkungen
auf Grund von zu vereinbarenden Verfahren zu unterliegen.
Gemäß den Bestimmungen von Artikel XVII werden die Vertragsparteien in der Ständigen Beratenden Kommission bezüglich der
Verfahrensweisen zur Durchführung der Bestimmungen dieses Artikels
übereinkommen.

ARTIKEL VII
Die in Artikel III verfügten Begrenzungen finden keine

Anwendung

auf Test- und Ausbildungsanlagen für ICBMs und SLBMs oder Startanlagen für Raumfahrzeuge zur Erforschung und Nutzung des Weltraums.

Test- und Ausbildungsstartanlagen für ICBMs und SLBMs

sind ICBM- und SLBM-Startanlagen, die nur für Zwecke der Erprobung
und Ausbildung verwendet werden.
Die Vertragsparteien vereinbaren:
a)

Es wird keine erhebliche Erhöhung der Zahl der Test- und Ausbildungsstartanlagen für ICBMs oder SLBMs oder der Zahl von
solchen Startanlagen für Schwere ICBMs vorgenommen;

b)

der Bau oder Umbau von ICBM-Startanlagen in Versuchsstationen
erfolgt nur für Zwecke der Erprobung und Ausbildung;
Umbauten
- 12 -

�c) Umbauten von Test- und Ausbildungsstartanlagen oder Startanlagen für Raumfahrzeuge in ICBM-Startanlagen, die den in
Artikel III verfügten Begrenzungen unterliegen, werden nicht
vorgenommen.

ARTIKEL VIII
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine Marschflugkörper
mit einer Reichweite von über 600 Kilometern oder ASBMs für den
Start von anderen Flugzeugen aus als Bombern flugzuerproben oder
derartige Flugzeuge in Flugzeuge umzubauen, die für solche Raketen
ausgerüstet sind.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine anderen Flugzeuge
als Bomber in Flugzeuge umzubauen, die Einsätze Schwerer Bomber
ausführen können, auf die in Artikel II, Unterabsatz 3 (b) Bezug
genommen wird.

ARTIKEL IX
Jede Vertragspartei verpflichtet sich,
a)

keine ballistischen Raketen mit einer Reichweite von mehr als
600 Kilometern zur Installierung auf Wasserfahrzeugen außer
Unterseebooten oder Startanlagen für solche Raketen;

b)

keine festinstallierten Startanlagen für ballistische Raketen
oder Marschflugkörper zur Verbringung auf den Ozeangrund,

- 13 -

�Ozeangrund, den Meeresboden, den Boden heimischer und Binnengewässer oder in den Unterboden derselben, keine mobilen
Startanlagen für Raketen, die sich nur in Berührung mit dem
Ozeangrund, dem Meeresboden oder dem Boden heimischer und
Binnengewässer bewegen und keine Raketen für derartige Startanlagen;
c) keine Systeme für die Verbringung in eine Erdumlaufbahn von
Nuklearwaffen oder jeder anderen Art von Massenzerstörungswaffen einschließlich Flügkörpersysteme zum Bombenabwurf
aus partieller Umlaufbahn;
d)

keine mobile Startanlagen für Schwere ICBMs;

e)

keine SLBMs mit einem höheren Start- oder Wurfgewicht als dem
der - sowohl hinsichtlich ihres Start- als auch Wurfgewichts schwersten der von der einen oder anderen Seite bis zum Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses Vertrags dislozierten leichten
ICBMs oder Startanlagen für derartige SLBMs; oder

f) ASBMs mit einem größeren Start- oder Wurfgewicht als dem der
- sowohl hinsichtlich Start- als auch Wurfgewicht - schwersten
der von der einen oder anderen Seite bis zum Zeitpunkt der
Unterzeichnung dieses Vertrags dislozierten leichten ICBMs
zu entwickeln, zu erproben oder zu dislozieren.
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine mit Mehrfach-Lenkgefechtsköpfen ausgestatteten Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern von Flugzeugen aus flugzuerproben
und keine derartigen Marschflugkörper zu dislozieren.
Artikel

- 14 -

•

�ARTIKEL X

Gemäß den Bestimmungen dieses Vertrags ist die Modernisierung und
der Ersatz Strategischer Offensivwaffen zulässig.

ARTIKEL XI

1.

Strategische Offensivwaffen in Überzahl zu den in diesem Vertrag
verfügten Gesamtzahlen sowie auch Strategische Offensivwaffen,
die durch diesen Vertrag verboten sind, werden nach dem in der
Ständigen Beratenden Kommission zu vereinbarenden Verfahren
demontiert oder zerstört.

2.

Die Demontage oder Zerstörung Strategischer Offensivwaffen in
Überzahl zu der ti Artikel III, Absatz 1 verfügten Gesamtzahl
beginnt am Tag des Inkrafttretens dieses Vertrags und muß innerhalb der nachstehenden Zeiträume nach diesem Tag abgeschlossen
werden:

vier Monate bei ICBM-Startanlagen;

SLBM-Startanlagen;

3.

sechs Monate bei

und drei Monate bei Schweren Bombern.

Die Demontage oder Zerstörung der Strategischen Offensivwaffen &gt;
die über der in Artikel III, Absatz 2 verfügten Gesamtzahl
liegen, beginnt spätestens am 1. Januar 1981 und wird innerhalb
der folgenden 12 Monate durchgeführt und spätestens bis zum
31. Dezember 1981 abgeschlossen.

4.

Die Demontage oder Zerstörung der durch diesen Vertrag verbotenen
Strategischen Offensivwaffen

wird innerhalb des kürzest möglichen

vereinbarten Zeitraums, aber nicht später als sechs Monate nach
Inkrafttreten dieses Vertrags abgeschlossen.
Artikel

- 15 -

�ARTIKEL XII
Um die Gültigkeit und Wirksamkeit dieses Vertrages zu gewährleisten,
verpflichtet sich jede Vertragspartei, die Bestimmungen dieses Vertrags nicht
mittels eines anderen Staates oder anderer Staaten oder auf irgendeine andere
Art zu umgehen.

ARTIKEL XIII
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keinerlei internationale
Verpflichtungen einzugehen, die in Widerspruch zu diesem Vertrag stehen.

ARTIKEL XIV
Die Vertragsparteien verpflichten sich, unmittelbar nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages aktive Verhandlungen mit dem Ziel aufzunehmen, sobald wie möglich zu einem Einvernehmen über weitere Maßnahmen für die
Begrenzung und Verminderung der Strategischen Rüstungen zu gelangen.

Es

ist ferner Ziel der Vertragsparteien, weit vor 1985 eine Vereinbarung zu
schließen, die die Strategischen Offensivwaffen begrenzt und nach Auslaufen
dieses Vertrags an dessen Stelle tritt.

ARTIKEL XV
1.

Zu dem Zweck, die Gewähr für die Einhaltung der Bestimmungen dieses
Vertrags zu schaffen, benutzt jede der Vertragsparteien die ihr zu

�zu Gebote stehenden Nationalen Technischen Mittel der Verifizierung
auf eine Art und Weise, die mit den allgemein anerkannten Prizipien
des Völkerrechts im Einklang steht,
2„

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, die Nationalen Technischen
Mittel der Verifizierung der Gegenseite, die gemäß Absatz 1 dieses
Artikels eingesetzt werden, nicht zu stören.

3,

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine vorsätzlichen Maßnahmen
zur Verheimlichung zu ergreifen, die die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen dieses Vertrags durch Nationale Technische
Mittel behindern

Diese Verpflichtung erfordert keine Veränderungen

der derzeitigen Praktiken hinsichtlich Konstruktion, Montage, Umbau
oder Wartung»

ARTIKEL XVI
lo

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, die Gegenseite
eines jeden geplanten ICBM-Starts rechtzeitig und von
davon in Kenntnis zu setzen, daß ein derartiger Start
außer bei einzelnen ICBM-Starts von Versuchsstationen

vor Ausführung
Fall zu Fall
erfolgen wird
oder ICBM-

Dislozierungsräumen aus, die nicht so geplant sind, daß sie über
ihr nationales Territorium hinausgehen.
2.

Die Vertragsparteien werden in der Ständigen Beratenden Kommission
über Verfahren zur Durchführung dieses Artikel übereinkommen

Artikel

- 17 -

�ARTIKEL XVII
1. Um die Zielsetzungen und die Durchführung der Bestimmungen dieses
Vertrags zu fördern, bedienen sich die Vertragsparteien der
Ständigen Beratenden Kommission, die durch das Memorandum des
Einverständnisses zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten
von Amerika und der Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken bezüglich der Errichtung einer Ständigen Beratenden
Kommission vom 21. Dezember 1972 errichtet wurde.
2.

Im Rahmen der Ständigen Beratenden Kommission werden die Vertragsparteien im Hinblick auf diesen Vertrag
a) Fragen bezüglich der Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen
und damit zusammenhängender Situationen erörtern, die als mehrdeutig angesehen werden könnten;
b) auf freiwilliger Basis solche Informationen zur Verfügung stellen,
die die eine oder andere Vertragspartei als notwendig erachtet,
das Vertrauen in die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen
zu gewährleisten;
c) Fragen im Zusammenhang mit unbeabsichtigten Störungen der
Nationalen Technischen Mittel der Verifizierung und Fragen im
Zusammenhang mit der unbeabsichtigten Behinderung der Verifizierung
durch Nationale Technische Mittel erörtern;
d) mögliche Veränderungen in der strategischen Lage erörtern, die
sich auf die Bestimmungen dieses Vertrags auswirken;
e)

bezüglich der Verfahrensweisen für die Ersatzbeschaffung,
den Umbau und die Demontage oder Zerstörung von Strategischen

�Strategischen Offensivwaffen in den in diesem Vertrag benannten Fällen, und bezüglich der Verfahrensweisen für die
Herausnahme von Waffen aus den Gesamtzahlen, übereinkommen,
wenn diese anderweitig aufhören, den in diesem Vertrag verfügten
Begrenzungen zu unterliegen, und sich auf deren regelmäßigen
Sitzungen - zweimal im Jahr - gegenseitig gemäß der vorerwähnten
Verfahrensweisen über Handlungen zu informieren, die sie beendet
haben oder die im Gange sind;
f) sofern angebracht, mögliche Vorschläge für eine weitere
Ausweitung der Gültigkeit dieses Vertrags erörtern, einschließlich
von Vorschlägen zu Vertragsänderungen gemäß den Bestimmungen
dieses Vertrags;
g)

sofern angebracht, Vorschläge für weitere Maßnahmen zur
Begrenzung Strategischer Offensivwaffen erörtern.

Bei der Ständigen Beratenden Kommission unterhalten die Vertragsparteien die gemäß dem Monorandum des Einverständnisses'zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken vom 18. Juni 1979 bezüglich der Errichtung einer
Datenbasis zur Erfassung der Zahlen der Strategischen Offensivwaffen
zu schaffende und nach Kategorien zu gliedernde vereinbarte Datenbasis mit den Zahlen der Strategsichen Offensivwaffen.

ARTIKEL XVIII
Jede Vertragspartei kann Vertragsänderungen vorschlagen.

Vereinbarte

Änderungen treten gemäß der Verfahrensweise in Kraft, die das Inkrafttreten dieses Vertrags regelt.
Artikel
- 19

�ARTIKEL XIX
1.

Dieser Vertrag unterliegt der Ratifizierung gemäß den verfassungsmäßigen Verfahrensweisen jeder Vertragspartei.

Dieser Vertrag tritt

am Tage des Austausches der Ratifizierungsurkunden in Kraft und
wird bis zum 31. Dezember 1985 in Kraft bleiben, sofern er nicht zu
einem früheren Zeitpunkt durch eine Vereinbarung über weitergehende
Begrenzungen der Strategischen Offensivwaffen ersetzt wird.
2.

Der Vertrag wird gemäß Artikel 102 der Charta der Vereinten Nationen
registriert.

3.

Jede Vertragspartei hat in Wahrnehmung ihrer nationalen Souveränität
das Recht, von diesem Vertrag zurückzutreten, wenn sie zu dem Schluß
gelangt, daß auf den Vertragsgegenstand bezüglich?außergewöhnliche
Ereignisse ihre höchsten Interessen gefährden. Sie teilt eine diesbezügliche Entscheidung der Gegenseite sechs Monate vor dem Rücktritt
von dem Vertrag mit.

Dieser Mitteilung ist eine Darstellung der

außergewöhnlichen Ereignisse beizufügen, die die kündigende Vertragspartei als ihre höchsten Interessen gefährdend erachtet.

Gegeben in Wien am 18. Juni 1979 in zwei Ausfertigungen, jede in englischer
und russischer Sprache, beide Texte in gleicher Weise authentisch.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union

von Amerika

der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Der Präsident der

Der Generalsekretär der KPdSU,

Vereinigten Staaten von Amerika

Vorsitzender des Präsidiums des
Obersten Sowjets der UdSSR

- 20 -

�I

3

l

I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

PROTOKOLL ZUM VERTRAG
ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA UND
DER UNION DER SOZIALISTISCHEN SOWJETREPUBLIKEN
OBER DIE BEGRENZUNG STRATEGISCHER OFFENSIVWAFFEN

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, im folgenden als die Vertragsparteien bezeichnet,
nachdem sie sich in dem Vertrag über die Begrenzung Strategischer
Offensivwaffen geeinigt haben,
sind über zusätzliche Begrenzungen für den Zeitraum, in dem dieses
Protokoll in Kraft ist, wie folgt übereingekommen:

ARTIKEL I
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine mobilen ICBM-Abschußeinrichtungen zu dislozieren oder Flugerprobungen von ICBMs von solchen

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�solchen Abschußeinrichtungen vorzunehmen.

ARTIKEL II
1. Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine Marschflugkörper
mit einer Reichweite von mehr als 600 km auf seegestützten Abschußeinrichtungen oder landgestützten Abschußeinrichtungen zu dislozieren.
2.

Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine Flugerprobungen

von Marschflugkörpern mit einer Reichweite von mehr als 600 km, die mit
unabhängig zielgeplanten Mehrfachgefechtsköpfen ausgestattet sind, von
seegestützten Abschußeinrichtungen oder von landgestützten Abschußeinrichtunge
vorzunehmen.
3. Im Sinne dieses Protokolls gelten als Marschflugkörper unbemannte,
mit Eigenantrieb ausgestattete, gelenkte Waffenträger, die ihren Flug
auf dem größten Teil ihres Flugweges durch die Nutzung von aerodynamischem
Auftrieb bewirken und die von seegestützten oder landgestützten Abschußeinrichtungen flugerprobt worden oder dort disloziert sind, d.h. seegestartete Marschflugkörper und bodengestartete Marschflugkörper.

ARTIKEL III
Jede Vertragspartei verpflichtet sich, keine Flugerprobung von
Ballistischen Luft-Boden-Raketen (ASBMs) vorzunehmen und keine ASBMs
zu dislozieren.
Artikel

�ARTIKEL IV
Dieses Protokoll soll als integraler Bestandteil des Vertrages betrachtet
werden.

Es wird am Tage des Inkrafttretens des Vertrages in Kraft treten

und bis zum 31. Dezember 1981 in Kraft bleiben, es sei denn, es wird vorher
durch ein Abkommen über weitere Maßnahmen zur Begrenzung strategischer
Offensivwaffen ersetzt.
Gegeben in Wien am 18. Juni 1979 in zwei Ausfertigungen, jede in
englischer und russischer Sprache, beide Texte in gleicher Weise authentisch.

Für die Vereinigten Staaten
von Amerika
Der Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika

Für die Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken
Der Generalsekretär der KPdSU,
Vorsitzender des Präsidiums des
Obersten Sowjets der UdSSR

+ + + + +

- 3 -

�ÜKISiwi lil
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8H Hil

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

VEREINBARTE ERKLÄRUNGEN UND GEMEINSAME ABSPRACHEN
BEZÜGLICH DES VERTRAGS
ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
UND DER UNION DER SOZIALISTISCHEN SOWJETREPUBLIKEN
ÜBER DIE BEGRENZUNG STRATEGISCHER OFFENSIVWAFFEN

In Verbindung mit dem Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von
Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die
Begrenzung Strategischer Offensivwaffen stimmen die Vertragsparteien
im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der
Regierung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die folgenden
vereinbarten Erklärungen und gemeinsamen Absprachen überein:

Zu Artikel II, Absatz 1 des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung: Der Ausdruck "Startanlagen für Interkontinentalraketen", wie er in Absatz 1 von Artikel II des Vertrags

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 3 2 4 0
Telex:08-85432

�Vertrags definiert wird, umfaßt alle Startanlagen, die zum Abschuß von
Interkontinentalraketen (ICBMs) entwickelt und getestet wurden.

Wenn eine

Startanlage zum Abschuß einer ICBM entwickelt und getestet wurde, so
sollen alle Startanlagen dieses Typs als zum Abschuß von ICBMs entwickelt
und getestet angesehen werden.
Erste gemeinsame Absprache:

Wenn eine Startanlage eine ICBM enthält

oder startet, so soll diese Startanlage als zum Start von ICBMs entwickelt
und getestet angesehen werden.
Zweite gemeinsame Absprache:

Wenn eine Startanlage zum Abschuß einer

ICBM entwickelt und getestet worden ist, werden alle Startanlagen dieses
Typs - ausgenommen ICBM-Erprobungsund Ausbildungsanlagen - in die Gesamtzahl
der in Artikel III des Vertrags vorgesehenen strategischen Offensivwaffen
gemäß der Bestimmungen von Artikel VI des Vertrags eingeschlossen.
Dritte gemeinsame Absprache: Die 177 ehemaligen ATLAS- und TITAN IRaketen-Startanlagen der Vereinigten Staaten von Amerika, die nicht mehr
operativ und teilweise abgebaut sind, werden nicht als den im Vertrag
vorgesehenen Begrenzungen unterworfen betrachtet.
Zweite vereinbarte Erklärung: Nach dem Datum des Außerkrafttretens
des Protokolls werden bewegliche Startanlagen für ICBMs den entsprechenden,
im Vertrag vorgesehenen Begrenzungen unterliegen, die auf ICBM-Startanlagen
anwendbar sind, sofern nicht die Vertragsparteien übereinstimmen, daß
bewegliche ICBM-Startanlagen nach diesem Datum nicht mehr disloziert werden.

Zu Artikel II, Absatz 2 des Vertrages
Vereinbarte Erklärung:

Moderne unterseebootgestützte ballistische

�ballistische Raketen sind:

für die Vereinigten Staaten von Amerika Raketen,

die in allen nuklear angetriebenen Unterseebooten installiert sind; für
die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken Raketen des in den seit 1965
einsatzbereiten nuklear angetriebenen Unterseebooten installierten Typs;
und für beide Vertragsparteien seit 1965 flugerprobte und in einem Unterseeboot installierte ballistische Raketen, ungeachtet ihres Typs.

Zu Artikel II, Absatz 3 des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung: Der Begriff "Bomber", wie er in Absatz 3
von Artikel II und anderen Bestimmungen des Vertrags verwendet wird, bezeichnet Flugzeuge von Typen, die ursprünglich zur Bestückung mit Bomben
oder Raketen konstruiert wurden.
Zweite vereinbarte Erklärung:

Die Vertragsparteien werden sich gegen-

seitig auf einer Fall-zu-Fall-Basis in der Ständigen Beratenden Kommission
über die Verwendung von Bombertypen als Schwere Bomber gemäß den Bestimmungen
von Artikel II, Absatz 3 des Vertrags benachrichtigen.

In diesem Zusammen-

hang werden die Vertragsparteien in Einklang mit den Bestimmungen von
Artikel XVII, Absatz 2 des Vertrags angemessene Konsultationen abhalten.
Dritte vereinbarte Erklärung: Die von den Vertragsparteien verwendeten
Kriterien, um Fall-zu-Fall-Entscheidungen zu treffen darüber, welche zukünftigen Bombertypen die Aufgabe eines Schweren Bombers in ähnlicher oder
den jetzigen Schweren Bombern überlegener Weise ausführen können, worauf
sich Unterabsatz 3 (b) des Artikels II des Vertrags bezieht, werden in der
Ständigen Beratenden Kommission vereinbart werden.
Vierte vereinbarte Erklärung:

Nach der Vereinbarung, wonach jeder

Bomber eines Typs, der in Absatz 3 von Artikel II des Vertrags einge-

- 3 -

�eingeschlossen ist, als Schwerer Bomber zu betrachten ist, kommen die
Vertragsparteien überein, daß:
a)

Flugzeuge, die ansonsten Bomber des Typs Schwerer Bomber wären,
nicht als Bomber des Typs Schwerer Bomber betrachtet werden,
wenn sie funktionsbezogene erkennbare Unterschiede aufweisen,
die anzeigen, daß sie die Aufgabe eines Schweren Bombers nicht
durchführen können.

b)

Flugzeuge, die ansonsten Bomber eines für Marschflugkörper mit
einer Reichweite von über 600 Kilometern ausgerüsteten Typs
wären, nicht als Bomber eines für Marschflugkörper mit einer
Reichweite von über 600 Kilometern ausgerüsteten Typs angesehen
werden, wenn sie funktionsbezogene erkennbare Unterschiede aufweisen, die anzeigen, daß sie die Aufgabe eines für Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km ausgerüsteten Bombers
nicht ausführen können, ausgenommen, daß Schwere Bomber der geläufigen Typen, wie sie im Unterabsatz 3 (a) von Artikel II des
Vertrages verzeichnet sind, die ansonsten dem für Marschflugkörper
mit einer Reichweite von über 600 km ausgerüsteten Typ angehören,
nicht als Schwere Bomber des für Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 600 km ausgerüsteten Typs betrachtet werden,
wenn sie auf der Grundlage äußerlich erkennbarer Unterschiede von
den Schweren Bombern des für Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 km ausgerüsteten Typs zu unterscheiden sind .und

c)

Flugzeuge, die ansonsten Bomber des für Ballistische Luft-BodenRaketen (ASBMs) ausgerüsteten Typs wären, nicht als Bomber des für
ASBMs ausgerüsteten Typs betrachtet werden, wenn sie funktionsbezogene bemerkbare Unterschiede aufweisen, die anzeigen, daß sie
keine Aufgabe eines für ASBMs ausgerüsteten Bombers ausführen
können, ausgenommen, daß Schwere Bomber der geläufigen Typen, wie

- 4 -

�wie sie im Unterabsatz 3 (a) von Artikel II des Vertrags bezeichnet sind, die ansonsten dem für ASBMs ausgerüsteten Typs
angehören, nicht als Schwere Bomber des für ASBMs ausgerüsteten
Typs betrachtet werden, wenn sie auf der Basis äußerlich erkennbarer Unterschiede von den Schweren Bombern des für Luft-BodenRaketen ausgerüsteten Typs zu unterscheiden sind.
Erste gemeinsame Absprache: Funktionsbezogene erkennbare Unterschiede
sind Unterschiede in den erkennbaren Merkmalen von Flugzeugen, die anzeigen,
ob diese Flugzeuge die Aufgabe eines Schweren Bombers ausführen können oder
nicht und ob sie die Aufgabe eines für Marschflugkörper mit einer Reichweite
von mehr als 600 krr ausgerüsteten Bombers ausführen können oder nicht und ob
sie die Mission eines für ASBMs ausgerüsteten Bombers ausführen können.
Funktionsbezogene erkennbare Unterschiede müssen durch Nationale
Technische Mittel verifizierbar sein.

Zu diesem Zweck können die Vertrags-

parteien in Zusammenarbeit angemessene Maßnahmen ergreifen, die zur Wirksamkeit der Verifizierung durch Nationale Technische Mittel beitragen.
Fünfte vereinbarte Erklärung: TUP0LEV-142-Flugzeuge in ihrer gegenwärtigen Konstruktion, d.h. in der Konstruktion für den Einsatz gegen Unterseeboote, werden als Flugzeuge eines vom Typ des Schweren Bombers gemäß
Unterabsatz 3 (a) von Artikel II des Vertrages unterschiedlichen Typs
betrachtet und unterliegen nicht der vierten vereinbarten Erklärung zu
Absatz 3 des Artikels II des Vertrags. Diese Vereinbarte Erklärung
schließt die Verbesserung der TUP0LEV-142-Flugzeuge als System gegen Unterseeboote nicht aus und präjudiziert nicht oder schafft keinen Präzedenzfall
für die zukünftige Bestimmung von Flugzeugtypen als Schwere Bomber gemäß
Unterabsatz 3 (b) von Artikel II des Vertrags oder für die Anwendung der
vierten verpinbarten Erklärung zu Absatz 3 von Artikel II des Vertrags auf
solche Flugzeuge.
Zweite

�Zweite gemeinsame Absprache:

Nicht später als sechs Monate nach

Inkrafttreten des Vertrags wird die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ihren 31 MYASISHECHEV-Flugzeugen, die seit dem Datum der Vertragsunterzeichnung als Tankflugzeuge benutzt wurden, funktionsbezogene
erkennbare Unterschiede geben, die anzeigen, daß sie die Aufgabe eines
Schweren Bombers nicht erfüllen können.
Dritte gemeinsame Absprache:

Die Bezeichnungen der Schweren Bomber

durch die Vereinigten Staaten von Amerika und durch die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, auf die im Unterabsatz 3 (a) des Artikels II des Vertrags
hingewiesen wird, verhalten sich folgendermaßen zueinander:
Schwere Bomber der von den Vereinigten Staaten von Amerika als die .
B-52 und die B-l bezeichneten Typen sind der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken unter derselben Bezeichnung bekannt;
Schwere Bomber des von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
als die TUPOLEV-95 bezeichneten Typs sind den Vereinigten Staaten von
Amerika als Schwere Bomber des Typs BEAR bekannt; und
Schwere Bomber des von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
als MYASISHECHEV bezeichneten Typs sind den Vereinigten Staaten von Amerika
als Schwere Bomber des Typs BISON bekannt.

Zu Absatz 5 von Artikel II des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Wenn eine Startanlage entwickelt und

erprobt wurde, um eine mit MIRVs ausgerüstete ICBM oder SLBM abzufeuern,
werden alle Startanlagen dieses Typs als zum Zweck des Abschusses von
gemirvten ICBMs und SLBMs entwickelt und erprobt angesehen.
Erste
- 6 -

�Erste gemeinsame Absprache:

Wenn eine Startanlage eine mit MIRVs

ausgerüstete ICBM oder SLBM enthält oder abfeuert, wird diese Startanlage
als zum Zweck der Abfeuerung von gemirvten ICBMs oder SLBMs entwickelt
und erprobt angesehen.
Zweite gemeinsame Absprache: Wenn eine Startanlage zum Abschuß einer
gemirvten ICBM oder SLBM entwickelt und erprobt wurde, werden alle Startanlagen dieses Typs, ausgenommen ICBM- und SLBM-Erprobungs- und Ausbildungsanlagen, in die entsprechenden Gesamtzahlen eingerechnet, die Artikel V
des Vertrags gemäß den Bestimmungen von Artikel VI des Vertrags vorsieht.
Zweite vereinbarte Erklärung: Mit MIRVs ausgerüstete ICBMs und
SLBMs sind ICBMs und SLBMs der Typen, die mit zwei oder mehr MIRVs flugerprobt wurden, unabhängig davon, ob sie auch mit einem einzigen Wiedereintritts-Flugkörper oder mit MIRVs erprobt wurden, die nicht unabhängig
zielgeplant werden können. Vom Datum der Unterschrift des Vertrags an
sind dolche ICBMs und SLBMs: für die Vereinigten Staaten von Amerika
MINUTEMAN III ICBMs, POSEIDON C-3 SLBMS sowie TRIDENT C-4 SLBMs; für
die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken RS-16, RS-18, RS-20 ICBMs
und RSM-50 SLBMs.
Jede Vertragspartei wird die andere Vertragspartei in der Ständigen
Beratenden Kommission auf einer Fall-zu-Fall-Basis über die Benennung des
einen Typs leichter ICBMs, der gemäß Absatz 9 von Artikel IV des Vertrags
erlaubt ist, zu Beginn der Flugerprobung benachrichtigen, wenn er mit
MIRVs bestückt wird; über die Benennung zusätzlicher mit MIRVs ausgerüsteter SLBM-Typen zum Zeitpunkt ihrer Installation auf einem Unterseeboot; und über die Benennungen mit MIRVs ausgerüsteter ASBM-Typen bei
der ersten Flugerprobung.
Dritte gemeinsame Absprache: Die Benennung von mit MIRVs ausgerüsteten ICBMs und SLBMs durch die Vereinigten Staaten von Amerika und

- 7 -

�und die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken entsprechen einander
folgendermaßen:
Raketen des von den Vereinigten Staaten von Amerika MINUTEMAN III
genannten und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken unter derselben Bezeichnung bekannten Typs sind leichte ICBMs, die mit MIRVs flugerprobt wurden;
Raketen des von den Vereinigten Staaten von Amerika POSEIDON C-3 genannten und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken unter derselben
Bezeichnung bekannten Typs

sind unterseebootgest'ützte ballistische

Raketen, die 1968 zum ersten Mal flugerprobt und die mit MIRVs flugerprobt
wurden;
Raketen des von den Vereinigten Staaten von Amerika TRIDENT C-4
genannten und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken unter derselben Bezeichnung bekannten Typs

sind SLBMs, die zum ersten Mal 1977

flugerprobt und die mit MIRVs flugerprobt wurden;
Raketen des von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
RS-16 genannten und den Vereinigten Staaten von Amerika als SS-17 bekannten Typs sind leichte ICBMs,die mit einem einzigen WiedereintrittsFlugkörper und mit MIRVs flugerprobt wurden;
Raketen des von der Union der Sozialistischen Sowejtrepubliken RS-18
genannten und den Vereinigten Staaten von Amerika als SS-19 bekannten
Typs sind die hinsichtlich ihres Startgewichts und ihres Wurfgewichts
schwersten der leichten ICBMs, die mit einem einzigen WiedereintrittsFlugkörper und mit MIRVs flugerprobt wurden;
Raketen des von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken RS-20
genannten und den Vereinigten Staaten von Amerika als SS-18 bekannten
Typs

sind die schwersten der schweren ICBMs hinsichtlich ihres Startge- 8 -

�Startgewichts und ihres Wurfgewichts, die mit einem einzigen WiedereintrittsFlugkörper und mit MIRVs flugerprobt wurden;
Raketen des von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken RSM-50
genannten und den Vereinigten Staaten von Amerika als SS-N-18 bekannten
Typs

sind SLBMs, die mit einem einzigen Wiedereintritts-Flugkörper und

mit MIRVs flugerprobt wurden.
Dritte vereinbarte Erklärung:
hängig zielrichtbar:

Wiedereintritts-Flugkörper sind unab-

a) wenn nach Lösung vom Träger die Steuerung und Zielausrichtung
der Wiedereintritts-Flugkörper auf getrennte Zielpunkte auf nicht
miteinander in Beziehung stehenden Flugbahnen mit Hilfe von
Vorrichtungen erreicht wird, die in einem selbständigen Ausstoßmechanismus oder in den Wiedereintritts-Flugkörpern angebracht
sind und die auf der Anwendung von elektronischen oder anderen
Computern in Verbindung mit Vorrichtungen beruhen, die Düsenantrieb, einschließlich Raketentriebwerke oder aerodynamische
Systeme verwenden;
b) wenn die Steuerung und Zielausrichtung der Wiedereintritts-Flugkörper auf getrennte Zielpunkte auf nicht miteinander in Beziehung
stehenden Flugbahnen mit Hilfe anderer, möglicherweise in Zukunft
entwickelter Vorrichtungen erreicht wird.
Vierte gemeinsame Absprache:

Zum Zweck dieses Vertrages sind alle

ICBM-Startanlagen in den Gebieten von Derazhnya und Pervomaysk in der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken in die Gesamtzahlen gemäß Artikel V
des Vertrags eingeschlossen.
Fünfte

�Fünfte gemeinsame Absprache:

Wenn ICBM- oder SLBM-Startanlagen nach

Inkrafttreten des Vertrags umgewandelt oder ausgebaut oder in ihren wesentlichen erkennbaren strukturellen Konstruktionsmerkmalen bedeutsamen Veränderungen
unterzogen werden, sollen auf der Grundlage äußerlich erkennbarer Konstruktionsmerkmale alle solchen Startanlagen, die Startanlagen für mit MIRVs bestückten Raketen sind, unterscheidbar sein von Startanlagen von nicht mit
MIRVs bestückten Raketen und alle solchen Startanlagen, die Startanlagen
für nicht mit MIRVs bestückten Raketen sind, sollen unterscheidbar sein
von Startanlagen für mit MIRVs ausgerüstete

Raketen.

Unterseeboote mit

Startanlagen für mit MIRVs ausgerüstete SLBMs sollen auf der Grundlage
äußerlich erkennbarer Konstruktionsmerkmale der Unterseeboote von Unterseebooten mit Startanlagen für nicht mit MIRVs ausgerüsteten SLBMs unterscheidbar sein.
Diese gemeinsame Absprache erfordert keine Änderung bei Umbau- oder
Konstruktionsprogrammen für Startanlagen oder bei Programmen, die deutliche
Änderungen an den wesentlichen erkennbaren strukturellen Entwurfsmerkmalen von Startanlagen einschließen.

Zu Absatz 6 von Artikel II des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

ASBMs der mit MIRVs flugerprobten

Typen sind alle ASBMs der Typen, die mit zwei oder mehr MIRVs flugerprobt
wurden, gleichgültig,ob sie auch mit einem einzelnen WiedereintrittsFlugkörper oder mit nicht unabhängig ziel richtbaren Wiedereintritts-Flugkörpern flugerprobt wurden.
Zweite vereinbarte Erklärung:

RVs (Wiedereintrittsflugkörper oder

Tochtergefechtsköpfe) sind unabhängig zielrichtbar:

wenn

-

10 -

�a) wenn nach Lösung vom Träger die Steuerung und die Zielausrichtung
der Tochtergefechtsköpfe auf getrennte Zielpunkte auf nicht miteinander in Beziehung stehenden Flugbahnen mit Hilfe von
Vorrichtungen erreicht wird, die in einem selbständigen Ausstoßmechanismus oder an den Wiedereintritts-Flugkörpern angebracht
sind und die auf der Anwendung von elektronischen oder anderen
Computern in Verbindung mit Vorrichtungen beruhen, die Düsenantrieb,
einschließlich Raketentriebwerke, oder aerodynamische Systeme
verwendenb) wenn die Steuerung und Zielausrichtung der Wiedereintritts-Flugkörper auf getrennte Zielpunkte auf nicht miteinander in Beziehung
stehenden Flugbahnen mit Hilfe anderer, möglicherweise in Zukunft
entwickelter Vorrichtungen erreicht wird.

Zu Absatz 7 von Artikel II des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Das Startgewicht einer ICBM ist das

Gewicht der voll beladenen Rakete selbst zum Zeitpunkt des Starts.
Zweite vereinbarte Erklärung:

Das Wurfgewicht einer ICBM ist die Summe

des Gewichts von:
a)

ihrem Wiedereintritts-Flugkörper oder ihren Wiedereintritts-Flugkörpern,

b)

allen selbständigen Ausstoßmechanismen oder anderen geeigneten
Vorrichtungen zur Zielausrichtung eines Wiedereintritts-Flugkörpers oder zur Freigabe oder zum Ausstoß und zur Zielausrichtung
zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper, und
ihren
- 11 -

�c)

ihren Durchdringungshilfen, einschließlich von Vorrichtungen zu
ihrer Freigabe.

Gemeinsame Absprache:

Der Begriff "andere geeignete Vorrichtungen",

wie er für die Definition des Wurfgewichts einer ICBM in der zweiten
vereinbarten Erklärung zu Absatz 7 von Artikel II des Vertrages verwendet
wird, bedeutet jede Art Vorrichtung zur Freigabe und Zielausrichtung
zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper;

und alle Vorrichtungen

zur Freigabe zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper oder für die
Zielausrichtung eines Wiedereintritts-Flugkörpers, die ihre WiedereintrittsFlugkörper oder ihren Wiedereintritts-Flugkörper nicht mit einer zusätzlichen Geschwindigkeit von mehr als 1 000 pro Sekunde versehen können.
•

Zu Absatz 8 von Artikel II des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Wenn ein Marschflugkörper mehr als

600 Kilometer Reichweite hat, werden alle Marschflugkörper dieses Typs
als Marschflugkörper mit mehr als 600 km Reichweite angesehen.
Erste gemeinsame Absprache:

Wenn ein Marschflugkörper für eine Reich-

weite von über 600 km flugerprobt wurde, wird er als ein für eine Reichweite von mehr als 600 km befähigter Marschflugkörper betrachtet.
Zweite gemeinsame Absprache:

Marschflugkörper, die keine Reichweite

von 600 km erreichen, werden nicht als zu einem Typ gehörig betrachtet,
dessen Reichweite 600 km übersteigt, wenn sie auf der Grundlage von äußerlich
erkennbaren Konstruktionsmerkmalen von Marschflugkörpern mit über 600 km
Reichweite zu

unterscheiden sind.
Zweite

- 12 -

�Zweite vereinbarte Erklärung:

Die Reichweite, deren ein Marschflug-

körper fähig ist, ist die maximale Entfernung, die von der Rakete in ihrer
Standardausführung im Flug vor Erschöpfung der Brennstoffvorräte überwunden
werden kann, festgelegt durch die Projizierung ihrer Flugbahn auf die Erdrandung vom Startpunkt zum Auftreffpunkt.

Dritte vereinbarte Erklärung:

Wenn ein unbemannter gelenkter Flug-

körper mit Selbstantrieb, der den Flug auf dem größten Teil seines Flugweges
durch Nutzung aerodynamischen Auftriebs durchführt, als Waffenträger
flugerprobt oder disloziert wurde, werden alle Flugkörper dieses Typs
als Waffenträger-Flugkörper angesehen.

Dritte gemeinsame Absprache:

Unbemannte gelenkte Flugkörper mit

Selbstantrieb, die den Flug auf dem größten Teil ihres Flugwegs durch
Nutzung aerodynamischen Auftriebs durchführen und keine WaffenträgerFlugkörper sind, d.h. unbewaffnete, gelenkte Flugkörper, ohne Pilot,
werden nicht als Marschflugkörper angesehen, wenn solche Flugkörper auf
der Grundlage äußerlich erkennbarer Konstruktionsmerkmale von Marschflugkörpern unterscheidbar sind.

Vierte gemeinsame Absprache:

Keine Vertragspartei wird unbewaffnete,

gelenkte Flugkörper ohne Pilot in Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 km verwandeln,und keine Vertragspartei wird Marschflugkörper
mit einer Reichweite von über 600 km in unbewaffnete, gelenkte Flugkörper
ohne Pilot umwandeln.

Fünfte gemeinsame Absprache:

Keine Vertragspartei hat Pläne, während

der Dauer des Vertrags unbewaffnete gelenkte Flugkörper von Flugzeugen aus
flugzuerproben oder zu dislozieren, die über eine Reichweite von mehr als
600 km verfügen.

In Zukunft wird jede Vertragspartei, die solche Pläne

haben sollte, die andere Vertragspartei rechtzeitig vorher über solche
Flugerprobungen oder Dislozierungen unterrichten.

- 13 -

Diese gemeinsame Absprache

�Absprache gilt nicht für Flugkörper für Zielübungen.

Zu Absatz 4 von Artikel IV des Vertrages
Vereinbarte Erklärung:

Der Begriff "ursprünglich" in Absatz 4 von

Artikel IV des Vertrags bezieht sich auf die inneren Abmessungen einer
verbunkerten ICBM-Startanlage, einschließlich ihres Innenvolumens entweder
vom 26. Mai 1972 oder von dem Datum an, zu dem die Startanlage operativ wird,
immer jedoch vom spätesten Zeitpunkt an.
Gemeinsame Absprache:

Die in Absatz 4 von Artikel IV des Vertrags

und in der vereinbarten Erklärung hierzu vorgesehenen Verpflichtungen
bedeuten, daß der ursprüngliche Durchmesser oder die ursprüngliche Tiefe
einer verbunkerten ICBM-Startanlage nicht um einen höheren Wert vergrößert
werden darf als dem, der eine Steigerung des ursprünglichen Innenvolumens
der verbunkerten ICBM-Startanlage um 32 Prozent allein durch eine Vergrößerung in einer dieser Dimensionen zur Folge hätte.

•

Zu Absatz 5 von Artikel IV des Vertrages
Vereinbarte Erklärung: Der Begriff "Erfordernisse der normalen
Dislozierung", wie er in Absatz 5 von Artikel IV des Vertrages gebraucht
wird, bedeutet die Dislozierung einer ICBM in jeder Startanlage.

�Zu Abschnitt 6 von Artikel IV des Vertrages
Gemeinsame Absprache:

Ein normaler Zeitplan für den Bau, wie in

Absatz 6 von Artikel IV des Vertrages wird als ein Plan angesehen, wie
er den Baupraktiken jeder Vertragspartei in Vergangenheit und Gegenwart
entspricht.

Zu Absatz 7 von Artikel IV des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Das Startgewicht einer ICBM ist das

Gewicht der voll beladenen Rakete selbst zum Zeitpunkt des Startes.
Zweite vereinbarte Erklärung:

Das Wurfgewicht einer ICBM ist die

Summe des Gewichts von:
a)

ihrem Wiedereintritts-Flugkörper oder ihrer WiedereintrittsFlugkörpern;

b) allen selbständigen Ausstoßmenchanismen oder anderen geeigneten
Vorrichtungen zur Zielausrichtung eines Wiedereintritts-Flugkörpers oder zur Freigabe oder zum Ausstoß und zur Zielausrichtung
zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper; und
c)

ihren Durchdringungshilfen, einschließlich von Vorrichtungen zu
ihrer Freigabe.

Gemeinsame Absprache:

Der Begriff "andere geeignete Vorrichtungen",

wie er für die Definition des Wurfgewichts einer ICBM in der zweiten
vereinbarten Erklärung

zu Absatz 7 von Artikel IV des Vertrages verwendet

wird, bedeutet jede Art Vorrichtung zur Freigabe und Zielausrichtung zweier

- 15 -

�zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper;

und alle Vorrichtungen

zur Freigabe zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper oder für die
Zielausrichtung eines Wiedereintritts-Flugkörpers, die ihre WiedereintrittsFlugkörper oder ihren Wiedereintritts-Flugkörper nicht mit der zusätzlichen
Geschwindigkeit von mehr als 1 000 m pro Sekunde versehen können.

Zu Absatz 8 von Artikel IV des Vertrages
Gemeinsame Absprache: Während der Laufzeit des Vertrages wird die
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken keine ICBMs des von der Union
der Sozialistischen Sowjetrepubliken als die RS-14 bezeichneten und den
Vereinigten Staaten von Amerika als die SS-16 bekannten Typs, einer
leichten, erstmals nach 1970 flugerprobten und nur mit einem WiedereintrittsFlugkörper flugerprobten ICBM, herstellen, erproben oder dislozieren;
diese gemeinsame Absprache bedeutet auch, daß die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken die dritte Stufe dieser Rakete, den Wiedereintritts-Flugkörper dieser Rakete oder die geeignete Vorrichtung zur Zielausrichtung
des Wiedereintritts-Flugkörpers dieser Rakete nicht produzieren wird.

Zu Absatz 9 von Artikel IV des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung: Der Begriff "neue Typen von ICBMs",
wie er in Absatz 9 von Artikel IV des Vertrages gebraucht wird, bezieht
sich auf jede ICBM, die sich in einem oder mehreren der folgenden Punkte
von den nach dem 1. Mai 1979 flugerprobten ICBMs unterscheidet:
a)

der Anzahl der Stufen, der Länge, dem größten Durchmesser, dem
Startgewicht oder dem Wurfgewicht der Rakete;
dem
- 16 -

�b) dem Antriebsmittel (d.h. flüssig oder fest) einer jeden Stufe.
Erste gemeinsame Absprache:

Wie in der ersten vereinbarten Erklärung

zu Absatz 9 von Artikel IV des Vertrages verwendet, bedeutet der auf die
Länge, den Durchmesser, das Startgewicht und das Wurfgewicht der Rakete
bezogene

Ausdruck "sich unterscheidet" einen Unterschied von über 5 Prozent.

Zweite vereinbarte Erklärung: Jede ICBM des einen neuen, jeder
Vertragspartei gemäß Absatz 9 von Artikel IV des Vertrags zugestandenen
Typs leichter ICBMs soll die gleiche Anzahl von Stufen und die gleiche
Art von Antriebsmittel (d.h. flüssig oder fest) jeder Stufe haben wie die
erste von der jeweiligen Vertragspartei gestartete ICBM des einen neuen
Typs leichter ICBMs. Zusätzlich sollen sich nach dem 25. Start einer
ICBM dieses Typs oder nach dem letzten Start vor Beginn der Dislozierung
von ICBMs dieses Typs, was immer eher geschieht, ICBMs des einen neuen
dieser Vertragspartei zugestandenen Typs einer leichten ICBM nicht in
einem oder mehreren der folgenden Punkte unterscheiden: in der Länge, dem
größten Durchmesser, dem Startgewicht oder dem Wurfgewicht der Rakete.
Eine Vertragspartei, die ICBMs des einen neuen, gemäß Absatz 9 von
Artikel IV des Vertrages zugestandenen Typs leichter ICBMs startet, wird
unverzüglich die andere Vertragspartei von dem ersten Start und dem Datum
entweder des 25. oder des letzten Starts vor Beginn der Dislozierung von
ICBMs dieses Typs, was immer eher geschieht, benachrichtigen.
Zweite gemeinsame Absprache: Wie in der zweiten vereinbarten
Erklärung von Absatz 9 von Artikel IV des Vertrags verwendet, bedeutet
der Ausdruck "unterschiedlich", der sich auf die Länge, den Durchmesser,
das Startgewicht und das Wurfgewicht der Rakete bezieht, einen Unterschied
von über 5 Prozent gegenüber dem für jede der obigen Größen nach dem 25.
Start oder nach dem letzten Start vor Beginn der Dislozierung, was immer
eher geschieht, festgesetzten Wert. Die in jeder der obigen Größen
während der 12 letzten der 25 Starts oder während der letzten 12 Starts vor

- 17 -

�vor Beginn der Dislozierung dargestellten Werte, welche 12 Starts auch
immer eher durchgeführt werden, sollen sich nicht um mehr als 10 Prozent
von allen anderen, während jener 12 Starts dargestellten, entsprechenden
Werten unterscheiden.
Dritte gemeinsame Absprache:

Die in der ersten vereinbarten Erklärung

und in der ersten gemeinsamen Absprache zu Absatz 9 von Artikel IV des
Vertrages hinsichtlich Startgewicht und Wurfgewicht vorgesehenen Begrenzungen
schließen die Flugerprobung oder die Dislozierung von ICBMs mit weniger
Wiedereintritts-Flugkörpern oder weniger Durchdringungshilfen oder mit
weniger von bei dem als der Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern und
der Höchstzahl von Durchdringungshilfen, mit denen ICBMs dieses Typs seit
dem 1. Mai 1979 flugerprobt wurden,nicht aus, selbst wenn dies eine
Minderung des Startgewichts oder des Wurfgewichts von über 5 Prozent zur
Folge hat.
über die oben angeführten Fälle hinaus schließen jene Begrenzungen
eine Verringerung im Startgewicht oder im Wurfgewicht über fünf Prozent
nicht aus im Falle der Flugerprobung oder der Dislozierung von ICBMs mit
einer geringeren Menge an Antriebsmitteln, einschließlich der Antriebsmittel für einen selbständigen Ausstoßmechanismus oderäner anderen zweckdienlichen Einrichtung, als die maximale Mange von Antriebsmitteln,
einschließlich der Antriebsmittel für einen selbständigen Ausstoßmechanismus
oder einer anderen zweckdienlichen Einrichtung, mit denen ICBMs dieses
Typs vom 1. Mai 1979 an flugerprobt worden sind, vorausgesetzt, daß eine
solche ICBM gleichzeitig mit weniger Wiedereintritts-Flugkörpern oder
weniger Durchdringungshilfen oder beiden flugerprobt oder disloziert worden
ist als die Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern und die Höchstzahl
von Durchdringungshilfen, mit denen ICBMs vom Mai 1979 an flugerprobt
worden sind und die Verringerung des Startgewichts und des Wurfgewichts
in solchen Fällen nur aus der Verringerung der Zahl der WiedereintrittsFlugkörper oder Durchdringungshilfen oder beiden und der Verringerung der

�der Mengen der Antriebsmittel herrührt.
Vierte gemeinsame Absprache:

Die in der zweiten vereinbarten Erklärung

und in der zweiten gemeinsamen Absprache zu Absatz 9 von Artikel IV des
Vertrages vorgesehenen Begrenzungen in bezug auf Startgewicht und Wurfgewicht
schließen die Flugerprobung oder Dislozierung von ICBMs des einen, gemäß
Absatz 9 von Artikel IV des Vertrages jeder Vertragspartei zugestandenen
neuen Typs leichter ICBMs mit weniger Wiedereintritts-Flugkörpern oder
weniger Durchdringungshilfen oder beiden als der Höchstzahl von WiedereintrittsFlugkörpern und der Höchstzahl von Durchdringungshilfen nicht aus, mit
denen ICBMs dieses Typs flugerprobt worden sind, selbst wenn dies eine
Verminderung von über 5 Prozent im Startgewicht oder im Wurfgewicht zur
Folge hat,
über die oben angeführten Fälle hinaus schließen jene Begrenzungen eine
Verringerung im Startgewicht oder im Wurfgewicht über 5 Prozent nicht aus im
Falle der Flugerprobung oder der Dislozierung von ICBMs dieses Typs mit
einer geringeren Menge an Antriebsmitteln, einschließlich der Antriebsmittel
für einen selbständigen Ausstoßmechanismus oder einer anderen geeigneten
Vorrichtung, als die maximale Menge von Antriebsmitteln, einschließlich
der Antriebsmittel für einen selbständigen Ausstoßmechanismus oder einer
anderen geeigneten Vorrichtung, mit denen ICBMs dieses Typs flugerprobt
worden sind, vorausgesetzt, daß eine solche ICBM gleichzeitig mit weniger
Wiedereintritts-Flugkörpern oder weniger Durchdringungshilfen oder beiden
flugerprobt oder disloziert worden ist als die Höchstzahl von WiedereintrittsFlugkörpern und die Höchstzahl von Durchdringungshilfen, mit denen ICBMs
dieses Typs flugerprobt worden sind und die Verringerung des Startgewichts
und des Wurfgewichts in solchen Fällen nur aus der Verringerung der Zahl
der Wiedereintritts-Flugkörper oder Durchdringungshilfen oder beiden und
der Verringerung der Menge der Antriebsmittel herrührt.
Zu

- 19 -

�Zu Absatz 10 von Artikel IV des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Die folgenden Typen von ICBMs und SLBMs,

ausgerüstet mit MIRVs, sind mit der wie unten angegebenen Höchstzahl von
Wiedereintritts-Flugkörpern flugerprobt worden:
Für die Vereinigten Staaten von Amerika:
ICBMs vom Typ MINUTEMAN III

- sieben Wiedereintritts-Flugkörper

SLBMs vom Typ POSEIDON C-3

- vierzehn Wiedereintritts-Flugkörper

SLBMs vom Typ TRIDENT C-4

-

sieben Wiedereintritts-Flugkörper

Für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
ICBMs vom Typ RS-16

- vier Wiedereintritts-Flugkörper

ICBMs vom Typ RS-18

-

ICBMs vom Typ RS-20

- zehn Wiedereintritts-Flugkörper

SLBMs vom Typ RSM-50

-

sechs Wiedereintritts-Flugkörper
sieben Wiedereintritts-Flugkörper

Gemeinsame Absprache: MINUTEMAN III-ICBMs der Vereinigten Staaten
von Amerika sind mit nicht mehr als drei Wiedereintritts-Flugkörpern disloziert. Für die Laufzeit des Vertrages haben die Vereinigten Staaten von
Amerika keine Pläne für Flugerprobung oder Dislozierung von Raketen dieses
Typs mit mehr als drei Wiedereintritts-Flugkörpern und werden keine Raketen
dieses Typs mit mehr als drei Wiedereintritts-Flugkörpern flugerproben oder
dislozieren.
Zweite vereinbarte Erklärung: Während der Flugerprobung jeder ICBM,
SLBM oder ASBM darf nach dem 1. Mai 1979 die Anzahl der Freigabe- oder
Ausstoßverfahren nicht die für Raketen der entsprechenden Typen erstellten
Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern, die in den Absätzen 10, 11, 12

- 20 -

�12 und 13 von Artikel IV des Vertrages festgelegt sind, überschreiten.

In

dieser vereinbarten Erklärung werden "Freigabe-Ausstoßverfahren" verstanden
als Raketen-Vorgänge in Verbindung mit der Zielausrichtung und der Freigabe
oder dem Ausstoß ihrer Wiedereintritts-Flugkörper auf Zielpunkte, gleichgültig, ob ein Wiedereintritts-Flugkörper tatsächlich freigegeben oder ausgestoßen wird oder nicht.

Verfahren zur Freigabe von Hilfen für die Durch-

dringung der Raketen-Abwehr werden nicht als Verfahren zur Freigabe oder zum
Ausstoß eines Wiedereintritts-Flugkörpers angesehen, solange die Verfahren
zur Freigabe von Hilfen für die Durchdringung der Raketen-Abwehr sich von
denen zur Freigabe oder zum Ausstoß von Wiedereintritts-Flugkörpern unterscheiden.

Dritte vereinbarte Erklärung:
a)

Jede Vertragspartei verpflichtet sich,

keine mit Mehrfach-Wiedereintritts-Flugkörpern ausgerüsteten
ICBMs eines seit dem l.Mai 1979 flugerprobten Typs mit Wiedereintritts-Flugkörpern flugzuerproben oder zu dislozieren, von
denen jeder ein geringeres Gewicht hat als das Gewicht des
leichtesten jener Wiedereintritts-Flugkörper, mit denen eine
ICBM dieses Typs seit diesem Datum flugerprobt worden ist;

b)

keine mit einem einzigen Wiedereintritts-Flugkörper und ohne eine
geeignete Vorrichtung zur Zielausrichtung eines WiedereintrittsFlugkörpers ausgestatteten ICBMs eines seit 1. Mai 1979 flugerprobten Typs mit einem Wiedereintritts-Flugkörper flugzuerproben
oder zu dislozieren, dessen Gewicht geringer ist als das Gewicht
des leichtesten Wiedereintritts-Flugkörpers einer ICBM des mit
MIRVs ausgerüsteten Typs und der von dieser Vertragspartei vom
1. Mai 1979 an flugerprobten worden ist; und

c)

keine mit einem einzigen Wiedereintritts-Flugkörper und mit einer
geeigneten Vorrichtung zur Zielausrichtung des Wiedereintritts-

- 21 -

�Wiedereintritts-Flugkörpers ausgerüsteten ICBMs eines $eit dem
1. Mai 1979 flugerprobten Typs mit einem Wiedereintritts-Flugkörper flugzuerproben oder zu dislozieren, dessen Gewicht geringer
ist als 5 Prozent des Wurfgewichts dieser ICBM.
•

Zu Absatz 11 von Artikel IV des Vertrages
.

•

.

Erste vereinbarte Erklärung:

.

Jede Vertragspartei verpflichtet sich,

den einen neuen Typ einer leichten ICBM, der jeder Vertragspartei gemäß
Absatz 9 von Artikel IV des Vertrages zugestanden ist, nicht mit einer
Anzahl von Wiedereintritts-Flugkörern flugzuerproben oder zu dislozieren,
die größer ist als die Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern, mit denen
eine ICBM dieses Typs entweder vom 25. Start oder dem letzten Start vor
Beginn der Dislozierung von ICBMs dieses Typs - was immer eher geschieht an flugerprobt worden ist.
Zweite vereinbarte Erklärung: Während der Flugerprobung jeder ICBM,
SLBM oder ASBM darf nach dem
1. Mai 1979 die Anzahl der Freigabe- oder
Ausstoßverfahren die Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern, wie sie
in den Abschnitten 10, 11, 12 und 13 von Artikel IV des Vertrages für Raketen
der entsprechenden Typen vorgesehen ist, nicht überschreiten. In dieser
vereinbarten Erklärung bedeuten "Freigabe- und Ausstoßverfahren" die mit der
Zielausrichtung und der Freigabe oder dem Ausstoß ihrer WiedereintrittsFlugkörper auf Zielpunkte hin verbundenen Raketen-Vorgänge,gleichgültig, ob
ein Wiedereintritts-Flugkörper freigegeben oder ausgestoßen wird. Verfahren zur Freigabe von Hilfen für die Durchdringung der Raketen-Abwehr
werden nicht als Verfahren zur Freigabe oder zum Ausstoß eines Wiedereintritts-Flugkörpers angesehen, solange die Verfahren zur Freigabe von Hilfen
für die Durchdringung der Raketen-Abwehr sich von denen zur Freigabe oder
zum Ausstoß von Wiedereintritts-Flugkörpern unterscheidet.

�Zu Absatz 12 von Artikel IV des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Die folgenden mit MIRVs ausgerüsteten

ICBMs und SLBMs wurden mit der unten angeführten Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern flugerprobt:
Für die Vereinigten Staaten von Amerika
ICBMs vom Typ MINUTEMAN III

-

sieben Wiedereintritts-Flugkörper

SLBMs vom Typ POSEIDON C-3

- vierzehn Wiedereintritts-Flugkörper

SLBMs vom Typ TRIDENT C-4

-

sieben Wiedereintritts-Flugkörper

Für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
ICBMs vom Typ RS-16

- vier Wiedereintritts-Flugkörper

ICBMs vom Typ RS-18

-

sechs Wiedereintritts-Flugkörper

ICBMs vom Typ RS-20

-

zehn Wiedereintritts-Flugkörper

SLBMs vom Typ RSM-50

-

sieben Wiedereintritts-Flugkörper

Zweite vereinbarte Erklärung: Während der Flugerprobung jeder ICBM,
SLBM oder ASBM darf nach dem 1. Mai 1979 die Anzahl der Freigabe- oder
Ausstoßverfahren die Höchstzahl an Wiedereintritts-Flugkörpern, wie sie in
den Abschnitten 10, 11, 12 und 13 von Artikel IV des Vertrages für Raketen
der entsprechenden Typen festgelegt ist, nicht überschreiten. In dieser
vereinbarten Erklärung bedeuten "Freigabe und Ausstoßverfahren" die mit
der Zielausrichtung und der Freigabe oder dem Ausstoß ihrer WiedereintrittsFlugkörper auf Zielpunkte hin verbundenen Raketen-Vorgänge, gleichgültig,
ob ein Wiedereintritts-Flugkörper tatsächlich freigegeben oder ausgestoßen
wird. Verfahren zur Freigabe von Hilfen für die Durchdringung der RaketenAbwehr werden nicht als Verfahren zur Freigabe oder zum Ausstoß eines
Wiedereintritts-Flugkörpers angesehen, solange die Verfahren zur Freigabe
von Hilfen für die Durchdringung der Raketen-Abwehr sich von denen zur

- 23 -

�zur Freigabe oder zum Ausstoß von Wiedereintritts-Flugkörpern unterscheidet.

Zu Absatz 13 von Artikel IV des Vertrages
Vereinbarte Erklärung:

Während der Flugerprobung jeder ICBM, SLBM

oder ASBM darf nach dem 1. Mai 1979 die Anzahl der Freigabe- oder Ausstoßverfahren die Höchstzahl von Wiedereintritts-Flugkörpern, wie sie in den
Abschnitten 10, 11, 12 und 13 von Artikel IV des Vertrages für Raketen der
entsprechenden Typen festgelegt ist, nicht überschreiten.

In dieser

vereinbarten Erklärung bedeuten "Freigabe- und Ausstoßverfahren" die mit
der Zielausrichtung und der Freigabe oder dem Ausstoß ihres WiedereintrittsFlugkörpers auf Zielpunkte hin verbundenen Manöver, gleichgültig, ob ein
Wiedereintritts-Flugkörper tatsächlich freigegeben oder ausgestoßen wird.
Verfahren zur Freigabe von Hilfen für die Durchdringung der Raketen-Abwehr
werden nicht als Verfahren zur Freigabe oder zum Ausstoß eines Wiedereintritts-Flugkörpers angesehen, solange die Verfahren zur Freigabe von Hilfen
für die Durchdringung der Raketen-Abwehr sich von denen zur Freigabe oder
zum Ausstoß von Wiedereintritts-Flugkörpern unterscheiden.

Zu Absatz 14 von Artikel IV des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Zum Zweck der in Absatz 14 von Artikel IV

des Vertrages festgelegten Begrenzung wird die Dislozierung der Höchstzahl
solcher Raketen an jedem Schweren Bomber für Marschflugkörper mit einer
Reichweite von über 600 km ausgerüsteten Typs in Betracht gezogen, für die
jeder Bomber dieses Typs zum Zwecke einer operativen Aufgabe ausgerüstet
ist.

Zweite

- 24 -

�Zweite vereinbarte Erklärung:

Während der Laufzeit des Vertrages wird

kein Bomber des Typs B-52 oder B-l der Vereinigten Staaten von Amerika und
kein Bomber des Typs TUPOLEV-95 oder MYASISHCHEV der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken für mehr als zwanzig Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 km ausgerüstet.

Zu Absatz 4 von Artikel V des Vertrages

Vereinbarte Erklärung:

Wenn ein Bomber für mit MIRVs ausgerüsteten

ASBMs ausgerüstet ist, werden alle Bomber dieses Typs als für mit MIRVs
ausgerüsteten ASBMs ausgerüstet angesehen.

Zu Absatz 3 von Artikel VI des Vertrages

Vereinbarte Erklärung:

Die Verfahren, auf die sich Absatz 7 von

Artikel VI des Vertrages bezieht, schließen Verfahren zur Festlegung der
Art und Weise ein, in der bewegliche ICBM-Startanlagen eines nicht den in
Artikel V des Vertrages vorgesehenen Begrenzungen unterliegenden Typs, die
einer Umwandlung in Startanlagen eines dieser Begrenzung unterliegenden Typs
unterzogen werden, dieser Begrenzung unterliegen, es sei denn die Vertragsparteien kommen überein, daß bewegliche ICBM-Startanlagen nach dem Datum,
zu dem das Protokoll außer Kraft tritt, nicht disloziert werden.

Zu Absatz 6 von Artikel VI des Vertrages

Vereinbarte Erklärung:

Die Verfahren zur Herausnahme strategischer

- 25 -

�strategischer Offensivwaffen aus den im Vertrag vorgesehenen Gesamtzahlen,
auf die sich Absatz 6 von Artikel VI des Vertrages bezieht und über die die
Ständige Beratende Kommission Einigung erzielen muß, sollen umfassen:
a)

Verfahren zur Herausnahme aus den in Artikel V des Vertrages vorgesehenen Gesamtzahlen an ICBM- und SLBM-Startanlagen, die von Startanlagen des der in Artikel V des Vertrages vorgesehenen Begrenzung
unterliegenden Typs in Startanlagen eines nicht dieser Begrenzung
unterliegenden Typs umgewandelt werden;

b)

Verfahren zur Herausnahme aus den in den Artikeln III und V des
Vertrages vorgesehenen Gesamtzahlen von Bombern, die von Bombern
eines den in Artikel III des Vertrages oder in den Artikeln III
und V des Vertrages vorgesehenen Begrenzungen unterliegenden Typs
in Flugzeuge oder Bomber eines dem nicht unterliegenden Typs umgewandelt werden.

Gemeinsame Absprache: Die Verfahren, auf die sich Unterabsatz (b) der
vereinbarten Erklärung zu Absatz 6 von Artikel VI des Vertrages hinsichtlich
der Herausnahme von Bombern aus den in den Artikeln III und V des Vertrages
vorgesehenen Gesamtzahlen bezieht, müssen sich auf das Vorhandensein
funktionsbezogener erkennbarer Unterschiede gründen, die anzeigen, ob sie
die Aufgabe eines Schweren Bombers erfüllen können oder nicht,oder ob sie
die Aufgabe eines für Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km
ausgerüsteten Bombers erfüllen können oder nicht.

Zu Absatz 1 von Artikel VII des Vertrages
Gemeinsame Absprache:

Der Begriff "Test", wie er in Artikel VII des

Vertrages gebraucht wird, schließt Forschung und Entwicklung ein.

Zu
- 26 -

�Zu Absatz 2 von Artikel VII des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung:

Der Begriff "erhebliche Erhöhung", wie

er in Unterabsatz 2 (a) von Artikel VII des Vertrages verwendet wird, bedeutet eine Steigerung von 15 Prozent oder mehr. Alle neuen ICBM-Test- und
Ausbildungsstartanlagen, die ICBM-Test- und Ausbildungsstartanlagen in
Versuchsstationen ersetzen, werden nur auf Versuchsstationen eingerichtet.
Zweite vereinbarte Erklärung:

Derzeitige Versuchsstationen, auf denen

ICBMs erprobt werden, befinden sich: für die Vereinigten Staaten von Amerika
in der Nähe von Santa Maria, Kalifornien, und auf Cape Canaveral, Florida;
und für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken in den Gebieten von
Tjuratam und Plesetskaya. In Zukunft wird jede Vertragspartei in der
Ständigen Beratenden Kommission Kenntnis geben von der Lage einer jeden
anderen Versuchsstation, die von dieser Vertragspartei zur Erprobung von
ICBMs verwendet wird.
Erste gemeinsame Absprache: Auf den Versuchsstationen, auf denen
ICBMs erprobt werden, dürfen auch andere Waffen erprobt werden, einschließlich
solcher, die durch den Vertrag nicht begrenzt werden.
Zweite gemeinsame Absprache: Von den 18 Startanlagen für Flugkörper
mit partieller Umlaufbahn auf der Versuchsstation im Gebiet von Tjuratam,
wo ICBMs erprobt werden, werden 12 Startanlagen abgebaut oder zerstört,und
sechs Startanlagen können in Startanlagen zur Erprobung von Raketen umgebaut werden, die einer Modernisierung unterzogen wurden.
Abbau oder Zerstörung der 12 Startanlagen werden mit Inkrafttreten
des Vertrages beginnen und sollen innerhalb von 12 Monaten beendet sein,
wobei über die Verfahrensweisen zum Abbau oder zur Zerstörung dieser Startanlagen in der Ständigen Beratenden Kommission Übereinstimmung erzielt
werden muß.

Diese 12 Startanlagen werden nicht ersetzt.
Der
- 27 -

�Der Umbau

der 6 Startanlagen kann nach Inkrafttreten des Vertrags

durchgeführt werden.

Nach Inkrafttreten des Vertrages müssen Flugkörper

mit partieller Umlaufbahn entfernt und gemäß den Bestimmungen von Unterabsatz 1 (c) von Artikel IX und von Artikel XI des Vertrages zerstört und
dürfen nicht durch andere Raketen ersetzt werden, ausgenommen im Fall der
Umwandlung dieser 6 Startanlagen zur Erprobung von Raketen, die einer
Modernisierung unterzogen wurden.

Nach Entfernung der Flugkörper mit

partieller Umlaufbahn und vor einer solchen Umwandlung werden alle mit
diesen Startanlagen verbundenen Tätigkeiten begrenzt auf normale Wartungsaufgaben für Startanlagen, in denen keine Raketen disloziert sind.

Diese

6 Startanlagen unterliegen den Bestimmungen von Artikel VII des Vertrages
und nach Umwandlung den Bestimmungen der Fünften gemeinsamen Absprache
zu Absatz 5 von Artikel II des Vertrages.

Zu Absatz 1 von Artikel VIII des Vertrages
Vereinbarte Erklärung: Allein zu Zwecken der Erprobung hat jede
Vertragspartei das Recht, durch Neukonstruktion oder, als eine Ausnahme
zu den Bestimmungen von Absatz 1 von Artikel VIII des Vertrages, durch
Umbau nicht mehr als 16 Flugzeuge für Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 km oder für ASBMs auszurüsten, einschließlich von Flugzeugen,
die Prototypen von für solche Raketen ausgerüsteten Bombern sind. Jede
Vertragspartei hat auch das Recht, als eine Ausnahme zu den Bestimmungen
von Absatz 1 von Artikel VIII des Vertrages, von solchen Flugzeugen aus
Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km flugzuerproben und
nach dem Zeitpunkt des Außerkrafttretens des Protokolls auch ASBMs von
solchen Flugzeugen aus flugzuerproben, sofern die Vertragsparteien nicht
darin übereinstimmen, keine ASBMs nach diesem Zeitpunkt flugzuerproben.
Die in Artikel III des Vertrages vorgesehenen Begrenzungen sollen nicht
für solche Flugzeuge gelten.
Die
- 28 -

�Die obenerwähnten Flugzeuge dürfen nur einschließen:
a) andere Flugzeuge als Bomber, die als Ausnahme zu den Bestimmungen
von Absatz 1 von Artikel VIII des Vertrages in für Marschflugkörper
mit einer Reichweite von über 600 km oder für ASBMs ausgerüstete
Flugzeuge umgebaut worden sind;
b) Flugzeuge, die gemäß Unterabsatz 3 (c) oder 3 (d) von Artikel II
des Vertrages als Schwere Bomber angesehen werden; und
c) andere Flugzeuge als Schwere Bomber, die vor dem 7. März 1979
zur Erprobung von Marschflugkörpern mit einer Reichweite von über
600 km

verwendet wurden.

Die Flugzeuge, auf die sich die Unterabsätze (a) und (b) dieser
vereinbarten Erklärung beziehen, sollen auf der Grundlage funktionsbezogener
erkennbarer Unterschiede unterscheidbar sein von Flugzeugen, die ansonsten
dem gleichen Typ angehören würden, aber die Aufgabe eines für Marschflugkörper
mit einer Reichweite von über 600 km oder für ASBMs ausgerüsteten Bombers
durchführen können.
Die Flugzeuge, auf die sich Unterabsatz (c) dieser vereinbarten
Erklärung bezieht, dürfen nach Ablauf eines Zeitraums von 6 Monaten nach
Inkrafttreten des Vertrages nicht zur Erprobung von Marschflugkörpern mit
einer Reichweite von über 600 km verwendet werden, sofern sie nicht bei
Ablauf dieses Zeitraums auf der Grundlage funktionsbezogener erkennbarer
Unterschiede von Flugzeugen unterscheidbar sind, die ansonsten demselben
Typ angehören würden, aber die Aufgabe eines für Marschflugkörper mit einer
Reichweite von über 600 km ausgerüsteten Bombers nicht durchführen können.
Erste gemeinsame Absprache:

Der Begriff "erproben", wie er in der

vereinbarten Erklärung zu Absatz 1 von Artikel VIII des Vertrages verwendet

- 29 -

�verwendet wird, schließt Forschung und Entwicklung ein.
Zweite gemeinsame Absprache:

Die Vertragsparteien werden sich gegen-

seitig in der Ständigen Beratenden Kommission über die Anzahl von Flugzeugen je Typ unterrichten, die gemäß der vereinbarten Erklärunt zu Absatz 1
von Artikel VIII des Vertrages zur Erprobung verwendet werden.

Eine solche

Unterrichtung wird auf der ersten regelmäßigen Sitzung der Ständigen
Beratenden Kommission erfolgen, die nach der Verwendung eines Flugzeugs
für solche Erprobung abgehalten wird.
Dritte gemeinsame Absprache:

Keines der 16 Flugzeuge, auf die sich

die vereinbarte Erklärung zu Absatz 1 von Artikel VIII des Vertrages
bezieht, darf ersetzt werden, außer im Fall unfreiwilliger Zerstörung eines
dieser Flugzeuge oder im Falle des Umbaus oder der Zerstörung dieser Flugzeuge,

über die Verfahren für einen solchen Ersatz und für die Herausnahme

eines dieser Flugzeuge aus dieser Anzahl im Falle seiner Umwandlung

muß

in der Ständigen Beratenden Kommission Übereinstimmung erzielt werden.

Zu Absatz 1 von Artikel IX des Vertrages
Gemeinsame Absprache zu Unterabsatz (a): Die in Unterabsatz 1 (a)
von Artikel IX des Vertrages festgelegten Verpflichtungen haben keinen
Einfluß auf gegenwärtige Verfahren zum Transport ballistischer Raketen.
Vereinbarte Erklärung zu Unterabsatz (b): Die in Unterabsatz 1 (b)
von Artikel IX des Vertrages festgelegten Verpflichtungen gelten für alle
Bereiche des Ozeanbodens und des Meeresgrundes einschließlich der Meeresgrundzone, auf die sich die Artikel I und II des Vertrages von 1971 über
das Verbot der Stationierung von Nuklearwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen auf dem Ozeanboden und dem Meeresgrund und in der darunter liegenden

- 30 -

�liegenden Erdschicht bezieht.
Gemeinsame Absprache zu Unterabsatz (c): Die Bestimmungen von Unterabsatz 1 (c) von Artikel IX des Vertrages fordern von keiner der Vertragsparteien den Abbau oder die Zerstörung irgendeiner vorhandenen Startanlage.
Erste vereinbarte Erklärung zu den Unterabsätzen (e) und (f). Das
Startgewicht einer SLBM oder einer ASBM ist das Gewicht der voll beladenen
Rakete selbst zunZeitpunkt des Abschusses.
Zweite vereinbarte Erklärung zu den Unterabsätzen (e) und (f). Das
Wurfgewicht einer SLBM oder einer ASBM ist die Summe des Gewichts:
a)

ihres Wiedereintritts-Flugkörpers oder ihrer WiedereintrittsFlugkörper;

b)

aller selbständigen Ausstoßmechanismen oder anderer geeigneter
Vorrichtungen zur Zielausrichtung eines Wiedereintritts-Flugkörpers
oder zur Freigabe oder zum Ausstoß und zur Zielausrichtung zweier
oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper; und

c)

ihrer Durchdringungshilfen einschließlich der Vorrichtungen zu
ihrer Freigabe.

Gemeinsame Absprache zu den Unterabsätzen (e) und (f): Der Begriff
"andere geeignete Vorrichtungen", wie er in der Definition des Wurfgewichts
einer SLBM oder einer ASBM in der Zweiten vereinbarten Erklärung zu den
Unterabsätzen 1 (e) und 1 (f) von Artikel IX des Vertrages verwendet wird,
bedeutet alle Vorrichtungen zur Freigabe und Zielausrichtung zweier oder
mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper; und alle Vorrichtungen zur Freigabe
zweier oder mehrerer Wiedereintritts-Flugkörper oder zur Zielausrichtung
eines Wiedereintritts-Flugkörpers, die ihre Wiedereintritts-Flugkörper oder

- 31 -

�oder ihren Wiedereintritts-Flugkörper nicht mit einer zusätzlichen Geschwindigkeit von mehr als 1 000 m pro Sekunde versehen können.

Zu Absatz 2 von Artikel IX des Vertrages
Vereinbarte Erklärung:

Gefechtsköpfe eines Marschflugkörpers sind

unabhängig ziel ausgerichtet, wenn das Manövrieren oder Zielen der Gefechtsköpfe auf getrennte Zielpunkte auf ballistischen Flugbahnen oder anderen
Flugbahnen, die nicht voneinander abhängen, während des Fluges eines
Marschflugkörpers durchgeführt wird.

Zu Absatz 3 von Artikel XV des Vertrages
Erste vereinbarte Erklärung: Vorsätzliche Maßnahmen zur Verheimlichung,
auf die sich Absatz 3 von Artikel XV des Vertrages bezieht, sind vorsätzlich
ergriffene Maßnahmen zur Verhinderung oder zur Erschwerung der Verifizierung
durch Nationale Technische Mittel gemäß den Bestimmungen des Vertrages.
Zweite vereinbarte Erklärung: Die in Absatz 3 von Artikel XV des
Vertrages vorgesehene Verpflichtungen, keine vorsätzlichen Maßnahmen zur
Verheimlichung zu treffen, schließt die Erprobung von Hilfen zur Durchdringung
der Raketen-Abwehr nicht aus.
Erste gemeinsame Absprache: Die Bestimmungen von Absatz 3 von Artikel XV
des Vertrages und die Erste vereinbarte Erklärung hierzu finden auf alle
Bestimmungen des Vertrages Anwendung, einschließlich der mit Erprobung verbundenen Bestimmungen. In diesem Zusammenhang umfaßt die Verpflichtung,
keine vorsätzlichen Maßnahmen zur Verheimlichung zu ergreifen, die Verpflichtung,
keine vorsätzlichen Maßnahmen zur Verheimlichung in Verbindung mit Erprobung
- 32 -

�Erprobung zu ergreifen, einschließlich jener Maßnahmen, die auf die
Verheimlichung der Vereinigung von ICBMs und Startanlagen während der
Erprobung gerichtet sind.
Zweite gemeinsame Absprache: Jeder Vertragspartei steht es frei,
verschiedene Methoden der Übermittlung telemetrischer Informationen,
ihre Verschlüsselung eingeschlossen, im Verlauf der Erprobung zu verwenden,
ausgenommen, daß in Übereinstimmung mit den Bestimmungen des Absatzes 3
von Artikel XV des Vertrages keine Vertragspartei die absichtliche Verweigerung telemetrischer Informationen, wie etwa durch die Anwendung
telemetrischer Verschlüsselung, vornehmen darf, wenn eine solche Verweigerung
die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Vertrages behindert.
Dritte gemeinsame Absprache: über die in Absatz 3 von Artikel XV
des Vertrages festgelegten Verpflichtungen hinaus, dürfen keine Bunker,
die die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Vertrages durch
Nationale Technische Mittel behindern, über verbunkerten ICBM-Startanlagen
verwendet werden.

Zu Absatz 1 von Artikel XVI des Vertrages
Erste gemeinsame Absprache:

ICBM-Starts, auf die die in Artikel XVI

des Vertrages festgelegten Verpflichtungen zutreffen, schließen unter anderen
jene ICBM-Starts ein, für die eine vorhergehende Benachrichtigung gemäß
den Bestimmungen des am 30. September 1971 unterzeichneten Abkommens über
Maßnahmen zur Verminderung der Gefahr des Ausbruchs eines Nuklearkrieges
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken sowie gemäß des am 25. Mai 1972 unterzeichneten Abkommens
zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika und der Regierung
der Union der Sozialistischen Sowjetrepunliken über die Vermeidung von

- 33 -

�von Zwischenfällen auf hoher See und über der hohen See erforderlich ist.
Nichts in Artikel XVI des Vertrages beabsichtigt, eine vorherige Ankündigung
nicht den Bestimmungen unterliegender ICBM-Abschüsse auf freiwilliger
Basis zu verhindern, deren vorherige Ankündigung des Vertrauens zwischen
den Vertragsparteien vergrößern würde.
Zweite gemeinsame Absprache:

Ein von einer Vertragspartei ausgeführter

Mehrfachstart von ICBMs ist im Gegensatz zu einfachen ICBM-Starts, auf
die sich Artikel XVI des Vertrages bezieht, ein Start, der dazu führt,
daß sich anschließend zwei oder mehrere ICBMs gleichzeitig im Flug befinden.
Dritte gemeinsame Absprache: Die Versuchsstationen, auf die sich
Artikel XVI des Vertrages bezieht, sind jene, die die Zweite vereinbarte
Erklärung zu Absatz 2 von Artikel VII des Vertrages einschließt.

Zu Absatz 3 von Artikel XVII des Vertrages
Vereinbarte Erklärung: Um die vereinbarte Datengrundlage für die
Zahlen strategischer Offensivwaffen auf dem laufenden zu halten, die den
im Vertrag in Einklang mit Absatz 3 von Artikel XVII des Vertrages festgelegten Begrenzungen unterliegen»werden sich bei jeder regelmäßigen
Sitzung der Ständigen Beratenden Kommission die Vertragsparteien gegenseitig
über diese Zahlen in den folgenden Kategorien benachrichtigen und Änderungen
dieser Zahlen in Betracht ziehen: ICBM-Startanlagen; feste ICBM-Startanlagen; Startanlagen für mit MIRVs ausgerüstete ICBMs; SLBM-Startanlagen
für mit MIRVs ausgerüstete SLBMs; Schwere Bomber; Schwere Bomber, die für
Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km ausgerüstet sind;
Schwere Bomber, die nur für ASBMs ausgerüstet sind; ASBMs; und mit MIRVs
ausgerüstete ASBMs.
Zu

�Zu Absatz 2 von Artikel II des Protokolls
Vereinbarte Erklärung:

Gefechtsköpfe eines Marschflugkörpers sind

unabhängig zielausgerichtet, wenn das Manövrieren oder Zielen der Gefechtsköpfe auf getrennte Zielpunkte auf ballistischen Flugbahnen oder
anderen Flugbahnen, die nicht voneinander abhängen, während des Fluges
eines Marschflugkörpers durchgeführt wird.

Zu Absatz 3 von Artikel II des Protokolls
Erste vereinbarte Erklärung: Wenn ein Marschflugkörper eine Reichweite von über 600 km hat, werden alle Marschflugkörper dieses Typs als
Marschflugkörper einer Reichweite von über 600 km angesehen.
Erste gemeinsame Absprache:

Wenn ein Marschflugkörper für eine Reich-

weite von über 600 km flugerprobt worden ist, soll er als ein Marschflugkörper angesehen werden, der eine Reichweite von über 600 km hat.
Zweite gemeinsame Absprache: Marschflugkörper, die keine Reichweite
von über 600 km erreichen können, sollen nicht als zu einem Typ gehörig
angesehen werden, der eine Reichweite von über 600 km hat, wenn sie auf
der Grundlage äußerlich erkennbarer Konstruktionsmerkmale von Marschflugkörpern der mit einer Reichweite von über 600 km ausgestatteten Typen zu
unterscheiden sind.
Zweite vereinbarte Erklärung:

Die Reichweite eines Marschflugkörpers

ist die Höchstentfernung, die von der Rakete in ihrer Standardausführung
bis zur Erschöpfung des Brennstoffs überbrückt werden kann und die durch
die Projizierung ihrer Flugbahn auf die Erdrundung vom Startpunkt zum
Auftreffpunkt festgelegt ist.
Dritte
- 35 -

�Dritte vereinbarte Erklärung:

Wenn ein unbemannter, gelenkter

Flugkörper mit Selbstantrieb, der den Flug auf dem größten Teil seines
Flugweges durch Nutzung aerodynamischen Auftriebs durchführt, als Waffenträger flugerprobt oder disloziert wurde, werden alle Flugkörper dieses
Typs als Waffenträger-Flugkörper angesehen.
.

.

.

•

:

.

Dritte gemeinsame Absprache:

Unbemannte, gelenkte Flugkörper mit

Selbstantrieb, die den Flug auf dem größten Teil ihres Flugwegs durch
Nutzung aerodynamischen Auftriebs durchführen und keine WaffenträgerFlugkörper sind, d.h. unbewaffnete, gelenkte Flugkörper ohne Pilot, werden
nicht als Marschflugkörper angesehen, wenn solche Flugkörper auf der
Grundlage äußerlich erkennbarer Konstruktionsmerkmale von Marschflugkörpern
unterscheidbar sind.
Vierte gemeinsame Absprache: Keine Vertragspartei darf unbewaffnete,
gelenkte Flugkörper ohne Pilot in Marschflugkörper mit einer Reichweite
von über 600 km umwandeln, und keine Vertragspartei darf Marschflugkörper
mitäner Reichweite von über 600 km in unbewaffnete, gelenkte Flugkörper
ohne Pilot umwandeln.
Fünfte gemeinsame Absprache: Keine Vertragspartei hat Pläne, während
der Dauer des Vertrages unbewaffnete, gelenkte Flugkörper ohne Pilot von
seegestützten oder landgestützten Startanlagen aus flugzuerproben oder zu
dislozieren, die über eine Reichweite von mehr als 600 km verfügen. In
Zukunft muß jede Vertragspartei, die solche Pläne haben sollte, die andere
Vertragspartei rechtzeitig vorher über solche Flugerprobungen oder
Dislozierungen unterrichten. Diese gemeinsame Absprache gilt nicht für
Flugkörper für Ziel Übungen.

�Gegeben in Wien am 18. Juni 1979 in zwei Ausfertigungen, jede in
englischer und russischer Sprache, beide Texte in gleicher Weise
authentisch.

Für die Vereinigten Staaten

Für die Union

von Amerika
Der Präsident der
Vereinigten Staaten von Amerika

der Sozialistischen Sowjetrepubliken
Der Generalsekretär der KPdSU,
Vorsitzender des Präsidiums des
Obersten Sowjets der UdSSR

- 37 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

SOWJETISCHE "BACKFIRE"-ERKLÄRUNG

Am 16. Juni 1979 übergab Präsident Breschnew die folgende schriftliche
Erklärung an Präsident Carter:
Die sowjetische Seite unterrichtet die amerikanische Seite, daß das
sowjetische "TU-22M"-Flugzeug, das in den Vereinigten Staaten "Backfire"
genannt wird, ein Mittel Streckenbomber ist und daß sie nicht beabsichtigt,
dieses Flugzeug mit der Fähigkeit des Einsatzes in interkontinentalen
Distanzen zu versehen. In diesem Zusammenhang erklärt die sowjetische
Seite, daß sie den Aktionsradius dieses Flugzeuges nicht derart erweitern
wird, daß es in der Lage wäre, Ziele auf dem Territorium der USA zu treffen,
Auch beabsichtigt die sowjetische Seite nicht, ihm eine solche
Kapazität auf irgendeine andere Weise, einschließlich des Auftankens
in der Luft,zu geben.

Gleichzeitig erklärt die sowjetische Seite, daß

es die Produktionsrate dieses Flugzeuges nicht im Vergleich zu der gegenwärtigen Rate erhöhen wird.
Präsident

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Präsident Breschnew versicherte, daß die Produktion der sowjetischen
Backfire nicht die Zahl von 30 im Jahre übersteigen werde.
Präsident Carter erklärte, daß die Vereinigten Staaten in das SALT IIAbkommen auf der Grundlage der in der sowjetischen Erklärungen enthaltenen
bindenden Zusagen eintreten und daß sie die Einhaltung dieser Zusagen als
wesentlich für die unter dem Vertrag übernommenen Verpflichtungen ansehen.

+ + + + +

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

GEMEINSAME ERKLÄRUNG DER PRINZIPIEN UND GRUNDLEGENDEN RICHTLINIEN FÜR
ANSCHLUSSVERHANDLUNGEN ÜBER DIE BEGRENZUNG STRATEGISCHER RÜSTUNGEN

Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken, nachstehend im Text als Vertragsparteien bezeichnet, sind
nach Abschluß des Vertrages über die Begrenzung Strategischer Rüstungen in dem sie erneut bekräftigen, daß die Stärkung der strategischen
Stabilität den Interessen der Vertragsparteien und den Interessen der
internationalen Sicherheit entspricht und in der Überzeugung, daß ein baldiges Abkommen über weitere Begrenzung
und weitere Reduzierung strategischer Waffen dazu dienen würde, die internationale Sicherheit und den Frieden zu stärken und das Risiko des Ausbruchs
eines nuklearen Kriegs zu vermindern wie folgt übereingekommen:
Erstens,

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Erstens, die Vertragsparteien werden weiterhin Verhandlungen - im
Einklang mit dem Prinzip der Gleichheit und der gleichen Sicherheit - über
Maßnahmen für eine weitere Begrenzung und Reduzierung der Zahl strategischer
Waffen sowie für ihre weitere qualitative Begrenzung führen.
Zur weiteren Förderung der zwischen den Vertragsparteien bestehenden
Abkommen über die Begrenzung und Reduzierung strategischer Waffen werden
beide Vertragsparteien auch weiterhin zum Zwecke der Verminderung und Vermeidung des Risikos des Ausbruchs eines nuklearen Kriegs Maßnahmen anstreben, um die strategische Stabilität unter anderem durch Begrenzungen
der strategischen Offensivwaffen zu verstärken, die das strategische Gleichgewicht am meisten destabilisieren, sowie durch Maßnahmen zur Verminderung
und Vermeidung des Risikos eines Überraschungsangriffs.
Zweitens, weitere Begrenzungen und Reduzierungen strategischer Rüstungen
müssen einer angemessenen Verifizierung durch Nationale Technische Mittel
unterliegen, unter Anwendung zusätzlicher, soweit zweckmäßig kooperativer
Maßnahmen, die zur Effizienz der Verifizierung durch Nationale Technische
Mittel beitragen. Die Vertragsparteien werden versuchen, die Verifizierung
zu verstärken und die Funktion der Ständigen Beratenden Kommission zu
vervollkommnen, um die Gewähr der Einhaltung der von den Vertragsparteien
übernommenen Verpflichtungen zu erhöhen.
Drittens, die Vertragsparteien werden im Verlauf dieser Verhandlungen,
unter Berücksichtigung der die strategische Situation bestimmenden Faktoren,
die folgenden Ziele verfolgen:
1) bedeutende und substantielle Verringerung der Anzahl strategischer
Offensivwaffen;
2) qualitative Begrenzungen strategischer Offensivwaffen, einschließlich
von Einschränkungen bei der Entwicklung, Erprobung und Dislozierung

&gt;

- 2 -

�Dislozierung neuer Typen strategischer Offensivwaffen und bei
der Modernisierung von vorhandenen strategischen Offensivwaffen;
3)

Lösung der Fragen, die im Protokoll zum Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer Offensivwaffen
enthalten sind, im Zusammenhang mit den Verhandlungen bezüglich
der Durchführung der dort dargelegten Prinzipien und Ziele.

Viertens, die Vertragsparteien werden weitere Schritte in Betracht
ziehen, um die strategische Stabilität zu sichern und zu verstärken, um die
Gleichheit und die gleiche Sicherheit der Vertragsparteien zu gewährleisten
und um die oben erwähnten Prizipien und Ziele durchzusetzen. Jeder Vertragspartei wird es freistehen, jede für eine weitere Begenzung strategischer
Rüstungen relevante Frage aufzuwerfen. Die Parteien werden außerdem weitere
Maßnahmen in Erwägung ziehen, soweit sie geeignet sind, den internationalen
Frieden und die Sicherheit zu stärken und das Risiko des Ausbruchs eines
nuklearen Kriegs zu verringern.

Wien, 18. Juni 1979

Für die Vereinigten Staaten von Amerika

Für die Union der Sozialistischen

Der Präsident der Vereinigten Staaten
von Amerika

Sowjetrepubliken
Der Generalsekretär der KPdSU,
Vorsitzender des Präsidiums
des Obersten Sowjets der UdSSR

+ + + + +
- 3 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

MEMORANDUM DES EINVERSTÄNDNISSES
ZWISCHEN DEN VEREINIGTEN STAATEN UND DER UNION DER SOZIALISTISCHEN
SOWJETREPUBLIKEN ÜBER DIE AUFSTELLUNG EINER DATENGRUNDLAGE FÜR DIE
ZAHLEN STRATEGISCHER OFFENSIVWAFFEN

Für die Zwecke des Vertrags zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika
und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer Offensivwaffen haben die Vertragsparteien Daten über die Zahlen strategischer Offensivwaffen in Erwägung gezogen und stimmen überein, daß zum Zeitpunkt des 1. November 1978 die folgenden Zahlen strategischer Offensivwaffen
existierten, die den Begrenzungen unterliegen, wie sie der heute unterzeichnete
Vertrag vorsieht.
USA

UdSSR

Startanlagen für Interkontinentalraketen (ICBMs)

1054

1398

Festinstallierte Startanlagen für ICBMs

1054

1398

Startanlagen für ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs)

550

576

Startanlagen für unterseebootgestützte
ballistische Raketen (SLBMs)

656

950

Startanlagen für SLBMs mit MIRVs

496

128

Schwere

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�USA
Schwere Bomber

574

UdSSR
156

Schwere Bomber, die für Marschflugkörper mit einer
Reichweite von über 600 km eingerichtet sind
Schwere Bomber, die für ballistische Luft-Boden-Raketen
(ASBMs) ausgerüstet sind
Luft-Boden-Raketen (ASBMs)
ASBMs mit MIRVs

Zur Zeit des Inkrafttretens des Vertrags werden die Vertragsparteien die
oben vereinbarten Daten gemäß den in diesem Memorandum aufgeführten Kategorien
auf den neuesten Stand bringen.
Gegeben in Wien am 18. Juni 1979 in zwei Ausfertigungen, jede in englischer
und russischer Sprache, beide Texte in gleicher Weise authentisch.

Für die Vereinigten Staaten von
Amerika
Der Chef der amerikanischen SALTDelegation

Für die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken
Der Chef der sowjetischen SALTDelegation

�AUFSTELLUNG DER DATEN ÜBER DIE ZAHLEN STRATEGISCHER OFFENSIVWAFFEN
ZUM ZEITPUNKT DER UNTERZEICHNUNG DES VERTRAGS

Die Vereinigten Staaten von Amerika erklären, daß sie am 18. Juni 1979
die folgende Anzahl strategischer Offensivwaffen besitzen, die den Begrenzungen
unterliegen, wie sie der heute unterzeichnete Vertrag vorsieht:

Startanlagen für ICBMs

1054

Festinstallierte Startanlagen für ICBMs

1054

Startanlagen für ICBMs mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs)

550

Startanlagen für unterseebootgesützte ballistische

Raketen (SLBMs)

656

Startanlagen für SLBMs mit MIRVs

496

Schwere Bomber

573

Schwere Bomber, die für Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km eingerichtet sind

3

Schwere Bomber, die nur für ASBMs ausgerüstet sind

ASBMs mit MIRVs

18. Juni 1979
Der Chef der amerikanischen SALTDelegation

- 3 -

�AUFSTELLUNG DER DATEN ÜBER DIE ZAHLEN STRATEGISCHER OFFENSIVWAFFEN
ZUM ZEITPUNKT DER UNTERZEICHNUNG DES VERTRAGS

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken erklärt, daß sie zum
Zeitpunkt der Unterzeichnung des Vertrags die folgende Anzahl strategischer
Offensivwaffen besitzt, die den Begrenzungen unterliegen, wie sie der heute
unterzeichnete Vertrag vorsieht:
Startanlagen für ICBMs

1398

Festinstallierte Startanlagen für ICBMs

1398

Startanlagen für ICBMs mit MIRVs

608

Startanlagen für unterseebootgestützte ballistische
Raketen

950

Startanlagen für SLBMs mit MIRVs

144

Schwere Bomber
Schwere Bomber, die für Marschflugkörper mit einer Reichweite von über 600 km eingerichtet sind

156

Schwere Bomber, die nur für ASBMs ausgerüstet sind
ASBMs mit MIRVs
18. Juni 1979
Der Chef der sowjetischen SALTDelegation

+ + + + +

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Vertrag&lt;/strong&gt; zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer Offensivwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Protokoll&lt;/strong&gt; zum Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer Offensivwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vereinbarte Erklärungen und gemeinsame Absprachen bezüglich des Vertrages zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Begrenzung Strategischer Offensivwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sowjetische "Backfire"-Erklärung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Erklärung der Prinzipien und grundlegenden Richtlinien für Anschlussverhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Memorandum des Einverständnisses zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken über die Aufstellung einer Datengrundlage für die Zahlen strategischer Offensivwaffen</text>
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                    <text>und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. Juli 1979

25
INHALT
DOKUMENTATION

Präsident Carters Erklärung zum Abschluß des Tokioter Gipfeltreffens
Erklärung Carters zur OPEC-Dlpreiserhöhung
WIRTSCHAFT
Die Ergebnisse des Tokioter Wirtschaftsgipfels aus amerikanischer Sicht
- Interview mit Sam Burks HINTERGRUNDMATERIAL
Kohleumwandlung vor Ort
US-Energieministerium erörtert Möglichkeiten unterirdischer Kohlevergasung mit der Industrie
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Voyager 2: Rendezvous mit Jupiter
Auf dem Weg in die Außenbereiche unseres Sonnensystems
Pionier U-Besuch beim Planeten Saturn
Künftige Krisen:

sind sie zu verhindern?

Versuch zur Entwicklung eines Frühwarnsystems für schwerwiegende
gesellschaftliche Probleme

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

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Iffl jf I
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Dokumcnlcilion

•

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. Juli 1979

25

PRÄSIDENT CARTERS ERKLÄRUNG ZUM ABSCHLUSS DES TOKIOTER GIPFELTREFFENS

TOKIO - (AD) - Auf einer Pressekonferenz, die von den Staats- und
Regierungschefs der sieben wichtigsten westlichen Industrieländer zum
Abschluß des Gipfeltreffens in Tokio abgehalten wurde, erklärte Präsident
Jimmy Carter am 29. Juni 1979:
Zunächst möchte ich ein paar Worte des Dankes richten an Ministerpräsident Ohira, an die Verantwortlichen in Japan, an seine Majestät, den
Kaiser, an das japanische Volk, an alle, die diese Konferenz ermöglicht
haben und die uns darüber hinaus zu einem offiziellen Staatsbesuch willkommen
geheißen haben.
Meiner eigenen Meinung nach wird die Geschichte zeigen, daß diese
Wirtschaftsgipfelkonferenz für die meisten Menschen auf der Erde historische
Bedeutung hatte. Wachsende Energieknappheit und rasch steigende Energiepreise, auf die wir uns zubewegen, stürzen uns in Schwierigkeiten. Aber wir
haben uns jeder für sich und alle zusammen entschieden, nicht zu verzweifeln,
sondern überlegt zu handeln und dadurch vielleicht andere zu ermutigen, uns

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�uns in den Entscheidungen nachzueifern, die wir selbst getroffen haben.
Wir sind uns über den Ernst der Energiefrage im klaren,und wir sind
entschlossen, sowohl als einzelne Nationen als auch als Gruppe von Nationen
zu versuchen, diese Schwierigkeiten zu meistern - mit so wenig Nachteilen
wie möglich für die Völker, die wir vertreten.
Eine der schwierigsten Entscheidungen, die wir schließlich trafen,
war die Annahme individueller, nationaler Zielsetzungen zur Begrenzung der
öl einfuhren für die Jahre 1979, 1980 und bis ins Jahr 1985 hinein.
Diese Zielsetzungen ergehen sich nicht in Allgemeinplätzen. Sie
werden vielmehr eine präzise Sprache sprechen. Es handelt sich um recht
beträchtliche Verpflichtungen, fühlbare und einschränkende Verpflichtungen.
Zusätzlich haben wir uns einzeln und gemeinsam zu einer raschen Entwicklung
alternativer Energieversorgung verpflichtet; außerdem zu einer erhöhten
eigenen öl- und Erdgasförderung, soweit diese zur Verfügung stehen; zur
erhöhten Förderung und Verwendung von Kohle unter Beachtung des Umweltschutzes; zur Betonung der Entwicklung synthetischer Brennstoffe, wobei
öl aus Ölschiefer und Teersand gewonnen werden soll; zur Sonnenenergie
sowie zur Atomkraft mit besonderer Betonung der Sicherheit. Diese Art
von Verpflichtungen ist sorgfältig besprochen worden und in Zukunft für
uns bindend.
Wir behandelten darüber hinaus ein schwieriges Problem des Marktverfahrens, so daß nunmehr nach Festlegung des ölpreises an der Quelle
nur noch ein Mindestmaß an unnötigen öl Preiserhöhungen im Verlauf des Vermarktungs-und Verteilungsprozesses eintreten wird.
Ich glaube, daß zum ersten Mal eine Gruppe führender Vertreter der
Industrienationen öffentlich eindringlich ihre Meinung und Bedenken über
die jüngsten Schritte der OPEC-Länder zum Ausdruck gebracht hat.

Ich

zitiere nur einige wenige Worte aus dem Kommunique, die, wie ich denke,

�denke, bezeichnend sind:

"Wir bedauern die Entscheidungen, die auf der

jüngsten OPEC-Konferenz getroffen wurden".

Wir bezogen uns auf die unge-

rechtfertigten ülPreiserhöhungen und wiesen auf die ernsten wirtschaftlichen
und sozialen Folgen dieser Entscheidungen hin.

Wir betonten, daß dies

eine weltweite Inflation, weniger Wachstum, mehr Arbeitslosigkeit zur Folge
haben wird, daß es die Stabilität des Weltwirtscahftssystems gefährdet,
und betonten im besonderen, wie es der französische Präsident bereits
getan hat,die lachteilige Wirkung auf die Entwicklungsländer der Welt, die
den Reichtum mancher von uns nicht teilen.

Die Flüchtlingsfrage wurde aufmerksam diskutiert, mit Anteilnahme
und Mitleid für die Leidenden.

Gemeinsam haben wir Vietnam und die anderen

Länder, die die Ursache des Flüchtlingsproblems bilden, zum Versuch aufgerufen, bei der humanen und wirkungsvollen Behandlung dieses Problems mitzuhelfen.

Und wir alle haben besprochen, was wir als einzelne Länder tun

könnten,um dieses Problem zu

lindern.

Unser Land hat 220 000 Flüchtlinge aus Südostasien aufgenommen.
nehmen jetzt etwa 7 000 Menschen pro Monat auf.

Wir

Gestern habe ich mein Land

dazu verpflichtet, diese Rate zu verdoppeln und 14 000 pro Monat aufzunehmen.
In nahezu jeder Debatte haben wir uns auch - ziemlich im Gegensatz
zu meiner eigenen bisherigen Erfahrung bei anderen Konferenzen - auf die
mutigste Position, die konstruktive Position, die bestimmteste Position
und die greifbarste Position zubewegt.

Wir sind nicht in einen Kompromiß

ausgewichen, indem wir uns in AIIgemeinplätzen ergangen hätten.

Ich glaube, wenn man das Kommunique liest, wird man feststellen, daß
richtig ist, was ich gesagt habe. Aus diesen und anderen Gründen, betrachte
ich diese Gipfelkonferenz als erfolgreich.
+ + + + +

- 3 -

�V* J

71TFEi
I 3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

11. Juli 1979

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR OPEC-ÖLPREISERHÖHUNG

TOKIO - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 29. Juni 1979 in
Tokio, wo er sich zum Weltwirtschaftsgipfel aufhielt, eine Erklärung zur
Erhöhung des ölpreises durch die Organisation der erdölfördernden Staaten
(OPEC) abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:
Die OPEC-Staaten haben soeben ihren Preis wiederum um einen außergewöhnlichen Betrag erhöht. Der kumulative Effekt dieser Erhöhungen ist
ein sechzigprozentiger Anstieg des ölpreises seit dem vergangenen September.
Dies verursacht einen wirtschaftlichen Umbruch für die Vereinigten Staaten
und auch für die übrige Welt. Niemand auf der Welt wird nicht unter diesen
außergewöhnlichen öl Preiserhöhungen zu leiden haben.
Bislang haben wir in den Vereinigten Staaten es versäumt, uns auf
diese Aktionen von Seiten der OPEC vorzubereiten. Zwischen 1973 und 1977
haben die Vereinigten Staaten keine Maßnahme getroffen, um mit diesen unausweichlichen ölpreiserhöhungen und dem unausweichlichen Rückgang der
öl lieferungen fertig zu werden. Im Jahre 1977 habe ich dem Kongreß einen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�einen umfassenden Energieplan vorgeschlagen.

Bis zum heutigen Zeitpunkt

hat der Kongreß keine Gesetzesmaßnahme bezüglich des Öls verabschiedet.
Es ist ein unbedingtes Erfordernis, daß der Kongreß unverzüglich handelt,
um die Konjunkturgewinnsteuer zu verabschieden und den Energiesicherungsfonds einzurichten.
Ich habe mich entschlossen, meinen eigenen Besuch ausländischer Staaten
abzukürzen und nach Hause zurückzukehren, wo ich am Sonntagabend eintreffen
werde, um den Kongreß aufzufordern, in bezug auf die Gesetzesvorlage, die ich
soeben genannt habe, rascher zu handeln und auch das Gesetz zur Ermächtigung
der Produktion synthetischer Treibstoffe und anderer Energiequellen zu
verabschieden, um unser Land autarker und immuner gegen die schädigenden
Einflüsse auswärtiger Entscheidungen durch die OPEC und andere zu machen.
Außerdem will ich mit meinen eigenen Beratern zusammenkommen, um zu
sehen, was innerhalb der kommenden Monate unternommen werden kann, um unser
Land vor künftigen Aktionen der Art,wie ich sie soeben beschrieben habe,
zu schützen.
Die Energieerzeugung im eigenen Land muß verstärkt werden - öl, Erdgas, Kohle, synthetische Treibstoffe, Kohlenverflüssigung und -Vergasung und
Sonnenenergie.
weiteren Verzug.

Diese Maßnahmen müssen getroffen werden, und zwar ohne
Wir müssen buchstäblich Milliarden Dollar in diese

technologischen Fortentwicklungen stecken, und das Geld steht uns mit der
Konjunkturgewinnsteuer und der Einrichtung des Energiesicherungsfonds zur
VerfugungNach bisherigen Schätzungen werden die von der OPEC in den letzten
sechs Monaten vorgenommenen Preiserhöhungen unser Land bis Ende 1980
mit einem Inflationsanstieg von mindestens zwei Prozent und einer Abnahme
der Wachstumsrate der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von wenigstens
zwei Prozent belasten.
Unser

�Unser Land ist in der Lage, autark zu sein. Wir besitzen die
technischen Fähigkeiten, wir verfügen über die finanziellen Mittel,und wir
haben die Ressourcen.
Es ist unbedingt geboten, daß wir rasch handeln.

Und es ist genau

so unbedingt notwendig, daß wir miteinander zusammenarbeiten.

Wir müssen

entschlossen, kühn, zupackend und auch kreativ sein und als Amerikaner
die ungeheuren Ressourcen unseres Landes in der wirksamsten, effizientesten
und kooperativsten Weise mobilisieren.
Es gibt keine andere Bedrohung für unser Leben in Amerika, die so
ernst zu nehmen ist wie diese wirtschaftlichen Bedrohungen, die nicht nur
die Struktur unserer Nation, sondern auch unsere eigene
die Zukunft gefährden.

Sicherheit für

Ich bin überzeugt, daß das amerikanische Volk und

auch der Kongreß jetzt aufgebracht genug sind, um ohne Verzug zu handeln.
Dies wird mein Hauptziel sein, wenn ich in wenigen
zurückkehre.

+ + + + +

- 3 -

Tagen nach Amerika

�I

1
3

Wift/chaft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

11. Juli 1979

25

DIE ERGEBNISSE DES TOKIOTER WIRTSCHAFTSGIPFELS AUS AMERIKANISCHER SICHT
- Interview mit Sam Burks -

WASHINGTON - (AD) - Der kürzlich beendete Wirtschaftsgipfel in
Tokio, an dem die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten
Industriestaaten des Westens teilnahmen, hat nach amerikanischer Auffassung
zu einem besseren Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage
nach Erdöl beigetragen. In einem USICA-Interview betonte ein leitender
Mitarbeiter der Carter-Administration, Sam Burks, das Gipfeltreffen habe
einmal zu individuellen Höchstgrenzen der ölimporte für jedes Land und
zum anderen zu einer gemeinsamen internationalen Anstrengung geführt, um
die Mittel für die Entwicklung alternativer Energietechnologien bereitzustellen. Kein Land, so unterstrich Burks, habe "Sondervorteile" für sich
errungen, sondern "alle haben durch die Vereinbarung strikterer Importhöchstgrenzen gewonnen." Nachfolgend das Interview mit Sam Burks im
Wortlaut:
FRAGE:

Was waren die wichtigsten Ergebnisse des Gipfeltreffens in

Tokio?
Antwort

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ANTWORT:

Das war einmal ein Übereinkommen über Einfuhrbeschränkungen

und zum andern ein Übereinkommen, die Produktion von alternativen Energiequellen zu erhöhen.
Die Teilnehmerländer kamen überein, ihre Einfuhren bis 1985 auf dem
gegenwärtigen Stand einzufrieren;

mit "gegenwärtigem Stand" meine ich das

reduzierte Niveau, das sie 1979 als Ergebnis der gegenüber der Internationalen
Energieagentur (IEA) eingegangenen Verpflichtungen erreichen werden, nämlich
den geplanten Verbrauch um 5 Prozent zu senken.

Alle teilnehmenden Länder

kamen außerdem überein, das Niveau des Jahres 1979 auch 1980 konstant zu
halten, die meisten kamen sogar überein, dies bis 1985 zu tun.

Das bedeutet,

daß das Wirtschaftswachstum zwischen heute und 1985 ohne erhöhte öl einfuhren
erreicht werden muß.

Dies ist eine wesentliche Verminderung gegenüber dem,

was sonst hinsichtlich Verbrauch und Einfuhren stattgefunden hätte.
Der zweite Hauptpunkt war die Verpflichtung der Staats- und Regierungschefs, erhöhte Mittel für die Erzeugung alternativer Energien bereitzustellen synthetische Energien, Sonnenenergie usw. Sie errichteten eine Internationale
Energietechnologie-Gruppe, um (a) zu beobachten, was die verschiedenen Länder
zu Hause tun, um dieser Verpflichtung nachzukommen und um (b) zu sehen, was
zusätzlich im Rahmen der internationalen Finanzierung getan werden kann, um
diese Verpflichtung zu erfüllen. Sowohl kurzfristig in der Importbeschränkung als auch langfristig in der erweiterten Erschließung anderer
Energiequellen half das Gipfel treffen,für die nächste Zukunft ein besseres
Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der Nachfrage bei Erdöl herbeizuführen.
FRAGE: Eine Reihe europäischer Kommentatoren glaubt, daß die Vereinigten
Staaten sich ihren Gipfel partnern gegenüber durchsetzen werden, indem sie
sicherstellen, daß sie auch weiterhin Zugang zu den internationalen ölmärkten haben, um ihre hohe Nachfrage nach Brennstoff zu befriedigen, Ist
dies eine genaue Beschreibung dessen, was sich auf dem Gipfeltreffen zugetragen hat?
Antwort

�ANTWORT: Nein, das ist es nicht. Die Importbeschränkungen, die auf
dem Treffen vereinbart wurden, waren für beide Seiten, die europäischen
Länder und die Vereinigten Staaten strikt, denn sowohl die europäischen
Länder als auch die Vereinigten Staaten kamen Liberein, die Importniveaus
beizubehalten, zu denen sie sich 1979 für die Zukunft verpflichtet hatten.
Deshalb besteht kein großer Unterschied zwischen den europäischen und den
amerikanischen Verpflichtungen hinsichtlich der zukünftigen öleinfuhren.
Der wirkliche Unterschied zwischen den europäischen Ländern und den Vereinigten
Staaten bei diesem Treffen betraf eine andere Frage: Ob die europäischen
Verpflichtungen hinsichtlich der Importhöchstgrenzen eine gemeinsame
Verpflichtung für die Europäische Gemeinschaft als ganzes sein sollten oder
nationale Einfuhrgrenzen. Die Vereinigten Staaten waren darauf bedacht,
daß es nationale Einfuhrgrenzen sein sollten, denn nur bei einer klaren
Verpflichtung zu nationalen Einfuhrgrenzen kann man einzelne Länder mit
der Verantwortung zur Erzielung solcher Begrenzungen belasten. Das war
der Punkt, der bei dem Treffen die größte Uneinigkeit schuf und der schließlich
auf eine Weise gelöst wurde, die meiner Meinung nach beide Seiten zufriedenstellte. Die Länder der Europäischen Gemeinschaft kamen überein, daß die
Gemeinschaft nationale Einfuhrgrenzen angeben und überwachen würde und die
Vereinigten Staaten stimmten zu, daß die Beschränkung bei nationalen Einfuhrgrenzen nicht nur für die nächsten Jahre gelten soll, sondern bis 1985,
wie die europäischen Länder wünschten.

So wurde ein Kompromiß erreicht, bei dem beide Seiten mit ihren Vorschlägen zu strikterer Beschränkung den Sieg davontrugen.

Wir erhielten

die nationalen Einfuhrgrenzen und die europäischen Länder erhielten die
Verpflichtung bis 1985.
FRAGE:

War der Endplan fair für alle Teilnehmer des Gipfeltreffens

oder erreichten einige Länder mehr als andere?
Antwort

�ANTWORT:

Die einzigen Länder, die gemäß dem Gipfel abkommen höhere

Einfuhren haben dürfen, sind Kanada und Japan.
ständen gegenüber.
Produktionsrückgang.

Sie stehen besonderen Um-

Japan hat keine Inlandsproduktion;

Kanada hat einen

Daher würde ich nicht einmal diese beiden Länder als

besondere Gewinner betrachten.

Aber wenn man über die restlichen Teilnehmer-

länder spricht, vor allem die Europäische Gemeinschaft und die Vereinigten
Staaten, so würde ich sagen, daß es für kein einziges Land einen Sondervorteil
gab, sondern alle haben durch die Vereinbarung strikterer Importhöchstgrenzen
gewonnen, und es ist jetzt die Frage, ob diese Höchstgrenzen eingehalten
werden.
FRAGE:

Warum stimmten die Vereinigten Staaten dem EG-Plan von Straßburg

nicht zu, zukünftige öleinfuhren auf das Niveau zu begrenzen, das im Basisjahr 1978 erreicht wurde?
ANTWORT: Das Jahr 1978 war für uns ein außergewöhnliches Jahr. Es
war das Jahr, in dem die Produktion aus Alaska hereinströmte, was zum Ergebnis
hatte, daß unsere Einfuhren in diesem Jahr auf ein ungewöhnlich niedriges
Niveau sanken. Im Jahre 1977 betrugen unsere Einfuhren 8,6 Millionen
Barrel pro Tag; 1978 waren es 7,9 Millionen Barrel pro Tag; 1979 sind es
wieder 8,5 Millionen Barrel pro Tag. Deshalb also war 1978 für uns ein
Ausnahmejahr. Im Gegensatz dazu war es für die europäischen Länder ein sehr
normales Jahr. Wenn man Frankreich, Italien, Großbritannien und die Bundesrepublik Deutschland betrachtet, so war 1978 ein Jahr, in dem sie grob gesprochen die gleichen Einfuhrmengen wie in den anderen Jahren erreichten.
FRAGE: Wie war die Entstehung des abschließenden Übereinkommens auf dem
Tokioter Gipfeltreffen, und wie unterscheidet es sich im Vergleich zum
Straßburger Plan?
ANTWORT:

Es unterschied sich von dem Straßburger Plan hauptsächlich

dadurch, daß es klare nationale Importhöchstgrenzen beinhaltete, während

- 4 -

�während der Straßburger Plan lediglich eine Begrenzung für die Europäische
Gemeinschaft als ganzes vorsah - was wir als eine weniger strikte Verpflichtung
ansahen.

Die Entstehung des Abkommens beruhte auf der Bereitwilligkeit der

europäischen Länder, nationale Importhöchstgrenzen festzusetzen, solange dies
im Kontext der Gemeinschaftspolitik geschah, sowie auf der Bereitschaft der
Vereinigten Staaten, nationalen Importhöchstgrenzen zuzustimmen, die bis
1985 reichten, anstatt früher wegzufallen, wie wir es vorgeschlagen hatten.
So war dies, wie ich glaube, ein fairer Kompromiß.

Übereinstimmung gab es

auch hinsichtlich einer wirkungsvollen Beobachtung der europäischen Länder
innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, sodann innerhalb der Internationalen
Energieagentur für alle Länder außer Frankreich und schließlich innerhalb einer
besonderen neuen Gruppe von Vertretern der sieben Gipfel Staaten, die sich im
Rahmen der OECD organisieren wird.

Ich glaube deshalb, daß uns Aufsicht bald

"aus den Ohren kommen" wird.
FRAGE: Waren die Vereinigten Staaten in der Lage, ihre Partner davon
zu überzeugen, daß sie deutliche Fortschritte auf dem Gebiet des Energieverbrauchs machen?
ANTWORT: Zu Beginn des Treffens herrschte unter den europäischen
Ländern weitverbreitete Skepsis hinsichtlich dieses Punktes. Am Ende des
Treffens war diese Skepsis meiner Meinung nach weitgehend verschwunden.
Wir konnten ihnen zeigen, daß wir damit rechnen, unser Ziel einer fünfprozentigen Einschränkung des geplanten Verbrauchs im Jahr 1979 zu erreichen.
Wir konnten ihnen weiterhin zeigen, daß in den ersten vier Monaten des Jahres
1979 unsere öleinfuhren nur um 5 Prozent angestiegen waren, während die
Einfuhren der Bundesrepublik Deutschland, um nur ein Beispiel zu nehmen,
um 20 Prozent gestiegen waren. Deshalb glaube ich, daß die europäischen
Länder gegen Ende des Treffens damit zufrieden waren, daß der Präsident das
Ziel eines verminderten amerikanischen Ölverbrauchs und -imports nachdrücklicher angeht als sie bisher festgestellt hatten.
Ich

- 5 -

�Ich denke, die europäischen Länder glauben noch immer, und zu Recht,
daß wir, die Amerikaner, von einem höheren Niveau des Pro-Kopf-Energieverbrauchs ausgehen als sie. Das ist eine Tatsache. Was sie nunmehr erkennen
ist, daß wir unseren Verbrauch nachdrücklich und wirkungsvoll herabsetzen,
obwohl wir von einem höheren Niveau des Pro-Kopf-Energieverbrauchs ausgehen
als sie.
FRAGE: Welche Vorschläge machen die Vereinigten Staaten, um ihre
Verpflichtungen beim Gipfeltreffen zur Begrenzung künftiger öl einfuhren
einzulösen?
ANTWORT: Durch Inlandsmaßnahmen zur Dämpfung der Nachfrage und durch
Ihlandsmaßnahmen zur Produktionserhöhung - wie etwa Kohleförderung. Für
1979 sind diese Maßnahmen bereits im Gange und wir schätzen, daß diese
bereits ergriffenen Maßnahmen die Verminderung der öl einfuhren um 5 Prozent
mit sich bringen wird, die die IEA für 1979 fordert. Für 1980 werden wir
zusätzliche Maßnahmen ergreifen müssen.
FRAGE: Erwarten Sie von den anderen europäischen Ländern, daß sie
ihren Verpflichtungen nachkommen?
ANTWORT: Natürlich. Diese Verpflichtungen wurden von den Staatsund Regierungschefs im vollen Licht der Öffentlichkeit eingegangen. Es
wird einen wirkungsvollen monatlichen Beobachtungsmechanismus geben. Es
gibt genug Gründe, um anzunehmen, daß die europäischen Länder ihren Verpflichtungen nachkommen werden.
FRAGE:

Wie trägt all dies zu der Einheit der Gipfelländer bei?

ANTWORT: Es trägt dadurch zur Einheit der Teilnehmer an diesem
Gipfeltreffen bei, daß sie aus dem Treffen mit dem Gefühl kommen, daß es
ihnen gemeinsam gelungen ist, ein wichtiges Problem anzugehen. Wenn d_as

- 6

�das Gipfeltreffen in Meinungsverschiedenheit geendet hätte, d.h. wenn
der Gegensatz zwischen den nationale

Importhöchstgrenzen fordernden

Vereinigten Staaten und den sie ablehnenden europäischen Ländern nicht
überbrückt worden wäre, und die Teilnehmer aus diesem Treffen mit dem
Gefühl heimgegangen

wären, daß sie nicht in der Lage waren, gemeinsam

ein so dringendes wichtiges Problem wie die Energiekrise anzupacken, dann
hätte dies meiner Meinung nach die Beziehungen zwischen den wichtigsten
Industrieländern untergraben.

Statt dessen gingen sie mit dem Gefühl, daß

sie trotz Meinungsverschiedenheiten zu einem Konsens hinsichtlich der geforderten Aktion gekommen waren und dies wird in meinen Augen die Beziehungen
zwischen den wichtigsten Gipfelländern stärken.
FRAGE:

Welche Entscheidungen wurden auf dem Gipfel getroffen, die den

Energieverbrauch in den Entwicklungsländern beeinflussen?
ANTWORT: Ich hoffe, daß wir durch eingeschränkten Energieverbrauch,
durch eingeschränkte öleinfuhren in die Gipfelländer sicherstellen, daß die
Entwicklungsländer bei der Jagd nach den begrenzten ölvorräten nicht völlig
zur Seite gestoßen werden. Aber auf dem Gipfeltreffen wurde auch Übereinstimmung darüber erzielt, den Entwicklungsländern bei der Erhöhung ihrer
Energieproduktion zu helfen und zwar aus zwei Gründen: Einmal, weil wir
diesen Ländern helfen wollen, ihre Politik auf eine breitere Grundlage zu
stellen und zum anderen, weil ihre erhöhte Energieproduktion zu einem
besseren weltweiten Gleichgewicht zwischen Energieangebot und -nachfrage
beitragen wird. So behielten die Staats- und Regierungschefs in Tokio
auch die Auswirkung der Energiekrise auf die Entwicklungsländer genau im
Auge.
FRAGE: Welche Wirkung wird die kürzliche öl Preiserhöhung der OPECLänder auf die Entwicklungsländer haben?
ANTWORT:

Die Wirkung auf die Entwicklungsländer ist äußerst schwerwiegend.

Diese Länder werden für Energie mehr bezahlen müssen und sie werden auch

- 7 -

�auch für andere Einfuhren von ihren Handelspartnern mehr zu zahlen haben,
denn der Preis für diese Güter wird in dem Maße steigen, wie der Preis für
Energie steigt.

Da die höheren öl preise die wirtschaftliche Tätigkeit in

der industrialisierten Welt drücken werden, wird es dort weniger Nachfrage
nach Exporten aus den Entwicklungsländern geben. Daher werden teuere Einfuhren und weniger Ausfuhren die Entwicklungsländer in eine äußerst unangenehme
Lage bringen. Die Auswirkung auf die Industriestaaten wird, wenn auch etwas
weniger stark, immer noch ernst genug sein.

Das bedeutet weniger Wachstum

und höhere Inflation für alle in Tokio vertretenen Industrieländer,d.h.,
eine deutliche Verschlechterung der Wirtschaftslage.

+ + + + +

- 8-

�11. Juli 1979

25

KOHLEUMWANDLUNG VOR ORT
US-Energieministerium erörtert Möglichkeiten unterirdischer
Kohlevergasung mit der Industrie

- (AD) - Mitarbeiter des amerikanischen Energieministeriums erörterten
in einem viertägigen Seminar in Washington mit Vertretern der Industrie
die Aussichten und Möglichkeiten einer Kohleumwandlung unter Tage. Das
Verfahren der unterirdischen Gasproduktion - dort also, wo die Kohle liegt erscheint auf den ersten Blick plausibel und gar nicht so schwierig: Zwei
Schächte werden in die kohleführende Schicht niedergebracht, die nahe der
Basis durch künstliche Rißbildung durchlässig gemacht wird, damit sich eine
Verbindung von Schacht zu Schacht ergibt. Unter Luft- oder Sauerstoffzufuhr über den einen Schacht wird die Kohle an der Basis entzündet. Dadurch
geraten etwa 15 Prozent der Kohle in Brand. Diese erzeugt genug Wärme, um
die restlichen 85 Prozent zu vergasen. Das Gas entweicht durch den zweiten
Schacht und wird zur Weiterverwendung gesammelt.
Bei Anwendung dieses Verfahrens ließe sich vor allem solche Kohle verwerten, deren Abbau mit den herkömmlichen Verfahren z.Zt. unwirtschaftlich

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�unwirtschaftlich wäre.

Nach Ansicht von Cyril W. Draffin (Abteilung

Gasproduktion im US-Energieministerium)

bestünde mittels "unterirdischer

Kohleumwandlung" (UCC = Underground coal conversion) die Möglichkeit, auch
jene Kohle zu nutzen, die zu viele Beimengungen enthält, zu tief liegt und
zu naß ist, bei der die kohleführende Schicht zu schräg verläuft oder deren
Abbau mit herkömmlichen Verfahren auf grund der Beschaffenheit des Deckgebirges zu gefährlich wäre.
Theoretisch könnte ein "unterirdisches Gaswerk" auch Gas für Veredelungsprozesse zur Methanol- und Benzingewinnung liefern.
fällt als Nebenprodukt synthetisches Erdgas (SNG) an.

Bei Methanolproduktion
Der Transport von

Methanol und Bezin per Bahn zu den Verbrauchermärkten wäre wesentlich wirtschaftlicher als der Transport von Rohkohle. Außerdem könnte das Synthesegas
in Fernleitungen eingespeist werden, um die Versorgung mit einem Brennstoff
zu ergänzen, der heute als der sauberste und am einfachsten zu handhabende
gilt.
Erhebungen des US-Energieministeriums zeigen, daß in den Vereinigten
Staaten die Kohle 90 Prozent der Brennstoffreserven ausmacht, Erdgas ca.
vier Prozent, öl und nukleare Brennstoffe jeweils drei Prozent.

Aber der

amerikanische Energiebedarf wird jöchstens nur zu 19 Prozent mit Kohle gedeckt.

Bisher hielt man die unterirdische Kohlevergasung mangels praktischer

Erfahrungen technisch für zu schwierig, um sie in nennenswertem Umfang in
Angriff zu nehmen.
Es gab in den USA nur vereinzelte Forschungsprojekte in dieser Richtung.
Wade Watkins, stellvertretender Direktor der Abteilung für die Gewinnung
fossiler Brennstoffe (US-Energieministerium), verwies jedoch darauf, daß
die Sowjetunion auf diesem Gebiet bereits recht erfolgreich arbeite.

Für

die Kohlevergasung hätten in den Vereinigten Staaten bisher weder der
Kohlebergbau noch die Gewerkschaften oder die Politiker nennenswertes
Interesse gezeigt.

(Die Idee wurde in Amerika schon 1868 zum ersten Mal

�Mal erörtert, Versuche auf Kohlefeldern gibt es seit 1912. Die UdSSR
dagegen hat seit ca. 40 Jahren Feldprogramme laufen und betreibt seit
etwa 20 Jahren die unterirdische Vergasung auf halbkommerzieller Basis.)
Das Seminar vom 18. - 21. Juni 1979 sollte der US-Industrie Anregungen
geben, mehr für Forschung und Entwicklung auf diesem speziellen Sektor zu
investieren. Außerdem sollen durch die jetzt geschaffenen Kontakte die Wege
für die Anwendung einer Technologie geebnet werden, die die unterirdische
Kohlevergasung auf kommerzieller Basis Mitte bis Ende der achtziger Jahre
möglich macht. Wie Cyril Draffin erklärte, müsse sich das Programm zunächst auf minderwertige Kohle konzentrieren. Vermutlich wird es zwei
parallel laufende Projekte geben, um sowohl Erfahrungen in der UntertageVergasung mit Luftzufuhr (Gewinnung von Gas geringen Heizwertes, insbesondere
für Elektrizitätswerke geeignet) als auch unter Sauerstoffzufuhr (für die
Erzeugung von Gas mittleren Heizwertes) zu sammeln. Letzteres wird von
Mineralöl-, Gas- und Chemieunternehmen benötigt, die an der Weiterverarbeitung
des Gases für die Synthesegasgewinnung oder für die Herstellung von
chemischen Produkten interessiert sind.
Nach den Untersuchungen des US-Energieministeriums machen die
amerikanischen Kohlereserven bis in 1800 m Tiefe (was heute als maximale
Tiefe für den Abbau gilt) rund 6,3 Billionen Tonnen aus. Davon seien, so
Draffin, ca. 430 Milliarden Tonnen für den Abbau nach herkömmlichen Verfahren
zugänglich. Mittels einer unterirdischen Kohleumwandlung ließen sich jedoch zusätzliche 1,8 Billionen Tonnen erschließen. "Tatsächlich sind die
in Frage kommenden Reserven so umfangreich", meint der Bergbaufachmann
Paul R. Wieber vom Energieministerium, "daß man Kohle praktisch als unerschöpflichen Energierohstoff ansehen kann."
Große Bedeutung kommt laut Wieber auch dem Umstand zu, daß bei einer
Untertage-Vergasung mit angeschlossenem Veredelungsbetrieb alle Umweltprobleme auf einen begrenzten Bereich konzentriert seien. Umweltschutz-

- 3 -

�Umweltschutzmaßnahmen könnten daher effektiver durchgeführt werden.

Das

Produkt sei ein sauberer gasförmiger oder flüssiger Brennstoff, der so gut
wie keine Kontrolltechnologie benötige.
Als möglichen Standort für einen künftigen "Energiepark" in Verbindung
mit der Kohlevergasung unter Tage nannte Wieber ein Gebiet im Norden des
Bundesstaates Wyoming, wo im doden bis 660 m Tiefe nicht weniger als 12
kohleführende Schichten ausgemacht wurden.

Würde dort ein Feld von fünf

mal acht Kilometern Ausdehnung erschlossen (was für die Untertagevergasung
praktikabel ist), so enthielte dieses etwa 4,5 Milliarden Tonnen Kohle d.h. das Sechsfache der gegenwärtigen Jahresförderung der Vereinigten Staaten
(750 Millionen Tonnen).

Mit der Kohle des Energieparks könnten, so Wieber,

insgesamt 29 Kraftwerke von 1 000 Megawatt Leistung 20 Jahre lang betrieben
werden;

ebenso sei über einen Zeitraum von 20 Jahren die Produktion von

Synthesegas im Umfang von 50,4 Milliarden cbm pro Jahr denkbar - Möglichkeiten,
deren Verwirklichung man ernsthaft angehen sollte.
Einer Untersuchung der "Energy Information Administration" zufolge
wird
.

1) die Kohleproduktion bis zum Jahr 1990 auf 1,3 bis 1,6 Milliarden
Tonnen pro Jahr (1977:

695 Millionen Tonnen) ansteigen;

2) die Zuwachsrate für den Gesamtenergieverbrauch in den USA sich
in der Zeitspanne von 1977 bis 1990 zwischen 1,6 und 2,8 Prozent
bewegen (im Vergleich zu 2,6 Prozent Durchschnittswert für die
Zeit von 1962 - 1977);
•

3) die Kraftwerksmarktpreise für
gesetzes wieder
Bis 1990 dürfte

und übrige
öl und der
mehr Kohle
der Anteil

Industrie infolge der steigenden WeltBestimmungen des Nationalen Energiestatt öl und Erdgas in Anspruch nehmen.
der Kohle am industriellen Energiever-

- 4 -

�Energieverbrauch bis 23 Prozent ansteigen (1977:

17 Prozent)

Bei den Kraftwerken ist eine Steigerung des Kohleanteils auf
52 - 58 Prozent im Jahr 1990 zu erwarten (1977:

+ + + + +

45 Prozent).

�Uli//cn/choft
w\d Technik
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11. Juli 1979

25

VOYAGER 2: RENDEZVOUS MIT JUPITER
Auf dem Weg in die Außenbereiche unseres Sonnensystems

- (AD) - Die amerikanische Raumsonde VOYAGER 2, schon seit den
letzten Junitagen im Griff des gigantischen Magnetfeldes des Planeten
Jupiter, erreichte in der Nacht zum 10. Juli 1979 mit 640 000 km die
größte Annäherung an den Riesenplaneten.

Am 20. August 1977 am Kap

Canaveral gestartet, wird sie nach Abschluß der Messungen und Fernsehbeobachtungen am Jupiter Kurs zum Planeten Saturn nehmen.

Sie folgt

damit den Spuren ihrer Schwestersonde VOYAGER 1, die durch ihre Sondierungen
der Jupiterwelt während der Monate Februar, März und April 1979 - mit
Annäherung an den Riesenplaneten bis auf 277 000 km am 5. März - der
Forschung sensationelle neue Ergebnisse und Arbeitsmaterial für viele
Jahre lieferte.

VOYAGER 1 wird im November 1980, VOYAGER 2 im August 1981

den Saturn erreichen.

Nach Abschluß der Beobachtungen wird VOYAGER 2 dann

weiterfliegen zum Planeten Uranus, den die Sonde im Januar 1986 passiert,
Der Weg von VOYAGER 2 durch das "Jupiter System" - die Wissenschaftler
neigen immer mehr dazu, den größten Planeten unseres Sonnensystems als

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�als Zentrum einer eigenen Planetenwelt zu betrachten - verlief anders als
der von VOYAGER 1.

Die Sonde hatte u.a. die Aufgabe, bisher unbekannte

Regionen auf den für Beobachtungen zugänglichen Monden des Jupiter zu untersuchen sowie spezielle Untersuchungen vorzunehmen, um Erkenntnisse zu den
aufsehenerregenden Entdeckungen von VOYAGER 1 zu vertiefen.

So waren dieses

Mal die Instrumente auf die andere Hälfte der Oberflächen der Monde Ganymed
und Kallisto gerichtet, um auch von dort Aufnahmen mit hoher Bildauflösung
zu bekommen. Außerdem passierte VOYAGER 2 den Satelliten Europa, den mittleren
der inneren fünf Jupiter-Monde, in sehr viel geringerer Entfernung als
VOYAGER 1 (732 245 km). Dadurch ist dieses Mal die Bildauflösung etwa zehnmal
größer. Mit Spannung wird nun die Auswertung der Fotos samt Meßdaten erwartet.
VOYAGER 2 nahm den von VOYAGER 1 erstmals bestätigten, ca. 30 km dicken
Ring um den Planeten Jupter von verschiedenen Sichtwinkeln aus unter Beobachtung.

Frühere Untersuchungen hatten die Vermutung aufkommen lassen,

daß der Jupiter ein Ringsystem haben könne - bestehend aus Partikeln fester
und aus gasförmiger Materie. Aber dieser ist von Erdobservatorien aus nicht
wahrnehmbar.

So war die erste Bestätigung seiner Existenz als schwach

leuchtendes Band auf einem der VOYAGER 1-Bilder eine Sensation. Der Ring
umgibt den Planeten in ca. 130 000 km Abstand vom Jupiter-Zentrum.

Er

wird von manchen Wissenschaftlern als eine Art Statussymbol und Merkmal
einer eigenen Planetenwelt betrachtet.
Die Sonde VOYAGER 2 wurde so "nachprogrammiert", daß sie Vulkanausbrüche auf dem Monde Io, dem zweiten Satelliten des Jupiter-Systems, in
Zeitlupe aufnehmen konnte. Die völlig unerwarteten Eruptionen, die
VOYAGER 1 erfaßte, dauerten teilweise zwei Stunden und länger. Io umkreist
den Jupiter in 360 000 km Abstand und hat etwa die Größe oes Erdmondes. Er
ist übrigens der einzige bisher bekannte Körper im Sonnensystem, der, wie
die Erde, aktive Vulkane besitzt. Die Wissenschaftler vermuten, daß seine
Vulkane durch enorme Gezeitenkräfte sowohl vom "Mutterplaneten" Jupiter als

- 2 -

�als auch von den größeren Galilei sehen Monden, Ganymed und Kallisto, "aufgepumpt" werden.
Von der Erde aus hatte man bereits Natrium- und Schwefelwolken um den
Satelliten Io beobachtet, der ebenso wie sein Nachbar Amalthea
eine Gesteinsoberfläche besitzt. (Im Gegensatz dazu besteht bei Ganymed
und Kallisto die Oberfläche hauptsächlich aus Eis, in das Felsbrocken eingelagert sind.) Der orange, leuchtend rot und an manchen Stellen weiß gefärbte
Io besitzt eine junge Oberfläche. Sie scheint aus Natrium- Kalium- und
Schwefel salzen zu bestehen. Bei den "heißen Zentren" könnte es sich um
Lavaseen handeln. Einschlagkrater von Meteoriten, wie sie für "alte"
Oberflächen aus einer früheren Periode unseres Sonnensystems kennzeichnet
sind, findet man nicht auf Io. Das deute darauf hin, meint Projektwissenschaftler Dr. Edward Stone, daß die Oberfläche nur etwa 10 bis 100 Millionen
Jahre alt sein könne.
Io besitzt ein heißes Innere. Seine heftige vulkanische Aktivität aufgrund der Beobachtungen von VOYAGER 1 wurden Auswurfgeschwindigkeiten
von 1 000 m pro Sekunde errechnet - erklärt auch zum Teil die torusähnliche
Wolke magnetischer Partikel um den Jupiter. "Diese Wolke war viel dichter,
als wir vermuteten, und viel heißer", erklärte Stone. Es sei eine Wolke mit
Partikelbewegungen, die a'ner Temperatur von etwa 100 000 Grad Celsius entsprächen. Sie sei so heiß und dicht, daß sie oszilliert. Und in der Tat
konnte bereits VOYAGER 1 lange vor der Ankunft beim Jupiter die IonenVibration in Radiofrequenzbereichen zwischen 10 000 und 1 000 000 Hertz
"hören".
Der dritte Satellit, Europa, den VOYAGER 2 jetzt aus großer Nähe
unter die Lupe nahm, hat ein völlig anderes Gesicht.

Viele der kreuz und

quer laufenden langen sich vielfach überschneidenden dunklen Linien
reichen weit um den Mond herum.

Dabei könnte es sich um Verwerfungen

handeln, die die Oberfläche mit ihren hellen und dunklen Regionen aufgerissen haben.

Die Wissenschaftler nehmen an, daß dieser Mond zu 20 Prozent

�Prozent aus Wasser besteht und eine etwa 100 km dicke Eiskruste besitzt.
Von völlig anderer Beschaffenheit scheinen dagegen die äußeren zwei
Galileischen Monde zu sein.

Die Oberfläche des Ganymed sieht aus wie ein

gepflügtes Feld, bei dem sich gruppenweise parallel laufende Furchen überlagern oder mit anderen solchen "Gruppen" überschneiden.

Die kleinsten

Merkmale, die auf den Aufnahmen von VOYAGER 1 noch auszumachen waren, haben
in Wirklichkeit 3 000 m Durchmesser.

Auf den Fotos findet sich ein

Grabensystem, das bis etwa 50 km weit auseinandergerissen ist - so, als
hätten Bodenbewegungen das ursprüngliche Muster zerstört.

Es finden sich

Krater, Gestein und Anzeichen für - längst erstarrte - Driftbewegungen
entlang von Verwerfungslinien.

Dies läßt auf Kräfte schließen, die jenen

ähnlich sind, welche die Kontinentaldrift hier auf unserer Erde bewirken.
Kallisto

ist mit 1,8 Millionen Kilometern Abstand vom Jupiter der

äußerste der vier Galileischen Monde.

Er präsentiert die älteste Oberfläche -

übersät und zerpflügt von AufSturzkratern, die mehr als eine Milliarde Jahre
alt sein dürften.

Ein auffälliges Merkmal ist ein riesiges,von konzentrischen

Ringen umgebenes Becken - vergleichbar mit der erstarrten Oberfläche von
Wasser, in das man einen Stein geworfen hat.
In den letzten Tagen vor dem Rendezvous mit Jupiter funkte VOYAGER 2
u.a. zahlreiche Fotos von den Wolkenstrukturen in verschiedenen Regionen
des Riesenplaneten zur Erde. Während noch auf den VOYAGER 1-Bildern
Turbulenzzentren und auffällige kleinere Formationen an dem schon seit
mindestens 400 Jahren bekannten "Roten Fleck" zu erkennen waren, haben
sich einige dieser Wolkensysteme in der Zwischenzeit vom Roten Fleck entfernt.
Auch dieser selbst, ein gigantischer Wirbel, hat sich seit März dieses
Jahres verlagert.
Die Luftmassen dieses Wirbels bewegen sich, dem Urzeigersinn entgegengesetzt, mit einer Geschwindigkeit, bei der sie für eine komplette Rotation

�Rotation sechs Tage benötigen.

Die Temperaturen über dem Wirbel sind

entschieden niedriger als in den Nachbarregionen.

Und wie jetzt bestätigt

wurde, existiert auf der nördlichen Hemisphäre ein Jetstrom hoher Geschwindigkeit, der sich gleichlaufend zur Planetenrotation bewegt und offenbar auf bestimmte Breitengrade fixiert ist.

+ + + + +

- 5 -

�I

UUi//cn/choft
und Technik
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25

11. Juli 1979

PIONIER-11-BESUCH BEIM PLANETEN SATURN

- (AD) - Die ersten Nahaufnahmen von Saturn und seinem Ringsystem
sind von der amerikanischen Raumsonde PIONIER 11 zu erwarten, wenn sie
am 1. September 1979 den Planeten passiert. Die im April 1973 am Kap
Canaveral gestartete Sonde erreichte im Dezember 1974 den Planeten Jupiter,
von dem sie seinerzeit Hunderte von Farbfotos und eine Flut von Meßdaten
zur Erde übermittelte.,
Unter Ausnutzung der Gravitationswirkung dieses größten Planeten
unseres Sonnensystems wurde PIONIER 11 damals auf eine Bahn katapultiert,
die - bei nur geringen zusätzlichen Kurskorrekturen durch kleine Bordtriebwerke - das Rendezvous mit Saturn ermöglicht. Die wichtigsten der
12 Instrumente sind noch intakt- Ein Photopolarimeter, das seit dem
Looping am Jupiter vor viereinhalb Jahren wegen Störungen bei den Navigationssensoren für die Kurskontrolle benutzt wurde, wird ca„ 100 Aufnahmen hoher
Bildauflösung übermitteln. Ein Infrarot-Radiometer (beide Instrumente
sind Entwicklungen einer Tochtergesellschaft der Hughes Aircraft Comp.)
nimmt Wärmebilder vom Planeten Saturn auf und untersucht die chemische

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�chemische Zusammensetzung seiner Atmosphäre.
Der Saturn ist mit 120 800 km Äquatordurchmesser (die,Polachse ist infolge
der hohen Rotationsgeschwindigkeii von nur 10 Stunden 14 Minuten um ca.
10 Prozent kleiner) der zweitgrößte Planet unseres Sonnensystems.

Sein

mittlerer Abstand zur Sonne beträgt 1,438 Milliarden Kilometer, seine Umlaufzeit 29,5 Jahre.

Die Entfernung zur Erde variiert zwischen 1,2 und

1,65 Milliarden Kilometern, so daß Funkbotschaften von Forschungssonden in
Saturn-Nähe von 67 bis 92 Minuten bis zu uns brauchen.
Ende 1973 war es den amerikanischen Astronomen Richard Goldstein und
George Morris (Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien) zum
ersten Mal gelungen, Saturn samt Ringsystem mit Radarstrahlen zu sondieren.
Vom Planeten selbst bekamen die Forscher nur schwache, von den flachen
"Scheiben" seiner Ringe um den Äquator dagegen sehr kräftige Echos. Die
zurückkommenden Signale wurden so interpretiert, daß das Ringsystem zum
größten Teil aus Brocken fester Materie mit rauher, stark unebener Oberfläche
bestehen müsse.
Die Helligkeit des Saturn, den, soweit man bisher weiß, zehn Monde
begleiten, ist größer als die des Planeten Jupiter. Da er noch stärker
leuchtet als z.B. weiße Wolken, wird angenommen, daß nicht nur Reflektion
von Sonnenlicht, sondern auch Vorgänge, die Eigenlicht erzeugen, dem
Leuchtphänomen zugrundeliegen. Es wird heute ähnlich wie Jupiter als eine
Art Mini-Sonnensystem betrachtet. Nach Berechnungen von John S. Lewis,
Professor der Geochemie und Chemie am MIT (Massachusetts Institute of
Technology in Boston),dürften bei Jupiter und Saturn wegen ihrer Größe
und ihrer Entfernung zur Sonne die Gase des Urnebels, aus dem unser Sonnensystem entstand, erhalten geblieben und die beiden Himmelskörper in Zusammensetzung der Sonnenmaterie recht ähnlich sein.
Weniger deutlich als bei Jupiter scheinen die Farbbänder der dichten

�dichten Wolkenhülle des Planeten Saturn gegeneinander abgegrenzt zu sein,
wobei der breite, sehr helle Äquatorgürtel einen starken Kontrast zu den
dunkelgrünen Polgebieten bildet.

Die Ergebnisse spektrographischer Unter-

suchungen deuten auf eine sehr tiefe Atmosphäre mit großen Anteilen von
Ammoniakgas und Methan, wobei - im Gegensatz zu Jupiter - Methan überwiegt.
Die enorme Beschleunigung, die PIONIER 11 im Schwerefeld des Jupiter
erfuhr, erzwangen bei der Sonde eine Kursänderung,die einem halben Looping
um die Jupiter-Pole vergleichbar ist. Die neue Bahn führte in die Heliosphäre
zurück. PIONIER 11 passierte nie zuvor erforschten Raum weit über der Ebene
der Ekliptik. In hohem Bogen führte ihn der durch die Swingby-Beschleunigung
eingeschlagene Kurs über Erdbahn und Sonne hinweg bis zur Umlaufbahn des
Saturn. Die Forschungssonde schneidet diese Bahn just zu dem Zeitpunkt, an
dem sich der Planet auf seinem Lauf um die Sonne in diesem Bereich befindet.
Schon 15 Monate später, im November 1980, wird VOYAGER 1 nach seinem spektakulären Vorbeiflug am Jupiter im März 1979 ebenfalls den Saturn erreichen
und dort erneut der Forschung als Ferninstrument dienen. Swingby-Manöver
machen es möglich, Anflugzeiten zu Zielen in den Außenbereichen unseres
Sonnensystems um Jahre zu verkürzen.

+ + + + +

- 3 -

�I

Uli//en/chofl
und'
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25

11. Juli 1979

KÜNFTIGE KRISEN: SIND SIE ZU VERHINDERN?
Versuch zur Entwicklung eines Frlihwarnsystems für schwerwiegende
gesellschaftliche Probleme

- (AD) - In einer über zwei Jahre laufenden Studie, die im Auftrag
des Wissenschaftsberaters von Präsident Carter durchgeführt wurde, hat
das "Stanford Research Institute (SRI) International" (Menlo Park, Kalifornien) den Versuch unternommen, ein "Frühwarnsystem" zur Identifizierung
schwerwiegender Probleme der Gesellschaft zu entwickeln. Die Forschergruppe
vom SRI-Zentrum für Gesell Schaftspolitik unter der Leitung von Peter Schwartz
befaßte sich in erster Linie damit, Probleme von nationaler oder internationaler Bedeutung zu identifizieren und zu analysieren, die heute schon
existieren, aber nicht genügend Beachtung finden und sich in den nächsten
Jahrzehnten zu schweren Krisen auswachsen könnten.
Komplexe wie Umweltverschmutzung, Beseitigung nuklearer Abfälle oder
Energieverknappung wurden nicht behandelt, weil sich Wissenschaftler,
Wirtschaftler und Politiker dieser Probleme bereits ausreichend annehmen.
Aus der Fülle des ausgewerteten Materials, das Veröffentlichungen zahl-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�zahlreicher internationaler Organisationen, Meinungsumfragen unter Wissenschaftlern und Experten der verschiedensten Fachgebiete, Analysen technologischer
und gesellschaftlicher Neuentwicklungen, Studien zu gegenwärtigen Problemtrends und selbst Voraussagen in der Science-Fiction-Literatur umfaßte,
kristallisierten sich 41 mögliche Krisenherde heraus.

Schwartz verweist vor

allem auf folgende Probleme:
-

Wachsender Konflikt zwischen zentraler Kontrolle und individueller
Freiheit;

-

Unterernährung als primäre Ursache einer Beeinträchtigung der geistigen
Entwicklung, durch die das soziale Gleichgewicht gestört werden könnte;

-

Ausschluß der älteren Generation von kulturellen Aktivitäten;

-

Chronische Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung;

-

Nachteilige Auswirkungen der Technologie (z.B. von Fernsehen und
zunehmender Mechanisierung) auf die Psyche;

-

Katastrophenträchtige Experimente in Physik und Biologie;

-

Die Gefahren der Computer-Abhängigkeit.

"Die Probleme der Zukunft werden von jenen Problemen»mit denen wir
uns bisher erfolgreich auseinandersetzten, grundlegend verschieden sein",
meint Schwartz. "Früher konzentrierte der Mensch seine Energien auf die
Lösung von Problemen der Welt, wie er sie vorfand. Die kritischen Probleme
der Zukunft sind die Probleme einer Welt, wie wir sie gemacht haben."
Nach Meinung der SRI-Forschergruppe gibt es keine Patentlösungen für die
so vielschichtigen Komplexe.

Um so wichtiger sei es deshalb, Lösungsversuche

- 2 -

�Lösungsversuche seitens der Politiker, der Wirtschaft und der Wissenschaft
laufend zu überprüfen, anzupassen und beharrlich weiterzuverfolgen.

Mit

Gesetzen und neuen Technologien allein seien nur Teillösungen zu erhoffen.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Erklärung zum Abschluss des Tokioter Gipfeltreffens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur OPEC-Ölpreiserhöhung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Ergebnisse des Tokioter Wirtschaftsgipfels aus amerikanischer Sicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Sam Burks -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kohleumwandlung vor Ort&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Energieministerium erörtert Möglichkeiten unterirdischer Kohlevergasung mit der Industrie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Voyager 2: Rendezvous mit Jupiter&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auf dem Weg in die Außenbereiche unseres Sonnensystems&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Pionier 11-Besuch beim Planeten Saturn&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Künftige Krisen: sind sie zu verhindern?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Versuch zur Entwicklung eines Frühwarnsystems für schwerwiegende gesellschaftliche Probleme&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

18. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION

US-Chefdelegierter zum amerikanisch-sowjetischen übereinkommen über
Strahlenwaffen

WIRTSCHAFT
Blumenthal erläutert Bedeutung der Ergebnisse von Tokio
- Erklärung vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses

Um Übef/endung von
ßelcgcKcmplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Juli 1979

26

US-CHEFDELEGIERTER ZUM AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN
ÜBEREINKOMMEN ÜBER STRAHLENWAFFEN

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben
sich nach zweijährigen Verhandlungen auf ein Abkommen über das Verbot von
radiologischen oder Strahlenwaffen geeinigt. Hauptpunkt des gemeinsamen
Vorschlags, welcher der aus Delegierten von 40 Staaten bestehenden Abrüstungskonferenz in Genf vorgelegt wurde, ist das Verbot der Entwicklung,
der Produktion, der Lagerung und des Erwerbs von radiologischen Waffen. Das
Abkommen, das die Verwendung radioaktiven Materials zu friedlichen Zwecken
ausdrücklich von dem Verbot ausnimmt, steht allen Staaten zum Beitritt
offen. Der amerikanische Chefdelegierte, Botschafter Adrian S. Fisher,
ging am 10.Juli 1979 in einer Rede auf Entstehung und Inhalt des Abkommens
ein:
Heute legt die amerikanische Delegation einen Antrag über die wesentlichen
Bestandteile eines Vertrages über das Verbot von Strahlenwaffen vor. Ein
gleichartiger Antrag wird von der Delegation der Sowjetunion unterbreitet.
Wir übermitteln diese gemeinsame Initiative zur Begutachtung an alle
Delegationen - in der Hoffnung auf einen raschen Abschluß eines multilateralen

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Telex:08-85432

�r

multilateralen Vertrages.
Indem wir dies tun, erfüllen wir die Verpflichtung des gemeinsamen
amerikanisch-sowjetischen Kommuniques vom 18. Juni dieses Jahres, in dem
es heißt:

"Präsident Carter und Präsident Breschnew freuten sich, bestätigen

zu können, daß eine bilaterale Übereinstimmung bezüglich der wesentlichen
Elemente eines Vertrages zum Verbot der Entwicklung, der Herstellung, der
Lagerung und des Einsatzes von radiologischen Waffen erreicht wurde.

Ein

abgesprochener gemeinsamer Vorschlag wird dem Abrüstungsausschuß noch in
diesem Jahr vorgelegt werden."
Strahlenwaffen (oder Waffen aus radioaktivem Material, wie sie ebenfalls genannt werden) wurden schon seit langem als mögliche Massenvernichtungswaffen angesehen.

Im Jahre 1948 kennzeichnete eine UN-Kommission Waffen zur

Massenvernichtung folgendermaßen:

"...explosive Atomwaffen, Waffen aus

radioaktivem Material, tödliche chemische und biologische Waffen sowie alle
in Zukunft entwickelte Waffen, die Eigenarten aufweisen, die in ihrer
vernichtenden Wirkung mit jenen der Atombombe oder anderen der oben erwähnten
Waffen vergleichbar sind."
Explosive Nuklearwaffen waren Gegenstand einer Reihe von internationalen
Vereinbarungen zur Rüstungskontrolle und zukünftige Verhandlungen über eine
Kontrolle solcher Waffen sind im Gange. Biologische Waffen wurden durch einen
multilateralen Vertrag verboten, der vor etwa fünf Jahren in Kraft trat.
Eine Konvention, die den Gebrauch chemischer Waffen untersagte, wurde im
Jahr 1925 unterzeichnet, während die Anstrengungen für ein umfassendes Verbot
chemischer Waffen noch weitergehen.
Die verbleibende Kategorie der UN-Definition von 1948 waren Waffen
aus radioaktivem Material.

Zu jener Zeit waren die vorhandenen Mengen an

hochradioaktivem Material noch gering und geographisch auf einige wenige
Anlagen begrenzt.

Trotzdem wurde anerkannt, daß dieses Material, als Waffe

- 2 -

�Waffe benützt, eine Massenvernichtung menschlichen Lebens verursachen konnte.
Wie wir alle wissen, hat die Anhäufung von radioaktivem Material in den
darauffolgenden Jahren immer rascher zugenommen, und solches Material kann
nunmehr in vielen Anlagen in der ganzen Welt gefunden werden.
Überlegungen zu diesem Thema brachten meine Regierung im Jahre 1976
dazu, der Vollversammlung der Vereinten Nationen vorzuschlagen, daß angesichts der fortdauernden Verbreitung radioaktiven Materials die Suche nach
einem internationalen Abkommen über Strahlenwaffen von Vorteil wäre.
Zu den Maßnahmen, die ein solcher Vertrag verbieten sollte, würden
zum Beispiel gehören: die Verwendung radioaktiven Materials von ausgebrannten
Brennstäben eines Reaktors, um ein Gebiet unzugänglich zu machen oder um
in einem bewohnten Gebiet die Bevölkerung zu töten, zu verletzen oder ihre
Evakuierung zu erzwingen. Er soll auch die Entwicklung, Produktion und
Lagerung von Vorrichtungen verbieten, die speziell für solche Zwecke
entwickelt werden könnten.
Im Jahre 1977 begannen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
bilaterale Gespräche über dieses Problem. Als Ergebnis kamen beide Seiten
gegen Ende des Jahres 1977 überein, eine gemeinsame Initiative anzustreben,
die dieser Konferenz vorgelegt werden sollte, was schließlich zur Erarbeitung
eines umfassenden Abkommens über das Verbot von Strahlenwaffen führte. Die
Vollversammlung der Vereinten Nationen demonstrierte kürzlich ihren Wunsch
nach Schritten, jeden möglichen Einsatz dieser Massenvernichtungswaffen
zu verhindern. Die Abrüstungskonferenz brachte ebenfalls ihre Bedenken
über die potentielle Bedrohung durch Strahlenwaffen dadurch zum Ausdruck,
daß sie dieses Thema auf die Tagesordnung und das Arbeitsprogramm ihrer
Sitzung im Jahr 1979 setzte. Wir sind der Ansicht, daß der vereinbarte
gemeinsame Vorschlag, den wir heute unterbreiten, eine angemessene Grundlage für die Abrüstungskonferenz ist, um zu einem abschließenden Vertragstext zu gelangen.
In
- 3 -

�•

In bezug auf den Text des gemeinsamen Vorschlags sollte erwähnt werden,
daß die Formulierung der Beschränkungen bei der Verwendung von radioaktivem
Material eine große Aufgabe für die bilateralen Verhandlungen war, speziell
im Hinblick auf die Definition.

Der Grund dafür sind die vielfältigen anderen

Verwendungsmöglichkeiten für dieses Material, bei denen die Strahlung, die
beim Zerfall solchen Materials entsteht, in keinster Weise Zerstörung,
Schäden oder Verletzung mit sich bringt.

Der vereinbarte gemeinsame Vorschlag,

den wir unterbreiten, enthält die Verpflichtung, keine Strahlenwaffen zu
entwickeln, zu produzieren, zu lagern, anderweitig zu erwerben oder zu
besitzen.

In diesem Zusammenhang möchten die Vereinigten Staaten ihrerseits

klarstellen, daß keine einzige der von den Staaten im vorgesehenen Vertrag
eingegangenen Verpflichtungen so interpretiert werden wird, daß sie den
Gebrauch von radioaktivem Material oder irgendwelchen anderen Strahlenquellen
zum Zweck einer jeden anderen Verwendung unterbinden könnte, ausgenommen
solche Verwendungsmöglichkeiten, die nicht zu nutzen die Vertragsparteien
sich gemäß den Bestimmungen des Vertrags verpflichtet haben.
Alle explosiven Nuklearwaffen, die neben weiteren zerstörerischen
Wirkungen auch Strahlung produzieren, stellen neben den Strahlenwaffen eine
gesonderte Kategorie von Massenvernichtungswaffen dar und werden deshalb
von der gemeinsamen Initiative nicht abgedeckt. Fortschritte in den
Bemühungen,solche Waffen durch angemessene Rüstungskontrollmaßnahmen in
den Griff zu bekommen, sind ein vorrangiges Ziel der amerikanischen Regierung.
Wir unternehmen jede Anstrengung, um diesem Ziel näherzukommen.
Zusammenfassend möchte ich nunmehr zu einigen spezifischen Aspekten
der vorgeschlagenen Themenbereiche selbst kommen.
Die Absätze I und III enthalten die grundlegenden Verpflichtungen des
vorgeschlagenen Vertrages. Absatz I verpflichtet die Vertragsparteien,
keine Strahlenwaffen zu entwickeln, zu produzieren, zu lagern, auf andere
Weise zu erwerben, zu besitzen oder zu verwenden.

Absatz III beinhaltet

�beinhaltet ein breitangelegtes Verbot der absichtlichen Verbreitung von nicht
als radiologische Waffe definiertem radioaktiven Material zum Zweck der
Verursachung von Zerstörung, Schaden oder Verletzung.
Die Definition einer Strahlenwaffe gibt Absatz II, nämlich:

(1) Jede

speziell zu einer solchen Verwendung von radioaktivem Material entworfene
Vorrichtung, die durch die Verteilung dieses Materials und der mit dem
Zerfall dieses Materials verbundenen Strahlung Zerstörung, Schaden oder
Verletzung verursacht, oder (2) jede Art von radioaktivem Material, das
speziell für eine solche Verwendung entwickelt wurde.

Wie ich bereits

erwähnte, fallen nukleare Sprengsätze nicht unter diese Definition.
Absatz IV verpflichtet die Vertragsparteien dazu, andere Staaten,
Staatengruppen oder Einzelpersonen nicht zu Tätigkeiten zu ermutigen oder
zu überreden,die durch Absatz I und III verboten sind.
Absatz V macht deutlich, daß der Vertrag keine Anwendung findet auf
die Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten für Strahlung aus radioaktivem
Zerfall zu friedlichen Zwecken und daß er auch der internationalen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet nicht im Wege steht.
Absatz VI fordert die Vertragsparteien dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen,
um den Verlust oder die Weiterleitung von radioaktivem Material zu verhindern,
das für Strahlenwaffen verwendet werden könnte.
Eine wesentliche und altbekannte Forderung jeder wirkungsvollen
Rüstungskontroll- oder Abrüstungsmaßnahme besteht darin, daß sie Maßnahmen
zur Verifizierbarkeit enthält, die der besonderen Natur der zu kontrollierenden
Waffen angemessen sind, um das notwendige Vertrauen zu schaffen, daß der
Vertrag von allen Vertragsparteien eingehalten wird. Die Vereinigten
Staaten sind befriedigt darüber, daß die in diese gemeinsame Initiative
eingearbeiteten Verifizierungsvorkehrungen diese Forderung erfüllen.
Absatz

�Absatz VIII enthält Verfahren zur Lösung von Problemen, die sich aus
der Frage nach der Gewährleistung der Vertragserfüllung ergeben können.
Er enthält die grundlegenden Verfahren zur Konsultation und Kooperation zum
Zweck der Lösung solcher Probleme.
Experten vor.

Er sieht einen Beratenden Ausschuß von

Auch klärt er die Verfahrensweisen, um Klagen beim Sicher-

heitsrat der Vereinten Nationen vorzubringen.
i,

Die restlichen Absätze behandeln Themenkreise wie Änderungsanträge,
Dauer, Inkrafttreten u.s.w.
Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß viele,
wenn nicht alle Länder den Wunsch haben, den Vertragstext ihren Hauptstädten
zu übermitteln und daß die Diskussionen in dieser Woche notwendigerweise
vorläufiger Natur sein werden.

Wir hoffen jedoch, daß die Regierungen in

der Lage sein werden, rasch auf diesen Vorschlag zu reagieren, um die
Konferenz in die Lage zu versetzen, ihre Arbeit rechtzeitig für den ersten
Ausschuß der 34. Vollversammlung zu beenden.

+ + + + +

.

•

- 6

�Will m

•1
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26

18. Juli 1979

BLUMENTHAL ERLÄUTERT BEDEUTUNG DER ERGEBNISSE VON TOKIO
Erklärung
vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat am 11. Juli 1979 vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuß
des Kongresses die Ergebnisse des Weltwirtschaftstreffens von Tokio
erläutert, wobei er besonders auf den Sinn und die weiterreichende Bedeutung
dieser Konferenz einging. Gleichzeitig unterstrich der amerikanische
Finanzminister, daß es nicht leicht sein werde, die in der japanischen
Hauptstadt eingegangenen Verpflichtungen zu verwirklichen und daß schwierige
Zeiten zu bestehen seien.
Die Ausführungen Blumenthals vor dem Ausschuß haben folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Sie haben mich um einen Bericht über das Gipfeltreffen von Tokio ersucht.
Über dieses Gipfeltreffen ist in der Presse umfassend berichtet worden.
Ich bin sicher, daß Sie und Ihre Kollegen sowie Ihre Mitarbeiter diese
Berichte und das von den Teilnehmerländern veröffentlichte Kommunique

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�Kommunique analysiert haben. Wenn Sie gestatten, würde ich meine Bemerkungen
gerne nicht so sehr auf die spezifischen Einzelheiten der Gipfelkonferenz
konzentrieren, sondern mehr auf Sinn und weiterreichende Bedeutung dieses
Treffens, was ich als wesentlich ansehe.

Ich bin dann im Anschluß gerne

bereit, spezielle Fragen zu beantworten, die Sie geklärt sehen möchten.
Das Treffen von Tokio war sozusagen eine Wasserscheide in der Geschichte
der Gipfeltreffen.

Bei den vorausgegangenen Gipfelkonferenzen lag der

Schwerpunkt auf den Überlegungen bezüglich der Nachfrageregulierung, insbesondere der Notwendigkeit für eine größere Koordinierung der Politik
auf dem Felde der Nachfrageregulierung.

Das Ziel war die Reduzierung der

Spannungen innerhalb der wirtschaftlichen und monetären Systeme, indem man
übereinkam, eine Politik zu verfolgen, die die divergierenden Wachstums- und
Inflationsmuster in den einzelnen Ländern korrigierte.

Ja, obwohl jede

dieser Gipfelkonferenzen eine wertvolle Rolle bei der Förderung der makrowirtschaftlichen Koordinierung spielte und sich mit Fragen der Förderung
der globalen Energieproduktion durch Weltbankanleihen an die Entwicklungsländer befaßte, ist es doch nur fair zu sagen, daß die Treffen, die Tokio
vorausgingen, nicht direkt die Wurzeln und die Ursachen der Energie- und
Strukturkrisen der Welt anpackten.
In Ramboullet im Jahre 1975 ging es in erster Linie um eine Stimulierung
des Aufschwungs aus der weltweiten Rezession der Jahre 1973-74 durch eine
koordinierte Nachfragepolitik sowie durch internationale Währungsabmachungen.
In Puerto Rico im Jahre 1976 konzentrierten sich die Erörterungen auf
die Bewältigung des Überganges von der Wiedererholung zur Expansion, wiederum
durch traditionelle Techniken der Nachfrageregulierung.
In London im Jahre 1977 bemühten sich die Teilnehmer der Gipfelkonferenz
um eine Fortdauer der Expansion durch koordinierte Anstrengungen, wobei
Länder mit einem Zahlungsbilanzüberschuß zu einem schnelleren und Defizit•

�Defizitländer zu einem langsameren Wachstum angehalten wurden.

Die Gipfelkonferenz von Bonn im vorigen Jahr setzte die Erörterungen
über einen koordinierten Wachstumshintergrund fort, und, Herr Vorsitzender,
ich bin sicher, Sie werden Sich erinnern, daß gerade auf diesem Gipfeltreffen Verpflichtungen zur Verwirklichung kurzfristiger Politiken eingegangen
wurden, um spezifische Wachstumsraten zu erreichen.

So erreichte also die

Schwungkraft der drei vorausgegangenen Gipfelkonferenzen einerseits ihren
Höhepunkt der Verfeinerung in Bonn.

Spezifische Mittel und Wege zur Erreichung

einer koordinierten Nachfrageregulierung wurden genau ausgearbeitet und dann
erfolgreich weiterverfolgt.

Im Anschluß an Bonn entwickelte sich das Wachstum

in den Gipfelländern weniger divergierend, und die Zahlungsungleichgewichte
wurden entsprechend eingeengt.

Dafür sollten wir dankbar sein;

die in Bonn

eingegangenen Verpflichtungen, an die sich insbesondere Japan, die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten hielten, waren entscheidend
wichtige Faktoren beim Abbau ernsthafter Spannungen in den weltweiten
Zahlungs- und Finanzsystemen.

Aber die Bedeutung von Bonn geht weit über diesen Erfolg hinaus. Auf
der Bonner Gipfelkonferenz wurde die Erkenntnis der begrenzten Nützlichkeit
einer Nachfrageregulierung deutlich, wenn es darum geht, nicht nur die
Syrrptoma, sondern auch die Ursachen eines unnatürlichen potentiellen Wachstums
sowie die Inflation, die Zahlungsungleichgewichte und die Währungsinstabilität
anzupacken, die Industrieländer wie Entwicklungsländer so plagen.

In dem Bonner Kommunique kommt die Erkenntnis zum Ausdruck, daß es
sich um langfristige Probleme handelt, die durch anhaltende Anstrengungen
gelöst werden müssen.

"Die Bereitschaft, den Strukturwandel zu akzeptieren

und zu erleichtern, muß auf Dauer vorhanden sein.

Strukturkonservierende

Maßnahmen führen zur Verfestigung wirtschaftlicher Ineffizienz, bürden den
Handelspartnern die Last des Strukturwandels auf und verhindern die Integration
der

Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft."
In

- 3 -

�In Tokio hat sich dann diese Erkenntnis noch klarer herauskristallisiert.
In Tokio sind wir zu der gemeinsamen Erkenntnis gelangt, daß die Nachfrageregulierung als Kur für unsere gemeinsame wirtschaftliche Malaise nicht
ausreicht.

Der Nachdruck in Tokio lag auf der Notwendigkeit struktureller

Anpassungen, nicht auf der Feineinstellung.

Wir waren uns darüber in klaren,

daß sich der Schwerpunkt des makro-ökonomisehen Management zunehmend direkt
auf die Versorgung mit Energie und anderen Gütern verlagern muß, wenn wir
nicht für immer auf Wachstum, Arbeitsplätze und einen ständigen steigenden
Lebensstandard verzichten wollen.
Lassen Sie mich das näher ausführen.
Das brennende Problem in Tokio war das Energieproblem. Mit der Ankündigung der Preisentscheidung der OPEC in Genf stieg der Weltpreis für
Erdöl seit Dezember um 60 Prozent. Obwohl die Preiserhöhungen schrittweise
erfolgten, haben wir noch immer nicht mehr als einen Bruchteil der Auswirkungen auf die Leistungsstatistiken gesehen. Die direkte, anfängliche
Wirkung dieses Preisanstieges wird eine einprozentige Verringerung der
durchschnittlichen OECD-Wachstumsrate im Jahr 1979 und eine um 1,75 Prozent
im Jahr 1980 sein. Weiterhin wird er die durchschnittliche OECD-Inflationsrate im Jahr 1979 um 1 bis 1,5 Prozent erhöhen, im Jahr 1980 um 2 bis
2,5 Prozent. Allein für die Vereinigten Staaten bedeutet dies eine
Verringerung der Wachstumsrate um 1 Prozent und einen einprozentigen
Anstieg unserer Inflationsrate pro Jahr. Zudem werden diese Schätzungen
wahrscheinlich noch nicht einmal die Auswirkungen einer fortgesetzten ülpreiserhöhung und Versorgungsunsicherheit auf das Vertrauen der Geschäftswelt, auf das Verbraucherverhalten und die Lohnforderungen einschließen.
Daher
-

hat sich die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den Vereinigten
Staaten erhöht;
•

wird
———

- 4-

�-

wird das nichtinflationäre Wachstum in den anderen Industriestaaten
gehemmt;

-

kann den Volkswirtschaften und den politischen Strukturen der
Entwicklungsländer schwerer Schaden zugefügt werden.

Die ölpreiserhöhung wird viel von dem Fortschritt rückgängig machen,
der bei der Verbesserung der Weltzahlungsbilanz erzielt worden ist. Trotz
einer höheren Rechnung für Ol einfuhren erwarten wir weitere beträchtliche
Verringerungen des gegenwärtigen amerikanischen Zahlungsbilanzdefizits vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im nächsten Jahr - aufgrund des
langsameren Wachstums unserer Binnenwirtschaft, unserer extrem starken
Exportleistung und gestiegener Gewinne bei unseren Investitionen in Übersee.
Jedoch wird der OPEC-Überschuß, der im letzten Jahr nahezu verschwunden war,
wieder auf ein beunruhigend hohes Niveau klettern. Die OECD-Länder als
Gruppe werden vom Überschuß in ein Defizit abrutschen. Und die Lage der
Entwicklungsländer ohne eigene Ölvorkommen, die schon jetzt als Gruppe in
einem großen Defizit stecken, wird sich rapide verschlechtern und die Probleme
einiger der ärmsten Länder noch verstärken.
Der weltweite finanzielle Bedarf vermehrte sich empfindlich durch die
ülPreiserhöhungen. Obwohl das internationale Währungssystem seine Fähigkeit
bewiesen hat, diesen Bedarf im großen und ganzen zu befriedigen, müssen wir
dennoch mit wiederauftauchenden Schwierigkeiten und Spannungen auf Seiten
mancher Länder rechnen, vor allem der armen Entwicklungsländer (LDCs).
Kurz:

die Welt wurde durch die ülPreiserhöhungen erneut in eine

schwierige läge gebracht.
Außerdem haben wir heute nicht nur das Problem der Dipreiserhöhungen,
sondern auch noch das Problem des begrenzten Angebots.
Der

- 5 -

�Der Tokioter Gipfel erkannte diese wesentliche Tatsache und handelte
danach.
Erstens wurde anerkannt, daß es kurzfristig keine Alternative zur
Einsparung gibt. Wenn wir unseren Ölverbrauch nicht freiwillig so einschränken, daß es für unsere Volkswirtschaft am wenigsten schädlich ist,
werden Verbrauchsbeschränkungen - unberechenbar und schmerzhaft - erzwungen werden - zu eben dem Preis, der notwendig ist, um die Nachfrage
auf das Angebotsniveau herabzubringen.
Um diese Lage besser unter Kontrolle zu bringen, verpflichtete sich die
Gipfellander, ihre öl einfuhren 1979 und 1980 zu begrenzen - Begrenzungen,
die auf einer Basis für jedes Land gelten.

Die Grenze für die Vereinigten

Staaten liegt bei 8,5 Millionen Barrel pro Tag in beiden Jahren - was
unseren Einfuhren des Jahres 1977 entspricht.
Mittelfristig nahmen die Teilnehmerländer bestimmte Zielsetzungen für
eine Begrenzung der öl einfuhren bis 1985 an- Zielsetzungen, die
- von vernünftigen Raten des Wirtschaftswachstums in diesem Zeitraum
ausgehen; und
- sehr deutliche Anstrengungen zur Beschränkung des Ölverbrauchs und
3

3

3

zur Entwicklung alternativer Energiequellen verlangen.
Das amerikanische Ziel für 1985 ist dasselbe wie für 1979 und 1980:
8,5 Millionen Barrel pro Tag.
'

r

3

Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland, Italien und Großbritannien
verpflichteten sich dazu, ihre öl einfuhren von 1985 auf das Niveau von 1978
zu beschränken,und kamen Uberein, ihren Partnern im Rahmen der Europäischen
Gemeinschaft vorzuschlagen, daß sich jedes EG-Mitglied zu ähnlich festge-

�festgelegten Zielsetzungen verpflichtet.

Kanada verpflichtete sich, seine

jährliche Wachstumsrate beim Ölverbrauch um ein Prozent zu senken und seine
öl einfuhren bis 1985 um 50 000 Barrel pro Tag zu verringern.
Japan übernahm als Zielsetzung für das Jahr 1985 ein öleinfuhrniveau
von 6,3 bis 6,9 Millionen Barrel pro Tag, ein Niveau, das wesentlich höher
ist als Japans Einfuhrniveau von 5,0 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 1978.
Diese Beihilfe zum Wachstum wird es Japan erlauben, auch weiterhin die hohen
Wachstumsraten zu erhalten, die das Land benötigt, um massive, grundlegende
Ungleichgewichte seiner Zahlungsbilanz zu überwinden. Gleichzeitig bedeutet
dies jedoch auch eine Steigerung der Wirksamkeit, mit der die Japaner eingeführtes öl verwenden. Ministerpräsident Ohira, der die Einzigartigkeit
dieser Verpflichtung erkannte, verpflichtete sich, sein Äußerstes zu tun, um
die öleinfuhren weiter zu reduzieren und die ölverwendung zu rationalisieren.
Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es ungeheurer Anstrengungen zur
Einsparung. Aber um diese Ziele zu erreichen und um sie in Zukunft noch zu
verbessern, bedarf es auch einer umfassenden Anstrengung zur erweiterten
Versorgung mit alternativen Energiequellen. Zu diesem Zweck haben die Teilnehmer am Gipfeltreffen umfangreiche Initiativen ergriffen, um alternative
Energiequellen auszunützen, vor allem Kohle, und um alternative Quellen und
Techniken zu entwickeln. Die Teilnehmer erkannten, daß ausgedehnte private
und öffentliche Mittel notwendig sind, um diese neuen Technologien zu
entwickeln und kommerziell anzuwenden,und verpflichteten sich dazu, die
Verfügbarkeit solcher Quellen sicherzustellen. Sie kamen auch darin überein,
eine Internationale Energietechnologie-Gruppe einzurichten, um die unternommenen oder geplanten Schritte eines jeden Landes zu beobachten und um über
die Notwendigkeit und die Möglichkeit internationaler Zusammenarbeit zu
berichten, einschließlich des Finanzierungsbereichs.
Längerfristig müssen wir die Quellen mobilisieren, die zur Entwicklung
sicherer alternativer Versorgung notwendig sind.

Die Investitionskosten werden

�werden enorm sein.

Die notwendigen Mittel werden zu diesem Zweck vom

Verbrauch an anderen Verwendungszwecken abgezogen.

Dies erfordert umfassende

Anstrengungen zur vermehrten Verwendung anderer vorhandener Energiequellen
wie Kohle, Kernkraft und Erdgas sowie die Entwicklung neuer Technologien.
Diese Schritte beim Gipfeltreffen stellen eine grundlegende Neuorientierung
der Politik dar, d.h. eine gemeinsame Verpflichtung zur Verringerung der Abhängigkeit vom Erdöl.

Die Erfüllung dieser Verpflichtungen wird nicht leicht

sein, und wir können nicht erwarten, daß die zugrundeliegende Situation sich
über Nacht verbessert.

Es geht um eine grundlegende Umstrukturierung unserer

Volkswirtschaften, und wir werden noch schwere Zeiten zu überstehen haben.
Die notwendigen Einzelschritte werden bereits überprüft, und wir sowie die
anderen beteiligten Regierungen werden in den kommenden Wochen konkrete
Maßnahmen ankündigen.
legt.

Aber Richtung und Verpflichtung sind eindeutig festge-

Ich glaube, daß diese Verpflichtung zumindest von einigen der

wichtigsten OPEC-Länder anerkannt worden ist, und ich freue mich, daß
Saudiarabien eine Erhöhung seiner Förderkapazität anzeigt, die dabei helfen
wird, die Lage in unmittelbarer Zukunft etwas zu entspannen.
Schritt ist, obgleich hilfreich, nur vorübergehend.
Abhängigkeit vom Erdöl verringern.

Aber dieser

Wir müssen unsere

Wir haben einen Kurs festgelegt und

müssen uns nun an ihn halten.
Herr Vorsitzender, ich habe die Maßnahmen dargelegt, die in Tokio ergriffen wurden, um mit einem kritischen Rohstoff umzugehen, der nur begrenzt
vorrätig ist und es bleiben wird. Aber Energie ist, extrem gesprochen,
nur ein Symptom eines größeren, ebenfalls im Kommunique des Gipfeltreffens
angesprochenen Problems, und ich würde diesen weiteren Kontext gern kurz
umreißen.
Im Verlauf des Gipfeltreffens wurde festgestellt, daß Energie nicht das
einzige Versorgunsproblem ist, dem wir gegenüberstehen.

In vieler Hinsicht

reagieren die Volkswirtschaften der industrialisierten Welt auf die sich

- 8 -

�sich ändernden Bedingungen nicht so, wie es notwendig wäre.

Jahrzehntelang

haben wir in der Übereinstimmung gehandelt, daß das Hauptanliegen der Wirtschaftspolitik der Regierungen darin bestand, die Gesamtnachfrage zu befriedigen, Ausschläge im Wirtschaftszyklus auszugleichen und einen
ständigen Anstieg des Einkommens und der Beschäftigung zu garantieren.
Die Angebotsseite

dieser Gleichung wurde weitgehend vernachlässigt in der

Annahme, sie werde mit sich selbst fertig, indem sie auf die veränderte
Nachfrage reagiere.
Diese Annahme stimmt nicht mehr.

Die Angebotsseite reagiert nicht mehr.

Auch die Produktivität bleibt stark zurück - in den Vereinigten Staaten
betrug das Wachstum an Produktivität in den letzten fünf Jahren nur noch
etwa die Hälfte von dem der fünfziger und sechziger Jahre.

Die Staatsaus-

gaben bildeten einen immer größeren Anteil des Einkommens und verlagerten
sich von Kapitalgütern und Verteidigung hin auf Einkommentransfers.
durchgreifenden Steuersätze sind weiter scharf angestiegen.

Die

Die Steuer-

strukturen und Steuerniveaus machen jede Innovations- und Risikobereitschaft
nutzlos.

Die Industrie ist in einem beengenden Netz von Bestimmungen ver-

strickt.

Formelle und informelle Indexierung neigt dazu, relative Preise

festzulegen und Anreize zur Bewegung von Geldmitteln zwischen den Industrien
und den Sektoren abzuschwächen.

Kurz:

wir brauchen eine Reorientierung der Wirtschaftspolitik, eine

stärkere Konzentration auf die Angebotsseite, eine Verminderung der Starrheit
und der Wirkungslosigkeit, die Versorgungspässe im ganzen Land hervorrufen.
Diese Aufgabe beinhaltet auch den Wiederaufbau unseres Grundkapitals, die
Wiederbelebung der Wachstumsproduktivität, die Verminderung der strukturellen
Arbeitslosigkeit, zusätzlich zur Schaffung einer neuen Grundlage für den
Energiebedarf unserer Wirtschaft.

Teilweise gilt das für alle Teilnehmerländer am Gipfeltreffen.

Lassen

Sie mich aus dem Tokio-Kommunique zitieren:
"Wir
- 9 -

�"Wir sind übereinstimmend der Auffassung, daß wir mehr zur Verbesserung
der langfristigen Produktivität und Anpassungsfähigkeit unserer Volkswirtschaften tun müssen.
sein:

Hierfür erforderliche Schritte könnten unter anderem

höhere Anreize für Investitionen sowie für Forschung und Entwicklung,

Maßnahmen zur Erleichterung der Abwanderung von Kapital und Arbeit aus rückläufigen in neue Industrien sowie administrative Regelungen, die eine unnötige
Beeinträchtigung von Investitionen und Produktivität vermeiden, vermindertes
Anwachsen der laufenden Ausgaben in einigen Bereichen der öffentlichen Hand
und Beseitigung von Hemmnissen der internationalen Handels- und Kapital stromes."
Die Lösung jeder dieser Aufgaben wird lange dauern und große Opfer
fordern.

Zusammen bilden sie eine grundlegende politische und wirt-

schaftliche Herausforderung.

Das Geschäft des Politikers ist seiner Natur

nach leichter und sicherer, wenn es darin besteht, viel Geld für Projekte
auszugeben, die sich rasch auszahlen und den Wählern gefallen.

Dies gilt

für die Vereinigten Staaten ebenso wie für die Bundesrepublik Deutschland,
für Japan, Frankreich, Kanada, Großbritannien oder Italien. Aber der Zeitraum,
der notwendig ist, um einen spürbaren Gewinn aus den Investitionen für eine
verbesserte Versorgung zu ziehen, ist viel länger als jede Wahlperiode im
politischen Kalender eines jeden der am Gipfel beteiligten Länder.

Die Frage

ist, ob wir den Willen, die Klugheit und Disziplin haben werden, um einen
mittelfrisitgen Kurs durchzuhalten, der kurzfristige Opfer, aber langfristig
Gewinne verspricht.

Wir sind uns alle der mit dieser Anstrengung verbundenen

Schwierigkeit bewußt. Aber wir sind überzeugt, daß das amerikanische Volk
und unsere Verbündeten am Verhandlungstisch des Gipfeltreffens die Stärke
und die Geduld für diese Aufgabe haben werden.

+ + + + +

- 10 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Chefdelegierter zum amerikanisch-sowjetischen Übereinkommen über Strahlenwaffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal erläutert Bedeutung der Ergebnisse von Tokio&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem gemeinsamen Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

1

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

18, J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION

Präsident Carter:

Wir alle müssen Opfer bringen

- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27

18. Juli 1979

PRÄSIDENT CARTER:

WIR ALLE MÜSSEN OPFER BRINGEN

- Wortlaut der Rede zur Energiekrise -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Präsident Jimmy Carter hat
am 15. Juli in einer mit Spannung erwarteten Rede das amerikanische Volk
aufgefordert, zusammenzustehen und gemeinsam Opfer zu bringen, um die
Energiekrise zu überwinden. Er legte ein Sechs-Punkte-Programm für konkrete
Maßnahmen im Energiebereich vor, um die Rückkehr der USA zur Unabhängigkeit
zu ermöglichen. Gleichzeitig appellierte der Präsident mit Nachdruck an
das amerikanische Volk, die Erosion des Vertrauens in die Zukunft sowie die
Krise des nationalen Selbstvertrauens zu überwinden.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
"Dies ist für mich ein ganz besonderer Abend:

vor genau drei Jahren,

am 15. Juli 1976 nahm ich die Nominierung meiner Partei an, um mich um das
Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bewerben.

Ich versprach Ihnen

einen Präsidenten, der nicht von seinem Volk isoliert sein würde - der Ihre
Schmerzen fühlt, der Ihre Träume teilt und der seine Stärke und seine
Weisheit von Ihnen bekommt.
Während

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Während der letzten drei Jahre habe ich bei vielen Gelegenheiten zu
Ihnen gesprochen über Themen, die die Nation betreffen:

die Energiekrise,

die Reorganisation der Regierung, unsere Volkswirtschaft,. Kriegsfragen und
vor allem über Frieden.
Aber im Verlauf dieser Jahre schränkten sich die Themen dieser Reden,
Gespräche und. Pressekonferenzen ein, sie konzentrierten sich immer mehr auf
das, was die isolierte Welt in Washington für wichtig hielt.

Allmählich

hörten Sie immer mehr davon, was die Regierung denkt oder was die Regierung
tun sollte - und immer weniger von den Hoffnungen der Nation, von unseren
Träumen und. dem Bild, das wir uns von der Zukunft machen.
Vor zehn Tagen wollte, ich wieder zu Ihnen sprechen über ein sehr
wi-chtnges Thema:

Energie. Zum fünften Mal hätte ich dann die Dringlichkeit

des Problems beschrieben und eine Serie gesetzgeberischer Empfehlungen an
den Kongreß gerichtet. Aber als ich die Rede vorbereitete, begann ich mir
die gleiche Frage zu stellen, von der ich weiß, daß sie auch viele von Ihnen
beunruhigt:

warum waren wir nicht als Nation in der Lage zusammenzukommen,

um unsere schwerwiegenden Energieprobleme zu lösen?

Es ist offenkundig,

daß die wahren Probleme unserer Nation viel tiefer liegen - tiefer als
Benzinschlangen oder Energieknappheit, tiefer sogar als Inflation oder
Rezession.

Und deutlicher denn je erkannte ich, daß ich als Präsident Ihre

Hilfe brauche.
So entschloß ich mich, meine Hand auszustrecken und die Stimmen
Amerikas anzuhören. Ich lud Menschen aus nahezu allen Bereichen unserer
Gesellschaft nach Camp David ein: Wirtschaft und Arbeit; Lehrer und
Pfarrer; Gouverneure, Bürgermeister und Privatpersonen. Dann verließ ich
Camp David,, um andere Amerikaner anzuhören, Männer und Frauen wie Sie.
Es waren zehn außergewöhnliche Tage, und ich möchte mit Ihnen teilen, was
ich gehört habe.
Vor

- 2 -

�Vor allem bekam ich eine Menge persönlicher Ratschläge.

Lassen Sie

mich einige der typischen Kommentare zitieren, die ich mir niedergeschrieben
habe:
Etwa diesen von einem Gouverneur aus dem Süden:

"Herr Präsident, Sie

führen diese Nation nicht, Sie managen nur die Regierung!"
"Sie sehen das Volk nicht mehr genug "
"Einige Mitglieder Ihres Kabinetts scheinen nicht loyal zu sein.

Es

gibt unter Ihren Anhängern nicht genug Disziplin".
"Sprechen Sie nicht über Politik zu uns oder über den Mechanismus
des Regierens, sondern über unser Verständnis vom Gemeinwesen."
"Herr Präsident, wir sind in Schwierigkeiten,

Sprechen Sie zu uns

über Blut, Schweiß und Tränen."
"Wenn Sie führen, Herr Präsident, werden wir folgen."
Viele Leute sprachen über sich selbst - und über die Lage unserer
Nation:
Dies sagte mir eine junge Frau aus Pennsylvanien: "Ich fühle mich so
weit weg von der Regierung. Ich fühle, wie die einfachen Leute von der
politischen Macht ausgeschlossen sind,"
Und dies sagte mir ein junger Americano-Mexikaner: "Einige von uns
haben ihr ganzes Leben lang unter der Rezession gelitten,"
"Einige haben Energie verschwendet, aber andere hatten ja nichts,um es
zu verschwenden."
Und
- 3 -

�Und ein religiöser Führer sagte:

"Keine Knappheit an materiellen

Dingen kann die wichtigen Dinge berühren, wie die Liebe Gottes zu uns und
unsere Liebe zueinander."
Besonders mag ich das Wort einer Schwarzen, die Bürgermeisterin eines
kleinen Ortes in Mississippi ist:
wichtig sind.

Denken Sie daran:

"Die Großen sind nicht die einzigen, die
Sie können nichts in Wall Street verkaufen,

wenn es nicht vorher von jemand anderem irgendwo ausgegraben wird."
Dies faßte irgendwie eine Menge der anderen Aussprüche zusammen:
"Herr Präsident, wir stehen einer moralischen und einer geistigen Krise
gegenüber."
Mehrere unserer Diskussionen behandelten die Energiefrage, und ich habe
ein ganzes Notizbuch voller Kommentare und Ratschläge. Ich will nur ein
paar vorlesen.
•

"Wir können nicht weiterhin 40 Prozent mehr Energie verbrauchen, als
wir produzieren."
"Wenn wir ül einführen, führen wir zugleich Inflation plus Arbeitslosigkeit ein."
"Wir müssen das verwenden, was wir selbst haben. Der Nahe Osten
verfügt nur über 5 Prozent der Weltenergie, aber die Vereinigten Staaten
über 24 Prozent."
Und einer der bildhaftesten Aussprüche:

"Wir strecken den Hals über

den Zaun, und die OPEC hat das Messer in der Hand".

�"Es wird andere Kartelle und andere Mangel lagen geben.

Das amerikanische

Wissen und der amerikanische Mut können jetzt einen Weg einschlagen, den
wir in Zukunft verfolgen."
Auch das war gut:

"Haben Sie Mut, Herr Präsident. Wir machen vielleicht

Fehler, aber wir sind bereit zu einem Experiment."
Und dieser Satz eines Gewerkschaftsführers traf den Kern:
Thema ist die Freiheit."

"Das wirkliche

"Wir müssen mit dem Energieproblem auf Kriegsfuß leben."
Und das letzte Zitat, das ich vorlesen will: "Wenn wir mit dem moralischen
Gegenstück zum Krieg beginnen,Herr Präsident, dann verteilen Sie keine Luftgewehre."
Diese zehn Tage bestärkten mich in meinem Glauben an die Anständigkeit,
die Stärke und die Weisheit des amerikanischen Volkes. Aber sie brachten
auch wieder einige meiner langgehegten Bedenken zum Vorschein und zeigten
die zugrundeliegenden Probleme unserer Nation.
Als Präsident weiß ich natürlich, daß die Regierungstätigkeit und die
Gesetzgebung sehr wichtig sein können. Aus diesem Grund habe ich ja so hart
gearbeitet, um meine Wahlversprechen in Gesetze umzuwandeln, dies- ich muß
es gestehen - mit unterschiedlichem Erfolg. Aber nachdem ich dem amerikanischen Volk zugehört habe, wurde ich wieder daran erinnert, daß keine
Gesetzgebung der Welt zurechtrücken kann, was mit Amerika nicht in Ordnung
ist.
Deshalb möchte ich heute abend zu Ihnen über ein Thema sprechen, das
sogar noch dringlicher ist als Energie oder Inflation.
Ich

- 5 -

�*

Ich möchte zu Ihnen jetzt über eine grundlegende Bedrohung der
amerikanischen Demokratie sprechen.
Ich meine damit nicht unsere politischen oder bürgerlichen Freiheiten.
Sie werden fortdauern.

Und ich beziehe mich nicht auf die auswärtige

Stärke Amerikas - einer Nation, die heute abend in Frieden mit der ganzen
Welt lebt und die eine unvergleichliche wirtschaftliche Stärke und militärische
Macht besitzt.
Die Bedrohung ist auf den ersten Blick fast unsichtbar.
Vertrauenskrise.

Es ist eine

Es ist eine Krise, die mitten in das Herz, die Seele und

den Geist unseres nationalen Willens trifft.

Wir können diese Krise erkennen

am wachsenden Zweifel an der Bedeutung unseres eigenen Lebens und im Verlust
des einheitlichen Sinnes unserer Nation.

Die Erosion unseres Vertrauens in

die Zukunft droht, die soziale und politische Struktur Amerikas zu zerstören.
Das Vertrauen, das wir zu jeder Zeit als Volk gehabt haben, ist nicht
einfach nur irgendein romantischer Traum oder ein Sprichwort in einem
verstaubten Buch, das wir nur am 4. Juli lesen. Es ist die Idee, die unsere
Nation begründete und die unsere Entwicklung als Volk geleitet hat. Vertrauen
in die Zukunft hat alles andere getragen - öffentliche Einrichtungen und
private Unternehmen, unsere eigenen Familien und die Verfassung der Vereinigten
Staaten selbst.
Vertrauen hat unseren Kurs festgelegt und hat als Verbindungsglied
zwischen den Generationen gedient. Wir haben immer an etwas geglaubt,
das man Fortschritt nannte; wir hatten immer den Glauben, daß das Leben
unserer Kinder besser sein würde als unser eigenes. Unser Volk verliert
diesen Glauben, nicht nur in der Regierung selbst, sondern bei der Fähigkeit
des Bürgers,als höchster Lenker und Former unserer Demokratie zu dienen.
Als

�Als Volk kennen wir unsere Vergangenheit und sind stolz darauf.
Fortschritt ist Teil der lebenden Geschichte Amerikas gewesen.

Unser

Wir waren

immer in dem Glauben, daß wir Teil einer großen Bewegung der Menschheit selbst
waren, Demokratie genannt, verwickelt in die Suche nach der Freiheit - und
dieser Glaube hat uns immer in diesem Sinn und Zweck gestärkt. Aber genauso
wie wir unser Vertrauen in die Zukunft verlieren, beginnen wir das Tor zu
unserer Vergangenheit zuzuschlagen.
In einem Volk, das stolz war auf harte Arbeit, feste Familien, enge
Gemeinschaften und Glauben an Gott, streben jetzt zu viele nach Anbetung
von Genußsucht und Verbrauch.

Die menschliche Identität wird nicht mehr

dadurch definiert, was man tut, sondern was man besitzt. Aber wir haben
bemerkt, daß der Besitz von Dingen und der Konsum von Dingen nicht unseren
Wunsch nach Bedeutung befriedigt.

Wir haben gelernt, daß das Anhäufen

materieller Dinge nicht die Leere eines Lebens füllen kann, das kein Vertrauen
und kein Ziel hat.
Die Symptome dieser Krise des amerikanischen Geistes finden wir überall
um uns.
Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Landes, glaubt die Mehrheit
unseres Volkes, daß die nächsten fünf Jahre schlechter sein werden als die
vergangenen fünf Jahre.
Zwei Drittel unseres Volkes wählen noch nicht einmal.
Die Produktivität der amerikanischen Arbeiter fällt, und die Bereitschaft der Amerikaner, für die Zukunft zu sparen, ist unter die aller Völker
der westlichen Welt gesunken.
Wie Sie wissen, herrscht eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber der
Regierung, den Kirchen, den Schulen, den Nachrichtenmedien und anderen

- 7 -

�anderen Institutionen.
Dies ist keine Botschaft des Glückes oder der Versicherung, aber es
ist die Wahrheit, und es ist eine Warnung.
Diese Änderungen traten nicht über Nacht ein.

Sie sind allmählich

über uns gekommen, während der letzten Generation, in Jahren, die mit Erschütterungen und mit Tragödien gefüllt waren.
Wir waren sicher, daß unser Volk ein Volk der Wahlzettel und nicht der
Waffen war - bis zur Ermordung von John Kennedy, Robert Kennedy und Martin
Luther King Jr.
Man lehrte uns, daß unsere Armeen stets unbesiegbar seien und unsere
Sprache immer gerecht - und doch mußten wir die Qualen von Vietnam erleiden.
Wir respektierten die Präsidentschaft als einen Ehrenplatz - bis zu
den Erschütterungen von Watergate.
Wir erinnern uns daran, als der Satz "Gesund wie ein Dollar" ein
Ausdruck der Verläßlichkeit war - bis zehn Jahre Inflation anfingen,unseren
Dollar und unsere Ersparnisse schrumpfen zu lassen.
Wir glaubten daran, daß die Ressourcen unseres Landes kein Ende nähmen bis wir 1973 unsere wachsende Abhängigkeit von ausländischem öl erkennen
mußten.
Diese Wunden sind noch immer sehr tief.

Sie sind nie geheilt worden.

Auf der Suche nach einem Weg aus dieser Krise hat sich unser Volk an
die Bundesregierung gewandt und fand sie isoliert vom großen Lebensstrom.
Washington D.C. ist eine Insel geworden. Die Kluft zwischen unseren Bürgern

�Bürgern war niemals so weit.
Das amerikanische Volk sucht nach ehrlichen Antworten, nicht nach
leichten Antworten - nach klarer Führung, nicht nach falschen Ansprüchen,
ausweichendem Verhalten und üblicher Politik. Was Sie in Washington und
auch anderswo im Lande zu oft erleben, ist ein Regierungssystem, das unfähig
zum Handeln zu sein scheint. Sie erleben einen Kongreß, der durch hunderte
von gutfinanzierten und mächtigen Sonderinteressen im den Finger gewickelt
und nach allen Richtungen gezerrt wird. Sie erleben, daß jede extreme
Position bis zur letzten Stimme, fast bis zum letzten Atemzug von dieser oder
jener unnachgiebigen Gruppe verteidigt wird. Oft genug erleben Sie, wie
eine ausgewogene und faire Position, die Opfer, ein kleines Opfer von jedem
verlangt, verlassen wird wie ein Waisenkind ohne Unterstützung und ohne
Freunde. Oft erleben Sie Lähmung und Stagnation und ein Sichtreibenlassen.
Sie mögen das nicht,und ich mag es auch nicht.
Was können wir tun?

Vor allem müssen wir der Wahrheit ins Auge blicken,

und erst dann können wir unseren Kurs ändern.

Wir müssen ganz einfach

aneinander glauben, wir müssen an unsere Fähigkeit glauben, uns selbst zu
regieren, und wir müssen an die Zukunft dieser Nation glauben.
Diesen Glauben upd dieses Vertrauen in Amerika zu erneuern, ist jetzt
die wichtigste Aufgabe, der wir gegenüberstehen, es ist die eigentliche
Herausforderung für diese Generation von Amerikanern.
Einer der Besucher in Camp David letzte Woche formulierte es so:
"Wir müssen aufhören zu weinen und anfangen zu schwitzen; aufhören zu
reden und anfangen zu laufen; aufhören zu fluchen und anfangen zu beten.
Die Stärke, die wir brauchen, wird nicht aus dem Weißen Haus kommen,
sondern aus jedem Haus in Amerika."
Wir

- 9 -

�Wir kennen die Stärke Amerikas.
Einheit wiedergewinnen.

Wir sind stark.

Wir können unsere

Wir können unser Vertrauen wiedergewinnen.

Wir

sind die Erben von Generationen, die stärkere und schmerzlichere Bedrohungen
überlebt haben, als die, die uns jetzt herausfordern.

Unsere Väter und Mütter

waren starke Männer und Frauen, die während der großen Wirtschaftskrise äne
neue Gesellschaft formten, die in Weltkriegen kämpften und eine neue Charta
des Friedens für die Welt entwarfen.
Wir selbst sind dieselben Amerikaner, die vor nur zehn Jahren einen
Mann auf den Mond brachten.

Wir sind die Generation, die unsere Gesellschaft

dem Streben nach Menschenrechten und Gleichheit verschrieben hat.

Und wir

sind die Generation, die den Krieg um das Energieproblem gewinnen wird - und
die dabei die Einigkeit und das Vertrauen von Amerika wiederherstellen wird.
Wir befinden uns an einem Wendepunkt unserer Geschichte.
Es gibt zwei Wege, die wir wählen können.
Der eine ist der Weg, vor dem ich heute nacht gewarnt habe - der Weg,
der uns in Zersplitterung und Eigennutz führt. Am Ende dieses Weges liegt
eine falschverstandene Idee der Freiheit - das Recht, einen Vorteil vor
anderen an sich zu reißen. Dieser Weg wäre ein Weg des dauernden Streitens
zwischen engen Sonderinteressen, der in Chaos und Unbeweglichkeit enden würde.
Es ist der sichere Weg in den Untergang.
All die Traditionen unserer Vergangenheit, all die Lehren unseres Erbes,
alle die Versprechen für unsere Zukunft weisen auf einen anderen Weg, den
Weg der gemeinsamen Zielsetzung und der Erneuerung der amerikanischen Werte.
Dieser Weg führt zu echter Freiheit, für unsere Nation und für uns selbst.
Wir können die ersten Schritte auf diesem Weg gehen, indem wir anfangen,
unser Energieproblem zu lösen.

Energie wird die unmittelbare Bewährungsprobe

�Bewährungsprobe für unsere Fähigkeit sein, diese Nation zu einen.

Sie

kann auch das Banner sein, um das wir uns scharen. Auf dem Schlachtfeld
der Energie können wir für unsere Nation ein neues Vertrauen gewinnen, und
wir können unser gemeinsames Schicksal in die Hand nehmen.
In etwas über zwei Jahrzehnten sind wir von einer Position der Energieunabhängigkeit in eine andere Situation geraten, in der fast die Hafte des
verbrauchten Öls aus dem Ausland kommt - zu Preisen, die aus allen Fugen
geraten. Unsere übermäßige Abhängigkeit von den OPEC-Ländern hat von
unserer Wirtschaft und unserem Volk bereits einen hohen Tribut gefordert.
Das ist die direkte Ursache für die langen Schlangen, in denen Millionen von
Ihnen ärgerliche Stunden des Wartens auf Benzin verbrachten. Das ist die
Ursache für verstärkte Inflation und Arbeitslosigkeit, vor denen wir jetzt
stehen. Diese unerträgliche Abhängigkeit von ausländischem öl bedroht unsere
wirtschaftliche Unabhängigkeit und die Sicherheit unseres Landes. Die
Energiekrise ist Wirklichkeit. Sie ist weltweit. Sie ist eine deutliche
und gegenwärtige Gefahr für unser Land. Das sind Tatsachen, und wir müssen uns
ihnen ganz einfach stellen.
Was ich Ihnen jetzt über Energie zu sagen habe, ist einfach und zugleich
lebenswichtig:
Punkt 1: Ich setze heute nacht ein klares Ziel für die Energiepolitik
der Vereinigten Staaten. Von diesem Moment an wird das Land niemals mehr
ausländisches öl verbrauchen als im Jahr 1977 - niemals. Von jetzt an wird
jede zusätzliche Nachfrage nach Energie durch unsere eigene Produktion und
durch eigene Einsparung befriedigt werden. Unserer eine Generation lang
währenden wachsenden Abhängigkeit von ausländischem öl wird ab sofort
Einhalt geboten - und auf dem Weg in die achtziger Jahre wird eine Umkehr
eintreten. Denn heute nacht setze ich das weitere Ziel, unsere Abhängigkeit
von ausländischem öl bis zum Ende der nächsten zehn Jahre um die Hälfte
zu verringern - was eine Einsparung von über 4,5 Millionen Barrel importierten

- 11 -

�importierten Öls pro Tag bedeutet.
Punkt 2: Um sicherzustellen, daß wir diese Ziele erreichen, werde ich
die Vollmacht des Präsidenten einsetzen, um Importquoten festzulegen.

Ich

kündige heute nacht an, daß ich für 1979 und 1980 die Einfuhr jeden zusätzlichen
Tropfens ausländischen Öls in unser Land verbiete, der über diese Ziele
hinausgeht.

Diese Quoten werden eine Einfuhrminderung sicherstellen, die noch

unter den ehrgeizigen Grenzwerten liegen wird, die wir kürzlich auf dem
Tokioter Gipfel festlegten.
Punkt 3:

Um uns Sicherheit im Energiebereich zu geben, fordere ich

den massivsten Einsatz von Mitteln und Ressourcen der Geschichte unseres
Landes in Friedenszeiten, um Amerikas eigene alternative Energiequellen zu
entwickeln - aus Kohle, Ölschiefer, pflanzlichen Produkten für Gasohol,
aus nicht herkömmlichem Gas, von der Sonne.

Ich schlage die Schaffung

einer Energiesicherungsgesellschaft vor, um die Anstrengung zu leiten, im
Jahr 1990 2,5 Millionen Barrel importierten Öls pro Tag zu ersetzen.

Die

Gesellschaft wird bis zu 5 Milliarden Dollar an Energieobligationen auflegen,
und ich möchte sie vor allem in kleiner Stückelung aufgelegt wissen, damit
auch der Durchschnittsamerikaner direkt in Amerikas Energiesicherheit
investieren kann.
So wie uns damals eine ähnliche Gesellschaft für synthetischen Gummi
dabei half, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, werden wir auch die
amerikanische Entschlossenheit und Fähigkeit mobilisieren, den Energiekrieg
zu gewinnen. Darüber hinaus werde ich dem Kongreß Gesetzesentwürfe zur
Gründung der ersten Sonnenbank dieses Landes vorlegen - was uns dabei helfen
wird, das entscheidende Ziel zu erreichen, bis zum Jahr 2000 rund 20 Prozent
unserer Energie aus Sonnenenergie zu gewinnen. Diese Anstrengungen werden
Geld kosten, eine Menge Geld, und deshalb muß der Kongreß nunmehr ohne
Verzögerung die Sondersteuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits)
verabschieden. Es wird sinnvoll ausgegebenes Geld sein. Im Gegensatz _zu_

�zu den Milliarden von Dollar, die wir ins Ausland schicken, um für das
ausländische öl zu bezahlen, werden diese Mittel von Amerikanern für
Amerikaner aufgewandt.

Diese Mittel werden die Inflation und die Arbeits-

losigkeit bekämpfen und nicht verschärfen.
Punkt 4: Ich ersuche den Kongreß, zu verfügen - gesetzlich zu fordern daß unsere öffentlichen Versorgungsbetriebe ihren umfangreichen Ölverbrauch
innerhalb der nächsten zehn Jahre um 50 Prozent senken und auf andere Brennstoffe übergehen, vor allem Kohle, unsere reichlichste Energiequelle.
Punkt 5:

Um absolut sicherzustellen, daß der Erreichung dieser Ziele

nichts im Wege steht, werde ich dem Kongreß gegenüber darauf drängen, eine
Energiemobilisierungsbehörde zu schaffen, die genauso wie die Kriegsproduktionsbehörde im Zweiten Weltkrieg die Verantwortung und die Befugnis haben wird,
die Verzögerungen und endlosen Hindernisse der Bürokratie zu umgehen, um die
wichtigsten Energieprojekte zu vollenden.
Wir werden unsere Umwelt schützen, aber wenn dieses Land dringend eine
Raffinerie oder eine Erdölleitung braucht, dann werden wir sie bauen.
Punkt 6: Ich schlage ein mutiges Einsparungsprogramm vor, um jeden
Einzelstaat, jeden Landkreis und jede Stadt - ja jeden Durchschnittsamerikaner - in unsere Energieschlacht einzubeziehen. Diese Anstrengung
wird es Ihnen ermöglichen, Einsparungsmaßnahmen in Ihrem Haus und in Ihrem
Leben zu ergreifen, zu Kosten, die Sie aufbringen können. Ich ersuche den
Kongreß, mir die Vollmacht für Einsparungsvorschriften zu geben - und eine
vorsorgliche Vollmacht für die Rationierung von Benzin. Zur weiteren
Energieeinsparung schlage ich heute zusätzliche 10 Milliarden Dollar vor,
auf die nächsten zehn Jahre verteilt, um unser öffentliches Transportsystem zu verbessern. Und ich ersuche Sie - zu Ihrem eigenen Nutzen und
zur Sicherheit Ihres Landes - keine unnötigen Autofahrten zu unternehmen,
Autos gemeinsam zu benutzen oder öffentliche Verkehrsmittel, wann immer Sie

- 13 -

�Sie können, Ihr Auto einen zusätzlichen Tag pro Woche zu Hause zu lassen,
die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu beachten und Ihre Thermostaten so einzustellen, daß Sie Brennstoff sparen.

Jede solche Handlung zur Energieeinsparung

ist mehr als nur ein Zeichen des gesunden Menschenverstandes, es ist, das
sage ich Ihnen, eine patriotische Tat.

Unsere Nation muß fair gegenüber den

ärmsten unter uns sein - deshalb werden wir die Sozialhilfe für bedürftige
Amerikaner erhöhen, damit sie mit den steigenden Energiepreisen fertig werden
können.
Oft denken wir an Einsparung nur im Sinn von Opfer.

Tatsächlich ist es

der schmerzloseste und direkteste Weg, um die Stärke unseres Landes wiederherzustellen.
Jede Gallone öl, die jeder von uns einspart, ist eine neue Art der
Produktion - es gibt uns mehr Freiheit, mehr Vertrauen, und so viel mehr
Herrschaft über unser eigenes Leben.
So kann die Lösung unserer Energiekrise uns dabei helfen, die geistige
Krise in unserem Land zu meistern. Sie kann unser Einheitsgefühl neu beleben,
unser Vertrauen in die Zukunft und kann unserer Nation und jedem von uns
als Einzelmensch einen neuen Sinn des Lebens geben.
Sie wissen, daß wir es vollbringen können. Wir besitzen die natürlichen
Ressourcen, wir besitzen mehr öl allein in unserem Ölschiefer als einige
Saudiarabien, wir haben mehr Kohle als jedes andere Land der Welt. Wir haben
den höchsten Stand der Technologie in der ganzen Welt. Wir haben die besten
Facharbeiter mit schöpferischer Kraft zur Neuerung, und ich glaube fest daran,
daß wir den nationalen Willen haben, diesen Krieg zu gewinnen.
Ich verspreche Ihnen nicht, daß dieser Kampf um Freiheit leicht sein
wird.

- 14 -

�Was ich Ihnen verspreche, ist, daß ich unseren Kampf führen werde.
Und ich werde in unserem Kampf die Fairness zum Tragen bringen.

Und ich

werde Ehrlichkeit garantieren - und vor allem,ich werde handeln.
Wir können und werden mit kurzfristigen Mangel lagen wirkungsvoller
fertig werden. Aber es gibt keine kurzfristigen Lösungen für unsere langfristigen Probleme.

Es gibt einfach keinen Weg, der um Opfer herumführt.

In 12 Stunden werde ich in Kansas City wieder sprechen, um die weiteren
Energieziele zu umreißen und zu erklären.
So wie die Suche nach Lösungen für unsere Energieknappheit uns ein neues
Bewußtsein der tieferen Probleme unserer Nation vermittelt hat, so kann unsere
Bereitschaft, für diese Lösungen der Energiekrise zu arbeiten, uns stärken für
den Angriff auf jene tieferliegenden Probleme. Ich werde weiter in diesem
Land herumreisen, um das amerikanische Volk anzuhören. Sie können mir dabei
helfen, einen nationalen Aufgabenkatalog für die achtziger Jahre aufzustellen.
Ich werde zuhören. Und ich werde handeln. Wir werden zusammen handeln.
Das waren die Versprechen, die ich vor drei Jahren abgegeben habe, und
ich habe die Absicht,sie zu halten.
Schritt für Schritt können und müssen wir unser Vertrauen erneuern.
Wir können Geld ausgeben, bis unsere Schatzkammern leer sind, und wir können
alle Wunder der Wissenschaft herbeirufen - aber wir können nur erfolgreich
sein, wenn wir unseren größten Schatz erschließen: das Volk Amerikas, die Werte
Amerikas und das Vertrauen Amerikas.
Ich sehe die Stärke Amerikas in den unerschöpflichen Quellen unseres
Volkes.
Lassen

- 15 -

�Lassen Sie uns diese Stärke in den kommenden Tagen erneuern im Kampf
um ein Land mit gesicherter Energie.
Lassen Sie mich dies zum Schluß sagen:
ich werde es nicht allein tun.

Ich werde mein Bestes tun, aber

Verschaffen sie Ihrer Stimme Gehör.

Sagen

Sie etwas Gutes über unser Land, wann immer Sie dazu Gelegenheit haben.

Mit

Gottes Hilfe und zum Wohl unserer Nation ist es Zeit für uns in Amerika, uns
die Hände zu reichen.
Verpflichten wir uns gemeinsam zu einer Wiedergeburt des amerikanischen
Geistes.

Wenn wir in unserem gemeinsamen Glauben zusammenarbeiten,

wir nicht scheitern.

+ + + + +

•

- 16 -

können

�</text>
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3

Information
und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

18. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters in Kansas City am 16. Juli 1979
- Gewaltige Energie-Investitionen angekündigt -

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebecen

Postfach 20 03 00
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

18. Juli 1979

REDE PRÄSIDENT CARTERS IN KANSAS CITY AM 16. JULI 1979
- Gewaltige Energie-Investitionen angekündigt -

KANSAS CITY, MISSOURI

- (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am

16. Juli 1979 seine große Rundfunk- und Fernsehansprache an das amerikanische
Volk vom Vortage in einer Rede vor dem Verband amerikanischer Landkreise in
Kansas City weiter ergänzt und gewaltige Investitionen zur Lösung der Energieprobleme der Vereinigten Staaten angekündigt.

Die Rede des Präsidenten hat

folgenden Wortlaut:
Senator Tom Eagleton, Senator Jack Danforth, meine Herren Mitglieder
des Kongresses Ike Skel&amp;on und Harold Volkmer, Präsidentin Charlotte Williams,
verehrte Gäste, meine Damen und Herren.
Sie haben sicher gehört,daß ich gestern abend über das Fernsehen zur
Nation gesprochen habe. Diese Rede enthielt die Ideen, die Sorgen, die
Träume, die Hoffnungen und das Streben vieler Amerikaner. Ihre eigene
Präsidentin, Charlotte Williams, kam nach Camp David, um mir bei der Abfassung dieser Rede zu helfen.
Gestern

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Gestern abend sprach ich zu Ihnen über die tiefen Wunden, an denen
unsere Gesellschaft leidet, und vor allem über meine tiefe Überzeugung, daß
wir die Kraft und den Willen haben, diese Wunden zu heilen und die Einheit
und die Zuversicht Amerikas wiederherzustellen.
Ich versprach gestern abend, daß ich auch weiterhin die dringlichsten
Probleme unseres Volkes mit meinen Landsleuten besprechen werde.

Und ich

versprach außerdem, daß ich weiter mit der Bevölkerung zusammenarbeiten werde,
um diese Probleme anzupacken.

Heute bin ich nach Kansas City gekommen, um Sie

zu treffen und genau das zu tun:

das Energieproblem zu besprechen und um

Ihre Hilfe für einen Erfolg zu erhalten.
Ich möchte eines wissen:

Wollen Sie mir dabei helfen, erfolgreich zu

sein?
Meine Überzeugung ist, daß fast alle Amerikaner genauso fühlen. So,
wie die Energieknappheit uns zwang, unseren tiefsten Ängsten und unserer
Zerrissenheit ins Auge zu blicken, so wird uns das Ziel eines energiegesicherten Amerikas dabei helfen, unsere Stärke und unsere Zuversicht als Volk
zu erneuern. Wir beginnen zu begreifen, daß die Ursachen für unsere Energiekrise weiter reichen als die Schlangen an den Zapfsäulen und die verschwenderischen Gewohnheiten. Die Ursache ist ein Vertrauensverlust, der
uns entzweit und bedroht und der über Jahre hinweg, über zu viele Jahre,
die Präsidenten, den Kongreß und ein großes Volk vom mutigen Handeln abgehalten hat, um sich dieser Herausforderung im Energiebereich zu stellen.
Aus diesem Grund müssen wir hier und heute entscheiden, daß wir uns neu
formieren können und werden, daß wir uns vereinen können und werden, daß
wir unser Vertrauen erneuern können und werden, daß wir die Schlacht um die
Lösung unserer Energieprobleme gewinnen, die Sicherheit unseres Landes kräftige
und unsere Stärke erhalten können und werden.
Es gibt keine simplen Antworten.

Aus diesem Grund werde ich auch

weiterhin neue Ideen erkunden, neue Fronten eröffnen und neue Angriffspunkte
entwickeln.

Deshalb suche ich nach immer mehr Amerikanern als Verbündete, die

�die sich mir in diesem Kampf um unsere Energiesicherung anschließen,
denn auf dem Schlachtfeld der Energie wird diese Demokratie, die wir lieben,
Widerstand leisten müssen, und auf diesem Schlachtfeld werden Sie und ich
im gemeinsamen Kampf Seite an Seite den Energiekrieg gewinnen.
Die tiefe Ursache der Energiekrise, des Energieproblems,der Energieherausforderung, der Energiechancen ist noch immer die gleiche wie vor
vielen Jahren - unsere massive, gefährliche, wachsende Abhängigkeit vom
öl und im besonderen unsere Abhängigkeit, unsere übermäßige Abhängigkeit,
von importiertem öl.
Vor einer Generation schickten wir mehr öl aus unserem Land heraus
als wir hereinbrachten. Jetzt importieren wir fast die Hälfte des Öls,
das wir verbrauchen, und nach der vorigen Preiserhöhung hat sich der Preis,
den wir der OPEC für unser öl bezahlen, in den letzten sieben Monaten
fast verdoppelt.
Durch den Regierungsumsturz vorigen Winter im fernen Iran haben wir
an Importen ungefähr 100 Millionen Barrel öl verloren.
Die Schlangen an den Zapfsäulen stehen in unmittelbarem Zusammenhang
mit dieser besonderen Verwundbarkeit, genauso wie der Mangel an Diesel für
unsere Bauern und unsere LKW-Fahrer und die augenblicklichen niedrigen
Heizöl Vorräte für unsere Heime vor Beginn des neuen Winters. Wir müssen
ganz einfach diese Bedrohung von unserem Volk abwenden. Ich muß handeln,
der Kongreß muß handeln, Sie alle müssen nunmehr ohne Zögern und mit
Entschlossenheit, mit Einigkeit, mit Mut und Zuversicht handeln. Ihre
Unterstützung für mich, die Sie kürzlich zum Ausdruck gebracht haben, läßt
mir keinen Zweifel daran, daß wir und dieses große Land Erfolg haben
werden.
Das

- 3 -

�Das erste, was wir tun müssen, ist, uns den Tatsachen zu stellen.

Es

gibt ganz einfach nicht genug öl auf der Welt, um die ganze Nachfrage aller
Völker in allen Ländern dieser Welt zu befriedigen.
Amerikaner fangen erst jetzt an, mit gesundem Menschenverstand zu
begreifen, daß es nur zwei Wege gibt, um die Versorgung sicherzustellen:
Einer besteht offensichtlich darin, unsere Nachfrage zu kontrollieren und
die Verschwendung von Energie einzuschränken;

der andere besteht darin,

unsere eigenen Energiequellen zu entwickeln, um ausländische Importe zu
ersetzen, damit wir wieder die Kontrolle über unser eigenes Schicksal erlangen.

Und ich verspreche, mit Ihrer Hilfe genau das zu tun.

Ich glaube daran, daß die Amerikaner zusammenstehen werden, wenn auf
allen Ebenen der Regierung eine gute Führung sichtbar wird - nicht nur im
Weißen Haus, sondern auch in allen Amtsgebäuden.

Es muß klare, faire Ziele

und Programme geben, und wir müssen mutig, gelegentlich auch ohne Rücksicht
auf die politischen Konsequenzen, die Programme durchführen, von denen wir
wissen, daß sie am besten für das Volk sind, das uns gewählt hat, es zu
führen.
Lassen Sie mich damit beginnen, klarzustellen, welches in diesem Moment
unsere Prioritäten bei der Verwendung der gegenwärtigen öl Vorräte sind.
Meine höchste Priorität als Präsident ist es, das Leben und das Wohlergehen
aller Amerikaner zu schützen. Aus diesem Grund müssen unsere Notdienste
wie Polizei, Feuerwehr und Gesundheitsdienst erhalten werden. Das gilt für
die elementaren Ansprüche wie Nahrung und Wohnung.
Wir brauchen Brennstoff, um Lebensmittel herzustellen und zu verteilen.
Wir brauchen Heizmaterial, um im kommenden Winter in nahezu allen Teilen
dieses Landes»besonders natürlich in unseren nördlichen Bundesstaaten,zu
verhindern, daß Menschen leiden.
Wir

�Wir haben unsere Brennstoffvorräte für den Winter aufgrund der früheren
Versorgungskürzungen aus dem Iran schon angebrochen,
habe.

Wir müssen sie ganz einfach wieder aufstocken.

wie ich schon erwähnt
Das tun wir jetzt und

wir werden das Ziel erreichen, das ich für unser Land gesetzt habe.
Wir werden begrenzte Vorräte an Benzin fair und gleichmäßig unter den
Kraftfahrern dieses Landes aufteilen. Es gibt Dinge, die wir tun können,
um mit der gegenwärtigen Energieknappheit fertigzuwerden. Wir können es
besser tun, und wir werden das schaffen.
Wir drängen zum Beispiel die Raffinerien, ihre Produktion von Brennstoff
und Heizöl anzuheben.

Das wird als Nebenprodukt auch mehr Benzin ergeben.

Wir fordern von der Ölindustrie Zusammenarbeit. Wenn sie nicht freiwillig mit uns zusammenarbeitet, werden wir nicht zögern, die Vollmachten,
die Vollmachten, die ich besitze, dafür einzusetzen, um von den ölgesellschaften
zu verlangen, den elementaren Energiebedarf unserer Nation zu befriedigen.
Die ölgesellschaften müssen mitarbeiten.
Ich habe fast 200 Revisoren im Lande eingesetzt, um sicherzustellen,
daß die Raffinerien Amerikas sich an das Gesetz halten, und noch 400 weitere
werden losgeschickt, um die Brennstoffzwischenhändler und -händler zu überwachen,.
Auf meine Anweisung hin überprüfen das Justizministerium und das Energieministerium gemeinsam die ölgesellschaften, um festzustellen, ob die gegenwärtige Knappheit mit irgendwelchen unsauberen oder ungesetzlichen Handlungen
in Zusammenhang steht.

Wir werden die ganze Macht des Gesetzes bei denjenigen

anwenden, die von dieser nationalen Knappheit profitieren oder die versuchen,
die amerikanische Öffentlichkeit zu betrügen.
Wir haben jetzt eine unabhängige Vertragsfirma zur Überprüfung der
Wirksamkeit des neuen Energieministeriums bei der Kontrolle der Daten der
Ölindustrie eingesetzt.

Es ist sehr schwierig, genaue Informationen zu er-

halten, aber ich möchte sicherstellen, daß die Informationen, die wir erlangen
- 5 -

�erlangen und an das amerikanische Volk weitergeben, absolut korrekt
sind.
•

Ich habe der Energieinformationsbehörde, die eine unabhängige Einrichtung
ist, die Anordnung erteilt, ihren wöchentlichen Bericht an unsere Nachrichtenmedien im ganzen Land zu schicken, um mitzuteilen, wie hoch unsere Energievorräte in der entsprechenden Woche sind.
•

Ich möchte, daß die interessierte amerikanische Öffentlichkeit, einzelne
Bürger wie Sie, mit der Energielage genauso vertraut sind, wie mit den
örtlichen Wetterberichten.
•

Aber lassen Sie mich auch jetzt wieder ganz ehrlich und sehr direkt
zu Ihnen sein. Nichts von dem, was ich hier beschrieben habe, spart öl
oder schafft öl. Kurzfristig werden wir ganz einfach ein begrenztes Angebot
strecken müssen. Wir werden eine Art Verteilerspiel treiben müssen, um
die öl Vorräte unter unseren Landwirten, unseren Lastwagenfahrern, unseren
Hausbesitzern, der Industrie und natürlich auch unter den Kraftfahrern
aufzuteilen.
Dies wird so lange dauern, bis sich unsere langfristigen Anstrengungen
auzuzahlen beginnen. Deshalb fordere ich den Kongreß auf, mir die Vollmacht
zu geben, zwingende Sparziele für jeden Bundesstaat festzusetzen und um
zwingende Sparmaßnahmen zu verhängen.
.

•

Wenn ein Einzelstaat diese Ziele verfehlt, möchte ich zunächst den
örtlichen und einzelstaatlichen Behörden diese Befugnisse übertragen - in
der Hoffnung, daß sie alle und alle Gouverneure diese Pflicht erfüllen.
Sollten Sie es nicht tun, werde ich als Präsident von Washington aus handeln.
•

„

Auch der Kongreß muß endlich handeln, um mir die Vollmacht zu erteilen,
einen Vorsorgeplan für die Benzinrationierung aufzustellen. Es ist absolut

�absolut entscheidend für uns, uns gegen die Möglichkeit weiterer schwerwiegender Unterbrechungen unserer Energieversorgung zu wappnen.

Wir wissen

nie, wann wir einen Großteil unserer alten Importe verlieren können.

Wenn

dies geschieht, wird uns ein Plan zur Benzinrationierung helfen, diese
begrenzten Vorräte gerecht zu verteilen.
Aber nunmehr möchte ich auf das Wichtigste zu sprechen kommen. Jeder
einzelne Amerikaner muß aufhören, Energie zu verschwenden. Ich möchte
einige Dinge nennen, die wir tun können, um uns in der augenblicklichen Krise
zu verteidigen.
Vor über zwei Jahren, Sie erinnern sich vielleicht, nannte ich die
Energiekrise das moralische Gegenstück zum Krieg. Die Ölindustrie,auch die
Medien haben darüber viele Witze gemacht. Nunmehr, da die Schlacht begonnen
hat, darf es keine Verzögerung mehr geben, und auch keinen Rückzug mehr.
Gestern abend unterbreitete ich eine allgemeine Strategie, um den
Energiekrieg zu gewinnen, eine Strategie, die uns in die Lage versetzten
wird, den neuen Energiebedarf von ganz Amerika durch Amerikas eigene Energiequellen zu decken.
Wir müssen sowohl bei der Einsparung als auch bei der Produktion
erfolgreich sein, denn von diesem Zeitpunkt an werden wir niemals mehr
auch nur einen Tropfen mehr öl einführen als vor zwei Jahren im Jahr 1977.
Ich ziehe unsere Verteidigungslinie hier und heute.
Nunmehr werde ich Ihnen eine der größten Zahlen nennen, die Sie je
gehört haben. Insgesamt sind wir dabei, die in Friedenszeiten beispiellose
Verpflichtung einer Investition von 140 Milliarden Dollar für die Energiesicherung Amerikas einzugehen, damit die Unabhängigkeit unseres Landes nie
mehr zur Geisel ausländischen Öls wird.
Woher

�Woher kommt das Geld?

Die gesamte Investition dieser Bundesmittel

muß von den Steuern für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profit tax)
der Ölindustrie kommen, die ich dem Kongreß vorgeschlagen habe.
Es ist jetzt entscheidender denn je, daß der Kongreß rasch eine hohe
und ständige Steuer für ungerechtfertigte Gewinne verabschiedet.

Und ich

möchte, daßjäder von Ihnen als Verantwortlicher in einem Landkreis und alle
Amerikaner, die meine Stimme hören, ihren ganzen Einfluß zum Tragen bringen,
um sicherzustellen, daß der Kongreß handelt, um dem amerikanischen Volk
die finanziellen Waffen zu geben, um den Energiekrieg zu gewinnen.
Ich möchte Sie kurz über einige der neuen Angriffspunkte informieren.
Jedes Jahr werde ich Ziele für die Menge des von uns importierten ausländischen
Öls festlegen.

Heute kündige ich die Quote für dieses Jahr, für 1979 an,

die die amerikanischen Einfuhren bei 8,2 Millionen Barrel pro Tag festschreiben
wird - 300 000 unter den Höchstgrenzen, die wir beim Gipfeltreffen in Tokio
festlegten und 400 000 Barrel pro Tag unter dem, was wir im Jahr 1977 verbrauchten.

Und wir werden dieses Ziel erreichen.

Die Energiesicherungsbehörde, die ich gestern abend vorschlug, um
amerikanische Energie aus neuen Quellen zu produzieren,wird nicht einfach
nur eine weitere Bundesbehörde sein. Sie wird außerhalb der Bundesregierung
stehen, außerhalb der Bundesbürokratie, und es wird ihr freistehen, ihr unabhängiges, nach geschäftlichen Gesichtspunkten ausgerichtetes Urteilsvermögen
zu gebrauchen, um genug alternative Energiequellen zu schaffen, um ihr
Zehnjahresziel zu erreichen, nämlich unsere Einfuhren um 2,5 Millionen
Barrel pro Tag zu reduzieren.
Ich kündige neue Anreize für die Produktion von Schweröl, Ölschiefer
und schwer zu förderndem Erdgas an - alles, was in diesem Land in großem
Überfluß vorhanden ist.
Um

- 8 -

�Um sicherzustellen, daß Energieanlagen, wie entscheidend wichtige
Erdölleitungen, Hafeneinrichtungen und Produktionsanlagen gebaut werden,
wird ein neues Energiemobilisierungsamt den langwierigen und hindernisreichen bürokratischen Weg umgehen und absolut verbindliche Fristen für
Maßnahmen auf bundesweiter, einzelstaatlicher und lokaler Ebene setzen.
Wir überlassen den einzelstaatlichen und den lokalen Behörden an erster
Stelle die Verantwortung für die Beseitigung der Hindernisse, die diesen
entscheidend wichtigen Projekten im Wege stehen. Aber unsere Energiekrise
ist so schwerwiegend, daß dieses Amt für den Fall, daß irgendeine Regierungsebene es versäumt, innerhalb eines vernünftigen Zeitraums zu handeln, dafür
sorgen wird, daß gehandelt wird - genauso, wie ähnliche Ämter sicherstellten,
daß gehandelt wurde,als es um die Existenz unserer Nation im Zweiten Weltkrieg ging.

Es ist ander Zeit für uns, diesen mutigen Schritt zu tun,

und wir werden ihn tun.
Ich werde die Energiezielsetzungen für jeden Hauseigentümer und Mieter
ebenso zwingend machen wie für die Geschäftswelt und die Industrie. Versorgungseinrichtungen müssen von öl auf Kohle übergehen. Aber ich schlage
dem Kongreß auch ein einzigartiges neues Programm vor, um die Gas- und
Elektrizitätswerke aufzufordern, ihren Kunden, den Hausbesitzern von Amerika,
billige Darlehen anzubieten, damit sie Verbesserungen zur Einsparung von
Energie finanzieren können, die nur zum Zeitpunkt des Hausverkaufs zurückgezahlt
werden müssen.
Ich schlage ein weiteres Programm vor, das Anreize bieten wird, Häuser,
die bisher mit öl geheizt wurden, auf Erdgas umzustellen und solchen Häusern,
die nicht umgestellt werden können, bei der Einsparung zu helfen.
Ich habe für die nächsten zehn Jahre 16,5 Milliarden Dollar an
neue Geldmitteln vorgesehen, um Busse, Untergrundbahnen und andere Massenverkehrsmittel zu verbessern und um Automobile mit einem wirtschaftlicheren
Benzinverbrauch zu bauen.
In
- 9 -

�In der Erkenntnis, daß die Familien mit niedrigem Einkommen am
härtesten von den OPEC-Preiserhöhungen bei den generell steigenden Energiekosten betroffen wurden, schlage ich vor, das Bei hilfenprogramm zu verdreifachen, das ich dem Kongreß am 5„ April vorgelegt habe.

Auch das wird durch

die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne bezahlt werden, die der Kongreß
bereits berät.
Darüber hinaus werden wir das Programm für die Isolierung von Gebäuden
ausweiten, um

die Qualität von Wohnungen zu verbessern und eine wirkungs-

vollere Energieeinsparung zu ermöglichen.
Ich möchte eines ganz klar sagen, denn dem amerikanischen Volk werden
falsche Informationen unterbreitet.

Ich möchte, daß Sie genau zuhören.

Wir arbeiten sehr eng mit Mexiko und Kanada zusammen.

Die Gesamtmenge

des geförderten und exportierten Erdöls und Erdgases aus Mexiko unterliegt
selbstverständlich der Entscheidung des Volkes und der Regierung von Mexiko.
Aber wir kaufen jetzt schon mehr als 80 Prozent des Öls, das Mexiko exportiert
mehr als 80 Prozent!
Im Moment handeln wir ein neues Abkommen aus, um das Erdgas zu kaufen,
das Mexiko exportieren möchte.
Obwohl Kanadas ölförderung im Verlauf der nächsten paar Jahre ständig
sinken wird, werden wir auch weiterhin Elektrizität aus Wasserkraft und
andere Energiequellen mit unserem Nachbarn im Norden teilen. Ein Hauptprojekt
wird die neu zu bauende Rohrleitung von Alaska durch Kanada sein, um Erdgas
in die südlichen 48 Staaten zu bringen.
Bis 1985 kann Erdgas aus Alaska und aus Kanada bereits fast 700 000
Barrel eingeführten Öls pro Tag ersetzen.

Die Produzenten in Alaska haben

sich davor gedrückt, bei der Finanzierung einer Rohrleitung zu helfen, ajte

- 10 -

�die notwendig ist, um das Gas auf den Markt zu bringen.

Ich habe den

Energieminister angewiesen, sie herzuzitieren und auf Trab zu bringen,
und ich werde mich persönlich darum kümmern, daß diese Gasleitung ohne
weitere Verzögerung gebaut wird.
Wir sind und wir bleiben auch weiterhin ein guter Kunde, ein guter
Nachbar und ein guter Handelspartner für Mexiko und für Kanada.

Diese

Nation muß sich auf ein breites Angebot von Energiequellen stützen können.
Die nüchterne Tatsache ist, daß wir jetzt bei 13 Prozent von allem.in den
Vereinigten Staaten verbrauchten Strom

von Kernenergie abhängen.

Einige Gemeinden, wie etwa Chikago, erhalten mehr als 50 Prozent
all ihrer Elektrizität aus Kernkraftwerken. Die Empfehlungen der KemeneyKommission, die den Vorfall von Three-Mile-Island untersucht hat, werden
uns dabei helfen, die Sicherheit zu gewährleisten, aber Kernkraft muß eine
tragende Rolle in den Vereinigten Staaten spielen, um unsere Energiezukunft
zu sichern.
Am 1. Juni habe ich das ehrgeizige, aber wichtige Ziel festgelegt,
bis zum Jahr 2000 rund 20 Prozent der Energienachfrage des Landes durch
Sonnenenergie zu decken. Bei den steil ansteigenden OPEC-Preisen und den
größeren Versorgungsunsicherheiten ist die Erreichung dieses Ziels wichtiger
denn je. Kein Kartell kann den Preis für Sonnenenergie kontrollieren. Kein
Land kann ein Embargo für Sonnenenergie verhängen.
Wir haben unsere Bundesinvestitionen für Sonnenenergie verdreifacht
und die neue Sonnen-Bank, die ich vorgeschlagen habe, wird es allen
Amerikanern erlauben, dabei mitzumachen, die weitverbreitete Verwendung
der Sonnenenergie Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Maßnahmen, die ich im Laufe der letzten zwei Jahre mit dem Kongreß
unternommen habe, werden unsere projektierten Einfuhren von ausländischem tfl_

- 11 -

�öl um 4 Millionen Barrel pro Tag herabsetzen.

Die neuen Schritte, die

ich Ihnen gestern abend und heute beschrieben habe, werden uns bis zum
Jahr 1990 weitere 4,5 Millionen Barrel öl, ausländisches öl, pro Tag einsparen - unter dem, was wir gegenwärtig verbrauchen.
Ich werde diese Initiativen weiterverfolgen und ein jeder von uns,
ob Beschäftigter im öffentlichen Dienst oder privater Bürger, muß diesen
Drang nach Fortschritt im Schwung halten.
ist so klar wie sie nur sein kann.

Unsere grundlegende Strategie

Zusammen werden Sie und ich und jeder

Amerikaner ganz einfach die Art und Weise ändern müssen, wie diese Gesellschaft
ihre Energie gewinnt und verbraucht.

Und während wir dies tun, werden wir

feststellen, wie wir stärker werden, freier und zuversichtlicher - im
eigenen Lande und in der Weite
Wie kürzlich die positive Entscheidung von Saudiarabien - die Förderung
zu erhöhen - gezeigt hat, kann eine kraftvolle Handlungsweise dieses Landes,
mit dem Beweis unserer Bereitschaft zur Energieeinsparung, auch einige der
OPEC-Länder zur Mäßigung ermutigen und uns besser befähigen, mit all den
anderen ins Reine zu kommen.
Der wichtige Aspekt, den ich heute vermitteln möchte, ist, daß jede
Handlung eines jeden von uns nicht nur unser eigenes Leben verbessern,
sondern sich auf die Zukunft der Welt auswirken wird.
Die Rückschläge und die Triumphe eines jeden Landkreises, einer jeden
Stadt, einer jeden Wohngegend, diese Erfolge und diese Niederlagen sind
zugleich die Erfolge und die Niederlagen, die Triumphe und die Rückschläge
unserer Nation.
Die Tragödie einer älteren Familie, die nicht in der Lage ist, für
die Heizung im Winter aufzukommen, ist eine nationale Tragödie, genauso
wie der Erfolg eines örtlichen Programmes zur Gebäudeisolierung oder eines

- 12 -

�eines Programms für Fahrgemeinschaften ein Triumph oder ein Erfolg der
gesamten Nation ist.

Ich bitte Sie, mit mir in den Landkreisen Amerikas bei der Planung von
außergewöhnlichen Sparmaßnahmen zusammenzuarbeiten, um die Bevölkerung
davon zu überzeugen, daß die Energiekrise eine Wirklichkeit ist. Gemeinsam
müssen wir unser Volk aufrufen, spezifische Schritte möglich zu machen - als
Arbeiter, Angestellte, Pendler, Verbraucher, Hauseigentümer, Mieter. All
dies zusammengenommen kann tatsächlich eine echte und praktisch durchführbare
nationale Anstrengung bedeuten.

Es ist leicht zu versuchen, den anderen die Arbeit zu überlassen - der
Bundesregierung, den öl gesell Schäften, der OPEC.
und wir werden es nicht tun.

Das dürfen wir nicht tun,

Ich möchte, daß Sie dies für unser Land tun.

Ich möchte, daß Sie es jedem Bürger, der in Ihren Landkreisen wohnt, möglich
machen, sich an der Festsetzung örtlicher Sparprogramme und Sparziele zu
beteiligen.

Damit will ich die führenden Persönlichkeiten eines jeden Land-

kreises in unserem Lande nicht etwa auffordern, an der Schaffung einer
weiteren amtlichen Behörde mitzuwirken.

Ich möchte vielmehr, daß Sie eine Gruppe Ihrer besten Bürger veranlassen,
sich mit den Erfordernissen und Ressourcen in ihren eigenen Gemeinden zu
befassen, um sich ein Bild von ihren Stärken und Schwächen zu machen und mit
Ihrer eigenen Taktik und Ihren Vorstellungen zur Bewältigung der örtlichen
Sparziele beizutragen.

Wenn Sie mit den örtlichen Bürgergruppen sowie mit den führenden
Persönlichkeiten in den Gemeinden bei der Verwirklichung dieses Aktionsappelles zusammenarbeiten, dann können Sie auf die Unterstützung und die
Hilfe der Bundesbehörden, mich eingeschlossen, rechnen , die mit Ihnen
zusammenarbeiten werden, um diesen Traum, diese große Aufgabe zu verwirklichen.

Ich

- 13 -

�Ich weise alle Bundesbediensteten, aus dem Bereich der Landwirtschaft,
der Forstwirtschaft, aus dem Wohnungsbauministerium, aus dem Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialministerium sowie aus allen anderen Behörden, an, mit
allen Vertretern aus den Landkreisen zusammenzuarbeiten, um die Verschwendung
von Energie in Ihren Bezirken auszuschalten.
In Ihren Zuständigkeitsbereichen sind Sie entscheidend wichtige Persönlichkeiten.

Ich weiß, daß Sie diese Arbeit vollbringen können, und ganz gewiß

verdienen Sie die Unterstützung aller Regierungsvertreter vom Präsidenten an
abwärts in unserer Bundesregierung.

Sie können die Bestimmungen für eine

Geschwindigkeitsbegrenzung durchsetzen.

Sie können die neuen Bestimmungen

für die Einstellung von Thermostaten durchsetzen.

Mit 10 000 Dollar soll

belangt werden, wer die Thermostaten in einem öffentlichen Gebäude im Sommer
niedriger als 78 Grad Fahrenheit (25.6 Grad Celsius) und im Winter höher
als 65 Grad Fahrenheit (18.3 Grad Celsius) einstellt.

Ich bin fest ent-

schlossen, dies durchzusetzen und ich möchte Ihre Hilfe in Anspruch nehmen,
um sicherzustellen, daß dies auch befolgt wird.
Sie können dafür sorgen, daß der Benzinverbrauch vermindert wird durch die Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, durch die Einbeziehung
auch Ihrer Dienstfahrzeuge in den einzelnen Landkreisen. Sie können den
Arbeitgebern in der Geschäftswelt, der Industrie, der Regierung, bei der
Einrichtung von Fahrgemeinschaften, der gleitenden Arbeitszeit sowie bei der
Verringerung der Wege zum Arbeitsplatz für die Angestellten helfen.
Einige Gemeinden haben dies bereits getan. Meine Frau war beispielsweise
kürzlich in Davis, Kalifornien, wo große Erfolge erzielt wurden und der
Gesamtenergieverbrauch um mehr als 35 Prozent unter den bisherigen Stand
gesenkt worden ist. Wenn wir so etwas tun, dann sind wir besser gerüstet,
uns und unsere Ziele zu verstehen, und wir sind auch besser gerüstet, andere
schwere Entscheidungen zu begreifen, denen sich Amerika bei der Bewältigung
der großen Aufgaben der Zukunft stellen muß.
So

�So habe ich beispielsweise im Januar dieses Jahres eine strenge Haushaltspolitik für das Finanzjahr 1980 dargelegt, in deren Rahmen wir auf einen ausgewogenen Bundeshaushalt in der Zukunft hinarbeiten werden, um mit unserem
ersten Inflationsproblem fertig zu werden.

Ich habe die feste Absicht, diesen

Kurs weiterzuverfolgen und das von mir dargelegte Programm durchzusetzen, um
das Inflationsproblem unseres Landes mit Erfolg anpacken zu können.

Wenn

dies nicht gelingt, dann werden die amerikanischen Arbeiter, Geschäftsleute und
Verbraucher ihren Glauben und ihr Vertrauen in die Bereitschaft der Regierung
verlieren, mit der Inflation fertigzuwerden.

Der Wert des Dollar würde sich

vermindern, und dies würde unsere Inflationsrate weiter verschlimmern.
Ich werde auch nicht zögern, Maßnahmen zu ergreifen, um eine ernsthafte
Rezession zu verhindern. Der Kongreß muß jetzt mehr als jemals zuvor darangehen, die eingebrachten Gesetzesvorlagen, and deren Entwicklung Sie mitgearbeitet haben, zu verabschieden - Vorlagen für eine gezielte fiskalische
Unterstützung und antizyklische Hilfe für bedrängte Gemeinden, wenn die
Arbeitslosenrate stark steigt. Diese Vorlagen sind wichtig, aber die Inflation
ist immer noch das ernstestewirtschaftliche Problem unseres Landes, und ich
bin entschlossen, an meiner Politik zur Bekämpfung der Inflation festzuhalten und auch hier benötige ich Ihre Hilfe und rechne mit ihr.
Lassen Sie mich zum Abschluß folgendes sagen: Sie sind wie ich Diener
der Öffentlichkeit. Dies sind die Entscheidungen, die ich zu treffen habe,
denn schließlich habe ich nur einen Wahlkreis, und das ist das Volk dieses
Landes. Das sind auch Menschen, die Sie vertreten. Jeder Ihrer Wähler ist
auch für mich ein Wähler. Seit 203 Jahren steht unser Land stolz und frei
da. Wir haben uns einer Herausforderung nach der anderen gestellt. Wir
haben sie alle bewältigt, und zwar aus einem fundamentalen Grund: In
Krisenzeiten haben wir Amerikaner zusammengestanden.
Auf meinem Flug von Washington hierher hat mir der Abgeordnete Ike
Skeleton heute morgen ein Schreiben überreicht, und ich möchte es Ihnen

- 15 -

�Ihnen gerne vorlesen:
"Herr Präsident, Sie werden Sich erinnern, daß ich als Patient mit
Kinderlähmung Ende der vierziger Jahre in Warm Springs, Georgia, war.
Während meines Aufenthaltes habe ich ein dort vorhandenes Original einer
nicht gehaltenen Rede Franklin D. Roosevelts kopiert.

Darf ich Ihnen

vorschlagen, daß Sie die von Roosevelt zum Abschluß dieser Rede benutzten
Worte verwenden - und ich zitiere Roosevelt:

'Die einzige Schranke für eine

Verwirklichung des Morgen sind unsere Zweifel am Heute.

Lassen Sie uns

1

voranschreiten in starkem und tätigem Glauben ."
Und Ike Skeleton fährt fort: "Ich habe an diese Worte als Jugendlicher
immer denken müssen, und sie fassen das zusammen, was Sie gestern abend in
Ihrer Ansprache an die Nation erklärt haben. Hochachtungsvoll, Ihr Freund
Ike Skeleton".
Es hat in unserem Volk einige ernsthafte Zweifel an unserem Land gegeben.
Heute ist nicht nur die Wirtschaft unseres Landes, sondern auch unsere
Unabhängigkeit selbst gefährdet. Für unsere Freiheit ist kein Preis zu hoch.
Wir dürfen nicht zulassen, daß sie durch das Energieproblem bedroht wird.
Lassen Sie uns als Volk und als Land in unserem Kampf zusammenstehen, um die
Unabhängigkeit unseres Staates auf dem Energiesektor mit dem ganzen Gewicht
unserer großen Nation und dem Willen zu einem Leben in Freiheit sicherzustellen. Wir müssen gemeinsam für unser Land kämpfen, und wir werden mit
neuem Glauben an Amerika als Amerikaner zusammenstehen und unser Land zum
Siege führen.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 16 -

�</text>
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                    <text>1*1
I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. J u l i 1979

INHALT

DOKUMENTATION
US-Finanzminister zur Lage der amerikanischen Wirtschaft
- Blumenthal vor dem Haushaltsausschuß des Senats WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blick in fremde Welten
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten
Blutwäsche bei Polyarthritis

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

US-FINANZMINISTER ZUR LAGE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
- Blumenthal vor dem Haushaitsausschuss des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Vor dem Haushaltsausschuß des amerikanischen
Senats hat der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal am
13. Juli 1979 ausführlich zur Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten
Stellung genommen. Seine Ausführungen haben folgenden Wortlaut;
Herr Vorsitzender und verehrte Mitglieder dieses Ausschusses:
Ihr Schreiben, das mich zu diesen Anhörungen einlud, forderte mich
auf, zu einem ungewöhnlich umfangreichen Bereich wirtschaftlicher und
wirtschaftspolitischer Fragen Stellung zu nehmen. Ich habe mich bemüht,
die meisten Fragen in meiner vorbereiteten Aussage zu behandeln und werde
den vorbereiteten Text während unserer Erörterungen heute morgen sehr
gerne ergänzen.

Ich

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�t

Ich bin der Meinung, daß die von Ihnen gestellten Fragen unter
den beiden kritischen Problemen, denen sich die Nation gegenüber sieht,
zusammengefaßt werden können: Inflation und Energie. Diese Probleme sind
miteinander verknüpft, und ihre Lösungen sind aufeinander bezogen. Wir
können die Inflation nicht verringern, ohne die Probleme der Energieversorgung zu lösen. Wenn wir das Problem der Inflation nicht lösen,
könnte der erwartete kurzfristige wirtschaftliche Wachstumsrückgang in
eine viel ernstere, tiefere und längere Rezession einmünden. Und wir
können weder das Inflations- noch das Energieproblem lösen, es sei denn,
wir sind zu Opfern bereit - persönlichen, kollektiven und gerechten
Opfern -, die notwendig sind zur Bewältigung unserer wirtschaftlichen
Zukunft.

Inflation
Unser Grundproblem ist die Inflation - eine Inflation, die die
Kaufkraft der amerikanischen Verbraucher dezimiert und die Investitionsbereitschaft sowie unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Exportsektor
schwächt.
Seit Dezember vorigen Jahres stiegen die Verbraucherpreise im Jahresdurchschnitt um 13,5 Prozent, eine erhebliche Zunahme im Vergleich zu den
9 Prozent des vorigen Jahres, und fast doppelt so hoch wie die Inflationsrate im Jahre 1977.
Zu Anfang dieses Jahres war der Anstieg der Lebensmittelpreise ein
entscheidendes Element in der Inflationsentwicklung, als schlechte Wetterbedingungen und Streiks die Lebensmittelkomponente des VerbraucherpreisIndexes (CPI) um 20 Prozent im Jahresdurchschnitt erhöhte. Aber immer
stärker wird die Inflation durch die steigenden Energiepreise angetrieben.
- ? -

*

»

�angetrieben. Die Lebensmittelversorgungssituation ist günstiger geworden,
und die Wachstumsrate der Lebensmittelpreise im Einzelhandel hat sich
verlangsamt - obwohl die Einzelhandelspreise noch nicht den echten Rückgang der Großhandelspreise widerspiegeln.

Aber während der Anstieg der Lebensmittelpreise schwächer wurde,
stiegen die Energiepreise schneller als die erhöhten Rohölpreise, die
von den OPEC-Staaten im Dezember vorigen Jahres auferlegt wurden, und
zusätzliche Erhöhungen, die von den meisten öl produzierenden Ländern
erhoben wurden, begannen die Preisstruktur zu durchdringen. Dreißig
Prozent des Anstiegs der Verbraucherpreise im Januar und Februar waren
das Ergebnis steigender Lebensmittelpreise und nur 10 Prozent waren
auf steigende Energiekosten zurückzuführen. Im Mai hatten sich die Anteile umgekehrt - etwas über ein Zehntel des Anstiegs im Mai war das
Ergebnis höherer Lebensmittelpreise und ungefähr ein Drittel des gesamten Preisanstiegs war auf die steigenden Energiepreise zurückzuführen. Seit Anfang dieses Jahres stiegen die Einzelhandelspreise für
Energieprodukte um fast 38 Prozent im Jahresdurchschnitt, fast dreimal
schneller als für andere Verbrauchsgüter.

Diese Zahlen geben zudem nur den direkten Anstieg der Preise für
Energieprodukte an - den Anstieg der Preise für Gas, Elektrizität,
Benzin und Heizöl. Wachsende Energiekosten beeinflussen jedoch die Preisgestaltung aller anderen Güter. Sehr intensive Preiserhöhungen wurden
während der vergangenen Monate für eine Reihe von Chemieprodukten, die
aus Erdöl hergestellt werden, registriert, und diese höheren Preise werden
später in den Preisen für weitere Endprodukte zum Tragen kommen; genauso
wie höhere Transportkosten, die durch steigende Energiepreise verursacht
werden.

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß die Höhe der Inflation,
die uns dieses Jahr heimsuchte, durch Kräfte verursacht wurde, die keinen
- 3 -

�keinen Bezug zur gegenwartigen binnenwirtschaftlichen Nachfrage haben,
sondern der Ausdruck von Einflüssen ist, die unvorhersehbar waren und
über die wir keine Kontrolle haben. Das Anhalten einer zweistelligen
Inflationsrate - und dies trotz des allmählich und jetzt klar langsameren
Tempos der wirtschaftlichen Aktivitäten - wurde von einigen Beobachtern gedeutet
als ein Maßstab für das Versagen der Bemühungen der Regierung, Preisstabilität über ein freiwilliges Programm zu erreichen, das im wesentlichen auf der Zusammenarbeit von Industrie und Gewerkschaften beruhte.
Ausgehend von dieser Einschätzung wird einerseits vorgeschlagen, das
Programm aufzugeben, andererseits wird verlangt, das freiwillige Programm
durch Zwangsmaßnahmen zu ergänzen.
Solche oberflächlichen und voreiligen Schlußfolgerungen können aber
nicht aufrechterhalten werden, wenn man die Preisstatistiken sorgfältiger
analysiert. Ungefähr 50 Prozent der Zusammensetzung des Verbraucherpreisindexes werden durch drei Kategorien bestimmt. Lebensmittel-, Energieund Wohnungsbaukosten. Diese Kategorien fallen aus verschiedenen Gründen
nicht in den Zuständigkeitsbereich des Lohn- und Preis-Kontroll Programms und sie wären auch nicht kontrollierbar, wenn Zwangskontrollen eingeführt
würden. Die entscheidenderen Preisanstiege wurden jedoch in diesem Jahr
gerade durch diese Kategorien verursacht. Die Preise für Lebensmittel,
Energie und Wohnungsbau zusammengenommen stiegen in diesem Jahr um
20 Prozent im Jahresdurchschnitt, im Vergleich zu 11 Prozent im vorigen
Jahr. Der übrige Anteil des Verbraucherpreisindexes stieg ebenfalls und ging nicht zurück, wie wir gehofft hatten, aber der Anstieg war
recht mäßig, von 6,7 Prozent im letzten Jahr auf 7,0 Prozent während
der ersten fünf Monate des Jahres 1979.
Lohnentwicklung: die Publizität, die verschiedenen größeren Lohnvereinbarungen zuteil wurde und die angeblich die Leitlinien des Kontrollprogramms in unterschiedlichem Ausmaß durchbrachen, führte zu ähnlichen
voreiligen Schlüssen über das Versagen des Kontroll Programms. Aber der

�der verläßlichste Maßstab zur Erfassung der Lohnentwicklung - die BLSSerie über durchschnittliche Stundenlöhne für Industriearbeiter - zeigt
einen Zuwachs für dieses Jahr unter 8 Prozent im Jahresdurchschnitt an,
verglichen mit einem 8,5 prozentigen Anstieg während des Jahres 1978.
Lohnerhöhungen stellen keine Grundursache der zunehmenden Inflation dar.
Trotzdem, die Kosten pro Arbeitseinheit stiegen deutlich an. Diese
offensichtliche Anomalie wird teilweise durch die Ausdehnung zusätzlicher
(Sozial-) Leistungen erklärt, aber - was noch wichtiger ist - sie gibt
die ständige Enttäuschung über und die verwirrende Entwicklung der Produktivität wieder. Die Verlangsamung der Produktivitätszunahme während
des letzten Jahrzehnts ist eine der ernsten Schwächen unseres Wirtschaftslebens; denn dadurch wird eine Steigerung unseres Lebensstandards erschwert, während unsere Fähigkeit reduziert wird, auf den internationalen
Märkten konkurrenzfähig zu bleiben. Während des vorigen Jahres nahm die
Produktivität im privaten Sektor um weniger als 0,5 Prozent zu - verglichen mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3,1 Prozent während der
ersten zwei Nachkriegsjahrzehnte - und während des ersten Quartals
dieses Jahres ging die Produktivität erheblich zurück.
Als Ergebnis des Produktivitätsrückgangs und der Zunahme der Sozialleistungen - aufgrund der Erhöhungen der Altersversorgung und der höheren
Mindestlöhne - stiegen die Kosten pro Arbeitseinheit erheblich, während
die Lohnzuwächse sich verringerten. Die Lohnzuwächse waren mäßig, während
die Inflation auf einem hohen Niveau blieb. Dies führte zu einer erheblichen Schwächung der Kaufkraft der Verbraucher. Während der ersten fünf
Monate dieses Jahres gingen die Reallöhne um fast 5,5 Prozent im Jahresdurchschnitt zurück und wären noch mehr zurückgegangen, wenn nicht im
Januar die Mindestlöhne erhöht worden wären. Und wenn man den geringen
Zuwachs der Nominaleinkommen im Juni berücksichtigt, sanken die Reallöhne im Juni wahrscheinlich weiter.
Der
- 5 -

�Der Rückgang der Realeinkommen erklärt zum großen Teil die Flaute
im Einzelhandel in diesem Jahr. Nach Abzug der Inflationsrate ging der
Umsatz im Einzelhandel während der ersten sechs Monate des Jahres um
6 Prozent zurück.
Sicherlich, nach dem ungewöhnlich raschen Ansteigen der Verbraucherausgaben in den letzten Monaten des Jahres 1978 mußte in diesem
Jahr eine gewisse Pause bei den Einkäufen der Verbraucher erwartet werden. Historisch gesehen folgt einer "Kauforgie", wie sie im 4. Quartal
des vorigen Jahres passierte, eine Periode des Maßhaltens durch den Verbraucher. Das Maßhalten hat aber zu lange gedauert, um bloß eine Reaktion
auf das vorhergehende ungezügelte Konsumverhalten zu sein. Der Verbraucher
wird in zunehmendem Maße eingeengt durch fallende Realeinkommen, durch
starke Belastungen in der Schuldentilgung, durch das nur unzureichende
Angebot von Waren, die er kaufen möchte, z.B. kleine, im Benzinverbrauch
sparsame Fahrzeuge, und schließlich in letzter Zeit durch die Notwendigkeit, sparsam mit Benzin umzugehen. Es ist schwierig, normale Kaufgewohnheiten beizubehalten, wenn man eine ungewöhnlich lange Zeit damit verbringen muß, sich für Benzin anzustellen, und wenn man einen ungewöhnlich
großen Teil seines Einkommens ausgeben muß, sobald man die Zapfsäule
erreicht hat. Verringertes Verkehrsaufkommen zu und in den Einkaufszentren
beweist den Einfluß der OPEC auf unsere heimischen Wirtschaftsentwicklungen.
Die Schwäche der Verbraucher-Nachfrage in den letzten Monaten zeigt
sich auch in der industriellen Produktion und Beschäftigung. Zunahmen
in der Beschäftigung waren in den letzten Monaten viel geringer als zu
Anfang des Jahres, und die Beschäftigung in der Industrie ist in den
letzten 3 Monaten - geringfügig - zurückgegangen. Es ist jedoch wert,
festgehalten zu werden, daß in diesem Jahr in jedem Monat, außer einem,
die Arbeitslosigkeit zurückgegangen ist, und die neueste vom BLS (Bureau
of Labor Statistics) vorgelegte Arbeitslosenrate von 5,6 Prozent ist
die niedrigste seit fast 5 Jahren. Nichtsdestoweniger wird die anhaltende

�anhaltende Stagnation in den Einzelhandelsumsätzen zweifellos zu einer
nach unten gerichteten Anpassung der Unternehmensproduktion und Beschäftigung in den kommenden Monaten führen.
Einer der Faktoren, der den wirtschaftlichen Aufschwung so lange
getragen hatte, waren die von den Unternehmen schnell und prompt gemachten Produktionsanpassungen, um übermäßig große Lagerbestände zu
vermeiden. Zu Anfang dieses Jahres beschleunigte sich der Aufbau von
Lagerbeständen in den Unternehmen. Zum Teil geschah dies, um Lagerbestände wieder aufzufüllen, die im Zuge der sprunghaft gestiegenen Verbrauchernachfrage am Ende des Jahres 1978 zusammengeschmolzen waren.
Zum Teil geschah dies aber auch in der Erwartung von Streikausfällen
und in der Erwartung weiterer Inflation. Aber die neuesten Zahlen
zeigen ein gewisses Nachlassen in der Auffüllung der Lagerbestände auf
der Produktionsebene, und Berichte von Einkäufern deuten darauf hin,
daß die Unternehmen bei ihren Einkaufsplänen für Rohmaterialien in
zunehmendem Maße vorsichtiger taktieren. Mit Ausnahme gewisser spezieller Gebiete, wie z.B. große Automobile, ist das Verhältnis zwischen
Lagerbeständen und Umsätzen niedrig, wenn man historische Maßstäbe
anlegt.
Eines der Elemente der Stärke in der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation ist deshalb die Tatsache, daß wir nicht mit großen
Überschuß-Lagerbeständen belastet sind, die abrupt abgebaut werden
müßten, wenn sich die Verbrauchernachfrage noch weiter verschlechterte.
Darüber hinaus bleiben die Investitionspläne der Unternehmen und die
Bewilligungen, diese Pläne auszuführen, verhältnismäßig stark. Nach
einem rätselhaft starken Abfall im April verzeichnen die Bestellungen
für nicht-militärische Investitionsgüter wieder eine beachtliche Zuwachsrate.
Schließlich
- 7 -

�Schließlich konnten die amerikanischen Ausfuhren auf einem verhältnismäßig hohen Niveau gehalten werden, in den ersten 5 Monaten dieses
Jahres ungefähr 16 Prozent höher als der Monatsdurchschnitt im vorigen
Jahr. Die ausländische Nachfrage nach unseren Agrarerzeugnissen bleibt
stark, und anhaltende, ansehnliche Steigerungen unserer nicht-landwirtschaftlichen Ausfuhren sind wahrscheinlich.
Die Wirtschaft zeigt also nicht jene charakteristischen Merkmale,
die in der Vergangenheit einem starken oder langen konjunkturellen Abschwung vorausgegangen sind. Eine Flaute -- ein unsicheres sich Fortbewegen am Rande einer leichten Rezession -- dies ist wahrscheinlich
eine zutreffende Kennzeichnung des gegenwärtigen Standes der Wirtschaft,
eine Flaute, die hervorgerufen wurde durch die inflationsbedingte Erosion der Kaufkraft des Verbrauchers und durch die Ungewißheiten über die
Kosten und die Verfügbarkeit von Energie, denen Verbraucher und Unternehmen ausgesetzt sind.
Wir erwarten, daß diese Flaute noch einige Monate anhalten wird,
wenigstens noch so lange, bis ein Nachlassen der Inflationsrate dem
Absinken der Realeinkommen ein Ende setzt. Sobald sich die Kaufkraft
der Verbraucher verbessert, wird sich auch die Nachfrage verbessern.
Da die Unternehmen die Quote der Lagerauffüllung eng an die Verkauf squoten banden, sollte ein Rückgang der Verbraucherkäufe begleitet
sein von etwas Lageraufstockung. Daher darf man vernünftigerweise erwarten, daß der Rückgang an Wirtschaftsbelebung in diesem Jahr mild sein
wird, und gemessen an den konjunkturellen Erfahrungen der Nachkriegszeit, von relativ kurzer Dauer.
Die Wirtschaftstätigkeit dürfte gegen Ende dieses Jahres oder Anfang 1980 wieder ansteigen. Doch die Erholung im nächsten Jahr dürfte
ebenfalls mäßig sein, teils weil die nicht akzeptierbaren hohen Inflationsraten eine Fortsetzung fiskalischer Mäßigung erfordern werden.
Q

Energie

�Energie

Die OPEC-Ölpreisbeschlüsse seit dem Monat Dezember waren ein Hauptfaktor, der die Wirtschaftsbelebung hemmte und die Inflationslast in
den Vereinigten Staaten erhöhte, und der Druck dieser Preisanhebungen
auf Wachstum und Inflation wird in den kommenden Monaten weiter spürbar
sein.

Wir veranschlagen das Wachstum des realen Bruttosozialprodukts
für dieses Jahr auf ein Prozent weniger und ein weiteres Prozent weniger für 1980, bei einer um etwa ein Prozent höheren Inflation in jedem
Jahr, verglichen mit dem, was eingetreten wäre, falls die OPEC an den
im vorigen Dezember verkündeten ölpreisplänen festgehalten hätte.
Als Folge der seit dem Dezember erfolgten Preismaßnahmen werden
bei Jahresende 1980 ca. 800000 Arbeitnehmer zusätzlich, gegenüber früheren Prognosen, arbeitslos sein, so daß die Arbeitslosenquote um etwa
0,8 Prozent ansteigen wird.

Unsere Volkswirtschaft ist natürlich nicht die einzige, die schwierige Anpassungen an eskalierende öl preise und verringerte ölangebote
vornehmen muß. Es wird geschätzt, daß der direkte Effekt aus der 60
prozentigen Anhebung der Weltölpreise seit dem vorigen Dezember zunächst einmal darin bestehen wird, die durchschnittliche Wachstumsrate
der OECD-Länder im Jahre 1979 um 1 Prozent zu senken sowie um 1,75 Prozent im Jahre 1980. Auch wird die durchschnittliche Inflationsrate der
OECD-Länder im Jahre 1979 um 1,5 Prozent höher ausfallen und 1980 um
2,5 Prozent.

Trotz einer höheren Rechnung für ölimporte erwarten wir eine weitere wesentliche Abnahme des gegenwärtigen Defizits in der amerikanischen Handelsbilanz - vielleicht sogar einen kleinen Überschuß im
kommenden Jahr - aufgrund eines Rückgangs der Nicht-Ölimporte in Ver- 9 -

�Verbindung mit dem geringeren Wachstum unserer heimischen Wirtschaft,
aufgrund weiterer starker Exporte, und aufgrund gestiegener Verdienste
aus unseren überseeischen Investitionen. Generell allerdings wird der
gestiegene ölpreis viel an jenem Fortschritt zehren, der zur Verbesserung der Welt-Zahlungsbilanzen erzielt wurde.
Während der OPEC-Überschuß, der im vorigen Jahr nahezu verschwunden war, wieder auf ein Niveau ansteigen wird, wie aus den Jahren
1974-75 erinnerlich, werden die OECD-Länder insgesamt vom Überschuß in
ein Defizit geraten. Die Position der kein öl produzierenden Entwicklungsländer, die als Gruppe bereits in einem Riesendefizit stecken, wird
sich drastisch verschlechtern, womit die Probleme von einigen der ärmsten Länder zunehmen werden.
Diese Probleme wurden auf dem jüngsten Gipfeltreffen in Tokio erkannt und angegangen. Die dort versammelten Führer der Welt beschlossen:
Erstens: es gibt kurzfristig zu Einsparungen keine Alternative.
Falls wir nicht wohldurchdacht unseren Verbrauch von öl reduzieren,
und zwar auf Wegen, die unserer Wirtschaft am wenigsten schaden, dann
wird diese Einsparung erzwungen durch welchen Preisanstieg auch immer,
der erforderlich ist, um die Nachfrage auf das Angebotsniveau herabzusenken.
-- Die am Gipfel beteiligten Staaten verpflichteten sich auf Begrenzung der ölimporte für 1979 und 1980, die nach einer Basis des jeweiligen Landes festgelegt wurden. Die Begrenzung für die Vereinigten
Staaten beträgt 8,5 Millionen Barrel pro Tag für beide Jahre - entsprechend
unseren Importen im Jahre 1977.
Mittelfristig übernahmen die am Gipfeltreffen beteiligten Länder
spezifische Ziele für eine Obergrenze der ölimporte bis 1985, Ziele,
- 10 -

�Ziele, die - unter Annahme vernünftiger Raten des Wirtschaftswachstums
während dieses Zeitraums - ganz gewaltige Anstrengungen notwendig machen
werden, um den Ölverbrauch zu begrenzen und alternative Energiequellen
zu entwickeln.
-- Schließlich setzten die Gipfel teil nehmer größere Initiativen
in Gang, um anderweitige Energiequellen zu nutzen, besonders Kohle.
Die Verwirklichung unserer Gipfelbeschlüsse wird längerfristig schwierige Entscheidungen und harte Entschlüsse erfordern. Die Investitionskosten zur Entwicklung alternativer Energiequellen werden die Verfügbarkeit von Mitteln für andere Zwecke verringern. Sowohl private als
auch Regierungshaushalte werden die Auswirkungen zu spüren bekommen.
Aber letztlich bleibt keine andere Wahl. Wenn wir derartig abhängig von importierter Energie bleiben, werden wir in absehbarer Zeit
sogar einen noch höheren Preis zahlen, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch in Bezug auf unsere Rolle als Weltmacht. Vor einigen
Monaten berichtete ich dem Präsidenten über die Ergebnisse einer einjährigen Studie des Finanzministeriums über die Bedrohung unseres wirtschaftlichen Wohlstandes und unserer nationalen Sicherheit durch unsere
starke Abhängigkeit von importiertem öl. Wir kamen zu dem Ergebnis, daß
diese Bedrohung tatsächlich kurz bevorsteht. Kürzliche Ereignisse haben
dazu beigetragen.

Schlußfolgerung
Beim Überblick über die Aussichten der Wirtschaft hier und im Ausland
und beim Versuch, die Mittel der Politik, die uns zur Wiederherstellung
angemessener Wachstumsraten und verminderter Inflation zur Verfügung stehen,
mit den unterschiedlichen und ernsten Problemen in Einklang zu bringen,
treten einige Leitlinien hervor:
Es
- 11 -

�-- Es hätte in diesem Stadium keinen Sinn, mittels eines übereilten
Programms die Wirtschaft entweder durch weitere Steuersenkungen oder
Sparprogramme oder durch eine Lockerung der straffen Geldpolitik hochzutreiben.
Es gibt keine ausreichenden Beweise, die es rechtfertigen würden,
den "Panikknopf" für die Macro-Wirtschaftspolitik zu drücken. Es würde weder bei uns noch im Ausland - Vertrauen in unsere Bemühungen erwecken,
die Inflation zu überwinden, wenn wir unsere Politik mit jedem Knick in
der Statistik ändern sollten. Die traditionelle antizyklische Wirtschaftspolitik beseitigt nicht die eigentliche Ursache unseres ständigen Abschwungs und der derzeitig zweistelligen Inflation. In der Tat würde
eine expandierende Politik im Augenblick den inflationären Druck verschlimmern und Mittel in Anspruch nehmen, die benötigt werden, um unsere
Produktivitäts- und Energieversorgungsprobleme zu lösen.
Wir müssen auf aggressive Weise eine Politik verfolgen, die die
Einsparung von öl anregt und zunehmend hiesige Energiequellen zugänglich macht, und die vernünftigeren Gebrauch davon macht, um auf diese
Weise unsere Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern,
deren Kosten und Verfügbarkeit außerhalb unserer Kontrolle liegen.
Wir müssen die Kluft zwischen den Löhnen und den Arbeitskosten pro
Einheit verringern. Das bedeutet eine Politik, die die Produktivität
wiederherstellt, insbesondere durch Ermutigung zu schnellerem Wachstum
und Verjüngung unserer Kapitalanlagen. Das bedeutet auch, den Anstieg
der Kosten für Gehaltszulagen, wie Gesundheitsfürsorge, niedrig zu halten.
-- Wir müssen es vermeiden, in einen Kreis zu geraten, in dem Löhne
und Preise sich jagen, ähnlich wie es für die Periode 1975-77 charakteristisch war, als wir unter einer relativ hohen Inflationsrate litten,

�litten, trotz mangelhafter Auslastung der Arbeits- und Industriekapazität. Die Kosten für den Ausgleich früherer Verluste an realem Einkommen der Arbeiter dürfen nicht der zukünftigen Preisstruktur aufgebürdet werden. Dies wäre ein nutzloser Prozeß, da es die Inflation, die
bereits die Erhaltung unseres Lebensstandards bedroht, nur anheizen würde.
Das Prinzip freiwilliger Erfüllung eines Programms zur Eindämmung der
Preis- und Lohnsteigerungen muß erhalten bleiben.
-- Wir müssen den Wert des Dollar auf den internationalen Märkten
schützen, denn eine Abwertung des Dollar bewirkt eine höhere Inflation
bei uns in den Vereinigten Staaten.
Die Politik der öffentlichen Hand, die im Januar vom Präsidenten
empfohlen worden war, und die in dieser Haushaltsüberprüfung in der
Mitte der Legislaturperiode wieder bestätigt worden ist, steht im Einklang mit diesen Prinzipien. Wir wanken nicht in unserer Entschlossenheit, die Inflation zu bekämpfen.
Genausowenig lassen wir das Nachlassen der Wirtschaftstätigkeit
außer acht.
Wenn zu einer bestimmten Zeit in der Zukunft eine antizyklische
Politik notwendig werden sollte, dann müssen die zur Auswahl stehenden
Maßnahmen höchst sorgfältig geprüft werden. Es gibt wesentliche Einschränkungen unserer Beweglichkeit, wenn wir es mit zyklischen Störungen
zu tun haben.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die die Stärke des Dollar
auf ausländischen Devisenmärkten gefährdet.
-- Wir müssen eine Politik vermeiden, die den Staatsanteil am erzeugten Sozialprodukt auf Kosten des privaten Sektors erhöht.

Wir

�Wir werden die Maßnahmen der Politik der öffentlichen Hand betonen müssen, die zu unserem Kampf gegen die Inflation beisteuern, in
dem Kosten gesenkt werden und zu größerem Produktivitätswachstum ermutigt wird.
•

Das sind wesentliche und ernste Betrachtungen, wenn man die Angemessenheit der politischen Alternativen abschätzt. Aber es sind keine
Probleme, die einer sofortigen Lösung bedürfen.
Da Inflations- und Rezessionsaussichten eine Funktion von Energieversorgung und Preisen sind, muß die Durchführung eines Programms unbedingt Vorrang haben, das uns auf dem Weg zur Lösung der Energieprobleme weit voranbringt. Der Präsident wird in Kürze die nächsten
Schritte seines Programms bekanntgeben, um unser Ziel zu erreichen.

x x x x x

- 14 -

�3

I

1

Wi//en/chcift
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

20. Juli 1979

29

BLICK IN FREMDE WELTEN
VOYAGER 2 lüftet einige Geheimnisse des Jupiter und seiner Planeten

- (AD) - Bereits im März dieses Jahres, als die amerikanische
Forschungssonde VOYAGER 1 ihre Nahaufnahmen vom Planeten Jupiter und
dessen vier größten Monden zur Erde funkte, sahen sich die Wissenschaftler
im KontrollZentrum des Jet Propulsion Laboratory von Pasadena (Kalifornien)
einer ganz und gar fremden Welt gegenüber. "Das Gefühl des Neuen hätte
nicht stärker sein können, wenn es sich um Himmelskörper gehandelt hätte,
die nicht zu unserem Sonnensystem gehören", meinte einer der Astronomen.
Eine Fülle neuer Erkenntnisse über das offenbar urtümliche Objekt, das der
riesige Gasball Jupiter darstellt, gewann die Forschung inzwischen aus den
Meßdaten, vor allem aus den insgesamt 18 000 Fotos, die VOYAGER 1 während
einer Beobachtungszeit von drei Monaten übermittelte. Viele Geheimnisse
und Rätsel, die den auf den Fotos zutage tretenden Fakten zugrunde liegen
müssen, sind jedoch noch nicht entschlüsselt.
So erreichte die Spannung im KontrollZentrum beim Rendezvous von
VOYAGER 2 mit Jupiter am 9. Juli 1979 einen neuen Höhepunkt.

Nur vier

Monate nach dem Vorbeiflug der Schwestersonde VOYAGER 1 passierte VOYAGER

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�VOYAGER 2 den größten Planeten unseres Sonnensystems in knapp 650 000 km
Entfernung vom zentralen Körper, aber mit teilweise geringerem Abstand als
der Vorgänger von seinen größten Satelliten, den sog. Galilei sehen Monden.
Aufgrund der Entdeckungen, die mit Hilfe von VOYAGER 1 gemacht worden waren,
hatte man in der Zwischenzeit das Arbeitsprogramm für VOYAGER 2 soweit abgeändert, daß nun ganz bestimmte Beobachtungsschwerpunkte verfolgt werden konnten.
Zu diesen zählte beispielsweise der neu entdeckte leuchtende Ring, der
den Jupiter in Äquatorhöhe etwa 60 000 km über der Wolkengrenze, aber.noch
weit innerhalb der Umlaufbahn des planetennächsten Kleinmondes Amalthea
umgibt. Mit den neuesten Beobachtungsdaten hoffen jetzt die Wissenschaftler,
nicht nur die Zusammensetzung des Ringes, sondern auch die Größe fester
Schwebeteilchen bestimmen zu können.

Zu den Schwerpunkten gehörten ferner

die polarlichtähnlichen Erscheinungen, die VOYAGER 1 in drei Schichten,
nämlich in etwa 700, 1400 und 2300 km Höhe über der Wolkenobergrenze in der
nördlichen und südlichen Polarregion sah, sowie die grellen Blitze.

Sie

sind Zeichen starker elektrischer Entladungen, zu denen es offenbar in der
gesamten Jupiteratmosphäre kommt.
Und die dichte, mindestens 16 000 km tiefe, hauptsächlich aus Wasserstoff
bestehende Atmosphäre, unter der Wasserstoff in flüssiger Form und ein
möglicherweise fester Kern hoher spezifischer Dichte vermutet werden, war
und ist noch immer wegen ihrer komplexen Struktur und Dynamik Gegenstand
eingehender Untersuchungen. Ganz besonderes Interesse gilt dem großen
"Roten Fleck", der schon seit gut 300 Jahrenbekannt ist. Insgesamt 125
Tage lang - vom 25. April bis zum 28. August 1979 - sondiert VOYAGER 2 den
Jupiter und seine Satelliten. Zu den bisher übermittelten 15 000 Fotos
dürften bis Ende August noch einige Tausend hinzukommen. Dann werden die
wissenschaftlichen Instrumente abgeschaltet und nur noch von Zeit zu Zeit
überprüft, ume-st in zwei Jahren, bei der Annäherung an den Planeten Saturn,
wieder voll aktiviert zu werden.
Berechnungen

- 2 -

�Berechnungen aufgrund der PIONIER- und VOYAGER-Daten haben ergeben,
daß der Rote Fleck, auch wenn er offensichtlich gewisse Veränderungen
durchmacht, eine beständige Komponente der Atmosphäre sein müsse.

Vielleicht,

so mutmaßt Dr. Bradford A. Smith (Universität Arizona), existiert er in dieser
Form und Ausdehnung - eine riesige Wirbel struktur von 30 000 bis 40 000 km
Länge und 14 000 km Breite mit zahlreichen Begleitturbulenzen - schon seit
mehr als 100 000 Jahren.

Er sei als eine Konvektionsströmung anzusehen,

mit der Wärme aus einer wohl seit langem stabilen Quelle in großer Tiefe
nach oben transportiert werde.

Die in ihrer Intensität veränderliche rote

Farbe könne auf weitgehend lokalisierte chemische Prozesse in der Tiefe
zurückzuführen sein.

Dem Strömungsmechanismus nach scheinen die sog. Weißen Ovale dem
Roten Fleck verwandt zu sein:

Wolkenmassen steigen auf, fallen zurück

und bilden spiralförmige Wirbelfelder.

Aber sie sind wesentlich kleiner

und haben wahrscheinlich weniger tiefe "Wurzeln".

Auf der Südhalbkugel

rotieren sie, wie der Rote Fleck, entgegen dem Uhrzeigersinn, auf der
Nordhalbkugel in umgekehrter Richtung.

Eine ausgedehnte helle Wolkenmasse umrundete in 60 Tagen zehnmal den
Roten Fleck, ohne den Abstand zu dessen Zentrum zu verändern.

Auf Farb-

aufnahmen traten riesige weiße Wolken in Erscheinung, die zunächst im Sog
des Roten Flecks zu stehen schienen, dann aber ihren eigenen Weg um den
Planeten fortsetzten.
eingesprenkelt.

Kleine weiße und rote Ovale sind in die Atmosphäre

Manche gleiten aneinander vorbei, andere tanzen umeinander

herum, manchmal verbinden sie sich auch miteinander - dabei scheinen sie
zunächst ein wenig zu taumeln, dann wird ein helles Wolkenband abgestoßen,
und schließlich

ziehen sie als ein einziges Oval weiter um den Planeten.

Die Unterschiede der atmosphärischen Struktur zwischen den Aufnahmen
von V0YAGER 2 zu jenen der Sonde V0YAGER l seien beträchtlich, berichtet
Dr. Smith, der die Bildauswertung leitet.

- 3 -

Zonenströmungen, die zusammen

�~

zusammen mit den "Gürteln" die mehr als 20 verschiedenfarbigen Bänder der
Jupiteratmosphäre bilden, haben inzwischen einzelne markante Systeme zerstört,
neue Systeme haben sich gebildet.

"Das macht die Langlebigkeit des großen

Roten Flecks und einiger anderer beständiger Merkmale noch rätselhafter",
meint Dr. Smith.

Die Bänder rotieren in unterschiedlichen Geschwindigkeiten

und z.T. auch gegenläufig zueinander um den Planeten.

Zustandsphasen wie in der Frühzeit des Sonnensystems
Das "Jupiter-System", wie der Planet mit seinen (mindestens 13) Monden
inzwischen von vielen Wissenschaftlern genannt wird, bietet der Forschung
Einblick in eine Zustandsphase, wie sie vermutlich zur Zeit der Entstehung
unseres Sonnensystems existiert hat. Der Jupiter besteht aus den gleichen
Elementen wie unsere Sonne, die auch in sehr ähnlichen Anteilen vorhanden
sein dürften. Die äußere Wolkenschicht gibt durch die - auf den Aufnahmen
verstärkt wiedergegeben - Farbtönungen Hinweise auf die Existenz anderer
Elemente und der chemischen Verbindungen in den Wasserstoffmassen. Dabei
handelt es sich neben Helium insbesondere um Ammoniak, Methan, Wasserdampf,
Acetylen, Äthan, Phosphin (eine organische Phosphorverbindung) und mit
schwerem Wasserdampf gebildetes Methan. Ein Teil der Verbindungen entsteht
aus chemischen Reaktionen, zu denen elektrische Entladungen und Ultraviolettstrahlung die Energie liefern. Die auffällige Färbung des Roten Flecks wird
übrigens auf eine hohe Konzentration an Phosphorverbindungen zurückgeführt.
Seltsamerweise ist Schwefel in der Jupiter-Atmosphäre nicht zu finden,
der vom Vulkanmond lo in großen Mengen ausgeworfen und in ionisierter Form noch
Millionen von Kilometern außerhalb, am Rande der l^agnetosphäre des Jupiter,
angetroffen wird.

Die Wissenschaftler vermuten, daß Schwefelionen dennoch

entlang der magnetischen Feldlinien zu den Polgebieten des Jupiter wandern.
Vielleicht verursachen sie zusammen mit Sauerstoffionen vom Monde lo bei
der Kollision mit Atomen der Jupiter-Gashülle die Polarlichter.

Der Schwefel

�Schwefel könnte sich allerdings in tieferen Regionen der Atmosphäre
mit Ammoniak verbinden und Ammoniumhydrosulfid bilden.

Die hohen Wolken-

felder dagegen dürften Cirruswolken aus reinem Ammoniak sein.
Während der zwei Tage, an denen sich VOYAGER 2 dem Jupiter am nächsten
befand und dessen vier Hauptmonde passierte, lieferte die Sonde ein Vielfaches
mehr an Erkenntnissen, als die Forscher zu hoffen wagten. "Wir glaubten,
eine Ahnung von der Natur der Planeten zu haben - zum mindesten vom inneren
Bereich unseres Sonnensystems", sagte der Geologe Dr. Lawrence Soderblom.
"Jetzt sehen wir, wie wenig wir bisher wußten". Schon die Entdeckung von
acht aktiven Vulkanen auf dem Monde Io, der pro Sekunde etwa drei Millionen
Tonnen Schwefel, Sauerstoff und andere Elemente auswirft, war eine große
Sensation. Der Vulkanstaub bildet um den Satelliten eine Wolke, die
ionisiert und in das rotierende Magnetfeld des Jupiter hohl ringförmig eingebaut wird.
Soweit man bisher weiß, entwickelt Io die stärkste vulkanische
Aktivität in unserem Sonnensystem. Geologen nehmen an, daß die Vulkane
aus Reservoiren von geschmolzenem Schwefeldioxid und elementarem Schwefel
gespeist werden. Sie dürften mehrere Schichten auf einer etwa 20 km
dicken Silikatkruste bilden. Die Vulkane lagern auf der Oberfläche
Schwefelsand und Schwefelverbindungen von gelber, orangener, brauner,
weißer und schwarzer Färbung ab.
VOYAGER 1 fotographierte mindestens 100 Caldera, Einbruchkessel
erloschener Vulkane, mit Durchmessern von 200 km und mehr,

VOYAGER 2

erfaßte auf den mehr als 150 Aufnahmen allein vom Monde Io sieben der
aktiven Vulkane.

"Der aktivste gibt z.Zt. Ruhe", berichtet Dr. Smith.

"Aber die übrigen sprudeln Schwefel wie riesige Springbrunnen nach oben".
Der Mond umkreist den Jupiter in einer Entfernung, die nicht ganz dem Abstand
unseres Mondes zur Erde entspricht.
Mit

- 5 -

�Mit den Galileischen Monden beobachteten die Wissenschaftler, wie
Dr. Doderblom es formulierte, "den ältesten, den jüngsten, den dunkelsten,
den hellsten, den rötesten, den weiBesten, den aktivsten, den ruhigsten
und den ebensten" Himmelskörper.

Unter rasch wechselnden Farben und

Formenmustern zogen die Welten, die Jupiter umgeben, an den Fernsehkameras
der Sone vorüber - ein optisches Spiel wie in einem Kaleidoskop.
Den Anfang machte Kallisto, den VOYAGER 2 in 212 283 km Abstand
passierte.

Der Satellit, 1,8 Millionen km vom Jupiter entfernt und

der äußerste der Galileischen Monde, ist mit Milliarden von Kratern übersät hell funkelnde Gebilde auf dunklem Grund.

"Kallisto könnte sich als das

am stärksten zernarbte Objekt im Sonnensystem erweisen", erklärte Dr. Torrence
Johnson vom Jet Propulsion Laboratory.

"Auf seiner Oberfläche scheint sich

seit den Endstadien der Planetenkörperbilding im Sonnensystem kaum mehr
etwas ereignet zu haben."
Jahren.

Das war, so nimmt man an, vor etwa 4,5 Milliarden

Der Satellit besteht hauptsächlich aus Eis. Auf seiner Oberfläche

sind außer den zahllosen Kratern auch die Überreste eines riesigen ringförmigen Beckens, des vielleicht größten bisher bekannten Einschlagkraters,
zu erkennen.
Auf Ganymed, dem größten Jupitermond, sieht man sowohl helles als auch
dunkles Terrain. Die dunklen Flächen sind riesige Becken von wahrscheinlich
sehr hohem Alter. Sie liegen in unmittelbarer Nachbarschaft zu bräunlich
gefärbten jüngeren Gebieten, die eine starke Zeichnung durch Vertiefungen,
Rillen, Streifen oder Reihen linearer Merkmale aufweisen. Stellenweise
entdeckte VOYAGER 2 jedoch auch ein der Kallisto-Oberflache ähnliches
Terrain - Oberreste uralter ringförmiger Becken.
Bei dem Satelliten Europa schließlich, der mit Io einer der beiden
inneren Galileischen Monde ist, könnte es sich um einen riesigen Eisball
mit einer stark aufgerissenen Oberfläche von Eis handeln. VOYAGER 2
fotografierte den Satelliten aus 205 000 km Entfernung. Zwar seien überall

- 6 -

�überall enorme Risse zu erkennen, doch gebe es keine topographischen
Merkmale wie Erhebungen oder Taleinschnitte, berichtete Dr. Soderblom.
Selbst an der Schattengrenze, wo normalerweise auch geringe Unebenheiten
deutlich erscheinen, sei kein Relief zu entdecken gewesen.

Die Geologen

vermuten, daß Europa eines von Rissen durchsetzten, mindestens 100 km
dicken Eismantel habe.

Dieser könne sogar abgelöst sein - "wie eine

riesige Eischale".

+ + + + +

-7

�1

1
I

Uliz/cn/chofl
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

20. Juli 1979

BLUTWÄSCHE BEI POLYARTHRITIS

- (AD) - Versuche an zwei amerikanischen Kliniken, Patienten mit
schwerer chronischer Polyarthritis durch eins Art Blutwä'sche Erleichterung
zu verschaffen, zeigen ermutigende Ergebnisse. Allerdings verweisen die
Forscher darauf, daß die Anzahl der so behandelten Patienten noch zu klein
sei für eine generelle Bewertung der Methode. Außerdem sei diese gegenwärtig
nur für die Behandlung von cP-Patienten zu empfehlen, bei denen mit der
Anwendung der üblichen anderen Therapieverfahren keine Besserung zu erzielen
sei .
Über Langzeit-Auswirkungen kann noch nichts ausgesagt werden.

Jedoch

sollte nach Meinung der Ärzte einer Klinik der Medizinischen Forschungsanstalten der USA (National Institute of Health) in Bethesda (Maryland) sowie
der Cedar-Sinai-Klinik in Los Angeles (Kalifornien) der jetzt eingeschlagene
Weg weiterverfolgt werden.

Es handelt sich um ein mit der Hämodialyse

vergleichbares Verfahren, bei dem bestimmte Fraktionen des Blutes, z.B.
das Plasma, die weißen Blutkörperchen und die Thrombozyten, einzeln oder
in bestimmter Kombination entfernt werden und das restliche Blut dem
Patienten über eine Arm- oder Benvene sogleich wieder infundiert wird. Man

Postfach 20 03 0 0 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Man versucht, auf diese Weise das Blut von Komponenten zu reinigen, die
möglicherweise den Entz'ündungsprozeß fördern.
über die Ursachen der chronischen Polyarthritis mit meist sehr
schmerzhaften Entzündungen der kleinen und großen Gelenke und deren fortschreitender Deformierung rätseln die Wissenschaftler nach wie vor.
rechnet sie heute zu den sog. Autoimmunkrankheiten.

Man

Dies sind Erkrankungen,

die durch die Produktion von Antikörpern gegen körpereigene Antigene, etwa
pathologische Stoffwechsel oder Zell Zerfallsprodukte, entstehen.

Möglicherweise

ist es auch nach einer schweren Infektion zu einer Entgleisung des Immunsystems
des Organismus gekommen.

Standardtherapieverfahren, zu denen z.B. Packungen

und Bäder, entzündungshemmende Mittel, Steroidhormone oder Goldpräparate
gehören,können den Verlauf mildern.

Aber das gelingt nicht immer.

An den beiden genannten Kliniken gingen die Ärzte bei der Blutwäsche nach
etwas unterschiedlichen Verfahren vor, kamen jedoch praktisch zu denselben
Ergebnissen:

Der Zustand der Patienten besserte sich auffallend, die

Besserung hielt bisher - d.h. ca. sechs Monate - an.

Jedoch war die Be-

handlung nur dann von Erfolg, wenn gleichzeitig bestimmte Medikamente, z.B.
Goldpräparate, weitergegeben wurden.

Ohne Zusatzmedikation war die Wirkung

der Blutfilterprozedur praktisch Null.
Obgleich das Ausfiltern bestimmter Komponenten aus dem Blut bei einigen
anderen Autoaggressionskrankheiten bereits mit Erfolg angewandt wird, wagte
man das Verfahren bei cP-Patienten deshalb nicht einzusetzen, weil man eine
Überreaktion des Organismus befürchtete - eine Überreaktion in der Form, daß
der Körper die schädlichen Elemente, die aus dem Blut entfernt wurden, dann
in noch größerer Menge produzieren könnte. Wie sich aber inzwischen herausstellte, kam es weder dazu noch zu anderen signifikanten Nebenwirkungen.

+ + + + +

�</text>
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                    <text>Information
und
TToITi

• 11

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

25. Juli 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz HINTERGRUNDMATERIAL
Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1
I

3

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

25. Juli 1979

30

VIZEPRÄSIDENT MONDALE UNTERBREITET SIEBEN-PUNKTE-PROGRAMM IN GENF
- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -

GENF

- (AD) - Der amerikanische Vizepräsident Walter F. Mondale

hat am 21. Juli 1979 auf der Flüchtlingskonferenz der Vereinten Nationen
in Genf ein sieben Punkte umfassendes Aktionsprogramm zur Linderung der
Not der Indochinaflüchtlinge unterbreitet.

Es sei an der Zeit, so sagte

er in seiner vielbeachteten Rede, endlich zu handeln und nicht nur zu
reden.
Die Ansprache Mondales hat folgenden Wortlaut:
"Wieder einmal wenden sich die Staaten dieser Welt an die Vereinten
Nationen.

Wenn Probleme auftauchen, die die ganze menschliche Gemeinschaft

berühren, bietet kein anderes Forum ein umfassenderes Bild.

Wenn nationale

Interessen miteinander in Widerstreit geraten und aufeinanderprallen, lädt
uns keine andere Institution mit größerer moralischer Autorität vor. Die
Vereinten Nationen sind oft kritisiert, manchmal sogar verleumdet worden.
Aber die gemeinsame Grundlage, die sie uns bieten, verdient unseren Dank
und unser Lob.

Im Namen der Vereinigten Staaten und, wie ich glaube, im

Postfach 20 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 02221-89 3 2 4 0
Telex:08-85432

�»

im Namen aller Länder der Staatengemeinschaft danke ich Generalsekretär
Waldheim und dem Hochkommissar Hartling für ihre Initiative, uns hier und
heute einzuberufen.
Herr Generalsekretär, manche Tragödien spotten der Einbildungskraft.
So manches Unglück entzieht sich dem Zugriff der Vernunft, so daß die Sprache
selbst unter der Last der Wirklichkeit zusammenbricht.
wir zu Metaphern.

Als Ersatz greifen

Als Ersatz sprechen wir den unhörbaren Dialekt des

menschlichen Herzens.
Heute stehen wir einer solchen Tragödie gegenüber. In praktisch allen
Sprachen der Welt wurden verzweifelte neue Ausdrücke geboren: "Sklaverei
hinter Stacheldraht", "Ein Archipel GULAG der Verzweiflung", "Eine Flutwelle
menschlichen Elends": mit solch neuen Schöpfungen wurde unsere Sprache
bereichert, aber im gleichen Maße verarmte unsere Zivilisation. "Die Bootsmenschen", "Die Landmenschen". Die Wörter sind neu, aber unglücklicherweise
sind die Vorgänger in den Annalen der Scham es nicht: diese Woche vor
genau 41 Jahren beendete eine andere internationale Konferenz am Genfer See
ihre Beratungen. 32 "Asylländer" kamen in Evian zusammen, um die bedrohten
Juden in Nazi-Deutschland und in Österreich zu retten. Am Ende der
Konferenz schleuderte Hitler seine Herausforderung der Welt ins Gesicht.
Er sagte: "Ich kann nur hoffen, daß die andere Welt, die so voller tiefer
Sympathie für diese Kriminellen ist, zumindest großzügig genug sein wird,
um diese Sympathie in praktische Hilfe umzuwandeln." Wir alle haben
ähnliche Argumente über die Lage der Flüchtlinge in Indochina gehört.
In Evian ging es um zweierlei: es ging um menschliches Leben, und es
ging um den Anstand und die Selbstachtung der zivilisierten Welt. Wenn
jedes Land an jenem Tag in Evian zugestimmt hätte, gleichzeitig 17 000
Juden aufzunehmen, hätte jeder Jude im "Reich" gerettet werden können.
Damals schrieb ein amerikanischer Beobachter: "Es ist herzzerreißend, an
die verzweifelten Menschen zu denken, wie sie in Ungewißheit darauf warten

�warten, was in Evian geschieht.

Aber die Frage, die sie aufwerfen, ist

nicht einfach nur eine humanitäre..., es ist ein Test für die Zivilisation."
In Evian begann alles mit großen Hoffnungen.

Aber der Test für die

Zivilisation schlug fehl.
Die zivilisierte Welt versteckte sich im Mäntelchen der Dogmatismen.
Zwei Länder sagten, sie hätten den "Sättigungspunkt" für jüdische Flüchtlinge
erreicht. Vier Länder sagten, sie würden lediglich erfahrene Landarbeiter
aufnehmen. Ein anderes wollte nur getaufte Einwanderer aufnehmen. Drei
erklärten Intellektuelle und Händler für unerwünscht. Ein Land befürchtete,
daß der Zustrom von Juden antisemitische Gefühle wachrufen würde. Und ein
Abgeordneter sagte folgendes: "Da wir kein echtes Rassenproblem haben,
haben wir auch nicht den Wunsch, eins zu importieren." Und während die
Delegierten Evian verließen, verspottete Hitler "die andere Welt" weiter
wegen ihres "triefenden Mitleids, das sie für das arme,gequälte Volk hegt,
während sie gleichzeitig hart und halsstarrig bleibt, wenn es darum geht,
ihm zu helfen." Nur wenige Tage später wurde die "Endlösung des jüdischen
Problems" entworfen, und bald darauf wurde es Nacht.
Lassen Sie uns den Irrtum von damals nicht wiederholen.
nicht die Erben jener Scham sein.

Lassen Sie uns

Um die Tragödie in Südostasien zu erleichtern, müssen wir alle eine
Rolle spielen. Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Anteil zu tragen genauso, wie wir dies schon seit Generationen getan haben. "Mother of
Exil es" steht auf dem Sockel der Freiheitsstatue im Hafen von New York.
Das amerikanische Volk hat bereits über 200 000 Menschen aus Indochina
will kommengeheißen. Ihr Talent und ihre Energien bereichern unser Land
unermeßlich.
Wir

- 3 -

�Wir sind dabei, die Vorbereitung zur Aufnahme von weiteren 168 000
Flüchtlingen im kommenden Jahr zu treffen.

Die Gouverneure und Kongreß-

mitglieder unserer Delegation sowie hervorragende Religions- und Bürgerrechtsführer in ganz Amerika sind ein Symbol der dauernden Verpflichtung
Präsident Carters und des amerikanischen Volkes.
Viele der hier vertretenen Länder haben sich dem Test der Geschichte
gestellt und haben eine große Zahl von Flüchtlingen aufgenommen.

Die

ASEAN-Länder, China und Hong Kong haben seit 1975 über einer halben Million
Flüchtlingen aus Vietnam, Laos und Kamputschea Sicherheit und Asyl angeboten.
Und auch andere haben ihre Tore geöffnet.
Aber der wachsende Exodus aus Indochina übertrifft noch immer die
internationalen Anstrengungen. Wir müssen zusammenarbeiten oder das Leiden
wird weiter zunehmen. Wenn wir nicht alle noch mehr tun, wird die Gefahr
eines neuen Konflikts wachsen und die Stabilität von Südostasien untergraben.
Wenn diese Konferenz nicht neue Verpflichtungen hervorbringt, sondern nur
neue Metaphern, werden wir die Verachtung von Evian erben. Es ist Zeit
für Taten, nicht für Worte.
Ich möchte sieben Gebiete ausführen, auf denen Handeln nottut:
Zuerst und vor allem muß die fundamentale Verantwortung bei der
Führung von Indochina, vor allem bei der Regierung der Sozialistischen
Republik von Vietnam liegen. Diese Regierung versäumt es, die Menschenrechte
ihres Volkes zu garantieren. Ihre gefühllose und
verantwortungslose
Politik zwingt zahllose ihrer Bürger dazu, alles zu verlassen, was ihnen
wert ist, ihr Leben auf Spiel zu setzen und ins Unbekannte zu fliehen.
Es muß ein sofortiges Moratorium gegen die weitere Vertreibung von
Menschen aus Vietnam geben.

Wir müssen das Ertrinken von Menschen sofort

verhindern und ein menschliches Auswanderungsprogramm erstellen.

- 4 -

Die Politik

�Politik der Vertreibung, die zu so vielen tragischen Todesfällen geführt
hat, muß aufhören.

Sie muß durch eine Politik ersetzt werden, die es

denjenigen, die ihre Heimat verlassen wollen, ermöglicht, dies zu tun in Sicherheit, nach eigener Wahl und auf geordnete Weise.
Gleichzeitig dürfen wir nicht die Landflüchtlinge vergessen, die durch
Kampf und ausländische Invasion aus ihrem Heimatland

vertrieben werden.

Die Völker dieser Welt müssen eine politische Lösung in Kamputschea unterstützen.
Das überleben eines ganzen Volkes ist in höchster Gefahr. Weder das
Pol Pot-Regime noch das von Hang Samrin repräsentieren das kamputscheische
Volk. Der Kampf und die menschliche Tragödie in seinem Gefolge müssen aufhören. Die internationale Gemeinschaft darf nicht die gewaltsame Vertreibung
ganzer Bevölkerungsteile tolerieren.
Ich rufe alle Regierungen auf, normale freizügige Auswanderung sowie die
Zusammenführung von Familien zu erlauben.

Meine Regierung unterstützt die

Anstrengungen zur Aushandlung eines Programmes zum ordnungsgemäßen direkten
Verlassen von Vietnam - aber nicht auf Kosten derjenigen, die bereits in
Lagern irgendwo in Südostasien auf Neuansiedlung warten.
Zweitens appelliere ich an die Länder, die ein erstes Asyl gewähren,
auch weiterhin allen Flüchtlingen vorläufige sichere Aufnahme zu bieten.
Für das von diesen Ländern gezeigte Mitleid verdienen sie Respekt und
Bewunderung der Staatengemeinschaft dieser Welt.
diese Verantwortung nicht allein tragen.

Aber diese Länder können

Wir rufen sie dazu auf, in ihrem

Geist der Menschlichkeit auszuharren, so daß unsere eigene Anstrengung weitergehen kann.
Deshalb muß, drittens, der Rest von uns den Ländern, die erstes Asyl
gewährt haben, die Zusicherung geben, daß die Flüchtlinge innerhalb einer

- 5 -

�einer vernünftigen Frist eine neue Heimat finden werden.

Um dieses Ziel

zu erreichen, rufen wir alle Länder auf, ihre Verpflichtungen zur Ansiedlung
zu verdoppeln, wie es die Vereinigten Staaten bereits getan haben.

Darüber

hinaus müssen wir alle bereit sein, uns zu mehrjährigen Neuansiedlungsprogrammen zu verpflichten, denn das Problem läßt sich nicht rasch lösen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten bemüht sich jetzt um diese Befugnis.
Viertens muß jeder von uns einen großen Beitrag zu den Anstrengungen
leisten, die der Hochkommissar der Vereinten Nationen für das Flüchtlingswesen unternimmt.

Er wird in den kommenden Jahren vermehrte Hilfsmittel

benötigen, um für die anwachsende Zahl von Flüchtlingen zu sorgen und um
das Elend in den Flüchtlingslagern zu mindern.

Er wird möglicherweise für

seine Indochina-Programme des Jahres 1980 rund 400 Millionen Dollar benötigen.
Um unseren Teil zu dieser Hilfe beizutragen, darf ich heute ankündigen,
daß meine Regierung den Kongreß ersuchen wird, 105 Millionen Dollar für
solche Programme zur Verfügung zu stellen - mehr als das Doppelte unserer
bisherigen Anstrengungen.

Wir sind auch bereit, hochqualifizierte Freiwillige

des Friedenskorps zu ernennen, um in den Lagern in Südostasien zu arbeiten,
nicht nur mit den einzelnen Ländern, sondern auch im Rahmen der Programme
des UN-Hochkommissars.

Wir drängen andere Länder dazu, ähnliche Hilfsprogramme

durchzuführen.
Fünftens ist es wesentlich, den Druck auf die bestehenden Lager zu
mildern und ein Netz neuer Durchgangslager für Flüchtlinge zu schaffen, die
dann für immer woanders angesiedelt werden sollen. Ausgehend von der großen
Anzahl von Flüchtlingen, müssen solche Zentren mindestens 250 000 Flüchtlinge
beherbergen. Meine Regierung hat der Initiative der ASEAN-Staaten für
Flüchtlings-Durchgangslager beigepflichtet. Präsident Carter applaudierte
der Regierung der Philippinen für die mutigen und beispielhaften Schritte,
die sie unternommen hat - ein Modell verantwortungsbewußter Führerschaft.
Heute freue ich mich besonders darüber, ankündigen zu können, daß wir vom

- 6 -

�vom Kongreß mehr als 20 Millionen Dollar fordern, um unseren Anteil an
solch neuen Anlagen des UN-Hochkommissars finanzieren zu können.
Sechstens müssen wir die Umsiedlung von Flüchtlingen auf Länder ausdehnen, die bereit sind, sie aufzunehmen - aber nicht die Mittel dazu haben.
Ich schlage heute im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten die
Schaffung eines Internationalen Fonds zur Neuansiedlung von Flüchtlingen
vor. Wenn andere Länder mitarbeiten, werden wir unseren Kongreß um Beiträge für den Fonds von insgesamt 20 Millionen Dollar im ersten Jahr ersuchen.
Wir fordern heute die anderen Länder auf, es uns gleichzutun. Wir empfehlen,
den Fonds mit 200 Millionen Dollar auszustatten. Dieser Fonds könnte zum
Beispiel eine internationale Körperschaft subventionieren, die anderen
Ländern dabei behilflich ist, mit ihren eigenen Plänen zu beginnen und
zusätzliche Mittel für diesen hohen menschlichen Zweck bereitzustellen.
Siebentens - und vor allem - müssen wir handeln, um das Leben derer
zu schützen, die Sicherheit suchen. Die Vereinigten Staaten handeln
energisch, um die Flüchtlinge vor Ausgesetztsein, Hunger, Ertrinken und
Tod auf See zu retten. Als militärischer Oberbefehlshaber hat der Präsident
der Vereinigten Staaten seine Befehle an unsere Flotte dramatisch verschärft,
um den ertrinkenden und verzweifelten Menschen zu helfen. Heute hat der
Präsident vier weitere Schiffe des militärischen Seebrückenkommandos in
das südchinesische Meer entsandt, wo sie sowohl zum Transport Zehntausender
von Flüchtlingen von ihren Lagern zu Transitzentren als auch zum Beistand
von Flüchtlingen auf hoher See verfügbar sind. Gleichzeitig hat der
Präsident Patrouillenflüge von Marineflugzeugen angeordnet, um in Not
befindliche Flüchtlingsboote auszumachen und ihnen Hilfestellung zu geben.
Zudem hat der Präsident unsere Handelsschiffahrt und die Gewerkschaften
aufgefordert, in ihren altehrwürdigen Anstrengungen fortzufahren, Flüchtlingen
auf hoher See zu helfen. Wir rufen die anderen Regierungen auf, dasselbe
zu tun und diejenigen zur Ansiedlung aufzunehmen, die aufgefunden werden.
Herr

�Herr Generalsekretär, verehrte Mitglieder, lassen Sie mich zusammenfassend zwei Punkte wiederholen.
Erstens:

die internationale Gemeinschaft darf diese erzwungene Aus-

treibung nicht tolerieren.

Wir rufen Vietnam auf, eine Politik einzustellen,

die so viele zur Flucht verurteilt.

Ein sofortiges Moratorium für Vertreibungen

ist notwendig.
Die Freiheit zur Emigration ist ein grundlegendes Menschenrecht. Aber
kein Land ist blind gegenüber dem Unterschied zwischen freiwilliger Auswanderung und erzwungenem Exodus. Verhängen wir ein Moratorium über diesen
Exodus. Halten wir einen Atemzug lang inne, damit wir alle - Regierungen,
freiwillige Kommissionen ebenso wie einzelne Privatleute - unsere Großzügigkeit mobilisieren und bei diesem menschlichen Unglück helfen können.
Und lassen Sie uns der Regierung von Vietnam gegenüber darauf bestehen, die
unveräußerlichen Menschenrechte im Innersten einer jeden zivilisierten
Gesellschaft zu ehren.
Zweitens: unsere Kinder werden hart mit uns ins Gericht gehen, wenn
wir versagen. Die Konferenz von Evian vor 41 Jahren fand in der gleichen
Bequemlichkeit und Schönheit statt, die wir auch während unserer Beratungen
heute genießen. Ein Beobachter jener Vorgänge, bewegt durch den Gegensatz
von Dekor und Aufgabe, sagte:
"Diese armen Menschen und diese großen Prinzipien scheinen so weit
entfernt. Für jemanden, der andere Konferenzen am Genfer See erlebt hat,
ist am Vorabend dieser hier das Erschreckendste, daß die Atmosphäre genau
so ist wie bei den anderen."
Lassen Sie uns nicht so sein wie die anderen. Lassen Sie uns dieses
Vermächtnis der Scham zurückweisen. Lassen Sie uns über die Metapher
hinausreichen. Lassen Sie uns die moralischen Prinzipien ehren, die wir

- 8 -

�wir ererbt haben.

Lassen Sie uns etwas Sinnvolles tun, etwas Grundlegendes,

um gegen dieses Unglück anzugehen.
Problem.

Wir stehen vor einem weltweiten

Lassen Sie uns eine weltweite Lösung gestalten.

Die Geschichte wird uns nicht vergeben, wenn wir versagen.
Geschichte wird uns nicht vergessen, wenn wir erfolgreich sind.

+ + + + +

- 9 -

Die

�25. Juli 1979

30

ERLÄUTERUNGEN DES WEISSEN HAUSES ZUM ENERGIEPROGRAMM DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus hat am 16. Juli 1979 Daten und
Fakten zum Energieprogramm Präsident Carters veröffentlicht, das auf eine
wesentliche Senkung der öleinfuhren abzielt.
Die Veröffentlichung hat folgenden Wortlaut:

Wesentliche Punkte
Die von der Regierung seit April 1977 getroffenen Maßnahmen haben
den für das Jahr 1990 vorausberechneten Bedarf des Landes an importiertem
öl um etwa vier Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) reduziert. Die heute vom
Präsidenten angekündigten Maßnahmen werden zusätzliche 4,5 MMB/D bis zum
Ende des nächsten Jahrzeznts einsparen und somit den geschätzten amerikanischen
Einfuhrbedarf halbieren. Der Präsident erklärte, daß die Vereinigten Staaten
nie mehr wieder mehr öl einführen werden als im Jahre 1977. Der Präsident
kündigte an, daß die Importquoten für 1979 und 1980 auf ein Niveau begrenzt

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�begrenzt werden, das noch unter den Höchtsgrenzen liegen soll, auf das
man sich auf dem Gipfeltreffen in Tokio festgelegt hatte.
Eine umfassende Strategie zur Verminderung der Einfuhren ist absolut
wichtig, um die weitere wirtschaftliche Stärke und die Sicherheit der
Vereinigten Staaten sicherzustellen.

Bei der Ausarbeitung dieses Programms

hat die Regierung alle zur Verfügung stehenden politischen Mittel geprüft,
um die Abhängigkeit von ausländischem öl einzuschränken, einschließlich
anderer Quellen für ül und Erdgas, direkte Verwendung von Kohle und Sonnenenergie.

Das vom Präsidenten heute verkündete Programm zieht alle diese

Quellen heran, um unser Einfuhrbeschränkungsziel vom Jahre 1990 zu erreichen.
Das Programm des Präsidenten soll
•

-

eine Energiesicherungsgesellschaft schaffen, um die Entwicklung
von 2,5 MMB/D an ölersatzstoffen aus Flüssigkohle und Gas, aus Ölschiefer, Biomasse und unkonventionellem Gas bis 1990 zu überwachen;

-

einen aus drei Mitgliedern bestehenden EnergiemcbilisierungsAusschuß (Energiemobilisierungsamt) einrichten, der mit der
Vollmacht ausgestattet sit, die Genehmigung und den Bau entscheidend
wichtiger Energieanlagen zu beschleunigen;

-

neue Anreize bieten zur Entwicklung von Ressourcen an Schweröl,
unkonventionellem Gas und Ölschiefer;

-

Versorgungseinrichtungen fördern, um den gegenwärtigen Ölverbrauch
um 50 Prozent zu reduzieren, eine Einsparung von 750 000 Barrel pro
Tag;

-

ein neues größeres Programm zur häuslichen und kommerziellen Einsparung einführen, das darauf gerichtet ist, im Jahr 1990 500 000 Barrel

�Barrel öl pro Tag einzusparen;
-

2,4 Milliarden Dollar jährlich bereitstellen zur Unterstützung
von amerikanischen Familien mit niedrigem Einkommen;

-

eine Summe von 16,5 Milliarden Dollar im Verlauf der nächsten zehn
Jahre bereitstellen für Verbesserungen im Massenverkehrssystem des
Landes und für niedrigeren Benzinverbrauch bei Autos.

In Verbindung mit den Initiativen, die in der Energierede des Präsidenten
vom 5. April angekündigt wurden und in Verbindung mit der Sonnenbank, wird
das heute vom Präsidenten angekündigte Programm es den Vereinigten Staaten
ermöglichen, ihren Einfuhrbedarf bis zum Jahr 1990 zu halbieren.

I.

Geschätzte Auswirkung der Initiativen der Regierung, um die öleinfuhren
im Jahr 1990 herabzusetzen.
Importeinsparungen aufgrund der Programme des Präsidenten:

2,5 MMB/D geschätzter Importeinsparungen durch das Nationale Energiegesetz, darin eingeschlossen
-

Gesetz über die Erdgas-Politik
Gesetz über Benzinverbrauch
Gesetz über Energiesteuer
Ausführungsbestimmungen für öffentliche Versorgungseinrichtungen

-

Gesetz über die nationale

Energieeinsparungspolitik

1,5 MMB/D geschätzter Einfuhreinsparungen durch das
Programm des Präsidenten vom 5. April, darin eingeschlossen
phasenweise
- 3 -

�phasenweise Freigabe der Preise für inländisches Rohöl;
die Juni-Botschaft zur Sonnenenergie mit vier MMB/D geschätzter
Gesamteinsparungen durch Maßnahmen von heute an;
Geschätzte Einfuhreinsparungen aufgrund der Initiativen vom
16. Juli, darin eingeschlossen
synthetische Brennstoffe und unkonventionelles Gas, 2,5 MMB/D;
Schweröl 0,5 MMB/D;
Verminderung bei Versorgungsanlagen 0,75 MMB/D;
häuslische Einsparungen 0,5 MMB/D;
Massenverkehr und niedrigerer Benzinverbrauch 0,25 MMB/D;
4,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen durch ein neues Programm;
8,5 MMB/D geschätzte Gesamteinsparungen von alten und gegenwärtigen
Programmen.

Einfuhrniveau für 1990
Eine Projektion der gesamten öl nachfrage und -einfuhren im Jahr 1990
ohne die breitgefächterten politischen Initiativen des Präsidenten bleibt
reine Spekulation. Bei Fortschreibung des Zustandes von 1977 wäre jedoch
ein Einfuhrniveau von 13 Millionen Barrel pro Tag nicht unwahrscheinlich gewesen.
Aus diesem Grund könnte sich bei einer erfolgreichen Anwendung der
Programme zur Einfuhrbeschränkung über annähernd 8,5 MMB/D die geschätzte
Einfuhr im Jahr 1990 zwischen 4 MMB/D und 5 MMB/D bewegen.
Tabelle:

Gesamtverbindlichkeiten des Programms von 1980 - 1990

(Zahlen in Milliarden Dollar zu gegenwärtiger Kaufkraft)
Energiesicherungsgesellschaft

�Energiesicherungsgesellschaft
3-Donar-Steuervergünstigung pro Barrel für Ölschiefer

88.0
1.0

50 Cents pro tausend Kubikfuß Steuervergünstigung für
unkonventionelles Erdgas

1.0

Schweröl

—

Verminderung des Ölverbrauchs bei Versorgungseinrichtungen

5.0

Häusliche/Kommerzielle Einsparung

2.0

Wi rksameres Verkehrswesen

16.5

Beihilfe für niedrige Einkommen (10 Jahre)

24.0

Sonnenbank und Steuervergünstigungen (20 Jahre)
Zwischensumme
Wei tere Programme vom 5. Apri 1
Endsumme

3.5
141.0
1.2
142.2

Diese Schritte werden allein aus dem Energiesicherungs-Treuhandfonds
(Energy Security Trust Fund -ESTF-) finanziert, der Einnahmen aus der
Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) erhält. Die
jeweilige finanzielle Ausstattung dieses Treuhandfonds wird von der
endgültigen Gestaltung der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne und von
der zukünftigen Bewegung der Preise für das Weltöl abhängen. Schätzungen
über Einnahmen aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne bewegen sich
zwischen 146 Milliarden Dollar und 270 Milliarden Dollar für den Zeitraum
von 1980 bis 1990, sind jedoch davon abhängig, welche ölpreise man annimmt.
Alle zusätzlichen Mittel, die diese Steuer aufbringen sollte, werden für
weitere Energieausgaben oder ähnliche Schritte verfügbar gemacht. Jede
Einnahmeminderung aus dieser Steuer wird Einschränkungen bei den Programmniveaus nötig machen. Das Beratende Komitee
des Präsidenten für Energiesicherung wird dem Präsidenten Vorschläge über die Verwendung aller zusätz-

�zusätzlicher Geldmittel unterbreiten.

II.

Einfuhrquoten und Einfuhrziele
Der Präsident hat angekündigt, daß Importquoten eingeführt werden, um

die amerikanischen Netto-Üleinfuhren im Jahr 1979 und 1980 unter den Höchstgrenzen von 8,5 MMB/D zu halten, über die auf dem Gipfeltreffen in Tokio
im Juni Einigkeit erzielt wurde.

Für das Jahr 1979 wird die Quote so fest-

gesetzt werden, daß die amerikanischen Netto-Importe auf 8,2 MMB/D begrenzt
werden, also um 300 000 unter dem Niveau der Tokioter Grenze. Auch die
Importquote für das Jahr 1980 wird unter der Grenze von Tokio liegen,jedoch
wird das exakte Niveau später festgelegt.
Die Quoten werden aufgrund der Vollmacht von Artikel 232 (B) des Gesetzes
zur Ausweitung des Handels von 1953 festgesetzt, die es dem Präsidenten erlaubt,
aufgrund des Urteils des Finanzministers alle Importe zu begrenzen, die die
nationale Sicherheit gefährden.

Am 14. März 1979 urteilte der Finanzminister,

daß die gegenwärtigen Einfuhrniveaus eine solche Bedrohung darstellen.

Der

Präsident kann diese Quoten ohne weitere gesetzliche oder verfahrensrechtliche
Erfordernisse durchsetzen.
Der Präsident hat die Minister für Energie und für Finanzen angewiesen,
ihm umgehend Empfehlungen über Verfahren zur Durchsetzung dieser Quoten zu
übermitteln.
Außerdem kündigte der Präsident seine Absicht an, daß er auch weiterhin seine Vollmacht hinsichtlich der Quoten anwenden werde, um sicherzustellen,
daß Einfuhrziele für die Jahre über 1980 hinaus erreicht werden. Diese
Ziele werden auf einer jährlichen Grundlage erstellt.
Die

- 6 -

�III.

Die Energiesicherungsgesellschaft

Struktur und Organisation
Der Präsident fordert den Kongreß auf, die notwendigen Gesetze zur
Schaffung einer unabhängigen Energiesicherungsgesellschaft zu erlassen, die
in der Produktion flüssiger und gasförmiger synthetischer Brennstoffe
investieren wird, die aus Kohle, Biomasse, Torf und Ölschiefer gewonnen
werden können,sowie in die Erschließung unserer gewaltigen Reserven an
unkonventionellem Erdgas.
Die Gesellschaft wird ein unabhängiges, von der Regierung gefördertes
Unternehmen sein, das vom Kongreß genehmigt ist. Sie wird außerhalb der
Exekutive angesiedelt und unabhängig von jeder Regierungsstelle sein.

Die

Gesellschaft wird durch einen siebenköpfigen Aufsichtsrat geleitet werden.
Ein Vorsitzender und drei andere Direktoren werden vom Präsidenten ernannt
und vom Senat bestätigt werden.

Zudem werden der Energieminister und der

Finanzminister sowie ein weiterer Minister im Aufsichtsrat sitzen.
Die Vorstandsmitglieder und die Mitarbeiter der Gesellschaft werden
von den Bestimmungen des öffentlichen Dienstes befreit,und auch die
Gesellschaft selbst wird einer Reihe von Bestimmungen nicht unterliegen,
die normalerweise auf Regierungsdienststellen Anwendung finden.
Die Gesellschaft wird eine Satzung für 12 Jahre haben, was ausreichend
sein sollte, um sie in die Lage zu versetzen, ihr Produktionsziel des
Jahres 1990 zu erreichen.

Nach diesen 12 Jahren könnte die Satzung ver-

längert werden; ansonsten würden ihre Verbindlichkeiten und ihre Vermögens
werte vom Finanzministerium übernommen.
Das

- 7 -

�Das Mandat der Gesellschaft
Die Energiesicherungsgesellschaft wird eine Investition von 88 Milliarden
Dollar beaufsichtigen, um bis 1990 2,5 Millionen Barrel pro Tag an Ersatzstoffen für importiertes öl zu produzieren.

Die Mittel für die Gesellschaft

werden aus den Einnahmen der vom Präsidenten vorgeschlagenen Steuer für ungerechtfertigte Gewinne kommen.

Es wird das ausschließliche Ziel der Gesellschaft

sein, die Kapazität der inländischen Produktion zu entwickeln; sie wird
sich nicht mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben beschäftigen.
Die Gesellschaft wird die Vollmacht haben, in die Produktionskapazität
für Flüssigkohle, Kohlengase, Torf, Biomasse, Ölschiefer und unkonventionelles
Erdgas

zu investieren oder diese unmittelbar zu entwickeln.

Die Gesellschaft wird die anteilige Mischung der Energiequellen und
die Technologien festlegen, die Verwendung finden, um den Auftrag von
2,5 Millionen Barrel pro Tag anzuführen. Die folgende Tabelle zeigt jedoch
eine erläuternde Aufgliederung der Energiequellen, um das Ziel des Jahres 1990
zu erreichen:
1.0 bis 1.5 MMB/D von Flüssigkohle und Kohlengasen;
0.4 MMB/D von Ölschiefer;
0.1 von Biomasse und
0.5 bis 1.0 MMB/D von unkonventionellem Gas.

Finanzierung
Der Gesellschaft wird eine große Auswahl von Finanzierungsmöglichkeiten
zur Verfügung stehen, um ihren Einfluß innerhalb des privaten Sektors zu
verstärken.

Diese umfassen:

Preisgarantien, übereinkommen über Bundesein-

�Bundeseinkäufe, direkte Darlehen, Darlehensgarantien und außerdem eine
begrenzte Anzahl von regierungseigenen und durch die Regierung betriebenen
sowie von regierungseigenen, aber durch Gesellschaften betriebenen Anlagen.
Die Energiesicherungsgesellschaft wird keine Vollmachten zur Beteiligung
an Gemeinschaftsunternehmen (Joint ventures) oder anderen Formen von
Eigenkapital haben,und die Anwendung der ihr verliehenen Vollmacht wird
sich auf der Grundlage der Einmaligkeit abwickeln.
Die Vollmacht über einen eigenen Haushalt wird der Energiesicherungsgesellschaft im Moment ihrer Gründung übertragen. Direkte Geldmittel werden
geleistet für die Ausgaben der laufenden Tätigkeit,und 83 Milliarden Dollar
der Budgetbefugnis sind vorgesehen für direkte Obligationen und Schuldgarantien. Die Energiesicherungsgesellschaft wird die Einnahmen durch die
Auflage von Energieobligationen in kleiner Stückelung erhalten, die vom
Finanzministerium verkauft werden und die die gleichen Zinssätze haben wie
die kleingestückelten Regierungsobligationen. Bis zu 5 Milliarden Dollar
aus dem Verkauf von Energieobligationen werden zur Aufrechterhaltung der
Tätigkeiten der Körperschaft genehmigt.

IV.

Das Energiemobilisierungsamt

Die Regierung hat bereits im Rahmen der existierenden Vollmacht
gehandelt, daß Verzögerungen bei der Genehmigung wichtiger Energieanlagen
auf ein Mindestmaß reduziert wurden. Diese bereits getroffenen Maßnahmen
beinhalten:
-

Verfahren zur Erstellung von Entscheidungsplänen für wichtige
Energieanlagen wurden im April 1979 unter der Leitung des Hauhaltsamtes eingeführt;

Verordnungen

- 9 -

�-

Verordnungen zur Reform und Anpassung der Erfordernisse des Gesetzes
zur staatlichen Umweltpolitik wurden im November 1978 vom Rat für
Umweltqualität (Council on Environmental Quality) herausgegeben;

-

ein Energiekoordinierungs-Ausschuß auf Kabinettsebene, geleitet
vom Energieminister, wurde durch eine Durchführungsverordnung im
September 1978 eingerichtet.

Um jedoch die für das Jahr 1990 vorgesehenen Ziele bei der Verminderung
der üleinfuhren zu erreichen, sind erhebliche zusätzliche Vollmachten notwendig, um die Entwicklung der inländischen Energieproduktions-Kapazität
zu beschleunigen.

Der Präsident wird dem Kongreß einen Gesetzentwurf zur

Errichtung eines Energiemobilisierungsamtes vorlegen (EMB - Energy
Mobilization Board).

Dieses Amt wird drei Mitglieder haben und innerhalb

des Exekutivbüros des Präsidenten angesiedelt sein.

Die Mitglieder des

Amtes werden vom Präsidenten eingesetzt und werden vom Senat bestätigt.
Das Amt wird befugt sein, bestimmte nichtnukleare Anlagen als entscheidend für die Erreichung der Einfuhrminderungen des Landes zu erklären
und bindende Fristen für Entscheidungen auf bundesstaatlicher, einzelstaatlicher und kommunaler Ebene hinsichtlich solcher Projekte zu erstellen.
Gerichtliche Überprüfung von Entscheidungen dieses Amtes findet in einem
beschleunigten Verfahren vor dem Finanzgerichtshof des Kreises statt, in
dem sich die Anlage befindet.
Wenn eine bundesstaatliche, einzelstaatliche oder kommunale Behörde
es versäumt, innerhalb eines klar umrissenen Zeitrahmens zu handeln, wird
das Amt ermächtigt, die Entscheidung anstelle der Behörde zu treffen, indem
es das angemessene Bundes-, EinzelStaats- oder Gemeindegesetz anwendet.
Das Amt wird außerdem die Befugnis haben, Verfahrensbestimmungen von Bundes-,
EinzelStaats- und Gemeindegesetzen zu umgehen, um die Entwicklung und den
Bau einer entscheidend wichtigen Energieeinrichtung zu beschleunigen. Um

- 10 -

�Um Verzögerungen nach Baubeginn zu vermeiden, könnte das Amt auch die
Anwendung neuer materieller oder prozeduraler Bestimmungen des Gesetzes
fallenlassen, die nach Baubeginn eines Projektes in Kraft getreten sind.
Ein solcher Verzicht würde auf einer Fall-zu-Fall-Basis möglich sein.
Jede Anwendung einer solchen Vollmacht durch das Amt würde dem Veto des
Präsidenten unterliegen.

V.

Schweröl

Die Vereinigten Staaten verfügen über geschätzte Vorkommen von mehr
als zehn Milliarden Barrel Schweröl - hochviskose, fast teerähnliche Kohlenwasserstoffe, die für die Gewinnung erhitzt werden müssen. Ein großer Teil
dieser Vorkommen liegt in Kalifornien. Bei Schweröl ist sowohl die Förderung
als auch die Raffination kostspieliger als bei herkömmlichen Rohölen;
dennoch lassen sich zahlreiche Aufbereitungsprodukte guter Qualität daraus
herstellen.
Der Präsident weist das Energieministerium an, für Schweröl die Preiskontrolle sofort aufzuheben.

Schweröl soll auch nicht unter die Steuer für

ungerechtfertigte Gewinne fallen, damit es den vollen Weltmarkt-Öl preis
erzielen kann.

Neben diesem Anreiz hinsichtlich der Preisgestaltung wird

das Energieministerium Schritte unternehmen, die gewährleisten, daß Erdgas
für die Schweröl-Produktion im Rahmen der zur Zeit gültigen Umweltschutzmaßnahmen verfügbar wird.
Mit solchen Maßnahmen sollte es möglich sein, im Jahr 1990 schätzungsweise 500 000 Barrel pro Tag aus Schwerölquellen zu gewinnen.

Der Staats-

haushalt wird durch diese Initiative relativ wenig in Anspruch genommen, weil
nur geringe Mengen Schweröl erschlossen würden, wenn für diese Quelle Gelder
aus der Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung stünden.

- 11 -

Während

�Während die Kosten der Schweröl gewinnung je nach den Gegebenheiten der
Lagerstätten und den angewandten Ausbringungstechniken unterschiedlich
sind, rechnet die Regierung mit erheblichen Produktionsmengen zu gegenwärtigen ölWeltmarktpreisen oder einem geringfügig darüber liegenden Satz.
Die Schwerölerschließung fällt nicht unter die Kompetenz der Energiesicherungsgesellschaft, weil es sich dabei im Grunde um eine Ausweitung bereits vorhandener ölerschließungstechniken handelt, ferner die Vorkommen verhältnismäßig gut bekannt sind und die Aufhebung der Preisbindung sowie die Steuererleichterungen genügend Anreize für

VI.

die Erschließung bieten.

Gas aus unkonventionellen Quellen
Angesichts des überaus großen Potentials von Gasvorkommen in den

Vereinigten Staaten in bisher nicht in Anspruch genommenen Formationen
wie schwer durchlässigen Sanden, Devonschiefer, methanhaltigen Druckschichten und kohleführenden Schichten hat der Präsident zusätzlich zu
den Aktivitäten, die die Energiesicherungsgesellschaft durchführen kann,
Initiativen vorgeschlagen, durch die bei folgenden Vorkommen eine Erschließung großen Stils merklich beschleunigt würde:
-

Der Präsident wird sich über das Energieministerium um Maßnahmen
seitens der Bundesenergie-Aufsichtskommission (FERC - Federal
Energy Regulatory Commission) zur Einführung eines speziellen
Ansporn-Preises für Erdgas aus Hartsanden bemühen, der dem aus
der Preisbindung genommenen öl preis vergleichbar ist. Obgleich
das Gesetz über die Erdgaspolitik die Preisbindung für Gas aus
anderen ungewöhnlichen Quellen aufhob, wurden Hartsande nicht
berücksichtigt.

-

Sollte die FERC nicht im Sinne dieses Ersuchens tätig werden, wird

- 12 -

�wird die Regierung einen Zusatz zum Erdgasgesetz anstreben, um
solches Gas aus der Preisbindung zu nehmen.

-

Um die Erschließung dieser Vorkommen noch stärker zu beschleunigen,
wird ein Steuerfrei betrag von 50 Cent pro 1 000 000 Kubikfuß
(28 320 cbm) für Gas aus allen unüblichen Quellen gewährt.

Die

Steuerbegünstigung erlischt, sobald das Ölpreis-Äquivalent auf dem
Weltmarkt 28 Dollar pro Barrel erreicht.

-

Die Energiesicherungsgesellschaft ist ermächtigt, Unterstützung
bei der Erschließung von Gas aus ungewöhnlichen Quellen zu leisten,
wenn sie zu dem Schluß kommt, daß zur Erreichung der für 1990
gesteckten Ziele zusätzliche Anreize notwendig sind.

Produzenten

von Gas aus nicht herkömmlichen Quellen kämen dann jedoch nicht
für die oben genannte Steuervergünstigung in Frage.

Die mögliche Produktion aufgrund dieser Anreize wird auf 28,3 bis
56,6 Milliarden cbm Gas oder dem Äquivalent von 0,5 bis 1 Million Barrel
pro Tag geschätzt.

Die wichtigsten unüblichen Gasquellen sind:

-

Becken mit nicht oder schwer durchlässigen gasführenden Schichten
im Gebiet der Rocky Mountains.

-

Devonschiefer-Vorkommen im Appalachenbecken.

-

Methan aus kohleführenden Schichten.

-

Methan aus wasserführenden geologischen Druckzonen im Golf von
Mexiko.
Die

- 13 -

�Die zur Gewinnung von Gas aus Hartsanden und Devonschiefer angewandte
Technologie besteht in einer Ausweitung natürlicher Risse in den gasführenden
Formationen.

Zu den Gewinnungsverfahren gehören zusätzliches Aufbrechen

durch Sprengmittel oder mit hydraulichen Methoden und die Anlage von Umleitungsbohrungen.

Schon jetzt leisten diese Quellen mit jährlich 28 Milliarden

cbm einen beachtlichen Beitrag zur einheimischen Erdgasförderung (566
Milliarden cbm/Jahr).

Obgleich die Produktionsanstrengungen vor allem in

den Hartsandbecken im Westen beschleunigt werden, machen die Unsicherheit
über die Aufhebung der Preisbindung für Gas aus nicht oder schwer durchlässigen Schichten und das Unvermögen bestimmter potentieller Verbraucher,
langfristige Gasabnahmeverträge abzuschließen, eine Erweiterung von Exploration
und Produktion nur in begrenztem Umfang möglich.

Alles in allem wurde die

Erschließung dieser Vorkommen durch die Erdgaspreispolitik vor der Verabschiedung
des Gesetzes über die Erdgaspolitik beeinträchtigt.

Obgleich Schätzungen über die mögliche Produktion von Methan aus
geologischen Druckschichten im Golf von Mexiko variieren, sind sich die
meisten Fachleute einig darin, daß mindestens 4,248 Billionen bis 6,2
Billionen cbm an zusätzlichem Gas aus diesen Quellen zu Kosten gefördert
werden könnten, die einen Preis von 15 bis 30 Dollar pro Barrel öl entsprechen.

Die abbaufähigen Quellen könnten sich als noch viel umfangreicher

erweisen.

Die Technologie, dieses Gas zu erschließen, verlangt allerdings

noch weitere Entwicklungen.

VII.

Drosselung der Verwendung von Dl in Kraftwerkskesseln

Die Kraftwerke in den Vereinigten Staaten verbrauchen derzeit täglich
1,5 Millionen Barrel öl pro Tag für die Stromerzeugung. Der Präsident
schlägt dem Kongreß eine gesetzliche Regelung vor, durch die von den

�den Versorgungsunternehmen gefordert wird, den gegenwärtigen Verbrauch
bis zum Jahr 1990 um 50 Prozent zu senken.

Es sollen Anreize in der Form

von Beihilfen und/oder Kreditgarantien gegeben werden, um die Versorgungsunternehmen zu ermutigen, Investitionen für den Einbau von Kesseln vorzunehmen, die nicht mit öl geheizt werden und auf diese Weise ölbefeuerte
Anlagen früher stillzulegen, als dies normalerweise geschehen würde.

Unter

diese Initiative fallen sowohl ölbefeuerte Anlagen, die auch Kohle verheizen
können, als auch Anlagen, bei denen eine solche Umstellung nicht möglich ist.
Im Rahmen dieses Programms werden die Zielwerte des Ölverbrauchs durch
Kraftwerke bis zum Jahr 1990 auf die Hälfte des jetzigen Verbrauchs gesenkt auf 750 000 Barrel pro Tag. An die Kraftwerksbetriebe werden "Genehmigungsscheine" bzw. Berechtigungen zum Verheizen von öl ausgegeben. Kein Versorgungsunternehmen darf öl über die ihm genehmigte Menge hinaus verbrauchen.
Diese Anrechtsscheine können in Anbetracht der unterschiedlichen Möglichkeiten
für den Einsatz von Ersatzbrennstoffen an andere Versorgungsunternehmen
weitergegeben werden. Die transferierbaren Rechte zum Verfeuern von öl
erlauben es den Versorgungsunternehmen, selbst zu bestimmen, an welcher
Stelle gegenwärtig ölbefeuerte Anlagen durch andere Anlagen ersetzt werden
sollen. So dürfen beispielsweise Versorgungsunternehmen in Gebieten, wo
Umweltschutzbestimmungen oder lange Wege für den Antransport von Kohle eine
Umstellung unwirtschaftlich machen würden, Anrechtsscheine aus anderen
Regionen ankaufen, wo die Abkehr vom öl weniger Kosten verursachen würde.
Es wird erwartet, daß diese Anrechtsscheine für jedes Versorgungsunternehmen
maximal den Wert besitzen, der den Kosten der Umstellung oder des Ersatzes
von öl befeuerten Anlagen gegenüber einer Weiterverwendung von öl entspräche.

Es sind Zuweisungen und Kreditgarantien in Gesamthöhe von 5 Milliarden
Dollar für die Zeit von 1980 bis 1990 vorgesehenem die Finanzierung entsprechender Maßnahmen, wo immer sie möglich sind, und den Einsatz solartechnischer Anlagen sowie Einsparungen zu unterstützen.

- 15 -

Durch dieses

�dieses Programm werden 750 000 Barrel öl pro Tag gespart.

VIII.

Einsparungs- und Umbaumaßnahmen im privaten Wohn- und Geschäftsbereich
Im Jahre 1978 entfielen auf den privaten Wohn- und Geschäftsbereich

37 Prozent der Gesamtnachfrage an Energie in den USA, von der etwa die Hälfte
als öl und Erdgas verbraucht wurde.

Der direkte Ölverbrauch in privaten

Wohnhäusern und Geschäftsgebäuden, in erster Linie für Raumheizung und Warmwasserbereitung belief sich auf mehr als 3 MMB/D, und der Erdgasverbrauch
betrug das Equivalent von zusätzlichen 3,3 MMB/D.

Wesentliche Möglichkeiten

für die Einsparung von Importöl zu relativ geringen Kosten können durch
beschleunigte Einsparungsinvestitionen verwirklicht werden.
Das Programm des Präsidenten stützt sich auf drei sich ergänzende
Methoden in diesem Bereich: Den nachträglichen Umbau für Einsparungsmaßnahmen
in bereits vorhandenen Gebäuden und die Umstellung von ölbeheizten Räumen
auf Erdgas, wo immer dies möglich ist. Dieses Programm soll das Haupthindernis
für nachträgliche Umbauten für Einsparungen überwinden helfen, indem es
eine wirksame langfristige Finanzierung der Einsparungen durch Strom- und
Gasversorgungsbetriebe sowie von der Regierung subventionierte Anleihen für
ölbeheizte Häuser und Gebäude bietet. Das Ziel dieses Programmes für eine
Reduzierung der ölimporte wird auf 3,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs
der vorhandenen Gebäude oder auf 500 000 B/D an öl geschätzt.
Die Einsparung auf dieser Ebene stellen etwa 20 Prozent der potentiellen
Einsparungen dar, die durch nachträgliche Umbauten für Einsparungsmaßnahmen
in Gebäuden erreichbar sind.

Eine starke Beteiligung der Öffentlichkeit an

diesem Programm kann wesentlich zu einer Steigerung des Einsparungsniveaus
beitragen.
Die

- 16 -

�Die Gesetzgebung, die der Präsident vorschlagen wird, umfaßt drei
Komponenten.
Sie basiert auf den Energieüberprüfungsprogrammen, die das Nationale
Energiegesetz erfordert und die die Bereitstellung von Versorgungsanlagen
für alle Besitzer von Privathäusern garantieren sollen.

Dieses Überprüfungs-

erfordernis soll auf Geschäftsgebäude ausgedehnt werden.
Von Strom- und GasVersorgungsbetrieben wird erwartet, ihren Privatund Geschäftskunden langfristige Finanzierungshilfen für Verbesserungen zur
Einsparung anzubieten.

Diese

Darlehen werden mit den Gebühren der

Versorgungsbetriebe verrechnet, genau wie dies bei Investitionen für neue
Kraftwerke der Fall wäre, und das Grundkapital würde nur im Fall des Verkaufs
des Hauses oder Gebäudes zurückgezahlt. Die Forderung, einem Kunden ein
Darlehen anzubieten, würde nur auf Gebäude zutreffen, die mit Hilfe von
Gas oder Elektrizität geheizt oder gekühlt werden;

ähnliche Darlehen

könnten Gasversorgungsbetriebe auch für Häuser mit Ölheizung anbieten,
um sie auf Erdgas umzustellen, obwohl dies nicht von ihnen verlangt werden
kann.
Ein Zusatz zum Nationalen Energieeinsparungsgesetz wird angestrebt,
um Zinszuschüsse bei Darlehen für Eigentümer von ölbeheizten Privat- oder
Geschäftshäusern zu gewähren, damit Einsparungsmaßnahmen durchgeführt
werden können oder die Umstellung auf Erdgas erfolgen kann. Ober einen
Zeitraum von 10 Jahren werden für dieses Programm 2 Milliarden Dollar zur
Verfügung gestellt.
Die Verbesserung der Wärmeisolierung von Gebäuden ist das billigste
Mittel für die Verminderung der ölimporte bei einer geschätzten Durchschnittseinsparung von unter 10 Dollar pro Barrel und Tag.

- 17 -

Dieses Programm

�Programm wird das noch verbleibende Haupthindernis für Einsparung bei
Gebäuden beseitigen, indem die unmittelbaren Kosten durch eine langfristige
Finanzierung oder Darlehen reduziert werden. Alle Kunden der Versorgungsbetriebe werden in den Genuß der Energieeinsparungen kommen und zwar durch
die Einsparungen aufgrund des dann wegfallenden Kaufs teurer neuer Energievorräte oder zusätzlicher Kraftwerkskapazität.

IX.

Unterstützung für Bevölkerungsschichten mit geringem Einkommen

Diejenigen Amerikaner, die in ärmlichen Verhältnissen leben, werden
die größte Last der höheren Energiepreise sowie der knapperen Vorräte
tragen müssen, und sie sind am wenigsten im Stande, diese Last zu tragen.
Die energiepolitischen Ziele unseres Landes dürfen nicht verfolgt werden,
ohne daß man sich diesen dringenden menschlichen Erfordernissen zuwendet.
Der Präsident wird den Kongreß um die Verabschiedung eines Programmes
ersuchen, das eine Unterstützung für Schichten mit geringem Einkommen
vorsieht und das, wenn es voll wirksam ist jährlich 2,4 Milliarden Dollar
aus dem Energiesicherungsfonds bereitstellt.

Ein Teil dieses Betrages

wird auf einer entsprechenden Zuwendungsbasis verfügbar sein, um die
Einzel Staaten zu ermutigen und ihnen bei der Aufteilung der fiskalischen
Lasten für die Erfordernisse der Armen zu helfen.

Die Geldmittel werden für verschiedenartige Zwecke verfügbar sein,
wobei der größte Anteil auf eine direkte finanzielle Unterstützung für die
bedürftigen Haushalte entfällt. Die begrenzten Programme der mit der
Energiekrise zusammenhängenden Interventionsmaßnahmen und der Notstandshilfe, die von Seiten der "Community Services Administration" betrieben

- 18 -

�betrieben werden, sollen gestärkt werden.

Diese Behörde wird mit dem

Kongreß in dem Bemühen zusammenarbeiten, sicherzustellen, daß wesentliche
Beträge für eine Unterstützung der ärmeren Bevölkerungskreise in diesem
Winter zur Verfügung stehen.

X.

Verbesserung des Verkehrswesens
Für den Zeitraum von 1980 bis 1990 schlägt der Präsident Ausgaben

in Höhe von 16,5 Milliarden Dollar für die Verbesserung des Massenverkehrssystems des Landes und für die Verringerung des Benzinverbrauchs für Automobile vor. Mehr als 10 Milliarden Dollar sollen in die bestehenden Massenverkehrssysteme investiert werden, um neue Autobusse anzuschaffen und das
U-Bahnsystem zu verbessern. Man schätzt, daß diese Investitionen Einsparungen
von 250 Tausend Barrel pro Tag an ül bis zum Jahre 1990 mit sich bringen
werden. Der Präsident hat Verkehrsminister Adams angewiesen, umgehend
spezifische Vorschläge für die Erreichung dieses Zieles zu entwickeln.

XI.

Der Beratungsausschuß des Präsidenten für Energiesicherung

Der Präsident wird einen Beratungsausschuß für Energiesicherung ins
Leben rufen, der ihm und dem Energieminister hinsichtlich künftiger Anweisungen für die Energiepolitik Bericht erstatten wird. Dieser Beratungsausschuß wird sich aus 11 Mitgliedern zusammensetzen, die aus Bereichen
außerhalb der Regierung kommen. Er wird die Aufgabe haben, weitreichende
Empfehlungen und Ratschläge für den Energiebereich und damit zusammenhängende
Wirtschaftsfragen zu erteilen.
Beschreibung
- 19 -

�XII.

Beschreibung spezifischer Rohstoffquellen von Kohle, Synthesebrennstoffen, Biomassen und Schieferöl sowie von Technologien, deren sich
die Energiesicherungsgesellschaft annehmen soll.
In den folgenden Abschnitten ist die Art der Ressourcen oder Technologien

beschrieben, für die Investitionen seitens der Energiesicherungsgesellschaft
vorgeschlagen werden.
Einzelentscheidüngen zu

Die Gesellschaft wird dafür verantwortlich sein,
den angemessenen Anreizen zu treffen sowie

Produktionsziele für jede dieser Kategorien festzusetzen.
A.

Flüssigbrennstoffe aus Kohle

Die amerikanischen Kohlevorkommen sind die größten in der Welt und
können auf sehr lange Sicht einen beträchtlichen Anteil zur Deckung des
Bedarfs an Flüssigbrennstoffen in den USA liefern, wenn moderne Technologien
für die Herstellung synthetischer Brennstoffe mit Erfolg kommerziell genutzt
werden.
Verfahren zur Herstellung von Flüssigbrennstoffen auf Kohlebasis
können in zwei große Bereiche - nämlich direkte und indirekte Verfahren untergliedert werden.
-

Bei der indirekten Verflüssigung wird Kohle zunächst vergast, um
ein Synthesegas zu bekommen (Kohlenmonoxid und Wasserstoff), das
dann seinerseits auf katalytischen) Wege in einer Stufe oder in
mehreren Stufen in flüssige Brennstoffe umgewandelt wird. Es
gibt bereits mehrere kommerzielle Verfahren, um Synthesegas in
Flüssigbrennstoffe umzuwandeln. Mit dem Fischer-Tropsch-Verfahren,
das gegenwärtig in Südafrika kommerziell angewandt wird, ist es
möglich, ein breites Spektrum von flüssigen Produkten, einschließlich
Benzin und Dieselöl, herzustellen. Auch Methanol kann unter
Nutzung einer Anzahl von Lizenzverfahren aus Kohlesynthesegas herge-

�hergestellt werden.

Methanol läßt sich als Benzinzusatz und als

Turbinenkraftstoff verwenden.

Außerdem befindet sich ein Verfahren

zur Gewinnung von Benzin hoher Klopffestigkeit direkt aus Methanol
bereits im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium.
-

Bei den direkten Verflüssigungsprozessen wird Kohle in ein Lösungsmedium gegeben und unter hohen Temperaturen und hohem Druck mit
Wasserstoff zur Reaktion gebracht, um eine Vielfalt von flüssigen
Produkten zu erzeugen. Mit finanzieller Unterstützung des Bundes
wurden mehrere direkte Verflüssigungsverfahren entwickelt; sie
werden in Kürze in Anlagen von nahezu kommerziellem Umfang demonstriert,

Schätzungen der Kosten für die Herstellung synthetischer Brennstoffe aus
Kohle schwanken je nach den Produkten, z.B. Flüssigkeit oder Gas, und je
nach Standort zwischen 27 und 45 Dollar pro Barrel. Zum Zweck von Budgetschätzungen für die Gesellschaft wurden 38 Dollar pro Barrel angesetzt:
man hofft jedoch, daß die Kosten niedriger liegen werden.
B.

Kohlevergasung

Die Herstellung eines Brenngases aus Kohle war in den ersten Jahrzehnten
dieses Jahrhunderts eine allgemein anerkannte Technologie, ehe den Verbrauchern
große Mengen von Erdgas zur Verfügung standen

Tatsächlich werden in einigen

Ländern nach wie vor beachtliche Mengen von Gas aus Kohle zur Verwendung in
der chemischen Verfahrenstechnik erzeugt.
Obgleich es viele verschiedene Arten von Vergasungsanlagen gibt, funktionieren
die meisten kommerziell verfügbaren Konstruktionen am besten nnt nichtverbackender Kohle, wie sie beispielsweise im Westen der USA gefunden wird
Neuere Konstruktionen, die auch Kohlen aus den Ostregionen mit hohem
Wirkungsgrad nutzen, sind bis zur Demonstration im kommerziellen Rahmen gediehen.
Für
- 21 -

�Für die Privatwirtschaft wurde eine Anzahl kommerzieller Kohlevergasungsanlagen entworfen, die nunmehr gebaut werden könnten.

Unsicherheit

hinsichtlich der Betriebsvorschriften und Beschränkung der finanziellen
Mittel verhindern jedoch eine sofortige Kommerzialisierung.

Das Energie-

mobilisierungsamt (EMB - Energy Mobilization Board) und die Energiesicherungsgesellschaft können helfen, einige dieser Barrieren abzubauen.
C. Schieferöl
Die ölschiefervorkommen der Vereinigten Staaten, die sich hauptsächlich
unter einem 4,3 Millionen Hektar großen Gebiet in aneinandergrenzenden Regionen
der Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming finden, stellen eine der größten
potentiellen Energiequellen in den USA dar. Man schätzt, daß sie 400
Milliarden Barrel an gewinnbarem öl enthalten und damit größer sind als die
ölreserven von Saudi-Arabien.

Schon seit langem sieht man in diesem Vorkommen

eine mögliche Quelle für Rohölersatz.

Die Herstellung von Flüssigbrenn-

stoffen aus Ölschiefer dürfte weniger kostspielig sein als aus Kohle; man
schätzt die Kosten auf 25 bis 35 Dollar pro Barrel.

Für die Verarbeitung von Ölschiefer werden zur Zeit zwei verschiedene
Verfahren entwickelt. Das eine erfordert den Abbau mit dem Retortenaufschluß
an der Oberfläche (wobei der ölhaltige Schiefer auf mehr als 480 Grad
Celsius erhitzt wird, um "Kerogen", Ausgangsstoff für das schließlich verwertungsfähige Ölschieferprodukt, zu extrahieren). Bei dem anderen sogenannten
"in situ"-Verfahren wird der Retortenaufschluß mit der Erhitzung des zerkleinerten Ölschiefers unterirdisch vorgenommen. Im Westen der Vereinigten
Staaten befinden sich gegenwärtig vier größere Schieferöl-Projekte in
verschiedenen Stadien der Planung oder Entwicklung. Die Produktion von
Schieferöl wird Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar pro Anlage
erfordern. Jedoch wurde bisher keines der Verfahren in einem Rahmen angewandt,
der einer großtechnischen Nutzung nahekäme. Es ist erforderlich, daß die

�die Bundesregierung diese Projekte in gewissem Umfang unterstützt.

Die

erwarteten Kosten für Schieferö'l, 25 bis 35 Dollar pro Barrel, deuten
jedoch darauf hin, daß es der erste synthetische Brennstoff sein wird,
der mit Importöl konkurrieren kann.
Zusätzlich zur Einbeziehung von Ölschiefer in den Aufgabenbereich der
Energiesicherungsgesellschaft hat der Präsident für jedes Faß Schieferöl
eine Steuerabschreibung von 3 Dollar/Barrel für die Produzenten vorgeschlagen. Diese Vergünstigung,die der Präsident erstmals in seiner Energiebotschaft vom 5. April erwähnte, würde allmählich abgebaut, wenn die ölpreise
22 Dollar pro Barrel betragen, und sie würde ganz aufgehoben, sobald ein
Preis von 28 Dollar pro Barrel erreicht wird. Man erwartet, daß viele
Unternehmen nur der durch diese Steuervergünstigungen ausgelösten Ermutigung
bedürfen, um mit dem Bau und der Inbetriebnahme großer Schieferöl-Produktionsstätten zu beginnen. Für Schieferölprojekte, die von der Gesellschaft unterstützt werden, können keine Steuervergünstigungen beansprucht werden.

D.

Biomasse

Die kommerzielle Produktion von alkoholischen Brennstoffen - Äthanol
und Methanol - aus landwirtschaftlichen Produkten, Rückständen, Abfällen der
Nahrungsmittel- und Holzverarbeitung mittels Fermentation und anderer
Verfahren kann einen Beitrag zur Deckung unseres Energiebedarfs leisten.
Äthanol als Zusatz zu Benzin vermag Kraftstoffe auf ölbasis zu strecken
und die Klopffestigkeit zu erhöhen.

Gemessen am Energiegehalt ist die

Herstellung von Äthanol im Vergleich zu Erdöl gegenwärtig verhältnismäßig
teuer. Aber infolge der höheren Klopffestigkeit kann subventioniertes
GASOHOL (Mischung aus Benzin und Alkohol) mit bleifreiem Superkraftstoff
konkurrieren.

Ein Ausschluß auf Dauer von der Bundesbenzinsteuer in Höhe

von 4 Cent/Gallone (knapp 1 Cent pro Liter) bei GASOHOL - eine Subvention,
die 16,80 Dollar pro Barrel entspricht - wird helfen, GASOHOL auch gegen-

- 23 -

�gegenüber bleifreiem Normalbenzin konkurrenzfähig zu machen.

Es werden

verbesserte Verfahren erwartet, die zu bedeutenden Kosteneinsparungen führen
und die Einbeziehung von mehr Abfall Stoffen in das Spektrum der Ausgangsmaterialien ermöglichen.
Die Produktion von Methanol aus Biomasse geschieht in einem ZweistufenVerfahren, bei dem zunächst Synthesegas erzeugt und dieses dann auf katalytischem
Wege mittels kommerziell verfügbarer Prozesse in Methanol umgewandelt wird.
Man erwartet, daß Holz die wichtigste Biomasse-Rohstoffquelle bildet, weil es
in großem Umfang zur Verfügung steht und relativ wenig kostet. Auch andere
Ausgangsmaterialien wie Rückstände von Ernteprodukten und fester Stadtmüll
lassen sich verwerten - aber zu höheren Kosten.
Die Herstellung alkoholischer Brennstoffe kann zur Verbesserung der
Umweltqualität beitragen, indem Abfall Stoffe in nützliche Produkte umgewandelt
werden.

XIII.

Andere Maßnahmen

A.

Die Erdgasleitung aus Alaska

Mit Erdgas aus Alaska könnten 425 000 Barrel öl pro Tag ersetzt werden,
die die Vereinigten Staaten bis zum Jahr 1985 aus anderen Quellen beschaffen
müßten, und nach diesem Zeitpunkt sogar noch größere Mengen. Im August 1977
genehmigte der Präsident den Bau einer Rohrleitung vom Norden Alaskas in
die Staaten des Westens und Mittelwestens unter der Bedingung, daß sie von
privater Seite finanziert würde. Beteiligungen seitens der Produzenten an
diesem Erdgas in der Form von Kreditbürgschaften gegen Kostenüberschreitungen
sind erforderlich, um eine private Finanzierung zu ermöglichen. Bisher haben

�haben jedoch die betreffenden Mineral öl gesell Schäften keine Bereitschaft
zu erkennen gegeben, ihren Beitrag zu leisten, damit Fortschritte zur
Realisierung der Rohrleitung möglich werden.

Der Präsident hat den Energie-

minister angewiesen, bei den führenden Persönlichkeiten dieser Unternehmen
darauf zu dringen, daß die für den Bau der Leitung notwendige finanzielle
Unterstützung einsetzt.

B.

Vorsorgliche Benzinrationierung

Unser Land muß umfassend gerüstet sein, um selbst beträchtliche
Versorgungsunterbrechungen zu überstehen.

Der Präsident hat den Kongreß

aufgefordert, mit ihm zusammen vorrangig sicherzustellen, daß ihm die
Vollmacht übertragen wird, einen Plan zur vorsorglichen Benzinrationierung
auszuarbeiten, der es uns ermöglichen wird, in einer Notlage angemessen
zurechtzukommen.
C.

Staatliche Einsparungspläne und -ziele

Der Präsident drängt den Kongreß zur Verabschiedung der notwendigen
Gesetze, die es ihm erlauben, in den einzelnen Bundesstaaten Planziele für
die Einsparung von Benzin und anderen Brennstoffen festzulegen.

Jeder

Einzelstaat wird sodann einen Plan zur Erreichung dieses Zieles ausarbeiten
und ausführen.

Wenn ein Einzel Staat bei der Erreichung des festgelegten

Einsparungszieles versagt, wird der Bundesregierung die Erlaubnis erteilt,
selbst diesem Einzelstaat einen Plan aufzuerlegen.

Diese Vollmacht ist

notwendig, um sicherzustellen, daß wir mit einem Anhalten der gegenwärtigen
Knappheit und allen weiteren zukünftigen Versorgungsunterbrechungen fertig
werden können.
D.

Sonnenbank

In seiner Botschaft vom 28. Juni 1979 an den Kongreß schlug der Präsident

- 25 -

�Präsident zum Thema Sonnenenergie die Errichtung einer Sonnenbank vor, um
die Verwendung von Sonnenenergie durch subventionierte Darlehen anzuregen
und dadurch die Abhängigkeit des Landes von ausländischem öl zu mindern.
Die Gesetzgebung zur Errichtung einer Sonnenbank, die dem Kongreß in
Kürze zugehen wird, sieht folgende wesentlichen Elemente vor:
-

Die Bank würde befugt sein, Zinszuschüsse zu Darlehen für die bauliche
Verbesserung von Häusern zu gewähren sowie Hypotheken zur Finanzierung
des Kaufs und der Installierung genehmigter Sonnenenergie-Systeme.
Die Bank würde Banken und anderen Finanzinstituten Geldmittel zur
Verfügung stellen, die diese wiederum in die Lage versetzen würden,
Mittel für Verbesserungen von Häusern und Hypothekendarlehen für
Sonnenenergie-Investitionen zu einem Zinssatz anzubieten, der unter
dem üblichen Marktsatz liegt.

-

Sonnenenergie-Systeme sollen ihrer Definition nach jede Art von
Ausrüstung bedeuten, die entweder aktive oder passive solartechnische
Anlagen verwendet, wie zum Beispiel Sonnenheizung für die Warmwasserzubereitung, Sonnenheizung oder -kühlung, passive Solaranlagen oder
Kombinationen aus diesen Möglichkeiten. Der Minister für Wohnungsbau
und Städteplanung wird in Abstimmung mit dem Energieminister die
näheren Bestimmungen für diese Systeme ausarbeiten.

-

Die Zinssubvention würde lediglich für Mittel zur Verbesserung derjenigen Wohnanteile oder des Hypothekendarlehens zur Verfügung gestellt werden, die unmittelbar Solarinvestitionen finanzieren.
Diese Zinssubvention würde dergestalt kalkuliert, daß sie den
Darlehensgeber für den Unterschied entschädigt, der zwischen dem
subventionierten Darlehen und einem ähnlichen Darlehen zu freien
Marktbedingungen besteht.
Diese

- 26 -

�-

Diese Zinssubvention würde von Zeit zu Zeit durch den Aufsichtsrat
der Bank (der aus den Mi nistern für Wohnungsbau und Städteplanung,
für Energie und für Finanzen besteht) auf einem Niveau festgelegt
werden, das dem Grundgedanken, nämlich die Verwendung von Sonnenenergie-Systemen in privaten und kommerziellen Gebäuden zu beschleunigen, am ehesten gerecht würde.

-

Die Verfügbarkeit über diese Subvention würde einem angemessenen
Nachweis gegen Mißbrauch unterliegen.

-

Einen angemessenen Teil der Subventionen würde die Sonnenbank
zurückerlangen, falls jemand mit einem Solardarlehen in Zahlungsverzug kommt.

-

Die folgenden Obergrenzen würden für den Umfang eines subventionierten
Darlehens oder Darlehensanteils gelten:

10 000 Dollar für ein

Einfamilienhaus; 5 000 Dollar für jede Wohneinheit in einem Mehrfamilienhaus (wobei insgesamt bei diesem Darlehen 500 000 Dollar
nicht überschritten werden dürfen);

und 200 000 Dollar für ein

Geschäftsgebäude.
-

Die Bank würde pro Jahr mit 150 Millionen Dollar ausgestattet.
Sie würde mit Geldern finanziert, die aus dem EnergiesicherungsTreuhandfonds stammen.

Je nach dem Umfang der Subvention und der Aufteilung der Mittel der
Sonnenbank unter Hypotheken, Darlehen zur Hausverbesserung und Darlehen für
kommerzielle Gebäude könnte die Bank bei diesem Umfang des Fonds sicher bei
über 150 000 Solaranlagen pro Jahr mitwirken.
Steuervergünsti gungen

- 27 -

�E.

Steuervergünstigungen für Sonnenenergie

Zusätzlich zur Sonnenbank hat der Präsident noch umfangreiche neue
Vorschläge für Steuervergünstigungen für Sonnenenergie unterbreitet.

Diese

Vergünstigungen umfassen den privaten, den kommerziellen, den landwirtschaftlichen
und den industriellen Sektor und schließen aktive und passive solartechnische
Anlagen ein, Prozeßwärme, Holzöfen, sowie Befreiung von Bundessteuern für
Benzin auf Alkoholgrundlage (Gasohol).

Diese Vorschläge werden einen

deutlichen Anreiz für die Verwendung von Sonnenenergie bilden und gleichzeitig
zu unserem Ziel beisteuern, den für Heizung und Transport verwendeten Anteil
an öl zu vermindern.

Demnächst werden dem Kongreß weitere Gesetzesvorschläge

unterbreitet, die folgendes vorsehen:
-

Steuervergünstigungen für private und kommerzielle passive Solaranlagen
Die Bauherrn neuer Mehrfamilien- und Geschäftshäuser mit passiven
Solaranlagen würden eine Steuervergünstigung von 20 Dollar je
schätzungsweise jährlich eingesparter Million Britischer Wärmeeinheiten (British Thermal Units - BTU) erhalten, wenn die Heizleistung
auf einem vorgesehenen Niveau oberhalb der Leitlinie liegt, die für
die Heizleistung bei Gebäuden gemäß dem Gesetz zur Energieeinsparung
und Energieproduktion (P.L. 94-385) gilt.
Der Höchstbetrag dieser Steuervergünstigungen beträgt 10 000 Dollar
pro Gebäude.

Die Steuervergünstigung wird durch Einnahmen aus dem

Energiesicherungs-Treuhandfonds finanziert.
Eine Steuervergünstigung soll auch denjenigen gewährt werden, die
neue Häuser mit passiven Solaranlagen bauen. Den Bauherrn soll
eine 20-prozentige Steuervergünstigung auf die Kosten einer solartechnischen Anlage pro Einheit im vorgeschriebenen Entwurf gewährt
werden (bis zu vier Wohneinheiten pro Gebäude), und zwar bis zu einer

- 28 -

�einer Höchstgrenze von 2 000 Dollar pro Einheit.

Von 1983 an

können diejenigen Bauherren eine Berechtigung für diese Art
Steuervergünstigung erhalten, die die Leistungskriterien gemäß
Bundesgebäude-Energiegesetz um mehr als 50 Prozent übertreffen.
Steuervergünstigungen für Wohn- und Geschäftshäuser werden bis
zum 31. Dezember 1985 inkraft bleiben.
-

Steuervergünstigungen für solare Prozeßwärme
Eine zusätzliche Steuervergünstigung von 15 Prozent (bei insgesamt
25 Prozent) soll über den Energiesicherungs-Treuhandfonds gewährt
werden auf die Kosten von solarthermischen Ausrüstungen, um bei
landwirtschaftlichen und technischen Verfahren Prozeßwärme zu erzeugen. Die Vergünstigung wird gewährt für die Kosten zur Installation
von Ausrüstungen, die den Bedingungen entsprechen. Sie gilt bis
zum 31. Dezember 1989.

-

Steuerbegünstigungen für Holzöfen
Eine neue, 15-prozentige Steuervergünstigung wird vorgeschlagen
für den Kauf und die Installation von luftdichten Holzbrandöfen
in Erstwohnhäusern. Diese Steuererleichterung soll die größere
Verwendung unserer Holzvorräte für Hausbrand ermöglichen und sollte
es den Verbrauchern erlauben, bei ihren Heizkostenrechnungen
deutliche Einsparungen zu erzielen.

-

Steuerbefreiung
Eine ständige Befreiung von der gegenwärtigen 4-Cent-Bundessteuer
auf Benzin für Mischungen aus Benzin und Alkohol wird vorgeschlagen,
um die Verwendung von Benzinalkohol "Gasohol" zu ermutigen.

- 29 -

Benzin-

�Benzinalkohol stellt eine nützliche Ergänzung unserer Brennstoffe
für den Antrieb von Automobilen dar und kann dabei helfen, unsere
Nachfrage nach importiertem Rohöl zu mindern.

XIV.

Die gegenwärtige Lage bei der Ölversorgung

Gestiegene Rohöl einfuhren im letzten Monat und der vorgesehene weitere
Anstieg im Juli und August haben ein verbessertes Bild der Ölversorgung zur
Folge. Die Gesamtimporte von Rohöl lagen im Durchschnitt im Verlauf der
letzten fünf Wochen bei fast 6,4 Millionen Barrel pro Tag (MMB/D) und bestätigen damit die Erwartung der Regierung, wonach die Einfuhren im Monat
Mai mit Niveaus von unter 6 Millionen Barrel pro Tag einen Tiefstand erreicht
hatten. Voraussagen für die restlichen Tage im Juli und für August deuten an,
daß der Stand der Gesamteinfuhren von Rohöl bei etwa 6,5 MMB/D bleiben wird.
(Die Einfuhren von ölprodukten, die in dieser Quote enthalten sind, werden
auf 1,9 MMB/D geschätzt). Diese geplanten Mengen an Gesamteinfuhren von
Rohöl und ölprodukten werden es den Vereinigten Staaten ermöglichen, die vom
Präsidenten festgelegten Importquoten einzuhalten. Das verbesserte Versorgungsbild hatte auch einen Anstieg der Verarbeitung von Rohöl in den
Raffinerien zur Folge: Seit Ende Mai ein Anstieg von über 1 Million Barrel
pro Tag (von 14,2 auf 15,4 MMB/D). Die Produktion von Benzin, Dieselöl und
Heizöl ist gleichfalls angestiegen.

Brennstoffvorräte für die Raumheizung im nächsten Winter sind seit Ende
Mai um mehr als 27 Millionen Barrel angewachsen und die Vorräte haben sich
mit einer Rate von fast 1 Million Barrel pro Tag in den letzten zwei Wochen
vermehrt. Diese Rate ist angemessen, um das Ziel von 240 Millionen Barrel
an Vorräten im Oktober zu erreichen. Vorräte von 240 Millionen Barrel werden
sicherstellen, daß angemessene ölvorräte für die Raumheizung im nächsten
Winter zur Verfügung stehen, sogar wenn es ungewöhnlich kalt werden sollte.

Die
- 30 -

�XV.

Die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne (windfall profits tax) und die
Verwendung des Energiesicherungs-Treuhandfonds

Die Energiebotschaft des Präsidenten vom 5. April umriß seine Pläne
für die schrittweise Freigabe der ölpreise und den Vorschlag einer Steuer
für ungerechtfertigte Gewinne, die einen neuen übermäßigen Einkommensstrom
zu den ülförderern als ein Ergebnis der Freigabe der Preise verhindern soll.
Die Botschaft schlug außerdem die Bildung eines Energiesicherungs-Treuhandfonds vor, in den die Einnahmen aus dieser Steuer für ungerechtfertigte
Gewinne fließen sollten ebenso wie die Gelder aus den Einkommenssteuererhöhungen
für Olproduzenten während der ersten drei Jahre, die sich aus der Aufhebung
der Preisbindung ergeben würden. Dieser Fonds würde verwendet für 1) Familien
mit niedrigen Einkommen, um ihnen dabei zu helfen, mit den gestiegenen
Energiekosten fertig zu werden; 2) Schritte zu neuen Massenverkehrsmitteln
und 3) Investitionen auf dem Gebiet neuer Energiequellen.
Es ist entscheidend, daß der Kongreß die vorgeschlagene Steuer für
ungerechtfertigte Gewinne und den Energiesicherungs-Treuhandfonds verabschiedet, um den Finanzstrom übermäßiger Einnahmen an die ülproduzenten
zu verhindern und um die notwendigen Fondsmittel bereitzustellen, die für
eine mutige Inangriffnahme der breitgefächerten Energieprobleme dieses
Landes notwendig sind.
Die heute vom Präsidenten angekündigten Initiativen zur Einschränkung
des ölflusses sind die zum erstenmal am 5. April vorgeschlagenen energiebezogenen Investitionen. Diese können nicht durchgeführt werden ohne die
Mittel, die durch die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne zur Verfügung
gestellt werden und im Energiesicherungs-Treuhandfonds enthalten sind.
Der Energiesicherungs-Treuhandfonds wird die einzige Quelle für alle
die in der Ankündigung des Präsidenten enthaltenen Ausgaben sein. In dem
Maße, in dem die Steuer für ungerechtfertigte Gewinne nur ungenügende

- 31 -

�ungenügende Einnahmen erbringen sollte, werden Programmangleichungen nach
unten gemacht werden müssen. Andernfalls werden einem Budget zusätzliche
Lasten aufgebürdet, das schon jetzt höchstwahrscheinlich angespannt sein
wi rd.

+ + + + +

- 32 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Mondale unterbreitet Sieben-Punkte-Programm in Genf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede auf der UN-Flüchtlingskonferenz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erläuterungen des Weißen Hauses zum Energieprogramm des Präsidenten</text>
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und
Dokumentation

I 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. August 1979

31
INHALT
INFORMATION
G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA
Paul Adolph Volcker:

Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbank-

rates (Bundesbankpräsident)
Charles W. Duncan:

Der neue Energieminister der USA

Benjamin R. Civiletti:

Der neue Justizminister der USA

Patricia Roberts Harris:

Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin

Der neue Verkehrsminister der USA:

Neil Goldschmidt

Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung:

Moon Landrieu

DOKUMENTATION
Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu
SALT II

HINTERGRUNDMATERIAL
Erneuerungsfähige Energiequellen
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren
Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme

Um Übef/encJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�s tflttl
31

Information
• ^

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. August 1979

G. WILLIAM MILLER: NEUER FINANZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - G. William Miller, der bisherige Präsident des
amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident), ist am 19. Juli 1979
von Präsident Jimmy Carter zum neuen Finanzminister - Secretary of the
Treasury - ernannt worden. Er tritt die Nachfolge von W. Michael Blumenthal
an.
Wie sein Vorgänger wird Miller zu den "gemäßigten" Demokraten gerechnet,
und beide haben sich aus kleinen Verhältnissen bis in die Spitze großer
Konzerne hochgearbeitet.

Beide sind auch der Auffassung, daß die Inflation

das wirtschaftliche Problem Nummer Eins der Vereinigten Staaten ist und die
Regierungsausgaben straff gezügelt werden müssen, wenn man der Inflation
entgegenwirken will.

Und schließlich treten beide für ein gemäßigt hohes

Zinsniveau, freiwillige Lohn- und Preisbeschränkungen und einen ausgeglichenen
Staatshaushalt ein.
Bevor Miller den Posten als Bundesbankpräsident übernahm, war er
Präsident der "Textron Inc.", eines Mischkonzerns, der seinen Hauptsitz
in Providence (Rhode Island) hat und 280 Betriebe und Fabrikanlagen in den

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�den Vereinigten Staaten und im Ausland umfaßt.

"Textron" beschäftigt

65 000 Personen und hatte im Jahre einen Umsatz von 2,6 Milliarden Dollar.
Gleichzeitig bekleidete Miller den Posten des Direktors der Landeszentralbank von Boston und war Vorsitzender der Nationalen Unternehmervereinigung.
Miller stammt aus Oklahoma.

Er wurde am 9. März 1925 in Sapulpa

geboren, studierte an der Akademie der amerikanischen Küstenwache und
diente als Offizier im Pazifik und in Fernost.
Im Jahre 1952 schloß er sein juristisches Studium an der Universität
von Kalifornien ab und arbeitete als Anwalt in New York.
Im Juni 1960 wurde Miller zum Präsidenten des "Textron"-Konzerns
gewählt und übernahm 1968 in diesem Konzern den Posten des Generaldirektors;
im Jahre 1974 wählte man ihn zum Aufsichtsratsvorsitzenden.
Miller war außerdem Ko-Vorsitzender im amerikanisch-sowjetischen
Handels- und Wirtschaftsrat und im polnisch-amerikanischen Wirtschaftsrat und führte seit 1977 den Vorsitz im Industrie- Beratungskomitee des
Präsidialausschusses für Chancengleichheit am Arbeitsplatz.
Er ist mit Ariadna Rogojarsky verheiratet.

+ + + + +

�Information

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. August 1979

31

PAUL ADOLPH VOLCKER:

DER NEUE PRÄSIDENT DES AMERIKANISCHEN ZENTRALBANKRATES
(BUNDESBANKPRÄSIDENT)

WASHINGTON

- (AD) - Präsident Carter hat Paul Adolph Volcker, den

bisherigen Präsidenten der Landeszentralbank in New York, als Nachfolger von
C. William Miller, der nach der Kabinettsumbildung als Leiter des Finanzministeriums vorgeschlagen wurde, zum Präsidenten des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident) ernannt.
Präsident Carter hob in einer Erklärung die Verdienste Volckers hervor:
'Er ist ein Mann mit umfassender Erfahrung im Wirtschafts- und Finanzbereich
und genießt höchstes Ansehen im Ausland.

Er teilt meine Entschlossenheit, die

Schlacht gegen die Inflation im eigenen Lande energisch fortzuführen und im
Ausland die Stärke und die Stabilität des Dollar sicherzustellen."
In das vielfältige positive Echo auf die Ernennung stimmten so bekannte
Persönlichkeiten wie George Shultz, ehemaliger Finanzminister, Arthur F.
Burns, einer der Amtsvorgänger Volckers und David Rockefeller, der Vorsitzende
der Chase Manhattan Bank, ein sowie Senator William Proxmire, der Vorsitzende
des Bankenausschusses des Senats, der bemerkte: "Der Präsident hat eine

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�eine hervorragende Wahl getroffen.

Paul Volcker ist ein Mann von hoher

Intelligenz und bewiesenen Führungseigenschaften."
Die größte Gefahr für die amerikanische Wirtschaft geht nach Volcker
noch immer von der Inflation aus.

In einer Rede am 6. März 1979 erklärte er:

"Die Hauptrisiken für die grundlegenden Aussichten unserer Wirtschaft - und
ich denke nicht nur an 1979, sondern darüber hinaus - rühren von der Unsicherheit her, die durch die Inflation und den schwachen Dollar verbreitet
wird."
Der neue Bundesbankpräsident bringt einen reichen Erfahrungsschatz ins
Amt: Am 5. September 1927 geboren, studierte Volcker an den Universitäten
Princeton,Harvard und an der London School of Economics. Im Jahre 1952 kam
er als Wirtschaftswissenschaftler zur New Yorker Landeszentralbank und ging
fünf Jahre später als Finanzwirtschaftler zur Chase Manhattan Bank in New
York. Im Jahre 1962 wurde er Direktor für Finanzanalyse im Finanzministerium
und stieg ein Jahr später zum Stellvertretenden Staatssekretär für Monetäre
Angelegenheiten auf. Von 1965 bis 1969 war er Vizepräsident der Chase
Manhattan Bank und kehrte dann wieder ins Finanzministerium zurück, bis er
1975 Präsident der New Yorker Landeszentralbank wurde.
*

Der Zwei-Meter-Mann wurde in seinen Jahren als Staatssekretär im Finanzministerium auch mit der internationalen Szene wohlvertraut, als er in der
turbulenten Zeit, als das alte Bretton-Woods-System zusammenbrach und die
Aera der frei fluktuierenden Wechselkurse begann, im Zentrum des Geschehens
stand.
Paul A. Volcker ist verheiratet mit der ehemaligen Barbara Marie
Bahnson, hat zwei erwachsene Kinder, Janice und James, und zu seinen Hobbies
gehören die Gartenarbeit, das Fischen und Weinmachen, sowie eine gute
Zigarre.
+ + + + +

�Information

i 3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

1. August 1979

31

CHARLES W. DUNCAN:

DER NEUE ENERGIEMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Charles W. Duncan, der neue Energieminister, beschäftigte sich bereits vor 32 Jahren mit Energie: In seinem Heimatstaat Texas hob
er Gräben für die Verlegung einer Erdgasleitung aus, nachdem er als Chemieingenieur von der Universität abgegangen war. Seither war er Präsident von Coca
Cola, Chef einer großen Investmentfirma und schließlich zweiter Mann im Verteidigungsministerium. Schon seine Ernennung zum Stellvertretenden Verteidigungsminister war von einem langjährigen Berater Präsident Carters, Charles
Kirbo, plausibel erklärt worden: "Jimmy wollte einen guten Geschäftsmann im
Verteidigungsministerium". Und als ihn Carter am 20. Juli auswählte, an die
Spitze des schwierigen Energieministeriums zu treten, war auch hier seine Antwort die eines Geschäftsmannes: Reportern teilte er mit, er werde versuchen,
das Ministerium "im besten unternehmerischen Stil" zu führen,und sehe in der
Reorganisation und in einer straffen Führung der Energiebehörde seine erste
Aufgabe.
"Fair und praktisch" wurde er auch vom derzeitigen Chef der Firma Coca
Cola eingestuft und TIME nannte ihn "einen zähen Geschäftsmann mit wenig Geduld für die Art von Bürokraten:

Geben Sie mir eine klare Antwort - ja oder

nein", verlangt er von seinen Mitarbeitern.
Duncan

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Duncan wurde am 9. September 1926 in Houston, Texas, geboren, erwarb
an der Rice-Universität den akademischen Grad eines Bachelor of Arts und
studierte an der Universität Texas weiter.
Er arbeitete zunächst ein Jahr bei der Humble Oil and Refining Company
und trat dann in den väterlichen Lebensmittel betrieb, Duncan Foods Company,
ein, deren Präsident er wurde.

Im Jahre 1958 wurde seine Firma von Coca Cola

übernommen, und er selbst trat ebenfalls in den Dienst der weltweiten Getränkefirma, deren Präsident in der Zentrale in Atlanta er 1971 wurde und wo er
auch den damaligen Gouverneur Jimmy Carter traf.
Er ist in zweiter Ehe mit Anne Smith verheiratet; das Ehepaar hat einen
Sohn und eine Tochter.

Auf seiner Farm in Wyoming geht er dem Angeln und der

Jagd nach und spielt Tennis.

+ + + + +

- 2 -

�1

Information

I

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Embassy of the United States of America

1. August 1979

31

BENJAMIN R. CIVILETTI:

DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - "Ben Civiletti war ein Bollwerk der Unterstützung",
sagte der bisherige Justizminister Griffin B. Bell über seinen Stellvertreter
- den Mann, den Präsident Carter zu dessen Nachfolger ernannt hat.
Der 44jährige Benjamin Richard Civiletti kam zum erstenmal im März 1977
ins Justizministerium als Unterstaatssekretär, zuständig für die Kriminalabteilung.

Zu jener Zeit war er Partner im Anwaltsbüro Venable, Beatier und

Howard in Baltimore, nachdem er vorher in derselben Stadt als Stellvertretender
Staatsanwalt tätig gewesen war.
Er fungierte als Mitglied verschiedener Spezialabteilungen und Ausschüsse an Bundesgerichten und einzelstaatlichen Gerichten.

An der Universität

von Maryland hielt er Vorlesungen zum Thema Verfahrenspraktiken und Prozeßtechniken.
Im August 1977 wurde er Mitglied der Amerikanischen Vereinigung der
Strafverteidiger. Als Anwalt und als Verwaltungsmann ist Civiletti

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�Civiletti als "Technokrat" mit scharfem Rechtsverstand bekannt.

Als

Carter ihn am 19. Juli an die Spitze des Justizministeriums berief,
beschrieb er sich selbst vor der Presse als eine Person "mit wenig
Humor und Brillanz".
Für das Justizministerium wurde er zum erstenmal vor zwei Jahren
von Charles Kirbo vorgeschlagen, einem engen Berater Präsident Carters,
der vorher Teilhaber des Anwaltsbüros Bell in Atlanta gewesen war.
Im Verlauf eines halbstündigen Treffens am 19. Juli im Weißen Haus
bat ihn der Präsident ausdrücklich - so Civiletti -, die Politik seines
Vorgängers fortzuführen und das Justizministerium von parteipolitischem
Einfluß freizuhalten.
Als Stellvertretender Justizminister war er unmittelbar für die Überwachung des Bundeskriminalamtes (FBI) zuständig, sowie für die Drogenabteilung, die Strafvollzugsbehörde, die Abteilung für Gefängnisse und
viele andere Abteilungen.
Civiletti absolvierte die Johns Hopkins Universität und schloß im
Jahre 1961 seine Studien an der Juristischen Fakultät der Universität von
Maryland ab. Er wurde in Peekskill im Staate New York geboren und ist
mit der beborenen Gaile Lundgren aus Baltimore verheiratet. Das Ehepaar
hat drei Kinder.

+ + + + +

�Information
»

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1. August 1979

PATRICIA ROBERTS HARRIS: GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND SOZIALMINISTERIN

WASHINGTON - (AD) - Zur neuen Gesundheits-, Erziehungs- und
Sozialministerin der Vereinigten Staaten hat Präsident Carter am 19. Juli 1979
die bisherige Wohnungsbauministerin seines Kabinetts, Patricia Roberts
Harris, ernannt. Mrs. Harris, die die erste schwarze Botschafterin der
Vereinigten Staaten war, tritt die Nachfolge von Joseph A. Califano an.
Sie hat sich als Juristin seit langem für soziale Belange der Bevölkerung
eingesetzt.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als
Tochter eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und
besuchte dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf
Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die HowardUniversität in Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird.
Nach Beendiguno ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa
cum laude abschloß, kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo
sie an der Universität von Chicago tätig war. Washington lockte jedoch
wieder; 1949 ging sie an die dortige American University. Gleichzeitig
hatte sie den Posten eines Stellvertretenden Direktors des Amerikanischen

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�Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.

Von 1953 - 1959 war

Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer Negerstudentinnen-Verbindung
tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen, William

Bealey Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres
wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der
juristischen Fakultät der .George Washington-Universität ein.

Im Jahre

1960 schloß sie ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen
Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an
und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschaft«rin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in
Luxemburg, wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department
tätig war, kehrte das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm
ihre Lehrtätigkeit wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon
wieder unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der
amerikanischen Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem
Monat zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten nach einer
größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.
+ + + + +

- 2 -

�I

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1. August 1979

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DER NEUE VERKEHRSMINISTER DER USA:

NEIL GOLDSCHMIDT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Bürgermeister
der Stadt Portland im Staate Oregon, Neil Goldschmidt, im Rahmen seiner
Kabinettsumbildung zum neuen Verkehrsminister der Vereinigten Staaten
ernannt.
Neil Goldschmidt ist seit 1972 Bürgermeister von Portland.
Er war Delegierter der USA auf der Konferenz über "öffentliches
Transportwesen und Umwelt", die im Rahmen der Organisation für Wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) abgehalten wurde.
Er ist einer der Vorsitzenden des Arbeitsstabs für Energie des
amerikanischen Städtetages und war vorher Vorsitzender des Verkehrsausschusses der amerikanischen Bürgermeisterkonferenz. Außerdem ist er
Mitglied des Beirats für Probleme der einzelstaatlichen und kommunalen
Verwaltung an der John F. Kennedy School of Government der HarvardUniversität.
Nach

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�Nach seiner Bestätigung durch den Senat wird Goldschmidt Brock Adams
ablösen.

Der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jody Powell, teilte Reportern

mit, Präsident Carter betrachte Goldschmidt als "einen streitbaren Bürgermeister mit Gespür für Neuerungen und hervorragenden Verwaltungsfähigkeiten".
Auch verstehe er "aus eigener Erfahrung die Verkehrsprobleme" der Nation.
Goldschmidt wurde am 16. Juni 1940 in Eugene, Oregon geboren.

Seine

Ausbildung schloß ein Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität
von Oregon sowie an der Universität von Kalifornien in Berkeley ein.
1965 Ist er mit der ehemaligen Margaret Wood verheiratet.
Kinder.

+ + + + +

- 2 -

Seit

Sie haben zwei

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1. August 1979

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DER NEUE MINISTER FÜR WOHNUNGSBAU UND STÄDTEPLANUNG: MOON LANDRIEU

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Carter Moon Landrieu zum Minister
für Wohnungsbau und Städteplanung ernannte, stellten Beobachter fest, daß
er einen tatendurstigen und ungemein populären Großstadt-Bürgermeister ausgesucht hatte.
Landrieu, 49 Jahre alt, war von 1970 bis 1978 Bürgermeister von New
Orleans und zeichnete verantwortlich für die Errichtung der gigantischen
"Superdome" Sportarena, belebte das Zentrum der Stadt neu, erneuerte das
historische französische "Quartier" und nahm Farbige in hohe Positionen
der Stadtverwaltung auf.
Bei der Ernennung sagte Präsident Carter:

"Bürgermeister Landrieu

genießt landesweite Achtung als fortschrittlicher Bürgermeister und
starker Verwaltungsmann sowie als respektierter und wirkungsvoller Sprecher
für die Kommunal Verwaltung."
Landrieu wurde auch hohes Lob von seiner Vorgängerin, Frau Patricia
Roberts Harris, zuteil, die von Carter als Gesundheitsministerin eingesetzt

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�eingesetzt wurde und die ihn als "einen ideenreichen Führer und begabten
Verwaltungsmann" bea'chnete und fortfuhr: "Er ist dem Dienst an denjenigen
verpflichtet, die nur wenig haben,und den großen und kleinen Kommunen im
ganzen Land, die Not leiden".
Als Sohn eines Ladenbesitzers hat Landrieu fast sein ganzes Leben der
Politik verschrieben.

Im Jahre 1960 wurde er zum erstenmal in das Abge-

ordnetenhaus von Louisiana gewählt und 1964 wiedergewählt.

Seiner Zeit oft

voraus, stimmte Landrieu einmal als Verfechter der Rassengleichheit als
einziger gegen die Rassentrennung, während 99 seiner Kollegen sich anders
entschieden.
Im Jahre 1966 wurde Landrieu zum Stadtratsmitglied von New Orleans
gewählt, vier Jahre später zum Bürgermeister. Außerdem war er Präsident
der amerikanischen Konferenz der Bürgermeister, M-tglied des Beirats der
Nationalen Städteliga und Mitglied des Aufsichtsr&lt;its der Nationalen
Städtekoalition, einer überparteilichen Organisation mit dem Ziel der
Verbesserung des Schicksals der Schwarzen und anderer Minderheiten in
den Vereinigten Staaten.
Am 23. Juli 1930 in New Orleans geboren, studierte er Verwaltung und
Recht an der Loyola-Universität von New Orleans und diente nach Abschluß
seiner Studien drei Jahre lang in der Armee, bevor er in einer Anwaltsfirma
in New Orleans tätig wurde und danach einen Platz im Abgeordnetenhaus von
Louisiana errang.
Er ist mit der ehemaligen Verna M. Satterlee verheiratet. Sie haben
5 Töchter und 4 Söhne, deren Vornamen alle mit "M' anfangen. Ursprünglich
hieß Landrieu mit Vornamen Maurice, jedoch ließ er ihn amtlich in "Moon"
abändern.

+ + + + +

- 2 -

�1

1
3

Dokumentation
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1. August 1979

VANCE UND SEIGNIOUS SPRECHEN ÜBER EINSTELLUNG DER NATO-VERBÜNDETEN
ZU SALT II

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance und
der Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA), General
George M. Seignious, äußerten sich am 30. Juli 1979 vor dem Militärausschuß
des Senats über die Einstellung der NATO-Verbündeten zum SALT II-Vertrag.
Die Ausführungen von Außenminister Vance zu diesem Thema haben folgenden
Wortlaut:
SALT II ist auch eine Angelegenheit von großer Bedeutung für unsere Verbündeten in der NATO und anderswo. Sie unterstützen den Vertrag nachdrücklich,
Denn er erhöht ihre Sicherheit zusammen mit der unsrigen.
- Der Vertrag trägt dazu bei, das strategische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das für die Glaubwürdigkeit unserer gemeinsamen Verteidigung lebenswichtig ist.

Der

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�- Der Vertrag trägt zur Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen in
Europa und anderswo bei.
- Der Vertrag erleichtert unsere kollektive Anstrengung, die konventionellen Streitkräfte und die nuklearen Gefechtsfe'ldstreitkräfte des Bündnisses
zu stärken.
- Der Vertrag entspricht ihren (der Verbündoten) seit langem bestehenden
Interessen, eine starke Verteidigung durch wirksame Rüstungskontrollmaßnahmen
zu ergänzen.
Unsere Verbündeten sind befriedigt, daß diese Vorzüge verwirklicht werden
können, ohne in die bestehenden Verfahren der nuklearen und konventionellen
Zusammenarbeit im Bündnis einzugreifen.
Um klarzustellen, daß nichts in dem Vertrag die weitere Zusammenarbeit
in Waffentechnologie und Waffensystemen verhindern würde, haben wir am 29.
Juni im Nordatlantikrat eine detaillierte Erklärung abgegeben - eine Erklärung, über die wir uns im voraus eng konsultiert hatten. Wir unterstrichen,
daß wir keine Verpflichtung bezüglich der NichturTgehung über die grundlegenden
Lehrsätze des internationalen Rechts hinaus eingegangen sind und daß der Vertrag die bestehenden Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
nicht berühren wird. Ebensowenig wird er die Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Modernisierung verhindern.
Und um klarzustellen, daß SALT II künftige Optionen sowohl hinsichtlich
der Rüstungskontrolle als auch der Modernisierung von nuklearen Gefechtsfeldwaffen nicht ausschließt, haben wir erklärt, daß alle künftigen Begrenzungen
für amerikanische Systeme, die hauptsächlich für Sefechtsfeidaufgaben vorgesehen sind, von angemessenen Begrenzungen sowjetischer Gefechtsfeldsysteme
begleitet sein müssen.
Auf

- 2 -

�Auf der gleichen Sitzung des Nordatlantikrates gaben unsere NATO-Verbündeten eine formelle Erklärung ab, in der sie sich hinter den Vertrag stellen
und sein baldiges Inkrafttreten fordern.
Während unsere Verbündeten den Vertrag als eine positive Entwicklung begrüßt haben, haben sie auch ihre tiefe Besorgnis über die Folgen zum Ausdruck
gebracht, wenn der Vertrag abgelehnt würde.

So wie die Abkühlung der amerika-

nisch-sowjetischen Beziehungen in der Vergangenheit zu einer Verschärfung der
Spannungen in Europa geführt hat, so würde eine neue Runde des strategischen
Wettstreits einen Frosteinbruch in Europa bringen.
Wenn also SALT fehlschlagen sollte, wäre unseren Verbündeten und unseren
Bündnissen in der ganzen Welt schlecht gedient. Unsere Verbündeten erwarten
von uns militärische Stärke. Sie erwarten von uns, daß wir in dem Streben nach
größerer Stabilität und Frieden die Führung übernehmen. Eine Ablehnung dieses
Vertrages wäre ein Schock für das Gefühl der gemeinsamen Zielsetzung, das uns
zusammenhält.
Die Ausführungen des Direktors des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung, George Seignious, haben folgenden Wortlaut:
Das NATO-Bündnis erwartet von den Vereinigten Staaten grundsätzlich die
Erfüllung der folgenden zwei Aufgaben:
- die Aufrechterhaltung einer starken Abschreckung und einer starken Verteidigung sowie
- die Führungsrolle in den Ost-West-Beziehungen, um einen Krieg zu vermeiden, der die Länder Europas genauso vernichten würde wie unser eigenes.
SALT II trägt zu beidem bei.
Im

- 3 -

�Im Jahre 1944 setzte ich zum erstenmal meinen Fuß auf europäischen Boden als Angehöriger der 10. Panzerdivision.

Während der Krise im Zusammenhang

mit dem Bau der Berliner Mauer in den Jahren 1961-63 befehligte ich ein Kavallerieregiment am Eisernen Vorhang.

Im Jahre 1969 befehligte ich die 3. In-

fanteriedivision, und 1970 war ich US-Oberbefehlshaber in Berlin.

Ich bin der

Überzeugung, daß die grundlegenden Sicherheitsinteressen der NATO sich nicht
von den unsrigen unterscheiden:

Stabilität, Verhinderung eines Nuklearkriegs

und Erhaltung des strategischen und konventionellen militärischen Gleichgewichts.

Das 20. Jahrhundert hat Europa, genauso wie jede

andere

Region der

Erde die zerstörerische Gewalt des Krieges, die Vorteile der Stabilität und die
Notwendigkeit einer starken Verteidigung gelehrt.
Stabilität ist besonders wichtig für Europa, wo starke militärische Kräfte
in geringer Entfernung voneinander konzentriert sind, wo Tausende von Nuklearwaffen disloziert sind und wo ein Schauplatz der historischen Konfrontation
auch heute noch von höchstem Sicherheitsinteresse für jede der Supermächte ist.
Das Risiko eines Nuklearkriegs ist für Europäer genauso groß wie für Amerikaner,
und Stabilität ist ein Grunderfordernis und kein Luxus.
Für die europäische Sicherheit ist die Bewahrung des amerikanisch-sowjetischen nuklearstrategischen Gleichgewichts von grundlegender Bedeutung.
SALT II wird es uns im Zusammenhang mit unseren eigeien Verteidigungsprogrammen
ermöglichen, dieses Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Ebenso grundlegend ist die, Aufrechterhaltung des Gleichgewichts auf dem
Gefechtsfeld in Europa. Die NATO hat gegenwärtig mit einem ehrgeizigen und
teuren Programm zur Verbesserung ihrer Streitkräfte Degonnen. Ich bin der Ansicht, daß dieses Programm, das so wichtig für die ejropäische Sicherheit ist,
viel schwieriger durchzuführen wäre, wenn unsere Aufmerksamkeit und unsere
Mittel sich stattdessen auf ein ungehemmtes strategisch-nukleares Wettrüsten
konzentrieren würden.
SALT II

�SALT II engt in keiner Weise unsere Zusammenarbeit mit der NATO ein und
ist kein Ausverkauf der Interessen unserer Verbündeten:
- Wir haben unsere Verbündeten ausführlich konsultiert.

Zum Beispiel hatten

wir etwa 40 Zusammenkünfte mit dem Nordatlantikrat, um über SALT II zu sprechen; die Hälfte davon fand innerhalb der letzten zwei Jahre statt.
- Wir haben bei unseren Verhandlungepositionen die Sicherheitsbedenken
unserer Verbündeten mit in Rechnung gezogen. Zum Beispiel sieht SALT II keinerlei Beschränkungen der in Europa dislozierten Kernwaffensysteme vor.
- SALT II behindert nicht die traditionellen Verfahren der Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten, einschließlich der Weitergabe von Waffensystemen und anderer fortschrittlicher Technologie.

Die Sowjets schlugen zu Be-

ginn von SALT II qine strikte Klausel gegen den Transfer vor.
se und ähnliche sowjetische Vorschläge zurück.

Wir wiesen die-

Es gibt in SALT II keine Be-

stimmung gegen den Transfer.
- Und wie ich bereits sagte werden die Beschränkungen im Protokoll hinsichtlich land- und seegestützter Marschflugkörper auslaufen, bevor wie soweit sind, sie dislozieren zu können. Wir werden genügend Zeit haben, um sorgfältig und in Einklang mit unseren europäischen Verbündeten zu planen, wie wir
unsere Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte in der NATO am besten modernisieren
können. Und dieser Prozeß hat bereits begonnen.
Nach dem Gipfeltreffen in Wien kehrte ich über den Nordatlantikrat in
Brüssel nach Hause zurück, nachdem ich auch in Genf und in London Station gemacht hatte. Jedesmal informierte ich die Verbündeten.

Ich kann sagen, daß

alle ohne jede Ausnahme SALT II ihre äußerste Unterstützung zusagten.
In diesem Punkt sagen Worte von Europäern jedoch mehr als die Zusicherungen, die ich geben kann.

Im Juni sagte es Bundeskanzler Helmut Schmidt

klar und deutlich: (7. Juni, Harvard)
"SALT II

�"SALT II ist natürlich nicht nur eine innenpolitische Angelegenheit der
Amerikaner.

Deshalb informierte die amerikanische Regierung ihre Verbündeten

über den Fortschritt der Gespräche und konsultierte s,ie auch.
ist ein Stück Weltgeschichte.

Dieser Vertrag

Er ist auch ein Stück Weltsicherheit und ein

Stück der Sicherheit meines eigenen Landes.
punkt kooperativer Rüstungsbegrenzung.

Im Augenblick ist es ein Höhe-

Die Bundesrepublik Deutschland unter-

stützt den SALT Il-Vertrag und hofft, daß er bald durch Washington und Moskau
ratifiziert werden wird."

- 6 -

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1. August 1979

ERNEUERUNGSFÄHIGE ENERGIEQUELLEN
USA:

Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant

- (AD) - Amerika ist entschlossen, erneuerungsfähige Energiequellen in
einer Weise zu erschließen und weiterzuentwickeln, daß sie im Jahr 2000 etwa
20 Prozent des Energiebedarfs decken.

Gegenwärtig sind diese nur zu fünf Pro-

zent an der Energieproduktion beteiligt, wobei der Hauptanteil auf Wasserkraft entfällt.

Regierungsbeamte sind überzeugt, daß man heute vorhandene

technische und finanzielle Probleme werde lösen können, um z.B. ein Drittel
der erwähnten 20 Prozent aus der direkten Nutzung von Sonnenenergie zu gewinnen.

Für den Rest kommen Wasserkraft, Umwandlung von Biomassen, Windkraft,

Methan aus Kohlefeldern und weitere unkonventionelle Quellen in Frage.

Der "Verband der solartechnischen Industrie" (SEIA = Solar Energy Industries
Association) ist optimistisch hinsichtlich der Möglichkeiten, das gesteckte
Ziel zu erreichen.

Die 1974 gegründete Vereinigung, die mit sechs Mitgliedern

begann und inzwischen mehr als 1000 zählt, hat viel dazu beigetragen, daß in
den Vereinigten Staaten bereits über 20 000 Solaranlagen aller Größenordnungen
in Betrieb sind.

Diese Zahl soll, sobald im Oktober 1980 die von Präsident

Carter vorgeschlagene "Sonnenbank" ihre Tätigkeit aufnimmt, im Verlauf eines
Jahres schon auf etwa 100 000 anwachsen.
Mehr

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�Mehr als 150 amerikanische Firmen, die sich mit der Entwicklung von
Solaranlagen befassen, sind an der Börse vertreten.

Einige von ihnen bezie-

hen die Hälfte ihrer Einkünfte aus dem Absatz von solartechnischen Ausrüstungen, während bei Großfirmen wie EXXON, IBM oder Xerox dieses Geschäft mit erst
knapp einem Prozent zu Buche schlägt. Aber auch sehr kleine Unternehmen - man
schätzt ihre Zahl auf 150 bis 200, die zu klein sind, um z.B. Aktien auszugeben - sind maßgeblich in der solartechnischen Forschung und auf dem Verkaufssektor engagiert.

Und neben diesen Firmen gibt es noch eine Anzahl von Orga-

nisationen wie die "Zentrale für erneuerungsfähige Ressourcen" und die "SolarLobby" zur Förderung der Sonnenenergie-Technik in Washington, die in Fragen
der Sonnenenergie vor allem mit den Kommunen zusammenarbeiten.

Sie setzen

sich mit Ausdauer für geeignete Maßnahmen auf allen Ebenen ein und bemühen sich
darum, finanzielle Mittel zu mobilisieren und die öffentliche Aufmerksamkeit
auf Solarprogramme zu lenken.
Das amerikanische Energpeministerium hat, analog zu dem bewährten
"Extension Service" des Landwirtschaftsministeriums, einen Förder- und Beraterdienst für den Energiesektor eingerichtet. Er so'1 die einzelnen Bundesstaaten bei Sparmaßnahmen unterstützen und gemeinsam mit Ihnen Energieprogramme
entwickeln, die den jeweiligen regionalen und örtlichen Gegebenheiten angepaßt sind. Nicht nur für Großverbraucher, sondern ebenso für Kleinverbraucher
wie Hauseigentümer, Krankenhäuser und Schulen gibt es besondere Beratungsteams.
Andere Abteilungen des Ministeriums verfolgen langfristige Entwicklungen in
der Solar- und Erdwärmetechnik sowie auf dem Gebiet der Fusions- und Brüterreaktoren. Die US-Regierung wünscht, daß auf allen Gebieten sondiert wird und
so viele Erfahrungen und Informationen wie nur irgend möglich gesammelt werden,
damit später notwendige Entscheidungen leichter und ohne Verzögerung gefällt
werden können.
Kürzlich veröffentlichte die Zeitschrift TIME eine Obersicht über aussichtsreiche Alternativquellen für Energie.

Neben Ölschiefer, Teersanden und

Kohle für Umwandlungsprozesse sind als regenerative llnergiequellen besonders
hervorgehoben:
1) Sonnenenergie
- 2 -

�1) Sonnenenergie - Mit Hilfe der Solartechnik wird heute noch nicht einmal ein Prozent des Energiebedarfs der USA gedeckt.

Bei den meisten Anlagen,

die 95 Prozent des Umsatzes ausmachen, handelt es sich um flache solarthermische
Ausrüstungen, die auf Hausdä'chern installiert werden, um Wasser aufzuheizen.
Als für die Zukunft besonders verheißungsvoll werden jedoch die photovoltaischen
Zellen zur direkten Umwandlung von Licht in elektrischen Strom durch Siliziumkristallscheibchen angesehen, die auf Sammlerplatten montiert sind.

Die gegen-

wärtig noch viel zu hohen Kosten sollen, wie aus dem Energieministerium verlautet, bis 1990 so stark gesenkt werden, daß dieses Verfahren zur Stromgewinnung
mit anderen Methoden ohne weiteres konkurrieren könnte.

2) Biomasse - Hausbesitzer, kommunale Versorgungsunternehmen, Fabrikanten
und Stadtverwaltungen experimentieren mit den verschiedenen Naturprodukten
wie Abfällen aus der Landwirtschaft, insbesondere dem Maisanbau, mit Sägemehl,
organischem Dünger oder Stadtmüll, um daraus Energie zu gewinnen.

Nach Be-

rechnungen des Energieministeriums decken sie z. Zt. damit ca. ein Prozent des
Bedarfs.

Als Rohstoff spielt vorläufig Holz die wichtigste Rolle.

Der Ver-

brauch ist in den letzten neun Jahren um das Sechsfache gestiegen, vor allem
in den Neuenglandstaaten, wo etwa ein Fünftel aller Eigenheime mit Holz beheizt wird.

Ungefähr 150 Papier- und Zellstoffwerke verbrennen Holzabfälle

und Ablaugen für die Stromerzeugung.

Sie geben sogar Strom an die lokale In-

cjustrifl ab. was z.Zt. Erdöleinsparungen von fünf Millionen Barrel jährlich ermöglicht.

Und die Mehrzahl der Müllkraftwerke in Großstädten wie New York,

Chicago und New Orleans ist so ausgerüstet, daß Rohstoffe wie Glas und Nichteisenmetalle zurückgewonnen werden können.

3) Erdwärme - Untersuchungen des amerikanischen Energieministeriums zufolge könnten viele Weststaaten der USA dem Beispiel Islands folgen und einen
großen Teil ihres Energiebedarfs aus Erdwärme decken.

Sie läßt sich nutzen,

wenn man Bohrungen in durchschnittlich 700 m tief liegende Heißwasser- und
Dampfschichten im Gestein vortreibt.
relativ hoch in der Erdkruste liegen.

Die Wärme liefern Magmataschen, die dort
Daß mit dem Dampf aus solchen Quellen

Kraftwerksturbinen angetrieben werden können, demonstriert die Union Oil Company

- 3 -

�Company (Kalifornien) schon seit einigen Jahren.

Ihr geothermisches Kraft-

werk in der Nähe von San Francisco deckt zwei Prozent des Strombedarfs von
Kalifornien.
4) Wasserkraft - Vor einem halben Jahrhundert wurde in den Vereinigten
Staaten ein Drittel des Kraftstroms an Talsperren erzeugt.

In der Ära des

billigen Öls hat man eine Anzahl von Wasserkraftwerken stillgelegt oder abgerissen.

Aber jetzt kommt Wasserkraft wieder in Mode.

Die günstigsten Stand-

orte - Talsperren mit hohen Dämmen oder Flußläufe irit starker Strömung und
viel Wasser - sind natürlich längst besetzt und wurden auch nicht aufgegeben.
Heute besinnt man sich jedoch auf die Möglichkeiten, die kleine Dammbauwerke
- m i t Dammkronen von 22 m Höhe und darunter - für die Stromversorgung der unmittelbaren Umgebung bieten können.
5) Wind - Analysen zufolge könnten Windkraftwerke bis zum Jahr 1990 zwei
Prozent zur Deckung des Strombedarfs in den USA beitragen.

Ihr Nachteil, nur

bei Wind Strom zu erzeugen, würde vor allem in abgelegenen ländlichen Gebieten,
wo Energie besonders teuer ist, durch die geringen Produktionskosten mehr als
aufgewogen.

Die größte Windturbine für Demonstrationszwecke wurde kürzlich in

Boone (Nordkarolina) in Betrieb genommen.

Bei Windgeschwindigkeiten von 40 km/

Stunde und mehr erzeugt sie 2000 kW Strom.
6) Meeresenergie - Strömungen, Gezeiten, Wellen und Temperaturunterschiede
bilden die Hauptquellen,die zu nutzen wären. Mit einem Zuschuß des Energieministeriums wird gegenwärtig die Nutzbarmachung vcn Strömungsenergie vor den
Küsten Floridas untersucht. Mit der Umsetzung von Wärmeenergie der Ozeane befaßt man sich schon seit den dreißiger Jahren. Entsprechende Versuchsapparaturen nutzen das starke Gefälle zwischen dem warmen Cberflächenwasser und dem
kalten Tiefwasser in tropischen Meeren. Daß die Icee richtig ist, wurde bereits demonstriert. Aber das Verfahren ist noch nicht soweit entwickelt, daß
an eine kommerzielle Anwendung zu denken wäre.

Die

�Die Experten sind in der Frage, welche Alternativenergien die besten
Zukunftschancen haben, verschiedener Meinung. Im Rahmen des neuen Energieplans der Regierung sind jedoch bessere Möglichkeiten gegeben, Kosten, Technologien und Anwendung gründlich genug zu sondieren, um aufgrund erfolgversprechender Resultate die Privatwirtschaft auch für längerfristige Entwicklungen zu interessieren. Die meisten Befürworter findet gegenwärtig - auch
in der Presse - die Sonnenenergie. Eine Reihe von Firmen hat die Chancen im
Zusammenhang mit ihrer Erschließung erkannt und schon in kurzer Zeit gut genutzt. So ist heute, nur fünf Jahre nach ihrer Gründung, die Solarex Company
in Rockville (Maryland) der Welt größter Produzent für Solarzellen. Ihr Umsatz lag im Jahr 1978 bei über 10 Millionen Dollar; mehr als die Hälfte der
Produktion ging in den Export. In Kooperationsvereinbarungen mit Firmen in
Frankreich und Italien liefert Solarex die Solarzellen, der ausländische
Partner die Anwendungstechnik. Die Produkte reichen von Solarelektropumpen
für abgelegene Dörfer in Afrika bis zu Relais- und Verstärkerstationen der
Nachrichtentechnik für Abnehmer in vielen Teilen der Welt.

- 5 -

�1
I

Uli//en/chofl
und1
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SOLARZELLEN NACH NEUEM HERSTELLUNGSVERFAHREN

- (AD) - Ein neues Verfahren, das die Herstellung von integrierten
Schaltkreisen und Solarzellen revolutionieren könnte, wurde von Wissenschaftlern
des "Massachusetts Institute of Technology" (MIT) in Boston entwickelt. Die
dabei angewandte Technik, Graphoepitaxie genannt, ermöglicht bei erheblichen
Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen Verfahren das "Züchten" ausgerichteter Siliziumkristalle in einer dünnen Schicht auf der Oberfläche eines nichtkristallinen Trägers. Gegenwärtig werden Siliziumkristalle, mit bestimmten Zusatzstoffen "dotiert", in einem teuren und energieintensiven Verfahren hergestellt, um dann ihre Funktion in Solarzellen und den zahlreichen Instrumenten
und Ausrüstungen der Mikroelektronik erfüllen zu können. Aus einer Schmelzmasse werden große Einkristalle gezogen und anschließend in dünne Plättchen
gespalten.
Für das Graphoepitaxie-Verfahren dagegen sind eine Platte aus Quarzglas,
in die feine, parallel laufende Rillen eingeätzt sind, dazu ein dünner Film
nichtkristallinen Siliziums und Laser-Licht erforderlich, mit dem aus den
Siliziummolekülen Kristalle in der Orientierung der Rillen "geformt" werden.
Der Erfinder des Verfahrens, Prof. Henry I. Smith, ist überzeugt, daß auf diese Weise eine billige Massenproduktion von Solarzellen ermöglicht wird. Die
Idee dazu verdankt er einem Zufall: Vor etwa zehn Jahren entdeckte er an der

Postfach 20 03 00
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�der Windschutzscheibe seines Autos, daß sich bei starker Winterkälte Eiskristalle stets entlang feiner Kratzer ausbildeten, die man mit bloßem Auge
bei Wärme gar nicht zu erkennen vermochte.

+ + + + +

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I

Wi//en/ch&lt;ift
wtd Technik
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NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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1. August 1979

31

NEUE THERMISCHE BATTERIE ZUM SPEICHERN VON WÄRME

- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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- (AD) - Eine neuartige Batterie für das Speichern von Wärme aus Sonnenenergie oder anderen Quellen wurde jetzt von den beiden amerikanischen Firmen
"Dow Chemical Company" und "Pipe Systems Inc." (beide St. Louis, Missouri)
vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohl Stäbe
benutzt. Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer
100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen. Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die
Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat. Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller
Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht. Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle
auf und geben Wärme ab, sobald die Verbindung mit der Quelle unterbrochen wird.
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vorgestellt. Sie eigne sich, wie Ingenieure der Unternehmen erklären, sowohl
für Wohn- und Geschäftshäuser als auch für industrielle Zwecke. Ihr besonderer Vorteil liege darin, daß sie im Gegensatz zu den heute üblichen Wärmespeichern - in erster Linie Tanks mit Wasser oder Kieseln - viel weniger Platz
beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt.

Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

100-Stäbe-Batterie in der Größe einer Tiefkühltruhe ein Einfamilienhaus zu versorgen.

Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat.

Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
speichert Wärme bzw. gibt sie wieder ab, indem sie sich verflüssigt und dann
wieder in den festen Zustand übergeht.

Die Stäbe nehmen Wärme aus jeder Quelle

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beanspruchen.
Bei dem neuen System werden mit bestimmten Chemikalien gefüllte Hohlstäbe
benutzt.

Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

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Jeder Speicherstab ist 2 m lang und hat 8,75 cm Durchmesser. Die

Hülle besteht aus Polyäthylen hoher Dichte, die hermetisch versiegelte Füllung
aus Chlorcalciumhexadydrat.

Die von der Firma Dow Chemicals mit finanzieller

Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte Chlorcalcium-Verbindung
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Die darin gespeicherte Wärmeenergie reicht aus, um z.B. mit einer

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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;G. William Miller: Neuer Finanzminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Paul Adolph Volcker: Der neue Präsident des amerikanischen Zentralbankrates (Bundesbankpräsident)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles W. Duncan: Der neue Energieminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Benjamin R. Civiletti: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Roberts Harris: Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialministerin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Verkehrsminister der USA: Neil Goldschmidt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der neue Minister für Wohnungsbau und Städteplanung: Moon Landrieu&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vance und Seignious sprechen über Einstellung der NATO-Verbündeten zu SALT II&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erneuerungsfähige Energiequellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA: Selbst kleine Wasserkraftwerke wieder interessant&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Solarzellen nach neuem Herstellungsverfahren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue thermische Batterie zum Speichern von Wärme</text>
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und
Dokumentation

alla
i 3

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8. August 1979

32

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter würdigt Bedeutung der Schlußakte von Helsinki
HINTERGRUNDMATERIAL
Amerikas Macht in einer s"»ch wandelnden Welt
- von Dr. .Zbigniew Brzezinski Man fährt gut mit Biosprit
- Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Leiseres Kleinflugzeug
- NASA erprobt neue Motoren Eine Bank für Knochenmark ;n Texas
- Patienten spenden für den Eigenbedarf -

Um Übcr/cncJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation

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8. August 1979

32

PRÄSIDENT CARTER WÜRDIGT BEDEUTUNG DER SCHLUSSAKTE VON HELSINKI

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 1. August 1979 in einer Erklärung auf die Bedeutung der am 1. 8. 1975 in Helsinki unterzeichneten Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) hingewiesen und die anderen Länder aufgefordert, gemeinsam die dort eingegangenen
Verpflichtungen zu erfüllen. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
An diesem Tag im Jahr 1975 versammelten sich die Staats- und Regierungschefs von 35 Staaten in Helsinki, um die Schlußakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa zu unterzeichnen. Sie verpflichteten sich,
in Europa eine Zukunft des Friedens und der Stabilität zu schaffen auf der
festen Grundlage des gegenseitigen Verständnisses und der Achtung der elementarsten Menschenrechte.
Im Verlauf der Jahre nach Helsinki sind wir Zeugen gewissenhafter Anstrengungen vieler Signatarstaaten geworden, um ihre Verpflichtungen gemäß der Schlußakte voll und ganz zu erfüllen. Wir haben Fortschritte gemacht bei der Sicherung eines freizügigeren Austausches von Menschen und Ideen. Flagranter Mißbrauch der Menschenrechte wird nicht mehr unbemerkt und unbeanstandet getrieben.
Die Klausel der Schlußakte, die die Ankündigung großangelegter Manöver vor-

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�V

vorsieht, funktioniert gut.
deutliche Rückschläge.

4

Der Geist von Helsinki lebt. Aber es gab auch

Zum Beispiel treten heute, am Jahrestag von Helsinki,

in der Deutschen Demokratischen Republik harte neue Gesetze in Kraft, die den
Kontakt mit Ausländern einschränken sollen.

In der Tschechoslowakei werden

weiterhin Mitglieder der Bewegung "Charta 77" im Gefängnis festgehalten und sehen einem Prozeß entgegen wegen ihres Eintretens für die grundlegenden menschlichen Freiheiten.

In der Sowjetunion werden Organisationen, die eingerich-

tet wurden, um die Erfüllung des Abkommens von Helsinki zu überwachen, in
ihrer Tätigkeit behindert und ihre Mitglieder ins Gefängnis geworfen.

Solche

Handlungen stehen völlig im Widerspruch zu den in Helsinki eingegangenen Verpflichtungen.
Am Jahrestag der Abkommen von Helsinki widme ich erneut diese Administration und diese Nation dem unermüdlichen Kampf um eine umfassende Durchführung
der Schlußakte.

Wir werden auch weiterhin unsere eigene Bilanz in Vorberei-

tung für das Treffen der KSZE-Staaten in Madrid im Jahr 1980 überprüfen.
Und wir rufen die anderen Signatarstaaten auf, mit uns zusammenzuarbeiten, um gegenseitig die Verpflichtung erfüllen zu können, die wir in Helsinki
für Frieden, Sicherheit und Menschenrechte eingegangen sind.

+ + + + +

�afj W\

Hintergrund
materiell
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32

8. August 1979

AMERIKAS MACHT IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
von Dr. Zbigniew Brzezinski

Der Sicherheitsberater Präsident Carters,
Dr. Zbigniew Brzezinski, hat am 2. August
1979 in einem Vortrag vor der fast 150
Jahre alten "International Platform
Association" (einer privaten Vereinigung
öffentlicher Redner) die Führungsrolle
der Vereinigten Staaten in einer sich
wandelnden Welt deutlich gemacht. Es
habe keinen Sinn, so führte er aus, den
Wandel aufhalten zu wollen, sondern man
müsse ihn in die richtige Richtung lenken,
Die Ausführungen haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend über ein zentrales Anliegen unserer Regierung
und unserer Nation sprechen: Die Rolle der amerikanischen Macht in einer
Zeit des globalen Wandels.
Die Wechselwirkung zwischen der Macht Amerikas und dem globalen Wandel
stellt den Rahmen für die amerikanische Außenpolitik in unserer Zeit her.
Während der letzten dreißig Monate hat diese Wechselwirkung auch den Rahmen

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�k

Rahmen für mein tägliches Arbeitsleben hergegeben.

Ich möchte Ihnen etwas

von diesen Erfahrungen mitteilen.
Inmitten des Trubels der Ereignisse ist es ebenso notwendig wie
schwierig, einen Schritt zurückzutreten und sich zu fragen:
unsere Zeiten wirklich?
wir stehen, wirklich?

"Wie sind

Welche Bedeutung haben die Probleme, vor denen
Sind die scheinbar zufälligen und in keinem Zusammen-

hang stehenden Veränderungen um uns herum Teil eines geistig zusammenhängenden
Systems?

Wenn wir uns nicht immer wieder diese Fragen stellen, dann riskieren

wir, unser Richtungsgefühl zu verlieren.

Dann riskieren wir, zum Spielball

der Kräfte der Geschichte zu werden - ohne in der Lage zu sein, diese Kräfte
zu lenken.

Unser Bewußtsein als Staatsmann und Bürger verpflichtet uns,

die Bedeutung der sich wandelnden Wirklichkeit zu erkennen und dann aus
dieser Erkenntnis heraus Maßnahmen zu ergreifen, die die Wirklichkeit
kongenial zu unseren Werten und vereinbar mit unseren Interessen gestalten.

Die wahre Natur unserer Zeit
Lassen Sie mich eine einfache Vorstellung von einer komplexen Welt
entwickeln:

Wir leben in einer Zeit der weitreichendsten und tiefgreifendster

politischen Veränderungen in der Geschichte der Menschheit.

Niemals zuvor

waren zu einer Zeit so viele Länder und Völker so vielen politischen Umwälzungen ausgesetzt, so vielen konkurrierenden Ideologien, einem so raschen
Wachstum des politischen Massenbewußtseins.
Unsere Generation erlebt wahrhaft eine Zeit des echten weltweiten
politischen Erwachens.

Noch vor 40 Jahren schlief der größte Teil der

Menschheit politisch - kontrolliert von Weltreichen oder traditionellen
und überholten gesellschaftlichen und politischen Strukturen.

Der Westen -

die Länder Nordamerikas und der Kolonialreiche Europas - besaßen praktisch

�praktisch ein Monopol der politischen und wirtschaftlichen Macht.

Aber in den Nachwehen des Zweiten Weltkrieges begann eine massive
Neuorganisation der Welt.

Die Isolation Amerikas von den Strömungen fand

ein für allemal ein Ende - zum Teil gerade wegen des Erfolges unserer
Bemühungen, eine Weltwirtschaft aufzubauen, die die produktive Energie
von zahllosen Millionen von Menschen in der ganzen Welt freisetzen würde.

Die wirtschaftliche Macht ist heute unter den Ländern der Welt
breiter verteilt als jemals zuvor.

Und dieser Prozeß ist noch keineswegs

abgeschlossen.

Gleichzeitig hat die Welt in weniger als einem halben Menschenalter
die Geburt von über 100 neuen Staaten erlebt - von denen jeder nach seiner
eigenen politischen Identität strebt, von denen jeder auf wirtschaftliche
Forderungen pocht, von denen jeder mit einem immer rascheren sozialen Wandel
zu tun hat.

Während auf der einen Seite das militärische Kräfteverhältnis

in der Welt bemerkenswert stabil geblieben ist, so ist sein Rahmen durch
den Wandel vom konventionellen Konflikt - meist über nationale Grenzen hinweg zum unkonventionellen Konflikt
komplizierter geworden.

- meist innerhalb der nationalen Grenzen -

Als trgebnis dieser Entwicklung stellen diese

internen Konflikte Möglichkeiten und Versuchungen für Interventionen von
außen dar.

Und auch dieser Prozeß ist noch keineswegs abgeschlossen.

Wir erleben also ein weltweites Muster der Neuverteilung der Macht.
Die Zeit, da sich in der Geschichte der Menschheit alles um Europa drehte
oder der Westen die politische Herrschaft ausübte, geht zu Ende.

In den

kommenden Jahren werden die Entwicklungsländer, wie wir sie nennen, ihren
Anteil an den Gütern der Welt vergrößern.

Die Industrieländer werden mehr

und mehr von Rohstoffen abhängen, die fernab ihrer Küsten gewonnen werden.
Und bis Ende dieses Jahrhunderts werden 80 Prozent der Menschen in den
Entwicklungsländern leben.

Das ist eine eindrucksvolle Statistik.

- 3 -

Und die

�»

*

die Menschen, von denen hier die Rede ist, werden zunehmend lesen und
schreiben können, zunehmend informiert sein und zunehmend ihren politischen
Willen zum Ausdruck bringen. Sie werden weltweite politische und wirtschaftliche Vereinbarungen fordern, die diesen neuen Realitäten entsprechen. Ein
Phänomen wie OPEC ist nur ein äußeres Symbol für eine tiefere Machtverlagerung
in der Welt - eine Verlagerung, die wir klar erkennen und auf die wir
vernünftig reagieren müssen.

Die Rolle der USA
Im Licht dieser sich wandelnden Welt muß die künftige weltweite Rolle
der Vereinigten Staaten sorgfältig durchdacht und klug entwickelt und ihr
eine sinnvolle Richtung gegeben werden. Der Versuch, das Unaufhaltsame
aufzuhalten, der Versuch, die unerbittlichen politischen, wirtschaftlichen
und sozialen Veränderungen aufzuhalten, würde die Vereinigten Staaten zu
politischer Isolation und Leere verdammen. Stattdessen muß unsere zentrale
Strategie darin bestehen, bei der Umformung dieser unvermeidlichen globalen
Veränderung in konstruktiver und wirklich fairer Weise mitzuhelfen, wie es
Präsident Carter im Mai 1977 an der Universität von Notre Dame formulierte:
"Es ist eine neue Welt - aber Amerika sollte sie nicht fürchten. Es ist
eine neue Welt - und wir sollten dazu beitragen, sie zu formen. Es ist
eine neue Welt, die eine neue amerikanische Außenpolitik erfordert - eine
Politik, die sich auf eine Haltung des Anstands in ihren Werten und auf
Optimismus in ihrem historischen Ausblick gründet."
Von diesem Geist getragen, begann Präsident Carter eine umfangreiche
Liste grundlegender Ziele durchzuarbeiten - und er hat in zweieinhalb Jahren
geleistet, worauf jede andere Administration sogar nach einer ganzen
Legislaturperiode stolz sein würde:
Die

- 4 -

�-

Die Panamakanal-Verträge, die die Basis gelegt haben für eine wohldurchdachte Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und den
Ländern von Lateinamerika;

-

das langfristige Verteidigungsprogramm der NATO, das dem Bündnis
größeres Vertrauen gibt in einer Zeit erhöhter Gefahren und Ungewißheiten;

-

die Vereinbarungen von Camp David, die zu dem Friedensvertrag zwischen
Israel und Ägypten geführt haben, zu den Verhandlungen über die
Zukunft des Westufers und des Ghaza-Streifens und zu konkreten
Aussichten auf Frieden, rasche Entwicklung und Unabhängigkeit für
die Länder des Nahen Ostens;

-

die Normalisierung der Beziehungen zu China, was zu einem beschleunigten
produktiven Engagement dieses Landes mit der Welt führte, in dem nahezu
1 Milliarde Menschen leben;

-

ein Rahmen für den Gemeinsamen Fonds, der den Entwicklungsländern
größere wirtschaftliche Aussichten bietet;

-

die SALT II-Verhandlungen, die zur Stabilisierung des zentralen
nuklearen Gleichgewichts beitragen und die den Weg für künftige
Verringerungen der Nuklearwaffen ebnen;

-

und schließlich

das Multilaterale Handelsabkommen, das den Rahmen schafft für einen
freizügigeren Handel und aus dem Arbeiter, Bauern, Geschäftsleute
und Verbraucher sowohl hier als auch im Ausland Nutzen ziehen werden.

Dies sind echte und konkrete Leistungen. Und jede steht in einer
direkten Beziehung zu den anderen: jede ist Teil des umfassenden Entwurfs,
den Vereinigten Staaten in konstruktiver Weise Bedeutung für eine sich

- 5 -

�*

sich stürmisch verändernde Welt zu verleihen.

All dem zugrunde aber liegen

unsere Verpflichtungen den Menschenrechten gegenüber und das wachsende
internationale Bewußtsein, das sie hervorgebracht haben.

Militärische Macht
Die militärische Macht der Vereinigten Staaten ist eindeutig ein
überaus wichtiger Faktor in einer solchen Welt.

Denn wir müssen ent-

sprechende militärische Macht haben, um dabei zu helfen, die Veränderungen
in eine positive Richtung zu lenken.

Militärische Schwäche seitens der

Vereinigten Staaten kann Öffnungen und Versuchungen für unsere ideologischen
Gegner schaffen, um stürmische Situationen für ihre eigenen Zwecke auszunutzen.

Kurz gesagt:

eine starke Verteidigung erlaubt es uns, angesichts

von Entwicklungen geduldig zu bleiben, die ansonsten eine unannehmbare
Bedrohung darstellen könnten.
Einige Leute haben behauptet, daß unsere Erfahrung in Vietnam die
Wertlosigkeit, ja, die Bösartigkeit der amerikanischen Militärmacht gezeigt
hätten. Aber eine solche vereinfachte Sicht vergeht angesichts unserer
Geschichte. Wir haben unsere Unabhängigkeit mit der Waffe errungen und mit
ihr unsere Einheit bewahrt. Wir haben im Verlauf zweier Weltkriege das
Gleichgewicht zugunsten der Demokratie verändert. Und seit Beginn des
nuklearen Zeitalters hat unsere militärische Macht den Frieden - einen unruhigen Frieden, aber eben dennoch einen Frieden - zwischen den Supermächten
in Ost und West erhalten.
Um eins klarzustellen: Vietnam war eine Tragödie - strategisch und
politisch. Aber wir können es uns nicht leisten, uns durch irgendeinen
Vergleich mit der Vergangenheit die Sicht versperren zu lassen - egal, ob
dieser Vergleich Vietnam ist oder München. Die historische Perspektive, aus

- 6 -

�aus der heraus wir die Gegenwart und die Zukunft sehen, muß breit sein.
Ich denke, wir sind aus der Erfahrung von Vietnam mit einer neuen Reife
hervorgegangen, einem neuen Verständnis für die Bedeutung von nationaler
Stärke - in militärischer, politischer und moralischer Hinsicht - und mit
einem praktischen und neubelebten Sinn für strategische Prioritäten.
Der Grundstein unserer nationalen Sicherheit ist die strategische
Abschreckung. Einige Kritiker behaupten, wir würden nicht genug tun. Aber
ich kann Ihnen versichern, daß wir bisher und auch weiterhin strategische
Nuklearwaffen sowie eine konventionelle Streitmacht unterhalten, die
ausreichend sind, um vor jedem möglichen Angriff auf uns oder unsere
Verbündeten abzuschrecken oder zurückzuweisen.
Dies ist eine andauernde Herausforderung. Der anhaltende Ausbau
der sowjetischen strategischen Nuklearwaffen über mehr als 15 Jahre hinweg
geht weit über jede vernünftige Notwendigkeit der UdSSR hinaus, vor einem
Angriff auf sich selbst abzuschrecken. Wir waren gezwungen, als Antwort
darauf angemessene Maßnahmen zu ergreifen. Zu Beginn seiner Amtszeit
entschied sich Präsident Carter, rasch mit der Dislozierung der Marschflugkörper voranzugehen - eine bedeutende technologische Initiative. Wir
haben das TRIDENT-U-Bootprogramm und andere Raketenprogramme fortgesetzt,
die die Schlagkraft des überlebensfähigsten Teils unserer strategischen
Abschreckungskraft vergrößern. Und kürzlich entschloß sich Präsident Carter,
mit der umfassenden Entwicklung und Dislozierung der mobilen M-X-Interkontinentalrakete voranzugehen. Dies wurde durch die potentielle Bedrohung
der Überlebensfähigkeit unserer MINUTEMAN-Raketen notwendig, die von den
sowjetischen Waffenverbesserungen ausgeht.
Die amerikanische Militärmacht muß in der Lage sein, unsere wesentlichen
Interessen im Ausland zu schützen, darin eingeschlossen die drei lebenswichtigen strategischen Zonen außerhalb unserer Hemisphäre:
der Nahe Osten und der Ferne Osten.

Westeuropa,

Dies bedeutet, daß wir Reichweite und

- 7 -

�und Mittel sicherstellen müssen, um unsere Macht dorthin zu werfen, wo
sie gebraucht wird, und daß wir dies in angemessener Form und in angemessenem
Ausmaß tun.

Bei dieser Aufgabe konsultieren wir die Verbündeten und Freunde

in jedem Bereich, arbeiten mit ihnen zusammen und reagieren auf ihre Wünsche.
Aber wir bleiben Führer und müssen die Last dieser Rolle tragen.
Demzufolge erweitern wir die konventionellen Kapazitäten des NATOBündnisses in Europa und konsultieren unsere Verbündeten im Zusammenhang
mit der Modernisierung der europabezogenen Nuklearwaffen (Theater Nuclear
Forces).

Wir erhöhen unsere militärischen Fähigkeiten und - im Einklang

mit den Wünschen unserer Freunde in diesem Gebiet - unsere in der Nähe
liegende militärische Präsenz, um die Sicherheit unserer Interessen im
Nahen Osten zu garantieren.

Und wir arbeiten auch eng mit Japan und Süd-

korea zusammen, um die Sicherheit im Fernen Osten zu erhalten.

Darüber

hinaus hat die Normalisierung der Beziehungen zu China die Stabilität im
Fernen Osten vergrößert, und wir werden auch weiterhin diese Beziehungen
ausbauen.
Während wir die strategische Stabilität unterhalten, erkennen wir
dennoch die wachsende Gefahr einer Eskalation interner Konflikte zu
internationaler Konfrontation. Aus diesem Grund wenden wir uns strikt
gegen jede direkte oder indirekte Ausnutzung solcher Konflikte, und
unsere eigene Respektierung der Empfindlichkeit anderer Parteien wird
beeinflußt durch ihre Respektierung unserer Anliegen. Die Vereinigten
Staaten verfolgten in letzter Zeit eine vorsichtige Politik bei einigen
Umwälzungen, deren Auswirkungen uns nicht gleichgültig waren, und wir
erwarten in gleicher Weise von anderen, sich mit Interventionen und
anderen Anstrengungen zurückzuhalten, um tiefreligiösen und nationalbewußten Völkern fremde Doktrinen aufzuoktroyieren.

Waffenkontrolle

�Waffenkontrolle
Eine starke Militärmacht ist ein lebenswichtiger Bestandteil der
nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Betreibung der Waffenkontrolle
ist ebenfalls ein lebenswichtiger Teil unserer Sicherheit. Die wirtschaftliche Last eines unkontrollierten Wettrüstens für alle betroffenen
Länder und die mögliche Gefahr der Krise und des Konflikts, die ein solches
Wettrüsten beinhaltet, zwingen uns dazu, durch Vereinbarungen mit den
anderen Wege zur Rüstungskontrolle zu suchen. Vernünftige, verifizierbare
Rüstungskontroll Vereinbarungen sind ein direkter Beitrag zur nationalen
Sicherheit. Das SALT II-Abkommen, über das gegenwärtig der Senat debattiert,
ist eine solche Vereinbarung.
SALT II ermöglicht eine gesteigerte Stabilität und größere Verhersagbarkeit in einer Welt der Ungewißheit. Der Vertrag fordert gleiche Höchstgrenzen für Waffen. Er fordert von der sowjetischen Seite eine Verringerung
um etwa 250 strategische Startanlagen. Er setzt bedeutsame Grenzen für
die qualitativen Verbesserungen, die auf dem Gebiet der strategischen Offensivflugkörper erlaubt sind. Er beginnt den Prozeß der Begrenzung der
Gesamtzahl von abschußbereiten Gefechtsköpfen, die potentiell jeder Seite
zur Verfügung stehen. Und über diese konkreten Begrenzungen hinaus schafft
er ein psychologisches und politisches Klima, das eine nukleare Auseinandersetzung weniger wahrscheinlich macht.
Diese Maßnahmen beenden nicht den Wettbewerb hinsichtlich strategischer
Waffen. Auch machen sie die UdSSR nicht zu etwas anderem, als sie ist,
nämlich einem furchtbaren militärischen Herausforderer,, Aber SALT II beschränkt diesen Wettstreit und macht die Herausforderung leichter zu bewältigen und voraussagbar. Gleichzeitig läßt er uns die Freiheit, das
Notwendige zu tun, um uns der sehr deutlichen strategischen Herausforderung
zu stellen, die noch bleibt. Und er läßt den politischen Weg zu zukünftigen
SALT-Vereinbarungen hin offen. Zusammen mit notwendigen Schritten bei unseren

�unseren Verteidigungsprogrammen macht uns SALT II sicherer

als wir ohne

den Vertrag sein würden.
Wir sehen in der Tat einer schweren militärischen und politischen
Herausforderung durch die UdSSR entgegen. Wir erkennen diese Herausforderung
und unternehmen konkrete Schritte, um ihr vorzubeugen. Die Gesamtnachfrage
nach unseren militärischen Mitteln zur Verteidigung unserer lebenswichtigen
Interessen rund um die Welt ist gestiegen und hat nicht abgenommen seit den
Tagen, als wir uns einer nuklearstrategischen Überlegenheit erfreuten. Aber
für den Großteil der letzten zehn Jahre sind unsere Realausgaben für Verteidigung zurückgegangen, wenn man die Inflation berücksichtigt. Präsident
Carter hat begonnen, diesen Trend umzukehren, indem er einen realen Zuwachs
bei den militärischen Gesamtausgaben erstrebt und die Verteidigungsinitiativen ergreift, von denen ich vorhin sprach. Aber Sie wissen so gut
wie er, daß andere wichtige fiskalische Prioritäten in Wettstreit mit den
Militärausgaben stehen. Unsere nationale Sicherheit kommt zuerst. Aber
auf lange Sicht können wir Sicherheit nicht mit einer Wirtschaft erkaufen,
deren Kennzeichen hohe Inflation, niedrige Produktivität und niedriges
Wachstum sind. Besonders gefährlich ist unsere Energielage. Allein von
dem Standpunkt der nationalen Sicherheit aus - sogar wenn man die wirtschaftlichen Folgen einmal außer Acht läßt - ist eine exzessive Abhängigkeit
von ausländischem öl gefährlich. Gegen diese Verwundbarkeit müssen wir
angehen, und ich glaube, daß die Warnungen des Präsidenten hinsichtlich
Energie nun endlich gehört werden. Wir müssen unsere Wirtschaft wieder
heilen und die Bedürfnisse der wirtschaftlichen und sozialen Gerechtigkeit
befriedigen und gleichzeitig die Errichtung einer festen Grundlage für die
Erhaltung des Friedens sichern.
Das kommende Jahrzehnt wird ein Jahrzehnt der Probe und der Herausforderung sein, aber auch eins der großen Hoffnung im Innern und im Ausland.
Es wird uns die schöpferischsten Talente abverlangen. Vielleicht wird es
uns sogar dazu zwingen, in unserem nationalen Leben die Qualitäten der

- 10 -

�der Einfachheit und Disziplin neu zu beleben. Aber im Herzen werden wir
Athener bleiben, dem öffentlichen Wohl verpflichtet in einer freien
Gesellschaft und einer friedlichen Welt. Was Perikles vor 2 500 Jahren
über seine Landsleute sagte, können wir auch von uns selbst sagen:
"Obgleich sehr wohl bekannt mit Schmerzen und Genuß des Lebens, so schrecken
wir dennoch vor den Gefahren nicht zurück".

+ + + + +

- 11 -

�8. August 1979

32

MAN FÄHRT GUT MIT BIOSPRIT
Amerikanische Autofahrer haben GASOHOL angenommen -

- (AD) - Obgleich GASOHOL, ein Mischkraftstoff aus 90 Prozent Benzin
und 10 Prozent Alkohol, etwas teurer ist als Benzin, scheinen viele Amerikaner bereit zu sein, den höheren Preis dafür zu zahlen.

Der akute Benzin-

mangel, der den Autofahrern noch vor wenigen Wochen so große Schwierigkeiten
bereitete, ist jetzt vorbei.

Dennoch bleiben viele Kraftfahrer offenbar dem

GASOHOL treu, mit dem ihnen an einer Reihe von Tankstellen aus der Patsche geholfen werden konnte.
Als Reaktion auf dieses Verbraucherverhalten haben jetzt mehrere große
Firmen den Biosprit in ihr Angebot aufgenommen.

Zwei amerikanische Bundes-

staaten haben bereits Gesetze verabschiedet, mit denen die Benutzung von
GASOHOL von offizieller Seite unterstützt wird.

Die American Oil Company be-

gann im Juli 1979 mit dem versuchsweisen Verkauf von GASOHOL an Tankstellen im
Bundesstaat Iowa; auch in Kansas wird der Mischkraftstoff inzwischen abgesetzt.

Wie die "National GASOHOL Commission, Inc." in Lincoln (Nebraska) be-

richtet, geben z.Zt. über 1000 Tankstellen in 20 amerikanischen Bundesstaaten
GASOHOL ab.
Um

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Telex:08-85432

�Um dem wachsenden Bedarf an Alkohol gerecht werden zu können, will die
Archer-Daniels-Midland Company, ein bekannter Alkohol Produzent im Mittelwesten,
die Gewinnung von Alkohol aus Maisabfä'llen bis Ende 1979 verdreifachen.

Sol-

che Aktionen sind geeignet, den Preis für GASOHOL mit der Zeit zu drücken.
Das Weiße Haus unterstützt ohnehin eine Umstellung auf Biosprit.

In seiner

Rede vom 15. Juli 1979 forderte Präsident Carter die Ausweitung der Produktion von GASOHOL.

Und das amerikanische Energieministerium verwies in einem

Bericht darauf, daß die Verwendung von Biosprit wie z.B. GASOHOL den Vereinigten Staaten gegenwärtig und in wachsendem Umfang während der achtziger Jahre
helfen könne, die Mineral ölreserven zu strecken.

Zwar sei, landesweit gesehen,

in den kommenden fünf Jahren nur ein bescheidener Beitrag seitens der AlkoholKraftstoffe zur Versorgung auf dem Gebiet der Mineralölprodukte zu erwarten.
Denn die industrielle Kapazität für die Umwandlung von Agrarprodukten und Abfall Stoffen in Alkohol reiche einfach noch nicht aus.

Regional gesehen, vor

allem in den Bundesstaaten mit landwirtschaftlicher Orientierung, könnte Biosprit jedoch schon bald große Bedeutung erlangen.
Tendenz allgemein spürbar werden.

Nach 1985 dürfte diese

Denn dann können die großen neuen Produk-

tionsanlagen, die in den nächsten Jahren gebaut werden sollen, ihre Lieferungen aufnehmen.

Das Energieministerium der USA verfolgt sein Ziel, Alkoholkraftstoffe
einer maximalen Nutzung zuzuführen, auf zwei Wegen: 1) durch die Kommerzialisierung von Biosprit, wobei die Bundesregierung die Privatwirtschaft bei der
Durchführung eines raschen Aufbaus massiv unterstützt&gt;und 2) durch Forschung
und Entwicklung, wobei sich die Bundesbehörden darauf konzentrieren, die Kosten
der Alkoholtreibstoffe zu senken, den Rohstoffbereich, aus dem sie zu gewinnen
sind, auszuweiten, und ihre Nutzung zu verbessern.
Bereits während der letzten Monate unternahm die amerikanische Regierung
eine Anzahl von Schritten, um dies zu fördern. Dazu zählen u.a. eine Empfehlung Präsident Carters, GASOHOL auf Dauer von der Benzinbesteuerung durch den
Bund (ca. 1 Cent pro Liter) auszunehmen, ferner Mischkraftstoff in Regierungsfahrzeugen zu verwenden, wann und wo immer dies möglich ist, und schließlich

- 2 -

�schließlich die Bereitstellung von Bundesmitteln in Höhe von insgesamt 11 Millionen Dollar als finanzielle Hilfen für den Aufbau von 100 Kleinbetrieben,
die Alkoholtreibstoffe herstellen.

Das Energieministerium rechnet damit, daß

aufgrund der Anreize die Biosprit-Produktion von gegenwärtig 230 Millionen
Litern im Jahr auf etwa 1,2 Milliarden Liter im Jahr 1982 und auf 1,9 bis 2,4
Milliarden Liter im Jahr 1985 ansteigt.

Und das würde bedeuten, daß dadurch

jeden Tag 30 000 bis 40 000 Barrel Erdöl (1 Barrel = 159 Liter) eingespart
werden könnten.

Einige GASOHOL-Kritiker behaupten, daß man mit der Verwendung des Biosprits der Energieversorgung einen Bärendienst erweise, weil zur Herstellung
mehr Energie verbraucht würde,als das Produkt liefere.

Dazu vermerkt ein Be-

richt des amerikanischen Energieministeriums, daß nur einige ältere Alkoholbrennereien, die unter Verwendung von öl oder Erdgas alkoholische Getränke
aus Getreide brennen, unwirtschaftlich arbeiteten.

Neue Betriebe dagegen, die

mit weniger knappen Energieträgern wie Kohle, Holz, landwirtschaftlichen Rückständen oder Sonnenenergie arbeiten, tragen dazu bei, den Bedarf an Importöl
zu verringern.

In Kalifornien wurden bereits Gesetze verabschiedet, denen zufolge von
1982 an in diesem Staat alle Motorfahrzeuge mit GAS0H0L fahren müssen.

Nach

dem 1, Januar 1982 muß alles Benzin, das dort an Tankstellen abgegeben wird,
mit einem Prozent Methanol oder Äthanol versetzt sein.
teil des Zusatzes auf fünf Prozent steigen.

Bis 1985 soll der An-

Außerdem sind die Kraftwerke

verpflichtet, bei Kapazitäten von 1000 Megawatt oder mehr dem Heizöl Methanol
zuzusetzen oder dieses als primären Heizkraftstoff zu verwenden.

Der Bundes-

staat Nebraska erhebt bei reinem Benzin eine Sondersteuer von 1 Cent pro
Gallone (knapp 4 Liter), um damit den Bau von Biosprit-Anlagen finanzieren
zu helfen.
Die amerikanischen Autofahrer scheinen GAS0H0L aus verschiedenen Gründen
jetzt dem Benzin vorzuziehen - einmal deshalb, weil es sich um einheimischen

- 3 -

�einheimischen Kraftstoff handelt, dann wegen seiner höheren Oktanzahl gegenüber bleifreiem Normalbenzin, und nicht zuletzt aus dem Grunde, weil sie
einer neuen Entwicklung gegenüber aufgeschlossen sind.

- 4 -

�1

3

Wi//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

32

8. August 1979

LEISERES KLEINFLUGZEUG
- NASA erprobt neue Motoren -

- (AD) - Das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) erprobt
gegenwärtig im Rahmen einer Vielzahl neuer Projekte, die keineswegs nur der
Raumfahrt dienen, zwei Versuchsmotoren für private Kleinflugzeuge.

Im Ver-

gleich zu den heute üblichen Motoren zeichnen sie sich durch geringere Lärmentwicklung und niedrigere Abgaswerte aus. Bei dem einen Motor wurden hinsichtlich des Geräuschpegels 10 Decibel, beim zweiten 14 Decibel weniger als
bei Motoren der gegenwärtig "leisesten" Privatjets gemessen.

Das bedeutet

beim überfliegen eines Gebiets eine Verringerung des am Boden wahrgenommenen
Lärms um etwa 50 bis 60 Prozent.

In den Vereinigten Staaten entfallen auf Kleinflugzeuge etwa 38 Prozent
des Intercity-Passagierverkehrs; in einer Reihe anderer Industrieländer dürfte
der Anteil ähnlich hoch sein.

Die Anwohner der Flugschneisen, über die im

Flughafenbereich die Maschinen ein- und abfliegen, haben besonders unter dem
von den Motoren entwickelten Lärm zu leiden.

Die Ingenieure der NASA vom

Lewis-Forschungszentrum in Cleveland (Ohio), die die neuen Motoren testen,
sind der Ansicht, daß diese im An- und Abflugbereich um ein Zehntel leiser
sein werden als die der leisesten Privatmaschinen heutiger Bauart.
Die

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Telex:08-85432

�Die neuen Flugmotoren sind Entwicklungen der "Garrett Airesearch
Manufacturing Company" in Phoenix (Arizona) und der "AVCO Lycoming Division"
in Stratford (Connecticut).

Sie wurden von der NASA in ein Programm einbe-

zogen, bei dem es darum geht, die Technologie der großen Turbofan-Motoren auf
kleinere Motoren zur Verwendung in der allgemeinen Luftfahrt zu übertragen.
Lärmentwicklung brauche nicht, so ein NASA-Sprecher, eine Barriere für die umfassendere Verwendung von Turbofan-Triebwerken in der allgemeinen Luftfahrt
zu sein.

Eine Möglichkeit zur Verringerung des Lärmpegels bestehe darin,

die Ausströmgeschwindigkeit der Abgase zu reduzieren.

Außerdem werde der von

Kompressor und Turbine entwickelte Lärm durch Berücksichtigung akustischer
Gesichtspunkte bei der Konstruktion der inneren Motorteile und die Verwendung
schallabsorbierender Materialien verringert.
Die Umweltbelastung ist bei den neuen Motoren ebenfalls geringer:

Das

eine der beiden Triebwerke dürfte im Vergleich zu herkömmlichen Motoren 55 Prozent weniger Kohlenmonoxid und sogar 76 Prozent weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe abgeben.

Und es ist zu erwarten, daß die Abgasemissionen beim

zweiten Triebwerk sogar noch niedriger sind.

+ + + + +

- 2 -

�Wi//en/chaft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

8. August 1979

32

EINE BANK FÜR KNOCHENMARK IN TEXAS
- Patienten spenden für den Eigenbedarf

- (AD) - Mehr als 200 Krebspatienten haben in Houston (Texas) Knochenmark in einer Bank besonderer Art deponiert.

Sie wird vom Krebszentrum der

Universität Texas unterhalten - und vom Patienten in Anspruch genommen, sobald
sich sein Zustand verschlimmert.

Das Knochenmark stammt von Patienten, die

mit Erfolg gegen Leukämie behandelt wurden.
gefroren und aufbewahrt.

Die Zellen werden sorgfältig ein-

Falls der Patient einen Rückfall erleidet, ist die

Injektion eigener Knochenmarkszellen ein wichtiger Teil der Therapie.
Leukämiepatienten werden mit massiven Dosen chemotherapeutischer Präparate behandelt.

Leider können diese jedoch auch gesundes Gewebe, nicht nur

die entarteten Blutzellen, zerstören.
samte Immunsystem.

Dies aber beeinträchtigt u.a. das ge-

Die Abwehrkräfte gegen Infektionen werden in gefährlicher

Weise geschwächt.
Das Knochenmark spielt eine wichtige Rolle für die Produktion von Substanzen, die dem Körper helfen, Krankheitserreger abzuwehren. Hauptsächlich aus
diesem Grund, nämlich zur Mobilisierung körpereigener Abwehrkräfte, erhalten
Leukämie-Patienten Knochenmarkübertragungen. Häufig verursachen jedoch die

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Telex:08-85432

�9

die Transplantate von Spendern Komplikationen.

"

Bekommt jedoch der Patient

eigenes Knochenmark übertragen, hat der Organismus eine Chance, von sich aus
wieder gesunde Blutzellen zu produzieren.
Von den 200 Leukämie-Patienten mit einem "Guthaben" auf der KnochenmarkBank von Houston haben bisher 27 dieses Konto in Anspruch genommen.

Viele von

ihnen haben bisher den zweiten und sogar dritten Rückfall mit Erfolg überwunden.

Dr. Karel Dicke, der für die Knochenmark-Bank verantwortlich zeichnet,

ist überzeugt, daß die Zusatztherapie zahlreichen Patienten nach einem Rückfall helfen kann, der Krankheit erfolgreich Widerstand zu leisten.

+ + + + +

•

•

�</text>
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Information
und
Dokumentation

3~ L3IH

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Embassy of the United States of America

15. August 1979

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I N H A L T

INFORMATION
US-Vorratslager in Europa dienen der NATO-Verteidigung
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr
Reubin Askew:

Der neue US-Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen

DOKUMENTATION
Ausblicke auf die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
- Von Botschafter Malcolm Toon -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Seismische Sonde für Heißdampf in der Erde
Zuckerrohr als Energierohstoff

Um Übcr/cndung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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HUI laflKlB

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US-VORRATSLAGER IN EUROPA DIENEN DER NATO-VERTEIDIGUNG
- Raschere Verstärkung aus den USA möglich Von unserem Korrespondenten Ed Scherr

WASHINGTON - (AD) - In Vorratslagern und Depots der amerikanischen Streitkräfte in Europa stehen Panzer, schwere Waffen und anderes Gerät bereit, um im
Krisenfalle auf dem Luftwege aus den USA herangeführte Truppen auszurüsten und
sofort einsatzbereit zu machen.
Dieses Material - das für die Ausrüstung von fast drei Divisionen und den
dazugehörenden Versorgungseinheiten ausreicht - gehört zu der amerikanischen
Verpflichtung gegenüber der NATO.
Im Rahmen der Zusagen für das vom Bündnis beschlossene Langfristige Verteidigungsprogramm (LTDP) werden die Vereinigten Staaten bis 1982 in Europa
Gerät für weitere drei Divisionen und einige Versorgungseinheiten einlagern.
Das Langfristige Verteidigungsprogramm ist eine bedeutsame gemeinsame Anstrengung der Bündnisländer, die Einsatzbereitschaft und Kampfkraft der NATO zu erhöhen. Das amerikanische Programm im Rahmen des LTDP trägt die Bezeichnung
"POMCUS" - Pre-Positioned Overseas Material Configurated in Unit Sets - was

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�was auf deutsch etwa so viel bedeutet wie Ausrüstung nach Einheiten, zusammengefaßt an vorher festgelegten Standorten in Übersee. Militärischer Nachschub
wird in feuchtigkeitssicheren Lagerräumen jeweils für ein Bataillon zur raschen
Ausgabe eingelagert.
Nach Feststellung des amerikanischen Verteidigungsministers Harold Brown
wird dieses zusätzlich vorher eingelagerte Material zusammen mit einer erhöhten
Luftbrückenkapazität der Vereinigten Staaten es ermöglichen, die Stärke der
amerikanischen Truppen in Europa innerhalb von zwei Wochen um 150 000 Mann zu
erhöhen.
Die Konzeption des Langfristigen Verteidigungsprogramms stammt von Präsident Carter, der diesen Vorschlag auf der Gipfelkonferenz der NATO-Staaten
im Mai 1977 in London unterbreitete.

Die Durchführung dieses Programms wurde

dann auf dem NATO-Gipfel im Mai 1978 in Washington beschlossen.

Die führenden

Männer im Bündnis betrachten dieses Programm als ein wesentliches Mittel, um
den Sicherheitsanforderungen des Bündnisses gerecht zu werden, die sich durch
die Aufrüstung des Warschauer Paktes stellen.
An den "POMCUS-Standorten" sind rund 90 Prozent des Ausrüstungsbedarfs
einer amerikanischen Division eingelagert.

Ein amerikanischer Soldat, der an

Bord eines Passagierflugzeuges mit seiner Handfeuerwaffe und seiner Marschausrüstung nach Europa kommt, erhält alles andere aus. dem vorbestimmten Depot
dort.

Material, das eine starke Wartung erfordert, wie Luftverteidigungssysteme

und Hubschrauber, würde, auch über eine Luftbrücke nach Europa befördert.
Die Einlagerung von Gerät für Verstärkungen, die in Amerika stationiert
sind, ist billiger als die Aufrechterhaltung von mehr amerikanischen Truppen
in Europa. Die Wirksamkeit hängt jedoch davon ab, daß in Krisenzeiten eine
ausreichende Vorwarnung gegeben ist.
Eine kürzliche Studie des amerikanischen Kongresses hat ergeben, daß ein
wesentlicher Teil des "POMCUS-Geräts" innerhalb von fünf Tagen ausgegeben wer-

- 2 -

�werden könnte - vorausgesetzt, daß die Entscheidung zur Dislozierung amerikanischer Streitkräfte sofort nach Eintreffen der Vorwarnung erfolgt.

Bei

einer Vorwarnzeit von zehn Tagen kann alles Gerät rechtzeitig ausgegeben
werden.
Ohne dieses vorher eingelagerte Material würden die Vereinigten Staaten
nach Schätzungen von Experten etwa zehn Tage benötigen, um eine Division mit
Mannschaften und Gerät und Nachschub auf dem Luftwege nach Europa zu bringen.
Das Einlagerungsprogramm für Gerät begann nach der Berlinkrise im Jahre
1961, als offensichtlich wurde, daß die Vereinigten Staaten nicht Truppen und
Gerät rasch genug nach Europa entsenden können, um sowjetischen Schritten zu
begegnen. Das erste Einlagerungsprogramm erstreckte sich auf die Ausrüstung
für eine Panzerdivision, eine motorisierte Division und zehn dazugehörende
Versorgungseinheiten.
Das Programm wurde im Jahre 1968 ausgeweitet, als die Vereinigten Staaten
ihre Ausgaben in Übersee senkten, indem sie etwa zwei Drittel der Ersten Infanteriedivision nach den USA zurückholten.

Für diese der NATO zugesagten

Einheiten wurde das Material in Europa eingelagert.
Angesichts der erhöhten Aufrüstung des Warschauer Paktes auf konventionell
Gebiet verpflichteten sich die Vereinigten Staaten 1978, bis zum Jahr 1982
genügend Material für drei weitere Divisionen einzulagern, um die Verstärkungskapazität des Bündnisses zu erhöhen.
Neben dem Gerät für drei Divisionen werden an den "POMCUS-Standorten"
Materialien für ein Kavallerieregiment (Panzer), 74 nicht divisionsgebundene
Einheiten, 36 Kampfversorgungseinheiten und 28 Sani tätseinheiten eingelagert.
Bis 1982 werden sechs der elf in den USA stationierten Divisionen, die für
eine Verstärkung der NATO in Frage kommen, mit "POMCUS-Lagern" in Europa versehen sein.

Dem

�Dem Ausmaß, in dem "POMCUS-Standorte" die Verstärkungskapazität erhöhen
können, sind jedoch Grenzen gesetzt, da sonst die Flexibilität des Einsatzes
in Frage gestellt würde.

Diese "POMCUS-Standorte" grenzen natürlich die Ge-

biete ein, in die die Verstärkungen verbracht werden können.
Verteidigungsminister Brown wies auf diesen Punkt hin und erklärte: "Wir
wollen die Beweglichkeit aufrechterhalten, Streitkräfte zwischen der Mittelregion Europas und den Flanken oder anderswo hin zu verschieben, wie es der
Verlauf eines Krieges erforderlich machen könnte."

Eine weitere Beschränkung

könnte dadurch gegeben sein, daß die Vereinigten Staaten Truppen in Gebieten
dislozieren möchten, in denen "POMCUS-Standorte" politisch nicht durchsetzbar
sind.
Die Vereinigten Staaten pflegen gegenwärtig Konsultationen mit ihren Verbündeten über die Standorte der "POMCUS-Lager" für drei weitere Divisionen.
Die Bundesrepublik Deutschland hat bereits drei Standorte für die ersten Einheiten dieser Art zur Verfügung gestellt.
Die Vorbereitung der Lagerflächen und der Bau der Lagerhallen und der dazugehörenden Gebäude wird aus dem Infrastrukturfonds der NATO finanziert.
Dieser Fonds wird aus jährlichen Beiträgen der Mitgliedsländer des Bündnisses
gespeist, um Verteidigungseinrichtungen zu bauen, die für die NATO entscheidend wichtig sind. Nach einer Studie des amerikanischen Kongresses wird die
NATO etwa 400 Millionen Dollar für den Bau der "POMCUS-Lager" aufwenden.
Im Zusammenhang mit dem "POMCUS-Programm" und der Verstärkung der NATO
stehen die "Host Nation"-Abkommen (Gastlandabkommen) der USA mit europäischen
Ländern, in denen amerikanische Einrichtungen liegen oder in denen in Krisensituationen Transporteinrichtungen benutzt würden.

Diese Länder unterstützen

die Bewegungen amerikanischer Truppen und amerikanischen Materials durch die
Gestellung von Häfen und Flugplätzen. -

In

�In einer Stellungnahme zu den jährlich stattfindenden REFORGER-Übungen
(deren wichtiger Bestandteil die Verstärkung der Verteidigungsstreitkräfte
der NATO durch amerikanische Truppen ist) betonte Verteidigungsminister Brown,
daß die meisten der auf dem Luftwege nach Europa gebrachten Bataillone weniger Zeit brauchten, ihr Gerät aus den "POMCUS-Lagern" zu übernehmen, als
ursprünglich vorgesehen.

Er hob hervor, daß "die Leistung unserer Soldaten

in Zusammenarbeit mit amerikanischen und alliierten

Zivilisten ganz ausge-

zeichnet war, ebenso wie das beispiellose Maß an Unterstützung durch die
Gastländer."

+ + + + +

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REUBIN ASKEW: DER NEUE US-SONDERBEAUFTRAGTE FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 8. August 1979 den ehemaligen Gouverneur von Florida Reubin O'Donovan Askew zu seinem Sonderbeauftragten
für Handelsverhandlungen ernannt. Er tritt die Nachfolge von Robert S. Strauss
an, der zum persönlichen Vertreter des Präsidenten bei den Nahostverhandlungen
bestellt worden ist. Die Nominierung muß noch vom US-Senat bestätigt werden.
Carter und Askew kennen sich bereits aus den Tagen, als sie in den siebziger Jahren beide noch Gouverneure der Nachbarstaaten Georgia und Florida
waren. Regierungssprecher Powell hob anläßlich der Ernennung hervor, daß Präsident Carter Askews "Fähigkeit als Verwaltungsmann und als Fü'hrungspersönl ichkeit" schon seit langem schätzt, und wies auf die Aufgaben hin, die auf den
frischernannten Sonderbeauftragten warten: zum einen gehe es darum, die kürzlich im Rahmen der Tokio-Runde ausgehandelte Handelsvereinbarungen zu erfüllen;
zum andern solle die vom Präsidenten vorgeschlagene Reorganisation der für
die Handelspolitik zuständigen Bundesbehörden durch den Kongreß gebracht werden,
Auch Alan W. Wolff, der Stellvertreter von Askews Vorgänger bei den Verhandlungen der Tokio-Runde, unterstrich die vorzügliche Besetzung des neuen

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�neuen Postens:

"Gouverneur Askew ist von seiner Weltsicht her in völligem

Einklang mit dem offenen Handelssystem, das wir gerade ausgehandelt haben.
Und als Floridas erster Mann war er überaus aktiv bei der Förderung der Handel sinteressen seines Staates". Als Gouverneur unternahm er verschiedentlich
Reisen mit Geschäftsleuten aus Florida nach Europa, Japan und Lateinamerika,
um Probleme hinsichtlich des gegenseitigen Handels und der Investitionen zu
besprephen.
Reubin O'Donovan Askew wurde am 11. September 1928 in Muskogee, Oklahoma
geboren.

Ihren Vater sahen die sechs Kinder sehr selten: er war als Zimmer-

mann unterwegs.

Die Mutter zog mit ihnen 1937 in ihre Heimatstadt Pensacola

in Florida, wo sie als Kellnerin und Näherin arbeitete und der zukünftige
Gouverneur durch Schuhputzen und Zeitungsaustragen die Familie mit unterstützte.
Nach Schule, Militärdienst und Studium arbeitete Askew zunächst vier Jahre lang
als Anwalt und wurde 1958 ins Abgeordnetenhaus von Florida gewählt.

1962

folgte die Wahl in den Senat von Florida, 1970 die Wahl zum Gouverneur.

1974

war er der erste Gouverneur des Staates, der zweimal hintereinander gewählt
wurde.

1979 hat er bereits Präsident Carter bei der Einführung des neuen

brasilianischen Staatschefs und auf einer Erdölkonferenz in Caracas vertreten.
Als wesentliches Merkmal des Gouverneurs h,eben Kenner seine "absolute Integrität" hervor.
Er ist mit Donna Lou Harper verheiratet; das Ehepaar hat zwei Kinder.

+ + + + +

�Dokumentation

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AUSBLICKE AUF DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHEN BEZIEHUNGEN
- Von Botschafter Malcolm Toon -

Der amerikan ische Botschafter in der UdSSR,
Malcolm Toon , der in Bälde seinen Posten
verläßt, hat in einer Rede vor der Amerikanischen Gese 11schaft für Außenpolitik
(Foreign Pol icy Association) am 9. August
1979 in NewYork einen grundlegenden überblick und Ausb1 ick auf die amerikanischesowjetischen Beziehungen und die Bedeutung
von SALT II in diesem Zusammenhang gegeben,
Wir geben na chstehend die Ausführungen von
Botschafter Toon im vollen Wortlaut wieder.

Ich werde manchmal als Scharfmacher bezeichnet, aber ich halte mich selbst
nicht für einen solchen - noch bin ich grundsätzlich gegen irgend etwas "anti"
eingestellt.

Aber seit ich den Wandel von einem Schneilbootskommandanten im

Zweiten Weltkrieg zum Berufsdiplomaten durchgemacht habe, habe ich herausgefunden, daß ich meinem Land immer am besten gedient habe, wenn ich zu den Völkern
und Regierungen, bei denen ich akkreditiert war, frei und offen über die amerikanischen Auffassungen und Werte gesprochen habe und meiner eigenen Regierung und
meinem Volk frei und offen meine Ansichten darüber vorgetragen habe, wie den
amerikanischen Interessen am besten gedient wäre.

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�Vor diesem Hintergrund möchte ich heute zu Ihnen über die amerikanischsowjetischen Beziehungen und die Rolle von SALT im Rahmen dieser Beziehungen
sprechen.

Ich glaube es ist nützlich, wenn ich zunächst über das sowjetische

Regime und darüber spreche, wie wir nach meiner Meinung mit ihm umgehen sollten.
Auf die Gefahr hin, Binsenweisheiten zu verkünden, möchte ich mit einigen
Grundwahrheiten beginnen.

Das sowjetische System ist Ausdruck einer Geschichts-

betrachtung, einer Vorstellung vom Verhältnis des Menschen zum Staat sowie
eines Komplexes von Werten und Grundsätzen, die von den unsrigen völlig verschieden sind.

Die Historiker können sich darüber streiten, ob diese Auffas-

sung traditionell russisch oder ob sie im wesentlichen sowjetisch ist und 1917
von oben aufgezwungen wurde. Ich neige zu der Auffassung, daß Lenin und Stalin
eine im wesentlichen westliche Philosophie, nämlich den Marxismus, genommen
und sie der russischen Realität angepaßt haben, so daß seit der Zeit Stalins
bis heute kein fundamentaler Konflikt zwischen sowjetischer Ideologie und
russischem Nationalismus entstanden ist.
Auf jeden Fall werden die beträchtlichen Ressourcen der Sowjetunion
heute - und auch für absehbare Zukunft - wirksam für die Unterstützung einer
charakteristischen und nach meiner Meinung verzerrten historischen Weltanschauung mobilisiert. Das sowjetische Regime kann Ideen der freien Meinungsäußerung und der Entscheidungsfreiheit des einzelnen, so wie wir sie verstehen,
nicht akzeptieren und wird sie nicht tolerieren. Es wird versuchen, seine
Ideologie durchzusetzen, indem es abweichende Meinungen im eigenen Lande zum
Schweigen bringt und indem es häufig im Ausland repressive Regime unterstützt,
die sich selbst als marxistisch-leninistisch bezeichnen.
Neben der Ideologie haben auch geographische und historische Erfahrungen
das sowjetische System und die Politik seiner Führer wesentlich mitgestaltet.
Jahrhunderte der Invasionen aus Ost und West haben ihre Spuren in den Anschauungen des russischen Volkes und seiner Führer hinterlassen. Die sowjetische
Führung hat massive Anstrengungen unternommen, um die Sicherheit an Rußlands
- 2 -

�Rußlands Grenzen zu gewährleisten - zum Teil durch den Versuch, diese Grenzen
nach außen hinauszuschieben.

Diese historische Einstellung, zu der die Kommu-

nisten noch ihre geistige Voreingenommenheit gegenüber militärischer Stärke
als Schlüsselelement der politischen Macht hinzugefügt haben, mag erklären,
wenn auch nicht rechtfertigen, warum die Sowjetunion heute eine Militärmaschinerie unterhält, die in keinem Verhältnis zu einer objektiven Abschätzung ihrer
Erfordernisse steht, und warum die Kosten dieses Strebens nach absoluter
Sicherheit und nach größerem politischem Einfluß mit Hilfe militärischer Macht
so enorm hoch sind.

Das alles bedeutet Entbehrungen für die sowjetische Be-

völkerung und Belastungen und Reibungen in den Beziehungen der Sowjetunion zu
ihren Nachbarn, mit gelegentlich gefährlichen Folgen für die Stabiltät
Welt.

der

Totale Sicherheit, wie sie die Sowjets anstreben, kann nur Unsicherheit

für andere bedeuten.

Das gleiche leidenschaftliche Sicherheitsbedürfnis kennzeichnet auch die
Szene in der Sowjetunion selbst, obwohl hier seit meinem ersten dienstlichen
Aufenthalt in Moskau Anfang der fünfziger Jahre ins Auge fallende Veränderungen
eingetreten sind.

Der stalisnistische Terror hat aufgehört.

Trotzdem begeg-

net organisierter Dissens der Feindseligkeit der Regierung, vor allem wenn er
die amtliche Parteilinie direkt in Frage stellt.

Ich bin jedoch geneigt zu

glauben, daß die Unterdrückung im eigenen Lande sehr viel größer wäre, wenn
die Sowjetunion ihre Politik der Entspannung aufgeben müßte, denn dann läge
ihr noch sehr viel weniger an der öffentlichen Meinung der Welt.

In den letzten 30 Jahren und auch heute noch ist eine der zentralen Fragen der amerikanischen Außenpolitik, wie man dieses komplexe und repressive
System behandeln soll.

Ich meine, wir müssen damit anfangen, die Sowjetunion

als das zu sehen, was sie wirklich ist.

Weder, wie einige meinen, als 260 Mil-

lionen Menschen, die wie wir Amerikaner sein wollen s noch, wie es wiederum andere tun, als 260 Millionen Dschingis Khans, die bereit, willens und in der
Lage sind, die Welt zu erobern.

Es handelt sich um ein bemerkenswertes Volk,

das langsam seinen eigenen Kurs verfolgt und gewaltige, ihm eigene Stärken einsetzt;

ein Volk aber auch, das von bestürzenden Schwächen bedrängt wird - vor

- 3 -

�- vor allem im Wirtschaftsbereich - und das Ziele und Methoden verfolgt,
die sich grundsätzlich von den unsrigen unterscheiden.
Wir müssen auch die Sowjetunion und unsere Beziehungen zu ihr unter einer
langfristigen Perspektive betrachten.

Wenn wir uns auf die kurzfristige Ent-

wicklung konzentrieren, können wir nicht hoffen, die Richtung zu ändern, in
die sich die Sowjetunion bewegt, und auch nicht ihre Tendenz, Einzelpersonen
und machtlose Länder zu überrennen, die ihr in den Weg geraten.

Wenn wir uns

ständig fragen, wieviel Fortschritte wir in den letzten 24 Stunden erzielt
haben

oder in der letzten Woche oder sogar im letzten Jahr, dann müssen wir

freimütig eingestehen: nicht viel.

Aber wenn wir alles unter einem länger-

fristigen Aspekt betrachten, wenn wir auf die Periode des Kalten Krieges zurückblicken und auf die Entfernung, die wir seither zurückgelegt haben, dann
glaube ich, daß trotz einer Folge von Pendel schlagen in unseren Beziehungen
eine allmähliche Bewegung nach vorn sichtbar wird.

Im Lauf der letzten 10

Jahre haben die sowjetischen Führer in ihrem ureigensten Interesse die Art
und Weise geändert, in der sie mit ihrem eigenen Volk umgehen.

Und, ich er-

wähnte es bereits, sie sind der Weltmeinung gegenüber nicht unempfindlich.
Trotz mancher Schwankung gibt es einen langfristigen Aufwärtstrend in Richtung
auf eine nützliche Zusammenarbeit auf den Gebieten gegenseitigen Interesses.
Eins der bedeutsamsten ist die Rüstungskontrolle.
Für jemanden, der wie ich - 30 Jahre lang - seit dein Zeiten des Kalten
Krieges - die Sowjetunion beobachtet hat, gibt es Gründe für einen vorsichtigen Optimismus, daß mit Geduld, Beharrlichkeit und klarem Kopf unsererseits
die Sowjetunion schließlich doch zu der Einsicht gebracht werden kann, daß
durch ständigen Ausbau ihrer Militärmacht und militärische Abenteuer in fremden Ländern ihren Interessen weniger gedient ist als durch ausgehandelte
Rüstungsbegrenzungen und eigene Zurückhaltung in anderen Teilen der Welt.
Gewiß dürfen wir nicht zuviel zu bald erwarten. Wir müssen vermeiden, daß
die Stimmung
in unserer Öffentlichkeit von einem Extrem ins andere verfällt,
von einem übertriebenen Gefühl der Verträglichkeit mit der Sowjetunion z~il offenen
- 4 -

�offenen Bekundungen der Feindseligkeit.

Nach meiner Auffassung hat sich zu

Anfang der siebziger Jahre ein sehr ärgerliches Mißverständnis über die wahre
Natur der Entspannung entwickelt, das dann zu einer unkritischen und ungerechtfertigten Euphorie führte.. Entspannung heißt nicht, daß ein Jahrtausend der
Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens angebrochen ist - was in jedem
Falle ohne einen grundlegenden Wandel der sowjetischen Philosophie und Weltanschauung unmöglich wäre.

Im besten Falle bedeutet Entspannung ein zunehmendes

Bewußtsein in diesem nuklearen Zeitalter für die Notwendigkeit, in einigen Dingen zusammenzuarbeiten, den Wettstreit in bezug auf andere Fragen in geordneten Bahnen zu halten und zu einer Übereinkunft hinsichtlich der Mittel zur Entschärfung jener Spannungen zu gelangen, die zu einer gefährlichen Konfrontation
führen könnten.

Das aber ist alles, mehr nicht.

Irgendwelche Veränderungen im sowjetischen System zustandezubringen,
muß als eine sehr langfristige Aufgabe angesehen werden. Aber die Chance
einer Veränderung, so gering sie auch sein mag, ist größer, wenn ein gewisses
Maß an Verpflichtung zwischen unseren beiden Ländern besteht. Und meiner Ansicht nach ist es genau so falsch, den Wert des Versuchs einer Zusammenarbeit
mit Moskau überhaupt in Frage zu stellen, wie viele das heute tun.
Wir müssen unsere eigenen Ziele in unserem Verhältnis zur Sowjetunion klar
vor Augen behalten. Wir wollen die Wahrscheinlichkeit einer direkten Konfrontation, die zu selbstmörderischen militärischen Feindseligkeiten eskalieren
könnte, so gering wie möglich halten. Wir wollen die Chancen für ein destabilisierendes Auftreten der Supermächte in den Entwicklungsländern verringern,
soweit es geht. Wir wollen jedoch das gegenseitige Verständnis, das - lassen
Sie mich dies betonen - nicht vom gegenseitigen Vertrauen abhängt, so weit wie
möglich steigern, da es zu den ersten beiden Zielen beitragen und auch zu einer
gedeihlichen Zusammenarbeit auf jenen Gebieten führen kann, auf denen sich
unsere Interessen decken.
Nachdem wir festgelegt haben, was wir aus unseren Beziehungen zur Sowjetunion erwarten, müssen wir methodisch, beharrlich und realistisch darangehen, es

- 5 -

�es zu erlangen.

Es ist überflüssig, zu erwähnen, daß ich keinesfalls der

Auffassung bin, alles, was wir zu tun hätten, bestünde darin, uns mit der
Sowjetunion zusammenzusetzen und mit ihr vernünftig zu argumentieren, um
unsere Ziele zu erreichen. Wir sollten bei jedem anstehenden Problem von
der Voraussetzung ausgehen, daß wir und die Sowjets an entgegengesetzten
Polen stehen und daß sie versuchen werden, uns auszunützen, wo immer es möglich ist. Aber wir sollten gleichzeitig genug Selbstveritauecn besitzen,
um einen Dialog zu begrüßen und unseren Einfallsreichtum für Lösungen zu nützen, die zwar für die Sowjetunion attraktiv sind, indem sie ihren eigenen
Interessen entgegenkommen, die aber gleichzeitig in Einklang mit unseren
eigenen wesentlichsten- Zielen stehen und die - vor allem - unsere Sicherheit
und die unserer Verbündeten nicht schwächen.
Unsere Politik wird auch weiterhin im Widerstreit stehen. Nach meiner
Ansicht hält die derzeitige sowjetische Führung an ihrem Glauben an die traditionellen marxistisch-leninistischen Ziele der "Weltrevolution" fest. Aber
ich glaube auch, daß eben diese Führung davon überzeugt ist, daß ihre globalen
Ziele durch einen nuklearen Krieg nicht gefördert werden. Während sie für eine
"friedliche Koexistenz" zwi:schenOst und West eintritt, ist die Sowjetunion
weiterhin ständig als Protektor und Unterstützer für die radikalen, im wesentlichen antiwestlichen Strömungen in der Dritten Welt - die die Sowjets als
"nationale Befreiungsbewegungen" bezeichnet haben - tätig geworden. Eine solche Weltanschauung bietet uns nur geringen Trost, sollte uns jedoch auch
nicht zu dem Schluß verleiten, gegenseitig nutzbringende Zusammenarbeit sei
unmöglich. Sie ist möglich, solange sie sorgfältig geplant und ohne jede
Illusion oder utopische Vorstellung darüber durchgeführt wird, was wirklich
machbar ist.
Meiner Meinung nach haben sich die historischen Gegebenheiten auf eine
Weise entwickelt, daß nunmehr konkrete Abrüstungsmaßnahmen eine große Anziehungskraft auf die sowjetische Führung ausüben. Noch vor 10 Jahren hätten
nur wenige kenntnisreiche Amerikaner geglaubt, daß wir uns mit den Sowjets
zusammensetzen und zu einer Vereinbarung über die Begrenzung der strategischen
- 6 -

�strategischen Kernwaffen gelangen könnten.

Aber genau das ist es, was wir

mit SALT II getan haben - nach nützlichen und wirkungsvollen Schritten zur
Behandlung des Problems der Begrenzung strategischer Waffen, wie dies bei
SALT I und in Wladiwostok geschehen ist.
Ich will nicht auf die Inhalte des SALT-Abkommens eingehen; seine detaillierten und komplexen Bestimmungen sind in den letzten Wochen angemessen - einige
würden sagen: ad nauseum - vor den Senatsausschüssen diskutiert worden. Lassen
Sie mich lediglich erwähnen, was ich von meinem besonderen Standpunkt aus als
einige seiner größten Vorzüge erachte. Das Abkommen wird ein grundlegendes
Element der Stabilität in unsere Beziehungen mit der Sowjetunion einbringen.
Es scheint mir wichtig, daß der Vertrag gleiche Höchstgrenzen für das strategische Arsenal beider Seiten festsetzt und dadurch ein bis dahin bestehendes
zahlenmäßiges Ungleichgewicht zugunsten der Sowjetunion aufhebt. Er läßt uns
die Freiheit der Wahl, die Waffen zu bauen, die wir zur Erhaltung des strategischen Gleichgewichts benötigen. Er vergrößert unsere Möglichkeit, sowjetische
Tätigkeiten zu überwachen, und er ist angemessen verifizierbar - ein grundlegender Aspekt eines jeden Abkommens mit den Sowjets, da wir uns nicht auf ihren
guten Willen verlassen können.
Lassen Sie mich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß ich vor einiger
Zeit öffentlich festgestellt habe, ich würde tatsächlich gegen einen Vertrag
sein, der nicht angemessen verifizierbar sei. Angesichts des Verlusts unserer
Einrichtungen im Iran behielt ich mir mein Urteil über den Vertrag vor; jetzt,
nachdem ich von den Experten hier in Washington informiert wurde - es waren
dieselben Informationen, die auch der Präsident selbst erhielt -, stimme ich
mit ihm, mit Verteidigungsminister Brown und mit dem Gemeinsamen Stab der
amerikanischen Streitkräfte überein.

Keinerlei militärisch bedeutsame Ver-

tragsverletzungen von SALT II könnten unentdeckt bleiben.

Ich hätte vor dem

Senat nicht die Zustimmung zum Vertrag empfohlen - wie ich dies vor einigen
Wochen getan habe - ,wenn ich nicht davon überzeugt wäre.
In diesem Zusammenhang möchte ich ein paar Worte zur Aushandlung des Vertrags sagen.

Eine häufig von Kritikern des Vertrags geäußerte Meinung ist die,
- 7 -

�die, daß wir besser weggekommen wären, wenn wir nur hartnäckiger gewesen
wären, weniger erpicht auf ein Abkommen - mit einem Wort: zäher.

Die logische

Folge davon ist, daß wir immer noch einen besseren Abschluß erzielen und
unsere vergangenen Fehler korrigieren könnten, wenn wir wieder zu den Sowjets
gehen und den Vertrag neu aushandeln.
Annahmen völlig falsch sind.

Ich bin davon überzeugt, daß beide

Meiner Ansicht nach basieren sie auf der falschen

Einschätzung dessen, was wirklich geschah und was in unseren Beziehungen zu
den Sowjets möglich und durchführbar ist. Wir würden uns auf gefährliche Weise
täuschen, wenn wir etwas anderes glaubten.
Hinsichtlich der Aushandlung des Vertrags bin ich überzeugt, daß das Abkommen das beste ist, was zu bekommen war.

Wir hätten von den Sowjets bei je-

dem spezifischen Punkt nicht mehr erlangen können, ohne einen unannehmbaren
Preis bei einem anderen Teil des Abkommens zu bezahlen.

Ich sage dies auf-

grund meiner eigenen Teilnahme an den SALT-Verhandlungen und meiner langjährigen Erfahrung mit den Sowjets.
Auch sollten wir uns einen klaren Kopf hinsichtlich der Aussichten auf
eine Neuverhandlung bewahren. Wenn wir wieder zu den Sowjets gehen, um bei
bestimmten Themen eine Neuverhandlung zu unseren Gunsten aufgrund einiger vom
Senat verabschiedeter Abänderungsanträge zu verlangen, so würde dies höchsten
zur Neueröffnung solcher Themen führen, die zu unseren Gunsten abgeschlossen
wurden - und es gibt viele davon. Oder aber sie werden es rundweg ablehnen.
In jedem Fall würde dies den Vertrag zunichte machen. Wir sollten uns keinerlei Illusionen hingeben, was dies betrifft. Die Sowjets haben den Vertrag
unterschrieben im Glauben daran, daß dies in ihrem nationalen Interesse ist und auch wir glauben, daß er in unserem ist. Sie wollen SALT, und sie haben
gewichtige Gründe dafür. Aber ich kann mir keinerlei Umstände vorstellen, unter
denen wir sie dazu überreden könnten, mit einem Vertrag zu leben, den sie für
sich als nachteilig erachten, oder ein Abkommen anzunehmen, das auf unser
Drängen hin zu unseren Gunsten abgeändert wurde. Dies kann ganz einfach nicht
gutgehen. Aufgrund von 30 Jahren Erfahrung im Umgang mit den Sowjets kann ich
Ihnen sagen, daß es nicht ein Akt des Glaubens, sondern ein Akt der Torheit

�Torheit wäre, anders zu denken.
In diesem Zusammenhang ist es meiner Ansicht nach von großer Bedeutung,
zu begreifen, warum die Sowjets den Vertrag wollen.

Sie wollen ihn, würde

ich sagen, größtenteils aus den gleichen Gründen wie wir. Während sie uns
grundsätzlich immer noch antagonistisch gegenüberst hen, haben die Sowjets dennoch allmählich erkannt, daß ein Weltkrieg, der den Einsatz von Kernwaffen
einschließt, ihre globalen Ziele nicht fördert.

Daher sind die Sowjets an der

Entwicklung einer beständigeren Beziehung zu uns und an der Verringerung der
Möglichkeit einer gefährlichen Konfrontation mit uns interessiert.

Außerdem

will die sowjetische Führung die Mittel etwas begrenzen, die zur Zeit noch
für die strategischen Waffen verwendet werden, um auf diese Weise zusätzliche
Hilfsmittel für

andere Zwecke bereitzustellen.

Obwohl die Sowjets genau wie wir die

Notwendigkeit einer strategischen Parität und einer Zweitschlagkapazität begreifen, sind sie nicht daran interessiert, in Kernwaffensystemen zu investieren, die sie nie zu benutzen hoffen - solange sie überzeugt sind, daß sie auf
solche Systeme verzichten können, ohne ihre nationale Sicherheit zu gefährden.
Gleichzeitig ist es jedoch naiv anzunehmen, daß die Sowjetunion in einem
so hoffnungslosen wirtschaftlichen Zustand sei, daß die Sowjets ein für sie
nachteiliges SALT-Paket schlucken müssen. Ich glaube, daß dies falsch und ein
gefährliches Argument ist. Es wäre gleichermaßen naiv anzunehmen, daß Breschnew
so begierig auf ein SALT-Abkommen ist, daß er bereit wäre, sich über jede Opposition vonseiten seiner Kollegen hinwegzusetzen und ein für die Sowjetunion
nachteiliges Abkommen einzugehen. Kein Mensch mit einiger Erfahrung im Umgang
mit der Sowjetunion würde dies auch nur eine Minute lang glauben. Breschnew
würde unter keinen Umständen gegen die sowjetischen Interessen handeln, und
selbst wenn er geneigt wäre, dies um seiner eigenen Selbststilisierung willen
zu tun, hätte er dazu keine Macht.
Und was passiert, wenn der Senat SALT II nicht ratifiziert?

Meiner Mei-

nung nach würde dies ein ernster Schlag für die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen im allgemeinen und im besonderen
- 9 -

für den SALT-Verhandlungsablauf

�SALT-Verhandlungsablauf sein.

Ich würde nicht so weit gehen und sagen, daß

die Ablehnung von SALT II entweder alle Abrüstungsverhandlungen einfriert oder
einen dauerhaften Bruch unserer bilateralen Beziehungen verursacht.

Der Ab-

rüstungsprozeß ebenso wie unsere bilaterale Beziehung insgesamt wären jedoch
stark beeinträchtigt, und zu diesem Zeitpunkt kann niemand sagen, wieviel
Zeit nötig wäre, um den Schaden zu beheben.
Außerdem glaube ich, daß die Sowjets eine Alternative zu einem SALT IIAbkommen sehen - zwar eine riskante, aber auch eine mit beträchtlicher Anziehungskraft.

Wenn es dem Senat nicht gelingt, das Abkommen zu billigen,

oder wenn er auf Abänderungen besteht, die für den Kreml unannehmbar sind, so
wird das Ergebnis eine Vertrauenskrise bei unseren westlichen Verbündeten hinsichtlich der amerikanischen Führung sein.

Einen Keil zwischen die Vereinig-

ten Staaten und ihre europäischen Verbündeten zu treiben, ist ein Ziel der
sowjetischen Außenpolitik, das viel älter als die Rüstungskontrolle ist.

Ich

bin davon überzeugt, daß Moskau einen Zusammenbruch des SALT-Prozesses ausnützen würde, um dieses Ziel mit aller Macht zu verfolgen.
sie würden damit einigen Erfolg haben.

Und ich glaube,

Das Ergebnis könnte eine zunehmende

Isolation Amerikas sein sowie ein Zusammenbruch unserer Anstrengungen, die
Verbesserung der konventionellen und nuklearen Verteidigung Westeuropas zu
fördern.
Ich möchte klarstellen, daß ich von der Ratifizierung des SALT II-Vertrages kein Klima erwarte, in dem wir mit Moskau ein Herz und eine Seele sind.
Nichts wäre weiter von der Wirklichkeit entfernt. Unsere Beziehung ist gegnerisch, und es wird immer ein ziemliches Maß an Reibung, an Problemen und an
Unannehmlichkeit geben.
Aber obwohl SALT II die schädigenden Elemente des Wettstreits zwischen
uns und den Sowjets nicht aus der Welt schafft, wird der Vertrag die Stabilität in der Welt vergrößern und als Sprungbrett für weitere Verhandlungen über
Waffenkontrolle und andere politische Themen dienen. Er wird es uns ermöglichen,
auf SALT III zuzugehen, auf weitere Verringerungen unserer strategischen Ar-

- 10 -

�Arsenale und auf fortgesetzte Anstrengungen zur Verminderung des Risikos,
daß unser Wettstreit in einen Nuklearkrieg umschlägt.

Und dies ohne unsere

Sicherheit oder die unserer Freunde und Verbündeten zu beeinträchtigen.
Ich bin der festen Überzeugung, daß der Vertrag die Unterstützung und die Zustimmung aller Amerikaner mit gesundem Menschenverstand verdient, die, wie
ich selbst, die vitalen Interessen unseres Landes über alle anderen Erwägungen
stellen.

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15. August 1979

SEISMISCHE SONDE FÜR HEISSDAMPF IN DER ERDE

(AD) - Die Idee von Geophysikern der kalifornischen StanfordUniversität, unterirdische Heißwasser- und Heißdampffel der mittels seismischer
Wellen ausfindig zu machen, wurde jetzt in Feldstudien einer Wissenschaftlergruppe der Universität Kalifornien in Berkeley mit großem Erfolg in der
Praxis erprobt. Professor Arnos Nur (Stanford) hatte die Methode auf Grund
der Ergebnisse von Laborversuchen vorgeschlagen. Er und seine Mitarbeiter
beobachteten nämlich, daß seismische Wellen beim Durchgang durch dampfhaltiges Gestein unterschiedliche Veränderungen erfahren: Die Amplitude,
d.h. die Stärke, der transversal sich fortpflanzenden sogenannten Scherungswellen verändert sich nur geringfügig. Die Verdichtungswellen jedoch, die
sich longitudinal fortpflanzen, erfahren beim Durchgang durch eine DampfWasser-Mischung eine starke Abschwächung. Demnach müßten, so die Hypothese
der Forschergruppe Arnos Nur, an seismischen Wellen auch beim Durchgang durch
ein natürliches geothermisches Dampf-Wasser-Reservoir diese Effekte zu
erkennen sein und helfen, solche unterirdischen Vorkommen ausfindig zu machen,
Und nicht nur das: Mit der Zeit dürften sich sogar die Anteile von Wasser
und Dampf in dem bestimmten Reservoir mengenmäßig bestimmen lassen.

Im

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Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Im Verlauf ihrer Untersuchungen an einem bereits bekannten, jedoch
noch nicht explorierten unterirdischen Heißwasser-Reservoir in Mexiko
(nache Guadalajara im Bereich des Vulkans La Primavera, einer "jungen"
Formation, die vor 20 000 bis 30 000 Jahren sehr aktiv gewesen sein dürfte)
beobachtete eine Forschergruppe der Universität Berkeley die von den
Stanford-Wissenschaftlern vorhergesagten Effekte. Professor Thomas McEvilly,
der Leiter der Gruppe und Direktor des Departments für Geologie und Geophysik
der Universität von Berkeley, bezeichnet die Übereinstimmung der Ergebnisse
als "einen jener dankbaren Fälle, wo im Labor gewonnene Erkenntnis auf die
Natur übertragen werden können. Wir fanden genau das, was die neue Theorie
besagte.

Noch dazu war die Wellenabschwächung ein viel besserer Indikator

für die Existenz des unterirdischen Dampffeldes als alles andere, mit dem
wir bisher solche Sondierungen durchgeführt haben."
Vergleiche zwischen den Geschwindigkeiten von Verdichtungs- und
Scherungswellen wurden in den letzten Jahren zusammen mit einigen anderen
Indikatoren für Versuche zur Erdbebenvorhersage herangezogen. Wie Prof. Nur
erklärt, sei demgegenüber bei der Prospektion zur Auffindung geothermischer
Vorkommen die Amplitude, nicht aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit der
seismischen Wellen ein wichtiger Hinweis auf die Existenz eines unterirdischen Reservoirs. Man sollte sich nicht mehr auf so einfache Indikatoren
Wie heiße Quellen oder Geysire an der Oberfläche beschränken angesichts
der Notwendigkeit, auch die Erdwärme als Energiereserve so umfassend wie nur
irgend möglich zu erschließen. Vielmehr sollte jetzt systematisch unter
Einsatz der seismischen Methode nach unterirdischen Heißwasserfeldern gesucht
werden. In der Umgebung bekannter derartiger Felder seien übrigens schon
seit längerer Zeit bei Erdbeben besondere Effekte beobachtet worden, die
wissenschaftlich schwer zu deuten waren. Aber es handelte sich um ganz vereinzelte Beobachtungen, und Literaturangaben dazu seien äußerst spärlich.
Wenn aber aufgrund der jetzigen Erfahrung das Phänomen in wissenschaftlichen
Kreisen mehr beachtet wird, dürfte sich dies bald grundlegend ändern.

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15. August 1979

ZUCKERROHR ALS ENERGIEROHSTOFF

- (AD) - In der gegenwärtigen Debatte über die künftige Energiepolitik
der Vereinigten Staaten ist der Begriff "Biomasse" kaum mehr als ein
möglicher Programmpunkt für Planungen, zusätzliche Rohstoffe für die
Energieproduktion zu finden. Aber im pazifischen Inselstaat Hawaii ist
die Verwendung von Biomassen bereits eine Realität. Der 16 640 qkm große
Bundesstaat bezieht durchschnittlich 13 Prozent seines elektrischen Stromes
aus Biomassen. Auf zwei der acht größeren Inseln - nämlich auf Hawaii und
Kauai - sind es sogar 50 Prozent.
In den sogenannten Biomassen pflanzlicher und tierischer Herkunft ist
natürliche Energie gespeichert, die in verwendbare Energieformen wie z.B.
elektrischen Strom, Dampf, petrochemische Ersatzprodukte oder verschiedene
flüssige und gasförmige Brennstoffe umgewandelt wird. Zuckerfabriken in
Hawaii haben in den letzten Jahren mit großem Erfolg ein auf der Verarbeitung
solcher Biomassen basierendes Verfahren angewandt, um elektrischen Strom
für die öffentliche Versorgung und daneben noch den gesamten Betriebsstrom
für die Verarbeitungsprozesse zu erzeugen. Die anderen amerikanischen

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel:02221-89 3240
Telex:08-85432

�amerikanischen Bundesstaaten nahmen davon kaum Notiz.

Erst Präsident

Carter machte kürzlich anläßlich eines Besuches in Hawaii auf die dort
bereits gut entwickelte Nutzung alternativer Energiequellen wie Erdwärme,
Sonnenenergie mittels Solarzellen sowie von Biomassen (vorwiegend auf der
Basis der Zuckerrohrverarbeitung für die Produktion von Methyl- und Äthylalkohol)
aufmerksam.

Das Hawaii-Modell sei beispielhaft, so der Präsident, und sollte

in möglichst großem Umfang in den kontinentalen Bundesstaaten der USA Nachahmung finden.
Der Energie-"Rohstoff" für die Stromerzeugung ist Bagasse, der Preßrückstand des Zuckerrohrs. Für die Zuckergewinnung wird Zuckerrohr nach
dem Waschen zwischen großen Walzen zerkleinert, die gleichzeitig den Zuckersaft herauspressen. Die zurückbleibende Bagasse wird zusammen mit restlichem
Blattwerk in der Heizanlage eines Dampfkessels verbrannt. Der so gewonnene
Heißdampf treibt einen Turbogenerator, mit dem Kraftstrom für das öffentliche
Stromnetz erzeugt wird. Der Abdampf dieser Turbine hält drei weitere
(Niederdruck)-Turbinen in Gang, die den Strom für die innerbetriebliche
Versorgung liefern. Sogar die Abwärme dieser Aggregate wird noch genutzt nämlich zum Trocknen des Saftes, aus dem in Trocknerbatterien der Rohzucker
kristallisiert. An diesem Punkt der Produktionskette hat der kondensierte
Dampf seine Energie zum größten Teil abgegeben und wird als Speisewasser zum
Kessel zurückgeleitet.
Dieses wirtschaftliche Verfahren gab der "Hilo Coast Processing
Company" die Möglichkeit, mit der Elektrizitätsgesellschaft von Hawaii
einen 20-Jahres-Vertrag über die kontinuierliche Lieferung von Strom für
das Versorgungsnetz abzuschließen. Er bringt ihr jährlich neben einer
gesicherten Energieversorgung des eigenen Betriebs Einkünfte von schätzungsweise zwei Millionen Dollar sowie die zusätzliche Honorierung von Sonderleistungen ein. Dieses Geschäft erwies sich angesichts der schlechten
Zucker-Weltmarktpreise und der rapide gestiegenen Erdöl kosten als ein
Schlüsselfaktor für das überleben der Zuckerindistrie auf Hawaii.
Die
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�Die Wirtschaft sah sich durch den Erfolg ermutigt, gemeinsam mit
bundesstaatlichen Behörden in Hawaii und Fachleuten des US-Energieministeriums
in Washington nach Mitteln und Wegen zu suchen, um auch die bei der Zuckerproduktion anfallende Melasse zu verwerten und daraus Äthylalkohol in großtechnischen Mengen zu gewinnen.

Die Melasse-Rückstände, die noch erhebliche

Mengen von Zucker, dazu Stickstoffverbindungen, Salze und Wasser enthalten,
werden als Futterzusatz, zur Herstellung von Hefe und zum Vergären verwendet.
Äthylalkohol als Benzinzusatz ließe sich durch Fermentation der Melasse nach
dem Zugeben von Hefe und Wasser gewinnen.
1:9 Benzin zugemischt.
GASOHOL.

Das Produkt würde im Verhältnis

Dieser Kraftstoff erhielt in den USA die Bezeichnung

Auf der Hawaii-Insel Maui wird gegenwärtig eine Pilotanlage errichtet,

die jährlich 2,3 Millionen Liter Äthanol aus Melasse erzeugen soll.

Damit

könnte bei Verwendung dieses Alkohols als Benzinzusatz mehr als 20 Prozent
des Kraftstoffbedarfs auf der Insel gedeckt werden.

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