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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

23. Juni 1993

&amp;

30*\ W
SOMAyAVBOSNIEN e #

CLINTON: MILITÄRISCHE OPERATIONEN
IN SOMALIA BEENDET
Pressekonferenz des Präsidenten in
Auszügen

VERTEIDIGUNG

USA ÜBERPRÜFEN REAKTION AUF
MILITÄRISCHE BEDROHUNGEN
Ausführungen Aspins vor der
National Defense University

FRIEDENSSICHERUNG

FRIEDENSSICHERUNG: EIN
ENTSCHEIDENDES INTERESSE
DER UNO
von Madeleine Albright

NATO

NATO FÜR USA WEITERHIN
VON BEDEUTUNG
Administration unterstreicht
Engagement der USA

RUNDFUNK

CLINTON UNTERBREITET VORSCHLAG
FÜR INTERNATIONALEN RUNDFUNK
Erklärung des Präsidenten

UMWELT

USA FORDERN GLOBALE
UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede von Vizepräsident Gore

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�AIDS

ERLASS VON SCHULDEN IM TAUSCH
GEGEN AIDSHILFE
von Dr. Craig Sarsony

RUTH BADER GINSBURG:
GEMÄSSIGTE WEGBEREITERIN
Porträt der nominierten Obersten Bundesrichterin

�SOMALIA/BOSNIEN
23. Juni 1993

CLINTON: MILITÄRISCHE OPERATIONEN
IN SOMALIA BEENDET
Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis, dem somalischen Clanführer General Aidid sei "das militärische
Rückgrat gebrochen" worden, gab Präsident Clinton am 17. Juni 1993 bekannt, die von den Vereinigten Staaten
unterstützte Militäraktion der Vereinten Nationen in Somalia sei erfolgreich beendet.
In einer im Fernsehen aus dem Weißen Haus übertragenen offiziellen Pressekonferenz fügte Clinton hinzu, die
Operation habe "das Ziel verfolgt, die Glaubwürdigkeit der Friedenssicherung in Somalia und auf der ganzen Welt
aufrechtzuerhalten". Von amerikanischen Luftstreitkräften unterstützte UN-Truppen hatten, seit 23 pakistanische UNO-Soldaten aus dem Hinterhalt getötet und mehr als 50 weitere verwundet wurden, die Stellungen von
General Aidid angegriffen.
Clinton ging in seiner Eingangserklärung ferner auf die Binnenwirtschaft ein und verwies auf vom Kongreß
eingeleitete Schritte zur Verabschiedung seines Planes, das Defizit in den nächsten fünf Jahren um 500
Milliarden Dollar abzubauen. Er stellte fest, das Land sei endlich dabei, "unser Haus wirtschaftlich in Ordnung
zu bringen", mahnte jedoch, es müßten "weiterhin viele Veränderungen" durchgeführt werden.
Auf Fragen von Reportern erklärte der Präsident unter anderem:
Im Hinblick auf die vorgeschlagene Teilung Bosnien-Herzegowinas, die den Serben erlauben würde,
gewaltsam erobertes Land zu behalten, bekräftigte Clinton seine Präferenz für einen "multiethnischen
Staat in Bosnien. Wenn jedoch die Parteien selbst, einschließlich der bosnischen Regierung, wirklich und
aufrichtig einer anderen Lösung zustimmen, müßten die Vereinigten Staaten dies sehr ernsthaft in Erwägung ziehen."
Zu Haiti stellte der Präsident fest, die Vereinigten Staaten drängten auf eine UNO-Resolution, "die
Sanktionen so zu verschärfen, daß nicht nur das Einfrieren von Vermögenswerten und die Annulierung
von Visa, sondern auch Ol davon erfaßt werden". Er fügte hinzu, seiner Meinung nach werde es dort "niemals eine Lösung des Problems geben", solange "die Hauptakteure bleiben, wer sie sind, solange es keine
multinationale Friedenstruppe gibt".
Im Hinblick auf die Aussichten des von der Arbeitsgruppe unter Leitung seiner Gattin Hillary Rodham
Clinton derzeit ausgearbeiteten Plans einer Reform des Gesundheitswesens äußerte Clinton, er prüfe
gegenwärtig die Optionen, die ihm dieses Gremium vorgelegt habe. Seines Erachtens könnte der Kongreß dieses Jahr sehr wohl ein Reformgesetz verabschieden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten.

Clinton: Meine Damen und Herren, zunächst möchte
ich zu Ihnen über eine Situation sprechen, die wir alle
in der vergangenen Woche sehr aufmerksam verfolgt
haben. Dabei handelt es sich um die Aktion der UNO
in Somalia.
General Powell hat mir heute nachmittag berichtet,
daß diese Operation beendet ist und ein Erfolg war.
AMERIKA DIENST 25

Die Vereinten Nationen haben in Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die
Streitkräfte des Clanführers Aidid in Mogadischu
kampfunfähig gemacht und sind weiterhin vor künftigen Provokationen auf der Hut. Aidids Streitkräfte
waren für die folgenschwersten Angriffe auf UN-Friedenstruppen seit dreißig Jahren verantwortlich. Wir
konnten dies nicht ungestraft lassen.
Seite 1

�Unsere Ziele waren klar: Die Vereinten Nationen
haben das Ziel verfolgt, die Glaubwürdigkeit der Friedenssicherung in Somalia und auf der ganzen Welt
aufrechtzuerhalten, die Nahrungsmittellieferungen
wieder in Gang zu bringen und die Sicherheit wiederherzustellen . Ich möchte den amerikanischen und den
UN-Truppen gratulieren, die an dieser Operation teilnahmen. In dieser Schlacht war Heldentum nicht von
nationaler Zugehörigkeit abhängig. Und in diesem
Zeitalter muß unsere Nation heute und künftig eine
weltweite Führungsrolle ausüben, wie wir es diese
Woche in Somalia getan haben.

es also nicht an der Zeit, die NATO aufzulösen. Sie ist
äußerst wichtig.
Frage: Sendet dieser Plan zur Aufteilung Bosniens
Separatisten in aller Welt, insbesondere in der ehemaligen Sowjetunion, nicht die gefährliche Botschaft, daß
sich militärische Aggression auszahlt?

Clinton: Dieser Plan zeigt meiner Meinung nach, daß
ein Bürgerkrieg, dessen Wurzeln Jahrhunderte zurückreichen - wirklich Jahrhunderte -, der auf ethnischen und religiösen Gegensätzen beruht, nicht so
gelöst worden ist, wie ich dies in der Tat gehofft hätte.
Frage: Werden die Vereinigten Staaten, daderVance Meines Erachtens ist die serbische Aggression in der
/Owen-Plan tot ist, einer Teilung Bosniens zustimmen, Hinsicht belohnt worden, daß die UN-Resolution den
wenn die drei Fraktionen, die in Genf zusammenkom- Serben die Lieferung von Waffen an die bosnischen
men, dem tatsächlich zustimmen? Und ist die NATO Serben erlaubte und den Kroaten, die sich in unmitteljetzt nicht wirklich überflüssig? Hat sie sich nicht barer Nachbarschaft von Kroatien befanden, gestatteüberlebt - sie kann dem Gemetzel in Europa nicht te, besseren Zugang zu Waffen zu haben als die
Einhalt gebieten, sie will nicht der Polizist Europas bosnische Regierung, die vorwiegend aus Muslimen
besteht. Und dies war meines Erachtens ein Fehler.
sein?
Ich glaube jedoch nicht, daß irgend jemand diese
Clinton: Das sind zwei verschiedene Fragen. Zu- Lektion zu großzügig interpretieren sollte. Jeder, der
nächst gilt, wie Sie wissen, meine Präferenz einem sich damit beschäftigt, räumt ein, daß es sich dabei
multiethnischen Staat in Bosnien. Wenn jedoch die vielleicht um das schwierigste außenpolitische ProParteien selbst, einschließlich der bosnischen Regie- blem handelt.
rung, wirklich und aufrichtig einer anderen Lösung
zustimmen, müßten die Vereinigten Staaten dies sehr Frage: Sie sagen, die Operation in Somalia sei
erfolgreich verlaufen. Bedeutet das, daß die amerikaernsthaft in Erwägung ziehen.
nischen und UNO-Truppen den somalischen ClanfühZweitens stimme ich nicht der Behauptung zu, die rer General Mohammed Farah Aidid und seine GefährNATO sei tot. Den Maßnahmen der NATO waren in ten, darunter Oberst Omar Jess, gefangengenommen
diesem Fall Grenzen gesetzt, weil erstens keine Einig- haben? Und wenn Sie sie nicht gefangengenommen
keit unter den NATO-Partnern bestand und weil jede haben, was planen Sie mit Ihnen zu tun, wenn Sie sie
Staatenorganisation auf die Regeln beschränkt war, gefangennehmen? Werden sie vor ein Kriegsverbredie von den Vereinten Nationen für das ehemalige chertribunal oder etwas ähnliches gestellt?
Jugoslawien verhängt wurden - beispielsweise im
Clinton: Nein, sie sind nicht festgenommen worden.
Hinblick auf das Waffenembargo.
Ziel der Operation war, die Fähigkeit Aidids zu schwäDas eindeutigste Beispiel, das ich Ihnen zum Beleg chen, in Mogadischu militärisches Chaos zu stiften. Er
dafür nennen kann, daß die NATO nicht tot ist, wurde hat 23 UN-Friedenssoldaten ermordet. Und ich möchvon den politisch Verantwortlichen all der osteuropä- te Sie daran erinnern, daß er vor der Einschaltung der
ischen Staaten gegeben, die früher kommunistisch Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen für
waren und das heute nicht mehr sind. Als sie vor den Tod unzähliger Somalier verantwortlich war einigen Wochen zur Einweihung des Holocaust-Mu- durch Hunger, durch Krankheiten und durch Tötung.
seums zu uns kamen, erklärte jeder dieser Präsidenten, seine erste Priorität sei die Aufnahme in die NATO. Das militärische Rückgrat Aidids wurde gebrochen.
Sie wissen, daß diese ihren Mitgliedern einen Schutz- Ein Haftbefehl wurde für ihn erlassen. Sollte er tatschild gibt. Und meines Erachtens müssen wir uns sächlich festgenommen werden, werden die Vereinten
Nationen über geeignete Maßnahmen entscheiden
weiterhin darin engagieren.
müssen. Diese Entscheidung überlassen die Vereinigten Staaten den Vereinten Nationen, und ich halte
Frage: Wer ist der Gegner?
dies auch für richtig.
Clinton: Nun, es wird verschiedene Gegner geben.
Der Gegner wird jeder sein, der die Sicherheit und den Frage: In Bosnien wollten die Europäer nicht handeln,
Frieden der Mitgliedstaaten bedroht, die Werte, die wir weil die Vereinigten Staaten dort keine Bodentruppen
für wichtig halten. In den kommenden Jahren wird es stationiert hatten. Obwohl wir in Somalia die Operatioalle möglichen Probleme geben, durch Terrorismus, nen vor rund einem Monat an die UN-Friedenstruppen
die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und übergeben haben und es pakistanische Soldaten waren,
durch bisher unvorhergesehene Entwicklungen in die angegriffen wurden, bestanden die Truppen, die in
Ländern außerhalb der NATO. Meines Erachtens ist Somalia in Aktion traten, hauptsächlich aus Amerika-

Seite 2

AMERIKA DIENST 25

�nern, und die Feuerkraft war hauptsächlich amerikanisch. Sie sprachen gerade über eine multinationale
Friedenstruppe in Haiti. Werden die Vereinigten Staaten jetzt in die Rolle eines Vollstreckers für die Vereinten Nationen gedrängt? Und welche Prinzipien oder
Gedanken spielen für Sie eine Rolle, wenn Sie den
Einsatz amerikanischer Truppen zur Durchführung
von etwas in Erwägung ziehen, was strenggenommen
nicht allein im amerikanischen Interesse liegt, sondern
dem Willen der internationalen Staatengemeinschaft
entspricht?
Clinton: Wir müssen uns zunächst fragen: Welches
sind die Interessen des amerikanischen Volkes?
Zweitens: Welche Werte und humanitären Anliegen
stehen auf dem Spiel? Und drittens: Wie hoch ist der
Preis für das, was wir vielleicht tun müssen?

dieses Friedensabkommen garantieren müßten, sich
die Vereinigten Staaten daran beteiligen würden. Ich
glaube nicht, wir sollten die Bedeutung der Führungsrolle verringern, sondern wir sollten auch ein Beispiel
geben.
Es gibt noch viele andere Länder - der Präsident von
Namibia, einem sehr kleinen Land, war hier. Sein Land
hat Leute nach Somalia entsandt. Leute aus aller Welt
wurden unter sehr gefährlichen Umständen nach
Kambodscha entsandt. Es waren Pakistaner, die in
Somalia ermordet wurden. Deshalb ist das, was wir
tun, sehr gut.

Ja, Amerika kann die Führung übernehmen. Aber es
ist sehr bewegend, all diese anderen Länder zu sehen
- Irland entsendet Leute, die an vorderster Front stehen. Nicht nur Regierungsbeamte, sondern MenBei Bosnien liegt der Fall jedoch nicht so eindeutig. Es schen, die für andere Organisationen arbeiten, um zur
gab niemals eine einheitliche Haltung dazu, was die Lösung dieser Probleme beizutragen. Es gibt einen
Truppen tun sollten. Ich habe dem amerikanischen bemerkenswerten Einfluß von Leuten, die versuchen,
Volk im Wahlkampf des vergangenen Jahres verspro- Demokratie und Menschenrechte sowie Freiheit und
chen - und dies auch wiederholt bekräftigt -, daß die Marktwirtschaft zu fördern. Und wenn wir zu einem
Entsendung von Kampftruppen nach Bosnien meines akzeptablen Preis die Führungsrolle spielen können,
Erachtens fehl am Platze wäre. Ich habe ferner erklärt, liegt dies ebenso in unseren engeren Interesse wie
wenn es einen Waffenstillstand und ein echtes Frie- auch gewiß in unserem umfassenderen menschlichen
densabkommen gäbe und die Vereinten Nationen Interesse.

*

AMERIKA DIENST 25

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Seite 3

�VERTEIDIGUNG
23. Juni 1993

USA ÜBERPRÜFEN REAKTION AUF
MILITÄRISCHE BEDROHUNGEN
Ausführungen Aspins vor der National Defense University
WASHINGTON - (AD) - Bei der Umstrukturierung der amerikanischen Streitkräfte, um den Gefahren des
Zeitalters nach dem Kalten Krieg begegnen zu können, überprüfen die Vereinigten Staaten, wie sie auf den
Übergang von einem 'bekannten Gegner" zu einem Klima der Unsicherheit" in verschiedenen regionalen
Konfliktregionen reagieren, so US-Verteidigungsminister Aspin.
Die Bemühungen um den Entwurf einer neuen nationalen Verteidigungslinie werden als "gründliche Bestandsaufnahme" bezeichnet, so Aspin, und umfassen als Antwort auf das Problem der Eindämmung eines regionalen
Angriffs vier Komponenten, von denen sich die ersten beiden herkömmlicher Technologie, die anderen der
Spitzentechnologie bedienen.
Diese vier Komponenten sprach Minister Aspin in seinen Ausführungen vor Absolventen der National Defense
University in Washington am 16. Juni 1993 an.
Nachfolgend veröffentlichen wir seinen vorbereiteten Redetext.

Vielen Dank, General Cerjan. Es ist mir eine Ehre und
ein Privileg, heute den Absolventen gratulieren zu
können. Sie verkörpern die vielversprechendsten
Führungspersönlichkeiten unserer Nation in Militär
und Regierung. Und wir rechnen wirklich mit einer
Führungsrolle Ihrerseits. Wir brauchen Sie, um Amerika durch die dramatischen Änderungen zu führen, die
die Welt zur Zeit und bis in das kommende Jahrhundert
durchlaufen wird.

sein. Sie müssen mit neuen Gefahren umgehen
können.
Zweites Ziel: Die Aufrechterhaltung einer einsatzbereiten Truppe. Zur Zeit verfügen wir über die besten
und einsatzbereitesten Streitkräfte der Welt. Die
Operation Wüstensturm hat uns das bewiesen. Wir
müssen dieses hohe Maß an Einsatzbereitschaft aufrechterhalten.

Drittes Ziel: Ein klügerer Umgang mit unserem Verteidigungshaushalt. Kurzfristig hängt unsere nationale
Sicherheit von unserer Militärmacht ab. Langfristig
jedoch ist unsere nationale Sicherheit von einer starken Wirtschaft abhängig. Die Verteidigung kann in
zweifacher Weise zu einer starken Wirtschaft beitragen - einerseits durch geschickten Umgang mit unseren freigesetzten Verteidigungsressourcen und andeWie gestalten wir unser Militär, um den Gefahren des rerseits durch geschickten Umgang mit den im Verteineuen Zeitalters begegnen zu können? Unsere ge- digungshaushalt veranschlagten Geldern.
samten Aktionen werden von drei Zielen geleitet.
Das sind unsere drei Hauptziele. In den letzten WoErstes Ziel: Die für die heutige Zeit angemessenen chen habe ich viel über Einsatzbereitschaft gesproStreitkräfte aufzustellen. Wir können uns mit kleineren chen. Präsident Clinton und ich haben uns der AufStreitkräften verteidigen als währen des Kalten Krieges, rechterhaltung einer hohen Einsatzbereitschaft veraber sie dürfen nicht einfach eine kleinere Version pflichtet. Heute jedoch möchte ich über das erste Ziel
unsere Streitkräfte aus der Zeit des Kalten Krieges sprechen, die Aufstellung von der heutigen Zeit angemessenen Streitkräften.

Ihr Verständnis nationaler Sicherheitsfragen ist in dem
neuen Zeitalter nach dem Ende des Kalten Krieges
und dem Zusammenbruch der Sowjetunion von besonderer Bedeutung. Die Veränderungen in der Zeit
nach dem Bestehen der Sowjetunion sind tiefgreifend
und überwiegend positiv, aber die Welt ist immer noch
ein gefährlicher Ort.

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�Wie Sie vielleicht wissen, haben wir im gesamten
Verteidigungsministerium ein Projekt durchgeführt, das
den Kern unserer Bemühungen bildet, einen Kurs für
unsere nationale Verteidigung zu entwerfen. Wir
bezeichnen es als "gründliche Bestandsaufnahme".
Wir brauchen es, da wir nicht einfach die Streitkräfte
aus der Zeit des Kalten Krieges abspecken können.
Eine gegenüber der Zeit des Kalten Krieges verkleinerte Truppe würde unseren neuen Sicherheitsanforderungen nicht gerecht werden können.

gen werden, wodurch der Widerstand gegen den
Aggressor erheblich erschwert würde.

Und drittens, wie unsere Kriegsspiele und Analysen
wiederholt beweisen, ist der Preis der Rückgewinnung
umso höher, je mehr Fortschritte der Gegner erzielt
und je mehr Territorium er erobert. Die Anzahl der für
eine Gegenoffensive zur Bekämpfung einer Invasion
erforderlichen Divisionen kann sich um das Zwei- oder
Dreifache erhöhen mit entsprechend mehr Opfern,
abhängig von den Fortschritten, die die Invasoren
Wir benötigen andere Streitkräfte - die angemessenen machen.
Streitkräfte, um den neuen Gefahren begegnen zu
können. Die gründliche Bestandsaufnahme befaßt Den einmarschierenden Gegner aufzuhalten, ist daher
sich mit neuen Gefahren und damit, was wir zu ihrer entscheidend. Es ist natürlich nicht die einzige AufgaBewältigung benötigen. Sie prüft, wie wir unsere be. Wir müssen unsere Kampfkraft auf dem Gefechtsexistierenden Streitkräfte ändern müssen, um diesen feld aufbauen und seine schwächen. Und schließlich
müssen wir die Invasoren vertreiben und endgültig
Bedürfnissen gerecht zu werden.
besiegen. Wir schnell wir die Invasion aufhalten,
Während des Kalten Krieges wurde unsere Truppen- entscheidet, wie schwierig die nächsten Schritte sind.
struktur durch die Tatsache beeinflußt, daß wir uns Und wenn dies in einem Eventualfall wichtig ist, dann
den zahlenmäßig überlegenen Truppen des von der ist es wirklich entscheidend, wenn wir uns mit einem
Sowjetunion angeführten Warschauer Paktes gegen- zweiten, fast gleichzeitig stattfindenden Konflikt befasübersahen. Heute wird unsere Truppenstruktur von sen müssen.
der Wahrscheinlichkeit regionaler Konflikte und den
von uns getroffenen Entscheidungen bestimmt, wie- Die Fähigkeit zum raschen Aufhalten eines Angriffs zu
entwickeln, ist aus meiner Sicht in der Tat das entviele wir auf einmal bekämpfen müssen.
scheidende Element bei der Bewältigung vielfältiger
Während des Kalten Krieges wußten wir, wer unser Eventualfälle in einem Zeitalter, in dem wir erstens
potentieller Hauptgegner war. Im Falle eines Kampfes nicht wissen, wo der nächste Konflikt ausbrechen wird
wußten wir, wo wir zu kämpfen hätten. Wir konnten und zweitens nicht genügend Streitkräfte auf dem
unsere Truppen in Europa vorne stationieren und taten Boden stationiert haben, um ihm zu begegnen, wenn
dies auch. Wir lagerten Kriegsmaterial in Europa und er ausbricht. Meines Erachtens haben wir mit unserem
kalkulierten die benötigten Luft- und Seetransporte. Ansatz hier das Problemrichtiganalysiert, das wirklich
Mit anderen Worten, wir konnten eine Reihe spezifi- Wichtige isoliert und dann einige interessante Anworscher, gezielter Vorbereitungen treffen.
ten ausgearbeitet.
Jetzt sind wir mit ziemlicher Unsicherheit konfrontiert. Unsere Antwort auf das Problem, einen regionalen
Wir kennen die potentiellen Krisenherde von der ko- Angriff aufzuhalten, besteht im wesentlichen aus vier
reanischen Halbinsel bis zum Irak, Iran und Libyen. Komponenten. Zwei Komponenten mit herkömmliWir wissen jedoch nicht, wo die Krise zuerst ausbre- cher Technologie, zwei Komponenten mit Spitzenchen wird. Wirkönnen aber vorhersagen, daß wir nicht technologie.
genügend Streitkräfte disloziert haben, wo immer sie
Die beiden Komponenten mit herkömmlicher Technoausbricht.
logie sind Lufttransport und die Voreinlagerung von
Die Frage lautet also, wie antworten wir auf diese Kriegsmaterial. Dies sind Lösungen aus dem Zeitalter
grundlegende Verlagerung von einem bekannten Gegner des Kalten Krieges. Obwohl wir vorne stationierte
und einem bekannten Schlachtfeld zu einem Klima der Streitkräfte in Europa hatten, bildeten sie nur einen
Unsicherheit? Während wir diese Frage in der gründ- Bruchteil dessen, was zur Antwort auf den Warschaulichen Bestandsaufnahme erörtern, drängt sich eine er Pakt erforderlich gewesen wäre. Daher haben wir
zwingende Schlußfolgerung auf: Wir müssen die Gerät voreingelagert und geplant, in Kriegszeiten die
einmarschierenden Armeen des Gegners so rasch wie Truppen mit Lufttransporten zum Gefechtsfeld zu
verlegen.
möglich aufhalten.
Wir müssen dies aus drei Gründen tun:
Erstens, je schneller wir die Invasion aufhalten, desto
weniger wahrscheinlich wird die Einnahme entscheidender Einrichtungen wie Häfen, Ölfelder oder der
Hauptstadt unseres Verbündeten.
Zweitens, wenn die Invasion nicht schnell gestoppt
wird, könnte unser Verbündeter zur Aufgabe gezwunSeite 2

Diese Lösungen haben noch heute Gültigkeit, da die
meisten amerikanischen Streitkräfte in den Vereinigten Staaten stationiert sind und die meisten potentiellen Krisenherde Tausende von Meilen entfernt liegen.
Aus diesem Grund sind und bleiben Lufttransporte
eine wesentliche Komponente unserer Fähigkeit zur
Machtprojektion. Der Großteil unserer frühzeitig ein-

AMERIKA DIENST 25

�treffenden Feuerkraft wird in zukünftigen Konflikten
durch Lufttransporte verlegt und unterstützt.
Während des Golfkriegs haben wir durchschnittlich
2.400 Tonnen Material pro Tag auf dem Luftweg zum
Gefechtsfeld verlegt. Ein Großteil dessen wurde mit
C-5-Flugzeugen und der C-141 transportiert, dem
Arbeitspferd der Transportflugzeuge. Bedauerlicherweise nähern sich die C-141-Transportflugzeuge, die
erstmals Mitte der sechziger Jahre eingesetzt wurden,
dem Ende ihrer Lebensdauer und müssen ersetzt
werden. Der Sicherstellung ausreichender Lufttransportkapazitäten messen wir hohe Priorität bei.
Voreinlagerung. Wir arbeiten auf die Verbesserung
unseres Einsatzkonzepts für Operationen in Südwestasien und dem Fernen Osten hin, indem wir die
militärischen Bestände aufstocken, die wir auf diesen
Gefechtsfeldern voreingelagert haben. Auf See bereitgehaltenes Material hat den Marineinfanteristen
bei der Operation Wüstensturm gute Dienste geleistet.
Das Heer stationiert Gerät für den Einsatz einer Brigade auf Transportschiffen der Marine auf See. Wir
sondieren auch Möglichkeiten zur Lagerung von mehr
Material auf dem Festland, wenn die Aufnahmestaaten zustimmen.
Wir befassen uns also sowohl mit Lufttransport als
auch Voreinlagerung. Die echte Dividende in diesem
neuen Zeitalter wird jedoch von unseren beiden Spitzentechnologiekomponenten kommen. Wie ich bereits ausgeführt habe, ist die erste Aufgabe - das
unverzügliche Aufhalten der Invasionsarmee - die
entscheidendste, und dies bedeutet im Grunde, ihre
Panzer aufzuhalten. Wie wir unseren Kriegsspielen
und Analysen entnehmen konnten, wird die Schwere
der anderen Aufgaben davon abhängen, wie gut wir
dies bewältigen.

vernichten können. Das ist der Schlüsselfaktor. Zum
ersten Mal werden hochmobile und frühzeitig verfügbare Streitkräfte in der Lage sein, gepanzerte Einheiten schnell und in großer Zahl zu vernichten. Und es
scheint, als ob wir dies bei gleichzeitig geringen amerikanischen Verlusten tun können.
Dieses Thema umfaßt eine Reihe von Elementen.
Erstens die Waffen selbst. Mit Sensorzündern ausgerüstete Waffen, die selbständig ihr Ziel suchen, können in großer Zahl von Flugzeugen abgeworfen werden und massierte gepanzerte Kräfte anstatt einzelner
gepanzerter Fahrzeuge angreifen. Großflächig wirkende intelligente Minen können durch luftgestützte
oder andere Mittel abgesetzt werden, um den Aggressor zu bremsen, den Bewegungsspielraum seiner
Streitkräfte einzuengen und damit noch lohnendere
Ziele zu schaffen.
Nun zu den Plattformen, die als Träger dieser tödlichen
Munition zur Verfügung stehen. Der für konventionelle
Waffen ausgerüstete B-2-Bomber kann von den Vereinigten Staaten aus in Marsch gesetzt werden und am
ersten Tag des Krieges Panzerkolonnen angreifen.
Auf dem Gefechtsfeld könnten Flugzeuge der Typen
F-15E und F/A-18 pro Einsatz bis zu fünf bis zehn
gepanzerte Fahrzeuge zerstören anstatt solche Fahrzeuge einzeln anzugreifen.

Landgestützte Heeresflugkörper, die präzisionsgelenkte panzerbrechende Submunition verschießen, würden Artillerieeinheiten Angriffe auf Panzerkolonnen
über große Entfernungen gestatten. Ein ähnlicher
Ansatz könnte Reichweite und Effektivität von Marineeinheiten erhöhen. Diese Waffen und Plattformen
stellen neue Möglichkeiten zur Verfügung, die zuvor
nicht vorhanden waren. Wenn wirihr Potential verwirklichen können, werden wir eine Lösung für das Problem haben, wie eine Invasion rasch zunichte gemacht
Wir können nicht darauf zählen, vor dem Ausbruch der werden kann.
Feindseligkeiten die Zeit zur Dislozierung von zusätzlichen Streitkräften oder Material in bedrohten Gebie- Um diese Waffen vollständig auszunutzen, müssen
ten zur Verfügung zu haben. Und die Geschichte - von wir eine zweite spitzentechnologische Reaktion ins
Pearl Harbor bis Kuwait - ist voll von Fehlschlägen, Spiel bringen, nämlich die moderne Gefechtsfeldaufeinen Angriff zu antizipieren. Selbst wenn wir eindeu- klärung. Wir müssen in der Lage sein, die Hauptkontige Warnsignale eines bevorstehenden Angriffs erhal- zentrationen der gegnerischen Streitmacht aufzuspüten, könnten wir daran scheitern, die Streitkräfte aus ren, die Informationen zu verarbeiten und zu analysieTausenden Meilen Entfernung vor Ort zu stationieren. ren und sie danach an die "Schützen" weiterzugeben,
bevor sie überholt sind.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Aufhalten regionaler Invasionen bis vor kurzem eher als Wir hatten in diesem Bereich einige Erfolge zu verunlösbares Problem erschien. Unsere beiden, syner- zeichnen, aber es bleibt noch viel zu tun. Bei Operation
gistisch operierenden Spitzentechnologiekomponen- Wüstensturm hat J-STARS, unser neuestes luftgeten bieten uns eine sehr viel bessere Chance. Sie stütztes Aufklärungssystem, nicht nur Kolonnen im
enthalten Fortschritte bei intelligenter Panzerabwehr- Marsch befindlicher Fahrzeuge lokalisiert, sondern
munition und elektronischer Gefechtsfeldüberwachung. auch feste Ziele, die in Bodenstellungen eingegraben
waren. Die wenigen Male, daß die Iraker offensive
Betrachten wir die panzerbrechenden Waffen. Zum Aktionen durchzuführen versuchten, entdeckten wir
ersten Mal scheint es möglich zu sein, daß Luft- und sie und setzten rasch effektive Feuerkraft gegen sie
Raketenstreitkräfte große Mengen von gepanzerten ein.
Fahrzeugen rasch aus der Luft, von Land oder See aus

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�Wir sind entschlossen, gemeinsam mit anderen luftgestützten Aufklärungssystemen 19 J-STARS-Plattformen einzuführen. Wie ich bereits sagte, muß noch
wesentlich mehr getan werden. Die meisten unserer
Systeme zur Weitergabe von Aufklärungsbildern können nicht miteinander kommunizieren. Viele unserer
strategischen Aufklärungsmittel wurden vorrangig auf
die Überwachung der ehemaligen Sowjetunion abgestimmt und waren bei der Unterstützung taktischer
Missionen häufig überfordert.
Am wichtigsten ist jedoch, daß wir alle noch viel über
das Zusammenwirken des Einsatzes von Hunderten
hochmoderner Systeme bei einer einheitlichen Operation lernen müssen. Aber selbst angesichts dieser
Schwierigkeiten.bieten die Aussichten dieser Waffen
und die Aussichten neuer Gefechtsfeldaufklärungsfähigkeiten echte Möglichkeiten.

In diesem besonderen Fall liefert unser Ansatz zur
Bestandsaufnahme Einsichten zu den entscheidenden Aufgaben, die von unseren Streitkräften zu leisten
sind, und verweist auf Mängel bei unseren Fähigkeiten. Hier handelte es sich um ein ernsthaftes Defizit in
unserer Fähigkeit, eine Invasion gepanzerter Streitkräfte aufzuhalten.
Zweitens edaubte uns die Analyse, knappe Ressourcen auf Initiativen zu konzentrieren, die die größte
Wirkung zur Beseitigung dieser Defizite bieten.
Und drittens ergab die Analyse, daß Spitzentechnologie allein nicht die Antwort war. Sie mußte mit einer
Portion ziemlich gewöhnlicher aber unverzichtbarer
herkömmlicher Technologie verbunden werden. Wir
sind der Überzeugung, daß die gründliche Bestandsaufnahme der richtige Ansatz ist, um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

Obwohl diese Entwicklungen radikale Verbesserungen versprechen, erfordern sie keine radikalen Verän- Die korrekte Interpretation dieses neuen Zeitalters ist
derungen in der Streitkräftestruktur. Was wir benöti- kein einmaliger Vorgang. Wir werden diese enormen
gen, ist eine ausgewogene Streitmacht, die hochwer- Veränderungen und ihre Auswirkungen auf unsere
tige Technologie sinnvoll einsetzt, um uns effektiver zu nationale Verteidigung auf Jahre hinaus untersuchen.
machen. Einige dieser Systeme haben wir noch nicht Aus diesem Grund sind Sie und die National Defense
beschafft, und natüdich wurden sie noch nicht im University so wichtig für die Zukunft des Landes. Wir
Kampf erprobt. Es bleibt noch viel an operativer müssen erstklassige Leute mit der notwendigen AusErprobung, Übungsbetrieb und Ausbildung zu leisten. bildung und Vorstellungskraft haben, die uns helfen,
diese neue Welt zu verstehen. Dies ist einer der Orte,
Diese Fähigkeiten weisen jedoch den Weg zu der an dem wir sie finden werden.
richtigen Streitmacht für unsere Zeit. Und wir werden
die richtige Streitmacht für diese Zeit erhalten, und Wir stehen vor enormen Herausforderungen. Durch
zwar hauptsächlich durch das Instrument der gründli- Zusammenarbeit werden wir sie erfolgreich bestehen.
chen Bestandsaufnahme. Die Bestandsaufnahme Wir werden dafür sorgen, daß das amerikanische
beruht auf Zusammenarbeit, an der sich das Büro des Militär das beste der Welt bleibt. Und es wird die
richtigen, einsatzbereiten Streitkräfte haben.
Verteidigungsministers, die Teilstreitkräfte, der Führungsstab der Streitkräfte sowie die Oberbefehlshaber
beteiligen.

*

Seite 4

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AMERIKA DIENST 25

�FRIEDENSSICHERUNG
23. Juni 1993

FRIEDENSSICHERUNG: EIN ENTSCHEIDENDES
INTERESSE DER UNO
von Madeleine Albright
Die Verfasserin ist die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen. Der nachfolgende Artikel basiert auf einer kü rzlich von Albright bei der vom New York Council on Foreign Relations veranstalteten
Konferenz über kooperative Sicherheit und die Vereinten Nationen gehaltenen Rede.

Abgesehen davon, daß es sich um die positivste
Entwicklung des 20. Jahrhunderts handelt, hat uns der
Zusammenbruch des sowjetischen Kommunismus in
ein Dilemma geführt. Wir werden bestürmt - von
Verbündeten und ehemaligen Gegnern gleichermaßen - .unsere globale Führungsrolle im Bereich der
Sicherheit zu intensivieren in Zeiten, in denen der
Feind sehr viel schwieriger zu identifizieren ist, unsere
vitalen Interessen auf subtilere Weise und aus größerer Entfernung bedroht sind und unser Haushalt von
gravierenden Engpässen gekennzeichnet ist.

tion oder auf multilateraler Ebene, um die Lasten mit
anderen zu teilen."

Neben Egozentrik - mit verheerenden Konsequenzen
für die übrige Welt - und Hyperaktivität - mit ebenso
verheerenden Konsequenzen für uns und andere - gibt
es eine dritte Alternative - die sparsam mit amerikanischen Ressourcen umgeht sowie die amerikanischen
und globalen Interessen in einer gerechten und geordneten Welt fördert. Sie wird als multilaterale Aktion
bezeichnet. Um Außenminister Christopher zu zitieren: "Wir können nicht zulassen, daß jede Krise zu
einer Entscheidung zwischen Untätigkeit und amerikanischer Intervention wird. Die Welt blickt auf uns für
eine Führungsrolle. Daher reduzieren sich die Alternativen darauf, wie die Vereinigten Staaten diese Führungsrolle ausfüllen: allein, an der Spitze einer Koali-

Aus meiner Sicht übernehmen wir die Verpflichtung,
auf solch eine Staatengemeinschaft hinzuarbeiten,
nicht nur aus dem Willen heraus, Gutes zu tun, sondern weil sie uns durch mehrere Gebote auferlegt wird.
Ich möchte fünf nennen.

Eine internationale Staatengemeinschaft mit hohen
Grundsätzen

Ich möchte einen Gedankengang an Ihnen erproben:
Eine internationale Staatengemeinschaft mit hohen
Grundsätzen. Kollektive Sicherheit wird es uns ermöglichen, unsere gemeinsame Sicherheitslast zu
teilen. Der Gedanke der kollektiven Sicherheit ist
jedoch mehr als ein fiskalisches Hilfsmittel. Er ergibt
Die Herausforderung, mit der sich die amerikanische sich aus gegenseitigen Interessen - handelspolitischen,
Sicherheitspolitik heute konfrontiert sieht, stellt uns vor finanziellen, kulturellen, ökologischen, politischen und
ein Problem, das ich mit zwei Straußen vergleichen mit der Sicherheit in Zusammenhang stehenden - ,die
möchte. Ein Strau ß möchte lieber die Augen vor allen unser tägliches Leben betreffen. Mit anderen Worten,
Räubern verschließen und steckt den Kopf in den es liegt in unserem Interesse, eine Welt zu gestalten,
Sand. Der andere hört die Rufe der Freunde in Not und die mehr ist als eine Ansammlung von Staaten Elend nach Abhilfe und rennt gleichzeitig in alle Rich- nämlich in der Tat eine internationale Staatengemeinschaft mit hohen Grundsätzen.
tungen.

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Das erste im Titel dieser Konferenz wiedergegebene
Thema ist das strategische Gebot zur Zusammenarbeit. Viele Bedrohungen sind geographisch so diffus,
daß deren Abwehr weit über die Ressourcen unserer
Verbündeten hinausgeht. Unterstützende Maßnahmen von einer Vielzahl von Ländern sind unabdingbar,
und genau dies haben die Sanktionsregime der Vereinten Nationen gegen den Irak, Libyen und Serbien-

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�Montenegro bewirkt. Ohne das Tourniquet auf irakische Importe kann man meines Erachtens zweifellos
sagen, daß die Streitkräftestruktur des Irak und sein
Atomwaffenpotential in der Tat bald erneut Anlaß zu
ernsthafter Sorge bieten würden.
Das zweite Gebot ist Legitimität. Die meisten Länder
stellen meistens fest, daß die Kosten bei weitem den
Nutzen übersteigen, wenn sie das Völkerrecht wahren. Wenn der Sicherheitsrat daher eine zwingend
bindende Resolution verabschiedet oder die IAEO
gemäß ihres Statuts eine Inspektion veranlaßt, kommt
den daraus resultierenden Aktionen ein unvergleichlich hohes Maß an Legitimität zu.

und anderen Massenvernichtungswaffen auszulösen
oder den Genozid weiterzuverbreiten, ist inakzeptabel
für uns. Es gibt wirklich nur ein Gegenmittel. Es
besteht darin, allen Parteien das Versprechen eines
Wandels mit hohen Grundsätzen zu geben und die
sich weigernden hart zu bestrafen. Nur die internationale Staatengemeinschaft hat die kollektive moralische Befugnis sowie die physischen und finanziellen
Ressourcen für eine solch entscheidende Aufgabe.

Und fünftens sehen sich die westlichen Demokratien
mit dem konfrontiert, was ich als Gebot der "Fairness"
oder der 'Gerechtigkeit" bezeichnen würde. Das Gebot
der Gerechtigkeit lautet folgendermaßen: Wenn der
Sicherheitsrat im Namen der gesamten VölkergemeinEs wäre beispielsweise unvorstellbar, daß die Verei- schaft sprechen und handeln soll, darf er nicht auf die
nigten Staaten die Art von eingehenden Inspektionen Fragen mit den größten Auswirkungen für seine reihätten durchführen können, die routinemäßig von der cheren Mitglieder beschränkt bleiben. In der Tat
Überwachungskommission der Vereinten Nationen sendet auch das ehrgeizige Engagement der Vereinvorgenommen werden, ohne praktisch einen Großteil ten Nationen in Somalia - das aus humanitären Gründes Irak zu besetzen. Ebenso unvorstellbar ist, daß den so entscheidend ist - diese wichtige politische
die Frontlinienstaaten auf dem Balkan, insbesondere Botschaft: Wir müssen die Ressourcen der Vereinten
Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Albanien und jetzt Nationen gezielt und sorgfältig sparen, jedoch nicht die
Makedonien, sich ohne die durch die Sanktionsresolu- Tür des Sicherheitsrats verschließen.
tionen des Sicherheitsrats gebotene Kombination von
rechtlichem Druck und politischer Unterstützung für Die von mir dargelegten Faktoren verdeutlichen, daß
die Verhängung von Sanktionen gegen Serbien-Mon- der Prozeß, in dem wir uns befinden, nicht nur eine
tenegro entschieden hätten. Und es steht außer Übung in altruistischer Moral ist. Für mich gibt es
Frage, daß Saddam Hussein seine grauenhafte terro- desinteressiertes Engagement in der internationalen
ristische Bedrohung amerikanischer Soldaten, Zivili- Staatengemeinschaft nicht. Wir sind und bleiben
sten und Einrichtungen ohne die in der Resolution über engagiert, weil wir nach wie vor ein internationales
den Einsatz von Gewalt gegen den Irak zum Ausdruck System aufbauen müssen, in dem unser Experiment in
gebrachte politische Unterstützung hätte verwirklichen Demokratie und sozialem Pluralismus weiterhin gedeikönnen.
hen kann. Während wir Fortschritte machen, das
Unsere zu erhalten und zu schützen, sollten wir klarEin dritter Faktor ist das wirtschaftliche Gebot der stellen, wer wir sind und wofür wir eintreten. In der
Lastenteilung. Wir haben ein nationales Sicherheitsin- amerikanischen Außenpolitik wird es immer eine starteresse an der Eindämmung und - wo immer möglich ke ideologische Komponente geben. Wir wären un- Lösung regionaler Konflikte. Ob an Weiterverbrei- klug, sie zu unterdrücken. Dies unterscheidet uns von
tung, Flüchtlingen an unseren Küsten, der Destabil i- anderen, und dies bewundem andere an uns.
sierung von Verbündeten oder Verlust von Exporten,
Arbeitsplätzen oder Investitionen gemessen, die Ko- Gleichzeitig bedeutet das vorrangige Interesse der
sten ausufernder regionaler Konflikte lasten früher Vereinigten Staaten am Aufbau dieser neuen Gemeinoder später stets auf den Vereinigten Staaten. 1993 schaft nicht, daß Amerika die Verantwortung zur
werden die Vereinten Nationen über 3 Milliarden Dollar Behebung allen Übels auf der Welt obliegt. Statt
aufwenden, um diese Konflikte einzugrenzen oder zu dessen ist unser Ziel die Förderung der Entwicklung
beenden, und wir werden ein Drittel davon überneh- einer Gemeinschaft, die fähig ist, die erschreckenden
men. Ohne die Vereinten Nationen wären sowohl die Ungerechtigkeiten zu erleichtem, wenn nicht zu beseiKosten als auch der Konflikt bei weitem größer.
tigen, von denen die Zivilisation noch immer geplagt
ist. Denn nur in einer solchen Gemeinschaft können
In den vergangenen Jahren wurde jedoch ein viertes die Vereinigten Staaten prosperieren.
Gebot aufgestellt, das als das angemessene Gebot
zur Schlichtung von Streitigkeiten bezeichnet werden Wenn also tatsächlich eine internationale Staatengekönnte. Das Ende des Kalten Krieges hat eine Vielzahl meinschaft mit höheren Grundsätzen Gestalt annimmt,
unzufriedener Parteien - insbesondere in Europa und wo passen wir ins Bild? Weil diese internationale
Eurasien - freigesetzt, die wirtschaftliche, nationale, Staatengemeinschaft die amerikanischen Werte, Ideoethnische, rassische, religiöse und andere Konflikte zu logie und Wirtschaftsinteressen in solchen Maße wilösen versuchen. Unkontrolliert werden diese Kräfte derspiegelt, haben wir ein Motiv und eine Chance,
zweifellos einen Großteil Europas und Eurasiens in einige "Spielregeln" festzusetzen. Die Vereinten Naden Konflikt hineinziehen. Das Potential zur Destabi- tionen sind der beste Verwahrungsort dieser Regeln
lisierung der Mitte Europas, den Einsatz von Nuklear- und die Vereinigten Staaten ihr fähigster Schirmherr.
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AMERIKA DIENST 25

�Regeln sind jedoch keine Regeln, wenn sie nicht
durchgesetzt werden. Dies erfordert nicht, daß wir den
Wettpolizisten spielen, sondern nur, daß es Polizisten
geben sollte, und wir bei der Gewährleistung ihrer
Wirksamkeit zur Hand gehen.

gende Unterstützung für mehrere weitreichende Reformen aufzubauen, die in diesem Jahr durchgeführt
werden könnten.

Bevor ich einige der generellen Ideen darlege, möchte
ich Ihnen eine Art Diagnose präsentieren. Wenn ich
Ein zentrales au ßenpolitisches Ziel dieser Administra- ein einziges Wort auswählen müßte, um die Probleme
tion besteht daher darin, Schutzmechanismen für eine der UNO-Friedenssicherung zu schildern, würde ich
internationale Staatengemeinschaft mit hohen Grund- "Improvisation" wählen.
sätzen zu schaffen, die die Lasten ihrer Verteidigung
gerechter verteilt und gleichzeitig unsere Führungsrol- Vielleicht erstaunt es Sie - mich hat es auf jeden Fall
le erhält. Wir in den Vereinigten Staaten müssen also erstaunt - zu erfahren, daß die Vereinten Nationen
energisch auf die Stärkung der Fähigkeit der Vereinten jedesmal bei der Durchführung ihrer insgesamt 28
Nationen und anderer multilateraler Organisationen friedenssichernden Operationen seit 1948 wieder von
hinarbeiten, Friedenssicherung, präventive Diploma- vorne anfingen. Auf allen Gebieten zeigt sich eine Art
tie, Friedenschaffung, Verwirklichung des Friedens, programmierten Dilettantentums:
humanitäre Sicherheit und ähnliche Operationen durchin dem nahezu vollkommenen Fehlen einer
zuführen.
Planung für Eventualfälle,
Regelung der UNO-Friedenssicherung
in hastig rekrutierten, schlecht ausgerüsteten
und häufig unvorbereiteten Truppen und ZivilIn den vergangenen Jahren sind die Friedenssicheangestellten,
rungs- und andere verwandte Missionen der UNO in
schwindelerregendem Tempo angestiegen. 1987 gab
bei den Luftbrückenarrangements, die auf Imes fünf friedenserhaltende Missionen, von denen drei
provisation und Gebeten beruhen,
bereits seit Jahrzehnten bestanden hatten. Dafür
wurden weniger als 10.000 UNO-Soldaten oder Milibei den Beschaffungsprozessen, die lange
tärbeobachter zu Gesamtkosten von 233 Millionen
Vorlaufzeiten für dringend benötigte Ausrüstung
Dollar eingesetzt. Heute unterhalten wir 13 Missionen
erfordern,
und mehr als 75.000 Soldaten zu einem Preis von über
angesichts des fehlenden Wissens über verfüg3 Milliarden Dollar. Erstaunlicherweise verfügen wir
bare Streitkräfte und Fähigkeiten,
über nahezu dieselbe Zahl an ständigen Mitarbeitern
im Hauptquartier wie 1987.
angesichts des Mangels an Ausbildungsstandards für die Truppen oder standardisierten
Diese geringe Zahl von Mitarbeitern hat erstaunliche
Operationsverfahren fürsich im Feld oderunter
Arbeit geleistet, um sich an das Arbeitspensum und die
Beschuß befindliche Truppen,
konzeptuellen Änderungen bei den friedenserhaltenden Aufgaben anzupassen. Sie mußten sich jedoch
angesichts der fehlenden Zentralisierung von
auf Ad-hoc-Regelungen verlassen. Wir allen tragen
Kommando und Kontrolle,
einen Großteil der Verantwortung für diese Situation,
da es uns allen nicht gelungen ist sicherzustellen, daß
angesichts des Fehlens von standardisierten
die Vereinten Nationen über die Kapazitäten verfügen,
Haushaltsverfahren und Kostenfaktoren,
die ihnen von uns zugewiesenen großen und wachsenden Aufgaben zu erfüllen.
bei dem byzantinischen und langwierigen Entscheidungsfindungsprozeß für den Haushalt,
In seinem Bericht "Eine Agenda für den Frieden" von
und angesichts der fehlenden dauerhaften Fi1992 ebnete der Generalsekretär den Weg der UNnanzgrundlage für den Beginn und Erhalt frieStaatengemeinschaft zu einer Reform der Friedenssidenssichernder Operationen.
cherung. Und erhat bereitseine Anzahl von nützlichen
organisatorischen Schritten unternommen, die äußerst
begrüßenswert sind. Um jedoch die systematischen Im letzten Monat unternahm der Sicherheitsrat auf
Herausforderungen anzugehen, mit denen wir im Bereich Initiative der Vereinigten Staaten und Rußlands einen
der Friedenssicherung konfrontiert werden, benötigen extrem wichtigen Schritt, indem er den Generalsekretär um die Vorlage eines Berichtes im September
wir die aktive Hilfe der Mitgliedstaaten.
dieses Jahres mit spezifischen neuen ReformvorschläUnsere Regierung nähert sich der Beendigung einer gen bat. Zu den Vorschlägen des Rates zählten:
internen Überprüfung der amerikanischen Unterstütdie Schaffung eines Direktoriums für Planung
zung für die UNO-Friedenssicherung, und wir werden
und laufende Operationen,
bald in der Lage sein, unsere Vorschläge dem Generalsekretär und den anderen Mitgliedstaaten vorzuledie Unterrichtung der Vereinten Nationen über
gen. Diesen Sommer werden wir versuchen, grundledie Streitkräfte und Fähigkeiten, die die MitAMERIKA DIENST 25

Seite 3

�gliedstaaten für friedenssichernde und humanitäre Operationen zur Verfügung stellen könnten,
eine Reserve an üblicherweise benutzter Ausrüstung sowie
die Standardisierung friedenssichernder Verfahren.
Der vielleicht wichtigste Satz in der Erklärung des
Sicherheitsrates lautete, daß alle Mitgliedstaaten "die
Teilnahme an internationalen friedenssichernden
Maßnahmen und ihre Unterstützung zu einem Bestandteil ihrer Außen- und nationalen Sicherheitspolitik machen". Das ist der Schlüsselfaktor: Die Verhinderung und Schlichtung internationaler Konflikte ist
nicht eine Frage gelegentlichen Interesses; sie liegt im
entscheidenden Interesse unseres Landes und der
anderen UN-Mitgliedstaaten.

Wir untersuchen Möglichkeiten, um mit dieser bedrükkenden und gefährlichen Situation fertigzuwerden. Eine
mögliche Lösung ist die Schaffung eines einheitlichen
UN-Friedenssicherungsbudgets, das mit einem vergrößerten Kontingentfonds für unvorhergesehene
Missionen verbunden ist. Ein solcher Fonds müßte
eine jährliche Anpassung erfahren und würde dem
Generalsekretär eine bessere Grundlage für seine
Planung geben sowie die Notwendigkeit für die Mitgliedstaaten einschränken, zum Zwecke zusätzlicher
Finanzierung auf ihre Legislative zurückzugreifen.
Kontrolle der Kosten

Ebenso wie Anzahl und Umfang friedenssichernder
Missionen zugenommen haben, hat sich auch der
Finanzbedarf der Vereinten Nationen erhöht. Die UNO
verfügt jedoch nicht über die Mittel oder ausgebildeten
Mitarbeiter, um zunehmend komplizierte Budgets für
friedenserhaltende Missionen zu verwalten und zu
überprüfen. Die Vereinigten Staaten und andere groIch bin der Ansicht, daß es an der Zeit ist, das politiße Geberländer sollten zu diesem Zweck die Schafsche, intellektuelle und finanzielle Kapital zur Verfüfung eines Kaders hochqualifizierter Haushaltsexpergung zu stellen, dessen die UN-Friedenssicherung
ten befürworten sowie die Einführung spezieller Hausund unsere Sicherheit bedürfen. Ich möchte einige
haltsverfahren. Wir werden bei den Vereinten NatioGebiete aufzeigen, auf denen der Wandel Priorität hat.
nen ebenfalls darauf dringen, ihren Plan für einen
Inspekteurfriedenssichernder Missionen zur Kontrolle
Operationen
der tatsächlichen Ausgaben durchzuführen. Die VerDie Vereinten Nationen haben weder die Mittel noch einten Nationen müssen regelmäßiger und rechtzeitidie interne Organisation, um friedenserhaltende Mis- ger als bisher Verfahren zur Rechtfertigung der Kosten
sionen zu planen, vorzubereiten, zu organisieren, zu einführen, um einen vernünftigen Umgang mit ihren
stationieren, zu leiten und durchzuführen. Wir befür- Geldern sicherzustellen.
worten eine substantielle Vergrößerung und Reorganisation der Hauptquartiere für friedenserhaltende Finanzierung
Maßnahmen - sowie die Schaffung eines dauerhaften
Fundaments für eine schnelle Kommunikation rund Während die Kosten für die Friedenssicherung immer
um die Uhr, Nachrichtendienste, Lufttransport, Rekru- weiter ansteigen, weigern sich einige UN-Mitgliedstaatierung, Ausbildung und das gesamte Spektrum logi- ten, Gelder für neue Missionen bereitzustellen, während andere, beispielsweise Rußland, ihren bestehenstischer Gefechtsfeldunterstützung.
den Verpf lichtu ngen nicht mehr nachkommen können.
Als Folge davon nähern wiruns einer Krise, in der eine
Haushalt
aus politischen Gründen wünschenswerte IntervenDie Kosten für die Friedenssicherung werden von der tion der UNO aus finanziellen Gründen nicht stattfinMission in Rechnung gestellt - ein zeitaufwendiger den kann. Aus diesem Grund beabsichtigen wir in den
Prozeß, der nicht in Einklang mit unserem eigenen kommenden Monaten, mit anderen Mitgliedstaaten
gesetzlichen Haushaltsbewilligungsverfahren und dem zusammenzuarbeiten, um alle Möglichkeiten zu sonvieler anderer Länder steht. Das macht Planung dieren, die Friedenssicherung auf eine solide und
nahezu unmöglich und führt zu einer Krise bei der dauerhafte langfristige Grundlage zu stellen.
Geldversorgung - was verspätete Stationierung und
lange Verzögerungen bei der Vergütung der Beitragsgeber mit sich bringt.

* *

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AMERIKA DIENST 25

�NATO
23. Juni 1993

NATO FÜR USA WEITERHIN VON BEDEUTUNG
Administration unterstreicht Engagement der USA
WASHINGTON - (AD) - Die Organisation des Nordatlantikvertrags NATO bleibt für die Vereinigten Staaten
weiterhin das Hauptfonim, um ihrem Engagement für die europäische Sicherheit Ausdruck zu verleihen,
erklärten hochrangige Mitarbeiter Präsident Clintons am 18. Juni 1993 vor einem Kongreßausschuß.

"Wie Außenminister Christopher kürzlich in Athen
äußerte, sind wir der Ansicht, daß auch nach dem
Ende des Kalten Krieges die amerikanische Führungsrolle so bedeutend bleibt wie je zuvor - ein Punkt, den
der Präsident auf seiner Pressekonferenz am gestrigen Abend unterstrich", so Stephen A. Oxman, Abteilungsleiter im Außenministerium für europäische und
kanadische Angelegenheiten.

ausschuß werde "neue Wege" für die multilaterale
Durchsetzung friedenssichernder Maßnahmen im
kommenden Jahr prüfen. "Nach Beendigung des
Kalten Krieges mu ß die NATO ihre Kommandostruktur
sowie ihre Strategie umstellen", fuhr Levin fort.
Slocombe wies darauf hin, daß die Organisation im
Laufe der vergangenen Jahre mehrere umfassende
Anpassungen vorgenommen, neue strategische Doktrinen angenommen, ihre Streitkräfte neu ausgerichtet
und sich auf die Übernahme neuer Rollen eingestellt
habe. "Aber es bleibt noch viel zu tun", fügte er hinzu.

"Die Vereinigten Staaten werden sich dieser Herausforderung weiterhin stellen", erklärte Oxman in einer
Anhörung im Streitkräfteunterausschuß des Senats
über die Verteidigungs- und Verstärkungsstreitkräfte
der Koalition. Auf seiner Pressekonferenz vom 17. Das deutlichste Anzeichen der kontinuierlichen BeJuni betonte Präsident Clinton, die NATO sei in der Zeit deutung der NATO für die Sicherheit des neuen Europas ist Slocombe zufolge die Tatsache, da ß die Länder
nach dem Kalten Krieg "äußerst wichtig".
des ehemaligen Warschauer Paktes ohne Ausnahme
"In den kommenden Jahren wird es alle möglichen den Wunsch nach einer Mitgliedschaft in dieser OrgaProbleme geben, durch Terrorismus, die Verbreitung nisation haben.
von Massenvernichtungswaffen und durch bisher
unvorhergesehene Entwicklungen in Ländern außer- Präsident Clinton äußerte sich auf seiner Pressekonferenz in ähnlicherWeise: "Sie wissen, daß diese ihren
halb der NATO", so Clinton.
Mitgliedern einen Schutzschild gibt. Und meines
Walter B. Slocombe, parlamentarischer Staatssekre- Erachtens müssen wir uns weiterhin darin engagietär für politische Angelegenheiten im Verteidigungsmi- ren."
nisterium, erklärte, die NATO sei das erfolgreichste
Bündnis in der Geschichte und für die Welt von heute Oxman zufolge beabsichtigen die Vereinigten Staaten, eine beachtliche Truppenstärke - ungefähr 100.000
nach wie vor relevant.
Mann - in Europa beizubehalten, damit sie ihre sicher"Die Gewährleistung der Sicherheit und Stabilität Europas heitspolitischen Verpflichtungen im Rahmen der NATO
bleibt für unsere Sicherheit und unseren Wohlstand gewährleisten können.
von entscheidender Bedeutung", erklärte Slocombe.
"Wir werden auch in Zukunft bei unseren Verbündeten
"Zu diesem Zweck engagieren sich die Vereinigten darauf dringen, daß sie ihren Verpflichtungen für unseStaaten weiterhin für einen kollektiven Verteidigungs- re gemeinsame Verteidigung nachkommen - dessen
Rückgrat die integrierte Militärstruktur der NATO ist",
apparat, dessen Hauptkomponente die NATO ist."
so Oxman.
Senator Carl Levin (Demokrat aus Michigan), der
Vorsitzende der Anhörung, ließ verlauten, der Unter- "Außenminister Christopher machte in Athen deutlich,
daß Präsident Clinton in der Lage sein muß, dem
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Seite 1

�Kongreß und dem amerikanischen Volk zu beweisen,
daß alle unsere Verbündeten die Lasten und Pflichten
unserer Partnerschaft sowie unsere Entscheidungen
mittragen", fuhr Oxman fort.

Lugar kritisierte die NATO für ihr mangelndes Engagement im ehemaligen Jugoslawien, obwohl ihm zufolge
die Regierungen der Mitgliedstaaten letztlich die Verantwortung tragen. Wenn die NATO jedoch "nicht in
der Lage ist, auf Situationen wie ihm ehemaligen
Admiral William D. Smith, der amerikanische Vertreter Jugoslawien zu reagieren, ist die NATO tot", äußerte
im Militärausschuß der NATO, stellte fest, militärische Lugar.
Überlegungen seien zwar von geringerer Bedeutung
als während der Spaltung Europas, die kontinuierliche Die neue Rolle der NATO würde die Vereinten NatioAufgabe des Bündnisses bleibe jedoch die Sicherheit nen im wesentlichen ergänzen, erläuterte Lugar. "In
ihrer Mitglieder.
der Welt von heute darf kein Kirchturmdenken vorherrschen", fügte er hinzu. Er verwies ausdrücklich auf den
In diesem Tenor führte Senator Richard Lugar (Repu- Balkan und den Nahen Osten als Bereiche, in denen
blikaner aus Indiana), der ehemalige Vorsitzende des die NATO eine nützliche Rolle spielen könnte. Auf die
Auswärtigen Ausschusses des Senats, am 21. Juni Frage, ob Deutschland in der von ihm vorgesehenen
1993 im Foreign Press Center aus, die NATO solle NATO eine entscheidende Rolle spielen sollte, erklärte
"eine neue Zielsetzung" erarbeiten, mit der die Organi- Lugar, "es sollte eine äußerst maßgebliche deutsche
sation zum Schutz globaler, nicht nur regionaler Si- Beteiligung geben".
cherheit verpflichtet würde. Die Notwendigkeit, daß
sich die NATO "beschleunigt mit ihrer neuen Mission Lugar sprach auch über Nordkorea und das Nordamebefaßt", sei vordringlich.
rikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Er führte
aus, er teile die Kritik der Clinton-Administration an
Lugar forderte ferner die Stärkung der NATO durch die Nordkorea. "Es ist ein sehr ernsthaftes Dilemma. Kein
"unverzügliche" Aufnahme neuer Mitglieder - insbe- Land ist je aus dem Nichtverbreitungsvertrag (NW)
sondere Polen, die Tschechische Republik und Un- ausgetreten und hat Inspektionen verweigert", stellte
garn. Auf die Frage nach der Haltung der Clinton- er fest. "Alle Nationen müssen wegen dieser InspekAdministration zu diesem Vorschlag erwiderte er, dies tionen Druck auf Nordkorea ausüben."
werde "noch erörtert".
Die Situation im Hinblick auf Nordkorea "ist sehr wichLugar wurde auch zur Aufnahme der Slowakei in die tig für die Sicherheit im Pazifik", fügte Lugar hinzu.
NATO befragt. Seine Antwort lautete, die Slowakei "Unsere Verbündeten müssen wissen, daß wir es
könne sicherlich zu einem Zeitpunkt beitreten, "aber ernst meinen."
ich kenne ihre Einstellung zur Sicherheit nicht".
Lugar unterstrich die Bedeutung der Verabschiedung
Lugar bekräftigte, er befürworte die Mitgliedschaft des NAFTA. "NAFTA ist ein Vorbote für ernsthafte
Rußlands und der Ukraine in absehbarer Zukunft, Gespräche über freien Handel auf dem gesamten
"abhängig von den politischen Entwicklungen". Der Kontinent", äußerte er.
Prüfstein für die NATO-Mitgliedschaft solle die Entwicklung von Demokratie und die Verpflichtung zur
Marktwirtschaft sein, fuhr Lugar fort.

* *

Seite 2

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�RUNDFUNK
23. Juni 1993

CLINTON UNTERBREITET VORSCHLAG FÜR
INTERNATIONALEN RUNDFUNK
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton unterbreitete am 15. Juni 1993 einen Vorschlag zur Verbesserung
internationaler Rundfunkprogramme, die ihm zufolge drei entscheidende Ziele der Außenpolitik unterstützen
werden: Förderung der Demokratie, Verbesserung der amerikanischen Sicherheit und Wiederbelebung der
nationalen Volkswirtschaft.
"Ich freue mich, bei diesen Bestrebungen vom Direktor des US-Informationsamts (United States Information
Agency - USIA), Dr. Joseph Duffey, und dem Vorsitzenden des Internationalen Rundfunkrats, dem Kongreßabgeordneten Dan Mica, unterstützt zu werden", äußerte Clinton in einer Stellungnahme.
Clinton umriß die drei Hauptkomponenten des vorgeschlagenen Plans:
Sicherung der Existenz von Radio Free Europe und Radio Liberty,
Erhaltung anderer wichtiger Sender wie Voice of America, Radio Marti und TV Marti,
Gründung eines neuen und unabhängigen Vorstands, der nicht nur als Aufsichtsrat für Radio Free Europe
und Radio Liberty fungiert, sondern auch für Voice of America und andere Auslandssender. Der im
Gebäude von USIA untergebrachte Vorstand wird fürden Internationalen Rundfunkrat ähnliche Aufgaben
ausführen oder diese ersetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Ich freue mich, heute einen wichtigen Schritt zur Förderung der Demokratie unternehmen zu können, indem ich meinen Vorschlag zur Stärkung der effektivsten uns zur Verfügung stehenden außenpolitischen
Instrumente unterbreite - unserer internationalen Sender. Denn die Verbreitung unserer Werte, unserer
Ideen und unserer demokratischen Lebensweise kann
zur Stärkung unserer Sicherheit beitragen und andere
Menschen weltweit in ihrem Kampf für Freiheit unterstützen.
Ich bin erfreut, bei diesen Bestrebungen vom Direktor
des US-Informationsamts, Dr. Joseph Duffey, und
dem Vorsitzenden des Internationalen Rundfunkrats,
dem Kongreßabgeordneten Dan Mica, unterstützt zu
werden. Diese Programme waren ein wesentlicher
Bestandteil unserer Bestrebungen zur Förderung von
Demokratie sowie der amerikanischen Interessen im
Ausland und werden dies auch in Zukunft sein.
Unser Plan sieht eine stolze Wiedergeburt amerikanischer Sender vor, um diesem Zeitalter nach dem
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Kalten Krieg Rechnung zu tragen. Unser Vorschlag
sichert die Existenz von Radio Free Europe und Radio
Liberty, die eine so wichtige Rolle dabei spielen, die
Freiheit nach Mittel- und Osteuropa sowie in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu bringen. Er erhält
unsere anderen wichtigen Sender wie Voice of America, Radio Marti und TV Marti, die eine so entscheidende Rolle dabei gespielt haben, Wahrheit und Hoffnung
ins Ausland zu vermitteln. Und unser Plan organisiert
unsere Auslandssender neu, u m sie stärker, effizienter
und fähiger bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen dieses Zeitalters zu machen, Demokratie
und den Wiederaufbau bürgerlicher Gesellschaften zu
fördern.
Unser Sieg im Kalten Krieg war nicht nur auf die Stärke
unserer Streitkräfte zurückzuführen, sondern auch auf
die Kraft unserer Ideen. Während wir handelten, um
den sowjetischen Expansionismus einzudämmen,
versuchten wir auch, den Geist der Freiheit zu beflügeln, wo Unterdrückung herrschte. Voice of America
hat lange eine bedeutende Rolle bei diesen BestrebunSeite 1

�gen gespielt. Und um eben diese Sache voranzubringen, haben wir vor 40 Jahren einen Rundfunksender Radio Liberty - mit dem Ziel ins Leben gerufen, die
Verfechter der Freiheit mit freiheitsliebenden Amerikanern hinter dem Eisernen Vorhang zu vereinigen. Die
Gründer dieses und anderer amerikanischer Rundfunksenderwaren sich bewußt, daß die Wahrheit eine
unserermächtigsten Waffen im Kampf gegen Kommunismus und Totalitarismus ist.
Die Helden bei der Beendigung des Kalten Krieges zum Beispiel der polnische Präsident Lech Walesa
und der tschechische Präsident Vaclav Havel - haben
häufig auf die Bedeutung verwiesen, die sie Radio
Free Europe und Radio Liberty für ihre historische
Arbeit im Namen von Freiheit und Demokratie beimessen.
Zusammen mit unseren anderen Rundfunkanstalten
haben Radio Free Europe und Radio Liberty nachhaltig die Fähigkeit von Diktatoren auf die Probe gestellt,
die Geschichte zu verleugnen, die Wahrheit zu verzerren und den Geist zu manipulieren. Von Havanna bis
Ho-Chi-Minh-Stadt, von Pretoria bis Prag haben unsere Auslandssender dazu beigetragen, eine Lektion
unter Beweis zu stellen, die Amerikaner niemals vergessen dürfen: Eine informierte und aufgeklärte
Bevölkerung ist der mächtigste Gegner, den Tyrannei
je haben kann.
Heute haben sich die Herausforderungen für die Staaten gewandelt, die einst hinter dem Eisernen Vorhang
gefangengehalten wurden. Die Arbeit der Freiheit ist
nicht beendet. Die meisten dieser Staaten durchlaufen
einen schwierigen Prozeß, die Gewinne der Demokratie zu konsolidieren und die Fundamente für Wohlstand zu legen. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen und politischen Spannungen in zahlreichen dieser
Nationen haben Demagogen und Kriegsherren hervorgebracht, die die jüngsten Fortschritte der Demokratie umzukehren versuchen.
Diese und viele andere Staaten benötigen noch immer
eine Nachrichtenquelle, die zuverlässig nicht der
Manipulation durch ihre eigenen Regierungen unterworfen ist. Keine Nation besitzt größere Glaubwürdigkeit, solche Nachrichten zu liefern, als die Vereinigten
Staaten. Aus diesem Grund werden unsere Rundfunk- und anderen internationalen Sender weiterhin
eine lebenswichtige Rolle spielen während wir versuchen, zur Stärkung der neuen Demokratien und Förderung der Entwicklung demokratischer Institutionen
beizutragen, wo diese noch nicht existieren.

funksender und Voice of America, werden einige Änderungen in ihrer Struktur und beim Etat
vorgenommen.
Wir werden einen neuen und unabhängigen
Vorstand gründen, der nicht nur als Aufsichtsrat
für Radio Free Europe und Radio Liberty fungiert, sondern auch für Voice of America und
andere Auslandssender. Der im Gebäude von
USIA untergebrachte Vorstand wird für den
Internationalen Rundfunkrat ähnliche Aufgaben
ausführen oder diese ersetzen. Dieser neue
Vorstand, den der Präsident auf Empfehlung
und mit Zustimmung des Senats ernennen wird,
gewährleistet Unabhängigkeit, Kontinuität,
Qualität und journalistische Integrität bei unseren Surrogat- und anderen Sendern.
Dieser neue Vorstand wird eine wichtige Rolle
dabei spielen, die beste Mischung der Funktionen eines Senders herauszufinden: Der übrigen Welt die amerikanischer Pespektive näherzubringen, Gewährleistung objektiver internationaler Berichterstattung, Sendung wahrheitsgetreuer Inlandsnachrichten, wo es noch keine
freie Presse gibt, gelegentliche Hilfestellung bei
der Übermittlung der offiziellen Meinung unserer Regierung ins Ausland.
Dieser neue Vorstand wird auch eine Führungsrolle dabei übernehmen, bei der Gründung eines neuen Asian Democracy Radio behilflich zu
sein, um für die Menschen in Asien, deren
Regierungen noch immer die Wahrheit verschweigen, wahrheitsgetreue lokale und internationale Nachrichten zu senden.
Darüber hinaus werden wir weiterhin die gute
Arbeit unserer wichtigen Sender fortsetzen, die
die Freiheit für Kuba beschleunigt herbeiführen
sollen - Radio Marti und TV Marti. Die derzeitige
Struktur dieser Körperschaften und ihres Vorstands wird beibehalten.
Wir werden die Schaffung eines unabhängigen Nachrichtensammlungs- und Sendebetriebs in den Ländern
Osteuropas und den neuen unabhängigen Staaten
ermutigen, wo sie in das Gefüge des demokratischen
Lebens integriert werden können.

Indem wir die Ressourcen unserer Sender unter einem
Dach vereinigen, können wir beträchtliche Einsparungen vornehmen und verfügen gleichzeitig über größere Flexibilität, unsere Sender den sich wandelnden
Der von uns heute bekanntgegebene Plan wird diese internationalen Gegebenheiten und PublikumsinteresAnstalten stärken und sie besser an dieses Zeitalter sen entsprechend auszurichten und zu gestalten.
Darüber hinaus können wir die sich abzeichnende
anpassen:
bemerkenswerte technologische Entwicklung im weltWir werden den Betrieb von Radio Free Europe weiten Sendebetrieb besser nutzen.
und Radio Liberty aufrechterhalten. Bei vielen
unserer Sender, einschließlich dieser Rund- Der von uns heute unterbreitete Plan wurde dank der
harten Arbeit und Zusammenarbeit zahlreicher EinzelSeite 2

AMERIKA DIENST 25

�personen erstellt, ich möchte jedoch insbesondere die
Führungsrolle des Kongreßabgeordneten Dan Mica
und von Dr. Duffey würdigen. Ferner möchte ich das
hohe Maß an Professionalität und Engagement derjenigen nicht unerwähnt lassen, die so viel zu den
herausragenden Leistungen von Voice of America,
Radio Free Europe und Radio Liberty sowie unseren
anderen Sendern beigetragen haben. Sie haben Jahre
ihres Lebens geopfert und häufig sogar ihr Leben
riskiert, um den Menschen wahrheitsgetreue Nach-

richten und die Botschaft der Demokratie zu übermitteln, denen beides verweigert wurde, und wir werden
weiterhin auf ihre ausgezeichneten Dienste zurückgreifen.
Ich habe erklärt, daß sich meine Außenpolitik auf die
Förderung von Demokratie, die Verbesserung unserer
Sicherheit und die Wiederbelebung u nserer Wirtschaft
gründet. Der von uns heute unterbreitete Plan hilft uns
bei der Verwirklichung aller drei Ziele.

* * * * *

AMERIKA DIENST 25

Seite 3

�UMWELT
23. Juni 1993

USA FORDERN GLOBALE UMWELTZUSAMMENARBEIT
Rede von Vizepräsident Gore
WASHINGTON - (AD) - Vizepräsident Gore hat Industriestaaten und Entwicklungsländer aufgefordert, eine
umweltverträgliche Entwicklung zu fördern, indem sie verantwortungsbewußter mit ihrer jeweiligen Umwelt
umgehen und bereit sind, Informationen und Technologie miteinander zu teilen.
In seiner Rede vor der UN-Kommission für umweltverträgliche Entwicklung definierte Gore am 14. Juni 1993
umweltverträgliche Entwicklung als "wirtschaftlichen Fortschritt ohne Umweltzerstörung" und bekräftigte, daß
wirtschaftliche Entwicklung und Verantwortung gegenüber der Umwelt Hand in Hand gehen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Vizepräsident Gores Rede im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre, bei einem solch bedeutenden
Anlaß für alle Ihre Länder bei Ihnen zu sein - das gilt
auch für die Länder, deren Vertreter nicht hier anwesend sind.

Und dasselbe gilt auch heute. Wir kommen aus
verschiedenen Teilen der Welt. Meine Worte werden
in viele verschiedene Sprachen übertragen. In den
nächsten Tagen werden wir einige erhebliche Differenzen überwinden müssen.

Seit Rio ist ein Jahr vergangen und obwohl wir uns für
gewöhnlich auf die bei den offiziellen Veranstaltungen Aber wir sind vereint durch eine gemeinsame Prämisdes Erdgipfels vorgetragenen Ideen konzentrieren, se: daß menschliche Aktivität der globalen Umwelt
erinnere ich mich an wesentlich mehr.
unnötigerweise schwere und vielleicht irreparable
Schäden zufügt. Und wir müssen reagieren. Die
Denn der große Reichtum menschlicher Kreativität Gefahren sind uns allen klar.
wurde in Rio voll und ganz unter Beweis gestellt: jener
riesige "Baum des Lebens", auf dessen Blätter aus Die Wälder der Erde werden in einem Tempo zerstört,
Papier Kinder aus aller Welt mit Wachsmalstiften das der Größe eines Fußballplatzes pro Sekunde
Botschaften geschrieben hatten. Vertreter der Urbe- entspricht. Ein enormes Loch tut sich in der Ozonvölkerung wie der Kayapao, Yanomami, Inurt und schicht auf und verringert die Fähigkeit der Erde, das
Penan, die leidenschaftlich die gefährdeten Überbleib- Leben vor der tödlichen ultravioletten Strahlung zu
sel der Wildnis verteidigten, in denen ihre alten Kultu- schützen. Arten sterben in einem solch beispiellosen
ren ums Überleben kämpfen.
Tempo aus, daß über die Hälfte während unserer
Lebenszeit verschwinden könnten. Immer mehr cheWissenschaftler führten verblüffend schöne Compu- mische Abfälle versickern und vergiften das Grundterbilder von jedem Quadratzentimeter der Erde vor - wasser - und steigen in die Atmosphäre auf, um ihr
wie man sie aus dem Weltall sieht. Künstler schufen empfindliches Gleichgewicht zu zerstören. Die Degespektakuläre Plastiken, Gemälde, Musikstücke, Grafi- neration von Land, Wäldern und Süßwasser - sowohl
ken und Klänge.
isoliert als auch unter Synergiegesichtspunkten betrachtet - spielt eine entscheidende Rolle für die interUnd sie alle schienen mehr Ähnlichkeiten als Unternationale Instabilität. Riesige Mengen von an die
schiede aufzuweisen: der Ureinwohner und der KünstAtmosphäre abgegebenem Kohlendioxid, Methan und
ler, der Wissenschaftler und das Kind, der Tourist und
anderen Treibhausgasen halten die Wärme fest und
der Diplomat. Alle schienen ein tieferes Verständnis
steigern weltweit die Temperaturen.
gemeinsam zu haben - die Erkenntnis, daß wir alle Teil
von etwas sind, das wesentlich grö ßer ist als wir selbst, Sie wissen dies. Unser gemeinsames Gefühl der
einer Familie, die dem Blut nach nur entfernt, durch Dringlichkeit hat uns heute hierhin geführt. Ich wünschdas Engagement für die gemeinsame Zukunft aller te, jeder würde die Dinge ebenso sehen. Aber das trifft
jedoch eng verwandt ist.
nicht zu.

AMERIKA DIENST 25

Seite 1

�Vor wenigen Wochen faßte der Harvard-Professor
Edward Wilson in einem Beitrag für die New York
Times die Meinung der Andersdenkenden folgendermaßen zusammen:
"Bevölkerungswachstum? Gut für die Wirtschaft - also
laßt ihm freien Lauf. Landknappheit? Probiert Fusionsenergie zur Meerwasserentsalzung aus und
gewinnt danach die Wüsten der Welt zurück..., indem
ihr Eisberge bis zu Pipelines an der Küste schleppt..."

Er erwähnte die Bedeutung der Verringerung von
Treibhausgasemissionen und verpflichtete die Vereinigten Staaten, die Emissionen bis zum Jahr 2000 auf
das Niveau von 1990 zu senken - eine große Veränderung für mein Land.
Der Präsident gab eine Reihe von Präsidialerlassen
bekannt, die unsere Regierung zu einer führenden
Kraft bei der Verhütung von Umweltbelastungen und
bei der effizienten Energieausnutzung machen werden, denn sollten wir nicht unser eigenes Haus - die
Bundesregierung der Vereinigten Staaten - in Ordnung
bringen, wenn wir Veränderungen bei allen anderen
fordern?

"Artensterben? Macht euch keine Sorgen", sagen die
Skeptiker. "So funktioniert eben die Natur. Betrachtet
die Menschheit lediglich als das letzte Glied einer
langen Kette der Ausrottung in der geologischen
Geschichte. Ressourcen? Der Planet hat mehr als Und heute nachmittag - ich freue mich, Ihnen dies
genug Ressourcen, um unendlich lange zu bestehen." mitteilen zu können - werden wir eines der zahlreichen
Ergebnisse dieser neuen Hinwendung zur Umwelt in
Wilson bezeichnete diese Gruppe als "exemptiona- den Vereinigten Staaten bekanntgeben: den vom
lists", weil sie behaupten, der Mensch sei an Intelligenz Präsidenten eingerichteten Rat für umweltverträgliche
und Geist so überlegen, daß er "von den eisernen Entwicklung.
Gesetzen der Ökologie, die alle Arten miteinander
verbinden", ausgenommen (exempted) sei.
Dieser aus 25 Mitgliedern bestehende Rat wird eine
neue Partnerschaft zwischen Vertretern aus Industrie,
Die Menschheit ist nicht ausgenommen. Die Gesetze Regierung und Umweltgruppen aufbauen. Er wird
der Ökologie sind auch für uns verbindlich. Wir haben neue Ansätze zur Integration von Wirtschafts- und
uns in Rio verpflichtet, unseren Kurs zu ändern. Wir Umweltpolitik entwickeln.
haben uns verpflichtet, den Rat derjenigen auszuschlagen, die auf dem Weg der Ausrottung fortfahren Präsident Clinton wird den Rat bei einer Feier im
Weißen Haus heute nachmittag offiziell ins Leben
wollen.
rufen. Bis zum Jahresende wird der Rat einen ameriUnd wenn irgendwelche Zweifel an der Unterstützung kanischen Aktionsplan für umweltverträgliche Entwickder Vereinigten Staaten für diese Verpflichtung beste- lung vorgelegt haben. Dieser Plan wird Ihnen übermithen sollten, so möchte ich diesen ein Ende bereiten. telt werden.
Die Administration unterstützt nicht nur diese Verpflichtung - wir beabsichtigen, uns all denen anzu- Wir glauben an diesen Auftrag. Wir verpflichten uns,
schließen, die entschlossen sind, echte Führung zu ihm zum Funktionieren zu verhelfen. Aber gewiß ist
demonstrieren. Nehmen Sie nicht mich beim Wort. das, was wir bisher getan haben, lediglich ein Anfang.
Lauschen Sie den Worten Präsident Clintons am Tag Wir können die vor uns liegenden Schwierigkeiten
der Erde.
nicht überschätzen. Von dem breiten Spektrum der
Probleme, die einen in der Tat zum Pessimisten machen
"Wenn wir nicht handeln - und zwar jetzt", erklärte der können, möchte ich hier nur zwei erwähnen.
Präsident, "werden wir uns einer Zukunft gegenübersehen, in der wir erleben, wie 9 Milliarden Menschen Erstens, das Bevölkerungswachstum. Es ist ernüchunseren Planeten bevölkern, dessen Fähigkeit, Leben ternd, wenn man sich bewu ßt wird, was im Hinblick auf
zu gewähren und zu erhalten jedoch stark einge- die Weltbevölkerung im Lauf unseres Lebens gescheschränkt sein wird. Wenn wir nicht handeln, werden wir hen wird. Von den Anfängen der Menschheit bis zum
mit der Ausrottung ungezählter Arten konfrontiert, die Ende des Zweiten Weltkrieges, als ich geboren wurde,
... lebensrettend (sein) könnten. Wenn wir jetzt nicht bedurfte es mehr als 10.000 Generationen, um eine
handeln, werden wir mit einer Zukunft konfrontiert, in Erdbevölkerung von kaum über 2 Milliarden zu erreider uns die Sonne vielleicht verbrennt, anstatt uns zu chen. Aber allein in den letzten 45 Jahren wuchs diese
wärmen ... und in der unsere Kindeskinder einen von etwas über 2 Milliarden auf 5,5 Milliarden an, und
Planeten erben, der entschieden weniger gastfreund- wenn ich weitere 45 Jahre lebe, wird sie 9 oder 10
lich ist als der uns hinterlassene."
Milliarden betragen.
Präsident Clinton erwähnte die entscheidende Bedeutung der in Rio verabschiedeten Artenschutzkonvention - und gab bekannt, die Vereinigten Staaten würden
die Konvention nun unterzeichnen. Und dies taten wir
am 4. Juni 1993.

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Die von dieser Explosion verursachten Veränderungen liegen nicht in femer Zukunft. Es handelt sich nicht
nur um ein Problem für unsere Enkel. Die Probleme
existieren bereits.

AMERIKA DIENST 25

�Bodenerosion. Verlust bewachsener Flächen. Ausrottung. Ausbreitung von Wüsten. Hungersnöte. Die
Abfallkrise.

Die Verringerung des Bevölkerungswachstums liegt
im ureigenen Interesse aller Regierungen. Es ist eine
Pflicht reicher und armer Länder gleichermaßen.

Die von tiefgreifenden technologischen Veränderungen begleitete Bevölkerungsexplosion beeinflußt jeden Aspekt unseres Lebens in jedem Teil der Erde.

Rasches Bevölkerungswachstum ist nur eine der
Ursachen einer tiefgreifenden Umgestaltung im Verhältnis zwischen der menschlichen Zivilisation und
dem Ökosystem Erde. Das Auftreten extrem mächtiger neuer Technologien, die die Auswirkungen vergrößern, die jeder von uns auf die globale Umwelt haben
kann, hat ebenfalls eine bedeutende Rolle gespielt.

Die Entwicklungsländer sind bisweilen der Auffassung, das Bevölkerungsargument werde von wohlhabenden Ländern vorgebracht, die ihre Fähigkeit zum
Wachstum einschränken wollten. Darauf möchte ich
antworten.

Am wichtigsten ist jedoch, daß viele Menschen heute
über unser Verhältnis zur Erde auf eine Art und Weise
Manchmal haben die Entwicklungsländer recht. Des- denken, die annimmt, wir brauchten uns nicht um die
halb sage ich zu den Bürgern der Industriestaaten: Wir Konsequenzen unseres Handelns zu kümmern - als ob
haben einen unverhältnismäßig großen Einfluß auf die die globale Umwelt auf ewig gegenüber den rasch
globale Umwelt. Wir stellen weniger als ein Viertel der zunehmenden Schädigungen ihrer Unversehrtheit und
Weltbevölkerung - aber wir verbrauchen drei Viertel ihres Gleichgewichts immun sei. Die Beweise für die
der Rohstoffe und produzieren drei Viertel aller festen Verschlechterung können wir jedoch überall feststelAbfälle weltweit.
len.
Eine Möglichkeit, dies zu erläutern, ist die folgende:
Ein in den Vereinigten Staaten geborenes Kind wird
während seines Lebens die Umwelt der Erde 30mal so
stark beeinflussen wie ein Kind, das in Indien geboren
wird. Die Wohlhabenden der Weh tragen Verantwortung dafür, daß sie ihren unverhältnismäßig großen
Einfluß in den Griff bekommen.

Denken Sie zum Beispiel an die Bedrohung für unser
Angebot an Süßwasser. Auf der Erde gibt es viel
Wasser. Aber es gibt nicht sehr viel Süßwasser lediglich rund 2,5 Prozent allen Wassers auf der Erde
ist Süßwasser, und das meiste davon besteht in Form
von Eis, etwa in der Antarktis, in Grönland oder anderen Gebieten.

Aber das Bevölkerungswachstum betrifft jeden. Bis
zum Jahr 2000 werden 31 arme Länder nicht in der
Lage sein, ihre Bürger mit den Ressourcen ihres
eigenen Landes zu ernähren. Beim zweiten Treffen
des Vorbereitungsausschusses der Internationalen
Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung versprachen die Vereinigten Staaten, zur Herstellung
eines internationalen Konsenses über das Ziel einer
Stabilisierung des Wachstums der Weltbevölkerung
beizutragen.

Darüber hinaus wird ein Großteil dieses Wassers
ineffizient verwendet. Ferner wird es durch toxische
Stoffe und vom Menschen verursachte Abfälle verschmutzt. Überdies werden bis zum Jahr 2000 18 der
22 größten städtischen Gebiete der Welt - mit mehr als
18 Millionen Einwohnern - in Entwicklungsländern
liegen. Bis zum Jahr 2025 werden 60 Prozent der
Weltbevölkerung in Städten leben - das sind mehr als
5 Milliarden Menschen. Sie werden dringend Süßwasser und die entsprechenden Versorgungssysteme
benötigen.

Wir haben einen umfassenden Ansatz gefordert, der
sich auf drei Bereiche konzentriert: Umwelt, Entwicklung - sowie die Rechte und Bedürfnisse von Frauen.

Und nicht nur für Trinkwasser. Wasser beinflußt die
industrielle Entwicklung. Es ist das Medium, das für
Ist das Bevölkerungswachstum lediglich ein Problem Wärmeaustausch, Verarbeitung und Transport benöder Geburtenkontrolle? Selbstverständlich nicht. tigt wird. Es beeinflußt die Fähigkeit der Welt zur
Paradoxerweise ist auch die Reduzierung der Kinder- Produktion von Nahrungsmitteln, denn 76 Prozent des
sterblichkeit wichtig. Vor mehreren Jahrzehnten legte weltweit verbrauchten Wassers wird in der LandwirtJulius Nyerere diesen Sachverhalt überzeugend fol- schaft eingesetzt. Eine bedeutende Veränderung in
gendermaßen dar: "Das mächtigste Verhütungsmittel der Verfügbarkeit von Süßwasser kann massive
ist das Vertrauen der Eltern, daß ihre Kinder überleben Wanderungsbewegungen auslösen.
werden."
Da wir wissen, wie kostbar Trinkwasser ist, sind unsere
In jüngerer Zeit äußerte sich ein Arzt in Indien etwas
anders, als er den Erfolg von Programmen in Kerala
erläuterte, die die Geburtenraten drastisch verringert
haben: "Das dauerhafteste Verhütungsmittel ist Bildung für Frauen", erklärte er. "Die Frauen erkennen,
daß sie eine bewußte Wahl haben und daß Hoffnungen und Träume für ihre Kinder nicht unrealistisch
sind."
AMERIKA DIENST 25

Methoden zu dessen Bereitstellung zu Recht als Triumphe menschlicher Genialität gefeiert worden, ob es
sich dabei um die ersten Bewässerungsnetze am Nil
oder das monumentale Tunnelsystem handelt, das
diese Stadt mit Wasser versorgt, damit Sie sich in
Ihrem Hotelzimmer heute morgen die Zähne putzen
konnten.

Seite 3

�Wir benötigen unsere gesamte Erfindungsgabe, um
eine Erschöpfung dieses Angebots zu verhindern.
Schnelles Wachstum ist an sich eine Bedrohung unserer Süßwasserversorgung, sei es in Mexiko-Stadt, wo
der Grundwasserspiegel mehr als 3,3 Meter pro Jahr
sinkt, oder in jeder der ungefähr 80 Städte, die bereits
unter ernsthafter Wasserknappheit leiden.

auszuüben, die uns bei der Bewältigung unserer Aufgabe behilflich sein können.
Zweitens haben die Industriestaaten kein Monopol auf
Ideen. Tatsächlich haben letztes Jahr in Rio viele
Entwicklungsländer den Weg gewiesen.

Drittens müssen wir ein für allemal die Idee aufgeben,
daß
Wirtschaftsentwicklung und Verantwortung für
Mittlerweile fordert verseuchtes Wasser Schätzungen
unsere
Umwelt nicht miteinander vereinbar seien.
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge in
Wirtschaftliche
Entwicklung ist keine Entschuldigung
den Entwicklungsländern jährlich mindestens 15 Milfür
Vandalismus
an der Umwelt. Reiche Länder könlionen Todesopfer. Millionen weiterer Menschen leinen
den
armen
Ländern
keine Grenzen setzen oder
den unter schwächenden, mit dem Trinkwasser in
ihnen
das
Recht
auf
Schaffung
von Wohlstand verweiZusammenhang stehenden Krankheiten. Tatsächlich
gern.
Gleichzeitig
steigt
die
Erkenntnis,
daß die am
werden in den Entwicklungsländern ungefähr 80 Proschnellsten
wachsenden
Märkte
in
den
Entwicklungszent aller Krankheiten und mehr als ein Drittel aller
Todesfälle durch den Konsum von verseuchtem Trink- ländern zu finden sind - Ländern, in denen die Nachfrawasser verursacht. Allein 3 Millionen Kinder sterben ge nach umweltfreundlichen Technologien ebenfalls
jedes Jahr an Diarrhöe, die durch verseuchtes Trink- rapide ansteigt.
wasser und mangelhafte sanitäre Einrichtungen entWirtschaftlicher Fortschritt ohne Umweltzerstörung.
steht.
Darum geht es bei umweltverträglicher Entwicklung.
Was ist der Grund für die große Gleichgültigkeit des Bei unserem Bemühen um umweltverträgliche EntVolkes gegenüber diesen Krisen? Weshalb ist es so wicklung müssen wir uns von zwei Prinzipien leiten
lassen.
dringlich, darauf zu reagieren?
Erstens, dem Prinzip der nationalen Verantwortung.
Die Rolle dieser Kommission ist vor allem die eines
Katalysators. Sie kann als Forum für die Entwicklung
von Ideen und Plänen dienen. Sie kann Fragen lösen,
die entstehen, wenn die Nationen Fortschritte bei
ihrem Programm für umweltverträgliches Wachstum
machen. Sie kann den Fortschritt überwachen. Sie
kann dazu beitragen, die multilateralen Finanzinstitutionen und die bilateralen Hilfsangebote zu einer Tagesordnung für umweltverträgliche Entwicklung hinzuDie Moral von der Geschichte ist, daß wir anscheinend führen. Sie kann das System der Vereinten Nationen
Schwierigkeiten haben, den Wandel zu erkennen, wiederbeleben um sicherzustellen, daß umweltverwenn er langsam stattfindet. Unser aller Leben scheint trägliche Entwicklung zum zentralen Thema jeder
sich von Tag zu Tag nicht allzusehr zu ändern. Nur Organisation wird.
wenn wir unseren Blick auf die nächsten Tage oder
Diese Kommission kann durch ihre Konzentration auf
Jahre richten, sehen wir die Wahrheit.
umweltverträgliche Entwicklung tatsächlich die BemüIn ähnlicher Weise können wir von Tag zu Tag leben, hungen der UNO um eine Aufrechterhaltung von Frieohne mit dem stattfindenden rapiden Wandel konfron- den, Stabilität und Wohlstand in dieser Zeit nach dem
tiert zu werden, obwohl unsere Zivilisation weltweit mit Kalten Krieg verstärken.
einer nie dagewesenen Umweltkrise konfrontiert ist.
Wir müssen das Ausmaß erkennen, in dem wir unsere Die Kommission kann jedoch keines dieser Ziele erreiglobale Umwelt schädigen, und wir müssen neue chen, wenn nicht jedes Land die bindende VerpflichMittel und Wege finden, um zusammen an einer För- tung eingeht, seine eigene Politik zu ändern. Diese
derung des wirtschaftlichen Fortschritts zu arbeiten, Kommission wird einfach nur eine Konferenz über
Konferenzen sein, wenn es ihren Mitgliedern nicht
die nicht mit Umweltzerstörung einhergeht.
gelingt, einen ausgeprägten Sinn für die nationale
Wie können wir das bewirken? Dazu möchte ich einige Verantwortung mit an den Verhandlungstisch zu brinMythen entkräften. Ungeachtet dessen, was diese gen.
Kommission tut, kann sie nicht alles alleine bewirken.
Werden die Vereinigten Staaten dieses Pflichtgefühl
Archimedes sagte, wenn er den richtigen Hebel und haben? Das können wir und das werden wir. Und aus
einen festen Standplatz hätte, könnte er die Welt aus diesem Grund bin ich heute hier.
den Angeln heben. Diese Kommission sollte sich
bemühen, Hebelwirkung auf andere Institutionen Aus diesem Grund geben wir heute einen Plan bekannt, um bis zum August auf dem Gebiet KlimaveränIch erinnere die Menschen bisweilen gerne an das alte
wissenschaftliche Experiment mit einem Frosch. Wirft
man den Frosch in einen Topf mit kochendem Wasser,
springt er direkt wieder heraus. Er erkennt die Gefahr.
Legt man denselben Frosch aber in ein Gefäß mit
lauwarmen Wasser und bringt dieses langsam zum
Kochen, bleibt er darin sitzen, bis er gerettet wird (ich
habe im Laufe der Jahre gelernt, daß es wichtig ist, den
Frosch während der Geschichte zu retten).

Seite4

AMERIKA DIENST 25

�derungen Fortschritte zu machen - einen detaillierten Schließlich gibt es auch diejenigen, die der Ansicht
Aktionsplan, der die Tendenz zu reduzierten Emissi- sind, nur der Staat könne die für diese Aufgabe erforonen überdie nächsten sieben Jahre hinaus fortsetzen derlichen Mittel aufbringen. Das ist nicht wahr.
wird.
öffentliche Politik, die von allen Seiten Beiträge erhält,
Aus diesem Grund werden wir eine nationale biologi- ist bessere öffentliche Politik. Tatsache ist, daß der
sche Bestandsaufnahme vornehmen, um unsere Ar- Privatsektor in Rio eine wichtige Rolle spielte. Wenn
tenvielfalt zu schützen. Aus diesem Grund bemühen diese Kommission Erfolg haben will, muß sie sich an
wir uns um die Reduzierung toxischer Emissionen in der Anknüpfung einer Partnerschaft zwischen der
Regierung und den nichtstaatlichen Organisationen
unseren staatlichen Einrichtungen.
beteiligen.
Aus diesem Grund kaufen wir energiesparende Technologien, einschließlich mit alternativen Treibstoffen Nationale Verantwortung. Partnerschaft. Können wir
betriebene Fahrzeuge für unsere staatlichen Fuhr- wirklich diese Ideen, diese Ansammlung politischer
parks. Aus diesem Grund werden wir in Kürze einen Rhetorik, in die Tat umsetzen? Ich kritisiere nicht
neuen Verwaltungsplan für die staatlichen Wälder diejenigen, die pessimistisch sind.
bekanntgeben.
Vor wenigen Monaten ging ich vor einer Gruppe von
Aus diesem Grund änderte Präsident Clinton an sei- Wissenschaftlern die Lösungen für unsere Umweltkrinem ersten vollen Arbeitstag im Amt die sogenannte se durch. Am Ende hob einer von ihnen die Hand und
"Mexiko-StadT-Politik und förderte den Zugang zur sagte: "Ich stimme mit allem überein, was Sie sagten,
ganzen Palette qualitativ hochwertiger Schwanger- aber ich weiß genug über Politik und die Vereinten
Nationen um Ihnen sagen zu können, daß es wahrschaftsmedizin für alle Frauen.
scheinlich nicht geschehen wird. Der Drang zu einer
Und das ist nur der Anfang.
Fortsetzung unserer gegenwärtigen Handlungsweise
ist einfach zu stark."
Aber ebenso wie jede Nation ihre nationale Verantwortung annehmen muß, müssen wir alle zusammen Das hat etwas für sich. Aber was wäre, wenn wir vor
handeln. Wenn umweltverträgliche Entwicklung eine vier oder fünf Jahren gesagt hätten, daß im Verlauf der
Realität werden soll, wird unser zweites Leitprinzip das nächsten Monate alle kommunistischen Länder Ostder Partnerschaft sein.
europas plötzlich Demokratien werden und sich für
den Kapitalismus der freien Marktwirtschaft entscheiEs wird immer noch mancherorts die Meinung vertreden würden?
ten, daß die wohlhabenden Länder auf diesem Planeten ein Monopol auf Technologie und Wissen haben. Was wäre, wenn wir gesagt hätten, daß alle StandbilDas ist Unsinn. Wir können alle voneinander lernen. der Lenins niedergerissen und wir die Chance erhalten
Aus diesem Grund muß diese Kommission die Part- würden, die Welt nach dem Kalten Krieg neu zu
nerschaft zwischen den Ländern fördern, insbesonde- gestalten?
re zwischen dem Norden und dem Süden.
Was wäre, wenn wir gesagt hätten, Nelson Mandela
Im Laufe der letzten zwanzig Jahre haben wir Fort- würde frei sein und F.W. de Klerk würde das Ende der
schritte bei der Schaffung einer Grundlage für globale Apartheid verkünden, und sie würden zusammen den
Partnerschaft gemacht. Die UNCED war ein Meilen- Weg zur Versöhnung in Südafrika einschlagen?
stein bei der Vereinigung von "Umwelt" und "Entwicklung" in dem Begriff "umweltverträgliche Entwicklung". Nichts davon erschien wahrscheinlich oder auch nur
Nun muß diese Einsicht im Rahmen der Politik jeder plausibel. Wir können annehmen, daß Wandel unRegierung mit Leben erfüllt werden. Handel, Wirt- möglich ist. Oder wir können an der Lösung teilhaben.
schaft, Landwirtschaft... alle Interessen müssen Teil
der Anstrengung sein, und deshalb muß diese Kom- Wir können annehmen, daß unsere Feinde zu mächtig
mission sich auch an der Schaffung von Partnerschaf- sind - oder wirkönnen annehmen, daß die Dringlichkeit
der Aufgabe mächtiger ist.
ten innerhalb eines Landes beteiligen.
Von einigen wird erwartet, daß wir uns für die Inkraftsetzung der Agenda 21 auf einen einzigen Finanzmechanismus verlassen, beispielsweise die Globale
Umweltfazilität(GEF). Aberdie Agenda 21 befaßt sich
für die GEF mit zu vielen und vielfältigen Fragen.
Daher muß diese Kommission eine Partnerschaft
zwischen der GEF und allen multilateralen Entwickiungsbanken anknüpfen. Sie müssen alle einbezogen
werden.

AMERIKA DIENST 25

Ich glaube, daß es allen Grund zur Hoffnung gibt. Ein
Grund dafür ist diese Gruppe, bestehend aus Mitgliedern aus jedem Teil unseres Planeten, die sich der
Idee umweltverträglicher Entwicklung verschrieben
haben. Aber das ist nicht der einzige Grund.
Denn es gibt Millionen, die derselben Ansicht sind.
Einige sind in der Regierung tätig und nehmen an
Treffen wie diesem teil. Aber es gibt zahllose andere,
deren Arbeit keine Beachtung findet.

Seite 5

�Eine Frau aus Kenias Grüngürtel-Bewegung pflanzt
einen Baum und organisiert dann ein Treffen über
Familienplanung. Ein Ingenieur in Detroit hat eine
Idee, wie man den Benzinverbrauch reduzieren kann.
Ein Wissenschaftler, der in der Antarktis das Eis
durchbohrt, findet Spuren der Geschichte unseres
Planeten. Ein Lehrer in Brasilien leitet eine Diskussion
unter den Schülern seiner Klasse über die Regenwälder.

Während wir in den nächsten Tagen die Zukunft dieser
Kommission planen, sollten wir uns des Geistes erinnern, der Tausende von Meilen weiter südlich vor
genau einem Jahr unser Treffen anregte.
Wir sollten daran denken, wie aus der Vielfalt ein
einheitliches Ziel entstand. Und die Erinnerung an
vergangene Erfolge sollte uns die Zuversicht geben,
daß wir in Zukunft Erfolg haben werden - für unsere
gemeinsame Zukunft.

Das sind die Männer und Frauen, die uns Hoffnung
machen. Ihnen liegen die Probleme am Herzen. Sie
schauen erwartungsvoll auf diese Kommission.
*

Seite 6

&gt;

*

AMERIKA DIENST 25

�AIDS
23. Juni 1993

ERLASS VON SCHULDEN IM TAUSCH
GEGEN AIDSHILFE
von Dr. Craig Sarsony
Der Verfasser ist leitender Verwaltungsangestellter der Debt-for-Development Coalition, Inc., in der Bundeshauptstadt Washington, einer gemeinnützigen Organisation, die sich auf die Umwandlung von Schuldtiteln
spezialisiert hat. Dr. Sarsony sondiert neue Strategien zur Finanzierung von Programmen für das öffentliche
Gesundheitswesen.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in Choices: The Human Development Magazine, United Nations
Development Program, Vol. 1. No. 3 (November 1992). Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher
Genehmigung von Choices: The Human Development Magazine. Copyright (c) 1992.

AIDS betrifft nicht alle Nationen gleichermaßen.
Schätzungsweise zwei Drittel aller erfaßten HIV-Infektionen weltweit entfallen auf die Entwicklungsländer.
Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge könnte sich dieser Anteil bis zum Jahr 2020 auf 90 Prozent
erhöhen. Am härtesten von AIDS betroffen, können
sich die Entwicklungsländer seine Bekämpfung am
wenigsten leisten.
Obwohl die Mehrzahl der HIV-Infektionen unter Erwachsenen derzeit auf Afrika südlich der Sahara entfällt, warnen Experten, daß die HIV/AIDS-Fälle in Südund Südostasien mit einer Geschwindigkeit zunehmen, die an Afrika südlich der Sahara Anfang der
achtziger Jahre erinnert. Auch in Lateinamerika und
der Karibik wird in den nächsten 20 Jahren eine
dramatische Verbreitung von HIV/AIDS-Infektionen
erwartet.
Entsprechend der Eskalation von Todesfällen aufgrund von HIV/AIDS erfolgt die Zerstörung der nationalen Volkswirtschaften. Eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung bedeutet schrumpfende Produktivität,
Märkte und Investitionen. Fügt man die mit der Krankheit einhergehenden explodierenden Kosten hinzu, so
ist das Ergebnis eine größere Bedrohung der Entwicklungsaussichten zahlreicher Länder. Mit dieser Geißel
konfrontiert, suchen die Regierungen nach kreativen
Wegen zur Beschleunigung von Präventions- und
Kontrollprogrammen sowie zur Bewältigung der in die
Höhe schnellenden medizinischen Kosten.

AMERIKA DIENST 25

Eine Strategie, die vermehrte Aufmerksamkeit verdient, ist ein Finanzierungsmechanismus durch die
Umwandlung von Schuldtiteln, der sich in Bereichen
wie Umwelt, Bekämpfung der Kindersterblichkeit, Bildungswesen und Landwirtschaft bereits als erfolgreich
erwiesen hat. Derselbe Ansatz könnte angewandt
werden, um Entwicklungsländern beim Aufbringen des
so dringend benötigten Bargelds für die Bekämpfung
von AIDS behilflich zu sein.
Im Rahmen der Umwandlung von Schuldtiteln kauft
eine Entwicklungshilfeorganisation zunächst die unbezahlte Anleihe eines Schuldnerlandes zu einem
Vorzugspreis von einer Handelsbank. Die verschuldete Regierung erstattet dann dem Käufer (der Entwicklungshilfeorganisation) einen höheren Betrag als den
Kaufpreis mit der Vereinbarung, daß die gesamten
Mittel für Entwicklungshilfe ausgegeben werden. Die
von dem Entwicklungsland aufgebrachten Mittel werden in der Landeswährung bezahlt, wodurch Wechselkursgebühren vermieden werden. Das Entwicklungsland profitiert in zweifacher Weise: indem es sich von
einem unbezahlten Kredit befreit und gleichzeitig zur
Finanzierung eines notwendigen, aber ansonsten
unerschwinglichen Entwicklungshilfeprogramms beiträgt.
Dieser kreative Ansatz zur Finanzierung von Entwicklungshilfe hat in den vergangenen Jahren an Popularität gewonnen, weil die Handelsbanken zunehmend
bereit waren, überfällige Kredite der EntwicklungslänSeite 1

�der unter ihrem Nennwert zu verkaufen. Ein Abkommen zwischen Conservation International und der
Regierung von Bolivien aus dem Jahr 1987 zurZusammenarbert beim Erlaß von Schulden im Tausch gegen
Naturschutzmaßnahmen in Höhe von 650.000 Dollar
und ein andere im Wert von 1 Million Dollar zwischen
der World Wildlife Föderation und Ecuador sind zwei
der jüngsten Beispiele von Umschuldungsmaßnahmen, die den Weg für weitere geebnet haben. Beträge
in Höhe von 500 Millionen bis 750 Millionen Dollar
wurden seitdem mit diesem Mechanismus umgeschuldet, um die Finanzierung von Entwicklungs- und
Umweltschutzprogrammen in Afrika, Lateinamerika
und Asien zu gewährleisten. In Ecuador, Mexiko,
Nigeria und auf den Philippinen durchgeführte Umschuldungsmaßnahmen haben die Projektfinanzierung
um 25 Prozent auf bis zu 100 Prozent in einigen Fällen
aufgestockt.

Prozent des ursprünglichen Schuldtitels in nigerianischen Naira erstatten, womit die nationale IvermectinKampagne finanziert werden soll. Durch den Einsatz
dieses Umschuldungsmechanismus wird die Anzahl
der Nigerianer beträchtlich steigen, die dieses wichtige
Medikament erhalten. Die Regierung kann ihre Bücher zu einer ausstehenden Verpflichtung schließen,
und der Handelsbank wird zumindest ein Teil des nicht
bedienten Kredits erstattet.

Der Erlaß von Schulden zur Aufbringung von Mitteln
für Präventionsmaßnahmen und die Kontrolle von
HIV/AIDS würde ähnlich funktionieren wie die RBFInitiative. Durch die Umschuldung könnten sich die
hart von HIV/AIDS betroffenen Länder die Erweiterung
ihrer nationalen Gesundheitsfürsorgeprogramme leisten, die eine Eindämmung der Epidemie zum Ziel
haben. Dies könnte zu einer wachsenden Zahl sauberer Blutkonserven, besseren BehandlungseinrichtunEin aktuelles Beispiel ist eine zwischen der Regierung gen sowie weiterverbreiteten und effektiven Prävenvon Nigeria und der Stiftung Flußblindheit (River Blind- tionskampagnen führen.
ness Foundation - RBF) ausgehandelte Vereinbarung.
Die Umwandlung der Schulden wird rund 500.000 In zahlreichen von HIV/AIDS bedrohten Ländern gibt
Dollar erbringen, die zur flächendeckenden Verabrei- es ausgezeichnete Umschuldungsmöglichkeiten, wie
chung von Ivermectin erforderlich sind - einem zur etwa in Ecuador, Mexiko, Nigeria, den Philippinen,
Bekämpfung der Onkozerkose oder Flußblindheit Tansania und Sambia. In diesen und anderen Ländern
verwendeten Medikament, das von seinem amerikani- operierende Entwicklungshilfeorganisationen sollten
schen Hersteller, Merck &amp; Co., kostenlos zur Verfü- eine Aufstockung ihrer Ressou rcen für Programme zur
gung gestellt wird. Im Rahmen der Transaktion wird Bekämpfung von HIV/AIDS durch diesen Ansatz prüRBF einen nigerianischen Schuldtitel in Höhe von 1 fen. Die Regierungen von Ländern, die noch keine
Million Dollar zu rund 40 Prozent seines Nennwertes Umschuldungsprogramme haben, sollten die Vorteile
oder 400.000 Dollar von einer Handelsbank erwerben. dieser Strategie bei der Mobilisierung von Mitteln für
Die Zentralbank von Nigeria wird dann der Stiftung 50 HIV/AIDS-Aufklärungskampagnen sowie andere Prioritäten in Erwägung ziehen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 25
'• ff!) !

�PORTRAT
23. Juni 1993

RUTH BADER GINSBURG:
GEMÄSSIGTE WEGBEREITERIN
Porträt der nominierten Obersten Bundesrichterin

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton ist besonders beeindruckt von Ruth Bader Ginsburg, seiner
Kandidatin für das Amt einer Obersten Richterin am
Obersten Bundesgericht, da sie in juristischen Fragen
als "gemäßigt" und auch als "Wegbereiterin" gilt, deren
Leben, juristische Laufbahn und Karriere am Gericht
von harter Arbeit und Erfahrungen im Alltagsleben gekennzeichnet ist.
Mit diesen Worten gab ein hochrangiger Mitarbeiter
des Weißen Hauses die Meinung Clintons über Richterin Ginsburg wieder. Ihr kommt dem Beamten
zufolge das Verdienst zu, sich Ende der fünfziger
Jahre einen Weg in den Juristenberuf gebahnt zu
haben, als dieser noch fast ausschließlich eine Männerdomäne war.

daß sich Clinton schon seit langem der Tatsache bewußt war, jede Wahl eines neuen Obersten Bundesrichters werde eine "große und bedeutsame Entscheidung" sein , die ganz deutlich "Spuren" beim Obersten Bundesgericht hinterlassen werde und daher ein außerordentliches Maß an Überlegung erfordere und,
daß Clinton in jedem juristischen Kandidaten ein
"großes Herz (Mitgefühl), einen scharfen Intellekt und Erfahrungen mit dem wirklichen Leben"
sucht, damit der Kandidat mit den vielen Alltagsproblemen vertraut ist, mit denen die meisten
Amerikaner konfrontiert werden.

Der hochrangige Mitarbeiter bezeichnete die Wahl von
Frau Ginsburg als "ordentliche und begründete EntGinsburgs erste Stelle nach ihrem Abschluß an der scheidung", die nach der gründlichen Prüfung von
Juristischen Fakultät der Columbia University im Jahr mehr als 40 Kandidaten, 3.000 Rechtsgutachten und
1959 war die einer Referendarin. Anschließend ge- 5.000 Zeitungsartikeln über potentielle Kandidaten
langte sie schon früh in ihrer Laufbahn zu Berühmtheit, getroffen worden sei.
als sie als Juraprofessorin für die damals im Entstehen
begriffene, aber schnell wachsende Frauenbewegung Das Verfahren, das zu der Nominierung von Frau
Ginsburg am 14. Juni führte, begann dem hochrangijuristische Schlachten schlug.
gen Beamten zufolge am 19. März, nachdem BundesViele sind der Ansicht, die jetzt 60jährige Juristin habe richter Byron White das Weiße Haus über seine Penebensoviel für die Rechte der Frau bewirkt wie der sionspläne informiert hatte.
verstorbene Oberste Bundesrichter Thurgood Marshall für die Rechte der Afroamerikaner und Angehö- Der hochrangige Beamte bezeichnete die Wahl von
Frau Ginsburg als "eine positive Entscheidung des
rigen von Minderheiten.
Präsidenten" und steifte fest, daß Clinton "außerorAls Klägerin für das Frauenprojekt der US-Bürger- dentlich erfreut" ist. Ihm zufolge traf der Präsident
rechtsunion ACLU trat Frau Ginsburg in sechs Fällen seine Entscheidung am Abend des 13. Juni nach
vordem Bundesgericht gegen geschlechtsspezifische intensiven Gesprächen mit Frau Ginsburg im Weißen
Diskrimierung ein.
Haus im Laufe dieses Tages.
Bei der Aufzählung der Kriterien, die Präsident Clinton
zur Wahl von Ginsburg bewogen, wies der hochrangige Mitarbeiter des Weißen Hauses auf zwei Dinge hin,
die noch auf den Präsidentschaftswahlkampf zurückgehen:
AMERIKA DIENST 25

Der Präsident hielt sein anderthalbstündiges Gespräch
mit Frau Ginsburg für "ziemlich bewegend", so der
Beamte, der hinzufügte, daß die beiden vor mehreren
Jahren zum ersten Mal zusammengetroffen waren, als

Sehe 1

�er Gouverneur von Arkansas war und sie in Little Rock Nominierung müsse vom Justizausschuß gebilligt und
dann vom gesamten Senat angenommen werden,
eine Rede hielt.
bevor Frau Ginsburg als Bundesrichterin vereidigt
Der Mitarbeiter des Weißen Hauses nannte einige werden könne. Der Beamte erwartet breite ZustimSchlüsselpositionen der juristischen Karriere Ginsmung für die Nominierung.
burgs, die sie für das Weiße Haus interessant machten:
Frau Ginsburg wurde in Brooklyn, New York, geboren
und 1980 von Präsident Carter an das BundesberuGinsburg ist "gemäßigt und moderat'' und stimm- fungsgericht in Washington berufen. 1954 machte sie
te bekannterweise sowohl liberal als auch konihren Abschluß an der Comell University, besuchte
servativ, um einen Konsens zu erreichen.
von 1956 bis 1958 die juristische Fakultät in Harvard
und legte 1959 an der juristischen Fakultät der ColumSie hat einen festen Charakter, ist aber keine
bia University ihr Examen ab.
Ideologin.
Sie ist ein "Arbeitspferd, kein Vorzeigepferd"
und hat sich als Richterin einen herausragenden Ruf erworben; zur Zeit ist sie im Bundesberufungsgericht in Washington tätig.
Sie hat sich große Verdienste in der Bürgerrechtsbewegung erworben.
Der Beamte fügte hinzu, Ginsburg sei eine klare Befürworterin des Rechts der Frau auf die Entscheidung für
oder gegen einen Schwangerschaftsabbruch - eine
kontroverse Angelegenheit in den Vereinigten Staaten.
Im Hinblick auf die Bestätigung durch den Senat
erklärte der Beamte, Ginsburg werde bald bei inoffiziellen Treffen mit Senatoren zusammenkommen. Ihre

*

Seite 2

*

1961 kehrte sie nach zweijähriger Tätigkeit als Referendarin am Bezirksgericht des südlichen Distrikts von
New York als wissenschaftliche Mitarbeiterin nach
Columbia zurück, wurde dann 1963 Assistentin an der
Juristischen Fakultät der Rutgers University und sechs
Jahre später Professorin.
Ginsburg kehrte 1972 als erste Professorin der juristischen Fakultät nach Columbia zurück. Sie nahm auch
die Aufgabe an, das Frauenprojekt der Bürgerrechtsunion ACLU zu leiten.
Im Falle ihrer Bestätigung wäre sie die zweite Frau in
der Geschichte, die an das Oberste Bundesgericht
berufen wird, nach Sandra Day O'Connor, die zur Zeit
dort tätig ist, und der erste Richter jüdischer Abstammung seit dem Rücktritt von Abe Fortas im Jahr 1969.

*

*

AMERIKA DIENST 25

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Somalia / Bosnien&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Clinton: militärische Operationen in Somalia beendet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verteidigung&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;USA überprüfen Reaktion auf militärische Bedrohungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen Aspins vor der National Defense University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Friedenssicherung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Friedenssicherung: ein entscheidendes Interesse der UNO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Madeleine Albright&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO für USA weiterhin von Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Administration unterstreicht Engagement der USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Rundfunk&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton unterbreitet Vorschlag für internationalen Rundfunk&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern globale Umweltzusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Vizepräsident Gore&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erlass von Schulden im Tausch gegen Aidshilfe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Dr. Craig Sarsony&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ruth Bader Ginsburg: gemäßigte Wegbereiterin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt der nominierten Obersten Bundesrichterin&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

16. Juni 1993

SOMALIA
0

MENSCHENRECHTE

CLINTON: UNO HANDELTE, UM ORDNUNG
IN SOMALIA WIEDERHERZUSTELLEN
Rundfunkansprache des Präsidenten

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM
BRENNPUNKT DER WELTWEITEN AUFMERKSAMKEIT
Ansprache Christophers bei
Menschenrechtskonferenz

NATO

USA BIETEN TRUPPEN ZUR VERSTÄRKUNG
DER UNO-STREITKRÄFTE IN
MAKEDONIEN AN

Erklärung Christophers vor dem
Nordatlantikrat

USA-DEUTSCHLAND

EIN FREUND SAGT "AUF WIEDERSEHEN'
Rede von Botschafter Kimmitt am
Aspen Institut in Berlin

NICHTVERBREITUNG

CHRISTOPHER DRANGT AUF KOLLEKTIVE
AKTIONEN BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung vor der Presse

UNO

UNTERSTÜTZUNG DER USA FÜR SITZ
DEUTSCHLANDS UND JAPANS IM
UN-SICHERHEITSRAT
Albright: Rat muß neue Realitäten
widerspiegeln

bitte wenden
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN

AUSSCHUSS FÜR AUFHEBUNG DES
WAFFENEMBARGOS GEGEN BOSNIEN
Zusatz zum Auslandshilfegesetz

FIRST LADY

HILLARY RODHAM CLINTON KOMBINIERT
VIELE ROLLEN
NBC-Sondersendung

EINWANDERUNG

DIE USA: DAS EWIG UNVOLLENDETE
LAND
von Reed Ueda

�SOMALIA
16. Juni 1993

CLINTON: UNO HANDELTE, UM ORDNUNG
IN SOMALIA WIEDERHERZUSTELLEN
Rundfunkansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat die Angriffe der Koalitionsstreitkräfte der Vereinten Nationen auf
militärische Stellungen des somalischen Clanführers Farah Aidid als eine Maßnahme der internationalen
Staatengemeinschaft bezeichnet, um in Mogadischu "die Ordnung wiederherzustellen" und "ihre Verpflichtung
zur Wahrung der Sicherheit der UN-Streitkräfte zu unterstreichen".
In einer landesweit übertragenen Rundfunkansprache erklärte der Präsident am 12. Juni 1993, der erfolgreiche
Angriff der vorhergehenden Nacht, an dem sich amerikanische Streitkräfte beteiligten, sei eine Reaktion auf
"einen brutalen Angriff, den Aidids Truppen in der vergangenen Woche gegen UN-Friedenstruppen durchgeführt
haben", bei dem 23 Pakistaner getötet und 3 Amerikaner verletzt wurden, die der UN-Streitmacht angehörten.
"Die Maßnahme der vergangenen Nacht", so der Präsident, "war unerläßlich, um den bewaffneten Banden eine
klare Botschaft zu übermitteln, die überwältigende Mehrheit der sich nach Frieden sehnenden Somalis zu
schützen, die Sicherheit unserer noch in Somalia verbleibenden Streitkräfte zu verbessern, rascher den Tag
herbeizuführen, an dem sie sicher nach Hause zurückkehren können, sowie die Effektivität und Glaubwürdigkeit der UN-Friedenssicherung in Somalia und weltweit zu stärken."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rundfunkansprache des Präsidenten im Wortlaut.

In der vergangenen Nacht haben die Vereinten Nationen mit amerikanischen und anderen Koalitionsstreitkräften erfolgreich die militärischen Positionen des
Clanführers Mohammed Farah Aidid in Somalia angegriffen. Glücklicherweise erlitten unsere Streitkräfte
keine Verluste. Die Maßnahme der Vereinten Nationen war eine Reaktion auf einen brutalen Angriff, den
Aidids Truppen in der vergangenen Woche gegen UNFriedenstruppen durchgeführt haben. Bei Aidids Angriff
wurden 23 Pakistaner getötet und 3 Amerikaner verletzt, die in der UN-Streitmacht dienten. Es handelte
sich um einen kaltblütigen Hinterhalt gegen UN-Truppen, die Nahrungsmittel lieferten und den Frieden für
das somalische Volk aufbauten.
Die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten
lehnen es ab, diese rücksichtslose Mißachtung des
Willens der internationalen Staatengemeinschaft zu
tolerieren. Deshalb habe ich auf Anforderung der UNO
und im Einklang mit einer Resolution des UN-Sicherheitsrates die Beteiligung amerikanischer Truppen an
dieser Aktion angeordnet. Besonders hervorheben
möchte ich die entschlossene Führung der UNO, von
Generalsekretär Boutros Ghali, des Kommandeurs
AMERIKA DIENST 24

der UN-Streitmacht - des türkischen Generals Cevik
Bir - und des Generalmajors Thomas Montgomery aus
den Vereinigten Staaten.
Mit dieser Maßnahme handelt die internationale Staatengemeinschaft, um die Ordnung in der Hauptstadt
Somalias wiederherzustellen und ihre Verpflichtung
zur Wahrung der Sicherheit der UN-Streitkräfte zu
unterstreichen. Denn, wenn die Friedenssicherungsstreitkräfte der UNO effektive Kräfte des Friedens und
der Stabilität in Somalia sowie andernorts sein sollen,
müssen sie fähig sein, gegebenenfalls Gewalt anzuwenden, um sich zu verteidigen und ihre Ziele zu
verwirklichen.
Wir müssen uns zunächst daran erinnern, warum USTruppen in Somalia stehen und wieviel seit ihrer Ankunft erreicht wurde. Bereits im vergangenen Dezember entsandten die Vereinigten Staaten Truppen nach
Somalia, um den Vereinten Nationen zu helfen, einen
verzweifelten Hilferuf zu erfüllen. Bei ihrer Ankunft
waren bereits 350.000 Somalier in einem blutigen
Bürgerkrieg gestorben, der das Land in ein Leichentuch aus Hungersnot und Krankheiten hüllte.
Seite 1

�Über 30.000 amerikanische Männer und Frauen, Soldaten ebenso wie Zivilisten, schlössen sich den Truppen und den Angehörigen von Hilfsorganisationen aus
aller Welt in dem Bemühen an, dem Verhungern und
der Hoffnungslosigkeit ein Ende zu bereiten. Sie traten
mit Mut und Engagement dafür ein, die Gewalt zu
ersticken, die Clanführer unter Kontrolle zu bringen
und Tonnen dringend benötigter Nahrungsmittel und
Medikamente zu liefern.
Diese humanitären Bemühungen stellten die Hoffnung
wieder her, förderten unsere Interessen und stellten
die Ideale Amerikas im besten Sinne dar.
Heute wachsen in Somalia wieder Ernten, und der
Hunger ist beendet. Flüchtlinge beginnen, nach Hause zurückzukehren. Schulen und Krankenhäuser werden
wieder geöffnet. Eine zivile Polizei wurde wieder
eingerichtet, und Somalia hat den Prozeß der nationalen Aussöhnung mit dem Ziel eingeleitet, die Institutionen der Demokratie zu schaffen. Infolgedessen waren
wir in den letzten Monaten in der Lage, unsere Truppenpräsenz in Somalia auf weniger als 4.000 zu reduzieren - einen Bruchteil der gesamten UN-Streitmacht.
Obwohl die Bemühungen der USA und der UNO in
Somalia erfolgreich waren, gibt es nach wie vor eine
kleine aber gefährliche Minderheit von Somaliern, die
entschlossen sind, Terror und Chaos zu provozieren.
Die Maßnahme der vergangenen Nacht war unerläßlich, um den bewaffneten Banden eine klare Botschaft
zu übermitteln, die überwältigende Mehrheit der sich
nach Frieden sehnenden Somalis zu schützen, die
Sicherheit unserer noch in Somalia verbleibenden
Streitkräfte zu verbessern, rascher den Tag herbeizu-

*

führen, an dem sie sicher nach Hause zurückkehren
können, sowie die Effektivität und Glaubwürdigkeit der
UN-Friedenssicherung in Somalia und weltweit zu
stärken.
Die Aktion der UNO enthält eine wichtige Lektion im
Hinblick darauf, wie unser Land seine eigenen sicherheitspolitischen Ziele in diesem neuen Zeitalter erlangen kann. Obwohl der Kalte Krieg vorüber ist, bleibt die
Wert ein gefährlicher Ort. Die Vereinigten Staaten
können kein Weltpolizist sein, aber wir können auch
nicht unsere Augen vor den Problemen der Welt
verschließen, denn sie beeinflussen unsere eigene
Sicherheit, unsere eigenen Interessen und unsere
eigenen Ideale.
Die Vereinigten Staaten müssen weiterhin ihre einzigartige Führungsrolle in der Weh spielen. Heute können
wir diese Führungsrolle jedoch zunehmend durch
multilaterale Mittel wie die Vereinten Nationen zum
Ausdruck bringen, die die Kosten verteilen und den
gemeinsamen Willen der Völkergemeinschaft ausdrücken. Das war eine der Lehren der Operation
Wüstensturm, und sicherlich war es auch eine der
Lehren der vergangenen Nacht in Somalia.
Für alle Amerikaner bin ich stolz auf die amerikanischen Streitkräfte, die erneut außerordentlichen Mut
und außergewöhnliche Fähigkeiten unter Beweis gestellt
haben. Die Welt dankt ihnen und allen anderen UNStreitkräften in Somalia für ihren Einsatz, für die Ausführung eines Schlages gegen Gesetzlosigkeit und
das Morden sowie für die Förderung des Engagements der Welt für Gerechtigkeit und Sicherheit.

* * *

*

AMERIKA DIENST 24

Seite 2
i

�MENSCHENRECHTE
16. Juni 1993

MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN IM BRENNPUNKT
DER WELTWEITEN AUFMERKSAMKEIT
Ansprache Christophers bei Menschenrechtskonferenz
WIEN - (AD) - "Die weltweiten Aussichten auf Menschenrechte, Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritt
waren niemals besser", erklärte US-Außenminister Christopher, "traurigerweise hat das Ende des Kalten
Krieges jedoch kein Ende von Aggression, Unterdrückung und Unmenschlichkeit gebracht... Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit muß sich weiterhin auf die dunkelsten Winkel konzentrieren, in denen Schandtaten
begangen werden."
Auf der Eröffnungssitzung der Weltkonferenz über Menschenrechte erklärte Au ßenminister Christopher am 14.
Juni 1993, die Vereinigten Staaten wollten das UN-Menschenrechtszentrum stärken, unterstützten die Berufung
eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte und wollten die Besorgnis über die unmenschliche Behandlung
von Frauen auf die globale Menschenrechtstagesordnung setzen.
Auch werden die Vereinigten Staaten dem Minister zufolge "unverzüglich handeln, um die baldige Zustimmung
ihres Senats zur Ratifizierung der Internationalen Konvention zur Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung zu erhalten".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext der Ansprache des Außenministers.

Meine Damen und Herren, ich spreche zu Ihnen als
Vertreter einer Nation, die "in Freiheit geboren" wurde.
Die Identität Amerikas als Nation rührt von unserer
Verpflichtung auf den Lehrsatz, "daß alle Menschen
gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit
gewissen, unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind".
Im Laufe von zwei Jahrhunderten haben die Amerikaner herausgefunden, daß die Förderung von demokratischen Werten und Menschenrechten sowohl unseren tiefverwurzelten Werten als auch unseren praktischen Interessen dient.
Aus diesem Grund stehen die Vereinigten Staaten
überall auf der Seite der Männer und Frauen, die diese
Grundsätze verteidigen. Und aus diesem Grund hat
Präsident Clinton die Stärkung der Demokratie und
den Schutz der Menschenrechte zu einer Säule unserer Au ßenpolitik gemacht - und in das Zentrum unserer
Auslandshilfeprogramme gestellt.
Demokratie stellt den moralischen und strategischen
Imperativ der neunziger Jahre dar. Demokratie wird
den Schutz der Menschenrechte in jeder Nation darstellen. Demokratie ist die beste Möglichkeit, dauerhaften Frieden und Wohlstand in der Wert zu fördern.

AMERIKA DIENST 24

Die Sache der Freiheit stellt eine grundlegende Verpflichtung für mein Land dar. Sie ist auch für mich eine
tiefverwurzelte persönliche Überzeugung. Ich bin stolz
darauf, der ersten interministeriellen Menschenrechtsgruppe der amerikanischen Regierung unter Präsident
Carter vorgestanden zu haben, der heute anwesend
ist. Präsident Carter wird als der erste amerikanische
Präsident in Erinnerung bleiben, der die Menschenrechte auf die internationale Tagesordnung setzte. Er
hat dazu beigetragen, das Leben der Menschen in
jedem Teil der Welt zu verbessern. Heute bauen wir
auf seinen Leistungen auf - und auf jenen der Menschenrechtsbewegung seit ihren Anfängen.
In dieser Zeit nach dem Kalten Krieg befinden wir uns
an einem neuen Zeitpunkt. Unsere Tagesordnung für
die Freiheit muß jeden, der aus Gewissensgründen
gefangengehalten wird, jedes Opfer von Folter, jedes
Individuum, dem die grundlegenden Menschenrechte
verweigert werden, einbeziehen. Auch muß sie die
demokratischen Bewegungen einbeziehen, die die
politische Landkarte auf unserem Globus verändert
haben.

Seite 1

�Der neue Mittelpunkt unserer Tagesordnung für die
Freiheit besteht darin, den demokratischen Prozeß auf
der ganzen Welt auszuweiten, zu festigen und zu
verteidigen. Die Demokratie ist es, die die bürgerlichen
Institutionen errichtet, die die Macht unterdrückerischer Regime ersetzt. Die Demokratie ist das beste
Mittel, Menschenrechte nicht nur zu erringen, sondern
zu garantieren.

das Gleichgewicht der Weit zugunsten der Freiheit zu
verändern. Aus diesem Grund hat er die Vereinigten
Staaten in ein Bündnis mit den russischen Reformkräften unter Leitung von Präsident Jelzin geführt.

Ich kann keine Prognosen über das Ergebnis dieser
Konferenz aufstellen. Aber ich kann Ihnen eines
sagen: Die weltweite Bewegung für Demokratie und
Menschenrechte wird sich durchsetzen. Meine Delegation wird die Kräfte der Freiheit unterstützen - nicht
nur in den nächsten Wochen in Wien, sondern jeden
Tag bei unseren außenpolitischen Aktivitäten auf der
ganzen Wert. Die Vereinigten Staaten werden sich
niemals denjenigen anschließen, die die Allgemeine
Erklärung der Menschenrechte und die Bewegung für
Demokratie und Menschenrechte unterminieren.

Allein im Jahr 1993 waren wir zusätzlich zu einem
massiven Erfolg für die Demokratie in Rußland Zeuge
nie dagewesener freier Wahlen in Kambodscha, Jemen,
Burundi und Paraguay. Die Wahrheitsfindungskommission in El Salvador hat ihre heilsame Arbeit beendet. Und die Menschen in Südafrika haben dramatische Fortschritte für eine Demokratie ohne Rassenschranken gemacht.

Die Förderung der Demokratie ist das Hauptanliegen
der globalen Sicherheit. Eine aus Demokratien bestehende Welt wäre eine sicherere Wert. Sie würde mehr
Mittel für die Entwicklung des Menschen und weniger
Im Kampf für Demokratie und Menschenrechte sind für die Zerstörung des Menschen aufwenden. Sie
Worte von Bedeutung, aber unsere Taten sind noch würde das fördern, was allen Menschen gemeinsam
bedeutungsvoller. Das, was unsere Bürger und Regie- ist, und nicht das, was sie trennt. Es wäre eine Weit der
rungen in den nächsten Tagen tun werden, zählt viel Hoffnung und nicht der Verzweiflung.
mehr als alle Diskussionen oder hier erstellten DokuDemokratie und Vielfalt
mente.

Sicherung der Freiheit nach dem Kalten Krieg
Die Allgemeine Erklärung enthält eine zeitlose Wahrheit für alle Völker und Nationen: Die Achtung der
Menschenrechte und fundamentalen Freiheiten "ist
die Grundlage für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden
auf Erden". Diejenigen, die diese Erklärung entwarfen,
wurden der Herausforderung gerecht, die Vielfalt auf
der Welt zu respektieren und gleichzeitig universelle
Werte zu reflektieren.

Auf der ganzen Welt leisten Menschen die harte,
bisweilen schmerzliche Arbeit, demokratische Gesellschaften von Grund auf neu aufzubauen. Sie tragen
Sorge, daß die Demokratie nicht nur am Wahltag,
sondern jeden Tag funktioniert. Sie fördern bürgerliche Gesellschaften, die die Rechtsstaatlichkeit und
Rechenschaftspflicht der Regierungen respektieren.
Bürgergruppen fordern soziale Gerechtigkeit und rufen nichtstaatliche Menschenrechtsorganisationen ins
Leben. Frauengruppen befürworten gleiche Behandlung und bekämpfen die weitverbreitete geschlechtsspezifische Gewalt. Arbeitnehmer schließen sich in
freien Gewerkschaften zusammen. Unabhängige
Medien verleihen dem Pluralismus eine Stimme. All
das schafft ein Gegengewicht zur Unterdrückung,
indem die grundlegende Rede- und Versammlungsfreiheit sowie die Freizügigkeit bekräftigt und geltend
gemacht werden.

Noch vor der Annahme dieser Erklärung hatte der
Kalte Krieg bereits seine ersten eisigen Schatten
geworfen. Die Gestattet der Erklärung hofften jedoch,
daß jede nachfolgende Generation die Erklärung durch
die von ihr geführten Kämpfe stärken würde. Es
obliegt jeder Generation, die in der Arbeit des Entwurfs
Die Unterstützung der Demokratie durch die Vereinigenthaltenen Versprechungen einzulösen.
ten Staaten stellt eine andauernde Verpflichtung dar.
Seit der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Wir wissen, daß der Aufbau und die Unterstützung von
Menschenrechte hat der Menschenrechtsaktivismus Demokratie kein geradliniges Vorhaben darstellen.
immer wieder Gefängniszellen geöffnet und unter- Die weltweite Demokratiebewegung wird auf ihrem
drückten Individuen die Freiheit gegeben. Heute wandert Weg von Rückschlägen ereilt werden. Aber mit Hilfe
die weltweite Bewegung vom Despotismus zur Demo- ständiger Wachsamkeit und harter Arbeit wird die
kratie ganze politische Systeme und öffnet ganzen Demokratie erfolgreich sein.
Gesellschaften die Tür zur Freiheit.
Schauen Sie sich die Menschen in Guatemala an. Vor
zwei
Wochen überwanden sie einen Staatsstreich, der
Dieses große Drama spielt sich auf keiner Bühne
ihre
demokratischen
Institutionen aufgelöst hatte. Sie
sichtbarer ab als in der ehemaligen Sowjetunion. Die
bewiesen,
daß
die
Demokratie
in den Ländern des
Sicherung des Erfolgs der Demokratie in Rußland, der
amerikanischen
Kontinents
eine
neue
WiderstandsfäUkraine und den anderen neuen unabhängigen Staahigkeit
hat,
die
tief
in
der
bürgerlichen
Gesellschaft
ten ist die strategische Herausforderung unserer Zeit.
verwurzelt
ist.
Die
Entschlossenheit
der
guatemaltekiPräsident Clinton ist entschlossen, dieser Herausforderung an unsere Führungskraft gerecht zu werden - schen Öffentlichkeit, die von den Vereinigten Staaten
Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�und der internationalen Staatengemeinschaft unter
Führung der Organisation Amerikanischer Staaten
unterstützt wurde, hat zu derWahl eines angesehenen
Menschenrechtsverfechters zum Präsidenten geführt.

kaner. Ihre tapferen Taten und ihr gewaltsamer Tod
hinterließen tiefe Spuren bei einer ganzen Generation
junger Amerikaner - unter ihnen der Student Bill Clinton.

Denjenigen, die behaupten, die Demokratie sei eine
Erfindung des Westens, sage ich, Sie haben vergessen, das den Kambodschanern mitzuteilen. Neunzig
Prozent von ihnen nahmen im Angesicht wirklicher
Gefahren allen Mut zusammen, um in den von der
UNO überwachten Wahlen im letzten Monat ihr Land
zurückzufordern. Auf dem ehemaligen Feld des Todes schlägt jetzt die Demokratie ihre Wurzeln.

Die Demokratie kann die Erwartungen erfüllen

Von Mittelasien bis Mittelamerika sind demokratische
Bestrebungen im Entstehen begriffen. Kein Umstand,
sei es Herkunft, Kultur oder geographische Gegebenheiten, kann das Sehnen des menschlichen Geistes
und das Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde
einschränken. Martin Luther King und Gandhi, Fang
Lizhi und Natan Schtscharansie sie alle stammten aus
unterschiedlichen Kulturen und Ländern. Aber jeder
gestaltete das Schicksal seiner eigenen Nation und
der Welt durch sein Beharren auf der Achtung derselben universellen Rechte.
Die Tatsache, daß jeder von uns aus einer anderen
Kultur stammt, befreit uns nicht von unserer Verpflichtung, uns an die Allgemeine Menschenrechtserklärung zu haften. Folter, Vergewaltigung, Rassismus,
Antisemitismus, willkürliche Verhaftung, ethnische
Säuberung und politisch motiviertes Verschwinden nichts davon wird von irgendeiner Glaubensrichtung,
Religion oder Kultur, die die Menschlichkeit respektiert, toleriert. Auch kann keine dieser Taten aufgrund
der Notwendigkeiten wirtschaftlicher Entwicklung oder
politischer Opportunität gerechtfertigt werden.
Wir respektieren die religiösen, sozialen und kulturellen Charakteristika, die jedes Land einzigartig machen. Aber wir dürfen nicht zulassen, daß kultureller
Relativismus das letzte Mittel der Unterdrückung wird.
Die universellen Prinzipien der Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen stellen den Menschen an
die erste Stelie. Wir weisen jeglichen Versuch eines
jeden Staates zurück, seine Bürger zu einem geringeren Maß an Menschenwürde zu verurteilen. Es gibt
keinen Widerspruch zwischen den universellen Prinzipien der UNO-Erklärung und den Kulturen, die unsere
internationale Staatengemeinschaft bereichern. Die
wirkliche Kluft liegt zwischen den zynischen Entschuldigungen unterdrückerischer Regime und den ernsthaften Bestrebungen ihrer Völker.

Viele junge Demokratien haben mit den enormen
Problemen großer Armut, Analphabetentum, schnellem Bevölkerungswachstum und Unterernährung zu
kämpfen. Das Überleben dieser Demokratien hängt
letztlich vielleicht von ihrer Fähigkeit ab, ihren Bürgern
zu zeigen, daß die Demokratie ihre Erwartungen erfüllen wird - daß die schwierigen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen sich bald, und nicht erst
irgendwann in Zukunft, auszahlen werden.
Die Nationen, die menschliches Potential freisetzen die in den Menschen investieren und die Menschenrechte verteidigen - haben eine größere Chance zu
wachsen und sich weiterzuentwickeln. Die Nationen,
die das Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Diskriminierung durchsetzen, werden gerechtere Gesellschaften
- und produktivere Volkswirtschaften. Und die Nationen, die sich demokratischen Werten verpflichtet haben,
schaffen Bedingungen, unter denen der Privatsektor
blühen und gedeihen und Arbeitsplätze schaffen kann.
Staaten, die die Menschenrechte respektieren und
nach demokratischen Grundsätzen handeln, gehören
zu den friedlichsten und stabilsten der Welt. Andererseits sind die schlimmsten Menschenrechtsverächter
die Aggressoren und Weiterverbreiter von Atomwaffen auf der Wert. Diese Staaten exportieren Gefahren
für die globale Sicherheit, sei es in Form von Terrorismus, massiven Flüchtlingsströmen oder Umweltverschmutzung. Die Verweigerung der Menschenrechte
stellt nicht nur eine Verschwendung menschlichen
Lebens dar, sondern schafft auch Instabilität, die schnell
die Grenzen überschreitet.
Die Zukunft gehört den freien Menschen
Die weltweiten Aussichten für Menschenrechte,
Demokratie und wirtschaftlichen Fortschritt waren
niemals besser. Traurigerweise hat das Ende des
Kalten Krieges jedoch kein Ende von Aggression,
Unterdrückung und Unmenschlichkeit gebracht.

Neue Schreckenstaten gibt es im Überfluß. Wir brauchen lediglich an die enormen menschlichen Opfer von
regionalen Konflikten, ethnisch begründetem Haß und
despotischer Herrschaft zu denken. Wir brauchen nur
an Bosnien zu denken - nur wenige hundert Meilen von
diesem Saal, aber Welten von der friedlichen und
toleranten
Völkergemeinschaft entfernt, wie sie in der
Keine Nation kann einen Anspruch auf Perfektion
Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte vorgeseerheben. 1968, als die amerikanische Delegation auf
hen
ist.
der ersten Weltkonferenz eintraf, war mein Land durch
die Ermordung Martin Luther Kings erschüttert. Ihr Ein dauerhafter Frieden auf dem Balkan hängt von der
folgte schon bald der Mord an Robert Kennedy. King Gewährleistung ab, daß alle bereit sind, die grundleund Kennedy engagierten sich mit ganzer Kraft für den genden Menschenrechte, besonders die von MinderAufbau einer gerechteren Gesellschaft für alle AmeriAMERIKA DIENST 24

Seite 3

�heilen, zu respektieren. Diejenigen, die diese Rechte
entweihen, müssen wissen, daß sie ausgestoßen
werden. Sie werden Sanktionen ausgesetzt werden.
Sie werden vor Tribunale der internationalen Justiz
gestellt werden. Sie werden keinen Zugang zu Hilfe
oder Investitionen erhalten, und sie werden von der
Gemeinschaft zivilisierter Nationen keine Akzeptanz
erfahren.
Die Zukunft gehört einer anderen Richtung: nicht
unterdrückerischen Regimen, sondern freien Menschen. Sie gehört den Männern und Frauen, die sich
von den Worten der Allgemeinen Erklärung inspirieren
lassen; die selbst bei großem persönlichem Risiko
nach ihren Prinzipien handeln; die Kugeln ausweichen
und Drohungen widerstehen, um ihre Stimme abzugeben; die sich selbstlos um Gerechtigkeit, Toleranz,
Demokratie und Frieden bemühen. Diese Menschen
sind überall zu finden - gewöhnliche Männer und
Frauen, die Außergewöhnliches vollbringen - selbst an
Orten,andenen zur Zeit Haß, Furcht, Kriegund Chaos
herrschen.
Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit muß sich
weiterhin auf die dunkelsten Winkel konzentrieren, in
denen Schandtaten begangen werden. Wir müssen
den dafür Verantwortlichen entgegentreten. Wir müssen
die Instrumente der Menschenrechtsdiplomatie stärken, um Probleme in Angriff zu nehmen, bevor sie zu
Gewalt eskalieren und neue Pariastaaten entstehen
lassen.
Heute präsentiere ich der Völkergemeinschaft stellvertretend für die Vereinigten Staaten einen ehrgeizigen
Aktionsplan, der unser Engagement verkörpert, unabhängig vom Ergebnis dieser Konferenz nach Verwirklichung der Menschenrechte zu streben. Dieser Plan
wird dazu beitragen, die Fähigkeit der Vereinten Nationen zur Praktizierung präventiver Diplomatie, zur Sicherung der Menschenrechte und Unterstützung noch
in den Kinderschuhen steckender Demokratien auszubauen. Wir streben eine Stärkung des UN-Menschenrechtszentrums und seiner beratenden Berichterstattungsfunktionen an. Wir unterstützen die Berufung
eines UN-Hochkommissars für Menschenrechte.
Förderung der Frauenrechte

dig bleiben und von Dauer sein sollte. Sie waren
entschlossen, ein Dokument zu verfassen, das Frauen
ebenso wie Männer schützen und ihnen zu Selbstbestimmung verhelfen sollte. Dies ist jedoch in allzu
vielen Teilen der Weit, wo Frauen einzig aufgrund ihres
Geschlechts Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt sind, nach wie vor eine unerfüllte Vision.
Gewalt und Diskriminierung gegen Frauen machen
nicht nur den einzelnen zum Opfer. Sie verhindern den
Fortschritt ganzer Gesellschaften, indem sie das
menschliche Potential der halben Bevölkerung beschränken. Frauen ihre Menschenrechte zu garantieren, ist ein moralisches Gebot. Es ist femer eine
Investition, die ganze Nationen stärker, fairer und
besser macht.
Frauenrechte müssen weltweit gefördert werden. Die
entscheidende Arbeit muß auf nationaler Ebene geleistet werden. Es liegt im Eigeninteresse jedes Landes,
die ungleiche Behandlung von Frauen zu beenden.
Unsere nächsten Schritte
Über ihre Unterstützung multilateraler Bemühungen
hinaus sind sich die Vereinigten Staaten der Tatsache
bewußt, daß sie eine feierliche Pflicht haben, eigene
Schritte zu unternehmen.
In diesem Geist freue ich mich bekanntgeben zu
können, daß die Vereinigten Staaten unverzüglich
handeln werden, um die Zustimmung ihres Senats zur
Ratifizierung der Internationalen Konvention zur Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung
einzuholen.
Wir unterstützen energisch die allgemeinen Ziele der
anderen Verträge, die wir unterzeichnet aber noch
nicht ratifiziert haben. Die Konvention über die Beseitigung aller Formen von Diskriminierung gegenüber
Frauen, die Inter-Amerikanische Menschenrechtskonvention und der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte: sie alle werden
wichtige Fortschritte darstellen. Unsere Administration wird sich ihnen unverzüglich zuwenden, sobald
der Senat die Rassismuskonvention behandelt hat.
Darüber hinaus erwarten wir die baldige Verabschiedung von Durchführungsgesetzen zur Konvention gegen
Folter, um das weltweite Ziel zu fördern, die Folter bis
zum Jahr 2000 zu beseitigen. Für uns bedeuten diese
weitreichenden Dokumente nicht lediglich Versprechen, die zu Propagandazwecken schriftlich niedergelegt wurden, sondern feierliche Verpflichtungen, die es
zu verwirklichen gilt.

Die Vereinigten Staaten werden darüber hinaus handeln, um ihre Besorgnis über die unmenschliche
Behandlung von Frauen in die globale Tagesordnung
der Menschenrechte einzubeziehen. Wir werden auf
die Berufung eines UN-Sonderberichterstatters über
Gewalt gegen Frauen drängen. Wir werden darüber
hinaus die Vereinten Nationen auffordern, dieser FraMein Land wird die Menschenrechte in seinen bilaterage mehr Aufmerksamkeit zu schenken und die Koordilen Beziehungen mit allen Ländern verfolgen - großen
nierung ihrer Maßnahmen im Bereich der Frauenrechund kleinen, entwickelten und sich noch entwickelnte zu verstärken.
den. Das amerikanische Engagement für die MenEleanor Roosevelt und die anderen Verfasser der schenrechte ist weltweit, ebenso wie die UN-Erklärung
Erklärung wollten ein Dokument schreiben, das leben- allgemeingültig ist.

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AMERIKA DIENST 24

�Bei der Förderung dieser Ziele wird die amerikanische
Außenpolitik sowohl unsere grundsätzlichen Werte
widerspiegeln als auch unsere nationalen Interessen
fördern. Sie mu ß die Erfordernisse unserer nationalen
Sicherheit und unserer Wirtschaft berücksichtigen,
während wir gleichzeitig nach Demokratie und Menschenrechten streben. Wir werden unsere Beziehungen zu unseren Verbündeten und Freunden aufrechterhalten. Wir werden handeln, um Aggressoren abzuschrecken. Und wir werden mit gleichgesinnten Staaten zusammenarbeiten, um das Überleben der Freiheit sicherzustellen, wenn diese bedroht ist.

tie und Rechtsstaatlichkeit unerläßlichen öffentlichen
und privaten Institutionen zu entwickeln. Femer werden wir die Unterstützung der amerikanischen Nationalen Stiftung für Demokratie (National Endowment
for Democracy) bei der Erfüllung ihres Auftrages fortsetzen, die Demokratie zu fördern, wo immer sie um
den Aufstieg kämpft.

Wir werden den neuen Demokratien helfen, einen
reibungslosen Übergang zur zivilen Kontrolle über das
Militär zu vollziehen. Darüber hinaus werden wir den
Militärs helfen, konstruktive neue Rollen beim Streben
nach Frieden und Sicherheit zu finden - Rollen, die die
Menschenrechte wahren und zum internationalen Frieden beKragen.

haben einen festen Standpunkt: Wenn wir auf den
unveräußerlichen Prinzipien der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen und die weltweite
Demokratiebewegung unterstützen, werden wir den
Anbruch des Tages beschleunigen, an dem alle Völker
der Welt zu einem Leben in Freiheit, Würde, Wohlstand und Frieden erhoben werden.

Ein fester Standpunkt

Die internationale Debatte dreht sich derzeit weniger
darum, ob sich die Menschenrechte für eine Erörterung eignen - und mehr darum, wie sie am wirksamsten
gesichert
werden können. Die Debatte handelt weniDie Vereinigten Staaten werden die Demokratie förger
davon,
ob die Demokratie den Bedürfnissen der
dern und ihre Sicherheit schützen. Wir müssen beides
Menschen allerorten am besten dient - und mehr
tun - und das werden wir auch.
davon, wie bald ihre demokratischen Bestrebungen
Wir werden darauf bestehen, daß unsere Diplomaten erfüllt werden.
weiterhin genau und vollständig über die Menschenrechtslage auf der ganzen Welt berichten. Die Wah- Vor zweihundert Jahren schrieb der politische Philorung der Menschenrechte und das Engagement zur soph Thomas Paine in seinem berühmten Werk 'Die
Förderung der Demokratie werden wichtige Kriterien Rechte des Menschen' folgendes im Hinblick auf das
sein, wenn wir über die Verwendung unserer Mittel für Bild, das Archimedes über die unvergleichliche Kraft
Auslandshilfe entscheiden. Auch in der Handelspolitik der Hebelwirkung gegeben hatte: "Hätten wir einen
werden wir Menschenrechtsgesichtspunkte berück- festen Standpunkt, wir würden die Wert aus den Ansichtigen, wie Präsident Clinton vergangenen Monat geln heben."
gezeigt hat.
Meine Damen und Herren, die Nationen der Welt

In Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen und Das sollte der Standpunkt dieser Konferenz sein. Das
anderen internationalen Organisationen werden wir ist der Standpunkt der Vereinigten Staaten.
dazu beitragen, die für eine funktionierende Demokra-

*

AMERIKA DIENST 24

*

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Seite 5

�NATO
16. Juni 1993

USA BIETEN TRUPPEN ZUR VERSTÄRKUNG DER
UNO-STREITKRÄFTE IN MAZEDONIEN AN
Erklärung Christophers vor dem Nordatlantikrat
ATHEN - (AD) - US-Außenminister Christopher kündigte am 10. Juni 1993 an, die Vereinigten Staaten hätten
das Angebot gemacht, "eine verstärkte Kompanie" zur Unterstützung des UNO-Kontingents in die ehemals
jugoslawische Republik Makedonien zu entsenden.
"Diese Truppen unterstreichen die Ernsthaftigkeit unserer Warnung an Belgrad und die bosnischen Serben.
Dieses Angebot von Truppen für die Vereinten Nationen hat sowohl symbolische als auch sichtbare Bedeutung",
erklärte Christopher auf einem Ministertreffen des Nordatlantikrates in Athen.
Der Außenminister ließ verlauten, der Konflikt in Bosnien dürfe "nicht ausufern" und stellte fest, es sei von
Bedeutung für jeden in der Region, sich vor Augen zu führen, daß Aggression gegen die ehemalige Republik
Makedonien "ernsthafte Konsequenzen" haben würde.
Christopher zufolge liegt die Hauptverantwortung der NATO darin, "die Sicherheit unserer Länder zu gewährleisten und in ganz Europa die Stabilität aufrechtzuerhalten". Die Vereinigten Staaten, fügte er hinzu, "werden
weiterhin substantielle, effektive Streitkräfte in Europa - ungefähr 100.000 Soldaten - unterhalten, um ihre
feierliche Verpflichtung für die Sicherheit einhalten zu können".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenminister Christopher im Wortlaut:

Herr Generalsekretär, es ist mir eine Ehre, hier in
Athen an diesem Treffen des Nordatlantikrates teilzunehmen. Es handelt sich um das erste offizielle
Ministertreffen des Nordatlantikrates seit der Amtsübernahme Präsident Clintons. Deshalb möchte ich
auf die Grundsatzerklärung zu sprechen kommen, die
ich im Februar in Brüssel zur amerikanischen Politik
gegenüber der NATO sowie in weiterem Sinne zur
transatlantischen Sicherheit abgab.

Wir haben das erfolgreichste Bündnis in der Geschichte aufgebaut. Wir sollten diese erstaunliche Wahrheit
niemals aus den Augen verlieren. Die uns gemeinsamen Werte und Interessen bleiben in Kraft - und die
sich uns stellenden Herausforderungen sind weiterhin
enorm.

Mit meiner Teilnahme an dem heutigen Treffen folge
ich der viereinhalb Jahrzehnte währenden Tradition
jedes unserer Außenminister aus beiden Parteien.
Das Engagement der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Europas ist nicht an eine Partei gebunden und
ebenso wie der Vertrag von Washington auch nicht an
eine Zeit.

Jenseits von Europa beleben wir die amerikanische
Wirtschaft neu, bilden eine neue Partnerschaft mit den
Reformkräften in Rußland, arbeiten an einem Frieden
zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn,
schaffen ein neues Rahmenwerk für unsere Beziehungen zu Japan, drängen auf Reformen in China, suchen
nach neuen Wegen für den Schutz unserer Umwelt

Vor allem bleibt es die Hauptverantwortung der NATO,
die Sicherheit unserer Länder zu gewährleisten und in
ganz Europa die Stabilität aufrechtzuerhalten. Die
Zunächst einmal möchte ich Manfred Wörner für sein Vereinigten Staaten werden ihre einzigartige militäriSchreiben danken, in dem er die wichtigsten Themen sche Stärke weiter unterstützen. Sie werden weiterhin
für unser heutiges Treffen darlegte. Ich bin sowohl von substantielle, effektive Streitkräfte in Europa - ungeseiner fundierten Analyse als auch von den Schlußfol- fähr 100.000 Soldaten - unterhalten, um ihre feierliche
gerungen, zu denen er gelangt, beeindruckt.
Verpflichtung für die Sicherheit einhalten zu können.

AMERIKA DIENST 24

Seite 1

�und unterstützen Menschenrechte und Demokratie
weltweit.

der "Sicherheitszonen" geschaffen werden. Resolution 836 gestattet den UN-Mitgliedstaaten den Einsatz
von Luftstreitkräften zur Unterstützung der UNPRODas Ende des Kalten Krieges macht eine führende FOR-Truppen bei der Schaffung der SicherheitszoRolle der Vereinigten Staaten noch wichtiger - und wir nen. Meines Erachtens sollte die NATO mit uns
nehmen die Herausforderung an.
gemeinsam das UNPROFOR-Personal mit Luftstreitkräften schützen, wenn sie angegriffen werden und um
In diesem Sinne - und wie ich dem Generalsekretär
Hilfe ersuchen. Die Vereinigten Staaten haben sich
bereits heute morgen andeutete - macht Präsident
bereits dazu verpflichtet, und wir wollen unsere BestreClinton den Vorschlag zu einem Gipfeltreffen mit den
bungen mit denen der anderen Verbündeten bei einer
anderen Staats- und Regierungschefs noch vor Ende
NATO-Operation koordinieren. Eine solche Operation
dieses Jahres. Der Präsident hält ein solches Treffen
sollte sich auf die bereits für die Durchsetzung der
für eine wichtige Gelegenheit, gemeinsam mit seinen
Flugverbotszone geschaffene Struktur gründen.
Amtskollegen zu überlegen, wie das Bündnis gestärkt
werden und seine Tagesordnung an die HerausfordeAls zusätzlichen Beitrag sind die Vereinigten Staaten
rungen der Welt nach dem Kalten Krieg angepaßt
zu einer Luftbrücke für die Nationen bereit, die Trupwerden kann. Wir würden gerne Ihre Ansichten dazu
pen für die Operationen der UNPROFOR in den Sihören und darüber sprechen, wie wir den größtmögli- cherheitszonen bereitstellen, sofern sie Hilfe benötichen Nutzen aus einem derartigen Treffen ziehen gen.
können.
Als Mittel zur Verschärfung des Drucks auf eine LöIm Laufe der letzten Jahre hat die NATO die Weichen sung sollten wir darüber hinaus unsere Partner im
für ihre Zukunft gestellt. Unsere Aufgabe hat jedoch Osten zur Durchsetzung der UN-Sanktionen gegen
eine wichtige Kontinuität aufgewiesen: Die Sicherung Serbien drängen. Wir unterstützen uneingeschränkt
des Friedens, die Förderung von Freiheit und Sicher- alle Bestrebungen zur Durchsetzung von Sanktionen
heit unserer Mitgliedstaaten und ihrer Völker, die Stär- in der Region.
kung der untrennbaren Bande über den Atlantik hinweg. Und es gibt eine wichtige neue Aufgabe: Den Diese Sanktionen müssen unerbittlich sein. Jeder
neuen Demokratien im Osten einen Anteil an den sollte sich bewußt sein, daß die Vereinigten Staaten
Vorteilen zu geben, die wir aus diesem Bündnis zie- auf der Isolierung Serbiens und Montenegros von der
hen.
Staatengemeinschaft bestehen werden, bis alle Anforderungen der UNO erfüllt sind. Der Status eines Paria
Die gesamte internationale Staatengemeinschaft setzt ist der Preis, der für die stattfindende Aggression
die Suche nach wirksamen Mitteln zur Beendigung des bezahlt werden mu ß. Sanktionen gegen Kroatien sind
Mordens in Bosnien-Herzegowina fort, um einen dau- ebenfalls möglich, wenn dieses Land die Aggression
erhaften und gerechten Frieden herbeizuführen und und ethnischen Säuberungen in Bosnien-Herzegowisicherzustellen, daß dieser tragische Konflikt nicht na unterstützt.
ausufert. Bei der Vefolgung dieser Ziele vereinbarten
die Vereinigten Staaten und andere Mitglieder des UN- Wir erinnern uns gut an das von den Belgrader BehörSicherheitsrats am 22. Mai 1993 in Washington ein den lauthals angekündigte Versprechen, die Grenze
gemeinsames Aktionsprogramm. Es stellt einen Schritt zu Bosnien-Herzegowina zu schließen. Die Welt will,
nach vorne dar und versucht, den Druck auf diejenigen daß Belgrad sein Wort hält - und beobachtet mit
zu verstärken, die dem Frieden in Bosnien im Wege zunehmender Enttäuschung, wie in Belgrad businessstanden. Wir sind uns alle bewußt, daß dies Interims- as-usual betrieben wird.
schritte sind und nicht eine umfassende Lösung dieser
tragischen Situation. Eine ausgehandelte Lösung - der Auch den der Greueltaten Schuldigen muß langfristig
alle drei Parteien zustimmen und die in gutem Glauben der Paria-Status auferlegt werden. Wir beabsichtigen
verwirklicht wird - ist nach wie vor unser Ziel. Ich die Anklage und vehemente Verfolgung derjenigen,
möchte wiederholen, daß neue und härtere Maßnah- die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien
men weiterhin auf dem Verhandlungstisch liegen, sollten begangen haben. Diejenigen, die solche Greueltaten
verübt haben, müssen für ihre Verbrechen bezahlen.
sie zur Erlangung dieses Ziels erforderlich sein.
Dieser Konflikt darf nicht ausufern. Wir müssen einen
größeren Balkankrieg verhindern, der die NATO-Verbündeten und mehrere aufstrebende Demokratien
bedrohen könnte. Es ist unabdingbar für jeden in der
Region, sich vor Augen zu führen, daß Aggression
gegen die ehemalige Republik Makedonien ernsthafte
Konsequenzen haben würde. Die Vereinigten Staaten
werden eine Verstärkung der internationalen Präsenz
Wie Sie wissen, hat der UN-Sicherheitsrat am vergan- in dieser Republik unterstützen.
genen Freitag die Resolution 836 verabschiedet, mit

Die NATO unterstützt bereits das gemeinsame Aktionsprogramm durch die Durchsetzung der Flugverbotszone und der Sanktionen in der Adria. Die NATO
kann und sollte heute mehrere Entscheidungen treffen, um Einheit und Entschlossenheit bei dieser Frage
zu demonstrieren - einschließlich der weiteren Unterstützung des gemeinsamen Aktionsprogramms.

Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�Ich freue mich, heute ankündigen zu können, daß wir
den Vereinten Nationen ein verstärktes Begleitteam
zur Erweiterung des bereits in der ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien stationierten UN-Kontingents angeboten haben. Diese Truppen unterstreichen die Ernsthaftigkeit unserer Warnung an Belgrad
und die bosnischen Serben. Dieses Angebot von
Truppen für die Vereinten Nationen hat sowohl symbolische als auch sichtbare Bedeutung.
Genausowenig können wir ein scharfes Vorgehen im
Kosovo zulassen, das zu einer Erweiterung des Konflikts führen würde. Die Vereinigten Staaten haben
den serbischen Behörden gegenüber eindeutig klargestellt, daß ein solches Vorgehen nicht toleriert würde.
Die NATO sollte auch eine Erweiterung der langfristigen KSZE-Missionen im ehemaligen Jugoslawien
unterstützen, insbesondere im Kosovo. Ich beabsichtige, dies mit dem amtierenden KSZE-Vorsitzenden
und dem Generalsekretär zu erörtern, wenn ich am
nächsten Montag in Wien sein werde. Zusammen
unterstreichen diese Schritte die Ernsthaftigkeit unserer Warnungen an Belgrad.
Heute müssen wir auch die Bereitschaft der NATO zur
Unterstützung der Vereinten Nationen bei der Duchsetzung einer ausgehandelten Friedensregelung bekräftigen. Glaubwürdige Bestimmungen für die Verwirklichung einer solchen Friedensregelung werden
für ihre Erfolgsaussichten entscheidend sein. Die
Vereinigten Staaten wiederholen ihre Verpflichtung,
gemeinsam mit den Vereinten Nationen und der NATO
ein solches Abkommen zu verwirklichen und in Kraft zu
setzen, einschließlich des möglichen Einsatzes von
Bodentruppen.

sich nicht nur auf die Erneuerung der NATO zu konzentrieren, sondern auch die GATT-Runde abzuschließen. Die transatlantischen Beziehungen dürfen nicht
zu sehr voneinander abgegrenzt werden - weder inhaltlich noch in zunehmendem Maße bei den Institutionen.
In diesem neuen Zeitalter müssen wir unseren Parlamenten und Völkern zeigen, daß wir die Lasten ebenso
teilen wie die Risiken. Die drastisch verringerte Bedrohung nach dem Kalten Krieg veranlaßt uns zu einer
Reduzierung unserer Verteidigungsausgaben. Wenn
jedoch jeder von uns seine Ausgaben bis zum Punkt
der Gefährdung der gemeinsamen Bedürfnisse des
Bündnisses kürzt - und noch schlimmer wäre ein freier
Fall bei den Verteidigungsausgaben - dann sieht sich
das Bündnis nicht nur mit einer Vertrauenskrise, sondern einer Aushöhlung der Fähigkeiten konfrontiert.
Die Vereinigten Staaten werden ihr militärisches Engagement und ihre Pflichten in Europa weiterhin wahrnehmen. Präsident Clinton und ich müssen dem
Kongreß jedoch beweisen können, daß die Verbündeten dasselbe tun. Teilen muß ein sichtbares Prinzip der
NATO sein: die Teilung von Lasten, die Teilung von
Pflichten und die Teilung von Entscheidungen.
Herr Generalsekretär, ich gehe davon aus, daß wir
zwischen dem heutigen und unserem nächsten Treffen - das, wie ich hoffe, ein Gipfeltreffen sein wird - in
fünf wichtigen Bereichen Fortschritte erzielen müssen.

Erstens müssen wir die einzigartigen Qualitäten der
NATO-Zusammenarbeit stärken. Nie zuvor haben
sich so viele Nationen zusammengeschlossen, um
gemeinsamen Herausforderungen entgegenzutreten.
Nie zuvor haben die Streitkräfte so vieler Staaten so
Schließlich sind wir uns meines Erachtens alle bewußt, effektiv zusammengearbeitet - sowohl im integrierten
daß der Westen Chancen verpaßt hat, dieses schreck- Kommando der NATO als auch in informellen Arrangeliche Problem von vorneherein zu verhindern. Ich ments. Nie zuvor haben die Rüstungsindustrien so
hoffe, wir lernen daraus, da ß wir von Anfang an zusam- vieler Länder sich dieselben Normen zu eigen gemacht
menarbeiten müssen, um Konflikte möglichst vor ih- und eine solche Vervielfachung militärischer Stärke
rem Ausbruch zu verhindern. Wir müssen Mechanisermöglicht. Diese Leistungen dürfen nicht vergeudet
men entwickeln, um Krisen schnellerund kreativer zu werden. Wir müssen unsere Handlungsfähigkeit
bewältigen. Darüber hinaus müssen wir der Entwick- bewahren, wenn unsere Interessen herausgefordert
lung von friedenssichernden Fähigkeiten hohe Priori- werden.
tät einräumen.
Trotz der ernsten Lage im ehemaligen Jugoslawien
gibt
es keine grundlegende Herausforderung der poliHerr Generalsekretär, wir haben uns vornehmlich mit
tischen
Ordnung in Europa, die einen neuen Krieg auf
Bosnien beschäftigt. Wir müssen jedoch auch die
dem
gesamten
Kontinent auslösen könnte. Die BeGrundlage für die Sicherheit von morgen im nordatlanwahrung
dieser
Errungenschaft
wird teilweise von der
tischen Gebiet und ganz Europa legen.
Verstärkung unseres Bündnisses, unserer praktischen
Dieses Bündnis kann nur Erfolg haben, wenn wir Zusammenarbeit, unseren soliden militärischen Verunsere politischen und wirtschaftlichen Verbindungen teidigungssystemen und Kommandostrukturen abhänso stark wie unsere militärischen Bande machen. Wir gen.
müssen die Verbindungen zwischen Nordamerika und
der Europäischen Gemeinschaft stärken. In der Tat ist Wenn aufgrund schrumpfender Verteidigungshausdie europäische Sicherheit heute eine Mischung polihalte eine Schwächung der kooperativen Verbinduntischer, wirtschaftlicher, sozialer und militärischer gen zwischen unseren Rüstungsindustrien zugelasBestrebungen. Die Bewahrung der gemeinsamen sen wird, können jedes Mitgliedsland und das Bündnis
Sicherheit über den Atlantik hinweg erfordert von uns, als Ganzes die Vorteile dieses besonderen "Streitkräf-

AMERIKA DIENST 24

Seite 3

�temultiplikators" verlieren. Aus diesem Grund ist der
Verhaltenskodex für den Handel mit Rüstungsgütern
so wichtig. Darüber hinaus müssen wir das gemeinsame Infrastrukturprogramm der NATO kontinuierlich
fortschreiben, um zu gewährleisten, daß wir in die für
die Bewältigung neuer Herauforderungen unverzichtbaren Mittel investieren.

bindungen zur Krisenverhinderung, für das Krisenmanagement und die Kommunikation zwischen ihnen
aufbauen, um die neuen Herausforderungen der europäischen Sicherheit zu bewältigen.

Im Hinblick auf die Vereinten Nationen sollten wir die
Planung über Ad-hoc-Arrangements hinaus auf eine
systematischere Beziehung erweitem. Femer müsZweitens müssen wir dazu beitragen, Frieden in Mittel- sen wir zu gewährleisten versuchen, daß die NATOund Osteuropa zu schaffen und zu bewahren. Für Staaten, die nicht Mitglied des UN-Sicherheitsrates
viele Länder hat das "Wiedererwachen" der Geschich- sind, trotzdem besser am Zustandekommen von
te den Übergang von Kommunismus zu Demokratie Beschlüssen beteiligt werden, die ihre Interessen
enorm kompliziert.
betreffen. Die Vereinigten Staaten unterstützen die
Idee, eine Kontaktgruppe zu bilden, die aus den wichFriedensschaffung und Friedenssicherung sind am tigsten Unterstützern von Friedenssicherungsmaßnahwirksamsten, wenn ihnen rechtzeitige politische men besteht.
Bemühungen zum Abbau von Spannungen und Beilegung von Streitigkeiten vorausgehen oder sie beglei- Die Vereinigten Staaten begrüßen die Entwicklung
ten. Die NATO muß in der Lage sein, politische einer europäischen Sicherheits- und VerteidigungsiEntscheidungen für frühzeitiges, dauerhaftes und dentität. Diese wird unser eigenes Engagement noch
glaubwürdiges Engagement zu treffen. Ihre militäri- effektiver gestalten. Eine solche Identität kann ferner
schen Befehlshaber müssen Vertrauen in die Fähig- in Europa öffentliche Unterstützung für die Erfüllung
keit dieses Rates haben, rechtzeitige und effektive europäischer Verpflichtungen aufrechterhalten und
politische Orientierung zu geben.
aufbauen. Darüber hinaus begrüßen wir die Chance,
bei militärischen Maßnahmen des Bündnisses noch
Unterschiedliche Mitgliedstaaten werden Situationen enger mit Frankreich zusammenzuarbeiten, und wir
mit unterschiedlichen politischen Sensibilitäten und sehen dem Ausbau dieser Kooperation gerne entgemit unterschiedlichen von ihnen bevorzugten Frie- gen.
denssicherungsstrukturen in Angriff nehmen. Wir
sollten jedoch ebenfalls darauf hinarbeiten, einen Kern Die NATO muß engere Beziehungen zur WEU entvon Friedenssicherungsverfahren der NATO zu ent- wickeln. Wir sollten uns jedoch unserer erklärten
wickeln, der ein Gleichgewicht zwischen politischer Absicht erinnern, "die operative Geschlossenheit aufAkzeptanz und militärischer Effektivität gewährleistet. rechtzuerhalten, die wir derzeit haben und von der
Wir müssen nicht jedes Mal, wenn die Friedenssiche- unsere Verteidigung abhängt". Und wir müssen unter
rungsfähigkeiten der NATO benötigt werden, "das Rad der Prämisse handeln, daß die militärischen Fähigkeineu erfinden". Diese Fähigkeiten sind besonders ten der beiden Institutionen, obwohl sie nicht als gewichtig, um den neuen Demokratien zum Erfolg zu trennt betrachtet werden dürfen, getrennt werden
verhelfen - und unsere Partner im NAKR fest an den können.
Westen zu binden.
Viertens müssen wir die Grundlage für Sicherheit auf
Drittens müssen wir effektiver mit anderen Institutio- dem gesamten Kontinent schaffen. In Deklarationen
nen zusammenarbeiten, deren Ziele denen der NATO des Nordatlantikrats haben wir seit 1990 das Mandat
vergleichbar sind. Das amerikanische Engagement für die Entwicklung eines Sicherheitssystems und der
für die europäische Sicherheit wird nach wie vor haupt- damit einhergehenden Praktiken akzeptiert, das sich
sächlich durch die NATO zum Ausdruck kommen. Wir über den ganzen Kontinent erstreckt. Alle Staaten
bekräftigen, daß "das Bündnis das grundlegende Forum müssen die bereits für Waffenbestände des Kalten
für Konsultationen zwischen seinen Mitgliedstaaten Krieges verhängten Reduzierungen verwirklichen und
und der Ort für Vereinbarungen ist, die sich auf die sämtliche Restrisiken weiter begrenzen. Und Staaten,
Sicherheits- und Verteidigungsverpflichtungen der die außerhalb des Sicherheitssystems verbleiben,
Verbündeten nach dem Vertrag von Washington aus- könnten dieses im Lauf der Zeit gefährden. Maßnahwirken".
men zur Kontaktpflege mit den NAKR-Partnern - und
Arbeit mit der KSZE - sind von entscheidender BedeuAber obwohl die NATO für unsere gemeinsamen Ziele tung. Die innovative Arbeit der KSZE bei Krisenmanavon zentraler Bedeutung ist, steht sie bei der Verfol- gement und Konfliktverhütung ist eines der aussichtsgung von Zielen, die mit der weitesten Definition von reichsten Sicherheitsexperimente, die heute in Europa
Sicherheit im Einklang stehen, nicht allein. Der UNO, stattfinden.
der KSZE, der EG, dem NAKR, der WEU und dem
Europarat fallen wichtige Rollen zu - und jede dieser Die Sicherung der ungeschmälerten Vorteile aus der
Institutionen sollte Impulse erhalten. Wichtige Fort- Beendigung des Kalten Krieges hängt davon ab, daß
schritte wurden bei der Entwicklung einander ergän- der Platz der postkommunistischen Staaten in der
zender und miteinander verflochtener Institutionen Gemeinschaft demokratischer Nationen konsolidiert
gemacht. Aber die NATO muß noch effektivere Ver- wird. Westeuropa hat erfolgreich tausend Jahre des
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AMERIKA DIENST 24

�Streits und Aufruhrs in Europa durch einen neuen
Ansatz zur Sicherheit ersetzt, der auf grundsätzlichen
menschlichen Werten und Rechtsstaatlichkeit beruht.
Die große Bewährungsprobe besteht nun darin, ob
dies im Osten erreicht werden kann.

werden. Während der Diskussionsrunde nach dem
Mittagessen werde ich Ihnen gerne detailliert über die
kürzliche Reise von Minister Aspin und Botschafter
Talbott in die Ukraine berichten.

In den letzten Jahren hat der Westen eine Serie von
Zu geeigneter Zeit könnten wir beschließen, die NATO- Ad-hoc-lnstrumenten zur Koordinierung der Politik
Mitgliedschaft zu erweitem. Aber dies steht heute gegenüber den postkommunistischen Staaten in einer
nicht auf der Tagesordnung.
Reihe von Bereichen, insbesondere in der Wirtschaftspolitik, geschaffen. Bisher haben wir jedoch noch
Am wichtigsten ist, daß wir das Arbeitsprogramm für keinen gemeinsamen strategischen Rahmen, um die
den NAKR intensivieren und ausbauen sowie dessen Staaten entlang der ehemaligen Trennlinie zwischen
Mandat erweitern. Diese Institution hat ihren Wert Ost und West miteinander zu verbinden. Wir sollten
bereits bewiesen, indem sie die postkommunistischen den Nordatlantikrat - gemeinsam mit dem NAKR - als
Staaten mit dem Westen in Verbindung gebracht hat. zentrales Forum zur Erörterung umfassender strategiSie kann und muß wesentlich mehr werden. Zum scher Maßnahmen stärken. Wir müssen gewährleiBeispiel sollten die NAKR-Staaten ihre Konsultatio- sten, daß wir einen Ansatz entwickeln, der Rußland
nen, gemeinsamen Aktivitäten bei der Friedenssiche- und alle neuen Staaten der Region einbezieht.
rung, den Personalaustausch, die Ausbildung in zivilmilitärischen Beziehungen und gemeinsame Übungen Fünftens und letztens müssen wir - ebenso wie wir die
verstärken. Wir sind erneut bereit, einen Beitrag von Bedeutung einer nach Osten erweiterten NATO-Rolle
500.000 Dollar zum NATO-Haushalt zu leisten, um auf dem Kontinent anerkennen - die Zusammenarbeit
Aktivitäten des NAKR zu unterstützen, wenn andere gegen Bedrohungen alliierter Interessen intensivieren,
Verbündete einen entsprechenden Anteil überneh- die außerhalb Europas entstehen. Wir haben erfahmen.
ren, daß wir gegen andere Bedrohungen unserer gemeinsamen Sicherheit von au ßerhalb des VertragsgeBis zu unserem nächsten Treffen sollten wir uns auf bietes der NATO handeln müssen - ob die Verbündeeine erweiterte Tagesordnung des NAKR verständi- ten gemeinsam oder über die Institutionen des Bündgen, die darauf ausgerichtet ist, die postkommunisti- nisses handeln.
schen Staaten enger in die Sicherheitsstruktur für das
Zentrum Europas einzubinden. Gleichzeitig sollten wir Es gibt für uns keine vordringlichere Bedrohung der
neue Wege finden, um die nicht dem NAKR angehö- Sicherheit als die mögliche Verbreitung von Massenrenden europäischen Staaten an der Arbeit der NATO vernichtungswaffen und deren Trägersystemen. Die
Regierungen der NATO-Staaten müssen darauf hinarteilhaben zu lassen.
beiten, bei der Überprüfungskonferenz von 1995 die
Wie Verteidigungsminister Aspin vor zwei Wochen bedingungslose und unbefristete Verlängerung des
dem Verteidigungsplanungsausschuß berichtet hat, Nichtverbreitungsvertrages zu erwirken. Aber wir
entwickeln die Vereinigten Staaten eine strategische müssen noch mehr tun. Weiterverbreitung bildet die
Partnerschaft mit Rußland, wie sie von den Präsiden- sich abzeichnende Tagesordnung der Rüstungskonten Clinton und Jelzin in Vancouver vereinbart wurde. trolle in den neunziger Jahren - und wir müssen kollekWir möchten ähnliche Beziehungen auf der Grundlage tiv bereit sein, schärfere Maßnahmen zu ergreifen.
gemeinsamer Werte und Prinzipien mit allen neuen Staaten, die bestrebt sind, den Frieden durch die
postkommunistischen Staaten ins Leben rufen. Mit Beschaffung dieser Waffen zu bedrohen, müssen
dem Aufbau zusätzlicher Partnerschaften werden wir wissen, daß wir ihnen entgegentreten.
selbstverständlich eng mit unseren Verbündeten in der
NATO zusammenarbeiten. Unserer Auffassung nach Unsere Tagesordnung im Bereich der Weiterverbreischließen diese Beziehungen niemanden aus, und sie tung muß ferner neue Partner einbeziehen. Vor allem
sind auch kein Ersatz für andere bilaterale oder multi- sollten wir mit Rußland und den neuen unabhängigen
laterale Beziehungen.
Staaten zusammenarbeiten. Alle Regierungen der
NATO-Staaten haben ein unmittelbares Interesse am
Präsident Clinton leitet darüber hinaus eine strategi- raschen und sicheren Abbau der Nuklearstreitkräfte
sche Partnerschaft mit der Ukraine ein. Sicherlich ist der ehemaligen Sowjetunion. Diese Aufgabe überes nach wie vor wichtig, daß die Ukraine ihre Verpflich- steigt die Mittel eines einzelnen Landes, und sie wird
tungen aus dem Lissaboner Protokoll erfüllt, den START- erheblich höhere Kosten verursachen, wenn wir unseI-Vertrag ratifiziert und dem Vertrag über die Nichtver- re Bemühungen nicht bündeln, um die Entnuklearisiebreitung von Kernwaffen als atomwaffenfreier Staat rung heute zu beschleunigen.
beitritt. Die Ukraine und andere neue unabhängige
Staaten der ehemaligen Sowjetunion müssen als beste Herr Generalsekretär, bis zu unserem nächsten TrefVersicherung für ihre Unabhängigkeit, Sicherheit und fen sollten wir zusammenarbeiten, um konkrete Erterritoriale Unverletzbarkeit ebenfalls in europäische gebnisse in jedem dieser fünf Bereiche zu erzielen.
Institutionen - wie den NAKR und die KSZE - integriert Wir sollten spezifische Schritte unternehmen, um die

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�Stärke der NATO zu bewahren, die Friedensschaffung
und Friedenssicherung zu verbessern, enger mit anderen
Institutionen zu kooperieren, die Sicherheitszusammenarbeit nach Osten auszudehnen und auf Bedrohungen von außerhalb des Kontinents zu reagieren.
Präsident Clinton hat mit Dr. Robert Hunter eine herausragende Persönlichkeit als neuen amerikanischen
Botschafter bei der NATO nominiert. Wir möchten,
daß er möglichst bald seine Tätigkeit mit den Verbündeten im Rat aufnimmt. Ich habe ihn gebeten, in
diesen Schlüsselbereichen eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, damit wir bei unserem nächsten Treffen
Fortschritte verzeichnen können.

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Herr Generalsekretär, ich weiß, daß ich dem Nordatlantikrat für die kommenden Monate eine ehrgeizige
Tagesordung vorgeschlagen habe. Ich gehe jedoch
davon aus, daß es eine den Herausforderungen angemessene Tagesordnung ist. Wir trachten nicht danach, neue Aufgaben zu finden, um ein altes Bündnis
zu rechtfertigen, sondern dieses fortbestehende Bündnis einzusetzen, um neue Herausforderungen zu
bewältigen. Diese Tagesordung zeigt, daß das Atlantische Bündnis für uns alle von entscheidender Bedeutung ist.

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�USA -

DEUTSCHLAND
16. Juni 1993

EIN FREUND SAGT "AUF WIEDERSEHEN"
Rede von Botschafter Kimmitt am Aspen Institut Berlin
BERLIN - (AD) - Bei seinem letzten offiziellen Besuch in Berlin vor seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten
im August hat US-Botschafter Robert M. Kimmitt in einer Rede festgestellt, die deutsch-amerikanischen
Beziehungen "befinden sich heute an ihrem stärksten Moment der Geschichte". "Keine bilaterale Beziehung
ist für beide Länder wichtiger als die deutsch-amerikanische Beziehung. Die Entwicklung Deutschlands
bestimmt die Entwicklung Europas. Die Entwicklung Europas bestimmt die transatlantischen Beziehungen,
die für die amerikanische und europäische Sicherheit so lebenswichtig sind", äußerte der Botschafter.
Auf Einladung des Aspen Instituts erörterte Botschafter Kimmitt am 8. Juni 1993 in Berlin die wichtigsten
Leistungen der deutsch-amerikanischen Beziehungen seit seinem Amtsantritt als amerikanischer Botschafter
in Deutschland im August 1991. Er verwies auf die fortdauernde Bedeutung der Sicherheitsbeziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland, bezeichnete jedoch Handel und Kultur als die beiden
Wachstumssektoren dieser Beziehungen. Zu den Wirtschaftsbeziehungen erklärte der Botschafter, "unsere
bemerkenswerteste Leistung bestand darin, die amerikanischen Handelsaktivitäten in den neuen Bundesländern mehr als zu verdoppeln", wo heute über 200 amerikanische Firmen tätig sind, "die mehr als 6 Milliarden
D-Mark investiert und über 42.000 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten haben". Im kulturellen Bereich
konnten die Vereinigten Staaten mit der Eröffnung eines neuen Konsulats und Amerika Hauses in Leipzig ihre
Präsenz in Deutschland ausbauen, erläuterte der Botschafter. Die vor uns liegende Aufgabe besteht dem
Botschafter zufolge darin, "auf dieser Bilanz solider Leistungen aufzubauen", um die deutsch-amerikanische
Partnerschaft zu vertiefen.
Bei seinem Aufenthalt in Berlin stattete der Botschafter dem Regierenden Bürgermeister Diepgen, Ministerpräsident Stolpe und der Präsidentin der Treuhandanstalt, Breuel, offizielle Abschiedsbesuche ab und
überreichte eine vollständige Sammlung von 8.000 englischsprachigen Büchern der Bibliothek des USArmeestützpunkts Giebelstadt an die Stadtteilbibliothek Altglienicke in Treptow. Bisher wurden insgesamt
etwa 300.000 Bücher an Bibliotheken in den neuen Bundesländern gespendet.

Herr Direktor und Frau Anderson,
Herr Cramer,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
ich danke Ihnen für die Ehre Ihrer Anwesenheit heute
abend. Wie Herr Cramer sagte: Hans Wallenberg
spielte eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer
demokratischen Presse im Nachkriegsdeutschland,
und diese Vortragsreihe hält sein Andenken in Ehren.
Es ist ein Privileg, unter den zur Teilnahme an dieser
Vortragsreihe Eingeladenen zu sein, die von der AxelSpringer-Stiftung so großzügig unterstützt wird.
Ich möchte auch David Anderson und dem Aspen
Institut für die Organisation dieser Veranstaltung meinen Dank aussprechen. Die Arbeit dieses privaten,
gemeinnützigen, überparteilichen Instituts zur Förderung der internationalen Beziehungen und Verständigung spiegelt ziemlich genau die Ziele wider, die ich als
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Botschafter in Deutschland verfolgt habe. Aus diesem
Grund bin ich besonders erfreut, meine Gedanken
über die vergangenen zwei Jahre vor einem solchen
Forum darlegen zu können.
Als David Anderson und ich diese Rede vor zwei
Monaten erörterten, ging ich davon aus, daß mein
Nachfolger ernannt worden sei und plante daher meine
Abreise für Anfang Juli. Bisher ist jedoch noch kein
Nachfolger genannt worden, und so werden wir voraussichtlich bis zum Spätsommer in Deutschland bleiben, jedoch im September wieder in den Vereinigten
Staaten sein, wenn unsere fünf Kinder das neue
Schuljahr beginnen müssen.
Obwohl wir Berlin vor unserer Abreise aus Deutschland noch privat besuchen werden, ist dies mein letzter
offizieller Besuch. Nach meinem Abschiedsbesuch
beim Regierenden Bürgermeister Diepgen erachte ich

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�es daher für angebracht, meine Abschiedsrede in
dieser Stadt zu halten, die mir so sehr am Herzen liegt
- und die auf solch einzigartige Weise die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Deutschlands repräsentiert.

danken, die meine Familie und ich in ganz Deutschland
erfahren haben. Wenn wir neue Leute kennenlernten,
lautete die erste Frage stets: "Fühlen Sie sich wohl in
Deutschland?" Wir geben immer dieselbe Antwort:
"Wir vermissen unser Heimatland, aber wir fühlen uns
hier sehr wohl und äu ßerst willkommen." Selbst unseHeute abend stehe ich vor Ihnen als lebendes Beispiel re Kinder, die nicht sicher waren, was sie erwartete, als
der modernen deutsch-amerikanischen Beziehungen: wir im August 1991 das Flugzeug bestiegen, sind jetzt
Wie über 50 Millionen Amerikaner bin ich deut- sehr traurig, ein Land verlassen zu müssen, das ihnen
scher Abstammung, da die Vorfahren meiner in nur zwei Jahren zu einer zweiten Heimat geworden
Mutter Mitte des neunzehnten Jahrhunderts aus ist.
der Nähe von Detmold an der Lippe nach Amerika Wir werden die Deutschen, die so freundlich zu uns
auswanderten. Obwohl meine Mutter in den waren, vermissen und niemals vergessen. Ich denke
Vereinigten Staaten geboren wurde, sprach sie an offizielle Aufmerksamkeiten wie die von Bundeszu Hause Deutsch, bis sie zehn Jahre alt war. präsident von Weizsäcker, dem Regierenden Bürgermeister Diepgen und Ministerpräsident Stolpe, die
meine Eltern einluden, als sie im vergangenen Jahr zur
Feier ihres 45. Hochzeitstages nach Deutschland
zurückkehrten. Ich denke jedoch auch an die ältere
Dame, die bei einem Weinfest auf mich zukam und mir
eine Weinflasche mit den Worten überreichte: "Ich
wollte schon immer den amerikanischen Botschafter
Und wie über 12 Millionen Amerikaner, die als kennenlernen, um Ihrem Land für alles zu danken, was
Soldaten oder Familienangehörige seit dem Krieg Sie für uns nach dem Krieg getan haben." Und ich
in Deutschland stationiert waren, lebte auch ich denke an die vielen meiner Frau und meinen Kindern
von 1960 bis 1964 mit meiner Familie in Heidel- gegenüber erwiesenen Liebenswürdigkeiten, wie die
berg und Baumholder und verbrachte den des Restaurantbesitzers in der Nähe von Dresden, der
Sommer 1968 im Dienst bei der 3. Infanteriedi- unserem acht Jahre alten Sohn als Überraschung eine
Geburtstagstorte überreichte, nachdem unser Sohn
vision in Aschaffenburg.
die Bewandtnis des Tages voller Stolz bekanntgegeIch kann jedoch auch auf einige einzigartige Charakte- ben hatte!
ristika meiner Verbindung zu Deutschland verweisen.
Wie David Anderson sagte, lernten sich meine Eltern Aber nun rückt die Zeit meiner Rückkehr in die Vereiin Berlin kennen und heirateten 1947 in dieser Stadt. nigten Staaten näher. Heute abend möchte ich meine
Da ich genau neun Monate später in den Vereinigten verbleibende Zeit hier darauf verwenden, über die
Staaten geboren wurde, war ich immer stolz, ein deutsch-amerikanischen Beziehungen von heute und
Produkt "Made in Germany" zu sein. In meinem insbesondere unsere Beziehungen in der Zukunft zu
gesamten Berufsleben hat mich jedoch nichts mehr sprechen. Ich möchte zwei Themen erörtern:
mit Stolz erfüllt, als die Vereinigten Staaten von AmeErstens: Keine bilaterale Beziehung ist für
rika - mein Geburtsland - als Botschafter in der Bunbeide
Länderwichtigeralsdie deutsch-amerikadesrepublik Deutschland - dem Land meiner Vorfahnische
Beziehung. Die Entwicklung Deutschren - zu vertreten.
lands bestimmt die Entwicklung Europas. Die
Entwicklung Europas bestimmt die transatlantiBereits früh in meiner Amtszeit wurde mir bewußt, daß
schen Beziehungen, die für die amerikanische
meine Arbeit in Bonn nur Teil meiner Aufgaben als
und europäische Sicherheit so lebenswichtig
Botschafter ist. Wie die Vereinigten Staaten hat
sind.
Deutschland ein wirklich föderatives System mit wirklicher - sowohl politischer als auch wirtschaftlicher Zweitens: Die Beziehungen befinden sich heute
Macht, die in Bonn und den sechzehn Bundesländern
an ihrem stärksten Moment der Geschichte,
angesiedelt ist. Infolgedessen stelle ich fest, daß ich
aber die Beziehungen werden nur gestärkt,
im Durchschnitt nur 40 % meiner Arbeitstage in Bonn
wenn wir unsere Arbeit härter, klüger und umund die restlichen auf Reisen durch das gesamte Land
fassender angehen als in der Vergangenheit.
verbracht habe. Um vor allem die Priorität anschaulich
unter Beweis zu stellen, die wir dem erfolgreichen Und zu diesem letzten Punkt muß ich offen die WarAbschluß des Einigungsprozesses beimessen, bin ich nung aussprechen, daß eszunehmend schwierig wird,
mehr als fünfundzwanzigmal in die neuen Bundeslän- unser gemeinsames Ziel zu erreichen - eine starke
der und allein über dreißigmal nach Berlin gereist.
bilaterale Beziehung, die sowohl unseren beiden Ländern
als auch Europa und der Welt insgesamt dient - weil wir
Ich möchte diese Gelegenheit wahrnehmen, diesem
die heutige Generation junger Deutscher und AmerikaLand und seinem Volk für die herzliche Aufnahme zu
Wie über 3 M illionen Amerikaner dienten sowohl
mein Vater als auch meine Mutter während des
Zweiten Weltkrieges in Europa und Deutschland, mein Vater im Kampf bei der 78. Division
und meine Mutter beim amerikanischen Roten
Kreuz.

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AMERIKA DIENST 24

�ner nicht so wirksam erreichen wie ihre Eltern und
Großeltern.

zur Zeit - kollektive Ansätze zur Verwirklichung gemeinsamer Sicherheitsinteressen suchen.

Historischer Kontext: Die dritte Nachkriegszeit

Ein Rückblick

Bevor wir unsere gegenwärtigen und künftigen Bezie- Wenn ich auf meine zweijährige Amtszeit hier in Deutschhungen erörtern, sollten wir den historischen Kontext land zurückblicke, tue ich dies mit einem gewissen
in Betracht ziehen. Wir sind alle privilegiert, aber Stolz. Zu unseren gemeinsamen Leistungen zählen:
insbesondere diejenigen von uns im öffentlichen Dienst,
Im Bereich der Sicherheit: Der sichere Abzug
diese letzten dramatischen Jahrzehnte und Jahre eraller amerikanischen landgestützten Nuklearlebt zu haben. Noch heute ist es kaum zu glauben, daß
waffen aus Deutschland. Darüberhinaus haben
die Mauer gefallen ist, Berlin und Deutschland vereiwir erfolgreich das Zusatzabkommen zum NATOnigt sind und Europa nicht mehr nur davon träumen
Truppenstatut abgeschlossen, mit dem wir eine
kann, ungeteilt und frei zu sein. Um das Tempo zu
solide Grundlage für die weitere Präsenz amebegreifen, mit dem sich die Gegebenheiten verändert
rikanischer Streitkräfte in Deutschland als Teil
haben, muß man sich nur die Tatsache vor Augen
der insgesamt 100.000 in Europa stationierten
führen, daß es heute vor genau drei Jahren war - am
Soldaten gelegt haben. Wir haben auch zwei
8. Juni 1990 - als Vaclav Havel bei den ersten freien
gemeinsame deutsch-amerikanische Korps ins
Wahlen des Landes nach 44 Jahren zum Präsidenten
Leben gerufen und Einigung über die Beziehunder Tschechoslowakei gewählt wurde.
gen zwischen dem europäischen Korps und der
NATO erzielt. Wir haben uns zusammengeDie Ereignisse in Deutschland und im Ausland erinschlossen, um den Nordatlantischen Kooperanern uns jedoch daran, daß unsere Arbeit noch lange
tionsrat zu gründen, mit dem der Dialog zwinicht beendet ist. Tatsächlich befinden wir uns in der
schen der NATO und den aufstrebenden Demodritten Nachkriegszeit dieses Jahrhunderts mit zwei
kratien im Osten und ihre Einbeziehung in die
diametral entgegengesetzten Modellen als AusgangsWege geleitet wurde. Den Höhepunkt bildete
basis - dem protektionistischen, isolationistischen Muster
die erst am vergangenen Samstag vollzogene
nachdem Ersten Weltkrieg, das die Große Depression
Eröffnung des George C. Marshall-Europazenund den Zweiten Weltkrieg zur Folge hatte, bezietrums für Sicherheitsstudien in Garmisch-Parhungsweise der Politik des aktiven, kollektiven Engatenkirchen. Und nicht zuletzt haben unsere
gements, die zum Wiederaufbau Westeuropas und
Streitkräfte Seite an Seite gearbeitet, um humaden dramatischen Ereignissen des Jahres 1989 führnitäre Hilfe nach Somalia, Bosnien und in die
te. Trotz der in einigen Lagern heute vorherrschenden
ehemalige Sowjetunion zu liefern.
isolationistischen und protektionistischen Einstellungen sind wir zweifelsohne klug genug zu erkennen,
Im Bereich des Handels konnten wir eine kontidaß nur eine Politik des aktiven, kollektiven Engagenuierliche
Zunahme der amerikanischen Invements zwischen Amerika und Deutschland, zwischen
stitionen
in
Deutschland und deutscher InvestiAmerika und Europa zu dauerhaftem Erfolg führen
tionen
in
den
Vereinigten Staaten beobachten.
wird.
Unsere bemerkenswerteste Leistung bestand
darin, die amerikanischen Handelsaktivitäten in
Diese Politik des Engagements basiert jedoch auf der
den neuen Bundesländern mehr als zu verdopErkenntnis, daß - obwohl politische und militärische
peln. Während wir heute abend zusammenFragen nach wie vor Bedeutung haben - die echten
kommen, sind über 200 amerikanische Firmen
Wachstumssektoren unserer Beziehungen in den
in der ehemaligen DDR tätig, die mehr als 6
Bereichen Handel und Kultur liegen, einschließlich
Milliarden D-Mark investiert und über 42.000
anderer nicht herkömmlicher Themen wie UmweltArbeitsplätze geschaffen oder erhalten haben.
schutz, Bildungs- und Gesundheitswesen. In Wirklichkeit befinden wir uns am Beginn einer Periode, in der
Im kulturellen Bereich konnten wir unsere Prädie deutsch-amerikanische bilaterale Beziehung, das
senz in Deutschland nicht nur beibehalten,
transatlantische Bündnis und in der Tat das Konzept
sondern mit der Eröffnung eines neuen Konsunationaler Interessen und nationaler Sicherheit an sich
lats und Amerika Hauses in Leipzig sogar erweiin sehr viel weiter reichenden, sehr viel umfassendetem. Wir haben nahezu 500 Bürger aus den
ren Begriffen definiert werden müssen. Wir sollten uns
neuen Bundesländern und dem Osten Berlins
in unserem Verständnis auch eindeutig bewußt sein,
im Rahmen von Austauschprogrammen in die
daß - ebenso wie es einen Unterschied zwischen
Vereinigten Staaten eingeladen, zum Teil aufPatriotismus und Nationalismus gibt - es nicht per se
grund einer speziellen Budgeterhöhung, dank
nationalistisch ist, wenn ein Land seine nationalen
der wir die Programme im Osten erweitem
Interessen definiert oder seine nationale Sicherheit
konnten, ohne die erfolgreichen Programme im
verteidigt. Dies gilt insbesondere wenn Deutschland,
Westen zu kürzen. Darüber hinaus haben wir
die Vereinigten Staaten und andere Verbündete - wie

AMERIKA DIENST 24

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�"Ambassadeurs Prizes" für ausgezeichnete Leistungen bei Englisch- und Amerikanistikstudien
ins Leben gerufen, wobei die letztere Fachrichtung aus meiner Sicht ein unterentwickelter Studienzweig ist. Im Rahmen eines meiner bevorzugten Programme haben wir femer inzwischen
über 300.000 englischsprachige Bücher aus
geschlossenen amerikanischen Stützpunkten
im Westen an Bibliotheken und Bildungseinrichtungen in den neuen Bundesländern übergeben, einschließlich einer Spende von über 8.000
Büchern, die ich erst gestern der Stadtteilbibliothek Altglienicke in Treptow überreicht habe.
Mit diesem Programm werden wirklich "Schwerter zu Pflugscharen". Ich möchte hinzufügen,
daß diese Bücherspende für Treptow verdeutlicht, wie gut wir verstehen, daß die Bürger aus
dem Osten Berlins ebenso begierig auf Kontakte mit Amerika sind wie ihre Landsleute in den
fünf neuen Ländern.

gemeinsame Zukunft in Angriff nehmen. Wenden wir
uns nun dieser Zukunft zu.
Neue bilaterale Beziehungen für ein neues Zeitalter
Im Mai 1989 forderte der damalige Präsident Bush
Deutschland auf, gemeinsam mit den Vereinigten
Staaten als "Partner in der Führung" zu wirken. Ich bin
mir vollkommen bewußt, daß dieser Begriff einigen
Deutschen aufgrund historischer Bedenken ein gewisses Unbehagen bereitet hat.

Ich gehe jedoch davon aus, daß zu viele Menschen
sich auf den Begriff "Führung" konzentriert haben, der
- obwohl bedeutsam - nicht so stark war wie das Wort
"Partnerschaft". Partner arbeiten an gemeinsamen
Projekten, und beide teilen die Vorteile und Risiken
dieser Projekte. Mit dieser Erklärung, die nahezu ein
halbes Jahr vordem Fall der Mauer abgegeben wurde,
verdeutlichten die Vereinigten Staaten, daß sie Deutschland nicht länger als besiegten Feind, als besetztes
Einer meiner stolzesten Momente ereignete sich schließ- Land oder Juniorpartner des Bündnisses, sondern als
lich am 9. Januar dieses Jahres, als Präsident von vollwertigen und gleichberechtigten Partner der VereiWeizsäcker, der Regierende Bürgermeister Diepgen nigten Staaten in unserem Streben nach einer friedliund ich in Anwesenheit von Hans-Dietrich Genscher cheren, sichereren Zukunft betrachteten. Es sollte
und der Präsidentin der Treuhandanstalt, Birgit Breuel, deshalb niemanden überraschen, daß die Vereinigten
sowie Hunderter anderer den ehemaligen und künfti- Staaten die Vereinigung Deutschlands uneingeschränkt
gen Standort der amerikanischen Botschaft in Berlin und ohne auch nur den Anflug von Zögern oder Ängstam Pariser Platz, unmittelbar neben dem Brandenbur- lichkeit unterstützten - denn wer würde nicht die Einheit
ger Tor, einweihten - im Zentrum Berlins, im Herzen seines Partners wünschen, mit der die Partnerschaft
Deutschlands und an der Wegscheide Europas.
beim Streben nach gemeinsamen Zielen noch stärker
wird?
Hindernisse für Aktionen
Und doch ist es so, wie auf dem Gebäude unseres
Nationalarchivs geschrieben steht: "Die Vergangenheit ist Prolog." Die heute vor uns liegende Aufgabe
lautet, auf dieser Bilanz solider Leistungen aufzubauen, um unseren Völkern noch bessere Beziehungen
und eine noch bessere Zukunft zu sichern. Wie ich
bereits zu Beginn meiner Ausführungen erklärt habe,
wird dies jedoch aufgrund mehrerer Faktoren in Zukunft noch schwieriger sein.

Aber selbst die beste Partnerschaft - sei es in der
Wirtschaft, in der Ehe oder in den internationalen
Beziehungen - bedarf fortwährender Erneuerung. Dies
gilt besonders dann, wenn die Partnerschaft so ungeheuer stark von äußeren Veränderungen beeinflußt
wird, wie dies bei der unsrigen seit 1989 der Fall war.

Bevor ich nun einige Gedanken dazu äußere, wie wir
unsere Partnerschaft in Zukunft verbessern könnten,
müssen wir uns jedoch über die Vergangenheit und die
Gegenwart
im klaren sein:
Angesichts der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten
seit dem vergangenen Jahr 20 neue Botschaften in der
Was die Vergangenheit anbetrifft, so kann und
ehemaligen Sowjetunion, dem ehemaligen Jugoslawird Deutschland seine schrecklichen Taten in
wien sowie der früheren Tschechoslowakei eröffnet
der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts niemals
haben, müssen meine Mitarbeiter und ich an der
vergessen. Und doch bedeutet, sich ständig nur
Botschaft jeden Tag kämpfen, um unser Netz von
mit der Vergangenheit zu beschäftigen, sich
Konsulaten und Amerika Häusern in ganz Deutschnicht mit ganzer Kraft der Verbesserung der
land beizubehalten. Wir tun dies zu einer Zeit, in der
nach dem Krieg geschaffenen erfolgreichen
die Zahl unserer Soldaten und deren Familienangehösozialen und demokratischen Marktwirtschaft
rigen lediglich ein Drittel des Standes von vor drei
zu widmen, von der Deutschland, Europa und
Jahren beträgt, und sie wird weiter sinken. In Berlin
Menschen in weit entfernten Gebieten profitiert
werden wir unsere gesamten Streitkräfte bis Ende des
haben.
Jahres 1994 abgezogen haben. Kurzum: Die natürlichen Kontakte, auf die wir u ns in der Vergangenheit so
Im Hinblick auf die Gegenwart sind dies in
sehr gestützt haben, werden stark abnehmen. Wir
Deutschland, den Vereinigten Staaten und der
werden zahlenmäßig kleiner sein, daher müssen wir
Welt schwierige Zeiten. Niemand von uns sollte
unsere Anstrengungen verdoppeln, wenn wir unsere
jedoch in Pessimismus verfallen, denn wir leben
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AMERIKA DIENST 24

�besser als 90 Prozent der Weltbevölkerung und
tragen entscheidende Verantwortung für ein
besseres Leben für unsere Bürger ebenso wie
für diejenigen, die weit schwerere Zeiten zu
bewältigen haben als wir. Wir dürfen nicht
blauäugig sein, aber durch die uns als Nationen
und Völkern innewohnende Stärke haben wir
Grund zu Optimismus, wenn wir bereit sind, zu
arbeiten und Opfer zu bringen, um unser Potential vollständig zur Geltung zu bringen.
Bevor meine Worte in eine Predigt ausarten, wende ich
mich nun einigen spezifischen Beobachtungen und
Vorschlägen für unsere künftige Zusammenarbeit zu.
An diesem Punkt möchte ich klarstellen, daß sich
meine Botschaft an jeden einzelnen der hier Anwesenden richtet, innerhalb und außerhalb der Regierung,
weil unsere künftigen Beziehungen ebensosehr, wenn
nicht noch stärker, vom privaten Sektor geprägt werden, dem auch ich in wenigen Monaten wieder angehören werde.
Im Bereich der Sicherheit ist es meines Erachtens
äußerst wichtig, daß wir eingehend die Zwänge berücksichtigen, von denen die verteidigungspolitische
Diskussion in unseren jeweiligen Ländern beeinflußt
wird. Das bedeutet meiner Meinung nach, die Vereinigten Staaten sollten - mit Taten ebenso wie mit
Worten - die deutschen und europäischen Bemühungen zur Entwicklung einer gemeinsamen Sicherheitsidentität weiterhin unterstützen. Wir sollten uns unsere
erfolgreichen Bemühungen während des Vereinigungsprozesses zu Herzen nehmen, indem wir unmißverständlich unsere strategischen Interessen - ein gestärktes Europa und eine gestärkte NATO - zum
Ausdruck bringen und dann Vertrauen in die Fähigkeit
Deutschlands bekunden, mit uns und anderen bei der
Verwirklichung dieses Zieles zusammenzuarbeiten.
Schließlich ist unser gemeinsames Ziel ein Deutschland, das in der Lage ist, seine multilateralen Verpflichtungen zu erfüllen. Indem man eine Europa, das
Bündnis und die Vereinten Nationen einbeziehende
Dimension dieser Verpflichtungen vorweist, kann man
die Notwendigkeit einer fähigen deutschen militärischen Komponente noch überzeugender verdeutlichen.

sich von selbst, daß wir dies eher tun werden, wenn
effektive kollektive Partner für ein gemeinsames Vorgehen zur Verfügung stehen. Kurzum: Sollte nicht
jedes Mitglied einer multinationalen Organisation über
die gesetzliche Grundlage verfügen, auf der es seine
Verpflichtungen gegenüber der Organisation erfüllen
kann, auch wenn es Fälle geben mag, in denen man
sich ausßoJjliscHejiGründen entscheidet, dies nicht zu
tun?
Um beim Bereich der Sicherheit zu bleiben, möchte ich
deutlich machen, welch wichtige und schwierige Entscheidung es für die Clinton-Administration war, 100.000
amerikanische Soldaten in Europa zu lassen. Es war
im Januar 1992 bei der Wehrkunde-Tagung in München, als amerikanische Vertreter Zahlen von 75.000
oder noch weniger diskutierten. Auf einem Stand von
100.000 können und werden wir weiterhin ein aus zwei
Heeresdivisionen und den damit verbundenen Luftstreitkräften bestehendes einsatzfähiges Korps in
Deutschland und andernorts stationieren.
Mit der Schließung Hunderter Stützpunkte in den
Vereinigten Staaten werden jedoch weitere Forderungen nach Verringerung unserer Truppenstärken in
Europa und Deutschland laut werden. Ich glaube, wir
werden die innenpolitische Unterstützung für unsere
hier stationierten Streitkräfte nur aufrechterhalten
können, wenn es uns gelingt unter Beweis zu stellen,
daß sie aus soliden strategischen Gründen und auf
kostengünstiger Basis hier sind. Im Hinblick auf den
letztgenannten Punkt wird es sehr wichtig sein, daß
unsere beiden Regierungen rasch und kooperativ eine
annehmbare Formel ausarbeiten, um die Vereinigten
Staaten fürdie Wertsteigerungen zu entschädigen, die
aus Verbesserungen unserer an die Bundesrepublik
Deutschland zurückgegebenen Stützpunkte resultieren. Geschieht dies nicht, wird es für uns schwieriger
werden, unsere Streitkräfte in Deutschland künftig
ebenso effektiv zu stationieren und auszubilden wie in
der Vergangenheit.

Im wirtschaftlichen Bereich wird unsere gemeinsame
Zukunft vielversprechend sein, wenn wir die Interdependenz unserer Volkswirtschaften klar erkennen und
uns für ihre Förderung einsetzen. Multilateral besteht
unsere offenkundige Herausforderung nicht nur darin,
Bevor nun jemand urteilt, ich versuchte, den Ausgang ein Zieldatum für den Abschluß der Uruguay-Runde
der "Out-of-Area"-Debatte vorwegzunehmen, möchte des GATT festzulegen - in dieser Übung sind wir
ich betonen, daß nur Deutschland und die Deutschen mittlerweile ziemlich bewandert -, sondern dies auch
diese Entscheidung treffen können. Ich muß jedoch zu verwirklichen. Weder Deutschland noch die Vereioffen sein und erklären, daß nach all der seit Vietnam nigten Staaten können dies allein tun, aber jeder von
erfolgten Kritik wegen mangelnden multilateralen uns hat die Pflicht, individuelle Flexibilität an den Tag
Handelns viele in den Vereinigten Staaten ziemlich zu legen und unseren Einfluß geltend zu machen, um
verwirrt darüber sind, daß Deutschland nicht mit uns auch die Flexibilität anderer sicherzustellen. Meiner
gemeinsam eine historische Kehrtwendung zu kollek- Ansicht nach wird keine andere staatliche Maßnahme
tivem Handeln als bevorzugtem Vorgehen in der welt- für unsere nationalen Volkswirtschaften und die Weltweiten Sicherheitspolitik vollzieht. Die Vereinigten wirtschaft solch positive kurzfristige Folgen haben,
Staaten werden niemals ihr Recht aufgeben, zum denn das Vertrauen der Verbraucher und UnternehSchutz ihrer Interessen einseitig zu handeln, aber wir mer wird direkt und positiv durch den greifbaren Beziehen es vor, kollektiv zu handeln. Dabei versteht es weis beeinflußt, daß auch Regierungen die zur SchafAMERIKA DIENST 24

Seite 5

�fung langfristigen Wirtschaftswachstums erforderlichen
schwierigen Entscheidungen treffen können.
Ich möchte hier kurz abschweifen um hervorzuheben,
daß es fürdie Amerikaner von Bedeutung ist, maßvolle
Erwartungen an Deutschland zu stellen. Wo Deutschland selbst Ergebnisse erzielen kann, können und
sollten unsere Erwartungen hoch sein. Beispiele hierfür sind unter anderem die erfolgreichen Bemühungen
um das Zusatzabkommen und die Frage jüdischer
Ansprüche. In Bereichen wie dem GATT jedoch, wo
Deutschland zu einem Ergebnis beitragen, aber nicht
im Alleingang handeln kann, dürfen wir nicht zuviel
erwarten oder Deutschland für die Unnachgiebigkeit
anderer verantwortlich machen. In solchen Fällen
können wir nicht mehr erwarten oder verlangen, als
daß Deutschland soviel Druck wie möglich ausübt aber wir erwarten auch nicht weniger. Dasselbe gilt für
die Erwartungen der Deutschen an die Vereinigten
Staaten.

nen über die Auswirkungen amerikanischer Maßnahmen gegenüber ausländischen Unternehmen auf amerikanische Arbeitsplätze zu präsentieren. Daher hoffe
ich, daß deutsche Geschäftsleute von Zeit zu Zeit,
vielleicht in Zusammenhang mit einer Vorstandssitzung in den Vereinigten Staaten, nach Washington
reisen werden. Auch möchte ich hier meinen früher
gemachten Vorschlag wiederholen, daß deutsche
Unternehmen in Betracht ziehen sollten, einen Amerikaner mit deutschen Sprachkenntnissen in ihren Aufsichtsrat aufzunehmen, damit bei ihren Gesprächen
die amerikanische Perspektive regelmäßig eingebracht
wird. (Ich möchte auch anmerken - jedoch keinen
diesbezüglichen Vorschlag machen, da mir das zu
vermessen erscheinen würde - daß Deutschland, ebenso
wie wir das auch getan haben, davon profitieren könnte, wenn mehr Regierungsvertreter in die Privatwirtschaft gingen, und mehr Vertreter der Privatwirtschaft
in die Regierung. Meines Erachtens tauschen wir zu
viele Leute aus, wenn eine neue Administration an die
Macht kommt, während Sie in einer Welt, in der die
Regierung und die Wirtschaft sich gegenseitig viel
besser verstehen und schätzen lernen sollten, vielleicht zu wenige auswechseln).

Was besonders uns betrifft: Bei unseren bilateralen
Handelsbeziehungen erzielen wir gute Ergebnisse, die
aber noch besser sein könnten. Obwohl deutsche und
amerikanische Geschäftsleute viel über das jeweils
andere Land wissen, gibt es noch einige wichtige Das Endergebnis dieser Initiativen wird meiner MeiLücken, die gefüllt werden müssen, um künftige Erfol- nung nach auf besseren Informationen basierende
ge sicherzustellen.
Investitionsentscheidungen sein, da dann der Einfluß
der
Regierung auf Investitionen weder unter- noch
Beispielsweise neigten in der Vergangenheit viele
überschätzt
werden wird, wie das jetzt oft der Fall ist.
amerikanische Führungskräfte in Unternehmen und
Und
bessere
Investitionsentscheidungen bedeuten mehr
Banken dazu, Entscheidungen über Investitionen in
Investitionen
und mehr Arbeitsplätze in beiden LänDeutschland überwiegend auf der Grundlage von
dern.
Medienberichterstattung und Berichten von Untergebenen zu treffen. Ungeachtet dessen, wie gut solche
Berichterstattung sein mag, ist sie kein Ersatz für
Anschauung aus erster Hand. Folglich haben wir eng
mit der amerikanischen Industrie zusammengearbeitet, um ihre Vorstandsmitglieder zu Vorstandssitzungen nach Deutschland einzuladen. Im vergangenen
Jahr haben wir die Vorstandsmitglieder von Mobil Oil,
Pitney Bowes, Fluor Daniel und Exxon begrüßt, und
ich freue mich feststellen zu können, daß Merrill Lynch
heute zu einer Sitzung in Berlin zusammentrifft. Im
September werden wir den Vorstand von Phillip Morris
willkommen heißen und danach Whirlpool und noch
viele andere. Unser an diese Firmen gerichteter
Vorschlag lautet, deutsche Redner zu ihren Treffen
einzuladen, danach Deutschland zu bereisen und in
den neuen Bundesländern sowie in Bonn mit Regierungsvertretern zu Gesprächen zusammenzutreffen.

Eine Dimension dieser Angelegenheit muß jedoch im
deutschen Zusammenhang betrachtet werden. Als
jemand, der sich tagtäglich für größere amerikanische
Investitionen hier in Deutschland einsetzt, muß ich
offen sagen, daß es für meinen Nachfolger zunehmend schwierig sein wird, Investitionen in Deutschland
zu bewirken, wenn nicht die in Zusammenhang mit
dem Standort Deutschland stehenden Fragen direkt
angesprochen werden. Ich möchte diesen Abschnitt
daher mit einem Zitat aus einem Vortrag des ehemaligen Botschafters Arthur Bums abschließen, den dieser
1985, kurz nachdem er Bonn verlassen hatte, hielt, da
er genau die Punkte enthält, die auch von potentiellen
amerikanischen Investoren angesprochen werden,
insbesondere denjenigen, die an den neuen Bundesländern interessiert sind:

Ebenso habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen, daß nur wenige Entscheidungsträger der deutschen Wirtschaft jemals zu ähnlichen Treffen und
Gesprächen nach Washington gereist sind. Viele von
ihnen hatten Kontakte mit Gouverneuren und Bürgermeistern, aber - genauso wie in Deutschland - ist das
auch in Amerika nur die Hälfte der Geschichte. Deutsche Unternehmen beschäftigen über 400.000 Amerikaner. Daher sind sie in der Lage, wichtige Informatio-

"Ich besuchte Europa zum ersten Mal im Jahre
1950, als ich Studienurlaub von meiner Universität hatte. In meiner ersten Nacht in Deutschland konnte ich nicht schlafen, da auf der Straße
vor meinem Hotel in Frankfurt Bauarbeiten
durchgeführt wurden. Nachdem meine Frau
und ich uns fast den ganzen nachfolgenden Tag
ausgeruht hatten, machten wir einen Spaziergang entlang der Hauptverkehrsstraßen dieser
belebten Stadt. Der eindrucksvollste - in der Tat

Seite 6

AMERIKA DIENST 24

�wirklich erstaunliche - Anblick war der der Maurer,
die Abends um neun oder zehn Uhr ihre Arbeit
bei elektrischem Licht verrichteten. Als ich
wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehrte,
antwortete ich, von meinen Geschäftsfreunden
nach meinen Eindrücken von der europäischen
Wirtschaft befragt, ohne Zögern: 'In wenigen
Jahren wird Deutschland wieder die größte
Industriemacht Europas sein.' Den erstaunten
Fragern, die die Gründe hierfür wissen wollten,
gab ich einfach die Antwort: 'Im Unterschied
zum Großteil Europas arbeiten die Deutschen
wirklich hart.'"

Wenn wir jedoch dieses anhaltende Interesse an Informationen über die Vereinigten Staaten befriedigen
wollen, benötigen wir in der Regierung die Hilfe des
Privatsektors unserer beiden Länder. Hinter uns liegen 40 Jahre Erfahrung, in denen wir auch eine Infrastruktur aufgebaut haben; jetzt brauchen wir mehr
Gelder, um die Bildungs-, Austausch- und anderen
Programme, die im Westen für die Anknüpfung unserer Beziehungen nach dem Krieg so lebenswichtig
waren, fortzusetzen - und sie insbesondere auf die
neuen Bundesländer auszudehnen. Solche Fonds als
Teil einer Partnerschaft zwischen Regierung und Privatsektor bereitzustellen, ist eine Investition in die
Stabilität Deutschlands, die von Vorteil für die WirtBotschafter Burns fuhr fort: "Das kann ich jetzt schaft in Deutschland, Europa und den Vereinigten
nicht länger behaupten. Die Wirtschaft West- Staaten ist. Wie ich bereits betonte: Die Entwicklung
deutschlands ist sicherlich immer noch die stärk- Deutschlands bestimmt die Entwicklung Europas. Und
ste in Europa. Ein Großteil der deutschen meiner Meinung bestimmt die Entwicklung OstdeutschWissenschaft, Forschung und Technologie hat lands auch die Entwicklung ganz Deutschlands.
überall einen guten Ruf, aber die Deutschen
arbeiten nicht mehr so wie in den Jahren direkt In diesem Zusammenhang erfüllt es mich mit Stolz,
nach dem Krieg. Die Arbeitswoche ist kürzer heute abend die Einrichtung eines "Ambassador's
geworden, es werden mehr Ferien genommen, Enterprise Scholars"-Programms anzukündigen. Dieses
praktisch jeder macht lange Ferien, die Zahl der Programm, das zunächst durch einen besonderen
Krankheitstage und Kuraufenthalte hat sich ver- Zuschuß des US-Informationsamtes finanziert wird,
vielfacht, Frühpensionierungen sind häufiger soll Studentinnen und Studenten aus den fünf neuen
geworden und die großzügige Unterstützung Bundesländern und Ostberlin ein einjähriges Stipender Regierung für die Arbeitslosen hat zu einer dium in wirtschaftlichen und technischen FachbereiErhöhung ihrer Zahl beigetragen. Und dieser chen an einem College in den Vereinigten Staaten
Prozeß der Reduzierung der Arbeit ist noch ermöglichen. Wir erwarten, daß die ersten Studentinnen und Studenten bereits diesen Herbst ihr Studium
nicht beendet."
aufnehmen können und in den kommenden Jahren im
Erlauben Sie mir, meine spezifischen Ausführungen Rahmen dieses Programms so viele Studentinnen und
über die Zukunft unserer Beziehungen mit einigen Studenten in die Vereinigten Staaten geschickt werWorten über die kulturelle Seite der Beziehungen zu den können, wie die Spenden für dieses Programm
beenden. Wie ich bereits betonte, erreichen wir die zulassen.
jüngere Generation von Deutschen nicht so gut wie
ihre Eltern oder Großeltern. Eine einfache, aber Auch freue ich mich ankündigen zu können, daß die
beunruhigende Berechnung verdeutlicht diesen Punkt: amerikanische Handelskammer in Deutschland dieHeute vor 40 Jahren hatten wir im damaligen West- ses Programm unterstützt und von ihren Mitgliedern
deutschland mit seinen ungefähr 50 Millionen Einwoh- Beiträge hierzu erbitten wird. Eine besondere Freude
nern 50 Amerika Häuser. Heute unterhalten wir 8 bereitet es mir auch bekanntzugeben, daß die erste
Amerika Häuser für 80 Millionen Deutsche, und ich Firmenspende in Höhe von 120.000 Dollar von Merrill
muß dafür kämpfen, selbst diese zu erhalten. Mit der Lynch zugesagt wurde. Mit diesem Beitrag wird sechs
Eröffnung zahlreicher neuer Botschaften im Osten Studenten - einem aus jedem der neuen Bu ndesländer
wird es jedoch noch schwieriger werden, diese Pro- und einem aus Ostberlin - in den nächsten drei Jahren
ein Studienjahr in den Vereinigten Staaten ermöglicht.
gramme zu finanzieren.
Wenn diese Stipendien verliehen werden, wird auf
Wenn Sie sich fragen, ob solche Institutionen heute jedem Zertifikat das Unternehmen, die Bank oder ein
benötigt werden, sollten Sie folgendes in Betracht anderer Geldgeber vermerkt sein, der diesen Studienziehen: An der Eröffnung unseres Konsulats im Juni aufenthalt ermöglichte - und das ist ein Zeichen für das
letzten Jahres in Leipzig nahmen über 400 Gäste teil. Vertrauen, das in einen jungen Mann oder in eine junge
So sehr ich mich schon über dieses Ergebnis gefreut Frau gesetzt wird, das diese nie vergessen werden.
habe, war ich doch überwältigt von den Zahlen des Natürlich wäre es uns eine große Freude, wenn sich
folgenden Tages, als das Amerika Haus und seine deutsche Institutionen an dieser Investition in unsere
Bibliothek zum ersten Mal ihre Pforten für das Publi- gemeinsame Zukunft beteiligen würden.
kum öffneten: Nahezu 1.000 Besucher in den ersten
drei Stunden, von denen gut über die Hälfte jünger als Ich möchte diese Erörterung der kulturellen Bande mit
25 Jahre waren.
dem Hinweis auf ein einzigartiges Programm in Berlin

AMERIKA DIENST 24

Seite 7

�beenden, das zur Aufrechterhaltung der besonderen
Beziehungen zwischen dieser Stadt und dem amerikanischen Militär beitragen wird, das sie nahezu 50 Jahre
lang schützte. Obwohl unsere Streitkräfte bis zum
Ende des Jahres 1994 aus Berlin abgezogen werden,
erwarten wir sie und andere in Zukunft als Besucher in
dieser Stadt zurück, da die USQ von diesem Jahr an
dauerhaft in Berlin präsent sein wird. Die USO ist eine
private amerikanische Organisation, die sich der Betreuung amerikanischer Militärangehöriger bei ihren
Freizeitaktivitäten widmet. Ebenso wie die USOVertretungen in New York, Paris und Rom wird diese
Einrichtung ein Ort sein, an dem die Mitglieder amerikanischer Streitkräfte und ihre Familien Hilfe bei der
Organisation ihrer Reisen und Suche nach Hotelunterkünften erhalten können. Wenn Paris als Maßstab
dient, ist eine solche Einrichtung für weitere Beziehungen von unschätzbarem Wert. Obwohl unsere Streitkräfte im Jahre 1967 Frankreich verließen, buchte
USO Paris im Jahr 1992, 25 Jahre später, Hotelzimmer für über 7.000 amerikanische Militärangehörige
und ihre Familien. Ich danke den folgenden Berlinern
für ihre Bereitschaft, dieses Projekt zu unterstützen
und ihrer Wertschätzung für unser Militär sichtbar
Ausdruck zu verleihen:

noch in Deutschland aufgrund der Geschichte Anlaß
zur Sorge geben. Trotzdem sind wir der Meinung, daß
sie auf eine Art und Weise eingesetzt werden können,
die die Übeltäter abschreckt und dennoch die Rechte
des Einzelnen schützt.
Jene europäischen Nachbarn Deutschlands, die mit
der Kritik an diesen Ereignissen so schnell bei der
Hand waren, frage ich: Erwarten Sie von Deutschland,
jedes Jahr eine Million Menschen aufzunehmen, 70
Prozent aller nach Europa kommenden Einwanderer?
Können nicht auch Sie dazu beitragen, den weniger
Glücklichen zu helfen? Wenn Sie das nicht können,
sollten Sie sich jedoch vor Augen halten, daß auch Sie
von der Entwicklung in Deutschland beeinflußt werden.

Dr. Fischer, HerrGafron, Herr Goldberg, HerrGrönke,
Herr Sieveking.

Letztlich ist das jedoch eine Angelegenheit, mit der
sich Deutschland und seine Bürger befassen müssen,
und nicht nur im Hinblick auf Reaktion und Abschrekkung. Heute leben mehr als 6 Millionen Ausländer in
Deutschland, und es gibt kaum Grund zu glauben, daß
diese Zahl je abnehmen wird. Die Frage, wie die
Integration dieser Menschen in diese Gesellschaft und
Kultur fortgesetzt werden kann - einschließlich der
Punkte Wahlrecht und Staatsbürgerschaft - muß sicherlich mit offenem Geist und offenem Herzen angegangen werden.

Gewalt gegen Ausländer

Schlußbemerkung

Zum Schluß meiner Rede möchte ich einige Worte zu
der Angelegenheit anmerken, die die Deutschen zur
Zeit am meisten beschäftigt: die sinnlosen, brutalen
und feigen Gewaltakte gegen Ausländer, die jüngsten
davon in Solingen. Ungeachtet der Schwierigkeiten,
mit denen Deutschland jetzt oder in Zukunft konfrontiert sein mag, ist eine solche Gewaltanwendung in
einer modernen Demokratie, in der Toleranz ein wichtiges Element ist, schlichtweg nicht akzeptabel. Die
Deutschen - sowohl Vertreter der Regierung als auch
die Bürger - müssen klarmachen, daß solche Taten
nicht akzeptabel sind und schwer bestraft werden.

Ich habe mich heute Abend um dreierlei bemüht: eine
Zusammenfassung meiner Zeit hier zu geben, Deutschland und seinen Menschen für die Gastfreundschaft
und Freundschaft zu danken und meine Gedanken zu
den künftigen bilateralen Beziehungen darzulegen.

Jetzt ist die Zeit für alle Freunde Deutschlands, zu
helfen, wo es ihnen möglich ist. Die Vereinigten
Staaten erweitern beispielsweise ihre gemeinsamen
Ausbildungsprogramme für Polizeibeamte, insbesondere in den neuen Bundesländern. Wirksame Abschreckung bei der Bekämpfung derjenigen, die unsere demokratischen Systeme zerstören würden, ist
noch wichtiger als angemessene Reaktionen, und wir
haben bedeutende Erfahrung mit den Techniken zur
Abschreckung von Gewalttaten gewonnen. Ich weiß,
daß bestimmte Maßnahmen, die von Polizeibehörden
in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und anderen Demokratien häufig angewandt werden, immer

Seite 8

Ich verlasse Deutschland traurig, aber mit einem Gefühl
des Stolzes auf das Geleistete. Und obwohl meine
Familie und ich Deutschland verlassen und in die
Vereinigten Staaten zurückkehren, werden wir Deutschland und seine Menschen stets in unserem Herzen
bewahren.
Das Wunderbare an unserem System in den Vereinigten Staaten ist die Tatsache, daß ich zuversichtlich
sein kann, sei es in 4, 8 oder 12 Jahren, wieder der
Regierung zu dienen. Vielleicht wird man mich bitten,
nach Deutschland zurückzukehren, um meine Arbeit
hier abzuschließen, dieses Mal in Berlin, der einstigen
und künftigen Hauptstadt dieses großartigen Landes.
Und vielleicht werde ich die Ehre haben, die amerikanische Mannschaft bei der Olympiade in Berlin willkommen zu heißen!
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und noch
mehr für Ihre Freundschaft. Ich werde jeden von Ihnen
vermissen.

AMERIKA DIENSf\24

�NICHTVERBREITUNG
16. Juni 1993

CHRISTOPHER DRÄNGTAUF KOLLEKTIVE
AKTIONEN BEI NICHTVERBREITUNG
Erklärung vor der Presse
LUXEMBURG -(AD)- Au ßenminister Christopher zufolge sind entschiedene, kollektive Aktionen der Vereinigten
Staaten und Europas erforderlich, "um die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen, deren Trägersystemen, modernen konventionellen Waffen und Mehrzwecktechnologien zu bewältigen".
Die durch die Werterverbreitung entstandene langfristige Gefahr ist "das drängendste Thema der Rüstungskontrolle in den neunziger Jahren", stellte Christopher in einer Erklärung vor der Presse am 8. Juni 1993 in
Luxemburg im Anschluß an das Treffen mit den Außenministern der Europäischen Gemeinschaft fest.
Der Außenminister fügte hinzu, abgesehen von der Frage der Nichtverbreitung habe er mit seinen Kollegen die
Bestrebungen zur Erlangung dauerhaften Friedens im Nahen Osten, die Suche nach einer Lösung des Konflikts
im ehemaligen Jugoslawien, die Intensivierung der Unterstützung für Demokratie und freie Märkte in der
ehemaligen Sowjetunion sowie die Stärkung der amerikanischen und europäischen Volkswirtschaften erörtert.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Außenministerium freigegebene Erklärung von Minister Christopher im
Wortlaut.

Ich möchte Minister Helvog Petersen für die Führungs- Staaten und Europa eine historische Chance zu einer
rolle während derdänischen Präsidentschaft der Euro- neuen Tagesordnung. Diese umfassende, positive
päischen Gemeinschaft danken.
Tagesordnung gründet sich auf die gemeinsame Verpflichtung zu demokratischen Werten, kollektiver SiUnter der Präsidentschaft Dänemarks haben wir eine cherheit sowie den Prinzipien von Menschenrechten
außerordentlich gute Zusammenarbeit erlebt und bei und freien Märkten.
Schlüsselfragen beachtliche Fortschritte erzielt. Wir
sehen der ebenso engen Zusammenarbeit mit der im Ich habe heute Ausführungen zu fünf Bereichen gemacht,
Juli beginnenden belgischen Präsidentschaft erwar- die Anlaß zur Besorgnis für die Vereinigten Staaten
tungsvoll entgegen.
und Europa bieten. Zu diesen Themen zählen: 1.
Stärkung unserer Volkswirtschaften, 2. die IntensivieDies ist das erste Mal, daß ich mit den Außenministem rung der Unterstützung für Demokratie und freie Märkder EG als Gruppe zusammengetroffen bin und ich te in der ehemaligen Sowjetion, 3. die Suche nach
habe das Gefühl, es war wichtig - während unserer Ar- einer Lösung des Konflikts im ehemaligen Jugoslabertssitzung heute morgen und beim Mittagessen - zu wien und die Sicherstellung, daß er sich nicht zu einem
bekräftigen, wieviel Bedeutung die Clinton-Admini- größeren Balkankrieg auswertet, 4. die Erlangung
stration der Partnerschaft mit Europa beimißt.
eines dauerhaften Friedens im Nahen Osten und 5.
Nichtverbreitung und Verhinderung der Verbreitung
Die Vereinigten Staaten und Europa sind untrennbar
von Massenvernichtungswaffen.
verbunden. Unsere Bande könnten nicht enger sein.
Die Vereinigten Staaten sind der europäischen Sicher- Die Clinton-Administration definiert die amerikanische
heit und einem breiten Spektrum wirtschaftlicher und Sicherheit nicht nur in politischen und militärischen
politischer Interessen uneingeschränkt verpflichtet, die Begriffen, sondern auch in Begriffen wirtschaftlicher
wir gemeinsam verfolgen werden.
Stärke. Die von uns heute erörterten Wirtschaftsbeziehungen umfassen nicht nur den Atlantik, sondern
Das Ende des Kalten Kriegesund unser gemeinsamer
reichen ostwärts, über Eu ropa und Ru Bland hinweg bis
Sieg über den Kommunismus bieten den Vereinigten
hin nach Asien.
AMERIKA DIENST 24

Seite 1

�ich habe Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm im
Hinblick auf unsere Volkwirtschaft skizziert und festgestellt, daß dieses Programm bereits dazu beigetragen
hat, die langfristigen Zinssätze in den Vereinigten
Staaten auf ihren niedrigsten Stand in zwei Jahrzehnten sinken zu lassen. Die Verabschiedung von Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm wird das amerikanische Haushaltsdefizit verringern und Wirtschaftswachstum ankurbeln.
Die Stärke der amerikanischen Volkswirtschaft - und
der Volkswirtschaften aller unserer Nationen - hängt
jedoch auch von der Öffnung von Märkten und der
Erweiterung des Handels ab.

zur Diktatur zurückkehrt, wären die Konsequenzen
erschreckend. Wir sähen uns erneut dem Schatten
einer Nuklearkonfrontation, gestiegenen Verteidigungshaushalten und einem gravierenden Rückschlag der
weltweiten Bewegungen zur Demokratie gegenüber.
Darüber hinaus haben wir die Bedeutung eines politischen Engagements gegenüber der Ukraine erörtert.
Ich habe die von Au ßenminister Aspin und Botschafter
Talbort kürzlich nach Kiew unternommene Reise erläutert.

Drittens, Bosnien. Unsere Arbeit hier und später in
Athen wird sich auf die Durchführung von Resolution
836 des UN-Sicherheitsrats zur Einrichtung von Schutzzonen konzentrieren. Diese Resolution ist eine InteIn diesem Tenor haben wir unsere Entschlossenheit rimsmaßnahme, um das Töten zu beenden und trägt
zum erfolgreichen Abschluß der Handelsgespräche zu unserem Ziel der Eindämmung des Balkankonflikts
der Uruguay-Runde bis zum Ende des Jahres bekräf- bei, während sich der Druck auf die kriegführenden
tigt. Wir haben festgestellt, daß bei den Vereinbarun- Parteien - insbesondere die Serben - zur Aufnahme
gen über Marktzugang beachtliche Fortschritte erzielt von Verhandlungen verstärkt, die zu einer in gutem
wurden.
Glauben ausgehandelten politischen Lösung führen
werden.
Unsere Handelsbeziehungen belaufen sich bereits auf
nahezu 200 Milliarden Dollar pro Jahr, und ein umfas- Ich habe unsere Verpflichtung eindeutig klargestellt,
sendes Handelsabkommen wird weiteres Wirtschafts- Luftstreitkräfte zum Schutz der UNPROFOR-Streitwachstum und Wohlstand auf beiden Seiten des Atlan- kräfte am Boden zur Verfügung zu stellen sowie unsetiks bewirken.
re Bereitschaft, gemeinsam mit den Vereinten Nationen und der NATO ein in gutem Glauben von allen
Ich habe die von Europa unternommenen Schritte zur
Parteien ausgehandeltes Abkommen durchzuführen,
Integration begrüßt und unsere Unterstützung einer
einschließlich dem möglichen Einsatz von Bodentrupgestärkten Europäischen Gemeinschaft bekräftigt. Die
pen. Darüber hinaus habe ich die Entschlossenheit
Integration Europas kann auch zu einer gestärkten
der Vereinigten Staaten unterstrichen, Schritte im Kosovo
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
und in Makedonien zu unternehmen, die eine Ausweider EG führen, insbesondere wenn wir ostwärts bliktung dieses Konflikts in Nachbarländer verhindern
ken.
werden. Ich bin sicher, daß zu diesen Punkten keine
Zweitens, Unterstützung der Reformen in der ehema- Verwirrung herrscht oder falsche Eindrücke gewonnen
ligen Sowjetunion. Selbst in Zeiten, in denen wir in den wurden.
Vereinigten Staaten den Gürtel enger schnallen müsViertens, der Nahe Osten. Ich habe meinen Kollegen
sen, hat Präsident Clinton eine Reihe vom mutigen
erklärt, daß die Nahost-Friedensgespräche am 15.
Schritten zur Unterstützung der Reformen in Ost- und
Juni unter der Schirmherrschaft der Vereinigten StaaMitteleuropa sowie Rußland unternommen. Er hat
ten und Rußlands in Washington wiederaufgenomseine Gründe dem amerikanischen Volk gegenüber
men werden. Meines Erachtens sind greifbare Ergebaufgrund seiner Überzeugung dargelegt, daß nichts
nisse möglich. Ich bin überzeugt, daß 1993 den
fürdie Sicherheit Europas und Nordamerikas wichtiger
Durchbruch bedeuten kann und die Vereinigten Staaist als der Erfolg der wirtschaftlichen und politischen
ten intensive Bestrebungen verfolgen werden, um die
Reformen in Rußland.
Parteien an einen Tisch zu bringen.
Ich habe die EG zur Unterstützung von drei beim
Ich habe drei unmittelbare Ziele umrissen, die wir bei
Ministerteffen der G-7 im April in Tokio angekündigten
der Erfüllung unserer Rolle als gleichberechtigter Partner
wichtigen Initiativen aufgefordert: 1. Der spezielle
bei diesen Gesprächen haben. Erstens helfen wir den
Privatisierungs- und Umstrukturierungsfonds in Höhe
Parteien, die Kluft zu überwinden und eine Sprachrevon 2 Milliarden Dollar, 2. das nach unserem Nunngelung zu formulieren, die sich abzeichnende BereiLugar-Programm entworfene Programm zur Verringeche der Übereinstimmung abdeckt. Zweitens drängen
rung der nuklearen Bedrohung und 3. die Gründung
wir die Parteien zu kontinuierlichen Bemühungen zur
eines besonderen Durchführungsbüros der G-7 in
Verbesserung der Situation vor Ort. Sicherheit ist
Moskau, zur Überwachung der Hilfe und zum Abbau
wichtig, aber grundlegende Menschenrechte müssen
bürokratischer Engpässe.
auch respektiert werden, um den Menschen Grund zur
Wir waren uns alle einig, unsere Bestrebungen zur Fortsetzung dieser Gespräche zu geben. Drittens
Unterstützung der russischen Reformen zu verdop- müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die wirtpeln. Wenn die Reformen scheitern, wenn Rußland schaftlichen und sozialen Bedürfnisse in der Region zu
Seite 2

AMERIKA DIENST 24

�bewältigen. Ich habe finanzielle Verpflichtungen erörtert, die wir in dieser Hinsicht eingegangen sind und
vorgeschlagen, daß auch die EG eine konstruktive
Rolle spielen sollte.

sen. Der Iran muß überzeugt werden, seine nuklearen, chemisch-biologischen und Raketenprogramme
aufzugeben.

Die Volkswirtschaft des Iran befindet sich in Schwierigkeiten. Der Iran wird für konzertierten Druck des
Westens verwundbar sein, wenn klar ist, daß wir
eindeutig definierte Veränderungen seines Verhaltens
anstreben. Zu gewissen Kosten für die Vereinigten
Staaten haben wir uns entschlossen, dem Verkauf
bestimmter mehrfach verwendbarer Waren vorzugreiIch bin von der Tagesordnung dieser Diskussionen fen und Exportkontrollen für bestimmte strategische
abgewichen, um das meines Erachtens zentrale The- Waren und Technologien in die Wege geleitet.
ma anzusprechen: Entschiedene, kollektive Aktionen
der Vereinigten Staaten und Europas sind erforderlich, Der Iran muß verstehen, daß er keine normalen Hanum die Weiterverbreitung von Massenvernichtungs- delsbeziehungen unterhalten und einerseits Mehrzweckwaffen, deren Trägersystemen, modernen konventio- technologien beschaffen kann, während er anderernellen Waffen und Mehrzwecktechnologien zu bewäl- seitsversucht, Massenvernichtungswaffen zu entwiktigen.
keln.
Fünftens haben mich die Aussichten fauf Frieden in
dieser geplagten Region zu Ausführungen über die
durch das drängendste Thema der Rüstungskontrolle
in den neunziger Jahren entstandene langfristige Gefahr
- die Weiterverbreitung - veranlaßt.

Wie benötigen konzertierte Aktionen, um entschieden
und kreativ mit gefährlichen Staaten fertigzuwerden,
die zu Spannungen in Regionen wie dem Nahen Osten
beitragen.
Das beunruhigendste dieser Länder - das Europa am
direktesten beeinflussen kann - ist der Iran.
Ich möchte hier bei der EG vorschlagen, daß wir einer
kollektiven Politik der Eindämmung zustimmen müs-

* *

AMERIKA DIENST 24

Diese Politik der Eindämmung und des Drucks wird
funktionieren, wenn wir sie gemeinsam mit Europa
verfolgen. Ich habe Europa aufgefordert, einen koordinierten Ansatz zu dieser bedeutenden und lebenswichtigen Frage in Erwägung zu ziehen.
Dies sind die Grundbestandteile meiner heute bei den
Treffen hier in Luxemburg gemachten Äußerungen
und Einlassungen.

* *

*

Seite 3

�UNO
16. Juni 1993

USA UNTERSTUTZEN SITZ DEUTSCHLANDS UND
JAPANS IM UN-SICHERHEITSRAT
Albright: Rat muß neue Realitäten widerspiegeln
NEW YORK - (AD) - Die Vereinigten Staaten gehen
davon aus, daß sowohl Japan als auch Deutschland
einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat haben sollten,
erklärte US-Botschafterin Madeleine Albright am 8.
Juni 1993.
In einer Rede vorder New York Foreign Policy Association über die Reform der Vereinten Nationen stellte
Albright fest, frühere amerikanische Administrationen
hätten Erweiterungen des Sicherheitsrates abgelehnt,
während "die Clinton-Administration im Gegensatz
dazu der Auffassung ist, daß sowohl Japan als auch
Deutschland" ständige Mitglieder des Rates sein sollten.

regionalen Vertreter Lateinamerikas, Asiens oder Afrikas sein sollten, sowie bei Erörterungen über die
Tatsache, daß der regionale Sitz nach dem Rotationsprinzip vergeben werden sollte", äußerte Albright.
Sie fügte hinzu, "wir werden bei der Untersuchung von
Vorschlägen über die Aufnahme weiterer Mitglieder
darauf achten, daß die neugefundene Effektivität des
Rates nicht auf dem Altar der Reformen geopfert wird."
Albright verwies darauf, daß "der Sicherheitsrat eine
Zunahme von Sitzungen bis zu dem Punkt erfahren
hat, daß wir nahezu an jedem Tag der Woche und
nahezu jede Woche des Jahres zusammenkommen".

Im vergangenen Dezember verabschiedete die Generalversammlung eine Resolution, in der Generalsekretär Boutros-Ghali aufgefordert wird, bis zum 30. Juni
1993 einen Bericht über die Erweiterung des derzeit
aus 15 Mitgliedern bestehenden Sicherheitsrats vorzulegen. Die von Japan, Brasilien, Indien und 34
Auf die Frage, ob auch die Entwicklungsländer Nigeria Ländern - vorwiegend aus der Dritten Welt - eingeund Brasilien ständige Mitglieder im Sicherheitsrat brachte Resolution war die erste, die angenommen
werden sollten, erwiderte sie jedoch, daß "zunehmen- wurde, seit das Thema 1979 auf die Tagesordnu ng der
de Komplikationen" auftreten, wenn die Frage nach Generalversammlung gesetzt wurde. Der Schritt wurde
Erweiterung des Rates erörtert wird, und "wir haben weithin als Eröffnungszug in einer Kampagne der
darauf noch keine konkrete Antwort".
Entwicklungsländer betrachtet, größeren Einfluß auf
die Maßnahmen des Rates zu erlangen, möglicherwei"Wenn wir die verschiedenen vorgelegten Formeln se zum 50jährigen Bestehen der UNO im Jahr 1995.
betrachten, taucht der Gedanke auf, daß die europäischen Länder bei einer Aufnahme Deutschlands einen Jede Veränderung in der Struktur des Sicherheitsrates
überwältigenden Einfluß auf den Rat haben - betrach- erfordert eine Revision der UN-Charta.
tet man Rußland als europäisches Land, Frankreich
und Großbritannien", erklärte sie. "Deshalb sind ande- Derzeit haben fünf Länder im Sicherheitsrat einen
re Länder aus anderen Regionen zu Recht der Ansicht, ständigen Sitz mit Vetorecht - China, Frankreich,
Großbritannien, Rußland und die Vereinigten Staaten.
daß sie ebenfalls mehr Einfluß haben sollten."
Die anderen 10 werden auf zwei Jahre gewählt. Sie
"Im Lauf unserer Gespräche über dieses Thema ha- vertreten regionale Gruppierungen und haben kein
ben wir festgestellt, daß es offensichtlich Meinungs- Vetorecht.
verschiedenheiten darüber gibt, welche Länder die
Bei der Forderung nach bürokratischen und haushaltspolitischen Reformen für die UNO als Ganzes im
Zeitalter nach dem Kalten Krieg verdeutlichte Albright,
der Rat müsse sich femer "neuen Realitäten und
neuen Pflichten anpassen".

* * * *

AMERIKA DIENST 24

*

Seite 1

�BOSNIEN
16. Juni 1993

AUSSCHUSS FÜR AUFHEBUNG DES
WAFFENEMBARGOS GEGEN BOSNIEN
Zusatz zum Auslandshilfegesetz
WASHINGTON - (AD) - Der Auswärtige Ausschuß des
Repräsentantenhauses hat für die Aufhebung des
Waffenembargos gegen Bosnien-Herzegowina und
die Ermächtigung Präsident Clintons gestimmt, der
bosnischen Regierung zur Verteidigung gegen die
serbische Aggression militärisches Gerät im Wert von
bis zu 200 Millionen Dollar zu liefern.

Stimme im UN-Sicherheitsrat schwächen, der 1991
das Embargo gegen die Republiken des ehemaligen
Jugoslawien verhängt hatte. Ein solcher Schritt entbehre außerdem möglicherweise einer rechtlichen
Grundlage, stellte sie fest.

Die Aufhebung des Embargos gegen Bosnien ohne
eine gleichzeitige Ermächtigung zu selektiven LuftanDie von dem republikanischen Abgeordneten Henry griffen auf serbische Militärzentren wird die bosniHyde vorgeschlagene Maßnahme wurde am 8. Juni schen Muslime laut Hamilton "in größere Gefahr"
1993 nach leidenschaftlicher Debatte mit 24 gegen 15 bringen. "Das Ungleichgewicht wird damit nicht beseiStimmen ohne Fraktionszwang angenommen. Dabei tigt. Die reine Aufhebung des Embargos ist das
stimmten zehn Demokraten gemeinsam mit 14 Repu- Schlimmste, was man machen kann", äußerte er. "Es
setzt sie der eindeutig überlegenen serbischen Macht
blikanern für diesen Schritt.
aus."
Die Abstimmung fand nach einer ganztätigen Behandlung zweier Gesetzesvorlagen statt - des Bewilligungs- Hyde sowie der dienstälteste Republikaner des Ausgesetzes für Auslandshilfe im Haushaltsjahr 1994 sowie schusses, Benjamin Gilman, erklärten jedoch, nach
des Bewilligungsgesetzes für die Betriebskosten des nichtöffentlichen Anhörungen hochrangiger Vertreter
Außenministeriums, des US-Informationsamts (USIA) des Außenministeriums seien sie zu der Überzeugung
und des Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung gelangt, Clinton wolle das Embargo nach wie vor
(ACDA) sowie des Amts für internationale Entwicklung aufheben. Der Zusatz werde dem Präsidenten "einen
(AID) für die Haushaltsjahre 1994 und 1995. Zum wichtigen Trumpf bei den Verhandlungen" verschafersten Mal wurden damit beide Gesetze in einem fen, so Gilman.
einzigen Paket zusammengefaßt.
Die Alternative zu dem Zusatz besteht Hyde zufolge
Die nach einer Abstimmung durch Zuruf verabschie- darin "weiterhin nichts zu tun", um den "schutzlosen"
dete Vorlage in Höhe von 7 Milliarden Dollar wird Bosniern zu helfen, die sterben, während "Europa sich
voraussichtlich am 15. Juni 1993 im Plenum behan- abwendet".
delt. Von der Gesamtsumme sind 2,5 Milliarden Dollar
für die Betriebskostender Dienststellen für auswärtige "Wenn wir es nicht tun, wird es niemand tun", fügte
Hyde hinzu. Der Zusatz enthält folgende FormulieAngelegenheiten bestimmt.
rung: "Der Präsident kann das Waffenembargo der
Beim Ausschußvorsitzenden Lee Hamilton sowie der Vereinigten Staaten gegen die Regierung von Bosfür parlamentarische Angelegenheiten zuständigen nien-Herzegowina beenden, sobald er von dieser
Abteilungsleiterin im Außenministerium, Wendy Sher- Regierung eine Bitte um Hilfe in Ausübung ihres Rechts
man, stieß der Zusatz zum Auslandshilfebewilligungs- auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der Charta
gesetz, der die Aufhebung des Waffenembargos gegen der Vereinten Nationen erhalten hat."
Bosnien vorsieht, auf scharfe Ablehnung.
Darüber hinaus wird der Präsident ermächtigt, "die
"Dies ist eine äußerst ernste Angelegenheit", erklärte Weitergabe von militärischer Ausrüstung aus den
Sherman. Wenn die Vereinigten Staaten das Embar- Beständen des Verteidigungsministeriums, militärischen
go einseitig durchbrechen würden, könne dies ihre Dienstleistungen des Verteidigungsministeriums so-

AMERIKA DIENST 24

Seite 1

�wie militärischer Aus- und Fortbildung zu steuern, um
der Regierung von Bosnien-Herzegowina Hilfe zu leisten".
Darüber hinaus wird jedoch festgestellt, Mitglieder der
US-Streitkräfte, die solche Dienstleistungen zur Verfügung stellen, "dürfen sich an keinerlei Kampfeinsätzen
beteiligen, einschließlich von Tätigkeiten in Zusammenhang mit Ausbildung und Beratung, die sie in
Kampfhandlungen verwickeln könnten".

Seite 2

Der Zusatz verleihe dem Präsidenten lediglich die
Befugnis, den Bosniern Waffen zu liefern, erklärte
Hyde. "Es ist seine Aufgabe zu entscheiden, wie,
wann, wo und welche Art von Waffen" geliefert werden.
Der demokratische Abgeordnete Tom Lantos verwies
darauf, daß dies die erste Abstimmung des Repräsentantenhauses über Bosnien sei. "Es ist das erste Mal,
daß wir (im Kongreß) uns erheben und uns zählen
lassen müssen", äußerte er. "Unsere Stimme wird für
immer auf unserem Gewissen lasten", fuhr er fort.

AMERIKA DIENST 24

�FIRST

LADY
16. Juni 1993

HILLARY RODHÄM CLINTON KOMBINIERT
VIELE ROLLEN
NBC-Sondersendung
WASHINGTON - (AD) - Hillary Rodham Clinton, die vielleicht einflußreichste Frau in den Vereinigten Staaten,
erklärt, sie unterscheide sich nicht von Millionen anderer Frauen im Land, die täglich mit den von ihnen gespielten
verschiedenen Rollen kämpfen.
In einer einstündigen NBC-Sondersendung erörterte die First Lady am 10. Juni 1993 ihre jeweilige Rolle als
Ehefrau, Mutter, Beraterin ihres Gatten und Leiterin der vom Präsidenten vorgeschlagenen Bestrebungen zu
bahnbrechenden Reformen im nationalen Gesundheitswesen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem von Katie Couric geführten Interview. Es war das erste
landesweit im Fernsehen übertragene Interview mit der First Lady, seit ihre Familie im Januar ins Weiße Haus
einzog.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von NBC. Copyright (c) 1993 National
Broadcasting Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Frage: Millionen von Menschen sehen Sie als Modell
und Millionen von Menschen als furchteinflößende
Person. Warum sind Sie Ihrer Meinung nach solch ein
Blitzableiter?
Antwort: Weil aus meiner Sicht heute die Rollen der
Frauen die Blitzableiter sind. Tagtäglich kämpfen
Menschen auf höchst unterschiedliche Weise, am
Arbeitsplatz, in der Küche, an Orten überall in Amerika,
um herauszufinden, was es heißt, Frau, Mutter und
Ehefrau zu sein - all die unterschiedlichen Rollen, die
wir spielen. Und weil mein Mann der erste unserer
Generation ist, derzum Präsidenten gewählt wurde, ist
es das erste Mal, daß viele dieser privaten Diskussionen gut sichtbar an so prominenter Stelle in unserem
öffentlichen Leben geführt werden.
Frage: Sie haben beträchtlichen Einfluß. Manche
Leute sagen, daß es Amerikaner gibt, denen dabei
nicht ganz wohl in ihrer Haut ist, weil sie nicht sicher
sind, wieviel Einfluß Sie haben. Schließlich wurden Sie
nicht gewählt. Wieviel Einfluß haben Sie?
Antwort: Ich weiß nicht, ob ich mehr Einfluß habe als
jeder andere Berater des Präsidenten. Und es gibt
Dutzende, mit denen er regelmäßig spricht und deren
Rat er einholt - wie er das immer getan hat.
AMERIKA DIENST 24

Mein Mann sucht gerne Menschen mit unterschiedlichen Standpunkte - und ich bin eine derjenigen, zu
denen er bei bestimmten Fragen sagt: "Nun, wie
denkst Du darüber?" Oder: "Hast Du dazu eine
Meinung?" Andere Themen wiederum erörtern wir
überhaupt nicht. Das sind Bereiche, über die ich nichts
weiß oder über die er nicht mit mir sprechen möchte.
Ich glaube jedoch, jeder, der eine Ehe führt - und
besonders die Ehen, die in diesem Haus geführt wurden - weiß, daß Ehegatten einanderbeeinflussen. Das
ist schlicht und einfach tägliche Praxis.
Frage: Im Zusammenhang mit Ihren Einfluß sagen
einige, Sie hätten das letzte Wort bei allen hochrangigen Ernennungen. Sie schütteln den Kopf.
Antwort: Das ist solcher Unsinn. Wissen Sie, ich
nehme die Zeitung zur Hand und lese, ich unterstütze
jemanden, den ich nie zuvor getroffen habe, an dem
ich kein Interesse habe, von dem ich nicht einmal wei ß,
daß er einen Job suchte. Das ist einfach nicht wahr. Es
gibt eine Reihe von Leuten, die sowohl mein Mann als
auch ich unser Leben lang kennen, und bei denen wir
begeistert sind, wenn sie der Regierung beitreten.
Daran bin ich jedoch weder täglich noch sehr häufig
beteiligt.
Seite 1

�Frage: Einige Republikaner und einige Demokraten
sagen, sie fühlten sich durch die Art und Weise an der
Nase herumgeführt, wie Sie sich im Wahlkampf präsentiert haben und nach dem berüchtigten Satz: "Ich
hätte Zuhause bleiben, Kaffeekränzchen veranstalten
und Plätzchen backen können", tatsächlich an einem
Backwettbewerb teilgenommen haben - Dinge, die
wirklich nicht für Hillary Clinton stehen. Hatten Sie das
Gefühl, Sie mußten das tun, damit Ihr Mann gewählt
wurde, oder haben Sie Ihre Philosophie bezüglich
Ihres Verhaltens beim Wahlkampf in gewisser Weise
geändert?

Antwort: Dazu ist bisher noch keine Entscheidung
getroffen worden.

Frage: Was an Hillary Rodham Clinton befähigt Sie,
diese enorme Bewegung zur Gesundheitsreform
anzuführen? Was qualifiziert Sie, die Verantwortung
dafür zu übernehmen - wir sprechen von einem Sechstel der Volkswirtschaft? Die Leute vergleichen dies
mit dem New Deal.

Es handelt sich für ihn nicht nur um politische Fragen,
die in irgendwelchen Wahlkampfstatistiken zu finden
sind. Er ist der Ansicht, daß wir die Probleme im
Gesundheitswesen lösen müssen. Er möchte sich
nicht davon distanzieren. Er will sie direkt angehen. Ist
das ein Risiko? Natürlich ist das ein Risiko. Bin ich mir
der Tatsache bewußt, daß ich verantwortlich gemacht
oder kritisiert werden könnte? Natürlich bin ich das.
Aber mein Mann ist der Ansicht, daß dieses Risiko es
wert ist, eingegangen zu werden - und ich stimme darin
mit ihm überein.

Frage: Es gibt Stimmen, denen zufolge es ausgeschlossen ist, in einem Jahr den Haushalt! und die
Gesundheitsreform zu verabschieden.

Antwort: Nun, Sie wissen, viele in Washington sagen,
daß etwas nicht getan werden kann. Ich glaube nicht,
daß der Präsident das annimmt. Meines Erachtens ist
er der Überzeugung, daß vor diesem Land große
Herausforderungen liegen. Er möchte, daß wir die
beiden wichtigsten Themen ansprechen - die WirtAntwort: Nein. Ich meine, jeder, der mich kannte, schaft, Schaffung von Arbeitsplätzen und die Bewältibevor wir in diesem Wahlkampf zum Thema nationales gung der Krise im Gesundheitswesen. Das ist seine
Bewußtsein gelangten, wußte, daß ich Plätzchen backe Haltung.
und von Zeit zu Zeit meinem Mann bewundernd zunikFrage: Möchten Sie, daß sie in diesem Jahr in Angriff
ke. Ich glaube, das ist der Eindruck von Au ßenstehengenommen wird?
den.
Antwort: Jedes Jahr, das wir abwarten, werden die
Wissen Sie, es liegt daran, wie Frauen angesehen
Kosten weiter explodieren, Hunderttausende verlieren
werden. Wir werden so oft in die eine oder andere
ihre Versicherung ohne eigenes Verschulden. Die
Schublade gesteckt, damit die Leute mit uns umgehen
Versicherten müssen zusehen, wie ihre Leistungen
können, wie sie es definieren. Geschehen ist - glaube
gekürzt werden. Und ich glaube, jedes Jahr, das wir
ich -, daß vielleicht mehr über mich und das von mir in
warten, bringt uns weiter ins Hintertreffen bei dem
meinem Leben Geleistete bekannt wurde, denn weder
Versuch, das Problem zu lösen.
über Bill noch mich war sehr viel bekannt, als wir den
Präsidentschaftswahlkampf begannen.
Frage: Es wurde schon viel über den Erfolg der
Clinton-Administration gesprochen, eine Reform des
Frage: Aber war das in Wirklichkeit nicht eine politi- Gesundheitswesens anzustreben. Dadurch wird auf
sche Entscheidung des Wahlkampfstabes? Ich weiß, Sie enormer Druck ausgeübt, und meines Erachtens
daß es ein Memorandum gab, in dem angeblich stand, scheint es sich hier auch um ein enormes politisches
die Wähler seien besorgt über eine "mit Macht verse- Risiko zu handeln. Wäre es nicht klüger gewesen,
hene" Nancy Reagan, daß Sie den Leuten sehr be- wenn Ihr Gatte dafür jemanden eingestellt hätte, der
wußt diese andere Seite zeigen mußten.
entlassen werden kann, wenn er scheitert?
Antwort: Ich möchte, daß man mich als ganzen Antwort: Nun, mir scheint, daß das vom traditionellen
Menschen sieht. Wenn jemand ein Urteil über Sie fällt politischen Standpunkt aus gesehen wohl der Fall
und sagt, er mag Sie nicht, oder was immer er über Sie gewesen wäre, aber wir wollen unter anderem klarmasagen mag - dann hoffe ich, daß er sein Urteil auf so chen, daß mein Mann an diesen Dingen sehr großes
viele Information wie möglich gründet.
Interesse hat.

Antwort: Meines Erachtens, weil ich bereit bin, mich
in all die harten Entscheidungen zu vertiefen, die
getroffen werden müssen, weil mich der Präsident
darum gebeten hat - und dies ist wirklich, was ich im
Augenblick als meine oberste Verantwortung betrachte - und weil ich versuche, diese Probleme nicht aus
dem Blickwinkel einer bestimmten Interessengruppe,
sondern als Mensch zu sehen, als Mutter, als jemand,
der das Gesundheitswesen in Anspruch nehmen mu ß.
Ist dies, was ich für mich selbst möchte?

Frage: Werden Sie zur Verantwortung gezogen,
wenn Sie scheitern?

Antwort: Du liebe Zeit! Lesen Sie die Zeitungen.
Stellen Sie das Fernsehen an. Es gibt so viele, die
bereitwillig mit den Fingern auf mich zeigen und sagen
Frage: Wir haben gehört, daß die Gesundheitsreform werden: "Das habe ich direkt gesagt." Aber es geht
jetzt bis September vertagt wird.
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AMERIKA DIENST 24

�nicht darum, ob ich scheitere, oder ob der Präsident
scheitert, sondern darum, ob das Land scheitert. Ich
meine, das hört sich vielleicht albern und altmodisch
an, aber so denke ich darüber.
Frage: Was denken Ihrer Ansicht nach die Leute
darüber, daß Sie verantwortlich sind? Glauben Sie,
daß hochrangige Mitarbeiter zu Ihrem Mann gehen
und sagen können: "Herr Präsident, ich bin der Ansicht, Ihre Frau ist völlig auf dem Holzweg"?
Antwort: Sicher habe ich soetwas schon gehört. Wir
haben eine sehr offene Beziehung. Wissen Sie, die
Menschen haben alle möglichen stereotypen Ansichten über ein bestimmtes Rollenverhalten, daher kann
man sie nicht auf eine bestimmte Art behandeln. Mir
scheint, einige fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut, aber
sie würden sich auch nicht wohlfühlen, wenn sie zu
jedem direkt über ihre Ansichten sprechen würden.

Wahl gewonnen. Und im Hinblick auf das Wirtschaftspaket: Am Tag nach der Wahl aufzuwachen und zu
entdecken, daß das Defizit schlimmer ist als man
glauben gemacht wurde, daß man eine Menge schwieriger Entscheidungen treffen muß, die aufgrund der
wirtschaftlichen Veränderungen noch schwieriger
wurden - all das forderte ihn, Verantwortung zu zeigen.
Und meiner Meinung nach hat er das getan. Es zeugt
meines Erachtens nicht von linker oder rechter Einstellung zu sagen: "Wir werden schon das Problem des
Haushaltsdefizits angehen. Wir werden die Ausgaben
kürzen, und wir werden Investitionen in die Schaffung
von Arbeitsplätzen tätigen." Ich harte das für ziemlich
gemäßigte Ansichten.

Frage: Ihr Mann hat kürzlich eine ziemlich schwierige
Zeit durchlebt was das Urteil der Öffentlichkeit betrifft.
Meinungsumfragen zufolge ist er unbeliebter als jeder
andere Nachkriegspräsident nach so kurzer Amtszeit.
Einige vertreten die Ansicht, wenn Sie nicht für das
Der Präsident ermutigt das jedoch. Er gibt sich große Gesundheitswesen verantwortlich wären, wären einiMühe, jeden nach seiner Meinung zu fragen - und das ge dieser peinlichen Fiaskos nicht geschehen - der
ist meines Erachtens eine seiner großen Stärken. Ich Haarschnitt, das Debakel mit dem Reisebüro -, daß
habe an vielen Sitzungen teilgenommen, auf denen Sie, wenn Sie ein Auge auf alles gehabt hätten, diejegesagt wurde: "Also wissen Sie, da bin ich anderer nige gewesen wären, die gewarnt haben könnte "Hey,
Meinung". Und ich habe gesagt: "Also wissen Sie, da Bill, so geht das nicht".
bin ich anderer Meinung". Und so ging das hin und her.
So werden bessere Entscheidungen gefällt.
Antwort: Ich denke, das stimmt so einfach nicht mit
der Realität überein. Ich meine, ich engagiere mich
Frage: Die Ernennung von David Gergen zum Präsiwirklich dafür, das zu tun, worum er mich gebeten hat,
dentenberater ist von vielen als ein Schritt Ihres Mannämlich, im Bereich der Gesundheitsfürsorge zu arbeines zur Mitte interpretiert worden - eine Rückkehr zur
ten. Und wissen Sie: Viele dieser anderen Dinge
Mitte, wenn Sie so wollen. Sind Sie davon begeistert?
geschehen einfach. Die Menschen machen einfach
Harten Sie das für notwendig?
Fehler. Und die bereut man dann. Aber man lernt
davon
und das Leben geht weiter.
Antwort: Nun, mir scheint, daß erdie Mitte nie wirklich
verlassen hat. Jeder, der sich mit dem beschäftigt,
was er in den letzten Monaten getan hat, würde zu Ich denke, es wird immer jemanden geben wie Bill, der
dieser Schlußfolgerung gelangen, aber ich weiß, was versucht, vieles zu erreichen, da er der Ansicht ist, das
die herrschende Auffassung war. Meines Erachtens Land brauche Wandel, um seiner Verantwortung gewird David Gergen, der seit mehreren Jahren unser recht werden zu können... Von seiner Warte aus
Freund war, eine wirklich neue Perspektive bringen. gesehen gibt es viele schwierige Dinge, die in Angriff
Er hat Erfahrung mit dem Weißen Haus. Es ist in genommen werden müssen. Und ehrlich gesagt glaudieser Stadt gewesen, deren Funktionsweise - meiner be ich nicht, daß er sich viele Gedanken um seine
kurzen Erfahrung nach - manchmal sehr schwierig zu Popularität macht, außer wenn sie seine Fähigkeit
verstehen ist. Und ich meine, daß er ein guter Berater beeinträchtigt, das, was seiner Ansicht nach getan
sein wird, worum ihn der Präsident ja auch gebeten werden muß, auch zu tun.
hat.
Frage: Sind diese zwei Dinge nicht miteinander verFrage: Sicherlich handelt es sich hier nicht nur um
eine Auffassung, daß er (der Präsident) einen Linksruck vollzogen hat, wie von vielen Kolumnisten beschrieben. Ich meine, Homosexuelle im Militär, Recht
auf Schwangerschaftsabbruch, Steuererhöhungen
anstelle einer Steuersenkung für die Mittelklasse, wie
während des Wahlkampfes versprochen. Finden Sie
nicht, daß es offensichtlich ist, daß er etwas von
seinem Kurs abgewichen ist?
Antwort: Wissen Sie, diese beiden Fragen wurden
auch im Wahlkampf angesprochen. Er hat seine
Ansichten zu diesen Fragen offen dargelegt - und die
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bunden?
Antwort: Nun, sie sind zwar miteinander verbunden,
aber eher in theoretischer als in praktischer Hinsicht,
denn ich glaube nicht, daß irgendein Präsident beliebt
sein kann, wenn er einige der bitteren Notwendigkeiten
angeht, die er im Moment im wirtschaftlichen Bereich
vorhat.
Er nimmt den Job, für den er gewählt wurde, sehr ernst.
Und er ist davon überzeugt, daß er als Präsident den
Kopf für alles hinhalten muß. Das bedeutet auch, zu
sagen: "Schaut her, wir müssen die Ausgaben kür-

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�zen." Und Sie wissen, daß Ausgabenkürzung in vielen
Situationen auch bedeutet, den Menschen etwas
wegzunehmen, an das sie glauben oder das ihnen
wichtig ist oder das sie sogar brauchen. Es ist einfach,
hier über Ausgabenkürzungen zu sprechen, aber vielfach bedeutet das auch Abbau von Arbeitsplätzen.
Es bedeutet Kürzungen im Dienstleistungsbereich. Er
war hierzu bereit. Und er ist bereit zu sagen: "Wir
müssen uns dem Defizitproblem widmen", und das
bedeutet, wir müssen mit unseren Einnahmen verantwortlich umgehen.
Frage: Aber einige seiner Probleme mit seinem
Ansehen in der Öffentlichkeit haben damit gar nichts
zu tun - mit schwierigen Entscheidungen. Sie haben
etwas mit falschen Entscheidungen zu tun, mit einer
Art schwachem Urteilsvermögen in den letzten Wochen.

Antwort: Wenn er nicht versuchen würde, schwierige
Dinge zu tun, und wenn er nicht dafür kämpfen würde,
zum ersten Mal einen vernünftigen Haushalt zu verabschieden - dem sich offen gesagt viele mächtige
Interessengruppen widersetzen - dann würde vieles
einfach so aussehen, als habe jemand einen Fehler
gemacht, eine falsche Entscheidung getroffen. Das ist
nicht das Ende der Welt. Damit bekommt niemand
weniger zu essen, weil diese Politik falsch war. Dadurch wird nicht die Bereitstellung von Gesundheitsfürsorge für die Amerikaner verzögert.
Daher hat ihn meines Erachtens die Tatsache, daß er
viele dieser schwierigen Dinge in Angriff genommen
hat, für au ßerordentliche Angriffe von außen verwundbar gemacht, die von Menschen kommen, die viel
dadurch gewinnen würden, wenn die Veränderungen,
die er anstrebt, nicht stattfinden würden.

* * * *

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*

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�EINWANDERUNG
16. Juni 1993

DIE USA: DAS EWIG UNVOLLENDETE LAND
von Reed Ueda
An der Schwelle zum 21. Jahrhundert nimmt Amerika - traditionell das für kulturellen Pluralismus stehende Land
der Welt - weiterhin Einwanderer in den als Vereinigte Staaten bekannten Schmelztiegel auf, so der Verfasser,
der Statistiken und andere Details der Bevölkerungsvermischung erörtert, die sich im Verlauf von zwei
Jahrhunderten vollzogen hat.
Der Autor unterrichtet Geschichte an der Tufts University (Medford, Massachusetts) und war Gastprofessor an
den Universitäten Harvard und Brandeis. Er schreibt ein Buch über Einwanderung und Nationalität im Amerika
des 20. Jahrhunderts.
Der nachfolgende Artikel erschien erstmals in der Ausgabe vom Oktober 1992. Nachdruck und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung von The World &amp; I, einer Publication von The Washington Times Corporation.
Copyright (c) 1992.

Das 20. Jahrhundert wird wegen des Aufstiegs der
Vereinigten Staaten zur Führungsmacht der Welt als
das "amerikanische Jahrhundert" bezeichnet. Es ist
auch das Zeitalter, in dem die Nation das Einwanderungsland der Welt wurde. Die historische Rolle der
Vereinigten Staaten als von Einwanderern aufgebaute
Gesellschaft mit Magnetwirkung hat sich erweitert, um
größerer ethnischer Vielfalt gerecht zu werden. Bis zu
den neunziger Jahren zählten zu dem Strom der Neuankömmlinge Menschen aus jeder Region und Kultur
des Globus.
Diese "neue Vielfalt" ist jedoch nur eine Weiterentwicklung der herkömmlichen historischen Muster. Solange
dies nicht verstanden wird, werden wir wahrscheinlich
diese neue Vielfalt mit einer neuen Bedrohung oder
neuen Utopie verwechseln, wohingegen sie in Wirklichkeit eine Frucht der in unserer nationalen Vergangenheit begründeten Wurzeln ist. Daher sollte die
Frage: "Wie neu ist Vielfalftatsächlich lauten: "Wie alt
ist Vielfalt?"
Die historische Bilanz belegt, daß ethnische Vielfalt so
alt wie die Vereinigten Staaten ist. Die erste amerikanische Volkszählung 1790 ergab, daß die Mehrheit der
Amerikaner nicht englischer Abstammung war. Kalifornien hatte im Jahr 1880 einen höheren Anteil an
Asiaten als 1980. Im Jahr 1900 waren die Einwohner
der Großstädte mehrheitlich Einwanderer oder Kinder
von Immigranten. 1910 wurden von Einwanderern in
den Vereinigten Staaten über 50 Sprachen gesprochen. Historische Dokumente der Regierung und des

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Statistischen Bundesamts belegen eindeutig die seit
langem bestehende Realität amerikanischer Vielfalt.
Diese phänomenale ethnische Vielfalt ist vornehmlich
auf bestimmte einzigartige Kriterien der Einwanderung
in die Vereinigten Staaten zurückzuführen. Das erste
wesentliche Merkmal ist die bloße Größenordnung der
Einwanderung: Bis 1990 waren 57 Millionen Menschen in die Vereinigten Staaten emigriert - die größte
internationale Bevölkerungsbewegung der Geschichte. In die Vereinigten Staaten kamen mehr Einwanderer als in alle anderen führenden Einwanderungsländer zusammengenommen. Von 1820 bis 1930 zogen
38 Millionen in die Vereinigten Staaten, wohingegen
insgesamt 24 Millionen nach Kanada, Argentinien,
Brasilien, Australien, Neuseeland und Südafrika auswanderten. Die Vereinigten Staaten zogen drei Fünftel
der in die führenden Einwanderungsländer strömenden Bevölkerung an. Von Mitte des 19. Jahrhunderts
bis zur Großen Depression (1929 -1939) nahmen die
Vereinigten Staaten über 30 Millionen Neuankömmlinge auf, Argentinien jedoch nur 6,4 Millionen, Kanada
5,2 Millionen, Brasilien 4,4 Millionen und Australien 2,9
Millionen.
Das zweite entscheidende Merkmal der Einwanderung in die Vereinigten Staaten ist, daß es die größte
Bandbreite von Nationalitäten aller modernen internationalen Bevölkerungsbewegungen umfaßt. 15 Prozent der amerikanischen Einwanderer kamen aus
Deutschland, 11 Prozent aus Italien, 10 Prozent aus
Irland, 9 Prozent aus Österreich-Ungarn, 8 Prozent

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�aus Kanada und nur 7 Prozent aus England. Mehr
lateinamerikanische, karibische und asiatische Immigranten haben sich für Amerika anstelle eines anderen
Landes entschieden. Im Gegensatz dazu haben andere
englischsprachige Einwanderungsländer neue Siedler
praktisch ausschließlich aus anderen englischsprachigen Nationen angezogen. 80 Prozent der Einwanderer nach Australien kamen aus Großbritannien, wohingegen 37 Prozent aus Großbritannien und weitere 37
Prozent aus den Vereinigten Staaten nach Kanada
kamen. Die Auswanderung nach Lateinamerika ist
vornehmlich auf Bürger der iberischen Halbinsel oder
italienischer Herkunft begrenzt. 47 Prozent der nach
Argentinien Eingewanderten kamen aus Italien und 32
Prozent aus Spanien, 34 Prozent der nach Brasilien
Eingewanderten aus Italien, 29 Prozent aus Portugal
und 14 Prozent aus Spanien.

definition der Nation gleichkommt. In den Vereinigten
Staaten kommt die Stärke der Nation aus der immensen Vielfalt ethnischer Gruppen. Darüberhinaus ist sie
von der Existenz von Bedingungen abhängig, die das
gemeinsame Handeln und Zusammenleben andersartiger Gruppen gestatten. Die sich daraus ergebende
wechselseitige Verschmelzung und Interdependenz
trägt zur Integration der Nation bei. Die große Mehrheit
der Nationen auf der Welt hat wenig historische Erfahrung oder politisches Interesse, als Einwanderungsland zu fungieren. Der deutsche Politiker Volker Rühe
brachte seine Meinung 1991 mit der Ankündigung zum
Ausdruck: "Wir (in Deutschland) sind kein Einwanderungsland und werden auch keines werden." Andere
Gesellschaften - wie Japan, Norwegen, Schottland,
Schweden oder Korea - haben ebenfalls keine Tradition als Einwanderungsland und wenig Interesse daran, eine zu entwickeln.

Jeder Immigrant, vom mexikanischen Landarbeiter bis
zum polnischen Stahlarbeiter, war ein mutiger Abenteurer auf Entdeckungsreise. Emma Lazarus hatte
unrecht, als sie die Einwanderer in ihrem Gedicht The
New Colossus, das die Freiheitsstatue ziert, als "jämmerlichen Abschaum" beschrieb. In Wirklichkeit sind
die Einwanderer mutig, einfallsreich, tatkräftig und mit
der Flexibilität der Immigranten ausgestattet, mit enormen sozialen Veränderungen und sozialem Verlust
fertigzuwerden.

Im Gegensatz dazu war Einwanderung die gestaltende Kraft der amerikanischen Nation und ihrer Rolle in
der Weltgeschichte. Sie hat unendlich zur amerikanischen Sozialgeschichte beigetragen und die Nation,
mit den Worten des Soziologen Nathan Glazer, zum
"ewig unvollendeten Land" gemacht. Die Einwanderung nach Amerika hat das Gleichgewicht von Humankapital und materiellen Ressourcen zwischen den
Nationen hergestellt und neue internationale wirtschaftliche und kulturelle Bindungen geschaffen. Otto von
Die frühen Einwanderer brachten riesige Opfer und Bismarck, der "Eiserne Kanzler", der Deutschland im
hielten durch, um eine neue Vision des Menschen und 19. Jahrhundert vereinigte, bezeichnete die amerikader Gesellschaft zu verwirklichen. Sie stellten fest, nische Einwanderung als den "entscheidenden Fakdaß die neuartige tolerante amerikanische Haltung tor" der modernen Welt.
gegenüber Pluralismus und Vielfalt die Schaffung neuer
Identitäten und kultureller Bande unvermeidlich mach- Damit bildet der Zyklus der Gestaltung und Neugestalte. Der eingewanderte Amerikaner ist ein Mensch, der tung der Nation durch Einwanderung den Kern der
von den Nachbarn, die anders sind, neue Wege über- amerikanischen Geschichte. Die soziale Grundlage
nimmt. Die Kinder japanischer Einwanderer in Hawaii der politischen Nation ist ein historisches Einwandelernen von ihren Nachbarn - die Hawaiianer, Filipinos, rungsland, das sich immer wieder gewandelt hat.
Deutsche, Chinesen und Portugiesen sind - neue Historisch entstanden nacheinander drei EinwandeSpiele, neue Wörter, neue Werte, entwickeln einen rungsnationen, die sich in den zwei Jahrzehnten nach
neuen Geschmack bei Nahrungsmitteln, Kleidern und der Amerikanischen Revolution (1775 - 1781) verFrisuren, schließen neue Freundschaften und gehen mischten und enorme Veränderungen bei sozialen
neue Beziehungen ein. Amerikaner sind nicht an Organisationen, im Kulturleben und in der Nationalität
Traditionen gebunden, sondern offen für Veränderun- hervorbrachten. Die von protestantischen Kolonialigen und Wahlmöglichkeiten, die von Außenstehenden sten von den britischen Inseln aufgebaute neue Repukommen. Sie lernen von anders gearteten Menschen blik mußte bis zum Bürgerkrieg (1861 -1865) eingeNeues über andere Nahrungsmittel, Musik, Qualifika- wanderte irische Katholiken sowie Neuankömmlinge
tionen, Künste und Werte. Die amerikanische Spra- aus Deutschland und Skandinavien aufnehmen. Anche ist eine Einwanderersprache, eine Mischung fang des 20. Jahrhunderts bildete sich eine vornehmzahlreicher ethnischer Formulierungen.
lich aus Immigranten aus Süd- und Osteuropa sowie
Ostasien, Mexiko und der Karibik zusammengesetzte
Die in die Vereinigten Staaten Eingewanderten haben Einwanderungsnation. Ende des 20 Jahrhunderts ergab
eine sich diametral von alten Gesellschaften wie Schwe- sich ein multikulturelles Einwanderungsland aus der
den, Schottland oder Japan unterscheidende Gesell- Ausweitung der Immigration auf ein weltweites Ausschaft gegründet. Diese Gesellschaften hatten ihre maß. An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sind die
Stärke aus der Homogenität bezogen. Die Solidarität Vereinigten Staaten eine kumulative Vermischung dieser
erwuchs aus der Tatsache, daß alle Menschen gleich Einwanderungsnationen, eine Synthese, die zur Versind. Die eingewanderten Amerikaner haben eine körperung einer "Welt" oder internationalen Kultur
Gesellschaft aufgebaut, die einer radikal neuen Selbst- geworden ist.

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�Die zeitgenössische Konzentration auf die Unterschiede und individuellen Erfahrungen verschiedener Gruppen beginnt häufig mit einer gewissen Kurzsichtigkeit
gegenüber der enormen Größenordnung ethnischer
Assimilation, die Teil der amerikanischen Geschichte
ist. Als David Dinkins, der erste schwarze Bürgermeistervon New York, seine Antrittsrede hielt, würdigte er
die Stadt als "schönes Mosaik". Die einzelnen und
statischen Teile des Mosaiks formen ein Bild, das zur
Legitimierung eines Modells ethnischer Beziehungen
verwendet wird, das die Bewahrung der Kultur befürwortet.
Dieses Bild stellt jedoch nur einen Teil der amerikanischen Sozialgeschichte dar - die unter allen Gruppen
zu findenden unvermischten Elemente. Der andere
Teil des Bildes ist das Muster des Wandels bei Status,
Kultur und Identität. Dieser Prozeß war nicht so
weitreichend oder einheitlich wie das früher beschriebene und vorhergesagte Bild ethnischer Beziehungen
- der Schmelztiegel. Es wäre jedoch unrealistisch, die
von jeder Gruppe seit der Ankunft einwandernder
Vorfahren über Generationen hinweg erlebten Dimensionen der sozialen Mobilität und Akkuiteration zu
ignorieren.
Es ist ein Klischee, das Modell des Schmelztiegels
ethnischer Beziehungen als Weg zur Homogenisierung oder sogar "Anglokonformität" abzuwerten. Es
trifft zu, daß angelsächsische Nativisten desfrühen 20.
Jahrhunderts diese Methode des Umgangs mit ethnischem Pluralismus vorschrieben. In jüngster Zeit
ließen jedoch Journalisten und Befürworter diese stereotype Sichtweise der Schmelztiegel-Kultur Wiederaufleben in dem Versuch, sie als Ziel für die Bewegung
zur Förderung multikultureller Unterschiede zu verwenden.
Der Schmelztiegel als soziale und kulturelle Realität
der Geschichte war nie anglokonformistisch oder
homogen. Es war die gemeinsame nationale Kultur,
eine Vermischung von aus einer Vielfalt von Gruppenkulturen bezogenen Elementen. Assimilation war ein
in viele Richtungen gehender Prozeß, der in gegenseitigem Einvernehmen unter lokalen Gruppen in die
Wege geleitet wurde. Gruppen veränderten und vermischten sich wie die Bilder eines Kaleidoskops, mit
verblüffenden und unberechenbaren Mustern der Vielfalt,
die dennoch eine Einheit ergaben. Darüber hinaus
blieben zahlreiche Aspekte des Gruppenlebens unberührt und wurden nicht vermischt. Das Verschmelzen
war unvollständig, nicht immer linear und vollzog sich
in unterschiedlichem Tempo bei den jeweiligen Gruppen. Die nordeuropäischen Gruppen, die seit zwei
oder mehr Generationen die Alte Welt verlassen hatten, verfügten über den am wenigsten ausgeprägten
Sinn für ethnische Identität. Einige Beispiele europäischer Gruppen, die eine spezifische Zugehörigkeit
nicht länger betonten, waren die schottischen Iren, die
Waliser und die Holländer. Obwohl sie ein stärkeres

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Gefühl für die besondere Identität bewahrten, entfernten sich die Norweger, Dänen, Schweden und Deutschen ebenfalls von der im Heimatland begründeten
Identität. Amerikaner, deren Vorfahren aus Süd- und
Osteuropa, Asien, der Karibik und Lateinamerika kamen,
zeigten eine stärkere Tendenz zur Bewahrung ausgeprägter ethnischer Züge.
Eines der sensibelsten Anzeichen gegenseitiger Assimilation oder in viele Richtungen gehender Vermischung der amerikanischen Gesellschaft war die Mischehe. Die Amerikaner japanischer Abstammung und
Juden, die Anfang des 20. Jahrhunderts die Heirat
innerhalb der ethnischen Gruppe betonten, heiraten
jetzt am häufigsten außerhalb der Gruppe - rund einer
von zwei Ehepartnern hat einen anderen ethnischen
Hintergrund. Die dramatische Geschichte des Anstiegs von Mischehen ist in den Daten des Statistischen Bundesamtes enthalten.
Vorurteilen und Diskriminierung aufgrund der ethnischen Identität waren zeitweilig alle Gruppen ausgesetzt, aber die Einwanderer eroberten einen Platz auf
der sozialen Leiter, der eine sichere Ausgangsbasis für
weiteren Aufstieg war. Die neuen Einwanderer - wie
die Griechen, Juden, Italiener, Slawen, Armenier, Chinesen, Japaner und Mexikaner - waren größtenteils
von Arbeitsplätzen, Schulen und der Nachbarschaft
ausgeschlossen. Die meisten Arbeiter kamen kaum
voran und lebten in bitterer Armut wie in einer Übergangsphase. Für ihre Kinder und Enkel verbesserte
sich jedoch die Chancengleichheit, auf die sie bauten,
um einen Kurs des gesellschaftlichen Aufstiegs über
Generationen hinweg zu entwerfen. Die Nachkommen selbst der ärmsten u nd machtlosesten Einwanderer erwarben bessere Arbeitsplätze, mehr Ausbildung
und einen höheren Status als ihre eingewanderten
Vorfahren. In der Medien- und politischen Kultur der
Massenparteien waren sie besser repräsentiert und
hatten ein größeres Sagen als ihre Ahnen. Die jüngsten Einwanderer aus Lateinamerika, Asien, der Karibik und dem Nahen Osten scheinen ihren eigenen
Zyklus der sozialen Mobilität über Generationen hinweg zu beginnen. Jedes Urteil über die Identität der
Vereinigten Staaten als ein Land der Chancen muß
sich auf die umfassendere Sichtweise der Versprechungen des amerikanischen Lebens gründen, wie sie
den Kindern und Enkeln der Einwanderer weitergegeben wurde.
Die Gruppen, die durch Eroberung und Sklaverei unfreiwillig in die Nation eingegliedert wurden - Indianer
und schwarze Afrikaner - sahen sich den größten
Schwierigkeiten bei der Erlangung sozialer Mobilität
gegenüber. Die als getrennte Quasi-Nation behandelten Indianer wurden in Reservaten isoliert. Die Schwarzen mußten gegen Sklaverei und ihre verbliebenen
Schranken kämpfen. Die Behebung der Armut unter
der indianischen und schwarzen Bevölkerung ist nach
wie vor eine entscheidende Herausforderung.

Seite 3

�Die Notwendigkeit für die Einwanderer, sich zum Zweck
des Überlebens mit Außenstehenden zu befassen, die
anders waren, machte ethnische Grenzüberschreitungen praktisch und opportunistisch. Die Chancen des
einzelnen erhöhten sich entsprechend der Fähigkeit,
vielfältige soziale Kontakte zu entwickeln. Um das
gesamte Sprektrum der Möglichkeiten auszuschöpfen, mußte man über ethnische Unterschiede und
Zugehörigkeiten hinwegsehen. Die Angehörigen ethnischer Gruppen waren bereit, die Religion oder Abstammung der Person zu ignorieren, zu der sie förderliche soziale Beziehungen und wirtschaftliche Bande
entwickelt hatten, von denen beide Seiten profitierten.
Die Einwanderer konnten nur politische Macht und
Ämter erlangen, indem sie Bündnisse mit Außenstehenden schlössen. Keine ethnische Gruppe stellte
eine sichere Mehrheit dar, außer auf örtlicher Ebene.
Um zu einer Kraft zu werden, mußten die Gruppen
Koalitionen bilden, die ethnische Trennungen überwanden. Den ethnischen Gruppen in den Vereinigten
Staaten fehlte die Größe und Macht, ihre Mitglieder zu
isolieren. Ihre Mitglieder gingen Verbindungen zu
Menschen anderer Gruppen ein und lösten diese
wieder, je nachdem wie es das Eigeninteresse und
diskriminierende Einschränkungen erforderten. Die
dynamischen Gegebenheiten der amerikanischen
Gesellschaft, die Menschen von ihren Familien und
Gruppen gleicher Herkunft trennten und sie in neue
Familien und neue Gemeinden aufnahmen, schufen
neuartige Kombinationen ethnischer Identität.
Die kaleidoskopartige Vielfalt der amerikanischen
Identität offenbart auch, daß die Dynamik der Sozialgeschichte Ethnizität nur zu einem Teil der menschlichen Identität gemacht hat. Das Wesen der ethnischen Identität veränderte sich in dem Maße, in dem
es durch die Entwicklung vielfältiger Identitäten und
konkurrierender Zugehörigkeiten umgangen und verlagert wurde. Die Angehörigen ethnischer Minderheiten gingen sich überschneidende Verbindungen zu
anderen Arten von Gemeinden ein, die in der Generationenfolge zunahmen. Selbst die jüngsten neuen
Amerikaner sind von der heterogenen Welt der Klassen- und Spielkameraden geprägt.

Die Bedingungen, die eine Vermischung zwischen
Gruppen und Kulturen förderten, bewahrten jedoch
auch die Fähigkeit, die Erhaltung des kulturellen Erbes
zu unterstützen. Die amerikanischen Gegebenheiten
gestatten ein gleichberechtigtes Nebeneinander zwischen der Vermischung von Rassen und der Bewahrung der ethnischen Identität. Die Juden, Koreaner,
Iren, Armenier und anderen in ihrem Heimatland Verfolgten sahen den Schmelztiegel Amerika als das
Land, in dem sie die größte Freiheit hatten, ihren
Lebensstil beizubehalten. Das war der Vorteil der
Demokratie, für die sich die schwierige Reise lohnte.
Hier ließ die Regierung sie in Ruhe ihre Religion
ausüben, ihre nachbarschaftlichen Institutionen aufbauen, ihre eigenen Schulen gründen. Heute geht die
Tendenz dahin, die Vereinigten Staaten als gleichgültig und assimilationistisch anzusehen. Wir sollten uns
jedoch vor Augen führen, daß die Einwanderer im
gesamten Verlauf der Geschichte mit den Füßen
abgestimmt haben, daß die Vereinigten Staaten die
toleranteste Nation der Welt sind.
Die Weltklugen von heute verfallen allzuleicht in Skeptizimus oder Zynismus über die historische Nation als
Refugium des multikulturellen Pluralismus. Die weniger weltklugen Einwanderer von 1910 fanden in Amerika
einen Zufluchtsort, um ihr Gruppenleben und ihre
Kultur zu schützen. Die Iren, Italiener, Griechen,
Japaner, Chinesen und Mexikaner hatten keine aktivistischen staatlichen Programme zum Schutz ihrer
Kulturen, dennoch belegt die historische Bilanz, daß
ihre kulturellen Identitäten systematisch und dauerhaft
bewahrt wurden. Kirchliche irische Schulen sowie
deutsche und japanische Sprachschulen erreichten
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ohne
die Unterstützung öffentlicher Institutionen einen
Höhepunkt.
Die Amerikaner haben ihr Land lange als das Land der
Chancen und individuellen Freiheit angesehen. Die
Ängste, daß die Vereinigten Staaten aufgrund der
durch Einwanderung ausgelösten sozialen Unruhen
zerfallen würden, sind dennoch immer wieder aufgelebt. Renommierte amerikanische Wissenschaftler
wie der große Ökonom Francis Walkerund der Anthropologe Madison Grant haben die Alarmglocke geläutet, daß Einwanderung eine die Nation aushöhlende
Kraft ist.

In der Tat identifizieren sich viele Amerikaner nicht mit
einer bestimmten ethnischen Gruppe. Ihre Identität
leitet sich primär von ihrer Tätigkeit, Generation,
Wohngegend, Massenkultur und ihren Verbrauchergewohnheiten ab. In einer 1970 durchgeführten spe- Schließlich ebneten ihre Ansichten der aufkeimenden
ziellen Erhebung zog es nahezu die Hälfte der reprä- Idee den Weg, daß Einwanderung bei der Entwicklung
sentativen Gruppe europäischer Herkunft vor, sich der Nation eine positive Rolle spielt. Die intellektuellen
nicht mit einem bestimmten ethnischen Erbe zu iden- Wendepunkte bei diesem ideologischen Sinneswantifizieren. Hätte die Stichprobenerhebung Hawaiianer del wurden durch die Arbeiten der Historiker Marcus
gemischter Abstammung einbezogen, hätte sich Lee Hansen und Oscar Handlin markiert. Sie sahen
wahrscheinlich ein ähnliches Muster ergeben. Diese Einwanderung als Quelle des nationalen Ethos von
Populationen verkörpern eine transnationale Gruppe, Freiheit und Individualimus. Handlins historische
die an Umfang und Bedeutung gewonnen hat, ein- Schriften über Einwanderung bildeten die intellektuelle
schließlich der wachsenden Zahl von Menschen und ethische Krönung der Sichtweise von Einwandegemischter ethnischer Abstammung und unterschied- rung als befreiender und nationalisierender Kraft. In
seinen Arbeiten wurde Einwanderung mit dem Mythos
licher Rassen.
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�der Schaffung einer modernen Identität gleichgesetzt.
Der eingewanderte Amerikaner wu rde der Archetypus
des von den Fesseln vorgeschriebener Rollen Befreiten, der sich in eine fremde Welt begab, um eine neue,
Macht verleihende Identität zu entdecken. Einwanderung erleichterte die Erfüllung des nationalen und
globalen Schicksals der Vereinigten Staaten als durch
die gemeinsamen Bestrebungen unterschiedlicher
Gruppen vereinigte prototypische moderne Nation.

struktive Ängste über die neue Vielfalt zu zerstreuen.
Es ist auch nötig, um die künstliche Spaltung der
Gesellschaft in getrennte ethnische Klassen im Rahmen der Sozialpolitik der Regierung zu beheben. Die
historisch verwurzelten Kräfte, die die amerikanische
Identität homogen gemacht haben und die Schwierigkeiten überwinden ließen, waren unvermeidlich und
sind noch heute lebenswichtig. Die wechselseitige
Assimilierung der Einwanderer, die Notwendigkeit,
Interdependenz mit den sie umgebenden Gruppen zu
Die Vision von Hansen und Handlin kann dazu beitra- schaffen und ihre Vision der amerikanischen Demogen, das Bewu ßtsein der Öffentlichkeit wieder auf die kratie als bestem Zufluchtsort für kulturellen Pluralishistorischen liberalen Bedingungen zu konzentrieren, mus gewährleistet wahrscheinlich, daß freiwillige und
die zur Gestaltung einer nationalen Gemeinschaft sich verändernde Identitäten die Einwanderung weiführen. In unserer Zeit ist dies erforderlich, um de- terhin zu einer nationalisierenden Erfahrung machen.

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�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: UNO handelte, um Ordnung in Somalia wiederherzustellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rundfunkansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtsverletzungen im Brennpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Christophers bei Menschenrechtskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bieten Truppen zur Verstärkung der UNO-Streitkräfte in Makedonien an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Christophers vor dem Nordatlantikrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Freund sagt "Auf Wiedersehen" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Kimmitt am Aspen Institut Berlin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Unterstützung der USA für Sitz Deutschlands und Japans im UN-Sicherheitsrat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Albright: Rat muß neue Realitäten widerspiegeln&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausschuß für Aufhebung des Waffenembargos gegen Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusatz zum Auslandshilfegesetz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. First Lady&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hillary Rodham Clinton kombiniert viele Rollen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;NBC-Sondersendung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die USA: das ewig unvollendete Land&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Reed Ueda&lt;/em&gt;</text>
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cimerikci
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

4

23

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Deichmanns Aue 29

9. Juni 1993

5300 Bonn 2

MARSHALL-ZENTRUM

ASPIN UMREISST NEUE STRATEGISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede des Verteidigungsministers
bei der Eröffnung des
Marshall-Zentrums

OECD

BENTSEN FORDERT OECD ZUR
ANKURBELUNG DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS AUF
Erklärung bei OECD-Treffen

GATT

KANTOR FORDERT BESSERE ANGEBOTE
BEI GATT-VERHANDLUNGEN
Erklärung bei OECD-Konferenz

ILO

REICH VERWEIST AUF WACHSENDEN
BEDARF AN QUALIFIZIERTEN
ARBEITSKRÄFTEN
Rede bei ILO-Tagung

UMWELT

USA: VERTRAG KANN "ARTENVIELFALT"
ERHALTEN

A

4

Gemeinsame Erklärung von Albright
und Wirth

EINWANDERUNG

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

EINWANDERUNG ALS ANTRIEBSKRAFT
FÜR DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Von Janis Johnson

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�MARSHALL-ZENTRUM
9. Juni 1993

ASPIN UMREISST NEUE STRATEGISCHE
PARTNERSCHAFT
Rede des Verteidigungsministers bei der Eröffnung
des Marshall-Zentrums
GARMISCH-PARTENKIRCHEN - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister LesAspin leitete heute einen
Prozeß in die Wege, der eine neue strategische Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und den
ehemaligen Gegnern im Kalten Krieg zum Ziel hat.
In einer Grundsatzrede bei der Einweihung des George C. Marshall-Zentrums in Garmisch-Partenkirchen am
5. Juni 1993 forderte Aspin die Nationen des Ostens und Westens auf, sich erneut Marshalls Vision "wirtschaftlich
erfolgreicher Demokratien, die in ihren internationalen Beziehungen zu ihrer wechselseitigen Sicherheit
zusammenarbeiten" zu verschreiben.
Unter Verweis auf die aus ethnischen oder nationalistischen Konflikten resultierenden neuen Gefahren, denen
sich die europäischen Nationen heute gegenübersehen, appellierte der Verteidigungsminister an die Länder, auf
zwei parallele Ziele hinzuarbeiten.
"Erstens müssen wir für die uns heute konfrontierenden Gefahren ein neues europäisches Sicherheitssystem
schaffen, mit dem das alte System des Kalten Krieges für ein gespaltenes Europa ersetzt wird", erläuterte Aspin.
"Zweitens müssen wir darauf hinarbeiten, den Erfolg der demokratischen und wirtschaftlichen Reformen in
diesen Nationen sicherzustellen unter besonderer Berücksichtigung der mutigen Bestrebungen der Reformer in
Rußland, der Ukraine und den anderen Republiken der ehemaligen Sowjetunion und in den osteuropäischen
Nationen", so Aspin.
Aspin verpflichtete die Vereinigten Staaten auf drei sich ergänzende Initiativen zum Aufbau der strategischen
Partnerschaft. Er forderte die Stärkung und Erweiterung von NATO und KSZE, die Ausweitung der amerikanischen bilateralen Beziehungen zu Nationen, die an Programmen des Marshall-Zentrums teilnehmen, sowie die
Förderung von Verständnis auf regionaler Ebene und Verbindungen unter Nachbarstaaten.
Aspin bezeichnete Rußland als den "Schlüsselfaktor bei der Schaffung des künftigen sicherheitspolitischen
Umfelds" der Vereinigten Staaten und des neuen Europas gleichermaßen und verwies darauf, daß "wir die
Verteidigungsausgaben nur dann reduzieren, wenn sich die Bedrohung unserer Sicherheit, der Sicherheit
unserer Verbündeten und der demokratischen Staaten weltweit verringert hat. Um einen wirtschaftlichen Begriff
auf ein sicherheitspolitisches Thema anzuwenden - der Erfolg der russischen Reformen ist der wichtigste Faktor,
der die 'Nachfrage' nach amerikanischer Verteidigung und den dafür aufgewendeten Dollars beeinflußt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Verteidigungsminister Aspin im Wortaut.
Vielen Dank für diese Gelegenheit und Ehre, an der
feierlichen Einweihung des Marshall-Zentrums teilnehmen zu dürfen.
Ich möchte heute einige Ausführungen zu der einzigartigen Chance machen, die diese Veranstaltung bietet.
Wir sind hier versammelt - Verbündete und ehemalige
Gegner gleichermaßen - um der Eröffnung einer InstiAMERIKA DIENST 23

tution zu gedenken, die uns noch näher zusammenbringen wird. Wir übergeben dieses Zentrum am 46.
Jahrestag der berühmten Rede von George C. Marshall in Harvard. Ein Rückblick auf dieses historische
Ereignis ruft einem meistens den Marshallplan ins
Gedächtnis. Ich möchte heute über George Marshalls
Vision sprechen, die nur zum Teil durch den Plan
verwirklicht wurde, der seinen Namen trägt.

Seite 1

�Heute vor 46 Jahren stellte Minister Marshall den
Ländern Europas eine Herausforderung. Wenn diese
Länder gemeinsam einen Plan entwickeln könnten,
"Europa wirtschaftlich auf die Füße zu stellen", würden
die Vereinigten Staaten einen solchen Plan unterstützen und finanzieren, "soweit sich dies für uns als
praktisch erweist".
Viele haben vergessen, daß George Marshall dieses
Angebot allen Ländern vom Atlantik bis zum Ural
einschließlich der Sowjetunion und der Länder Osteuropas unterbreitete.
Marshalls Vision war in ihrem Wesen umfassend und
sah wirtschaftlich erfolgreiche Demokratien, die in
ihren internationalen Beziehungen zu ihrer wechselseitigen Sicherheit zusammenarbeiten, voraus. Kein
Land war ausgeschlossen.
Zu jenem Zeitpunkt nahmen jedoch die Ereignisse
ihren Lauf. Stalin lehnte das Angebot ab. Der Eiserne
Vorhang fiel. Und nur die Hälfte von Marshalls Vision
wurde verwirklicht.

Ethnische Konflikte sind ein Destabilisierungsfaktorfür
das Gastland und können sich auf die Nachbarländer
ausbreiten beziehungsweise diese mit einbeziehen.
Selbst die Staaten, die nicht in der betreffenden Region liegen und folglich nicht direkt bedroht sind, können in Form von wirtschaftlichen Schäden und Flüchtling sströmen unterden Folgen ethnischerund nationalistischer Konflikte leiden.
Aus diesem Grund muß das neue Europa sich bemühen, das historische Erbe der Vergangenheit zu bewältigen, nicht nur dem Kalten Krieg, sondern jahrhundertelangen Konflikten, die ihm vorausgingen. Viele
schwelende Feindschaften und Ängste, die ebenso
wieder neu entfacht werden könnten und werden wie
die ethnischen Rivalitäten auf dem Balkan, hat der
Kalte Krieg unterdrückt, jedoch nicht beendet. Sie
könnten die Stabilität ganz Europas bedrohen. Die
Vereinigten Staaten können sich nicht von Instabilität
und Konflikten in Europa fernhalten. Das zeigt sich
zweifelsohne an dem Engagement der Vereinigten
Staaten in zwei Weltkriegen in diesem Jahrhundert.

Wie soll dieses neue Sicherheitssystem für diesen
großen Raum dann geschaffen werden? Nicht durch
eine Unterminierung der Stärke und Solidarität der
NATO und der Stärke und Solidarität unserer bilateralen Beziehungen zu ihren Mitgliedern, einschließlich
Deutschlands, auf dessen Gebiet wir uns jetzt befinden. Nicht durch die Ankündigung einer neuen, großartigen Architektur. Nicht durch fruchtlose Argumentationen darüber, welche derzeitigen Institutionen welErstens müssen wirfürdieuns heute konfrontierenden che Befugnisse erhalten sollen. Ich bin der ÜberzeuGefahren ein neues europäisches Sicherheitssystem gung, daß wir pragmatisch und geduldig das nahtlose
schaffen, mit dem das alte System des Kalten Krieges Sicherheitsnetz für dieses Gebiet weben sollten für ein gespaltenes Europa ersetzt wird. Zweitens Faden um Faden.
müssen wir darauf hinarbeiten, den Erfolg der demokratischen und wirtschaftlichen Reformen in diesen Die diesbezüglichen Bemühungen der Vereinigten
Nationen sicherzustellen unter besonderer Berück- Staaten umfassen drei sich ergänzende Initiativen.
sichtigung der mutigen Bestrebungen der Reformer in Erstens streben wir eine Stärkung und Erweiterung der
Rußland, der Ukraine und den anderen Republiken der zur Zeit funktionierenden Institutionen an: der NATO
ehemaligen Sowjetunion sowie in den osteuropäi- und des Nordatlantischen Kooperationsrates, der Gruppe
schen Nationen. Meines Erachtens wird das Marshall- der Verteidigungsminister aus den NATO-MitgliedZentrum, das wir heute einweihen, eine zentrale Rolle staaten und dem ehemaligen Warschauer Pakt sowie
bei beiden dieser Bestrebungen spielen. Ich möchte der KSZE.
jede für sich erläutern.
Zweitens sollten wir die bilateralen Beziehungen zwi-

Jetzt ist es 46 Jahre und einen Kalten Krieg später. Wir
haben eine Chance, die in der Geschichte ihresgleichen sucht - nicht einen neuen Marshallplan zu unterbreiten, sondern uns selbst erneut Marshalls Vision zu
verschreiben. Diese Vision galt für ein ungeteiltes und
freies Europa. Die Verwirklichung dieser Vision könnte
in greifbare Nähe gerückt sein. Um diese Chance zu
ergreifen, müssen wir zweierlei tun.

Ein neues Sicherheitssystem für Europa. Während
des Kalten Krieges bestand Europa aus zwei feindlichen Bündnissen. Es gab keine gemeinsame Sicherheit, sondern nur die Sicherheit vor dem anderen.
Jetzt sehen sich alle Nationen Europas neuen Gefahren gegenüber, die für uns eine Herausforderung zur
Zusammenarbeit darstellen. Die größte Gefahr resultiert aus ethnischen oder nationalistischen Konflikten,
die durch das Ende des Kalten Krieges entstanden
sind. Das ehemalige Jugoslawien ist bereits in einen
solchen Konflikt verwickelt, und ein derartiger Konflikt
bedroht auch einige Bereiche an der Peripherie der
ehemaligen Sowjetunion.
Seite 2

schen allen Nationen auf diesem Gebiet stärken. Die
Vereinigten Staaten streben eine Ausweitung ihrer
bilateralen Beziehungen in wirtschaftlicher, politischer
und militärischer Hinsicht mit jederderNationen an, die
an den Progammen des neuen Marshall-Zentrums
teilnehmen. Der deutsche Verteidigungsminister Rühe
sprach gerade über einige der auf bilateraler Ebene
unternommenen Dinge; wir ermutigen andere Nationen zu ähnlichen Aktionen.
Drittens befürworten wir die Förderung von Verständnis auf regionaler Ebene und Verbindungen unter
Nachbarstaaten. Beispielsweise könnten Polen, Ungarn
sowie die Tschechische und die Slovakische Republik

AMERIKA DIENST 23

�eine solche Gruppe bilden, die die sicherheitspoliti- In diesem Zusammenhang möchte ich unmittelbar auf
schen Ängste ihrer Nachbarn abbauen und die umfas- das Verhältnis zwischen dem, was wir in unseren
sende Sicherheit für uns alle erhöhen kann.
Beziehungen zu Rußland zu erreichen versuchen und
der Sicherheit Europas eingehen.
Bei all diesen Bemühungen wird das Marshall-Zentrum eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Si- Zweifellos ist Rußland für die Vereinigten Staaten
cherheitsstrukturen in dem neuen Europa spielen. Es ebenso wie für das neue Europa der absolute Schlüsunterstreicht das Engagement der Vereinigten Staa- selfaktor bei der Gestaltu ng des künftigen Sicherheitsten für eine neue Partnerschaft zwischen Ost und umfeldes. Wenn ich als Verteidigungsminister der
West. Es ist ein Teil des Netzes bilateraler und Vereinigten Staaten nur für mein eigenes Land spremultilateraler Institutionen, die uns enger zusammen- che, so können wir die Verteidigungsausgaben nur
schweißen sollen.
dann reduzieren, wenn sich die Bedrohung unserer
Sicherheit, der Sicherheit unserer Verbündeten und
Das Zentrum wird einen Ort zur Entwicklung eines der Sicherheit von demokratischen Staaten weltweit
umfassenden Systems zur Förderung der nationalen verringert hat. Um einen wirtschaftlichen Begriff auf
Sicherheit und Reduzierung des Risikos von Atom- ein sicherheitspolitisches Thema anzuwenden - der
krieg und Terror darstellen. Es kann ein Militär unter- Erfolg der russischen Reformen ist der wichtigste
stützen, das einer demokratisch gewählten Regierung Faktor, der die "Nachfrage" nach amerikanischer
verantwortlich ist. Es kann entmilitarisierte Marktwirt- Verteidigung und den dafür aufgewendeten Dollars
schaften fördern. Es kann kleinere Streitkräfte unter- beeinflußt.
stützen, die sich eher der Verteidigung als der Aggression verschrieben haben. Es wird der Entwicklung Ich gehe davon aus, daß ein demokratisches, nichtimmoderner, professioneller und defensiv eingestellter periales Rußland die beste Garantie für Sicherheit und
Militärs in den Staaten des ehemaligen Warschauer Stabilität im neuen Europa darstellt. Ein demokratiPakts dienen. Es wird der Ausbildung von zivilen sches Rußland, das uneingeschränkt an der euroatVerteidigungsexperten zuträglich sein, demokratischen lantischen Staatengemeinschaft teilhat und dessen
Methoden der Verteidigungsplanung und des Verteidi- Werten folgt, wird das Sicherheitsgefühl seiner Nachgungsmanagements dienlich sein und die regionale barn erhöhen, die Gefahr eines Rückfalls in die deverteidigungspolitische Zusammenarbeit vertiefen. Das struktiven Muster der Vergangenheit abbauen und die
Marshall-Zentrum ist ein kleiner Schritt, aber es ist kontinuierliche Umgestaltung der europäischen Siauch ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer neuen cherheitsinstitutionen zu umfassenderen und kooperativeren Instrumenten ermöglichen.
europäischen Sicherheitsstruktur.
Unsere zweite Aufgabe bei der Verwirklichung der
unvollendeten Vision George Marshalls ist die Unterstützung demokratischer und wirtschaftlicher Reformen in dieser Region mit meines Erachtens besonderer Betonung auf Rußland.
Wenn beispielsweise die Reformen in Rußland scheitern und der Diktatur oder Anarchie weichen, werden
die Gefahren und Kosten für den Westen und die
osteuropäischen Nachbarn Rußlands enorm sein.
Dadurch würden die Aussichten auf eine Partnerschaft
zerstört, die entstehenden europäischen Sicherheitsinstitutionen einer großen Belastung ausgesetzt, die
Risiken eines Konfliktes im Osten drastisch erhöht und
neue Anforderungen an die Verteidigungsausgaben
der Vereinigten Staaten gestellt.

Unsere Sicherheitszusammenarbeit mit Rußland sollte unseren europäischen Freunden und Verbündeten
keinen Anlaß zur Sorge geben. Sie bedeutete keine
Abschwächung unseres Engagements für die Sicherheit Europas. Sie sollte vielmehr als Verbesserung
unserer gemeinsamen Sicherheit betrachtet werden.
Überdies arbeiten wir nicht nur mit Moskau zusammen. Wir sind bestrebt, auch unsere Sicherheitsbeziehungen mit den anderen Nationen der ehemaligen
Sowjetunion und des Warschauer Pakts zu stärken.

Der Präsident hat erklärt: "Die Entwicklung zu politischen und wirtschaftlichen Reformen in Rußland und
den anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion ist die größte sicherheitspolitische Herausforderung unserer Tage." Wir müssen zusammenarbeiten,
um die Mittel- und Osteuropäer in das neue Europa zu
Der Erfolg der russischen Reformer wird die Kräfte der integrieren und den Erfolg der Reformen sicherzustelDemokratie und ökonomischen Reformen in den nicht- len.
russischen Republiken ermutigen und die Basis für die
wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen ihnen stär- Wie können wir dies erreichen? Auf der wirtschaftliken. Ebenso wird der Erfolg der demokratischen und chen Ebene spielt die Europäische Gemeinschaft im
wirtschaftlichen Reformen in der Ukraine und den Hinblick auf das Ergebnis der Bemühungen im Osten
anderen nichtrussischen Republiken zum Erfolg der eine entscheidende Rolle. Damit die demokratischen
Reformen in Rußland sowie zum Wiederaufbau der und wirtschaftlichen Reformen Erfolg haben, benötiregionalen Wirtschaftsbeziehungen auf einer demo- gen die Mittel- und Osteuropäer Zugang zu westlichen
kratischen, nichtimperialen Grundlage beitragen.
Märkten, Investitionen und Hilfe beim Aufbau der
Institutionen einer freien Marktwirtschaft. Die Aussicht

AMERIKA DIENST 23

Seite 3

�auf eine EG-Mitgliedschaft stärkt die Reformen. Eine Übergang vom Kommunismus zur Demokratie und
enge Assoziierung trägt dazu bei, die neuen Demokra- freien Marktwirtschaft in einem Prozeß, der die von
tien Europas enger an den Westen heranzuführen.
uns allen gewünschte Welt nach dem Kalten Krieg
einleitet - und nicht lediglich das Fehlen der KonfrontaAuf der sicherheitspolitischen Ebene wird die NATO tion zwischen den Supermächten, sondern die ErweiSolidarität nicht mit Mangel an Flexibilität verwech- terung der demokratischen Staatengemeinschaft auf
seln. In Zukunft müssen wir überlegen, wie sich den gesamten Kontinent und darüber hinaus.
unsere engere Assoziierung mit den demokratischen
Staaten des Ostens entwickeln wird. Für die Gegen- Heute haben wir die Chance, in Zusammenarbeit mit
wart müssen wir jedoch innovative Wege finden, um unseren ehemaligen Gegnern eine neue Beziehung
unsere mittel- und osteuropäischen Partner enger mit aufzubauen, die Frieden und Sicherheit in Europa
dem Bündnis zu verbinden.
gewährleisten wird. Das Marshall-Zentrum unterstreicht
das amerikanische Engagement für eine neue PartBei all dem kann das Marshall-Zentrum eine entschei- nerschaft zwischen Ost und West. Es wird Teil des
dende Rolle spielen. Es wird ein Ort sein, an dem wir Geflechts sein, das uns alle enger miteinander verbinmiteinander Ideen und technischen Rat austauschen det.
können. Es wird dazu beitragen, ein Geflecht von
Beziehungen zwischen und mit den neuen unabhängi- In beiden ehemals geteilten Hälften Europas haben die
gen Staaten zu knüpfen.
Staaten eine Verpflichtung zu Demokratie, freien
Märkten, Frieden und gemeinsamer Sicherheit zum
Abschließend möchte ich erneut feststellen, daß wiran Ausdruck gebracht. Gemeinsam können und müssen
einem entscheidenden historischen Moment stehen, wir diese Verpflichtungen unterstützen, schützen und
der die Möglichkeit eröffnet, George Marshalls ur- fördern. George Marshall hätte nicht weniger von uns
sprüngliche Idee eines freien und wirtschaftlich blü- erwartet.
henden Europas vollständig zu verwirklichen. Der
Ich danke Ihnen.
*

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 23

�OECD
9. Juni 1993

BENTSEN FORDERT OECD ZUR ANKURBELUNG
DES WIRTSCHAFTSWACHSTUMS AUF
Erklärung bei OECD-Treffen
PARIS - (AD) - Mit der Warnung "die größte Gefahr für fortgesetzten offenen Handel ist Stagnation" rief USFinanzminister Lloyd Bentsen die Mitglieder der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dazu auf, mehr zur Ankurbelung ihrer Volkswirtschaften zu unternehmen.
Auf dem Ministertreffen der OECD am 2. Juni 1993 in Paris erklärte Bentsen, die Bemühungen der Vereinigten
Staaten zur Senkung ihres Haushalts- und Handelsdefizits "werden nur von Erfolg gekrönt sein, wenn sie von
schnellerem Wachstum in der übrigen Welt begleitet sind. Die Welt kann nicht auf den Wirtschaftsaufschwung
in den Vereinigten Staaten setzen, um die Rezession zu überwinden."
Bentsen bezeichnete die wachsenden Handels- und Leistungsbilanzüberschüsse Japans als "globales Problem". Diese Überschüsse "schaden dem Weltwirtschaftswachstum", so der Minister. "Das muß sich ändern."
Bentsen forderte die europäischen Nationen dazu auf, weiter die Zinssätze zu senken und die notwendigen
Strukturänderungen vorzunehmen, um ihre Arbeitsmärkte flexibler zu gestalten. Ferner rief er die OECD dazu
auf, Rußland ebenso wie den anderen osteuropäischen Nationen entgegenzukommen und Mexiko als
Vollmitglied aufzunehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Ausführungen von Minister Bentsen.

Herr Vorsitzender Dawkins, Herr Generalsekretär Paye,
verehrte Delegierte, es ist mir eine Freude, an meiner
ersten OECD-Ministertagung teilzunehmen. Ich möchte
Ihnen heute die Botschaft übermitteln, daß wir gemeinsam handeln müssen, um den Kurs der Weltwirtschaft
zu ändern.
Nachdem die Bedrohung durch den Kommunismus
zurückgegangen ist, werden wir nach dem definiert,
wofür wir uns aussprechen, und nicht danach, wogegen wir sind. Wir sprechen uns für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung für alle Nationen
aus, das überragende Ziel dieser Organisation. Wir
wissen heute, daß Wohlstand nur mit Hilfe des Marktes erzielt werden kann. Der Anreiz zu Wettbewerb ist
der einzige Weg zum Wohlstand.

die Arbeitslosenzahl in den OECD-Ländern mehr als
30 Millionen beträgt und immer noch ansteigt.
Im letzten Jahrzehnt haben ungefähr 60 Nationen
außerhalb der OECD ihre Handelssysteme geöffnet,
und die Aussicht auf Wachstum hängt entscheidend
vom Zugang zu offenen Märkten ab. Auf keinem
Gebiet ist das wichtiger als in den Ländern, die jetzt
Demokratie und Marktwirtschaft aufbauen.
Wir müssen zusammenarbeiten, denn die größte Gefahr
für fortgesetzten offenen Handel ist Stagnation. Die
Erfahrung lehrt uns, daß die Schubkraft der Integration
nachläßt, wenn das Wachstum sich verlangsamt, und
daß Protektionismus mit größerem Wachstum zurückgeht.

Unsere wichtigste Herausforderung besteht darin, das Wir können den Status quo verändern, wenn wir Mut
Wachstum wiederherzustellen und das multilaterale zum Handeln haben - sowohl allein als auch zusammen. Die von uns getroffenen Maßnahmen werden
Handelssystem zu erhalten und zu öffnen.
natürlich die spezifischen Gegebenheiten in jeder unserer
Warum gerade jetzt? Der Grund ist, daß das Wachs- Volkswirtschaften und unsere eigenen nationalen Intum in den Vereinigten Staaten schleppend war und teressen widerspiegeln. Glücklicherweise stimmen
AMERIKA DIENST 23

Seite 1

�nationale Imperative und internationale Interessen in
zunehmendem Maße überein.

stungsbilanzdefizit in Japan steigt weiter an und die
Inlandsnachfrage wächst sogar noch langsamer als
das Einkommen. Diese Überschüsse stellen ein gloDie Vereinigten Staaten erkennen, daß wir uns wan- bales Problem dar. Sie schaden dem Weltwirtschaftsdeln müssen. Aus diesem Grund haben wir ein ehrgei- wachstum. Das muß sich ändern.
ziges Programm zur wirtschaftlichen Wiederbelebung
ins Leben gerufen.
In Japan besteht die Notwendigkeit, die Inlandsnachfrage zu erhöhen und den Au ßenhandelsüberschu ß zu
Präsident Clinton hat unsere nationale Debatte über senken, und das Land besitzt dazu auch die Mittel.
die Wirtschaftspolitik geändert. Jetzt stellen sich die Das jüngste Paket zur Ankurbelung der Wirtschaft ist
Amerikaner nicht länger die Frage, ob es einen Abbau ein nützlicher Schritt, muß aber im nächsten Jahr
des Defizits geben wird, sondern ob dieser substantiell beibehalten werden, damit es keinen Verlust gibt wie
und dauerhaft sein wird.
im letzten Jahr.
Wir haben erkannt, daß unsere Wettbewerbsprobleme in Washington entstanden sind, nicht in London,
Paris, Bonn oder Tokio. Wir sind uns bewußt, daß wir
unseren Weg zum Wohlstand nicht durch Abwertungen erkaufen können. Wir können ihn nur durch
erhöhte Investitionen in unserem Land beschreiten.
Wir unternehmen wesentliche Schritte und reduzieren
unser Gesamtdefizit um 500 Milliarden Dollar. Das
geschieht durch erhöhte Investitionsanreize sowohl im
öffentlichen als auch im privaten Sektor.
Letzte Woche haben wir einen wichtigen Sieg für
Amerikas Zukunft errungen, als unser wirtschaftliches
Maßnahmenpaket vom Repräsentantenhaus verabschiedet wurde. Wir werden auch den Senat dafür
gewinnen.

Glücklicherweise ist die japanische Finanzlage auch
nach dem im April angekündigten Konjunkturprogramm
stark. Die rückläufigen Einnahmen sind vor allem auf
das langsame Wachstum zurückzuführen und können
mit der Wiederherstellung eines normaleren Wachstums behoben werden.
Die Prognosen für Europa sind nach wie vor beunruhigend, und der Handlungsspielraum ist noch weiter
begrenzt. Die Zahl der Arbeitslosen nähert sich 21
Millionen, und die meisten Länder auf dem Kontinent
befinden sich in einer Rezession oder sind auf dem
Weg dorthin.

Die Aussichten für eine rasche Erholung sind unsicher.
Die jüngste Senkung der Zinnsätze sollte helfen.
Angesichts der derzeitigen Rezession und des abnehDie Märkte setzen auf unser Programm und die Erho- menden Lohn- und Preisdrucks sind weitere beträchtlung unserer Wirtschaft. Die Zinssätze sind wesentlich liche Senkungen angebracht.
gesunken, und die Aktienkurse befinden sich auf
Die europäischen Nationen, insbesondere die mit wenig
Rekordniveau.
Spielraum für Wechselkursveränderungen, benötigen
Unsere Wirtschaft erholt sich - zumindest in beschei- Strukturveränderungen, um die Flexibilität der Arbeitsdenem Ausmaß. Wir haben die Inflation unter Kontrol- märkte zu erhöhen. Dies kann die Anpassung an
le, die Produktivität steigt, die Produktionskosten stei- Einflüsse von außen gestatten, ohne das Wachstum
gen nur mäßig. Wir machen uns jedoch Sorgen, da die aufs Spiel zu setzen.
Zahl der Arbeitsplätze kaum ansteigt. Viel zu viele
Arbeitnehmer stehen vor dem Arbeitsamt anstatt vor Makroökonomische Maßnahmen zur Förderung des
dem Fließband. Zusätzlich wird - so einschneidend Wachstums müssen mit Handelsmaßnahmen zur
unser Plan zum Abbau des Defizits auch sein mag - Erhaltung und Erweiterung des offenen internationaeine dauerhafte Senkung des Defizits nur erreicht len Handelssystems einhergehen. Die Grundlage für
werden, wenn wir die Kosten im Gesundheitswesen die Handelspolitik dieser Administration wird "Exporteindämmen. Diese Kosten beeinflussen unsere Kon- aktivismus" sein. Wir wollen den Handel erweitern,
junktur, was der Hauptgrund dafür ist, sie unter Kon- nicht verringern.
trolle zu bringen.
Ich möchte Ihnen versichern, daß die Vereinigten
Unsere Bemühungen zur Senkung des Haushalts- und Staaten gemäß der Worte von Präsident Clinton hanHandelsdefizits werden nur von Erfolg gekrönt sein, deln werden: "Wir müssen uns dem Wettbewerb
wenn sie von schnellerem Wachstum in der übrigen stellen und dürfen uns nicht zurückziehen." Wir wollen
Welt begleitet sind. Die Welt kann nicht auf den den unverzüglichen und erfolgreichen Abschluß der
Wirtschaftsaufschwung in den Vereinigten Staaten Handelsgespräche sowie ein faires und ausgewogesetzen, um die Rezession zu überwinden.
nes Abkommen. Ein erfolgreiches Abkommen der
Uruguay-Runde ist, wie es die Finanzminister der G-7
Besondere Sorge bereitet uns Japan. Den Schätzun- im vergangenen Monat formulierten, "unerläßlich für
gen dieser Organisation zufolge wird Japans Wachs- die Maximierung des Wachstumspotentials der Welt".
tum in diesem Jahr unter einem Prozent liegen, trotz
des jüngsten Programms zur Ankurbelung der Wirt- Die Stärkung des multilateralen Handelssystems
schaft, und nächstes Jahr werden ebenfalls nicht alle bedeutet auch, daß andere Länder, insbesondere die
Möglichkeiten ausgeschöpft. Das Handels- und Lei- mit relativ geschlossenen Märkten, jetzt mehr tun
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AMERIKA DIENST 23

�müssen, um mit der offenen amerikanischen Wirtschaft Schritt zu halten und das Spielfeld zu ebnen.

Herr Vorsitzender, Herr Generalsekretär, verehrte
Delegierte, wir müssen jetzt gemeinsam darauf hinarbeiten, unseren neuen Frieden in einer gestärkten und
Ebenso wie die Welt sich drastisch verändert hat, mu ß wachsenden Weltwirtschaft zu sichern, und wir müssich auch die OECD verändern, um ein breiteres sen zusammenarbeiten, um offene Märkte zu erhalten
Spektrum von Ländern einzubeziehen. Unsere Ant- und zu erweitern. Der Preis des Scheiterns ist ein
wort an die Nationen Osteuropas war ermutigend. Es Rückfall in Stagnation und Protektionismus. Die Beist an der Zeit, dasselbe für Rußland zu tun, um bei lohnung für Erfolg ist Wohlstand.
seiner Integration in die Weltwirtschaft behilflich zu
sein. Darüber hinaus sind wir auch der Ansicht, daß
die Zeit für Mexiko gekommen ist, der OECD als
Vollmitglied beizutreten.

* * * *

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*

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�GATT
9. Juni 1993

KANTOR FORDERT BESSERE ANGEBOTE
BEI GATT-VERHANDLUNGEN
Erklärung bei OECD-Konferenz
PARIS - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge müssen alle an der
gegenwärtigen Uruguay-Rundevon Handelsgesprächenteilnehmenden Länder "ihre Angebote gegenüber dem,
was derzeit auf dem Tisch liegt, erheblich verbessern".
Beim Ministertreffen der Organisation für internationale Zusammenarbeit und Entwicklung stellte Kantor am 2.
Juni 1993 fest, wenn die gegenwärtig stattfindenden Konsultationen einen Rahmen für ein gutes Abkommen über
Marktzugang entwickelten, sollten die Unterhändler in der Lage sein, die verbleibenden wichtigen Aufgaben zu
lösen, wenn sie im Juli ihre Verhandlungen in Genf wiederaufnehmen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Kantors Stellungnahme.

Dieses Zusammentreffen bietet eine gute Gelegenheit, um den Abschluß der Uruguay-Runde zu beschleunigen - und damit die wirtschaftliche Erholung in
allen Mitgliedstaaten der OECD zu stimulieren.

Juli. Die Führungen von Senat und Repräsentantenhaus haben gleichermaßen erklärt, daß
sie die Bedeutung einer baldigen Behandlung
dieser Vorlagen verstehen.

Die zentralen Ziele der amerikanischen Handelspolitik 2.
sind die Öffnung von Märkten und die Schaffung von
Handelschancen, die Ankurbelung der Weltwirtschaft,
die Stärkung des internationalen Handelssystems und
vor allem die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Wir haben intensive "QUAD"-Verhandlungen
mit der Europäischen Gemeinschaft, Japan und
Kanada eingeleitet, um rechtzeitig zum Weltwirtschaftsgipfel im Juli einen Durchbruch bei
den Verhandlungen über Marktzugang zu erzielen. Wir sind übereingekommen, daß wir auf ein
kühnes Paket von Maßnahmen zum Marktzugang hinarbeiten müssen.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihrer Verantwortung für das Wachstum des Welthandels und die
Stärkung der internationalen Handelsregeln gerecht
zu werden. Von unseren Handelspartnern erwarten
wir jedoch nicht weniger als Gegenseitigkeit der Verpflichtungen und Vergleichbarkeit der Maßnahmen.
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist der wichtigste
Einzelschritt, den wirunternehmen können, um Märkte
zu öffnen und den Handel mit Fertigwaren, landwirtschaftlichen Produkten und Dienstleistungen weltweit
zu erweitern.
Die Vereinigten Staaten haben unlängst eine Reihe
von Maßnahmen ergriffen, um die Verhandlungen
voranzutreiben:
1.

Am 27. April hat die Administration dem Kongreß Gesetzentwürfe zur Verlängerung der FastTrack-Vollmacht zugeleitet. Unser Ziel ist die
Verwirklichung dieses Vorhabens bis Anfang

AMERIKA DIENST 23

3.

Wir haben erhebliche Fortschritte beim Abbau
der verbleibenden Meinungsverschiedenheiten
zwischen den USA und der EG erzielt.

Um wirkliche Fortschritte bei Fragen des Marktzugangs zu machen, müssen alle an den Verhandlungen
teilnehmenden Länder ihre Angebote gegenüber dem,
was derzeit auf dem Tisch liegt, erheblich verbessern.
Meine Delegation ist bereit, mit jeder nationalen Delegation zusammenzutreffen, um die Verhandlungen
voranzubringen.
Wenn die derzeit stattfindenden Konsultationen einen
Rahmen für ein gutes Abkommen über Marktzugang
ergeben, sollten wir in der Lage sein, im Juli an den
Verhandlungstisch in Genf zurückzukehren, um die
verbleibenden wichtigen Aufgaben zu vollenden.
Seite 1

�Unsere wichtigsten Herausforderungen sind:
1.

Einigung über ein kühnes Paket von Maßnahmen zum Marktzugang zu erzielen, das eine
Reihe von Sektoren umfaßt, in denen die wichtigsten Anbieter ihre Zölle abschaffen - die
sogenannte "Null-gegen-NulP'-Option.

2.

Die letzten Unstimmigkeiten bei den handelsliberalisierenden nationalen Marktzugangsverpflichtungen im Dienstleistungsbereich auszuräumen.

3.

Unseren vereinbarten Ansatz im Agrarbereich
in detaillierte Verpflichtungen bei einzelnen
Produkten umzusetzen.

Wie sollten das Handelssystem und die es unterstützenden Institutionen sich an die Realitäten der neuen
Weltwirtschaft anpassen? Von allen internationalen
Institutionen ist die OECD am besten geeignet, diese
Frage durch ihr Arbeitsprogramm zu behandeln.
Die Globalisierung von Produktion und Märkten hat die
Rolle und Auswirkungen des Ausßenhandels und der
Auslandsinvestitionen in unseren Volkswirtschaften
grundlegend verändert. Innenpolitische Maßnahmen
sind zu wichtigen Wettbewerbsfaktoren im Welthandel
geworden.

Eine weitere neue Frage ist die wachsende Bedeutung
der regionalen Zusammenarbeit im Kontext des Welthandelssystems. Initiativen wie NAFTA, der EGBinnenmarkt und das Forum für asiatisch-pazifische
4.
Den Entwurf der "Schlußakte" zu verbessern,
wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) können eine
wozu alle Vereinbarungen gehören, mit denen
äußerst nützliche Rolle bei der Förderung des explosiRegeln geschaffen werden.
ven Wachstums von regionalem Handel und InvestitioWir haben eine kleine Chance, die wir nutzen müssen. nen spielen. Wir sind uns einig, daß solche regionalen
Es ist politisch schwierig, Märkte in einer Zeit zu öffnen, Initiativen den multilateralen Handel erleichtern, nicht
in der die Weltwirtschaft nicht wächst. Präsident behindern sollten.
Clinton vertritt jedoch die Auffassung, daß es genau
jetzt an der Zeit ist, den Handel zu erweitem, um neue
Arbeitsplatzchancen zu schaffen.

* * * *

*

Mr &lt;i|;$*"'

__
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�ILO
9. Juni 1993

REICH VERWEIST AUF WACHSENDEN BEDARF AN
QUALIFIZIERTEN ARBEITSKRÄFTEN
Rede bei ILO-Tagung
WASHINGTON - (AD) - US-Arbeitsminister Robert Reich zufolge hat die weltweit steigende Nachfrage nach
qualifizierten Arbeitnehmern, abhängig von der Politik der jeweiligen Regierungen, unterschiedliche Auswirkungen auf die Erwerbsbevölkerung der Industriestaaten.
In den Vereinigten Staaten und Großbritannien, so Reich bei einer Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation in Genf am 4. Juni 1993, haben staatliche Maßnahmen ein verstärktes Lohngefälle hervorgebracht,
gleichzeitig jedoch die Schaffung von Arbeitsplätzen angekurbelt, da zugelassen wurde, daß bei zurückgehender
Nachfrage Löhne gesenkt und Arbeitnehmer entlassen werden konnten.
In Kanada, Deutschland, Italien, Frankreich, Schweden, Österreich und Australien waren die Lohnunterschiede weniger ausgeprägt, fügte er hinzu, weil der Staat mit der Festsetzung von Löhnen und Gewährung von
Arbeitsplatzsicherheit eingegriffen habe. Infolgedessen seien jedoch weniger Arbeitsplätze geschaffen worden.
Reich empfahl eine dritte Alternative, zu der verstärkte Aus- und Fortbildung, die Bereitstellung einer zeitgemäßen Berufsberatung sowie die Einführung einer investitionsotientierten, auf die Aufrechterhaltung einer
anhaltend starken Nachfrage nach Arbeit ausgerichteten Haushaltspolitik gehörten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Reichs Rede im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute bei der 80. Jahreskonferenz
der Internationalen Arbeitsorganisation sprechen zu
dürfen. Zunächst möchte ich Herrn Assem Abdel Haq
zu seiner Wahl zum Präsidenten der diesjährigen
Konferenz gratulieren. Darüber hinaus gratuliere ich
Michel Hansenne zu seiner Wahl für eine zweite Amtszeit
als Generalsekretär der ILO. Die fortdauernde Führungsrolle dieser beiden Herren wird zweifellos unserer Arbeit hier in Genf zugute kommen und zur Erfüllung des Auftrages der ILO beitragen.
Während ihrer gesamten langen und ehrenvollen
Geschichte hat sich die ILO für soziale und wirtschaftliche Verbesserungen in der Völkergemeinschaft durch
freie und unabhängige Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Regierungen eingesetzt. Als neuer
Arbeitsminister der Vereinigten Staaten weiß ich das
Vermächtnis der ILO bei den anhaltenden weltweiten
Bemühungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller Arbeitnehmer zu schätzen. Mit Begeisterung
kann ich sagen, daß ich unserer Zusammenarbeit in
den nächsten acht Jahren gerne entgegensehe.

AMERIKA DIENST 23

Ein wichtiges Element der ILO-Arbeit ist der Kodex
internationaler Arbeitsnormen, die von der Organisation in den vergangenen 75 Jahren verabschiedet
wurden. Ich möchte das unerschütterliche und seit
langem bestehende Engagement der Vereinigten
Staaten für die Bemühungen der ILO zur Förderung
von Menschen- und Arbeitnehmerrechten sowie zur
Verbesserung der Arbeitsbedingungen weltweit und
für ihre Mechanismen zur Beobachtung und Überwachung der Anwendung frei ratifizierter Konventionen
bekräftigen.
Heute möchte ich zu Ihnen über meine Sorgen im
Hinblick auf vier Probleme sprechen, mit denen die
amerikanische Erwerbsbevölkerung derzeit konfrontiert ist. Andere Nationen haben zum großen Teil die
gleichen Probleme, wenn auch in unterschiedlichem
Ausmaß. Die Frage lautet, was gegen sie unternommen werden kann. Die Antwort auf diese Frage
erfordert eine Untersuchung der ihnen zugrundeliegenden Ursachen.

Seite 1

�Das erste Problem besteht darin, daß der Konjunkturzyklus nicht erwartungsgemäß verläuft. Obwohl die
Rezession in den USA offiziell vor zwei Jahren im März
1991 zu Ende ging, bringt die derzeitige Erholung nicht
so viele Arbeitsplätze hervor, wie in traditionellen
Aufschwungphasen. Die Arbeitslosigkeit verharrt bei
7 Prozent und ist damit sogar höher als die 6,8 Prozent,
die auf der angeblichen Talsohle der Rezession verzeichnet wurden. Dies ist der 17. Monat in Folge, in
dem die Arbeitslosenquote bei 7 Prozent oder höher
steht. Nahezu 10 Millionen Amerikaner sind immer
noch ohne Arbeit, und mehr als eine weitere Million
sind zu entmutigt, um Arbeit zu suchen.
Zweitens wird eine überraschend hohe Zahl derjenigen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, ihre alte
Tätigkeit nie mehr ausüben können. In den vier
vorhergehenden Rezessionen betrafen 44 Prozent
der Nettoverluste an Arbeitsplätzen Personen, die bei
einem erneuten Konjunkturaufschwung erwarten
konnten, ihre alte Tätigkeit wiederaufzunehmen. Dieses Mal erwarten lediglich 14 Prozent, ihren alten
Arbeitsplatz zurückzuerhalten, und ein überproportional großer Prozentsatz der neuen Arbeitsplätze sind
Teilzeitbeschäftigungen.

Unter der Herausforderung des weltweiten Wettbewerbs und arbeitsparender Technologien sind amerikanische Unternehmen gezwungen worden, die großvolumige, standardisierte Massenproduktion zu überwinden und sich statt dessen auf Erzeugnisse und
Dienstleistungen zu konzentrieren, die auf die Bedürfnisse einzelner Kunden zugeschnitten sind: Spezialwerkstoffe, nach bestimmten Bedürfnissen gefertigte
Computerchips, SpezialChemikalien, für Marktnischen
konzipierte Automobile und Lastwagen, spezialisierte
Bank- und Investmentdienstleistungen, spezialisierte
Reise- und Versicherungsdienstleistungen.
Der "Wissensgehalt" der meisten Güter und Dienstleistungen steigt. Der Preis eines neuen Computers ist
überwiegend auf die Entwicklung der Software zurückzuführen; Hardware wird zunehmend billiger. Ein
neuer Jet ist vorwiegend das Ergebnis von Ingenieurund Fertigungsplanung, ausgefallener Elektronik und
raffinierter Finanzierung.

Diese Verlagerung von Volumen zu Wert - von starren
und eingefahrenen Produktionssystemen zu flexiblen
und innovativen - ist gekennzeichnet durch eine Verschiebung der relativen Nachfrage nach Arbeitskräften auf Kosten von schlechter ausgebildeten und weniger
Drittens scheint es, daß die sogenannte "natürliche" qualifizierten Arbeitnehmern, die Routineaufgaben
Arbeitslosenquote - die niedrigste Quote, die zuverläs- übernehmen, zum Vorteil besser ausgebildeter und
sig erreicht werden kann, ohne die Inflation zu schüren qualifizierter Arbeitnehmer, die Probleme lösen kön- im Ansteigen begriffen sein könnte. Es ist zu früh, um nen. Das mittlere Management, das lediglich Anweisagen zu können, ob die in den letzten Wochen sungen von oben ausführt, wird nicht länger benötigt.
geäußerten vagen Inflationswamungen Anlaß zu ern- Alle Dienstleistungen, die von spezialisierten Anbiester Besorgnis sind, aber die hohen Arbeitsplatzverlu- tern außerhalb des Unternehmens erhältlich sind, werden
ste und der wachsende Prozentsatz von Langzeitar- durch Outsourcing an diese vergeben. Ungelernte
Arbeiter werden von Maschinen oder in den Entwickbeitslosen sind besorgniserregend.
lungsländern durch schlechter bezahlte Arbeitnehmer
Viertens und letztens ist das Gefälle zwischen gutver- ersetzt.
dienenden und schlechtbezahlten Arbeitnehmern
ebenfalls gewachsen. In den achtziger Jahren hat sich Mit dieser Umgestaltung wird überdies großer Wert auf
der Abstand zwischen dem obersten Zehntel und dem Arbeitnehmer gelegt, die neue Marktchancen entdekuntersten Zehntel der amerikanischen Lohnempfän- ken und Technologien daran anpassen können gerum 20 Prozent vergrößert. Dies gilt für Männer und Designer, Ingenieure, Händler und Verkäufer, die eine
Frauen gleichermaßen. Die Löhne von Arbeitnehmern ähnliche Funktion haben wie Managementberater für
ohne Aufsichtsfunktion sind real gesunken. Zwischen Klienten und Kunden. Obwohl Roboter und Computer
1979 und 1990 stieg der Anteil von Arbeitnehmern, in Fabriken oder Dienstleistungsunternehmen in zuderen Gehalt an oder unter der Armutsgrenze für eine nehmendem Maße die körperlich belastenden Routivierköpfige Familie lag, von 12,1 auf 18 Prozent. nearbeiten verrichten, gibt es viele Arbeitsplätze für
Jungen Arbeitnehmern erging es sogar noch schlech- diejenigen, die die Roboter und Computer programter: Der Anteil der vollzeitbeschäftigten und dabei mieren, sie in wirksame Systeme eingliedern, ihr reieinkommensschwachen 18- 24jährigen explodierte von bungsloses Funktionieren überwachen und ständig
22,9 Prozent im Jahr 1980 auf 43,4 Prozent 1990.
versuchen, sie noch effektiver zu gestalten.
Wie können diese Muster erklärt werden? In gewissem Maß sind sie meines Erachtens die Folge einer
Umstrukturierung der amerikanischen Wirtschaft - einer
Umgestaltung, die auch in anderen Industriestaaten
stattfindet. Diese Umgestaltung gewann in den achtziger Jahren an Schwungkraft, und der Druck auf die
Untemehmensgewinne gegen Ende des Jahrzehnts
beschleunigte sie lediglich.

Seite 2

Die Verlagerung bei der Nachfrage nach Arbeitskräften von weniger ausgebildeten und qualifizierten zu
besser ausgebildeten und qualifizierten Arbeitnehmern
hatte unterschiedliche Auswirkungen auf die Erwerbsbevölkerung in Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand, was im großen und ganzen von der
Politik der jeweiligen Regierung abhing.

AMERIKA DIENST 23

�In einigen Ländern, insbesondere den Vereinigten
Staaten und Großbritannien - hat diese Verlagerung zu
einem größeren Lohngefälle geführt. In den Vereinigten Staaten führte sie auch zu einem abnehmenden
Realeinkommen der Arbeitnehmer am u nteren Teil der
Einkommenspyramide. Beide Nationen neigen dazu,
die Arbeit wie jede andere Ware zu behandeln - lassen
eine Senkung der Löhne zu und geben den Arbeitgebern die relative Freiheit, Arbeitnehmer bei einem
Sinken der Nachfrage freizusetzen. Gleichzeitig - und
vor allem aufgrund dieser Flexibilität - war in beiden
Ländern zwischenzeitlich eine kräftige Zunahme an
Arbeitsplätzen zu beobachten. Jedoch war dieser
Zuwachs in Zeiten der Rezession von hoher Arbeitslosigkeit unterbrochen, und in beiden Ländern war eine
ständig steigende strukturbedingte Arbeitslosigkeit zu
beobachten.

gebern Spielraum. Dieser dritte Weg behandelt unmittelbar die Nachfrageverlagerung auf dem Arbeitsmarkt,
indem er drei Faktoren betont: Erstens eine allen
Bürgern, nicht nur den Kindern einer privilegierten
Minderheit zugängliche gute Ausbildung und kontinuierliche Fortbildung. Derzweite Schwerpunkt solltedie
Bereitstellung zeitgemäßer Arbeitsinformationen,
Berufsberatung und Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche für
alle Berufsanfänger sowie alle neuen Arbeitslosen
sein. Das dritte Element ist eine investitionsorientierte,
auf die Aufrechterhaltung einer anhaltend starken
Gesamtnachfrage nach Arbeit ausgerichtete Haushalt spolitik.

Diese Ziele auszusprechen, ist wesentlich leichter, als
sie zu verwirklichen. Mehr Geld für Aus- und Fortbildung ist erforderlich, aber dies ist schwerlich ausreichend. Das Geld mu ß sinnvoll ausgegeben und auf die
In anderen hochindustrialisierten Staaten - einschließ- Fähigkeit zu lebenslangem Lernen am Arbeitsplatz
lich Kanadas, Deutschlands, Italiens, Frankreichs, zugeschnitten sein. Qualitativ hochwertige InformatioSchwedens, Österreichs und Australiens - waren die nen über Arbeitsplätze der Zukunft sowie Hilfe bei
Einkommensunterschiede weniger markant. Durch deren Erlangung erfordert die Anwendung von bisher
die offene Einmischung der Regierungen bei der unerprobter Informationstechnologie. Eine an solchen
Festsetzung von Löhnen und der Sicherung von Ar- Investitionen - ebenso wie an öffentlich geförderter
beitsplätzen wurde eine Verschärfung dieser Ungleich- Forschung, Umweltschutz und Verkehrsinfrastrukturgewichte verhindert. Doch hauptsächlich aufgrund ausgelichtete Haushaltspolitik ist angesichts großer
dieses Mangels an Flexibilität bei Löhnen und Arbeits- Haushaltsdefizite schwer zu realisieren.
plätzen wurden in diesen Ländern im Verhältnis weniger Arbeitsplätze geschaffen, und die durchschnittli- Trotzdem bin ich davon überzeugt, daß die Vereinigten
Staaten und andere Länder diesen dritten Weg beche Arbeitslosigkeit in diesem Jahrzehnt war höher.
schreiten müssen. Die bedingungslose Wahl zwiMüssen sich die Staaten aufgrund dieses neuen Zeit- schen Gleichheit und Beschäftigung wird unsere
alters des weltweiten Wettbewerbs und der modernen Gesellschaften spalten und uns nicht auf die Welt der
Technologie zwischen Gleichheit und Schaffung von Zukunft vorbereiten.
Arbeitsplätzen entscheiden? Zwischen aktiven Eingriffen, mit denen Löhne festgesetzt und die Rechte Ich begrüße das Engagement der ILO für die Verbesder Arbeitgeber beschnitten werden, und marktwirt- serung der Lebensqualität und Arbeit für alle Arbeitschaftlichen Strategien, die sinkende Löhne erlauben nehmer auf der Wert. Ebenso wie mein Vorgänger
Frances Perkins beim ILO-Treffen in Paris im Jahr
und den Arbeitgebern großen Spielraum lassen?
1945 verspreche auch ich die uneingeschränkte und
Ich gehe davon aus, daß es eine dritte Alternative gibt, kontinuierliche Unterstützung der Vereinigten Staaten
die den beiden anderen potentiell überlegen ist. Sie von Amerika fürden Auftrag dieser Institution-Verbeserfordert aktive Interventionen, erlaubt jedoch ande- serung des Status und Erweiterung der Aussichten für
rerseits Flexibilität bei den Löhnen und gibt den Arbeit- die arbeitenden Menschen auf diesem Planeten.

*

AMERIKA DIENST 23

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Seite 3

�U M W E LT
9. Juni 1993

USA: VERTRAG KANN "ARTENVIELFALT" ERHALTEN
Gemeinsame Erklärung von Albright und Wirth
WASHINGTON - (AD) - In einer am 4. Juni 1993 veröffentlichten gemeinsamen Erklärung stellten die Ständige
Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, und der"Counsellor"des USAußenministeriums, Timothy Wirth, fest, die Vereinigten Staaten werden den Vertrag zur Schutz der Artenvielfalt
auf der Erde unterzeichen, weil er die internationale Unterstützung für die Erarbeitung eines Plans zu deren
Erhaltung konzentrieren kann und darüber hinaus die Nationen wirtschaftlich vom Schutz der Artenvielfalt
profitieren könnten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame Erklärung im Wortlaut.

Unsere Unterzeichnung der Konvention zum Schutz
der Artenvielfalt spiegelt die Verpflichtung von Präsident Clinton, Vizepräsident Gore und unserer Nation
zur Erhaltung der Artenvielfalt auf der Erde wider.
Unseres Erachtens kann diese Konvention eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung des Verlusts von Flora
und Fauna, ihrer Lebensräume und Ökosysteme spielen, indem sie ein Forum bietet, in dem die internationale Besorgnis auf einen schlüssigen, dynamischen
und unverzüglichen Aktionsplan für die Zukunft konzentriert werden.
Die Clinton-Administration beabsichtigt, daß die Vereinigten Staaten eine führende Rolle bei der Erarbeitung
eines Konsenses nicht nur zu dieser Konvention, sondern
insgesamt bei der durch den Artenschwund gestellten
Herausforderung spielen. Unseres Erachtens muß
unsere Führungsrolle im eigenen Land beginnen. Die
Erstellung einer Übersicht über die Artenvielfalt durch
den Präsidenten und Innenminister Bruce Babbitt bietet
die nationale Ausgangsbasis zur Bestandsaufnahme
und Überwachung unserer eigenen biologischen
Ressourcen und für die Gewährleistung, daß hochqualifizierte biologische Ratschläge die Grundlage für
die Verwaltung unserer natürlichen Ressourcen bilden. Dieser entscheidende Schritt demonstriert die
Priorität, die die Vereinigten Staaten der Durchführung
dieser Konvention im Inland beimessen. Dies wird
auch durch die Betonung deutlich, die wir auf das
Konzept des ökomanagements als bestem Mittel zur
Vermeidung der weiteren Beeinträchtigung der Umwelt legen, denn andernfalls könnten Arten und deren
Lebensraum bedroht werden.

AMERIKA DIENST 23

Die Vereinigten Staaten vertreten ferner die Auffassung, daß die Konvention eine einzigartige Gelegenheit für die Nationen darstellt, nicht nur die Artenvielfalt
der Welt zu erhalten, sondern auch die wirtschaftlichen
Vorteile aus der Erhaltung und umweltverträglichen
Verwendung ihrer genetischen Ressourcen zu realisieren. Aus diesem Grund unterstützen die Vereinigten Staaten den Einsatz kreativer Wirtschaftsinitiativen - wie die faire und gerechte Verteilung der sich aus
der Verwendung genetischer Ressourcen ergebenden Vorteile - und geeigneter Formen von Technologietransfer, die zur Unterstützung der Maßnahmen
beitragen, die von den Ländern zur Durchführung der
Verpflichtungen der Konvention zum Schutz der Artenvielfalt verabschiedet wurden.
Die Vereinigten Staaten sind der Meinung, daß die
freiwillige Beteiligung des Privatsektors an der Entwicklung neuer auf genetische Ressourcen gegründeter Technologien den Wert der in der Konvention
vorgeschlagenen wirtschaftlichen Vorteile und der
Anreize maximieren wird, die Länder beim Schutz der
Artenvielfalt haben. Richtig durchgeführt kann diese
Konvention eine Situation schaffen, in der es nur
Gewinnergibt - bei gleichzeitiger Förderung von Unternehmergeist und der kreativen Erhaltung unseres
wertvollen biologischen Erbes. Zur Stimulierung der
Beteiligung des Privatsektors fordern die Vereinigten
Staaten alle Vertragsparteien zur Verabschiedung von
Maßnahmen auf, die:
angemessenen und wirksamen Schutz des
Rechts auf geistiges Eigentum für auf geneti-

Seite 1

�sehe Ressourcen gegründete Erfindungen bieten,
sicherstellen, daß die Bedingungen für die Verteilung der Vorteile und den Technologietransfer freiwillig von allen beteiligten Parteien angenommen werden und

rung der Länder schaffen wird, die über genetische
Ressourcen verfügen. Eine solche Zusammenarbeit
bietet die wirksamsten Mittel für den Transfer neuer
Technologien und ermutigt die Anwendung neuer
Technologien zur Erhaltung und umweltverträglichen
Nutzung der Artenvielfalt.

Die Vereinigten Staaten werden sicherstellen, daß die
Notwendigkeit eines Protokolls über die Artenvielfalt
und die Modalitäten dafür umfassend und fair erörtert
werden. Obwohl die Konvention die Erarbeitung eines
Protokolls über Artenvielfalt nicht vorschreibt, sehen
die
Vereinigten Staaten der uneingeschränkten BeteiStatt jetzt eine Erklärung zur Unterstreichung dieser
ligung
an der internationalen Diskussion über ArtenPunkte abzugeben, die in vielfältiger Weise ausgelegt
vielfalt
erwartungvoll entgegen. Eines unserer vorranwerden kann, wie andere Nationen dies getan haben,
gigen
Ziele
besteht in der Gewährleistung, daß ausder
werden die Vereinigten Staaten anhängige Fragen
Konvention
resultierende Vorschriften über Artenvielzum Zeitpunkt der Ratifizierung ansprechen. Das
falt
wissenschaftlich
fundiert und gründlich analysiert
Außenministerium wird weiterhin Konsultationen mit
sind.
anderen Ländern über gemeinsame Ansätze in dieser
Hinsicht führen. Wir erwarten, daß diese Konsultatio- Schließlich werden die Vereinigten Staaten eine Schlüsnen die Grundlage für die rechtzeitige Ratifizierung selrolle dabei spielen sicherzustellen, daß konstruktidurch die Vereinigten Staaten bieten werden.
ve Arbeitsbeziehungen von beiderseitigem Nutzen
zwischen der Konferenz der Parteien und der umstruk
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
turierten Globalen Umweltfazilität (Global EnvironmenVerabschiedung dieser Maßnahmen die Entwicklung
tal Facility - GEF) geschaffen werden. Die Vereinigten
und den Verkauf neuer auf genetischen Ressourcen
Staaten fördern Reformen, die dazu beitragen, daß die
basierender Technologien ankurbeln wird und ein
Fazilität die Finanzierung kostengünstiger und umangemessenes Klima für Zusammenarbeit zwischen
weltverträglicher Projekte über Artenvielfalt besser
amerikanischen Firmen und akademischen Einrichbereitstellen kann.
tungen, Regierungen, der Industrie und der Urbevölkekeine Einschränkungen für die Entwicklung, den
Verkauf oder die Vermarktung neuer auf genetischen Ressourcen basierender Technologien
oder Produkte auferlegt werden.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 23

�EINWANDERUNG
9. Juni 1993

EINWANDERUNG ALS ANTRIEBSKRAFT FÜR DIE
AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
von Janis Johnson
Der Autorin des vorliegenden Artikels zufolge hat Einwanderung äußerst positive Auswirkungen auf das
Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten. In dem vorliegenden Artikel werden Wirtschaftssektoren und
geographische Regionen aufgeführt, in denen der Beitrag der Einwanderer am größten ist. Janis Johnson ist
freiberufliche Schriftstellerin und lebt in Alexandria (Virginia).

Eine Szene in Miami (Florida) Anfang der achtziger
Jahre: Jeden Tag gehen mindestens zwei oder drei
gutgekleidete Männer mit Aktentaschen unter dem
Arm in die noch aus alten Zeiten stammende Eingangshalle der Biscayne Bank, murmeln dem Empfangschef etwas auf Spanisch oder Portugiesisch zu
und warten auf kunstvoll geschnitzten Bänken, um
Tausende, manchmal Millionen aus Lateinamerika
stammende Dollars in Miami zu investieren. Sie
gehörten zu den Tausenden von Einwanderern, die
Miami in nur zwanzig Jahren aus einem Ferienparadies für Touristen in eine boomende Wirtschaftsmetropole verwandelten. "Sie taten das mit Disziplin, kubanischem Flair und amerikanischem Know-how", erklärte ein Aktivist aus dem in unmittelbarer Nachbarschaft zu Miami gelegenen "Klein-Havanna".
In New York war die Sunset Park-Gemeinde aus
Brooklyn nahezu verschwunden. Nachdem die ursprünglichen skandinavischen und irischen Siedler in
die Vorstädte abgewandert waren, wurden ihre Geschäfte mit Brettern vernagelt. "Nichts als Spinnweben - bis die neue Welle von Einwanderern heranrollte", erklärte Louis Winnick, hochrangiger Berater des
Fonds für die Stadt New York. "Heute ist es ein sehr
lebhaftes Viertel vder Dominikaner und Chinesen, ein
drittes Chinatown."

kinderlieb", teilte Ben J. Wattenberg, hochrangiges
Mitglied des American Enterprise Institute in der Bundeshauptstadt Washington dem Christian Science
Monitor mit.
"Einwanderer hatten einen äußerst positiven Einfluß
auf das Wirtschaftswachstum, der insbesondere in
verschiedenen Sektoren nachweisbar ist", erklärte
Winnick, Autor von New People in Old Neighborhoods: The Role of New Immigrants in Rejuvenating New York's Communities. "Sie richten sich in
hohem Maße nach ihrem Arbeitsplatz. Sie kommen
nicht nur wegen einem Arbeitsplatz hierher, sondern
wegen zwei oder drei - in einer Familie gibt es mehrere
Geldverdiener. Sie arbeiten an Arbeitsplätzen, die auf
den wichtigsten Arbeitsmärkten in Mißkredit gebracht
wurden. Die meisten der produktiven landwirtschaftlichen Sektoren lägen ohne die Arbeitskraft der Einwanderer brach. Praktisch alle unbeliebten Arbeitsplätze
im Haushalt und Gesundheitswesen sind in hohem
Maße von Einwanderern abhängig."

Thomas Muller schreibt in seinem neuen Buch Immigrants and the American City: "Die jüngste Einwanderungswelle, die in den sechziger Jahren begann, hat
die städtische Erneuerung durch die Stärkung kleinerer Unternehmen und die Erhaltung der für eine starke
wirtschaftliche Aktivität erforderlichen BevölkerungsSeit der frühen Besiedelung der amerikanischen Kolo- grundlage erleichtert. Die neuen Einwanderer - ungenien durch die Briten hat die Einwanderung zu einer lernte Arbeiter, Akademiker und Unternehmer - haben
Ankurbelung der Wirtschaft der Vereinigten Staaten zu Investitionen angeregt, Fabriken und Dienstleibeigetragen. "Einwanderer sind - insoweit man sie stungsunternehmen mit Arbeitnehmern ausgestattet
charakterisieren kann - aufstiegsbereit, mobil, ehrgei- und bei der Wiederbelebung heruntergekommener
zig, sparsam, traditionellen Werten verpflichtet und Stadtviertel geholfen. Das galt insbesondere in StädAMERIKA DIENST 23

Seite 1

�ten, die als Tor zu anderen Kontinenten dienen - Los
Angeles, New York, Miami und San Francisco."

derten (die fünf Jahre oder noch kürzer in den Vereinigten Staaten gelebt haben) sind Collegeabgänger,
verglichen mit 25 Prozent der gebürtigen Amerikaner,
Muller, der bis 1986 wichtigster wissenschaftlicher so ein Bericht von Business Week. Die in Miami
Mitarbeiter am Urban Institute in der Bundeshaupt- gemachte Erfahrung zeigt, daß viele Einwanderer
stadt Washington war, untersuchte die neuesten Sta- heutzutage keine armen Flüchtlinge sind, wie zu Beginn
tistiken der amerikanischen Volkszählung auf die der Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Sie
Auswirkungen der Einwanderung auf diese Städte hin. bringen Kapital und Beziehungen sowie die Fähigkeit
Er entdeckte, daß zwei Fünftel aller kürzlich Einge- zur Förderung des Welthandels mit.
wanderten sich in diesen vier Städten niedergelassen
haben, obwohl diese Gemeinden nur acht Prozent der Untersuchen wir einmal die heutigen Zahlen. In den
amerikanischen Bevölkerung darstellen. Ferner stell- achtziger Jahren kamen 8,7 Millionen Einwanderer in
te er fest, daß jeder dritte Einwohner dieser Städte ein die Vereinigten Staaten, eine Zahl, die einem Artikel
Einwanderer ist und das Bevölkerungswachstum dieser der Business Week zufolge der großen EinwandeStädte seit 1970 "ausschließlich auf die Einwande- rungswelle von 1900-10 gleichkommt. Zwischen 1971
rung" zurückzuführen ist. Weiterhin sind ihm zufolge and 1991 kamen der Zeitschrift zufolge 35,2 Prozent
zwei Drittel aller Niederlassungen ausländischer Ban- der Einwanderer aus Asien, 23,7 aus Mexiko, 13,1 aus
ken in den Vereinigten Staaten in diesen Städten zu der Karibik, 11,1 aus Mittel- und Südamerika und 12
finden, und in ihren Häfen werden zwei Fünftel aller Prozent aus Europa.
amerikanischen Exporte abgewickelt.
Muller schätzt, daß im ganzen Land 20 Prozent derjeDie wirtschaftliche Entwicklung in Miami pumpte An- nigen, die in den siebziger und achtziger Jahren eine
fang bis Mitte der achtziger Jahre 2,3 Milliarden Dollar Erwerbstätigkeit aufnahmen, Einwanderer sind, und
in die städtische Bauwirtschaft, von luxuriösen Eigen- daß diese Zahl in den wichtigsten Städten sogar noch
tumswohnungen und glitzernden Bürotürmen bis zu höher ist. Die Statistiken zeigen auch, daß die neu
einem neuen Tagungszentrum und einem Schnell- Eingewanderten, insbesondere diejenigen aus Asien
bahnsystem. Miami, das aufgrund seiner geographi- und Lateinamerika, in größerer Zahl als die gebürtigen
schen Lage vom Rest der Vereinigten Staaten etwas Amerikaner vor allem an den beiden äußeren Enden
isoliert ist, konnte aus seiner Verbindung zum Süden, der Beschäftigungsleiter zu finden sind. Inder, Filipizu Lateinamerika, mehr Kapital schlagen als aus der nos und Briten finden sich vor allem in den akademizum Norden der Vereinigten Staaten. Miami wurde im schen Berufen, während Mexikaner, Vietnamesen und
Geiste die "Hauptstadt Lateinamerikas" und de facto Haitianer eher als Fabrikarbeiter tätig sind.
der Marktplatz des amerikanischen Kontinents.
Ihr Beitrag zur Wirtschaft ist verschiedenen Studien
Im 18. und 19. Jahrhundert war die ungezügelte Ein- zufolge auf mehreren Gebieten besonders bemerwanderung für das Wachstum vieler amerikanischer kenswert:
Städte von entscheidender Bedeutung. Die Einwanderer füllten die auf der untersten Stufe der Beschäfti- Einzelhandel: Koreaner, Araber und Afrikaner haben
gungsleiter angesiedelten Arbeitsplätze, und die qua- die leeren Geschäfte wieder aufgebaut, die von frühelifizierten gebürtigen Amerikaner stiegen auf. In dem ren irischen, jüdischen und italienischen Siedlern sowie
auf den ersten Weltkrieg folgenden Jahrzehnt stellten von amerikanischen Schwarzen verlassen wurden,
die europäischen Einwanderer Muller zufolge unge- die auf der Beschäftigungsleiter nach oben gestiegen
fähr ein Viertel des Arbeitskräftepotentials in Amerikas und in die Vorstädte gezogen sind. In einigen Gebieten
wachsenden Industriezentren und die Hälfte in Chica- werden ganze Sektoren von Angehörigen einer Nationalität dominiert. Griechen besitzen Kaffeehäuser,
go und New York.
Koreaner Obst- und Gemüsemärkte, Chinesen ReUmgekehrt gehörten zwei Jahrzehnte nach der Ein- staurants, Dominikaner Baufirmen, Araber Zeitungsführung von Einwanderungskontrollen in den zwanzi- buden und Salvadorianer und Mexikaner Pizzabuden.
ger Jahren Städte wie Chicago, Cleveland, Oho, Detroit, Inder führen Reisebüros, Textilreinigungen, Hotels
Michigan, Newark und New Jersey zu den am stärk- und Motels. All diese Tätigkeiten treiben das ehemals
sten benachteiligten des ganzen Landes, ohne da ß die schrumpfende Steueraufkommen wieder in die Höhe.
Geschäftstätigkeit und die Produktion in den kleineren
Unternehmen der Städte von Einwanderern aufgefan- "In vielen Städten", stellt Winnick fest, "kann man
meilenweit laufen und sieht nur ausländische Namen.
gen werden konnten, schreibt er.
Die Söhne von Koreanern wollen dasselbe tun wie die
Die jüngste Einwanderungswelle seit 1965 zeichnet Söhne von Chinesen - Ärzte und Juristen werden.
sich vor allem durch den hohen Bildungsgrad der Aber die erste Welle von Einwanderern eröffnet GeAnkömmlinge aus, insbesondere unter den Asiaten. schäfte im Einzelhandel... Es gibt immer noch viele,
37 Prozent aller asiatischen Einwanderer haben vier die in ihrer arten Umgebung gefangen sind, und man
oder mehr Jahre das College besucht, berichtet Muller. hört Horrorgeschichten darüber, unter welchen UmNahezu 27 Prozent aller in der letzten Zeit Eingewan- ständen sie so weit reisen mußten, um einen Liter

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AMERIKA DIENST 23

�Milch kaufen zu können. Die neuen Einwanderer
schaffen eine MikroÖkonomie in den Nachbarschaften, die sonst ausgestorben wären."
Der Wert dieser MikroÖkonomie geht weit über diese
Nachbarschaften hinaus. InLosAngelesbeispielsweise, wo der Handel in Koreatown eine überwiegend
farbige Nachbarschaft mit niedrigem Einkommensniveau versorgt, "die im allgemeinen von den großen
Einzelhandelsunternehmen ignoriert und schlecht
bedient wird", zieht die Stadt Vorteile in Form erhöhten
Einkommensteueraufkommens, stellt Ivan Light in
Clamorat the Gates: The New American Immigration fest. "Einige Amerikaner arbeiteten in mit koreanischem Kapital errichteten und in koreanischem Besitz
befindlichen Unternehmen. Wenn diese Amerikaner
ihren Lohn ausgeben, werden andere Amerikaner
indirekte Nutznießer koreanischer Immigration und
koreanischen Unternehmertums."

terhin gewinnbringend tätig sein zu können", schreibt
Muller. "Ohne diese Arbeitskräfte hätten wir die Produktion wahrscheinlich in Billiglohnländer verlegen
müssen."

Hochtechnologie: In den achtziger Jahren bereicherten der Business Week zufolge 1,5 Millionen
Einwanderer mit College-Ausbildung das amerikanische Arbeitskräftepotential. "Die Hälfte aller Collegeabgänger in den Naturwissenschaften und der
Mathematik sind Einwanderer", fügt Winnick hinzu
"und in einer Wirtschaft, die zunehmend internationaler und technisierter wird, ist das eine unserer größten
Stärken". Das bedeutet, daß ausländische Studenten
bereits die kommende Generation von Wissenschaftlern in High-tech-Unternehmen dominieren. Der
Business Week zufolge stellen Asiaten bereits ein
Drittel der Ingenieure im kalifornischen Silicon Valley.
Genauer gesagt stammen laut Muller drei Viertel der
Ingenieure in den Bereichen Forschung und EntwickGesundheitswesen: Labor- und Röntgentechniker lung bei einem führenden Computerchiphersteller aus
sowie eine steigende Anzahl von Ärzten in Großstadt- dem Ausland.
krankenhäusern und Mitarbeiter in Pflegeheimen sind
Einwanderer. "An einigen Orten machen sie 80 Pro- "Ausländische Ingenieure leisten in den Bereichen, die
zent der medizinischen Angestellten und des Pflege- für die Zukunft Amerikas entscheidend sind, einen
personals aus", von den Dienstleistungsberufen bis zu besonders wichtigen Beitrag", argumentiert Joel Kotden Ärzten, so Winnick. Krankenschwestern und kin, Gastdozent an der School of Business and Manaanderes Pflegepersonal stammen aus ganz unter- gement der Pepperdine University in Los Angeles in
schiedlichen Regionen wie Irland, den Philippinen, Chronicle of Higher Education. Die aufgrund ihrer
ausländischen Staatsbürgerschaft von der Arbeit an
Korea und der Karibik.
Verteidigungsprojekten ausgeschlossenen IngenieuHotel- und Gaststättengewerbe: Die harte Arbeit re treten nicht unseren schrumpfenden Rüstungsfirder Einwanderer ist auch anderen Dienstleistungsin- men bei, sondern den schnell wachsenden Sektoren
dustrien, beispielsweise Restaurants, Hotels und Motels wie Personalcomputer, Telekommunikation und Entzugute gekommen. Die Einwanderer verrichten schlecht- wicklung medizinischer Geräte."
bezahlte Arbeiten wie Spülen oder Putzen, aber sie
besitzen und leiten diese Betriebe auch, und ihre Ausländische Einwanderer regen neuesten Forschungsgesamte Familie ist darin beschäftigt. Ihre Tätigkeit ergebnissen von Maria Enchautegui in ihrem Bericht
kommt der Mittelschicht zugute, die normalerweise in Policy and Research des Urban Institute das Wachsden Ferien oder auf Geschäftsreise in kleinen Hotels tum von Arbeitsplätzen ebenso an wie Migranten aus
und Motels absteigt. Selbst leitende Angestellte in dem Inland. Wenn der Bevölkerung eines Landes
Luxushotels weisen darauf hin, daß gebürtige Ameri- ausländische Einwanderer hinzugefügt werden und
kaner diese niederen Arbeiten einfach nicht verrichten alle anderen Faktoren gleich bleiben, werden doppelt
wollen.
so viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen wir bei
einer zahlenmäßig ebenso großen Erhöhung der
Fertigung: Nahezu ein Drittel aller Neueinwanderer ansässigen Bevölkerung, so ihr Ergebnis. "Entscheiarbeitete einer Studie von Muller zufolge im Jahr 1980 dend für die Zunahme örtlicher Arbeitsplätze ist ein
im verarbeitenden Gewerbe - eine wesentlich größere stetiger Zufluß von Zuwanderern, seien sie aus dem
Zahl als bei den in Amerika Geborenen. Die Einwan- Ausland oder dem eigenen Land", so die Zeitschrift.
derer arbeiten, so Muller, für niedrigere Löhne, erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit und die Nachfrage nach Nicht jeder teilt diese positive Einschätzung des Einmehr zu Niedrigtarifen entlohnten Produktionsarbei- flusses der Immigration auf die Wirtschaft. In einer von
tern. In Los Angeles sind beispielsweise die Mehrheit Louis Harris für Business Week durchgeführten
der Arbeitnehmer in der Möbelindustrie Einwanderer, Umfrage wird beispielsweise festgestellt, daß 68 Prodas Gleiche gilt für nahezu die Hälfte der in der zent der Befragten die Einwanderung als nachteilig für
Nahrungsmittelindustrie Beschäftigten, und die Schuh- die Vereinigten Staaten einschätzen. Ihre größte
industrie ist in hohem Maße von der Arbeitskraft der Sorge besteht darin, daß die Zugewanderten ihnen
Eingewanderten abhängig. "Viele Arbeitgeber hätten Arbeitsplätze wegnehmen, insbesondere den schlechbeim gegenwärtigen Lohnniveau nicht genügend in ter ausgebildeten und schwarzen Arbeitnehmern, und
Amerika geborene Arbeitnehmer für die Textilindustrie mehr als den ihnen zukommenden Teil der staatlichen
und andere Niedriglohnindustrien gefunden, um wei- Dienstleistungen in Anspruch nehmen, wie Sozialhilfe,
AMERIKA DIENST 23

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�Gesundheitsfürsorge und Lebensmittelmarken, vor allem Land läßt. Sie führen deren Beitrag zu der kriminellen
in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit.
Schattenwirtschaft an, zu der erhöhten Zahl relativ
armer Einwohner und den unausweichlichen sozialen
Zusätzlich macht man sich Sorgen über den Wider- Spannungen. Andere, wie Winnick, behaupten: "Sie
stand der Einwanderergegen eine Eingliederung in die verrichten Arbeiten, die kein anderer will."
Gesellschaft und über deren Auswirkung auf die staatlichen Schulen, die dadurch gezwungen werden, be- In seinem Buch The First Universal Nation bekräftigt
trätliche Gelder für die Unterrichtung von Englisch als der Autor und Kommentator Wattenberg, daß diese
Fremdsprache aufzuwenden. In Fairfax County (Vir- "neue Universalisierung Amerikas zwar nicht ohne
ginia) und im Stadtgebiet der Bundeshauptstadt Probleme verläuft, jedoch gut für uns ist. Sie kann
Washington bieten 103 Schulen mehr als 6.500 Kin- dazu beitragen, das globale Handelsgleichgewicht zu
dern, die mindestens 78 verschiedene Mutterspra- unserem Vorteil zu verändern. Auch kann sie das
chen haben, Unterricht in Englisch als erste Fremd- damit verbundene Gleichgewicht geopolitischer, techsprache an.
nologischer und demographischer Macht zu unseren
Gunsten verändern. Sie kann einen ohnehin schon im
Die Reaktion auf die Zweisprachigkeit war besonders Gange befindlichen Prozeß beschleunigen - die
in den achtziger Jahren in vielen größeren und kleine- Amerikanisierung der Weltkultur."
ren Städten der Vereinigten Staaten zu beobachten.
"200 Jahre lang ist niemand hierhergekommen und hat Kotkin betont, jeder solle die "historische Rolle" verstedie hier lebenden Menschen mit seiner Sprache be- hen, "die die Migration bei der technischen und wissendrängt und erstickt", ereiferte sich Emmy Schafer, die schaftlichen Entwicklu ng" auf der ganzen Welt gespielt
Anfang der achtziger Jahre in Miami einen Kreuzzug habe. "Die Zeit für die Einsicht ist gekommen, daß
gegen die Zweisprachigkeit führte. Eduardo Padron, Amerikas wichtigste Trumpfkarte die dem Land eigene
Kopf der ortsansässigen Kubaner, kontert mit der Anziehungskraft für die besten wissenschaftlichen und
Bemerkung: "Zweisprachigkeit ist ein praktischer technischen Köpfe ist", fügt Kotkin hinzu, dessen letzLebensstil."
tes Buch den Titel Tribes: How Race, Religion, and
Identity Determine Success in the New Global
Die Behauptung, die Einwanderung verschlechtere Economy trägt.
entscheidend die Arbeitsplatzchancen auf den untersten Stufen der Beschäftigungsleiter wird trotz der Wenn er Taxifahrern in Washington, die aus Afrika,
Konkurrenz von den Statistiken nicht untermauert. Im Lateinamerika, dem Nahen Osten, Indien und Asien
Hinblick auf Kalifornien, das in den letzten 20 Jahren stammen die Frage stellt, wie sich Amerika von ihrem
mehr Einwanderer aufgenommen hat als jeder andere Heimatland und von anderen Nationen unterscheidet,
Bundesstaat, fand Muller heraus, daß die Einwanderer dann bekommt Wattenberg eigenen Angaben zufolge
die an diesen Arbeitsplätzen Arbeitenden ersetzt, nicht immer ein und dieselbe Antwort. Sie besteht aus
einem Wort, das immer "Chancen" heißt.
verdrängt haben.
"Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen war
die Einwanderung positiv", stellt er fest, "aber das
wirkliche Argument dagegen hatte soziale Gründe."
Einige Fachleute warnen jedoch weiterhin vor einer
Politik, die so viele unqualifizierte Arbeitnehmer ins

Darin liegt also die schwierige Herausforderung begründet, die Einwanderungspolitik der Vereinigten
Staaten sorgfältig mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten abzuwägen, so daß jeder einzelne eine Chance
hat.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 23

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                <text>&lt;strong&gt;1. Marshall-Zentrum&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aspin umreißt neue strategische Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Verteidigungsministers bei der Eröffnung des Marshall-Zentrums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. OECD&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bentsen fordert OECD zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei OECD-Treffen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kantor fordert bessere Angebote bei GATT-Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung bei OECD-Konferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. ILO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reich verweist auf wachsenden Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede bei ILO-Tagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA: Vertrag kann "Artenvielfalt" erhalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung von Albright und Wirth&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einwanderung als Antriebskraft für die amerikanische Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Janis Johnson&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&lt;&lt; &amp; s»?^

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U.S. Information Service
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2. Juni 1993

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KRIEGSVERBRECHEN

USA WERDEN WELTWEITE FUHRUNGSROLLE BEIBEHALTEN
Rede von Außenminister Christopher
in Minnesota

KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL MUSS
ERFOLG HABEN
Stellungnahme von Albright im
UN-Sicherheitsrat

HANDEL

STEIGENDES HANDELSDEFIZIT IM
JAHR 1993 ERWARTET
Bericht des Finanzministeriums
an den Kongreß

KSZE

NATIONEN SOLLTEN IHRE VIELFALT
ZU SCHÄTZEN WISSEN
Stellungnahme von Botschafter Blackwell

EINWANDERUNG

DIE NEUE EINWANDERUNGSPOLITIK
von Gary Rubin

PORTRAT

GERGEN SOLL CLINTONS BOTSCHAFT
VERDEUTLICHEN
Porträt des neuen Präsidentenberaters

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�AUSSENPOLITIK
2. Juni 1993

USA WERDEN WELTWEITE
FÜHRUNGSROLLE BEIBEHALTEN
Rede von Außenminister Christopher in Minnesota
MINNEAPOLIS - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden Außenminister Christopher zufolge "die Verantwortung
der weltweiten Führungsrolle tragen", und "wir stehen bereit, entschlossen zu handeln, um unsere Interessen
zu verteidigen wo und wann immer dies erforderlich ist".
In einer Rede beim Hubert H. Humphrey Institute of Public Affairs der University of Minnesota äußerte
Christopher am 27. Mai 1993, "wo kollektive Reaktionen angemessener sind, werden wirdie Mobilisierung einer
solchen Reaktion anführen. Aber täuschen Sie sich nicht: Wir werden führen."
Während der Minister anerkannte, daß die Vereinigten Staaten zur Wiederherstellung ihrer Wirtschaft "schwere Entscheidungen" zu treffen haben, bekräftigte er gleichzeitig, daß die Vereinigten Staaten "den Völkern des
ehemaligen Ostblocks die Hand zur Zusammenarbeit reichen (müssen)... Der Demokratie in Rußland zum
Durchbruch zu verhelfen, ist wahrscheinlich die klügste - und kostengünstigste - Investition, die wir für die
Sicherheit Amerikas tätigen können."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Chnstophers Rede im Wortlaut.

Dies ist eine von mehreren Reden, die ich an verschiedenen Orten der Vereinigten Staaten halten werde.
Ich möchte sicherstellen, daß die Außenpolitik dem
amerikanischen Volk nicht fremd ist.
Im Außenministerium haben wir Referate für nahezu
jedes fremde Land: ein Chinareferat, ein Brasilienreferat und ein Rußlandreferat. Als Außenminister bin
ich entschlossen, auch ein Amerikareferat zu schaffen
- und selbst dessen Leitung zu übernehmen. Meine
Hauptaufgabe sehe ich darin, die vitalen Interessen
und Werte der Bürger der Vereinigten Staaten zu
fördern.
Ich möchte zum Erfolg amerikanischer Unternehmen
in der Weltwirtschaft beitragen. Aus diesem Grund
habe ich heute bereits Honeywell besucht, um die
Investitionen dieses Unternehmens in Rußland zu
erörtern. Es war ein anregender Besuch bei einem
großartigen Unternehmen.
Ich möchte unser unerschütterliches Engagement für
die Menschenrechte unterstreichen. Deshalb werde
ich später das Zentrum für Opfer von Folterungen
besuchen.
AMERIKA DIENST 22

Femer möchte ich, daß die Vereinigten Staaten unerläßliche Investitionen in ihre nationale Sicherheit tätigen. Ausdiesem Grund bin ich hierhergekommen, um
zu Ihnen über die amerikanische Rußlandpolitik zu
sprechen. Keine Beziehung ist für die langfristige
Sicherheit der Vereinigten Staaten wichtiger als unsere strategische Beziehung zu Rußland.
Die Studenten von heute sind die erste Generation von
Amerikanern, die im Zeitalter nach dem Kalten Krieg
erwachsen wurde. Es ist Ihre Generation, die das
Schicksal Amerikas im nächsten Jahrhundert definieren wird. Es ist Ihre Generation, die entscheiden wird,
für welche Ziele amerikanische Führungskraft und
Macht eingesetzt werden wird.
Heute möchte ich über unsere neue Chance sprechen,
eine neue demokratische Welt zu gestalten. Während
wir hier zusammenkommen, stehen die Bürger Rußlands in einem heldenhaften Kampf für den Aufbau
einer freien Gesellschaft und Marktwirtschaft. Wenn
sie Erfolg haben, verspricht dies weitreichende Vorteile für Amerika: durch die verringerte Drohung eines
Atomkrieges, durch niedrigere Verteidigungshaushal-

Seite 1

�te und die Öffnung riesiger neuer Märkte, die weltwei- hatten, brachen über Nacht zusammen. Es kam zu
ten Wohlstand fördern und Arbeitsplätze für Amerika- gewaltsamen Revolutionen und Racheakten.
ner hervorbringen können.
Inmitten des Chaos blickte die Welt auf Amerika, das
Sollten die Reformen jedoch scheitern und Rußland die Stärke und moralische Vision liefern sollte, um
zur Diktatur zurückkehren oder in Anarchie stürzen, einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten. Dies war
wären die Folgen beängstigend. Der Schatten der der Traum Präsident Wilsons. Indem er eine Grundtatnuklearen Konfrontation würde zurückkehren. Unsere sache dieses blutigen Jahrhunderts begriff, war er ein
"Friedensdividende" wäre verloren. Die Zusammenar- Visionär: Amerikanische Führung ist entscheidend für
beit in der Außenpolitik würde zunichte gemacht, und die Schaffung eines gerechteren internationalen Sydie weltweite demokratische Bewegung würde einen stems.
verheerenden Rückschlag erleben.
Wilsons Plan eines Beitritts zum Völkerbund wurde
Amerika steht vor einer Wahl. Entweder tun wir heute jedoch im Kongreß verworfen. Anstatt sich für die
alles in unserer Macht Stehende, um den russischen Führungsrolle zu entscheiden, wählten die Vereinigten
Reformern zum Erfolg zu verhelfen - oder wir halten Staaten den Rückzug. Für Amerika und die Welt
uns zurück, gehen Risiken ein und schauen zu, wie waren die Folgen tragisch.
sich die Ereignisse entwickeln. Wenn wir uns zurückhalten, werden wir eine seltene Chance vergeuden, Innerhalb eines Jahrzehnts zogen Sturmwolken auf.
Hitler wurde Reichskanzler, und sechs Jahre später
eine friedlichere Welt zu gestalten.
marschierte Deutschland in der Tschechoslowakei
Einige glauben, mit dem Ende des Kalten Krieges ein. Ein militaristisches Japan überfiel die Mandschusollte Amerika von der Weltbühne abtreten. Welch ein rei. Das faschistische Italien eroberte Äthiopien. Und
Bärendienst wäre dies für alle Amerikaner, besonders die systematische Verfolgung und Vernichtung der
aber die jungen. Sie verdienen dieselbe Chance, die europäischen Juden begann. Währenddessen vermeine Generation hatte, um das einzigartige Schicksal harrten die Vereinigten Staaten im Isolationismus.
Amerikas bei der Förderung von Freiheit und Demo- Dann wurde dieser trügerische Frieden durch den
japanischen Angriff auf Pearl Harbor zerschmettert,
kratie auf der Welt zu erfüllen.
und nahezu 300.000 Amerikaner gaben auf den SchlachtEinige meinen, unser Land sei im Abstieg begriffen, wir feldern Europas und des Pazifiks ihr Leben, um Amerika
könnten uns die Führungsrolle nicht länger leisten. Es zum Sieg im Zweiten Weltkrieg zu verhelfen.
trifft zu, daß die Vereinigten Staaten heute mit vielen
Herausforderungen konfrontiert sind, für die es in der Dann kam der zweite entscheidende Augenblick für
Geschichte des Landes keine Parallelen gibt. Für mich die amerikanische Führungsrolle. Die Amerikaner
bedeutet dies jedoch, daß wir uns international mehr sahen, wie die Demokratien Europas am Abgrund
engagieren müssen, nicht weniger, daß wir die Demo- taumelten, die Volkswirtschaften in Trümmern lagen,
kratie noch energischer unterstützen müssen, nicht kommunistische Diktaturen ihren Würgegriff in Osteuweniger und daß wir in unserer Führungsrolle noch ropa verstärkten, der Eiserne Vorhang fiel und ein
schwungvoller vorgehen müssen.
Kalter Krieg den neuen Frieden abkühlte.
Amerika muß führen. Und der Bedarf an amerikanischer Führung ist unvermindert groß. Wir sind eine
gesegnete und mächtige Nation. Wir werden die
Verantwortung der weltweiten Führungsrolle tragen.

Erneut blickte die Welt auf Amerikas Stärke und moralische Kraft, um auf den Trümmern des Krieges den
Frieden aufzubauen. Dieses Mal reagierte Amerika
positiv.

Wir stehen bereit, entschlossen zu handeln, um unsere Interessen zu verteidigen wo und wann immer dies
erforderlich ist. Gegebenenfalls werden wir allein
handeln, um unsere Interessen zu schützen. Wo
kollektive Reaktionen angemessener sind, werden wir
die Mobilisierung einer solchen Reaktion anführen.
Aber täuschen Sie sich nicht: Wir werden führen.

Es bedurfte prinzipienfester Führung von Präsidenten
- und überparteilicher Staatskunst -, um die Zustimmung des Kongresses und dauerhafte öffentliche
Unterstützung zu erringen. Glücklicherweise waren
wir mit Führungspersönlichkeiten gesegnet - Truman,
Marshall, Acheson, Vandenberg -, die die bitteren
Lektionen von 1918 gelernt hatten.

An zwei anderen historischen Wendepunkten dieses
Jahrhunderts standen die Vereinigten Staaten vor
Entscheidungen, die den heute zu treffenden vergleichbar sind. Der erste entscheidende Augenblick
für die amerikanische Führungsrolle trat 1918 im
Anschluß an den Ersten Weltkrieg ein. Nach diesem
schrecklichen Konflikt war Europa verwüstet und
demoralisiert. Imperien, die Jahrhunderte überdauert

Gemeinsam errichteten Demokraten und Republikaner die Stützpfeiler für Frieden und Sicherheit - in
Bretton Woods, mit dem Marshallplan und durch die
NATO. Und diese Stützpfeiler standen noch, als die
Berliner Mauer fiel.

Seite 2

Mit einfachen Worten: Der Kommunismus wurde
eingedämmt. Die Freiheit wurde verteidigt. Unsere
Werte triumphierten.
AMERIKA DIENST 22

�Ende der vierziger Jahre war ich vom Militärdienst im
Pazifik während des Zweiten Weltkrieges heimgekehrt
und studierte Jura. Ich erinnere mich an die Atmosphäre als - wie Avereil Harriman es einst formulierte
- die meisten Amerikaner keinen anderen Wunsch
hatten als "ins Kino zu gehen und Cola zu trinken".
Als jedoch das amerikanische Volk erkannte, was auf
dem Spiel stand, machte es von seinem gesunden
Menschenverstand Gebrauch. Es akzeptierte die
Notwendigkeit, daß die Vereinigten Staaten in der
Nachkriegszeit eine Führungsrolle übernehmen mußten. Es verstand, daß das gut und notwendig war und
im Interesse seines Landes lag.

Die Notwendigkeit für amerikanische Aktionen wird
verstärkt durch die Ergebnisse des russischen Referendums vom 25. April 1993. Als expliziten Ausdruck
seines Glaubens an die Demokratie bekräftigte das
russische Volk sein Engagement für politische und
wirtschaftliche Reformen. Obwohl die Experten überzeugt waren, daß die Russen in der Politik zynisch und
gleichgültig geworden seien, nahmen nahezu zwei
Drittel der Wähler an der Abstimmung teil.

Noch bemerkenswerter war das Ergebnis des Referendums an sich. Nach nahezu anderthalb Jahren
schmerzhafter Wirtschaftsreformen gab eine überwältigende Mehrheit des russischen Volkes ihrer Befürwortung von Präsident Jelzin und weiterer Reformen
Wir gaben Billionen Dollar für die Abschreckung der Ausdruck. Dabei konnte sie sich der Unterstützung
kommunistischen Bedrohung aus. Und wir setzten Präsident Clintons sicher sein, der sich entschieden
das Leben unserer besten jungen Leute aufs Spiel, um und unerschütterlich für Jelzin und Reformen in Rußdie Freiheit zu bewahren.
land ausgesprochen hat.
Wir haben große Opfergebracht, aber der Gewinn war
noch größer. Meine Generation genoß Sicherheit und
nie dagewesenen Wohlstand. Und wir trugen dazu bei,
ehemalige Kriegsgegner - Deutschland und Japan - zu
Verbündeten in Friedenszeiten und führenden Partnern in der Gemeinschaft demokratischer Staaten zu
machen.

Präsident Clinton ist entschlossen, die Herausforderung einer Führungsrolle anzunehmen, um das globale Gleichgewicht zugunsten der Freiheit zu verschieben. Aus diesem Grund führte er Amerika in ein
Bündnis mit den Reformern in Rußland.

In enger Zusammenarbeit mit den Demokraten Rußlands und unseren westlichen Verbündeten hat der
Sicherlich gibt es Unterschiede zwischen der Situa- Präsident eine aus zwei Teilen bestehende Strategie
tion, in der wir uns nach zwei Weltkriegen befanden zur Unterstützung der neuen russischen Revolution
und der heutigen Situation. Es bestehen jedoch auch entwickelt. Erstens, ein konzentriertes Programm
wichtige Parallelen, die uns leiten sollten. Wir müssen amerikanischer Initiativen zur Unterstützung der Entdie Notwendigkeit einer führenden Rolle Amerikas wicklung von Demokratie und freiem Unternehmertum
anerkennen, die Notwendigkeit einer von beiden Par- in Rußland. Zweitens, ein umfassendes Maßnahmenteien getragenen Außenpolitik, die Notwendigkeit, jetzt paket zur Unterstützung der Umwandlung der russizu investieren, um größere Ausgaben und eine viel schen Wirtschaft, das gemeinsam von den großen
gefährlichere Welt in der Zukunft zu vermeiden, die Industrienationen und den wichtigsten FinanzinstituNotwendigkeit, vernünftig mit dem amerikanischen tionen der Welt unterstützt wird.
Volk zu reden.
Präsident Clinton erfüllt die Anfang April in Vancouver
Selbst wenn wir zu Hause schwierige Entscheidungen eingegangenen Verpflichtungen.
treffen, um unsere Wirtschaft in Ordnung zu bringen,
müssen wirden Völkern des ehemaligen Ostblocks die Er versprach Vorzugskredite für landwirtschaftliche
Hand zur Zusammenarbeit reichen, nicht aus Wohltä- Produkte. Rußland wird sehrbald ein Abkommen über
tigkeit, sondern aus der Verantwortung uns selbst Vorzugskredite in Höhe von 700 Millionen Dollar im
gegenüber - um unsere eigenen Interessen zu sichern Rahmen des Programms "Food for Progress" unterund unsere Werte zu verteidigen. Der Demokratie in zeichnen. Dieses Abkommen wird nicht nur Rußland
Rußland zum Durchbruch zu verhelfen, ist wahrschein- Hilfe gewähren, sondern auch die Weizen-, Mais- und
lich die klügste - und kostengünstigste - Investition, die Sojabohnenfarmer hier im Mittleren Westen unterstütwir für die Sicherheit der Vereinigten Staaten tätigen zen.
können.
Der Präsident versprach Unterstützung für die PrivatiEin demokratisches Rußland schafft eine neue politi- sierung in Rußland. Zur Zeit sind amerikanische
sche Landschaft auf der Welt. Ru Bland zeigt heute die Teams in Ru ßland bei der Errichtung von KapitalmärkBereitschaft, mit den Vereinigten Staaten und anderen ten behilflich, einschließlich eines sich entwickelnden
Nationen zusammenzuarbeiten, um eine Ausbreitung Aktienmarktes, und bald wird ein Unternehmensfonds
des Konfliktes in Bosnien zu verhindern und Druck im ins Leben gerufen, um in neugegründete kleine UnterHinblick auf ein politisches Ergebnis auszuüben. Unsere nehmen in Rußland zu investieren.
neuen Beziehungen zu Rußland geben uns die Chance zur Zusammenarbeit bei den internationalen Pro- Der Präsident versprach Unterstützung fürdie Studenblemen und zur Verfolgung einer präventiven Diploma- tenaustauschprogramme des Demokratiekorps. Mehr
als 2.000 russische Studenten werden in den komtie zur Lösung von Konflikten.
AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�menden Wochen als Teil eines "Demokratie-Sommers" nach Amerika kommen.
Andere Teile des Vancouver-Programms werden
ebenfalls vorangetrieben. Wir arbeiten an einer Wiederbelebung des Energiesektors in Rußland - um
Rußland harte Währung zur Verfügung zu stellen und
die amerikanische Abhängigkeit von Öl aus dem Persischen Golf zu verringern. Wir helfen auch bei der
Wiedereingliederung der demobilisierten russischen
Soldaten. Diese Maßnahmen werden den Rückzug
russischer Truppen aus den Nachbarländern unterstützen.
Die Initiative Präsident Clintons wird von mehreren
Grundprinzipien geleitet.

Drittens wollen wirdie Bestrebungen drastisch verstärken, amerikanische Unternehmerund Gewerkschaftsfunktionäre, Farmer und Gemeindevertreter nach
Rußland zu entsenden. Wir wollen die Kontakte und
Zusammenarbeit zwischen unseren Streitkräften und
dem russischen Militär verbessern. Wir wollen Zehntausende Russen in die Vereinigten Staaten einladen,
wo sie eine prosperierende Demokratie und Marktwirtschaft aus erster Hand erleben können.
Unsere Austauschprogramme werden sich besonders
auf die jüngere Generation von Russen und Amerikanern konzentrieren. Ich hoffe, jeder von Ihnen erwägt
seine Teilnahme zu einem gewissen Zeitpunkt.

Viertens muß unsere Hilfe für Rußland auch die
amerikanische Sicherheit verstärken. Dieser Ansatz
Erstens wollen wir dem russischen Volk schnelle und bedeutet, Ru ßland und seinen Nachbarstaaten bei der
greifbare Vorteile verschaffen. Wenn das im Referen- Zerlegung ihrer gefährlichen Nukleararsenale behilfdum vom letzten Monat demonstrierte Vertrauen er- lich zu sein. Dies ist schlicht und einfach die beste
halten bleibt, müssen die Russen darauf achten, daß Sicherheit, die mit Geld bezahlt werden kann.
sie die Nutznießer von Reformen und nicht unbeabsichtigt ihre Opfer werden. Wenn die Amerikaner Fünftens und letztens dürfen unsere Hilfsbestrebundiese Initiative unterstützen, müssen und werden wir gen nicht im Alleingang erfolgen, sondern müssen Teil
sicherstellen, daß die Hilfe nicht nur mit guter Absicht einer umfassenderen Partnerschaft zwischen Rußgewährt, sondern auch gut angelegt wird.
land und der internationalen Staatengemeinschaft sein.
Aus diesem Grund ist Präsident Clintons Initiative zur
Eine Delegation von Kongreßabgeordneten unter Lei- Unterstützung der Demokratie in Rußland an eine
tung des Führers der Mehrheitsfraktion, Richard weiterreichende multilaterale Initiative geknüpft.
Gephardt, sah kürzlich aus erster Hand, wie die Vereinigten Staaten an der Privatisierung in Rußland betei- Dieses multilaterale Programm wurde im vergangeligt sind. Sie besuchten Auktionszentren in Moskau nen Monat in Tokio bei einer außerordentlichen Sitund Nischni Nowgorod, die beide vom Amt für Interna- zung der Außen- und Finanzminister der sieben fühtionale Entwicklung (AID) finanziert und von Price renden Industrienationen und Rußlands bekanntgegeWaterhouse betrieben werden, und waren Zeuge, wie ben. Bei der Zusammenkunft umrissen die Vertreter
staatliche Unternehmen verkauft werden.
Rußlands einen kühnen Plan zur Kontrolle der russischen Geldreserven, Kürzung der Haushaltsdefizite
Zweitens müssen wir Ru Bland beim Übergang zu einer und für noch tiefgreifendere Wirtschaftsreformen.
Marktwirtschaft behilflich sein. Letztlich wird eine
verstärkte Interaktion mit der Weltwirtschaft stärker als Als Reaktion auf solche Aktionen kündigten die führenHilfsmaßnahmen zu einer Umwandlung der russi- den Demokratien der Welt - durch Zusammenarbeit
schen Wirtschaft beitragen. Rußland seinerseits muß mit dem Internationalen Währungsfonds und der
die notwendigen rechtlichen und politischen Bedin- Weltbank - ihre Bereitschaft zur Bereitstellung von
gungen schaffen, um ausländischen Handel und Inve- Finanzhilfe für Rußland an. 15 Milliarden Dollar der
stitionen ins Land zu ziehen, Investitionen, die - wie wir russischen Auslandsverschuldung wurden kürzlich
hoffen - auch Unternehmen umfassen, die amerikani- umgeschuldet. Das in Tokio bekanntgegebene multische Arbeitsplätze schaffen.
laterale Paket beläuft sich auf über 28 Milliarden Dollar
zur Stabilisierung der russischen Währung, FinanzieWas uns anbetrifft, so hat Präsident Clinton eine rung entscheidender Importe und Schließung ineffekumfassende Überprüfung der Gesetze und Vorschrif- tiver Staatsbetriebe.
ten aus der Zeit des Karten Krieges angeordnet. Sie
zierten auf die Beschränkung des Handels mit einer Die Verteilung dieser Ressourcen wird eng an die
kommunistischen Sowjetunion ab, heute behindern Fortschritte Rußlands bei den Wirtschaftsreformen
sie jedoch nur unsere Beziehungen zu einem demo- geknüpft sein. Im Gegensatz zu bisherigen Bestrekratischen Rußland. Im Einklang mit den Interessen bungen setzt das Tokioter Programm realistische
der Vereinigten Staaten sollten die amerikanischen Normen für die Leistu ng Ru ßlands. Wir beabsichtigen,
Märkte in höchstmöglichem Maße für konkurrenzfähi- die Fortschritte Rußlands mit der unverzüglichen Zuge russische Produkte geöffnet werden. In gleicher leitung von Ressourcen einhergehen zu lassen, die
Weise sollte den Amerikanern der Export ihrer Produk- den Reformbestrebungen und dem russischen Volk
te und Technologien nach Rußland gestattet werden. zugute kommen.

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AMERIKA DIENST 22

�Beim Treffen der G-7 in Tokio im April haben sich die
Vereinigten Staaten verpflichtet, über die in Vancouver
gemachten Versprechungen hinauszugehen. Wir haben
einen Vorschlag in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar für
die Erweiterung unserer Bestrebungen zur Unterstützung der Reformen unterbreitet.
Ich freue mich, daß der für diese Angelegenheiten
zuständige Ausschuß des Repräsentantenhauses unter
dem Vorsitz des Kongreßabgeordneten Dave Obey
aus dem Nachbarbundesstaat Wisconsin bereits gestern der Finanzierung dieses Vorschlags zugestimmt
hat. Und ich freue mich ebenfalls, daß das Paket
starke Unterstützung von beiden Häusern des Kongresses erhalten hat.

diese Investititon in die russische Demokratie ist unerläßlich für die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Ich bitte insbesondere die Jüngeren unter den heute
hier Anwesenden, ihre Entscheidung zu treffen. Ich
gehöre nicht zu denjenigen, die denken, Ihrer Generation mangele es an Engagement, sie sei zynisch oder
apathisch gegenüber den Ereignissen auf unserer
Welt. Lassen Sie sich von diesen Kritikern nicht
beirren. Meines Erachtens gebührt Ihnen höheres
Verdienst, und ich bitte Sie heute, meine Vorhersage
zu bestätigen. Ich bitte Sie, Ihren Eltern, Ihren Freunden, Ihren Vertretern im Kongreß zu erklären, daß Sie
die lebenswichtige Verbindung zwischen dem Erfolg
der Demokratie in Rußland und der langfristigen Sicherheit der Vereinigten Staaten verstehen.

Wir haben seit Vancouver bedeutende Fortschritte
erzielt, und ich bin zuversichtlich, daß wir diese Dyna- Sie verstehen, daß Freiheit im Ausland Chancen für
mik bis zum Tokioter Gipfeltreffen im Juli beibehalten. die Vereinigten Staaten bedeutet. Sie verstehen, daß
die Hilfe für unsere Freunde in Rußland eine VersicheUnsere engsten Verbündeten sind sich eindeutig bewußt, rung gegen Feinde in Rußland ist.
daß die Hilfe für Rußland auch in ihrem Interesse liegt.
Deutschland, Großbritannien, Japan und Kanada haben Wenn wir heute nicht handeln, könnte Ihre Generation
in den vergangenen zwei Monaten neue Hilfspakete ein Amerika mit wenigen Chancen und vielen Lasten
angekündigt. Wir hoffen, daß wir bis zum Tokioter erben. Sie könnten ein Amerika der vergeudeten
Gipfel im Juli die Einigung mit unseren Verbündeten Chancen erben. Wir würden vielleicht niemals einen
über die Einrichtung eines neuen speziellen Privatisie- nationalen sozialen Dienst aufbauen. Wir könnten
rungsfonds bekanntgeben können. Wir werden bei Head Start für mittellose Kinder niemals ganz finanziediesen Bestrebungen eng mit Japan und Deutschland ren. Wir könnten uns vielleicht niemals die zur Beseizusammenarbeiten. Und wir hoffen, daß Japan sich tigung der Altlasten erforderlichen Technologien leider führenden Rolle voll und ganz bewußt ist, die es sten. Wenn wir der russischen Demokratie jetzt nicht
nicht nur in diesem Sommer in Tokio, sondern auch helfen, müssen wir den Preis dafür bezahlen. Und
danach spielen kann, um zu der Art von Gesamtpaket meine Verantwortung besteht darin, dies gemeinsam
beizutragen, das den Platz Rußlands in der Gemein- mit Ihnen nicht zuzulassen.
schaft demokratischer Nationen sichern wird.
Wir sind so weit gekommen. Wir haben so viel
Wir sind uns bewußt, daß es nicht leicht ist, den ausgegeben. Wir haben das Versprechen einer sicheamerikanischen Steuerzahler um Unterstützung für reren, freieren und besseren Wert verdient. Sich jetzt
Rußland zu bitten, insbesondere wenn wir uns mit zurückzuziehen, hieße, nahezu einem halben Jahrwichtigen Herausforderungen im Inland konfrontiert hundert amerikanischer Führungsstärke, Opfer und
sehen. Ich bin jedoch nicht einer Meinung mit denje- Verpflichtungen den Rücken zu kehren.
nigen, die denken, es sei falsch oder politisch unklug,
das amerikanische Volk um Unterstützung eines Pro- Unser Ziel in den vergangenen 50 Jahren war, eben
gramms zu bitten, das so eindeutig in unserem Inter- dort anzukommen, wo wir heute sind: In der Lage zu
sein, das amerikanische Volk zu bitten, eine Partneresse liegt.
schaft mit Rußland zu schmieden, weil es im grundleAus diesem Grund bitten wir Sie - und aus diesem genden Interesse der Vereinigten Staaten liegt. Aus
Grund bitten wir Sie jetzt. Ich fordere Sie auf, den Plan diesem Grund bitten wir Sie - und aus diesem Grund
des Präsidenten zu unterstützen, der Demokratie in sind wir zuversichtlich, daß der Kongreß und das
Rußland zum Erfolg zu verhelfen. Ich bin überzeugt, amerikanische Volk positiv reagieren werden.

*

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* * *

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Seite 5

�KRIEGSVERBRECHEN
2. Juni 1993

KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL MUSS
ERFOLG HABEN
Stellungnahme von Albright im UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Das internationale Kriegsverbrechertribunal für die Republiken des ehemaligen
Jugoslawien "mu ß erfolgreiche Arbeit leisten, um der Opfer und der Glaubwürdigkeit des Völkerrechts in diesem
neuen Zeitalter willen", erklärte US-Botschafterin Madeleine Albright am 25. Mai 1993 im UN-Sicherheitsrat.
In einer Stellungnahme im Anschluß an die Abstimmung des Rates über die Einsetzung des Tribunals verwies
Albright darauf, "die Skeptiker - einschließlich der Kriegsverbrecher -, die dieses Tribunal als machtlos
verhöhnen, weil die Verdächtigen sich der Festnahme entziehen könnten, sollten sich dessen nicht so sicher
sein. Das Tribunal wird Anklage erheben, ob Verdächtige in Gewahrsam genommen werden können oder nicht.
Sie werden internationale Parias werden."
Albright betonte, die Vereinigten Staaten seien entschlossen zu gewährleisten, daß auch Juristinnen in dem
Tribunal vertreten sind und Anklägerinnen Kriegsverbrecherzur Verantwortung ziehen. "Wir müssen sicherstellen, daß die Stimmen der am stärksten betroffenen Gruppen bei dem Tribunal gehört werden", insbesondere die
der Frauen und Mädchen, die systematisch vergewaltigt, interniert und ermordet wurden, erklärte sie.
Nachfolgend veröffentlichen wir Albrights Stellungnahme im Wortlaut.

Herr Präsident, heute beginnen wir, den Haß auszumerzen, der das ehemalige Jugoslawien zerrissen
hat. Vor wenigen Monaten habe ich festgestellt: "Dies
wird kein Tribunal der Sieger sein. Der einzige Sieger,
der sich bei diesem Vorhaben durchsetzen wird, ist
die Wahrheit." Wahrheit ist der Eckpfeiler der Rechtsstaatlichkeit, und sie wird Einzelpersonen, nicht Völker, als Verantwortliche für Kriegsverbrechen ausmachen. Und es ist nur die Wahrheit, die den ethnisch
und religiös begründeten Haß ausmerzen und den
Heilungsprozeß einleiten kann.
Zu den Millionen, die von dieser Resolution erfahren
werden, gehören Hunderttausende von Zivilisten, die
Opfer von schrecklichen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im ehemaligen
Jugoslawien sind. Diesen Leidtragenden erklären wir
mit dieser Maßnahme, daß Ihre Agonie, Ihre Opfer
und Ihre Hoffnung auf Gerechtigkeit nicht vergessen
worden sind. Und denjenigen, die diese verabscheuungswürdigen Verbrechen begangen haben, übermitteln wir eine sehr eindeutige Botschaft: Kriegsverbrecher werden verfolgt und Gerechtigkeit wird walten.

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Die derzeit - auch während unserer heutigen Zusammenkunft - begangenen Verbrechen sind nicht lediglich
einzelne Vorfälle betrunkener Milizionäre, sondern häufig
systematische und geplante Verbrechen staatlicher
Vertreter, militärischer Befehlshaber, disziplinierter
Artilleristen und Infanteristen. Die Männer und Frauen,
die hinter diesen Verbrechen stehen, sind individuell für
die Verbrechen derjenigen verantwortlich, die zu kontrollieren sie vorgeben. Die Tatsache, daß ihre Macht
häufig selbsterklärt ist, vermindert nicht ihre Schuld.
Die Skeptiker - einschließlich der Kriegsverbrecher -,
die dieses Tribunal als machtlos verhöhnen, weil die
Verdächtigen sich der Festnahme entziehen könnten,
sollten sich dessen nicht so sicher sein. Das Tribunal
wird Anklage erheben, ob Verdächtige in Gewahrsam
genommen werden können oder nicht. Sie werden
internationale Parias werden. Obwohl diese Einzelpersonen in der Lage sein mögen, sich innerhalb der
Grenzen Serbiens oder in Teilen Bosniens oder Kroatiens zu verstecken, werden sie für den Rest ihres
Lebens Gefangene im eigenen Land sein. Nach der
heute verabschiedeten Resolution wird jede Regie-

Seite 1

�rung, auch jede im ehemaligen Jugoslawien, verpflich- nals erwogen werden. Wir hoffen, zu diesem entscheitet sein, die von dem Tribunal Angeklagten auszulie- denden Prozeß der Erarbeitung der Regeln beitragen
zu können, die das Tribunal so bald wie möglich
fern.
verabschieden sollte, damit der Ankläger dann in der
Wir müssen sicherstellen, daß die Stimmen der am Lage ist, die Fälle ohne weitere Verzögerung strafstärksten betroffenen Gruppen bei dem Tribunal ge- rechtlich zu verfolgen.
hört werden. Ich beziehe mich besonders auf die
Internierung und systematische Vergewaltigung von Darüber hinaus trägt die Resolution der Tatsache
Frauen und Mädchen, denen häufig kaltblütiger Mord Rechnung, daß die Staaten die Verabschiedung von
folgt. Lassen wir die Zehntausende von Frauen und Maßnahmen im Rahmen ihrer eigenen Gesetzgebung
Mädchen, die mutig den brutalen Angriff von Feiglin- für notwendig erachten könnten, damit sie die Verfügen, die sich selbst Soldaten nennen, überlebt haben, gungen des Statuts in die Praxis umsetzen können,
folgendes wissen: Ihre Würde lebt fort, und dasselbe und fordert sie auf, solche Maßnahmen gegebenengilt auch für die, die den Tod gefunden haben.
falls so bald wie möglich zu ergreifen. Dies ist zweifelsohne die Absicht der Vereinigten Staaten.
Geraldine Ferraro, die kürzlich die Vereinigten Staaten
bei der UN-Menschenrechtskommission vertrat, sagte Wir beglückwünschen das Sekretariat zu seinem
zu diesem Verbrechen: "Vergewaltigung sollte nicht ausgezeichneten Bericht, der die Grundlage für die
als Kriegswaffe eingesetzt werden. Auch sollte sie heute vom Rat veranlaßten Maßnahmen gelegt hat.
nicht als Werkzeug der Rache verwendet werden... Obwohl der Rat das Statut des Tribunals wie in diesem
Die Rechte der Frauen sind Menschenrechte und Bericht vorgeschlagen verabschiedet hat, sind sich die
müssen als solche respektiert werden." Das Interna- Mitglieder des Rats bewußt, daß das Statut mehrere
tionale Tribunal wird die Vergewaltiger und Mörder technische Fragen aufwirft, die durch Auslegungen
sowie ihre Vorgesetzten strafrechtlich verfolgen.
angesprochen werden können.
Meine Regierung ist ferner entschlossen, darauf zu
achten, daß dem Tribunal Juristinnen angehören und
Anklägerinnen die Verbrecher vor Gericht bringen.
Unsere Ansicht wird von allen Ständigen Vertreterinnen dieser Organisation geteilt. Wir nehmen auch die
Empfehlung der Organisation der Islamischen Konferenz zur Kenntnis, daß Frauen in dem Tribunal entsprechend repräsentiert sind.

Unseres Wissens teilen andere Mitglieder des Rats
unsere Auffassung insbesondere im Hinblick auf die
folgende Klärung des Statuts:

Erstens gehen wir davon aus, daß die in Artikel 3
genannten "Gesetze oder Bräuche des Krieges" alle
Verpflichtungen gemäß der Abkommen im Bereich der
Menschenrechte enthalten, die auf dem Territorium
des ehemaligen Jugoslawien zu dem Zeitpunkt in Kraft
Die heutige Resolution enthält wichtige Verfügungen, waren, als die Verbrechen begangen wurden, eindie die unverzügliche Einsetzung des Tribunals sicher- schließlich Artikel 3 der Genfer Konventionen von
stellen sollen. Es ist unerläßlich, daß ich ausführlich 1949 und der Zusatzprotokolle zu diesen Konventiound eingehend die Erkenntnisse darlege, von denen nen von 1977.
meine Regierung bei der Unterstützung für diese
Resolution und das Statut des Tribunals geleitet ist. Zweitens bezieht sich Artikel 5 auf alle in diesem Artikel
Zunächst möchten wir insbesondere die Bedeutung aufgeführten Taten, die während der Zeit bewaffneter
Konflikte auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien
von drei Bestimmungen unterstreichen:
rechtswidrig begangen wurden und Teil weitverbreiteDie heutige Resolution gewährleistet, daß die UN- ter oder systematischer Angriffe auf die ZivilbevölkeExpertenkommission ihre Arbeit an der Erstellung rung aus nationalen, politischen, ethnischen, rassieiner Datenbank und Vorbereitung von Beweisen schen, geschlechtsspezifischen oder religiösen Grünwährend der Interimsperiode fortsetzt, bevor der den sind.
Ankläger des Tribunals ernannt und M itarbeiter eingestellt werden, die zu Ermittlungen und zur Vorbereitung Drittens bezieht sich unserer Ansicht nach das in
der Prozesse befugt sind. Wir erwarten, daß der Artikel 9, Absatz 2 erwähnte Primat des InternationaGeneralsekretär der Kommission die erforderlichen len Tribunals nur auf die in Artikel 10 beschriebenen
Räumlichkeiten, Ressourcen und das Personal zur Situationen.
Wahrnehmung ihres Mandats zu Verfügung stellt, und
Die Vereinigten Staaten möchten im Zusammenhang
wir fordern die anderen Länder auf, unserem Beispiel
mit den Bestimmungen des Statuts auch verschiedene
bei der Entrichtung von finanziellen Beiträgen an die
andere Klarstellungen vornehmen:
Kommission zu folgen. Zu gegebener Zeit erwarten
wir die Auflösung der Kommission und Übergabe ihrer Im Hinblick auf Artikel 7, Absatz 1 sind wir der Ansicht,
Arbeit an das Büro des Anklägers.
daß individuelle Haftbarkeit im Falle einer Verschwörung vorliegt, ein in den Artikeln 2 bis 5 erwähntes
Die Resolution ermutigt darüber hinaus andere Staa- Verbrechen zu begehen, oder falls eine übergeordnete
ten zur Unterbreitung von Vorschlägen fürdie Beweis- Instanz (sei sie politischer oder militärischer Natur)
regeln und -verfahren, die von den Richtern des TribuSeite2

AMERIKA DIENST 22

�keine angemessenen Schritte zur Verhinderung oder
Bestrafung solcher Verbrechen durch ihr unterstehende Personen unternimmt. Natürlich kann als Verteidigung angeführt werden, daß der Angeklagte Befehle
ausführte, von denen er nicht wußte, daß sie rechtswidrig sind, und deren Rechtswidrigkeit auch einer mit
gesundem Menschenverstand und Begriffsvermögen
ausgestatteten Person nicht bewußt sein konnte.
Im Hinblick auf Artikel 10 ist das Tribunal unseres
Erachtens ermächtigt, Verfahren gegen Personen
einzuleiten, die bereits vorher fürdasselbe Verbrechen
von einem nationalen Gerichtshof verurteilt wurden,
wenn die Verfahrensweise des jeweiligen Landes
(einschließlich Begnadigung, Bewährung und anderer
Straferleichterungen) nicht unparteiisch oder unabhängig war und darauf abzielte, den Angeklagten von
seiner Rechenschaftspflicht vor einem internationalen
Tribunal zu befreien, oder das Verfahren nicht sorgfältig durchgeführt wurde.
Im Hinblick auf Artikel 19 ist der Bezug auf den
glaubhaft gemachten Sachverhalt in Absatz 1 eine
gute Grundlage anzunehmen, daß ein Verbrechen,
wie unter den Artikeln 2 bis 5 definiert, von der in der

Anklageschrift erwähnten Person begangen wurde.
Im Hinblick auf Artikel 24 schließlich sind wir der
Ansicht, daß die Entschädigung der Opfer durch einen
Verurteilten ein angemessener Teil der Entscheidungen über das Strafmaß, die Herabsetzung der Strafe,
Bewährung oder Strafmilderung ist. Auch vertreten wir
die Meinung, daß das Tribunal lebenslängliche Gefängnisstrafen verhängen darf sowie in jedem angemessenen Fall für mehrere Verbrechen auch aufeinanderfolgende Strafen.
Mit der Annahme des Statuts über das Tribunal haben
wir den schwierigsten Teil der Aufgabe beendet, die wir
im Februar mit der Annahme von Resolution 808 durch
den Rat begannen. Wir müssen unverzüglich die
nächsten Schritte unternehmen, insbesondere die
Ernennung eines Anklägers und die Auswahl der
Geschworenen.
Schließlich sind wir fest davon überzeugt: Dieses
Tribunal muß erfolgreiche Arbeit leisten, um der Opfer
und der Glaubwürdigkeit des Völkerrechts in diesem
neuen Zeitalter willen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�HANDEL
2. Juni 1993

STEIGENDES HANDELSDEFIZIT IM
JAHR 1993 ERWARTET
Bericht des Finanzministeriums an den Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Einem Zwischenbericht des US-Finanzministeriums zufolge wird das Handels- und
Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten voraussichtlich abnehmen und schließlich seinen Verlauf ändern,
falls es den großen Industrienationen gelingt, sich auf eine Koordinierung ihrer Wirtschaftspolitik zu einigen.
Der "Bericht an den Kongreß über die internationale Wirtschafts- und Währungspolitik" wurde am 25. Mai 1993
herausgegeben. Er bringt einen im Dezember 1992 vorgelegten Bericht auf den neuesten Stand.
In dem jüngsten Bericht wird festgestellt, daß China weiterhin seinen Wechselkurs manipuliert, um seinen
Handels-und Leistungsbilanzüberschuß aufrechtzuerhalten, daß aber Taiwan und Südkorea ihren Wechselkurs
nicht länger zu manipulieren scheinen.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Zusammenfassung des Berichts.

Dieser Zwischenbericht befaßt sich mit den Entwicklungen in der internationalen Wirtschaftspolitik der
Vereinigten Staaten, einschließlich der seit der Vorlage des fünften Jahresberichtes an den Kongreß im
Dezember 1992 verfolgten Wechselkurspolitik. Diese
Berichte sind gemäß Abschnitt 3005 des Allgemeinen
Handels- und Wettbewerbsgesetzes aus dem Jahre
1988 vorgeschrieben.

insbesondere um die Schaffung eines Umfelds, das
offenen und informellen Diskussionen zuträglich ist,
schlug Wege vor, um das analytische Rahmenwerk für
die Beschäftigung mit Schlüsselfragen zu verbessern
und stellte fest, daß diese Koordinierung die nationalen Unterschiede und Interessen in Betracht ziehen
sollte, anstatt nach einen gemeinsamen Ansatz zu
suchen. Diese Bemühungen haben bereits Wirkung
gezeigt. Die Finanzminister und ZentralbankgouverWährend in Nordamerika offensichtlich eine wirtschaft- neure der G-7 haben sich darauf geeinigt, daß ihre
liche Erholung stattfindet, ist das reale Wachstum in nationalen Ziele erhöhten Wachstums mit ihren natioJapan und Europa extrem schwach. In Japan ist die nalen Interessen konform gehen, und versuchen,
niedrigste Wachstumsrate seit 20 Jahren zu verzeich- gemeinsame politische Maßnahmen einzuführen, die
nen. Die meisten europäischen Länder befinden sich ihre unterschiedlichen wirtschaftlichen GegebenheiineinerStagnation. Die wirtschaftliche Erholung in den ten reflektieren:
Vereinigten Staaten ist bescheiden und nurvon einem
begrenzten Wachstum an Arbeitsplätzen begleitet.
Für die Vereinigten Staaten und Kanada erhöhEin sich entwickelnder Überschuß in der japanischen
te Spar- und Investitionsquoten, hauptsächlich
Leistungsbilanz droht, den durch den Abbau der exterdurch substantiellen Abbau der Haushaltsdefinen Ungleichgewichte in den späten achtziger Jahren
zite,
erreichten Fortschritt zunichte zu machen. Eine posifür Europa Maßnahmen zur Ankurbelung privative Entwicklung in nahezu allen Industriestaaten ist
ter Nachfrage und zur Bekämpfung steigender
das weitere Sinken der Inflationsrate.
Arbeitslosigkeit, insbesondere durch einen weiAngesichts dieser Entwicklungen bemühte sich die
teren Abbau der Zinssätze als Ergebnis der
neue Administration, zur Stärkung der Weltwirtschaft
Einführung mittelfristiger Haushaltskonsolidiedie Koordinierung der Wirtschaftspolitik unter den großen
rung und der Eindämmung der Lohnkosten und
Industrienationen zu verbessern. Sie bemühte sich
der Inflationsrate sowie

AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�für Japan eine substantielle Ankurbelung der
Inlandsnachfrage, die zu einem Abbau seines
großen externen Überschusses beiträgt.

den zuständigen amerikanischen Stellen weiterhin
eingehend beobachtet. Diese Länder wurden in der
Vergangenheit mehrmals für die "Manipulation" des
Wechselkurses ihrer Währungen gegenüber dem Dollar
Die Durchsetzung dieser Maßnahmen wird die Grund- im Sinne von Paragraph 3004 des Allgemeinen Hanlage für dauerhaftes Wirtschaftswachstum und einen dels- und Wettbewerbsgesetzes von 1988 verantwortAbbau der Arbeitslosigkeit in den G-7-Staaten und lich gemacht. Das Finanzministerium hat eine Reihe
anderen Marktwirtschaften sein. Die Annahme von offizieller und inoffizieller Gespräche mft den zuständiPräsident Clintons Wirtschaftsprogramm ist der wich- gen Stellen dieser Länder geführt, um zum Abau von
tigste Beitrag der Vereinigten Staaten zu diesem ver- Maßnahmen zu ermutigen, die eine Aufwertung ihrer
einbarten Ansatz. Zusätzlich haben sich die G-7 Währungen aufgrund von Marktkräften verhindern oder
darauf geeinigt, daß von allen Staaten umfassende verhindern könnten.
Strukturreformen durchgeführt werden müssen, um
ihr langfristiges Wachstumspotential zu erhöhen, und In dem vorliegenden Bericht ist das Finanzministerium
daß eine weitere Öffnung des Welthandelssystems für zu dem Schluß gekommen, daß China sein Deviseneine Maximierung des Weltwirtschaftswachstums system manipuliert. Die Handels- und Zahlungsbilanunerläßlich ist.
zen Chinas erzielten auch 1992 einen - wenn auch
etwas verringerten - Überschuß, und die DevisenreAufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Ge- serven des Landes stiegen weiter an. Sein Überschuß
gebenheiten und Aussichten in den wichtigsten Indu- im bilateralen Handel mit den Vereinigten Staaten
striestaaten hat sich das Defizit der amerikanischen nahm weiter zu. Trotz dieser Faktoren erhält China
Handels- und Leistungsbilanzdefizite im Jahr 1992 nach wie vor erhebliche Beschränkungen bei Devisenetwas erhöht und wird 1993 wahrscheinlich weiter transaktionen aufrecht, die Anpassungen der Zahansteigen. Dennoch ist die Wettbewerbsposition der lungsbilanz durch die Begrenzung von Importen verVereinigten Staaten stark, und der derzeitige Trend hindern.
eines steigenden externen Defizits sollte sich verlangsamen und schließlich seinen Verlauf ändern, voraus- Das Finanzministerium ist der Ansicht, daß Taiwan
gesetzt die oben skizzierte Wachstumsstrategie der seine Währung nicht mehr manipuliert. Ein wichtiges
G-7 wird erreicht.
Element der diese Schlußfolgerung untermauernden
Analyse ist die Tatsache, daß die weltweiten HandelsDer Wert des Dollar hat sich in den vergangenen und Zahlungsbilanzüberschüsse Taiwans 1992 erMonaten unter Handelsgesichtspunkten kaum verän- heblich gesunken sind und sein bilateraler Überschuß
dert. Diese generelle Stabilität spiegelte im großen gegenüber den Vereinigten Staaten abgenommen hat.
und ganzen einander ausgleichende Bewegungen Das Ministerium ist jedoch weiterhin sehr besorgt
gegenüber verschiedenen Währungen wider. Eine darüber, daß erhebliche Beschränkungen des Devimäßige Aufwertung gegenüber europäischen Wäh- senhandels und internationale Kapitaltransaktionen
rungen konnte hauptsächlich auf die unterschiedlichen aufrechterhalten werden und die Nachfrage nach dem
Zinserwartungen in Europa und den Vereinigten Staa- NT-Dollar reduzieren könnten. Obwohl die Abwertung
ten zurückgeführt werden. Eine Abwertung gegen- dieser Währung in den letzten Monaten nicht auf
über dem Yen kann als Ausdruck von Kräften betrach- staatliche Maßnahmen zurückzuführen ist, die als
tet werden, die zur Begrenzung und letztlich Umkeh- Manipulation interpretiert werden könnten, stellt das
rung des steigenden japanischen Handelsüberschus- Finanzministerium fest, daß die für eine Manipulation
ses führen könnten.
erforderlichen Instrumente weiterhin existieren.
Die Administration geht davon aus, daß die Wechselkurse die ökonomischen Grunddaten widerspiegeln
sollten und Versuche, Wechselkurse künstlich zu
beeinflussen oder zu manipulieren, ungeeignet sind.
Gleichzeitig sind übermäßige Schwankungen der
Wechselkurse wachstumshemmend. Infolgedessen
sind die Vereinigten Staaten nach wie vor bereit, mit
ihren Partnern in der G-7 auf den Devisenmärkten zu
kooperieren.

Wie in dem Bericht von Dezember 1992 kann das
Finanzministerium nicht erkennen, daß Südkorea den
Wechselkurs des Won manipuliert hat. Südkorea
weist nach wie vor Handels- und Zahlungsbilanzdefizite auf, obwohl diese im Jahr 1992 erheblich abgenommen haben. Die bilaterale Handelsbilanz Koreas
gegenüber den Vereinigten Staaten wies einen Überschuß auf, und die Devisenreserven waren die höchsten jemals verzeichneten. Die staatlichen Stellen
Währungspolitische Maßnahmen aufstrebender Han- scheinen jedoch nicht auf dem Devisenmarkt zu interdelsmächte wie China, Korea und Taiwan werden von venieren, um eine Aufwertung des Won zu verhindern.
* *

Seite 2

* *

AMERIKA DIENST 22

�KSZE
2. Juni 1993

NATIONEN SOLLTEN IHRE VIELFALT
ZU SCHÄTZEN WISSEN
Stellungnahme von Botschafter Blackwell
WARSCHAU - (AD) - Der amerikanische Vertreter bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen,
Botschafter J. Kenneth Blackwell, hat erklärt, "die Gesellschaften und Nationen von morgen müssen Wertschätzung für ihre Vielfalt widerspiegeln, sonst werden sie auseinandergerissen".
"Die vor uns als Menschen in diesem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts liegende Herausforderung besteht
darin, den Zusammenhalt unserer zunehmend vielfältigen Gesellschaften sicherzustellen", stellte er fest.
Blackwell äußerte sich am 28. Mai 1993 in der Schlußerklärung der amerikanischen Delegation beim
Warschauer Seminar über nationale Minderheiten, das unter der Schirmherrschaft der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa stattfand.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Blackwells Stellungnahme im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, diese Woche haben wir Beispiele
für juristische, soziale und kulturelle Maßnahmen sowie
M echanismen gehört, mit denen gewährleistet werden
soll, daß Personen, die Minderheitengruppen angehören, ihr ethnisches Erbe bewahren können. In den
meisten Staaten besteht eine prinzipielle Verpflichtung
zur Einhaltung der KSZE-Normen im Bereich Minderheiten, und darüber hinaus gibt es eine gesetzliche
Grundlage, in der die Rechte von Minderheitengruppen niedergelegt sind.

vielleicht viele, werden vielsprachig sein. Wir sollten
dies aufgrunddessen begrü ßen, was sie in unser nationales Geflecht einbringen werden, und wir müssen
Wege finden, um Minderheiten Beteiligung und ein
Mitspracherecht einzuräumen, nicht nur in den ihre
eigenen ethnischen Gruppen betreffenden Angelegenheiten, sondern auch auf allen Ebenen des nationalen Lebens. Sicherlich ist jede Situation anders
gelagert, und jeder Staat und jede M inderheitengruppe
muß einzigartige Wege gehen, um ein Gleichgewicht
zwischen nationaler Identität und ethnischem Erbe zu
Wie Max van der Stoel jedoch in seinem Hauptvortrag finden.
feststellte, ist dies unerläßlich, aber nicht ausreichend.
Damit unsere Gesellschaften den Rechten von Ange- Welches Modell auch angewendet wird, und wie das
hörigen nationaler Minderheiten gerecht werden kön- Gleichgewicht auch erreicht werden mag, die Gesellnen, muß in der Mehrheit ein Bewußtsein dafür ge- schaften und Nationen von morgen müssen Wertschaffen werden, daß Vielfalt eine Gesellschaft enorm schätzung für ihre Vielfalt widerspiegeln, sonst werden
bereichert. Minderheiten müssen ermutigt werden, sie auseinandergerissen.
sich uneingeschränkt und aktiv am nationalen Leben
zu beteiligen, um zumindest die Forderung auf die Ethnische Spaltungen haben während des letzten
ihnen zustehenden Rechte zu untermauern und die im Jahrhunderts an den Nähten des komplizierten Mupolitischen Fundament einer Gesellschaft vorhande- sters des europäischen Stoffes gezerrt und zweimal
nen staatlichen und rechtlichen Instrumente zu aktivie- schien es, daß der Stoff kurz vor dem Zerreißen war ren, die zum Schutz dieser Rechte existieren. Denn und zur Zeit sind wir Zeuge, wie er zum dritten Mal
ohne die aktive Beteiligung und das Bewußtsein der ausfasert. Die vor uns als Menschen in diesem letzten
Bürger besteht das Risiko, daß Verfassungen und Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts liegende Herausforderung besteht darin, den Zusammenhalt unserer
Gesetze nur tote Buchstaben bleiben.
zunehmend vielfältigen Gesellschaften sicherzustelHier steht nicht mehr und nicht weniger auf dem Spiel len. Auf diesem Seminar wurden hierzu Modelle in den
als der Charakter der Gesellschaften, in denen wir Bereichen Bildung, Sprachgebrauch, Kultur, Gesetzleben werden. Sie werden multiethnisch sein. Einige, gebung und Regierungsführung untersucht. Der
AMERIKA DIENST 22

Seite 1

�Schlüssel für das Funktionieren dieser Modelle ist der
politische Wille - der menschliche Wille der Mehrheiten
zur Akzeptanz und der Minderheiten zur umfassenden
Teilnahme.

Seminars alle weiterhin zusammenarbeiten und von
den Erfolgen und Fehlschlägen anderer lernen werden, während wir die multikulturelle Gesellschaft aufbauen, die unser Schicksal ist. Es wird ein Kampf sein,
der die konzertierten Bemühungen der Nachbarstaaten erfordern wird, der "Mutterstaaten", und der für das
21. Jahrhundert ein grundlegend neues Konzept der
Nation als pluralistisches politisches Gebilde erfordert,
das alle seine Bürger, ungeachtet ihrer ethnischen
Herkunft, aufnimmt und akzeptiert. Etwas Geringeres
aufzubauen würde bedeuten, diejenigen zu betrügen,
die das von uns Geschaffene erben werden. Wir
wollen diese Herausforderung als lebenswichtige
Angelegenheit der menschlichen Dimension betrachten.

Die Verfassung der Vereinigten Staaten und ihre Bill of
Rights sind mehr als 200 Jahre alt, und obwohl sie die
essentielle Grundlage zum Schutz der Minderheiten
gegen Tyrannei der Mehrheit darstellen, haben sie
sich als nicht ausreichend erwiesen und sind mehrfach
geändert worden. Unsere Nation ist immer noch mit
der Verbesserung der Gesetze und dem Versuch
beschäftigt, die Art von Gesellschaft zu werden, über
die ich hier gesprochen habe. Diese Woche haben wir
einen Teil unserer Erfolge und Fehlschläge, unserer
Zufriedenheit und Frustration mit Ihnen geteilt, und Sie
haben die Ihren mit uns geteilt. Wir haben viel über Ihre Nochmals möchten wir dem Volk und der Regierung
Gesellschaften und die in ihnen lebenden Minderhei- Polens für ihre herzliche Gastfreundschaft danken.
ten gelernt und danken Ihnen für diese Informationen. Unser Dank gilt auch dem Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte für die Organisation
Wir verlassen dieses Seminar in voller Anerkennung dieses Seminars, den Diskussionsleitern, Vorsitzender riesigen Herausforderungen, mit denen viele KSZE- den und Übersetzern sowie allen Seminarteilnehmern
Staaten im Bereich von Minderheitenfragen konfron- für den Austausch von Erfahrungen und Überzeuguntiert werden und hoffen, daß wir im Geiste dieses gen.

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AMERIKA DIENST 22

�EINWANDERUNG
2. Juni 1993

DIE NEUE EINWANDERUNGSPOLITIK
von Gary Rubin
"Das Einwanderungsgesetz vom 1990 bringt trotz seiner Komplexität eine eindeutige Botschaft zum Ausdruck:
Einwanderung ist gut für das Land", erklärt der Autor. Er erläutert die Auswirkungen der neuen amerikanischen
Einwanderungspolitik.
Copyright (c) 1992 by the Society for the Advancement of Education. Nachdruck und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von USA Today magazine, September 1992.

Das Einwanderungsgesetz von 1990 bedeutet einen
echten Sieg für diejenigen, die eine offenere Einwanderungspolitik auf der Grundlage der Familienzusammenführung und des Angebots wirtschaftlicher Chancen anstreben. Wie jedes komplexe Gesetzeswerk
enthält esjedoch innere Widersprücheundgegensätzliche Ziele, die nach wie vor Kontroversen darüber
hervorrufen, wie die Vereinigten Staaten Neubürger
zulassen sollten.
Die Gesetze zur Regelung der legalen Zuwanderung
wurden im 20. Jahrhundert nur viermal durchgreifend
verändert - in den Jahren 1924,1952,1965 und 1990.
Die Struktur dieser jüngsten Überarbeitung garantiert
jedoch, daß bis zur nächsten Neufassung nicht sehr
viel Zeit vergehen wird. Im wesentlichen wird die Zahl
der legalen Einwanderer in den Haushaltsjahren 1992
bis 1994 von vorher rund 500.000 auf 700.000 und in
den folgenden Jahren auf 675.000 jährlich angehoben.
(Eine weitere Anzahl - derzeit etwa 130.000 - kommen
als Flüchtlinge, um Verfolgung in ihren Heimatländern
zu entgehen, und werden von diesem Gesetz nicht
berührt).
Diese Zahlen sind bemerkenswert und bedeuten einen
wichtigen Stimmungsumschwung im Hinblick auf die
Einwanderungspolitik im Kongreß. Zu Beginn der
achtziger Jahre unterstützte ein Drittel des Senats
einen Vorschlag, die Zuwanderung um nahezu 50
Prozent zu verringern. Am Ende des Jahrzehnts
schlug der Kongreß den entgegengesetzten Kurs ein
und erweiterte die Möglichkeiten, auf Dauer ins Land
zu kommen.
Darüber hinaus wurde für diesen Wandel ein solider
Konsens erreicht.
Zu den Verfechtern verstärkter
Einwanderung gehörten Republikaner und Demokraten, Konservative und Liberale. AußerparlamentaAMERIKA DIENST 22

risch wurde von Aktivisten in religiösen und ethnischen
Gemeinschaften ebenso wie von Bastionen konservativer Stärke wie der Wirtschaft und dem Wall Street
Journal eine Zunahme der Einwanderung gefordert.
Auch die vom Vorsitzenden der Minderheitsfraktion im
Senat, dem Republikaner Alan Simpson aus Wyoming
angeführten Gegner der verstärkten Einwanderung
brachten ihre Meinung in dieser Debatte zum Ausdruck, erlitten jedoch bei der Abstimmung eine überwältigende Niederlage.
Dieser Konsens repräsentiert verschiedene Kräfte, die
sich aus unterschiedlichen Gründen zusammenschlössen. Die Wirtschaft wünscht verstärkten Zugang zu
qualifizierten Arbeitnehmern auf der ganzen Welt.
Ethnische und religiöse Gruppen streben eine Beschleunigung der Zusammenführung von Familien an,
deren Mitgliederteilweise in den Vereinigten Staaten
und im Ausland leben. Andere, etwa die Iren, wünschen eine stärkere Einwanderung aus ihrem Heimatland. Die Gewerkschaften akzeptieren die höheren
Zuwanderungszahlen, suchen jedoch Mechanismen,
um die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder zu sichern. Die
Komplexität des Einwanderungsgesetzes ergibt sich
aus Versuchen, alle diese Interessen in einem einzigen Gesetz zu berücksichtigen.
Dies wurde möglich, weil die verschiedenen Vorstellungen auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden
können: An der Schwelle zum 21. Jahrhundert liegt
Einwanderung im sozialen und wirtschaftlichen Interesse der Vereinigten Staaten. Eine Serie von Forschungsarbeiten ergab Ende der achtziger Jahre, daß
entgegen weitverbreiteten Ängsten Einwanderer den
in den Vereinigten Staaten geborenen Arbeitnehmern
weder die Arbeitsplätze wegnehmen noch ihre Löhne
drücken. Durch Unternehmergeist und harte Arbeit
erhöhen sie die Wirtschaftsleistung, stärken die FamiSeite 1

�lienbande und bringen ihre Qualifikationen in die Erwerbsbevölkerung ein.

700.000 überschreitenden von den 55.000 abgezogen
werden, die für Ehegatten und Kinder von Ausländern
reserviert wurden, die ihren Status legalisieren. ZuDie Erlangung eines Konsenses über Konzepte ist sätzlich könnten auch enge Verwandte von Ausläneine Sache, sie in die Tat umzusetzen eine andere. dern mit Dauerwohnsitz in den Vereinigten Staaten
Das Gesetzeswerk, das aus diesem konzeptionellen ausgeschlossen werden. In keinem Fall jedoch wird
Durchbruch tatsächlich hervorging, bedarf sorgfältiger die reguläre Einwanderung von Familienangehörigen
Untersuchung, um seine künftigen Auswirkungen auf die Zahl von 226.000 unterschreiten, die dem Gesetz
die amerikanische Gesellschaft zu verstehen.
zufolge für bestimmte Kategorien von Familienangehörigen festgesetzt wurde.
Familienzusammenführung
Dem Gesetz zufolge betrifft die Einwanderung hauptsächlich Familienangehörige. Bei 675.000 ab 1994
vorgesehenen legalen Zuwanderern sollen 480.000
Plätze der Familienzusammenführung vorbehalten
bleiben: 226.000 jährlich für erwachsene Söhne und
Töchter von US-Bürgern, Ehemänner, Frauen und
Kinder von Personen mit dauerndem Wohnsitz in den
Vereinigten Staaten sowie Brüder und Schwestern
von US-Bürgern.

Dieses ausgleichende Verfahren wird die Einwanderungsdebatte auf Jahre hinaus bestimmen. Anhänger
restriktiver Regelungen werden behaupten, daß die
Einwanderung enger Verwandter die Gesamtzahl der
Immigranten über die im Gesetz vorgesehenen 700.000
treibt und es deshalb erforderlich sei, eine strenge
Obergrenze für die Zuwanderung festzulegen. Wenn
die Zahl der engen Verwandten von US-Bürgern steigt,
sollte dies zu Lasten anderer Personen gehen, um ein
gleichmäßiges Einwanderungsniveau zu bewahren.

Im Hinblick auf Eltern, Ehegatten und minderjährige
Kinder von US-Bürgern ist das Gesetz sogar noch
großzügiger. Es bestimmt, diese Beziehungen seien
so eng, daß dieser Personenkreis unverzüglich zugelassen werden müsse, ohne zahlenmäßige Beschränkung oder Wartezeiten. In jüngster Zeit sind pro Jahr
rund 220.000 Personen als enge Verwandte von USBürgern eingewandert, und diese Zahl steigt Jahr für
Jahr um etwa sechs Prozent.

Befürworter einer großzügigeren Politik sehen in diesem Vorschlag eine Aushöhlung wichtiger Prinzipien
des Gesetzes. Bei Festsetzung einer Obergrenze
würden enge Verwandte von US-Bürgern auf Kosten
von Brüdern und Schwestern von US-Bürgern oder
Ehegatten und Kindern von dauernd im Lande ansässigen Personen einwandern. Es ist wichtiger, so
sagen sie, Familien ins Land zu bringen als eine starre
Obergrenze festzulegen, insbesondere, weil die vorgebliche
Ursache des Problems - die Zahl der engen
Das Gesetz von 1990 legt eine dritte - wenn auch nur
Verwandten
- nur langsam steige und keine Bedrovorübergehend gültige - Kategorie der Familienzuhung
für
die
amerikanische
Gesellschaft bedeute. Wir
sammenführung fest. Einer Regelung aus dem Jahr
sollten
unsere
Gesamtzahl
von
Einwanderern aufstok1986 zufolge konnten Ausländer, die vor 1982 illegal
ken,
argumentieren
sie,
anstatt
Familien der Chance
ins Land gekommen waren, ihren Status während
auf
Zusammenführung
in
unserem
Land zu berauben.
einer kurzen Frist legalisieren. Über 2 Millionen taten
Für
beide
Ansichten
gibt
es
energische
Befürworter im
dies. Auch sie möchten mit ihren Ehegatten oder
Kongreß,
die
sich
zweifellos
dieses
Themas
annehKindern vereint sein, die noch keinen Einwanderungsmen
werden,
wenn
die
verschiedenen
Bestimmungen
anspruch haben. Wenn ihre Forderung nach Familienzusammenführung nicht behandelt wird, werden sie des Gesetzes praktisch verwirklicht werden.
ihre Ansprüche zusätzlich zu den bereits zahlreichen
Anträgen auf Zuwanderung von Ehegatten und Kin- Einwanderung aus arbeitsmarktpolitischen Gründern anderer Einwanderer mit Dauerwohnsitz geltend den
machen, wodurch diese Kategorie, der unter dem Obwohl Familien die Hauptnutznießer von Einwandeneuen Gesetz 114.200 Plätze zugewiesen wurden, rungspräferenzen bleiben, hat sich das Medieninterunter enormen Druck geraten könnte. Um diesen esse auf neue Regelungen konzentriert, die sich mit
Druck abzubauen, hat der Kongreß von 1992 bis 1994 der beruflichen Qualifikation von Zuwanderung befasweitere 55.000 Plätze für engste Verwandte von Aus- sen. Diese Abschnitte stellen die innovativsten Teile
ländern bereitgestellt, die ihren Status legalisiert ha- des Gesetzes dar.
ben.
Nach dem bis 1990 gültigen Gesetz wurden jährlich
Dabei gibt es jedoch einen Haken. Da enge Verwandte 54.000 Einwanderer aufgrund der beruflichen Qualifivon Staatsbürgern ohne zahlenmäßige Begrenzung kation zugelassen. Dabei waren 25.000 Plätze für
ins Land kommen und ihre Zahl jedes Jahr geringfügig qualifizierte Einwanderer und der Rest für begleitende
zunimmt, könnten und werden sie - gemeinsam mit Familienangehörige reserviert. Das Einwanderungsden vorgeschriebenen Einwanderungsquoten für gesetz verdreifacht diese Zahl auf 140.000, wovon
Familien, beruflich qualifizierte und andere Einwande- mindestens die Hälfte auf besonders qualifizierte
rer - die Gesamtzahl der Einwanderer wahrscheinlich Personen und der Rest auf Ehegatten und Kinder
über das gesetzlich vorgeschriebene Niveau von 700.000 entfällt. Dazu zählen Einwanderer, die aufgrund von
steigern. Sollte dies geschehen, werden alle die Zahl Bildungsgrad, kulturellem oder beruflichem LeistungsSeite 2

AMERIKA DIENST 22

�stand besonders qualifiziert sind sowie Investoren, die higkeit der Vereinigten Staaten zu bewahren. Die
sich zur Gründung von Unternehmen verpflichten, bei Verbesserung der Qualifikationen im Lande ansässidenen Amerikaner beschäftigt werden.
ger Minderheiten sei zwingend erforderlich. Dies sei
jedoch ein langfristiges Vorhaben und keine Antwort
Diese wichtige neue Initiative wurde besonders ener- auf den unmittelbaren Bedarf. In jedem Fall, so
gisch von Wirtschaftsinteressen vertreten. Die Wirt- behaupten sie, werde eine Einwanderung selbst in
schaft argumentiert, daß die Vereinigten Staaten, wenn dem vom Gesetz vorgesehenen verstärkten Umfang
sie auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig bleiben wol- nicht annähernd ausreichen, um den Druck zur Verlen, in der Lage sein müssen, sich die besten Talente besserung von Bildung und beruflicher Qualifizierung
zunutze zu machen. Ein Teil unserer einwanderungs- in Amerika geborener Arbeitnehmer zu verringern.
politischen Ziele müsse darin bestehen, das Reservoir Unsere Zukunft hänge von einer umfassenden Ververfügbarer Talente zu vergrößern.
besserung der Qualifikationen der amerikanischen
Erwerbsbevölkerung ab.
In den ersten Fassungen des Gesetzes sollte diese
verstärkte Zulassung beruflich qualifizierter Einwan- Nur die Erfahrung mehrerer Jahre wird es den politisch
derer durch eine Reduzierung der Familienzusam- Verantwortlichen gestatten, ein Urteil darüber zu fälmenführung kompensiert werden. Dies führte zu len, welche Mischung aus importierten Qualifikationen
einem Aufschrei unter ethnischen, religiösen und anderen und Verbesserung der amerikanischen ErwerbsbevölBefürwortern der Familienzusammenführung, die kerung unseren Arbeitsmarktbedarf im 21. JahrhunVerfechter der verstärkten Zuwanderung auf der Grund- dert erfüllen wird. Das Einwanderungsgesetz hat
lage beruflicher Qualifikation davon überzeugten, die diese Debatte eingeleitet, und bis zu ihrem Abschluß
Zahlen aufzustocken, anstatt die Zahl der Einwande- werden Jahrzehnte vergehen.
rungsvisa für Familienangehörige zu verringern. Die
Notwendigkeit, beiden Interessen gerecht zu werden, Vielfalt
erklärt im wesentlichen die erhöhte Gesamtzahl des
Neben Familienzusammenführung und Qualifikationsendgültigen Gesetzes.
verbesserungen besteht ein drittes Ziel des EinwandeDie Einwanderung aufgrund beruflicher Qualifikation rungsgesetzes darin, den Zustrom von Einwanderern
bedeutete für die Vereinigten Staaten eine neue poli- vielfältiger zu gestalten.
tische Initiative, und es wird Jahre erfordern, um bewerten
zu können, wie sich dies in der Praxis auswirkt. Mit Bis 1965 wurde die amerikanische Einwanderung unter
Sicherheit läßt sich jedoch prognostizieren, daß dies offen rassistischen Voraussetzungen betrieben, die
auf pseudowissenschaftlichen Lehren der zwanziger
zu scharfen Auseinandersetzungen führen wird.
Jahre beruhten, denen zufolge die nord- und westeuEine Kontroverse entwickelt sich bereits bei einigen ropäischen "Rassen" den Süd- und Osteuropäern
Minderheiten, hauptsächlich den Schwarzen, aber auch überlegen seien und deshalb mehr Einwanderungsbei einigen im Lande geborenen oder länger ansässi- möglichkeiten haben müßten. Asiaten waren völlig
gen Hispaniern. Diese Gruppen betrachten gerade die ausgeschlossen. Diese diskriminierende Politik wurde
Situation, die für die Wirtschaft ein Problem darstellt - mit dem historischen Einwanderungsgesetz von 1965
einen Engpaß bei beruflich qualifizierten Arbeitneh- über Bord geworfen, das Teil einer Serie damals
mern - als große Chance für sich, die durch Einwande- verabschiedeter Bürgerrechtsgesetze war. Das Gerung untergraben werden könnte.
setz von 1965 beseitigte nationale Unterschiede im
Gesetz mit der Erwartung, daß Europäer des gesamWenn die Vereinigten Staaten wirklich mit einem Mangel ten Kontinents eine gleiche Einwanderungschance
an qualifizierten Erwerbstätigen konfrontiert sind, so haben würden.
argumentieren diese Minderheiten, wird das Land keine
andere Option haben, als Bildung und berufliche Aber es funktionierte nicht wie angenommen. DiejeniQualifizierung ihrer im Lande ansässigen Erwerbsbe- gen, die sich die neuen Zugangsregeln zunutze machvölkerung zu steigern. Dies würde durch die Verbes- ten, waren überwiegend Nichteuropäer, und heute
serung der Schulen und Chancen für Bewohner der sind nahezu 85 Prozent der Einwanderer Asiaten oder
Innenstädte sowie andere geleistet, die den Aufstieg in Lateinamerikaner.
der amerikanischen Wirtschaft noch schaffen müssen.
Der einzige Weg, um diesen Druck auf Verbesserun- Das Land hat von diesen Neubürgern profitiert.
gen abzubauen, ist der Import von qualifizierten Er- Maßgebliche Untersuchungen belegen, daß sie die
werbstätigen aus dem Ausland, der die Anreize zur Nation wirtschaftlich stärken, sich effektiv kulturell
integrieren und zu unseren kulturellen Ressourcen
Hilfe für Schwarze und Hispanier reduzieren könnte.
beitragen. Trotzdem hat sich eine Nachfrage nach
Führende Vertreter der Wirtschaft halten dem entge- traditionellen europäischen Einwanderern sowie dem
gen, daß bereits heute ein akuter Mangel an qualifizier- Zugang von Gruppen aufgebaut, die nie zuvor freiwillig
ten Arbeitskräften besteht und es lebenswichtig ist, in großer Zahl ins Land gekommen sind, zum Beispiel
diesen zu beheben, um die weltweite Wettbewerbsfä- Afrikaner.

AMERIKA DIENST 22

Seite 3

�Erste Fassungen des Gesetzes stockten den Anteil an
Europäern auf Kosten von Asiaten und H ispaniem auf.
Dies führte zu lautstarken Protesten und drohte zu
einer ethnischen Auseinandersetzung über die Einwanderungspolitik zu führen. Das letztlich verabschiedete Gesetz vergrößert die Vielfalt des Einwandererstroms - jedoch zusätzlich zu - nicht an Stelle von, den
derzeitigen Strömen.

Asyl und sichere Zuflucht. Das Gesetz läßt die
Erteilung eines befristeten Aufenthaltsrechts in den
Vereinigten Staaten für Bürger von Ländern zu, für die
eine Rückkehr aufgrund von Bürgerkriegen oder Naturkatastrophen zu riskant wäre. Salvadorianern wurde
dieser Status beispielweise für 18 Monate eingeräumt.
Emigranten aus von Aufruhr heimgesuchten Ländern
wie Libanon, Kuwait und Liberia sollen einen besonders geschützten Status beantragen, was eine neue
Dies geschieht auf zweifache Weise - eine beunruhi- Diskussion über das Ausmaß amerikanischer Verantgende und eine positive. Für die Jahre 1992 - 94 wortung für den Schutz gefährdeter internationaler
wurden 40.000 Visa für Gruppen bereitgestellt, die von Migranten auslöste. Das Gesetz erleichtert darüber
den 1965 vorgenommenen Veränderungen im Ein- hinaus die Abschiebung krimineller Ausländer. Mit
wanderungsgesetz "negativ betroffen" sind. Davon dieser Regelung wird es jedoch auch eher möglich,
sind 40 Prozent für Iren reserviert. Das bedeutet, daß Menschen mit Ansprüchen auf Asyl in ihre Heimatländiejenigen, die vor diesem Jahr von offenkundig unfai- der zurückzuschicken.
ren Gesetzen profitiert hatten, heute beim Zugang
einen Vorteil erhalten, um Nachteile aufgrund später Ausschluß. Auf dem Höhepunkt der isolationistiformulierter, fairerer gesetzlicher Regeln wettzuma- schen Ängste der fünfziger Jahre gestattete der Konchen. Dies verweist auf das frühere, auf nationaler greß den Ausschluß von Personen, deren Meinungen
Herkunft basierende System und steht im Gegensatz als subversiv betrachtet wurden. Im Lauf der Jahre hat
zu dem breiten, insgesamt pluralistischen Charakter diese Vorschrift zahlreiche renommierte Wissenschaftder übrigen Teile des Gesetzes.
ler und andere daran gehindert, an Fachveranstaltungen in den Vereinigten Staaten teilzunehmen. Mitdem
Nach 1994 wird ein wesentlich gleichmäßigeres Sy- Gesetz von 1990 entfallen die meisten dieser Ausstem greifen, in dem 55.000 Einwanderungsvisa Län- schlußgründe, während Terroristen, Kriminellen, Drodern vorbehalten sind, aus denen bisher nur wenige genhändlern und potentiellen Sozialhilfeempfängern
Einwanderer kamen. Das bedeutet eine echte Gele- weiterhin die Einreise verwehrt wird.
genheit, die Vielfalt zu erhöhen, ohne die derzeitigen
Einwanderungsströme zu schädigen, und es sollte Einwanderungskommission. Da niemand weiß,
sich positiv auf den Pluralismus der amerikanischen welche Auswirkungen das Gesetz im einzelnen auf die
Gesellschaft auswirken.
amerikanische Gesellschaft und die Wirtschaft haben
wird, ruft das Gesetz eine besondere EinwanderungsAndere Merkmale
kommission ins Leben, die dessen Folgen untersuchen und in den Jahren 1994 und 1997 dem Kongreß
Dieses komplexe Gesetzeswerk beinhaltet zahlreiche
Berichte vorlegen soll. Diese Regelung garantiert, daß
andere Charakteristika, die mit Sicherheit zu weiteren
die Einwanderung bis ins 21. Jahrhundert ein drängenDebatten Anlaß geben werden. Dazu gehören:
des nationales Thema bleiben wird.
Illegale Einwanderung. Obwohl das Gesetz vornehmlich auf legale Einwanderung zugeschnitten ist, Das Einwanderungsgesetz vom 1990 bringt trotz seienthält es auch Regelungen zur Stärkung von Maß- ner zunehmenden Komplexität eine eindeutige Botnahmengegen illegale Einwanderer sowie zur Vermei- schaft zum Ausdruck: Einwanderung ist gut für das
dung von Diskriminierung aufgrund dieser Maßnah- Land. Sie sollte weiterhin Familien stärken und der
men. Der Kongreß wird wahrscheinlich jetzt, da er die Wirtschaft neue Qualifikationen bringen, muß jedoch
Normen für die legale Zuwanderung geregelt hat, die kontinuierlich überprüft werden. Dies sind keine endBemühungen zur Unterbindung illegaler Einreisen gültigen Schlußfolgerungen, und die derzeitigen Geverstärken. In diesem Bereich hat es immer erhebliche setze werden eingehend untersucht. In diesem Sinn
politische Meinungsverschiedenheiten und ethnische bedeutet das Gesetz nicht das Ende einer nationalen
Spannungen gegeben, die mit der Wiedererörterung Debatte, sondern die Eröffnung einer neuen.
dieses Themas mit Sicherheit erneut zum Vorschein
kommen werden.
* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 22

�PORTRAT
2. Juni 1993

GERGEN SOLL CLINTONS BOTSCHAFT
VERDEUTLICHEN
Porträt des neuen Präsidentenberaters
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clintons neuer Berater David Gergen ist ein langjähriger Kenner der
Washingtoner Politik mit großen politischen Qualitäten und immer noch starken Verbindungen zu gemäßigten
Republikanern.
Gergen, der sich heute der politischen Mitte zurechnet, begann seine politische Laufbahn als Demokrat - diente
jedoch in späteren Jahren unter den Präsidenten Nixon, Ford und Reagan in wichtigen Positionen des Weißen
Hauses.

1985 trat Gergen als Chefredakteur in die Redaktion
der Zeitschrift U.S. News and World Report ein. Seit
1988 ist er Verfasser einer vielbeachteten wöchentlich
erscheinenden politischen Kolumne.

In den vergangenen fünf Jahren hat er gemeinsam mit
dem liberalen politischen Kommentator Mark Shields
jeden Freitag abend für die MacNeil/Lehrer Newshour im öffentlichen Fernsehen die politischen Ereignisse der Woche analysiert. Einer kürzlichen Umfrage
zufolge ist er einer der 10 meistzitierten politischen
Analysten des amerikanischen Fernsehens.
In meiner Art von Journalismus "habe ich versucht,
eine unabhängige Stimme zu entwickeln, eine ausgewogene Betrachtung von Politik und öffentlichen
Angelegenheiten", erklärte Gergen in einem CNNInterview mit Wolf Blitzer am 29. Mai. "Und meines
Erachtens erfordern viele der nationalen Probleme, die
wir heute haben, weder eine demokratische noch eine
republikanische Lösung. Viele erfordern vielmehr ein
neues Denken", stellte er fest.
"In den vergangenen Jahren hat es auf beiden Seiten
ein Übermaß an Parteilichkeit gegeben, und es ist
meiner Ansicht nach wirklich an der Zeit zu sehen, ob
wir nicht eine gemeinsame Grundlage finden können",
fügte er hinzu und verwies darauf, er werde sich auch
darum bemü hen, die Beziehungen zu dem unabhängigen Ross Perot zu verbessern, der "eine äußerst
konstruktive Rolle in diesem Land spielt", indem er
Themen zur Debatte stellt.

AMERIKA DIENST 22

Bei der Bekanntgabe von Gergens Nominierung stellte
Clinton fest: "Ich bin nicht angetreten, um das amerikanische Volk zu spalten. Ich bin angetreten, um das
amerikanische Volk zu einigen und dieses Land nach
vorne zu bringen. Während meiner ganzen öffentlichen Laufbahn hatte ich unabhängige Anhänger, die
Republikaner waren, die an Ideen und Bewegung
interessiert waren und nicht an Parteienhader oder der
Spaltung des amerikanischen Volkes. Und genau dies
versuche ich zu bewirken, genau dies habe ich stets zu
bewirken versucht, und genau das bedeutet diese
heutige Ankündigung."
Stabschef Mack McLarty fügte hinzu, als Berater des
Präsidenten werde Gergen "ein breites Spektrum von
Zuständigkeiten haben. Seine Ratschläge werden für
diese Administration sehr bedeutsam und sehr wichtig
sein. Er wird ganz klar an der Schnittstelle von
politischer Theorie, Praxis und Botschaft stehen, und
in dieser Hinsicht werden ihm die Kommunikationselemente (des Weißen Hauses) unterstellt sein."
Gergen wird im Weißen Haus einem aus fünf Personen bestehenden inneren Kreis angehören, den der
Präsident, First Lady Hillary Clinton, McLarty und
Vizepräsident Gore bilden.
Gergen stellte fest, er hoffe, dem Weißen Haus unter
Clinton eine überparteiliche und mehr an der Mitte
orientierte Perspektive geben zu können. Er charakterisierte sich selbst als politischen Pragmatiker und
verwies darauf, daß er in der Politik als in der Bürgerrechtsbewegung seines Heimatstaates North Carolina

Seite 1

�aktiver Demokrat angefangen habe. "Ich stehe nicht
weit rechts, aber ich stehe sicherlich auch nicht weit
links", teilte er der New York Times mit. Erfügte hinzu,
er sei immer als unabhängiger Wähler registriert
gewesen.

derberater Präsident Fords und hatte 1975-77 das Amt
des Kommunikationsdirektors des Weißen Hauses
inne.

Gergen schloß sein Studium an der Yale University
(1963) und an der Harvard University Law School
(1967) jeweils mit Auszeichnung ab. Er war drei Jahre
lang im aktiven Dienst in der US-Marine bevor er als
Hauptredenschreiber und Forscher unter Nixon ins
Weiße Haus berufen wurde. Als Nixon 1974 nach dem
Watergate-Skandal zurücktrat, blieb Gergen als Son-

Danach wurde er Dozent an der liberal orientierten
John F. Kennedy School of Government der Harvard
University in Cambridge (Massachusetts).

Nach Fords Niederlage gegen den Demokraten Jimmy
Carter in der Präsidentschaftswahl von 1976 wurde
Dem Interviewer Sam Donaldson von ABC erklärte er Gergen Dozent am American Enterprise Institute, einer
am 30. Mai, er sei "von der'republikanischen Politik'als konservativen Denkfabrik.
solcher abgerückt" als er Journalist wurde, und seither
habe er "versucht, mich als Stimme der Mitte zu Mit dem Amtsantritt Präsident Reagans 1981 kehrte
etablieren. Einige würden mich als begeisterten Gergen ins Weiße Haus zurück - wiederum als KomGemäßigten beschreiben. Natürlich habe ich viele munikationsdirektor. Zwei Jahre später gab er diese
Freunde in der Republikanischen Partei. Natürlich Position auf, nachdem er von Konservativen beschulglaube ich an viele Dinge, an die auch die Republika- digt worden war, er engagiere sich nicht uneingeschränkt für das konservative Programm.
nische Partei glaubt."

* *

Seite 2

Gergen lebt mit seiner Frau Anne und den Kindern
Christopher, der gerade sein letztes Studienjahr an der
Duke Universität absolviert, und Katherine, die im
ersten Jahr in Yale studiert, in McLean (Virginia).
* *

AMERIKA DIENST 22

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                <text>Amerikadienst 02.06.1993</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA werden weltweite Führungsrolle beibehalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher in Minnesota&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kriegsverbrechertribunal muss Erfolg haben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Albright im UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Steigendes Handelsdefizit im Jahr 1993 erwartet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Finanzministeriums an den Kongreß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. KSZE&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Nationen sollten ihre Vielfalt zu schätzen wissen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Botschafter Blackwell&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Einwanderung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die neue Einwanderungspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Gary Rubin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gergen soll Clintons Botschaft verdeutlichen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des neuen Präsidentenberaters&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>&lt;&lt;e5^

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26. Mai 1993

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5300 Bonn 2

BOSNIEN

FÜNF NATIONEN GEBEN EINIGUNG ÜBER
SCHRITTE IN BOSNIEN BEKANNT
Gemeinsame Erklärung zu
Aktionsprogramm

START II

START-RATIFIZIERUNG
VORDRINGLICHSTES
RÜSTUNGSKONTROLLZIEL
Scheitern würde strategische
Unsicherheit bewirken

HANDEL

HANDELSUNGLEICHGEWICHT JAPAN-USA
ALS "UNANNEHMBAR" BEZEICHNET
Brown: Keine Beeinflussung des
Dollar-Kurses beabsichtigt
KANTOR BITTET SENATOREN UM VERLÄNGERUNG DES FAST-TRACK-MANDATS
UND DES ALLGEMEINEN
PRÄFERENZSYSTEMS
Erklärung vor dem Finanzausschuß des Senats

USA-AFRIKA

"GRUNDLEGEND NEUE"
AMERIKANISCH-AFRIKANISCHE
BEZIEHUNGEN
Rede von Außenminister Christopher

USIA

DUFFEY: ÖFFENTLICHE DIPLOMATIE
WICHTIGER ALS JE ZUVOR
Anhörung vor Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�BOSNIEN
26. Mai 1993

FÜNF NATIONEN GEBEN EINIGUNG ÜBER
SCHRITTE IN BOSNIEN BEKANNT
Gemeinsame Erklärung zu Aktionsprogramm
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und vier weitere Mitglieder des UN-Sicherheitsrates haben ein
Aktionsprogramm angekündigt, um die Kämpfe in Bosnien-Herzegowina zu beenden und einen dauerhaften
Frieden zu schaffen.
Nach einem Treffen in Washington am 22. Mai 1993 gaben US-Außenminister Christopher sowie die Außenminister Rußlands, Frankreichs, Großbritanniens und Spaniens in einer Erklärung bekannt, sie seien "einer
Ansicht" über die wirksamsten, sofort zu ergreifenden Schritte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der gemeinsamen Erklärung der fünf Nationen zu ihrem Aktionsprogramm. Diese sollten zur Verwirklichung der einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates sowie zur
Ausarbeitung weiterer Maßnahmen führen.

Frankreich, die Russische Föderation, Spanien, das
Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von
Amerika sind zutiefst besorgt über die Tatsache, daß
sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina fortsetzt,
obwohl sich die internationale Staatengemeinschaft
und die Ko-Vorsitzenden der Internationalen Konferenz über das ehemalige Jugoslawien, die sie entschieden unterstützen, energisch um seine Beendigung bemühen.
Wir werden weiterhin hartnäckig an der Beendigung
dieses schrecklichen Krieges und der Erzielung einer
dauerhaften und gerechten Lösung arbeiten.
Wir sind auch einer Ansicht über die wirksamsten,
sofort zu ergreifenden Schritte.
1.
Humanitäre Hilfe. Wir werden den Menschen
in Bosnien-Herzegowina weiterhin humanitäre Hilfe
zur Verfügung stellen und darauf bestehen, daß alle
Konfliktparteien humanitäre Hilfslieferungen ungehindert passieren lassen.
2.
Sanktionen. Dievom UN-Sicherheitsrat gegen
Serbien und Montenegro verhängten Sanktionen
müssen von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen strikt eingehalten werden, bis die vom Sicherheitsrat in Resolution 820 aufgeführten Bedingungen für
eine Aufhebung der Sanktionen, einschließlich des
Rückzugs der bosnisch-serbischen Truppen aus den
gewaltsam besetzten Gebieten, erfüllt sind.

AMERIKA DIENST 21

3.
Grenzschließung. Wir nehmen das Versprechen der Behörden in Belgrad zur Kenntnis, die Grenze zu Bosnien-Herzegowina zu schließen und somit
auf die bosnischen Serben Druck auszuüben, den
Friedensplan zu akzeptieren. Wir werden beobachten, ob die Grenzschließung Wirkung zeigt. Obwohl
die Hauptverantwortung für die Durchsetzung dieser
Schritte bei der Belgrader Regierung liegt, können wir
beispielsweise durch Entsendung von Beobachtern an
die Grenzen, die Bereitstellung technischen Fachwissens oder durch Luftbeobachtungsmissionen Hilfe
leisten. Auch nehmen wir die von den Behörden in
Zagreb zum Ausdruck gebrachte Bereitschaft zur
Kenntnis, Beobachter an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu stationieren.
4.
Schutzzonen. Das Konzept der Errichtung von
Schutzzonen in Bosnien-Herzegowina, wie von Frankreich und anderen Ländern vorgeschlagen, könnte
einen wertvollen Beitrag darstellen. Wir werden an
einer baldigen Verabschiedung der zur Zeit diskutierten neuen Resolution des UN-Sicherheitsrates arbeiten. Das Vereinigte Königreich und Frankreich haben
zusammen mit anderen Nationen bereits in der
UNPROFOR dienende Truppen in die Schutzzonen
entsandt. Truppen anderer Länder, darunter Spanien
und Kanada, spielen am Boden eine wichtige Rolle.
Die Russische Föderation erwägt zusätzlich zu ihren
bereits in Kroatien stationierten Truppen die Bereitstellung von Streitkräften in Bosnien. Die Vereinigten

Seite 1

�Staaten sind bereit, ihrer Verpflichtung nachzukommen, zum Schutz der UNPROFOR-Truppen beizutragen, falls diese angegriffen werden oder um solche
Aktionen ersuchen. Weitere Beiträge von anderen
Ländern wären äußerst willkommen.

Gebiete ausbreitet. Eine solche Entwicklung würden
wir sehr ernst nehmen.
10. Die ehemalige jugoslawische Republik Makedonien. Es ist von Bedeutung, daß jeder in der
Region versteht, daß die Aggression gegen die ehemalige jugoslawische Republik Makedonien ernsthafte Konsequenzen haben würde. Wir werden nach
Rücksprache mit den Behörden in Skopje eine verstärkte internationale Präsenz dort unterstützen. Die
Vereinigten Staaten ziehen in Betracht, einen Beitrag
zu diesen Bemühungen zu leisten.

5.
Flugverbotszone. In Bosnien sollte weiterhin
die Flugverbotszone durchgesetzt werden.
6.
Kriegsverbrechertribunal. Wir unterstützen
die zügige Errichtung eines Kriegsverbrechertribunals,
so daß diejenigen, die Greueltaten begehen, der
Gerechtigkeit zugeführt werden können.
7.
Dauerhafter Frieden. Ein dauerhafter Friede
kann durch eine ausgehandelte Lösung erreicht werden, die auf dem Vance/Owen-Prozess und intensivierter internationaler Zusammenarbeit und Bemühungen basiert. Frankreich, Rußland, Spanien, das
Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten
werden einen dieses Ziel verfolgenden fortgesetzten
politischen Prozeß unterstützen und aktiv daran teilnehmen. In dem Ausmaß, in dem die Konfliktparteien
eine zügige Durchsetzung der beiderseitig akzeptierten Bestimmungen des Vance/Owen-Plans beschließen, sollte dies gefördert werden.
8.
Zentralbosnien-Herzegowina. Wir sind zutiefst beunruhigt über die Kämpfe zwischen den bosnisch-kroatischen Truppen und denen der bosnischen
Regierung sowie über die damit in Zusammenhang
stehenden "ethnischen Säuberungen", und wir stimmen darin überein, daß Kroatien darüber informiert
werden sollte, daß die Unterstützung der an diesen
Aktivitäten beteiligten bosnisch-kroatischen Truppen
zur Verhängung von Sanktionen gegen Kroatien durch
die internationale Staatengemeinschaft führen könnte.

11. Kosovo. Wir befürworten eine verstärkte Präsenz internationaler Beobachter im Kosovo. In der
ehemals autonomen Region Kosovo sollten die internationalen Menschenrechtsmaßstäbe strikt eingehalten werden. Wir unterstützen jedoch keine Unabhängigkeitserklärungen dieses Gebietes.
12. Kroatien. Dieselben Überlegungen gelten auch
für die von Serben bewohnten Gebiete Kroatiens. Wir
werden an der Erneuerung und Stärkung des Mandats
der UNPROFOR-Schutztruppen arbeiten. Die kroatische Regierung und die örtlichen serbischen Behörden sollten den Waffenstillstand einhalten und einen
konstruktiven Dialog führen, um die praktischen, wirtschaftlichen und eventuellen politischen Probleme
zwischen ihnen zu lösen.
13. Weitere Maßnahmen. Wir werden die Möglichkeit für neue und härtere Maßnahmen offen halten.
Diese werden nicht von vornherein verurteilt oder
ausgeschlossen.

Wir, die fünf Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, sind
in der Entschlossenheit und dem Engagement vereint,
diese sofortigen Schritte zu unternehmen. Wir werden
eng mit den Vereinten Nationen und den betroffenen
9.
Eindämmung. Wir werden eng zusammenar- regionalen Organisationen bei der Umsetzung dieser
beiten mit dem Ziel, den Konflikt einzudämmen und der Vorhaben zusammenarbeiten.
Möglichkeit zuvorzukommen, daß dieser sich auf andere
* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�START

II
26. Mai 1993

START-RATIFIZIERUNG VORDRINGLICHSTES
RÜSTUNGSKONTROLLZIEL
Scheitern würde strategische Unsicherheit bewirken

WASINGTON - (AD) - Das vordringlichste Rüstungskontrollziel der Vereinigten Staaten besteht führenden
Vertretern des US-Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) zufolge in der Inkraftsetzung und
Verwirklichung der Verträge über die Verringerung
strategischer Rüstungen, START I und START II.
"Unsere oberste Aufgabe ist, diese beiden Verträge in
die Praxis umzusetzen und durchzuführen", erklärte
der amtierende ACDA-Direktor Thomas Graham am
18. Mai 1993 vor dem Senatsausschu ß für Auswärtige
Angelegenheiten. Er fügte hinzu, START II, ein im
Januar zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland unterzeichneter bilateraler Vertrag, "spiegelt eindeutig das Ende des Kalten Krieges und den Beginn
neuer amerikanisch-russischer Beziehungen wider".
Der START II Vertrag schreibt zwingend "eine drastische Reduzierung" der strategischen Offensivarsenale beider Länder vor, die letztlich zu einer Verringerung
der strategischen Arsenale um bis zu zwei Drittel der
derzeitigen Niveaus führt, auf eine Obergrenze von
3.000 bis 3.500 Gefechtsköpfen für jede Nation bis
zum Jahr 2003, erläuterte Graham.
START II "nimmt eine drastische Reduzierung der
strategischen Offensivwaffen vor und strukturiert die
verbleibenden Streitkräfte in einer der Welt nach dem
Kalten Krieg entsprechenden stabilisierenden Weise
um", äußerte der Stellvertretende ACDA-Direktor,
Botschafter Linton Brooks, der führende Unterhändler
der Vereinigten Staaten bei den Vertragsverhandlungen.
Der Vertrag wird ICBMs (Interkontinentalraketen) mit
Mehrfachgefechtsköpfen - MIRVed ICBMs - beseitigen, die traditionell als die destabilisierendsten strategischen Offensivwaffen angesehen werden, führte er
aus.

AMERIKA DIENST 21

"Jeder in diesem Raum Anwesende hofft, daß die
Demokratie in Rußland Erfolg haben wird", stellte
Brooks fest, aber "das ist nicht die einzige Möglichkeit".
Wenn sie keinen Erfolg hat, "wird es noch wichtiger
sein, daß wir die strategischen Streitkräfte dieses
Staates in stabilisierender Weise umstrukturieren",
fügte er hinzu.
"Sowohl aus substantiellen als auch aus generellen
politischen Erwägungen heraus wäre es eine äußerst
negative Entwicklung", für die Welt, wenn START II
nicht verwirklicht wird, stellte Graham fest. "Es würde
eine Situation strategischer Ungewißheit geschaffen."
Beide Regierungsvertreter waren sich einig, daß die
Aushandlung von START II unmöglich gewesen wäre,
hätte es nicht START I als Grundlage gegeben, und
unterstrichen, daß der spätere Vertrag nicht verwirklicht werden kann, bis der erste in Kraft tritt.
Im Rahmen der amerikanischen Verfassung muß dem
Präsidenten die Ratifizierung des Senats vorliegen,
bevor er die Vereinigten Staaten zur Einhaltung der
Vertragsbestimmungen verpflichten kann, und der Senat
hat START I am 1. Oktober 1992 mit 93 zu 6 Stimmen
ratifiziert.
START I ist ein multilateraler Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten, Belarus, Kasachstan, Rußland
und der Ukraine, und es sind Graham zufolge "noch
einige Hürden zu überwinden". Er verwies auf die
Tatsache, daß die Ukraine ihre Zusagen im Rahmen
des Lissaboner Protokolls, START I zu ratifizieren und
dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) als atomwaffenfreier Staat beizutreten, nicht eingehalten hat. Er
forderte die Ukraine auf, diese beiden Schritte zu unternehmen.

Seite 1

�Rußland darf als Nachfolgestaat der Sowjetunion gemäß
dem Lissaboner Protokoll weiterhin Atomwaffen besitzen.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten der
Ukraine mindestens 175 Millionen Dollar als Ausgleich
für mit der Zerlegung von Waffen und der Beseitigung
strategischer Trägersysteme verbundene Kosten
Graham erklärte, die Vereinigten Staaten seien sich angeboten. Das Geld wird jedoch erst angewiesen,
des Wunsches der Ukraine nach Sicherheitsgarantien wenn die Ukraine START ratifiziert und dem NW als
und finanzieller sowie technischer Unterstützung bewußt, atomwaffenfreier Staat beitritt, fügte er hinzu.
um die mit der Zerlegung von Waffen verbundenen
Kosten auszugleichen.
Der Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hält
eine Reihe von Anhörungen über START II ab. Am 11.
Die Vereinigten Staaten hätten der Ukraine versichert, Mai 1993 sprach Außenminister Christopher vor dem
so Graham, da ß sie kein hochangereichertes Uran von Gremium und drängte auf die unverzügliche RatifizieRußland erwerben würden, bis Rußland ein Abkom- rung des Vertrags.
men mit der Ukraine, Belarus und Kasachstan über die
gerechte Aufteilung der Einnahmen aus dem Verkauf
erzielt habe.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�HANDEL
26. Mai 1993

HANDELSUNGLEICHGEWICHT JAPAN - USA ALS
"UNANNEHMBAR" BEZEICHNET
Brown: Keine Beeinflussung des Dollar-Kurses beabsichtigt

WASHINGTON - (AD) - Drei hochrangige, bereits
bestätigte oder nominierte Vertreter der Clinton-Administration haben nach der Veröffentlichung neuer Zahlen,
die ein steigendes amerikanisches Defizit im Handel
mit Japan belegen, bekräftigt, dieses Ungleichgewichts
müsse behoben werden.
Handelsminister Brown erklärte, das Ungleichgewicht
sei groß und im Wachsen begriffen, und es sei "unverantwortlich", wenn die Clinton-Administration dagegen
nichts unternehmen würde. "Unseres Erachtens ist
ein Handelsdefizit von 80 Milliarden Dollar für die
Vereinigten Staaten völlig unannehmbar", äußerte Brown
am 19. Mai 1993 bei einem internationalen Wirtschaftsforum in Washington. "Sicherlich ist es inakzeptabel,
mit diesem einen Land - Japan - auf 50 Milliarden Dollar
zu kommen."
Browns Stellungnahme erfolgte nach der Veröffentlichung eines Berichts durch das Handelsministerium,
demzufolge das amerikanische Defizit im Warenhandel von 7,9 Milliarden Dollar im Februar im März steil
auf 10,2 Milliarden Dollar angestiegen ist. Das bilaterale Defizit der Vereinigten Staaten im Handel mit
Japan stieg ebenfalls - von 4,1 Milliarden Dollar im
Februar auf 5,3 Milliarden Dollar im März. In den
vergangenen sechs Monaten erreichte das amerikanische Defizit gegenüber Japan insgesamt über 28
Milliarden Dollar.
"Wir müssen dieses Ungleichgewicht korrigieren, indem wir die drei uns zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen - ein umgehendes staatliches Konjunkturprogramm in Japan, auf den Marktkräften beruhende Korrekturen des Wechselkurses sowie Verhandlungen, um die strukturellen Hindernisse für verbesserten Handel zwischen unseren Ländern zu beseitigen", äußerte Brown in einer getrennten Erklärung
zu den Handelszahlen.

AMERIKA DIENST 21

Vor Reportern erläuterte er später, diese Erklärung
solle nicht so verstanden werden, daß die Administration plane, die Wechselkurse zur Beeinflussung der
Handelsströme einzusetzen. Der Wechselkurs "ist
einer von zahlreichen Faktoren, die Einfluß auf den
Handel haben. Er ist nicht der einzige, und er ist nicht
der vorherrschende. Es gibt keine Politik, den Wechselkurs zu beeinflussen", erklärte Brown.
Der Handelsminister betonte, amerikanische Produkte seien heute sowohl kostenmäßig als auch qualitativ
konkurrenzfähig. Brown zufolge untersucht die Clinton-Administration derzeit verschiedene Sektoren
innerhalb Japans, in denen sie Vereinbarungen zur
Marktöffnung anstreben könnte. Bisher sei keine
Entscheidung gefallen, auf welche Sektoren sich die
Administration zunächst konzentrieren werde.
"Wir werden auf einem gezielten, meßbaren und überprüfbaren Ansatz bestehen", erklärte er. "Die Japaner
sind darüber nicht begeistert. Es gefällt ihnen nicht.
Sie haben ernste Bedenken gegen das Halbleiterabkommen. Es gefällt uns. Es gefällt uns, weil es
funktioniert hat. Es gefällt ihnen nicht, weil es funktioniert hat. Es ist eines der wenigen Modelle, die
zwischen uns funktioniert haben."
Er verwies darauf, daß meßbar und überprüfbar nicht
notwendigerweise ein exaktes Abbild des Halbleiterabkommens bedeuten müsse, das ausländischen
Importen einen gewissen prozentualen Marktanteil in
Japan vorbehalte. Brown zufolge gibt es noch andere
Wege, um Fortschritte zu messen.
"Meines Erachtens haben wir demonstriert, daß wir
einen wesentlich direkteren - einige nennen es härteren, nun gut - Ansatz wählen werden", erklärte er.
Brown stellte fest, die Vereinigten Staaten hätten die
Erfahrung gemacht, daß Bemühungen, Japan zu struk-

Seite 1

�turellen Veränderungen in seiner Volkswirtschaft zu
veranlassen ohne dabei spezifische Sektoren zu berücksichtigen, nicht funktioniert hätten. Die Administration verfolge hingegen sowohl sektorale als auch
strukturelle Wege. Er erwarte jedoch nicht, daß ein
ähnlicher Ansatz auch für Europa gewählt werde.

wenn wir lediglich geringfügige Konzessionen gegen
Konzessionen tauschen", äußerte Summers am 19.
Mai 1993 in einer Rede vor amerikanischen Im- und
Exporteuren in New York. "Die unverhältnismäßige
Belastung, die von den Vereinigten Staaten in der
Nachkriegszeit übernommen wurde, erfordert es heute, daß andere Industriestaaten, insbesondere diejenigen mit chronischen Außenhandelsüberschüssen, einen
unverhältnismäßig hohen Beitrag zur Öffnung ihrer
Märkte leisten."

Brown kritisierte überdies die seiner Meinung nach
exzessive Debatte über die Chancen für eine Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) im Kongreß, wenn "die Schlacht...
noch nicht einmal begonnen hat".
Er verwies darauf, daß es heute, da Europa und Japan
beim Ausmaß des Wohlstandes mit den Vereinigten
"Wir haben noch nichts anzubieten", erklärte er und Staaten gleichgezogen hätten, "an der Zeit ist, mit
fügte hinzu, die Administration werde ihre Bemühun- unserem Ausmaß an Offenheit gleichzuziehen". Dargen zur Verabschiedung durch den Kongreß nach über hinaus verteidigte er den Ansatz der ClintonAbschluß von Ergänzungsabkommen über Arbeitsbe- Administration, der weder gelenkten Handel noch eine
dingungen und Umwelt aufnehmen. Er verwies dar- Bedrohung des multilateralen Handelssystems darauf, daß ein Drittel der Kongreßabgeordneten dezi- stelle.
dierte Befürworter des NAFTA, ein Drittel dagegen und
ein Drittel noch unentschlossen seien. "Von unserer "Es ist nicht gelenkter Handel, wenn man erwartet, daß
Warte ist dies meines Erachtens keine schlechte konkurrenzfähige Hersteller nicht nur die Chance haben,
Ausgangsbasis", erklärte er.
an ausländische Regierungen zu verkaufen, sondern
diese auch real verwirklichen können", erklärte er. "Es
Brown zufolge sollte die Administration über das NAFTA ist kein gelenkter Handel, wenn man keine Diskriminiehinaus an eine Handelszone fürdie ganze Hemisphäre rung ausländischer Waren oder Investoren erwartet."
denken. Im einzelnen nannte er Brasilien, Argentinien
und Chile als Länder, auf die ein Freihandelsabkom- Die Clinton-Administration ist Summers zufolge dabei,
men ausgedehnt werden könnte.
einen neuen wirtschaftlichen Rahmen abzustecken,
"um die Bedingungen gegenüber Japan anzugleichen
Der Handelsminister betonte fernerdie Bedeutung, die und zu gewährleisten, daß wir mittelfristig einen erhebdem Abschluß der Uruguay-Runde von Welthandels- lichen Abbau im Handelsüberschuß dieses Landes
gesprächen von der Clinton-Administration in diesem beobachten".
Jahr beigemessen werde. Die Verhandlungen "werden sicherlich Schwerpunkt der Diskussionen" beim Die von Clinton für den Posten der Stellvertretenden
Ministertreffen der Organisation für wirtschaftliche US-Handelsbeauftragten für Asien nominierte CharleZusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 2. und ne Barshefsky bezeichnete ebenfalls die Steiergung
3. Juni sein. "Wir erwarten Hilfe von unseren europäi- des japanischen Überschusses im bilateralen Handel
schen Verbündeten und Frankreich."
mit den Vereinigten Staaten als unannehmbar.
Der für internationale Angelegenheiten zuständige
Staatssekretär im Finanzministerium, Lawrence
Summers, veröffentlichte ebenfalls eine scharfe Erklärung, in der die Konzentration der Clinton-Administration auf den japanischen Handelsüberschuß unterstützt wurde.
"Wir können in diesem Land die Unterstützung für die
Offenhaltung unserer Märkte nicht aufrechterhalten,

"Diese Überschüsse müssen sinken", erklärte sie am
19. Mai 1993 in einer Stellungnahme vordem Finanzausschuß des Senats. Sie bekräftigte Präsident Clintons Botschaft, wonach die Vereinigten Staaten ihre
wirtschaftlichen Interessen gegenüber Japan nicht
länger außenpolitischen und sicherheitspolitischen
Interessen unterordnen würden.

* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�HANDEL
26. Mai 1993

KANTOR BITTET SENATOREN UM
VERLÄNGERUNG DES FAST-TRACK-MANDATS UND
DES ALLGEMEINEN PRÄFERENZSYSTEMS
Erklärung vor dem Finanzausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Mickey Kantor hat den Finanzausschuß des
Senats gebeten, einem Antrag der Clinton-Administration auf Verlängerung des Fast-Track-Verhandlungsmandats und die Ausdehnung des Allgemeinen Präferenzsystems (Generalized System of Preferences - GSP) zu
entsprechen.
Das bisherige Fast-Track-Mandat lief im März aus, das GSP gilt noch bis zum 4. Juli 1993.
Nachfolgend veröffentlichen wirdie vorbereitete Erklärung Kantors vom 20. Mai 1993, die er nicht verlas, sondern
dem Finanzausschuß zur Aufnahme ins Protokoll zuleitete.

Es ist mir eine Freude, mit Ihnen die Vorschläge der
Administration zu erörtern, das Mandat für den Abschluß der Uruguay-Runde der multilateralen Handelsgespräche zu verlängern, Fast-Track-Verfahren
des Kongresses auf ein Gesetz zur Inkraftsetzung der
Abkommen der Uruguay-Runde anzuwenden und das
bestehende Allgemeine Präferenzsystem zu verlängern.
Am 27. April legte die Administration dem Kongreß
verschiedene Gesetzentwürfe zur Erneuerung des
Fast-Track-Mandats für die Uruguay-Runde und die
Ausweitung des Allgemeinen Präferenzsystems auf
die Entwicklungsländer vor, einschließlich der neuen
unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Es ist unser Ziel, diese beiden Vorhaben bis
Anfang Juli in die Tat umzusetzen.
Die Uruguay-Runde
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist der wichtigste
Schritt, den wir zur Öffnung ausländischer Märkte auf
der ganzen Welt für amerikanische Waren, Agrarprodukte und Dienstleistungen unternehmen können.
Unsere wichtigsten Handelspartner haben ihre Verpflichtung unterstrichen, die Runde noch in diesem
Jahr zu einem Abschluß zu bringen. Wir haben nur
begrenzte Gelegenheiten, die wir jetzt zum Nutzen

AMERIKA DIENST 21

aller Nationen ergreifen müssen. Es mag vielleicht
eine schwierige Aufgabe sein, diese Runde durch eine
Erweiterung des Handels zu einer Zeit abzuschließen,
in der die Weltwirtschaft nicht wächst, aber der Präsident ist der Ansicht, daß jetzt genau der richtige
Zeitpunkt hierfür gekommen ist.
Die Uruguay-Runde ist von einzigartiger Bedeutung,
da das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT)
weiterhin die Grundlage des Welthandelssystems
darstellt. Diese Verhandlungen befinden sich jetzt in
ihrem siebten Jahr. Um sie zum Abschluß zu bringen,
müssen wir Fortschritte im Bereich Marktzugang
machen, indem wirunseinigen, die Handelsschranken
für Waren, Dienstleistungen und Agrarprodukte abzubauen. Wir haben die Absicht, die Runde bis zum 15.
Dezember abzuschließen.
Einige Länder warten, bevor sie einen Beitrag leisten,
darauf, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft auf diesem Gebiet die Führungsrolle übernehmen. Die Europäische Gemeinschaft
und wir haben die Verantwortung übernommen, uns
auf Grundzüge zum Marktzugang zu einigen. Wir
werden jedoch nur Erfolg haben, wenn andere Länder,
beispielsweise Japan und die Entwicklungsländer, sich
ebenfalls umfassend an diesen Bemühungen beteiligen.
Seite 1

�Es ist von Bedeutung, daß unsere Handelspartner sich
entschlossen haben, die Debatten über Fragen der
Uruguay-Runde nicht zu vertagen, während sie die
Beratungen des Kongresses über das Fast-TrackMandat abwarten. Da der Kongreß historisch gesehen
ein entschiedener Befürworter dieser Verhandlungen
gewesen ist, bleibt die Hoffnung bestehen, daß das
Fast-Track-Verhandlungsmandat erneuert wird und
die Runde trotz der Frustration und Enttäuschung
darüber, sich nicht schon eher geeinigt zu haben, zu
einem Abschluß gebracht wird.
Ich möchte unbedingt hinzufügen, daß der Wunsch,
die Uruguay-Runde bis zum 15. Dezember 1993 zu
einem Abschluß zu bringen, in keiner Weise ein Signal
für die Bereitschaft sein sollte, nach einem Abkommen
zu streben, das für die Vereinigten Staaten keine
entscheidende Verbesserung darstellt. Präsident Clinton hat mich angewiesen, nach einem Abkommen mit
unseren Handelspartnern zu streben, das den Verhandlungszielen unseres Landes entspricht. Wenn wir
jedoch vor Ende des Jahres die Verhandlungen abschließen und unsere Ziele erreichen wollen, haben
wir keinen Moment zu verlieren.

zweitens den Entwurf der "Schlußakte" auf Gebieten
zu verbessern, die von den Vereinigten Staaten und
anderen Ländern identifiziert wurden: Antidumping,
Subventionen, Rechte an geistigem Eigentum im
Zusammenhang mit dem Handel, bestimmte Umweltfragen in den Texten über technische Hindemisse
beim Handel, sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen, Textilien und institutionelle Fragen, einschließlich der Gründung einer multilateralen Handelsorganisation.
Die in Toronto geführten Gespräche waren ermutigend. Die Parteien unternahmen vereinte Anstrengungen in allen Schlüsselbereichen der Marktzugangsverhandlungen. Es wäre nicht angebracht, hier jetzt
Einzelheiten aufzuführen, ich möchte jedoch betonen,
daß die Diskussionen von den intensiven bilateralen
Anstrengungen profitierten, die die EG und die Vereinigten Staaten im Bereich der bedeutend geringeren
verbleibenden Differenzen unternommen haben.

Es war für jeden von uns offensichtlich, daß Japan
noch seinen vollen Beitrag zu den Marktzugangsverhandlungen leisten muß. Ich bin weiterhin hoffnungsvoll, daß sich Japan als Gastgeber des WirtschaftsgipUnsere wichtigsten Handelspartner sind jetzt bereit, fels der G-7 für den Erfolg dieser Verhandlungen
Abkommen für einen Abschluß der Uruguay-Runde engagieren wird. Ich werde vordem G-7- Teffen im Juli
auszuhandeln, und sie sind sich unserer Sorge be- noch mindestens zweimal mit meinen Amtskollegen
wu ßt, da ß in Genf substantielle Arbeit geleistet werden zusammentreffen, um eine Einigung zu erzielen.
muß, bevor die Ergebnisse akzeptabel sind.
Ich hoffe, daß hier zu Hause der Kongreß seine
Die jüngsten Ereignisse zeigen, daß wir mit der Euro- Prüfung einer "sauberen" Gesetzgebung für das Fastpäischen Gemeinschaft zusammenarbeiten und einen Track-Mandat abschließen wird, damit wir uns dieses
Abschluß der Uruguay-Runde herbeiführen können. erneute Interesse zunutze machen und die VerhandIch bin bereits viermal mit EG-Kommissar Brittan, lungen bis zum 15. Dezember abschließen können.
dreimal mit dem kanadischen Minister Wilson und
zweimal mit dem japanischen Minister Mori zusam- Die Erneuerung des Fast-Track-Mandats für die
mengetroffen. Zusätzlich haben wir uns auf einen Uruguay-Runde
intensiven Zeitplan für Treffen geeinigt, die einzig und Der Vorschlag der Administration für das Fast-Trackallein einen Abschlu ß der Runde zum Ziel haben. Wir Mandat würde vom Präsidenten erfordern, den Konwerden Anfang Juni wieder zusammenkommen.
greß noch vor dem 15. Dezember 1993 über seine
Unser letztes Treffen fand vergangene Woche in Toronto statt. Gastgeber war der kanadische Handelsminister Wilson, Hauptgesprächsgegenstand waren
Marktzugangsfragen der Uruguay-Runde. Präsident
Delors, Ministerpräsident Miyazawa, Premierminister
Mulroney und Präsident Clinton baten uns, gewissenhafte Arbeit im Hinblick auf ein ehrgeiziges Marktzugangspaket zu leisten, um auf dem im Juli in Tokio
stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel greifbare Fortschritte vorweisen zu können.

Absicht zu informieren, solche Abkommen zu schließen - und zwar noch vor dem 15. April 1994 - und uns
zusätzliche zehn bis zehneinhalb Monate bis zum
Abschluß der Uruguay-Runde zu geben.

Der Präsident machte den Vorschlag einer Erneuerung des Fast-Track-Mandats für die Runde, damit der
Verhandlungsprozeß von Vertrauen geprägt, der zum
Abschluß der endgültigen Abmachung notwendige
Schwung vorhanden ist und die Vereinigten Staaten
beim Abschluß der Runde noch in diesem Jahr eine
Wenn es uns gelingt, ein gutes Abkommen über Markt- führende Rolle spielen können.
zugang auszuhandeln, werden wir nach Meinung von Der Vorschlag der Administration für eine GesetzgeVertretern der vier Parteien in der Lage sein, an den bung zur Erneuerung des Fast-Track-Mandats hat den
Genfer Verhandlungstisch zurückzukehren, um die Handelspartnern der Vereinigten Staaten ein wichtibeiden verbleibenden großen Aufgaben anzugehen: ges Signal gesendet, welchen Stellenwert die AdminiErstens, die Verhandlungen über Marktzugang bei stration einem starken und offenen multilateralen
Waren und Dienstleistungen mit den 115 an der Runde Handelssystem beimißt und mit welcher Entschlosteilnehmenden Nationen abschließen zu können und senheit sie einen Abschluß der Runde anstrebt.
Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�Wir schlugen eine "saubere" Fast-Track-Gesetzgebung vor, die frei von Bestimmungen oder Bedingungen ist, so daß wir uns unsere Verhandlungsflexibilität
bewahren und den Gesetzgebungsprozeß zum Zwekke eines Abschlusses der Runde noch in diesem Jahr
beschleunigen können. Meiner Ansicht nach ist es
entscheidend, die Zustimmung des Kongresses zum
Fast-Track noch vor dem Treffen der G-7 zu erhalten,
so daß die wirklich wichtigen Fragen anstelle unserer
innenpolitischen Probleme im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit beim Abschluß der Runde stehen.
Ich möchte hier hervorheben, daß die Administration
dieses Mandat nur für die Uruguay-Runde erhalten
will, der Präsident sich jedoch entschieden für die
Aushandlung eines Freihandelsabkommens mit Chile
engagiert. Die Administration wird die separate Erweiterung des Fast-Track-Mandats für künftige Abkommen dieser Art anstreben, nachdem sie den Kongreß
in dieser Angelegenheit umfassend konsultiert hat.

höher als die Lieferungen in die gesamte Europäische Gemeinschaft.
Kurz gesagt, waren die Vereinigten Staaten schon seit
langem führend in der Welt was die Förderung wirtschaftlicher Entwicklung durch den Handel betrifft, und
die Waren im Wert von nahezu 17 Milliarden Dollar, die
jährlich unter dem Allgemeinen PräferenzsystemProgramm geliefert werden, sind eine wichtige Komponente dieser Führungsrolle. Tatsache ist, daß die
Vorteile des Allgemeinen Präferenzsystems dazu
beitragen, Märkte in den Entwicklungsländern zu
schaffen, was nicht nur den in diesen Ländern lebenden Menschen zugute kommt, sondern auch den
amerikanischen Exporteuren neue Chancen eröffnet.
Zweitens ist das Allgemeine Präferenzsystem
ein Instrument der Handelspolitik. Die Vorteile
des Systems können dazu genutzt werden,
Reformen in Bereichen wie geistige Eigentumsrechte und Arbeitnehmerrechte bei den Nutznießern durchzusetzen. Ich engagiere mich
dafür, daß wir uns dieses Instrumentes so weit
als möglich bedienen, um in den Entwicklungsländern unsere handelspolitischen Ziele zu erreichen.

Erneuerung des Allgemeinen Präferenzsystems
Die Administration hat dem Kongreß auch einen Vorschlag fürdie kurzfristige Erneuerungdes Allgemeinen
Präferenzsystems vorgelegt. Unserem Vorschlag
zufolge würde das Allgemeine Präferenzsystem, das
am 4. Juli 1993 ausläuft, um weitere 15 Monate - bis
zum 30. September 1994-verlängert. Während dieser
15 Monate möchte die Administration gerne mit dem
Kongreß an der Entwicklung eines Vorschlags für eine

Drittens hilft das Allgemeine Präferenzsystem
den amerikanischen Unternehmen, konkurrenzfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu schaffen.
Durch das Präferenzsystem werden die InputKosten für amerikanische Unternehmen gesenkt
und ihre internationale Konkurrenzfähigkeit erhöht
- insbesondere im Vergleich zu anderen Industriestaaten, die solche Inputs durch ihre eigenen Präferenzsysteme finanzieren. Buchstäblich Hunderte amerikanischer Unternehmen jeder
Größenordnung, von der Spielzeugindustrie bis
zu den Herstellern elektronischer Geräte, verlassen sich auf diese Weise auf die Vorteile des
Allgemeinen Präferenzsystems.

langfristige Erweiterung des Allgemeinen Präsferenz-

system-Programms zusammenarbeiten. Der Vorschlag
der Administration zum Allgemeinen Präferenzsystem
würde auch das gesetzliche Verbot einer Ausdehnung
des Allgemeinen Präferenzsystems auf die ehemalige
Sowjetunion abschaffen, das Rußland und andere
Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion daran
hindert, als mögliche Nutznießer des Allgemeinen
Präferenzsystems in Frage zu kommen. Dieser Vorschlag würde es uns ermöglichen, die Unterstützung
Präsident Clintons für den Präsidenten der Russischen Föderation, Boris Jelzin, in die Tat umzusetzen.

Viertens fördert das Allgemeine Präferenzsystem marktwirtschaftliche Reformen in den entstehenden Marktwirtschaften Mittel- und Osteuropas. Durch die Förderung der Exportmöglichkeiten in diesen immer noch instabilen Marktwirtschaften verleiht das Allgemeine Präferenzsystem dem Reformprozeß Schwung. Aus
diesem Grund gab Präsident Clinton Präsident
Jelzin das Versprechen, daß wir uns dafür einsetzen würden, Rußland in das Allgemeine
Präferenzsystem einzuschließen.

Die Administration unterstützt die kurz- und langfristige Erweiterung des Allgemeinen PräferenzsystemProgramms aus den folgenden Gründen:
Erstens ist das Allgemeine Präferenzsystem
das wichtigste Instrument, die wirtschaftliche
Entwicklung durch Handel anstatt durch Hilfsleistungen zu fördern. Der relativ offene Markt der
Vereinigten Staaten war stets fürdie Exporteure
der Entwicklungsländer von lebenswichtiger
Bedeutung. Den neuesten Zahlen des GATT
zufolge entfallen 40 % aller Exporte der Entwicklungsländer in die Industriestaaten auf die Vereinigten Staaten; diese Zahl ist doppelt so hoch
wie die der Exporte nach Japan und bedeutend

Hiermit bin ich am Ende meiner offiziellen Erklärung
angelangt. Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, vor
Ihnen sprechen zu dürfen und freue mich auf die
Zusammenarbeit mit diesem Ausschu ß bei diesen und
anderen Handelsfragen.

* * * *
AMERIKA DIENST 21

*

Seite 3

�USA-AFRIKA
26. Mai 1993

GRUNDLEGEND NEUE" AMERIKANISCHAFRIKANISCHE BEZIEHUNGEN
Rede von Außenminister Christopher
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden unter der Clinton-Administration "grundlegend neue"
Beziehungen zu Afrika unterhalten, erklärte der amerikanische Außenminister Warren Christopher am 20. Mai
1993.
In einer ausführlichen Rede vor der Jahresversammlung des Af rican-American Institute stellte Christopher fest,
es werde eine neue Art von Beziehung sein, "bei der die Vereinigten Staaten den Afrikanern beim Aufbau
demokratischer Institutionen sowie der Weichenstellung für Wirtschaftswachstum helfen können, bei der unsere
Aufgabe jedoch darin besteht, afrikanische Lösungen zu unterstützen und nicht zu verhindern".
"Die Völker und Regierungen Afrikas arbeiten auf Demokratie und freie Märkte in der wachsenden Überzeugung
hin, daß sie sich auf dem Weg zum Fortschritt befinden," äußerte Christopher. "Sie haben sich auf eine
einzigartige afrikanische Reise begeben, so eindrucksvoll wie alles auf diesem Kontinent von atemberaubender
Schönheit", führte er bei der dreitägigen Konferenz in einem Washingtoner Vorort aus, an der zahlreiche
afrikanische Regierungsvertreter und Diplomaten teilnahmen.
"Es ist eine Reise, die Amerikas Respekt und Unterstützung verdient - und diesen Respekt und diese
Unterstützung gelobe ich heute."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Au ßenminister Christopher vor dem Af rican-American Institute im
Wortlaut.
Mr. Tempelsman, Mrs. Derryck, liebe Freunde. Ich
begrüße diese Gelegenheit, Ihnen heute die Haltung
der Clinton-Administration zu Afrika darzulegen. Ich
freue mich besonders, daß ich der erste Außenminister bin, der je vor einem African-American Institute
eine Rede geharten hat.
Unsere Administration ist sich der von Ihnen durch 40
Jahre engagierter Arbeit bei der Vertiefung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Afrika
sowie der Unterstütuzng der afrikanischen Völker bei
der Gestaltung eines besseren Lebens erbrachten
Leistungen sehr wohl bewußt.
Amerika und Afrika sind in grundlegender Weise miteinander verbunden.
Als die älteste Demokratie der Wert haben wir ein
dauerhaftes Interesse am Erfolg der neuen Demokratien in Afrika. Als multirassische Gesellschaft sind die
Vereinigten Staaten besonders ermutigt durch den
sich abzeichnenden Übergang zur Demokratie in
Südafrika.

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Darüberhinaus verbindet uns unser Bewußtsein - und
die Zusammenarbeit.
Wenn ein Kind in Afrika den Hungertod stirbt, bewegt
uns diese Tragödie in Amerika. Wenn amerikanische
Wissenschaftler eine Heilmethode für AIDS suchen,
werden sie von den Gebeten und Hoffnungen der
Afrikaner und Amerikaner geleitet.
Wenn unser Amt für Internationale Entwicklung beträchtliche Investitionen in Programme zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit tätigt, bewirkt dies einen
Unterschied bei der Hilfe für Afrika. Und wenn das
amerikanische Unternehmen Merck ein Medikament
zur Verfügung stellt, mit dem Millionen Afrikaner von
den verheerenden Folgen der Flußblindheit geheilt
werden können, überschreitet diese Maßnahme nicht
nur die Grenzen der Pharmakologie, sondern verringert die Entfernung zwischen Amerika und Afrika.
Diese Entfernung wird auch durch das Ende des
Kalten Krieges verringert. Während der langen Zeit
des Kalten Krieges wurde die Politik gegenüber Afrika

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�häufig davon bestimmt, welche Vorteile sie für Washington oder Moskau mit sich brachte, und nicht
anhand ihrer Auswirkungen auf Afrika. Dankenswerterweise sind wir über den Punkt hinausgekommen,
Maßnahmen anhand der Kriterien zu verabschieden,
wie sie sich auf die Schiffahrtsrouten in der Nähe
Afrikas auswirken, statt auf die Menschen in Afrika.

Ich möchte die Worte von Präsident Chiluba aus
Sambia zitieren: "Wir wissen, was richtig ist. Demokratie ist richtig. Die beste Lektion, die wir aus den
vergangenen 27 Jahren lernen können, lautet, daß
Freiheit heute das Kernstück jeder erfolgreichen Nation der Welt und in Afrika bildet."

Die Völker Afrikas wissen, wo ihre Zukunft liegt: nicht
bei korrupten Diktatoren wie Mobutu, sondern bei
mutigen Demokraten in jedem Teil des Kontinents.
Vom Senegal bis nach Benin, von Madagskar bis Mali
bauen die afrikanischen Nationen starke demokratische Institutionen auf. Sie erkennen, daß Demokratie
den einzigen Rahmen für Toleranz und Harmonie
Die Clinton-Administration wird die Freiheitsbewegung bietet, weil sie die Rechte des einzelnen schützt und
- zu Demokratie und freien Märkten - in Afrika uneinge- Schutz für Minderheiten gewährt.
schränkt und greifbar unterstützen. Wir werden mit
den afrikanischen Nationen zusammenarbeiten, um Das African-American Institute hat bei der Förderung
die Gesundheits-, Umwelt- und Bevölkerungsproble- von Demokratie eine außerordentlich nützliche Rolle
me anzusprechen, die das Leben bedrohen und eine gespielt. Sie haben die Wahlen überwacht, Regienachhaltige Entwicklung gefährden. Und wir werden rungsvertreter ausgebildet und Staatsbürgerkunde
Afrika beim Aufbau seiner Kapazitäten für präventive gelehrt. Sie sind sich bewußt, daß Demokratie nicht
Diplomatie und Konfliktlösung behilflich sein, damit nur am Wahltag - sondern jeden Tag - durch eine
das Volk auf diesem Kontinent frei vom Terror eines lebendige Kultur des Staatswesens und die VerpflichKrieges leben kann.
tung zu freien und offenen Diskussionen sowie Rechtsstaatlichkeit funktionieren muß.
Förderung von Demokratie und Menschenrechten
Die Demokratie hat am Wahltag im September letzten
Das Kernstück unserer neuen Beziehungen wird das Jahres in Angola funktioniert. Aber seitdem wurden
dauerhafte Engagement für Demokratie und Men- dem angolanischen Volk die Früchte seiner Beteilischenrechte bilden. Präsident Clinton hat eindeutig gung an diesem Prozeß verweigert. Präsident Clinton
klargestellt, daß die Förderung von Demokratie und hat der Bedeutung dieser freien und fairen Wahlen
Menschenrechten eine Säule der amerikanischen Rechnung getragen, als er in dieser Woche bekanntAußenpolitik ist. Und diese Säule ist in Afrika ebenso gab, daß die Vereinigten Staaten jetzt die angolanihoch wie in jedem Teil der Welt.
sche Regierung anerkennen.

In der veränderten Welt von heute können und werden
wir auf produktive neue Beziehungen zu Afrika hinarbeiten. Der Präsident und ich haben uns zum Aufbau
dieser neuen Beziehungen auf der Grundlage unserer
gemeinsamen Interessen und Werte verpflichtet.

Es sind Demokratien - nicht Diktaturen - die die besten
Mittel zur Verteidigung der Menscherechte bieten, um
die afrikanischen Nationen auf den Weg zum Fortschritt zu bringen und die lebenswichtigen sozialen
und wirtschaftlichen Fragen anzusprechen, die nationale Grenzen überschreiten.

Wir beabsichtigen, uns weiterhin aktiv für die Förderung einer Verhandlungslösung zwischen der angolanischen Regierung und der Nationalen Union für die
völlige Unabhängigkeit Angolas, UN ITA, zu engagieren, die es allen Menschen in Angola gestattet, sich der
Früchte der Demokratie zu erfreuen. Die Anerkennung der Vereinigten Staaten soll zur Verwirklichung
Die Vereinigten Staaten werden durch Programme
dieses Zieles beitragen und die UNITA ermutigen, sich
des amerikanischen Amts für Internationale Entwickdem Friedensprozeß und Prozeß der nationalen Auslung (U.S. Agency for International Development söhnung anzuschließen. Wie Präsident Clinton erklärUSAID), mit multilateraler Unterstützung und über
te, hoffen wir, daß die UNITA Bestandteil der von uns
Kreditanstalten Afrika beim Aufbau seiner Wirtschaftsanerkannten Regierung wird. Wir sind nach wie vorder
kapazität behilflich sein. Unter der Clinton-AdministraAuffassung, daß es in Angola keinen militärischen
tion werden diese globalen Belange nicht in die FußnoSieg geben kann - und die Vereingten Staaten werden
ten unserer außenpolitischen Tagesordnung verwiediejenigen nicht unterstützen, die eine militärische
sen. Statt dessen erhalten sie die vordringliche AufLösung verfolgen.
merksamkeit, die sie verdienen.
Heute erhält Afrika unsere Aufmerksamkeit und unse- Heute steht Südafrika am Beginn des Übergangs zu
ren Respekt aufgrund der mutigen Begebungen zum einer nichtrassischen Demokratie. Die Vereinigten
Aufbau von Demokratie und Chancen auf diesem Staaten unterstützen diesen friedlichen Übergang.
Kontinent. Obwohl die Bewegung zur Demokratie und Wir treten denen entgegen, die die Verhandlungen
freien Märkten in Osteuropa und Lateinamerika mehr zum Scheitern bringen möchten, und wir lehnen diejeAufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, fordern auch die nigen ab, die Gewalt anwenden.
Völker Afrikas ihre Freiheit.

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AMERIKA DIENST 21

�Wir hoffen, daß binnen kurzer Zeit ein Datum für
wirklich freie Wahlen in Südafrika festgelegt wird.
Diese Wahlen werden als überwältigender Triumph
der Menschenrechte auf dem gesamten afrikanischen
Kontinent und auf der ganzen Welt ihren Widerhall
finden.

nische Wirtschaft an den Bemühungen teilhaben, den
Menschen in Südafrika beim Aufbau einer starken und
pulsierenden Wirtschaft zu helfen, wenn der Fortschritt zur Demokratie unumkehrbar geworden ist.

Der Übergang zu einer nichtrassischen Demokratie in
Südafrika ist auch das Produkt der grundsätzlichen
Ablehnung der Apartheid durch die internationale
Staatengemeinschaft. I n der besten politischen Tradition Amerikas hat eine Koalition des Gewissens in
diesem Land eine lange und erhebende Kampagne
gegen das System der Apartheid geführt, das eine
halbe Welt weit entfernt ist. Unsere Sanktionen haben
bei den bisher erzielten Fortschritten eine wichtige
Rolle gespielt.

Die Unterstützung der afrikanischen Entwicklungsfähigkeit

Unglücklicherweise hatte Südafrika kein Monopol auf
Menschenrechtsverletzungen auf dem Kontinent. Diese
Das Verdienst für diese enorme Leistung wird vor Tatsache muß sich in der amerikanischen Politik nieallem denen in Südafrika zufallen, die ihr Leben ein- derschlagen. Wir können bei den Menschenrechten
setzten - und in einigen Fällen ihr Leben gaben -, damit im Falle Afrikas keine Abstriche gegenüber den Maßein neuer Tag der Freiheit anbrach. Das Verdienst wird stäben machen, die wir in anderen Teilen der Welt
Nelson Mandela gebühren, der nach 27 Jahren das anlegen. Ich möchte deutlich machen, daß die VereiGefängnis verließ - unbesiegt, ungebrochen und mit nigten Staaten die Menschenrechte berücksichtigen
dem festen Glauben, daß die Bevölkerung Südafrikas werden, wenn wir entscheiden, wie unsere knappen
immer noch eine Zukunft auf der Grundlage der jedem Ressourcen für die Auslandshilfe verteilt werden solMenschen innewohnenden Werte und der Menschen- len.
würde aufbauen kann.
Die Förderung der Demokratie ist das zentrale Ziel der
Es gebührt darüber hinaus F.W. De Klerk, dessen Clinton-Administration. Deshalb hat der Präsident
entscheidender Beitrag daran gemessen werden kann, beschlossen, als ersten afrikanischen Staatschef den
wie weit sich seine Ansichten fortentwickelt haben und ersten Präsidenten eines demokratischen Namibia,
wie weit eine Mehrheit der weißen Südafrikaner ihn Sam Nujoma, zu einem offiziellen Besuch ins Weiße
Haus einzuladen.
dabei begleitet hat.

Es sind die den Willen ihrer Bürger zum Ausdruck
bringenden demokratischen Staaten Afrikas, die am
besten in der Lage sind, die Art von wirtschaftlichen
Veränderungen vorzunehmen, mit denen das Leben
ihrer Bürger verbessert werden kann. Die entwicklungspolitische Herausforderung, vor der die meisten
afrikanischen Staaten stehen, ist nach wie vor imposant, aber ihre Überwindung liegt innerhalb der Fähigkeiten demokratischer Marktwirtschaften.

Die Einsetzung einer nichtrassischen Regierung in
Südafrika wird bei jedem Amerikaner Anklang finden,
aber besonders in den Städten und Gemeinden dieses Viele Staaten des Kontinents sind weiterhin von WirtLandes, die sich gemeinsam um das Ende der Apar- schaftskrisen betroffen. In vielen Ländern haben die
pro-Kopf-Einkommen stagniert oder abgenommen,
theid bemüht haben.
waren Handels- und Investitionsflüsse schwach ausWenn wir den Geist und die Lehren unserer eigenen geprägt, behinderte die Schuldenlast die Aussichten
Bürgerrechtsbewegung beherzigen, sagen wir damit auf neues Wachstum. Dürre, Hungersnöte und Bürnicht, daß Amerika alle Antworten gefunden hat oder gerkrieg haben Krisen zu Katastrophen werden laswir bereits eine perfekte Union gefunden haben. Wir sen. Keiner Region des Kontinents blieben Verwüsind jedoch dem Grundprinzip verpflichtet, daß die stungen durch Mensch oder Natur erspart.
Menschenrechte allgemeingültig sind - daß jeder Bürger
in jedem Land als Individuum beurteilt werden sollte, Der Trend zur Demokratie in Afrika muß durch umweltunabhängig von Rasse oder wirtschaftlichem Status. verträgliche wirtschaftliche Entwicklung gestärkt werden. Der Frieden und die Stabilität, die von Demokratie
Südafrikas erfolgreicher Übergang ist wichtig für Afri- verursacht werden, können zu dringend benötigten
ka, die Vereinigten Staaten und die Welt. Die Vereinig- Privatinvestitionen führen - und damit einhergehend
ten Staaten werden helfen - und wir erwarten auch von Entwicklungskapital, Technologietransfer und technianderen demokratischen Industriestaaten Hilfe. Nach sches Fachwissen hervorbringen. Der Abzug von
der Bildung eines Exekutivrats für den Übergang - und Investitionen aus Afrika wird nur dann umgekehrt
der Festsetzung eines Wahltermins - werden wir mit werden, wenn Afrika sich selbst zu einem attraktiveren
unseren Partnern in der G-7 zusammenarbeiten, um Ort für das Kapital macht. Die Anwendung von RechtsSüdafrika bei der Wiedereingliederung in die Weltwirt- staatlichkeit, der Abbau der Korruption, die Sicherstelschaft zu helfen. Wir haben die Weltbank und die lung des Gewinntransfers sowie der Aufbau einer
Parteien in Südafrika aufgefordert, heute mit der Pla- qualifizierteren Erwerbsbevölkerung - all dies wird
nung der Projekte zu beginnen, die zu Wirtschafts- dazu beitragen, Afrika eine wesentlich größere Rolle in
wachstum führen werden. Ebenso sollte die amerika- der Weltwirtschaft einzuräumen.
AMERIKA DIENST 21

Seite 3

�Die Hauptverantwortung für den Aufbau dieser Fähigkeiten fällt den afrikanischen Ländern selbst zu. Aber
die Industriestaaten der Welt - einschließlich der Vereinigten Staaten - haben eine gemeinsame Pflicht zur
Hilfe. Für das kommende Haushaltsjahr beantragen
wir 800 Millionen Dollar für bilaterale Entwicklungshilfe
in Afrika. Darüber hinaus werden wir Afrika weiterhin
eine halbe Milliarde Dollar an humanitärer und anderer
Hilfe gewähren.
Die Vereinigten Staaten und die Völkergemeinschaft
werden die Volkswirtschaften afrikanischer Länder,
die bereits ernsthafte Reformen eingeleitet haben,
bereitwilliger unterstützen. Wir arbeiten mit anderen
Gläubigerländern zusammen, um Ländern, die Anpassungsprogramme des Internationalen Währungsfonds
(IWF) durchführen, einen weiteren Schuldenerlaß zu
gewähren. Die Administration bittet den Kongreß um
Unterstützung, damit sich die Vereinigten Staaten an
multilateralen Bemühungen zum Schuldenabbau beteiligen können. Diese neue Initiative würde diese
armen Länder für die Implementierung schwieriger
Reformen belohnen.

Es kann keine umweltverträgliche Entwicklung geben,
ohne daß man sich erneut des drängenden Problems
bewußt wird, daß sich aufgrund der Wachstumsrate
der Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern die
Einwohnerzahl in den nächsten 15 bis 20 Jahren
verdoppeln wird. Das schnelle Bevölkerungswachstum macht die Bemühungen beim Kampf gegen die
Armut und zum Schutz der Umwelt zunichte. Die
Vereinigten Staaten werden nicht länger vorgeben,
dieses Problem existiere nicht.
Wir werden statt dessen partnerschaftlich mit den
Nationen in Afrika und andernorts zusammenarbeiten,
um umfassende Maßnahmen in den Bereichen Familienplanung und Schwangerenvorsorge zu ergreifen
und uns für eine verbesserte Stellung der Frau einsetzen.
Konfliktlösung in Afrika

Ich möchte ganz deutlich machen, daß die neuen
Beziehungen der Clinton-Administration zu Afrika sich
entscheidend von dem Ansatz der letzten 12 Jahre
unterscheiden. Gleichzeitig beglückwünsche ich den
Auch neue handelspolitische Ma ßnahmen werden den ehemaligen Präsidenten Bush dafür, die Operation
afrikanischen Staaten helfen, auf dem Weltmarkt zu Restore Hope ins Leben gerufen zu haben - die
konkurrieren. Protektionistische Schranken hemmen Mobilisierung des Militärs für eine Hilfsaktion in Somanach wie vor die Wettbewerbsfähigkeit Afrikas und lia. Wir waren mit Stolz erfüllt, als wir sahen, wie
dessen Wachstumsaussichten. Afrika kann von ei- amerikanische Soldaten verhungernden Kindern an
nem erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen im einem Ort der Erde zu essen gaben, der weit von
Rahmen der Uruguay-Runde viel gewinnen, den die unseren Küsten entfernt ist, unserem Herzen jedoch
Vereinigten Staaten bis zum Ende des Jahres anstre- nahesteht.
ben.
Die Vereinigten Staaten haben diese Bemühungen
jedoch
nicht alleine unternommen. Andere Nationen,
Afrikas wirtschaftliche Zukunft ist untrennbar mit seieinschließlich
vieler afrikanischer Staaten, hatten entner umweltpolitischen Zukunft verbunden. Ein Afrika,
scheidenden
Anteil
an den Hilfsleistungen. Obwohl
das dem Wüstensand und Buschwerk weicht, und ein
Somalia
weiterhin
mit
schwierigen Problemen konAfrika, dessen Boden erodiert, ist ein Afrika, das seine
frontiert
ist,
haben
die
Bemühungen
der internationaFähigkeit zur Selbsternährung verringert. Ein Afrika,
len
Staatengemeinschaft
das
Leiden
gemildert und
das seine Wälder und erneuerbaren Wasservorräte
eine
Chance
zum
Wiederaufbau
dieser
Nation gegeverliert, ist ein Afrika, das seine Fähigkeit aufs Spiel
ben.
Die
Erfahrung
Somalias
erinnert
uns
daran, daß
setzt, in Zukunft seine Grundbedürfnisse zu decken.
die internationale Staatengemeinschaft aus Mitgefühl
Ein afrikanischer Spitzenpolitiker hat erklärt, das Pro- heraus wirksam handeln kann. Sie erinnert uns aber
blem der Bodenerosion sei so ernst geworden, daß auch daran, daß wir nicht abwarten dürfen, bis Tausein Land, aus dem Weltraum betrachtet, in den Ozean sende Hungers gestorben sind.
auszubluten scheine. Wir müssen dazu beitragen,
diese Umweltwunden zu heilen. Zu diesem Zweck Die in Somalia gelernten Lektionen müssen wir jetzt im
wird das USAID dieses Jahr mindestens 70 Millionen Sudan anwenden. Der Bürgerkrieg im Sudan hat zu
Dollar für Umwelt- und Naturschutzprojekte in Afrika schrecklichem Leid und entsetzlichen Menschenrechtsverletzungen geführt. Die Vereinigten Staaten bemüausgeben.
hen sich in Zusammenarbeit mit den Regierungen der
Eine umweltpolitische Herausforderung, bei der die Region, der UNO und anderen um eine Beendigung
Vereinigten Staaten eine besonders große Hilfe wa- der Kämpfe. Wir müssen alles in unserer Macht
ren, steift die verheerende Dürre im südlichen Afrika Stehende tun, um angemessene Hilfslieferungen zur
dar. In Zusammenarbeit mit anderen interessierten Beendigung dieser Tragödie zu sichern, insbesondere
Nationen und Geberländern stellten die Vereinigten mit Beginn der Regenzeit.
Staaten als Antwort auf diese Katastrophe nahezu 1
Milliarde Dollar zur Verfügung. Zur Zeit besteht die In Liberia, wo brutale Konflikte wüteten, unterstützen
Gefahr einer Hungersnot nicht mehr, und die Länder wir die Bemühungen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) zur Wiederherstellung des
dieser Region haben eine gute Ernte.
Friedens. Wir streben eine Verhandlungslösung an,
Seite 4

AMERIKA DIENST 21

�die zur völligen Entwaffnung aller an den Kämpfen
beteiligten Gruppen führt, sowie freie, gerechte, von
internationalen Beobachtern überwachte Wahlen und
die Errichtung einer demokratischen Regierung.

Ich möchte auch die häufig unbeachtete Beteiligung
afrikanischer Länder an friedenserhaltenden Maßnahmen im Ausland anerkennen. Nigeria und Kenia im
ehemaligen Jugoslawien, Kamerun in Kambodscha,
Ghana und Sierra Leone im Libanon - diese und
Die Zukunft Liberias wird jedoch in Monrovia und nicht andere Länder Afrikas machen die Welt zu einem
in Washington entschieden. Nur die Liberianer können sichereren Ort.
einen wirklichen und dauerhaften Frieden schaffen,
die Wunden der liberianischen Gesellschaft heilen und Die OAE und andere afrikanische Organisationen
darüber entscheiden, wer in Zukunft die politische müssen sich der Vermittlung und der präventiven
Verantwortung trägt.
Diplomatie bedienen, um den Menschen in Afrika die
Chance für ein Leben ohne Krieg zu eröffnen. Durch
Das Leiden in Liberia muß auf schnelle und friedliche eine kreative, oft lebensrettende Diplomatie, wird das
Weise ein Ende finden. Dieses Land verdient ein Schicksal Afrikas von den Afrikanern bestimmt.
besseres Schicksal, ähnlich der Zukunft, die am Osten
des Kontinents in Eritrea herandämmert. Die untrenn- Neue Beziehungen
barverbundenen Tragödien von Eritrea und Äthiopien
werden jetzt zu einem Kapitel der Geschichte, das sich Heute habe ich die Ausgangsbasis für grundlegend
hoffentlich niemals wiederholen wird. Nach dreißig neue Beziehungen der Vereinigten Staaten mit Afrika
Jahren Bürgerkrieg ist ein unabhängiges Eritrea ent- umrissen. Es wird eine neue Art von Beziehung sein,
standen, teilweise aufgrund der Friedensgespräche, bei der die Vereinigten Staaten den Afrikanern beim
die vom Carter Center in Atlanta unterstützt wurden. Aufbau demokratischer Institutionen sowie der Weichenstellung für Wirtschaftswachstum helfen können,
Erst letzten Monat entschied sich die überwältigende bei der unsere Aufgabe jedoch darin besteht, afrikaniMehrheit der Eritreer in einem von der UNO überwach- sche Lösungen zu unterstützen und nicht zu verhinten Volksentscheid für die Unabhängigkeit von Äthio- dern.
pien. Am 27. April erklärte Eritrea seine Unabhängigkeit - und an demselben Tag erkannten die Vereinigten Es wird eine neue Art von Beziehung sein, die auf
Staaten Eritrea an. Neben einem jüngst demokratisch unserer festen Überzeugung basiert, daß in Afrika die
gewordenen Äthiopien kann diese neue Nation den ihr Diktatur zwar noch nicht abgeschafft worden ist, die
gebührenden Platz als ein Symbol der Hoffnung am Zukunft aber in freien Wahlen und freien Institutionen
liegt.
Hörn von Afrika einnehmen.
Ich habe über die Bemühungen der Vereinigten Staaten gesprochen, einige der militärischen Konflikte in
Afrika zu beenden, aber unser dauerhaftester Beitrag
könnte darin bestehen, Afrika beim Aufbau eigener
Kapazitäten zur Konfliktlösung und Friedenssicherung
zu helfen. Die Vereinigten Staaten arbeiten eng mit der
Organisation für Afrikanische Einheit (OAE) zusammen, unterstützen die friedenssichernden Maßnahmen in Ruanda und die Ausbildung von Wahlbeobachtern andernorts. Angesichts der Tatsache, daß die
OAE bald ihr dreißigjähriges Bestehen feiert, ist es
nicht nur von Bedeutung, die Leistungen dieser Organisation anzuerkennen, sondern zu untersuchen, wie
sie bei der Verhinderung oder Beendigung von Kriegen
auf diesem Kontinent eine größere Rolle spielen kann.

Es wird eine neue Art von Beziehung sein, die noch
gestärkt wird, wenn ein neues Südafrika den Übergang
von Unterdrückung zu Demokratie vollzogen hat.
Die Völker und Regierungen Afrikas arbeiten auf
Demokratie und freie Märkte in der wachsenden
Überzeugung hin, daß sie sich auf dem Weg zum
Fortschritt befinden. Sie haben sich auf eine einzigartige afrikanische Reise begeben, die so eindrucksvoll
ist wie alles andere auf diesem Kontinent von atemberaubender Schönheit.
Es ist eine Reise, die Amerikas Respekt und Unterstützung verdient - und diesen Respekt und diese Unterstützung gelobe ich heute.
Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 21

* * * *

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�USIA
26. Mai 1993

DUFFEY: ÖFFENTLICHE DIPLOMATIE
WICHTIGER ALS JE ZUVOR
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Direktor des US-Informationamts (United States Information Agency - USIA), Joseph Duffey, zufolge besteht in der Zeit nach dem Kalten Krieg, "in der Ideen und Werte zum Mittelpunkt menschlicher Anliegen geworden sind", noch größerer Bedarf "für die Strategien der öffentlichen
Diplomatie."
Das Ziel dieser Strategien, erklärte Duffey bei der Anhörung zu seiner Bestätigung vordem Senatsausschuß für
Auswärtige Angelegenheiten am 18. Mai 1993, ist "die Vermittlung unserer Werte und Prognosen für eine
sicherere Zukunft für unsere Kinder und alle Völker auf der Erde".
Im Hinblick auf den internationalen Rundfunk stellte Duffey fest, die Clinton-Administration werde die Zusammenlegung "einiger technischer Elemente" des USIA-Senders Voice of America mit den Sendern Radio Free
Europe und Radio Liberty vorschlagen, wodurch die bessere "Zusammenarbeit und Koordinierung" sowie
weniger "Überschneidungen" gewährleistet würden. Er werde jedoch auch darauf hinarbeiten, fügte Duffey
hinzu, "daß die wichtigen Bestandteile von RFE/RL zusammen mit der entsprechenden redaktionellen und
journalistischen Freiheit erhalten bleiben".
Duffey deutete ferner an, daß auf internationale Femsehberichterstattung größere Betonung gelegt wird und die
Bedeutung des Femsehens mit jedem Tag zunimmt. Erfuhrfort: "Eine wirksame Strategie für das internationale
Rundfunkwesen muß sowohl Hörfunk als auch Fernsehen umfassen."
(Der Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hat am 20. Mai 1993 einstimmig die Bestätigung von
Direktor Duffey vorgeschlagen).
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Direktor Duffey im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, ich
stehe heute als der von Präsident Clinton ernannte
Direktor des US-Informationsamts vor Ihnen. Ich fühle
mich geehrt durch das von Präsident Clinton mit der
Weiterleitung meines Namens für diese Position zum
Ausdruck gebrachte Vertrauen. Ebenso weiß ich das
Entgegenkommen zu schätzen, das mir von den Mitgliedern des Ausschusses und ihren Mitarbeitern bei
jüngsten Besuchen und Gesprächen über die Arbeit in
diesem Bereich unserer internationalen Politik und der
Sicherheitsgemeinschaft erwiesen wurde. Im Falle
meiner Bestätigung sehe ich der Zusammenarbeit mit
den Delegierten des Kongresses erwartungsvoll entgegen, all unseren Mitbürgern in der wichtigen Aufgabe zu dienen, die häufig als "öffentliche Diplomatie"
bezeichnet wird.
In meiner Eingangserklärung möchte ich einige Worte
darüber sagen, wie ich diese neuen Aufgaben ange-

AMERIKA DIENST 21

hen möchte. Ich werde nicht so sehr über spezifische
Programme sprechen, sondern vielmehr über eine
allgemeine Philosophie sowie die Perspektiven und
Werte, die ich in diese neue Position einbringe, falls der
Senat meiner Bestätigung zustimmt. Im Anschluß an
eine kurze Eingangserklärung werde ich gerne auf Ihre
Fragen eingehen.
Im August dieses Jahres feiern wir den 40. Jahrestag
der Gründung der United States Information Agency
durch Präsident Dwight Eisenhower im Jahr 1953.
Über die Jahre hinweg hat das US-Informationsamt
unseren Zielen als Nation durch Bildungs- und kulturelle Austauschprogramme, Rundfunk- und Fernsehsendungen über die Vereinigten Staaten sowie seiner
Institutionen und Politik, Verbreitung gedruckter und
visueller Materialien, durch Außenstellen auf der ganzen Welt und anderen Instumenten der öffentlichen
Diplomatie gedient.

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�Das US-Informationsamt wurde in den Jahren gegründet, als das Zeitalter des "Kalten Krieges" nach dem
Ende des Zweiten Weltkriegs gerade im Entstehen
war. In jenen Tagen der Eskalation des Ost-WestKonflikts begannen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion, sich für Ideen über grundlegende soziale
Philosophien zu engagieren, die die internationale
Bühne über vier Jahrzehnte dominieren sollten. In
diesem Konflikt sah sich unsere Nation einer dogmatischen Philosophie zentralisierter sozialer Kontrollen,
Feindseligkeit gegen freie Marktwirtschaften und Unterdrückung der Freiheit des einzelnen gegenüber.
Selbst 1948, als die endgültige Gesetzesvorlage verabschiedet wurde, die zur Gründung des US-Informationsamts führte (Smith-Mundt-Act), versuchte unsere
Nation noch, im Krieg der Ideen aufzuholen. Die
Sowjetunion hatte bereits außerhalb der traditionellen
diplomatischen Kanäle mit direkter Kommunikation mit
der Öffentlichkeit in den als Dritte Welt bezeichneten
Teilen des Globus begonnen. Dies wurde begleitet
von umfangreichen Publikationen, Besuchen sowie
Studenten- und anderen Austauschprogrammen,
Konferenzen und der Verbreitung von Nachrichten und
Desinformation.

US-Informationsamt eine führende Rolle, indem es
über die Voice of America wahrheitsgetreue Nachrichten verbreitete, durch Bildungs- und kulturelle
Austauschprogramme Kontakte zwischen den Völkern aufrechterhielt, Englischunterricht anbot, Zentren
und Bibliotheken gründete, Konferenzen und Symposien veranstaltete. All diese über die Jahre hinweg
vom Kongreß genehmigten und finanzierten Aktivitäten dienten dem tieferen Verständnis amerikanischer
nationaler Werte. Und dieses Verständnis spielte eine
Rolle dabei, daß Millionen von Menschen sich gegen
die bürokratisierte Tyrannei und die Unterdrückung
durch Systeme erhoben, die keine Rücksicht auf das
menschliche Streben nach freier Meinungsäußerung
und Kreativität nahmen.

Sicher verfielen wir zeitweise in eine Sprache und in
Annahmen, die chauvinistischer und propagandistischer als glaubhaft waren. Das war nicht unsere beste
Zeit. Und zeitweise waren wir übereifrig und sogar ein
wenig naiv. Aberdie Instrumente der "weichen" Diplomatie, der öffentlichen Diplomatie, haben der Nation
gut gedient. Sie waren während des Kalten Krieges
unsere Angriffsstrategie, und sie waren effektiv. In
einem kürzlich erschienenen Artikel der New York
Times schrieb der Romanschriftsteller John Le Carre
Kurz nach der Grüdnung des US-Informationsamts über das Ende des Kalten Krieges. Ich bin mir bewußt,
vor vierzig Jahren entschied sich unsere Nation für daß dieser Autor von Spionageromanen keine Quelle
eine defensive Strategie, die unsere Militärpolitik während ist, die normalerweise in einem Kontext wie diesem
des Kalten Krieges kennzeichnen sollte. Die Strategie zitiert wird. Jedoch bin ich der Ansicht, daß sein
wurde bekannt als "Containment", der Widerstand Kommentar es wert ist, hier angeführt zu werden. Er
gegen den sowjetischen Expansionismus. Militäri- sprach überden Erfolg des Westensdabei, den Kalten
sche "Eindämmung" und "Abschreckung" waren mit Krieg schließlich zu beenden. Dieser Erfolg, schrieb
unserer Verteidigung in Zusammenhang stehende er, "wurde... durch Offenheit, nicht durch GeheimhalMaßnahmen. Es ist jedoch schwierig zu argumentie- tung erreicht". "Die Stärke Amerikas", fuhr er fort, "lag
ren, daß diese Strategien allein das Ende des Kalten in seiner Offenheit, Flexibilität und Bereitschaft, sich zu
Krieges herbeiführten. Wir sollten uns vor Augen etwas zu bekennen, Risiken einzugehen und Verändeführen, daß unsere Nation sich auch während der rungen herbeizuführen." Dieser Geist, diese Werte
langen und schwierigen Zeit des Kalten Krieges für waren unserer Nation in dem jüngsten Konflikt äu ßerst
eine aktive Offensivstrategie engagierte. Diese Offen- dienlich. Diese Werte werden uns auch angesichts der
sivstrategie erwies sich als sehr viel wirksamer, als wir vor uns liegenden Herausforderungen gut zu statten
zu jener Zeit gedacht hatten. Eines der Ämter an kommen.
vorderster Front dieser Offensivstrategie war das USInformationsamt. (Es gab zweifellos auch andere Heute denken wir über das Ende des Kalten Krieges
Instrumente: Die vom Kongreß finanzierten Sender nach. Auf nahezu jedem Kontinent regen sich erneut
Radio Free Europa/Radio Liberty spielten ebenfalls Selbstbestimmung und Freiheit. Das Gerede von
eine Rolle, ebenso wie zahlreiche Bürgerinitiativen und Triumph und Sieg erscheint jedoch irrelevant, wenn wir
-bestrebungen).
an die nahe Zukunft denken. Wie können nicht behaupten, daß die Welt jetzt ein sicherer Ort ist. Wir
Die Verbreitung von Ideen und Vorstellungen, die mit können lediglich behaupten, daß der Kalte Krieg und
den Bestrebungen freier Männer und Frauen in Zu- damit die große Polarisierung von Gedanken und
sammenhang standen, die Würde und Selbstbestim- Konflikten beendet ist. Im ehemaligen Jugoslawien, in
mung anstrebten, war der wichtigste Faktor bei der bestimmten asiatischen Regimen und andernorts werden
Beendigung der Ära des Kalten Krieges. Diese Ideen staatliche Unterdrückung, gedankenlose und brutale
schwappten über die "Mauer" und durchdrangen den ethnische Konflikte u nd der Unterwerfungswille weiter"Eisernen Vorhang". Und sie waren mächtige Fakto- hin die Regierungen charakterisieren, die sich über
ren, die die sich allmählich vollziehenden Veränderun- den Aufschrei des menschlichen Geistes hinwegsetgen bewirkten. Wichtig war auch die Verbreitung zen.
genauer Informationen über Weltereignisse und über
einige der grundlegendsten Prinzipien demokratischer Vielleicht besteht heute eine noch größere NotwendigGesellschaften. Bei diesen Bestrebungen spielte das keit für die Strategien öffentlicher Diplomatie in einer
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AMERIKA DIENST 21

�Welt, in der Ideen und Werte zum Mittelpunkt menschlicher Anliegen geworden sind. Denn Amerika ist ein
einzigartiges Land der Ideen. In vielerlei Hinsicht sind
Amerika und all seine Institutionen die Verkörperung
einer einzigen großen Idee - daß der sicherste Garant
für Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand in den Rechten und der Würde und dem Willen des Volkes begründet ist.
Die Möglichkeiten, die das US-Informationsamt heute
hat, unterscheiden sich von der Aufgabe, die es in den
letzten vier Jahrzehnten erfüllen mußte. Es besteht
weltweit ein neues Interesse an der staatlichen Kultur
der Vereinigten Staaten und der täglichen Praktizierung von Demokratie und freiem Unternehmertum. Es
hat eine Revolution im Kommunikationswesen gegeben. "Aber direkte Kommunikation schafft nicht an
sich schon Verständnis" (Walter Wriston). Es gibt
mehr Kommunikationstecnnologien und eine neue,
zugänglichere Art von Öffentlichkeit in der Welt. Aber
Information und Bedeutung sind nicht dasselbe. Es ist
noch immer die Aufgabe öffentlicher Diplomatie, nach
Strategien für die Vermittlung unserer Werte und
Prognosen für eine sicherere Zukunft für unsere Kinder und alle Völker auf der Erde zu suchen.
Nicht nur die Welt hat sich geändert, sondern auch
Amerika. Alexis de Tocqueville schrieb einmal: "Unter
demokratischen Nationen stellt jede Generation ein
neues Volk darr." Ich bin der Ansicht, er glaubte, daß
ein freies Volk nie die Bedeutung der Staatsbürgerschaft als gegeben hinnehmen kann. Eine neue
Generation führender Persönlichkeiten entsteht in den
Institutionen unserer Nation und bemüht sich, wie es
jede Generation tun muß, die Werte neu zu entdecken
und zu erfinden, die das Wesen unserer Republik darstellen.
In unserer eigenen Nation wird heute eine neue und
angeregte Debatte über das angemessene Verhältnis
zwischen den Rechten und Pflichten in einer Demokratie geführt. Es wird über den Dienst an der Gemeinschaft gesprochen und darüber, die Arbeit als eine
Berufung zu betrachten, die Verpflichtungen gegenüber anderen impliziert anstatt lediglich den Weg zur
Selbstverwirklichung darzustellen. Es wird über die
Notwendigkeit der Verpflichtung gesprochen, die Zukunft
für alle Kinder einer Generation zu sichern, nicht nurfür
jene, die uns am nächsten stehen. Teil unseres
Zeugnisses für die heutige Welt, Teil der "amerikanischen Geschichte", ist die Botschaft, daß diese Gesellschaft die Aufgabe der Demokratie nicht beendet
hat, und daß wir entschlossen sind, den Zynismus
unter Kontrolle zu halten, der zu den größten Bedrohungen in etablierten Demokratien gehört.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, das US-Informationsamt auf einen
Weg zu führen, der den Geist und die Entschlossenheit fördert, die die derzeitigen BemühunAMERIKA DIENST 21

gen unserer Bürger charakterisieren, die Ideen
und Ideale wiederzubeleben, die verständige
Selbstregierung ermöglichen. Ich werde mich
bemühen, dem US-Informationsamt als einer
Behörde vorzustehen, die ein realistisches Bild
unserer andauernden Bemühungen gibt, hierzu
Hause eine perfektere Union zu schaffen, anstatt die Vereinigten Staaten als fertige Gesellschaft darzustellen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, dem US-Informationsamt so vorzustehen, daß es einen Beitrag zur Entwicklung
neuer Definitionen für "nationale Sicherheit" leisten kann, die den neuen Zeiten angemessen
sind. Diese neuen Definitionen werden nicht
schnell entstehen, und - wie jüngst von außenpolitischen Analysten behauptet - sie werden
kein "geschlossener und analytischer Prozeß"
sein. Vielmehr werden diese neuen Definitionen aus einem offenen, "öffentlichen und politischen Prozeß"kommen. (Rethinking America's
Security, Hrsg. G. Allison und G.F. Treverton,
1992). Sie werden das Ergebnis offener Gespräche zwischen Einzelpersonen, Gruppen und
Organisationen in der Regierung und im Privatsektor sein, die eng zusammenarbeiten. Die
neuen, den neuen Zeiten angepaßten Definitionen der nationalen Sicherheit werden nicht so
sehr auf Eindämmung als auf der Propagierung,
Ausweitung und Erweiterung des Wissens, der
Kultur und Gebräuche von Demokratie und Selbstregierung basieren. Sie werden auch auf den
Strategien fürZusammenarbeit zwischen unabhängigen Nationen im Kontext eines freien Flusses von Informationen, Ideen und Handel gründen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, dem US-Informationsamt in dem Bewußtsein vorzustehen, daß ein Aspekt der nationalen Sicherheit und der Führungsrolle der
Vereinigten Staaten heute die neue Sparsamkeit in der Regierung ist und daß unsere Nation
stärker sein wird, wenn wir klüger mit unserem
Haushaltsdefizit umgehen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, dem US-Informationsamt in dem Bewußtsein vorzustehen, daß diese Behörde in
stärkerem Maße ein Modell für die Gleichstellung aller ihrer Mitarbeiter sein sollte. Und es
sollte eine Organisation sein, die ein offenes
Ohr für die Verbesserungsvorschläge derjenigen hat, die tagtäglich an den vielfältigen Programmen arbeiten, die unsere Arbeit so erfolgreich machen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
nicht dafür entschuldigen, im Namen unserer
nationalen Sicherheit ein Befürworter langfristiSeite 3

�ger Investitionen in Ideen und Menschen zu
sein. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen,
selbst wenn wir in Washington kurzfristig mit
vielen Krisen und Problemen konfrontiert werden, wie das immer der Fall zu sein scheint.
Im Falle der internationalen Beziehungen ist es leicht,
den Wert längerfristiger Investitionen zu vergessen.
Heute erinnern uns das Fulbright-Programm sowie
Besucher- und Vortragsprogramme der letzten beiden
Jahrzehnte daran, daß die langfristige Investition von
gestern die demokratische Revolution von heute ist.
Mehr als 130 derzeitige oder ehemalige politische
Entscheidungsträger lernten in ihrer beruflichen Laufbahn die Vereinigten Staaten zum ersten Mal durch
Programme des US-Informationsamts näher kennen zu ihnen gehören die heutigen Ministerpräsidenten
Bulgariens, Ungarns und Polens. Acht von sechzehn
Ministern des neuen Kabinetts in Thailand haben am
internationalen Besuchsprogramm teilgenommen. Und
in Rußland wurde Alexander Jakowlew, ein ehemaliger Fulbright-Wissenschaftler, als "Architekt" von
Glasnost bekannt.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich nicht
vergessen, daß es Unterschiede zwischen der
traditionellen Diplomatie unter den Regierungen
und dem gibt, was wir unter "öffentlicher Diplomatie" (public diplomacy) verstehen. Ein Teilnehmer bei einer Anhörung im Kongreß beschrieb im vergangenen September einen Aspekt
dieses Unterschieds folgendermaßen: "Es gibt",
so stellte er fest, eine notwendige "offizielle ...
Diplomatie zwischen Regierungen, zu deren
Bestandteilen Taktgefühl, Geduld, stilles Lavieren zwischen Entscheidungsträgern und das
Gefühl gehören, daß Eliten mit Eliten agieren."
Darüber hinaus, so fuhr er fort, gebe es die
Notwendigkeit einer anderen Art von Diplomatie, "... Kommunikation zwischen den Menschen...
(bisweilen)... weniger mit Taktgefühl, sondern
Direktheit, nicht mit Resignation, sondern in der
Annahme, daß Menschen die Geschichte durch
die Macht von Ideen verändern können."

esten Stand zu bringen, um den Zielen einer
besseren Vorbereitung unserer Bevölkerung auf
die Zukunft in einer wirklich weltweiten Gemeinschaft besser zu dienen.
Als letzten Punkt möchte ich, Herr Vorsitzender, die
Frage des Rundfunkwesens behandeln. Dies ist ein
Problem, daß derzeit sowohl für den Kongreß als auch
für die Administration von großem Interesse ist. Ich
habe keine offizielle Rolle bei der Überprüfung gespielt, die zur Zeit innerhalb der Administration stattfindet. Ich habe jedoch Beobachtungen angestellt und
mich mit den für die Prüfung von Vorschlägen zuständigen Personen getroffen, um Einsparmöglichkeiten
auszumachen und durch stärkere Effizienz in diesem
Bereich zum Defizitabbau beizutragen.
Nächste Woche wird der von Senator John Kerry
geleitete Unterausschuß Anhörungen zu diesem Thema
veranstalten. Ich hoffe, dann in der Lage zu sein, einen
einigermaßen detaillierten Vorschlag für die Zukunft
des internationalen Sendebetriebs der Vereinigten
Staaten zu skizzieren. Ich möchte hier die Prinzipien
erläutern, die meinen Ansatz zu diesen Fragen leiten
werden.
Die Voice of America hat seit ihrer Gründung effektiv
den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten
gedient. Surrogatsender, beispielsweise Radio Free
Europe und Radio Liberty, haben ebenfalls mit besonderem Erfolg zuröffentlichen Diplomatie der Vereinigten Staaten beigetragen, indem sie Völkern, die
keine adäquaten freien nationalen oder lokalen Nachrichtenquellen besaßen, Nachrichten und Kommentare lieferten. Sowohl die Voice of America als auch
Radio Free Europe/Radio Liberty haben talentierte
Rundfunkleute, die sich besonders für ihre Arbeit
engagieren. Ich weiß, daß Präsident Clinton diese
Wertschätzung und Achtung für die von ihnen Tag für
Tag geleistete schwierige und wichtige Arbeit teilt.

Die Administration wird einen Plan für Haushaltskürzungen vorlegen, die sich aus der Zusammenlegung
einiger technischer Elemente von VOA und RFE/RL
sowie verbesserter Zusammenarbeit und KoordinieIm Falle meiner Bestätigung werde ich nicht rung ergeben, mit denen Überschneidungen vermievergessen, daß das "zweite Mandat" der Charta den werden. Diese Vorschläge werden die künftige
des US-Informationsamts vorsieht, Amerika- Fähigkeit zur Lieferung glaubwürdiger, unabhängiger
nern zu einem besseren Verständnis der globa- Sendungen mit der Flexibilität, diese Dienste gegebelen Gesellschaft zu verhelfen und die Fähigkeit nenfalls zu bündeln, nicht in Frage stellen. Im Falle
unserer Bürger zu verbessern, sich an einer meiner Bestätigung erwarte ich, mit dem Vorsitzenden
völlig neuen Weltwirtschaft zu beteiligen. Viele des Board for International Broadcasting, Dan Mica,
der wichtigsten Anliegen unserer Bürger berüh- zusammenzuarbeiten, um zu gewährleisten, daß die
ren heute Fragen, die im internationalen Kon- wichtigen Bestandteile von RFE/RL zusammen mit
text behandelt werden müssen, darunter der be- der entsprechenden redaktionellen und journalistischen
drohliche Handel mit Drogen, Bedrohungen der Freiheit erhalten bleiben.
Umwelt, Terrorismus sowie der Verlust von
Mein erster Eindruck von Voice of America ist nicht
Märkten und Arbeitsplätzen. Ich werde mit dem
nur der eines Höchstmaßes an professionellem RundKongreß zusammenarbeiten, um die Gründungsfunkjournalismus sondern auch von enormer Flexibilicharta des US-Informationsamts wie das Smithtät sowie Bereitschaft und Fähigkeit zum Wandel.
Mundt-Gesetz zu überprüfen und auf den neuVOA unterhält heute einen kurdischen Dienst und

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�einen tibetanischen Dienst, den der Dalai Lama unlängst als "Medizin gegen Depressionen und Erschöpfung" für das tibetanische Volk bezeichnete. Während
der Operation Provide Hope hat VOA umgehend ein
somalisches Programm ins Leben gerufen. Aufgrund
des Bedarfs für mehr Nachrichten und Informationen
in Asien hat VOA im vergangenen Jahr Programme
geschaffen, die sich auf Ereignisse und Themen in und
um China und dessen asiatischen Nachbarstaaten
konzentrieren.

gewährleisten, daß Amerika nicht den Kontakt mit
unabhängigen Denkern verliert und auch, um amerikanische Solidarität mit dem Kampf gegen Gewalt und
Unterdrückung zu demonstrieren. Das Büro für Forschungsarbeiten des US-Informationsamts führt Meinungsumfragen und demoskopische Studien durch.
Die Bemühungen des Amts werden von engagierten,
besonders ausgebildeten außenpolitischen Mitarbeitern vor Ort in Ljubljana, Zagreb, Skopje, Belgrad und
Podgorice durchgeführt. Dies entspricht meines Erachtens dem vorgesehenen Ziel von RundfunksenAufgrund der Veränderungen im internationalen Rund- dungen - als besonders wichtigem Element einer Gefunkwesen hat das Büro für Rundfunkwesen (Bureau samtregierungsstrategie.
of Broadcasting) des US-Informationsamts eine Stelle
für Beziehungen zu angeschlossenen Anstalten (Offi- Rundfunkwesen umfaßt jedoch nicht nur das Radio,
ce of Affiliate Relations) eingerichtet. Diese Dienst- sondern Rundfunkwesen besteht aus Radio und Fernstelle arbeitet mit ausländischen Rundfunk- und Fern- sehen. Während die Bedeutung des Radios auf Jahre
sehstationen weltweit zusammen, um das Hörer- und hinaus nicht abnehmen wird, wächst die Bedeutung
Zuschauerpublikum zu erweitern und das VOA-Signal des Fernsehens jeden Tag. Eine wirksame Strategie
über gut zu empfangende lokale Frequenzen zu ver- für das internationale Rundfunkwesen muß sowohl
breiten. Das Büro für Rundfunkwesen unterhält darü- Hörfunk als auch Fernsehen umfassen.
ber hinaus ein umfangreiches Programm, um ausländische Rundfunkjournalisten mit Methoden des west- Herr Vorsitzender, ich freue mich darauf, im Falle
meiner Bestätigung Direktor des US-Informationsamlichen Journalismus vertraut zu machen.
tes zu werden, das dieses Jahr sein 40jähriges BesteIm ehemaligen Jugoslawien sendet Voice of America hen feiert. Die Frauen und Männer des US-Informaheute in vier Sprachen - serbisch, kroatisch, slowe- tionsamtes haben der Nation in den vergangenen vier
nisch und albanisch. VOA hat seine stark erweiterten Jahrzehnten hervorragende Dienste geleistet. Sie
Kapazitäten eingesetzt, um die Sendungen in serbi- haben gezeigt, daß Präsident Eisenhower recht hatte,
scher Sprache mehr als zu verdoppeln und die Stärke als er sagte: "Der Krieg beginnt in den Köpfen der
und den Sendebereich des Signals in dieser Region zu Menschen, und dasselbe gilt für den Frieden." Ich
vergrößern. Das US-Informationsamt plaziert heute glaube, die Bilanz der vergangenen 40 Jahre zeigt,
Sendebeiträge bei unabhängigen serbischen Fern- daß es für ein dauerhaftes direktes Engagement vor
sehstationen und veranstaltet über Satellit Live-Fern- Ort, das von einsatzfreudigen und talentierten Mänsehdiskussbnen zwischen amerikanischen Regierungs- nern und Frauen in Washington unterstützt wird, keivertretern und Kommentatoren sowie prominenten nen Ersatz gibt. Ich hoffe auf eine gute ZusammenarZuschauern in jener vom Krieg zerrissenen Region. beit mit diesen Mitarbeitern ebenso wie mit Ihnen, um
Es führt sorgfältig ausgewählte Austauschprogramme deren künftige Arbeit noch produktiver zu gestalten.
mit Bürgern des ehemaligen Jugoslawien durch, um zu

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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
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19. Mai 1993

BOSNIEN

CLINTON ERNEUT GEGEN BOSNISCHES
WAFFENEMBARGO
Pressekonferenz des Präsidenten
in Auszügen

START II

ANNAHME DES START-II-VERTRAGES IM
INTERESSE DER USA UND RUSSLANDS
Erklärung Christophers vor dem Kongreß

SICHERHEIT

USA NACH DEM KALTEN KRIEG MIT
VIER SICHERHEITSPOLITISCHEN
HERAUSFORDERUNGEN KONFRONTIERT
Rede von Verteidigungsminister Aspin

SDI

ASPIN KÜNDIGT UMBENENNUNG UND
NEUEN SCHWERPUNKT DES SDIBÜROSAN

r~

Veränderungen infolge neuer Prioritäten
nach dem Kalten Krieg

AID

LEITER DES AID FÜR KONZENTRATION
DER AUSLANDSHILFE
Stellungnahme von Brian Atwood

DEMOGRAPHIE

VEREINIGTE STAATEN KUNDIGEN
WICHTIGE VERÄNDERUNGEN IHRER
BEVÖLKERUNGSPOLITIK AN
Wirth-Rede vor UNO-Ausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�f
BOSNIEN
19. Mai 1993

CLINTON ERNEUT GEGEN BOSNISCHES
WAFFENEMBARGO
Pressekonferenz des Präsidenten in Auszügen
WASHINGTON - (AD) - Bei einer am 14. Mai 1993 veranstalteten Pressekonferenz bekräftigte Präsident Clinton,
das Waffenembargo der Vereinten Nationen dürfe einen Sieg der Serben bei den Kämpfen in Bosnien nicht
vorherbestimmen.
Unter erneutem Verweis auf seine Besorgnis, das Waffenembargo der Vereinten Nationen im ehemaligen
Jugoslawien hätte die "unbeabsichtigte" Folge gehabt, den serbischen Streitkräften einen enormen Vorteil zu
verschaffen, stellte Clinton gegenüber den Journalisten fest, aus diesem Grund sei er stets für eine gewisse
Aufhebung des Embargos gewesen.
Auf die Frage, ob die bosnischen Kämpfe einen Bürgerkrieg oder einen Angriffskrieg bedeuteten, antwortete der
Präsident, sie seien beides. "Es ist ein Bürgerkrieg und ein Angriffskrieg", stellte Clinton fest, "weil Bosnien als
juristisch eigenständige Einheit gegründet wurde", als die Föderative Republik Jugoslawien in ihre Einzelteile
zerfiel. "Es ist ein Bürgerkrieg", erklärte der Präsident, weil "Bevölkerungsteile, die auf diesem Territorium leben,
gegeneinander kämpfen und es Aggression von außen ... vornehmlich von den Serben" gegeben hat.
Der Präsident fügte hinzu, er habe noch keine Empfehlung vom Verteidigungsministerium bezüglich des
Vorschlags erhalten, amerikanische Truppen in Makedonien zu stationieren, um serbische Grenzübergriffe zu
vereiteln. Er verwies darauf, daß die Bush-Administration im Hinblick auf den Kosovo, eine mehrheitlich von
Albanern bevölkerte serbische Provinz, gewarnt hatte, "wenn sie (die Serben) versuchen,... die Albaner dort zu
unterdrücken, wären die Vereinigten Staaten zu harten Maßnahmen bereit. Ich habe diese Position bekräftigt."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Frage: Herr Präsident, Sie haben erklärt, die Vereinigten Staaten würden eine Militäraktion in Bosnien nicht
im Alleingang unternehmen. Und dennoch haben die
europäischen Verbündeten die Zustimmung zu Ihren
Vorschlägen verweigert. Wenn sich die Verbündeten
weigern, mitzumachen, wie lautet dann die Position
der Vereinigten Staaten?
Antwort: Ich möchte das von mir bereits Gesagte
wiederholen, weil die Vereinigten Staaten meines
Erachtens die richtige Position eingenommen und wir
einige gute Ergebnisse erzielt haben. Ich habe gesagt
- ich wiederhole - meiner Ansicht nach müssen die
Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihren Verbündeten handeln, insbesondere weil Bosnien im Herzen
Europas liegt und die Europäer dort sind. Wir müssen
über die Vereinten Nationen zusammenarbeiten.

AMERIKA DIENST 20

Zweitens glaube ich nicht, daß die Vereinigten Staaten
Truppen dorthin entsenden sollten, um im Namen
einer der Parteien in den Konflikt einzugreifen. Meines
Erachtens sollten wir weiterhin den Druck verstärken.
Wie Sie wissen, vertrete ich die Position, daß der beste
Weg dies zu tun in der Aufhebung des Waffenembargos mit Unterstützung einer auf Abruf bereitstehenden
Luftstreitmacht besteht, für den Fall, daß die gegenwärtige Situation durch den unfairen Einsatz von Artillerie seitens der bosnischen Serben gestört wird. Diese
Position liegt immer noch auf dem Verhandlungstisch.
Sie wurde nicht von vornherein verworfen. In der Tat
haben einige europäische Verbündete ihr zugestimmt
und andere sind noch nicht bereit, so weit zu gehen.
Wir müssen jedoch den Druck aufrechterhalten. Ich
möchte Sie nur daran erinnern, daß seit unserer Zusa-

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�ge, uns für den Van ;e/Owen-Friedensprozeß zu engagieren, zwei der drei Parteien unterschrieben haben.
Wir haben die Durchsetzung der Flugverbotszone
durch die Vereinten Nationen bewirkt. Wir konnten
mehr humanitäre Hilfsgüter dorthin liefern, und wir
konnten ein äußerst hartes Embargo gegen Serbien
aufrechterhalten, das meiner Ansicht nach zusammen
mit dem Druck weiterer Aktionen direkt zu der von
Präsident Milosevic abgegebenen Erklärung geführt
hat, er würde die Unterstützung der bosnischen Serben einstellen.
Von hier aus wollen wir weiterhin in die richtige Richtung drängen. Während wir uns hier unterhalten,
erwägen die Vereinten Nationen eine Resolution, dank
der wir UN-Truppen entlang der Grenze zwischen
Serbien und Bosnien stationieren könnten, um die
Entschlossenheit der Regierung Milosevic auf die Probe
zu stellen und zu verstärken, die Lieferungen an die
bosnischen Serben zu unterbinden. Wenn diese
Resolution verabschiedet wird, ist sie ein sehr guter
nächster Schritt. Wir werden einfach weiterhin in diese
Richtung arbeiten und drängen. Und ich denke, wir
werden immer mehr Ergebnisse erzielen.
Frage: Erwägen Sie die Entsendung amerikanischer
Streitkräfte nach Makedonien und vielleicht zum Schutz
von Sicherheitszonen in Bosnien?
Antwort: Bezüglich Makedoniens prüft das Verteidigungsministerium diese und viele andere Optionen,
was die Vereinten Nationen - und die Verbündeten tun könnten, um sicherzustellen, daß wir diesen Konflikt eindämmen und ihn vor einer Ausweitung bewahren. Ich habe vom Verteidigungsministerium noch
keine Empfehlung erhalten und daher noch keine
Entscheidung getroffen.
Frage: Herr Präsident, es herrscht allgemein der
Eindruck, daß Sie schwafeln und sich nicht entscheiden können. An einem Tag sagen Sie, in wenigen
Tagen werden wir eine Entscheidung treffen, wir haben einen gemeinsamen Ansatz - am nächsten Tag
sagen Sie, wir arbeiten immer noch an einem Konsens. Werden amerikanische Truppen zu der Grenzpartrouille gehören, über die die Vereinten Nationen
abstimmen, und wissen Sie, wo wir stehen?

vorgeschlagen, wir sollten uns an dieser Schutztruppe
beteiligen.
Frage: Vergangene Woche haben Sie erklärt, wenn
Sie die Luftwaffe in Bosnien einsetzen würden, hätten
Sie eine klare Strategie, und diese hätte einen Anfang,
eine Mitte und ein Ende. Aber was geschieht, wenn
eine Maschine abgeschossen wird, wenn Sie einen
Piloten oder mehrere verlieren, oder wenn die bosnischen Serben • oder die Serben - sich entschließen,
den Konflikt zu eskalieren, indem sie beispielsweise in
den Kosovo einmarschieren?
Antwort: Nun, bevor ich Präsident wurde, hat die
Bush-Administration eine klare Warnung an die Serben mit dem Inhalt gerichtet, wenn sie versuchten, den
Kosovo zu besetzen und die Albaner dort zu unterdrükken, wären die Vereinigten Staaten zu harten Maßnahmen bereit. Ich habe diese Position bekräftigt. Allgemein ist festzustellen, daß man niemals amerikanische Truppen unter der Voraussetzung entsenden
kann, daß es keine Verluste gibt. Das ist schlicht
unmöglich, und wie das Pentagon Ihnen sagen wird,
verlieren wir sogar jetzt im Frieden Soldaten in der
harten Ausbildung, die unsere Streitkräfte durchführen
müssen.
Frage: Bosnien scheint sich zu einer ausweglosen
Situation zu entwickeln. Sie haben stets erklärt, Sie
wollten einen Konsens mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten haben. Bis zur Herstellung dieses
Konsenses war es für Sie anscheinend äußerst schwierig, dem amerikanischen Volk präzise zu erklären, wie
dieser Krieg definiert werden sollte - handelt es sich um
einen Bürgerkrieg, ist es ein Angriffskrieg? Und auch
nicht unbedingt, welches der nächste Schritt sein
sollte. Aber welches sind die übergeordneten Prinzipien, die Ihre Politik leiten sollten? Was können Sie
dem amerikanischen Volk zum jetzigen Zeitpunkt darüber
sagen?

Antwort: Erstens, daß es sowohl ein Bürgerkrieg als
auch ein Angriffskrieg ist, weil Bosnien als juristisch
eigenständige Einheit gegründet wurde. Es ist ein
Bürgerkrieg, in dem Bevölkerungsteile, die auf diesem
Territorium leben, gegeneinander kämpfen. Gleichzeitig gab es eine Aggression von außen, teils von den
Kroaten und teils von den Serben - vornehmlich von
Antwort: Erstens habe ich mich entschieden und den Serben -, so daß die unvermeidliche, wenn auch
Ihnen erklärt, wie meine Position lautet. Und ich habe unbeabsichtigte Folge des Waffenembargos die Versie so klargemacht, wie ich kann. Meines Erachtens ist einten Nationen in die Lage brachte, eine enorme
es jedoch auch unabdingbar, daß wir gemeinsam mit Waffenüberlegenheit der bosnischen Serben zu ratifiunseren Verbündeten daran arbeiten. Die Vereinigten zieren. Unser Interesse - zumindest meines ErachStaaten sind weder in einer Position, im Alleingang tens - besteht jedoch darin zu gewährleisten, daß die
vorzugehen, noch sollten wir dies tun. Das ist die Vereinten Nationen das Ergebnis eines Bürgerkriegs
Antwort auf Ihre Frage.
nicht vorherbestimmen - deshalb war ich stets für eine
Art Aufhebung des Waffenembargos -, daß wir den
Die von den Vereinten Nationen erwogene Resolution
Konflikt eindämmen und alles in unserer Macht Stezieht meines Wissens eine Verlegung an die Grenze
hende tun, damit er beendet wird und die ethnischen
und Erweiterung der UNPROFOR-Truppen in BeSäuberungen eingestellt werden.
tracht. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurde nicht

Seite 2

AMERIKA DIENST 20

�Dies sind unsere Interessen dort, und dies sind die
Interessen, die zu verwirklichen ich bestrebt sein werde.
Wir sollten jedoch keine amerikanischen Bodentruppen auf seiten irgendeiner kriegfü hrenden Partei in den
Konflikt einschalten, und wir müssen mit unseren
Verbündeten vorgehen. Es ist ein sehr schwieriges
Problem. Ich bin mir bewußt, daß es in einer Welt, in
der wir alle über alles Gewißheit haben möchten,
schwer ist, damit umzugehen, es ist wirklich ein schwieriges Problem.

Frage: Ich möchte nochmals auf die vorhin gestellte
Frage zu Ihrer Unschlüssigkeit in bezug auf Bosnien
zurückkommen. Wie mag sich das Ihrer Meinung nach
wohl auf Ihr Ansehen als Entscheidungsträger ausgewirkt haben? In Meinungsumfragen und einigen
Bemerkungen demokratischer Kongreßmitglieder wird
die Besorgnis laut, daß Sie unentschlossen und vielleicht nicht hart genug sind, alle Probleme in den Griff
zu bekommen.

Antwort: Ich möchte Sie lediglich fragen, wo die
Beweise dafür sind? Als Rußland ein Thema wurde,
übernahmen die Vereinigten Staaten die Führungsrolle, und wir erhielten ein sehr befriedigendes Resultat.
Als ich mein Amt antrat, erklärte ich, wir würden mehr
im Hinblick auf Bosnien tun. Wir erklärten uns bereit,
den Vance/Owen-Friedensprozeß zu unterstützen, und
zwei der drei Parteien unterzeichneten ihn. Wir brachten die Durchsetzung der Flugverbotszone zuwege,
wir begannen, unsan multinationaler humanitärer Hilfe
zu beteiligen. Wir haben wesentlich schärfere Sanktionen erreicht, die Drohung mit militärischer Gewalt liegt
Antwort: Ich gehe davon aus, daß die Auseinander- als mögliche Option auf dem Tisch. Milosevic hat
setzungen zwischen Kroaten und Muslimen die Dinge seine Haltung geändert, und alles, weil diese Adminikomplizierter machen, aber zumindest haben sich die stration mehr getan hat als die vorherige.
führenden Köpfe auf ein Ende des Konflikts verständigt. Zu dem anderen Thema meine ich, daß Luftstreit- Und jedes Mal, wenn ich den Kongreß konsultiert
kräfte am besten auf die von mir erläuterte Art und habe, wurde mir vertraulich gesagt, dies sei wirklich ein
Weise eingesetzt werden, und zum jetzigen Zeitpunkt schwieriges Problem. Ich weiß nicht, was Sie tun
sollten, aber Sie sind der einzige Präsident, der uns
befürworte ich keine andere Option.
überhaupt jemals vorher konsultiert hat. Statt uns zu
Frage: Herr Präsident, die serbische Regierung hat sagen, was Sie zu tun gedenken, fragen Sie uns
wissen lassen, sie werde die Waffenlieferungen an die tatsächlich um unsere Meinung. Ich glaube nicht, daß
bosnischen Serben einstellen. Würde ein solcher dies ein Zeichen der Schwäche ist, und ich bin mir
Schritt die Option ausschließen, die bosnischen Mus- bewußt, daß es fürSie alle vielleicht frustrierend ist, mit
lime aufzurüsten?
der Zweischneidigkeit dieses Problems fertig zu werden, aber es ist ein schwieriges Problem.
Antwort: Darauf habe ich zwei Antworten. Erstens
hoffe ich, daß die Resolution der Vereinten Nationen Ich verfolge eine klare Politik. Ich habe mehr erreicht
Erfolg hat, damit wir einige UN-Vertreter an der Grenze als mein Vorgänger. Daß er nicht mehr getan hat, liegt
stationieren können, um zu sehen, ob dies wirklich vielleicht darin begründet, daß man wegen Unentgeschieht. Zweitens, ob dies die Option der Bewaff- schlossenheit kritisiert werden kann, wenn man nicht
nung hinfällig macht, hängt wirklich davon ab, wieviele alle über Nacht geschlossen hinter sich bringt, MenWaffen bereits in Bosnien gehortet wurden, insbeson- schen, die jahrhundertelang gegeneinander gekämpft
dere schwere Waffen, schwere Artillerie. Meines haben. Wir sind nicht unschlüssig. Wir verfolgen eine
Erachtens ist dies das Problem, und das ist eine klare, solide Politik.
Sachfrage, die wir beantworten müssen.

Frage: Herr Präsident, zum Thema Waffenembargo,
glauben Sie, daß die Kämpfe zwischen Kroaten und
Muslimen den europäischen Einwänden gegen Ihren
Vorschlag zur Aufhebung des Waffenembargos eine
Berechtigung geben, weil diese zeigen, wie kompliziert
es ist und wie leicht diese Waffen in andere Hände
gelangen können? Und zweitens, glauben Sie, daß
man versuchen sollte, ein Gleichgewicht allein durch
Luftangriffe herzustellen, wenn Ihnen beim Waffenembargo die Hände gebunden sind?

*

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* * *

*

Seite 3

�START

II
19. Mai 1993

ANNAHME DES START-II-VERTRAGES
IM INTERESSE DER USA UND RUSSLANDS
Erklärung Christophers vor dem Kongreß
WASHINGTON - (AD) - Die Ratifizierung des START-Il-Rüstungskontrollvertrages liegt US-Außenminister
Christopher zufolge sowohl im Interesse der Vereinigten Staaten als auch Rußlands und "stellt ein politisches
Symbol von großer Bedeutung dar".
In einer Erklärung vordem Auswärtigen Ausschuß des Senats äußerte Christopheram 11. Mai 1993, "durch die
Beseitigung der destabilisierendsten Waffen, mit denen die Vereinigten Staaten konfrontiert sind, werden
Spannungen abgebaut und die Sicherheit Amerikas bedeutend erhöht". Der Vertrag muß vom Senat mit einer
Zweidrittelmehrheit ratifiziert werden.
Christopher erklärte femer, der Vertrag werde die russisch-amerikanische Partnerschaft stärken, "indem
Rußland ermutigt wird, demokratische Institutionen und freie Märkte zu unterstützen, anstatt sich auf die
Erhaltung großer und überflüssiger Atomwaffenarsenale zu konzentrieren".
Nachfolgend veröffentlichen wirden vorbereiteten Redetext der Eingangserklärung des Außenministers vordem
Senatsausschuß im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, ich möchte Ihnen für die Gelegenheit danken, hier heute über den START-Il-Vertrag zu
sprechen. Es gibt nur wenige Aufgaben des Senats,
die von größerer Bedeutung sind als Ihre verfassungsmäßige Pflicht, über die Ratifizierung von Verträgen zu
beraten und Ihre Zustimmung dazu zu geben. Heute,
da der Ausschuß und der Senat ihre Beratungen über
den Start-Il-Vertrag beginnen, sind wir in ein neues
Zeitalter der russisch-amerikanischen Beziehungen
eingetreten. Dieser historische Rüstungskontrollvertrag wird im Falle seiner Ratifizierung den paradoxen
aber positiven Effekt haben, da ß der Rüstungskontrollprozess nicht länger im Mittelpunkt unserer Beziehungen steht.
Die beiden ehemaligen Gegner des Kalten Krieges
bilden jetzt eine neue Partnerschaft auf der Grundlage
gemeinsamer Interessen, die von zunehmender politischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Diese neue Art der Beziehung ermöglichte den START-Il-Vertrag. Die zügige Ratifizierung
dieses Vertrages wiederum wird sowohl unsere nationale Sicherheit als auch die russisch-amerikanischen
Beziehungen stärken und vertiefen.
START II liegt zuallererst im nationalen Sicherheitsinteresse der Vereinigten Staaten. Durch die BeseitiAMERIKA DIENST 20

gung der destabilisierendsten Waffen, mit denen die
Vereinigten Staaten konfrontiert sind, werden Spannungen abgebaut und die Sicherheit Amerikas bedeutend erhöht. Die erweiterte kooperative Beziehung,
die die Vereinigten Staaten und Rußland derzeit aufbauen, wird dadurch auf eine solide Grundlage gestellt. Diese Partnerschaft wird gestärkt, indem Rußland ermutigt wird, demokratische Institutionen und
freie Märkte zu unterstützen, anstatt sich auf die
Erhaltung großer und überflüssiger Atomwaffenarsenale zu konzentrieren.
START II liegt auch im Interesse Rußlands. Hiermit
will ich natürlich nicht andeuten, daß unsere Interessen sich immer mit denen Rußlands decken. Wir
werden sicherlich bei Gelegenheit verschiedener
Meinung sein, genauso wie wir manchmal mit unseren
Freunden verschiedener Meinung sind. Im Hinblick
auf die Ratifizierung des START-Il-Vertrages decken
sich jedoch die amerikanischen und russischen Interessen in bemerkenswertem Ausmaß.
Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland
Das Zeitalter der Konfrontation ist zwar beendet, aber
die zentrale Bedeutung Rußlands für die amerikaniSeite 1

�sehe Außenpolitik dauert an. Keine Entwicklung
außerhalb unserer Grenzen wird in größerem Ausmaß
zur Sicherung einer friedlichen und prosperierenden
Welt beitragen als eine Fortsetzung des Prozesses der
Demokratisierung und Wirtschaftsreformen in Rußland.

zur Zusammenarbeit bei anderen Sicherheitsfragen
führen.

Wenn wir uns mit diesem Vertrag befassen, müssen
wir auch die Fähigkeiten unseres ehemaligen Gegners
im Auge behalten, falls sich seine Absichten durch eine
tragische Fehlentwicklung der Geschichte ändern sollten.
Wir alle,die wirdie Demokratie und den Reformprozeß Dieser Vertrag geht auch hierauf ein. Sollte es wieder
in Rußland unterstützen, wurden durch das Ergebnis ein Zeitalter der Konfrontation geben, werden die
des russischen Referendums letzten Monat ermutigt. Bestimmungen des START-Il-Vertrages die Stabilität
Das greifbare Ergebnis war auch ein schlagender bedeutend erhöhen und die Gefahr eines Krieges
Beweis dafür, daß die Demokratie in Rußland Fuß faßt senken.
und das russische Volk bereit ist, seine schwierigen
START II schreibt eine Reduzierung der strategischen
Reformvorhaben fortzusetzen.
Waffen beider Seiten vor, die vor nur zwei Jahren noch
Präsident Clinton versicherte Präsident Jelzin in Van- undenkbar gewesen wäre. Am 2. Januar 2003 werden
couver erneut, daß die Vereinigten Staaten beabsich- die strategischen Waffen auf ein Drittel ihres jetzigen
tigen, ihren Teil zur Unterstützung von Reformen und Niveaus gesenkt werden. Wenn es uns und den
Demokratie beizutragen. Diese Unterstützung liegt Russen gelingt, uns auf ein Programm für amerikaniwesentlich im Interesse der Vereinigten Staaten. Keine sche Hilfe beim Abbau strategischer Offensivwaffen
Beziehung ist für die langfristige Sicherheit der Verei- zu einigen, wird dieser Abbau Ende des Jahres 2000
nigten Staaten von größerer Bedeutung als unsere erfolgen - ein ermutigender Meilenstein für das neue
Jahrtausend.
strategische Beziehung zu Rußland.
Wir waren in vielen Bereichen Zeuge der Entwicklung
einer kooperativen und konstruktiven Beziehung zu
Rußland. Letzte Woche war ich in Moskau zu Konsultationen über die Krise in Bosnien. Während dieser
Gespräche sagte Rußland zu, sich an der Durchsetzung einer ausgehandelten Lösung in Bosnien zu
beteiligen, wenn eine Einigung erzielt wird. Die Aussicht auf eine Zusammenarbeit amerikanischer und
russischer Streitkräfte bei der Friedenssicherung ist
ein Beweis dafür, wie weit sich die Beziehungen bereits entwickelt haben.

Wichtiger noch als der Abbau an sich ist die Beseitigung der Interkontinentalraketen (ICBMs) mit Mehrfachgefechtsköpfen, insbesondere der schweren ICBMs,
des gefährlichsten und destabilisierendsten Vermächtnisses aus dem Zeitalter der atomaren Konfrontation.
Unter dem START-Il-Vertrag werden alle schweren
russischen SS-18 und alle ihre Silos zerstört oder für
zivile Zwecke genutzt. Nichts symbolisiert besser das
Ende des Rüstungswettlaufs zwischen den Supermächten. Während wirtschaftlicher Druck von Rußland eine drastische Reduzierung seiner strategischen
Waffen erfordert haben mag, ist es der START-IlLetztlich sind der Erfolg der Demokratie in Rußland - Vertrag, der eine stabilisierende Reduzierung sichert.
und seine Umwandlung zu einer Marktwirtschaft - die Und es ist der START-Il-Vertrag, der die Frage des
beste Garantie für internationale strategische Stabili- Umfangs der strategischen Waffen von der politischen
tät. Der Kongre ß hat viel getan, um Ru ßlands Entwick- Tagesordnung in Rußland entfernen wird.
lung zu einer von Rechtsstaatlichkeit bestimmten freien Marktwirtschaft zu ermutigen. Ich fordere Sie dazu START II vollendet die Arbeit des ersten STARTauf, diese Unterstützung des russischen Volkes und Vertrages. Während der START-I-Vertrag die Interseiner Regierung fortzusetzen, die in den nächsten kontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen mißMonaten mit noch größeren Herausforderungen kon- billigte, werden sie im zweiten START-Vertrag verbofrontiert sein werden.
ten. Während der erste START-Vertrag die Hälfte der
Abschußrampen für die schweren ICBMs abschaffte,
START II und die nationalen Interessen der Verei- sieht START II ihre gesamte Beseitigung vor - auch die
nigten Staaten
ihrer Raketen. Gleichzeitig behält START II die für die
Abschreckung
erforderliche Struktur der US-StreitRüstungskontrolle ist zwar nur ein Element unserer
kräfte
bei
und
ermöglicht
es uns, die Stärke unserer
neuen Beziehungen zu Rußland, bleibt jedoch ein sehr
Bomberflotte
an
künftige
Notwendigkeiten
anzupaswichtiges. START II, zusammen mit dem ersten
sen.
START-Vertrag, liegt auch in der Zeit nach dem Kalten
Krieg in unserem Interesse. Der Vertrag bietet erhöhte
Stabilität, fördert Transparenz und Offenheit und beseitigt die Fähigkeit zum Erstschlag und die Strategien
einer vergangenen Zeit. Seine formelle, bindende
Struktur unterstützt die politischen Elemente unserer
Beziehungen. Und die für die Einführung des umfassenden Abbaus notwendige Zusammenarbeit wird auch

Seite 2

Nicht nur die Vereinigten Staaten und Rußland haben
Vorteile vom START-Il-Vertrag. Die starke Reduzierung der amerikanischen und russischen Streitkräfte
unter das Niveau von START I erhöht auch die Sicherheit anderer Unterzeichnerstaaten des START-I-Vertrages - der Ukraine, Kasachstans und Belarus'. START
II unterstützt ferner unsere Bemühungen, dem Nicht-

AMERIKA DIENST 20

�Verbreitungsvertrag zu universeller Geltung zu verhel- ges zugestimmt. Mit der Annahme von START I
verband das russische Parlament die Bedingung, daß
fen.
Rußland keine Ratifizierungsinstrumente austauschen
In Verbindung mit dem START-I-Vertrag wird START dürfe, bis Belarus, Kasachstan und die Ukraine dem
II eine Welt schaffen, in der in allen Staaten der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen als
ehemaligen Sowjetunion mit Ausnahme von Rußland atomwaffenfreie Staaten beigetreten sind. Bis heute
Atomwaffen abgeschafft worden sind - und eine Welt, hat lediglich Weißrußland beide Verträge angenomin der die strategischen Waffen in Rußland dramatisch men. Kasachstan hat START I ratifiziert und wir
reduziert und neustrukturiert sind. START II wird die erwarten, daß das Parlament Kasachstans in naher
politische Integration Rußlands in die Familie der Zukunft seine Zustimmung zum Beitritt zum NichtverNationen vervollständigen, in dem eine für ein Zeitalter breitungsvertrag geben wird.
der Zusammenarbeit anstelle der Konfrontation angemessene strategische Beziehung geschaffen wird.
Das ukrainische Parlament hat Anhörungen zum STARTI-Vertrag und zum Nichtverbreitungsvertrag begonSTART II und die russischen Interessen
nen. Obwohl einige Ukrainer auf eine Verzögerung
des Beitritts zum Nichtverbreitungsvertrag drängen,
Dauerhafte Verträge müssen im Interesse beider
bleibt die ukrainische Regierung weiterhin dem STARTVertragsparteien liegen. START II ist ein solcher
I-Vertrag und einer atomwaffenfreien Ukraine verVertrag. Ich habe bereits die Vorteile erwähnt, die ein
pflichtet. Wir haben eine Anzahl von Schritten untersolcher Vertrag für die Vereinigten Staaten haben wird,
nommen, um den von der Ukraine geäußerten Beaber - wie ich bereits sagte - liegt START II auch im
fürchtungen zu begegnen und begrüßen es, daß sowohl
Interesse der Russen. START II wird Rußland wirtdie Ukraine als auch Kasachstan ihre Maßnahmen zu
schaftliche Vorteile bringen. Der Vertrag wird es
START und dem Nichtverbreitungsvertrag bald verRußland ermöglichen, die künftige Last großer stratevollständigen.
gischer Arsenale zu vermeiden sowie die Notwendigkeit, bedeutende Ressourcen zur Aufrechterhaltung Ich weiß, daß vielen Mitgliedern dieses Ausschusses
moderner strategischer Waffen mehr oder weniger auf dieser Aufschub Sorgen bereitet. Ich teile diese Bedem gegenwärtigen Niveau zu investieren. Auf diese sorgnis und habe ihr in der Ukraine auch Ausdruck
Weise wird START II auch den Übergang Rußlands verliehen. Wir müssen jedoch den Aufschub vor
von einer militärisch dominierten Wirtschaft zu einer seinem Hintergrund sehen. Meines Erachtens würden
freien Marktwirtschaft erleichtern, die sich der Dek- alle Amerikaner eine freie Debatte einer noch aus der
kung der Bedürfnisse des russischen Volkes widmet. Zeit der früheren Sowjetunion stammenden routineDer START-II- Vertrag ist ein politisches Symbol von mäßigen Zustimmung vorziehen. Es gibt jedoch eine
großer Bedeutung, da er die neue Partnerschaft und Zeit für Debatten und Diskussionen und eine Zeit für
Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen wider- Taten. Ich hoffe, daß die Ukraine diese Verträge bald
spiegelt.
annimmt. Danach können unsere beiden RegierunSchließlich wird START II Rußland und die Vereinigten
Staaten zu stabileren Waffenstrukturen führen. Eine
der größten Errungenschaften des Vertrages ist die
Beseitigung der Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen, die traditionell als große Bedrohung
der strategischen Stabilität betrachtet werden. Die
weniger bedrohlichen Waffen, die noch verbleiben,
werden die Stabilität erhöhen und Rußlands politische
Beziehung mit seinen Nachbarn verbessern.
Der Stand der Ratifizierung in der ehemaligen
Sowjetunion
Herr Vorsitzender, als Sie mich einluden, heute zu
Ihnen zu sprechen, baten Sie mich insbesondere, die
verbleibenden Hindernisse für eine Ratifizierung von
START I durch die Ukraine zu erörtern, sowie den
Beitritt Kasachstans und der Ukraine zum Nichtverbreitungsvertrag. Diese Entwicklungen sind von entscheidender Bedeutung, da START II nicht vor START
1 in Kraft treten kann.
Die Parlamente Rußlands, Belarus' und Kasachstans
haben bereits einer Ratifizierung des START-I-Vertra-

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gen an einer breiteren Tagesordnung für Zusammenarbeit und Partnerschaft arbeiten, die wir mit dieser
großen europäischen Nation aufstellen möchten.
Auf jeden Fall ist eine Verzögerung der Annahme des
START-I-Vertrages für uns kein Grund, Maßnahmen
im Zusammenhang mit START II zurückzustellen.
Schließlich senkt START II die Gefahr für alle Nachbarn Rußlands, indem die Zahl der russischen Atomwaffen reduziert wird. Daher wird zügiges Handeln des
Senats zur Annahme des START-Il-Vertrages zügiges Handeln auf Seiten Kasachstans und der Ukraine
ermutigen.
Zusammenfassung
Ungeachtet des Ergebnisses des Kampfes für Demokratie und freie Marktwirtschaft in Rußland stellt START
II eine enorme Verbesserung der strategischen Stabilität dar, indem die letzten Spuren der alten sowjetischen strategischen Waffen für einen Erstschlag beseitigt
werden. Folglich liegt es in unserem Interesse und
tatsächlich im Interesse der ganzen Welt, daß dieser
Vertrag so bald wie möglich ratifiziert und in Kraft
gesetzt wird.

Seite 3

�START II ist ein außergewöhnlicher Vertrag, der von
einer Administration ausgehandelt wurde und von der
nachfolgenden Administration, die einer anderen Partei angehört, ratifiziert und durchgeführt wird. Wie
dieser Ausschuß weiß, hat Präsident Clinton die Aushandlung des Vertrages nachdrücklich befürwortet
und vor seiner Amtsübernahme seine grundlegenden
Konzepte unterstützt. Seit Januar haben wir die Ein-

zelheiten des START-H-Vertrages sorgfältig geprüft.
Dabei sind wir zu der Überzeugung gelangt, daß der
Vertrag auf einer soliden Grundlage steht und unverändert angenommen werden sollte. Daher fordere ich
den Senat im Namen des Präsidenten auf, zügig seine
Zustimmung zu diesem bedeutenden Vertrag zu geben.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 20

�SICHERHEIT
19. Mai 1993

USA NACH DEM KALTEN KRIEG MIT VIER
SICHERHEITSPOLITISCHEN HERAUSFORDERUNGEN
KONFRONTIERT
Rede von Verteidigungsminister Aspin
BELOIT (WISCONSIN) - (AD) - Verteidigungsminister Aspin zufolge stehen die Vereinigten Staaten in der Weh
nach dem Kalten Krieg vor vier sicherheitspolitischen Herausforderungen, die von der Clinton-Administration mit
einer dreifachen Strategie in Angriff genommen werden.
Vor einer Abschlußklasse des Beloit College nannte der Minister am 16. Mai 1993 die folgenden - von den
Gefahren für die freie Welt während des Bestehens der Sowjetunion grundverschiedenen - Bedrohungen:
Kleinere Nuklearangriffe durch gefährliche Außenseiterstaaten;
regionale ethnische und religiöse Konflikte;
Scheitern der demokratischen Reformen in der ehemaligen Sowjetunion und andernorts;
Nichteinbeziehung lebenswichtiger wirtschaftlicher Anliegen bei der Verfolgung der nationalen Sicher
heitsinteressen.
Um diese vier Probleme in den Griff zu bekommen, müssen sich die Vereinigten Staaten laut Aspin
drei grundsätzliche Ziele zu eige n machen:
Entwicklung einerden unterschiedlichen Bedürfnissen des neuen Zeitalters angemessenen Militärstreitmacht;
Sicherstellung, daß der Abbau der US-Streitkräfte nicht zu Lasten von Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit der verbleibenden Streitmacht bei der Bewältigung von Krisen geht;
Gewährleistung, daß der Militärhaushalt nicht die wirtschaftliche Stärke der Vereinigten Staaten aufzehrt,
ein Ziel, das durch bessere Nutzung der begrenzten Ressourcen zu erreichen sei.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text von Aspins Rede im Wortlaut.

Zwei große Veränderungen haben stattgefunden.
Erstens das Ende des Kalten Krieges. Wir haben ihn
gewonnen. Das sowjetische Imperium existiert nicht
mehr. Die Sowjetunion selbst ist in 15 unabhängige
Staaten zerfallen. Die Politik der Eindämmung der sowjetischen Expansion hat unsere Au ßenpolitik seit den
späten vierziger Jahren beherrscht. Demokratien sind
angeblich nicht in der Lage, langfristig eine kontinuierliche Politik zu verfolgen, aber wir haben die Politik des
Containment mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit
verfolgt, und sie war erfolgreich.
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Die zweite große Veränderung besteht darin, daß die
monolithische militärische Bedrohung durch die Sowjets, die unser militärisches Denken vier Jahrzehnte
beherrschte, verschwunden ist. Es ist nahezu unmöglich, den Einfluß der sowjetischen Bedrohung auf
unser Denken im Hinblick auf die nationale Sicherheit
zu überschätzen. Sie bestimmte den Umfang unseres
Verteidigungshaushalts. Sie bestimmte Stärke und
Struktur unserer Streitkräfte. Sie dominierte unsere
Ausbildung. Sie beherrschte sogar die Art und Weise,
in der wir unsere Waffen konzipierten. Nun ist sie
verschwunden.
Seite 1

�Es ist deshalb leicht vorstellbar, daß diese beiden
Veränderungen äußerst große Auswirkungen auf unsere
Verteidigung haben müssen. Angesichts dieser Veränderungen müssen wir uns fragen, wovor wir in
diesem neuen Zeitalter eine Verteidigung benötigen.
Welchem Zweck dient sie? Gegen wen werden wir
kämpfen?

Demokratien neigen dazu, weniger Kriege zu führen,
den Terrorismus weniger zu unterstützen und bessere
Verträge abzuschließen und einzuhalten. Mehr
Demokratien, niedrigere Verteidigungsausgaben. Mehr
Diktaturen, höhere Verteidigungsausgaben. Das
Aufkommen von Diktaturen in den ehemals kommunistischen Republiken und andernorts würde wahrscheinlich eine weniger friedliche Welt und für die Vereinigten
Das sind gute Fragen. Und ich werde Ihnen die meiner Staaten gewiß eine schwierigere Welt bedeuten, die
Meinung nach richtige Antwort darauf geben. Unsere überdies auch noch kostspieliger wäre.
Verteidigung für die absehbare Zukunft sollte auf die
Bewältigung von vier Gefahren abzielen, die mit dem Bei der vierten Gefahr verlassen wir gänzlich die
Ende des Kalten Krieges zutage getreten sind.
traditionellen Anliegen der Verteidigung. Präsident
Clinton hat zu der vierten Gefahr beredt Stellung
Die erste ist die neue nukleare Gefahr. Während des genommen und würde sie in der Tat an die erste Stelle
Kalten Krieges waren wir mit Tausenden von strategi- setzen und nicht an die vierte. Diese Gefahr ist eine
schen atomaren Gefechtsköpfen in der Sowjetunion Betrachtungsweise unserer nationalen Sicherheitsinkonfrontiert. Sie sind dort immer noch vorhanden, aber teressen, die wirtschaftliche Interessen ausschließt.
die Bedrohung eines Konflikts mit strategischen Kern- Wirtschaftliches Wohlergehen ist fürunsere Sicherheit
waffen ist bis zur Unkenntlichkeit geschwunden.
von entscheidender Bedeutung. Meines Erachtens
kann das Verteidigungsministerium hier einen echten
Die uns konfrontierende neue atomare Gefahr ergibt
Beitrag leisten.
sich aus einer Handvoll Gefechtsköpfen, die sich in
den Händen anderer befinden. Die politisch Verant- Wenn dies die Gefahren sind, mit denen wir konfronwortlichen der Sowjetunion mögen ein Reich des Bösen tiert sind, wie sollten wir dann mit ihnen umgehen? Es
geführt haben, aber im Hinblick auf Atomwaffen waren wird Sie sicherlich freuen zu wissen, daß wir nächtesie nicht verrückt. Wenn die Verbreitung von Kernwaf- lang und auch an den Wochenenden daran arbeiten,
fen andauert, können wir in bezug auf die neuen diese Frage zu beantworten.
Besitzer nicht immer so sicher sein.
Ich möchte Ihnen heute darüber berichten, wie wir dies
Zwar wären die Zahlen gering, aber dies gilt nicht für in die Wege leiten. Und ich wollte dies besonders hier
die Bedrohung. Eine Waffe kann eine Stadt zerstören, an diesem College tun, dessen Kuratorium ich angeeine Handvoll Waffen können eine nationale Katastro- höre, und in diesem Wahlkreis, den ich über 20 Jahre
phe bedeuten.
lang im Kongreß vertreten habe. Ich bin kein Kongreßabgeordneter mehr, ich bin Verteidigungsminister, aber
Die zweite Gefahr, mit der wir konfrontiert sind, rührt
ich meine immer noch, daß Rechenschaftspflicht eine
von regionalen/ethnischen/religiösen Konflikten her.
gute Sache ist. Ich möchte Ihnen deshalb einen
Ich spreche hier vom Irak, von Panama und Bosnien.
Vorschlag machen, wie Sie meine Leistungen in dieDiese Gefahren stellen kein existentielles Risiko für die
sem neuen Amt benoten könnten. Wir sind zu dem
Vereinigten Staaten dar. Eine solche Bedrohung
Schluß gekommen, daß alles, was wir tun, an drei
könnte nur von einer Macht wie der ehemaligen SoZielen orientiert sein muß.
wjetunion ausgehen. Statt dessen bedrohen die hier
herrschenden Gefahren potentiell vitale Interessen Erstes Ziel: Die für die heutige Zeit angemessenen
der Vereinigten Staaten, amerikanischer Freunde, Streitkräfte aufzustellen. Das Ende der sowjetischen
amerikanischer Verbündeter und des amerikanischen Bedrohung und das Entstehen der vier neuen BedroAnstandsgefühls.
hungen übermitteln uns zusammengenommen eine
Die von der neuen nuklearen Bedrohung und regiona- wichtige Nachricht. Diese großen Veränderungen
len Konflikten ausgehenden Bedrohungen entspre- zeigen uns, daß wir uns mit kleineren Streitkräften als
chen im großen und ganzen traditionellen sicherheits- während des Kalten Krieges verteidigen können, aber
politischen Anliegen. In dieser neuen Welt müssen wir sie dürfen nicht einfach eine kleinere Version der
jedoch unsere Vorstellung von nationaler Sicherheit Streitkräfte aus der Zeit des Kalten Krieges darstellen.
Wir sind nicht mit einer kleineren Sowjetunion konfronerweitern.
tiert, sondern mit neuen Bedrohungen.
Dieser Punkt wird durch die dritte Gefahr belegt. Sie
ergibt sich aus der Möglichkeit eines Scheiterns demo- Wir könnten der sowjetischen atomaren Bedrohung
kratischer Reformen, und zwar besonders aber nicht beispielsweise mit der traditionellen Abschreckung
ausschließlich in der ehemaligen Sowjetunion. Diesist begegnen. Das bedeutet, wir könnten für den Fall
eine andere Betrachtungsweise für Bedrohungen eines nuklearen Angriffs mit nicht akzeptablen Vergelunserer nationalen Sicherheit, die in dieser neuen Welt tungsmaßnahmen drohen, die diesen verhindern
würden. Es ist absolut nicht sicher, daß Abschreckung
sinnvoll ist.
in Zukunft angesichts der durch die Verbreitung von

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�Atomwaffen geschaffenen Bedrohung immer funktionieren wird.

Unsicherheit, und Unsicherheit kann der Truppe schaden.

Wir bereiteten unsere nichtatomaren Streitkräfte darauf vor, sich auf einem europäischen Schlachtfeld
gegen einen Angriff des Warschauer Pakts zu verteidigen. Wir dachten uns, wenn uns dies gelingen
würde, könnte uns auch alles andere gelingen. Jetzt
existiert diese Bedrohung nicht länger. Welches Ausmaß
und welche Gestalt sollten unsere Streitkräfte jetzt
annehmen?

Wir sind uns auch bewußt, daß die Teilstreitkräfte
großen sozialenund kulturellen Änderungen unterworfen sind. Wir hatten den Tailhook-Skandal und Probleme mit sexueller Belästigung. Wir wollen eine funktionierende Politik ausarbeiten, um den Ausschluß von
Homosexuellen aus dem Militär nur auf gru nd ihrer Neigung abzuschaffen. Wir öffnen mehr Arbeitsplätze für
weibliche Konkurrenz, weil wir sicherstellen müssen,
daß wir in diesem neuen Zeitalter die Besten bekommen.

Kurzum, der alte Ansatz entspricht nicht den Gegebenheiten eines neuen Zeitalters. Daher ist es unser
oberstes Ziel, der neuen Ära entsprechende Streitkräf- Wir können nicht einfach Vogel-Strauß-Politik betreite zu unterhalten.
ben. Die Streitkräfte sind Teil der größeren amerikanischen Gesellschaft, in der diese Fragen AufmerkZu Beginn dieser Aufgabe nahm ich eine Neuorganisa- samkeit erfordern. Wir haben nur eine Möglichkeit - so
tion des Büros des Verteidigungsministers vor, damit klug wie möglich mit ihnen umzugehen.
es der Welt nach dem Kalten Krieg gewachsen ist.
Und, was für unser heutiges Thema am wichtigsten ist: Eines unserer Probleme besteht jedoch darin, daß wir
Ich rief eine Dienststelle ins Leben, die die Strategien während der Umstrukturierung nicht einfach ein Schild
für unseren Umgang mit der neuen Welt an die Res- mit der Aufschrift "Wegen Renovierung geschlossen"
sourcen bindet, die hierzu vonnöten sind.
an die Türe hängen können. Wir haben 24 Stunden am
Tag und 365 Tage im Jahr geöffnet. Aus diesem
Diese Dienststelle leitet jetzt eines unserer wichtigsten Grund müssen wir mit diesen Änderungen klug umgeProjekte, das wir die "Überprüfung von Grund auf" hen, auf eine Art und Weise, die Amerika jeden Tag
nennen. Ich hatte bereits seit langem das Gefühl, einsatzbereite Streitkräfte zur Verfügung stellt. Dies
wenn wir einfach unsere Streitkräfte aus der Zeit des ist das zweite Ziel: Eine einsatzbereite Streitmacht.
Kalten Krieges von oben nach unten abbauen würden, Wir unternehmen au ßerordentliche Schritte, um das in
hätten wir im Endeffekt einfach eine verringerte Streit- die Tat umzusetzen.
macht des Kalten Krieges. Diese Überprüfung beschäftigt sich mit den existierenden Bedrohungen, wie Wir haben es zum Kernstück unserer Operationen
wir ihnen begegnen und wie wir unsere jetzigen Streit- gemacht. Die erste Frage, die wir uns bei jeder Aktion
kräfte umwandeln können, um diesen Bedürfnissen zu stellen müssen, lautet, ob sie unsere Einsatzbereitentsprechen.
schaft beeinträchtigt.
Die Überprüfung von Grund auf wird uns zeigen, wie
wir von Streitkräften aus der Zeit des Kalten Krieges zu
den der heutigen Zeit angemessenen Streitkräften
überwechseln können.

Wir bemühen uns um ein besseres Verständnis dessen, was die wirklichen Elemente von Einsatzbereitschaft darstellt. Zu diesem Zweck habe ich neue
Bestrebungen innerhalb des Bürosdes Verteidigungsministers angeordnet, um Frühindikatoren für ProbleIch sollte auch hervorheben, daß die Überprüfung von me mit der Einsatzbereitschaft sowie ein System zur
Grund auf eine echte Zusammenarbeit mit dem unifor- Überwachung dieser Indikatoren zu entwickeln. Andemierten Militär darstellt. Die einzelnen Teilstreitkräfte, re Schritte sind noch in der Planungsphase. Wir
Mitarbeiter der Vereinigten Stabschefs sowie die werden eine einsatzbereite Truppe haben.
Oberbefehlshaber der Einsatzstäbe auf der ganzen
Welt nehmen daran teil.
Drittes Ziel: Ein besserer Verteidigungshaushalt im
Inland. Unsere nationale Sicherheit hängt kurzfristig
Zweites Ziel: Eine einsatzbereite Truppe. Zur Zeit von militärischer Macht ab. Langfristig hängt unsere
verfügen wir über die besten, stets einsatzbereiten nationale Sicherheit von einer starken Wirtschaft ab.
Streitkräfte der Welt. Die Operation Wüstensturm hat Die Verteidigung kann auf zweierlei Weise zu einer
uns das gezeigt, aber wir müssen vorsichtig sein, weil starken Wirtschaft beitragen: Einmal durch klugen
wir mit tiefgreifenden Veränderungen rechnen müs- Umgang mit überschüssigen Ressourcen und zweisen.
tens durch den klugen Umgang mit dem Geld im
Wir sind uns bewußt, daß ein Abbau in jeder Organisa- Verteidigungshaushalt. Lassen Sie mich das erklären.
tion zu Turbulenzen führt. Unsere Streitkräfte werden
in großem Ausmaß abgebaut, und das könnte zu
Turbulenzen großen Ausmaßes führen. Wir werden
auch mögliche Änderungen bei der Rolle und den
Aufgaben der Truppen untersuchen. Das führt zu
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Erstens, die überschüssigen Ressourcen. Ein Abbau
unserer Streitkräfte nach dem Ende des Kalten Krieges
bedeutet, daß wir Dollars, Mitarbeiter im Verteidigungsbereich und Angehörige der Streitkräfte freisetzen. Sie stellen keine Probleme dar, mit denen man
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�fertigwerden muß, sondern Ressourcen, die genutzt
werden müssen. Die Frage lautet, wie das geschehen
soll. Es ist kein Geheimnis, daß wir eine andere
Weltanschauung als die vorherige Administration haben.
Sie erklärte, der Markt würde das Problem schließlich
lösen, und das wäre auch - schließlich - der Fall. Aber
manchmal kann schließlich eine lange Zeit sein. Daher
wollen wir aktiver werden, hochbezahlte Arbeitsplätze
mit großem Wachstumspotential schaffen und die
Dinge ins Rollen bringen. Wir haben im Haushaltsjahr
1994 700 Millionen Dollar bereitgestellt, um Gemeinden und Einzelpersonen beim Übergang von einer
Wirtschaft aus der Zeit des Kalten Krieges zu einer
Wirtschaft nach dem Kalten Krieg zu helfen.
Zweitens, der Verteidigungshaushalt. In diesem Bereich stellen Forschung und Entwicklung den Schlüssel dar. Unser System hat die besten, fortschrittlichsten Waffensysteme der Wert hervorgebracht. Das
konnten wir in der Operation Wüstensturm beobachten. Wir waren erfolgreich dabei, Technologie in
Waffen umzuwandeln. Wir waren nicht so erfolgreich
dabei, Technologie in kommerzielle Produkte umzuwandeln. Die Liste der Dinge, die hier erfunden, aber
andernorts - beispielsweise in Deutschland oder Japan - in Goldminen des Handels oder für die Verbraucher umgewandelt wurden, ist sehr lang. Das muß
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sich ändern. Dort liegen die hochbezahlten Arbeitsplätze mit großem Wachstumspotential. Dort wird der
internationale Wettbewerb stattfinden, der letztlich
entscheidend ist.
Dort kommen die Forschung im Verteidigungsbereich
und das Entwicklungsbudget ins Spiel. Wir werden in
Technologie investieren, die sowohl militärischen als
auch zivilen Zwecken dient. Diese Mehrzwecktechnologien können hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen
und uns auf den Weltmärkten konkurrenzfähig machen.
Soweit eine kurzer Abriß unseres Programms. Meine
wichtigste Bewährungsprobe als Verteidigungsminister steht mir auf diesen drei Gebieten bevor. Haben
wir die fürdie jeweilige Zeit angemessenen Streitkräfte
geschaffen? Haben wir die Truppen einsatzbereit
gehalten, während wir gleichzeitig diese enormen
Veränderungen in Angriff genommen haben? Und
schließlich, haben wir bei uns zu Hause einen besseren Verteidigungshaushalt aufgestellt?
Wenn wir all das in die Tat umsetzen, werden wir
kurzfristig eine starke Verteidigung und langfristig einer
stärkere Wirtschaft haben.

* * *

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�SDI
19. Mai 1993

ASPIN KÜNDIGT UMBENENNUNG UND NEUEN
SCHWERPUNKT DES SDI-BÜROS AN
Veränderungen infolge neuer Prioritäten nach dem Kalten Krieg

WASHINGTON - (AD) - Verteidigungsminister Aspin
hat am 13. Mai 1993 die Umbenennung und Schwerpunktverlagerung des Büros für die Strategische Verteidigungsinitiative (Strategie Defense Initiative Office
- SDIO) angekündigt. Dieser Schritt spiegelt Aspin
zufolge die Prioritäten der Clinton-Administrationen in
der Wert nach dem Karten Krieg wider.

tiert sein, die sowohl nukleare Gefechtsköpfe als auch
ballistische Raketen besitzen, die die Vereinigten Staaten
erreichen können. Aus diesem Grund haben wir die
kriegsschauplatzgebundene ballistische Raketenabwehr zu unserer Hauptpriorität bei der Bewältigu ng der
postsowjetischen neuen Welt nach dem Karten Krieg
gemacht."

M it der Erklärung, das Zeitalter des "Kriegs der Sterne"
in der strategischen Verteidigung sei beendet, gab
Aspin bekannt, die "Organisation für die ballistische
Raketenabwehr" (Ballistic Missile Defense Organization - BMDO) werde das SDIO ablösen, und der
"kriegsschauplatzgebundenen ballistischen Raketenabwehr" werde "unsere vordringliche Aufmerksamkeit"
bei der Bewältigung der neuen weltweiten Gefahren
gelten.

Aspin erläuterte, daß sich die BMDO zusätzlich zur
kriegsschauplatzgebundenen ballistischen Raketenabwehr vordringlich "der nationalen Raketenverteidigung,
einer Verteidigung des amerikanischen Volkes mit
landgestützten Systemen" sowie "Nachfolgetechnologien, die bei der taktischen und strategischen Verteidigung aussichtsreich erscheinen", widmen wird.

"Diese Veränderungen", erklärte er, "bedeuten eine
Abkehr von einem massiven Programm zur StationieDas Jahrzehnt des Kriegs der Sterne begann am 23. rung weltraumgestützter Waffen, um eine Bedrohung
März 1983, alsderdamalige Präsident Ronald Reagan zu bewältigen, die fast bis zur Unkenntlichkeit abgeankündigte, er werde ein Programm einleiten, um nommen hat: der massive Überraschungsangriff aus
"nukleare Waffen unschädlich und überflüssig zu der ehemaligen Sowjetunion."
machen". Sein strategisches Verteidigungsprogramm
wurde rasch mit dem Namen Star Wars nach dem Aspin betonte, daß "immer noch eine nukleare Bedrohung besteht". Er fügte jedoch hinzu, es sei "eine
gleichnamigen populären Spielfilm jener Zeit belegt.
andere Art der nuklearen Bedrohung", die von "ande"Zehn Jahre später", so Aspin bei einer Pressekonfe- ren Leuten" kommt... Es ist eine nukleare Bedrohung
renz im Pentagon, "stellen wir fest, daß sich unser durch ein halbes Dutzend oder weniger Atomwaffen in
Bedarf für eine ballistische Raketenabwehr gewandert den Händen eines terroristischen Staates."
hat - wir benötigen nicht mehr das massive Programm
weltraumgestützter Waffen, wie Ronald Reagan es Im Hinblick auf die mit der neuen Initiative in Zusammenhang stehenden organisatorischen Veränderunsich vorstellte."
gen erklärte Aspin, obwohl das SDIO dem VerteidiWährend des Golfkriegs hätten der irakische Präsi- gungsminister direkt unterstellt gewesen sei, werde
dent Saddam Hussein und seine Scud-Raketen "uns die BMDO dem Staatssekretär im Verteidigungsminigezeigt, daß wir eine Abwehr gegen ballistische Rake- sterium für Beschaffung und Technologie, John Deutch,
ten für unsere Truppen im Feld benötigen. Diese unterstehen.
Bedrohung besteht hier und jetzt", erklärte Aspin.
Diese Veränderung "trägt der Tatsache Rechnung,
In Zukunft, so fügte er hinzu, "könnten wir mit gegne- daß das Programm von Forschung auf die Entwickrischen oder irrational handelnden Staaten konfron- lung und Beschaffung von Systemen verlagert wird",
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�stellte er fest. "Und es gestattet uns, unsere Arbeit an
der ballistischen Raketenabwehr entsprechend ihrem
Stellenwert im gesamten Verteidigungsprogramm
durchzuführen."

Die ehemalige Sowjetunion sei sich ihm zufolge "der
enormen Fortschritte bewußt, die die Vereinigten Staaten
im militärischen Bereich erzielt haben - nicht nur bei
Star Wars, sondern bei... Technologie allgemein. Und
sie erkannten, daß sie nicht konkurrieren konnten...
Sie haben einfach nicht die wirtschaftliche Grundlage
in ihrem Land, die die für Star Wars, präzisionsgesteuerte Munition und für all diese Dinge erforderliche Art
hochtechnologischer Waffen, Systeme und Nebenprodukte herstellen könnte."

Präsident Clintons Haushaltsentwurf für 1994 beantragt 3,8 Milliarden Dollar für die BMDO - dies ist der
gleiche Betrag wie für die Finanzierung des SDIO im
Jahr 1993.
Auf die Frage, wie das Programm Krieg der Sterne zu
der jetzt in die Wege geleiteten kriegsschauplatzgebundenen Raketenabwehr beigetragen habe, erklärte
Aspin, obwohl einige Technologien in beiden Fällen
"relevant" seien, "wurde die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr, über die wir jetzt verfügen unabhängig von ihrem Zustand - im großen und ganzen getrennt von der SDIO-Arbeit entwickelt, die sich
... vornehmlich auf den 'Astrodome'-Ansatz bei der
Handhabung unserer Verteidigung und stark gegen
die Hauptbedrohung der Vereinigten Staaten -... den
... Abschuß von ... Waffen aus der Sowjetunion konzentrierte".

"Sie sahen eine Situation, in der... es nur eine allmähliche Auflösung der Macht gab", stellte er fest. "Meiner
Ansicht nach war das zumindest zum Teil der Grund
für die tiefgreifende Verlagerung, zu deren Versuch
und Verwirklichung in der Sowjetunion sich die Gorbatschow-Generation entschied."

Auf die Frage, ob die Amerikaner mit Krieg der Sterne
etwas Vollwertiges erhalten, antwortete Aspin: "Meines Erachtens haben wir sehr viel gelernt, wenn wir
etwas von den gemachten Erfahrungen ableiten und
anwenden können. Ich denke, wenn es dazu beigetragen hat, die Art von Veränderungen zu bewirken, die in
In einer Bewertung des möglichen Nutzens der Strate- der Sowjetunion stattgefunden haben, so lautet die
gischen Verteidigungsinitiative stellte Aspin fest, es Antwort meiner Ansicht nach 'Ja'."
werde eine "große Debatte darüber geben, ob das
Programm Krieg der Sterne zum Zusammenbruch der
Sowjetunion beigetragen habe. (Aber) meines Erachtens hatte es etwas damit zu tun."

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�AID
19. Mai 1993

LEITER DES AID FÜR KONZENTRATION DER
AUSLANDSHILFE
Stellungnahme von Brian Atwood
WASHINGTON - (AD) - Dem neuen Leiter des Amtes für Internationale Entwicklung (USAID) zufolge muß sich
das amerikanische Auslandshilfeprogramm auf weniger Ziele konzentrieren. Das Hauptziel müsse darin
bestehen, "umweltverträgliche Entwicklung zu fördern".
Amtsleiter J. Brian Atwood, der sein Amt offiziell erst zwei Tage zuvor angetreten hatte, gab am 12. Mai 1993
vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses eine Stellungnahme ab. Danach sei es Aufgabe
des USAID, die Erlangung anderer wichtiger Aspekte der Außenpolitik zu fördern, darunter amerikanische
Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Aber: "Wir müssen uns auf die Hauptziele des Amtes konzentrieren und
diese bestmöglich verwirklichen."
Nachfolgend veröffentlichen wir Atwoods vorbereiteten Redetext im Wortlaut.

Herr Vorsitzender,
ich freue mich, vor diesem Ausschuß meine erste
Erklärung im Kongreß als Leiter des AID abgeben zu
können. Die Mitglieder dieses Ausschusses wissen
wahrscheinlich besser als jeder andere, in welchem
Umfang wir heute unser Auslandshilfeprogramm neu
orientieren und neu ausrichten können. Sie haben im
Lauf der Jahre eine entscheidende Führungsrolle bei
der Analyse der Probleme, Definition der Fragen und
Beschreibung der Herausforderungen gespielt, mit
denen das AID konfrontiert ist. Deshalb ist es nur recht
und billig, daß ich mit einem Abriß der spezifischen
Maßnahmen beginne, die von der Administration zur
Stärkung und Neuausrichtung der Auslandshilfe geplant sind und erörtere, wie diese Veränderungen in
unserer Haushaltsvorlage 1994 zum Ausdruck kommen.
Da ich erst seit einem Tag als Leiter des AID im Amt
bin, kann ich Ihnen heute zweifellos noch keinen
umfassenden Plan zur Umstrukturierung und Reform
des Amtes vorlegen. In Zusammenarbeit mit dem
Stellvertretenden Außenminister Wharton werde ich
diesen Plan in enger Konsultation mit Ihnen und Ihren
Kollegen in den nächsten Monaten entwickeln. Ich
möchte diese Gelegenheit jedoch ergreifen, um Ihnen
einige allgemeine Gedanken darüber vorzutragen,
welchen Weg das Amt meiner Meinung nach gehen
sollte.
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Das AID genießt, wie Sie wissen, die zweifelhafte
Ehre, von allen Behörden die meisten Berichte, Studien, Kommissionen und Arbeitsgruppen hervorgebracht zu haben. Es wurde fast "zu Tode untersucht".
Ich möchte Ihnen heute versichern, daß ich nicht
beabsichtige, diesen vielen Bänden weitere hinzuzufügen und lediglich über die Probleme des AID zu
sprechen. Ich möchte Maßnahmen ergreifen.
Über die neuen, infolge der Beendigung des Kalten
Krieges vor uns liegenden Herausforderungen und
Möglichkeiten ist vieles geschrieben und gesagt worden. Diesem Ausschuß ist gut bekannt, wie sehrgeound sicherheitspolitische Anliegen unsere Wirtschaftshilfeprogramme in der Vergangenheit beherrscht sowie
ihre Prioritäten und ihre Richtung bestimmt haben.
Heute benötigen wir einen neuen Ansatz zur Auslandshilfe, der den uns heute konfrontierenden Herausforderungen gerecht wird.
Können wir uns Auslandshilfe leisten?
Unser Erfolg bei der Bewältigung dieser Herausforderungen ist für das amerikanische Volk von entscheidender Bedeutung, weil er in seinem vitalen Interesse
liegt. Wir müssen nicht nur gewährleisten, daß unsere
Programme einhelligen amerikanischen Interessen
dienen, sondern auch den Nachweis dafür erbringen,
daß sie dem amerikanischen Volk und seinen Vertretern im Kongreß dienen.

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�Erstens sollte Auslandshilfe dazu beitragen,
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu
schaffen. Der Lebensunterhalt der Amerikaner
hängt immer stärker vom Welthandel und den
Weltmärkten ab. Die Entwicklungsländer bilden
heute den am schnellsten wachsenden Markt
für amerikanische Exporte. Unsere Auslandshilfeprogramme müssen darauf abzielen, nachhaltiges Wirtschaftswachstum in den Entwicklungsländern zu fördern. Damit werden wir
heute den Grundstein für das amerikanisches
Exportwachstum von morgen legen, und dies
wird mehr Arbeitsplätze für Amerikaner bedeuten.
Zweitens ist unser Land mit ernsten Problemen
konfrontiert, die nationale Grenzen überschreiten. Diese Probleme können nicht von einem
Land allein gelöst werden. Wir haben gemeinsame Interessen bei der Suche nach Lösungen,
von denen wir alle profitieren.
Zum Beispiel die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Gesundheit der Amerikaner
hängt nicht nur davon ab, was in ihrer unmittelbaren Umgebung vorgeht, sondern auch davon,
wie gut die internationale Staatengemeinschaft
Infektionskrankheiten in den Griff bekommt. Neue
Krankheiten wie AIDS und neue Arten von
Malaria und Tuberkulose stellen die moderne
Medizin auf die Probe und bedrohen das Wohlergehen von Amerikanern ebenso wie von Menschen in den Entwicklungsländern. Unser Auslandshilfeprogramm sollte weiterhin dringend
benötigte Hilfe zur Finanzierung von Schutzimpfungen für die bereits bekannten Krankheiten
zur Verfügung stellen und Forschungsarbeiten
unterstützen, um die Ausbreitung neuer Infektionskrankheiten einzudämmen.
Die Umwelt in den Vereinigten Staasten wird
auch von Faktoren beeinflußt, die weit außerhalb unserer Nachbarschaft liegen. Wir wissen
heute, daß die Erwärmung des Erdklimas, der
Abbau der Ozonschicht und der Artenschwund
reale Auswirkungen auf uns alle haben, unabhängig davon, wo wir leben. Die Rettung einer
gefährdeten Art in den Vereinigten Staaten wird
bei weitem aufgewogen, wenn wir in anderen
Regionen Hunderte von Arten verlieren und das
ökologische Gleichgewicht zerstören. Die Förderung umweltverträglicher Entwicklung an weit
entfernten Orten kann dazu beitragen, die fortschreitende Beeinträchtigung der Umwelt und
die Zerstörung des Ökosystems Erde zu verhindern. Unser Auslandshilfeprogramm muß diesen Ländern helfen, neue, umweltverträgliche
Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen, und
andere davon überzeugen, daß gemeinsame
Ansätzen für weltweite Umweltprobleme in ihrem Interesse liegen.
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Die Zunahme der Weltbevölkerung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Amerikaner. Selbst
optimistische Prognosen gehen davon aus, daß
sich die Weltbevölkerung bis Anfang des nächsten Jahrhunderts verdoppeln wird. Diese
Bevölkerungsexplosion vollzieht sich in erster
Linie in den Entwicklungsländern.
Eine Verlangsamung und Stabilisierung des Bevölkerungswachstums auf niedrigerem Niveau
erfordert Fortschritt in den Entwicklungsländern.
Wir wissen, daß Frauen, die - durch Bildung, Beschäftigung in einer wachsenden Volkswirtschaft,
angemessene medizinische Versorgung für sich
und ihre Familien sowie Zugang zu moderner
Familienplanung - ihre individuellen Chancen
und Wahlmöglichkeiten verbessert haben,
weniger Kinder zur Welt bringen. Hilfe beim
Aufbau wirtschaftlicher und politischer Systeme
in den Entwicklungsländern, die erweiterte
Chancen und Wahlmöglichkeiten bieten, trägt
zur Lösung der gemeinsamen weltweiten Herausforderungen in der Bevölkerungspolitik bei.
Politische und wirtschaftliche Unsicherheit in
anderen Ländern führt zu Problemen weltweiter
Wanderungsbewegungen. Die meisten Menschen würden es vorziehen, in ihrer Heimat zu
bleiben, aber wenn sie dort keine echten wirtschaftlichen Möglichkeiten vorfinden, werden
sie diese im Ausland suchen. Hilfe beim Aufbau
der Grundlagen für erweiterte Chancen trägt
dazu bei, die Anreize zur Massenauswanderung abzubauen.
Drittens rufen korrupte und nicht rechenschaftspflichtige politische Systeme Frustration hervor,
die häufig zu Gewalt und Konflikten führt. Die
von uns in Somalia beobachtete Anarchie beruht teilweise auf unserem Versäumnis der
Vergangenheit, umfassende wirtschaftliche und
politische Hilfsprogramme mit den Schwerpunkten Wirtschaftswachstum und Demokratie durchzuführen. Heute bezahlen wir den Preis für
diesen Fehler. Wirksame Auslandshilfeprogramme, deren Ziel die Verhinderung von Bedingungen ist, die solchen vom Menschen verursachten Katastrophen Vorschub leisten, werden dem
amerikanischen Steuerzahler in der Zukunft
Kosten ersparen.
Die Entwicklungsländer und die neuen unabhängigen
Staaten leisten zu vielen globalen Probleme die Amerika im Inland bedrohen, einen wichtigen Beitrag und
sind gleichzeitig aber auch Teil ihrer Lösung. Um dauerhafte Lösungen für weltweite Probleme zu finden,
müssen die Frauen, Männer und Kinder in den Entwicklungsländern und neuen unabhängigen Staaten
unsere aktiven, konstruktiven und beitragenden Partner werden. Um dies zu tun, müssen sie das Wissen
und die Fähigkeiten haben, die sie zum Handeln
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�befähigen, sowie die wirtschaftlichen und politischen
Institutionen, die ihnen die Möglichkeit bieten, ihre
Zukunft selbst zu gestalten.
Ein wirksames Wirtschaftshilfeprogramm kann zur
Bildung einer anderen Welt beitragen, in der der einzelne für sich und seine Kinder ein neues Leben aufbauen
kann. Unser Auslandshilfeprogramm spielt eine entscheidende Rolle dabei, Ländern zu helfen, vollwertige
Partner zu werden. Auslandshilfe ist für die Interessen
der amerikanischen Bürger nicht unbedeutend. Im
Gegenteil, amerikanischen Interessen wird unmittelbargedient, wenn man den Menschen in den Entwicklungsländern und neuen unabhängigen Staaten die
Fähigkeiten und das Verständnis gibt, ihr Leben selbst
in die Hand zu nehmen.

Schwerpunkt
Erstens benötigt das AID weniger Ziele. In
diesem Punkt besteht eine erstaunliche Übereinstimmung. Praktisch jeder Bericht und jede
Analyse des AID betont die Notwendigkeit für
das AID, Schwerpunkte zu setzen. Wir können
es nicht allen recht machen und trotzdem das
Erforderliche gut leisten.

Einfach ausgedrückt, hat das AID einen doppelten
Auftrag. Wir müssen die Fähigkeit haben, auf von
Menschen verursachte und Naturkatastrophen - wie in
Somalia - zu reagieren und Hilfe auf Dringlichkeitsbasis zu gewähren sowie politische und wirtschaftliche
Institutionen wiederaufzubauen. Unser Hauptziel besteht
jedoch darin, umweltverträgliche Entwicklung zu fördern, um ein Auftreten solcher Katastrophen zu verhinWirksamere Hilfe
dern. Wir möchten die Selbständigkeit der Frauen,
Um diese Ergebnisse zu erzielen, müssen wir jedoch Männer und Kinder in den Entwicklungsländern sowie
ein aufgeschlossenes und innovatives, gleichzeitig den neuen unabhängigen Staaten unterstützen. Injedoch verantwortungsbewußt verwaltetes Hilfspro- dem sie ihre individuellen Fähigkeiten stärken, ihre
gramm haben, das klare Leistungen vorweisen kann. wirtschaftlichen Chancen fördern und ihre politischen
In meiner Bestätigungsanhörung habe ich eingeräumt, Freiheiten ausbauen, können sie für sich eine bessere
daß das AID wesentlicher Verbesserungen bedarf, Zukunft schaffen. Weltweit streben die Menschen
bevor es dies effektiv tun kann. Ich werde die Liste der nach den gleichen Chancen - um ihr Leben und ihr
Schwächen und Defizite des AID, die von diesem Schicksal zu kontrollieren.
Ausschuß und anderen erwähnt wurde, nicht wiederholen. Statt dessen möchte ich darüber sprechen, wie Entwicklung kann nicht umweltverträglich sein, wenn
wir sie zu überwinden und eine Behörde zu stärken sie nicht auf Beteiligung beruht und am Menschen
gedenken, die für die nationalen Interessen der Verei- orientiert ist. Dies gilt im Ausland ebenso wie im Inland.
nigten Staaten so lebenswichtig ist.
Erfolgreiche Programme müssen die Fähigkeiten und
das Fachwissen der Ortsansässigen, auf die sie zugeSie wissen bereits um die Bemühungen der Clinton- schnitten sind, einbeziehen und auf ihnen aufbauen.
Gore-Administration zur Umgestaltung der institutio- Das AID muß - häufig mit Hilfe amerikanischer privater
nellen Kultur der Verwaltung auf Bundesebene. Die Hilfsorganisationen und NGOs - auf diejenigen Einzelnationale Leistungsüberprüfung des Vizepräsidenten personen und Gruppen zugehen, die auf lokaler Ebene
bietet eine enorme Chance, im Hinblick auf Reformen entscheidenden Einfluß auf ihre Gemeinwesen ausüim AI D den Worten Taten in Form von spezifischen und ben.
grundlegenden Veränderungen folgen zu lassen. Ich
habe zugesagt, daß die Bemühungen des AID zur Andere besonders wichtige Aspekte der amerikani"Neuerfindung der Regierung" nicht auf einige wenige schen Außenpolitik wie Sicherheit und wirtschaftliche
kleine Experimente in einer oder zwei Abteilungen Wettbewerbsfähigkeit werden von der Clinton-Adminibegrenzt sein, sondern das ganze Amt erfassen wer- stration energisch vertreten. Das AID spielt eine
den.
entscheidende Rolle dabei, die Verwirklichung dieser
anderen amerikanischen Ziele zu erleichtem, indem
Dies ist eine ehrgeizige Verpflichtung, und ich mache es ein geeignetes politisches Umfeld schafft sowie
mir keine Illusionen über die bevorstehenden Schwie- stabile und wachsende Gesellschaften aufbaut. Ich
rigkeiten. Aber wir haben keine andere Wahl. Der beabsichtige, die Koordinierung des AID mit diesen
Kongreß und das amerikanische Volk werden wenig anderen Behörden zu verstärken, so daß unsere
Verständnis für ein zielloses und verschwommenes Programme sich gegenseitig unterstützen und ergänHilfsprogramm haben, das keine Ergebnisse zeitigen zen können. Wir müssen uns jedoch darüber klar
kann.
werden, für was das AID unmittelbar verantwortlich
sein sollte und für was nicht.
Ich möchte, daß dies eine gemeinsame Bestrebung
ist, und ich benötige Ihre Unterstützung, um Erfolg zu Wir müssen uns auf die Hauptziele des Amtes konzenhaben. Lassen Sie mich ein paar allgemeine Prinzi- trieren und diese bestmöglich verwirklichen.
pien nennen, die meines Erachtens unsere künftigen
Entscheidungen und Pläne leiten sollten.
Die jüngste Straffung der Ziele des AID mu ß sich in der
Gesetzgebung widerspiegeln. Dieser Ausschuß hat

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�das Problem erkannt, das durch eine Überzahl von
Zielen entsteht, und bei der Entwicklung eines überarbeiteten Gesetzesüber Auslandshilfe beeindruckende
Fortschritte gemacht. Diese neuesten Fortschritte
bieten eine solide Grundlage für die künftige Gesetzgebung. Die Administration verpflichtet sich, mit diesem und anderen relevanten Kongreßausschüssen
zusammenzuarbeiten, um ein Abkommen über die
neue Gesetzgebung zu erzielen, das diese neuen
Ziele umreißt. Ich hoffe, daß wir diesen Sommer mit
den Gesprächen beginnen und zu einer Einigung über
ein neues gesetzliches Rahmenwerk für die amerikanische Auslandshilfe in der Zeit nach dem Kalten Krieg
kommen werden.
Konzentration auf die Ergebnisse
Zweitens: Sobald wir uns über die verringerte Anzahl
von Zielen geeinigt haben, müssen wir sicherstellen,
daß diese klar definiert sind. Das ist von essentieller
Bedeutung, wenn sich das Amt auf die Messung der
erzielten Ergebnisse konzentrieren soll. Der Kongreß
kennt die genauen Einzelheiten, wieviel das AID fürdie
verschiedenen Programme ausgegeben hat, aber mit
wenigen Ausnahmen wissen Sie wenig darüber, was
wir mit unseren Programmfonds erreicht haben.
Die Konzentration auf die Ergebnisse spiegelt sich in
der Haushaltsvorlage des Außenministeriums für das
Haushaltsjahr 1994 wider. Die Vorlage präsentiert die
wichtigsten Ziele, die die Administration zu erreichen
hofft, sei es die Unterstützung des Übergangsprozesses auf dem Weg zur Demokratie, des Friedens im
Nahen Osten oder der Lösung globaler Probleme.
Die Administration wird den ersten Schritt unternehmen, aber wir können ohne Ihre Hilfe keinen Erfolg
haben. Ich möchte die aktive Kooperation und Unterstützung des Kongresses bei der Schaffung einer
neuen institutionellen Kultur beim AID gewinnen. Ich
bitte Sie, Ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließlich
den Ausgaben zu widmen. Sie sollten das AID aufgrund der erzielten Ergebnisse zur Rechenschaft ziehen, nicht aufgrund der ausgegebenen Gelder. Wenn
Ressourcen in Programme gesteckt werden, die keine
Ergebnisse zeitigen, dann sollten sie für etwas anderes verwendet werden. Bestimmte Interessengruppen
mögen hiergegen vielleicht Einwände haben. Aber wir
können und sollten keine Programme unterstützen,
die das Erreichte nicht demonstrieren können.

cen effektiv einzusetzen, sollten unsere Hilfsprogramme reduziert oder neuorientiert werden. Das wird
unweigerlich bedeuten, daß das AID in weniger Ländern Programme durchführt oder präsent ist. Das wird
auch bedeuten, daß wir uns in größerem und effektiverem Ausmaß auf die Durchführung unserer Programme konzentrieren.
Ich habe eine sofortige Überprüfung aller bedeutenden
AID-Programme angeordnet, um zu bestimmen, ob
sie identifizierbaren Interessen dienen und klare Ergebnisse vorweisen können. Ich werde festsetzen,
welche Länder nicht länger weitere Investitionen und
Energie unsererseits verdienen. Hochrangige Beamte
des AID werden im Verlauf unserer Bemühungen mit
Ihnen und anderen relevanten Ausschüssen beraten.
Organisatorische Änderungen
Drittens: Ich werde in der nahen Zukunft Entscheidungen zur Durchführung einer Anzahl organisatorischer
Änderungen beim AID treffen. Wir werden den unnötigen bürokratischen Aufwand und die sich überlagernden oder irrelevanten Funktionen abschaffen. Nur
dann werden wir in der Lage sein, die Energien und
Bemühungen der Mitarbeiter des AID in kreative und
effektive Bahnen zu lenken.
Die Aufrechterhaltung einer soliden Präsenz des AID
in Übersee ist von lebenswichtiger Bedeutung. Nur
durch unsere Missionen vor Ort können wir strategische Entwicklungspläne entwerfen und durchführen,
die sowohl globale als auch die nationalen Beschränkungen des jeweiligen Landes berücksichtigen. Missionen in Übersee sind jedoch teuer und ich bin mir
bewußt, daß es noch Raum für erhöhte Effizienz und
Missionen kleineren Umfangs gibt. Ich bin bereit, um
dem Abbau der uns zur Verfügung stehenden Gelder
Rechnung zu tragen, innerhalb der nächsten Monate
Maßnahmen zur Senkung der Kosten unserer Präsenz in Übersee durchzuführen.

Ich plane auch die Stärkung der zentralen politischen
Leitung des Amtes sowie die Rationalisierung und
Durchführung individueller Programmanstrengungen.
Wir müssen die strategische Planung stärken um
sicherzustellen, daß das AID die Herausforderungen
der Zukunft vorhersieht, anstatt auf die Probleme der
Vergangenheit zu reagieren. Wir benötigen eine stärkere und effektivere zentrale Fähigkeit, politische
Führung zu zeigen, sowie Expertenwissen und UnterDie Konzentration auf die Ergebnisse muß die Aus- stützung für unsere Missionen vor Ort und zur Durchwahl der Länder umfassen, in denen AI D-Programme führung der notwendigen Forschung.
durchgeführt werden. Wirtschaftshilfe sollte nicht als
Anspruch gehandelt werden. Unser Budget ist zu Schließlich müssen wir erneut Zusammenarbeit und
begrenzt, und die Forderungen nach Ressourcen sind Teamwork innerhalb des Amtes fördern und jede Art
zu hoch, um Zeit, Energie und das Geld des Steuer- von Arbeit ohne Sinn für das Ganze abschaffen. Neue
zahlers in Ländern zu vergeuden, die sich nicht wirklich operative Verfahrensweisen müssen mit dem Ziel
der Ausweitung der Möglichkeiten und Chancen des eingeführt werden, einen größeren Sinn für Transpaeinzelnen widmen. Dort, wo es eindeutig unmöglich renz und Teilnahme am Entscheidungsfindungsproist, unsere knapp bemessenen Entwicklungsressour- zeß sowie Zusammenarbeit bei der Erreichung gemeinsamer Ziele zu ermutigen.
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AMERIKA DIENST 20

�Verstärkte Koordination

Übergang zur Demokratie

Koordination ist der Schlüssel zur bestmöglichen Nutzung
unserer knappen Ressourcen. Wie ich bereits herausstellte, muß das AID mit anderen Behörden der USRegierung zusammenarbeiten, um komplementäre
Programme zu entwickeln und auf unserer relativen
Stärke und Erfahrung aufzubauen. Die Clinton-Administration widmet sich der Verbesserung der Kommunikation, Konsultation und Koordination zwischen den
einzelnen Ämtern. Ein größeres Verständnis der
jeweiligen Rollen und Verantwortung der verschiedenen außenpolitischen und einschlägigen innenpolitischen Behörden wird zur Zeit entwickelt.

Die Vereinigten Staaten haben großes und dauerhaftes Interesse an der aktiven Unterstützung der aufkeimenden demokratischen Regierungsformen auf der
ganzen Welt. Und nirgendwo haben wir ein direkteres
oder unmittelbareres Interesse am erfolgreichen
Übergang zu einer stabilen Demokratie als in Rußland
und den anderen neuen unabhängigen Staaten der
ehemaligen Sowjetunion.

Eine verbesserte Koordination ist ein Ziel, das sich
nicht auf die amerikanische Regierung beschränkt.
Auf internationaler Bühne waren die Vereinigten Staaten viele Jahre lang nicht nur das größte Geberland der
Welt, sondern leisteten auch den Großteil derglobalen
Wirtschaftshilfe. Das ist nicht länger der Fall. Wir
sollten uns über die Tatsache freuen, daß wir nicht
länger praktisch allein die Hauptlast der Wirtschaftshilfe tragen.
Da unsere Freunde und Verbündeten selbst bedeutende Ressourcen zur Verfügung gestellt haben, ist jetzt
eine neue Art der Beziehungen erforderlich. Wir
müssen mit anderen Geberländern einen gemeinsamen Ansatz für die wichtigsten entwicklungspolitischen Herausforderungen erarbeiten. Wir sind zwar
nicht länger der größte Geber, aber immer noch der
erfahrenste.

Wirtschaftswachstum und Behebung der Armut
Wirtschaftswachstum ist ein zentrales Ziel kontinuierlicher Entwicklung. Wir können es uns nicht länger
leisten, ein internationales Sozialhilfeprogramm zu
unterstützen. Wir müssen uns auf die Unterstützung
eines Prozesses des im Inland erzeugten Wachstums
konzentrieren, der erweiterte Chancen und Ressourcen bietet, die kontinuierliches und umfassendes
Wachstum ermöglichen. Die zur Erlangung von dauerhaftem, breitgefächertem Wachstum erforderlichen
Maßnahmen werden von Land zu Land variieren, und
die Hauptverantwortung unserer Missionen vor Ort
besteht darin herauszufinden, wie Lösungen für unterschiedliche Probleme integriert und knappe AID-Ressourcen wirksam eingesetzt werden können, um kontinuierliches Wachstum zu erzielen.
Lösung globaler Probleme

Im Einklang mit der Tagesordnu ng der Clinton-Administration wird das AID weltweiten Problemen wie Bevölkerungswachstum, Umweltverträglichkeit und neuen
Für die Zukunft sind nicht zusätzliche amerikanische Bedrohungen der Gesundheit wie AIDS besondere
Finanzmittel, sondern erneut eine amerikanische Aufmerksamkeit widmen. Sie werden sehen, daß die
Führungsrolle vonnöten. Ich möchte, daß das AID Haushaltsvorlage für 1994 Aufstockungen für Initiatidiese Führungsrolle übernimmt und zwar sowohl in der ven in den Bereichen Bevölkerungswachstum und
US-Regierung als auch innerhalb der Gemeinschaft Umweltschutz enthält.
der Geberländer.
Humanitäre Belange
IV. Der Haushaltsantrag für 1994
In jüngster Vergangenheit konnte das Ausmaß beobachtet
werden, in dem die Vereinigten Staaten sich
Ich möchte kurz die Haushaltsvorlage für 1994 erörweiterhin
dringender humanitärer Bedürfnisse annehtern. Wie von Außenminister Christopher erläutert, ist
men,
und
wir können davon ausgehen, daß diese
der Haushaltsantrag für 1994 ein Übergangsetat für
Beanspruchung
unserer Ressourcen in absehbarer
die Zeit, in der wir von einem von Belangen des Karten
Zukunft
anhält.
Krieges geleiteten Programm zu einem übergehen,
das den Chancen eines neuen Zeitalters Rechnung
Im allgemeinen spiegelt der Haushaltsentwurf die Prioträgt.
ritäten wider, die diese Administration der Hilfe für die
Die Bewilligungsanträge und Ausgabeermächtigun- neue Gemeinschaft Unabhängiger Staaten der ehegen des AID für das Haushaltsjahr 1994 sind in beilie- maligen Sowjetunion beimißt. Es sollte jedoch nicht
gender Tabelle zusammengefaßt. Ich möchte mit unerwähnt bleiben, daß wir unsere Verpflichtungen
Ihnen nur einige der Höhepunkte des diesjährigen gegenüber Afrika nicht gekürzt haben, indem wir
Haushaltsentwurfs erörtern. Die Vorlage hebt Schlüs- denselben Beitrag für den Entwicklungshilfefonds für
selaspekte der amerikanischen Außenpolitik hervor, Afrika wie im Haushaltsjahr 1993 beantragt haben.
die auch die Aufgabe des AID verkörpern: UnterstütSchlußbemerkung
zung des Übergangs zur Demokratie, Förderung von
Wirtschaftswachstum und Behebung der Armut, Lö- Abschließend möchte ich feststellen, daß der vorliesung globaler Probleme und Reaktion auf humanitäre gende Haushaftsentwurf für 1994 Ressourcen für unsere
Belange.
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�vordringlichsten außen- und entwicklungspolitischen
Anforderungen bereitstellt. Mehr als je zuvor bildet die
Arbeit des AID das Kernstück unserer außenpolitisehen Tagesordnung. Es liegt in unser aller Interesse
-einschließlich dem der Amerikaner-sicherzustellen,
daß das AID diese Arbeit erfolgreich leistet. Ich bin

zuversichtlich, daß ich auf diesen Ausschuß und die
Mitarbeit anderer bei der Neudefinition der Rolle der
amerikanischen Auslandshilfe, der Wiederbelebung
des AID und der Erläuterung seiner lebenswichtigen
Rolle gegenüber dem amerikanischen Volk zählen
kann.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 20
l

�DEMOGRAPHIE
19. Mai 1993

VEREINIGTE STAATEN KÜNDIGEN WICHTIGE
VERÄNDERUNGEN IHRER
BEVÖLKERUNGSPOLITIK AN
Wirth-Rede vor UNO-Ausschuß
WASHINGTON - (AD) - Mit dem Hinweis auf das weltweite Bevölkerungswachstum als einer der größten
Herausforderungen dieses Jahrhunderts hat Tim Wirth, "Counselor" (rangmäßig vergleichbar mit Ministerialdirektor, Anm. d. Red.) des US-Außenministeriums, die Absicht dar Vereinigten Staaten bekundet, ihre
Bemühungen zu intensivieren und das Thema Bevölkerungsentwicklung zu einem Hauptanliegen ihrer internationalen Prioritäten zu machen.
In einer am 11. Mai 1993 beim Treffen des Vorbereitungsausschusses für die Internationale Konferenz über
Bevölkerung und Entwicklung 1994 gehaltenen Rede betonte Wirth die von den Vereinigten Staaten eingeleiteten Maßnahmen zur Umkehrung einer 10 Jahre alten Politik, darunter die Wiederaufnahme der Finanzierung
internationaler Programme für Familienplanung.
Wirth, ein ehemaliger Senator aus Colorado, leitet eine umfangreiche amerikanische Delegation bei dieser
Sitzung. Er stellte fest, die Clinton-Administration werde den Kongreß für 1994 um eine Aufstockung der Mittel
für bevölkerungspolitische Maßnahmen um 100 Millionen Dollar ersuchen und stehe kurz vor einer abschließenden Entscheidung über Bedingungen und Ausmaß der finanziellen Unterstützung des Bevölkerungsfonds der
Vereinten Nationen (UNFPA).
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext Wirths im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, Frau Generalsekretärin, verehrte
Delegierte. Es ist mir eine Ehre, heute die Vereinigten
Staaten hier bei diesem zweiten Vorbereitungstreffen
zur Internationalen Konferenz über Bevölkerung und
Entwicklung in Kairo im Jahr 1994 vertreten zu dürfen.

Ferner möchte ich die entscheidende Rolle der Nichtregierungsorganisationen und -experten bei den Vorbereitungen für Kairo anerkennen. Die NGOs haben
während des Erdgipfelprozesses herausragende Beiträge geleistet, und wir müssen diese Art der Beteiligung auf dem Weg nach Kairo ermutigen. Ihre Ideen,
Zunächst möchte ich Dr. Fred Sai zu seiner Wahl zum Energie, Erfahrung und Verbindungen zu den MenVorsitzenden gratulieren. Wir sehen seiner fähigen schen in jedem Winkel der Welt haben uns geholfen,
Führung gerne entgegen. Ferner möchte ich die so weit zu kommen. Sie werden unsere Erörterungen
Organisatoren der UNO zu der grundlegenden Vorar- in Kairo und darüber hinaus mit Leben erfüllen.
beit beglückwünschen, die für produktive Debatten bei
diesem und den bis Kairo noch stattfindenden Treffen Heute möchte ich Ihnen die neuen politischen Entwickgeleistet wurde. In den nächsten 15 Monaten haben lungen in den Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt
wir viel Arbeit vor uns, aber es wurden bereits wesent- Präsident Clintons erläutern. Diese Entwicklungen
liche Fortschritte erzielt. Es ist uns ein besonderes spiegeln unsere Entschlossenheit wider, erneuerte
Vergnügen, mit Dr. Nafis Sadik und dem fähigen weltweite Bemühungen zur Behandlung von BevölkeSekretariat zusammenzuarbeiten, und ich hoffe, mei- rungsproblemen an führender Stelle mitzugestahen.
ne heutigen Ausführungen sind so umfassend und Noch schwerer wiegt die Tatsache, da ß wir uns für die
zwingend wie ihre gestern zur Eröffnu ng des Vorberei- Förderung eines internationalen Konsenses im Hintungsausschusses gehaltene Rede.
blick auf das Ziel der Stabilisierung des Wachstums
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�der Weltbevölkerung durch einen umfassenden Ansatz zu Rechten und Bedürfnissen von Frauen, zur
Umwelt und zur Entwicklung einsetzen. Diese Elemente bilden die Grundlagen für eine neue Partnerschaft von Nationen, Männern und Frauen und der
Natur. Nur als innovative und engagierte Partner
können wir dieser dringlichen weltweiten Herausforderung gerecht werden.

und verantwortlich über die Größe ihrer Familie
zu entscheiden;

Eine breitere Perspektive in der amerikanischen
Politik

Betonung der Notwendigkeit für Regierungen
sowie öffentliche und private Organisationen,
sich zu qualitativ hochwertigen Dienstleistungen im Bereich Familienplanung zu verpflichten;

Präsident Clinton engagiert sich nachdrücklich dafür,
das Thema Bevölkerungsentwicklung zu einem Hauptanliegen der internationalen Prioritäten der Vereinigten Staaten zu machen. Er ist sich der Kosten exzessiven Bevölkerungswachstums fürdie Gesundheit von
Frauen, die Umwelt und unsere Hoffnungen auf Beseitigung der Armut bewußt. Er geht davon aus, daß die
Vereinigten Staaten kein Zuschauer sein können,
währenddie Welt einedergrößten Herausforderungen
dieses Jahrhunderts und des nächsten in Angriff nimmt.
Seit seinem Amtsantritt hat Präsident Clinton Maßnahmen ergriffen, um die amerikanischen Bemühungen
neu zu beleben. Der Präsident hat die sogenannte
Mexiko-Stadt-Politik beendet, indem er Beschränkungen aufhob, die einigen Familienplanungsorganisationen amerikanische Mittel vorenthielten, weil sie Maßnahmen in Zusammenhang mit Schwangerschaftsabbrüchen durchführten. Er hat eine Reorganisierung
des Außenministeriums angeordnet, die auch dem
höheren Stellenwert Rechnung tragen soll, den wir
dem Thema Bevölkerung als weltweitem Anliegen
einräumen. Er hat eine Umstrukturierung unserer
Auslandshilfeprogramme gefordert, um Entwicklung
effektiver zu fördern. Darüber hinaus hat er für das
Haushaltsjahr 1994 zusätzliche 100 Millionen Dollar
für Bevölkerungsplanung beantragt.
Diese Aktionen haben verdeutlicht, wie wichtig Fragen
der internationalen Bevölkerungsentwicklung für die
Vereinigten Staaten sind. Die amerikanische Regierung unternimmt noch einen weiteren Schritt. Ich freue
mich, heute die Absicht der Clinton-Administration
bekräftigen zu können, einen Beitrag zum Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen zu leisten. Wir
stehen kurz vor einer abschließenden Entscheidung
über Bedingungen und Umfang der finanziellen Unterstützung.
Schließlich entwickeln die Vereinigten Staaten unter
der Leitung Präsident Clintons zur Zeit einen umfassenden und weitreichenden neuen Ansatz zu internationalen Bevölkerungsfragen. Damit werden unsere
Aktivitäten ausgebaut und besser mit kollektiven internationalen Bemühungen abgestimmt. Die Schlüsselelemente unseres Ansatzes sind:
Gewährleistung, daß Paare und Einzelpersonen in der Lage sind, ihr Recht auszuüben, frei

Seite2

Förderung des Zugangs zu der ganzen Bandbreite qualitativ hochwertiger medizinischer Leistungen im Fortpflanzungsbereich, einschließlich von Dienstleistungen, die auf Frauen zugeschnitten und von Frauen geleitet werden;

Förderung der Gleichstellung von Frauen, so
daß alle Gesellschaften Fortschritte zu vollständiger Gleichberechtigung bei allen Aspekten der
Entscheidungsfindung im Hinblick auf wirtschaftliche und soziale Entwicklung machen;
Sicherstellung des Zugangs zu medizinischer
Grundversorgung, mit Betonung des Überlebens von Kindern;
Schutz der gefährdeten natürlichen Umwelt auf
unserem Globus;
Gewährleistung, daß unsere Politik den weltweit anerkannten Vorrang umweltverträglicher
Entwicklung unterstützt.
Obwohl diese Verpflichtungen unmittelbarer in anderen Foren behandelt werden, stärkt ihre Verbindung
mit den bevölkerungspolitischen Fragen dieser Konferenz deren Erörterung in diesem Gremium.
Ich wende mich nun drei Hauptanliegen zu, die meines
Erachtens den Rahmen dieser Konferenz bilden:
Gesundheit und Status der Frau, Bevölkerung und
Entwicklung sowie Wanderungsbewegungen.
Gesundheit und Status der Frau
Bei unseren Vorbereitungen für Kairo müssen wir die
Tatsache anerkennen, daß Frauen auf der ganzen
Welt für ihre eigenen Anliegen und zum Wohle ihrer
Familien, ihrer Gemeinden und ihrer Länder eine
Führungsrolle übernehmen. Sie wissen, was sie
benötigen, und sie müssen bei Programmen und
Maßnahmen gleichberechtigte Partner sein.
Frauen sind allzuoft Opfer von Armut, Diskriminierung
und realer physischer Gewalt. Ohne Nahrung, ohne
Gesundheit, ohne Kontrolle über die Fortpflanzung
können Frauen weder ihr Potential vollständig zur
Geltung bringen noch zu umweltverträglicher Entwicklung beitragen. In vielen Ländern herrscht eine unannehmbar hohe Mütter- und Kindersterblichkeit. Unzureichender Zugang zu Gesundheitsvorsorge für Mütter, zu Verhütungsmitteln und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen führt Jahrfür Jahr zum Tod von über
500.000 Frauen infolge von vermeidbaren, schwanAMERIKA DIENST 20

�gerschaftsbedingten Ursachen. Die weltweite Pande- hung demographischer Gesichtspunkte in die Umweltmie AIDS und andere Geschlechtskrankheiten betref- planung auf allen Ebenen vorsehen.
fen ebenfalls immer mehr Frauen ebenso wie Männer.
Wanderungsbewegungen
Der ungedeckte Bedarf an sicheren, wirksamen Methoden der Empfängnisverhütung ist in den meisten Ein drittes wichtiges Thema der Bevölkerungspolitik
Ländern heute gut dokumentiert. Viele Frauen haben sind die internationalen Wanderungsbewegungen.
weiterhin keinen Zugang zu irgendeiner, geschweige Unkontrollierte Wanderungsbewegungen werden von
denn zu der von ihnen bevorzugten Methode oder zu demographischem Druck angeheizt, und der gleiche
Beratung und Anschlußversorgung, die deren korrekte Druck stellt unsere Fähigkeit in Frage, mit unserer
Umwelt in Frieden zu leben. Der Kairo-Prozeß sollte
Anwendung sicherstellen könnte.
die Vorrangstellung bekräftigen, die wir der VerbesseInsgesamt müssen wir zu Gesundheitsfragen im Hin- rung von Bedingungen einräumen, die Menschen zum
blick auf Sexualität und Fortpflanzung einen breiteren Verlassen ihrer Heimat bewegen - Verarmung, VerfolAnsatz einnehmen. Wir müssen erkennen, daß die gung und Konflikte.
Förderung von Rechten und Gesundheit der Frau
sowie die Unterstützung der Familienplanung einan- Alle Menschen sollten das Recht haben, in Sicherheit
der verstärkende Ziele sind. Noch grundlegender ist und Würde in ihrer Heimat zu bleiben. In den Fällen,
die Tatsache, daß alle Schranken, die Frauen die in denen Einzelpersonen auf Dauer umgesiedelt sind,
Gleichstellung verwehren, beseitigt werden müssen. sollten die Regierungen alles in ihrer Macht Stehende
Bildungschancen für alle, besonders für Mädchen und tun, um sie vollständig in das soziale und politische
Frauen, sind eine unverzichtbare Vorbedingung für Leben ihrer neuen Heimat einzugliedern.
deren wirtschaftliche Gleichberechtigung.
Neue Chancen: Die Konferenz von Kairo
Bevölkerung und Entwicklung
Die Konferenz von Kairo und der zu ihr führende
Prozeß werden neue Möglichkeiten erschließen, um
sich auf durchführbare Empfehlungen zu den soeben
von mir erörterten Fragen zu einigen. Das Sekretariat
für die Konferenz hat uns einen gut durchdachten
konzeptionellen Rahmen geliefert, derumdas zentrale
Thema von "Wahlmöglichkeiten und Pflichten" gezogen ist. Wir müssen sorgfältig die Pflichten erwägen,
die Männer und Frauen gegenseitig haben, die PflichDie Bürger der Industriestaaten müssen erkennen, ten, die Regierungen gegenüber den innerhalb ihrer
daß unsere gegenwärtigen Verhaltensmuster bei Grenzen lebenden Bürgern haben sowie die Pflichten
Bevölkerungszahl, Technologie und Verbrauch unse- aller gegenüber der Völkergemeinschaft. Indem wir
ren Staaten einen wichtigen und unverhältnismäßig dies tun, können wir sicherstellen, daß Einzelpersonen
großen Einfluß auf die Umwelt einräumen. Obwohl sie eine Wahlmöglichkeit haben.
weniger als ein Viertel der Weltbevölkerung repräsentieren, verbrauchen die Industriestaaten 75 Prozent Darüber hinaus sehen die Vereinigten Staaten der
aller Rohstoffe und produzieren einen ähnlichen Anteil Zusammenarbeit mit der internationalen Staatengemeinschaft entgegen, um einen Konsens im Hinblick
an festen Abfällen.
auf vordringliche, langfristige und quantitative Ziele zur
Unter Präsident Clinton widmet sich Amerika heute Stabilisierung der Weltbevölkerung zu entwickeln,
aktiver diesen Problemen. So werden die Vereinigten ebenso wie wir uns bemühen, die globale Umwelt zu
Staaten beispielsweise die Konvention zum Arten- bewahren, die Gesundheit zu verbessern und andere
schutz unterzeichnen und verpflichten sich, bis zum Entwicklungsziele zu erlangen.
Jahr 2000 ihre Emissionen von Treibhausgasen auf
den Stand von 1990 zu senken. Die vom Präsidenten Femer ermutigen wir zur Entwicklung regionaler Ziele
vorgestellte langfristige Haushaltsstrategie sieht Inve- bei Geburtenzahl und Bevölkerungswachstum, wie
stitionen in den Abbau von Umweltbelastungen, in eine auf den Regionalkonferenzen von Bali und Dakar
wirksamere Energieausnutzung, erneuerbare Ener- vereinbart wurde. Gleichzeitig sollten diese Ziele nicht
gien, Beseitigung von Altlasten und Wasserreinhal- mit solchen Zielen und Quoten verwechselt werden,
tung vor. Die Vereinigten Staaten nehmen die in die bei Nichterreichen Strafen vorsehen. Dies ist ein
Agenda 21 aufgeführten Punkte sehr ernst und formu- selbstzerstörerischer Ansatz. Die Annahme vernünflieren aktiv einen Plan zur umweltverträglichen Ent- tiger Ziele kann uns dabei helfen, die erforderlichen
wicklung, um sie zu erfüllen. Wir werden darüber Ressourcen abzuschätzen und zu beurteilen, was wir
hinaus Maßnahmen im Hinblick auf die Ziele von geleistet haben.
Agenda 21 treffen, die weitere Forschungsarbeiten
zum Verhältnis Bevölkerung/Umwelt und die Einbezie- Von heute an bis zur Konferenz in Kairo unterstützt die
amerikanische Regierung die Notwendigkeit, neue

Zweitens haben die Welt und die amerikanische Politik
die falsche Vorstellung überwunden, daß das Bevölkerungswachstum ein "neutrales Phänomen" ist. Seine
Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung sind
nicht neutral. Auch seine Verbindung zur Umwelt ist
nicht neutral, und neutral ist auch nicht die Verbindung
zwischen Bevölkerung und Ressourcenverbrauch.

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�Schätzungen im Hinblick auf die Ressourcen anzustellen, die für bevölkerungs- und fortpflanzungsbezogene Gesundheitsprogramme erforderlich sind. Schätzungen sollten ebenso im Hinblick auf die für die
medizinische Versorgung von Kindern, die Bereitstellung allgemeinen Zugangs zu elementarer Bildung und
die zur Verringerung der Säuglings- und Müttersterblichkeit benötigten Mittel vorgenommen werden.

Thema Schwangerschaftsabbruch sollte direkt mit
Toleranz und Mitgefühl behandelt anstatt offiziell ignoriert werden, während Frauen, insbesondere einkommensschwache Frauen, und ihre Familien leiden. Die
amerikanische Regierung geht davon aus, daß die
Konferenz von Kairo nachlässig wäre, wenn sie keine
Empfehlungen und Leitlinien im Hinblick auf Schwangerschaftsabbrüche entwickeln würde. Unsere Position lautet, daß wir die Wahlfreiheit bei der FortpflanAls Völkergemeinschaft müssen wir bei der Wahrung zung unterstützen, einschließlich des Zuganges zu
der Rechte aller Menschen mit einer Stimme sprechen sicheren Schwangerschaftsabbrüchen.
und denjenigen entgegentreten, die sich Zwangsmaßnahmen bedienen. Eine Schlüsselfrage, die von der Herr Vorsitzender, Frau Generalsekretärin und Mitdeinternationalen Staatengemeinschaft untersucht wer- legierte, viele von Ihnen haben gehört, wie ich über den
den sollte, ist, wie Regierungen rechenschaftspflichtig tiefgreifenden Effekt sprach, den der Erdgipfel in Rio
gemacht werden sollten. Eine Regierung, die grundle- auf die Menschen in den Vereinigten Staaten und auch
gende Menschenrechte verletzt, sollte sich nicht hinter auf mich persönlich hatte. Er gab uns - den Politikern,
dem Argument der Souveränität verstecken.
NGOs und normalen Bürgern - neue Energie und
Entschlossenheit, komplizierte und dringliche ProbleSo schwierig dies ist, so müssen wir doch die Frage me frontal in Angriff zu nehmen und die notwendigen
des Schwangerschaftsabbruchs eingehend erörtern. Veränderungen in unserem eigenen Land vorzunehJüngste internationale Treffen haben die Aufmerk- men - sowohl in der Politik als auch im Verhalten des
samkeit auf die menschliche Tragödie gelenkt, die mit einzelnen -, um bessere Partner beim Kampf zur
illegalen und unsicheren Abtreibungen verbunden ist. Rettung der Umwelt auf diesem Globus zu sein. Die
Es wird geschätzt, daß bis zu einem Viertel der schwan- Konferenz von Kairo kann für uns alle einen ebensolgerschaftsbedingten Todesfälle - die Zahl reicht von chen Wendepunkt darstellen. Kein Thema wird größe50.000 bis zu 200.000 Fällen jährlich - auf diese re Auswirkungen auf künftige Generationen haben als
Ursache zurückzuführen ist, und zwar nahezu voll- Bevölkerungsfragen. Die Vereinigten Staaten werden
ständig in Entwicklungsländern.
alles in ihrer Macht Stehende beitragen, um diese
Herausforderungen so zu bewältigen, daß die Rechte,
Ein internationaler Konsens über die korrekte und das Wohlergehen und die Zukunft der Menschen auf
angemessene Rolle des Staates und staatlicher Politik der ganzen Welt geschützt werden.
in diesem Bereich bleibt noch zu entwickeln. Das

•

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�</text>
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19&#13;
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&#13;
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KÄMPFE IN BOSNIEN&#13;
Warnung vor Ausbreitung des Konflikts&#13;
ALBRIGHT WARNT BOSNISCHE SERBEN&#13;
Amerikaner wünschen US-Beteiligung bei&#13;
Friedenssicherung - Kongreßabgeordnete&#13;
kritisieren Rolle Europas&#13;
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NATIONALER SOZIALER&#13;
DIENST&#13;
&#13;
NATIONALER SOZIALER DIENST&#13;
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in New Orleans&#13;
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SOMALIA&#13;
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US-TRUPPEN IN SOMALIA RETTETEN&#13;
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Ansprache Präsident Clintons&#13;
vor der Vereinigten Einsatztruppe&#13;
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HANDEL&#13;
&#13;
KANTOR: URUGUAY-RUNDE BENÖTIGT&#13;
BETEILIGUNG JAPANS UND DER&#13;
ENTWICKLUNGSLÄNDER&#13;
Rede des US-Handelsbeauftragten&#13;
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NATO&#13;
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UND IN EUROPA:&#13;
NEUE HERAUSFORDERUNGEN&#13;
Rede von Frank Wisner&#13;
&#13;
bitte wenden&#13;
&#13;
Um Übersendung von&#13;
Belegexemplaren&#13;
wird gebeten&#13;
&#13;
Postfach 20 03 00&#13;
D 5300 Bonn 2&#13;
&#13;
Tel.:0228-3392372&#13;
Fax:0228-33 41 02&#13;
&#13;
�MENSCHENRECHTE&#13;
&#13;
USA UNTERBREITEN "AKTIONSPLAN"&#13;
ZU MENSCHENRECHTEN&#13;
Posten eines UN-Hochkommissars erwogen&#13;
&#13;
RAUMFAHRT&#13;
&#13;
WISSENSCHAFTLER ZUFRIEDEN MIT&#13;
EXPERIMENTEN DER DEUTSCHEN IM ALL&#13;
D2-Mission erfolgreich beendet&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
CLINTON FORDERT BEENDIGUNG DER&#13;
KÄMPFE IN BOSNIEN&#13;
Warnung vor Ausbreitung des Konflikts&#13;
&#13;
"kompliziert" und äußerte die Ansicht, ein Teil des&#13;
Problems sei vom UN-Sicherheitsrat verursacht worden. "Noch bevor Bosnien überhaupt anerkannt wurde", so Clinton, "verhängten die Vereinten Nationen&#13;
ein Waffenembargo über dieses Gebiet. Die praktischen Auswirkungen des Waffenembargos... bestanden darin, daß die bosnischen Serben das gesamte&#13;
Die Europäer "sind wesentlich näher daran und haben Waffenarsenal der jugoslawischen Armee erhielten,&#13;
ein unmittelbareres Interesse" an der Einstellung der während den Menschen, die gegen sie kämpften,&#13;
Kämpfe, erklärte Clinton und fügte hinzu, er versuche, sämtliche vergleichbaren Waffen vorenthalten wurdie Europäer davon zu überzeugen, mehr zu tun, um den."&#13;
das Risiko einer Ausbreitung der Kämpfe auf andere&#13;
Teile des Balkans zu verringern.&#13;
Der Präsident stellte fest, die Völkergemeinschaft "hatte&#13;
nicht absichtlich, sondern unbeabsichtigt enormen&#13;
Clinton ging auf die Entwicklung in Bosnien ein, als er Einfluß auf das Ergebnis des Krieges, auf sehr nachdie Frage eines Schülers in Bensonville (Illinois) beant- teilige Weise".&#13;
wortete, wo sich der Präsident in Zusammenhang mit&#13;
einer zweitägigen Vortragsreise aufhielt, mit der er um Clinton erklärte jedoch, weder die Vei einigten Staaten&#13;
Unterstützung für sein innenpolitisches Programm warb. noch die Vereinten Nationen sollten sich auf irgendeiner Seite an den Kampfhandlungen beteiligen. "MeiDie Völkergemeinschaft habe "enorme Auswirkungen" nes Erachtens können wir wesentlich mehr tun", so&#13;
auf die Kämpfe in Bosnien gehabt, indem sie "unbeab- Clinton, "um die Parteien zu einer Einstellung der&#13;
sichtigt" lediglich einer Seite Waffen vorenthalten habe, Kämpfe zu bewegen. Wir müssen alles in unserer&#13;
behauptete Clinton.&#13;
Macht Stehende tun, um dieser Idee der ethnischen&#13;
Säuberungen Einhalt zu gebieten - der Ermordung von&#13;
Ihm zufolge hat das Waffenembargo, das von den&#13;
Menschen, Vergewaltigung von Kindern und AusfühVereinten Nationen verhängt wurde, bevor Bosnien&#13;
rung schrecklicher Gewaltakte nur aufgrund der Reli&#13;
ein vielfach anerkannter souveräner Staat wurde, die&#13;
gionszugehörigkert".&#13;
Kämpfe "auf sehr nachteilige Weise" beeinflußt.&#13;
Clinton, dessen Äußerungen im Weißen Haus mitver- Clinton zufolge könnte sich der Konflikt, wenn er nicht&#13;
folgt wurden, stellte fest, er sei sich der Tatsache beendet wird, auf Albanien, Griechenland und die&#13;
bewußt, daß in Bosnien "einige bemerkenswerte Türkei ausdehnen, "was eine Unterminierung des FrieÄhnlichkeiten" zur amerikanischen Erfahrung in Viet- dens in Europa sowie des Wachstums und der Stabinam und auch im Libanon bestünden, "was uns zur lität der Demokratie dort zur Folge haben könnte".&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat am 11.&#13;
Mai 1993 die Staaten Europas-ebenso wie die gesamte Völkergemeinschaft - aufgefordert, mehr zu tun, um&#13;
den Kämpfen in Bosnien-Herzegowina Einhalt zu&#13;
gebieten und die ethnischen Säuberungen dort zu&#13;
beenden.&#13;
&#13;
Vorsicht veranlassen sollte... aber das heißt nicht, daß&#13;
die Vereinigten Staaten nicht mehr in Erwägung ziehen, besonders, wenn wir die Europäer dazu bewegen&#13;
können,... uns zu helfen".&#13;
Clinton bezeichnete das gesamte Geflecht des Bürgerkrieges in Teilen des ehemaligen Jugoslawien als&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Zu einem verwandten Thema äußerte Clinton auf die&#13;
Frage eines anderen Schülers, Kürzungen bei den&#13;
M ilitärausgaben seien möglich, weil sich der Charakter&#13;
der nuklearen Bedrohung infolge des Zusammenbruchs der Sowjetunion verändert habe. "Wir waren&#13;
verpflichtet, die Verteidigungsausgaben aufgrund der&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�abnehmenden Bedrohung zu reduzieren", erklärte er.&#13;
"Und das ist - insgesamt gesehen - gut."&#13;
&#13;
nen verringern. "Insgesamt", so Clinton, "ist dies eine&#13;
gute Sache, aber Sie müssen verstehen, daß dies&#13;
auch einige nachteilige Konsequenzen hat", darunter&#13;
Der Präsident erinnerte sein Publikum jedoch daran, Arbeitsplatzverluste in der Rüstungsindustrie und wirtdaß die "Welt weiterhin ein gefährlicher Ort" sei und die schaftliche Härten für Gemeinden, die von StützpunktVereinigten Staaten als "die einzige militärische Groß- schließungen betroffen sind. Die Einsparungen bei&#13;
macht" aufgerufen seien, "bei Art und Umfang des den Rüstungsausgaben müßten "reinvestiert" werden,&#13;
Abbaus der Verteidigungsausgaben mit Sorgfalt vorso der Präsident, und zwar "in Bildungswesen und&#13;
zugehen".&#13;
Technologie in Amerika, um Arbeitsplätze zu schaffen&#13;
und damit die im Verteidigungsbereich verlorenen zu&#13;
In den kommenden fünf Jahren werden die Vereinigten&#13;
ersetzen".&#13;
Staaten ihre "Grundstreitkräfte" von 2,5 auf 1,4 Millio-&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�BOSNIEN&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
ALBRIGHT WARNT BOSNISCHE SERBEN&#13;
Amerikaner wünschen US-Beteiligung bei Friedenssicherung Kongreßabgeordnete kritisieren Rolle Europas&#13;
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die amerikanische Regierung berät weiter mit ihren "Verbündeten über neue,&#13;
nachdrücklichere und härtere Maßnahmen", die ergriffen werden sollen, wenn sich die bosnischen Serben nicht&#13;
an die Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zum Konflikt in Bosnien-Herzegowina halten, erklärte Botschafterin Madeleine Albright am 6. Mai 1993.&#13;
Sie charakterisierte eine Resolution des Sicherheitsrates vom 6. Mai, die ein Ende der serbischen Aggression&#13;
fordert und vom Krieg gezeichnete bosnisch-muslimische Städte zu "Schutzgebieten" erklärt, als "Beruhigungsmittel".&#13;
"Die einzige Lösung besteht darin, daß sich die bosnischen Serben bereiterklären, Frieden zu schließen, in&#13;
Toleranz mit ihren Nachbarn zusammenzuleben und diejenigen der Gerechtigkeit zu übergeben, die ihr Land in&#13;
den Krieg gestürzt und den guten Namen des serbischen Volkes besudelt haben", äußerte Albright in einer nach&#13;
der einmütigen Verabschiedung der Resolution durch den Sicherheitsrat veröffentlichten Erklärung, die wir&#13;
nachfolgend im Wortlaut abdrucken.&#13;
Wir hatten gehofft, heute im Sicherheitsrat über eine&#13;
Resolution abstimmen zu können, die uns endlich auf&#13;
den langen Weg zurück zum Frieden in BosnienHerzegowina bringen würde. Statt dessen stimmen&#13;
wir über eine Resolution ab, um der serbischen Aggression Einhalt zu gebieten. Erneut hat die Führung&#13;
der bosnischen Serben die Werte mit Füßen getreten,&#13;
die jedem in diesem Saal Anwesenden teuer sind. Wie&#13;
Außenminister Christopher heute bereits in Brüssel&#13;
erklärt hat, spricht die Entscheidung des sogenannten&#13;
Parlamentsder bosnischen Serben den Unterschriften&#13;
von Athen Hohn. Wir sind nicht bereit, dem vorgeschlagenen Referendum Legitimität zu verleihen, da&#13;
es sich dabei um einen weiteren zynischen Trick zu&#13;
handeln scheint, um Zeit zu gewinnen, während die&#13;
bosnischen Serben damit fortfahren, weitere Gebiete&#13;
zu besetzen. Infolgedessen konzentrieren wir uns&#13;
nach wie vor auf die von Präsident Clinton beschlossenen neuen und verschärften Maßnahmen.&#13;
&#13;
die Vereinbarungen zu ratifizieren und forderte statt&#13;
dessen, sie in diesem Monat noch zum Gegenstand&#13;
eines Referendums zu machen.&#13;
Wir sehen uns also mit der Tatsache konfrontiert, daß&#13;
ein selbsternanntes Parlament eines selbsternannten&#13;
Führers erklärt, es benötige die Zustimmung des&#13;
"Volkes", um das Morden einzustellen, für das es&#13;
selbst verantwortlich ist. Wir haben keine Zweifel&#13;
daran, daß den für die Kriegsverbrechen Verantwortlichen erlaubt wird, sich an dem Referendum zu beteiligen, falls es jemals stattfindet. Wir bezweifeln jedoch,&#13;
daß denjenigen, die mit Waffengewalt aus ihren Häusern vertrieben wurden, die Teilnahme gestattet wird.&#13;
Wirwissen, daß diejenigen, die heute in Frieden ruhen,&#13;
nicht daran teilnehmen werden. Dies ist nicht Demokratie in Aktion. Es ist ein einfacher Trick, um Zeit für&#13;
weitere territoriale Eroberungen zu gewinnen.&#13;
&#13;
Seien wir ehrlich: Die gegenwärtige Resolution ist ein&#13;
Ich bitte meine Mitdelegierten im Sicherheitsrat, kurz Beruhigungsmittel. Die einzige Lösung besteht darin,&#13;
über die Ironie der Geschehnisse der letzten Tage daß sich die bosnischen Serben bereiterklären, Frienachzudenken. Am Sonntag unterzeichnete der selb- den zu schließen, in Toleranz mit ihren Nachbarn&#13;
sternannte Führer der bosnischen Serben, Radovan zusammenzuleben und diejenigen der Gerechtigkeit&#13;
Karadzic, in Athen die verbleibenden Teile der Vance/ zu übergeben, die ihr Land in den Krieg gestürzt und&#13;
Owen-Vereinbarungen. Er machte seine Unterschrift den guten Namen des serbischen Volkes besudelt&#13;
jedoch von der Zustimmung des sogenannten Parla- haben. Ich möchte die Führung der bosnischen Serments der bosnischen Serben abhängig. Diese nicht- ben daran erinnern, daß meine Regierung in den&#13;
gewählte Gruppe zweifelhafter Personen weigerte sich, letzten Tagen deutlich gemacht hat, daß wir mit unseAMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�ren Verbündeten über neue, nachdrücklichere und&#13;
härtere Maßnahmen beraten. Ihre Durchführung oder Nichtbefolgung - dieser und aller anderen einschlägigen Sicherheitsratsresolutionen in den nächsten Tagen wird darüber entscheiden, ob wir und die&#13;
übrige Völkergemeinschaft zu dem Schluß kommen,&#13;
daß der Einsatz von Gewalt unvermeidlich ist.&#13;
Amerikaner wünschen Schlüsselrolle der USA bei&#13;
der Friedenssicherung und stärkere Unterstützung durch andere Länder&#13;
Einer jüngsten Meinungsumfrage zufolge wünschen&#13;
die Amerikaner, daß ihr Land eine Schlüsselrolle bei&#13;
der weltweiten Friedenssicherung spielt. Gleichzeitig&#13;
erwarten sie jedoch auch stärkere Hilfe anderer Länder bei diesen Bemühungen.&#13;
Den Ergebnissen zufolge sind 84 Prozent der Amerikaner - davon 54 Prozent mit Nachdruck - für humanitäre Missionen der amerikanischen Streitkräfte und&#13;
der Vereinten Nationen nach dem Muster der in Bosnien-Herzegowina und Somalia durchgeführten.&#13;
Jedoch wünschen 68 Prozent der Befragten, daß der&#13;
Rest der Welt einen größeren Anteil an den Lasten&#13;
humanitärer Hilfsmaßnahmen und der Beilegung von&#13;
Konflikten trägt. Lediglich 25 Prozent sind der Meinung, die Vereinigten Staaten sollten die gesamten&#13;
Lasten tragen, wenn andere Regierungen ihre Hilfe&#13;
verweigern.&#13;
Die Antworten von etwa 1.000 Personen wurden im&#13;
März und April von American Talk Issues Foundation&#13;
aufgezeichnet, einer überparteilichen, gemeinnützigen demoskopischen Organisation mit Sitz in Washington und Florida. Die Ergebnisse sind Teil einer&#13;
umfassenderen Erhebung, beider Amerikaner gefragt&#13;
wurden, welche Regeln für internationales Verhalten&#13;
sie in den Bereichen Umwelt, Handel, militärische und&#13;
humanitäre Maßnahmen festsetzen würden.&#13;
&#13;
sollten mehr Macht zur Durchsetzung des Völkerrechts haben. Dazu gehörten 62 Prozent, die eine&#13;
amerikanische Beteiligung an einer Weltkonferenz&#13;
wünschen, um die UN-Charta zu überprüfen und Zusätze&#13;
für Fälle auszuarbeiten, in denen einzelne Nationen&#13;
Probleme nicht allein lösen können.&#13;
83 Prozent waren der Meinung, die UN-Charta solle&#13;
geändert werden, um Verfahren vor einem internationalen Gerichtshof gegen nationale Entscheidungsträger zu ermöglichen, die schwerer Menschenrechtsverletzungen, der Kriegführung gegen ethnische Gruppen oder der Verursachung schwerer Umweltschäden&#13;
mit weltweiten Auswirkungen bezichtigt werden.&#13;
Rund 57 Prozent der Befragten gaben an, die Rettung&#13;
Kambodschas und anderer Länder vor dem Versinken&#13;
in Anarchie und Brutalität sei die Art von Ziel, dem sich&#13;
die Vereinten Nationen verpflichten und das die Vereinigten Staaten unterstützen sollten.&#13;
Der Meinungsumfrage zufolge möchten die Amerikaner den Verteidigungshaushalt abbauen, jedoch nicht&#13;
in dem von der Clinton-Administration vorgesehenen&#13;
Umfang. Unsicherheit im Hinblick auf die Anforderungen an die amerikanischen Streitkräfte in Übersee&#13;
veranlaßte 60 Prozent der Befragten, sich die Empfehlung des Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs,&#13;
Colin Powell, zu eigen zu machen, die Verteidigungsausgaben um 60 Milliarden Dollar über 5 Jahre zu&#13;
senken. Eine Minderheit befürwortet den Plan des&#13;
Präsidenten, im gleichen Zeitraum 126 Milliarden Dollar&#13;
einzusparen.&#13;
Der Erhebung zufolge wünscht die amerikanische&#13;
Ofentlichkeit eine "neue Weltordnung", in der die Vereinigten Staaten die Führungsrolle bei der Lösung&#13;
weltweiter Umweltprobleme übernehmen und die&#13;
Vereinten Nationen internationale Waffenverkäufe&#13;
überwachen und besteuern.&#13;
&#13;
Etwa die Hälfte der Befragten gab an, die Vereinigten&#13;
Eine Mehrheit von 57 Prozent gab an, die Clinton- Staaten seien im Golfkrieg bei der Zerstörung des&#13;
Administration leiste gute Arbeit bei dem Versuch, die irakischen Einflusses nicht weit genug gegangen.&#13;
Tragödie in Bosnien-Herzegowina zu beenden. 45&#13;
Prozent erklärten, die Vereinigten Staaten und die Kritik an Rolle Europas in Bosnien&#13;
Vereinten Nationen müßten härtere und entschlossenere Maßnahmen ergreifen, um das ehemalige Jugo- Zwei amerikanische Kongreßabgeordnete haben sich&#13;
am 10. Mai 1993 enttäuscht über die bisherige Rolle&#13;
slawien zu befrieden.&#13;
Europas bei der Lösung der Krise in Bosnien geäu ßert.&#13;
Fünf Optionen ziehen die Amerikaner dem Einsatz Der Demokrat Mike Synar (Oklahoma) und der Repumassiver militärischer Gewalt vor: Diplomatie, Einsatz blikaner Chris Cox (Kalifornien) sprachen sich im&#13;
gemäßigter militärischer Gewalt zur Sicherung huma- Satellitenfernsehen WorldNet des US-Informationsnitärer Hilfslieferungen, Handelsembargos, Einstel- amtes gegen einen Alleingang der Vereinigten Staaten&#13;
lung aller Waffenlieferungen an die kriegführenden aus.&#13;
Parteien sowie die Unterbindung des Handels mit&#13;
Währung und Staatsanleihen kriegführender Länder "Die amerikanische Öffentlichkeit ist über die mangelnden Aktionen Europas bitter enttäuscht", erklärte&#13;
auf den Weltfinanzmärkten.&#13;
Synar. Auf die Frage, welche einseitigen militärischen&#13;
Etwa 80 Prozent gaben an, die Vereinten Nationen Maßnahmen die Vereinigten Staaten ergreifen könnsollten für die internationale Sicherheit verantwortlich ten, antwortete Cox: "Warscheinlich gar keine. Es&#13;
sein, und 86 Prozent meinten, die Vereinten Nationen wäre ein enormer Fehler, wenn wir unter diesen&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Umständen im Alleingang handelten." Ziel der Vereinigten Staaten sei es "ganz Europa bei einer Lösung&#13;
des Problems zu vereinen", fügte er hinzu.&#13;
Synar äußerte, die Clinton-Administration werde "in&#13;
den nächsten 10 bis 14 Tagen alle unsere Optionen"&#13;
prüfen, "und ich gehe davon aus, daß die Entscheidung, was wir tun werden, zum großen Teil davon&#13;
abhängt, was Sie in Europa tun". Derzeit gebe es in&#13;
den Vereinigten Staaten von allen Seiten große Unterstützung für die Maßnahmen des Präsidenten.&#13;
&#13;
Stand von 1990 bis zum Jahr 2000 - für "sehr gut&#13;
erreichbar. Wir erörtern verschiedene Präsidialerlasse und parlamentarische Initiativen, die zusammenwirken, um dies zu erreichen."&#13;
&#13;
"Wir möchten sicherstellen, daß die Behandlung nicht&#13;
schlimmer ist als das derzeitige Problem", erwiderte&#13;
Cox. "Das schrittweise Verbot des Einsatzes von&#13;
FCKW wird sehr kostspielig sein", äußerte er. Schon&#13;
die Umrüstung von Kapitalgütern allein "wird mehr als&#13;
100 Milliarden Dollar kosten, wenn wir in dem heute&#13;
diskutierten Zeitraum zwischen jetzt und dem Jahr&#13;
Bei der Bewertung der Haushaltsvorlage des Präsi- 2000 vorgehen", fügte er hinzu. Cox betonte, man&#13;
denten vertraten die beiden Parlamentarier jedoch müsse die Kosten der "sogenannten grünen Gebühren&#13;
eine völlig unterschiedliche Haltung. Cox erklärte, er oder anderer Steuern oder Vorschriften für die Wirt"stellt die größte Steuererhöhung jeder vergleichbaren schaft" im Auge behalten.&#13;
Fünfjahresperiode in der amerikanischen Geschichte&#13;
dar, mit dem Nettoergebnis, daß er den größten Fünf- Im Hinblick auf Präsident Clintons allgemeine Bilanz in&#13;
jahresanstieg des Defizits in der amerikanischen den vergangenen 100 Tagen stellte Synar fest: "Es ist&#13;
klar, daß der Präsident einen steinigen, aber meines&#13;
Geschichte vorsieht".&#13;
Erachtens ziemlich erfolgreichen Start hatte."&#13;
Synar lobte dagegen den Präsidenten für seine Vorschläge und kritisierte die "riesigen Schulden", die von Cox äu ßerte sich kritischer, insbesondere zum von der&#13;
den republikanischen Administrationen der achtziger Clinton-Administration geplanten Umfang der KürzunJahre angehäuft worden seien. "Dies hatte ernste gen im Verteidigungshaushalt: "Ich prognostiziere,&#13;
Auswirkungen auf unsere Fähigkeit, den Kurs unseres daß Präsident Clinton infolge der Ereignisse in BosLandes in einer Zeit zu ändern, in der wir die Ära des nien, infolge der Entwicklung in Asien, in Nordkorea, in&#13;
Kalten Krieges verlassen", stellte er fest.&#13;
Krisenherden der ganzen Welt sich das nochmals&#13;
überlegen wird und wir zumindest teilweise eine AufheZu Präsident Clintons umwertpolitischen Vorschlägen bung der einschneidenden Kürzungen der Verteidivertraten beide ebenfalls gegensätzliche Ansichten. gungsausgaben in seinem Haushalt erleben werden",&#13;
Synar erklärte, er halte das vom Präsidenten festge- erklärte er.&#13;
legte Ziel - die Reduzierung der Treibhausgase auf den&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�NATIONALER&#13;
&#13;
SOZIALER&#13;
&#13;
DIENST&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
NATIONALER SOZIALER DIENST&#13;
Auszüge aus der Rede Präsident Clintons in New Orleans&#13;
&#13;
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton gab Einzelheiten eines Programms für einen nationalen sozialen&#13;
Dienst bekannt, das amerikanischen Studenten helfen soll, durch einen Dienst an der Allgemeinheit ihre&#13;
Collegegebühren zu bezahlen.&#13;
"Der nationale soziale Dienst wird den Beginn eines neuen Zeitalters für Amerika markieren, in dem jeder Bürger&#13;
... ein Mittler des Wandels werden kann, ausgerüstet mit dem Wissen und der Erfahrung, die eine Collegeausbildung vermittelt", erklärte Präsident Clinton in einer Rede vor der University of New Orleans am 30. April 1993.&#13;
Das vom Präsidenten vorgeschlagene Programm, das während der Beratung im Kongreß noch modifiziert&#13;
werden könnte, sieht einen Darlehenserlaß von bis zu 10.000 Dollar für diejenigen vor, die vor oder nach Abschluß ihrer weiterführenden Ausbildung Dienst an der Allgemeinheit leisten.&#13;
Clinton schlug auch das neue Ausbildungsförderungsprogramm Excel Account vor, das die bestehenden&#13;
Darlehensprogramme für Studenten verbessern und es einfacher machen soll, "Geld auszuleihen, und noch&#13;
einfacher, es zurückzuzahlen", während gleichzeitig der Säumniszuschlag auf diese Darlehen gesenkt wird.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rede Präsident Clintons in New Orleans.&#13;
&#13;
An diesem hundertsten Tag meiner Amtszeit möchte&#13;
ich mich selbst und meine Mitarbeiter erneut zu den&#13;
Werten verpflichten, die unsere Nation in der gesamten Menschheitsgeschichte unvergleichlich gemacht&#13;
haben - Chancen, Verantwortung, Gemeinschaft und&#13;
gegenseitiger Respekt.&#13;
&#13;
Wir werden auch den jungen Menschen in Amerika die&#13;
Chance geben, ihre Darlehen zurückzuzahlen, indem&#13;
sie in ihren Gemeinden im Rahmen eines neuen&#13;
Programms für einen nationalen sozialen Dienst tätig&#13;
werden. In wenigen Tagen werde ich dem Kongreß&#13;
zwei unsere Vorschläge enthaltende Gesetzentwürfe&#13;
zusenden, zur Verbesserung der Chancen für eine&#13;
Heute möchte ich den Vorschlag machen, jene Werte Collegeausbildung und zur Errichtung eines nationain einer Revolution der Chancen für unsere einkom- len sozialen Dienstes. Zusammen werden sie Amerimensschwachen Familien zu verwenden und für jene, kas Engagement fürdie Gemeinschaft Wiederaufleben&#13;
die ausgeschlossen waren. Als ersten Schritt werden lassen und die Kosten einer Collegeausbildung für&#13;
wir die Bedingungen der Darlehen für Collegegebüh- jeden Amerikaner erschwinglich machen.&#13;
ren verbessern und dadurch Studenten aus Familien&#13;
mit mittlerem und niedrigerem Einkommen den Weg Es ist kein Geheimnis, daß in den letzten 10 bis 12&#13;
zum amerikanischen Traum erleichtern - den Weg zu Jahren eine Collegeausbildung ungefährden einzigen,&#13;
weiterführender Bildung.&#13;
wirklich wichtigen Bereich darstellte, dessen Kosten&#13;
noch schneller gestiegen sind als die Kosten im GeIm Gegenzug verlangen wir von unseren jungen sundheitswesen. Und die Eltern aus der Mittelschicht&#13;
Menschen, Verantwortung zu zeigen. Wir werden es und sogar aus der gehobenen Mittelschicht, ganz zu&#13;
einfacher machen, Geld auszuleihen, und noch einfa- schweigen von denjenigen mit niedrigerem Einkomcher, es zurückzuzahlen, aber diesmal muß es zurück- men, haben die Last getragen. Sie zahlen jetzt ungegezahlt werden. Man darf nicht einfach säumig wer- fähr 5 Prozent eines mittleren Einkommens, um einem&#13;
den.&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Kind eine vierjährige Ausbildung in einem öffentlichen Aber diese Excel Accounts sind nur der Anfang. Wir&#13;
College eines Bundesstaates zu ermöglichen.&#13;
hoffen, sie werden mehr und mehr Amerikaner dazu&#13;
verleiten, nicht nur die Gelegenheit zu einer CollegeEin solches Ausbildungsjahr kostet im Durchschnitt ausbildung zu ergreifen und größeres Verantwortungsüber 5.200 Dollar. Das bedeutet, daß die Familien ihre bewu ßtsein zu entwickeln, sondern auch ihre GemeinErsparnisse erschöpfen und viele Studenten sich auf- den durch ein Programm des nationalen sozialen&#13;
grund der Kosten der Collegeausbildung auf einen Dienstes zu unterstützen.&#13;
Teilzeitkurs beschränken oder sogar das Studium&#13;
abbrechen müssen. Die Quote der Studienabbrecher Es war Thomas Jefferson, der dem amerikanischen&#13;
am College ist mehr als doppelt so hoch wie bei den Volk als erster gesagt hat, je mehr man wisse desto&#13;
weiterführenden Schulen. Wir können uns das nicht mehr besitze man. Um seine Worte zu zitieren: "Von&#13;
leisten, und wir können es besser machen ...&#13;
jedem Menschen ist ein Schuldendienst für sein Land&#13;
fällig im Verhältnis zu den Gaben, mit denen die Natur&#13;
Ich schlage einen neuen Weg vor, um die Collegeaus- und das Glück ihn ausgestattet haben." Diese Aussabildung für die Millionen von Studenten zu finanzieren, ge führt uns vor Augen, daß Werte niemals aus der&#13;
die jedes Jahr ein Darlehen beantragen. Wir nennen Mode kommen, die bürgerliche Verantwortung heute&#13;
ihn Excel Account. Mit Hilfe von Excel Account so gut für die Demokratie ist wie zu der Zeit, als&#13;
können Studenten die aufgenommenen Darlehen nicht Thomas Jefferson diese Worte sprach, und Sie Ihrem&#13;
mit einem nach ihrem Darlehen bemessenen Zinssatz, Land etwas zurückgeben müssen, wenn Sie wirklich&#13;
sondern mit einem an ihrem tatsächlichen Einkommen der beste Bürger Ihres Landes sein wollen.&#13;
orientierten zurückzahlen. Denken Sie darüber einmal&#13;
nach. Für Studenten, die in die Verschuldung getrie- Mit einem nationalen sozialen Dienst können wir einer&#13;
ben wurden - und aufgrund ihrer Verschuldung in neuen Generation von Amerikanern buchstäblich eine&#13;
Berufe mit hoher Bezahlung und geringer Befriedi- neue Welt eröffnen, in der weiterführende Bildung&#13;
gung, kann dies einen sehr befreienden Effekt haben. Hand in Hand mit dem vornehmeren Ziel der Bewältigung unserer unerfüllten Bedürfnisse - unserer bilDenken Sie beispielsweise an einen Studenten, der dungspolitischen, sozialen und umweltpolitschen&#13;
hin- und hergerissen ist zwischen einer Laufbahn als Bedürfnisse - zur Sicherstellung der Zukunft geht, die&#13;
Lehrer und einer im Gesellschaftsrecht. Dieser Stu- wir alle teilen werden. Ein nationaler sozialer Dienst&#13;
dent kann jetzt zumindest seine Wahl auf der Grund- wird den Beginn eines neuen Zeitafters für Amerika&#13;
lage seiner Neigung treffen und nicht aufgrund der markieren, in dem jeder Bürger, jeder von Ihnen, ein&#13;
Höhe des ausstehenden Darlehens, denn wir machen Mittler des Wandels werden kann, ausgerüstet mit&#13;
den Vorschlag, daß jeder die Möglichkeit haben sollte, dem Wissen und der Erfahrung, die eine Collegeaussein Darlehen bemessen an seinem tatsächlichen bildung vermittelt und bereit zur Umgestaltung der&#13;
Einkommen und nicht nur an seinen tatsächlichen Welt in der wir leben, Stadt um Stadt, Gemeinde um&#13;
Schulden zurückzuzahlen. Das stellt einen unglaubli- Gemeinde, Block um Block. Ich sage Ihnen, wir&#13;
chen Anreiz dar.&#13;
brauchen Sie...&#13;
Unter dem bestehenden System jedoch haben die wie Sie wissen - mit großen Rechnungen oder einfach&#13;
mit unangenehmer Verantwortung konfrontierten Studenten viel zu oft den Weg der Verantwortungslosigkeit eingeschlagen und sind ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen oder in Verzug geraten,&#13;
weil sie keine Arbeit fanden. Häufig stellt es keine&#13;
große Anstrengung dar, das Darlehen aufzunehmen,&#13;
da die Regierung für 90 Prozent des Geldes eine&#13;
Garantie übernimmt. Wenn also eine Bank ein Darlehen gewährt, kostet es über 10 Prozent, es einzufordern. Wozu führt das? Die Steuerzahler zahlen jedes&#13;
Jahr mehr als 3 Milliarden Dollar für die Darlehen&#13;
anderer, nur für nicht bediente Darlehen, - Geld, das&#13;
für Ihre Ausbildung, für die Schulen hier, fürdie Zukunft&#13;
der Kinder hier ausgegeben werden könnte. Das ist&#13;
nicht in Ordnung.&#13;
&#13;
Wir müssen sicherstellen, daß wir Ihre Energien und&#13;
Talente nutzen können. Ein Weg besteht in der&#13;
Gewährleistung, daß die häufig vom öffentlichen Dienst&#13;
gebotenen niedrigen Löhne und Gehälter nicht eine&#13;
Straße zum Armenhaus für jemanden mit einem Darlehen für die Collegeausbildung werden. Wie ich&#13;
bereits gesagt habe, werden wir es leichter für Sie&#13;
machen, Ihr College-Darlehen abzuzahlen, aber, wenn&#13;
Sie sich für einen nationalen sozialen Dienst verpflichten, werden wirdie Rückzahlung eines College-Kredits&#13;
erleichtern oder Sie können Punkte dafür sammeln,&#13;
bevor oder während Sie aufs College gehen.&#13;
&#13;
Für jede Dienstzeit - ein oder zwei Jahre - erhalten die&#13;
Teilnehmer am Programm für einen nationalen sozialen Dienst Vergütungen, die für frühere, gegenwärtige&#13;
oder künftige Verpflichtungen verwendet werden können, sei es für das College oder eine moderne BerufsUnter unserem System würde das Bildungsministe- ausbildung. Sie können eine Collegeausbildung erhalrium die Dienste des Finanzamts zu Hilfe nehmen, wir ten und darüber hinaus durch den Dienst vielleicht die&#13;
hätten die Gehaltslisten, und Sie könnten die Rech- beste Erfahrung Ihres Lebens machen. Und das ist&#13;
nung nicht unterbieten...&#13;
eine ziemlich gute Investition...&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Ein weiterer Teil unseres Plans ist, auf das 1990&#13;
verabschiedete Gesetz über den nationalen und&#13;
kommunalen Dienst (National und Community Service&#13;
Act) und die bereits Früchte tragenden Programme&#13;
aufzubauen, die wir... in jedem Bundesstaat dieses&#13;
Landes in die Wege geleitet haben. Ein nationaler&#13;
sozialer Dienst wird keine staatliche Bürokratie werden, sondern an der Basis bei den realen Problemen&#13;
realer Menschen und mit Programmen tätig sein, die&#13;
heute funktionieren. Die Motivation erfolgt auf lokaler&#13;
Ebene, den ich vertraue darauf, daß die Gemeinden in&#13;
diesem Land eigene Entscheidungen treffen können...&#13;
Was dieses Gesetz von anderen ähnlichen Bestrebungen der Vergangenheit unterscheidet, die Dienste für&#13;
unser Land bereitstellten, ist, daß es die Bürokratie der&#13;
Bundesregierung vollständig beseitigt - und glauben&#13;
Sie mir, das wird niemandem entgehen. Wir werden&#13;
ein Unternehmen für einen nationalen sozialen Dienst&#13;
aufbauen, das wie ein großes Risikounternehmen&#13;
operieren wird, nicht wie eine Bürokratie. Und die&#13;
Gemeinden werden, wie ich bereits sagte, die Flexibilität haben, ihre eigenen Programme ans Laufen zu&#13;
bringen...&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
Indem es diesem Appell Folge leistet, setzt unser Volk&#13;
eine stolze Geschichte fort. Vor über einem Jahrhundert unterzeichnete Präsident Abraham Lincoln das&#13;
Heimstättengesetz, und die Grenzen dieses Landes&#13;
wurden durch zahllose Familien festgesetzt, die die&#13;
Herausforderung als Gegenleistung für 100 Acre Land&#13;
annahmen, die sie ihr eigen nennen konnten. In den&#13;
dreißiger Jahren rekrutierte Präsident Roosevelt durch&#13;
die Naturschutzbehörde Millionen junger Leute für die&#13;
Wiederherstellung der Umwelt. Roosevelt gab anderen durch die von der Dienststelle für Arbeitsprojekte&#13;
ermöglichten Gebäude eine Chance zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit...&#13;
Vor einer Generation sahen die jungen Menschen&#13;
meiner Generation das Leiden in Lateinamerika, Asien&#13;
und Afrika, und viele von ihnen stellten sich der Herausforderung, die Präsident Kennedy mit der Gründung des Peace Corps bot, das zum wichtigsten&#13;
Botschafter unseres Landes wurde, indem es Brücken&#13;
des Verständnisses zu fernen Kulturen baute. Und&#13;
heute, drei Generationen später, bietet sich Ihnen allen&#13;
eine Herausforderung: Eine neue und eine alte Herausforderung, so alt wie Amerika und so neu wie Ihre&#13;
Zukunft...&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�SOMALIA&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
US-TRUPPEN IN SOMALIA RETTETEN&#13;
MENSCHENLEBEN&#13;
Ansprache Präsident Clintons vor der Vereinigten Einsatztruppe&#13;
WASHINGTON - (AD) - "Wenn Sie alle, die Sie gedient haben, diesen Einsatz nicht geleistet hätten, wären mit&#13;
absoluter Sicherheit Zehntausende von Menschen gestorben. Sie haben ihr Leben gerettet", äußerte Präsident&#13;
Clinton vor den Frauen und Männern der Vereinigten Einsatztruppe in Somalia während einer ihnen zu Ehren&#13;
am 5. Mai 1993 im Weißen Haus abgehaltenen Feierstunde.&#13;
Clinton erklärte, der Erfolg der Einsatztruppe "hat wieder einmal bewiesen, daß unsere Teilnahme an&#13;
multilateralen Bemühungen zeitlich begrenzt und klar definiert sein kann, daß wir im Ausland bestimmte Ziele&#13;
erreichen und dann nach Beendigung unserer Mission nach Hause zurückkehren können."&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Ansprache Präsident Clintons.&#13;
&#13;
Um die Größenordnung des von unseren Streitkräften&#13;
in Somalia Geleisteten zu verstehen, muß die Wert nur&#13;
an die Situation in Somalia vor einem halben Jahr&#13;
zurückdenken. Hunderttausende verhungerten, bewaffnete Anarchie beherrschte das Land und die Straßen jeder Stadt und jedes Dorfes. Heute gibt es wieder&#13;
Nahrungsmittel, das Getreide wächst auf den Feldern,&#13;
Schulen und Krankenhäuser werden wieder geöffnet.&#13;
Obwohl noch viel zu tun bleibt, wenn ein dauerhafter&#13;
Friede herrschen soll, kann man sich heute bereits den&#13;
Tag vorstellen, an dem Somalia als funktionierende&#13;
bürgerliche Gesellschaft wiederhergestellt ist.&#13;
Wenn Sie alle, die Sie gedient haben, diesen Einsatz&#13;
nicht geleistet hätten, wären mit absoluter Sicherheit&#13;
Zehntausende von Menschen gestorben. Sie haben&#13;
ihr Leben gerettet. Sie haben den Menschen in&#13;
Somalia die Gelegenheit gegeben, über ihren Hunger&#13;
hinauszublicken und an ihre Zukunft und die Zukunft&#13;
ihrer Kinder zu denken. Obwohl Sie sich auf eine&#13;
Friedensmission begaben, kehrten acht Amerikaner&#13;
nicht zurück. Wir bezeugen jedem von ihnen unsere&#13;
Ehrerbietung. Wir danken ihnen und ihren Familien.&#13;
Amerika wird nie vergessen, was sie getan haben und&#13;
was sie gaben. Ihren Angehörigen sprechen wir unser&#13;
Mitgefühl aus und schließen sie in unsere Gebete ein.&#13;
&#13;
kunft hat. Diese größte humanitäre Hilfsaktion der&#13;
&#13;
Geschichte hat ein wichtiges neues Kapitel in den&#13;
internationalen Annalen friedenserhaltender und&#13;
humanitärer Hilfsleistungen geschrieben.&#13;
Sie haben gezeigt, daß die Arbeit der Gerechten über&#13;
die Waffen der Kriegsherren die Oberhand gewinnt.&#13;
Sie haben demonstriert, daß die Welt bereit ist, ihre&#13;
Ressourcen auf neue Art und Weise zu mobilisieren,&#13;
um den Herausforderungen eines neuen Zeitalters zu&#13;
begegnen. Und Sie haben wieder einmal bewiesen,&#13;
daß die Führungsrolle Amerikas dazu beitragen kann,&#13;
eine internationale Aktion für eine bessere Welt ins&#13;
Leben zu rufen.&#13;
Sie lassen auch eine UNO-Friedenstruppe zurück, der&#13;
viele Amerikaner angehören. Diese Truppe ist ein&#13;
Spiegel des neuen Zeitalters, in das wir eingetreten&#13;
sind, da Amerikaner auf neue Art und Weise daran&#13;
teilnehmen.&#13;
&#13;
Vor wenigen Stunden, als UNITAF zu UNOSOM II&#13;
wurde, übergab General Johnston das Kommando an&#13;
General Bir aus der Türkei. Sie haben die Weichen&#13;
gestellt und es dieser Truppe ermöglicht, ihre Mission&#13;
zu erfüllen, und den Menschen in Somalia, ihre Arbeit&#13;
für Wiederaufbau und die Schaffung einer friedlichen,&#13;
Während wirdie Dienste derjenigen ehren, die zurück- wirtschaftlich unabhängigen und demokratischen bürgekehrt sind, und derjenigen, die nicht zurückkehrten, gerlichen Gesellschaft zu vollenden.&#13;
ist es angemessen darüber nachzudenken, welche Ihre erfolgreiche Rückkehr erinnert uns daran, daß&#13;
Auswirkungen diese erfolgreiche Mission für die Zunoch andere Missionen vor uns liegen - einige sind&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�voraussehbar, andere nicht. Wie stets sind wir bereit&#13;
zur Verteidigung unserer Interessen, zur Zusammenarbeit mit anderen, wenn möglich, und zum Alleingang,&#13;
wenn nötig. In diesem neuen Zeitalter werden wir&#13;
jedoch in zunehmendem Maße mit einer Vielzahl&#13;
multinationaler Partner zusammenarbeiten müssen,&#13;
oftmals in neuen Konstellationen. Sie haben erneut&#13;
bewiesen, daß dies möglich ist. Sie haben erneut&#13;
bewiesen, daß unsere Teilnahme an multilateralen&#13;
Bemühungen zeitlich begrenzt und klar definiert sein&#13;
kann, daß wir im Ausland bestimmte Ziele erreichen&#13;
und dann nach Beendigung unserer Mission nach&#13;
Hause zurückkehren können.&#13;
&#13;
General Johnston und seine Kameraden repräsentieren. Der Grund dafür ist, daß wir immer noch Interessen haben, uns immer noch Gefahren gegenübersehen und immer noch Verantwortung tragen. Die Welt&#13;
hat noch nicht ein Ende des Bösen gesehen, und&#13;
Amerika kann anderen Ländern mit gutem Beispiel&#13;
vorangehen, mehr Verantwortung zu tragen.&#13;
&#13;
Manche werden fragen, warum wir so häufig die Führungsrolle übernehmen müssen. Natürlich können wir&#13;
nicht den Weltpolizisten spielen, aber wir sind die&#13;
führende Nation in der Welt und müssen dies auch&#13;
weiterhin bleiben. Das ist die Aufgabe der Vereinigten&#13;
Staaten von Amerika. Und so öffnet Amerika heute&#13;
Manche werden vielleicht fragen, warum wir nach dem seine Arme zu einem herzlichen Willkommensgruß für&#13;
Ende des Kalten Krieges immer noch die größte Streit- die Heimkehrer.&#13;
macht der Welt unterhalten müssen, der Art, wie sie&#13;
&#13;
* *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
•&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�HANDEL&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
KANTOR: URUGUAY-RUNDE BENÖTIGT BETEILIGUNG&#13;
JAPANS UND DER ENTWICKLUNGSLÄNDER&#13;
Rede des US-Handelsbeauftragten&#13;
WASHINGTON - (AD) - Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge ist die UruguayRunde von "vordringlicher" Bedeutung für die Clinton-Administration, der Erfolg dieser internationalen Handelsrunde benötige jedoch die uneingeschränkte Beteiligung Japans und der Entwicklungsländer.&#13;
In einer am 5. Mai 1993 vor dem nationalen Presseclub gehaltenen Rede verteidigte Kantor die amerikanische&#13;
Handelspolitik gegen Kritik aus dem Ausland, sie sei einseitig.&#13;
"Länder zur Einhaltung ihrer Abkommen anzuhalten, ist das Gegenteil", stellte Kantor fest. "Wir können die&#13;
Unternehmen und ihre Arbeitnehmer nicht auffordern, das Risiko der Geschäftstätigkeit auf dem Weltmarkt zu&#13;
übernehmen, solange wir nicht garantieren können, daß Abkommen durchgesetzt werden."&#13;
Der Handelsbeauftragte erörterte ferner das Engagement der Administration für das Nordamerikanische&#13;
Freihandelsabkommen und das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit.&#13;
Kantor fügte hinzu, Präsident Clinton erwarte von seinem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten&#13;
Miyazawa in Tokio während des jährlichen Wirtschaftsgipfels der führenden Industrienationen im Juli "konkrete,&#13;
meßbare Fortschritte" bei einer Reihe bilateraler Themen.&#13;
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Handelsbeauftragten im Wortlaut.&#13;
&#13;
Vor etwas mehr als zwei Monaten hat Präsident Clinton vor der American University seine Vision der&#13;
amerikanischen Rolle in der Weltwirtschaft dargelegt.&#13;
Es ist eine auf die Überzeugung gegründete Vision,&#13;
daß wir zum dritten Mal im 20. Jahrhundert vor einer&#13;
historischen Entscheidung stehen.&#13;
"Werden wir die Fehler der zwanziger oder dreißiger&#13;
Jahre wiederholen, uns nach innen zu wenden?",&#13;
fragte er. "Oder werden wir die Erfolge der vierziger&#13;
und fünfziger Jahre wiederholen, indem wir uns nach&#13;
außen wenden?" Seine Amtwort war eindeutig: Wir&#13;
werden uns nach außen wenden und uns an die neue&#13;
Weltwirtschaft anpassen. Wirwerden unsder Konkurrenz stellen und uns nicht zurückziehen.&#13;
Handel ist für die Vision des Präsidenten von der&#13;
Zukunft Amerikas in der Welt ein zentrales Element.&#13;
Handel bedeutet, Geld in der Tasche zu haben. Handel&#13;
bedeutet Arbeitsplätze. Handel bedeutet, daß die&#13;
Arbeiterund Arbeiterinnen in Raleigh in North Carolina&#13;
elektrische Produkte für Computer in 70 Ländern herstellen und verkaufen. Handel bedeutet, daß eine&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Firma in Kalifornien, die im Besitz von Angehörigen&#13;
einer Minderheit ist, elektromechanische Produkte in&#13;
fünf Länder exportiert. Im gesamten Land bedeutet&#13;
Handel, daß Arbeitnehmer Abendessen auf den Tisch&#13;
stellen und ihre Familien versorgen können.&#13;
Die Vorteile des Handels beschränken sich nicht auf&#13;
die Vereinigten Staaten. Wie der Präsident in seiner&#13;
Rede vor der American University weiter ausführte,&#13;
wird das Geflecht des Handels auch weltweiten Wohlstand beeinflussen. "Dennoch bleibt jetzt und für&#13;
absehbare Zukunft die Tatsache bestehen, daß die&#13;
Welt uns als Motor für weltweites Wachstum und als&#13;
führende Nation betrachtet."&#13;
Wir können diesen beiden Aufgaben von Wohlstand&#13;
für die Vereinigten Staaten und einer weltweiten Führungsrolle nicht gerecht werden, wenn wir nicht konkurrenzfähig sind. Die Clinton-Administration hat sich&#13;
verpflichtet, Amerika wettbewerbsfähig zu machen.&#13;
Wir können nur konkurrenzfähig sein, wenn die Handelspolitik integraler Bestandteil der Wirtschaftspolitik&#13;
ist.&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Tage sind vorüber, als diese Nation Handelsbelange "nationaler Sicherheit" im herkömmlichen Sinne&#13;
des Begriffs unterordnen konnte. Die Strategie des&#13;
"Containment" war während des Kalten Krieges angemessen, es war jedoch eine statische, auf die Eindämmung des sowjetischen Expansionismus abzielende&#13;
Strategie. In jenen Jahren machten wir uns Sorgen&#13;
über die "Weltuntergangsuhr" - deren Zeiger auf kurz&#13;
vor 12 Uhr im Hinblick auf einen Nuklearkrieg standen.&#13;
Lange Zeit warunsere Strategie die gesicherte gegenseitige Vernichtung.&#13;
Heute sind unsere Herausforderungen dynamisch,&#13;
nicht statisch. Auf Humankapital gegründete und&#13;
durch Handel genährte wirtschaftliche Stärke ist eine&#13;
Säule der nationalen Sicherheit in dieser neuen Zeit&#13;
nach dem Kalten Krieg. Unsere Sicherheitsinteressen&#13;
- und die der anderen - sind untrennbar mit Wachstum&#13;
und Fairneß des globalen Handelssystems verbunden.&#13;
Die Wirtschaftspolitik beginnt mit dem Binnenwirtschaftsprogramm des Präsidenten. Die Herausforderungen sind enorm. Die Arbeitslosenquote beträgt&#13;
noch immer 7 Prozent. 10 Prozent der Amerikaner&#13;
beziehen Lebensmittelmarken. Über 16 Millionen&#13;
Menschen suchen Vollzeitbeschäftigung und haben&#13;
dabei kein Glück.&#13;
Wir müssen den amerikanischen Arbeitnehmern die&#13;
Ausbildug zur Verfügung stellen, die sie für gute Arbeitsplätze in den Industrien der Zukunft benötigen.&#13;
&#13;
beitet im Fertigungssektor und verdient nahezu 3.500&#13;
Dollar mehr im Jahr als der amerikanische Durchschnittsarbeiter.&#13;
Wenn sich Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich am&#13;
Handel orientieren, bieten auch sie den Arbeitnehmern&#13;
wertvolle Anreize. Der Durchschnittsverdienst eines&#13;
im Dienstleistungsbereich tätigen Arbeitnehmers im&#13;
Export liegt schätzungsweise 20 Prozent höher als der&#13;
Durchschnittsverdienst im Dienstleistungssektor.&#13;
Handel bedeutet also, daß die Zeiger der Uhr vorrükken, in Richtung auf höhere Einkommen und bessere&#13;
Arbeitsplätze für Amerikaner.&#13;
Nehmen wir zum Beispiel Ron Thomason, einen Lagerarbeiter im großen Bulldozermontagewerk der Firma Caterpillar in East Peoria (Illinois). Er sagt: "Ich&#13;
verdanke Exporten meinen Arbeitsplatz." Im IBMWerk in Rochester (Minnesota) wissen 200 von 900&#13;
Beschäftigten, daß ihre Arbeitsplätze vom Export&#13;
abhängen. Dasselbe gilt für 18 Beschäftigte eines&#13;
Unternehmens für Fertigungssteuerung in Tucson.&#13;
Gleichzeitig haben wir den größten offenen Markt der&#13;
Welt. Wir sind der größte Abnehmer für Exporte aus&#13;
Entwicklungsländern. In vier wichtigen Branchen Textilien und Bekleidung, Stahl, Automobile und Schuhwerk - importieren die Vereinigten Staaten pro Kopf&#13;
zwischen doppelt und zehnmal soviel wie Japan. Bei&#13;
dieser Bilanz wollen die Amerikaner sicher sein, daß&#13;
sie von niemandem übervorteilt werden und andere&#13;
ähnlich offene Märkte einrichten und beibehalten.&#13;
&#13;
Wir müssen unser strukturelles Defizit beheben.&#13;
&#13;
Um unsere Ziele im Handel zu erreichen, werden wir&#13;
Wir müssen für amerikanische Unternehmen das Kapital alle uns zur Verfügung stehenden Verhandlungsinbereitstellen, das sie für Expansion und Konkurrenzfä- strumente einsetzen. Wir werden multilateral, regiohigkeit benötigen.&#13;
nal, bilateral, branchenweise verhandeln. Wir bestehen lediglich darauf, daß ausländische Regierungen&#13;
Und wir müssen der amerikanischen Volkswirtschaft im Rahmen von bestehenden und künftigen Abkomdie Anreize eines prosperierenden Weltmarktes bie- men unsere Rechte respektieren. Und wir werden ihre&#13;
ten.&#13;
respektieren. Wir streben nach Verpflichtungen auf&#13;
Gegenseitigkeit - und vergleichbare Maßnahmen:&#13;
Die Ziele der Handelspolitik der Clinton-Administration&#13;
Bedingungen, die echte Partnerschaft und gegenseitisind klar. Wir wollen mehr ausländische Märkte erge Verantwortung bedeuten.&#13;
schließen. Wir möchten mehr Geschäfte mit den&#13;
bereits geöffneten Märkten tätigen. Wir wollen gegen Wir Amerikaner werden bisweilen der Einseitigkeit&#13;
uns und andere errichtete Handelsschranken abbau- bezichtigt, wenn wir auf der Durchsetzung von Abkomen.&#13;
men bestehen. Länder zur Einhaltung ihrer Abkommen anzuhalten, ist das Gegenteil. Die Durchsetzung&#13;
Wir müssen Vertrauen in das internationale Handelsstärkt die Unterstützung der Vereinigten Staaten für&#13;
system aufbauen. Die amerikanische Öffentlichkeit&#13;
ein offenes Handelssystem - und sie stärkt darüber&#13;
denkt zu häufig, daß Handel schadet, daß Handel&#13;
hinaus auch die Glaubwürdigkeit dieses HandelssyArbeitsplätze wegnimmt. Das Gegenteil trifft zu.&#13;
stems.&#13;
Die Zahlen sprechen für sich. Jede Milliarde Dollar an&#13;
Exporten schafft 20.00 neue Arbeitsplätze in den Wir können Unternehmen und ihre Arbeitnehmer nicht&#13;
Vereinigten Staaten. Heute hängt das Einkommen auffordern, das Risiko der Geschäftstätigkeit auf dem&#13;
von über sieben Millionen Amerikanern allein von den Weltmarkt einzugehen, solange wir nicht garantieren&#13;
Warenexporten ab oder steht zumindest mit ihnen in können, daß Abkommen durchgesetzt werden. Das&#13;
Zusammenhang. Die Mehrzahl dieser Personen ar- ist die Quintessenz echter Partnerschaft und gegenseitiger Verantwortung.&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Diese Prinzipien kommen in jeder unserer wichtigen&#13;
Handelsinitiativen zum Ausdruck. Die Uruguay Runde&#13;
ist von höchster Bedeutung, weil das Allgemeine Zollund Handelsabkommen (GATT) nach wie vor die&#13;
Grundlage des Welthandelssystems bildet. Diese&#13;
Verhandlungen werden nun bereits im siebten Jahr&#13;
geführt. Um ihnen neuen Schwung zu verleihen,&#13;
müssen wir Fortschritte beim Marktzugang erreichen,&#13;
indem wir uns darauf verständigen, die Handelsschranken bei Fertigwaren, Dienstleistungen und Agrarprodukten zu beseitigen - und wir beabsichtigen, die&#13;
Uruguay Runde bis zum 15. Dezember abzuschließen.&#13;
&#13;
plätze etwa 12 Prozent über dem nationalen Durchschnitt. Für 38 von 50 Bundesstaaten ist Mexiko&#13;
darüber hinaus einer der zehn besten Kunden. Fünf&#13;
der zehn am meisten nach Mexiko exportierenden&#13;
Bundesstaaten sind Industriestaaten im Norden. Ohne&#13;
NAFTA werden die Vereinigten Staaten nicht in der&#13;
Lage sein, diese Zuwächse zu festigen und auszubauen.&#13;
&#13;
Im vergangenen Januar hat die EG einseitig für die&#13;
Gemeinschaft gültige Anforderungen bei staatlichen&#13;
Beschaffungen erlassen, die nichteuropäische Anbieter diskriminierten. Es schien keine Alternative zu&#13;
geben als nach unseren Gesetzen Sanktionen zu&#13;
verhängen. Nach zweitägigen intensiven Gesprächen&#13;
einigten sich die Vereinigten Staaten und die EG&#13;
vergangenen Monat darauf, einen wichtigen Teilbereich des Beschaffungsmarkts für beide Seiten zu&#13;
öffnen. Die EG wird die Diskriminierung amerikanischer Anbieter von schwerem elektrischem Gerät&#13;
einstellen. Die Vereinigten Staaten werden die "Buy&#13;
America"-Präferenzen bestimmter bundesweiter Versorgungseinrichtungen, darunter die Tennessee Valley Authority, aufheben. Wir werden weiter über die&#13;
verbleibenden Schranken verhandeln, auch wenn wir&#13;
aufgrund der nichterfolgten Öffnung des Telekommunikationsmarktes Sanktionen verhängen.&#13;
&#13;
Ein vordringlicher Bereich ür diese Administration ist&#13;
fdas Pazifische Becken. Wir möchten als Katalysator&#13;
wirken, um das Pazifische Becken sowie Nord- und&#13;
Südamerika - heute die beiden dynamischsten Regionen der Wert - miteinander zu verbinden.&#13;
&#13;
Die derzeitigen Verhandlungen betreffen mehrere&#13;
Schlüsselbereiche: Beseitigung von Altlasten an der&#13;
Grenze, Kommissionen für Arbeits-und Umweltfragen&#13;
mit Durchführungsbestimmungen, Importschwemmen,&#13;
schärfere Durchführung nationaler Gesetze sowie&#13;
Einige warten ab, daß die Vereinigten Staaten und die Förderung höherer Löhne und Produktivität. Daneben&#13;
Europäische Gemeinschaft die Führungsrolle in die- wird das von uns dem Kongreß zugeleitete Abkommen&#13;
sem Bereich übernehmen, bevor sie ihren eigenen gewährleisten, daß die Arbeitnehmer angemessene&#13;
Beitrag leisten. Wir und die Europäische Gemein- Anpassungshilfen erhalten.&#13;
schaft haben unsererseits die Verantwortung akzeptiert und uns geeinigt, einen Rahmen für den Marktzu- Über NAFTA hinaus sehen wir - beginnend mit Chile gang anzustreben. Wir werden jedoch nurdann erfolg- gute Aussichten für zusätzliche Handelsabkommen&#13;
reich sein, wenn andere - wie Japan und die Entwick- mit erfolgreichen marktorientierten Volkswirtschaften&#13;
in ganz Nord- und Südamerika. Die Kombination aus&#13;
lungsländer - vollwertige Teilnehmer sind.&#13;
politischen und wirtschaftlichen Reformen in dieser&#13;
Die jüngsten Ereignisse deuten darauf hin, daß wir mit Region ist atemberaubend. Die amerikanischen Exder Europäischen Gemeinschaft zusammenarbeiten porte in die Region expandieren in einem Tempo, das&#13;
und Fortschritte erzielen können, um die Runde abzu- dreimal so hoch liegt wie die Wachstumsrate unserer&#13;
Exporte in die Welt als Ganzes.&#13;
schließen.&#13;
&#13;
1960 erzielten die Pazifikstaaten 8,9 Prozent des&#13;
Bruttosozialprodukts der Welt. Bis zum Jahr 2000 wird&#13;
dieser Anteil nahezu 26 Prozent erreichen. Vierzig&#13;
Prozent des Welthandels der USA werden gegenwärtig mit dem Pazifischen Becken abgewickelt. Im&#13;
vergangenen Jahr übertraf der Handel über den Pazifik den Transatlantikhandel um 50 Prozent.&#13;
&#13;
Dieses Jahr führen die Vereinigten Staaten den Vorsitz&#13;
bei dem als APEC bekannten Forum für asiatischpazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wir hoffen, daß APEC den Rahmen für erweiterten Handel&#13;
und einen verstärkten Investitionsfluß in der Region&#13;
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen ist ein bereitstellen wird. Wir beabsichtigen, zur Förderung&#13;
zweites wichtiges Glied in der Kette von Handel und dieser Ziele mit unseren asiatischen Partnern zusamWirtschaft. Als Reaktion auf die Senkung der Handels- menzuarbeiten.&#13;
schranken in Kanada und Mexiko sowie in Erwartung Wenn die Vereinigten Staaten zum Pazifik schauen,&#13;
des NAFTA erleben wir einen Aufschwung im Handel denken sie zuerst an Japan. Es gibt kein Land, das für&#13;
und auf dem Arbeitsmarkt. Die Exporte nach Kanada unsere langfristigen Interessen von größerer Bedeustützen bereits schätzungsweise 1,5 Millionen Arbeits- tung ist. Die Geschichte verbindet unsere beiden&#13;
plätze in den Vereinigten Staaten. Die Zahl der mit Nationen bereits seit über einem Jahrhundert. Wir&#13;
Mexiko in Verbindung stehenden Exportarbeitsplätze waren Gegner und Verbündete. Heute ist unser Bündnis&#13;
ist in den vergangenen fünf Jahren von 300.000 auf von fundamentaler Bedeutung. Unsere gemeinsamen&#13;
700.000 gestiegen. Bei Durchführung des NAFTA mit Interessen und unsere gemeinsamen HerausfordeErgänzungsabkommen werden bis 1995 weitere 200.000 rungen sind umfassend. Aus diesem Grund müssen&#13;
prognostiziert. Die Bezahlung liegt für diese ArbeitsAMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�die Dinge, die uns trennen, offen angesprochen, klar&#13;
ins Auge gefaßt und schließlich gelöst werden.&#13;
&#13;
In ähnlicher Weise sind innenpolitische Maßnahmen&#13;
und Vorschriften für die Zukunft des Handels ebenso&#13;
wichtig geworden wie die an der Grenze ergriffenen&#13;
Wir bemühen uns zur Zeit, die Hindernisse beim handelspolitischen Maßnahmen. Die Innenpolitik ist&#13;
Zugang zu Japans Bau- und Supercomputermarkt zu zu einem der wichtigsten Wettbewerbsfaktoren im&#13;
beseitigen. Dies sind nur zwei Beispiele für die tiefver- Welthandel geworden. Die Regierungen konkurrieren&#13;
wurzelten politischen, sozialen und kommerziellen miteinander, um durch eine Vielzahl innenpolitischer&#13;
Praktiken und Einstellungen, die das Funktionieren Maßnahmen hochbezahlte, hochwertige Arbeitspläteines freien und offenen Welthandelssystems ernst- ze zu schaffen.&#13;
haft verzerren.&#13;
Diese neuen Gegebenheiten diktieren auch die NotAls Ministerpräsident Miyazawa Washington im letz- wendigkeit, sich mit der Umwelt-, Technologie- und&#13;
ten Monat einen Besuch abstattete, erklärte Präsident Wettbewerbspolitik zu befassen. Jede steht mit dem&#13;
Clinton, für Japan sei die Zeit gekommen, substantiel- Handel in engem Zusammenhang und jede stellt eine&#13;
lere Schritte zur Öffnung seines Marktes zu unterneh- Herausforderung an unsere Handelsinstitutionen dar,&#13;
men und eine seiner wirtschaftlichen Stärke entspre- kreativer, offener und flexibler zu werden. Sich damit&#13;
chende Führungsrolle zu übernehmen. Wir müssen und mit anderen Handelsfragen zu befassen, setzt&#13;
jedoch konkrete, meßbare Fortschritte in einer Anzahl Wandel voraus.&#13;
sektoraler und struktureller Fragen machen.&#13;
Die Vereinigten Staaten waren immer bereit zum Wandel.&#13;
Japan und die Vereinigten Staaten haben sich geei- Wir begrüßen Wandel, leben davon und sind davon&#13;
nigt, spezifische Gebiete für bilaterale Verhandlungen abhängig. Der Präsident hat bereits darauf hingewieauf dem im Juli diesen Jahres stattfindenden Weltwirt- sen, daß wir den Wandel zu unserem Freund machen&#13;
schaftsgipfel in Tokio auszumachen.&#13;
müssen.&#13;
Unsere handelspolitischen Maßnahmen und Aktionen&#13;
haben ein und denselben Zweck: Die Öffnung von&#13;
Märkten und die Schaffung von Handelsmöglichkeiten&#13;
zur Ankurbelung der Weltwirtschaft, Stärkung des&#13;
Welthandelssystems und vor allem Sicherstellung der&#13;
gegenwärtigen und dauerhaften Konkurrenzfähigkeit&#13;
amerikanischer Arbeitnehmer und Unternehmen. Handel&#13;
ist kein Nullsummenspiel, sondern eine Lokomotive&#13;
des Wachstums.&#13;
Diese Administration wird alle uns zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Erreichung dieser Ziele einsetzen. Welche Programme wir auch haben mögen Exportförderung, Exportfinanzierung und Unterstützung des Handels - sie sind Werkzeuge einer umfassenden Strategie zur Förderung des Handels.&#13;
Das Handelssystem und die es unterstützenden Institutionen müssen sich an die Realitäten der neuen&#13;
Weltwirtschaft anpassen. Wir brauchen neue Annahmen und eine vollkommen neue Einstellung auf Seiten&#13;
der Vereinigten Staaten und ihrer Handelspartner.&#13;
Tatsache ist, daß die Globalisierung der Produktion&#13;
und der Märkte den Charakter des internationalen&#13;
Wettbewerbs verändert hat. Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist nicht realistisch. "Importierte" Güter werden&#13;
nicht mehr ausschließlich in dem Exportland hergestellt; oft ist auch die Produktion im Inland miteingeschaltet. Handel und Investitionen sind eng miteinander verbunden.&#13;
*&#13;
&#13;
Seite 4&#13;
&#13;
Nach dem Ersten Weltkrieg errichteten wir Handelshemmnisse mit katastrophalen Folgen. Nach dem&#13;
Zweiten Weltkrieg senkten wir die Zölle und bauten&#13;
weltweite Institutionen für die Erweiterung von Handel&#13;
und Investitionen, selbst als wir dem Kommunismus&#13;
Einhalt geboten.&#13;
Das Ende des Kalten Krieges ist der dritte entscheidende Zeitpunkt in diesem Jahrhundert. Wir haben die&#13;
Chance, eine neue Zukunft aufzubauen und sie die&#13;
schönste und dauerhafteste von allen zu machen.&#13;
Anstelle der Weltuntergangsuhr, deren Zeiger auf kurz&#13;
vor 12 Uhr im Hinblick auf einen Nuklearkrieg stehen,&#13;
wollen wir eine "Wachstumsuhr", deren Zeiger auf&#13;
Mittag zeigen. Anstelle der Fähigkeit zur gesicherten&#13;
gegenseitigen Zerstörung streben wir gegenseitig&#13;
garantiertes Wachstum an.&#13;
Zusammen müssen wir den kleinen Teil Klugheit,&#13;
Weitsicht, Mut und Sinn für Gemeinsamkeit mobilisieren, den unsere Eltern an den Tag legten, als sie mit&#13;
der beängstigenden Aufgabe konfrontiert wurden, den&#13;
Faschismus zu besiegen, den Kommunismus einzudämmen und die Welt nach Kriegsende wiederaufzubauen. Ich bin der Meinung, daß wir dieser Herausforderung gewachsen sind.&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�NATO&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
DIE VEREINIGTEN STAATEN IN DER NATO UND&#13;
IN EUROPA: NEUE HERAUSFORDERUNGEN&#13;
Rede von Frank Wisner&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die nachfolgend veröffentlichte Rede mit dem Titel "Die Vereinigten Staaten in der NATO&#13;
und in Europa: Neue Herausforderungen für das Bündnis" wurde am 5. Mai 1993 von Frank Wisner gehalten,&#13;
den Präsident Clinton für das Amt des Staatssekretärs für politische Angelegenheiten im Verteidigungsministerium nominiert hat. Wisner sprach bei einer vom Atlantic Council of the United States und der EUROGRUPPE&#13;
veranstalteten Konferenz zum Thema "Europa und Nordamerika: Interdependenz und Partnerschaft in den&#13;
neunziger Jahren".&#13;
&#13;
Es ist mir ein Vergnügen, vor diesem hochkarätigen&#13;
Publikum über die Vereinigten Staaten in der NATO&#13;
und in Europa zu sprechen.&#13;
Meine Hauptthese lautet, daß wir alle unsere Bemühungen intensivieren müssen, nationale Verteidigungskonzepte und die NATO an die neuen Herausforderungen des Zeitalters nach dem Kalten Krieg anzupassen.&#13;
&#13;
Entwicklung eines umfassenden Ansatzes zur&#13;
Nichtverbreitung;&#13;
Verbesserung unserer Friedenssicherungsfähigkeiten;&#13;
Intensivierung von Programmen zur Zusammenarbeit mit dem Osten;&#13;
&#13;
Aufrechterhaltung wirksamer VerteidigungssyWie der Minister erklärt hat und wie Dr. Perry in Brüssel&#13;
steme auf der Grundlage gleichgewichtiger Laam 29. März feststellte, engagiert sich die Clintonstenverteilung.&#13;
Administration für ein starkes Bündnis und die Aufrechterhaltung der notwendigen Streitkräfte, um dieNichtverbreitungspolitik&#13;
ses Land zu sichern und unsere vertraglichen Verpflichtungen zu stützen.&#13;
Ich möchte mich zunächst der Herausforderung zuwenden, der Verbreitung von MassenvernichtungsWenn wir uns mit der Vielzahl der anstehenden Proble- waffen Einhalt zu gebieten.&#13;
me beschäftigen, so hat die Administration ihre Aufmerksamkeit auf vier davon konzentriert. Dies sind:&#13;
Verteidigungsminister Aspin hat die Initiative ergriffen,&#13;
um diesen Bemühungen als Schlüsselelement der&#13;
Die von Kernwaffen und anderen nichtkonvennationalen politischen Entscheidungsfindung sowie als&#13;
tionellen Waffen ausgehenden Gefahren;&#13;
entscheidendem Faktor der Verteidigungsplanung einen&#13;
Bedrohungen der regionalen Stabilität in Schlüs- neuen Stellenwert zu verleihen.&#13;
selregionen der ganzen Welt;&#13;
"Nichtverbreitungspolitik" bedeutet unserer Ansicht nach,&#13;
daß&#13;
das traditionelle Programm zur Nichtverbreitung&#13;
das mögliche Scheitern demokratischer Refordurch&#13;
schärfere Maßnahmen ergänzt werden muß, die&#13;
men und die Rückkehr uns feindlich gesonnener&#13;
alle&#13;
Aspekte&#13;
nationaler Macht miteinander verbinden.&#13;
autoritärer Regime;&#13;
Ich kann die potentiellen Gefahren, die bei einem&#13;
mögliche Gefahren für unsere wirtschaftliche Scheitern solcher Bemühungen entstünden, kaum&#13;
überbetonen. Die Verbreitung nichtkonventioneller&#13;
Sicherheit.&#13;
Waffen könnte zum Beispiel nie dagewesene MöglichFür jede dieser Gefahren gibt es analog eine große keiten des Einsatzes von Gewalt zur Erlangung politiHerausforderung für unsere Nationen und die NATO. scher Ziele mit sich bringen - eine Bedrohung, die&#13;
Dies sind:&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�äu ßerst schwierig zu bewältigen u nd unter Kontrolle zu Aus diesem Grund hat der amerikanische Kongreß&#13;
halten wäre.&#13;
800 Millionen Dollar an Nunn-Lugar-Hilfe bewilligt. Die&#13;
Clinton-Administration hat darüber hinaus für das&#13;
Dies betrifft potentiell viele Länder. Tatsächlich besitzt Haushaltsjahr 1994 weitere 400 Millionen Dollar beanoder entwickelt nahezu die Hälfte der Länder im von tragt. Diese Mittel sollen Bemühungen zum Abbau der&#13;
Konflikten heimgesuchten Nahen Osten Massenver- Bedrohung in solch kritischen Bereichen wie dem&#13;
nichtungswaffen.&#13;
sicheren Transport, der gesicherten Lagerung und&#13;
Zerlegung&#13;
von Kernwaffen sowie der Beseitigung von&#13;
Wir haben das ernste Gefahrenpotential im Falle des&#13;
Raketen&#13;
und&#13;
Abschußvorrichtungen erleichtern.&#13;
Irak erlebt. Ich möchte darauf hinweisen, daß der Iran&#13;
ebenfalls den Besitz von Kernwaffen anstrebt, obwohl&#13;
er dem Nichtverbreitungsvertrag beigetreten ist-ganz&#13;
zu schweigen von seinen aktiven Programmen zur&#13;
Entwicklung chemischer und biologischer Waffen.&#13;
&#13;
Diese Bemühungen gehen weit über die Fähigkeiten&#13;
der ehemaligen Sowjetunion hinaus. Amerikanische&#13;
Hilfe ist jedoch schlicht nicht ausreichend - der enorme&#13;
Umfang der Aufgabe erfordert ein hundertprozentiges&#13;
Ich betone die Bedrohung durch den Iran, weil ich nicht Engagement der internationalen Staatengemeinschaft.&#13;
davon ausgehe, daß Europa und die Vereinigten Staa- Insgesamt ist nach unserer Auffassung ein Programm&#13;
ten bei diesem Thema völlig einer Meinung sind, von 3 Milliarden Dollar nötig, um die Erfordernisse&#13;
zumindest im Hinblick auf den Umfang der Maßnah- eines auf Zusammenarbeit gegründeten Abbaus der&#13;
men, die zu treffen wir bereit sind, um der Bedrohung Bedrohung in der ehemaligen Sowjetunion zu erfüllen.&#13;
durch iranische Massenvernichtungswaffen entgegen- Die aus einem solchen Vorhaben resultierenden Vorzutreten. Wie andernorts auch, müssen wir darüber teile für unsere gemeinsame Sicherheit sind offenkunhinaus auf die Beschaffung konventioneller Waffen dig. Wir müssen uns an diesem historischen Scheidedurch den Iran eingehen. Eine übermäßige Anhäu- weg zusammenschließen, um unsere Ressourcen zu&#13;
fung solcher Waffen wird das regionale Gleichgewicht vereinen und diese Aufgabe mit derselben Entschloserschüttern.&#13;
senheit in Angriff zu nehmen, die wir bei anderen&#13;
großen Bestrebungen der Vergangenheit unter BeBei einer umfassenden Einschätzung dessen, wie wir&#13;
weis gestellt haben.&#13;
der Herausforderung der Proliferation begegnen können, würde ich drei Bereiche herausstellen, die beson- 2. Nichtverbreitungsregime und Exportkontrollen&#13;
derer Aufmerksamkeit bedürfen. Dies sind:&#13;
Die zweite Aufgabe im Rahmen der Nichtverbreitungsmultilaterale Hilfe bei der Beseitigung von Waf- bemühungen, die besonderer Aufmerksamkeit bedarf,&#13;
fen;&#13;
betrifft Nichtverbreitungsregime und Exportkontrollen.&#13;
Nichtverbreitungsregime und verbesserte Ex- Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, eine gründliche Überprüfung ihres eigenen Instrumentariums&#13;
portkontrollen;&#13;
vorzunehmen und - in Zusammenarbeit mit ihren&#13;
kriegsschauplatzgebundene Raketenverteidi- Verbündeten - die Kontrollen über sicherheitsempfindliche Technologien zu verschärfen und zu rationalisiegungssysteme.&#13;
ren.&#13;
1. Multilaterale Hilfe bei der Beseitigung von&#13;
Angesichts des Endes des Kalten Krieges sind VeränWaffen&#13;
derungen eindeutig erforderlich. Wir sollten über die&#13;
Der erste dieser Bereiche bezieht sich auf ein kürzlich Zukunft des COCOM nachdenken. Vieles ist bereits&#13;
- beim G-7-Ministertreffen in Tokio - von den Vereinig- geändert worden. Noch mehr bedarf der Verändeten Staaten vorgeschlagenes multilaterales Programm rung, wenn wir Partner bei ordentlichem Wirtschaftszur Unterstützung der Entmilitarisierung der ehemali- wachstum sein wollen. Wir müssen jedoch auch&#13;
gen Sowjetunion.&#13;
sensibel für das Risiko sein, daß wir bei der Auflösung&#13;
des COCOM keine schlüssige Alternative haben, um&#13;
Mit rund 27.000 Kernwaffen, die auf Hunderten von&#13;
den Fluß sicherheitsempfindlicher Technologien an&#13;
Standorten über ganz Eurasien verstreut sind, läßt&#13;
die Waffenverbreiter der Welt zu kontrollieren. Wir&#13;
sich schwerlich eine dringendere Aufgabe denken als&#13;
müssen die Anwendbarkeit und Durchsetzung von&#13;
der Ukraine, Belarus und Kasachstan bei der EntnuKontrollen verfeinern und international harmonisieren.&#13;
klearisierung und Rußland bei der Zerlegung seiner&#13;
überschüssigen Kernwaffenbestände zu helfen.&#13;
Einseitige Kontrollen verlieren zunehmend an Effektivität, da alternative Bezugsquellen immer stärker zur&#13;
Jedes dieser Länder ist derzeit mit dem schmerzhaften&#13;
Verfügung stehen. Die Vereinigten Staaten allein&#13;
Übergang zu einer marktorientierteren Ordnung konkönnen die Verbreitung nicht eindämmen, wenn wir&#13;
frontiert, und ihre politisch Verantwortlichen haben&#13;
von unseren Verbündeten und Partnern keine Hilfe&#13;
erklärt, daß sie einfach nicht das Geld haben, um die&#13;
erhalten.&#13;
Zerlegung von Waffen sowie die Entnuklearisierung&#13;
durchzuführen.&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�Wir müssen auch die dauerhafte Stärke und Vitalität&#13;
von Einrichtungen wie dem Nichtverbreitungsvertrag&#13;
und der Gruppe der Lieferanten von Atommaterial&#13;
sichern sowie uns um die wirksame Durchführung von&#13;
Abkommen wie der Chemiewaffenkonvention bemühen.&#13;
&#13;
Friedenssicherung&#13;
Die zweite große vor uns liegende Herausforderung ist&#13;
die Friedenssicherung. Sie steht in Zusammenhang&#13;
mit der Gefahr regionaler Instabiität, einem weiteren&#13;
bedeutenden Punkt in Präsident Clintons Verteidigungsprogramm.&#13;
&#13;
Wir sollten uns ebenfalls um die Überwindung der&#13;
derzeitigen Balkanisierung der Regime und Kontrollen Die Gefahren für die regionale Stabilität, die friedensbemühen, wobei verschiedene Waffenarten unter ganz sichernde Maßnahmen erfordern könnten, nehmen&#13;
verschiedene Verträge, Gesetze und Regelungen fal- eindeutig zu. Wir haben ein Interesse an der Verteidilen. Wir mögen vielleicht den Wunsch haben, erhöh- gung von Frieden und Stabilität in Schlüsselregionen&#13;
ten Informationsaustausch zwischen den Regimen auf der ganzen Welt.&#13;
gegen Vertiefung des Bewußtseins von Lücken und&#13;
Jeder von uns mußprüfen, wie wirdieser HerausfordeÜberlappungen abzuwägen.&#13;
rung begegnen können. Die Vereinigten Staaten&#13;
bemühen&#13;
sich um eine Ausweitung ihrer friedenssi3. Kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr&#13;
chernden Fähigkeiten und sind bereit, auf bilateraler&#13;
Als einen dritten Bereich, der Herausforderung der Ebene mit Rußland bei Ausbildungs- und TrainingsNichtverbreitung zu begegnen, würde ich die kriegs- programmen zur Friedenssicherung zusammenzuarschauplatzgebundene Raketenabwehr bezeichnen. beiten. Auch andere sollten ihre Fähigkeiten zur&#13;
Wenn wir eine Abwehr entwickeln können, die die Friedenssicherung verbessern, einschließlich der Lösung&#13;
militärische Wirksamkeit ballistischer Raketen und besonderer Probleme, die ihre Teilnahme erschweren&#13;
nichtkonventioneller Waffen reduziert, können wir einen - beispielsweise die verfassungsrechtlichen Probleme&#13;
Beitrag zur Abschreckung vom Erwerb oder Einsatz Deutschlands.&#13;
solcher Waffen leisten.&#13;
Die NATO spielt hierbei eine entscheidende Rolle.&#13;
Die neue Administration hat erneut unsere Raketenab- Wenn es den NATO-Mitgliedstaaten nicht gelingt, sich&#13;
wehrprogramme geprüft, und wir haben die kriegs- an friedenssichernden und friedenschaffenden Maßschauplatzgebundene Raketenabwehr zur wichtigsten nahmen in Europa und anderen, für unsere gemeinsaPriorität unserer Raketenabwehr gemacht - gefolgt me Sicherheit wichtigen Regionen zu beteiligen, wird&#13;
das Bündnis sich einer ernsthaften Gefahr für sein&#13;
von der nationalen Raketenabwehr.&#13;
langfristiges Überleben als funktionierende Institution&#13;
Die kriegsschauplatzgebundene Raketenabwehr stellt gegenübersehen.&#13;
auch ein Gebiet für kooperative Programme dar, im&#13;
Einklang mit der Initiative von Verteidigungsminister Zur Verbesserung seiner Fähigkeiten zur FriedenssiAspin und seinem Stellvertreter Perry zur Wiederbele- cherung mu ß das Bündnis die Auswirkungen friedenssichernder Maßnahmen auf die Verteidigungsplanung&#13;
bung der Rüstungszusammenarbeit.&#13;
durchdenken und Wege finden, um die Franzosen zur&#13;
Obwohl die Vereinigten Staaten im Zusammenhang Teilnahme an der Planung solcher Aktivitäten zu&#13;
mit der Raketenabwehr lange Zeit kooperative Pro- bewegen. Auch muß es die neuentstandenen Demogramme mit einer Anzahl von NATO-Mitgliedstaaten kratien im Osten an der gemeinsamen Planung und&#13;
und Nichtmitgliedstaaten durchgeführt haben, ist es an den gemeinsamen Übungen zur Sicherung des Frieder Zeit, das Potential fü r eine Zusammenarbeit bei der dens beteiligen. Einige dieser Nationen haben bereits&#13;
kriegsschauplatzgebundenen Raketenabwehr inner- bei der Operation Wüstensturm und anderen friedenshalb der NATO zu sondieren.&#13;
sichernden Operationen, einschließlich in Bosnien,&#13;
ihren Willen zur Teilnahme bekundet.&#13;
Wir sollten zumindest versuchen, die Interoperabilität&#13;
der Raketenabwehr zu sichern, die wir und unsere In der NATO werden auf all diesen Gebieten bereits&#13;
Verbündeten stationieren könnten. Wir sind bereit zu Maßnahmen ergriffen. Es besteht die Notwendigkeit,&#13;
gemeinsamer Forschung und Entwicklung im Bereich diese Aktivitäten voranzutreiben und mit Betonung auf&#13;
der Raketenabwehrtechnologie, zur gemeinsamen kreative neue Ansätze zu intensivieren, sowie ihren&#13;
Entwicklung von Abfangjägern, Sensoren sowie Füh- Erfolg sicherzustellen.&#13;
rungs- und Fernmeldeeinrichtungen sowie zur gemeinsamen Benutzung von Sensoren im Weltraum Das ehemalige Jugoslawien&#13;
und anderen Frühwarnsystemen zur Verbesserung&#13;
der Effektivität der kriegsschauplatzgebundenen Die tragische Situation im ehemaligen Jugoslawien&#13;
erfordert natürlich unsere sofortige Aufmerksamkeit.&#13;
Raketenabwehr.&#13;
Der ethnische Konflikt in dieser unruhigen Region ist&#13;
zum Test unserer kollektiven Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Ordnung in Europa geworden.&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 3&#13;
&#13;
�Die NATO hat bereits wichtige Schritte zur Unterstützung der Vereinten Nationen im ehemaligen Jugoslawien unternommen - von der anfänglichen Überprüfung der Sanktionen in der Adria bis zur derzeitigen&#13;
Durchsetzung der Flugverbotszone. Die NATO muß&#13;
jedoch bereit sein, bei der Befriedung dieser Region&#13;
eine größere Rolle zu übernehmen.&#13;
&#13;
beit zwischen unseren Militärs und unseren Verteidigungsapparaten in einen greifbaren Rahmen einfügen.&#13;
&#13;
Wir sollten jedoch durch die NATO auch die Zusammenarbeit mit dem Osten verfolgen. Für die NATO&#13;
sollte dies einen zentralen Platz einnehmen, wenn das&#13;
Bündnis in der Zeit nach dem Kalten Krieg seine&#13;
Insbesondere sollten die Fähigkeiten der NATO den Bedeutung beibehalten soll. Wenn wir nicht daran&#13;
Kern jeder bedeutenden Militäraktion bei der weiteren mitwirken, den Osten in ein neues Sicherheitssystem&#13;
Unterstützung der Vereinten Nationen bilden. Unge- für Europa einzufügen, werden wir vielleicht langfristig&#13;
achtet der jeweiligen institutionellen Vereinbarungen nicht viel zu sagen haben. Der Nordatlantische Koopesollten bestimmte Prinzipien wie ein einheitliches rationsrat (NAKR) und die Gruppe für VerteidigungsKommando gewahrt werden. Und das Bündnis sollte, angelegenheiten sind nur der erste Schritt.&#13;
auch für die Öffentlichkeit sichtbar, eine zentrale Rolle&#13;
Die NATO und die östlichen Verteidigungsminister&#13;
spielen.&#13;
haben diese Bestrebungen als Ergebnis des MinisterAußenminister Christopher ist heute in Europa, um treffens der Gruppe für Verteidigungsangelegenheiten&#13;
über die beste Vorgehensweise zu beraten.&#13;
im NATO-Hauptquartier in Brüssel am 29. März bereits&#13;
im großen und ganzen in die Praxis umgesetzt. Die&#13;
Zusammenarbeit mit dem Osten&#13;
Aufgabe besteht jetzt darin, diesen Prozeß vitaler zu&#13;
Die dritte große Herausforderung für unsere Nationen gestalten und zum Aufbau einer demokratischen Partund die NATO ist die Zusammenarbeit mit den neuent- nerschaft beizutragen, die Nordamerika und den gesamten eurasischen Kontinent umspannt.&#13;
standenen Demokratien Mittel- und Osteuropas und&#13;
der ehemaligen Sowjetunion. Sie stellt den Kern Wir haben die Chance, ein Sicherheitssystem mit dem&#13;
unserer Tagesordnung zur Förderung der Demokrati- Osten zu schaffen und zu konsolidieren, in dem der&#13;
sierung und Vermeidung der Gefahr feindlicher, auto- Einsatz von Gewalt zur Verwirklichung nationaler oder&#13;
ritärer Regime dar.&#13;
ethnischer Ziele ausgeschlossen ist. Wir alle sollten&#13;
sowohl auf bilateraler als auch auf multilateraler Ebene&#13;
Die größte sicherheitspolitische Herausforderung, der&#13;
zusammenarbeiten, um das Beste aus dieser Chance&#13;
wir uns gegenübersehen, besteht höchstwahrscheinzu machen. Dem Wunsch der Mittel- und Osteuropäer&#13;
lich darin, unsere ehemaligen Gegner in die Gemeingemäß sollte die NATO das Kernstück dieser Bestreschaft demokratischer, wohlhabender Staaten einzubungen bilden.&#13;
gliedern und eine Umkehr des Reformprozesses zu&#13;
vermeiden. Obwohl das hauptsächlich eine politische Lastenverteilung&#13;
und wirtschaftliche Frage ist, hat sie auch eine sicherheitspolitische Dimension.&#13;
Die letzte große Herausforderung, die sich in dieser&#13;
Zeit des Rüstungsabbaus als besonders schwierig&#13;
Unser Hauptinteresse sollte in der Förderung von erweisen könnte, besteht in der Aufrechterhaltung&#13;
Verteidigungseinrichtungen bestehen, die die demo- einer wirksamen Verteidigung auf der Grundlage gekratische Kontrolle des Militärs sichern, sowie in der rechter Lastenverteilung.&#13;
Entwicklung nationaler verteidigungsorientierter, im&#13;
Einklang mit der umfassenden regionalen Stabilität Das Engagement der Vereinigten Staaten&#13;
stehender Strategien und der Erlangung der Fähigkeit,&#13;
im Einvernehmen mit unseren Partnern zu handeln, Was uns anbetrifft, kann ich Ihnen versichern, daß die&#13;
wenn unsere gemeinsamen Interessen auf dem Spiel Vereinigten Staaten die Beibehaltung äußerst fähiger&#13;
Streitkräfte beabsichtigen, die zur Wahrung unserer&#13;
stehen.&#13;
Interessen voll und ganz in der Lage sind. Wie&#13;
Bis zu einem gewissen Grad können wir diese Interes- Präsident Clinton festgestellt hat, werden wir eine einsen auf bilateraler Ebene verfolgen. Die Vereinigten satzbereite Streitmacht unterhalten. Wir werden&#13;
Staaten veranstalten beispielsweise Folgetreffen zum eine Rückkehr zu den "hohlen Streitkräften" der siebVancouver-Gipfel der Präsidenten Clinton und Jelzin, ziger Jahre vermeiden. Das bedeutet, daß das ameum eine neue Sicherheitspartnerschaft mit Rußland rikanische Militär äußerst fähig und motiviert, mit reaaufzubauen. Wir haben beispielsweise eine umfas- listischer Ausbildung und überlegenem Gerät sein&#13;
sende Überprüfung der Maßnahmen zur Verbesse- wird.&#13;
rung der strategischen Stabilität unternommen, einschließlich der Aufhebung der Zielzuweisung atoma- Gleichzeitig ist die Fähigkeit, im Konzert mit unseren&#13;
rer Raketen. Es ist unser Ziel, mit Rußland offizielle Verbündeten zu handeln, das Kernstück unserer ErAbmachungen auszuarbeiten, die die Zusammenar- fahrung mit der NATO in den vergangenen 40 Jahren.&#13;
Präsident Clinton ist entschlossen, unser Engagement&#13;
&#13;
Seite4&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�für das Bündnis aufrechtzuerhalten, und dies mit beträchtlicher Militärmacht zu unterstützen. Obwohl wir&#13;
angesichts der erheblich verringerten Bedrohung unsere&#13;
Streitkräfte in Europa reduzieren können, streben wir&#13;
bis zur Mitte des Jahrzehnts ein Truppenniveau von&#13;
rund 100.000 Mann an und wollen dieses Niveau&#13;
beibehalten. Ich möchte jedoch hinzufügen, daß unsere&#13;
Fähigkeit, dies zu tun, stark vom Finden einer kollektiven Lösung für die Lastenverteilung abhängt und&#13;
davon, ob das Bündnis seine Bedeutung beispielsweise durch neue Missionen wie die Friedenssicherung&#13;
wahren kann.&#13;
&#13;
Ein wesentliches Anliegen des Kongresses ist die&#13;
Notwendigkeit größerer Unterstützung der Verbündeten für die in Europa vorne stationierten amerikanischen Streitkräfte. Wie vom Kongreß zwingend vorgeschrieben, führen die Vereinigten Staaten Verhandlungen über die Kostenverteilung, um größere Unterstützung durch den Aufnahmestaat und dessen Kooperation zu erhalten. Ich möchte alle Verbündeten&#13;
auffordern, den Initiativen zur Kostenverteilung rechtzeitige und greifbare Unterstützung zu gewähren. Wir&#13;
wollen unsere Truppenpräsenz aufrechterhalten, und&#13;
Sie können helfen.&#13;
&#13;
Die Verantwortung Europas&#13;
&#13;
Schlußbemerkung&#13;
&#13;
Die NATO-Streitkräfte können nach Beendigung des&#13;
Karten Krieges sicher reduziert werden. Dieser Abbau&#13;
muß jedoch sorgfältig organisiert und geplant werden.&#13;
Übermäßige, unkoordinierte Reduzierungen könnten&#13;
zu einer gefährlichen Schwächung des Bündnisses&#13;
führen.&#13;
&#13;
Es steht meines Erachtens außer Frage, daß die&#13;
NATO in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine zentrale&#13;
Rolle spielen kann und muß. Wir müssen uns jedoch&#13;
den neuen Herausforderungen stellen, von denen ich&#13;
heute vier erörtert habe:&#13;
Nichtverbreitungspolitik&#13;
&#13;
Obwohl sich die russische Bedrohung stark verringert&#13;
hat, explodieren andere Bedrohungen der internationalen Ordnung. Die europäischen Armeen müssen in&#13;
der Lage sein, ein breites Spektrum von Missionen&#13;
durchzuführen, die Mobilität zu verbessern, die Ausbildung aufrechtzuerhalten und weiterhin Investitionen in&#13;
moderne Rüstungssysteme tätigen. Diese Verpflichtungen erfordern ein Überdenken der nationalen Verteidigungsdoktrinen und -Philosophien, wie etwa die&#13;
Wehrpflicht in zahlreichen europäischen Ländern.&#13;
&#13;
Friedenssicherung&#13;
Zusammenarbeit mit dem Osten und&#13;
Lastenverteilung.&#13;
&#13;
In jedem dieser Bereiche kann auf nationaler und&#13;
multinationaler Ebene sehr viel getan werden. Wir&#13;
befinden uns an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter&#13;
und können nicht einen Ansatz des "business as usual"&#13;
verfolgen. Das Ende des Kalten Krieges bedeutet&#13;
Die Aufrechterhaltung starker militärischer Fähigkei- nicht das Ende ernsthafter Gefahren für die Stabilität&#13;
ten wird für uns alle in den kommenden Jahren schwie- und Sicherheit Europas.&#13;
rig sein - keine unserer Volkswirtschaften floriert unseren Wünschen entsprechend, wir alle sehen uns mit Die Architektur der europäischen Sicherheit ist ein&#13;
drängenden innenpolitischen Bedürfnissen konfron- Thema, das wir gemeinsam erörtern müssen, wenn&#13;
tiert, und unsere Öffentlichkeit will zu Recht eine das Bündnis stabil bleiben soll. Wir verstehen den&#13;
Friedensdividende sehen, nun, da der Kalte Krieg Wunsch Europas nach einer stärkeren europäischen&#13;
Verteidigungsidentität und vertreten die Auffassung,&#13;
beendet ist.&#13;
daß das Bündnis damit leben kann. Architektur ist eine&#13;
Die Anliegen des Kongresses&#13;
Sache - eine andere ist die Bewältigung der vor uns&#13;
liegenden Aufgaben, zu denen nicht zuletzt JugoslaWie Sie wissen, ist gerechte Lastenverteilung für den wien, Friedenssicherung und Ausdehnung der SicherKongreß - und die Administration -von Bedeutung. Wir heit auf die Nationen des ehemaligen Warschauer&#13;
sind uns jedoch bewußt, daß alle Verteidigungsetats Pakts zählen.&#13;
Engpässen ausgesetzt sind, und daher müssen wir&#13;
flexibel und phantasievoll nach Wegen suchen, um die Präsident Clinton hat ein neues Sicherheitsabkommen&#13;
Ziele der Lastenverteilung zu verwirklichen. Investitio- für die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten&#13;
nen in die NATO-Infrastruktur sind ein weiteres wich- gefordert: eine Reihe von Rechten und Pflichten, die&#13;
tiges Kriterium des Bündnisses, das auch im Zusam- unsere Völker und politisch Verantwortlichen zum Aufbau&#13;
menhang mit der Lastenverteilung steht. Aus diesem einer sichereren, wohlhabenderen und demokratischeGrund beantragen wir 240 Millionen Dollar vom Kon- ren Welt herausfordert. Wir sollten uns auf unserem&#13;
greß als unseren Beitrag zur Infrastruktur.&#13;
Weg in ein neues Zeitafter und ein neues Jahrhundert&#13;
nicht mit weniger zufriedengeben.&#13;
Ich danke Ihnen.&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 5&#13;
&#13;
�MENSCHENRECHTE&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
USA UNTERBREITEN "AKTIONSPLAN"&#13;
ZU MENSCHENRECHTEN&#13;
Posten eines UN-Hochkommissars erwogen&#13;
&#13;
Genf - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben am 6. Mai&#13;
1993 den "Entwurf eines Aktionsplans zu Menschenrechten" veröffentlicht, der die Benennung eines Hochkommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte fordert, die Abschaffung der Folter bis zum Jahr&#13;
2000 zum Ziel hat und Demokratie sowie den Schutz&#13;
der Rechte von Frauen und Kindern fördern soll.&#13;
&#13;
sei vonnöten, um die Menschenrechte zum integralen&#13;
Bestandteil der Vereinten Nationen bei Friedenssicherung, humanitären Aktionen, Konfliktlösung und anderen Aktivitäten zu machen.&#13;
&#13;
Der Plan empfiehlt die Einbeziehung der Arbeit im&#13;
Bereich der Menschenrechte in friedenssichernde&#13;
Operationen, wie dies in El Salvador und Kambodscha&#13;
Bei einer Pressekonferenz in Genf erklärte Botschaf- der Fall war und stellt fest, das UNO-Ministerium für&#13;
ter J. Kenneth Blackwell, der Plan diene als "Blaupau- Friedenssicherung sollte einen Menschenrechtsspese" für die Förderung amerikanischerziele und spiege- zialisten mit engen Verbindungen zum Menschenle die Verpflichtung der Clinton-Administration wider, rechtszentrum einstellen.&#13;
"neue Ideen" und ein "neues Selbstbewußtsein" bei&#13;
der Unterstützung von Menschenrechten anzubieten. Den Rechten von Frauen wird in dem Plan besondere&#13;
Aufmerksamkeit gewidmet, der die systematische&#13;
Das Dokument umreißt die Aktionen, die - so hoffen die Integration von Frauenthemen in die MenschenrechtsVereinigten Staaten - die UN-Weltkonferenz über programme der Vereinten Nationen fordert. Die VerMenschenrechte bei ihrem Treffen im kommenden einigten Staaten sind der Ansicht, die MenschenMonat in Wien in die Wege leiten wird - dem ersten rechtskommission sollte einen Sonderberichterstatter&#13;
hochrangigen internationalen Gipfeltreffen zu Men- ernennen, der Menschenrechtsverletzungen an Frauschenrechten seit 25 Jahren. "Es ist von vorrangiger en ermitteln soll.&#13;
Bedeutung, daß die Vereinigten Staaten ihre eigenen&#13;
Ansichten und Visionen unterbreiten", erklärte Black- Im Rahmen des Plans würde der Schutz der Vereinten&#13;
well, der amerikanische Delegationsleiter bei den Nationen für Kinder verstärkt. Insbesondere muß der&#13;
Abschaffung von Kinderarbeit, dem Schutz der Rechte&#13;
Vorbereitu ngsgesprächen.&#13;
von Kindern bei bewaffneten Konflikten und dem Schutz&#13;
Das zu gründende Büro des Hochkommissars für der Interessen von besonders gefährdeten Gruppen&#13;
Menschenrechte wäre ein "Verfechter und Sprecher wie Straßenkindern, Flüchtlingen oder Kindern vorfürdie Förderung und den Schutz der Menschenrechte dringliche Aufmerksamkeit geschenkt werden, die durch&#13;
auf der ganzen Welt", führte Blackwell mit der Feststel- den Verkauf oder Handel mit Pornographie oder durch&#13;
lung aus, das Konzept eines Hochkommissars erfreue Prostitution dem Risiko der Ausbeutung ausgesetzt&#13;
sich "breitester" Unterstützung unterden Delegationen sind.&#13;
der Vorbereitungsgespräche.&#13;
Mit dem Appell zur Abschaffung der Folter bis zum&#13;
In dem amerikanischen Plan wird femer eine Reihe Jahr 2000 verbindet der Plan die Forderung, die Vervon Maßnahmen zur verbesserten Wirksamkeit der einten Nationen sollten Rechtsgrundlagen erarbeiten,&#13;
Vereinten Nationen im Bereich der Menschenrechte die eindeutig feststellen, daß es keine gesetzlichen&#13;
vorgeschlagen. Insbesondere vertreten die Vereinig- Verjährungsbestimmungen für Folter gibt.&#13;
ten Staaten die Auffassung, ein einheitlicherer Ansatz&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�Die Rolle des vorgeschlagenen U NO-Hochkommissars für Menschenrechte wird im Detail dargelegt. Der&#13;
Kommissar würde:&#13;
&#13;
beit und den Informationsaustausch unter den&#13;
UNO-Behörden ermutigen und erleichtern,&#13;
die Befugnis haben, ernsthafte Menschenrechtsverletzungen dem Sicherheitsrat zur Kenntnis&#13;
zu bringen, wenn sie den internationalen Frieden und die Sicherheit gefährden,&#13;
&#13;
die Durchführung der Entscheidungen aller UNMenschenrechtsgremien überwachen,&#13;
die Verantwortung für Menschenrechtsfragen in&#13;
den Bereichen Friedenssicherung, Friedenschaffung und humanitäre Hilfsleistungen übernehmen,&#13;
&#13;
unabhängig die Befugnis zur Entsendung von&#13;
Sondergesandten für Wahrheitsfindungsmissionen und zum Ergreifen anderer Initiativen zur&#13;
Förderung der Menschenrechte haben.&#13;
&#13;
alle UNO-Menschenrechtsprogramme koordinieren sowie die Koordinierung, Zusammenar-&#13;
&#13;
* * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
*&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�RAUMFAHRT&#13;
12. Mai 1993&#13;
&#13;
WISSENSCHAFTLER ZUFRIEDEN MIT&#13;
EXPERIMENTEN DER DEUTSCHEN IM ALL&#13;
D2-Mission erfolgreich beendet&#13;
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanischen und deutschen Astronauten an Bord der Raumfähre Columbia&#13;
führten rund um die Uhr Experimente durch, um die Risiken künftiger längerer Weltraummissionen für Menschen&#13;
und lebende Organismen zu senken.&#13;
Die fünf amerikanischen und zwei deutschen Mitglieder der Crew, deren Landung auf der Erde am 6. Mai erfolgte,&#13;
haben in dem in Europa gebauten Weltraumlabor Spacelab 88 medizinische, biologische und andere Versuche&#13;
beendet. Die Experimente liefen unter der Regie des deutschen Kontrollzentrums der D2-Mission in Oberpfaffenhofen bei München.&#13;
&#13;
Der Kommandeur des Shuttle, Steven Nagel, für den&#13;
es die vierte Weltraummission war, erklärte, die Versuche seien "sehr ermutigend" verlaufen. "Die Stimmung&#13;
bei uns ist gut, und wir sind alle sehr optimistisch was&#13;
ein erfolgreiches Ergebnis der Mission betrifft", äußerte er während des Fluges.&#13;
Der für die Nutzlast zuständige Deutsche Walter Brungs&#13;
erklärte am Boden vor Reportern, die Dinge im Weltraumlabor seien gut verlaufen. "Jedermann ist hocherfreut", stellte er fest.&#13;
Die US-Raumfahrtbehörde NASA ließ jedoch verlauten, am 4. Mai seien einige wissenschaftliche Daten&#13;
verlorengegangen, als das Kontrollzentrum aufgrund&#13;
eines an die Raumfähre Columbia geschickten falschen Computerbefehls mehr als eine Stunde lang&#13;
den Kontakt mit dem Shuttle verloren hatte. Der&#13;
Ausfall hatte sich ereignet, als die Columbia von einem&#13;
Nachrichtensatelliten auf einen anderen umschaltete.&#13;
Während des Kommunikationsausfalls konnte das&#13;
Kontrollzentrum in Houston (Texas) kein System in der&#13;
Erdumlaufbahn überwachen oder mit den Astronauten&#13;
Kontakt aufnehmen, obwohl die Crew Nachrichten zur&#13;
Erde schicken konnte. Die Verbindung wurde wiederhergestellt, nachdem die Crew das Problem entdeckt&#13;
und beseitigt hatte.&#13;
Die Astronauten führten mehrere medizinische Versuche durch, einschließlich einer Überwachung ihrer&#13;
eigenen Kreislauf- und Atmungsabläufb mit hochkomplizierten Instrumenten. Dazu gehörte ein von den&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
Wissenschaftlern genutztes Gerät zur Messung der&#13;
Lungenfunktion in der Schwerelosigkeit.&#13;
Der amerikanische Astronaut Jerry Ross und sein&#13;
deutscher Kollege Ulrich Walter bliesen am 4. Mai&#13;
abwechselnd in ein mit medizinischen Geräten verbundenes langes Rohr. Sie bliesen in das Gerät zur&#13;
Messung der Lungenfunktion während einer Ruhepause und während sie auf einem Hometrainer radelten. Diesen Test wiederhohen sie mehrmals während&#13;
des Fluges.&#13;
Bei einem anderen medizinischen Versuch wurden&#13;
jedem der vier Astronauten intravenös ungefähr zwei&#13;
Liter einer Salzlösung als Teil eines Forschungsprojektes eingespritzt, wie Wasser in den Beinen und&#13;
andere Weltraumsymptome behoben werden können.&#13;
Ohne die Schwerkraft der Erde wandert die Körperflüssigkeit der Astronauten in ihren Kopf, und der&#13;
Körper reagiert auf den vermeintlichen Flüssigkeitsüberfluß mit vermehrter Urinausscheidung. Bei Rückkehr zu normaler Schwerkraft wandert die Körperflüssigkeit wieder abwärts, weshalb sich ein Astronaut&#13;
kurz nach der Landung schwach auf den Beinen fühlt.&#13;
Dies könnte möglicherweise eine Gefahr darstellen,&#13;
wenn die Astronauten den Shuttle schnell verlassen&#13;
müssen. Die Wissenschaftler erhoffen sich von der&#13;
Infusion der Salzlösung eine Behebung oder zumindest Linderung dieser Symptome.&#13;
Ein medizinischer Versuch begann bereits vor dem&#13;
Start des Shuttles am 26. April. Wissenschaftler&#13;
Seite 1&#13;
&#13;
�maßen den Blutdruck des deutschen Astronauten&#13;
Hans Schlegel vor, während und nach dem Start mit&#13;
Hilfe eines in einer Armvene steckenden Katheters.&#13;
Das dünne Röhrchen wurde wenige Stunden nach&#13;
dem Start wieder entfernt.&#13;
&#13;
In der Raumfähre Columbia wurden auch Experimente&#13;
mit winzigen Pilzen, Sämlingen, Zellen von Tabakpflanzen, Bakterien, Hefepilzen und weißen Blutkörperchen durchgeführt. Die biologischen Versuche&#13;
werden in einem mit Behältern, Meßinstrumenten,&#13;
Verfahrenskammern, Inkubatoren und Zentrifugen&#13;
Der an Bord der Columbia mitfliegende Arzt, Astronaut ausgerüsteten Biolabor vorgenomment.&#13;
Bernard Harris, erklärte am 4. Mai in einem Interview&#13;
mit Ärzten auf der Erde, Wissenschaftler hätten her- Die Astronauten führten auch Untersuchungen in den&#13;
ausgefunden, daß sich das menschliche Herz in der Bereichen Materialforschung, Physik und AutomatiSchwerelosigkeit des Raumes im Körper des Men- sierung durch. Bei einem Experiment wird ein kleiner,&#13;
schen bewege.&#13;
mit sechs Gelenken versehener und von der Erde aus&#13;
femgesteuerter Roboterarm benutzt, um einen Metall"Es scheint, daß das Herz, das kardiovaskuläre Sy- würfel mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern&#13;
stem, Änderungen unterworfen ist, bei denen das Herz zu fassen, der in einerden Arm umgebenden Umhültatsächlich seine Position ändert", erklärte er. "Ich lung schwebt.&#13;
kann jedoch nicht zeigen, wie weit es sich tatsächlich&#13;
bewegt hat." Harris äußerte auch, daß die Weltraum- Vertreter der deutschen Weltraummission erklärten,&#13;
krankheit nicht mit der Seekrankheit auf der Erde zu der Versuch sei der erste seiner Art, bei dem ein von&#13;
vergleichen sei.&#13;
der Erde gesteuerter Roboter ein frei im Raum schwebendes Objekt ergriff. Die Wissenschaftler hoffen,&#13;
"Aus irgendeinem Grund mag der Darm diese Umge- daß ähnliche Roboter den Astronauten eines Tages&#13;
bung (das All) nicht und hört auf zu arbeiten, und es bei Routinearbeiten im All zur Hand gehen werden.&#13;
dauert zwei oder drei Tage, bis er endlich seine Tätigkeit wiederaufnimmt", erklärte er. Astronauten bekla- Die NASA, die den Shuttle-Flug kontrollierte, verlängen sich oft über Übelkeit während der ersten Tage gerte die Mission um einen Tag aufgrund der ausreieines Weltraumfluges.&#13;
chenden Vorräte an Sauerstoff und anderem lebenswichtigen Nachschub an Bord des Shuttles. Die&#13;
In dem Weltraumlabor befanden sich auch 240 Kaul- Columbia hätte eigentlich am 5. Mai auf dem Kennedy&#13;
quappen und eine ebensolche Anzahl winziger Fische, Space Center in Florida landen sollen.&#13;
um die Entwicklung ihres Gleichgewichtssinnes in der&#13;
Schwerelosigkeit zu testen. Die Astronauten berichte- Deutschland, das 1985 die erste Mission mit einem&#13;
ten am 4. Mai, daß einige der Fische und Kaulquappen Weltraumlabor unterstützte, charterte den gegenwärstarben. Die Wissenschaftler konnten sich den Grund tigen Shuttleflug zum Preis von 150 Millionen Dollar&#13;
hierfür nicht erklären, hofften jedoch, daß einige den und gab weitere 410 Millionen Dollar für die EntwickFlug überleben und dann auf der Erde auf ihre Anpas- lung und Vorbereitung der meisten an Bord der Columsung an die Schwerelosigkeit hin untersucht werden bia durchgeführten Experimente aus.&#13;
könnten.&#13;
&#13;
* * * * *&#13;
&#13;
Seite 2&#13;
&#13;
AMERIKA DIENST 19&#13;
&#13;
�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton fordert Beendigung der Kämpfe in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Warnung vor Ausbreitung des Konflikts&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Albright warnt bosnische Serben &lt;br /&gt;Amerikaner wünschen US-Beteiligung bei Friedenssicherung &lt;em&gt;&lt;br /&gt;Kongreßabgeordnete kritisieren Rolle Europas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Nationaler sozialer Dienst&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nationaler sozialer Dienst &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Rede Präsident Clintons in New Orleans&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Somalia&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Truppen in Somalia retteten Menschenleben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Clintons vor der Vereinigten Einsatztruppe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kantor: Uruguay-Runde benötigt Beteiligung Japans und der Entwicklungsländer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten in der NATO und in Europa: neue Herausforderungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Frank Wisner&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA unterbreiten "Aktionsplan" zu Menschenrechten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Posten eines UN-Hochkommissars erwogen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Raumfahrt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wissenschaftler zufrieden mit Experimenten der Deutschen im All&lt;br /&gt;&lt;em&gt;D2-Mission erfolgreich beendet&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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5. Mai 1993

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BOSNIEN

CLINTON: USA WERDEN BOSNIEN
GENAU BEOBACHTEN
Hoffnung auf Ratifizierung des Friedensabkommens durch bosnische Serben
USA TREFFEN ENTSCHEIDUNG ZU
BOSNIEN
Erklärung des Außenministers

UMWELT

CLINTONS UMWELTPOLITISCHE
PRIORITÄTEN
Übersicht des Weißen Hauses

HANDEL

USA IDENTIFIZIEREN HANDELSDISKRIMINIERUNG JAPANS UND DER EG
Übersicht des US-Handelsbeauftragten

IWF

BENTSEN: DAUERHAFTES WIRTSCHAFTSWACHSTUM MUSS WIEDERHERGESTELLT
WERDEN
Rede des Finanzministers bei IWF-Sitzung

TERRORISMUS

RUCKGANG VON TERRORANSCHLAGEN
IM JAHR 1992
Jahresbericht des Außenministeriums

HOCHGESCHWINDIGKEITSZUGE PLÄNE FÜR HOCHGESCHWINDIGKEITSBAHNSYSTEM BEKANNTGEGEBEN
Initiative für Intercity-Bahnverbindungen
PORTRAT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTON NOMINIERT EHEMALIGEN NEW
YORKER SPITZENPOLIZISTEN ZUM
DROGENBEKÄMPFER
Porträt von Lee Brown

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�BOSNIEN
5. Mai 1993

CLINTON: USA WERDEN BOSNIEN
GENAU BEOBACHTEN
Hoffnung auf Ratifizierung des Friedensabkommens durch bosnische Serben
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden die Entwicklung in Bosnien genau beobachten und
die Aufrichtigkeit der Serben an ihren Taten messen,
erklärte Präsident Clinton am 3. Mai 1993.
Der Präsident äußerte die Hoffnung, daß die Versammlung der bosnischen Serben den Vance/OwenFriedensplan ratifizieren werde. Er fügte hinzu: "Wir
werden sehen. Wir müssen anhand der fortschreitenden Entwicklung urteilen. Ich möchte sie an ihren
Taten messen."
Sprecher des Weißen Hauses haben inzwischen wiederholt betont, die von dem bosnischen Serbenführer
Karadzic am 2. Mai 1993 unter Druck erfolgte Unterzeichnung des Vance/Owen-Abkommens reiche nicht
aus. Sowohl Kommunikationsdirektor George Stephanopoulos als auch Pressesprecherin Dee Dee
Myers erklärten, die bosnischen Serben müßten den
Artilleriebeschuß belagerter Städte wie Sarajevo einstellen, den Transport humanitärer Hilfsgüter in Muslimgebiete zulassen und einen effektiven Waffenstillstand einhalten.
Nach Gesprächen mit dem Sonderbeauftragten der
Vereinten Nationen, Cyrus Vance, und dem Vermittler
der Europäischen Gemeinschaft, Lord David Owen,
hatte Karadzic das Abkommen unterzeichnet, das die
Bildung einer lockeren Föderation in Bosnien mit zehn
halbautonomen, auf der Volkszugehörigkeit beruhenden Kantonen vorsieht. Karadzic machte seine Zustimmung jedoch von der Ratifizierung des Abkommens durch das selbsternannte Parlament der bosnischen Serben bei dessen Sitzung am 5. Mai abhängig.
Im vergangenen Monat hatte dieses das Abkommen
abgelehnt.
Bei einem Phototermin sprach Clinton kurz mit Reportern und verwies darauf, er sei telephonisch von
Außenminister Christopher über dessen Konsultationen mit den europäischen Verbündeten informiert
worden. Clinton erklärte, er habe selbst mit dem
russischen Präsidenten Jelzin, dem französischen
AMERIKA DIENST 18

Präsidenten Mitterrand, Bundeskanzler Kohl, dem
britischen Premierminister Major und dem kanadischen Premierminister Mulroney gesprochen.
"Wir haben verabredet", so Clinton über seine Telephongespräche, "daß wir den Druck aufrechterhalten,
eine einheitliche Front zeigen und Fortschritte erzielen
werden, und wir entwickeln zur Zeit eine Politik."
Der Präsident bekräftigte seine Bereitschaft, nach
Einstellung der Kampfhandlungen an einer Friedenssicherungsregelung in Bosnien teilzunehmen. Bevor er
jedoch "einen amerikanischen Soldaten" dafür bereitstelle, werde er "die Ereignisse beobachten", den
Kongreß konsultieren und "direkt mit dem amerikanischen Volk" sprechen.
Clinton verwies darauf, daß die Kämpfe in Teilen des
ehemaligen Jugoslawien "enorme Verluste an Menschenleben unter besonders brutalen Bedingungen"
gefordert hätten. Er bezeichnete den Balkan als
"politisch instabil". Es gebe dort "ein erhebliches
Potential für einen größeren Krieg". Ihm zufolge ist mit
dem von Washington und seinen Verbündeten auf
Serbien und die bosnischen Serben ausgeübten Druck
beabsichtigt, "das Töten zu beenden, aber ebenso die
Möglichkeit eines wesentlich größeren Krieges auszuräumen".
Stephanopoulos erklärte, die Vereinigten Staaten seien "erfreut" über die Einigung vom Wochenende, die er
als "einen positiven Schritt" bezeichnete. Er verwies
jedoch darauf, daß Karadzics Unterschrift noch nicht
ratifiziert worden und ein Waffenstillstand nicht in Kraft
sei. "Bis zu seiner Ratifizierung und bis die bosnischen
Serben ihre Unterschriften mit echten Taten untermauern, wird es keine Auswirkungen" auf Clintons
Pläne haben, den Druck zur Herbeiführung einer Lösung
zu verstärken, äußerte er.
Er lehnte es ab, zu Grenzen und Territorien Stellung zu
nehmen, als er über serbische Argumente befragt
wurde, daßdasVance/Owen-Abkommen die InbesitzSeite 1

�nähme größerer Teile Bosniens gestatte als auf der
ursprünglichen Landkarte vorgesehen.

raub" benutzen könnten, erwiderte Myers: "Das entspricht bereits seit einiger Zeit ihrer allgemeinen Strategie." Sie weigerte sich, einen Zeitplan für Clintons
Auf die Frage, ob Washington behaupte, die Taten der nächste Schritte bekanntzugeben und räumte lediglich
Serben würden ihre Worte oft Lügen strafen, antwor- ein, daß Christophers Konsultationen mit den europäitete Myers: "Das ist eine Tatsache. Es ist nicht genug schen Verbündeten wahrscheinlich den Großteil der
zu sagen, daß sie sich daran halten werden. Sie Woche erfordern würden und Christopher am 6. oder
müssen dies unter Beweis stellen, indem sie den 7. Mai zurückerwartet werde. Sie erklärte, Clinton
Artilleriebeschuß einstellen, das Passieren humanitä- werde die Ergebnisse von Christophers Konsultatiorer Hilfslieferungen erlauben und einem Waffenstill- nen sorgfältig abwägen und die serbischen Reaktiostand zustimmen."
nen beurteilen, bevor er eine endgültige Entscheidung
trifft. "Wir bewegen uns im Zeitplan", stellte sie fest.
Auf die Frage, ob die Serben die Unterzeichnung vom
Wochenende als Deckmantel für einen neuen "Land-

*

Seite 2

*

*

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AMERIKA DIENST 18

�BOSNIEN
5. Mai 1993

USA TREFFEN ENTSCHEIDUNG ZU BOSNIEN
Erklärung des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben sich zu ihres Erachtens notwendigen Aktionen im
ehemaligen Jugoslawien entschieden und werden jetzt mit ihren europäischen Verbündeten und Freunden über
einen "Aktionskurs" beraten, erklärte Au ßenminister Christopher vor Journalisten im Anschlu ß an ein Treffen mit
Präsident Clinton und dessen nationalen Sicherheitsberatern am 1. Mai 1993. Der Außenminister fügte hinzu,
er werde nach Europa entsandt, um einen Reihe spezifischer amerikanischer Empfehlungen - einschließlich
militärischer Schritte - zu erörtern.
"Das Problem berührt den Lebensnerv der Zukunft Europas", stellte Christopher fest. "Unsere Bestrebungen
werden gemeinsam mit unseren Partnern unternommen. Wir sind bereit, unseren Teil zu übernehmen, aber die
anderen müssen das Ihre tun."
Christopher machte klar, "wir alle wollen die Gefahr zu nehmender I nstabilität eindämmen, die zu einem grö ßeren
Balkankrieg führen könnte". Er würdigte die Bedeutung der Friedensgespräche in Athen, mahnte jedoch, die
Serben wü ßten, daß sie "die Geduld der internationalen Staatengemeinschaft erschöpft haben" und es der Taten
bedarf, um zu beweisen, daß sie es mit der Beendigung des Konflikts ernst meinen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vor der Pressekonferenz abgegebene Erklärung des Außenministers im
Wortlaut.

Mit seinem Amtsantritt hat Präsident Clinton eine
komplexe und tragische Lage im ehemaligen Jugoslawien übernommen. Die Situation hat die internationale
Staatengemeinschaft nun seit nahezu zwei Jahren
belastet. Es ist ein Problem mit tiefen historischen
Wurzeln. In der Zeit nach dem Kalten Krieg war das
ehemalige Jugoslawien der Schauplatz von Gewalt,
Tragödie und abscheulichem Verhalten.

Viertens eine UNO-Resolution zur Durchsetzung einer
Flugverbotszone, um den Einsatz von Luftstreitkräften
durch die Konfliktparteien zu verhindern und fünftens
eine äußerst strenge Sanktionsresolution der Vereinten Nationen, die am vergangenen Montag um Mitternacht in Kraft trat.

Bei Verhängung dieser Sanktionen wird Serbien wie
ein Paria behandelt und praktisch vom Rest der Welt
Der Präsident hat gehandelt, um diesen Konfilt in den isoliert. Die Greueltaten auf dem Gebiet des ehemaGriff zu bekommen. Wir haben in Zusammenarbeit mit ligen Jugoslawien gehen jedoch weiter. Angesichts
unseren Verbündeten und Freunden intensive diplo- der serbischen Aggression hat der Präsident im Laufe
matische Bestrebungen in die Wege geleitet in dem der letzten Woche weitere Handlungsmöglichkeiten
Versuch, die Krise zu lösen und ein gewisses Maß an genau geprüft. Er hat sich mit unseren Verbündeten
Frieden in die Region zu bringen.
und Freunden in der internationalen Staatengemeinschaft, Kongreßabgeordneten, seinem nationalen
Unsere Aktivitäten waren bis heute an einer Reihe von Sicherheitsteam und den Vereinigten Stabschefs beFronten intensiv. Dazu zählen aktive diplomatische raten. Der Präsident sondierte zusätzliche MaßnahBestrebungen, die zur Zustimmung von zwei der drei men der internationalen Staatengemeinschaft als
bosnischen Parteien zu einem Friedensplan geführt Reaktion auf die Gewalttaten, um der Aggression
haben. Zweitens das Bemühen, durch humanitäre Einhalt zu gebieten und den Konflikt einzudämmen.
Hilfsprogramme das Leben Tausender zu retten. Dazu
gehört eine Luftbrücke, mit der inzwischen über zwei Der Präsident hat gerade ein Treffen mit seinen wichMillionen Mahlzeiten per Fallschirm abgeworfen wur- tigsten nationalen Sicherheitsberatern beendet. Bei
den. Drittens die Verabschiedung einer UNO-Resolu- diesem Treffen entschied er sich für den Kurs, den die
tion zur Einrichtung eines Kriegsverbrechertribunals. Vereinigten Staaten und die internationale StaatengeAMERIKA DIENST 18

Seite 1

�meinschaft seiner Ansicht nach in dieser Situation
einschlagen sollten. Dieser Kurs umfaßt eine Anzahl
spezifischer Empfehlungen, einschließlich militärischer
Schritte.

Zum Schluß meiner Ausführungen möchte ich noch
zwei wichtige Punkte ansprechen. Erstens streben
der Präsident und die Vereinigten Staaten zusammen
mit unseren Verbündeten zusätzliche Aktionen an, da
wir der Ansicht sind, daß die Interessen der VereinigDer Präsident entsendet mich nach Europa zu Konsul- ten Staaten und der internationalen Staatengemeintationen mit unseren Verbündeten und Freunden über schaft auf dem Spiel stehen. Selbstverständlich geht
unsere Handlungsweise. Das Problem berührt den es in der gegenwärtigen Situation um GewissensfraLebensnerv der Zukunft Europas. Unsere Bestrebun- gen und humanitäre Erwägungen. Aber unsere Aktiogen werden gemeinsam mit unseren Partnern unter- nen gründen hauptsächlich auf den strategischen Innommen. Wir sind bereit, unseren Teil zu überneh- teressen der Vereinigten Staaten. Wir alle wollen die
men, aber die anderen müssen das Ihre tun.
Gefahr zunehmender Instabilität eindämmen, die zu
einem größeren Balkankrieg führen könnte.
In diesem Sinne werde ich heute um 21.00 Uhr zum
Zwecke dieser Konsultationen abreisen. In der kom- Zweitens treffen sich - wie Sie alle wissen - die Konfliktmenden Woche werde ich Großbritannien, Frank- parteien an diesem Wochenende mit Cyrus Vance und
reich, Rußland und Deutschland einen Besuch abstat- Lord Owen in Athen. Die Serben sind sich bewußt, daß
ten. Ich werde auch nach Brüssel reisen und dort mit sie die Geduld der internationalen Staatengemeindem NATO-Generalsekretärund dem Präsidenten der schaft erschöpft haben. Es liegt in ihrem Interesse,
Europäischen Gemeinschaft beraten.
jetzt unverzüglich konkrete Maßnahmen zu ergreifen,
um Frieden zu schaffen.
Während dieser Gespräche werde ich die Entschlossenheit des Präsidenten darlegen, daß die internatio- Ich muß jedoch darauf hinweisen, daß sie mehr tun
nale Staatengemeinschaft weitere Aktionen durchfüh- müssen, als nur Erklärungen abzugeben, daß sie mehr
ren sollte. Ich werde mit unseren Partnern über den tun müssen, als lediglich einen Friedensplan zu unterKurs beraten, den die internationale Staatengemein- zeichnen. Bedauerlicherweise haben wir schon früher
schaft nach Ansicht des Präsidenten geschlossen ihre Erklärungen gehört und ihre Unterschriften geseeinschlagen sollte. Wir müssen eine gemeinsame hen. Es wird Taten, unverzügliche, konkrete MaßnahPosition einnehmen und zusammenhalten.
men von seiten der Serben erfordern, Maßnahmen zu
Lande, um die internationale Staatengemeinschaft
Ich hoffe, Sie haben Verständnis dafür, daß ich über
von den ernsten Absichten der Serben und ihrem
den von uns einzuschlagenden Kurs, über den wir in
guten Willen zu überzeugen.
Europa beraten werden, nicht schon vor den Konsultationen mit unseren Verbündeten hier in der Öffentlichkeit sprechen kann.
* *

Seite 2

*

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AMERIKA DIENST 18

�UMWELT
5. Mai 1993

CLINTONS UMWELTPOLITISCHE PRIORITÄTEN
Übersicht des Weißen Hauses
Nachfolgend geben wir den Text einer Reihe zusammenfassender Erklärungen wieder, die am 21. April 1993 vom
Weißen Haus veröffentlicht wurden und die umweltpolitischen Prioritäten Präsident Clintons vorstellen.

Die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt

nis über den Artenschwund. Sie wurde für die Konferenz über Umwelt und Entwicklung (Erdgipfel) der
Beim Erdgipfel von Rio im Juni 1992 weigerten sich die Vereinten Nationen vorbereitet und im Juni 1992
Vereinigten Staaten, eine internationale Konvention angenommen. Mehr als 150 Staaten haben sie bereits
zum Schutz der Artenvielfalt zu unterzeichnen, mit der unterzeichnet, und bis zum 2. April 1993 ist sie von 14
Begründung, die Probleme bei Technologietransfer, Nationen ratifiziert worden (für die Inkraftsetzung der
Finanzierung und Rechten geistigen Eigentums seien Konvention ist die Ratifizierung von 30 Ländern erforunüberwindbar.
derlich).
Präsident Clinton wies seine Administration an, sich für
die Behebung dieser Schwächen der Konvention einzusetzen, damit die Vereinigten Staaten sie unterzeichnen und an wirksamen internationalen Bemühungen zur Verlangsamung des Verlustes der Artenvielfalt
teilnehmen können. Die Weisung des Präsidenten
zielt auf eine enge Zusammenarbeit der Administration mit der Industrie, Umweltschützern und anderen
Nationen ab, um existierende Probleme der Konvention festzustellen und eine Lösung zu erarbeiten.
Die Ankündigung Präsident Clintons am Tag der Erde,
die Vereinigten Staaten wollten jetzt den Vertrag über
die Artenvielfalt unterzeichnen, ist ein klarer und eindeutiger Hinweis darauf, wie Engagement für die Umwelt
in Umweltpolitik umgewandelt wird. Aufgrund der
Führungsqualitäten Präsident Clintons wurden die
Schwächen des Abkommens über die Artenvielfalt
behandelt, um den Schutz der Rechte geistigen Eigentums für unsere Biotechnologie, Landwirtschaft und
Pharmaindustrie zu sichern und die führende Rolle der
Vereinigten Staaten bei globalen Umweltfragen wiederherzustellen. Eine interpretierende Erklärung, die
die Vereinigten Staaten vor der Ratifizierung der
Konvention abgeben werden, genießt starke und breite Unterstützung in den Vereinigten Staaten und auf
der ganzen Welt.
Die Konvention zum Schutz der Artenvielfalt ist eine
Reaktion auf die zunehmende internationale BesorgAMERIKA DIENST 18

Nationale biologische Bestandsaufnahme
Präsident Clinton hat Innenminister Bruce Babbitt
angewiesen, eine nationale biologische Bestandsaufnahme zur Sammlung, Analyse und Verbreitung biologischer Informationen vorzunehmen und das Verständnis für Amerikas biologische Ressourcen zu fördern.
Die Verbesserung und Erweiterung unseres Wissens
über die biologischen Ressourcen unserer Nation und
deren Verteilung wird uns bei einem effektiveren Umgang
mit diesen Ressourcen helfen. Diese zusätzliche
Information und wirksamere Organisation sollte zusätzlich auch eine wirksame Hilfe für die Landwirtschaft u nd die Biotechnologieindustrie bei der Entwicklung neuer Nahrungsmittelquellen, Faserstoffe und
pharmazeutischer Produkte sein. Diese Arbeit an
einem angemessenen Umgang mit unseren Lebensräumen wird auch den auf einen Schutz der bedrohten
oder gefährdeten Artenvielfalt abzielenden Bemühungen zuträglich sein.
Minister Babbitt wird die zur Zeit auf acht Büros des
Innenministeriums verteilten existierenden Programme für biologische Forschung und Kontrolle in einer
Behörde zusammenfassen. Die Mehrheit der 850
Biologen und der Finanzmittel (insgesamt 178 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1994) werden aus Fish
and Wildlife Service stammen. Die neue nationale
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�biologische Bestandsaufnahme wird keine erhöhten
Finanzmittel erfordern.
Die nationale biologische Bestandsaufnahme wird ein
koordiniertes Inventarisierungs- und Überwachungsprogramm zur Beurteilung der allgemeinen Situation
und der Entwicklung im Hinblick auf Anzahl, Gesundheitszustand und Verteilung von Tieren und Pflanzen
in naturbelassenen Gebieten darstellen. Sie soll auch
Bemühungen zur Feststellung einer kritischen Abnahme von Arten oder Lebensräumen umfassen. Die
nationale biologische Bestandsaufnahme schließt auch
die Einrichtung eines Nationalen Biologisch-Technischen Zentrums (National Biological Technical Center) ein, um die erzielten Forschungsergebnisse verfügbar zu machen, unter anderem der Bundesregierung, den Regierungen der Bundesstaaten und Kommunalbehörden sowie an biologischen Ressourcen
interessierten privaten Gruppen.

Partnerschaft mit den Schlüsselindustrien und staatlichen Laboratorien zur Prüfung der Umweltverträglichkeit der vorgeschlagenen neuen Technologien und zur
Vermarktung von Technologien zur Umweltkontrolle in
anderen Nationen.
Man erwartet, daß der Weltmarkt für Umwelttechnologie im Jahr 2.000 einen Umfang von 300 Milliarden
Dollar erreicht. 1990 belief er sich noch auf 200
Milliarden Dollar. Die Vereinigten Staaten sind führend
bei innovativen Technologien zur Reduzierung der
Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung. Diese Initiative wird dazu beitragen sicherzustellen, daß die
amerikanischen Produzenten beim Verkauf von
Umwelttechnologie führend sind.
"Grünes Bruttosozialprodukt"

Unsere Wirtschaftsstatistiken erfassen praktisch alles
außer dem Wert unserer natürlichen Ressourcen und
Andere Behörden wie das Bundesamt für Ozeane und den umweltpolitischen Kosten unserer Aktionen. PräAtmosphäre (National Oceanic and Atmospheric sident Clinton hat das dem Handelsministerium unterAdministration), die Smithsonian Institution und stehende Büro für Wirtschaftsanalysen (Bureau of
das Umweltschutzamt werden sich die nationale biolo- Economic Analysis - BEA) angewiesen, ein "grünes
gische Bestandsaufnahme zunutze machen, um eine Bruttosozialprodukfzu entwickeln - Maßnahmen zur
angemessene Koordinierung der Daten und Informa- Verbesserung der bestehenden Wirtschaftsstatistiken,
die bis heute die Kosten der Verschmutzung oder den
tionen über biologische Ressourcen sicherzustellen.
Wert reiner Luft au ßer acht lassen. Diese Maßnahmen
"grünes Bruttosozialprodukt" würden Änderungen in
Umweltpolitische Hilfe für Rußland
der natürlichen Umwelt in die Berechnungen über
Die weltweite Umweltkrise erfordert, daß wir die Ver- nationales Einkommen und Wohlstand einbeziehen.
bindung zwischen der globalen Umwelt und der nationalen Sicherheit erkennen und uns ihr stellen. Das Das bei uns und in anderen Ländern verwendete
vom Präsidenten vorgeschlagene Hilfspaket für Ruß- Berechnungssystem für das nationale Einkommen
land trägt dieser dringlichen Dimension unserer Au- läßt die Auswirkungen wirtschaftlicher Entwicklung auf
ßenpolitik Rechnung. Es umfaßt 38 Millionen Dollar die Umweltressourcen außer acht, die die Grundlage
zur Unterstützung von Projekten zur verbesserten langfristigen Wohlstandes sind. Die jetzigen BerechEnergienutzung und zur Reduzierung der aus der nungen senden gemischte Signale aus: Ein ÖKankerErdgasförderung und den Pipelinesystemen herrüh- unglück kann beispielsweise das BSP erhöhen, wenn
renden Verschmutzung. Diese Hilfe wird zur Senkung die Kosten der Umweltbereinigung als Einkommen der
der Emissionen von Methan, eines schädlichen Treib- Arbeiter miteingerechnet werden, während die von
hausgases", beitragen und amerikanische Ausrüstung den verschmutzten Stränden verursachten Kosten
und Technologie zur Verbesserung der Wirksamkeit nicht erfaßt werden.
und zum Schutz der Umwelt in Rußland beisteuern.
Binnen eines Jahres wird das Büro für WirtschaftsanaExport von Umwelttechnologie
lysen erste Schätzungen über den Abbau natürlicher
Ressourcen veröffentlichen. Nach einer Periode der
Präsident Clinton hat den Handelsminister gebeten, Erörterung und Überarbeitung wird das BEA in seine
einen behördenübergreifenden strategischen Plan zur Serie regelmäßiger Wirtschaftsindikatoren eine einErhöhung der Exporte von in den Vereinigten Staaten heitlichen Reihe von Anpassungen bei natürlichen
hergestellten Umwelttechnologien zu entwickeln und Ressourcen aufnehmen.
die Konkurrenzfähigkeit dieser Technologien zu erhöhen. Das Handelsministerium wird eng mit dem Ener- Prinzipien der Waldkonferenz
gieministerium und dem Umweltschutzamt zusamPräsident Clinton unternimmt Schritte zur Aufhebung
menarbeiten.
der Pattsituation, die eine Lösung der Kontroverse um
Die Anfangsziele dieser Umwelttechnologieinitiative die nationalen Wälder im pazifischen Nordwesten und
bestehendarin sicherzustellen, daß für Forschung und nördlichen Kalifornien verhindert hat. Bei einer eintäTechnologie vorgesehene Gelder zur Entwicklung gigen Konferenz am 2. April in Portland brachten
konkurrenzfähiger Umweltprodukte und Erweiterung Präsident Clinton und Vizepräsident Gore die Gegner
des Marktes für amerikanische Umweltprodukte ein- am Konferenztisch zusammen, um Gespräche zu
gesetzt werden. Dies umfaßt die Entwicklung einer führen, statt auf Konfrontation zu gehen. Am Ende der
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AMERIKA DIENST 18

�Konferenz setzte Präsident Clinton einen realistischen
und vordringlichen Termin für Aktionen mit der Anweisung an sein Kabinett, ihm binnen 60 Tagen mit einen
Plan zur Beendigung des Patts Bericht zu erstatten.

kung angesichts der haushaltspolitischen Engpässe
darstellt und das Engagement des Präsidenten für
umweltpolitisch verantwortungsbewußte Energieträger unter Beweis stellt.

Das Ziel des Präsidenten ist klar: Eine langfristige,
umfassende und ausgewogene Politik, die der Bedeutung von Wäldern und Holz für Arbeitsplätze, Wirtschaft und Gemeinden in der Region Rechnung trägt
und gleichermaßen die Bedeutung alter Wälder als
Teil unseres nationalen Erbes berücksichtigt, die einmal vernichtet - nicht ersetzt werden können.

Investitionen in Energiesparmaßnahmen haben für
alle Wirtschaftssektoren seit dem Etat für 1993 um 35
Prozent zugenommen - eine Aufstockung von 203
Millionen Dollar, die zu Energiesparmaßnahmen in
Haushalten, Gebäuden, der Industrie, dem Verkehrswesen und den Versorgungsbetrieben beitragen werden.

Mit der Handlungsanweisung an sein Kabinett unterbreitete der Präsident folgende fünf Grundsätze:

Für die Beseitigung von Altlasten und Entsorgung
allgemein wurde eine Erhöhung von 18 Prozent gegenüber 1993 bewilligt, das heißt zusätzliche 967
Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1994, die den
neuen Kurs des Energieministeriums von verteidigungspolitischen Aktivitäten hin zu Umweltschutz und
Wiederherstellung der Umwelt widerspiegelt.

"Wir dürfen die menschlichen und wirtschaftlichen Dimensionen dieses Problems niemals
aus den Augen verlieren. Wo fundierte Bewirtschaftungsmaßnahmen die Gesundheit unserer Waldgebiete erhalten können, sollte der Verkauf fortgesetzt werden. Wo diese Anforderung
nicht erfüllt werden kann, müssen wir alles in
unserer Macht Stehende tun, um neue Wirtschaftschancen für ganzjährige, hochbezahlte,
hochqualifizierte Arbeitsplätze anzubieten.

Der Investitionsplan des Präsidenten sieht maßgebliche Unterstützung für die Bundesstaaten und Gemeinden vor, die zur Sauberhaltung ihres Wassers beitragen. Mittel werden für den neuen rotierenden Fonds
für Trinkwasser der Bundesstaaten (599 Millionen
Dollar) und den neuen rotierenden Fonds für sauberes
Wir müssen die langfristige Gesundheit unserer Wasser der Bundesstaaten (1,2 Milliarden Dollar)
Wälder, Fauna und Wasserwege schützen. Sie bereitgestellt. Diese Investition in Höhe von 1,8 Milliarsind ein Geschenk Gottes, und wir bewahren sie den Dollar für das Haushaltsjahr 1994 signalisiert ein
für künftige Generationen.
neues Zeitalter des finanziellen Engagements für
Unsere Bestrebungen müssen - sofern wir klug sauberes Wasser.
genug sind, dies zu erkennen - wissenschaftlich Präsidialerlaß: Verhinderung von Luftverschmutfundiert, umweltpolitisch glaubwürdig und recht- zung
lich verantwortungsbewußt sein.
Präsident Clinton hat seine Behörden zur Vorbereitung
Unser Plan sollte einen berechenbaren, um- eines Präsidialerlasses angewiesen, der der Bundesweltverträglichen Umfang an Holzverkäufen und regierung die Übernahme einer Führungsrolle bei der
sonstigen Ressourcen hervorbringen, derunse- Anwendung von Maßnahmen zur Verhinderung der
re Waldbestände nicht abbaut oder vernichtet. Luftverschmutzung bei ihrem täglichen Betrieb, ihren
Kaufentscheidungen, ihrer Politik, den Verfahren zur
Zur Erlangung dieser Ziele werden wir alles
Reduzierung von Schadstoffemissionen gestattet, die
Erdenkliche tun, damit die Bundesregierung unzur Vermeidung von Kosten für die Beseitigung von
tereinander, mit dem amerikanischen Volk und
AHlasten und Förderung neuer sauberer Technologien
den Menschen in der Region zusammenarbeibeitragen.
tet. Wir werden vielleicht Fehler machen, aber
wir werden die Pattsituation innerhalb der Bun- Der Präsidialerlaß fordert von staatlichen Einrichtundesregierung zu beenden versuchen. Und wir gen, die toxische Chemikalien herstellen, verarbeiten
werden auf Zusammenarbeit statt Konfronta- oder verwenden, im Rahmen der Bundesgesetze über
tion bestehen."
das Recht auf Information die Offenlegung ihrer EntZu den an diesem Projekt beteiligten Bundesbehörden sorgung und Emissionen. (Zur Zeit sind sie von diesen
zählen das Landwirtschafts-, Innen-, Arbeits- und Gesetzen ausgenommen). Und alle staatlichen EinWirtschaftsministerium sowie das Umweltschutzamt, richtungen werden ein freiwilliges Ziel festsetzen, ihre
das Büro für Umweltpolitik des Weißen Hauses und Emissionen von Schadstoffen bis 1999 um die Hälfte
zu reduzieren.
das Büro für Wissenschaft und Technologiepolitik.
Langfristige Investitionen
Das Budget des Energieministeriums für Solar- und
erneuerbare Energien liegt 30 Prozent über dem des
Haushaltsjahres 1993, was eine beträchtliche AufstokAMERIKA DIENST 18

Präsidialerlaß: Vorgezogene stufenweise Reduzierung von die Ozonschicht abbauenden Chemikalien
Präsident Clinton hat einen Präsidialerlaß unterzeichnet, der Bundesbehörden zu einer Änderung ihrer
Seite 3

�Beschaffungspraktiken zur Verwendung von die Ozonschicht weniger schädigenden Substanzen im Vorgriff
auf das im Montrealer Protokoll geforderte schrittweise
Verbot dieser Substanzen anweist. Das Protokoll, ein
internationaler Vertrag zum Schutz der oberen Ozonschicht der Erde, setzt 1995 als endgültiges Datum für
das vollständige Verbot dieser Ozonschichtschädiger
fest.

regieru ng zum zusätzlichen Kauf von 11.250 Fahrzeugen während dieser drei Jahre.

Um die Ziele dieses Präsidialerlasses zu verwirklichen, hat Präsident Clinton eine Sonderkommission
ins Leben gerufen, die vom Leiter des Amtes für
Landwesen des Bundesstaates Texas, Garry Mauro,
geführt wird, der bereits erfolgreich in diesem Bereich
tätig war. Diese Implementierungskomission wird
Dieser Präsidialerlaß ergänzt die Zusätze zum Gesetz binnen 90 Tagen, von heute an gerechnet, einen Plan
über die Reinhaltung der Luft von 1990, die vom veröffentlichen und in einem Jahr einen SachstandsUmweltschutzamt fordern, bis Oktober 1993 ein end- bericht vorlegen.
gültiges Regelwerk für Bundesbehörden zu erarbeiten, um bis Ende 1994 Bestimmungen durchzuführen, Präsidialerlaß: Wiederverwertete Produkte
die den Kauf der die Ozonschicht am stärksten abbauenden Substanzen auf ein Minimum beschränken. Präsident Clinton hat seine Behörden zur Vorbereitung
Dieser Präsidialerlaß weist die Behörden an, jetzt - eines Präsidialerlases angewiesen, der die Nutzung
sechs Monate vor Vervollständigung der EPA-Vor- wiederverwerteter und wiedergewonnener Produkte
schriften - zu handeln, um den Kauf von Ozonschicht- durch verstärkte staatliche Beschaffung solcher Güter
schädigern durch diese Behörden zu verringern. Dieser fördert. Damit werden der Markt für RecyclingprodukPräsidialerlaß wird unter anderem die Beschaffung te gestärkt und Arbeitsplätze in allen Phasen der
von Kühlmitteln betreffen, die für Klimaanlagen in Wiederverwertung und Herstellung solcher Produkte
geschaffen.
Gebäuden und Fahrzeugen verwendet werden.
Dieser Präsidialerlaß stützt die bisherige Verordnung
Präsidialerlaß: Mit alternativen Treibstoffen be- über das Recycling bei Bundesbehörden (Föderal
triebene Fahrzeuge
Agency Recycling Order) vom Oktober 1991. Er wird
Präsident Clinton wird einen Präsidialerlaß unterzeich- eine Revision der Beschaffungsrichtlinien für wiedernen, der die Bundesbehörden zum beschleunigten verwertete Produkte (durch Festsetzung einer MinKauf von mit alternativen Treibstoffen betriebenen destnorm für den Anteil bei Druck- und Schreibpapier)
Fahrzeugen verpflichtet, wenn Fahrzeugbeschaffung erfordern und Mindestziele für staatliche Beschaffunerforderlich ist. Der Erlaß fordert von der Bundesregie- gen festlegen. Der Erlaß wird den für Beschaffungen
rung die Überschreitung der zunächst fürdie Beschaf- zuständigen Beamten ein Signal geben, mehr wiederfung von mit alternativen Treibstoffen betriebene verwertete Waren und Produkte zu kaufen.
Fahrzeuge festgesetzten Ziele während der Haushaltsjahre 1993 - 1995 um 50 Prozent, wodurch die
Fahrzeughersteller und Treibstofflieferanten zum vorzeitigen Angebot dieser Optionen für amerikanische
Verbraucher ermutigt werden.

Die Steigerung der Nachfrage nach Recyclingwaren
und -produkten setzt eine positive Kettenreaktion in
Gang - indem sie die Nachfrage nach Recyclingprodukten und nach Recyclingprogrammen zu deren
Herstellung ankurbelt sowie in der Folge Arbeitsplätze
schafft und die von uns produzierte Abfallmenge reduziert. Dieser Erlaß wird ferner einen Markt für neue
Recyclingtechnologien hervorbringen, Recyclingmaterial besser nutzen und die Herstellung neuer Produkte ausweiten, die dem Staat angeboten werden können.

Mit alternativen Treibstoffen betriebene Fahrzeuge
verringern die Luftverschmutzung, reduzieren die
Nachfrage der Vereinigten Staaten nach ausländischem öl und ermutigen eine technologische Führungsrolle in einer unserer wichtigsten Industrien. Diese
Fahrzeuge verbrauchen im Inland hergestellte Treibstoffe, können erneuerbare Ressourcen verwenden Präsidialerlaß: Energiesparende Computer
und weniger Emissionen freisetzen als konventionelle,
mit Benzin oder Diesel betriebene Fahrzeuge.
Präsident Clinton wird einen Präsidialerlaß unterzeichnen, der jährlich 40 Millionen Dollar an Steuergeldern
Das Gesetz zur Energiepolitik von 1992 forderte von einsparen, die Luftverschmutzung verringern und
Bundesbehörden den Kauf von mit alternativen Treib- amerikanischen Computerherstellern helfen wird. Der
stoffen betriebenen Fahrzeugen, um den Herstellern
Präsidialerlaß verlangt von der Bundesregierung, dem
und Treibstoffvermarktern ein klares Signal zur Entweltweit größten Käufer von Computerausrüstung, die
wicklung ihrer Produkte fürweitverbreiteten Verbrauch
Beschaffung energiesparender Computer. Amerikazu geben. Die ursprünglichen Beschaffungsziele wurden
nische Unternehmen sind weltweit die führenden
auf 5.000 Fahrzeuge für das Haushaltsjahr 1993,
Hersteller solcher Computer. Mit diesem Präsidialer7.500 Fahrzeuge im Haushaltsjahr 1994 und 10.000
Fahrzeuge im Haushaltsjahr 1995 festgesetzt. Präsi- laß stärkt Präsident Clinton den Markt für "grüne"
dent Clinton vertritt die Auffassung, daß schneller Technologien und gibt durch seine Führungsrolle ein
mehr getan werden sollte und verpflichtet die Bundes- Beispiel.

Seite4

AMERIKA DIENST 18

�In sechs Monaten wird die Bundesregierung mit dem
Ankauf von Computern, Monitoren und Druckern
beginnen, die die Kriterien des Star Computers-Programms des Umweltschutzamts (EPA) erfüllen und
durch ein besonderes Logo gekennzeichnet werden
können - einen Indikator für die Effizienz von DesktopComputern, Monitoren und Druckern. Die Hersteller
haben geschätzt, daß Energy Star-Produkte für den
Verbraucher nicht teurer werden als vergleichbare,
weniger effiziente Waren dieser Art. Die Einbeziehung
des Energieverbrauchs in die Computerentwicklung
wird überdies nicht zu Lasten der Leistungsfähigkeit
gehen.

bäude und -behörden, für Regierungen der Bundesstaaten und Gemeindeverwaltungen sowie für Unternehmen und Hausbesitzer haben.
Nationaler Dienst für die Umwelt
Ein nationaler sozialer Dienst stellt für junge Leute, die
das College besuchen und ihren Gemeinden dienen
wollen, eine Chance und eine Verantwortung dar.
Wenn sie sich für den Schutz der Erde einsetzen, dann
bietet er überdies eine Chance, dieses Engagement
für die Umwelt praktisch umzusetzen. Der Dienst für
die Umwelt ist ein wesentlicher Bestandteil von Präsident Clintons Plan für einen sozialen Dienst.

Das Energy Star-Computerprogramm des EPA ist
eine freiwillige Partnerschaft mit führenden Vertretern
der Computerindustrie zur Einführung von DesktopComputern, Monitoren und Druckern, in denen bei
Nichtbenutzung eine Standby-Schaltung mit verringertem Strombedarf aktiviert werden kann, und zu
deren Kennzeichnung mit einem Energy Star-Logo. 5
Prozent des kommerziellen Energieverbrauchs entfallen auf Computerausrüstung, und dieser Wert könnte
bis zum Jahr 2000 auf 10 Prozent steigen.

Junge Menschen, die sich für den Umweltdienst entscheiden, werden sich als Teil des Programms eines
nationalen sozialen Dienstes an einem breiten Spektrum von Umweltschutzvorhaben auf nationaler, bundesstaatlicher und privater Ebene beteiligen können.
Heute sind Umweltschutzkorps auf nationaler, bundesstaatlicher und Gemeindeebene, in denen 17.500
junge Leute Jahr für Jahr in kurz- und längerfristigen
Projekten mitarbeiten, in 30 Bundesstaaten und 45
Städten tätig. Ein Umweltdienst wird private und
Dem Präsidialerlaß zufolge werden die Vereinigten öffentliche Umweltschutzorganisationen ermutigen und
Staaten Computer, Monitore und Drucker beschaffen, uns gestatten, deren Energie, Enthusiasmus und Innodie im höchstmöglichen Maß die Kriterien des Energy vationskraft zu nutzen. Im Programmdes Präsidenten
Star-Programms erfüllen - wenn Energy Star-Compu- für den nationalen sozialen Dienst wird der Umweltter sonstige Leistungskriterien nicht unterschreiten dienst ein breites Spektrum von Möglichkeiten bieten,
und den Anforderungeng von Ausschreibungen ge- die von Forschungsarbeiten über die Nationalparks bis
recht werden. Alle Behörden müssen spezifizieren, zur Beseitigung von Umweltschäden an Flußufern
daß sämtliche gelieferten Computerprodukte mit einer oder Pflege städtischer Grünanlagen reichen.
aktiven Energiesparschaltung ausgerüstet sein werDer Umweltdienst bietet jungen Menschen eine Geleden. Diese muß automatisch einen Standby-Zustand
genheit, ihren Gemeinden zu dienen und die Erde zu
auslösen oder aufheben, der die in der Energy Star- schützen, die sie ihren Kindern als Vermächtnis hinterVereinbarung definierten niedrigen Stromverbrauchs- lassen.
werte erfüllt, wenn die Computer in jedem beliebigen,
von der Behörde geforderten Rechnerumfeld einge- Umweltgerechtigkeit
setzt werden.
Millionen von Kindern in den Innenstädten sind BleiverEin umweltbewußtes Weißes Haus
giftungen ausgesetzt, die für geistige Unterentwicklung, Lernbehinderungen und vermindertes WachsPräsident Clinton hat eine Umweltverträglichkeitsprü- tum, besonders bei Kindern aus Minderheiten verantfung und die Modernisierung des Weißen Hauses wortlich gemacht werden. Es wird angenommen, daß
angekündigt, um nationale Bestrebungen zur Förde- uranverseuchtes Land und Wasser der Navajo-Indiarung von Energieeinsparungen und Abfallverringerung ner zu der erhöhten Häuf igkert von organischen Krebseinzuleiten.
erkrankungen bei Navajo-Teenagern beitragen - sie
überschreiten
den nationalen Durchschnitt um ein
Eine vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung des
Vielfaches.
Weißen Hauses und seiner Nebengebäude wird
Möglichkeiten zur Verringerung von Abfall, Wasser
Der Präsident hat das Umweltschutzamt und das
sowie Energieverbrauch bei Beleuchtungs-, HeizungsJustizministerium aufgefordert, eine behördenüberund Kühlsystemen identifizieren. Der Austausch von
greifende Prüfung von Bundes-, Bundesstaats- und
energiefressenden Geräten gegen effizientere AlterGemeindevorschriften sowie deren Durchführung
nativen wird nicht nur den Energieverbrauch im Weivorzunehmen, die ethnisch geprägte und einkomßen Haus erheblich senken, sondern auch Betriebskomensschwache Gemeinden betreffen, mit dem Ziel,
sten und Umweltverschmutzung reduzieren. Dieses
eine aggressive Untersuchung der ungleichen BelaProjekt wird Modellcharakter für andere Bundesgestung mit Umweltrisiken zu formulieren. Als Teil dieser

AMERIKA DIENST 18

Seite 5

�Prüfung werden das Justizministerium und das Umweltschutzamt - in Koordinierung mit dem Ministerium
für Wohnungs- und Städtebau sowie dem Arbeitsministerium - Gemeinden als Beispiel benennen, in denen
die ungleiche Verteilung in der umweltpolitischen Ent-

scheidungsfindung negative Folgen für Minderheiten
und einkommensschwache Bevölkerungsteile haben.
Dieser Prozeß wird gegebenenfalls die Grundlage für
Reformen in Gesetzgebung und Durchführung bilden.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST V

�HANDEL
5. Mai 1993

USA IDENTIFIZIEREN HANDELSDISKRIMINIERUNG JAPANS UND DER EG
Übersicht des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON -(AD)- Nachfolgend veröffentlichen wir den Text einer am 30. April 1993 vom Büro des US-Handelsbeauftragten Mickey Kantor herausgegebenen Übersicht der Handelspartner, die bei ihren Beschaffungen
amerikanische Produzenten diskriminieren.
Getroffene Maßnahmen
Der amerikanische Handelsbeauftragte (USTR) Mikkey Kantor gab heute die diesjährigen Entscheidungen
gemäß Titel VII des Allgemeinen Handelsgesetzes
von 1988 bekannt. Titel VII zufolge muß die Administration die Länder benennen und ihre Namen an den
Kongreß weiterleiten, die im staatlichen Beschaffungswesen amerikanische Waren und Dienstleistungen
diskriminieren.
Botschafter Kantor führte unter dem Gesetz die folgenden Länder auf:
Japan, aufgrund von Diskriminierung bei der
Beschaffung von Bau-, Ingenieur- und Architektenleistungen.
Wettbewerbsschädigende
Maßnahmen waren auf dem japanischen Baumarkt schon lange ein Problem. Japan macht
ausführlich von dem "präferentiellen AnbieterSystem" Gebrauch, das amerikanische Anbieter gewohnheitsmäßig benachteiligt. Auch behält Japan sein undurchsichtiges Verwaltungssystem bei, das japanischen Anbietern auf Kosten
amerikanischer Unternehmen Vorteile einräumt.
Weiterhin könnte Japan die Übereinkunft zur
Beteiligung an Großprojekten (Major Projects
Arrangement - MPA) von 1991 verletzt haben
und hat sich bis jetzt nicht willens gezeigt, das
MPA und seine Anwendung wesentlich zu verbessern.
Die Europäische Gemeinschaft, die aufgrund
von Handelsdiskriminierung bei der nicht von
dem GATT-Beschaffungkodex abgedeckten
Beschaffung weiter aufgeführt wird. Die EG
wurde zuerst in der laut Statut vorgeschriebenen Vorabprüfung vom Februar 1992 wegen

AMERIKA DIENST 18

Diskriminierung bei der Beschaffung von Telekommunikation und schwerer elektrischer Ausrüstung aufgeführt. Im Einklang mit dem Statut
verfolgten die Vereinigten Staaten die Angelegenheit und führten Verhandlungen mit der EG.
Im Bereich der schweren elektrischen Ausrüstung wurde ein Abkommen erzielt, das jetzt
noch vom EG-Ministerrat angenommen werden
muß. Im Bereich der Telekommunikation kam
man zu keiner Einigung. Die Vereinigten Staaten werden als Antwort auf die Diskriminierung
im Telekommunikationsbereich weiterhin Sanktionen unter Titel VII verhängen.
In seinem Bericht an den Kongreß stellte Botschafter
Kantor die weitere Besorgnis der Administration über
die ausländischen Beschaffungspraktiken fest, denen
die im Statut festgelegten Erfordernisse für die Identifizierung fehlen.
Unsere Besorgnis gilt drei Sektoren in Japan:
1. Supercomputer, die, wie heute bekanntgegeben, im
Rahmen einer Maßnahme nach Paragraph 306 des
Handelsgesetzes von 1974 untersucht werden;
2. Die Unfähigkeit der Vereinigten Staaten und Japans, im Computerbereich ein statistisches Überwachungssystem zu verwirklichen, um Fortschritte in
unserem bilateralen Computerabkommen zu beurteilen, ist ein Problem. Wir behandeln diese Frage in
bilateralen Gesprächen mit Japan.
3. Im Telekommunikationsbereich äußern sich amerikanische Unternehmen enttäuscht über den Mangel
an Chancen in den Bereichen, die nicht von der Vereinbarung mit Nippon Telephone &amp; Telegraph (NTT)
erfaßt sind. Auch dieses Thema wird bilateral zur
Sprache gebracht.

Seite 1

�Die australische Regierung hat im Rahmen einer
als "Restricted Systems Integration Panel" (etwa:
Auswahlausschuß für Systemintegration) bezeichneten Vorauswahl die Vergabe von Regierungsaufträgen für die Beschaffung von Informationssystemen beschränkt. Die Teilnahme
an Ausschreibungen ist auf Mitglieder dieses
Gremiums begrenzt. Die Mitgliedschaftskriterien beinhalten erwiesene Befähigung, wirtschaftliche Solidität und das Potential, die politischen
Ziele der australischen Regierung zu fördern,
einschließlich der Exporte von Australien auf die
asiatisch-pazifischen Märkte sowie - in den
meisten Fällen - die wirtschaftliche Entwicklung
auf lokaler Ebene.

vorlegen muß, in dem andere Länder amerikanische
Produkte oder Dienstleistungen bei der Vergabe von
Regierungsaufträgen diskriminieren. Diese Funktionen wurden dem USTR durch Präsidialerlaß übertragen. Der Bericht soll jährlich bis zum 30. April vorgelegt werden und die Länder erfassen, die gemäß der
Definition des Statuts diskriminieren. Insbesondere
soll der USTR folgende Länder identifizieren:

Der Beschaffungsmarkt in China ist nach wie
vor nicht transparent und im allgemeinen ausländischen Anbietern unzugänglich. China hat
sich zu Änderungen verpflichtet, mit denen diese Situation verbessert werden soll. Diese
Änderungen sollen jedoch nicht vor Ende 1993
verwirklicht werden. Als Teil der im Oktober
1992 von China und den Vereinigten Staaten
unterzeichneten Regierungsvereinbarung über
Marktzugang hat sich China bereiterklärt, die
Transparenz seines Handelssystems durch Publizierung von mit Handel in Zusammenhang
stehenden Regeln und Vorschriften zu erhöhen.
Kantor hat darüber hinaus die Absicht der Administration bekundet zu beobachten, ob Länder, die Handelsoder Wirtschaftsabkommen mit der EG abgeschlossen haben, sich selbst den diskriminierenden Verfügungen der Sektorenrichtlinie anschließen müssen.
Wir werden diese Länder im nächsten Jahr beobachten und sie im Rahmen unseres nächsten Jahresberichts gemäß Titel VII überprüfen.

Länder, die Unterzeichner des GATT-Beschaffungskodex (Kodex) sind und den Kodex nicht
einhalten,
Länder, die Unterzeichner des Kodex sind und
den Kodex einhalten, jedoch weiterhin amerikanische Produkte und Dienstleistungen bei nicht
von dem Kodex erfaßten staatlichen Beschaffungen maßgeblich und kontinuierlich mit offenkundigen Schäden für amerikanische Unternehmen diskriminieren, und deren Produkte oder
Dienstleistungen in beträchtlichem Umfang von
der US-Regierung beschafft werden,
Länder, die NichtUnterzeichner des Kodex sind,
jedoch weiterhin amerikanische Produkte und
Dienstleistungen bei staatlichen Beschaffungen
maßgeblich und kontinuierlich mit offenkundigen Schäden für amerikanische Unternehmen
diskriminieren, und deren Produkte oder Dienstleistungen in beträchtlichem Umfang von der
US-Regierung beschafft werden.

Die Identifizierung im Rahmen des Statuts leitet einen
60tägigen Konsultationsprozeß in die Wege. Falls die
Konsultationen nicht zur Aufhebung der diskriminierenden Praktiken führen, wird eine von zwei Vorgehensweisen erforderlich: 1. Wenn ein Land als
Verletzer des Abkommens ausgemacht wird, weist
das Gesetz den USTR an, im Rahmen des Abkommens Verfahren zur Schlichtung von Streitfällen aufzuGesetzliche Befugnis
nehmen. 2. Wenn die Identifizierung andere als die
Titel VII des Allgemeinen Handelsgesetzes von 1988 vom Kodex abgedeckten Beschaffungen betrifft, kann
modifiziert das Gesetz über Handelsabkommen von der Präsident Sanktionen gegen das Land verhängen,
1979 dahingehend, daß die Administration unter ande- die in ihrer Wirkung der Diskriminierung gegen amerirem dem Kongreß einen Bericht über das Ausmaß kanische Produkte oder Dienstleistungen entsprechen.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 18

�IWF
5. Mai 1993

BENTSEN: DAUERHAFTES WIRTSCHAFTSWACHSTUM
MUSS WIEDERHERGESTELLT WERDEN
Rede des Finanzministers bei IWF-Sitzung
WASHINGTON - (AD) - Die Regierungen der Welt können und müssen mehr zur Ankurbelung der immer noch
stagnierenden Wirtschaftsleistung tun, erklärte der amerikanische Finanzminister Lloyd Bentsen seinen
Kollegen aus aller Welt.
In seinem für die Morgensitzung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF) am 30.
April 1993 vorbereiteten Redetext äu ßerte Bentsen, die Ma ßnahmen der Clinton-Administration zeitigten bereits
positive Auswirkungen in den Vereinigten Staaten.
"Eine Erholung findet zwar offensichtlich statt, jedoch in bescheidenem Ausmaß", stellte er fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Redetext des Finanzministers im Wortlaut.
Die uns heute konfrontierende größte Herausforderung besteht in der Wiederherstellung des dauerhaften
Wachstums der Weltwirtschaft. Dies ist kein abstraktes Konzept für die über 30 Millionen Arbeitslosen in
den Industrieländern und die zahllosen Millionen mehr
in anderen Ländern der Welt. Wachstum bedeutet
Arbeitsplätze, die unsere Bürger an die Fertigungsstraße statt in die Schlangen der Arbeitslosen bringen.
Wachstum bedeutet expandierende Märkte und erweiterten internationalen Handel. Es bedeutet Hoffnung
für die Länder, die schwierige Wirtschaftsreformen
und den Übergang zu Marktwirtschaften vollziehen.
Wir befinden uns jetzt im dritten Jahr unterdurchschnittlicher Wirtschaftsleistung, und selbst die vom
IWF prognostizierte Gesundung wird nicht ausreichen, um das derzeit hohe Niveau der Arbeitslosigkeit
zu reduzieren. Wir können es besser machen. Wir
müssen es besser machen. Die vorausgesagte Erholung muß gestärkt und verwirklicht werden. Die Enttäuschungen der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden.
In den Vereinigten Staaten wird Präsident Clintons
Programm des Wandels und der wirtschaftlichen
Wiederbelebung durchgeführt und trägt erste Früchte.
Die vom Kongreß angenommene Haushaltsentschließung sieht über 500 Milliarden Dollar zum Abbau des
Haushaltsdefizits über fünf Jahre hinweg vor. Andere
Länder haben uns seit Jahren gedrängt, unser Defizit
in Angriff zu nehmen, und das haben wir jetzt getan.
Dies ist der größte Defizitabbau in der Geschichte der
AMERIKA DIENST 18

Vereinigten Staaten, der das Defizit als Prozentsatz
des Bruttosozialprodukts auf die Hälfte des derzeitigen
Niveaus reduzieren wird. Die Finanzmärkte - die
schärfsten Aufpasser - spiegeln ihre Beurteilung wider, daß dies ernsthafte Bestrebungen seitens der
Vereinigten Staaten mit seit dem 20. Januar beträchtlich gesunkenen Zinssätzen sind.
Der Abbau des Haushaltsdefizits wird die geringe
amerikanische Spartätigkeit erhöhen und die Mittel für
größere Investitionen bereitstellen, die der Schlüssel
zu langfristigem Wachstum sind. Gleichzeitig werden
sich die staatlichen Ausgaben wieder auf Investitionen
in materielle Ressourcen und Humankapital konzentrieren. Auch befassen wir uns mit den steigenden
Kosten im Gesundheitswesen, die einen übermäßigen
Teil unseres nationalen Einkommens verschlingen.
Sie belaufen sich auf ungefähr 14 Prozent unseres
Haushalts und werden weiter steigen, wenn wir nicht
etwas zur Lösung des Problems unternehmen, wozu
wir fest entschlossen sind.
Das Tempo der Reformen muß der gegenwärtigen
Wirtschaftslage Rechnung tragen. Eine Erholung findet zwar offensichtlich statt, jedoch in bescheidenem
Ausmaß. Ein bedeutender Teil der Verlangsamung
des Wachstums im ersten Quartal dieses Jahres war
auf eine Abnahme der Exporte zurückzuführen, die
das Spiegelbild der schwachen Weltwirtschaft ist.
Erfolgreiche Bemühungen der Vereinigten Staaten zur
Reduzierung ihres doppelten Defizits - in den Bereichen Haushalt und Handel - bedeuten, daß die WeltSeite 1

�Wirtschaft nur stärker werden kann, wenn die anderen
Industriestaaten Maßnahmen zur Ankurbelung ihrer
Nachfrage im Inland ergreifen. Das ist für die Länder
von besonderer Bedeutung, die große Zahlungsbilanzüberschüsse haben.
Ein wiederbelebter Koordinationsprozeß der Wirtschaftspolitik der G-7 führt uns auf den Weg zu erhöhtem
Wachstum und anhaltender Erholung. Wir haben
erste Schritte unternommen und die Grundlage für
zusätzliche Maßnahmen gelegt. Die Zinssätze in
Europa sinken, und meines Erachtens sind alle Voraussetzungen für weitere Senkungen geschaffen. Japan
hat ein Programm zur Ankurbelung der Wirtschaft
angekündigt, das nachfrageorientiertes Binnenwachstum unterstützen und - so hoffe ich - eine Senkung des
großen japanischen Handelsüberschusses herbeiführen wird. Von den Vereinigten Staaten Anfang dieser
Woche ergriffene Maßnahmen haben die Devisenmärkte beruhigt und die Luft gereinigt, so daß das
Hauptaugenmerk jetzt auf grundlegenden wirtschaftspolitischen Maßnahmen liegt. Auf ihrem gestrigen
Treffen stimmten die Mitgliedstaaten der G-7 darin
überein, daß die Wechselkurse die wirtschaftlichen
Grundprinzipien widerspiegeln sollten und daß übermäßige Fluktuation nicht wünschenswert ist. Die G-7
bekräftigte ihr andauerndes Engagement für enge
Zusammenarbeit auf den Devisenmärkten.

chen für ein Nachlassen des wirtschaftlichen Schrumpfungsprozesses. Da die schwierigen Anpassungsbemühungen Früchte zu tragen beginnen, erwarten wir
im nächsten Jahr in dieser Region das höchste Wirtschaftswachstum seit vielen Jahren. Die Fortsetzung
dieser Bemühungen ist wichtig, um die Fortschritte zu
festigen.
Die jüngste Abstimmung in Rußland - wir sind übrigens
hocherfreut, Herrn Sochin heute bei uns zu wissen bringt ein Mandat für den Wandel. Ich beglückwünsche Sie dazu. Es ist von entscheidender Bedeutung,
die Gunst der Stunde zu nutzen, um eine Marktwirtschaft auf der Grundlage stabiler Preise und beschleunigter Systemreformen zu fördern. Nur dies wird
Rußland in die Lage versetzen, den vollen Nutzen aus
der multilateralen Unterstützung zu ziehen, die von der
G-7 Mitte des Monats in Tokio beschlossen wurde,
einschließlich der IWF-Fazilität für die Umgestaltung
des Systems (Systemic Transformation Facility), die
Rußland und anderen Ländern, die gerade mit der
Stabilisierung und dem Übergang zur Marktwirtschaft
beginnen, besonders unterstützen soll.

Bei der Beurteilung der weltwirtschaftlichen Lage und
Aussichten sind die Überwachungsmaßnahmen des
IWF für uns alle von entscheidender Bedeutung.
Rechtzeitige und genaue Überwachung kann Signalfunktion für die politischen Entscheidungsträger haEin offenes internationales Handelssystem ist für ben, deren Ziel die Implementierung geeigneter Maßerhöhtes Wirtschaftswachstum notwendig. Ein früh- nahmen ist. Deshalb begrüßen wir Bemühungen, die
zeitiger Abschluß der Uruguay-Runde auf der Grund- Qualität der Fonds-Überwachung sowohl im Kontext
lage eines ausgewogenen und fairen Abkommens ist institutioneller Aktivitäten als auch in den Überwavon unabdingbarer Bedeutung. Die Vereinigten Staa- chungsdiskussionen der G-7 zu verbessern. Ich möchte
ten sind der Ansicht, daß auf dem Tokioter Gipfel im hier besonders die Bedeutung eines gestärkten analyJuli Einigung über die wichtigsten Marktzugangsfra- tischen Rahmens betonen, der eine klare und vergen erzielt und die Uruguay-Runde Mitte Dezember gleichbare Beschreibung - damit wir wissen, womit wir
es zu tun haben - der politischen Maßnahmen verabgeschlossen werden sollte.
schiedener Staaten sowie ihrer wahrscheinlichen wirtIch freue mich feststellen zu können, daß das Wachs- schaftlichen Folgen liefert. Gleichzeitig muß der Fonds
tum in den Entwicklungsländern trotz Schwächen in die in den Mitgliedstaaten vorhandenen unterschiedliden Industriestaaten im Durchschnitt stark ist. Die chen Umstände und Bedingungen berücksichtigen,
Aussicht auf ein laut Schätzungen des IWF insgesamt um den Mitgliedstaaten vernünftige politische Ratmehr als 5prozentiges Wachstum in diesem Jahr ist schläge geben zu können. Eine Politik, die unter
der Lohn der mutigen Anstrengungen zur Einführung normalen Umständen solide ist, kann unter besondesolider wirtschaftspolitischer Maßnahmen. Markto- ren Bedingungen Märkte destabilisieren. Wir müssen
rientierte Reformen müssen weiter auf mehr Länder uns dessen bewußt sein. Der Fonds muß die Mittel
übergreifen, um diesen Prozeß in Gang zu halten.
haben, um solche Risiken zu erkennen und auf sie
aufmerksam zu machen. Dies ist ein wichtiger BeIn Osteuropa ist der Reformprozeß in vollem Gange.
reich, und es ist notwendig und berechtigt, daß der
Die nördlichen Staaten werden dieses Jahr voraus- Vorstand ein verstärktes Augenmerk darauf richtet.
sichtlich alle ein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen
haben, und in den südlichen Ländern gibt es Anzei* * * * *

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AMERIKA DIENST 18

�TERRORISMUS
5. Mai 1993

RÜCKGANG VON TERRORANSCHLAGEN IM JAHR 1992
Jahresbericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Außenministerium zufolge hat die Anzahl internationaler Terrorakte im Jahr
1992 verglichen mit dem Vorjahr um 35 Prozent abgenommen.
Die Abnahme der Anschläge von 567 auf 361 ist die beträchtlichste, seit die Vereinigten Staaten 1968 mit der
Erstellung solcher Statistiken begannen, so die Schlußfolgerung des Außenministeriums in seinem Bericht
Muster des internationalen Terrorismus: 1992.
Der Bericht definiert internationalen Terrorismus als Terrorakte, die Bürger oder das Territorium von mehr als
einem Land betreffen.
Die Vereinigten Staaten benennen folgende Staaten, die internationalen Terrorismus unterstützen: Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien. Dem Bericht zufolge ist der Iran weiterhin der aktivste den Terrorismus
fördernde Staat. Im Jahr 1992 führten iranische Agenten oder dem Land nahestehende Gruppen über 20
Anschläge aus.
"Trotz der Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus stellt dessen staatliche Förderung nach wie vor eine
Gefahr dar", so die Schlußfolgerung des Berichts.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem Bericht.

Muster des internationalen Terrorismus: 1992
Das Jahr im Rückblick

Am 8. Januar 1992 wurde der in den Vereinigten
Staaten eingebürgerte Jose Lopez von Mitgliedern der Nationalen Befreiungsarmee in Kolumbien entführt und umgebracht.

1992 konnte praktisch die größte Abnahme internationaler Terroranschläge verzeichnet werden, seit die
Am 10. Juni vergangenen Jahres wurde FeldVereinigten Staaten 1968 mit der Erstellung solcher
webel Owell Hernandez in Panama getötet, als
Statistiken begannen. Internationale Terrorakte gindas von ihm gesteuerte Fahrzeug der US-Argen 1992 auf 361 zurück, das niedrigste Niveau seit 17
mee au s einem vorbeifahrenden Auto mit einem
Jahren. Dies sind 35 Prozent weniger als die 1991
Automatikgewehr beschossen wurde. Ein weierfaßten 567 Anschläge, eine Zahl, die durch eine
terer in dem Fahrzeug befindlicher Soldat wurde
Serie weniger bedeutender Zwischenfälle zu Zeiten
verwundet. Keine Gruppe übernahm die Verdes Golfkriegs aufgebläht wurde. Im Jahr 1992 waren
antwortung. Dieser Anschlag fand unmittelbar
amerikanische Bürger und deren Eigentum nach wie
vor dem Besuch Präsident Bushs in Panama
vor die Hauptziele weltweit. Nahezu 40 Prozent der
statt.
361 im Verlauf des Jahres verübten internationalen
Terroranschläge waren auf amerikanische Ziele ge- Der schrecklichste internationale Terroranschlag des
richtet.
Jahres geschah am 17. März 1992, als eine gewaltige,
in einem Lastwagen versteckte Bombe die Israelische
Die Anzahl der amerikanischen Opfer von Terroran- Botschaft in Buenos Aires zerstörte. Die Explosion
schlägen war so niedrig wie nie zuvor. 1992 wurden machte die Botschaft dem Erdboden gleich und bezwei Amerikaner getötet und einer verletzt, verglichen schädigte eine nahegelegene Kirche, eine Schule und
mit sieben getöteten und 14 verletzten Amerikanern im ein Seniorenheim.
Vorjahr:

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Seite 1

�29 Personen wurden getötet und 242 verwundet. Der
Islamische Heilige Krieg, ein Deckname für die vom
Iran geförderte Hisbollah-Gruppe, übernahm öffentlich die Verantwortung für den Anschlag und belegte
diese Behauptung mit der Veröffentlichung eines Videobandes der Botschaft, das während der Überwachung vor der Explosion aufgenommen worden war.
Es gibt zunehmende Beweise, daß die iranische
Regierung für diesen Terroranschlag verantwortlich
ist.

am Jahresende zunichte gemacht, als die Regierung
und ihr Hauptrivale, die Nationale Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas (UNITA) bei den
Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen nicht genügend Stimmen erzielte. Der Bürgerkrieg in Liberia und
die gewalttätige Anarchie in Somalia weiteten sich auf
die Nachbarländer aus. Die Regierung des Sudan bot
weiterhin Vertretern von Terrorgruppen aus dem Nahen
Osten Unterschlupf.
Asien im Überblick

Wie während der vorangegangenen drei Jahre wurden
1992 in Lateinamerika mehr Terroranschläge verzeichnet als in jeder anderen Region. Ausländerfeindliche Übergriffe in dieser Region waren vornehmlich
gegen amerikanische Ziele gerichtet. Linksgerichteter
Terrorismus nimmt besonders in Europa ab, ethnische
und separatistische Gruppen in Europa, Lateinamerika, Südasien und im Nahen Osten waren jedoch im
vergangenen Jahr weiterhin aktiv.

In Asien nahmen internationale Terroranschläge weiterhin von 48 im Jahr 1991 auf 13 1992 ab. Dieser
Rückgang war vornehmlich ein Ergebnis des verbesserten politischen Klimas auf den Philippinen. Internationale Terrorakte waren in Thailand, Malaysia, Japan
und Südkorea relativ selten, verglichen mit der Zahl
von Anschlägen in zahlreichen lateinamerikanischen
und europäischen Ländern. Nordkorea steht nach wie
vor auf der Liste der den Terrorismus unterstützenden
Ein entscheidender Schlag gegen die äußerst gefähr- Nationen, scheint jedoch nicht geneigt, ein Terrorproliche peruanische Terrorgruppe Leuchtender Pfad gelang gramm zu verfolgen. Wie während des Golfkriegs
im September, als Sicherheitskräfte in Lima den Grü n- beobachtet, könnten die den Terrorismus unterstütder der Gruppe, Abimael Guzman, und zahlreiche zenden Staaten im Nahen Osten - insbesondere Iran,
Mitglieder seines Oberkommandos festnahmen. Irak und Libyen - Asien als zunehmend attraktive
Guzman wurde für seine Terrorakte zu lebenslanger Region ansehen, während andere Gebiete, insbesondere Europa, ihre Sicherheitsbestrebungen intensivieHaft verurteilt.
ren.
Keiner der herkömmlichen, den Terrorismus fördernden Staaten hat die terroristische Option, vor allem Gewaltakte und Terroranschläge von Sikhs und kaschgegen Dissidenten, vollständig aufgegeben oder den mirischen Separatisten in Indien sowie tamilischen
Kontakt zu Terroristen nahestehenden Gruppen abge- Rebellen in Sri Lanka dauerten 1992 an, hatten Taubrochen. Die internationale terroristische Infrastruktur sende toter und verletzter Zivilisten zur Folge und
des Irak wurde durch die Aktionen zur Terrorismusbe- setzten potentiell das Leben von Amerikanern als sich
kämpfung der Koalition während des Krieges im gro- anbietendes, bequemes oder zufälliges Ziel aufs Spiel.
ßen und ganzen zerstört. Seit der Operation Wüstensturm hat Saddam Hussein jedoch terroristische Mittel Europa im Überblick
zur Bestrafung von Regimegegnern sowie zur EinIm Verlauf des Jahres 1992 sahen sich die europäischüchterung von Mitarbeitern der UNO und privater
schen Länder relativ wenigen internationalen TerrorHilfsorganisationen eingesetzt. Das iranische Regime
anschlägen ausgesetzt. Die wichtigsten Ereignissein
hat seit seiner Machtübernahme im Jahr 1979 staatliEuropa in diesem Jahr - die Olympischen Spiele in
chen Terrorismus praktiziert. Zur Zeit ist es der
Albertville und Barcelona, die Weltausstellung in Sevilgefährlichste Unterstützer des staatlichen Terrorisla und die Feierlichkeiten anläßlich des 500. Jahrestamus und hat einen weltweiten Aktionsradius.
ges von Kolumbus' Reise nach Amerika - verliefen
1992 wurden durch internationalen Terrorismus weni- buchstäblich ohne Zwischenfälle. Linksgerichtete
ger Menschenleben gefordert - 93 verglichen mit 102 Terrorgruppen verhielten sich mit Ausnahme der türkiim Jahr 1991 -, aber sehr viel mehr Personen verwun- schen Dev Sol relativ ruhig, und Deutschlands Rote
det - 636 im Vergleich zu 242. Allein der Bombenan- Armeefraktion verzichtete vollständig auf Terroranschlag auf die Israelische Botschaft in Argentinien ist schläge, obwohl es verfrüht wäre, den Nachruf auf die
für rund 40 Prozent aller 1992 bei Terroranschlägen Gruppe zu schreiben. Separatistengruppen, insbesondere die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der
Verletzten verantwortlich.
Türkei und die Provisorische Irisch-Republikanische
Armee (IRA) intensivierten jedoch ihre Anschläge auf
Afrika im Überblick
Regierungseinrichtungen und legten zunehmende
1992 wurden in Afrika 10 internationale Terroranschlä- Gleichgültigkeit gegenüber Opfern unter der Zivilbege verübt, verglichen mit drei Zwischenfällen im Jahr völkerung an den Tag.
1991. Die politische Gewalt im Afrika südlich der
Sahara stellte jedoch weiterhin ein großes Problem Es besteht die Gefahr, daß ethnische Gewaltakte mit
dar. Vielversprechende Prognosen wurden in Angola dem Auftreten ethnischer Konflikte und Rivalitäten in

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AMERIKA DIENST 18

�West- und Osteuropa sowie in den ehemaligen Sowjetrepubliken in Terrorismus ausarten könnten. Die
europäische Polizei und Sicherheitskräfte haben
Maßnahmen ergriffen, um die Chancen von Terrororganisationen oder sie fördernder Staaten zu verringern, infolge der Initiativen der EG zur Schaffung eines
grenzenlosen Europa im Jahr 1992 Agenten, Waffen
und Finanzmittel von einem Land in ein anderes zu
verlagern. Gewalttaten gegen Ausländer, deren Zahl
1992 in einigen Ländern, insbesondere in Deutschland, dramatisch anstieg, deuten darauf hin, daß
Westeuropa im Zuge der wachsenden europäischen
Integration und internationalen Wanderungsbewegung
verstärkt mit rechtsextremistischem Terror rechnen
muß.

wenigen, zumeist symbolischen Vorfällen. Niederlassungen spanischer Banken sowie Unternehmen und
diplomatische Einrichtungen dieses Landes waren die
häufigsten Ziele während der Feierlichkeiten.

Während 1991 vier Amerikaner infolge terroristischer
Anschläge in Europa starben, waren 1992 keine
amerikanischen Opfer zu beklagen.

Die fortgesetzte staatliche Förderung des Terrorismus
durch den Iran stellt einschließlich der Bemühungen
dieses Landes, engere Verbindungen zu nichtschiitischen terroristischen Gruppen aufzubauen, im Nahen
Osten, in Europa, Afrika und Lateinamerika eine erhebliche Bedrohung dar. Vom Iran unterstützte militante libanesische Gruppen übernahmen die Verantwortung für einen der spektakulärsten terroristischen
Anschläge des Jahres - den Autobombenanschlag auf
die Israelische Botschaft in Buenos Aires im März
1992, bei dem 29 Menschen starben und 242 verletzt
wurden. Die Hisbollah war verantwortlich für mehrere
Raketenangriffe auf Gebiete nahe der israelischen
Nordgrenze. Der Prozeß gegen zwei jordanische
Parlamentsabgeordnete brachte Anschuldigungen
zutage, der Iran unterstütze umstürzlerische Aktivitäten gegen die jordanische Regierung. Darüber hinaus
unterstützt der Iran nach wie vor terroristische Anschläge, mit denen der arabisch-israelische Friedensprozeß gestört werden soll.

Lateinamerika im Überblick
Obwohl Lateinamerika mit 142 Anschlägen gegen
ausländische Interessen im Berichtszeitraum erneut
die Region mit den meisten internationalen terroristischen Vorfällen war, lag diese Zahl weit unter dem
Rekordstand von 230 Anschlägen im Jahr 1991. Der
Bombenanschlag auf die Israelische Botschaft in Buenos Aires bedeutete eine besorgniserregende Ausbreitung nahöstlicher Gewalt und war der folgenschwerste terroristische Anschlag des Jahres. Wie in früheren Jahren machten die Vorfälle mit internationalem
Zusammenhang jedoch nur einen kleinen Prozentsatz
der Gesamtzahl terroristischer Operationen aus. In
Peru und Kolumbien, wo die Probleme am größten
sind, konzentrierten terroristische Untergrundkämpfer
und Drogenhändler ihre Operationen auf innere Ziele
- Regierungsinstitutionen und -personal, wirtschaftliche Infrastruktur und Sicherheitskräfte. Die überwiegende Mehrzahl der internationalen Vorfälle ereignete
sich in Südamerika - in Mittelamerika und der Karibik
kam es nur zu vereinzelten Anschlägen. Die beiden
einzigen amerikanischen Todesopfer in Zusammenhang mit internationalen terroristischen Akten waren
1992 in Lateinamerika zu beklagen.

Der Nahe Osten im Überblick
Im Nahen Osten ereigneten sich 1992 79 Terroranschläge mit internationalem Hintergrund, dieselbe Zahl
wie im Vorjahr. 1991 handelte es sich bei den meisten
Vorfällen um weniger schwere Anschläge im Libanon
und andernorts, von denen viele mit dem Golfkrieg und
der von den Israelis im Südlibanon geschaffenen Sicherheitszone in Zusammenhang standen. Die meisten Anschläge 1992 waren vom Irak geförderte Attakken gegen UNO-Personal im Irak.

Anhaltende Sanktionen und die internationale Isolierung des Irak behinderten 1992 die Fähigkeit von
Saddam Husseins Regime, internationale terroristische Akte auszuführen. Trotzdem war es den Irakern
möglich, gegen Ende des Jahres einen abtrünnigen
irakischen Nuklearwissenschaftler in Amman auf offener Straße zu ermorden. In gewohnter Manier bot der
Irak palästinensischen Terrorelementen wie dem Führer
1992 wurden in Lateinamerika einige bedeutende Erfolge der Palästinensischen Befreiungsfront Abu Abbas einen
bei der Terrorismusbekämpfung erzielt, besonders in sicheren Zufluchtsort. Neben seiner Unterstützung
Peru und Bolivien, wo Untergrundgruppen mit der des internationalen Terrorismus war das irakische
Gefangennahme führender Köpfe schwere Rückschlä- Regime für zahlreiche Angriffe auf UNO-Mitarbeiter
ge hinnehmen mußten. Die politische Isolierung von und Personal von Hilfsorganisationen verantwortlich,
Untergrundgruppen hat sich in Kolumbien weiter ver- die sich im Rahmen von Resolutionen des UN-Sicherstärkt, da eine der Gewalt überdrüssige Öffentlichkeit heitsrates im Irak aufhielten.
schärfere Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung
unterstützte. Praktisch alle lateinamerikanischen ter- Seit 1986 gibt es keinen Beweis für eine direkte
roristischen Gruppen hatten aus Anlaß des 500. Jah- syrische Verwicklung in terroristische Anschläge.
restages der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus Trotzdem gewährt Syrien arabischen und nichtarabigewalttätige Proteste geplant. Infolge von verstärkten schen Terrororganisationen in Syrien und von syriSicherheitsvorkehrungen und zurückhaltenden Feiern schen Truppen kontrollierten Teilen des Libanon Unkam es in zahlreichen Ländern jedoch lediglich zu terstützung und sichere Zufluchtsorte.

AMERIKA DIENST 18

Sehe 3

�Unter Mißachtung von UNO-Resolutionen, die eine
Einstellung der Unterstützung fordern, setzte Libyen
seine Förderung des internationalen Terrorismus 1992
fort. Tripolis hat sich internationalen Forderungen
widersetzt, die der Bombenanschläge auf Pan Am
Flug 103 (Lockerbie) und UTA Flug 772 Beschuldigten
für ein Gerichtsverfahren auszuliefern. Gaddhafis
Regime hat sich teilweise bemüht, terroristische Ausbildungslager zu schließen, stellt weltbekannten Terroristen wie Abu Nidal jedoch nach wie vor Unterstützung und einen sicheren Zufluchtsort zur Verfügung.
In Ägypten war im Berichtsjahr ein steiler Anstieg
innenpolitisch motivierter Terroranschläge zu verzeichnen, da radikale islamische Elemente ihre Kampagne
gegen die Regierung ausweiteten, indem sie neben
koptischen Christen und ägyptischen Sicherheitskräften ausländische Touristen zum Ziel machten. Zu den
schwerwiegendsten Vorfällen gehörte ein Anschlag
auf einen Touristenbus im Oktober, bei dem eine Britin
ums Leben kam und zwei andere Personen verletzt
wurden. Bei einem ähnlichen Anschlag auf einen Bus
mit deutschen Touristen wurden fünf Personen verletzt. Die ägyptische Regierung nannte die von Radikalen im Iran und Sudan gewährte Unterstützung als
eine Ursache der Gewalt.
Das Bild des Terrorismus in Nordafrika ist uneinheitlich: die Gesamtlage in Tunesien besserte sich, während
Algerien einer Welle terroristischer Anschläge ausgesetzt war, darunter der blutige Bombenanschlag auf
den Flughafen von Algier am 26. August, dem 12
Menschen zum Opfer fielen. Weniger folgenschwere
Anschläge richteten sich gegen die Büros ausländischer Fluggesellschaften. In beiden Ländern behaupten die Regierungen, der Sudan und der Iran gewährten den für die Anschläge Verantwortlichen Unterstützung.
Der internationale Terrorismus palästinensischer
Gruppen ging von 17 Anschlägen im Jahr 1991 auf drei
Anschläge 1992 zurück. Ein Großteil des Rückgangs
läßt sich auf Beschränkungen zurückführen, denen
Aktivitäten dieser Gruppen in Syrien und Libyen unterworfen waren. Auseinandersetzungen zwischen palästinensischen Gruppen - insbesondere im Libanon
zwischen PLO-Elementen und der Abu Nidal Organisation (ANO) - führten zu erheblicher Gewalt.

Im Jemen kam es 1992 zu einem steilen Anstieg des
Terrorismus, als eine Serie von Bombenanschlägen,
die Vermutungen der jemenitischen Regierung zufolge
von einer islamischen Extremistengruppe begangen
wurden, jemenitischen und ausländischen Zielen gart.
Bei Bombenanschlägen auf ein Hotel und einen Hotelparkplatz in Aden wurden im Dezember eine Person
getötet und mehrere verletzt.
Staatlich geförderter Terrorismus im Überblick
Die Vereinigten Staaten, ihre Verbündeten und zunehmend auch der UN-Sicherheitsrat sind sich der Notwendigkeit bewußt, Regierungen, die Terrorismus
unterstützen, tolerieren oder sich selbst daran beteiligen, einen hohen Preis abzuverlangen. Der UNSicherheitsrat handelte 1992 energisch, als ihm eindeutige Beweise der libyschen Verantwortung für die
Bombenanschläge von Lockerbie und auf UTA Flug
772 präsentiert wurden, die 441 Todesopfer forderten.
In Resolution 731 verlangte der UN-Sicherheitsrat,
daß Libyen seine Förderung des internationalen Terrorismus einstellt und mit amerikanischen, britischen
und französischen Justizbehörden bei den Gerichtsverfahren gegen die libyschen Vertreter zusammenarbeitet, denen diese Anschläge zur Last gelegt werden.
Der Sicherheitsrat stimmte später für obligatorische
Sanktionen gegen Libyen, nachdem er zu dem Schluß
gekommen war, daß Libyen nicht kooperiert hatte. Zu
den Sanktionen gehörten ein Waffen- und Flugembargo, die Forderung nach Schließung der Büros der
Libyan Arab Airlines sowie die Verfügung, daß alle
Staaten die diplomatische Präsenz Libyens im Ausland reduzieren. Der UN-Sicherheitsrat überprüft den
Fall Libyen alle 120 Tage. Die Verfügung, derzufolge
der Irak sich der Förderung des Terrorismus zu enthalten hat, bleibt als Teil von Resolution 687 weiterhin in
Kraft.
Trotz der Erfolge bei der Bekämpfung des Terrorismus
stellt dessen staatliche Förderung nach wie vor eine
Gefahr dar. Der Iran war weiterhin der aktivste staatliche Förderer. Iranische Agenten oder dem Iran
nahestehende Gruppen begingen 1992 über 20 Anschläge. Im Berichtszeitraum waren die Hauptziele
nach wie vor iranische Regimegegner sowie israelische Interessen. Der Iran war der Hauptförderer
extremistischer islamischer und palästinensischer
Gruppen. Neben der Bereitstellung von Geld, Ausbildung und Waffen für Gruppen, die terroristische Aktionen ausführen, veranstaltete der Iran auch eine Reihe
bedeutender Treffen mit Hisbollah und HAMAS, deren
erklärtes Ziel die Koordinierung von Maßnahmen gegen
Israel sowie die Torpedierung des arabisch-israelischen Friedensprozesses waren. Der Islamische Heilige
Krieg, ein Deckname für die Hisbollah, war für den
folgenschweren Autobombenanschlag auf die Israelische Botschaft in Argentinien verantwortlich - der 29
Todesopfer und 242 Verletzte forderte.

Im Berichtsjahr war darüber hinaus eine erhebliche
Steigerung der von der Islamischen Widerstandsbewegung (HAMAS) verübten Gewalttaten zu verzeichnen. Neben einer Reihe tödlicher Anschläge auf
israelische Militärziele waren Elemente dieser Gruppe
auch für die terroristische Entführung und Ermordung
eines nicht im Dienst befindlichen israelischen Grenzpolizisten bei Tel Aviv verantwortlich und bekannten
sich zum Mord an einem israelischen Kaufmann im
Gaza-Streifen. Im Lauf des Jahres erreichten die antimilitärischen und terroristischen Operationen im Hinblick auf Wagemut und Planung eine neue Dimension. Trotz der Beschränkungen durch UN-Sanktionen und
der Ausweisung irakischer Agenten aus zahlreichen
Seite 4

AMERIKA DIENST 18

�Ländern während des Golfkrieges förderte der Irak
zumindest in der letzten Hälfte des Jahres 1992 zahlreiche Anschläge auf kurdische Oppositionelle sowie
UNO- und westliches Hilfspersonal und tötete einen
irakischen Wissenschaftler in Jordanien. Libyen und
Syrien gewähren einer Anzahl palästinensischer und
nichtpalästinensischer Gruppen, die sich für internationalen Terrorismus engagieren, weiterhin Unterstützung und Unterschlupf.
Die Vereinigten Staaten führen zur Zeit Kuba, Iran,
Irak, Libyen, Nordkorea und Syrien auf ihrer Liste der
Staaten, die den Terrorismus fördern. Diese Liste wird
gemäß Abschnitt 6 Q) des Exportverwaltungsgesetzes
von 1979 geführt. Diese und verwandte amerikanische Gesetzesbestimmungen verhängen Handels- und
andere Restriktionen gegen vom Außenminister bestimmte Länder, die wiederholt Akte des internationalen Terrorismus unterstützt haben. Die Liste wird dem
Kongreß jedes Jahr zugesandt, es können jedoch den
Umständen gemäß im Verlauf des ganzen Jahres
Länder gestrichen oder hinzugefügt werden.
Aktionen der internationalen Staatengemeinschaft
zur Terrorismusbekämpfung
Im Jahr 1992 verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zum ersten Mal Sanktionen gemäß Kapitel
VII gegen einen Staat, der internationaler Terrorakte
angeklagt war.
Die Einbeziehung des Sicherheitsrates begann am 27.
November 1991, als die Regierungen Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten angesichts der Verantwortung Libyens für die Bombenanschläge auf Flug 103 der Pan Am über Lockerbie und
UTA Flug 772 sowie den daraus resultierenden Tod
von über 440 Passagieren und Besatzungsmitgliedern
aufeinander abgestimmte, gegen Libyen gerichtete
öffentliche Erklärungen abgaben. Die von den drei
Regierungen abgegebenen, aufeinander abgestimmten Erklärungen forderten von Libyen:
Die Auslieferung der dieser Verbrechen Angeklagten, damit ihnen der Prozeß gemacht werden kann.
Die Übernahme der Verantwortung für die Aktionen libyscher Beamter.
Die Offenlegung aller verfügbaren Informationen über diese Verbrechen, einschließlich der
Namen aller hierfür Verantwortlichen, sowie freien
Zugang zu allen Zeugen, Dokumenten und
anderem Beweismaterial, inklusive der restlichen Zünder.

mu ß sofort seinen Verzicht auf Terrorakte durch
konkrete Aktionen beweisen.
Am 21. Januar 1992 nahm der UNO-Sicherheitsrat
einstimmig die Resolution 731 an, die diese Forderungen billigt. Der Rat
verurteilte die Bombenanschläge auf Pan Am
Flug 103 und UTA Flug 772 sowie den daraus
resultierenden Verlust von Hunderten von
Menschenleben,
beklagte aufs Äußerste die Tatsache, daß die
libysche Regierung nicht wirksam auf das Ersuchen reagiert hatte, bei der Ermittlung der für
diese terroristischen Gewalttaten Verantwortlichen zusammenzuarbeiten,
forderte die libysche Regierung dringend auf,
umfassend und wirksam auf diese Gesuche zu
reagieren,
ersuchte den Generalsekretär, sich um Zusammenarbeit mit der libyschen Regierung zu
bemühen, um eine umfassende und wirksame
Reaktion auf diese Gesuche zu erhalten,
beschloß, sich weiterhin mit der Angelegenheit
zu befassen.
Zwischen der Annahme von Resolution 731 des UNOSicherheitsrates und Mitte März unternahmen der
Generalsekretär und zahlreiche andere Vertreter der
Vereinten Nationen und interessierter Regierungen
den erfolglosen Versuch, Libyen von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Bestimmungen der Resolution unverzüglich und in vollem Umfang Folge zu
leisten.
Diese Bemühungen scheiterten, und am 31. März
verabschiedete der Sicherheitsrat die Resolution 748
mit 10 Stimmen, keiner Gegenstimme und fünf Enthaltungen. Die Resolution sah vor, Libyen eine 14tägige
Frist zur Einhaltung der Resolution 731 des UNOSicherheitsrates zu gewähren. Sollte Libyen dieser
Resolution nicht Folge leisten, würden eine Anzahl von
Sanktionen in Kraft treten. Diese gemäß Kapitel VII
der Charta der Vereinten Nationen angenommenen
Sanktionen, die folglich für alle Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen obligatorisch sind, umfassen:
Verbot jeglichen Luftverkehrs mit Libyen.
Verbot des Betriebs von Büros der Libyen Arab
Airlines weltweit.

Die Zahlung angemessener Entschädigungen.

Verbot der Bereitstellung von Flugzeugen, damit
in Zusammenhang stehenden Dienstleistungen
und Ersatzteilen für Libyen.

Die konkrete und definitive Verpflichtung, Terrorakte jeglicher Art sowie jedwede Unterstützung
terroristischer Gruppen einzustellen. Libyen

Verbot jeglicher Waffenlieferungen und verwandtem Material aller Art sowie von Lizenzabkommen für Waffenlieferungen an Libyen.

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�Die Forderung nach Abzug der militärischen
Berater, Experten und Techniker aus Libyen.

Die Forderung, daß die Staaten Schritte unternehmen, um libyschen Staatsangehörigen, die
an Terrorakten beteiligt waren, den Zugang zu
ihrem Land zu verwehren oder sie ausweisen.

Die Anordnung, daß die Staaten die Anzahl der
in libyschen diplomatischen Missionen Beschäftigten maßgeblich senken.

* * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 18

�HOCHGESCHWINDIGKEITSZUGE
5. Mai 1993

PLÄNE FÜR HOCHGESCHWINDIGKEITSBAHNSYSTEM
BEKANNTGEGEBEN
Initiative für Intercity-Bahnverbindungen

WASHINGTON - (AD) - Amerikanische Regierungsvertreter haben einen Fünfjahresplan bekanntgegeben, der die Bundesregierung auffordert, gemeinsam
mit den Bundesstaaten und der Privatwirtschaft ein
Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetz zwischen wichtigen Großstädten zu bauen und die Bahntechnologie
der nächsten Generation zu entwickeln.

digkeitsverkehrsmittel in den Vereinigten Staaten zu
unterstützen.
"Diese Administration hat einen kühnen, positiven
Schritt unternommen", der der Nation erkläre, daß "wir
diese neue Technologie für unser Land haben müssen", so Pena.

Verkehrsminister Federico Pena erklärte in Anwesen- "In nahezu jeder der 23 Städte, die ich satt meinem
heit mehrerer Kongreßmitgliederam 28. April 1993 vor Amtsantritt überall im Land besucht habe, wurde mir
Reportern, die Initiative werde mit 1,3 Milliarden Dollar von kommunalen Vertretern erklärt, daß sie eine
Umbau und Modernisierung bestehender Intercity- Hochgeschwindigkeitsbahn als entscheidenden BeEisenbahnlinien finanzieren, die für Personenzüge mit standteil ihrer Verkehrssysteme betrachten", fügte Pena
Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 240 Kilometern hinzu.
ausgelegt sein werden.
Der Abgeordnete John Dingeil aus Michigan, der
Vorsitzender
des Ausschusses für Energie und HanPena zufolge werden darüber hinaus Beiträge von
del
ist,
verwies
darauf, daß HochgeschwindigkeitsBundesstaaten, Gemeinden und privater Seite erwarbahnen
bereits
in
den meisten modernen Industrietet, die eine weitere Milliarde Dollar fürdie Entwicklung
staaten
eingesetzt
werden.
von Hochgeschwindigkeitsbahnsystemen aufbringen
könnten. Die Anhörungen im Kongreß über eine
Im zufolge erreichen die einzigen zur Zeit in den
Gesetzesvorlage zur Durchführung der HochgeschwinVereinigten Staaten verfügbaren Hochgeschwindigdigkeitsinitiative mit dem Namen "High-Speed Ground
keitszüge, die zwischen der Bundeshauptstadt WaTransportation Development Act" haben am 29. April
shington und New York verkehrenden Züge des Amtrak
1993 begonnen.
Metroliner Service, Geschwindigkeiten von bis zu
200
Stundenkilometern.
Die Bundesinitiative würde darüber hinaus Fördermittel zur Entwicklung eines Prototyps einer MagnetDiese Hochgeschwindigkeitsverbindung 'befördert mehr
schwebebahn (Maglev) zur Verfügung stellen. MagPassagiere als jede andere Linie in den Vereinigten
lev- Verkehrsmittel, die durch von bordeigenen MagneStaaten und mehr als jeder andere Verkehrsträger", so
ten produzierte Magnetfelder im Schwebezustand
Dingeil. "Und sie arbeitet kostendeckend."
gehalten werden, können eine Reisegeschwindigkeit
von 480 Stundenkilometern erreichen. Die amerikani- Amtrak beteiligt sich zur Zeit an einem auf fünf Jahre
sche Industrie hofft, eine neue Generation dieser angelegten Hochgeschwindigkeitszugprojekt zum
Technologie zu entwickeln, die mit Systemen in Deutsch- Ausbau der Elektrifizierung von New Haven nach
land und Japan konkurrieren kann, wo bereits einsatz- Boston. Dieses Projekt soll die Zuggeschwindigkert
fähige Prototypen von Maglev-Systemen existieren.
auf bis zu 240 Stundenkilometer steigern und die
Reisezeit von New York nach Boston um mehr als eine
Pena erklärte, die Initiative erfülle das Wahlkampfver- Stunde verkürzen. Es wird ein Modell für die Entwicksprechen Präsident Clintons, die Entwicklung eines lung einer Hochgeschwindigkeitsverbindung auf andeSystems integrierter landgebundener Hochgeschwin- ren schon bestehenden Streckennetzen darstellen.
AMERIKA DIENST 18

Seite 1

�In den nächsten fünf Jahren wird die von Pena angekündigte Initiative den Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen ungefähr 1 Milliarde Dollar zur
Finanzierung von Hochgeschwindigkeitsprojekten zur
Verfügung stellen. Finanziert werden sollen Projekte
zur Verbesserung der Verkehrsverbindung zwischen
zwei oder mehr Großstädten, die nicht mehr als 960
Kilometer voneinander entfernt liegen.
Dem Gesetzesvorschlag für die Durchführung des
Programms zufolge würden die Bundesstaaten zunächst einen Antrag auf Anerkennung als Hochgeschwindigkeitskorridor stellen - ein Status, der von
verschiedenen Faktoren abhängt, einschließlich der
Kostenfrage, des örtlichen Verkehrsaufkommens und
der Luftreinhaltung.
Ist einmal ein Korridor als solcher bezeichnet worden,
würden der Bundesstaat oder die Bundessstaaten
einen detaillierten Gesamtplan vorlegen müssen, um
Anspruch auf die staatlichen Baufinanzierungsfonds
zu haben. Einzelne Verbesserungen können eine
Unterstützung der Bundesregierung von bis zu 80
Prozent der Kosten erhalten, die Beteiligung der Bundesregierung an den gesamten Kosten der Verbesserung einer Verbindung darf jedoch nicht 50 Prozent des
öffentlichen Beitrags überschreiten.

Die verbleibenden Kosten werden gemeinsam von der
Bundesregierung, den Regierungen der Bundesstaaten und den Gemeinden getragen.
Zusätzlich zu dem Kreditprogramm für den Korridor
wird die Initiative nahezu 300 Millionen Dollar für die
technologische Entwicklung, einschließlich der Arbeit
an dem Maglev-Prototyp, bereitstellen. Der Prototyp
soll dem von anderen Ländern entwickelten überlegen
sein.
"Hochgeschwindigkeitsinnovationen wie Maglev oder
Pendolinozüge (Triebwagenzüge, die sich wie ein
Motorrad in die Kurven legen, Anm. d. Red.) sind
amerikanische Technologien, die in Obersee vermarktet und angewendet werden", erklärte Pena. "Wir in
den Vereinigten Staaten besitzen das Know-how für
die Herstellung, die ausgebildeten Ingenieure und
Handwerker sowie die Technologie zum Bau dieser
Hochgeschwindigkeits- und Maglev-Systeme."

Pena fügte jedoch hinzu, daß die Finanzierung der
ersten Phasen beim Bau von Maglev sehr genau
überwacht werden soll. "Wir wollen ganz offen sein",
erklärte er. "Die Maglev-Technologie wird immer noch
von einigen in Frage gestellt. In Deutschland ist sie
beispielsweise noch nicht vermarktet worden. Sie
haben dort einen Prototyp - aber das ist auch schon
Regierungsvertretern zufolge wird bei der Entwicklung alles. Wir wollen diese Technologie ganz methodisch
eines Finanzhilfeabkommens zunächst ein Maximum und Schritt für Schritt... weiterentwickeln."
an Finanzierung durch den Privatsektor angestrebt.

* * * * *

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AMERIKA DIENS- 18

�PORTRAT
5. Mai 1993

CLINTON NOMINIERT EHEMALIGEN NEW YORKER
SPITZENPOLIZISTEN ZUM DROGENBEKÄMPFER
Porträt von Lee Brown

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton ernannte
Lee P. Brown, den ehemaligen Inspekteur der Polizei
in New York, Houston und Atlanta, am 28. April 1993
zum Direktor seines Büros für Drogenpolitik.
Vorbehaltlich seiner Bestätigung durch den Senat wird
der 55jährige Brown der erste Direktor mit Kabinettsrang sein, seit dieses Amt im Jahr 1989 gesetzlich
vorgeschrieben wurde. Er bringt über 30jährige Erfahrung im Bereich Strafverfolgung sowie höchste akademische Auszeichnungen mit in diese Position.

Brown begann seine Polizeikarriere im Strafvollzug im
Jahr 1960 als Streifenpolizist in San Jose (Kalifornien).
Während dieser Tätigkeit erwarb er 1961 seinen ersten akademischen Grad an der Fresno State University.
Er legte zwei weitere Magisterexamen ab, eines 1964
an der San Jose University in Soziologie und das
andere in Kriminologie an der University of California in
Berkeley im Jahr 1968. 1970 promovierte er in Berkeley in Kriminologie.

ZurZeit Professor an der Texas Southern University in
Houston und Leiter des Programms für Initiativen
männlicher Schwarzer dieser Institution, war Brown
von 1990 -1992 als Inspekteur der Polizei in New York
tätig, von 1982 -1990 Polizeipräsident von Houston
und von 1978 -1982 Leiter des Amtes für öffentliche
Sicherheit in Atlanta.

1968 zog Brown nach Portland (Oregon) und organisierte das Seminar für Justizverwaltung an der Portland State University. 1972 zog Brown an die Ostküste, um Stellvertretender Direktor des Instituts für
städtische Angelegenheiten und Forschung sowie
Professor an der Howard University in Washington zu
werden.

Als Direktor des Büros für nationale Drogenpolitik des
Weißen Hauses wird Brown für die Überwachung der
Programme der Bundesregierung zur Bekämpfung
des Drogenhandels, für Therapie und Strafverfolgung
der Bundesregierung in Höhe von 13 Milliarden Dollar
zuständig sein. Zwei seiner ehemaligen Kollegen bescheinigen ihm, für das Amt äußerst qualifiziert zu
sein.

Drei Jahre später kehrte er nach Portland zurück, um
als Sheriff des Bezirks Multnomah tätig zu werden, und
wurde anschließend im Jahr 1976 Direktor der juristischen Dienste des Bezirks.

"Es ist eine ausgezeichnete Wahl", erklärte Robert A.
Bryden, der Leiter der Drogenbekämpfungsbehörde in
New York, gegenüber der New York Times.

Brown ist ehemaliger Präsident des Internationalen
Verbands der Polizeipräsidenten und engagiert sich in
einer Reihe von Organisationen auf beruflicher und
Gemeindebene, einschließlich der Nationalen Akademie öffentlicher Verwaltungsbeamter, des Nationalen
Instituts gegen Vorurteile und Gewalt sowie des nationalen Rats für Verbrechen und Straftaten.

"Es ist zweifelsohne ein großer Schritt nach vorn,
jemanden von diesem Format zu benennen, äußerte
Dr. Mitchell S. Rosenthal, Präsident der Phoenix HouseOrganisation für Drogentherapie zur Washington Post.
"Weil er eine so starke Persönlichkeit mitbringt, wirkt er
dem Kongreß und der Öffentlichkeit gegenüber glaubwürdig."

Als Empfänger mehrerer Auszeichnungen im Bereich
der Strafverfolgung wurde Brown, der vier Kinder hat,
1991 auch von Komitee für den nationalen Vatertag
zum Vater des Jahres ernannt. Im August trat er von
seinem Posten in New York zurück, um sich der Pflege
seiner Frau Yvonne zu widmen, die an Krebs erkrankt
war und im Dezember verstarb.

* * * * *

AMERIKA DIENST 18

Seite 1

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA werden Bosnien genau beobachten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Hoffnung auf Ratifizierung des Friedensabkommens durch bosnische Serben&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA treffen Entscheidung zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clintons umweltpolitische Prioritäten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA identifizieren Handelsdiskriminierung Japans und der EG&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. IWF&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bentsen: dauerhaftes Wirtschaftswachstum muss wiederhergestellt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Finanzministers bei IWF-Sitzung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückgang von Terroranschlägen im Jahr 1992&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresbericht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Hochgeschwindigkeitszüge&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pläne für Hochgeschwindigkeitsbahnsystem bekanntgegeben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Initiative für Intercity-Bahnverbindungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton nominiert ehemaligen New Yorker Spitzenpolizisten zum Drogenbekämpfer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt Lee Brown&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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AßS

«#
Z
28. April 1993

17

UMWELT

USA WOLLEN KONVENTION ZUM SCHUTZ
DER ARTENVIELFALT UNTERZEICHNEN
Ansprache Präsident Clintons
am Tag der Erde

HOLOCAUST-MUSEUM

CLINTON: GEWALT UND UNTERDRÜCKUNG
IMMER NOCH WEITVERBREITET
Ansprache bei Eröffnung des
Holocaust-Museums

BOSNIEN

CLINTON: USA UND VERBÜNDETE
NEHMEN NEUBEWERTUNG IHRER
BOSNIENPOLITIK VOR
Pressekonferenz des Präsidenten Auszüge

NAHER OSTEN

CHRISTOPHER WÜRDIGT WIEDERAUFNAHME
DER NAHOST-FRIEDENSGESPRÄCHE
Aktive Beteiligung und umfassende
Partnerschaft der USA

RUSSLAND

TALBOTT SKIZZIERT HILFSPROGRAMME
FÜR RUSSLAND
Erklärung von Botschafter Talbott

HANDEL

USA UND EG LEGEN STREIT ÜBER
BESCHAFFUNGEN TEILWEISE BEI
Erklärung des US-Handelsbeauftragten

bitte wenden
Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�WACO

CLINTON BEZEICHNET WACOSEKTENFÜHRER ALS "GEFÄHRLICHEN
WAHNSINNIGEN"
Erklärung des Präsidenten

INNENPOLITIK

FÜNF AKTUELLE THEMEN DER
AMERIKANISCHEN POLITIK
von Robert E. Mutch

�UMWELT
28. April 1993

USA WOLLEN KONVENTION ZUM SCHUTZ DER
ARTENVIELFALT UNTERZEICHNEN
Ansprache Präsident Clintons am Tag der Erde
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton betonte am 21. April 1993, seine Administration wolle die Umwelt im
In- und Ausland schützen und beabsichtige, als Reaktion auf die zunehmende internationale Besorgnis über den
Verlust vieler Tier- und Pflanzenarten die auf dem Umweltgipfel 1992 in Rio angenommene Konvention zum
Schutz der Artenvielfalt zu unterzeichnen.
Wenn wir nicht jetzt handeln um die Umwelt zu schützen, erklärte der Präsident, wird die Fähigkeit der Erde,
unser Leben zu erhalten, stark abnehmen.
Er stellte fest, Amerikas Umweltprobleme seien "nicht das Resultat kräftigen, sondern rücksichtslosen Wachstums".
In seiner Rede am Tag der Erde im Botanischen Garten der Bundeshauptstadt Washington betonte der
Präsident, seine langfristig angelegte Umweltstrategie werde mehr Investitionen "in die Verhinderung von
Umweltbelastungen, in Energieausnutzung und Sonnenenergie, ernsuerbare Energiequellen und die Beseitigung von Altlasten sowie Wasseraufbereitung" beinharten.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Redetext des Weißen Hauses.

Meines Erachtens besteht eine überwältigende Entschlossenheit, unseren Kurs zu ändern, mehr Verantwortung zu übernehmen, die Gemeinschaft aller
Amerikaner wiederherzustellen und etwas zu erreichen, das größer ist als wir selbst und dauerhafter als
der gegenwärtige Moment. Wir richten unseren Kurs
nach dem Stern ewiger Werte, nicht nach kurzfristiger
Zweckdienlichkeit. Wir beabsichtigen weniger Verschwendung in der Gegenwart und mehr Vorsorge für
die Zukunft. Wir wollen ein Erbe hinterlassen, das
denen gerecht wird, die uns die Erde hinterlassen
haben.

Charakter wie ein mächtiger Strom durchzieht, trat am
ersten Tag der Erde im Jahr 1970 explosionsartig
zutage.

Als ich im letzten Jahr unser Land bereiste, sah ich,
wieviel die Umweltbewegung seit damals bereits erreicht hat und wieviel noch zu tun bleibt, und ich sprach
auch darüber. Trotz aller Bemühungen um den Schutz
des Wassers und der Luft haben wir die Zerstöru ng der
Feuchtgebiete bei uns zu Hause und der Regenwälder
im Ausland nicht aufgehalten. Trotz allem, was wir
bereits gelernt haben, kämpfen wir weiterhin darum,
solche Gefahren für die empfindliche Umwelt unseres
Das ist der Geist Amerikas. Er bewegt uns nicht nur in Planeten zu verstehen, wie die Freisetzung von Treibgroßen Versammlungen, sondern auch, wenn wir hausgasen und die gefährliche Abnahme der Ozonschweigend ganz alleine nur der Natur und unserem schicht. Wir haben noch nicht annähernd genug
Schöpfer gegenüberstehen.
getan, um die ärmsten unserer Gemeinschaften vor
Risiken wie beispielsweise Bleivergiftung zu schützen,
Wenn unser Volk durch etwas definiert wird, dann die wahrscheinlich zu geistiger Unterentwicklung,
durch unsere Hingabe an das reiche und ausgedehnte Lernbehinderungen und vermindertem Wachstum führt.
Land, das wir geerbt haben. Von den ersten Amerikanern bis zum heutigen Tag hat unser Volk in Ehrfurcht Wenn wir nicht handeln - und zwar jetzt - werden wir
vor der Macht, der Majestät und der Schönheit der uns einer Zukunft gegenübersehen, in der wir erleben,
Wälder, Flüsse und Ströme Amerikas gelebt. Diese wie 9 Milliarden Menschen diesen Planeten bevölkern,
Liebe zu unserem Land, die dieses Land und unseren dessen Fähigkeit, Leben zu gewähren und zu erhalten
AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�jedoch stark eingeschränkt sein wird. Wenn wir nicht
handeln, werden wir mit der Ausrottung ungezählter
Arten konfrontiert, die unsere Lebensfähigkeit unterstützen und lebensrettende Arzneimittel bereitstellen
könnten. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir mit
einer Zukunft konfrontiert, in der uns vielleicht die
Sonne verbrennt, anstatt uns zu wärmen, in der der
Wechsel der Jahreszeiten eine furchtbare neue Bedeutung erlangt und in der unsere Kindeskinder einen
Planeten erben, der entschieden weniger gastfreundlich ist als der uns hinterlassene. Ich vertraue darauf,
daß wir handeln werden - nicht aus Furcht, sondern
voller Hoffnung und Weitsicht.
In unserem gesamten Land besteht ein in unserem
religiösen Erbe verankertes und im Geist dieser Zeit
erneuertes tiefverwurzeltes Verständnis dafür, daß wir
die reichhaltigen Schätze der Natur nicht verschwenden dürfen. Sie sind ein Geschenk Gottes, das wir für
künftige Generationen treuhänderisch verwalten. Der
Schutz, die Verbesserung und Weitergabe unseres
Erbes ist ein einem großen Volk würdiges hehres Ziel.
Wenn wir diese Gelegenheit ergreifen und unsere
Verantwortung übernehmen, können wir unsere Zukunft bereichern und unser eigenes Leben veredeln.

baler Epidemien und globaler Umweltrisiken ist es die
wichtigste Herausforderung unserer Zeit, unsere nationalen Interessen im Kontext unserer Verbundenheit
mit der übrigen Welt zu verfolgen. Wir teilen unsere
Atmosphäre, unseren Planeten und unser Schicksal
mit allen Völkern dieser Welt. Und die von mir heute
vorgestellte Politik wird ein Schutz für uns alle darstellen, weil das der einzige Schutz für jeden einzelnen von
uns ist.
Drittens müssen wir die Gegensätze zwischen der
Geschäftswelt, der Regierung und einzelnen Bürgern
überwinden. Die von mir heute skizzierte Politik ist Teil
unserer Bemühung, die Regierung neu zu erfinden sie zu Ihrem Partner und nicht zu Ihrem Aufseher zu
machen -, durch unser Vorbild und nicht durch bürokratische Erlasse die Führung zu übernehmen.

Angesichts großer Herausforderungen benötigen wir
eine Regierung, die uns nicht nur vor unseren schlechtesten Eigenschaften schützt, sondern auch unsere
besten Eigenschaften zum Vorschein bringt. Ich weiß,
daß wir dies tun können, denn zu unserer Administration gehört das beste Team von Umwertpolitikern, das
den Vereinigten Staaten jemals gedient hat: der
Vizepräsident, Innenminister Babbitt, die Leiterin des
Ebenso wie wir uns danach sehnen, als Volk zusam- Umweltschutzamts Browner- und ich hoffe, das EPA
menzukommen, sehnen wir uns danach, uns jenseits wird bald dank dem Kongreß ein Ministerium mit
der falschen Entscheidungen zu bewegen, die uns die Kabinettsrang sein - sowie Energieministerin O'Leary,
vergangenen Jahre aufgezwungen haben. Viel zu Handelsminister Brown, Verkehrsminister Pena, Landlange wurde uns gesagt, wir müßten uns zwischen der wirtschaftsminister Mike Espy, unsere Direktorin für
Wirtschaft und der Umwelt entscheiden, zwischen Umweltpolitik, Katie McGinty, sowie unser Berater für
unseren Arbeitsplätzen, zwischen den Verpflichtun- Wissenschaft und Technologie, Jack Gibbons. Sie
gen unserem eigenen Volk gegenüber und unserer alle teilen ein unerschütterliches Engagement für eine
Verantwortung für die Zukunft und für die übrige Welt, gesunde Umwelt, eine wachsende Wirtschaft und eine
zwischen staatlichen Maßnahmen und der Privatwirt- dafür aufgeschlossene Regierung.
schaft.
Unser Wirtschaftsplan wird neue Arbeitsplätze schafIch bin heute hier der Hoffnung, daß wir zusammen fen, Unternehmertum fördern und unsere natürliche
eine andere Vorgehensweise verfolgen können, um Umwelt schützen. Die bereits erfolgten Senkungen
unserem Volk eine Reihe neuer Herausforderungen der Zinssätze werden allein in diesem Jahr zweistellige
anzubieten. Unser Umweltprogramm basiert auf drei Milliardenbeträge für sinnvolle Investitionen freisetPrinzipien. Erstens sind wir der Ansicht, daß es keine zen.
gesunde Wirtschaft ohne eine gesunde Umwelt geben
kann. Wir müssen nicht die Wahl zwischen frischer Das Paket von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, um
Luft und einer sicheren Lohntüte treffen. Tatsache ist, dessen Verabschiedung ich den Kongreß gebeten
daß unsere Umweltprobleme nicht das Resultat kräf- habe, enthält - und dies ist kaum bemerkt worden tigen, sondern rücksichtslosen Wachstums sind. Tat- tatsächlich "grüne" Arbeitsplätze von der Abwassersache ist, daß nur eine wohlhabende Gesellschaft die klärung bis zu Energieausnutzung, Wiederherstellung
Zuversicht und die Mittel zum Schutz ihrer Umwelt unserer Nationalparks und Investitionen in neue Techhaben kann. Und Tatsache ist, daß gesunde Gemein- nologien mit dem Ziel, die Mittel hervorzubringen, mit
schaften und umweltfreundliche Waren und Dienstlei- denen wir die Probleme der Zukunft lösen und noch
stungen im heutigen wirtschaftlichen Konkurrenzkampf mehr Arbeitsplätze für Amerika schaffen können.
am besten abschneiden.
Unsere langfristige Strategie investiert mehr in die
Verhinderung
von Umweltbelastungen, in EnergieausAus diesem Grund muß es unsere Politik sein, unsere
nutzung
und
Sonnenenergie,
in erneuerbare EnergieUmwelt zu schützen, Wirtschaftswachstum zu fördern
quellen
und
die
Beseitigung
von Altlasten sowie
und Millionen neuer hochwertiger und hochbezahlter
Wasseraufbereitung
all
dies
ist
in dem FünfjahresArbeitsplätze zu schaffen.
haushalt enthalten, den ich dem Kongreß vorgelegt
Zweitens wollen wir die Umwelt im In- und Ausland habe.
schützen. In einem Zeitalter globaler Wirtschaft, gloSeite 2

AMERIKA DIENST 17

�Diese Investitionen werden Zehntausende neuer Arbeitsplätze schaffen, und sie werden weitere Zehntausende retten. Denn wenn wir Energie und Ressourcen
einsparen, werden wir mehr haben, um in die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu investieren und einen
besseren Lebensstandard zu gewähren. Heute ist die
effiziente Ausnutzung von Energie in jedem anderen
modernen Staat weiter fortgeschritten als bei uns. Das
ist einer der Gründe, warum zum Beispiel in den letzten
beiden Jahren der durchschnittliche deutsche Fabrikarbeiter über 20 Prozent mehr verdient hat als sein
amerikanischer Kollege, daß deutsche Arbeitnehmer
neben höheren Löhnen zusätzlich eine sicherere und
bessere Krankenversicherung genießen. Dies resultiert aus der Tatsache, daß die Wirtschaft dort lediglich
halbsoviel Energie benutzt wie wir, um dieselbe Menge
von Waren zu produzieren. Wir können es besser
machen, und das werden wir auch.

Flora und Fauna dieses Planeten zu finden. Die
daraus hervorgegangene Artenschutzkonvention hatte einige Schwächen, und wir alle wußten das. Aber
anstatt sie zu beheben, erteilten die Vereinigten Staaten dem Vertrag eine Absage. Damit waren wir von
einem Vertrag ausgeschlossen, der von entscheidender Bedeutung nicht nur für unsere Zukunft, sondern
auch für die Zukunft der ganzen Welt ist. Dies gilt nicht
nur aufgrund dessen, was er für den Artenschutz
leistet, sondern aufgrund der Möglichkeiten, die er
Unternehmen der Spitzentechnologie bietet, deren
Forschungsarbeiten neue Medikamente, neue Produkte und neue Arbeitsplätze hervorbringen.

Ich habe das Energieministerium, das Handelsministerium und das EPA gebeten, die derzeitigen Umwelttechnologien zu beurteilen und einen strategischen
Plan zu konzipieren, um unseren Firmen die handelsfördernden Maßnahmen und technische Hilfe zu geben, die sie benötigen, um diese Vorteile hier in Amerika
in Arbeitsplätze umzusetzen und gleichzeitig dazu
beizutragen, eine bessere Umwelt zu fördern. Die
Vereinigten Staaten können ihre führende Stellung in
der Weltwirtschaft aufrechterhalten, indem sie beim
weltweiten Umweltschutz die Führungsrolle übernehmen.

aller unserer biologischen Ressourcen hier im Inland
zu erfahren, fordere ichdas Innenministerium auf, eine
nationale biologische Bestandsaufnahme vorzunehmen, um uns beim Schutz gefährdeter Arten zu helfen
und - was ebenso wichtig ist - die Agrar- und Biotechnikunternehmen unseres Landes dabei zu unterstützen, neue Quellen für Nahrungsmittel, Faserstoffe und
Medikamente zu identifizieren.

Diese Tatsache läßt sich wiederum durch ein Beispiel
verdeutlichen. Ein Baum, den man bis vor kurzem
noch für wertlosgehalten hatte - die Pazifikeibe - wurde
für gewöhnlich mit Bulldozern niedergewalzt und verbrannt. Heute wissen wir, daß der Baum einen unserer
Ich glaube, wir können das Know-how entwickeln, um aussichtsreichsten Wirkstoffe gegen Unterleibskrebs,
jeden auf der Weh bei Energieeinsparungen und Brustkrebs und andere Krebsarten enthält. Wir könWettbewerb zu überflügeln. In aller Welt kaufen nen Herausforderungen, wie den in der ArtenschutzMenschen Produkte, die ihnen helfen, die Umwelt zu konvention enthaltenen, nicht den Rücken zukehren.
schützen. Der Markt für Umwelttechnologie beläuft Wir müssen uns ihnen stellen.
sich heute auf 200 Milliarden Dollar. Und am Ende
dieses Jahrzehnts und Jahrhunderts wird er 300 Mil- Unsere Administration hat sich mit Unternehmer- und
Umweltgruppen für eine Konvention eingesetzt, die
liarden Dollar betragen.
sowohl amerikanische Interessen als auch die Umwelt
Ich möchte hier nur ein Beispiel erwähnen - etwas, das auf der ganzen Erde schützt. Mit Stolz gebe ich heute
wir alle kennen und benutzen und etwas, das auszu- die Absicht der Vereinigten Staaten bekannt, die Arwechseln einige von uns immer noch zu lernen versu- tenschutzkonvention zu unterzeichnen.
chen: Glühbirnen. Noch 1985 gab es keine langlebigen, energiesparenden Glühbirnen. Heute verkaufen Dies ist ein Beispiel dessen, was man tun kann, um
amerikanische Firmen Produkte dieser Art im Wert von Wirtschaft und Umweltschützer zusammenzubringen,
500 Millionen Dollar, und der Umsatz in diesem Seg- anstatt sie gegeneinander auszuspielen. Wir können
ment soll bis 1995 2 Milliarden und bis zum Jahr 2000 gemeinsam Fortschritte machen, um entscheidende
10 Milliarden Dollar erreichen, womit Tausende neuer natürliche Ressourcen und lebenswichtige TechnoloArbeitsplätze geschaffen werden. Amerikanische gien zu schützen. Fernerweise ichdas AußenministeWissenschaftler haben die Führungsrolle bei der Ent- rium an, unsere Gespräche mit anderen Ländern fortwicklung dieser Technologien übernommen, und es ist zusetzen, die die Konvention unterzeichnet haben,
an der Zeit, unseren Unternehmen zu helfen, die damit die Vereinigten Staaten so rasch wie möglich die
Führung bei der Vermarktung unserer Produkte und Ratifizierung in Angriff nehmen können.
Dienstleistungen zu übernehmen.
Um mehr über den gegenwärtigen Stand beim Schutz

Darüber hinaus müssen wir die Führungsrolle dabei
übernehmen, die Herausforderung der Erderwärmung
zu bewältigen, die unseren Planeten und sein Klima für
den Menschen ungastlicher und lebensfeindlicher
Im vergangenen Jahr versammelten sich die Staaten machen könnte. Heute bekräftige ich mein persönlider Welt beim Erdgipfel in Rio, um zu versuchen, einen ches Engagement und kündige das unseres Landes
Weg zum Schutz der wunderbaren Artenvielfalt in an, bis zum Jahr 2000 unsere Emissionen von Treibhausgasen auf das Niveau von 1990 zu verringern.

AMERIKA DIENST 17

Seite 3

�Ich weise meine Regierung an, bis August einen
kostengünstigen Plan vorzulegen, der den Trend zu
reduzierten Emissionen fortsetzt. Dies muß ein Trompetenstoß sein, und zwar nicht für mehr Bürokratie
oder Vorschriften oder unnötige Kosten, sondern für
amerikanischen Erfindungsreichtum und Kreativität,
um die beste und energiewirksamste Technologie
hervorzubringen.
Nach dem Kalten Krieg stehen wir vor der Herausforderung, Rußland bei der Verwirklichung einer gesunden Demokratie, einer gesunden Wirtschaft und einer
gesunden Umwelt zu helfen. Unser Hilfspaket für
Rußland beinhaltet 38 Millionen Dollar zur Beseitigung
von Umweltschäden und zur Förderung des besseren
Einsatzes von Energie. Wie bei dem gesamten Spektrum unserer Investitionen in Ru Bland ist dies wahrhaft
nicht nur eine Investition in die Förderung unserer
eigenen Werte, sondern in den Schutz unserer nationalen Sicherheit. Um die Umwelt im In- und Ausland
zu schützen, engagiere ich mich für eine Regierung,
die selbst als Beispiel dient, Menschen zusammenführt und die besten Eigenschaften jedes Menschen
zum Tragen bringt. Zu lange hat unsere Regierung
mehr getan, um Umweltprobleme zu verschärfen, als
sie zu lösen. Verschiedene Behörden haben gegensätzliche Maßnahmen verfolgt. Nationale Entscheidungsträger haben die Menschen polarisiert. Und
Probleme landeten schließlich vor Gericht oder auf der
Straße, anstatt gelöst zu werden.
Wir möchten diese schwierigen Fragen mit neuer
Inspiration angehen. Vor drei Wochen haben wir in
Portland (Oregon) Unternehmer, Holzfäller und Umweltschützer aus dem gesamten Nordwesten zusammengebracht, um zu erörtern, wie wir am besten die
Arbeitsplätze, den alten Baumbestand und die Arten
erhalten können, deren Lebensraum diese Wälder
sind. Wir haben uns in einem Konferenzsaal - nicht
einem Gerichtssaal - zusammengesetzt, und mit den
Worten von Erzbischof Thomas Murphy aus Seattle
haben wir versucht, eine gemeinsame Ebene für eine
gemeinsame Sache zu finden. Nach Beendigung
dieser Waldkonferenz habe ich mein Kabinett und
unsere gesamte Administration gebeten, unverzüglich
mit der Erarbeitung einer ausgewogenen, umfassenden, langfristigen Politik zu beginnen, die auch verständlich ist.

Das ist ein Grund, warum ich stolz darauf bin, daß die
US-Armee gestern ihren Plan zur Beseitigung von
Altlasten auf einer großen Anzahl von Standorten
bekanntgegeben hat, wo - wie wir vor kurzem erfahren
haben - chemische Waffen an einigen Stellen bereits
seit dem Ersten Weltkrieg gelagert sein könnten. In
Zusammenarbeit mit dem Umweltschutzamt wird die
Armee dieses Problem auf sichere und umweltverträgliche Weise lösen.
Es ist ein Legat der amerikanischen Bestrebungen,
unser Volk und die Gemeinschaft freier Staaten zu
verteidigen. Wir unternehmen jetzt Schritte zur Verteidigung unseres Volkes, unserer Umwelt und der globalen Umwelt. In eben diesem Geiste beabsichtige ich
die Unterzeichnung eines Präsidialerlasses, der von
staatlichen Einrichtungen, die toxische Chemikalien
herstellen, verarbeiten oder verwenden, die Einhaltung der Bundesgesetze über das Recht auf Information sowie die Offenlegung ihrer Aktivitäten fordert.
Ich möchte hinzufügen, es ist an der Zeit, daß die USRegierung die Gesetze einzuhalten beginnt, die sie für
andere Menschen macht. Mit diesem Präsidialerlaß
fordere ich alle staatlichen Einrichtungen zur Festsetzung eines freiwilligen Ziels auf, ihre Emissionen von
Schadstoffen bis 1999 um die Hälfte zu reduzieren.
Damit werden toxische Emissionen verringert, die
Kosten im Zusammenhang mit der Beseitigung von
Altlasten gedämpft und saubere Technologien gefördert. Und es wird dazu beitragen, unsere Regierung zu
dem zu machen, was sie sein sollte - ein positives
Beispiel für das übrige Land.
Die ärmeren Gegenden unserer Städte leiden am
häufigsten unter toxischen Emissionen. Die Beseitigung von Schadstoffen wird neue Arbeitsplätze in
diesen Gegenden für die betroffenen Personen schaffen und sie zu Orten machen, an denen man besser
leben, arbeiten und seinen Geschäften nachgehen
kann.

Heute unterzeichne ich ferner einen Präsidialerlaß, der
Bundesbehörden zu einer vorläufigen Änderung ihrer
Kaufpraktiken und zur Verwendung von die Ozonschicht weniger schädigenden Substanzen anweist.
Auch in diesem Bereich müssen wir dort handeln, wo
unsere Werte liegen. Unsere Regierung ist ein führender Käufer von Waren und Dienstleistungen. Und es
Bevor ich unsere Unternehmen, unsere Gemeinden ist an der Zeit, nicht nur der Verschwendung von
und unsere Familien bitte, sich jeder Herausforderung Steuergeldem Einhalt zu gebieten, sondern auch der
zu stellen, müssen wir meines Erachtens diesen Stan- Verschwendung unserer natürlichen Ressourcen.
dard für die Regierung setzen. Das amerikanische
Heute unterzeichne ich einen Präsidialerlaß, der
Volk hat das Recht zu wissen, wo die Vereinigten
Bundesbehörden verpflichtet, Tausende weiterer in
Staaten bei diesem und vielen anderen Themen steden Vereinigten Staaten hergestellter Fahrzeuge zu
hen. Es ist anderZeit, die Zeiten zu beenden, in denen
kaufen, die saubere, heimische Treibstoffe wie ErdThemen wie dieses vor Gericht landen und die USgas, Äthanol, Methanol und Elektrizität, die verwenRegierung selbst fünf unterschiedliche Positionen
den. Damit werden unsere Nachfrage nach ausländibezieht. Auf diese Art können wir Probleme niemals
schem Öl reduziert, die Luftverschmutzung verringert,
lösen. So unterminieren wir nur die Sicherheit und
vielversprechende Technologien gefördert, amerikaStabilität des Lebens der Menschen.
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AMERIKA DIENST 17

�nische Unternehmen gestützt, Arbeitsplätze in den
Vereinigten Staaten geschaffen und amerikanische
Steuergelder gespart. Um mein Engagement für dieses Thema unter Beweis zu stellen, ruft Energieministerin O'Leary eine Arbeitsgruppe für Steuerfragen ins
Leben, deren Vorsitz der Leiter des Amtes für Landwesen des Bundesstaates Texas, Gary Mauro, hat, der
heute hier anwesend ist und in seinem Bundesstaat
erfolgreiche Bestrebungen geleitet hat. Ich hoffe, wir
können in Amerika so gut abschneiden, wie Sie es in
Texas getan haben.

Modell für andere Bundesbehörden, für Regierungen
der Bundesstaaten und Gemeindeverwaltungen, für
Unternehmen und Familienhaushalte machen. Bevor
ich Sie bitte, alles in Ihrer Macht Stehende in Ihrem
Haus zu tun, sollte ich sicherstellen, daß ich alles in
meiner Macht Stehende in meinem Haus tue.

Solange ich im Weißen Haus lebe und arbeite, möchte
ich, daß die Amerikaner es nicht nur als Symbol einer
sauberen Regierung ansehen, sondern auch als das
einer sauberen Umwelt. Aus diesem Grund gebe ich
heute eine Überprüfung des Weißen Hauses in den
Bereichen Energieverbrauch und Umweltbelange
bekannt. Wir werden die erforderlichen Maßnahmen
aufzeigen, um das Weiße Haus zu einem Modell an
Effizienz und Reduzierung von Verschwendung zu
machen. Es könnte weniger Memoranden und weniger Papier bedeuten. Und wenn wir die Arbeit vollbracht haben, möchte ich das Weiße Haus zu einem

unglaubliche Freigebigkeit unseres Landes zu feiern.
"Hier am Puls dieses neuen Tages", forderte uns Maya
Angelou auf, sollten wir "den Fels, den Fluß, den
Baum, unser Land" betrachten. Jetzt ist die Zeit neuer
Hoffnung und eines Neubeginns. Und während wir
erneut unsere Nachbarn, unsere Kinder, unsere
Gemeinden und die Welt um uns betrachten, müssen
wir die diesem aufregenden Moment innewohnenden
Chancen ergreifen - uns den Herausforderungen stellen, unserer Verantwortung gerecht werden und uns
daran erfreuen.

Ich bitte darum, daß wir alle heute unsere Bereitschaft
zur Übernahme von Verantwortung für unsere gemeinsame Umwelt bekräftigen und dies bereitwillig,
hoffnungsvoll und freudig tun. Wir werden heute nicht
so sehr zu Opfern, sondern zu kreativem Schaffen
In diesem Tenor beabsichtige ich die Unterzeichnung herausgefordert. Ich habe Amerikaner aufgefordert,
eines Präsidialerlasses, mit dem jede Behörde der die jung an Jahren oder im Geiste jung geblieben sind,
Nationalregierung verpflichtet wird, mehr als je zuvor ihre Zeit und ihr Talent zur Verfügung zu stellen, um
zu tun, um wiederverwertete Produkte zu kaufen und ihren Gemeinden und ihrem Land zu dienen. Ich habe
zu verwenden. Damit werden ein Markt für neue sie gebeten, bei der Unterrichtung unserer Kinder,
Technologien geschaffen, wiederverwertete Produkte Pflege der Kranken, Überwachung unserer Straßen
besser eingesetzt und der Entwurf neuer Produkte behilflich zu sein.
ermutigt, die der Regierung, Privatunternehmen und
den Verbrauchern angeboten werden können. Und Ebenso wichtig sind jedoch Bestrebungen zum Schutz
wiederum werden durch den Wiederverwertungspro- unserer Umwelt - von unseren größten Städten über
die Kleinstädte bis zu unseren Vororten. Unser natiozeß Arbeitsplätze geschaffen.
naler Plan zum Dienst an der Allgemeinheit wird TauWir müssen weiterhin neue Wege sondieren, um eine sende Amerikaner auffordern, ihren Teil beizutragen Kraft positiven Wandels zu sein. Die Bundesregierung von der Leitung von Wiederverwertungsanlagen bis
ist beispielsweise der größte Käufer von Computerge- zur Vermeidung von Bleivergiftungen.
rät der Welt, und Computer sind der am schnellsten
wachsende Bereich beim Stromverbrauch. Aus die- Die Herausforderung, Verantwortung zu übernehmen
sem Grund unterzeichne ich heute auch einen Präsi- und Chancen zu ergreifen, erstreckt sich auf alle von
dialerlaß, der von Bundesbehörden den Kauf energie- uns in Unternehmen, Gemeinden und Haushalten. In
sparender Computerfordert. Wir werden den Markt für unserem Leben haben wir jeder von uns auf seine
eine Technologie erweitern, bei der Amerika eine Weise etwas zur Verbesserung der Umwelt Amerikas
Pionierrolle übernommen hat und immer noch eine beizusteuern. Und jeder von uns kann sicherlich einen
Führungsrolle in der Welt innehat. Damit werden persönlichen Gewinn davontragen.
Energie sowie 40 Millionen Dollar jährlich an Steuer- An einem ziemlich kalten Tag mitten im Winter, vor nur
geldern gespart und ein Beispiel tur unser Land und die drei Monaten, bat uns eine Dichterin, nicht nur die
ganze Welt gegeben.
wunderbare Vielfalt unseres Volkes, sondern auch die

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AMERIKA DIENST 17

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Seite 5

�HOLOCAUST - MUSEUM
28. April 1993

CLINTON: GEWALT UND UNTERDRÜCKUNG IMMER
NOCH WEITVERBREITET
Ansprache bei Eröffnung des Holocaust-Museums
WASHINGTON - (AD) - Die Ereignisse in Bosnien, Südafrika und Iran beweisen, daß "sich die Welt immer noch
im Kreislauf von Animosität und Gewalt befindet", erklärte Präsident Clinton am 22. April 1993.
Bei den Feierlichkeiten zur Einweihung des Holocaust Memorial Museum in Washington bezeichnete der
Präsident die "ethnischen Säuberungen" in Bosnien als 'brutalsten und krassesten" Ausdruck weitverbreiteter
Gewalt und Unterdrückung, darunter die irakische Behandlung der kurdischen Minderheit, die Verfolgung der
Bahai durch den Iran sowie die endlose rassisch-begründete Gewalt in Südafrika.
Diejenigen, die Lehren aus den Versuchen der Nazis gezogen haben, die europäischen Juden auszurotten,
stehen bei der Interpretation und Bewahrung der Geschichte im Wettbewerb mit den Lügnern und Propagandisten unter uns, den Skinheads und der Liberty Lobby, die bestreiten, daß es den Holocaust jemals gegeben
hat, äußerte Clinton und fuhr fort: "Wir müssen den Geschichtsfälschern Einhalt gebieten, und dasselbe gilt für
die Tyrannen."
Clinton hörte aufmerksam zu, als Nobelpreisträger Elie Wiesel zu Maßnahmen gegen die serbische Aggression
in Bosnien aufrief. Bei einem späteren Fototermin, der nicht mit der Museumseröffnung in Zusammenhang
stand, erklärte Clinton, Wiesel habe alle politisch Verantwortlichen des Westens aufgefordert, mehr zu tun, um
die Kämpfe in Bosnien zu beenden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Während wir hier inmitten von Gedenkstätten zusammengekommen sind, die sich in Sichtweite der Erinnerungsstätte an Thomas Jefferson befinden, dem Begründer unserer Freiheit, ist es meine Aufgabe, für die
Vereinigten Staaten dieses großartige Museum zu
übergeben. Nahe dem Ort, an dem Abraham Lincoln
sitzend dargestellt ist, der sein Leben gab, damit
unsere Nation ihr Mandat der Freiheit allen schenkte,
die innerhalb unserer Grenzen leben. Wir versammeln
uns in der Nähe des Ortes, an dem die legendäre und
unlängst verschiedene Marian Anderson Lieder der
Freiheit sang und Martin Luther King uns alle aufforderte, gemeinsam zu träumen und zu arbeiten.

Wie wir heute bereits gesehen haben, gilt dieses
Museum nicht nur den Toten, nicht nurden Überlebenden, die hier so wunderbar vertreten sind. Es gilt wohl
hauptsächlich uns allen, die wir dies alles nicht erlebt
haben. Um die Lektionen zu lernen, unsere Erinnerung und unsere Menschlichkeit zu vertiefen und diese
Lektionen von Generation zu Generation weiterzugeben.

Der Holocaust hat ganz sicher das gesamte 20. Jahrhundert verändert, indem er die Hoffnung der Aufklärung beiseitefegte, das Böse könne auf irgendeine
Weise für immer vom Angesicht der Erde verschwinden, indem er demonstrierte, daß es keinen Krieg gibt,
Hier auf dem zentralen Platz unseres nationalen Lebens, der alle Kriege beendet, daß der Kampf gegen die
an diesem 50. Jahrestag des Aufstandes im War- niedrigsten Instinkte unserer Natur auf immerund ewig
schauer Ghetto, auf dem Raoul Wallenberg Place der fortgesetzt werden muß.
Eisenhower Plaza weihen wir das United States Holocaust Museum ein und verbinden so eines der dunkel- Der Holocaust begann, als das zivilisierteste Land
sten Kapitel der Geschichte mit der hoffnungsvollen seiner Zeit beispiellose Akte der Grausamkeit und des
Hasses unter dem Deckmantel der Perversion von
Seele Amerikas.
AMERIKA DIENST 17

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�Wissenschaft, Philosophie und Recht beging. Eine
Kultur, die Goethe, Schiller und Beethoven hervorbrachte und dann Hitler und Himmler. Die gnadenlosen Massen, die selbst gebildet waren, während andere, die ebenfalls gebildet waren, danebenstanden und
nichts taten. Millionen starben dafür, wer sie waren,
wie sie Gott anbeteten, an was sie glaubten und wen
sie liebten. Aber ein Volk - die Juden - waren unabänderlich zur totalen Vernichtung bestimmt. Sie, die zu
den patriotischsten Mitbürgern ihres Landes gehörten,
deren Vernichtung weder einen militärischen Sinn
hatte noch politische Vorteile versprach, sie, die niemanden bedrohten, wurden von einer effizienten,
unerbittlichen Bürokratie abgeschlachtet, die sich einzig und allein einem radikalen Unheil verschrieben
hatte, das einen eigenartig wertfreien Namen trug: Die
Endlösung.

erinnern und uns für die Herausforderungen von morgen wappnen.
Wir alle müssen nun offen bekennen, daß in nicht allzu
ferner Zukunft eine Zeit kommen wird, in der der
Holocaust von lebendiger Realität und gemeinsamer
Erfahrung zu Erinnerung und Geschichte wird. Um
diese gemeinsame Geschichte der Pein zu bewahren,
um sie lebendig und real zu erhalten, damit das Böse
bekämpft und eingedämmt werden kann, sind wir hier,
diese Erinnerungsstätte zu weihen und über ihre
Bedeutung für uns nachzudenken. Denn mehr als
jedes andere Ereignis hat der Holocaust die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte hervorgebracht, die
Charta unserer gemeinsamen Menschlichkeit. Darüber hinaus hat er zur lange überfälligen Gründung des
Staates Israel beigetragen und diese praktisch sichergestellt.

Der Holocaust erinnert uns für immer daran, daß von
Werten getrenntes Wissen nur dazu dienen kann, den Heute dürfen wir angesichts des Zusammenbruchs
Alptraum des Menschen zu vertiefen, daß ein Kopf des Kommunismus und des Aufstieges der Demokratieaus der Asche der ehemals kommunistischen Staaohne Herz nicht Menschlichkeit bedeutet.
ten, angesichts des Endes des Kalten Krieges nicht
Denjenigen unter uns, die hier die Staaten des We- nur über all das Gute in der Welt frohlocken, sondern
stens vertreten, sage ich, wir müssen für immer mit wir müssen auch erkennen, daß nicht alles in dieser
dem Wissen leben, daß viel zu wenig getan wurde, neuen Welt gut ist. Immer wieder erfahren wir, daß
auch als unsere bruchstückhaften Kenntnisse der sich die Welt immer noch im Kreislauf von Animosität
Verbrechen zu unbestreitbaren Tatsachen wurden. und Gewalt befindet.
Noch bevor der Krieg ausbrach, wurden die Türen zur
Freiheit bereits verschlossen. Und nachdem die Ver- Die ethnischen Säuberungen im ehemaligen Jugoslaeinigten Staaten und die Alliierten Deutschland angrif- wien sind lediglich die brutalste und krasseste sowie
fen, wurden die Eisenbahnschienen zu den Lagern, die allgegenwärtige Manifestation dessen, was wir auch
nur Kilometer von militärisch wichtigen Zielen entfernt bei der Unterdrückung der Kurden im Irak, der grausamen Behandlung der Bahai im Iran und der endlosen
lagen, intakt gelassen.
rassisch-begründeten Gewalt in Südafrika erleben.
Und doch gab es, wie vermerkt worden ist, viele Auch an zahlreichen anderen Orten werden wir immer
einzelne Taten des Mutes und Widerstandes. Die wieder daran erinnert, wie zerbrechlich die SicherDänen und die Bulgaren, Männer wie Emanuel Ringel- heitsmechanismen der Zivilisation sind.
blum, der starb, nachdem er seine Aufzeichnungen der
Geschichte des Warschauer Ghettos in leeren Milch- Dasselbe gilt für die ruchlosen und gefühllosen Bankannen gerettet hatte. Janusz Korczak, der bis zum den, die heute in der modernen Welt ihr Unwesen
letzten Atemzug bei seinen Kindern in Treblinka blieb. treiben. Betrachten Sie die Lügner und PropagandiUnd Raoul Wallenberg, der vielleicht bis zu 100.000 sten unter uns, die Skinheads und die Liberty Lobby
ungarische Juden rettete. Und diejenigen, die bekannt hier bei uns, die Afrikaaner-Widerstandsbewegung in
sind, sowie die, die niemals bekannt werden, die an der Südafrika, die Radikale Partei Serbiens, die russidünnen Frontlinie der Gerechtigkeit standen, die ihr schen Schwarzhemden. Mit ihnen müssen wir bei der
Leben riskierten und verloren, um andere zu retten, Interpretation und Bewahrung der Geschichte dessen
keine Vorteile für sich selbst anhäuften, aber ehrenvoll konkurrieren, was wir wissen und wie wir uns verhalten
sollten.
der höheren Sache der Menschlichkeit dienten.
Am Ende des Krieges standen diesen Rettern unsere
Streitkräfte zur Seite, die gemeinsam mit den alliierten
Armeen die entscheidende Rolle bei der Beendigung
des Holocaust spielten. Nachdem sie den Schock
über das Entdeckte überwunden hatten, führten sie die
Überlebenden aus diesen düsteren, dunklen Orten in
das süße Sonnenlicht der Erlösung. Somit blieben
Soldaten und Überlebende für immer in Geschichte
und Humanität verbunden. Dieser Ort ist auch ihr Ort.
Damit wir ebenso wie sie uns der Vergangenheit

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Das in diesem Museum dokumentierte Böse ist unbestreitbar. Aber ebenso, wie wir dessen Zeuge sind,
müssen wir in der Welt, in der wir leben, sein Gegner
bleiben. Deshalb müssen wir die Geschichtsfälscher
aufhalten, und dasselbe gilt für die Unterdrücker. Bleiben
sie unbehelligt, werden sie weiter den Machtlosen
nachstellen, und wir dürfen nicht zulassen, daß dies
noch einmal geschieht.
Wir wissen, daß es nur einen Weg gibt, um Bollwerke
gegen diese Art des Bösen zu errichten. Es ist die

AMERIKA DIENST 17

�entgegengesetzte Richtung zu dem, was den Holocaust hervorbrachte, die anerkennt, daß wir uns trotz
all unserer Unterschiede nicht voneinander abschottenkönnen. In unserer Vielfalt müssen wirdie gemeinsame Menschlichkeit finden. Wir müssen diese gemeinsame Menschlichkeit auch bei den schärfsten
und tiefsten Meinungsverschiedenheiten zwischen uns
bekräftigen.

jeden für immer verändern wird. Als Ort tiefer Trauer
und Zufluchtsort strahlender Hoffnung, als Verbündeter der Bildung gegen Ignoranz, der Demut gegen
Arroganz, eine Investition in eine sichere Zukunft
gegen jeglichen Wahnsinn, der uns am Horizont droht.
Wenn dieses Museum die Moral mobilisieren kann,
dann werden diejenigen, die zugrunde gingen, damit in
gewissem Sinne unsterblich.

Sicher, es besteht neue Hoffnung in dieser Welt. Die
Entwicklung neuer, pulsierender demokratischer Staaten, aus denen heute zahlreiche politische Entscheidungsträger hier anwesend sind, bietet einen Schild
gegen die Unmenschlichkeit, derer wir uns erinnern.
Besonders angemessen ist es, daß dieses Museum
als dauernder Tribut an die Demokratie hier, in dieser
herrlichen Stadt angesiedelt ist. Es ist eine ständige
Erinnerung an unsere Pflicht, die Institutionen öffentlichen Friedens und der Menschlichkeit aufzubauen
und zu pflegen.

Ich weiß, das dies für diejenigen ein schwerer Tag ist,
die wir als" Überlebende" bezeichnen. Die unter uns,
die nach dem Krieg geboren wurden, können ihren
Kummer und ihren Schmerz noch immer nicht völlig
begreifen. Aber wenn unser Ausdrucksvermögen in
diesem Moment nicht ausreicht, dann möchte ich
Ihnen zumindest die folgenden Worte aus dem Buch
der Weisheit vortragen:

Ich habe das Gefühl, daß manch einer zögern wird,
diese Türen zu durchschreiten, weil die Fotos und
Erinnerungsstücke an die Vergangenheit mehr Schmerz
verursachen als sie ertragen können. Ich verstehe
das. Ich habe das Museum am Montag abend (19.
April) besucht und mich über zwei Stunden dort aufgehalten. Ich denke jedoch, daß unsere Verpflichtungen
gegenüber der Geschichte und der Nachwelt gleichermaßen uns alle zu einem Besuch veranlassen sollten.
Es ist eine Reise, die - wie ich hoffe - jeder Amerikaner,
der nach Washington kommt, machen wird, eine Reise, die - wie ich hoffe - alle ausländischen Besucher
dieser Stadt machen werden.
Ich glaube, daß dieses Museum das Leben jedes
Menschen berühren wird, der es betritt, und daß es

"Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand,
und keine Qual kann sie berühren.
In den Augen der Toren sind sie gestorben, ihr
Heimgang gilt als Unglück,
ihr Scheiden von uns als Vernichtung: sie aber
sind in Frieden."
An diesem Tag des triumphalen Wiedersehens und
der Feierstunden hoffe ich, daß diejenigen, die überlebt haben, ihren Frieden gefunden haben. Mit Gottes
Segen in unserer Seele und den Erinnerungen an die
Gefallenen in unserem Herzen und unseren Gedanken gilt unsere Aufgabe dem unaufhörlichen Kampf
zur Bewahrung der Menschenrechte und Menschenwürde. Die Erinnerung stärkt uns heute und wird uns
immer stärken. Ich bete dafür, daß wir obsiegen
werden.

* * * * *

AMERIKA DIENST 17

Seite 3

�BOSNIEN
28. April 1993

CLINTON: USA UND VERBÜNDETE NEHMEN
NEUBEWERTUNG IHRER BOSNIENPOLITIK VOR
Pressekonferenz des Präsidenten - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus hat Präsident Clinton am 23. April 1993
erklärt, die europäischen Verbündeten der Vereinigten Staaten unterzögen ihre Politik gegenüber Bosnien
gegenwärtig einer "echten Neubewertung" und könnten sich bereits in den nächsten Tagen auf neue "konzertierte Aktionen" dort verständigen.
Clinton verwies darauf, er habe im Hinblick auf Bosnien keine Optionen ausgeschlossen, au ßer dem Einsatz von
Bodentruppen. Sein Hauptaugenmerk gelte weiterhin multilateralen Maßnahmen, obwohl seine Botschafterin
bei den Vereinten Nationen ihm - laut Presseberichten - erläutert habe, die bestehenden Resolutionen des UNSicherheitsrats berechtigten ihn zu einseitigen militärischen Schritten.
Der Präsident wiederholte seine Verurteilung der ethnischen Säuberungen, bekräftigte jedoch, Abscheu verleihe
niemandem das Recht, die territorialen Grenzen der Republiken des ehemaligen Jugoslawien neu zu ziehen.
Einen Weg zu finden, den ethnischen Säuberungen Einhalt zu gebieten, und gleichzeitig die Fraktionen zu
bewegen, ihre Streitigkeiten friedlich beizulegen, "ist eindeutig das schwierigste außenpolitische Problem, mit
dem wir... und alle unsere Verbündeten konfrontiert sind".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Pressekonferenz von Präsident Clinton in Auszügen.

Frage: Herr Präsident, das Gefühl wächst, die westliche Reaktion auf das Blutvergießen in Bosnien sei
erbärmlich unzureichend gewesen. Ein Überlebender
des Holocaust, Elie Wiesel, hat Sie gestern aufgefordert, etwas zu tun, irgend etwas, um die Kämpfe zu
beenden. Erwägen die Vereinigten Staaten einseitige
Aktionen wie etwa Luftangriffe gegen serbische Artilleriestellungen?
Antwort: Zunächst, wie Sie wissen, überprüfen wir
jetzt seit über einer Woche ernsthaft unsere Optionen
für weitere Maßnahmen. Überdies meine ich, wir
sollten die vergangenen drei Monate betrachten. Seit
ich Präsident wurde, habe ich mit unseren Verbündeten zusammengearbeitet, und wir haben uns bemüht,
Fortschritte zu erzielen, zunächst bei der Flugverbotszone, bei deren Durchsetzung, bei den Fallschirmabwürfen humanitärer Versorgungsgüter, bei der Untersuchung von Kriegsverbrechen, bei der Einbeziehung
der bosnischen Muslime in den Friedensprozeß. Dabei
haben wir einige Fortschritte erzielt. Heute haben wir
eine wesentlich härtere Sanktionsresolution. Und
Leon Fuerth, der nationale Sicherheitsberater des
Vizepräsidenten, befindet sich derzeit in Europa, um

AMERIKA DIENST 17

ihre Durchführung zu gewährleisten. Dies wird Auswirkungen auf Serbien haben.
Darüber hinaus prüfen wir weitere Optionen. Ich
denke, wir sollten handeln. Wir - die Vereinigten
Staaten - sollten die führende Rolle spielen. Wir haben
diese Führungsrolle in den vergangenen drei Monaten
ausgeübt. Wir haben der Koalition Impulse gegeben.
Und fairerweise sollte ich sagen, unsere Verbündeten
in Europa sind bereit gewesen, ihr Teil beizutragen.
Überdies haben sie dort Bodentruppen stationiert.
Aber meines Erachtens sollten wir nicht allein, einseitig
handeln, und dies wird auch nicht erforderlich sein. In
den kommenden Tagen werden wir die umfassende
Überprüfung abschließen, der ich ebenso wie die
Administration in den vergangenen zehn Tagen zu
Recht viel Zeit gewidmet habe. Wir werden dies in
Kürze abschließen. Dann werden wir eine Politik
formulieren und bekanntgeben, die jeder beurteilen
kann.
Frage: Sehen Sie eine Parallele zwischen den ethnischen Säuberungen in Bosnien und dem Holocaust?

Seite 1

�Antwort: Meines Erachtens steht der Holocaust auf
einer völlig anderen Ebene. In der Geschichte der
Menschheit ist er ohne Beispiel und ohnegleichen.
Andererseits stellen ethnische Säuberungen die Art
von Unmenschlichkeit dar, die der Holocaust ins
Unermeßliche steigerte. Der Gedanke, Menschen
allein aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit zu vertreiben, sie zu mißhandeln und häufig zu töten, ist eine
abscheuliche Angelegenheit. Das ist besonders besorgniserregend in diesem Gebiet, in dem Menschen
aus unterschiedlichen Volksgruppen so lange Seite an
Seite gelebt haben. Wir müssen dem entgegentreten.
Ich hafte das für falsch.
Wir sprachen heute über all die anderen Probleme in
dieser Region. Mit Befriedigung habe ich festgestellt,
daß die Gewalt zwischen den Kroaten und den Muslimen in Bosnien heute morgen abgeflaut ist, und ich
gehe davon aus, daß wir an dieser Front Fortschritte
machen. Aber die Handlungsweise der Serben und die
ethnischen Säuberungen haben eine andere Qualität
als die anderen Konflikte sowohl im ehemaligen Jugoslawien als auch in anderen Teilen der Region.

man die Kampfkapazitäten erweitert? Wird es zu mehr
Blutvergießen führen? Welche Art von Reaktionen
könnte es bei anderen bewirken, die die Wirksamkei
der Politik unterminieren würden? Meiner Ansicht
nach verdienen sie jedoch zusammen mit einigen
anderen Optionen, die wir haben, beide ernsthafte
Berücksichtigung.
Frage: Glauben Sie, diejenigen, die versuchen, sich
am Krieg in Bosnien zu beteiligen, führen sich wirklich
vor Augen, daß wir uns nicht um Hunderttausende
Veteranen des letzten Krieges gekümmert haben, wir
uns nicht um unsere Gefangenen kümmern und sie
alle aus Vietnam nach Hause zurückbringen konnten,
und jetzt präsentieren uns viele die Rechnung für die
"Behandlung" mit Agent Orange. Wie können wir es
uns leisten, uns wieder an irgendeinem dieser Kriege
zu beteiligen?

Antwort: Meines Erachtens ist dies ein gutes Argument dagegen, daß sich die Vereinigten Staaten als
kriegführender Staat in einem Krieg dort engagieren.
Wir sind jedoch letztlich die einzige Supermacht der
Wert. Wir haben eine Führungsrolle in der Wert, und es
Frage: Unseres Wissens haben Sie noch keine end- besteht ein sehr ernsthaftes Problem der ethnischen
gültige Entscheidung über neue, bisher als inakzepta- Säuberungen im ehemaligen Jugoslawien, das nicht
bel erachtete Optionen getroffen. Die beiden am nur enorme weitere humanitäre Konsequenzen haben
häufigsten gehörten Optionen bestünden in der Aufhe- könnte - und es hat weiß Gott zahlreiche gegeben -,
bung des Waffenembargos, damit die bosnischen sondern auch andere praktische Konsequenzen in
Muslime sich sebst verteidigen können sowie im Beginn nahegelegenen Regionen, in denen ähnliche ethnivon begrenzten Luftangriffen, um eventuell den Nach- sche Spannungen bestehen.
schub zu unterbinden. Ohne uns Ihre Entscheidung
mitzuteilen - wahrscheinlich haben Sie bezüglich die- Frage: Haben Sie irgendeine Art von Vereinbarung
ser beiden Optionen noch keine endgültige Entschei- mit Boris Jelzin getroffen, bis Sonntag von Luftangrifdung getroffen - was ist das Für und Wider, das Sie bei fen oder anderen aggressiven Aktionen gegen die
der Abwägung Ihrer endgültigen Entscheidung be- Serben Abstand zu nehmen, und welchen Einfluß
hatte seine politische Situation im allgemeinen auf Ihre
rücksichtigen?
Beratungen über Bosnien?
Antwort: Ich möchte ungern im einzelnen darauf
eingehen. Dies sind zwei der Optionen. Es gibt andere Antwort: Nein, ich habe keine Vereinbarungen getrofOptionen, die in Betracht gezogen wurden. Sie alle fen, und er hat nicht darum gebeten. Interessanterweihaben Vor- und Nachteile. Alle haben Befürworterund se haben wir das nicht einmal erörtert. Ich möchte Sie
Gegner in der Administration und im Kongreß, wo - ich jedoch daran erinnern, daß die Russen sich mitten in
darf Sie daran erinnern - enge Konsultationen erforder- Präsident Jelzins Wahlkampagne bei unserem Verlich sind, bevor irgendein neuer politischer Kurs einge- such, schärfere Sanktionen durch die Vereinten Nationen verhängen zu lassen, der Stimme enthielten, was
schlagen wird.
meines Erachtens die angemessene Entscheidung
Meines Erachtens finden im Hinblick auf das Thema von ihnen war, die die Vereinigten Staaten - und ich bin
der Luftangriffe die von General Powell im allgemeinen sicher, die übrige freie Welt - sehr wohl zu schätzen
über Militäraktionen gemachten Äußerungen hier wußten.
Anwendung. Wenn Sie Maßnahmen ergreifen, wenn
die Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen, wüs- Frage: Herr Präsident, Sie erklärten, eine Seite im
sen wir ein klar umrissenes Ziel haben, das erreicht bosnischen Konflikt repräsentiere die Unmenschlichwerden kann. Wir müssen es verstehen können, und keit, die der Holocaust ins Unermeßliche gesteigert hat
seine Einschränkungen müssen eindeutig sein. Die - warum sagen Sie dennoch, die Vereinigten Staaten
Vereinigten Staaten sind weder eine Partei in einem könnten in diesem Krieg nicht Partei ergreifen?
Krieg, noch sollten sie dies werden.
Antwort: Ich habe darauf hingewiesen, daß wirgegen
das
Prinzip der ethnischen Säuberungen angehen
Im Hinblick auf die Aufhebung des Waffenembargos
sollten.
Das bedeutet jedoch nicht, daß die Vereiniglautet die Frage hier offenkundig, wird es zu einer
ten
Staaten
oder die Vereinten Nationen in einen Krieg
Lösung beitragen und Frieden herbeiführen, wenn
Seite 2

AMERIKA DIENST 17

�eintreten können, um die geographischen Grenzen der keinen direkten Konflikt oder parteiergreifende KriegRepubliken im ehemaligen Jugoslawien neu zu zie- führung implizieren?
hen, oder daß sie letztlich dabei erfolgreich sein würAntwort: Das wäre möglich. Ich möchte Sie daran
den.
erinnern, daß die Umstände jedoch etwas anders sind.
Meines Erachtens müssen die Vereinigten Staaten Damals befanden wir uns im Krieg mit Deutschland,
nach einem Weg suchen, wie wir die Menschen zur und das hat diese ganzen Vorfälle so kompliziert. Aber
Lösung ihrer eigenen Schwierigkeiten zwingen und wir ziehen - wie gesagt - alle Optionen in Betracht.
gleichzeitig den ethnischen Säuberungen entgegentreten und ihnen Einhalt gebieten können. Und das ist Frage: Herr Präsident, darf ich Sie um eine Erklärung
ganz offensichtlich die Schwierigkeit, mit der wir zu zu Bosnien bitten? Sie wiesen darauf hin, daß Sie
kämpfen haben. Dies ist eindeutig das schwierigste keine Beteiligung amerikanischer Streitkräfte in Beaußenpolitische Problem, mit dem wir und alle unsere tracht ziehen. Schließt das sowohl die Luftwaffe als
Verbündeten konfrontiert sind. Wenn es leicht wäre, auch Bodentruppen ein?
hätte es wahrscheinlich schon vorher gelöst werden
Antwort: Ich sprach von Bodentruppen.
können. Wir haben im letzten Vierteljahr versucht,
mehr als je zuvor zu tun. Es reichte zweifelsohne nicht Frage: Sie sprachen von Bodentruppen? Dürfte ich
aus, um die serbische Aggression zu beenden, und wir Sie fragen, Herr Präsident, ob Sie fürchten, amerikanisuchen zur Zeit nach neuen Handlungsmöglichkeiten. sche Luftangriffe könnten die Vereinigten Staaten dort
in einen Landkrieg hineinziehen?
Frage: Herr Präsident, Sie haben insbesondere die
Roosevelt-Administration kritisiert, weil sie nicht die zu Antwort: Ich möchte einfach nicht länger über unsere
den Konzentrationslagern führenden Eisenbahnschie- Einschätzung der Optionen diskutieren. Ich habe
nen und in der Nähe von militärischen Zielen befindli- Ihnen bereits gesagt, daß es in diesem Land nie eine
che Einrichtungen bombardierte. Könnten Sie nicht ernsthafte Diskussion über den Einsatz von Bodenvielleicht ähnliche Schritte in Betracht ziehen, die truppen in dem dort stattfindenden Konflikt gegeben
hat.

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AMERIKA DIENST 17

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�NAHER

OSTEN
28. April 1993

CHRISTOPHER WÜRDIGT WIEDERAUFNAHME DER
NAHOST-FRIEDENSGESPRÄCHE
Aktive Beteiligung und umfassende Partnerschaft der USA

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich der Wiederaufnahme der arabisch-israelischen Friedensgespräche am
27. April 1993 hat Außenminister Christopher erklärt,
die Parteien müßten nun "einen neuen Sinn für Dringlichkeit und Intensität" unter Beweis stellen, um "greifbare Fortschritte zum Frieden" im Nahen Osten zu
erzielen.
Vor einem Bewilligungsunterausschuß des Senats
wich Christopher von seinem vorbereiteten Redetext
ab und verwies darauf, die Clinton-Administration sei
"befriedigt und dankbar", daß die Friedensgespräche
in Washington nahezu fünf Monate nach ihrer Unterbrechung im letzten Dezember fortgesetzt werden.
Seither, so Christopher, sei eine Tatsache klar zutage
getreten: "Ohne Friedensgespräche hat sich das
Umfeld - insbesondere zwischen Israelis und Palästinensern - erheblich verschlechtert. Die Feinde des
Friedens haben versucht, das Fehlen von Gesprächen
auszunutzen", erklärte der Minister.
"Sie haben versucht, die Atmosphäre für einen Friedensschluß zu vergiften, und mit der einzigen Sprache, die sie kennen - der Sprache der Gewalt und der
Drohungen - haben sie versucht, den gesamten Friedensprozeß zu unterminieren", fuhr der Minister fort.
"Heute, da die Friedensgespräche wiederaufgenommen werden, müssen wir alle den Friedenswilligen,
nicht den Extremisten, helfen, das Klima neu zu gestalten."
"Es muß feststellbar sein, daß die Verhandlungen
funktionieren. Ein neuer Sinn für Dringlichkeit und
Intensität in den Gesprächen muß offenkundig werden. Die Parteien müssen eine Bereitschaft unter
Beweis stellen, Probleme zu lösen, nicht nur zu identifizieren, nicht nur über sie zu reden, sondern die
Probleme zu lösen."

nien - sowie Verhandlungen zwischen israelischen und
palästinensischen Vertretern über Interimsarrangements zur Selbstregierung für die besetzten Gebiete.
"Als Vereinigte Staaten beabsichtigen wir, unser Teil
dazu beizutragen", stellte der Minister fest. "In Erfüllung von Präsident Clintons Zusage, die Kontinuität in
den Nahost-Friedensverhandlungen zu gewährleisten,
haben wir in diesem Zeitraum sehr aktiv mit allen
Parteien und unseren russischen Mitschirmherren
zusammengearbeitet, um ein Fundament für eine
sinnvolle Wiederaufnahme der Verhandlungen zu legen."
"Wir haben demonstriert, daß wir ein vollwertiger Partner sein, mit allen aktiv zusammenarbeiten und Unterstützung, Ideen und Vorschläge dazu beitragen werden, wie die Probleme überwunden werden können",
erklärte er. "Jetzt müssen die Parteien ihr Engagement unter Beweis stellen, nicht nurzu reden, sondern
greifbare Fortschritte zum Frieden zu erzielen - zu
einem umfassenden Frieden, einem gerechten Frieden, einem echten Friedender Hoffnung, Aussöhnung
und Normalisierung."
(Am 23. April hatte Christopher in einer Stellungnahme
vor dem American-Arab Anti-Discrimination Committee [Antidiskriminierungskomitee der Amerikaner arabischer Abstammung] erklärt, eine Verhandlungslösung werde auf einer Reihe von Prinzipien aufbauen,
darunter Land für Frieden, die Gewährung der legitimen politischen Rechte des palästinensischen Volkes,
Sicherheit für alle Parteien und die Normalisierung der
Beziehungen in der Region. Durch die Sicherung des
Friedens könnten der Terrorismus und die Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen eingedämmt werden.)

In seinen Ausführungen vor dem Unterausschuß verlieh Christopher der "großen Hoffnung" Ausdruck, in
den arabisch-israelischen Gesprächen könnten 1993
Die Friedensgespräche beinhalten direkte Friedens- echte Fortschritte erzielt werden. "Meines Erachtens
verhandlungen zwischen Israel und seinen unmittelba- ist dies ein Jahr großer Chancen für den Frieden im
ren arabischen Nachbarn - Syrien, Libanon und Jorda- Nahen Osten", erklärte er.
AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�Später hielt der Minister im Außenministerium eine
beispiellose Zusammenkunft mit den Leitern aller
Delegationen bei den Friedensgesprächen ab. Bei
ihrer Begrüßung erklärte er stellvertretend für Clinton
und die russischen Mitschirmherren, die Entscheidung
der Parteien zur Rückkehr an den Verhandlungstisch
spiegele ihr Engagement für den Friedensprozeß wider.
"Sicherlich war es für sie alle die richtige Entscheidung,
und dafür bin ich dankbar", teilte Christopher einer
kleinen Gruppe von Reportern mit, die das Treffen
beobachteten. "Ich bin dankbar für den Mut, der von
diesen Herrschaften gefordert war, um an dem heutigen Treffen teilzunehmen."

me "einigen Einfluß", um den Sudan zu mehr
Kooperation anzuhalten.

Der Schlüssel sei nun "die Konzentraten auf die Substanz
der Verhandlungen, nicht die Verfahrensregeln, nicht
den Prozeß an sich, sondern die Hinwendung zu der
echten Substanz der Verhandlungen", erklärte Christophervorden Delegationsleitern. "Direkte Verhandlungen zwischen den Parteien hier am Tisch sind der
einzige Weg, auf dem wir echten Frieden erreichen
können."
Zu anderen mit dem Nahen Osten in Verbindung
stehenden Themen nahm Christopher vor dem Unterausschuß folgendermaßen Stellung:
Das Außenministerium ziehe aufgrund von
Berichten über die Ausbildung von Terroristen
im Sudan "aktiv in Erwägung", das Land auf
seine Liste von Ländern zu setzen, die den
Terrorismus unterstützen. "Dies bedeutet für
uns eine sehr schwere Entscheidung, weil sie
uns daran hindert, Ländern auf vielfältige Weise
zu helfen", erklärte Christopher. Darüber hinaus stellte er fest, "der Iran exportiert den Terrorismus", und "einer der Orte, wo dies geschieht,
ist der Sudan; wir sind über diese Situation sehr
besorgt." Die Vereinigten Staaten besitzen
Christopher zufolge aufgrund früherer Hilfsprogramme und möglicher künftiger Hilfsprogram-

* *

Seite 2

Er betonte, daß "eines der Hauptprobleme" der
Vereinigten Staaten mit dem Iran der "Export
des Terrorismus" in den Nahen Osten und benachbarte Gebiete durch das Teheraner Regime sei. "Sein Wunsch zum Erwerb von Massenvernichtungswaffen ist meines Erachtens
ein weiterer Faktor, der uns dazu veranlaßt",
Verbündete und Freunde zu warnen, "daß der
Iran zum jetzigen Zeitpunkt nicht die Unterstützung der internationalen Staatengemeinschaft
verdient". Christopher versprach, bei den Verbündeten Amerikas "hart und frühzeitig" darauf
zu drängen, wegen dieser Aktivitäten künftige
Weltbankkredite für den Iran abzulehnen.
Senator Frank Lautenberg aus New Jersey
erklärte er, daß das "wirksamste" Mittel, Möchtegernterroristen von den Vereinigten Staaten
fernzuhalten, in der Automatisierung von Systemen in Konsulaten und Botschaften, die amerikanische Visa ausgeben, und der Bereitstellung
neuester Informationen für alle Missionen besteht. Lautenberg hatte einen fundamentalistischen Scheich erwähnt, der in Verbindung mit
den des Bombenanschlags auf das World Trade Center bezichtigten Personen gebracht worden
ist. "Bedauerlicherweise wissen die Terroristen
auf der ganzen Welt, wo unser schwächster
Punkt liegt, kennen die Botschaft oder das
Konsulat, das im Hinblick auf die Automatisierung am weitesten zurückliegt", erklärte Christopher. "Das ist in diesem Fall geschehen",
stellte er fest. "Eine der betreffenden Personen
... reiste nach Khartum, wo man noch nicht
modernisiert oder die Informationen auf den
neuesten Stand gebracht hat, erhielt ein Visum
und konnte auf diesem Weg einreisen."

*

AMERIKA DIENST 17

�RUSSLAND
28. April 1993

TALBOTT SKIZZIERT HILFSPROGRAMME
FÜR RUSSLAND
Erklärung von Botschafter Talbott
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Erklärung von Strobe Talbott, Botschafter zur
besonderen Verwendung und Sonderberater des Außenministers für die neuen unabhängigen Staaten im
Wortlaut. Sie wurde am 21. April 1993 vor dem Unterausschuß des Repräsentantenhauses für Europa und den
Nahen Osten zum Thema Hilfe für Rußland abgegeben. Talbott erläuterte sowohl bilaterale als auch
multilaterale Hilfe.
Herr Vorsitzender, verehrte Mitglieder des Ausschusses, ich danke Ihnen für die Gelegenheit, einen Dialog
über die Politik des Präsidenten gegenüber Rußland
und den anderen unabhängigen Staaten aufzunehmen.
Bevor ich auf die Einzelheiten dieser Politik eingehe,
möchte ich kurz die zahlreichen Mitglieder dieses
Ausschusses für die Führungsrolle würdigen, die sie
bei der Unterstützung Rußlands und der anderen
neuen unabhängigen Staaten unter Beweis gestellt
haben. Dabei möchte ich die vom Ausschußvorsitzenden Hamilton geleistete Arbeit besonders hervorheben. Er war so freundlich, mir einige seiner Beobachtungen mitzuteilen, die er dem Präsidenten vor dem
Gipfel in Vancouver übermitteln wollte. Aus dem
Ablauf des Gipfels läßt sich ersehen, daß der Präsident zugehört hat. Ich hoffe, wir können weiterhin von
den Fachkenntnissen des Vorsitzenden und anderer
Ausschußmitglieder bei diesen Problemen profitieren.

Heute vollzieht sich in Eurasien eine vierte Auseinandersetzung. In ihr stehen diejenigen, die das kommunistische System zu Fall brachten, gegen die, die seine
Relikte bewahren, wenn nicht sogar seinen Wesensgehalt wiederherstellen möchten. Es stehen diejenigen, die zum Aufbau einer stolzen Zukunft entschlossen sind, gegen die, die sich an eine grausame und
schändliche Vergangenheit klammem. Kurzum, Reform steht gegen Reaktion.

Wir haben ein Interesse am Ausgang dieses Kampfes.
Bis heute wurden viele Amerikaner dazu veranlaßt,
unser Interesse vorwiegend im Sinne dessen zu sehen, was wir nicht wollen: Wir möchten nicht, daß
wirtschaftliche Not und politische Unruhen einen Bürgerkrieg auslösen, der über elf Zeitzonen hinweg wüten
könnte. Wir wollen weder ein nukleares Jugoslawien
im Herzen Eurasiens noch möchten wir den Aufstieg
einer neuen Diktatur erleben, die ihr Volk unterdrückt,
ihre Nachbarn bedroht und die Vereinigten Staaten
und ihre Verbündeten dazu zwingt, zum Zustand des
Die Aufgabe Ihres Ausschusses, Herr Vorsitzender, ist Kalten Krieges zurückzukehren.
der Entwurf von Gesetzen, wie es die Aufgabe unserer
Administration ist, die Politik zu konzipieren. Im Falle Herr Vorsitzender, obwohl diese Sorgen durchaus
des bei dieser Anhörung vor uns liegenden Themas ist berechtigt sind, müssen wir meines Erachtens unsere
das, was wir in Wirklichkeit leisten - was wir gemein- Ziele in einem wesentlich positiveren Kontext betrachsam leisten -, nicht mehr und nicht weniger, als ein ten: Eine heute getätigte Investition in die heroischen
Beitrag zur Geschichtsschreibung.
Anstrengungen dieser neuen Demokratien zur Umstrukturierung ihrer Volkswirtschaften wird später
In diesem Jahrhundert hat es drei große Auseinander- Dividenden einbringen. Ein Rußland, eine Ukraine, ein
setzungen gegeben. Die erste war der Erste Welt- Kasachstan, das vollständig in die Weltwirtschaft intekrieg, ein Flächenbrand, der die Russische Revolution griert ist, wird eine verläßliche Quelle von Rohstoffen
von 1917 entfachte. Die zweite war der Weltkrieg und Fertigprodukten, ein verläßlicher Markt für amerigegen Faschismus und Imperialismus von 1939 - kanische Waren und Dienstleistungen sowie ein zu1945. Die dritte war der Kalte Krieg gegen sowjeti- verlässiger Partner in der Diplomatie sowie bei der
schen Kommunismus und Expansionismus.
Bewältigung weltweiter Probleme des menschlichen
Wohlergehens und der Umwelt sein.
AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�Mit anderen Worten, Herr Vorsitzender: Unsere Politik
sollte nicht nur darauf ausgerichtet sein, das Schlimmste zu verhüten, sondern sie sollte sich darauf konzentrieren, das Beste zu fördern. Ru Bland durchläuft eine
Umgestaltung seines staatlichen Charakters an sich.
Deshalb sollten wir damit einhergehend eine Umgestaltung unserer Rolle vornehmen. Nachdem wir
nahezu ein halbes Jahrhundert erfolgreich eine internationale Koalition gegen die Sowjetunion angeführt
haben, müssen wir jetzt eine strategische Allianz mit
der postsowjetischen Reformbewegung anführen.
Eine strategische Allianz impliziert eine Politik, die uns
und unseren Verbündeten langfristig dienen soll. Und
genau dies muß die unsrige tun.
Während wir zwar langfristig dachten, mußte unsere
Administration auch kurzfristig handeln. Der Beginn
dieser Administration fiel mit einer Krise in der russischen Politik zusammen. Genau einen Monat nach
der Amtseinführung Präsident Clintons hier in Washington warf Präsident Jelzin in Moskau einem von
Reaktionären beherrschten Parlament den Fehdehandschuh hin.

Engagement verdeutlicht. Mit dem, was wir bereits
getan haben und dem, um das wir Sie nun bitten, wenn
Sie in den kommenden Wochen Ihr Auslandshilfegesetz formulieren, müssen die Vereinigten Staaten zwei
Ziele fördern:
Erstens müssen wir alles, was wir von au ßen tun
können, leisten, um die Vorteile der Reformen
fürdas Volk insgesamt- also den Durchschnittsrussen - sichtbar und greifbar zu machen. Dies
muß so rasch wie möglich geschehen.
Zweitens müssen wir für die Unterstützung
dauerhafte Ziele finden, die Tendenzen fördern,
von denen wir hoffen, daß sie unumkehrbar
sind, damit wir einen kontinuierlichen Prozeß
unterstützen, der auch politische und wirtschaftliche Rückschläge verkraften kann.
Obwohl das erste dieser Ziele kurzfristigen und das
zweite langfristigen Charakter hat, halten wir beide für
völlig miteinander vereinbar. Tatsächlich stärken sie
sich gegenseitig.

Wir gehen davon aus, daß beide Ziele klar in den vier
In vier Tagen, am 25. April, stellt sich Jelzin einem Schritten zum Ausdruck kommen, die von der AdminiReferendum, in dem das russische Volk seine Mei- stration zur Unterstützung der Reformen eingeleitet
nung über seine Führung, seine Wirtschaftspolitik sowie wurden: die von Präsident Clinton in Vancouver am 4.
darüber ausdrücken wird, ob vorzeitige Präsident- April bekanntgegebene Initiative über 1,6 Milliarden
Dollar, das Paket multilateraler Maßnahmen in Höhe
schafts- und Parlamentswahlen stattfinden sollten.
von 28,4 Milliarden Dollar, zu dem sich die G-7 unter
Wir alle hoffen, daß das Referendum die Fähigkeit der Führung der Vereinigten Staaten vergangene Woche
Reformer zur Fortsetzung ihres Kurses stärken wird. verpflichtet hat, die zusätzlichen bilateralen ProgramWir möchten dem russischen Volk zu verstehen ge- me im Umfang von 1,3 Milliarden Dollar, die gleichzeiben, daß die ganze Welt ihm zur Seite steht, während tig von der Administration angekündigt wurden und
es den Übergang von Kommunismus zu Demokratie schließlich die Komponente des Freedom Support Act
von 704 Millionen Dollar im Haushalt für 1994.
und freien Märkten vollzieht.
Wir sind uns jedoch bewußt, daß der 25. April keine
endgültige Entscheidung zum Guten oder zum Schlechten bringen könnte. Das Referendum allein wird den
Kampf zwischen konkurrierenden Interessen und einander entgegengesetzten Visionen kaum beenden.

Ich möchte jede dieser Maßnahmen kurz erläutern.

Deshalb mußte die Administration kühn handeln, auf
eine Art und Weise, die unser Gefühl der Dringlichkeit
widerspiegelt und gleichzeitig unser langfristiges

Präsident Clinton war von Beginn an entschlossen, die
russisch-amerikanische bilaterale Zusammenarbeit als
Katalysatorder multilateralen Unterstützung der russischen Reformen zu nutzen.

Zum Abschluß des Gipfels von Vancouver gestern vor
zwei Wochen gab der Präsident einen Plan zur Beschleunigung, Intensivierung und Umgestaltung bestehender Programme bekannt, um deren Vorzüge
dem
russischen Volk dieses Jahr vor Augen zu führen.
Am 25. April ebenso wie in den folgenden Monaten und
Darüber
hinaus wird mit dem Paket von Vancouver
Jahren wird die entscheidende Kraftprobe zwischen
beabsichtigt,
die wichtigsten Bedürfnisse zu erfüllen,
Reformern und Reaktionären hauptsächlich darüber
die
von
den
russischen
Reformern selbst identifiziert
geführt werden, welches Lager die Interessen des
wurden:
in
den
Bereichen
Energie und Umwelt,
russischen Volkes vertritt. Einer der Hauptgründe,
Wohnungsbau,
Austausch,
Entwicklung
der Privatwarum Präsident Jelzin heute unter Druck steht, ist,
wirtschaft
sowie
Handelsund
Investitionsmaßnahdaß zu viele Russen Reformen mit Härten gleichsetzen - mit explodierenden Preisen, sinkendem Lebens- men.
standard und dem Verfall der sozialen Ordnung.
Das Paket von Vancouver, das 700 Millionen Dollar an
Wenn es der reformorientierten Regierung nicht ge- Krediten zu Vorzugsbedingungen für den Ankauf von
lingt, für ihre Politik in den kommenden Monaten eine Nahrungsmitteln enthält, wird die Wiederaufnahme
breitere und aktivere Gefolgschaft aufzubauen, wird der amerikanischen Nahrungsmittelexporte nach
diese Politik - und diese Regierung - in Gefahr sein.
Rußland gestatten.

Seite 2

AMERIKA DIENST 17

�In diesem Geist reisten Außenminister Christopher
und Finanzminister Bentsen zehn Tage nach dem
Gipfel von Vancouver zu einem Treffen der G-7 nach
Tokio. Die Konferenz von Tokio übermittelte eine
eindeutige Botschaft der Unterstützung für Jelzin und
die Reformbewegung. Diese Unterstützung wurde in
Gestalt einer Verpflichtung seitens der G-7 erteilt,
Rußland bei der Umstrukturierung von Schlüsselsektoren seiner Volkswirtschaft, der Aufgabe ineffizienter
Staatsbetriebe, der Finanzierung lebenswichtiger
Importe und der Stabilisierung seiner Währung zu
helfen.

politischen Maßnahmen zur Stabilisierung der Wirtschaft zu ergreifen.

Diese ersten Schritte würden - so hoffen wir - zu
erheblichen Fortschritten bei der Inflationsbekämpfung führen. Die Regierung könnte dann aufgrund des
Erfolgs bei dieser bedeutenden Angelegenheit ein
umfassenderes wirtschaftliches Stabilisierungsprogramm einleiten. Die G-7 hat zugestimmt, im nächsten
Jahr 10 Milliarden Dollar für dieses Unternehmen
bereitzustellen. Das schließt 4 Milliarden Dollar für ein
neues Standby-Programm sowie eine erneuerte Verpflichtung zu einem währungspolitischen StabilisieVon Bedeutung ist, daß das Tokioter Treffen das erste rungsprogramm in Höhe von 6 Milliarden Dollar ein.
gemeinsame Treffen der Finanz- und Außenminister
in der Geschichte der G-7 war. Es diente der Betonung Im Unterschied zum Programm der G-7 zur Unterstütdes Zusammenhangs zwischen Politik und Wirtschaft zung der russischen Reformen vom letzten Jahr setzt
in Rußland: Marktwirtschaftliche Reformen werden das diesjährige Programm unserer Ansicht nach reawahrscheinlich nur in einer von Rechtsstaatlichkeit listische Maßstäbe für die russische Wirtschaftsentbestimmten pluralistischen Gesellschaft von Erfolg wicklung. Die russische Wirtschaft muß laufen lernen,
gekrönt sein; Demokratie wird sich eher in einer blü- bevor sie rennen kann. Jeder zusätzliche Schritt muß
sofort einen sichtbaren Vorteil für die russische Wiuhenden Wirtschaft entwickeln.
schaft bringen - und für das russische Volk.
Tokio war auch ein Hinweis auf zwei grundlegende
Themen der Politik dieser Administration: Erstens, Die dritte Komponente multilateraler Unterstützung
daß wir, die Vereinigten Staaten, Partner der anderen richtet sich auf Reformen in spezifischen Sektoren der
demokratischen Industrienationen sind; zweitens, daß Wirtschaft. Während die langfristige Lebensfähigkeit
wir, die demokratischen Industrienationen, Partner der vom Erfolg des Stabilisierungsprogramms abhängt,
russischen Reformer sind, die versuchen, ihr Land in können Bemühungen in Sektoren wie Energiewirteinen eigenständigen demokratischen Industriestaat schaft oder Landwirtschaft das Stabilisierungsprogramm
umzuwandeln. Ebenso wie der Inhalt des Vancouver- ergänzen und fördern, indem Deviseneinnahmen erPakets die Gespräche zwischen den Präsidenten Clin- höht und Verbesserungen auf dem heimischen Markt
ton und Jelzin widerspiegelte, so reflektierte der Inhalt der ganzen Bevölkerung vor Augen geführt werden. In
des Tokio-Pakets, was Außenminister Kosirew und Tokio stellten die führenden Politiker der G-7 hierfür 14
der Stellvertretende Premierminister Fedorow den Mi- Milliarden Dollar bereit, den Großteil in Form von
nistern Christopher und Bentsen sowie ihren versam- neuen Exportkrediten.
melten Amtskollegen aus den G-7-Staaten mitgeteilt
Die Vereinigten Staaten haben auf diesem Gebiet
hatten: Rußland benötigt die Hilfe des Westens, um
bereits einen bedeutenden Beitrag geleistet. In Tokio
das Tempo der Reformen beizubehalten.
gaben wir bekannt, daß wir mit den Russen ein AbkomMinister Fedorow und seine Kollegen waren aktiv an men über ein Rahmenwerk der Export Import Bank für
den Vorbereitungsgesprächen für Tokio beteiligt. Sie Exportkredite zugunsten der Erdöl und Gasindustrie in
halfen beim Entwurf zahlreicher Elemente des multila- Höhe von 2 Milliarden Dollar geschlossen haben. Die
teralen Pakets. Ihre Arbeit konzentrierte sich auf die unter diesem Abkommen finanzierten Ausrüstungen
Bemühungen der G-7 zur Entwicklung realistischer und Dienstleistungen der Vereinigten Staaten werden
kurz- und mittelfristiger Reformziele. Die Minister die russischen Exporte und die Deviseneinnahmen
Fedorow und Kosirew nahmen am zweiten Tag des G- entscheidend erhöhen. Gleichzeitig werden wir hier im
7-Treffens teil. Die Mitglieder der G-7 wiederum Inland davon Vorteile haben. Allein die erste Tranche
machten den Ministem klar, daß es an den Russen von Kreditgarantien von über 500 Millionen Dollar wird
selbst liege, die Inflation zu kontrollieren, bevor unsere Tausende von Arbeitsplätzen in amerikanischen Unternehmen stützen, die stark unter der jüngsten ReHilfe effektiv genutzt werden kann.
zession leiden.
Das Tokioter G-7-Paket umfaßt ungefähr 4 Milliarden
kurzfristig verfügbarer Mittel des Internationalen Wäh- In Tokio legten wir auch das Fundament für eine Reihe
rungsfonds und der Weltbank. Diese Gelder sind vor- von unserer Meinung nach vielversprechenden zuwiegend zur Regelung der Kreditpolitik der russischen sätzlichen multilateralen Maßnahmen.
Zentralbank und für die Bereitstellung wichtiger ImporWir hoffen, unsere Partner in der G-7 davon überzeute zur Verlangsamung der wirtschaftlichen Kontraktion
gen zu können, uns beim sicheren Abbau und der
vorgesehen. In einigen Wochen könnte eine AuszahZerstörung der Atomwaffen im Einklang mit den Belung vorgenommen werden. Sie würde es der russistimmungen internationaler Abkommen behilflich zu
schen Regierung erlauben, einige der schwierigen
sein. Wir haben uns über die Ankündigung der JapaAMERIKA DIENST 17

Seite 3

�ner in der letzten Woche gefreut, daß sie 100 Millionen
Dollar zu diesem Zweck beisteuern werden; wir sind
jedoch der Ansicht, daß sie und die anderen Mitglieder
der G-7 mehr tun müssen. In Tokio einigten wir uns auf
die Aufstellung einer Arbeitsgruppe über die Ausweitung des Programms zum Abbau von Nuklearwaffen
bis zum G-7-Gipfel im Juli.

Herr Vorsitzender, hier möchte ich wieder einmal auf
die Hauptelemente unserer Politik hinweisen: Die
Vereinigten Staaten demonstrieren nicht nur ihre
Führungsrolle, sondern nutzen sie auch, um von der
internationalen Staatengemeinschaft bedeutend mehr
Geld zu erbitten, als wir selbst zur Verfügung stellen
können.

Der zweite von den Vereinigten Staaten in Tokio
vorgebrachte Vorschlag war die Schaffung eines
speziellen Privatisierungs- und Umstrukturierungsfonds.
Dieser Fonds - eine von den russischen Reformern
entschieden befürwortete amerikanische Idee - wird
dazu beitragen, die wirtschaftlichen und sozialen
Auswirkungen der Privatisierung einiger der mehr als
20.000 mittleren und großen Unternehmen zu erleichtern.

Die G-7 hat der Errichtung einer Arbeitsgruppe über
den speziellen Privatisierungsfonds zugestimmt, damit
bis zum Gipfel im Juli eine Entscheidung getroffen
werden kann.

Herr Vorsitzender, zum Schluß meiner Ausführungen
möchte ich kurz auf das neue Paket amerikanischrussischer bilateraler Initiativen eingehen, die Präsident Clinton zeitgleich zu dem G-7-Treffen angekündigt hat. Sie werden sich daran erinnern, daß der
Der Fonds soll dazu beitragen, den kürzlich privatisier- Präsident in Vancouver seine Absicht bekanntgab,
ten Unternehmen mit Hilfe von Darlehen zur Moderni- über das dort angekündigte 1,6-Milliarden-Dollar-Prosierung der Anlagen, Umschulung der Arbeitnehmer gramm hinauszugehen. Er erklärte, er wolle zusätzliund technischer Hilfe für Manager, die die Anpassung che Fonds für vordringliche Gebiete bereitstellen und
an eine Tätigkeit in einer Marktwirtschaft vornehmen, dabei das von Präsident Jelzin Gehörte in Betracht
ziehen - und die Ergebnisse weiterer Konsultationen
zu Eigenständigkeit zu verhelfen.
mit dem Kongreß. Diese ernsthaften Konsultationen
Die russische Wirtschaft und Gesellschaft ist mit riesi- haben begonnen und ich erachte meine Anwesenheit
gen und außerordentlich ineffizienten staatlichen Un- hier als Teil dieses Prozesses.
ternehmen belastet, die ganze Städte dominieren. Der
spezielle Privatisierungs- und Umstrukturierungsfonds Die Administration will annähernd 1,3 Milliarden zuwürde den Verwaltungen dieser von einem Unterneh- sätzlich an bilateraler Hilfe für die Unterstützung der
men beherrschten Städte helfen, die Auswirkungen Reformbemühungen in Rußland und den neuen unabdes Aufbrechens und Verkaufs dieser Monolithen zu hängigen Staaten bereitstellen. Diese Fonds sollen
bewältigen. Auslagen des Fonds könnten für Investi- zur Stärkung der Programme in den wichtigen Bereitionen in die örtliche Infrastruktur zur Unterstützung chen Energie und Umwelt, Wohnungsbau, Privatsekkleinerer, jüngst privatisierter Unternehmen und der tor, Austausch, Handel und Investitionen sowie humazugehörigen Gemeinden aufgewendet werden.
nitäre Hilfe genutzt werden. Wir beraten zur Zeit noch
darüber, wie die 1,3 Milliarden Dollar genau verwendet
Damit dieses Programm an der Basis wirksam ist, mu ß werden. Wie ich bereits andeutete, werden unsere
es sorgfältig ausgerichtet, formuliert und überwacht Beratungen entscheidend von unseren Gesprächen
werden. Der Fonds sollte denjenigen Unternehmen mit Ihnen und Ihren Kollegen beeinflußt, sowohl im
und Gemeinden zugute kommen, die vielversprechend Hinblick auf die Einzelheiten des Pakets als auch auf
und der Sache wert erscheinen. Die Vereinigten die angemessenen Finanzierungsmechanismen.
Staaten schlugen in Tokio die Schaffung eines Durchführungs-Büros vor. Diesem Büro würde eine mit Obwohl ich aus diesem Grund das Paket nicht im
guten administrativen und Managementfähigkeiten einzelnen darlegen kann, möchte ich doch kurz auf die
ausgestattete Person vorstehen, die Rußlanderfah- Bereiche eingehen, auf die wir uns zu konzentrieren
rung besitzt und von einem kleinen Stab von Fachleu- beabsichtigen.
ten unterstützt wird. Dieses Büro wäre auch verantwortlich für die Zusammenarbeit mit den russischen In den Bereichen Energie und Umwelt würde ein
Reformern zur Beseit igu ng der bürokratischen Hinder- beträchtlicher Teil der Mittel dazu verwendet, die Sinisse bei der Durchführung des G-7-Programms sowie cherheit von Kernreaktoren zu verbessern. In Anbetracht von nahezu zwei Dutzend wassergekühlten
für die effektive Verwendung des Fonds.
Kernkraftwerken besteht eine dringende NotwendigIn Tokio teilten die Vereinigten Staaten der G-7 mit, keit für zusätzliche Hilfe bei der Modernisierung der
daß die Administration den Kongreß um 500 Millionen Sicherheitssysteme und dem Schutz vor möglicherDollar für den Privatisierungsfonds als "Sofortdarle- weise katastrophalen Unfällen.
hen" bitten würde, das durch Beiträge anderer Länder
in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar ergänzt würde sowie Wir hoffen ferner, unsere Bestrebungen zur Verbessedurch nahezu 2 Milliarden Dollar, die gemeinsam von rung derölproduktion und Instandsetzung von Öl- und
der Weltbank und der Europäischen Bank für Wieder- Erdgasleitungen beträchtlich zu erweitern, die eine
Umweltgefahr darstellen und kostbare Ressourcen
aufbau und Entwicklung aufgebracht werden.
verschwenden. Andere Industrien sind ebenfalls graSeite 4

AMERIKA DIENST 17

�vierende Verschmutzer und bedürfen dringend der
Unterstützung durch amerikanische Technologien.
In Vancouver hat Präsident Jelzin Wohnraum für zurückkehrende und demobilisierte Offiziere zur obersten Priorität erklärt. Es liegt sowohl in unserem als
auch in seinem Interesse, den Abzug der Truppen der
ehemaligen sowjetischen Streitkräfte aus den Nachbarländern, insbesondere dem Baltikum, fortzusetzen. Der Erfolg kontinuierlicher politischer Reformen
hängt teilweise davon ab, daß sich das Militär aus der
Politik heraushält und die Fortführung der demokratischen Umgestaltung gestattet.
Erweiterte amerikanische Unterstützung könnte den
Bau mehrerer tausend Wohneinheiten für zurückkehrende Offiziere finanzieren. Diese Initiative strebt die
Einbeziehung des amerikanischen Privatsektors sowie amerikanischer Privatorganisationen und Freiwilligenverbände beim Bau von Häusern und der Entwicklung der Baukapazität vor Ort an.
Es besteht ferner die Notwendigkeit zu erweiterten
Anstrengungen, um den russischen Bauern und Institutionen bei der Schaffung eines vom Markt geleiteten
Nahrungsmittel-Vertriebssystems behilflich zu sein.
Wenn mehr amerikanische Agrarunternehmen mit
russischen Partnern in Verbindung gebracht werden,
können Engpässe bei der Vermarktung behoben und
das Nachschubsystem effizienter gestartet werden.
Erweiterte Programme würden auf die stets wachsende Nachfrage nach Hilfe für Kleinunternehmen und
Unternehmer bei der Überwindung der enormen Hindernisse reagieren, die eine Kommandowirtschaft
hinterlassen hat.

amerikanische Unternehmen und Exportedirekt unterstützt werden, liegt der beiderseitige Nutzen auf der
Hand.
Dennoch müssen auch humanitäre Hilfsleistungen
fortgesetzt werden. Die Amerikaner haben stets großzügig auf einen medizinischen Notstand an jedem Ort
der Welt reagiert, und der Bedarf in Rußland ist akut.
Die kürzlich nach Rußland gereiste Kongreßdelegation, deren Teilnehmer einige von Ihnen waren, hat den
erschreckenden Mangel an Nachschub für Krankenhäuser gesehen. Ein Teil der von uns im Rahmen des
bilateralen Folgepakets geforderten Mittel würde für
die Lieferung von Impfstoffen und als Reaktion auf den
kritischen Mangel an Medikamenten, insbesondere für
Kinder, verwendet werden.
Auch in diesem Bereich sind wir jedoch von einem
Sprichwort geleitet: Gib einem Mann einen Fisch, und
du ernährst ihn einen Tag lang; lehre ihn zu fischen,
und du gibst ihm ein Leben lang Nahrung.
Wir hegen die Hoffnung, daß Rußland und die anderen
neuen unabhängigen Staaten sich mit der Zeit aus der
Abhängigkeit von ausländischen Geldgebern befreien. Aus diesem Grund wollen wirtechnische Hilfe zum
Aufbau der Kapazitäten vor Ort für die Produktion von
Basispharmaka bereitstellen, insbesondere in den
Gebieten außerhalb Moskaus.
Ich möchte nochmals wiederholen, daß ich den hier
von mir erwähnten Programmen absichtlich keine

detaillierten Dollarangaben beigefügt habe, weil wir
hoffen, in den kommenden Wochen kontinuierliche
Konsultationen mit den Mitgliedern dieses Ausschusses und anderen Kongreßabgeordneten zu führen,
Zusätzliche Mittel würden darüber hinaus für eine bevor wir endgültige Entscheidungen über die Bedrastische Erweiterung persönlicher Kontakte verwen- standteile der Zusatzanfrage treffen. Ich würde Ihre
det. Es gibt nichts besseres, als Ausbildung und Meinung zu den von mir als Prioritäten genannten
Erfahrungen aus erster Hand in den Vereinigten Staa- Bereichen sowie zu Programmen begrüßen, die wir
ten Menschen zugänglich zu machen, die ihr gesam- Ihrer Ansicht nach vergessen haben.
tes Leben unter einem System gelebt haben, das
kreative Initiativen und unabhängiges Denken entmu- Ich sollte hinzufügen, daß Botschafter Thomas Sitigt hat. Wir hegen die Hoffnung, daß Tausenden von mons in Kürze die Position als Koordinator unserer
Studenten, Lehrern und angehenden Unternehmern Hilfsprogramme für die neuen unabhängigen Staaten
die Chance zu Studien und Ausbildung in diesem Land übernehmen wird. Nachdem er mehrere Jahre Botgeboten werden könnte. Sie würden nicht nur Fakten schafter in Polen war, hat er sehr viel Erfahrung, den
und Know-how mitzurücknehmen, sondern die auf ehemaligen kommunistischen Ländern beim Übereine reale Erfahrung gegründete Anschauung zu einer gang zu Demokratie und Marktreformen behilflich zu
sein. Er weiß, was funktioniert und was nicht, und hat
erfolgreichen Demokratie und freien Märkten.
die Führungsstärke bewiesen, um zu gewährleisten,
Zur Erweiterung von bilateralem Handel und Investitio- daß die zahlreichen damit befaßten Behörden sich
nen beabsichtigt die Administration die Bereitstellung weiterhin auf die wesentlichen Ziele konzentrieren und
zusätzlicher Kredite und Bürgschaften durch die Ex- sich gegenseitig ergänzen. Ich erwarte, daß Botschafport-Import Bank und die Entwicklungsgesellschaft ter Simons eng mit den Mitgliedern dieses AusschusOPIC. Über den bereits ins Auge gefaßten Öl- und ses und deren Mitarbeitern bei der Gestaltung unseres
Erdgassektor hinaus könnten die EXIM Bank und Programms und der Erfüllung seiner Aufgaben zusamOPIC zusätzliche Mittel zur weiteren Finanzierung in menarbeiten wird.
Bereichen wie Förderung von Mineralien, Telekommunikation, Flugsicherheit und Konversion der Rüstungs- Botschafter Simons wird die amerikanischen Hilfsproindustrie verwenden. Da durch diese Programme gramme koordinieren, einschließlich der unter dem
Freedom Support Act finanzierten, das im vergangeAMERIKA DIENST 17

Seite 5

�nen Jahr verabschiedet wurde und auf das wir aufzubauen beabsichtigen. Wie Sie wissen, haben wir 704
Millionen Dollar für das Haushaltsjahr 1994 beantragt,
um viele der erfolgreichen Programme im Rahmen des
Freedom Support Act im nächsten Jahr fortzuführen.
Diese Mittel werden für dieselben Schlüsselbereiche
verwendet, die ich gerade umrissen habe.
Bevor ich mich Ihren Fragen stelle, möchte ich einen
letzten Punkt anschneiden. Vieles, das die Administration bisher getan hat - und vieles, das ich heute
morgen hier angesprochen habe - konzentrierte sich
auf Rußland. Angesichts der enormen Ausdehnung
des Landes, der Größenordnung der sich stellenden
Probleme und der Chancen, die es bietet, ist dies nur
angemessen. Die Bestrebungen dieser Administration richten sich jedoch auf Reformen in jedem der
neuen unabhängigen Staaten. Ein beträchtlicher Teil
der in Vancouver und Tokio bekanntgegebenen Zuschüsse und Kredite fließt in die anderen Länder. Eine
Reihe der in Tokio angekündigten multilateralen Programme, wie die neue IWF-Fazilität, kommt diesen
Ländern auf ihrem Weg zu Reformen zugute. Ein
maßgeblicher Anteil der Mittel aus dem Nunn-LugarFonds zur Zerlegung von Nuklearwaffen wird femer in
der Ukraine, Belarus und Kasachstan eingesetzt ebenso wie Mittel für Zerlegungsprogramme, die von der
G-7 bereitgestellt werden.
Die von uns für das Freedom Support Act im Haushaltsjahr 1994 beantragten Mittel werden anderen
Staaten als Rußland in der Hoffnung zufließen, daß

viele von ihnen dem Vorbild Rußlands bei Reformen
folgen.
Herr Vorsitzender, abschließend möchte ich darauf
verweisen, daß Sie und Ihre Kollegen, wenn Sie die
Einzelheiten unserer Politik prüfen, feststellen werden,
daß sie unsere Entschlossenheit zur Unterstützung
der Reformer in welchem Land auch immer widerspiegelt - sei es in Hauptstädten wie Moskau, Kiew oder
Bischkek, oder in den entlegendsten Gegenden dieser
Länder, gleichgültig, ob groß oder klein, ob im Kreml,
den Regionalregierungen oder Gemeinden, bis hin zur
Basis.
Wir haben uns ferner so weit irgend möglich auf den
Nichtregierungssektor konzentriert. Da wir versuchen, das Wachstum im Privatsektor der neuen unabhängigen Staaten zu fördern, ist es nur natürlich, daß
wir den amerikanischen Privatsektor einbeziehen. Dies
ist ein weiterer gemeinsamer Nenner der von uns
unterbreiteten Initiativen.
Herr Vorsitzender, wenn wir über das amerikanischrussische wirtschaftliche "Engagement" und die "Partnerschaft" statt von "Unterstützung" und "Hilfe" sprechen, wenn wir vom Aufbau einer "strategischen Partnerschaft mit den russischen Reformen" sprechen greifen wir nicht auf Euphemismen zurück. Wir bringen einen unseres Erachtens fundamentalen Aspekt
unserer Politik zum Ausdruck. Alle von mir heute
vorgelegten Programme zielen darauf ab, dem russischen Volk und unserem eigenen zu helfen.

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 17

�HANDEL
28. April 1993

USA UND EG LEGEN STREIT ÜBER
BESCHAFFUNGEN TEILWEISE BEI
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Während die Auseinandersetzung über staatliche Beschaffungen schwerer elektrischer
Güter gelöst werden konnte, vermochten die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft nicht, einen
parallelen Streit über Telekommunikationsausrüstung beizulegen. Die Vereinigten Staaten werden deshalb
begrenzte Vergeltungsmaßnahmen verhängen.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor erklärte am 21. April 1993 vor Reportern, die EG habe sich
bereiterklärt, die in ihrer Sektorenrichtlinie vorgesehene Diskriminierung bei elektrischem Gerät aus Nicht-EGStaaten aufzuheben. Damit werde amerikanischen Unternehmen ein Markt von 20 Milliarden Dollar geöffnet.
Im Gegenzug hätten die Vereinigten Staaten eingewilligt, die im staatlichen Beschaffungswesen bei elektrischem Gerät vorgesehene "Buy America"-Präferenz für die Tennessee Valley Authority und fünf, dem
Energieministerium unterstellte Energieversorgungsunternehmen aufzuheben.
Das Abkommen bedarf der Zustimmung des EG-Rats. Eine Zustimmung des Kongresses ist auf amerikanischer
Seite nicht erforderlich, erklärte Kantor.

Weil die EG es ablehnte, die Diskriminierung bei
Beschaffungen im Telekommunikationsbereich - einem weiteren Markt von 20 Milliarden Dollar - abzubauen, werden die Vereinigten Staaten einen Teil der
am 1. Februar 1993 angekündigten Sanktionen in Kraft
setzen, die bestimmte staatliche Ankäufe von EGWaren und -Dienstleistungen untersagen.

minierung im Beschaffungswesen wendet, angekündigten Sanktionen vollständig in Kraft setzen.

Der Handelsbeauftragte stellte fest, er sei zufrieden
mit dem Abkommen zu elektrischem Gerät und verwies später in einer Erklärung vor dem Kongreß ebenfalls am 21. April 1993 - darauf, die EG habe seit
einem Jahrzehnt keine Gasturbine und seit über vierzig
Jahren keine Dampfturbine mehr von amerikaniKantor hielt seine Pressekonferenz wenige Minuten
schen
Anbietern bezogen.
nach dem telephonischen Abschlu ß der Vereinbarung
mit dem EG-Handelskommissar Sir Leon Brittan in
Kantor gab darüber hinaus folgende weitere Teile des
Brüssel, nur einen Tag, nachdem sich die beiden
Abkommens zwischen den USA und der EG bekannt:
Männer in Washington getroffen hatten, ohne ein
Abkommen zu erzielen.
Fortsetzung der Verhandlungen über den Telekommunikationsstreit.
Kantor war nicht in der Lage, den wertmäßigen Umfang der Sanktionen im Telekommunikationsbereich
Erweiterung des Beschaffungskodex des Allgeanzugeben, die nicht verhängt werden, bis der EG-Rat
meinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT)
handelt.
um Dienstleistungen und bisher nicht erfaßte
Waren.
"Ich hoffe und vertraue darauf und bin zuversichtlich,
daß der EG-Rat ... rasch handelt", erklärte Kantor.
Gemeinsame Förderung einer unabhängigen
Wenn sich der Rat weigert, das Abkommen zu ratifizieUntersuchung der Chancen im Beschaffungsren, werdendieVereinigtenStaaten Kantorzufolgedie
wesen, die sich aus einer Erweiterung des GATTim Februar im Rahmen einer Bestimmung von Titel VII
Kodex ergeben würden.
des Handelsgesetzes von 1988, der sich gegen Diskri-

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�Bestrebungen, staatliche Ebenen unterhalb der von 20 Milliarden Dollar in der EG geöffnet. Zusätzlich
Bundesebene in den GATT-Kodex einzubezie- haben sich beide Seiten darauf verständigt, die Behen.
handlung im Rahmen des GATT-Kodex für staatliche
Beschaffungen auf Beschaffungen von DienstleistunKantor verlieh der Hoffnung Ausdruck, das Abkommen gen und bisher nicht erfaßte Waren auf Bundesebene
werde die Aussichten bei den anderen Handelsproble- auszudehnen.
men zwischen der EG und den USA verbessern,
insbesondere im Hinblick auf den fristgemäßen Ab- Beide Seiten haben darüber hinaus verabredet, weischluß der seit langem auf der Stelle tretenden Uru- terhin über die anderen ungelösten Beschaffungsfraguay-Runde multilateraler Handelsgespräche bis zum gen zu verhandeln, unter anderem im Telekommuni15. Dezember.
kationsbereich. Unser Ziel ist nach wie vor ein wesentlich erweitertes und ausgewogenes Abkommen im
"Dies ist eine sehr wichtige, Schwungkraft verleihende Rahmen des GATT-Beschaffungskodex. Zu diesem
Maßnahme beider Seiten", äußerte er.
Zweck haben sich die beiden Seiten verständigt,
gemeinsam eine unabhängige Studie über die ChanNachfolgend veröffentlichen wir die vom Büro des
cen im Beschaffungsbereich zu fördern, die sich aufUS-Handelsbeauftragten am 21. April 1993 vergrund ihrer bisher vorgelegten Vorschläge ergeben
breitete Erklärung Kantors im Wortlaut:
würden. In der Zwischenzeit werden beide Seiten auf
Gestern habe ich zwei Tage intensiver Gespräche mit allen Regierungsebenen Konsultationen aufnehmen,
Kommissar Leon Brittan über ein breites Spektrum um die Möglichkeit eines ausgewogenen Pakets der
multilateraler und bilateraler Themen abgeschlossen. Beteiligung unterhalb der Bundesebene am Schlu ßabkommen über den GATT-Kodex zu sondieren.
Ich möchte die Ergebnisse kurz skizzieren.
Ich freue mich bekanntgeben zu können, daß die
Vereinigten Staaten und die EG eine Vereinbarung
über staatliche Beschaffungen erzielt haben. Dieser
Übereinkunft zufolge wird die EG die Diskriminierung
amerikanischer Anbieter von schwerem elektrischem
Gerät einstellen. Die Vereinigten Staaten werden die
"Buy America"-Präferenzen für die Tennessee Valley
Authority und die fünf im Besitz des Energieministeriums befindlichen bundesweiten Stromversorger aufheben. Dies wird für beide Seiten in diesem Sektor
einen offenen Beschaffungsmarkt zur Folge haben.
Amerikanischen Unternehmen wird damit ein Markt

*

Seite 2

*

Da die EG jedoch nicht bereit war, ihre bestehende
Diskriminierung bei Telekommunikationsgerät aufzuheben, werden die Vereinigten Staaten als Reaktion
auf diese Diskriminierung Sanktionen unter Titel VII in
Kraft setzen. Die bereits angekündigten Sanktionen
unter Titel VII werden reduziert, um der verbleibenden
Diskriminierung zu entsprechen.
Dieses Abkommen bedarf der Ratifizierung durch den
EG-Ministerrat. Bei Nichtratifizierung ist keine Seite
an seine Bestimmungen gebunden.

** i

AMERIKA DIENST 17

�WACO
28. April 1993

CLINTON BEZEICHNET WACO-SEKTENFÜHRER ALS
"GEFÄHRLICHEN WAHNSINNIGEN"
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer am 20. April 1993 abgegebenen Erklärung bezeichnete Präsident Clinton den
Sektenführer David Koresh als "gefährlich, irrational und wahrscheinlich wahnsinnig".
Der Präsident, der auf den Anstieg von Fanatismus weltweit verwies, ordnete ein Ermittlungsverfahren über die
51tägige Belagerung der Festung der Davidianersekte in der Nähe von Waco (Texas) an mit der Begründung,
er müsse wissen, ob Fragen offen oder Fakten von den Strafverfolgungsbeamten unberücksichtigt geblieben
seien.
Clinton wies jedoch die gesamte Schuld am Tod von über 80 Männern, Frauen und Kindern am 19. April
uneingeschränkt Koresh zu. Der selbsternannte Messias habe dem Präsidenten zufolge "diejenigen getötet, die
er kontrollierte, und er trägt letztlich die Verantwortung für das Blutbad... (Seine) Antwort war, sich selbst zu
vernichten und die von ihm gefangengehaltenen Kinder zu ermorden...".
Nachfolgend bringen wir die vom Weißen Haus veröffentlichte Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

An diesem Wochenende wurde ich von Justizministerin Reno über eine vom FBI vorbereitete Operation
informiert, die darauf abzielte, den Druck auf Koresh zu
verstärken und die auf dem Gelände Verbliebenen zu
überzeugen, sich friedlich zu ergeben. Der Plan enthielt die Entscheidung, vom Einsatz von Munition
selbst angesichts einer Eröffnung des Feuers Abstand
zu nehmen und statt dessen Tränengas einzusetzen,
das keine dauerhaften Gesundheitsschäden verurDas FBI unternahm daraufhin alle erdenklichen An- sacht, sondern - wie man hoffte - die Menschen auf
strengungen, um die gefährliche Situation ohne Blut- dem Gelände zwingen würde, herauszukommen und
vergießen und weitere Verluste an Menschenleben zu sich zu ergeben.
beenden. Die Bestrebungen des FBI waren letztlich
zum Scheitern verurteilt, weil die Person, mit der sie Ich wurde von dem Plan zur Beendigung der Belagesich befassen mußten, David Koresh, gefährlich, irra- rung in Kenntnis gesetzt. Ich habe ihn mit Justizministerin Reno erörtert. Ich habe die Fragen gestellt, die
tional und wahrscheinlich wahnsinnig war.
mir angemessen erschienen. Ich habe ihr dann geEr engagierte sich für zahlreiche Aktivitäten, die so- sagt, sie solle tun, was sie für richtig erachtet, und ich
wohl die Bundesgesetze als auch die gültigen Regeln übernehme die volle Verantwortung fürdie Umsetzung
des Anstands verletzten. Darüber hinaus war er der Entscheidung.
verantwortlich für die Todesfälle und Verletzungen, die
sich im Verlauf der Aktion gegen das Gelände im Die gestrige Aktion endete in einer schrecklichen
Februar ereigneten. Angesichts seines Hangs zu menschlichen Tragödie. Koreshs Antwort auf die
Gewalt und in dem Bestreben, seine jungen Geiseln zu Forderung der Bundespolizei, sich zu ergeben, war,
schützen, wurden über sieben Wochen lang keine sich selbst zu vernichten und die von ihm gefangengeprovokativen Aktionen von der Bundespolizei gegen haltenen Kinder zu ermorden sowie auch all die anderen Menschen auf dem Gelände, die nicht überlebt
das Gelände eingeleitet.
Am 28. Februar 1993 wurden vier Bundespolizisten in
Erfüllung ihrer Pflicht bei dem Versuch getötet, dem
Gesetz auf dem Gelände der David ianersekte Geltung
zu verschaffen, die illegal Waffen und Munition gelagert und das Leben unschuldiger Kinder aufs Spiel
gesetzt hatte. Weil die Operation des Büros für
Alkohol, Tabak und Feuerwaffen ihr Ziel verfehlt hatte,
folgte eine 51tägige Belagerung.

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�haben. Er hat diejenigen getötet, die er kontrollierte,
und erträgt letztlich die Verantwortung fürdas Blutbad.

nen Dank aussprechen, die unter äußerst schwierigen
Umständen ihr Bestes geleistet haben.

Wir müssen die Vergangenheit mit Blick auf die Zukunft überprüfen. Ich habe das Justiz- und Finanzministeriumangewiesen, eine energische und gründliche
Untersuchung durchzuführen, um aufzudecken, was
geschehen ist und warum, und ob irgend etwas hätte
anders gemacht werden können. Ich habe die Ministerien gebeten, die Ermittlungen unabhängigen, professionellen Strafverfolgungsbeamten zu übertragen. Ich
erwarte die Auswertungen und Antworten binnen der
Zeit, die zum Abschluß der Überprüfung erforderlich
ist. Schließlich habe ich die Ministerien angewiesen,
alle Fragen des Kongresses eingehend zu beantworten, damit wir dem amerikanischen Volk gegenüber
weiterhin volle Rechenschaft ablegen können.

Ich möchte nochmals wiederholen, was ich gestern
gesagt habe - ich bin außerordentlich traurig über den
Verlust an Menschenleben, der sich zu Beginn und am
Ende dieser Tragödie in Waco zugetragen hat. Ich
hoffe sehr, daß diejenigen, die versucht sind, sich
Sekten anzuschließen und sich für Menschen wie
David Koresh zu engagieren, von den schrecklichen
Szenen abgeschreckt werden, die sie in den vergangenen sieben Wochen gesehen haben. Und ich hoffe
sehr, daß die schwierigen Situationen, mit denen sich
die Bundespolizei dort konfrontiert sah und mit denen
sie sich zweifelsohne in Zukunft unter anderen Umständen wieder konfrontiert sehen wird, aufgrund des
gerade Gelernten etwas besser gehandhabt und besser verstanden werden.

Ich möchte der Justizministerin, dem Justizministerium und den Bundespolizisten an der Frontlinie mei-

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 17

�INNENPOLITIK
28. April 1993

FÜNF AKTUELLE THEMEN DER
AMERIKANISCHEN POLITIK
von Robert E. Mutch
Zu BeginnderClinton-Administration spalten fünf Themen -Schwangerschaftsabbruch, Homosexualität unddas
Militär, Verschärfung der Waffengesetze, Gesundheitswesen und das öffentliche Bildungswesen - die amerikanischen Bürger, und bis jetzt ist noch kein Konsens absehbar. Der Verfasser des vorliegenden Artikels überprüft
die Position beider Seiten. Robert E. Mutch ist Autor von Campaigns, Congress and Courts: The Making
of Federal Campaign Finance Law (New York: Praeger, 1988) und verschiedener Artikel über amerikanische
Politik und Geschichte.

Politik befaßt sich damit, einen Konsens über die Ziele
der Nation zu erzielen und nach Mitteln und Wegen zu
suchen, um sie zu verwirklichen. Aber nur bei wenigen
Fragen ist ein Konsens von Dauer. Sozialer, technologischer und wirtschaftlicher Wandel kann nationale
Übereinstimmung über eine bestimmte Frage schwächen und eine neue Konsensfindung oderdie Stärkung
des bestehenden Konsenses erforderlich machen.
Der vorliegende Artikel befaßt sich mit fünf Themen Schwangerschaftsabbruch, Homosexualität und das
Militär, Verschärfung der Waffengesetze, Gesundheitswesen und das öffentliche Bildungswesen -, bei
denen die Amerikaner den Konsens überprüfen, der
einst bestand oder zumindest nicht öffentlich in Frage
gestellt wurde.

halten diesen an sich für etwas Gutes. Bestenfalls
stellt er ein notwendiges Übel dar. Aber notwendig
wofür? Bis in die siebziger Jahre war der Schwangerschaftsabbruch in den meisten Verwaltungsbezirken
der Vereinigten Staaten verboten. Die typische Ausnahme war, wenn das Leben oder die Gesundheit der
Mutter gefährdet, die Schwangerschaft Folge von
Vergewaltigung oder Inzest oder der Fötus mißgebildet oder wahrscheinlich geistig behindert war. Diese
Gründe werden von der großen Mehrheit des Volkes
als ausreichend für einen Abbruch der Schwangerschaft angesehen, und selbst engagierte Abtreibungsgegner haben einen oder mehrere dieser Gründe
akzeptiert.

Die große Mehrheit der Frauen, die eine Schwangerschaft abbrechen, tun dies jedoch aus anderen Gründen. Für ungefähr zwei Drittel ist das Motiv für den
Schwangerschaftsabbruch ist eine moralische Frage Schwangerschaftsabbruch die Tatsache, daß sie sich
mit politischen und rechtlichen Implikationen. Die kein Kind leisten können. Nahezu alle Teenager, die
Frage nach der Moral konzentriert sich auf den Fötus: einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen,
Ist er eine Person? Hat er eine Seele? Für die meisten tun dies entweder aus diesem Grund oder weil sie sich
Menschen weltweit bedeutet eine bejahende Antwort noch nicht reif fürdie Mutterschaft fühlen. Nur rund die
auf diese Fragen, daß ein Schwangerschaftsabbruch Hälfte der Bevölkerung erachtet Armut als triftigen
nur in außergewöhnlichen Fällen vorgenommen wer- Grund für einen Schwangerschaftsabbruch, und sogar
den sollte. Wenn der Fötus ebenso eine Person ist wie noch weniger halten den Wunsch für gerechtfertigt,
jeder Mensch außerhalb des Mutterleibs, dann betrifft keine oder nicht noch mehr Kinder zu haben. Die
sein Wohlergehen auch die Gemeinschaft und nicht meisten Schwangerschaftsabbrüche werden folglich
nur seine Mutter. Hier kommen Politik und Recht ins aus Gründen vorgenommen, über die die Amerikaner
Spiel, da Gemeinschaften ihrer Besorgnis in der Ge- entschieden geteilter Meinung sind.
setzgebung Ausdruck verleihen, die die Gerichte dann
auslegen müssen.
Das zentrale Ereignis beim Thema Schwangerschaftsabbruch war 1973 der Fall Roe ./. Wade vor dem
Niemand, noch nicht einmal die vehementesten Ver- Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. Das
fechter des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch, Gericht hatte zunächst entschieden, daß die VerfasSchwangerschaftsabbruch

AMERIKA DIENST 17

Seite 1

�sung die Privatsphäre des amerikanischen Bürgers
schützt; im Fall Roe stellte es fest, daß sich dieser
Schutz auch auf die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch erstreckt. In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten, in denen 90 Prozent aller Abtreibungen vorgenommen werden, ist das Recht der Frau
auf diese Entscheidung praktisch uneingeschränkt.
Ab dem sechsten Monat jedoch, wenn der Fötus
außerhalb des Mutterleibs überleben kann, erhält er
eigene Rechte, und der Staat könnte diese Rechte
schützen, sogar bis hin zu einem Verbot des Schwangerschaftsabbruchs.

konservative Bewegung in den achtziger Jahren zu der
Wahl der Präsidenten Reagan und Bush führte, schuf
sie keine Mehrheit von Gegnern eines Schwangerschaftsabbruchs oder eine Mehrheit im Obersten
Gerichtshof, die gewillt wäre, Roe aufzuheben. Das
Gericht modifizierte Roe kürzlich, indem es den Bundesstaaten gestattete, die Bedingungen für Schwangerschaftsabbruch zu erschweren. Indem es jedoch
das Recht auf Schwangerschaftsabbruch aufrechterhielt, verlagerte es den Schauplatz für die nächste
Stufe der Schlacht vom Gericht auf die Legislative.
Eine weitere Möglichkeit ist, daß der neue, 1992
gewählte Kongreß die nationalen Gesetze über SchwanRoe J. Wade war der Höhepunkt einer nationalen gerschaftsabbruch verabschiedet, die der neugewählBewegung zur Aufhebung des generellen Verbots des te Befürworter des Rechts auf SchwangerschaftsabSchwangerschaftsabbruchs, das die meisten Bundes- bruch, Präsident Clinton, unterzeichnen wird. Die
staaten im 19. Jahrhundert verfügt hatten. Der Fall größte Hoffnung ist, daß die Frage so gelöst wird, wie
löste auch eine nationale Bewegung zur Wiederher- das mit strittigen Angelegenheiten in einer Demokratie
stellung dieses Verbots aus, was der Beginn erbitterter üblich ist - durch einen parlamentarischen Kompropolitischer Schlachten zwischen Gegnern und Befür- miß.
wortern des Schwangerschaftsabbruchs war, die
während der letzten 20 Jahre wüteten.
Homosexuelle im Militär

Der Fall Roetrug auszwei Gründen eher zur Verschärfung als zur Beendigung der Kontroverse bei. Erstens:
Indem es einen Schwangerschaftabbruch während
der ersten drei Monate aus jedem Grund zuließ und
eine Einmischung des Staates verbot, ließ das Gericht
wenig Rücksichtnahme auf die tiefe Spaltung der
öffentlichen Meinung in dieser Angelegenheit erkennen. Wenn die extremistischen Gegner der Abtreibung wegen ihres offensichtlichen Wunsches, anderen ihre persönlichen und religiösen Überzeugungen
aufzuzwingen, Anstoß ebenfalls, dann tun das die extremistischen Befürworter, da ihrer Ansicht nach anscheinend ein Schwangerschaftsabbruch nicht mehr
moralische Bedeutung hat als jeder andere gewählte
chirurgische Eingriff. Viele Amerikaner vertreten die
Auffassung, daß das Gericht der letztgenannten Ansicht unangenehm nahe kam.
Der zweite Grund ist die Überzeugung vieler Menschen, daß in einer Demokratie die gewählten Vertreter der Legislative die politischen Entscheidungen treffen
sollten und nicht die ernannten Richter. Selbst viele
Befürworter eines Schwangerschaftsabbruchs, die
persönlich mit der Entscheidung im Fall Roe übereinstimmen, sind auch mit den Kritikern einer Meinung,
die behaupten, das Gericht habe bei dieser Entscheidung seine Befugnisse überschritten. Auch auf diesem Gebiet gibt es jedoch eine Debatte, da von
manchen das Argument vertreten wird, ein Schwangerschaftsabbruch sollte nicht einfach als Politik, sondern
als fundamentales Recht behandelt werden. Als solches sollten die Gerichte es auch vor vergänglichen
Wählermehrheiten schützen, genauso wie sie die Redeund die Pressefreiheit schützen.
Dennoch ist es möglich, daß das Thema Schwangerschaftsabbruch die Nation in Zukunft weniger spalten
wird. Obwohl die von Roe ins Rollen gebrachte
Seite 2

Mehrere politische Analysten prognostizieren, daß
Homosexualität den Schwangerschaftsabbruch als
"heißes Thema" der neunziger Jahre ersetzen wird.
Zumindest zeitweise, während der ersten Wochen der
Clinton-Administration, ist das bereits geschehen. Die
Angelegenheit wird noch offensichtlicher durch die
Debatte darüber, ob Homosexuelle oder umgangssprachlich "Schwule" den Streitkräften der Vereinigten
Staaten angehören dürfen.
Bis heute durften diejenigen, die ihre Homosexualität
offen zugeben, nicht Mitglied der Streitkräfte werden,
und Militärs, deren homosexuelle Neigung entdeckt
wurde, wurden entlassen. Im Januar 1993 entschied
jedoch ein Bundesrichter in Kalifornien, daß eine solche Politik verfassungswidrig ist. In einem Fall, indem
es um einen Matrosen ging, der nach Bekanntgabe
seiner homosexuellen Neigung im staatlichen Fernsehen aus dem Dienst entlassen wurde, verfügte der
Richter, daß das Militär Homosexuelle nicht entlassen
oder die Rekrutierung nicht verwehren darf, "wenn
diese kein sexuelles Verhalten zeigen, das der militärischen Aufgabe widerspricht", und ordnete die Wiedereinstellung des Matrosen an.
Dies war die erste erfolgreiche Herausforderung einer
Politik, die zumindest seit dem Zweiten Weltkrieg in
Kraft war, eines Verbots, das als Thema in den Vordergrund gerückt ist, seit Präsident Clinton in seinem
Präsidentschaftswahlkampf 1992 dessen Aufhebung
versprach. In den ersten Wochen seiner Administration im Januar 1993 unternahm er erste Schritte in
dieser Richtung - indem er einen vorläufigen Kompromiß mit Militär und Kongreß zur Verwirklichung seines
Zieles innerhalb von sechs Monaten ausarbeitete. Die
Debatte ist jedoch noch nicht beendet. Das Thema
verspricht sogar, in den ersten sechs Monaten des
Jahres 1993 mit der Inkraftsetzung einzelner Elemente des Kompromisses noch an Brisanz zu gewinnen.
AMERIKA DIENST 17

�Das Argument gegen die Zulassung von Homosexuellen zum Dienst in den Streitkräften lautet, ihre Präsenz
in Kampfeinheiten werde Spannungen verursachen,
die den für eine effektive Kampftruppe erforderlichen
Gruppenzusammenhalt schwächen würden. Die Gegner
der Politik halten dem entgegen, daß die vielen Homosexuellen, die im Lauf der amerikanischen Militärgeschichte ehrenvoll gedient haben, das Argument gegen die Homosexuellen entkräftet hätten. Dagegen
wird angeführt, daß diejenigen, die ehrenvoll dienten,
die Moral nicht untergraben hätten, weil sie ihre sexuelle Präferenz verheimlichten und damit verhinderten,
daß sie zu einem Problem wurde.

Die Gegner verschärfter Waffengesetze betrachten
den Waffenbesitz als allen Bürgern garantiertes Grundrecht. Sie verweisen auf den zweiten Zusatz zur
Amerikanischen Verfassung, der "das Recht des Volkes, Waffen zu besitzen und zu tragen" schützt. Die
Amerikaner haben dieser Argumentation zufolge ihre
Rechte mit Waffen errungen und benötigen Waffen
auch weiterhin, um diese Rechte zu verteidigen.

Die Befürworter verschärfter Waffengesetze erwidern,
der verfassungsmäßige Schutz sei an die Tatsache
gebunden, daß der Verfassung zufolge "eine gut ausgebildete Miliz für die Sicherheit eines freien Staates
erforderlich ist". Sie behaupten, der Zusatzartikel
Gruppen, die die Interessen von Homosexuellen ver- müsse im Kontext der im 18. Jahrhundert herrschentreten, kritisieren, die Politik des Pentagon unterschei- den Bevorzugung lokaler Milizen gegenüber zentralide sich nicht von der Ablehnung der Rassenintegration sierten stehenden Heeren gesehen werden und nicht
in den Streitkräften in den vierziger Jahren. Der als Freibrief für den einzelnen, Waffen zu tragen.
Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs, General Colin Feuerwaffen, so erklären die Befürworter von EinPowell, selbst ein Schwarzer, hält diese Ansicht für schränkungen, sind lediglich Konsumgüter - wenn
falsch. Die Hautfarbe, so argumentiert er, sei ein auch gefährliche. Ihr Verkauf und ihre Benutzung
physisches Attribut ohne Auswirkungen auf das Ver- sollten zumindest ebenso sorgfältig geregelt werden
haften, während die sexuelle Orientierung eines der wie Verkauf und Benutzung von Automobilen.
grundlegendsten Verhaltensmerkmale des Menschen
darstelle. Aus diesem Grund, so behauptet die militä- Der Kongreß verabschiedete die ersten Bundesgesetrische Führung, sind Frauen immer noch nicht zu ze über Feuerwaffen in den zwanziger Jahren als
Kampfeinheiten zugelassen und werden in getrennten Reaktion auf die Welle der Bandenkriege in jenem
Jahrzehnt. Nach der Ermordung von Martin Luther
Unterkünften untergebracht.
King und Senator Robert Kennedy untersagte der
Ein weiterer Punkt, der gegen ein Verbot angeführt Kongreß 1968 den Verkauf von Feuerwaffen über die
werden kann, ist die Tatsache, daß die meisten Ver- Grenzen von Bundesstaaten hinweg und verhängte
bündeten der Vereinigten Staaten Homosexuelle in strenge Registrierungsauflagen für Waffenhändler. Die
ihren Streitkräften akzeptieren. Zu den Beispielen Vereinigungen der Waffenbesitzer begannen umgegehören Österreich, Italien, Norwegen, Dänemark, hend, eine Machtposition aufzubauen, um das Gesetz
Israel und die Niederlande, deren Streitkräfte Homo- zu Fall zu bringen. Diese Bemühungen wurden 1986
sexuelle nicht diskriminieren. Kanada hat angesichts von Erfolg gekrönt, als die Nationale Vereinigung der
einer gerichtlichen Klage einer lesbischen Luftwaffen- Schußwaffenbesitzer (National Rifle Association - NRA)
offizierin kürzlich sein Verbot aufgehoben. Großbri- und ihre parlamentarischen Verbündeten das Gesetz
tannien hält Homosexuelle nach wie vor aus seinen von 1968 verwässerten, indem das Verbot des VerStreitkräften fem. Und Länder ohne ausdrückliches kaufs von Gewehren über Bundesstaatsgrenzen aufVerbot - wie Frankreich, Deutschland und Japan - gehoben und die Vorschriften über die Registrierung
haben wenige eingestandene Homosexuelle in ihren gemildert wurden.
Streitkräften. Befürworter des Verbots erklären,
Homosexuelle dienten in diesen Ländern ohne beson- 1991 besaß nahezu die Hälfte aller Amerikaner eine
dere Vorkommnisse, weil sie ihre sexuelle Orientie- Schußwaffe. Waffen sind in einigen Teilen der Vereirung verheimlichen, nicht weil diese akzeptiert wird. nigten Staaten, besonders im Süden und generell in
Kritiker behaupten, daß, auch wenn nirgendwo perfek- ländlichen Gebieten Teil der Kultur und Tradition. Für
te Toleranz existiert, andere Länder zumindest die viele Jugendliche gehört das erste Gewehr ebenso zu
ersten Schritte auf einem Weg unternommen haben, den Initiationsriten wie der Führerschein. In der Kultur
den schließlich auch die Vereinigten Staaten gehen der nordöstlichen Vereinigten Staaten und des städtischen Amerika spielen Schußwaffen eine untergeordwerden.
nete Rolle, aber diese Gebiete werden besonders von
krimineller Gewalt heimgesucht, was die Bemühungen
Waffengesetze
zur Beschränkung des Waffenbesitzes anspornt.
Feuerwaffen haben in der amerikanischen Geschichte Meinungsumfragen zufolge unterstützen jedoch die
eine größere Rolle gespielt als in der Geschichte meisten Amerikaner - darunter auch die Waffenbesitasiatischer oder europäischer Länder. Der Pionier, der zer - schärfere und nicht mildere Waffengesetze.
den Zug der Siedler nach Westen anführte und der
freiwillige Milizionär, der im Revolutionskrieg kämpfte, In bestimmter Hinsicht ähnelt das Problem der Waffensind immer noch beherrschende Gestalten im ameri- gesetze dem Problem des Schwangerschaftsabbruchs,
kanischen Bewußtsein.
da beides äu ßerst u mst rittene Themen sind, bei denen
AMERIKA DIENST 17

Seite 3

�sich die meisten Menschen überdies nicht im Einklang
mit den gültigen Gesetzen befinden. Die NRA, die
hauptsächlich für dieses Gesetz verantwortlich ist,
lehnt selbst solche Maßnahmen wie Wartezeiten beim
Erwerb von Handfeuerwaffen ab, die von großen
Mehrheiten der Bevölkerung befürwortet werden. Was
bei der Formulierung von Gesetzen letztlich zählt ist
politische Macht. In dieser Hinsicht unterscheidet sich
das Thema grundlegend von der Abtreibungsdebatte.
Die NRA ist mächtiger als ihre Gegner, weil sie eine
natürliche Basis hat - die Waffenbesitzer des Landes.
Die Hälfte der Bevölkerung, die keine Waffen besitzt,
ist nur negativ definiert - eine schlechte Basis für die
Organisierung. Bis sich dies ändert, wird die NRA im
Kongreß und in den Parlamenten der Bundesstaaten
wahrscheinlich die Oberhand behalten.

temehmen und Einzelpersonen teurer und der Beitritt
schwieriger, und die Zahl der Personen mit unzureichendem oder überhaupt keinem Versicherungsschutz
nahm zu.

Die Einführung von Medicare und Medicaid in den
sechziger Jahren löste vorübergehend viele dieser
Probleme, da sie der US-Regierung die Deckung für
die Älteren und Einkommensschwachen bot, die nicht
kostendeckend versichert werden konnten. Aufgrund
steigender medizinischer Kosten und geringerer staatlicher Unterstützung der beiden Programme in den
achtziger Jahren war dies jedoch nur eine vorübergehende Lösung. Die wachsende Kluft zwischen dem
von der Regierung für medizinische Leistungen gezahlten und dem von Ärzten und Krankenhäusern
berechneten Beitrag veranlaßte die Krankenhäuser,
diese Lücke durch Erhöhung der Kosten für die PrivatKrankenversicherung
versicherten zu schließen. Diese Kostenveriagerung
Das prägende Merkmal des amerikanischen Kranken- veranlaßte wiederum die Versicherungsgesellschafversicherungssystems ist die beherrschende Stellung ten zur Erhöhung ihrer Beiträge und zur Verweigerung
privater Unternehmen bei der Finanzierung medizini- der Aufnahme weiterer Antragsteller.
scher Leistungen: über 600 Firmen bieten Krankenversicherungen an. Die Vereinigten Staaten weisen Während der Kongreß mit konkurrierenden Reformjedoch einen höheren Prozentsatz an Nichtversicher- plänen kämpft, haben einige Staaten bereits angefanten auf als jeder andere Industriestaat. Trotz der gen zu handeln. Hawaii fordert von allen Arbeitgebern
Konkurrenz zwischen diesen Hunderten von Versiche- den Abschluß einer Versicherung für Vollzeitbeschäfrern zahlen Amerikaner für medizinische Leistungen tigte und hat einen staatlichen Fonds eingerichtet, der
weit mehr als die Bürger anderer Industriestaaten. Arbeitslose und Teilzeitbeschäftigte abdeckt. Nur
Unzureichende Deckung sowie hohe Kosten sind die zwei Versicherungsgesellschaften, ein Unternehmen
beiden Ursachen der Krise im amerikanischen Ge- des Blue Cross und eine große Health Maintenance
sundheitswesen, dessen Reform nach Ansicht der Organization (HMO) versichern 70 Prozent der Bemeisten Amerikaner dringend erforderlich ist.
völkerung dieses Bundesstaates. Ihr enormer Marktanteil gestattet ihnen die Aushandlung der Kosten mit
Von den dreißiger bis in die sechziger Jahre waren die Krankenhäusern und sogar die Aufstellung eines Budgets
gemeinnützigen Gesellschaften Blue Cross und Blue vorzuschreiben (Krankenhäuser müssen beispielsweiShield, die jeden in einer Gemeinde aufnahmen und se den Bedarf für neues Gerät oder mehr Betten vor
von jedem den gleichen Beitragssatz kassierten, die dem Kauf belegen). Die Versicherer haben ferner die
dominierenden Versicherer. Durch die Einbeziehung Gebührenerhöhungen für Ärzte begrenzt, die weniger
von Jungen und Alten, Kranken und Gesunden, verteil- Geld als ihre Kollegen auf dem amerikanischen Festten sie ihr Risiko und machten trotzdem noch Gewinn. land verdienen.
Als Großversicherer befanden sie sich auch in der
Position, die Kosten mit den Krankenhäusern auszu- Die Stadt Rochester im Bundesstaat New York hat
handeln.
kürzlich ein ähnliches System eingeführt. Vermont,
Minnesota und Florida haben Behörden zur KostenIn den sechziger Jahren begannen kommerzielle dämpfung im Gesundheitswesen geschaffen, und
Versicherungsgesellschaften, bei den beiden gemein- Oregon hat ein System der erweiterten Deckung erarnützigen Unternehmen die Creme der Policeninhaber beitet, das rationierte Behandlung für Medicaid Paabzuschöpfen, indem sie den gesündesten (oder risi- tienten beinhaltet. Das einzige System, das noch nicht
koärmsten) Kunden großzügige Leistungen zu niedri- erprobt wurde, ist das - in den Vereinigten Staaten als
gen Beitragssätzen anboten. Als ihre besten Kunden das kanadische bekannte - System eines alleinigen
austraten, um billigere Versicherungen abzuschlie- Zahlers, bei dem die Regierung der alleinige Versicheßen, mußten die Blues zur Deckung der Kosten für die rer ist. Einige Reformer sehen dies als die beste
verbliebenen Versicherten mit höherem Risiko ihre Lösung der Krise im amerikanischen GesundheitsweBeitragssätze erhöhen, wodurch noch mehr Leute sen an, aber die Versicherer, Leistungserbringer und
abgeschreckt wurden. Sie verloren ferner auch die Großunternehmen verwerfen es als sozialistisch.
Marktdominanz, die ihnen die Aushandlung niedrigerer Kosten für medizinische Leistungen gestattet hat- Ein zunehmend populär werdender Plan wird als
te. Als private Versicherungsunternehmen Profite "gelenkte Behandlung" oder "gelenkter Wettbewerb"
durch Minimierung statt Verteilung des Risikos an- bezeichnet. Dieser Gedanke besteht seit Jahren in
strebten, wurde die Krankenversicherung für Kleinun- Form der HMOs, die Versicherer, Leistungserbringer
Seite4

AMERIKA DIENST 17

�und Patienten in einem System mit festgelegten Kosten verbinden. Bei einigen dieser Pläne arbeiten
Ärzte mit einem festen Gehalt in von den HMOs
betriebenen Kliniken, andere handeln jedoch ihr Honorar mit unabhängigen Einrichtungen aus. Das Konzept
der gelenkten Behandlung hat in jüngster Zeit so breite
Unterstützung erhalten, daß einige Beobachter erklären, der Begriff sei bis zur Unkenntlichkeit gedehnt
worden und verdecke jetzt nur tieferliegende Meinungsverschiedenheiten. Ein weiterer Ansatz ist die
"globale Budgetierung", die eine jährliche Obergrenze
für die Aufwendungen im Gesundheitswesen eines
Verwaltungsbezirks festlegt. Dies ist bei Ärzten und
Kliniken unbeliebt. Das Problem bei all diesen Ansätzen ist, daß die mehrheitliche Unterstützung der Reformen sich im allgemeinen nicht leicht in die mehrheitliche Unterstützung eines bestimmten Plans umsetzen
läßt.

Auf der Logik dieses Modells des Marktwettbewerbs
aufbauend, hat eine Gruppe von Investoren, darunter
der Mediengigant Time-Wamer, das Edison-Projekt
ins Leben gerufen, das private, gewinnorientierte Schulen
zu bauen beabsichtigt. Den Projektleitern zufolge
können sie den Eltern denselben Betrag berechnen,
den öffentliche Schulen heute ausgeben und durch
effektives Management und den Einsatz computergestützter Lehrmethoden zur Reduzierung der erforderlichen Anzahl von Lehrkräften immer noch einen Gewinn
erzielen.

Die Basisbewegung ist schwerer zu kategorisieren,
weil sie nicht durch eine gemeinsame Ideologie vereint
ist. In der Tat ist sie ein so uneinheitliches Phänomen,
daß sie kaum als Bewegung bezeichnet werden kann.
Praktisch alle Beteiligten widmen Mathematik und
Naturwissenschaften zunehmende Aufmerksamkeit,
die Unterrichtsmethoden dieser Kurse variieren jePräsident Clinton hat sich verpflichtet, sich durch die- doch. Mehrere Schulen beziehen die Eltern mit ein, so
ses Dickicht des Gesundheitswesens hindurchzuar- daß sie sich zusammen mit den Lehrern an der Ausbilbeiten - in der Tat so sehr, daß er seine Frau, Hillary dung ihrer Kinder beteiligen. Diese Lehrer, Schulleiter
Rodham Clinton, zur ehrenamtlichen Koordinatorin und Eltern vertreten die Auffassung, daß jede Schule
einer Arbeitsgruppe ernannt hat, deren Aufgabe darin ihren eigenen Weg bei der Ausbildung der Schüler
besteht, innerhalb der nächsten Monate gangbare finden muß und sind nicht der Überzeugung, daß
Lösungen zu finden.
Gesetze der US-Regierung zur Erlangung dieses Ziels
erforderlich sind.
öffentliches Bildungswesen
Es ist schwierig vorherzusagen, welche der beiden
Die schlechten Leistungen amerikanischer Schüler Bewegungen dominieren wird. Die Vertreter des
verglichen mit denen ihrer asiatischen und europäi- Marktwettbewerbs verfügen über sehr viel mehr Geld
schen Mitschüler geben Anlaß zu tiefer Sorge. In den und die bessere politische Organisation. Auf der
vergangenen Jahren haben sich zwei Ansätze zur anderen Seite lassen das enorme Ausmaß des ameVerbesserung des öffentlichen Bildungswesens abge- rikanischen Systems öffentlicher Schulen und die
zeichnet. Ein Ansatz vertritt die Auffassung, daß Existenz von Entscheidungsträgem auf Bundes-, LänderSchulen durch die Bürokratie erstickt wurden und und Gemeindeebene es als relativ unwahrscheinlich
verschreibt Marktwettbewerb zu ihrer Wiederbelebung. erscheinen, daß selbst eine gut organisierte BeweDer andere besteht in Reformbestrebungen an der gung maßgebliche Veränderungen über einen kurzen
Basis, die landesweit in amerikanischen Schulen be- Zeitraum hinweg bewirken kann. Daher werden die
reits in die Wege geleitet wurden.
beiden Bewegungen in absehbarer Zukunft voraussichtlich nebeneinander bestehen und sich gelegentDer Marktansatz zur Schulreform behandelt die Auslich überschneiden.
bildung als Ware und die Eltern als Verbraucher. Zur
Zeit bedienen die öffentlichen Schulen in den Vereinig- Zusammenfassend läßt sich sagen, zusätzlich zur
ten Staaten besondere Schulbezirke und nehmen alle Unterstützung der Wirtschaft, dem Abbau der Verinnerhalb der Bezirksgrenzen lebenden Kinder als schuldung und Behandlung wichtiger außenpolitischer
Schüler auf. Verfechter des freien Marktes fordern Themen sieht sich die Clinton-Adminstration mit den
Bundesgesetze, die Steuereinnahmen, die jetzt zur Herausforderungen dieser fünf Probleme konfrontiert
Unterstützung öffentlicher Schulen verwendet werden - Schwangerschaftsabbruch, Homosexualität und das
- rund 5.500 Dollar pro Schüler jährlich - direkt in Form Militär, Verschärfung der Waffengesetze, Gesundvon Gutscheinen an die Eltern vergeben. Die Eltern heitswesen und öffentliches Bildungswesen - bei denen
können den Gutschein dann der Schule aushändigen, sich zumindest aus der Sicht der amerikanischen
auf die sie ihre Kinder schicken möchten. Nur durch Bürger die Geschworenen noch immer zur Beratung
die Lockerung des monopolistischen Griffs der öffent- zurückgezogen haben.
lichen Bürokratie auf die Schulen - so das Argument
der Befürworter des freien Marktes - wird die Gesellschaft die Schulen zum gegenseitigen Konkurrenzkampf zwingen, um die beste Ausbildung anzubieten.
* * * * *

AMERIKA DIENST 17

Seite 5

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                <text>&lt;strong&gt;1. Umwelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen Konvention zum Schutz der Artenvielfalt unterzeichnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Clintons am Tag der Erde&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Holocaust-Museum&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton: Gewalt und Unterdrückung immer noch weitverbreitet &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Eröffnung des Holocaust Museums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: USA und Verbündete nehmen Neubewertung ihrer Bosnienpolitik vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Präsidenten - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher würdigt Wiederaufnahme der Nahost-Friedensgespräche&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aktive Beteiligung und umfassende Partnerschaft der USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Talbott skizziert Hilfsprogramme für Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafter Talbott&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA und EG legen Streit über Beschaffung teilweise bei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. WACO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton bezeichnet WACO-Sektenführer als "gefährlichen Wahnsinnigen" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Innenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fünf aktuelle Themen der amerikanischen Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert E. Mutch&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dicrv&gt;t

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

21. April 1993

«r^§&gt;
G-7

USA ZUFRIEDEN MIT MULTILATERALEM
HILFSPAKET FÜR RUSSLAND
Erklärung von Außenminister
Christopher

BENTSEN WÜRDIGT UNTERSTÜTZUNG DER
G-7 FÜR RUSSLAND
Erklärung des Finanzministers

RUSSLAND

AMERIKANER ERACHTEN HILFE FÜR
RUSSLAND ALS RICHTIG
Das Meinungsbild in den
Vereinigten Staaten

BOSNIEN

BERICHT ÜBER DIE HUMANITÄRE
LAGE IN BOSNIEN-HERZEGOWINA
Erklärung Bouchers und amtliche
Zusammenfassung

REGIONALE KONFLIKTE

USA STREBEN MULTILATERALE LOSUNGEN
FÜR REGIONALE KONFLIKTE AN
Albright: Optionen in Bosnien
werden geprüft

JEFFERSON

WANDEL SOLL ZEITLOSE WERTE BEWAHREN
Ansprache Clintons zu
Thomas Jefferson

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�•

HAUSHALT

CLINTON LEITET HAUSHALT 1994
DEM KONGRESS ZU
Ziele sind Wirtschaftswachstum
und Defizitabbau

HOLOCAUST-MUSEUM

DAS WASHINGTONER HOLOCAUST-MUSEUM
- EIN MANDAT DER "ERINNERUNG"
Eröffnung der Gedenkstätte für
Opfer des Naziregimes

PORTRÄT

DUFFEY SIEHT "AUFREGENDE PERIODE"
STAATLICHER ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Porträt des designierten
USIA-Direktors Joseph Duffey

»

�G-7
21. April 1993

USA ZUFRIEDEN MIT MULTILATERALEM
HILFSPAKET FÜR RUSSLAND
Erklärung von Außenminister Christopher
TOKIO - (AD) - "Die Vereinigten Staaten sind zufrieden mit der größten Leistung dieser Konferenz - der Einigung
zwischen den Ländern der G-7, Rußland und den großen internationalen Finanzinstitutionen IWF (Internationaler Währungsfonds), Weltbank und EBWE (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) über ein
neues und substantielles multilaterales Wirtschaftshilfspaket für die Reformen in Rußland", erklärte USAußenminister Warren Christopher am 15. April 1993 zum Abschluß des zweitägigen Treffens der Außen- und
Finanzminister der G-7 vor der Presse.
"Sollten die von Präsident Jelzin geleiteten Reformbemühungen vereitelt werden, sähen wir uns zunehmender
Instabilität, dem Verlust großer potentieller Märkte für unsere Unternehmen und der Notwendigkeit gegenüber,
weiterhin Dollars in die Verteidigung und nicht in die vordringlichen innenpolitischen Bedürfnisse unseres Volkes
zu investieren", so Christopher.
"Wir müssen langfristig denken. Wenn das russische Volk Erfolg hat, werden die freien Menschen auf der ganzen
Welt Erfolg haben."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Christophers im Wortlaut.
Minister Bentsen und ich haben gerade eine Reihe
außerordentlicher Zusammenkünfte mit unseren Kollegen aus den führenden Industrienationen und Vertretern der russischen Regierung beendet. Als ich zu
diesen Gesprächen in Tokio eintraf, sagte ich, daß hier
eine entscheidende, in der Tat edle Aufgabe vor uns
liegt - zu bestimmen, wie die führenden Demokratien
der Welt am besten geschlossen den historischen
Kampf des russischen Volkes für den Aufbau einer
freien Gesellschaft und einer florierenden Marktwirtschaft unterstützen können.

Clinton und Premierminister Miyazawa zur Sprache
kommen werden.

Unsere Beratungen während der letzten zwei Tage
wurden dieser Aufgabe gerecht. Wir haben uns geschlossen hinter die Reformen in Rußland gesteift und
konkrete und substantielle Unterstützung dafür bewiesen. Bei diesen Bemühungen haben wir ein außergewöhnliches Maß an Einigkeit an den Tag gelegt.

Über 45 Jahre lang führten die Industrienationen mit
der Sowjetunion einen Kalten Krieg. Während dieser
Zeit gaben wir Billionen von Dollar aus und verloren
kostbares Leben bei der Verteidigung der demokratischen Werte, die unseren Staaten so wichtig sind.

Zum ersten Mal in ihrer Geschichte haben sich die
Außen- und Finanzminister der G-7 getroffen, um über
nur ein Thema zu sprechen - den Kampf des russischen Volkes für eine demokratische Zukunft. Unser
Treffen ist an sich schon ein bemerkenswertes Symbol
für die von uns in nur wenigen Jahren beim Aufbau
neuer Beziehungen mit Rußland gemachten Fortschritte.

Die demokratische Revolution in der ehemaligen
Sowjetunion
und der Aufstieg demokratischer ReforWir möchten der japanischen Regierung fürdie ausgemer
wie
Boris
Jelzin eröffneten neue Chancen für
zeichnete Organisation dieser Konferenz und ihre
Russen,
Amerikaner,
Japaner und Europäer gleicherFührungsrolle bei unseren Bemühungen danken. Die
maßen.
Meines
Erachtens
können wir hier bei unseRolle Japans auf diesem Gebiet sowie bei vielen
rem
Treffen
in
Tokio
die
begründete
Behauptung aufanderen unsere Zukunft betreffenden Fragen ist entstellen,
daß
wir
uns
an
der
Schwelle
zu einem neuen
scheidend. In dieser Hinsicht diente unser Treffen
Zeitalter
befinden
einer
Zeit
der
Herausforderung,
auch dazu, zahlreiche der Fragen kurz anzuschneiden, die morgen in Washington zwischen Präsident aber auch der Hoffnung auf eine friedlichere und
AMERIKA DIENST 16

Seite 1

�sicherere Zukunft kurz vor Anbruch des nächsten
Jahrhunderts.
Wir kamen nach Tokio in der Überzeugung, daß die
Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten die demokratischen und marktwirtschaftlichen Reformen in
Rußland unerschütterlich unterstützen müssen. Ich
weiß, daß Präsident Clinton ebenso wie seine Amtskollegen in der G-7 fest davon überzeugt war, daß wir
einfach nicht bis zu unserem jährlich stattfindenden
Gipfeltreffen im Juli warten konnten, bis wir in dieser
wichtigen Zeit entschiedene Maßnahmen zur Unterstützung der Reformregierung in Moskau und der
Reformer in ganz Rußland ergreifen. Meiner Meinung
nach haben wir die Herausforderung angenommen.
Die Vereinigten Staaten sind zufrieden mit der größten
Leistung dieser Konferenz - der Einigung zwischen
den Ländern der G-7, Rußland und den großen internationalen Finanzinstitutionen IWF (Internationaler
Währungsfonds), Weltbank und EBWE (Europäische
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) über ein
neues und substantielles multilaterales Wirtschaftshilfepaket fürdie Reformen in Rußland. Minister Bentsen
wird diese entscheidende und bedeutendste Errungenschaft ansprechen.

würde Darlehen und Kredite fürdie kürzlich privatisierten russischen Unternehmen sowie örtliche Arbeitnehmer und Gemeinden bereitstellen, die sich inmitten
des schwierigen Übergangsprozesses von einer
Kommando- zu einer Marktwirtschaft befinden.
Der Prozeß der Umgestaltung der russischen Wirtschaft wird lang und schwierig sein, und die G-7 wird
durch diese Initiative die Art von Hilfe und Ermutigung
bereitstellen, die der Privatsektor in Rußland am dringendsten benötigt. Wir hoffen, daß wir mit unseren
Partnern in der G-7 so bald wie möglich über diesen
Fonds Einigung erzielen. Ich freue mich, daß wir der
Bildung einer speziellen Arbeitsgruppe zugestimmt
haben, die das Konzept eines Privatisierungsfonds
untersucht.

Zusätzlich erörterten wirdie Schaffung eines weiteren,
neuen Fonds zur Unterstützung der Entnuklearisierung Rußlands und der anderen neuen Staaten. Die
Vereinigten Staaten haben im Rahmen des NunnLugar-Fonds bereits 800 Millionen Dollar für diese
Bestrebungen bereitgestellt und erbitten vom Kongreß
für das Haushaltsjahr 1994 zusätzliche 400 Millionen
Dollar. Wir hoffen, daß bis zum Tokioter Gipfel im Juli
Einigung über neue Anstrengungen der G-7 erzielt
wird, mehr Mittel für dieses wichtige Vorhaben aufzuWie Sie wissen, kündigte Präsident Clinton beim Gipfel wenden.
von Vancouver 1,6 Milliarden gezielter, konkreter Hilfe
der Vereinigten Staaten für Rußland an. Nach den Ich möchte hier für die amerikanischen Bürger, die
hiesigen Beratungen mit unseren Verbündeten, mit vielleicht diese Ankündigung im Fernsehen oder Radio
der russischen Regierung und dem Kongreß entschied verfolgen, betonen, daß die von den Vereinigten Staader Präsident, daß es im Interesse der Vereinigten ten zur Unterstützung des Reformprozesses in RußStaaten liege, aufbauend auf dem in Vancouver ange- land eingeleiteten Bemühungen keinesfalls Mildtätigkündigten Hilfspaket die westliche Unterstützung für keit sind. Präsident Clinton hat sich zur Unterstützung
die Reformen zu verstärken.
der russischen Reformen entschlossen, weil diese im
Eigeninteresse des amerikanischen Volkes liegen. Ich
In Übereinstimmung damit gebe ich hier bekannt, daß habe bereits mehrfach darauf hingewiesen: Für das
der Präsident zusätzliche 1,8 Milliarden Dollar Hilfe für amerikanische Volk könnte gar nicht mehr auf dem
die Reformen in Rußland erbitten wird. Dieses neue Spiel stehen.
amerikanische Hilfspaket enthält ungefähr 1,55 Milliarden Dollar an Krediten, von denen 300 Millionen Dollar Sollten die von Präsident Jelzin geleiteten Reformbefürdie anderen neuen Staaten bestimmt sind und die mühungen vereitelt werden, sähen wir uns zunehmenverbleibenden Gelder an Rußland gehen. Dieses der Instabilität, dem Verlust großer potentieller Märkte
Paket wird verstärkte amerikanische Unterstützung für für unsere Unternehmen und der Notwendigkeit geInitiativen in den Bereichen Energie und Umwelt, genüber, weiterhin Dollars in die Verteidigung und
Unterbringung für Offiziere, Hilfe für den Privatsektor, nicht in die vordringlichen innenpolitischen BedürfnisAustauschprogramme, Medikamente, Handel und se unseres Volkes zu investieren. Wir müssen langfriInvestitionen umfassen. Angesichts der schwierigen stig denken. Wenn das russische Volk Erfolg hat,
Finanzsituation Ru ßlands sind wir der Meinung, es sei werden die freien Menschen auf der ganzen Welt
angemessen, den Großteil dieser Hilfsleistungen in Erfolg haben.
Form von Krediten zur Verfügung zu stellen.
Zusammenfassend haben wir in Tokio sehr gute FortDer neue Hauptbestandteil dieses Pakets ist ein Kredit schritte dabei gemacht, uns der großen Herausfordein Höhe von 500 Millionen Dollar für den Aufbau eines rung des Aufbaus neuer Beziehungen mit Rußland zu
neuen, speziellen Privatisierungs- und Umstrukturie- stellen. Der Präsident ist entschlossen, die Intensität
rungsfonds in Rußland, der von Beiträgen anderer und das Tempo dieser Bemühungen in den nächsten
Regierungen innerhalb der G-7 abhängig ist. Es ist Monaten beizubehalten. Und er freut sich auf die
unser Ziel, einen 2-Milliarden-Dollar-Fondsder G-7 mit weitere enge Zusammenarbeit mit der russischen
zusätzlichen Verbindlichkeiten der internationalen Regierung und unseren Partnern in der G-7 bei diesen
Finanzinstitutionen zu schaffen. Dieser neue Fonds Fragen.
* *
Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�G-7
21. April 1993

BENTSEN WÜRDIGT UNTERSTÜTZUNG
DER G-7 FÜR RUSSLAND
Erklärung des Finanzministers
TOKIO - (AD) - "Mit diesem weitreichenden multilateralen Programm können wir gemeinsam mit Rußland den
Weg zu Reformen beschreiten, bei dem jeder Schritt mit geeigneter finanzieller Unterstützung der G-7 gefördert
wird", erklärte Finanzminister Lloyd Bentsen am 15. April 1993 zum Abschlu ß der Tokioter Konferenz der G-7 über
Hilfe für Rußland vor Vertretern der Presse.
"Die heute von uns angekündigten multilateralen Bestrebungen sind weitreichende, koordinierte Bestrebungen
zur Unterstützung der russischen 'Reformrevolution' sowie der Reformer", stellte Bentsen fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bentsens Erklärung im Wortlaut.

Das diese Woche in Tokio veranstaltete Treffen ist die
erste Sitzung, die gemeinsam von den Außen- und
Finanzministem der G-7 anberaumt wurde. Dies ist
jedoch nicht die einzige Tatsache, die es zu einem
einzigartigen Ereignis macht. Unsere Tagesordnung
wird nicht länger von nuklearer Sicherheit und dem
Kräftegleichgewicht definiert, sondern befaßt sich mit
wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Partnerschaft,
die weltweiten Frieden und Wohlstand fördern.

Wir begrüßen den Vorschlag einer Fazilität zur
Umgestaltung des Systems (Systemic Transformation Facility), die der IWF (Internationaler
Währungsfonds) voraussichtlich in den kommenden Wochen gründen wird. Sie könnte bis
zu 3 Milliarden Dollar für Rußland bereitstellen,
die Hälfte davon, sobald Rußland die ersten
Schritte zur Stabilisierung seiner Wirtschaft unternimmt.

Unsere Gespräche waren außerordentlich konstruktiv.

Darüber hinaus arbeiten der IWF und Rußland
an einem Beistandskredit in Höhe von 4,1 Milliarden Dollar, der den Weg zur Aktivierung des
6 Milliarden Dollar umfassenden Rubel-Stabilisierungsfonds ebnen würde.

Sieben Nationen haben sich zusammengesetzt und
ein multilaterales Wirtschaftshilfepaket für Rußland in
Höhe von 28,4 Milliarden Dollar erarbeitet. Es wird
Hilfe bereitstellen, die Rußland bei der erfolgreichen
Bewältigung der größten politischen und wirtschaftlichen Herausforderung unterstützen soll, mit der es
sich in seiner Geschichte je konfrontiert sah: Dem
Aufbau von Demokratie und einer florierenden Marktwirtschaft. Dieser Prozeß erfordert die kontinuierliche
Umgestaltung Rußlands und andauernde Unterstützung der wohlhabenden Nationen der G-7 sowie internationaler Finanzinstitutionen. Er wird viele Jahre
benötigen, und deshalb müssen wir ihn unverzüglich in
die Wege leiten.
Außenminister Christopher hat über die kühnen, bilateralen Initiativen gesprochen, die Präsident Clinton
zur Unterstützung Rußlands unterbreitet hat. Ich
möchte kurz das von uns hier in Tokio geschnürte
multilaterale Hilfspaket umreißen.
AMERIKA DIENST 16

Wir fordern die Weltbank ferner auf, ihre Unterstützung der Strukturreform in Rußland zu beschleunigen. Die Bank kann 4 Milliarden Dollar
an neuen Verbindlichkeiten aufbringen, um
Rußland bei der Umgestaltung von Schlüsselsektoren, vor allem Energie und Landwirtschaft,
behilflich zu sein.
Die EBRWE(Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung) muß ebenfalls eine größere Rolle bei der Unterstützung der Privatunternehmer Ru ßlands übernehmen. Wir fordern
die EBWE zur Aufstellung eines Fonds in Höhe
von 300 Millionen Dollar auf, der kleine und mittelständische Unternehmen in Rußland finanzieren soll.

Seite 1

�Wir begrüßen Andeutungen unserer G-7-Partner, daß ihre Exportkreditinstitutionen ebenfalls
Ressourcen in einer Größenordnung von 10
Milliarden Dollarbereitstellen werden. Derkürzlich mit der amerikanischen Export-Import-Bank
vereinbarte Kreditrahmen für öl und Gas sollte
bis zu 2 Milliarden Dollar zur Modernisierung der
russischen ölförderanlagen bereitstellen und
gleichzeitig amerikanische Exporte fördern.

Mit diesem weitreichenden multilateralen Programm
können wir gemeinsam mit Rußland den Weg zu
Reformen beschreiten, bei dem jeder Schritt mit geeigneter finanzieller Unterstützung der G-7 gefördert wird.
Die heute von uns angekündigten multilateralen Bestrebungen sind weitreichende, koordinierte Bestrebungen zur Unterstützung der russischen 'Reformrevolution' sowie der Reformer.
Ich danke Ihnen.

* *

Seite 2

* *

*

AMERIKA DIENST 16

�RUSSLAND
21. April 1993

AMERIKANER ERACHTEN HILFE
FÜR RUSSLAND ALS RICHTIG
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Mehrere kurz vordem Gipfeltreffen der Präsidenten Clinton und Jelzin in Vancouverund
dem G-7-Ministertreffen in Tokio durchgeführte Meinungsumfragen ergaben, daß die Amerikaner eher zur
Beibehaltung der Hilfe für Rußland auf dem derzeitigen Niveau tendieren als sie entweder aufzustocken oder
zu reduzieren.
Die Umfragen belegen ferner die sehr viel größere Bereitschaft zu humanitärer Hilfe für Rußland sowie
Unterstützung bei der Zerlegung seiner Nuklearwaffen als für Hilfestellung bei den politischen und wirtschaftlichen Reformen oder die Unterstützung Präsident Jelzins.

Wieviel Hilfe?

dafür

In der von Gallup/USA Today vom 29. bis 31. März
durchgeführten Meinungsumfrage wurde die Frage

dagegen

Bereitstellung von Nahrungsmitteln
und anderer humanitärer Hilfe

79% 19%

Zerlegung von Nuklearwaffen

73% 25%

Beseitigung von Altlasten

55% 42%

Aufbau von Privatunternehmen

44% 53%

gestellt, ob die Vereinigten Staaten "die Finanzhilfe an

Rußland aufstocken, auf demselben Niveau belassen
oder reduzieren" sollten. Die Angaben lauteten:
Aufstockung der Finanzhilfe

18%

Beibehaltung

46%

Reduzierung

34%

Der sich für eine Aufstockung der Hilfe aussprechende
Prozentsatz ist beträchtlich niedriger als in seit Beginn
des Jahres 1993 durchgeführten Umfragen, in denen
im wesentlichen gefragt wurde, ob die Vereinigten
Staaten die Hilfe für Rußland erhöhen oder nicht
aufstocken sollten - ohne die Angabe "Beibehaltung
auf dem derzeitigen Niveau". In diesen Umfragen
sprachen sich rund 30 Prozent zugunsten einer Aufstockung der Hilfe für Rußland und ungefähr 60 Prozent dagegen aus.

In einer von CBS/NY Times vom 28. bis 31. März
durchgeführten Umfrage wurde ermittelt, ob die Vereinigten Staaten "Wirtschaftshilfe an Rußland leisten
sollten", um:
dafür

dagegen

Rußland bei der Vermeidung eines
möglichen Bürgerkriegs zu helfen

52% 40%

Rußland bei der Wirtschaftsreform
behilflich zu sein

41% 51%

Zur Machterhaltung von Boris Jelzin
beizutragen

29% 6 1 %

Welche Art von Hilfe?
Zwei kürzlich durchgeführte Umfragen ermittelten die
Präferenzen der Öffentlichkeit bei unterschiedlichen
Arten und Zielen der amerikanischen Hilfsleistungen:
Die oben genannte Umfrage von Gallup/USA Today
wollte von den Befragten wissen, ob sie für oder gegen
"eine Aufstockung der Finanzhilfe an Rußland" aus
den folgenden Gründen waren:

AMERIKA DIENST 16

Welche Auswirkungen wird die Hilfe haben?
Auf die in der Umfrage von Gallup/USA Today gestellte Frage, ob die amerikanische Hilfe für Rußland
"Rußland bei Fortschritten zu einer freien Marktwirtschaft und Demokratie entscheidend behilflich" sein
wird, gaben die Befragten folgende Antworten:

Seite 1

�Entscheidende Hilfe

39%

Unmaßgebliche Hilfe

55%

Auf die Frage, ob "die Vereinigten Staaten" durch
Reduzierung der Verteidigungsausgaben dank der
amerikanischen Hilfe "Geld sparen können", lauteten
die Antworten:

Auf die von Gallup/Newsweek am 25. und 26. März
gestellte Frage: "Sollten die Vereinigten Staaten Ihres
Erachtens bei dem derzeitigen Machtkampf zwischen
dem russischen Präsidenten Boris Jelzin und dem
russischen Parlament Jelzin dabei behilflich sein, an
der Macht zu bleiben, oder sollten sie sich neutral
verhalten?", wurden folgende Antworten gegeben:

Werden Geld sparen

37%

Jelzin helfen

31%

Werden kein Geld sparen

56%

Neutral verhalten

62%

Hilfe und Jelzin

Keine Angaben, sonstiges

In einer am 25. und 26. März durchgeführten Umfrage
von Gallup/Newsweek wurde ermittelt, wie die Vereinigten Staaten die Hilfe für Rußland handhaben sollten, falls Jelzin "die Macht verliert". Folgende Angaben
wurden gemacht:

Rußland ohne Jelzin
Auf die Frage nach der Ansicht der Befragten, ob
Rußland "eine entscheidende Bedrohung" für die
Vereinigten Staaten würde, wenn Jelzin die "Macht
verliert", lauteten die Angaben:

Einstellung der Hilfe an Rußland

Würde eine entscheidende Bedrohung

59%

Würde keine entscheidende Bedrohung

33%

Fortsetzung der Hilfe nur, wenn die
russische Führung weiterhin
Kapitalismus und Demokratie anstrebt

15%

7%

54%

Fortsetzung der Hilfe auf jeden Fall,
um dem russischen Volk zu helfen
Keine Angaben

24%
7%
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�BOSNIEN
21. April 1993

BERICHT ÜBER DIE HUMANITÄRE LAGE IN
BOSNIEN-HERZEGOWINA
Erklärung Bouchers und amtliche Zusammenfassung
WASHINGTON - (AD) - Das interministerielle Team zur Untersuchung der humanitären Lage, das im letzten
Monat nach Bosnien-Herzegowina reiste, hat einen Bericht vorgelegt. Nachfolgend veröffentlichen wir die von
Richard Boucher, dem Sprecher des US-Außenministeriums dazu abgegebene Erklärung sowie die amtliche
Zusammenfassung des Team-Berichts.

Erklärung Bouchers
Anbei erhalten Sie die amtliche Zusammenfassung
des Berichts des interministeriellen Teams zur Untersuchung der humanitären Lage, das im letzten Monat
Bosnien-Herzegowina bereiste. Die amtliche Zusammenfassung ist ein sechsseitiges Dokument, das die
Punkte behandelt, die das Team bei der Abfassung
seines umfassenden Berichts als Schlüsselfragen
betrachtet.

Vereinten Nationen ihre Bemühungen fortgesetzt,
Hilfskonvois in den östlichen und andere Teile Bosniens zu entsenden.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin an der Spitze derjenigen stehen, die sich bemühen, eine Einstellung der Kämpfe zu erreichen, den bosnischen Serben
eine ausgehandelte Lösung vorzulegen und den vielen
Unschuldigen zu helfen, die unterden Kämpfen leiden.
Amtliche Zusammenfassung des Berichts

Wir werden alle in dem Bericht gemachten Anregungen prüfen.
Für viele der von dem Untersuchungsteam geforderten humanitären Aktionen, einschließlich einiger, deren Bedeutung zu gering war, um in dem allgemeinen
Bericht erwähnt zu werden, sind die entsprechenden
Behörden ohne Rückfrage bei übergeordneten Regierungsebenen zuständig. Einige dieser Aktionen werden bereits überprüft oder tatsächlich durchgeführt.
Wie in dem Bericht festgestellt, haben einige der
Empfehlungen weiterreichende Auswirkungen auf die
Politik und erfordern daher eine umfassendere Überprüfung auf höherer Ebene. Diese Überprüfung ist
noch im Gang. Wir werten die Empfehlungen im
Kontext unserer allgemeinen Bemühungen aus, sowohl eine Schlichtung zu erreichen als auch Hilfe zu
leisten. Am 10. Februar versprach der Minister "ziemlich entschiedene" Schritte zur Sicherung der Hilfslieferungen. Wir haben seit 44 Tagen mit Flugzeugen
humanitäre Hilfsgüter abgeworfen und den Notleidenden in Ostbosnien mehr als 1.800 Tonnen Nahrungsmittel und Medikamente geliefert. Trotz der fortdauernden Kämpfe und der Sicherheitsrisiken haben die
AMERIKA DIENST 16

Einführung
Die internationalen Hilfsbemühungen und ein ungewöhnlich milder Winter auf dem Balkan sind die zwei
Hauptfaktoren, die zusammengenommen die vorausgesagten noch wesentlich höheren Verluste an Menschenleben im kriegszerrütteten Bosnien-Herzegowina verhinderten. Während sich die wirtschaftliche
Situation in Bosnien-Herzegowina weiter verschlechtert, steigt die Abhängigkeit von internationaler Hilfe
zum Überleben gewaltig. Die bosnischen Muslime
sind überwiegend die Opfer des gegenwärtigen Krieges.
Dieser Bericht konzentriert sich darauf, Mittel und
Wege zu finden, wie die amerikanische Regierung ihre
eigenen Hilfsbemühungen sowohl erhöhen als auch
verbessern kann, um einen Beitrag zu den größeren,
laufenden internationalen Programmen zu leisten. Er
bestätigt aber auch erneut die Beschränkungen der
humanitären Hilfslieferungen in einem von kriegerischen Handlungen, insbesondere gegen die Zivilbevölkerung, geprägten Umfeld. In einer solchen Situation gibt es keine Zauberformeln zur Perfektionierung
der internationalen Hilfslieferungen in Bosnien-Herzegowina.
Seite 1

�ANMERKUNG: Obwohl diese Empfehlungen sich an
amerikanische Politiker und Behörden richten, ist das
Untersuchungsteam der Ansicht, daß sie im Falle ihrer
Umsetzung in Zusammenarbeit mit den Vereinten
Nationen, anderen Geberländern und privaten Hilfsorganisationen durchgeführt werden sollten.
Erkenntnisse
1. Politisch/militärisch:
a. Der Hauptgrund für das menschliche Leiden und
das Sterben in Bosnien-Herzegowina bleiben der Krieg
und die folgenden ihn begleitenden Fragen:

größeren Ausmaßes auf die Hilfsleistungen nach sich
ziehen könnte.
f. Die erzwungene Beendigung der Präsenz der
UNPROFOR-Schutztruppen in Kroatien und jegliche
Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen Serben und
Kroaten in diesem Gebiet würde direkte, größere und
zerstörerische Auswirkungen auf die Hilfsbemühungen in der ganzen Region haben, einschließlich Serbiens, Kroatiens und insbesondere Bosnien-Herzegowinas. Flüchtlinge und Vertriebene sowie andere
ungeschützte Gruppen in allen Republiken wären
ernsthaft negativ betroffen.

2. Die Luftbrücke nach Sarajevo und die humanitären
Hilfsflüge nach Ostbosnien sind von großer Bedeutung, obwohl sie nur einen Teil des benötigten Nachschubs liefern - sie ergänzen die Nahrungsmittel- und
Medikamentenlieferungen und dienen den unschuldigen
Opfern der bosnischen Katastrophe als Quelle der
fehlender Zugang zu großen Teilen der betroffeHoffnung.
nen Bevölkerungsgruppen.
Sicherheit für die beiden betroffenen Bevölkerungsgruppen und die Hilfeleistenden, wenn
insbesondere die Zivilbevölkerung zum Kriegsziel wird und

3. Die Stadt und das Gebiet um Tuzla herum im nördlichen und mittleren Bosnien sind in Gefahr, von großen Flüchtlingsströmen überschwemmt zu werden,
falls zusätzliche belagerte Enklaven in Ostbosnien
fallen. Weiterhin macht die Schlüsselrolle Tuzlas bei
der Produktion von Kohle und Elektrizität für einen
Großteil Bosnien-Herzegowinas es zu einem strategisch wichtigen Ort für die Verhinderung des Zusamc. Das Team fand Beweise dafür, daß die bosnisch- menbruchs der verbleibenden Wirtschaft Bosnienkroatischen Streitkräfte (HVO) ihren Druck auf die Herzegowinas und einer weiteren Verschlechterung
Hilfskonvois und auf die muslimische Zivilbevölkerung der ohnehin katastrophalen Elektrizitäts- und Wasserin den von ihnen kontrollierten und in den im Vance- versorgungssysteme, beispielsweise in Sarajevo.
Owen-Plan als Kroatien bezeichneten Gebieten ver- Schlechte bis unpassierbare Stra ßen auf der Südroute
stärken. Die HVO sind anfällig für von der kroatischen von Kroatien aufgrund des Tauwetters im Frühling
Regierung ausgeübten Druck und ihren Einfluß.
(wenn es gute Straßen gibt, werden sie von den
Kriegsparteien blockiert) und Unsicherheiten beim
d. Die Entsendung von UNO-Schutztruppe (UNPRO- Zugang über die nördlichen Straßen aus Serbien fühFOR) hat trotz fortgesetzter Angriffe einen beruhigen- ren zu pessimistischen Voraussagen über die Aufden, förderlichen Einfluß auf viele Teile Bosnien-Herz- rechterhaltung des Nachschubs nach Tuzla, selbst bei
egowinas. Obwohl Einheiten der UNPROFOR in dem jetzigen Bevölkerungsstand. Der Flugplatz von
Bosnien humanitäre Hilfsleistungen nicht auf aggres- Tuzla wurde - in bezug auf seine Beschaffenheit und
sive Weise durchsetzen sollen, haben sie die Durch- die Bereitschaft der verantwortlichen Behörden Bosfahrt von Konvois durch Kontrollpunkte erleichtert, nien-Herzegowinas zur Zusammenarbeit - von einem
Postdienste organisiert, Gefangenen- und Personen- dem Team beigeordneten Spezialisten überprüft und
austausch organisiert und Krankenhäusern und ande- für zur Zeit zumindest minimal betriebsbereit befunren kommunalen Einrichtungen Hilfe geleistet. Das den.
Fehlen einer ständigen Truppenpräsenz in den umkämpften Gebieten oder zumindest von Vertretern 4. Es bestehen Mängel großen Ausmasses bei der der
einer Verbindungsorganisation in direkter Nachbar- Bevölkerung zur Zeit zur Verfügung stehenden medischaft zu diesen Gebieten stellt vielleicht eine verlore- zinischen Versorgung, die von Region zu Region verne Gelegenheit dar, um Spannungen zu reduzieren schieden ist und in unterschiedlichem Ausmaß, abund die Hilfsbemühungen zu erleichtern.
hängig von den oben angesprochenen Fragen von
Zugang und Sicherheit verbessert werden sollte. Die
e. Die Annahme und Durchführung des Vance-Owen- größte Notwendigkeit besteht bei der Versorgung von
Plans, insbesondere wenn er von einem relativen Notfällen, der Überwachung und Lenkung des GeFrieden und der Einstellung der Kämpfe begleitet wird, sundheitssystems und es besteht die Möglichkeit, daß
könnte zu spontanen Bevölkerungstransfers großen sich die Bedingungen ernsthaft verschlechtern. (Die
Ausmaßes führen, insbesondere von Muslimen in Ärzte vom Zentrum für Seuchenbekämpfung (CDC)
muslimisch-kontrollierte Gebiete, was Auswirkungen und anderen Behörden, die sich dem Team ange-

b. Trotz der Einwände der Serben und der bosnischen
Serben, daß die bosnisch-serbischen Militärkommandeure in isolierten Gebieten Bosnien-Herzegowinas
unabhängig handeln, wenn sie Mitarbeiter der Hilfskonvois schikanieren oder die Hilfslieferungen behindern, ist es offensichtlich, daß Belgrad und Pale wenig
unternehmen, um die Situation zu Lande zu ändern.

Seite 2

AMERIKA DIENST 16

�schlössen haben, bereiteten eine ausführliche Beschreibung der Erfordernisse im Bereich der medizinischen Versorgung vor).
5. Es besteht eine Anzahl von Problemen im Ernährungs- und Nahrungsmittelbereich für große Teile der
Einwohner und Flüchtlinge in Bosnien-Herzegowina
und den umgebenden Gebieten.
Angesichts der bevorstehenden Saatzeit besteht die dringende Notwendigkeit, den Bevölkerungsgruppen in und um Bosnien-Herzegowina, die in der Lage sein könnten, im Jahr 1993
einen Teil ihrer Nahrungsmittel selbst anzubauen, eine angemessene Mischung von Saatgut
bereitzustellen. Die Landwirtschaft in BosnienHerzegowina, die vor dem Krieg nur einen Teil
der Bedürfnisse der Bevölkerung decken konnte, ist praktisch zum Erliegen gekommen.
Es erfordert die volle Aufmerksamkeit sicherzustellen, daß in der nahen und mittleren Zukunft
der weitere Nachschub an Nahrungsmitteln
gesichert ist, während angesichts des wirtschaftlichen Zusammenbruchs und des gegenwärtigen Rückgangs privater Hilfe die Zahl der Bedürftigen wächst.
6. Logistik/Systeme für Hilfslieferungen/öffentliche
Angelegenheiten und örtliche Beziehungen:
a. Obwohl sich die Mitarbeiter des UNHCR und der
UNPROFOR für die Durchsetzung ihrer gemeinsamen Aufgabe bei der Leitung dieser internationalen
Hilfsbemühungen engagieren, schaffen Personalknappheit, operativer Druck, unverbundene Hauptquartiere,
Kommunikationsschwierigkeiten und riesige logistische Hindemisse zusammengenommen Probleme bei
der Koordinierung der Hilfslieferungen im Großteil
Bosnien-Herzegowinas. Die Koordinierung mit den
nichtstaatlichen Organisationen (NGOs) ist besonders
schwierig.
b. Es besteht ein ständiger Informationsmangel unter
der Bevölkerung Bosnien-Herzegowinas im Hinblick
auf ihre eigene Situation sowie die Entwicklung der
internationalen politischen Situation und Hilfsanstrengungen. Eine Rundfunkstation, die das Land über
Kurz/Mittelwelle erreichen könnte, sowie die Verteilung von Programmaterial an örtliche Radiostationen
könnte bedeutende Auswirkungen haben. Eine ähnliche Fähigkeit der Printmedien könnte bei der Festigung der Moral der Bevölkerung und für die Förderung
positiver Beziehungen zwischen dem Volk und Schlüsselelementen der Hilfsgemeinschaft von großer Bedeutung sein.
c. Die UNPROFOR sieht wichtige Chancen für die
Verbesserung der Gemeinschaftsbeziehungen auf
lokaler Ebene, verfügt jedoch über extrem beschränktes Fachwissen aus den UNPROFOR-Beitragsländern für den Umgang mit der Öffentlichkeit.
AMERIKA DIENST 16

7. Wirtschaftliche Gesundung: Neben direkter Notlinderung würde die Wiederherstellung der wichtigen
Wirtschaftssektoren Bosnien-Herzegowinas - insbesondere Stromerzeugung/-übertragung und Landwirtschaft - das Leiden in großen Ausmaß verringern und
die Aussichten auf eine mittelfristige Überwindung der
Abhängigkeit von Hilfsleistungen verbessern.
8. Verläßliche Daten sowohl zu den genauen Dimensionen spezifischer Erfordernisse als auch zu dem
Ausmaß, in dem den Bedürfnissen der Menschen mit
den bestehenden Hilfsleistungen entsprochen wird,
sind nicht erfaßbar, obwohl in den letzten Monaten im
Bereich der Informationssammelsysteme eine geringe
Verbesserung zu beobachten war.
Empfehlungen
1. Politisch/militärisch:
a. Obwohl praktische Empfehlungen überdie Behandlung des Krieges an sich das Mandat dieses Teams
überschreiten, vermerkt das Team einige Elemente
innerhalb des Spektrums umfassenderer politischer
Optionen, die in humanitärer Hinsicht vorteilhafte
Auswirkungen haben könnten:
Die Schaffung und Durchsetzung sicherer Zufluchtsstätten für besonders gekennzeichnete
Gemeinden oder Bevölkerungsteile,
ein militärisch wirksames System für die Lieferung von Hilfsgütern an solche Gemeinden und
Bevölkerungsteile, auch bei Fehlen geschützter
sicherer Zufluchtsstätten oder
die Anwendung wirksamer militärischer und/
oder erneuerter diplomatischer Mittel, um die
schweren Waffensysteme zum Schweigen zu
bringen, die einen Großteil der Opfer und psychologischen Traumata unter der Zivilbevölkerung verursachen.
b. Die amerikanische Regierung sollte den serbischen
und bosnischen Entscheidungsträgem so nachdrücklich wie möglich übermitteln, daß die Vereinigten Staaten sowohl die Führungen als auch diejenigen örtlichen
Kommandeure in Bosnien-Herzegowina, die humanitäre Hilfslieferungen blockieren, unmittelbar fürTodesfälle und menschliches Leid verantwortlich machen.
Strafmaßnahmen (zum Beispiel im Kontext der Verhandlungen oder vertrauensbildender Maßnahmen)
für die Behinderung der Hilfsbemühungen sind zu
entwickeln.
c. Maßnahmen gegen die Auswirkungen der HVOBehinderungen von Hilfslieferungen für die Muslime:
Die amerikanische Regierung sollte darauf
bestehen, daß die kroatische Regierung bei den
HVO interveniert, damit diese ihre Schikanen
gegen muslimische Zivilisten und die Hilfsoperationen einstellen.
Seite 3

�Die amerikanische Regierung sollte zu den Kosten
Menschenleben in Bosnien-Herzegowina retfür die Verstärkung der Zahl ausländischer Fahrer
ten.
und Lkw-Fahrten beitragen, die erforderlich sind,
um Hilfsmaterial durch die zentralbosnischen 5. Nahrungsmittel und Ernährung:
Kontrollstellen der kriegführenden Parteien zu
Die amerikanische Regierung (AID/USDA/DOD)
transportieren.
sollte sowohl die ernährungsphysiologisch richtige Mischung von Saatgut identifizieren als
d. Vorteilhafte Auswirkungen der UN-Militärpräsenz:
auch zur Deckung der Beschaffungs- und Transportkosten einer angemessenen Menge davon
Die amerikanische Regierung sollte innerhalb
beitragen, einschließlich von Abwürfen aus der
der UNO Diskussionen über kreative MechanisLuft - mit sofortigem Beginn. Angesichts des
men zur Schaffung einer kleinen militärischen
vergleichweisen
Nachteils einer Lieferung von
Präsenz, etwa eines UNPROFOR-Verbindungsgroßen
Mengen
an Gütern aus den Vereinigten
stabes, in östlichen Enklaven von BosnienStaaten
und
aufgrund
von derzeitigen HinderHerzegowina einleiten, die hinter den Frontlinissen
für
großangelegte
landwirtschaftliche
nien gelegen sind und gleichzeitig die MöglichMaßnahmen
in
Bosnien-Herzegowina
sollten
keit bieten, die Hilfslieferungen und Versöhsich
die
amerikanischen
Bemühungen
auf
Hilfe
nungsinitiativen oder Angebote dieser Art zwifür
den
einzelnen
durch
Unterstützung
eines
schen den Fraktionen zu erleichtern.
Programms mit dem Namen "victory gardens"
Eine Stationierung der UNPROFOR in Banja
(Gärten des Sieges) konzentrieren.
Luka sollte erneut untersucht werden.
Die Planung zur Aufnahme einer Flüchtlings2. Luftbrücke nach Sarajevo und Abwurfaktionen in
welle nach Tuzla und anderen von den MusliOstbosnien:
men kontrollierten Gegenden, darunter entweder
die Voreinlagerung von Nahrungsmitteln
Beide Operationen sollten zum gegenwärtigen
und
medizinischen Gütern oder die Fähigkeit,
Zeitpunkt fortgesetzt werden,
auf eine solche Welle zu reagieren, ist in Konsultation mit anderen Gebern erforderlich.
Vertreter des US-Verteidigungsministeriums
sollten Beratungen mit Experten des Amts für
internationale Entwicklung (AID), des Landwirt- 6. Logistik/Systemefürdie Hilfslieferungen/öffentliche
schaftsministeriums (USDA) und des CDC über Angelegenheiten und örtliche Beziehungen:
eine veränderte Zusammensetzung der Liefe- a. Vielfältige, miteinander verbundene Koordinierungsrungen in beiden Operationen aufnehmen, um zentren, die mit Konvois des UNHCR und von NGOs,
die Vorteile für die Empfänger zu maximieren.
Eskorten, Verkehrsleitung etc. befaßt sind, sollten
geschaffen werden. Die amerikanische Regierung
(DOD/AID) sollte Koordinierungs- und anderes UnterDie amerikanische Regierung sollte dringend Optio- stützungspersonal für UNHCR und UNPROFOR sowie
nen zur Teilnahme an UN-Aktionen und zu ihrer akti- Kommunikations- und ähnliches Gerät zur Verfügung
ven Unterstützung untersuchen, um den Flugplatz von stellen, das in engen Konsurtationen mit UNHCR und
Tuzla in naher Zukunft für Lieferungen von Nahrungs- UNPROFOR festgelegt wurde.
mitteln sowie äußerst wichtigem Material für die Kohb. Die amerikanische Regierung sollte zivile und
leförderung/Energieproduktion zu öffnen.
militärische Medieneinrichtungen identifizieren, die der
Auch ohne eine Wiedereröffnung sollte der UNPROFOR zur Verfügung gestellt werden, um zum
Flugplatz von Tuzla vordringlich als Ort für eine Beispiel ein intensives und kontinuierliches Programm
mögliche Luftbrücke oder Abwürfe von wichti- zur Unterrichtung der Öffentlichkeit durchzuführen.
gen Hilfsgütem in Betracht gezogen werden.
Alternativ sollten bei Schaffung eines umfassenderen Informationssystems zur besseren
4. Medizinische Versorgung und öffentliches GesundUnterrichtung der Bevölkerung Bosnien-Herzeheitswesen:
gowinas über die sie betreffenden internationaDie amerikanische Regierung (AID/DOD) sollte
len Bemühungen Möglichkeiten gefunden werPersonal und Gerät zur Verfügung stellen, um
den, um Programmaterial zur Unterstützung
maßgeblich an der Verbesserung der medizinivon Rolle und Aktivitäten der UN in Bosnienschen Versorgung und öffentlicher mediziniHerzegowina einzusetzen.
scher Präventivmaßnahmen in Bosnien-Herzegowina mitzuwirken. Selbst wenn den militäri- c. Die amerikanische Regierung sollte angemessen
schen Angriffen auf die Zivilbevölkerung nicht ausgebildetes militärisches Personal mit geeigneten
Einhalt geboten werden kann, werden diese Ressourcen zur Verfügung stellen, um die noch in den
Schritte die größtmögliche Zahl unschuldiger Kinderschuhen steckende Öffentlichkeitsarbeit der
3. Der Flugplatz von Tuzla:

Seite 4

AMERIKA DIENST 16

�UNPROFOR zur Verbesserung ihrer Beziehungen zur
Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina zu verstärken,
die deren begrenzte, auf Hilfe beschränkte Mission nur
schwer versteht. Dies würde keine formelle amerikanische Rolle in der UNPROFOR bedingen, sondern
die Bereitstellung einer begrenzten Anzahl von G-5Spezialisten, um den G-5-Stab der UNPROFOR zu
verstärken und auszubilden. Ein mögliches Modell
könnte bei der UNPROFOR in Sarajevo geschaffen
werden.
7. Eine kombinierte zivil-militärische Einsatzgruppe
zur Stromversorgung in Bosnien-Herzegowina sollte
gemeinsam mit Vertretern von Bosnien-Herzegowina
gebildet werden, um die Kohleförderung zu verbessern, Kraftwerke instandzusetzen und andere trotz der

* *

AMERIKA DIENST 16

gegenwärtigen Feindseligkeiten mögliche Programme
durchzuführen.
Finanzierungsfragen
Den Dienststellen des Außenministeriums, des AID
und des Verteidigungsministeriums, die normalerweise die Kosten humanitärer Hilfe tragen, stehen nur
wenige noch nicht ausgegebene oder verplante Mittel
zur Verfügung. In dem Maß, in dem die in dieser
Zusammenfassung oder in dem vollständigen Bericht
präsentierten Optionen bedeutende zusätzliche Finanzmittel erfordern, wird das Team Empfehlungen für
die Umwidmung oder zusätzliche Anforderung von
Mitteln unterbreiten.

* *

*

Seite 5

�(

REGIONALE

KONFLIKTE
21. April 1993

USA STREBEN MULTILATERALE LÖSUNGEN FÜR
REGIONALE KONFLIKTE AN
Albright: Optionen in Bosnien werden geprüft
WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
bevorzugt wo immer möglich bei der Lösung regionaler
Konflikte multilaterale Maßnahmen und prüft unter
diesem Aspekt derzeit die verfügbaren Optionen im
Hinblick auf Bosnien-Herzegowina und Haiti. Dies
erklärte die Ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright.
Albright bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten nicht
"der einsame Weltpolizist gegen feindselige Regime"
sein können und forderte die Nationen auf, zur Durchsetzung des Völkerrechts eine multilaterale Politik zu
konzipieren.
Bei einer Versammlung der International Women's
Media Foundation (IWMF) erklärte die Botschafterin
am 19. April 1993, die beiden jüngsten UN-Resolutionen zu Bosnien "signalisieren eine neue Entschlossenheit der Völkergemeinschaft, der serbischen Aggression entgegenzutreten". Sie verurteilte den "verwerflichen Angriff auf Srebrenica und andere, gegen
Zivilisten in Ostbosnien begangene Gewalttaten" und
stellte fest, die Greueltaten bestätigten "erneut den
aggressiven Charakter der bosnisch-serbischen Führung sowie ihres Verbündeten in Belgrad".

ersten 20 Tagen der Administration entwickelten
Sechspunkteplan für das ehemalige Jugoslawien. Viele
Elemente dieses Plans sind ihr zufolge bereits verwirklicht worden.
Die Botschafterin sieht die wichtigsten Ziele des Planes folgendermaßen: Aufrechterhaltung und Stärkung der "lebenswichtigen humanitären Verbindungen" für die bosnisch-muslimische Zivilbevölkerung,
Versorgung der Flüchtlinge, Lähmung Restjugoslawiens durch harte Sanktionen, Druck auf die bosnischen Serben zur Erzwingung der Einhaltung der
Waffenstillstandsabkommen und der UNO-Resolutionen, Durchsetzung der Flugverbotszone, Einsetzung
eines energischen Kriegsverbrechertribunals, die Einnahme einer klaren Haltung gegenüber weiteren serbischen Aggressionen auf dem Balkan sowie die Forderung nach einer auf den Vance-Owen-Dokumenten
basierenden Verhandlungslösung und die Planung
einer Eventualstrategie mit der NATO, um deren Einhaltung zu gewährleisten.

Vor Reportern teilte Albright mit, die Clinton-Administration habe in Bosnien einen "schrittweisen Ansatz"
verfolgt und überprüfe nun alle Optionen. Die Lage
verändere sich rasch und sei sehr "dynamisch". Auf
Albright verwies ferner auf die Lage in Haiti und erklär- Fragen über die Praxis der ethnischen Säuberung, die
te, sie "stellt eine direkte Herausforderung" für den von den bosnischen Serben trotz aller Versuche zur
Trend zur Demokratisierung in der Hemisphäre dar. Beendigung des Konfliktes fortgesetzt werde, erklärte
Die Clinton-Administration "unterstützt nachdrücklich" die Botschafterin, "wir untersuchen, was getan werden
die Bemühungen des UNO-Sonderbotschafters Dante kann".
Caputo zur Wiederherstellung der Demokratie in Haiti
und Rückkehr von Präsident Aristide, so Albright.
Im Hinblick auf die Lehren, die aus der bosnischen
Krise gezogen werden können, erklärte sie, es sei
"Die Clinton-Administration ist entschlossen, die ver- unbedingt erforderlich, daß "Völker, die der Tyrannei
bleibenden Hindernisse zu überwinden und - mit der ausgesetzt waren, mit demokratischen Werten und
UNO und der OAS (Organisation Amerikanischer Institutionen auf eine Art und Weise vertraut gemacht
Staaten) - die Demokratie und die Hoffnung des haitia- werden, die ihre ethnischen, kulturellen, sozialen und
nischen Volkes auf eine bessere Zukunft wiederherzu- religiösen Vereinigungen respektiert und wirklich förstellen", erklärte sie.
dert".
Albright bekräftigte die Bedeutung Bosniens als außenpolitischem Schwerpunkt der Clinton-Administration und erwähnte dabei den von den USA in den
AMERIKA DIENST 16

Die Zehntausenden von Toten, die Hundertausenden
von Verwundeten, die erst vergewaltigten und danach
umgebrachten Frauen, die Millionen seit Beginn der
Seite 1

�bosnischen Krise obdachlos gewordenen, sind Albright zufolge eine eindeutige Mahnung, daß das Böse
freien Lauf hat, "wenn ein ethnischer Konflikt außer
Kontrolle gerät". Sie warnte, daß der für diese Greueltaten auf dem Balkan zu zahlende psychologische
Preis noch nach Generationen spürbar sein werde und
prognostizierte, daß sich die Opfer rächen werden.

schwerwiegende mögliche Bedrohung für Frieden und
Sicherheit". Dieses Land, erklärte sie, "hat erneut
schwerwiegende Zweifel an der Ernsthaftigkeit seines
erklärten Engagements für die Entnuklearisierung der
koreanischen Halbinsel geweckt".

Die Botschafterin betonte, die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen und verwandten MateAlbright zufolge entwickeln sich in der Welt zwei ge- rialien sei eines der "höchsten außenpolitischen Ziele"
genläufige Tendenzen: zunehmende internationale der Clinton-Administration. Wenn sich Nordkorea
Zusammenarbeit und der Versuch ethnischer Grup- weigere, seine Entscheidung zu ändern und "seine
pen, sich in noch kleinere Untergruppen aufzuspalten. Beziehungen zur internationalen Staatengemeinschaft
Sie empfahl, die Kraft der Tendenz hin zu einem zu verbessern" - und sie hob hervor, daß Zeit für eine
Internationalismus zu nutzen, um die bösartigsten nochmalige Erwägung bleibe - werde der SicherheitsTeile dieser kleineren ethnischen Konflikte zu spren- rat "weitere Schritte unternehmen müssen".
gen. Ethnische Identifikation sollte der Botschafterin
zufolge nicht mit Grenzen assoziiert werden, und in Zu Libyen erklärte Albright, die Erneuerung der SankZukunft sollte größeres Gewicht auf die Respektierung tionen des UNO-Sicherheitsrates vom April sei unzureichend. Die Vereinigten Staaten werden daran arkultureller Unterschiede gelegt werden.
beiten, "die Sanktionen vor der nächsten Überprüfung
Die Rednerin sprach auch andere Regionen der Welt im Juli zu verschärfen", fügte sie hinzu, da Libyen
an, in denen sich die Clinton-Administration um Arbeit "seiner Verantwortlichkeit oder Haftbarkeit" für terrorimit "unbußfertigen" Staaten, einschließlich Nordko- stische Gewalttaten, beispielsweise des Bombenanrea, Irak und Libyen bemüht habe. Sie beschrieb ein schlags von Lockerbie, nicht entfliehen könne.
neues, unglückliches Konzept einer Welt, die gespalten sei zwischen Nationen, die ein Interesse am inter- Die Botschafterin bezeichnete den Irak als "eines der
nationalen System haben und denjenigen Regimen, unbu ßf ertigsten und brutalsten aller herausfordernden
die jenseits der Grenzen des Erlaubten "herausfor- Regime". Die Clinton-Administration gibt Albright zufolge "Baghdad ein klares Zeichen, daß sie die volle
dernd" seien.
Einhaltung aller Resolutionen des UNO-Sicherheitsra
Die jüngste Entscheidung Nordkoreas, sich nicht an tes erwartet". Die Führung des Irak müsse akzeptiedas Atomsicherheitsabkommen der Internationalen ren, "daß die internationale Solidarität stark ist und daß
Atomenergieorganisation zu halten sowie seine An- es keinen Ausweg aus der vollen Einhaltung der
kündigung, es plane seinen Ausstieg aus dem Nicht- Resolutionen des Sicherheitsrates gibt".
verbreitungsvert rag von 1968 ist Albright zufolge "eine
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 16

�JEFFERSON
21. April 1993

WANDEL SOLL ZEITLOSE WERTE BEWAHREN
Ansprache Clintons zu Thomas Jefferson
WASHINGTON - (AD) - Thomas Jefferson hat verstanden, daß sich Menschen ändern müssen, um zeitlose
Werte zu bewahren, äußerte Präsident Clinton, "und freie Menschen müssen Mittel und Wege suchen, um einen
tiefgreifenden und gleichzeitig friedlichen Wandel herbeizuführen."
In einer Rede vor dem Jefferson-Memorial am 13. April 1993 zum Gedenken an den 250. Jahrestag der Geburt
des dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten erklärte Clinton: "Zweifelsohne beabsichtigte Jefferson mit
seinem Ruf nach Wandel, daß er Generation um Generation seinen Widerhall finden würde."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache Präsident Clintons im Wortlaut:

Heute begehen wir den Geburtstag des vielleicht herausragendsten Gründervaters unserer Nation in einer
Umgebung, die Thomas Jefferson sicherlich gefallen
hätte, einer Umgebung, die vom Menschen geschaffene architektonische Schönheit mit der begeisterungswürdigen Seite der Natur vereint, mit den Kirschblüten,
die überall um uns herum ihre Blüten entfalten.

sprechen. Er hätte sicherlich genügend Ideen, was wir
unternehmen sollten, denn er war eine Persönlichkeit,
die gesegnet war mit einem Auge für Erfindungen,
einem Ohr für Musik, den Händen eines Farmers, dem
Geist eines Philosophen, der Stimme eines Staatsmannes, der Seele eines die Wahrheit suchenden
Menschen.

Thomas Jefferson pflegte mit einer gewissen Portion
Stolz zu sagen, daß er stets vor Sonnenaufgang
aufstand, und er war stolz darauf, selbst im Alter von
mehr als 70 Jahren jeden Tag mehrere Kilometer
reiten zu können, ohne zu ermüden. Zu Ehren seines
Geburtstages bin ich heute morgen ebenfalls früh
aufgestanden, und da ich in der Nähe des Weißen
Hauses keine Pferde vorfand, bin ich um das schöne
Tidal Basin gejoggt, wo ich viele meiner Mitbürger traf,
die sogar noch vor mir, bei Tagesanbruch, dort waren,
um diesen herrlichen Anblick zu genießen.

Das Genie Thomas Jeffersons war seine Fähigkeit,
dem Heute das Meiste zu entringen, ohne das Morgen
aus den Augen zu verlieren, in großen Kategorien zu
denken und sich gleichzeitig an den kleinen Dingen des
Lebens zu erfreuen. Am wichtigsten ist vielleicht: Er
verstand, daß sich die Menschen ändern müssen,
damit wir unsere zeitlosen Werte bewahren können.
Und freie Menschen müssen Mittel und Wege suchen,
um einen tiefgreifenden und gleichzeitig friedlichen
Wandel herbeizuführen.

Heute legen wir zu Ehren von Thomas Jefferson
Kränze nieder, während sein Ebenbild hinter uns sichtbar ist. Aber es gibt gar nicht genug Bronze, um die
Größe eines Mannes widerzugeben, der uns half, den
Weg für unsere Nation zu bahnen, der selbst die
Prinzipien aufstellte, die uns als Amerikaner und als
freiheitsliebende Menschen weiterhin leiten.

Wenn Sie nach der Zeremonie noch einmal zu dem
Monument zurückkehren, werden Sie an der Wand die
folgende Inschrift lesen können:
"Gesetze und Institutionen müssen Hand in Hand mit
dem Fortschritt des menschlichen Geistes gehen,
während dieser sich entwickelt, erleuchtet wird, während neue Entdeckungen gemacht und neue Wahrheiten gefunden werden und sich die Sitten und Ansichten
ändern. So, wie sich die Umstände ändern, müssen
sich auch die Institutionen weiterentwickeln, um mit der
Zeit Schritt zu halten."

Dieses Monument wurde, wie bereits erwähnt, vor
einem halben Jahrhundert aus Anlaß von Jeffersons
200. Geburtstag von Präsident Franklin Roosevelt
eingeweiht, einem würdigen Erben Jeffersons. Wäre
Jefferson heute hier anwesend, würde er wohl nicht Eine äußerst moderne Aussage unseres dritten Präsiwollen, daß viel über das Amerika seiner Zeit gespro- denten. Zu seiner Zeit war das Tempo des Wandels
chen wird; vielmehr würde er über das heutige Amerika enorm. Erinnern Sie sich - unter Jeffersons PräsidentAMERIKA DIENST 16

Seite 1

�schaft gab das Dampfschiff sein Debüt und revolutionierte das Reisen. Die Einfuhr von Sklaven wurde verboten und ebnete den Weg zur Emanzipation und Neuordnung der Gesellschaft. Und er erwarb Louisiana für
die damals ungeheure Summe von 15 Millionen Dollar.
Es hat sich als au ßerordent lieh solide Investition erwiesen, die Größe unserer Nation verdoppelt, eine neue
Grenze geöffnet und mir gestattet, in den Vereinigten
Staaten von Amerika geboren zu werden - ebenso wie
vielen unter Ihnen, nehme ich an.

licher Gesundheitsfürsorge hat - etwas, das wir hoffentlich in Kürze ändern können.

Wenn Sie die Stufen hinaufgehen und lesen, was auf
den Wänden steht, so finden Sie eine unglaublich
bewegende Äußerung, in der Jefferson erklärt, der
Gedanke ließe ihn erzittern, daß Gott gerecht sei,
wenn er die wahre Bedeutung der Institution der Sklaverei bedenke. Ich glaube daher, daß er über die
Fortschritte erfreut wäre, die wir im Bereich der Menschenrechte erzielt haben, und wie wir jetzt über rasOb Sie es glauben oder nicht, jeder Schritt auf Jeffer- sische Grenzen hinweg zusammenleben. Weil er
sons Weg traf jedoch auf Widerstand. Die einen waren einen so überzeugten Glauben an die Freiheit des
gegen den Kauf von Louisiana, andere widersprachen einzelnen hatte, wäre er aus meiner Sicht erfreut über
seinem für die damalige Zeit radikalen Konzept der die Bandbreite der Wahlfreiheiten des einzelnen und
menschlichen Freiheit sowohl im Hinblick auf Einzel- der Redefreiheit, die das amerikanische Volk heute
personen als auch die Beschränkungen der Regie- genießt - sogar Dinge zu sagen, die er als ungehörig
erachten würde, denn er war sich der unmißverständrung. Er kämpfte und überstand.
lichen Bedeutung des ersten Zusatzartikels bewußt.
Ich frage mich, was er über unsere Zeit sagen würde,
in der das Tempo des Wandels noch schneller ist. Ich Ich glaube, er wäre jedoch abgestoßen von dem
glaube, er wäre sehr stolz auf die Tatsache, daß wir Mangel an Selbstachtung und Selbstkontrolle und
jetzt Mittel und Wege gefunden haben, unser Wissen Respekt für andere, der sich in der Art blinder Gewalt
alle paar Jahre buchstäblich zu verdoppeln. Aber ich manifestiert, deren Opfer diese und andere Städte in
glaube auch, er wäre sehr enttäuscht, daß das Ver- den vergangenen Jahren wurden und erschreckt über
ständnis von Wissenschaft und Mathematik - die er so die Millionen junger Menschen, die niemals das volle
liebte - in unserem Land noch immer so begrenzt und Ausmaß ihrer Freiheit kennenlernen werden, weil sie
verglichen mit dem Stand zahlreicher anderer Natio- ohne Ordnung, ohne Liebe, ohne Familie, selbst ohne
nen unzureichend ist.
die grundlegende Sicherheit aufgewachsen sind, die
Menschen als Bürger einer echten Demokratie fast
Meines Erachtens wäre er erfreut, daß die Prinzipien schon als selbstverständlich hinnehmen. Mit anderen
der Freiheit, für die er sein gesamtes Leben eintrat, Worten, Thomas Jefferson würde uns wahrscheinlich
schließlich zum Ende des Kalten Krieges und dem sagen, daß dies eine Zeit ist, in der wir Wandel
Niedergang des Kommunismus geführt haben. Er bewirken müssen.
wäre andererseits aber auch zutiefst enttäuscht, daß
ethnischer und in Rassenfragen begründeter Haß die Zweifelsohne beabsichtigte Jefferson mit seinem Ruf
Welt immer noch zu einem so gefährlichen und unsi- nach Wandel, daß er Generation um Generation seicheren Ort macht, auf eine Weise, die in krassem nen Widerhall finden würde. Er vertrat die Auffassung,
Gegensatz zu dem steht, was er als Vernunft definier- wenn wir die Verfassung in ihrem eigentlichen Sinne
te.
geltend machten, würden Amerikaner mit Mut und
gutem Willen sich immer und ewig mehrheitlich für
Meiner Ansicht nach wäre er stolz auf den technologi- einen Wandel aussprechen, wenn dies von ihnen
schen und wirtschaftlichen Fortschritt dieser Zeit, auf erwartet würde. Er glaubte an eine Regierung, die
die zunehmenden Verbindungen zwischen Menschen ständig durch Vernunft und den Willen des Volkes
in einer Weltwirtschaft über nationale Grenzen hin- reformiert wird.
weg. Er wäre jedoch auch auch zutiefst beunruhigt,
daß selbst die reichsten Länder einschließlich seiner Genau dies möchte die Administration nun bewirken.
geliebten Vereinigten Staaten jetzt enorme Schwierig- Wir wissen, daß unsere Volkswirtschaft trotz Wachskeiten haben, genügend Arbeitsplätze für ihre Bürger tums keine neuen Arbeitsplätze hervorbringt. Wir
bereitzustellen und soviel technologischer Fortschritt wissen, daß wir in den vergangenen 12 Jahren die
anscheinend zur Zerstörung eines Großteils der Umwelt Schulden dieses Landes vervierfacht haben, und wir
führt, um die er so besorgt war.
können dem nicht viel Positives entgegenhalten. Wir
wissen, daß die Bürger uns jetzt mutig aufgefordert
Meines Erachtens wäre Jefferson beeindruckt von den haben, die Probleme von Arbeitsplätzen und Defizit,
enormen Fortschritten im Gesundheitswesen. Er war von Umwelt, Bildungswesen und Krankenversichesehr um seine Gesundheit besorgt und wurde 83 Jahre rung in Angriff zu nehmen, zu versuchen, unsere
alt, größtenteils, weil er gut auf seine Gesundheit Bürger wieder an die erste Stelle zu setzen und die
achtete. Und er wäre wahrscheinlich etwas enttäuscht, Regierung für sie arbeiten zu lassen.
daß viele von uns sich nicht besser um sich kümmern,
und abgestoßen von dem bloßen Gedanken, daß die Das amerikanische Volk ist - ohne sich dessen bewu ßt
Vereinigten Staaten das einzige fortschrittliche Land zu sein - mit Leib und Seele dem Wandel verpflichtet,
sind, in dem nicht jeder Bürger Zugang zu erschwing- den Thomas Jefferson auf ewig in unserer Verfassung
Seite2

AMERIKA DIENST 16

�verankern wollte. Denn letzten Endes war sich Jefferson der Tatsache bewußt, daß kein Politiker, keine
Regierung, kein Stück Papier für das amerikanische
Volk leisten könnte, was es für sich selbst tun muß. Er
verstand vielleicht besser als viele seiner Kollegen,
daß die Bürger dieses Landes stets nicht nur die
Verteidiger ihrer Freiheit, sondern auch die treibende
Kraft der Umgestaltung und Veränderung sein mußten.

fremde Menschen handelte. Jefferson selbst hat in
Monticello müden Reisenden oft sein Haus geöffnet.

Heute würden viele Bürger unseres Landes dasselbe
tun. Aber gemeinsam - gemeinsam - haben wir uns
weder den Problemen der müden Reisenden in unserem Land, noch den uns alle gemeinsam konfrontierenden Problemen gestellt. Wir können die Probleme
nicht ignorieren. Es ist Zeit für einen vernünftigen
Wandel. Es ist Zeit, daß die Amerikaner in unserer Zeit
Er wußte jedoch auch, daß die Regierung willens sein den Prinzipien gerecht werden, die in dieser prächtigen
muß, die Instrumente für diesen Wandel zu liefern. Gedenkstätte in Stein gemeißelt sind.
Und genau dies ist heute unsere Aufgabe. Schließlich:
Was ist eine gute Ausbildung anderes als ein Instru- Betrachten Sie nur die Schönheit, die uns heute umgibt.
ment für ein besseres Leben. Was ist ein Arbeitsplatz Wissen Sie, daß zu der Zeit Thomas Jeffersons fast
anderes als ein Instrument, um wirtschaftliche Unab- alles hier Sumpfland war? Die Menschen mieden
hängigkeit, Selbstachtung und Würde für den Arbeit- diesen Ort wie die Pest, weil sie Angst vor der Pest
hatten. Aber mit einem Plan, mit Investitionen, mit
nehmer und seine Familie zu schaffen.
Mühen und mit Vorstellungskraft gestalteten AmerikaWenn ich diese Nation betrachte, so weiß ich, daß der ner diesen Ort um. Und aus diesem unwirtlichen
Großteil dessen, was hier geschehen ist, Thomas Gebiet entstand die vor uns liegende Stadt, eine der
Jetferson mit Stolz und Genugtuung erfüllen würde. prächtigsten Hauptstädte der Weltgeschichte. Abar
Ich vermute, es würde ihn amüsieren, überraschen die Bauwerke um uns herum sind lediglich Gebäude.
und sehr stolz machen, wenn er wü ßte, daß im Alltags- Lebendig werden sie nu r, wenn sie von dem Willen der
leben der meisten Amerikaner Menschen von über 150 Menschen erfüllt werden. Das wußte bereits Thomas
rassischen und ethnischen Gruppen im allgemeinen Jefferson.
nicht nur friedlich und gesetzestreu, sondern auch in
gegenseitigem Respekt und einander bestärkend Wir sind die Erben des reichen Vermächtnisses von
zusammenleben. Ich denke, das würde ihn mit Stolz Jefferson. An diesem seinem 250. Geburtstag können
wir ihn am besten würdigen, indem wir uns unserer
erfüllen.
Rolle bei der Regierung unserer selbst und unserer
Meines Erachtens wäre er stolz auf die geistige Groß- Nation erinnern, zu sprechen, uns zu bewegen, uns zu
zügigkeit, die unser Volk charakterisiert und am deut- verändern, denn nur durch Veränderung bewahren wir
lichsten in einer Zeit nationaler Krise und nationaler die zeitlosen Werte, für die Thomas Jefferson vor über
Tragödie zum Ausdruck kommt. Schließlich gab man zwei Jahrhunderten sein Leben gab.
zu Zeiten Jeffersons Reisenden, die an die Türe klopften, Nahrung und Obdach, auch wenn es sich um völlig Ich danke Ihnen und Gott segne Sie.

*

AMERIKA DIENST 16

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Seite 3

�HAUSHALT
21. April 1993

CLINTON LEITET HAUSHALT 1994 DEM KONGRESS ZU
Ziele sind Wirtschaftswachstum und Defizitabbau
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat dem
Kongreß den von ihm bereits im Februar grob skizzierten Haushalt für 1994 vorgelegt, dessen Details auf
1.478 Seiten eingehend erläutert werden. Das vollständige, am 8. April 1993 übermittelte Dokument
sieht Vorschläge für Ausgaben in Höhe von rund 1,52
Billionen Dollar und Einnahmen von rund 1,22 Billionen
Dollar in dem Haushaltsjahr vor, das vom 1. Oktober
1993 bis zum 30. September 1994 dauert. Das Defizit
würde demzufolge von den im Haushaltsjahr 1993
erwarteten 322 Milliarden Dollar auf 264 Milliarden
Dollar sinken.
Vertreter der Administration erklärten vor Reportern,
der Haushaltsplan werde den Grundstein legen, um
Clintons Ziele zu erreichen - die Steigerung der Produktivität und des Wirtschaftswachstums bei gleichzeitigem Abbau des Defizits im Bundeshaushalt, das
viele für eine Bedrohung der langfristigen Wirtschaftskraft halten. Die Reduzierung des Defizits würde
demnach durch eine Kombination von Ausgabensenkungen bei einem breiten Spektrum von Programmen,
insbesondere in der Verteidigung, sowie Steuererhöhungen verwirklicht, die wohlhabende Amerikaner am
stärksten belasten.

schiedet, die nicht nur den Rahmen für die Durchführung eines Großteils von Clintons umfassendem Programm liefert, sondern noch über seinen Vorschlag
hinausgeht, indem sie über die von ihm beabsichtigen
weitere Ausgabenkürzungen von 59 Milliarden Dollar
vorsieht.
Die Zusammenstellung des detaillierten Dokuments
gestattet esdem Präsidenten jedoch, eine Feinabstimmung vorzunehmen und den Bewilligungsausschüssen des Kongresses bei ihrer Erarbeitung spezifischer
Steuer- und Ausgabengesetze in den kommenden
Monaten Leitlinien zu geben.
Clintons Haushaltsplan sieht einen Nettoabbau des
Haushaltsdefizits um insgesamt 447 Milliarden Dollar
über fünf Jahre vor. Bei Einbeziehung der vom Kongreß zusätzlich vorgenommenen Kürzungen sowie
daraus resultierenden Einsparungen bei Zinszahlungen auf die nationalen Schulden ergibt sich bis zum
Haushaltsjahr 1998 ein planmäßiger Defizitabbau von
514 Milliarden Dollar.

Bei der Erarbeitung der Defizitprognosen legten die
Regierungsvertreter die im Haushaltsdokument bezeichneten "äußerst vorsichtigen wirtschaftlichen
In einem kurzen Begleitschreiben erklärte Clinton, sein Annahmen" des Haushaltsbüros des Kongresses
Plan werde dazu beitragen, "die amerikanische Wirt- (Congressional Budget Office - CBO) zugrunde.
schaft wieder in Schwung zu bringen, die Finanzen des Wirtschaftsexperten der Regierung haben jedoch ihre
Bundes wieder auf eine solide Grundlage zu stellen eigene Schätzung angestellt - eine Prognose, die
und die Hoffnung in den Herzen der amerikanischen ihnen zufolge "den durchschnittlichen Prognosen der
Bürger wiederzubeleben".
Volkswirtschaftler sehr nahe kommt" und wesentlich

In mancher Hinsicht erscheint die gesetzlich vorgeschriebene Übermittlung des Haushaltsdokuments eher
unspektakulär. Für gewöhnlich gestattet sie einen
ersten Blick auf die haushaltspolitischen Prioritäten
eines Präsidenten. In diesem Jahr jedoch hatte Clinton bereits fast zwei Monate bevor seine Administration die mühsame Aufgabe beenden konnte, die vielen
tausend Zahlen zusammenzustellen, die in das Endprodukt einflössen, einen allgemeinen Abriß gegeben.
Mit ungewohnter Schnelligkeit hat der Kongreß sogar
bereits eine Haushaltsentschließung für 1994 verabAMERIKA DIENST 16

optimistischer ausfällt als die des CBO, ohne jedoch
völlig unrealistische Erwartungen zu haben.
Falls diese Prognose zutrifft und die zusätzlichen, vom
Kongreß verabschiedeten Ausgabenkürzungen in Kraft
treten, so der Haushaltsdirektor der Administration,
Leon Panetta, vor der Presse, könnte das jährliche
Defizit bis 1997 sogar auf 160 Milliarden Dollar anstatt
der im Haushalt des Präsidenten vorgesehenen 214
Milliarden Dollar sinken.
Vizepräsident Gore, Panetta und andere Regierungsvertreter benutzten die Pressekonferenz, um den
Seite 1

�Kongreß erneut zur Verabschiedung eines separaten trächtlich geringer ist." Diese Steuererhöhungen werden
Planes zur Schaffung von Arbeitsplätzen zu drängen, Bentsen zufolge "von steuerlichen Anreizen für die
den der Präsident als integralen Bestandteil seiner Unternehmen ausgeglichen, die die Wirtschaft dieses
Gesamtstrategie betrachtet.
Landes wieder in Schwung bringen".
Gore nahm stellvertretend für den Präsidenten, der
nach dem Tod seines Schwiegervaters Hugh Rodham
nach Little Rock gereist war, an der Pressekonferenz
teil.
Das 16,3 Milliarden Dollar umfassende Konjunkturprogramm zur Schaffung von Arbeitsplätzen hat nicht so
gut abgeschnitten wie der Haushaltsplan: Die Verabschiedung wurde im Senat von Republikanern blokkiert, die erklären, es enthalte verschwenderische
Ausgaben und würde das Defizit unnötig aufblähen.

Bentsen stellte fest, daß dem Plan zufolge für 98
Prozent aller Amerikaner der Einkommensteuersatz
nicht steigen wird und der Satz vom 15. April dieses
Jahres (dem jährlichen Abgabetermin für die Steuererklärung) "auch der Satz vom 15. April der Jahre 1994,
'95, '96 und '97 sein wird".
Auf die Frage, ob er einzelne Steuererhöhungen in der
Zukunft ausschließe - so wie es der ehemalige Präsident Bush in seinem Versprechen "keine neuen Steuern" getan hatte, das er später zurücknehmen mußte
- wollte Bentsen nicht so weit gehen. "Also, wir haben
solche Steuererhöhungen nicht geplant. Keine", stellte er fest.

Gore kritisierte die "Senatoren, die unser Paket zur
Schaffung von Arbeitsplätzen als Geisel betrachtet
und für eine Lähmung anstatt für Fortschritt gearbeitet
haben". Gorefuhrfort: "Wirwollen, daß dieses Patt mit Nachfolgend einige der Ausgabenposten im Budget
der Verabschiedung des dringlichen Konjunktur- und des Präsidenten:
Investitionsprogramms beendet wird, weil wir den
52 Milliarden Dollar in einem Zeitraum von fünf
Menschen Arbeit verschaffen und dazu beitragen
Jahren
für Investitionen in Autobahnen und öf
möchten, diesen Aufschwung zu verwirklichen, ihn so
fentliche
Verkehrsmittel, Umweltinfrastruktur, Bau
zu gestalten, daß er Arbeitsplätze für das amerikaniund
Restaurierung
von Häusern sowie Schutz
sche Volk schafft." Er forderte die Wähler auf, von
und
Entwicklung
alternativer
Energiequellen.
ihren Senatoren Maßnahmen zu verlangen, sobald die
gegenwärtige Sitzungspause des Kongresses beenWeitere 52 Milliarden Dollar in demselben Zeitdet ist.
raum für Erziehungs- und Reformprogramme;
die
volle Finanzierung des Head Start-ErzieAuf eine Frage bestätigte Finanzminister Lloyd Benthungsprogramms
für Vorschulkinder und des
sen, er habe mit dem Minderheitsführer im Senat und
WIC-Ernährungsprogramms
für Frauen, Kinder
führenden Gegner des Programms, dem Republikaund
Säuglinge;
ein
nationales
Programm des
ner Robert Dole, Gespräche über das KonjunkturproDienstes
an
der
Allgemeinheit
für Studenten
gramm geführt, und beide würden erneut miteinander
sowie
Initiativen
zur
Ausbildung
am ArbeitsKontakt aufnehmen, um ausder Sackgasse herauszuplatz.
kommen.
Auf die Frage, ob er Zugeständnisse ankündige, antwortete der ehemalige Senator Bentsen: "Ich habe seit
Jahren mit Senator Dole Verhandlungen geführt, und
wir werden diese Karten einzeln aufdecken."
Im Zusammenhang mit in dem Haushaltsplan enthaltenen Steuererhöhungen erklärte Bentsen, "der ganze
Prozess wurde dadurch erträglich, daß Präsident Clinton etwas vorlegte, das wir für faire Steuern halten."
Die vorgeschlagene neue Energiesteuer "wird zur
Energieeinsparung beitragen, die Abhängigkeit von
oftmals in politischer Hinsicht instabilen Ölförderregionen reduzieren, sie betrifft jede Region des Landes auf
gleiche Weise und kostet eine Familie mit einem
Jahreseinkommen von 40.000 Dollar jeden Monat 17
Dollar."
Andere Aspekte umfassen ihm zufolge "eine Einkommensteuer für die reichsten ein oder zwei Prozent der
Bevölkerung und einen Unternehmenssteuersatz, der
lediglich um zwei Prozent stieg, was im Vergleich zu
diesem Steuersatz in Japan und Deutschland beSeite 2

Ein Fünfjahresprogramm in Höhe von 32 Milliarden Dollar für die Ausweitung des Einkommensteuergutschriftprogramms und verstärkte weitere Anstrengungen, um Arbeiterfamilien den
Weg aus der Armut zu bahnen.
Ungefähr 4 Milliarden für unter dem Schlagwort
"Sichere Straßen" durchgeführte Initiativen zur
Verbrechensbekämpfung, beispielsweise ein Programm, das die Städte mit zusätzlichen 100.000
Polizeibeamten versorgt.
Ausgaben in Höhe von 32 Milliarden über einen
Zeitraum von fünf Jahren für das Gesundheitswesen und die Forschung im Bereich der Gesundheit der Frau, die gesamte Finanzierung
eines Vorsorge- und Behandlungsprogramms
gegen AIDS und Gesundheitsfürsorge für Veteranen.
50 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von
fünf Jahren für steuerliche Anreize für Unternehmen, einschließlich einer Steuergutschrift

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�fürdie Investitionen von Kleinunternehmern und
deren Befreiung von der Kapitalertragssteuer,
die Ausweitung von Steuergutschriften für Forschungsvorhaben sowie die Errichtung von
Unternehmenszonen in strukturschwachen
Gebieten.

diese einem ablehnenden, von Demokraten kontrollierten Kongreß vorgelegt wurden.

"Dieser Haushalt ist alles andere als kühn und bringt
den Amerikanern keinesfalls die Neuerungen, für die
sie sich bei den Wahlen ausgesprochen haben - dieser
Haushalt ist nichts anderes als eine Rückkehr zu der
Den Berechnungen der Administration zufolge werden gescheiterten Politik der Vergangenheit: höhere Steusich die Nettodefizitkürzungen in den nächsten fünf ern für jeden, erhöhte Ausgaben der Regierung und
Jahren zu 52 Prozent aus Ausgabenkürzungen und zu mehr Verwaltung", so Kasich in einer schriftlichen
48 Prozent aus Steuererhöhungen zusammensetzen. Stellungnahme.
Republikanische Kritiker vertreten die Ansicht, eine
exakte Berechnung würde zeigen, daß die Steuerer- Die Demokraten unterstützten im allgemeinen den
Plan des Präsidenten.
höhungen überwiegen.
Unter den Republikanern stieß die Freigabe des detail- Senator James Sasser, Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Senats, erklärte, das detaillierte
lierten Haushalts auf mehr Kritik.
neue Dokument werde Kongreßausschüssen bei der
Ausübung
ihres Haushaltsmandats als "Landkarte für
John Kasich, langgedientes Mitglied des Haushaltsdie
Prioritäten
des Präsidenten" dienen.
ausschusses des Repräsentantenhauses, bezeichnete den Haushaltsplan als "von vorneherein verschuldet". Das war ein Wortspiel mit dem Satz " von vorne- "Ich bin zuversichtlich, daß das Paket des Präsidenten
herein gestorben", der auf viele Budgets der Reagan- noch in diesem Sommer Gesetzeskraft erlangen wird",
und Bush-Administrationen angewandt wurde, wenn so Sasser.

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Seite 3

�HOLOCAUST

MUSEUM
21. April 1993

DAS WASHINGTONER HOLOCAUST MUSEUM EIN MANDAT DER "ERINNERUNG"
Eröffnung der Gedenkstätte für Opfer des Naziregimes

WASHINGTON - (AD) - Vor fünfzig Jahren wagte eine
belagerte, in einem von Mauern umgebenen Teil
Warschaus eingeschlossene Gruppe von Juden einen
bewaffneten Angriff auf ihre nationalsozialistischen
Peiniger. Der am 19. April 1943 begonnene spektakuläre Aufstand hatte zu wenig Schlagkraft und kam obwohl die Straßenkämpfer sich dessen zu jener Zeit
nicht bewußt waren - zu spät.
Denn die Verfolgung (und schließliche Vernichtung)
der Juden im Warschauer Ghetto spiegelte in einem
Mikrokosmos den methodischen, kontinentalen, von
Adolf Hitler und seiner Gefolgschaft sorgfältig geplanten Genozid wider, der für immer als Holocaust in die
Geschichte einging.
In den seit dem Zweiten Weltkrieg vergangenen Jahrzehnten lautete die mit dieser Vernichtung assoziierte
Losung stets "Erinnerung" - auf Hebräisch "Zachor".
Die Eröffnung des United States Holocaust Memorial
Museum im Zentrum Washingtons am 22. April 1993
verkörpert dieses Mandat.
Die Gründung des in unmittelbarer Nähe der von
Grünflächen umgebenen Mall in der amerikanischen
Bundeshauptstadt und sozusagen im Schatten des
Washington Monument gelegenen Museums geht auf
eine ungewöhnliche Initiative des öffentlichen und
Privatsektors zurück, die Amerika dazu verpflichtet,
eine qualvolle Lektion aus einem dunklen Kapitel der
Geschichte aufzuzeichnen und das Licht der Erinnerung darauf zu werfen.
Mit einem 1980 einstimmig vom amerikanischen Kongreß
verabschiedeten Gesetz wurde der 68 Mitglieder
(einschließlich 13 Regierungsvertretern der Exekutive
und des Kongresses) umfassende United States Holocaust Memorial Council gegründet und die Übergabe
von rund einem Hektar Land an das neue Gremium als
Standort der von James Ingo Freed entworfenen 21.000
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Quadratmeter großen Gedenkstätte beschlossen. Das
Gesetz legte ferner fest, daß alle Baukosten durch
private Spenden aufgebracht werden müssen.
Im Verlauf der 15 Jahre haben sich die Präsidenten
Jimmy Carter, Ronald Reagan, George Bush und Bill
Clinton mit der Geschichte und dem Fortschritt des
Projekts befaßt. Obwohl keiner von ihnen unmittelbar
Zeuge der Folgen des Holocaust war, sind sie im
Geiste und durch ihr Amt mit einem von denen verbunden, der sie gesehen hatte.
Präsident Dwight Eisenhower - in seiner damaligen
Funktion als Kommandeur der Alliierten Streitkräfte in
Europa - besuchte im April 1945 ein Konzentrationslager. "Ich sah es als meine Pflicht an, von jenem
Zeitpunkt an Zeugnis über das Geschehene ablegen
zu können, falls jemals zu Hause die Überzeugung
oder Vermutung aufkeimen sollte, 'die Geschichten
über die Brutalität der Nazis waren nur Propaganda'",
stellte er damals fest.
Wie viele der Institutionen an der Mall, beispielsweise
das Air and Space Museum, das National Museum of
Natural History und die National Gallery of Art, soll das
Holocaust Memorial Museum vor allem der Erinnerung
und der Erziehung dienen: den Horizont der Interessierten zu erweitern und revisionistischem Denken
entgegenzuwirken, vor dem schon Eisenhower warnte. Es ist das Hauptziel dieses Museums, mit Hilfe
verschiedener Mittel die Geschichte von Hitlers Versuch einer "Endlösung", der Ausrottung der europäischen Juden zwischen 1933 und 1945, zu erzählen.
Es wird jedoch nicht nur der Blick auf die Zerstörung
gelenkt, sondern eine Dauerausstellung wird auch
Symbole für Mut, Widerstand und Befreiung zeigen von den Juden, die im Warschauer Ghettoaufstand
gegen Panzer ankämpften bis zu denen, die über
Europa mit dem Fallschirm absprangen, um andere

Seite 1

�Juden zu retten, den "gerechten NichtJuden" in Europa,
die den Naziopfern zu helfen und sie zu schützen
versuchten, den amerikanischen Soldaten, die Auschwitz, Bergen-Belsen und andere Konzentrationslager befreiten.
Obwohl nahezu sechs Millionen Juden im Laufe der
Nazikampagne umkamen, waren sie nicht die einzigen, die ausgerottet werden sollten. Im Holocaust
Memorial Museum wird auch anderer Opfer gedacht Homosexueller, Polen, Sinti und Roma, politischer
Gefangener, Zeugen Jehovas und anderer.

Auf der zweiten Etage wird die grauenhafte Zeit - von
1939 bis 1945 - der Ghettoisierung, des Abtransports,
der Konzentration in Lagern und der Vernichtung dargestellt, aber auch Trotz und Widerstand sowie die
Aktivitäten mutiger NichtJuden, die viele Menschen
retteten. Auf der ersten Etage wird dokumentiert, wie
die Überlebenden in Amerika, Israel und Europa ein
neues Leben aufbauten - sowie die Suche nach Gerechtigkeit, Moral und Humanität unmittelbar nach der
Verwüstung.

Das Museum bietet noch weitere erzieherische Komponenten. Ein "Saal des Wissens" (Hall of Know
Sowohl in bezug auf seine Architektur, als auch im ledge), dessen interaktives, computergestütztes InHinblick auf die Ausstellungen, fesselt das neue Mu- ventar Wissenschaftlern und Forschem gestattet, selbseum die Aufmerksamkeit der Besucher. "Wie kann ständig Nachforschungen anzustellen. Eine ständig
ein Gebäude eine Katastrophe darstellen?", fragte der wachsende Sammlung von Kunstwerken, persönliArchitekturkritiker Herbert Muschamp 1989 in einem chen Gegenständen, mündlich überlieferten ZeugnisZeitschriftenartikel. "Welcher Formen bedient man sen und anderen Exponaten, die die Greueltaten des
sich, um ein amerikanisches Gebäude für ein Ereignis Dritten Reiches dokumentieren, sind in einem auf dem
zu schaffen, das weit entfernt stattgefunden hat?". Museumsgelände errichteten Forschungsinstitut unSeine Antwort lautete: Eine Mischung aus der Archi- tergebracht.
tektur des Washingtoner Regierungsviertels, des Klassizismus des 18. Jahrhunderts kombiniert mit moder- Zahllose Erinnerungsstücke - ein Viehwaggon, mit
ner Architektur des 20. Jahrhunderts und abstrakten dem Juden auf der unheilvollen Strecke von Warschau
Visionen der Konzentrationslager- und Ghettoarchi- in das Vernichtungslager Treblinka transportiert wurtektur, die an Eisentore, Ofenklappen und Ghettobrüc- den, ein unsicheres Holzboot der Art, wie sie die Dänen
ken erinnern.
benutzten, um Juden heimlich über das Meer nach
Schweden zu bringen, eine echte Baracke aus dem
Einer der visuellen Mittelpunkte des Museums ist der Frauenlager in Auschwitz, Kanister mit dem Giftgas
Saal der Erinnerung (Hall of Remembrance) - dessen Zyklon B, das für den Massenmord an den Juden
Form zu Ehren der sechs Millionen Toten und des benutzt wurde, Gebetsmäntel und Pappkoffer, gelbe
Davidsterns sechseckig ist. Wenn dort keine Ausstel- Judensterne, die zu tragen Juden zu ihrer Kennzeichlung untergebracht ist, bietet der helle Saal mit den nung gezwungen wurden, gestreifte Häftlingskleidung
klaren Linien die Möglichkeit, eine Pause einzulegen, - werden ausgestellt. Die Exponate wurden von Einnachzudenken und sich zu sammeln.
zelpersonen und ausländischen Regierungen gleichermaßen zur Verfügung gestellt.
Der Saal des Zeugnisses (Hall of Witness), der zentrale Sammelplatz für Besucher, durchzieht das Haupt- Und dann die Kinder - die eineinhalb Millionen, die als
gebäude. Muschamp wies bereits darauf hin, daß er Teil der sechs Millionen ihr Leben verloren - und die
mit seiner durch einen großen Riß gespaltenen Mar- jungen Besucher des neuen Museums, von denen
morverkleidung "ein Symbol für das Scheitern einer viele Kinder und Enkel der Überlebenden sind. TauZivilisation ist, aber auch für das Scheitern der Fähig- sende von Kacheln, handbemalt von amerikanischen
keit des Architekten, das Gesehene und seine Gefühle Grundschülern, bilden eine "Wand der Kinder", die in
darzustellen".
einem Flügel des Gebäudes aufgebaut wurde. "Die
Mit Hilfe der Dauerausstellung durchläuft der Besu- Geschichte von Daniel" ist Teil einer Ausstellung mit
cher des Holocaust Memorial Museums den zwölfjäh- dem Titel "Erinnert Euch der Kinder" (Remember the
rigen Abstieg bis zu dem, was der Nobelpreisträger Children), in der die Ereignisse des Holocaust aus der
Elie Wiesel, ein Überlebender des Holocaust, "das Perspektive eines Kindes dargestellt werden, die auf
Dauer im Museum gezeigt wird.
Königreich der Nacht" nannte.
Der Besucher erhält eine paßähnliche Ausweiskarte
mit dem Namen eines tatsächlichen Opfers oder
Überlebenden (die Informationen werden im Verlauf
des Besuchs aktualisiert) und beginnt seine Tour im
dritten Stock des Gebäudes, in dem an die Anfangstaten des Hitlerreiches erinnert wird - die zunehmende
Unterdrückung, Bücherverbrennungen, die Nürnberger Rassengesetze, die systematische Zerstörung
von Synagogen und anderen jüdischen Einrichtungen
im Rahmen der Reichskristallnacht.
Seite 2

Seit das Konzept und der vorgeschlagene Ort für das
Museum vor einigen Jahren bekanntgegeben wurden,
ist eine Frage wiederholt gestellt worden: Warum
sollte eine solche Einrichtung - die Zeugnis von Schrekken, und zwar weit entfernten Schrecken ablegt - unter
den kulturellen und historischen Monumenten der
Vereinigten Staaten angesiedelt werden?
Die Antwort liegt in der Aufgabe des Holocaust Memorial Museum begründet, Aufzeichnungen zu sammeln

AMERIKA DIENST 16

�und die Erinnerung wachzuhalten. Durch die Darstellung der furchtbaren Verbrechen an Juden und anderen in Übersee schärft es das Bewußtsein gegenüber
jeglicher Bedrohung der Demokratie und - wie Projektleiter Michael Berenbaum in seinem Museumskatalog
schreibt - unterstreicht, "wie zerbrechlich die Demokratie ist".

Laut Berenbaum ist das Museum weit mehr als eine
Gedenkstätte für den Völkermord an den Juden: "Es
ist ein Zeugnis und vielleicht auch eine Herausforderung für das zentrale Thema jeder demokratischen
Gesellschaft: die Verantwortung des einzelnen in
einer freien Gesellschaft sowie einer demokratischen
Wetten verpflichteten Nation, wenn die Freiheiten des
Menschen ernsthaft in Gefahr sind."

* * * * *

AMERIKA DIENST 16

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�PORTRAT
21. April 1993

DUFFEY SIEHT "AUFREGENDE PERIODE"
STAATLICHER ÖFFENTLICHKEITSARBEIT
Porträt des designierten USIA-Direktors Joseph Duffey

WASHINGTON - (AD) - Wenn Joseph Duffey sein Amt
als Direktor des US-Informationsamts (USIA) antritt,
wird ersieh bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben auf
starke freundschaftliche Bindungen zu Präsident Clinton sowie seine allseits anerkannten Fähigkeiten in
den Bereichen der höheren Bildung, Soziologie und
des kulturellen Austauschs stützen können.

erklärte der Washington Post, Duffey habe der Universität ein Gefühl der Zielstrebigkeit und Prestige
verliehen und dazu beigetragen, einen neuen Sinn für
Gemeinschaft zu wecken, "so daß die Studenten das
Gefühl hatten, stärker gehört zu werden".

In einem Essay, das 1990 im USIA-Magazin Impact
veröffentlicht wurde, brachte Duffey, der bei der GrünClinton erklärte, Duffeys "fachliche Qualifikationen in dung des Nationalen Rates für Wettbewerbsfähigkeit
den Bereichen Bildungswesen, Kommunikation und mitgewirkt hat, sein Vertrauen in die Zukunft der Verauswärtige Angelegenheiten sind enorm und werden einigten Staaten zum Ausdruck. In dem Beitrag "Global
ihm gute Dienste leisten, wenn er an die Spitze des Competitiveness: Getting the U.S. Back on Track",
USIA tritt und darauf hinarbeitet, die Ideale von Demo- stellte er fest, das 21 .Jahrhundert "könnte sehr gut von
steigenden Lebensstandards, sich lohnender Arbeit
kratie und Freiheit im Ausland zu fördern".
sowie einer starken und positiven amerikanischen
Als er die American UnK/ersity davon in Kenntnis Präsenz charakterisiert werden". Eine solche Zukunft,
setzte, daß er nach zwei Jahren als deren Präsident so erläuterte er, müsse jedoch geschaffen werden und
dieses Amt zur Verfügung stelle, verwies Duffey dar- "kommt nicht von selbst".
auf, er werde "die Verantwortung für eine Behörde
übernehmen, deren Auftrag die Verbesserung des Duffey schrieb, ein wohlhabendes Amerika des 21.
Verständnisses der Vereinigten Staaten" in anderen Jahrhunderts "wird grundlegende Veränderungen in
unserer Haltung zur Arbeit, zum Staat und in den
Ländern und Regionen sei.
Beziehungen zwischen Arbeitgebern und ArbeitnehDer designierte Direktor stellte fest, dies sei eine mern erfordern". Die Vereinigten Staaten sollten von
wichtige und aufregende Periode in der staatlichen ihren Handelspartnern lernen, wie nützlich "nationale
Öffentlichkeitsarbeit. Der Vorsitzende des Beirats der Verpflichtungen für die langfristige WettbewerbsfähigAmerican University, Edward Carr, äußerte, Duffey keit" seien.
werde "zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die
Verbesserung amerikanischer Öffentlichkeitsarbeit im Ein anderer Artikel mit dem Titel "Japan Bashing Won't
Ausland" für das US-Informationsamt "Format und Help U.S." wurde 1985 von der Zeitung The SpringKreativität" mitbringen.
field Republican abgedruckt. Neben Beiträgen über
wirtschaftliche und soziale Fragen hat Duffey zahlreiDas weiße Haus gab seine Absicht, den 60jährigen che Arbeiten über das höhere Bildungswesen veröfDuffey als 13. Direktordes Amts zu nominieren, am 15. fentlicht.
April 1993 bekannt. Die Berufung bedarf der Bestätigung durch den Senat.
Bevor Duffey 1991 sein Amt als 12. Präsident der
American University antrat, war er seit 1990 Präsident
Duffey, der an der Universität auch einen Lehrstuhl für der University of Massachusetts und davor seit 1982
Soziologie innehatte, wird aufgrund seiner starken Kanzler der Massachusetts State University gewesen.
Präsenz auf dem Campus, seiner Fähigkeiten im Damals hatte er dazu beigetragen, durch den Aufbau
Umgang mit Menschen und der Betonung von Team- einer wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und den
arbeit in Erinnerung bleiben. Ein Professorenkollege
AMERIKA DIENST

Sehe 1

�Ausbau der Forschungsstipendien für den Lehrkörper
den Bekanntheitsgrad der Universität zu verstärken.
1978 war er von Präsident Carter zum Vorsitzenden
der Nationalen Stiftung für Geisteswissenschaften (The
National Endowment for the Humanities - NEH) ernannt worden. Er bekleidete dieses Amt bis 1982, ein
Jahr, nachdem Reagan Präsident geworden war. Bei
der NEH leitete er ein komplexes nationales Förderprogramm zur Unterstützung von Museen, Forschungsstipendien, öffentlichem Feinsehen und Bibliotheken.
Seine Konzentration auf Qualität und interdisziplinäre
Forschung verfolgte das Ziel, die Geistes- und Sozialwissenschaften zu verbinden, insbesondere im Bereich der internationalen Beziehungen. Während seiner Amtszeit war er in der Lage, der NEH in einer Zeit
staatlicher Ausgabendisziplin die Unterstützung von
Regierung und Kongreß zu bewahren.
Unmittelbar vor der Übernahme dieses Postens war
Duffey als Abteilungsleiter im Außenministerium mit
der Aufsicht über die Tätigkeit des Büros für Bildungsund Kulturangelegenheiten betraut, das vor der Verlagerung in den Aufgabenbereich des US-Informationsamts das Fulbright-Programm verwaltete.

Examina in Theologie ab und promovierte 1969 an der
Hartford Seminary Foundation of Connecticut. Seine
Dissertation war einem amerikanischen Sozialphilosophen und Architekturkritiker gewidmet und trug den
Titel "Lewis Mumford's Philosophy of Technology and
Cufture".
Der ordinierte baptistische Geistliche Duffey war in
Connecticut in den sechziger Jahren in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und arbeitete mit führenden
Persönlichkeiten wie Martin Luther King und Andrew
Young zusammen. Darüber hinaus organisierte er
College-Protestveranstaltungen gegen den Vietnamkrieg.
Der seit langem mit der Demokratischen Partei verbundene Duffey war im Präsidentschaftswahlkampf
Jimmy Carters in Washington als Berater für politische
Fragen und Wahlkampfthemen zuständig und arbeitete danach in dessen Übergangsteam. Darüber hinaus
war er Vorsitzender der Organisation Americans for
Democratic Action sowie 1968 Ko-Vorsitzender der
erfolglosen Wahlkampagne von Eugene McCarthy.

Der designierte Direktor traf Präsident Clinton 1970
während einer erfolglosen Senatskandidatur gegen
Duffey wurde von 14 amerikanischen Colleges und Lowell Weicker aus Connecticut. Der damalige JuraUniversitäten mit der Ehrendoktorwürde ausgezeich- student Clinton an der Yale University arbeitete in
net. Unter anderem wurde ihm vom belgischen König Duffeys Wahlkampfteam, und diese Erfahrung soll ihn
der Kronorden (Order of the Crown) im Range eines motiviert haben, selbst ein politisches Amt anzustreKommandeurs verliehen. Der höchste jemals an einen ben.
Ausländer verliehene Rang wurde ihm für seine Unterstützung der Künste im Rahmen einer amerikanischen Duffeys Frau Anne Wexler war seine WahlkampfleiteTournee durch zahlreiche Städte beim "Festival Bel- rin in Connecticut. In der Carter-Ära war Wexler
Stellvertretende Staatssekretärin im Handelsministegien Heute" zuerkannt.
rium. Sie ist in Washington als Lobbyistin der Wexler
Der designierte Direktor erwarb 1954 an der Marshall Group, eines mit der PR-Firma Hill &amp; Knowlton verbunUniversity in Huntington (West Virginia) den Grad denen Unternehmens, bekannt.
eines Bachelor of Arts in Geschichte und Altgriechisch,
legte 1958 an der Andover Newton Theological School Duffey und Wexler leben in Washington und haben je
of Massachusetts und 1963 an der Yale University zwei Söhne aus erster Ehe.

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AMERIKA DIENST 16

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