<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<itemContainer xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/browse?output=omeka-xml&amp;page=126&amp;sort_field=Dublin+Core%2CTitle" accessDate="2026-11-04T19:34:47+00:00">
  <miscellaneousContainer>
    <pagination>
      <pageNumber>126</pageNumber>
      <perPage>10</perPage>
      <totalResults>2223</totalResults>
    </pagination>
  </miscellaneousContainer>
  <item itemId="1654" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1665">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/3d2acf1039ef53816aaf67fae83546ff.pdf</src>
        <authentication>4e16da03af77b7200d3e7e3561702994</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8519">
                    <text>3

1

I

Information
und
pH;i'iiiWiTCT
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. September 1979

38

INHALT

DOKUMENTATION
Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung
- Wortlaut Brown erläutert den Verteidigungshaushalt der USA
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats

Carter und Vance würdigen Fortschritte seit Camp David
- Wortlaut der Erklärungen -

HINTERGRUNDMATERIAL
Nachrichtensatelliten-Schaltzentralen am Himmel

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Omni bus mit Turbomotor
- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf überlandlinien
Aminosäuren in Antarktis-Meteoriten

Um Übef/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�1

1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

REDE VON AUSSENMINISTER VANCE VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyros
Vance hat am 24. September 1979 vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen
die weltpolitische Position der Vereinigten Staaten erläutert und dabei auch
vor einer Verschlechterung des amerikanisch-sowjetischen Verhältnisses gewarnt,
wenn das Problem der sowjetischen Kampftruppen auf Kuba nicht befriedigend gelöst werden könne.

Die Rede von Vance hat folgenden Wortlaut:

Wir kommen in dieser Sitzungsperiode der Vollversammlung an der Schwelle
eines neuen Jahrzehnts zusammen.

Es wird eine Zeit komplexer Herausforderungen sein - eine Zeit, in der
mehr als je zuvor kooperative Anstrengungen von Nationen nicht nur eine Sache
des Idealismus, sondern des direkten Selbstinteresses sein werden.

Das jetzt zu Ende gehende Jahrzehnt ist durch raschen Wandel gekennzeichnet gewesen - weitreichenden und grundlegenden Wandel.
- Wir

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�- Wir haben es mit furchterregenden technologischen Entwicklungen zu
tun.
Die Erringung nationaler Unabhängigkeit hat die politische Geographie
unseres Planeten verändert.
- Innerhalb der Nationen erleben wir ein beschleunigtes Anwachsen wirtschaftlicher, politischer und sozialer Erwartungen des einzelnen.
- Die unerbittliche Feindseligkeit des Kalten Krieges hat einem vielfältigeren Verhältnis zwischen Ost und West Platz gemacht, das Elemente des Wettstreits und der Zusammenarbeit enthält.
- Die simple Vorstellung von einer bipolaren Welt ist überholt.

In zu-

nehmendem Maße breiten sich neue Systeme und Treueverhältnisse aus, und die
politische und militärische Macht verteilt sich immer mehr.
- Auch die Weltwirtschaftsordnung unterzieht sich unerbittlicheren Veränderungen. Viele Länder, die früher zu den benachteiligten gehörten, erringen heute globale Wirtschaftsmacht. Die wirtschaftliche Interdependenz
ist für die Bürger aller Länder zu einer Realität des täglichen Lebens geworden.
Diese tiefgreifenden Veränderungen haben sich meist in konstruktiver
Weise ausgewirkt - sie haben das Leben zum Besseren verändert und neue Möglichkeiten für kollektive Anstrengungen und schöpferische Diplomatie erschlossen.
Aber während diese Entwicklungen zeigen, daß ein Fortschritt möglich ist,
zeigen sie keineswegs, daß er unausweichlich ist. Ich sage das aus zwei Gründen.
Erstens, in einer Reihe von Gebieten wird das Tempo des derzeitigen Fortschritts durch den gewaltigen Umfang der kommenden Herausforderungen minimalisiert.
Das nächste Jahrzehnt wird darüber entscheiden, ob wir die kollektive
Klugheit und den gemeinsamen Willen besitzen, eine Reihe zwingender und miteinander zusammenhängender Probleme zu überwinden, die umfassend gelöst werden
müssen.
- Die

�II»««!" "

- Die Notwendigkeit, neue Formen der Energie zu entwickeln, wird eine
ständige Herausforderung darstellen.

Wir sind in die schwierige Übergangs-

phase von einer Erdölwirtschaft in eine auf anderen Energiequellen basierende
Wirtschaft eingetreten.

- Selbst ohne diese zusätzliche Bürde stehen wir vor der zwingenden
Aufgabe, den Menschen ihre Grundansprüche zu erfüllen und das brandgefährliche
Mißverhältnis

zwischen Reichtum und Verzweiflung zu verkleinern.

Die Nah-

rungsmittelknappheit in den Entwicklungsländern bezifferte sich beispielsweise 1975 auf 12 Millionen Tonnen.

Sie könnte sich bis 1990 auf 70 bis 85

Millionen Tonnen erhöhen, wenn nicht eine starke Erhöhung der Produktion eintritt.

- Wir müssen einen vernünftigen Ausgleich zwischen den überquellenden
Ansprüchen von mehr Menschen nach einem besseren Leben und der unausweichlichen
Realität einer zerbrechlichen Umwelt finden.
- Solche Aussichten tragen den Samen künftigen Streits in sich.

Wenn

diese Saat reift und die Zunahme und die Ausbreitung der Waffen anhält, dann
werden regionale Konflikte umso gefährlicher - was ihre Opfer an Menschen und
Material und was das erhöhte Risiko einer Ausbreitung der Konfrontation angeht.

- Und obgleich wir die Tage der unerbittlichen Feindschaft überwunden haben, können sich die Ost-West-Beziehungen in gefährlicher Weise verschlechtern,
wenn eine Seite die Sicherheitsinteressen der anderen mißachtet.

Unsere Fähigkeit, diese Aufgaben zu meistern, hängt von einem zweiten
Problem ab:

Werden wir uns diesen Herausforderungen gemeinsam stellen und ge-

meinsam profitieren? Oder werden wir uns durch Abneigung teilen und damit beherrschen lassen?

Ich muß ganz offen sagen, daß ich die Antwort darauf nicht sicher weiß.

Es
- 3 -

�Es gibt einige Gründe zur Ermutigung.

In den letzten Jahren wurde es

für die hier versammelten Nationen leichter, in vielen verschiedenen Gremien
eher miteinander als übereinander zu sprechen.
Ost und West sind in die umfassendsten RüstungskontrollVerhandlungen
der Geschichte eingetreten.

Die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ha-

ben bedeutsame Begrenzungen der strategischen Waffen in einem Vertrag ausgehandelt, der nun auf seine Ratifizierung wartet.
Nord und Süd haben Fortschritte bei Finanz-, Handels- und Rohstoffthemen
erzielt - weit mehr Fortschritt als öffentlich zugestanden wird.

Einigung

wurde erzielt über eine starke Erhöhung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Die Darlehen durch die multilateralen Entwicklungsbanken

sind angestiegen.

Ausgedehnte Handelsmöglichkeiten haben sich durch die kürz-

lich abgeschlossenen Handelsverhandlungen eröffnet. Auch in anderen Bereichen
sind wir vorangekommen - wie etwa bei den internationalen Schulden und bei
einem Gemeinsamen Rohstoffonds.. Wir sollten diesen Fortschritt erkennen
und auf ihm aufbauen.
Auch in Richtung auf eine Lösung einiger tiefverwurzelter regionaler
Streitigkeiten haben wir Schritte unternommen.
Aber gleichzeitig bin ich besorgt darüber, daß Faktoren am Werk sind,
die diesen kooperativen Trend umkehren könnten.
Der Ernst der Probleme, denen wir gegenüberstehen, könnte Länder dazu
veranlassen, ihre eigenen separaten Vorteile auf Kosten der internationalen
Zusammenarbeit zu verfolgen. In Zeiten wirtschaftlicher Schwierigkeiten wird
es sogar für verhältnismäßig wohlhabende Länder schwieriger, über ihre eigenen internen Anliegen hinauszublicken und sich den internationalen Bedürfnissen zu stellen. Die Geschichte lehrt uns in eindrucksvoller Weise, daß
Not kurzfristige Abkapselung hervorbringen kann. Not kann Instinkte der Selbsterhaltung auf Kosten der anderen wecken. In solchen Zeiten erheben sich die
- 4 -

�die Stimmen des wirtschaftlichen Nationalismus in allen unseren Ländern.
Wir müssen ihnen widerstehen.
Genauso müssen wir den Stimmen der internationalen Konfrontation widerstehen.

In einer Reihe internationaler Verhandlungen - politischen wie wirt-

schaftlichen - haben wir uns durch einige der schwierigsten Themen hindurchgearbeitet, die zur Debatte standen.

Nun dürfen wir uns nicht dem Gefühl der

Vergeblichkeit hingeben und eine Spirale der Rhetorik freisetzen, die das
Trennende eher vertieft als es zu überbrücken.

Wir können uns den Herausforderungen der achtziger Jahre stellen, wenn
ein jeder der hier Versammelten sich der Verantwortung stellt, die wir alle
teilen.
Unsere vorrangigste Aufgabe besteht darin, die Suche nach dem Frieden
fortzusetzen und die Gefahr und Zerstörungskraft des Krieges zu vermindern.

Die Zukunft zweier Regionen - des Nahen Ostens und des südlichen Afrikas hängen von den wesentlichen Entscheidungen ab, die in den kommenden Monaten
gefällt werden.

Wir sind der Meinung, daß der Vertrag vom 26. März 1979 zwischen Ägypten
und Israel die dem arabisch-israelischen Konflikt innewohnenden Gefahren vermindert und einen Grundstein für einen Ausgleich gelegt hat, der dauerhaft
und gerecht sein kann.

Aber der spektakuläre Friedensschluß zwischen Israel und Ägypten und
die erfolgreiche Ausführung der ersten Schritte des Friedensvertrags haben
die Notwendigkeit nicht verschleiern können, auf einen Frieden zwischen Israel
und seinen anderen Nachbarn hinzusteuern.

Es bleibt in der Tat die feste Ansicht meiner Regierung, daß weiterer
Fortschritt in Richtung auf einen umfassenden Frieden wesentlich ist.
Wir
- 5-

�Wir wissen, daß eine endgültige Regelung sich den legitimen Rechten des
palästinensischen Volkes zuwenden muß. Die Frage der Palästinenser muß in
allen ihren Aspekten gelöst werden.
Während der Friedensprozeß sich weiterentwickelt, ist es unser tiefster
Wunsch, daß Vertreter des palästinensischen Volkes und der Regierungen von
Jordanien und Syrien sich dieser Suche anschließen mögen.
Dies steht in Übereinstimmung, ja, unterstreicht, unsere unerschütterliche Verpflichtung gegenüber Israels Sicherheit und Wohlergehen - jetzt
und in der Zukunft.
Keine der in diese schwierigen Verhandlungen verwickelten Parteien mächt
sich Illusionen darüber, daß die Lösung der palästinensischen Frage leicht
sein wird.

Aber die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß Fortschritte

auf dieses Ziel hin gemacht werden.
Die Erhaltung der Integrität des Libanon ist für den Frieden im Nahen
Osten ebenfalls entscheidend. Es gibt jetzt eine leicht verwundbare Feuereinstellung im Südlibanon. Aber wir brauchen nicht nur eine Feuereinstellung,
wir brauchen einen weitgreifenden Waffenstillstand. Auf dieses Ziel werden
wir in unseren Gesprächen mit den anderen interessierten Regierungen hier
in dieser Vollversammlung hinarbeiten. Der Libanon hat schon viel zu viel
gelitten.
Der Wunsch nach Frieden wird von allen Völkern des Nahen Ostens geteilt.

Wir erkennen, daß es Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, wie

man dieses gemeinsame Ziel am besten erreichen könnte. Wir glauben daran,
daß der von uns eingeschlagene Weg der richtige ist - in der Tat der einzige,
der praktische Ergebnisse gezeitigt hat. Wir rufen all diejenigen auf, die
ehrlich den Frieden suchen, sich uns bei diesem Unternehmen anzuschließen.

Ein

�Ein Schritt in Richtung auf den Frieden ist auch beim RhodesienKonflikt unternommen worden.

Die Parteien führen jetzt Verhandlungen über

eine Lösung, die eine echte Mehrheitsherrschaft mit wesentlichen Rechten
für die Minderheit verbinden könnte.

Die britische Regierung, die Länder

des Commonwealth und die Parteien selbst verdienen höchste Anerkennung für
diesen neuen Schritt.

Ein übereinkommen über eine faire Verfassung und

Neuwahlen - wie dies im Lusaka-Kommunique gefordert wird -, könnte die
großen Qualen des Krieges beenden.

In Namibia habenwir beträchtliche Fortschritte gemacht.
bleiben Hindernisse.

Aber noch

Die Kontaktgruppe arbeitet mit den betroffenen Par-

teien zusammen, um Wege zur Lösung der wenigen noch ausstehenden Themen zu
finden.

Wir unterbewerten die Schwierigkeiten nicht, aber keiner von uns

sollte andererseits die Möglichkeiten unterschätzen, die eine Regelung für
das gesamte südliche Afrika bringen würde.

Bei den meisten Verhandlungen kann man am ehesten durch einen stufenweisen Fortgang Fortschritte erzielen.
nen lösen.

Einen Knoten kann man nie von in-

Wir müssen bei den Teilen beginnen, die wir greifen können

und dann den Weg zum Ende des Problems gehen.

Die Geschichte wird hart mit uns ins Gericht gehen, wenn wir uns unsere Chancen für einen Frieden entgleiten lassen.

Im Fortgang der Ver-

handlungen werden die Themen, denen wir uns zuwenden, immer schwieriger.
Aber wir dürfen nicht zulassen, daß Befürchtungen und Begierden, die vor
uns liegen, den bereits erzielten Fortschritt untergraben.

Während wir um die Lösung dieser und anderer Konflikte ringen, müssen
wir auch der Tatsache ehrlich ins Gesicht sehen, daß unsere Erde von denjenigen gequält wird, die Unschuldige bekriegen, wie wir gerade vor ein
paar Wochen durch den tragischen Tod von Lord Mountbatten sahen.

Wir

brauchen mehr internationale Zusammenarbeit, um die barbarischen Praktiken
der Terroristen zu bekämpfen. Die Vereinigten Staaten unterstützen voll
und ganz die grundlegenden Elemente der entworfenen Konvention, die die
- 7 -

�die Geiselnahme ächten soll.

Der Abschluß dieses Vertrags wird zu einer

wachsenden Übereinstimmung darüber beitragen, daß Terrorismus nicht toleriert werden wird - ungeachtet der politischen Sache, die seine Täter zu
verfolgen vorgeben.
Schließlich bringt die Notwendigkeit des Friedens eine internationale
Verpflichtung mit sich, die Verbreitung und die Anhäufung von Waffen zu beschränken.
Eine besondere Verpflichtung fällt dabei den größeren Nuklearmächten
zu - den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion -, um den Wettstreit bei
den strategischen Waffen zu zügeln.

Der SALT II-Vertrag kann ein wichtiger

Schritt auf die Erfüllung dieser Verpflichtung hin sein.
Dem Ziel der strategischen Stabilität wird weiterhin gedient, wenn die
Sowjetunion, Großbritannien und die Vereinigten Staaten in der Lage sind,
Einigkeit über ein umfassendes Kernversuchsverbot zu erzielen.
Während die nuklearen Supermächte einen Weg suchen, um zu gegenseitiger
Zurückhaltung zu gelangen, müssen alle Nationen aber auch die direkte Bedrohung ihrer Sicherheit durch die Weiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.
Entwicklungen im Lauf der letzten Jahre können den Anstrengungen bei der Nonproliferation neuen Schwung verleihen - einschließlich eines Fortschritts bei
den internationalen Bemühungen um die Bewertung des Kernbrennstoffzyklus,
die uns bei der Auffindung von sichereren Wegen helfen können, um die Kernenergie für die Menschheit zu entwickeln; einschließlich der Verstärkung
der IAEA-Sicherheitsbestimmungen; der beträchtlichen Zunahme der Signatarstaaten des Nonproliferationsabkommens; des Inkrafttretens des Vertrags von
Tlatelolco, der nun endlich in unmittelbarer Reichweite zu sein scheint;
sowie der Verpflichtung einer Reihe von Nuklearmächten,unter bestimmten Umständen von der Verwendung von Kernwaffen gegen Nichtnuklearstaaten abzusehen. Aber es gab auch ernste Rückschläge: weitere Absichtserklärungen zur
Beschaffung von Kernwaffen unter Mißachtung der innewohnenden Gefahren für
die regionale und internationale Sicherheit. Die Konferenz zur Überprüfung

�Überprüfung des Nonproliferationsvertrags im nächsten Jahr wird eine gute
Gelegenheit zur Inventur sein - und zur Verdopplung unserer Anstrengungen,
um Fortschritte bei dieser dringenden internationalen Priorität zu erzielen.

Neben der Suche nach Frieden teilen wir eine zweite Verantwortung:
Wir müssen empfänglich sein für die internationalen Auswirkungen unserer
nationalen wirtschaftlichen Entscheidungen und der Versuchung widerstehen,
unsere Wirtschaftsprobleme auf Kosten anderer zu lösen.

Die Unklugheit des wirtschaftlichen Nationalismus wurde in der Vergangenheit grausam demonstriert.

Die Weltwirtschaftskrise vor einem halben

Jahrhundert wurde durch eine Welle des Protektionismus ausgeweitet, vertieft und verlängert.

Die Erinnerung daran hat uns zu einem neuen multila-

teralen Handelsabkommen angespornt - in der Absicht, Märkte zu eröffnen
und sieoffen zu halten, sogar in einer Zeit des wirtschaftlichen Drucks.

Lassen Sie mich heute auf ein Thema eingehen, das am deutlichsten die
direkte Verbindung zwischen nationalen Entscheidungen und globalen Folgen
widerspiegelt.

Dieses Thema ist die Energie.

In fast keinem anderen Be-

reich ist die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns deutlicher und drinoender.
Sie ist ein Thema, das uns jetzt zu entzweien droht - wirtschaftlich und
politisch.

In einer Zukunft der größeren Knappheit, könnten diese Entzwei-

ungen das Gefüge des guten internationalen Einvernehmens schwächen, das diese Organisation verkörpert.

Alle Nationen werden leiden, wenn nicht alle Nationen verantwortungsbewußt handeln:

in ihrem Energieverbrauch, bei der Festsetzung der Preise,

bei der Produktion.

Trotz einer schwierigen Prognose hinsichtlich unserer Energiezukunft,
glaube ich daran, daß die Grundlage für einen Fortschritt vorhanden sein
könnte.

Bis
- 9 -

�Bis in die siebziger Jahre hinein handelten die modernen industriellen
Volkswirtschaften nach zwei grundlegenden Annahmen, die auch die Beziehungen
zwischen den ölimporteuren und den ölexporteuren regierten: daß öl billig
sei und die Vorräte unerschöpflich.

Jetzt erkennen alle Länder, daß diese

beiden Annahmen nicht mehr richtig sind.
Die auf dem Tokioer Gipfeltreffen seitens der wichtigsten Industrieländer
eingegangenen Verpflichtungen beweisen dies deutlich.

Meine Regierung unter-

nimmt ehrgeizige Anstrengungen, um das Energieproblem anzupacken, und bemüht
sich, diese Verpflichtungen noch zu erweitern.
- Präsident Carter hat die Vereinigten Staaten darauf festgelegt, im
Jahre 1979 nicht mehr als 8,2 Millionen Barrel öl pro Tag einzuführen und
niemals die Höchstgrenze unserer Importe zu überschreiten, die 1977 erreicht
wurde.
- Der Gesamtbetrag für Forschung und Entwicklung in den USA auf dem
Energiesektor beläuft sich in diesem Jahr auf 3,2 Milliarden Dollar.

Für

die Entwicklung und die Nutzung der Sonnenenergie investieren wir in diesem
Jahr allein 528 Millionen Dollar und im nächsten Jahr 600 Millionen Dollar.
- Wir weiten die Entwicklung synthetischer Brennstoffe beträchtlich
aus, um Nutzen aus den reichlich vorhandenen Kohle- und ölschiefervorkommen
in unserem Lande zu ziehen.
Ein großer Teil dieser neuen Energietechnologie wird auch in anderen Ländern angewandt werden können. Wir werden bestrebt sein, sie anderen unter
beiderseitig zufriedenstellenden Bedingungen zur Verfügung zu stellen. Denn
wir sind uns darüber im klaren, daß wir durch die Unterstützung anderer bei
der Lösung ihrer Energieprobleme dazu beitragen, unsere eigenen zu lösen.
Lassen Sie mich aufzeigen, auf welche Weise wir bereit sind, mit anderen
zusammenzuarbeiten, damit wir unserem gemeinsamem Energiebedarf gerecht werden:
- Wir
- 10 -

•

�- Wir haben zusammen mit anderen Industrieländern der Schaffung einer
provisorischen internationalen Technologiegruppe zugestimmt, die Mittel und
Wege zur Ausweitung der internationalen Beteiligung an der kommerziellen Entwicklung alternativer Brennstoffe empfehlen wird.
- Ich habe im vorigen Jahr feierlich zugesichert, daß die Vereinigten
Staaten mehr tun würden, um ihre technischen Talente für die Entwicklung anderer zu mobilisieren. Ich freue mich, Ihnen berichten zu können, daß wir
im nächsten Monat ein Institut für wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit einrichten werden. Dieses Institut wird für die Verwirklichung
der Ziele arbeiten, die von der Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technik im Dienste der Entwicklung festgelegt wurden. Es wird
mithelfen, die Menschen in den Entwicklungsländern in den Genuß unserer Technologien kommen zu lassen - und es wird mithelfen, deren eigene technologische
Kapazität zu erweitern. Der die Politik festlegende Rat des Instituts wird
Experten aus den Entwicklungsländern einschließen. Die Enlwicklung der Energie
wird zu seinen höchsten Prioritäten gehören.
- Wir werden aktiv an den Vorbereitungen für die Weltkonferenz für neue
und erneuerungsfähige Energie im Jahre 1981 mitarbeiten.
- Auf dem kürzlichen Weltwirtschaftsgipfel wurde die Weltbank aufgefordert, die Führung bei der Koordinierung unserer Unterstützung der Entwicklungsländer auf dem Energiesektor zu übernehmen.

Wir schlagen vor, daß die Welt-

bank eine Expertengruppe zusammenruft, um die Frage der Forschung, der Entwicklung und der Ausbildung im Energiebereich im einzelnen zu überprüfen.

Ins-

besondere könnte diese Gruppe sich ein Bild verschaffen über die Arbeit der
bereits bestehenden Energieforschungs- und Ausbildungszentren in den Entwicklungsländern, und zwar nationaler wie internationaler.

Darüber hinaus könnte

sie Vorschläge unterbreiten, wie die gegenwärtigen Institutionen gestärkt
werden können und ob neue multilaterale Institutionen ins Leben gerufen werden
sollten.
- Wir

�- Wir unterstützen die Erweiterung des Programms der Weltbank zur Erforschung und Entwicklung mineraler Brennstoffe.
- Die Bank prüft gegenwärtig ebenfalls, ob örtliche Programme der Entwicklungsfinanzierung angemessen sind, um die rasche Anwendung von Sonnenenergie,
kleinen Wasserkraftwerken sowie anderen erneuerungsfähigen Energietechnologien
in den Entwicklungsländern zu unterstützen.
- Die Interamerikanische Entwicklungsbank hat die Schaffung einer Fazilität empfohlen, die eine politische Risikoversicherung sowie Anleihegarantien
für private Investitionen in Energie- und Mineral Projekte in ihrem Bereich
gewähren soll.

Dies könnte eine wirksame

gieentwicklung anzureizen.

Methode sein, um zur dortigen Ener-

Wir sind bereit, diese Initiative mit der Bank

weiterzuverfolgen und mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, um einen akzeptablen Vorschlag zu entwickeln.
So wie die Industrienationen jetzt ernsthafte Anstrengungen machen,um
ihren ölbedarf einzuschränken, und den Entwicklungsländern helfen, ihren großen
Energieaufgaben zu entsprechen, rückt die Frage immer mehr in den Mittelpunkt,
ob die öl produzierenden Länder bereit sind, die Preise zu stabilisieren und
- soweit dies in ihrer Macht steht - eine angemessene Versorgung zu garantieren. Sollte dies nicht geschehen, dann hätte das weiterhin harte Konsequenzen
für die Weltwirtschaft, insbesondere für die ärmeren Länder.
Wir haben Verständnis für den ganz natürlichen Wunsch der öl exportierenden
Länder, mit dieser wertvollen Quelle für zukünftige Generationen haushälterisch umzugehen. Und wir akzeptieren die Tatsache, daß ölpreise nicht nur den
Umfang der Nachfrage, sondern auch - langfristig gesehen - die Knappheit der
Vorräte reflektieren müssen - solange diese Knappheit nicht herbeigezogen
wird, um die Preise zu manipulieren.
Aber die ölproduzenten müssen begreifen, daß es eine Grenze gibt, bis
zu der die Volkswirtschaften der ölverbrauchenden Länder sowie die Weltwirtschaft gehen können.
Wir

�Wir alle müssen auf unserem Weg immer verantwortungsvoll vor Augen haben,
daß unsere nationalen Energieentscheidungen tiefgreifende globale Auswirkungen
haben werden - und daß sie eines Tages die Verantwortlichen entweder wieder
heimsuchen oder aber ihnen helfen werden.

Eine dritte Aufgabe ist eine verstärkte Verpflichtung, das Leben unserer Mitmenschen zu verbessern - ihnen das zum Leben Notwendige zu verschaffen,
ihnen die Chance zum Fortschritt zu geben, ihnen eine Mitsprache bei den Entscheidungen zu garantieren, die ihre Zukunft entscheidend beeinflussen werden.

Wir haben auf dem Gebiet der Menschenrechte Fortschritte erzielt, aber
wir müssen noch mehr tun.
Im vorigen Jahr haben einige Länder Schritte unternommen, um den Schutz
des Rechts und demokratische Institutionen wiederherzustellen.

Und wir haben

auch die Schaffung eines interamerikanischen Gerichtshofes für Menschenrechte,
den nachhaltigen Appell der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) auf
Einrichtung von Menschenrechtsinstitutionen auf dem afrikanischen Kontinent
sowie die Aktivierung der Menschenrechtsverfahren der UNESCO erlebt.

Niemand kann bestreiten, daß die Menschenrechte zu einem immer größer
werdenden Anliegen werden.

Und doch ist es eine traurige Wahrheit, daß -

selbst wo wir hier heute zusammenkommen - Männer und Frauen sich Verfolgung
Tod und Unterdrückung dafür gegenübersehen, daß sie es wagen, die Rechte auszuüben, die vor drei Jahrzehnten in der Charta dieser Körperschaft niedergelegt wurden.

Unsere gemeinsame große Aufgabe ist es, die Bestrebungen und

Hoffnungen aller Menschen auf die menschliche Würde des einzelnen zu fördern.

Unsere Verpflichtung und unser Einsatz müssen sich auf wirtschaftliche
wie auf politische und soziale Rechte erstrecken - denn sie alle sind unerläßlich für die Menschenwürde.

Verbesserungen des wirtschaftlichen Wohlergehens,

Chancen und Möglichkeiten für die Teilnahme am politischen Prozeß sowie ein
wachsendes Verständnis für wirtschaftliche und politische Gleichberechtigung

- 13 -

�Gleichberechtigung können wesentlich dazu beitragen, daß die Mißstände behoben werden, die zu nationalen Erschütterungen und zu internationalen Spannungen führen können.
Wollen wir der Verpflichtung nachkommen, allen Völkern zu einem besseren
Leben zu verhelfen, müssen wir alle darauf bedacht sein, den Nord-Süd-Dialog
über die großen Themen hinausgreifend auf spezifische Fälle zu lenken - auf
besonders dringliche Bereiche, auf denen es möglich ist, praktische Ziele der
Entwicklungsarbeit zu verwirklichen.

Gestatten Sie mir, daß ich in diesem Zu-

sammenhang auf die Anstrengungen zu sprechen komme, die wir unternehmen, um
ein Ziel zu erreichen, das uns allen schon aus einfachen humanitären Gründen
gemeinsam sein sollte: daß bis Ende dieses Jahrhunderts kein Mensch auf dieser
überaus fruchtbaren Erde mehr zu hungern braucht.
Im vorigen Jahr traf ich die Feststellung, daß wir uns durch das gute
Wetter und überreiche Ernten nicht dazu verleiten lassen sollten, in unserem
Bewußtsein der Dringlichkeit dieses Problems nachzulassen.
Seither haben schlechte Ernten in mehreren Ländern die Weltnachfrage nach
Nahrungsmitteln beträchtlich vergrößert. Dieser Sachverhalt unterstreicht
die Notwendigkeit der Anlage ausreichender Vorräte, um die Nahrungsmittelversorgung sicherzustellen.
Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten alles unternehmen werden,
was sie nur zu tun vermögen, um eine weltweite Ernährungskrise zu verhindern.
Die amerikanische Ernte wird dieses Jahr Rekordhöhenerreichen. Wir haben
für das kommende Jahr alle Beschränkungen des Weizenanbaus aufgehoben. Wir
haben eine im Besitz der Farmer befindliche Getreidereserve angelegt, die durch
die Ansammlung und Abgabe von Vorräten mitgeholfen hat, die Lieferungen zu
stabilisieren.
Ein Weizenabkommen liegt noch immer außerhalb unserer Reichweite.
- 14 -

Wir

�Wir dürfen dieses Ziel aber nicht aufgeben.

Wir sollten die Verhandlungen

über eine neue Ernährungshilfekonvention unverzüglich zum Abschluß bringen.
Der Welternährungsrat fordert ein diesbezügliches Abkommen bis Mitte der
achtziger Jahre.

Wir sind für die Verwirklichung dieser Empfehlung.

Bis

dahin werden wir die Aufstockung der Nahrungsmittelhilfezusage, die die Konvention beinhalten soll, von uns aus erfüllen.

Gleichzeitig muß die Ausweitung der Weltnahrungsmittel Produktion mit großem Nachdruck betrieben werden,

über die Hälfte der amerikanischen Entwick-

lungshilfe entfällt heute auf die Landwirtschaft.

Wir werden uns weiterhin

um eine Hebung der Ertragsfähigkeit der wichtigsten Nahrungsmittelpflanzen,
die Erhaltung der Ertragskraft der Anbauflächen und die Ausweitung der Forschung bemühen, die dem Zweck dient, Methoden zur Steigerung des Ertrags der
traditionellen und auch neu gezüchteter Pflanzenarten zu finden - vor allem
solcher Pflanzen, die auch von ärmeren Bauern angebaut werden können.

Diese Bemühungen genießen die wirksame Unterstützung durch mehrere internationale landwirtschaftliche Forschungsanstalten.

Wir sind für die vorgeschlagene Verdoppelung der Mittel, die diese Forschungsanstalten erhalten sollen, und wir beabsichtigen, unsere Beiträge zu
erhöhen.

Wir hoffen, daß auch andere Länder entsprechende Beiträge leisten

werden.

Wir müssen uns aber darüber im klaren sein, daß diese Anstrengungen auf
lange Sicht zunichte gemacht werden, wenn das Wachstum der Erdbevölkerung nicht
verlangsamt wird.

Die Hälfte der Menschen im fortpflanzungsfähigen Alter

haben noch immer keinen ausreichenden Zugang zu Familienplanungsdiensten.

Wir

müssen uns ernsthaft bemühen, allen Völkern neben Komponenten wie den grundlegenden Gesundheitsdiensten und einer ausreichenden Nahrungsmittel- und Wasserversorgung auch die Familienplanung so rasch wie nur möglich zur Verfügung zu
stellen.

Kurzfristig
- 15 -

�Kurzfristig müssen wir bereit sein, überall dort Notstandshilfe zu
leisten, wo Menschen von Hunger bedroht sind oder Flüchtlinge Schutz suchen
- in Afrika, in Lateinamerika, in Südostasien und wo sonst noch.
Der von Vizepräsident Mondale in Genf unterbreitete Vorschlag zur Errichtung eines Wiederansiedlungsfonds für Flüchtlinge spiegelt unsere Überzeugung wider, daß sich die Völkergemeinschaft auf globaler Basis mit der
weltweiten und sehr ernsten Flüchtlingskrise befassen sollte. Wir fordern
die Völker dringend auf, sich an diesem Fonds zu beteiligen.
Tatkräftige und umfassende internationale Maßnahmen sind erforderlich, um
den Hungernden in Kampuchea Hilfe zu bringen, die gegenwärtig eine der großen
Tragödien unseres modernen Zeitalters erleben.

Zehntausende kranker und hun-

gernder Khmer stauen sich gegenwärtig an der Grenze nach Thailand.
tausende dürften ihnen bald folgen.

Hundert-

Eine noch größere Hunger- und Krankheits-

welle scheint zu drohen - insbesondere angesichts der jüngsten Berichte über
verstärkte Feindseligkeiten.

Um eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes

abzuwehren, muß so bald wie möglich ein internationales Programm humanitärer
Hilfe in Kampuchea eingerichtet werden.
in der Lage sein, ein

Internationale Organisationen müssen

koordiniertes, umfangreiches und wohl durchorganisiertes

Programm der Notstandshilfe für alle hilfsbedürftigen Khmer in Gang zu

^&gt;tzen.

Wir jedenfalls befürworten diesbezügliche Anstrengungen.
Die Ernährungskrise in Kampuchea birgt die Möglichkeit der Vervielfachung
des Flüchtlingsstroms und entsetzlicher Leiden unter allen jenen, die nicht
zu fliehen vermögen. Der Flüchtlingsstrom aus Vietnam, Laos und Kampuchea
hat bereits großes Leid über hunderttausende unschuldiger Menschen gebracht
und den Ländern, in denen sie zunächst um Asyl bitten, schwere Lasten aufgebürdet.
Die Völkergemeinschaft beginnt zu reagieren. Doch humanitäre Maßnahmen
allein reichen nicht aus. Die Völkergemeinschaft muß vielmehr größere und
energischere Anstrengungen unternehmen, den Frieden in jenem Gebiet wiederherzustellen und die Probleme, die die Ereignisse in Indochina zur Folge hatten,

�hatten, durch nicht-militärische Mittel zu lösen.

Sie stellen eine Bedrohung

der Stabilität dieses gesamten Gebietes dar.

Meiner Überzeugung nach können wir die Aufgaben lösen, die uns hieraus
erwachsen.

Wir dürfen allerdings ihre Größe nicht unterschätzen.

Die Beile-

gung regionaler Streitigkeiten und die Einführung neuer Begrenzungen der Instrumente des Krieges erfordern neue Manifestationen des nationalen und internationalen Willens.

Die achtziger Jahre können sehr wohl eine anhaltende

Energiekrise mit sich bringen.
ten Hungersnot »erden.

Sie können ein Jahrzehnt einer weitverbreite-

Wenn es nicht gelingt, die rasch ansteigenden Defizite

der Entwicklungsländer in den Griff zu bekommen, wird die Wirtschaft vieler
unter ihnen stagnieren, wenn nicht sogar zusammenbrechen.

Weltweite Probleme wie diese erfordern weltweite Gegenmaßnahmen.
Die Vollversammlung wird darüber entscheiden, ob eine neue Verhandlungsrunde über Fragen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit für Entwicklungszwecke
eingeleitet werden wird.

Lassen Sie mich heute hier die Feststellung treffen,

daß die Vereinigten Staaten an den Konsultationen im Ausschuß des Plenums
teilnehmen werden, wenn es darum geht, Klarheit über die wirksamste Methode
der Führung solcher Verhandlungen zu treffen.

Sollen neue weltweite Verhandlungen zum Erfolg führen, müssen alle Teilnehmer die politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten aller anderen realistisch einschätzen.

Wir müssen jenen Problemen Priorität einräumen, bezüg-

lich deren Lösungen konkrete Ergebnisse möglich sind.

Und wir sollten es ver-

meiden, daß es zu Überschneidungen mit der Arbeit bereits bestehender Institutionen kommt.

Auf diese Weise können solche Verhandlungen mithelfen, einen

weltweiten Konsens über die zu treffenden Maßnahmen zustande zu bringen.

Viele der Fragen, die ich hier aufgeworfen habe, stehen bereits an vorderer Stelle auf der Tagesordnung der Vereinten Nationen.

Die Notwendigkeit

der Zusammenarbeit zum Zwecke der Lösung dieser Probleme macht es notwendig,
die Vereinten Nationen noch weiter zu stärken.
waltungsreformen sind dringend notwendig.
- 17 -

Finanz-, Verfahrens- und Ver-

Als erster Schritt fordern wir,

�wir, daß die Empfehlungen des Generalsekretärs, die jetzt von dieser Vollversammlung angenommen wurden, voll und ganz verwirklicht werden.
Die Dringlichkeit der Anliegen, die ich hier dargelegt habe, macht es
notwendig, daß alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen künftig größere Anstrengungen als bisher unternehmen.
Unterscheidungen zwischen Nord und Süd spiegeln ebenso wie die Unterscheidung zwischen Ost und West Unterschiede in den Interessen wider.

Sie sprielen

eine Rolle bei der Definition der strittigen Fragen und bei der Klarstellung
der gegebenen Wahlmöglichkeiten.

Wir müssen uns dazu verpflichten, Bereiche

ausfindig zu machen, auf denen unsere Interessen übereinstimmen.
Jeder von uns hat seine besonderen Qualifikationen, die es zu entfalten
gilt, und auch seine besonderen Ziele, denen er nahezukommen trachtet.
will nicht behaupten, daß es anders sein könnte oder sollte.

Ich

Die Vereinigten

Staaten glauben an eine Welt der Mannigfaltigkeit.
Aber lassen Sie uns hier, hier auf dieser Vollversammlung, den Entschluß
fassen, uns aus unseren gemeinsamen Ansprüchen und unserer gemeinsamen Menschlichkeit heraus der gemeinsamen Suche nach Gemeinsamkeiten zu verschreiben.

+ + + + +

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

BROWN ERLÄUTERT DEN VERTEIDIGUNGSHAUSHALT DER USA
- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Harold Brown
hat am 19. September 1979 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats ausführlich zu dem Verteidigungshaushalt 1980 Stellung genommen.

Er ging im

Zusammenhang mit der Ratifizierung von SALT II auch besonders auf die Zusagen
der Vereinigten Staaten gegenüber dem Atlantischen Bündnis ein.

Die Ausführungen Browns haben folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses,

ich begrüße diese Gelegenheit, über den Verteidigungshaushalt 1980 und
unsere militärische Position gerade im Zusammenhang mit den Anhörungen über
die Ratifizierung des SALT II-Vertrages zu sprechen.

Der Verteidigungshaus-

halt ist der konkrete und unmittelbare Ausdruck unserer Verteidigungspolitik
und unserer Verteidigungsprogramme.

Er bildet die Grundlage für unsere na-

tionale Verteidigungskapazität in nächster Zukunft.

Rüstungskontrolle

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�Rüstungskontrolle ist nur eine Seite - wenn auch sicherlich eine wichtige Seite - der Medaille der nationalen Sicherheit.

Es ist daher ganz ver-

ständlich, daß die Anhörungen über die Ratifizierung sich jetzt weitergefaßten Überlegungen sowohl der Rüstungskontrollaspekte als auch der verteidigungspolitischen und programmatischen Aspekte unserer nationalen Sicherheitspolitik zugewandt haben.

Verteidigungshaushalte und unsere Rüstungskontroi 1-

politik lassen sich am besten in einem Zusammenhang erkennen, der beides erfaßt.

Umgekehrt kann man die amerikanische Politik der nationalen Sicherheit

insgesamt nur im Zusammenhang mit den Politiken und Programmen unserer Verbündeten, den Zielen der Nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten und den Herausforderungen unserer Gegner richtig bewerten.
Darüber hinaus dürfen wir nicht nur diese "strategischen" oder internationalen
Faktoren in unserer Verteidigungsplanung in Erwägung ziehen, sondern müssen
auch den "strukturellen" oder innenpolitischen Zusammenhang unserer Entscheidungen berücksichtigen.

Zu diesem Zusammenhang gehören unsere amerikanischen

Stärken, wie Technologie und Fachwissen, und unsere amerikanischen Schwächen,
wie Inflation, Energie und konkurrierende Prioritäten im Haushalt.
Wie Ihnen bekannt ist, kündigte der Präsident vorige Woche seine Absicht
an, die wechselseitige Verpflichtung im Bündnis zu einem Realanstieg der Verteidigungsausgaben um drei Prozent pro Jahr durch die Vorlage eines Nachtragshaushalts über 2,7 Milliarden Dollar für das Haushaltsjahr 1980 zu erfüllen.
Dieser Nachtrag ist als Ausgleich für die Tatsache nötig, daß durch die Inflation die Voranschläge für das Verteidigungsbudget des Haushaltsjahres 1980
in solchen Bereichen wie höhere Treibstoffkosten aufgrund des OPEC-Beschlusses
über höhere öl preise, Anstieg der Kosten für die Lagerhaltung, Gütertransport
sowie ungünstigere Wechselkurse übertroffen wurden. Alle diese Veränderungen
sind bereits eingetreten, und die zusätzlichen Kosten sind gewiß. Erhöhte
Treibstoffkosten allein sind für nahezu ein Drittel dieses 2,7 Milliarden
Dollar-Nachtragshaushaltes verantwortlich. Diese Entwicklungen konnten nicht
angemessen im Budget berücksichtigt werden, als es dem Kongreß im Januar vorgelegt wurde. Diese Kostenerhöhungen sind zwar unangenehm, aber sie müssen durch
Erhöhungen im Haushaltsplan ausgeglichen werden, wenn wir unsere Verpflichtung

- 2 -

�Verpflichtung zu einem dreiprozentigen Realanstieg der Verteidigungsausgaben
wirklich einhalten wollen.

Die Einhaltung dieser Verpflichtung ist für unsere nationale Sicherheit
von grundlegender Bedeutung.

Während der letzten 15 Jahre sind die sowje-

tischen Ausgaben für die Streitkräfte ständig angestiegen, während unsere eigenen im Verlauf dieses Zeitraums de facto gesunken sind.

Mit unseren Ver-

bündeten haben wir uns verpflichtet, diesen Trend umzukehren und stattdessen
bescheidene, aber gleichmäßige und deutliche Erhöhungen unserer Ausgaben zu
erreichen.

Wie ich es im einzelnen im Verlauf meiner Darlegungen erläutern

werde, wird dieser Zuwachs in Verbindung mit den Anstrengungen unserer Verbündeten und mit einer wirkungsvolleren Verwendung unserer Mittel es ermöglichen,
auch weiterhin unsere Ziele zu erreichen - nicht nur was die strategischen
Waffen und die NATO anbetrifft, sondern auch im Pazifik und weltweit.

Wenn

wir bei der Erfüllung unserer Verpflichtung versagen, dann werden andere Verbündete - von denen praktisch alle unter den Problemen der Inflation

und der

miteinander im Wettstreit stehenden Forderungen nach Geldmitteln leiden, die
nicht weniger drückend sind als unsere eigenen - noch weit weniger in der Lage
sein, das Ziel zu erreichen.

Unsere Anstrengungen, die darauf abzielen, unsere

Verbündeten zur Erfüllung ihres Anteils zu bewegen, werden völlig untergraben,
wenn wir als Führungsmacht des Bündnisses diese drei Prozent selbst nicht erreichen.

Ich möchte Ihnen heute das Prinzip erläutern, das unserer Zielsetzung
zugrundeliegt, die drei Prozent jährliches Realwachstum bei den Verteidigungsausgaben zu erreichen.

Wie so oft ist es auch hier der Fall, daß einige Mit-

glieder dieses Ausschusses sowie andere Kongreßmitglieder und Teile der Öffentlichkeit

größere Erhöhungen wünschen.

Und es gibt andere, die glauben, daß

unser Vorschlag übertrieben sei. Mein eigenes Urteil geht dahin, daß in diesem
Fall und zu dieser Zeit die richtige Wahl in der Mitte liegt und daß drei
Prozent zu dieser Zeit eine angemessene Zahl ist - nicht weil dieser Zahl eine
besondere Zauberkraft innewohnt, sondern weil die Programme, die eine solche
reale Zuwachsrate finanzierbar macht, angemessen erscheinen, um unsere Ziel-

- 3 -

�Zielsetzungen zu erreichen und den gefährlichen Trends Einhalt zu gebieten,
die wir erkennen.

Die sowjetische Herausforderung
Die Sowjetunion ist sicherlich unser größter und stärkster Konkurrent
auf der internationalen Szene. Sie ist das einzige Land, das den Fortbestand
der Vereinigten Staaten selbst und unserer wichtigsten Verbündeten in Europa,
Asien und in der übrigen Welt gefährden könnte. Vergleichbare Verteidigungsausgaben sind nur ein Anzeichen der Gesamtstärke.
in vieler Hinsicht das stärkste Land der Welt.

Die Vereinigten Staaten sind

Kein anderes Land - sicher

nicht die Sowjetunion - kann sich mit uns hinsichtlich der Wirtschaftskraft,
der politischen Stabilität, der technologischen Möglichkeiten messen oder in
bezug auf Lebensform und internationale Politik solchen Anklang finden.
militärische Macht ist wichtig.

Aber

Angesichts der sowjetischen Militärmacht

müssen wir das Verhältnis der Trends bei den amerikanischen und den sowjetischen Militärausgaben betrachten.

Wenn wir unsere Verteidigungsausgaben

der letzten Zeit mit denen der Sowjetunion vergleichen, dann empfinden wir
die Trends als beunruhigend.

Die sowjetischen Verteidigungsausgaben sind über

mehr als 15 Jahre hinweg jedes Jahr ständig angestiegen.

Mit wachsendem sowjet-

ischen Bruttosozialprodukt sind auch die Verteidigungsanstrengungen gewachsen und machten einen mehr oder weniger konstanten Prozentsatz dieses Bruttosozialprodukts aus. Während der genaue Umfang des sowjetischen Verteidigungshaushaltes nur schwer zu messen ist, so wissen wir doch, daß es die Vereinigten Staaten 45 Prozent mehr als unser gegenwärtiges Budget kosten würde, um
das zu tun, was das sowjetische Militär in diesem Jahr vornimmt.
•

Am wesentlichsten ist die Tatsache, daß der Trend zum weiteren realen
Wachstum unverkennbar ist. Die sowjetischen Ausgaben haben nicht auf die
amerikanische Zurückhaltung reagiert. Wenn wir bauen, bauen sie; wenn wir
unsere Ausgaben kürzen, bauen sie weiter.
Das
- 4 -

�Das Mißverhältnis in unseren Anstrengungen ist beunruhigend, mehr noch
hinsichtlich der Investitionen als der jährlichen Betriebskosten.

In der

Tat haben die Vereinigten Staaten in vielen Bereichen von früheren Investitionen gelebt.

Zum Beispiel haben uns die Sowjets hinsichtlich der Ausgaben

während der letzten zehn Jahre auf dem Gebiet der strategischen Waffen in
einem Verhältnis von zwei oder drei zu eins übertroffen und haben als ein Ergebnis tatsächlich einen Stand der Gesamtparität erreicht.

Ein vernünftiges

weltweites Gleichgewicht herrscht noch dank unserer früheren Anstrengungen,
aber wenn wir nicht handeln, wie es das Programm vorsieht, um unsere Anstrengungen zu erhöhen, würde die Differenz zwischen den gegenwärtigen Anstrengungen sich bald in einem unannehmbaren Ungleichgewicht widerspiegeln.

Um

ein wesentliches Gleichgewicht im strategischen Bereich aufrechtzuerhalten,
brauchen wir eine einsichtige Ausgabenerhöhung - sogar mit SALT II. Wenn
SALT II nicht in Kraft tritt, wären eindeutig noch größere Ausgabenerhöhungen
notwendig - ohne erhöhte Sicherheit und vielleicht mit gefährlich erhöhtem
Risiko.

Unsere Aufgabe ist es, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, das unsere
Zielsetzungen, unsere Prioritäten und unsere Vorteile widerspiegelt - nicht
um die sowjetischen Streitkräfte zu verdoppeln.

Deshalb sollen und dürfen

wir nicht einfach versuchen, es den Sowjets Dollar für Rubel, Panzer für Panzer, Mann für Mann nachzumachen.

Was wir tun müssen ist, Streitkräfte zu

dislozieren, die es uns erlauben, eine Strategie des Gegenschlags aufrechtzuerhalten und eine Kapazität, die die Sowjets oder jeden anderen Gegner in
dieser schwierigen und gefährlichen Welt davon abhält, unsere lebenswichtigen
Interessen oder die unserer Verbündeten zu gefährden.

Die Sicherheitsbedürf-

nisse der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind nicht deckungsgleich.
Die Kosten für die Planung unserer Seestreitmacht und für den Schutz der
Seewege haben zum Beispiel nur wenig Entsprechung bei den sowjetischen Militärausgaben, genauso wie die sowjetischen Kosten für die strategische Luftverteidigung oder die Grenzverteidigung bei uns.

Folglich können wir nicht

aus den Unterschieden zwischen den amerikanischen und den sowjetischen Verteidigungsausgaben schließen, welches Niveau unsere Verteidigungsausgaben
haben sollten.
Was
- 5-

�Was die Forderungen unseres Verteidigungshaushalts bestimmt, sind die
Kosten jener Programme, die notwendig sind, um die Ziele unserer nationalen
Sicherheit zu erreichen - im Kontext der durch die Sowjets oder andere Gegner auf diese Ziele gerichteten Bedrohungen.

Bei der Beurteilung jener For-

derungen müssen wir die Beiträge unserer Verbündeten sowie unsere Verpflichtungen gegenüber ihnen in Rechnung stellen und die Beschränkungen, die der
sowjetischen Bedrohung durch Rüstungskontroi labkommen auferlegt wurden.

Zu-

dem müssen wir uns darüber einig werden, in welchem Maß wir uns zur Erreichung unserer nationalen Sicherheitsziele auf Verteidigungsprogramme verlassen müssen im Gegensatz zu politischen oder wirtschaftlichen Maßnahmen.
Die Vereinigten Staaten sind nicht dazu aufgerufen, die Verteidigung
der Freien Welt allein auf ihre Schultern zu nehmen.

Unsere europäischen

und asiatischen Verbündeten leisten einen wichtigen Beitrag zu unserer Sicherheit wie wir zu der ihrigen.

Unsere NATO-Verbündeten zum Beispiel stellen

über 90 Prozent der stehenden Landstreitkräfte der NATO zu Friedenszeiten
und 75 Prozent der stehenden taktischen Luftstreitkräfte der NATO.

Außer-

dem sind dem Realwert nach die Gesamtausgaben für Verteidigung der europäischen NATO-Länder in den Jahren seit 1970 deutlich angestiegen, während
unsere gesunken sind.

Wir haben das militärische Potential unserer Ver-

bündeten bei der Festlegung des Umfangs des Verteidigungshaushaltes für das
Jahr 1980 sowie bei unserer Verpflichtung zu einem dreiprozentigen realen
Zuwachs pro Jahr in Betracht gezogen.
Unsere Beurteilung der verschiedenen Überlegungen, die ich dargelegt
habe, hat uns zu dem Schluß geführt, daß das von uns vorgeschlagene Programm
sowie der dreiprozentige Realzuwachs bei den Verteidigungsausgaben zu seiner
Finanzierung der angemessene Betrag ist, der für die Verteidigungsprogramme
zur Aufrechterhaltung unserer Ziele im Rahmen der nationalen Sicherheit
aufgebracht werden muß. Ich würde nun gerne auf die Grundlagen für jedes
Hauptgebiet der Verteidigungsaufgaben kurz eingehen und ausführen, wie wir
uns die Verwendung der Mittel im Verteidigungshaushalt vorstellen, um den
Herausforderungen zu begegnen, denen wir gegenüberstehen.
Zu

�Zu Beginn möchte ich wiederholen, daß das Verteidigungsbudget für das
Haushaltsjahr 1980, einschließlich des vorige Woche vom Präsidenten angekündigten Nachtrags, eine reale Wachstumsrate bei den Ausgaben für das Haushaltsjahr 1980 von drei Prozent vorsieht, wenn man die Inflation voll berücksichtigt.

Für das Haushaltsjahr 1981 planen wir einen ähnlichen Realzuwachs.

Dieses Budget wird im Moment noch bearbeitet, so daß es verfrüht wäre, über
die Feststellung hinauszugehen, daß es den allgemeinen Schwung unseres Verteidigungsprogramms beibehalten und unsere gemeinsame Verpflichtung unseren
Verbündeten gegenüber untermauern wird.

Sie sind keine Konzession und kein

Handelsobjekt, um Zustimmung für SALT zu erreichen.

Strategische Streitkräfte
Wie ich in meinem Verteidigungsbericht im Januar dieses Jahres dargelegt habe, sind unsere strategischen Ziele:

- Abschreckung
- Stabilität, sowohl hinsichtlich Krisen- als auch Rüstungskontrolle
- wesentliche Gleichwertigkeit

Im Zuge dieser Anhörungen haben wir die verschiedenen laufenden Programme erläutert, mit denen wir weiterhin diese unsere höchsten und vorrangigsten Ziele erreichen wollen.

Dr. William J. Perry hat kürzlich ausgesagt,

wie die Dislozierung der MX-Rakete mit Hilfe einer überlebensfähigen Stationierungsmethode in unsere strategischen Streitkräfteplanungen paßt. Wir
verbessern ferner unsere mit Luftstrahltriebwerken angetriebene Streitmacht
(Bomber und luftgestützte Marschflugkörper - ALCM) sowie unsere seegestützte
Raketenstreitmacht.

Was das mit Luftstrahltriebwerken angetriebene Element

der Triade anbetrifft, so schreiten wir in der Entwicklung der luftgestützten
Marschflugkörper voran.

Die zwei Versionen der'luftgestützten Marschflug-

körper machen Fortschritte, und unsere erste B-52-ALCM-Staffel wird 1983
serienreif sein.

Im Jahre 1985 werden 80 Prozent unserer B-52 G-Bomber mit

- 7 -

�mit ALCM ausgerüstet sein und der Rest bald danach.

Und schließlich ist ein

Trägerflugzeug für Marschflugkörper in der Planung, das bis 1987 fertiggestellt sein soll - oder sogar noch früher, sollte sich dies als notwendig
erweisen.

Die ersten unserer neuen und leistungsstärkeren Trident I unter-

seebootgestützten ballistischen Raketen werden im kommenden Jahr disloziert.
In dem dann folgenden Jahr wird unser erstes mit 24 Abschußanlagen ausgerüstetes Trident-Unterseeboot in Dienst gestellt.

Ihm folgen bis 1983 jährlich ein

SSBN und dann zwei Boote alle drei Jahre.
Die höchste Priorität in der Verteidigung der Vereinigten Staaten nimmt
die Garantie ein, daß kein Land in die Versuchung kommt, Nuklearwaffen gegen
uns, unsere Streitkräfte, wo auch immer, oder unsere Verbündeten oder andere
Länder einzusetzen, deren Sicherheit für uns wichtig ist, und sicherzustellen,
daß unsere nukleare Kapazität zu unserer Sicherheit und der unserer Verbündeten vor anderen Streitkräften oder vor Bedrohungen unserer Interessen beiträgt.
Zusätzlich zur Aufrechterhaltung der Abschreckung und der Stabilität
gegenüber der Sowjetunion verfolgen die Vereinigten Staaten eine strategische
Politik der wesentlichen Gleichwertigkeit oder der ungefähren Parität und
eine ausgleichende Strategie, die die Indienststellung von Streitkräften beinhaltet, welche notwendig sind, um zu verhindern, daß die Sowjets irgendeines ihrer nationalen Ziele erreichen, das sie durch einen nuklearen Angriff
anstreben könnten, oder um zu verhindern, daß sie irgendeinen Gewinn in dieser
Richtung erzielen, ohne entsprechende Verluste hinnehmen zu müssen. Wesentliche Gleichwertigkeit soll der Sowjetunion jeden politischen oder militärischen Vorteil verwehren, der aus der Vorstellung relativer Kapazitäten
oder dem tatsächlichen Einsatz nuklearer Waffen abgeleitet werden könnte.
Präsident Carter hat bereits angedeutet, daß die Ausgaben für strategische
Systeme im Verteidigungshaushalt für das Finanzjahr 1981 angehoben werden.
Die Modernisierungsprogramme für den Verteidigungshaushalt dieses und des
nächsten Jahres sollen die Zuverlässigkeit, die Überlebensfähigkeit und die

- 8 -

�die die Verteidigungsdurchdringungskapazität unserer strategischen Vergeltungsstreitkrä'fte sowie unsere entsprechende Gefechts-, Kontroll- und Fernmeldekapazitä't aufrechterhalten und sicherstellen, daß der damit geleistete Beitrag zur Stabilität und zur glaubwürdigen Abschreckung für die absehbare Zukunft unvermindert weiterbesteht.

Es gibt eine Reihe hauptsächlicher Bedrohungen, die möglicherweise die
Stabilität des nuklearen Gleichgewichts stören könnten.

Die erste ist ein

schrankenloser nuklearer Wettstreit, der zu ungeheuer erhöhten Verteidigungshaushalten und zu andauernder Unsicherheit führen würde.

Der SALT Il-Vertrag»

der Ihnen jetzt vorliegt, wird uns in den Stand setzen, das nukleare Gleichgewicht auf niedrigerer Ebene aufrechtzuerhalten, wobei beide Seiten auf
weniger strategische Nuklearträgerwaffen begrenzt werden, als die Sowjets
ohne ein solches Abkommen dislozieren könnten.

Lassen Sie mich ferner unter-

streichen, daß SALT II in keiner Weise unsere Bemühungen behindern wird,eine
wesentliche Gleichwertigkeit aufrechtzuerhalten oder die Streitkräfte aufzustellen und beizubehalten, die für unsere Verteidigungserfordernisse notwendig sind.

Eine besondere Gefahr für die strategische Politik der Vereinigten Staaten stellt die zunehmende Verwundbarkeit der amerikanischen Interkontinentalraketen zu Anfang und Mitte der achtziger Jahre dar.

Diese Verwundbarkeit

ergibt sich durch die Expansion und Modernisierung der sowjetischen Interkontinentalraketenstreitkräfte.

Die Administration will dieser wachsenden

Verwundbarkeit unserer landgestützten Systeme auf zweifache Weise begegnen:
durch Rüstungskontrolle und durch strategische Programme.

Einerseits wird

SALT II das Ausmaß der Bedrohung der amerikanischen landgestützten Systeme
begrenzen.

Zum andern ist die Entscheidung gefallen, in vollem Ausmaß mit

der technischen Entwicklung und Dislozierung der MX-Rakete bei einer mobilen
Stationierungsweise voranzugehen.

Die MX wird im Jahre 1986 die erste ope-

rative Kapazität erreichen und drei Jahre später voll einsatzfähig sein.
Damit wird gewährleistet sein, daß eine genügende Zahl unserer Interkontinentalraketen einen sowjetischen Überraschungsangriff überleben würden.
Eine
- 9 -

�Eine andere Aufgabe, vor der wir stehen, ist die Notwendigkeit zur Modernisierung einiger unserer veraltenden Systeme. Zusätzlich zur MX modernisieren wir sowohl die Unterseebootstreitkräfte als auch die auf Luftstrahltriebwerken basierenden Waffensysteme unserer Triade.
Ich halte es für notwendig, daß ich mich an diesem Punkt mit einer falschen Zweiteilung befasse, wie sie von einigen Kritikern unserer strategischen Programme im allgemeinen und von SALT II im besonderen dargestellt
wird.

Sie entwerfen da ein Bild für Anfang bis Mitte der achtziger Jahre,

in dem die theoretische Verwundbarkeit unserer landgestützten Interkontinentalraketen uns in eine Position bringen würde, in der wir erpreßbar werden.
Es wird behauptet, daß ein nuklearer Angriff auf unsere Interkontinentalraketen, der durch eine kleine Zahl von sowjetischen Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen und hoher Treffsicherheit den Präsidenten vor ein
Dilemma stellen würde, das entweder auf Kapitulation hinausliefe oder einem
Selbstmord gleichkäme, weil den Vereinigten Staaten keine andere aktive Reaktion bliebe als sowjetische Städte zu vernichten und dadurch mit Sicherheit
unsere eigene Vernichtung zu bewirken.
Lassen Sie mich im Zusammenhang mit dieser Frage hervorheben, daß die
Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen nicht gleichbedeutend mit
der Verwundbarkeit der Vereinigten Staaten oder unserer Abschreckungsmacht
ist. Insbesondere würden wir selbst nach einem hypothetischen Verlust praktisch
all unserer Interkontinentalraketen nicht vor dem angeblichen Dilemma der
Kapitulation durch Nichthandeln oder der Auslösung eines umfassenden Angriffs
auf sowjetische Städte stehen, wobei unsere eigenen Städte einem sowjetischen
Gegenangriff preisgegeben wären. Das Problem der Verwundbarkeit unserer
Interkontinentalraketen besteht tatsächlich und erfordert eine Lösung, aber
die Krise der Abschreckungskraft, die von den Erfindern eines solchen falschen
Dilemmas vorausgesagt wird, besteht nur in deren Einbildung. Selbst unter
den pessimistischsten Bedingungen würden die Vereinigten Staaten mehrere tausend intakte Sprengköpfe behalten sowie die verbleibenden Unterseeboote,
Bomber und Marschflugkörper und auch die angeschlagene Interkontinental -

- 10 -

�Interkontinentalraketenstreitmacht.

Damit aber verblieben eine Reihe von

Optionen für Maßnahmen gegen militärische und industrielle Ziele sowie gegen die Städte und nicht nur ein massierter Angriff auf dichtbesiedelte
Zentren.

Wir könnten zum Beispiel unsere Vergeltungsschläge gegen die üb-

riggebliebenen sowjetischen strategischen Streitkräfte, gegen nukleare und
konventionelle militärische Ziele im Gefechtsfeld und gegen ausgewählte Industrie- und Kontrollpunkte richten und hätten immer noch genügend Gefechtsköpfe in Reserve, um vor einem gegen die Städte gerichteten Schlagabtausch
abzuschrecken.

Was die politische oder psychologische Auswirkung der Behauptung anbetrifft, die Sowjets seien relativ besser imstande, auf mehrere Jahre hinaus
die eine Säule unserer Triade zu bedrohen, als wir dies vermöchten, so halte ich dies für eine Übertreibung.

Erstens, wir sind dabei und werden auch

weiterhin unsere Kapazität in bezug auf die beiden anderen Säulen unserer
Triade verstärken.

Wir werden über eine erhebliche und zunehmende Kapazi-

tät gegen dieses Element ihrer Streitmacht verfügen.

Was die politische Auswirkung der Verwundbarkeit der Interkontinentalraketen anbetrifft, so bin ich auch der Meinung, daß hier das zählt, was
vorhanden ist. Aber weil hier das zählt, was sichtbar ist, hat auch ein Programm zur Erlangung einer künftigen Kapazität und nicht nur eine faktisch
vorhandene Kapazität eine politische Bedeutung.

So beruht beispielsweise

unsere Schätzung der Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen in weitem Maße auf Kalkulationen mit 308 SS-18-Raketen, von denen jede mit zehn
Wiedereintrittsgefechtsköpfen ausgerüstet ist. Aber die Sowjets haben mit
der Dislozierung dieser Version ihrer SS-18 soeben erst begonnen und haben
noch einige hundert SS-9-Silos übrig, die für die SS-18 umgebaut werden
können.

Ein beträchtlicher Teil von ihren 308 "schweren" Interkontinental-

raketen sind SS-9 Raketen, die mit einem Wiedereintrittsgefechtskopf ausgerüstet sind,und der größte Teil besteht zur Zeit aus SS-9-Raketen und SS-ISRaketen mit einem Gefechtskopf.

Aber es ist durchaus richtig, wenn wir der

von ihnen geplanten künftigen Kapazität größte Aufmerksamkeit zuwenden.

- 11 -

Weil

�Weil die ALCM-, die Trident- und jetzt die MX-Programme reale Dinge sind,
wird uns von einigen der gleichen Vorauseffekt zugute kommen.

Zusammengefaßt:

Mit SALT können wir die strategischen Ziele erreichen,

und wir haben die dafür notwendigen Programme.

Ohne SALT stehen wir vor wach-

senden Unsicherheiten, zunehmenden Risiken und aller Wahrscheinlichkeit nach
erhöhten Kosten.

Die NATO

Das NATO-Bündnis hat das gemeinsame Ziel, eine ausreichende militärische
Stärke aufrechtzuerhalten, um vor einer Aggression abzuschrecken und - sollte dies notwendig werden - um in der Lage zu sein, die territoriale Integrität des Bündnisses erfolgreich zu verteidigen.

Ob die Kapazität der NATO

ausreichend ist, um diese Ziele zu erreichen, muß im Lichte der Kapazität
des Warschauer Paktes geprüft werden, was jedoch nicht bedeutet, daß die
NATO-Streitkräfte ein spiegelgetreues Abbild der Streitkräfte des Warschauer
Paktes zu sein brauchen - weder im Umgang noch in der Zusammensetzung.

Es

wäre eine zu große Vereinfachung, wollte man das Urteil, ob die Verteidigung
der NATO ausreicht, nur von Statistiken über Gerät und Geldausgaben abhängig machen.

Trotzdem ist die anhaltende Modernisierung und Vergrößerung

der Streitkräfte des Warschauer Paktes Anlaß zur Besorgnis.

Das konventionelle Kräfteverhältnis in Europa:

Im Laufe der letzten

zehn Jahre sind die sowjetischen und nichtsowjetischen Streitkräfte des
Warschauer Paktes vergrößert und qualitativ verbessert worden.

Im letzten

Jahrzehnt haben die in Osteuropa stationierten sowjetischen Streitkräfte um
rund 150 000 Mann zugenommen, einschließlich der 70 000 Mann und fünf Divisionen, die seit 1968 in der Tschechoslowakei disloziert wurden.

Im gleichen

Zeitraum hat sich der traditionelle Vorsprung des Warschauer Paktes an Panzern vergrößert, und die Sowjets haben heute etwa 45 000 mittlere Panzer
für das NATO-Gebiet bereitgestellt.

Obwohl seit 1973 die Zahl ihrer taktischen

- 12 -

�taktischen Flugzeuge nur gering erhöht wurde, handelt es sich bei den meisten
sowjetischen Kampfflugzeugen und Jagdbombern um Modelle, die seit 1970 eingeführt wurden.

Sie haben einen wesentlich erhöhten Aktionsradius sowie ver-

besserte Flug- und Hilfssysteme, Wartung und Aufklärungssensoren.
wjetische Militärdoktrin

Die so1-

legt weiterhin den Nachdruck auf die Tugenden der

Tarnung, der Täuschung und der Überraschung.

Die sowjetische Taktik legt

Wert auf überwältigende Feuerkraft, Schockwirkung und rasche Offensivbewegung.
Die qualitativen und quantitativen Veränderungen der Kapazität des Warschauer
Paktes machen es in zunehmendem Maße wahrscheinlich, daß er die Lücke zwischen Doktrin und Praxis überbrücken konnte.

Die Aufrüstung des Warschauer Paktes hatte jetzt jedoch eine erfrischende
Wirkung auf die NATO.

Die vom Bündnis verabschiedeten Verteidigungspläne ver-

sprechen - wenn sie voll verwirklicht sind - den Vorsprung des Warschauer Paktes auszugleichen, wenn nicht sogar zu übertreffen.

Im Jahre 1978 verabschie-

deten die Staats- und Regierungschefs der NATO-Länder ein Langfristiges Verteidigungsprogramm (LTDP) mit über 120 spezifischen Maßnahmen zur Verbesserung
der konventionellen Streitkräfte der NATO.

Neben dieser Entscheidung ging

ein übereinkommen über das gemeinsame Ziel einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben aller Mitgliedstaaten um real drei Prozent im Jahr einher.
Länder haben im großen und ganzen diese Verpflichtung eingehalten.

Die NATODie Ver-

teidigungsausgaben der anderen NATO-Staaten verzeichneten im Haushaltsjahr
1978/79 eine Erhöhung von durchschnittlich 2,9 Prozent.

Das Langfristige Verteidigungsprogramm sieht eine Verbesserung der NAT0Kapazität auf allen Gebieten vor.

Zu den wichtigsten Initiativen gehören

Pläne, die Fähigkeit der NATO, auf einen Angriff mit kurzer Vorwarnzeit zu
reagieren, wesentlich zu verbessern.

Zu den spezifischen Programmen zur

Stärkung der Einsatzbereitschaft der NATO gehört eine Erhöhung der Zahl der
Panzer in Europa, die Verbesserung der Panzerabwehr der NATO, die Modernisierung und zahlenmäßige Verstärkung von Luft-Boden-Waffen, Verbesserung der
NATO-Verteidigung gegen chemische Kriegführung und die Verstärkung der Kapazität der NATO, kurzfristig die Munitionsbestände zu erhöhen.
Abgestimmt
- 13 -

�Abgestimmt auf das Langfristige Verteidigungsprogramm .wurden die amerikanischen Anstrengungen weiter fortgesetzt.

Wir haben unserem NATO-Arsenal

weitere 47 000 ferngelenkte Raketen zur Panzerbekämpfung hinzugefügt, haben
mit der qualitativen Verbesserung unserer M-60-Panzer begonnen, haben die
Zahl unserer Hubschrauber vergrößert und zwei weitere Artilleriebataillone
zu den bereits in Europa stationierten disloziert.

Die in Westeuropa statio-

nierten amerikanischen Streitkräfte wurden seit Anfang 1975 um 9500 Mann verstärkt.

Im derzeitigen, sich auf fünf Jahre erstreckenden

Verteidigungs-

plan ist die Aufstellung von 3900 XM-1-Panzern und 3400 Mannschaftspanzern
bis Mitte 1980 vorgesehen.
Ein zweites Ziel des Langfristigen Verteidigungsprogramms besteht in
der qualitativen Verbesserung der Fähigkeit der NATO, eine rasche und wirksame Verstärkung des Alliierten Kommandos Europa durch frühzeitige und
blitzschnelle Mobilisierung zu erreichen. Das Kernstück dieser Bemühung
bildet die amerikanische Verpflichtung, die Zahl unserer zur Verstärkung
in den ersten zehn Tagen nach der Mobilisierung zum Einsatz kommenden Landstreitkräfte bis 1984 zu verdoppeln und bis 1986 zu verdreifachen - gemessen am derzeitigen zahlenmäßigen Anteil - und zwar durch Vorausstationierung
der Waffen und des Geräts in Europa. Wir finanzieren außerdem Programme,
die bis 1985 zu einer 50prözentigen Erhöhung der Zahl auf amerikanischen
Flugplätzen stationierten taktischen Flugzeuge der US-Luftwaffe führen
werden, die mit der Dislozierung unserer Truppen nach Europa innerhalb von
zwei Tagen beginnen können.
Aufgrund der Verbesserungsprogramme für die amerikanischen BündnisStreitkräfte und des Langfristigen Verteidigungsprogramms wird die NATO ihre
konventionellen Streitkräfte schon im Verlauf der nächsten Jahre wesentlich
verstärken, vor allem was die Landstreitkräfte und die Luftstreitkräfte in
der Mittelregion anbetrifft. Der Warschauer Pakt wird seine Streitkräfte
auch weiterhin verbessern, aber die heutigen Trends deuten darauf hin, daß
das Bündnis - wenn die derzeitigen Programme der NATO voll finanziert werden
- bis zur Mitte der achtziger Jahre ein glattes militärisches Plus erziel- 14 -

�erzielen durfte. Der Hauptgrund für dieses Plus liegt darin, daß die programmierte Doppelanstrengung der NATO, ihre Streitkräfte zu modernisieren,
und die Fähigkeit zu rascher Verlegung amerikanischer Verstärkungen nach
Europa die Verbesserungen des Warschauer Paktes, die sich allein aus der
Modernisierung ergeben, mehr als wettmacht.
Eine fundamentale Voraussetzung für einen Nettogewinn ist jedoch die
volle Verwirklichung unseres Verteidigungsprogramms. Wenn die Billigung der
vollen dreiprozentigen Erhöhung im Verteidigungshaushalt 1980 scheitert,
dann würde das den Schwung des Langfristigen Verteidigungsprogramms zum Erlahmen bringen. Sollten die Vereinigten Staaten hier versagen, dann muß man
damit rechnen, daß die anderen NATO-Staaten diesem Beispiel folgen. Wenn
die NATO mit ihren Streitkräfteverbesserungen scheitert, dann wird das Ergebnis bestenfalls darin bestehen, daß ein ungemütliches militärisches
Kräfteverhältnis nicht verbessert wird. Ein wahrscheinlicheres Ergebnis
wäre ein ernster Verfall der Sicherheit des Bündnisses.
Nuklearstreitkräfte in und für Europa - Theater Nuclear Forces (TNF):
Die NATO unternimmt ferner Anstrengungen zur Verbesserung der Gefechtsfeld-TNF und der weiterreichenden TNF-Waffensysteme. Die Politik der NATO
bezüglich der TNF ist darauf angelegt, eine glaubwürdige Abschreckung vor
einem Angriff mit TNF und vor einem großangelegten konventionellen Angriff
abzuschrecken. Diese Politik verlangt, daß wir unsere TNF diversifizieren,
damit sie für jede Ebene einer Aggression des Warschauer Paktes das Risiko
einer nuklearen Antwort bieten und in ausreichendem Maße überlebensfähig sind, um nicht zu einem sowjetischen Präventivschlag einzuladen.
Seit mindestens 20 Jahren haben die Sowjets eine nukleare Bedrohung aufrechterhalten, die sich mit ihren SS-4- und SS-5-Raketen und ihren Mittelstreckenbombern vom Typ Badger gegen Westeuropa richtete.

Während der letzten

zehn Jahre hat die Sowjetunion ihre europabezogenen Nuklearstreitkräfte (TNF)
verbessert und vergrößert.

Die vielleicht dramatischste und potentiell ge-

- 15 -

�gefährlichste Verbesserung der weitreichenden sowjetischen TNF bestand in
der Dislozierung des Backfire-Bombers und der mobilen mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüsteten Mittelstreckenrakete (IRBM) vom Typ SS-20.

Als Antwort

sind wir und unsere NATO-Verbündeten in einer Anzahl von Modernisierungsund Verbesserungsanstrengungen unserer TNF begriffen, die die Vorteile der
Sowjets ausgleichen werden.

Sowohl um der Bedrohung durch die weitreichenden sowjetischen TNF begegnen zu können, als auch um sicherzustellen, daß die Sowjets keine Lücke in
dem ganzen Bereich der Fähigkeiten der NATO zur Antwort und zur Eskalation
finden können, befindet sich die NATO in einer großen Überprüfung ihrer eigenen weitreichenden TNF-Systeme und möglicher Schritte zur Rüstungskontrolle
bezüglich der TNF.

Eingehende Untersuchungen und Konsultationen über die

Größe der Streitkräfte, ihre Dislozierung und andere Fragen treten in das
Schlußstadium ein, und wir zielen auf Entscheidungen des Bündnisses über Mo
dernisierung und Rüstungskontrolle bis Ende des Jahres ab.

Die Vereinigten

Staaten unterstützen diese Bemühungen zur Stärkung der Verteidigungsposition
und der Sicherheit der NATO nachdrücklich.

Die führenden Politiker der NATO-

Staaten, deren Unterstützung von znetraler Bedeutung für eine Entscheidung
des Bündnisses über die Modernisierung der weitreichenden TNF ist, haben
klargemacht, daß die Nichtratifizierung von SALT II ernste, und vielleicht
sogar fatale Auswirkungen auf diese Modernisierungspläne haben würde. Zu
den in Frage kommenden Systemen für eine Moderniserung gehören landgestützte
Marschflugkörper und die ballistischen Raketen vom Typ Pershing II. Beide
Systeme sind mobil (und daher überlebensfähig), können mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zu ihren Zielen durchdringen und sind außerordentlich treffsicher.

Wir sind ferner dabei, unsere Kurz- und Mittel Streckensysteme zu modernisieren, indem wir Waffen einführen, die eine verbesserte Reichweite und
Treffsicherheit, größere Flexibilität und erhöhte Sicherheit bieten.

Das

zusammengefaßte Ergebnis dieser Verbesserungen dürfte die Glaubwürdigkeit
der NATO-Strategie der flexiblen Antwort in den Augen der Sowjets erhöhen,

- 16 -

�erhöhen, die Abschreckung stärken und die Fähigkeiten der NATO vergrößern,
auf eine sowjetische Aggression zu reagieren.

Bevor ich mich anderen Gebieten der Welt zuwende, möchte ich direkt über
die Glaubwürdigkeit der amerikanischen Verpflichtung zur Verteidigung Europas
sprechen.

Um diese Frage in eine historische Perspektive zu rücken, möchte

ich darauf hinweisen, daß es sich hier um ein Anliegen handelt, das in unseren
Beziehungen zu unseren Verbündeten immer wieder aufgetaucht ist.

Es trat

nach dem Zweiten Weltkrieg während der Krise in Griechenland zutage, während
des Staatsstreichs in der Tschechoslowakei und während der Blockade von Berlin.
Wir antworteten mit dem Punkt-Vier-Programm, dem Marshall-Plan und dem Nordatlantikvertrag.

Das Problem tauchte wieder auf nach der sowjetischen Atom-

explosion im Jahre 1949 und der Invasion Koreas, und wir antworteten mit der
Schaffung einer integrierten militärischen Struktur - SHAPE (Oberstes Hauptquartier der Alliierten Mächte in Europa) - und der Stationierung amerikanischer Kampftruppen in Europa.

Es trat Mitte der fünfziger Jahre als Ergeb-

nis der thermonuklearen Kapazität der Sowjetunion und ihrer Dislozierung von
Langstreckenbombernauf, und wir antworteten mit taktischen Nuklearwaffen und
Zwei Schlüssel Systemen im Rahmen von Programmen der Zusammenarbeit.

Es kam

während der Raketen-Lücke und der Berlin-Krise von 1961 auf, und wir antworteten mit der Zusage von Polaris- und später Poseidon-Gefechtsköpfen an den
Obersten Alliierten Befehlshaber Europa (SACEUR) und der Schaffung der Nuklearen Planungsgruppe.

Es ist daher nicht überraschend, daß das Problem erneut

auftauchte, als die Sowjets begannen, eine strategische Parität zu erreichen.
Und wir antworten erneut, nicht nur mit dem Langfristigen Verteidigungsprogramm
und den Anstrengungen zur Modernisierung der TNF, sondern auch mit dem erhöhten Schwung unserer eigenen strategischen Programme.

Aber selbst wenn wir Überlegungen über unsere Antworten anstellen, ist es
wichtig

zu erkennen, daß ein Teil der Infragestellung unserer Glaubwürdig-

keit in unnötigem Händeringen besteht, das durch das von mir angesprochene
gar nicht bestehende Dilemma hervorgerufen wird.

Wir stünden nicht, wie ich

bereits betont habe, vor einer grausamen Wahl, bei der der einzig mögliche

- 17 -

�mögliche Weg des Einsatzes unserer strategischen Streitkräfte für die Verteidigung Europas ein massiver Angriff auf sowjetische Städte wäre, was praktisch die sichere Zerstörung unserer eigenen Nation bedeuten würde.

Unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte und unsere TNF und unsere konventionelle
Kapazität sind - wie das sein muß

- ohne Rücksicht auf die Umstände eines

Angriffs in der Lage und werden es bleiben, die Zielsetzungen des Angriffs
zunichte zu machen oder Schäden zuzufügen, die in keinem Verhältnis zu den
zu erwartenden Gewinnen (der anderen Seite) stehen.
Lage, vor einem Angriff abzuschrecken.

Sie sind daher in der

Das ist das Wesen der flexiblen Ant-

wort und einer (gegen einen Gegner) ausreichenden Strategie.
Lassen Sie mich allen, die es hören wollen - einschließlich jener in
Europa und in unserem Lande, die es besser wissen müßten, aber immer noch
dazu neigen, unsere Verpflichtung zur Verteidigung Europas in Frage zu stellen
- klar und deutlich sagen:

Die Vereinigten Staaten sind auf die Sicherheit

und Integrität Westeuropas verpflichtet, nicht nur weil das im Interesse
Europas liegt,sondern weil es auch im lebenswichtigen Interesse der Vereinigten Staaten liegt.

Das ist die fundamentale Grundlage der nationalen Sicher-

heitspolitik der Vereinigten Staaten mindestens seit 1947,und wenn man so
will,sogar seit 1917.
Das ist unsere Politik, weil jede Bedrohung Westeuropas nicht nur eine
Bedrohung unserer kulturellen und geistigen Wurzeln, sondern eine vitale
Bedrohung unserer wirtschaftlichen, politischen und militärischen Sicherheit
ist. Das war unsere Politik. Das ist unsere Politik. Und wir müssen und
werden weiterhin über die militärischen Mittel verfügen, um dieses Ziel zu
gewährleisten. Vor allem die Verpflichtung der zentralen strategischen
Streitkräfte Amerikas für die Sicherheit der NATO bleibt bestehen. Präsident Carter bekräftigte diese Verpflichtung zu Beginn seiner Amtszeit:
"Möge sich niemand täuschen.

Die Vereinigten Staaten sind bereit,

all die Streitkräfte einzusetzen, die für die Verteidigung des NATO-Gebietes notwendig sind."
Die
- 18 -

�Die Parität hat die Gültigkeit dieser Verpflichtung nicht geändert.
Es hat sich niemals um eine Verpflichtung ohne Risiken gehandelt ,und seit
die Sowjetunion wesentliche und überlebensfähige Nuklearstreitkräfte besitzt, sind diese Risiken in der Tat groß.

Keine jahrzehntelang hat Amerikas

Verpflichtung gegenüber Europa von einer Fähigkeit abgehangen - oder sich des
Luxus erfreut -,den Schaden für die Vereinigten Staaten von einem allgemeinen
sowjetischen Angriff in niedrigeren Grenzen zu halten.

Es ist ein bitterer

aber unausweichlicher Aspekt der nuklearen Realität, daß im Nuklearzeitalter
die Abschreckung sehr viel mehr von unserer Fähigkeit abhängt, Nuklearwaffen
einzusetzen,um einem Gegner Verluste zuzufügen, als von unserer Fähigkeit,
den Schaden bei uns zu begrenzen.

Es bestehen natürlich große Ungewißheiten

darüber, was passieren würde, wenn Kernwaffen eingesetzt würden.

Niemand

kann auf seine Vorhersagen vertrauen, wie sich ein nuklearer Schlagabtausch
entwickeln würde.

Aber gerade diese Ungewißheit, zusammen mit den fürchter-

lichen Folgen, die sich aus einer maximalen Eskalation sicherlich ergeben
würden, ist ein wesentliches Element der Abschreckung.

Die amerikanischen Nuklearstreitkräfte tun jedoch - mit der Parität
genauso wie vor der Parität - mehr, als nur das Risiko einer unkontrollierten
Eskalationzu dramatisieren. Sie können den Sowjets Verluste zufügen, die weit
über das hinausgehen, was diese ihrerseits an möglichen Gewinnen von einer
Aggression erwarten könnten.

Mit zunehmender Zahl der Gefechtsköpfe werden

die Vereinigten Staaten über eine wachsende Kapazität zur flexiblen Antwort
auf eine weite Vielfalt von Zielplanungen verfügen.

Solche Gegenangriffe

könnten in einem solchen hypothetischen Szenarium militärische und wirtschaftliche Ziele von sehr hohem Wert für die UdSSR zerstören und würden den Vereinigten Staaten noch immer ausreichende Streitkräfte belassen, um vor einem
letzten massiven Schlagabtausch gegen Bevölkerungs- und Industriezentren
abzuschrecken oder ihn durchzuführen.

Das Ziel des Besitzes der Kapazität,

den Sowjets sehr hohe Verluste zufügen zu können, wenn dies notwendig würde,
und dabei weiterhin zu versuchen, die Eskalation unter Kontrolle zu halten,
ist seit vielen Jahren die zentrale Rolle der zentralen strategischen Streitkräfte der USA in der NATO-Doktrin der flexiblen Antwort gewesen.

Dies

bleibt so, selbst wenn wir uns alle darüber im klaren sind, daß es keine

- 19 -

�keine Gewähr geben kann, daß ein Nuklearkrieg nicht in einen für beide Seiten tödlichen allgemeinen Schlagabtausch eskalieren würde.
Die inhärente und wachsende Flexibilität der amerikanischen Streitkräfte
wird die Sowjets weiterhin vor die Aussicht auf Verluste stellen, die ihre Gewinne in einem weiten Bereich der Angriffsebenen überwiegen würde.

Selbst

bevor das Problem der Verwundbarkeit der Minuteman-Raketen durch die Dislozierung der MX-Rakete in ihrer überlebensfähigen Stationierungsmethode gelöst ist, bleibt daher die Doktrin der flexiblen Antwort und die Verpflichtung
der zentralen stategischen Streitkräfte der USA für die NATO-Verteidigung lebensfähig.
Daß wir die Aufmerksamkeit der Kapazität der amerikanischen Streitkräfte
zuwenden, militärische Ziele zerstören zu können, bedeutet keine Änderung
unserer Strategie, sondern leinen weiteren andauernden Prozeß der wirksamen Ver
wirklichung dieser Strategie. Die amerikanischen Streitkräfte haben immer
eine wesentliche Kapazität besessen, gegen militärische Ziele zurückzuschlagen,
wie auch gegen Bevölkerungs- und Industriezentren zurückzuschlagen. Wir haben es immer als wichtig erachtet, daß wir im Falle eines Krieges in der Lage
wären, die Streitkräfte ins Visier zu nehmen, die den Vereinigten Staaten und
unseren Verbündeten Schaden zufügen könnten. Wir haben dies trotz unserer Erkenntnis getan, daß es für keine Seite möglich ist, alle oder sogar die
meisten der Streitkräfte der anderen Seite zu vernichten, die einen massiven
Schaden zufügen könnten.
Diese Konzentration auf militärische Ziele steht nicht im Widerspruch
zur Abschreckung, noch schwächt sie diese. Sie unterstützt und stärkt sie
vielmehr. Es ist nach unserer Auffassung im Sinne der Abschreckung wichtig,
daß wir in der Lage sind, nicht nur Bevölkerungs- und Industriezentren ins
Visier zu nehmen, sondern auch militärische Ziele, die für unsere potentiellen
Gegner von Wert sind. Die Aussicht auf einen Verlust dieser potentiellen militärischen Ziele wie auch auf Schäden in Bevölkerungs- und Industriezentren
dürfte dazu beitragen, vor einem Krieg abzuschrecken.
EingreifStreitkräfte
- 20 -

�Eingreifstreitkräfte (RDF)
Obgleich ein Konflikt zwischen NATO und Warschauer Pakt der ernsteste
Eventualfall ist, für den die Vereinigten Staaten planen müssen, ist es viel
wahrscheinlicher, daß die Vereinigten Staaten ihre Interessen in anderen Teilen der Welt herausgefordert sehen - entweder durch die Sowjetunion oder je
nach Umständen durch eine andere Macht. Die Unterbrechung der Ölversorgung,
teilweise hervorgerufen durch die Unruhen im Iran, war eine lebhafte Mahnung,
auf welche Weise die amerikanischen Interessen durch Ereignisse in der Dritten
Welt gefährdet werden können. Der Nahe Osten, Afrika und Asien bleiben ebenfalls Gebiete eines möglichen Konflikts. Die Vereinigten Staaten müssen ihre
Fähigkeit aufrechterhalten, angemessene Streitkräfte an entlegene Plätze zu
entsenden, um ihre Freunde und Verbündeten zu unterstützen. Seit 1969 ist es
unsere Politik, in Verbindung mit unseren Verbündeten ausreichende allgemeine
Streitkräfte zu unterhalten, damit wir gleichzeitig mit einem größeren Krisenf a n - von einem Umfang&gt;wie er in Mitteleuropa auftreten könnte - und einem
begrenzteren Eventualfall fertigwerden könnten.
Wir sind dabei, eine programmatische und planvolle Anstrengung zu
unternehmen, um die amerikanische Fähigkeit zu erhöhen, Streitkräfte rasch
in entfernte Teile der Welt zu dislozieren; auf die Einzelheiten werde ich
später eingehen. Der erste Schritt bei dieser Anstrengung bestand darin,
Einheiten, die im Fall einer NATO-Krise nicht für rasches Eingreifen vorgesehen oder designiert sind, zur Verwendung als EingreifStreitkräfte zu kennzeichnen. Unser Ziel ist es, Streitkräfte zur Verfügung zu haben, die zur
Beantwortung eines begrenzten Krisenfalls gebraucht werden können oder im
Verlauf eines NATO-Krieges zu einem zweiten Gefechtsfeld entsendet werden
können, ohne die NATO-Verteidigung zu schwächen.
Gestatten Sie mir einen Augenblick, um ein landläufiges Mißverständnis
aus der Welt zu schaffen.

Wir haben nicht die Absicht, eine Eingreifstreit-

kraft als separate Einheit von bestimmter Größe aufzustellen.

Stattdessen

werden wir über EingreifStreitkräfte verfügen, die bei begrenzten Eventualfällen für einen Einsatz bereitstehen würden.
- 21 -

Die Streitkräfte, die für eine

�eine rasche Dislozierung ausersehen sind, würden ein Reservoir darstellen,
von dem eine spezielle Streitmacht abgezogen und so zugeschnitten werden
würde, daß sie den Erfordernissen des jeweiligen Eventualfalls gerecht würde.
Das Heereselement könnte zum Beispiel von einem Rangerzug bis hin zu einem
aus mehreren Divisionen bestehenden Truppenkörper reichen, der aus über
100 000 Mann mit Nachschubeinheiten besteht.

Die Armeeteile würden ange-

messen und in Verbindung mit Teilen der Luftwaffe, des Marinekorps und der
Marine operieren.
Als Teil des RDF-Konzepts planen wir, die Nachschubeinheiten und die
Versorgung so zu programmieren, daß unsere begrenzten Kräfte im Eventualfall in der Lage sind, über einen längeren Zeitraum hinweg in ungünstiger
Umgebung zu operieren.
Wie es der Ausdruck besagt, ist eine rasche Antwort wahrscheinlich in
einem begrenzten Eventualfall entscheidend. Daher gibt der Verteidigungshaushalt der Verbesserung der amerikanischen Mobil Streitkräfte absoluten
Vorrang.

Asien
Asien ist ebenso wie Westeuropa für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung. Unsere Verteidigungspolitik ist so gestaltet, daß
sie die regionale Stabilität in Asien erhält, vor einem Angriff auf Korea
abschreckt und die amerikanischen Interessen sowie die Interessen unserer
Verbündeten im Fall eines Angriffs schützt.
In den letzten Jahren haben die sowjetischen Streitkräfte in Asien
erheblich zugenommen.

Im Jahre 1965 hatten die Sowjets 20 Divisionen und

210 Kampf-/Angriffsflugzeuge in diesem Gebiet.

Heute sind dort gut über

40 Divisionen und mehr als 1000 Kampf-/Angriffsflugzeuge.

Seit 1976 hat

die sowjetische Pazifikflotte zusätzliche Überwasser-Kriegschiffe erhalten,
einschließlich der "Minsk" (ein Flugzeugträger der Kiew-Klasse), die
- 22 -

�die "Ivan Rogov" (ein Amphibien-Angriffstransporter) und mehrere Atomunterseeboote.

Andere Ereignisse haben jedoch die amerikanische Position in Asien gestärkt.
Wir haben bedeutende Vorteile aus der Normalisierung unserer Beziehungen zur
Volksrepublik China gezogen.

Besonders das Ende unserer Konfrontation mit

Peking hat amerikanische Mittel freigesetzt und uns größere Beweglichkeit bei
unserer globalen Planung ermöglicht.

Peking unterstützt auch eine starke

NATO und versucht nicht länger, die amerikanisch-japanische Verteidigungsbeziehung zu untergraben.

Im Verlauf des letzten Jahres haben wir unsere Beziehungen zur Republik
Korea gestärkt.

Die nordkoreanische Kampfkraft ist zwar erhöht worden, aber

ich muß feststellen, daß dies nicht das Ergebnis einer plötzlichen Verstärkung
der nordkoreanischen Streitkräfte war.

Vielmehr entdeckten wir als Ergebnis

einer besseren Analyse unserer nachrichtendienstlichen Daten Trends, die zu
Anfang und gegen Mitte der siebziger Jahre übersehen worden waren.
koreanische Kapazität nimmt ebenfalls zu.

Die süd-

Der Anteil des Bruttosozialprodukts,

den man in Südkorea für die Landesverteidigung ausgibt, stieg von etwa 4 Prozent zu Beginn der siebziger Jahre auf nahezu 7 Prozent im Jahre 1977. Was
uns angeht, so hat Präsident Carter einen weiteren Abzug amerikanischer Kampftruppen in der Schwebe gehalten, und wir haben letzten November die Luftwaffe Koreas durch die Dislozierung eines zusätzlichen F-4-Geschwaders aus
den Vereinigten Staaten verstärkt.

Die amerikanisch-japanischen Sicherheitsbeziehungen sind zur Zeit wahrscheinlich besser als je zuvor.

Die japanische Einstellung hinsichtlich

Verteidigungsangelegenheiten hat sich ebenfalls geändert - teilweise aufgrund einer wachsenden Einsicht in das Anwachsen der sowjetischen Militärkapazität in dieser Region.

Es herrscht in der Öffentlichkeit eine wachsende

Bereitschaft, die Notwendigkeit japanischer Selbstverteidigungsstreitkräfte
und den amerikanisch-japanischen Sicherheitsvertrag zu akzeptieren.

Die Ver-

einigten Staaten haben ihre Zusage, vor über einem Jahr gegeben, eingelöst,

- 23 -

�eingelöst, ihre militärische Stärke in Asien aufrechtzuerhalten.

Wir werden

weiterhin umfangreiche Streitkräfte im Westpazifik unterhalten, die die 2.
Infanteriedivision (deren

Dislozierungspläne 1981 erneut überdacht werden),

10 Geschwader landgestützter Kampf-/Angriffsflugzeuge, die Amphibienstreitmacht des 3. Marinekorps einschließlich des dazugehörigen Luftgeschwaders auf
Okinawa sowie die 20 bis 25 Kriegsschiffe der Siebten Flotte umfassen.

Das Kräfteverhältnis zur See
Historisch gesehen bestanden die beiden grundlegenden Funktionen der
amerikanischen Marine in der Überwachung der Meere und der Geltendmachung
von Stärke.

Die Fähigkeit zur Erfüllung dieser Funktionen ist eine wesent-

liche Voraussetzung,wenn die Vereinigten Staaten die Meere benutzen wollen,
um ihre nationale

Politik zu unterstützen und die Streitkräfte einer jeden

Nation zu besiegen, die den Versuch unternehmen sollte, ihnen eine solche
Verwendung streitig zu machen.
Die amerikanische Verteidigungspolitik nutzt die Kontrolle der Meere
und die Geltendmachung von Stärke, um 1) die Seeverbindungen nach Europa zu
schützen; 2) um andere wichtige Seeverbindungen zu schützen; 3) um die
Streitkräfte der Verbündeten an den Flanken der NATO zu unterstützen; und
4) um die Streitkräfte der Verbündeten im westlichen Pazifik und in anderen
Gebieten der Welt zu unterstützen. Kurz: wir müssen in der Lage sein,
Überlegenheit zur See auszuüben, wo immer und wann immer dies für uns erforderlich ist. Die Herausforderung dieser unserer Fähigkeit kommt von unserem gefährlichsten potentiellen Gegner - der Sowjetunion.
•

In der Vergangenheit sind wir Zeuge einer Vergrößerung der sowjetischen
Marine geworden.

Jedoch hat die sowjetische Herausforderung im Marinebereich

seit Mitte der siebziger Jahre neue Formen angenommen, wobei die Betonung
auf qualitativen Verbesserungen lag.

Erst vor zwei Jahren wurde die so-

wjetische Unterseeboot-Streitmacht (einschließlich ihrer Kapazität hinsieht-

�hinsichtlich von Marschflugkörpern) die größte Bedrohung zur See für die
amerikanischen Interessen.

Jedoch beginnt die wachsende Streitmacht der

Backfire-Bomber, die für Marschflugkörper ausgerüstet sind und die den
sowjetischen Marine-Luftstreitkräften zugewiesen wurden, eine ernsthafte
Bedrohung unserer Seestreitkräfte zu werden, wie ich im Januar dieses Jahres mitgeteilt habe.

Auch in Zukunft werden wir Zeuge einer fortgesetzten Erhöhung der
sowjetischen Herausforderung im Marinebereich sein:

mehr Backfire-Bomber,

verbesserte sowjetische Unterseeboote und das Auftreten sowjetischer
V/STOL-Flugzeugträger vom Typ Kiew und Minsk.

Wir haben unser Verteidigungsprogramm in Verbindung mit einigen unserer Verbündeten entworfen, um diesen Herausforderungen entgegenzutreten
und um uns in die Lage zu versetzen, weiterhin unsere grundlegende Strategie
zu verwirklichen, die Seeherrschaft in den für unsere Sicherheit wichtigen
Gebieten angesichts dieser Bedrohungen zu gewährleisten.

Wir bauen Lenkwaffenzerstörer vom Typ DDG-47, die mit AEGIS-Raketen
ausgerüstet sind, um unsere Streitkräfte in die Lage zu versetzen, der Bedrohung durch Backfire-Marschflugkörper standzuhalten, während sie ihre
Mission der Seeherrschaft ausüben.

AEGIS ermöglicht uns eine wichtige Ver-

besserung der Verteidigungskapazität; ein DDG-47-Zerstörer kann mit sehr
viel mehr Marschflugkörpern fertig werden als unseres derzeitigen Lenkwaffenschiffe.

Umgekehrt konfrontieren wir die Sowjets mit einer Bedrohung durch

unsere Marschflugkörper, die ihnen Sorge bereiten wird, indem wir unsere
HARPOON-Raketen gegen Schiffe dislozieren und die neuen TOMAHAWK-Raketen entwickeln.

Diese Systeme können nicht nur von Überwasserschiffen abgeschossen

werden, sondern werden schon - wie dies bei der HARPOON der Fall ist - für
unsere P-3-Flugzeuge und unsere Unterseeboote beschafft.

Die Dislozierung

der HARPOON wird unsere Bedrohung sowjetischer Schiffe gewaltig erhöhen.
Für das Ende der Programmperiode planen wir die Dislozierung der HARPOON
für eine große Anzahl von Startanlagen auf Überwasserschiffen, Untersee-

- 25 -

�Unterseebooten und an Flugzeugen, was uns in die Lage versetzen wird, sowjetische Schiffe auf Millionen von Quadratmeilen Meeresoberfläche zu bedrohen.
Wir haben Schritte unternommen - einschließlich der Forderung nach einem
neuen Flugzeugträger im Haushaltsplan -, um unsere seegestützten Luftkapazitäten aufrechterzuerhalten.

Die Aufrechterhaltung von 12 dislozierbaren

Flugzeugträgern mit ihren modernisierten Luftgeschwadern und den dazugehörenden
Geleitschiffen stellt für die Sowjets die größte Herausforderung zur See dar:
die Notwendigkeit für sie, der amerikanischen Fähigkeit zur Geltendmachung
von Stärke etwas entgegenzustellen.
Die zweite Antwort auf die sowjetische Herausforderung zur See ist unsere
wirkungsvolle Kapazität im Bereich der Unterseebootbekämpfung (ASW). Wir
unterhalten ein halbes Dutzend verschiedenartiger ASW-Systeme, die sich gegenseitig ergänzen. Im Kriegsfall wären die sowjetischen Unterseeboote auf
ihrem Weg zum Abfangen oder zum Angriff auf unsere Streitkräfte sowie bei
ihrer Rückkehr in die Heimathäfen einem Spießrutenlaufen zwischen Sperr-,
Gebiets- und Punktverteidigungssystemen ausgesetzt. Zahlreiche Studien des
Verteidigungsministeriums, einschließlich derjenigen, die von der Marine
durchgeführt wurden, zeigen den kumulativen Effekt unserer ASW-Systeme sowie der unserer Verbündeten, die in der Lage sind, der sowjetischen Unterseebootbedrohung zu begegnen - obgleich vielleicht erst nach einer verlustreichen Schlacht von Wochen oder Monaten.
Wir setzen auch weiterhin unseren technologischen Vorsprung in den
ASW-Kapazitäten ein, indem wir Rundumüberwachungssensor-Schleppsysteme
(SURTASS-Systeme) entwickeln, die auf unseren TAGOS-Schiffen Verwendung
finden und unsere Ortungskapazitäten stark erhöhen werden. Unser taktisches Rundum-Schleppsonar (TACTAS) wird unsere ASW-Fregatten der KNOXKlasse und die Zerstörer der 963-Klasse mit stark verbesserten Ortungskapazitäten über große Entfernungen ausstatten. Als Ergänzung zu diesen Systemen
dient unsere Beschaffung der LAMPS-MK-III-Hubschrauber, die unsere überwasserschiffe in die Lage versetzen werden, ihre Ortungen über große Ent- 26 -

�Entfernungen mit dem Einsatz von Waffen über größere Entfernungen ergänzen.
Die fortlaufende Entwicklung und Beschaffung unserer Mine vom Typ CAPTOR
wird für die sowjetischen Unterseeboote eine zusätzliche Bedrohung bei ihrem
Versuch darstellen, natürliche Meerengen zu durchfahren.

Die fortlaufende

Beschaffung unserer Angriffsunterseeboote und die künftige Entwicklung einer
neuen, billigeren, aber wirkungsvollen Klasse von Unterseebooten Mitte der
achtziger Jahre garantiert uns ebenfalls, daß wir darauf vorbereitet sind,
jede Art von Herausforderung der Sowjets auf hoher See zu begegnen.

Zusammenfassung

Ich glaube, es ist fair, wenn ich sage, daß die Erörterung von SALT II
die erste Gelegenheit einer tiefgreifenden Überprüfung der amerikanischen Verteidigungspolitik und -programme nach Vietnam bot.

Der Verteidigungshaus-

halt für das Finanzjahr 1977, den der Kongreß 1976 billigte - das letzte
Budget

Präsident Fords - und in dem sich die erste reale Erhöhung der nicht

auf Vietnam bezogenen Vorgriffsmittel für den Verteidigungshaushall, seit einem
Jahrzehnt niederschlug, bot Anzeichen der um sich greifenden Einsicht, daß
mehr für die Verteidigung getan werden müsse.

Der Trend für erhöhte reale

Verteidigungsausgaben nach einem Jahrzehnt der Kürzungen wurde unter Präsident Carter in drei aufeinander folgenden Haushalten deutlich.

Zum Teil wird dadurch anerkannt, daß die sowjetische Bedrohung gewachsen
ist.

Zum Teil wird damit auf die Erfordernisse reagiert, die unerfüllt blieben,

als sich nach Vietnam eine Anti-Verteidigungsstimmung breit machte.

In diesem

Sinne glaube ich, daß diese Haushaltsdebatte im Zusammenhang mit SALT II ein
gesundes Zeichen für die Vitalität unseres Landes und seines demokratischen
Prozesses ist.

Ich bin der Überzeugung, daß sich im Kongreß der Konsens her-

ausbildet, daß wir mehr für die Verteidigung ausgeben müssen.

Ich glaube,

daß die vom Präsidenten vorgeschlagenen drei Prozent ein angemessenes Gleichgewicht bilden zwischen dem, was unser Verteidigungsbeitrag zu unseren Zielen
der nationalen Sicherheit sein sollte, und zwischen dem, was klug ist hinsichtlich der Wahrung unserer wirtschaftlichen und internationalen politischen

- 27 -

�politischen Stärke sowie der Erfüllung unserer anderen dringenden Erfordernisse.

Mehr zu tun, würde das Risiko eines Anheizens der Inflation und des

Unterminierens des sich herausbildenden Konsens für die Verteidigungsanstrengungen mit sich bringen.

Weniger zu tun, würde nicht nur die wesentlichen

Programme der USA gefährden, sondern auch das gesamte Langfristige Verteidigungsprogramm der NATO unterminieren.

Sollte SALT abgelehnt werden, stehen

wir vielleicht vor der grausamen Wahl zwischen noch höheren Ausgaben für die
strategischen Streitkräfte und damit dem Risiko, daß die konventionellen
Streitkräfte gekürzt werden müssen, um die strategischen Programme zu finanzieren, oder dem jähen Abbau der letzteren.
Ich fordere Sie daher mit allem Nachdruck auf, sowohl die dreiprozentige
reale jährliche Erhöhung des Verteidigungsprogramms Präsident Carters zu
unterstützen als auch SALT II rasch zu ratifizieren.

Wenn wir beides gemein-

sam tun, können wir unsere nationalen Sicherheitsziele angesichts einer realen sowjetischen Herausforderung und anderer Herausforderungen in den kommenden Jahren verwirklichen.

Wenn wir beides nicht erreichen, werden wir uns

Anfang der achtziger Jahre vor grausamen Entscheidungen und immer gefährlicher
werdenden Schwierigkeiten sehen.

+ + + + +

28 -

�1

B

E.1 iiH

•^

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

38

26. September 1979

CARTER UND VANCE WÜRDIGEN FORTSCHRITTE SEIT CAMP DAVID
- Wortlaut der Erklärungen -

WASHINGTON - (AD) - Zum ersten Jahrestag der Vereinbarungen von Camp
David am 17. September 1979 würdigten der amerikanische Präsident und der
Außenminister die Fortschritte, die seither zwischen Israel und Ägypten
erzielt worden sind.

Die Ansprache Carters hat folgenden Wortlaut:

"Heute vor einem Jahr, am 17. September 1978, kehrten Israels Premierminister Begin, Ägyptens Präsident Sadat und ich von Camp David mit einem
Abkommen zurück, das einen Rahmen für den Frieden im Nahen Osten bildet.

Damals glaubten wir daran, daß wir einen historischen Wendepunkt in
der bitteren Geschichte dieser leidgeprüften Region erreicht hätten.

Nur

ein Jahr später ist dieser Glaube unverrückbare Wirklichkeit geworden.

Nach 30 Jahren Feindschaft und Krieg lebt Israel in Frieden mit seinem
größten arabischen Nachbarn.
bessern sich täglich.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern ver-

Die Bestimmungen des Friedensvertrages werden einge-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�eingehalten - präzise und planmäßig.
Dieser Friede besteht nicht mehr allein aus Worten auf dem Papier.
Er steht nunmehr auf dem Boden der Tatsachen und lebt als Glaube in den
Herzen von Millionen Menschen.

Dieser bemerkenswerte Wandel - von

Krieg zu Frieden, von Feindschaft zu Freundschaft - wurde beim k'ürzlichen
Besuch Präsident Sadats in Haifa deutlich sichtbar, als er mit aufrichtiger Wärme und Begeisterung von der Bevölkerung und der Führung Israels
empfangen wurde.
Solche Ereignisse, die noch bis vor ganz kurzer Zeit erstaunlich, ja
nahezu undenkbar erschienen wären, werden jetzt nahezu als Routine akzeptiert.

Dies ist in sich selbst ein Maßstab dafür, wie weit wir schon auf

dem Wege zum Frieden vorangekommen sind.

Daher lohnt es sich, bei dieser

Gelegenheit sich daran zu erinnern, welch ein außerordentlicher Wandel der
Geisteshaltung stattgefunden hat.
Die bisherigen Erfolge Ägyptens und Israels bei der Überwindung dreier
Jahrzehnte der Feindseligkeit gibt uns erneute Zuversicht, uns den noch
verbleibenden schwierigen Aufgaben zu stellen.
Unser Ziel ist immer die Schaffung eines umfassenden Friedens gewesen,
in dem Israel schließlich in Sicherheit und Ruhe mit allen seinen Nachbarn
leben kann. Die Vereinbarungen von Camp David sind ein großer Schritt auf
diesem Weg gewesen. Wir unterschätzen die vor uns liegenden Schwierigkeiten
nicht. Aber wir wußten von Anfang an, daß der Weg hart und steinig sein
würde. Und wenn wir heute auf die dauerhaften Errungenschaften des letzten
Jahrzehnts zurückblicken, dann sind sie eine Rechtfertigung dafür, daß wir
unser Auge fest auf das Ziel des Friedens gerichtet haben, anstatt in das zur
Genüge bekannte Gejammer einzustimmen, daß kein Frieden erreicht werden
könne.

�Der in Camp David vor einem Jahr entworfene Friedensprozeß geht gut
voran.

Die Gespräche über eine volle Autonomie für das Jordan-Westufer

und den Gaza-Streifen werden planmäßig in einer Atmosphäre des guten Willens
und der ernsthaften Zusammenarbeit fortgesetzt.

Ich bin fest davon über-

zeugt, daß diese Gespräche Erfolg haben werden.

Ihr Fortschritt ist ein

Tribut an den Weitblick und den Mut von Präsident Sadat, Premierminister
Begin und die Menschen ihrer beiden großen Völker.

Während der nächsten

Monate wird es unsere gemeinsame Aufgabe sein, auch weiterhin zu zeigen,
daß der Frieden funktionsfähig ist und daß wir durch den Beweis unserer Taten
andere Nationen und Staatsmänner davon überzeugen, mit uns zusammen diese
Suche nach einem dauerhaften Frieden, nach

Sicherheit und der Möglichkeit

zu einem sinnvollen Leben für alle Menschen im Nahen Osten fortzusetzen."

Die Erklärung von Außenminister Vance hat folgenden Wortlaut:

"Heute vor einem Jahr wurden die historischen Abkommen zwischen Ägypten
und Israel in Camp David erzielt, von Präsident Sadat und Premierminister
Begin im Weißen Haus unterzeichnet und von Präsident Carter beglaubigt.

Wir

alle, die das Privileg hatten, an diesen Verhandlungen beteiligt gewesen zu
sein, hegen auch weiterhin ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit und der Bewunderung für die drei Staatsmänner, deren Vision zu dieser Leistung geführt
hat.

Heute ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, wie weit wir in diesem
einen Jahr seit der Unterzeichnung der Vereinbarungen von Camp David gekommen
sind.

Die vor einem Jahr eingegangenen Verpflichtungen werden jetzt gewissen-

haft eingelöst.

Der ägyptisch-israelische Friedensvertrag wurde unterzeichnet und wird,
wie vereinbart, ausgeführt - mit Hingabe und in einem Geist der Zusammenarbeit
auf beiden Seiten.

Die Welt kann die praktischen Ergebnisse sehen, die er-

- 3 -

�erzielt worden sind.

Die israelischen Streitkräfte werden Zone um Zone ab-

gezogen und es werden die Grundlagen vorbereitet für eine Normalisierung der
Beziehungen.
Das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel beginnt sich auszuweiten
und zu vertiefen.

Mit zunehmender Reife wird dieses Verhältnis demonstrieren,

daß die Abkommen eingehalten werden.

Es wird nicht nur zeigen, daß Frieden

erreicht werden, sondern daß er auch dauerhaft sein kann.
Die neue Verhandlungsrunde, die in Camp David vorgesehen ist, beginnt
ebenfalls plangemäß.

Heute existiert zum erstenmal in dem über 30jährigen

arabisch-israelischen Konflikt ein Mechanismus, um mit der Lösung jener Fragen zu beginnen, die für die Palästinenser so bedeutsam sind.

Die derzeitigen

Verhandlungen über ein Abkommen, das den Bewohnern des Jordan-Westufers und
des Gaza-Streifens volle Autonomie gewähren soll, gewinnen an Schwung.
An diesem Jahrestag schließen sich alle meine Kollegen und ich Präsident
Carter an, um uns selbst zu einer verstärkten Anstrengung zu verpflichten,
damit auf den soliden Grundlagen, die in Camp David erstellt wurden, weitergebaut werden kann. Wir rufen all diejenigen, die den Frieden suchen und lieben, dazu auf, sich mit uns zu verbinden.

+ + + + +

�26. September 1979

38

NACHRICHTENSATELLITEN-SCHALTZENTRALEN AM HIMMEL

- (AD) - Auf der Internationalen Funkwellenkonferenz (WARC), die am
24. September 1979 unter Teilnahme von mehr als 150 Ländern in Genf begann,
wollen die Vereinigten Staaten einen Plan zur Frequenzaufteilung vorlegen,
durch den für alle interessierten Länder in den kommenden zwei Jahrzehnten
die Beteiligung am Satellitenfunk optimal gesichert werden könnte. Sie sind
sogar überzeugt, daß er eine Verdreifachung oder gar Viervierfachung der
Zahl geostationärer Satelliten - in Höhen von ca. 36 000 km über dem Äquator
eingeschossen - erlauben würde, ohne daß diese sich durch Störung der Abstrahlung von Funkimpulsen des Nachbarn gegenseitig

behindern.

Um dies zu

verhindern, müssen Fernmeldesatelliten mindestens sechs Grad auseinander
plaziert sein, d.h. etwas weiter als Funksatelliten, die zu vielen, weit
auseinanderliegenden Empfängerstationen auf der Erde senden.

Kern des amerikanischen Vorschlags ist eine Teilung des FunksatellitenFrequenzbandes in zwei Hälften: Die Funksatelliten sollen die niedrigeren
Frequenzen, die Satelliten mit genau begrenztem Dienstleistungsbereich dagegen (sie sind letztlich Relaisstationen für Signale zwischen bestimmten
Punkten auf der Erde) die höheren Frequenzen verwenden.

Auf diese Weise

könnte man einen Funk- und einen Relaissatelliten praktisch übereinander
plazieren, ohne daß der eine den anderen behindert.
Am

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Am bisherigen Improvisationsverfahren für die Zuteilung von Frequenzen
sollte man nach Ansicht amerikanischer Delegationsmitglieder festhalten,
weil dies - im Gegensatz zu der von manchen Entwicklungsländern gewünschten
Methode der Reservierung bestimmter Frequenzbereiche für sie bis zum Aufbau
eines eigenen Satellitenfunks-technologische Neuentwicklungen begünstige.
In den Konstruktionsbüros und Labors bemühten sich z.B. die Ingenieure um
die Entwicklung von besseren Antennen, durch die immer weniger Abstand zwischen den Satelliten erforderlich werde. Millionen von Dollar

an Entwick-

lungsgeldern wurden beispielsweise bereits für ein - in ein bis zwei Jahren
technisch ausgereiftes - Projekt aufgewendet, das es erlauben wird, mit
kleinen Antennen selbst abgelegene Dörfer in den Satellitenfunk einzubeziehen.

"Millionen und Abermillionen wenden die USA dafür auf, diese Ausrüstun-

gen immer mehr Entwicklungsländern zukommen zu lassen", meinte Richard
Shramm von der US-Delegation.
Zwar mag die Konstruktion und der Start eines eigenen Satelliten
attraktiv sein - wirtschaftlicher jedoch ist das Anmieten von Frequenzbereichen eines bereits vorhandenen Satelliten. Einige Beispiele demonstrieren dies: Mit dem Start eines "PALAPA"-Satelliten kam Indonesien mit älteren sowjetischen und INTELSAT-Satelliten in Konflikt. Dies sei jedoch,
wie amerikanische Regierungsvertreter erklären, nur deshalb geschehen, weil
Indonesien die Entwicklung der geeigneten Antennen nicht abgewartet habe.
Wäre der Start nur um ein Jahr hinausgeschoben worden, hätten die Antennen
geändert und die Probleme vermieden werden können. Indien geriet in ähnliche Schwierigkeiten, als es seinem Satelliten zu viele Aufgaben gleichzeitig - nämlich Wetterbeobachtung und Fernmeldedienst - übertragen wollte
und so mit anderen benachbarten Satelliten in Konflikt geriet.
Algerien dagegen mietete, wie Dr. Sidney Metzger, Chefwissenschaftler
von INTELSAT, berichtet, einen Transponder mit einem Fernsehkanal und 200
Sprechkanälen zur Bedienung von 15 Erdstationen an.
Jahr eine Million Dollar.

Es zahlt dafür pro

Ein eigener Satellit hätte ca. 100 Millionen

Dollar gekostet - bei einer aktiven Lebensdauer von nur sechs oder sieben
Jahren.

INTELSAT

�INTELSAT kann für Algerien und and re Entwicklungsländer derart preiswerte Leistungen deshalb erbringen, wei die Organisation "Reserve"-Satelliten einsetzt, die bei Ausfall eine

regulären Fernmeldesatelliten des-

sen Aufgaben sofort übernehmen sollen - ein Fall, der bisher noch nie eingetreten ist. "So ist es für jeden ein
s Geschäft", meint Dr. Metzger,
"und es bringt allen Nutzen."

- 3 -

�26. September 1979

38

OMNIBUS MIT TURBOMOTOR
- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf Oberland!inien -

- (AD) - Von außen unterscheiden sie sich kaum von den großen Überlandbussen der Greyhound-Linien, die in den Vereinigten Staaten in allen Landesteilen anzutreffen sind. Das einzig Auffallende sind zwei große Auspuifföffnungen, die dem rückwärtigen Teil eines Düsentriebwerks ähneln und dort angebracht sind, wo sich normalerweise das Rückfenster des Omnibusses befindet.
Die Fahrgäste in den bequemen Sitzen bemerken nach kurzer Zeit, daß etwas
Altgewohntes fehlt - nämlich das Brummen und Vibrieren des Dieselmotors.
Man hört nur noch ein leichtes Summen. Und wenn der Fahrer die Klimaanlage abschaltet, die das Summen verursacht, ist praktisch kein Laut mehr
zu hören.
Ab Oktober 1979 verkehren vier der neuen Turbobusse auf den überlandlinien zwischen Washington, Philadelphia und Boston. Es sind Versuchsfahrzeuge des Greyhound-Unternehmens, die mit Unterstützung des US-Energie-Ministeriums gebaut wurden und betrieben werden. Sie sind mit Gasturbinen
ausgerüstet, die eher mit den Düsentriebwerken moderner Flugzeuge als mit
den herkömmlichen Dieselmotoren zu vergleichen sind. Im Gegensatz zu diesen
schlucken Gasturbinen nahezu alles, was brennt - Benzin, Alkohol oder die ver-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�verschiedenen synthetischen Brennstoffe, die z.Zt. entwickelt werden.

Und

ihre Abgase sind wesentlich sauberer und viel weniger mit Schadstoffen belastet.
Turbomotoren arbeiten, wie die Diesel- und Benzinmotoren, nach dem
Prinzip der inneren Verbrennung.

Aber sie stellen insofern eine Besonder-

heit dar, als sie einen kontinuierlichen Kraftfluß erzeugen:

Heiße, expan-

dierende Gase wirken auf die Schaufelblätter des Turbinenrades und versetzen es in Rotation.

Mischung von angesaugter Luft mit Kraftstoff, Kompres-

sion, Verbrennung und Ausstoßen der Abgase bilden einen kontinuierlichen,
ruhig fließenden Vorgang.

Ihm ist es zu verdanken, daß der Turbinenmotor

weniger Schmiermittel braucht und eine größere Lebensdauer hat.

Der her-

kömmliche Dieselmotor eines Omnibusses muß nach ca. 700 000 Betriebskilometern überholt werden.

Bei der Gasturbine ist dies erst nach mehr als 1,5

Millionen Kilometern erforderlich.
Wie Frank Nageotte, der Vorsitzende der Greyhound-Unternehmens, in
Washington jetzt vor Pressevertretern erklärte, soll das Gemeinschaftsprogramm mit dem US-Energieministerium die besonderen Vorteile der Verwendung
von Hochleistungs-Turbomotoren demonstrieren - u.a. den sparsamen Kraftstoffverbrauch, weniger Zeit- und Kostenaufwand für die Wartung, leichteres
Starten bei Kälte, weniger Abgase und die Möglichkeit zur Verwendung von
Kraftstoffen, die aus öl, Kohle, Getreide und Holzabfällen hergestellt sind.

�38

26. September 1979

AMINOSÄUREN IN ANTARKTIS-METEORITEN

- (AD) - Zwei der in der Antarktis aufgefundenen Meteoriten enthalten
Aminosäuren - organische Verbindungen, die Bestandteile von Proteinen sind
und für alle Lebensvorgänge gebraucht werden.

Wie Dr. Cyril Ponnamperuma,

der Direktor des Laboratoriums für chemische Evolution an der Universität
Maryland auf einer Tagung der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in
Washington berichtete, handelt es sich um "nicht-biologische Aminosäuren
extraterrestrischen Ursprungs".

Das heißt, daß sie als "präbiotische Sub-

stanzen" durch physikalische Prozesse entstanden sind und nicht als Überreste lebender betrachtet werden können.

Die untersuchten Meteoriten sind von dem sehr seltenen Typ der kohlenstoffhaltigen Chondriten.

Der Fundort ist für die Wissenschaft von besonderer

Bedeutung, da in der Antarktis die Gefahr einer "Verschmutzung" durch organisches Material so gering wie nirgends sonst auf unserer Erde ist.

Das

Analysenergebnis stütze, wie Dr. Ponnamperuma erklärte, die Theorie, daß der
für die Erde postulierte chemische Evolutionsprozeß sich auch andernorts
abspiele.

Es

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�f
Es gibt nur 20 Aminosäuren, aus denen normalerweise das Eiweiß lebender
Organismen auf der Erde aufgebaut ist.

Einige der in den Meteoriten gefun-

denen Aminosäuren gehören nach Aussage des Forschers nicht zu dieser Gruppe.
Einer der Hauptunterschiede war, daß einige der Aminosäuren aus den Meteoriten bei der Untersuchung im polarisierten Licht sich sowohl als linksdrehend
wie auch als rechtsdrehend erwiesen, während lebende Organismen irdischer
Herkunft ausschließlich linksdrehende Aminosäuren enthalten (d.h. sie lenken
einen Strahl polarisierten Lichts beim Durchgang durch die wässrige Aminosäurelösung nach links ab). Mit dieser Methode können Strukturunterschiede
von Aminosäuren aufgezeigt werden.

"Bei dem in unserem Laboratorium ange-

wandten Verfahren wurde demonstriert, daß die Meteoriten gleiche Mengen
rechts- und linksdrehender Aminosäuren enthalten", erklärte Dr. Ponnamperuma.
"Dies ist ein Beweis dafür, daß die Säuren nicht das Ergebnis von Lebensprozessen sind, sondern daß sie eine präbiotische Form dieser Substanzen darstellen".

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8516">
                <text>26.09.1979</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8517">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8518">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14075">
                <text>Amerikadienst 26.09.1979</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14076">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede von Außenminister Vance vor der UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brown erläutert den Verteidigungshaushalt der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des Senats -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter und Vance würdigen Fortschritte seit Camp David&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Erklärungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nachrichtensatelliten-Schaltzentralen am Himmel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Omnibus mit Turbomotor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA erproben Versuchsfahrzeuge auf Oberlandlinien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aminosäuren in Antarktis-Meteoriten&amp;nbsp;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1710" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1721">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/e03ebec7ec5e26e5043bceeabee0e3a3.pdf</src>
        <authentication>1c9e7f75b297558d6d2b6c8d6a6d5d4e</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8756">
                    <text>Information
und
Dokumentation

I

rsrs
•ü R

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

43

26. September 1980

INHALT

DOKUMENTATION
Außenminister Muskie gibt weltpolitischen überblick
- Ansprache auf der Sitzung der UN-Vollversammlung -

Um Übef/enduiiQ von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�I

1

H'fSBl

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

43

26. September 1980

AUSSENMINISTER MUSKIE GIBT WELTPOLITISCHEN ÜBERBLICK
- Ansprache auf der Sitzung der UN-Vollversammlung -

VEREINTE NATIONEN,NEW YORK

- (AD) - Der amerikanische Außenminister

Edmund Muskie hat am 22. September 1980 vor der UN-Vollversammlung in New
York einen weltpolitischen überblick aus der Sicht der USA gegeben, wobei
er eine Vielzahl von Themen ansprach.

Ein längerer Teil seiner Ausführungen

waren dem Iran und der Situation der amerikanischen Geiseln gewidmet.

Muskie

forderte die Vereinten Nationen in diesem Zusammenhang auf, gemeinsam mit
den USA auf eine baldige Freilassung der Geiseln zu drängen.

Die Vereinigten

Staaten seien bereit, ihren Teil zu leisten, um die zwischen beiden Ländern
bestehenden Streitfragen auf faire Weise zu lösen.
Die Ansprache Muskies hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Delegierte der Vollversammlung,
ich bin heute hierher gekommen, um erneut die Verpflichtung der
Vereinigten Staaten gegenüber den Vereinten Nationen zum Ausdruck zu bringen.
Ich

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0228-89 32 40
Telex: 08-85432

�•

Ich bin ebenfalls hierher gekommen, um unsere Hoffnungen für die
Zukunft der Weltorganisation auszusprechen - zu einem Zeitpunkt, da die
Welt durch Spannungen und Unsicherheit bedrängt ist.

Der Friede wird durch

schwelende regionale Konflikte bedroht, durch Angriffe der Starken auf die
Schwachen.

Große und kleine Länder werden geplagt durch stark steigende

öl preise und ernsthafte wirtschaftliche Belastungen.

In zahlreichen

Ländern bilden Armut und Unterdrückung eine explosive Kombination.
Vor einigen Wochen sprach ich vor dieser Versammlung über die internationale Wirtschaft.

Ich unterstrich die Verpflichtung der Länder,

angesichts weltwirtschaftlicher Probleme zusammenzuarbeiten:

Zahlungs-

ungleichgewichte, Energie, Inflation, verlangsamtes Wachstum in vielen
Entwicklungsländern, die gespenstischen Erscheinungen des Umweltverfalls und
sogar Hungersnot.
Die Unfähigkeit, einen Konsensus über Verfahrensweisen für globale
Verhandlungen zu erreichen, stellt eine Pause in diesem Prozeß dar, nicht
einen Fehlschlag hinsichtlich unserer Zielsetzung. Ich will damit keineswegs
sagen, daß die Meinungsverschiedenheiten, die eine Formel für solche globalen
Verhandlungen verhinderten, einfach bemäntelt werden können. Sie sind real;
sie existieren wirklich. Aber wir sind bereit, den Zeitraum dieser Vollversammlung für eine Fortsetzung der Erörterungen zu nutzen, was zu
Verfahrensweisen, zu einer Tagesordnung und zu einer Verhandlungsstruktur
führen kann, die eine breite Übereinstimmung zwischen all den hier vertretenen Ländern fördern wird.
Heute möchte ich über wirtschaftliche Probleme hinaus mich einer
Bedingung zuwenden, die die Voraussetzung für jeden materiellen Fortschritt
ist, der Friede. Wenn uns wirklich daran gelegen ist, eine Welt zu schaffen,
in der Frieden und Gerechtigkeit vorherrschen, dann können die Länder der
Welt - und diese Organisation - nicht einfach bestimmte politische und
rechtliche Verpflichtungen ignorieren - Verpflichtungen, die bis ins kleinste

- 2 -

.

�sowie für eine politische Lösung eintreten.

Wir müssen die Grundsätze

der Nicht-Einmischung, der Selbstbestimmung und der Blockfreiheit für
Afghanistan unterstützen.,
Auch in Kambodscha hält die bewaffnete Aggression an. Wir begrüßen
die Berichte, daß unter der Führung des UN-Generalsekretärs sowie internationaler Organisationen einiger Fortschritt bei der Linderung der Entbehrungen
und der Krankheiten erreicht worden ist, die vor einem Jahr noch so
vorherrschend waren.

Die Drohung einer neuen Hungersnot erfordert bedeutsame

künftige Beiträge von der Weltgemeinschaft.
Trotz einiger Verbesserungen der verzweifelten Situation der Menschen
in Kambodscha wurde keinerlei Fortschritt erzielt in bezug auf den Abzug
der vietnamesischen Besatzungstruppen und die Wiedererlangung der Selbstbestimmung für das kambodschanische Volk, wie es in der von den blockfreien
Staaten im vergangenen Jahr eingebrachten Kambodscha-Resolution gefordert
wird. Wir unterstützen nachdrücklich die Grundlage für eine Lösung des
Problems, einschließlich der Idee einer internationalen Konferenz, wie sie
in dieser von einer großen Mehrheit verabschiedeten Resolution enthalten
ist.
Vor allem aber sollten wir zwei Grundziele im Auge behalten, um
derentwillen diese Körperschaft existiert: der bewaffneten Aggression
entgegentreten und Hilfe gegen die Folgen einer solchen Aggression lasten.
Keine Erfolge können für den künftigen Einfluß und die Effizienz der
Vereinten Nationen wichtiger sein und kein Versagen könnte sich schädlicher
auswirken als das Versäumnis, sich entschlossen mit diesen Fragen zu befassen.
Unsere zweite, durch unsere Charta proklamierte Verpflichtung ist
es, internationale Streitigkeiten durch friedliche Mittel beizulegen.
Die

- 4 -

,

�kleinste hinein so zwingend sind, wie die wirtschaftlichen, von denen ich
soeben gesprochen habe.
Diese Verantwortungen sind nicht neu.
Vereinten Nationen proklamiert.

Sie sind in der Charta der

Aber gefährlich neue Umstände machen es

erforderlich, daß wir sie aufs neue unterstreichen, damit wir nicht gerade
die Zielsetzung verraten, der die Vereinten Nationen dienen sollen.
Unsere erste Verpflichtung ist es, sich der Aggression zu enthalten
und sich mit ihr nachdrücklich auseinanderzusetzen.
Der erste Artikel der UN-Charta sieht die "Unterdrückung von Akten
der Aggression und anderen Friedensbrüchen" vor.

Der zweite Artikel

verbietet die "Drohung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale
Integrität oder politische Unabhängigkeit eines jeden Staates..."
Demgemäß müssen sich die Vereinten Nationen mit dem anhaltenden Angriff
auf Afghanistan befassen.

Ich bringe dieses Thema auf, nicht um einen

. rhetorischen Schlagabtausch auszulösen, nicht um eine Polemik herbeizuführen, sondern im Interesse des Friedens.
Heute sind mehr als eine Million Flüchtlinge der menschliche Zoll
der Gewaltanwendung in Afghanistan.

Und es steht mehr auf dem Spiel als

die Unabhängigkeit eines einzelnen Landes.

Wenn dieser Angriff anhält,

dann sind die Unabhängigkeit und die Integrität eines jeden kleinen,
verteidigungslosen Landes in Frage gestellt.

t
Im Januar dieses Jahres wurde auf einer Sondersitzung dieser Vollversammlung der Angriff auf Afghanistan mit großer Mehrheit verurteilt.
Wir sind mit großem Nachdruck der Meinung, daß auch die 35. Vollversammlung
gemäß der Charta handeln muß, um die Prinzipien der Vereinten Nationen zu
stärken. Wir müssen für einen totalen Abzug der sowjetischen Truppen sowie

�Daß Beharrlichkeit Früchte bringen kann - daß Verhandlungen zum
Frieden führen können - das ist in den vergangenen Monaten erneut im
südlichen Afrika bestätigt worden.

Heute haben wir guten Grund,nicht nur

das Erreichte zu feiern, sondern auch die Art und Weise, in der Nationen
zusammengearbeitet haben, um es zu erreichen.

Und für die Zukunft bietet

die Lösung für Zimbabwe Hoffnung - und ein Modell - für friedliche Lösungen
im südlichen Afrika und an anderen Plätzen.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin energische Anstrengungen
unternehmen, um den Plan der Vereinten Nationen für Namibia zu fördern.
Es sind hier keine bedeutenden substantiellen Fragen mehr zu lösen. Ich
bin überzeugt, daß der Plan der Vereinten Nationen sich in fairer Weise
verwirklichen ließe= Alles, was noch zu tun bleibt, ist, daß Südafrika
in seinem eigenen Interesse, im Interesse des Friedens in dieser Region
und im Interesse des Volkes von Namibia handelt - und die Verwirklichung
der von den Vereinten Nationen vorgeschlagenen Lösung akzeptiert.
Wenn dies nicht bald geschieht, könnte die Chance für den Frieden
verloren gehen, und wir würden einer bitteren Zukunft eines sich weiter
hinziehenden Konflikts und tragischen menschlichen Leids entgegensehen.
Die Lösung in Zimbabwe kann auch als Präzedenzfall für einen friedlichen Wandel in Südafrika dienen. Wir werden weiterhin die Regierung von
Südafrika dazu drängen,die unvertretbare Politik der Apartheid aufzugeben.
Wir halten es für dringlich, daß Gespräche zwischen führenden Repräsentanten
über die Frage eines friedlichen, geordneten Wandels in Südafrika aufgenommen
werden, solange es dazu noch Zeit ist.
Wir müssen auch in anderen Teilen der Welt unsere Bemühungen um
Frieden und Wiederherstellung der Achtung vor dem Völkerrecht fortsetzen.
Im Libanon, auf Zypern und an anderen Plätzen werden wir den friedensstiftenden und friedenserhaltenden Bemühungen der Vereinten Nationen unsere

- 6 -

�Die Erreichung dieses Ziels bleibt weiterhin außerordentlich wichtig
in zwei Gebieten von zentraler Bedeutung: dem Nahen Osten und Südafrika.
Im Nahen Osten treten die Vereinigten Staaten für einen umfassenden
Frieden ein - einen dauerhaften Frieden, der sich auf die Grundsätze der
UN-Resolutionen 242 und 338 stützt.

Wir sind entschlossen, auf einen

erfolgreichen Abschluß des in diesem Monat vor zwei Jahren in Camp David
begonnenen Friedensprozesses hinzuarbeiten.

Dieser Prozeß hat bereits

das eine zustandegebracht, was einst für unmöglich gehalten wurde:
zwischen Ägypten und Israel.

Friede

Jetzt konzentrieren sich die Verhandlungen

auf ein zweites Ziel: einen ersten bedeutsamen Schritt zur Lösung des
Palä'stinenserproblems zu tun.

Ziel der derzeitigen Autonomieverhandlungen

ist es, zu Interimsvereinbarungen zu gelangen, um der Bevölkerung der
Westbank und des Gazastreifens Autonomie zu verschaffen.

Danach wird

der Prozeß zu Verhandlungen übergehen, die über den endgültigen Status
dieser Gebiete entscheiden sollen.
In unserem Bemühen um eine Lösung dieses Konflikts sind wir verpflichtet, eine Lösung für das Palästinenserproblem in all seinen Aspekten
zu finden und gleichzeitig eine dauerhafte Sicherheit für den Staat Israel.
Wir machen uns keine Illusionen über die Schwierigkeiten dieses Problems.
Wir haben es mit einem Problem zu tun, das von langer Dauer und durch
tiefreichende Emotionen belastet ist.

Eine einfache und glatte Lösung kann

es nicht geben.
So rufe ich denn heute alle Mitglieder dieser Versammlung auf, diesen
Verhandlungen ihre Unterstützung zu geben.

Camp David hat sich als der

hilfreichste und produktivste Weg zum Frieden im Nahen Osten erwiesen und
bleibt dies auch für die Zukunft.
es sei denn den weiteren Konflikt.

Es gibt keine Alternative zu Verhandlungen,
Wollen wir uns doch daran erinnern,

daß Differenzen wie Flüsse sind, die man überqueren muß, nicht aber Gründe,
um den Rückzug anzutreten.
Daß
- 5 -

�Einklang mit dem Völkerrecht leben, und die Sanktionen würden eingestellt
werden.
Ich fordere heute den Iran als Nation, sein Parlament und seine
Bevölkerung auf, auch einmal die menschliche Seite des Geisel Problems zu
erwägen.

Diese unschuldigen Menschen und ihre Familien haben bitteres

Leid erfahren.

Ich ersuche auch diese Gemeinschaft der Nationen, sich

unserer dringenden Bitte anzuschließen, daß ihre schwere Prüfung zu einem
sicheren, ehrenvollen und unverzüglichen Ende gebracht wird.
Wir wissen auch, daß aufgrund von in der Vergangenheit erfahrenem Leid
und Mißgeschick die Gemüter im Iran wie auch in den Vereinigten Staaten tief
erregt sind. Wir sind bereit, unseren Teil zu tun, um die zwischen uns
bestehenden Streitfragen auf faire Weise zu lösen.
Das iranische Parlament hat angekündigt, daß es eine Kommission
ernennen will, die sich mit der Geisel frage befassen soll.

Wir hoffen,

daß dieser positive Schritt die Regierung des Iran enger an eine
Entscheidung über die Freilassung der Geiseln heranbringen wird.
Die Vereinigten Staaten teilen viele gemeinsame Werte mit dem iranischen
Volk.

Wenn die sichere Rückkehr aller Geiseln zu ihren Familien gewährleistet

ist, sind wir bereit, uns auf einer Basis des gegenseitigen Respekts und der
Gleichheit mit allen ungelösten Fragen und Mißverständnissen, die zwischen
dem Iran und den Vereinigten Staaten bestehen, zu befassen und Absprachen
über die Grundsätze zu treffen, die das Verhältnis zwischen uns bestimmen
werden.
Mit dem Blick auf die Zukunft fordere ich die Vereinten Nationen
dringend auf, sobald wie möglich entschlossene und effektive Maßnahmen zu
treffen, um der weltweiten Drohung von Angriffen auf Diplomaten und andere
entgegenzutreten. Die Gefahr, die dadurch für das zuvilisierte internationale

- 8 -

�unsere volle Unterstützung erteilen.
Und obwohl die Festhaltung von amerikanischen Geiseln im Iran kein
Thema der Tagesordnung dieser Versammlung ist, bleibt es eine Sache von
äußerster Dringlichkeit, daß ein Weg aus dieser tragischen Sackgasse gefunden
wird - daß das Problem auf eine Weise gelöst wird, die den Frieden stärkt
und die Achtung vor dem Völkerrecht wiederherstellt.
Die anhaltende Situation im Iran trägt zur Ungewißheit über die
Sicherheit und Stabilität in Südwestasien bei.

Die Sicherheit des Iran

selbst und die Stabilität des Gebietes hängen ab von einem geeinten,
starken und unabhängigen Iran, der mit seinen Nachbarn in Frieden lebt.
Mit dem Ende des früheren Regimes und dem Tod des ehemaligen Schahs
ist ein Kapitel in der Geschichte des Iran abgeschlossen.

Mit dem Anfang

des neuen Kapitels betonen wir mit allem Nachdruck, daß wir die Realität
der iranischen Revolution anerkennen und daß wir die Rechte des iranischen
Volkes respektieren, seine eigene Regierungsform ohne jegliche Einmischung
zu wählen.
Nach dem Wirksamwerden der neuen Verfassung, der Bildung einer neuen
Regierungsstruktur und der allmählichen Konsolidierung der Autorität kann
die islamische Republik des Iran ihre Verpflichtungen und ihre unabhängige
Rolle in dieser Gemeinschaft der Nationen übernehmen.
Ein unerläßlicher Schritt aber wird die sichere Rückkehr der amerikanischen Geiseln im Iran zu ihren Familien sein.

Während all der 324 Tage

ihrer Gefangenschaft haben die Mitglieder und Institutionen der Vereinten
Nationen auf mannigfache Weise und über zahllose Kanäle ihre Besorgnis über
die Geiseln zum Ausdruck gebracht.

Mit ihrer Freilassung, wie sie wiederholt

vom Sicherheitsrat und dem Internationalen Gerichtshof gefordert wurde,
könnte der Iran seine Isolation von all den Nationen beenden, die im Einklang

�Weltorganisation.

Aber alle sind von nachhaltiger Bedeutung für die

internationale Gemeinschaft.

Denn ein ungezügeltes Wettrüsten würde den

Horizont der gesamten Menschheit verdunkeln.
Erstens. Es ist die Absicht Präsident Carters,so schnell wie möglich
auf eine Ratifizierung des SALT II-Vertrages hinzuwirken. Demgemäß
beabsichtigt der Präsident, bald nach den Wahlen die Führung des Senats
der Vereinigten Staaten mit dem Ziel zu konsultieren, den Ratifizierungsprozeß sobald wie möglich wieder aufzunehmen.
Wir erachten es als von entscheidender Bedeutung, SALT II zu ratifizieren
und mit dem SALT-Prozeß voranzuschreiten. Die Sowjetunion muß sich jedoch
darüber im klaren sein, daß die jüngsten sowjetischen Aktionen für viele
Amerikaner das Eintreten der Sowjetunion für den Weltfrieden und für weltweite Zusammenarbeit in Frage gestellt haben.
Wir fordern also die Sowjetunion auf, in einer Art und Weise zu
handeln, die die Aussichten für SALT II sowie für weitere Rüstungskontrollbemühungen fördert, nicht aber ihnen schadet.
Zweitens.

Wir sind dem Streben nach sinnvollen und gleichen Begrenzungen

der nuklearen Mittel Streckensysteme im Rahmen von SALT III verpflichtet.
Wir sind bereit,mit dem sowjetischen Außenminister in dieser Woche in
Gespräche einzutreten, um dieses Thema zu erörtern und eine Einigung über
die Vorkehrungen für einen baldigen Beginn dieser Gespräche zu erreichen.
Drittens.

Wir haben uns dem Abschluß eines wirksamen und verifizierbaren

umfassenden Vertrages über ein Versuchsverbot verpflichtet.

Auf dem Wege

zu diesem Ziel sind wesentliche Fortschritte erzielt worden,und wir sind
entschlossen diese Bemühungen mit allem Nachdruck voranzutreiben.
Viertens

- 10 -

�internationale Leben entsteht, wächst ständig; keine Friedensinstitution
kann es sich leisten, dies zu ignorieren.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits wollen in Frieden mit allen Ländern
leben.

Ob es nun der Iran ist oder die Sowjetunion, wir sind bestrebt,

die Spannungen zu vermindern und produktive Beziehungen wiederherzustellen,
sobald deren Handlungen dies zulassen.
In allen Fällen wird unsere Politik unsere Verpflichtung zur Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder widerspiegeln.
Wie Präsident Carter bekräftigt hat, werden wir uns nicht in die Angelegenheiten Polens einmischen, und wir erwarten, daß andere ebenfalls das Recht
der polnischen Nation respektieren werden, ihre eigenen Probleme auf eigene
Weise zu lösen.
Eine weitere Verpflichtung der Nationen, Herr Präsident, ist die
Kontrolle und die Begrenzung von Rüstungen.
Eine Zeit erhöhter Spannungen in der Welt macht die Erfüllung dieser
Verpflichtung schwieriger, aber sie macht sie auch umso dringender.
Aus diesem Grunde lassen Sie mich heute erneut die Verpflichtung
meiner Regierung zur Rüstungskontrolle unterstreichen - für praktische Maßnahmen,
die zum Weltfrieden beitragen und die internationale Stabilität fördern.
Präsident Carter hat diese grundlegende Verpflichtung ausgesprochen, als
er im Januar 1977 als Präsident vereidigt wurde. Sie ist in gleicher Weise
auch heute noch gültig.
Lassen Sie mich hier mehrere konkrete Beispiele dieser Verpflichtung
anführen.
werde,

Einige der Rüstungskontrollbemühungen, von denen ich sprechen

involvieren eine aktive Beteiligung seitens der Vereinten Nationen;

andere berühren Verhandlungen außerhalb des Rahmens der Weltorganisation.

- 9 -

�bei,umfassende und weitgefaßte internationale Sicherheitsmaßnahmen zu
erreichen«

Wir sind der Ansicht, daß die Akzeptierung solcher Maßnahmen

zu einer Bedingung für neue Verpflichtungen bezüglich nuklearer Lieferungen
an solche Staaten gemacht werden sollte. Wir werden auch weiterhin für
eine Welt eintreten, in der alle Länder an der friedlichen Nutzung der
Kernenergie teilhaben können,ohne daß die Gefahr einer Verbreitung von
Kernwaffen gegeben ist.
Bevor ich dieses Thema verlasse, möchte ich unsere große Besorgnis
über eine weitere Rüstungskontrollangelegenheit zum Ausdruck bringen.
Wenn die Rüstungskontrolle erfolgreich sein woll, dann müssen die Abkommen
voll und ganz eingehalten werden. Fragen, wie sie jetzt durch immer wiederkehrende Berichte aufgeworfen werden, wonach chemische Waffen in Afghanistan,
Laos und Kambodscha eingesetzt worden sind, können von der internationalen
Gemeinschaft nicht einfach ignoriert werden. Würde man das tun, dann würden
wir sowohl die Rüstungskontrolle als auch das Völkerrecht unterminieren.
Die Vereinigten Staaten begrüßen daher den Nachdruck, den der Abrüstungsausschuß auf seiner jüngsten Sitzung auf die Notwendigkeit gelegt hat,
durch internationale Bemühungen, die hinter diesen Berichten stehenden
Tatsachen zu klären. Wir sind der Ansicht, daß eine unparteiische Untersuchung dieser Berichte am angemessensten unter den Auspizien der Vereinten
Nationen erfolgen könnte.
So wichtig diese von mir angeführten Verpflichtungen sind, so erschöpfen sie doch in keiner Weise die Verantwortung, die uns als Länder
sowie als eine Gemeinschaft von Ländern auferlegt ist, wenn wir den
Frieden sichern wollen.

Und mit Frieden meine ich nicht die zerbrechliche,

künstliche Stabilität, die mit der Unterdrückung eines Volkes seitens
seiner Regierung gegeben ist.

Ich meine vielmehr die wahre Stabilität von

Gesellschaften, die mit sich im Frieden leben, weil die Rechte ihrer
Bürger geschützt und gestärkt werden.
Herr

- 12 -

�Viertens.

Die Vereinigten Staaten haben sich mit den Gesprächen in

Wien verpflichtet, eine beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung
sowie Begrenzungen zu erreichen, um die mit der massiven Präsenz militärischer
Kräfte in Mitteleuropa verbundenen Risiken abzubauen.
Fünftens.

Wir sind bereit, die Sicherheitsaspekte der Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) weiterzuentwickeln.
Wenn die internationale Situation es erlaubt

und wenn es auf der Folge-

konferenz in Madrid einen ausgewogenen Fortschritt auf allen Gebieten
gibt

- einschließlich der Menschenrechte -,dann sind wir bereit, nach

Madrid eine europäische Konferenz der KSZE-Signatarstaaten über die
Entwicklung militärisch bedeutsamer,vertrauenschaffender Maßnahmen in
Erwägung

zu ziehen.

Sechstens.

Wir unterstützen die Bemühung des neuerdings erweiterten

Abrüstungsausschusses, die Bestimmungen einer internationalen Konvention
über radiologische Waffen auszuarbeiten.

Wir unterstützen ebenfalls

seine auf ein umfassendes Verbot chemischer Waffen gerichtete Arbeit, und
wir wollen auch weiterhin unsere bilateralen Verhandlungen mit der Sowjetunion über ein effektives Verbot chemischer Waffen fortsetzen:
Und schließlich: die Weiterverbreitung von Kernwaffen würde eine
ernsthafte Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit
darstellen. Wir unterstützen daher mit Nachdruck die Bemühungen um eine
Reduzierung der Gefahr der nuklearen Weiterverbreitung. Der Nicht-Weiterverbreitungsvertrag (NPT) ist ein Eckpfeiler dieser Bemühungen. Wir
fordern daher nachdrücklich die Nicht-Mitglieder auf, sich diesem Vertrag
anzuschließen, denn er fördert die Sicherheit aller Länder, ob sie nun
über Kernwaffen verfügen oder nicht. Auf der kürzlich beendeten NPTüberprüfungskonferenz war man sich einstimmig darüber einig, daß dieser
Vertrag grundlegend richtig ist und daß alle Länder in der Welt ihm beitreten sollten. Im Hinblick auf die Nichtnuklear-Staaten, die diesem Vertrag
noch nicht beigetreten sind, messen wir besondere Bedeutung dem Ziel bei,
- 11 -

�in der Sub-Sahara-Zone Afrikas.

Es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß es sich hier um ein weltweites Problem handelt.

Dieses Problem erfordert

daher eine weltweite Reaktion.
Die Anstrengungen zur Wiederansiedlung der Flüchtlinge, über die man
sich im letzten Jahr in Genf geeinigt hat, erfordern unsere ganze Energie
und unsere Generosität.
Wir müssen das Amt des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge mit aller
Kraft unterstützen.
Die humanitären Programme der Vereinten Nationen sowie anderer Stellen
erfordern einen erneuten Einsatz von uns allen - zu ihrer Unterstützung und
ihrer Stärkung.
Aber letztlich kann diese menschliche Tragödie nur bewältigt werden,
wenn wir die Ursachen an der Wurzel packen: indem wir die Armut beseitigen,
die Mißachtung der Menschenrechte in den einzelnen Ländern beenden und für
Frieden unter den Ländern sorgen, so daß kein Mensch sich gezwungen sieht,
Heim und Land aufzugeben.
Deshalb unterstützt mein Land die Stärkung der Demokratie und der
persönlichen Freiheit - auf dem amerikanischen Kontinent und in Afrika und
in jedem Teil der Welt. Die Verwirklichung dieser letztlichen Zielsetzungen bleibt weiterhin eine der obersten Aufgaben der Vereinten Nationen.
Die 35. Vollversammlung muß daran arbeiten, auf diesem Gebiet Fortschritte
zu erzielen.
Herr Präsident, wir dürfen Tatsachen nicht einfach ignorieren!

Wir

befinden uns in einer Zeit weltweiter wirtschaftlicher Schwierigkeiten und
in einer Zeit der Spannungen zwischen Großmächten.
In

- 14 -

�Herr Präsident, ich darf daher eine weitere Verpflichtung für unsere
Länder unterstreichen, die Verpflichtung nämlich, die Menschenrechte zu
bewahren und uns mit allem Nachdruck mit den fundamentalen menschlichen
Erfordernissen zu befassen.
In der universellen Menschenrechtserklärung hat die Völkergemeinschaft
in nobler Weise die Konzeption der Menschenrechte und der Menschenwürde
definiert - genauso wie wir in der Charta der Vereinten Nationen das Gebot
der friedlichen Zusammenarbeit dargelegt haben.
Die Tatsache, daß die einzelnen Länder diesen Menschenrechtsverpflichtungen
nicht nachkamen, ist eine anhaltende Tragödie, was sich auf schmerzliche
Weise in den Flüchtlingswellen rranifestiert, die jetzt über die Welt
schlagen.
•

Diese leidgeprüften Menschen stellen eine dramatische Herausforderung
für die internationale Gemeinschaft dar, die durch diese Vollversammlung
repräsentiert wird.

Während der vergangenen fünf Jahre haben die Vereinigten

Staaten über 600 000 Flüchtlinge aufgenommen - aus Afrika, Europa, dem Nahen
Osten und der westlichen Hemisphäre.

Allein während der vergangenen fünf

Monate sind mehr als 120 000 Menschen zu uns gekommen, die aus Kuba an
unsere Ufer getrieben worden sind: ein Zustrom, der außerordentliche Herausforderungen für unsere Ressourcen darstellt.
In Anerkennung der menschlichen Not, die diese weltweite Flüchtlingswelle impliziert, hat Präsident Carter die Absicht der Vereinigten Staaten
bekanntgegeben, im Verlauf des nächsten Jahres weitere 217 000 Flüchtlinge
aufzunehmen.
Unser Land ist natürlich nur eines von vielen Ländern, die Flüchtlinge
aufgenommen und unterstützt haben. Ober eine Million Menschen sind aus
Afghanistan nach Pakistan geflüchtet; 400 000 Indochinesen befinden sirh in
Thailand. Mehr als drei Milliarden Menschen sind heimatlos j_n
- 13 -

�In solchen Augenblicken ist die friedliche Zusammenarbeit noch
schwieriger als gewöhnlich.

In solchen Augenblicken bekommen unsere

Verpflichtungen als Mitglieder dieser Völkerversammlung eine neue Bedeutung.
In solchen Zeiten, da die Wolken krisenhafter Ereignisse unser Streben
nach einem endgültigen Frieden verdunkeln, können wir unseren Weg nur
dadurch erhellen, daß wir getreulich die Charta der Vereinten Nationen
befolgen, daß wir uns an das Völkerrecht halten, das uns verbindet, und

i

dem Standard internationalen Verhaltens entsprechen, der uns schützt.
Herr Präsident, hoffen wir, daß das Licht, das wir auf diese Weise
entzünden, die Wolken der Spannung und der Zwietracht vertreiben wird, die
unsere Welt heute verdunkeln.
Die Vereinigten Staaten werden ihren Beitrag leisten.

Wir werden

unsere Verpflichtungen erfüllen, um der Aggression entgegenzutreten,
den Frieden zu stärken, die Rüstungen zu begrenzen, die Menschenrechte zu
unterstützen und wirtschaftliche Gerechtigkeit zu fördern.

Für uns und für

andere Nationen können diese Bemühungen in unermeßlicher Weise das Leben
auf Erden verbessern und den gerechten und dauerhaften Frieden schaffen,
nach dem sich alle unsere Völker sehnen.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8753">
                <text>26.09.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8754">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8755">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13978">
                <text>Amerikadienst 26.09.1980</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13979">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Muskie gibt weltpolitischen Überblick&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache auf der Sitzung der UN-Vollversammlung -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1881" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1892">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/609a85765a813746a6a547429423dfe4.pdf</src>
        <authentication>8fb94c9f6f4026f6a20a010475d9f0ca</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9468">
                    <text>nfoimolion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. September 1984

39

INHALT
DOKUMENTATION
Rede Präsident Reagans vor der UN-Vollversammlung
- Appell an Moskau Reagan für langfristige amerikanisch-sowjetische Beziehungen
- Erklärung zur 39. UN-Vollversammlung -

HINTERGRUNDMATERIAL
Menschenrechtsverletzungen muß Aufmerksamkeit der KVAE gelten
- Botschafter Goodby unterstreicht zentrales US-Anliegen -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"CHALLENGER" startet mit sieben Astronauten
- Voraussichtliche Flugdauer: 5. - 13. Oktober 1984 "SARSAT"-Abkommen erleichtert Rettungsaktion
- Notsignale und Ortung über Satelliten Schwefelhaltige Luftschadstoffe und Korrosion
- Verstärkereffekt durch Licht und Ozon -

Um Übei/cndung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

T e l . : 0 2 2 8 - 3 3 9 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

REDE PRÄSIDENT REAGANS VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
-Appell an Moskau-

New York -(AD)- Am 24. September 1984 hielt Präsident Reagan vor der
Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York eine richtungsweisende
Rede, in der er auf die Notwendigkeit der Wiederaufnahme des Dialogs mit
Moskau hinwies und der Sowjetunion eine Reihe entsprechender Vorschläge
unterbreitete.
Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, sehr geehrte Staats- und Regierungschefs, Minister, Repräsentanten und Gäste. Als erstes möchte ich
Präsident Lusaka zu seiner Wahl zum Präsidenten gratulieren und ihm bei
der verantwortungsvollen Verwaltung dieses hohen internationalen Amtes
alles Gute wünschen.
Es ist mir eine Ehre, hier bei Ihnen zu sein, und ich danke Ihnen für
Ihre freundliche Einladung. Ich möchte zur Förderung jener beiden großen
Ziele sprechen, die zur Bildung dieser Organisation geführt haben - der
Sache des Friedens und der Sache der Menschenwürde.
Der Verantwortung dieser Versammlung - der friedlichen Beilegung von

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Beilegung von Konflikten zwischen Völkern und Nationen - können wir nur
dann erfolgreich gerecht werden, wenn wir uns des gemeinsamen Grundes bewußt werden, auf dem wir alle als Bewohner dieses Planeten leben sowie
unserer Stellung als Vertreter von Milliarden unserer Landsleute, deren
tiefste Hoffnung auf das Ende aller Kriege und aller Unterdrückung des
menschlichen Geistes gerichtet. Dies sind die wichtigen, zentralen Realitäten, die uns binden, die es uns ermöglichen, von einer Zukunft zu träumen, die frei ist von den Antagonismen der Vergangenheit. Und wie man
Schatten nur dann erkennen kann, wenn es Licht gibt, so können wir auch
das Falsche nur dann überwinden, wenn wir uns daran erinnern, wie vieles
recht ist. Und wir werden das uns Trennende nur dann überwinden, wenn wir
uns daran erinnern, wie viel mehr uns verbindet.
Dieses Gremium hat genug gehört von den vor uns liegenden Problemen
und Gefahren. Haben wir denn den Mut, von einer Zukunft zu sprechen, die
hell und voller Hoffnung ist, und die unser sein kann, wenn wir nur den
Mut aufbringen, nach ihr zu suchen. Ich glaube, daß diese Zukunft viel
näher liegt, als die meisten von uns zu hoffen wagen.
Zu Beginn dieses Jahrzehnts stellte ein Wissenschaftler des Hudson
Instituts fest, daß die Menschheit in den vergangenen zwei Jahrhunderten
auch gewaltige Veränderungen hin zum Besseren durchgemacht habe - Veränderungen, die nicht immer leicht festzustellen sind und über die nicht
immer geschrieben wird.
"Bis vor 200 Jahren, gab es auf der Erde relativ wenig Menschen," so
der Wissenschaftler. "Alle menschlichen Gesellschaften waren arm. Krankheit und früher Tod beherrschten das Leben der meisten Menschen. Die Menschen waren unwissend und zu einem Großteil den Kräften der Natur ausgeliefert."
"Jetzt," fährt er fort, "befinden wir uns gewissermaßen in der Mitte
eines Prozesses. Fast niemand lebt mehr in einem Land, das so arm ist,
wie es selbst das reichste Land der Vergangenheit war. Es gibt viel mehr
Menschen..., die ein langes und gesundes Leben führen, die vieles lernen
- 2 -

�die vieles lernen konnten und denen noch weit mehr Lernstoff zur Verfügung steht, als ihnen ihre Zeit aufzunehmen erlaubt. Sie sind in der Lage, sich den Kräften der Natur zu stellen und von Entfernungen nahezu unabhängig ."
Wir leben heute, wie dieser Wissenschaftler betont, inmitten einer
der wichtigsten und dramatischsten Perioden der Menschheitsgeschichte in einer Periode, da ein jeder von uns als Katalysator für eine Zeit des
Weltfriedens und unvorherstellbarer menschlicher Freiheit und Würde dienen kann.
Heute würde ich gern vor Ihnen, als herausragenden und einflußreichen
Mitgliedern der Weltgemeinschaft, darlegen, welche Versuche die Vereinigten Staaten unternommen haben, um dazu beizutragen, die Welt dieser neuen
Ä'ra näherzubringen. An vielen Fronten wurden gewaltige Fortschritte gemacht, und ich glaube, daß unsere Bemühungen durch den Trend der Geschichte vervollständigt werden.
Wenn wir genau hinsehen, so können wir, wie ich meine, erkennen, daß
sich die ganze Welt in Richtung auf eine tiefere Würdigung des Wertes der
menschlichen Freiheit - sowohl in ihrer politischen als auch in ihrer
ökonomischen Ausformung - hinbewegt. Teil der Motivation ist ein weltweiter Wunsch nach Wirtschaftswachstum und höherem Lebensstandard. Es
herrscht aber auch die zunehmende Erkenntnis, daß wirtschaftliche Freiheit Vorbedingung ist für Fortschritt und Wachstum im wirtschaftlichen
Bereich - und daß sie eng und unlösbar verbunden ist mit politischer
Freiheit.
überall gelangen Völker und Regierungen zu der Erkenntnis, daß das
Geheimnis einer progressiven neuen Welt darin besteht, Vorteile aus der
Kreativität des menschlichen Geistes zu ziehen, zu Innovation und Unternehmertum des einzelnen anzuregen, harte Arbeit zu belohnen und die Hindernisse für den freien Fluß von Handel und Informationen zu verringern.
Unsere

Opposition

gegenüber

wirtschaftlichen

Restriktionen

und

�Restriktionen und Handelshindernissen steht in Einklang mit unserer Vorstellung von wirtschaftlicher Freiheit und menschlichem Fortschritt. Wir
sind der Meinung, daß solche Hindernisse eine besonders gefährliche Bedrohung für die sich entwickelnden Nationen und ihre Chancen darstellen,
durch ausgeweitete Exportmärkte am Wohlstand dieser Welt teilzuhaben.
Morgen werde ich auf diese Frage beim Internationalen Währungsfonds noch
näher eingehen - und auch auf den Wunsch Amerikas nach offeneren Handelsmärkten in der ganzen Welt.
Dieser Wunsch, die Handelsbarrieren zu beseitigen, sowie unser offenes Eintreten für die Freiheit als Triebkraft des menschlichen Fortschritts bilden zwei der Grundelemente in dem Bemühen der Vereinigten
Staaten und des amerikanischen Volks, dazu beizutragen, eine Welt zu
schaffen, in der Wohlstand das Normale ist, Konflikt aber ein Irrweg, und
in der die Würde und die Freiheit des Menschen selbstverständlicher Teil
seines Lebens sind.
Ich möchte diese Schritte in einen größeren Zusammenhang stellen, indem ich kurz die Hauptziele der amerikanischer Außenpolitik umreiße und
dann mit Ihnen die praktischen Schritte betrachte, die wir unternehmen,
um Freiheit zu fördern und Krieg zu verhindern. Ich möchte zunächst darlegen, wie wir darangegangen sind, unsere Beziehungen zu alten Verbündeten und zu neuen Freunden stärken; was wir zweitens tun, um zur Verhinderung von regionalen Konflikten beizutragen, die die Saat einer weltweiten
Feuersbrunst in sich tragen könnten; und wie es drittens um den Stand unserer Bemühungen bestellt ist, gemeinsam mit der Sowjetunion den Umfang
der Waffenarsenale zu verringern.
Lassen Sie mich mit einem Wort
Außenpolitik beginnen, die auch seit
stets folgerichtig gewesen sind, die
gefördert haben und die sogar in die
aufgenommen wurden.

über die Ziele der amerikanischen
der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg
die Schaffung der Vereinten Nationen
Charta der Vereinten Nationen selbst

Die Charta der Vereinten Nationen nennt zwei Hauptziele: "Künftige
- 4 -

�Hauptziele: "Künftige Geschlechter vor der Geisel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit
gebracht hat," und "den Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde
und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von
Mann und Frau sowie von Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen."
Die Gründer der Vereinten Nationen waren sich der Beziehungen zwischen diesen beiden Zielen voll bewußt. Und ich möchte Ihnen hier sagen,
daß die Regierung der Vereinigten Staaten auch weiterhin diese Sorge um
die Menschenrechte als den moralischen Mittelpunkt unserer Außenpolitik
ansehen wird. Wir werden niemals die Freiheit eines Volkes als Mittel zum
Zweck in der Weltpolitik ansehen. Wir hoffen auf eine Zeit, da alle Menschen dieser Welt sich des Segens der persönlichen Freiheiten erfreuen
können.
Aber ich möchte zugleich betonen, daß unsere Sorge um den Schutz der
Menschenrechte Teil unserer Sorge um die Bewahrung des Friedens ist.
Alle Nationen sind gehalten, die Verpflichtungen zu erfüllen, die sie
freiwillig gemäß der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte eingegangen sind.
Dort heißt es: "Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille soll durch ehrliche, periodisch stattfindende Wahlen zum Ausdruck gelangen." Die Deklaration enthält auch die folgenden Rechte: "Gewerkschaften zu gründen und sich Gewerkschaften anzuschließen," allein oder in Gemeinschaft mit anderen Eigentum zu besitzen," "jedes Land zu verlassen, auch das eigene, und in
sein Land zurückzukehren," und sich des "Rechts auf Meinungs- und Ausdrucksfreiheit" zu erfreuen. Das vielleicht anschaulichste Beispiel der
Beziehung zwischen Menschenrechten und Frieden ist das Recht von Friedensgruppen, zu bestehen und ihre Ansichten zu verteten. Ja, die Behandlung von Friedensgruppen könnte ein Prüfstein für den echten Wunsch einer
Regierung nach Frieden sein.
Zusätzlich zur Betonung
- 5 -

�Zusätzlich zur Betonung dieses Bindegliedes zwischen dem Einstehen
für die Menschenrechte und der Verhinderung eines Krieges haben die Vereinigten Staaten wichtige Schritte unternommen - wie ich bereits erwähnt
habe -, um einen weltweiten Konflikt zu verhindern.
Ausgangspunkt und Eckstein unserer Außenpolitik ist unser Bündnis und
unsere Partnerschaft mit befreundeten Demokratien. Seit 35 Jahren garantiert das Nordatlantische Bündnis den Frieden in Europa. Sowohl in Europa
als auch in Asien sind unsere Bündnisse Triebkraft für eine tiefe Aussöhnung zwischen Nationen, die in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten bittere Kriege ausgetragen haben. Und hier in der westlichen Hemisphäre werden Nord und Süd von der Flutwelle der Freiheit emporgetragen
und vereinigen sich in einer gemeinsamen Anstrengung, friedliche Wirtschaftsentwicklung zu fördern.
Wir sind stolz auf unsere Verbindung zu all jenen Ländern, die unsere
Verpflichtung gegenüber Freiheit, Menschenrechten, Herrschaft des Gesetzes und Frieden zwischen den Staaten teilen. Ja, das Bollwerk der
Sicherheit, das die demokratischen Bündnisse bieten, ist und bleibt von
entscheidender Bedeutung für die Bewahrung des Weltfriedens. Jedes Bündnis bringt Lasten und Verpflichtungen mit sich, aber diese sind weit geringer als die Gefahren und die Opfer, zu denen es kommen würde, wenn die
friedliebenden Nationen untereinander uneins und nachlässig hinsichtlich
ihrer gemeinsamen Sicherheit wären. Das Volk der Vereinigten Staaten wird
auch weiterhin seinen Verpflichtungen treu bleiben.
Aber die Vereinigten Staaten sind auch ihren Bündnissen und Freundschaften mit einer Vielzahl von Nationen in der entwickelten wie in der
sich entwickelnden Welt treu, die unterschiedliche politische Systeme,
Kulturen und Traditionen haben. Die Entwicklung von Bindungen zwischen
den Vereinigten Staten und China - ein bedeutsames globales Ereignis der
letzten Jahre - zeigt unsere Bereitschaft, unsere Beziehungen zu Ländern
zu verbessern, die sich ideologisch von dem unsrigen sehr unterscheiden.
Wir
- 6 -

sind

bereit,

�Wir sind bereit, der Freund eines jeden Landes zu sein, das unser
Freund und ein Freund des Friedens ist. Wir respektieren echte Blockfreiheit. Unsere eigene Nation wurde in einer Revolution geboren, und wir haben dabei geholfen, den Prozeß der Entkolonialisierung zu fördern, der
die Unabhängigkeit von so vielen Mitgliedern dieser Körperschaft herbeigeführt hat - und wir sind stolz auf diese geschichtliche Tatsache.

Wir sind auch stolz auf unsere Rolle bei der Gründung der Vereinten
Nationen und auf unsere Unterstützung dieser Organisation über die Jahre
hinweg. Lassen

Sie mich

noch

einmal

unsere unerschütterliche Unter-

stützung eines Grundprinzips des Systems der Vereinten Nationen betonen des Prinzips der Universalität, sowohl hier als auch in den technischen
UN-Organisationen in der ganzen Welt. Wenn man die Universalität außer
Acht laut, wenn Staaten illegalerweise ausgeschlossen werden, dann können
auch die Vereinten Nationen selbst nicht erwarten, daß sie erfolgreich
sind.

Die Vereinigten Staaten begrüßen Vielfalt und friedlichen Wettbewerb;
wir fürchten die geschichtliche Entwicklung nicht. Wir sind in ideologischer Hinsicht nicht steif und starr. Wir haben Prinzipien und werden zu
ihnen stehen, aber wir suchen zugleich die Freundschaft und den guten
Willen aller - sowohl der alten Freunde als auch der neuen.

Wir waren immer bemüht, anderen die Hand zur Hilfe zu reichen - von
unseren

Hilfsaktionen

Marshall-Plan

und

den

in Europa
massiven

nach

dem

Ersten

Beistandsprogrammen

Weltkrieg
nach

dem

bis

zum

Zweiten

Weltkrieg. Seit 1946 haben die Vereinigten Staaten den Entwicklungsländern mehr als 115 Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe zur Verfügung
gestellt, und

heute kommen von ihnen rund ein Drittel der fast 90

Milliarden Dollar an öffentlichen wie privaten Geldern, die in die Entwicklungswelt fließen. Darüberhinaus nehmen die Vereinigten Staaten rund
ein Drittel der Fertigwarenexporte der Entwicklungswelt auf.

Aber aller wirtschaftliche Fortschritt ist genau wie alle anderen
- 7 -

�wie alle anderen Bewegungen in Richtung auf größeres Verständnis zwischen
den Nationen dieser Welt natürlich gefährdet durch die möglichen Konflikte - auf globalem wie auf regionalem Niveau.

Ich werde gleich noch auf

die Gefahr eines Konfliktes auf weltweiter Basis eingehen und über den
Stand der Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zu sprechen kommen.

Erlauben Sie mir jedoch, zunächst auf das

Kernproblem regionaler Konflikte einzugehen - denn die Geschichte bietet
tragische Beweise dafür, daß es diese Konflikte sind, die den Funken auslösen, der zu weltweiter Feuersbrunst führt.

In einem gläsernen Schaukasten in der Halle gegenüber dem Oval Office
im Weißen Haus liegt eine Goldmedaille - der Friedensnobelpreis, der
Theodore Roosevelt für seinen Vermittlungsbeitrag im russisch-japanischen
Krieg 1905 verliehen wurde.

Es war der erste Preis dieser Art, den ein

Amerikaner verliehen bekam, und er ist Teil einer Tradition, auf die das
amerikanische Volk sehr stolz ist und die es heute in vielen Regionen der
Welt fortführt.

Beispielsweise unternehmen wir diplomatische Anstrengungen zur Lösung
des Konflikts im südlichen Afrika, wobei wir mit den Frontstaaten und unseren Partnern in der Kontaktgruppe zusammenarbeiten. Mosambik und die
Republik Südafrika haben ein Abkommen von historischer Bedeutung über Gewaltverzicht und Zusammenarbeit erzielt, und Südafrika und Angola haben
sich auf ein Auseinanderrücken ihrer Truppen in Angola verständigt.

Au-

ßerdem sind die Grundlagen für die Unabhängigkeit Namibias geschaffen
worden, wobei über praktisch alle Aspekte der Resolution Nr.

435 des UN-

Sicherheitsrats Übereinstimmung erzielt werden konnte.

Ich möchte hinzufügen, daß die Vereinigten Staaten es aus moralischen
Gründen für unabdingbar halten, daß die Rassenpolitik der Republik Südafrika friedlich, aber mit Entschiedenheit so fortentwickelt wird, daß ein
System entsteht, das den Grundnormen der Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürde entspricht.

Ich stelle mit Genugtuung fest, daß amerikanische

Firmen in Südafrika zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der
schwarzen Bevölkerung beitragen, indem sie eine Politik der gleichen Be- 8 -

�gleichen Beschäftigungschancen verfolgen, Es muß jedoch eindeutig noch
sehr viel mehr geschehen.

In Mittelamerika unterstützen die Vereinigten Staaten einen diplomatischen Prozeß, dessen Ziel die Wiederherstellung von Friede und Sicherheit in dieser Region ist.

Wir haben zur Förderung der wirtschaft-

lichen Entwicklung und des sozialen Fortschritts dort erhebliche Mittel
aufgewandt.

Der wachsende Erfolg der demokratischen Entwicklung in El Salvador
bildet den besten Beweis dafür, daß der Schlüssel zum Frieden in einer
politischen Lösung beruht. Freie Wahlen haben dem Land zu einer Regieung verholfen, die Demokratie, Reformen, wirtschaftlichen Fortschritt und
Frieden in der Region auf ihr Banner geschrieben hat. Bedauerlicherweise
gibt es in der Region Kräfte, die alles daran setzen,
Wandel zu vereiteln.
Defensive.

den demokratischen

Diese Kräfte befinden sich jedoch inzwischen in der

Das Blatt hat sich zugunsten der Sache der Freiheit gewendet.

Wir appellieren insbesondere an Nicaragua, von seiner Politik der Subversion und des Militarismus abzurücken, die Versprechen zu erfüllen, die es
der OAS gegeben hat, und im eigenen Lande ein demokratisches System zu
errichten.

Seit Jahrzehnten wird der Nahe Osten mehr als andere Regionen der
Welt von Konflikten und Tragödien heimgesucht, über all diese Jahre hinweg haben die Vereinigten Staaten an diplomatischen Bemühungen zur Wiederherstellung des Friedens aktiv mitgewirkt.

Wir verstehen uns als

vollwertigen Partner in diesem Streben nach Frieden.

Die Ereignisse in

den elf Jahren, die seit dem Oktoberkrieg verstrichen sind, zeigen, daß
sich auf dem Verhandlungswege vieles erreichen läßt, aber auch, daß der
Weg zum Frieden lang und steinig ist:

- Vor zwei Jahren schlug ich vor, in dem Streben nach einer Verhandlungslösung des israelisch-arabischen Konflikts einen neuen Anfang zu
setzen.

Meine Initiative vom 1. September 1982 beinhaltet eine Reihe

von Positionen, die als Grundlage für einen gerechten und dauerhaften

�und dauerhaften Frieden dienen könnten.

Diese Initiative bildet im-

mer noch einen realistischen und praktikablen Ansatz, und ich stehe
immer noch so fest dazu wie an dem Tag, als ich sie bekanntgab. Der
Grundstein dieser Bemühungen ist nach wie vor die Resolution Nr. 242
des UN-Sicherheitsrats, die wiederum in all ihren Teilen in das Abkommen von Camp David Eingang gefunden hat.
- Die Tragödie im Libanon ist immer noch nicht beendet.

Erst in der

letzten Woche wurden wir durch einen verabscheuungswürdigen Akt der
Barbarei, begangen von Kräften, die außerstande sind, einen Platz in
der menschlichen Gesellschaft einzunehmen, wieder einmal daran erinnert, daß das Leid im Libanon fortdauert.

Im Jahre 1983 erzielten

Israel und der Libanon mit unserer Hilfe ein Übereinkommen, das, wäre
es verwirklicht worden, zu einem vollständigen Abzug der israelischen
Streitkräfte im Rahmen eines Abzugs aller ausländischen Truppen hätte
führen können.

Dieses Abkommen scheiterte an unüberwindlichen Hin-

dernissen, so daß das endlose Leid des libanesischen Volkes andauert.
Tausende von Menschen bleiben infolge der anhaltenden Gewalttätigkeiten von ihren Wohnstätten verbannt und sind Flüchtlinge im eigenen
Land.

Die einstmals blühende Wirtschaft des Libanon steht vor dem

Zusammenbruch. Alle Freunde des Libanon sollten ihre Kräfte vereinen,
um diesem Alptraum ein Ende zu bereiten.
- Was den Persischen Golf anbelangt, so haben die Vereinigten Staaten
eine Reihe von Entschließungen des UN-Sicherheitsrats unterstützt, in
denen ein Ende des Krieges zwischen dem Iran und dem Irak gefordert
wird, eines Krieges, der so viel Tod und Zerstörung mit sich gebracht
hat und der die wirtschaftliche Stabilität der ganzen Welt gefährdet.
Wir hoffen, daß die Feindseligkeiten bald ein Ende finden, das die
politische und territoriale Unversehrtheit beider Seiten wahrt, so
daß sie ihre Energien darauf richten können, den Bedürfnissen ihrer
Bürger gerecht zu werden und die Beziehungen zu anderen Staaten wiederaufzunehmen.
- Die Erfahrung lehrt, daß Verhandlungen durchaus zu etwas führen kön- 10 -

�führen können.

Durch den Friedensvertrag mit Israel konnte Ägypten

den Sinai auf friedlichem Wege zurückgewinnen, was eindeutig zeigt,
daß der Verhandlungsprozeß durchaus Ergebnisse zeitigt, wenn den Beteiligten wirklich daran liegt.

Der Zeitpunkt wird kommen, wo man

mit der gleichen Umsicht und dem gleichen Mut - und mit Erfolg - daran gehen wird, zwischen Israel und allen seinen arabischen Nachbarn
einen Frieden zu schaffen, der die Sicherheit aller Länder der Region
ebenso gewährleistet wie die Anerkennung des Staates Israel und eine
Regelung der palästinensischen Frage.
In allen Teilen der Welt sind die Vereinigten Staaten gleichermaßen
im Rahmen der Friedensdiplomatie engagiert, sei es, indem sie aktiv mitwirken oder indem sie entsprechende Bemühungen entschieden unterstützen:
- In Südostasien haben wir die ASEAN-Gruppe in ihren Anstrengungen unterstützt, weltweiten Beistand bei dem Versuch zu finden, die Kambodscha-Frage einer friedlichen Regelung zuzuführen, in deren Rahmen die
vietnamesischen Streitkräfte das Land zu verlassen hätten und eine
Regierung gewählt werden müßte, die wirklich das Volk vertritt. Der
Erfolg der Länder der ASEAN-Gruppe bei der Förderung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung hat in hohem Maße dazu beigetragen, Frieden und Stabilität in der Region zu sichern.
- Was Afghanistan angeht, so haben der UN-Generalsekretär und seine Bevollmächtigten bei ihrer intensiven Suche nach einer diplomatischen
Lösung unsere volle Unterstützung. Ich darf Ihnen versichern, daß
die Vereinigten Staaten auch weiterhin alles in ihrer Macht Stehende
tun werden, um eine Verhandlungslösung zu finden, die dem afghanischen Volk das Recht zuerkennt, sein Schicksal selbst zu bestimmen,
den afghanischen Flüchtlingen eine ehrenhafte Rückkehr in ihr Heimatland gestattet und den legitimen Sicherheitsinteressen aller Nachbarstaaten Rechnung trägt.
- Im Hinblick auf die koreanische Halbinsel, die in einem Zustand der
Spaltung und der Spannung lebt, haben wir die vertrauensbildenden
- 11 -

�die vertrauensbildenden Maßnahmen, die von der Republik Korea und von
der UN-Befehlsstelle in Panmunjon vorgeschlagen wurden, auf das nachdrücklichste unterstützt.

Sie bilden einen wichtigen ersten Schritt

in Richtung auf eine langfristig zu verwirklichende friedliche Wiedervereinigung.
- Wir fühlen uns von den Fortschritten, die andere Staaten beim Abbau
bestehender Spannungen erzielt haben, ermutigt, insbesondere von den
Bemühungen der Bundesrepublik zur Überwindung der Schranken zwischen
den beiden deutschen Staaten.
- Weiterhin stehen die Vereinigten Staaten voll und ganz hinter den Bemühungen des UN-Generalsekretärs, den beteiligten Parteien in Zypern
bei der Wiederherstellung eines friedlichen und geeinten Landes behilflich zu sein.
Die Vereinigten Staaten haben stets friedliche Lösungen bestehender
Konflikte befürwortet und werden dies auch weiterhin tun. Dies gilt in
vollem Umfang auch für die Beziehungen meines Landes zur Sowjetunion.

Als ich im vergangenen Jahr zu Ihnen sprach, sagte ich, daß wir uns bei
der Verhinderung eines Krieges nicht allein auf den über- lebensinstinkt
verlassen dürfen. Abschreckung ist notwendig, aber nicht hinreichend.
Amerika hat seine Stärke wiedererlangt. Wir haben unsere Beziehungen zu
den Ländern, mit denen uns Freundschaften oder Bündnisse verbinden,
gefestigt. Wir sind zu konstruktiven Verhandlungen mit der Sowjetunion
bereit.
Es ist uns bewußt, daß es keine vernünftige Alternative zu Verhandlungen über Rüstungskontrolle und andere Fragen zwischen unseren beiden
Nationen gibt, die beide in der Lage sind, die Zivilisation, wie wir sie
kennen, zu zerstören. Ich glaube, daß dieser Standpunkt von praktisch
jedem Staat der Welt und auch von der Sowjetunion geteilt wird.
Ich möchte Ihnen heute darlegen, was die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion gemeinsam in den kommenden Jahren erreichen können und welche
konkreten Schritte getroffen werden müssen. Während ich hier stehe und
- 12 -

�stehe und von diesem Podium herabblicke, kann ich dort vor mir den Platz
des Vertreters der Sowjetunion sehen.

Nicht weit von seinem Platz, nur

etwas seitlich, ist der Platz des Vertreters der Vereinigten Staaten.

In

diesem historischen Versammlungssaal trennt uns erkennbar keine große
Entfernung.

Außerhalb dieses Saales verbleiben zwar klare Unterschiede,

aber alles spricht dafür, daß wir alles Erdenkliche tun sollten, um die
Distanz, die uns trennt, zu verkleinern.

Deshalb sind wir hier.

Liegt

darin nicht der eigentliche Sinn dieser Organisation ?

Am 16. Januar dieses Jahres habe ich drei Ziele für die amerikanischsowjetischen Beziehungen definiert, aus denen man eine Tagesordnung für
unsere Arbeit in den vor uns liegenden Monaten ableiten kann.

Ich sagte erstens, daß wir Mittel und Wege finden müssen, um die Androhung und den Gebrauch von Gewalt bei der Lösung zwischenstaatlicher
Konflikte zu beschränken und schließlich überhaupt aus der Welt zu schaffen.

Obwohl uns die Gefahr eines Atomkriegs mit Sorge erfüllt, lenkt sie

uns doch keineswegs von den schrecklichen menschlichen Tragödien ab, die
die regionalen Konflikte, über die ich eben sprach, Tag für Tag mit sich
bringen.

Wir haben eine gemeinsame und besondere Verantwortung, zur

politischen Lösung dieser Probleme beizutragen anstatt sie durch die
Lieferung von noch mehr Waffen weiter zu verschlimmern.

Ich schlage daher vor, daß unsere beiden Länder übereinkommen, regelmäßige Konsultationen auf politischer Entscheidungsebene über regionale
Probleme abzuhalten.

Wenn die Sowjets dem zustimmen, sind wir bereit, in

regelmäßigen Abständen hochrangige Experten zu einem eingehenden Meinungsaustausch abzustellen.

Ich habe Außenminister Shultz gebeten, dies

mit seinem sowjetischen Amtskollegen Gromyko abzuklären.

Einflußsphären

gehören der Vergangenheit an, amerikanisch-sowjetische Interessenunterschiede jedoch nicht.

Das Ziel eines solchen politischen Dialogs sollte

darin bestehen, Fehleinschätzungen zu vermeiden, die Gefahr einer möglichen sowjetisch-amerikanischen Konfrontation zu vermindern und den Menschen in Konfliktgebieten bei der Suche nach friedlichen Lösungen zu helfen.
Die
- 13 -

Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben über einige regionale Probleme bereits Übereinkünfte von historischer Bedeutung erzielen
können.

Der Österreichische Staatsvertrag und die Berlinabkommen bilden

bemerkenswerte und dauerhafte Beispiele.

Wir sollten mit aller Entschie-

denheit versuchen, auch in der Zukunft zu ähnlichen Vereinbarungen zu
kommen.
Unsere zweite Aufgabe muß darin bestehen, Mittel und Wege zur Verminderung der in aller Welt aufgetürmten Waffenarsenale zu finden. Ich bin
voll und ganz bereit, unsere Verhandlungsanstrengungen zu verdoppeln, um
echte Ergebnisse zu erzielen: in Genf eine vollständige Ächtung der chemischen Waffen; in Wien eine wirkliche Verminderung der konventionellen
Streitkräfte der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten, des Warschauer
Paktes und der NATO, auf ein niedrigeres und für beide Seiten gleiches
Niveau; in Stockholm konkrete, praktische Maßnahmen zur Stärkung des beiderseitigen Vertrauens, zur Verminderung der Kriegsgefahr und zur Erneuerung der Verpflichtung zum Gewaltverzicht; auf dem Gebiet der Atomwaffentests Verbesserungen bei der Verifikation, die wesentlich sind, um die
Einhaltung des Schwellenvertrags und des Vertrags über unterirdische
Kernexplosionen zu friedlichen Zwecken sicherzustellen; auf dem Gebiet
der Nichtweiterverbreitung enge Zusammenarbeit, um die internationalen
Institutionen und Gepflogenheiten zu stärken und zu verbessern, deren
Ziel es ist, der Weiterverbreitung von Kernwaffen Einhalt zu gebieten,
außerdem eine Verdopplung der Anstrengungen, den legitimen Erwartungen
aller Nationen gerecht zu werden, daß die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten ihre Kernwaffenarsenale in erheblichem Umfang verkleinern. Die
Sowjets und wir haben vereinbart, die Einrichtungen unserer direkten
Fernmeldeverbindung, den Heißen Draht, technisch zu verbessern. Die
Gespräche über Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen, die wir in den
vergangenen Jahren geführt haben, waren für beide Seiten nützlich. Wir
glauben, daß es auf diesem Gebiet noch weitere Möglichkeiten der Verbesserung der bestehenden Verbindungen gibt, die eine ernsthafte Prüfung
verdienen.

Ich meine,
- 14 -

�Ich meine, daß der sowjetische Vorschlag, in Wien amerikanisch-sowjetische Gespräche zu eröffnen, eine wichtige Gelegenheit geboten hat,
diesen Zielen näherzukommen.

Wir haben uns bereit erklärt, eine große

Spannbreite von Anliegen beider Seiten zu diskutieren, so zum Beispiel
die Frage, in welchem Verhältnis offensive und defensive Waffen zueinander stehen, und auch die Thematik, die mit dem Begriff der Militarisierung des Weltraums umschrieben worden ist.

Während der Gespräche wäre

zu überlegen, welche Form der Zurückhaltung sich beide Seiten auferlegen
könnten, solange die Verhandlungen andauern.

Jegliche Übereinkunft muß

jedoch logischerweise in Abhängigkeit von unserer Fähigkeit gesehen werden, den Rüstungswettlauf im Bereich der Offensivsysteme unter Kontrolle
zu bekommen und echte Stabilität auf einem erheblich niedrigeren nuklearen Rüstungsniveau herzustellen.

In all diesen Bereichen werden wir einen Ansatz wählen, der so ausgelegt ist, daß er den von der Sowjetunion zum Ausdruck gebrachten Bedenken Rechnung trägt und daß er als Grundlage für einen historischen
Durchburch auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle zu dienen vermag.

Die

Tatsache, daß wir unsere Zusammenkunft in Wien nicht bereits in diesem
Monat, d.h., zu dem ursprünglich

von der Sowjetunion

vorgeschlagenen

Termin, eröffnen konnten, hat mich mit Enttäuschung erfüllt.

Ich hoffe,

daß wir mit diesen Gesprächen bis zum Jahresende oder zumindest kurz
danach beginnen können.

Die dritte Aufgabe, die ich im Januar formuliert habe, bezog sich auf
die Herstellung eines besseren Arbeitsklimas zwischen der Sowjetunion und
den Vereinigten Staaten, d.h., eines Klimas, das durch mehr Zusammenarbeit und ein besseres Verständnis gekennzeichnet ist.
bescheidene Fortschritte erzielt.

Wir haben einige

Wir haben Abkommen über die Verbesse-

rung des Heißen Drahts, die Verlängerung unseres zehn Jahre alten Wirtschaftsabkommens, die Verbesserung der Zusammenarbeit in Konsularfragen
und die Prüfung der Möglichkeit der Koordination von Seenotsuch und -rettungsoperationen aushandeln können.

Wir haben ferner angeboten, die Getreidemenge, die die Sowjets in den

- 15 -

�in den Vereinigten Staaten kaufen können, erheblich zu erhöhen und der
Sowjetunion direkte Fischereifangquoten
einzuräumen.
ten.

vor den amerikanischen Küsten

Es gibt aber noch viel mehr, was wir gemeinsam tun könn-

Was mir besonders am Herzen liegt, ist eine Beseitigung der Schran-

ken zwischen den Menschen in der Sowjetunion und denen in den Vereinigten
Staaten sowie der Schranken zwischen unseren politischen, militärischen
und sonstigen Führungskräften.

All

die

von

mir

angesprochenen

Rüstungskontrollverhandlungen,

spielen

Maßnahmen,

besonders

im

eines

Rahmen

aber

die

schrittweisen

Prozesses in Richtung auf den Frieden eine äußerst wichtige Rolle.

Ich

möchte hinzufügen, daß wir den Rüstungskontrollprozeß ausweiten und einen
größeren Schirm schaffen müssen, unter dem er ablaufen kann - eine Straßenkarte, wenn man so will, aus der zu ersehen ist, wohin all diese einzelnen Anstrengungen im Verlaufe der nächsten 20 Jahre führen können.

Dies würde Schritt-für-Schritt-Verhandlungen wesentlich unterstützen
und uns in die Lage versetzen, nicht alle unsere Hoffnungen oder unsere
Erwartungen auf eine einzelne Folge oder Serie von Verhandlungen setzen
zu müssen, falls der Fortschritt vorübergehend bei einer Gesprächsreihe
aufgehalten wird.

Dieser neu geschaffene Rahmen für die Rüstungskontrol-

le könnte dazu beitragen, eine Verlangsamung bei anderen Verhandlungen
aufzufangen.

Mit dem großen Ziel vor Augen, den Völkern der Erde die Furcht vor
einem Atomkrieg zu nehmen, lade ich heute die Führer der Welt ein, sich
an einem neuen Beginn zu beteiligen.

Wir müssen einen neuen Versuch un-

ternehmen, um die internationalen Spannungen abzubauen.

Die Geschichte

beweist über jeden Zweifel, daß das Wettrüsten - genau so, wie es seine
Wurzeln in politischem Argwohn und in politischer Besorgnis hat - auch in
stabilisierende Richtungen gelenkt und letztendlich beendet werden kann,
wenn man sich mit diesem politischen Argwohn und mit dieser politischen
Besorgnis befaßt.

Um dieses Ziel zu erreichen, werde ich der Sowjetunion vorschlagen,

- 16 -

�Sowjetunion vorschlagen, regelmäßige Treffen auf Minister- oder Kabinettsebene zwischen unseren Ländern über den ganzen Bereich der vor uns
liegenden Fragen, einschließlich des Problems unnötiger Hindernisse für
die Verständigung, zu institutionalisieren.
danken herauszugreifen:

Um nur einen Diskussionsge-

In solchen Gesprächen könnten wir den Austausch

von Entwürfen für Fünfjahres-Militärpläne im Bereich der Waffenentwicklung sowie dementsprechend unsere ins Auge gefaßten Beschaffungstermine
in Betracht ziehen.

Wir würden ferner den Austausch von Beobachtern bei

Manövern und militärischen Anlagen begrüßen.

Und ich schlage vor, daß

wir einen Weg finden, damit sowjetische Experten amerikanische Atomteststätten aufsuchen können und amerikanische Fachleute die sowjetischen, um
die Stärke der zur Explosion gebrachten Kernsprengladungen direkt festzustellen.

Wir sollten darauf hinarbeiten, daß es bis zum nächsten Früh-

jahr derartige Vorkehrungen gibt.

Ich hoffe, daß die Sowjetunion bei diesem Vorhaben mitarbeiten und
auf eine Weise zu einem solchen Austausch bereit sein wird, die unsere
beiden Länder in die Lage versetzt, die Grundlage für eine Verifizierung
wirksamer Begrenzungen der unterirdischen Kernwaffenversuche zu schaffen.

Meiner Auffassung nach könnten solche Gespräche rasch zu der Entwicklung eines neuen Klimas der politischen Verständigung führen - eines Klimas, das wesentlich ist, wenn Krisen vermieden werden sollen und über
echte Rüstungskontrolle verhandelt werden soll.
konferenzen eine wichtige Rolle spielen.

Natürlich müssen Gipfel-

Sie müssen jedoch sorgfältig

vorbereitet werden, und der Nutzen hier besteht darin, daß Treffen auf
Ministerebene jenen Fortschritt bringen werden, der die beste Vorbereitung für Gespräche auf höherer Ebene zwischen uns und der Führung der
Sowjetunion darstellt.

Wieviel an Fortschritt wir erreichen werden und

an welchem Ort, vermag ich nicht zu sagen.

Aber wir haben die moralische

Verpflichtung, es immer wieder zu versuchen.

Manche mögen derartige Vorschläge und meinen Optimismus als vereinfachenden amerikanischen Idealismus abzutun.

Und sie werden auf die Bürden

der modernen Welt sowie auf die Geschichte verweisen.

- 17 -

Nun ja, wenn wir

�wenn wir uns hinsetzen und Jahr für Jahr, Generation um Generation die
Hungersnöte, die Seuchen, die Kriege und die Invasion katalogisieren, die
die Menschheit über sich ergehen lassen mußte, dann wird es eine lange
Liste sein und die Herabwürdigung der Menschlichkeit wird so schrecklich
erscheinen, daß dies für den menschlichen Geist kaum erträglich sein mag.

Aber ist dies nicht engstirnig und kurzsichtig und überhaupt nicht
das, was für uns die Geschichte ausmacht?

Ja, die schändlichen und unge-

rechten Taten sind alle aufgezeichnet, aber was eben auch aus dem geschichtlich Festgehaltenen herausleuchtet, ist doch der Wagemut jener,
die eine Vision hatten, und sind die Taten derer, die die Kraft des Konstruktiven besaßen.

Das sind doch die Dinge, über die wir berichten und die wir an unsere
Kinder weitergeben.

Dies ist das fortdauerndste und am meisten ins Auge

fallende Faktum im Hinblick auf die Geschichte des Menschen, daß nämlich
trotz allem Leid und trotz aller Tragödien der Mensch immer wieder kühn
die wirkliche Zukunft des menschlichen Fortschrittes im Auge behalten
hat:

Das ständige Mehr nicht einfach nur am materiellen Wohlergehen,

sondern an geistiger Einsicht.

"Es hat Tyrannen und Mörder gegeben, und eine Zeitlang mögen sie unbesiegbar erscheinen.

Aber letztendlich stürzen sie alle... Das muß man

sich immer vor Augen halten.

Durch die ganze Geschichte hindurch haben

Wahrheit und Liebe immer obsiegt."

Das war die Überzeugung und die Visi-

on Mahatma Ghandis, und diese Vision ist auch heute noch gut und wahr.
"Alles ist ein Geschenk", soll der Lieblingsausspruch eines anderen
großen Geistes gewesen sein, eines spanischen Soldaten, der das Kriegshandwerk aufgab und dem Weg der Liebe und des Friedens folgte.

Wenn wir

die beiden großen Ziele der UN-Charta verwirklichen wollen - die Träume
des Friedens und der Menschenwürde -, dann müssen wir uns diese Worte des
Ignatius von Loyola zu Herzen nehmen; wir müssen lang innehalten, um uns
der Geschenke und Gaben bewußt zu werden, die wir von dem erhalten haben,
der uns geschaffen hat: Er hat uns das Leben geschenkt, er hat uns diese

- 18 -

�uns diese Welt geschenkt, und er hat uns das Geschenk des Miteinanders
gemacht.

Er hat uns auch die Gegenwart geschenkt, und es ist diese Gegenwart,
das Hier und Jetzt, das wir ergreifen müssen.

Ich möchte mit einer Über-

legung Mahatma Ghandis schließen, die er mit Blickrichtung auf jene ausgesprochen hat, die erklärt hatten, die Streitfälle und die Konflikte der
modernen Welt seien zu groß, als daß sie überwunden werden könnten.

Er

sagte diese Worte, als ihn sein Kampf um die Unabhängigkeit Indiens nach
Großbritannien geführt hatte.

Ghandi erklärte:

"Ich bin mir während

meines dreimonatigen Aufenthalts in England und Europa keiner einzigen
Erfahrung bewußt geworden, die in mir das Gefühl hätte aufkommen lassen,
daß schließlich Ost doch Ost und West doch West sei.

Im Gegenteil, ich

bin heute mehr denn je davon überzeugt, daß die menschliche Natur weitgehend gleich ist, gleich unter welchem Klima sie gedeiht, und daß man
das Zehnfache an Vertrauen und das Tausendfache an Zuneigung und Liebe
zurückerhält, wenn man den Menschen mit Vertrauen, mit Zuneigung und mit
Liebe begegnet."

Wollen wir einander um einer friedlichen Welt willen - einer Welt, in
der die Menschenwürde und die Freiheit respektiert und gehütet werden -,
mit dem Zehnfachen an Vertrauen und dem Tausendfachen an Zuneigung und
Liebe begegnen.

Eine neue Zukunft wartet auf uns.

Die Zeit dafür ist

gekommen.
Einer der Gründerväter unserer Nation, Thomas Paine, hat einmal einen
Gedanken ausgesprochen, der noch genauso auf alle zutrifft, die hier heute versammelt sind:

"Es steht in unserer Macht, mit der Welt einen neuen

Anfang zu machen."

Gott segne Sie.

• * * * *

- 19 -

�ä

mER

i Dl Ell

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. September 1984

39

REAGAN FÜR LANGFRISTIGE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE BEZIEHUNGEN
-Erklärung zur 39. UN-Vollversammlung-

New York -(AD)- Während eines Empfanges anläßlich der 39. Vollversammlung
der Vereinten Nationen erklärte Präsident Reagan am 23. September 1984,
"die Vereinigten Staaten wünschen realistische, konstruktive, langfristige Beziehungen zur Sowjetunion - Beziehungen, die es jedem von uns erlauben würden, die Anzahl der eigenen Waffen zu verringern, nicht aber zu
erhöhen - insbesondere die der Kernwaffen, die die ganze Menschheit bedrohen."
Die Bemerkungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Während wir uns hier zum 39. Mal für eine Vollversammlung der Vereinten Nationen zusammenfinden, richten sich unsere Blicke auf den bevorstehenden 40. Jahrestag. Er wird in den Vereinigten Staaten durch eine ganze
Reihe von Ereignissen begangen werden.
Vieles wurde in diesen hinter uns liegenden 39 Jahren erreicht. Durch

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�erreicht. Durch unsere gemeinsame Arbeit in dieser Institution haben die
Regierungen der Welt große Anstrengungen in Richtung auf Frieden und Verbesserung des Wohlergehens ihrer Völker unternommen. Aber wir sind uns
auch der Versäumnisse der Staatengemeinschaft bewußt, deren Zeuge wir geworden sind, wenn es darum ging, den Verpflichtungen der Charta gerecht
zu werden. Einige dieser Trends waren gerade in den letzten Jahren besonders entmutigend.
Die Grundprinzipien der Vereinten Nationen bleiben dennoch ebenso
wertvoll und lebenskräftig wie vor 39 Jahren. In Zusammenarbeit kann und
muß die Staatenfamilie ihre Anstrengungen verstärken, die Mißachtung internationalen Rechts zu bekämpfen und Freiheit, menschliche Werte sowie
sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern.
Was die Vereinigten Staaten anbelangt, so werden wir auch weiterhin
an unserer Überzeugung festhalten, daß wir im Rahmen dieser Institution
die Chancen für Frieden auf diesem Planeten verbessern können. Ob wir
hierbei Erfolg haben, hängt nicht vom Glück oder von einem vorgezeichneten Ablauf der Geschichte ab, dem man nicht entrinnen könnte. Es liegt
in unserer Macht, die Geschichte zu gestalten. Wir sollten deshalb auch
keine Angst haben, es zu tun.
Wir sollten uns nie davor fürchten, den Versuch zu unternehmen, das
zu ändern, was die Pessimisten das Unmögliche nennen. Seien wir optimistisch hinsichtlich der Möglichkeiten für den Frieden und seien wir nie
ängstlich, wenn es darum geht, miteinander zu reden.
In dieser Zeit der elektronischen Kommunikation und der zuweilen fast
an Hexerei grenzenden Möglichkeiten der Hochtechnologie können Zeit und
Entfernung nicht länger mehr den konstruktiven Dialog behindern. Nur Menschen können das. Verpflichten wir uns daher erneut am Vorabend einer
weiteren UN-Vollversammlung im Namen unserer Völker und zum Vorteil der
ganzen Menschheit dazu, auch weiterhin jene Art von offener und freimütiger Diskussion anzustreben, die uns dabei helfen wird, eine sicherere
Welt zu schaffen.
Ich

will

damit

�Ich will damit die ernsten Herausforderungen und greifbaren Meinungsverschiedenheiten, die in dieser Körperschaft der Weltpolitik existieren,
nicht herunterspielen. Diese Unterschiede sind realer Natur und werden zu
ihrer Überwindung harter Arbeit und einer großen Menge guten Willens bedürfen. Und doch gibt es Grund zu Optimismus. Mein Land wird der harten
Arbeit nicht ausweichen und es bei unserem Bemühen, Meinungsverschiedenheiten auf friedliche Weise beizulegen, an gutem Willen nicht fehlen lassen. Und wir fordern die anderen Staaten auf, die gleiche Verpflichtung
einzugehen.

So wünschen die Vereinigten Staaten beispielsweise realistische, konstruktive, langfristige Beziehungen zur Sowjetunion - Beziehungen, die es
jedem von uns erlauben würden, die Anzahl der eigenen Waffen zu verringern, nicht aber zu erhöhen - insbesondere die der Kernwaffen, die die
ganze Menschheit bedrohen.
Letztlich sind die Ziele der Vereinigten Staaten heute nicht anders
als vor 150 Jahren, als Andrew Jackson Präsident war. Jackson sagte,
"Frieden und freundschaftliche Beziehungen zu allen Staaten sind genauso
ein Wunsch unserer Regierung wie sie im Interesse des Volkes sind."

In einer Zeit der Atombomben und der so ungeheuer kostspieligen Waffen hat der Gehalt von Jacksons Worten auch heute nichts von seiner Wahrheit eingebüßt.

Die Vereinigten Staaten - ich werde morgen im einzelnen in meinen Anmerkungen darauf eingehen - begeben sich mit erneuerter Zuversicht und
Tatkraft in die Arena der internationalen Politik. Wir bemühen uns darum,
die Aussichten für Frieden, Wohlstand und Demokratie zu fördern - Ziele,
die den Wunsch und das nationale Interesse unseres Volkes widerspiegeln.

Ich werde unsere Verpflichtung diesen Zielen gegenüber die ganze
Woche über betonen - beginnend mit Treffen zwischen Staats- und Regierungschefs, dann morgen bei meiner Rede vor der Vollversammlung, am
- 3 -

�der Vollversammlung am Dienstag vor der Weltbank und dem Internationalen
Währungsfonds sowie in Begegnungen mit einer Reihe weiterer internationaler Führungspersönlichkeiten, wenn ich wieder in Washington bin.
Diese intensiven diplomatischen Aktivitäten ergänzen Ihre eigenen
diplomatischen Bemühungen. Die Vereinigten Staaten werden durch unsere
hochgeschätzte Botschafterin, Frau Jeane Kirkpatrick, und andere auch
weiterhin Festigkeit darin zeigen, unsere Interessen zu fördern und ein
machtvoller Sprecher für unsere demokratische Lebensweise zu sein.
Gleichzeitig werden wir den Interessen anderer gegenüber fair bleiben.
Nichts weniger als dies sollten Sie von uns erwarten.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin im Rahmen der Vereinten
Nationen dazu beitragen, den Frieden und die internationale Sicherheit,
die Aussöhnung zwischen Nationen, wirtschaftlichen Wohlstand, die Menschenrechte und die Herrschaft des Rechts zu fördern. Unsere eigene Verpflichtung gegenüber den Zielen der Charta bleibt unerschütterlich.
Einer der Vorteile der Tatsache, daß wir die Vereinten Nationen in
unserem Land haben, besteht darin, daß Sie die Möglichkeit haben, das
amerikanische Volk besser zu verstehen. Wenn Sie in Ihr jeweiliges Land
zurückkommen, so würde ich mich freuen , wenn Sie dorthin unsere besten
Wünsche mitnehmen. Ich wünsche Ihnen Erfolg bei der bevorstehenden Versammlung .

- 4 -

�26. September 1984

39

Menschenrechtsverletzungen muß Aufmerksamkeit der KVAE gelten
-Botschafter Goodby unterstreicht zentrales US-Anliegen-

Stockholm -(AD)- Botschafter James Goodby, Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz über Vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa (KVAE) in Stockholm, unterstrich am 18.
September 1984 nach seiner Rede vor dem Plenum der KVAE gegenüber der
Presse, daü Verletzungen der Menschenrechte zentraler Bestandteil gerade
auch dieser Konferenz seien. Sie sei "Teil des Helsinki-Prozesses und
kann von ihm nicht isoliert werden".

Die Pressebemerkungen von Botschafter Goody haben - in Auszügen - folgenden Wortlaut:
Worüber ich heute insbesondere sprechen wollte, war mein Hinweis auf
die Menschenrechte und insbesondere auf Andrei Sacharow und Elena Bonner.
Ich muß darauf verweisen, daß dies ein entscheidendes Thema dieser Konferenz ist, zumal in letzter Zeit bisweilen angezweifelt wurde, ob die Menschenrechte etwas mit dieser Konferenz zu tun haben. Die Frage wurde denn

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�wurde denn auch heute aufgeworfen, ob dies für diese Konferenz ein relevantes Thema sei.

Lassen Sie mich erklären, warum wir sie für relevant halten. Erstens
ist diese Konferenz Teil des Helsinki-Prozesses und kann von ihm nicht
isoliert werden. Außenminister Gromyko, den ich heute in meiner Rede zitierte, gab einen wertvollen Hinweis: Er sagte nämlich, man könne die
Stockholmer Konferenz nicht künstlich von Entwicklungen außerhalb dieser
Halle isolieren. Und das gilt für eine ganze Reihe von Entwicklungen,
auch wenn ich meine, daß es insbesondere für jene Ereignisse gilt, die
sich unmittelbar auf die ganze Bandbreite von Themen beziehen, die von
der Schlußakte von Helsinki abgedeckt werden. Wenn also etwas wirklich so
ernsthaft ist, daß man es sogar hier in die Überlegungen einbeziehen muß,
so sagt mir das, daß das Problem relevant ist. Und das ist eben mit den
Menschenrechten der Fall.

Ein zweiter Aspekt, auf den ich zu sprechen kommen möchte, ist der,
daß das Gleichgewicht in diesem gesamten Prozeß von entscheidender Bedeutung ist. 1986 wird es in Wien eine Folgekonferenz geben. Und diese
Folgekonferenz wird nicht darauf sehen, welcher Fortschritt oder welche
Ergebnisse sich allein aus der Stockholmer Konferenz ableiten, sondern
sie wird auf den gesamten Prozeß blicken; und das Urteil darüber, was mit
dieser Konferenz geschehen soll und was mit den Abkommen werden soll, zu
denen man gelangt sein wird, wird im Kontext dessen fallen, was hinsichtlich der anderen Aspekte der KVAE sich entwickelt hat. Und ich glaube, es
wäre ein großer Fehler, wenn jemand glaubt, es werde anders kommen. Deshalb will ich heute hierauf verweisen, und ich habe es zweimal in meiner
Rede betont. Das Urteil über diese Konferenz wird im Rahmen des gesamten
KVAE-Kontextes gefällt werden. Es wird dies hier nicht ein isoliertes Abkommen sein, zu dem man gelangt.

Schließlich, was die Relevanz anbelangt: Wann immer sich eine ernste
Frage dahingehend ergibt, ob man allen Aspekten der KVAE gerecht wird, ob
alle diese Aspekte erfüllt werden, stellt sich die Frage der Einhaltung,
eine Frage also, die meiner Meinung nach auch hier angesprochen werden
sollte.

* * * * *

�f

mIE

1J

a

DlEl71
39

UJi//en/choft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. September 1984

"CHALLENGER" STARTET MIT SIEBEN ASTRONAUTEN
- Voraussichtliche Flugdauer: 5. - 13. Oktober 1984 -

- (AD) - Zum nächsten Raumtransporterflug der Vereinigten Staaten
startet die Raumfähre CHALLENGER mit sieben Astronauten an Bord. Als
Starttermin ist der 5. Oktober 1984 vorgesehen. Acht Tage später, am
13. Oktober, wird CHALLENGER zurückerwartet, und zwar am Kap Canaveral
in Florida.
Drei Missionsspezialisten und zwei Nutzlastexperten sind mit wissenschaftlichen und technischen Aufgaben betraut, die von zahlreichen Projektwissenschaftlern vorbereitet wurden. Von Bodenstationen aus verfolgen diese den Ablauf während des Fluges und stehen mit den Astronauten in
Funkverbindung. Im Vergleich zu früheren Missionen führt das bevorstehende Unternehmen - für die CHALLENGER ist es der sechste Einsatz - über
Gebiete höherer geographischer Breite. So werden diesmal z. B. die Nordsee und Teile Skandinaviens berührt.
Für Kommandant Robert Crippen wird es bereits der vierte Flug mit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Flug mit einem Raumtransporter sein.
McBridge.

Sein Kopilot ist Astronaut Jon

Zwei der drei Missionsspezialisten sind Frauen.

Dr. Sally

Ride, im Juni 1983 die erste Amerikanerin im Weltraum, ist wieder dabei.
Astronautin Kathryn Sullivan

wird

zusammen

mit

ihrem Kollegen David

Leestma im offenen Frachtraum der CHALLENGER Ausrüstungen und Verfahren
erproben, mit denen vorübergehend an Bord geholte Satelliten nachgetankt
werden können. Bei der Ausrüstung handelt es sich um den Prototyp einer
Anlage, die mehrfaches Umfüllen von Hydrazin von einem Tank zum anderen
erlaubt.

Im Gegensatz zur gegenwärtigen "Generation" werden künftige

Satelliten so ausgelegt sein, daß sie an Bord eines "Space Shuttle" betankt werden können.

Der Flüssigtreibstoff Hydrazin dient in erster Li-

nie der Regelung von Position und Bahnhöhe im Weltraum.

Ist er aufge-

braucht und das Gerät nicht mehr steuerbar, wird es für den Benutzer
meist völlig wertlos. NASA-Ingenieure entwickeln gegenwärtig eine "Tankstelle" mit zweieinviertel Tonnen Fassungsvermögen zur Installation im
Raumfähren-Frachtraum.
Für Sullivan und Leestma wird das Nachtankexperiment ein Außenmanöver
sein, zu dem sie den Schutzanzug anlegen müssen. Sämtliche Arbeiten der
anderen fünf Astronauten werden innerhalb der Druckkabinen durchgeführt.
Marc Garneau, einer der zwei Nutzlastexperten, kommt aus Kanada. Sein
amerikanischer Kollege, Paul Scully-Power, ist Ozeanograph und arbeitet
für die US-Marine. Angesichts des vielseitigen Programms "dürfte es
manchmal etwas eng werden", meint Kommandant Crippen. Jeder an Bord müsse eben darauf bedacht sein, den andern nicht zu behindern.
Bei dem bevorstehenden Flug wird der in Kanada gebaute, mehrgliedrige
Manipulator zum Ansetzen eines Satelliten benutzt. Er ist vom Cockpit
aus zu steuern. Die NASA läßt einen neuen Wettersatelliten von Bord der
CHALLENGER starten und mit einer großformatigen Kamera Tausende von Erdaufnahmen machen. Diese könnten, wie Wissenschaftler prophezeien, für
die Exploration von Mineralvorkommen, für die Kartographie und die Interpretation geologischer Merkmale von großem Wert sein.
Zu den wissenschaftlichen Nutzlasten gehört auch eine Radaranlage für
fotoähnliche Aufnahmen von der Erdoberfläche - unabhängig von Wolkendek- 2 -

�von Wolkendecke, Sonnenlicht und Wetter.

Etwa 29 Millionen Quadratkilo-

meter Fläche werden damit erfaßt. Eine internationale Gruppe von 44 Wissenschaftlern benutzt die Daten für geologische, archäologische, botanische, kartographische und hydrologische Zwecke.

*

• * *

- 3-

*

�' 1111JT

irrnjT
39

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. September 1984

"SARSAT"-ABKOMMEN ERLEICHTERT RETTUNGSAKTIONEN
- Notsignale und Ortung über Satelliten -

- (AD) - Die Vereinigten Staaten unterzeichnen am 5. Oktober 1984 in
Leningrad ein internationales Abkommen, mit dem das Auffinden und die
Ret-ung von Schiffbrüchigen sowie von Flugzeuginsassen nach einer Notlandung erleichtert werden soll. Die im November 1979 angelaufene Erprobungs- und Demonstrationsphase kann jetzt als abgeschlossen gelten. Das
bisherige Programm, in das neben Bodenstationen auch je zwei Satelliten
der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion eingeschaltet sind, hat sich
bewährt: 278 Menschen verdanken ihm ihr Leben. Wie Thomas E. McGunigal
von der amerikanischen Behörde für Luft- und Raumfahrt (NASA) vor einem
Untersuchungsausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses berichtete,
habe das SARSAT/COSPAS-System wesentlich dazu beigetragen, notgelandete
Flugzeuge und in Seenot geratene Schiffe genau orten zu können.
Die Satelliten können Signale auf einer bestimmten internationalen
Frequenz auch von kleinen Sendern und Funkbojen aufnehmen und weitermelden.

Die Empfangsanlage befindet sich an Bord von Satelliten zur Wetter-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�zur Wetter- und Umweltbeobachtung, die die Erde auf einer polaren Bahn
umkreisen. So ist die Gewähr gegeben, daß Notsignale auch aus den Gebieten abseits der herkömmlichen Routen oder aus wenig frequentierten Regionen aufgefangen werden.

Wie Otho E. Eskin, der Direktor des Amtes für

hochentwickelte Technologien im amerikanischen Außenministerium, erklärte, koste ein derartiger Satellit bis zu 100 Millionen Dollar und habe
eine aktive Lebensdauer von ca. drei Jahren.

Als Ersatz für den einen

der beiden amerikanischen SARSAT-Satelliten, der seit Juni 1984 nicht
mehr funktioniert, werde im November ein neues Gerät gestartet werden.
Was Empfindlichkeit, Genauigkeit und Flächendeckung

angehe, habe das

System den Erwartungen vollauf entsprochen oder sie sogar übertroffen.
Neben den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind auch Finnland,
Frankreich, Großbritannien, Kanada, Norwegen, Schweden und Bulgarien
Partnerländer für die Vereinbarung. Jedoch haben inzwischen zahlreiche
weitere Staaten ihr Interesse bekundet, sich dem Abkommen anzuschließen.

* * * * *

�Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. September 1984

39

SCHWEFELHALTIGE LUFTSCHADSTOFFE UND KORROSION
- Verstärkereffekt durch Licht und Ozon -

- (AD) - Die korrodierende Wirkung schwefelhaltiger Luftschadstoffe
wird unter bestimmten Bedingungen beschleunigt bzw. verstärkt.

Zwei die-

ser Faktoren sind, wie Chemiker der AT &amp; T Laboratories in Murray Hill
(US-Bundesstaat New York) in umfangreichen Versuchen ermittelten, Sonnenlicht und Ozon.

So wird beispielsweise die Aggressivität von Schwefel-

wasserstoff gegenüber Kupfer mit Bildung von Kupfersulfid unter Lichteinwirkung verdoppelt, in Anwesenheit von Ozon verdreifacht. Noch war nicht
zu erklären, weshalb es zu keiner weiteren Verstärkung der Korrosion
kommt, wenn beide Faktoren gleichzeitig vorhanden sind.

In diesem Fall

ist die Wirkung ähnlich wie die von Ozon allein.
Wie Thomas Graedel und Mitarbeiter (AT &amp; T Laboratories) in einem in
der Zeitschrift SCIENCE (Ausgabe 11. Mai 1984) veröffentlichten Bericht
ausführten, sei auch noch unklar, ob die unter Ozoneinwirkung beobachtete
Korrosionsverstärkung durch Ozon selbst oder durch Reaktionsprodukte wie

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�z.B. Radikale (OH-Verbindungen) zustandekomme.
Ozon mit Wasser reagiert.

Diese entstehen, wenn

Und meistens ist genügend Feuchtigkeit in der

Luft vorhanden, um im Freien die Bildung eines - wenn auch noch so dünnen
- Feuchtigkeitsfilmes vor allem auf Metalloberflächen herbeizuführen. Daß
Korrosion in feuchter Luft sehr viel rascher als in sehr trockener Luft
vor sich geht, ist ja eine bekannte Tatsache.
Die Forscher gehen z. Zt. der Frage nach, ob sich in dem dünnen
Feuchtigkeitsfilm auf dem Metall "Reaktionszentren" bilden, in deren Bereich es nicht nur zu Korrosion kommt, sondern wo auch fortlaufend reaktionswirksame Verbindungen leichter als an anderen Stellen entstehen.
Graedel vermutet außerdem, daß Ozon einen Einfluß auf Fehlstellen im
Oberflächengefüge des Metalls haben könnte, was eine Diffusion von Kupferionen aus dem massiven Metall zu den Reaktionszentren steigert.

Bis-

her konnten allerdings derartige Fehlstellen noch nicht durch elektronenmikroskopische Untersuchungen nachgewiesen werden.
Neben Sonnenlicht und Ozon dürften auch andere Oxidantien in der Atmosphäre Korrosionsprozesse beschleunigen bzw. verstärken. Durch eine
genaue Erforschung der Reaktionsketten hoffen die Chemiker, für besonders
anfällige Metalle "maßgeschneiderte" Oberflächen-Schutzstoffe entwickeln
zu können.

* * * * *

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9465">
                <text>26.09.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9466">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9467">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13664">
                <text>Amerikadienst 26.09.1984</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13665">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Präsident Reagans vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Appell an Moskau -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan für langfristige amerikanisch-sowjetische Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung zur 39. UN-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechtsverletzungen muss Aufmerksamkeit der KVAE gelten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Botschafter Goodby unterstreicht zentrales US-Anliegen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"CHALLENGER" startet mit sieben Astronauten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Voraussichtliche Flugdauer: 5. - 13. Oktober 1984 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"SARSAT"-Abkommen erleichtert Rettungsaktion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Notsignale und Ortung über Satelliten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwefelhaltige Luftschadstoffe und Korrosion&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Verstärkereffekt durch Licht und Ozon -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2164" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2175">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/3ec104596863ab29cbd3c37dce0fe6db.pdf</src>
        <authentication>967958e8dd1affa24f8c70dda586bb19</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="10963">
                    <text>cimerikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Unfted States Information Sende»
Embassy of the United States of Americ»
Libpsry Services
Deichmanns Aue 29

5300 Bonn 2

26. September 1990

38

GOLFKRISE

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche
und politische Maßnahmen

NATO

TAFT ERÖRTERT EUROPAISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO

IWF/WELTBANK

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG
DER SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim
Gemeinsamen Entwicklungsausschuß

OSTEUROPA

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 23 66
Telex: 8-85432

�GOLFKRISE
26. September 1990

INTERNATIONALE REAKTIONEN AUF DIE
IRAKISCHE INVASION KUWAITS
Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen
Die nachfolgende Übersicht über die von der internationalen Staatengemeinschaft als Reaktion auf die Invasion
des Iraks in Kuwait ergriffenen Maßnahmen stützt sich auf am 21. September 1990 verfügbare Informationen
und ist gegebenenfalls unvollständig.

NATO
Die 16 Bündnispartner nehmen unmittelbar nach der
irakischen Invasion Kuwaits noch immer andauernde
Konsultationen auf. Die Außenminister treffen am 10.
August 1990 im NATO-Hauptquartier zusammen, um
die Reaktion der Bündnispartner auf die Krise zu
erörtern und die Verpflichtung der NATO zur Verteidigung der Türkei im Falle eines Angriffs durch den Irak
zu bekräftigen. Die wichtigsten Ausschüsse der NATO
kommen weiterhin regelmäßig - zum Teil täglich zusammen, um die Maßnahmen zu koordinieren, Informationen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse
auszutauschen.
NATO-Mitgliedstaaten
Belgien
Entsendung von zwei Minensuchbooten und einem
Versorgungsschiff ins Mittelmeer, Ölembargo, Einfrieren der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Bereitstellung von 30 Tonnen Zucker und Mehl, 20 000
Tonnen Weizen und zwei C-130 für den Rückflug
ägyptischer Flüchtlinge aus Kuwait.
Bundesrepublik Deutschland
Entsendung von Minensuchbooten und einem Versorgungsschiff zum Schutz der Seewege ins Mittelmeer
und Angebot zusätzlicher Luft- und Seetransportunterstützung. Angebot an die Vereinigten Staaten zur
Nutzung von Stützpunkten für Operationen gegen den
Irak. Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Am 16. August 1990 stellt die Bundespost
alle Brief- und Paketsendungen an Irak und Kuwait
ein. Die Bundesregierung und führende WirtschaftsAMERIKA DIENST 38

verbände versprechen, alles in ihrer Macht Stehende
zu tun, um das Embargo gegen den Irak "wasserdicht"
zu machen. An Flüchtlingshilfe stellt die Bundesrepublik 4,5 Tonnen an Nahrungsmitteln, 55 Zelte und zwei
Krankenwagen bereit.
Dänemark
Erlaubt die Nutzung seiner Handelsschiffe im Golf als
Versorgungsschiffe der multinationalen Streitmacht in
Saudi-Arabien. Unterstützt Sanktionen der EG gegen
den Irak; ölembargo. Das dänische Parlament genehmigt die Entsendungen einer Korvette in den Golf.
Geplante Unterstützung der Flüchtlinge in Jordanien in
Höhe von 830 000 Dollar.
Frankreich
Präsident Mitterand verkündet am 15. September 1990
die Entsendung von 4 000 Mann Bodentruppen nach
Saudi-Arabien als Vergeltung für den irakischen Angriff auf die Residenz des französischen Botschafters
in Kuwait. Geplante Aufstockung der französischen
Marine im Golf, Verstärkung zweier Kriegsschiffe im
Golf durch bereits entsendete Marineeinheiten einschließlich einem Flugzeugträger. Order an die 3 000
Mann starke Marine, gegebenenfalls Gewalt zur Durchsetzung des Embargos anzuwenden. Landgestützte
Aufklärungseinheiten des französischen Heeres sind
Teil eines Truppenkontingents, das die Regierung auf
die arabische Halbinsel entsenden will. Geplante
Entsendung einer nachrichtendienstlichen Einheit des
Heeres in die Vereinigten Arabischen Emirate. Frankreich schließt sich der UNO-Resolution über wirtschaftliche Sanktionen gegen den Irak an. Öl- und
Waffenembargo, Einfrieren der irakischen Vermögens-

Seite 1

�werte, Unterbindung des Handels mit Ausnahme von
Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Das französische Außenministerium fordert die uneingeschränkte Durchsetzung des Embargos. Vier französische Gewerkschaften (CFDT, CFTC, CGC und
FEN) verurteilen die Festsetzung von Ausländem durch
den Irak und fordern ihre unverzügliche und bedingungslose Freilassung. Drastische Einschränkung
der Bewegungsfreiheit einer Gruppe irakischer Offiziere und Staatsbürger aus Sicherheitsgründen, die in
Frankreich in der Bedienung von militärischem Gerät
und Radaranlagen ausgebildet wurden.

Island
Erklärung der uneingeschränkten Unterstützung der
UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Italien

Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte, Erlaubnis zum Überfliegen für Kriegsflugzeuge der
Vereinigten Staten und verbündeter Länder auf dem
Weg in den Golf. Uneingeschränkte Zusammenarbeit
bei Flugzeugstationierungen (Landung/Auftanken).
Bereitstellung der Hafenanlagen für verbündete Seestreitkräfte. Griechenland stellt der multinationalen
Streitmacht drei Schiffe für den Transport von Kriegsgerät zur Verfügung.

Vollständiges Handelsembargo. Einfrieren irakischer
und kuwaitischer Vermögenswerte. Entsendung von
fünf Schiffen ins östliche Mittelmeer. Geplante Entsendung von drei Schiffen in den Golf. Verbot irakischkuwaitischer Luft- und Seetransportdienste. Erlaubnis der Nutzung von US-Stützpunkten in Italien. Bereitstellung von 40 Tonnen an Hilfsgütern einschließlich Decken, Wasserkanistern, Müdcontainern, Zeltplanen, Werkzeugen und Küchengerät als Flüchtlingshilfe. Vereinbart die Bereitstellung von zivHen Transportschiffen zur Verlegung amerikanischer Truppen
und Versorgungsgüter. Genehmigt Hilfsleistungen in
Höhe von 160 Millionen Dollar für Länder, die unmittelbar von der Blockade des Iraks betroffen sind. Gibt die
geplante Entsendung eines Geschwaders von acht
"Tornados" und eines vierten Schiffes in den Golf
bekannt.

Großbritannien

Kanada

Die in den Golf entsendeten britischen Marine- und
Luftwaffeneinheiten belaufen sich am 14. September
1990 auf insgesamt 4 000 Mann. Die Unterstützung
mit Material umfaßt folgende Posten: Königliche Marine
- ein Zerstörer, zwei Fregatten bereits im Golf, drei
Minensuchboote, ein Zerstörer auf dem Weg. Königliche Luftwaffe - ein Geschwader Jaguar-Kampfbomber, VC 10-Tankflugzeuge und Nimrod-Seepatrouillenflugzeuge, alle mit Bodenunterstützungspersonal
der Königlichen Luftwaffe. Darüber hinaus gibt der
britische Verteidigungsminister King am 14. September die Absicht bekannt, die 7. Panzerbrigade mit über
6 000 Mann aus der Bundesrepublik nach SaudiArabien zu entsenden. Die Brigade "Wüstenratten"
wurde im Nordafrikafeldzug des Zweiten Weltkriegs
berühmt. Großbritannien wird Schiffe im Golf abfangen, die versuchen, die UNO-Sanktionen gegen den
Irak zu umgehen. Öl- und Waffenembargo, Einfrieren
der kuwaitischen und irakischen Vermögenswerte.
Verpflichtung zu militärischer Unterstützung der Vereinigten Staaten in Saudi-Arabien, Angebot an die Vereinigten Staaten zur Benutzung der Stützpunkte für
Operationen gegen den Irak. Entsendung eines Zerstörers aus Großbritannien und dreier Minenräumschiffe aus dem östlichen Mittelmeer zur Verstärkung
von drei britischen Kriegsschiffen im Persischen Golf.
Verpflichtung zur Bereitstellung von 980 000 Dollar an
Flüchtlingshilfe für das Internationale Komitee vom
Roten Kreuz. Premierministerin Thatcher verspricht
Zahlungen an einen von den Vereinigten Staaten
gegründeten Fonds zur Verteilung der Kosten der
Golfoperation gegen den Irak.

Premierminister Mulroney gibt am 14. September 1990
die Entsendung eines CF-18-Geschwaders an den
Golf bekannt und verspricht Hilfsleistungen in Höhe
von 75 Millionen Dollar für die Türkei, Ägypten und
Jordanien. Entsendung von zwei Zerstörern und einem Versorgungsschiff zur Verstärkung der multinationalen Streitmacht im Golf. Abbruch der Wirtschaftsund Handelsbeziehungen mit Irak. Verpflichtung zur
Bereitstellung von 2,2 Millionen Dollar in bar, die als
Flüchtlingshilfe zwischen dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz und zwischenstaatlichen Organisationen aufgeteilt werden sollen.

Griechenland

Seite 2

t

Luxemburg
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte.
Niederlande

«

Uneingeschränkte Finanzsanktionen gegen den Irak,
Ölembargo, Einfrieren der irakischen Vermögenswerte. Geplante Entsendung von zwei Fregatten in den
Golf. Verpflichtung zur Bereitstellung von 1,1 Millionen
Dollar, von denen die Hälfte als Flüchtlingshilfe für die
Maßnahmen unter der Schirmherrschaft der EG verwendet werden. Angebot für zusätzliche Schutzausrüstung gegen chemische und biologische Kampfführung.
Norwegen
Entsendung eines Kriegsschiffs der Küstenwache zur
Versorgung der dänischen Korvette, die es in den GoK

AMERIKA DIENST 38

t

�begleiten wird. Angebot von Dekontaminierungsgerät
für den Bedarfsfall sowie Schutzgerät gegen C-Waffen
an die Golfstreitmacht. Entsendung eines Schiffs zur
ständigen NATO-Streitmacht im Atlantik und Angebot
der Bereitstellung von zwei weiteren Schiffen für die
NATO-Streitkräfte im Atlantik und Ärmelkanal, um die
Verlegung verbündeter Schiffe in den Golf auszugleichen. Voraussichtliche Aufstockung der Flüchtlingshilfsleistungen an Jordanien über die anfänglichen,
schon bereitgestellten 343 000 Dollar hinaus. Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke; Ölembargo.
Umfassende Sanktionen, die Seetransporte ausdrücklich einschließen. Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte. Bereitstellung von 40 Tonnen
hochproteinhaltiger Kekse als Fluchlingshilfe.
Portugal
Erlaubnis zur Nutzung amerikanischer Stützpunkte in
Portugal, Öl- und Waffenembargo. Embargo bei Dienstleistungen wie Schiffswartung. (Die Wartung eines
irakischen Schiffs in Portugal war vorgesehen).
Spanien
Handelsembargo. Spanien unterstützt den Transit
amerikanischer Militärflugzeuge auf dem Weg in die
Golfregion. Geplante Entsendung einer Fregatte zur
Straße von Hormus und zweier Korvetten zur Patrouille im Roten Meer in Koordination mit anderen Marineeinheiten der Westeuropäischen Union.
Türkei
Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Verweigert die
Verladung irakischen Öls am Ende der irakischen
Pipeline. Untersagt die Entladung zweier Schiffe mit
Nahrungsmitteln für den Irak im südlichen Hafen Mersin.
Handelsembargo mit Ausnahme von Nahrungs- und
Arzneimitteln. Das Parlament ermächtigt die Regierung im Falle eines Angriffs durch den Irak zur
Kriegserklärung, zur Entsendung von Kampftruppen
und zum Einsatz ausländischer Truppen auf türkischem Hoheitsgebiet.
Vereinigte Staaten
Entsendung amerikanischer Militäreinheiten nach SaudiArabien, um dieses Land gegen einen möglichen irakischen Angriff zu schützen. Zur Zeit befinden sich neun
Kriegsschiffe und zwei Flugzeugträger im Golf. Verhängung eines vollständigen Embargos gegen den
Irak und das besetzte Kuwait sowie gegen kommerzielle Nahrungsmittellieferungen. Aussetzung der
Kredite, Anleihen und Zuschüsse. Modifizierung des
Embargos, so da ß es das Verbot von Exporten an jede
vom Irak - direkt oder indirekt - aus betriebene oder von
der irakischen Regierung kontrollierte oder in deren
Besitz befindliche Körperschaft einschließt. Einfrieren
der irakischen und kuwaitischen Vermögenswerte.
Amerikanische Zollbeamte beschlagnahmen für den

AMERIKA DIENST 38

Irak und Kuwait bestimmte Ersatzteile, Satelliten- und
Computergeräte. Das FBI versiegelt die Büros der
irakischen Fluggesellschaft in New York, Detroit und
Los Angeles. Die Vereinigten Staaten planen das
Abfangen irakischer Öllieferungen in die Golfregion als
Unterstützung der UNO-Sanktionen. Als Reaktion auf
die illegale Schließung der amerikanischen Botschaft
in Kuwait durch den Irak weisen die Vereinigten Staaten 36 der 55 zuvor an der irakischen Botschaft in
Washington akkreditierten Personen aus. Die Vereinigten Staaten leisten Flüchtlingshilfe in Höhe von 1
Million Dollar einschließlich Zelten, Wasserkanistern,
Nahrungsmitteln sowie Beiträgen an die Internationale
Organisation für Auswanderung. Die Vereinigten Staaten
leiten Initiativen zur Unterstützung der durch die Golfkrise wirtschaftlich betroffenen Länder sowie zur Verteilung der Kosten der Militäroperationen im Golf in die
Wege.
Andere europäische Nationen
Andorra
Verbietet Importe und Exporte jeglicher Vermögenswerte aus und in den Irak und Kuwait, sowie die
Bereitstellung von Dienstleistungen und Krediten.
Bulgarien
Unterbindung aller Lieferungen militärischer Güter an
den Irak und Erweiterung der Wirtschaftssanktionen.
Deutsche Demokratische Republik
Geplante Beteiligung an Wirtschaftssanktionen. Nur
Nahrungs- und Arzneimittel für humanitäre Zwecke
werden weiterhin geliefert.
Finnland
Unterstützung der Resolution des UNO-Sicherheitsrats über Sanktionen, vollständige Durchführung der
UNO-Maßnahmen einschließlich eines uneingeschränkten Handelsembargos. Ernennung des finnischen
Botschafters bei der UNO zum Leiter der Gruppe von
Ländern, die die Einhaltung der UNO-Sanktionen gegen
Irak überwachen. Verpflichtung zur Zahlung von 135 000
Dollar an Flüchtlingshilfe an das Internationale Komitee vom Roten Kreuz.
Irland
Ölembargo.
Jugoslawien
Verurteilung der irakischen Invasion in Kuwait, fordert
den Irak auf, alle Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Weigerung, die irakische Annexion Kuwaits anzuerkennen. Unterstützt die Wirtschaftssanktionen der
UNO gegen den Irak. Einstellung aller Lieferungen in
den Irak, Aussetzung von Importen aus dem Irak,
Reduzierung jugoslawischer Arbeitskräfte in Irak und
Kuwait, Einfrieren irakischer Vermögenswerte.
Seite 3

�Liechtenstein
Einfrieren kuwaitischer und irakischer Vermögenswerte, Handelsembargo mit Ausnahme von Arznei- und
Nahrungsmitteln für humanitäre Zwecke.
Malta
Keine Vergabe von Aus- oder Einfuhrgenehmigungen
für Handel mit Irak und Kuwait, vor Verhängung der
Sanktionen erteilte Genehmigungen werden widerrufen.
Österreich
Durchsetzung der UNO-Wirtschaftssanktionen gegen
den Irak, Waffenembargo, Einfrieren irakischer Vermögenswerte. Geplante Erlaubnis zum Überfliegen
amerikanischer Militärflugzeuge über Österreich.
Polen
Waffenembargo.
N.B.: Der polnischen Botschaft in der Bundesrepublik
Deutschland zufolge hält sich Polen auch in allen
anderen Bereichen strikt an die Sanktionen der UNO.

verwirklichen. Verabschiedung einer gemeinsamen
Erklärung mit Japan am 5. September mit der Aufforderung an den Irak, alle ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.
Tschechoslowakei
Waffenembargo, Verurteilung der irakischen Aggression. Verzögerung der Abreise des neuen tschechoslowakischen Botschafters im Irak nach Bagdad.
Durchführung der UNO-Sanktionen einschließlich
Unterbindung aller Exporte und Importe aus und nach
Irak und Kuwait.
Ungarn
&gt;
Öl- und Handelsembargo.
Vatikan
Lobt die Resolution der Vereinten Nationen zu den
Sanktionen gegen den Irak.
Zypern
Unterstützung der Sanktionen gegen Irak.

Rumänien

Andere Organisationen - regional und international

Wird U NO-Sanktionen gegen den Irak befolgen.

Arabische Liga

Schweden

Die arabische Liga spricht sich (mit 12:3 Stimmen von
20 Mitgliedstaaten) für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus, um das
Land gegen eine mögliche irakische Aggression zu
schützen. Jordanien, Mauretanien und der Sudan
stimmen für die Resolution, machen jedoch "Bedenken" geltend. Der Irak, Libyen und die PLO stimmen
dagegen. Der Jemen und Algerien enthalten sich.
Tunesien ist nicht vertreten. Die Resolution bekräftigt
darüber hinaus die Resolutionen 660,661 und 662 des
UNO-Sicherheitsrats.

Verbot von Aus- und Einfuhren nach oder aus Kuwait
und Irak, mit Ausnahme von Waren für humanitäre
oder medizinische Zwecke sowie Presseerzeugnissen. Verbot der Lieferung von Waren für Wirtschaftsaktivitäten, die im Irak oder Kuwait oder von dort aus
betrieben werden. Verbot von Maßnahmen, die Geschäfte mit dem Irak oder Kuwait fördern würden, wie
etwa Instandsetzung, Be- oder Entladen; Einstellung
des Zahlungs- und Kreditverkehrs mit Irak und Kuwait.
Zahlt 8,7 Millionen Dollar in bar für die Flüchtlingshilfe.
Schweiz
Öl- und Waffenembargo. Einfrieren von Vermögenswerten, Beschränkungen für den sonstigen Handel.
Die Schweiz beteiligt sich zum ersten Mal an UNOWirtschaftssanktionen. Entsendet ein Hilfsteam für
Flüchtlinge.
Sowjetunion
Verurteilung der Annexion Kuwaits durch den Irak,
Waffenembargo. Entsendung zweier Kriegsschiffe in
den Golf. Würde unter Aufsicht der Vereinten Nationen die Abriegelung des Golfs für irakische Schiffe in
Erwägung ziehen. Erlaß eines Dekrets an alle Ministerien und Behörden, die für den Handel mit dem Irak
oder sonstige Beziehungen mit diesem Land zuständig sind, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um
die Wirtschaftssanktionen der Vereinten Nationen zu

Seite 4

*

Europarat
Beim Außenministertreffen des Europarats wird am
12. September eine Resolution verabschiedet, in der
die irakische Verletzung des Völkerrechts und die Geiselnahme verurteilt werden. Er fordert die Anwendung
der UNO-Sanktionen gegen den Irak durch alle Staaten und appelliert an die Mitglieder des Europarats,
Ländern beizustehen, die unbeabsichtigt von diesen
Sanktionen betroffen sind. Die Erklärung widmet sich
besonders humanitären Problemen der zahlreichen
Menschen, die durch die Krise zur Flucht gezwungen
wurden und bedauert die Weigerung des Iraks, mit
dem IKRK zusammenzuarbeiten.
Europäische Gemeinschaft
Die EG erklärt am 17. September die Ausweisung aller
irakischen Militärattaches sowie die Einschränkung
der Bewegungsfreiheit der anderen irakischen Diplo-

AM ER»KA Dlfi'MST 38

«

»

�maten, die in den Hauptstädten der 12 Mitgliedstaaten
akkreditiert sind. Verhängt allgemeines Embargo gegen
den Handel mit Irak und dem besetzten Kuwait. Einfrieren von Vermögenswerten auf ihrem Hoheitsgebiet
sowie Einstellung jeglicher Zusammenarbeit mit Irak
und dem besetzten Kuwait. Unterstützt die Resolutionen 660, 661, 662, 664, 665, 666 und 667 des UNOSicherheitsrats. Über die Botschafter der gegenwärtigen Präsidentschaft (Irland, Italien und Luxemburg)
hat die EG Demarchen in Bagdad unternommen, um
die bedingungslose Freilassung der Ausländer in Irak
und Kuwait zu unterstützen. Die EG stellt 27 Millionen
Dollar in Form von Transport, Nahrungsmitteln und
humanitärer Hilfe für Flüchtlinge bereit.
Europaparlament
Verabschiedung einer Resolution am 14. September,
in der "die Invasion und Annexion Kuwaits durch den
Irak... und die gezielte Geiselnahme von Ausländern
durch den Irak energisch verurteilt" wird. Die Resolution fordert "den unverzüglichen Rückzug der irakischen Truppen aus Kuwait, um dessen legitime Autorität und Souveränität wiederherzustellen...".
Golf-Kooperationsrat
Verurteilung der irakischen Aggression gegen Kuwait
und Forderung nach Rückzug der irakischen Truppen.
Hat Truppen in Saudi-Arabien stationiert. Saudi-Arabien bittet die Vereinigten Staaten und andere Länder
um militärische Hilfe zur Verteidigung gegen eine
mögliche irakische Aggression. Saudi-Arabien verpflichtet sich darüber hinaus zu höherer Ölförderung,
um die Produktionsausfälle im Irak und in Kuwait
wettzumachen. Verweigert einem irakischen Tanker
das Anlegen an einem saudischen Verladeterminal im
Roten Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate
öffnen ihre militärischen Einrichtungen für die multinationale Streitmacht und verweigern einem irakischen
Tanker die Einfahrt in den Hafen von Dubai. Katar stellt
seine militärischen Einrichtungen der multinationalen
Streitmacht zur Verfügung. Berichten zufolge öffnen
auch Bahrain und Oman ihre militärischen Einrichtungen. Der Golf-Kooperationsrat ist eine regionale Organisation, die aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Katar und Kuwait
besteht.
Internationale Arbeitsorganisation
Die Internationale Arbeitsorganisation, eine Unterorganisation der UNO, appelliert an den Irak, unverzüglich Schritte zur Freilassung aller in Irak und Kuwait
festgehaltenen ausländischen Arbeitnehmer zu ergreifen.
Bewegung der Blockfreien

Nordischer Rat
Verabschiedung einer Erklärung, in der die irakische
Weigerung, Staatsbürgern der nordischen Staaten
und anderen Ausländern das Verlassen des Irak und
Kuwaits zu gestatten, scharf verurteilt und festgestellt
wird, daß "die Entscheidung des Irak eine Verletzung
des Völkerrechts und der UNO-Menschenrechtserklärung darstellt". Der Nordische Rat ist eine regionale
Organisation, die sich aus Vertretern Dänemarks,
Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens zusammensetzt.
Die nordischen Außenminister
Verabschiedung einer Erklärung zur Golfkrise am 11.
September, in der "die brutale Invasion und der Versuch der Annexion Kuwaits" scharf verurteilt und die
Rolle des UNO-Sicherheitsrats bei der Aufrechterhaltung des internationalen Drucks auf den Irak hervorgehoben werden.
OPEC
Verständigung auf einen Plan, der den OPEC-Mitgliedern eine Erhöhung ihrer Produktion über die vereinbarten Quoten hinaus gestattet, um den durch das
Embargo gegen den Irak verursachten Ausfall von 4
Millionen Barrel täglich wettzumachen. Saudi-Arabien
und Venezuela haben ihre ölproduktion bereits erhöht. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Nigeria,
Gabun und Ecuador werden ihre Fördermenge wahrscheinlich in Kürze erhöhen. Der Iran und Libyen
stimmen gegen die Resolution, planen jedoch angeblich auch eine Erhöhung ihrer eigenen Produktion.
Organisation Amerikanischer Staaten
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Ablehnung der Annexion Kuwaits. Unterstützt alle
diesbezüglichen Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats gegen den Irak. Weist die Benutzung ausländischer Geiseln in Bagdad als "menschliche Schutzschilde im Konflikt" zurück. Bietet ihre guten Dienste
für die in Irak und Kuwait festgehaltenen Staatsbürger
aus Mitgliedstaaten an. Die OAS ist eine regionale
Organisation mit Vertretern der Karibikstaaten sowie
aller Staaten Mittel-, Süd- und Nordamerikas außer
Kuba.
Koordinationsrat der Gewerkschaften des Südlichen Afrikas
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak. Bittet die Gewerkschaften des südlichen Afrikas, jeglichen Bruch des Embargos zu melden und zu verurteilen.

Verurteilung des Einsatzes von Gewalt durch den Irak
sowie Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.

AMERIKA DIENST 38

Seite 5

�Vereinte Nationen

Afghanische Interimsregierung

Der UNO-Sicherheitsrat verabschiedet Resolutionen,
in denen die irakische Invasion in Kuwait verurteilt und
der unverzügliche Rückzug der Invasionsstreitkräfte
gefordert, ein Handels- und Finanzembargo gegen
den Irak und Kuwait angeordnet, die irakische Annexion von Kuwait für null und nichtig erklärt, die Freilassung aller Ausländer durch den Irak verlangt und der
internationalen Staatengemeinschaft das Recht gegeben wird, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak
durchzusetzen, indem die Schiffahrt nach und aus
diesem Land unterbunden wird. Die UNO legt enge
Grenzen für die Lieferung humanitärer Güter in den
Irak und das besetzte Kuwait fest. Verurteilung des
Irak aufgrund von Gewalttaten gegen ausländische
Botschaften und deren Personal im besetzten Kuwait.

Das Kabinett der AIG beschließt formell die Entsendung eines Kontingents von 2 000 Mujahedin nach
Saudi-Arabien zur Verstärkung der multinationalen
Streitmacht.

Westeuropäische Union
Die Außen- und Verteidigungsminister der neun Mitgliedstaaten der WEU erörtern während eines Treffens in Paris am 18. September weitere Möglichkeiten
zur Koordinierung ihrer Maßnahmen am Golf. Sie
verurteilen "uneingeschränkt die jüngsten Angriffe des
Irak auf das Völkerrecht und die Unverletzlichkeit von
Personen" und verleihen ihrer Entschlossenheit Ausdruck, das vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
verhängte Embargo mit all seinen Elementen anzuwenden und für seine Anwendung zu sorgen. Bei
früheren Maßnahmen verständigen sich die neun WEUMitgliedstaaten darauf, die Marineoperationen im Nahen
Osten auszuweiten und "ihre Operationen eng miteinander abzustimmen". Darüber hinaus erklären sie
sich bereit, zusammen mit den Vereinigten Staaten
Verantwortung für die Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen den Irak zu übernehmen. Vier WEUMitglieder - die Niederlande, Belgien, Italien und Spanien - sowie Griechenland, das kein Mitglied der WEU
ist, kündigen die Entsendung von Kriegsschiffen in den
Nahen Osten an, die sich den bereits dort stationierten
französischen und britischen Einheiten anschließen
sollen. Die WEU ist eine politische Organisation mit
Vertretern aus Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Luxemburg,
den Niederlanden, Portugal und Spanien.

Argentinien
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Befolgt die
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak. Stellt finanzielle Transaktionen mit Irak und Kuwait ein. Entsendet
zwei Kriegsschiffe mit zwei Flugzeugen, einer Infanterieeinheit sowie Luftwaffen- und Kommunikationspersonal an den Golf, um das UNO-Embargo gegen den
Irak zu unterstützen.
Aruba
Wirtschaftssanktionen gegen den Irak.
Australien
Teilnahme am gemeinsamen Marineeinsatz. Entsendung zweier Lenkwaffenfregatten und eines Versorgungsschiffs zum Persischen Golf. Zusage, den Golf
für irakische Schiffe abzuriegeln, um die UNO-Sanktionen zu unterstützen, ö l - und Waffenembargo.
Einfrieren von Vermögenswerten.
Bahamas
Einfrieren irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte.
Bahrain
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Bahrain die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Rückzug der Invasionstruppen.
Gestattet die Benutzung seiner Luftstützpunkte durch
die multinationale Streitmacht.
Bangladesh
Prinzipielle Entscheidung, bei einer Konfrontation mit
dem Irak Truppen nach Saudi-Arabien zu entsenden.
Belize

Nichteuropäische Staaten
Ägypten
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der Resolutionen 660, 661 und 662 des Sicherheitsrats der
Vereinten Nationen und spricht sich für die Entsendung einer arabischen Streitmacht nach Saudi-Arabien aus. Hat bereits 5 000 Soldaten zur Verstärkung
der multinationalen Streitmacht nach Saudi-Arabien
geschickt. Geplant ist die Entsendung von zusätzlichen 15 000 Soldaten zusammen mit Panzern und
Schützenpanzern.

Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach Rückzug der Invasionstruppen.
Benin
Verurteilung des irakischen Einmarschs in Kuwait und
Forderung nach unverzüglichem Rückzug der Invasionstruppen.
Bermuda
Schließt sich den britischen Wirtschaftssanktionen
gegen den Irak an. Verhängt eigene Finanzsanktionen.
-

Seite 6

AMERIKA DK N'ST 38

�Bolivien

Iran

Unterstützt die Sanktionen der Vereinten Nationen
gegen den Irak.

Ablehnung der Annexion Kuwaits durch den Irak. Der
Iran erklärt, die Ölförderung ankurbeln zu wollen, um
die Ausfälle im Irak und in Kuwait auszugleichen.

Brasilien
Öl- und Waffenembargo. Abbruch sämtlicher Handelsbeziehungen, einschließlich von Nahrungsmittellieferungen.
Chile
Wirtschaftssanktionen, Waffenembargo.
China

Jamaica
Verurteilt die Invasion und befolgt die UNO-Sanktionen gegen den Irak. Unterstützt die von der Organisation Amerikanischer Staaten ins Leben gerufene Initiative, im Rahmen derer die irakische Invasion in Kuwait
auf das schärfste verurteilt wird.
Japan

Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits und fordert
den Abzug der Truppen.

Ölembargo, Einstellung des Handels und der Hilfe.
Wird Nahrungsmittel, Wasser, Arzneimittel und 100
Ärzte und Krankenpfleger zur arabischen Halbinsel
entsenden. Liefert Geräte wie Kühlschränke und
Klimaanlagen, um die befreundeten Truppen am Golf
vor der Hitze der Wüste zu schützen. Finanziert das
Chartern nichtjapanischer Flugzeuge und Schiffe, die
Nachschub und Helfer, militärische Ausrüstung und
Soldaten an den Golf transportieren. Leistet der
Türkei, Ägypten und Jordanien finanzielle Hilfe, um
wirtschaftliche Härten auszugleichen, die durch Maßnahmen gegen die irakische Invasion in Kuwait hervorgerufen wurden. Leistet einen Beitrag von zunächst 10
Millionen Dollar für die Versorgung kuwaitischer Flüchtlinge in Jordanien. Veröffentlicht am 5. September
1990 gemeinsam mit der Sowjetunion eine Erklärung,
mit der die Aufforderung an den Irak ergeht, alle
ausländischen Geiseln freizulassen und seine Truppen aus Kuwait abzuziehen.

Guatemala

Jemen

Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak,
stoppt alle finanziellen Transaktionen, Zahlungen und
Kredite an den Irak und Kuwait.

Hält die UNO-Sanktionen gegen den Irak ein.

Verurteilt den irakischen Einmarsch in Kuwait und
fordert den Rückzug der Invasionstruppen. Unterstützt die UNO-Resolutionen gegen den Irak.
Waffenembargo.
Costa Rica
In Unterstützung der UNO-Resolutionen gegen den
Irak verurteilt Costa Rica den irakischen Einmarsch in
Kuwait, die Annexion Kuwaits und die irakische Anordnung zur Schließung der Botschaften.
Cote d'lvoire
Öl- und Handelsembargo.
Gambia

Haiti
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Honduras
Lehnt die irakische Invasion in Kuwait ab und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.
Hongkong
Friert irakische und kuwaitische Vermögenswerte ein.
Indien

Jordanien
Beteiligt sich an den UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus, jedoch unter "Vorbehalten".
Katar
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats verurteilt Katar die irakische Invasion in
Kuwait und fordert den Abzug der Invasionstruppen.
Stimmt zu, der multinationalen Streitmacht seine militärischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen.

Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Premierminister Singh erklärt, Indien werde zu seiner
in den Vereinten Nationen gegebenen Zustimmung zu
Wirtschaftssanktinoen gegen den Irak stehen.

Vizepräsidentschaft des UNO-Sanktionsausschusses,
der die Einhaltung der Sanktionen überwacht.

Indonesien

Korea (Rep.)

Einstellung des Handels mit dem Irak, Ölembargo.

Waffen- und Ölembargo, Einstellung des Handels außer

AMERIKA DIENST 38

Kolumbien

Seite 7

�mit Gütern für medizinische oder humanitäre Zwecke.

Neuseeland

Kuba

Verbot von Exporten in den Irak, geplantes Verbot der
Importe. Umleitung der Nahrungsmittellieferungen,
die sich auf dem Weg in den Irak befinden. Ölembargo,
friert irakische Vermögenswerte ein. Stellt den Vereinten Nationen für den Einsatz am Golf zwei Transportflugzeuge zur Verfügung. Spendet Milchpulver für
Flüchtlinge aus Irak und Kuwait. Bietet dem Internationalen Roten Kreuz eine zivile medizinische Versorgungseinheit für den Einsatz in Saudi-Arabien an.

Befolgung der UNO-Sanktionen gegen den Irak.
Libanon
Fordert den Abzug der irakischen Truppen aus Kuwait.
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus.
Macao

Nicaragua

Befolgt die UNO-Sanktionen.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen.

Malaysia

Nigeria

Unterstützt die UNO-Resolution über Sanktionen gegen
den Irak. Wird seine Maßnahmen mit den Sanktionen
abstimmen, friert kuwaitische Vermögenswerte ein.
Wird die Ölproduktion auf 10 000 Barrel pro Tag
steigern, um den Bedarf der Länder zu decken, die von
irakischem und kuwaitischem Öl abhängen. Spendet
für die Flüchtlingshilfe in Jordanien Nahrungsmittel im
Wert von 100 000 Dollar.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwaits und forciert
den Truppenabzug, plant eine Steigerung der ölförderung um 200 000 Barrel pro Tag (vorbehaltlich der
Zustimmung anderer OPEC-Staaten).

Malediven
Fordern den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.

Oman
Die omanische Botschaft in Kuwait bleibt geöffnet, und
das Sultanat erkennt die irakische Besetzung Kuwaits
in keiner Weise an. Oman hat der Arabischen Liga und
den UNO-Resolutionen seine Unterstützung versichert, verurteilt die irakische Invasion und fordert den
Abzug der Invasionstruppen.

Mauritius
Pakistan
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits, fordert den Abzug der Invasionstruppen und die
Freilassung aller Ausländer im Irak und in Kuwait.
Unterstützt und befolgt die Resolutionen des UNOSicherheitsrats zum Irak und hat konkrete Maßnahmen ergriffen, um alternative Versorgungsquellen von
bisher aus Kuwait importiertem Öl zu sichern.
Marokko
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Hat Truppen nach Saudi-Arabien entsandt und beteiligt sich damit an der multinationalen
Streitmacht. Weist zwei irakische Beamte aus Marokko aus, als Vergeltung für die irakische Entscheidung
zur Schließung der marokkanischen Botschaft in Kuwait
und die Festsetzung seiner Diplomaten im Irak.
Mexiko
Plant die Steigerung der Ölförderung um 100 000
Barrel pro Tag in den nächsten zwei Monaten.
Nepal

Bekundet seine Absicht zur Durchführung der UNOSanktionen gegen den Irak. Entsendet ein Kontingent
von 1 800 Soldaten seines Heeres nach Saudi-Arabien, unter anderem ein verstärktes Infanteriebataillon
und ein provisorisches Unterstützungsbataillon.
Panama
Unterstützt Sanktionen. Verbietet Handelsschiffen die
Ladung oder Entladung jeder Art von Waren aus dem
Irak oder Kuwait. Die Bankaufsichtsbehörde hat Vorschriften für die Behandlung irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte veröffentlicht. Der irakischen
Schiffahrt wird die Durchquerung des Panamakanals
gestattet.
Papua Neuguinea
Verurteilt die irakische Invasion Kuwaits aufs schärfste
und unterstützt die UNO-Resolutionen, mit denen die
Souveränität und Integrität Kuwaits wiederhergestellt
werden sollen.
Paraguay
Verurteilt die Invasion Kuwaits durch den Irak.

Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.

Seite 8

AMERIKA DIENST 38

�Philippinen
Erkennen den bindenden Charakter der Sanktionen
an, Ölembargo.
Salomonen
Führen Wirtschaftssanktionen gegen den Irak durch.
Saudi-Arabien
Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrats hat Saudi-Arabien die irakische Invasion in
Kuwait verurteilt und den Abzug der Invasionstruppen
gefordert. Es erging die Bitte an die Vereinigten
Staaten und andere Länder um Unterstützung zur
Verteidigung Saudi-Arabiens. Plant die Ankurbelung
der Ölförderung, um die Ausfälle im Irak und in Kuwait
auszugleichen. Weist einen irakischen Tanker ab, der
an einem saudischen Hafen im Roten Meer anlegen
wollte. Stellt 60 Millionen Dollar für Flüchtlingshilfe zur
Verfügung. Will die im Land entstehenden Kosten der
auf saudischem Territorium stationierten US-Soldaten
übernehmen, unter anderem für Treibstoff, Wasser,
Transport sowie andere Kosten.
Senegal

chen Schritte unternehmen, um die Bestimmungen
der Resolution einzuhalten", die Wirtschaftssanktionen gegen den Irak fordern.
Sudan
Der Sudan "zollt der Charta der Vereinten Nationen
Respekt und bekundet seine Verpflichtung zu den
Resolutionen" 660, 661, 663 und 665.
Surinam
Verurteilt die irakische Invasion und Annexion Kuwaits. Führt die UNO-Resolutionen 661 und 665
ebenso durch wie das Wirtschafts- und Finanzembargo gegenüber dem Irak.
Syrien
Stimmt mit der Arabischen Liga zugunsten der UNOResolutionen 660,661 und 662 und spricht sich für die
Entsendung einer arabischen Streitmacht nach SaudiArabien aus. Syrien unterhält 4 000 Soldaten der
Bodentruppen in Saudi-Arabien und den Vereinigten
Arabischen Emiraten als Teil der multinationalen Streitmacht. Zusätzlich werden 10 000 Soldaten und 300
Panzer entsandt.

Gewährt seine "vorbehaltlose Zustimmung" zu den
Maßnahmen, die Saudi-Arabien und andere Golfstaaten zum Schutz ihrer Sicherheit gegen eine mögliche
irakische Aggression unternommen haben. Plant die
Entsendung von Truppen nach Saudi-Arabien.

Taiwan

Simbabwe

Bekundet seine Ablehnung der irakischen Invasion in
Kuwait und fordert den unverzüglichen Abzug der
Invasionstruppen.

Stellt den Handel mit dem Irak und dem besetzten
Kuwait ein, setzt alle bilateralen Abkommen mit dem
Irak außer Kraft, unter anderem das Sechsjahresabkommen über Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Abkommen über kulturelle, technische
und bildungspolitische Zusammenarbeit. Die Maßnahmen bleiben in Kraft bis sich der Irak aus Kuwait
zurückzieht.
Singapur
Verbietet Exporte nach und Importe aus dem Irak und
aus Kuwait. Allen Banken und Finanzinstitutionen wird
der Transfer irakischer und kuwaitischer Vermögenswerte ohne vorherige Zustimmung der Finanzbehörden in Singapur verboten. Transaktionen der legitimen
Eigentümer kuwaitischer Vermögenswerte, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind erlaubt. Die Reeder in
Singapur wurden instruiert, sich an die UNO-Sanktionen zu halten. Die Hafenbehörde von Singapur sperrt
alle Schiffe unter irakischer Flagge aus.

Spricht sich für die Unterstützung der UNO-Sanktionen gegen den Irak aus, Ölembargo.
Tansania

Togo
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait.
Trinidad/Tobago
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und fordert
den Abzug der Invasionstruppen. Unterstützt die
UNO-Resolutionen 660, 661 und 662.

Tunesien
Fordert den Abzug irakischer Truppen aus Kuwait.
Uruguay
Präsident LaCalle verhängt ein Dekret zur Durchführung der UNO-Sanktionen gegen den Irak. "Kompetente Behörden" werden instruiert, die effektive Durchführung der Sanktionen zu gewährleisten.

Sri Lanka

Vereinigte Arabische Emirate

In einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten
Nationen hat die Regierung Sri Lankas betont, sie sei
sich "ihrer Verpflichtungen gemäß der Charta der
Vereinten Nationen bewußt und wird alle erforderli-

Als Mitglied der Arabischen Liga und des Golf-Kooperationsrates verurteilen die Vereinigten Arabischen
Emirate die irakische Invasion in Kuwait und fordern
den Abzug der Invasionstruppen. Gewähren den US-

AMERIKA DIENST 38

Seite 9

�Truppen Zugang zu militärischen Einrichtungen. Ver- Venezuela
hindern das Anlegen eines irakischen Tankers im
Hafen von Dubai, um die UNO-Sanktionen gegen den Wird die UNO-Sanktionen gegen den Irak unterstützen. Plant die Steigerung der ölförderung um 400Irak zu unterstützen.
500 000 Barrel pro Tag, wobei Konsultationen mit den
OPEC-Staaten stattfinden.
Vanuatu
Verurteilt die irakische Invasion in Kuwait und forciert
den Abzug der Invasionatruppen. Erklärt die vollständige Einhaltung aller UNO-Sanktionen gegen den Irak.

* *

Seite 10

AMERIKA DIENST 38

�NATO
26. September 1990

TAFT ERÖRTERT EUROPÄISCHE
SICHERHEITSSTRUKTUR
Rede von Botschafter Taft bei der NATO
BRÜSSEL- (AD) - Im Rahmen der Konferenz "Atlantische Sicherheit: Die NATO im Umbruch" hielt der Ständige
Vertreter beim Nordatlantikrat, Botschafter William Taft, am 20. September 1990 eine Rede über die Aufgaben
der NATO in einer sich verändernden Welt und legte in diesem Zusammenhang die Bedingungen einer neuen
Sicherheitsstruktur für Europa dar. Die Konferenz wurde unter anderem veranstaltet von der US-Vertretung bei
der NATO, dem Stabschef des Heeres und dem Institut für Nationale Strategische Studien an der National
Defense University.
Nachfolgend veröffentlichen wir Botschafter Tafts Rede im Wortlaut.

Gemeinsam mit Generalsekretär Wörner möchte ich
Sie zur sechsten Jahrestagung der Institute für Strategische Studien willkommen hei ßen, die unter anderem
von der US-Vertretung bei der NATO veranstaltet wird.
Darüber hinaus freue ich mich, daß auch das Büro des
Stabschefs der US-Army und das Institut für Nationale
Strategische Studien an der National Defense University beteiligt sind.
Im vergangenen Jahr hat die NATO voller Hoffnung für
die Zukunft ihr 40jähriges Bestehen gefeiert. Diese
Hoffnungen sind heute weitgehend verwirklicht, auch
wenn wir immer wieder Feuerproben bestehen müssen. Wir haben einen Entwicklungsprozeß durchlaufen. Tatsächlich hat ein Umbruch stattgefunden. Aber
diese Umstrukturierung ist noch nicht beendet. Wir
begrüßen Ihre Beteiligung und Ihren Beitrag bei der
Weiterentwicklung einer Institution, die sich zum Ziel
gesetzt hat, "die Freiheit, das gemeinsame Erbe und
die Zivilisation" unserer Völker zu schützen.
Eindrücke der letzten Jahrzehnte
Heute und morgen sollten wir über die Zukunft sprechen, wie sich die Architektur in Europa darstellen wird
und auf welche Weise sich bestehende und neue
Institutionen an die neuen Zeiten anpassen müssen.
Es könnte dabei von Nutzen sein, sich einige Bilder aus
der Vergangenheit ins Gedächtnis zurückzurufen. Ich
möchte Ihnen einige vor Augen führen, die mir gerade
einfallen.

AMERIKA DIENST 38

Als erstes Bild steht mir Polen im Sommer 1980 vor
Augen. Nach der Entscheidung der Regierung, die
Fleischpreise zu erhöhen, kommt es zu Streiks. Arbeiter in Gdansk und anderen Städten fordern Lohnerhöhungen. Noch vor Ende des Sommers wird Lech
Walesa zum Führer eines Streikkomitees gewählt. Die
Solidarität ist geboren.
Ich erinnere mich auch an ein anderes Bild. Der
gesundheitlich angeschlagene Breschnew, dem Andropow, Tschernenko und 1985 Gorbatschow folgen ein Mann, mit dem wir, wie Margaret Thatcher gesagt
hat, ins Geschäft kommen können.
Das nächste Bild aus meinem Gedächtnis zeigt Washington im Dezember 1987. Reagan und Gorbatschow unterzeichnen den INF-Vertrag - den ersten
Vertrag zwischen Supermächten, mit dem eine ganze
Waffenkategorie beseitigt wird.
Ein Jahr später, im Dezember 1988, schlägt die NATO
eine 50prozentige Reduzierung von Panzern und Artillerie in Europa vor. Gorbatschow spricht bei den
Vereinten Nationen und kündigt den einseitigen Abzug
von 50 000 Soldaten aus Osteuropa an.
Im Mai 1989 feiern westliche Staats- und Regierungschefs beim NATO-Gipfel das 40jährige Bestehen der
NATO und fordern ein Ende der Teilung Europas.
Kurz darauf wird die Geschichte gewaltig beschleunigt, nachdem sich Tausende von DDR-Bürgern, von
Seite 1

�mehr als einem ungewöhnlich warmen September
getrieben, zu einer Verlängerung ihres Urlaubs in
Ungarn entschließen.

Im Dezember 1989 steht Schewardnadse auf der
Schwelle des NATO-Hauptquartiers und verurteilt den
kommunistischen Machthaber Rumäniens für die brutale
Unterdrückung seines Volkes.

aber nicht nur das. Es besteht die Notwendigkeit zu
handeln, um die Situation zu nutzen, die sich uns auf
so dramatische Weise stellt. Und unser Denken, wie
gründlich es auch sein mag, muß sich den Ereignissen
anpassen und berücksichtigen, ob sich eine bestimmte Politik bewährt oder nicht. Im vergangenen Jahr hat
sich angesichts des schnellen Laufs der Geschichte
ein flexibler, pragmatischer Ansatz bewährt, und das
wird auch weiterhin der Fall sein. Wir sollten also bei
allem Nachdenken flexibel bleiben.

Im Frühjahr 1990 kommen die NATO-Verteidigungsminister in Kananaskis überein, daß die Bedrohung
geringer geworden ist und entschließen sich zu einer
Überprüfung der Nuklearpolitik. Bald darauf vereinbaren sie in Brüssel eine Überprüfung der Militärstrategie
und kommen zu dem Schluß, daß die Einsatzbereitschaft verringert werden kann. Beim Außenministertreffen in Turnberry im Juni wird den Mitgliedstaaten
des Warschauer Pakts eine symbolische Hand der
Freundschaft ausgestreckt.

Die Hauptmerkmale unseres Ansatzes für die neue
atlantische Architektur hat Außenminister Baker im
Dezember letzten Jahres in Berlin dargelegt, und sie
finden sich auch im Kommunique des NATO-Ministertreffens wieder, das zur gleichen Zeit stattfand. Wir
betrachten die NATO, die Europäische Gemeinschaft
und die KSZE als wichtigste Institutionen für eine neue
Ordnung auf dem Kontinent, wobei die NATO eine
politischere Ausrichtung haben und die KSZE stärker
institutionalisiert werden soll.

November 1989 - die Berliner Mauer fällt. Das Ende
der Teilung Europas ist in Sicht.

Im Juli 1990 treffen sich die Staats- und Regierungschefs in London. In einer weitreichenden Erklärung
laden sie die Länder Osteuropas und die Sowjetunion
zur Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen
mit der NATO ein. Das Bündnis gelobt, den in Europa
40 Jahre lang genossenen Frieden zu einer Partnerschaft mit früheren Gegnern ausbauen zu wollen. Die
Antwort kommt schnell und fällt positiv aus. Die
Sowjetunion stimmt der Mitgliedschaft eines vereinten
Deutschlands in einer neuen NATO zu.
Am 2. August fällt Saddam Hussein in Kuwait ein. Am
nächsten Tag verurteilt die NATO die Invasion und
nimmt intensive politische Konsultationen auf, die den
ganzen Tag dauern.
Am 12. September unterzeichnen die beiden deutschen Staaten und die Alliierten des Zweiten Weltkriegs einen Vertrag, der die Souveränität eines vereinten Deutschlands wiederherstellt.
Die Umgestaltung der NATO ist im Augenblick unserer
Zusammenkunft bei dieser Konferenz in vollem Gange. Zur gleichen Zeit im letzten Jahr haben wir den
ersten osteuropäischen Teilnehmer bei unserer Jahrestagung begrüßt. In diesem Jahr freuen wir uns,
Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus der
Sowjetunion, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien
und der Tschechoslowakei - und einen Teilnehmer,
der immer noch einen DDR-Pass besitzt - begrü ßen zu
können.
Ein Aktionsplan
Ich habe uns diese Bilder nicht nur vor Augen geführt,
um uns an den schnellen Lauf der Geschichte zu
erinnern, sondern um uns die Möglichkeiten zu vergegenwärtigen, die vor uns liegen. Dies ist eine Zeit, um
besonnene Überlegungen für die Zukunft anzustellen,

Seite 2

Die vom Außenminister geforderte neue, politischere
NATO hat sich in den vergangenen neun Monaten
rasch zu der ganz anderen Institution von heute entwickelt. Sie bleibt grundlegendes Sicherheitsforum für
Nordamerika und Europa, aber auch wenn sie ihren
Mitgliedstaaten in einer immer noch unsicheren Welt
weiterhin kollektive Sicherheit bietet, wird sie doch
zunehmend zum wichtigsten Ort sicherheitspolitischer
Diskussionen zwischen Ost und West.
Auch die EG und die KSZE entwickeln sich weiter,
obwohl ich glaube, mit Fug und Recht sagen zu
können, in weniger dramatischem Tempo als die NATO.
Die Aufgaben, mit denen sich die EG im Hinblick auf
ihre Struktur konfrontiert sieht, sind extrem vielschichtig, und ihre Lösung wird noch einige Zeit beanspruchen.
Diese internen Probleme müssen gelöst werden, bevor
eine weitergehende Definition für das Verhältnis der
EG zum übrigen Europa gefunden werden kann. Dies
kam zumindest teilweise darin zum Ausdruck, daß die
Aufnahme neuer Mitglieder zunächst vertagt wurde.
Wie ich bereits feststellte, unterstützen die Vereinigten

Staaten seit langem und weiterhin einen stärkeren
wirtschaftlichen und politischen Zusammenschluß
Europas. Darüber hinaus unterstützen sie auch eine
sicherheitspolitische Rolle der EG. Insbesondere fördern wir eine sicherheitspolitische Perspektive, die
nach au ßen gerichtet ist und nicht nur Europa, sondern
auch dessen NATO-Partner umfaßt.
Die NATO hat in Europa die Praxis entwickelt und
gepflegt, eine kontinentale Perspektive in die Sicherheitspolitik einzubringen. Im weiteren Verlauf hat sie
darüber hinaus einen nicht unbedeutenden Beitrag zur
Verwirklichung eines vereinten Europas geleistet, wie
es die EG darstellt. In diesem Sinn war die NATO stets

AMERIKA DIENST 38

�eine Ergänzung und kein Konkurrent der EG - und
meines Erachtens wird dieser ergänzende Charakter
auch in Zukunft bestehen bleiben.
Ich möchte die präzise Rolle der EG zu diesem Zeitpunkt nicht definieren - ich möchte hier überhaupt
nichts präjudizieren, sondern nur anregen und prüfen-, aber im Hinblick auf die EG gibt es den weiteren
Grund, daß solche Angelegenheiten besser den Europäern selbst überlassen werden sollten. Ich würde
jedoch eine Evolution der EG im sicherheitspolitischen
Bereich begrüßen, da Europa seine militärische Identität innerhalb des Bündnisses weiterentwickelt.
Auf der anderen Seite verdient die KSZE ein paar
Worte mehr. Die Artikel 21 und 22 der Londoner
Erklärung haben eine ehrgeizige Rolle für die KSZE
definiert, einschließlich jährlicher Treffen der Staatsund Regierungschefs, eines ständigen Sekretariats,
eines Mechanismus' zur Beobachtung von Wahlen,
der Einrichtung eines Zentrums zur Konfliktverhinderung und eines parlamentarischen Gremiums.
Die Vereinigten Staaten stehen voll und ganz hinter
diesem Ansatz zur Stärkung einer Institution. Diese
kann weiterhin die sicherheitspolitische Rolle der NATO
ergänzen, indem sie Mittel und Wege zur Förderung
von Dialog und Zusammenarbeit zwischen den Unterzeichnern der KSZE-Schlußakte bereitstellen kann.
Darüber hinaus kann sie die Prinzipien der Schlußakte
in die Praxis umsetzen, da wir die vergangene politische Teilung Europas überwinden.
Ausblick in die Zukunft
Wir haben Sie natürlich hierher eingeladen, um nach
vorne zu blicken, nicht zurück. Was den Blick in die
Zukunft angeht, so bin ich optimistisch für Europa und
die Welt.
Selbst angesichts der Herausforderung für den Westen am Golf, wer kann sich an einen solch hoffnungsvollen Augenblick erinnern? An eine Zeit, in der die
Institutionen, die für Stabilität in der Welt sorgen,
zielbewußter und effizienter zusammengearbeitet hätten:
UNO, NATO, EG und WEU. Dies ist auch eine Zeit, in
der Europa bald ungeteilt und frei sein wird.
Unser Erfolg bei der Schaffung einer dauerhaften,
stabilen weltweiten Sicherheitsstruktur wird nur von
unserer Vorstellungskraft begrenzt. Um uns dabei zu
helfen, die Angewohnheiten der Vergangenheit und
bürokratische Trägheit abzustreifen, laden wir Sie
dazu ein, diese Phantasie hier bei dieser Konferenz mit
einem Plan für die Zukunft anzuregen.
Dieser Plan sollte meines Erachtens folgende Elemente umfassen:
Eine stärkere europäische Rolle in der Sicherheitspolitik;

AMERIKA DIENST 38

aktive, auf Konsultation gegründete Beziehungen mit den Staaten Osteuropas;
regelmäßige Konsultationen mit den anderen
demokratischen Industriestaaten, einschließlich
Japans;
die Entwicklung eines Konsenses über die
Behandlung von Bedrohungen außerhalb des
Bündnisgebiets;
verbesserte Zusammenarbeit bei militärischer
Forschung, Entwicklung und Beschaffung;
Verbesserung des Krisenmanagements der
NATO.
Obwohl es mir zeitlich nicht gestattet ist, auf diese
Elemente im einzelnen einzugehen, bin ich zuversichtlich, daß Sie sie während Ihrer Gespräche nicht außer
acht lassen werden. Ich möchte gleichwohl zwei
dieser Bereiche kurz erörtern.
Erstens, Konsultationen mit den Ländern Osteuropas.
Seit dem Londoner Gipfel hat das Bündnis zur Förderung der Verpflichtung, normale diplomatische Verbindungen zu diesen Staaten herzustellen, mehrmals
osteuropäische Vertreter ins NATO-Hauptquartier
eingeladen. Darüber hinaus hat die amerikanische
Vertretung zu verschiedenen Anlässen Informationsgespräche angeboten, und dasselbe trifft auch auf
andere Missionen zu. Wir erwarten, daß die NATO in
Zukunft ihre Kontakte ausweiten wird, obwohl wir zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sicher sind, wie weit
und wie schnell dies gehen wird. Das wird teilweise
von unseren Gesprächspartnern abhängen.
Ich hoffe jedoch, daß wir zumindest weit über den
Gedanken hinausgehen, diese neuen Freunde lediglich über die wichtigsten Entwicklungen auf dem laufenden zu halten. Diese Verbindungen dienen sicherlich einem weitergehenden Zweck - in Kontakt zu
bleiben, bevor wichtige Schritte unternommen werden
und aus Konsultationen mit unseren Gesprächspartnern Nutzen zu ziehen, bevor Entscheidungen gefällt
werden.
Das erscheint mit jedenfalls als Zweck solcher Verbindungen - die Entwicklung eines echten Dialogs über
europäische Sicherheitsfragen, die uns ebenso sehr
angehen wie die Staaten, mit denen wir nun kooperieren möchten, anstatt gegeneinander zu arbeiten. In
diesem Geist möchte ich erklären, wie sehr wir die
Beiträge der hier anwesenden osteuropäischen und
sowjetischen Teilnehmer begrüßen. Ihre Beteiligung
wird uns helfen, eine gemeinsame Zukunft zu schaffen.
Ich möchte darüber hinaus kurz auf die Konsultationen
mit anderen Nicht-NATO-Staaten eingehen. Wie Sie
wissen, haben die US-Mission und die NATO dieses

Seite 3

�Frühjahr eine große japanische Delegation zu einer
Konferenz über weltweite Sicherheitsfragen eingeladen. Es war die erste Veranstaltung ihrer Art. Es mag
ein Klischee sein, von einer kleiner werdenden Welt zu
sprechen, aber die Ereignisse am Golf erinnern uns
heute daran, daß wir global betrachtet verletzlich sind
und daß wir weltweite Pflichten haben.
Im Zuge der Umstrukturierung der NATO erscheint es
mir notwendig, daß ihre Vision über die traditionelle
Rolle hinaus erweitert werden muß. Wir müssen über
den Atlantik hinausgehen, um die gewonnene und
bewahrte Freiheit aufrechtzuerhalten. Wir sollten Japan
und andere demokratische Industriestaaten in unsere
Diskussionen über die Weltsicherheit einbinden. Deshalb
begrüße ich die japanische Vertretung bei dieser
Konferenz.
Schluß
Abschließend möchte ich sagen, daß wir eine Sicherheitsstruktur in Europa anstreben, die Probleme bei
ihrer Entstehung lösen kann, bevor sie sich zu Krisen
entwickeln. Wir streben Freiheit in Stabilität an. Und
was wir für diese Stabilität benötigen, ist eine veränderte NATO, wie sie sich nun entwickeln muß, eine

*

Seite 4

*

gestärkte und umfassend integrierte EG sowie einen
KSZE-Prozeß, der selbst die seit Helsinki erzielten
beträchtlichen Errungenschaften übertrifft.
Ich habe vorgeschlagen, wir sollten uns nicht zu ausführlich mit der Definition von Grenzen und Funktionen
zwischen diesen Institutionen beschäftigen, die in diesen
neuen Zeiten noch vielfach unerprobt sind. Wir können die Freiheit nicht dadurch gewährleisten, daß wir
unseren Horizont beschränken. Ebenso wenig können wir die Stabilität garantieren, indem wir starre
Formen anordnen. Stattdessen streben wir eine reiche, locker miteinander verbundene und dynamische
Beziehung zwischen diesen Institutionen an - ein System,
das Erschütterungen abfedern kann.
Wir sollten mit dem gelegentlichen Ausfall einer Komponente, die sich einer bestimmten Aufgabe widmet,
rechnen und gleichzeitig die Integrität des Ganzen
gewährleisten. Mit Logik können wir nur einen Anfang
machen, das Ziel werden wir durch Erfahrung erreichen.
Alle Ihre Beiträge - planerische Modifikationen, strukturelle Verbesserungen, erweiterte Funktionen - sind
willkommen und werden sorgfältig geprüft werden.

*

*

AMERIKA DIENST 38

�I W F/ W E LT BANK
26. September 1990

VEREINIGTE STAATEN PRÜFEN LINDERUNG DER
SCHULDENLAST FÜR ÄRMERE LÄNDER
Rede von Finanzminister Brady beim Gemeinsamen
Entwicklungsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem US-Finanzminister Nicholas Brady zufolge werden die Vereinigten Staaten
zusätzliche Optionen prüfen, um die Schuldenlast der Entwicklungsländer zu lindern, "einschließlich der
jüngsten Vorschläge über Hilfe für die ärmsten Länder".
In einer Rede - die der Unterabteilungsleiter im Finanzministerium, John Niehuss, am 24. September 1990 in
Bradys Namen beim Gemeinsamen Entwicklungsausschuß des Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank hielt - forderte Brady unter anderem Brasilien auf, "seine Zahlungsrückstände bei den Geschäftsbanken zu bewältigen und ein IWF-Programm zu verabschieden", um "eine solide Grundlage für Verhandlungen mit
den Gläubigerbanken zu schaffen".
Der Finanzminister forderte die Weltbank auf, eine aktivere Rolle bei der Entwicklung des Privatsektors zu
übernehmen. Er appellierte ferner an Sie, neue Programme zum besseren Schutz der tropischen Regenwälder
zu entwickeln.

Nachfolgend veröffentlichen wir Bradys Rede im Wortlaut.

Einführung
Beim Frühjahrstreffen des Entwicklungsausschusses
habe ich vorgeschlagen, daß der Ausschuß bei dieser
Tagung das Problem der Förderung des Privatsektors
anspricht, weil dieser Frage im Prozeß der Gesamtentwicklung entscheidende Bedeutung zukommt. Ich
danke dem Vorsitzenden und den Mitgliedern für ihre
Bereitschaft zur Erörterung dieses Themas. Ich möchte
diese Gelegenheit ergreifen, um die Auffassung der
Vereinigten Staaten darzulegen, welche Rolle die
Weltbankgruppe und der IWF zu Beginn der neunziger
Jahre bei der Förderung des Privatsektors spielen
können. In diesem Zusammenhang möchte ich auch
den Stand der verbesserten Schuldenstrategie und
Umweltprobleme ansprechen.
Privatsektor
Ich denke, wir sind uns einig, daß der Privatsektor eine
entscheidende Rolle im Prozeß der Entwicklung spielen muß. Wir stimmen wohl auch überein, daß wir die
Rolle der Weltbankgruppe stärken müssen, wenn es

AMERIKA DIENST 38

darum geht, den Privatsektor in Entwicklungsländern
zu fördern. Tatsächlich fordert das im Frühjar 1990
veröffentliche Kommunique "die Weltbankgruppe und
den Fonds auf, ihre Bestrebungen zur Förderung der
Entwicklung des Privatsektors weiter auszubauen".
Das Kommunique verweist ferner darauf, daß "Mitglieder die Bank beauftragten, bei ihrer Vorgehensweise der Entwicklung des Privatsektors hohe Priorität
einzuräumen, den Umfang ihrer Maßnahmen in diesem Bereich zu erweitern, und sich dabei gegebenenfalls neuer Ansätze und Instrumente zu bedienen..."
Wir wünschen uns, daß Weltbank und IWF diesem
Mandat ernsthaft und schnell entsprechen. Wir unterstützen nach wie vor die Arbeit beider Institutionen,
wünschen uns aber eine stärkere Förderung der Entwicklung des Privatsektors.
Die Aufgabe des IWF besteht darin, einen Grundstein
zu legen, indem er einzelnen Ländern hilft, ein solides
makroökonomisches Umfeld zu schaffen, in dem die
marktorientierte Entwicklung des Privatsektors gefördert und nicht durch unangemessene staatliche Politik
vereitelt wird.
Seite 1

�Im Einklang mit dem in diesem Kommunique festgelegten Mandat für die Weltbank würde ich es begrüßen, wenn die Entwicklung des Privatsektors in den
neunziger Jahren Vorrang bei der Arbeit der Weltbank
hätte. Dieser Schwerpunkt würde die Impulse aus
Osteuropa, Lateinamerika und anderen Ländern aufgreifen, als effektivstes Mittel zur Gewährleistung wirtschaftlichen Wohlstands Volkswirtschaften zu öffnen
und privates Unternehmertum zu fördern. Das Papier
des Entwicklungsausschusses zum Privatsektor stellt
die Frage, ob die Weltbankgruppe in den Bereichen
eine aktive Role bei der Förderung des Privatsektors
spielen sollte, in denen der Staat dominiert. Diese
Frage kann mit einem klaren Ja beantwortet werden.
Dennoch müssen wir mehr tun als nur die Bedeutung
des Privatsektors anzuerkennen. Wir müssen Maßnahmen ergreifen, die sicherstellen, daß die Weltbankgruppe bei der Förderung des Privatsektors einen
umfassenden und schlüssigen Ansatz verfolgt. Darüber hinaus muß es eine eindeutige Leitung geben, die
den innerhalb der Weltbankgruppe vorhandenen umfangreichen und ergiebigen Schatz der Ressourcen
und Instrumente koordiniert und sichtbar macht. Die
Bank könnte unter anderem folgende Maßnahmen
ergreifen, um dem Privatsektor größere Priorität einzuräumen und innerhalb ihrer Organisation die Vorgehensweise zu verbessern:
Sie könnte den Aktionsplan zur Entwicklung des
Privatsektors bestätigen und energischere
Schritte zu seiner Durchführung ergreifen, so
daß die Belange des Privatsektors in allen Bereichen der Weltbank berücksichtigt werden.
Sie könnte die Auswirkungen der bestehenden
Aktivitäten der Bank auf dem Privatsektor durch
bessere Koordination von Programmen der Internationalen Finanz-Korporation (IFC), der
Multilateralen
Investitionsgarantie-Agentur
(MIGA), des Beratungsdienstes für Auslandsinvestitionen (FIAS) und eigener Kreditvergabeaktivitäten der Bank maximieren.
Stärkere Betonung des Privatsektors bei den
Forschungsarbeiten sowie der makroökonomischen und sektoralen Tätigkeit der Bank.
Stärkung und Beschleunigung von Programmen, einschließlich einer stärkeren Betonung
von Krediten für den Investitionssektor, mit denen
Hemmnisse abgebaut und ein Klima geschaffen
wird, das privaten Investitionen im In- und Ausland
förderlich ist. Damit würde Präsident Bushs
Initiative "Enterprise for the Americas" sowie
die von der Interamerikanischen Entwicklungsbank im Bereich Investitionsreformen geleistete
Arbeit ergänzt.
Verbesserung von Effizienz und internationaler
Wettbewerbsfähigkeit der Finanzsektoren und

Seite 2

Kapitalmärkte der Entwicklungsländer, um im
Inland angelegte Ersparnisse wirksamer zu
mobilisieren und für internationale Anlagen attraktiv zu werden, die zur Finanzierung von
Investitionen und Wachstum des Privatsektors
erforderlich sind.
Überprüfung des Humankapitals der Bank, um
einen qualifizierten Mitarbeiterstab mit solider
Erfahrung im Privatsektor und wirtschaftlichen
Fachkenntnissen aufzubauen.
Verstärkte Konzentration auf Maßnahmen des
Privatsektors in den länderspezifischen Kreditvergabestrategien der Bank. Es muß sichergestellt werden, daß bei Gesprächen des zuständigen Ausschusses die Entwicklung des Privatsektors angemessen berücksichtigt wird, und
zwar systematisch über die ganze Bandbreite
der Programme der Weltbankgruppe.
Schritte, mit denen sichergestellt wird, daß die
Kreditvergabe der Bank die Entwicklung privater Märkte nicht durch subventionierte Kredite
oder eine Verfestigung nicht konkurrenzfähiger
öffentlicher Unternehmen untergräbt.
Förderung der Privatisierung öffentlicher Unternehmen und Einstellung der Unterstützung für
Industrien im Staatsbesitz in Bereichen, in denen
der Privatsektor solche Dienste erfüllen kann.
Die IFC sollte in diesem Bereich eine aktivere
Rolle spielen. (Die Kreditvergabe der Bank ist
häufig dazu benutzt worden, die Effizienz staatlicher Unternehmen zu verbessern, ohne den
letzten Schritt einer Überleitung dieser Unternehmen in private Hände zu tun.)
Überprüfung der Kreditvergabe der Bank an
Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen (DFIs),
wobei eine stärkere Beteiligung der IFC berücksichtigt werden muß.
Berücksichtigung der Interessen des Privatsektors bei Weltbankmissionen durch verstärkte
Kontakte der Weltbankmitarbeiter.
Fortsetzung der bereits angelaufenen Gespräche über den Schwerpunkt der IFC-Maßnahmen und ihren Kapitalbedarf in den neunziger
Jahren.
Dies sind nur einige Vorschläge. Ich fordere die Bank
und den Fonds auf, jetzt in diesem Bereich zu handeln.
Schulden
Darüber hinaus sind starke Privatsektoren, attraktive
Investitionsregelungen und die Rückkehr privaten
Fluchtkapitals unerläßlich, damit die Entwicklungsländer ihre Schuldenlast bewältigen können. Wir sind
erfreut über die Fortschritte, die im Rahmen der inter-

AMERIKA DIENST 38

�nationalen Schuldenstrategie erzielt wurden und plädieren dafür, sie weiterzuverfolgen.
Im vergangenen Jahr haben sechs Länder ihre Reformbemühungen intensiviert und im Rahmen der
verbesserten Schuldenstrategie Abkommen mit den
Handelsbanken geschlossen. Mehrere andere Länder
- darunter Bolivien, Ecuador, Polen und Uruguay haben Gespräche mit den Handelsbanken aufgenommen. Wir ermutigen sie zum baldigen Abschluß von
Vereinbarungen. Die Maßnahmen Brasiliens zur
Bewältigung seiner Zahlungsrückstände bei den Handelsbanken und zur Verabschiedung eines IWF-Programms werden ebenfalls eine solide Grundlage für
Verhandlungen mit den Gläubigerbanken schaffen.
Die Kombination von Reduzierung der Schulden bei
den Handelsbanken und wichtigen Wirtschafts- und
Investitionsreformen haben in mehreren Ländern zu
beachtlichen Ergebnissen geführt. Mexiko, Chile und
Venezuela ernten bereits die Früchte in Form neuer
Investitionszuflüsse.
Darüber hinaus tragen wir den Bedürfnissen von Staaten Rechnung, die hauptsächlich bei staatlichen Gläubigern verschuldet sind. Die amerikanische Initiative
"Enterprise for the Americas" wird einen drastischen
Abbau von Schulden derjenigen lateinamerikanischen
und karibischen Länder gegenüber den Vereinigten
Staaten zur Folge haben, die einschneidende Wirtschafts- und Investitionsreformen einleiten. Die Initiative wird ferner die Erweiterung des Handels ermutigen
und den Schutz der Umwelt unterstützen. Ebenso begrü ßen wir die jüngste Vereinbarung des Pariser Clubs
über die Verlängerung von Fälligkeiten und Umschuldungsaktionen für hochverschuldete Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen. Wir engagieren uns
darüber hinaus für die Untersuchung weiterer Optionen zur Bewältigung der Schuldenlast, einschließlich
jüngster Vorschläge zur Hilfe an die ärmsten Staaten.
Zahlungsrückstände bei den multilateralen Entwicklungsbanken
Wir danken der Weltbank sowie der Afrikanischen,
Asiatischen und Interamerikanischen Entwicklungsbank für das Papier über Maßnahmen und Verfahren
zur Behandlung von Zahlungsrückständen bei den
multilateralen Entwicklungsbanken. Die Vereinigten
Staaten haben einige Vorschläge zur Verbesserung
von Maßnahmen der Weltbank im Hinblick auf die
Zahlungsrückstände unterbreitet und hoffen, daß diese Angelegenheit weiterverfolgt wird.
Umwelt
Zum Thema Umwelt beglückwünschen wir den Bankvorstand zum ersten Jahresbericht über die Umwelt.
Dieser Bericht ist umfassend. Er belegt eindeutig, daß
die Bank in einer zunehmenden Zahl von Bereichen
Fortschritte erzielt hat und bei der Bewältigung von
Umweltproblemen immer aktiver und effektiver wird.
AMERIKA DIENST 38

Über die Durchführung von Analyseverfahren zur
Schadwirkung von Stoffen sowie die Aufstockung an
Personal und intensivierte Ausbildung zur Bearbeitung
von Umweltfragen sind wir besonders erfreut.
Wir würden es begrüßen, wenn die Bank bei der
Erarbeitung neuer Programme zum besseren Schutz
der tropischen Regenwälder eine wesentlich aktivere
und innovativere Rolle spielen würde:
bei der Reform und Verbesserung der Aktionsplans zu tropischen Regenwäldern,
bei der Überarbeitung ihrer eigenen Maßnahmen, so daß Erhaltung und Gründung von Institutionen größere Aufmerksamkeit gewidmet wird,
bei der Entwicklung von Normen zur Bewertung
von Projekten, die negative Auswirkungen auf
tropische Regenwälder haben könnten,
bei der unverzüglichen Erarbeitung eines umfassenden Pilotporgramms in Brasilien, und
bei häufigerem Schuldennachlaß als Ausgleich
für die Erhaltung tropischer Regenwälder.
Ferner vertreten wir die Auffassung, daß die Bank
Energiesparprogrammen im kommenden Jahr höhere
Priorität einräumen sollte. Neues Personal mit besonderer Erfahrung und Fachwissen in diesem Bereich
sollte eingestellt werden. Das Verwaltungsprogramm
für den Energiesektor sollte im Hinblick auf eine Betonung der Minimalkostenplanung in den Schuldnerländern und umfassendere Anwendung erneuerbarer
Ressourcen neu belebt und verbessert werden. Diese
Aktivitäten sollten sich entschieden wirksamer in den
Darlehensprogrammen der Bank niederschlagen.
Es herrscht weitgehende Übereinstimmung über die
Notwendigkeit, beim Schutz von Wäldern und der
Förderung von Energiesparmaßnahmen raschere
Fortschritte zu erzielen. Beim Wirtschaftsgipfel in
Houston maßen die Staats- und Regierungschefs diesen
Bereichen hohe Priorität bei. Wir fordern die Bank auf,
einen Bericht über ihre Fortschritte in diesen zwei
Bereichen zu erarbeiten und ihn bei unserer
Frühjahrstagung zur Disposition zu stellen.
Schlußbemerkung
Abschließend möchte ich meinen Appell an die Weltbankgruppe und den IWF wiederholen, ihre Bemühungen auf dem Privatsektor zu intensivieren und den
Privatsektor zum Schlüsselthema der neunziger Jahre
zu machen. Die Bank hat mit ihrem Aktionsplan zur
Entwicklung des Privatsektors einen Anfang gemacht,
aber es muß noch mehr getan werden, um sicherzustellen, daß das Ziel der Entwicklung des Privatsektors
systematisch und automatisch in alle Bankaktivitäten
integriert wird. Hiermit habe ich einige Bereiche angesprochen, denen die Bank vermehrte Aufmerksamkeit
widmen könnte. Ich hoffe, dieser Ausschuß, die Bank
Seite 3

�und der Fonds werden andere spezifische und innovative Wege aufzeigen, um die Entwicklungsbestrebungen der Weltbankgruppe für den Privatsektor zu verbessern.

Zum Thema Umwelt beglückwünsche ich die Bank zu
der von ihr bisher geleisteten Arbeit und fordere sie auf,
mehr zu tun, insbesondere in den Bereichen Schutz
der tropischen Regenwälder und Energieeinsparung.

Im Hinblick auf die Schuldenprobleme müssen wir
weiterhin zusammenarbeiten, um die Schuldenlast der
Entwicklungsländer weiter zu reduzieren.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 38

�OSTEU ROPA
26. September 1990

INITIATIVEN DES PRÄSIDENTEN FÜR
MITTEL- UND OSTEUROPA
Der neueste Stand
Die US-Regierung hat zur Förderung von Demokratie und freier Marktwirtschaft in Mittel- und Osteuropa
beispiellose Initiativen für den öffentlichen und den Privatsektor ins Leben gerufen. Die nachfolgend veröffentlichte neueste Ausgabe der Reihe "Focus on Central and Eastern Europe", die über den neuesten Stand dieser
Initiativen berichtet, wurde am 7. September 1990 vom US-Außenministerium herausgegeben.

Bulgarien
Rechtsstaatlichkeit

Ein Seminar für Führungskräfte

Am 1. August 1990 trafen sich fünfzig Juristen, Mitglieder der internationalen Vereinigung für Menschenrechtsgesetzgebung, zu Gesprächen über amerikanische Hilfe bei der Erarbeitung rechtsstaatlicher Grundlagen für Mittel- und Osteuropa. Den Vorsitz dieser
Gespräche führten der Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten, Richard
Schifter, und der Stellvertretende Leiter des US-Informationsamtes (USIA), Walter Raymond. Beide Vorsitzende betonten die Notwendigkeit zur Förderung
besonderer Bedürfnisse der Länder Mittel- und Osteuropas. Darüber hinaus wiesen sie darauf hin, daß
Verfassungsgesetze, Strafrecht und Verwaltungsrecht
vorrangig bearbeitet werden sollten.

Die USIA-Außenstelle in Sofia und das bulgarische
Ministerium für au ßenwirtschaftliche Zusammenarbeit
veranstalteten vom 28. Mai bis 8. Juni 1990 ein Seminar für Führungskräfte, an dem vier Wirtschaftsexperten aus den Vereinigten Staaten und 35 Vertreter aus
der bulgarischen Industrie teilnahmen.

Journalisten untersuchen die amerikanische freie
Presse
Fünfzehn Journalisten aus Mittel- und Osteuropa haben
an einem von USIA und den amerikanischen Zeitschriftenverlegern geförderten Austauschprogramm
teilgenommen. Sie haben ein zehnwöchiges Praktikum in den Zeitschriftenredaktionen der führenden
Verlagshäuser in New York absolviert, wo sie die
Arbeit der amerikanischen freien Presse aus erster
Hand kennenlernen konnten. Zum Abschluß ihres
Programms trafen die Journalisten in Washington den
Direktor von USIA, Bruce Gelb, und hochrangige
Vertreter von National Endowment for Democracy,
U.S. News and World Report und National Geographie.

AMERIKA DIENST 38

Ungarn
Ungarische Parlamentarier besuchen die Vereinigten
Staaten
Sechs ungarische Parlamentarier besuchten im August mit einem USIA-Stipendium die Vereinigten Staaten, um dort etwas über Kommunalverwaltungen zu
lernen. USIA-Vertreter informierten die Gruppe über
die Bedeutung, die der Stärkung der Kommunalverwaltung in Mittel- und Osteuropa von der US-Regierung beigemessen wird. Die USIA-Vertreter verwiesen auf den Wunsch der US-Regierung, in Ungarn das
Gegenstück zu dem bereits in Polen mit dem Minister
für die Reform der Kommunalverwaltungen Jerzy
Regulski ins Leben gerufenen Programm zu schaffen.
Polen
Ausbildung von Angestellten im Dienstleistungsbereich
Die polnische Regierung prognostiziert, daß 10 Prozent der Arbeitnehmer bis Ende des Jahres 1990
arbeitslos sein werden. Um den Polen bei der Bewäl-

Seite 1

�tigung ihrer zahlreichen Probleme im Zusammenhang
mit der Arbeitslosigkeit zu helfen, veranstaltet das USArbeitsministerium ein Ausbildungsprogramm auf freiwilliger Basis für künftige Berater. Es wird in erster
Linie solche Berater ausbilden, die Arbeitslosen als
Anlauf-und Informationsstelle dienen. Zu den Teilnehmern werden Mitglieder der Gewerkschaft Solidarität,
Beamte der Arbeitsämter und ehrenamtliche Helfer
der Kirchen zählen. Ihre Ausbildung wird Probleme
betreffen wie finanzielle Schwierigkeiten, Lebensmittelknappheit, psychischen Stress, Partnerschaftsprobleme, Alkohol- und Drogenmißbrauch, Bedarf des
öffentlichen Nahverkehrs und Arbeitsplatzbeschaffung.
Bei dem Projekt handelt es sich um ein Joint Venture
des Arbeitsministeriums, der AFL-ClOund Union Way
International, und es funktioniert ähnlich wie das Beraterprogramm des Gewerkschaftsdachverbandes AFLCIO, in dessen Rahmen vierzig Jahre lang Freiwillige
in den Vereinigten Staaten ausgebildet wurden. Soeben ist eine Planungsgruppe aus Polen zurückgekehrt,
und die Ausbildung soll bald beginnen.
Technologietransfer bei moderner Bautechnik für
Polen
Als Teil gemeinsamer Bestrebungen des US-Arbeitsministeriums, der dem Dachverband AFL-CIO angeschlossenen Gewerkschaft des US-Baugewerbes und
der Gewerkschaft Solidarität wurde in Praga (einem
Vorort von Warschau) ein neues Ausbildungszentrum
für Bauberufe errichtet. Im Zentrum wird auf der Basis
des Technologietransfers für Bauberufe ausgebildet.
Die erste Phase des Programms findet vom 4. September bis zum 7. November statt. Zehn polnische
Handwerker werden zu einer dreimonatigen Ausbildung die Vereinigten Staaten besuchen, dann in
Begleitung von fünf amerikanischen Handwerkern der
Gewerkschaft nach Polen zurückkehren, die den Polen bei der Ausbildung weiterer Handwerker helfen
werden. Der Coca-Cola-Fonds für Ausbildung im
gewerblichen Bereich stellt den polnischen Arbeitern
für ihren Aufenthalt in den Vereinigten Staaten Stipendien im Umfang von 150 000 Dollar zur Verfügung.
Neueste Entwicklungen in der ungarischen Wirtschaft
Das BSP sank im Jahr 1989 um 1,8 Prozent. Die
Industrieproduktion in den Staatsbetrieben lag in der
ersten Hafte des Jahres 1990 um 8 bis 10 Prozent
niedriger als vor einem Jahr. Für 1990 prognostiziert
die ungarische Regierung einen Rückgang des BSP
um 2 Prozent.
Die Verbraucherpreise stiegen 1989 um 18 Prozent.
Der Verbraucherpreisindex stieg 1989 um 18 Prozent.
Er war in der ersten Hafte des Jahres 1990 um 28

*

Seite 2

Prozent höher als vor einem Jahr.
Die offizielle Arbeitslosenquote betrug 1989 weniger
als 0,5 Prozent. Die Arbeitslosigkeit steigt und wird
erwartungsgemäß Ende 1990 2 Prozent betragen.
Handel in harter Währung und Schuldenlast
Ungarn verzeichnete 1989 einen Handelsüberschuß
in harter Währung von 660 Millionen Dollar und ein
Leistungsbilanzdefizit von 1,4 Milliarden Dollar. In der
ersten Hafte des Jahres 1990 hatte Ungarn einen
Handelsüberschuß von 550 Millionen Dollar und einen
Leistungsbilanzüberschuß von 200 Millionen Dollar.
Ein Rückgang sowjetischer Ölexporte und höhere
Ölpreise auf dem Weltmarkt werden sich in der zweiten
Hälfte des Jahres 1990 negativ auf die Zahlungsbilanz
auswirken.
Ungarns Bruttoverschuldung beträgt etwa 20 Milliarden Dollar, davon 2 Milliarden Dollar bei internationalen Finanzinstitutionen, 2 Milliarden Dollar an bilateralen staatlichen Schulden, 15 Milliarden bei den Handelsbanken und 500 Millionen an sonstigen privaten
Schulden. Schuldendienst wird im Umfang von 40
Prozent geleistet. Die Devisenreserven betragen etwa
1 Milliarde Dollar.
Handel mit der UdSSR
Ungarn importiert den größten Teil seines Öls, mehr
als die Hälfte von Gas, Elektrizität und Rohstoffen
sowie bestimmte Maschinen und Geräte aus der UdSSR.
Ungarn exportiert Maschinen, Geräte, Busse, Verbrauchsgüter und landwirtschaftliche Produkte.
Durch die Umstellung der Wirtschaft auf harte Währung wird sich das Austauschverhältnis im Außenhandel für Ungarn 1991 um etwa 1 Milliarde bis 2 Milliarden
Dollar verschlechtem, wobei 720 Millionen Dollar durch
Ungarns Vorrat an sowjetischen Rubeln ausgeglichen
werden kann.
Der Stand der Reformen in der Wirtschaft
Die Regierung drängt auf schnelle Durchführung von
Reformen. Schwache internationale Finanzen und
eine Aversion gegen Umsetzungen wirken Sofortmaßnahmen entgegen.
Die Privatisierung wird zu Anfang im Einzelhandel und
der verbraucherorientierten Dienstleistungen und in
etwa 40 Großbetrieben aus verschiedenen Branchen
stattfinden. Die Privatisierung von Agrarflächen wird
auf der Basis der Eigentumsverhältnisse von 1947
stattfinden. Private Unternehmensgründungen werden unterstützt. Die volle Konvertibilität des Forint soll
in drei Jahren hergestellt sein.

*

AMERIKA DIENST 38

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10958">
                <text>26.09.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10959">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10960">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10961">
                <text>Amerikadienst 26.09.1990</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="10962">
                <text>&lt;strong&gt;1. Golfkrise&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Reaktionen auf die irakische Invasion Kuwaits&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über wirtschaftliche und politische Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Taft erörtert europäische Sicherheitsstruktur&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Taft bei der NATO&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. IWF/Weltbank&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vereinigte Staaten prüfen Linderung der Schuldenlast für ärmere Länder&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Finanzminister Brady beim gemeinsamen Entwicklungsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Osteuropa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Initiativen des Präsidenten für Mittel- und Osteuropa&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der neueste Stand&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2441" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2452">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/d27fcab05cdc2b3ead3f8ba29df118f5.pdf</src>
        <authentication>9c1b8da58f37aa943aac2f1830efdbb9</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="12664">
                    <text>cimcrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

26. September 1996

SONDERDIENST

VEREINTE NATIONEN

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

CLINTON FORDERT WELTWEITE
KAMPAGNE GEGEN TERRORISMUS
Rede des Präsidenten vor der
UN-Generalversammlung

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�VEREINTE

NATIONEN
26. September 1996

Clinton fordert weltweite Kampagne gegen Terrorismus
Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung

NEW YORK - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede, die
US-Präsident Bill Clinton am 24. September 1996 vor der 51. UN-Generalversammlung hielt, nachdem er als
erster das Abkommen über ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT)
unterzeichnet hatte.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Staatsund Regierungschefs, Außenminister, Botschafter,
Exzellenzen, verehrte Gäste.
Vor drei Jahren hatte ich die Ehre, als erster nach der
Gründung der Vereinten Nationen geborener amerikanischer Präsident zu Ihnen sprechen zu dürfen. In
ihrem 51. Jahr haben die Vereinten Nationen noch
nicht alle Bestrebungen ihrer Gründerväter in die Tat
umgesetzt, aber die Ideale der Charta der Vereinten
Nationen - Frieden, Freiheit, Toleranz, Wohlstand erreichen jetzt mehr Menschen in mehr Nationen als je
zuvor.
Wir befinden uns derzeit an einem Wendepunkt in der
Geschichte, an dem Blöcke und Schranken, die lange
Zeit die Welt definierten, einem Zeitalter bemerkenswerter Chancen weichen; einer Zeit, in der mehr
Kinder und mehr Nationen zur Erfüllung ihrer Träume
in der Lage sein werden als je zuvor.
Dies ist jedoch auch ein Zeitalter neuer Bedrohungen:
Bedrohungen durch Terroristen und ihnen Vorschub
leistende verbrecherische Staaten, Bedrohungen
durch ethnisch, religiös, rassisch und stammesbedingten Haß, Bedrohungen durch internationale
Verbrecher und Drogenhändler, die alle noch gefährlicher werden, wenn sie Zugang zu Massenvernichtungswaffen erhalten.
Vor uns liegt eine zweifache Herausforderung: Die
Chance zu ergreifen, mehr Menschen in den Genuß
von Frieden und Freiheit, Sicherheit und Wohlstand zu
bringen sowie entschieden und schnell die durch den
Wandel hervorgerufenen Gefahren zu bekämpfen.

AMERIKA DIENST

Diese Woche unternehmen wir an diesem Ort einen
riesigen Schritt.
Mit überwältigendem globalen
Konsens werden wir das feierliche Versprechen
abgeben, für immer auf sämtliche Atomtests zu
verzichten.
Bevor ich hierher kam, hatte ich die Ehre, als erster
den Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot zu
unterzeichnen. Ich tat das stolz mit diesem Federhalter- demselben, den Präsident Kennedy vor 33 Jahren
zur Unterzeichnung des Vertrags zur Begrenzung von
Atomversuchen (Limited Test Ban Treaty - LTBT)
benutzte.
Der CTB-Vertrag wird dazu beitragen, die Atommächte
von der Entwicklung modernerer und gefährlicherer
Waffen abzuhalten. Er wird die Fähigkeit anderer
Staaten beschränken, in den Besitz solcher Waffen zu
gelangen. Er weist in ein Jahrhundert, in dem die
Funktion und Gefahr von Nuklearwaffen weiter verringert und letztlich beseitigt werden kann.
Ich möchte all jenen danken, die dazu beigetragen
haben, daß wir diesen Tag erleben, insbesondere dem
Vorsitzenden des Verhandlungsausschusses des
CTB-Vertrags, dem niederländischen Botschafter
Ramaker, und der australischen Regierung, die in den
Vereinten Nationen eine führende Rolle übernahm. Ich
danke dem Generalsekretär für seine Äußerungen
heute Morgen, in denen er die Kriterien, Maßstäbe und
Unterstützung der UNO als Hinterlegungsstelle für den
Vertrag festsetzte.
Die Unterzeichnung durch die erklärten Atommächte
der Welt - die Vereinigten Staaten, China, Frankreich,

Seite 1

�Rußland und Großbritannien - sowie die überwältigende Mehrheit der Nationen - wird umgehend eine
internationale Norm gegen Atomtests schaffen, noch
bevor der Vertrag offiziell in Kraft tritt.
Der CTB-Vertrag ist die aus harten Verhandlungen
hervorgegangene gemeinsame Arbeit.
Manche
beschwerten sich, er schreibe keine vollständige
atomare Abrüstung zu einem bestimmten Zeitpunkt
vor. Diesen Menschen würde ich raten, nicht die
Vorteile dieser Errungenschaft aufzugeben, indem sie
die zur Erlangung dieses Ziels gemachten enormen
Fortschritte ignorieren.
Heute sind keine russischen Raketen mehr auf
Amerika gerichtet und keine amerikanischen Raketen
mehr auf Rußland. Im Rahmen der START-Verträge
verringern wir unsere Nuklearwaffenarsenale um zwei
Drittel. Die Ukraine, Belarus und Kasachstan verzichten auf die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion auf ihrem Territorium verbliebenen Nuklearwaffen. Wir arbeiten mit den neuen unabhängigen
Staaten an der Verbesserung der Sicherheit von
Nukleareinrichtungen sowie der Konversion von
Nuklearwaffen zu friedlichen Zwecken.
Die Vereinigten Staaten und die anderen Atommächte
befürworten die nuklearwaffenfreien Zonen im Südpazifik und in Afrika. Die Hälfte des Landes auf der Welt
ist infolge internationaler Übereinkünfte atomwaffenfrei.
Und die Weltgemeinschaft verlängerte den Nichtverbreitungsvertrag unbeschränkt.
Dennoch haben einige der Veränderungen, die diese
Fortschritte ermöglichten, auch neue Gefahren
hervorgerufen. Der Zusammenbruch der Sowjetunion
hinterließ Nuklearmaterial auf dem gesamten Gebiet
der neuen unabhängigen Staaten. Während weltweit
die Grenzen fallen, steigt die Gefahr von Nuklearschmuggel. Wenn wir also die globalen Arsenale von
Massenvernichtungswaffen abbauen, müssen wir auch
die Gefahr verringern, daß tödliches Material in die
falschen Hände gelangt, und müssen gleichzeitig
effektive Verteidigungsmöglichkeiten für unsere
Menschen entwickeln, falls das geschehen sollte.
Die Vereinigten Staaten haben sechs Zielen oberste
Priorität eingeräumt, um die Bedrohung durch atomare
Zerstörung und die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen weiter zu verringern und um die
gefährliche Verbreitung dieser Waffen einzuschränken.
Erstens müssen wir unsere Menschen vor Angriffen
mit Chemiewaffen schützen und verbrecherischen
Staaten und Terroristen die Androhung eines Einsatzes von Giftgas erschweren, indem wir die Chemiewaffenkonvention so bald wie möglich in Kraft setzen.
Ich danke den hier vertretenen Nationen, die die
Chemiewaffenkonvention ratifiziert haben. Ich bedaure zutiefst, daß der US-Senat noch nicht über die

Seite 2

Konvention abgestimmt hat, möchte Ihnen und den
Menschen überall auf der Welt aber versichern, daß
ich diesen Vertrag nicht sterben lassen werde und wir
uns den Nationen anschließen werden, die zur
Verhinderung der Weiterverbreitung von Chemiewaffen entschlossen sind.
Zweitens müssen wir das Risiko verringern, daß ein
geächteter Staat oder eine Organisation eine Nukleareinrichtung bauen können, indem wir einen Vertrag
über das Einfrieren der Produktion spaltbaren Materials für nuklearwaffenfähige Zwecke aushandeln. Die
Abrüstungskonferenz sollte sich umgehend dieser
Herausforderung widmen. Die Vereinigten Staaten,
Rußland, Frankreich und Großbritannien haben bereits
die Produktion spaltbaren Materials für waffenfähige
Zwecke eingestellt. Ich fordere die anderen Nationen
zur Beendigung der ungesicherten Produktion dieser
Materialien bis zur Fertigstellung des Vertrags auf.
Drittens müssen wir den Abbau unserer Nuklearwaffenarsenale fortsetzen. Wenn Rußland den START IIVertrag ratifiziert, sind Präsident Jelzin und ich bereit
zur Erörterung der Möglichkeiten weiterer Kürzungen
sowie zur Beschränkung und Kontrolle nuklearer
Gefechtsköpfe und Nuklearmaterials. Das wird dazu
beitragen, den Abbau irreversibel zu gestalten.
Viertens müssen wir unsere Bestrebungen zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Nuklearwaffen
intensivieren, indem wir den Nichtverbreitungsvertrag
stärken. Wir sollten der Internationalen AtomenergieOrganisation (IAEO) eine wichtigere Rolle und bessere
Mittel für die Durchführung weltweiter Inspektionen
geben. Unsere Strafverfolgungs- und Zollbehörden
sollten im Kampf gegen Nuklearschmuggel enger
zusammenarbeiten. Und ich fordere alle Nationen, die
das noch nicht getan haben, zur unverzüglichen
Unterzeichnung des Nichtverbreitungsvertrags auf.
Fünftens müssen wir die Menschen besser vor
denjenigen schützen, die Krankheit als Waffe im Krieg
einsetzen, indem wir der Konvention über biologische
Waffen Mittel zur Verbesserung ihrer Einhaltung
beifügen, darunter Inspektionen vor Ort, wenn wir der
Ansicht sind, daß solche Waffen eingesetzt worden
sein könnten oder wenn sich ein verdächtiger Krankheitsausbruch ereignet. Wir sollten die Erfüllung
dieser Aufgabe bis 1998 anstreben.
Schließlich müssen wir dem durch Antipersonenminen
hervorgerufenen Gemetzel ein Ende setzen - den
versteckten Killern, die jedes Jahr mehr als 25.000
Menschen töten oder verstümmeln. Im Mai habe ich
eine Reihe von Aktionen bekanntgegeben, die die
Vereinigten Staaten zur Erlangung dieses Ziels
durchführen. Heute wiederhole ich meinen Appell für
die zügige Aushandlung eines weltweiten Verbots des
Einsatzes, der Lagerung, Produktion und des Transfers von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen.

AMERIKA DIENST

�Unsere Kinder haben Anspruch darauf, auf sicherem
Boden gehen zu können.
Vor 33 Jahren hielt Präsident Kennedy auf dem
Höhepunkt des Kalten Krieges eine Rede vor der
American University in Washington. Das Thema
seiner Ausführungen war der Frieden, jedoch kein
abstraktes Ideal des Friedens. Vielmehr rief er uns
dazu auf, sich auf einen "praktischeren, erreichbaren
Frieden" zu konzentrieren, "der nicht auf einer plötzlichen Revolution der menschlichen Natur basiert,
sondern auf der allmählichen Evolution menschlicher
Institutionen, auf einer Reihe konkreter Aktionen sowie
positiver, effektiver Abkommen, die im Interesse aller
Betroffenen liegen".
In derselben Rede gab er auch die baldige Aufnahme
von Gesprächen in Moskau über einen Vertrag über
ein umfassendes Atomtestverbot bekannt. Präsident
Kennedys Vision überstieg die damaligen Möglichkeiten. Aber seine Worte haben immer noch Gültigkeit. Während wir unsere Namen unter den CTBVertrag setzen - den am längsten angestrebten und
am härtesten erkämpften Preis in der Geschichte der
Rüstungskontrolle - wollen wir die Zuversicht früherer
Pioniere aufbieten und die Herausforderungen des
neuen Jahrhunderts ins Auge fassen.
In den letzten drei Jahren haben wir bei der Bewältigung dieser Herausforderungen den richtigen Kurs
eingeschlagen. In Bosnien, wo der Krieg vorüber ist
und die Menschen vor zehn Tagen friedliche Wahlen
veranstalteten, haben wir den richtigen Kurs eingeschlagen. Jetzt müssen wir Bosnien beim Aufbau
einer Zukunft in Einheit, Demokratie und Frieden
helfen. In Haiti, wo die Diktatoren verschwunden sind,
es wieder Demokratie gibt und die Abwanderung von
Flüchtlingen aufgehört hat, haben wir den richtigen
Kurs eingeschlagen. Jetzt müssen wir dem haitianischen Volk helfen, die umfassenden Vorteile der
Freiheit zu genießen und eine Zukunft in mehr Wohlstand aufzubauen.
Im Nahen Osten und in Nordirland werden Fortschritte
zu einem dauerhaften Frieden gemacht, und wir sind
auf dem richtigen Kurs. Jetzt müssen wir weitere
Fortschritte zwischen Israel und den Palästinensern
fördern und den Kreis des Friedens erweitern, um
noch mehr Nachbarn Israels einzubeziehen. Wir
müssen dazu beitragen, daß die Kinder in Belfast die
Chance erhalten, ein normales Leben zu führen.
Die Tatsache, daß Demokratien Märkte öffneten und
der Frieden auf der ganzen Welt Fuß faßt, zeigt, daß
wir auf dem richtigen Kurs sind. Hier auf dem amerikanischen Kontinent hat mit einer Ausnahme jede Nation
die Flagge der Freiheit gehißt. In Zentraleuropa,
Rußland, der Ukraine und den anderen neuen unabhängigen Staaten verdienen die Kräfte der Reform
all unseren Respekt und werden weiterhin die Unter-

AMERIKA DIENST

stützung der Vereinigten Staaten genießen. Jetzt
müssen wir damit beginnen, die neuen Demokratien
Europas in die NATO aufzunehmen, die Partnerschaft
der NATO mit Rußland zu stärken und ein sicheres
und ungeteiltes Europa aufzubauen.
In Asien überredeten Südkorea, Japan, China und
Amerika gemeinsam Nordkorea zum Einfrieren seines
Nuklearprogramms unter internationaler Überwachung. Jetzt müssen wir nach den provozierenden
Aktionen Nordkoreas einen dauerhaften Frieden für
das gesamte koreanische Volk anstreben.
Unser Planet ist sicherer aufgrund unserer gemeinsamen Bestrebungen zur Schließung von Tschernobyl,
zur Bewältigung der Herausforderungen des Klimawandels, zum Schutz der Wälder und Ozeane der
Welt. Jetzt müssen wir unsere Pflicht als Hüter
unserer Umwelt erfüllen, damit wir unseren Kindern
einen noch gesünderen Planeten hinterlassen können.
Wir alle müssen unsere historischen Bestrebungen
zum Aufbau eines besseren, globaleren Handelssystems für das 21. Jahrhundert fortsetzen. Wir haben
bemerkenswerte Fortschritte gemacht, aber es muß
mehr zur Öffnung von Märkten und Schaffung von
Millionen neuer Arbeitsplätze für all unsere Menschen
getan werden.
In dieser Zeit der Herausforderung und des Wandels
sind die Vereinten Nationen wichtiger denn je, denn
unsere Welt ist interdependenter denn je. Die meisten
Amerikaner wissen das. Bedauerlicherweise ignorieren manche Amerikaner in ihrem Bestreben sich der
Probleme der Welt zu entledigen und sich vielleicht
stärker auf unsere eigenen Probleme zu konzentrieren, was die Vereinten Nationen getan haben. Sie
ignorieren die Vorteile der Zusammenarbeit sowie
unsere wechselseitige Abhängigkeit bei der Gestaltung
einer besseren Zukunft. Sie ignorieren alles, was die
Vereinten Nationen unternehmen, um das Leben von
Millionen Menschen zu verbessern, indem sie den
Frieden bewahren, Kinder impfen, sich um Flüchtlinge
kümmern und die Vorteile des Fortschritts mit allen auf
der Welt teilen. Sie erschweren es den Vereinigten
Staaten, ihren Verpflichtungen gegenüber den Vereinten Nationen nachzukommen.
Ich möchte Ihnen allen jedoch versichern, daß die
überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Vereinten
Nationen unterstützt - nicht nur, weil sie unsere
eigenen Ideale widerspiegeln, sondern auch weil sie
unsere Interessen stärken. Wir müssen weiterhin
daran arbeiten, die Unterstützung der UNO durch
unser Volk offenkundig werden zu lassen.
Zum 51. Mal in Folge sind die Vereinigten Staaten der
größte Beitragszahler der UNO: Wir zahlen unsere
Schulden, und ich verpflichte mich zur Abzahlung
unserer angehäuften Verbindlichkeiten.
Jedoch

Seite 3

�unterstützen wir auch den Reformprozeß, in dessen
Rahmen großartige Arbeit zur Reformierung und
Verschlankung der Bürokratie und Kontrolle des
Haushalts geleistet wurde und der fortgesetzt werden
sollte.
Ferner sind wir der Ansicht, daß wir alle - die Nationen
der Welt - durch Zusammenarbeit mehr zur Bekämpfung des Terrorismus unternehmen sollten. Letztes
Jahr forderte ich die hier versammelten Nationen dazu
auf, sich der vollständigen Ablehnung von Aggression,
Terrorismus und gesetzlosem Verhalten zu verpflichten. Offen gesagt, haben wir das noch nicht
getan. Klare Ablehnung bedeutet, Terroristen, die
Unschuldige ermorden, und Drogenhändlern, die
unsere Kinder vergiften, keine Hilfe und keine Zuflucht
zu gewähren. Und sie bedeutet, alles in unserer
Macht Stehende zu unternehmen, damit Massenvernichtungswaffen nicht in die falschen Hände gelangen.
Klare Ablehnung verlangt von uns die Isolierung der
Staaten, die nicht die von uns allen akzeptierten
Regeln zivilisierten Verhaltens befolgen. Solange der
Irak seine Nachbarn und Menschen bedroht, solange
der Iran Terroristen hilft und ihnen Schutz gewährt,
solange Libyen die Auslieferung der für den Bombenanschlag auf Pan Am Flug 103 Verantwortlichen
verweigert, solange sollten diese Länder keine vollwertigen Mitglieder der Familie der Nationen werden.
Die Vereinigten Staaten verfolgen eine aus drei Teilen
bestehende Strategie zur Bekämpfung von Terroristen
- im Ausland durch engere Zusammenarbeit mit
gleichgesinnten Nationen, im Inland durch die Ausstattung unserer Strafverfolgungsbehörden mit den
härtesten verfügbaren Terrorismusbekämpfungsinstrumenten und indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, unsere Flughäfen und die uns
verbindenden Flugzeuge noch sicherer zu gestalten.
Ich habe unseren Kongreß zur Erfüllung dieser
Verpflichtungen um mehr als eine Milliarde Dollar
ersucht, und wir setzen den Plan des Vizepräsidenten
für Luftfahrtsicherheit in die Tat um, damit die in die
Vereinigten Staaten Ein- und Ausreisenden sowie die
innerhalb unseres Landes Reisenden sicherer sind.
Es gibt weitere Schritte, die wir zusammen unternehmen müssen. Im vergangenen Jahr habe ich darauf
gedrängt, daß wir zusammen gegen Geldwäsche und
Briefkastenfirmen vorgehen, daß wir die grauen Märkte
für Feuerwaffen, Explosivstoffe und gefälschte Papiere
schließen, weltweit mehr Zentren für Strafverfolgungsbehörden eröffnen und die Schutzvorrichtungen für
todbringendes Material erhöhen. Auf jedem dieser
Gebiete haben wir Fortschritte gemacht - im Rahmen
der UNO, beim Anti-Terror-Gipfel in Scharm el
Scheich, bei der Terrorismuskonferenz in Paris sowie
im Alleingang.

Seite 4

Jetzt sollten wir die von mir letztes Jahr vorgeschlagene Erklärung über Verbrechen und öffentliche Sicherheit annehmen. Sie beinhaltet die Verweigerung
von Schutz, damit wir den Terroristen, Verbrechern
und Drogenhändlern mit einer Stimme sagen können:
Ihr habt keinen Zufluchtsort und kein Versteck.
Ich rufe jedes Mitglied zur Ratifizierung der elf internationalen Konventionen auf, die zur Verhinderung und
Bestrafung von Terrorismus und zur Bestrafung des
Einsatzes von Explosivstoffen bei Terroranschlägen
beitragen. In jeder Nation, deren Kinder Opfer von
Drogen werden, und in jeder Nation, die Drogen
herstellt, müssen wir mehr unternehmen, um die
Nachfrage zu senken und illegale Drogen vom Markt
und von der Straße zu nehmen.
Die Vereinigten Staaten werden das Ihrige tun.
Nächste Woche werde ich militärische Ausrüstung und
Ausbildung im Wert von über 100 Millionen Dollar für
Mexiko, Kolumbien sowie andere Staaten Südamerikas und der Karibik anvisieren. Diese Mittel werden
unseren Freunden bei der Unterbindung des Drogenflusses an der Quelle helfen. Jetzt fordere ich alle
Nationen, die zur Produktion illegaler Rauschmittel
erforderliche Chemikalien herstellen, zur Gründung
einer Arbeitsgruppe auf, deren Mitglieder sich dafür
einsetzen, daß die Drogenhersteller nicht in den Besitz
dieser Chemikalien gelangen.
Wir dürfen nicht
zulassen, daß noch mehr Drogen dunkle Schatten auf
den Anbruch des kommenden Jahrhunderts werfen.
Unsere Pflicht zur Bekämpfung all dieser Kräfte der
Zerstörung steht in direktem Zusammenhang mit
unseren Bestrebungen zur Verringerung der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen. Wir sind
uns alle bewußt, daß wir dagegen nicht immun sind.
Wir sahen sie, als unsere Freunde in Japan in der
Tokioter U-Bahn der mörderischen Macht einer kleinen
Phiole Saringas ausgeliefert waren. Wir wissen, daß
eine kleine Menge Plutonium für den Bau einer
Atombombe ausreicht. Wir wissen, daß angesichts
der diese Zeit kennzeichnenden schnellen Entwicklung
und offenen Grenzen mehr gefährliche Menschen
Zugang zu Materialien zur Massenvernichtung haben.
Das Streben nach der Lösung dieser Probleme in den
Waffenarsenalen dieser Welt und der Verhinderung
ihrer Verbreitung hat für uns alle eine neue und starke
Dringlichkeit angenommen.
Daher wollen wir unsere Entschlossenheit zur Bekämpfung verbrecherischer Staaten, Terroristen und
Verbrecher erhöhen, die unsere Sicherheit, unsere
Lebensweise und die Möglichkeiten unserer Kinder im
21. Jahrhundert bedrohen. Wir wollen uns erneut dazu
verpflichten sicherzustellen, daß sie nicht in den Besitz
von Massenvernichtungswaffen gelangen. Wir wollen
härter denn je dafür arbeiten, die nukleare Bedrohung
zu beseitigen, die die Weltbühne zu lange verdunkelt
hat. Wir wollen diese wichtigen Aufgaben zu unserer

AMERIKA DIENST

�gemeinsamen Verpflichtung machen. Wenn wir das
tun, werden wir zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf
eine bessere, sicherere Welt zusteuern - die bessere

und sicherere Welt, deren Aufbau die Vereinten
Nationen seit 51. Jahren anstreben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST

Seite 5

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12659">
                <text>26.09.1996</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12660">
                <text>Amerikadienst 26.09.1996 - Sonderdienst</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12661">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12662">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="12663">
                <text>&lt;strong&gt;1. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton fordert weltweite Kampagne gegen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="2652" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2624">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/608ed5794795c98fd3298aa1edfd59d5.pdf</src>
        <authentication>0668b28c9ca48af762d0bb9bc4069241</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14747">
                <text>Amerikadienst 26.10.1955</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14748">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20131">
                <text>&lt;strong&gt;1. Artikel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das ist Amerika (XIII)&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zwanzig Dichter und Schriftsteller schreiben über "ihre" Stadt - Santa Barbara, Kalifornien von Donald Culross, Peattie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Gerichtshof kommt zum Bürger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Court of Claims entscheidet über Ansprüche gegen den Staat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vegetation auf dem Mars&lt;br /&gt;&lt;em&gt;US-Wissenschaftler photographierten unseren "Nachbarplaneten"&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gedenktage im November 1955&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anhang&lt;br /&gt;US-Vorschlag zur Errichtung eines Zentrums der Kernforschung in Asien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede John C. Hollisters, des Leiters des US-Amtes für internationale Zusammenarbeit, gehalten am 20. Oktober 1955 in Singapur&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstungsfrage vor den Vereinten Nationen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut einer Erklärung des Chef-Delegierten bei den UN Henry Cabot Lodge, vom 21. Oktober 1955&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinten Nationen - ein wesentliches Werkzeug des Friedens&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Sonderbeauftragten für Abrüstungsfragen, Harold E. Stassen, vom 23. Oktober 1955&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zum fünften Jahrestag der Einweihung der Berliner Freiheitsglocke&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Ansprache des früheren US-Hochkommissars für Deutschland, John J. McCloy, vom 24. Oktober 1955 in Berlin&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20132">
                <text>Herausgeben U.S. Information Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20133">
                <text>26.10.1955</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20134">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="3076" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="2916">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5f243ee5dd5f44d0ca018b3dc150bdfc.pdf</src>
        <authentication>a07abdd73fb965478861a65128887177</authentication>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16325">
                <text>Amerikadienst 26.10.1962</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="49">
            <name>Subject</name>
            <description>The topic of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16326">
                <text>Allgemeines</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16327">
                <text>Herausgeben U.S. Information&#13;
Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16328">
                <text>26.10.1962</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="16329">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="20536">
                <text>&lt;strong&gt;1. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Poesie&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Liebhaberzeitschrift feiert Goldenes Jubiläum und wird Anlass zum 1. Amerikanischen Festival der Dichtung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Norman Smith&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Fernsehen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kinderprogramme mit Appeal&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Reiseland in Amerika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Indian Summer&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Herbst gilt in den USA als die schönste Jahreszeit&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von D.C. Peattie&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Das Porträt&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ihre Observatorien sind künstliche Satelliten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Dr. Nancy Roman - Chefastronom der NASA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Nicholas Rosa&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Raumflug&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erster Syncom-Nachrichtensatellit Anfang 1963&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausrüstungen für die Raumfahrt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zehn neue Kandidaten für das bemannte Raumflugprogramm der US-Luftstreitkräfte&lt;br /&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1582" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1593">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/f42140f2344e9ef857f166c8a2b1c3b2.pdf</src>
        <authentication>6ce0a94e22ad5584d88f67fcad0a3dfa</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="8197">
                    <text>Information
und
Dokumentation

1
I

United States Information Service

28

26. Oktober 1977

I N H A L T

DOKUMENTATION
USA wollen echte Abrüstung
- Rede von US-Botschafter Fisher vor dem Politischen Ausschuß der
Vereinten Nationen -

WIRTSCHAFT
Blumenthal:

Wirtschaft braucht Vertrauen in die Zukunft

- Rede des US-Finanzministers vor der Amerikanischen Bankiersvereinigung

HINTERGRUNDMATERIAL
USA fordern internationale Konvention über toxische Substanzen

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Verbundwerkstoffe in atomarer Schichtung
- Synthetische Materialien mit neuartigen Eigenschaften
Manganspiegel und Epilepsie
- Berichtigung -

Um Übersendung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�1

Dokumentation

I

United States Information Service

26. Oktober 1977

28

USA WOLLEN ECHTE ABRÜSTUNG
Rede von US-Botschafter Fisher vor dem Politischen Ausschuß der
Vereinten Nationen -

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten , bei den gegenwärtigen SALT Il-Verhandlungen und in anderen Verhandlungsgremien zu einer "echten Abrüstung" zu gelangen, unterstrich Botschafter Adrian S. Fisher am 18. Oktober 1977 vor dem Politischen Ausschuß
der Vollversammlung der Vereinten Nationen.

Fisher ist der Leiter der ameri-

kanischen Delegation und zusammen mit dem Vertreter der Sowjetunion der KoVorsitzende der Genfer Abrüstungskonferenz.

An dieser Konferenz sind 30 Na-

tionen beteiligt, die dem Abrüstungsausschuß der Vereinten Nationen (CCD)
angehören.
Botschafter Fisher machte (mit unwesentlichen Kürzungen) folgende Ausführungen:

Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�*

Die gegenwärtige Situation
Die Umstände, unter denen wir in diesem Jahr mit der Behandlung von
Abrüstungsfragen begonnen haben, stehen in einem krassen Gegensatz zu den
Umständen, die in den letzten Jahren größtenteils geherrscht haben.

Es ist

ein Gefühl der Erwartung entstanden, daß nach vielen Jahren des Redens und
des Ausweichens eine echte Rüstungskontrolle und ein echter Rüstungsabbau
bevorsteht.

Mit dieser Feststellung soll die Bedeutung so relativ neuer Ab-

kommen, wie des Vertrages über das Verbot von Massenvernichtungswaffen auf
dem Meeresboden oder des Vertrages über das Verbot von Umweltveränderungen für
kriegerische Zwecke,nicht geschmälert werden.

Aber hier handelt es sich so-

zusagen um Medikamente, die einen Virus töten sollen, ehe er sich ausbreitet.
Jetzt wachsen die Aussichten auf einen Fortschritt in unseren multilateralen
Bemühungen um eine Rüstungskontrolle in den harten Fragen der Zügelung wichtiger existierender Waffen - sie überhaupt zu begrenzen oder zu verbieten.
Ich darf mit einiger Befriedigung feststellen, daß das, was Präsident
Carter in seiner Rede zum Amtsantritt über das Rüstungskontroll ziel der Vereinigten Staaten gesagt hat und was er im März vor den Vereinten Nationen
und erneut vor zwei Wochen hier gesagt hat, nicht bloße Worte sind. In dem
ganzen Bereich der Abrüstungsfragen sind die Dinge in Gang gekommen. Direkt
von den laufenden Verhandlungen über zwei Rüstungskontrollfragen - chemische
Waffen und Strahlenwaffen - kommend, stehen mir der Nachdruck und die Dringlichkeit, mit der diese Initiativen verfolgt werden, deutlich vor Augen.
Selbstverständlich sind noch andere Verhandlungen über andere Themen im Gange,
die von großem Interesse für dieses Gremium hier sind. Auf diese Verhandlungen
möchte ich später zurückkommen.
Als Amerikaner bin ich begreiflicherweise stolz auf das, was meine Regierung im vergangenen Jahr getan hat, um die Sache der Abrüstung voranzutreiben.

Aber ebenso bin ich als Bürger dieses kleinen Planeten genau so er-

freut darüber, daß mehr Länder als jemals zuvor positive Beiträge zu unseren
gemeinsamen Zielen leisten.

Viele Länder aus allen möglichen Gebieten der
- 2 -

l

�der Welt haben sich an solchen Aktionen wie der Herbeiführung und Organisation der Sondersitzung über Abrüstung, der Lösung der besonderen Schwierigkeiten bei der Verhinderung der nuklearen Proliferation und der Förderung regionaler Rüstungskontroll initiativen beteiligt, die Spannungen abbauen und
die Stabilität festigen können.
Kurz gesagt, wir befinden uns in einer Periode eines sehr vielversprechenden Umbruchs. Es handelt sich nämlich nicht um einen Umbruch aus überhitzten Wortgefechten oder unrealistischen Vorschlägen heraus. Er gründet
sich vielmehr auf einen neuen Impuls zur Verwirklichung lange gehegter Hoffnungen. Er gründet sich auf die Überzeugung, daß wir die Erfahrung und den
Einfallsreichtum einspannen und nutzen können, wenn wir mit den derzeitigen
Problemen ringen, und in Zukunft noch größeren Fortschritt erzielen können
- einen Fortschritt zum letztlichen Ziel einer echten Abrüstung und eines
dauerhaften Friedens.

Die gegenwärtige Tagesordnung
Die Liste der Punkte, die auf der Tagesordnung der Rüstungskontrolle
stehen, ist lang und außerordentlich weitreichend in ihrem Umfang. Lassen
Sie mich einiges zu den Punkten sagen, die im Vordergrund unseres Interesses
stehen.
Zuerst die nuklearen Fragen:

Strategische Rüstungsbegrenzungen
Das strategische Wettrüsten zurückzudrehen ist die unmittelbare und
überragende Aufgabe der Rüstungskontrolle - und auch eine Aufgabe von atem- 3 -

�»

4

•

•

atemberaubender Schwierigkeit:
- Sie ist wegen des hohen Standes der Kernwaffen und der Trä'gersysteme
der beiden Nuklearmächte und wegen der Notwendigkeit, die Risiken und Kosten
des strategischen Rüstungswettlaufs

zu senken, nicht nur für die Vereinigten

Staaten und die Sowjetunion, sondern für alle Länder wichtig.
- Sie ist schwierig, weil es bei der Begrenzung strategischer Waffen
um Waffensysteme geht, denen beide Staaten die fundamentalste Bedeutung für
die Sicherheit beimessen - Systeme jedoch, die sich wegen unterschiedlicher
Vorstellungen und Fähigkeiten in ganz verschiedene Richtungen entwickelt haben.

Der daraus resultierende Komplex technischer Fragen bei der Ausarbeitung

gerechter und wirksamer Einschränkungen ist sicherlich ohne Beispiel in allen
bisherigen Verhandlungen zwischen souveränen Staaten.
Aus dieser Perspektive betrachtet darf man sagen, daß der bisher erzielte Fortschritt bemerkenswert war. Obwohl die Gespräche über eine Begrenzung strategischer Waffen nur langsam in Gang kamen, wurden bis 1972 zwei
bedeutsame Abkommen erreicht.
- Der ABM-Vertrag, der die Aufstellung von Raketenabwehrsystemen überall
im Lande verbietet, ist ein Meilenstein auf dem Wege zur Zügelung des nuklearen
Wettlaufs. Er beseitigte die ganz reale Aussicht auf ein kostspieliges und
destabilisierendes Wettrennen um die Dislozierung von Raketenabwehrsystemen
(ABM). Das war schon für sich allein ein wichtiger Erfolg und gleichzeitig
eine Voraussetzung für eine ernsthafte Begrenzung von Offensivwaffen. Erst
kürzlich haben die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion im Zusammenhang
mit der Überprüfung dieses Vertrages nach fünf Jahren ihre nachhaltige Unterstützung dieses Übereinkommens bekräftigt.
- Das im Jahr 1972 unterzeichnete Interimsabkommen oder SALT I-Abkommen
diente dem wesentlichen Zweck der Begrenzung des strategischen Wettstreits,
während beide Seiten ein bedeutsameres und dauerhafteres Abkommen über die Be-

�Begrenzung offensiver Nuklearstreitkräfte anstrebten.

Beide Seiten haben

zu erkennen gegeben, daß sie bis zum Zustandekommen eines neuen Abkommens
ihr Verhalten nach den im vorigen Abkommen enthaltenen Begrenzungen ausrichten wollen.
Die neue amerikanische Administration übernahm ihr Amt mit der Entschlossenheit, das Interimsabkommen SALT I durch einen neuen SALT II-Vertrag
zu ersetzen. Wir wollten sehen, ob wir zusammen mit der Sowjetunion einen
Vertrag aushandeln könnten, der über das Übereinkommen von Wladiwostok im
Jahre 1974 hinausgehen und Verringerungen der derzeitigen strategischen
Systeme und eine Einschränkung in der Entwicklung neuer Systeme vorschreiben
würde. Wir verfolgten unsere Initiative auf hoher Ebene,als Außenminister
Vance im März dieses Jahres Moskau besuchte und im Mai in Genf Außenministergespräche stattfanden.
Als Ergebnis der jüngsten Treffen in Washington zwischen dem sowjetischen
Außenminister Gromyko und Präsident Carter und Außenminister Vance können wir
jetzt erkennen, daß ein SALT II-Abkommen Gestalt annimmt. Wenn ein solches
Abkommen, wie wir hoffen, abgeschlossen sein wird, dann würde es den Stand
der strategischen Waffen auf beiden Seiten senken, bestimmte qualitative Einschränkungen für die Entwicklung potentiell destabilisierender Waffen auferlegen und den Weg für noch weitergehende Begrenzungen in einem SALT III-Abkommen ebnen.

Ein neues SALT II-Abkommen würde den Sicherheitsinteressen der

Vereinigten Staaten und der Sowjetunion dienen, es würde zur Sicherheit der
Welt beitragen und es würde einen Ansporn für einen raschen Fortschritt auf
anderen Gebieten der Rüstungskontrolle geben.
Lassen Sie mich unterstreichen, daß wir keine Abkommen anstreben, die
den Wettstreit lediglich in bequeme Bahnen lenken würden.
legentlich behauptet worden.

Derartiges ist ge-

Aber nichts läge der Wahrheit ferner. Wir stre-

ben eine echte Abrüstung an. Wie Präsident Carter erklärt hat, sind wir hinsichtlich der Kernwaffen bereit, sie "auf gegenseitiger Basis jetzt um 10
Prozent, um 20 Prozent, ja sogar um 50 Prozent zu verringern".
Um
- 5 -

�Um Verringerungen dieser Größenordnungen zu erzielen, wird es viel
Zeit und hingebungsvoller Anstrengungen bedürfen.
Aber man sollte nicht vergessen, daß mit SALT bereits Schritte zu einer
echten Abrüstung getan worden sind.

Der ABM-Vertrag erforderte die Demontage

tatsächlich existierender Waffensysteme, die damals disloziert waren.

Und es

besteht kaum ein Zweifel, daß ein neues SALT II-Abkommen Verringerungen in
gegenwärtigen wie auch geplanten Waffenprogrammen einschließen wird.

Umfassendes Versuchsverbot
Es sind jetzt 23 Jahre vergangen, seit Ministerpräsident Nehru seiner
Besorgnis über die Entwicklung von Kernwaffen Ausdruck verliehen und an die
Nuklearmächte der Welt appeliert hat, ihre Kernversuche einzustellen.

Auf

die katastrophalen Folgen der neuen Waffen mit einer beispiellosen Zerstörungskraft hinweisend, erklärte er 1954 vor dem indischen Parlament:

"Ich habe

öffentlich als unsere Auffassung kundgetan, daß diese Versuche, die die Natur
des Schreckens enthüllen, aufhören müssen."

Und er fuhr fort:

"Ich wieder-

hole, daß dies unser wohlerwogener Standpunkt ist, und wir hegen die Hoffnung,
daß diese Auffassung und die darin zum Ausdruck kommende große Besorgnis, die
weltweit ist, entsprechende und rechtzeitige Reaktionen auslösen wird."
Die ganze Welt fühlte sich erleichtert, als 1963 das Verbot über Nuklearversuche in der Atmosphäre, unter Wasser und im Weltraum zustandekam.

Und vor

einigen Jahren gelang es den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, einen
Vertrag über eine Schwelle für unterirdische Versuche auszuhandeln, der große
Versuche verbietet.

Aber es ist uns nicht gelungen, das Ziel eines

umfassenden Versuchsverbots zu erreichen.
Heute sind wir vielleicht näher daran, zu einer völligen Einstellung
dieser Versuche zu gelangen als jemals zuvor seit Ministerpräsident Nehru

�Nehru mit so beredten Worten dafür plädierte.

Drei der Kernwaffenstaaten

der Welt - Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten - führen gegenwärtig ernsthafte Verhandlungen, die auf ein umfassendes Versuchsverbot gerichtet sind.
Auch bei diesen Verhandlungen geht es um komplexe und schwierige Fragen.
Diese haben wiederholt dazu geführt, daß frühere Bemühungen um ein vereinbartes Versuchsverbot fehlgeschlagen sind.

Wir hegen jedoch jetzt einen vorsich-

tigen Optimismus, daß diese Fragen gelöst werden können.

Die an diesen Ver-

handlungen Beteiligten gehen mit einem höheren Gefühl der Dringlichkeit und
des Zielbewußtseins vor.

Wir hoffen, daß die Genfer Abrüstungskonferenz in

naher Zukunft mit der Behandlung der Ergebnisse dieser dreiseitigen Verhandlung beginnen kann.
Das Ziel eines umfassendes Versuchsverbots besteht darin, alle Versuche
zu verbieten, die der Förderung der Entwicklung von Kernwaffen irgendwo in
der Welt dienlich wären.

Wie Präsident Carter kürzlich vor den Vereinten Na-

tionen erklärt hat, ist es "jetzt an der Zeit, alle Explosionen von nuklearen
Sprengkörpern einzustellen, gleichgültig wie sie gerechtfertigt werden mögen
- friedlich oder militärisch."
Ein umfassendes Versuchsverbot würde Kernwaffenstaaten wie auch Staaten
ohne Kernwaffen in gleicher Weise Begrenzungen auferlegen:
- Es würde ganz wesentlich dazu beitragen, die Anreize für Staaten ohne
Kernwaffen zu verringern, die Entwicklung von Technologien zu verfolgen, die
zur Fähigkeit der Explosion nuklearer Sprengkörper führen.
- Es würde unausweichlich dazu führen, daß die Kernwaffenstaaten weniger
von den Kernwaffen abhängen.
Aufgrund all dieser Auswirkungen wird ein umfassendes Versuchsverbot
ein wichtiger Schritt in Richtung auf die schließliche völlige Abschaffung
- 7 -

�Abschaffung von Kernwaffen sein.
Aber selbst kurzfristig gesehen, dürfte das Zustandekommen eines
umfassenden Versuchsverbotes in unermeßlicher Weise zur Stabilität und
zum Wohlergehen der Welt beitragen und andere wichtige Rüstungskontroi 1anstrengungen fördern und verstärken. Wir sind zuversichtlich und
hoffnungsvoll, daß wir endlich davor stehen, das Ziel ganz zu erreichen,
das uns Ministerpräsident Nehru als erster gesetzt hat und das von Menschen
in aller Welt unterstützt wird - nämlich diese Versuche einzustellen.

Nichtweiterverbreitung (Nonproliferation)
Das vergangene Jahr hat auch eine große Aktivität und eine erneute
Debatte - wie auch einen Fortschritt - in dem Problem der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Nonproliferation) gebracht.
•

- Langgehegte Vorstellungen über die nächste Generation der Technologie sind in Frage gestellt worden. Es sind neue Fragen hinsichtlich
der Folgen für

die Proliferation gestellt worden, wenn wir zu einer

Plutonium-Wirtschaft übergehen.
- Die Besorgnis über den Zugang subnationaler Gruppen zu Material,
das für Waffenzwecke gebraucht werden kann, hat sich erhöht.
- Es wurden heftige Debatten darüber geführt, ob die nukleare Brennstoffversorgung zureichend sei, über die wirtschaftlichen Vorteile und
Nachteile der Wiederaufbereitung von Plutonium und über die Bedeutung
der Wiederaufbereitung für die nukleare Entsorgung.
Während mein Land zu jenen gehört, die diese Fragen aufgegriffen
haben, haben wir auch prompt gehandelt, um uns den durch diese Fragen

- 8 -

�Fragen aufgeworfenen Herausforderungen zu stellen. Ich kann mit Befriedigung mitteilen, daß morgen in Washington die vorbereitende Konferenz
für eine internationale Bewertung und Beurteilung des Brennstoffzyklus
stattfindet - eine Konferenz, die all diese Fragen eingehend prüfen und
Mittel und Wege finden soll, den Bedarf der Welt an Kernkraft sicher
und wirtschaftlich zu decken und gleichzeitig

die Proliferationsrisiken

zu verringern. Dies ist ein Unterfangen, zu dem interessierte Länder
sowohl aus der entwickelten als auch aus der Entwicklungswelt beitragen
werden, und die Ergebnisse werden allen offen zur Verfügung stehen.
Die Verhütung der weiteren Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung
nuklearer Sprengkörper ist ein Ziel, das allen Nationen dienen würde. Die
unkontrollierte Proliferation würde der Sicherheit eines Landes keineswegs dienen, sondern würde nur die Sicherheit aller Nationen gefährden,
indem das Risiko eines nuklearen Konflikts vergrößert wird. Und sie würde
die Aufgabe der nuklearen Abrüstung ungeheuer erschweren.
Es gibt bestehende Institutionen und neue Initiativen, die in Zusammenarbeit dazu beitragen können, eine faire und wirksame Struktur der Nonproliferation zu schaffen.
Der Nonproliferationsvertrag aus dem Jahre 1968 bleibt der Eckpfeiler
der weltweiten Bemühungen auf diesem Gebiet. Die gesamte internationale
Gemeinschaft muß sich dafür einsetzen, daß er in noch weitergehendem
Umfang eingehalten wird.
- Unter den internationalen Institutionen ist die Internationale
Atomenergiebehörde (IAEA) von entscheidender Bedeutung für die Zusammenarbeit der Weltgemeinschaft bei der gemeinsamen Nutzung der friedlichen
Nukleartechnologie, während sie gleichzeitig vor den Gefahren der
nuklearen Proliferation schützt. Die IAEA nimmt immer wichtigere Aufgaben
auf sich,und es obliegt all ihren Mitgliedern, die Tätigkeiten der Behörde
weitgehend- wie möglich zu unterstützen, vor allem, wo es um Sicherheits-

- 9 -

so

�Sicherheitsbestimmungen geht.
- Wertvolle Arbeit ist bei der Ausarbeitung von Normen und Verfahren
für die

Aufrechterhaltung der Sicherheit der ständig wachsenden Mengen

an sensitivem nuklearen Material, einschließlich der Arbeit an einer
internationalen Konvention über physische Sicherheit, geleistet worden.
Diese Anstrengungen verdienen ebenfalls weitere internationale Unterstützung.
- In seiner jüngsten Rede vor dieser Versammlung hat Präsident
Carter die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der Schaffung umfassender
Sicherheitsbestimmungen gerichtet. Die Erreichung dieses Ziels wäre ohne
Frage der wichtigste Beitrag, der zu einer wirksamen Sicherstellung der
Nonproliferation geleistet werden könnte.
Unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet - die Erfolg haben müssen,
wenn das Atom weiterhin zur Ausweitung des friedlichen wissenschaftlichen
Bedarfs und des Energiebedarfs der Welt dienen soll - zeigen, daß Rüstungskontrolle unlöslich mit Anstrengungen für den wirtschaftlichen Fortschritt
verbunden ist. Ein Erfolg in der Nonproliferation kann für eine stärkere
friedliche Zusammenarbeit zum Nutzen vieler Länder nur förderlich sein.

Chemische Waffen
Nach jahrelangem Reden und nach jahrelanger Prüfung - aber nur wenig
konkreten Maßnahmen - hat es in den letzten Monaten wichtige Schritte
in Richtung auf eine Konvention gegeben, die die chemischen Waffen verbietet.
Ich habe bereits die bilateralen Gespräche über chemische Waffen zwischen
den Delegationen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion in Genf erwähnt, von denen ich gerade komme und zu denen ich heute abend noch zurückkehren werde. Diese Verhandlungen gehen in sehr ernsthafter und detaillierter
Weise voran, und wir machen bemerkenswerte Fortschritte auf dem Wege zu der

- 10 -

�zu der Formulierung einer gemeinsamen Initiative, die der Abrüstungskonferenz

vorgetragen werden soll. Die Ausarbeitung einer internationalen

Konvention über das Verbot chemischer Waffen wäre ein Erfolg von historischen
Ausmaßen.

Konventionelle Rüstung
Die überaus große Bedeutung von Maßnahmen, die in Zusammenhang stehen
mit der Beendigung des nuklearen Wettrüstens und der nuklearen Abrüstung,
wird von aller Welt anerkannt. Es gibt jedoch auch gute Gründe dafür, daß
die Bemühungen zur Entwicklung von Rüstungskontrollmethoden, die sich auf
die konventionellen Waffen beziehen, in dem gleichen Tempo erfolgen sollten
wie die Arbeit auf anderen Gebieten. In seiner kürzlichen Ansprache vor
den Vereinten Nationen hat Präsident Carter besonderen Nachdruck und
Dringlichkeit darauf gelegt, dieses Problem in den Griff zu bekommen.
Alle Nationen, gleichgültig

was ihre Sicherheitserfordernisse sind,

über welche Resourcen sie verfügen und wie groß sie sind, sehen sich mit
denselben grundlegenden Realitäten konfrontiert, die dafür sprechen, daß
ihre Verteidigungsausgaben auf einem Minimum gehalten werden und daß
nach Mitteln und Wegen gesucht wird, um ihre Verteidigungsausgaben durch
Rüstungskontrolle weiter zu senken.
Durch große Ausgaben für die Verteidigung erlangt man nicht immer
auch größere Sicherheit. Neue Waffensysteme können Spannungen erwecken,
neue Runden des Wettrüstens auslösen und die Gefahr von Feinseligkeiten
erhöhen.
Ironischerweise erbringen die Systeme, die diese Auswirkungen haben,
vielleicht nicht einmal eine wirksame oder effektive Verteidigung. Es erweist
sich vielleicht als unmöglich, sie aufrechtzuerhalten, oder sogar als

- 11 -

�•sogar a)s unpraktisch, sie einzusetzen, wenn Feinseligkeiten entstehen.
i

Es gibt keine Gesellschaft, die so reich wäre, daß sie es sich leisten
könnte, Waffen zu kaufen, ohne dadurch Ressourcen zu opfern, die besser
für ih^e wirtschaftliche oder soziale Entwicklung genutzt werden könnten.
Ein Aspekt dieses größeren Problems der konventionellen Rüstungskontrolle
Ist der des Waffentransfers

Als einer der Hauptlieferanten haben die

Veremsgten Staaten an diesem Problem ein starkes Interesse. Wir haben zu
Anfang dieses Jahres eine Politik verkündet, nach der sich unsere eigenen Maßnahmen

^ausrichten werden. Es ist eine Politik, die den Strom unnötiger,

kostspieliger, destabilisierender Waffen eindämmen soll, während gleichzevr-g die legitimen Verteidigungserfordernisse anderer berücksichtigt
werden
Wir versuchen nicht, diese Auffassungen anderen Liefer-oder Empfängerländern aufzuzwingen. Und wir haben auch keine Patentlösung für dieses
weltweite

Problem, Wir akzeptieren in vollem Umfange die Tatsache, daß

dieses Problem nicht durch einen einzelnen

Staat oder durch eine einzige

Staatengruppe gelöst werden kann. Unsere Ansicht ist,daß der Prozeß, hier
eine Lösung zu finden, durch zwei umfassende Prinzipien geleitet werden

muß:

- Alle Staaten haben legitime Sicherheitsansprüche, die erfüllt werden
müssen
- E m Fortschritt bei dieser wichtigen Frage sollte das Anliegen
sowohl der Hersteller -als auch der Empfängerländer sein, und eine erfolgreiche Lösung muß die Gedanken und Interessen beider Gruppen widerspiegeln.
Lassen Sie mich einen Punkt unterstreichen, der all diesem zugrunde
1 legt:
Wir werden dieselben zentralen Maßstäbe auf dieses Gebiet der Rüstungskontroi se anwenden, wie wir und andere Länder dies bei jedem ernsthaften

- 12 -

�ernsthaften Thema im Hinblick auf die internationale Zusammenarbeit tun.
Damit meine ich, daß wir uns in Gesprächen mit anderen bemühen werden,
herauszufinden, wie die gemeinsamen Interessen gefördert werden können wie gemeinsame Fortschritte erreicht werden können.
Wir wissen wie jeder andere auch, daß es einfach keine Grundlage
für die Zusammenarbeit gibt, wenn souveräne Nationen keine Möglichkeit
sehen, wünschenswerte Ziele durch Kooperation zu erreichen.

Fortschritte in Richtung auf eine regionale Rüstungskontrolle
Mit den Fragen , die ich hier

angeführt habe, ist die gegenwärtige

Tagesordnung der Rüstungskontrolle keineswegs erschöpft. Es gibt noch
andere Entwicklungen, die eindrucksvoll und ermutigend sind. Insbesondere
möchte ich auf jene Bemühungen hinweisen, die im Bereich der regionalen
Rüstungskontrolle unternommen worden sind oder unternommen werden.
- Das durch die staatsmännische Haltung Mexikos eingeleitete bahnbrechende Projekt, eine atomwaffenfreie Zone in Lateinamerika zu schaffen,
ist während des vergangenen Jahres der Verwirklichung einen weiteren
Schritt nähergekommen. Die Unterzeichnung des Protokolls von Tlatelolco
durch die Vereinigten Staaten ist ein Schritt, der, wie wir hoffen, andere
Länder inspirieren wird, jene noch verbleibenden Maßnahmen zu treffen, die
notwendig sind, um den Vertrag vo 1 ! in Kraft zu setzen.
- Es gibt ferner eine positive Entwicklung hinsichtlich der Frage der
Spannungen im Indischen Ozean durch den Beginn bilateraler Gespräche zwischen
der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten mit dem Ziel, den Grad der
militärischen Aktivität im Bereich des Indischen Ozeans zu stabilisieren.
Wir bemühen uns in diesen Gesprächen

um praktische Resultate; die die

StSrkuhg des Friedens in Bereich des Indischen Ozeans fördern und zum Abbau

- 13 -

�Abbau der internationalen Spannung beitragen würden. Darüberhinaus betrachten
beide Seiten mit Verständnis und Respekt

den Wunsch der Anliegerstaaten

des Indischen Ozeans, die Stärkung der Sicherheit und die Entwicklung einer
Zusammenarbeit in diesem Gebiet herbeizuführen. Wir werden auch weiterhin
diesen Wunsch in unseren bilateralen Gesprächen in Rechnung stellen. Wir
informieren ferner den UN-Sonderausschuß für den Indischen Ozean über seinen
Vorsitzenden vom Fortschritt dieser Gespräche.
- Die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa rühren an den Kern der Sicherheit vieler Länder.
Es ist nur

verständlich, daß es nicht leicht ist, Hindernisse auszuräumen,

die aus einer Konfrontation auf einem Kontinent herrühren, die seit so
vielen Jahren bestanden hat. Aber weil so vieles auf dem Spiel steht, und
weil Fortschritte in diesen Verhandlungen weitreichende, positive Auswirkungen sowohl für den Weltfrieden als auch für

die Sicherheit der

Teilnehmerstaaten auf beiden Seiten haben würden, sind wir entschlossen,
auf eine Lösung der Probleme zu drängen, die den Fortschritt bei den
MBFR-Gesprächen bisher behindert haben.
Trotz dieser Beweise von Aktivität steht die regionale Bewältigung der
Rüstungskontrolle noch in ihren ersten Anfängen. Und dennoch könnte ein
regionales Bemühen um eine Beschränkung des Anwachsens der konventionellen
Rüstungskapazität beträchtliche Bedeutung haben. Unter geeigneten Bedingungen
könnte es nämlich möglich sein, auch in anderen Gebieten atomwaffenfreie
Zonen zu schaffen. Der Möglichkeiten gibt es viele, und eine regionale
Abrüstung kann ein fruchtbares Feld für neue Bemühungen sein.

Die zukünftige Tagesordnung der Rüstungskontrolle
Aber es ist nicht nur die gegenwärtige Tätigkeit, die die Grundlage
für Impulse und Anstöße auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle bildet. D^e

�Die Zukunft stellt uns vor noch größere Aufgaben und bietet große Möglichkeiten. In Sicht ist die Sondersitzung über Abrüstung. Wir sollten diesen
Anlaß als eine Möglichkeit ergreifen, um unseren Horizont zu erweitern, uns
von der alleinigen Beschäftigung mit den dringensten Fragen des Augenblicks
zu befreien und zu versuchen, für die Zukunft zu bauen. Wir sind der
Ansicht, daß ein Erfolg der Sondersitzung hinsichtlich der Förderung, der
Erweiterung und der Beschleunigung der Abrüstungsverhandlungen in erster
Linie von den Gedanken und von der Haltung abhängen wird, die die einzelnen
Lander für diese Sitzung entwickeln und in sie einbringen.
In dieser Hinsicht stelle ich mit Genugtuung fest, daß einige Länder
in der Tat in ähnlichen Vorstellungen denken. Wenn ich dies anmerke, so
will ich natürlich damit nicht sagen, daß die Vereinigten Staaten notwendigerweise bereit wären, alle Vorschläge gutzuheißen, die bisher unterbreitet worden sind. Aber es bedeutet doch, daß wir die Absicht haben, mit
anderen Ländern jeden ernsthaften Vorschlag sorgfältig zu prüfen und zu
erörtern, der auf dieser Sondersitzung zur Diskussion gestellt werden wird.
Kurz gesagt, wir sind bereit, die Grenzen

des Möglichen

:i zu prüfen.

Hier einige jüngste Beispiele für das, was ich meine:
- Auf der Abrüstungskonferenz in diesem Sommer gaben verschiedene
Länder wohldurchdachte Beispiele dafür, wie man schwierige Problem anpacken
kann. Ich denke insbesondere an den Vorschlag meines japanisschen Kollegen,
der im Zuge einer wichtigen Prüfung die Frage, wie die Nonproliferation
gestärkt werden könnte, unterbreitet wurde: Daß wir nämlich den seit langem
nicht mehr verfolgten Gedanken wiederbeleben könnten, die Produktion spaltbaren Materials für Waffenzwecke einzustellen und an einen Transfer für
friedliche Zwecke zu denken.
- Wir alle begrüßen die Information, daß die Regierung Frankreichs
dem Abrüstungsproblem auf einer breiten und umfassenden Basis neue Erwägung
zuteil werden läßt. Ich bin sicher, alle von uns sehen mit Erwartung dem

- 15 -

�Erwartung dem Augenblick entgegen, wo wir in den Genuß der französischen
Überlegungen gelangen.
- Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden haben eine sorgfältige
Überprüfung der zahlreichen fundamentalen Aspekte der Beziehung . zwischen
Abrüstung und Entwicklung gefordert - der sogenannte "Nordische Vorschlag".

Abrüstung und Entwicklung
Dies, Herr Vorsitzender, führt mich zu einem Thema, das in immer
stärkerem Maße bedeutsam wird

und das ohne Frage in der Zukunft lebens-

wichtig sein wird. Ich meine die Beziehung zwischen Rüstungskontrolle und
Abrüstung und der Entwicklung.
Natürlich weiß jeder, daß in den letzten Jahren die großen Aufgaben
der Entwicklung

sowie der Nord-Süd-Beziehungen von entscheidender Bedeutung 1n

der Welt der Vereinten; Natiorten- waren.

Und ich weiß auch, daß die Welt-

gemeinschaft einige wichtige Fortschritte bei der Absteckung neuer kooperativer
Wege im Hinblick auf die dringendsten Probleme des internationalen Wirtschaftslebens gemacht hat.
Gleichzeitig wurde den Rüstungskontroll- und Abrüstungsdimensionen
der Nord-Süd-Fragen nur eine begrenzte gemeinsame und produktive Aufmerksamkeit geschenkt. Damit will ich nicht sagen, daß dieses Problem nicht für
viele Länder ein Anliegen sei. Ja, viele Entwicklungsländer haben davon
gesprochen, daß es eine Verbindung geben müsse zwischen den Abrüstungseinsparungen seitens der Großmächte und der Entwicklung. Diese Verklammerung
war jedoch sehr schwer zu konkretisieren. Einmal war es sehr schwierig,
konkrete wesentliche Einsparungen bei der Abrüstung zu identifizieren. Auf
lange Sicht gesehen hoffen wir natürlich alle, daß umfangreiche Rüstungsreduzierungen seitens der Großmächte möglich sein werden und daß sich aus

- 16 -

�sich aus den daraus folgenden Einsparungen an Ressourcen ein weitgehender
Nutzen ergeben wird. Andererseits wirft der Gedanke einer direkten Verbindung zwischen Abrüstungseinsparungen und Entwicklungsbeiträ'gen für eine
ganze Reihe von Ländern - wozu auch mein eigenes Land gehört - verfassungsmäßige Fragen hinsichtlich der Möglichkeit eines automatischen Transfers
von Mitieln auf- wobei ich an die Auflage unserer Verfassung denke, daß
der Kongreß einen Beitrag amerikanischer Gelder für die Entwicklung
gesetzlich verabschieden muß.
Herr Vorsitzender, ich werfe diese Fragen nicht auf, um in unsere
Diskussion negative Elemente einzuführen. Im Gegenteil, ich glaube,daß für
uns alle - für die gesamte internationale Gemeinschaft - die Zeit gekommen
ist, um mit einer neuen kreativen intellektuellen Anstrengung konzentriert
an diese Frage heranzutreten. Ja, in letzter Zeit sind fundamentale neue
Faktoren sichtbar geworden, die wir vielleicht noch nicht voll und ganz
verstehen, die aber ohne Frage eine neue Überprüfung dringlich machen.
- Die Interdependenz von Nationen sowie die Interdependenz menschlicher
Initiativen - Lebensmittel, Energie, Entwicklung, Technologie, Sicherheit wirken sich wie niemals zuvor auf uns aus. Und diese Interdependenz, die von
Jahr zu Jahr wirksamer wird, wird ohne Zweifel noch dringendere Fragen
hinsichtlich der Interdependenz des wirtschaftlichen Wohlergehens und der
Entwicklung auf der einen Seite

sowie der Sicherheit und der Rüstungs-

ausgaben andererseits aufwerfeh.
- Die Ressourcen werden immer knapper. Nicht einmal die reichsten
Länder können für neue Waffen jede Menge Geld ausgeben. Für viele Entwicklungsländer ist der wirtschaftliche Druck besonders ernst. Es mangelt in
großem Maße an Schulen, Unterkünften und der Gesundheitsfürsorge.
- Und schließlich wird man sich in zunehmendem Maße überall in der Welt
neuer Werte und neuer Ziele zur Förderung des Wohlergehens des einzelnen
bewußt. Verschiedene Körperschaften der Vereinten Nationen haben ihre Arbeit

- 17 -

�Arbeit an Strategien intensiviert, um die grundlegenden menschlichen Ansprüche zu befriedigen - ein Ziel, das meine Regierung aus ganzem Herzen
unterstützt. In Zukunft - wenn Entscheidungen über größere Mittel für neue
Waffensysteme getroffen werden -wird eine immer größere Anzahl von
Regierungen zweifellos in verstärktem Maße nicht nur die eigenen Sicherheitserfordernisse in traditionellem Sinne erwägen, sondern sich auch fragen, ob
sie ihre Ressourcen insgesamt gesehen in der besten Weise nutzen, um die
grundlegenden menschlichen Ansprüche ihrer Völker zu erfüllen.
Das sind einige der Gründe, die nach unserer Ansicht eine neue Betrachtung
rechtfertigen. Dieses Thema ist enorm kompliziert. Niemand kann ernsthaft
Patentrezepte anbieten. Aber dennoch ist es notwendig, daß wir dieses Problem
in den Griff bekommen. Nach unserer Ansicht bietet die bevorstehende Sondersitzung einen willkommenen Anreiz für neue Studien wie den wichtigen
Nordischen Vorschlag, von dem ich bereits gesprochen habe, sowie für internationale Gespräche über die Natur des Problems, über mögliche Ziele und
mögliche Schritte zu ihrer Verwirklichung. Wir möchten viel tiefer in dieses
Problem eindringen. Und ich kann Ihnen allen versichern, daß wir dies

nicht

nur mit großer Aufgeschlossenheit tun werden, sondern auch mit dem Willen,
die fundamentalen Ziele zu fördern, die die internationale Gemeinschaft
zusammen verfolgt: Abrüstung, Sicherheit und Entwicklung.

+ + +

18

�28

26. Oktober 1977

BLUMENTHAL: WIRTSCHAFT BRAUCHT VERTRAUEN IN DIE ZUKUNFT
- Rede des US-Finanzministers vor der Amerikanischen Bankiersvereinigung

HOUSTON, TEXAS - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael
Blumenthal hat in einer Rede vor der Jahrestagung der American Bankers
Association (Amerikanischen Bankiersvereinigung - ABA) am 19. Oktober in
Houston, Texas, die Wirtschaft aufgerufen, Vertrauen in die Zukunft zu
haben, und den künftigen wirtschaftspolitischen Kurs der Carter-Administration aufgezeigt. Blumenthal unterstrich die primäre Bedeutung der
Privatwirtschaft für den weiteren Aufschwung und forderte die Geschäftswelt
auf, an der Gestaltung der Wirtschaftspolitik mitzuwirken, um den von
allen erstrebten langfristigen Fortschritt zu erreichen.
Die Rede des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:
In den siebziger Jahren haben Wirtschaftswissenschaftler, Wirtschaftspolitiker und führende Geschäftsleute feststellen müssen, daß viele der alten
Rezepte nicht mehr wirken.
Der Wandel der Binnen - wie der Weltwirtschaft stellt unser Verständnis

�Verständnis und unsere Fähigkeit, ein nicht-inflatorisches Wirtschaftswachstum und eine restlose Ausschöpfung unserer menschlichen und materiellen
Ressourcen zu erzielen, auf eine harte Probe.
Wir sehen uns heute beispielsweise mit einer das Maß des Tragbaren
übersteigenden Inflation und Arbeitslosigkeit konfrontiert, die gleichzeitig nebeneinander bestehen und sich offensichtlich

mit den erprobten

und bewährten Heilmethoden der Vergangenheit nicht beseitigen lassen.
Vielleicht ist es die wachsende Unfähigkeit, mit immer neuen Wirtschaftsproblemen fertig zu werden, die das in der Geschäftswelt vorherrschende
Gefühl der Unsicherheit verursacht. Was immer der Grund sein mag, niemand
wird bestreiten wollen, daß gegenwärtig ein Mangel an Vertrauen in die
Zukunft und ein alles durchdringendes Gefühl der Unsicherheit bestehen.
Wir sehen uns in der Tat vor ein beunruhigendes Paradoxon gestellt:
Einen gesunden wirtschaftslichen Wiederaufschwung im Verlauf des Jahres
1977 bei einigermaßen guten Aussichten für 1978 einerseits, und einen
Schwund an Vertrauen in Wirtschaftskreisen wie nie zuvor andererseits.
Gestatten Sie mir, die Situation etwas eingehender zu beleuchten:
Wirtschaftliche Lagebeurteilungen orientieren sich häufig im Übermaß
am Tenor der neuesten Statistiken. Das beste Beispiel der jüngsten Zeit
liefert die heutige Statistik des Bruttosozialprodukts im dritten Quartal,
die auf eine deutliche Verlangsamung der wirtschaftlichen Wachstumsrate
gegenüber der ersten Jahreshälfte hinzuweisen scheint. Sie sollte jedoch
die generell hervorragende Entwicklung unserer Wirtschaft seit der Zeit
des Konjunkturtiefs von März 1975 ebenso wenig wie ihre grundlegende Stärke
und Gesundheit vergessen machen.
Seit dem Tiefstpunkt der Rezession im März 1975 hat das Bruttosozialprodukt um fast 15 Prozent zugenommen und liegt nunmehr 8 Prozent über dem
bisherigen

absoluten Höchststand. Wenngleich die Arbeitslosenrate von

�Arbeitslosenrate von 6,9 Prozent noch immer untragbar hoch ist, stehen
gegenwärtig doch 7 Millionen Arbeitskräfte mehr in einem Beschäftigungsverhältnis als zur Zeit des Konjunkturtiefs von 1975. Allein im bisherigen
Verlauf dieses Jahres hat die Gesamtbeschäftigung um 2,7 Millionen zugenomrren.
Die wirtschaftliche Expansion ist zudem noch von der Verlangsamung
der Inflationierungsrate der Verbraucherpreise begleitet - einem Absinken
von dem
Spitzensatz
von über 14,3 Prozent im Jahre 1974 auf eine
DurchschnittsJahresrate von 5.2 Prozent in dem Dreimonatszeitraum, der im
August 1977 endete.
Gewiß, das Wirtschaftswachstum ist in jüngster Zeit von der sehr hohen
und wahrscheinlich langfristig unhaltbaren Wachstumsrate von 7 Prozent in
der ersten Jahreshälfte auf einen geringeren, aber eher aufrechtzuerhaltenden
Satz zurückgefallen, wie dies in den meisten Vorhersagen prognostiziert
worden war.
Das Nachlassen der Verbraucherkäufe traf manche Wirtschaftszweige zu einem
Zeitpunkt, an dem sie über etwas überhöhte Lagerbestände verfüqten. Es
ergab sich daher in einer Reihe von Industriezweigen ein Machlassen des
Auftragseingangs und der Produktion. Die resultierende Periode der Anpassung dürfte aber nicht lange anhalten. Sobald sie überwunden ist, rechnen
wir

mit einem Einpendeln der Rate des realen Wachstums auf etwas 5 Prozent.
Es gibt noch einen weiteren Faktor, der für ein anhaltendes, gleich-

mäßiges Wachstum spricht. Es ist dies die Tatsache, daß die Erholung in
bemerkenswerter Weise frei von jeglicher überhitzung geblieben ist, die in
früheren Wachstumsphasen der Nachkriegszeit dazu beigetragen hat, eine
weitergehende Expansion zu unterbinden.
- Die Wirtschaft hat die Vorratshaltung raschestens dem Absatz angepaßt.
Die jüngsten Statistiken deuten auf ein vernünftigeres Verhältnis zwischen

- 3 -

�zwischen Lagerbestä'nden und Absatz hin - günstiger jedenfalls als das im
ersten Quartal 1975. Selbst angesichts des relativ flachen Verlaufs der
Kurve der Einzelhandelsumsätze in den letzten Monaten, liegt diese Verhä'ltnisziffer noch immer nur knapp oberhalb des jüngsten zyklischen Tiefs
von März dieses Jahres.
- Trotz der starken Verbrauchernachfrage nach Automobilen kam es
zu keinem Boom der Verbraucherausgaben für Dauergüter, der so geartet wäre,
daß er zu einem späteren Zusammenbruch der Nachfrage führen könnte. Die
privaten Haushaltsausgaben wurden nicht im Obermaß ausgeweitet. Die Verhältnisziffern zwischen den Rückzahlungen der privaten Haushalte auf
Ratenkredite und dem verfügbaren Einkommen liegt mit 14,£ Prozent noch immer
unter dem Satz von nahezu 16 Prozent, der vom Jahre 1969 bis Anfang der
siebziger Jahre bestanden hat.
- Und obwohl die Zinssätze für kurzfristige Kredite gestiegen sind,
haben sich die Zinssätze für langfristige Kredite recht stabil gehalten;
beide Indizes liegen weit unter den vorausgegangenen Höchstsätzen.
Alle diese Faktoren zusammen resultieren in einer anhaltenden Wachstumsrate, die ausreicht, die Arbeitslosigkeit weiter zu vermindern, ohne Pressionen
zur Beschleunigung der inflationistischen Entwicklung auszulösen.
Trotz günstiger Grundvoraussetzungen mangelt es hinsichtlich der
wirtschaftlichen Entwicklung ganz eindeutig an Zuversicht. Der Aktienmarkt
hat den tiefsten Stand seit Herbst 1975 erreicht. Die Investitionen bleiben
beträchtlich hinter denen zurück, die angesichts einer rasch expandierenden
Wirtschaft und hoher Liquidität auf Seiten der Unternehmen zu erwarten
wären, auch wenn sie das Vorjahresniveau um 7 bis 8 Prozent übersteigen.
Was ist der Grund für dieses scheinbare Paradoxon? Mißinterpretiert
die Industrie die wirtschaftliche Entwicklung oder steht ein Knick derselben
bevor? Ist der Staat daran schuld, daß die Industrie den Mut verliert?
- 4 -

�verliert? Oder greift ein irrationaler Pessimismus in der Wirtschaft um
sich?

Es gibt meines Erachtens eine ganze Reihe von Gründen für den Mangel
an Vertrauen in der Wirtschaft.
Der erste Grund besteht darin, daß wir in jüngster Zeit eine Periode
beträchtlicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten erlebt haben. Als ein Mann,
der selbst an der Spitze eines großen Unternehmens gestanden hat, habe ich
- wie wohl jeder unter Ihnen - erfahren müssen, wie sich zweistellige
Inflationsraten und eine ernste Rezession auf die Unternehmensplanung
auswirken.
Die unmittelbaren Ausgangpunkte dieser Probleme waren ihrem Wesen nach
einmalig und werden sich, so hoffe ich, niemals wiederholen: der Vietnamkrieg, die fehlerhaften Reaktionen auf ihn in Steuer- und währungspolitischer
Hinsicht und die plötzliche Verfünffachung der Erdölpreise.
Die Nachwehen jener Zeiten halten immer noch an.
Wir in der Wirtschaft wurden von den sprunghaften Manövern der Wirtschftspolitik und deren wiederholten Umformulierung Anfang der siebziger Jahre
hart betroffen. Das Vertrauen in die Konstanz und Vernunft der Regierung
läßt sich nicht so rasch wiederherstellen.
Ein Erbe jener Zeiten ist auch das nach bisherigen Vorstellungen unmögliche Nebeneinander von hohen Inflations-und hohen Arbeitslosenraten.
Die Wirtschaftswelt weiß, daß seitens der Regierung ein ungewöhnliches Maß
an Vorsicht, Glück und Weitblick nötig sein wird, um die Wirtschaft aus
diesem Dilemma herauszuführen - während die meisten Geschäftsleute doch
dem Staat selbst in

noch so guten Zeiten diese Qualitäten kaum zutrauen.

Ein weiterer Faktor ist darin zu sehen, daß echte Investitionen der

- 5 -

�der Wirtschaft auf echte Gewinne gerichtet sind, während die Gewinnentwicklung sehr ungewiß verläuft.
Obwohl die Unternehmensgewinne nach Abzug der Steuern im zweiten
Quartal 1977 die Rekordhöhe von 104,3 Milliarden Dollar erreichten, ergibt
sich ein erheblich anderes Bild, wenn man dieses Gewinnniveau im Verhältnis
zu den Auswirkungen der Inflation auf die Kapitalerneuerung und zum Absatz
betrachtet.
Unter Berücksichtigung dieser Faktoren beliefen sich die Unternehmensgewinne auf nur 6 Prozent des Umsatzes. Dieser Satz liegt unter dem der
Zeit vor 1973 und dem vor dem Höhepunkt der Rezession, als er bei 8 Prozent und damit beträchtlich unter den Raten von mehr als 12 Prozent Mitte
der sechziger Jahre lag, als ein gesunder Anteil am Bruttosozialprodukt
auf die Investitionen entfiel.
Der letzte Faktor ist politischer Natur. Die Geschäftswelt begegnet
einer demokratischen Administration traditionsgemäß mit einem gewissen
Mißtrauen.
Es gibt somit mehrere Erklärungen für das Paradoxon des geringen
Vertrauens der Wirtschaft in einer Phase eines einigermaßen kräftigen
Aufschwungs. Noch wichtiger aber ist die Frage, was wir in dieser Hinsicht
tun können. Ein wichtiger erster Schritt besteht nach meinem Dafürhalten
darin, daß die Regierung ihre wirtschaftlichen Pläne für die nächsten Jahre
Ihnen gegenüber in allen Einzelheiten offenlegt. Sie haben ein Recht, zu
erfahren, welchen Kurs wir einzuschlagen gedenken, und auch warum.
Wir sind gegenwärtig dabei, diese Pläne in methodischer Weise und auf
mehrere Jahre im voraus zu erstellen. Sie werden im Verlauf der nächsten
Monate erkennbar werden, wenn das Steuerreformprogramm vorliegt und der
Prozeß zur Aufstellung des Haushalts für das Finanzjahr 1979 seinem Höhepunkt
erreicht.
Ich hoffe,

�Ich hoffe, daß Sie an diesem Planungsprozeß mitwirken werden - mit
Rat und mit offener Kritik. Gestatten Sie mir, daß ich diesen Dialog
heute morgen eröffne. Ich tue dies dergestalt, daß ich Ihnen die Grundprinzipien aufzeige, die -wie ich hoffe und aufrichtig erwarte - die
Regierung bei der Formulierung der langfristigen Wirtschaftsstrategie
leiten werden.
Das erste Prinzip beruht auf der Erkenntnis, daß der Privatsektor der
Schlüsselsektor für die Gesundheit der ganzen amerikanischen Wirtschaft
ist. Wir müssen staatliche Eingriffe in den Wirtschaftsprozeß hinsichtlich
Zielsetzung und Ausmaß in Grenzen halten. Lassen Sie mich einige spezifische
Bereiche herausgreifen:
- Wir dürfen es nicht zulassen, daß der Prozentsatz des Bruttosozialproduktes, der für die öffentliche Hand aufgewandt wird, langfristig über
21 Prozent hinausgeht. Dieser Satz entspricht dem Durchschnitt während des
letzten Jahrzehnts.
- Wir dürfen es nicht zulassen, daß die Bundes-Einkommensteuer einen
ständig wachsenden Anteil am Einkommen des einzelnen Steuerzahlers in
Anspruch nimmt. Der durchschnittliche Anteil, der bislang zwischen 10 und
12 Prozent schwankte, beläuft sich gegenwärtig auf 13 Prozent und ist im
Steigen begriffen. Wir müssen die Steuern senken, da die Inflation den
Steueranteil automatisch vergrößert. Was die Grenzsteuersätze angeht, so
sollte nach meinem Urteil kein Steuerzahler gezwungen werden, über die
Hälfte eines durch eigene Anstrengungen oder Investitionen erwirtschafteten
zusätzlichen Dollars an den Staat abführen.
- Sobald das Wachstum und die Beschäftigung an die Grenze ihres
Potentials gelangen, muß die Bundesregierung den Staatshaushalt ins Gleichgewicht bringen. Wir dürfen es nicht zulassen, daß Haushaltsdefizite zu einem
ständigen Element der wirtschaftlichen Landschaft werden.
- Wir müssen
- 7 -

�- Wir müssen kühne Maßnahmen ergreifen, um gerade auf dem privaten
Sektor neue Arbeitsplätze - Arbeitsplätze mit Zukunft - für Tausende von
Minderheitsangehörigen und jugendlichen Arbeitskräften zu schaffen, die
gegenwärtig in unseren Großstädten arbeitslos sind. Arbeitsplätze

im

öffentlichen Dienst und staatliche Ausbildungsprogramme sind notwendigekurzfristige Abhilfen, und wir bedienen uns dieser Werkzeuge bewußt.
Die einzige langfristige und wirksame Lösung besteht jedoch darin, die
derzeitigen Arbeitslosen vollständig in den privaten Sektor der Wirtschaft
einzugliedern.
Wir im Finanzministerium sind eifrig darum bemüht, unsere im Entstehen
begriffenen Programme auf den Gebieten der Beschäftigung und der städtischen
Entwicklung auf einfallsreiche Lösungen durch die private Wirtschaft auszurichten. Wir bitten Sie deshalb

bei der Lösung dieser lebenswichtigen

Aufgeben um Ihren Rat und Ihre Hilfe.
Unser zweites Prinzip besagt, daß sich der Staat bemühen muß, die
private Kapitalbildung zu fördern. Das wiederum bedeutet die Verminderung
der steuerlichen Belastung der Gewinne und die Beschränkung der regulatorischen Eingriffe auf ein Mindestmaß.
Um eine Vollbeschäftigungswirtschaft zu erreichen und in Gang zu
halten, müssen wir einen beträchtlichen Anteil unserer realen Produktion
- der Größenordnung nach rund 12 Prozent - auf Investitionen in neue
Kapital guter für eine wachsende Zahl von Arbeitskräften
verwenden;
gegenwärtig beläuft sich dieser Satz auf weniger als 10 Prozent.
Die Folge ist, daß wir gegenwärtig einen beunruhigend geringen
Produktivitätszuwachs zu verzeichnen haben. Der Produktivitätsanstieg wurde
in den sechziger Jahren mit über 3 Prozent im Jahr ausgewiesen. Im Zeitraum von 1973 bis 1976 belief er sich auf noch nicht einmal 1 Prozent. Wenn
wir es zulassen, daß sich dieser Trend

fortsetzt, werden wir die Aus-

sicht unserer Kinder auf Prosperität, Vollbeschäftigung und Preisstabilität
verspielen.
Unser drittes

�Unser drittes Prinzip erfordert, daß die staatliche Politik ein
stabiles und absehbares Umfeld für die Planung der Wirtschaft gewährleistet. Eine der Hauptursachen für die Verlangsamung der Investitionstätigkeit ist die Unsicherheit. Das einzige Mittel gegen die Unsicherheit auf dem privaten Sektor ist Stetigkeit und Besonnenheit auf dem
öffentlichen Sektor.
Ich glaube nicht, daß wir genug wissen, um eine Feinabstimmung
vornehmen zu können. Selbst wenn wir genug wüßten, scheint mir klar,
daß die wesentlicheren unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten langfristiger und chronischer Natur sind. Mit raschen Lösungen wird ihnen
nicht beizukommen sein.
Wir sollten unsere makroökonomische Politik auf die langfristigen
wichtigen Trends und Ausschläge der wirtschaftlichen Entwicklung abstimmen.
Wir müssen lernen, über das Auf und Ab monatlicher Indizes hinwegzusehen,
wei 1 sie weder zu unserem Verständnis der Wirtschaftsentwicklung beitragen noch uns zur Beeinflussung wirtschaftlicher Vorgänge befähigen.
Unser viertes Prinzip läuft darauf hinaus,daß der Staat lernen muß, mit
der Wirtschaft zusammenzuarbeiten statt gegen sie zu arbeiten, wenn es
darum geht, das Land aus Inflation und Arbeitslosigkeit herauszuführen. Das
sind Zieles die uns allen gemeinsam sind.
Nach den Ereignissen des letzten Jahrzehnts ist der Staat nicht in
der Position, dem privaten Sektor in der Frage der wirtschaftlichen Gesundheit irgendwelche Lehren zu erteilen. Wir alle sind Gefangene in der Falle
cer Stagflation, dem Stagnieren der Wirtschaft bei gleichzeitiger Inflation.
Wir können uns aus ihr nur befreien, wenn wir zu einem gemeinsamen Verständnis unseres Dilemmasfinden und eng zusammenarbeiten, um die bestmöglichen

Lösungen zu erarbeiten.

Als ehemaliger Geschäftsmann weiß ich, daß die freie Kommunikation

�Kommunikation zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor eine
Voraussetzung für Vertrauen innerhalb der Geschäftswelt ist. Wir können
Ihnen nicht versprechen, immer mit Ihnen einer Meinung zu sein oder
stets die richtige Politik zu betreiben» Aber wir können Ihnen versprechen,
und wir tun dies auch, daß wir Sie bei deren Formulierung eingehend
zu Rate ziehen werden.
Unser fünftes Prinzip geht dahin, daß die Regierung die Binnenwirtschaftspolitik in Einklang mit den Notwendigkeiten und Erfordernissen
unserer einzigartigen Rolle in der

Weltwirtschaft bringen muß. Wenngleich

unsere Wirtschaft - in bezug auf ein ausgeglichenes Wachstum, die Beschäftigung und die Inflation - in jüngster Zeit alles andere als ideal
funktionierte, wird sie doch von vielen verbündeten Industriestaaten und
auch in Kreisen der internationalen Kapitalgeber vielfach als beispielgebend
angesehen. Die Bedeutung des Dollars für die Weltwirtschaft zwingt uns,
auf dessen guten Ruf bedacht zu sein.
Ein starker und stabiler Dollar ist sowohl für die Vereinigten Staaten
als auch für die gesamte Welt von entscheidender Bedeutung.
Wie Sie wissen, haben wir gegenwärtig ein beträchtliches Außenhandelsdefizit aufzuweisen. Eine Abwertung des Dollars mit Rücksicht auf
dieses Defizit ist jedoch nicht erforderlich; sie würde zudem dieses
Defizit nicht beseitigen.
Die Lösung besteht in der Inkraftsetzung eines wirksamen Energieprogrammes und der Aufrechterhaltung einer

gesunden, expandierenden und

nicht-inflatorischer U.S.-Wirtschaft - sowie in Maßnahmen anderer, hierzu
befähigter Länder, um ihre eigene Volkswirtschaft anzukurbeln und Beschränkungen im Außenhandel abzubauen, wo solche bestehen.
Nach unserer Auffassung besteht die beste Währungspolitik für uns
- gleichzeitig auch die Währungspolitik, die langfristig die größten

- 10 -

�größten Vorteile für alle Länder mit sich bringen wird - darin, den
Wechselkursen zu erlauben, die grundlegenden wirtschaftlichen und finanziellen Umstände des jeweiligen Landes widerzuspiegeln und sich den
Veränderungen in diesen grundlegenden Bedingungen anzupassen.
Die Wechselkurse in Relation zu manchen Ländern mögen fallen und
die zu anderen steigen, weil die grundlegenden Bedingungen von Land zu
Land unterschiedlich sind und unterschiedliche Strukturen vorherrschen.
Sollten die Devisenmärkte durcheinander geraten, werden wir unsere
Politik der Marktintervention zur Behebung von Mißständen fortführen.
Obwohl unsere Handelsbilanz defizitär ist, hat sich unsere internationale
Zahlungsbilanz generell als gesund erwiesen. Wir erwirtschaften auch
weiterhin große Überschüsse auf dem Dienstleistungssektor und haben,
keineswegs überraschend, erhebliche Kapitalzuflüsse zu verzeichnen. Das
sind Quellen der Stärke für den amerikanischen Dollar, die auch weiterhin
fließen dürften.
Unser sechstes und letztes Prinzip gebietet uns, bei unseren Versuchen
zur Lösung der größeren strukturellen Probleme, die die langfristigen
Prosperitätsaussichten bedrohen, die Balance zwischen Kühnheit und Geduld
zu halten.
Wir durchlebten ein Jahr vieler kühner, neuer Initiativen. Gerade das
Tempo der Innovation hat, wie ich sehr wohl weiß, die Unsicherheit im Bereich
der Wirtschaft verstärkt, und man bezichtigt uns deshalb der Ungeduld.
Sie sollten wissen, daß sich das Tempo nunmehr zu verlangsamen beginnt.
Die geplanten politischen Maßnahmen liegen nunmehr größtenteils dem Kongreß
vor und

sind auch der Bevölkerung;bekannt.: Die Zeit ist gekommen, fortan

eher auf Konsolidierung denn auf Neuerungen bedacht zu sein.
Unsere Kühnheit wird aber nach meiner Auffassung durch die Größe der
Probleme

gerechtfertigt, mit denen wir uns konfrontiert sehen. Wir handeln

- 11 -

�handeln

nicht um des Handelns willen, sondern in Rücksicht auf die

gewaltigen Risiken, die Unterlassungen bergen würden. Unsere Kühnheit
wird durch Vorsicht gemäßigt.
Die Energieversorgung bietet das beste Beispiel. Wir werden dieses
Jahr öl im Werte von 45 Milliarden Dollar einführen, wovon die Hälfte in
den Verbrauch gehen wird. Unsere Abhängigkeit von ausländischen Lieferquellen nimmt dann immer rascher zu. Wenn wir nicht umgehend handeln,
geben wir in praxi die Herrschaft über unser wirtschaftliches Geschick
auf.
Die Auswirkungen unserer diesbezüglichen Abhängigkeit auf die
Wachstums-, Inflations- und Arbeitslosenraten sind bereits heute erheblich.
Sie könnten sehr leicht unberechenbar werden.
Am 20. April schlug Präsident Carter ein umfassendes, faires und
ausgewogenes Programm zur Bewahrung unserer Volkswirtschaft vor diesem
Schicksal vor. Das Programm zielt darauf ab, unsere öl einfuhren bis 1985
um 4,5 Millionen Barrel am Tag zu vermindern, was einer Verminderung unseres
Handelsdefizits in heutigen Preisen ausgedrückt um etwa 23 Milliarden
Dollar im Jahr entspräche.
Die Entscheidung über dieses Programm ist gegenwärtig in der Schwebe.
Die Welt blickt mit Verwunderung auf uns, während wir mit der Möglichkeit
kokettieren, nichts zu unternehmen und die Konsequenzen zu tragen. Ich kann
mir keinen gefährlicheren Kurs für unsere Wirtschaft vorstellen als diesen.
Ohne ein umfassendes Energieprogramm können wir einfach keinen
plausiblen Kurs für unser Wachstum, für unsere Investitionstätigkeit und
für den Kampf gegen die Inflation abstecken. Das weiß die ganze Welt. Das
amerikanische Volk hat nicht mehr lange Zeit, um dies zu begreifen.
Drei wichtige Komponenten des Energieprogrammes des Präsidenten

- 12 -

�Präsidenten werden gegenwärtig in Frage gestellt: die Ausgleichssteuer
auf Rohöl, die öl-und Erdgasverbrauchssteuer und die Besteuerung von
Automobilen mit übermäßigem

Benzinverbrauch. Der größte Teil der

angestrebten Verminderung der öleinfuhren sollte über diese Steuern
realisiert werden.
Die Rohölausgleichssteuer würde den Preis von Rohöl, das in den
Vereinigten Staaten gefördert wird, auf Weltpreisniveau anheben. Damit
würde die unkluge Bezuschussung von Importen, die die amerikanischen
Preiskontrollen bewirken, fortfallen.
Die vorgeschlagene Besteuerung des industriellen Verbrauchs von
öl und Erdgas zielt auf eine weitere Senkung der öl-und Erdgasimporte ab,
während Betriebe, die auf Kohle umstellen, einen Steuernachlaß erhalten
sollen.
Die Steuer auf Automobile mit übermäßigem Benzinverbrauch soll stufenweise gestaffelt sein und im Laufe der Zeit steigen. Sie würde alle neuen
Modelle erfassen, die gewissen Wirtschaftlichkeitserfordernissen hinsichtlich des Brennstoffverbrauchs nicht Genüge leisten.
Allein diese drei Steuern würden bis 1985 eine Verminderung der
amerikanischen Eröleinfuhren um 3 Millionen Barrel pro Tag bewirken, was
einer Minderbelastung unserer Außenhandelsbilanz um 15,3 Milliarden Dollar
im Jahr gleichkäme.
Neue Steuern sind nie populär. Diese Steuern aber sind fair, vernünftig
und notwendig. Die Einkünfte aus ihnen würden weitgehend und gerecht verteilt
wieder an das amerikanische Volk zurückgegeben werden. Alternativen zu
diesen Steuern sind praktisch kaum gegeben und wären jedenfalls noch schwerer
zu verkraften.
Der Präsident hat einen verantwortungsbewußten und vorsichtigen Kurs
für die Energieversorgung der Nation aufgezeigt. Ich ersuche Sie dringend,
- 13 -

�dringend, dieses Programm in Ihrem eigenen wie im Interesse der wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes zu unterstützen.
Wir verfolgen einen ähnlich vorsichtigen Kurs hinsichtlich aller
größeren politischen Aufgaben, vor die wir uns gestellt sehen:
- In dem Bemühen, zur Stabilisierung des internationalen Währungssysteins beizutragen, haben wir bei der Schaffung der Witteveen-Fazilität
mitgewirkt die den Ausgleich der Zahlungsbilanzen der Mitgliedstaaten
des Internationalen Währungsfonds (IWF) erleichtern soll.
- In dem Bemühen, der Herausforderung durch den Wettbewerb ausländischer

Importe im Bereich der Stahl - und anderer Industrien gerecht

zu werden, sind wir dabei, eine verantwortungsbewußte Politik zu erarbeiten, die amerikanische Hersteller vor unfairer Konkurrenz schützen
und den Druck auf die Preise auf dem Binnenmarkt so niedrig wie möglich
halten soll - ohne Vergeltungsmaßnahmen herauszufordern, die zu einem
neuen Handelskrieg führen könnten.
- In dem Bemühen, eine Lösung für das schwierige Problem der
Finanzierung der sozialen Sicherheit zu finden, arbeiten wir mit dem
Kongreß zusammen, um etwaige negative Auswirkungen auf die Erholung unserer
Wirtschaft auf ein Mindestmaß zu beschränken.
- Und hinsichtlich der Sozialreform erstreben wir die Inkraftsetzung
eines Gesetzes zur Reorganisation unserer Hilfsprogramme, um Verschwendung
zu vermeiden , Unterstützungsempfänger, die dazu fähig sind, zur Annahme
eines Arbeitsplatzes zu ermutigen und allen denjenigen angemessene Hilfe
zu gewähren, die wirklich Not leiden.
Darüberhinaus arbeiten wir gegenwärtig an zwei grundlegenden wirtschaftlichen Werken: dem Bundeshaushalt 1979 und einer Reform der Einkommensteuergesetzgebung. In beiden Dokumenten werden Sie aus klaren Zahlen den festen

- 14 -

�den festen Kurs ablesen können, den wir mit unserer Politik verfolgen.
Der im Januar vorzulegende Haushaltsentwurf wird der erste sein, den
diese Regierung allein erstellt hat - der erste, der unsere Grundhaltung
zum Ausdruck bringt und nicht lediglich nur eine Überarbeitung des Entwurfs
der vorausgegangenen Administration darstellt. Eingebettet in diesen
Haushaltsvoranschlag werden jene harten Entscheidungen sein, die für eine
wirksame Festsetzung von Prioritäten erforderlich sind: die Ergebnisse
der erstmaligen durchgehenden Anwendung des Konzepts der Haushaltsplanung
auf Nullbasis (zero-based budgeting), die Vorausplanung der Ausgaben auf
fünf Jahre und ein Gesamthaushaltgebaren, das unsere vordringlichsten
makroökonomische

Erfordernisse widerspiegelt.

Die Maßnahmen zur Steuerreform werden die andere Hälfte unserer
fiskalischen Einstellung zu den wirtschaftlichen Aufgaben von heute sein.
Wenn die endgültigen Entscheidungen gefallen sind, werden Sie, dessen bin
ich zuversichtlich, feststellen können, daß sie eine erhebliche und anhaltende Verminderung der Steuerlast der Unternehmen und der privaten
Steuerzahler mit sich bringen werden - Erleichterungen, die mithelfen können,
die Wirtschaft zu verstärkten Investitionen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Steigerung der Produktivität anzuregen.
Mit diesen beiden Dokumenten in Händen wird für diese Administration
die formative Phase ihrer Anstrengungen

abgeschlossen sein. Dann wird ihre

Politik in ihrer Grundgestalt erkennbar werden und die kühnen Initiativen
stärker in den Mittelpunkt treten. Dann werden wir auch mit Ihrer Hilfe
die langfristigen Fortschritte realisieren können, die wir alle erstreben.

+ + + + +

- 15 -

�26. Oktober 1977

28

USA FORDERN INTERNATIONALE KONVENTION OBER
TOXISCHE SUBSTANZEN

- (AD) - Toxische Substanzen sind ein Problem, das nach einer Erklärung von Douglas M. Costle, Leiter der US-Umweltschutzbehörde EPA und Vertreter der Vereinigten Staaten im Umweltausschuß der NATO (CCMS), zu ernster
Besorgnis Anlaß gibt. Deshalb seien Maßnahmen zu seiner Lösung vordringlich. Die Schaffung einer "Internationalen Konvention über toxische Substanzen" könne dazu Wege ebnen und außerordentlich hilfreich sein.
Die USA unterbreiteten den Vorschlag auf der Plenarsitzung des CCMS
(Ausschuß für Aufgaben der Modernen Gesellschaft) im Oktober 1977 in
Brüssel.

Costle zufolge basiert diese amerikanische Initiative zum großen

Teil auf den Ergebnissen von Studien, die das "Nationale Krebsforschungsinstitut" (Teil der medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA - NIH in Bethesda, Maryland) durchführte

bzw. durchführen ließ.

Demnach tre-

ten Krebserkrankungen generell in industriellen Ballungsgebieten "bei verstärkter Aktivität auf dem Chemiesektor" deutlich häufiger auf als anderswo.
In den letzten zwei Jahren sei dort die anteilmäßige Zahl der Todesfälle
durch Krebs viel rascher gestiegen als in den Jahrzehnten zuvor.

Nach

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Nach Schätzungen der Amerikanischen Krebsgesellschaft dürfte in den USA
jeder Vierte an Krebs in irgendeiner Form erkranken.
Das Ausmaß des internationalen Problems durch toxische Substanzen sei,
wie Costle erklärte, schon anhand der Tatsache abzuschätzen, daß allein in
den USA 30 000 verschiedene chemische Verbindungen hergestellt würden und
jedes Jahr ca. 1000 neue auf den Markt kämen.

"Obgleich wir alle von der

Anwendung von chemischen Stoffen enorm profitieren, sie einen lebenswichtigen Bestandteil unserer Industriegesellschaften bilden und einzeln keineswegs toxisch zu sein brauchen, ist "schon durch ihre bloße Zahl", so Costle,
"durch ihre wachsende Vielfalt, den wachsenden Verbrauch und die inzwischen
erkannten Belastungen für Umwelt und Gesundheit durch einige von ihnen das
ernste Risiko nicht wieder gutzumachender Schäden für die Zukunft gegeben."
Eine Reihe von Ländern hat bereits gesetzliche Regelungen für den
Umgang mit toxischen Substanzen getroffen, die sich an einem Gesetz orientieren, das der US-Kongreß im Jahre 1976 verabschiedete; andere Länder bereiten entsprechende Maßnahmen vor. Costle verwies jedoch auf die "globale
Natur der Konsequenzen aus der Produktion und dem Gebrauch gewisser chemischer
Stoffe wie Quecksilber, Blei, Kadmium, Asbest, Chloroform, Kepone, Vinylchlorid und Fluorchlorkohlenstoffen". Sie seien Anlaß genug, daß die 15
Mitgliedstaaten der CCMS-Gruppe der NATO die Ausarbeitung einer internationalen Konvention auf ihr Arbeitsprogramm setzen und sich auf jene Gebiete
einigen, auf denen eine solche Konvention besonders nützlich sein könnte.
Diese müßte, um wirksam zu sein, in spätestens 5 Jahren in Kraft treten.

+ + + + +

- 2 -

�1
I
28

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

26. Oktober 1977

VERBUNDWERKSTOFFE IN ATOMARER SCHICHTUNG
Synthetische Materialien mit neuartigen Eigenschaften

(AD). - Mit Hilfe der "Planar-Magnetron-Aufdampftechnik" können
Elemente, die in der Natur niemals zusammen vorkommen, zu synthetischen
Schichtwerkstoffen mit einzigartigen magnetischen, elektronischen und
optischen Eigenschaften kombiniert werden. Das Verfahren wurde von
Dr. Troy W. Barbee Jr., Direktor des Instituts für Materialforschung
der Stanford-Universität (Kalifornien), und Forschungsingenieur Douglas
L. Keith entwickelt. Das Institut ist Teil des Stanford-Zentrums für
Materialforschung, das von der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA
(National Science Foundation) finanziell gefördert wird.
Wie Experimente gezeigt haben, lassen sich mindestens 65 der 92
Elemente des Periodischen Systems in hauchdünnen Schichten auf einer
neutralen Unterlage - z.B. Glas oder Plastikfolie - deponieren. Die
Schichtdicke kann zwischen 5 und 5 000 Angström liegen (1 Angström =
1/10 000 000 mm, durchschnittlicher Durchmesser eines Atoms ca. 2,5
Angström).
Die abwechselnde

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die abwechselnde Beschichtung mit zwei verschiedenen Elementen
in nur wenigen "Atomlagen" hat in vielen Fällen eine Veränderung der
ursprünglichen

physikalischen Merkmale der Ausgangelemente zur Folge.

Ein Beispiel: abwechselnd wird Wolfram mit Kohlenstoff in 20 Angström
dicken Schichten aufgetragen, so ergibt sich bei dem synthetischen
Produkt eine Erhöhung der sogenannten Sprungtemperatur - d.h. jenes
Temperaturpunktes, an dem der elektrische Widerstand plötzlich auf einen
nicht mehr meßbaren

Wert absinkt und das Material superleitfähig wird.

Bei dem erwähnten Schichtmaterial steigt die Sprungtemperatur von
0,01 auf 3 Grad Kelvin, liegt also bei 3 Grad über dem absoluten Nullpunkt (Null Grad Kelvin = -273,15 Grad Celcius). Angesichts der
Schwierigkeiten, die das Abkühlen in diesem extrem tiefen Temperaturbereich
mit flüssigen Helium schon um jedes weitere Zehntel Grad mit sich bringt,
ist eine Möglichkeit zur Anhebung der Sprungtemperatur bestimmter Werkstoffe um fast 3 Grad Kelvin von größtem Interesse für die Technik. Denn
überall auf der Welt sind Wissenschaftler auf der Suche nach geeigneten
supraleitfähigen Materialien mit höheren Sprungtemperaturen als jenen
im Bereich des absoluten Nullpunkts - Materialien, die für Stromleitungen,
Elektromagnete und andere Anlagen verwendet werden sollen, um Größe und
Gewicht elektrischer Anlagen stark zu reduzieren, gleichzeitig ihren
Leistungsbereich zu vergrößern und ihren Eigenverbrauch an Energie zu
senken.
Manche der neuen Schichtkombinationen von Barbee und Keith wiesen eine
außergewöhnlich hohe mechanische Festigkeit bei auffallend guter Verformbarkeit auf. Die Festigkeitswerte lagen oft nahe bei den theoretischen
Grenzen, die man für Metalle errechnet hat. Kürzlich präsentierte Dr. Barbee
ein Material scheibchen von 1,35 Mikron Dicke (1 Mikron • 1/1000 mm), das aus
1800 Schichten von Kupfer und Niobium zusammengesetzt war. Jedes der
abwechselnd aufgebrachten Schichten war 10 bzw. 5 Angström dick. Das bedeutet, daß sie aus jeweils nur 4 bzw. 2 Atomlagen bestanden.
Bei dieser

�Bei dieser Schichtung - d.h. bei Dicken unter 40 Angström - treten
eigenartige Effekte auf: Es kommt beispielsweise zu deutlichen Austauschund Verbindungsreaktionen. In einigen Fällen nehmen Elemente neue Kristallstrukturen an, die denjenigen des Elements der

Nachbarschicht entsprechen.

Andere Elenente verlieren ihre Kristall struktur und werden zu einer Art
amorpher Masse. In beiden Fällen bleibt die Schichtung bestehen, aber die
Kristall strukturen des synthetischen Materials sind anders als jene, die in
der Natur beobachtet werden. Die damit einhergehenden Veränderungen der
optischen, magnetischen und elektronischen Eigenschaften sind noch nicht
alle bekannt, geschweige denn geklärt.
Aktionsmedium für die Beschichtung ist ionisiertes Argongas. Ein
Magnetron beschleunigt die Argon-Ionen auf hohe Geschwindigkeiten und richtet
den Strahl auf die Zielsubstanz (z.B. Niobium, Kupfer, usw.). Aus dieser
Substanz werden Atome freigesetzt, die strahl förmig auf das fortlaufend
weiterbewegte Trägermaterial auftreffen. Durch präzise Steuerung

der

elektrischen Spannung ist es, so Barbee und Keith, möglich, die Schichten
glatt und bemerkenswert einheitlich in der Dicke zu halten. Dazu trägt auch
die Tatsache bei, daß nur das Auflagematerial, nicht aber die Quelle des
Atomstrahls bewegt wird. Deshalb würde sich das Verfahren - mit gewissen
Anpassungsmaßnahmen - auch für technische Prozesse in der Industrie eignen,
beispielsweise für die Herstellung von Solarzellen, zum Beschichten
diffiziler Teile von Maschinen, für korrosionsbeständige Materialien, oder
auch für völlig neuartige Verwendungszwecke.

+ + + + +

- 3 -

�I

Wi//en/chaft
und Technik
United States Information Service

26. Oktober 1977

28

MANGANSPIEGEL UND EPILEPSIE

- (AD) - Ein ungewöhnlich niedriger Manganspiegel im Blut kann in gewissen Fällen die Ursache epileptischer Anfälle sein. Dies berichtete ein
kanadisches Forscherteam Anfang September 1977 auf der Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Chemie in Chicago. Vor allem Kinder, bei denen die
üblichen Labortests zu keinen entsprechenden Ergebnissen führen und irgendwelche neurologischen Erkrankungen in der Familie oder andere mögliche Schädigungen fehlen, die einen Hinweis auf die Ursachen der Anfälle geben könnten,
sollten auf die Konzentration von Spurenelementen im Blut, insbesondere von
Mangan, untersucht werden.
Die Ärztegruppe vom Saint Mary's Hospital in Montreal kam durch den
Fall eines 12jährigen Jungen zufällig diesem Mangel und seinen schwerwiegenden Folgen auf die Spur. Die Anfälle hatten begonnen, als er vier Jahre alt
war, und verschlimmerten sich in den folgenden acht Jahren immer mehr. Die
Routinetests ergaben nicht den geringsten Anhaltspunkt für die Ursache, bis
schließlich Dr. Jukio Tanaka mit zwei seiner Kollegen die Konzentration der
Spurenmetalle im Blut zu prüfen begannen. Dabei zeigte sich, daß der Manganspiegel bei dem Jungen nicht einmal die Hälfte des Normalwertes erreichte;
Auch bei seiner Mutter war er stark erniedrigt.

Nachforschungen in ähnlich cjej

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�gelagerten Fällen erbrachten weitere einschlägige Hinweise, so daß nun die
Untersuchungen auf einen großen Patientenkreis ausgedehnt wurden.

Sie erga-

ben, daß bei epilepsiekranken Kindern der Manganspiegel erniedrigt ist. Ähnliche Anomalien seien manchmal, aber keineswegs immer auch bei erwachsenen
Patienten zu beobachten.

Die Forschergruppe experimentiert gegenwärtig mit

speziellen Nahrungszusätzen, die den Manganmangel ausgleichen sollen.

Sie

hoffen, damit wirksame therapeutische Effekte erzielen und möglicherweise
auch eine vorbeugende Behandlung erreichen zu können.

Die bisherigen vor-

läufigen Ergebnisse seien "sehr ermutigend".
Dr. Tanaka verwies darauf, daß er nicht behaupte, die Ursache oder eine
Möglichkeit zur Heilung der Epilepsie gefunden zu haben. Aber er ist überzeugt, mit seinen Mitarbeitern ein ganz neues Feld für die Erforschung von
Anfallskrankheiten eröffnet zu haben.

Daraus ergebe sich die Chance, zumin-

dest einer Reihe von Patienten wirksam zu helfen.

Schon im Jahr 1963 hatten

übrigens Tierexperimente ergeben, daß sich Manganmangel bei trächtigen Ratten
mit krampfartigen Störungen an ihrer Nachkommenschaft auswirkt.

+ + + + +

Berichtigung
zu unserem Artikel "Neue Mittel gegen Viruskrankheiten"
In unserer Ausgabe Nr. 27 vom 12. Oktober 1977 ist in dem Artikel
"Neue Mittel gegen Viruskrankheiten" (Wissenschaft und Technik) im ersten
Absatz, achte Zeile aus einem technischen Versehen Hirnhautentzündung statt
richtig Gehirnentzündung geschrieben worden. Wir bitten, diesen Fehler zu
entschuldigen und zu korrigieren.

- 2 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8194">
                <text>26.10.1977</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8195">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="8196">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14185">
                <text>Amerikadienst 26.10.1977</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="14186">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA wollen echte Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede von US-Botschafter Fisher vor dem Politischen Ausschuss der Vereinten Nationen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal: Wirtschaft braucht Vertrauen in die Zukunft&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Finanzministers vor der Amerikanischen Bankiersvereinigung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA fordern internationale Konvention über toxische Substanzen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verbundwerkstoffe in atomarer Schichtung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Synthetische Materialien mit neuartigen Eigenschaften -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manganspiegel und Epilepsie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Berichtigung -&amp;nbsp;&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1830" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1841">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/4b780322cf879c7964ea0f1c64e32c95.pdf</src>
        <authentication>4bb4ce56680f46cf4a659bcac4dfc5b4</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9254">
                    <text>^^v

nformotion
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43/A

26. Oktober 1983
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan gibt multinationalen Einsatz auf Grenada bekannt
- Pressekonferenz mit Ministerpräsidentin Charles von Dominica Reagan: USA handeln im Libanon für die Sache des Weltfriedens
- Erklärung des Präsidenten vor Zeitungs- und Rundfunkredakteuren US-Außenminister bezeichnet Syrien, Sowjetunion und Iran als
Feinde des Friedens im Libanon
- Erklärung von Shultz vor dem US-Kongreß Reagan:

USA werden am Konferenztisch in Genf ausharren

- Pressekonferenz des US-Präsidenten HINTERGRUNDMATERIAL
Rüstungskontrolle und Ost-West-Beziehungen
- Von Richard R. Burt, Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium Lech Walesa mit dem "Shelby Cullom Davis-Preis" ausgezeichnet
- Von unserer Korrespondentin Judy Aita WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Raumfahrt fester Bestandteil der US-Politik
- Präsident Reagan zum 25. Jahrestag der Gründung der NASA -

Um Übcr/cn Jung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 B o n n 2

Tel.:0228-339 2035
Telex: 8-85432

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

26. Oktober 1983

REAGAN GIBT MULTINATIONALEN EINSATZ AUF GRENADA BEKANNT
Pressekonferenz mit Ministerpr'äsidentin Charles von Dominica

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan gab am 25. Oktober 1983
einen multinationalen Einsatz mit Unterstützung der Vereinigten Staaten zur
Wiederherstellung von Ordnung und Demokratie auf der Karibikinsel Grenada
bekannt. Auf einer Pressekonferenz zusammen mit der Ministerpräsidentin
des Inselstaates Dominica teilte er mit, daß auf Ersuchen der Organisation
Ostkaribischer Staaten Einheiten dieser Staaten auf der Insel gelandet sind.
Die Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
Präsident Reagan:

Meine Damen und Herren, am Sonntag, dem 23. Oktober,

erhielten die Vereinigten Staaten ein dringendes, formelles Ersuchen von
fünf der Mitgliedstaaten der Organisation Ostkaribischer Staaten, eine gemeinsame Anstrengung zu unterstützen, auf der Insel Grenada Ordnung und Demokratie wiederherzustellen.
Wir sind

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Wir sind diesem Ersuchen nachgekommen, uns an einer multinationalen
Anstrengung mit Kontingenten aus Antigua, Barbados, Dominica, Jamaica,
St. Lucia, St. Vincent und den Vereinigten Staaten zu beteiligen.

Ich muß

hinzufügen, daß zwei dieser Länder, Barbados und Jamaica, nicht Mitglied
der Organisation sind, aber von der Organisation Ostkaribischer Staaten als
erste angesprochen - wie auch wir später - und gebeten wurden, an dem Unternehmen mitzuwirken.

Dann schlössen sich alle einstimmig in der Bitte an

uns zusammen, mitzuwirken.
In den frühen Morgenstunden des heutigen Tages begannen Streitkräfte
aus sechs karibischen Demokratien und den Vereinigten Staaten eine Landung
- bzw. mehrere Landungen - auf der Insel Grenada in der östlichen Karibik.
Wir haben diese entscheidende Aktion aus drei Gründen unternommen:
Von erster und oberster Bedeutung ist der Schutz unschuldiger Leben,
einschließlich von 1000 Amerikanern, deren persönliche Sicherheit selbstverständlich mein überragendes Anliegen ist.
•

Zweitens geht es um die Verhinderung eines weiteren Chaos.
Drittens wollen wir bei der Wiederherstellung von Recht und Ordnung
und von Regierungsinstitutionen auf der Insel Grenada helfen, wo eine brutale Gruppe linker Schurken mit Gewalt die Macht an sich gerissen, den Ministerpräsidenten, drei Kabinettsmitglieder, zwei Gewerkschaftsführer und
andere Zivilisten, einschließlich Kinder, ermordet hat.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Diese kollektive Maßnahme ist uns durch Ereignisse aufgezwungen worden, die in der Ostkaribik
beispiellos sind und die nicht in eine zivilisierte Gesellschaft gehören.
Es geht um das Leben von Amerikanern.
möglich beobachtet:

Wir haben die Lage so genau wie

Zwischen 800 und 1000 von ihnen,einschließlich vieler

�einschließlich vieler Medizinstudenten und älterer Bürger, machen die größte
Gruppe ausländischer Bewohner von Grenada aus.
Von Anfang an waren wir bewußt darum bemüht, keine Befürchtungen aufkommen zu lassen.

Wir waren entschlossen, eine ohnehin schon schlimme Situ-

ation nicht noch zu verschlimmern und dadurch das Risiko für unsere Bürger
zu erhöhen. Aber als ich Berichte erhielt, daß eine große Gruppe unserer
Bürger versuche, von der Insel zu fliehen und sich damit großer Gefahr aussetzte, und nachdem ich ein formelles Ersuchen um Hilfe erhielt - ein einstimmiges Ersuchen unserer Nachbarstaaten - kam ich zu dem Schluß, daß die Vereinigten Staaten keine andere Wahl hatten, als stark und entschlossen zu
handeln.
Lassen Sie mich wiederholen: Die Ziele der Vereinigten Staaten sind
klar - unsere eigenen Bürger zu schützen, die Evakuierung jener zu erleichtern, die die Insel verlassen wollen,und bei der Wiederherstellung demokratischer Institutionen auf Grenada zu helfen.
Ich kann verstehen, daß mehrere karibische Staaten wollen, daß die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) sich mit der Lage auf Grenada befaßt.
Unsere diplomatischen Bemühungen erfolgen in enger Zusammenarbeit mit
der Organisation Ostkaribischer Staaten und den anderen Ländern, die sich
an dieser multinationalen Anstrengung beteiligen.
Und jetzt bin ich sehr stolz, Ihnen die Vorsitzende der Organisation
Ostkaribischer Staaten und Ministerpräsidentin von Dominica, Ministerpräsidentin Charles, vorstellen zu dürfen.
Ministerpräsidentin Charles:

Ich glaube, wir waren alle entsetzt über

die Ereignisse, die kürzlich auf Grenada stattfanden. Wir gehören als Teil
der Organisation ostkaribischer Staaten zusammen und haben erkannt, daß wir

- 3 -

�daS wir natürlich eine Region sind und miteinander eng verbunden sind.

Wir

alle haben Angehörige unserer Staaten auf Grenada.
Wir sind sehr besorgt, daß sich diese Ereignisse wiederholen könnten.
Es ist richtig, daß wir es fertiggebracht haben, seit März 1979 mit dem
(dorigen) Regime zu leben.

Und wir hatten den deutlichen Eindruck und gute

Gründe zur Annahme, daß das Bishop-Regime die Dinge mehr mit unseren Augen
sehen würde und Wahlen abhalten wolle.

Und ich glaube, genau das war der

Grund, warum er und sein Kabinett beseitigt wurden - weil er einzusehen begann, daß die von uns gestellte Forderung nach Wahlen sich lohnte, daß sie
richtig war.

Und er begann einzusehen, daß in allen diesen kleinen Ländern

demokratische Institutionen eingesetzt werden müßten.
Es ist gerade für einen kleinen Inselstaat, einen armen Inselstaat, besonders wichtig, demokratische Institutionen zu haben.
seit langer Zeit, wir
hin haben.

Und wir haben sie

haben sie noch immer, und wir wollen sie auch weiter-

Grenada war in dieser Hinsicht eine Abweichung.

Aber als jene Männer, die in all den Jahren das Bishop-Regime akzeptierten, aus eigensüchtigen Gründen - ich meine aus machthungrigen Gründen sich entschlossen, diejenigen zu vernichten, die sie so lange als ihre Führer anerkannt hatten, begannen wir zu begreifen, daß wir nicht zulassen durften, daß diese Art von Mord in unserem Lande weitergeht.
Das bedeutet, daß unsere Menschen dort nicht sicher sind.

Es bedeutet,

daß den Einwohnern von Grenada niemals die Chance gegeben wurde, selbst das
Land zu wählen, in dem sie leben wollen.
wir dafür sorgen, daß sie diese Chance

Und deshalb ist es notwendig, daß
bekommen.

Um das zu erreichen, müssen wir die Personen isolieren, die diese Taten
in der vorigen Woche begangen haben, als sie den größten Teil des Kabinetts
umbrachten. Und wir müssen sicherstellen, daß eine Interimsregierung eingesetzt wird aus Personen nicht mit politischem Machthunger, sondern aus Per-4 -

�aus Personen, die gute Administratoren und Bürger Grenadas sind, die das
Land einige Monate lang regieren können - allein zu dem Zweck, das Land in
einen demokratischen Status zurückzuversetzen, damit so bald wie möglich
Wahlen stattfinden können. Das ist es, was wir wollen, damit die Einwohner
Grenadas selbst die Regierung wählen können, die sie wollen und nicht haben.
Alle paar Jahre sind ihnen Regierungen aufgezwungen worden.
FRAGE:

Haben Sie Informationen, daß die Sowjets und die Kubaner hinter

dieser Machtübernahme in Grenada standen?

Haben Ihnen die Chefs des Gemein-

samen Stabes gestern hierzu etwas mitgeteilt?
ANTWORT (Ministerpräsidentin Charles):

Ja, wir haben diese Information.

Ich kann Ihnen nicht alle Einzelheiten mitteilen, um die Sicherheit von Menschen nicht zu gefährden.

Aber wir stellten mit großer (Sorge) in den zwei

Wochen vor der Ermordung Bewegungen zwischen der sowjetischen Botschaft und
bekannten Aktivisten fest

sowie die Rückkehr von Aktivisten nach Grenada

- offentsichtlich bestand hier ein Zusammenhang.
FRAGE:

Können Sie uns mitteilen, ob alle Amerikaner in Sicherheit sind?

Können Sie uns das sagen?
kräfte dort bleiben?

Und wie lange werden die amerikanischen Streit-

Welche Rolle haben sie?

ANTWORT (Präsident Reagan):

Wir wissen nicht, wie lange das dauern wird.

Wir wollen uns so rasch wie möglich zurückziehen, denn der Zweck unseres
Dortseins ist nur der, sie (die Einwohner Grenadas) in die Lage zu versetzen,
ihre eigenen Geschäfte selbst zu übernehmen.
Bürger sicher.

Soweit wir wissen, sind unsere

Wir haben das sehr genau verfolgt. Und eines unserer Haupt-

ziele der eigentlichen Invasion, das fast sofort erreicht wurde, war die
Sicherung des St. Georges Medical College, wo sich einige hundert Studenten
befanden.
FRAGE:

Herr Präsident, noch gestern nachmittag hat einer Ihrer eigenen

Sprecher versichert, daß sich die Amerikaner auf Grenada nicht in Gefahr be-

- 5 -

�Gefahr befänden.
ANTWORT:

Hatten Sie Informationen, daß sich das geändert hatte?

Sie waren nicht in Gefahr in dem Sinne, daß man ihnen unmittel-

bar etwas getan hätte. Aber wir wissen, daß Besorgnis herrschte, denn wir
wurden informiert, daß einige hundert die Insel verlassen wollten.
Flugplätze waren geschlossen.

Aber die

Man konnte die Insel nicht verlassen.

Hier

ging es nicht darum, darauf zu warten, bis ihnen wirklich etwas passierte.
Aber es gelang uns, einige nachrichtendienstliche Erkenntnisse von der Insel
zu gewinnen - Erkenntnisse darüber.

Und die gespannte Lage war, wie ich sagte,

das einzige, auf das man sich im Sinne einer Regierungsauslibung auf dieser Insel verlassen konnte, eine 24stündige Ausgangssperre, mit dem Befehl, auf
jeden, der sich in diesen 24 Stunden zeigte, ohne Anruf zu schießen.
FRAGE:
ANTWORT:

Wie ist die militärische Lage auf Grenada jetzt?
Ich kann Ihnen lediglich sagen, daß wir im Besitze beider

Flugplätze sind; und die Landungen sind abgeschlossen.

Aber wir beugen uns

dem Einfluß von General Vessey in dem Sinne, daß wir in diesen frühen Stunden
dieser Landung die Befehlshaber nicht sinnloserweise bitten sollten, anzuhalten und detaillierte Berichte zu geben.
FRAGE:

Glauben Sie, daß die Vereinigten Staaten das Recht haben, in

ein anderes Land einzudringen, um seine Regierung zu ändern?
ANTWORT (Ministerpräsident™ Charles): Ich glaube nicht, daß es sich
um eine Invasion handelt - wenn ich diese Frage beantworten darf.
hier darum, daß wir um Unterstützung gebeten haben.

Es geht

Wir sind eine Region.

Grenada gehört voll und ganz zu uns - in einer Organisation.

Und wir selbst

haben nicht die Fähigkeit, dafür zu sorgen, daß die Einwohner von Grenada die
Freiheit erhalten, die sie brauchen, um eine eigene Regierung zu wählen.
FRAGE:

Nach all dem, was im Libanon geschehen ist, sind unsere Kräfte

nicht zu dünn geworden, Herr Präsident?
ANTWORT: Nein,
- 6 -

�ANTWORT:

Nein, sie sind nicht zu dünn geworden.

Und lassen Sie mich

das, was die Ministerpräsidentin eben gesagt hat, noch ergänzen. Als diese
Nationen, die einst britische Kolonien waren, unabhängig wurden, hatten sie
selbst einen Vertrag.

Und es war ein Vertrag über gegenseitige Unterstützung.

Und Grenada ist eines der Länder - der Signatarstaaten

dieses Vertrages - und

es hat diesen Vertrag eingehalten, als es noch eine demokratische Regierung
und eine Verfassung hatte - eine verfassungsmäßige Regierung.
wurde von den Briten hinterlassen.

Die Verfassung

Die Maßnahme, die jetzt getroffen wird,

wird also unter dem Schirm eines bestehenden Vertrages getroffen.
FRAGE:

Es gibt Berichte, nach denen ein Hubschrauber abgeschossen wurde,

daß über Grenada ein amerikanischer Hubschrauber abgeschossen wurde.

Haben

Sie Informationen über amerikanische Verluste auf der Insel?
ANTWORT:

Nein, ich war in Sitzungen, und wir beide (der Präsident und

die Ministerpräsidentin) waren sehr beschäftigt, seit wir hier eintrafen.
Und ich habe erst die ersten Berichte über die Landung usw. vorliegen.

Ich

kann also nicht sagen, ob das stimmt oder nicht.
FRAGE:

Was für Berichte haben Sie bezüglich des Erfolgs der amerika-

nischen Operation in der Karibik erhalten?
ANTWORT:

Die Anfangsoperation, die Landung, die Sicherung der ersten

Ziele waren ein voller Erfolg.

+ + + + +

- 7 -

�I

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

26. Oktober 1983

REAGAN: USA HANDELN IM LIBANON FÜR DIE SACHE DES WELTFRIEDENS
Erklärung des Präsidenten vor Zeitungs- und Rundfunkredakteuren -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat am 24. Oktober 1983 betont,
daß die Vereinigten Staaten für die Sache des Weltfriedens handeln, wenn sie im
Libanon für den Frieden eintreten.

In einer Erklärung vor regionalen Zeitungs-

und Rundfunkredakteuren sagte der Präsident in Washington, ein stabiler Friede
.im Libanon sei der Schlüssel zum Frieden im ganzen Nahen Osten.

Gleichzeitig

versicherte er, daß die USA sich weiterhin solange an der multinationalen Friedenstruppe im Libanon beteiligen würden, bis deren Aufgabe erfüllt sei.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Angesichts der Ereignisse im Libanon verzichte ich auf die Ausführungen, die
ich ursprünglich heute vor Ihnen machen wollte, und möchte vor Ihnen folgende
Erklärung abgeben:
Die gestrigen Akte des Terrorismus in Beirut, die das Leben so vieler junger
amerikanischer und französischer Soldaten kosteten, waren ein mahnender Hinweis
auf jenen Typ eines Gegners, dem wir uns heute in zahlreichen kritischen Gebieten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�kritischen Gebieten der Welt gegenübersehen - böse, feige und rücksichtslos.
Worte können nicht die Tiefe der Gefühle ausdrücken, die wir für jene tapferen
Soldaten und ihre Angehörigen empfinden.
Viele Amerikaner fragen sich, warum wir unsere Truppen im Libanon beibehalten sollen.

Der Grund für ihr Verbleiben dort, bis die Situation unter

Kontrolle ist, liegt auf der Hand.

Wir verfolgen lebenswichtige Interessen im

Libanon, und wir handeln dort für die Sache des Weltfriedens.
Zusammen mit unseren Verbündeten Großbritannien, Frankreich und Italien
bilden wir die multinationale Friedenstruppe, die sich um den Abzug aller fremden
Truppen aus dem Libanon und dem Bereich von Beirut bemüht, während die neue
libanesische Regierung Maßnahmen zur Wiederherstellung der Souveränität im ganzen
Lande unternimmt.

Wenn wir im Libanon den Frieden fördern, dann stärken wir die

Kräfte des Friedens überall im Nahen Osten.

Dies ist kein Ziel von Republikanern

oder Demokraten, sondern ein Ziel, das alle Amerikaner gemeinsam verfolgen.
Der Frieden im Libanon ist jetzt und in Zukunft der Schlüssel für die Stabilität in dieser Region.

In dem Ausmaß, wie die Aussichten auf eine zukünftige

Stabilität von der Anwesenheit unserer Truppen stark beeinflußt werden, ist dies
auch entscheidend wichtig für unsere Glaubwürdigkeit weltweit.

Wir dürfen es

nicht zulassen, daß internationale Verbrecher und Mörder wie diese den Frieden im
Libanon untergraben.

Der Kampf für den Frieden ist unteilbar.

Wir können uns

nicht aussuchen und auswählen, wo wir die Freiheit unterstützen wollen. . Wir
können nur darüber entscheiden, wie wir dies tun.
Wenn die Freiheit an einer Stelle verlorengeht, dann sind wir alle die
Verlierer.

Wenn andere davon überzeugt sind, daß sie uns und unsere Verbündeten

im Libanon einschüchtern können, dann werden sie auch anderswo immer kühner
werden.

Wenn der Libanon unter der Tyrannei von Kräften endet, die dem Westen

feindlich gegenüberstehen, dann wird nicht nur unsere strategische Position im
östlichen Mittelmeer gefährdet sein, sondern auch die Stabilität des gesamten
Nahen Ostens, einschließlich der Rohstoffgebiete der Arabischen Halbinsel.
Im Zusammenwirken
- 2 -

�Im Zusammenwirken mit unseren Partnern in der multinationalen Friedenstruppe ergreifen wir Maßnahmen, um die Selbstverteidigungskapazität unserer
Streitkräfte zu stärken.

Die Vereinigten Staaten werden sich nicht durch

Terroristen einschüchtern lassen.

Wir haben starke Indizienbeweise, die die

Attentäter dieses jüngsten grausamen Anschlages mit jenen in Zusammenhang
bringen, die gegen uns in der jüngsten Vergangenheit verübt wurden, einschließlich des Bombenanschlags auf unsere Botschaft in Beirut im April dieses Jahres.
Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um festzustellen, wer die Verbrecher sind, die für diesen terroristischen Akt verantwortlich sind, damit
diese verabscheuungswürdige Tat nicht ungesühnt bleibt.

+ + + + +

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

26. Oktober 1983

US-AUSSENMINISTER BEZEICHNET SYRIEN, SOWJETUNION UND IRAN ALS
FEINDE DES FRIEDENS IM LIBANON
- Erklärung von Shultz vor dem US-Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister George Shultz erklärte am 24. Oktober 1983 vor zwei Ausschüssen des Kongresses, noch wisse man
nicht, wer für die Terroranschläge im Libanon direkt verantwortlich sei, aber
es sei nicht schwer herauszufinden, wer die Feinde des Friedens im Libanon
sind:

Syrien, die Sowjetunion und der Iran.

Shultz kündigte an, daß er noch

diese Woche nach Europa reisen werde, um Konsultationen mit den Außenministern
der Länder zu führen, die außer den USA an der multinationalen Friedenstruppe
im Libanon beteiligt sind:

Großbritannien, Frankreich und Italien.

Die Ausführungen des amerikanischen Außenministes haben folgenden Wortlaut:
Ich bedauere es, unter solch tragischen Umständen vor Ihnen zu stehen,
aber ich begrüße trotzdem die Gelegenheit, mit Ihnen über unsere Politik im
Libanon angesichts der gestrigen Ereignisse zu sprechen.
Diese, gegen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Diese gegen unsere Streitkräfte begangene Untat erinnert uns, wie der
Präsident gestern sagte, an die bestialische Natur jener Elemente im Nahen
Osten, die die Macht übernehmen werden, wenn wir nicht ausharren und stark
sind.
Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um dem Mut und den Opfern unseres französischen Verbündeten unsere Anerkennung zu zollen»wie auch mein
persönliches Mitgefühl gegenüber den Familien all jener zum Ausdruck zu
bringen, die umgekommen sind - ob Amerikaner oder Franzosen.
Lassen Sie mich etwas zu den allgemeineren Fragen sagen, um die es geht,
und dann etwas über die Lage im Libanon.

Um was es im Libanon geht
Wir sind im Libanon, weil das Ergebnis im Libanon unsere Position im
ganzen Nahen Osten berühren wird. Wenn man fragt, warum der Libanon so wichtig ist, dann heißt das zu fragen, warum der Nahe Osten so wichtig ist - die
Antwort ist die gleiche.
Die Vereinigten Staaten haben sich in der Suche nach Frieden im Nahen
Osten engagiert, weil es sich um eine Region von lebenswichtiger strategischer
und wirtschaftlicher Bedeutung für die freie Welt handelt - weil es sich um
eine Arena des Wettstreits zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion handelt; weil wir eine tiefe und bindende Verpflichtung gegenüber Israel
und ein Interesse an der Stärkung der Tendenzen der Mäßigung in der arabischen
W£lt haben, und schließlich weil unsere führende Rolle in der Nahost-Diplomatie ein Ausdruck der Verantwortung Amerikas als führende Macht der Welt ist.
Die Krise im Libanon kann nicht von der generelleren Krise im Nahen Osten
isoliert werden.

Das war die zentrale Frage der Tragödie im Libanon während

der letzten 15 Jahre.

Die Auseinandersetzung im Libanon involviert viele der

gleichen Beteiligten, die in dem allgemeineren Nahost-Drama eine Rolle spielen:
- 2 -

�Rolle spielen:gemäßigte Elemente, die sich nach einer friedlichen Beilegung
der Auseinandersetzungen sehnen, und radikalen Elementen, die als Kern ihrer
Politik Haß predigen und praktizieren.

Die Dinge, um die es im Libanon geht,

sind daher im wesentlichen die gleichen Dinge, um die es bei dem Streben nach
Frieden im Nahen Osten geht:

Fragen der Sicherheit, Achtung vor der natio-

nalen Souveränität und die Tragfähigkeit friedlicher Lösungen.
Im Libanon geht es um das Schicksal des zweiten gemäßigten arabischen
Landes, das ein wesentliches Abkommen mit Israel ausgehandelt hat.
Ich brauche wohl nicht näher darauf einzugehen, was es für den Gesamtfriedensprozeß und für die langfristige Sicherheit Israels bedeuten würde,
wenn der Angriff auf diese gemäßigte Regierung Erfolg haben sollte.

Das ist

ja einer der Hauptgründe, warum dieser Angriff stattfindet.
Es geht um das Recht eines kleinen Landes, wie des Libanon, selbst darüber zu entscheiden, wie es seine Ziele der Souveränität ohne Druck, Bedrohung oder Erpressung von außen erreichen kann. Das ist ein Grundprinzip des
internationalen Rechts und der internationalen Moral, das nicht nur für die
Zukunft des Nahen Ostens, sondern auch für jene Welt von Bedeutung ist, in der
wir für den Rest des Jahrhunderts leben wollen.
Wenn die Bemühungen Amerikas um friedliche Lösungen mit brutaler Gewalt
zunichte gemacht werden, dann ist unsere Rolle auch anderswo in der Welt geschwächt.

Freunde, die sich auf uns verlassen, werden entmutigt und weit

weniger sicher sein.

Gemäßigte in der arabischen Welt, die wir ermutigen,

das Risiko des Friedens auf sich zu nehmen, werden dies weit weniger sicher
tun können.

Und letztlich wird die Sicherheit Israels geschwächt sein.

Wenn wir aus dem Libanon vertrieben werden, dann werden radikale und
alles ablehnende Elemente einen großen Sieg errungen haben.

Es wird die Bot-

schaft verkündet werden, daß es sich auszahlt, sich auf die Sowjetunion zu
verlassen, und daß es ein fataler Fehler wäre, sich auf die Vereinigten Staaten

- 3 -

�Vereinigten Staaten zu verlassen.
Das ist natürlich genau das Gegenteil der Botschaft, die wir mit unserer
Außenpolitik vermitteln wollen.
Wenn wir aus dem Libanon vertrieben werden, dann wird das ein starker
Schlag gegen die amerikanische Position im Nahen Osten sein.

Wenn wir die

Rolle und den Einfluß einer Großmacht haben wollen, dann müssen wir auch die
Verantwortung einer Großmacht übernehmen.

Wenn wir als Amerikaner beschließen,

daß wir die Rolle und den Einfluß einer Großmacht nicht haben wollen, dann
denke ich mit Entsetzen daran, was für eine Welt der Anarchie und Gefahr unsere
Kinder erben werden.

Unsere Politik im Libanon
Lassen Sie mich etwas über unsere Politik im Libanon sagen.
Unser Ziel im Libanon ist eine politische Lösung zwischen der Regierung
und den verschiedenen religiösen Gruppen, die auf eine breiter fundierte Regierung abzielt und ihre Souveränität im ganzen Land ausüben kann. Unter
solchen Umständen sehen wir den Abzug aller ausländischen Streitkräfte wie
auch Sicherheitsvereinbarungen vor, um die Sicherheit der Nordgrenze Israels
zu gewährleisten. Dieser Prozeß der politischen Schlichtung ist eine dringende Aufgabe. Er sollte in der Verantwortung der libanesischen Führer und
des libanesischen Volkes an oberster Stelle stehen. Er ist auch für uns von
hoher Priorität.
Ein Schritt auf dem Wege zu diesem Ziel war das Abkommen zwischen dem
Libanon und Israel vom 17. Mai. Es sieht einen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen dem Libanon und Israel vor, und es bietet die einzige bestehende Abmachung für die Gewährleistung des israelischen Abzugs, während es
gleichzeitig die grundlegenden Probleme der Sicherheit der Grenzen anspricht,

- 4 -

�Grenzen anspricht, die die Krise im Libanon überhaupt erst ausgelöst haben.
Wir werden weiterhin für dieses Abkommen einstehen, und wir erwarten den
Tag, an dem es verwirklicht wird.
Unser Ziel ist eine politische Lösung, keine militärische Lösung.

Je-

doch ist die Anwesenheit der Angehörigen unseres Marinekorps eine tragende
Säule des Gebäudes der Stabilität, das nötig ist, um eine politische Lösung
zu ermöglichen.

Unsere Strategie ruht auf mehreren solcher Säulen:

- Die Angehörigen unseres Marinekorps sind Teil einer multinationalen
Friedenstruppe, zu der Soldaten unserer britischen, französischen und
italienischen Verbündeten gehören.

Diese Einheiten symbolisieren die

breite internationale Unterstützung für die rechtmäßige Regierung des
Libanon.
- Zur Verstärkung der Angehörigen unseres Marinekorps dient eine machtvolle Flotte vor der Küste, die zur Verteidigung der Soldaten feuerte,
wenn diese unter Beschuß kamen.

Auch unsere Verbündeten haben Schiffe

im östlichen Mittelmeer und haben sie eingesetzt.
- Hinsichtlich der militärischen Dimension liegt die Hauptverantwortung
bei den libanesischen Streitkräften, bei deren Ausbildung und Ausrüstung wir mitgeholfen haben.

Die Armee hat sich als tapfere und wir-

kungsvolle Streitmacht erwiesen, und ihre Stärke nimmt mit jedem Tag
zu.

Sie ist ihren libanesischen Gegenspielern durchaus überlegen, und

ihre Schwierigkeiten traten erst dann ein, wenn sie von Streitkräften
angegriffen wurde, die von Syrien geschützt, bewaffnet, unterstützt
und ermutigt wurden.
- Die libanesische Regierung hat die Unterstützung der gemäßigten Araber,
die durch die erfolgreiche Bemühung um nationale Versöhnung nur noch
gestärkt werden kann.
- Auch Israel

�- Auch Israel bleibt ein entscheidender Faktor im Libanon, und wir brauchen
seine konstruktiven Bemühungen zur Unterstützung der libanesischen Regierung und des Versöhnungsprozesses.

Israel hat bei manchen der konfes-

sionellen Gruppierungen Einfluß und wir hoffen, daß es diesen Einfluß
in Richtung auf Ermutigung zu einer politischen Regelung nutzt.
Syrien und seine Stellvertreter haben natürlich sowohl bei unseren Bemühungen um den Abzug ausländischer Truppen als auch bei unseren Anstrengungen zur Förderung einer politischen Beilegung des Konfliktes Obstruktion betrieben.

Niemand stellt Syriens legitime Sicherheitsinteressen gegenüber dem

Libanon in Frage. Aber Syrien

war - im Gegensatz zu Israel - nicht bereit,

mit dem Libanon darüber zu verhandeln, wie seine Sicherheitsinteressen mit
dem souveränen Recht des Libanon in Einklang gebracht werden könnten, die eigene Zukunft zu bestimmen.

Stattdessen hat Syrien eine Art "Breschnew-

Doktrin" verkündet, wonach Länder in seinem Umkreis nicht das souveräne
Recht haben dürfen, Entscheidungen zu treffen, die nicht sein Gefallen finden.
Wir erreichten am 26. September eine Feuereinstellung, wobei wir indessen zeigten, daß es Grenzen geben würde, über die wir uns nicht würden
stoßen lassen. Mit dieser Feuereinstellung wurde deutlich, daß wir die Möglichkeiten haben, im Libanon ein stabiles Gleichgewicht aufrechtzuerhalten,
so daß die Gegner der Regierung die politischen Verhandlungen nicht überrollen können. Wir müssen dieses Gleichgewicht aufrechterhalten.
Ein Abzug unserer Soldaten oder eine Verringerung ihrer Stärke würde
nur das Gleichgewicht stören und die Chancen für ein ausgewogenes politisches
Resultat untergraben.

Das aber ist nicht die Politik Präsident Reagans.

Die

überparteiliche Unterstützung, die bei der gemeinsamen Resolution beider Häuser hinsichtlich der Vollmacht des Präsidenten für den Truppeneinsatz deutlich
wurde, war ein wichtiger Beitrag, der die Zweifel in bezug auf unsere Standfestigkeit zerstreute und unseren Arm stärkte.
Verantwortlichkeit für

�Verantwortlichkeit für das Bombenattentat
Eine Frage, dessen bin ich sicher, bewegt Sie besonders:

Wer ist für

dieses schreckliche Bombenattentat verantwortlich?
Ich kann Ihnen hier nur so viel sagen:

Wir untersuchen noch immer die

Beweise; der Großteil davon stammt aus der Zeit vor dem Attentat und steht
daher nur in indirekter Beziehung zu dem schrecklichen Ereignis.
Ich kann Ihnen aber einige Presseberichte hinsichtlich einiger interessanter Reaktionen auf das gestrige Attentat vorlesen:
- Der Präsident des Obersten Iranischen Gerichtshofes veröfentlichte
gestern eine Erklärung, in der es hieß, das "moslemische Volk" des
Libanon habe "sich mit den Vereinigten Staaten und mit Frankreich auf
eine Weise beschäftigt, daß diese ihre Lektion gelernt haben, daß man
sich auf keine Aggression und Angriffe gegen unterdrückte Staaten einlassen soll."
- Eine syrische Zeitung - Teil der staatlich kontrollierten syrischen
Presse - brachte einen Hinweis auf die Bombenattentate gegen unsere Soldaten und die französischen Soldaten, worin die beiden Untaten dem sogenannten "libanesischen nationalistischen Widerstand" zugeschrieben
wurden.
Natürlich streiten der Iran wie auch Syrien alle Verantwortung für die
Bombenattentate ab.
Da wir noch nicht wissen, wer direkt für die Angriffe verantwortlich ist,
dürften Spekulationen hierüber wenig bringen.
größeren Rahmen wäre zu treffen:

Aber eine Feststellung im

Es ist nicht schwierig festzustellen, wer

die Feinde des Friedens im Libanon sind.
Die Feinde

�Die Feinde des Friedens im Libanon sind die Feinde des Friedens im
Nahen Osten, und es ist kein Zufall, daß diese Elemente erbitterte Gegner
der multinationalen Friedenstruppen im Libanon sind, zu der auch unsere Soldaten gehören:
- Syrien, das entschlossen zu sein scheint, den Libanon wieder einmal
zu einem Satelliten oder einer Provinz eines "Großsyrien" zu machen;
- die Sowjetunion, die Syrien mit den modernsten Waffen ausrüstet und zu
seiner hegemonistischen Politik ermutigt; und
- der Iran, das Regime der Fanatiker, mit dem wir bereits unsere Erfahrungen gemacht haben.
Iranische Elemente im Libanon operieren von hinter den syrischen Linien
aus und sind mit Syrien verbündet.

Syrien muß einen Teil der Verantwortung

für alle iranischen Aktionen im Libanon tragen, gleich, ob Syrien von bestimmten Terrorplänen wußte oder nicht.

Auch die Sowjetunion hat - obgleich

ihre Beziehungen zum Iran gespannt sind - Syrien ermutigt und zu dem Klima
der Gewalt und Einschüchterung beigetragen, das im Libanon herrscht.

Die

Sowjetunion hat sich ebenfalls erbittert der Anwesenheit der multinationalen
Friedenstruppe widersetzt.
Die Sowjetunion, Syrien und der Iran: Dies sollte Ihnen etwas darüber
sagen, was im Libanon vor sich geht, warum es Teil einer Entwicklung ist,
die weit über den Libanon selbst hinausgreift und warum das Ergebnis dieser
Entwicklung auch für uns von Bedeutung ist.
Als Ergebnis unserer gestrigen und heutigen Beratungen beschloß der
Präsident eine Reihe von Maßnahmen:
- Er hat den sofortigen Ersatz und die Verstärkung unseres Marinekontingents
in Beirut befohlen, damit es bei der Ausübung unserer Mission keine Lücke
gibt.
- General P.X. Kelley,
- 8 -

�- General P.X. Kelley, der Kommandant unseres Marinekorps, ist nach Beirut
geflogen, um die Sicherheitssituation unserer Soldaten zu untersuchen
und dringliche Empfehlungen für Verbesserungen zu machen.

General Trainor

kann diese Fragen mit Ihnen eingehender diskutieren.
- Wir werden unsere nachrichtendienstlichen Anstrengungen auch weiterhin
intensivieren, um die Verantwortlichen für das Massaker vom Sonntag zu
ermitteln.
- Ich werde Ende dieser Woche nach Europa reisen, um mit den Außenministern
unserer Partner in der multinationalen Friedenstruppe - Großbritannien,
Frankreich und Italien - dringende und intensive Konsultationen zu
führen.
- Botschafter Richard Fairbanks, der der Partner von Botschafter McFarlane
im Rahmen unserer jüngsten diplomatischen Anstrengungen im Libanon war,
wird in Genf sein, um Präsident Gemayel bei dessen Anstrengungen in Richtung auf nationale Versöhnung zu unterstützen.
- Wir werden nächste Woche eine hochrangige Mission nach Israel entsenden,
um mit unseren israelischen Freunden die Lage im Libanon sowie die umfassenderen Fragen der Sicherheit im Nahen Osten zu untersuchen.
Präsident Reagan ist entschlossen, daß wir uns nicht von den Feinden
des Friedens aus dem Libanon vertreiben lassen werden. Wir werden bleiben
und unsere Mission erfüllen. Viele Millionen Menschen in der ganzen Welt
schauen auf die Vereinigten Staaten als den stärksten Verteidiger von Freiheit und Frieden. Wir können vor einer solchen Verantwortung nicht davonlaufen, ohne den moralischen, politischen und strategischen Preis dafür zu
zahlen.

+ + + + +

�4

III M

I7TT37

Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Oktober 1983

43

REAGAN: USA WERDEN AM KONFERENZTISCH IN GENF AUSHARREN
Pressekonferenz des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat auf seiner Pressekonferenz am 19. Oktober 1983 zu zahlreichen innen- und außenpolitischen Fragen
Stellung genommen. Zu Beginn wies er auf den 1000. Tag seiner Regierung und
auf die großen Fortschritte auf wirtschaftlichem Gebiet hin. Inflationsraten und Zinssätze seien dramatisch zurückgegangen, und allein im September
seien fast 400 000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Derzeit stünden
fast 102 Millionen Amerikaner - eine Rekordzahl - in Arbeit.
Großen Raum bei den Fragen nahm die Stationierung von Soldaten des amerikanischen Marinekorps im Rahmen der multinationalen Friedenstruppe im
Libanon ein.

Reagan betonte, daß die Vereinigten Staaten an dem Friedens-

plan für den Nahen Osten festhielten und zusammen mit den gemäßigten arabischen Staaten eine für alle Beteiligten gerechte Lösung anstrebten.
Bezüglich der RüstungskontrollVerhandlungen in Genf sagte der Präsident,
die Vereinigten Staaten würden am Verhandlungstisch ausharren, auch wenn die

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�wenn die Sowjets nach einer Dislozierung der nuklearen Mittel Streckensysteme
(INF) in Westeuropa die Verhandlungen abbrechen sollten.

Früher oder später

würden sie doch zurückkehren.
Die Fragen und Antworten zu diesem Thema haben folgenden Wortlaut:
FRAGE:

Wenn wir von der Unsicherheit ausgehen, die Präsidentschafts-

wahlen hervorrufen, meinen Sie, daß die Sowjets weiter ernsthaft über Rüstungskontrolle verhandeln würden, wenn erst einmal der Präsidentschaftswahl kämpf
auf Touren kommt?

Oder geht es darum, zwischen jetzt und der Bekanntgabe

Ihrer Kandidatur etwas zu erreichen, oder soll man bis 1985 warten?
ANTWORT:

Ich glaube, die Sowjets werden ernsthaft verhandeln.

Es ist

eine starke Propagandakampagne ihrerseits im Gange - sie sind durch einige
der Demonstrationen, zu deren Organisation sie in der ganzen Welt beigetragen
haben, ermutigt worden.

Sie glauben vielleicht, daß sie unsere Verbündeten

dazu bewegen könnten, eine Kehrtwendung zu machen,und - das ist ihr Ziel daß sie uns nicht um die Dislozierung der Mittel Streckensysteme bitten.
werden dislozieren, und nach Plan dislozieren.

Wir

Und wenn sie (die Sowjets)

erst einmal erleben, daß wir dislozieren, und wenn sie dann wissen, daß wir
entschlossen sind, unsere Stärke aufzubauen und nicht einseitig abzurüsten
- wie wir das so törichterweise in den letzten Jahren getan haben - dann
glaube ich, werden sie erkennen, daß es das beste für sie ist, in gutem Glauben mit uns zu verhandeln.
Sie mögen das eine oder andere tun; sie mögen es versuchen; sie mögen,
wie das gerüchteweise verlautet, den Verhandlungstisch verlassen oder so
etwas.

Aber wir werden einfach am Verhandlungstisch ausharren.

Ich glaube,

sie werden zurückkehren.
FRAGE:

Wenn ich eine Zusatzfrage stellen darf:

Sind Sie sicher, daß

Sie bis zum Ende Ihrer ersten Amtszeit ein Abkommen erreichen werden?
ANTWORT:

Ich

�ANTWORT:

Ich hoffe sehr, daß es uns gelingen wird.

Wir arbeiten daran.

Ich weiß sehr wohl, daß die Geschichte von Verhandlungen in der Vergangenheit
eine langwierige Geschichte war.

Aber wenn man einige dieser Verhandlungen

in der Vergangenheit näher betrachtet, dann waren sie vielleicht schon deshalb so langwierig, weil wir, je länger die Sowjets aushielten, umso mehr
einseitig abrüsteten.

Und so fanden sie heraus, daß sie das, was sie wollten,

einfach dadurch erreichen konnten, daß sie abwarteten.
mehr; wir rüsten nach.

- 3 -

Das geht jetzt nicht

�Hintergrund
materiell
United States Information Service
Embassy of the United States of America

43

26. Oktober 1983

RÜSTUNGSKONTROLLE UND OST-WEST-BEZIEHUNGEN
- Von Richard R. Burt Unterstaatssekretä'r für europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium

- (AD) - In den letzten Tagen sind wir Zeugen eines scharfen Gegensatzes
zwischen der amerikanischen und der sowjetischen Haltung bezüglich der miteinander zusammenhängenden Fragen der Rüstungskontrolle und der Ost-West-Beziehungen geworden.

Die Haltung Präsident Reagans, wie sie in seiner Rede vor

der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 26. September zum Ausdruck kam,
zeigte Sorgfalt, Realismus und Bereitwilligkeit.

Dazu gehörten klare, posi-

tive Schritte bei den Genfer INF-Verhandlungen, wobei drei der wesentlichen
Fragen aufgegriffen wurden, zu denen die Sowjetunion schon seit langem ihre
Besorgnis geäußert hat.

Eine Woche später legte Präsident Reagan neue Initia-

tiven bei den START-Verhandlungen vor, die eine Reduzierung der amerikanischen
und sowjetischen strategischen Systeme garantieren würden.

Leider war die Re-

aktion der Sowjetunion bislang unmäßig, einseitig und wenig konstruktiv.
Aus amerikanischer Sicht ist es entscheidend, daß die Rüstungskontrolle
tatkräftig und wirksam betrieben wird - und dies auch trotz der Spannungen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Spannungen in der internationalen Atmosphäre, die durch den brutalen
sowjetischen Angriff auf das koreanische Passagierflugzeug 007 verursacht
wurden.

Präsident Reagan unterstrich diese Absicht der Vereinigten Staa-

ten erneut in einem Treffen mit unseren Chefdelegierten bei den INF- und
START-Gesprächen, kurz bevor diese zu den derzeitigen Verhandlungsrunden
nach Genf zurückkehrten.

Enge Konsultation im Bündnis
Im Anschluß an die Verpflichtung, Möglichkeiten zu Fortschritt bei
der Rüstungskontrolle auszuloten, begann der Präsident im September Konsultationen mit den Führern der NATO und Japans hinsichtlich von Schritten,
die unternommen werden könnten, um die INF-Verhandlungen auf ein ausgewogenes und verifizierbares Abkommen hinzuführen.

Bezeichnenderweise fanden

jene Konsultationen während der gleichen Zeit statt, als die Welt sich mit
den Folgen des Abschusses des Flugzeuges auseinandersetzen und die Wiederholung eines solchen Zwischenfalles verhindern mußte.
Die Konsultationen umfaßten sowohl den Meinungsaustausch zwischen den
Staats- und Regierungschefs als auch Sitzungen der Besonderen Beratungsgruppe (SCG) der NATO. Die SCG setzt sich aus hohen Vertretern all der
Bündnisregierungen zusammen, die an dem Doppelbeschluß vom Dezember 1979
beteiligt waren. Innerhalb des Bündnisses war man sich darüber völlig einig,
daß die Rüstungskontrollanstrengungen, wie von den Vereinigten Staaten vorgeschlagen, weitergehen sollten. Und es gab feste Unterstützung für die
speziellen Vorschläge, die zur Fortführung der Verhandlungen entwickelt
worden waren.

Flexibilität in

�Flexibilität in Genf
Die Position, die aus den Konsultationen hervorging und die Botschafter Nitze seinen sowjetischen Verhandlungspartnern in Genf vorgelegt hat,
bietet die Grundlage für ein beiderseitig akzeptables Rü'stungskontrollabkommen.

Die drei Elemente der amerikanischen Initiative umfassen:

- Erstens:

die Bereitschaft, dem Begehren der Sowjetunion entgegenkom-

mend, Flugzeuge in die Verhandlungen einzubeziehen - und dies trotz
der Überzeugung der NATO, wie dies im Beschluß vom Dezember 1979 zum
Ausdruck gekommen war, daß die Verhandlungen sich zunächst auf die
Hauptbedrohung für Sicherheit und Stabilität konzentrieren sollten,
nämlich die INF-Raketen größerer Reichweite - eine Sorge,die durch die
sowjetische Dislozierung der SS-20 verursacht worden war.
- Zweitens: die Bereitschaft, im Rahmen eines Rüstungskontroilabkommens,
das gleiche, weltweite Begrenzungen für die Vereinigten Staaten und
für die Sowjetunion vorsehen würde, eine Verpflichtung in Erwägung zu
ziehen, die gesamten sowjetischen Dislozierungen nicht durch amerikanische Dislozierungen in Europa aufzuwiegen. Die Vereinigten Staaten
würden sich jedoch das Recht vorbehalten, anderweitig Systeme bis zum
Limit der globalen Obergrenze zu dislozieren. Dieses Angebot ist eine
Antwort auf die schon seit langem von den Sowjets vorgebrachte Feststellung, daß die Vereinigten Staaten, da Teile der sowjetischen LRINFSysteme nicht so disloziert seien, daß sie Europa erreichen können, sie
auch nicht alle mit europäischen Dislozierungen aufwiegen sollten.
Gleichzeitig würde durch das Angebot, daß auch weiterhin nach einer
globalen Obergrenze gesucht wird, sichergestellt werden, daß es keine
uneingeschränkte Zunahme bei der Gesamtzahl der Systeme geben würde,
da dies eine Bedrohung sowohl für Europa als auch für Asien bedeuten
würde.
- Drittens:

eine

�- Drittens:

eine Bereitschaft, daß die Vereinigten Staaten, sollte es

zu einem Zwischenabkommen kommen, das einen amerikanischen und sowjetischen Stand unterhalb des Niveaus der geplanten amerikanischen Dislozierungen vorsähe, die Verringerungen ihrer Streitkräfte entsprechend
zwischen ihren PERSHING II und landgestützten Marschflugkörpern aufteilen
würden.
Dieses Angebot geht auf die von den Sowjets wiederholt geäußerten Bedenken hinsichtlich der besonderen Eigenschaften der PERSHING II-Raketen ein.
Diese Schritte sind weiterer Beweis für die Verpflichtung des Bündnisses,
die Verhandlungen mit Einfallsreichtum, mit Flexibilität und mit Hartnäckigkeit weiterzuverfolgen. Mit ihrer Vorlage haben die Vereinigten Staaten und
das NATO-Bündnis klargestellt, daß das bestmögliche Ergebnis der Verhandlungen
auch weiterhin die vollständige Beseitigung der ganzen Klasse von LRINF-Raketen auf beiden Seiten wäre, wie dies ursprünglich schon von Präsident Reagan
im November 1981 vorgeschlagen worden war. Gleichzeitig sind sich die Vereinigten Staaten und das Bündnis, sollte sich die Sowjetunion auch weiterhin
weigern, diese Waffenklasse zu eliminieren, auch weiterhin darin einig, ein
Interimsabkommen auf dem niedrigstmöglichen Niveau der amerikanischen und
sowjetischen Systeme anzustreben.

Obstruktionspolitik der Sowjetunion
Präsident Reagan hat deutlich gemacht: Die Tür für ein Abkommen ist
offen. Es liegt jetzt an den Sowjets, einzutreten. Die sterile Rhetorik
und die Konfrontationshaltung, die die Sowjetunion im vergangenen Monat eingenommen hat, ist keine produktive Einstellung zu Verhandlungen.
Während der ganzen INF-Verhandlungen hat die Sowjetunion stets die gleiche
Einstellung gezeigt:

Alle ihre Positionen hatten zum Ziel, das bestehende,

gewaltige Monopol der Sowjetunion bei den LRINF-Raketen zu bewahren, amerika-

- 4 -

�bewahren, amerikanischen Dislozierungen vorzubeugen und Rüstungskontroi 1schritte zu verhindern, die ihre Systeme betreffen würden.

Diese einseiti-

gen Ziele lassen die triftigen Sicherheitsanliegen jener Staaten, die an der
Peripherie der Sowjetunion liegen, völlig außer acht.

Sie sollen die Sowjet-

union in eine Position der Überlegenheit gegenüber allen anderen Staaten zusammengenommen versetzen.

Und sie stellen das größte Hindernis für einen

Fortschritt bei den Genfer Verhandlungen dar.
Entsprechend dieser Haltung hat sich die Sowjetunion geweigert, das
Konzept amerikanisch-sowjetischer Parität zu akzeptieren, das allgemein als
die einzige politisch und strategisch akzeptable Grundlage für Rüstungskontrollabkommen zwischen souveränen Staaten anerkannt ist.

Stattdessen hat

sie das trügerische Argument hervorgebracht, daß sie auf irgendeine Weise
eine Kompensation für die unabhängigen Streitkräfte Großbritanniens und
Frankreichs erhalten sollte.

Sie tut dies trotz der Tatsache, daß diese

Streitkräfte nicht der amerikanischen Kontrolle unterstehen, daß sie nur
einem sehr kleinen Teil der Gesamtstreitkräfte der Sowjetunion entsprechen
und daß sie - was für die INF-Problematik von besonderer Bedeutung ist - als
nationale Abschreckungsstreitkräfte kein Bindeglied zwischen der Sicherheit
Europas - einschließlich der europäischen Nichtnuklearstaaten - und dem strategischen Schirm der Vereinigten Staaten darstellen, der letztendlich der
Garant der Sicherheit und Unabhängigkeit des Bündnisses bleibt.

Sowohl

Großbritannien als auch Frankreich haben klargestellt, daß ihre Streitkräfte nicht Thema von Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion sein können.

Gleichzeitig haben sie jedoch indirekt ihre

Bereitschaft unterstrichen, ihre Position hinsichtlich der Rüstungskontrolle
zu überdenken, wenn die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion zu einem
Übereinkommen hinsichtlich beträchtlicher Verringerungen bei den strategischen
Streitkräften gelangen - ein Ziel, das auch die Vereinigten Staaten mit Nachdruck verfolgen.
Die starre Haltung der Sowjetunion bei den Verhandlungen ist die logische Fortsetzung der Haltung, die auch bei ihren militärischen Planungen

- 5 -

�militärischen Planungen vorherrscht - wie etwa, als in den siebziger Jahren
ohne jegliche Provokation mit der Dislozierung der SS-20-Raketen begonnen
wurde.

Eindeutiges Ziel dieser Dislozierung, die noch immer andauert, ist

es, eine Bedrohung für die Staaten an der Peripherie der Sowjetunion zu
schaffen, die keinen RüstungskontroiIbegrenzungen unterliegt und die durch
keine amerikanischen Gegendislozierungen aufgewogen ist.

Das Bündnis stell-

te sich mit dem Doppelbeschluß vom Dezember 1979 der Erkenntnis, daß ein
sowjetischer Erfolg in einem derartigen Bemühen Moskau eine unannehmbare
strategische und politische Hebelwirkung verschaffen würde und daß eine koordinierte Reaktion des Bündnisses erforderlich sei.

Aussichten für die Zukunft
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin beiden Aspekten dieses Bündnisbeschlusses gegenüber verpflichtet. Die jüngsten Schritte Präsident Reagans
bei den Genfer Verhandlungen sind Zeugnis für unsere unermüdlichen Bemühungen,
eine ausgewogene Verhandlungslösung zu finden, wenn die Sowjets bereit sind,
ebenfalls in diese Richtung zu gehen. Gleichzeitig arbeiten wir mit unseren
Verbündeten an den Vorbereitungen zur Dislozierung der amerikanischen Raketen
in Europa,die Ende dieses Jahres beginnen wird, sollte in Genf kein Abkommen
erzielt werden, durch das eine solche Dislozierung überflüssig würde.
Sicherlich wäre es besser, wenn diesen Herbst bei den Verhandlungen ein
Abkommen erzielt würde. Das ist unser Ziel. Sollte dies jedoch wegen der
sowjetischen Starrheit und trotz der von den Vereinigten Staaten eingenommenen
flexiblen Haltung nicht möglich sein, dann werden die Vereinigten Staaten und
das Bündnis auch weiterhin - und nach Beginn der amerikanischen Dislozierungen auf ein Rüstungskontroi labkommen hinarbeiten.
Die Sowjetunion hat in der Öffentlichkeit mit einer Kampagne begonnen,
um die öffentliche Meinung hinsichtlich der Dislozierungen einzuschüchtern.
Sie hat es jedoch unterlassen, die Öffentlichkeit auch daran zu erinnern, daß

- 6 -

�erinnern, daß ihr eigenes Dislozierungsprogramm für die SS-20 im Jahr 1977 also zwei Jahre vor dem NATO-Doppelbeschluß - begann, daß es noch heute andauert und daß es schon jetzt umfassender ist als die geplanten NATO-Dislozierungen.
führen.

Die NATO ließ sich durch diese sowjetische Kampagne nicht irre-

Ihre Reaktion wird ruhig, ausgewogen, realistisch und fest sein.

- 7 -

�26. Oktober 1983

43

LECH WALESA MIT DEM "SHELBY CULLOM DAVIS-PREIS" AUSGEZEICHNET
- Von unserer Korrespondentin Judy Aita -

NEW YORK - (AD) - Der polnische Arbeiterführer Lech Walesa, Gewinner des
Friedensnobelpreises 1983, ist am 21. Oktober 1983 im New Yorker Waldorf Astoria
Hotel vom amerikanischen "Ethics and Public Policy Center" mit einer weiteren
Ehrung bedacht worden.

Für seine "hervorrangenden Dienste an der Öffentlichkeit,

die durch Integrität und Mut gekennzeichnet sind", erhielt er in absentia den
"Shelby Cullom Davis-Preis".

Diese Auszeichnung wird seit 1982 vergeben. Erste

Preisträ'gerin war die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen,
Jeane Kirkpatrick.
"Trotz der offiziellen Verhöhnung und Einschüchterung, der Inhaftierung
und Isolierung hat sich Lech Walesa immer wieder für die grundlegenden Menschenrechte seiner Landsleute eingesetzt", so heißt es in der Verleihungsurkunde.
"Ein weniger mutiger Mann hätte vielleicht geschwiegen.

Ein weniger kluger Mann

hätte vielleicht die Wut eines brutalen Staatswesens provoziert.

Seine unermüd-

liche und maßvolle Entschlossenheit hat ihm das Vertrauen seiner Anhänger und
den Respekt seiner Gegner eingetragen

Gestärkt durch einer, fester, religiösen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�festen religiösen Glauben ist Lech Walesa gegen jene aufgestanden, die im Namen
falscher Götter die Versklavung betreiben ...Er ist zu einem lebendigen Symbol
des nicht endenden Strebens nach Freiheit und Menschenwürde geworden.

Und doch

hat er seinen Ruhm niemals für persönliche Zwecke mißbraucht. Sein Leben ist eine
Ermutigung für Millionen von Menschen in seinem eigenen Lande und in der ganzen
Welt, denen das Glück der Freiheit verwehrt wird, und gleichzeitig eine Warnung
für alle, die die Freiheit als etwas Selbstverständliches ansehen".
Das Preisverleihungsgremium des Zentrums hatte den polnischen Arbeiterführer
bereits im November 1982 einstimmig für diese Auszeichnung vorgesehen und versucht,
die Genehmigung für eine Beteiligung Walesas an der Preisverleihung zu erlangen.
Im Mai dieses Jahres erreichte das Zentrum eine aus Polen herausgebrachte Rede,
die von Walesa unterzeichnet und von dem polnischen Schriftsteller Tymoteusz
Karpowicz im Namen des polnischen Arbeiterführers anläßlich der Verleihung des
Preises verlesen wurde.

Darin heißt es: "Ich bin stolz, daß ein polnischer

Arbeiter für diesen Preis nominiert worden ist.

Dies erfolgte meiner Ansicht

nach nicht aufgrund meiner persönlichen Leistungen.

Dies erfolgte vielmehr als

Anerkennung jener Grundsätze, die zur Gründung der 'Solidarität' ermutigten.
Diese Grundsätze

machen nicht an nationalen Grenzen halt.

Sie bilden viel-

mehr die Grundlage für die gegenseitige Verständigung und für Übereinkommen,
über die man so viel spricht.

Unserer Gewerkschaft, die für diese Prinzipien

kämpfte, ist das Existenzrecht verweigert worden, aber wir werden diese Grundsätze niemals aufgeben

Ich möchte Ihnen für Ihre Solidarität danken - die

Solidarität aller Menschen -, die uns helfen wird, diese schwere Zeit zu überstehen, und die es nicht gestatten wird, daß wir isoliert werden. Ich bin fest
davon überzeugt, daß die Wahrheit obsiegen wird, da es in meinem Lande immer weniger
Menschen gibt, die zu einer Kooperation mit der Lüge und der Tyrannei bereit sind".'.
- Botschaft Präsident Reagans In einer Video-Botschaft Präsident Reagans charakterisiert dieser Lech Walesa
als einen Freiheitskämpfer, einen polnischen Patrioten und als einen Realisten

�einen Realisten, der großen Mut bewiesen habe. Freie Menschen in aller Welt
und Millionen, die in Unfreiheit leben müßten, stünden im Geiste und mit voller
Solidarität an der Seite Walesas,heißt es in der Botschaft des amerikanischen
Präsidenten.

Dieser mutige Arbeiter aus Danzig "symbolisiert den Triumph der

moralischen Kräfte über brutale Gewalt und den Sieg persönlicher Ideale über
die kollektive Tyrannei.

Immer wieder verhöhnt, inhaftiert, herabgesetzt und

mißachtet, wird Lech Walesa nur stärker.

Er hat sich nicht gebeugt, und er

wird niemals vor Menschen kapitulieren, die über nichts anderes verfügen als
über die Macht der Gewehrläufe".
Auch der amerikanische Chefdelegierte bei der Madrider KSZE-Folgekonferenz,
Botschafter Max Kampelman, sowie die Chefdelegierte der Vereinigten Staaten bei
den Vereinten Nationen, Botschafterin Jeane Kirkpatrick.und der ehemalige nationale
Sicherheitsberater unter Präsident Carter, Zbigniew Brzezinski, würdigten die
Leistungen Lech Walesas. Menschen wie der polnische Arbeiterführer, die für die
Freiheit in Polen und anderswo auf der Welt einträten, sollten wissen, daß sie
im Westen Freunde hätten, die sie nicht vergäßen, so sagte Botschafter Kampelman.
Im Verlaufe eines grausamen Kampfes, so erklärte Brzezinski, habe Walesa eine
Bewegung angeführt, die für die grundlegenden Menschenrechte eingetreten sei,
"nicht nur mit Mut, sondern auch mit außerordentlicher politischen Klugheit".
Gleichzeitig wies der ehemalige Sicherheitsberater mit Nachdruck sowjetische
Behauptungen zurück, daß die Gewerkschaft"Solidarität"von den Vereinigten Staaten
aus geleitet werde.

Diese Unterstellungen gäben deutliche Aufschlüsse über die

Natur des sowjetischen Systems. Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen hob hervor, daß die Menschen im Westen und insbesondere die Amerikaner sich durch die sowjetische Strategie nicht einschüchtern und

sich durch

sowjetische Manipulationen nicht von ihrem Weg abbringen lassen dürften.
müßten vielmehr bereit sein, anderen - wenn notwendig - zu helfen.

Sie

In keinem

Land, in dem die Marxisten-Leninisten an die Macht gelangt seien, sei den Bürgern
gestattet worden, freie Wahlen abzuhalten, freie Gewerkschaften aufzubauen, eine
freie Presse ins Leben zu rufen oder Institutionen zu schaffen, die sich für
Pluralismus oder Demokratie einsetzen könnten.
+ + + + +

- 3 -

�Uli//eA/chofl
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26.Oktober 1983

43

RAUMFAHRT FESTER BESTANDTEIL DER US-POLITIK
Präsident Reagan zum 25. Jahrestag der Gründung der NASA -

- (AD) - Im Dasein künftiger Generationen werde die Raumfahrt vermutlich eine ähnlich wichtige Rolle spielen wie in unserem Leben die Luftfahrt,
erklärte Präsident Reagan in seiner Ansprache vor Mitarbeitern des amerikanischen Amtes für Luft- und Raumfahrt (NASA) anläßlich des 25jährigen Bestehens dieser Behörde. Das Engagement der Vereinigten Staaten im Weltraum sei
"eine der besten Investitionen, die jemals getätigt worden sind". Die amerikanische Regierung plane nunmehr ein langfristiges nationales Raumfahrtprogramm, dessen Ziele "Freunden und Gegnern gleichermaßen demonstrieren soll,
daß die Aufgabenstellungen Amerikas höchsten Zielen menschlichen Strebens
dienen: Chancen für jedermann, Zusammenarbeit zwischen Nationen und Frieden
auf Erden".
Nachfolgend wesentliche Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten:
Wir feiern heute einen 25. Geburtstag.

Bei einem Menschen ist dies

stets ein wichtiges Datum, denn nun beginnt die produktivste Phase seines
Lebens.

Das gilt auch für das amerikanische Amt für Luft- und Raumfahrt.

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Luft- und Raumfahrt.

Die NASA hat schon so vieles erreicht - an ihrem 25.

Geburtstag blicken wir sowohl in die Zukunft als auch auf das, was bereits
geleistet worden ist...

Seit 25 Jahren ist die NASA Mittelpunkt einer für

die Natur der Amerikaner typischen Aktivität - sie ist Wegbereiter zu einem
erregenden Neuland.
Geschichtlich gesehen sind wir stets ein Volk gewesen, das bereit ist,
Risiken auf sich zu nehmen und großen Träumen nachzugehen.
den Küsten der Alten Welt nicht halt.

Wir machten an

Vielmehr sind wir, die Italiener,

die Franzosen, die Holländer, die Männer und Frauen aller Rassen, Nationalitäten und Religionen, hierhergekommen, um ihre Grenzen zu überwinden, und
wir sind in diesem Prozeß durch und durch zu Amerikanern geworden.
Vor etwas mehr als 200 Jahren begannen wir mit der Gründung der ersten
modernen Demokratie, das größte Experiment in der menschlichen Geschichte.
Alles, was wir erreichten, basiert auf der Energie und Kreativität, die aktiv
werden kann, wenn der menschliche Geist frei ist. Amerikaner haben bewiesen,
daß kein Berg zu hoch, kein Wald zu dicht, keine Wüste zu ausgedehnt oder
kein Problem so verwirrend ist, daß sie den Fortschritt freier Männer und
Frauen blockieren könnten... Heute ist der gleiche Geist lebendig. Und es
gibt kein besseres Beispiel für ihn als das, was man hier in der NASA findet.
Sie wurde nach dem Start des ersten EXPLORER-Satelliten ins Leben gerufen,
um unsere Weltraumanstrengungen zu lenken und zu überwachen, unsere führende
Rolle auf dem Gebiet der Luft- und Raumfahrtwissenschaft zu gewährleisten,
die Zusammenarbeit mit anderen Nationen in der friedlichen Anwendung der
Raumfahrttechnik zu fördern, unser Wissen um Atmosphäre und Weltraum auszuweiten, und zum Wohle aller Menschen die praktischen Vorteile aus diesen
Aktivitäten wahrzunehmen.
Unsere Errungenschaften in diesen zweieinhalb Jahrzehnten haben unserem
Land und den Menschen auf diesem Planeten bereits gute Dienste geleistet.
Wir erreichen jetzt die Rentabilität, die wir uns von unseren Investitionen
im Weltraum vorgestellt haben. Und wenn wir die Zahlen zusammenrechnen, er-

�zusammenrechnen, erhalten wir nicht nur den Gegenwert für unser Geld - vielmehr war unser Engagement für die Raumfahrt eine der besten Investitionen,
die wir je als Nation getätigt haben.
Nachrichtensatelliten ermöglichen uns, Ferngespräche billiger und einfacher zu führen und weltweit Ereignisse über Fernsehen direkt zu übertragen.
Was unser Land durch diesen gewaltigen Fortschritt im Nachrichtenwesen gewann,
ist gar nicht abzuschätzen.
routine.

Ähnlich gehören jetzt Wettersatelliten zur Tages-

Zahllose Leben werden gerettet,und Eigentum wird geschützt, wenn

wetterbedingte Notstände genauer als je zuvor denkbar vorhergesagt und verfolgt werden können.
Navigation sowie Such- und Rettungsaktionen zur See und zu Lande werden
durch Instrumente unterstützt, die Sie im erdnahen Raum stationiert haben.
Mit Hilfe der Fernerkundung durch Satelliten können wir neue Ressourcen auffinden und bereits bekannte besser nutzen. Früher dachte man bei Nebenergebnissen unserer Raumfahrtanstrengungen eigentlich nur an die Teflon-Pfanne.
Aber in dieser Zeit hochwertiger Technologie wissen wir heute alle, was die
technologischen Fortschritte, die wir gemacht haben, für unser Leben bedeuten. Computer und Elektronik sind jetzt aus dem wirtschaftlichen Fortschritt
und dem Wohlergehen Amerikas nicht mehr wegzudenken. Ebenso hat ganz gewiß
die Raumfahrttechnologie enorm zum Weltfrieden beigetragen. Unsere "Augen am
Himmel" geben uns allen etwas mehr Sicherheit. Auf dem lebenswichtigen Gebiet
der Rüstungskontrolle haben sie für die umstrittene Verifizierung neue Wege
eröffnet.
Dies alles sind mehr oder weniger Errungenschaften, die zu unserer Verpflichtung, den Weltraum zum Wohle aller Menschen zu erforschen und zu nutzen,
in Beziehung gebracht werden können. Aber da ist noch etwas, was ich gerne
hier anführen möchte - etwas, das in einer so freien und vielschichtigen Gesellschaft wie der unseren niemals als selbstverständlich angenommen werden
kann.

Ungeachtet der individuellen Lebensgestaltung gibt es Augenblicke, die

uns alle eng verbinden.

Augenblicke der Trauer und des Glückes, in denen wir

mehr sind als ein Konglomerat von Menschen, die in Nachbarschaft leben.
- 3 -

Der Tod

�Der Tod von Präsident John F. Kennedy war ein solcher Augenblick, das Miterleben der Rückkehr eines amerikanischen Kriegsgefangenen, den wir nach Jahren
der Gefangenschaft beim Verlassen des Flugzeuges auf einem philippinischen
Flugplatz die Fahne grüßen sahen und ihn sagen hörten:
ein anderer.

"Gott segne Amerika",

Solche Momente formen Seele und Charakter der Nation.

Wohl die größten Geschenke der NASA waren die Augenblicke der Größe, die
wir alle mit Ihnen teilen durften.

Wir alle, ob Lehrer, Schauspieler, Re-

gierungsangestellte, Farmer, Fabrikarbeiter, Sekretärinnen oder Polizisten
auf Streifendienst, wir alle waren Zeuge jener ersten Flüge im Rahmen des
MERCURY-Projekts.

Wir fühlten uns den NASA-Teams zugehörig, die Sonden in

die Tiefe des Weltraums entsandten, um Unbekanntes zu erkunden, die Ringe des
Saturn und die Oberfläche des Mars zu fotografieren.

Wir waren dabei, und un-

sere Herzen waren von Stolz erfüllt, als Neil Armstrong, ein Amerikaner, als
erster Mensch den Mond betrat...
In jüngster Zeit hat der Raumtransporter, wie andere NASA-Projekte zuvor, unsere Herzen gewonnen und unsere Phantasie beflügelt. Helden unserer
Tage wie Sally Ride und Guy Bluford geben uns neuen Glauben an unser System
und neue Hoffnung für die Zukunft. Im vergangenen Jahr durfte ich die
COLUMBIA willkommen heißen, als die Raumfähre am Unabhängigkeitstag von ihrer
Mission zurückkehrte und in der kalifornischen Wüste landete. Diesen Tag werde ich und werden Millionen anderer Amerikaner nie vergessen.
Wie so viele andere Errungenschaften kam auch der Raumtransporter nicht
zufällig zustande. Er ist vielmehr das Ergebnis harter Arbeit und ein Vorbote der Zukunft. Kurzsichtige Leute hatten kein Verständnis dafür, und einige,
die heute in Amerika an führender Stelle sein möchten, waren vor zehn Jahren
sogar führend im Kampf gegen das Raumtransportersystem. Aber Sie bei der NASA
haben mit dem Erfolg dieses neuen Transportsystems bewiesen, daß es für uns
niemals einen Zeitpunkt gibt, stehen zu bleiben, keine Träume mehr zu haben.
Jetzt sind

�Jetzt sind wir dabei, eine nationale Raumfahrtstrategie aufzubauen, die
Prioritäten für die nächsten 25 Jahre und danach setzt und die unsere Anstrengungen im Weltraum lenkt und inspiriert.

Sie wird alle drei Sektoren unseres

Raumfahrtprogramms umfassen - den zivilen und den kommerziellen Sektor sowie
den der nationalen Sicherheit, wie ich dies schon am 4. Juli vergangenen Jahres
umriß.

Es geht uns nicht nur um den nächsten logischen Schritt.

Wir planen

jetzt eine Straße, eine "Höhenstraße", wenn Sie so wollen, die uns eine Vision
von unbegrenzter Hoffnung und unbegrenzten Chancen gibt, die das unglaubliche
Potential aufzeigt, das nur darauf wartet, zum Wohl aller Menschen nutzbar
gemacht zu werden.

An diesem 25. Jahrestag appelliere ich an Sie bei der NASA

und an alle anderen, die in Amerika mit Raumfahrt zu tun haben:
Ziele anstreben, die uns weit ins nächste Jahrhundert führen.

Laßt uns
Laßt uns Freun-

den und Gegnern gleichermaßen demonstrieren, daß die Aufgabenstellungen Amerikas im Weltraum höchsten Zielen menschlichen Strebens dienen:
dermann, Zusammenarbeit zwischen Nationen

Chancen für je-

und Frieden auf Erden.

Ihre Vorstellungskraft und Ihre Fähigkeit, in die Zukunft zu projizieren,
werden neue Horizonte eröffnen und Barrieren zurückdrängen, die unsere Ziele
auf diesem Planeten begrenzen.

Die Ziele, die Sie setzen, und Ihr Erfolg,

sie zu erreichen, werden großen Einfluß auf wirtschaftliches Wohlergehen und
Sicherheit unserer Kinder haben, und sie werden darüber entscheiden, ob Amerika
die große Nation bleibt, die es sein soll.

Scheuen Sie sich nicht, uns ab

und zu daran zu erinnern.
Als führende Raumfahrtnation teilen wir mit anderen die Früchte unseres
Abenteuers. Das amerikanische Volk weiß dies und unterstützt es. Und wir
wollen auch künftig sicherstellen, daß dieses Programm dem Volk gehört...,
daß seine Hoffnungen, Träume und Zielsetzungen erfüllt werden. Es gibt Leute,
die die Lehrmeinung von den begrenzten Ressourcen verkünden. Sie behaupten,
wir seien dabei, alles was wir haben, aufzuzehren, und daß die Menschheit langsam, aber sicher einer Katastrophe entgegengehe, wie sie Malthus prophezeite.
Dieser Pessimismus steht der amerikanischen Natur entgegen. Wir haben in unserer Geschichte niemals einfach akzeptiert, sondern gekämpft und gearbeitet,
um Besseres zu schaffen. Mit der Erfindung und dem Einsatz von Maschinen
- 5 -

�von Maschinen haben wir unsere Produktivität verbessert und enormen neuen
Reichtum geschaffen.
geres Leben.

Der Entdeckung von Medikamenten verdanken wir ein län-

Der Erfindung neuer Verfahren für die Landwirtschaft - mit Un-

terstützung der Industrie und der Forschung - verdanken wir eine bessere Ernährung.
Im Laufe meines Lebens entwickelte sich die Luftfahrt aus kleinsten Anfängen mit Doppeldeckern, die auf der grünen Wiese landeten und in denen
Passagiere für zehn Dollar zehn Minuten lang mitfliegen durften, zu einem
wichtigen Wirtschaftszweig, der ungemein viel zu unserer nationalen Prosperität und Lebensweise beiträgt.

Vermutlich spielt die Raumfahrt im Leben

künftiger Generationen eine ähnlich wichtige Rolle wie für uns heute die Luftfahrt.

Privatfirmen beginnen bereits, sich mit dem Weltraum zu befassen.

Hier könnte das Raumtransporterprogramm etwa mit der ersten Eisenbahnlinie
quer durch unseren Kontinent verglichen werden.

Und wenn kommerzielle Kräfte

erst einmal ins Spiel kommen, wird die Welt sehen, was Unternehmergeist bedeutet und für Amerika zustande bringt.
eine neue Ära eröffnet.

Die ersten 25 Jahre der NASA haben

Und wir wollen uns heute vornehmen, daß die nächsten

25 Jahre der NASA die Gewähr geben, dieses neue Kapitel in der Geschichte eine
amerikanische Ära werden zu lassen.

+ + + + +

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9251">
                <text>26.10.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9252">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9253">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13756">
                <text>Amerikadienst 26.10.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13757">
                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Reagan gibt multinationalen Einsatz auf Grenada bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz mit Ministerpräsidentin Charles von Dominica -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA handeln im Libanon für die Sache des Weltfriedens&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidenten vor Zeitungs- und Rundfunkredakteuren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenminister bezeichnet Syrien, Sowjetunion und Iran als Feinde des Friedens im Libanon&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung von Shultz vor dem US-Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Reagan: USA werden am Konferenztisch in Genf ausharren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Pressekonferenz des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rüstungskontrolle und Ost-West-Beziehungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Richard R. Burt, Unterstaatssekretär für europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lech Walesa mit dem "Shelby Cullom Davis-Preis" ausgezeichnet&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserer Korrespondentin Judy Aita -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumfahrt fester Bestandteil der US-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Präsident Reagan zum 25. Jahrestag der Gründung der NASA -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
  <item itemId="1831" public="1" featured="0">
    <fileContainer>
      <file fileId="1842">
        <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/280602e960af8776e9e8707b7d27f52f.pdf</src>
        <authentication>3b1cbccfba42c01a114845e54b002de7</authentication>
        <elementSetContainer>
          <elementSet elementSetId="4">
            <name>PDF Text</name>
            <description/>
            <elementContainer>
              <element elementId="52">
                <name>Text</name>
                <description/>
                <elementTextContainer>
                  <elementText elementTextId="9259">
                    <text>^^V^B

^i?

nrormciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America
26. Oktober 1983

43/B

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Der Abschuß des koreanischen Passagierflugzeuges
durch die Sowjets
- Behauptungen und Tatsachen -

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�26. Oktober 1983

43

DER ABSCHUSS DES KOREANISCHEN PASSAGIERFLUGZEUGES DURCH DIE SOWJETS
- Behauptungen und Tatsachen -

WASHINGTON - (AD) - Der tragische Zwischenfall, bei dem am 1. September
1983 ein südkoreanisches Passagierflugzeug durch sowjetische Abfangjäger abgeschossen wurde und 269 unschuldige Menschen an Bord ihr Leben verloren, hat
die Welt schockiert. Die Sowjets stritten zunächst alles ab, dann tischten
sie massive Lügen auf und versuchten schließlich,durch falsche Behauptungen
und Anschuldigungen die Vereinigten Staaten zum Schuldigen zu machen. Objektive Beobachter werden auf die sowjetischen Machenschaften nicht hereinfallen,
aber es steht zu erwarten, daß die Propaganda Moskaus auch in den nächsten
Wochen und Monaten versuchen wird, durch Desinformation und Manipulation die
sowjetische Version des tragischen Zwischenfalls publik zu machen.
Es ist bezeichnend, daß die Sowjetunion bisher die Untersuchungen der
Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) nicht mit entsprechenden
Informationen über den Abschuß unterstützt, sondern lediglich erklärt hat,
der Zwischenfall werde weiterhin untersucht. Die Experten der ICAO konnten
in den Vereinigten Staaten, Japan und Südkorea,die volle Unterstützung gewährten, ihre Untersuchungen im "wesentlichen abschließen".
Für die

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Für die Beurteilung des Falles dürfte eine Gegenüberstellung der sowjetischen Behauptungen und der nachweisbaren Fakten von Interesse sein.
Behauptung:

"Man könnte die Allwissenheit Washingtons nur beneiden,

wenn seine Darstellung (des Zwischenfalls) auch nur ein Körnchen Wahrheit
enthielte.

Allerdings (so erklärt die New York Times) wird dieser Flugzeug-

typ von elektronischen Geräten kontrolliert, die den Piloten niemals im Stich
gelassen haben."
Tatsache:

(Iswestja, 8. Sept. 1983)
Die New York Times hat auch über Spekulationen berichtet,

daß in den Bordcomputer des Flugzeuges einprogrammierte falsche Daten der
Grund gewesen sein könnten, daß der Pilot seine Abweichung vom korrekten Kurs
nicht erkannt hat.
Behauptung: "... das ausländische Flugzeug wich Hunderte von Kilometern von seinem richtigen Flugkurs ab..., und die Regeln der internationalen
Zivilluftfahrt wurden gröblich verletzt... Es flog ohne Navigationslichter
und Warnlampen gegen einen Zusammenstoß, die Besatzung hat auf all die Aktivitäten unseres Abfangjägers nicht reagiert... Der Pilot unseres Abfangjägers hat Warnschüsse... mit Leuchtspurmunition... parallel zum Kurs des
eingedrungenen Flugzeuges abgegeben". (Darstellung des Chefs der sowjetischen
Luftverteidigung, Generaloberst Romanow, in der Prawda am 5. Sept. 83)
Tatsache: Die Bandaufnahmen während des Zwischenfalls lassen erkennen,
daß der Pilot des sowjetischen Abfangjägers dreimal berichtet hat, daß er das
Blinklicht und die Navigationslichter des Flugzeuges beobachtet hat. Aus den
Bandaufnahmen geht nicht hervor, daß der Abfangjäger Warnschüsse abgegeben
hat.
Behauptung:

(Marschall Ogarkow, Stabschef der sowjetischen Streitkräfte):

"Das ganze spielte sich in dunkler Nacht und unter Verhältnissen einer Wolkendecke am Oberrand der Schicht, in der der Eindringling flog.

Sein Flug wurde...

um 06.24 Uhr Ortszeit gestoppt; Tagesanbruch war erst 07.11 Uhr (Sonnenaufgang 07.49 Uhr)"
- 2 -

Tatsache:
'

Die

�Tatsache:

Die Piloten der sowjetischen Abfangjäger berichteten über

Sichtkontakt mit der KAL-Maschine in einem Abstand von etwa fünf Meilen, und
einer näherte sich der Boeing 747 auf rund 1,2 Meilen.

Das Mondlicht mußte

die visuelle Identifizierung erleichtern.
Behauptung:

"... Die Bodenkontrollstellen für diesen internationalen

Flug taten nichts, um die Boeing 747 zu warnen, daß sie vom Kurs abgekommen
war."

(Romanow am 5. Sept. in der Prawda).
Tatsache:

Die KAL-Maschine befand sich in einer Zone außerhalb der

amerikanischen oder japanischen Bodenradarstationen.

Unsere Kenntnis dessen,

was geschehen ist, stammt aus der späteren Übersetzung der Funkaufzeichnungen.
Behauptung A: "Warum haben die Behörden der Vereinigten Staaten und
Japans, deren Luftfahrtkontrollstellen den Flug auf dieser Route überwachen,
keine geeigneten Maßnahmen getroffen, um diese flagrante Verletzung der Souveränität der Sowjetunion zu beenden?" (Radio Moskau, 3. Sept. 20.10 Uhr GMT)
Behauptung B: (Ogarkow auf die Frage, ob amerikanische Bodenstationen
gewußt haben könnten,daß der KAL-Flug vom Kurs abgekommen war und eine Kurskorrektur hätten veranlassen können.) "Unbestreitbar hätten sie das tun
können... Wir schließen die Tatsache völlig aus, daß die Bodenstationen eine
solche Abweichung vom Kurs nicht erkannt hätten... Eine solche Abweichung
nicht zu erkennen, ich wiederhole es, ist unmöglich."
Tatsache:

Erstens, die amerikanischen oder japanischen Flugüberwacher

wußten zu keinem Zeitpunkt, während sich der Zwischenfall entwickelte, daß
die KAL-Maschine vom Kurs abgekommen oder in Gefahr war.

Nach dem Zwischen-

fall gelang durch genaueste amerikanische und japanische Nachprüfung der
elektronischen Daten eine Rekonstruktion dessen, was geschehen war.
Zweitens:

amerikanische und japanische Fluglotsen können mit ihren Radar-

schirmen nur etwa 165 bis 200 Meilen beider Enden der Flugroute zwischen
Anchorage und Tokio erfassen.

Sie verließen sich, wie normal üblich, auf
- 3 -

�üblich, auf Funkmeldungen über die Position der KAL-0G7. Diese waren routinemäßig und enthielten keinerlei Hinweise, daß die Piloten der KAL-Maschine
sich ihrer Kursabweichung bewußt waren.
Drittens, Beobachter an den Radarschirmen der japanischen Luftverteidigung sahen das Signal eines über Sachalin fliegenden Flugzeuges, aber sie
konnten nicht wissen, daß es sich um ein vom Kurs abgekommenes Zivilflugzeug
handelte, sondern mußten annehmen, daß es sich um ein im eigenen Luftraum
fliegendes

sowjetisches Flugzeug handelte.

Viertens, militärische Einrichtungen der USA auf den Aleuten sind nicht
für die Radarkontrolle von Zivilflugzeugen zuständig.

Zivilflugzeuge, die

die Aleuten überfliegen, mögen zwar passiv bemerkt werden, aber sie werden
nicht auf Einhaltung von festgelegten Luftverkehrswegen überprüft.
Fünftens, amerikanische und japanische Einrichtungen, die die internationale Notruffrequenz abhören, haben keinen Hinweis auf den Zwischenfall
verzeichnet

und auch keine sowjetischen Versuche, mit dem Flug KAL-007 auf

dieser Frequenz in Kontakt zu treten.
Sechstens, es gibt entlang des Luftverkehrsweges R-20 zwischen Alaska
und Japan keine zivilen Funk- oder Navigationshilfen, weil sich die Sowjets
weigern, an solchen Einrichtungen mitzuarbeiten.
Behauptung

(Ogarkow):

"Die amerikanische Seite hat aus irgendwelchen

Gründen bisher nur die Funkaufzeichnungen der sowjetischen Seite veröffentlicht, der sowjetischen Piloten. Aber sie hat die Funkaufzeichnungen des
Flugverkehrs auf der eigenen Seite nicht veröffentlicht."
Tatsache: Die (amerikanische Luftfahrtbehörde) FAA hat große Anstrengungen unternommen, verwendbare und voll verständliche Bandaufnahmen des gesamten FAA-Verkehrs mit und im Zusammenhang mit diesem KAL-Flug zusammenzutragen. Diese Aufnahmen wurden bald nach dem Abschuß freigegeben. Diese Bänder

- 4 -

�Diese Bänder und ähnliche Aufnahmen aus Tokio lassen erkennen, daß weder
der KAL-Pilot, noch

die FAA, noch japanische Bodenstellen erkannt hatten,

daß Flug KAL-007 von der internationalen Route R-20 abgekommen war, bis die
sowjetischen Raketen die Boeing 747 trafen.
Behauptung A:

(Ogarkow auf die Frage der ABC-Korrespondentin Pamela

Taylor nach "festen Beweisen", daß die 747 ein Aufklärungsflugzeug gewesen
sei.)

"Alle Analysen des Verhaltens dieses Flugzeuges, die Route...

und

die Art des Fluges sowie die Analyse der Interaktion zwischen diesem Flugzeug und anderen Flugzeugen in der Kamtschatka-Zone plus die Wahl, den Flug
so zu lenken, daß er Zonen mit Luftabwehrraketen-Anlagen vermied, aber sehr
wichtige sowjetische Verteidigungsanlagen berührte und schließlich ein Verhalten, das für ein normales Flugzeug gänzlich unverständlich ist, wie etwa,
auf keinerlei Warnungen zu reagieren..."
Behauptung B:

(Ogarkow auf die Frage eines Korrespondenten nach echten

sowjetischen Beweisen, daß ein Zusammenhang zwischen der RC-135 und der 747
bestand.)

"Welchen Beweises bedarf es noch, wenn das Flugzeug 500 km von

der vorgesehenen Route abkam und zwei Stunden lang über sowjetischem Territorium flog...

Das ist durch unsere Funkeinrichtungen dokumentiert...

Alle

Befehle wurden ebenfalls registriert und dokumentiert... Wir sehen keine Notwendigkeit, etwas zu beweisen, was völlig offenkundig ist."
Tatsache:

Erstens, das südkoreanische Flugzeug hatte keine amerikanische

Aufklärungsaufgäbe.

Die Vereinigten Staaten setzen keine Maschinen der Zivil-

luftfahrt für Aufklärungszwecke ein.

Auf wie schwachen Füßen die Behauptung

Moskaus steht, geht daraus hervor, daß Ogarkow nicht in der Lage ist, irgend
etwas anderes als Schlüsse und glatte Behauptungen als "Beweis" vorzulegen.
Zweitens, die Besatzung der RC-135 hatte keinerlei Kontakt mit der KAL007.

Die amerikanische Maschine befand sich auf einem Flug zur Beobachtung

der Einhaltung von Rüstungskontroll Vereinbarungen.

Während der Stunde, die

zum Abschuß der 747 führte, war die RC-135 längst in Alaska gelandet.
beiden Flugzeuge befanden sich zu keinem Zeitpunkt in
- 5 -

Die

einer "Interaktion"

�einer "Interaktion" oder "Koordination".

Eine Rekonstruktion ihrer Flug-

routen und Positionen auf der Karte zeigt, daß sie niemals "zusammen flogen",;"
wie die Sowjets das behauptet haben.

Sie waren sich zu keinem Zeitpunkt nä-

her als 75 Seemeilen gekommen.
Drittens, es gibt Grund zu der Annahme, daß die Identität des Flugzeuges
nicht das Hauptanliegen der Offiziere der sowjetischen Luftverteidigung war.
Im Jahr 1978 hatten sie, selbst nachdem sie den KAL-Flug, der in das Gebiet
von Murmansk abgekommen war, eindeutig als Zivilflugzeug identifiziert hatten,
den Piloten des Abfangjägers angewiesen, das Flugzeug abzuschießen.
Behauptung (Ogarkow):

"Das slidkoreanische Flugzeug drang in der durch

sowjetische Radarsysteme abgedeckte Zone genau in dem Gebiet ein, wo ständig
amerikanische Aufklärungsflugzeuge patrouillieren...

Wir entdeckten diesmal

um 02.45 Uhr Ortszeit am 1. September in diesem Gebiet ein Aufklärungsflugzeug vom Typ RC-135... auf einer etwas merkwürdigen Patrouille.

Um 04.51 Uhr

wurde auf dem Radarschirm ein analoges Signal zu dem der RC-135 in der gleichen
Region und in der gleichen Höhe - 8000 Meter - festgestellt.

Die Flugzeuge

näherten sich einander (bis zu einer völligen Deckungsgleichheit der Signale
auf dem Radarschirm) und flogen eine Zeitlang zusammen (etwa 10 Minuten).
Dann schlug das eine Kurs nach Alaska ein, während das zweite Richtung
Kamtschatka flog.

Natürlich wurde daraus der Schluß gezogen, daß sich...

ein Aufklärungsflugzeug dem sowjetischen Luftraum nähere...
Beide Flugzeuge handelten konzertiert.

Ihre Flüge wurden so durchge-

führt, daß sie die Luftlage komplizieren und unsere Luftverteidigung verwirren sollten.

Darüber hinaus muß die RC-135 das erste Stadium des Fluges

der Boeing 747 kontrolliert und zu diesem Zeitpunkt die Maßnahmen unseres
Luftverteidigungssystems verfolgt haben."
Tatsache: Erstens, die amerikanische RC-135 befand sich auf einem
routinemäßigen Aufklärungsflug in internationalem Luftraum außerhalb
Kamtschatkas und kontrollierte die sowjetische Einhaltung der SALT-Verträge.

- 6 -

�SALT-Verträge.

Die sowjetische Luftverteidigung selbst überwacht solche

Flüge schon seit langem und oft genug, um zu erkennen, daß das KAL-Flugzeug
sich ganz anders als alle amerikanischen Aufklärungsflugzeuge verhielt.
Man kann auch davon ausgehen, daß durch diese Überwachung jene 40 bis 50 Zivilflugzeuge erfaßt werden, die täglich auf den Routen des nordwestlichen
Pazifik verkehren,und daß sie daher mit deren Verhalten und Funksignalen
vertraut ist.
Zweitens, es gab keine Verbindung zwischen der RC-135 und dem KAL-FlugDer kürzeste Abstand zwischen den beiden Flugzeugen betrug 75 Seemeilen;
und die RC-135 kreuzte die Flugbahn der KAL-Maschine erst, nachdem diese bereits 300 Meilen weiter geflogen war. Es hätte daher hinsichtlich der Identität der Flugzeuge bei den Sowjets keine Verwirrung geben dürfen.
Drittens, die Behauptung, die RC-135 sei dort gewesen, um den KALFlug zu kontrollieren oder zu überwachen, ist absurd. Die Erklärung, die
Flugzeuge seien 10 Minuten lang zusammen geflogen, ist schlicht und einfach
falsch; und ein Mindestabstand von 75 Seemeilen würde nicht zu einer Deckung
der Abbilder auf dem Radarschirm geführt haben. Dieser Teil der sowjetischen
Darstellung ist völlig aus der Luft gegriffen, um die Falschbehauptung zu
unterstützen, wonach die KAL-007 eine amerikanische Spionageaufgabe hatte.
Behauptung (Ogarkow): "Das über Kamtschatka eingedrungene Flugzeug
reagierte auf keinerlei Anfragen der sowjetischen Bodenkontrolle oder von
Flugzeugen der Luftverteidigung. Gleichzeitig fingen Funküberwachungsstationen kurze, in regelmäßigen Abständen ausgesandte, verschlüsselte Signale
auf,... wie sie normalerweise für die Übermittlung von Geheimdaten verwendet werden."
Tatsache:

Erstens, die Berichte des Piloten an die Bodenkontrolle zeig-

ten keinerlei Rufe an ihn auf dem internationalen Notrufkanal; und ein solcher Ruf wurde weder von der japanischen Luftüberwachung, noch von irgendeinem anderen Flugzeug im dortigen Luftraum aufgefangen.
Zweitens, es

�Zweitens, es gibt keinerlei Beweise dafür, daß der koreanische Pilot
überhaupt irgendwelche sowjetische optische Signale erhielt.
Drittens, eine sorgfältige Überprüfung aller verfügbaren Beweise über
den Zwischenfall führte zu der Schlußfolgerung, daß die "verschlüsselten
Signale" nur ein pieptonartiges Signal der "SelcaV'-Anlage ("Selective callup") des KAL-Flugzeuges gewesen sein konnten, das Flugzeuge routinemäßig
einsetzen, um Bodenstationen zu benachrichtigen, daß Sprechfunkverkehr folgen werde.

Es ist schwer vorstellbar, daß die sowjetischen Kontrolleure,

in einem so vielbeflogenen Luftraum tätig, mit diesen Signalen nicht vertraut gewesen sein sollten. Man muß daher zu der Schlußfolgerung gelangen,
daß dies ein weiterer, durchsichtiger Versuch der Sowjets ist, die Behauptung eines "Spionageflugzeuges" zu erhärten.
Behauptung (Ogarkow):

"Im Bereich der Insel Sachalin wurde das Verhal-

ten des eindringenden Flugzeugs unerhört...
schüsse der sowjetischen Abfangjäger.

Es reagierte nicht auf die Warn-

Zudem begann es,gleichzeitig seine

Richtung, seine Flughohe und -geschwindigkeit zu ändern in dem offenkundigen
Bemühen, den Flugzeugen der Luftabwehr zu entkommen...

Es gibt keinen Zwei-

fel mehr darüber, daß es sich hier um ein Aufklärungsflugzeug handelte...
(über) dem südwestlichen Teil Sachalins wurde der letzte Versuch unternommen,
es zur Landung auf einer Landebahn zu zwingen, weshalb viermal Warnschüsse
mit insgesamt 120 Spurengeschossen abgegeben wurden... Ein Abfangjäger erhielt den Befehl, den Flug des Eindringlings mit Raketen zu stoppen; der
Befehl wurde ausgeführt.
Tatsache:

Erstens, in der Tonbandaufnahme eines sowjetischen Piloten

wird vom Abfeuern der Bordkanone gesprochen.
verwendet wurde oder nicht:

Gleich, ob Leuchtspurenmunition

Der KAL-Pilot zeigte durch nichts an, die Warn-

maßnahmen der Sowjets gesehen oder gehört zu haben.
Zweitens, der KAL-Pilot hatte per Funk durchgegeben, daß seine Position
südöstlich von Hokkaido sei. Er hatte von der japanischen Bodenkontrolle um

- 8 -

�Bodenkontrolle um Erlaubnis gebeten, von 32 000 auf 35 000 Fuß zu steigen
- ein normaler Vorgang, um Treibstoff einzusparen - und diese auch erhalten.
Natürlich war mit diesem Aufstieg der 747 ein gewisser Geschwindigkeitsverlust verbunden.
Drittens, offenkundig war sich der Pilot auch dann noch nicht der Tatsache bewußt, daß er vom Kurs abgekommen war und sowjetische Abfangjäger in
der Nähe waren - und hatte daher auch keinen Grund, mit dem Flugzeug Fluchtmanöver durchzuführen. Die einzige Mitteilung aus den aufgenommenen Stimmen
der sowjetischen Piloten, die sich auf diesen Aspekt bezieht, ist die Information des SU-15 Piloten, daß "das Ziel seine Geschwindigkeit verringert.
Ich gehe um es herum; ich befinde mich bereits vor dem Ziel." Dies fand
statt, als das Flugzeug auf größere Höhe aufstieg.
Behauptung:

"Es war, als ob sich das Flugzeug im Schutz der Nacht

über unser Territorium hinwegstehle.

Es gibt keinen Zweifel daran, daß es

sich um einen mutwilligen Akt und um eine grobe antisowjetische Provokation
handelte...

Der sowjetische Pilot wußte nicht genau, daß (es sich hierbei

um ein Zivilflugzeug handelte)... Seine Umrisse sind denjenigen des amerikanischen RC-135 Aufklärungsflugzeuges sehr ähnlich.

Der Pilot war nicht in

der Lage, herauszufinden, welche Funktionen das eingedrungene Flugzeug
durchführte...
Tatsache:

Erstens, ganz deutlich ist dies der Versuch, eine plausible

Erklärung für das unentschuldbare Versagen zu finden, die KAL-Maschine korrekt
zu identifizieren.
Zweitens, bei Nichterkennung von Identität und "Funktion" des Flugzeuges
durch den Piloten wäre umso mehr Grund vorhanden gewesen, das Flugzeug nicht
abzuschießen.
Drittens, die Sowjets hatten das Flugzeug rund zweieinhalb Stunden
lang verfolgt.

Ein sowjetischer Abfangjäger kam bei klarem Mondlicht sogar

- 9 -

�Mondlicht sogar bis auf zwei Kilometer an die 747 heran.

Mehrere Tage nach

dem Abschuß wurde das Flugzeug im Moskauer Fernsehen als "gigantisch" bezeichnet, also ob diese Eigenschaft der 747 gerade entdeckt worden wäre.
Viertens, sogar, falls die Umrisse der Maschine es ihnen nicht ermöglicht hätte, die 747 von einer RC-135 zu unterscheiden, so hätten doch die
Blink- und Navigationslichter sowie seine Funksprüche dazu führen müssen, es
von einem Zivilflugzeug zu unterscheiden, das vom Kurs abgekommen war.
Fünftens, eine klare Analyse des Vorfalls muß daher zu dem Schluß führen,
daß die Sowjets schlicht nach der Devise vorgingen:

Erst schießen, dann

fragen.

"Geplante Provokation" durch "Spionageflugzeug"
In der ersten Woche nach dem Abschuß des KAL-Flugzeuges entwickelte die
Sowjetunion die Grundthemen, die zur Verteidigung der sowjetischen Handlungsweise genutzt werden sollten: (1) Die Vereinigten Staaten hätten der Maschine
KAL 007 eine Geheimdienstaufgabe zugewiesen,und (2) im Fall eines Abschusses
würden die Vereinigten Staaten den Vorfall dazu nützen, die Ost-West-Beziehungen zum Zweck einer ganzen Reihe unterstellter Motive Washingtons zu verschlechtern. Die Schärfe, mit der diese Unterstellungen vorgebracht wurden,
zeigt deutlich Moskaus Unbehagen angesichts der weltweiten Reaktion und seine
Hoffnung, Anhänger für die Idee zu finden, es sei Washington, wo gelogen
werde.
Behauptung (Ogarkow):

"Es gibt unwiderlegliche Beweise dafür, daß das

Eindringen des...(KAL)-Flugzeuges in sowjetischen Luftraum eine mutwillige,
sorgfältig geplante Geheimdienstoperation war...

und von bestimmten Zentren

auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten und Japans gelenkt wurde."
Tatsache:

- 10 -

Falsch.

�Tatsache:

Falsch.

Als Beweis für diese Behauptung bietet die Sowjet-

union nichts als ihre Fragen, Unterstellungen und Verdächtigungen.

Die Ver-

einigten Staaten beziehen keine Zivilflugzeuge in ihre nachrichtendienstlichen
Aktivitäten ein.
Behauptung:

"... Das Szenario für das Auftauchen (der KAL-Maschine)

wurde in all seinen Einzelheiten auf der anderen Seite des Ozeans entworfen,
(wo) sie das Leben so vieler Menschen riskierten...

Diese sind noch weitere

Opfer des 'Kalten Krieges', für den das Weiße Haus eintritt und in dem es ein
Meister ist.

Die Geschichte wird es dafür zur Verantwortung ziehen."

(Prawda, 5. Sept. 83)
Tatsache: Es gab kein amerikanisches Szenario. Diese Darstellung des
Vorfalls dürfte ein Spiegelbild jener Art von Aktionen sein, wie sie Moskau
schon in der Vergangenheit befohlen hat. So gibt es eine ganze Reihe von
Hinweisen darauf, daß Aeroflot-Maschinen nachrichtendienstliche Aufgaben
durchgeführt haben, wobei sie von den vorgeschriebenen Routen abwichen, um
wichtige militärische Einrichtungen des Westens zu überfliegen.
Behauptung:

"(Amerikanische Quellen)... verbreiten zynisch Informa-

tionen über Spionagetätigkeit der USA an der Ostgrenze unseres Heimatlandes.
All das bestätigt nur, daß (die KAL-Passagiere)... Opfer einer monströsen
Provokation von noch nie dagewesener Perfidie wurden. (Iswestija, 7. Sept. 83)
Tatsache:

Moskau und die ganze Welt wissen, daß die UdSSR genau wie

die Vereinigten Staaten gemäß unseren bilateralen Rüstungskontroi labkommen
ganz normal und routinemäßig die gegenseitige Einhaltung dieser Abkommen
überwachen und dabei "nationale technische Mittel" einsetzen. Eine solche
Beschreibung dieser akzeptierten Realität unserer heutigen Welt ist schlicht
und einfach schlechte Propaganda.
Behauptung:

"...

Die Hände des CIA, die Hände des Pentagon

und...

die Hände des militärisch-industriellen Komplexes der USA programmierten

i
11

�USA programmierten den tragischen Verlust der südkoreanischen Maschine und
opferten diese Maschine auf dem Altar des Egoismus der herrschenden Kreise
der USA.
Die Hauptfrage ist, warum sich die südkoreanische Maschine in sowjetischem Luftraum befand...

Reagan sagte, niemand werde jemals wissen, wer

diese Route in den Computer des Flugzeugs eingab.

Aber er wurde in Washington

programmiert... von jenen, die Zugang zum Flugzeug und zu seinem Flugprogramm
hatten.

(TASS, 10. Sept. 83)

Tatsache:

Erstens, die Theorie einer nachrichtendienstlichen Aufgabe,

die Moskau aufstellen will, baut sich auf nichts anderem als auf sowjetischen
Verdächtigungen, auf Befürchtungen und auf fabrizierten Unterstellungen auf und
zeigt die Mentalität des Kreml in sehr schlechtem Licht.
Zweitens, die Vereinigten Staaten haben die bekannten Fakten des Falles
offen dargelegt.

Die UdSSR hingegen hat sich den zu recht stellenden Fragen

über dieses Massaker an 269 Menschen in einem Zivilflugzeug entzogen.

In dem

Maß, in dem die sowjetische Regierung wirklich glaubt, die meisten vernünftig
urteilenden Menschenwürden dies nicht sehen, besteht in der nichtkommunistischen
Welt umso mehr Grund, hinsichtlich der Ost-West-Beziehungen für die Zukunft
Bedenken anzumelden.
Drittens, der wirkliche Grund dafür, daß die KAL-Maschine vom Kurs abkam, wird unbekannt bleiben, bis die Daten des Flugaufzeichnungsgerätes gefunden und analysiert werden können.

Piloten, die Erfahrung mit der 747

haben, haben ihre Hypothesen für mögliche Vorkommnisse an Bord der Maschine
und für Probleme mit der Ausrüstung vorgebracht, wodurch die KAL-007 vom Kurs
hätte abgekommen sein können.

Sie stellen zugleich fest, daß solche Abwei-

chungen bei allen Fluglinien, einschließlich der Aeroflot, vorkommen.
Viertens, die sowjetische Behauptung, wonach die Maschine in den sowjetischen Luftraum wegen einer amerikanischen "Spionageaufgabe" eingedrungen sein

- 12 -

�eingedrungen sein soll, ist reine Erfindung. Die amerikanischen "nationalen technischen Mittel" zur Überwachung der Rüstungskontroi labkommen mit
den Sowjets sind völlig angemessen, um ihre Arbeit zu tun.
Fünftens, die sowjetische Propaganda befolgt offensichtlich den Befehl
dife Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit von der Tatsache abzulenken, daß
die UdSSR ihre eigenen "nationalen technischen Mittel" zum gleichen Zweck
und ebenso umfangreich einsetzt und daß die weitverbreitete und offenkundige
Spionage und subversiven Aktivitäten dazu geführt haben, daß über 200 sowjetische Agenten während der letzten Jahre aus Staaten der Freien Welt ausgewiesen wurden.
Behauptung: "... Warum dieser weltweite Aufschrei? Weil Washington
glaubt: Je schlechter die Atmosphäre in der Welt, umso besser die Situation
für die Durchführung der imperialistischen Pläne der Vereinigten Staaten und
der NATO; desto leichter auch für sie, Abkommen zur Einhaltung des Wettrüstens auszuweichen, durch die die Menschheit der nuklearen Bedrohung entkommen könnte." (Moskauer Fernsehen um 13.00 Uhr MEZ am 4. Sept. 83)
"Die amerikanische Administration startet eine plumpe antisowjetische
Kampagne..., (deren) Anstifter... mutwillig Leidenschaften entzünden und
eine Täuschung auf die andere häufen... Die Provokateure werden ihrer Verantwortung für diesen kriminellen Akt gegenüber der UdSSR, ihren souveränen
Rechten und ihre Sicherheitsinteressen nicht entgehen." (TASS 16.28 Uhr MEZ
4. Sept. 83)
Tatsache: Erstens, praktisch alle Kommentatoren der Freien Welt lachen
über die sowjetische Behauptung, daß die Vereinigten Staaten ein Zivilflugzeug für die Sammlung von Nachrichtenmaterial benutzen könnten.
Zweitens, der "weltweite Aufschrei" gilt dem'Abschuß, gilt Moskaus zynischen Lügen und der lächerlichen Vertuschungsgeschichte, die dort aufgetischt wurde.

Die klare Beweislage zeigt, daß Moskau so von seiner Sicher-

heit besessen ist, daß kaltblütig 269 Männer, Frauen und Kinder in einem Zi- 13 -

�in einem Zivilflugzeug ermordet werden.
Drittens, die gesamte sowjetische Reaktion zeigt die Schwäche des Falls:
Es gab zur Verteidigung nichts anderes als die Lüge.
Behauptung A (Ogarkow):

"Die Aktionen (der sowjetischen Luftverteidi-

gung) wurden in strikter Einhaltung von Verfassung und Gesetz der UdSSR und
bestehender internationaler Abkommen durchgeführt.

Es ist souveränes Recht

eines jeden Staates, seine Grenzen, einschließlich seines Luftraumes, zu verteidigen."
Behauptung B: "Die Vereinigten Staaten versuchen..., den Sicherheitsrat
dazu zu mißbrauchen, Staaten das souveräne Recht zu bestreiten, ihre Sicherheit zu gewährleisten, obgleich auch die Charta der Vereinten Nationen dieses
Recht garantiert."

(TASS, 09.38 Uhr MEZ, 4. Sept. 83)

Tatsache: Erstens, auf der Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten
Nationen sprach der Vertreter von Singapur praktisch für die ganze Staatengemeinschaft, als er sagte: "Wir müssen... verlangen, daß die Sowjetunion
ihre Gesetze und Regeln in Einklang mit internationalem Recht bringt."
Zweitens, die überwältigende Mehrheit der Staaten dieser Welt machte
durch ihre Erklärungen während der Beratungen des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, auf den Treffen der Internationalen

Zivilluftfahrtorgani-

sation und während des Treffens der Welttourismusorganisation in Neu Delhi
ihren deutlichen Widerspruch gegen die Behauptung Moskaus deutlich, wonach
die Bedenken eines Staates hinsichtlich Souveränität, Sicherheit und "geheiligte^ Grenzen" die Besorgnis um den Schutz unschuldigen Lebens und des internationalen Transportes übersteigen können.
Drittens,keinerlei internationale Regelungen lassen zu, daß ein Flugzeug eines anderen Staates in Friedenszeiten abgeschossen wird.

Das Völker-

recht duldet nicht das Abschießen von Zivilflugzeugen, ganz gleich, welche
Verdachtsmomente es hinsichtlich seiner Funktion geben möge.
Viertens, sowjetische
- 14 -

�Viertens, sowjetische Flugzeuge haben in vielen Fällen den Luftraum
anderer Staaten verletzt, dies zuweilen sogar eindeutig absichtlich.
hier versucht Moskau, zweierlei Maßstäbe anzulegen.

Auch

Letztlich bedeutet der

sowjetische Anspruch, daß jedwede Art von Maßnahme durch seine eigene, extreme Unsicherheit gerechtfertigt wäre.
Behauptung: "Reagan hat die amerikanische Version des Vorfalls dargelegt, eine Version, die von der CIA ausgearbeitet wurde und sich auf verleumderische Konstruktionen gegen die Sowjetunion stützt... (Er bedrohte)
uns mit Sanktionen und... sagte, die Sowjetunion hätte angeblich kein gesetzliches oder moralisches Recht und keine Rechtfertigung, hinsichtlich des
Flugzeuges Schritte zu unternehmen... Aber nur jemand, der mit den Fragen
des Völkerrechts nicht vertraut ist, kann eine solche Erklärung abgeben...
Was würde der amerikanische Präsident sagen, wenn z.B. morgen... ein sowjetisches Flugzeug über geheime Landesteilen der Vereinigten Staaten auftauchen
würde?" (Moskauer Fernsehen am 6. Sept. 83)
Tatsache:

Erstens, die Reaktion der Vereinigten Staaten und der anderen

Staaten der freien Welt auf diesen Vorfall waren sorgfältig auf die Fakten
ausgerichtet und zeigen ein volles Verständnis für die entsprechenden Fragen
des Völkerrechts und der moralischen Komponente.
Zweitens, sowjetische Flugzeuge tauchten in der Tat wiederholt im Luftraum vieler Staaten auf, wozu sie kein Recht hatten. Sie wurden dabei ertappt und zum Abflug veranlaßt. Kein anderer Staat hat sich jemals das Recht
angemaßt, sie abzuschießen.
Behauptung:

(Der Stellvertretende Chef der Internationalen Abteilung

der KPdSU, Samjatin):

In Anspielung auf einen Aeroflot-Flug über Neuengland

im Jahr 1981) "Bei Überprüfung stellte sich heraus, daß auch in diesem Fall
das Aeroflot-Flugzeug die von der amerikanischen Luftfahrtbehörde genehmigte
Flugroute strikt eingehalten hatte. Aeroflot legte hierfür Beweise vor, und
die amerikanische Zivilluftfahrtbehörde (CAB) war bereit, ihre vorherige Ent-

- 15 -

�vorherige Entscheidung rückgängig zu machen.

Dennoch schickte das amerika-

nische Außenministerium dieser Behörde einen Brief, wonach Aeroflot, gleich,
ob seine Beweise richtig oder falsch seien, bestraft werden müsse."
Tatsache:
dient.

Dies ist eine falsche Darstellung, die nur den eigenen Zwecken

Am 8. November 1981 wichen die Aeroflot-Flugzeuge sowohl auf dem Hin-

ais auch auf dem Rückflug Moskau-Washington deutlich von ihrer für den amerikanischen Luftraum über Neuengland vorgeschriebenen Flugroute

ab und folgten

einem Kurs, der über die Pease-Luftwaffenbasis in New Hampshire wie auch über
die Groton-Atomunterseeboot-Anlage in Connecticut führte. Als amerikanische
Reaktion wurde über Aeroflot ein Flugverbot für zwei Flüge verhängt.
Behauptung:

"In Washington träumte man von einem großen Schlag, mit dem

man die propagandistische und politische Lage verändern und die Aufmerksamkeit
der Menschen von den Friedensinitiativen der Sowjetunion ablenken könnte und
wodurch gleichzeitig Washington eine Lösung für seine großen internationalen
Probleme finden würde.

Der nur allzu bekannte Vorfall mit der südkoreanischen

Maschine war eine solche Sache.

Sogleich nach dem Vorfall wurde - nach einem

im vorhinein ausgearbeiteten Plan - in den Vereinigten Staaten eine breitangelegte Propagandakampagne gestartet, deren Tonlage von Präsident Reagan selbst
angegeben wurde...

Gleich zu Beginn wurde behauptet, mit der Sowjetunion

seien angeblich überhaupt keine Abkommen möglich, sie verstünde angeblich nur
die Sprache der Stärke,und deshalb sei es notwendig, sich zu bewaffnen.
aber ist eine offenkundig abenteuerliche Politik."

(Radio

Dies

Moskau am 7.

Sept. 83)
Tatsache:

Erstens, die Tatsache, daß Washington natürlich erst nach dem

Vorfall etwas davon wissen konnte, wischt dieses ganze konstruierte Argument
der Moskauer Rundfunkkommentatoren beiseite.
Zweitens, hinsichtlich der amerikanischen Reaktion kann man zwischen den
Zeilen sogar eine gewisse Bewunderung und Neid für die Schnelligkeit und die
Qualität der Reaktion der amerikanischen Regierung lesen.

Die Demokratie

muß nicht unbedingt weniger effizient funktionieren als ein autoritäres Re- 16 -

�autoritäres Regime.
Behauptung A:

"Die Reagan-Administration... (zielt darauf ab), die

internationale Atmosphäre so weit aufzuheizen, daß sie dann eine Politik der
uneingeschränkten Militarisierung der Vereinigten Staaten und der offenen
Vorbereitung des thermonuklearen Krieges führen...

(und) alle Anstrengungen

der friedliebenden Kräfte zunichte machen kann...

Man kann Washingtons

Streich nur... als absichtlichen Mord bezeichnen.

(TASS, Internationaler

Dienst in russisch, 7. Sept. 83)
Behauptung B: "Der Vorfall... fand zu einer für Washington 'günstigen'
Zeit statt... am Vorabend... einer neuen Runde der Genfer TINF-Verhandlungen..., am Vorabend der letzten Schritte der Madrider Konferenz und am
Vorabend (der Beratungen des Kongresses über) eine Abstimmung des neuen, noch
gewaltigeren Rüstungshaushaltes für das Wettrüsten... Jene, die die Computer
des südkoreanischen Flugzeuges programmierten, wissen sehr genau, daß in...
einer Atmosphäre der Hysterie es leichter ist, das Wettrüsten aufzuheizen,
ihre widerspenstigen Verbündeten in den Militärblöcken in Schach zu halten
und leichter eine Lösung der Probleme von Krieg und Frieden zu vermeiden...
Die Geschichte kennt viele Beispiele, wo Aggressoren und Eroberer unbewaffnete Frauen, alte Männer und Kinder vor ihren Horden hergetrieben haben...
Nein, die Herzen der Herrschenden in Washington sind nicht mit den unschuldigen Opfern dieses programmierten Aktes der Provokation. Ihre Herzen und
Seelen... greifen nach der Weltherrschaft." (Istwestija, 7. Sept. 83)
Behauptung C:

"Der Plan war offensichtlich so, daß das Flugzeug, das

sich als Zivilmaschine ausgab, entweder seine Geheimdienstmission erfüllen
würde oder aber für den Fall, die sowjetischen Luftverteidigungskräfte würden seinen Flug beenden, sogleich eine fanatische antisowjetische Kampagne
einsetzen würde.

Nunmehr ist klar, daß die zweite Option zum Einsatz kam.

(TASS, 10. Sept. 83)
Tatsache, Erstens,

- 17 -

�Tatsache:

Erstens, Moskau

unternimmt offensichtlich den Versuch, das

zu vertuschen, was sich bei der Anhörung des Sicherheitsrates der Vereinten
Nationen vom 6. September 1983 ergeben hat:

Daß nämlich praktisch niemand

an die "Spionageflugzeug"-Geschichte oder die wüsten Unterstellungen glaubt,
die Moskau gegenüber den Vereinigten Staaten vorgebracht hat.
Zweitens, die Sowjetunion wurde also dabei ertappt, wie sie selbst Propaganda verspritzt, während die übrige Welt Reue und Wiedergutmachung erwartet.
Drittens, nur Nationen und Menschen mit Werten, die nicht durch Ideologie und ein paranoisches Gefühl von Unsicherheit verzerrt sind, ist eine Tragödie wie diese niemals "passend".
Viertens, da die Vereinigten Staaten auf keine Weise die KAL-Maschine
"benutzten", sind alle Unterstellungen hinsichtlich eines konspirativen amerikanischen politischen Komplotts oder einer "geplanten Provokation" vollkommene Fantasiegebilde.
Fünftens, die Kaltblütigkeit des sowjetischen Abschusses und der Zynismus Moskaus bei dem darauffolgenden massiven Versuch, den Vereinigten
Staaten die Schuld zuzuweisen, erklärt die Entrüstung der freien Welt. Die
Reaktion der amerikanischen Regierung kann angesichts der Umstände des Falles
nur zurückhaltend genannt werden. Die Hysterie, wenn es denn welche gab,
zeigte sich in den wütenden Bemühungen der Sowjetunion, von einer gerechten
Beurteilung ihres Verhaltens durch die Weltmeinung abzulenken.

- 18 -

�</text>
                  </elementText>
                </elementTextContainer>
              </element>
            </elementContainer>
          </elementSet>
        </elementSetContainer>
      </file>
    </fileContainer>
    <collection collectionId="4">
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="1">
          <name>Dublin Core</name>
          <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
          <elementContainer>
            <element elementId="50">
              <name>Title</name>
              <description>A name given to the resource</description>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="6534">
                  <text>Dokumente</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </collection>
    <itemType itemTypeId="19">
      <name>Digitalisat</name>
      <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
    </itemType>
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="40">
            <name>Date</name>
            <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9255">
                <text>26.10.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9256">
                <text>Amerikadienst 26.10.1983</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="51">
            <name>Type</name>
            <description>The nature or genre of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9257">
                <text>Digitalisat</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="39">
            <name>Creator</name>
            <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="9258">
                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
          <element elementId="41">
            <name>Description</name>
            <description>An account of the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="13755">
                <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Abschuss des koreanischen Passagierflugzeuges durch die Sowjets&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Behauptungen und Tatsachen -&lt;/em&gt;</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </item>
</itemContainer>
