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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
State? Information Service

Embassy of the United States of America
USIS LIBRARY
Deichmanns Aue 29
53170 Bonn

I.September 1993

NAHER OSTEN

USA BEZEICHNEN PAKT ZWISCHEN
ISRAEL UND PLO ALS KONZEPTIONELLEN
DURCHBRUCH
Christopher unterstützt Abkommen

SOMALIA

ASPIN UMREISST AKTIONEN FÜR
FORTSCHRITTE IN SOMALIA
Rede des Verteidigungsministers

AUSSENPOLITIK

CLINTON ERGREIFT MASSNAHMEN ZUR
FÖRDERUNG DES HANDELS MIT DER
KARIBIK
Pressekonferenz des Präsidenten

WIRTSCHAFT

BERICHT DES WIRTSCHAFTSMINISTERIUMS: AUSLÄNDISCHE
DIREKTINVESTITIONEN IN DEN USA
UND IHRE AUSWIRKUNGEN
von Lester A. Davis
USA, JAPAN, DEUTSCHLAND - VERGLEICH
DES WIRTSCHAFTLICHEN UMFELDS
Studie des Bundesrechnungshofs

WEITERVERBREITUNG

SANKTIONEN GEGEN CHINA UND
PAKISTAN WEGEN TRANSFER VON
RAKETENTECHNOLOGIE
Eindeutige Beweise für Technologietransfer

COUNTRY-MUSIC

MARY-CHAPIN CARPENTER:
DER LIEBLING DER COUNTRY-MUSIC
von Debra Shore

Um Übersendung von
Belegexemplaren
•wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NAHER

OSTEN
I.September 1993

USA BEZEICHNEN PAKT ZWISCHEN ISRAEL UND PLO
ALS KONZEPTIONELLEN DURCHBRUCH
Christopher unterstützt Abkommen

WASHINGTON - (AD) - Ein in Geheimverhandlungen
ausgehandeltes Abkommen zwischen Israel und der
Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), das
den Palästinensern "vorgezogene Autonomie" in den
besetzten Gebieten verleihen soll, ist Außenminister
Christopher zufolge ein "konzeptioneller Durchbruch''.
"Andeutungen, daß wir es nicht unterstützen, entbehren jeglicher Grundlage", erklärte Christopher am 31.
August 1993 im Hinblick auf das erste nach 22monatigen Verhandlungen im Nahost-Friedensprozeß erzielte Abkommen.

Das Konzept eines palästinensischen Staats, das die
Vereinigten Staaten nicht unterstützen, zähle nicht zu
"einer Reihe sehr konkreter Schritte", die in dem Abkommen zwischen Israel und der PLO gefordert würden, führte Christopher aus. Das Abkommen, "das
ziemlich vollständig und ziemlich explizit" sei, befasse
sich mit dem Vorgehen in den nächsten fünf Jahren.

Auf die Frage, ob das israelisch-palästinensische
Abkommen in ein oder zwei Tagen abgeschlossen
sein könnte, wie von einigen Palästinensern vorgeschlagen, räumte der Außenminister ein, es "ist nie
nützlich, genaue Fristen zu setzen". "Meines ErachEinzelheiten wurden offiziell noch nicht bekanntgege- tens will jeder dieses Abkommen so schnell wie mögben, Vertretern der Israelis und der PLO zufolge wird lich formalisieren und dann die zahlreichen zur Durchdas Abkommen den Palästinensern jedoch die Selbst- führung des Abkommens erforderlichen Schritte unverwaltung des Gazastreifens und der Stadt Jericho im ternehmen", erklärte er.
besetzten Westjordanland lange vor den sogenannten
Verhandlungen über den endgültigen Status übertra- "Es muß sehr viel Arbeit geleistet werden. Die Vereigen.
nigten Staaten haben den Prozeß begrüßt", erläuterte
Christopher, "und wollen den Parteien zur Seite stehen
Delegationen aus Syrien, Libanon und Jordanien nahmen und ihnen behilflich sein, einen Schritt weiterzukomam 31. August die Friedensgespräche mit israelischen men. Ich möchte also keine genaue Frist festsetzen,
Diplomaten in verschiedenen Räumlichkeiten des State aus meiner Sicht ist es jedoch wünschenswert, daß
Department wieder auf, und die israelischen und palä- das Abkommen frühzeitig in eine vertragliche Form
stinensischen Vertreter setzten ihre Gespräche über gebracht wird."
Interim-Selbstverwaltungsarrangements für die besetzten Gebiete fort.
Der Außenminister stellte fest, es sei "klar, daß der
Aspekt der vorgezogenen Autonomie des AbkomObwohl die Vereinigten Staaten erfreut über das mens einer Finanzierung bedarf, und wir sind gerne
Abkommen seien, habe die Clinton-Administration - bereit, bei der Aufbringung der erforderlichen Mittel für
zumindest im Augenblick - keine Pläne zur Eröffnung die Palästinenser Hilfestellung zu leisten, damit sie
eines eigenen Dialogs mit der PLO, stellte Christopher ihre Verantwortung im Rahmen des Abkommens
fest.
übernehmen können."
"Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es keine Änderung
unserer Politik im Hinblick auf die PLO. Andererseits
geht es hier um ein sich rasch wandelndes Umfeld",
äußerte der Außenminister auf Fragen von Journalisten bei einem Fototermin. "Wir hatten bisher unsere
Vorbehalte, aber es finden offensichtlich Entwicklungen statt, die wir sehr genau verfolgen werden."
AMERIKA DIENST 35

Der Außenminister erklärte jedoch, er sei nicht der
Ansicht, daß das Abkommen irgendwelche "Sicherheitsgarantien" von Seiten der USA fordere. "Wir
werden weiterhin mit den Konfliktparteien zusammenarbeiten, uns um eine Vermittlerrolle bemühen und bei
der Umsetzung dieses Abkommens helfen", fuhr er
fort.
Seite 1

�Während der zweimonatigen Verhandlungspause seit
der Unterbrechung der Nahostgespräche am 1. Juli
war der Friedensprozeß vom Ausbruch erbitterter
Feindseligkeiten zwischen den vom Iran unterstützten
Terroristen der Hizbollah und den israelischen Streitkräften gekennzeichnet, die Zehntausende Libanesen
aus ihrer Heimat vertrieben. Christopher brach seine
Asienreise in Singapur ab und kehrte in die Staaten
zurück, um durch Telefondiplomatie eine Beendigung
der Feinseligkeiten zu erreichen. Diese Bemühungen
schloß er mit einer einwöchigen Reise in die Region ab
und überzeugte die Konfliktparteien, ihre Friedensgespräche in Washington wiederaufzunehmen.
Der israelische Außenminister Peres und ein hochrangiger PLO-Vertreter trafen in der letzten Woche zu
Geheimverhandlungen in Oslo zusammen und handelten ihr Abkommen aus, das in Form einer Grundsat zerklärung veröffentlicht werden soll.
Seit Beginn direkter Verhandlungen zwischen den
Konfliktparteien Ende Oktober 1991 nach Abschluß
der Madrider Konferenz gelang es in keiner der Ver-

* *

Seite 2

handlungsrunden, auf auch nur einem der vier Verhandlungsgebiete zu einer Einigung zu kommen. Nach
Beendigung der letzten Verhandlungsrunde erklärten
amerikanische Regierungsvertreter jedoch, die Konfliktparteien hätten bei substantiellen Fragen Fortschritte erzielt und schienen bereit, schwierige Entscheidungen zu treffen.
Christopher erinnerte vor Journalisten daran, daß der
Friedensprozeß unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten und Rußlands abläuft und erklärte:
"Unser Ziel ist eine friedliche Beilegung der Konflikte im
Nahen Osten. Und dieses (Abkommen) ist ein großer
Schritt in diese Richtung."
Der Außenminister gab bekannt, er habe zu Beginn
des Tages mit dem russischen Au ßenminister Kosirev
telefoniert und "über eine Zusammenarbeit bei den
nächsten Schritten" beraten. Die Vereinigten Staaten
seien ihm zufolge in dem Friedensprozeß "bereit, weiterhin die Rolle eines ehrlichen Maklers oder vollwertigen Partners" zu spielen.

* *

*

AMERIKA DIENST 35

�SOMALIA
I.September 1993

ASPIN UMREISST AKTIONEN FÜR
FORTSCHRITTE IN SOMALIA
Rede des Verteidigungsministers
WASHINGTON - (AD) - In einer am 27. August 1993 vordem Zentrum für Strategische und Internationale Studien
(Center for Strategie and International Studies - CSIS) in Washington gehaltenen Rede erläuterte Verteidigungsminister Aspin ein sechs Punkte umfassendes Maßnahmenpaket, das zur Erlangung "echter Fortschritte'' in
Somalia von entscheidender Bedeutung ist.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Die Entscheidung des Präsidenten zur Entsendung
weiterer 400 Soldaten nach Somalia hat die Aufmerksamkeit erneut auf den Sicherheitsaspekt - vor allem
den militärischen Aspekt der Vereinigten Staaten bezüglich dessen gelenkt, was dort geschieht. Dieser
Blickwinkel ist bei weitem zu eng. Die Ereignisse in
Somalia gehen weit über den militärischen Konflikt in
Mogadischu hinaus. Und wenn es eine Lösung für die
Probleme Somalias gibt, muß es sehr viel mehr als
eine militärische Lösung sein.
Somalia war eine Tragödie, die Amerika und die Weh
berührte. Wir gingen dorthin, um ein Volk zu retten,
und dies ist uns gelungen. Wir bleiben dort, um eben
diesem Volk beim Wiederaufbau seiner Nation behilflich zu sein. Um zu verstehen, wie wir dies verwirklichen wollen, sollten wir uns kurz die Umstände ins
Gedächtnis rufen, die diese internationale Reaktion
veranlaßt haben.

Million Menschen, vor allem Frauen und Kinder,
umgekommen. Das Leben von zwei Millionen weiteren - einem Viertel der somalischen Bevölkerung - war
in Gefahr.
Die politischen Institutionen in Somalia waren zerfallen, seine instabile Volkswirtschaft buchstäblich zerstört und die Bevölkerung praktisch ausschließlich von
Hilfe aus dem Ausland abhängig, um zu überleben.
Das Chaos und die Gewalt haben internationale Hilfsbestrebungen vereitelt. Viele Organisationen schränkten ihre Operationen ein oder verließen das Land
vollständig, nachdem ihre Nahrungsmittelkonvois
überfallen, ihre Lagerhäuser geplündert und ihre Mitarbeiter angegriffen worden waren.

Das amerikanische Engagement in Somalia begann
im August 1992 und hat im vergangenen Jahr drei
Phasen durchlaufen. Die erste dauerte von August bis
Anfang der neunziger Jahre war Somalia von einem Dezember und konzentrierte sich auf Nahrungsmitteljahrelangen brutalen Bürgerkrieg zerrüttet. Blutige lieferungen. Die Vereinigten Staaten stellten zunächst
Kämpfe wüteten zwischen den Kriegsherren, die nicht große Mengen an Nahrungsmitteln zur Verfügung,
nur Waffen, sondern auch Nahrungsmittel und Hun- mußten jedoch bald - ebenso wie andere Geberländer
gersnöte als Waffen gegeneinander und gegen eine -feststellen, daßdasChaos und die Gesetzlosigkeit im
hilflose Bevölkerung einsetzten. Die Folge waren Land die Lieferung über Land verhinderten. Das
Chaos und Gesetzlosigkeit in massivem Ausmaß. amerikanische Militär beteiligte sich dann an einer
Dürren verschlimmerten die Hungersnot. Pro Tag militärischen Luftbrücke - der Operation Provide Relief
starben schätzungsweise 1.000 Menschen. Nahezu - um Nahrungsmittel ins Landesinnere zu bringen. Von
August 1992 bis Februar 1993 wurden über 30.000
800.000 Flüchtlinge wurden ins Exil getrieben.
Tonnen an dringend benötigten Nahrungsmitteln und
Schätzungen offizieller Quellen und freiwilliger Hilfsor- anderen Hilfslieferungen nach Somalia transportiert,
ganisationen zufolge waren bis Ende 1992 eine halbe 70 Prozent von den Vereinigten Staaten.
AMERIKA DIENST 35

Seite 1

�Es wurde jedoch bald offenkundig, daß Nahrungsmittellieferungen nicht ausreichen würden. Gewalt und
Diebstähle störten und verhinderten in einigen Fällen
die Lieferungen innerhalb des Landes. Die Sicherheit
mußte verbessert werden, wenn die Nahrungsmittellieferungen die hungernden Somalis erreichen sollten.
Als wir bei der Verlegung eines pakistanischen Bataillons behilflich waren, um die unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen fahrenden Nahrungsmittelkonvois zu schützen, hielten die Streitkräfte von
Mohammed Farah Aidid das Bataillon am Flughafen
von Mogadischu fest, und die Lage in Somalia verschlechterte sich.
Dies löste die zweite - UNITAF (United Task Force) Phase des amerikanischen Engagements von Dezember 1992 bis Mai 1993 aus. Jetzt konzentrierte
man sich auf Sicherheit sowie die Bereitstellung von
Nahrungsmitteln. Die Vereinigten Staaten boten ihre
Führungsrolle bei militärischen Bestrebungen an,
ausreichende Sicherheitsvorkehrungen zur Bewältigung der Hungersnot zu schaffen, und die Vereinten
Nationen verabschiedeten am 3. Dezember 1992
Resolution 794 des UN-Sicherheitsrats.
Bei dieser Phase des amerikanischen Engagements
wurden insgesamt 26.000 amerikanische Soldaten für
die Operation Restore Hope in Somalia stationiert.
Zusammen mit 13.000 Soldaten aus 21 Ländern operierten diese Streitkräfte unter der von den Vereinigten
Staaten geführten UNITAF. Die 39.000 Soldaten der
UNITAF bewirkten eine radikale Veränderung der Lage
in Somalia.
Die Ordnung wurde ausreichend wiederhergestellt,
damit die Nahrungsmittel über mehr als Tausend
Ausgabezentren zu den Bedürftigen gelangen konnten. Die Märkte öffneten wieder und seit vielen Jahren
wurde erstmals wieder gesät. Im Frühjahr 1993 waren
das Chaos und Banditentum in einem Großteil Somalias unter Kontrolle.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die UNITAF
ihr Ziel erreicht hat, die Sicherheitslage zu verbessern
und Nahrungsmittel für die Bevölkerung Mittel- und
Südsomalias bereitzustellen. Noch zu bewältigen ist
die Aufgabe der Institutionalisierung der Leistungen zu verhindern, daß das Land wieder in das Chaos
zurückfällt, das die Hungersnot auslöste.
Die dritte - UNOSOM ll - Phase begann im Mai 1993
und dauert noch an. Sie konzentriert sich auf die
Schaffung von Bedingungen, dank derer die Somalis
ihr Land wiederaufbauen können. Unter UNOSOM II
erweiterte die UNO ihre Bestrebungen im Rahmen der
neuen Resolution 814 des Sicherheitsrates, die am 26.
März 1993 angenommen wurde. Sie forderte die UNO
auf, den Wiederaufbau der Regierung, die Wiederherstellung entscheidender Elemente der nationalen Volkswirtschaft sowie die Entwicklung eines angemessenen

Seite2

Rechts- und Polizeisystems in die Wege zu leiten, um
die Ordnung aufrechtzuerhalten. Wie vereinbart,
reduzierten die Vereinigten Staaten ihr Truppenkontingent rasch von über 25.000 auf rund 4.000 Soldaten.
Wo stehen wir heute? Im Verlauf unseres Engagements konnten unsere Ziele in vier Kategorien eingeteilt werden: Nahrungsmittel, Sicherheit, Wirtschaft
und politischer Wiederaufbau. Was haben wir geleistet?
Im Hinblick auf die Nahrungsmittelsituation haben wir
gut abgeschnitten. Die Notlage, die internationale
Bestrebungen zugunsten der Somalis auslöste, ist
definitiv behoben. Als direkte Folge der humanitären
Bestrebungen der Vereinigten Staaten konnte eine
katastrophale Massenhungersnot abgewendet werden.
Die Agrarproduktion war in diesem Jahr gut. In einigen
Teilen des Landes herrscht immer noch Hungersnot,
aber Berichten aus Mogadischu zufolge gibt es mehr
als genug Nahrungsmittel, um die Somalis zu ernähren.
UNO-Vertreter vor Ort sind zuversichtlich, die Nothilfelieferungen von Nahrungsmitteln bald einstellen zu
können. Die Beendigung der Nothilfelieferungen ist für
Ende dieses Monats vorgesehen. Im Bereich der
Sicherheit haben wir Fortschritte erzielt. Das Banditentum konnte in ganz Somalia beträchtlich verringert
und an einigen Orten vollständig beseitigt werden.
Somalia ist im großen und ganzen friedlich, abgesehen von Süd-Mogadischu, das - wie wir sehen werden
- eine Ausnahme darstellt. Es ist jedoch wichtig, sich
vor Augen zu führen, daß verglichen mit der Lage bei
Ankunft der UNITAF im Dezember dramatische Fortschritte erzielt wurden.
In Süd-Mogadischu, dem Bollwerk Aidids, sieht sich
das gesamte UNO-Unternehmen einer großen Herausforderung gegenüber. Meines Erachtens wurde
die derzeitige Krise dort ausgelöst, weil Aidids Machtbasis politisch und militärisch durch die UNOSOM
unterminiert wurde. Es mag heute wenig tröstlich
erscheinen, aber unsere jetzigen Schwierigkeiten sind
das Ergebnis unserer bisherigen Erfolge. Jetzt droht
die Gefahr, daß politisches Chaos auf den Abzug der
UNO-Truppen folgen wird, wenn wir nicht die Sicherheit in Süd-Mogadischu wiederherstellen. Andere
Kriegsherren werden Aidids Beispiel folgen. Die Kämpfe
zwischen den Kriegsherren, die die Hungersnot in
solch massivem Ausmaß überhaupt erst bewirkt haben, werden weitergehen. Es besteht die Gefahr, daß
sich erneut eine Situation wie vor der Entsendung
amerikanischer Truppen ergibt.
Bei der wirtschaftlichen Lage und dem politischen
Wiederaufbau des Landes wurden einige Fortschritte
erzielt, es muß jedoch noch sehr viel mehr getan
werden. Einige kleine Geschäfte haben wieder geöff-

AMERIKA DIENST 35

�net, einige Schulen und Waisenhäuser wurden wiedereröffnet und in Zentralsomalia haben ehemalige Regierungsbedienstete ihre Tätigkeit wiederaufgenommen und können der Bevölkerung Dienstleistungen im
Gesundheits- und Bildungswesen anbieten. Insgesamt sind die wirtschaftlichen Bedingungen jedoch
weiterhin entsetzlich und Fortschritte zur politischen
Aussöhnung wurden durch die sich verschlechternde
Sicherheitslage im südlichen Teil der Hauptstadt vereitelt. In den ländlichen Gebieten ist die Arbeit erfolgreicher, es müssen jedoch größere Anstrengungen
unternommen werden, um diese Fortschritte voranzubringen. Hieraus können wir den Schluß ziehen, daß
die derzeitige Situation in Somalia uneinheitlich ist und
wir einige drängende Probleme bewältigen müssen.

Zweitens sollten zusätzliche Anstrengungen zum Aufbau
einer Polizei unternommen werden, die unverzüglich
ihre Arbeit aufnimmt. Eine glaubwürdige, neutrale
Polizei in größeren Siedlungsgebieten ist für den Erfolg der Herstellung von Sicherheit unabdingbar.

Heute nachmittag möchte ich einige Vorschläge unterbreiten, wie wir die nächste Phase unserer Arbeit in
Somalia angehen können. Mit anderen Worten, wie
sieht das Endspiel in Somalia für die internationale
Staatengemeinschaft aus? Wir hatten Ziele für UNISOM I, die nicht erfüllt wurden. Das veranlaßte uns
zum Einsatz der UNITAF. Wir hatten Ziele für die
UNITAF, die erfüllt wurden und die Bedingungen für
den Übergang zu UNISOM II geschaffen haben. Wie
wissen wir, ob UNISOM II ein Erfolg war?

Viertens müssen die Vereinten Nationen einen detaillierten Plan mit konkreten Schritten erarbeiten, der ihre
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Aktivitäten
in eine Gesamtstrategie münden läßt. Und sie müssen
ausreichende Mitarbeiter und Finanzmittel zur Verfügung stellen, um Fortschritte bei ihren politischen und
wirtschaftlichen Zielen in Somalia herbeizuführen.

Zu unseren Erfolgskriterien sollten Fortschritte in den
wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bereichen
des somalischen Problems zählen. Zur Sicherheit:
Zweifelsohne muß die UNISOM glaubwürdige Sicherheit in Süd-Mogadischu herstellen, aber das ist nicht
genug. Bei der Entwaffnung der Kriegsherren müssen
echte Fortschritte erzielt und es muß ein wirksamer
Polizeiapparat aufgebaut werden. Der Gesamteffekt
muß so sein, daß keine Gruppe bewaffneter Somalis
das Land in ihre Gewalt bringen kann, um politischen
Willen aufzuzwingen und die Märkte zu plündern.

Drittens sollten wir weiterhin den Milizen die schweren
Waffen abnehmen und - in Zusammenarbeit mit der
somalischen Polizei - mit der Planung für die Durchsetzung einer konsequenten Waffenkontrollpolitik beginnen. Eine solche Politik vermittelt den zur Kooperation
Bereiten ein gewisses Maß an Vertrauen, daß sich ihre
Feinde nicht wiederbewaffnen können. Diese Politik
könnte in Gebieten des Landes begonnen werden, wo
bereits Erfolge bei der Entwaffnung erzielt wurden.

Fünftens sollten die Vereinten Nationen auf ihre Erfolge in Kambodscha zurückblicken und eine Gruppe von
Nationen bilden, um ihre Arbeit in Somalia zu unterstützen und zu beschleunigen. Eine solche Gruppe
könnte aus afrikanischen Ländern sowie anderen
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen bestehen, die
ein besonderes Interesse an der Beteiligung am politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes haben.

Sechstens sollten die Vereinten Nationen und die
Organisation für Afrikanische Einheit jetzt handeln, um
die Parteien wieder auf den Weg zum Frieden zu
führen. Sie könnten das vielversprechende Modell der
in Addis Abeba abgehaltenen beiden vorherigen KonZur Wirtschaft: Das Land sollte offen und sicher genug ferenzen über die nationale Aussöhnung Somalias
sein, damit seine Märkte funktionieren, Waren und zum Vorbild nehmen.
Dienstleistungen angeboten und grundlegende VerDies sind konkrete Schritte, die jetzt unternommen
sorgungsgüter wie Wasser und Elektrizität bereitge- werden könnten, um uns in Somalia auf Erfolgskurs zu
stellt werden können.
bringen. Im Zusammenhang damit ist jedoch noch
Zum politischen Wiederaufbau: Es sollte einen politischen Prozeß geben, der den Interessen der Clans,
regionalen Interessen und den Interessen des somalischen Volkes unabhängig von seinem Clan oder der
Region Rechnung trägt. Es bleibt natürlich die Frage
offen, wie wir von hier nach dort kommen. Ich werde
eine Reihe von spezifischen Aktionen vorschlagen, die
echte Fortschritte bewirken könnten.
Erstens sollten wir die kombinierte Truppenstärke der
UNO auf das vorgesehene Niveau bringen. Die Vereinigten Staaten haben vor kurzem ihre Schnelle Eingreiftruppe um 400 Kampfsoldaten aufgestockt.
UNOSOMII fehlen jedoch rund 5.000 Soldaten für das
geplante Kontingent von 28.000 Mann. Wir erwarten,
daß die anderen das Versprochene leisten werden.

AMERIKA DIENST 35

eine Frage offen, die für uns näherliegend ist. Präsident Clinton hat angeordnet, daß die amerikanischen
Streitkräfte lange genug dort stationiert bleiben, um
ihre Mission zu erfüllen - und nicht länger. Die Beendigung der Mission betrifft vor allem die Sicherheit
Somalias.
Für die amerikanischen Kampftruppen stehen aus
meiner Sicht drei Punkte auf der Checkliste. Erstens
muß die Sicherheitsfrage in Süd-Mogadischu geregelt
werden. Zweitens müssen wir echte Fortschritte bei
der Entwaffnung der Kriegsherren erzielen. Drittens
muß ein glaubwürdiger Polizeiapparat in den größeren
Siedlungsgebieten eingerichtet werden. Wenn diese
drei Bedingungen erfüllt sind, können wir meines
Erachtens die Schnelle Eingreiftruppe aus Mogadischu abziehen.
Seite 3

�Wir können die zur Unterstützung anderer UNOSOM
Il-Streitkräfte stationierten amerikanischen logistischen
Truppen reduzieren, wenn die Sicherheitslage in
Mogadischu die umfangreichere Einstellung von Zivilisten zur Bereitstellung der Unterstützungsfunktionen
gestattet.
Wenn wir uns an die Lage in Somalia vor nur einem
Jahr erinnern, können wir stolz auf das von den Vereinigten Staaten - insbesondere von unseren Männern
und Frauen in Uniform - Geleistete sein. Wir sollten
auch verstärktes Interesse am Erfolg der Vereinten
Nationen in Somalia haben. Ohne die Vereinten
Nationen als friedensschaffende und friedenssichernde Organisation von Weltrang könnten wir uns gezwungen sehen, einen sehr viel größeren Teil der Last

*

Seite 4

*

übernehmen zu müssen. Und wir sollten auch bedenken, daß ein entscheidendes Element jeder dauerhaften Lösung in Somalia das somalische Volk sein mu ß.
Ebenso wie die internationale Staatengemeinschaft in
hohem Maße in die Schaffung von Bedingungen für
politisches und wirtschaftliches Wachstum in Somalia
investiert hat, müssen auch die Menschen in Somalia
selbst in den Wiederaufbau ihres Landes investieren.
In der Zwischenzeit hat Präsident Clinton uns eine
klare Richtlinie gegeben, gemeinsam mit anderen
Nationen auf Kurs zu bleiben, damit Somalia eines
Tages wieder selbst für sein Volk sorgen kann. Das
erwartet die neue Welt von der amerikanischen Führungsrolle und der amerikanischen Partnerschaft.

*

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AMERIKA DIENST 35

�AUSSENPOLITIK
I.September 1993

CLINTON ERGREIFT MASSNAHMEN ZUR FÖRDERUNG
DES HANDELS MIT DER KARABIK
Pressekonferenz des Präsidenten
Präsident Clinton kündigte auf einer Pressekonferenz am 30. August 1993 an, er habe den US-Handelsbeauftragten Mickey Kantor gebeten, mit Vertretern der Karibikstaaten über neue Maßnahmen zur Erweiterung des
regionalen Handels zu beraten.
Auf einer nach Gesprächen mit führenden Politikern fünf karibischer Länder abgehaltenen Pressekonferenz
erklärte der Präsident, er sei sich der Sorge bewußt, daß das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North
American Free Trade Agreement - N AFTA) "für die karibischen und zentralamerikanischen Staaten von Nachteil
sein könnte, indem es den Handels- und Investitionsfluß nach Mexiko lenkt."
Aus diesem Grund werde Kantor die Auswirkungen des NAFTA auf die Region untersuchen, so der Präsident,
der betonte, das Ende des Kalten Krieges habe "die Natur, nicht aber das Ausmaß unseres Interesses an der
Karibik verändert."
Der Präsident kommentierte auch die Ereignisse in Bosnien-Herzegowina und wies erneut auf die Bereitschaft
der Vereinigten Staaten hin, sich an multinationalen friedenssichernden Maßnahmen in dieser Region zu
beteiligen.
Auf die Frage, ob die amerikanischen Streitkräfte in Somalia bleiben würden, bis der somalische Kriegsherr
Farah Aidid gefangengenommen worden sei, erinnerte Clinton: "Die UN-Operation hat sich dies zum Ziel
gesetzt, und die UNO hat uns hierbei um Hilfe ersucht".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Pressekonferenz des Präsidenten im Wortlaut.

Ebenso wie die amerikanisch-mexikanischen Beziehungen demonstrieren auch unsere Beziehungen zu
den Karibikstaaten auf dramatische Weise, daß innenund außenpolitische Belange nicht voneinander zu
trennen sind. Mehr als je zuvor ist unsere Nation eine
karibische Nation. In unseren Gesprächen kam auch
die Sorge zur Sprache, daß das NAFTA für die karibischen und zentralamerikanischen Staaten von Nachteil sein könnte, indem es den Handels- und Investitionsfluß nach Mexiko lenkt. Aus diesem Grund gebe
ich heute bekannt, daß ich den Handelsbeauftragten
Das Ende des Kalten Krieges hat die Natur, nicht aber Mickey Kantor gebeten habe, die Auswirkungen des
das Ausmaß unseres Interesses an der Karibik geän- NAFTA auf diese kleinen Volkswirtschaften zu unterdert. Unser Engagement für die Region wurzelt in der suchen und mit ihnen über neue Maßnahmen zur
geographischen Nähe, dem daraus resultierenden Erweiterung des regionalen Handels zu beraten.
Austausch von Menschen, Waren und Kultur sowie
unserem gemeinsamen Interesse an der Bekämpfung Amerikanische Arbeitnehmer haben ein direktes Interdes Drogenhandels, dem Schutz unserer Wirtschafts- esse am Wohlstand der englischsprachigen Karibik.
interessen und der gefährdeten Ökosysteme.
Die amerikanischen Exporte in Höhe von 2 Milliarden

Clinton: Guten Tag. Heute hatte ich die große Ehre,
fünf herausragende Politiker der englischsprachigen
Karibik im Weißen Haus begrüßen zu dürfen. Präsident Cheddi Jaga aus Guyana, Premierminister Erskine Sandiford aus Barbados, Premierminister Patrick
Manning aus Trinidad und Tobago, Premierminister
P.J. Patterson von Jamaika und Premierminister Hubert
Ingraham von den Bahamas. Ich bin beeindruckt von
der Umsicht, Dynamik und dem Engagement der
karibischen Staatsführung.

AMERIKA DIENST 35

Seite 1

�Dollar in diese Länder schaffen mindestens 40.000
amerikanische Arbeitsplätze. Während unseres produktiven und in herzlicher Atmosphäre verlaufenden
Mittagessens sprachen wir auch viele andere Gebiete
an. Diese Nationen sind alle lebendige Demokratien,
die ihre Volkswirtschaften an die neuen globalen
Realitäten anpassen und gleichzeitig die volle Achtung
der Freiheit und Menschenrechte des einzelnen beibehalten wollen.
In der Organisation Amerikanischer Staaten und den
Vereinten Nationen setzen sie sich beständig und
entschieden für die kollektive Verteidigung der Demokratie ein. Sie haben alle die muttilateralen Bemühungen zur Wiedereinsetzung von Präsident Aristide in
Haiti tatkräftig unterstützt. Wir sprachen auch über
gemeinsame sicherheitspolitische und wirtschaftliche
Maßnahmen zur Unterstützung der Demokratie auf
Haiti. Ich danke ihnen für ihre Hilfe bei der Wiedereinsetzung ins Amt von Präsident Aristide, und natürlich
waren wir alle erfreut über die Berichte der Vereidigung
von Präsident Aristides neuem Premierminister am
heutigen Tag.
Die Gemeinschaft der karibischen Staaten wird ein
wichtiger Bestandteil der Gemeinschaft von Demokratien dieser Hemisphäre sein, die durch wachsende
Wirtschaftsbeziehungen und gemeinsame politische
Überzeugungen miteinander verbunden sind. Dies
wird sich meines Erachtens dank der Führungsqualitäten der fünf heute hier anwesenden Politiker nicht auf
ein kleines Ausmaß beschränken.

wechselseitigen Vorteil mit den CARICOM-Nationen
zu entwickeln, um die Gesetze des Kongresses treulich in Kraft zu setzen, einschließlich eines im letzten
Jahr verabschiedeten, um ein vorher bestehendes
Problem bei unseren Beziehungen zu beseitigen. Und
wie ich bereits ausführte, habe ich den Handelsbeauftragten Mickey Kantor gebeten, sich hiermit zu befassen und zu prüfen, ob wir irgendwelche Zusicherungen
machen können, daß das Abkommen die karibischen
Staaten nicht benachteiligen wird.
Frage: Herr Präsident, können Sie im einzelnen auf
das Gespräch über Kuba eingehen und wie Kuba zu
einer demokratischeren Gesellschaft werden soll?
Antwort: Wir hatten eine eher allgemeine Unterhaltung. Wie Sie wissen, unterscheiden sich die Position
der CARICOM und die der Vereinigten Staaten im
Hinblick auf den Handel mit Kuba. Ich habe nur
wiederholt, daß das kubanische Demokratiegesetz
Handel mit Kuba nicht sanktioniert, es sei denn, er ist
von den Regierungen subventioniert. Dies wird nicht
in Erwägung gezogen, und daher haben wir nur kurz
über die Aussichten für politische und wirtschaftliche
Reformen in Kuba gesprochen - etwas, das von allen
hier vertretenen Nationen ernsthaft erhofft wird. Wir
sind jedoch nicht weiter ins Detail gegangen.

Frage: Herr Präsident, wenn in Genf ein Friedensabkommen zu Bosnien erzielt wird, wie viele amerikanische Truppen würden Sie dann zur Durchsetzung
dieses Abkommens bereitstellen? Wie lange müßten
sie dort bleiben? Und welches Risiko bestünde für
Frage: Herr Präsident, Sie haben eine größere Chan- diese Truppen?
ce, das NAFTA im Senat durchzubringen. Werden Sie
das Abkommen daher zunächst dem Senat vorlegen? Antwort: Ob ich dazu bereit wäre, hängt von meiner
Und kam es überraschend, daß die Karibik Nachteile Überzeugung ab, daß das Abkommen fair ist, von der
aufgrund des NAFTA befürchtet? War das eine Neu- bosnischen Regierung uneingeschränkt unterstützt wird
und durchsetzbar ist. Dies war für unsere Militärplaner
igkeit?
die ganze Zeit über ein Anlaß zur Sorge - ob wir ein
Antwort: Nein. Ich möchte zunächst Ihre erste Frage durchsetzbares Abkommen erzielen könnten.
beantworten. Ich habe diesbezüglich noch keine
Entscheidung getroffen und denke nicht, daß ich das Ich habe jedoch im Februar eindeutig klargestellt und
vor Konsultationen mit den Befürwortern dieses Ab- möchte nochmals wiederholen, daß die Vereinigten
Staaten zur Beteiligung an multilateralen Bestrebunkommens tun sollte.
gen zur Friedenssicherung in Bosnien bereit sind. Ich
Ich kann keinem der beiden Häuser des Kongresses möchte jedoch die Einzelheiten wissen und gewiß
das Abkommen vorlegen, bis der Gesetzgebungspro- sein, daß es sich um ein durchsetzbares Abkommen
zeß zur Umsetzung dieses Abkommens weiter fortge- handelt. Ich möchte femer wissen, wer die Verantworschritten ist. Ich bin jedoch grundsätzlich hierfür offen. tung dafür trägt, wer wie lange dort stationiert ist.
Ich habe noch nicht die Gelegenheit gehabt, in Ruhe
mit den Befürwortern zu sprechen und ihre Meinung Die Situation unterscheidet sich beispielsweise etwas
einzuholen. Ich habe keine Einwände gegen ein von der Lage in Somalia, wo wir in Wirklichkeit zwei
miteinander verbundene Probleme haben. In Somalia
solches Vorgehen.
muß die Nation von Grund auf wiederaufgebaut und
Im Hinblick auf die Karibik war ich nicht überrascht. müssen neue Institutionen geschaffen werden. Wir
Grundsätzlich hielten die führenden Politiker das NAFTA sind dorthin gegangen, um die Hungersnot, die Gewalt
für eine gute Idee, die jedoch bestehende Beziehun- und das Blutvergießen zu beenden. Es trifft jedoch
gen nicht negativ beeinflussen sollte. Unsere Admini- auch zu, daß der Mangel an Ordnung diese Probleme
stration hat hart daran gearbeitet, eine Beziehung zum erst geschaffen hat.

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AMERIKA DIENST 35

�Wir versuchen also immer noch, unseren ursprünglichen Auftrag in Somalia zu erfüllen. Meines Erachtens
kann es funktionieren. Multilaterale Bestrebungen zur
Bewahrung des Friedens können zweifelsohne funktionieren. Dies können Sie den Erfolgen entnehmen,
die wir bei unserer Beteiligung nach dem Camp DavidAbkommen erzielten.
Frage: Herr Präsident, einige Mitarbeiter der humanitären Hilfsorganisationen in Mogadischu haben erklärt, daß der amerikanische Angriff heute morgen ein
grober Fehlschlag war und das amerikanische Militär
ihre Arbeit in Wirklichkeit erschwert. Was sagen Sie zu
denjenigen vor Ort? Und werden die amerikanischen
Streitkräfte lange genug dort bleiben, um Aidid zu
fassen? Ist er ein Ziel für Sie?
Antwort: Die UN-Operation hat sich dies zum Ziel
gesetzt, und die UNO hat uns hierbei um Hilfe ersucht.
Ich verstehe jedoch, wo hierbei das Problem liegt: Die
UNO vertritt die Auffassung - und hat zahlreiche Beweise,
diese Tatsache zu untermauern - daß die Aidid-Anhänger mehrere pakistanische Blauhelme ermordet haben und hinter dem Tod von vier Amerikanern stehen.
Wir müssen uns also damit befassen. Ich bin für
andere Vorschläge offen, und die Vereinten Nationen
sollten dies auch sein.
Bis heute haben wir versucht, bei den gemeinsam
erarbeiteten Maßnahmen zu kooperieren. Wir haben
das Vorgehen nicht nur gelenkt. Wir haben wirklich
versucht, im Rahmen der Vereinten Nationen zu
beweisen, daß es auf lange Sicht funktionieren kann.
Wir haben auch versucht, allen zu verdeutlichen, daß
wir nicht über Somalia als Ganzes sprechen. Wir
reden von einem Teil Mogadischus, im übrigen Land
ging die UN-Mission ungehindert und erfolgreich von-

*

AMERIKA DIENST 35

*

statten. Meines Erachtens will keiner ihren grundlegenden Charakter ändern.
Wäre ich also bereit, dies mit unserem Volk und
anderen zu erörtern? Natürlich. Meiner Ansicht nach
ist es jedoch äußerst wichtig festzustellen, daß dies
durch die Ermordung der Pakistanis und dann der vier
Amerikaner durch AkJid-Anhänger ausgelöst wurde.
Frage: Herr Präsident, besteht die Notwendigkeit, die
Fortsetzung des Dialogs durch die Schaffung beispielsweise eines US-CARICOM-Mechanismus sicherzustellen? Was sind Sie zu tun bereit?
Antwort: Meiner Ansicht nach besteht die Notwendigkeit zu kontinuierlichem Dialog. Unter anderem habe
ich den hier vertretenen Staats- und Regierungschefs
gegenüber heute versichert, daß die Vereinigten Staaten eine hochrangige Delegation zu der Konferenz
über umweltverträgliche Entwicklung in kleineren
Nationen entsenden werden, die nächstes Jahr in der
Karibik stattfinden soll. Wir haben keinen spezifischen
Mechanismus erörtert. Er ist jedoch äußerst wichtig.
All diese Nationen und auch andere, nicht zur Karibik
gehörende Länder befinden sich an einem anderen
Punkt ihrer Geschichte und sehen sich unterschiedlichen Herausforderungen gegenüber. Aus diesem
Grund müssen wir eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten langfristig Demokratie, Marktwirtschaften und Wirtschaftswachstum in dieser Region verpflichtet sind. Selbst hier im Inland haben wir große
Schwierigkeiten bei der genauen Prognose der Wirtschaft, weil wir uns in einer Periode tiefgreifenden
wirtschaftlichen Wandels befinden. Es ist unabdingbar, daß wir diese Verpflichtungen auf lange Sicht
eingehen und ungehindert kommunizieren, und genau
das beabsichtigen wir zu tun.

*

*

Seite 3

�WIRTSCHAFT
I.September 1993

BERICHT DES WIRTSCHAFTSMINISTERIUMS:
AUSLÄNDISCHE DIREKTINVESTITIONEN IN DEN
USA UND IHRE AUSWIRKUNGEN
von Lester A. Davis
Der nachfolgende Artikel wurde in der Ausgabe der Zeitschrift Business America vom 23. August 1993
veröffentlicht, die vom Wirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten herausgegeben wird. Der Verfasser
Lester A. Davis ist im Büro des Leitenden Volkswirts in der Verwaltungsabteilung für Wirtschaft und Statistik des
amerikanischen Wirtschaftsministeriums tätig.

Während der zweiten Hälfte der achtziger Jahre wurden ausländische Direktinvestitionen als Reaktion auf
den raschen Anstieg ausländischer Firmenbesitzer in
den Vereinigten Staaten zu einem heiklen politischen
Thema. Seit Beginn der neunziger Jahre hat sich die
Zunahme ausländischer Unternehmer der neuesten
Studie über ausländische Direktinvestitionen in den
Vereinigten Staaten (Foreign Direct Investment in the
United States: An Update) zufolge verlangsamt. Dies
ist der zweite Jahresbericht des Wirtschaftsministeriums, der durch das Gesetz aus dem Jahr 1990 über
ausländische Direktinvestitionen und internationale Finanzverbesserungen vorgeschrieben und vom Büro
des Leitenden Volkswirts der Verwaltungsabteilung für
Wirtschaft und Statistik herausgegeben wird. Der
Bericht wurde dem Kongreß am 7. Juli 1993 vorgelegt.
Er gibt einen Überblick über ausländische Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten (Foreign Direct
Investment in the United States - FDIUS) und das
Ausmaß, in dem ausländische Banken und andere
Unternehmen an der amerikanischen Wirtschaft beteiligt sind. Dieser zweite Bericht konzentriert sich auf
mehrere Schlüsselfragen im Zusammenhang mit in
ausländischem Besitz befindlichen Unternehmen in
* Amerika und ihren Auswirkungen auf den Handel
sowie die technologische Entwicklung und den Technologietransfer in den Vereinigten Staaten. Er untersucht auch, inwieweit ausländische Unternehmen ihre
Einkünfte durch Übernahmekursfestsetzung aus den
Vereinigten Staaten abziehen. Die Studie analysiert
neue verfügbare Informationen des Büros für WirtAMERIKA DIENST 35

schaftsanalysen (Bureau of Economic Analysis - BEA)
und der Datenaustauschprojekte dieses Büros mit
dem Büro für Arbeitsstatistik (BLS - Bureau of Labor
Statisttcs), die detaillierte Daten über die Aktivitäten
der im Besitz von Ausländem befindlichen Tochtergesellschaften in spezifischen Branchen zur Verfügung
stellen. Zusätzlich enthält der Bericht einen umfassenden Überblick über Analysen nichtstaatlicher Quellen
zu ausländischen Direktinvestitionen und einen statistischen Anhang.
Der Flu ß ausländischer Direktinvestitionen - der Änderungen im Bereich des Eigenkapitals, Anpassungen
bei den Konzernschulden sowie reinvestierte Gewinne
reflektiert • fiel von 11,5 Milliarden Dollar im Jahr 1991
auf 2,4 Milliarden Dollar im Jahr 1992. Folglich sank
der Gesamtwert ausländischer Unternehmen in den
Vereinigten Staaten in hohem Ausmaß. Die Vereinigten Staaten bleiben weiterhin das weltweit größte
Aufnahmeland für ausländische Direktinvestitionen,
derartige Investitionen machen jedoch nur einen kleinen Teil des gesamten amerikanischen Nettovermögens aus - 2,7 Prozent im Jahr 1991 verglichen mit 1,2
Prozent 1980. Dieser Anteil ist geringer als in jedem
anderen großen Industriestaat mit Ausnahme von
Japan.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Berichts umfassen
unter anderem:
Der Anstieg ausländischer Direktinvestitionen
in den achtziger Jahren erhöhte den Anteil aus-

Seite 1

�ländischer Firmen an der amerikanischen Wirtschaft, aber das Abflauen zwischen 1990 und
1992 verlangsamte das anteilsmäßige Wachstum.
Amerikanische Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen zahlten durchschnittlich
etwas höhere Löhne und erhöhten die Zahl
amerikanischer Arbeitnehmer geringfügig schneller als amerikanische Firmen.
Der Anteil ausländischer Tochtergesellschaften
am Ungleichgewicht der amerikanischen Handelsbilanz stieg in den achtziger Jahren stark an
und reflektierte 1990 ein Handelsdefizit der
ausländischen Firmen beim Warenhandel in
Höhe von 89,5 Milliarden Dollar, verglichen mit
einem wesentlich geringeren Defizit der amerikanischen Firmen in Höhe von 12,2 Milliarden
Dollar.
Der Anteil ausländischer Tochtergesellschaften
an der Spitzentechnologieindustrie ist gering,
steigt jedoch an, und die Unternehmen sind im
High-Tech-Bereich anteilsmäßig etwas stärker
vertreten als amerikanische Firmen. Die ausländischen Unternehmen haben insgesamt zur
technologischen Fähigkeit und Entwicklung der
Vereinigten Staaten beigetragen.

märkte in Japan und anderen großen Industriestaaten
- die den Bürgern größere Freiheit beim Export und
Import von Kapital gewährte - sowie die weltweiten
technologischen Veränderungen haben sich fördernd
auf den internationalen Investitionsfluß ausgewirkt.
Das jüngste Absinken ausländischer Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten fällt zeitlich mit einer
Periode verringerter amerikanischer Handels- und
Leistungsbilanzdefizite, einem stabilen Dollar und einer
Rezession sowohl in den Vereinigten Staaten als auch
in führenden Investitionsländern wie Japan, Großbritannien, den Niederlanden, Deutschland und Kanada
zusammen. Insbesondere in Japan verringerte sich
der inländische Kapitalsockel infolge des Aktivitätsrückgangs auf dem Aktien- und Immobilienmarkt erheblich und schränkt die Bereitschaft japanischer Firmen zu Investitionen im Ausland ein. Deutschland hat
mit den Anforderungen seiner Vereinigung zu kämpfen, die einen Großteil der verfügbaren Investitionsfonds absorbieren.

Die Analyse der kürzlich in der Erhebung des Büros für
Wirtschaftsanalysen veröffentlichten Daten zeigt, daß
ausländische Unternehmen beträchtlich zu Wirtschaftswachstum und Beschäftigung in den Vereinigten Staaten beitragen und im Jahr 1990 4,7 Millionen Arbeitsplätze für Amerikaner bereitstellten. Diese Firmen
zahlen geringfügig höhere Löhne (je nach Übereinkunft) als die durchschnittlichen amerikanischen UnZusammengenommen hatten sie ein geringeternehmen. Zusätzlich haben sie ihre Ausgaben für
res zu versteuerndes Einkommen in Relation zu
Fabrikanlagen, Ausrüstung sowie Forschung und
Gesamteinkünften und Vermögenswerten als
Entwicklung in den letzten Jahren entscheidend erhöht
amerikanische Gesellschaften. Mindestens die
und somit den technologischen Fortschritt in den
Hälfte des Einkommensgefälles ist auf Faktoren
Vereinigten Staaten vorangetrieben. In einigen Fällen
zurückzuführen, die nicht mit Einkommensverscheinen sich die ausländischen Muttergesellschaften
schiebungen und Übernahmekursfestsetzung
jedoch ihrer amerikanischen Investitionen bedient zu
zusammenhängen.
haben, um sich Zugang zu den führenden amerikaniDer Zufluß von Direktinvestitionen in die Vereinigten schen Technologien zu verschaffen.
Staaten - definiert als Eigenkapitalanteil von mehr als
Die ausländischen Unternehmen neigen dazu, mehr
10 Prozent der Stimmrechtsaktien an einem amerikazu
importieren als amerikanische Firmen, und waren
nischen Unternehmen - stieg Ende der achtziger Jahre
1990
für 88 Prozent des amerikanischen Defizits im
an, als der Fall des Dollar nach 1985 die Kosten von
Warenhandel
verantwortlich. Viele dieser ausländiInvestitionen in den Vereinigten Staaten senkte. Zu
schen
Firmen
betreiben Großhandel, beispielsweise
dem Anstieg von ausländischen Direktinvestitionen in
als
Automobilimporteure
und Ölgesellschaften, deren
den Vereinigten Staaten trug auch der Wunsch der
Hauptgeschäft
der
Import
ist. Die ausländischen
ausländischen Unternehmen bei, ihre Bindungen an
Unternehmen
verzeichneten
geringere zu versteuernden weltweit größten Verbrauchermarkt zu verstärde
Einkommen
in
Relation
zu
Vermögenswerten und
ken, amerikanische Handelsschranken zu umgehen
Einnahmen
als
die
durchschnittlichen
amerikanischen
und ihre eigenen technologischen und ManagementUnternehmen
in
denselben
Industriezweigen.
vorteile zu nutzen. Die Liberalisierung der Finanz-

* * * *

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�WIRTSCHAFT
I.September 1993

USA, JAPAN, DEUTSCHLAND - VERGLEICH DES
WIRTSCHAFTLICHEN UMFELDS
Studie des Bundesrechnungshofs

WASHINGTON - (AD) - Der Verlust amerikanischer
Marktanteile an Industriezweigen, die einst von den
Vereinigten Staaten dominiert wurden, beispielsweise
Autos und Stahl, hat im Kongreß wachsende Besorgnis über die allgemeine Wettbewerbsfähigkeit der
amerikanischen Wirtschaft entstehen lassen.

in den letzten Jahren eine vorausschauende Planung
von sehen der führenden Wirtschaftler erschwert",
wird in der Studie festgestellt. "Im Gegensatz dazu
bieten die japanische und die deutsche Regierung
langfristige Anreize für Investitionen und Zukunftsplanung der Unternehmen."

Als Reaktion auf diese Besorgnis und auf Bitten des
Senatsausschusses für Handel, Wissenschaft und
Verkehr hat der Bundesrechnungshof eine Untersuchung durchgeführt, die staatliche Maßnahmen, die
Untemehmensstrukturen sowie die Finanzierungs- und
Geschäftspraktiken in den Vereinigten Staaten und
ihren beiden wichtigsten Konkurrenten - Japan und
Deutschland - vergleicht. Die Studie, die am 24.
August 1993 veröffentlicht wurde, beschäftigte sich
auch mit dem Einfluß der Regierungen auf das unternehmerische Umfeld in jedem dieser drei Länder.

Ein weiterer bedeutender U nterschied im unternehmerischen Umfeld der drei Länder betrifft die Beziehungen zwischen den Finanzinstitutionen und der Handelstätigkeit. "In den Vereinigten Staaten haben die
Banken generell schwächere Bindungen zur Industrie
als in Japan und Deutschland", stellt der Bericht fest.
In Japan sind die Banken führende Mitglieder der
Keiretsu-Industriegruppen, die Aktienanteile an Unternehmen besitzen, und auch die deutschen Banken
sind bedeutende Aktionäre. Zum Teil ist das dem
Bericht zufolge darauf zurückzuführen, daß die Finanzgesetze und -Vorschriften in Deutschland und
Obwohl die Untersuchung keine Änderungen im Japan stärkere Bindungen zwischen Banken und Induamerikanischen System befürwortet, weist sie auf strie zulassen als die Gesetze in den Vereinigten
relative Wettbewerbsvorteile der beiden anderen Volks- Staaten.
wirtschaften hin, insbesondere im Hinblick auf die
Beziehungen zwischen Staat und Industrie. "Die US- Zudem, so die Studie, haben amerikanische InvestoRegierung hat traditionsgemäß keine koordinierte Politik ren den weitverbreiteten Ruf, vor allem an der kurzfrigegenüber der Wirtschaft verfolgt, und ihre Beziehun- stigen Wirtschaftlichkeit ihrer Investitionen interessiert
gen zur Industrie waren häufig gegenläufig", so der zu sein, während die japanischen und deutschen InveBericht. "Im Gegensatz dazu hat Japan sich um ein storen sich anscheinend stärker an der Leistungsfäkooperativeres Verhalten gegenüber den Unterneh- higkeit des Unternehmens auf lange Sicht orientieren.
men bemüht sowie die Entwicklung von Schlüssel- Das mag teilweise auf die Furcht vor Firmenübernahtechnologien und Exportindustrien gefördert". In ähn- men in den Vereinigten Staaten zurückzuführen sein,
licher Weise stellt der Bericht fest, sind die Beziehun- eine Sorge, die in Japan mit seiner Keiretsu-Struktur,
gen zwischen Regierung und Wirtschaft in Deutsch- die solche Übernahmen vollkommen unmöglich macht,
land von Zusammenarbeit gekennzeichnet, und die nicht existiert.
Bundesregierung ist Interventionsmaßnahmen gegenSelbst auf den Gebieten, auf denen die Beziehungen
über nicht abgeneigt.
zwischen Regierung und Industrie ähnlich zu sein
Die Steuerpolitik der Regierung beeinflußt auch direkt scheinen, kann die Art und Weise, in der die Vorschrifdas unternehmerische Umfeld, so die Untersuchung. ten durchgesetzt werden, die Wettbewerbsfähigkeit
"Änderungen in der amerikanischen Steuerpolitik haben beeinflussen, so die Studie. "Beispielsweise sind die
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�Kartellvorschriften in Japan und Deutschland amerikanischen Gesetzesbestimmungen nachempfunden, ihre
Interpretation und Durchsetzung sind in allen drei
Ländern jedoch unterschiedlich."
Im Gegensatz zu traditionellen amerikanischen Geschäftspraktiken sind dem Bericht zufolge stabile
Geschäftsbeziehungen, Aktenbesitz und umfassender Informationsaustausch die Schlüsselelemente der
Geschäftspraktiken japanischer und deutscher Firmen in den wettbewerbsfähigsten Sektoren. Zudem
sind die Beziehungen zwischen den Tarifpartnern in
Japan und Deutschland viel stärker von Zusammenarbeit gekennzeichnet als in den Vereinigten Staaten.

Einige Firmen in den Vereinigten Staaten machen sich
ein "unternehmerisches" Geschäftsmodell zu eigen,
das auf Elemente der japanischen Keiretsu-Praktiken
zurückgreift - die Betonung von Zusammenarbeit
zwischen Hersteilem, Zulieferern und Finanzunternehmen. Im Gegensatz dazu - so der Bericht - lockern
einige japanische Firmen ihre Verbindungen zu den
Zulieferern. Obwohl japanische Unternehmen während der achtziger Jahre eine Strategie der langfristigen Eroberung von Marktanteilen vor der Gewinnerzielung verfolgten, hat die derzeitige Konjunkturflaute
in Japan viele dieser Unternehmen zu einer Überprüfung ihrer Prioritäten veranlaßt.

Der Bericht stellt fest, daß die Geschäftspraktiken in
allen drei Ländern nicht vor Veränderungen gefeit sind.

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AMERIKA DIENST 35

�WEITERVERBREITUNG
I.September 1993

SANKTIONEN GEGEN CHINA UND PAKISTAN
WEGEN TRANSFER VON RAKETENTECHNOLOGIE
Eindeutige Beweise für Technologietransfer

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verhängten am 25. August 1993 Handelssanktionen gegen
Regierungsstellen in China und Pakistan wegen des
Transfers von Raketentechnologie und -teilen, der
amerikanische Gesetze und die Richtlinien des internationalen Raketentechnologie-Kontrollsystems (Missile Technology Control Regime - MTCR) verletzt.

Pakistan zu klären, die Reaktion der beiden Regierungen sei aber unbefriedigend gewesen.
"Die Vereinigten Staaten fordern die Verhängung von
Sanktionen gegen ausländische Personen, die wissentlich in ein nicht dem internationalen Raketentechnologie-Kontrollsystem angehörendes Land einen
Transfer von im MTCR-Anhang aufgeführten Gegenständen vornehmen, die zu der Entwicklung von Raketen mit einer Sprengladung von 500 Kilogramm und
einer Reichweite von 300 Kilometern beitragen", erklärte McCurry.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Michael
McCurry, erklärte, die Sanktionen verhängten ein
zweijähriges Verbot für den Abschluß staatlicher Verträge zwischen den Vereinigten Staaten und den
Verteidigungsministerien beider Länder und verschiedenen anderen chinesischen Regierungsstellen sowie "In diesem Fall hat die US-Regierung sich zur Verhänein Verbot für die Genehmigung amerikanischer Ex- gung von in die Kategorie II fallenden Sanktionen
entschlossen", stellte er fest und setzte auseinander,
porte.
daß diese sich auf den Transfer 'bestimmter im MTCRLynn Davis, Staatssekretärin für internationale Sicher- Anhang aufgeführter Gegenstände, die zur Entwickheitsfragen im Außenministerium, traf am 25. August lung von Raketen beitragen", beziehen.
mit den Botschaftern Chinas und Pakistans zusammen und teilte ihnen mit, die amerikanische Regierung Amerikanische Regierungsvertreter hatten über mehhabe festgestellt, "daß bestimmte chinesische und rere Monate hinweg die Frage untersucht, "ob eine
pakistanische Regierungsstellen sich an einem Trans- bestimmte Lieferung im Jahr 1992 Gegenstände entfer von Raketentechnologie beteiligt haben, der ame- hielt, die gemäß amerikanischem Gesetz die Auferlerikanischen Gesetzen zufolge die Verhängung von gung von Sanktionen erfordern", so McCurry. Die
endgültige Entscheidung wurde am 24. August getrofSanktionen erfordert", so McCurry.
fen. Nach erfolgter Feststellung, daß ein die MTCRAmerikanischen Regierungsvertretern zufolge soll der Richtlinien verletzender Transfer stattgefunden hat,
Transfer von China nach Pakistan im November des verlangt das amerikanische Gesetz die sofortige VerJahres 1992 stattgefunden haben.
hängung von Sanktionen, äußerte er.
Der Außenamtssprecher betonte, die "Entscheidung"
folge einer "eingehenden Untersuchung des Beweismaterials über mehrere Monate". Ihm zufolge hatten
amerikanische Regierungsvertreter wiederholt Kontakt zu beiden Regierungen aufgenommen in dem
Versuch, mehrere Berichte aus unterschiedlichen
Quellen über einen Transfer von im Zusammenhang
mit M-11 -Raketen stehendem Material aus China nach

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Die Entscheidung 'bezieht sich auf einen einzigen,
sanktionierbaren Transfer", so der Außenamtssprecher. "Wir können in der Öffentlichkeit nicht unsere
gesamten Informationen über besagte Lieferung preisgeben ... da es sich hierum empfindliche Verfahren zur
Sammlung und Auswertung von Information handelt",
antwortete er auf Fragen. "Die Lieferungen enthielten
eindeutig Raketentechnologie und -teile, die zu der

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�Schlu Steigerung führten, daß sich ein sanktionierbarer "Natürlich zahlen wir einen beträchtlichen Preis", räumVorfall ereignet hatte", so McCurry.
te der Außenamtssprecher ein. "Aber er zeigt, wie
ernst wir die Frage der Weiterverbreitung nehmen", die
Chinesische und pakistanische Regierungsvertreter "möglicherweise die wichtigste Rüstungskontrollfrage
behaupteten im wesentlichen, "daß ihre Verpflichtung der neunziger Jahre" darstellt.
zur Einhaltung der MTCR-Richtlinien durch diese
Transfers nicht verletzt wurde", fuhr der Außenamts- "Die Vereinigten Staaten sind ernsthaft besorgt über
sprecher fort.
eine Weiterverbreitung von Raketentechnologie dieser Art in einer Region der Welt, in der ein großes
Die Sanktionen richten sich an die Regierungsstellen, Potential für Konflikte und Instabilität gegeben ist",
die an der Transaktion beteiligt waren, sowie an die erklärte er.
ihnen untergeordneten Stellen. Dazu zählen das
chinesische Luftfahrtministerium, das auch das chine- Die Überprüfung des Transfers von Raketentechnolosische Export-Import-Unternehmen für Präzisionsma- gie begann unter der Bush-Administration, und Präsischinerie (China Precision Machinery Import-Export dent Bush beauftragte das Außenministerium mit der
Corporation) einschließt sowie das Verteidigungsmini- Leitung dieser Untersuchung. Es gab jedoch "umfassterium. Da die Verhängung von Sanktionen sich auch sende Kontakte zwischen den Behörden", und das
auf untergeordnete Stellen bezieht, wurden insgesamt Weiße Haus "war aktiv an jedem Schritt beteiligt", i
10 verschiedene chinesische Regierungsstellen in die
Entscheidung einbezogen. In Pakistan war dem Es gibt keine Spielraum bei der Entscheidung, welche
Sanktionen verhängt werden sollen, nachdem ausreiAußenamtssprecher zufolge das Verteidigungsminichende Beweise für einen Transfer gefunden wurden,
sterium die einzige betroffene Behörde.
erklärte McCurry. Das Gesetz schreibt vor, welche
Die unter Kategorie II fallenden Sanktionen verlangen Sanktionen verhängt werden müssen.
die Verweigerung neuer Exportgenehmigungen für im
MTCR-Anhang aufgelistete Gegenstände, die von der Ihm zufolge fand Staatssekretärin Davis "eindeutige
Rüstungskontrolliste des Außenministeriums und der Beweise dafür, daß ein unter Kategorie II fallender
im Exportverwaltungsgesetz des Wirtschaftsministe- Transfer stattgefunden hat, die Frage, ob auch ein
riums vorgeschriebenen Kontrolliste für mehrfach unter Kategorie I fallender Transfer vorgenommen
nutzbare Gegenstände festgelegt werden. Die Sank- wurde, kann jedoch nicht eindeutig beantwortet wertionen werden für die Dauer von zwei Jahren verhängt. den".
Sie enthalten auch ein Verbot für den Abschluß staatMcCurry erklärte, "Gegenstände der Kategorie I sind in
licher Verträge mit den sanktionierten RegierungsstelWirklichkeit Raketensysteme. Es sind Raketen. Es
len im Hinblick auf im MTCR-Anhang aufgeführte
sind komplette Untersysteme, einschließlich der RaGegenstände für denselben Zeitraum.
ketenstufen, Raketentriebwerks und Lenksysteme. Die
in Kategorie II erfaßten Gegenstände unterliegen techDie wichtigste Auswirkung der amerikanischen Sanktionen gegen China wird das Verbot von Satellitenver- nischen Parametern."
käufen und in den Vereinigten Staaten zugelassener
Satellitentechnologie darstellen, um die Beijing ersucht hat. Im Fall von Pakistan "gibt es nur wenige
kommerzielle Aktivitäten, die unter die MTCR-Richtlinien fallen".

"Dazu zählen Raketentreibmittel, Mechanismen zur
Trennung der Raketenstufen, Raketentriebwerksgehäuse, Isolierungen und Düsen, Mess- und Navigationsgeräte, Rugsicherungssysteme wie Höhenkontrollgeräte, avionisches Gerät wie Radar und globale
Obwohl es schwierig ist, die Auswirkungen der neuen Positionsgeräte, Mess- und Navigationsgeräte, Abgegen China verhängten Handelssanktionen in Dollar schußunterstützungsgerät wie Trägersysteme zum
anzugeben, so der Außenamtssprecher, "werden Transport oder Abschuß von Raketen und Raketenunseren Schätzungen zufolge Handelsaktivitäten verfokjungssyteme, bestimmte Computertypen und
zwischen 400 und 500 Millionen Dollar jährlich von den Software sowie Erprobungseinrichtungen und Geräte
heute verhängten Sanktionen betroffen sein". Im wie Windtunnel und Produktionsgerät oder technische
Finanzjahr 1992, dem letzten statistisch erfaßten Jahr, Daten über die oben genannten Geräte", erläuterte
hätte der Handelswert der von den Sanktionen betrof- McCurry.
fenen Gegenstände ungefähr 370 Millionen Dollar
Obwohl amerikanische Firmen unter dem Sanktionsbetragen.
regime in Zukunft Verträge verlieren würden, bleiben
die
derzeit gültigen Verträge McCurrys Ansicht nach in
Die Sanktionen betreffen nur die amerikanischen Exporte
Kraft.
"Diese Maßnahmen betreffen neue Exportlizennach China. Unter Kategorie I fallende Sanktionen
zen",
erklärte
er im Hinblick auf die Sanktionen.
hätten Auswirkungen auf chinesische Exporte in die
Vereinigten Staaten, erklärte McCurry.

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"Wir haben sowohl der chinesischen ata auch der
pakistanischen Regierung! gegenüber ww|srho» un-

�sere Besorgnis über diesen speziellen Transfer zum
Ausdruck gebracht", führte der Außenamtssprecher
aus und verwies auf das Treffen von Außenminister
Christopher mit seinem chinesischen Amtskollegen
am 25. Juli 1993 in Singapur und die Gespräche
zwischen Davis und hochrangigen Regierungsvertretem am 29. Juli in Beijing sowie die Zusammenkünfte
mit dem amtierenden pakistanischen Premierminister
in Washington und die anschließenden Kontakte mit
der pakistanischen Regierung.
Bei diesen "umfassenden diplomatischen Kontakten",
so McCurry, wurden beiden Regierungen "äußerst
spezifische Fragen gestellt, die den Vereinigten Staaten bei der Analyse und Auswertung der gesammelten
Informationen behilflich sein würden. Und die Antworten auf diese wiederholten Anfragen waren in allen
Fällen unbefriedigend", stellte der Außenamtsprecher
fest.
Die Partner der Vereinigten Staaten beim MTCR würden
von der amerikanischen Entscheidung in Kenntnis
gesetzt, "die beträchtliche Auswirkungen auf die Handelsaktivitäten anderer Länder haben werde", fügte er
hinzu. Einige der engsten Partner der Vereinigten
Staaten seien seit einiger Zeit über die Ermittlungen
informiert und "werden infolge dieser Entscheidung
ihre eigenen Exportkontrolfverfahren überprüfen wollen".

zerstreuen und die amerikanischen Exportgesetze
einhalten können", erklärte McCurry. "Wir sind zur
Zusammenarbeit bereit, um neue Informationen zu
erhalten oder neue verfügbare Informationen auszuwerten, und das Angebot... zur Zusammenarbeit bei
dieser speziellen Frage ist ernstgemeint."
"Neben den Problemen der Weiterverbreitung haben
wir ein breites Spektrum von Sicherheitsbedenken,
wirtschaftlichen Belangen, Handelsbeziehungen, Kulturaustausch - Bereiche die, wie wir natürlich hoffen,
Bestand haben werden und die positiven Aspekte
unserer bilateralen Beziehungen sowohl mit China als
auch Pakistan widerspiegeln", führte der Außenamtssprecher aus. "Zu diesem speziellen Thema sind die
amerikanischen Gesetze eindeutig und wir haben die
Gesetze, wie es unsere Pflicht ist, angewandt."
Später äußerte Staatssekretärin Davis Journalisten
gegenüber, die Vereinigten Staaten wollten mit China
bei der gesamten Tagesordnung zur Nichtverbreitung
zusammenarbeiten und verwies auf "die Vielzahl von
Möglichkeiten, bei denen unsere Nichtverbreitungsziele höchst parallel verlaufen".
Davis zufolge hat sie dem chinesischen Botschafter
"die unverzügliche Aufnahme der Verhandlungen" auf
technischer und politischer Ebene vorgeschlagen, um
die Bestimmungen des MTCR "und deren Auslegung
durch die jeweiligen Parteien" zu verstehen.

"Weil es sich hierbei um kooperative Bestrebungen der
Davis erklärte, der Verkauf eines amerikanischen
internationalen Staatengemeinschaft handelt", äußerSupercomputers
an China werde noch immer in Erwäte McCurry, "gehen ihre Auswirkungen über den nur
gung
gezogen,
da
er "nicht direkt von den Sanktionen
die Vereinigten Staaten betreffenden Handel hinaus."
betroffen ist".
Dem Sprecher zufolge falle der RaketentechnologieDie Staatssekretärin stellte fest, die pakistanischen
transfer für Präsident Clinton bei der Erwägung einer
Politiker
hätten "ihren eigenen Worten und ÄußerunErneuerung des Meistbegü ngstigu ngsstatus für China
gen"
zufolge
Raketen und Raketentechnologie angenächstes Jahr nicht ins Gewicht. Als Clinton am 28.
strebt
"aufgrund
der Bedrohung, die sie für ihre SicherMai einen Präsidialerlaß zur Erneuerung des Meistbeheit
in
ihrem
Teil
der Welt ausmachen".
günstigungsstatus für ein Jahr unterzeichnete, "hat er
eben diese Fragen der Weiterverbreitung ausgeklamAuf Fragen der Journalisten antwortete sie, "wenn wir
mert, damit sie angesprochen und geprüft und dann
schlüssige Beweise hätten, daß Pakistan eine M-11die entsprechenden amerikanischen Gesetze unabRakete besitzt, hätten wir (eine ernstere) Entscheihängig von der Entscheidung oder der Überprüfung
dung zur Kategorie I getroffen. Uns liegen keine
des Meistbegünstigungsstatus im kommenden Jahr
Beweise vor, daß Pakistan im Besitz einer M-11angewendet werden können."
Rakete ist. Wir haben konkrete Beweise, daß Pakistan
von
China im Zusammenhang mit einer M-11 -Rakete
Der Außenamtssprecher betonte, daß die von den
stehende
Gegenstände erhalten hat", die auf dem
Vereinigten Staaten sehr ernst genommenen Fragen
MTCR-Anhang
kontrollierter Gegenstände stehen.
der Weiterverbreitung "nicht der Wesensgehalt unserer Beziehungen" zu China seien. "Zweifelsohne hoffen wir, daß es zusätzliche Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit China bei einer großen Bandbreite anderer
Themen geben wird. Dieses Problem bedurfte jedoch
der sehr direkten Reaktion im Rahmen der amerikanischen Gesetze."
Bei ihrem Treffen mit den chinesischen und pakistanischen Gesandten bot Davis "Zusammenarbeit bei der
Überprüfung dieser Frage in den nächsten beiden
Jahren an um festzustellen, ob wir unsere Besorgnis
AMERIKA DIENST 35

Davis stellte fest, aufgrund der amerikanischen Gesetze und der Entscheidung der Vereinigten Staaten
zum Atomwaffenprogramm Pakistans seien bereits
Sanktionen gegen Pakistan verhängt worden. Der
Effekt der neuen Sanktionen sei daher "minimal".
Der Staatssekretärin zufolge seien bereits Sanktionen, die unter den sogenannten Helms-Zusatzartikel
fallen - Sanktionen gegen zentral gelenkte Volkswirtschaften, die nicht Nationen des ehemaligen War-

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�schauer Pakts sind - als Reaktion auf die Niederschlagung der Demokratiebewegung in Beijing auferlegt
worden.
Davis verwies darauf, die Vereinigten Staaten seien
"erfreut" über die Aufnahme von Gesprächen mit der

neuen pakistanischen Regierung über das gesamte
Spektrum von Themen und "hoffen, daß wir unsere
bisherige Besorgnis" über die Entwicklung eines Atomprogramms "zerstreuen können".

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 35

�COUNTRY-MUSIC
1. September 1993

MARY-CHAPIN CARPENTER:
DER LIEBLING DER COUNTRY-MUSIC
von Debra Shore
Die amerikanische Sängerin Mary-Chapin Carpenter, die mit ihrer populären Country-music mehrere Auszeichnungen gewann, hat in jahrelanger Arbeit die Themen Kummerund Hoffnung in ungewöhnlich geistreiche Lieder
umgewandelt. Der vorliegende Artikel beschreibt ihren Werdegang und ihr künstlerisches Talent. Seine
Verfasserin Debra Shore ist freiberufliche Schrifstellerin und lebt in Chicago.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Brown Alumni Monthly und der
Verfasserin.

Seit die amerikanische Country Music Association
Mary-Chapin Carpenter im Oktober 1992 zur Sängerin
des Jahres ernannte, spielte sie vor ausverkauftem
Haus auf den großen Bühnen der Vereinigten Staaten.
Aber die Jahre von Carpenters Kampf liegen noch
nicht weit zurück. Um Auftrittsmöglichkeiten in kleinen
Clubs kämpfend, mu ßte sie in den achtziger Jahren mit
im Fernsehen über der Bar ausgestrahlten Sportsendungen konkurrieren sowie Kompositionen für James
Taylor und Carly Simon schreiben. Sie nannte das ihre
"Auftritte in der Hölle".

Heute ist Carpenter einer der heißesten Tips im Runkfunk und den Konzertsälen Amerikas. Sie wurde von
der National Academy of Recording Arts and Sciences
mit zwei Grammys als beste Country-music-Sängerin,
einer goldenen und einer Platinschallplatte sowie mit
der höchsten Auszeichnung der Country Music Association gewürdigt.

Die Stadt, in der Carpenter - wie sie in "Hometown Girl"
schreibt - als "ein Mädchen mit starkem Willen und
starkem Herzen" aufwuchs, war Princeton in New
Jersey. Ihre Familie lebte dort bis 1969, als sie
Um die Miete für das Haus in Washington bezahlen zu aufgrund der leitenden Position des Vaters bei der
können, das sie gemeinsam mit Freunden bewohnte, Zeitschrift Life nach Tokio umzog. Die Familie verarbeitete sie in der Verwaltung einer gemeinnützigen brachte zwei Jahre in Japan und ließ sich später in
Stiftung. Nachdem sie jedoch jahrelang zusehen Washington nieder. Während dieser Zeit spielte Marymußte, wie ihre Kollegen beruflich aufstiegen, wäh- Chapin auf der alten Gitarre ihrer Mutter, was sie sich
rend sie sich mit Trinkgeldern begnügen mußte, fragte selbst beigebracht hatte, und bekam Schwielen, wähsie sich, ob ihr Glaube an ihre Songs sie über Wasser rend sie die Balladen von Judy Collins begleitete.
halten würde. Sie überlegte, ob sie weiter auftreten
Bereits während ihrer Zeit in der auf das College
sollte.
vorbereitenden Taft School in Watertown (ConnectiDas war die Zeit, in der die Illusionen verlorengehen cut) hatte Carpenter ihre ersten fanatischen Fans. "Sie
und dieZweifel sich verstärken. Aber wenn man Glück spielte im Treppenhaus, das eine prima Akustik hatte",
und Talent hat, wenn man beharrlich oder begabt ist, erinnert sich ihre Klassenkameradin aus der Taft School
dann kann man eines Tages zurückblicken und sagen: und spätere Kommilitonin an der Brown University Liz
"Das waren harte Zeiten". Carpenter gab nicht auf, Barratt-Brown. "Ich hatte noch nie so tolle Musik
entwickelte ihren persönlichen Stil und verarbeitete die gehört", fügt eine andere Kameradin aus Schul- und
Themen Kummer und Hoffnung in ungewöhnlich gei- Universitätszeiten, Lynn Creviston Shiverick, hinzu.
streichen Liedern. Das Resultat hätte sie in ihren
kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt.
Dort spielte Carpenter auch ihr erstes Duo mit Joan
Baez. "Es gab einen Gemeinschaftsraum mit zwei
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�Klavieren", erinnert sich Carpenter. "Eines Abends
war ich dort und spielte. Joan hatte einen Klassenkameraden zurück nach Taft gebracht - sie kannte seine
Familie - und sie kam herein und setzte sich zu mir ans
Klavier. Ich wußte sofort, wer sie war." Baezfingan,
mit der aufgeregten Carpenter zu spielen und zu
singen und gab ihr einige Tips zur Klaviertechnik.
Siebzehn Jahre später wurde Carpenter eingeladen,
mit Baez in einer Reihe von Benefizkonzerten mit den
Indigo Girls zu singen. "Als wir zum ersten Mal
miteinander telefonierten, erzählte ich ihr diese Begebenheit", so Carpenter. "Sie freute sich, daß ich sie
daran erinnerte. Es war eine der netten Geschichten
im Leben, bei denen sich der Kreis schließt."

Autodikakt: Sie studierte den Aufbau von Songs,
probierte Ostinatos auf ihrer Gitarre, nahm sich selbst
auf Kassette auf und hörte sie unermüdlich ab. Eine
Zimmernachbarin aus der Studienzeit erinnert sich
daran, wie sie Carpenter mitten in der Nacht zurief, die
Lautstärke herunterzudrehen. "Es war sehr störend",
erklärt sie. "Natürlich sind wir jetzt die Dummen. Wer
wußte denn damals, daß wir einer künftigen GrammyAward-Gewinnerin zuhörten?"

Während ihrer letzten beiden Jahre an der Brown
University lebte Carpenter in einem großen, gemieteten Haus. Schon damals erfüllte sie das Haus mit
Musik. "Sie lebte mit ihrem epileptischen Hund, Molly,
im dritten Stock und beschäftigte sich die ganze Zeit
mit Musik", so Hausgenossin Elizabeth Kellner SuneAls die vier Musikerinnen in der Küche von Joan Baez by. "Ihre Wohnung war ihr Kokon."
für die Konzerte probten, bot Carpenter an, den eben
von ihr komponierten Song "Stones in the Road" zu Carpenters Hausgenossen erinnern sich auch an ihren
singen. Während sie noch sang, schob Baez, die ihr respektlosen und lästerlichen Sinn für Humor, ihre
erstes großes Album seit 1979 zusammenstellte, ihr Zurückgezogenheit und ihre Scheu. "Sie schrieb immer
eine Nachricht zu: "Ich will diesen Song". Später rief alles auf", erinnert sich Shiverick. "Wenn sich bei ihr
Baez die sich auf Tournee in Australien befindende oder uns etwas ereignete, zog sie sich in ihr Zimmer
Carpenter an und bat sie um Erlaubnis, den Song zurück und schrieb einen Ragtime darüber, den sie
aufzunehmen. Carpenter hatte ihre Komposition selbst dann sang. Manchmal wurde dieser nur einmal aufgenoch nicht aufgenommen, und nun bat Joan Baez führt und dann für immer vergessen."
darum, das als erste tun zu dürfen. "Ich erinnerte mich
daran, wie schön es war, als Kind mit ihr zu spielen", so Während der schweren Jahre, in denen sie versuchte,
Carpenter, "und wie aufregend. Die Tatsache, daß sie in der Washingtoner Club-Szene ihre Kunst auszumeinen Song überhaupt aufnehmen wollte, war schmei- üben, schloß sie sich einigen ortsansässigen Musikern
chelhaft, so daß es eigentlich einfach war." Als Rol- an, darunter vor allem dem Gitarristen John Jennings,
ling Stone kürzlich das Album von Baez rezensierte, der sie drängte, nur dort aufzutreten, wo sie ihre
eigenen Kompositionen spielen durfte. Allmählich
erhielt "Stones in the Road" viel Lob.
gewann sie Anhänger vor Ort. 1986 wurde sie mit fünf
Zu dem Song erklärt Carpenter: "Wahrscheinlich "Wammies" - Washington Area Music Awards - ausgedachte ich darüber nach, wie ich das Geheimnis aller zeichnet, darunter dem für den besten jungen Künstler
Dinge artikulieren kann, die Zeit, in der man meint, und den besten Songschreiber. Mit Jennings als
wenn man nur den Zeichen folgt, den Steinen auf der Produzent und musikalischem Partner steifte CarpenStraße, dann werde ich dorthin gelangen, wo ich hin ter ein Demonstrationsband zusammen, das sie bei
will; und man erkennt, daß das nicht immerder Fall ist. ihren Auftritten verkaufte. Mit dem ihr eigenen Humor
Es ist ein Lied auf die meines Erachtens bestehende nannte sie ihren Verlag "Getarealjob Music" ("Such'Gefahr für meine Generation, zu materialistisch zu Dir-'nen-richtigen-Job-Verlag").
werden."
"Ich wußte sofort, daß sie ein großes Talent ist",
Carpenter sang zum ersten Mal allein vor Publikum in erinnert sich Tom Carrico, langjähriger Manager, Publizist
dem Jahr, das zwischen dem Besuch der Taft School und ein Bekannt er von Jennings, alserdas Band hörte.
und der Brown University lag. Eine Mitarbeiterin des "Nicht nur als Sängerin, sondern auch als Komponistin
Brentano's Bookstore in Washington schob sie im Red machte sie etwas Einzigartiges." Carrico und John
Fox Inn in Bethesda (Maryland) vor ein offenes Mikro- Simson, Partner bei Studio One Artists, sind seitdem
phon. "Es herrschte Totenstille, während sie spielte", Carpenters Manager. Sie stand kurz vor der Untererinnert sich ihre gute Freundin Wendy Franklin, "und zeichnung eines Vertrags mit Rounder Records, als
dann sprang sie von ihrem Hocker, lief von der Bühne einer der Abteilungsleiter von CBS Records (jetzt
und sagte kein Wort". In jenen Tagen spielte Carpen- Columbia genannt) in Nashville ihr Band hörte, sie
ter die Werke anderer Sänger und Songschreiber. Sie unter Vertrag nahm und 1987 ihr erstes Album,
hatte keinen eigenen Bühnensong.
Hometown Girl, produzierte.
An der Brown University drängten ihre Freunde sie,
einmal in der Graduate Center Bar aufzutreten, aber
sie spielte meistens in ihrem Zimmer. Carpenter, das
Produkt amerikanischer Zivilisation und "absolute
Fanatikerin der Freien Künste", war im wesentlichen

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Die Organisatoren des Philadelphia Folk Festival luden sie 1987 ein, auf der Hauptbühne zur besten Zeit
zu singen - für eine noch unbekannte Sängerin eine
einmalige Chance. Sie ging auch mit einer Band auf
Tournee, was sie von ihrer einsamen Rolle auf einem

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�Hocker im Mittelpunkt der Bühne befreite. "Die Arbeit
mit einer Band ist vollkommen anders", erklärt sie. "Sie
befreite mich in psychologischer, musikalischer und
geistiger Hinsicht." Carpenter begann, sich auf der
Bühne zu bewegen, zwischen den Songs etwas zu
erzählen, eine Darstellerin zu werden.
1989 veröffentlichte Carpenter State of the Heart, ihr
zweites Album. Obwohl Carpenters Songs der Country-music zugeordnet werden, vermeiden sie diesbezügliche Klischees und die simplifizierenden Ansichten über das Leben und die Liebe, die aus Nashville
kommen. Das heißt jedoch nicht, daß Carpenter nicht
über Liebe und Verlust geschrieben hätte - sie sang
kürzlich auf einem Konzert zwei Auszüge aus ihrer
Trilogie "mein Ex-Freund" - aber ihre Lyrik besitzt eine
seltene, dichtgedrängte Poesie, die Kritiker und Fans
gleichermaßen lieben.
"Meines Erachtens muß man akzeptieren, daß sich die
Country-music wirklich geändert und weiterentwickelt
hat", äu ßert Carpenter. "Ich betrachte mich als Sängerin und Song-Schreiberin, und die Country-music ist
hierfür offen. Viele Künstler passen nicht in diese
Kategorien. Es liegt in der Natur der Sache, daß man
sich gut in eine Kategorie einordnen lassen muß, und
das war für mich ein schwieriger Weg. Wir Künstler
machen uns jedoch weniger Sorgen darüber als alle
anderen."
Ein im Frühjahr 1989 abgeschlossener Vertrag mit
EMI April Music ermöglichte es Carpenter, sich ausschließlich ihren Kompositionen und Auftritten zu
widmen. Im Oktober 1990 veröffentlichte sie ihr drittes
Album, Shooting Straight in the Dark. In der Zeit
zwischen dem Erscheinen ihres zweiten und dritten
Albums fügte sie den Bindestrich zwischen ihren Vornamen ein. "Alle nannten mich Mary", stellt sie fest. In
der Brown University war sie als Chapin bekannt, zu
Hause wurde sie Mary Chapin genannt, um sie von
ihrem Vater, Chapin Carpenter, zu unterscheiden. "Ich
raufte mir die Haare, und irgend jemand in dem Plattenverlag schlug vor, diese beiden Vornamen mit
Bindestrich zu verbinden. Aber", sagt sie wehmütig,
"das hat überhaupt nicht geholfen. In neunundneunzig
Prozent aller Fälle wird der Bindestrich zwischen Chapin
und Carpenter gesetzt. Ein Kritiker in Ohio schrieb
kürzlich über Mary-Chapin-Carpenter. Es geht mir auf
die Nerven."
Im Oktober 1990 stieg die Zahl von Carpenters Bewunderern über Nacht schlagartig an, als sie im Fernsehen
- bei der Verleihung der Auszeichnungen der Country
Music Association - ihre Hommage an die Prüfungen
des unbekannten Künstlers - "You Don't Know Me, Im
the Opening Act" - sang. Sie mußte den Text zum Teil
fü r das nationale Fernsehen umarbeiten und fürchtete,
der Song würde seine Ausdruckskraft verlieren.
Unbegründeterweise. Mit dem Song "I don't have a
limousine that Stretches three blocks/Waiting to take

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me f rom door to door/Ju st like that jackass l'm opening
for/You don't know me/l'm the opening act" löste
Carpenter stürmischen Beifall aus und ihre Zuhörer,
unter ihnen Stars der Nashville-Country-music, denen
dieser Song offensichtlich persönlich naheging, lagen
ihrzu Füßen. Sie warzum Liebling der Country-music
geworden.
Seitdem war Carpenter fast die ganze Zeit auf Tournee, trat bei Konzerten und Benefizveranstaltungen
auf, erschien in Fernsehsondersendungen und nahm
Musikvideos auf. Sie ging mit den Sängerinnen Luanda Williams und Rosanne Cash in Australien auf
Tournee. 1992 erntete sie begeistertes Lob der Kritiker von The New York Times, The Washington
Post, People, Time, Newsweek und Rolling Stone
und wurde in Talkshows und den Morgennachrichten
interviewt.
1992 wurde ihr der Grammy für ihre Wiedergabe von
"Down at the Twist and Shout", verliehen, einen ausgelassenen, von der Musik der Cajuns beeinflußten
Tribut an einen Tanzsaal in Bethesda (Maryland). In
demselben Jahr gab sie auch ihr viertes Album Come
On Come On heraus - nicht, wie in einer Zeitung zu
lesen war C'mon, C'mon. "Es gibt einen großen
spirituellen Unterschied zwischen den beiden", kommentiert sie. Als die Country Music Association Carpenter im Oktober 1992 zur Sängerin des Jahres
ernannte, war sie sichtlich überrascht. Passend zu
dieser Gelegenheit erhob sie sich und gab eine mitreißende Version ihres jüngsten Hits "I Feel Lucky" zum
besten.
Carpenter reist jetzt mit zwei Bussen für ihre vierköpfige Band, sechsköpfige Mannschaft und mindestens
einem Dutzend Gitarren. Da sie sich so vieler ungewöhnlicher Modulationen bedient, wechselt sie ihre
Gitarre nach fast jedem Song, was einen Zuhörer bei
einem Auftritt in Austin (Texas) zu der Frage veranlaßte: "Spielen Sie die auch alle, oder sind das nur
Requisiten?"
"Nein", scherzte Carpenter, und erzählte die Geschichte Ende 1992 vor einem Chicagoer Publikum, "Mädchen können nicht Gitarre spielen". Während sie einen
Song spielt, stimmt ihr Techniker hinter den Kulissen
ein anderes Instrument für den nächsten Song. Es
kommt vor, daß Carpenter im Laufe eines Konzertes
15mal oder öfter ihr Instrument wechselt.
Hinter der Bühne äußerte eine aufgekratzte Carpenter
nach drei Zugaben vor einem begeisterten Publikum in
Chicago: "Es ist wie das Erklettern einer Mauer. An
manchen Abenden schaffe ich es bis oben und auf die
andere Seite - das ist wunderbar - und an anderen
Abenden schaffe ich nur den halben Aufstieg und falle
dann wieder herunter. Das hat nicht so sehr mit
unserer musikalischen Leistung zu tun, sondern mit
der Reaktion des Publikums. Vor zwei Jahren in
Athens (Georgia) spielten wir diesen Song - in einem

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�alten, verstaubten Kino - aber das Publikum ging
richtig mit. Es behandelte uns wie die Beatles!"

Mit zunehmender Berühmtheit mußte Carpenter um
die Wahrung ihrer Privatsphäre kämpfen - und ihrer
Unbescholtenheit. Vorkurzem wurde sie beispielsweiCarpenters jetzige Berühmtheit geht auch mit Proble- se eingeladen, an einer Fernsehshow teilzunehmen,
men einher. Das Leben auf Tournee zehrt. Es ist und mußte feststellen, daß die Vorstellungen der
schwierig, enge Beziehungen zu pflegen. Carpenter
Produzenten - der Auftritt spärlich bekleideter Tänzer,
hält die meisten ihrer Freundschaften per Telefon die eine Vielzahl zweideutiger Nummern vorführten aufrecht. Sie vermißt ihre Familie, weil sie stets engen sehr verschieden von ihren eigenen waren. Carpenter
Kontakt zu ihren Eltern und ihren drei Schwestern versuchte, ihre Teilnahme abzusagen, man drohte ihr
Mackenzie, Camilla und Sophie hatte.
jedoch mit einem Gerichtsverfahren ,und sie fühlte
sich gezwungen, die Show durchzustehen. "Es war
Da sie ständig unterwegs ist, in Hotels oder dem
niederschmetternd für mich, daß ich gezwungen wurTourneebus schläft, ist es schwierig für sie, sich zude, bei etwas mitzumachen, das mir nicht gefiel",
rückzuziehen und zu komponieren. Das Komponieren
erinnert sie sich. "Man kämpft so hart, um etwas
ist für Carpenter ein persönliches und privates Erlebherauszubringen, an das man glaubt und das ein Stück
nis, eine Tätigkeit, der sie nur in ihrem 3-Zimmervon einem selbst ist. Und dann gibt es so vieles, über
Apartment in Alexandria (Virginia) nachgehen kann.
das man keine Kontrolle hat."
"Kürzlich las ich in einer Zeitschrift einen Artikel von der
Dichterin Sharon OkJs, und sie erklärte, was für ein
Gefühl es ist, etwas zu schreiben, das sich dann
langsam verselbständigt, sich auf seinen eigenen
Weg begibt, und welch ungeheure Erfüllung das bietet", äußert Carpenter und beschreibt dabei den Prozeß, den sie selbst beim Komponieren durchläuft. "Ich
fühle ebenso".

Im Dezember 1992 und Januar 1993 gönnte sich
Carpenter eine notwendige Ruhepause, aber im Februar flog sie zu Konzerten nach England, Schottland
und Irland. Ende des Sommers 1993 möchte sie eine
große Pause von ihrer Tourneetätigkeit machen. "Ich
möchte sehr viel komponieren und einige andere Projekte
verwirklichen, die ich im Sinn habe, und eine Weile zu
Hause sein".

Was geschieht mit den Songs, die sich nicht verselbstständigen? "Manchmal komme ich wieder auf einen Sie hat bewiesen, daß Country-music nicht nur mit
zurück, den ich eine Weile beiseite gelegt hatte, und großen Hüten und Stiefeln zu tun hat. Es geht darum,
sage mir: 'Hm. Was habe ich mir dabei gedacht?',und Geschichten zu erzählen, Geschichten aus dem wirkes klingt einfach nicht so, wie es sollte", stellt sie fest. lichen Leben, aus dem Bereich der Gefühle, und zur
Andere sind von Anfang an gelungen und klingen bei Zeit erzählt Mary-Chapin Carpenter diese Geschichten so gut, wie irgend möglich.
jeder Aufführung so, wie sie es möchte.

* * * *

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*

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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
Z uuog 0039
62 ony suueuapog

25. August 1993

34

NAFTA

NAFTA SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE
UND REDUZIERT DIE EINWANDERUNG
Rede von Finanzminister Bentsen

FRIEDENSSICHERUNG

ALBRIGHT: USA SOLLEN AKTIVER
PARTNER DER UNO BEI FRIEDENSSICHERUNG SEIN
Stellungnahme der UNO-Botschafterin

GESUNDHEITSREFORM

CLINTON: GESUNDHEITSREFORM
UNABDINGBAR FÜR WETTBEWERBSFÄHIGKEIT DER USA
USA wenden doppelt soviel
wie andere Nationen auf

SUDAN

USA BRANDMARKEN SUDAN ALS
TERRORISMUS FÖRDERNDEN STAAT
Erklärung des US-Außenministeriums

BÜRGERRECHTE

OBERSTES BUNDESGERICHT TRÄGT SEIT
1963 ZUR VERBREITUNG DER BÜRGERRECHTE BEI
Rechte von Minderheiten, Frauen
erhalten Unterstützung

GLEICHBERECHTIGUNG

PRÄSIDENT CLINTON ERKLÄRT
DEN 26. AUGUST ZUM "TAG DER
GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAU"
Proklamation des Präsidenten

RAUMFAHRT

DIE ERFORSCHUNG DES ROTEN PLANETEN
Entsendung einer amerikanischen
Raumsonde zum Mars

BLUES

COAHOMA COUNTY HEIMAT DES BLUES
von Mike Nickele

Um Übersendung von
Belegexemplaren
•wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NAFTA
25. August 1993

NAFTA SCHAFFT ARBEITSPLÄTZE UND
REDUZIERT DIE EINWANDERUNG
Rede von Finanzminister Bentsen
WASHINGTON - (AD) - Finanzminister Lloyd Bentsen zufolge wird das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) im Laufe der nächsten zwei Jahre 200.000 neue hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen.
In seiner am 17. August 1993 vor dem Los Angeles World Affairs Council gehaltenen Rede wies er auch darauf
hin, daß das NAFTA den Anreiz für die illegale Einwanderung aus Mexiko in die Vereinigten Staaten reduzieren
werde, indem in Mexiko neue Arbeitsplätze geschaffen und der Lebensstandard sowie die Nachfrage nach
amerikanischen Waren erhöht werden.
Andererseits warnte er auch, "wären 700.000 (amerikanische) Arbeitsplätze, die zur Zeit vom Handel mit Mexiko
abhängen, gefährdet", falls das NAFTA nicht verabschiedet werde.
Der Finanzminister betonte auch die Bedeutung verstärkter wirtschaftlicher Beziehungen zu den dynamischen
Volkswirtschaften der Pazifikrandstaaten. Erhöhte amerikanische Investitionen in dieser Region "könnten
unsere Exporte in einem Ausmaß fördern, das zu einem Abbau unseres regionalen Handelsungleichgewichtes
beitragen würde".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Minister Bentsen.

Es ist viel Zeit vergangen, seit ich zum letzten Mal die
Gelegenheit hatte, vor Ihnen zu sprechen - nahezu fünf
Jahre. Die Zeiten haben sich geändert. Damals war
ich ein Kandidat. Jetzt bin ich endlich Mitglied einer
Administration, die in Amerika einen Wandel bewirken
will.
Ich möchte heute über zwei große, miteinander in
Verbindung stehende Themen sprechen: Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen und unsere
Wirtschaftsbeziehungen zur Pazifikregion. Danach
bin ich gerne bereit, Fragen zu beantworten.

Präsident Clinton wurde gewählt, weil die Menschen
eine Änderung des Status quo wünschten. Wir führen
sie herbei. Wir sehen weiter in die Zukunft als nur
sechs Wochen oder sechs Monate. Wir beschäftigen
uns mit der langfristigen wirtschaftlichen Gesundung
Amerikas. Wir pflastern nicht einfach einen Schnellverband auf die Probleme mit dem Gebet, daß die
Blutung zum Stillstand kommt, und reagieren dann
erstaunt, wenn wir zunehmend schwächer werden.

Mit der Annahme des Gesetzes zum Abbau des
Haushaltsdefizits haben wirdie ersten Schritte zu einer
Wiederherstellung der Stärke unserer Wirtschaft auf
Zunächst möchte ich jedoch diese Themen in einen lange Sicht unternommen. Wir haben die Zinssätze
größeren Zusammenhang einordnen. Unsere Bemü- auf einen Rekordtiefstand gesenkt. Jetzt machen wir
hungen um die Verstärkung des Handels mit Mexiko, weitere Fortschritte und widmen uns anderen ProbleAsien und den Pazifikstaaten sind Teil eines Versuchs, men. Wir befassen uns mit dem Gesundheitswesen,
unsere wirtschaftlichen Probleme direkt anzugehen. um einen weiteren Abbau des Defizits zu erreichen und
Auch demonstrieren sie die Erkenntnis unsererseits, den Amerikanern Zugang zu einer erschwinglichen
daß zwar während der Zeit des Kalten Krieges Sicher- Gesundheitsversorgung zu geben. Wir arbeiten intenheitsfragen der wichtigste Faktor waren, jetzt aber die siv am NAFTA, den GATT-Verhandlungen und GeWirtschaft im Mittelpunkt steht. Und unsere Bemühun- sprächen mit Japan, da Handelsabkommen und offegen sind auch Teil unserer Reaktion auf diese neuen ne Märkte eine weitere Möglichkeit sind, um langfristiGegebenheiten.
ges Wachstum und Arbeitsplätze zu schaffen.
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Wir lassen den Status quo und die Pattsituation hinter
uns. Wir können nicht in sechs Wochen oder sechs
Monaten einen Wandel herbeiführen, aber wenn wir
zusammenarbeiten, werden wir in einem, zwei oder
drei Jahren viel bewirkt haben. Und diese Probleme
wären dann gelöst.
Wir nahmen das Gesetz zum Abbau des Haushaltsdefizits allein mit den Stimmen der Demokraten an, aber
wir benötigen die Stimmen der Republikaner bei der
Abstimmung über andere Lösungen unserer Probleme. Die Probleme, mit denen wir uns befassen, sind
nicht Probleme der Demokraten. Es sind nicht Probleme der Republikaner. Es sind Probleme der Amerikaner. Die Amerikaner wünschen eine Zusammenarbeit
der politischen Parteien bei der Lösung der amerikanischen Probleme.
Ich bin sehr erfreut darüber, daß Präsident Bush
kürzlich das Engagement Präsident Clintons begrüßt
hat, das NAFTA zu verabschieden und in die Praxis
umzusetzen. Präsident Bush weiß, daß das NAFTA
gut für Amerika ist.
Nun möchte ich etwas genauer auf Einzelheiten des
NAFTA eingehen. Ich bin der Ansicht, daß wir es im
Herbst dieses Jahres durch den Kongreß bringen und
Anfang nächsten Jahres in Kraft setzen können. Es
wird nicht einfach sein, aber es ist möglich.

problemen konfrontiert werden, und niemand wünscht
das.
Was wird das NAFTA uns bringen? Wir haben bereits
700.000 Arbeitsplätze im Zusammenhang mit unserem Handel mit Mexiko. Ungefähr 400.000 dieser
Arbeitsplätze wurden geschaffen, seit Präsident Saunas mit der Liberalisierung der Handelsbestimmungen
seines Landes begann. Das NAFTA wird allein in den
nächsten zwei Jahren ungefähr 200.000 zusätzliche
amerikanische Arbeitsplätze schaffen. Und wir schätzen, daß in Verbindung mit dem NAFTA stehende
Arbeitsplätze um 12 Prozent höhere Löhne haben.
Wo liegen diese Arbeitsplätze? Wer profitiert davon?
Erlauben Sie mir, einige der Nutznießer hier in Kalifornien zu nennen. Cal-State Lumber Sales aus San
Yaidro ist einer davon. Die Verkaufszahlen dieses
Unternehmens sind um 700 Prozent angestiegen.
Und mit NAFTA wird es ihm seiner Meinung nach noch
besser gehen. Die Western Digital in Irvine wird die
Zahl ihrer Beschäftigten aufstocken können, da die
Zölle für Computerteile gesenkt werden. Johnson
Environmental mit Sitz in Santa Ana ist ein kleines
Unternehmen. Ihm zufolge wird der Verkauf seiner
Paketverschlußmaschinen nach Kanada und Mexiko
um das Vierfache erhöht, und es wird 50 zusätzliche
Arbeitnehmer einstellen. Großunternehmen, Kleinunternehmen und mittelständische Unternehmen werden Vorteile haben.

Im Herbst dieses Jahres werden wir einen erbitterten
Kampf für das NAFTA führen. Wir haben mit Bill Daley Ich möchte noch etwas anderes zum NAFTA und dem
einen erfahrenen Leiter unserer Bemühungen. Und Thema Arbeitsplätze anmerken. Die Gewerkschaften
wir werden eine weitere Kommandozentrale einrichten und andere machen sich große Sorgen, daß das
müssen, ähnlich dem Kriegsratszimmer, das wir für NAFTA hier in Amerika Arbeitsplätze kosten könnte.
das Paket zum Defizitabbau hatten. Wir werden bei Es wird das Argument angeführt, daß jetzt Arbeitsplätdiesem Thema keinen Rückstand an Informationen ze nach Mexiko oder in den Femen Osten oder anderszulassen. Wir werden sicherstellen, daß Falschinfor- wohin verlagert werden. Das ist die Konsequenz des
mationen auch als solche gekennzeichnet werden und weltweiten Wettbewerbs, nicht des NAFTA. Insgedie Menschen verstehen, daß das NAFTA mehr und samt gesehen schafft das NAFTA - 200.000 - Arbeitsbesser bezahlte Arbeitsplätze für Tausende von plätze. Für diejenigen, die vom NAFTA betroffen sind,
Amerikanern bedeutet - in der Tat 200.000.
existieren Umschulungsprogramme. Wir möchten,
daß jeder Vorteile vom NAFTA und dem daraus resulDas NAFTA ist ein gutes Abkommen, aber weil wir es
tierenden Wohlstand hat.
sogar noch weiter verbessern wollten, haben unsere
Unterhändler Zusatzabkommen über Arbeitsfragen, Wenn Sie sich anschauen, was mit der Stellung unseden Umgang mit Importzuwächsen und die Schlüssel- res Landes im Handel mit Mexiko geschehen ist,
frage Umwelt ausgearbeitet. Und wir arbeiten noch am sehen Sie, was niedrigere Handelsschranken bedeuKleingedruckten eines Mechanismus zur Finanzie- ten. Heutzutage hat Mexiko Japan als unseren zweitrung der Umweltschutzmaßnahmen an der amerika- größten Absatzmarkt für Fertigwaren abgelöst. Unsenisch-mexikanischen Grenze.
re Handelsposition zu Mexiko hat sich aufgrund der
von Präsident Salinas im Zusammenhang mit Handelsschranken ergriffenen Maßnahmen grundlegend
gewandelt. Wir haben uns von einem Defizit bei
unserer Handelsbilanz von nahezu 6 Milliarden Dollar
zu dem heutigen Überschuß von 5,4 Milliarden Dollar
entwickelt. Die Exporte nach Mexiko haben einen
Wenn wir über diese Abkommen, insbesondere im Wert von über 40 Milliarden Dollar. Vor sieben Jahren
Umweltbereich, ohne Einbeziehung des NAFTA spre- waren es nur 12 Milliarden Dollar. Das ist der Grund,
chen, werden wir wahrscheinlich weiterhin mit Umwelt- warum wir jetzt hart daran arbeiten, Märkte auf der
ganzen Welt, nicht nur in Mexiko, zu erobern.

Wir streben die Einrichtung einer Fazilität zur Finanzierung von Umweltschutzmaßnahmen in der Grenzregion (Border Environmental Financing Facility) mit
einem Kapital in Höhe von mehreren Milliarden Dollar
an.

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�Es gibt noch einen anderen wichtigen Punkt, der im
Zusammenhang mit dem NAFTA angesprochen werden muß - einen der wichtigsten. Das NAFTA schafft
nicht nur gleiche Wettbewerbsbedingungen, sondern
sichert auch ihren Fortbestand. Zur Zeit ist die Hälfte
der aus Mexiko importierten Waren zollfrei, und die
Zölle auf die restlichen Produkte betragen nur 4 Prozent. Umgekehrt werden unsere Waren bei der Einfuhr nach Mexiko mit einem Zoll von 10 Prozent belegt.
Im Kraftfahrzeugbereich beträgt unser Zollsatz für in
Mexiko hergestellte Autos nur 2,5 Prozent, aber wir
zahlen Zölle in Höhe von 20 Prozent auf nach Mexiko
exportierte Autos. Im Zusammenhang mit Autos möchte
ich allen vor Augen führen, daß Mexiko von uns die
Abnahme von Autoteilen im Wert von 20.000 Dollar
verlangt, bevor wir ein Auto im Wert von 10.000 Dollar
in Mexiko verkaufen können. Das ist die Art von
Ungleichgewicht, das wir abschaffen möchten.

ren werden. Hier ereignet sich etwas sehr Positives,
und die Amerikaner sollten das wissen. Das NAFTA
wirkt sich auf Arbeitsplätze aus. Das NAFTA wirkt sich
auf das Wirtschaftswachstum aus. Das NAFTA verbessert die Umwelt. Und das NAFTA bietet allen
Amerikanern ein besseres Leben.
Nachdem ich nun eine Weile nach Süden geschaut
und über Arbeitsplätze gesprochen habe, möchte ich
ein paar Minuten lang weiter nach Westen und über
den Pazifik blicken und - Sie haben es erraten - über die
Schaffung von Arbeitsplätzen sprechen.

Sie werden sich daran erinnern, daß wir uns auf dem
Wirtschaftsgipfel in Tokio im letzten Monat mit Arbeitsplätzen beschäftigten. Wir sprachen ausführlich über
die Arbeitsplätze, die wir in den Vereinigten Staaten,
im pazifischen Raum und auf der ganzen Welt schaffen können, wenn Japan seine Handelsschranken
Das NAFTA wird Zölle abschaffen, mit denen unsere senkt und die Handelsschranken auf der ganzen Welt
Waren in viel stärkerem Maße belegt werden als im Rahmen des GATT abgebaut werden. Wir spraunsere Importe aus Mexiko. Und es wird auch Dinge chen darüber, in diesem Jahr einen Beschäftigungsabschaffen, die auf keinem Schaubild dargestellt werden gipfel in Washington abzuhalten. Und wenn Sie diese
können, beispielsweise Lizenzbestimmungen und Angelegenheiten aufmerksam verfolgen, was die
ähnliche unsere Unternehmen behindernden Rege- meisten von Ihnen meiner Ansicht nach tun, dann
werden Sie sich daran erinnern, daß Präsident Clinton
lungen.
über den Aufbau einer neuen Partnerschaft mit dem
Sollte das NAFTA nicht verabschiedet werden, wären Pazifik sprach..
700.000 Arbeitsplätze, die zur Zeit vom Handel mit
Mexiko abhängen, gefährdet. Denken Sie daran, daß Im Laufe der Jahre wurden die Vereinigten Staaten
die gesamte im Handel mit Mexiko erfolgte Liberalisie- und die Völker in der Pazifikregion durch gemeinsame
rung auf freiwilliger Basis geschah. Es gibt keine Sicherheitsinteressen verbunden. Dieser Aspekt unserer
Garantie dafür, daß der Nachfolger von Präsident Beziehungen ist weiterhin wichtig. Aber wirtschaftliSalinas diese Zölle nicht wieder um bis zu 50 Prozent che Interessen nehmen eine neue und größere Bedeuerhöht - was im Einklang mit Mexikos Verpflichtungen tung an. Wir nähern uns einander jetzt immer mehr an
- nicht aufgrund eines gemeinsamen Feindes, sondern
im Rahmen des GATT stünde.
aufgrund unserer gemeinsamen WirtschaftsinteresDas NAFTA hat noch eine weitere Dimension. Sehen sen und durch den Wunsch, Arbeitsplätze und WohlSie es einmal vom Standpunkt eines Einwohners von stand zu schaffen, die Demokratien untermauern.
Texas, das eine über 1.200 Kilometer lange Grenze
mit Mexiko hat. Ich kenne das Problem mit der Das Funktionieren dieser neuen pazifischen Bezieillegalen Einwanderung. Das NAFTA wird zu einer hungen wird zu einer meiner Hauptaufgaben werden.
Erhöhung des Lebensstandards in Mexiko beitragen, Wir werden jedes uns zur Verfügung stehende Forum
was den wirtschaftlichen Anreiz zur illegalen Grenz- zur Förderung dieser Sache nutzen. Wir verfügen,
überschreitung und die Nachfrage nach unseren staat- wenn Sie so wollen, über ein großes Netz von Organilichen Dienstleistungen senken wird. Und ein höherer sationen zur Unterstützung unserer Beziehungen zu
Lebensstandard in Mexiko bedeutet, daß dieses Land Europa - die NATO, die OECD, die G-7 und andere. Im
mehr amerikanische Waren kaufen und hier in den pazifischen Raum ist jedoch die entsprechende wirtVereinigten Staaten mehr Arbeitsplätze schaffen wird. schaftliche und diplomatische Struktur nicht so verbreitet. Das bedeutet unter anderem verstärkte PräSollte das NAFTA nicht verabschiedet werden, könnte senz und Bedeutung des Forums für asiatisch-pazifidas schließlich auch ernsthafte internationale Auswir- sche wirtschaftliche Zusammenarbeit.
kungen haben. Dadurch könnte unsere Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit Mexiko und den Ländern ganz Ich möchte die Bedeutung der Schaffung einer pulsieLateinamerikas bei einer Vielzahl von Fragen beein- renden pazifischen Gemeinschaft anhand einiger Zahlen
trächtigt werden, von unserer Fähigkeit zum Abschluß illustrieren. Asien wird in den kommenden Jahrzehnvon Handelsabkommen andernorts ganz zu schwei- ten die treibende Kraft in der Weltwirtschaft sein.
Diese Tatsache allein reicht aus, daß Unternehmer
gen.
und Vertreter der Regierung der pazifischen Region
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß wirdem erhöhte Aufmerksamkeit widmen. In China leben
amerikanischen Volk unseren Fall offensiv präsentie- beispielsweise eine Milliarde Verbraucher, und letztes
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�Jahr importierte dieses Land Waren im Wert von über
80 Milliarden Dollar. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum dort belief sich im letzten Jahrzehnt auf eine
zweistellige Zahl. Letztes Jahr wickelten die Vereinigten Staaten ein Fünftel ihres Handels mit Asien ab Japan ausgenommen.

Erhöhte amerikanische Investitionen in dieser Region
könnten unsere Exporte in einem Ausmaß fördern, das
zu einem Abbau unseres regionalen Handelsungleichgewichtes beitragen könnte. Und im Mittelpunkt all
dieser Bemühungen würde die Schaffung von Arbeitsplätzen stehen - und genau das ist unsere Intention.

Vor zwei Wochen las ich in einer Zeitung einen Bericht,
der genau dieses Argument anführte. Darin war zu
lesen, daß die amerikanischen Exporte in die Entwicklungsländer im letzten Jahr um weniger als zwei Prozent angestiegen und die Exporte nach Westeuropa
um mehr als ein Prozent gefallen waren. Was wirklich
Schlagzeilen machte, war die Tatsache, daß unsere
Exporte in die Entwicklungsländer und die Schwellenländer Asiens im Vergleich zum Jahr 1991 um nahezu
14 Prozent angestiegen waren. Unsere Exporte nach
Indonesien stiegen innerhalb eines Jahres erstaunlicherweise um 47 Prozent an.

Die Schaffung von Arbeitsplätzen führt mich wieder zu
dem zurück, worauf wir beim Tokioter Gipfel hinarbeiteten. Als Teil unserer globalen Bemühungen um die
Wiederherstellung von Wachstum und die Schaffung
von Arbeitsplätzen hat Präsident Clinton angekündigt,
er werde eine Sondersitzung der Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit im Herbst dieses Jahres
in Seattle einberufen. Dort können der Präsident und
seine Amtskollegen über Möglichkeiten zur Erhöhung
von Wohlstand und Chancen beraten.

Man muß nicht die Tarntechnologie erfunden haben,
um herauszufinden, daß wir unsere historischen Bindungen zu dieser Region stärken sollten, damit Wachstum und Arbeitsplätze nicht nur für unsere Wirtschaft,
sondern für alle Volkswirtschaften erzielt werden.
Aus allen Graphiken und Tabellen, die die Wirtschaftswissenschaftler auf meinem Schreibtisch ausbreiteten, geht eines hervor: Die amerikanischen Direktinvestitionen in Asien sind nicht so hoch, wie sie sein
sollten. Im Jahr 1991 beliefen sich unsere Direktinvestitionen in Asien auf weniger als die Hälfte unserer
Investitionen in Lateinamerika. Ermutigend ist jedoch,
daß der Fluß unserer Direktinvestitionen nach Asien
ansteigt.
In jedem anderen Teil der Welt macht der Handel mit
multinationalen Tochtergesellschaften einen größeren Teil der amerikanischen Exporte aus als in Asien.
Diese Art von Exporten betrug weltweit beispielsweise
27 Prozent, aber in Asien beliefen sich die Exporte zu
amerikanischen Tochtergesellschaften auf lediglich
14 Prozent.

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Der Präsident hat mich auch gebeten, mit den Finanzministern der Pazifikstaaten zusammenzukommen,
um an den wirtschaftlichen Herausforderungen zu
arbeiten, denen wir uns bei der Stärkung der Beziehungen in der ganzen Region gegenübersehen.
Abschließend möchte ich hervorheben, daß die Clinton-Administration sich dem Wirtschaftskurs verpflichtet hat, der uns langfristige Lösungen für unsere Probleme bietet und keine provisorischen Heilmittel, die
uns danach in einer schlechteren Situation zurücklassen. Wir haben den ersten Schritt unternommen,
indem wir den Weg zu einem Abbau des Defizits
beschritten haben, und wir werden ein Problem nach
dem anderen angehen und lösen. Wir werden uns mit
dem Gesundheitswesen befassen. Und wir werden
das NAFTA in die Praxis umsetzen. Wir werden im
Rahmen des GATT an einem freieren Handelssystem
arbeiten. Wir werden in Japan und in ganz Asien und
der Pazifikregion neue Handelsmöglichkeiten suchen.
Und denken Sie daran, warum wir das tun: Wir wollen
wieder Bewegung in unsere Wirtschaft bringen, Wachstum erzielen und Arbeitsplätze für alle Amerikaner
schaffen.

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�FRIEDENSSICHERUNG
25. August 1993

ALBRIGHT : USA SOLLEN AKTIVER PARTNER
DER UNO BEI FRIEDENSSICHERUNG SEIN
Stellungnahme der UNO-Botschafterin

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten wollen nicht der "Weltpolizist" sein, sondern vielmehr Partner anderer Nationen bei den neuen kooperativen Arrangements einschließlich der UN-Operationen zur Friedenssicherung, die sich in der Ära nach
dem Kalten Krieg abzeichnen, erklärte die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright.

Albright warnte jedoch, daß man den Vereinigten
Staaten "nicht die Schuld zuweisen kann, wenn sie
eine Führungsrolle übernehmen und ebenso, wenn sie
dies nicht tun", während die Vereinigten Staaten und
die Vereinten Nationen effektive Wege für diese Partnerschaft zu sondieren versuchten.

Sie verwies darauf, daß die umfassenden und komplexen Friedenssicherungsmissionen der Vereinten NaIn einer am 19. August 1993 vom Fernsehsender tionen in Bosnien-Herzegowina und Somalia sich diaWorldNet des US-Informationsamts ausgestrahlten metral entgegengesetzter Kritik gegenübersehen,
eingehenden Erörterung der UN-Missionen zur Frie- während sie sich durch die schwierigen Probleme des
denssicherung stellte Albright fest: "Die Vereinigten Einsatzes von Gewalt bei der Ausübung ihrer MissioStaaten sind die Supermacht der Welt, daran besteht nen hindurcharbeiten. In Somalia, so die Botschaftekein Zweifel. Aus diesem Grund haben wir großen rin, würden die UN-Blauhelme "beschuldigt, zuviel zu
Einfluß, ich bin jedoch der Ansicht ...daßdieser Einfluß tun" bei ihrem Versuch, die kriegführenden Parteien zu
von zunehmender Partnerschaft gekennzeichnet ist." entwaffnen und den unkooperativen Störenfried und
Kriegsherrn Mohammed Aidid zu isolieren. In Bosnien
Albright, die seit sechs Monaten die Gesandte der würden sie beschuldigt, nicht genug zu tun, um die
Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen ist, Belagerung Sarajevos und anderer muslimischer Städte
erklärte: "Meine Tätigkeit bei den Vereinten Nationen zu durchbrechen.
... besteht im derzeitigen Klima darin, den Begriff
Partner - der wir sein werden - mit Adjektiven zu Die Botschafterin erklärte, sie sähe die Weltorganisaversehen: ein führender Partner, ein dynamischer tion und ihre 184 Mitglieder als "Pioniere der FunkPartner, ein hochrangiger Partner- aber die Betonung tionsweise des neuen Systems" und Friedenssicheliegt stets auf dem Wort Partner."
rung als "ein äußerst wichtiges Instrument".
"Jeder muß verstehen und wissen, daß uns eine
Partnerschaft mit anderen Ländern am Herzen liegt,
nicht nur mit den Großmächten, sondern auch den
anderen Ländern der Welt", führte Albright aus.

Auf Fragen von Journalisten in Harare, Rom, NeuDelhi und Tokio legte Albright die Finanz-, Ausbildungs-, Führungs- und Kommunikationsprobleme der
UN-Friedenssicherungsoperationen dar sowie die
Notwendigkeit für ein Engagement der UNO bei vorDie Vereinigten Staaten befänden sich - als einzige beugender Diplomatie, damit Konflikte nicht in bewaffverbleibende Supermacht - in dem Prozeß der Neude- nete Kriege eskalieren.
finition ihrer Rolle in der internationalen Staatengemeinschaft, hätten jedoch das Gefühl, "daß sie inter- In der Zwischenzeit führten die Vereinigten Staaten
nationale Verantwortung, eine Einschätzung ihrer eine interministerielle Überprüfung ihrer Beteiligung an
nationalen Interessen und ebenso wie die anderen Friedenssichenjngsoperationen der UNO durch, stellLänder ernsthafte innenpolitische Probleme haben", te die Botschafterin fest.
stellte die Botschafterin fest.
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Seite 1

�"Dies ist keine leichte Aufgabe", erklärte Albright. "Wir
sind ein Land, das in hohem Maße im Alleingang
gehandelt oder andere Länder als Mitglied eines
Bündnisses mobilisiert hat. Jetzt erarbeiten wir Richtlinien für unsere Beteiligung an friedenssichernden
Operationen."

Fragen bezüglich der Kommandostruktur gibt - und es
wird diese Fragen geben, weil es neues Terrain ist und
wir nach Wegen suchen, es besser zu machen - dann
sollten diese Diskussionen nicht vor Ort stattfinden, wo
die Situation kompliziert ist ... sondern in New York
geführt werden."

Albright zufolge werden die Vereinigten Staaten zunehmend ein "aktiver Teilnehmer an der Friedenssicherung" sein und zwar sowohl mit Mitteln als auch mit
Truppen, werden jedoch von "unseren demokratischen
Verfahren" geleitet sein, "um sicherzustellen, daß die
friedenssichernden Operationen die Bedürfnisse unseres Landes widerspiegeln."

Die Vereinigten Staaten haben in Bündnisstrukturen
wie der NATO gearbeitet, stellte Albright fest. "Wir
wissen, wie wir mit anderen Ländern zusammenarbeiten und müssen ein Gefühl des Vertrauens innerhalb
des Systems der Vereinten Nationen entwickeln, damit
kein Land das Gefühl hat, es muß Befehlen folgen, die
ihm Unbehagen bereiten."

Sie verwies darauf, daß die UN-Operationen in Bosnien und Somalia in den vergangenen Wochen Probleme mit den einzelnen Kommandeuren der jeweiligen
nationalen Streitkräfte hatten, die entweder ihre Befehle in Frage stellten oder sich gegen Entscheidungen des UN-Sicherheitsrats aussprachen.

Albright zufolge sollten die Vereinten Nationen auch
der "vorbeugenden Diplomatie" mehr Aufmerksamkeit
widmen. Zwei Regionen, in denen der Sicherheitsrat
wachsende Unruhen und Hilfspläne "genauer im Auge
behält" seien Südafrika und die ehemalige Sowjetrepublik Georgien.

Die Vereinigten Staaten versuchten auch festzustellen, wie man in einem internationalen Umfeld operiert,
fügte die Botschafterin hinzu.

"Das Problem besteht darin, Unterstützung für diese
Art von (vorbeugender) Operation zu gewinnen", stellte Albright fest. "Häufig sind es die durch Kämpfe
offenkundigen Konflikte, die internationale Aufmerksamkeit erhalten. Dies ist unseres Erachtens ein
Fehler. Aus unserer Sicht ist es außerordentlich
wichtig, Geld für Konfliktverhütung und vorbeugende
Diplomatie auszugeben."

"Es würde uns nicht gefallen, bei illegalen oder unlogischen Befehlen mitzuwirken, die nicht in geeigneter
Weise auf die Bedürfnisse der Operation reagieren",
so Albright. "Wir sind jedoch der Auffassung, wenn es

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AMERIKA DIENST 34

�GESUNDHEITSREFORM
25. August 1993

CLINTON: GESUNDHEITSREFORM UNABDINGBAR
FÜR WETTBEWERBSFÄHIGKEIT DER USA
USA wenden doppelt soviel wie andere Nationen auf

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten können weder ihr Haushaltsdefizit unter Kontrolle bringen
noch auf internationalen Märkten konkurrenzfähig sein,
wenn sie nicht die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff bekommen, erklärte Präsident
Clinton am 16. August 1993.

nen Mitteln in den kommenden fünf Jahren gekürzt
wurden.

Über 60 Prozent jedes neuen Dollars an staatlichen
Einnahmen fließe in das Gesundheitswesen, stellte
Clinton fest, obwohl im derzeitigen Haushalt 54 Milliarden Dollar an für Medicare und Medicaid vorgesehe-

"In einer Welt, in der wir um jeden Arbeitsplatz konkurrieren müssen", gäben die Vereinigten Staaten 14
Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das
Gesundheitswesen aus, während Deutschland und

Da der Wettbewerb um internationale Märkte zunehme, so der Präsident, gäben die Vereinigten Staaten
nahezu zweimal soviel für ihr Gesundheitswesen aus
als die Haupthandelsrivalen. Einsparungen bei diesen
Kosten
würden.für die Schaffung neuer Arbeitsplätze
Bei der Eröffnung seiner Kampagne, den Kongreß und
das amerikanische Volk für die Gesundheitsreform zu investiert.
gewinnen, stellte der Präsident bei der Nationalen
Gouverneursversammlung (National Governors As- Der Präsident wird im kommenden Monat einen Gesociation - NGA) fest, die Nation könne sich nicht setzentwurf vorlegen, der Quellen im Weißen Haus
länger ein System leisten, das dermaßen in Bergen zufolge eine stufenweise umfassende Krankenversivon Papier und Bürokratie ersticke, daß Büropersonal cherung für alle Amerikaner vorsieht, auf gelenkten
so wichtig wie Ärzte und Schwestern erachtet würden. Wettbewerb zur Kostenkontrolle zurückgreift und den
Verkauf von Policen an die Arbeitgeber und jeweiligen
Clintons Ausführungen bei der Gouverneursversamm- Beschäftigten durch die Versicherung reformiert.
lung in Tulsa wurden im Weißen Haus auf dem BildZur Zeit ist die überwiegende Mehrheit der Amerikaner
schirm verfolgt.
durch eine private Krankenversicherung ihrer Arbeit"Dies ist ein Problem, das die Vereinigten Staaten nicht geber abgedeckt. Viele Amerikaner im Ruhestand
schleifen lassen können", bekräftigte der Präsident, sind ferner vom Medicare- und Medicaid-Programm
'Vor dem wir nicht weglaufen können. Ich bin absolut erfaßt, das von der Regierung und den Bundesstaaten
überzeugt, daß wir es lösen können, wenn wir uns an angeboten wird. Rund 37 Millionen Amerikaner haben
einem Tisch zusammensetzen ... und uns den Tatsa- jedoch überhaupt keine Krankenversicherung. Die
chen stellen."
Behandlung, die sie in Privatkliniken und Krankenhäusern erhalten, wird durch höhere Kosten für die VersiClinton erklärte den Gouverneuren gegenüber, bei cherten finanziert.
allen vom Kongreß während der jüngsten Haushaltsdebatte in Erwägung gezogenen "Szenarien" zur Clinton insistierte, daß niemand Zugeständnisse an
Kontrolle des Defizits "verringerte sich das Defizit vier die hohe Qualität der Versorgung machen möchte, die
Jahre lang und begann dann aufgrund der Krankenver- unter dem derzeitigen amerikanischen System angesicherungskosten erneut anzusteigen. Der einzige boten werde, das er als "das Beste der Weit" bezeichWeg, wie wir... wirklich wieder Kontrolle über diesen nete. Der Präsident erklärte, dank seines Vorschlags
Haushalt erlangen können, besteht in der Bewältigung würde tatsächlich mehr Geld in medizinische Forder Probleme im Gesundheitswesen."
schung und Technologie fließen.

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�Japan - ihre wirtschaftlichen Hauptkonkurrenten -"bei
hochbezahlten Arbeitsplätzen" jeweils rund 8 Prozent
dafür aufwenden, stellte der Präsident fest. Nur Kanada, das ungefähr 9,4 Prozent seines BIP für das
Gesundheitswesen ausgibt, nähert sich zweistelligen
Zahlen.
"Wenn wir nicht etwas zur Umkehrung dieser Grundtendenz unternehmen", warnte Clinton, "beläuft sich
diese Zahl am Ende des Jahrzehnts auf 19 Prozent, in
allen anderen Ländern beträgt sie nicht mehr als 10
Prozent und verschafft unseren Konkurrenten einen
Vorteil von neun Cents pro Dollar bei jedem wirtschaftlichen Unternehmen."
Die Krankenversicherungskosten erlegten den Arbeitgebern solche Lasten auf, erklärte Clinton, daß 100.000
Amerikaner pro Moant ihren Versicherungsschutz
verlören, "weil ihre Arbeitgeber sich dies unter dem
derzeitigen System nicht länger leisten können". Femer
könnten viele Arbeitgeber aufgrund der hohen Kosten
der amerikanischen Krankenversicherung die Löhne
und Gehälter der Beschäftigten nicht erhöhen, die
langsamer gestiegen seien als die der deutschen oder
japanischen Arbeitnehmer.
"Schätzungen zufolge werden die gestiegenen Krankenversicherungskosten von jetzt bis zum Ende des
Jahrzehnts buchstäblich das gesamte Geld absorbieren, das sonst für Löhnerhöhungen für unsere Arbeitnehmer zur Verfügung gestanden hätte", so der Präsident.
Clinton äußerte, unter Aufsicht von First Lady Hillary
Rodham Clinton durchgesführte Überprüfungen des
Systems hätten belegt, daß 10 Prozent aller für die
Krankenversicherung ausgegebenen Dollars durch
Verwaltungs-, nicht medizinische Kosten verschlungen werden.
"Wir geben weit mehr Geld - rund 10 Cents pro Dollar
- nur für Papierkram aus - mehr als unsere Konkurrenten. Wir ersticken in der von der Regierung aufgezwungenen Papierflut", so der Präsident und "nur die

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Vereinigten Staaten haben 1.500 Krankenversicherungsgesellschaften, die Tausende und Abertausende
verschiedener Policen anbieten."
Clinton erklärte den Gouveneuren gegenüber, die
Vereinigten Staaten können diese Art von Verschwendung und Ineffizienz nicht beibehalten".
Gleichzeitig gingen die Regierungen der Bundesstaaten aufgrund der steigenden Kosten von Medicaid des von der Regierung und den Bundesstaaten gemeinsam finanzierten medizinischen Hilfsprogramms
für die Armen - bankrott.
Der Präsident räumte ein, wenn die Zuwächse der
Krankenversicherungskosten der Inflationsrate der
letzten zehn Jahre entsprochen hätten, "stünden den
Regierungen der Bundesstaaten durchschnittlich 75
Prozent mehr Mittel für die Finanzierung der Budgets
für öffentliche Schulen zur Verfügung". Im Haushaltsjahr 1993, fügte er hinzu, hätten die Bundesstaaten
erstmals mehr für Medicaid als für weiterführende
Bildung ausgegeben.
Unter dem derzeitigen System, warnte Clinton, sei ein
Kostenanstieg für Medicaid von 50 Milliarden Dollar bis
1995 prognostiziert.
Die Verabschiedung der Reformvorschläge bedeute
Clinton zufolge "eine massive Verringerung der Papierflut, weil nicht jede Krankenabteilung in diesem
Land mit Tausenden unterschiedlicher Optionen Schritt
halten mu ß und wir nicht ein weiteres Jahrzehnt haben
werden, in dem die Einstellungsquote von Büroangestellten im Bereich des Gesu ndheitswesens viermal so
schnell zunimmt wie die Zahl von Anbietern medizinischer Leistungen".
Clinton erläuterte, sein Plan strebe zusätzlich zu höheren Investitionen in das Gesundheitswesen die schrittweise Pflegeversicherung insbesondere für ältere
Menschen an, wobei die Pflege vorwiegend zu Hause
statt in Institutionen geleistet werden soll.

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AMERIKA DIENST 34

�SUDAN
25. August 1993

USA BRANDMARKEN SUDAN ALS
TERRORISMUS FÖRDERNDEN STAAT
Erklärung des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nach einer systematischen Überprüfung der "Fakten und Gesetze" brandmarkte das
State Department am 18. August 1993 den Sudan als internationale Terroranschläge fördernden Staat".
In einer am 18. August veröffentlichten Erklärung stellte das US-Au ßenministerium fest, "die derzeit verfügbaren
Beweise belegen, daß der Sudan sein Territorium als Refugium für Terroristen einschließlich der Organisation
Abu Nidal und Mitgliedern der Hisbollah sowie der palästinensischen islamischen Hamas-Gruppe zur Verfügung
stellt. Wir vertreten ferner die Auffasssung, daß der Sudan sichere Zufluchtsorte und andere Einrichtungen zur
Unterstützung radikaler Gruppen auf seinem Gebiet mit der Zustimmung der sudanesischen Führung gestattet.
Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß Berichte über die Ausbildung militanter Extremisten im Sudan, die Terroranschläge in den Nachbarländern verüben, glaubwürdig sind."
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut der Erklärung.

Das US-Außenministerium und andere amerikanische stützung für internationalen Terrorismus geleistet hat.
Regierungsbehörden haben vor kurzem eine syste- Diese Entscheidung wurde unabhängig von den Ereigmatische Überprüfung durchgeführt um festzustellen, nissen in New York getroffen.
ob der Sudan auf die Liste terroristischer Staaten gesetzt werden soll. Nach einer eingehenden Beurtei- Die derzeit verfügbaren Beweise belegen, daß der
lung der Fakten und Gesetze hat der Außenminister Sudan sein Territorium als Refugium für Terroristen
entschieden, den Sudan als internationale Terroran- einschließlich der Organisation Abu Nidal und Mitgliedern der Hisbollah sowie der palästinensischen islamischläge fördernden Staat zu bandmarken.
schen Hamas-Gruppe zur Verfügung stellt. Wir vertreDas amerikanische Gesetz [Abschnitt 6(j) des Export- ten ferner die Auffasssung, daß der Sudan sichere Zuverwaltungsgesetzes von 1979] sieht vor, daß der fluchtsorte und andere Einrichtungen zur UnterstütAußenminister bestimmen kann, welche Länder "wie- zung radikaler Gruppen auf seinem Gebiet mit der
derholt Unterstützung für internationale Terroranschlä- Zustimmung der sudanesischen Führung gestattet.
ge geleistet haben". Die Länder, denen solche Aktivi- Darüber hinaus sind wir der Ansicht, daß Berichte über
täten nachgewiesen werden können, werden auf die die Ausbildung militanter Extremisten im Sudan, die
amerikanische Liste terroristischer Staaten gesetzt. Terroranschläge in den Nachbarländern verüben,
Die Entscheidung zum Sudan wurde nach sorgfältiger glaubwürdig sind.
Abwägung der verfügbaren Informationen und ameriSowohl in Khartom als auch in Washington standen die
kanischen Gesetze getroffen.
Vereinigten Staaten über ein Jahr lang in ständiger
Im Dezember vergangenen Jahres ordnete der Au- Verbindung mit der sudanesischen Regierung. Die
ßenministereine systematische sechsmonatige Über- Regierung des Sudan hat bis heute nicht positiv auf
prüfung mit dem Ziel an festzustellen, ob der Sudan als unsere zum Ausdruck gebrachte Besorgnis reagiert.
internationale Terroranschläge fördernder Staat gebrandmarkt werden sollte. Diese Überprüfung ist nun Aufgrund der Tatsache, daß der Sudan auf dieListe
abgeschlossen und das erdrückende Gewicht der terroristischer Staaten gesetzt wird, disqualifiziert er
Beweislast belegt, daß der Sudan wiederholt Unter- sich praktisch für jegliche amerikanische Hilfe. KatasAMERIKA DIENST 34

Seite 1

�trophen- und Nothilfe sowie bestimmte andere humanitäre Hilfslieferungen können jedoch unabhängig davon
geleistet werden, da ß der Sudan auf dieüste terroristischer Staaten gesetzt wurde.

Seit einigen Jahren besteht eine Warnung für Reisen
in den Sudan. Uns liegen keine spezifischen und
glaubwürdigen Drohungen gegen amerikanische Staatsbürger im Sudan vor.

* * * *

Sehe 2

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AMERIKA DIENST 34

�BURGERRECHTE
25. August 1993

OBERSTES BUNDESGERICHT TRÄGT SEIT 1963
ZUR VERBREITUNG DER BÜRGERRECHTE BEI
Rechte von Minderheiten, Frauen erhalten Unterstützung

WASHINGTON - (AD) - Seit 40 Jahren hat das Oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten beträchtliche Auswirkungen auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gehabt, und dieser Einfluß hat sich in den
Jahren nach dem historischen Marsch von Martin
Luther King nach Washington am 28. August 1963 mit
der Forderung nach Gleichberechtigung für die Schwarzen in den Vereinigten Staaten noch maßgeblich verstärkt.
In der Entscheidung Brown./. die Schulbehörde aus
dem Jahr 1954 erklärte der Oberste Gerichtshof die
Rassentrennung von Schwarzen und Weißen in öffentlichen Schulen für verfassungswidrig. Diese Entscheidung verlieh der Bürgerrechtsbewegung der späten
fünfziger Jahre Auftrieb-die sich praktisch ausschließlich auf das schwere Los der Schwarzen im Süden
konzentrierte und in dem Marsch von 1963 ihren Höhepunkt fand.
Nach 1963 setzte das Oberste Bundesgericht den
eingeschlagenen liberalen Kurs fort und unternahm
weitere Schritte zur Ächtung von Diskriminierung aufgrund von Rasse, Glauben oder Geschlecht. Viele
dieser Gerichtsentscheidungen gründeten sich auf die
Auslegung der 1960 vom Kongreß verabschiedeten
Bürgerrechte, einschließlich des Allgemeinen Bürgerrechts von 1964, des Wahlrechts von 1965 und des
Gesetzes über Gleichstellung beim Wohnrecht von
1968.

Darüber hinaus erklärte es der Oberste Gerichtshof in einigen Fällen - für rechtmäßig, Frauen und Farbigen bei der Zulassung zur Universität und bei Einstellungsverfahren Präferenzen einzuräumen, selbst wenn
diese Vorzugsbehandlung gegenläufige Auswirkungen für Weiße und Männer hatte. Das Oberste Bundesgericht war bei "Gleichstellung" oder der als "Aufhebung von Diskriminierung" bezeichneten Politik
vorsichtig, erachtete sie jedoch im allgemeinen als
verfassungsmäßig.
Die entscheidende Rolle des Obersten Bundesgerichts bei der amerikanischen Bürgerrechtsrevolution
leitet sich aus seiner Rolle als gleichberechtigte Gewalt der Bundesregierung neben der Legislativen und
Exekutiven ab.
Seit der Gründung der Republik hat der Oberste Gerichtshof sein Vorrecht auf Entscheidung wahrgenommen, ob vom Kongreß verabschiedete und vom Präsidenten unterzeichnete Gesetze - sowie die Statuten
der Behörden auf Bundesstaats- und Gemeindebene
- im Einklang mit den grundlegenden Prinzipien der
amerikanischen Verfassung stehen, und sie für nichtig
erklärt, sollte dies nicht der Fall sein. Wenn das
Bundesgericht Gesetze für verfassungsmäßig erklärt,
legt es sie häufig aus und formuliert ihre Anwendung.
Das Oberste Bundesgericht kann Regierungsbehörden - oder Privatinstitutionen - anweisen, Maßnahmen
zur Durchsetzung von Gesetzen zu ergreifen, sobald
sie als verfassungsmäßig erklärt worden sind.

In den siebziger Jahren führten die Gerichtsentscheidungen zu kontroversen Experimenten mit "ange- Die Macht des Obersten Gerichtshofes im Bereich der
wandter Sozialwissenschaft" - wobei beispielsweise Bürgerrechte wird zum Teil demonstriert, weil der
gefordert wurde, daß weiße Schüler mit dem Bus in Kongreß für gewöhnlich vor der Durchsetzung von
von Schwarzen bewohnte Gegenden gefahren oder "Gruppenrechten" zurückschreckt und dies den vom
Schwarze in weiße Wohngegenden zur Schule ge- Präsidenten ernannten Richtern am Obersten Bunbracht wurden, wenn dies die einzige Möglichkeit war, desgericht überläßt, die nicht gewählte Regierungsdie Rassentrennung in öffentlichen Schulen aufzuhe- vertreter sind.
ben.
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Seit Ende der sechziger Jahre hat sich der Gerichtshof
auf die Aufhebung der Rassentrennung in Schulen, bei
der Wohnungsbeschaffung sowie das Arbeitsrecht als
Bereiche für Bürgerrechtsprozesse konzentriert.
Während in den sechziger Jahren Fragen der Rassendiskriminierung vorherrschten, rückten in den siebziger Jahren die Rechte von Frauen in den Brennpunkt
des Interesses. Es gab auch mehrere wichtige Gerichtsentscheidungen zur Unterstützung der Rechte
des einzelnen. Die Rechte von Homosexuellen beginnen jetzt größere Auswirkungen auf das amerikanische Rechtssytem zu haben.
Im allgemeinen haben die Amerikaner die Wendu ng zu
einer Gesellschaft akzeptiert und unterstützt, in der die
Rechte aller Bürger geschützt sind. Einige bringen
jedoch das Argument vor, die interpretierende Entdekkung der nicht in der Verfassung verankerten Rechte
des einzelnen durch das Oberste Bundesgericht sei in
einem Maße fortgeschritten, daß die Rechte der
Gemeinde als Ganzes neben den Rechten des einzelnen zweitrangig geworden seien.
Nachfolgend zitieren wir einige der bahnbrechenden,
vom Obersten Bundesgericht im Zusammenhang mit
Bürgerrechten in den vergangenen 30 Jahren getroffenen Entscheidungen:
1963, Gideon ./. Wainwright: Das Gericht
entschied, daß die Bundesstaaten allen schwerer Verbrechen Angeklagten unabhängig von
deren Zahlungsfähigkeit Rechtshilfe gewähren
müssen um zu gewährleisten, daß verarmte
Angeklagte Zugang zu Rechtsbeistand haben.
1964, New York Times J. Sullivan: Der Gerichtshof erweiterte die Pressefreiheit mit der
Entscheidung, daß Staatsbedienstete und öffentliche Personen nur dann das Recht auf
Entschädigung aufgrund verleumderischer
Behauptungen haben, wenn sie beweisen können, daß diese Äu ßerungen "aus purer Bosheit"
veröffentlicht wurden.
1965, Griswold ./. Connecticut: Das Gericht
setzte die Gesetzesbestimmung eines Bundesstaates außer Kraft, die die Verwendung von
Kontrazeptiva verbot, und entschied, daß ein
solches Gesetz das in der Verfassung verankerte Recht auf Privatsphäre verletzt.
1966, South Carolina ./. Katzenbach: Der
Oberste Gerichtshof gestand der Bundesregierung das Recht zu, ihre Macht verstärkt zur
Bekämpfung von Rassendiskriminierung bei
Wahlen einzusetzen.
1966, Jones J. Mayer: Das Gericht verbot
Rassendiskriminierung auf dem Immobilienmarkt.
1966, Miranda J. Arizona: Das Oberste Bundesgericht entschied, daß die Polizei VerdächSeite 2

tige nicht verhören darf, bevor diese über ihre
verfassungsmäßigen Rechte sowie ihr Recht
auf die Anwesenheit eines Rechtsanwalts
während der Vernehmung in Kenntnis gesetzt
wurden.
1971, Swann J. Schulbehörde des Landkreises Charlotte-Mecklenburg: Das Gericht
entschied einstimmig, die obligatorische Beförderung von Schülern mit dem Autobus in Schulen einer anderen Region sowie andere administrative Maßnahmen zur Aufhebung von Rassentrennung in Schulen seien unter der Voraussetzung gestattet, daß aufgrund früherer staatlicher Praktiken der Tatbestand der Segregation
gegeben ist. (In zahlreichen nachfolgenden
Entscheidungen spezifizierte das Gericht die
Bedingungen, unter denen die zwangsweise
Beförderung mit dem Autobus in andere Schulen erforderlich sein könnte).
1971, Griggs J. Duke Power Company: Das
Oberste Bundesgericht entschied einstimmig,
daß das Bürgerrechtsgesetz von 1964 Arbeitgebern untersagt, von Bewerbern um einen
Arbeitsplatz die Vorlage eines Hochschuldiploms
oder die Teilnahme an einem Intelligenztest zu
verlangen, falls diese Anforderungen nicht mit
besonderen Fertigkeiten in Verbindung stehen,
die für die betreffende Arbeit vonnöten sind.
Das Gericht verbot auch Intelligenztests, die
mehr schwarze als weiße Bewerber disqualifizieren.
1971, Reed./. Reed: Das Gericht setzte eine
Gesetzesbestimmung des Bundesstaates Idaho außer Kraft, die Männern bei der Grundstücksverwaltung Vorrang einräumt. Es entschied, daß gemäß der Verfassung eine geschlechtsspezifische Präferenz "vernünftig, nicht
willkürlich" zu sein hat.
1971, Phillips ./. Martin Marietta Corporation: Der Oberste Gerichtshof entschied, daß
ein Unternehmen sich nicht weigern darf, Frauen mit Kindern im Vorschulalter einzustellen, es
sei denn, eine derartige Unterscheidung sei
eine i n gutem Glauben verlangte berufliche
Qualifikation".
1973, Norwood ./. Harrison: Das Gericht
entschied, daß Privatschulen Diskriminierung
aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Rasse
gestattet ist, sie aber in einem solchen Fall keine
Finanzhilfe des Staates erhalten dürfen.
1973, Roe./. Wade: Das Gericht erklärte trotz
der gegenteiligen Gesetze der Bundesstaaten
das Recht der Frau auf einen Schwangerschaftsabbruch für gesetzmäßig.

AMERIKA DIENST 34

�1974, Lau./. Nichols: Das Oberste Bundesgericht entschied einstimmig, daß unter dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 Mitarbeiter öffentlicher Schulen verpflichtet sind, nichtenglischsprachigen Schülern Englischunterricht oder eine
zweisprachige Erziehung anzubieten, damit sie
am Schulunterricht teilnehmen können.
1978, University of California Regents J.
Bakke: Das Gericht entschied, daß die Bevorzugung von Studenten einer bestimmten Hautfarbe bei der Zulassung zur Universität gestattet
ist, solange es keine strengen numerischen
"Quoten" für jede Rasse gibt.
1977, Dothard ./. Rawlinson: Das Gericht
setzte Anforderungen an Körpergröße und gewicht für Wächter in den staatlichen Gefängnissen - und bei vielen anderen Arbeitsplätzen außer Kraft, da diese eine geschlechtsspezifische Diskriminierung darstellen.
1979, United Steelworkers ./. Weber: Das
Oberste Bundesgericht entschied, daß Privat-

unternehmen freiwillig Programme zur beruflichen Gleichstellung einführen dürfen, um das
bisherige rassische Ungleichgewicht bei der Beschäftigung auszugleichen, selbst wenn sich
solche Programme negativ auf Weiße oder
Männer auswirken.
1980, Fullilove J. Klutznick: Das Gericht
bestätigte die Macht des Kongresses, im Besitz
von Angehörigen einer Minderheit befindliche
Unternehmen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge zu bevorzugen.
1987, Johnson ./. Transportbehörde des
Landkreises Santa Clara (Kalifornien): Der
Oberste Gerichtshof befürwortete die von der
Transportbehörde des Santa Clara-Landkreises eingeführten Programme zur beruflichen
Gleichstellung, um eine Frau bei einer Beförderung einem Mann vorzuziehen, der in dem Beförderungsgespräch etwas besser abgeschnitten hatte.

* * *

AMERIKA DIENST 34

Seite 3

�GLEICHBERECHTIGUNG
25. August 1993

PRÄSIDENT CLINTON ERKLÄRT DEN 26. AUGUST
ZUM "TAG DER GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAU

&gt;J

Proklamation des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat den 26. August - den 73. Jahrestag der Ratifizierung des 19.
Zusatzartikels zur Verfassung, der den Frauen das Wahlrecht einräumt - zum Tag der Gleichberechtigung der
Frau" erklärt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Pressebüro des Weißen Hauses am 18. August 1993 herausgegebenen Text der Proklamation.

Am 26. August 1993 feiern wir den 73. Jahrestag der
Ratifizierung des 19. Zusatzartikels zur Verfassung.
Mit der Erklärung, daß das Recht zu wählen nicht
aufgrund von Geschlecht verweigert oder eingeschränkt
werden darf, gewährte der 19. Zusatzartikel den Frauen das wertvollste Privileg amerikanischer Bürger.
Seit der Gründung Amerikas haben Frauen ihr aktives
Interesse an der Gestaltung einer demokratischen
Regierung unter Beweis gestellt. Aber erst mit der
Verabschiedung des 19. Verfassungszusatzes erhielten die vielfältigen Beiträge der Frauen zum sozialen,
kulturellen und wirtschaftlichen Leben unserer Nation
die volle Anerkennung, die sie verdienten. Während
die Stimmen der Frauen auf der politischen Bühne an
Gewicht gewinnen, bereichern gewählte Vertreterinnen den Entscheidungsfindungsprozeß auf allen
Regierungsebenen mit wertvollen Ideen.
Der Kampf um echte Gleichberechtigung der Geschlechter beschränkt sich nicht auf den öffentlichen
Bereich. Die Erweiterung des Wahlrechts hat unser
Verständnis von Chancengleichheit grundlegend ver-

ändert und gemeinsame Verantwortung zu Hause
sowie die Persönlichkeitsentwicklung am Arbeitsplatz
ermutigt. Heute nehmen Frauen in zunehmendem
Maße eine Führungsrolle durch Verbesserungen in
den Bereichen Rechtsprechung, Wissenschaft, Unternehmertum und Kunst ein. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert sind die unerschütterliche Stärke und
Klugheit der Frauen weiterhin integraler Bestandteil
bei der Gewährleistung von dauerhaftem Wohlstand
für unsere Nation.
Jedes Jahr begehen wir den 26. August als den Tag
der Gleichberechtigung der Frau" im Gedenken an die
unermeßlichen Opfer und Beiträge, die Frauen für die
Vereinigten Staaten geleistet haben. Bei dieser Gelegenheit bekräftigen wir unser nationales Engagement
für das unmißverständliche Versprechen Amerikas zu
garantierter Gleichberechtigung für unser ganzes Volk.
Unterzeichnet am 18. August, im Jahre des Herrn 1993
und im 218. Jahr der Unabhängigkeit der Vereinigten
Staaten von Amerika.

* * * * *

AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�RAUMFAHRT
25. August 1993

DIE ERFORSCHUNG DES ROTEN PLANETEN
Entsendung einer amerikanischen Raumsonde zum Mars

WASHINGTON - (AD) - Zum ersten Mal seit 17 Jahren
nähert sich wieder eine mit Kameras und Fernmeßinstrumenten ausgerüstete amerikanische Raumsonde
dem Mars, um die umfassendste Erforschung vorzunehmen, die je von dem roten Planeten gemacht
wurde.

kapazität ... (und) höchst genaue Präzisionsinstrumente".

"Wir werden ein Gesamtbild von der Atmosphäre und
ihren jahreszeitlichen Veränderungen für ein Marsjahr
erhalten", erklärte Astronom Richard Zurek. "Bei früheren Beobachtungsflügen gab es keine ununterbroObwohl die amerikanischen Wissenschaftler zur Zeit chene globale Erfassung des Planeten. Man bekam
jeglichen Funkkontakt zu der Raumsonde verloren einen Schnappschuß eines Ereignisses und sah es
haben, sind sie zuversichtlich, daß die Mars Observer dann nie wieder."
ihre Triebwerke automatisch zünden und in die Umlaufbahn des Mars eintreten wird. Der nachfolgende Dem leitenden Wissenschaftler Arden Albee zufolge
wollen er und seine Kollegen herausfinden, wie sich
Artikel beschreibt die Mission der Raumsonde.
das Klima auf dem Mars über die Äonen geändert hat
Die Sonde Mars Observer, die im September letzten und ob frühere Bedingungen förderlich für ein Leben
Jahres vom Kennedy Raumfahrtzentrum in Florida auf dem Planeten gewesen seien. Unter den jetzigen
startete, soll am 24. August ihre Bremsraketen absto- Bedingungen sei kein Leben auf dem Mars möglich,
ßen und in die Umlaufbahn des trockenen und felsigen fügte er hinzu.
Planeten einschwenken.
Früher hatten Raumsonden alte, ausgetrocknete
Wenn alles plangemäß abläuft, wird die Raumsonde in Kanalsysteme auf dem Mars entdeckt, die auf globale
den nächsten drei Monaten den Mars in einer ellipti- Überschwemmungen in den frühen Jahren des Planeschen Umlaufbahn in 374 Kilometern Höhe über der ten hindeuteten. Forscher halten es für möglich, daß
Planetenoberfläche umkreisen. Am 23. November sich während dieser Wetterperioden eine kurze Zeit
werden die Meßinstrumente an Bord des Raumschiffs lang Leben entwickelt haben könnte.
letztmalig für Versuche angestellt, in deren Verlauf sie
eine komplette Photolandkarte des Planeten erstellen Der einzige direkte Beweis für die Existenz von Waswerden, bevor am 16. Dezember die offizielle Erfor- ser auf dem Mars sind die polaren Eiskappen. Sie
geben Hinweise auf die mögliche Existenz von Wasschung des Mars beginnt.
ser, das im Planeteninneren in einer dicken Schicht
Die Mars Observer wird den Himmelskörper alle 118 von Permafrost verborgen sein könnte, der sich über
Minuten umkreisen und einem internationalen Team einen Großteil der höheren Breiten erstreckt. Einige
amerikanischer, britischer, französischer, deutscher Forscher stellen Vermutungen über die Existenz von
und russischer Forscher einen äußerst detaillierten unterirdischen Wasserläufen an, die mikrobisches Leben
Gesamtüberblick über Landschaft und Klima des Pla- beherbergen könnten.
neten während eines gesamten Marsjahres oder 687
Von 1964 bis 1976 wurden acht amerikanische MariErdtagen geben.
ner- und Viking- Raumsoden zum Mars entsandt,
Das Raumschiff hat "die modernste wissenschaftliche dem gemessen an der Entfernung zur Sonne an vierter
Ausrüstung an Bord, die jemals zu einem Planeten Stelle liegenden Planeten. Mariner 9 war das erste
entsandt wurde", so Glenn Cunningham, Projeklerter Raumschiff, das den Mars in den Jahren 1971 und
des Jet Propulsion Laboratory in Pasadena (Kalifor- 1972 umkreiste und die ersten Landkarten von einem
nien). "Sie ist genauer.... hat eine größere Rechner- anderen Planeten erstellte. 1976 erreichten zwei

AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Viking-Raumschiffe den Mars. Höhepunkt dieser
Raumfahrtmissionen war das Aufsetzen von zwei
selbstgesteuerten Landegeräten, die den Marsboden
aufschaufelten und untersuchten. Sie fanden keine
Anzeichen für biologische Aktivität.

werden die Daten des Neutronendetektors es ihnen
ermöglichen, den Wassergehalt in den obersten Metern der Marsoberfläche zu messen und nach Kohlenstoffmineralen zu suchen, die einen Hinweis auf die
frühere Existenz von Leben auf diesem Planeten geben
könnten.

Die ehemalige Sowjetunion schickte 1988 zwei Phobos-Weltraumsonden in Richtung Mars, von denen Die Sonde hat Gammastrahlendetektoren an Bord, um
jedoch eine auf dem Weg und die andere kurz nach der die chemische Zusammensetzung der Oberfläche zu
Ankunft auf dem Mars versagte.
bestimmen. Der Mars wird als der rote Planet bezeichnet, weil sein Boden und der den Planeten umgebende
Kameras und Forschungsinstrumente an Bord der Staub eine rötliche Farbe haben. Im UmlaufobservaMars Observer sollen Zehntausende von Photos torium wird man auch nach Beweisen für das jetzt
machen und Messungen des Himmelskörpers vorneh- außer Kraft gesetzte Magnetfeld suchen, das in der
men. Dadurch sollen mehr Daten zur Erde geschickt steinigen marsianischen Oberfläche erhalten gebliewerden als bei allen vorherigen Missionen zum roten ben ist, das Gravitationsfeld des Planeten aufzeichnen
Planeten.
und genaue topographische Landkarten seiner zerklüfteten Oberfläche erstellen.
Zwei Weitwinkelkameras können Bilder ab einem
Durchmesser von 250 Metern aufnehmen und jeden Nach Beendigung ihrer ersten Mission während eines
Tag ein komplettes Farbbild des Planeten erstellen. Marsjahres könnte die Mars Observer zur ÜbertraDer Zoom des Raumschiffs kann kleinere Streifen des gung der von der russischen Weltraummission gesamPlaneten in größerer Genauigkeit photographieren melten Daten eingesetzt werden, die im Jahr 1994
und Objekte von nur 1,4 Metern Durchmesser ausma- beginnen soll. Im Rahmen dieser Mission soll ein in
chen.
Umlauf gebrachter Beobachtungssatellit zwei kleine,
mit wissenschaftlichen Instrumenten bestückte LanDer hochauflösende Zoom wird durch Permafrost
degeräte auf der Oberfläche des Planeten aussetzen
ausgelöste Veränderungen der Oberfläche des Planesowie zwei zum Zwecke geologischer Studien in die
ten entdecken und messen können, wie weit sich die
Oberfläche eindringende Sonden.
Permafrostböden des Mars von seinen Polen aus
erstrecken. Dadurch könnten Antworten auf schon Sollte das Raumschiff im Jahr 1997 noch funktionsseit langem anhängige Fragen danach geliefert wer- tüchtig sein, könnte es zur Übertragung der Daten
den, was mit dem Wasser geschah, das einst die eines französischen Marsbaitons genutzt werden, der
Kanäle in die Oberfläche des Planeten eingrub.
in die dünne Kohlendioxidatmosphäre des Planeten
Die Kameras werden es den Wissenschaftlern auch eindringen soll, sowie eines extra konstruierten autogestatten, das Entstehen und Anwachsen der giganti- matischen Vehikels der Russen, das auf der Oberfläschen Staubstürme zu beobachten, die auf dem Mars che des Mars stationiert wird.
über Wochen andauern können und oftmals große Die NASA plant die Entsendung von über einem DutRegionen der Planetenoberfläche bedecken. Die Sonde zend kleinerer selbstgesteuerter Landegeräte zum
Mariner 9 beobachtete einen Marssturm, der im Jahr Mars - die ersten für das Jahr 1996. Die Landegeräte,
1971 den gesamten Planeten bedeckte und soviel die Teil eines ehrgeizigen Mehrjahresprogrammes sind,
Staub in den Himmel hochwirbelte, daß Temperatur das als Mars Environmental Survey oder Mesur
und Strömung der Atmosphäre beeinflußt wurden.
bezeichnet wird, sollen zur Wetterbeobachtung, EntDie Mars Observer hat auch einen Neutronendetektor nahme von Oberflächensedimenten und für seismoan Bord, der auf Wasser- und Kohlenstoff auf der graphische Messungen genutzt werden, um mehr
Marsoberfläche reagiert. Wissenschaftlern zufolge über die Kruste und das Planeteninnere des Mars zu
erfahren.

* *

Seite 2

* *

AMERIKA DIENST 34

�BLUES
25. August 1993

COAHOMA COUNTY - HEIMAT DES BLUES
von Mike Nickele
In dem nachfolgenden Artikel erläuten" der Verfasser die Geschichte des Blues und verweist darauf, daß die
Region des Mississippi-Delta - insbesondere Coahoma County, der Geburtsort des Blues - ein Urlaubsziel für
viele Menschen ist, die mehr über den Blues, das Land und die Menschen in Erfahrung bringen wollen, die ihn
ins Leben gerufen haben.
Der Autor ist beim Presseamt der Stadt Detroit (Michigan) beschäftigt und ehemaliger Redakteur der Zeitschrift
Auto Week

Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Friends. Copyright (c) 1992
Mike Nickele.

Hörst Du Blues, mußt Du auf den Takt hören. Der Takt
erzählt eine Geschichte - die Geschichte. Mit einem
fast brummenden, unüberhörbaren Rhythmus zeichnet der Blues die Entwicklung einer faszinierenden
Region und der Menschen auf, die das geschaffen
haben, was weltweit als typisch amerikanische Musik
anerkannt ist.
Clarksdale (Mississippi) ist die Heimat des Blues.
Oder wie die stolzen Bewohner von Coahoma County
sagen: "The Coahoma the blues". Es ist die Heimat
von Blues-Größen wie Muddy Waters, B.B. King, Son
House, Sonny Boy Williamson und vielen mehr. Und
hier in Clarksdale hat sich das Delta Blues Museum die
Aufgabe gestellt, die Geschichte des Blues zu bewahren und dauerhaftes Interesse an ihm zu fördern.

die Väter und Mütter des Blues ebenso wild gefeiert
wie gearbeitet haben. Die Samstagabende waren zum
Tanzen und Vergnügen da. Und ohne den Blues
konnten einfach keine ausgelassenen Parties zu Hause
gefeiert oder die Wände der Buden (kleine Eßlokale
mit Jukebox-Musik) zum Wackeln gebracht werden.
Ende der siebziger Jahre erkannte ein Mann die Bedeutung der Bewahrung dieser Traditionen. Sein
Name ist Sid Graves. Als Leiter der Carnegie Public
Library in Clarksdale war er sich bewußt, daß sich der
Gemeinde hier eine einzigartige Chance bot.
Graves hatte gerade drei Bibliotheken im südlichen
Teil des Bundesstaates gegründet und im Zuge seiner
Forschungstätigkeit entdeckte er, daß es kein einziges
Geschichtsbuch in der gesamten Region gab. Das
brachte den Ball ins Rollen.

So ist auch die reichhaltige braune Erde von Clarksdale ein Land schneeweißer Baumwolle - das Kind der
verschleppten schwarzen Afroamerikaner, die hier Er kam nach Clarksdale, traf sich mit dem Autor M inton
Weeks, und zusammen veröffentlichten sie Clarksschufteten.
dale &amp; Coahoma County - a History.
Hör' auf den Takt der Musik und Du kannst das
rhythmische Stampfen der großen Dampflokomotiven Bei seinen Forschungen fand Graves heraus, daß es
vernehmen, die die Baumwolle aus dem Süden in die keine Archive gab, die dieser großartigen afroamerikaHandelszentren im gesamten Land beförderten. Hör" nischen Musikform Rechnung trugen. Kurz darauf
genauer hin und Du hörst den Rhythmus, den die schlug Graves dem Verwaltungsrat der Carnegie Public
Plantagenarbeiter benutzten, um das Tempo ihrer Library die Gründung des Delta Blues Museum vor.
mörderischen Arbeit besser bestimmen zu können.
"Ich habe es nicht getan, weil ich Musikwissenschaftler
Aber da ist noch etwas. Du hörst die Freude. Der bin oder den Blues liebe", erklärt Graves. "Ich liebe
Blues ist auch eine glückliche Musik. Weil weder auch andere Musik. Ich hatte nur das Gefühl, daß
damals noch heute irgend jemand leugnen wird, daß nichts getan worden war und etwas getan werden
sollte."
AMERIKA DIENST 34

Seite 1

�Und so war es. Das Delta Blues Museum wurde 1979
vom Kuratorium der Carnegie Public Library gegründet, um das Bewußtsein und die Würdigung dieser
besonderen amerikanischen Musikform zu schärfen.
Das Museum ist heute in der Bibliothek untergebracht.

ter von dem Museum entfernt auf dem Gelände der
Stovall Plantage liegt (heute die älteste Plantage in
Mississippi, die noch in Betrieb ist), hatten die Mitglieder der Gruppe ZZ Top eine Idee. Sie baten um ein
Holzbrett des Hauses, das sie an ihren personlichen
Gitarrenhersteller schickten, der dann die "Muddy"Menschen, die mit Rock W Roll und Country-music wood" schuf. Wie ein typisches Blues-Instrument
aufgewachsen sind, haben festgestellt, daß der Blues aussehend, ist auf der "Muddywood" der Mississippi
für die Entwicklung anderer Musikformen außeror- dargestellt, der vom Klangkörper bis hinauf zum Hals
dentlich wichtig war", erläutert Graves in seinem mit der Gitarre verläuft. Wenn die Gitarre nicht im MuMemorabilien des Blues vollgestopften Büro in der seum ausgestellt ist, wird sie auf Blues-Festivals im
Bibliothek. "Ohne den Blues gäbe es keinen Rock V ganzen Land mitgenommen, um damit Geld für das
Roll."
Museum aufzubringen.
Der Blues hat auch den amerikanischen Jazz stark
beeinflußt. Die erste Jazz-Größe, W.C. Handy, lebte
von 1903 bis 1906 in Clarksdale und kam häufig dorthin
zurück. Seine Musik wurde, wie er selbst sagt, stark
von den Blueskünstlern des Mississippi-Delta beeinflußt. Handys Musik hatte wiederum Einfluß auf George
Gershwin - wie dieser sagte - bei seiner Rhapsody in
Blue mit ihren verminderten 7. Akkorden und ihrem
großartigen Klang.
In jüngerer Zeit hat der Blues auch Gruppen wie ZZ
Top, die Rolling Stones und die Beatles beeinflußt
sowie die Sänger Eric Clapton, John Fogerty und
Bonnie Raitt. "Die Wurzeln des Rock and Roll liegen
im Mississippi-Delta", stellt Graves fest.
Graves hat das Gefühl, ein Museum wie dieses sei gut
für die Selbstachtung der Gemeinde. "Insbesondere
für diejenigen, denen seit Generationen gesagt wird,
ihre Vorfahren seien arm und unterdrückt gewesen",
so Graves. "Das trifft zu, aber ihnen wurde nicht
gesagt, daß sie auch die Musik Amerikas geschaffen
haben."

ZZ Top hat mehr zur Förderung des Blues-Museums
getan als sonst jemand - außer vielleicht Graves
selbst. "1987 kam Billy Gibbons (der Lead-Gitarrist
und Sänger von ZZ Top) zu Besuch, sagte es den
anderen, und sie kamen alle", erzählt Graves. "Wie
soviele Musiker, die dem Blues zu Dank verpflichtet
sind, wollten sie etwas unternehmen."
Die Band hat nicht nur Geld und Mittel gespendet - sie
kam kurz darauf mit zwei Bussen voller Journalisten
zurück und gab ausführliche Presseinterviews.
Bevor sich die Gruppe für das Blues-Museum engagierte, hatte es 30 bis 40 Besucher pro Monat. Heute
verzeichnet es durchschnittlich 600.
"Wenn man ins Blues-Museum kommt, kann man
bekannte Musiker und Berühmtheiten treffen", fügt
Graves hinzu.

Die Zukunft des Museums scheint vielversprechend.
Mit durch Beihilfen der U.S. National Endowment for
the Humanities ermutigten Spenden sollen ein Konzertsaal und Unterkünfte für Blues-Musiker angebaut
In dem Museum sind Tausende Bücher, Schallplatten, und sogar Computerprogramme angeboten werden,
Tonbänder, CDs, Fotosammlungen, Videos und um den Studenten die Blues-Techniken zu vermitteln.
Memorabilien ausgestellt - alle über den Blues und Femer ist geplant, die noch stehenden Außenmauern
seine Menschen. In einer Ecke des Museum-Oberge- von Buddy Waters Haus abzubauen und sie als Vorschosses befindet sich eine der in Clarksdale gebürti- halle für das Museum zu verwenden - die wahrscheingen Blues-Größe Muddy Waters nachgebildete Wachs- lich für Blues-Darbietungen am Nachmittag genutzt
figur (die Kleider gehörten Muddy und wurden von wird.
seiner Frau gestiftet).
Neben dem Delta Blues Museum bietet Clarksdale
Es sind einige der ursprünglichen Instrumente ausge- selbst eine Reihe von mit Musik in Verbindung stehenstellt, wie das "diddley bo" - ein Zedernholzbrett mit den Attraktionen. Der Stackhouse/Delta-Plattenmarkt
Draht und Nagel - das die Plantagenarbeiter wie eine in der Sunflower Street ist ein Muß für Besucher der
Gitarre spielten (von dem der Rock W Roll-Pionier Bo Region. Es ist ein ausgezeichneter Ort, um zu verweiDiddley seinen Künstlernamen übernahm) sowie Gi- len, Platten zu kaufen und wertvollen Rat einzuholen.
Der Besitzer des Ladens, Jim O'Neal, ist der ehematarren, Mundharmonikas und Waschbretter.
lige Herausgeber der Zeitschrift Living Blues und ein
Die Blues-Größe B.B. King spendete eine Kopie von wirklicher Blues-Liebhaber.
Lucille, seiner berühmten elektrischen Gitarre. Das bei
weitem bemerkenswerteste Instrument ist jedoch die Während man dort ist, trifft man wahrscheinlich den
"Muddywood"-Gitarre, die von der Rock/Blues-Grup- einen oder anderen echten Blues-Musiker, weil O'Neal
pe ZZ Top zur Verfügung gestellt wurde.
ein Aufnahmestudio für seine Plattenfirma Rooster
Records auf dem Gelände anbaut. (Rooster Records
Nach der Besichtigung des Hauses, in dem Muddy hat vor kurzem eine Kassette mit Stücken lokaler
Waters seine Kindheit verbrachte, das rund 13 KilomeSeite 2

AMERIKA DIENST 34

�Blues-Musiker unter dem Titel Clarksdale, Mississippi - Coahoma the Blues herausgebracht.
An dem Tag unseres Besuchs war der Sänger und
Gitarrist Lonnie Shields im Studio und bearbeitete
Hammer und Säge, während ein Kassettengerät seinen jüngsten Live-Auftritt bei einem Blues-Festival im
nahegelegenen Helena spielte.

eben der Platz, an dem ein ziemlich mittelmäßiger
Blues-Gitarrist und Sänger, Robert Johnson, seine
Seele dem Teufel für ein Talent verkaufte, das ihn
schließlich zum König" des Delta-Blues krönte.

Highway 61 wird in einer Vielzahl von Blues- und
Rocksongs erwähnt, weil er die von den Afroamerikanern benutzte Hauptstraße war, die in den Norden in
Städte wie Chicago, Cleveland und Detroit emigrierZusätzlich zu großartigen Schallplatten, Postern, Zeit- ten. Er verläuft von Memphis, Tennessee (120 Kiloschriften, Büchern und T-Shirts muß man unbedingt meter nördlich von Clarksdale) südwärts durch das
einen Wegweiser für den Delta Blues mitnehmen. Er Mississippi-Delta bis nach Louisiana. In der Welt des
führt einen durch Blues-Ferien anhand von Karten zu Blues ist der Highway 61 der Rekordhighway. BesonOrten wie dem Grab von Sonny Boy Williamson, ders wenn die Baumwolle blüht und bei blauem HimRobert Johnsons Todes- und Grabesstätte, den Häu- mel ist es eine wunderschöne Fahrt.
sern, in denen Muddy Waters, W.C. Handy und Ike
Turner (aus den Zeiten des Ruhms von Ike und Tina Wenn man den Highway 61 entlangfährt, erkennt man,
Turner) ihre Kindertage verbrachten.
wie reich die Musiktradition in dieser Gegend ist. Elvis
Presley wurde in Tupelo (Mississippi) geboren und
Er weist auch den Weg zu dem Laden des musikali- sein Anwesen Granceland liegt in der Nähe von Memphis
schen Frisörs Wade Walton. Walton, ein Blues-Mann (Tennessee).
erster Klasse, spielt Gitarre und Mundharmonika und
bringt einen phantastischen Rhythmus mit Rasierklin- Und dann gibt es die Schriftsteller. Nur einige Blocks
ge und Lederriemen hervor. Sein Sohn Kenneth spielt vom Museum entfernt wuchs der Autor Tennessee
in einem angrenzenden Raum Gospeimusik.
Williams auf. Andere Schriftsteller aus der Gegend
von Clarksdale sind Richard Ford, Thomas Harris,
Und es gibt eine Liste von Buden mit Jukebox-Musik Joan Williams, Larry Brown und John Grisham.
wie Margaret's Blue Diamond Lounge in der West
Tallahatchie Avenue und die Red Top Lounge (besser Angesichts dieser Attraktionen entdecken immer mehr
Urlauber diese Region.
bekannt als Smitty's) in Yazoo.
O'Neal gibt auch wertvolle Ratschläge, was zu erwarten ist und wie man sich verhalten soll. "Es gibt überall
im Delta Buden mit Jukebox-Musik, und man kann am
Wochenende immer irgendwo Blues hören, aber die
Buchungsarrangements mit den Bands sind häufig
locker, werden oft erst in letzter Minute vorgenommen
und können aufgrund einer Reihe unvorhergesehener
Faktoren geändert werden: Dem Wetter, dem jeweiligen Markt, dem richtigen Job des Musikers. Wenn es
beispielsweise Pflanzzeit und das Wetter gut ist, muß
der Drummer vielleicht einen Traktor fahren (oft bis
spät in die Nacht) und kann aus diesem Grund an dem
Abend nicht spielen."

"Meines Erachtens ist man heute nicht mehr von
hochmodernen Massentourismuszentren angetan",
erklärt Graves das neue Interesse am Individualtourismus. "Und ich glaube, dies ist ein echter Trend im
afroamerikanischen Tourismus. Wenn man in eine
unzerstörte ländliche Gegend mit gastfreundlichen
Menschen kommt, kann man sehr viel entdecken,
nicht nur über die Geschichte des Südens, sondern die
amerikanische Geschichte, Musikgeschichte und über
afroamerikanische Geschichte."

Eine wunderschöne Landschaft, warmherzige Menschen und kühle Musik machen das Mississippi-Delta
zu einem idealen Ferienort. Und weil es zwischen zwei
Die Gegend um Clarksdale bietet dem Reisenden eine großen musikalischen Mekkas des Südostens eingeechte Schatzgrube amerikanischer Folklore. Das bettet liegt - Memphis und New Orleans - wird das
Museum liegt zum Beispiel ungefähr drei Kilometer Clarksdale Delta Blues Museum rasch zu einem Drehvon der berühmtesten Straßengabelung der Musikge- und Angelpunkt für den sich abzeichnenden Trend
schichte - hier als "Kreuzung" bekannt - entfernt. Sie musikalischer Pilgerfahrten. Es ist ein Ort, um sowohl
macht vielleicht nicht viel her mit ihren drei Tankstellen den Blues als auch das Land wiederzuentdecken, das
und einem Brathähnchenstand, aber von der Kreu- ihn ins Leben gerufen hat - zwei außerordentlich
zung der Highways 61 und 49 behaupten einige, sie sei wichtige Facetten der amerikanischen Geschichte.

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AMERIKA DIENST 34

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Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA schafft Arbeitsplätze und reduziert die Einwanderung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Finanzminister Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Friedenssicherung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright: USA sollen aktiver Partner der UNO bei Friedenssicherung sein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme der UNO-Botschafterin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Gesundheitsreform&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Gesundheitsreform unabdingbar für Wettbewerbsfähigkeit der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA wenden doppelt so viel wie andere Nationen auf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Sudan&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA brandmarken Sudan als Terrorismus fördernden Staat&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bürgerrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oberstes Bundesgericht trägt seit 1963 zur Verbreitung der Bürgerrechte bei&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rechte von Minderheiten, Frauen erhalten Unterstützung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Gleichberechtigung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Clinton erklärt den 26. August zum "Tag der Gleichberechtigung der Frauen"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Raumfahrt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erforschung des roten Planeten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entsendung einer amerikanischen Raumsonde zum Mars&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Blues&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Coahoma County - Heimat des Blues &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mike Nickele&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

33

NAFTA

18. August 1993

•

r

CLINTON BEGRÜSSTZUSATZABKOMMEN
ZUM NAFTA
Erklärung des Präsidenten
KANTOR BEZEICHNET NAFTA MIT
ZUSATZABKOMMEN ALS MODELL
Erklärung des US-Handelsbeauftragten

BOSNIEN

WARNUNG DER NATO AN BOSNISCHE
SERBEN WEITERHIN GÜLTIG
Ende der Einkesselung Sarajevos gefordert

NATO

NATO MUSS IM GESCHÄFT BLEIBEN
Rede von Abteilungsleiter Oxman

PRESSEFREIHEIT

PRESSEFREIHEIT IN SERBIEN BEDROHT
Erklärung von USIA-Direktor Duffey

WIRTSCHAFT

GUTE UND SCHLECHTE NACHRICHTEN
ÜBER DIE PRODUKTIVITÄT DER USA
von Stephen D. Cohen
KONKURRENZFÄHIGKEIT AUFGRUND
NATIONALER CHARAKTERISTIKA
von Daniel B. Moskowitz

PORTRÄT

Um Übersendung von
Belegexemplaren
•wird gebeten

CLINTON ERNENNT NEUEN VORSITZENDEN
DER VEREINIGTEN STABSCHEFS
General Shalikashvili soll
Nachfolger Colin Powells werden

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 3341 02

�NAFTA
18. August 1993

CLINTON BEGRÜSSTZUSATZABKOMMEN ZUM NAFTA
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat sein "äußerstes Engagement für umfassende Bestrebungen in
diesem Herbst" zugesagt, um die Zustimmung des Kongresses zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) sicherzustellen, nun da das Zusatzabkommen über
Umwelts-, Arbeits- und den Schutz von Importzuwächsen es "auch zu einemfairen Abkommen" gemacht haben.
In einer vom Weißen Haus am 13. August 1993 herausgegebenen Erklärung stellte Clinton fest, das "NAFTA
schafft ...gleiche Chancen, niedrige Zölle und einen durchgreifenden Mechanismus zurLösung von Umwelt-und
Arbeitsfragen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Ich freue mich, daß die Vereinigten Staaten, Mexiko
und Kanada Einigung über eine Zusatzvereinbarung
zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen erzielt
haben.
Im vergangenen Herbst habe ich versichert, daß ich
das NAFTA dem Kongreß erst vorlegen werde, wenn
die Unzulänglichkeiten in den Bereichen Umwert-,
Arbeits- und Schutz von Importzuwächsen behoben
sind. Heute morgen haben wir diese Versprechen
erfüllt. Heute sage ich mein äußerstes Engagement
für umfassende Bestrebungen in diesem Herbst zur
Verabschiedung des NAFTA zu.
Mit dem Abschluß des Zusatzabkommens haben wir
das NAFTA zu einem bahnbrechenden Handelsabkommen gemacht. Das NAFTA liegt zweifelsohne im
Interesse der Vereinigten Staaten. Dieses Abkommen
hilft unseren Arbeitnehmern, unserer Umwelt, unseren
Unternehmen und unseren Verbauchern.
Mit diesen Zusätzen über die Qualität der Umwelt und
Arbeitsnormen ist das Nordamerikanische Frei-

handelsabkommen auch zu einem fairen Abkommen
geworden.
Das NAFTA wird Tausende hochbezahlter Arbeitsplätze schaffen, indem es den Zugang zu Mexiko
freimacht - einen wachsenden Markt mit 90 Millionen
Menschen, die nach amerikanischen Produkten und
Dienstleistungen hungern. Die arten, von Handelshemmnissen und Präferenzen für in Mexiko produzierende Firmen gekennzeichneten Regeln sind abgeschafft worden. Das NAFTA schafft statt dessen
gleiche Chancen, niedrige Zölle und einen durchgreifenden Mechanismus zur Lösung von Umwelt- und
Arbeitsfragen.
Das NAFTA ist Teil meiner umfassenden Wirtschaftsstrategie, um die amerikanische Wirtschaft in einer
sich wandelnden Welt zu leiten und den Wandel zum
Nutzen der arbeitenden Männer und Frauen einzusetzen. Ich sehe der Zusammenarbeit mit dem Kongreß
und dem amerikanischen Volk erwartungsvoll entgegen, um das NAFTA Realität werden zu lassen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�NAFTA
18. August 1993

KANTOR BEZEICHNET NAFTA MIT
ZUSATZABKOMMEN ALS MODELL
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Die von den Regierungen der Vereinigten Staaten, Kanadas und Mexikos erzielte
Einigung über eine Zusatzvereinbarung zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) wird dem
US-Handelsbeauftragten Mickey Kantor zufolge als Modell für andere regionale Handelsverträge dienen.
"NAFTA und sein Zusatzabkommen sind bahnbrechend: Zum ersten Mal enthält ein Freihandelsabkommen
Bestimmungen über Arbeits- und Umweltschutz", stellte Kantor in einer Erklärung am 13. August 1993 fest.
Ihm zufolge schafft die historische Handelsvereinbarung den größten Markt der Welt mit 370 Millionen
Verbrauchern und einer Jahresproduktion im Wert von geschätzten 6,5 Billionen Dollar. In den ersten beiden
Jahren seines Bestehens soll er 200.000 neue Arbeitsplätze errichten.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Kantors im Wortlaut.
Ich freue mich ankündigen zu können, daß die Regierungen der Vereinigten Staaten, Mexikos und Kanadas Einigung über ein Zusatzabkommen zum NAFTA
in den Bereichen Arbeit und Umwelt erzielt haben.
Mit dieser historischen Vereinbarung können wir eine
Reform unserer Handelsbeziehungen zu Mexiko einleiten, die mehr vom Zufall als von Planung bestimmt
waren.
Aufgrundtarifärerundnichttarifärer Handelshemmnisse war der Zugang zum wachsenden mexikanischen
Markt für amerikanische Waren sehr schwierig.
Amerikanische Unternehmen wurden praktisch gezwungen, ihre Produktion nach Mexiko zu verlagern.
Inzwischen haben es die amerikanischen Meistbegünstigungsgesetze und die Einführung des MaquiladoraProgramms in Mexiko den amerikanischen Unternehmen gestattet, sich im nördlichen Teil Mexikos niederzulassen, amerikanische Einzelteile dort praktisch zollfrei
zu importieren und die montierten Produkte unter
Umgehung amerikanischer Zölle wieder in die Vereinigten Staaten zurückzuführen. Die Errichtung dieser
Grenze führte auch zu Problemen im Bereich des
Umweltschutzes.
Durch das NAFTA werden diese Hemmnisse beseitigt
und die Weichen für neues Wirtschaftswachstum gestellt.
Dies beinhaltet auch die Schaffung von Arbeitsplätzen
- schätzungsweise 200.000 allein in den ersten beiden
Jahren.
AMERIKA DIENST 33

Durch das Zusatzabkommen wird dergrößte Markt der
Welt mit 370 Millionen Verbrauchern und einer Jahresproduktion im Wert von 6,5 Billionen Dollar geschaffen.
Warum ist dies von Bedeutung? Weil das aus der
Schaffung eines Marktes dieser Größenordnung resultierende Wachstum unsere Fähigkeit erhöht, mit
Japan und der Europäischen Gemeinschaft zu konkurrieren.
Das NAFTA bringt uns dem Ziel Präsident Clintons
einen Schritt näher, eine von hohen Löhnen und großem Wachstum gekennzeichnete Wirtschaft zu schaffen, die auf die wirtschaftlichen Herausforderungen
des kommenden Jahrhunderts vorbereitet ist.
Für Präsident Clinton stellen das NAFTA und sein
Zusatzabkommen Teil seiner Strategie zur wirtschaftlichen Erneuerung dar. Er machte sich jedoch immer
Sorgen über größere Mängel. Im Oktober vergangenen Jahres sprach er sich in einer Rede an der North
Carolina State U niversity für das Abkommen aus, legte
jedoch eine Reihe von Prinzipien fest, die seiner Ansicht nach darin aufgenommen werden sollten.
Er gab dem amerikanischen Volk ein Versprechen,
das er jetzt eingelöst hat: Er werde sicherstellen, daß
das aus dem Handel mit Mexiko resultierende Wirtschaftswachstum nicht auf Kosten der Umwelt stattfindet und die Handelsvereinbarung grundlegende arbeitsrechtliche Fragen einschließt - Verbot von Kinderarbeit, Gesundheitsvorschriften und Sicherheit am
Seite 1

�Arbeitsplatz, Mindestlöhne sowie die Tarifpartner betreffende Belange.

daß die Durchsetzungsverfahren wirklich greifen und ihre Einhaltung gesichert ist;

Der Präsident hat diese Versprechen gehalten - und ist
sogar noch weiter gegangen. Das Zusatzabkommen
soll insbesondere folgendes sicherstellen:

daß wir unsere Umweltschutzmaßnahmen und
die Entwicklung der Infrastruktur an der amerikanisch-mexikanischen Grenze stärken;

Die verstärkte Durchsetzung amerikanischer
Gesetze zum Umweltschutz sowie zu Arbeitsplatznormen und -anforderungen;
keine Nation darf Arbeits- oder Umweltschutznormen senken, sondern diese nur erhöhen,
und alle Staaten oder Provinzen können noch
strengere Bestimmungen erlassen;
der Prozeß der Konsultation, Prüfung und Schlichtung von Streitigkeiten wird für die Öffentlichkeit
zugänglich sein;
es werden verbesserte Schutzvorrichtungen
gegen einen Anstieg von Importen bereitgestellt;
der Zugang zu Rechtsschutz und Einspruchsrecht wird auf Umwelt- und Arbeitsschutzfragen
ausgedehnt, und administrative Rechtsmittel
sowie Gerichtsverfahren stehen zur Verfügung.
Dies stellt eine weitere Garantie für die Durchsetzung von Arbeits- und Umweltschutznormen
dar;

eine Zusammenarbeit in den Bereichen Umweltschutz und Arbeitsschutz eingeführt wird,
die die fortgesetzte Erhöhung der Normen in
ganz Nordamerika ermöglicht.
NAFTA und sein Zusatzabkommen sind bahnbrechend: Zum ersten Mal enthält ein Freihandelsabkommen Bestimmungen über Arbeits- und Umweltschutz.
Dies wird als Modell dienen.
Wichtiger ist jedoch noch, daß es sich hier um ein
Abkommen von großer Tragweite handelt, da wir mit
seiner Hilfe den Lebensstandard der Menschen in
allen drei Unterzeichnerländem erhöhen können. Der
wirtschaftliche Standard steigt aufgrund von erneutem
Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Der
Arbeits- und Umweltstandard steigt aufgrund der erneuten Zusicherung, daß nationale Gesetze durchgeführt werden.
Es bleibt noch viel zu tun. Wir freuen uns auf die
Zusammenarbeit mit dem Kongreß bei der Verabschiedung des NAFTA.

die Einrichtung von Ausschüssen zu Arbeitsund Umweltschutzfragen, die Streitigkeiten
beurteilen und schlichten;
* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 33

�BOSNIEN
18. August 1993

WARNUNG DER NATO AN BOSNISCHE SERBEN
WEITERHIN GÜLTIG
Ende der Einkesselung Sarajevos gefordert

WASHINGTON - (AD) - Der Rückzug der bosnischen
Serben von zwei strategisch wichtigen Bergen nahe
Sarajevo ist nicht ausreichend, um die von der NATO
ausgesprochene Androhung von Luftangriffen außer
Kraft zu setzen, falls die Behinderung von Hilfslieferungen in die bosnische Hauptstadt fortgesetzt werde,
verlautete aus dem US-Außenministerium.

parteien, und diese "sind wiederaufgenommen worden".

Außenamtssprecher Michael McCurry erklärte am 16.
August 1993, die Warnung der NATO behalte weiterhin Gültigkeit. Er betonte, die Vereinigten Staaten
beurteilten täglich die Bedingungen am Boden in dem
Gebiet um Sarajevo und andernorts in Bosnien-Herzegowina. "Wir haben die Möglichkeit nicht ausgeschlossen", eine Sitzung des Nordatlantikrates einzuberufen, um die Entscheidung für Luftangriffe zu treffen, so McCurry.

"Solange keine angemessenen Hilfslieferungen in die
Stadt gelangen können,... damit die in Sarajevo lebenden Bürger sich auf den Winter vorbereiten und den
benötigten Nachschub erhalten können, sieht man
sich immer noch einer Situation gegenüber, die wir als
"Einkesselung" bezeichnen würden. Aus diesem Grund
haben wir Wert auf Dinge wie Strom, Nahrungsmittel
und Wasser gelegt", erklärte er.

"Die bosnischen Serben wissen, was von ihnen erwartet wird", und sie "sehen sich einer entschlossenen und
bestimmten NATO gegenüber, die die Bedingungen
am Boden in Sarajevo und andernorts in Bosnien
untersucht", erklärte der Sprecher.
Er teilte Reportern mit, Außenminister Christopher
habe in einem am Wochenende veröffentlichten
Kommunique an die Außenminister der anderen NATOMitgliedStaaten festgestellt, der Rückzug von den
Berggipfeln sei ein notwendiger Schritt gewesen, aber
es sei noch mehr vonnöten.
"Die Einkesselung Sarajevos muß beendet werden",
betonte der Außenamtssprecher. "Die Bürger der
Stadt Sarajevo und die Einwohner anderer Schutzzonen müssen wieder Zugang zu Lebensmitteln, Elektrizität, Wasser, Medikamenten und anderen benötigten
Hilfsleistungen haben. Das sind die Kriterien, die wir
eingehend und sorgfältig untersuchen."
McCurry erklärte, die Vereinigten Staaten verständen
den Rückzug als ausreichend für die Wiederaufnahme
der Genfer Gespräche zwischen den bosnischen KriegsAMERIKA DIENST 33

Obwohl die Bombardierung Sarajevos durch die Streitkräfte der bosnischen Serben anscheinend abgenommen hat, dauert die "Einkesselung" der Stadt McCurry
zufolge weiterhin an.

Der Au ßenamtssprecher stellte fest, daß es "zweifelsohne bescheidene Fortschritte" bezüglich der Lage in
Sarajevo und anderen Schutzzonen gegeben habe,
bis hin zu "Berichten, daß der Strom wieder angeschaltet wurde" und einige der Krankenhäuser, die mit von
Dieselgeneratoren erzeugtem Strom operiert hatten,
jetzt Strom von anderen Kraftwerken erhalten. Ihm
zufolge hat sich die Situation in Tuzla "etwas verbessert", und es gibt Berichte, daß Hilfslieferungen in
Gorazde eingetroffen sind.
"Dies sind sicherlich wichtige Anzeichen", erklärte
McCurry. Wir streben jedoch "kontinuierliche Verbesserungen der Bedingungen auf dem Boden für die
Bürger an, die in Sarajevo eingeschlossen sind".
Der Sprecher betonte, die Gefahr für die Hilfskonvois
hafte an und "die Lage in jeder dieser Schutzzonen ist
weiterhin ziemlich schlimm".
Es müsse - schnell - viel getan werden, so McCurry,
um Nahrungsmittel und andere erforderliche humanitäre Hilfsgüter zu lagern, "um durch einen Winter zu
kommen, der ziemlich hart zu werden verspricht".

Seite 1

�Indem er die Unterstützung der Vereinigten Staaten für
die Evakuierung der medizinischer Hilfe bedürftigen
Bewohner aus Sarajevo zum Ausdruck brachte, stellte
der Außenamtssprecher fest, über 100 Personen seien zur Behandlung in die Vereinigten Staaten ausgeflogen worden, und die Planung für die Aufnahme
weiterer 100 sei begonnen worden. Das Verteidigungsministerium wird diese Patienten auch in Zukunft transportieren, und niedergelassene amerikanische Ärzte sowie medizinische Einrichtungen haben
ihre Behandlung angeboten.

ein mehrmonatiges Training in die Vereinigten Staaten
zu bringen. Presseberichten zufolge beabsichtigt das
Olympische Komitee, 28 Sportler und zwei Trainer in
die Vereinigten Staaten zu fliegen.
Der amerikanische Botschafter in Bosnien, Victor
Jackovitch, kehrte am 15. August im Rahmen der
amerikanischen Bestrebungen, "möglichst genaue
Informationen über die Bedingungen am Boden in
Sarajevo zu erhalten", von den Genfer Verhandlungen
nach Sarajevo zurück, stellte der Sprecher fest.

McCurry begrüßte die Bestrebungen des amerikanischen Olympischen Komitees, bosnische Sportler für

*

Seite 2

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AMERIKA DIENST 33

�NATO
18. August 1993

NATO MUSS IM GESCHÄFT BLEIBEN
Rede von Abteilungsleiter Oxman
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Abteilungleiter für europäische und kanadische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stephen A. Oxman, am 12. August 1993 vor dem Atlantic Council
of the United States gehaltene Rede.
Mr. Acheson, General Goodpaster, meine Damen und der Schritte darlegen, die die NATO bereits zur BewälHerren,
tigung dieser neuen Herausforderungen unternommen hat sowie die Tagesordnung, die von der Adminies ist mir eine große Ehre, daß Sie mich gebeten stration für die Zukunft der NATO vorgeschlagen wurde.
haben, heute die Sichtweise der Administration zur Und abschließend möchte ich zwei Themen erörtern,
Rolle der NATO bei der europäischen Sicherheit zu denen in jüngster Zeit besondere Aufmerksamkeit
erörtern.
gewidmet wurde: Eine mögliche NATO-Mitgliedschaft
der
Länder im Osten und die Rolle der NATO im
Dies ist eine ziemlich unruhige Zeit für diejenigen von
jugoslawischen
Konflikt.
uns, die über die europäische Sicherheit besorgt sind.
Die transatlantische Gemeinschaft setzt sich mit zwei
tiefgreifenden Entwicklungen auseinander: Dem Ende
des Kalten Krieges und weitverbreiteten wirtschaftlichen Zwängen in den Nationen, die diesen Krieg
geführt haben.
Zusätzlich zu diesen strukturellen Veränderungen hat
das Blutbad im ehemaligen Jugoslawien Ängste geweckt, daß die NATO und andere während der Ära des
Kalten Krieges entstandene Sicherheitsinstitutionen
heute unzulänglich sein könnten. Senator Lugar und
andere haben öffentlich geäußert, daß die NATO
grundlegende Veränderungen vornehmen oder "ihre
Arbeit einstellen" muß.

I. Die aktuelle europäische Sicherheitsszene
Die Leistungen der NATO sind bemerkenswert. 45
Jahre lang hat sie erfolgreich die sowjetische Aggression abgeschreckt, bis der Warschauer Pakt zusammenbrach und mit ihm das kommunistische System.
Der Triumph der NATO hat jedoch auch die Notwendigkeit für ihre Umgestaltung bewirkt.

1949, als der Nordatlantikvertrag u nterze ichnet wurde,
kämpften die Nationen Westeuropas noch damit, die
Zerstörungen des Krieges zu beheben, der sie sechs
Jahre lang heimgesucht hatte - der letzte der Konflikte,
die Europa seit Jahrhunderten erschüttert hatten.
Gleichzeitig sahen sich diese Nationen mit einer neuen
Diese Administration vertritt die Auffassung, daß die und erschreckenden Bedrohung in ihrem Osten konNATO nach wie vor von zentraler Bedeutung für die frontiert. Das NATO-Bündnis vereinigte die amerikaamerikanische und europäische Sicherheit ist. Die nischen und europäischen politischen und militäriNATO hat bereits den Charakter der neuen Sicher- schen Bestrebungen zur Verhinderung eines weiteren
heitsherausforderungen erkannt und begonnen, die europäischen Krieges in sich gegenseitig verstärkenerforderlichen Umstrukturierungen vorzunehmen. Diese der Weise: Durch die Eindämmung der sowjetischen
Umstrukturierungen werden dazu beitragen, den Frie- Bedrohung und durch Aussöhnung zwischen den hiden und Wohlstand in Europa - und damit unseren storischen Feinden Westeuropas.
eigenen - weit bis ins 21. Jahrhundert zu bewahren.
Eine Fortsetzung dieser Umstrukturierungen wird die In beispiellosem Maße hat die NATO diese Ziele
entscheidende Aufgabe des NATO-Gipfels in diesem verwirklicht. Mit dem Ende des Kalten Krieges sieht
Winter sein.
sich Europa nicht länger einer monolithischen militärischen Bedrohung gegenüber. Wir sollten jedoch nicht
Ich möchte heute nachmittag zunächst kurz die her- so eingebildet sein und denken, wir hätten das Ende
ausfordernden Umstände umreißen, mit denen wiruns der Geschichte erreicht oder das Bündnis sehe sich
zur Zeit konfrontiert sehen. Danach möchte ich einige
AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�nie wieder mit einer solchen Gefahr konfrontiert. Aus
diesem Grund muß die NATO die kollektive Verteidigungsfähigkeit bewahren, die ihr Kernstück bildet. Die
Hauptbedrohungen der europäischen Sicherheit heute sind jedoch vielschichtig und gehen in unterschiedliche Richtungen. Eine angesichts einer Bedrohung
zur Erhaltung des europäischen Friedens angelegte
Struktur wird nicht zwangsläufig gegen andere Bedrohungen funktionieren - diese Lektion haben die Franzosen mit der Maginotlinie gelernt. Die vor uns liegende Aufgabe lautet, die NATO zur Bewältigung dieser
neuen Bedrohungen anzupassen, ohne die echten
Errungenschaften des Bündnisses aufs Spiel zu setzen.
Die offenkundigste Bedrohung für Europa sind heute
ethnische und territoriale Konflikte. Der Zusammenbruch des Kommunismus führte zum Wiederaufflakkern von Antagonismen und Rivalitäten, die ein halbes
Jahrhundert lang unterdrückt worden waren. Wir
beobachten dies in erschreckendster Weise bei den
brutalen Kämpfen unter Serben, Kroaten und Muslimen im ehemaligen Jugoslawien. Das ethnische
Schachbrett Mittel- und Osteuropa sowie die ehemalige Sowjetunion hat jedoch andere potentielle Brennpunkte ethnischer Spannungen - von den Russen im
Baltikum bis zu den Ungarn in Rumänien. Diese zahlreichen Zonen der Instabilität schaffen vielfältige Herausforderungen für das Ziel der NATO, zum Erhalt der
europäischen Sicherheit beizutragen.
Das wirtschaftliche Umfeld Europas hat sich jedoch
zusammen mit dem Sicherheitsgefüge verändert. Die
Regierungen der NATO-Staaten sind heute nicht so
zuversichtlich im Hinblick auf Wachstum und wirtschaftlichen Wohlstand. Statt dessen sehen sie stagnierende Volkswirtschaften, die von Arbeitslosigkeit
und langsamem Wachstum - oder beidem - sowie von
großen Haushaltsdefiziten belastet sind, die ihr künftiges Wachstum zu behindern drohen. Selbst die starke
deutsche Wirtschaft schwankt unter den Kosten der
Vereinigung - 300 Milliarden Dollar bis heute, und die
Kosten steigen weiter.
Die Regierungen im Westen suchen daher nach Wegen
zur Kürzung ihrer Ausgaben. Mit dem Ende des Kalten
Krieges sind die NATO-Streitkräfte ein offensichtliches Ziel. Den aktuellen Plänen zufolge werden die
gesamten NATO-Streitkräfte in Europa von 3 Millionen
im Jahr 1990 auf 2 Millionen bis 1997 reduziert. Während
des Kalten Krieges unterhielten die NATO-Bündnispartner umfangreiche ständig dislozierte Verbände,
die wir glücklicherweise nie einsetzen mußten. Heute,
wo sich die Umstände mehren, unter denen der Einsatz von NATO-Streitkräften erforderlich werden könnte, werden eben diese Streitkräfte abgebaut. Die
Vereinigten Staaten werden ihrerseits jedoch eine
signifikante Präsenz in Europa aufrechterhalten. Wie
Sie wissen, werden wir bis 1997 immer noch 100.000
Soldaten in Europa stationiert haben.

Seite 2

Eine starke NATO ist entscheidend für die amerikanischen Sicherheitsinteressen. Präsident Clinton hat
erklärt, daß sich die amerikanischen Sicherheitsinteressen in der Zeit nach dem Karten Krieg auf drei
Säulen gründen - globales Wirtschaftswachstum,
modernisierte militärische Arrangements und die Verbreitung der Prinzipien von Demokratie und freien
Märkten. Die NATO ist für jeden dieser Bereiche von
Bedeutung:
Wirtschaftlich zählen zum NATO-Bündnis viele
unserer größten Handels- und Investitionspartner. Unsere wirtschaftliche Sicherheit hängt
von ihrer politischen Sicherheit ab.
Militärisch unterhält die NATO die besten Streitkräfte der Weh. Ihre integrierte Kommandostruktur und ihr internationaler Mitarbeiterstab
sind gut für die komplizierte multilaterale Friedenssicherung und Durchsetzung dieser Bestrebungen geeignet und flexibel genug, um auf
unterschiedliche Eventualfälle zu reagieren sowie
die Beteiligung nichtintegrierter Nationen wie
Frankreich und Spanien einzubeziehen.
Politisch stehen die Mitgliedstaaten des NATOBündnisses exemplarisch für die Vorteile von
Demokratie und freien Märkten. Die Mitgliedstaaten dienen als Vorbild für die übrige Welt,
während die NATO ihre Sicherheit gewährleistet.
Aus diesem Grund werden die Vereinigten Staaten ihr
Engagement für die europäische Sicherheit über die
NATO aufrechterhalten. Aus dem gleichen Grund
suchen und begrüßen die Nationen Europas unser
Engagement für ihre Sicherheit. Sie wissen, daß wir
als einzige Supermacht der Welt mit einem Ozean
Distanz zwischen uns und ihren Rivalen in einzigartiger Weise geeignet sind, den Europäern bei der
Bewahrung des Friedens unter ihnen behilflich zu sein.
Diese historische Aufgabe bezieht heute auch die
aufstrebenden Demokratien des Ostens mit ein. Ebenso
wie die alten Bedrohungen der NATO aus dem Osten
kamen, sind die neuen, aus ethnischen Spannungen
und Grenzkonflikten entstehenden Bedrohungen vornehmlich im Osten angesiedelt. Die NATO muß sich
mit diesen Sicherheitsbedrohungen auseinandersetzen, ohne Zugeständnisse an ihre einzigartigen Leistungen und Stärken zu machen.
II. Die Umstrukturierung der NATO
Meines Erachtens würdigen die Kommentatoren, die
eine Analyse der derzeitigen Situation der NATO vornehmen, weder die Anerkennung der veränderten
Gegebenheiten durch die NATO selbst noch die bereits von ihr als Reaktion darauf unternommenen Schritte.
Beim Londoner Gipfeltreffen von 1990 und dem Gipfel
in Rom 1991 entwarfen die Staats- und Regierungs-

AMERIKA DIENST 33

�chefs der NATO einen neuen Kurs für das Bündnis. In
den drei Jahren seit dem Londoner Gipfel haben wir
und unsere Verbündeten diesen Kurs bei der Umgestaltung der NATO verfolgt.

in eine den gesamten Kontinent umfassende Sicherheitsstruktur anstreben. Nach dem Zweiten Weltkrieg
wurde es dank der NATO undenkbar, daß die westeuropäischen Nationen ihre Streitkräfte gegeneinander
einsetzen würden. Die Kooperation durch den NAKR,
Erstens hat die NATO eine neue Militärstrategie verab- insbesondere bei der Friedenssicherung, ist ein wichschiedet sowie ihre Streitkräfte und Kommandostruk- tiger Bestandteil der Ausweitung dieses Prinzips auf
tur neu organisiert, um den Risiken der Zeit nach dem ganz Europa. Aus diesem Grund streben wir die
Kalten Krieg zu begegnen. Sie hat eine Verlagerung Stärkung des NAKR und de Erweiterung seines Mandats
von vorne stationierten, schwerbewaffneten Einheiten an.
zur Abwehr einer Invasion vorgenommen und ihre
Nuklearwaffenarsenale in Europa drastisch reduziert. Gleichzeitig wird die NATO Wege zur effektiveren
Sie verleiht ihren konventionellen Streitkräften größe- Zusammenarbeit mit anderen Organisationen sondiere Flexibilität und Mobilität. Diese Umstrukturierung ren, die ähnliche Ziele verfolgen. Die Herausforderungestattet der NATO, rasch und durchgreifend auf ein gen von heute werden nicht von der NATO allein
breites Spektrum von Krisen zu reagieren bei gleich- bewältigt werden können: Die UNO, die KSZE, die
zeitiger Aufrechterhaltung der Fähigkeit, die NATO- Europäische Gemeinschaft, die Westeuropäische Union
Mitgliedstaaten gegen alle Angriffe zu verteidigen.
und der Europarat haben alle ergänzende Rollen zu
spielen, insbesondere bei der Krisenbewältigung und
Zweitens hat die NATO den Ländern im Osten durch -Verhinderung. Der Beitrag der NATO zu dieser ineindie Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats ander übergreifenden Struktur ist einzigartig und unerals Forum für Konsultation, Kooperation und Vertrau- setzlich. Nur die NATO unterhält die Streitkräfte, den
ensbildung mit dem Osten in Sicherheitsfragen die multilateralen Mitarbeiterstab sowie die gewohnheitsHand der Freundschaft gereicht. Die NATO hat be- mäßige politische und militärische Kooperation, um
gonnen, dem NAKR eine aktivere und operative Rolle eine flexible und durchgreifende Reaktion auf sicherzu verleihen, einschließlich gemeinsamer Übungen heitspolitische Herausforderungen zu gestatten. Um
zur Friedenssicherung und friedenssichernder Missio- die einzigartigen Qualitäten der NATO am effektivsten
nen mit den Ländern Mittel- und Osteuropas oder der
zu nutzen, streben wir eine Konsolidierung ihrer Bezieehemaligen Sowjetunion. In der Tat wurden bereits
hungen zu den anderen Institutionen an, die sich mit
einige praktische Schritte in die Wege geleitet: Sowohl
der europäischen Sicherheit befassen.
Ungarn als auch Albanien haben bei den NATOAktionen im ehemaligen Jugoslawien wertvolle Mitar- Drittens wird die NATO weiterhin ihre Fähigkeit verbeit geleistet.
bessern, sich für friedenssichernde Missionen und
deren Durchsetzung zu engagieren. Wie ich bereits
Drittens hat die NATO in der Praxis die Debatte über festgestellt habe, hat die NATO ihre Bereitschaft zum
Operationen außerhalb der geographischen Grenzen Ausdruck gebracht, sich für solche Missionen zu
ihrer Mitgliedstaaten beendet und dem umfassende- engagieren. Aufbauend auf den im ehemaligen Jugosren geographischen Rahmen der neuen Sicherheits- lawien gemachten Erfahrungen sollte die NATO regelbedrohungen Rechnung getragen. Wie ich in Kürze im mäßige Verfahren für friedenssichernde und friedensDetail erörtern werde, ist die NATO in der Tat bereits chaffende Maßnahmen erarbeiten, damit sie nicht
ein Hauptakteur bei der Unterstützung der friedenssi- jedes Mal "das Rad neu erfinden" muß, wenn sie um
chernden Bestrebungen der Vereinten Nationen im Mithilfe ersucht wird.
ehemaligen Jugoslawien. Diese Aktionen belegen die
Bereitschaft der NATO zu Out-of-area-Einsätzen, wenn Viertens sollten wir unsere Verbündeten weiterhin
ihre Mitglieder dies aufgrund der Sicherheit für erfor- ermutigen, einen größeren Teil der Lasten der europäiderlich halten.
schen Sicherheit zu übernehmen. Wir begrüßen die in
dem Vertrag von Maastricht enthaltene Aufforderung
Diese Leistungen bieten eine solide Grundlage für die zur Entwicklung einer europäischen Sicherheits- und
Umgestaltung der NATO zur Bewältigung der neuen Verteidigungsidentität, die die Grundlage für die euroSicherheitsbedrohungen. Ich möchte Ihnen einige päische Säule der NATO bilden kann. Die Aufstellung
Aspekte der Tagesordnung vermitteln, die wir zur europäischer Streitkräfte sollte jedoch letztlich nicht
Beschleunigung dieser Umstrukturierung in naher die integrierte Kommandostruktur behindern, die zu
Zukunft festgesetzt haben - eine Tagesordnung, die den Kronjuwelen der NATO gehört. Die europäischen
ihren Höhepunkt im NATO-Gipfeltreffen im kommen- Streitkräfte sollten in der NATO verankert sein und
den Winter findet.
deren Verpflichtungen erfüllen. Sie sollten von der
NATO trennbar, jedoch nicht getrennt sein.
Unsere Hauptaufgabe besteht in der Entwicklung
weiterer sicherheitspolitischer Verbindungen mit dem An dieser Front sind ermutigende Entwicklungen zu
Osten. Der NAKR ist das wichtigste Bindeglied der verzeichnen. Wir sind erfreut darüber, daß im letzten
NATO zu ihren ehemaligen Gegnern des Warschauer Jahr eine Einigung über die Anbindung des deutschPakts sowie das Mittel, mit dem wir ihre Einbeziehung französischen Korps an die NATO erzielt wurde, und
AMERIKA DIENST 33

Seite 3

�unsere französischen Verbündeten sich umfassend
an der Militäraktion des Bündnisses im ehemaligen
Jugoslawien beteiligten. Auch fühlen wir uns ermutigt
durch die jüngsten Entwicklungen, die darauf hindeuten, daß Deutschland auf eine Lösung seines Verfassungsproblems mit Out-of-area-Einsätzen hinarbeitet.
Ein fest in der NATO verankertes Deutschland, das in
der Lage ist, die seiner Größe und Bedeutung im
heutigen Europa entsprechenden Lasten zu tragen,
kann nur eine Bereicherung für die europäische Sicherheit darstellen.
Schließlich müssen die Vereinigten Staaten bereit
sein, ihren Verpflichtungen gegenüber der NATO,
selbst im Angesicht größerer haushaltspolitischer
Engpässe, nachzukommen. Wenn wir unsere Verbündeten um die Übernahme eines größeren Anteils
an den Lasten der NATO bitten, müssen wir unsere
eigene Bereitschaft zur Erfüllung unserer Verpflichtungen unter Beweis stellen. Die amerikanische Führungsrolle in der NATO sollte nicht nur aus Rhetorik
und Überzeugungskraft bestehen, sondern auch greifbar sein.
Ein Aspekt dieser Verpflichtung besteht natürlich in der
Beibehaltung der Präsenz amerikanischer Streitkräfte
in Europa. Die Streitkräfte der NATO sollten ausreichen, um sowohl den kollektiven Verteidigungsaufgaben nachzukommen als auch ihrer neuen Rolle bei der
Sicherung und Durchsetzung des Friedens gerecht zu
werden. Diese Ansicht unterstreicht unsere Verpflichtung, eine ungefähr 100.000 Mann starke Streitmacht
in Europa zu unterhalten.
Gleichzeitig sollten die Vereinigten Staaten in angemessener Weise zur Finanzierung des Infrastrukturprogramms der NATO beKragen. Zusammen mit ihrer
Strategie sowie ihren Streitkräfte- und Kommandostrukturen muß die Infrastruktur der NATO modernisiert werden, um den neuen sicherheitspolitischen
Bedrohungen zu entsprechen. Die Administration hat
die Absicht, im Kongreß auf die uneingeschränkte
Annahme unserer Anträge im Infrastrukturbereich zu
drängen.
III. Eine Erweiterung der NATO?
Sie werden festgestellt haben, daß ich bei der Auflistung der von der NATO angesichts der neuen Gegebenheiten zu ergreifenden Schritte nicht die Erweiterung der NATO angesprochen habe. In seiner nachdenklich stimmenden Rede im Juni dieses Jahres vor
dem Overseas Wrrters Club sprach sich Senator Lugar
überzeugend für die Aufnahme Polens, Ungarns, der
Tschechischen Republik sowie möglicherweise weiterer Länder in die NATO aus. Er argumentiert folgendermaßen:
Die Sicherheit Europas hängt heutzutage von der
Sicherheit und Stabilität seiner Peripherie ab. Von
besonderer Bedeutung sind die beiden potentiellen

Sete4

Krisengebiete an der Ost- und Südflanke Europas. Um
die Sicherheit im Osten - in dem Machtvakuum zwischen Rußland und Deutschland - zu gewährleisten,
müssen wir ein stabiles Sicherheitsurnfeld für die Länder
Ost- und Mitteleuropas schaffen. Das kann nur durch
die Integration dieser Nationen in ein neubelebtes
NATO-Rahmenwerk geschehen.
Vieles spricht für dieses durchdachte Argument. Aus
meinen bisherigen Ausführungen sollte ersichtlich sein,
daß die NATO in der Tat aufgrund vieler der von
Senator Lugar angesprochenen Tatsachen handelt.
Und es kann kein Zweifel an der Notwendigkeit bestehen, die Sicherheitsanliegen der Länder Ost- und
Mitteleuropas sowie der ehemaligen Sowjetunion zu
berücksichtigen, um die Sicherheit Westeuropas aufrechtzuerhalten. Bevor wir uns jedoch mit dem Thema
der Aufnahme der Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts in die NATO, der sie noch vor kurzem feindlich
gesinnt waren, beschäftigen, müssen wir eine Reihe
wichtiger Fragen beantworten. Ertauben Sie mir,
einige dieser Fragen anzusprechen, ohne die Antworten vorwegzunehmen.
Zunächst einmal müssen wir uns vor Augen führen,
daß das Kernstück der NATO-Mitgliedschaft das in
Artikel V des Nordatlantikvertrags niederglegte Abkommen über die kollektive Verteidigund ist. Sind die
Verbündeten bereit, diese Sicherheitsgarantie auszuweiten und ihre Truppen zur Verteidigung der Staaten
Ost- und Mitteleuropas einzusetzen?
Die Umkehrung dieser Frage lautet, ob die Länder Ostund Mitteleuropas ausgerüstet sind oder sein werden,
um die Lasten dieser Mitgliedschaft in der NATO zu
tragen. Können sie die Streitkräfte bereitstellen, um
zur gemeinsamen Verteidigung des Bündnisses beizutragen? Würde ihre Aufnahme in das Bündnis das
von der NATO zu verteidigende Gebiet erweitem,
ohne daß ihre Ressourcen entsprechend erhöht würden?
Im allgemeinen sollten wir die Auswirkungen einer
Erweiterung der NATO auf ihre Effektivität in Betracht
ziehen. Wenn die Erweiterung die NATO zu einem
weniger fähigen Instrument macht, wäre das Nettoergebnis für uns negativ. Wäre die NATO ebenso
effektiv, wenn sie mehrere zusätzliche Mitglieder hätte, deren Zustimmung vor einer NATO-Aktion eingeholt werden muß?
Nicht zuletzt müssen wir auch die Rußland und die
Ukraine betreffenden Fragen sorgfältig prüfen. Einerseits werden wir wohl meines Erachtens alle darin
übereinstimmen, daß eine Aufnahme Rußlands die
Natur des Bündnisses grundlegend verändern würde.
Aber würde die Verweigerung einer Aufnahme Rußlands bei gleichzeitiger Aufnahme anderer osteuropäischer Nationen Rußland aus dem neuen Sicherheitssystem ausschließen, das wir aufzubauen versuchen?
Würden dadurch unsere Bemühungen zum Aufbau

AMERIKA DIENST 33

�einer von Zusammenarbeit und Partnerschaft gekennzeichneten Beziehung zu Moskau unterminiert und
das interne Gleichgewicht zwischen Reformern und
Reaktionären in Rußland gestört? Ähnliche Überlegungen könnten auch auf die Ukraine zutreffen: Möchte
sie als sich bis zur polnischen Grenze erstreckender
Puffer zwischen Rußland und der NATO fungieren?

Darüber hinaus hat die Antwort der NATO auf den
Konflikt im ehemaligen Jugoslawien - wie bereits von
mir ausgeführt - die Frage nach ihrer Bereitschaft zu
Out-of-area-Einsätzen beantwortet. Bei den beiden
jüngsten Treffen des Nordatlantikrates, bei denen
Präsident Clintons Initiative für Luftangriffe angenommen wurde, fiel mir auf, daß keine Nation Einwände
aufgrund der Tatsache erhob, daß die Aktion außerDie von mir aufgeführten Fragen sind nicht leicht zu halb des NATO-Gebietes stattfand. Dieses Problem
beantworten. Sie müssen jedoch beantwortet werden, ist überwunden worden.
bevor wir uns zu einer Erweiterung der NATO entschließen. Wenn zufriedenstellende Antworten gefun- Heute beschwert man sich nicht darüber, daß die
den werden, können wir eine Erweitern ng der NATO in NATO die ihr übertragenen Aufgaben nicht erfüllen
Betracht ziehen. Aber sogar während wir sie in Be- konnte, sondern daß sie nicht um mehr gebeten wurtracht ziehen, können wir Weiteres tun, um uns dem de. Und das führt mich zu dem letzten Punkt, den ich
von Senator Lugar formulierten Ziel zu nähern, den gerne ansprechen möchte: Die amerikanische FühLändern Ost- und Mitteleuropas sowie der ehemaligen rungsrolle in der NATO. Anfangs entschied sich die
Sowjetunion ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln - Bush-Administration, Distanz zu wahren und das
ein Ziel, das wir alle uneingeschränkt verfolgen.
Problem den Europäern zu überlassen. Die NATO
übernahm damit eine Zuschauerrolle, während die EG
Dialog und Zusammenarbeit durch einen verstärkten und schließlich die UNO die Hauptrolle bei der BewälNAKR zusammen mit einer erhöhten Bereitschaft der tigung dieser Krise übernahmen. Beim Amtsantritt
NATO zur Ergreifung friedenssichemderund friedens- Präsident Clintons hatte sich die Situation verschlecherhaltender Maßnahmen wird den Ländern des tert und unsere Optionen waren ernsthaft eingeschränkt.
Ostens Sicherheit geben und sie gleichzeitig der
NATO noch näher bringen. Parallel dazu werden Es ist kein Geheimnis, daß die bevorzugte Bosnienunsere Hilfsprogramme zu ihrer Unterstützung bei Politik der Administration in diesem Frühjahr in der
dem schwierigen Übergang zu Demokratie und freier Aufhebung des Waffenembargos gegen die bosnische
Marktwirtschaft, der Ausweitung von Handel und Inve- Regierung und der Unterstützung dieser Aufhebung
stitionen sowie der Öffnung der Märkte für ihre Waren mit zwischenzeitlichen Luftangriffen bestanden hätte.
Eine solche Politik hätte eine Resolution des UNihnen zu Wohlstand und Stabilität verhelfen.
Sicherheitsrates erfordert, da das Embargo vom SiIV. Der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien
cherheitsrat verhängt worden war. Trotz unserer
angestrengten Bemühungen waren wir nicht in der
Abschließend möchte ich die Behauptung anspre- Lage, eine Einigung über diesen Ansatz zu erzielen.
chen, die NATO habe im Jugoslawienkonflikt irgendwie versagt. Meines Erachtens ist dieses Argument Es ist allgemein bekannt, daß sich die Situation in
nicht stichhaltig.
Bosnien im Juli dramatisch verschlechtert hat. Die
Administration
machte sich große Sorgen über die
Die NATO hat wirklich auf dem Balkan alles getan, was
Einkesselung Sarajevos und anderer Gebiete sowie
von ihr gefordert wurde, und sie hat es gut gemacht:
über das Schicksal der Bevölkerung während der
Wintermonate.
Wir fürchten, daß der Fall der bosniSie stellte Flugzeuge und Personal zunächst
schen
Hauptstadt
jede Chance auf eine Verhandlungszur Überwachung und dann zur Durchsetzung
lösung
zerstören
wird. Aus diesem Grund entschied
der Flugverbotszone über Bosnien zur VerfüPräsident
Clinton,
es sei an der Zeit, die Luftstreitkräfte
gung.
in den Dienst der Diplomatie zu stellen.
In Zusammenarbeit mit der WEU patrouillierte
die NATO zur Durchsetzung der Sanktionen Zu diesem Zeitpunkt sprachen sich unsere Verbündegegen Serbien und Montenegro in der Adria. ten einstimmig für eine solche Handlungsweise aus.
Die NATO steht bereit zur Luftunterstützung der Dieser Konsens wurde nach umfassenden und besondie Schutzzonen verteidigenden UNPROFOR- nenen Gesprächen bei einer Sitzung des NordatlantiTruppen und hat Pläne zur militärischen Unter- krates am 2. und 3. August erzielt. Zahlreiche Verbünstützung der Durchsetzung einer politischen dete, insbesondere diejenigen, die Truppen nach Bosnien
entsandt hatten, verliehen ihrer berechtigten BesorgLösung entwickelt.
nis über die Sicherheit ihrer Truppen im Falle von
Erst diese Woche hat die NATO Pläne für Luftangriffen gegen die bosnischen Serben Ausdruck.
Luftangriffe gegen die bosnischen Serben gebil- Wir konnten jedoch die Besorgnis unserer Verbündeligt, falls diese weiterhin Sarajevo und andere ten im Einklang mit der guten Tradition der KonsensGebiete belagern.
findung im Bündnis zerstreuen, und Anfang dieser

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Seite 5

�Woche nahm der NAKR die militärischen Pläne für
diese Luftangriffe einstimmig an. Jetzt ist die NATO in
der Lage, nach kurzer Vorwarnung militärisch einzugreifen, wenn die Serben nicht ihre Belagerung Sarajevos und anderer Gebiete einstellen.
Dies ist ein historischer Schritt. Die Mitgliedstaaten der
NATO haben konkret anerkannt, daß die Gewährleistung ihrer Sicherheit über die Verteidigung gegen
einen Frontalangriff hinausgeht. Das Bündnis hat
seine Umgestaltung von einem Verteidigungsbündnis,
das sich einer hinter einer festgesetzten Grenze stehenden feindlichen Armee gegenübersieht, zu einem
Bündnis, das seine Macht in den Dienst des Friedens
stellen kann, unter Beweis gestellt. Der Nordatlantische Kooperationsrat entschied am Montag, daß wir
die Situation am Boden täglich neu überwachen und
die Genfer Verhandlungen aufmerksam verfolgen
werden. Die für die Einkesselung Sarajevos Verant-

wortlichen sollten wissen, daß die NATO durchaus
zum Eingreifen bereit ist, falls die Umstände dies
rechtfertigen.
Die entschlossene amerikanische Führung hat die
NATO in diesem Fall zu positiven Ergebnissen geleitet. Und obwohl unsere Verbündeten von Zeit zu Zeit
weiterhin eine andere Meinung vertreten werden als
wir, wird die amerikanische Führung für die Fähigkeit
der NATO, den Sicherheitsbedrohungen in der Zeit
nach dem Kalten Krieg zu begegnen, von lebenswichtiger Bedeutung bleiben. Die Clinton-Administration
hat sich dieser Führungsrolle verpflichtet, damit eine
umstrukturierte NATO auch in Zukunft die Werte von
Demokratie und freier Marktwirtschaft verkörpert und
gleichzeitig die Sicherheit Europas und unsere eigene
angesichts der neuen Bedrohungen einer neuen Zeit
gewährleistet.
Ich danke Ihnen.

* * * *

Seite 6

*

AMERIKA DIENST 33

�PRESSEFREIHEIT
18. August 1993

PRESSEFREIHEIT IN SERBIEN BEDROHT
Erklärung von USIA-Direktor Duffey
WASHINGTON - (AD) - Der Direktor des US-Informationsamts (USIA), Joseph Duffey, hat am 13. August 1993
die nachfolgende Erklärung bezüglich der sich verschlechternden Bedingungen für eine freie Presse in Serbien
herausgegeben.

Jüngste Berichte der Außenstelle des US-Informationsamts in Belgrad sind ein weiterer Beweis für die
anhaltenden Bestrebungen der Regierung Milosevic
zur Abschaffung der unabhängigen Medien im ehemaligen Jugoslawien. Die unabhängige Tageszeitung
Borba gab in einem auf der Titelseite veröffentlichten
Brief ihres geschäftsführenden Chefredakteurs die
Einstellung ihrer Publikation bekannt, weil sie keine
Druckerschwärze von den staatlich kontrollierten Lieferanten bekommt. Borba hat wiederholt Papier von
der Regierung angefordert, der Zeitung wurden jedoch
die Lieferungen zur Fortsetzung der Publikation verweigert. Zuverlässige Beobachter der belgrader Szene sind zu dem Schluß gelangt, daß die Behörden die
Lieferung von Papier so lange verweigern werden, bis
die Herausgeber keine andere Wahl haben, als nachzugeben und die staatliche Kontrolle der Ausgabe zu
gestatten.

Die unabhängige Presse im ehemaligen Jugoslawien
hat Unterstützung von ausländischen Regierungen
und nichtstaatlichen Organisationen erhalten, diese
Unterstützung reicht jedoch nicht aus, viele dieser
Organe am Leben zu erhalten. Ich habe den Chefredakteur von Borba, Dusan Mijic, zu einem Besuch des
US-Informationsamts in Washington eingeladen, wenn
er in diesem Monat in die Vereinigten Staaten kommt,
um mit mir die Erfahrungen zu erörtern, die er und
andere bei ihren Bestrebungen zur Aufrechterhaltung
einer freien und unabhängigen Presse gemacht haben. Senator Richard Lugar hat sich dieser Einladung
angeschlossen.

Die Strangulierung dieser unabhängigen Presseorgane wird den bevorstehenden Sieg bei Milosevics
Bestrebungen zur Informationskontrolle in Serbien
und Montenegro bedeuten. Mit der Begrenzung des
unabhängigen Fernsehens und Rundfunks auf die
In dieser Woche hat die ebenfalls vom Borba-Verlag Region Belgrad sind die einzigen Programme, die die
herausgegebene Illustrierte Vecernje Novosti ihre meisten Serben und Montenegriner empfangen könAuflage von über 100.000 auf 27.000 reduziert. Die in nen, staatlich kontrollierte Sender. Wer außerhalb von
ungarischer Sprache in der Region Vojvodina erschei- Belgrad eine alternative Meinung erfahren will, muß für
nende Tageszeitung Magyar Szo scheint ihre Publika- die Berichterstattung auf den internationalen Rundtion einzustellen. Magyar Szo war davon ausgegan- funk zurückgreifen.
gen, Papier von den Provinzbehörden zu erhalten,
wurde jedoch in der vergangenen Woche in der regie- Aus diesem Grund hat USIA Schritte unternommen
rungstreuen Presse für einen kürzlich erschienenen um sicherzustellen, daß Voice of America im gesamLeitartikel über die Wahrscheinlichkeit einer amerika- ten Gebiet des ehemaligen Jugoslawien empfangen
nischen Intervention in Bosnien rundweg verurteilt. werden kann. In den vergangenen anderthalb Jahren
Darüber hinaus hat der regierungstreue Verlag Politi- hat VOA ihre Sendekapazität auf insgesamt 47,25
ka in der vergangenen Woche bekanntgegebenen, Stunden pro Woche in Serbien, Kroatien, Albanien und
daß er seine führende Wochenzeitung NIN von der Slovenien erweitert. Unsere auf Mittelwelle ausgeVerlagsgruppe trennt. Als unabhängiges Unterneh- strahlten Sendungen aus Kavala (Griechenland) und
men wird die nicht immer "politisch wahrheitsgetreue" über geleaste Sender in den Nachbarländern stellen
NIN jetzt den Restriktionen unterliegen, die zur Schlie- sicher, daß VOA überall in Bosnien, Serbien und
ßung anderer unabhängige Nachrichtenquellen füh- Montenegro empfangen werden kann. VOA hat weitere Journalisten eingestellt und beschäftigt jetzt einen
ren.
ständigen Korrespondenten sowie acht freiberufliche

AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�Journalisten in Sarajevo, Zagreb, Belgrad, Pristina,
Podgorica und Skopje. 60 Prozent der Sendungen
bestehen aus Nachrichten über den Konflikt. Die
VOA Nachrichtenprogramme werden auch von den
UKW-Stationen in Belgrad und Zagreb verwendet.
Femer wird VOA-Europe, ein englischsprachiges
Programm, auf Mittelwelle in mehrere Städte übertragen.

sehen Presse mit amerikanischen Regierungsvertretem in unserem interaktiven WorkJNet-Fernsehprogramm veranstaltet. Unsere Außenstelle in Belgrad
druckt und verbreitet ferner täglich 300 Kopien einer
Nachrichtenzusammenstellung in serbischer Sprache,
die politische Stellungnahmen der US-Regierung und
Berichte enthält. Rekordzahlen von Besuchern kommen in unsere Bibliotheken in Belgrad und Podgorica,
um die neuesten amerikanischen Zeitungen und ZeitDarüber hinaus bietet USIA täglich Satellrteneinspei- schriften zu lesen, was ein Beweis für den ungeheuren
sungen von Nachrichtenclips, speziellen Interviews Hunger der Serben und Montenegriner nach einer
und Berichten auf Serbisch an, die regelmä Big von den freien Presse ist.
unabhängigen Fernsehstationen in Belgrad ausgestrahlt werden. Wir haben auch Interviews der serbi-

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 33

�WIRTSCHAFT
18. August 1993

GUTE UND SCHLECHTE NACHRICHTEN
ÜBER DIE PRODUKTIVITÄT DER USA
von Stephen D. Cohen
Dr. Stephen D. Cohen ist Professor an der School of International Service, The American University, Washington, D.C. Die japanische Ausgabe seines jüngsten Buches Cowboys and Samurai: Why the United States
is Losing the Battle with the Japanese and Why It Matters wurde vor kurzem von Tokuma Shoten, Ltd.,
veröffentlicht. Zur Zeit arbeitet er an dem Buch The Making of U.S. International Economic Policy.

Was in Wirtschaftswissenschaften auf der Hand zu
liegen scheint, mu ß nicht zwangsläufig wahr sein. Vor
kurzem wurde eine umfassende Studie zur amerikanischen Produktivität herausgegeben, deren nützlichster Beitrag in der Veröffentlichung neuer Daten besteht, die den Schluß nahelegen, daß die Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten nicht annähernd so
schwach ist wie angenommen.

sich die Daten jedoch etwas genauer, gelangt man zu
der Schlußfolgerung, daß immer noch Anlaß zur Sorge
über die relative Produktionsleistung der Vereinigten
Staaten besteht.
Die guten Nachrichten über die amerikanische
Produktivität

Der McKinsey-Bericht beginnt mit der Behauptung,
daß
die Vereinigten Staaten 1990 immer noch pro Kopf
Produktivität - die Menge des nationalen Output geteilt
ein
höheres
Bruttoinlandsprodukt (BIP) hervorbrachdurch den Input von Arbeit und Kapital - ist ein wichtiten
als
jede
andere
große industrialisierte Volkswirtges Thema. Sie ist das Schlüsselelement des Wirtschaft.
Der
Vergleich
wird in US-Dollar angestellt
schaftsbarometers. Die Zuwachsrate der Produktivianhand
eines
Wechselkurses,
der sich auf ein OECDtät ist ein entscheidender Maßstab für die Fähigkeit
Modell
der
Kaufkraftparität
gründet,
nicht auf die
eines Landes, seinen Lebensstandard zu erhöhen
nominalen
Kurse
der
Devisenmärkte.
Obwohl die
sowie für seine Fähigkeit, auf dem internationalen
relative
Kaufkraft
der
einzelnen
Länder
nicht
genau
Markt zu konkurrieren. Allein der Produktivitätszukalkuliert
werden
kann,
berücksichtigt
dieser
Kurs
die
wachs gestattet kontinuierliche Lohn- und GehaltserPreise
nichtgehandelter
Waren
(vor
allem
Dienstleihöhungen, ohne einen entsprechenden oder größeren
Anstieg der Inflation zu verursachen. Aus diesem stungen) und fluktuiert auf Jahresbasis weniger als die
Grund sind die Wachstumsraten der Produktivität - die Wechselkurse des Marktes.
Hauptquelle eines höheren Lebensstandards - mindeDas für 1990 auf 21.450 Dollar geschätzte amerikanistens ebenso wichtig wie das absolute Produktivitätssche BIP pro Kopf war das höchste, Westdeutschland
niveau zu einem gegebenen Zeitpunkt.
folgte an zweiter Stelle mit 18.550 Dollar, während
Die im Oktober 1992 vom McKinsey Global Institute, Japan die dritte Stelle mit 17.490 Dollar des BIP pro
einer Tochtergesellschaft der renommierten Manage- Kopf, oder 82 Prozent der entsprechenden amerikanimentberatungsfirma McKinsey &amp; Company, Inc., ver- schen Zahl, einnahm. Die in dem McKinsey-Bericht
öffentlichte Studie Service Sector Productivity argu- enthaltene Feststellung, daß die Vereinigten Staaten
mentiert, daß die Vereinigten Staaten noch immer ein immer noch die höchste Gesamtproduktivität und das
höheres Produktionsniveau als jedes andere In- höchste BIP pro Kopf der Industrienationen haben, ist
dustrieland haben. Oberflächlich gesehen ist diese Er- wenig originell. Der Bericht untermauert diese Bekenntnis beruhigend für diejenigen, die über den pro- hauptung jedoch mit ungewöhnlich detaillierten Daten
gressiven Niedergang der amerikanischen Wirtschaft über den Fertigungsbereich und bisher nicht erstellten
verglichen mit ihren Konkurrenten - insbesondere der gefächerten Daten über den Dienstleistungssektor.
japanischen Wirtschaft - besorgt sind. Betrachtet man
AMERIKA DIENST 33

Seite 1

�In einer Überprüfung des BIP pro Beschäftigtem für
1990 (wiederum unter Verwendung der OECD-Kaufkraftparität-Wechselkurse) straft der McKinsey-Bericht
das Bild des faulen, ineffizienten amerikanischen
Arbeitnehmers Lügen. Vollbeschäftigte Arbeitnehmer
produzierten 1990 ein BIP pro Kopf von 49.600 Dollar,
das knapp vor Frankreich mit 47.000 Dollar pro Arbeitnehmer und Deutschland mit 44.200 Dollar lag. Überraschenderweise lag Japan an vierter Stelle mit einem
BIPvon 38.200 Dollar pro Arbeitnehmer, nur knapp vor
dem Land mit dem niedrigsten BIP - Großbritannien
mit 37.100 Dollar.
Ein ähnliches Muster ergibt sich bei den Schätzungen
des Berichts zur Afbertsproduktivität, bei der das gesamte
Output durch die gearbeiteten Stunden geteilt wird,
nicht durch die Gesamtbevölkerung (eine Zahl, die
auch die nicht zur Erwerbsbevölkerung gehörenden
Personen einbezieht). Nimmt man die Vereinigten
Staaten als Grundlage - oder 100 Prozent - setzten die
McKinsey-Forscher ihre Studien der Fertigungs- und
Dienstleistungssektoren ein, um eine überraschende
Rangfolge der relativen Arbeitsproduktivität in den
größten nationalen Volkswirtschaften aufzustellen:

Deregulierung dieser Industrie und den resultierenden
erbitterten Kampf der fünf verbliebenen Fluggesellschaften um Marktanteile und Kostensenkungen in
den Vereinigten Staaten. Was das amerikanische
Bankwesen anbetrifft, so schneidet es im Vergleich zur
Produktivität europäischer Banken gut ab, vor allem
aufgrund der extensiveren Nutzung von Datenverarbeitungstechnologien, des (durch fordernde Kunden
ausgelösten) größeren Wettbewerbs und besseren
Einsatzes der Beschäftigten.
Im allgemeinen Wareneinzelhandel in den Vereinigten
Staaten wurde eine geringfügig höhere Arbeitsproduktivität als auf den führenden europäischen Märkten
und eine beträchtlich höhere (56 Prozent) als in Japan
festgestellt. Die für die höhere Produktivität auf diesem Sektor angeführten zwei Hauptgründe waren vor
allem die Entscheidung der amerikanischen Verbraucher für niedrige Preise sowie liberale staatliche Vorschriften, die der Gründung großer Warenhausketten
oder Marktneulingen mit innovativem Einzelhandelszuschnitt wenige Hemmnisse in den Weg legen.

Die Ursachen des Produktivitätsgefälles in der Telekommunikationsindustrie sind komplexer. Da alle in
Vereinigte Staaten 100 %
dem Bericht erfaßten Länder eine von einem oder
Frankreich
84 %
mehreren regionalen Monopolen stark regulierte Industrie haben, ist die Arbeitsproduktivität in den VereinigDeutschland
80 %
ten Staaten, Japan und Frankreich ungefähr gleich. In
Großbritannien
72 %
dieser kapitalintensiven Dienstleistungsindustrie haJapan
61 %
ben die Vereinigten Staaten jedoch aufgrund der verDer Hauptgrund für die günstige Gesamtproduktions- stärkten Nutzung von Telekommunikationseinrichtunleistung der Vereinigten Staaten im Vergleich zu Japan gen eine beträchtlich höhere Kapitalproduktivität zu
liegt für Wirtschaftswissenschaftler seit langem auf der verzeichnen (nahezu doppelt so hoch wie die Japans).
Hand: Der produktivere amerikanische Dienstleistungssektor. Die wichtigste Schlußfolgerung der McKinsey- Neben der Stärke der Vereinigten Staaten im DienstStudie im Hinblick auf den Dienstleistungssektor - "die leistungssektor befaßt sich der McKinsey-Bericht mit
Produktivität des Dienstleistungssektors ist in Japan einem zweiten, weniger bekannten Grund für die
wesentlich geringer als in den Vereinigten Staaten" - amerikanische Führungsrolle bei der Produktivität. Es
steht im Einklang mit der Erkenntnis, daß die japani- werden detaillierte Daten aufgeführt, die eine sehr
sche Gesamtproduktivität verglichen mit anderen ungleichmäßige Produktionsleistung im japanischen
Ländern niedriger ist als ihre relative Produktivität im Fertigungsbereich belegen. Die äußerst effizienten,
Fertigungsbereich. Kostennachteile im Dienstleistungs- renommierten, die Weltmärkte beherrschenden Indusektor haben weiterreichende Implikationen für die strien - Elektronik, Automobile, Werkzeugmaschinen,
internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Kosten der Speicherchips usw. - umfassen nur einen kleinen Teil
Dienstleistungen sind ein maßgeblicher Faktor bei der des japanischen Fertigungsbereichs und noch weniKostenstruktur des Fertigungssektors. Interessanter- ger der gesamten japanischen Volkswirtschaft. Der
weise kann man feststellen, daß die McKinsey-ForMcKinsey-Bericht gelangt zu dem Schluß, daß "die
scher die weitgehende Führungsrolle der Vereinigten japanische Effizienz und Produktivität in zahlreichen
Staaten bei den Dienstleistungen (insgesamt gesehen Fertigungsindustrien und in vielen Nichtfertigungsinschätzungsweise in der 15 bis 25-Prozentmarge im duStrien niedrig ist". Ironischerweise wirkt sich die
Vergleich zu den anderen führenden Volkswirtschafrelativ lange Arbeitszeit der japanischen Arbeitnehmer
ten) auf eine sich wiederholende Reihe von Faktoren in gewisser Weise negativ auf die Produktivitätszahlen
zurückführen: Größeren Wettbewerb, weniger staat- aus: Es gibt kein Verhältnis eins zu eins zwischen den
liche Regulierung und leichteren Zugang zu neuen gearbeiteten Stunden und der Gesamtproduktion.
Unternehmen.
Von für diesen Bericht eingestellten Forschem vorgeFünf Fallstudien über Dienstleistungsindustrien bilden nommene Schätzungen belegen, daß die Vereinigten
das Kernstück des Berichts. In der Erläuterung, war- Staaten verglichen mit den anderen großen Industrieum die amerikanische Produktivität im Luftverkehr nationen bei der Produktivität im Fertigungsbereich in
größer als in Europa ist, verweist der Bericht auf die relativen Zahlen ziemlich gut abschneiden. Setzte
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AMERIKA DIENST 33

�man die Produktivität der Vereinigten Staaten 1989 bei
100 Prozent an, wurde prognostiziert, daß Japan und
die Bundesrepublik jeweils nur 80 Prozent Output pro
im Fertigungsbereich gearbeiteter Stunden produzierten (die Vergleiche basieren wiederum auf nationalen
Daten, die zu Kaufkraftparität-Wechselkursen umgerechnet wurden). Das Defizit der japanischen Produktivität im Fertigungsbereich ist vor allem auf Industrien
zurückzuführen, die international nur in geringem Umfang
oder überhaupt nicht konkurrieren. Zu diesen Industriezweigen zählen Nahrungsmittelprodukte, Getränke, Textilien, Bekleidung, Holz- und Papierprodukte,
Leder und Tabak.
Analyse der guten Nachrichten über die amerikanische Produktivität
Es wäre eine zu starke Vereinfachung, diese Erkenntnisse dahingehend zu interpretieren, daß sich die
amerikanische Volkswirtschaft in bestem Zustand
befindet und Sorgen über die abnehmende Konkurrenzfähigkeit der Vereinigten Staaten übertrieben sind.
Die reale Situation ist weniger rosig. Tiefverwurzelte,
langfristige Tendenzen müssen eingehender studiert
werden als vordergründige Ereignisse. (Die Notwendigkeit zur Berücksichtigung langfristiger Tendenzen
ist der Hauptgrund für die irrige Argumentation, das
Fallen der japanischen Aktienkurse und Immobilienpreise in jüngster Zeit bedeute, die relative Konkurrenzfähigkeit Japans nehme ab).
Obwohl die Amerikaner erfreut sein sollten, daß ihr
Dienstleistungssektor ziemlich produktiv ist, sind zwei
Einschränkungen angebracht. Erstens kann keine
Methode einen präzisen Vergleich zwischen der Leistung des Dienstleistungssektors in den einzelnen
Ländern anstellen. Die relative Leistung des amerikanischen Dienstleistungsbereichs kann nur annähernd
geschätzt werden, weil der Output von Dienstleistungsunternehmen nicht so leicht quantifiziert werden kann
wie der von Warenherstellern. Die zweite Einschränkung ist, daß der Export von Dienstleistungen durch
Industrienationen relativ gering ist verglichen mit dem
Handelswert der Waren. Die amerikanische Zahlungsbilanz kann einen Überschuß bei den Dienstleistungen verzeichnen, der jedoch nie ausreichen wird,
um ein großes Handelsdefizit bei Waren auszugleichen. Relativ hohe Produktivität bei Dienstleistungen
ist daher unbedingt wünschenswert, im Hinblickauf die
internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes kann
sie jedoch kein Ersatz für hohe und zunehmende
Industrieproduktivität sein.
Die wichtigste Einschränkung, die im Hinblick auf die
Daten des McKinsey-Berichts zur Industrieproduktivität vorgenommen werden muß, lautet, daß einige
Industrien für das langfristige Wohlergehen eines
Industrielandes mit relativ hohen Löhnen und Gehältern insgesamt wichtiger sind als andere. Kapitalintensive Waren mit hoher Wortschöpfung werden häufig
als der Industriezweig der Zukunft eingestuft. Sie sind
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es, die die meisten der neugeschaffenen effizienten,
hochbezahlten Arbeitsplätze bieten werden, und es
sind die Industrien mit dem größten Potential für künftige Verkaufszuwächse. Als relativ hochpreisige,
kapitalintensive Waren sind es genau die Produkte, die
ein Hochlohnland, das zur Verbesserung seines Lebensstandards entschlossen ist, exportieren, nicht importieren sollte. Die japanische Produktivität ist in eben
diesen Industriezweigen am stärksten.
Die relative Produktivität der japanischen Volkswirtschaft - weithin als der ernsthafteste wirtschaftliche
Konkurrent der Vereinigten Staaten angesehen - sieht
sehr viel besser aus, wenn man die Aufmerksamkeit wie es der Fall sein sollte - auf die Industriezweige
lenkt, in denen Japan der McKinsey-Studie zufolge
produktiver als die amerikanischen Hersteller ist. Dazu
zählen so entscheidende Industrien wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Transportgerät. Der sicherste
Weg zu größerer wirtschaftlicher Stärke und der Verbesserung des Lebensstandards in Japan und den
Vereinigten Staaten im 21. Jahrhundert besteht in der
Maximierung des Output in kapitalintensiven Industrien mit hoher Wertschöpfung, nicht in erhöhtem
Output von Industriezweigen mit wenig modemer
Technik und niedriger Wertschöpfung wie Textilien
und Nahrungsmittelprodukte. Die Produktionsmischung
des Au ßenhandels eines Landes ist für sein wirtschaftliches Wohlergehen wichtiger als die arithmetische
Bilanz seiner Exporte und Importe.
Japan nimmmt nicht nur eine führende Stellung bei der
Produktivität in der entscheidenden Kategorie "Maschinenbau, Elektrotechnik und Transportgeräte" ein,
sondern diese Industrien sind (gemessen an der
Wertschöpfung) in Japan auch größer als in den
Vereinigten Staaten.
Man muß hier kurz eine Atempause einlegen, um die
amerikanische Produktivität in die richtige internationale Perspektive zu rücken: Mit Ausnahme Japans
steht sie im Vergleich äußerst günstig da. Der amerikanische Fertigungssektor liegt immer noch gut vor
einem anderen wichtigen Rivalen - Deutschland.
Der Produktivitätsvorteil der Vereinigten Staaten gegenüber Japan muß noch in anderer Weise analysiert
werden. Die in dem McKinsey-Bericht erörterten
jeweiligen Produktionsleistungen sind wie ein Photo:
Sie halten einen bestimmten Augenblick fest. Was
diese Zahlen nicht aufdecken, ist ein wichtiger Trend:
Die japanische Produktivität wächst weiterhin schneller als die der Vereinigten Staaten. Während der
achtziger Jahre nahm die Produktivität Japans im
Gegensatz zu den europäischen Ländern verglichen
mit den Vereinigten Staaten kontinuierlich zu. Die
1989 für Japan geschätzte Zahl von 80 Prozent der
amerikanischen Fertigungsproduktivität lag weit über
dem Niveau von unter 60 Prozent im Jahr 1973. Die
Produktivitätsdaten für spätere Jahre werden wahrscheinlich belegen, daß sich die Kluft verringert hat.

Seite 3

�Eine der wichtigsten Fragen für die Zukunft lautet, ob
der in den achtziger Jahren beobachtete Aufschwung
bei der Produktivitätszuwachsrate der Vereinigten
Staaten ein glücklicher Zufall oder ein anhaltender
Trend war. Nachdem sie in der gesamten Nachkriegszeit hinterherhinkten, schnellten die durchschnittlichen
Jahresraten des amerikanischen Produktivitätszuwachses im Fertigungsbereich in den vergangenen 10
Jahren um einen Betrag in die Höhe, der dem Japans
vergleichbar war und gut vor Deutschlands lag. Dieser
Trend hielt auch 1991 an. Vor kurzem veröffentlichten
Daten des amerikanischen Arbeitsministeriums zufolge ist der bescheidene Zuwachs von 1,9 Prozent bei
der Produktion pro Stunde im Fertigungssektor der
Vereinigten Staaten etwas höher als der in Japan
verzeichnete Anstieg von 1,6 Prozent und ungefähr
gleich wie der Deutschlands.

Obwohl sich das amerikanische Handelsdefizit seit
seinem Höchststand vor einigen Jahren beträchtlich
verringert hat, reflektierten die Ursachen vor allem
negative Wirtschaftstendenzen. Die Vereinigten Staaten sahen sich gezwungen, rückläufige Investitionsraten und Produktivitätszuwächse durch stagnierende
Reallöhne - und bis vor kurzem eine schwache Währung - auszugleichen. In gewissem Maße haben
Produktivitätszuwächse eine im Zuge der Umstrukturierung von Unternehmen vorgenommene Reduzierung der Anzahl von Beschäftigten widergespiegelt.
Die starke Exportleistung der Vereinigten Staaten in
den Jahren 1990 und 1991 war eher auf die Tatsache
zurückzuführen, daß die überseeischen Märkte schneller wuchsen als die stagnierenden Binnenmärkte, als
daß sie die verbesserte Konkurrenzfähigkeit amerikanischer Produkte reflektierten.

Die schlechten Nachrichten über die amerikanische Produktivität

Schlußbemerkung

Es gibt nur zwei allgemeine Feststellungen, die auf
eine
objektive Analyse der derzeitigen ProduktivitätsMit Blick in die Zukunft bezweifle ich, daß Produktivisituation
in den Vereinigten Staaten Anwendung fintätszuwächse in der amerikanischen Industrie mit denen
den.
Erstens
sind die Daten nicht schlüssig genug, um
ihres stärksten ausländischen Konkurrenten - Japan Schritt halten werden. Die Vereinigten Staaten werden eine präzise Beurteilung der relativen WettbewerbslaGeschick und Glück benötigen, um mit den europäi- ge der Vereinigten Staaten zu "beweisen". Die sehr
schen Zuwächsen gleichziehen zu können. Seit Jah- begrenzte Anzahl von Fallstudien für einen Vergleich
ren waren die von der amerikanischen Industrie getä- der Produktivität bei Dienstleistungen war eine zu
tigten Kapitalinvestitionen relativ unzulänglich und haben schwache Ausgangsbasis für umfassende Schlußfolsich seit der Ende 1990 begonnenen Konjunkturflaute gerungen, und die Fallstudien boten keinen methodinoch verringert. In den vergangenen Jahren war die schen Durchbruch, um die internationale Produktivität
Investitionsrate der Vereinigten Staaten die niedrigste im Dienstleistungssektor anhand eines einheitlichen
in der Gruppe der 7 (Deutschland, Frankreich, Groß- Standards zu messen.
britannien, Italien, Japan, Kanada und die Vereinigten
Staaten) und betrug weniger als die Hälfte der japani- Die zweite allgemeine Feststellung lautet, daß es in
schen Gesamtinvestitionen. Der breite Konsens, daß vielen, aber nicht allen, Bereichen des amerikanischen
die Amerikaner zu viel konsumieren und zu wenig Fertigungssektors definitiv ein Produktivitätsproblem
gibt. Das Problem ist nicht so gravierend oder so weit
sparen und investieren, überrascht daher nicht.
fortgeschritten, daß es permanent oder unumkehrbar
Die japanische Industrie investiert heute jährlich in ist. Ein Großteil der bestehenden Unzulänglichkeiten
absoluten Zahlen rund 50 Milliarden Dollar mehr für bei der amerikanischen Produktivität kann durch länneue Betriebe und Geräte als die amerikanische Indu- gerfristige Maßnahmen des Managements und die
strie. Darüber hinaus gibt es Anzeichen, daß die von Präsident Bill Clinton versprochene verbesserte
japanische Industrie mit den Vereinigten Staaten bei Wirtschafts- und Bildungspolitik korrigiert werden.
Ausgaben für von der Industrie geförderte Forschung
und Entwicklung gleichgezogen hat. Es wäre eine Die guten Nachrichten für die Vereinigten Staaten
logische Erwartung, daß Japan irgendwann in den sind, daß die amerikanische Produktivität bei einigen
neunziger Jahren einen sehr viel höheren Zuwachs bei wichtigen Technologien wie Mikroprozessoren und
der Produktivität im Fertigungsbereich verzeichnen Laptops sowie in Schlüsselbereichen des Dienstleiwird als die Vereinigten Staaten. Das wird geschehen, stungssektors wie Softwareprogrammen verglichen
wenn die Auswirkungen der in der zweiten Hälfte der mit Japan und allen anderen Ländern ausgezeichnet
achtziger Jahre vorgenommenen japanischen Kapital- ist. Unternehmen wie Motorola demonstrieren weiterinvestitionsspritze voll und ganz zum Tragen kommen. hin, daß gutes Management und vernünftige UnterSolange die japanische Industrie weiterhin in absolu- nehmensprioritäten Wunder für Produktivitätszuwächten Zahlen mehr Geld für die Rohstoffe der Produktivi- se bewirken können.
tät ausgibt, sollte die Produktivitätszuwachsrate in
Der genaue Status und die Perspektiven für die ProJapan kontinuierlich höher sein. Stellt man ein einfaduktivität der Vereinigten Staaten verglichen mit ihren
ches Rechenexempel an, so würde dies bedeuten,
Haupthandelspartnern sind zu komplex, um in einem
daß die Vereinigten Staaten bei der Produktivität im
Bericht erfaßt zu werden, selbst wenn er so detailliert
Fertigungsbereich eines Tages überrundet werden.
ist wie der vom McKinsey Global Institute erstellte.

Seite 4

AMERIKA DIENST 33

�Meine Meinung zum Problem der amerikanischen
Wettbewerbsfähigkeit ist negativer als die der Optimisten mit der Auffassung, die unsichtbare Hand des
Marktes löse alle Probleme, aber weniger negativ als
die der Pessimisten, die behaupten, die Vereinigten
Staaten befänden sich in einer anhaltenden konjunkturellen Talfahrt. Die Vereinigten Staaten sind kein
müdes Land in permanentem Niedergang. Sie sind ein

*

AMERIKA DIENST 33

Land, das die schwierigen Herausforderungen einfach
nicht gut verstanden hat, die sich nach der Globalisierung des Wettbewerbs ergeben haben. Die kritische
Frage lautet, wann das amerikanische Volk die Notwendigkeit für die erforderlichen kurzfristigen Opfer
akzeptieren wird, um langfristig eine produktivere
Volkswirtschaft hervorzubringen.

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
18. August 1993

KONKURRENZFÄHIGKEIT AUFGRUND
NATIONALER CHARAKTERISTIKA
von Daniel B. Moskowitz
Angesichts der Herausforderungen der Weltwirtschaft konzentrieren sich Vertreter von Wirtschaft u nd Regierung
der Vereinigten Staaten in zunehmendem Maße auf die internationale Wettbewerbsfähigkeit, so der Verfasser
des vorliegenden Artikels. Ihm zufolge hatten die Industriezweige den größten Erfolg, die sich die Stärken des
amerikanischen Charakters - wie Ideenreichtum und persönliche Freiheit - zunutze machten. Daniel Moskowitz
ist freiberuflicher Schriftsteller und lebt in Washington.

Die Geschichte der amerikanischen Wirtschaft wurde
in den vergangenen 50 Jahren in vielerlei Hinsicht vom
Zweiten Weltkrieg geprägt. Aus dieser Feuersbrunst,
die einen Großteil Europas und Asiens zerstört hatte,
gingen die Vereinigten Staaten mühelos als die tonangebende Wirtschaftsmacht der Welt hervor. Die Unternehmen brauchten nur Waren herzustellen, um
kurz nach dem Krieg Gewinne zu erzielen - zu einer
Zeit, die von einer aufgestauten Nachfrage der Konsumenten nach zu Kriegszeiten nicht verfügbaren Gütern gekennzeichnet war und einem Binnenmarkt, der
vom Atlantik bis zum Pazifik reichte. Im Jahr 1945
wurde die Hälfte aller weltweit verfügbaren Waren und
Dienstleistungen von amerikanischen Unternehmen
bereitgestellt.

Die Führungskräfte an der Spitze amerikanischer
Unternehmen mußten umdenken. Nachdem die Tage
des unkritischen Kaufrausches unmittelbar nach dem
Weltkrieg vorüber waren, mußten die Unternehmen
mit den anderen Firmen im Land um die Loyalität der
Kunden konkurrieren. Jetzt ist die internationale
Konkurrenzfähigkeit jedoch zu einer täglichen Sorge
geworden. In den Vereinigten Staaten haben die
Konsumenten gezeigt, daß sie schnell auf importierte
Waren zurückgreifen, falls diese ein besseres Geschäft versprechen. Die amerikanischen Unternehmer wiederum sind sich der Tatsache bewußt geworden, daß sie ihre Waren und Dienstleistungen im
Ausland absetzen müssen, wenn sie in der entstehenden Weltwirtschaft zu Wohlstand gelangen wollen.

Aber in diesem einfach zu erlangenden Wohlstand
keimten bereits die Schwierigkeiten, mit denen sich die
amerikanische Wirtschaft erst seit kurzer Zeit systematisch befaßt. Da der Absatz keine Schwierigkeiten
bereitete, vernachlässigten viele amerikanische Unternehmen die Aufgaben, ihre Produkte in Einklang mit
den sich wandelnden Verbraucherwünschen zu bringen, die Qualität ihrerWaren zu prüfen und die Wiedererstarkung und zunehmende Marktmacht anderer
Produzenten in der Welt zu beobachten. Industrieller
Wandel vollzieht sich langsam, und der Rest der Welt
benötigte eine Generation, um seine ehemalige Wirtschaftsmacht wiederzuerlangen. In den letzten beiden
Jahrzehnten haben die Vereinigten Staaten jedoch
jährlich nur ein Viertel des weltweiten Output hergestellt - was dem historischen Stand der Wirtschaft in
den dreißiger Jahren entspricht.

Auch Regierungsvertreter widmen der internationalen
Konkurrenzfähigkeit amerikanischer Unternehmen
verstärkte Aufmerksamkeit. Dies gilt insbesondere
seit dem Ende der Ost-West-Spannungen, die die
Weltpolitik für den Großteil der Nachkriegszeit beherrschten. "Wirtschaft, Finanzen und Handel sind
derzeit der Dreh- und Angelpunkt der internationalen
Herausforderungen", so David C. Mulford, ehemaliger
Staatssekretär im Finanzministerium. "Unsere führenden Politiker neigten dazu, den internationalen Herausforderungen mit Hilfe des Militärs, der Nachrichtendienste und der Diplomatie zu begegnen. Die derzeitigen Herausforderungen sind jedoch zunehmend
wirtschaftlicher Natur, und die Weltwirtschaft stellt
eine neue Realität dar."

AMERIKA DIENST 33

Einige Industriezweige passen sich hervorragend an
diese neue Situation an, andere müssen noch viel
Seite 1

�aufholen. Die Lektion der Gewinner stellt in Ansicht,
daß Erfolg davon abhängt, sich die Stärken des Nationalcharakters der Vereinigten Staaten zunutze zu
machen. In seinem vieldiskutierten Werk The Competitive Advantage of Nation« schreibt Michael E.
Porter von der Harvard Business School:

Stattdessen wird gegenwärtig darauf Wert gelegt, daß
die Unternehmen auf Anhaltspunkte des Marktes
reagieren und der Regierung sagen, in welche Richtung sie ihre enormen Forschungsbemühungen lenken sollte. Beispielsweise stammt über die Hälfte des
380 Millionen betragenden Jahresbudgets des modernen Technologieprogramms des National Institute of
In den Vereinigten Staaten gibt es viele Gebiete, Standards and Technology aus der Industrie. Die
die grundlegende Vorteile versprechen, beispiels- Unternehmen legen die Tagesordnung für die Forweise renommierte Universitäten, einzigartige schung fest, eine Politik, die dem Stellvertretenden
Nachfragekonditionen in einigen Bereichen, Ri- Wirtschaftsminister John Lyons zufolge insbesondere
sikobereitschaft und die lebhafte Gründung neuer verhindern soll, daß die Bürokraten die Entscheidung
Unternehmen. Auch bestehen demographi- darüber treffen, welche technologischen Möglichkeische Kräfte, die Druck auf einen Produktivitäts- ten vielsprechend sind und welche nicht weiterverfolgt
anstieg und eine höhere Sparquote ausüben. werden sollten.
Der schnelle Wandel im Technologiebereich
eröffnet eine große Anzahl neuer Chancen für Ein werterer Aktivposten, den sich amerikanische
Erfindungsreichtum und Unternehmergeist in Unternehmen zunutze machen, ist die Offenheit der
Amerika.
Gesellschaft, die Leichtigkeit, mit der sowohl neue
Ideen als auch Menschen in dieses Gefüge aufgenomDie Vereinigten Staaten sind im Dienstleistungsbe- men werden. Nahezu 20 Prozent der derzeit in den
reich weltweit führend - amerikanische Untemehmens- Vereinigten Staaten tätigen Ingenieure wurden im
und Finanzberater, Werbeagenturen und sogar An- Ausland geboren. Nye, ein ehemaliger Beamter des
waltskanzleien haben sich auf der ganzen Welt nieder- Außenministeriums, der Leiter des Zentrums für intergelassen und sind Gesellschaften dabei behilflich, in nationale Angelegenheiten an der Harvard University
der internationalen Geschäftswelt den amerikanischen ist, stellt fest: "Wir sind eine Nation von Einwanderern,
Stil anzunehmen.
und wir waren sehr erfolgreich beim Import menschlicher Ressourcen und - was noch wichtiger ist - ihrem
Die meisten Diskussionen über die internationale schnellen Aufstieg."
Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren sich jedoch auf
den Export von Waren, nicht Dienstleistungen. Da die Die Betonung der Freiheit und der wunderbaren soziaexportierten Waren von Arbeitnehmern in den Verei- len Mischung, die sich aus dem ständigen Fluß neuer
nigten Staaten hergestellt werden, sind sie für die Ideen und Stile ergibt, hat eine Kultur geschaffen, die
Wirtschaft von direktem Vorteil. Für die Hersteller ist auf der ganzen Welt bewundert und akzeptiert wird.
es schwieriger, Methoden der Unternehmensführung Die weitverbreitete Bewunderung vieler Aspekte des
zu finden, die den amerikanischen Charakter ausdrük- amerikanischen Lebensstiles bietet einen aufnahmeken.
fähigen Markt für Industriezweige, die diese kulturelle
Für die Erfolgreichen stellt der fundamentale Glaube Einstellung in ihren Produkten und Dienstleistungen
an die Märkte ein entscheidendes amerikanisches widerspiegeln.
Charakteristikum dar - daß die Konsumenten ein
besserer Anzeiger der Bedürfnisse einer Wirtschaft
sind als jeder Analytiker von Trends in einer Landeshauptstadt. Die Clinton-Administration hat deutlich
gemacht, daß sie zwar zur Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit eine verstärkte Zusammenarbeit mit der
Geschäftswelt anstrebt, jedoch nicht die Absicht hat,
die Länder zu imitieren, in denen die Politiker bestimmte Ziele für einzelne Sektoren festsetzen.

Auf Erfindungsreichtum aufgebaute und den Abnehmern von Waren und Dienstleistungen eine gewisse
persönliche Freiheit vermittelnde amerikanische Industrien sind wahrscheinlich die stärkeren Konkurrenten.
Ein Beispiel hierfür ist der Computermarkt.

"Computerunternehmen in den Vereinigten Staaten
haben besonders geschickt ihre eigenen Technologien für den Entwurf und Bau neuer Produkte genutzt,
was ihnen wiederum erlaubt hat, die für die ProduktDer Schlüsselgedanke der persönlichen Freiheit - selbst entwicklung erforderliche Zeit erheblich zu reduziewenn sie kurzfristig die Effizienz behindert - ist in den ren", erklärt Tim Miles, Analytiker der ComputerinduVereinigten Staaten zu tief verwurzelt, als daß zentrale strie im Wirtschaftsministerium. Einer Untersuchung
Planung als Maßnahme akzeptiert würde. Der Wirt- des Automation Forum zufolge steht die amerikanischaftshistoriker Joseph Nye, einer der scharfsinnig- sche Computerindustrie im Hinblick auf die Automatisten Chronisten der sich wandelnden Natur nationaler sierungsinvestition pro Arbeitnehmer an zweiter StelMacht, erklärt: "Ein Großteil der Kreativität der ameri- le; die Umfrage zeigt, daß sich Computerhersteller bei
kanischen Gesellschaft ist außerhalb der Regierung Entwurf, Konstruktion und Herstellung ihrer Produkte
zu finden. Unternehmergeist, soziale Mobilität, soziale eines Computers bedienen.
Integration - diese Dinge hängen nicht von der Zentralregierung ab."
Seite 2

AMERIKA DIENST 33

�Es wird allgemein anerkannt, daß die Amerikaner ihren
internationalen Konkurrenten bei der Entwicklung zeitgemäßer Software weit voraus sind. Eine Aufstellung
der Zeitschrift Datamation über die Spitzensoftwarehersteiler der ganzen Welt zählt sechs amerikanische
Unternehmen zu den 10 wichtigsten Firmen weltweit.

strieren." Amerikanische Firmen haben einen besonders starken Stand bei der Bereitstellung hochwertiger
Datenkommunikationsdienste wie großräumiger Vernetzung, elektronischer Post und Datenverarbeitung.

Im Jahr 1992 schloß die Sprint Corporation, die Nummer
drei der amerikanischen Telefongesellschaften, einen
Insgesamt kontrollieren amerikanische Unternehmen Vertrag zum Betrieb des Kommunikationsnetzes ab,
75 Prozent des Weltmarktes für Softwarepakete. Diese mit dessen Hilfe Unilever seine Betriebe und Büros in
Vorrangstellung wird wohl weiterbestehen, da For- 17 Ländern verbindet. AT&amp;T entwirft zur Zeit ein Netschungslaboratorien - private, akademische und staat- zwerk, an dem jedes Unternehmen anteilmäßig Speiliche - jetzt bei ihrer Arbeit an 'Virtual realrty"-Program- cherkapazität für Daten und eventuell Sprachkommumen einen Durchbruch erzielen, der Computerbenut- nikation erwerben kann, wodurch den Nutzem eine
zern in Wissenschaft, Architektur und Bildung Zugang einzige Quelle angeboten wird, statt sich bei der
zu diesem interaktiven, dreidimensionalen Umfeld Geschäftsabwicklung in jedem Land mit einem anderen Monopol befassen zu müssen. Die Anbieter von
verschafft.
örtlichen Telefondiensten in den Vereinigten Staaten
Die amerikanischen Unternehmen haben jedoch bei stellen auf der ganzen Welt Zellularfunk bereit und
den Aspekten nicht Schritt gehalten, bei denen Fort- engagieren sich verstärkt in Venezuela, Chile, Rußschritte mit hartnäckiger Entwicklungsarbeit gekoppelt land, Ungarn, Portugal und Dänemark.
sind, beispielsweise Miniaturisierung und Datenanzeige. Diese Schwäche wird jedoch voraussichtlich an Ein weiteres Gebiet, auf dem die Vereinigten Staaten
Bedeutung abnehmen, da sich das künftige Wachs- dank ihrer Erfindungsgabe einen beträchtlichen Teil
tum dieser Branche viel schneller in den Bereichen des Weltmarktes eroberten, ist das der medizinischen
Software und Dienstleistungen ereignen wird als in der Produkte. Dabei handelt es sich um einen Bereich, in
Hardware. Die alten Vorstellungen von Hardware und dem die Vereinigten Staaten trotz des angestrengten
Software als verschiedene Einheiten schwinden all- Werbens ausländischer Hersteller um amerikanische
mählich, was zum Vorteil der amerikanischen Herstel- Käufereinen Handelsbilanzüberschuß von 3,1 Milliarler ist. Nye zufolge ist es "zur Zeit sehr schwierig, eine den Dollar zu verzeichnen hatten. Besonders lebhaft
klare Trennlinie zwischen Produktion und Dienstlei- ist der Handel mit chirurgischen Instrumenten, einem
stung zu ziehen. Tatsächlich sind die meisten elektri- Bereich, in dem amerikanische Erfinder Instrumente
schen und Computerausrüstungen eine seltsame für ambulante Behandlungen entworfen haben, die
Mischung. Schaltgeräte stellen ein solches Gebiet früher einen stationären Krankenhausaufenthalt erfordar, auf dem die Amerikaner zudem auf dem laufenden derten. Selbst wenn eine sofortige Entlassung der
geblieben sind." Geräte für die Vernetzung im Tele- Patienten aus dem Krankenhaus nicht möglich ist, so
kommunikationsbereich erfreuen sich trotz der be- Michael Fuchs, Branchensachverständiger des Wirtträchtlichen Behinderung des Absatzes im Ausland schaftsministeriums, "führt der technologische Fortaufgrund der unterschiedlichen technischen Normen schritt zu einer Veränderung der chirurgischen Verfahaußerhalb Nordamerikas eines soliden Exportmark- ren. Die neuen Verfahren erfordern oftmals nur einen
kleinen Eingriff, was zu weniger Unannehmlichkeiten
tes.
für den Patienten und kürzeren KrankenhausaufentIm gesamten Telekommunikationsbereich erntet die halten führt."
amerikanische Industrie in der Tat die Früchte des
Glaubens der Vereinigten Staaten an den Markt als Der Geschicklichkeit der Vereinigten Staaten bei der
Zuteiler der Ressourcen. Vor Jahren wurde in den Entwicklung der neuesten medizinischen Geräte kommt
Vereinigten Staaten die Verbindung zwischen Orts- die Fertigkeit einiger Hersteller in den Vereinigten
und Ferngespräche anbietenden Telefongesellschaf- Staaten im Elektronikbereich gleich, moderne mediziten aufgelöst, und das Monopol für Ferngespräche, nische Sichtgeräte, implantierbare Herzschrittmacher
das nur ein Unternehmen - American Telephone &amp; und neue Überwachungsgeräte zu produzieren. Bei
Telegraph - innehatte, wurde abgeschafft, um Konkur- der Klasse der elektromedizinischen Geräte wird mehr
renten eine Chance zu geben. Da jetzt andere Länder als ein Drittel des Output amerikanischer Hersteller
- insbesondere die Mitglieder der Europäischen exportiert, und Analytiker erwarten eine Fortsetzung
Gemeinschaft - sich dem Wettbewerbsmodell zuwen- dieser Tendenz in den kommenden Jahren. Allein im
den, um die Fernverbindungen zu erweitern, schlagen Jahr 1993 sollen die Exporte nach Europa um 11
amerikanische Unternehmen Kapital aus der Möglich- Prozent ansteigen. Die anhaftende starke Nachfrage
keit, in einem derartigen nichtregu Herten Umfeld durch wird von Fortschritten genährt wie beispielsweise der
den Abschluß größerer Verträge zu prosperieren.
Entwicklung eines Gerätes, das es dem Arzt ermöglicht, ein EKG des Patienten nicht nur in der Praxis
"Wir hissen die Fahne", so Joseph C. Nacchio, Präsi- sondern während täglicher Belastungen vorzunehdent des Telekommunikationszweiges von AT&amp;T. "Dies men.
ist eine Möglichkeit, Führungsqualitäten zu demonAMERIKA DIENST 33

Seite 3

�"Die Vereinigten Staaten verkörpern ein System zur
Schaffung und Aufrechterhaltung des einzigartigen
Vorteils dieser Industrie", so Porter. "Amerikanische
Unternehmen waren die Quelle nahezu aller Innovationen in der Industrie und wurden durch anspruchsvolle
Käufer, eine Zulieferindustrie von Weltklasse, inländischen Wettbewerb und hohe Investitionen angetrieben."
Nicht alle Branchen in Amerika können jedoch internationale Wettbewerbsfähigkeit auf der Grundlage neuer
Technologien vorweisen. Einige der herkömmlichen
Sektoren, die einen Verlust von Marktanteilen an ihre
aggressiven ausländischen Konkurrenten erlitten, zeigen
neue Vitalität. Ein Beispiel dafür ist die Automobilindustrie.
In vielleicht keinem anderen Industriezweig war der
Schock der Wettbewerbsfähigkeit der Neuen Welt
stärker als im Kraftfahrzeugbereich. Die Amerikaner
haben nicht nur als erste die Massenproduktion von
Autos eingeführt, sie entwickelten auch einen ganzen
Lebensstil - von der städtischen Entwicklung bis hin zu
den sozialen Mustern der Jugend - anhand der Tatsache, daß praktisch jede Familie ein Auto zur Verfügung
hatte. Führungkräfte der Automobilindustrie in Detroit
(der Hauptstadt der amerikanischen Automobilproduktion) reagierten mit Bestürzung, als importierte
Autos ihnen ihre Kunden wegnahmen.
Sie haben jedoch ihre Lektion gelernt und sind zu den
Grundlagen der Bedarfsermittlung des Marktes zurückgekehrt. Sie stellen Produkte her, die wirklich den
Bedürfnissen der Kunden entsprechen. Beispielsweise haben die amerikanischen Automobilhersteller schnell
begriffen, daß Kleinlaster nicht länger nur ein Produkt
für Geschäftsleute, sondern auch für viele Familien
darstellen. Heutzutage beherrschen amerikanische
Produkte diesen Teil des Marktes. Im Jahr 1993 stand
der Industriezweig wieder auf der offiziellen Regie-

rungsliste der am schnellsten wachsenden amerikanischen Branchen, wo er den sechsten Platz einnahm.
Die damit in engem Zusammenhang stehende Gruppe
der Auto-und Zubehörteile rangiert ebenfalls unter den
ersten zehn. Obwohl die gesamte Handelsbilanz für
Kraftfahrzeuge weiterhin negativ ist - in gewissem
Grade weil die Unternehmen sich eher zur Produktion
im Ausland als zum Export aus den Vereinigten Staaten entschließen - ist der Wert der Exporte in den
letzten Jahren stetig gestiegen. Im Jahr 1993 wird er
sich der Marke von 20 Milliarden Dollar nähern, was
gesunde 40 Prozent über dem Niveau von 1990 liegt.
Der Regierung angehörende Volkswirtschaftler prognostizieren, daß sowohl die Exporte fertiger Fahrzeuge als auch die von Autozubehör langfristig bedeutend
ansteigen werden.
Der Schlüssel für den Erfolg der Automobilhersteller ist
eine kürzere Reaktionszeit, in der als Resultat der
Marktforschung entstandene neue Produkte und überarbeitete Modelle in immer kürzeren Abständen in die
Ausstellungsräume gelangen. Die großen Automobilhersteller haben auch gelernt, wie man mit begrenzten
Produktionsserien Gewinne erzielt, indem man Produkte für Marktlücken entwickelt, anstatt eine Auswahl
mehrerer Produkte anzubieten, die alle zufriedenstellen sollen.
Angesichts der sich immer schneller vollziehenden
Veränderungen auf der Weh kann sich keine Branche
auf ihren Lorbeeren ausruhen. Die Industriezweige,
die ausländischen Konkurrenten gegenüber heute im
Vorteil sind, werden morgen selbst von ihren Konkurrenten in Schwierigkeiten gebracht, wenn sie nicht
flexibel bleiben und sich an wandelnde Gegebenheiten
anpassen. Alles deutet darauf hin, daß die amerikanischen Manager diese Realität begriffen haben und
wissen, wie sie sich auf der internationalen Bühne
nationale Stärken zunutze machen können.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 33

�18. August 1993

CLINTON ERNENNT NEUEN VORSITZENDEN
DER VEREINIGTEN STABSCHEFS
General Shalikashvili soll Nachfolger Colin Powells werden
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat den
Obersten Alliierten Befehlshaber Europa, General John
Shalikashvili, zum Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs ernannt.
Im Falle seiner Bestätigung durch den Senat wird
General Shalikashvili Nachfolger von Colin Powell als
höchster Offizier des Landes. Colin Powell geht am
30. September dieses Jahres in den Ruhestand.
Clinton stellte in seiner im Rosengarten des Weißen
Hauses überraschend abgegebenen Erklärung fest,
General Shalikashvili, der Enkel eines Generals der
zaristischen Armee Rußlands, sei "ein leuchtendes
Beispiel für das Beste in den Vereinigten Staaten und
ihren Streitkräften".

Präsident Clinton zufolge ist Shalikashvili "durch und
durch Soldat" und für diesen Posten außerordentlich
qualifiziert. Er fügte hinzu, General Shally - wie ihn
seine Freunde nennen - sei ein "bewährter Krieger, ein
kreativer und flexibler Visionär, der die Vielfalt unterschiedlicher Konflikte auf der Welt - ethnische, religiöse und politische - ebenso gut verstehe wie die
immensen Chancen für die Vereinigten Staaten und
die Sache der Freiheit".
Der General hat Clinton zufolge seine Fähigkeit unter
Beweis gestellt, mit den NATO-Verbündeten der Vereinigten Staaten "unter komplexen und eine Herausforderung darstellenden Umständen" zusammenzuarbeiten und "wirkliches Interesse an den Männern und
Frauen in unseren Streitkräften" gezeigt. Shalikashvili
verstehe es, das Militär abzubauen und gleichzeitig
"die stärksten Streitkräfte auf der Welt" beizubehalten.

Der in Warschau geborene Shalikashvili kam im Alter
von 16 Jahren in die Vereinigten Staaten, lernte Englisch mit Hilfe von John Wayne-Filmen, trat in die Der General ist ein Veteran des Vietnamkrieges und
Armee ein und stieg bis zum Rang eines Viersternege- war Befehlhaber der Operation Provide Comfort, die
nerals auf.
der kurdischen Minderheit im Nordirak Nahrungsmittel
bereitstellte und eine Schutzzone vor Saddam HusShalikashvilis Vater, ein ehemaliger Offizier der Armee
seins Terrorregime errichtete. Shalikashvili war als
Georgiens, floh unmittelbar vor dem Anrücken der
Mitarbeiter Colin Powells bei den Vereinigten StabsSowjetarmee im Jahre 1944 mit seinem achtjährigen
chefs tätig. "Er genießt den tiefverwurzelten Respekt
Sohn aus Warschau. Wie Präsident Clinton feststellte,
sowohl der Truppen, die unter ihm dienten, als auch
standen der General und seine Familie inmitten "eines
der Offiziere, die mit ihm zusammenarbeiteten", äußerKreuzfeuers nationaler und ethnischer Rivalitäten, die
te der Präsident.
jetzt einen so großen Teil unserer Welt heimsuchen".
"Ich habe mich für ihn entschieden", so der Präsident, Clinton führte die Tätigkeit des Generals in der NATO,
"weil er meines Erachtens Führungsqualitäten besitzt wo er eine schnelle Eingreifbrigade ins Leben gerufen
und in der Lage ist, jede militärische Aktion zu gewin- hatte, als zusätzlichen Grund für seine Ernennung an.
nen, die unsere Nation ihm abverlangen könnte. Vor "Das Ende des Kalten Krieges", so der Präsiden; "hat
allem bin ich zuversichtlich, daß er mich jederzeit viele Möglichkeiten für unsere Sicherher! geschaffen.
absolut offen und professionell bei militärischen Fra- General Shally ist der richtige Mann, um unsere Streitgen beraten wird, wie ich es als Präsident benötige". kräfte in dieser Zeit der Herausforderungen zu führen."
* *

AMERIKA DIENST 33

*

Seite 1

�</text>
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                <text>Amerikadienst 18.08.1993</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt Zusatzabkommen zum NAFTA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kantor bezeichnet NAFTA mit Zusatzabkommen als Modell &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnung der NATO an bosnische Serben weiterhin gültig&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ende der Einkesselung Sarajevos gefordert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NATO muss im Geschäft bleiben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleiter Oxman&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Pressefreiheit&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Pressefreiheit in Serbien bedroht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von USIA-Direktor Duffey&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gute und schlechte Nachrichten über die Produktivität der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Stephen D. Cohen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konkurrenzfähigkeit aufgrund nationaler Charakteristika &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Daniel b. Moskowitz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ernennt neuen Vorsitzenden der Vereinigten Stabchefs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;General Shalikashvili soll Nachfolger Colin Powells werden&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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^7-ioN ^

11. August 1993

32

WIRTSCHAFT

CLINTON BITTET UM UNTERSTÜTZUNG
FÜR PLAN ZUR GESUNDUNG DER
WIRTSCHAFT
Rede des Präsidenten an die Nation
NEUES GESETZ SOLL DEFIZIT UM
500 MILLIARDEN DOLLAR SENKEN
Übersicht über die Gesetzesvorlage
WARUM HAT SICH DIE WIRTSCHAFTSLEISTUNG NACH DER ABSCHAFFUNG
DES KOMMUNISMUS SOGAR NOCH
VERSCHLECHTERT?
von Mancur Olson

BOSNIEN

USA BEGRÜSSEN AKTIONSPLÄNE
DER NATO ZU BOSNIEN
Stellungnahme des Außenministers

NAHER OSTEN

CHRISTOPHER VON ERGEBNISSEN DER
NAHOSTREISE ERMUTIGT
Neue Rolle des Außenministers als
aktiver Vermittler

TERRORISMUS

EXPERTEN WARNEN VOR ANHALTENDER
TERRORISTISCHER BEDROHUNG
Strategien zur Bekämpfung erörtert

LANDMINEN

UNGERAUMTE LANDMINEN: VERSTECKTE
KILLER UND EIN WELTWEITES PROBLEM
Bericht des Außenministeriums

MARTIN LUTHER KING

DER MARSCH NACH WASHINGTON
von Robert E. Mutch

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

CLINTON BITTET UM UNTERSTÜTZUNG FÜR
PLAN ZUR GESUNDUNG DER WIRTSCHAFT
Rede des Präsidenten an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Mit der Feststellung, daß es an der Zeit für "außergewöhnliche Aktionen" sei, richtete
Präsident Clinton einen dringenden Appel an die Nation, seinen umfassenden Haushaltsplan zu unterstützen,
der einen Abbau des Defizits um rund 500 Milliarden Dollar vorsieht.
"Wir müssen sehr viel mehr tun, um eine Wende in diesem Land zu bewirken", erklärte Clinton in einer landesweit
übertragenen Fernsehansprache am 3. August 1993. "Wir haben jetzt die Chance zu Veränderungen. Wir
befinden uns an der Schwelle zu historischen Aktionen."
In seinem Appell an den Kongreß, sein Maßnahmenpaket zur Gesundung der Wirtschaft zu verabschieden,
vertrat Clinton die Auffassung, die Vereinigten Staaten stünden vorder Wahl: "Wir können den Weg zu höheren
Defiziten und geringerem Wachstum fortsetzen, oder wir können einen tiefgreifenden Wandel zur Verbesserung
der Wirtschaftslage unseres Landes vollziehen, wenn wir meinem Wirtschaftsplan zustimmen."
Der Plan sieht ihm zufolge den grö ßten Defizitabbau der Geschichte vor - nahezu 500 M illiarden Dollar - "mit mehr
Ausgabenkürzungen als Steuererhöhungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Guten Abend. Ich möchte Ihnen heute über die von Auto zu kaufen, die Rechnungen zu bezahlen, die
uns erzielten Fortschritte berichten und um Ihre Unter- Ausbildung seiner Kinder zu gewährleisten und mit
Stützung bei der dringendsten Priorität unserer Nation Würde in den Ruhestand zu gehen,
bitten - der Wiederbelebung des Amerikanischen Traums
durch den Aufschwung der amerikanischen Wirtschaft. Unsere Regierung hat diese Probleme zu lange nicht
in Angriff genommen. Uns wurde eine Politik des
Es ist mindestens 30 Jahre her, seit ein Präsident an Anspruchsdenkens geboten - Almosen seitens der
die Amerikaner appelliert hat, persönliche Verantwor- Regierung, ohne im Gegenzug etwas dafür zu verlantungfürdieZukunftdesLandeszuübernehmen. Esist gen. Und es wurde uns eine PolitikdesAlleingelassen25 Jahre her, seit unsere Regierung einen ausgegli- seins geboten - Steuersenkungen für die Wohlhabenchenen Haushalt hatte. Seit mindestens 20 Jahren den - ebenfalls ohne irgendeine Gegenleistung bei
stagniert das Einkommen der Mittelschicht nahezu, gleichzeitigen Steuererhöhungen für die Mittelschicht,
und zu viele Amerikaner arbeiten nachts, am Wochen- die an eben diese Regierung mehr bezahlen mußte,
ende und im Urlaub, nur um über die Runden zu statt in unsere Arbeitsplätze und unsere Zukunft zu
kommen.
investieren.
Seit mindestens zehn Jahren sind die Kosten unseres Die Resultate: Weniger Arbeitsplätze, stagnierende
Gesundheitswesens explodiert, während Millionen Einkommen, eine massive Verschuldung für uns und
Amerikaner jeden abend mit der Sorge zu Bett gehen, unsere Kinder, höhere Kosten und größere Unsicherdaß ihre Krankenversicherung gekündigt wird, wenn heit im Gesundheitswesen sowie ein Berg von schlicht
sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder ihre Kinder krank vernachläßigten Problemen,
werden.
Heute abend sind wir an dem Punkt, aus diesem alten
Und in den letzten Jahren hat unsere Volkswirtschaft Kreislauf von Steuern, Ausgaben und einer Wirtschaftskeine Arbeitsplätze geschaffen - Arbeitsplätze, bei entwicklung von oben nach unten auszubrechen,
denen man genug verdient, um sich ein Haus und ein zwischen Alleingelassensein und Anspruchsdenken;
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�an der Schwelle zu neuen Wegen, die Dinge in Angriff
zu nehmen und in unseren dauerhaftesten Werten
begründet - einer Philosophie, die lautet, Amerika
schuldet uns alle eine Chance, wenn wir die Verantwortung für uns, unsere Gemeinden und unser Land
übernehmen. Nicht länger irgend etwas umsonst. Wir
sitzen alle in einem Boot.
Das bedeutet, die Regierung muß für diejenigen funktionieren, die die Rechnungen bezahlen. Die gewaltige Macht des Mississippi, der über die Ufertrat und die
hinterlassene Zerstörung hat uns allen in den letzten
Wochen Furcht eingeflößt. Wir hatten jedoch auch
großen Respekt für den Mut der Opfer der Überschwemmung und das Mitgefühl der Amerikaner, die
ihnen bei der Bekämpfung der Ruten und der Wiederherstellung eines normalen Lebens behilflich waren.
Ich bin besonders stolz, daß dieses Mal die Bundesregierung gemeinsam mit den Betroffenen gekämpft hat.

gleichermaßen, daß das Wachstum rückläufig sein
wird, wenn wir nicht drastische Schritte unternehmen,
um dieses Defizit in den Griff zu bekommen und zwar
bald. Wenn soviel auf dem Spiel steht, wäre es
unverantwortlich, keine entschiedenen Maßnahmen
zu ergreifen.
Ist dieser Plan erst einmal in die Praxis umgesetzt, wird
Wirtschaftswachstum die Folge sein, und in den nächsten vier Jahren werden über acht Millionen neue
Arbeitsplätze geschaffen. Ohne diesen Plan setzen
wir unsere Volkswirtschaft und unseren Lebensstandard weiter aufs Spiel. Wenn wir diesen wichtigen
ersten Schritt jetzt unternehmen, werden wir langfristig
einen Abbau des Defizits und eine Zunahme von
Arbeitsplätzen beobachten.

Das zweite Prinzip dieses Plans ist Fairneß. Diejenigen, die am meisten haben, leisten die höchsten
Beiträge. Wie diese Graphik belegt, bitten wir die
Das müssen wir an allen Fronten tun. Wir müssen sehr Wohlhabenden, ihren fairen Anteil zu entrichten, unter
viel mehr tun, um eine Wende in diesem Land zu der Prämisse, daß mindestens ßO Prozent der neuen
bewirken. Wir haben jetzt die Chance zu Veränderun- Steuerlast auf diejenigen entfallen, die über 200.000
gen. Wir befinden uns an der Schwelle zu historischen Dollar pro Jahr verdienen, und sehr wenig auf die
Aktionen. In dieser Woche wird der Kongreß die anderen Amerikaner. Das soll nicht heißen, daß die
Erfolgreichen bestraft werden, sondern bedeutet nur,
entscheidende Abstimmung über meinen Plan zur
etwas von denjenigen zu erbitten, deren Einkommen in
Gesundung der Wirtschaft abhalten.
den achtziger Jahren am meisten gestiegen sind und
In einem umfassenden Wirtschaftsplan ist immer Raum deren Steuern gesenkt wurden. Für Arbeitnehmerfafür Geben und Nehmen. Aber vom ersten Tag an habe milien mit einem Einkommen von weniger als 180.000
ich fest zu bestimmten Ideen und Idealen gestanden,
Dollar pro Jahr wird es keine Einkommensteuererhödie das Kernstück dieses Plans bilden.
hung geben. Ich wiederhole: Für Arbeitnehmerfamilien mit einem Einkommen von weniger als 180.000
Heute abend kann ich Ihnen berichten, das jedes Dollar pro Jahr wird es keine Einkommensteuererhödieser Prinzipien in der endgültigen Version des Plahung geben.
nes enthalten ist.
Das dritte Prinzip ist, daß wir ältere Amerikaner vor
schmerzlichen Kürzungen der Sozialleistungen, Medicare und der Vergütungen für Veteranen schützen
müssen, die von einigen vorgeschlagen wurden. Obwohl
alle Amerikaner ihren Beitrag leisten müssen, werde
ich einen ausgeglichenen Haushalt nicht auf Kosten
der älteren Amerikaner anstreben, während die Wohlhabenden geschützt werden. Jede von den Gegnern
des Wandels angebotene Alternative beginnt mit einschneidenden Kürzungen der Krankenversicherung
älterer Amerikaner. Meines Erachtens müssen wir
eine bessere Zukunft für unsere Kinder aufbauen,
ohne
die Sicherheit ihrer Großeltern zu opfern. Wir
Warum müssen wir jetzt außergewöhnliche Maßnahkönnen
die Kosten der Krankenversicherung kontrolmen ergreifen? Diese Graphik erläutert Ihnen, warum.
lieren,
aber
nur durch Reform des GesundheitsweDie Vereinigten Staaten stehen vor der Wahl. Wir
sens,
nicht
indem
wir einfach den Älteren weh tun.
können den Weg zu höheren Defiziten und geringerem
Wachstum fortsetzen, oder wir können einen tiefgreifenden Wandel zur Verbesserung der Wirtschaftslage Das vierte Prinzip lautet, daß wir unser Vertrauen in die
hart arbeitenden Mittelklassefamilien bewahren müsunseres Landes vollziehen, wenn wir meinem Wirtsen,
die das Kernstück und die Stärke unserer Nation
schaftsplan zustimmen.
sind. Wir haben hart an diesem Plan gearbeitet, um die
Es wird weder leicht sein noch schnell gehen. Aber es Steuern für die Mittelschicht so niedrig wie möglich zu
ist notwendig; ohne den Abbau des Defizits wird es halten. Der Plan sieht für eine arbeitenden Durchschnittsfamilie nicht mehr als 3 Dollar pro Monat an
kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum geben. Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer warnen uns zusätzlichen Steuern vor - also weniger als zehn Cent

Erstens der größte Defizitabbau der Geschichte nahezu 500 Milliarden Dollar- mit mehr Ausgabenkürzungen als Steuererhöhungen. Statt der Spiele und
Tricks der Vergangenheit enthält dieser Plan 200
spezifische Ausgabenkürzungen, und er reduziert die
staatlichen Ausgaben um über 250 Milliarden Dollar.
Wir streichen mehr als 100.000 Positionen in der
Regierung, ohne jemanden zu entlassen. Wir werden
die Ausgaben zur freien Verfügung für fünf Jahre
einfrieren. Wir werden Gehaltserhöhunen für Bundesbedienstete begrenzen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 32

�pro Tag - bei einer Anhebung der Mineralölsteuer um Wir verwirklichen dies durch einen Einkommensteuer1,1 Cents pro Liter. Das ist die einzige neue Steuer, die abschlag, der die Steuern für 20 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit einem Einkommen von weniger als
von den Arbeitnehmern entrichtet werden muß.
27.000 Dollar pro Jahr senkt. Dies geschieht ohne
Ich möchte ganz offen sagen, woher der Defizitabbau neue staatliche Bürokratie, sondern nur durch die
kommt. Sehen Sie sich diese Graphik an. Pro 10 Anwendung des Steuerrechts.
Dollar für die Verringerung des Defizits kommen 5
Dollar, das heißt, tatsächlich sogar etwas mehr, aus Damit wird eine außerordentlich deutliche Botschaft
Ausgabenkürzungen; 4 Dollar kommen aus Einkom- an diejenigen übermittelt, die mit großen Unbilden zu
mensteuern für diejenigen, die über 200.000 pro Jahr kämpfen haben, um sich und ihre Familien voranzuverdienen, und nur 1 Prozent kommt von allen ande- bringen. Sie verleiht ihnen Macht. Sie sagt ihnen, wir
ren.
stehen auf der Seite der Menschen, die arbeiten und
sich um ihre Kinder kümmern. Es ist eine Botschaft
Dieser Plan ist fair. Er ist ausgewogen. Und er wird Pro Arbeit und Pro Familie. Und es ist ein erster
funktionieren.
entscheidender Schritt zu einer meiner wichtigsten
Prioritäten: Beendigung der Sozialhilfe in ihrer bisheWir müßen letztlich eine Volkswirtschaft haben, die
rigen Form.
Arbeitsplätze schafft und das amerikanische Volk
voranbringt.
Jedes Element dieses Plans ist eine Abkehr vom
In der Vergangenheit sind Bestrebungen zum Defizit- business as usual, und wenn es etwas gibt, das unser
Land benötigt, dann, business as usual überflüssig zu
abbau gescheitert, weil sie Initiativen für Unternehmachen.
menszuwächse und Investitionen vemachläßigten, um
die Amerikaner intelligenter, stärker und sicherer zu Ich bin mir voll und ganz bewußt, daß die Amerikaner
machen. Dieser Plan ist völlig anders. Er schafft sehr skeptisch gegenüber RegierungsverlautbarunArbeitsplätze. In der Tat kommen über 90 Prozent der gen sind. Sie müssen sich fragen, ob diese Kürzungen
mittelständischen Unternehmen in diesem Land für ernstgemeint sind und ob die Steuern wirklich dazu
Steuersenkungen in Frage, wenn sie in ihre Zukunft verwendet werden, das Defizit abzubauen. Nun, unser
investieren und neue Arbeitsplätze schaffen.
Plan unterscheidet sich grundlegend vom business as
usual. Ich möchte Ihnen erläutern, warum.
Wenn Sie den Mut zu Investitionen in neue Firmen
haben und diese Investition für fünf Jahre tätigen, wird Erstens gründet sich der Plan auf konservative SchätIhre Kapitalertragssteuer durch diesen Plan um die zungen künftiger Einnahmen. Zeile um Zeile, Jahr um
Hälfte gesenkt. Wenn Ihr Unternehmen in Forschung Jahr enthält er spezifische Kürzungen der staatlichen
und Entwicklung investiert, wird Sie dieser Plan beloh- Ausgaben. Und er bietet neue Initiativen, damit die
nen. Wenn Ihr mittelständisches Unternehmen neue Wirtschaft expandieren kann und neue Arbeitsplätze
Arbeitsplätze schafft und neue Geräte anschafft, sieht geschaffen werden. Er reduziert die Belastung der
dieser Plan Wachstumsanreize vor, indem die Ab- Mittelklasse auf ein Minimum und fordert die Wohlhaschreibung für neue Investitionen nahezu verdoppelt benden auf, ihren gerechten Anteil zu entrichten. Und
wird.
schließlich schafft er zwei off enku ndige Schutzmechanismen, damit die künftigen Bundesausgaben sorgfälObwohl wir bei den Ausgaben einschneidende Kürtig beobachtet und gleichzeitig die durch diesen Plan
zungen vornehmen, schaffen wir auch Raum für benöerzielten Spareinlagen geschützt werden.
tigte Investitionen. Unser Plan investiert durch Head
Start, Nahrungsmittel für Schwangere und Impfungen Die Ersparnisse werden in einen Treuhandfonds zum
armer Kinder vor allem in unsere Kinder und Familien. Defizitabbau fließen, damit die Spareinlagen nicht für
All diese Maßnahmen machen sich durch gesunde, Lieblingsprojekte der Politiker ausgegeben werden.
wachsende, starke Kinder bezahlt.
Einige im Senat haben formalistische Einwände gegen
Senator
De Concinis Zusatzartikel zur Einrichtung
Wir werden das AusbikJungsförderungsprogramm für
eines
Treuhhandfonds
zum Defizitabbau vorgebracht
Studenten revolutionieren, damit alle Amerikaner sich
und
die
Bestrebungen
zahlreicher
anderer Senatoren
die Finanzierung einer College-Ausbildung besser leisowie
einer
eindeutigen
Mehrheit
im
Repräsentantensten können. Und wir unternehmen kühne Verändehaus
vereitelt,
die
den
Fonds
und
Kontrollen
der jährrungen bei der beruflichen Ausbildung von Arbeitnehlichen
Ausgaben
für
Förderungsprogramme
unterstütmern, damit High-School-Absolventen hochqualifizierzen. Aus diesem Grund werde ich morgen einen
te, gutbezahlte Arbeitsplätze finden können.
Präsidialerlaß für diese beiden Schutzmechanismen
unterzeichnen,
damit Sie wissen, daß das Geld für den
Am wichtigsten ist jedoch vielleicht, daß dieser Plan
Defizitabbau
aufgewendet
werden muß. Wenn wir
Arbeit statt Sozialhilfe belohnt, indem alle Familien mit
unsere
Ziele
zum
Defizitabbau
in den nächsten fünf
Kindern aus der Armut geführt werden, wenn sie sich
Jahren
nicht
erreichen,
werde
ich
verpflichtet, einen
für eine Ganztagsbeschäftigung anstelle von SozialhilPlan
für
eine
Kurskorrektur
vorzulegen
um sicherzufe entscheiden.
AMERIKA DIENST 32

Sehe 3

�stellen, daß wir das verwirklichen, was wir Ihnen
gegenüber als unsere Absicht bekundet haben. Dies
ist jetzt eine neue Richtung.

gewartet und monatelang an diesem Projekt gearbeitet haben. Sie reden und reden, was zu tun sei, statt
das zu tun, was getan werden muß.

Der Plan ist von den konservativsten und skeptischten
Kritikern sorgfältig geprüft worden - denjenigen, die die
Finanzmärkte unseres Landes verwalten. Sie haben
den Plan studiert und sind zu dem Schluß gelangt, daß
die langfristige Behebung des Defizits gut für das Land
sein wird. Und während wir Fortschritte bei der Verabschiedung dieses Plans erzielten, haben die Kapitalmärkte die Zinssätze gesenkt. Niedrigere Zinssätze
erleichtem es insgesamt gesehen, ein Haus zu erwerben, ein Unternehmen zu finanzieren, ein Auto zu
kaufen, die Anschaffungen auf Kreidtkarte zu bezahlen und einen Kredit für die College-Ausbildung aufzunehmen.

Als ich Gouverneur von Arkansas war, hatte unser
Bundesstaat im landesweiten Vergleich mit die niedrigste Steuerbelastung. Ich habe dieses riesige Haushaltsdefizit ebenso wie Sie geerbt. Und ich mag
Steuern genausowenig wie Sie, aber unsere Nation
befindet sich wirtschaftlich in Gefahr, und jetzt müssen
wir dieses Problem - das Sie und ich geerbt haben - in
Angriff nehmen. Wir müssen die Verantwortung für
den Wandel übernehmen. Die Verabschiedung dieses
Plans wird ein kühner und der erste Schritt auf einer
längeren Reise sein, eine umfassende Wirtschaftsstrategie für unser Land zu erarbeiten.

Wenn Sie zum Beispiel zur Mittelklasse gehören und
eine Hypothek zu einem Zinssatz von 10 Prozent
aufgenommen haben, sollten Sie heute in der Lage
sein, die Hypothek mit einem Zinssatz von 7,5 Prozent
neu zu finanzieren und ab sofort 175 Dollar pro Monat
zu sparen, wie es Millionen Amerikaner bereits getan
haben.
Die Vorstandsvorsitzenden der 80 erfolgreichsten Firmen unseres Landes - Republikaner und Demokraten
gleichermaßen - haben diesen Plan ebenfalls unterstützt. Dasselbe tun zahlreiche mittelständische Organisationen der nationalen Vereinigung mittelständischer Unternehmen, der nationale Verband der Selbstständigen, bis hin zum nationalen Verband der Spekulanten. Die Männer und Frauen, deren Aufgabe es ist,
Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen, haben dieses historische Unterfangen geschlossen unterstützt.
Warum sind viele in Washington in diesem außerordentlich vielversprechenden Moment so zurückhaltend, Sparmaßnahmen zu ergreifen? Warum ist es in
dieser Stadt so schwer, mit den schlechten Gewohnheiten der Vergangenheit zu brechen und die Schritte
zu unternehmen, die - wie wir alle wissen - in die Wege
geleitet werden müssen? Seit fünf Monaten hatten
unsere Kritiker die Chance, Alternativen anzubieten,
und alle wichtigen Pläne enthielten dasselbe: Einen
geringeren Defizitabbau und mehr Belastung für ältere
Amerikaner, oder beides; Schutzklauseln für die
Wohlhabenden, damit sie ihren gerechten Anteil der
Steuern nicht entrichten müssen und keine neuen
Unternehmensanreize, Arbeitsplätze zu schaffen oder
Investitionen in das amerikanische Volk zu tätigen.
Und jede dieser Alternativen wurde vehement im
Kongreß abgelehnt. Jetzt gibt es nur die Wahl: Unseren Plan oder keinen Plan.
Unsere Gegner wollen den Plan zu Fall bringen. Die
Hüter des Patts werden alles in Ihrer Macht Stehende
tun, um den Status quo zu erhalten, Lobbyisten zu
dienen und die ganze Sache zu verzögern. Sie praktizieren Parteigängertum, wenn wir Fortschritt benötigen. Sie fordern Vertagung, wenn wir seit 12 Jahren
Seite 4

Diese Wirtschaftsstrategie beginnt damit, daß wir unser
Haus in Ordnung bringen - damit ist sie jedoch nicht zu
Ende. Wir müssen auch den Mut zur Reform unseres
Gesundheitswesens aufbringen, damit nie wieder einer
Familie die Krankenversorgung verweigert wird oder
ein Unternehmen aufgrund der Kosten für die Krankenversicherung bankrott geht.
Ich möchte Ihnen die erste Graphik noch einmal zeigen. Wenn Sie sich dieses Defizit betrachten, so
können wir die Verschuldung mit unserem Plan fünf
Jahre lang beträchtlich senken. Wenn Sie wollen, daß
das Defizit auf Null reduziert wird - wie sicherlich die
meisten von Ihnen - müssen wir das Gesundheitswesen in Angriff nehmen. Es treibt den Privat- und den
öffentlichen Sektor in den Bankrott und Millionen
Amerikaner leben in Unsicherheit und konstanter Angst,
ihren Krankenversicherungsschutz zu verlieren.
Die Reform der Krankenversicherung ist also gut für
die Wirtschaft gut, für den weiteren Defizitabbau und
gut für die Amerikaner.
Wir müssen auch die Sozialhilfe in ihrer bisherigen
Form abschaffen. Wir können Millionen arbeitsloser
Amerikaner von der Sozialhilfe auf Gehaltslisten bringen, wenn wir das System ändern. Und wir müssen die
Regierung selbst revolutionieren - Aufräumarbeit leisten und die Korruption abschaffen, modernes Management einführen, dank dem die Steuerzahler mehr
Geld sparen. Die Regierung muß besser funktionieren
und sich wieder derjenigen annehmen, die die Rechnung bezahlen. Und wir müssen weiterhin auf die
Öffnung ausländischer Märkte hinarbeiten, um Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen.
All dies zusammengenommen wird eine Wirtschaftsstrategie ergeben, die jedem Amerikaner Chancen
bietet und von jedem Amerikaner Verantwortungsbewußtsein verlangt. Wir können jedoch keinen dieser
Schritte unternehmen, wenn wir nicht den ersten Schritt
tun.
Aus diesem Grund ist die vom Kongreß in dieser
Woche zu treffende Entscheidung so außerordentlich
AMERIKA DIENST 32

�wichtig. Wir können es uns nicht leisten, nicht zu
handeln. Ich benötige Ihre Hilfe. Sie müssen den
Vertretern des Volkes sagen, da ß sie sich der Belange
des Volkes annehmen müssen. Sagen Sie ihnen, sie
sollen den Kurs der Wirtschaft ändern und zwar jetzt,
damit die Wirtschaft wieder expandieren, Arbeitsplätze schaffen und unser Land wieder voranbringen
kann.
In den letzten sechs Monaten haben wir hier einige
wichtige Schlachten gewonnen: Ein neues Gesetz für
Mutterschafts- und Krankenurlaub, das jungen Eltern
gestattet, freizunehmen, um sich um ihr Baby, ein
krankes Kind oder kranke Eltern zu kümmern, ohne
ihren Arbeitsplatz zu verlieren, ist gerade in Kraft
getreten. Ein neuer nationaler Sozialdienst, der Zehntausenden junger Menschen hilft, das Geld für den
College-Besuch aufzubringen, indem sie einen Gemeindedienst für ihr Land leisten. Eine neue Richterin
am Obersten Bundesgericht, die heute ohne Parteigängertum oder Zwist bestätigt wurde. Neue Maßnahmen zur Schaffung hochtechnologischer Arbeitsplätze
und zur Konversion von Rüstungsindustrien für pro-

*

AMERIKA DIENST 32

duktive zivile Zwecke, womit mehr Arbeitsplätze und
Chancen geboten werden. Und von einem Gipfeltreffen in Vancouver zur Rettung der Demokratie in Rußland bis zu einem Gipfeltreffen in Tokio zur Wiederbelebung der Weltwirtschaft gibt es jetzt neue Chancen
für Amerikaner und neuen Respekt für die amerikanische Führungsrolle.
Wir Amerikaner sind ein Volk mit Privilegien und Herausforderungen. Wir wurden in turbulenten Zeiten
geformt, und wir stehen jetzt an der Schwelle zu einem
neuen Zeitalter. Unsere Taten und Entscheidungen
können Amerika voranbringen, so daß wir in unserem
dritten Jahrhundert weiterhin die jüngste und optmistischte Nation sein werden. Ein Volk, das sich wieder
auf dem Marsch befindet, stark und furchtlos. Wenn
wir kühne Hoffnungen haben und unserer großen
Verantwortung gerecht werden, können wir dem Land,
das wir lieben, die besten Jahre geben, die es jemals
erlebt hat.
Auf Wiedersehen, und möge Gott Sie alle auf diesem
Weg beschützen.

* * *

*

Seite 5

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

NEUES GESETZ SOLL DEFIZIT UM
500 MILLIARDEN DOLLAR SENKEN
Übersicht über die Gesetzesvorlage
WASHINGTON - (AD) - Ein von Präsident Clinton vorgelegter Gesetzentwurf zur massiven Reduzierung des
Haushaltsdefizits soll im Verlauf der nächsten fünf Jahre zu Einsparungen in Höhe von 496 Milliarden Dollar
führen.
Das sowohl Steuererhöhungen als auch Ausgabenkürzungen umfassende Paket wurde am 6. August 1993 im
Senat mit einer Stimme Mehrheit - der bei dem Gleichstand von 50-50 entscheidenden Stimme von Vizepräsident
Albert Gore - angenommen, wodurch monatelangen parlamentarischen Schachzügen und politischen Manövern
ein Ende gesetzt wurde.
Bereits einen Tag zuvor hatte das Repräsentantenhaus die Gesetzesvorlage mit 218 zu 216 Stimmen
angenommen. Ein Meinungsumschwung von nur einem Abgeordneten in einer der beiden Kammern des
Kongresses hätte ausgereicht, um das Kernstück von Präsident Clintons Wirtschaftsplan zum Scheitern zu
bringen.
Aus dem Weißen Haus verlautete, der Präsident werde das Gesetz am 10. August im Rahmen einer Feierstunde unterzeichnen.
Nach der Abstimmung im Senat erklärte ein strahlender Präsident Clinton vor Reportern, die Entscheidung
des Kongresses bedeute, daß "wir unsere Binnenwirtschaft in den Griff bekommen." Aber, so der Präsident,
"dies ist nur der Anfang, lediglich ein erster Schritt bei
unseren Versuchen, unsere Finanzen besser unter
Kontrolle zu bringen, in unsere Zukunft zu investieren
und unsere Wirtschaft anzukurbeln".
Der Präsident dankte Vizepräsident Gore für seine
Rolle bei der Entscheidung zugunsten einer äußerst
wichtigen Maßnahme, die er spaßeshalber als "Erdrutschsieg" bezeichnete. Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten darf im Falle einer Pattsituation in
seiner Eigenschaft als Senatspräsident seine Stimme
abgeben. Gore hatte bereits einmal zuvor- am 25. Juni
1993 - von diesem Vorrecht Gebrauch gemacht, als
seine entscheidende Stimme die Gesetzesvorlage in
einem frühen Stadium rettete.
Als die Ergebnisse der Abstimmungen vom 5. und 6.
August vorlagen, hatte sich kein Republikaner der
beiden Kammern zugunsten der Gesetzesvorlage
entschieden. Die geschlossene Oppostion zwang
Clinton zu einer Reihe persönlicher Gespräche mit
unentschlossenen Mitgliedern seiner demokratischen

AMERIKA DIENST 32

Mehrheitspartei, die die möglicherweise ausschlaggebenden Stimmen hielten.
Der dramatische Augenblick für die entscheidende
Stimmabgabe von Gore war erst gekommen, als sich
Senator Robert Kerry aus Nebraska kurz vor der
letzten namentlichen Abstimmung aus dem Plenum
erhob, um seine Entscheidung zur Unterstützung des
Präsidenten bekanntzugeben, die er sich abgerungen
hatte.
Kerry, der im vergangenen Jahr als Präsidentschaftskandidat seiner Partei gegen Clinton angetreten war,
hatte seine Stimme zurückgehalten, weil die Maßnahmen seiner Ansicht nach nicht weitreichend genug
sind, um die gravierenden Wirtschaftsprobleme des
Landes in Angriff zu nehmen.
Letztlich entschied ersieh jedoch, füreinen Gesetzentwurf zu stimmen, "der die Amerikaner nicht genug
herausfordert", weil "ich nicht weiß, was meine Kollegen auf der anderen Seite des Ganges (die republikanischen Senatoren) tun werden, wenn ich 'Nein' sage",
erklärte Kerry.
Die Republikaner hatten die Werbetrommel gegen die
Maßnahme gerührt und sich beschwert, sie ginge mit
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�den Steuererhöhungen zu weit und nehme nur unzureichende Kürzungen der staatlichen Ausgabenprogramme vor.

Steuer auf Auslandstätigkeit: Das Maßnahmenpaket umfaßt mehrere Bestimmungen in Zusammenhang mit der Besteuerung im Ausland tätiger USBürger, die darauf abzielen, die Besteuerung amerikanischer Unternehmen für im Ausland erzielte Einnahmen zu erhöhen. Insgesamt werden dadurch die
Einnahmen in den nächsten fünf Jahren um schätzungsweise 3,1 Milliarden Dollar erhöht werden.

Die Finanzmarkte schienen jedoch mit einer Hausse
auf die Maßnahme des Kongresses zu reagieren, als
der Handel nach dem Wochenende am 9. August
wiederaufgenommen wurde. Die Aktienkurse explodierten und der Dow Jones Index erreichte ein Rekordniveau. Auch die Wertpapierkurse schnellten in die Das Paket enthält eine Bestimmung, die die laufende
Hohe und folglich fielen die Renditen auf ein Rekordtief Besteuerung von Gewinnen und Profiten ausländi- ein gutes Zeichen für weitere Zinssenkungen.
scher Unternehmen erfordert, wenn diese nicht einen
bestimmten Anteil für neue Investitionen aufwenden.
Die wichtigsten Verfügungen des Maßnahmenpakets
Auch wird die Steuerpflicht für Dividenden und Zinseinnahmen aus Öl-, Gas- und Schiffsoperationen im
Das Gesamtpaket umfaßt 255 Milliarden Dollar an Ausland erhöht.
zusätzlichen Ausgabenkürzungen sowie Nettoeinnahmen von 241 Milliarden Dollar, vor allem durch neue Einkommensteuerfreibetrag: Während andere steuoder erhöhte Steuern für Wohlhabende sowie gewinn- erliche Bestimmungen die Einnahmen erhöhen, gleicht
bringende Unternehmen.
die Maßnahme einige dieser Zuwächse aus, indem der
Einkommensteuerfreibetrag stark angehoben wird, was
Steuern
Arbeitnehmerfamilien mit niedrigem Einkommen zuEinkommensteuer: Die bei weitem größte neue gute kommt. Die Erweiterung der Anzahl in Frage
Einkommensquelle in Höhe von ungefähr 115 Milliar- kommender Familien wird zusammen mit einer Aufden Mark resultiert aus der Anhebung des Spitzen- stockung des Familienfreibetrages in den nächsten
steuersatzes von 31 auf36 Prozent. DieserneueSatz, fünf Jahren schätzungsweise 20,8 Milliarden Dollar
der rückwirkend zum 1. Januar 1993 in Kraft tritt, gilt für kosten. Kinderlosen Familien wird zum ersten Mal ein
Jahreseinkommen von mehr als 115.000 Dollar für begrenzter Freibetrag eingeräumt.
Alleinstehende und 140.000 Dollar für gemeinsam
veranlagte Ehepaare. Zusätzlich werden Alleinstehende mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen
von 250.000 Dollar mit einem Einkommensteuerzuschlag in Höhe von 10 Prozent belegt.
Sozialversicherung: Sozialhilfeempfänger mit einem Einkommen von mehr als 34.000 Dollar und bei
Ehepaaren von 44.000 Dollar werden ab dem Jahr
1994 85 Prozent ihrer Bezüge oder 85 Prozent ihrer
über der Bemessungsgrenze liegenden Bezüge versteuern müssen, je nachdem, welcher Betrag niedriger ist. Bisher betrug der Satz 50 Prozent.

Investitionsanreize: Mehrere Bestimmungen zum
Zweck der Ankurbelung von Untemehmensinvestitionen, insbesondere von mittelständischen Unternehmen, führen zu einem weiteren Verlust von 15 Milliarden Dollar an staatlichen Einnahmen. Mittelständische Unternehmen werden beispielsweise in der Lage
sein, einen größeren Teil ihrer Anschubfinanzierung
für den Kauf neuer Geräte steuerlich abzusetzen. Für
Langzeitinvestoren in mittelständische Unternehmen
wird die Kapitalertragssteuer auf ihre Investitionserträge gesenkt. Auch soll der Steuerfreibetrag für Forschungstätigkeit dauerhaft gelten.

Körperschaftssteuer: Der Spitzensteuersatz auf Erziehungs- und Ausbildungsmaßnahmen: Im
Unternehmensgewinne für Unternehmen mit einem zu Einklang mit den Vorschlägen des Präsidenten geversteuernden Jahreseinkommen von über 10 Millio- währt das Paket bestimmte Steuerbefreiungen, die
nen Dollar wird rückwirkend zum 1. Januar 1993 von Bildung und Ausbildung fördern sollen und das Finanz34 auf 35 Prozent erhöht. Das neue Gesetz begrenzt ministerium im Laufe der nächsten fünf Jahre weitere
auch die Abschreibung von Vorstandsgehältern und 1,6 Milliarden Dollar kosten. Eine Verfügung verlängert bis zum Ende des Jahres 1994 eine Regelung, die
Werbekosten.
es Angestellten gestattet, von ihrem zu versteuernden
Mineralölsteuer: Ab dem 1 • Oktober 1993 wird durch Einkommen bis zu 5.250 Dollar für von ihrem Arbeitgedas neue Gesetz eine Steuer auf alle Treibstoffe, ber bereitgestellte Ausbildungshilfe abzusetzen. Eine
einschließlich Benzin, in Höhe von umgerechnet etwa weitere Bestimmung verlängert um denselben Zeit2 Pfennig je Liter erhoben. Flugzeugtreibstoffe sind für raum den Steuerfreibetrag für Arbeitgeber, die Angezwei Jahre von dieser Steuer ausgenommen, weitere hörige benachteiligter Gruppen jinstellen.
Ausnahmen umfassen Treibstoffe für Landwirtschaft,
Schiffahrt und internationale Luftfahrt. Die neue Abga- Ausgaben
be hebt die Steuer für Treibstoffe landesweit auf Medicare und Medicaid: Das Gesetz sieht starke
umgerechnet 9 Pfennig pro Liter.
Kürzungen beiden bisher vorgesehenen Ausgaben für
Medicare, der staatlichen Krankenversicherung für
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�ältere Menschen vor, sowie bei Medicaid, der medizinischen Unterstützung der Armen. Die für Medicare
veranschlagten Ausgaben werden in den nächsten
fünf Jahren um 55,8 Milliarden Dollar gekürzt, mit
Ausnahme von 7,8 Milliarden Dollar, die sich ausschließlich durch Kürzungen der Zahlungen an Krankenhäuser, Ärzte und andere Anbieter medizinischer
Leistungen ergeben. Der Rest resultiert aus einer
Erhöhung der Versicherungsprämien für den Versicherten. Im Hinblick auf Medicaid werden die Ausgaben in den kommenden fünf Jahren um 7,1 Milliarden
Dollar gekürzt.
Programme zur Altersversorgung: Durch Änderungen der Rentenversicherung für militärische und zivile
Bundesbedienstete werden die Ausgaben in den nächsten fünf Jahren um 11,9 Milliarden Dollar gekürzt.
Rundfunk: Die Ausgabenseite umfaßt auch eine
Bestimmung, die den staatlichen Kommunikationsausschuß (Federal Communications Commission)
ermächtigt, ein Ausschreibungsverfahren einzurichten, durch das Lizenzen für die kommerzielle Nutzung
des Rundfunks erteilt werden, einschließlich neuer
Dienstleistungen im Kommunikationsbereich. Dank
dieser Bestimmung sollen Einnahmen in Höhe von
10,2 Milliarden Dollar erzielt werden.

auf der Grundlage der Importmenge und der Differenz
zwischen den Preisen für importierten und heimischen
Tabak.
Zusätzlich müssen diese Hersteller den heimischen
Tabakanbauem eine Menge Tabak abnehmen, die der
Quantität des über die 25-Prozent-Marge hinausgehenden importierten Tabaks entspricht.
Die Tabakimporteure sollen auch Gebühren für Inspektionen sowie Beiträge zum nationalen Tabakförderungsprogramm zahlen.
Das Gesetz verbietet jedoch Ausgaben der US-Regierung für die Förderung amerikanischer Tabakexporte
auf ausländischen Märkten.
Agrarhandel: Das Gesetz soll bis 1995 die Vereinbarungen des Haushaltsabkommens von 1990 abschaffen, denen zufolge ein Minimum an landwirtschaftlicher Nutzfläche für den Anbau von Getreidesirup und
Gerste bereitgestellt werden muß.
Damit würden solche Mindestanbauflächen für Weizen und Mais für den Fall wiedereingeführt, daß die
Vorräte unter ein bestimmtes Niveau fallen.

Das Gesetz würde nicht das Haushaltsabkommen von
1990 zur Erhöhung der staatlichen Ausgaben um 1
Kürzungen bei anderen Förderungsprogrammen - Milliarde Dollar für die Förderung von Agrarexporten
laufende Programme, die vom jährlichen Bewilligungs- ab Oktober 1993 für zwei Jahre ändern. Eine solche
verfahren des Kongresses ausgenommen sind und Anhebung würde nicht stattfinden, falls die seit langem
einer programmgebundenen Finanzierung unterliegen im Patt befindliche Uruguay-Runde multilateraler
- sollen zu Haushaltseinsparungen in dieser Kategorie Handelsgespräche vor diesem Zeitpunkt ein Abkomvon insgesamt schätzungsweise 88.000 Millionen Dollar men im Agrarbereich erzielt.
führen.
Weichhölzer: Durch das Gesetz werden die Steuern
Ungefähr 102 Milliarden an Einsparungen sollen aus für Exporte von unbearbeiteten Weichhölzern erhöht.
sogenannten Ausgabenprogrammen zur freien Verfü- Es soll den staatlichen Steuererlaß für unbearbeitete
gung resultieren, die einer jährlichen Bewilligung un- Weichhölzer aus im Privatbesitz befindlichen heimiterliegen. Ein Großteil dieser Gesamtsumme stammt schen und ausländischer Unternehmen abschaffen.
aus Einsparungen im Verteidigungsbereich in der Zeit
Das Gesetz der Vereinigten Staaten verbietet bereits
nach dem Kalten Krieg.
den Export von unbearbeitetem Holz aus dem im
Im Zusammenhang damit stehende Einsparungen, Besitz der Öffentlichkeit befindlichen Land im Westen
hauptsächlich in Form gesenkter Zinszahlungen für Amerikas.
die Staatsschulden, die geringer ausfallen werden als
ursprünglich prognostiziert, steuern weitere 65 Milliar- Weitere Handelsbestimmungen: Der Gesetzentwurf soll die vom Verbraucher zu entrichtende Importden Dollar zu den errechneten Ausgaben bei.
gebühr zur Bezahlung der Zollinspektion bis SeptemDie Summe dieser drei letztgenannten Beträge be- ber 1998 verlängern. Das Allgemeine Präferenzsywirkt geschätzte Ausgabenkürzungen in Höhe von 255 stem, ein Programm, das durch die Abschaffung der
Milliarden Dollar.
Zölle auf ausgewählte Importe aus Entwicklungsländern Vorteile gewährt, soll durch die Gesetzesvorlage
Die Haushaltsmaßnahmen umfassen auch eine Anbis September 1994 verlängert werden. Die vorherige
zahl von Verfügungen, die den Handel der Vereinigten
Genehmigung im Rahmen des Allgemeinen PräfeStaaten in bestimmten Sektoren betreffen:
renzsystems lief am 4. Juli aus. Das Gesetz soll
Tabak: Das Gesetz verpflichtet amerikanische Ta- rückwirkend zum 4. Juli gelten. Der Gesetzentwurf soll
bakwarenhersteller, die über 25 Prozent des von ihnen das Hilfsprogramm für die Anpassung des Handels,
zur Herstellung von Zigaretten verwendeten Tabaks das die Umschulung von Arbeitnehmern finanziert, die
importieren, zur Zahlung einer Strafe an die CCC- infolge von Importen ihren Arbeitsplatz verloren haKreditbürgschaften des US-Landwirtschaftsministeriums ben, bis September 1998 verlängern.
• *
* *
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Sehe 3

�WIRTSCHAFT
11. August 1993

WARUM HAT SICH DIE WIRTSCHAFTSLEISTUNG NACH
DER ABSCHAFFUNG DES KOMMUNISMUS SOGAR
NOCH VERSCHLECHTERT?
von Mancur Olson
Der Übergang von zentral gelenkten zu kapitalistischen Volkswirtschaften in der ehemaligen Sowjetunion wird
keinen Erfolg zeitigen, wenn dem einzelnen nicht der Schutz von Privateigentum und die Durchsetzung von
Verträgen gewährleistet wird, argumentiert der Verfasser.
Mancur Olson ist der Autor von The Rise and Decline of Nations, Vorsitzender des Center on Institutional
Reform and the Informal Sector und Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Maryland.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung des Verfassers. Copyright (c) 1993 Mancur
Olson.

Wenn der Staat alles kontrolliert, funktioniert die Wirtschaft nicht. Für eine erfolgreiche Volkswirtschaft
muß die Gesellschaft dem Markt eine größere - und
dem Staat eine kleinere - Rolle einräumen als es die
kommunistischen Länder getan haben. Diese Meinung wird inzwischen sowohl im Osten als auch im
Westen generell akzeptiert. Entsprechend haben sich
die Menschen in den ehemals kommunistischen Ländern zugunsten von Kapitalismus und Demokratie
entschieden und beschneiden die wirtschaftliche Rolle
des Staates.

man nahezu weltweit davon aus, daß die Volkswirtschaften Deutschlands und Japans Jahrzehnte benötigen würden, um sich von derZerstörung des Krieges,
veränderten Grenzen und totalitärer Kontrolle zu erholen, und dennoch erfreuten sie sich bald eines Wirtschaftswunders. Selbst der von den Sowjets aufgezwungene Übergang zum Kommunismus in Ostmitteleuropa wurde trotz all seiner Tragödien und Brutalität
nicht mit einer längeren Produktionsabnahme in Verbindung gebracht.

Unfähig, die Ernsthaftigkeit der Wirtschaftsprobleme
nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zu
erklären, suchen viele in Metaphern Zuflucht: "Es ist
leicht genug, Fischsuppe aus dem Inhalt eines Aquariums zu machen, aber mit Fischsuppe kann man kein
Aquarium bevölkern." Warum sollte jedoch der Übergang vom Kommunismus zur Marktwirtschaft schwieriger sein als umgekehrt? Die Binsenwahrheit lautet,
daß Märkte nicht mühevoll von Regierungen konstruiert werden müssen - sie entstehen spontan und
prosperieren unter dem Laisser-faire. Zweifelsohne
waren die Märkte früherer Zeiten wie die Marktwirtschaften, die der Industrialisierung von Westeuropa
Viele sind zu der Schlußfolgerung gelangt, der Über- und Nordamerika zur Blüte verhalfen, nicht das Ergebgang von einem Gefüge wirtschaftlicher Arrangements nis eines staatlichen Plans zur Gründung von Marktzu einem anderen reduziere zwangsläufig die Produk- wirtschaften. Im Gegensatz dazu müssen zur Schaftion. Dies trifft jedoch in Wirklichkeit nicht zu. Die von fung einer kommunistischen Volkswirtschaft detaillierDeng kurz nach dem Tod von Mao eingeleitete wirt- te Pläne und Bürokratien entwickelt werden.
schaftliche Liberalisierung hatte prompt einen großen
Produktionszuwachs zur Folge. Nach der Niederlage Daher reichen weder die vertrauten Schlußfolgerunder rechten Diktaturen des Zweiten Weltkriegs ging gen über das spontane Entstehen von Marktwirtschaf Während sich neue Märkte entwickelten und die Rolle
des Staates eingeschränkt wurde, hätte sich die Wirtschaftsleistung in den Gesellschaften sowjetischen
Typs verbessern sollen. In der Tat hat sie sich jedoch
verschlechtert - in der ehemaligen Sowjetunion sogar
erheblich. Warum? Wenn zuviel staatliche Kontrolle
der Wirtschaft zum Zusammenbruch der kommunistischen Volkswirtschaften geführt hat, warum hat sich
die Wirtschaftsleistung dann nicht verbessert, als der
Kommunismus aufgegeben und die staatliche Kontrolle eingeschränkt wurde?

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�ten noch die neuen Metaphern aus. Ebenso wie die
marxistischen Ideen nicht das Funktionieren des
Kommunismus bewirkten, konnten die vertrauten
westlichen Ideen nicht die Schwierigkeiten des Übergangs zu einer Marktwirtschaft erklären.

von einer unabhängigen Judikative verstanden wird)
und Entschädigungszahlungen zu berauben. Entsprechend sind auch Vertragsrechte nicht gesichert,
solange die Institutionen der Gesellschaft den Gegnern der derzeitigen politischen Führung - und ausländischen gleichermaßen wie inländischen Firmen - die
Die Wirtschaftsleistung während der Übergangsphase unparteiische Durchsetzung von Verträgen gewährist zum Teil deswegen gering, weil eine prosperierende leisten.
Marktwirtschaft im Gegensatz zu den Aussagen einiger nicht einfach das Ergebnis dessen ist, den "Kapi- Interessanterweise sind die einzigen Gesellschaften,
talismus geschehen zu lassen" und sich nicht spontan die das Recht des einzelnen auf Privateigentum und
aus dem Blauen heraus ergibt. Sie erfordert ein die Durchsetzung von Verträgen langfristig geschützt
besonderes Gefüge institutioneller Arrangements, die haben, Demokratien. Ein Diktator hat immer die
die meisten Länder der Welt nicht haben. Den wohlha- Macht, Besitz zu enteignen und die Entscheidungen
bendsten Ländern stehen diese institutionellen Arran- eines Gerichts außer Kraft zu setzen.
gements zur Verfügung, aber sie erachten sie als
selbstverständlich. Diese Arrangements werden für Unter dem Kommunimsus existierte das Recht des
gewöhnlich in der ideologischen Debatte und bei wis- einzelnen auf Eigentum und die Durchsetzung von
senschaftlicher Forschung übersehen, und daher wird Verträgen praktisch nicht, und es ist in den meisten im
ihre Bedeutung in den reifen Marktwirtschaften und Umbruch befindlichen Gesellschaften noch immer
den im Umbruch befindlichen Gesellschaften nicht unzulänglich definiert, unsicher oder unzugänglich.
Aufgrund der Unzulänglichkeit der Rechte des einzelentsprechend gewürdigt.
nen haben diese Gesellschaften keine großen und
Der Charakter dieser vernachlässigten Institutionen ist effektiven Märkte. Sie haben beispielsweise weder
offenkundig aus dem in Diskussionen über den Über- Zugang zu Kapitalmärkten, auf denen ihre Firmen
gang verwendeten Schlüsselbegriff "Privatisierung" durch die Ausgabe von Aktien langfristig Kapital aufabzuleiten. Die Bedeutung dieses Begriffes wird klar, nehmen oder aufbringen können, noch viele Märkte,
wenn er auf die industrialisierten Demokratien mit die ausländische Investitionen anziehen. Die Märkte
Marktwirtschaften angewandt wird, wie Großbritan- erzeugen daher nicht annähernd soviel neue Einnahnien, als Margaret Thatcher Premierministerin war. men, wie sie sollten.
Diese Gesellschaften haben klar definierte persönliche Rechte und hochentwickelte öffentliche Mecha- Und es gibt nicht genügend neue Einnahmen, um den
nismen zu deren Schutz. Wenn persönliche Rechte Niedergang - oder vielmehr den Zusammenbruch - der
klar und sicher sind, kann ein staatliches Unternehmen Produktion in Staatsbetrieben aufzufangen. Warum
unmißverständlich privatisiert werden; sind sie es nicht, fällt die Produktion im staatlichen Sektor? Vor allem,
sind Bedeutung und Konsequenzen der Privatisierung weil die Demokratien nicht soviel Produktion aus zentral gelenkten und Staatsbetrieben abschöpfen wie es
dubios.
die grausamen totalitären Diktaturen taten, obwohl sie
Wenn Einzelpersonen oder Firmen in den industriali- für die Aufrechterhaltung von Besitz und Vertragsrechsierten Demokratien mit Marktwirtschaften rechtmäßi- ten sowie Marktwirtschaften auf lange Sicht unerläßge Verträge abschließen, vertrauen sie darauf, daß lich sind.
diese Vereinbarungen vom Staat durchgesetzt werden und Meinungsverschiedenheiten über einen Ver- Um dies zu verstehen, muß man sich die Anreize vor
trag von Richtern entschieden werden, die kein per- Augen führen, die sich Stalin und anderen kommunistisönliches Interesse an der Kontroverse haben und schen Diktatoren in den ersten zehn oder zwanzig
deren Arbeitsplatz nicht von der derzeitigen politischen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg boten. Die totaFührung abhängt. Die Einzelpersonen und Firmen in litäre Kontrolle der Gesellschaften sowjetischen Typs
diesen Gesellschaften können auch darauf vertrauen, war damals so uneingeschränkt, daß ein Diktator mehr
daß ihr Recht auf Privateigentum von Beamten ge- oder weniger das gleiche Interesse an der Produktivischützt wird, die gegebenenfalls auf die zwingende tät der Gesellschaft hatte wie der Besitzer eines PrivatMacht des Staates zur Wahrung dieser Rechte zurück- unternehmens im Westen an der Produktivität der
greifen. In einer Anarchie kann eine Einzelperson Firma. Wenn die Produktivität der sowjetischen WirtBesitztümer haben • quasi wie ein Hund einen Kno- schaft zunehmen würde, konnte der Generalsekretär
chen besitzt -, aber es kann kein Privateigentum ohne der Kommunistischen Partei einen Großteil dieses
Zuwachses für seine eigenen Zwecke benutzen - für
den Staat geben.
militärische Stärke, internationalen Einfluß und politiIn der Tat ist Privateigentum generell nicht sicher, es sche Macht. Er hatte ein, wie ich es formuliere,
sei denn, es gibt einen Staat ganz besonderen Zu- "umfassendes" Interesse an dei Gesellschaft - einen
schnitts - in dem kein Regierungsvertreter die Macht mächtigen Anreiz, die ihm "gehörende" Domäne so
hat, eine Einzelperson oder eine Firma ihres Eigen- produktiv zu gestalten, wie er konnte.
tums ohne angemessenes Gerichtsverfahren (wie es
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�Obwohl alle kommunistischen Regime durch ihre
Aversion gegenüber Märkten gehandikapt waren,
konnten Stalin und seine unmittelbaren Nachfolger
eine gewisse Zeitlang den Konkurrenzkampf unter
ihren Untergebenen ausbeuten, um einen beträchtlichen und zunehmenden Ertrag aus ihrer Domäne zu
schöpfen. Die Untergebenen, die die höchste Produktivität aus den von ihnen verwalteten Ressourcen
erzielten, wurden belohnt und die unwilligen bestraft.
Die Leistung der Produktionsleiters der jeweiligen Unternehmen in einem bestimmten Industriezweig konnte im großen und ganzen an dem Vergleich gemessen
werden, wieviel Produktivität jeder von ihnen in Relation zu den von ihm verwalteten Ressourcen erzielte.

vität der Wirtschaft insgesamt gewinnen und hatte
dementsprechend wenig oder keinen Grund, irgendetwas zur Effizienzverbesserung der Gesellschaft zu
unternehmen. Als Unternehmen wurden Standorte
und Koterien stärker, die Nomenklatura oder "neue
Klasse" privilegierter, die Zentralregierung weniger
mächtig, und die Wirtschaft verknöcherte Zusehens.

Diese Devolution hatte zur Folge, daß die Gesamteinnahmen eines Industriezweiges oder Sektors unter
allen Unternehmen aufgeteilt wurden, wobei diejenigen, die die Gesellschaft nur auszehrten, nahezu
ebensoviel erhielten wie diejenigen, die einen Überschuß erwirtschafteten. Neue Investitionen flössen
nicht in die Bereiche, wo sie am produktivsten geweSolange jeder Untergebene der Ansicht war, seinem sen wären, sondern in die Unternehmen mit dem
Fortkommen sei am besten durch Ausstechen seiner größten bürokratischen Einfluß. In den letzten Jahren
Kollegen gedient, indem er mehr Produktivität aus den des Kommunismus war das umfassende Interesse der
verfügbaren Ressourcen erwirtschaftete, dienten die Zentralregierung nicht annähernd so stark, um wie
zentral gelenkten Volkswirtschaften ihren diktatori- bisher Investitionen zu dirigieren und die Produktivität
schen Besitzern relativ gut. Die Gesellschaften sowje- auszuschöpfen.
tischen Typs wuchsen ziemlich schnell und viele erwarteten, sie würden letztlich die Vereinigten Staaten Als die kommunistischen Regierungen zusammenbrachen, wurden sie in den meisten Fällen durch relativ
übertreffen.
zersplitterte Demokratien ersetzt. Das umfassende
Mit der Zeit konnten die Untergebenen in allen Indu- Interesse der Zentralregierung verschwand praktisch
striezweigen oder Standorten Vorteile aus ihrem po- und die Fähigkeit, Produktivität aus der staatlich getentiellen Informationsmonopol über die Produktions- lenkten Wirtschaft abzuschöpfen, verschwand mit ihm.
prozesse ziehen, die sie verwalteten. Ohne Informa- Die neuen demokratischen Regieningen waren im
tionen dieser Untergebenen konnte die Zentralregie- allgemeinen schwach. Bei den jüngsten Wahlen in
rung nicht wissen, wieviel aus einer bestimmten Men- Polen erhielt die erfoglreichste Partei beispielsweise
ge an Ressourcen produziert werden konnte. Wenn weniger als 14 Prozent der Stimmen, und in den
alle Produktionsleiter eines Industriezweigs unauffällig Nachfolgestaaten der Sowjetunion sind die Zentralrezusammenarbeiteten, um die Erwartungen ihrer Vor- gierungen praktisch machtlos. Die großen Staatsbegesetzten bezüglich des Produktionssolls zu senken, triebe sind andererseits jedoch weiterhin gut organiginge es allen Untergebenen besser. Wenn sie Situa- siert und haben politische Macht. In einer Demokratie
tionen vermieden, in denen jeder von ihnen einen können sie offener als vorher als Lobby funktionieren,
Anreiz hätte, den anderen bei der Produktivität auszu- und ihre Arbeiter können auch streiken. Als Teil der
stechen, wie es der Fall wäre, wenn einzelne Unter- Regierung sind die Produktionsleiter und Arbeitnehnehmen in einem riesigen bürokratischen Betrieb ohne mer von Staatsbetrieben immer noch Insider und sie
Konkurrenten oder Vergleichsstandard zusammenge- machen Ansprüche auf öffentliche Gelder gehend, die
faßt würden, wäre ihr Leben sehr viel leichter. Es denen von Beamten und Rentnern vergleichbar sind.
bedurfte einiger Zeit - und wahrscheinlich auch des Es gibt also praktisch keine Macht, die dem staatlichen
Endes der stalinistischen Säuberungen mittels Bestra- Sektor der im Umbruch befindlichen Gesellschaften
fung aufgrund eines Verdachts - bis es den Untergebe- kohärente Pläne aufzwingen oder Produktivität abvernen in einem Industriezweig oder Standort gelang, langen kann. Daher ist die Leistung des staatlichen
geheime Absprachen auf Kosten ihrer Vorgesetzten Sektors noch schlechter als in den letzten Jahren des
zu treffen. In vielen Industriezweigen, Standorten und Kommunismus.
Betriebshierarchien sowie in großen, fusionierten
Unternehmen dauerte es noch länger, bis wirklich Heute sind wir in der Lage zu erkennen, daß die
effektive, eigenständige Inskfer-Lobbies entstanden Binsenwahrheit, Privatisierung von Staatsbetrieben
sei das Kernstück des Übergangs vom Kommunismus
waren.
zu einer Marktwirtschaft, falsch ist. Sie ist falsch, weil
Als dies jedoch geschah, wurden die Gesellschaften Gesellschaften das Potential einer Marktwirtschaft
sowjetischen Typs zwangsläufig weniger produktiv - nicht freisetzen können, solange sie nicht die Institutikein Unternehmen, kein Standort und keine Koterie onen geschaffen haben, die das Recht auf Privateihatte ein solch umfassendes Interesse an der Produk- gentum und die Durchsetzung von Verträgen schüttivität der Wirtschaft wie der Diktator. Im Gegensatz zen. Ohne Institutionen, die persönliche Rechte defizum Diktator würde der Kreis der Untergebenen oder nieren und wahren, ist der Nutzen der Privatisierung
die Koterie wenig oder nichts durch größere Produkti- unsicher. Mit den richtigen Institutionen werden die im

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Sehe 3

�Umbruch befindlichen Gesellschaften riesige Gewinne aus den neuen Firmen sowie aus Auslandskapital
und Unternehmertum erzielen.
Die traditionelle Konzentration auf Privatisierung ist
also zum Teil falsch, weil sie davon ausgeht, daß
Staatsbetriebe und die enormen Summen des in sie
investierten Kapitals zwangsläufig kommerziell wertvoll sind. Zweifelsohne sind einige Staatsbetriebe
äußerst wertvoll, insbesondere diejenigen, die einen
Großteil der Rohstoffe kontrollieren. Wir wissen jedoch aus der Erfahrung mit Marktwirtschaften, daß
Firmen häufig geteilt, umstrukturiert, fusioniert oder
geschlossen werden müssen und das vor relativ kurzer Zeit investierte Kapital oftmals den Einsatz nicht
wert ist, weil es nicht den veränderten Bedingungen
entspricht. In den ehemals kommunistischen Ländern
waren zahlreiche Staatsbetriebe von Anfang an falsch
konzipiert und die in sie getätigten Kapitalinvestitionen
nicht durch die Marktkräfte dirigiert. Wie wir in den
letzten 10 oder 20 Jahren der kommunistischen Herrschaft beobachten konnten, war das Investitionsmuster in der Tat ebenso vom bürokratischen Einfluß der
Unternehmen geleitet wie vom umfassenden Interesse der Zentralregierung. Entsprechend sind viele der
großen Staatsbetriebe in den Gesellschaften im Übergang wertlos - und die Debatte über Privatisierung viel
Lärm um nichts.

Die Frage ist, wie man durch die Entwicklung eines
sozialen Netzes und großzügige Abfindungen die
Arbeitnehmer in diesen Firmen schützen und ihnen
eine Beschäftigung in produktiven neuen Unternehmen vermitteln kann. Angesichts der starken Lobby
von Großunternehmen besteht die schwierigste Aufgabe darin, den Schutz oderdie Subventionierung von
Firmen zu vermeiden, die die Ressourcen der Gesellschaft verschwenden - und das Mitgefühl der Gesellschaft erneut auf den einzelnen statt die Unternehmen
zu lenken.
Die Diskussion darüber, wer ein zu privatisierendes
Unternehmen besitzen sollte, ist ebenfalls per se
kontrovers und langwierig. Politische Meinungsverschiedenheiten und Verzögerungen sind schädlich,
selbst wenn sie gegenstandslos sind, weil sich das
Unternehmen am Ende als unnütz erweist.

Im Gegensatz dazu können alle von der Formulierung
des Rechts auf Eigentum und der Durchsetzung von
Verträgen sowie anderen Institutionen profitieren, die
der Privatsektor benötigt. Alle können auch davon
profitieren, wenn den 'bedürftigen" Unternehmen Schutz
oder Subventionen verweigert werden, die Ressourcen vergeuden, die mehr wert sind als die von ihnen
hergestellten Produkte und statt dessen bedürftigen
Einzelpersonen geholfen wird. Wenn die im Übergang
vom Kommunismus befindlichen Gesellschaften die
Als Lobby sind große Staatsbetriebe politisch mächtig, Verschwendung ihrer Ressourcen an Unternehmen
selbst wenn sie Ressourcen verbrauchen, die wertvol- verhindern können, die unter dem Strich die Geselller sind als das Produkt, und sie unter dem Strich die schaft ausbluten, und wenn sie auch sicherstellen
Gesellschaft auszehren. Ein Großteil der Diskussion können, daß das Recht des einzelnen auf Eigentum
über "Privatisierung" sollte daher in eine Debatte über und die Durchsetzung von Verträgen klar und sicher
"Liquidation" umfunktioniert - oder offen als solche ist, dann werden sie sich bald eines unvergleichlich
höheren Lebensstandards erfreuen, als sie je erlebt
anerkannt - werden.
haben.
*

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 32

�BOSNIEN
11. August 1993

USA BEGRÜSSEN AKTIONSPLAN
DER NATO ZU BOSNIEN
Stellungnahme des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten begrüßen die Zustimmung der NATO zu einem "detaillierten
Operationsplan für Luftangriffe" gegen die bosnischen Serben, falls sie ihr "unerträgliches Verhalten" in BosnienHerzegowina nicht ändern, erklärte Außenminister Christopher in einer am 9. August 1993 veröffentlichten
Stellungnahme.
Christopher zufolge unterstützen die heute vom Nordatlantikrat ergriffenen Maßnahmen "die Initiative der
Vereinigten Staaten in erheblichem Maße, Luftstreitkräfte zur Beendigung der Einkesselung Sarajevos und
anderer Gebiete bereitzustellen, die Behinderung der humanitären Hilfsoperationen zu stoppen und eine
tragfähige politische Lösung bei den Genfer Verhandlungen zu fördern."
Der Plan "enthält die Zielerfassungsverfahren sowie die Führungsarrangements für Luftangriffe" erläuterte der
Außenminister.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Außenminister Christopher im Wortlaut.

Die Vereinigten Staaten sind erfreut über die heute
vom Nordatlantikrat ergriffenen entscheidenden Maßnahmen. Diese Schritte unterstützen die Initiativeder
Vereinigten Staaten in erheblichem Maße, Luftstreitkräfte zur Beendigung der Einkesselung Sarajevos
und anderer Gebiete bereitzustellen, die Behinderung
der humanitären Hilfsoperationen zu stoppen und eine
tragfähige politische Lösung bei den Genfer Verhandlungen zu fördern. Beim Treffen des Nordatlantikrats
am 2. August hat sich die NATO einstimmig für die
Vorbereitung von Luftangriffen entschieden und eine
eindeutige Warnung an diejenigen ausgesprochen,
die für die Einkesselung Sarajevos und anderer ziviler
Gebiete verantwortlich sind. Heute hat das Bündnis
einstimmig einem detaillierten Operationsplan für Luftangriffe zugestimmt, der in der vergangenen Woche
vom Militärausschuß der NATO in Zusammenarbeit

mit der UNO-Schutztruppe UNPROFOR erarbeitet
wurde. Der Plan ist solide und umfassend. Er enthält
dieZielerfassungsverfahrensowiedieFührungsarrangements für Luftangriffe,
Mit der

heutigen Entscheidung stehen dem Bündnis
J e t z t a l , e erforderlichen Mittel für entschiedene Maßnahmen gegen die Serben zur Verfügung, falls sie ihr
unerträgliches Verhalten nicht andern. Die emstimmig e Entscheidung von heute signalisiert, daß die internationale Staatengemeinschaft die Belagerung von
Stadte
n und die andauernden Bombenangriffe auf
Zivilisten, die Verweigerung humanitärer Hilfe für die
Bedürftigen oder leere Versprechungen als Deckmantel
*&amp; Aggression nicht hinnehmen wird. Die Serben
s,nd
gewarnt - und der Einsatz von Luftstreitkräften
han
&amp; won l h r e m Vorgehen ab.

* * * * *

AMERIKA DIENST 32

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�NAHER

OSTEN
11. August 1993

CHRISTOPHER VON ERGEBNISSEN
DER NAHOSTREISE ERMUTIGT
Neue Rolle des Außenministers als aktiver Vermittler
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher
fühlt sich durch die Ergebnisse seiner Nahostreise in
der vergangenen Woche ermutigt. Im Verlauf seiner
Gespräche wurde ihm auch eine neue Rolle übertragen - die eines "aktiven Vermittlers" zwischen Israel
und Syrien.

Christopher berichtete, "es gibt einige Fortschritte und
viele Schwierigkeiten", räumte jedoch ein, es sei nicht
an der Zeit, bezüglich der Einzelheiten oder Substanz
der Verhandlungen ins Detail zu gehen.

In den Gesprächen mit Assad kam man dem Außenminister zufolge überein, "daß die Vereinigten Staaten
eine wichtige Rolle als aktiver Vermittler von Ideen
spielen und bei Formulierungen zur Überwindung der
Kluft behilflich sein können".

Infolge der Nahostreise des Außenministers in der
vergangenen Woche führten die Parteien Diskussionen darüber, wie die Gespräche am besten wiederaufgenommen werden könnten, so McCurry. 'Zweifelsohne wünschen wir eine Fortsetzung des Dialogs."

"Wir haben keinen Termin für die nächste Gesprächsrunde festgesetzt", stellte der Außenminister fest und
"Die Friedensgespräche sind wieder in Gang gekom- fügte hinzu, obwohl alle Parteien weiteren Gesprächen
men. Ich reise zuversichtlicher ab, als ich es bei erwartungsvoll entgegensehen, "besteht das Problem
meiner Ankunft in der Region erwarten konnte", erklär- darin, den richtigen Termin zu finden".
te Christopher bei einer Pressekonferenz in Damaskus am 6. August 1993, räumte jedoch ein, "viele In einer Pressekonferenz am 9. August 1993 zitierte
Probleme und viele Hindemisse sind noch zu bewälti- Außenamtssprecher Mike McCurry die Aussage des
gen. Wir werden sie in Angriff nehmen", versprach er. Außenministers: "In den kommenden Wochen und
Monaten bleibt zweifelsohne noch sehr viel zu tun.
Da sich die Parteien im Friedensprozeß mit schwer- Man hat jedoch auch das Gefühl, daß sich die Parteien
wiegenden politischen Entscheidungen zu Kernfragen jetzt in anderer Weise auf einige der Kernfragen kon-wie Land, Frieden und Sicherheit -konfrontiert sehen, zentrieren, und wir erachten dies als ermutigend."
werden die Verhandlungen im weiteren Verlauf schwieEine weitere Schwierigkeit wurde jedoch am 9. August
riger, nicht einfacher.
durch Berichte verursacht, daß Faisal Husseini, der
Dies ist einer der Gründe, warum Christopher in der palästinensische Delegationsleiter, mit Israel über
vergangenen Woche die Rolle eines aktiven Vermitt- Arrangements für die Selbstverwaltung der besetzten
lers übernahm und Botschaften - Fragen und Antwor- Territorien verhandelt habe und zwei seiner engsten
ten- zwischen dem israelischen Premierminister Rabin Vertrauten ihren Rücktritt beabsichtigten.
und dem syrischen Präsidenten Assad übermittelte.
Der Außenminister hat zwei getrennte Treffen mit McCurry betonte, es habe "widersprüchliche Berichte
über ihren Status innerhalb der Delegation" gegeben
jedem von ihnen abgehalten.
und erklärte, er überlasse den Palästinensern die
Am 5. August stellte Christopher vor Journalisten fest, Erörterung dieser Frage.
seine geplante Rückkehr nach Syrien sei "nur Teil des
derzeitigen Sondierungsprozesses - die Beantwor- "Während die Gespräche zwischen den Palästinentung von Fragen und die Formulierung von Fragen". sern und Israel in eine Phase gelangen, in der sie sich
Es sei eine "entscheidende Entwicklung", daß die mit einigen äußerst schwierigen Problemem auseinVereinigten "von den Parteien gebeten worden sind, andersetzen, führen sie zahlreiche Gespräche unterBotschaften zu übermitteln und als Vermittler zu fun- einander über die zu treffenden schweren und harten
Entscheidungen", erläuterte der Sprecher.
gieren", fügte er hinzu.

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Seite 1

�McCurry zufolge ist es unabdingbar, "auf die fruchtbaren Diskussionen aufzubauen", die der Außenminister
in der vergangenen Woche geführt hat. "Wir haben nur
noch keine Entscheidung über das weitere Vorgehen
getroffen". Laut McCurry bestehen "derzeit keine
Pläne", daß Dennis Ross, der Sonderkoordinator der
Vereinigten Staaten für den Nahost-Friedensprozeß,
in die Region zurückkehrt, und Christopher wird frühestens mit Herbstbeginn erneut in den Nahen Osten
reisen.
Es ist ebenfalls nicht klar, ob es in Washington eine
neue Runde direkter Verhandlungen zwischen Israel
und seinen arabischen Nachbarn - Syrien, Libanon
und Jordanien - sowie eine Fortsetzung des palästinensisch-israelischen Dialogs geben wird. Seitdem
der Friedensprozeß bei der Madrider Konferenz im
Oktober 1991 in die Wege geleitet wurde, haben zehn
Gesprächsrunden stattgefunden.
McCurry widersprach der Ansicht, Christophers Reise
habe sich auf die israelisch-syrische Alternative konzentriert. "Überall, auch in Damaskus, bestand starkes Interesse an den einzelnen Alternativen, die geprüft werden."
Während seiner Reise deutete der Außenminister
jedoch Reportern gegenüber an, daß bei der israelisch-syrischen Alternative "ein anderes Gefühl" vorherrsche, da Christopher als "aktiver Vermittler" zwischen Rabin und Assad fungiere.
Christopher war ebenfalls erfreut über die Reaktion der
palästinensischen Delegation während seiner Nahostreise. Bevor die letzte Gesprächsrunde am 1. Juli
*

Seite ö

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in Washington abgeschlossen wurde, legten die Vereinigten Staaten Israel und den Palästinensern ein
Arbeitspapier vor, von dem die Vereinigten Staaten
hoffen, daß die Parteien es als Ausgangsbasis für eine
Grundsatzerklärung über die Befugnis einer zwischenzeitlichen Selbstverwaltung benutzen werden. Die
Palästinenser "haben genau das getan, war wir von
ihnen erhofften und uns Zeile für Zeile Kommentare
oder eine Umformulierung des von uns unterbreiteten
Entwurfs übermittelt", stellte der Außenminister am 5.
August in Jerusalem fest.
Bei seiner Abreise am 6. August erklärte Christopher
freimütig vor Journalisten, er sei "ziemlich ängstlich
und besorgt" in die Region gereist, "daß der Friedensprozeß" aufgrund der jüngsten Kämpfe im Libanon und
Verzögerungen bei der Festsetzung eines Termins für
die Wiederaufnahme der Gespräche "entgleist sei".
"Ich reise voller Hoffnung und Enthusiasmus ab, daß
der Prozeß gerettet wurde und wieder in Gang gekommen ist und wir Fortschritte erzielen können, wenn wir
in den kommenden Monaten sorgfältig, gewissenhaft
und besonnen vorgehen", stellte der Außenminister
fest.
In seiner Abschiedsrede am 6. August würdigte der
israelische Außenminister Peres zwei Leistungen der
Reise Christophers - den Friedensprozeß wiederbelebt und ihm neuen Auftrieb verliehen zu haben. "Wir
hoffen, daß Sie so bald wie möglich zurückkommen,
um die ausgezeichnete Arbeit fortzusetzen, die Sie
begonnen haben", äußerte er Außenminister Christopher gegenüber.

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AMERIKA DIENST $2

�TERRORISMUS
11. August 1993

EXPERTEN WARNEN VOR ANHALTENDER
TERRORISTISCHER BEDROHUNG
Strategien zur Bekämpfung erörtert
WASHINGTON - (AD) - In der häßlichen Geschichte
des weltweiten Terrorismus könnte 1993 "das bisher
blutigste Jahr" werden, prognostiziert Professor Yonah Alexander, ein Fachmann für Terrorismusbekämpfung an der George Washington University.
Der Zerfall der Sowjetunion führe durch die "Weiterverbreitung von Waffen ... ethnische, rassische und religiöse Intoleranz" sowie nationalistischen und separatistischen "Extremismus" und nicht zuletzt grenzüberschreitende Konflikte zu einer Eskalation des Terrorismus weltweit, stellte Alexander bei einem am 3. August
1993 in Washington veranstalteten Seminar fest.
Alexander zufolge manifestiert sich Terrorismus heute
in vielfältiger Weise, unter anderem durch:
Gruppen mit extremistischen Ideologien wie
ausländerfeindliche "Skinheads" und linke Terroristen",
"theologischen Terrorismus" sowie Terrorismus unter verschiedenen Rassen, ethnischen
Gruppen und Stämmen",
"Nullsummennationalismus oder -extremismus",
bei dem eine Nation auf terroristische Taktiken
zurückgreift und Gewalt einem Kompromiß
vorzieht,
Drogenterrorismus,
gegen Regierungen gerichteten Terrorismus,
wie derzeit in Ägypten und Italien der Fall,

"Fanatiker" wie Tierschützer, die "biologische
Forschung" zerstören und Abtreibungsgegner
sowie diejenigen, die Kampagnen gegen "Universitätsprofessoren und Wissenschaftler" richten, deren Forschung ihren Überzeugungen
zuwiderläuft.
Kevin Giblin, ein Beamter für Terrorismusbekämpfung
beim FBI stellte fest, daß Drohungen gegen die Vereinigten Staaten immer noch außerhalb ihrer Grenzen
am häufigsten sind, weil das FBI "unzählige Male
erfolgreich die geplanten Terroranschläge im Land
abgewehrt hat".
Die Verhaftung eines Terroristen stellt ihm zufolge eine
"ausdrückliche Warnung" an Terrorgruppen dar, und
das FBI wird in "zunehmendem Maße Terroristen
weltweit verfolgen", wenn sie gegen die Vereinigten
Staaten operieren. Trotz der jüngsten Terroraktivitäten in New York sei das "Aufkommen terroristischer
Aktivitäten" in den Vereinigten Staaten nach wie vor
"bemerkenswert niedrig", weil "die US-Regierung in
den vergangenen Jahren dem Problem sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet hat".
Giblin äußerte die Ansicht, daß der Bombenanschlag
auf das World Trade Center "nicht als Auftakt" einer die
Vereinigten Staaten heimsuchenden Welle von Terror-akten angesehen werden sollte, obwohl die Nation
offenkundig gegen solche Anschläge "nicht immun"
sei.

Martin Mendelsohn, Assistent von Senator Alfonse
d'Amato, verwies darauf, daß d'Amato Morddrohun"Terrorismus im Mafiastil", bei dem Gangster gen wegen seiner offen geäußerten Ablehnung des
Tenoranschläge gegen Bezahlung verüben sowie Terrorismus erhalten und seine persönlichen Sicher'Terrorismus gegen Kinder", wie er aus einigen heitsvorkehrungen verschärft hat.
brasilianischen Städten berichtet wird. "Gegen
die Presse gerichteten Terrorismus", um diese "Terrorismus beginnt, in diesem Land zu gedeihen",
einzuschüchtern sowie "staatlich geförderten warnte Mendelsohn, in Ermangelung einer "geeigneTerrorismus" durch "neue Akteure wie den Sudan ten Abschreckung", wie etwa der Todesstrafe für
Terroristen, die d'Amato befürwortet.
und alte Akteure wie Nordkorea,

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�Mendelsohn fugte hinzu, "unsere offenen Grenzen"
und "durchlässige Visaverfahrenkönnten letztlich dazu
führen, daß die Vereinigten Staaten "ein uns fremdes
Land werden", wenn die Amerikaner nicht "wachsamer" sind.
Der Assistent eines Kongreßabgeordneten, Kenneth
Timmerman, stellte fest, die Einreise von Scheich
Omar Abdel-Rahman in die Vereinigten Staaten habe
"die Aufmerksamkeit des Kongresses erregt", und
dieses Gremium versuche, "strukturelle Mängel" bei
den Einreiseverfahren in die Vereinigten Staaten zu
beheben.

Timmerman bekräftigte, daß die Einreise des blinden
Geistlichen auf "groteske menschliche Fehlleistungen
und ein archaisches System" im amerikanischen
Konsulat in Khartoum zurückzuführen sei. Er verlieh
seiner Erwartung Ausdruck, daß das Außenministerium "Gebühren" für Visaantragsteller einführen wird,
um die Kosten für ein neues computergestütztes System
zu decken.
Timmerman nannte Iran, Syrien, Libyen, Irak und
Sudan als wichtigste Länder mit staatlich gefördertem
Terrorismus.

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AMERIKA DIENST 32

�LANDMINEN
11. August 1993

UNGERÄUMTE LANDMINEN: VERSTECKTE KILLER
UND EIN WELTWEITES PROBLEM
Bericht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Schätzungsweise 150 Personen, darunter zahlreiche Kinder, werden jede Woche
von den über 85 Millionen ungeräumten Landminen
getötet oder verstümmelt, die in 62 Ländern der Welt
gelegt wurden.
Zu dieser Schlußfolgerung gelangt ein 260 Seiten
umfassender Bericht des US-Außenministeriums mit
dem Titel: Hidden Killers: The Global Problem with
Uncleared Landmines (Versteckte Killer: Das weltweite Problem ungeräumter Landminen), der die eingehendste Studie zu diesem Thema ist. Der Bericht
wurde dem Kongreß am 4. August 1993 vorgelegt.

kurs für ausländische Dozenten an der School of the
Americas in Port Benning (Georgia). 15 Dozenten aus
mehreren lateinamerikanischen Ländern wurden in
Nicaragua für die Überwachung des Minenentschärfungsprogramms der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) ausgebildet. Pro Teilnehmer beliefen
sich die Kosten des Kurses auf rund 4.000 Dollar.

Obwohl die Vereinigten Staaten "ein enormes Ausbildungs- und technologisches Potential haben, das bei
dem Entschärfungsproblem zum Tragen kommen
könnte", so der Bericht des State Department, mu ß die
amerikanische Hilfe mit begrenzten Ressourcen und
anhand der von der Minenentschärfungs-KoordinieDem Bericht zufolge wurden in den vergangenen 15 rungsgruppe erarbeitenen Parameter durchgeführt
Jahren über 67 Millionen Landminen gelegt, und ihre werden. Amerikanisches Militär wird Landminen in
Zahl steigt täglich. Obwohl keine schnelle Lösung des anderen Ländern nicht räumen.
Problems in Sicht ist, unternehmen die Vereinigten
Staaten Schritte, um anderen Ländern bei der Bewäl- Die US-Regierung kann den größten Beitrag zur Lötigung ihrer Probleme mit Landminen behilflich zu sein. sung des weltweiten Problems ungeräumter Landminen leisten, "indem sie in vier generellen Bereichen
"Das Aufspüren ungeräumter Landminen ist eine ar- Hilfestellung bietet: Ausbildung, technischem Knowbeitsintensive, langwierige und gefährliche Operation, how, Geräten und Technologie sowie diplomatischen
bei der moderne Technologien kaum eingesetzt wer- Bestrebungen, um den Verkauf und Einsatz von Landden können", führt der Bericht aus, und das Verfahren, minen zu begrenzen", stellt der Bericht fest.
sie zu entschärfen, sei noch schwieriger und "außerordentlich gefährlich".
Die Vereinigten Staaten haben im laufenden Haushaltsjahr über 9 Millionen Dollar für MinenentschärUnter der Ägide des Außenministeriums wurde die fungsprojekte in Afghanistan, Mosambik, Somalia,
interministerielle Arbeitsgruppe zur Koordinierung der Kambodscha und Mittelamerika aufgewendet. In den
Minenentschärfung (Demining Coordination Group - nächsten 12 Monaten hofft das Außenministerium,
DCG) ins Leben gerufen, die die Bewohner vor Ort in mehr als 17 Millionen Dollar für Minenentschärfungsder Beseitigung und Zerstörung von Landminen aus- programme in 18 Ländern bereitstellen zu können.
bildet und ihnen die Geräte zur Verfügung stellt sowie
bei der Entwicklung neuer Minenabwehrtechnologien "Diese Mittel werden zur Finanzierung der Ausbildung
behilflich sein soll. Das US-Amt für internationale und für den Kauf von Geräten verwendet, die es den
Entwicklung (Agency for International Development - betroffen Nationen ermöglichen, die Räumung der
AID), das Büro des Verteidigungsministers, die Ge- Minen selbst durchzuführen", so der Bericht. Ein Teil
meinsamen Stabschefs und ausgewählte Landminen- des Geldes wird für die Einstellung von fachkundigen
Experten des Verteidigungsministeriums sind eben- Subunternehmern benutzt, die bestimmte spezifische
falls Mitglieder der Arbeitsgruppe.
Projekte wie etwa Straßennetze räumen.
Vor knapp vier Monaten beendete die US-Armee ihren Laut Bericht ist es nicht möglich, die genaue Anzahl
ersten einmonatigen Minenentschärfungs-Ausbildungs- ungeräumter Landminen weltweit festzustellen, weil
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�Minen per se außerordentlich schwierig zu lokalisieren
und viele Minen spezifisch entworfen sind, um unentdeckt zu bleiben.

fung konnten statt der geplanten 10.000 pro Woche
nur rund 1.000 kambodschanische Flüchtlinge pro
Woche in ihre Heimat zurückkehren, weil ein Großteil
des für sie vorgesehenen Agrarlandes wegen der
"Das wirklich Grausame an Landminen ist, daß sie das Minen unbenutzbar ist und dies noch auf Jahrzehnte
Land, von dem die Bevölkerung für ihren Lebensunter- hinaus der Fall sein kann, fährt der Bericht fort. Den
halt abhängig ist, für Jahre - wenn nicht Generationen vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz bereit- unbewohnbar macht", erläutert der Bericht und ver- gestellten Daten zufolge gibt es in Kambodscha über
weist darauf, daß in den Niederlanden pro Jahr immer 30.000 Amputierte, von denen die meisten Minenopfer
noch 12 Personen durch Landminen aus dem Zweiten sind.
Weltkrieg verletzt werden.
In einer Bestandsaufnahme der gravierenden SituaObwohl das Legen von Minensperren seit langem eine tion in anderen Gebieten der Welt gelangt der Bericht
effektive militärische Strategie ist, haben in den ver- zu der Schlußfolgerung, daß in Afghanistan Zehntaugangenen 20 Jahren zunehmend Terroristen und sende durch Minen getötet oder verstümmelt wurden,
Guerrilla-Gruppen dieses Mittel als offensive Waffe die während des andauernden Konflikts in diesem
zur Störung der politischen und wirtschaftlichen Infra- Land von der ehemaligen Sowjetarmee - den Mudjahestruktur eines Staates angewandt. Regierungstrup- din - und der ehemaligen kommunistischen Regierung
pen setzen sie inzwischen zum Schutz oder zur Vertei- Afghanistans gelegt worden sind. Noch über 10 Milliodigung der Infrastruktur ein.
nen Minen befinden sich in Afghanistan, die das Haupthindernis für die Rückführung der noch 2 Millionen
Die wirtschaftlichen Auswirkungen ungeräumter Landafghanischen Flüchtlinge in Pakistan und 1,5 Millionen
minen sind beträchtlich. Agrarland kann nicht bestellt
im Iran sind. Millionen sogenannter "Schmetterlingswerden, solange die Bevölkerung nicht sicher sein
minen" wurden während des afghanischen Konflikts
kann, daß die Minen von den Land- und Wasserwegen
abgeworfen. Diese kleinen, farbigen Plastikminen
geräumt worden sind. Ein paar Minen reichen aus, um
erregen häufig die Aufmerksamkeit von Kindern, die
die Transportwege und Kraftwerke lahmzulegen.
verstümmelt oder getötet werden, wenn sie sie aufhe"Landminen verhindern die Rückführung von Flüchtlin- ben wollen.
gen, behindern den wirtschaftlichen Wiederaufbau und
schaffen ein dauerhaftes Chaos in Ländern, die nach
politischer Stabilität streben", führt der Bericht aus.

In Somalia wurden Minen um Brunnen, Militärlager
und -einrichtungen sowie auf Haupt- und Nebenstraßen verstreut. Weil es wenige Karten oder andere
In den meisten Ländern sind die örtlichen Krankenhäu- Orientierungshilfen zur Lokalisierung der Landminen
ser nicht in der Lage, Minendpfer adäquat zu versor- gibt, wurden die humanitären Hilfsbestrebungen in
gen. I n Angola gibt es zur Zeit über 20.000 Amputier- Somalia ernsthaft behindert. Ein amerikanischer Solte, die Opfer von Landminen wurden", stellt der Bericht dat und ein ziviler Bauingenieur wurden verwundet, als
fest und fügt hinzu, "die in einem solchen Umfang ihr Lastwagen am 4. August auf einer Vorortstraße von
Mogadischu auf eine Landmine fuhr.
erforderlichen chirurgischen Einrichtungen und Medikamente zur Behandlung von Minenopfern existieren
Schätzungsweise 17 bis 24 Millionen Minen befinden
in vielen Ländern einfach nicht".
sich dem Bericht zufolge noch im Nahen Osten. Die
Dem Bericht zufolge gibt es in Afrika die meisten meisten davon in Kuwait, dem Irak und Iran sowie auf
Landminen - 1 8 bis 30 Millionen in 18 Ländern. Ein beiden Seiten der israelischen Grenzen mit Syrien,
Drittel der afrikanischen Länder haben Probleme mit Libanon und Jordanien. Kuwait sieht sich bei dem
ungeräumten Landminen, und in Angola, Mosambik, Versuch, die fast 7 Millionen von der irakischen BeSomalia und dem Sudan ist die Situation am schlimm- satzungsstreitmacht 1990 gelegten Minen aufzuspüsten. In Mosambik sind laut Zahlen der Vereinten ren und zu räumen, mit den weltweit gravierendsten
Nationen alle 28 wichtigsten Straßennetze des Landes Minenentschärfungsproblemen konfrontiert.
durch ungeräumte Landminen blockiert.
In Lateinamerika befinden sich auf 8 Länder verteilt
schätzungsweise
300.000 bis 1 Million Landminen,
Zwischen 15 und 23 Millionen Minen wurden in Ostgrößtenteils
in
den
mittelamerikanischen Ländern
asien gelegt, stellt der Bericht fest und fügt hinzu,
Nicaragua,
El
Salvador,
Honduras, Costa Rica und
Kambodscha sei wahrscheinlich das Land mit dem
Guatemala.
größten Problem ungeräumter Landminen. Das von
den Vereinten Nationen gegründete kambodschaniSchätzungen der Vereinten Nationen zufolge beläuft
sche Minenräumzentrum zur Koordinierung der Misich die Anzahl ungeräumter Minen in Bosnien-Hernenentschärfungsoperationen hat umfangreiche Mizegowina auf ungefähr 1,5 Millionen, und nach Ernensperren in über der Hälfte des Landes entdeckt.
kenntnissen des Berichts verschärft sich das Problem
Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Minenentschär- ständig.
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�MARTIN

LUTHER

KING
11. August 1993

DER MARSCH NACH WASHINGTON
von Robert E. Mutch
In dem nachfolgenden Artikel wird die Geschichte des von Martin Luther King, Jr. angeführten Marsches nach
Washington wiedergegeben, der "einen Wendepunkt in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung" markierte.
Im August wird Coretta Scott King diesen Marsch mit Anhängern wiederholen, um des 30. Jahrestages dieses
Ereignisses zu gedenken.
Der Verfasser ist freiberuflicher Journalist mit Sitz in Washington.
Der 28. August 1993 steht für einen Wendepu nkt in der
amerikanischen Bürgerrechtsbewegung - den 30.
Jahrestag des Marschs nach Washington. Reverend
Martin Luther King, Jr. und andere Bürgerrechtler
führten eine Viertelmillion Menschen entlang der Mall
in das Zentrum der Bundeshauptstadt, um die breite
Unterstützung des Volkes bei den Bestrebungen zur
Beendigung der Rassentrennung zu demonstrieren.
In diesem August wird die Witwe von Dr. King, Coretta
Scott King, des Jahrestages gedenken, indem sie mit
Anhängern denselben Weg geht, der vor 30 Jahren
genommen wurde. Die enorme Teilnehmerzahl im
Jahr 1963, die hehren Ziele der Demonstranten und
Kings bewegende Ansprache am Ende des Tages
haben den positiven Effekt der Bewegung in den
Augen der Amerikaner außerordentlich gestärkt.
Als junger Baptistenpriester in Montgomery (Alabama)
sah sich King in die Führungsrolle des afroamerikanischen Boykotts des lokalen, nach Rassen getrennten
Bussystems gedrängt. Die Nachrichtenberichterstattung über den Boykott und die erfolgreiche Aufhebung
der Rassentrennung in den Bussen von Montgomery
katapultierten King auf die Titelseiten der Zeitungen
und Fernsehschirme.

Die Birmingham-Demonstrationen begannen im April
1963, nachdem die Verhand lu ngen mit U nternehmern
über die Beendigung der Rassentrennung in Imbißständen und anderen öffentlichen Lokalen sowie über
Diskriminierung bei der Einstellung gescheitert waren.
Die wirksamsten Taktiken waren der Boykott großer
Warenhäuser in der Innenstadt und "Sit-ins" in Restaurants und Imbißständen. Junge Afroamerikaner betraten Restaurants, setzten sich und weigerten sich, das
Restaurant zu verlassen, wenn sie nicht bedient wurden. Die Polizei verhaftete sie dann wegen unbefugten
Betretens. Die Festnahmen erfolgten für gewöhnlich
nachdem die Kellner und Besitzer des Restaurants sie
mit wüsten rassistischen Beschimpfungen bedacht
und sogar Speisen und Getränke nach den Protestierenden geworfen hatten. Die - von King angeführten jungen Leute leisteten weder Widerstand, noch übten
sie Vergeltung.

Dieser "passive Widerstand" kombinierte christlichen
Pazifismus mit den Methoden, die Mahatma Gandhi
beim Protest gegen die britische Kolonialherrschaft im
Indien der vierziger Jahre angewandt hatte. Die Idee,
erklärte King aus seiner Gefängniszelle in Birmingham, ist, daß "jemand, der ein ungerechtes Gesetz
bricht, es öffentlich tun muß ... und mit der BereitBirmingham (Alabama) hatte mit den schlechtesten schaft, die Strafe zu akzeptieren." Er fügte hinzu, "der
Ruf aller Städte in den Südstaaten. King schrieb, es amerikanische Neger... wurde zusammen mit seinen
"ist wahrscheinlich die am gründlichsten nach Rassen schwarzen Brüdern aus Afrika und seinen brauen und
getrennte Stadt in den Vereinigten Staaten. Ihre häß- gelben Brüdern aus Asien, Südamerika und der Kariliche Bilanz der Brutalität seitens der Polizei ist in bik ... vom Streben nach Gerechtigkeit erfaßt". Gejedem Teil dieses Landes bekannt. Es hat mehr werkschaften sowie schwarze und wei ße Anhänger im
unaufgeklärte Bombenanschläge auf Häuser von ganzen Land brachten die Kaution für King und seine
Schwarzen und Kirchen in Birmingham gegeben, als in Anhänger auf.
jeder anderen Stadt dieser Nation." Die städtische
Polizei unter Polizeichef "Bull" Connor hatte einen Der Einsatz von Polizeihunden und Wasserwerfern
äußerst schlechten Ruf, brutal gegen Gewerkschafts- zur Unterdrückung der Proteste in Birmingham machte
mitglieder und in jüngerer Zeit in ähnlicher Weise weltweit Schlagzeilen. Es war äußerst peinlich für die
gegen Bürgerrechtler vorzugehen.
Kennedy-Administration, die Reverend King ihrerseits
AMERIKA DIENST 32

Seite 1

�bat, die Sit-ins zu beenden und Druck auf die lokalen
weißen Regierungsvertreter ausübte, in gutem Glauben zu verhandeln. Schließlich entsandte Justizminister Robert F. Kennedy Emissäre nach Birmingham,
um den Disput zu schlichten. Im Mai gab die aus
Vertretern weißer und schwarzer Geschäftsleute und
Unternehmer, der Gemeindeverwaltung und Bürgerrechtlern zusammengesetzte Gruppe von Unterhändlern endlich eine Vereinbarung bekannt, mit der die
Proteste beendet wurden. Alle Seiten hielten sich an
die Lösung, selbst nachdem Bombenanschläge von
Weißen auf Häuser und Kirchen der Bürgerrechtler
beinahe einen Aufstand in der schwarzen Gemeinde
verursacht hätten.
Birmingham machte die Bürgerrechtsbewegung zum
Brennpunkt des Gewissens der Nation. Darüber hinauswurde eine Protestwelle gegen Rassentrennungsgesetze im gesamten Süden in Gang gesetzt. Nach
dem Sieg in Birmingham entschieden Martin Luther
King und seine neugegründete Soutern Christian
Leadership Conference, daß ein Marsch nach Washington die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weiterhin
auf das Problem lenken und den Druck auf Präsident
Kennedy verstärken würde, einen Präsidialerlaß zur
Beendigung der Rassentrennung zu verfügen.
Der afroamerikanische Gewerkschaftsführer A. Philip
Randolph begrüßte Kings Interesse an einer Idee, die
er seit über 20 Jahren hegte. Randolph und sein
Kollege Bayard Rustin hatten zuerst während des
Zweiten Weltkriegs einen Marsch nach Washington
geplant. Sie sagten ihn ab, nachdem Präsident Roosevelt eine Richtlinie gegen Rassendiskriminierung
bei der Einstellung von Bundesbediensteten erlassen
hatte. Die beiden Männer begeisterten sich 1963
erneut für die Idee und machten sich an die Gründung
einer Koalition von Bürgerrechts-, Gewerkschafts- und
religiösen Gruppen, um den Marsch Realität werden
zu lassen.
Die beiden ältesten Bürgerrechtsorganisationen, die
Nationale Vereinigung für die Förderung von Farbigen
(National Association for the Advancement of Colored
People - NAACP) und die National Urban League
zogen es vor, sich an Prozesse und stilles Lobby ing zu
halten, womit sie bereits befaßt waren, stimmten jedoch schließlich zu. Eine neue, jüngere und militantere
Gruppe, das studentische gewaltlose Koordinationskomitee (Student Non-Violent Coordination Committee - SNCC) trat der Koalition trotz der Auffassung bei,
der Marsch sei irrelevant für die zur Beendigung der
Rassentrennung und Einschreibung neuer Wähler
erforderliche direkte Aktion. Der allgemein als ebenso
militant wie das SNCC angesehene, in Chicago ansässige Kongreß für rassische Gleichstellung (Congress
of Racial Equality • CORE) wurde ebenfalls Mitglied
der Koalition. Auch mehrere Gewerkschaften unterstützten die Idee, unter ihnen die Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers - UAW), de-

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ren Vorsitzender, Walter Reuther, einer der wenigen
weißen Organisatoren des Marsches war.
Das Weiße Haus unternahm den nächsten Schritt. Die
Proteste von Birmingham hatten die Administration
zutiefst beeindruckt, und besonders Vertreter des
Justizministeriums waren sich ihrer Unfähigkeit bewußt, legal im Namen der Bürgerrechtsgruppen zu
intervenieren. Präsident Kennedy, sein Bruder, Justiz
minister Kennedy, und Vizepräsident Lyndon B. Johnson entschieden sich für den Entwurf eines umfassenden Bürgerrechtsgesetzes, das der amerikanischen
Regierung die Befugnis verleihen würde, die Rechte
aller Bürger zu schützen. Der Mut und das Engagement der Demonstranten von Birmingham hatte das
Weiße Haus zu der Gesetzesvorlage veranlaßt, die
der Präsident in einer Femsehansprache am 11. Juni
1963 bekanntgab. Die Ermordung des NAACP-Vorsitzenden Medgar Evers aus Mississippi vor seinem
Haus unmittelbar nach der Rede des Präsidenten
unterstrich die Notwendigkeit für Gesetze.
Die Ermordung Evers rief der Öffentlichkeit die Ziele
der Bewegung in Erinnerung, und die Gesetzesvorlage des Präsidenten verlieh der Bewegung für den
Marsch ein definitives Ziel. Aber selbst unter diesen
Voraussetzungen war nicht jeder der Meinung, der
Marsch sei eine gute Idee. Die erwartete Beteiligung
von 200.000 bis 300.000 Menschen war größer als bei
jeder politischen Demonstration in der Geschichte des
Landes und verursachte große Besorgnis. Selbst
einige schwarze Mitglieder des US-Repräsentantenhauses warnten, der Kongreß könne negativ auf den
Marsch reagieren und gegen das neue Bürgerrechtsgesetz stimmen. Präsident Kennedy und Vizepräsident Johnson vertraten dasselbe Argument, als sie die
Organisatoren des Marschs ins Weiße Haus einluden.
Die Veranstalter verwarfen diese Warnungen. Reverend King verwies darauf, ähnliche Argumente seien
bereits vor Birmingham geäußert worden und erklärte,
daß er dort gar nichts erreicht hätte, wenn er auf sie
gehört hätte. Einige, darunter auch King selbst, bezweifelten, daß der Kongreß das Bürgerrechtsgesetz
überhaupt verabschieden würde.
Die Anführer des Marschs bemühten sich trotzdem
aktiv, alle Befürchtungen zu zerstreuen. Rustin kam
zu dem Schluß, daß die Kontrolle über die Menschenmassen wichtig sein würde und arrangierte, daß ein
aus schwarzen Polizisten aus New York zusammengesetztes Kontingent von Freiwilligen als Ordnungskräfte mitwirkten. Darüber hinaus veranstaltete er
Treffen mit Polizei und Regierungsvertretern in Washington, die danach trachteten, ihre eigenen Ängste
abzubauen, indem sie ihm bei logistischen und Sicherheitsproblemen halfen. Martin Luther King und Roy
Wilkins von der NAACP wurden Hauptsprecher des
Marschs und versicherten dem Land bei einem gemeinsamen Fernsehauftritt, es werde keinen zivilen

AMERIKA DIENST 32

�Ungehorsam geben. Die Besorgnis über den Marsch
begann zu schwinden, und sechs Wochen vor dem
festgesetzten Termin brachte Präsident Kennedy öffentlich seine Unterstützung dafür zum Ausdruck.
Die drückende Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit von
Augustnachmittagen in Washington haben schon oft
Temperamente in Wallung gebracht, aber an jenem
28. August kam es nicht zu Ausbrüchen.
In einem Beitrag in der New York Times über die
"sanfte Armee", die in die Hauptstadt einmarschiert
war, bemerkte Russell Baker, daß ihre "Liebenswürdigkeit und Geduld... vielleicht eine Art von nationaler
Hochwassermarke für Massenanstand gesetzt haben
könnte". Der SNCC-Vorsitzende John Lewis erinnerte
sich später, "es war so friedlich, es bestand ein solches
Familien- oder Gemeinschaftsgefühl, daß man sich
wünschte, es würde nie aufhören. Es war Amerika von
seiner besten Seite." Die Stimmung der Teilnehmer
war besonders eindrucksvoll, wenn man bedenkt, daß
die meisten von ihnen eine schlaflose Nacht in Bussen
oder Zügen verbracht hatten.
In den frühen Morgenstunden hatte die Polizei "eine
nahezu geschlossene Schlange von Bussen" auf den
wichtigsten Autobahnen nach Washington gemeldet
und über 100 Busse pro Stunde gezählt, die den
Baltimore Harbor Tunnel nördlich der Hauptstadt
passierten. Die Menschen in diesen Bussen und in
den Zügen von weiter entfernten Orten wie Chicago
und Miami waren zu aufgeregt zum Schlafen und
verbrachten die Nacht mit Gesprächen und Gesang.
Als Fernsehteams aus mehreren Ländern am folgenden Tag das Ereignis über Satellit live in alle Welt
übertrugen, sangen die Teilnehmer weiterund wiederholten dabei oft das populärste Lied "We Shall Overcome", die inoffizielle Hymne der Bewegung mit dem
Refrain:

King sprach als Letzter. "Jetzt ist die Zeit gekommen,
die Versprechen der Demokratie in die Tat umzusetzen", erklärte er und forderte seine Zuhörer auf, "geht
zurück nach Mississippi, geht zurück nach Alabama...
Geht zurück in die Slums und Ghettos unserer Städte
im Norden." Sie sollten dies tun, auch wenn sie mit
Schwierigkeiten konfrontiert sein würden. Dann fuhr er
aus dem Stehgreif fort:
"Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein
Traum, der tief im Amerikanischen Traum verwurzelt ist. Ich träume davon, daß sich diese
Nation eines Tages erheben und gemäß der
wahren Bedeutung ihres Bekenntnisses leben
wird: 'Wir halten diesen Grundsatz für selbstverständlich, daß alle Menschen gleich geschaffen worden sind.'"
"Ich träume davon, daß eines Tages in Alabama
... kleine schwarze Jungen und kleine schwarze
Mädchen den kleinen weißen Jungen und weißen Mädchen die Hände als Brüder und Schwestern reichen können. Ich habe heute einen
Traum!"
"... und wenn wir die Freiheit wirklich erschallen
lassen ... werden wir dem Tag schnell näherkommen, an dem alle Kinder Gottes... einander
die Hände reichen und das alte Spiritual anstimmen: 'Free at last, free at last; thank God
Almighty, we are free at last.'"

Dr. Kings eindringliche Worte klingen den Amerikanern noch nach 30 Jahren im Ohr. John Lewis, der
heute einen Wahlkreis von Atlanta (Georgia) im USRepräsentantenhaus vertritt, erinnert sich an diesen
Tag als "einen der prägenden Augenblicke in der
modernen amerikanischen Geschichte... Diese unglaubliche Koalition aus schwarzen und weißen Amerikanern hatte grundlegende Auswirkungen auf den
Oh, deep in my heart, I do believe
Kongreß." Walter Reuthers Bruder Victor hat ähnliche
Erinnerungen: "Wir hatten das Gefühl, daß wir endlich
We shall overcome some day.
den Durchbruch geschafft hatten." Der Marsch beschleunigte den Wandel im politischen Klima gegenA. Philip Randolph war der erste Redner, der die über den Bürgerrechten, der in Birmingham begonnen
Teilnehmer vor der riesigen Statue von Präsident hatte, und vergrößerte enorm die Aussichten, daß der
Abraham Lincoln begrüßte, der 100 Jahre zuvor die Kongreß Kennedys Vorlage verabschieden würde.
Sklaven befreit hatte. Roy Wilkins gab in seiner Rede Der Kongreß brauchte nahezu ein Jahr, um den Widerbekannt, daß einer der Gründer der NAACP, W.E.B. stand aus dem Süden und von Konservativen zu
DuBois, ein Sohn von Sklaven, der im Jahr 1895 an der überwinden, aber er verabschiedete das Gesetz 1964
Harvard University promoviert hatte, an demselben und zusätzlich im Jahr 1965 ein Wahlrechtsgesetz.
Morgen in Akkra (Ghana) gestorben war. Walter
Reuther warnte den Präsidenten und den Kongreß, Diese Gesetze verlagerten den Kampf um die Bürger"wir können die Freiheit in Berlin nicht verteidigen, rechte schließlich von der Straße in die Gerichtssäle.
solange wir die Freiheit in Birmingham verweigern". Die Veränderung vollzog sich nicht auf einmal, und sie
John Lewis, dessen Rede mehr Applaus erhielt als geschah nicht ohne Opfer. Nur zwei Wochen nach
jede andere mit Ausnahme von Kings, erinnerte die dem Marsch forderte ein weiterer Bombenanschlag
Menge an die Amerikanische Revolution von 1776 und auf eine Kirche in Birmingham das Leben von fünf
rief sie auf, weiterzumarschieren, bis diese Revolution kleinen schwarzen Mädchen. Drei Monate nach dem
vollendet sei.
Marsch wurde Präsident Kennedy ermordet. Im turbu-

AMERIKA DIENST 32

Seite 3

�lenten Jahr 1968 wurde - nur wenige Wochen vor der
Ermordung von Senator Robert F. Kennedy - auch
King ermordet und die Bewegung ihres wirkungsvollsten Führers, das Land eines seiner wertvollsten Bürger
beraubt.
Seit dem Marsch von 1963 und dem Bürgerrechtsgesetz von 1964 haben Afroamerikaner eine immer größere Rolle im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben Amerikas übernommen. Der demokratische Abgeordnete Walter Tucker aus Kalifornien, ein
afroamerikanisches Mitglied des Repräsentantenhauses, der zu jung ist, um sich an den Marsch von 1963
erinnern zu können, erklärt, "ohne die Opfer von Dr.
King und Hunderttausenden anderen wäre ich heute
nicht im Kongreß". Und doch erwies sich die Beseitigung die Rassen trennender juristischer Hindemisse
lediglich als Beginn der längeren und weit komplexe-

*

Seite 4

*

ren Aufgabe, eine echte vielrassische Demokratie
aufzubauen. Die Anhänger, die Coretta Scott King im
August 1993 die Mall hinunterführen wird, werden die
Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre feiern
und einander auch daran erinnern, was noch zu tun
bleibt.
Vielleicht sind der Marsch von 1963, die von ihm
verkörperte Bewegung und die inhaftierten, geschlagenen und ermordeten Bürgerrechtsaktivisten, für die
er sprach, bereits dadurch am vielsagendsten gewürdigt worden, daß viele Sommer danach ihre Hymne in
Städten angestimmt wurde, die viele Tausend Meilen
von Washington und Birmingham entfernt sind. Nach
Demokratie verlangende chinesische Demonstranten
sangen sie 1989 auf dem Platz des Himmlischen
Friedens in Beijing, und 1991 wurde sie von ihren
Gefährten in Moskau vor dem russischen Weißen
Haus angestimmt: "We shall overcome."

*

*

AMERIKA DIENST 32

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton bittet um Unterstützung für Plan zur Gesundung der Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten an die Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neues Gesetz soll Defizit um 500 Milliarden Dollar senken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über die Gesetzesvorlage&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum hat sich die Wirtschaftsleistung nach der Abschaffung des Kommunismus sogar noch verschlechtert?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Mancur Olson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA begrüßen Aktionspläne der NATO zu Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher von Ergebnissen der Nahostreise ermutigt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neue Rolle des Außenministers als aktiver Vermittler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Terrorismus&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Experten warnen vor anhaltender terroristischer Bedrohung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Strategien zur Bekämpfung erörtert&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Landminen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungeräumte Landminen: versteckte Killer und ein weltweites Problem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bericht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Martin Luther King&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Marsch nach Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert E. Mutch&lt;/em&gt;</text>
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dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

4. August 1993

* * * ;:#aBOSNIEN

CLINTON SIEHT GEMEINSAME POSITION
MIT VERBÜNDETEN ZU BOSNIEN
Ausführungen bei Phototermin
PRÄVENTIVE DIPLOMATIE
von David Shorr

SERBIEN-MONTENEGRO

DIE AUSWIRKUNGEN DER SANKTIONEN
GEGEN SERBIEN-MONTENEGRO
Eine Übersicht des US-Außenministeriums

HANDEL

CHRISTOPHER: VERBINDUNGEN
ZWISCHEN NAFTA UND AFTA SONDIEREN
Rede des Außenministers beim ASEAN

WIRTSCHAFT

ANKURBELUNG DER WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG AUCH VON NUTZEN
FÜR DIE USA
von R. C. Longworth

OSTEUROPA

SOROS: DEMOKRATIE NICHT SICHERER
GEWINNER IN OSTEUROPA
Appell an den Westen

NAHER OSTEN

DIE VEREINIGTEN STAATEN,
DER ISLAM UND DER NAHE OSTEN
IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
von Edward P. Djerejian

EINWANDERUNG

CLINTON KÜNDIGT HARTES DURCHGREIFEN
GEGEN ILLEGALE EINWANDERUNG AN
Legale Einwanderung nicht betroffen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
4. August 1993

CLINTON SIEHT GEMEINSAME POSITION
MIT VERBÜNDETEN ZU BOSNIEN
Ausführungen bei Phototermin
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge arbeiten die Vereinigten Staaten mit ihren Verbündeten bei der
Bewältigung der Situation in Bosnien-Herzegowina zusammen, und "unseres Erachtens werden wir eine
gemeinsame Position erzielen".
Auf die Frage bei einem Phototermin am 2. August 1993, ob er über Berichte besorgt sei, daß die Friedensgespräche verzögert werden könnten, weil die Bosnier von den Vereinigten Staaten ein militärisches Engagement
erwarten, antwortete der Präsident, er "glaube nicht, daß das geschehen wird".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen von Präsident Clinton sowie des Außenamtssprechers
Michael McCurry vor Pressevertretern am 1. August 1993.
Frage: Herr Präsident, würden Sie bitte die amerikanische Politik gegenüber Bosnien verdeutlichen? Sind
die Vereinigten Staaten zum einseitigen Einsatz von
militärischer Gewalt bereit, um die Belagerung von Sarajevo zu beenden und humanitäre Hilfslieferungen in
die Stadt zu bringen? Oder werden sie nur gemeinsam
mit den NATO-Verbündeten vorgehen?

Frage: Sind Sie besorgt über Berichte, die Gespräche
könnten verzögert werden, weil die Bosnier von den
Vereinigten Staaten erwarten, daß sie ihnen militärisch zur Seite stehen?

Antwort: Ich glaube nicht, daß das geschehen wird.
Ich möchte folgendes sagen: Meiner Ansicht nach
wurde der Frieden durch die entgegengesetzte AnnahAntwort: Ich glaube, die Berichte von heute morgen me verzögert: Weil die Verbündeten nichts unternomhaben unsere Position vielleicht etwas übertrieben. men haben, um die Position zu stabilisieren, hat sich
Unsere Position lautet, wir werden gemeinsam mit die Situation seit wir in Athen Gespräche geführt haben
unseren Verbündeten vorgehen, wir werden versu- sehr verschlechtert. Jetzt scheint sich die Lage wieder
chen, eine gemeinsame Position zu entwickeln. Unse- etwas zu verbessern, zum Teil, weil wir darüber spreres Erachtens werden wir eine gemeinsame Position chen, was aus humanitären Gründen und zum Schutz
erzielen. Meiner Ansicht nach ist keinem gedient, unserer eigenen Streitkräfte dort - der UN-Truppen wenn man spekuliert, was ändertalls geschehen könn- unternommen werden muß.
te.
Ich bis also ziemlich zuversichtlich. Meines Erachtens
Die Verbündeten werden es - glaube ich - nicht zulas- haben wir bei den Friedensgesprächen echte Fortsen, daß Sarajevo entweder fällt oder ausgehungert schritte erzielt, und ich hoffe, dies wird auch in Zukunft
wird. Das wird sicherlich nicht passieren. Wir werden der Fall sein. Ich glaube nicht, daß die bosnische
also eine gemeinsame Position erarbeiten. Es besteht Regierung einen Rückzieher machen wird.
natürlich Anlaß zur Sorge - und diese Besorgnis hat
immer bestanden - seitens derjenigen, die dort Boden- Unterstützung der NATO für umfassenden Einsatz
truppen insbesondere in exponierten Stellungen sta- der Luftstreitkräfte in Bosnien angestrebt
tioniert haben. Wir werden dies erörtern, und ich
Die Vereinigten Staaten sind entschlossen "vehemenwünsche eine Fortsetzung der Gespräche. Mein Ziel
ter" vorzugehen, um die Belagerung Sarajevos zu
war stets, gemeinsam mit ihnen zu arbeiten und
beenden sowie sich mit der humanitären und politigemeinsam vorzugehen, und meines Erachtens wird
schen Situation in Bosnien-Herzegowina zu befassen,
uns dies gelingen.
so der Sprecher des US-Außenministeriums, Micheal
McCurry.

AMERIKA DIENST 31

Seite 1

�Ihm zufolge "erwarten" die Vereinigten Staaten die
Unterstützung dieses Aktionsplans bei einer Sondersitzung des Nordatlantikrats (NAC) der NATO.
McCurry erklärte, aufgrund der Konsultationen mit den
Staats- und Regierungschefs der verbündeten Länder
"haben wir das Gefühl, daß ein Vorgehen im Rahmen
der NATO möglich sein wird".
Seines Erachtens sieht die amerikanische Initiative,
die am 2. August beim NAC-Treffen unterbreitet wird,
"den Einsatz von Luftstreitkräften für einen umfassenderen Zweck" als den Schutz der UNPROFOR gemäß
UN-Resolution 836 vor.
Der Sprecher fügte hinzu, die Vermeidung eines solchen Luftangriffs sei vorzuziehen, "die Vereinigten
Staaten wären jedoch gegebenenfalls zu einem solchen Einsatz bereit, um den bosnischen Serben

unmißverständlich klarzumachen", daß ihre Aktionen
"nicht toleriert werden können".
McCurry zufolge hat Außenminister Christopher Schreiben an die Außenminister der NATO und Rußlands mit
einer Beurteilung der Lage in Sarajevo und Bosnien
aus amerikanischer Sicht sowie der Notwendigkeit
weiterer Aktionen übermittelt. Obwohl die Vereinigten
Staaten zu verstehen gegeben haben, daß sie ein
multilaterales Vorgehen vorziehen, so der Sprecher,
habe der Außenminister betont, daß "wir zum Handeln
entschlossen sind".
Die Vereinigten Staaten sind beim Nordatlantikrat durch
Stephen Oxman, den Leiter der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium vertreten sowie den amerikanischen
Sondergesandten für das ehemalige Jugoslawien,
Botschafter Reginald Bartholomew.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 31

�BOSNIEN
4. August 1993

PRÄVENTIVE DIPLOMATIE
von David Shorr
Die derzeitige Krise auf dem Balkan ist ein Test für Konfliktlösungen, die in den kommenden Monaten eine
wesentliche Rolle spielen können, stellt der Verfasser fest und erläutert in dem nachfolgenden Artikel, wie die
Prinzipien dieser Strategie im ehemaligen Jugoslawien verwirklicht werden, um eine weitere Ausweitung des
Konflikts zu verhindern.
Der Autor ist Stellvertretender Direktor des Britisch American Security Information Council und Redakteur der
von dieser Institution veröffentlichten Publikation Basic Reports.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Government Executive, April 1993.
Copyright (c) 1993 National Journal, Inc. Alle Rechte vorbehalten.
Seit Ausbruch des Krieges zwischen den ethnischen Angesichts der großen Anzahl von im früheren OstGruppen im ehemaligen Jugoslawien suchen die Ver- block schwelenden Konflikten wird der Einsatz von
einigten Staaten und ihre Verbündeten nach einer solchen Beobachtern wahrscheinlich zum ständigen
Antwort. Bestrebungen, eine Schlichtung zu vermit- Bestandteil der Diplomatie nach dem Kalten Krieg.
teln, haben sich als erfolglos erwiesen - zum Teil, weil Eine andere präventive Mission wurde in der ehemalisie erst in die Wege geleitet wurden, als der Konflikt gen sowjetischen Republik Georgien eingerichtet und
schon in vollem Gange war. Und in dem Maße, in dem eine weitere wird in Estland aufgebaut.
die Gewalt in Kroatien und später Bosnien-Herzegowina eskalierte, wurden die den Entscheidungsträgern Bei jeder dieser Missionen unterhält ein internationaler
Stab von Diplomaten, Militärs und Akademikern Konverfügbaren Optionen zunichte gemacht.
takte mit unterschiedlichen ethnischen und politischen
Wir werden niemals wissen, ob frühzeitige politische Gruppen und fordert sie zum friedlichen ZusammenleIntervention den Krieg im Keim erstickt hätte, aber ben auf.
amerikanische Diplomaten beteiligen sich inzwischen
an internationalen Bestrebungen, um seine Auswei- Die präventiven Missionen wurden unter der Ägide der
Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Eurotung zu verhindern.
pa (KSZE) organisiert, die aus 53 Ländern NordameriSie sind mit einer ungegwöhnliehen Übung befaßt, die kas, Europas und der ehemaligen Sowjetunion besteht.
als präventive Diplomatie in Notfällen bezeichnet werden Sie verkörpern eine neue Dimension politischer Durchkönnte. Seit Ende 1992 wurden in der serbischen setzungskraft für die KSZE, deren Rolle traditionell in
Hauptstadt Belgrad und in Skopje, der Hauptstadt von der Kodifizierung von Menschenrechtsgrundsätzen
Makedonien, Sondermissionen ins Leben gerufen. In bestand. Nach Ansicht von Botschafter John Korndiesen beiden Städten und in entfernteren Regionen blum, dem amerikanischen Vertreter bei der KSZE,
versuchen die Diplomaten, eine Aussöhnung zwischen demonstrieren die Beobachtermissionen, "wie die KSZE
den ethnischen Gruppen herbeizuführen, die einstmals bei der Sondierung neuer Methoden präventiver Diplomatie innovativ sein kann".
friedlich miteinander in Jugoslawien gelebt haben.
Die diplomatische Initiative hat die Beilegung lokaler
Animositäten in den in Serbien und Montenegro entstandenen ethnischen Enklaven zum Ziel, die gemeinsam den Rumpf der ehemaligen jugoslawischen Föderation bilden. Die Initiative richtet sich auch an Makedonien, das die Anerkennung als unabhängiger Staat
anstrebt.
AMERIKA DIENST 31

Historisch gesehen waren es natürlich die Vereinten
Nationen, die die Führungsrolle bei der Schlichtung von
Konflikten übernommen haben. In dem Bestreben, die
UN-Ressourcen für Krisen in der Dritten Welt vorzubehalten, hat Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali jedoch
die KSZE-Mitgliedstaaten aufgefordert, sich ihrer eigenen Probleme anzunehmen.
Seite 1

�In Ermangelung detaillierter Vorschriften, wie sie den
Vereinten Nationen zur Verfügung stehen, sieht sich
die KSZE gezwungen, viele ihrer Strukturen und Verfahren zu improvisieren. Nils Eliasson, der Leiter des
KSZE-Sekretariats in Prag, vertritt die Meinung, dies
habe Initiativen wie die Einrichtung der Missionen nicht
verhindert. "Solange man sich politisch einigt, etwas
zu tun, nehmen wir es in Angriff ohne zu versuchen,
eine geeignete, formale Struktur zu finden, die dafür
passend wäre", erläutert Eliasson.

für eine begrenzte Dienstzeit von ihren jeweiligen
Regierungen abgeordnet. Als Hauptinitiator der jüngsten Erweiterung des Mitarbeiterstabes drängen die
Vereinigten Staaten die westeuropäischen Regierungen zur Bereitstellung von Beobachtern.

Obwohl die Anschubfinanzierung und Betriebskosten
der Missionen vom Budget der KSZE abgedeckt sind,
in das alle 53 Mitgliedstaaten einzahlen, werden alle
Mitarbeiter mit Ausnahme des Unterstützungsstabes

"Zwei Monate reichen nicht aus, um die Fähigkeiten
und Quellen für eine richtige Einschätzung der Situation zu entwickeln", stellt Feiice Gaer fest, die als
Analystin der Vereinten Nationen tätig ist. Sie verweist

Die US-Regierung verstärkt auch ihre eigene Präsenz
im ehemaligen Jugoslawien. Seit September 1992 hat
sie einen oder zwei Beobachter nach Serbien und
Montenegro und zwei weitere für die von den Amerikanern geleitete makedonische Beobachtermission entDennoch hat sich ein grobes Verhaltsmuster entwicksandt, die derzeit von dem aus dem Ruhestand zuelt. Der Vorschlag zur Einrichtung einer "Langzeit mis- rückberufenen Botschafter William Whitman geführt
sion" (so der diplomatische Begriff) gründet sich für wird. Bis Mitte März sollten insgesamt sieben Beobgewöhnlich auf die Empfehlung eines Untersuchungs- achter aus den Vereinigten Staaten in das ehemalige
ausschusses, der für nur einige Tage zur Erkundung in Jugoslawien entsandt werden.
das Gebiet entsandt wird. Der KSZE-Ausschuß Hoher
Beamten, der jeden Monat zusammentritt, entscheidet Die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der KSZEüber solche Initiativen, einschließlich ihrer personellen Mission wird vom Büro für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Au ßenministerium koorBesetzung und Budgetfragen.
diniert. Der erste Schritt des Einstellungsverfahrens
Im Gegensatz zum Ruf der KSZE als chaotische besteht in der Durchsicht der Personalakten des
Gruppe von Ländern, in denen die Notwendigkeit eines Außenministeriums nach Kandidaten mit JugoslawienKonsenses bei der Entscheidungsfindung jede effekti- erfahrung und soliden Sprachkenntnissen.
ve Aktion verhindert, wurden die Vorschläge für Konfliktverhütungsmissionen unter relativ geringen Schwie-Bis vor kurzem hatten die Vorgesetzten die Option, die
rigkeiten verabschiedet. Die KSZE ist sich der Zusam- Freistellung ihrer Mitarbeiter für eine solche begrenzte
Dienstverpflichtung zu verweigern. Dies wurde im
menarbeit der Länder gewiß, die sie beobachten will.
Januar
1993 geändert, als der damalige AußenminiSelbst die Regierung von Rumpf-Jugoslawien, die jetzt
ster
Lawrence
Eagleburger einen Erlaß unterzeichneüber die Föderation von Serbien und Montenegro
te,
in
dem
präventive
diplomatische Missionen zur
herrscht, hat Beobachter auf ihrem Territorium gestatPriorität
erklärt
wurden.
tet. Während die Präsenz der KSZE dort erweitert
wurde, wirken die Behörden in Belgrad jedoch als
Thomas Torrance vom Büro für europäische AngeleHemmschuh bei der Beschaffung von Büros und Telegenheiten im US-Außenministerium erläutert das Einphonleitungen, berichtet der Missionsleiter, Botschafstellungsverfahren für Beobachter: "Hochrangige Beter Tore Bogh von Norwegen.
amte des Außenministeriums wenden sich an BotJede Mission wird von einem hochrangigen Diploma- schafter und Büroleiter und sagen ihnen: 'Sie müssen
ten geleitet. In einigen Fällen wird die Funktion von für einige Monate auf diesen oder jenen Mitarbeiter
einem Missionsleiter übernommen, der in der Region verzichten'". In dem Bestreben, Kandidaten aus allen
akkreditiert ist, in anderen Fällen überwacht ein hoch- Bereichen der Regierung zu erreichen, haben die
rangiger Gesandter die Mission jedoch aus der Feme hochrangigen Beamten des Außenministeriums ihre
und fliegt in regelmäßigen Abständen in die Region. Kollegen in anderen Ämtern über den Bedarf an BeDieser Diplomat ist für die Zusammenstellung eines obachtern informiert. Der einzige amerikanische Beobachter seit Anfang März, der nicht aus dem auswärinternationalen Mitarbeiterstabes verantwortlich.
tigen Dienst kommt, wurde von der Helsinki-KongreßDie Mission mit Sitz in Belgrad und ihren sechs Außen- delegation entsandt.
stellen in den Regionen Kosovo, Sandschak und Vojvodina von Serbien und Montenegro ist bis heute die Der Bedarf an Beobachtern wird von der kurzen Verumfassendste Bestrebung. Allerdings konnte die KSZE setzungsdauer der Beobachter in die Region bestimmt.
bisher nicht das erforderliche Personal bereitstellen, Der typische amerikanische Beobachter in Jugoslaum den Sollbestand an Mitarbeitern zu erfüllen. An- wien kehrt (wie viele seiner internationalen Kollegen)
fang November 1992 stimmte der Ausschuß Hoher nach nur zwei Monaten zurück. Die Bereitstellung von
Beamten einer Aufstockung von 12 auf 20 zu - eine Beobachtern wird dadurch zwar nicht zur ständigen
Zahl, die Bogh zufolge erst im Februar 1993 erreicht Sorge, Beobachtern zufolge behindert der Mangel an
Mitarbeitern jedoch die Effektivität der Missionen.
wurde.

Seite 2

AMERIKA DIENST 31

�darauf, daß selbst Beobachter mit Jugoslawienerfahrung mit der heutigen Dynamik der Region nicht vertraut sein könnten.
Gaer sieht das Bereitstellungsproblem als Spiegelbild
eines halbherzigen Ansatzes zu den Beobachterbestrebungen insgesamt: "Die Regierungen haben die
notwendigen Mitarbeiter nicht so rechtzeitig zur Verfügung gestellt, wie es die Dringlichkeit der Situation
erforderte", fügt sie hinzu.

das gegenseitige Mißtrauen sei in solchen Regionen
häufig so groß, daß "Vermittler zu spielen' lange Zeit
bedeuten kann, als Überbringer von Botschaften zu
dienen, wo es keinen direkten Dialog gibt".
Die zweite Aufgabe besteht in der Beschwichtigung
der Ängste von Dorfbewohnern: "Die Beobachter
müssen in alle bäuerlichen Gemeinden gehen, mit den
Politikern sprechen ... und Realität und Vorurteile
herausfiltern. Dies zwingt die Dorfbewohner, ihre
Ansprüche etwas rationaler zu formulieren und vergewissert sie, daß man die andere Seite beobachtet."
Die Beobachter verbringen die Hälfte ihrer Zeit damit,
politische Wahlkämpfe zu beobachten sowie bei Beschuldigungen ethnischer Gewalt und anderer Menschenrechtsverletzungen zu ermitteln - die sich alle als
Zündfunke erweisen können.

Die an den Beobachtermissionen Beteiligten haben
das Gefühl, eine wertvolle Rolle zu spielen. Peter
Mulrean, der als Beamter im auswärtigen Dienst von
1989 bis 1990 in die kroatische Hauptstadt Zagreb
versetzt wurden war, ergriff die Chance, als er im
September 1992 um seine Mitarbeit bei der Einrichtung der Mission in Serbien gebeten wurde. "Dies
schien etwas Neues zu sein", erklärt er. "Zum ersten Natürlich müssen die Mitarbeiter solcher Missionen
Mal, seit das Problem vor zwei Jahren entstand, versu- ziemlich viel reisen, und zum Etat der KSZE gehören
chen wir in den Vereinigten Staaten, vorzugreifen und Mittel zur Finanzierung einer Fahrbereitschaft. Botnicht nur zu reagieren."
schafter Whitman, der Leiter der makedonischen
Mission, unterstreicht, daß die Beobachter ihre TätigEinen schwelenden Konflikt einzudämmen beinhaltet keit nicht effektiv ausüben können, wenn sie in der
zwei Arten von Aufgaben, erläutert Mulrean. Um Hauptstadt bleiben.
letztlich den Weg für eine Beilegung ethnischer Auseinandersetzungen zu ebnen, müssen die Beobachter Das politische Territorium des ehemaligen Ostblocks
die politisch Verantwortlichen der einzelnen Gemeinhat sich als steiniger Boden für die Entwicklung einer
den in sachliche Gespräche einbeziehen. Der Schlüs- Demokratie nach westlichem Muster erwiesen, nicht
sel ist ihm zufolge, kleine, konkrete Probleme auszu- zuletzt aufgrund der Animositäten zwischen den einmachen. Das Bildungssystem warder Mittelpunkt der zelnen Gruppen. Wenn die Tradition politischer
Vermittlungsbestrebungen im Kosovo, wo die Serben Kompromisse jedoch vom Westen in den Osten transSchulen geschlossen haben, an denen in der von der plantiert werden kann, werden Bestrebungen zur
Mehrheit der Bevölkerung gesprochenen albanischen Konfliktlösung wie die KSZE-Missionen eine wichtige
Landessprache unterrichtet wird. Mulrean stellte fest, Rolle spielen.

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AMERIKA DIENST 31

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Seite 3

�SERBIEN - MONTENEGRO
4. August 1993

DIE AUSWIRKUNGEN DER SANKTIONEN GEGEN
SERBIEN-MONTENEGRO
Eine Übersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Das US-Außenministerium hat am 27. Juli 1993 die folgende Übersicht zu den
Sanktionen gegen Serbien-Montenegro veröffentlicht.
Die Sanktionen haben kumulative Auswirkungen auf Serbien und Montenegro. Die serbisch-montenegrinische
Wirtschaft ist zerrüttet.

Eine Hyperinflation hat sich durchgesetzt:
Die Inflationsrate in der FRJ (Föderative Republik Jugoslawien) betrug im Juni mehr als 341
Prozent, auf Jahresbasis umgerechnet nahezu
5,4 Milliarden Prozent. Die Einzelhandelspreise
waren fast 7.000mal so hoch wie vor einem
Jahr. Bei diesem Tempo verliert der Dinar pro
Tag durchschnittlich 12 Prozent seines Wertes,
und die Geschäfte sehen sich somit gezwungen, zweimal pro Tag die Preise zu ändern.
Der größte Geldschein der FRJ (50.000 Dinar)
ist weniger wert als3,80 Dollar. Viele Menschen
haben es aufgebeben, Brieftaschen mit sich zu
führen.
Der Zusammenbruch des Dinar hat ernste Störungen der Wirtschaft verursacht. Der Tauschhandel hat als Zahlungsmittel zungenommen,
da sich Serben zunehmend weigern, den praktisch wertlosen Dinar anzunehmen. Die meisten Serben bemühen sich, unmittelbar nach
Erhalt ihre Dinar in harte Währungen (vorzugsweise D-Mark) umzutauschen. Die Bauern
weigern sich, dem Staat Weizen zu verkaufen,
solange dieser die Garantiepreise nicht erhöht.
Dies könnte in naher Zukunft zu Nahrungsmittelknappheit in Belgrad führen.
Der Preis des offiziellen monatlichen Warenkorbs für Nahrungsmittel ist von 3.020 Dinar im
Februar 1992 auf 345 Millionen Dinar im Juli
AMERIKA DIENST 31

1993 explodiert. Allein in der zweiten Juliwoche
stieg der Preis um 81 Prozent.
Die Durchschnittsmonatsrente in Serbien reicht
lediglich zum Kauf von eineinhalb Kilogramm
Fleisch oder für einen Korb mit Früchten.
Seit Juni 1993 sind die Kosten für öffentliche
Verkehrsmittel und Postdienste um 372 Prozent, für Tabak um 700 Prozent sowie für Miete
und Nebenkosten um 988 Prozent gestiegen.
Der Mehlpreis hat sich vergangenen Monat
erneut mehr als verdoppelt. Außerhalb Belgrads besteht ein chronischer Mangel an Mehl,
Zucker, Milch und Pflanzenöl.
Serbische Industrieanlagen und -ausrüstung sind im
Verfall begriffen.
Die Industrieproduktion ist seit letztem Jahr um
46 Prozent gesunken. Im Jahr 1992 hatte der
Rückgang bereits 75 Prozent betragen.
Die Industrielöhne können mit der Inflation nicht
Schritt halten. Der Mindestlohn wurde im Juli
1993 auf 90 Millionen Dinar festgesetzt. Den
Arbeitern wurde eine Zulage von 70 Millionen
Dinar in Aussicht gestellt, was den Gesamtmonatslohn auf 160 Millionen Dinar (11-12 USDollar beim derzeitigen Schwarzmarktkurs)
steigert.
Die Arbeitslosigkeit hat 65 Prozent überschritten.
Seite 1

�Die serbische Infrastruktur bricht zusammen:
Die öffentlichen Verkehrsmittel sind unzureichend. Der Mangel an Dieseltreibstoff hat den
Busverkehr drastisch verringert. Der Großteil
des lokalen Schienenverkehrs wurde eingestellt.
Aufgrund mangelnder Instandsetzung und
Wartung der Elektrizitätswerke steht der Energiesektor kurz vor dem Zusammenbruch. Zum
ersten Mal kommt es im Land zu Engpässen bei
der Stromversorgung.

gruppe zu den Sanktionen gegen Serbien (Interagency Task Force on Serbia Sanctions - IATF) gebildet.
Die Arbeitsgruppe bedient sich der US-Regierung zugänglicher nachrichtendienstlicher Informationen und
koordiniert die Durchsetzung der Sanktionen seitens
der amerikanischen Regierung. Sie hat femer eine
wichtige Rolle bei der Koordinierung internationaler
Bemühungen gespielt, um das Funktionieren der
Sanktionen zu gewährleisten. Zu den Initiativen der
Arbeitsgruppe gehören:
Einführung internationaler Mechanismen zur
Durchsetzung der Sanktionen wie der Sanktionsunterstützungsmissionen (Sanctions Assistance Missions - SAMs),

Das Banksystem Serbiens steht am Rande des Zusammenbruchs:
Die drastische Dinarknappheit hat viele Banken
gezwungen, Abhebungen auf 10 Millionen Dinar
zu begrenzen. Wichtige Banken des sozialistischen Sektors, darunter die Beobanka und die
Yugobanka sowie die Nationalbank von Jugoslawien haben nicht genügend flüssige Mittel,
und ihre Vermögenswerte in den OECD-Ländern wurden als Teil der UN-Sanktionen eingefroren.

Bereitstellung modernster Technologie für den
UN-Sanktionsausschuß, SAMCOMM und die
SAM-Teams),
Reduzierung von Sanktionsverletzungen durch
die Bereitstellung von technischer Hilfe und
Personal (in Form von SAM-Beobachtern) für
die Frontstaaten: Albanien, Makedonien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn und die Ukraine,

Der serbische Handel mußte starke Einbußen hinnehmen. Die Sanktionen haben den Warenstrom
nach und aus Jugoslawien um über 75 Prozent
verringert. Die Kosten für Importwaren sind in
Serbien explodiert.

Unterstützung der Durchführungsbemühungen
anderer Staaten durch Einführung eines Verifizierungssystems vor der Lieferung von Ölprodukten von Griechenland über Makedonien,
Unterbindung der Beteiligung der FR J am internationalen Handel durch die Koordinierung
weltweiter Bemühungen zur Identifizierung,
Lokalisierung und Beschlagnahme der FRJHandelsflotte,

Ein Großteil des verbleibenden Handels umfaßt
über die Grenze geschmuggelte leichte Konsumgüter sowie Nahrungsmittel und andere
humanitäre Güter, deren Einfuhr vom Sanktionsausschuß der UNO genehmigt wurde oder
die den Sanktionen nicht unterliegen.

verschärfte Durchführung der Sanktionen im
Hinblick auf Lieferungen strategischer Güter
durch Aufbringung und Festsetzung von Schiffen, die in der Adria und auf der Donau die
Sanktionen verletzen.

Als Teil der Bemühungen zur verschärften Durchsetzung der Sanktionen wurde im US-Außenministerium
am 12. Februar 1992 eine interministerielle Arbeits-

* * * *

Seite 2

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AMERIKA DIENST 31

�HANDEL
4. August 1993

CHRISTOPHER: VERBINDUNGEN ZWISCHEN
NAFTA UND AFTA SONDIEREN
Rede des Außenministers beim ASEAN
SINGAPUR - (AD) - In Ausführungen beim Ministerfolgetreffen des ASEAN stellte Außenminister Christopher
am 27. Juli 1993 fest, die Vereinigten Staaten seien bereit, während sich die Freihandelszone des ASEAN
(AFTA) und das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA) entwickeln, "bei der Verfolgung eines
offeneren globalen Handelssystems potentielle Verbindungen zwischen ihnen zu sondieren".
In seiner Rede verwies der Außenminister darauf, daß die Vereinigten Staaten die Entscheidung des ASEAN
uneingeschränkt unterstützen, "die Liberalisierung des regionalen Handels durch die ASEAN-Freihandelszone
AFTA in die Wege zu leiten".
"Eine im Einklang mit dem GATT stehende AFTA, die Schranken für Handel und Investitionen in der Region
abbaut ohne neue Handelshemmnisse für ausländischen Handel aufzubauen", erläuterte Christopher, "wird
größeres Wachstum unter den Mitgliedern und Handelspartnern fördern".
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext des Außenministers im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehreund ein Vergnügen, die Vereinigten
Staaten beim Ministerfolgetreffen des ASEAN vertreten zu dürfen. Ich freue mich über diese Gelegenheit
zu einem Gedankenaustausch mit meinen Kollegen
aus den ASEAN-Ländern.

Handelspartner von jedem der sechs ASEAN-Länder.
Der ASEAN insgesamt ist unser viertgrößter Handelspartner. Im Jahr 1992 belief sich der Handel zwischen
den Vereinigten Staaten und dem ASEAN auf rund 60
Milliarden Dollar.

Präsident Clintons Besuch in Japan und Südkorea
Anfang dieses Monats hat das Engagement der Vereinigten Staaten unter Beweis gestellt, gemeinsam mit
anderen einen neue pazifische Gemeinschaft zu schmieden. Ich möchte unser heutiges Treffen zum Anlaß
nehmen, um die Absicht der Vereinigten Staaten zu
bekräftigen, ihrer Führungsrolle hier und weltweit gerecht zu werden.

Dieser zunehmende Handel verstärkt die engen Beziehungen, deren sich die Vereinigten Staaten und
ASEAN seit der Gründung der Organisation erfreuen.
Enge Wirtschaftsbeziehungen und wirtschaftliche
Liberalisierung bringen greifbare Vorteile für unsere
Arbeitnehmer und Unternehmen mit sich. Aus diesem
Grund war der ASEAN so entscheidend bei der Aufnahme der Verhandlungen im Rahmen der UruguayRunde beteiligt. Ich hoffe, diese Organisation wird
Ich möchte ferner das kontinuierliche Engagement der ihren Teil dazu beKragen, die Runde zu einem erfolgVereinigten Staaten zur Zusammenarbeit mit dem reichen Abschluß zu bringen.
ASEAN ausdrücklich unterstreichen. Im Verlauf der
letzten Jahre hat sich unter den ASEAN-Mitgliedern Aus diesem Grund haben wir die Entscheidung des
eine subregionale Identität entwickelt. Das Muster der ASEAN uneingeschränkt unterstützt, die LiberalisieZusammenarbeit und des Dialogs, das diese Organi- rung des regionalen Handels durch die ASEAN-Freisation erarbeitet hat, kann als Beispiel für andere Teile handelszone AFTA in die Wege zu leiten.
der Welt dienen.
Eine im Einklang mit dem GATT stehende AFTA, die
Wir haben jetzt die Chance, die bereits bedeutsamen Schranken für Handel und Investitionen in der Region
wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinig- abbaut - ohne neue Handelshemmnisse für ausländiten Staaten und dem AS EAN weiter zu verstärken. Die schen Handel aufzubauen - wird größeres Wachstum
Vereinigten Staaten sind der erst- oder zweitgrößte unter den Mitgliedern und Handelspartnern fördern.
AMERIKA DIENST 31

Seite 1

�Ebenso wie die Volkswirtschaften des ASEAN von den
Wohlstand erzeugenden Auswirkungen des NAFTA
profitieren werden, sind wir überzeugt, daß unsere
Volkswirtschaft von den aus der AFTA resultierenden
höheren Wachstumsraten profitieren wird. Während
sich AFTA und NAFTA entwickeln, sind die Vereinigten Staaten bereit, bei der Verfolgung eines offeneren
globalen Handelssystems potentielle Verbindungen
zwischen ihnen zu sondieren.
Unser Glaube an den Nutzen einer regionalen Handelsliberalisierung begründet unser Engagement für
das APEC als Eckpfeiler der asiatisch-pazifischen
Zusammenarbeit. APEC steht für nahezu die Hälfte
des Bruttoinlandsprodukts der Welt und kann das
Kernstück einer neuen pazifischen Gemeinschaft bilden. APEC kann darüber hinaus der Rahmen für die
Förderung der transpazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Integration sein, indem es den
Handel erweitert und Investitionsströme durch das
Prinzip des "offenen Regionalismus" erhöht. Wir sind
erfreut, daß das APEC-Sekretariat in einer Hauptstadt
des ASEAN - hier in Singapur - eröffnet wurde. Und wir
sehen der Veranstaltung des diesjährigen Ministertreffens des APEC in Seattle erwartungsvoll entgegen.

tungen des Aufnahmestaats und kommerzielle Vereinbarungen unterstützen. Unseres Erachtens erfüllt
dieser Ansatz - "Standorte, nicht Stützpunkte" - unsere
gegenseitigen und andauernden Sicherheitserfordernisse.
Obwohl Bündnisse und bilaterale Verteidigungsbeziehungen weiterhin den Eckpfeiler der amerikanischen
Strategie in Südostasien bilden, begrüßt die ClintonAdministration multilaterale Sicherheitskonsultationen
- insbesondere im Rahmen des Minsterfokjetreffens
des ASEAN. Solche Konsultationen können zum
Abbau von Spannungen beitragen, Offenheit fördern,
den Rüstungswettlauf und andere destabilisiernde
Aktionen entmutigen.
Der ASEAN ist besonders wertvoll aufgrund seines
Beitrags zum regionalen Frieden. Seit seiner Gründung im Jahr 1967 war der ASEAN eine Kraft für
regionale Stabilität und Zusammenarbeit.

Ich verweise auf die bedeutende Rolle des ASEAN
beim Friedensprozeß in Kambodscha als herausragendes Beispiel, was er zur Erlangung von Frieden
und Demokratie in der Region beitragen kann. Die in
diesem Frühjahr abgehaltene Wahl war ein verblüffenUnsere Nationen müssen femer bei nichtwirtschaftli- der Erfolg, aber die neue kambodschanische Regierung wird sich mit der mühsamen Aufgabe konfrontiert
chen weltweiten Problemen enger zusammenarbeisehen,
ein Land wiederaufzubauen, das durch Jahre
ten. Nach dem Kalten Krieg müssen wir uns deutlicher
des
Genozids
sowie kontinuierlicher Gewalt und Unruauf transnationale Probleme wie Terrorismus, Flüchthen
gelähmt
ist.
Die Vereinigten Staaten engagieren
linge, Umweltverschmutzung sowie die Herstellung
sich
weiterhin
für
das kombodschanische Volk und die
von Drogen und Drogenhandel konzentrieren. Diese
demokratische
Zukunft,
die es verdient. Wir begrü Ben
Probleme kennen keine Grenzen. Unkontrolliert, werden
die
Absicht
der
ASEAN-Mitglieder,
ihre starke Untersie unsere Sicherheit unterminieren und unseren
stützung
für
den
mutigen
Kampf
Kambodschas
fortzuWohlstand aushöhlen.
setzen, ein politisch stabiles und wirtschaftlich unabDie Inangriffnahme dieser Probleme ist ein wichtiger hängiges Mitglied der Region und der internationalen
neuer Vorstoß der amerikanischen Außenpolitik unter Staatengemeinschaft zu werden.
Präsident Clinton. Um unsere Entschlossenheit zu
unterstreichen, schaffen wir jetzt eine Position im In Burma konnten wir einige positive, aber immer noch
Außenministerium - den Staatssekretär für globale äußerst geringfügige Veränderungen beobachten. Wir
Angelegenheiten. Wir beabsichtigen, eng mit dem müssen weiterhin Druck auf das burmesische MilitärASEAN zusammenzuarbeiten, um neue, effektivere regime ausüben, den demokratischen Bestrebungen
Wege zu Bewältigung dieser Probleme zu sondieren seines Volkes Beachtung zu schenken, grundlegende
und gerneinsam eine vielversprechendere Zukunft politische Reformen zu verabschieden und die Menschenrechte zu respektieren, einschließlich der bedinaufzubauen.
gungslosen Freilassung von Frau Aung San Suu Kyi.
Bedauerlicherweise haben die Probleme Burmas
Aufgrund der anhaltenden Bedrohungen unserer Sicherheit legen die Vereinigten Staaten große Beto- Auswirkungen auf seine Nachbarstaaten, da Burma
nung auf unsere Vertragsbündnisse mit Thailand und die meisten Flüchtlinge in der Region verursacht und
den Philippinen. Wir si.id ferner durch die kontinuier- weltweit der größte Heroinlieferant ist. Solange die
burmesische Diktatur sich echten demokratischen
lichen Fortschritte ermutigt, die wir bei der Verbesserung unserer bilateralen Verteidigungsbeziehungen Reformen widersetzt, wird es weiterhin eine Quelle der
Instabilität und Spannungen für all seine Nachbarstaamit allen ASEAN-Ländern erzielt haben. Diese Bündnisse und andere bilaterale Verteidigungsarrangements ten sein.
spiegeln unser gemeinsames Interesse bei der Bewahrung von Sicherheit und Stabilität in dieser Region Präsident Clinton hat die Förderung von Demokratie
und den Schutz der Menschenrechte zum Kernstück
wider.
unserer Außenpolitik erklärt. Die Amerikaner vertreten
Ohne ständige Stützpunkte in Südostasien können wir die Auffassung, daß wirtschaftliche und soziale Entunsere Vornestationierung durch Zugang zu Einrich- wicklung von Demokratie und Achtung der Menschen-

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AMERIKA DIENST 31

�rechte untrennbar ist. Die Nationen, die in ihr Volk
investieren und die gesetzlich verankerten Rechte des
einzelnen verteidigen, haben eine bessere Chance zu
Entwicklung und Wachstum. Andererseits tendieren
Regime ohne Respekt für Demokratie und Menschenrechte dazu, ihre Grausamkeit, Gewalt und Aggression über ihre Grenzen hinweg zu projizieren.

zu akzeptieren. Der Drang nach Freiheit ist kein Export
aus dem Westen - es ist ein menschlicher Instinkt.
Während dieses Jahrzehnt fortschreitet, werden sich
die Regierungen auf der ganzen Welt bewußt, daß
Menschenrechte nicht länger verweigert und demokratische Bestrebungen nicht länger verzögert werden
können.

Amerika respektiert die religiösen, historischen und
kulturellen Charakteristika, die jedes Land einzigartig
machen. Gleichzeitig glauben wir auch fest an die
Universalität der Menschenrechte und sind erfreut,
daß die internationale Staatengemeinschaft dieses
grundlegende Prinzip bei der Weltkonferenz über
Menschenrechte in Wien bekräftigt hat. Keine Nation,
einschließlich der Vereinigten Staaten, kann Perfektion für sich in Anspruch nehmen. Aber wir weigern
uns, wie Präsident Clinton erklärt hat, "Unterdrückung
unter dem Deckmantel des moralischen Relativismus"

Abschließend möchte ich betonen, wie erfreut ich
darüber bin, daß wir diese neues Zeitalter der Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und dem
ASEAN einleiten - eine von den tiefgreifenden Spaltungen des Kalten Krieges befreite Ära, angeregt durch
das Versprechen gemeinsamen Wohlstands und unter der Prämisse, daß wir volle und gleichberechtigte
Partner bei dem großen Unternehmen sind, eine neue
pazifische Gemeinschaft zu gründen. Lassen Sie uns
diese neue Partnerschaft heute beginnen.

*

AMERIKA DIENST 31

*

*

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Seite 3

�WIRTSCHAFT
4. August 1993

ANKURBELUNG DER WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG
AUCH VON NUTZEN FÜR DIE USA
von R. C. Longworth
Demokratie, eine saubere Umwelt und die Eindämmung nationalistischer Konflikte hängen von Wachstum und
Expansion der Volkswirtschaften sowie der Verbesserung des Lebensstandards der ärmsten drei Viertel der
Weltbevölkerung ab, so der Autor. Die Förderung von Investitionen in die Länder der Dritten Welt scheint ihm
zufolge der beste Weg, ein zweites Somalia oder ein zweites Jugoslawien zu verhindern.
Der Verfasser ist langjähriger Mitarbeiter der Chicago Tribüne. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Chicago Tribüne. Copyright (c) 1993, Chicago Tribüne Company. Alle Rechte
vorbehalten.
Während des Kalten Krieges drehte sich die amerikanische Hilfe für die Dritte Wert mehr darum, Vasallen im
Kampf gegen den Kommunismus zu kaufen als das
Leben der verarmten Bevölkerung zu verbessern.

Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung gehen
Hand in Hand, schrieb der Harvard-Professor für Staatslehre Samuel Huntington in der Zeitschrift Journal of
Democracy.

Mit dem Ende des Karten Krieges endete dieser zynische Handel. Angesichts eines aus den Fugen geratenen amerikanischen Hilfsprogramms und einer von
Präsident Clinton noch zu formulierenden Entwicklungshilfepolitik besteht nun die Chance für ein Überdenken der amerikanischen Ziele und Prioritäten, die
praktisch jeden Bereich des internationalen Lebens
betreffen.

"Die meisten wohlhabenden Länder sind demokratisch, und die meisten demokratischen Länder... sind
wohlhabend", stellte Huntington fest, wobei er auf
Indien als "dramatische Ausnahme" verwies. "Die
Schlußfolgerungen scheinen auf der Hand zu liegen",
so Huntington, einer der renommiertesten Politologen
der Vereinigten Staaten. "Armut ist ein grundlegendes
- wahrscheinlich das grundlegende - Hindernis für
demokratische Entwicklung. Die Zukunft der Demokratie hängt von der Zukunft der Wirtschaftsentwicklung ab."

Jüngste, von den Schlagzeilen machenden Ereignissen untermauerte Studien verleihen der Notwendigkeit für ernsthafte Bestrebungen neue Dringlichkeit,
den Lebensstandard der ärmsten drei Viertel der
Weltbevölkerung zu verbessern.

Die Anzahl demokratischer Nationen hat sich zwischen 1975 und 1992 von 30 auf 60 verdoppelt, wobei
die Länder mit mehr oder weniger freien Wahlen
Diese Dringlichkeit hat nichts mit Schuld oder Wohltä- zugrunde gelegt wurden. Einige der ärmsten dieser
tigkeit zu tun. Sie hat ausschließlich mit den amerika- Länder - Sudan, Nigeria, Pakistan, Peru und Haiti, um
nischen nationalen Interessen zu tun, sofern diese nur einige zu nennen - haben die Demokratie jedoch
Interessen die Verbreitung von Demokratie, Begren- nur kurze Zeit genossen und anschlie ßend wieder den
zung der Umweltverschmutzung und ein Ende ethni- Rückschritt zur Diktatur erlebt.
scher und nationalistischer Kriegshandlungen beinhalten.
Wenn Demokratie von wirtschaftlicher Entwicklung
abhängt, tifft dies auch für eine saubere Umwelt zu.
Länder müssen nicht zwangsläufig reich sein, um
demokratisch, umweltbewußt oder ihren Nachbarn Eine 1991 von zwei Professoren für Wirtschaftswisgegenüber tolerant zu sein. Sie müssen jedoch wirt- senschaften an der Princeton University, Gene Grossschaftlich soweit gefestigt sein, daß der tägliche Kampf man und Alan Krueger, erstellte Studie belegte, daß
um Nahrungsmittel und Obdach nicht mehr Vorrang die Luftverschmutzung in Ländern zunimmt, die sich
vor Wahlurnen und sauberer Luft hat.
im Frühstadium der ökonomischen Entwicklung befinAMERIKA DIENST 31

Seite 1

�den. Sie nimmt jedoch ab, sobald die Bevölkerung
dieser Länder ein durchschnittliches Jahreseinkommen von rund 5.000 Dollar erzielt. Mit wachsendem
Wohlstand nimmt sie weiter ab.

ten Staaten im Kampf gegen den Kommunismus, wie
etwa El Salvador. Viele Gelder waren verschwendet,
Washington jedoch zufrieden, solange die Empfänger
dem Kommunismus abschworen.

Dies impliziert, daß arme Menschen sehr viel mehr
Umweltverschmutzung erdulden, wenn die Verschmutzung von Industrien verursacht wird, die ihre Arbeitsplätze schaffen oder von Bussen, die sie zur Arbeit
bringen. Sobald sie aber nicht mehr arm sind, beginnen sie, sich über saubere Luft und gute Gesundheit
Sorgen zu machen, und die Umweltbewegung gewinnt
politisch an Gewicht.

Die Sowjetunion spielte - spiegelbildlich zur amerikanischen Politik - dasselbe Spiel. Einige Länder spielten
auf beiden Seiten mit und kassierten von beiden.

Die Kooperation der Dritten Welt ist für eine saubere
Umwelt unabdingbar. Zwei Schlüsselbeispiele sind
die Erhaltung der tropischen Regenwälder in Brasilien
und die Kontrolle von die Ozonschicht zerstörenden
Emissionen. Unmittelbarer betroffen sind wir von den
umweltpolitischen Einwänden, die die Schaffung der
Nordamerikanischen Freihandelszone (NAFTA) verzögern.
Ebenso wie Demokratie und Umwelt kann auch die
Eindämmung nationalistischer Bestrebungen von
Wirtschaftswachstum abhängen.
Eine Ursache dieser Konflikte liegt darin begründet,
daß sich feindlich gesinnte Völker oder Nationen auf
kleinstem Raum zusammengepfercht werden, wodurch ein endloser Kampf um knappe Nahrungsmittel
und Land ausgelöst wird. Dieser Wettkampf droht
Osteuropa zu überwältigen, wo die wirtschaftlichen
Zwänge jahrhundertealten Haß zwischen Völkern
verschärfen, die "Nachbar" mit "Feind" gleichsetzen.
Westeuropa ist ebenso überbevölkert und wird in
gleichem Maße von traditionellem Nationalismus heimgesucht. Von ihrer eigenen Geschichte abgeschreckt,
schlössen sich die westeuropäischen Nationen jedoch
nach dem Zweiten Weltkrieg zur Europäischen Gemeinschaft zusammen und bauten eine wohlhabende
Gesellschaft auf.
Osteuropa befindet sich in einem Wettlauf mit der Zeit,
um seine Entwicklung zu vollziehen, bevor der Nationalismus außer Kontrolle gerät, wie es bereits im
ehemaligen Jugoslawien geschehen ist.
All diese Gebote - Stabilität, Demokratie und Umwelt sind meilenweit von der Dritte-Welt-Politik entfernt,
von der das Denken der US-Regierung in den letzten
vier Jahrzehnten dominiert war.
Diese durch den Kalten Krieg geleitete Politik zielte
darauf ab, Länder zu kaufen, nicht ihnen zu helfen.
Mehr Entwicklungshilfegelder flössen in Präsidentenpaläste und anderes Glitzerwerk als in produktive
E ntwicklu ngshilf eprojekte.
Ein Großteil der Hilfe ging an strategische Verbündete
wie Israel oder Ägypten, oder an Vasallen der Vereinig-

Seite2

Eines dieser Länder war Somalia, wo amerikanische
Truppen den Schaden zu beheben versuchen.
Wie in Somalia waren die Resultate erschreckend.
Dem Großteil Afrikas südlich der Sahara geht es heute
wirtschaftlich schlechter als vor 10 oder 20 Jahren.
Milliarden von Dollar versickerten in wohlmeinenden
aber hohlköpf igen Projekten oder gönnerhaften Experimenten mit "geeigneter Technologie".
Zahlreiche lateinamerikanische Länder haben ihre
Volkswirtschaften dermaßen verpfuscht, daß sie am
Ende mehr für ihre nationale Verschuldung aufbringen
mußten als sie an Hilfe erhielten.
Die einzig wirkliche Erfolgsgeschichte in der Dritten
Welt waren die "Asiatischen Tiger" - Südkorea, Singapur, Taiwan, Hongkong und in jüngster Zeit Thailand
und Malaysia. Diese Länder verdanken jedoch wenig
der westlichen Hilfe und viel ihrer Kopie des japanischen Entwicklungsmodells, das sich auf staatliche
Subventionen für Exporte und Protektionismus bei
Importen gründet.
Die Ausgaben der Vereinigten Staaten für diese fehlgeleiteten Programme haben die Bank nie gesprengt.
Ende der fünfziger Jahre erreichte die amerikanische
Hilfe das international vereinbarte Ziel von 1 Prozent
des Bruttosozialprodukts. Selbst damals erfolgte der
Großteil der Leistungen in Militär-, nicht Wirtschaftshilfe.
Zur Zeit wenden die Vereinigten Staaten - mit der
reichsten Volkswirtschaft der Welt - nur 0,3 Prozent
ihres BSP für Auslandshilfe auf. Von den 14 Mitgliedern des "Geberclubs" der Industrienationen bringt nur
Irland einen kleineren Teil seiner Einnahmen auf.
Das ist nicht alles Geiz. Die Reagan-Administration
kürzte 1984 eines der erfolgreichsten Programme und
strich - angefeuert durch den ideologischen Widerstand gegen Geburtenkontrolle - die Finanzmittel für
die Familienplanungsprojekte in der Dritten Welt. Die
amerikanische Knickerigkeit war zum Teil die heftige
Reaktion auf die politischen Verzerrungen der Programme und die Erkenntnis, daß sie im großen und
ganzen nichts Gutes bewirkten.
Bisher hat sich das herkömmliche Argument für amerikanische Hilfe bei der Entwicklung der Dritten Weit abgesehen von der umstittenen Behauptung, daß die
Wohlhabenden eine moralische Schuld gegenüber
den Armen haben - auf zwei Säulen gegründet:

AMERIKA DIENST 31

-.

�Die Länder der Dritten Welt, insbesondere in
Lateinamerika, sind potentielle Märkte für amerikanische Waren. Je reicher sie sind, desto
mehr werden sie kaufen.

fung". Dabei wird die in der Princeton-Studie unterstrichene Tatsache ignoriert, daß die Wirtschaftsentwicklung in der Dritten Welt häufig Vorrang vor einer
sauberen Umwelt hat und sie in ihren Frühstadien
sogar selbst beeinträchtigen kann.

Flüchtlinge, die der Armut in der Dritten Welt
entkommen wollen, strömen in wohlhabende (Übrigens ist "Dritte Weif ein falscher Begriff. Unter
Länder - wie es jetzt in den USA und Westeuro- der Ersten Welt versteht man die reichen Nationen
pa der Fall ist - überlasten das Sozialhilfesystem Nordamerikas und Westeuropas plus Japan, Austraund lösen rassistische Reaktionen aus, die ihlien und Neuseeland. Die Zweite Welt definierte die
ren Demokratien schaden könnten.
kommunistischen Länder und besteht heute praktisch
nicht mehr. Und selbst zu Zeiten ihrer Existenz wurde
Das erste Argument ergibt Sinn, obwohl die Asiati- die Sowjetunion häufig als "Dritte-Welt-Land mit Atomschen Tiger ihre Märkte nur sehr langsam geöffnet waffen" bezeichnet. Die Dritte Welt waren alle andehaben. Das zweite wird durch ausländerfeindliche ren, obwohl einige Länder wie Südkorea und Brasilien
Übergriffe vor allem in Deutschland auf die Probe auf einen Stand zwischen der Ersten und der Dritten
gestellt.
Welt vorangekommen waren und heute in Wirklichkeit
die Zweite Welt sein könnten).
Aber keines von beiden trifft den Kern der amerikanischen nationalen Interessen wie die Verbindung zwiDie Clinton-Administration hat noch keine Politik für die
schen wirtschaftlicher Entwicklung, Demokatie, Stabi- Wirtschaftsentwicklung der Dritten Welt erarbeitet,
lität und Umwelt.
abgesehen von der Aufhebung des Verbots für Familienplanung unter Reagan. Sie wird um mehr Geld für
Politische Rhetorik, einschließlich der von Clinton
mehr Länder gebeten werden. Ohne Ausgabenkonabgegebenen Erklärungen, gehen meistens davon
trollen könnten damit nur Fehler der Vergangenheit
aus, daß ein Land eine Demokratie haben muß, bevor
wiederholt werden. Vielen Experten zufolge wäre es
die Wirtschaftsentwicklung erfolgen kann. Das Gebesser, mehr Investitionen in die Nationen der Dritten
genteil scheint der Fall zu sein.
Wert zu ermutigen.
"Wenn Länder sich wirtschaftlich entwickeln", schrieb
All dies wird nicht leicht sein. Nach dem Kalten Krieg
Huntington, "hat die Demokratisierung gute Aussichbesteht ein harter Konkurrenzkampf um Investitionsten."
gelder. Und man kann von keinem Amerikaner erwarDie osteuropäischen Nationen und einige der ehema- ten, Versuchen zu applaudieren, den Nationen der
ligen sowjetischen Republiken haben die Demokratie Dritten Wert durch den Import von Waren zu helfen, die
eingeführt, können sie jedoch vielleicht nicht erhalten, amerikanische Arbeitsplätze überflüssig machen.
es sei denn, sie heben ihren Lebensstandard schnell
Clinton hat erklärt, seine erste Aufgabe sei der Wiederan. Gerade jetzt führt die Desillusionierung der Rusaufbau der amerikanischen Wirtschaft. Er wird jedoch
sen mit den Wirtschaftsreformen zu einer politischen
unter Druck geraten, ein zweites Jugoslawien oder ein
Reaktion gegen Präsident Boris Jelzin.
zweites Somalia zu verhindern, und es gibt zahlreiche
Beweise, daß Wirtschaftswachstum in diesen Ländern
Entsprechend lautet das derzeitige Schlagwort unter
der
beste Weg sein könnte, dies zu tun.
Entwicklungshilfeexperten "umweltverträgliche Entwick-

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Seite 3

�OSTEUROPA
4. August 1993

SOROS: DEMOKRATIE NICHT SICHERER
GEWINNER IN OSTEUROPA
Appell an den Westen
Geschossene Gesellschaften, führte er seinen Zuhörern vor Augen, können "eine große Gefahr für den
Weltfrieden darstellen", weil ihre Herrscher "einen
Feind benötigen" oder "einen erfinden müssen", um
Macht zu konsolidieren. Soros stellte femer fest, daß
sich zum Teil selbst Vollblutdemokraten, haben sie
einmal die Macht übernommen, nicht für den Aufbau
demokratischer
Institutionen engagieren. Selbst die
Soros, der hunderte Millionen Dollar seines Privatver"Guten",
so
Soros,
können "parteiisch" sein und vielmögens zur Unterstützung dieser Revolution und zum
leicht
nicht
verstehen,
daß Demokratie gleichermaßen
Aufbau offener Gesellschaften aus den Trümmern des
Kommunismus gespendet hat, äußerte seine Ansich- die "Herrschaft der Mehrheit" und "Respekt für die
ten zum Wandel in Osteuropa bei einer vom US- Minderheiten" auf der Grundlage der "Erkenntnis, daß
Informationsamt (USIA) am 15. Juli 1993 organisierten niemand ein Monopol für die Wahrheit hat", beinhaltet.
Podiumsdiskussion.
Eine "offene Gesellschaft", fügte er hinzu, ist besonWeitere Teilnehmer der Veranstaltung waren der ders für diejenigen, die nicht mit ihr vertraut sind, "eine
ehemalige Diplomat und Staatssekretär im Pentagon, hochentwickelte Struktur", die Bildung erfordert. "Es
Paul Wolfowitz, der Journalist Morton Kondracke, Rose ist äußerst schwierig, diese Struktur ins Leben zu
Gottemoeller vom Nationalen Sicherheitsrat, USIA- rufen", erläuterte Soros. "... Aus diesem Grund ist
Direktor Joseph Duffey sowie der Stellvertretende Fundamentalismus jeglicher Art so anziehend" in
USIA-Direktor Penn Kemble.
Staaten, die den Übergang von traditionellen zu modernen Gesellschaften vollziehen.
Soros warnte, der Kampf für Demokratie in Osteuropa
und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sei bei Gottemoeller fügte hinzu, daß die Bevölkerung der
weitem nicht beendet. Sobald das Gefühl unbegrenz- kommunistischen Staaten "zur Passivität erzogen"
ter "revolutionärer Möglichkeiten" in Osteuropa einmal wurde und selbst wenn ihr ein besseres Leben geboten
schwinde, stellte er fest, wird es eine "Abkühlung" wird, "engagiert sie sich nicht in der erforderlichen
geben.
Weise für die Gesellschaft". Sie stimmte zu, daß
"Bildung den Zyklus der Passivität durchbrechen kann",
Er forderte die amerikanische Regierung auf, sich indem Kindern beigebracht wird, "selbst Entscheidunaktiver als bisher an der "Gestaltung offener Gesell- gen zu treffen und Probleme selbst lösen".
schaften" zu beteiligen. Obwohl der "Kommunismus
wirklich tot" sei, bekräftigte Soros, "besteht eine große Kemble erklärte, die wesentliche Herausforderung sei,
Gefahr, daß geschlossene Gesellschaften die kom- "wie wir als Amerikaner den Gesellschaften mit unsemunistischen Regime unter dem Deckmantel einer rer Erfahrungen ... helfen können, daß ihre unteranderen ... auf ethnische Identität und Nationalsimus schiedlichen ethnischen und religiösen Gruppen ein
gegründeten Ideologie ersetzen".
gemeinsames bürgerliches Gefüge akzeptieren und
dabei ihre eigene Identität bewahren".
Soros verwies darauf, daß der Kommunismus durch
Koalitionen gestützt wurde, zu denen sowohl Nationa- Soros verwies auf Jugoslawien als tragisches Beispiel
listen als auch Demokraten gehörten, und es könnten dessen, was ethnische und religiöse Konflikte bewirdie Nationalisten sein, die den endgültigen Sieg davon- ken können. Sarajevo, stellte er fest, war einstmals
tragen.
WASHINGTON - (AD) - Die demokratische Revolution
in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion könnte
sich umkehren, wenn der Westen nicht weiterhin entscheidende Maßnahmen zu ihrer Unterstützung ergreift, so der amerikanische Geschäftsmann und Philanthrop George Soros.

AMERIKA DIENST 31

Seite 1

�das "Symbol einer offenen - wirklich multiethnischen Gesellschaft". Ihm zufolge hat der Westen "einen
ernsthaften Fehler begangen, indem er die Situation in
Bosnien au ßer Kontrolle geraten lief)". Die Verfechter
der Offenheit hätten mindestens Schritte unternehmen müssen, um "den Erfolg der Politik der 'ethnischen Säuberungen' als Mittel zur Verwirklichung dieses
Ideals zu vereiteln".

einer Erläuterung moderner Gesellschaften Soros'
Konzept der "Offenheit" der "Demokratie" vorzuziehen, weil dieses Konzept verdeutliche, daß die Vereinigten Staaten nicht versuchen, der Wert ihr eigenes
System aufzuzwingen.

Duffey fügte hinzu, die Reaktion auf Situationen wie
die in Bosnien entstandene "beinhaltet in Wirklichkeit
multilateralen Willen, der über eine einzelne Nation
hinausgeht".

In Zeiten des Wandels, fügte er hinzu, benötigen die
Menschen "ein Erfolgserlebnis" mit einem "neuen
System" bevor sie ihm vertrauen. Dies, bekräftigte
Soros, geschieht bereits in Osteuropa, weil "man sieht,
daß einige finanziellen Erfolg haben", obwohl die meisten
noch nicht angefangen haben, die Früchte des Erfolgs
mit anderen zu teilen.

"Der Grundpfeiler einer offenen Gesellschaft", steifte
Soros fest, "ist... Rechtsstaatlichkeit", weil "man ohne
Verträge keine Märkte hätte", die unabdingbar für eine
Soros verlieh seiner Befürchtung Ausdruck, das solche Gesellschaft sind. Er verwies ferner darauf,
mangelnde Selbstbewußtsein des Westens bei der daß "der wichtigste Einzelschritt" bei der Reform einer
Förderung offener Gesellschaften könnte bedeuten, Kommandowirtschaft "in einem funktionierenden Wähdaß demokratische Nationen einer "Krise der Werte" rungssystem besteht", damit die Menschen sehen,
anheimfallen, die sie zu einer Abwertung ihres eigenen daß "zumindest etwas funktioniert" - was so grundlegend für soziale Stabilität ist.
Erfolgs verleitet.

Wolfowitz erklärte, seiner Ansicht nach müsse der
Westen "eine Sicherheitsbeziehung" mit Osteuropa
und den sowjetischen Nachfolgestaaten eingehen, um
die Region zu stabilisieren. Seines Erachtens sei bei

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AMERIKA DIENST 31

�NAHER

OSTEN
4. August 1993

DIE VEREINIGTEN STAATEN, DER ISLAM UND DER
NAHE OSTEN IN EINER SICH WANDELNDEN WELT
von Edward P. Djerejian
Der Verfasser des folgenden Beitrags, der auf einer am 2. Juni 1992 im Meridian House, Washington D.C.,
gehaltenen Rede beruht, ist Leiter der Nahostabteilung im US-Außenministerium.

Der tiefgreifende Wandel in der Weltpolitik, der auf den
Niedergang der Sowjetunion und das Ende des Kalten
Krieges folgte, hatte weitreichende Auswirkungen im
Nahen Osten. Auch in den uralten Ländern des Nahen
Ostens drängen die raschen und grundlegenden Veränderungen, die in anderen Teilen der Welt sichtbar
sind, die Menschen in der Region, ihre eigene Zukunft
in einem neuen Licht zu betrachten und ihre Beziehungen zu anderen Nationen, ihren Nachbarn und untereinander auf besonders anspruchsvolle Weise neu zu
bewerten.
Inmittendieser Veränderungen bleiben grundsätzliche
außenpolitische Ziele der Vereinigten Staaten konsequent und eindeutig bestehen. Dabei stechen zwei
Hauptsäulen hervor:

Schutz vitaler Ressourcen und die Beilegung von
Konflikten. Eine weitere Säule der Politik der Vereinigten Staaten ist unsere Unterstützung der Menschenrechte, des Pluralismus, der Rechte von Frauen und
Minderheiten und der Beteiligung des Volkes an der
Regierung sowie unsere Ablehnung von Extremismus,
Unterdrückung und Terrorismus. Diese weltweiten
Probleme sind ein unabdingbarer Teil des amerikanischen Engagements in den Ländern des Nahen Ostens - vom Maghreb bis zum Iran und darüber hinaus.
In diesem Zusammenhang gibt es drei Faktoren, die
wir bei der Erörterung der amerikanischen Beziehungen mit diesen Ländern betonen sollten.

Der erste ist die Vielfalt. Nicht nur der Nahe Osten
selbst ist vielfältig beschaffen, dasselbe gilt auch für
Erstens streben wir einen gerechten, dauerhaf- unsere Beziehungen mit den Ländern, die ihn bilden.
ten und umfassenden Frieden zwischen Israel Diese Vielfalt erfordert es, daß unsere Politik von
und all seinen Nachbarn, einschließlich der einem klaren Sinn für unsere Werte und Interessen
geleitet ist und Verständnis sowie Toleranz SchlüsselPalästinenser, an.
faktoren bei unserem Umgang mit anderen politischen
Zweitens wünschen wir tragfähige Sicherheits- Kulturen sind.
arrangements, die Stabilität sowie ungehinderten wirtschaftlichen Zugang zu den enormen Der zweite Punkt ist die Interaktion. Die amerikaniölreserven auf der Arabischen Halbinsel und schen Beziehungen mit diesem Teil der Weh sind
lediglich das letzte Kapitel einer Geschichte der Inteam Persischen Golf sicherstellen.
raktion zwischen dem Westen und dem Nahen Osten,
Dies sind sicherlich keine neuen Ziele. Sie sind seit die Tausende von Jahren alt ist. Unsere Interaktion
Jahrzehnten Teil unserer Bestrebungen. Neu ist die umfaßt politische, wirtschaftliche, soziale, kulturelle
uns durch die jüngsten weltweiten und regionalen und militärische Bereiche. Wir sollten dies nicht völlig
Ereignisse gegebene Gelegenheit, echte Fortschritte außer acht lassen.
bei ihrer Verwirklichung zu machen.
Der dritte Punkt sind gemeinsame Bestrebungen. Trotz
Die dritte Säule
offenkundiger Unterschiede teilen die Völker des Nahen
Unsere nationalen Sicherheitsinteressen im Nahen Ostens und wir wichtige Bestrebungen, die eine vielOsten fesseln unsere Aufmerksamkeit weiterhin. Unsere versprechende Grundlage für künftige Zusammenarpolitische Tagesordnung umfaßt jedoch mehr als den beit liefern.
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Seite 1

�Der Islam und der Westen

Wir können keine monolithischen internationalen
Bemühungen hinter diesen Bewegungen erkennen,
Die Politik hat sich im Nahen Osten und dem Maghreb sind jedoch ernsthaft besorgt über die Ausnutzung
zunehmend auf die Themen Wandel, Offenheit sowie extremistischer islamischer Gruppen in der gesamten
wirtschaftliches und soziales Ungleichgewicht konRegion durch den Iran sowie über die Rolle des Sudan
zentriert. Als Teil eines Trends, der schon vor den von bei der Unterstützung solcher Gruppen in Nordafrika.
mir skizzierten weltweiten Ereignissen bestand, ist die Die verstärkte Koordinierung zwischen solchen RegiRolle der Religion mehr in den Vordergrund getreten, men und extremistischen Gruppen sowie ihre Terround große Aufmerksamkeit wird einem Phänomen rakte verlangen unsere Wachsamkeit. Letzten Endes
gewidmet, das entweder als politischer Islam, islamiist es jedoch soziale Ungerechtigkeit - der Mangel an
sche Erneuerung oder islamischer Fundamentalismus Chancen in Wirtschaft, Bildungswesen und Politik -,
bezeichnet wird.
die den Extremisten in jedem Land Anhänger verschafft.
Die Ungewißheit im Hinblick auf diese neuerliche
Betonung des Islam ist weitverbreitet. Einige meinen, Politische Beteiligung
sie bewirke eine Vergrößerung der Kluft zwischen
westlichen Werten und den Werten der muslimischen Als Amerikaner sind wir stolz auf die Prinzipien, auf die
Welt. Es ist wichtig, dieses Phänomen sorgfältig zu sich unser Land gründet. Sie haben seit über zwei
bewerten, damit wir nicht das Opfer unangebrachter Jahrhunderten zahlreichen ernsthaften HerausfordeÄngste oder fehlerhafter Eindrücke werden.
rungen standgehalten. Wir wissen, daß sie funktionieren. Und aus diesem Grund verpflichten wir uns,
Das Titelblatt einer Ausgabe des Magazins Econo- größere Offenheit und Aufgeschlossenheit der politimist, deren Aufmacher eine Story mit dem Titel Irving schen Systeme weltweit zu ermutigen.
with Islam" war, zeigte einen Mann in traditioneller
Kleidung, der mit dem Gewehr in der Hand vor einer Wir versuchen nicht, anderen ein amerikanisches Model
Moschee steht. In der Geschichte selbst erfahren wir, aufzuzwingen, und wir sind uns zweifelsohne der
"der Islam setzt seinen Marsch fort!" und "die antiwest- Tatsache bewußt, daß jedes Land seinen eigenen
liche Einstellung wird stärker".
Traditionen, seiner Geschichte und den besonderen
Gegebenheiten Rechnung tragen muß. Breite politiIch mochte klarstellen, daß die Regierung der Vereische Beteiligung ist jedoch entscheidend. Diejenigen,
nigten Staaten den Islam nicht als den nächsten Ismus" die bereit sind, spezifische Schritte zu freien Wahlen,
betrachtet, der den Westen konfrontiert oder den Schaffung einer unabhängigen Judikative, Förderung
Wertfrieden bedroht. Das ist eine vereinfachende von Rechtsstaatlichkeit, Beseitigung von EinschränReaktion auf eine komplexe Wirklichkeit.
kungen der Pressefreiheit, Wahrung der Rechte von
Minderheiten und Gewährleistung der Rechte des
Der Kalte Krieg wird nicht durch einen neuen Wettstreit
einzelnen zu unternehmen, werden in den Vereinigten
zwischen dem Islam und dem Westen abgelöst. Die
Staaten die Bereitschaft zur Anerkennung und UnterKreuzzüge sind seit langer Zeit beendet. Die Amerikastützung ihrer Bestrebungen finden - ebenso wie diener erkennen den Islam als eine der großen Wertrelijenigen, die in die entgegengesetzte Richtung gehen,
gionen an. Er wird auf allen Kontinenten praktiziert. Zu
uns bereit finden werden, offen zu sprechen und
seinen Anhängern gehören Millionen Bürger der Verentsprechend zu handeln.
einigten Staaten. Als Bürger des Westens erkennen
wir den Islam als historische Kraft der Zivilisation an,
Die Vereinigten Staaten können wirklich enge Beziedie mit vielen anderen unsere Kultur beeinflußt und hungen mit den Ländern unterhalten, mit denen sie
befruchtet hat. Der Islam, der im 8. Jahrhundert die grundlegende Werte teilen und tun dies auch. Diejeniiberische Halbinsel erreichte, hat in Naturwissenschaft, gen, die eine Erweiterung der politischen Beteiligung
Kunst und Kultur sowie mit der Toleranz gegenüber im Nahen Osten und in Nordafrika anstreben, können
Juden- und Christentum ein reiches Vermächtnis hin- daher unserer Unterstützung gewiß sein, wie wir sie
terlassen. Der Islam würdigt die wichtigsten Figuren auch andernorts geleistet haben. Gleichzeitig vermudes jüdisch-christlichen Erbes: Abraham, Moses und ten wir, daß diejenigen, die sich des demokratischen
Christus.
Prozesses bedienen würden, um an die Macht zu
In allen Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas
gibt es Gruppen oder Bewegungen, die ihre Nationen
im Einklang mit islamischen Idealen refomieren möchten. In der Art und Weise, wie diese Ideale zum
Ausdruck gebracht werden, gibt es beträchtliche Unterschiede. Wir sehen, wie Gläubige in verschiedenen
Ländern islamische Prinzipien neu betonen und Regierungen islamistischen politischen Aktivitäten in unterschiedlichem Ausmaß und auf verschiedenartige Weise
entgegenkommen.
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gelangen, eben diesen Prozeß nur zerstören wollen,
um Macht und politische Dominanz zu behalten. Obwohl
wir an den Grundsatz "eine Person, eine Stimme"
glauben, unterstützen wir nicht die Idee "eine Person,
eine Stimme, ein Mal".
Ich möchte eindeutig klarstellen, mit wem wir Meinungsverschiedenheiten haben:
Mit denjenigen, die unabhängig von ihrer Religion Terrorismus praktizieren, Minderheiten unAMERIKA DIENST 31

�terdrücken, Intoleranz predigen und internatio- Gemeinsame Bestrebungen
nal anerkannte Verhaltensnormen bei MenschenDie umfassenden politischen Ziele der Vereinigten
rechten verletzen,
Staaten in der Nahostregion sind nach wie vor konmit denjenigen, die ihre Botschaft mit einer stant: Echter Frieden zwischen Israel und seinen
arabischen Nachbarn sowie den Palästinensern,
anderen Form des Autoritarismus bemänteln,
Erweiterung der Sicherheit und Abschreckung oder
mit denjenigen, die konstruktives Engagement Bekämpfung von Aggression, Hilfe beim Schutz der
mit der übrigen Welt durch religiöse und politi- wirtschaftlichen Sicherheit der Welt, Förderung von
sche Konfrontation ersetzen,
wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit sowie Förderung der Werte, an die wir glauben.
mit denjenigen, die unsere Verpflichtung zur
friedlichen Lösung von Konflikten nicht teilen, Meines Erachtens sind dies Bestrebungen, die von
insbesondere des arabisch-israelischen Kon- den Völkern der Region - Muslimen, Juden, Christen
flikts und
oder anderen - realistisch geteilt werden können. Ebenso
wie
wir streben sie nach einer friedlichen, besseren
mit denjenigen, die ihre Ziele durch UnterdrücZukunft.
Sie suchen produktive Arbeit in einem Umfeld
kung oder Gewalt verfolgen möchten.
von Frieden und Sicherheit, in dem sie ihre Familien
Aus diesen Gründen haben wir so fundamentale Mei- ernähren, unterbringen und kleiden können, in dem
nungsverschiedenheiten mit den dezkJiert säkularen ihre Kinder ausgebildet werden und den Weg zum
Regierungen im Irak und in Libyen. In dem Maße, in Erfolg finden können, in dem sie ein Sagen haben und
dem andere Regierungen ähnliche Praktiken verfol- darüber konsultiert werden können, wie sie regiert
gen oder einführen, werden wir uns von ihnen distan- werden wollen, und in dem sie persönliche Erfüllung
zieren, unabhängig davon, ob sie ihren Ansatz als und Gerechtigkeit finden können. In dieser Hinsicht ist
säkular, religiös oder anders beschreiben. Die Verfol- die Verfolgung tragfähiger wirtschaftlicherund sozialer
gung destabilisierender Maßnahmen durch den Irak ist Entwicklungsprogramme, Wirtschaftsreformen und
ein schlagender Beweis. Mit anderen Worten: Reli- angemessener beruflicher und sonstiger Bildungsgion ist nicht eine - positive oder negative - Determi- chancen ein Schlüssel zur Antwort auf die grundlegennante für den Charakter oder die Qualität unserer den materiellen Bedürfnisse der Menschen in der
Beziehungen mit anderen Ländern. Wir beanstanden Region.
Extremismus und Gewalt, Verweigerung, Intoleranz,
Einschüchterung, Zwang und Terror, die allzuhäufig In Zusammenarbeit mit einer internationalen Staatengemeinschaft beispielloser Solidarität haben wir einen
damit einhergehen.
langen Weg bei der Abwehr von Aggression und
Die Fakten belegen dies. Die Vereinigten Staaten Förderung eines ausgehandelten Friedens bei einem
unterhalten gute, produktive Beziehungen mit Ländern anscheinend ausweglosen Konflikt in der Region zuund Völkern aller Religionen auf der ganzen Weh, rückgelegt. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns,
einschließlich zahlreicher, deren Regierungssysteme bevor diese wertvollen Bestrebungen Erfolg zeitigen
sich fest auf islamische Prinzipien gründen. Religiöse und bevor die anderen von unsgeteilten Bestrebungen
Freiheit und Toleranz sind integrale Bestandteile unse- verwirklicht werden. Wir können dorthin gelangen
res amerikanischen Nationalcharakters und Verfas- durch starkes Engagement und konstruktive Interaksungssystems. Das amerikanische Volk versteht in tion zwischen den Vereinigten Staaten und allen Länder Tat ebenso wie jede andere Gesellschaft die dern der Nahostregion auf allen Ebenen - von RegieBedeutung von Vielfalt und die Tugenden der Tole- rung zu Regierung, von Gruppe zu Gruppe, von Mensch
zu Mensch und von Glaube zu Glaube.
ranz.
* *

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�EINWANDERUNG
4. August 1993

CLINTON KÜNDIGT HARTES DURCHGREIFEN
GEGEN ILLEGALE EINWANDERUNG AN
Legale Einwanderung nicht betroffen

WASHINGTON - (AD) - Mit der Erklärung, daß Terrorismus und Schlepperbanden die amerikanische Tradition aufs Spiel setzen, Flüchtlinge und legale Einwanderer im "größten Schmelztiegel der Welt" willkommen zu heißen, kündigte Präsident Clinton am 27.
Juli 1993 an, in Zukunft scharf gegen illegale Einwanderung vorzugehen.
Der Präsident fügte hinzu, er werde den Kongreß um
zusätzliche Finanzmittel für die Abschiebung illegaler
Einwanderer bereits am Einreiseort bitten, die Visaüberprüfungen automatisieren, die Grenzpatrouillen
aufstocken und ihre Ausbildung erweitem sowie das
Strafmaß für diejenigen verdoppeln, die Fremde ins
Land geschmuggelt haben und dafür verurteilt wurden.
"Wir müssen 'Nein' zu illegaler Einwanderung sagen",
stellte der Präsident fest, "damit wir weiterhin 'Ja' zu
legaler Einwanderung sagen können." Clinton bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten "stets ein Zufluchtsort für Flüchtlinge und immer der größte Schmelztiegel
der Wert gewesen sind. Die von uns heute angekündigten Maßnahmen werden es für den Einwanderer
nicht erschweren, der legal in dieses Land kommt,
unsere Gesetze einhält... und den Amerikanischen
Traum verfolgt." Clinton fuhr fort, er werde weiterhin
die Familienzusammenführung fördern und "neue Bürger
... mit Ehre und Würde ... willkommen heißen."

Einigen der wegen des Anschlags auf das World Trade
Center Verurteilten waren Visa erteilt worden, weil den
amerikanischen Konsulaten im Ausland nicht die in
Washington verfügbaren Informationen zugänglich
waren, mit denen ihre Einreise verhindert worden
wäre. Die Chinesen, die illegal einreisen wollten, hatten sich vertraglich zur Zahlung von hohen Geldsummen an Gangster verpflichtet, die sie praktisch in
Geiselhaft halten wollten, bis die Beiträge gezahlt
waren. Zusätzlich zu diesen Fällen haben auf dem
Landweg in Staaten wie Kalifornien und Texas illegal
eingereiste Einwanderer die Sozialhilfebudgets erschöpft und zu Rufen nach härterem Vorgehen geführt.
Tatsache ist", so Clinton, "daß wir unsere Grenzen
nicht denjenigen überlassen dürfen und werden, die
unser Mitgefühl und unseren Gerechtigkeitssinn ausbeuten wollen. Wir können diejenigen nicht tolerieren,
die mit menschlicher Fracht handeln."

Clinton bestand darauf, daß die Lösung des Problems
nicht in der Schließung der amerikanischen Grenzen
besteht, sondern darin, legale Einwanderer und legale, recht mä ßig e Flüchtlinge willkommen zu hei ßen und
diejenigen abzuweisen, die die Gesetze nicht befolgen... Wir werden es für illegale Einwanderer erschweren, ins Land zu kommen. Wir werden die
Gründung eines Verbrechersyndikats, um Fremde
Clinton wird den Kongreß um zusätzliche 172,5 Millio- einzuschmuggeln, als ernsthaftes Verbrechen behannen Dollar als einen wichtigen ersten Schritt "bei der deln..."
Wiedererlangung der Kontrolle über unsere Grenzen
Der Clinton-Vorschlag würde die Kommission für die
und die Respektierung unserer Gesetze" bitten.
Einwanderungsreform wiederbeleben und die ZusamNach dem Bombenanschlag auf das World Trade menarbeit mit anderen Nationen beim Aufhalten der
Center in New York und Versuchen von illegalen illegalen Einwanderer im Herkunftsland anstreben.
chinesischen Einwanderern, per Schiff an der Ost- und
Westküste der Vereinigten Staaten zu landen, - ordne- Er räumte ein, es bestehe nicht die Notwendigkeit zur
te Clinton im vergangenen Monat eine Überprüfung Rationalisierung der amerikanischen Einwanderungsder Einwanderungspolitik an, die von Vizepräsident politik oder der Asylgewährung und fügte hinzu, die
Gore zusammen mit Kongreßabgeordneten beider Asylpolitik sollte gesetzlich verankert werden, damit
Parteien durchgeführt werden soll.
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�sie von einem künftigen Präsidenten nicht willkürlich
geändert werden könne.
Vizepräsident Gore erklärte, der Gesetzentwurf werde
die "Abschiebung Illegaleram Einreiseort" beschleunigen und gleichzeitig die Rechte legaler Einwanderer
schützen. Ihm zufolge kommen Tausende illegal ohne
die entsprechenden Einreisepapiere auf Flughäfen
und anderen Orten an. In von der Administration als
Mißbrauch des geltenden Rechts angesehenen Verfahren bitten viele der Illegalen um politisches Asyl
ohne gerechtfertigten Grund und lösen damit einen
langwierigen juristischen Anhörungsprozeß aus.

folgung glaubwürdig ist. Trifft dies nicht zu, könnte die
Person unmittelbar nach einer regulären Befragung
durch einen Experten der Revisionsbehörde abgeschoben werden. Ziel ist, am Tag der Einreise oder
spätestens binnen 10 Tagen nach der Einreise einen
Beschluß zu fassen. Unter dem derzeit gültigen Gesetz
kann ein solcher Beschlu ß bis zu 18 Monate verzögert
werden.

Die Regierungsbeamten räumten ein, daß den für den
Bombenanschlag auf das World Trade Center Verurteilten kein Visum erteilt worden wäre, wenn der Clinton-Vorschlag zur Automatisierung bereits in die Praxis umgesetzt gewesen wäre. Heute sind in vielen
Gore stellte fest, viele der Illegalen tauchten einfach im Konsultaten die Namen der Abzuschiebenden auf
Land unter und erschienen nie zu den anberaumten Mikrofilmen gespeichert, die alle zwei Monate auf den
Gerichtsterminen. "Die Gesetzgebung", so Gore, "wird neuesten Stand gebracht werden. Der Clinton-Plan
dazu beitragen, den Mißbrauch unserer Gesetze zu fordert computergestützte Daten weltweit und letztlich
beenden und uns gestatten, die Fremden ohne Papie- die Einführung maschinenlesbarer Visaformulare, die
reunverzüglich abzuschieben, die keinen berechtigten automatisch den Status des Antragstellers prüfen
Anspruch auf politisches Asyl haben."
würden.
Ein Schlüsselelement des Clinton-Plans - beschleunigte Abschiebung - würde die Gesuche nach politischem Asyl reibungsloser gestalten und gleichzeitig
den offenkundigen Mißbrauch des amerikanischen
Systems beenden. Regierungsvertreter sind sich
bewußt, daß spezifische Zahlen schwer zu erhalten
sind und räumen ein, daß in New York allein zwischen
dem 1. Oktober 1992 und dem 1. April 1993 15.000
Personen mit gefälschten oder keinen Papieren festgenommen wurden. Es gibt keine Zahlen, wieviele
erfolgreich illegal eingereist sind, Daten des Statistischen Bundesamts zufolge schätzen die Regierungsvertreter jedoch, daß 200.000 bis 300.000 Illegale
jedes Jahr in die Vereinigten Staaten kommen, um dort
zu bleiben. Zusätzlich reisen viele für einen kurzen
Zeitraum ein.
Im Rahmen des erweiterten Abschiebungsplans würden erfahrene Mitarbeiter der Asylbehörde mit denjenigen sprechen, die keine oder gefälschte Papiere
haben, um festzustellen, ob die Behauptung der Ver-

*

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Gore zufolge würde das Gesetz die Gefängnisstrafen
für diejenigen verdoppeln, die Fremde eingeschmuggelt haben und dafür verurteilt wurden sowie die Beschlagnahme ihres Vermögens gestatten. Er stellte
fest, die Bestimmungen fänden auf "organisierte Banden
sogenannter 'Koyoten' Anwendung, die jede Woche
Tausende Illegaler über die südwestliche Grenze ins
Land bringen".
Justizministerin Reno, deren Büro die Einwanderungsund Einbürgerungsbehörde untersteht, erklärte gegenüber Journalisten, das Gesetz sei "ein wichtiger
Schritt nach vorne" bei der Bewältigung dessen, was
sie als "entscheidendstes Problem, mit dem wir uns in
diesem Jahrhundert konfrontiert sehen" bezeichnete:
"Wie wir die Einwanderungstradition dieser Nation
aufrechterhalten und gleichzeitig die Last verstehen,
die so viele öffentliche Dienststellen infolgedessen
tragen müssen."

*

AMERIKA DIENST 31

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28. Juli 1993

HAUSHALT

CLINTON: DEFIZITPLAN HAT HANDLUNGSSPIELRAUM IN TOKIO GESCHAFFEN
Rede des Präsidenten vor Demokraten

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE SEINER
REISE NACH ASIEN, AUSTRALIEN,
NAHOST
Pressekonferenz des Außenministers

NICHTVERBREITUNG

NICHTVERBREITUNG IST PRIORITÄT DER
US-SICHERHEITSPOLITIK
Rede des Außenministers beim ASEAN

BALKAN

OXMAN ERLÄUTERT US-BALKANPOLITIK
Stellungnahme vor KSZE-Kommission

KRIEGSVERBRECHEN

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL ZU JUGOSLAWIEN
USIA-Film zeigt Tragik der Situation

bitte wenden

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DIE SOZIALE DIMENSION DER WIRTSCHAFTLICHEN UMSTRUKTURIERUNG
Auszüge aus einer Rede
von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)

PORTRAT

FREEH GENIESST DEN RUF EINES
ERFAHRENEN VERBRECHENSBEKÄMPFERS
Porträt des designierten FBI-Direktors

�HAUSHALT
28. Juli 1993

CLINTON: DEFIZITPLAN HAT HANDLUNGSSPIELRAUM
IN TOKIO GESCHAFFEN
Rede des Präsidenten vor Demokraten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge haben die Maßnahmen des Kongresses zum Abbau des
amerikanischen Haushaltsdefizits ihm den erforderlichen Handlungsspielraum verschafft, um mit den anderen
Staats- und Regierungschefs der G-7 während des kürzlich abgeschlossenen Wirtschaftsgipfels in Tokio
entscheidende Vereinbarungen zur Senkung der Zölle auszuhandeln.
"Eines steht fest", äußerte Clinton vor den demokratischen Abgeordneten des Repräsentantenhauses am 20.
Juli 1993,"... die Vereinbarung beim G-7-Gipfel wäre niemals zustande gekommen, wenn Sie nicht dem Haushalt
im Senat und Repräsentantenhaus zugestimmt und mir den Spielraum verschafft hätten, zu sagen, wir tun das
Unsere, tun Sie jetzt das Ihre."
Der Präsident erklärte, ernsthafte amerikanische Bestrebungen zum Abbau des Haushaltdefizits hätten femer
dazu beigetragen, die Japaner zu einer Überprüfung ihres großen bilateralen Handelsüberschusses mit den
Vereinigten Staaten zu veranlassen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten in wesentlichen Auszügen.

Wir kommen in einer schwierigen Zeit für das Land und
die Welt hier zusammen. Die Welt befindet sich in
einer gravierenden Wirtschaftskrise. Alle wohlhabenderen Länder der Welt sehen sich mit Problemen bei
der Schaffung von Arbeitsplätzen konfrontiert. Seit
sehr langer Zeit hat es eine Art politischer Lähmung in
diesem Land gegeben, bei der wir stets gewu ßt haben,
was wir tun mußten, uns jedoch nie ganz überwinden
konnten, es auch zu tun. Und weil wir eine geteilte
Regierung hatten, konnte eine Seite der anderen immer
die Schuld für das zuweisen, was nicht getan wurde.
Je schlimmer die Probleme wurden, desto schmerzhafter wurden die Lösungen. Das ist immer so im
menschlichen Leben, nicht nur in der Regierung, sondern
in jedem Bereich unseres Lebens.

das von ihm verursachte Defizit sei groß genug, um
selbst mit sich fertigzuwerden. Heute scherzt niemand
darüber und keiner bezweifelt, daß wir uns ernsthaft
mit der Reduzierung dieses Defizits befassen und
versuchen, uns aus seinem Würgegriff zu befreien, um
jetzt bessere Zeiten und eine bessere Zukunft für
unsere Kinder zu schaffen.
Statt zu debattieren, ob wir das Defizit ignorieren
sollen, haben wir jetzt eine ernsthafte Diskussion
begonnen, wie wir es wirklich verringern können. Das
bedeutet, Wandel herbeizuführen und nicht, sich mit
den Tatsachen abzufinden. Wo Ihnen einstmals Präsidenten Haushaltsentwürfe vorlegten, die das Papier
nicht wert waren, auf dem sie gedruckt waren, haben
wir jetzt einen echten Wirtschaftsplan, der - trotz aller
Kontroversen - im Rekordtempo durch den Kongreß
geht.

Dank Ihrer Hilfe, Ihrer Führungsrolle und des von
vielen von Ihnen bewiesenen seltenen Muts haben wir
einen grundlegenden wirtschaftlichen Wandel in unserem Land vorgenommen. In nur sechs Monaten haben Ich bin amüsiert, wenn ich lese, daß unsere Mehrheitswir zweifelsohne den Charakter der Wirtschaftsdebat- partei jetzt den schwierigen, harten Entscheidungen,
ten hier in der Hauptstadt unserer Nation verändert. die ich dem Kongreß abverlange, mit knapper MehrDie neue Richtung, die ich mit Ihnen im Februar im heit zustimmt, wohingegen im vergangenen Jahr 75
Prozent der Mitglieder des Repräsentantenhauses der
Bericht zur Lage der Nation erörtert habe, ist offenanderen
Partei gegen den Haushalt ihres Präsidenten
sichtlich. Ein Präsident hat einmal im Scherz gesagt,

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Seite 1

�stimmten und jahrelang die Etats des Präsidenten
politische Dokumente und nicht ernsthafte Versuche
waren, eine Wende in diesem Land herbeizuführen.
Jetzt unternehmen wir einen ernsthaften Versuch, dies
zu tun. Sie und ich führen den Wandel herbei. Wo
einstmals die andere Partei die Mittelschicht besteuerte, so daß die höheren Einkommensgruppen nicht
einmal den ihnen gebührenden Anteil zu entrichten
hatten, haben wir einen Plan, der von denjenigen
fordert, die in den achtziger Jahren am meisten profitiert haben und deren Steuern gesenkt wurden, jetzt
ihren gerechten Anteil zu bezahlen - nicht, weil wir
Erfolg bestrafen wollen, sondern weil es die amerikanische Art ist, jeden zu bitten, entsprechend seiner
Fähigkeiten zu zahlen. Das wird von der Mittelklasse
gefordert, und das ist eine Veränderung, die wir vornehmen.
Wo einstmals nationale Regierungen Schlagworte für
mittelständische Unternehmen hatten, haben wir jetzt
einen Wirtschaftsplan, der tatsächlich Anreize für
Unternehmen enthält, echte Arbeitsplätze zu schaffen
- etwas, das wir seit langer Zeit benötigten. Und diese
Bestrebungen, diesen Plan, so wie er durch den Kongreß gebracht wurde, zu verabschieden, waren eindeutig - wie der Vorsitzende der Notenbank vor nicht
allzulanger Zeit feststellte - die treibende Kraft bei der
Senkung der Zinssätze auf den niedrigsten Stand seit
20 Jahren. Dies bewirkt eine riesige Summe zur
Refinanzierung von Hypotheken für Eigenheime, Unternehmenskrediten - und wird zweifelsohne positive
Auswirkungen haben, die sich heute in neuen Investitionen und in naher Zukunft in neuen Arbeitsplätzen
niederschlagen.
Wo einstmals die staatlichen Ausgaben explodierten
selbst als die Investitionen in die Zukunft abnahmen,
haben wir jetzt einen Wirtschaftsplan, der eine drastische Abkehr der Ausgabeprioritäten von verschwenderischen Investitionen, von verschwenderischen
Kürzungen ist und dennoch einige vernünftige, kluge
Investitionen vorsieht.
Früher haben sich unsere Wirtschaftsplaner im Weißen Haus auf rasche Lösungen für die nächste Wahl
konzentriert. Jedes Haushaltsdokument, das in dieses Gebäude gelangte, wurde von ernsthaften Experten beider Parteien abgelehnt. Sie wissen das so gut
wie ich. Es war nur ein politisches Dokument, um
sicherzustellen, daß sich der Präsident weiterhin gut
mit dem amerikanischen Volk verstand, statt ihm die
Wahrheit zu sagen und die harten Entscheidungen zu
treffen.

te, ohne irgendetwas zu unternehmen, um eine einzige
Person von der Sozialhilfe zu einem neuen Arbeitsplatz zu bringen, haben wir jetzt einen Wirtschaftsplan,
der der erste Schritt einer langfristigen Strategie zur
Beendigung der Sozialhilfe wie wir sie kennen, ist. Die
gerechtfertigten Einkommenssteuerfreibeträge in diesem Plan werden für jeden Einsparungen mit sich
bringen, der mit Kindern 40 Stunden im Haushalt
arbeitet - das ist echte Arbeit, und wir werden sie
vergüten und Sie aus der Armut führen. Dies ist die
einschneidendste Sozialreform, die in diesem Land
seit einer Generation verabschiedet wurde. Und wir
verwirklichen sie durch das Steuersystem, indem wir
Arbeit vergüten.
Wo einstmals ein Präsident mit dem Hut in der Hand
auf internationale Wirtschaftkonferenzen wie die gehen mu ßte, an der ich gerade teilgenommen habe, und
dort sitzen mußte, während Teilnehmer aus anderen
Ländern die Vereinigten Staaten unablässig mit den
Worten kritisierten: "Wie können Sie von uns ein
Wachstum der Weitwirtschaft erwarten, wenn Sie ein
großes Defizit haben und Sie - ein wohlhabendes Land
- die Ersparnisse der ganzen Welt aufsaugen, die
Hälfte - oder zumindest ein Drittel - Ihrer öffentlichen
und privaten Verschuldung aus ausländischen Quellen finanzieren?" Ich hatte das Privileg, an einem G-7Treffen teilzunehmen, bei dem zum ersten Mal seit 10
Jahren die Vereinigten Staaten nicht kritisiert, sondern
zu ihrem ernsthaften Versuch beglückwünscht wurden, ihr Defizit zu reduzieren.
Eines steht fest, das ist es, was mir Handlungsspielraum verschafft hat - Ihre Maßnahmen zur Reduzierung dieses Defizits haben mir den Handlungsspielraum verschafft zu argumentieren, daß es an der Zeit
ist, diese Zölle zu senken und sie zum Bestandteil
eines internationalen Handelsabkommens zu machen, das in den kommenden Jahren Hunderttausende von Arbeitsplätzen im Fertigungsbereich in diesem
Land schaffen wird.
Das von uns geschlossene Abkommen wird Arbeitsplätze im Fertigungsbereich in den Vereinigten Staaten schaffen. Daran besteht kein Zweifel. Jeder kann
es sehen. Jeder, der es je studiert hat - es ist nicht wie
viele der Themen, die wir hier vorliegen haben, bei
denen es viele Diskussionen und Argumente gibt.
Jeder weiß, daß dies für die Vereinigten Staaten ein
gutes Geschäft ist - wir müssen es bis zum Jahresende
zum Bestandteil des weltweiten Handelsabkommens
machen, und wir haben eine gute Chance, es jetzt zu
tun, denn die Vereinbarung beim G-7-Gipfel wäre
niemals zustande gekommen, wenn Sie nicht dem
Haushalt im Senat und Repräsentantenhaus zugestimmt und mir den Spielraum verschafft hätten, zu
sagen, wir tun das Unsere, tun Sie jetzt das Ihre.

Heute liegt Ihnen ein Wirtschaftsplan vor, der auf lange
Sicht angelegt ist, nicht nur bis zu nächsten Wahl. Wir
blicken auf die nächste Generation in der Hoffnung,
daß das amerikanische Volk bis zur nächsten Wahl Eines steht fest: Wir hätten diese Vereinbarung mit
erkennen wird, genau dies wurde getan. Wo einstmals Japan zur Veränderung unserer Handelsbeziehungen
die andere Partei Sozialhilfe als Prügelknaben benutz- niemals - niemals - erzielt, wenn ich nicht die Autorität
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AMERIKA DIENST 30

�gehabt hätte zu sagen - Ich weiß, daß Sie in den
achtziger Jahren den Handelsüberschuß, den Sie
hatten, in ein Investitionsdefizit verwandelten, indem
Sie viel von Ihrem Geld zurück in dieses Land leiteten
um uns zu helfen, unser Defizit zu finanzieren und eine
Explosion unserer Zinssätze zu verhindern. Wir bekommen dieses Problem jedoch derzeit in den Griff.
Wir tun das, worum Sie uns gebeten haben. Wir
reduzieren unser Defizit, investieren mehr in unsere
Wirtschaft, und unsere Produktivität steigt. Wir sind
wieder konkurrenzfähig. Jetzt müssen wir die Handelsregeln ändern. Wenn Sie - jedes Haus - nicht eine
Fassung dieses Haushalts verabschiedet hätten, wären
wir nicht in der Lage gewesen, dies zu tun. Genau dies
geschieht heute.

Genau dieses Argument habe ich von Beginn dieses
Prozesses an zu vertreten versucht. Ja, es wird
marginale Veränderungen geben. Ja, es hat bereits
marginale Veränderungen gegeben. Aber wir müssen
einen grundsätzlichen Wandel vollziehen. Welche
Elemente gehören zu diesem Wandel? Erstens müssen
wir die Kontrolle über unser wirtschaftliches Schicksal
erlangen, unser fiskalisches Haus in Ordnung bringen.
Dieses Defizit steckt wie eine Gräte im Hals Amerikas,
und wir sollten es in Angriff nehmen, indem wir einen
Plan verabschieden, der es um 500 Milliarden Dollar
abbaut.

Ich möchte sagen, wie sehr es mich bisweilen schmerzt,
daß dies zu einer Auseinandersetzung zwischen den
Ja, es ist schmerzhaft. Ja, es ist schwierig. Aber es ist Parteien geworden ist. Das habe ich nicht angestrebt.
Fortschritt. Es ist Wandel. Es wird einen Unterschied Ich hege immer noch die Hoffnung, daß einige der
bewirken. Und der Schwerpunkt liegt auf den langfri- wirklich gewissenhaften und verantwortungsbewußstigen Interessen der Bevölkerung dieses Landes. Wir ten Mitglieder der anderen Seite diesem Konferenzbesind bereits weit gekommen. Dies ist nicht die Zeit, um richt zustimmen werden, wenn er fertiggestellt ist. Ich
einen Rückzieher zu machen. Wir sind kühn gewesen. weiß, viele von ihnen sind der Auffassung, daß viel
Gutes darin steckt. Und wir haben offen gestanden
Dies ist keine Zeit für Ängstlichkeit. Wir sind diese
einige Veränderungen vorgenommen, die diese VorlaKrise frontal angegangen. Dies ist nicht der Zeitpunkt
ge in die Richtung bringen, die von den gemäßigteren
zurückzuweichen.
und verantwortungsbewußteren Mitgliedern der andeWir können diese Wirtschaftskonferenz mit einem ren Seite erbeten wurde.
Plan abschließen, der den Kongreß passieren und was am wichtigsten ist - dem kritischen Urteil des Ich werde mich jedoch nicht scheuen, das zu verteidiamerikanischen Volkes standhalten kann, wenn wir gen, von dem ich in meinem tiefsten Innern weiß, daß
es der Wirtschaft helfen wird, wenn es zum Ziel unehrgewährleisten, daß es weiß, was er beinhaltet. Während Sie sich durch die Vielzahl wichtiger Einzelheiten licher und unfairer Angriffe wird. Dies entspricht wohl
dieser massiven Wirtschaftskonferenz arbeiten, wür- dem Charakter unseres Berufs - aber irgendwann
de es uns gut anstehen, im Auge zu behalten, daß die sollte auch das zählen, was wirklich im Interesse des
Geschichte nicht festhalten wird, wer den Sieg in der amerikanischen Volkes liegt.
Arena technischer Einzelheiten davonträgt, die einen
Zum Schluß möchte ich sagen, wenn man weiß, daß
Großteil der Debatte ausmachen könnten.
man diesen Weg allein gehen mu ß und kaum Hilfe von
der
anderen Seite erwarten kann, dann besteht eine
Unsere Kinder und Enkel werden sich jedoch daran
schreckliche
Versuchung, nämlich nichts zu tun, oder
erinnern, ob wir ängstlich oder kühn waren. Sie
zumindest
eine
Zeitlang nichts zu tun. Und ich kann
werden sich entsinnen, ob wir Mut unter Beweis geIhnen
sagen,
der
Preis des Nichtstuns ist in politischer
steift haben oder vor dieser Herausforderung zurückund
ökonomischer
Hinsicht wesentlich höher als wenn
geschreckt sind. Sie werden sich daran erinnern, ob
man
heute
den
Preis
für den Fortschritt bezahlt.
wir uns einer Pattsituation und der Art von leicht
ausgesprochener Rhetorik gefügt haben, die unsere
Politik in den letzten Jahren immer stärker beherrscht
hat, oder ob wir regieren.
Ich bin mir bewußt, daß Kompromiß, Konsens und
Ausgleich das Gebot der Stunde sein müssen. Nichts
von solcher Schwierigkeit und Komplexität läßt sich
erreichen, ohne daß man unterschiedlichen Stimmen
und verschiedenen Ideen zuhört. Ich mache mir
jedoch keine Illusionen über die vor uns liegenden
Herausforderungen.
Gewiß, dies ist politisch schwierig und institutionell
anspruchsvoll. Das wiederum macht diese Herausforderung so reizvoll. Bedenken Sie folgendes: Nichts
wird irgendetwas wert sein, wenn wir am Schluß
weniger als einen grundlegenden Wandel präsentieren.
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Wir wurden gewählt, um zu regieren. Wir wurden
gewählt, um das Patt zu brechen. Ich weiß nicht, wie
viele Leute mir letztes Jahr erklärt haben, wenn Sie
mich in Rage bringen, dann tun Sie etwas. Tun Sie
etwas. Sorgen Sie für Bewegung. Bringen Sie uns da
heraus. Bringen Sie etwas zustande. Wenn wir
kneifen oder scheitern, um unser Mandat für den
Augenblick zu erhalten, würde die Reaktion darauf
weit stärker ausfallen als jede einzelne unpopuläre
Maßnahme im Rahmen dieser Bemühungen.
Wenn wir Erfolg haben und unsere Nation auf einen
neuen Kurs bringen... und dies wird am Tag nach der
Verabschiedung eines gemeinsamen Plans durch beide
Häuser geschehen ... werden die Bürger die Fakten
sehen, nicht den Nebel, sondern die Fakten darüber,

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�was zu diesem Programm gehört. Die Realität wird
zum Vorschein kommen. Dann werden wir auf dem
Weg sein, um eine Volkswirtschaft aufzubauen, die
den Amerikanischen Traum wiederherstellt. Seit 20
Jahren sehen wir, wie er uns immer weiter entrückt.

Pflicht ignorieren, unser Haus in Ordnung zu bringen,
in unser Volk zu investieren und die Art von Programm
hervorzubringen, das uns ins 21. Jahrhundert führt.

Dieses Land vollbringt viele gute Dinge, die aufgrund
momentaner Unsicherheiten häufig unbeachtet bleiDer Wohlstand der Mittelschicht erreichte seinen ben. Der Privatsektor hatte einen enormen ProduktiHöhepunkt vor 20 Jahren, im Jahr 1973. Seither sind vitätszuwachs zu verzeichnen. Ihr Land produziert zu
alle Einkommenszuwächse dadurch entstanden, daß geringen Kosten Hunderte, ja Tausende qualitativ
die Menschen länger arbeiteten oder mehr Mitglieder hochwertige, billige Waren und Dienstleistungen, die
einer Familie beschäftigt waren. Seither gab es 20 uns helfen können, wenn wir Märkte öffnen können,
Jahre lang unterschiedliche, aber unzureichende wenn wir unser Haus in Ordnung bringen können,
Reaktionen auf die Herausforderungen der Weltwirt- wenn wir weiterhin die Qualifikationen unserer Menschaft. Und dann probierten wir in den letzten 12 schen verbessern können und wenn wir die speziellen
Probleme verschiedener Teile des Landes und verJahren eine Volkswirtschaft mit Sickereffekt aus, deschiedener
Teile der Wirtschaft in den Griff bekommen
ren Credo lautete, alles nach oben umzuschichten und
können.
Wir
können dies vollbringen. Wir brauchen
zu hoffen, daß es wieder unten investiert wird und dann
nicht
in
der
Klemme
zu bleiben, in der wir gegenwärtig
gut funktioniert.
stecken. Aber wir sind auf die eine oder andere Weise
Ich gehe davon aus, daß die Wahrheit irgendwo dazwi- zwei Jahrzehnte lang auf diesem Weg gewesen. Wir
schen oder jenseits der alten staatlichen Verhaltens- können nicht erwarten, ihn innerhalb von sechs Monamuster liegt. Wir können diese Krise nicht durch ten zu verlassen. Wir werden ihn jedoch nie verlassen,
Mehrausgaben überwinden. Die Regierung kann das wenn wir uns nicht bewegen. Wir können nicht einfach
amerikanische Volk nicht allein von dieser Krise befrei- herumsitzen und um Regen beten. So funktioniert das
en. Wir können aber auch nicht unsere fundamentale nicht.

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*

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�AUSSENPOLITIK
28. Juli 1993

CHRISTOPHER SKIZZIERT ZIELE SEINER REISE
NACH ASIEN, AUSTRALIEN, NAHOST
Pressekonferenz des Außenministers
WASHINGTON - (AD) - Bei den Vorbereitungen für seine Reise in den Fernen Osten, nach Australien und Nahost
stehen Außenminister Christopher zufolge regionale Sicherheitsfragen, Handelsangelegenheiten und der
Nahost-Friedensprozeß im Mittelpunkt der Themen, die er mit Vertretern in diesen Regionen erörtern werde.
Während einer Pressekonferenz skizzierte Christopher am 21. Juli 1993 die Tagesordnung seiner bevorstehenden Gespräche mit Politikern in aller Welt sowie andere drängende außenpolitische Fragen, darunter auch
Bosnien-Herzegowina und Somalia.
"Meine... Reise zum ASEAN und nach Australien", erklärte der Minister, "unterstreicht das Engagement unserer
Administration für die neue pazifische Gemeinschaft, die der Präsident in seinen Reden in Asien beschrieben
hat."
Christopher äußerte, er hoffe, seine Mission in den Nahen Osten werde dazu beitragen "den Friedensprozeß
voranzutreiben", verwies jedoch darauf, Durchbrüche seien nicht zu erwarten.
Die Krise in Bosnien-Herzegowina bezeichnete Christopher als "das schwierigste diplomatische Problem der
Welt". Die Vereinigten Staaten unternähmen "alles in ihrer Macht und im Einklang mit unseren nationalen
Interessen Stehende", um die Lage dort zu verbessern.
Nachfolgend veröffentlichen wir Christophers Eingangserklärung bei der Pressekonferenz im Wortlaut.

Ich werde mit einer kurzen Eingangserklärung im
Hinblick auf meine morgen beginnende Reise anfangen.

bei der Reise, die ich morgen antreten werde, auf
diesen Fortschritten aufzubauen.

Ich sehe der Folgekonferenz zum ASEAN-Ministertreffen, an der ich in Singapurteilnehmen werde, sowie
den anschließenden gemeinsamen Treffen der Außen- und Verteidigungsminister in Australien erwartungsvoll entgegen. Meine auf den Besuch Präsident
Clintons folgende Reise zum ASEAN und nach Australien unterstreicht das Engagement unserer AdminiErstens Bekräftigung der amerikanischen Si- stration für die neue pazifische Gemeinschaft, die der
cherheitsverpflichtung und des aktiven Engage- Präsident in seinen Reden in Asien beschrieben hat.
ments in Asien;
Die Säulen dieser neuen pazifischen Gemeinschaft
zweitens die Öffnung von Weltmärkten und sind Fortschritte zu offeneren Volkswirtschaften und
Schaffung von Arbeitsplätzen;
verstärktem Handel, die Verpflichtung der Vereinigten
drittens die Unterstützung der Demokratie in der Staaten zur Aufrechterhaltung einer militärischen
Präsenz in Asien sowie die Unterstützung von Demoehemaligen Sowjetunion, in ganz Asien und
kratie und Menschenrechten. Eine wichtige Stoßrichweltweit.
tung unserer Außenpolitik wird darin bestehen, diese
An jeder dieser drei Fronten wurden gute Fortschritte Engagements in Asien zu stärken, und ein zentrales
erzielt. Unsere Herausforderung besteht nun darin, Anliegen wird sein, dieser Region, die für unsere

Zu Beginn dieses Monats fuhr Präsident Clinton zum
G-7-Gipfel und zu Gesprächen mit den Japanern nach
Tokio und anschließend - wie Sie alle wissen - nach
Seoul. Seine Ziele bei dieser Reise waren klar definiert
und lauteten folgendermaßen:

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�künftige Sicherheit und unseren Wohlstand von solch unsere wirtschaftlichen Bande stärken. Australien hat
großer Bedeutung ist, große Aufmerksamkeit zu schen- bei vielen asiatisch-pazifischen Fragen von Kambodken.
scha über die Uruguay-Runde bis zur APEC eine
Führungsrolle gespielt.
Die ASEAN-Staaten und andere Länder Asiens haben
multilaterale Sicherheitsgespräche eingeleitet, um Fragen des regionalen Friedens und der Stabilität
Frieden und Stabilität in der Region zu fördern. Die werden auch den letzten Teil meiner Reise, einen
Vereinigten Staaten erwarten, sich aktiv daran zu Besuch im Nahen Osten, beherrschen. Ich habe
beteiligen und diese Fragen bei unserer Konferenz in beschlossen, zu diesem Zeitpunkt in den Nahen Osten
Singapur zu erörtern. Diese regionalen Sicherheits- zu fahren, weil es wichtig ist, den Friedensprozeß
dialoge werden unsere militärische Vornestationie- voranzutreiben.
rung und die bilateralen Bindungen, die Amerika in
dieser Region aufgebaut hat, ergänzen aber nicht Wir sind derzeit und auch in Zukunft kein Ersatz für
direkte Verhandlungen, aber unsere Rolle hat sicherablösen.
lich grundlegenden Charakter.
Die ASEAN-Staaten haben beim historischen und
immer noch risikoreichen Übergang zur Demokratie in Wir sollten uns alle erinnern, daß viel geschehen
Kambodscha eine entscheidende Rolle gespielt. Ich mußte, bevor die Schranken niedergerissen wurden,
werde die ASEAN-Mitglieder auffordern, ihre stand- und wir waren in der Lage, die Schranken zu überwinhafte Unterstützung dieses Prozesses in Kambodscha den und die bilateralen Gespräche aufzunehmen. Heute
bemühen wir uns, den Parteien bei der Überwindung
ebenso wie wir weiterhin aufrechtzuerhalten.
von Hindernissen für substantielle Vereinbarungen zu
Während des ASEAN-Treffens werde ich mehrere helfen. Dies wird sich nicht unmittelbar aus einer
wichtige bilaterale Gespräche führen, zum Beispiel mit einzelnen Reise meinerseits ergeben, aber meine
den Außenministern von Rußland, Japan, China und zeitweilige Präsenz in der Region kann gemeinsam mit
Vietnam, mit den ASEAN-Staaten und deren Dialog- der Präsenz von Dennis Ross und seinem Team dazu
beitragen, das Fundament für künftige Fortschritte zu
partnern.
legen. Sicherlich müssen noch schwierige EntscheiDanach werde ich, wie bereits erwähnt, zum jährlichen dungen getroffen werden, und wir ermutigen zu solamerikanisch-australischen Ministertreffen nach Au- chen Entscheidungen, weil sie getroffen werden müssen,
stralien reisen. Australien ist einer unserer engsten wenn wir Fortschritte auf dem Weg zum Frieden in
Verbündeten, und unsere Konsultationen mit diesem dieser Region erzielen wollen, die allzulange keinen
Land werden sowohl unsere militärischen als auch Frieden gehabt hat.

* * * * *

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�NICHTVERBREITUNG
28. Juli 1993

NICHTVERBREITUNG IST PRIORITÄT
DER US-SICHERHEITSPOLITIK
Rede des Außenministers beim ASEAN
SINGAPUR - (AD) - Außenminister Christopher zufolge steht "an oberster Stelle der (amerikanischen)
sicherheitspolitischen Tagesordnung die Notwendigkeit für starke internationale Bestrebungen zur Bekämpfung
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme".
In einer am 26. Juli 1993 beim Ministerfolgetreffen des Verbands Südostasiatischer Nationen (ASEAN)
abgegebenen Erklärung betonte Christopher: "Die Vereinigten Staaten verpflichten sich an erster Stelle zu
strengen und effektiven weltweiten Regeln zur Eindämmung der Verbreitung von Nuklearwaffen."
"Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die Entscheidung zur Fortsetzung des Moratoriums für Atomtests bis
September 1994 getroffen - solange auch andere Nationen auf weitere Tests verzichten. Aus diesem Grund
verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur Aushandlung eines umfassenden multilateralen Vertrags über das
Verbot von Atomtests. Und deshalb werden wir 1995 vehement die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags verfolgen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Es ist mir eine Ehre und ein Vergnügen, die Vereinigten jedoch stets der Tatsache erinnern, daß Sicherheit an
Staaten beim Ministerfolgetreffen des ASEAN vertre- ersterStelle kommt." Ich möchte eindeutig klarstellen,
ten zu dürfen.
die Vereinigten Staaten werden sich in Asien weiterhin
aktiv engagieren. Amerika ist und bleibt eine asiatischWährend seiner Asienreise Anfang dieses Monats hat pazifische Macht. Wir werden unsere feierlichen
der Präsident die Vereinigten Staaten zur Zusammen- Vertragsverpflichtungen einhalten, unsere Vornepräarbeit mit den asiatischen Nationen verpflichtet, um sertz fortsetzen und mit den Nationen der Region
eine "neue pazifische Gemeinschaft" zu gründen, "die zusammenarbeiten, um ein friedliches und sicheres
auf gemeinsamer Stärke, gemeinsamem Wohlstand Asien zu bewahren. Wir werden dies tun, weil es im
und der gemeinsamen Verpflichtung zu demokrati- Interesse der Vereinigten Staaten und seiner asiatischen Werten aufbaut". Die ASEAN-Nationen - und schen Partner liegt.
dieses Folgeforum des Ministertreffens - müssen bei
der Erarbeitung der Vision einer neuen pazifischen An oberster Stelle der (amerikanischen) sicherheitsGemeinschaft eine entscheidende Rolle spielen.
politischen Tagesordnung (steht) die Notwendigkeit
für starke internationale Bestrebungen zur BekämpHeute möchte ich Ihnen meine Gedanken über die fung der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen
Herausforderungen vermitteln, mit denen wir uns in und ihrer Trägersysteme.
drei Bereichen konfrontiert sehen - Sicherheit, Wirtschaftspolitik und Demokratie. Darüber hinaus möch- Die Vereinigten Staaten verpflichten sich an erster
te ich mit Ihnen Wege sondieren, wie wir durch Zusam- Stelle zu strengen und effektiven weltweiten Regeln
menarbeit erfolgreich die globalen, regionalen und zur Eindämmung der Verbreitung von Nuklearwaffen.
nationalen Dimensionen dieser Herausforderungen Aus diesem Grund hat Präsident Clinton die Entscheiansprechen können.
dung zur Fortsetzung des Moratoriums für Atomtests
bis September 1994 getroffen - solange auch andere
Sicherheit
Nationen auf weitere Tests verzichten. Aus diesem
Grund verpflichten sich die Vereinigten Staaten zur
Um Präsident Clintons Worte vor der koreanischen
Aushandlung eines umfassenden multilateralen VerNationalversammlung zu zitieren: "Wir müssen uns
trags über das Verbot von Atomtests. Und deshalb
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Seite 1

�werden wir 1995 vehement die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags verfolgen.
Entsprechend sind der Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag und die uneingeschränkte Einhaltung der IAEOSicherheitsbestimmungen sowie der Nord-Süd-Entnuklearisierungserklärung durch Nordkorea unabdingbar. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, eine
atomwaffenfreie nordkoreanische Halbinsel anzustreben. Wie Sie wissen, führen wir intensive Gespräche
mit Nordkorea mit dem Ziel, es in das Gefüge der
nuklearen Verantwortung zurückzuführen. Die jüngsten Gespräche in Genf markierten drei weitere Schritte zur Lösung dieser Probleme. Nordkorea wird Konsultationen mit der IAEO über anhängige Sicherheitsfragen aufnehmen. Nordkorea hat sich verpflichtet,
atomare und andere Themen mit Südkorea zu erörtern. Und Nordkorea hat seine Bereitschaft angekündigt, auf Reaktoren umzurüsten, die sehr viel weniger
zur Produktion von Nuklearwarfenmatehal geeignet
sind. Wir sind zu kontinuierlichen Fortschritten für eine
Lösung des Nuklearproblems entschlossen und werden unseren Dialog mit Nordkorea fortsetzen, solange
er konstruktiv ist. Unsere Wachsamkeit wird erst mit
Nordkoreas uneingeschränkter Einhaltung seiner
Verpflichtungen nachlassen.

verweisen, Frieden und Demokratie für die seit langem
leidenden Menschen in Kambodscha herbeizuführen durch Diplomatie, Stationierung von Einheiten und die
Bereitstellung von Gerät.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin mit Ihnen
und anderen zusammenarbeiten, um eine vielversprechendere Zukunft für das kambodschanische Volk zu
gewährleisten. Seit 1986 haben wir rund 200 Millionen
Dollar für humanitäre Hilfsleistungen bereitgestellt, um
den dringendsten Bedarf in Kambodscha zu decken.
Wir haben über 500 Millionen Dollar für die UN-Friedensmission in Kambodscha beigesteuert. Wir haben
uns zu weiterer Hilfe bei der schwierigen Aufgabe
verpflichtet, das Land wiederaufzubauen.

Auf regionaler Ebene hat die Dynamik nach dem
Kalten Krieg radikale Verlagerungen des althergebrachten Kräftegleichgewichts bewirkt. Eine neue
pazifische Gemeinschaft muß ein neues regionales
Gleichgewicht herstellen, das Stabilität, regionale
Rüstungskontrolle und die friedliche Beilegung von
Konflikten fördert. Der ASEAN ist sich bewußt - und
die Vereinigten Staaten unterstützen dies uneingeschränkt - daß wir einen neuen regionalen Sicherheitsdialog benötigen, um gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen. Dieses Forum ist in dieser Hinsicht
Eine zweite große Herausforderung ist die Verbreitung besonders vielversprechend. Asien ist nicht Europa.
Die neunziger Jahre sind nicht der Kalte Krieg. Daher
von chemischen und biologischen Massenvernichtungswaffen sowie ihrer Trägerraketen. Dies stellt ein streben wir gemeinsam nicht die Bildung von Blöcken
wachsendes Problem für Asien dar, weil die wirtschaft- gegen einen gemeinsame Bedrohung an, sondern
lichen und technologischen Entwicklungen bedeuten, vielmehr intensivierte Gespräche unter den Nationen,
daß die Region jetzt Chemikalien, moderne Elektronik die über die Intentionen des anderen besorgt sind.
sowie andere Produkte und Dienstleistungen herstellen kann, die die Verbreiter wollen, die jedoch heute Unter Berufung auf einen Wandel in der amerikanivon Europa und den Vereinigten Staaten verweigert schen Politik hat Präsident Clinton vor der koreaniwerden. Asien ist in einem Stadium, in dem seine schen Nationalversammlung Anfang dieses Monats
Beteiligung an internationalen Abkommen und die bekanntgegeben, daß wir uns aktiv an einem regionaSchaffung von Exportkontrollregimen äußerst wichtig len Sicherheitsdialog mit Asien beteiligen werden.
Unseres Erachtens können solche Gespräche unsere
ist. Die Vereinigten Staaten werden in absehbarer
Zukunft neue Bestrebungen zur Verwirklichung dieser bilateralen Beziehungen ergänzen, zum Abbau von
Ziele in die Wege leiten. Wir sehen der Zusammenar- Spannungen beitragen, Offenheit und Transparenz
vergrößern und einen destabilisierenden Rüstungsbeit mit Ihnen allen erwartungsvoll entgegen.
wettlauf verhindern. Diese Dialoge sollten daher
Eine andere sicherheitspolitische Herausforderung, umfassend sein: Die Vereinigten Staaten begrüßen
der wir uns gegenübersehen, ist die Notwendigkeit, die progressive Integration von China und Rußland
sowie anderer Nationen in diesen Rahmen des ASEANdurch kollektives Engagement auf die Konflikte weltMinisterfolgetreffens. Präsiden Clinton hat erklärt:
weit zu reagieren. Diese Herausforderung der Friedenssicherung - an Orten wir Bosnien, Somalia und "Diese Arrangements können funktionieren wie einanKambodscha - erfordert eine globale Reaktion, und die der übertappende Panzerplatten... und zusammen die
asiatischen und pazifischen Nationen haben eine lebens- Gesamtheit unserer gemeinsamen Sicherheitsanliegen abdecken." Ich möchte jedoch betonen, daß
wichtige Rolle zu spielen.
regionale Sicherheitsdialoge in keiner Weise BündnisDer ASEAN hat besonders wertvolle Beiträge zum se der Vereinigten Staaten oder ihre Vornepräsenz in
regionalen Frieden geleistet. Seit seiner Gründung im Asien überflüssig machen. Sie sind vielmehr ErgänJahr 1967 war der ASEAN eine Kraft für regionale zungen, um ein friedliches und stabiles Asien in der
Stabilität und Zusammenarbeit. Ich möchte vor allem Zeit nach dem Kalten Krieg sicherzustellen.
auf seine zentrale Rolle bei den mutigen Bestrebungen

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AMERIKA DIENST 30

�Wohlstand
Ich möchte mich nun der wirtschaftlichen Dimension
zuwenden.
Als Außenminister bin ich der Ansicht, daß unsere
Fähigkeit zur Einhaltung vitaler Sicherheitsverpflichtungen durch die Erneuerung der wirtschaftlichen Stärke
Amerikas im In- und Ausland nachhaltig gefördert wird.
Langfristig wird nur ein gesundes, selbstsicheres Amerika
in der Lage und bereit sein, sich positiv in Asien zu
engagieren.
Unter der Führung Präsident Clintons hat Amerika
wieder verantwortungsbewußt die Leitung seiner Volkswirtschaft übernommen und spielt erneut eine führende Rolle bei weltweiten wirtschaftlichen Themen. Die
Reduzierung unseres Haushaltsdefizits um 500 Milliarden Dollar über die nächsten fünf Jahre ist in
greifbare Nähe gerückt. Wir ergreifen die erforderlichen harten Maßnahmen beim Defizit sowie in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und Wettbewerbsfähigkeit, und wie wir beim G-7-Gipfel festgestellt haben, nimmt der Rest der Welt davon Notiz.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ein vollwertiger
Partner in einer neuen pazifischen Gemeinschaft zu
sein. Vierzig Prozent des amerikanischen Handels
werden heute mit Asien abgewickelt und sichern 2,3
Millionen amerikanische Arbeitsplätze. Noch vor einem Vierteljahrhundert betrug der gesamte amerikanische Handel mit ganz Ostasien weniger als der mit
Lateinamerika - und unser Handel mit den ASEANStaaten war nur ein Bruchteil davon. Im vergangenen
Jahr erreichte unser transpazifischer Handel in beiden
Richtungen 325 Milliarden Dollar - dreimal soviel wie
mit Lateinamerika und nahezu 50 Prozent mehr als
unser Handel mit Westeuropa. Der ASEAN ist heute
unser viertgrößter Handelspartner.
Keine Region ist abhängiger vom Handel als Asien und für keine Region steht beim Erfolg der weltweiten
Handelsliberalisierung mehr auf dem Spiel. Die asiatischen Nationen haben die Vereinigten Staaten gebeten, ihren Markt offen zu harten - und wir sind entschlossen, dies zu tun. Die asiatischen Nationen
haben Amerika gebeten, sich weiterhin in der Region
zu engagieren - und wir sind entschlossen, dies zu tun.
Damit das amerikanische Volk jedoch die Vorzüge
eines solchen Engagements zu würdigen weiß, müssen die asiatischen Märkte für amerikanische Waren
und Dienstleistungen offen sein.
Teilweise dank der Arbeit des jüngsten G-7-Gipfels
besteht ein erneuertes Gefühl der Dringlichkeit beim
Streben nach offeneren Märkten. Die Staats- und
Regierungschefs erzielten eine wichtige Vereinbarung
über Zollsenkungen in der Uruguay-Runde. Der ASEAN
und seine Dialogpartner können einen unmittelbaren
und konstruktiven Beitrag zum Werthandelssystem
leisten, indem sie den beim G-7-Gipfel erzielten Durchbruch beim Marktzugang unterstützen - und indem sie
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sich anderen Staaten beim Streben nach einem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde in diesem Jahr
anschließen. Diese Region kann beim erfolgreichen
Abschlußder Runde viel gewinnen und beim Scheitern
der Verhandlungen viel verlieren.
Unser Glaube an die Vorteile der Handelsliberalisierung liegt unserem Engagement für das APEC (Forum
für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit) als Eckpfeiler der regionalen wirtschaftlichen
Zusammenarbeit zugrunde. Mit der Hälfte des Bruttoinlandsprodukts der Welt kann das APEC einen
Schwerpunkt beim Aufbau einer neuen pazifischen
Gemeinschaft bilden - und es wird den Rahmen für die
Ausweitung der Handels- und Investitionsströme durch
die asiatisch-pazifische Region bereitstellen.
Wir sehen der Ausrichtung des APEC-Ministertreffens
in Seattle diesen November erwartungsvoll entgegen.
Ich hoffe, Sie werden gemeinsam mit mir dieses Treffen dazu benutzen, einen Handels- und Investitionsrahmen für marktorientierte Maßnahmen zu verabschieden, dem Privatsektor eine stärkere Rolle einzuräumen und das APEC als Institution zu stärken.
Wie Sie wissen, würde Präsident Clinton es begrüßen,
wenn seine APEC-Kollegen unmittelbar nach dem
Ministertreffen mit ihm gemeinsam an einem ruhigen
Ort die wirtschaftlichen Herausforderungen erörterten,
die wir bewältigen müssen, um die Vision einer neuen
pazifischen Gemeinschaft zu verwirklichen. Der Präsident geht davon aus, daß wir für unsere wirtschaftlichen Probleme kooperative Lösungen finden müssen
- wie das Wachstum aufrechterhalten, Arbeitsplätze
geschaffen, die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrien
und der Lebensstandard aller unserer Bürger verbessert werden können. Ich hoffe, Ihre Regierungschefs
werden einer Teilnahme zustimmen.
Demokratie
Unsere Erfolge in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft haben einen starken neuen Impuls für Freiheit
und Demokratie hervorgebracht. Präsident Clinton hat
dazu erklärt: "Erweiterter Handel und offenere Volkswirtschaften bereichern die Menschen nicht nur, sondern geben ihnen auch mehr Macht." Durch die
Förderung freier Märkte stärken wir freie Gesellschaften sowie regionalen Frieden und Stabilität.
Demokratien sind nicht nur ein moralisches Gebot. Sie
sind eine praktische Notwendigkeit. Demokratien
bedrohen nicht ihre Nachbarn. Sie praktizieren keinen
Terrorismus. Sie bringen keine Flüchtlinge hervor. Sie
gehen auf die Bedürfnisse ihrer Bürger ein - und
erzielen damit mehr Stabilität und Wohlstand für alle.
Wir respektieren die religiösen, sozialen, politischen
und kulturellen Charakteristika, die jedes Ihrer Länder
einzigartig machen. Wir waren erfreut darüber, daß
alle unsere Länder trotz unterschiedlicher Perspektiven in der Lage waren, sich vergangenen Monat bei
Seite 3

�der Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien darauf
zu einigen, daß die Menschenrechte universell sind.
Kulturelle, soziale und andere Unterschiede können
die Verweigerung dieser Rechte nicht rechtfertigen.

von der universellen Anziehungskraft von Demokratie
und Rechtsstaatlichkeit ablegen. Vergangene Woche
erinnerte Präsident Clinton an den vierten Jahrestag
der Inhaftierung der mutigen burmesischen Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San
Einige haben argumentiert, die Demokratie sei für Suu Kyi. Er erneuerte seine Forderung an die burmeAsien irgendwie ungeeignet und unsere Betonung der sische Militärführung, "die Nobelpreisträgerin Aung
Menschenrechte sei eine Maske für westlichen Kultur- San Suu Kyi und alle anderen politischen Gefangenen
imperialismus. Sie haben ganz und gar unrecht. bedingungslos freizulassen, die Ergebnisse der WahTatsächlich ist die Demokratie im letzten Jahrzehnt len von 1990 zu respektieren und echte demokratische
überall in Asien gestärkt worden - in Taiwan und Korea, Reformen durchzuführen".
auf den Philippinen und in Thailand, in der Mongolei
und andernorts. Das Verlangen nach mehr Freiheit ist Ebenso wie in der übrigen Welt ist in Asien die Freiheit
kein Export des Westens, es ist ein menschlicher mit Entwicklung, Wohlstand und der Verbreitung
Instinkt.
marktwirtschaftlicher Prinzipien verbunden. Unsere
gemeinsame Arbeit und unsere gemeinsamen demoDie ASEAN-Staaten haben eine entscheidende Rolle kratischen Werte werden im kommenden Jahrhundert
beim demokratischen Übergang in Kambodscha geein noch stärkeres Band zwischen Amerikanern und
spielt. Eine 90prozentige Beteiligung an der jüngsten Asiaten knüpfen.
Wahl in Kambodscha ist angesichts von Gewalt und
Einschüchterung Zeugnis vom Mut des kambodschaIn Anerkennung dessen, was wir bisher erreicht hanischen Volkes. Diese Wahlbeteiligung ist darüber ben, gehe ich davon aus, daß wir die Vision einer
hinaus ein Beweis für den Wert hartnäckiger - gemein- neuen pazifischen Gemeinschaft, einer Gemeinschaft
samer - Bemühungen in dieser Frage. Selbst auf dem freier Völker und Nationen verwirklichen können, die
unfruchtbaren Terrain, das einst ein "Feld des Todes" stark genug ist, um Asien und den Pazifik in ein neues
war, schlägt die Demokratie Wurzeln. Die internatio- Zeitalter von Frieden, Wohlstand und Freiheit zu fühnale Staatengemeinschaft muß jedoch engagiert und ren.
wachsam bleiben und den Kambodschanern helfen,
sich eine friedliche und wirtschaftlich blühende Zukunft Meine Delegation und ich sehen den Gesprächen
dieser Folgekonferenz erwartungsvoll entgegen.
zu sichern.
In ganz Asien gibt es vorausschauende und mutige
Personen, deren Leben und Worte beredtes Zeugnis
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AMERIKA DIENST 30

�BALKAN
28. Juli 1993

OXMAN ERLÄUTERT US-BALKANPOLITIK
Stellungnahme vor KSZE-Kommission

WASHINGTON - (AD) - Der Leiter der Abteilung für europäische und kanadische Angelegenheiten im USAußenministerium, Stephen Oxman, hat am 21. Juli 1993 bei einer Anhörung der KSZE-Kommission zum
Thema "Der Jugoslawienkonflikt: Das Potential einer Ausweitung auf dem Balkan" eine Stellungnahme
abgegeben, deren vorbereiteten Text wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Herr Vorsitzender, Herr Ko-Vorsitzender, ich möchte
Ihnen für die Gelegenheit danken, heute vor dieser
Kommission eine Stellungnahme zur Möglichkeit einer
Ausweitung des Bosnienkonflikts und im allgemeineren zu den Auswirkungen dieses Konflikt auf den
Balkan abzugeben.
Wie Sie wissen, ist die Verhütung eines größeren
Balkankrieges seit jeher eines der Hauptziele dieser
Administration. Der Balkan ist nach wie vor das
Pulvorfaß Europas. Wenn der derzeitige Konflikt auf
den Kosovo oder Makedonien oder ein anderes Gebiet
übergreifen würde, könnte dies die gesamte Region
destabilisieren. Andere Länder, darunter auch Verbündete in der NATO, könnten in die Kämpfe hineingezogen werden, was schwerwiegende Konsequenzen
für die europäische Sicherheit haben könnte. Schließlich würde ein größerer Konflikt die Bemühungen der
Balkanstaaten zurückwerfen, Demokratien und Marktwirtschaften aufzubauen.
In meinen Ausführungen werde ich zunächst die Wege
erörtern, auf denen sich der gegenwärtige Konflikt
ausbreiten und warum ein größerer Konflikt wichtige
amerikanische Interessen berühren könnte. Ich werde
sodann erläutern, welche Schritte von den Vereinigten
Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft
unternommen werden, um eine Ausweitung der Kämpfe zu verhindern. Schließlich werde ich beschreiben,
was wir tun, um die umfassenderen Tendenzen zu
Demokratie und freien Märkten in der Region zu fördern.
Die Möglichkeit einer Ausbreitung ergibt sich aus der
ethnischen Geographie des Balkans. Die BalkanNationen sind nicht homogen, sondern enthalten verAMERIKA DIENST 30

mischte ethnische, religiöse und nationale Gruppen.
Wie die serbischen Nationalisten uns ständig in Erinnerung rufen, gibt es Serben in Kroatien, Bosnien und
Makedonien ebenso wie in Serbien. Es gibt Ungarn in
Serbien und Rumänien, Albaner leben in Serbien und
Makedonien, und ich könnte noch weitere Beispiele
anführen.
Das ethnische Pulverfaß kann gezündet werden, wenn
politische Führer die Flammen des Nationalismus und
Separatismus anfachen. Rufe nach einem Großserbien gründen sich beispielweise auf die Behauptung,
serbische Minderheiten könnten nur durch die Union
mit dem eigentlichen Serbien geschützt werden. Wir
sind der Auffassung, daß die Rechte nationaler Minderheiten geschützt und gewahrt werden müssen, und
wir lehnen jeden Versuch ab, nationale Grenzen
gewaltsam zu verändern. Unsere Politik in dieser
geschundenen Region muß die mächtigen emotionalen Auswirkungen berücksichtigen, die solche Rufe
nach ethnischer Solidarität verursachen können.
Ich möchte Ihnen den neuesten Stand in den Gebieten
erläutern, in denen sich der Konflikt ausbreiten könnte:
Kroatien
Die Bedrohung in Kroatien geht nicht von einer Ausweitung des Konflikts im eigentlichen Sinne, sondern
von einer möglichen Intensivierung des Konflikts zwischen der kroatischen Regierung und den kroatischen
Serben in der Krajina aus, die rund ein Viertel des
Landes kontrollieren. Wie Sie sich erinnern werden,
gab es 1991 erbitterte Kämpfe zwischen den Serben
und Kroaten. Die internationale Staatengemeinschaft
hat - bis heute ohne viel Erfolg - versucht, eine SchlichSeite 1

�tungslösung zu vermitteln, obwohl internationale Vermittlungsbemühungen zumindest für den Augenblick
dazu beigetragen haben, am vergangenen Wochenende eine Krise zu entschärfen, als die kroatische
Regierung eine Brücke wiedereröffnete, die Süddalmatien mit dem Rest des Landes verbindet. Präsident
Tudjman hat unlängst zugestimmt, das Mandat der
UN-Friedenstruppe in Kroatien für weitere drei Monate
zu verlängern. Die Lage ist jedoch nach wie vor
äußerst gespannt, und umfassende Kämpfe könnten
jederzeit ausbrechen.

gesetzlichen Schutzes und fühlen sich deshalb verwundbar für Drohungen und Gewalt.

Kosovo und Makedonien

Alle diese Situationen enthalten das Potential für einen
größeren Konflikt, der auf vielfältige Art und Weise
Auswirkungen auf die europäische Sicherheit und
amerikanische Interessen haben könnte:

Unsere Hauptsorge im Kosovo ist, daß die serbische
Regierung entweder zur Förderung der "ethnischen
Säuberung" oder als Reaktion auf Provokationen albanischer Nationalisten im Kosovo mit Gewalt vorgehen
könnte. Kämpfe könnten ferner von extremistischen
Gruppen serbischer Nationalisten ausgelöst werden,
die Operationsbasen in der Region unterhalten. Gewalt
könnte einen Flüchtlingsstrom nach Makedonien hervorbringen, dieses Land in Unruhe stürzen und destabilisieren. Kampfhandlungen im Kosovo könnten ferner auf Makedonien und Albanien übergreifen, wenn
sich Kombattanten zurückziehen oder jenseits der
Grenzen Zuflucht in diesen Ländern suchen, beziehungsweise wenn Angehörige der albanischen Volksgruppe aus der Region versuchen, ihren Brüdern im
Kosovo zu helfen. Schließlich können wir die Möglichkeit einer serbischen Invasion in Makedonien unter
dem Vorwand, die serbische Minderheit dort schützen
zu wollen, nicht völlig ausschließen.
Die Atmosphäre im Kosovo erscheint heute jedoch
stabil, wenn auch gespannt. Obwohl wir nicht davon
ausgehen, daß Gewalttaten unmittelbar bevorstehen,
könnte ein unerwartetes Ereignis doch jederzeit eine
Explosion auslösen. Die Zahl potentiell gefährlicher
Vorfälle hat in den vergangenen Wochen zugenommen, nachdem Serbien seine Absicht zur Beendigung
der Beobachtermission der KSZE bekanntgab. Ich
werde später noch auf die Bemühungen eingehen, die
Serben umzustimmen und die Beobachtermission
fortzusetzen.
Sandschak und Vojvodina

Bisher sind die Maßnahmen der Serben in der Vojvodina und im Sandschak nicht in großem Stil durchgeführt worden. In beiden Regionen sind wir jedoch
besorgt, daß die derzeitigen Aktivitäten lediglich das
Vorspiel einer aggressiveren Kampagne der ethnischen Säuberung darstellen. Tatsächlich sind viele
Mitglieder von Minderheitengruppen in beiden Regionen bereits geflohen.

Flüchtlinge könnten vor ausufernden Gewalttaten in Nachbarstaaten fliehen. Es gibt bereits
über 2,5 Millionen Flüchtlinge aus den Ländern
des ehemaligen Jugoslawien. Ein neuer Flüchtlingsstrom würde die begrenzten Ressourcen
der Balkanländer belasten und könnte einen
destabilisierenden Einfluß ausüben.
Nachbarstaaten könnten hineingezogen werden, um ihre ethnischen Brüder direkt oder
indirekt zu schützen, oder sie könnten versucht
sein, sich den Aufruhr zunutze zu machen, um
territoriale Gewinne zu erzielen. Eine Ausbreitung der Kämpfe in dieser Region, in der auch
zwei unserer NATO-Partner liegen, wäre fürdie
europäische Sicherheit äußerst gefährlich.
Eine Ausweitung des Konflikts könnte den
anderen Balkanstaaten den Todesstoß versetzen, die zur Zeit versuchen, den schwierigen
Übergang zu multiethnischen, demokratischen
Staaten zu vollziehen. Ich werde gleich noch
auf diesen Punkt zurückkommen.
Wenn es uns nicht gelingt, einen größeren Konflikt
zu verhindern, würden sich mögliche Aggressoren, Fanatiker und extreme Nationalisten ermutigt fühlen, Gewalt in anderen Gebieten anzufachen, und die Glaubwürdigkeit der Vereinigten
Staaten und der internationalen Völkergemeinschaft könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.

Der Sandschak und die Vojvodina sind derzeit weniger
explosiv als der Kosovo und Kroatien. In beiden
Aufgrund dieser Gefahren haben die VereinigRegionen sind Bevölkerungsminderheiten jedoch
ten Staaten im Alleingang und durch internatioSchikanen und Einschüchterungsversuchen der Sernale Organisationen wie die Vereinten Nationen
ben ausgesetzt. So war zum Beispiel im Sandschak
und die KSZE an mehreren Fronten gehandelt,
die Minderheit der Muslime Ziel von Prügeleien und
um eine Ausbreitung zu verhindern.
Schußwaffengebrauch durch örtliche Vertreter der
Serben und paramilitärischer Gruppen. In der Vojvo- Im Kosovo:
dina fand eine "stille" ethnische Säuberung gegen die
Wir haben die serbischen Behörden aufgeforungarische Volksgruppe statt. Daß die serbischen
dert, die Unterdrückung der albanischen MinBehörden das Personal von Polizei und Justiz auf
derheit einzustellen, die Anwendung von Gelokaler Ebene in der Vojvodina durch Serben ersetzt
walt zu vermeiden und die Autonomie der Rehaben, empfinden die Ungarn in der Region als Verlust

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AMERIKA DIENST 30

�gion wiederherzustellen. Wir sind ferner mit
dem politischen Vertreter der Albaner im Kosovo, Dr. Rugova, zusammengetroffen, um unsere öffentlich bekundete Ablehnung der vollständigen Unabhängigkeit des Kosovo zu bekräftigen.

Die KSZE-Mission hat auch im Sandschak und der
Vojvodina operiert. Wenn die Mission beendet ist,
werden die Beobachter diese Regionen ebenfalls
verlasssen. Unsere Bestrebungen zielen darauf ab,
Milosevic dazu zu bewegen, auch den weiteren Verbleib dieser Beobachter zu gestatten.

Ich möchte mich jetzt Makedonien zuwenden. Vor
einigen Wochen hatte ich das Privileg, den Kongreß
über die Entscheidung des Präsidenten zu unterrichten, amerikanische Streitkräfte zur Verstärkung des
Kontingents der Vereinten Nationen in Makedonien
Wir haben Milosevic gewarnt, daß wir bereit anzubieten. Die Stationierung dieser Streitkräfte ist
sind, auf einen von serbischen Handlungen aus- jetzt abgeschlossen. Rund 330 amerikanische Soldagelösten Konflikt im Kosovo zu reagieren.
ten sind zu den bereits in Makedonien stationierten 700
nordischen UNPROFOR-Truppen gestoßen.
Wir haben die KSZE-Langzeitmission in Serbien-Montenegro angeregt, unterstützt und uns Nach einmonatiger Ausbildung werden unsere Trupdaran beteiligt. Bis vor kurzem befanden sich 10 pen regelmäßig an die Grenze zwischen Makedonien
KSZE-Beobachter, davon vier Amerikaner, im und dem Kosovo entsandt, um die Grenze auf destaKosovo. Wie Sie wissen, haben wir im Gemein- bilisierende Aktivitäten hin zu überwachen und Sanksamen Aktionsprogramm eine Aufstockung der tionsverletzungen auszumachen. Aufgrund der derZahl von Beobachtern gefordert. Die serbische zeitigen Situation sind wir nicht der Auffassung, daß
Regierung hat jedoch kürzlich angedeutet, sie unsere Truppen drohenden Feindseligkeiten ausgewerde die Mission beenden.
setzt sind. Ihre Präsenz sollte jedoch als Abschrekkung für eine Ausweitung des Konflikts dienen.
Die internationale Staatengemeinschaft ist überzeugt,
daß die KSZE-Beobachtermission fortgesetzt und die Seit September hat die KSZE darüber hinaus eine
Zahl der Beobachter erhöht werden sollte. Die Prä- Langzeitmission in Skopje unterhalten, um die Spansenz der Beobachter hat eine beträchtliche Abnahme nungen zu entschärfen und die Situation auf dem
der Menschenrechtsverletzungen zur Folge gehat, Boden zu überwachen. Die Vereinigten Staaten hainsbesondere Schikanen und Brutalität seitens der ben den Leiter dieser Mission gestellt, seit sie ins
Polizei. Weil die Beobachter Beschwerden schnell Leben gerufen wurde.
und unparteiisch prüfen, entschärfen sie Spannungen
und verhindern, daß Funken zu Feuern werden. Die In Kroatien sind seit Mitte 1992 ungefähr 13.000 UNBeobachter haben der internationalen Staatengemein- Schutztruppen stationiert. Das Mandat dieser Schutzschaft auch ihre "Augen und Ohren" im Kosovo gelie- truppen wurde vor kurzem mit Zustimmung der kroatihen, um angebliche Menschenrechtsverletzungen zu schen Regierung für weitere drei Monate verlängert.
verifizieren oder zu widerlegen.
Obwohl die UNPROFOR-Truppen die Kämpfe nicht
vollständig beenden oder eine friedliche WiederherSie wissen wahrscheinlich, daß Außenminister Chri- stellung der kroatischen Oberhoheit über die von den
stopher eine Botschaft an Präsident Milosevic übermit- kroatischen Serben gehaltenen Gebiete bewirken
telt hat mit der Aufforderung, die Mission zu verlängern konnten, ist ihnen eine Eingrenzung der Kämpfe geund einer maßgeblichen Erhöhung der Anzahl von lungen. Dennoch dauern der bewaffnete Konflikt und
Beobachtern zuzustimmen. Der Minister hat Milosevic die Bombardierungen an, und die Situation ist nach wie
gegenüber erklärt, sollte er die Mission nicht verlän- vor sehr unsicher.
gern, würde dies von unserer Seite als äußerst ernst
angesehen. Andere Länder, einschließlich Rußlands Schließlich ermutigen wir die Parteien des derzeitigen
und der EG, haben ähnliche Demarchen entsandt. Die Konflikts, eine Verhandlungslösung zu erzielen. Eine
KSZE ist mit Vertretern Serbiens und Montenegros von allen Parteien vereinbarte Verhandlungslösung ist
zusammengetroffen, um auf die Verlängerung der der beste Weg zur Beendigung des Konflikts und
Mission zu drängen. Wir arbeiten darüber hinaus mit seiner Ausweitung.
der KSZE zusammen, um diese Angelegenheit vor
den UN-Sicherheitsrat zu bringen, weil Milosevics Wie Sie bei der Ankündigung dieser Anhörung festgeAktion eindeutig das Risiko einer Ausweitung des stellt haben, hat der jugoslawische Konflikt jedoch
Konflikts in der Region birgt. Wir werden Milosevic bereits "wirtschaftlich, politisch und sozial einschneiweiterhin drängen, den Verbleib der Beobachter als dende Auswirkungen auf die anderen Balkanstaaten
substantiellen Beitrag zur Abschwächung der Span- gehabt". Die neuen Demokratien auf dem Balkan
nungen in diesem Gebiet zu gestatten. Sollte er nicht beobachten den blutigen Konflikt in Bosnien - das
zustimmen, werden wir andere Mittel zur Überwa- anfänglich ein multiethnischer, demokratischer Staat
war, der sich westlichen Werten verschrieben hatte chung der Region sondieren.
Wir stellen für den Kosovo humanitäre Hilfe in
Höhe von 5 Millionen Dollar für Nahrungsmittel
und andere Grundversorgungsgüter zur Verfügung.

AMERIKA DiENST 30

Seite 3

�zu einem Zeitpunkt, an dem sie selbst versuchen, die
schwierige Aufgabe zu bewältigen, multiethnische,
demokratische Staaten mit westlichen Werten zu werden.
Der Konflikt in Bosnien ermutigt die Stimmen der
Intoleranz und Reaktion in der gesamten Region. Eine
Ausweitung des Konflikts würde die neuen Demokratien auf dem Balkan gefährden, wo sie am verwundbarsten sind.

donien, Rumänien und Slowenien hartnäckige Verbissenheit bei der Verfolgung von politischen und wirtschaftlichen Reform- und Wiederaufbauprogrammen
an den Tag gelegt, die bereits große Fortschritte erzielt
haben. Dies ist ein Gesicht des Balkans, dessen sich
viele Amerikaner nicht bewußt sind. Meines Erachtens ist es jedoch entscheidend für den langfristigen
Erfolg der amerikanischen Politik in der Region.

Im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen des
Konflikts gebührt den an Serbien grenzenden BalkanDemokratien ein Großteil des Verdiensts für die Wirksamkeit der UN-Sanktionen gegen Serbien und Montenegro. Die Durchsetzung der Sanktionen durch
diese Länder kommt sie jedoch teuer zu stehen Kosten, die ihre Volkswirtschaften, die bereits an
Unterentwicklung und den verheerenden Folgen von
vier Jahrzehnten kommunistischer Herrschaft leiden,
nicht leicht verkraften können. Die Sanktionen haben
ihnen traditionelle Exportmärkte entzogen, sie in unterschiedlichem Maße voneinander und jetzt von neuen
Märkten isoliert, die sie in Westeuropa zu erschließen
suchen. Und die enormen Profite für diejenigen, die zu
einer Verletzung der Sanktionen bereit sind, belasten
die Integrität der Strafverfolgungsbehörden.

Die Balkan-Demokratien führen uns eine Reihe wichtiger Lektionen vor Augen. Sie beweisen, daß demokratische Institutionen das beste Mittel zur Kanalisierung ethnischer, religiöser und anderer Konflikte in den
politischen Prozeß sind. Sie demonstrieren, daß
demokratische Werte und Institutionen Fuß fassen
und selbst an Orten gedeihen können, wo der gesunde
Menschenverstand ihnen den Erfolg abspricht. Und
sie bieten den willkommenen Beweis, daß demokratische Entwicklung im Inland kooperative regionale
Beziehungen fördern kann, selbst unter historischen
Gegnern. Diese Lektionen sind auf der ganzen Welt
anwendbar.

Wir unterstützen die Bestrebungen der Frontlinienstaaten zur Durchsetzung der Sanktionen durch die
Sanktions-Unterstützungsmissionen unter der Schirmherrschaft der KSZE und der Europäischen Gemeinschaft. 187 Zollbeamte aus 26 Ländern arbeiten mit
den Zolldienststellen vor Ort zusammen, um die Durchsetzung der Sanktionen zu überwachen, zu beraten
und technische Hilfe sowie Ausbildung anzubieten. 27
der Beobachter sind Amerikaner. Die Präsenz der
Sanktionsmissionen versetzt uns in die Lage, die
Durchsetzung der Sanktionen zu überwachen und zu
verbessern sowie die internationale Staatengemeinschaft über Probleme zu unterrichten. Die Berichte der
Missionen waren die Grundlage für erforderliche Aktionen des UN-Sicherheitsrats zur Verstärkung und
Verschärfung der Wirksamkeit des Embargos.
Abgesehen von den Auswirkungen der Sanktionen
hatte der jugoslawische Konflikt andere negative wirtschaftliche Effekte auf die Region. Der bittere Krieg in
dem Nachbarland verschreckt potentielle ausländische Investoren aus den Balkan-Demokratien, die
dringend Kapital aus dem Ausland benötigen, um die
Expansion ihrer aufstrebenden offenen Martkwirtschaften zu fördern. Und die nationale Unsicherheit könnte
die neuen Demokratien zwingen, Mittel für militärische
Zwecke aufzuwenden, wobei sie es sich nicht leisten
können, diese Mittel aus der geschwächten öffentlichen Verwaltung und den sozialen Dienstleistungen
abzuziehen.
Das Bild für diese aufstrebenden Balkan-Demokratien
ist jedoch nicht nur düster. Ungeachtet der Bedingungen, die den Untemehmergeist weniger flexibler Völker zerstört hätten, haben Albanien, Bulgarien, MakeSeite 4

Die Grundlage unserer Politik auf dem Balkan muß
daher in der Unterstützung der kontinuierlichen Entwicklung demokratischer Institutionen, freier Marktwirtschaften und offener Gesellschaften sowie letztlich
der Integration dieser Nationen in ein europäisches
Sicherheitssystem bestehen. In unmittelbarer Zukunft
beabsichtigen wir die Förderung der demokratischen
Entwicklung in der Region durch die folgenden, sich
gegenseitig verstärkenden Mittel:
Wir werden unser Engagement für die BalkanDemokratien und den Dialog mit ihnen sowohl
bilateral als auch durch die KSZE fortsetzen, um
weiterhin die demokratischen und Marktreformen zu unterstützen, die sie erfolgreich in die
Wege geleitet haben.
Wir werden auf eine Erweiterung des amerikanischen und europäischen Handels mit den Balkanstaaten und Investitionen in diese Länder
hinarbeiten. Die Administration hat den Vorschlag unterbreitet, Rumänien den Meistbegünstigungsstatus einzuräumen - ein wichtiger Schritt
bei der Unterstützung der Volkswirtschaft dieses Landes.
Wir werden wirtschaftliche Unabhängigkeit und
die Integration sowohl zwischen den BalkanDemokratien untereinander als auch zwischen
ihnen und dem Westen fördern.
Durch kulturelle Austausch- und Bildungsprogramme sowie die Zusammenarbeit mit privaten Gruppen wie Geschäftsleuten und privaten
Hilfsorganisationen hoffen wir, das an der Basis
in den Vereinigten Staaten vorhandene immense Interesse und die Ressourcen zu mobilisieren, um die Vereinigten Staaten und den Balkan

AMERIKA DIENST 30

!

�SEED-Programm fortsetzen, um diesen Ländern in den kommenden Jahren behilflich zu
sein. Und wir müssen auch unsere europäischen Verbündeten ermutigen, das Ihre bei der
Bereitstellung von Hilfe und der Öffnung ihrer
Märkte für die Länder dieser Region zu tun.

in einem dichten Beziehungsgeflecht zu verknüpfen.
Schließlich werden wir unsere Hilfsprogramme
zur Förderung unserer Ziele in dieser Region
fortsetzen. Unser wichtigstes Mittel, den Balkan-Demokratien zu helfen, ist das Gesetz zur
Unterstützung der Osteuropäischen Demokratien SEED (Support for Eastern European
Democracies Act). Seit der Verabschiedung
von SEED durch den Kongreß im Jahr 1989
haben wirüber 150 Millionen Dollarfür Albanien,
Rumänien, Bulgarien und einige andere Länder
im ehemaligen Jugoslawien bereitgestellt, um
ihnen bei der Entwicklung von demokratischen
Institutionen, dem Übergang zu freien Marktwirtschaften und der Verbesserung der Lebensqualität behilflich zu sein. Allein im Rahmen der
SEED-Programme zur Unterstützung der
Demokratie haben wir beispielsweise Schulbücher ohne Propaganda, Geräte und Ausbildung
für unabhängige Medien, Unterstützung neuer
Gewerkschaften und politischer Parteien sowie
technische Hilfe für parlamentarische Institutionen zur Verfügung gestellt. Wir müssen das

* *

AMERIKA DIENST 30

Diese Maßnahmen können unser Ziel entscheidend
voranbringen, langfristigen Frieden für den Balkan
herbeizuführen. Das beste Mittel gegen die Pest des
Krieges ist Wohlstand und Demokratie. Ich möchte die
Überzeugung der Administration unterstreichen, daß
der Balkan von morgen nicht aussehen muß wie
Bosnien heute. Die Zukunft wird nicht von den Gewehrläufen gewalttätiger Nationalisten oder Aggressorenbestimmt. Sie wird jetzt von den Einzelpersonen
und Gruppen gestaltet, die mit Geduld und Entschlossenheit auf Demokratie, offene Märkte und ethnische
Toleranz hinarbeiten. In Zusammenarbeit mit internationalen Organisation hoffen wir, den gegenwärtigen
Konflikt einzudämmen, damit diese gemäßigten Kräfte
in der gesamten Region triumphieren können.
Ich danke Ihnen. Jetzt bin ich gerne zur Beantwortung
Ihrer Fragen bereit.

* *

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Seite 5

�KRIEGSVERBRECHEN
28. Juli 1993

USA UNTERSTÜTZEN KRIEGSVERBRECHERTRIBUNAL
ZU JUGOSLAWIEN
USIA-Film zeigt Tragik der Situation

WASHINGTON - (AD) - Das vom Sicherheitsrat der
Vereinten Nationen eingerichtete Kriegsverbrechertribunal, das Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien aufklären und verfolgen soll, wird von den Vereinigten Staaten "nachhaltig unterstützt", erklärte der
Erste Stellvertretende Rechtsberater des US-Außenministeriums, Michael Matheson, am 22. Juli 1993
Seine Stellungnahme erfolgte nach der Vorführung
eines Dokumentarfilms mit dem Titel "Crimes Against
Humanity" (Verbrechen gegen die Menschlichkeit) im
Auslandspressezentrum. Der Film, der Greueltaten
im ehemaligen Jugoslawien dokumentiert, wurde unter der Leitung des US-Informationsamts produziert.

Auf die Frage eines Reporters, wer entscheide, wann
die Beweise für Kriegsverbrechen so erdrückend sind,
daß die internationale Strafverfolgung gerechtfertigt
ist, erwiderte Matheson, diese Entscheidung werde
vom UN-Sicherheitsrat stellvertretend für die internationale Staatengemeinschaft getroffen.
Der Vertreter des Außenministeriums betonte, das
Kriegsverbrechertribunal sei nicht "die umfassende
Antwort" auf die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien.
Es sei ebenso wichtig, den politischen Prozeß weiterzuverfolgen, um zu versuchen, einen Frieden herbeizuführen.

Auf die Frage, warum die Vereinigten Staaten das
Matheson zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, Waffenembargo gegen die bosnischen Muslime nicht
daß die Richter dieses Tribunals im Sommer und aufheben, äußerte Matheson: "Es ist den Vereinigten
Herbst "ausgewählt und berufen werden". Zur Vorbe- Staaten nicht möglich, das Waffenembargo einseitig
reitung der Verfahren werde ein großer Mitarbeiterstab zu verletzen, weil es kollektiv vom Sicherheitsrat beschlossen wurde." Er betonte jedoch, die Vereinigten
angestellt.
Staaten hätten versucht, andere Staaten von ihrer
Matheson warnte jedoch vor der Erwartung, es werde Haltung in dieser Hinsicht zu überzeugen.
rasch oder leicht zu Verurteilungen kommen. "Es wird
ein langes und detailliertes juristisches Verfahren", Der Direktor des US-Informationsamts, Dr. Joseph
äußerte er. Auf die Frage, ob alle identifizierten Duffey, stellte fest, daß "der KriegsverbrecherkommisKriegsverbrecher und nicht nur Serben verfolgt wür- sion in Genf eine enorme Menge an Aussagenmaterial
den, erwiderte Matheson, die Vereinigten Staaten zugestellt wurde".
unterstützten einen fairen Ansatz. "Die Nationalität ist
Auf die Feststellung eines Reporters, es bestehe
hier nicht entscheidend", fügte er hinzu.
anscheinend ein Mangel an Besorgnis über die Situation,
besonders in Europa, äußerte Duffey: "Ich würde
Auf die Frage, warum lediglich Kriegsverbrechen im
Ihre
Annahme,
es gebe einen Mangel an Besorgnis
ehemaligen Jugoslawien und nicht auch Kriegsverbreüber
die
Situation,
in Frage stellen." Antworten auf die
chen an anderen Orten verfolgt würden, erklärte MaLage
im
ehemaligen
Jugoslawien zu finden, "untertheson, "es könnte durchaus sein, daß anderen Maßzieht
unsere
Zivilisation
einem schmerzhaften Pronahmen gegen andere Länder ergriffen werden sollzeß",
erklärte
er.
ten". Er erwähnte insbesondere ein mögliches Vorgehen gegen Kriegsverbrecher im Irak.
AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�Der 50minütige Dokumentarfilm enthält zahlreiche
Aussagen von Augenzeugen und nimmt eine ausgewogene Haltung zu der Tragödie ein. "Die Schuldigen
und ihre Opfer sind Serben, Kroaten und Muslime",

erklärt der Sprecher an einer Stelle. Es mu ß die Pflicht
der internationalen Staatengemeinschaft sein, "die
Schuldigen der Gerechtigkeit zuzuführen, wer immer
sie auch sein mögen", schließt er.

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 30

�G-7
28. JUL11993

PRODUKTIVSTER G-7-GIPFEL SEIT 10-15 JAHREN
Erklärung von Staatssekretär Summers über WorldNet
WASHINGTON - (AD) - Der für internationale Angelegenheiten zuständige Staatssekretär im US-Finanzministerium, Lawrence Summers, hat erklärt, der unlängst abgeschlossene G-7-Gipfel in Tokio sei "der produktivste"
seiner Art in den letzten 10-15 Jahren gewesen.
"Wir konnten in einer Reihe von Schlüsselbereichen echte Fortschritte verzeichnen", teilte Summers am 20. Juli
1993 den europäischen Teilnehmern einer von WorldNet, dem Satellitenfernsehdienst des US-Informationsamts, ausgestrahlten Pressekonferenz mit. In einem dieser entscheidenden Bereiche, nämlich der UruguayRunde, "stellten wir fest, wie Versprechungen durch wichtige Maßnahmen zur Beseitigung von Zöllen in einer
Reihe von Schlüsselsektoren sowie zu ihrer beträchtlichen Reduzierung in zahlreichen anderen untermauert
wurden", erklärte Summers.
Andere entscheidende Bereiche, in denen Fortschritte erzielt wurden, waren die Unterstützung für Ru Bland, eine
Verpflichtung zur Hilfe für die Entwicklungsländer sowie die politische Koordinierung zwischen den sieben
führenden Industriestaaten. "Der wahre Prüfstein für jeden Gipfel ist jedoch nicht, welche Erklärungen
abgegeben werden, sondern welche Maßnahmen danach getroffen werden", äußerte er. "Deshalb haben wir
im weiteren Verlauf noch viel Arbeit vor uns."
Nachfolgend veröffentlichen wir die einleitende Stellungnahme von Summers im Wortlaut.

Dies war meines Erachtens der produktivste G-7Gipfel seit 10 oder 15 Jahren, denn wir konnten in einer
Reihe von Schlüsselbereichen echte Fortschritte verzeichnen, echte Fortschritte, die sich aus dem Gipfelprozeß ergaben, echte Fortschritte, die aus den Ankündigungen folgten, die beim Gipfel abgegeben wurden.

etwas, woran die G-7 in den vergangenen sechs
Monaten gearbeitet hat. Wir haben uns über den Kurs
verständigt. Das US-Defizit muß abgebaut werden.
Damit werden auch die Zinssätze sinken. Europa mu ß
das Erforderliche tun, um seine Zinssätze zu senken,
und Japan muß seine Wirtschaft ankurbeln, damit
seine derzeit unausgewogene Leistungsbilanz korrigiert wird, damit es mehr Waren aus anderen Ländern
Der erste entscheidende Bereich des Fortschritts war beziehen wird und mehr Arbeitsplätze in anderen
die Uruguay-Runde. Wir haben bereits früher Gipfel- Ländern geschaffen werden. Wir hatten hier bereits
versprechungen erlebt, die Runde abzuschließen. Fortschritte zu verzeichnen: Die Zinssätze in DeutschDieses Jahr stellten wir fest, wie Versprechungen land wurden gesenkt, der Defizitabbau in Amerika
durch wichtige Maßnahmen zur Beseitigung von Zöl- kommt in Gang, und Japan hat ein staatliches Konlen in einer Reihe von Schlüsselsektoren sowie zu ihrer junkturprogramm vorgelegt.
beträchtlichen Reduzierung in zahlreichen anderen
untermauert wurden. Damit werden die Unterhändler Aufgrund der schweren Rezession in Europa, der
mit neuem Schwung nach Genf zurückkehren, und schwachen Wachstumsaussichten in Japan und der
dies wird meines Erachtens ein Abkommen der Uru- nach wie vor bestehenden Fragen im Hinblick auf die
guay-Runde hervorbringen, das eine Wirtschaftslei- amerikanische Wirtschaft bleibt für uns jedoch noch
stung von 5 Billionen Dollar und über eine Million viel mehr zu tun. Die Wirtschaftserklärung dieses
Arbeitsplätze bis zum Ende des Jahrzehnts bedeuten Gipfels enthielt deshalb die nachdrücklichste Sprachkönnte.
regelung seit vielen Jahren bezüglich der Verpflichtung zu einer gemeinsamen Wachstumsstrategie.
Der zweite entscheidende Bereich des Fortschritts
beim Gipfel war die politische Koordinierung. Dies ist
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�Der dritte entscheidende Bereich des Fortschritts ergab
sich bei der Unterstützung für Rußland. Hier kann die
G-7 auf eindrucksvolle Leistungen zurückblicken. Vor
sechs Monaten bestand in Rußland eine echte Möglichkeit der Hyperinflation. Vor sechs Monaten bestand die echte Möglichkeit einer Art Rückkehr zum
Kommunismus, einer Art Rückfall in den Totalitarismus. Heute ist Rußland vom Abgrund der Hyperinflation zurückgetreten, und die Aussichten für Totalrtarismus sind durch den massiven Erfolg bei der Privatisierung erheblich geschwunden. Die Zahl der privatisierten Unternehmen erreicht mittlerweile nahezu 100.000.
Ferner arbeiteten in den vergangenen drei Monaten 10
Prozent der Arbeiter in Rußland in Unternehmen, die
bereits privatisiert wurden.
Die G-7 gab diesem Prozeß der Privatisierung, der
letztlich zur Umgestaltung Rußlands erforderlich ist,
einen wichtigen Impuls, indem sie sich auf ein
18monatiges Privatisierungsprogramm im Umfang von
3 Milliarden Dollar verständigte. Diese Mittel werden
teilweise von den internationalen Finanzinstitutionen
gewährt und teilweise von Exportkreditstellen in jedem
der G-7-Länder. Sie werden dazu beitragen, Exporte
zu fördern sowie Arbeitsplätze in diesen Ländern zu
schaffen, und sie werden diese Unterstützung mit
Geldern zur Förderung von Kapitalbeteiligungen kop-

*

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peln - sie können entscheidende technische Hilfe für
diese privatisierten Unternehmen in Rußland unterstützen.
Der vierte wichtige Bereich des Fortschritts der G-7
betraf die Entwicklungsländer. Wir stellten eine Erneuern ng der Verpflichtungen zum Ziel der umweltverträglichen Entwicklung, zum grundsätzlichen Ziel des
Umweltschutzes in den Entwicklungsländern fest. Zum
ersten Mal gab es die allgemeine Verpflichtung - der
sich die Vereinigten Staaten anschließen konnten - zu
einem sehr erheblichen Schuldenabbau für afrikanische Länder und andere Staaten, die sehr arm sind.
Es gab Übereinstimmung zur Verbesserung der Qualität der internationalen Hilfe. Auf unserer Seite in den
Vereinigten Staaten gab es mit den vom Präsidenten
ergriffenen wichtigen Initiativen zur Bildung einer neuen
pazifischen Gemeinschaft echte Bewegung zur Globalisierung unserer Außenpolitik.
Insgesamt bin ich der Auffassung, daß dies einen sehr
erfolgreichen Gipfel ergibt. Der wahre Prüfstein für
jeden Gipfel ist jedoch nicht, welche Erklärungen
abgegeben werden, sondern welche Maßnahmen
danach getroffen werden. Deshalb haben wir im
weiteren Verlauf noch viel Arbeit vor uns.

*

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�WIRTSCHAFT
28. Juli 1993

GREENSPAN: ZEIT FÜR DEFIZITABBAU LÄUFT AB
Clintonplan vielversprechender erster Schritt

WASHINGTON - (AD) - Der Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, betrachtet den
von Präsident Clinton vorgelegten auf fünf Jahre angelegten Plan zum Abbau des Defizits um 500 Milliarden
Dollar als vielversprechenden ersten Schritt, der von
weiteren Kürzungen gefolgt werden muß, um stabile
langfristige Zinssätze sicherzustellen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.
In einer Stellungnahme zum Halbjahresbericht über
die Geldmarktpolitik an den Kongreß warnte Greenspan jedoch, die Zeit für die Verabschiedung des
Clintonplans laufe rasch ab.
"Meines Erachtens ist es wichtig, daß eine glaubwürdige weitreichende Vorlage zum Defizitabbau verabschiedet wird", erklärte er einem Unterausschuß für
Bankwesen des US-Repräsentantenhauses. "Wenn
wir dies nicht tun, werden die (Finanz)märkte negativ
reagieren."
Greenspan äußerte die Meinung, wenn Kongreß und
Präsident auf "den richtigen Augenblick" zur Bewältigung des Problems warteten, werde nie etwas geschehen.
"Ich glaube, wir haben keine Zeit mehr", erklärte er.
"Wenn wir dieses Problem nicht jetzt in den Griff
bekommen, werden wir es niemals schaffen."
Der Chef der US-Notenbank verwies darauf, daß die
Finanzmärkte auf den vom Präsidenten geplanten
Defizitabbau reagiert haben, indem sie die mittel- und
langfristigen Zinssätze auf den niedrigsten Stand seit
20 oder 30 Jahren zurücknahmen. Dies hat ihm
zufolge wiederum die Cash-flows der Kreditnehmer
verbessert, zinsbewußtes Ausgabenverhalten ermutigt und ein bescheidenes Wirtschaftswachstum hervorgebracht.
Auf die Frage, ob eine Vorlage zum Defizitabbau um
400 Milliarden Dollar ausreichen würde, antwortete
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Greenspan: "Ich glaube nicht. Unser Problem ist
substantieller Natur. Selbst die von beiden (großen)
Parteien vorgelegten Gesetzesvorschläge erfüllen nicht
die Erfordernis, die nach oben gerichtete Tendenz des
Defizits zu beseitigen... Meiner Ansicht nach - zu
Einzelheiten möchte ich nicht Stellung nehmen - hat
ein Programm von 500 Milliarden Dollar als erste von
zwei- oder mehreren Tranchen, die zum Abbau des
Defizitabbaus benötigt werden, in etwa den richtigen
Umfang."
Greenspan räumte ein, daß sowohl Steuererhöhungen als auch die Reduzierung von Staatsausgaben
Instrumente zum Defizitabbau sind, die dämpfende
Auswirkungen auf die Wirtschaft haben können. Er
sprach sich jedoch eindeutig dahingehend aus, daß
verringerte Ausgaben langfristig vorzuziehen sind, da
dies den destabilisierenden Effekt staatlicher Kreditaufnahme auf das Wirtschaftswachstum minimiere.
"Wenn wir die Ausgaben nicht reduzieren, wird keine
Steuererhöhung das langfristige Problem des Haushaltsdefizit wirksam lindern können", erklärte er. "Für
die Verringerung der Ausgabenquote und ihre Rückführung auf ein gesundes Verhältnis zur Steuerbasis
gibt es keine Alternative... Unabhängig davon, was auf
der steuerlichen Seite unternommen wird, ist es zur
Lösung dieses Problems unerläßlich, die Ausgaben in
den Griff zu bekommen."
Wie bereits in der Vergangenheit argumentierte Greenspan erneut, die wirksamste Einzelmaßnahme des
Kongresses zur Schaffung von Arbeitsplätzen und
Ankurbelung des Wirtschaftswachstums wäre die
Senkung oder völlige Abschaffung der Kapitalgewinnsteuer.
"Im Grunde müssen wir die Anreize zur Schaffung
neuen Wohlstands und zu Risikobereitschaft überdenken", äu Berte er. Diese Volkswirtschaft verändert sich
sehr rasch. Es gibt ein großes Risiko, aber der

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�gesamte von uns geschaffene Wohlstand resultiert
aus Risiken."
Auf die Frage, ob ein ausgeglichener Haushalt erforderlich sei, um langfristig die grundlegenden Probleme
des Landes zu lösen, erwiderte Greenspan: "Was wir
mindestens tun sollten, ist, die Verschuldung zu stabilisieren. Ich möchte entweder einen ausgeglichenen
Haushalt oder einen Haushaltsüberschuß sehen, weil
wir ein Spardefizit aufweisen."

kein großes Problem darstellen", erläuterte er. "Aber
wir würden weit weniger effizient arbeiten als wenn wir
einen Haushalt hätten, der ausgeglichen ist oder einen
Überschuß aufweist."

Greenspan stellte fest, die gegenwärtigen Kreditengpässe seien "grundsätzlich ein psychologisches Problem", das nicht von den Zinssätzen, sondern vom
außerordentlichen Anstieg der Schulden sowie dem
Wertverfall von Immobilien und anderem Anlagevermögen in den achtziger Jahren herrühre. Die NotenDer Vorsitzende der Notenbank räumte ein, die Verei- bank und andere Regierungsbehörden versuchten
nigten Staaten könnten mit einem Defizit im Bundes- heute, zur Lösung des Problems beizutragen, indem
haushalt leben, das rund 2,0 Prozent des Brutto- sie eine stärkere Kreditvergabe als gewöhnlich ermuinlandsprodukts beträgt. "Das würde für die Wirtschaft tigten, fügte er hinzu.

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�WIRTSCHAFT
28. Juli 1993

DIE SOZIALE DIMENSION DER
WIRTSCHAFTLICHEN UMSTRUKTURIERUNG
Auszüge aus einer Rede von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)
WASHINGTON - (AD) - Unter der Schirmherrschaft der Interamerikanischen Entwicklungsbank (Inter-American
Development Bank - IDB), der Interamerikanischen Regionalorganisation der Arbeitnehmer (Inter-American
Regional Organization of Workers - ORIT) sowie des Amerikanischen Instituts für Freie Gewerkschaftsentwicklung (American Institute for Free Labor Development - AIFLD) fand am 19. und 20. November 1992 in
Washington eine Konferenz zum Thema "Die soziale Dimension der wirtschaftlichen Umstrukturierung in
Lateinamerika und der Karibik" statt. Ein Hauptredner bei dieser Veranstaltung war der Schatzmeister des
Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO, Thomas R. Donahue, dessen Rede wir nachfolgend in Auszügen
veröffentlichen.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung von The Bulletin of the Department of International Affairs,
AFL-CIO.

Wie können wir sicherstellen, daß wir im Zuge der
Förderung wirtschaftlichen Wachstums in den weniger
entwickelten Ländern den arbeitenden und einkommensschwachen Menschen in den Industriestaaten
ebenso wie in den Entwicklungsländern keine neuen
Lasten auferlegen? Wie können wir gewährleisten,
daß die Arbeitnehmer in den Entwicklungsländern
prosperieren, wenn ihre Gesellschaften prosperieren?

das Wohlergehen der Arbeitnehmer über die Interessen der Reichen und Mächtigen setzten.
Dies sind nach wie vor unsere Ziele.

In einer Reihe von Ländern konnten wir Siege verzeichnen - und auch in den Vereinigten Staaten feiern wir
einen solchen Sieg. Nach 12jähriger Herrschaft von
Regierungen, die sich die Förderung der Interessen
derjenigen
zum Ziel gesetzt hatten, die bereits reich
Wie können wir sicherstellen, daß die Arbeitnehmer in
sind,
konnten
wir erfolgreich eine Administration ins
den Industriestaaten keinen unverhältnismäßig hohen
Amt
bringen,
die
sich dem Wohlergehen des NormalAnteil an den Lasten in ihren Ländern tragen - oder, um
bürgers
verschrieben
hat. Wir setzen große Hoffnunes anders auszudrücken, wie können wir sicherstellen,
gen
in
die
Administration
des gewählten [am 20. Januar
daß alle Lasten in den Industriestaaten von allen
1993
vereidigten]
Präsidenten
Clinton - große HoffnunBürgern gleichmäßig getragen werden und nicht nur
gen
und
große
Erwartungen.
Wir
zählen auf ihn bei der
von den Arbeitnehmern? Für uns alle in der GewerkVerbesserung
des
wirtschaftlichen
Lebens in diesem
schaftsbewegung trifft diese Frage den Kern unserer
Land
und
bei
den
Bemühungen,
die
Volkswirtschaften
Existenz. Einkommensschwache Menschen und
aller
Staaten
der
westlichen
Hemisphäre
wiederzubeArbeitnehmer bilden unsere Bezugsgruppe, und wir
leben
und
angemessene
Aufmerksamkeit
auf diese
sind da, um zu gewährleisten, daß sie einen fairen
Hemisphäre
zu
konzentrieren.
Anteil an dem von ihnen hervorgebrachten Wohlstand
erhaHen.
Aber selbst in den anderen Staaten der Hemisphäre, in
Viele Jahrzehnte lang haben wir darum gekämpft, denen demokratische Regierungen die Herrschaft
ihnen ein breites Spektrum von sozialen Schutzme- übernommen haben, sehen wir unsere Hoffnungen
chanismen zu verschaffen - das Recht, sich zu organi- durch Wirtschaftspläne bedroht, deren Ziel die Anhesieren und Tarifverträge auszuhandeln, eine faire bung des Bruttoinlandsprodukts und des Wohlstands
Einkommensverteilung, sichere und anständige Ar- eines Landes ist ohne zu berücksichtigen, wie dieser
beitsbedingungen -, und wir haben uns energisch für neue nationale Wohlstand verteilt werden soll - und
die Wahl von Entscheidungsträgern eingesetzt, die anscheinend mit blindem Eifer für die Auffassung,
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�wenn die Reichen reicher werden, wenn die Unternehmen florieren, wird von diesem Reichtum auch etwas
nach unten durchsickern. In den Vereinigten Staaten
haben wir in den vergangenen zehn Jahren einen
Rückgang der Reallöhne erlebt, während die Einkommen des einen wohlhabendsten Prozents unserer
Bevölkerung von 1980 bis 1990 um 75,3 Prozent
gestiegen sind. Dies legt beredtes Zeugnis vom
Scheitern der Wirtschaftspolitik ab, die auf diesen
Sickereffekt baut.

dem Markt basierenden Ideologie - deren Ethos auf
dem Überleben des Stärkeren und der Verfolgung von
Eigeninteresse gründet - haben solche Werte keinen
sicheren Platz.

Das ist die ideologische Dynamik. Sie wirkt sich im
Verein mit einem weiteren dynamischen Faktor aus,
der strukturellen Charakter hat - der wachsenden Internationalisierung der nationalen Volkswirtschaften.
Die Welt wird kleiner. Wir alle werden wechselseitig
immer abhängiger von unseren Brüdern und SchweDiese Wirtschaftspläne und dieses Kleben an geschei- stern in anderen Ländern. Multinationale Unternehterten Wirtschaftsdoktrinen werden von zwei dynami- men und Finanzinstitutionen sind für uns von einer
schen Faktoren angetrieben.
Bedeutung, die noch vor 20 Jahren niemand von uns
hätte vorhersagen können.
Der erste ist ideologischer Natur. Die meisten wirtschaftlichen Anpassungsprogramme in unserer Hemi- Eines steht fest: Für uns Gewerkschafter sind engere
sphäre sind von einer konservativen Ideologie ge- wirtschaftliche Verbindungen zwischen Nationen nicht
prägt, die vorgibt, an freie Märkte zu glauben. In von vorneherein schlecht - überhaupt nicht. Wir defieinigen Fällen wurde diese konservative Ideologie nieren uns selbst als Internationalisten. Wir glauben
durch ausländischen Druck gefördert - oder sogar daran, daß das Schicksal von Arbeitnehmern in Prttsaufgezwungen. In anderen Fällen wurde sie von Eliten burgh (Pennsylvania) und Los Angeles unauflöslich
der betreffenden Länder aufgegriffen, die auf eigene mit dem von Arbeitnehmern in Mexiko-Stadt, Toronto
Initiative handeln. Aber was auch immer der Impuls und Buenos Aires und natürlich auch von Arbeitnehsein mag, diese Ideologie führt für gewöhnlich zu der mern in Prag und Lusaka verknüpft ist. Aber wir wissen
häßlichen Haltung, daß Einkommensschwache und auch, wenn diese Interdependenz auf das falsche
Arbeitnehmer ein politisches Problem darstellen, wenn Gleis gerät - wenn sie nicht oder schlecht organisiert ist
man ihnen in dem wirtschaftlichen Drama eine bedeu- - kann sie ein Desaster werden.
tende Rolle überträgt. Also gibt man ihnen eine kleine
Wenn wir einen Strom von Investitionskapital oder ein
Rolle oder verweist sie von der Bühne.
neues Handelsabkommen sehen, stellen wir die FraDie Gewerkschaftsbewegung hat schon vor langer ge: Ist es die verschwindend kleine Gruppe am oberen
Zeit begriffen, daß unbeschränkte Märkte nicht ganz
Ende der Wirtschaftsleiter, die davon profitiert, oder
so wunderbar sind wie ihre Befürworter auf der Rech- die ungeheure Zahl derjenigen, die in der Mitte oder
ten uns glauben machen wollen. Tatsächlich zielten unten stehen?
die meisten historischen Bemühungen unserer Bewegung - zur Einführung eines Mindestlohns, Abschaf- Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir gute Gründe, eine
fung der Kinderarbeit, Entwicklung von Arbeitsschutz- skeptische Haltung gegenüber der wachsenden Intergesetzen sowie die Tarifverhandlungen selbst - darauf nationalisierung der nationalen Volkswirtschaften einab, einige der brutalsten Auswirkungen des freien zunehmen. Es ist nicht schwer zu erkennen, warum
dies der Fall ist. Betrachten Sie die Muster von Handel
Markts zu mildem und beschränken.
und Investitionen. Eines der klassischen Argumente
Wir wissen sehr gut, daß wir von einem freien Markt, für den freien Handel lautet, jede Nation werde ihren
der seinen eigenen Mechanismen überlassen bleibt, eigenen relativen Vorteil haben - Wolle in Großbritannien, Wein in Portugal. Heute jedoch hat diese Lehre
nicht erwarten können, gleichmäßiges Wirtschaftswachstum und sozialen Fortschritt hervorzubringen. einen unheilvollen neuen Zug. Einige Regierungen
Die meisten erfolgreichen Volkswirtschaften in Europa vertreten die Auffassung, ihr bester relativer Voneil sei
und Asien haben sich die Lehre des Laissez-faire nie eine Erwerbsbevölkerung, die in Armut und Furcht
zu eigen gemacht. In unserer Hemisphäre jedoch gehalten wird und anfällig für Ausbeutung ist. Diese
sahen sich einige Regierungen gezwungen, auf harte Regierungen möchten die westliche Hemisphäre in
einen riesigen Basar verwandeln, auf dem jede Nation
Weise herauszufinden, was sie bewirken kann.
versucht, eine billigere Erwerbsbevölkerung zu verEin jüngeres Beispiel ist das unserer Nachbarn in kaufen als die Nachbarn. Die Käufer auf diesem
Venezuela. Hier lautet die Lehre, daß die Märkte in riesigen Basar sollen die multinationalen Konzerne
bestimmte Richtungen gelenkt werden müssen, wenn sein. Sie können prosperieren, während die Arbeitdie Wirtschaft den Menschen dienen soll - und das ist nehmer aufgrund niedriger Löhne und schlechter
von höchster Bedeutung. Wir sind der Überzeugung, Arbeitsbedingungen leiden.
daß der Mensch im Mittelpunkt der Wirtschaftsordnung stehen muß. Wir bestehen darauf, daß die Der irische Staatsmann und politische Philosoph Edmund
Wirtschaftsordnung dem einzelnen dienen sollte und Burke hat gesagt, "eine Nation ohne die Mittel, sich
nicht umgekehrt. Dies sind unsere Werte. In einer auf selbst zu reformieren, entbehrt die Mittel, sich selbst zu

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�erhalten". Was für Nationen gilt, gilt auch für die
hemisphärische Gemeinschaft. Die Zeit ist reif, um
über die Mittel für unsere Selbstreform zu sprechen.
Wir müssen Institutionen aufbauen, die Prozesse
einleiten, mit denen die nachteiligen Auswirkungen
wirtschaftlicher Anpassungspläne und der sie prägenden Dynamik abgebaut werden.
Und ebenso wie die Probleme und die sie verursachende Dynamik grenzüberschreitend sind, werden
auch viele der Lösungen grenzüberschreitend sein
müssen. Hier in Nordamerika benötigen wir dringend
ein neues Regime zur Regelung von Handel und
Investitionen - und zwar sehr verschieden vom Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) mit
all seinen Schwächen und Unzulänglichkeiten, das
von der Bush-Administration ausgehandelt wurde.

Schließlich gibt es Schritte, die von unseren Gewerkschaftsbewegungen in Erwägung gezogen werden
sollten. Wir können weder auf den Staat warten noch
auf den Staat bauen. Unsere Rolle ist entscheidend,
denn wenn Regierungen auf den Sirenengesang der
Markttheorie hereinfallen, sind die Gewerkschaften
die größte - und manchmal die einzige - Institution, die
die Interessen der gro ßen Mehrheit des Volkes vertritt.

Es gibt bereits internationale Gewerbesekretariate als
Strukturen zur Entwicklung der Interessen von Gewerkschaften in ähnlichen Berufs- und Industriezweigen über die nationalen Grenzen hinweg. Sie koordinieren schon einen Teil der Tarifverhandlungen über
nationale Grenzen hinweg und können auf der bisher
geleisteten guten Arbeit aufbauen. Innerhalb der
amerikanischen Bewegung haben wir versucht, Normen für unsere Gewerkschaften zu entwickeln, um
Das NAFTA muß neuverhandelt, seine Konzepte angeschlossene Organisationen zu ermutigen, bei
müssen verändert werden. Die Regierungen Mexikos, Organisationsgrad und Tarifverhandlungen bestimmKanadas und der Vereinigten Staaten sollten einen te Leistungsniveaus zu erreichen. Ein ähnliches
neuen Rahmen für wechselseitiges Wachstum schaf- Konglomerat von "sozialen Zustimmungsnormen", mit
fen, der nachdrückliche und durchsetzbare Schutzbe- denen wir Leistungsverbesserungen nationaler Zenstimmungen für die Rechte der Arbeitnehmer und die tren bei Organisationsgrad, Lohnerhöhungen und
Umwelt sowie demokratische Garantien in allen drei sozialen Schutzbestimmungen fördern könnten, sollte
Ländern beinhaltet. Diese Schutzbestimmungen innerhalb der ORIT entwickelt werden.
könnten unterschiedliche Formen haben. Eine gute
Möglichkeit ist eine interamerikanische Sozial- und All diese Vorschläge beruhen auf derselben Einsicht.
Umweltcharta, ähnlich der EG-Sozialcharta, die Teil Die Welt verändert sich, die Hemisphäre verändert
eines größeren Rahmens ist und Mechanismen zur seh, und wir müssen anerkennen, daß nationale Grenzen
effektiven Durchsetzung beinhaltet.
eine völlig andere Bedeutung haben als in der Vergangenheit.
Dieselben Prinzipien, die ein neues Handelsabkommen in Nordamerika regeln, sollten auch Teil der Der Status einer Nation und nationale Souveränität
amerikanischen Auslandshilfestruktur in der gesam- sind jedoch domige Fragen. Der deutsche Dichterund
ten Hemisphäre sein. Zum Beispiel sollten alle mit Philosoph Johann Gottfried Herder hat einmal gesagt,
Mitteln der US-Auslandshilfe finanzierten Verträge ein Mensch zu sein bedeute, sich an irgendeinem Ort
Klauseln für Arbeitnehmerrechte enthalten, die bei mit Seinesgleichen Zuhause fühlen zu können. Jede
Nichteinhaltung scharfe Sanktionen vorsehen.
Nation in unserer Hemisphäre besitzt, was Herderden
Volksgeist genannt hat: ein Geflecht von GebräuProjekte des AID (US-Amt für Internationale Entwick- chen und Lebensstil, eine Art der Empfindung und des
lung) sollten über örtliche, mit Gewerkschafts, Arbeit- Verhaltens, die dieser Nation zu eigen ist.
geber- und Regierungsvertretern besetzte Gremien
abgewickelt werden. Darüber hinaus sollten politische Wir sollten diese nationalen Identitäten bewahren Initiativen des AID in Zusammenhang mit wirtschaftli- aber wir sollten nicht zulassen, daß nationale Souvecher Umstrukturierung die Beteiligung freier Gewerk- ränität von Regierungen als Entschuldigung benutzt
schaften beim Planungsprozeß und bei der Durchfüh- wird, um arbeitende Menschen zu unterdrücken, die
rung ermutigen.
Umwelt zu zerstören und auf demokratischen Rechten
herumzutrampeln.
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�PORTRAT
28. Juli 1993

FREEH GENIESST DEN RUF EINES ERFAHRENEN
VERBRECHENSBEKÄMPFERS
Porträt des designierten FBI-Direktors

WASHINGTON - (AD) - Der von Präsident Clinton zum
neuen Leiter des amerikanischen Bundeskriminalamts
Federal Bureau of Investigation (FBI) nominierte Louis
Freeh ist ein Bundesrichter mit einer langen und weithin geachteten Karriere als Strafverfolgungsbeamter
sowie höchsten Auszeichnungen als Staatsanwalt und
FBI-Agent.
Zur Zeit als Bezirksrichter in New York tätig, genießt
der 43jährige Freeh den Ruf eines unbeugsamen
Strafverfolgungsbeamten, der aggressiv das organisierte Verbrechen bekämpft.
Rudolph Giuliani, ein ehemaliger Bundesanwalt für
Manhattan, bezeichnete Freeh als "denjenigen in den
Vereinigten Staaten, der zur Leitung des FBI am
besten qualifiziert ist".

den. "Wir leben heute im Hinblick auf die Strafverfolgung in einem 'internationalen Dorf'", stellte er fest.
"Interpol und Rechtshilfemaßnahmen... sind entscheidend für unseren Erfolg und ... müssen fortgesetzt
werden."
Clinton bezeichnete Freeh als "eine Legende der Strafverfolgung ... und am besten zur Leitung des FBI
geeignet". Mit der Feststellung, daß Freeh "einige der
schwersten und kompliziertesten Verbrechen unserer
Zeit aufgeklärt hat", erklärte Clinton, der Nominierte
wird "gut und hart sein - gut für das FBI und hart
gegenüber den Verbrechern".

1974 machte Freeh seinen Abschluß an der Rutgers
Law School und trat 1975 dem FBI als Spezialagent
bei. In den späten siebziger Jahren überwachte er die
Ermittlungen, die zur Verurteilung des Vorsitzenden
In der anläßlich seiner Nominierung am 20. Juli 1993 der internationalen Gewerkschaft der Schauerleute,
abgegebenen Erklärung verwies Freeh auf das FBI als Anthony Scotto, und 125 seiner Anhänger aufgrund
"die größte Strafverfolgungsbehörde, die jemals von von organisierter Erpressung führte. Er erhielt eine
einer demokratischen Gesellschaft geschaffen wurde" besondere Auszeichnung für seine Arbeit an diesem
und versprach "uneingeschränktes Engagement" für Fall.
eine Organisation, "deren einzige Leitlinie die Rechtsstaatlichkeit ist".
Freeh verließ 1981 das FBI und wurde Stellvertretender Bundesanwalt für Manhattan. 1983 führte er
Das FBI, so Freeh, "muß für absolute Integrität stehen, erfolgreich die Ermittlungen und Anklage eines von der
frei von jeglichem politischen Einflu ß, frei von jeglicher sizilianischen Mafia geleiteten Heroinhändlerrings. Der
rassischer oder anderer Willkür sein und ausschließ- als "Pizza Connection" bekannte Fall - weil Pizzarelich im öffentlichen Interesse arbeiten".
staurants zur Tarnung für die Operationen der Bande
benutzt wurden - ist das "umfassendste und komplexeEr verprach eine effiziente Organisation zur Verbreste strafrechtliche Ermittlungsverfahren, das je von
chensbekämpfung, mit 'lachkundigen und engagierder Regierung in die Wege geleitet wurde".
ten Mitarbeitern, modernster Technologie ... und der
größtmöglichen Kooperation" mit den anderen ameri- 1987 zum Leiter der Abteilung für organisiertes Verkanischen Strafverfolgungsbehörden.
brechen des Bundesanwalts von Manhattan ernannt,
leitete Freeh die Ermittlungen bei den BriefbombenanEr verpflichtete sich darüber hinaus zur engen Zusamschlägen
auf einen Bundesrichter und einen Rechtsmenarbeit mit ausländischen Strafverfolgungsbehör-

AMERIKA DIENST 30

Seite 1

�anwalt der Bürgerrechtsbewegung. Aufgrund seiner
Leistungen wurde der Attentäter gefaßt und verurteilt.

Freeh wurde in Jersey City geboren und ist Sohn eines
Immobilienmaklers. 1971 erlangte er seinen Abschluß
am Rutgers College. Er ist verheiratet und hat vier
1991 wurde Freeh vom ehemaligen Präsidenten Bush Kinder.
an das Bundesgericht berufen.

* * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Haushalt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Defizitplan hat Handlungsspielraum in Tokio geschaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten vor Demokraten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher skizziert Ziele seiner Reise nach Asien, Australien, Nahost&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz des Außenministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nichtverbreitung ist Priorität der US-Sicherheitspolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Außenministers beim ASEAN&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Balkan&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Oxman erläutert US-Balkanpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme vor KSZE-Kommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Kriegsverbrechen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA unterstützen Kriegsverbrechertribunal zu Jugoslawien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USIA-Film zeigt Tragik der Situation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Produktivster G-7-Gipfel seit 10-15 Jahren &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Staatssekretär Summers über WorldNet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Greenspan: Zeit für Defizitabbau läuft ab &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Clintonplan vielversprechender erster Schritt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die soziale Dimension der wirtschaftlichen Umstrukturierung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus einer Rede von Thomas R. Donahue (AFL-CIO)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freeh genießt den Ruf eines erfahrenen Verbrechensbekämpfers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten FBI-Direktors&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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29

HANDEL

21. Juli 1993

KANTOR BEZEICHNET TOKIOTER RAHMENVEREINBARUNGEN ALS ERSTE SCHRITTE

Stellungnahme vor Unterausschuß für Handel

PROLIFERATION

NORDKOREA ZU NUKLEARGESPRÄCHEN MIT
IAEO UND SEOUL BEREIT
Erklärungen bei Gesprächen USA-Nordkorea

NAHER OSTEN

CHRISTOPHER GIBT NAHOSTREISE BEKANNT
Unterstützung des Friedensprozesses

AID

WICHTIGE ROLLE FÜR AID NACH DEM
KALTEN KRIEG
Auszüge aus der Erklärung von
Clifton Wharton

GUS-HILFE

US-KRANKENHAUSER AKTIV IN GUS
Beitrag zur Linderung der Krise
im Gesundheitswesen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�HANDEL
21. Juli 1993

KANTOR BEZEICHNET TOKIOTER RAHMENVEREINBARUNGEN ALS ERSTE SCHRITTE
Stellungnahme vor Unterausschuß für Handel
WASHINGTON - (AD) - Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor hat die beiden größten Leistungen des
kürzlichen G-7-Gipfels in Tokio - die Quad-Vereinbarung über Marktzugang sowie das amerikanisch-japanische
wirtschaftliche Rahmenabkommen - als gute erste Schritte bezeichnet, die weitere unmittelbare Anschlußmaßnahmen erforderten, wenn sie irgendeine Bedeutung haben sollen.
In einer Stellungnahme vor dem Unterausschuß für Handelsfragen des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses erklärte Kantor am 13. Juli 1993: "Die Ergebnisse von Tokio stellen einen großen Schritt nach vom
dar, mit dem die QUAD-Länder (die Vereinigten Staaten, die Europäische Gemeinschaft, Japan und Kanada)
Führungskraft unter Beweis gestellt haben, um den Verhandlungsprozeß in Genf zu beleben, wo unsere
wichtigsten Handelspartner nun unseren Bemühungen entsprechen müssen, um das Paket über Marktzugang
bis Dezember zu verwirklichen."
Kantor bezeichnete das bilaterale amerikanisch-japanische Abkommen ebenfalls als "einen Rahmen für künftige
Verhandlungen".
Nachfolgend veröffentlichen wir den geringfügig gekürzten vorbereiteten Text von Kantors Stellungnahme.

Ich begrüße die Gelegenheit, heute vor diesem Ausschuß eine Stellungnahme zu den Handelsaspekten
des G-7-Gipfels abgeben zu können. Für diejenigen,
die in der Administration und im Kongreß mit der
Formulierung der amerikanischen Handelspolitik befaßt sind, sind die uns konfrontierenden Herausforderungen nach wie vor umfangreich. Ich hoffe jedoch,
daß Sie meine Ansicht teilen werden, wonach der
Durchbruch im Hinblick auf die Uruguay-Runde und
die Vereinbarung über einen Rahmen für die Verhandlungen mit Japan einen bedeutenden Fortschritt für
unser Land, Arbeitsplätze für das amerikanische Volk
und eine stärkere Weltwirtschaft bedeuten.

überzeugt, daß wachsender Handel sowie die Schaffung neuer Märkte und Chancen für unser Programm
zur wirtschaftlichen Wiederbelebung und Schaffung
von Arbeitsplätzen unerläßlich sind.
Die Uruguay-Runde

Jahr für Jahr haben die Staats- und Regierungschefs
der G-7 ihrer Ansicht Ausdruck verliehen, es sei wichtig, die im Jahr 1986 aufgenommene Uruguay-Runde
abzuschließen. Da sich die Verhandlungen hinzogen,
war es von entscheidender Bedeutung, daß dieser
Gipfel über rhetorische Floskeln hinausging, um konkrete Ergebnisse zu erlangen und den Schwung für
Präsident Clinton reiste vergangene Woche in dem den Abschluß der Runde hervorzubringen. Ich gehe
Wissen zum G-7-Gipfel nach Japan, daß einem Erfolg davon aus, daß die Quad-Staaten - die USA, die EG,
seiner Reise eine Schlüsselfunktion für seine Bemü- Japan und Kanada - im Hinblick auf die Uruguayhungen zur Stärkung der amerikanischen Wirtschaft Runde einen Durchbruch erzielt haben.
zukam. Die Wirtschaftspolitik dieser Administration
Vor uns liegen zwei wichtige Aufgaben, um die Runde
beginnt mit dem Binnenwirtschaftsprogramm des
bis zum Jahresende zum Abschluß zu bringen. Wir
Präsidenten, das sich unseren hausgemachten Promüssen unsere Verhandlungen über Marktzugang bei
blemen widmet. Defizitabbau, neue Investitionen in
Waren, Dienstleistungen und Landwirtschaft vollenBildungswesen und Infrastruktur, das Gesundheitsden, und gleichzeitig müssen wir die regelschaffenden
wesen sowie die Neugestaltung der staatlichen VerVereinbarungen verbessern, die im Entwurf der "Schlußwaltung sind allesamt entscheidende Teile des Proakte" enthalten sind. Die vom Präsidenten beim Tokiogramms. Der Präsident ist jedoch voll und ganz davon
AMERIKA DIENST 29

Seite 1

�ter Gipfel ausgeübte Fühaingsrolle verschafft uns die
Gelegenheit, diese Aufgaben in Genf zu vollenden.

hat unter Führung dieses Ausschusses unschätzbare
Beiträge zu unseren Bemühungen geleistet, indem er
Rat, Scharfblick sowie einen klaren Sinn für die VerIch sollte hinzufügen, daß die Vereinbarung von Tokio handlungsziele beigesteuert und dem Präsidenten vor
kein endgültiges Übereinkommen darstellt. Es gibt seiner Abreise nach Tokio das Fast-Track-Mandat
eine Redewendung in diesen Verhandlungen, wonach gegeben hat.
nichts vereinbart ist, bevor nicht alles vereinbart ist.
Trotzdem stellen die Ergebnisse von Tokio einen gro- Darüber hinaus nahm der Präsident die führenden
ßen Schritt nach vorn dar, mit dem die Quad-Länder Politiker der Welt persönlich und telefonisch in die
Führungskraft unter Beweis gestellt haben, um den Pflicht und forderte sie auf, gemeinsam mit ihm diesem
Verhandlungsprozeß in Genf zu beleben, wo unsere Paket zum Marktzugang Impulse zu geben.
wichtigsten Handelspartner nun unseren Bemühungen entsprechen müssen, um das Paket über Markt- Das Paket von Tokio enthält folgende Bestandteile:
zugang bis Dezember zu verwirklichen. Die Quad- Eine Vereinbarung der Quad-Staaten zur Abschaffung
Länder haben weiterhin besonderen Ehrgeiz, wesent- tarifärer und nichttarifärer Maßnahmen bei pharmaliche Reduzierungen von Schranken für den Marktzu- zeutischen Produkten, Baugerät, medizinischem Gerät,
gang zu erzielen. Unsere Vereinbarung von Tokio legt Stahl (abhängig von der Erzielung eines multilateralen
den Grundstein für ein bedeutendes Paket von Zoll- Stahlabkommens), Bier und - mit gewissen Ausnahmen - Möbel, Landmaschinen und Spirituosen. Dies
senkungen bei Industrieprodukten.
sind die sogenannten Null/Null-Initiativen. Am wichtigEine Hauptkomponente des Pakets geht auf die enor- sten ist jedoch unsere Einigung, uns zu bemühen,
men Bemühungen und Exportinteressen amerikani- dieser Liste weitere Sektoren hinzuzufügen.
scher Industriebranchen ein, indem die Zölle in acht
Sektoren abgeschafft und in anderen reduziert wer- Wir verständigten uns auf eine Harmonisierung der
den. In den Bereichen, in denen wir noch keinen Erfolg Zölle auf chemische Produkte zu einem niedrigeren
erzielt haben - Papier, Holz, wissenschaftliches Gerät, Satz, in einigen Fällen bis auf Null. Diese neun
nichteisenhaltige Metalle und Elektronik - sind die Sektoren umfassen gegenwärtig amerikanische ExVerhandlungen noch keineswegs beendet. Wir haben porte von 75 Milliarden Dollar - eine Summe, die nach
das Patt gebrochen und einen unverzichtbaren Schritt einer vollendeten Uruguay-Runde noch wesentlich
zur Beendigung der Uruguay-Runde in diesem Jahr wachsen würde.
getan.
Bei den verbleibenden Produkten haben wir ein allgeWie die Mitglieder dieses Ausschusses wissen, ist die meines Ziel von 33 Prozent festgelegt - das dem
Vereinbarung über Marktzugang das Ergebnis von Endziel der Zollsenkungen im Rahmen des Montrealer
Bemühungen, die in der ersten Woche dieser Admini- Protokolls von 1988 entspricht -, identifizierten jedoch
stration eingeleitet wurden. Damals stellte Präsident eine Reihe von Sektoren, in denen die Zölle erheblich
Clinton klar, daß der Abschluß der Uruguay-Runde in unter dieses Niveau abgesenkt werden könnten, in
diesem Jahr zu seinen höchsten Prioritäten gehört. einigen Fällen um mehr als 50 Prozent. Unsere
Auf seine Anweisung habe ich im Februar die Arbeit mit Vereinbarung verweist auf ein besonderes Interesse
meinem EG-Amtskollegen, Sir Leon Brrttan, aufge- von einigen Teilnehmern, in Bereichen wie Holz, Papier
nommen, um Fortschritte bei Fragen des Marktzu- und Zellstoff sowie wissenschaftlichem Gerät weiter
gangs zu erzielen, zunächst zwischen den Vereinigten zu gehen - alles entscheidende Sektoren für die VereiStaaten und der EG und dann mit den anderen Quad- nigten Staaten. Ich verpflichte mich zu versuchen,
Staaten. Das Ziel war dabei, bis zum Gipfel der G-7 beim Abbau der Zölle in diesen Bereichen wesentlich
den Rahmen für ein weitreichendes Marktzugangspa- mehr zu erreichen. Dasselbe gilt für den Elektronikbereich, in dem die EG bereit war, eine Überschreitung
ket abzustecken.
des Zieles von 33 Prozent in Erwägung zu ziehen,
Der Präsident hat wiederholt gemeinsam mit anderen sowie bei nichteisenhaltigen Metallen.
führenden Staatsmännern sowie Entscheidungsträgern im Finanzwesen aus aller Welt die Notwendigkeit Schließlich werden in dem Paket auch die "Spitzen"
betont, die Uruguay-Runde unverzüglich zu beleben, angesprochen - die von den Quad-Ländern unterhaltesowie die Bedeutung, die der Erlangung eines Abkom- nen Zölle, die bei 15 Prozent oder höher liegen. Die
mens über ein Paket zum Marktzugang bis zum Gipfel Quad-Länder haben im Durchschnitt relativ niedrige
zukomme. Unter den Staats- und Regierungschefs Zölle, aber esgibt nach wie vor einige Spitzen. Wie Sie
der Quad-Staaten stießen wir auf zahlreiche Verbün- sehr gut wissen, hat man sich mit den amerikanischen
dete, die unsere Ansicht teilten, daß der Abschluß der Spitzenzöllen befaßt - in Bereichen wie Textilien,
Runde entscheidend für die Weltwirtschaft sei und Bekleidung, Keramik und Glas. Wir haben nach ausführlichen innenpolitischen Konsultationen bei einer
dieses Jahr die letzte gute Chance dafür bestehe.
Reihe von Spitzenzöllen Reduzierungen in Bereichen
Wir wollten unser Engagement für den Abschluß der angeboten, in denen unsere Quad-Partner die hauptRunde unterstreichen, indem wir die Fast-Track-Voll- sächlichen oder wichtige Anbieter sind...
macht nur für diesen Zweck anstrebten. Der Kongreß
Seite 2

AMERIKA DIENST 29

�Obwohl der Schwerpunkt in Tokio auf Industriewaren
lag, kamen wir überein, daß eine erfolgreiche Uruguay-Runde ein wesentliches Paket von Verpflichtungen zu Marktzugang bei den Dienstleistungen, dem
am schnellsten wachsenden Teil der Weltwirtschaft,
bei dem die Vereinigten Staaten enorme Stärken haben,
enthalten muß. Beim Zugang im Dienstleistungsbereich sind substantielle Fortschritte erzielt worden. Die
Quad-Gespräche konzentrierten sich auf die verbleibenden Gebiete, auf denen weitere Arbeit erforderlich
ist, bevorein Erfolg erzielt werden kann: Dienstleistungen im Finanzsektor, im Telekommunikationswesen,
im Seeverkehr, im audiovisuellen Bereich und im
Personenverkehr. Wir haben eine gute Grundlage, auf
der wir in Genf aufbauen können.

Falle eines Abbaus der Zölle um ein Drittel sowie eines
Abbaus der nichttarifären Handelshemmnisse das
durchschnittliche Jahreseinkommen einer vierköpfigen Familie um 1.700 Dollar steigen würde.
Die Zeit zu einem Abschluß der Runde ist schon lange
gekommen. Wir können keine Situation dulden, in der
Abkommen in Bereich des Handels sieben Jahre brach
liegen. Die Welt verändert sich jetzt sehr schnell.
Regierungen kommen und gehen, die Technologie
ändert sich und Volkswirtschaften entwickeln sich
innerhalb kürzester Zeit.
Rahmenwerk für amerikanisch-japanische Verhandlungen

Der andere Tagesordnungspunkt in Tokio war die
Nun möchte ich noch auf die Landwirtschaft zu spre- Bemühung, sich auf ein neues Rahmenwerk für die
chen kommen, die für die Vereinigten Staaten weiter- Verhandlungen mit Japan bei sektoralen und struktuhin ein zentraler Bestandteil des Pakets der Uruguay- rellen Angelegenheiten zu einigen, die unsere Exporte
Runde ist. In Tokio einigten wir uns, daß die Arbeit in und die anderer Nationen nach Japan behinderten und
Genf fortgesetzt werden muß, damit die Zeitpläne für unseren wahrscheinlich wichtigsten bilateralen Beziedie einzelnen Länder abgeschlossen und Einzelheiten hungen schadeten. Ein Abkommen über ein neues
der Verpflichtungen über Marktzugang festgelegt werden Rahmenwerk wurde nur wenige Stunden vor der Abkönnen. Nach Abschluß des Abkommens von Blair reise des Präsidenten aus Tokio erreicht.
House bleibt der Marktzugang das Hauptanliegen bei
den Genfer Verhandlungen. Die Vereinigten Staaten Neben dem Abschluß der Uruguay-Runde und dem
arbeiten mit ihren Handelspartnern in der Cairns- NAFTA ist das wichtigste handelspolitische Ziel dieser
Gruppe zusammen, die darauf bestehen, daß der als Administration ein wirklicher Fortschritt bei der VerErgebnis dieser Runde erreichte Marktzugang über besserung unserer ungleichen Handelsbeziehungen
den gegenwärtigen hinausgehen muß. Das ist ein mit Japan. Der Präsident und seine Mitarbeiter waren
Grundsatz, der unsere Verhandlungen weiterhin be- sich stets bewußt, daß viele Faktoren zu unserem
stimmen wird.
bilateralen Handelsdefizit mit Japan beitragen. Wir
sind uns der Auswirkungen unserer Haushaltsdefizite
In Tokio einigten wir uns, in Genf unser Abkommen bewußt, unserer niedrigen Sparquote und der historisofort zu einem ersten Schritt zum erfolgreichen Ab- schen Betonung des Militärs anstelle ziviler F &amp; E,
schluß der Runde zu machen. Unsere Verhandlungs- sowie vieler anderer Faktoren. Wir hegen große
führer begannen gestern die Serie von Gesprächen Bewunderung für die Errungenschaften Japans: Die
mit ihren Kollegen aus anderen Nationen, um die in Qualität und Entschlossenheit seiner Arbeitskräfte,
Tokio geleistete Arbeit zu erläutern und mit ihnen über sein vorzügliches Erziehungssystem und die dort
ihr Angebot zu einem Abbau oder einer Abschaffung hergestellten Produkte.
dertarifären und nichttarifären Handelshemmnisse zu
sprechen. Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, Darüber hinaus verkörpert Japan jedoch immer noch
daß die Vereinigten Staaten bereit sind, ihren Teil zu einen Markt, der auf dramatische Weise weniger offen
einer erfolgreichen Runde beizutragen; unsere Quad- ist als der unsrige, und bedeutend weniger offen als er
Partner haben eine ähnliche Entschlossenheit demon- aufgrund der Größe der japanischen Wirtschaft und
striert. Viele andere betroffene Nationen werden je- des Stands seiner Entwicklung sein sollte. Das relative
doch ebenfalls einen Beitrag leisten müssen, damit wir Fehlen tarifärer Handelshemmnisse ist von geringerer
ein Ergebnis erzielen, das für uns alle von Vorteil ist. Bedeutung als die verblüffende Vielfalt nichttarifärer
Hemmnisse, die einen Erfolg auf dem japanischen
Die Ru nde stellt keinen Gefallen dar, den wir dem Rest Markt so erschweren. Immer wieder haben amerikader Welt erweisen. DRI, das größte Unternehmen für nische Produkte und Dienstleistungen, die auf der
Wirtschaftsprognosen, nimmt an, daß neben den ganzen Welt begehrt sind, nur geringen Erfolg in
erwarteten Verbesserungen bei Beschäftigung, Real- Japan. Viele unserer Handelspartner mu ßten dieselbe
löhnen und Produktivität ein guter Abschluß der Uru- Erfahrung machen.
guay-Runde in den Vereinigten Staaten nach zehn
Jahren zu einem Anstieg der Nettobeschäftigung von Gleichzeitig sind wir uns bewußt, daß Japan eine
1,4 Millionen Arbeitsplätzen, einem durchschnittlichen offenere Wirtschaft hat als noch vor fünf oder zehn
Produktivitätszuwachs von etwas über 2 Prozent und Jahren. Das Land ist tatsächlich der zweitgrößte
einer Reallohnerhöhung von 1,6 Prozent führen wird. Abnehmer amerikanischer Exporte (nach Kanada),
Zusätzlich schätzten die US-Handelsbeauftragte und und die amerikanische und japanische Volkswirtschaft,
der Rat der Wirtschaftsberater im Jahr 1990, daß im die zusammen 40 Prozent zum weltweiten BruttoinAMERIKA DIENST 29

Seite 3

�landsprodukt beitragen, sind eng miteinander verbunden und stehen in zunehmender wechselseitiger
Abhängigkeit. Darüber hinaus streben wir, wie der
Präsident in seiner Rede in der Waseda University
beredt hervorhob, eine offenere, stärker verbraucherorientierte japanische Volkswirtschaft an und unternehmen Schritte, die nicht nur für die Vereinigten
Staaten, sondern auch die Menschen in Japan von
Vorteil sind, die um die Früchte ihrer harten Arbeit und
ihrer Leistungen betrogen werden.
Aus diesem Grund haben wir ein Rahmenwerk für die
Verhandlungen mit Japan angestrebt, das es uns
erlaubt, stetige und bedeutsame Fortschritte im Hinblick auf die Öffnung des japanischen Marktes zu
erzielen, ohne die Bitterkeit, die während des letzten
Jahrzehnts unserer Beziehung schadete. Das von uns
angestrebte Rahmenwerk sollte uns gestatten, uns auf
vordringliche Sektoren und Praktiken sowie auf strukturelle makroökonomische Angelegenheiten zu konzentrieren. Es sollte uns gestatten, innerhalb eines
engen Zeitrahmens (ein halbes oder ein ganzes Jahr)
über Schlüsselfragen zu verhandeln und wichtige objektive Kriterien festsetzen, d.h. Bewertungen für den
erzielten Fortschritt. Wir haben die Verhandlungen
aus einer starken Position heraus begonnen, da Präsident Clintons Wirtschaftsprogramm das Haushaltsdefizit und die innenpolitischen Schwächen anging, die
Japan als Hauptgründe für das Handelsungleichgewicht zwischen unseren Nationen anführt.
Dieses Abkommen verpflichtet die japanische Regierung, greifbare Fortschritte zu machen sowie quantitative und qualitative Maßnahmen zur Erfassung dieses
Erfolgs zu ergreifen.

3.

das Ineinandergreifen sektoraler und struktureller Maßnahmen in jedem Korb sowie

4.

einen festgelegten Zeitrahmen für den Abschluß
der Verhandlungen.

So sieht der Rahmen für künftige Verhandlungen aus.
An sich stellt er keine Marktöffnung dar, ist keine
Garantie für künftige Erfolge und kein Allheilmittel für
bilaterale Differenzen, die unsere Beziehungen zu
Japan charakterisierten. Es müssen weiterhin schwierige Verhandlungen über wichtige Angelegenheiten
geführt werden, einschließlich der Durchsetzung bereits in Kraft getretener Abkommen. Wir beabsichtigen, Fortschritte zu machen und sind uns bewußt, daß
das nicht immer einfach sein wird. Wir engagieren uns
dafür, große Anstrengungen nicht zu scheuen, um
innerhalb dieses Rahmenwerkes Ergebnisse zu erzielen, aber wenn die Konsultationen und Verhandlungen
innerhalb dieses Rahmenwerkes nicht zu den erforderlichen Fortschritten führen, werden wir ohne Zögern andere Ansätze wählen, die der Kongreß in dem
Handelsgesetz zur Verfügung stellte.
Schlußbemerkung
Ich bin mir durchaus der Tatsache bewu ßt, daß für den
Collegeabgänger auf der Suche nach einem ersten
Arbeitsplatz, den jungen Afroamerikaner in einer Innenstadt, der dem Teufelskreis der Armut entkommen
will, den entlassenen Fabrikarbeiter oder den um seine
Existenz kämpfenden Farmer im Mittleren Westen die
Uruguay-Runde und das Rahmenabkommen mit Japan
von geringer Bedeutung in ihrem Leben sind.

Wie ich jedoch bereits bei meiner Anhörung im Januar
hervorhob, ist nichts Akademisches oder TheoretiDas von uns ausgehandelte Rahmenwerk verpflichtet sches an der Arbeit, die der Präsident mir zugewiesen
Japan zu einem signifikanten Abbau seines Leistungs- hat. Jede Milliarde Dollar an Exporten schafft 20.000
bilanzüberschusses mit der Welt, zu bedeutenden neue Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten. Das
Erhöhungen seiner Importe aus der ganzen Welt und sind außerdem gute Arbeitsplätze, die Mehrheit im
die Vereinigten Staaten zu einem wesentlichen Abbau Produktionssektor, mit einem durchschnittlich um 3.500
ihres Haushaltsdefizits. Es bahnt den Weg für VerDollar höheren Einkommen als auf Arbeitsplätzen
handlungen über Autos und Autoersatzteile, staatliche außerhalb der Exportbranche. In DienstleistungsbeBeschaffungen und eine Reform der diesbezüglichen trieben auf exportorientierten Gebieten erhalten die
Vorschriften. Es sorgt für die vollständige InkraftsetArbeitnehmer 20 Prozent höhere Löhne als die Arbeitzung bestehender Abkommen und Verpflichtungen.
nehmer in den anderen Dienstleistungsbetrieben.
Das Rahmenwerk umfaßt auch kooperative Bemühungen unserer beiden Länder zur Förderung auslän- Die Welt hat sich in den letzten Jahren auf eine Art und
discher Direktinvestitionen, beim Zugang zu Techno- Weise gewandelt, wie wir es uns nicht erträumt hätten
logie, geistigen Eigentumsrechten und im Bereich der - der Kalte Krieg ist zu Ende gegangen, und im Gefolge
Umwelt. Durch objektive Kriterien werden Fortschritte sind neue Staaten entstanden. Auch die Wirtschaft hat
auf halbjährlichen Treffen zwischen dem Präsidenten sich weltweit gewandelt. Die Technologie und mobile
und dem japanischen Premierminister erfaßt.
Kapitalressourcen haben eine Weltwirtschaft geschaffen. Unser Wohlstand und der unserer Kinder hängt
Das Abkommen enthält die vier Hauptanliegen des von unserer Konkurrenzfähigkeit in der neuen WeltPräsidenten:
wirtschaft ab, mit der die Vereinigten Staaten untrennbar verbunden sind.
1.
eine ergebnisorientierte Politik,
2.

quantitative und qualitative Maßnahmen,

Seite4

Wir sind weltweit der größte Exporteur. Wir setzen
Maßstäbe für die Welt auf so unterschiedlichen Gebie-

AMERIKA DIENST 29

�ten wie Computer, Maschinenbau, Filmindustrie, Landwirtschaft, Architektur. Wir haben von offenen Märkten und erweitertem Handel nichts zu befürchten, da
wir so starke Wettbewerber sind. Das Ziel unserer
Handelspolitik besteht darin sicherzustellen, daß un* *

AMERIKA DIENST 29

sere Handelsgesetze eingehalten werden, daß andere
Staaten sich an die mit uns eingegangenen Abkommen halten und daß die Märkte anderer Nationen für
unsere Waren und Dienstleistungen ebenso offen sind
wie unser Markt für die ihren.
* *

Seite 5

�PROLIFERATION
21. Juli 1993

NORDKOREA ZU NUKLEARGESPRÄCHEN
MIT IAEO UND SEOUL BEREIT
Erklärungen bei Gesprächen USA-Nordkorea
GENF - (AD) - Nordkorea ist nach einer Ankündigung vom 19. Juli 1993 zur Aufnahme von Konsultationen mit
der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und zu bilateralen Gesprächen mit Südkorea über
Themen in Zusammenhang mit seinem Atomprogramm bereit.
In einer von Nordkorea und den Vereinigten Staaten vereinbarten Erklärung, die von beiden Parteien am Ende
ihrer zweiten Gesprächsrunde zum nordkoreanischen Atomprogramm veröffentlicht wurde, wird festgestellt, die
Vereinigten Staaten seien bereit, Nordkorea bei der Umstellung von Graphit- auf Leichtwasserreaktoren zu
helfen, die für die Kernwaffenproduktion weniger geeignet sind.
Der Erklärung zufolge werden Vertreter der beiden Staaten innerhalb der nächsten zwei Monate erneut
zusammentreffen, um das Nuklearproblem zu erörtern und "die Grundlage für die Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen der DVRK und den USA zu legen".
In einer anschließend vom Abteilungsleiter für politisch-militärische Angelegenheiten im US-Außenministerium,
Robert Galluci, verlesenen eigenen Erklärung stellten die Vereinigten Staaten fest, mit der nun zum Ausdruck
gebrachten Bereitschaft Nordkoreas zur Aufnahme eines Nukleardialogs mit Seoul erhofften die Vereinigten
Staaten 'Von den beiden koreanischen Staaten Einigung über die Durchführung eines wirksamen bilateralen
Inspektionsregimes".
Femer wurde darin festgestellt, die Vereinigten Staaten seien zwar bereit, die Umstellung Pjöngjangs auf
Leichtwasserreaktoren zu unterstützen, könnten jedoch "keine nukleare Zusammenarbeit zu friedlichen
Zwecken mit der DVRK unterhalten", bis Nordkorea seine "Nichtverbreitungsverpflichtungen eindeutig einhält".
Nachfolgend veröffentlichen wir die gemeinsame amerikanisch-nordkoreanische Erklärung sowie die anschließend verlesene getrennte amerikanische Erklärung im Wortlaut.

Amerikanische Presseerklärung

Beide Seiten anerkennen die Zweckdienlichkeit der
Absicht der DVRK, ihre Graphitreaktoren und damit
Von den Vereinigten Staaten und der DVRK ver- verbundenen Nukleareinrichtungen durch Leichtwaseinbarte Erklärung
serreaktoren zu ersetzen. Als Teil einer abschließenden
Lösung der Nuklearfragen und unter der VorausDie Delegationen der Vereinigten Staaten und der
setzung,
daß eine Lösung in Zusammenhang mit der
DVRK trafen vom 14.-19. Juli 1993 zu einer zweiten
Bereitstellung
von Leichtwasserreaktoren (LWR) erGesprächsrunde zur Lösung nuklearer Fragen in Genf
reichbar
ist,
sind
die Vereinigten Staaten bereit, die
zusammen.
Einführung von LWR zu unterstützen und mit der
Beide Seiten bekräftigten die Prinzipien der gemeinsa- DVRK Wege zur Beschaffung von LWR zu sondieren.
men Erklärung USA/DVRK vom 11. Juni 1993.
Beide Seiten stimmten überein, daß die vollständige
Die Vereinigten Staaten bekräftigten ihrerseits speziell und unvoreingenommene Anwendung der Schutzmeihre Verpflichtung zu den Prinzipien im Hinblick auf chanismen der IAEO unverzichtbar ist, um ein nachGarantien gegen die Androhung oder den Einsatz von haltiges internationales Regime zur Nichtverbreitung
von Kernwaffen zu erlangen. Auf dieser Grundlage ist
Gewalt, einschließlich von Kernwaffen.

AMERIKA DIENST 29

Seite 1

�die DVRK bereit, mit der IAEO so bald wie möglich
Konsultationen über noch ausstehende Schutzmechanismen und andere Fragen aufzunehmen.
Die USA und die DVRK bekräftigten darüber hinaus die
Bedeutung der Implementierung der Gemeinsamen
Nord-Süd-Erklärung über die Entnuklearisierung der
koreanischen Halbinsel. Die DVRK bekräftigt, daß sie
nach wie vor bereit ist, so bald wie möglich die NordSüd-Gespräche über bilaterale Fragen, einschließlich
der Nuklearfrage, aufzunehmen.
Die USA und die DVRK haben vereinbart, in den
kommenden beiden Monaten erneut zusammenzutreffen, um noch ausstehende Probleme im Hinblick
auf die Lösung des Nuklearproblems zu erörtern,
daruntertechnische Fragen in Zusammenhang mit der
Einführung von LWR, sowie die Grundlage für die
Verbesserung der Gesamtbeziehungen zwischen der
DVRK und den USA zu schaffen.

zu zerstreuen, und wir fordern die DVRK auf, unverzüglich zu einer Einigung mit der IAEO zu gelangen.
Zweitens hat die DVRK der möglichst baldigen Wiederaufnahme von Gesprächen mit der Republik Korea
über die Verwirklichung der Nord-Süd-Entnuklearisierungserklärung und andere bilaterale Themen zugestimmt. Die Republik Korea hat darüber hinaus erklärt,
sie sei zu einem Dialog bereit. Aus diesem Grund
erwarten wir von den beiden koreanischen Staaten
Einigung über die Durchführung eines wirksamen bilateralen Inspektionsregimes.

Drittens hat die DVRK angekündigt, sie sei zur Abschaffung der Graphitreaktoren und verwandter Einrichtungen zugunsten von Leichtwasserreaktoren bereit,
die zur Produktion von Nuklearwaff enmaterial weniger
geeignet sind. Wir haben vereinbart, in die nächste
Gesprächsrunde zwischen den Vereinigten Staaten
und der DVRK Erörterungen dieses Themas einzubeziehen. Obwohl wir die Umstellung auf LeichtwasserEinseitige Presseerklärung der Vereinigten Staa- reaktoren als Teil einer endgültigen Lösung der Nuten
klearfrage unterstützen, ist davon auszugehen, daß
die Vereinigten Staaten keine nukleare ZusammenarSie alle haben die von den Delegationen der Vereinigbeit zu friedlichen Zwecken mit der DVRK unterhalten
ten Staaten und der DVRK vereinbarte Presseerkläoder anderen bei der Unterstützung der DVRK behilfrung gesehen. Ich möchte die amerikanische Haltung
lich sein können, bis die DVRK ihre Nichtverbreitungszu dieser wichtigen Frage sowie zum derzeitigen Stand
verpflichtungen eindeutig einhält, einschließlich des
der Verhandlungen erläutern.
NW, der IAEO und der Nord-Süd-Erklärung.
Wir der Präsident kürzlich feststellte, bedeutet das
Atomprogramm der DVRK eine schwerwiegende Offenkundig beinhaltet der Verkauf eines NuklearBedrohung der internationalen Sicherheit und des reaktors auch komplexe finanzielle und rechtliche Fragen,
Nichtverbreitungsregimes. Unsere Gespräche in Genf die zu einem geeigneten Zeitpunkt in der Zukunft
sind Teil kontinuierlicher und entschlossener Bemü- angesprochen werden mü ßten. Dennoch vertreten wir
hungen der internationalen Staatengemeinschaft und die Auffassung, daß unseren langfristigen Nichtverder Vereinigten Staaten, die Nuklearfrage zu lösen und breitungszielen gedient sein wird, wenn wir Möglichkeiten für die DVRK zur Umstellung auf Leichtwasserdie Sicherheit in der Region zu stärken.
reaktoren sondieren, sobald die DVRK ihre Nichtverbreitungsverpflichtungen
voll und ganz einhält.
Unser Ziel ist eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel und ein starkes weltweites Nichtverbreitungsregime. Wir wünschen, daß die DVRK weiterhin Mitglied Im Verlauf unserer Gespräche haben beide Seiten die
des NW bleibt, die Sicherheitsbestimmungen der Prinzipien der von den Vereinigten Staaten und der
IAEO in vollem Umfang einhält und die Nord-Süd- DVRK am 11. Juni 1993 veröffentlichten gemeinsaErklärung zur Entnuklearisierung uneingeschränkt men Presseerklärung bekräftigt. Die in dieser Erkläverwirklicht. Bei unseren Gesprächen vergangenen rung erwähnten Prinzipien und ihre Bekräftigung in
Monat in New York stimmte die DVRK zu, ihren Austritt Genf basieren auf den amerikanischen Verpflichtunaus dem N W aufzuschieben. Dies war ein positiver gen im Rahmen der UN-Charta. Diese VerpflichtunSchritt. Im Einklang mit ihrem Status als Vertragspar- gen zwingen uns, von einer Androhung oder dem Eintei des NW erwarten wir auch in Zukunft, daß die satz von Gewalt gegen ein anderes Land Abstand zu
nehmen, ausgenommen als Selbstverteidigung oder
DVRK regelmäßige lAEO-lnspektionen zuläßt.
in anderer Weise mit der Charta der Vereinten NatioBei dieser Gesprächsrunde haben wir drei weitere nen im Einklang stehend. Offensichtlich bewahren
Schritte zu einer Lösung der Nuklearfrage in die Praxis diese Prinzipien unsere Verpflichtung und Fähigkeit,
umgesetzt. Erstens hat die DVRK der Aufnahme von der Republik Korea bei ihrer Selbstverteidigung behilfKosultationen mit der IAEO über anhängige Fragen lich zu sein, einschließlich dem Recht, defensive
der Sicherheit zugestimmt, einschließlich des Antrags Übungen durchzuführen.
der IAEO auf zusätzliche Information und Besuche
weiterer Standorte. Die Frage des Zugangs zu diesen Wie wir bereits erklärt haben, sind die Vereinigten
Standorten ist nach wie vor entscheidend, um interna- Staaten zur Fortsetzung ihres Dialogs mit der DVRK
tionale Bedenken über das Nuklearprogramm der DVRK bereit, solange wir Fortschritte bei der Lösung der
Nuklearfrage erzielen. Aufgrund der Ergebnisse die-

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�ser Gesprächsrunde haben wir ein erneutes Treffen in
den nächsten zwei Monaten vereinbart, um unsere
Bestrebungen zur Lösung der Nuklearfrage fortzusetzen. In diesem Zusammenhang möchte ich hinzufügen, daß wir aufgrund der Erklärung der DVRK, sie
werde Gespräche mit der IAEO und der Republik
Korea aufnehmen, den Beginn einer dritten Gesprächsrunde zwischen den Vereinigten Staaten und der DVRK

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AMERIKA DIENST 29

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nicht erwarten, bis ernsthafte Diskussionen mit der
IAEO und der Republik Korea in die Wege geleitet
worden sind. Wir haben ferner eindeutig klargestellt,
daß unser Dialog nicht fortgesetzt werden kann, wenn
die DVRK aus dem N W austritt, weiterhin Kernbrennstoffe aufbereitet und regelmäßigen lAEO-lnspektionen nicht zustimmt, die für die kontinuierliche Einhaltung der Sicherheitsvorschriften unabdingbar sind.

*

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Seite 3

�NAHER

OSTEN
21. Juli 1993

CHRISTOPHER GIBT NAHOSTREISE BEKANNT
Unterstützung des Friedensprozesses

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher
wird im Rahmen der amerikanischen "Bestrebungen
zu gleichberechtigter Partnerschaft" und in der "Rolle
eines ehrlichen Maklers" im Friedensprozeß vom 1. bis
5. August 1993 mit Regierungsvertretern im Nahen
Osten zusammenkommen.
Bei einem Phototermin mit dem belgischen Außenminister Claes am 16. Juli erklärte Christopher femer, er
werde nächste Woche nach Singapur abreisen, wo er
am Treffen der ASEAN (Verband Südostasiatischer
Nationen) im Anschluß an das Ministertreffen teilnehmen und dann vor der Reise in den Nahen Osten
Australien einen Besuch abstatten werde.
Christopher charakterisierte seine Reise in den Nahen
Osten als "Teil langwieriger, umfassender Bestrebungen der Vereinigten Staaten zur Erlangung des Friedens" in dieser Region.
"Ich erwarte keinen entscheidenden Durchbruch von
dieser Reise", stellte er fest. "Meines Erachtens ist sie
jedoch Teil eines Prozesses, den wir mit großer Entschlossenheit bei dem Versuch verfolgen wollen, den
Parteien zu helfen."
Der Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry, betonte später, daß "es jetzt an der Zeit ist, sich
direkt mit den Parteien in Verbindung zu setzen, um die
in ihren Positionen bestehenden Meinungsverschiedenheiten zu überbrücken".

Obwohl die Planungen für die Reise des Außenministers noch nicht abgeschlossen sind, so McCurry,
stehe der Termin vom 1.-5. August für die Reise in die
Region fest. Der Außenminister wird voraussichtlich
mit Regierungsvertretern in Kairo, Jerusalem, Amman
und Damaskus zusammentreffen, jedoch nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.
"Wir hoffen, mit dieser Reise den Grundstein für kontinuierliche Fortschritte zu legen", erklärte McCurry.
"Wir haben immer wieder gesagt, daß langwierige
Arbeit vor uns liegt... und hoffen zweifelsohne, daß die
Reise des Außenministers dazu beiträgt, den
(Friedens)prozeß voranzubringen.
Auf die Frage, ob der Außenminster in diesem Jahr
mehrere Reisen in die Region unternehmen werde,
antwortete McCurry: "Wir machen einen Schritt nach
dem anderen und sind bereit, die zum jeweiligen
Zeitpunkt angemessene Rolle zu übernehmen,... es
ist jedoch durchaus denkbar, daß zusätzliche Reisen
erforderlich sein werden... Wir sehen darin einen
Prozeß, der sich in den kommenden Monaten bis Ende
des Jahres entwickeln wird und nicht als etwas, bei
dem wir infolge der Reise unverzüglich einen Durchbruch erlangen können."

McCurry erklärte den Journalisten, die Parteien in der
Region "haben klargestellt, daß sie die Fortsetzung der
Rolle der Vereinigten Staaten als gleichberechtigter
Partner wünschen und sie die Teilnahme des Außenministers als aktiver Vermittler in diesem Prozeß zu
"Der Außenminister ist sich zweifellos bewußt, daß
schätzen wissen... Sie haben unmißverständlich festsein persönliches Engagement kontinuierlich erfordergestellt, daß sie die Teilnahme des Außenministers
lich sein wird, wenn wir den Parteien helfen wollen, die
begrüßen würden."
einem Abkommen im Wege stehenden Hindernisse zu
überwinden", fügte McCurry bei einer Pressekonfe- Auf die Frage nach einem möglichen Stichtag für die
renz im Außenministerium hinzu. "Dies ist der Zweck Beendigung der amerikanischen Beteiligung am Frieseiner Gespäche mit den Parteien bei der Reise An- densprozeß antwortete McCurry, seiner Ansicht nach
fang August."
'haben unsere Vermittler im Friedensprozeß das Gefühl,

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Seite 1

�daß 1993 das Jahr ist, in dem Fortschritte erzielt
werden können, vorbehaltlich der richtigen Art von
Beteiligung der Vereinigten Staaten und vorbehaltlich
der Bereitschaft seitens der Parteien, die äußerst
schwierigen Fragen anzusprechen, mit denen sie sich
in diesen Verhandlungen konfrontiert sehen".

nister und andere gehen davon aus, daß sie jetzt
darüber nachdenken müssen, wie die in den Positionen der Parteien bestehenden Meinungsverschiedenheiten am besten überbrückt - und eine Annäherung
erzielt - werden können, während sie die Kernfragen
dieses Dialogs ansprechen.

"Der 31. Dezember ist nicht zwangsläufig ein willkürli- "Meines Erachtens zeigen sich Fortschritte - wenn sie
cher Stichtag", fügte er hinzu, "aber wir sehen dies als gemacht werden - an der Bereitschaft der Parteien,
das Jahr an, in dem sich Chancen bieten, die genutzt sich mit diesen Kernfragen zu befassen, sie in Angriff
zu nehmen und sich mit den Entscheidungen auseinwerden müssen."
anderzusetzen, die sie treffen müssen, wenn sie den
In einer Bewertung dessen, was man als Fortschritt Verhandlungen zum Erfolg verhelfen wollen."
definieren könne, stellte McCurry fest, "der Außenmi-

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Seite 2

* * *

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AMERIKA DIENST 29

�AID
21. Juli 1993

WICHTIGE ROLLE FÜR AID NACH DEM KALTEN KRIEG
Auszüge aus der Erklärung von Clifton Wharton
WASHINGTON - (AD) - Der Stellvertretende Außenminister Clifton Wharton hat erklärt, das Amt für internationale Entwicklung (AID) habe in der Zeit nach dem Kalten Krieg eine wichtige Rolle zu spielen.
Vor einem Unterausschu ß des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten erklärte Wharton am 14. Juli
1993, die ihm unterstehende Arbeitsgruppe sei einstimmig zu dem Schluß gekommen, "daß Auslandshilfe
angesichts der neuen internationalen Gegebenheiten und Herausforderungen weiterhin ein Grundstein der
amerikanischen Außenpolitik bleibt und so wichtig wie eh und je, wenn nicht sogar wichtiger ist."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Erklärung Whartons vor dem Unterausschuß des Senats für
internationale Wirtschaftspolitik, Handel, die Ozeane und Umwelt.
Hat das Amt für Internationale Entwicklung im Zeitalter
nach dem Kalten Krieg eine Rolle zu spielen?
Die grundsätzliche Frage, die wir uns stellen müssen,
lautet, ob Auslandshilfe, und insbesondere die Art von
Entwicklungshilfe, die AID anbieten kann, in der Zeit
nach dem Kalten Krieg weiterhin unverzichtbar ist.
Unsere Arbeitsgruppe ist einstimmig zu dem Schluß
gekommen, daß Auslandshilfe angesichts der neuen
internationalen Gegebenheiten und Herausforderungen weiterhin ein Grundstein der amerikanischen
Außenpolitik bleibt und so wichtig wie eh und je, wenn
nicht sogar wichtiger ist.
Präsident Clinton hat drei Gebiete definiert, die für die
Vereinigten Staaten von lebenswichtigem Interesse
sind und auf denen effektiv durchgeführte Auslandshilfe einen wichtigen Beitrag leisten kann:
Nationale Sicherheit. Trotz des Zusammenbruchs des Kommunismus auf der ganzen Welt
und der damit in Zusammenhang stehenden
Gefahren von Aggression und Instabilität bleibt
die harte Wirklichkeit bewaffneter Konflikte und
von Gewalt bestehen. Diese beinhalten das
Potential, sich zu größeren grenzüberschreitenden Flächenbränden auszuweiten, die unsere
Bürger und lebenswichtigen Interessen bedrohen, und zu Terrorakten zu führen, die für uns im
In- und Ausland eine Gefahr darstellen. Einige
dieser Konflikte sind die Folge ethnischer oder
religiöser Unterschiede, viele resultieren jedoch
aus wirtschaftlichen Spannungen und Ungerechtigkeit. In dem Ausmaß, in dem Instabilität
durch Armut, Ungerechtigkeit beim Zugang zu
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Wirtschaft und Politik sowie durch gesellschaftliche Veränderungen verursacht wird - wie das
oftmals der Fall ist -, kann eine wirksame Entwicklungshilfe zum Abbau der Spannungen
beitragen, die die gewaltsamen Konflikte auslösen. Das AID kann in diesen Fällen zum friedlichen Wiederaufbau und zur Entwicklung beitragen und damit unsere nationalen sicherheitspolitischen Ziele fördern.
Ankurbelung der Wirtschaft. Die Herausforderung besteht darin, einen Beitrag zu einer
wachsenden, blühenden Weltwirtschaft zu leisten und gleichzeitig unsere eigene Wirtschaft
wiederaufzubauen. Aufstrebende Volkswirtschaften stellen ein enormes Wachstumspotential
und neue Märkte dar. Ein Beitrag zu ihrem
Wachstum erweitert den Markt für unsere eigenen Waren durch Handel und Investitionen.
Dadurch werden auch Arbeitsplätze in den
Vereinigten Staaten geschaffen, das Angebot
von Konsumgütern erhöht und der Fluß von
strategischem Material verbessert. Präsident
Clinton hat hervorgehoben, daß der "Sieg" in
dieser Schlacht kein Nullsummenspiel zu sein
braucht, denn die Förderung der Volkswirtschaften anderer Länder führt zu Frieden, Arbeitsplätzen, Stabilität, einer Nachfrage nach amerikanischen Waren und Dienstleistungen sowie
einem höheren Lebensstandard für alle.
Die Förderung von Demokratie. Wirtschaftliche Entwicklung hat den besten Nährboden in
Demokratien, die den Bürgern eine Teilnahme
am politischen Leben ermöglichen. Die VereiSeite 1

�nigten Staaten haben ein fundamentales Eigeninteresse an der Schaffung einer funktionierenden "internationalen Staatengemeinschaft",
deren Merkmale gemeinsame demokratische
Werte und Ideale sowie relative politische Stabilität innerhalb der Länder und Regionen sind.
Die Demokratie hat weltweit Fuß gefaßt, aber in
vielen Ländern reichen ihre Wurzeln nicht sehr
tief. Programme zur Unterstützung und Stärkung auf Bürgerbeteiligung basierender Institutionen können durch die Stärkung aufstrebender Demokratien unseren nationalen Interessen
dienen.
Um diese grundlegenden nationalen Interessen zu
schützen und zu fördern, müssen unsere außenpolitischen Hilfsprogramme die Tatsache in Betracht ziehen, daß die innenpolitische Stärke der Vereinigten
Staaten für die Erreichung unserer Ziele von fundamentaler Bedeutung ist. Wir erreichen nichts, wenn wir
uns isolieren. Es gibt unlösbare Bande zwischen
unserer wirtschaftlichen, sozialen und politischen
Gesundheit im Inland und derjenigen im Rest der Welt.
Zur Förderung unserer wirtschaftlichen und politischen
Ziele müssen wir die Teilnahme der Vereinigten Staaten an einer wachsenden Weltwirtschaft unterstützen.
Das Amt für Internationale Entwicklung steht an vorderster Front bei der Förderung von Demokratie und
Marktwirtschaften in anderen Ländern.
Als einzige verbleibende Supermacht der Welt befinden sich die Vereinigten Staaten in der beispiellosen
Position, eine aufgeklärte Führungsrolle bei globalen
Fragen in der Welt zu einer Zeit zu übernehmen, in der
eine starke Nachfrage nach einer solchen Führung
besteht. Der Verlust des gemeinsamen ideologischen
Feindes hat enorme Ressourcen zur positiven Nutzung durch die industrialisierte Welt freigesetzt. Ohne
eine starke Führungsrolle der Vereinigten Staaten
während dieser Zeit schleppender Wirtschaftsleistung
und neuer Sicherheitsherausforderungen besteht die
Gefahr einer Rückkehr zu einem System internationaler Beziehungen, das auf Isolationismus und Merkantilismus gründet.
Die wichtigste Quelle für eine Führungsrolle werden
weiterhin die Größe und Gesundheit unserer eigenen
Wirtschaft, die Macht und Einsatzbereitschaft unserer
Streitkräfte sowie unser Wille zu einem Engagement in
internationalen Fragen sein - insbesondere in vorausschauender und konstruktiver Weise. Unsere Führungsrolle mu ß also auf der Verfolgung der am meisten
andauernden Werte gründen - Achtung der Menschenrechte jedes einzelnen und ihr Schutz, starker Verlaß
auf Privatinitiative zur Förderung des sozialen Wohlergehens, Rechtsstaatlichkeit sowie eine den Bürger
einbeziehende und auf ihn eingehende Regierungsführung. Die Herausforderung für die amerikanische
Führungsrolle besteht in der Erhaltung von Frieden
und Stabilität durch die Förderung von Demokratie,

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des Schutzes der Umwelt weltweit, des Erhalts eines
starken Militärs sowie der Stärkung des internationalen Handelssystems.
Die Vereinigten Staaten halten nicht eine Lösung für
jedes Problem der Welt bereit. Unsere Nation hat
jedoch Eigenschaften, die aus unserer langen demokratischen Vergangenheit herrühren: Mitgefühl, aufgeklärtes Eigeninteresse, Bereitschaft zum Teilen sowie
ein tiefverwurzelter Respekt für die Menschenrechte
jedes einzelnen. Diese Instinkte stellen die Grundlage
für die amerikanische Unterstützung der Auslandshilfe
dar.
AID - Abschaffung oder Reform?
In Übereinstimmung damit, daß Auslandshilfe für unsere
nationalen Interessen von lebenswichtiger Bedeutung
bleibt, widmete sich die Arbeitsgruppe als nächstes
der Frage, ob ein neubelebtes und umorientiertes Amt
für Internationale Entwicklung am geeignetsten zur
Durchführung von entwicklungspolitischen Aspekten
des Gesamtauftrages sei, oder ob eine andere Behörde für diese Rolle besser geeignet ist.
Die Arbeitsgruppe zog mehrere Optionen in Erwägung, einschließlich der Abschaffung des Amtes, seiner Eingliederung in das Außenministerium sowie der
Übertragung seiner Funktionen auf andere Ministerien
und Behörden. Diese letztgenannte Alternative umfaßte die Unteroption, ein kleineres Nachfolgeamt
beizubehalten, um ein Programm für umweltverträgliches Wachstum vor allem durch nichtstaatliche Organisationen und Rechtsnachfolger durchzuführen.
Eine weitere Option sah vor, daß das AID sein Mandat
auf Katastrophenhilfe begrenzen und die langfristige
Hilfe multilateralen Behörden überlassen sollte. Die
Arbeitsgruppe erkannte jedoch eine eindeutige Notwendigkeit für eine gesonderte nationale Entwicklungsbehörde, die Programme durchführt, die von
multilateralen Institutionen nicht bereitgestellt werden
können:
Zunächst und als wichtigsten Punkt stellt das
AID eine direkte Verbindung zwischen den Zielen der amerikanischen Außenpolitik in unseren
bilateralen Beziehungen her. Multilaterale
Behörden bringen in ihren Programmen und
Maßnahmen nicht notwendigerweise die amerikanische Außenpolitik zum Ausdruck.
Das AID kann mit Regierungen und Nichtregierungsorganisationen zusammenarbeiten und
damit effektiv die Empfänger an der Basis erreichen. Multilaterale Organisationen, insbesondere die internationalen Finanzinstitutionen,
verkehren nahezu ausschließlich mit ausländischen Regierungen.
Das lokale Fachwissen der AID-Stellen vor Ort
stellt eine seltene Gelegenheit zur Verfügung,
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�GUS-HILFE
21. Juli 1993

US-KRANKENHÄUSER AKTIV IN GUS
Beitrag zur Linderung der Krise im Gesundheitswesen

WASHINGTON - (AD) - Ein Lehrkrankenhaus der
Tufts University in Boston wird geschlossen, und
sämtliche Medikamentenvorräte werden an ein Krankenhaus in Nordwestrußland geliefert, um dessen
nahezu erschöpfte Vorräte an Medikamenten und
Verbrauchsmaterial aufzufüllen. Ärzte und Krankenschwestern des Medical College of Virginia besuchen
im Rahmen der zunehmenden Partnerschaften zwischen Krankenhäusern die Hafenstadt Wladiwostok
im Fernen Osten, um dort Verbesserungen bei medizinischen Verfahren zu unterstützen.
Vertretern des US-Gesundheitswesens zufolge lassen Initiativen wie diese Millionen von Menschen in
Rußland und anderen Republiken der ehemaligen
Sowjetunion hoffen, deren Gesundheitswesen durch
Mangel an Mitteln sowie veraltete medizinische Systeme belastet sind.
"In den vergangenen beiden Jahren ist das gesamte
russische Gesundheitssystem in seinen Grundfesten
erschüttert worden", erklärt Curtiss Swezy, Programmdirektor bei der American International Health Alliance,
einem Konsortium von Organisationen der Krankenhäuser und verwandter Einrichtungen. "Sie haben
kaum noch Verbandsmaterial, Nadeln und Impfstoffe.
Die pharmazeutische Industrie ist im Grunde ein Chaos."
Die Alliance hat in Zusammenarbeit mit dem US-Amt
für Internationale Entwicklung (AID) die Gründung von
über 20 Partnerschaften zwischen amerikanischen
Krankenhäusern und Einrichtungen in 10 Staaten der
ehemaligen Sowjetunion geleitet - von dem nördlich
des Polarkreises gelegenen Murmansk bis Kiew in der
Ukraine.
Das Partnerschaftsprogramm, das seit seinen Anfängen im Juli 1992 rasch gewachsen ist, hat den Charakter langfristiger technischer Hilfsbemühungen, durch
die Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungsfachleute aus den Vereinigten Staaten durch Austauschbesuche von zwei- bis vierwöchiger Dauer mit ihren
Kollegen in der ehemaligen Sowjetunion direkt in Kontakt
gebracht werden.
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"Verwaltungsfachleute und Ärzte fahren dorthin, und
wir bringen umgekehrt dieselbe Art von Leuten in unser
Land", so Swezy. "Wir erzielen bereits ziemlich erstaunliche Ergebnisse. Es finden Veränderungen
statt. Die Auswirkungen sind dramatisch."
Das AID hat 13,5 Millionen Dollar für das Programm
bereitgestellt, mit denen die internationalen Reisen der
Teilnehmer getragen werden. Zur Zeit ist ein Vorschlag zur Erhöhung der Bundesmittel auf 20 Millionen
Dollar im Gespräch. Die amerikanischen Krankenhäuser bestreiten die Verwaltungskosten, während die
Ärzte und Krankenschwestern freiwillig ihre Zeit zur
Verfügung stellen. Der Beitrag der Krankenhäuser
beläuft sich schätzungsweise auf 3 Dollar für jeden
Dollar aus Bundesmitteln.
Die Partnerschaft konzentriert sich auf schlichte Technologien sowie die bessere Nutzung vorhandener
Ressourcen. Zu den Beispielen partnerschaftlicher
Bemühungen gehören geburtshilfliche und gynäkologische Verfahren, die Einführung von institutsweiten
Infektionsschutzverfahren sowie Lehrgänge, in denen
Techniken für eine kostenwirksame Krankenhausverwaltung vermittelt werden. Die Partnerkrankenhäuser
dienen als Modelle, die in der gesamten ehemaligen
Sowjetunion Nachahmer finden sollen.
Die Partner wählen selbst die Schwerpunkte jeder
Partnerschaft aus und konzentrieren sich dabei auf
solche Bereiche, in denen der dringendste Bedarf
besteht und die die größten Auswirkungen auf die
medizinische Leistungsfähigkeit haben. Swezy zufolge steht aufgrund des "beispiellosen" ehrenamtlichen
Engagements medizinischen Fachpersonals zu erwarten, daß diese Aktivitäten auch noch Jahre nach
dem Auslaufen staatlicher Zuschüsse fortgesetzt
werden.
Parallel zu dem Partnerschaftsprogramm verschicken
Hunderte von Krankenhausgruppen in den Vereinigten Staaten medizinisches Gerät und Medikamente in
die ehemalige Sowjetunion.

Seite 1

�Bei einer kürzlichen Reise von Vertretern der Tufts
University School of Medicine in eine Stadt in der Nähe
von St. Petersburg zu Gesprächen über medizinische
Bildung in diesem Gebiet wurden in den Krankenhäusern der Region "krisenhafte Verhältnisse" festgestellt.
"Was wir vom Gesundheitssystem in Nordwestrußland zu sehen bekamen, ist der Anfang einer Katastrophe", erklärte Dr. Richard Ryan, geschäftsführender
Dekan der medizinischen Fakultät von Tufts. "Ein
System, das bis vor kurzem in der Lage war, dem
Bedarf der Bevölkerung angemessen Rechnung zu
tragen, beginnt auf alarmierende Weise zu zerfallen."

Cleveland äußerte, der anhaltende Mangel könne einen
alarmierenden Anstieg der Säuglingssterblichkeit sowie
beim Auftreten solcher Krankheiten wie Masern und
Tuberkulose zur Folge haben, die normalerweise vermeidbar sind. Cleveland erklärte, ein kürzlicher Ausbruch von Diphterie habe das US-Amt für Seuchenbekämpfung dazu veranlaßt, einen Reisehinweis für
Besucher dieser Region herauszugeben.

"Wir haben bei Tufts ein Lehrkrankenhaus, das an
einen anderen Standort in der Stadt verlegt wird", so
Cleveland. "Wir haben beschlossen, alle Medikamente dieses Krankenhauses in das Gebiet von St. Petersburg zur Verteilung innerhalb des dortigen Krankenhaussystems zu liefern. Darüberhinaus versenden wir
Bei Besuchen von Krankenhäusern und Praxen in der 20.000 Impfstoffeinheiten gegen Diphterie und TetaRegion St. Petersburg sowie bei Gesprächen mit nus sowie von einem privaten Spender bereitgestellte
russischen Ärzten stießen die Vertreter von Tufts auf Nadeln und Spritzen."
schwere Engpässe bei grundlegenden Medikamenten
und Verbrauchsmaterial.
Mit dem Eingeständnis, daß die Lösung des Problems
die Ressourcen einer einzigen medizinischen Faultät
"Insulin zur Behandlung von Diabetes wird knapp; es oder auch eines einzelnen Landes bei weitem übergibt kaum noch gerinnungs- und krampfhemmende steigt, verbinden die Ärzte von Tufts die Ansicht, daß
Mittel sowie Antibiotika", so der Vorsitzende des Aus- eine umgehende internationale Reaktion erforderlich
schusses für internationale Gesundheit von Tufts, Dr. ist, um eine potentielle Katastrophe im GesundheitsRichard Cleveland." In der Chirurgie ist der Vorrat an wesen abzuwenden.
Anästhetika und Muskelrelaxantien, von Chirurgenhandschuhen und sogar Gips für Verbände nahezu "Die dringlichste Notwendigkeit besteht darin, die ruserschöpft."
sische Wirtschaft zu stabilisieren", betonte Cleveland.
"Nur unter dieser Bedingung werden pharmazeutische
Die ehemalige Sowjetunion erwarb einen großen Teil Unternehmen einen Anreiz haben, um mit neuen
ihrer medizinischen Verbrauchsgüter durch Tausch- Fabriken und Vertriebssystemen sowie der Hoffnung
geschäfte mit osteuropäischen Ländern. Dieser Tausch- auf Gewinne in dem Land zu investieren. Bis dies
handel endete mit dem Zerfall der Sowjetunion. Seit- geschieht, befindet sich das Gesundheitssystem in
her hat der enorme Verfall des Wertes des Rubels Rußland in echter Gefahr."
Anbieter pharmazeutischer Produkte davon abgehalten, an russische Krankenhäuser und Praxen zu liefern.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 29

�"guten Regierungsweise" in anderen Ländern sowie
zur Schaffung eines Umfeldes, in dem demokratische
Werte verstanden sowie in Politik und EntscheidungsDas AID spielt eine führende Rolle beim demo- findungsprozessen auf allen Ebenen angewendet
kratischen Aufbau, bei der Familienplanung und werden.
umweltpolitischen Fragen, also in Bereichen, in
denen multilaterale Organisationen weniger aktiv Direktor Atwood hat bereits damit begonnen, die
Fähigkeit des Amts zur Unterstützung und Vertiefung
waren.
von Demokratie zu stärken, indem er diesen Aspekt
Schließlich garantiert das AID, daß die von den zum integralen Bestanteil seines EntwicklungsaufVereinigten Staaten finanzierten Entwicklungs- trags gemacht hat. Er hat die Mitarbeiter des AID
programme die Werte des amerikanischen Volkes aufgefordert, Projektansätze für jede Komponente oder
widerspiegeln.
jeden "Sektor" der demokratischen Entwicklungsarbeit zu erstellen: zivile Gesellschaft; MittlerorganisaInfolge der obigen Diskussion ergab sich ein überwältionen; politische, Wahl- und Regierungsinst'rtutionen;
tigender Konsens, daß das AID als Behörde nach wie
Reformen in der Justiz; Beziehungen zwischen Militär
vor äußerst lebensfähig ist und daß seine Probleme
und Zivilsektor; freie Presse. Diese Ansätze werden in
weniger von der Zuordnung seiner Funktionen als
strategischen Länder- und Regionalplänen zusamvielmehr von einem ungenau definierten Mandat,
mengefaßt, die alle anderen Disziplinen der Entwickübermäßiger Belastung durch Vorschriften und schlechlungsarbeit - Wirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt,
tem Management herrühren.
Bevölkerung, Gesundheit - in einen sich wechselseitig
verstärkenden
Rahmen einbeziehen.
Die Arbeitsgruppe geht davon aus, daß die Hilfsprogramme (des AID) in Übersee auf einem neuen gesetzlichen Rahmen beruhen sollten, der im weiteren 3. Behandlung weltweiter Probleme. Die Folgen
ansteckender Krankheiten, von Umweltbelastungen
Sinne die folgenden vier Strategien umfaßt:
oder Rauschgifthandel machen vor nationalen Gren1. Die Förderung umweltverträglichen Wirtschafts- zen nicht hart. Wir können jedoch mit anderen zusamwachstums und umweltverträglicher Entwicklung. menarbeiten, um diese Probleme in Angriff zu nehmen
Diese Strategie ist der entscheidende Punkt für die und ihre negativen Auswirkungen auf die EntwickErlangung unserer politischen Gesamtziele im In- und lungsländer und die Vereinigten Staaten zu minimieren.
Ausland.
um auf die Bedürfnisse vor Ort zugeschnittene
Programme zu entwickeln.

Umweltverträgliche Entwicklung erfordert einen langfristigen Beteiligungsprozeß, in dem ein besonderer
Schwerpunkt der benachteiligten Mehrheit gilt und den
Menschen in den Empfängerstaaten von Hilfe Chancen zur Verbesserung ihres Einkommens und ihrer
Lebensqualität liefert. Umweltverträgliche Entwicklung zielt auf die Beseitigung von Hunger, Armut,
Krankheiten und Unwissen bei gleichzeitigem Schutz
der Umwelt ab. Dazu gehört die Förderung von
Humankapital durch den Ausbau von Bildungschancen für alle Gesellschaftsschichten, der Abbau des
Bevölkerungswachstums, der Ausbau von Verbesserungen in Gesundheitswesen und Ernährung sowie
die Erweiterung der Fähigkeiten von Frauen. Umweltverträgliche Entwicklung hängt femer davon ab, daß
Hindernisse für die Beteiligung der Menschen beseitigt
und Möglichkeiten geschaffen werden, die es allen
Menschen gestatten, sich produktiver am Aufbau der
Wirtschaft ihres Landes zu beteiligen.

So wird zum Beispiel die Behandlung von Umweltproblemen in den Entwicklungsländern deren negative
Auswirkungen auf die Volkswirtschaften und das
Wohlergehen der Bevölkerung in Nachbarländern
verringern. AIDS ist eine weitere weltweit verbreitete
Geißel, die potentiell verhütet oder eingedämmt werden kann. Hohe Geburtenraten in den Entwicklungsländern bedrohen Bemühungen zur Verbesserung von
Familiengesundheit, Ernährung und Zugang zu sozialen Leistungen sowie zum Schutz der Umwelt. Bevölkerungsdruck führt darüber hinaus zu großen ungewollten Wanderungsbewegungen und verschärft das
Flüchtlingsproblem. Weltweite Bemühungen sind erforderlich, um die Vorteile freiwilliger Familienplanung
in allen Entwicklungsländern zu verbreiten.

4. Reaktion auf humanitäre Notstände. Entschlossene humanitäre Aktionen zur Reaktion auf natürliche
oder vom Menschen verursachte Katastrophen begrenzen häufig die langfristigen Schäden und Kosten
2. Aufbau demokratischer Beteiligung an der für Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Die
Entwicklung. Die Vereinigten Staaten vertreten die alternativen Kosten im Falle einer Vernachlässigung
allgemeingültige These, daß alle Menschen gleich liegen oft höher, insbesondere wenn solche Situatiogeschaffen sind. Demokratische Gesellschaften för- nen eine Destabilisierung auslösen und zu offenem
dern unter anderem Pluralismus, Meinungs- und Ver- Konflikt sowie Bürgerkrieg führen. Das AID muß über
sammlungsfreiheit, ein Wahlsystem, Rechtsstaatlich- die traditionelle Katastrophenhilfe - Nahrungsmittel
keit und den Schutz der Menschenrechte des einzel- und Unterkünfte - hinausgehen und eine rasche, den
nen. Die Ermutigung zur Demokratisierung erfordert Aufbau von Staaten begünstigende Reaktionsfähigden Einsatz von Auslandshilfe zur Unterstützung einer keit schaffen, um Gesellschaften zu helfen, die von
AMERIKA DIENST 29

Seite 3

�Konflikten und Anarchie heimgesucht werden oder
deren Stabilität ernsthaft bedroht ist.
Das AID sollte in die Lage versetzt werden, begrenzte
Mittel für genau definierte kurzfristige Bedürfnisse
bereitzustellen, die sich von den langfristigen Entwicklungsbemühungen unterscheiden. Dies beinhaltet
einsatzfähige Programme zur Beobachtung von Wahlen,
Stärkung von Institutionen einer zivilen Gesellschaft,
Durchführung staatsbürgerlicher Bildungsmaßnahmen,
Stärkung der Justiz und Durchführung anderer Maßnahmen zum Aufbau eines Staates in Zusammenar-

beit mit den Vereinten Nationen, anderen internationalen Organisationen sowie amerikanischen oder anderen multilateralen Friedenssicherungsstreitkräften.
Der Bericht der Arbeitsgruppe vertritt die Ansicht, daß
die bilateralen Entwicklungsprogramme des AID mit
der Verfolgung dieser vier Strategien zu einer weiter
wachsenden Gemeinschaft stabiler, florierender,
demokratischer Nationen, zu erweiterten Märkten für
wechselseitig vorteilhaften Handel sowie zur Verhütung und Eindämmung von Konflikten beitragen können.
* *

Seite 4

AMERIKA DIENST 29

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                <text>Amerikadienst 21.07.1993</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kantor bezeichnet Tokioter Rahmenvereinbarungen als erste Schritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme vor Unterausschuß für Handel&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Proliferation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nordkorea zu Nukleargesprächen mit IAEO und Seoul bereit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen bei Gesprächen USA-Nordkoreas&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher gibt Nahostreise bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Unterstützung des Friedensprozesses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. AID&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wichtige Rolle für AID nach dem Kalten Krieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Erklärung von Clinton Wharton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. GUS-Hilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Krankenhäuser aktiv in GUS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Beitrag zur Linderung der Krise im Gesundheitswesen&lt;/em&gt;</text>
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U.S. Information Service
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28

14. Juli 1993

G-7/KOREA

FORTSCHRITTE AUF VERSCHIEDENEN
GEBIETEN BEI GESPRÄCHEN IN ASIEN
Übersicht: Wirtschaftsgipfel, Gespräche
in Seoul

G-7

IM HERBST KONFERENZ DER G-7 ÜBER
ARBEITSPLÄTZE IN WASHINGTON
Auszüge aus Pressekonferenz des
Präsidenten

USA - KOREA

CLINTON WARNT VOR VERBREITUNG VON
KERNWAFFEN
Auszüge aus Rede vor der koreanischen
Nationalversammlung

ATOMVERSUCHE

CLINTON VERLÄNGERT MORATORIUM FÜR
ATOMTESTS
Auszüge aus Rundfunkansprache des
Präsidenten

NATO

DIE ZUKUNFT DER NATO
Stellungnahme von Walter B. Slocombe

DROGEN

EIN SIEG DER USA IM DROGENKRIEG
von Lester David

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�G - 7/K O R E A
14. Juli 1993

FORTSCHRITTE AUF VERSCHIEDENEN GEBIETEN
BEI GESPRÄCHEN IN ASIEN
Übersicht: Wirtschaftsgipfel, Gespräche in Seoul
WASHINGTON - (AD) - Das Treffen der großen Industrienationen auf dem Wirtschaftsgipfel in Tokio von 7-9 Juli
1993 förderte ihre gemeinsamen Bemühungen auf verschiedenen Gebieten, insbesondere beim Handel, der
Hilfe für Rußland sowie komplementären Wachstumsstrategien für ihre Volkswirtschaften.
Die Vereinigten Staaten und Japan schlössen in separaten bilateralen Gesprächen ein Rahmenabkommen, das
die Leitlinien für weitere Verhandlungen mit dem Ziel des Abbaus der Ungleichgewichte in der japanischen
Handelsbilanz legt.
Nach dem Gipfeltreffen reiste Präsident Clinton nach Seoul, um mit führenden Politikern Südkoreas über
Sicherheitsfragen zu sprechen und eine Rede vor der südkoreanischen Nationalversammlung zu halten.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über die wichtigsten Ergebnisse der Gespräche von Tokio und
der Reise nach Seoul.

Kleidung, Glas und Keramik. Mindestkürzungen von
33 Prozent sollen in fünf Sektoren vorgenommen
Die Handelsminister der Gruppe der führenden Indu- werden: wissenschaftliche Geräte, Holzprodukte,
strienationen (G-7) einigten sich auf eine Reduzierung Papier, nicht eisenhaltige Metalle und Elektrogeräte.
beziehungsweise den Abbau von Zöllen in 18 Sektoren
von Fertigwaren, die im Rahmen des umfassenderen Hilfe für Rußland
Abkommens der Uruguay-Runde des GATT verwirklicht werden soll, deren Verhandlungen bereits sieben Die G-7 Länder einigten sich auf einen Sonderfonds
Jahre andauern. Diese "Marktzugangs"-Einigung soll zur Privatisierung und Umstrukturierung in Höhe von 3
Fortschritte im Hinblick auf einen Abschluß der Uru- Milliarden Dollar zur Unterstützung der Privatisierung
guay-Runde bis Dezember dieses Jahres fördern, der der Großindustrie in Rußland. Die Gelder sollen im
die größten Zollsenkungen der Geschichte bringen Laufe der nächsten anderthalb Jahre bereitgestellt
würde. Dadurch sollen die Zölle in den folgenden acht werden. Die 3 Milliarden Dollar umfassen folgende
Sektoren vollständig abgebaut werden: pharmazeuti- Einzelposten:
sche Produkte, medizinische Geräte, Baumaterial,
500 Millionen Dollar technische Hilfe und SubBier, Spirituosen, Möbel, landwirtschaftliche Geräte
ventionierung von Unternehmensinvestitionen
und Stahl. Bei Möbeln, landwirtschaftlichen Geräten
durch die G-7-Staaten. Die Hilfe soll in Form
und Spirituosen einigte man sich auf bestimmte Ausvon Darlehen gewährt werden, 125 Millionen
nahmen.
Dollar davon durch die Vereinigten Staaten.
Der vollständige Abbau von Zöllen auf Stahl hängt von
1 Milliarde Dollar Exportkredite der G-7, darunder erfolgreichen Aushandlung eines Stahlabkommens
ter 250 Millionen von den Vereinigten Staten,
ab, das noch ungewiß ist.
um im Prozeß der Umstrukturierung befindliHANDEL

Bei Chemieprodukten würden durch das Abkommen
die Zölle auf ein niedriges Niveau gesenkt und in
einigen Fällen ganz abgeschafft. Bestimmte Spitzenzölle - die über 15 Prozent liegenden - sollen in vier
Bereichen bis um die Hälfte gesenkt werden: Textilien,

AMERIKA DIENST 28

chen Unternehmen die notwendige Ausrüstung
zur Verfügung zu stellen.
1 Milliarde Dollar von der Weltbank, der Internationalen Finanzkorporation und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
Seite 1

�zur Förderung von Privatisierung und Umstrukturierung von Privatuntemehmen.

me Grenzänderungen oder ethnische Säuberungen
zu zerstückeln", so die Staats- und Regierungschefs.

500 Millionen Dollar von der Weltbank zur Kofinanzierung der Kosten sozialer Umbrüche als
Folge der Privatisierungsbemühungen.

Die Erklärung umfaßt Einigung bei anderen internationalen Fragen:

Amerikanischen Regierungsvertretern zufolge wird die
G-7 die Ergebnisse des anfänglichen 3-MilliardenDollar-Programms mit der Absicht einer möglichen
Ausweitung der eingegangenen Verpflichtungen prüfen, falls die erste Phase zu positiven Reformen führt.
Auch Geberländer außerhalb der G-7 sollen um Finanzhilfe gebeten werden.
Wachstumspolitik
Die Staats- und Regierungschefs der G-7 drückten
insbesondere ihre Besorgnis angesichts der Arbeitslosigkeit in ihren Ländern aus. Sie forderten eine doppelte Strategie: "wohlüberlegte makroökonomische Politik zur Förderung eines inflationsfreien dauerhaften
Wachstums und Strukturreformen zur Verbesserung
der Effizienz der Märkte, insbesondere der Arbeitsmärkte", so der Wortlaut der AbSchlußerklärung.
Die an dem Gipfel teilnehmenden europäischen Länder verpflichteten sich zu haushaltspolitischen und
anderen Maßnahmen "um sicherzustellen, daß die
Bedingungen für eine rasche Senkung der Zinsen
geschaffen werden".
Der AbSchlußerklärung zufolge wird Japan je nach
Bedarf "fiskal- und währungspolitische Maßnahmen
ergreifen, um ein dauerhaftes und inflationsfreies, von
einer starken Binnennachfrage getragenes Wachstum
unter Berücksichtigung der Notwendigkeit einer vernünftigen langfristigen Fiskalpolitik zu gewährleisten.
Dies wird zu dem wichtigen Ziel einer beträchtlichen
Verringerung außenwirtschaftlicher Ungleichgewichte
beitragen."
In Nordamerika werden der AbSchlußerklärung zufolge "kraftvolle Maßnahmen, die in den Vereinigten
Staaten lange überfällig waren und die wir begrüßen,
ergriffen, die mittelfristig einen substantiellen und stetigen Abbau der Haushaltsdefizite, ein höheres Niveau
einheimischer Ersparnisbildung und Investitionen und
niedrigere langfristige Zinsen gewährleisten sollen".
Politische Absichtserklärung
In einer am 8. Juli veröffentlichten Politischen Erklärung ließen die Staats- und Regierungschefs der G-7
verlauten, sie würden in dem Konflikt in BosnienHerzegowina "einer von den Serben und Kroaten
diktierten Lösung, die zu Lasten der bosnischen Muslime geht, nicht zustimmen".
Die Serben und Kroaten "können keinerlei wirtschaftliche oder kommerzielle Hilfe ... erwarten", wenn sie
"weiterhin darauf bestehen, Bosnien durch gewaltsa-

Seite2

Sie begrü ßt die erfolgreich durchgeführten Wahlen
in Kambodscha,
unterstützt uneingeschränkt die Bemühungen
um eine umfassende und dauerhafte Friedensregelung im Nahen Osten,
unterstützt die Wiedereinsetzung der rechtmäßigen Regierung in Haiti und
begrü ßt die in letzter Zeit in Südafrika erzielten
Fortschritte in Richtung auf eine Demokratie
ohne Rassenschranken.
Amerikanisch-japanisches Rahmenabkommen
Japan verpflichtet sich zu einem bedeutenden Abbau
seines derzeitigen Leistungsbilanzüberschusses mit
dem Rest der Welt - bei einem großen Teil des Handels
mit Waren und Dienstleistungen. Dieser Überschuß
betrug im Jahr 1992 mehr als 130 Milliarden Dollar.
Laut Vertretern der Vereinigten Staaten sollte amerikanischen Interpretationen zufolge der japanische
Überschu ß von 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts
in den nächsten vier bis fünf Jahren auf weniger als 2
Prozent abgebaut werden. Japan soll das durch
angemessene fiskal- und währungspolitische Maßnahmen erreichen.
Das Land wird sich auch zur Aushandlung spezifischer
Maßnahmen verpflichten, um Fortschritte bei der Öffnung der Märkte in spezifischen Sektoren nachzuweisen - quantitative oder qualitative Maßnahmen oder
beides - in als Körben bezeichneten fünf Gruppen.
Innerhalb eines halben Jahres sollen derartige Marktzugangsmaßnahmen für Versicherungen, Autos und
Autoersatzteile, staatliche Beschaffung von Computern, Großrechnern, Satelliten, Medizintechnik und
Telekommunikation ausgehandelt werden.
Innerhalb eines Jahres sollten Maßabkommen zu allen
verbleibenden Fragen abgeschlossen werden, einschließlich Finanzdienstleistungen, direkte ausländische Investitionen, Schutz von Patent- und Urheberrechten sowie Zugang zu Technologie.
Der Präsident und der Ministerpräsident werden zweimal im Jahr zusammenkommen, um die Implementierung des Rahmenabkommens sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten gingen keine neuen Verpflichtungen ein, versprachen jedoch, das Programm des
Präsidenten zum Abbau des amerikanischen Haushaltsdefizits um 500 Milliarden Dollar in den nächsten
vier Jahren weiterzuverfolgen.

AMERIKA DIENST 28

�die Unterstützung der Demokratie und offener
Gesellschaften in dieser gesamten Region.

Prioritäten für die Sicherheit in der pazifischen
Gemeinschaft
In einer Rede vor der Nationalversammlung Südkoreas am 10. Juli 1993 skizzierte Präsident Clinton vier
Prioritäten für "die Sicherheit unserer neuen pazifischen Gemeinschaft":
eine fortdauernde amerikanische Präsenz in
dieser Region,
stärkere Bemühungen zur Bekämpfung der
Verbreitung von Massenvernichtungswaffen,
neue regionale Dialoge über das gesamte
Spektrum "unserer gemeinsamen Sicherheitsherausforderungen" sowie

Nordkorea vor Vernichtung im Falle des Einsatzes
von Atomwaffen gewarnt
Während eines Besuchs der koreanischen demilitarisierten Zone am 11. Juli warnte Präsident Clinton die
Nordkoreaner, ihr Land werde vernichtet, wenn sie
sich zum Einsatz von Atomwaffen entschieden.
"Wenn Sie die Natur der amerikanischen Sicherheitsverpflichtungen für Korea, für Japan, für diese Region
untersuchen, ist es sinnlos für sie (die Nordkoreaner),
den Versuch zur Entwicklung von Atomwaffen zu
unternehmen, denn wenn sie diese je einsetzen sollten, wäre dies das Ende ihres Landes", so der Präsident.

* * * * *

AMERIKA DIENST 28

Seite 3

�G-7
14. Juli 1993

IM HERBST KONFERENZ DER G-7 ÜBER
ARBEITSPLÄTZE IN WASHINGTON
Auszüge aus Pressekonferenz des Präsidenten
TOKIO - (AD) - Präsident Clinton gab am 9. Juli 1993 bekannt, daß die Bildungs-, Arbeits- und Wirtschaftsminister der G-7 im Herbst dieses Jahres in Washington zu einer "bedeutenden Konferenz über die Schaffung von
Arbeitsplätzen" zusammentreffen würden.
Während einer abendlichen Pressekonferenz in der Residenz des amerikanischen Botschafters in Tokio erklärte
der Präsident: "Einige bezeichneten dies als einen Beschäftigungsgipfel, und sie haben recht, denn die
Schaffung von Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten und allen anderen hier vertretenen Ländern stand im
Zentrum unserer Gespräche."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz des Präsidenten.

Präsident Clinton: Guten Abend. Der heute zu Ende
gegangene Gipfel sendet Amerika und der Welt eine
Botschaft der Hoffnung. Einige bezeichneten dies als
einen Beschäftigungsgipfel, und sie haben recht, denn
die Schaffung von Arbeitsplätzen in den Vereinigten
Staaten und allen anderen hier vertretenen Ländern
stand im Zentrum unserer Gespräche.
Wir alle sind uns bewußt, daß wir noch einen weiten
Weg vor uns haben, um das reale Wachstum der
Weltwirtschaft wiederherzustellen und der Weltwirtschaft zu neuen Chancen zu verhelfen, aber wir haben
einen ernsthaften Anfang gemacht. Wir sind hier zu
einer Einigung gelangt, die amerikanischen und anderen Produkten neue Märkte eröffnen kann, wie das
viele Jahre für unmöglich gehalten wurde. Das Abkommen könnte im Falle seines Abschlusses schließlich zu einer in der Weltgeschichte einmaligen Zollsenkung führen.
Obwohl wir noch schwierige Verhandlungen führen
müssen, bringt diese Einigung über den Welthandel
den Schwung, den wir in diesen Verhandlungen schon
seit langer Zeit benötigten. Wir können uns jetzt auf
den Abschluß eines umfassenderen Handelsabkommens zubewegen, das im kommenden Jahrzehnt zur
Schaffung von Hunderttausenden neuer Arbeitsplätze
in den Vereinigten Staaten und Millionen auf der ganzen Welt führen könnte.
Wir stimmten auch darin überein, daß die anderen
Industrienationen ihre Bildungs-, Arbeits- und Wirtschaftsminister im Herbst zu einer wichtigen KonfeAMERIKA DIENST 28

renz über die Schaffung von Arbeitsplätzen nach
Washington senden werden. Alle fortschrittlichen
Nationen haben Schwierigkeiten mit der Schaffung
von Arbeitsplätzen, selbst wenn ihre Volkswirtschaften ein Wachstum zu verzeichnen haben. Dies war in
unseren Gesprächen ein ständiger Anlaß zur Besorgnis, und wir werden jetzt ernsthafte Anstrengungen
unternehmen, um das Problem aus jeder Warte zu
beleuchten und nach neuen und innovativen Lösungen
zu suchen, die in den Vereinigten Staaten und allen
anderen G-7-Ländern hilfreich sein können.
Wir müssen herausfinden, wie wir denjenigen die Tür
öffnen können, die in dieser neuen Weltwirtschaft ins
Hintertreffen geraten sind.
Besonders möchte ich den anderen Industrienationen
danken, die ihrer Unterstützung und Würdigung für
den amerikanischen Wirtschaftsplan Ausdruck verliehen haben, unser Defizit drastisch zu reduzieren und
in unsere Zukunft zu investieren.
Wann immer nach 1980 diese Treffen stattfanden,
wurden die Vereinigten Staaten in der Abschlußerklärung entweder explizit oder implizit wegen ihres Haushaltsdefizits kritisiert. Die heutige Erklärung unterstützt ausdrücklich die Vereinigten Staaten in ihren
Bemühungen zum Abbau des Haushaltsdefizits und
zur Wiederherstellung von Wachstum und Investitionen in unserer Wirtschaft.
Andere Nationen begrüßen ganz offensichtlich unsere
Entschlossenheit. Ich könnte vielleicht noch hervorheSeite 1

�ben, daß die Tatsache, daß beide Kammern unseres
Kongresses den Wirtschaftsplan angenommen haben, meine Position in den Verhandlungen gestärkt
hat, die diese Woche hier stattgefunden haben.

Heute morgen traf ich mit mehreren hundert Mitgliedern der amerikanischen Handelskammer in Tokio
zusammen, mit Menschen, die ihre Produkte und
Dienstleistungen in diesem Land vertreiben. Sie erklärten mir, warum vermehrter Vertrieb amerikaniDieser Gipfel gab auch anderen Staaten auf der Welt scher Produkte auf dem japanischen Markt von Vorteil
neue Hoffnung, insbesondere denjenigen, die unter für beide Länder wäre. Wenn diese Menschen hierher
Führung von Präsident Jelzin, der heute bei uns ist, an kommen, stellen sie Japaner ein. Sie schaffen Arbeitsden demokratischen Reformen in Rußland beteiligt plätze hier in Japan. Aber nach der Öffnung des
sind. Das hier angekündigte Programm in Höhe von 3 Marktes haben sich die Preise von Waren und DienstMilliarden Dollar mit dem Ziel, Rußland bei seinem leistungen und ihre Vielfalt dramatisch geändert. Der
Übergang zur Marktwirtschaft zu helfen, wird nicht nur Preis wird gesenkt, die Vielfalt und Anzahl der Dienstdie Aussichten auf Freiheit dort verbessern, sondern leistungen und Produkte wird erweitert. Daher werden
stellt auch eine solide Investition für die Vereinigten die Japaner davon profitieren, wenn es uns gelingt,
Staaten dar.
dieses Ungleichgewicht zu beheben. Und natürlich
wird auch das amerikanische Volk profitieren. Das
Fonds zur Privatisierung staatlicher Industien tragen würde viel mehr Arbeitsplätze für unsere Menschen
zum Funktionieren des Systems des freien Unterneh- mit sich bringen.
mertums bei, Fonds zur Unterstützung neuer Unternehmen, Fonds von der Weltbank und Fonds für Das habe ich in der Waseda Universrty zum Ausdruck
Exportkredite - sie alle werden es den Amerikanern bringen wollen. Wir kommen jetzt meiner Meinung
ermöglichen, in Rußland stärker tätig zu werden, und nach zu der allgemeinen Erkenntnis, daß eine Ändewerden Rußland helfen, auf eine Art erfolgreich zu rung dieser Politik im Interesse beider Länder liegt. Wir
sein, die den nach dem Ende des Kalten Krieges gelangen auch zu der allgemeinen Erkenntnis, daß wir
entworfenen Weg fortsetzt - weniger Atomwaffen, einige neue Ansätze wählen sollten. Die Amerikaner
weniger Verteidigungsinvestitionen, mehr Möglichkei- hatten einen realen Produktivitäts- und Qualitätsanten zu Investitionen in den Menschen und in Arbeits- stieg zu verzeichnen. Wir sind keine Low-Cost-Herplätze sowie eine friedliche Zukunft.
steller von hochwertigen Produkten und Dienstleistungen, und das allein ist auch nicht ausreichend, um das
Die amerikanische Führungsrolle ist für Wachstum
Ungleichgewicht auf den Märkten zu beheben. Diese
und Freiheit in diesem Jahrhundert unerläßlich. In
beiden Erkenntnisse haben uns in Gang gebracht und
Partnerschaft mit anderen werden wir jetzt in der Lage
ich hoffe, daß wir Fortschritte machen können.
sein, dieser Verantwortung auch in den kommenden
Jahren nachzukommen. Ich habe schon früher darauf Was ich hier erfahren habe und vorher noch nicht
hingewiesen und tue das erneut, daß ich in der Hoff- wußte? Ich habe sehr viel über die anderen Staatsnung zu diesem Gipfel gekommen bin, mehr Märkte für und Regierungschefs erfahren. Ich habe sie alle
Fertigwaren zu öffnen, in der Hoffnung, ein gutes besser kennengelernt. Ich habe mehr darüber erfahProgramm fürdie Hilfe an Rußland zu entwerfen, in der ren, woher sie kommen, wo die Probleme und ChanHoffnung, daß wir alle zusammen die Entschlossen- cen in ihren Ländern liegen, und was wir zusammen
heit zur Wiederherstellung der Fähigkeit anderer Län- erreichen können. Ich bin offen gesagt jetzt optimistider zeigen können, Arbeitsplätze und Chancen für scher was unser Potential für gemeinsame Aktionen
unsere Menschen zu scharfen. Meines Erachtens anbelangt als vor diesem Gipfel.
haben wir diese Ziele erreicht. Und ich bin zufrieden
mit dem ersten G-7-Treffen, an dem ich teilgenommen Ich habe jetzt auch ein besseres Gefühl was unsere
habe.
langfristige Fähigkeit anbelangt, bei unseren Beziehungen zu Japan Fortschritte zu machen. Ich habe
Frage: Herr Präsident, viele Präsidenten haben Japan mich gefreut, als erster amerikanischer Präsident in
zu überzeugen versucht, daß der Handel eine Straße einer japanischen Universität zu sprechen und dort
ist, die in beide Richtungen befahren wird. Weshalb Fragen beantworten zu können. Ich habe jetzt eine viel
glauben Sie, daß Sie es überzeugen können? Welche positivere Einstellung zu diesen Beziehungen als vor
Chancen bestehen für eine Einigung bei den Handels- meiner Reise hierher. Vielleicht handelt es sich hier
gesprächen? Und was haben Sie auf dem Gipfel um unsere bilateralste Beziehung. Und das ist sehr gut
erfahren, das Sie vorher nicht wußten?
so.
Antwort: Meines Erachtens besteht durchaus die
Chance, zu einer Einigung zu gelangen, und teilweise
ist das darauf zurückzuführen, daß wir im allgemeinen
zu der Erkenntnis kommen, daß ein ernsthaftes Ungleichgewicht im Handel zwischen unseren beiden
Nationen nicht fortbestehen kann, und daß es letztlich
auch nicht im Interesse unserer Länder liegt.

Seite 2

Frage: Herr Präsident, Boris Jelzin hat heute erklärt,
daß Rußland früher oder später die G-7 zu den G-8
machen werde. Meine Frage lautet: Warum nicht
früher anstatt später? Und welches sind die Argumente dafür, Rußland aus der G-7 herauszuhalten?

AMERIKA DIENST 28

�Antwort: Ich möchte hier nicht Argumente dagegen
vorbringen, Rußland aus der G-7 herauszuhalten. Ich
bin überzeugt, daß Sie Präsident Jelzin jedesmal hier
sehen werden, wenn wir zusammenkommen, solange
er Präsident Rußlands ist, und das wird eine ganze
Zeitlang so sein. Und das ist meines Erachtens sehr
positiv.

Blair House Bestand haben wird und wir in der Lage
sein werden, ein ausgewogenes Handelsabkommen
zu erarbeiten, das seinen Bestand sichert.

bei der letzten Wahl in Frankreich. Wie ich jedoch
ausgeführt habe, haben die Vereinigten Staaten 1990
ihre Agrarsubventionen einseitig und erheblich reduziert, und wir haben als Teil des Pakets zum Defizitabbau dieses Jahr weitere Verringerungen vorgeschlagen. Würden wir die Verhandlungen von Blair House
erneut eröffnen, würden unsere Landwirte von uns
verlangen, bei diesen Fragen einen Gegenkurs zu
dem Kurs zu steuern, den die Europäer in einigen
Punkten verfolgen.

Das ist die von den Vereinigten Staaten eingenommene Position. Und ichdenke, daß wir uns sehr fest daran
halten sollten.

Wenn dies geschieht, dann wird vieles von dem, was
wir im Agrarbereich noch leisten müssen, verwirklicht
worden sein. Wenn diese Marktöffnungsvereinbarung
von anderen Staaten im GATT angenommen werden
Alsdie G-7 organisiert wurde, wurde sie als Gruppe der kann, wird es festgeschrieben, und dann müssen nur
Nationen mit den mächtigsten Wirtschaftsinteressen noch einige wenige Fragen gelöst werden. Ich erinneund nicht nur mit politischen Interessen organisiert. re Sie daran, daß die Mehrzahl der Fragen gelöst
Und die Zeit wird wohl kommen, wenn Rußland dieser worden sind, obwohl einige schwierige noch bestehen
Gruppe beitreten wird, wenn Übereinstimmung dahin- bleiben.
gehend besteht, daß diese Zeit gekommen ist.
Frage: Herr Präsident, eine Woche vor Ihrer Abreise
Um allen hier Anwesenden gegenüber fair zu sein: Es nach Asien haben Sie erklärt, Nordkorea sei vielleicht
gab wirklich keine ernsthaften Gespräche über dieses der erschreckendste Ort der Welt. Und viele Experten,
Thema. Aber zum ersten Mal wurde Präsident Jelzin darunter auch Larry Eagleburger, haben festgestellt,
zum Gipfel des nächsten Jahres eingeladen, bevor er Nordkorea besitze die Bombe bereits, während andere
überhaupt eine Erklärung abgegeben hatte. Das war der Ansicht sind, es stehe zumindest kurz vor dem
Teil der Eröffnungserklärung von Ministerpräsident Besitz der Bombe. Würden Sie einen Präventivschlag
Miyazawa - sicherzustellen, daß er wieder eingeladen in Erwägung ziehen? Würden sie ihn ausschließen?
würde und an unserem Treffen nächstes Jahr in Italien Und welche Botschaft möchten Sie bei Ihrer Reise
nach Südkorea im Hinblick auf unsere militärischen
teilnehmen wird.
Interessen in der Region und die Rolle unserer ameriFrage: Herr Präsident, Sie erwähnten, daß auf dem kanischen Truppen aussenden?
Weg zu einem neuen Welthandelsabkommen weitere
Verhandlungen erforderlich sind. Eines der Haupthin- Antwort: Nun, zunächst beantworte ich aus offenkundernisse ist seit einigen Jahren natürlich die Frage der digen Gründen keine .hypothetischen Fragen, insbeAgrarsubventionen und der Landwirtschaft im allge- sondere im Hinblick auf die nationale Sicherheit. Die
meinen gewesen. Haben Sie von Ihren Amtskollegen Botschaft sollte jedoch klar sein. Selbst wenn wir
aus Europa und der EG sowie aus Japan irgend etwas sechs Jahre lang den Verteidigungshaushalt reduzieerfahren, das Ihre Hoffnung erneuert, daß so etwas bis ren, werden wir unsere Stützpunktpräsenz in Japan
Dezember möglich sein könnte, wie Sie angedeutet und unsere Stützpunktpräsenz in Korea nicht abbauhaben?
en. Wir stärken unsere militärische Präsenz in Asien,
und wir bekräftigen unsere Sicherheitsverpflichtungen
Antwort: Nun, wenn sich alle Europäer an die Verein- gegenüber Korea und allen unseren anderen Verbünbarungen von Blair House halten, dann besteht mei- deten in der Region. Und wir gedenken darauf zu
nes Erachtens eine gute Chance auf Abschluß eines drängen, daß die Regime des NichtverbreitungsverAgrarabkommens.
trages uneingeschränkt eingehalten werden, und dies
Wie Sie wissen, hat Frankreich einige Probleme damit, beinhaltet auch die Entsendung internationaler Beobund es hat diese geäußert. Das war auch ein Thema achter dorthin.

Da die Europäische Gemeinschaft aus verschiedenen
Ländern besteht, gibt es innerhalb der Gemeinschaft
einen Anpassungsmechanismus zwischen den Ländern, wenn sie sich an ein Abkommen wie zum Beispiel
ein Agrarabkommen halten, das sich auf einige Länder
negativer auswirkt als auf andere. Ich hoffe weiterhin,
daß bei der Wiederaufnahme der Verhandlungen - und
dies wird bald in Genf geschehen - das Abkommen von
AMERIKA DIENST 28

Frage: Was sollten wir also im Hinblick auf Nordkorea
tun?
Antwort: Nordkorea hat es noch nicht abgelehnt, den
Vertrag einzuhalten. Und wir sollten die Verhandlungen fortsetzen. Bis es zu einem endgültigen Bruch
kommt, sollten wir meines Erachtens nicht erörtern,
was dann geschehen würde.
Frage: Herr Präsident, noch während Ihrer Treffen mit
den anderen Staats- und Regierungschefs scheint es
in Bagdad zu einer weiteren Konfrontation zwischen
den Waffeninspektoren der UNO und der irakischen
Regierung zu kommen. Eine doppelte Frage: Wie
ernst ist das und was sind die Vereinigten Staaten
Seite 3

�bereit zu unternehmen? Gibt es eine einseitige Reaktion oder wäre sie dieses Mal multilateral?

gig unterschiedliche Akzente setzten, läßt mich hoffen, daß wir Lösungen finden können.

Antwort: Erstens, dies ist ein ernster Fall. Und
zweitens, die Reaktion sollte multilateral sein. Die
Maßnahmen, die wir als Antwort auf das Mordkomplott
gegen Präsident Bush getroffen haben, waren zu
Recht unilateral und vom Völkerrecht eindeutig gedeckt. Diese Aktion ist eine Verletzung der UNResolutionen, und wir werden in dieser Frage weiterhin
Druck ausüben. Hoffentlich werden die Iraker nachgeben. Tun sie dies nicht, werden wir erneut an die UNO
herantreten, an den Sicherheitsrat, und entscheiden,
was wir unternehmen werden.

Frago: Hat irgend jemand Lösungen angeboten?

Frage: Wenn man weiß, daß für gewöhnlich schon
frühzeitig ein ausführliches Script für diese Dinge
vorbereitet wird, gab es da irgendeinen Moment, irgendein Ereignis, das in den vergangenen Tagen
geschehen ist, das die Dinge in einem neuen Licht
darstellte und das uns einen Einblick geben könnte,
wie dieser Prozeß funktioniert?
Antwort: Nun, es gab natürlich Momente, für die es
überhaupt kein Script gab. Als wir zum ersten Mal alle
um einen Tisch versammelt waren, beschrieben wir
reihum die Bedingungen der Wirtschaft in jedem Land
sowie das, was die Regierung zu unternehmen versuchte. Und das war in dem Sinne vorbereitet, daß
jeder im voraus erfuhr, daß er dies tun solle. Ansonsten waren jedoch nur die Themen vorgegeben. Nur
wenige von uns führten umfangreiche Unterlagen mit
sich. Sehr wenige bezogen sich darauf - wir haben
wirklich über die Probleme gesprochen.

Antwort: Nun, es wurden viele unterschiedliche
Lösungen angeboten. Aber eine Sache - Helmut Kohl
ist, wie ich denke, ein sehr kluger Mann, und ein
interessanter Gedanke, den er vortrug, lautete, wir alle
sollten versuchen, dies auf dieselbe Weise in den Griff
zu bekommen, wie wir zum Beispiel versuchen, Handelsprobleme zu lösen, daß es, wenn harte Entscheidungen zu treffen sind, für jedes Land leichter wäre,
diese zu treffen, wenn der Bevölkerung jedes Landes
bewußt wäre, daß es sich um ein weltweites Problem
handelt und ein neuerund anderer Kurs eingeschlagen
werden muß.
Frage: Befürchten Sie nicht, daß der Beschäftigungsgipfel als eine Art von Gewerkschafisschelie erscheinen könnte, da eine Menge von Arbeitsbestimmungen
in Europa, die nach Ansicht vieler Leute für die Probleme verantwortlich sind, tatsächlich mit den Gewerkschaften in Zusammenhang stehen?

Antwort: Das könnte so sein, aber wenn dies so
interpretiert wird, dann werfen die Tatsachen ein ernstes Problem auf, nämlich anhand der Erfahrungen
Deutschlands vor der Integration des Ostens. Wenn
man nämlich Ostdeutschland von Westdeutschland
getrennt nimmt und dann die Arbeitslosenquote in
Westdeutschland in den letzten ein oder zwei Jahren
allein betrachtet, sehen Sie das einzige Land in Europa, dessen Arbeitslosigkeit so niedrig ist wie unsere.
Die unsrige ist zu hoch, und auch ihre ist zu hoch, aber
Was mich am meisten beeindruckt hat - vielleicht, weil ihre ist wesentlich niedriger als die aller anderen euroes mir am meisten am Herzen liegt - war das hohe päischen Staaten. Und trotzdem gibt es dort sehr hohe
Niveau der Detailkenntnisse, die all diese Leute über Kosten für gesetzlich vorgeschriebenen Urlaub, für
die Stagnation ihrer Volkswirtschaften im Hinblick auf gesetzlich vorgeschriebene Umschulungsmaßnahmen,
die Schaffung von Arbeitsplätzen hatten. So wurde für Investitionen in die Allgemeinbildung von Arbeitszum Beispiel ausgeführt, daß die französische Volks- kräften und für die gesetzliche Krankenversicherung.
wirtschaft nach jedem anderen Maßstab in den achtzi- Obwohl die Gesundheitskosten dort wesentlich niedriger Jahren überwiegend äußerst stark war und über ger liegen als bei uns, müssen alle Arbeitgeber einen
mehrere Jahre hinweg ein höheres Wachstum ver- Beitrag zahlen.
zeichnete als die deutsche Volkswirtschaft. Und trotzdem konnte sie die Arbeitslosenquote nie unter 9,5 Es wäre also im Falle Deutschlands sehr schwierig zu
Prozent drücken, auch wenn sie wirklich in Fahrt war. belegen, v/o die Arbeitskosten ziemlich hoch liegen
und die Lohnkosten in der Produldion im Durchschnitt
Die japanische Wirtschaft, die - teilweise aufgrund der höher sind als in den Vereinigten Staaten, die ArbeitStruktur dieser Volkswirtschaft - immernoch eine sehr nehmer aber unglaublich produktiv sind und man es
geringe Arbeitslosigkeit aufweist, hat trotzdem ziemli- geschafft hat, die Arbeitslosigkeit relativ niedrig zu
che Schwierigkeiten bei der Schaffung von Arbeits- halten. Die Gesamtarbeifslosigkeit ist natürlich höher
aufgrund der sehr hohen Arbeitslosigkeit in Ostdeutschplätzen.
land.
Die meisten dieser Länder haben ein sehr niedriges
Bevölkerungswachstum, eine rasch alternde Bevölke- Wir müssen dies also ein wenig differenzierter sehen.
rung und machen sich Sorgen, daß in 10 Jahren, wenn Ich meine, es gibt einige Dinge, die zur Arbeitslosigkeit
sie diese Situation nicht umkehren können, zwei beitragen oder die Schaffung von Arbeitsplätzen verMenschen für einen Pensionär arbeiten müssen. Und hindern können und andere, die dies nicht bewirken.
darüber sind sie wirklich sehr besorgt. Die Tatsache,
daß sie alle darüber sprachen und alle dabei geringfü- Frage: Herr Präsident, in Ihrem politischen Kommunique haben Sie eiklärt, daß zur Beendigung des Krieges
Seite4

AMERIKA DIENST 28

�in Bosnien schärfere Maßnahmen gegen Serbien
verhängt werden könnten, aberSie haben nicht erklärt,
wie diese Ma ßnahmen aussehen noch, unter welchen
Bedingungen sie ergriffen werden könnten. Angesichts Ihrer Unfähigkeit, die Europäer in Ihre früheren
Bemühungen dort im Hinblick auf Luftangriffe und die
Aufhebung des Waffenembargos einzubeziehen, warum
sollten wir davon ausgehen, daß infolge Ihres Kommuniques jetzt Maßnahmen ergriffen werden?
Antwort: Die Gespräche, die ich bei diesem Treffen
über Bosnien geführt habe, fanden nahezu alle - nicht
alle, aber fast alle - unter vier Augen mit anderen
Staatschefs statt. Und offen gesagt, habe ich geraten,
nicht unnötig Hoffnungen zu wecken und sich mehr auf
das zu konzentrieren, was wir tun könnten, und weniger zu sagen, bis wir in der Lage sind, etwas zu
unternehmen.

Ich werde folgendes sagen: Die eine neue Erklärung,
die in dieser Politik enthalten ist und bei der ich völlig
davon überzeugt bin, daß sie von allen anderen Staatsund Regierungschefs auch so gemeint ist, und die
auch Auswirkungen auf die Lage haben dürfte, ist die
von Bundeskanzler Kohl vorgeschlagene. Sie besagt
im Grundsatz, wenn Serbien und Kroatien Bosnien
ohne ein internationales Friedensabkommen, dem die
bosnische Regierung aus freien Stücken zustimmt,
unter sich aufteilen, haben wir alle nicht die Absicht, in
diesem Fall irgendwelche Geschäfte mit ihnen zu
machen.
Für Kroatien und Serbien würde dies wirtschaftlich
äußerst schädliche Folgen haben. Und dies wurde
niemals zuvor in dieser Form gesagt, insbesondere im
Hinblick auf Kroatien. Dies ist also meines Erachtens
das Neue an dieser Erklärung.

* *

AMERIKA DIENST 28

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Seite 5

�USA - K O R E A
14. Juli 1993

CLINTON WARNT VOR VERBREITUNG
VON KERNWAFFEN
Auszüge aus Rede vor der koreanischen Nationalversammlung
SEOUL - (AD) - Präsident Clinton hat am 10. Juli 1993 vor der koreanischen Nationalversammlung erklärt, eine
der wichtigsten Prioritäten "unserer neuen pazifischen Gemeinschaft" sei "die Bekämpfung der Verbreitung von
Massenvernichtungswaffen und deren Trägersystemen. Wir dürfen nicht zulassen, daß die fortschreitende
Bedrohung durch diese todbringenden Waffen den Alptraum der nuklearen Vernichtung des Kalten Krieges
ablöst. Und heute ist diese Möglichkeit allzu real", äußerte Clinton.
In diesem Zusammenhang ging der Präsident insbesondere auf die "wahllosen Verkäufe von SCUD-Raketen"
durch Nordkorea und auf "ernste Bedenken" bezüglich der Einhaltung internationaler Normen gegen die
Verbreitung von Raketen durch China ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten vor der koreanischen Nationalversammlung in
Auszügen.

Heute möchte ich die Grundzüge der Sicherheit für die
neue pazifische Gemeinschaft sowie die Rolle erläutern, die die Vereinigten Staaten dabei zu spielen gedenken. Erst vor wenigen Tagen hatte ich beim Gipfeltreffen der G-7 in Tokio die Gelegenheit, die Waseda-Universität zu besuchen und dort über die ökonomischen Gesichtspunkte dieser neuen Partnerschaft zu
sprechen. Ich bin der festen Überzeugung, daß alle
Wirtschaftsreformen, die durchzuführen wir in der Lage
sind, einer großartigen Marktwirtschaft wie der koreanischen zugute kommen werden.
Wir müssen uns jedoch stets der Tatsache erinnern,
daß Sicherheit an erster Stelle kommt. Vor allem
anderen beabsichtigen die Vereinigten Staaten, sich
weiterhin aktiv in dieser Region zu engagieren. Amerika ist schließlich eine pazifische Nation. Viele Völker
aus ganz Asien finden heute ein neues Zuhause in
Amerika, darunter auch über 1 Million Koreaner. Wir
haben in diesem Jahrhundert hier drei Kriege gekämpft. Wir dürfen diese Investition nicht verschwenden.

Interessen durch eine aktive Präsenz geschützt werden. Wir müssen und werden weiterhin führen.
In Amerika gibt es einige, die fürchten, die weltweite
Führungsrolle Amerikas sei ein überholter Luxus, den
wir uns nicht mehr leisten könnten.
Nun, sie haben unrecht. In Wahrheit ist unsere weltweite Führungsrolle für uns niemals eine unerläßlichere oder wichtigere Investition gewesen. Solange wir
von Ozeanen umgeben sind und vom Handel angetrieben werden, solange unsere Flagge ein Symbol der
Demokratie und Hoffnung für eine zerrissene Welt ist,
wird das Gebot der amerikanischen Führungsrolle
bestehen bleiben.

Ich gehe davon aus, daß die Sicherheit unserer neuen
pazifischen Gemeinschaft auf vier Prioritäten beruht.
Erstens eine fortdauernde militärische Präsenz der
Vereinigten Staaten in dieser Region. Zweitens stärkere Bemühungen zur Bekämpfung der Verbreitung
von Massenvernichtungswaffen. Drittens neue regionale Dialoge über das gesamte Spektrum unserer
Der beste Weg zur Abschreckung regionaler Aggres- gemeinsamen Sicherheitsherausforderungen, und
sion besteht für uns darin, das solide Wirtschafts- schließlich die Unterstützung der Demokratie und offewachstum der Region fortzusetzen und zu gewährlei- ner Gesellschaften in dieser gesamten Region.
sten, daß unsere eigenen maritimen und anderen

AMERIKA DIENST 28

Seite 1

�Der Grundpfeiler der amerikanischen Sicherheitsrolle
im asiatisch-pazifischen Raum muß eine andauernde
militärische Präsenz sein. In einer Periode des Wandels müssen wir bewahren, was sich als verläßlich
erwiesen hat. Heute bekräftigen wir deshalb unsere
fünf bilateralen Sicherheitsabkommen mit Korea, Japan,
Australien, den Philippinen und Thailand.
Diese Vereinbarungen funktionieren, weil sie den Interessen jedes dieser Staaten dienen. Sie ermöglichen es den Streitkräften der Vereinigten Staaten,
eine substantielle vorne stationierte Präsenz aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben sie es Asien ermöglicht, weniger Energie auf einen Rüstungswettlauf zu
konzentrieren und mehr Energie auf den friedlichen
Wettlauf zu wirtschaftlicher Entwicklung und Chancen
für die Menschen dieser Region zu verwenden.

Und dasselbe gilt für die ganze Region. Unser Engagement für eine aktive militärische Präsenz bleibt
bestehen. Unser beiderseitiges Abkommen mit den
Philippinen zur Schließung unserer dortigen Stützpunkte sollte in Asien keine Besorgnis auslösen. Das
Gesamtbild sieht anders aus. Wir haben für unsere
Streitkräfte in ganz Südostasien stärkeren Zugang
erhalten, um unsere Präsenz zu erleichtern und gegebenenfalls unsere Streitkräfte über diese Region hinaus zum Einsatz zu bringen.

Hier in Korea haben wir den Abzug amerikanischer
Truppen eingefroren und modernisieren die koreanischen und amerikanischen Streitkräfte auf der Halbinsel. Wir haben den amphibischen Einsatzverband
Belleau Wood und den Trägerverband U.S.S. Independence, den größten und modernsten der Welt, in
Japan stationiert. Dies sind keine Zeichen für ein
Der Beitrag, den Japan und Korea geleistet haben, um Disengagement. Dies sind Zeichen dafür, daß Ameridie Kosten der Stationierung unserer Streitkräfte zu ka bleiben möchte.
bestreiten, unterstreicht die Bedeutung dieser Präsenz für beide Länder. Für dieses Engagement gibt es Die zweite sicherheitspolitische Priorität für unsere
kein besseres Beispiel als unser Bündnis mit Ihrem neue pazifische Gemeinschaft ist die Bekämpfung der
Land. Da der Kalte Krieg zunehmend Geschichte wird, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen und debleibt ein geteiltes Korea eines seiner bittersten Ver- ren Trägersystemen. Wir dürfen nicht zulassen, daß
mächtnisse. Unsere Nation hat stets gemeinsam mit die fortschreitende Bedrohung durch diese todbrinder Ihrigen daran geglaubt, daß die künstliche Teilung genden Waffen den Alptraum der nuklearen VernichKoreas eines Tages enden wird.
tung des Kalten Kriegs ablöst. Und heute ist diese
Möglichkeit allzu real.
Wir unterstützen die friedliche Vereinigung Koreas zu
Bedingungen, die für das koreanische Volk akzeptabel Nordkorea scheint zu wahllosen Verkäufen von SCUDsind. Und wenn die Wiedervereinigung stattfindet, Raketen entschlossen zu sein, die am Persischen Golf
werden wir Ihnen zur Seite stehen, um den Übergang eine solche Geißel des Schreckens und der Zerstözu den Bedingungen zu vollziehen, die Sie skizziert rung darstellten. Heute entwickelt und erprobt es eine
haben. Dieser Tag ist jedoch noch nicht gekommen. leistungsfähigere Rakete mit einer Reichweite von
Die demilitarisierte Zone markiert nach wie vor eine 1000 Kilometern oder mehr - ausreichend, damit Nordscharfe Trennlinie zwischen Sicherheit und Gefahr. korea Osaka oder der Iran Tel Aviv bedrohen könnte Nordkoreas eine Million Männer unter Waffen, von und möchte diese exportieren.
denen die meisten bis zu 30 Meilen von der DMZ
entfernt stationiert sind, stellen weiterhin eine Bedro- Wir haben ebenfalls ernste Bedenken im Hinblick auf
hung dar. Sein besorgniserregendes Nuklearprogramm die Einhaltung internationaler Normen gegen die Verwirft Fragen bezüglich seiner Absichten auf. Seine breitung von Raketen durch China. Und da Sie ebenso
innenpolitische Unterdrückung und seine unverant- wie wir versuchen, China in umfassendere Handelsbewortlichen Waffenverkäufe zeigen, daß Nordkorea ziehungen einzubeziehen, hoffe ich, daß wir gemeinnoch nicht bereit ist, ein verantwortungsbewußtes sam einen positiven Einfluß auf diese Entwicklung
ausüben können.
Mitglied der Völkergemeinschaft zu sein.
Die pazifischen Staaten müssen neue Wege entwickeln, um die Verbreitung biologischer und chemischer
Waffen sowie von Raketentechnologie zu bekämpfen.
Und in den kommenden Wochen werden die Vereinigten Staaten neue Bemühungen zur Erlangung dieses
Ziels vorschlagen. Kein Gespenst steht jedoch drohender über dieser Halbinsel als die Gefahr der VerDie Vereinigten Staaten haben Zehntausende ihrer breitung von Kernwaffen. Nahezu 160 Staaten haben
Besten in den Bergen, im Morast und am Himmel sich nun zusammengeschlossen, um durch den NichtKoreas verloren. Korea jedoch hat Millionen verloren. verbreitungsvertrag dieser Bedrohung zu widerstehen
Dieses Opfer hat einige alte Wahrheiten bekräftigt: - den meistunterstützten Vertrag in der Geschichte.
Verwundbarkeit lädt zu Aggression ein. Frieden beruht auf Abschreckung. Wir dürfen diese Lehren nicht Nun hat zum ersten Mal, seit die Unterzeichnung
dieses Vertrages freigegeben wurde, eines seiner
erneut vergessen.
Mitglieder gedroht, ihn zu kündigen. Unsere Ziele

Ich möchte deshalb eindeutig feststellen, daß unser
Engagement für die Sicherheit Koreas unverändert
fortbesteht. Die koreanische Halbinsel bleibt für Amerika
von vitalem Interesse. Unsere Truppen werden hier
bleiben, solange das koreanische Volk uns hier wünscht
und benötigt.

Seite 2

AMERIKA DIENST 28

�bleiben unverändert. Wir streben eine koreanische
Halbinsel ohne Kernwaffen und solide, weltweit gültige
Regeln gegen die Verbreitung an. Aus diesem Grund
fordern wir Nordkorea auf, seine im Rahmen des
Nichtverbreitungsvertrages eingegangene Pflicht zu
bekräftigen, die ganze Bandbreite seiner Sicherheitsverpflichtungen gegenüber der Internationalen Atomenergie-Organisation einzuhalten, darunter lAEO-lnspektionen nicht angemeldeter Nukleareinrichtungen,
und die bilateralen Inspektionen gemäß dem Nuklearabkommen zwischen Nord- und Südkorea durchzuführen.

In Europa erfordern diese Veränderungen, daß wir
eine bestehende Sicherheitsinstitution - die NATO anpassen. Im Pazifik gibt es keine Institution. Da es
im asiatisch-pazifischen Raum keine einheitliche
Bedrohung gibt, besteht überdies auch keine Notwendigkeit für uns, ein einheitliches Bündnis zu schaffen.
Die Herausforderung besteht für den asiatisch-pazifischen Raum in diesem Jahrzehnt vielmehr darin,
vielfältige neue Arrangements zu entwickeln, um vielfältige Bedrohungen und Chancen zu bewältigen. Diese
Arrangements können funktionieren wie einander
überlappende Panzerplatten, die einzeln Schutz gewähren und zusammen die Gesamtheit unserer gemeinsamen Sicherheitsanliegen abdecken.

Unser Ziel besteht nicht in endlosen Diskussionen,
sondern in nachweislicher Einhaltung. Nordkorea
muß unsere Absichten verstehen. Wir streben an, Einige neue Arrangements könnten Gruppen von Staaten
Aggression zu verhüten, nicht, sie zu initiieren. Und betreffen, die mit unmittelbaren Problemen konfronsolange sich Nordkorea an die UN-Charta sowie inter- tiert sind. Dies ist das von uns angestrebte Modell zur
nationale Verpflichtungen zur Nichtverbreitung hält, Behandlung des nordkoreanischen Nuklearprogramms.
hat es von Amerika nichts zu befürchten.
Unsere beiden Staaten haben nicht nur miteinander,
sondern auch mit Japan und anderen zusammengearDie Vereinigten Staaten haben sich bemüht, Nordko- beitet, die ihren Einfluß zum Tragen bringen könnten.
rea wieder in den Rahmen nuklearer Verantwortung
zurückzuführen. Aber auch Ihr Land muß eine ent- Andere Arrangements könnten die Friedenssicherung
scheidende Rolle spielen. Die Zukunft dieser Halbin- einbeziehen, wie etwa im Fall der massiven und vielsel muß von Ihnen und Nordkorea gestaltet werden. versprechenden UN-Bemühungen zur Unterstützung
Das von Ihnen ausgehandelte Nuklearabkommen der Aussöhnung in Kambodscha. Wieder andere
zwischen Süden und Norden geht sogar noch weiter könnten vertrauensbildende Maßnahmen zum Ziel
als bestehende internationale Verträge. Es verbannt haben, um regionale oder subregionale Auseinandernicht nur Kernwaffen von dieser Halbinsel, es unter- setzungen abzuwenden.
sagt darüber hinaus die Produktion nuklearen Materials, das zur Herstellung solcher Waffen verwendet Darüber hinaus benötigen wir neue regionale Sicherwerden könnte. Wir fordern zur vollständigen Durch- heitsdialoge. Die in diesem Monat in Singapur stattfinführung dieses wegbereitenden Abkommens auf, das dende Folgekonferenz zum ASEAN-Ministertreffen,
als Modell für andere Regionen mit nuklearen Span- an der die Vereinigten Staaten teilnehmen werden,
bietet eine unmittelbare Gelegenheit zur Förderung
nungen dienen kann.
eines solchen Dialogs. Korea kann eine entscheidenAuch während wir unmittelbare Anliegen wie die Wei- de Rolle in den neuen Arrangements der Region
terverbreitung behandeln, müssen wir eine Vision dessen spielen, weil es im Zentrum Nordostasiens, nur zwei
haben, wie wirdie umfassenderen Herausforderungen Flugstunden von Singapur, Tokio, Beijing und Wladidieses neuen Zeitalters bewältigen werden. Das ist es, wostok entfernt liegt.
was ich bei den unlängst abgeschlossenen Gesprächen der G-7 zu erreichen versucht habe. Zum Die zahlreichen Wirtschaftsgespräche innerhalb der
Beispiel durch den Vorschlag, neue Wege zu gehen, Region können ebenfalls eine Rolle spielen. Durch
um sich auf neue Probleme zu konzentrieren, wie etwa den Abbau von Schranken für Handel und Investitiodie schleppende Schaffung von Arbeitsplätzen in den nen können wir Arbeitsplätze schaffen, regionale
G-7-Staaten. Und deshalb habe ich auch einen NATO- Spannungen mindern und damit die regionale SicherGipfel vorgeschlagen, damit wir diese Institution den heit fördern. Aus diesem Grund begrüße ich den
neuen Zeiten und neuen Herausforderungen anpas- neuen Dialog über wirtschaftliche Zusammenarbeit,
den unsere beiden Nationen bei diesem Besuch ins
sen können.
Leben rufen. Und aus diesem Grund habe ich in Japan
Sowohl in Asien als auch in Europa ist die beherr- bekanntgegeben, daß ich nach dem im Herbst stattfinschende einheitliche Drohung einer sowjetischen denden Ministertreffen in Seattle (Washington) gerne
Aggression verschwunden. In beiden Regionen hat eine informelle Wirtschaftskonferenz mit den Staatsdas Ende des Kalten Krieges dazu geführt, daß eine und Regierungschefs der APEC ausrichten werde.
Vielzahl von Problemen entstanden oder wieder aufgetreten sind, etwa traditionelle ethnische Rivalität, Das Ziel all dieser Bemühungen ist die Integration,
regionale Spannungen, Flüchtlingsströme sowie der nicht die Isolation, der Mächte dieser Region. China ist
Handel mit todbringenden Waffen und gefährlichen dafürein Schlüsselbeispiel. Wir gehen davon aus, daß
China kein vollwertiger Partner in der VölkergemeinDrogen.
schaft sein kann, bevor es nicht die Menschenrechte
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Seite 3

�und internationalen Abkommen über Handel und
Waffenverkäufe einhält. Wir sind jedoch auch bereit,
China in den Aufbau der neuen SicherheKs- und Wirtschaftsarchitektur dieser Region einzubinden. Wir
benötigen ein beteiligtes und engagiertes China, kein
isoliertes China.

Macht am Pazifik wird, und zu Ihrem Präsidenten Kim
sowie anderen in dieser Vielparteien Versammlung, die
dazu beigetragen haben, daß die Demokratie hier im
Land der Morgenstille zur Blüte gelangte.

Sicherlich muß jedes Land seine eigene Kultur beibehalten, und wir werden alle darum ringen, was es
In den Vereinigten Staaten haben sich einige dagegen bedeutet, dies zu definieren. Aber Korea beweist, daß
gesträubt, in regionale Sicherheitsdialoge in Asien Demokratie und Menschenrechte keine westlichen
einzutreten. Sie befürchten, dies würde als Vorwand Importe sind. Sie entspringen dem Innersten des
für einen amerikanischen Rückzug aus der Region Menschen, weil sie universelle Bestrebungen widererscheinen. Ich betrachte dies jedoch als einen Weg, spiegeln.
um unsere Bündnisse und unsere vorne stationierte
Heute müssen wir in der gesamten Region auf diese
Präsenz zu ergänzen, nicht sie zu ersetzen.
Bestrebungen antworten. Wir müssen die NichtregieDiese Dialoge können sicherstellen, daß das Ende des rungsorganisationen unterstützen, die versuchen, die
Kalten Krieges nicht zum Ausbruch regionaler Rivalitä- Bausteine einer bürgerlichen Gesellschaft in Asien zu
ten, von Chaos und Rüstungswettläufen führt. Sie festigen, wie etwa offene Wahlen, Gewerkschaften
können den Grundstein für unsere gemeinsame Siund eine freie Presse. Und wir müssen korrekte
cherheit bis weit ins 21. Jahrhundert legen.
Nachrichten und Informationen gegen die geschlossenen Gesellschaften Asiens ins Feld führen. Ich habe
Letztlich muß die Garantie unserer Sicherheit auf dem die Gründung eines asiatischen Demokratierundfunks
Charakter und den Absichten der Staaten der Region zu diesem Zweck vorgeschlagen, und ich erwarte
selbst beruhen. Aus diesem Grund muß unsere letzte seine Einrichtung in der nahen Zukunft.
sicherheitspolitische Priorität der Unterstützung der
Verbreitung von Demokratie im gesamten asiatischDies ist also die Vision unserer Nation für die Sicherheit
pazifischen Raum gelten. Demokratien befriedigen in der neuen pazifischen Gemeinschaft: eine andaunicht nureherdie Bedürfnisse ihrerVölkerund respekernde militärische Präsenz der Vereinigten Staaten,
tieren ihre Rechte, sie sind auch bessere Nachbarn. neue Bemühungen zur Bekämpfung der WeiterverSie führen keine Kriege gegeneinander, praktizieren breitung, neue regionale Sicherheitsdialoge und die
keinen Terrorismus, bringen keine Flüchtlinge hervor energische Unterstützung von Demokratien und
oder handeln mit Drogen und verbotenen Waffen. Sie demokratischen Bewegungen. Diese Elemente der
sind verlä ßlichere Partner beim Handel und der Art von Sicherheit können dazu beitragen, eine pazifische
Dialogen, die wir heute angekündigt haben.
Region zu schaffen, in der der wirtschaftliche Wettbewerb lebhaft aber friedlich abläuft, in der unterschiedHeute wird von einigen argumentiert, Demokratie und liche Nationen als Partner zusammenarbeiten, um ihre
Menschenrechte seien für Teile Asiens irgendwie gemeinsame Sicherheit zu verbessern, in der Demoungeeignet oder würden irgendeine Form von Kultur- kratie ebenso wie ausgewogene militärische Stärke
imperialismus des Westens verschleiern. Ich fühle ihren Platz als Wächter unserer Freiheit einnimmt.
mich dagegen mehr zu überzeugenderen Stimmen
hingezogen - zu den Chai Lings, die den Geist der Wir werden nicht jeden Aspekt dieser Vision über
Demokratie auf dem Platz des Himmlischen Friedens Nacht erreichen, und die neue pazifische Gemeinproklamieren, zu Aung San Suu Kyi, deren eloquente schaft wird auch nicht ohne große Anstrengungen
Ablehnung der Unterdrückung in Burma die gesamte erstehen. Aber keiner unserer beiden Nationen ist
Welt aufgerüttelt hat, zu Boris Jelzin, unter dessen harte Arbeit fremd.
Führung Rußland zu einer großen demokratischen
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AMERIKA DIENST 28

�ATOMVERSUCHE
14. Juli 1993

CLINTON VERLÄNGERT MORATORIUM
FÜR ATOMTESTS
Auszüge aus Rundfunkansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat bekanntgegeben, er werde das laufende Moratorium für amerikanische Atomversuche "mindestens bis September nächsten Jahres verlängern, sofern kein anderes Land
Atomtests durchführt".
In einer am 3. Juli 1993 landesweit ausgestrahlten Rundfunkansprache rief der Präsident die anderen
Atommächte der Welt dazu auf, ebenso zu handeln.
Sollte das Moratorium jedoch von einem anderen Staat gebrochen werden, so Clinton, "werde ich das
Energieministerium anweisen, die Durchführung zusätzlicher Tests vorzubereiten, und den Kongreß um seine
Zustimmung hierzu bitten."
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Rundfunkansprache des Präsidenten zum Moratorium für
Atomversuche.

Aufgrund der Wachsamkeit, der demokratischen Werte
und der militärischen Stärke der Vereinigten Staaten
und unserer Verbündeten haben wir den Kalten Krieg
gewonnen. Unser Erbe, unser Sieg ist eine neue
Chance, unsere Volkswirtschaften wiederaufzubauen
und unsere jeweiligen Probleme zu lösen, während wir
gleichzeitig unsere Verteidigungsausgaben senken.
Unsere große Verantwortung besteht jedoch weiterhin
darin, eine Neudefinition dessen vorzunehmen, was
die Bewahrung der Sicherheit in dieser Zeit nach dem
Kalten Krieg bedeutet. Wir müssen stark sein. Wir
müssen entschlossen sein. Und wir müssen sicher
sein.

Während meines Präsidentschaftswahlkampfes habe
ich versprochen, mich mit ganzer Kraft für einen Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen einzusetzen. Ein Testverbot kann unsere weltweiten Bemühungen um die Nichtverbreitung von Atomwaffen unterstützen. Der Kongreß entschied letztes Jahr, bis
1996 solle ein Atomtestverbot ausgehandelt werden.
Er beschloß ein vorübergehendes Moratorium für
Atomversuche, während wir die Notwendigkeit weiterer Versuche unsererseits überprüften. Dieses Testmoratorium läuft in Kürze aus.

Der Kongreß entschied, nach Auslaufen des Moratoriums, jedoch vor einem Atomwaffentestverbot sollten
Diese enorme Aufgabe hat sich nach dem Ende des die Vereinigten Staaten bis zu 15 weitere Versuche
Kalten Krieges mit Gewißheit geändert. Die Massen- durchführen, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit
vernichtungswaffen in den Händen Rußlands und der unserer Waffen sicherzustellen. Nach gründlicher
Vereinigten Staaten werden reduziert. Aber die Tech- Überprüfung hat meine Administration entschieden,
nologie zur Massenvemichtung, die noch vor wenigen daß das Atomwaffenarsenal der Vereinigten Staaten
Jahren lediglich einer Handvoll von Nationen zur Ver- sicher und verläßlich ist.
fügung stand und sich immer noch im Besitz einiger
weniger befindet, wird zunehmend verfügbarer. Es ist Zusätzliche Kernwaffenversuche könnten uns bei der
jetzt vielen Ländern theoretisch möglich, Raketen zu Vorbereitung eines Atomwaffentestverbots dienen und
bauen, Atomwaffen oder andere Massenvernichtungs- einige zusätzliche Verbesserungen für die Sicherheit
waffen zu besitzen. Das stellt eine neue und andersar- und Verläßlichkeit darstellen. Der Preis, den wir mit
tige Herausforderung dar, die neue Ansätze und neues der Durchführung dieser Tests jedoch durch die Untergrabung unserer eigenen Nichtverbreitungsziele und
Denken erfordert.
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Seite 1

�die Motivierung anderer Staaten zur Wiederaufnahme
ihrer eigenen Versuche zahlen würden, überwiegt
diese Vorteile.

Um sicherzustellen, daß auch unter einem Atomwaffentestverbot unsere atomare Abschreckungsfähigkeit nicht in Frage steht, werden wir andere Mittel
prüfen, um unser Vertrauen in die Sicherheit, VerläßAus diesem Grund habe ich beschlossen, das laufen- lichkeit und Leistungsfähigkeit unsere eigenen Waffen
de Moratorium der Vereinigten Staaten für Atomwaf- aufrechtzuerhalten. Auch werden wir einen Großteil
fenversuche mindestens bis September nächsten Jahres der Talente und Ressourcen der Kernforschungslazu verlängern, sofern kein anderes Land Atomtests bors unseres Landes auf neue Technologien konzendurchführt.
trieren, um der Weiterverbreitung von Atomwaffen
Einhalt zu gebieten und die Einhaltung von WaffenIch rufe die anderen Atommächte dazu auf, ebenso zu kontrollabkommen zu überprüfen.
handeln. Wenn diese Nationen zusammen mit uns
das Moratorium einhalten, werden wir uns in der stärk- Neben diesen wichtigen Aktionen unternehme ich auch
sten Position befinden, um ein umfassendes Atomver- Schritte zur Neubelebung des Amts für Rüstungskonsuchsverbot auszuhandeln und andere Nationen von trolle und Abrüstung, damit es eine aktive Rolle dabei
der Entwicklung ihrer eigenen Atomwaffenarsenale spielen kann, die Herausforderungen dieses neuen
abzuhalten.
Zeitalters in den Bereichen Rüstungskontrolle und
Sollte das Moratorium jedoch von einem anderen Nichtverbreitung zu meistern. Ich engagiere mich für
den Schutz unseres Volkes, die Abschreckung von
Staat gebrochen werden, werde ich das EnergieminiAggression und die Bekämpfung des Terrorismus. Die
sterium anweisen, die Durchführung zusätzlicher Tests
Bekämpfung der Weiterverbreitung von Massenvervorzubereiten, und den Kongreß um seine Zustimnichtungswaffen ist eine schwierige und endlose Armung hierzu bitten. Daher erwarte ich, daß dieses
beit, jedoch ein wesentlicher Bestandteil dieser AufgaMinisterium unsere Fähigkeit zurWiederaufnahme der
be. Diese Arbeit muß getan werden.
Tests aufrechterhält.

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AMERIKA DIENST 28

�NATO
14. Juli 1993

DIE ZUKUNFT DER NATO
Stellungnahme von Walter B. Slocombe
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Stellungnahme zur Zukunft der NATO, die am 18.
Juni 1993 vom Ersten Stellvertretenden Staatssekretär für politische Angelegenheiten, Walter B. Slocombe, vor
einem Unterausschuß des Streitkräfteausschusses des Senats abgegeben wurde.

Ich begrüße diese Gelegenheit, die Fragen der Zukunft der NATO sowie ihrer Relevanz für die sicherheitspolitischen Herausforderungen des Zeitalters nach
dem Krieg zu erörtern. Es ist mir eine besondere
Freude und Ehre, bei dergleichen Anhörung sprechen
zu können wie der amerikanische Vertreter im Militärausschuß der NATO, Admiral William D. Smith. Seine
Erklärung enthält Einzelheiten über viele der von der
NATO ergriffenen Maßnahmen, um auf die neuen
Bedingungen zu antworten, mit denen wir konfrontiert
sind, und ich werde sie in meinen Ausführungen nicht
wiederholen.
Die anhaltende Bedeutung der NATO
Um mit dem offenkundigsten aber grundlegendsten
Punkt zu beginnen: Die NATO hat sich als das
erfolgreichste Bündnis der Geschichte erwiesen, und
dieser Erfolg gründete sich teilweise auf die Tatsache,
daß das Bündnis nicht lediglich eine Allianz aus Notwendigkeit war, sondern auf gemeinsamen Werten
und Interessen basierte. Trotz all der anderen Veränderungen auf der Welt bleiben diese gemeinsamen
Werte und Interessen bestehen. Dabei handelt es sich
kurz gesagt um eine Verpflichtung zur Demokratie, zu
wirtschaftlichen Chancen und Rechtsstaatlichkeit sowohl
innerhalb unserer Länder als auch zwischen den Staaten. In mancher Hinsicht ist die bemerkenswerteste
langfristige Leistung der NATO in der Tat nicht, daß sie
Wache hielt, während sich das kommunistische System selbst zerstörte, sondern daß sie den Rahmen
zur Überwindung traditioneller Rivalitäten in Westeuropa und den unumkehrbaren Verzicht auf die Androhung von Gewalt innerhalb dieser Gemeinschaft zur
Verfügung stellte. Die Herausforderung an die europäische Sicherheit lautet, denselben Verzicht auf neue
Gebiete und in Form neuer Herausforderungen auszuweiten.
Aber selbst, wenn wir es mit äußerster Kaltblütigkeit
und größtem Eigeninteresse betrachten, haben die
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Vereinigten Staaten ein vitales Interesse an der Sicherheit und Stabilität Europas: Es ist insgesamt
sowohl einer unserer größten Märkte als auch die
größte Ansammlung militärischer Macht und militärischen Potentials außerhalb Rußlands. Europa ist
darüber hinaus ein besonders wichtiges geographisches, strategisches und logistisches Bindeglied zu
anderen Gebieten, die für uns von Belang sind, insbesondere zum Nahen Osten und zum Persischen Golf.
Was immer wir tun, wir werden mit den Vorgängen in
Europa aufs Engste verbunden bleiben. Die Frage
lautet, wie wir Mechanismen finden können, um diese
Vorgänge so mrtzugestalten, daß unseren Interessen
und Erfordernissen gedient wird. Die grundsätzliche
Antwort muß nach wie vor unsere Rolle in den kollektiven Verteidigungsarrangements sein, für die die NATO
ein führendes Beispiel ist.
Die Beteiligung an der kollektiven Verteidigung erlaubt
es uns, die Fähigkeit beizubehalten, gegebenenfalls
Macht in benachbarte Regionen oder Krisenherde zu
verlagern. Unsere Sicherheit wird verbessert, und dies
zu geringeren Kosten. Dies erfordert jedoch auch, daß
wir unsere Beiträge leisten, und zwar im Hinblick auf
unsere Führungsrolle und die Bedingung, daß wir
unsere Truppen vorne stationieren, sowie im Hinblick
auf die Beteiligung an gemeinsam finanzierten Programmen mit unseren Verbündeten.
Aus diesen Gründen ist die Bewahrung der Sicherheit
und Stabilität Europas nach wie vor entscheidend für
unsere Sicherheit und unseren Wohlstand. Zu diesem
Zweck engagieren sich die Vereinigten Staaten weiterhin in einem kollektiven Verteidigungsapparat, in dem
die NATO die Hauptkomponente ist.
Die neuen Herausforderungen an die NATO
Es ist wohlbekannt, daß die NATO wichtige Anpassungen vornehmen muß. Dieser Prozeß dauert in der Tat
bereits seit mehreren Jahren an, in denen das Bündnis
Seite 1

�neue strategische Doktrinen eingeführt, seine Truppen drastisch verringert und sich auf die Übernahme
neuer Rollen vorbereitet hat. Die gegenwärtig stattfindenden Veränderungen bei Doktrin, Streitkräftestruktur und Unterstellungsverhältnissen werden in Admiral
Smiths Stellungnahme erläutert.
Es bleibt jedoch noch wesentlich mehr zu tun. Über
zwei Generationen lang existierte die NATO als Antwort auf eine monolithische Bedrohung unter sowjetischer Führung. Diese Bedrohung existiert nicht mehr.
Trotz all der neuen Herausforderungen bleibt jedoch
eine wichtige Kontinuität des Auftrags bestehen: Den
Frieden zu erhalten, die Freiheit und Sicherheit der
Staaten und Völker der NATO zu fördern und die
Bande über den Atlantik hinweg zu verstärken. Das
Ende des Kalten Krieges hat jedoch nicht das Ende
ernster Gefahren für die Sicherheit Europas bedeutet.
Das wichtigste Ziel der Bündnisstreitkräfte ist es nach
wie vor, die Sicherheit und territoriale Integrität ihrer
Mitglieder zu garantieren. Darüber hinaus erfüllt die
NATO eine entscheidende Rolle als unsere beste
Versicherung dagegen, daß Europa sich gegen sich
selbst wendet - wie es bereits zweimal in diesem
Jahrhundert geschehen ist.

bungen zur Friedenssicherung in aller Welt kann einen
bedeutsamen Beitrag zur Förderung nationaler amerikanischer Sicherheitsinteressen leisten.
Dies umfaßt ein breites Spektrum, von der traditionellen Überwachung durchweg eingehaltener Abkommen durch "Blauhelme" über Schritte zur Begrenzung
und Mäßigung andauernder Konflikte und Linderung
ihrer Folgen bis zu direkten Interventionen zur Durchsetzung internationaler Mandate. Für gewöhnlich jedoch nicht notwendigerweise immer - werden diese
Aktivitäten unter UNO-Mandat und auf multilateraler
Basis durchgeführt.

Derzeit leisten die Vereinigten Staaten in verschiedenen Rollen begrenzte personelle Beiträge zu den UNFriedensoperationen in Kambodscha (UNTAC), Irak/
Kuwait (UNIKOM), dem Nahen Osten (UNTSO), der
Westsahara (MINURSO) und Jugoslawien (UNPROFOR). Unter operativer Kontrolle der UNO sind nach
wie vor 4.000 amerikanische Soldaten als Teil von
UNISOM II in Somalia stationiert. Zahlreiche weitere
amerikanische Streitkräfte unterstützen indirekt UNOperationen zur Friedenssicherung oder Friedensschaffung und unterstützen die Durchsetzung von
Resolutionen des UN-Sicherheitsrates (zum Beispiel
Heute sind wir jedoch mit neuen Gefahren konfrontiert: die Überwachung der Seewege nach Jugoslawien und
des Flugverbots über diesem Land, der FlugverbotsRegionale Bedrohungen und ethnische Konflik- zone über dem Südirak). Die Vereinigten Staaten
te;
haben femer Spezialisten zur Verfügung gestellt, um
das zentrale und die regionalen Hauptquartiere der
Risiken der Verbreitung von Kernwaffen und UNO zu unterstützen.
anderen Massenvernichtungswaffen;
wirtschaftliche Rivalitäten, die zu Sicherheits- Bei solchen Maßnahmen hat die NATO ein großes
Potential zur Übernahme einer zentralen Rolle. Sie ist
problemen führen und
strukturell für eine solche Rolle ausgestattet, weil ihre
die Aussicht, daß zerbrechliche Demokratien integrierte Führungsstruktur und umfassende Erfaherneut in imperialistische Tyrannei zurückfallen rung mit multinationalen Operationen nicht nur einzigartig, sondern ideal auf multilaterale Operationen
könnten.
zugeschnitten sind. Die Vereinten Nationen haben
In einer Serie von Stellungnahmen jüngeren Datums sich in der Tat der NATO als Durchführungsinstrument
haben Verteidigungsminister Aspin und Außenmini- für eine Vielzahl von UN-Mandaten im ehemaligen
ster Christopher skizziert, wie die NATO auf diese Jugoslawien zugewandt - zur Durchsetzung der Sankneuen Gefahren reagieren sollte. Dies läßt sich fol- tionen, Sicherstellung der Einhaltung der Flugverbotsgendermaßen zusammenfassen:
zone und potentiell für die Implementierung der Schutzzonen oder einer Gesamtvereinbarung zur Beilegung
Die NATO muß eine umfassendere und innova- des Konflikts.
tivere Rolle als Friedensbewahrer spielen.
In den kommenden Jahren wird die NATO durch
Die NATO muß wirkungsvoller als Quelle und
gemeinsame Ausbildung, verbesserte FührungsarranLieferant humanitärer Hilfe dienen.
gements und Erfahrungsaustausch die Vorbereitung
Die NATO muß eine Quelle der Unterstützung auf solche Operationen betonen müssen. Sie wird
ferner die Fähigkeit zur sinnvollen Einbeziehung von
für die neuen Demokratien in Europa sein.
Nichtmitgliedern bei ihren Maßnahmen in diesen BeIch möchte auf jeden dieser Bereiche kurz eingehen. reichen weiterentwickeln müssen, die sie bereits in
begrenztem Umfang demonstriert hat.
Friedenssicherung
Das Bündnis ist bestrebt, seine Fähigkeiten zur FrieIn der weniger gefährlichen, aber komplexeren Welt denserhaltung und Friedensschaffung in allgemeiner
von heute ist die Friedenssicherung im weitesten Sin- Hinsicht zu entwickeln. Wir haben darauf gedrängt,
ne derzeit zu einer Hauptaufgabe unserer Streitkräfte daß jedes Mitglied des Bündnisses sowohl individuell
geworden. Die amerikanische Beteiligung an Bestre- als auch kollektiv seine Arbeit und gemeinsamen
Seite 2

AMERIKA DIENST 28

�Ausbildungsvorhaben in diesem Bereich ausbaut und
intensiviert - einschließlich von Bemühungen, anderen
Institutionen dabei zu helfen, ihren Teil beizutragen.
Ein wichtiger Schritt nach vorn war die Einleitung eines
Programms zur Zusammenarbeit bei der Friedenssicherung mit ehemaligen Mitgliedern des Warschauer
Pakts beim Ministertreffen des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) am 11. Juni. Dieses Programm
umfaßt Einverständnis im Hinblick auf konzeptionelle
Ansätze sowie vereinbarte praktische Maßnahmen
zum Informations- und Erfahrungsaustausch, gemeinsame Ausbildung und Fortbildung sowie möglicherweise gemeinsame Manöver.
Humanitäre Hilfe
Während unser Hauptaugenmerk der Einsatzbereitschaft und Qualität unserer Kampftruppen gilt, besteht
unsere Herausforderung in den neunziger Jahren darin,
uns Chancen zunutze zu machen, um Hilfsprogramme
im weiteren Sinne zur Förderung unserer Sicherheit
und unserer Interessen einzusetzen. Die NATO kann
eine entscheidende Rolle bei der Nutzung der kollektiven Fähigkeiten unserer Nationen im Dienste humanitärer Maßnahmen spielen. Ressourcen der NATO
können genutzt werden, um Versorgungsgüter und
Dienstleistungen zusammenzustellen und zu liefern.
Bei allen Bemühungen dieser Art müssen auch andere
multilaterale Gruppen eine Rolle spielen. Bei den
Hilfsbemühungen in Bosnien zum Beispiel haben Flugzeuge und Einrichtungen der Vereinigten Staaten und
anderer NATO-Länder von Staaten direkt sowie unter
Schirmherrschaft der EG gespendete Hilfsgüter geliefert, während die Verteilung durch das UNHCR koordiniert wurde.
Die Rolle der NATO im Osten
Unsere größte sicherheitspolitische Herausforderung
besteht darin, die Staaten der ehemaligen Sowjetunion und Mitteleuropas in die Gemeinschaft demokratischer, wohlhabender Nationen zu integrieren und eine
Umkehrung des Reformprozesses zu verhindern. Dies
ist sowohl von unmittelbarem sicherheitspolitischem
als auch von wirtschaftlichem Interesse. Minister
Aspin zufolge ist der Erfolg der russischen Reformen
der wichtigste Faktor, der die "Nachfrage" nach amerikanischen Verteidigungsausgabenbeeinflußt. Wenn
der demokratische Reformprozeß, der in Rußland und
den anderen ehemals kommunistischen Staaten begonnen hat, umgekehrt würde, würde das gesamte
Spektrum von Voraussetzungen untergraben, unter
denen wir wesentliche Verringerungen unserer Verteidigungsausgaben in den kommenden Jahren planen
können.
Darüber hinaus haben wir starkes Interesse am Erfolg
der Reformen in den ehemals kommunistischen Staaten Mittel- und Osteuropas, und zwar nicht nur aus
schlichter Sympathie fürderen Wohlergehen, sondern
weil ohne einen Erfolg der Reformen dort die Stabilität
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und der Fortschritt auf dem ganzen Kontinent gefährdet wären.
Der Schutz der Reformen und der Demokratisierung in
Rußland sowie in Mittel- und Osteuropa erfordert
Bemühungen auf drei Ebenen:
Bilateral zwischen den Vereinigten Staaten und
den betroffenen Nationen. Wir tun dies durch
eine Serie von militärischen Kontaktprogrammen, die praktisch jedes Land in dieser Region
einbeziehen werden. Minister Aspins jüngste
Treffen mit seinen russischen und ukrainischen
Amtskollegen waren wichtige frühzeitige Schritte in diesem Prozeß. Wir begrüßen die Bemühungen anderer Länder in der NATO, ähnliche
bilaterale Verbindungen aufzubauen.
Durch die NATO und den NAKR, der ein Forum
für multilaterale Kontakte zwischen den Staaten
des ehemaligen Warschauer Pakts und der
NATO bietet. Als Symbol ebenso wie als praktischen Schritt zum Ausbau der Zusammenarbeit haben die Vereinigten Staaten vorgeschlagen, daß die Staaten des Ostens eine dauerhafte Präsenz beim Hauptquartier der NATO etablieren.
Der Einsatz multilateraler Institutionen wie des
NAKR und der mit ihm verbundenen Gruppe für
Verteidigungsangelegenheiten (GDM). Der
Stellvertretende Verteidigungsminister Perry
nahm am G DM -Treffen im März teil und initiierte
über diesen Mechanismus ein Kontaktprogramm.
Regionale Gruppen, wie die Visegrad-Vier (Polen,
Ungarn, die Slowakei und die Tschechische
Republik) spielen hier ebenfalls eine Rolle.
Die NATO-Staaten haben gewiß ein starkes Interesse
an der Sicherheit der Staaten Mittel- und Osteuropas,
einschließlich Rußlands. Das Bündnis hat wiederholt
erklärt, daß die Sicherheit seiner Mitgliedstaaten untrennbar mit der aller anderen Staaten Europas verbunden ist. Deren Sicherheit ist ein direktes und
materielles Anliegen aller NATO-Staaten.
Es ist vielleicht das beste Zeichen der andauernden
Bedeutung der NATO für die Sicherheit des neuen
Europas, daß praktisch ausnahmslos alle Staaten des
Warschauer Pakts eine engere Anbindung an die
NATO und sogar die formelle Mitgliedschaft wünschen. Dies ist keineswegs auszuschließen, aber zum
jetzigen Zeitpunkt ist die Mitgliedschaft keine dringliche Frage, und es bleibt viel zu tun, bevor Beschlüsse
über die Mitgliedschaft gefällt werden können.
Die Vereinigten Staaten haben deshalb gefordert, daß
sich das Bündnis unverzüglich innovative Wege zu
eigen macht, um unsere osteuropäischen Partner enger
an das Bündnis heranzuführen, ein Spektrum von
Beziehungen zwischen den zentralen Strukturen der
NATO und den Verteidigungsministerien der neuen
Seite 3

�Demokratien im Osten zu entwickeln. Der Austausch die heute auf gemeinsame Ziele hinarbeiten. Dabei
strategischer Bewertungen und nachrichtendienstli- handelt es sich um die folgenden Institutionen:
cher Erkenntnisse sowie die Entwicklung von ProDie Vereinten Nationen, die als Ergebnis koopegrammen zur Zusammenarbeit sind die ersten Schritrativer Aktivitäten im ehemaligen Jugoslawien
te, die das Bündnis unternehmen kann und sollte. Die
eine
vertiefte Beziehung zur NATO unterhalten.
Stellungnahme von Admiral Smith geht recht ausführDie
NATO
sondiert zur Zeit Möglichkeiten zur
lich auf die Schritte ein, die in diesem Zusammenhang
weiteren
Verstärkung
der Kommunikation und
bereits unternommen wurden.
Koordination mit der UNO auf verschiedenen
Die Friedenserhaltung muß ebenfalls eine zentrale
Ebenen.
Rolle spielen. Ungarn arbeitet bereits mit den NATODie KSZE, deren Krisenverhütungszentrum und
Stellen bei der Durchsetzung der Flugverbotszone
Forum für Sicherheitszusammenarbeit bedeuüber Bosnien zusammen, indem es AWACS-Maschitende vertrauensbildende Maßnahmen und die
nen der NATO das Kreisen über seinem Territorium
Fähigkeit zur Konfliktverhütung bereitstellen,
gestattet. Albanien arbeitet mit NATO/WEU zusamdie dem neuen Europa von Nutzen sein könnmen an der Durchsetzung der Sanktionen auf See.
ten. Die KSZE könnte auch von Fall zu Fall der
NATO-Stellen befassen sich aktiv mit dem Entwurf
NATO ein Mandat zur Friedenserhaltung erteivon Mechanismen, durch die sich Staaten des ehemalen.
ligen Warschauer Pakts und andere an einer von der
NATO angeführten UNO-Streitmacht zur ImplemenDie EG, da unsere kollektive Sicherheit in zutierung von Abkommen in Bosnien beteiligen könnten.
nehmendem Maße in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht ihren Niederschlag finden muß. Die
Dem NAKR kommt bei der Förderung dieser BestreEuropäische Gemeinschaft hat einen wichtigen
bungen eine besondere Rolle zu. Wir sollten sein
Einfluß auf die Entwicklung im Osten. Die
Arbeitsprogramm und sein Mandat intensivieren und
Menschen in Mittel- und Osteuropa benötigen
ausbauen und die gemeinsamen Konsultationen,
Zugang
zu Märkten, Investitionen und Hilfe des
gemeinsame Aktivitäten bei der Friedenssicherung,
Westens,
wenn ihre Reformen von Erfolg geden Personalaustausch, die Ausbildung in zivil-militäkrönt
sein
sollen.
rischen Beziehungen sowie gemeinsame Manöver
verstärken.
Die WEU (Westeuropäische Union), die sowohl
die
Grundlage für eine Stärkung der europäiDie NATO und die europäischen Sicherheitsstrukschen
Verteidigungsidentität als auch des euroturen
päischen Pfeilers der NATO darstellt. Mit dem
Ein starker europäischer Pfeiler ist entscheidend für
Umzug der WEU nach Brüssel besteht eine
ein starkes atlantisches Bündnis. Wir sehen keinen
Vielzahl von Möglichkeiten zu verstärkter ZuKonflikt zwischen starken europäischen Institutionen
sammenarbeit mit der NATO. Wir begrüßen die
und dem Primat der NATO. Tatsächlich betrachten wir
Aufwertung der Rolle der WEU, betrachten sie
sie als einander ergänzend.
als Ergänzung der NATO, nicht als ihren Rivalen, und erwarten, daß sie sich parallel zu dieser
Wir akzeptieren, daß Europa im Zuge der Entwicklung
entwickelt.
seiner eigenen Institutionen auch Verteidigungsinstitutionen entwickeln wird. Wir befürworten sogar nach- Unser Ziel im Verlauf der kommenden Jahre wird in der
drücklich eine starke Sicherheitsidentität Europas, die Entwicklung komplementärer, ineinander übergreifennicht zu Lasten der NATO zu gehen braucht und darf. der Institutionen bestehen, die alle wirksam in der Lage
Obwohl unsere erste Priorität der NATO gilt, ist es sind, den neuen Herausforderungen für die europäiwichtig, die Stärken anderer Institutionen, die unsere sche Sicherheit zu begegnen.
Ziele teilen, zu erkennen und von ihnen zu profitieren.
Wenn wir dies tun, so ist unser Ziel nicht die Aushöh- Beibehaltung angemessener militärischer Stärke
lung der Stärke und Solidarität der NATO oder der
Damit unsere außenpolitischen Bemühungen, einbilateralen Beziehungen ihrer Mitgliedstaaten. Auch
schließlich der im Rahmen der NATO unternommeist es nicht unser Ziel, endlose Debatten darüber
nen, erfolgreich sein können, ist eine angemessene
auszulösen, welche der gegenwärtigen Institutionen
militärische Stärke erforderlich. Zusätzlich zu den
das Recht zu bestimmten Maßnahmen haben soll.
neuen, von ihr übernommenen Rollen ist die NATO in
Wie der Verteidigungsminister unlängst in Garmisch
erster Linie ein Militärbündnis, mit einer echten militäerklärte, hoffen wir vielmehr darauf, pragmatisch und
rischen Kommandostruktur und der Fähigkeit, auf
geduldig "das nahtlose Sicherheitsnetz für (Europa zu)
muftilateraler Grundlage militärische Macht einzusetweben" Dies können wir auf zwei Wegen vollbringen:
zen. Die Militärmacht des Bündnisses stellt das FunErstens durch Förderung der Entwicklung einer einzigdament für kollektive Aktionen dar. Nur solche Streitartig "europäischen" Sicherheitsidentität und zweitens
kräfte, die gemeinsam ausgebildet werden und gedurch die Stärkung und Erweiterung der Institutionen,
meinsam dienen, die gleichen Doktrinen und VerfahSeite4

AMERIKA DIENST 28

�ren haben und miteinander kommunizieren - und darin
geübt sind, miteinander in Kontakt zu stehen und
gemeinsame Operationen durchzuführen - können
einander voll vertrauen und wirksam zusammen
kämpfen. Diese entscheidenden Fähigkeiten müssen
erhalten werden.
Während diese Umstrukturierung unserer Bündnisstrategie und unseres militärischen Apparats aus der
Zeit des Kalten Krieges sich fortsetzt, müssen wir
unsere Fähigkeit zur Abschreckung erhalten und nötigenfalls gegen jegliche Bedrohung unserer bedeutenden Interessen verteidigen.
Alle Bündnismitglieder werden sich der Notwendigkeit
gegenübersehen, ihre Verteidigungsausgaben zu kürzen
und ihre Streitkräfte abzubauen. Und das sollten sie
auch tun, denn heutzutage sind unsere Erfordernisse
weit geringer als während des Kalten Krieges. Während wir diese Einschränkungen vornehmen, müssen
wir jedoch eng zusammenarbeiten um sicherzustellen,
daß diese Reduzierungen nicht unsere nationale - und
damit unsere kollektive - Sicherheit beeinträchtigen.
Die Vereinigten Staaten werden das Ihre dazu beitragen. Diese Administration hat sich zum Erhalt der
Qualität unserer Streitkräfte, der Einsatzbereitschaft
und Ausbildung unserer Soldaten und unseres technischen Vorteils verpflichtet. Ebenso engagieren wir u ns
für eine aktive amerikanische Außenpolitik und kommen unseren internationalen Verpflichtungen nach.
In Europa werden wir Streitkräfte in der Größenordnung von ungefähr 100.000 Soldaten beibehalten.
Dadurch können wir ein widerstandsfähiges und flexibles Militärkontingent stationieren, das die in Kriegsund Friedenszeiten wichtigen Funktionen wahrnehmen kann. Wie Admiral Smith in seiner Erklärung
darlegte, werden diese Truppen es uns ermöglichen,
bedeutende operative Fähigkeiten aufrechtzuerhalten, einschließlich eines Verstärkungsstützpunkts, und
wirksame Operationen durchzuführen, die sowohl
traditioneller als auch anderer Natur sein können.
Hier besteht ebenfalls eine europäische Verantwortung. Wenn die NATO - und Europa - von der Welt
ernstgenommen werden wollen, brauchen sie wirksame Streitkräfte. Wir rechnen mit einen bedeutenden
materiellen Beitrag Europas. Darüber hinaus kann
hier im Inland eine ernsthafte internationale Rolle der
USA nicht gerechtfertigt werden, wenn wirkeine aktive
Unterstützung von anderen Ländern erhalten, deren
Interessen auf dem Spiel stehen. Die Administration
hat ihrer Erwartung Ausdruck verliehen, daß die Länder Europas angemessene Streitkräfte unterhalten.
Der Unterhalt eines ernstzunehmenden militärischen
Apparats wird in den kommenden Jahren für uns alle
eine schwierige Aufgabe sein. Keiner unserer Volkswirtschaften geht es so gut, wie wir das gerne hätten;
wir alle werden mit zwingenden Notwendigkeiten im

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eigenen Land konfrontiert; die Öffentlichkeit in unseren Ländern fordert nach dem Ende der Bedrohung
durch die Sowjetunion zu Recht eine Senkung der
Verteidigungsausgaben und eine Reduzierung unserer militärischen Aktivitäten.
Überstürzte Kürzungen, die Qualität, Einsatzbereitschaft und Effektivität unseres Militärs mindern, sind
schlicht und einfach unvereinbar mit unserer kollektiven Sicherheit - und mit unseren jeweiligen nationalen
Interessen.
Lastenteilung
Von Bedeutung fürdie Zukunft der NATO ist auch eine
gerechte Aufteilung der Verteidigungslasten und Verantwortlichkeiten. Langfristig kann keines der Bündnismitglieder seinen Verpflichtungen gegenüber der
NATO nachkommen, wenn nicht die Verteidigungslasten gerecht aufgeteilt werden und die Öffentlichkeit
auch davon erfährt. Wir weisen bei unseren Bündnispartnern auf diesen Punkt hin und dringen darauf,
daß angesichts der verminderten Gefahr für Europa
der gemeinsame Truppenabbau sorgfältig geplant und
durchgeführt wird, damit eine gefährliche Schwächung
des Bündnisses verhindert wird. Wir wollen auch neue
und einfallsreiche Wege finden, um unsere Ziele bei
der Lastenteilung zu erreichen.
In dieser Hinsicht begrüße ich die Aufforderung des
Unterausschusses, sich zum Infrastrukturprogramm
der NATO zu äußern - einem erstklassigen Beispiel für
Lastenteilung innerhalb des Bündnisses. Dieses
Programm bleibt in der neuen strategischen Umgebung von höchster Bedeutung. Nach einer grundlegenden Überprüfung hat die NATO den künftigen Kurs
ihres Infrastrukturprogramms entscheidend geändert,
und seinen Inhalt und sein Ausmaß umorientiert, um
den neuen militärischen Bedürfnissen in der Zeit nach
dem Kalten Krieg zu entsprechen.
Auf Drängen der Vereinigten Staaten hat die NATO
sich bereiterklärt, bestimmte Betriebskosten für Verstärkungseinrichtungen durch Infrastrukturmittel zu
finanzieren. Diese Änderung brachte das im Bündnis
vorhandene Wissen um die Bedeutung der Fähigkeit
der Vereinigten Staaten zur Heranführung von Verstärkung und, noch wichtiger, die Notwendigkeit, die
Kosten der Aufrechterhaltung dieser Fähigkeit zu teilen, zum Ausdruck. Die Neuorientierung des Programms beseitigt auf alte Erfordernisse zugeschnittene Projekte und bringt das Programm in Einklang mit
den neuen Aufgaben, Doktrinen und Verfahren der
NATO. Folglich unterstützt das Programm eine Vielzahl von Aktionen, die für die Interessen der Vereinigten Staaten von lebenswichtiger Bedeutung sind, einschließlich der Modernisierung der amerikanischen
Einrichtungen in Europa sowie jener in den Vereinigten
Staaten, die der Verstärkung dienen. In ähnlicher
Weise spiegelt die neue Betonung von Kommunikation
im Spitzentechnologiebereich und von Informations-

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�Systemen die Erfordernisse des neuen Zeitalters wider. Diese neue Betonung eröffnet mehr Möglichkeiten für amerikanische Unternehmen, an Programmprojekten teilzunehmen.

eine bedeutende Rolle. Sie unterstützt bereits das
gemeinsame Aktionsprogramm durch die Durchsetzung der Flugverbotszone und - zusammen mit den
WEU-Streitkräften - durch die Durchsetzung von
Sanktionen in der Adria. Die NATO bietet auch wichIch möchte mich klar ausdrücken: Solche Änderungen tige Unterstützung für die Anstrengungen der Vereiim Infrastrukturprogramm sowie die Lebensfähigkeit nigten Staaten und anderer Länder, lebenswichtige
des Programms als Ganzes wären ernsthaft in Gefahr, Nahrungsmittel und andere humanitäre Hilfsleistunwenn der Kongreß unsere gegenwärtige Haushalts- gen zu liefern. In NATO-Kreisen fand auch eine
vorlage für Infrastrukturgelder nicht unterstützen wür- umfassende Notfallplanung für die multilateralen Streitde. Generalsekretär Wörner hat erklärt, daß neben kräfte statt, um ein ausgehandeltes Übereinkommen
der Präsenz vor Ort der Beitrag der Vereinigten Staa- durchzusetzen.
ten zu dem Infrastrukturprogramm im allgemeinen als
Schlüsselindikator für das Engagement der Vereinig- Der UN-Sicherheitsrat verfügte Resolution 836, die die
ten Staaten im Bündnis gesehen wird.
UN-M'rtgliedstaaten ermächtigt, die UNPROFOR-Truppen bei der Durchsetzung von Schutzzonen zu unterIch möchte die Aufmerksamkeit des Unterausschus- stützen. Die Vereinigten Staaten erklärten, sie seien
ses insbesondere auf die Überprüfung des Infrastruk- zum Einsatz ihrer Luftstreitkräfte bereit, um das unter
turprogramms der NATO in der Erklärung von Admiral dem Mandat der Vereinten Nationen handelnde
Smith richten; wir sind bereit, gegebenenfalls zusätz- UNPROFOR-Personal zu schützen, falls dieses angeliche Details und Erklärungen zu geben.
griffen wird und um Hilfe bittet. Mehrere NATOMitgliedstaaten haben ihre Teilnahme dabei angeboBosnien
ten. Eine solche Unterstützung wäre eine NATOSchließlich hat der Unterausschuß darum gebeten, Operation, die auf der Kommandostruktur und dem
daß ich auf die Situation in Bosnien und dem Rest des Verständnis basiert, die bereits für eine Flugverbotsehemaligen Jugoslawien zu sprechen komme. Die zone bestehen. Die Vereinigten Staaten sind bereit,
gesamte internationale Staatengemeinschaft sucht als zusätzlichen Beitrag denjenigen Staaten Hilfsliefeweiterhin nach wirksamen Mitteln, um das Töten in rungen per Luft zu gewähren, die Truppen für die
Bosnien-Herzegowina zu beenden, einen dauerhaften UNPROFOR-Schutzzonenoperationen bereitstellen,
und gerechten Frieden zu schaffen und eine Garantie falls eine Unterstützung erforderlich ist. Die Planung
zu geben, daß dieser Konflikt sich nicht ausweitet. In der NATO für den Schutz der UNO-Truppen aus der
Verfolgung dieser Ziele einigten sich die Vereinigten Luft in den Schutzzonen - vorausgesetzt, diese könStaaten und die anderen Mitglieder des UN-Sicher- nen errichtet werden - ist bereits in Garige.
heitsrates am 22. Mai in Washington auf ein gemeinsames Aktionsprogramm. Es stellt einen Schritt nach Um mehr Druck im Hinblick auf eine Einigung auszuvorne dar, um mehr Druck auf diejenigen auszuüben, üben, arbeiten wir mit unseren Partnern in der NATO,
die die Suche nach Frieden in Bosnien behindern. Wir in Osteuropa und Rußland zusammen, um eine strenalle sind uns bewußt, daß dies Übergangsmaßnah- gere Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen Sermen sind und keine umfassende Lösung dieser tragi- bien zu erreichen. Präsident Clinton hat bereits die
schen Situation. Eine ausgehandelte Lösung - auf die Bereitschaft der Vereinigten Staaten kundgetan, Streitsich alle drei Parteien geeinigt haben, und die in gutem kräfte zu einer unter dem Kommando der NATO und
Glauben durchgeführt wird - bleibt unser Ziel. Und wie dem Mandat der UNO stehenden Truppe beizusteusowohl das gemeinsame Aktionsprogramm als auch ern, die eine Einigung zwischen den Parteien durchdie darauf folgende UNO-Resolution klargemacht haben, setzen soll. Eine solche Übereinkunft dürfte nicht nur
bleiben neue und härtere Maßnahmen auf dem Tisch, auf dem Papier stehen; sie würde das Ergebnis bedeufalls sie zur Erreichung dieses Ziels notwendig sein tender Änderungen vor Ort sein, beispielsweise eines
sollten. Nach Meinung der Administration sollte eine Waffenstillstands und des freien Passierens der Hilfsdieser Maßnahmen das Waffenembargo aufheben, lieferungen.
das den militärischen Vorteil der bosnischen Serben
Wir haben aus dieser Erfahrung sehr viel gelernt. Wir
bei schweren Waffen eingefroren hat. Das ist gekophaben gelernt, daß wir früher mit unserer Zusammenpelt mit der Bereitschaft, die Luftwaffe einzusetzen,
arbeit beginnen müssen, um Konflikte zu verhindern,
um der bosnischen Regierung bei der Vereitelung
bevor sie ausbrechen. Wir dürfen nicht zulassen, daß
jeden Versuchs der bosnischen Serben zur Ausnutdieser Konflikt in Bosnien auf die Nachbargebiete
zung ihres militärischen Vorteils behilflich zu sein,
übergreift. Wir müssen einen Balkankrieg größeren
bevor die Waffenlieferungen ein militärisches GleichAusmaßes verhindern, derdie Verbündeten der NATO
gewicht herstellen. Bis heute hat dieser Vorschlag
und mehrere entstehende Demokratien bedrohen würde.
nicht die notwendige Unterstützung von anderen bekommen.
Es ist von essentieller Bedeutung, daß alle Parteien in
der Region verstehen, daß eine Aggression gegen die
Bei den vereinbarten Bemühungen spielt die NATO ehemalige jugoslawische Republik Makedonien schwerSeite6

AMERIKA DIENST 28

�wiegende Konsequenzen haben würde. Die Vereinigten Staaten haben in dieser Hinsicht die größtmöglichen Warnungen ausgesprochen. Sie werden eine
Verstärkung der internationalen Präsenz in dieser
Republik als ein aussagekräftiges Zeichen für unsere
Entschlossenheit unterstützen, die Welle von Aggressionen einzudämmen.
Zu diesem Zweck haben wir der UNO ein verstärktes
Kompanieteam angeboten, das das bereits in der
ehemals jugoslawischen Republik Makedonien befindliche UNO-Kontingent unterstützen soll. Die
Anwesenheit dieser U NO-Truppen wird die Ernsthaftigkeit unserer Warnung an Belgrad unterstreichen.
Dieses Angebot an die UNO-Truppen ist bereits von
der Regierung Makedoniens akzeptiert worden, und
wir erwarten in Kürze eine Zustimmung der UNO.

gerung gelangt, daß die Interessen der Vereinigten
Staaten keine Entsendung amerikanischer Bodentruppen rechtfertigen, um durch Intervention eine Lösung
zu erzwingen. Die europäischen Verbündeten und
Rußland weisen zwar gleichermaßen eine militärische
Intervention in dem Konflikt entschieden zurück, waren jedoch bis heute nicht bereit, den Vorschlag des
Präsidenten zu unterstützen, das Waffenembargo
aufzuheben. Energische Bemühungen um eine ausgehandelte Lösung haben sich bisher als erfolglos
erwiesen.

Der zunehmende Druck der Sanktionen, die Erkenntnis, daß alle Parteien einen hohen Preis für einen
fortgesetzten Konflikt bezahlen müssen und möglicherweise eine realistischere Einschätzung dessen,
was eine akzeptable politische Lösung darstellt, könnten den Kämpfen ein Ende setzen oder zumindest zu
Auch werden wir kein scharfes Durchgreifen im Koso- einer vorübergehenden politischen Lösung führen.
vo dulden. Die Vereinigten Staaten haben den serbi- Sicher ist, daß die NATO bei jeder Bemühung auf
schen Behörden klargemacht, daß ein solches Vorge- internationaler Ebene zur Durchsetzung einer solchen
hen nicht toleriert wird. Wir unterstützen eine Verlän- Resolution eine zentrale Rolle spielen würde.
gerung der langfristigen KSZE-Mission im Kosovo.
Schlußfolgerung
Die internationale Staatengemeinschaft hat sich bei
ihrem Umgang mit Kriegen, die sich nach dem Zusam- Ich möchte meine Ausführungen mit einer persönlimenbruch von Titos föderalem System entzündeten, chen Bemerkung abschließen. Bei meiner Rückkehr
ernsten und dauerhaften Herausforderungen gegen- ins Pentagon nach 12 Jahren war ich erstaunt darüber,
übergesehen. Niemand kann mit den bisher erzielten wie kompliziert die Dinge sind, mit denen wir heute
Ergebnissen wirklich zufrieden sein. Das bedeutet konfrontiert werden. Jedoch habe ich keinen Zweifel
jedoch nicht, daß die NATO als Institution gescheitert daran, daß sich unsere Sicherheit durch den Zusamist. Die NATO ist durchaus in der Lage, jeden ihr menbruch des Kommunismus und das Ende der milizugewiesenen militärischen Auftrag im ehemaligen tärischen Bedrohung von seiten der Sowjetunion auf
Jugoslawien zu erfüllen - eine Behauptung, die für den unvorstellbare Weise erhöht hat. Wenn wir uns den
militärischen Apparat der Vereinigten Staaten ebenso neuen Problemen zuwenden, wird klar, daß wir mit
zutrifft. Das Hindernis für eine ehrgeizigere Militärak- unseren Freunden und Verbündeten in Europa und der
tion ist vielmehr die dem Problem innewohnende ganzen Welt kreativer und intensiver zusammenarbeiSchwierigkeit, das Fehlen attraktiver militärischer ten müssen, als das während des Kalten Krieges der
Optionen und die daraus resultierende Schwierigkeit, Fall war. Die NATO stellt bei diesen Bemühungen eine
zwischen den westlichen Verbündeten und anderen in einzigartiger Weise wertvolle und wirksame Instituwichtigen Nationen einen Konsens zu bilden, was, tion dar.
wenn überhaupt, in militärischer Hinsicht geschehen
sollte. Präsident Clinton ist zu Recht zu der Schlu ßfol* *

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*

Seite 7

�DROGEN
14. Juli 1993

EIN SIEG DER USA IM DROGENKRIEG
von Lester David
Die ein Jahrzehnt währende Kampagne des amerikanischen Militärs zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs
in seinen Reihen hatte äußerst positive Ergebnisse, die Lehren und Ratschläge für den zivilen Sektor der
Vereinigten Staaten beinhalten, so der Autor des vorliegenden Artikels. Er gibt Einzelheiten des auf drei Ebenen
ansetzenden Kampfes des US-Verteidigungsministeriums gegen den Drogenmißbrauch, der Aufklärung über
die Gefährlichkeit von Drogen, Rehabilitation und willkürliche Drogentests beinhaltet.
Lester David ist freiberuflicher Schriftsteller und schreibt häufig Beiträge für The American Legion.
Reprinted by permission, The American Legion. Copyright (c) 1992.

Vor einem Jahrzehnt war das amerikanische Militär mit
einem massiven Drogenproblem konfrontiert, das
ebenso gravierend war wie das im zivilen Bereich, und
in einigen Einrichtungen sogar noch schwerwiegender.

Mit der harten Realität konfrontiert, entschied man im
Militär, ein programmatisches "hartes Durchgreifen"
zur Eindämmung der Gefahr sei vonnöten. Was
könnte schließlich wichtiger sein als drogenfreie Streitkräfte?

1980 war man sich in den Streitkräften bewußt, daß
man es mit einer schwierigen Situation zu tun hatte,
aber man war sich nicht sicher, wie verbreitet sie war.
Von Standorten auf der ganzen Welt erhielt man
Berichte, daß Soldaten, Matrosen und Marinesoldaten sich aufgrund von Drogenkonsum krankmeldeten.

Unter der Leitung von Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums wurden spezielle Programme auf Dringlichkeitsbasis ins Leben gerufen. Jetzt, mehr als 10
Jahre später, sind die Ergebnisse nahezu sensationell. Seit der anfänglichen Aufdeckung des Problems
wurden drei weitere Studien durchgeführt:

Alarmiert von diesen Vorgängen begann das Verteidigungsministerium eine Untersuchung des Alkoholund Drogenkonsums unter den Angehörigen des
amerikanischen Militärs auf der ganzen Welt. Das
wahre Ausmaß des Problems wurde offenbar.

1982, zwei Jahre nach Beginn der Programme,
fiel der Prozentsatz derjenigen, die Drogenmißbrauch betrieben, in allen Bereichen der Streitkräfte von 27 auf 10 Prozent, was bewies, daß
die neuen politischen Maßnahmen erste Früchte trugen.

Die Studie des Verteidigungsministeriums, die 17.300
1985 sank die Zahl der Drogenkonsumenten auf
Personen umfaßte, wurde vom Research Triangle
Institute of North Carolina durchgeführt. Sie ergab,
9 Prozent.
daß 27 Prozent der Angehörigen des Militärs in
Die jüngste Umfrage zeigte, daß 5,8 Prozent,
irgendeiner Form illegale Drogen zu sich nahmen, wie
oder
anders ausgedrückt jeder siebzehnte AnAnregungsmittel, Beruhigungsmittel, Halluzinogene oder
gehörige
der Streitkräfte, Drogenmißbrauch
Opiumderivate. Dem ehemaligen Abteilungsleiter für
betreiben.
Gesundheit im Verteidigungsministerium, Dr. William
Mayer, zufolge offenbarte die Untersuchung, daß der
Major John Algner von der US-Armee, einem für
Drogenmißbrauch "ziemlich große BevölkerungsDrogen- und Alkoholmißbrauch zuständigen Beamsegmente", betraf, insbesondere sehr junge Mitglieten zufolge, litten vor nur 6 Jahren 8,3 Prozent der
der der Streitkräfte.
Armeeangehörigen - jeder zwölfte - unter "negativen
Konsequenzen" des Drogenmißbrauchs.
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Seite 1

�Das bedeutete, daß den Missetätern eine Beförderung
verweigert wurde, sie einen Verweis bekamen und
eine Strafe erhielten, die von Zusatzdienst bis zur
unehrenhaften Entlassung aus dem Dienst reichen
konnte.

setzt sich entschieden dafür ein, die Dienste derjenigen, die einen nützlichen Beitrag leisten können, zu
erhalten.

Sollte ein Soldat nach der Beratungs- und Rehabiiitationsbehandlung erneut Drogen nehmen, erfolgt schnell
Seit Beginn des "harten Durchgreifens" sank diese eine harte Bestrafung. Die Konsumenten, und natürRate auf 5 Prozent. Die anderen Bereiche der Streit- lich die Händler, werden viel öfter aus der Armee
kräfte verzeichneten ähnlich befriedigende Ergebnis- entlassen, als man sich das im allgemeinen vorstellt.
se. Die Programme der Armee, der Marine und der In den letzten drei Jahren wurden beispielsweise 51.000
Luftwaffe unterscheiden sich in Kleinigkeiten, aber sie Angehörige der Armee durch ein Militärgericht, admigründen allesamt auf denselben fundamentalen Prin- nistrative Maßnahmen oder außergerichtliche Bestrazipien.
fung aus den Streitkräften entlassen.
Wie gewinnt die US-Armee den Krieg gegen den
Drogenmißbrauch in ihren eigenen Reihen?

Im Mittelpunkt aller Bemühungen in den Streitkräften
stehen vorgeschriebene, willkürliche Urinuntersuchungen, die jetzt so genau sind, daß das Vorhandensein
Wie in der Heeresdienstvorschrift 600-65 des Verteidi- einer Vielzahl von Opiaten entdeckt werden kann.
gungsministeriums beschrieben, besteht der Plan aus Diese Untersuchung ist entscheidend, so Algner. "Sonst
drei Angriffswellen: Aufklärung über die Auswirkungen würde das Programm nicht greifen."
des Drogenmißbrauchs, Rehabilitation und willkürliche Drogentests.
Die Drogenuntersuchungen begannen Anfang der
siebziger Jahre, als das Verteidigungsministerium
Sobald der Rekrut seine Uniform angezogen hat, Beweismaterial für Drogenmißbrauch unter den Angeunterzieht er sich einem intensiven Kurs über die hörigen des Militärs in Südostasien fand, aber erst
physischen und psychischen Auswirkungen des Kon- 1982 begannen die Untersuchungen in diesem Aussums illegaler Drogen auf seinen Körper, seine Arbeit maß. Zur Zeit unterhalten die Streitkräfte Laboratorien
und die Sicherheit seiner Kameraden. Diese Kurse auf der ganzen Welt.
sind Bestandteil aller Programme in der Grundausbildung, und es wird so großer Wert darauf gelegt wie im Angehörige des Militärs wissen nie, wann sie eine
Zweiten Weltkrieg auf Geschlechtskrankheiten. Die Urinprobe abgeben müssen. Beispielsweise erging
Aufklärung setzt sich während der gesamten militäri- auf dem Unterseeboot-Stützpunkt in Bangor im Bunschen Laufbahn fort. Nachdem die Rekruten einem desstaat Washington eines Morgens die Anweisung
Standort zugewiesen wurden, werden die Kurse regel- an alle Angehörigen, deren Sozialversicherungsnummäßig auf Kompanie- und Bataillonsebene abgehal- mer mit einer "8" endete, sofort zur Untersuchung zu
ten.
erscheinen. In Cheyenne (Wyoming) werden auf dem
Luftwaffenstützpunkt Warren willkürlich Autos angeJedesmal, wenn ein Soldat mit einer anderen Aufgabe halten, deren Passagiere sich einem Test unterziehen
betraut wird, jedesmal, wenn er sich einem bestimm- müssen. Auch die höchsten Ränge, selbst der beten Training unterzieht oder seine militärische Lauf- fehlshabende General, sind hiervon nicht ausgenombahn eine Änderung erfährt, werden ihm die Risiken men.
des Drogenmißbrauchs eingeschärft. Mit dieser ständigen Aufklärung geht die permanente Wiederholung Seit Juni 1988 müssen alle Rekruten in den Streitkräfder Regel einher, daß der Konsum illegaler Drogen mit ten vor ihrer Vereidigung eine Untersuchung auf Drodem Dienst in den Streitkräften unvereinbar ist.
gen vornehmen lassen, die negativ ausfallen muß.
Diese Erfordernis wurde vom Kongreß verfügt und am
Auch Offiziere werden beraten und lernen, wie sie 4. Dezember 1987 vom damaligen Präsidenten Roerste Anzeichen und Symptome von Drogenmißbrauch nald Reagan unterzeichnet. Senator Ernest F. Holbei ihren Untergebenen entdecken können.
lings aus South Carolina, einem Befürworter dieses
Zusatzes
zum Gesetz zur Bevollmächtigung des MiliWurde ein Drogenkonsument identifiziert, bekommt er
tärs
zufolge,
sollen "die Konsumenten von Drogen
die Chance zur Beratung und Rehabilitation. Es stegeschnappt
werden,
bevor sie den Streitkräften beitrehen Therapeuten zur Verfügung, die ihm bei der Löten."
sung seines Problems zur Seite stehen. Einige derdes
Drogenmißbrauchs Bezichtigten erhalten eine Kombi- Die Streitkräfte nehmen jedes Jahr drei Millionen
nation aus Beratung und ambulanter Behandlung, Drogentests mit Kosten in Höhe von 15 Dollar je
andere werden ins Krankenhaus eingewiesen, im all- Untersuchung vor. Der Urin wird unter direkter Kongemeinen sechs bis acht Wochen lang, gefolgt von trolle einer mit der Testperson nicht in Beziehung
einer längeren Zeit der Überwachung und Pflege.
stehenden Person abgegeben und mit einer Kennziffer
versehen.
Die Proben werden bis zu ihrer Ablieferung
"Eines der wichtigen Ziele des Programms", so Algner,
im
Labor
in
geschlossenen Behältern aufbewahrt.
"ist die Wiederherstellung der Produktivität". Die Armee
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AMERIKA DIENST 28

�Wenn das Ergebnis bei der hochtechnisierten Untersuchung positiv ist, werden die Proben in einem anderen Labor nochmals getestet, um einen Fehler auszuschließen. Das Militär ergreift erst Maßnahmen, nachdem eine zweite Untersuchung die anfänglichen Ergebnisse bestätigt hat.

Militär - während der gesamten Schulzeit der Kinder
fortsetzen.

Die Schulen könnten sich eine weitere Idee von der
Armee ausborgen: Um den Drogenmißbrauch unter
Soldatenkindem zu bekämpfen, haben Jugendgruppen begonnen, diese Gefahr durch Druckausübung
Die wissenschaftliche Stichhaltigkeit der Testverfah- von Seiten der Peer-Group zu bekämpfen, und zusätzren ist kontrovers diskutiert worden. Gegner der lich wurden Einsatzgruppen von Jugendlichen ins Leben
Drogenuntersuchung argumentierten, es könnten Fehler gerufen, um Konsumenten von Drogen aufzustöbern
gemacht werden, und bei der Untersuchung könnten und von dieser Praxis abzubringen. "Der von der
bestimmte Drogen und ihr mengenmäßiges Vorhan- Peer-Group ausgeübte Druck führt zur Verbreitung
densein nicht identifiziert werden.
des Drogenmißbrauchs", erklärte der frühere Präsident George Bush. "Der von der Peer-Group ausgeHeutzutage werden bei den Drogentests jedoch äu- übte Druck kann zu seiner Eindämmung beitragen."
ßerst genaue Ergebnisse erzielt, die Kapitän zur See
Michael L. Pratt zufolge "vor Gericht nur selten erfolg- - Behandlung und Rehabilitation, der zweite Bereich,
reich angefochten werden können". Pratt ist befehls- müssen beträchtlich aufgestockt werden. "Es ist Zeit
habender Offizier eines Untersuchungslabors in Jack- zum Ausbau unserer Behandlungszentren", stellte
der ehemalige Präsident fest, "und dafür, den Bedürfsonville, Florida.
tigen bessere Dienste anzubieten". Zur Zeit gibt es in
Warum funktionieren die Tests so gut? Pratts kurze den Vereinigten Staaten zwei Millionen DrogenabhänAntwort lautet: "Sie ängstigen diese Kerle erfolgreich gige, die bei angemessener Behandlung ihr Laster
zu Tode." In der Tat alarmierte das Militär seine aufgeben könnten. Lediglich 400.000 erhalten jedoch
Angehörigen und erreichte dabei einen dramatischen Hilfe.
Rückgang des Drogenmißbrauchs. Das Ziel besteht in
der völligen Ausmerzung der einst wütenden Plage, Der Kern des Militärprogramms (Tests und gravierenund das Pentagon ist der Ansicht, daß es der Errei- de Konsequenzen fürdiejenigen, die sich ohne Zweifel
chung dieses Ziels sehr nahe kommen kann.
als Konsumenten erweisen) sollte von Unternehmen,
Berufsgenossenschaften und allen anderen Bereichen
Das Programm kostet ungefähr 175 Millionen Dollar in unserer Gesellschaft übernommen werden.
jährlich und erfordert mehrere tausend Stunden Arbeit.
Die Untersuchungen unter der Zivilbevölkerung werKönnte das Programm der Militärs mit derselben Er- den zur Zeit noch kontrovers diskutiert, und bei Gericht
folgsquote bei der Zivilbevölkerung angewendet wer- werden diesbezüglich Klagen eingereicht, aber der
den? Da es sich bei den Streitkräften um eine ge- Gesellschaft für verbesserte Erziehung zufolge sollten
schlossene Organisation handelt, die in autoritärer die Drogenuntersuchungen beibehalten werden. L.
Weise geführt werden muß, ist es Experten zufolge Camille Herbert, Juraprofessorin an der Ohio State
nicht einfach, dieselben strengen Maßnahmen in der University, erklärte, die Gerichte und Parlamente des
Gesellschaft zu ergreifen. Während jedoch die spezi- Landes hätten den Unternehmern großzügigen Spielfische harte Vorgehensweise mit allem Drum u nd Dran raum für die Untersuchung ihrer Arbeitnehmer gegenicht angewendet werden kann, könnten dem Penta- ben, und fügte hinzu: "Ich denke nicht, daß ein
gon zufolge die allgemeinen Prinzipien zur Eindäm- Arbeitnehmer erwarten kann, überhaupt nicht getestet
mung des Drogenmißbrauchs für die Zivilbevölkerung zu werden."
übernommen werden.
Die amerikanische Handelskammer berichtet, die
- Aufklärung, der erste Bereich des Militärprogramms, Untersuchungen seien jetzt "sehr intensiv und nehmuß sich auf alle Teile der Gesellschaft erstrecken. men an den Arbeitsplätzen der Nation die ganze Zeit
Ein Anfang ist bereits gemacht worden. Die Werbein- zu." Mehr als die Hälfte der großen Unternehmen
dustrie hat in den letzten drei Jahren durch die Partner- Amerikas und eine große Anzahl kleinerer Unternehschaft für ein drogenfreies Amerika Sendezeit im Wert men haben bereits Tests für alle Angestellten zur
von nahezu 800 Millionen Dollar gespendet. Gegen- Pflicht gemacht, und die Zahlen steigen jeden Monat
wärtig werden pro Tag 1 Million Dollar für Werbung weiter an. Der Grund dafür ist der Handelskammer
gegen den Drogenmißbrauch aufgewendet.
zufolge, daß ihr Funktionieren außer Frage steht. Die
Landesweit bietet eine steigende Zahl von Schulen ersten Tests weisen eine 92- bis 98prozentige Genauund Colleges Kurse über die Gefahr des Drogenmiß- igkeit auf, der zweite Test zur Bestätigung, der alle
Proben erfaßt, "weist praktisch keine Fehlermarge
brauchs an, lädt berühmte Sportler und andere beauf."
kannte Persönlichkeiten zu Gesprächen mit den Schülern und Studenten ein und bildet Elterngruppen zur Mark A. de Bernardo, geschäftsführender Direktor des
Bekämpfung des Mißbrauchs. Die Kultusministerien Instituts für einen drogenfreien Arbeitsplatz, erklärt,
sollten diese Kurse verbindlich machen und - wie im
AMERIKA DIENST 28

Seite 3

�"die Arbeitgeber haben im Kampf gegen Drogen eine
legitime Rolle, da Drogenmißbrauch ihren Gewinn
beeinflußt". Etwa 100 Milliarden Dollar gehen der
Geschäftswelt jährlich wegen Abwesenheit, Kosten im
Gesundheitswesen und hohen Unfallraten aufgrund
von Drogenkonsum verloren.
Ungefähr 50 Prozent der 500 führenden Unternehmen
Amerikas unterhalten Testprogramme. Dazu gehören
IBM, Kodak, DuPont, Capital Cities/ABC sowie alle
Zulieferer der Verteidigungsindustrie. In Baltimore
(Maryland) hat die Klinik der Johns Hopkins University
mit willkürlichen Untersuchungen ihrer neuen Ärzte
begonnen.
Kürzlich ging der Landkreis Maricopa in Arizona gegen
Drogensüchtige mit dem Slogan der Antidrogenkampagne "Do Drugs, Do Time" (Nimm Drogen und lande
hinter Gittern) vor. Um eine Anklage wegen schwerem
Verbrechen zu vermeiden, müssen diejenigen, die
geschnappt wurden, wöchentlichen Beratungen beiwohnen und sich regelmäßigen Urinuntersuchungen
unterziehen. Wenn sie die Tests schwänzen, werden
sie angeklagt und müssen im Falle ihrer Verurteilung
ins Gefängnis. Ein oder zwei Tage im Gefängnis
zusammen mit eingefleischten Kriminellen zeigen bei

*

Seite 4

*

den "netten" Leuten, die nur ab und an Drogen nehmen, ihre Wirkung. Die wirklich Abhängigen begrüßen
im allgemeinen ihre Festnahme. Ein Chemiker mit
einem Jahreseinkommen von 50.000 Dollar, der 150.000
Dollar im Jahr für seine Abhängigkeit ausgab, gesteht:
"Ich bin froh, daß sie mich erwischt haben. Ich war
dabei, mich selbst umzubringen."
Piloten und andere Angestellte des Personenverkehrs
müssen sich den neuen Regelungen der Bundesluftfahrtbehörde und anderer amerikanischer Verkehrsunternehmen zufolge willkürlichen Tests auf illegale
Drogen unterziehen. Diese Tests stellen einen Zusatz
zu den vorgeschriebenen Tests nach einem Unfall dar.
Was kommt bei alledem heraus? Amerika hatte bis
heute begrenzten Erfolg mit der Kontrolle des in die
Vereinigten Staaten fließenden Nachschubs an Drogen, aber die Streitkräfte haben bewiesen, daß auf der
Nachfrageseite gute Arbeit geleistet werden kann. Die
Zivilbevölkerung sollte schnell und entschieden zuhören, lernen und handeln.
Es wäre nicht das erste Mal, daß das Militär den Weg
gewiesen hat, einen Krieg zu gewinnen.

*

*

AMERIKA DIENST 28

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                <text>&lt;strong&gt;1. G-7 / Korea&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fortschritte auf verschiedenen Gebieten bei Gesprächen in Asien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht: Wirtschaftsgipfel, Gespräche in Seoul&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Im Herbst Konferenz der G-7 über Arbeitsplätze in Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus Pressekonferenz des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA–Korea&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton warnt vor Verbreitung von Kernwaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus der Rede vor der koreanischen Nationalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Atomversuche&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton verlängert Moratorium für Atomtests&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus Rundfunkansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. NATO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Zukunft der NATO&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme von Walter B. Slocombe&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ein Sieg der USA im Drogenkrieg&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lester David&lt;/em&gt;</text>
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cimcrikci
dienet

U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

7. Juli 1993

G-7

DER GIPFEL VON TOKIO
von Lloyd Bentsen

•!••

$?','&amp;'
V

USA ERWARTEN SUBSTANTIELLE GESPRÄCHE
BEI WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Ausführungen eines hochrangigen
US-Regierungsvertreters

HILFE DES WESTENS KÖNNTE SCHLÜSSELROLLE BEI RUSSISCHEN REFORMEN
SPIELEN
Übersicht zur Rußlandhilfe der G-7

WIRTSCHAFT

BENTSEN: USA NACHDRUCKLICH FÜR
MARKTÖFFNUNG IM AUSLAND
Rede von Finanzminister Bentsen

BOTSCHAFTER

CLINTON ERNENNT RICHARD HOLBROOKE
ZUM BOTSCHAFTER IN DEUTSCHLAND
Erklärung des Weißen Hauses

4. JULI

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DER
WELTWEITEN DEMOKRATIEBEWEGUNG AUF
Botschaft zum amerikanischen
Unabhängigkeitstag

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�DROGEN

CLINTON MÖCHTE NACHFRAGE NACH
DROGEN DURCH PRÄVENTION
BEKÄMPFEN
Erklärungen von Clinton und Lee Brown
NEUE ZUSAMMENARBEIT BEI STRATEGIE
ZUR BEKÄMPFUNG DES DROGENMISSBRAUCHS
von David Clark Scott
KAMPF GEGEN DROGEN SOLLTE ZU
HAUSE BEGINNEN
von Peter Hakim

�G-7
7. Juli 1993

DER GIPFEL VON TOKIO
von Lloyd Bentsen
WASHINGTON - (AD) - Der folgende Beitrag des amerikanischen Finanzministers erschien unter dem Titel "Die
G-7 und Arbeitsplätze - Wie die Gespräche der G-7 mehr gute Arbeitsplätze im Inland schaffen können" am 4.
Juli 1993 in der Washington Post.

Die Außenpolitik wirkt sich immer stärker im Inland
aus. Wenn sich Präsident Clinton sowie die Staatsund Regierungschefs anderer Industriestaaten diese
Woche in Tokio zum 18. G-7-Gipfel versammeln,
werden sie sich auf einkommensrelevante Fragen
konzentrieren - Fragen wie Arbeitsplätze, die amerikanische Familien unmittelbar betreffen.

Deshalb ist es so wichtig, daß Präsident Clinton seinen
Plan zum Defizitabbau im Umfang von 500 Milliarden
Dollar vorgelegt hat. Vorher waren die Vereinigten
Staaten in keiner Position, zum Beispiel Europa zu
drängen, seine Inflationsängste zu ignorieren und die
Zinssätze zu senken, und wir waren in keiner Position,
Japan zur Ankurbelung seiner Wirtschaft anzuhalten.
Heute jedoch haben beide Häuser des amerikaniZur Debatte werden Themen wie Wirtschaftswachs- schen Kongresses sich bereiterklärt, populäre Buntum, Welthandel sowie die Bemühungen Rußlands zur desprogramme zu kürzen und die Steuern zu erhöhen,
Ausweitung seines Privatsektors stehen. Nicht zur um 12 Jahre defizitärer Tendenzen zu beenden. Die
Debatte stehen werden viele der Fragen, die im Zeit- endgültige Verabschiedung in diesem Sommer wird
alter des Kalten Krieges die internationalen Gespräche unsere Aussichten auf langfristiges Wirtschaftswachsbeherrschten. Anzeichen für diesen Wandel waren tum erheblich aufhellen.
erkennbar, als sich die Staatschefs der Vereinigten
Staaten und Ru ßlands dieses Jahr in Vancouvertrafen Präsident Clintons Initiative zum Defizitabbau hat bereits
und wesentlich ausführlicher über Hilfe als über Waf- mehr getan, als eine dramatische Senkung der amerifen sprachen. Vancouver war der erste Gipfel dieser kanischen Zinssätze zu verursachen. Sie hat die
Art, zu dem der Präsident der Vereinigten Staaten Aussichten auf kooperative Bemühungen zur Ankurseinen Finanzminister einlud.
belung des Weltwirtschaftswachstums bedeutend
verbessert.
In gewissem Sinne gestaltet das Ende des Kalten
Krieges unsere internationalen Beziehungen kompli- Beim Treffen der G-7-Finanzminister im Februar in
zierter. Die Demokratien des Westens haben keinen London - nach Bekanntgabe des Programms des
gemeinsamen Gegner mehr, der sie vereint, und die Präsidenten - waren die Vereinigten Staaten in der
Frage lautet, ob sie der amerikanischen Führung fol- Lage, die internationale wirtschaftliche Zusammenargen werden wie in der Vergangenheit. Werden wir beit zu fördern. Seither haben wir mehrere ZinssenVerbündete bleiben, wenn es um Fragen wie den kungen in Europa erlebt - erst in der vergangenen
Woche senkte die Bundesbank erneut den DiskontHandel geht?
satz -, und Japan hat einen ersten Schritt zur Belebung
Das hängt teilweise davon ab, ob die Industriemächte seiner Wirtschaft unternommen.
der Welt sich der Tatsache bewußt werden, daß
Wirtschaft kein Nullsummenspiel ist, daß alle Länder Gewiß möchten wir an beiden Fronten noch mehr
der Welt, wenn wir weltweites Wirtschaftswachstum sehen, und weitere kooperative Bemühungen zur
hervorbringen können, die Chance haben, sich ein Ankurbelung des weltweiten Wirtschaftswachstums
größeres Stück von einem größeren Kuchen zu si- werden in Tokio auf der Tagesordnung stehen. Die
chern. Dies hängt auch von der Führung ab.
amerikanische Wirtschaft mag sich nicht so schnell
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Seite 1

�erholen, wir wir alle es uns wünschen, aber sie stellt die
aller anderen G-7-Staaten in den Schatten. Dies ist
vielleicht weniger Anlaß zum Stolz als zu Besorgnis.
Schwaches Wachstum in anderen Ländern bedeutet,
daß sie es sich nicht leisten können, viele Waren mit
dem Stempel "Made in USA." zu kaufen.

nischen Wahlen in diesem Monat zu erzielen. Aber wir
sind entschlossen. Wenn der japanische Handelsüberschuß auf sein historisches Niveau zurückgeht,
könnte dies für die Weltwirtschaft vielleicht zwei Millionen Arbeitsplätze und weitere 60 Milliarden Dollar an
Exporten bedeuten.

Die Zahl amerikanischer Arbeitsplätze, die von Exportenabhängen, ist nicht länger marginal. Seit 1987 war
die exportgestützte Beschäftigung für rund ein Drittel
des Gesamtwachstums der amerikanischen Beschäftigung verantwortlich. In den siebziger Jahren standen
wenigerals 10 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts
mit dem Welthandel in Zusammenhang, heute sind es
über 30 Prozent.

Die Uruguay-Runde des GATT

Mit Hilfe der G-7 erwiesen sich die Volkswirtschaften
angesichts des Crashs als elastisch, und 1988 folgte
darauf ein kräftiges Wachstum. Wenn aus dem diesjährigen Gipfel ein Plan für kooperative Bemühungen
zur Beilegung von Spannungen und Steigerung der
Wirtschaftsleistung weltweit hervorgeht, werden unsere Bemühungen erfolgreich sein.

Die Entwicklungsländer

Ein erfolgreicher Abschluß der Uruguay-Runde des
GATT ist unerläßlich, um das Welthandelssystem zu
stärken. Der Präsident hat verdeutlicht, daß wir sie
rasch und erfolgreich abschließen wollen. Die von uns
angestrebte gegenseitige Abschaffung von Zöllen in
wichtigen Sektoren könnte im nächsten Jahrzehnt
weitere 1,4 Millionen Arbeitsplätze in den Vereinigten
Beim Tokioter Gipfel werden wir weiterhin Fortschritte Staaten schaffen.
erzielen. Das heißt jedoch nicht, daß der Gipfel
spezielle Aktionspläne hervorbringen wird, die in dem Rußland
Augenblick, in dem der Gipfel zu Ende geht, Millionen
Im vergangenen Monat konnte ich mich in Moskau aus
von Arbeitsplätzen schaffen. Darum geht es bei Giperster Hand über Fortschritte bei der Eindämmung der
feltreffen nicht; bei Gipfeltreffen geht es um langfristige
Inflation und der Staatsausgaben, bei der VerwirkliZusammenarbeit. Denken Sie zurück an das Treffen
chung marktwirtschaftlicher Reformen und bei der
der Finanzminister in London zu Beginn des Jahres.
Privatisierung von Industrien informieren, die sich einst
Alles, was wir am Ende des Treffens verkünden konnim Staatsbesitz befanden. Es bestehen dort enorme
ten, war ein neuer Geist der Zusammenarbeit. Erst
Chancen, und die Entscheidung des Internationalen
Wochen, sogar Monate später wußten wir, daß dieser
Währungsfonds aus der vergangenen Woche, einen
"Geist" in niedrigere Zinssätze in Europa und wirtersten Kredit von 1,5 Milliarden Dollar für Rußland
schaftliche Impulse in Japan umgesetzt wurde.
freizugeben, war ein erster wichtiger Schritt zu ihrer
Die Bedeutung der Zusammenarbeit der G-7 trat ebenso Verwirklichung. In Tokio werden wir weiterhin auf
deutlich im Oktober 1987 zutage, als die amerikani- Wirtschaftshilfe drängen. Kein Problem ist von grundsche Börse an einem Tag um 500 Punkte absackte. legenderer Bedeutung für die weltweite Sicherheit.

Wir werden uns insbesondere auf folgende Bereiche
konzentrieren:
Zusammenarbeit für weltweites Wachstum
Die Aussichten für Europa sind beunruhigend. Die
Arbeitslosigkeit dort erreicht nahezu 21 Millionen
Menschen, und die meisten Länder befinden sich in
oder nahe an einer Rezession. Die Aussichten auf
baldige Erholung sind ungewiß.

Wir können es uns nicht leisten, die einstmals so
bezeichnete Dritte Welt oder die Notwendigkeit zu
ignorieren, die Verschmutzung unserer Luft und unseres Wassers zu reduzieren. Der Präsident hat bereits
Mittel zum Schuldenabbau in Afrika sichergestellt, und
wir werden unsere Unterstützung für den weltweiten
Umweltschutz aufrechterhalten.
Die meisten Teilnehmer am Gipfel werden nicht die
Vollmacht haben, sich einseitig zu Veränderungen zu
verpflichten. Andere Entscheidungsträger müssen die
Unterstützung ihrer Amtskollegen und parlamentarischer Mehrheiten haben, ebenso wie wir nichts ohne
die Zustimmung des Kongresses tun können. Aber
alle teilnehmenden Staats- und Regierungschefs haben
die Pflicht, den von ihnen geführten Bürgern Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Beim Streben nach
diesem gemeinsamen Interesse wäre es nicht akzeptabel zu versuchen, den internationalen Status quo
beizubehalten, demzufolge einige Staaten auf Kosten
der anderen als die gro ßen Gewinner dastehen. Wenn
man das Wachstum der Weltwirtschaft erörtert, muß
man sich glücklicherweise nicht mit einem solchen
Ergebnis zufriedengeben.

Der Handel mit Japan gibt ebenfalls Anlaß zu Besorgnis. In den achtziger Jahren bestand das Handelsproblem in den amerikanischen Defiziten. Heute sind es
die weltweiten japanischen Überschüsse, und sie sind
chronisch und werden von Jahr zu Jahr größer. Getrennt vom Gipfel haben wir deshalb mit Japan Gespräche geführt, die dem weltweiten Markt für Exporte
zugute kommen sollen. Die Unterhändler haben vergangene Woche keine Einigung erzielt, und es wird
schwierig aber nicht unmöglich sein, sie vor den japa- Von all den Unterlagen, die ich zur Vorbereitung auf
den Gipfel gelesen habe, fühlte ich mich besonders
Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�von einigen 20 Jahre alten außenpolitischen Magazi- lung von gutbezahlten Arbeitsplätzen anführen - hatnen angezogen. Ich stellte fest, daß sich einige Dinge ten keine Anzeigen geschaltet. Das liegt daran, daß
kaum verändert haben. Die Diskussionen über Han- sie 1973 noch nicht existierten.
delsprobleme sind auffallend ähnlich.
Wenn daraus eine Lehre zu ziehen ist, dann die
Eines, was sich jedoch geändert hat, ist die Tatsache, folgende: Obwohl sich die Welt und mit ihr unsere
daß viele amerikanische Firmen, die Anzeigen in die- Wirtschaft verändert haben, trifft dies nicht auf unsere
sen Magazinen hatten, nicht mehr existieren. Sie Politik zu. Dieser Rückstand hat einige dieser alten
wurden übernommen oder stellten ihre Tätigkeit ein, Unternehmen geschädigt, und für die neuen war er
weil sie nicht weltweit konkurrenzfähig waren. Und nicht gerade hilfreich. Dies ist eine Lehre, die Präsieinige der stärksten amerikanischen Unternehmen - dent Clinton, der gewählt wurde, um einen Wandel zu
insbesondere die in der Spitzentechnik, die heute bewirken, mit nach Tokio nehmen wird.
unser Land beim Export von Waren und der Bereitstel* * * *

AMERIKA DIENST 27

*

Seite 3

�G-7
7. Juli 1993

USA ERWARTEN SUBSTANTIELLE GESPRÄCHE
BEI WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
Ausführungen eines hochrangigen US-Regierungsvertreters
WASHINGTON - (AD) - Einem führenden Vertreterder
US-Administration zufolge erwarten die Vereinigten
Staaten beim kommenden Wirtschaftsgipfel der sieben führenden Industriestaaten (G-7) in Tokio substantielle Gespräche.
Auf die Frage, ob die Auflösung der japanischen
Regierung die Vorbereitungen für den Gipfel erschwere, erklärte der Regierungsvertreter am 30. Juni, "es
wäre unehrlich zu sagen, daß [bei der Planung der
G-7-Gespräche] nicht einige ernste Schwierigkeiten
vor uns liegen".
Die politischen Veränderungen in Japan "haben es
schwieriger gemacht, wesentliche Fortschritte" bei den
zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zur
Debatte stehenden Gipfelthemen zu erzielen, äußerte
er bei einem Informationsgespräch mit ausländischen
Journalisten im Foreign PressCenterdes US-Informationsamts in Washington.
Der Regierungsvertreter betonte jedoch, daß die Vereinigten Staaten und Japan Verbündete seien und die
"Gespräche des vergangenen Wochenendes in Japan
den Prozeß tatsächlich vorangetrieben haben". Er
bekräftigte, daß die Vereinigten Staaten in Japan
"langfristige, auf Gegenseitigkeit beruhende Interessen" verfolgen und eine weitere "Ausweitung des
Handels" mit ihren japanischen Partnern sowie die
"Reduzierung wirtschaftlicher Spannungen" und die
"Koordinierung wirtschaftspolitischer Maßnahmen"
anstreben.
Der Regierungsvertreter stellte fest, die Vereinigten
Staaten und Japan hätten "gemeinsame Interessen",
etwa im Hinblick auf den erfolgreichen Abschluß der
Uruguay-Runde von Handelsgesprächen sowie die
Hilfe für Rußland. Er fügte hinzu, die Clinton-Administration fühle sich insbesondere "sehr ermutigt durch
die japanische Entscheidung, ihre Auslandshilfeprogramme" mit dem Näherrücken des Wirtschaftsgipfels
auszubauen.

AMERIKA DIENST 27

Auf die Frage nach dem möglichen Schwerpunkt der
bevorstehenden politischen Diskussionen bei den
G-7-Gesprächen stellte er fest: "Ich erwarte voll und
ganz, daß die G-7-Länder den staatlich geförderten
Terrorismus" im Kontext der "internationalen Sicherheit" in "wesentlichen Einzelheiten erörtern werden".
Auf Fragen nach möglichen Diskussionsthemen, die
Präsident Clinton bei seinem Besuch in Südkorea
gegenüber der koreanischen Führung zur Sprache
bringen wird, antwortete der Vertreter: "Die Vereinigten Staaten werden ihre nachhaltige Wertschätzung
für den stattfindenden Demokratisierungsprozeß" in
diesem Land zum Ausdruck bringen. Die Administration wolle "mit Korea bei Sicherheitsfragen zusammenarbeiten und die sehr effektiven Beziehungen
fortführen, die in der Vergangenheit funktioniert haben". Darüber hinaus würden sich die amerikanischkoreanischen Gespräche auf "Nichtverbreitung" und
"Handelsfragen" konzentrieren.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten Beweise für
eine ausländische Beteiligung an dem Bombenanschlag auf das World Trade Center sowie an anderen
vermuteten Terrorkomplotten in New York hätten,
äußerte sich der Regierungsvertreter folgendermaßen: "Meines Erachtens haben die Ermittlungen in
New York bis heute keine Anhaltspunkte für Verbindungen ins Ausland ergeben."
Im Hinblick auf die amerikanische Politik zu BosnienHerzegowina stellte der Regierungsvertreter fest, die
Vereinigten Staaten seien nach wie vor der Auffassung, es wäre eine "wünschenswerte Maßnahme",
das Waffenembargo gegen die bosnischen Muslime
aufzuheben und sogar "Luftangriffe auszuführen oder
anzudrohen, um die Bewaffnung [der Muslime in Bosnien]
zu gestatten". Jedoch aufgrund des Fehlens von
Unterstützung für eine solche Aktion durch die Verbündeten oder die Vereinten Nationen "sind wir nicht
bereit, eine einseitige Aktion durchzuführen".

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�Im Hinblick auf Südafrika wies der Regierungsvertreter
darauf hin, die Clinton-Administration sei bereit, bei
jeder künftigen "demokratischen und nichtrassischen"
Wahl Unterstützung zu gewähren, etwa durch "Ausbildung von Wahlbeobachtern", und man sei bereit,
Maßnahmen in Erwägung zu ziehen, "um das Wirtschaftswachstum in Südafrika zu fördern".

Zu möglichen amerikanischen Plänen, in den Beziehungen mit Vietnam Fortschritte zu erzielen, erklärte
er, die amerikanische Unterstützung für Hilfe durch die
internationalen Finanzinstitutionen an dieses Land hänge
weiterhin "vom bestmöglichen Nachweis des Verbleibs
unserer Kriegsgefangenen und Vermißten ab".

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AMERIKA DIENST 27

�G-7
7. Juli 1993

HILFE DES WESTENS KÖNNTE SCHLÜSSELROLLE
BEI RUSSISCHEN REFORMEN SPIELEN
Übersicht zur Rußlandhilfe der G-7

rungsprogramm zufolge wird der IWF 4,1 Milliarden
Dollar in Form eines standardisierten Hilfsdarlehens
bereitstellen. Dieser Betrag wird phasenweise gewährt werden und ist an Fortschritte bei der Erreichung
bestimmter wirtschaftlicher Ziele und Bedingungen
gebunden. Weitere 6 Milliarden Dollar werden aus
Während der letzten Monate verlautete aus Kreisen einem speziellen IWF-Fonds vergeben, um den Wert
der G-7, der Gruppe der wichtigsten Industrienationen, des russischen Rubels zu stabilisieren, nachdem die
sie würden Rußland Hilfe in Höhe von 43,4 Milliarden Wirtschaftsreformen in Kraft gesetzt wurden.
Dollar zur Verfügung stellen; ein Großteil davon ist Teil
eines vorausgesetzten Übereinkommens zwischen Unterstützung für Strukturreformen
Rußland und dem Internationalen Währungsfonds über
Während der ersten zwei Phasen wird Rußland eine
einen Wirtschaftsreformplan.
Finanzierung benötigen, die es ihm gestattet, essenUngefähr 15 Milliarden Dollar der Gesamtsumme der tielle Waren und Dienstleistungen zu importieren. Diese
Hilfe stellen eine Stundung der im Jahr 1993 fälligen Finanzierung umfaßt 3,4 Milliarden Dollar an Darlehen
Schuldendienstleistungen dar.
der Weltbank zur Unterstützung der Entwicklung von
Energie- und Landwirtschaftssektoren sowie politiEin Großteil der verbleibenden Hilfe wird phasenweise scher Reformen auf Gebieten wie Privatisierung staatgewährt, wodurch Vertretern der Vereinigten Staaten licher Betriebe, 500 Millionen Dollar der Europäischen
zufolge die Kontinuität des Wirtschaftsreform- und Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) als
Demokratisierungsprozesses in Rußland gewährt wird. Kofinanzierung zur Unterstützung der Energiedarlehen der Weltbank, 300 Millionen Dollar der EBWE zur
Anfängliche Unterstützung für die Stabilisierung
Errichtung eines Fonds zur Unterstützung kleinerund
mittlerer
Privatunternehmen sowie 10 Milliarden Dollar
Der IWF wird im Rahmen seiner neugeschaffenen
an
direkten
Krediten und Garantien von den für ExportFazilität für die Umgestaltung des Systems (Systemic
kredite
der
G-7
zuständigen Behörden.
Transformation Facility) ungefähr 3 Milliarden Dollar
zur Verfügung stellen -1,5 Milliarden Dollar sind Bestandteil einer politischen Verpflichtung der russischen Bilaterale Hilfe der USA
Regierung zur Stabilisierung, und die verbleibenden Die Clinton-Administration hat 1,8 Milliarden Dollar an
1,5 Milliarden sollen der Eindämmung der Inflation neuer bilateraler US-Hilfe vorgeschlagen, von denen
dienen. Der IWF gab am 1. Juli seine Absicht bekannt, 1,3 Milliarden zur Unterstützung von Initiativen in den
unter der Fazilität für die Umgestaltung des Systems Bereichen Energie, Kemkraftsicherheit, Umweltschutz,
seine erste Teilzahlung an Rußland zu leisten. Die Unterbringung von Angehörigen des Militärs, SchafWeltbank wird zu diesem Zeitpunkt 1,1 Milliarden fung kleinerer Betriebe, Medizin, Handel und InvestiDollar an Hilfe bereitstellen.
tionenvorgesehen sind. Die verbleibenden 500 Millionen Dollar sollen einem neuen multilateralen Fonds
Umfassendes wirtschaftliches Stabilisierungspro- zur Unterstützung der Privatisierung russischer Indugramm
strien zugute kommen. Die Clinton-Administration
Einem Übereinkommen zwischen dem IWF und Ruß- hatte ursprünglich einen Privatisierungsfonds in Höhe
land über ein umfassendes wirtschaftliches Stabilisie- von 4 Milliarden Dollar vorgesehen, wovon die Hälfte

WASHINGTON - (AD) - Wenn es Rußland gelingt, die
wichtigsten Wirtschaftsreformen einzuleiten, wird dieses Land mehr Finanzhilfe erhalten als jedes andere
Land, seit die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten
Weltkrieg den Wiederaufbau Europas unterstützten.

AMERIKA DIENST 27

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�von den Regierungen der G-7 zur Verfügung gestellt
werden sollte, die andere Hälfte von den internationalen Finanzinstitutionen. Haushaltsschwierigkeiten in
Europa haben die Erwartungen an einen Fonds dieser

Größenordnung gesenkt. Regierungsvertreter sprechen zur Zeit von einem Pilotprogramm in Höhe von
vielleicht 2 Milliarden Dollar.

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AMERIKA DIENST 27

�WIRTSCHAFT
7. Juli 1993

BENTSEN: USA NACHDRÜCKLICH FÜR
MARKTÖFFNUNG IM AUSLAND
Rede von Finanzminister Bentsen
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verfolgen eine aktive Exportpolitik, denn "unsere Märkte sind
offen und andere Märkte nicht", erklärte Finanzminister Lloyd Bentsen am 30. Juni 1993 vor einer amerikanischen Handelsgruppe.
Dieser Aktivismus sei in den Verhandlungen über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen mit Mexiko
und Kanada, bei Gesprächen zur Schaffung eines neuen Rahmens für die Wirtschaftsbeziehungen zu Japan
sowie in den Bemühungen zur Beschleunigung des erfolgreichen Abschlusses der Uruguay-Runde unter Beweis
gestellt worden, die die Schranken für amerikanische Exporte senken werden, stellte Bentsen bei einem von der
Organisation Consumers for World Trade veranstalteten Abendessen fest.
Nachfolgend veröffentlichen wir Bentsens Rede in leicht gekürzter Fassung.

Ich danke Ihnen für diese Ehre. Bei Terminen wie
diesem weiß ich, daß diese Achttagewochen, die wir
gearbeitet haben, der Mühe wert sind. Es bedeutet für
mich sehr viel, wenn eine Organisation dieses Renommees feststellt, ich hätte etwas für dieses Land geleistet.

Unsere Handelspolitik der aktiven Exportförderung
beruht auf einer einfachen Prämisse: Die Weltmärkte
sollten ebenso offen sein wie unsere.

Um dies in die Perspektive zu rücken, sollten wir einen
Moment über Offenheit nachdenken. Wenn man es
als Anteil am BIP betrachtet, dann hat Japan unsere
Es ist mir ferner eine besondere Ehre, hier zur gleichen Märkte nahezu zweimal so stark durchdrungen wie die
Zeit geehrt zu werden, da Sie die Beiträge von Präsi- Märkte der Europäischen Gemeinschaft. Nach demdent Salinas würdigen. Ihm gebührt ein großes Ver- selben Maßstab hat Europa einen nahezu doppelt so
dienst für die mutigen Schritte, die er unternommen hohen Anteil an unserem Markt wie am japanischen
hat. Botschafter Montano, würden Sie Präsident Sa- Markt errungen. Hier stimmt irgend etwas nicht, und
ich sage Ihnen, was es ist: Unsere Märkte sind offen
linas bitte meine Glückwünsche übermitteln?
und andere Märkte nicht.
Es ist schon spät, und ich werde mich kurz fassen. Ich
möchte einige Minuten über unsere Handelspolitik Selbst in Bereichen, in denen wir irgendeine Art von
sowie darüber sprechen, was wir bei einigen wichtigen Schutz vor ausländischer Konkurrenz bieten, sind wir
Handelsthemen unternehmen.
immer noch weit offener als unsere wichtigsten Konkurrenten. Wir führen pro Kopf mehr Textilien ein als
Wir sollten einen Augenblick innehalten und uns die die EG, Japan oder Kanada. Ausländische Automobiljüngste Geschichte des Handels vor Augen führen. hersteller haben einen 24prozentigen Marktanteil bei
Seit 1959 hat sich der Anteil der Exporte an unserem uns, jedoch lediglich 12 Prozent in der EG und 4
Bruttoinlandsprodukt mehr als verdoppelt.
Prozent in Japan. Der OECD zufolge sind unsere
landwirtschaftlichen Subventionen wesentlich niedriSeit dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben wir
ger als in Europa und Japan. Auch hier stimmt etwas
Handelsschranken als Preis des Wiederaufbaus in
nicht.
Europa und Japan grundsätzlich akzeptiert. Heute
wird der Rest der Welt ebenso wohlhabend wie wir, Es ist dieses Ungleichgewicht bei der Offenheit, das
einige Länder sogar noch wohlhabender. Es ist des- die Grundlage für unseren aktiven Ansatz im Exporthalb die Zeit gekommen, Veränderungen vorzuneh- sektor bildet. Die Tatsache, daß unsere Märkte schon
men.
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�so lange so offen sind, bedeutet, daß andere Industriestaaten, insbesondere diejenigen mit chronischen
Außenhandelsüberschüssen, wesentlich mehr tun
müssen, um ihre Märkte zu öffnen. Wir streben nichts
an, was wir nicht selbst bereits getan haben.

Das ändert überhaupt nichts an unseren Zielen. Wir
erwarten weiterhin von Japan, daß es seinen Handelsüberschu ß auf ein Niveau senkt, das mehr im Einklang
mit der historischen Entwicklung steht. Fernerverhandeln wir über Marktzugang.

Ich mochte Ihnen kurz skizzieren, was wir zur Verwirk- Wenn Sie dies von der Warte des Verbrauchers belichung dieser Politik unternehmen.
trachten, dann ist es meiner Ansicht nach an der Zeit,
daß Japan seinen Verbrauchern ebensoviel AufmerkErstens zu NAFTA: Ich bin sicher, viele von Ihnen samkeit schenkt wie seinen Unternehmen.
haben von der heutigen richterlichen Entscheidung
gehört, derzufolge wir vor der Inkraftsetzung von NAFTA Japan ist ein modernes Land. Sein BIP pro Kopf gehört
eine Umweltverträglichkeitserklärung benötigen. Ich zu den höchsten der Welt. Es ist höher als unseres.
möchte sagen, daß wir diese Entscheidung scharf Japan hat höhere Stundenlöhne in der Produktion.
ablehnen. Wir werden dagegen Berufung einlegen.
Wir sind darüber besorgt. Sie könnte zu einer unver- Aber schauen Sie sich den Lebensstandard an. Gestern
hältnismäßigen Verzögerung des NAFTA führen, und habe ich einige Zahlen aus einer gemeinsamen amedas möchten wir nicht. Darüber hinaus greift sie in die rikanisch-japanischen Preisstatistik gesehen. Sie beFähigkeit des Präsidenten zur Durchführung der legten, daß die Japaner nahezu 50 Prozent mehr für
Nahrungsmittel ausgeben als wir. Eine Packung FrühAußenpolitik ein.
stückskost ist fast 80 Prozent teurer als in den VereiWir streben effektive Zusatzvereinbarungen - zur Umwelt nigten Staaten. Ein Paar Bluejeans kostet 74 Prozent
und zu Arbeitsfragen - an, die das Abkommen stärken mehr. Der Studie zufolge zahlen Japaner 40 Prozent
werden. Ich kann sagen, daß ich mich durch die mehr für einen Laserdrucker, der auch noch in Japan
Behandlung des NAFTA im kanadischen Senat ver- hergestellt wurde. Die Liste ist lang. Ich kann Ihnen
gangene Woche ermutigt fühle. Ich hoffe, wir werden sagen, diese Preise sind nicht gerade verbraucherfreundlich.
bald in der Lage sein, dasselbe zu tun.
Das NAFTA ist von lebenswichtiger Bedeutung. Es
bedeutet Wirtschaftswachstum, mehr Arbeitsplätze
und höhere Einkommen. Kurzum, es bedeutet Wohlstand.

Es ist klar, daß dort Schranken gegen offenen und
freien Handel bestehen. Wenn es in Japan einen
verbraucherfreundlicheren Ansatz gäbe - die japanischen Verbraucher hätten mehr Geld, das sie für die
Verbesserung ihres Lebensstandards ausgeben könnEinige scheinen im Hinblick auf NAFTA etwas schwer- ten.
hörig zu sein. Wenn ich hinhöre, dann höre ich eine
Flut von Waren und nicht von Arbeitsplätzen nach Der Punkt ist, daß die Verbraucher überall profitieren
Süden rauschen. Die Arbeitsplätze sind in den Verei- werden, wenn der Marktzugang erweitert wird, wenn
nigten Staaten und dienen der Herstellung von Waren geschützte Märkte dem Wettbewerb geöffnet werden.
für den Export.
Die Zeit ist gekommen, daß wir diese Probleme in
Vor fünf Jahren hatten wir im Handel mit Mexiko ein Angriff nehmen. Hier stehen das Wachstum der
Defizit zu verzeichnen. Nachdem Präsident Salinas Weltwirtschaft sowie die Arbeitsplätze auf dem Spiel,
die Handelsschranken abgebaut hat, erzielen wir heute die damit einhergehen. Die Vereinigten Staaten köneinen erheblichen Überschuß in der Größenordnung nen nicht allein die gesamte Weltwirtschaft ziehen.
von 5 Milliarden Dollar. Unsere Exporte nach Mexiko Wenn zum Beispiel der japanische Handelsüberschuß
sind in den vergangenen 5 Jahren um 25 Milliarden auf das angemessene Niveau gesenkt wird, könnte
dies für die Weltwirtschaft ein bis zwei Millionen ArDollar jährlich gestiegen.
beitsplätze sowie zusätzliche Exporte von 60 MilliarFür mich ist das ein sicheres Zeichen, daß freierer den Dollar bedeuten.
Handel Wachstum und Wohlstand hervorbringt, und
meines Erachtens wird die überwältigende Mehrheit Das dritte Vorhaben, mit dem einige dieser Probleme
der Sektoren in unserer Volkswirtschaft vom NAFTA mit der Offenheit von Märkten gelöst werden und die
profitieren. Es handelt sich um ein Abkommen, das gut Weltwirtschaft angekurbelt wird, ist ein erfolgreicher
Abschluß der Uruguay-Runde von GATT-Gesprächen.
für den Verbraucher und gut für die Wirtschaft ist.
Der Präsident hat eindeutig festgestellt, daß wir dies
Zweitens haben wir mit Japan Gespräche über einen rasch und erfolgreich erreichen möchten.
neuen Rahmen für unsere Wirtschaftsbeziehungen
geführt.
Nun hat jeder eine andere Definition dessen, was ein
Erfolg ist. Im Hinblick auf das GATT möchte ich Ihnen
Diese Gespräche sind nicht so gut verlaufen, wie wir meine Definition darlegen.
uns erhofft hätten, aber es gibt dort nur eine Übergangsregierung, und das macht es etwas schwieriger, Meines Erachtens können wir von Erfolg sprechen,
derzeit konkrete Ergebnisse zu erzielen.
wenn wir die tarifären und nichttarifären Hemmnisse
Seite 2

AMERIKA DIENST 27

�für unsere Exporte abbauen. Wir streben die gegen- mit unseren Kollegen eine Reihe anderer Themen zu
seitige Beseitigung von Zöllen in den wichtigen Berei- erörtern, zum Beispiel Demokratie und Marktreformen
chen der pharmazeutischen Produkte, Elektronik, in Rußland. Wir sind führend bei den HilfsbestrebunFertigwaren und in anderen Sektoren an. Wir möch- gen für die Russen, und ich freue mich, daß der IWF
ten, daß unsere Dienstleistungsunternehmen, etwa heute für die Freigabe eines Kredits von 1,5 Milliarden
Banken und Versicherungsgesellschaften, mehr Zu- Dollar gestimmt hat.
gang zu Auslandsmärkten haben.
Meines Erachtens werden wir diesen Gipfel als ein
Wenn wir diese Runde abschließen können, bedeutet Ereignis erleben, das kurz an Förmlichkeiten und lang
das für die Amerikaner sehr viel. Präziser gesagt, es an Substanz ist. Die Entscheidungsträger werden viel
bedeutet Wachstum und Arbeitsplätze.
Zeit haben, um offen miteinander zu sprechen, einander besser kennenzulernen und zusammenzuarbeiWir gehen davon aus, daß unser Output im nächsten ten. Dieser Gipfel wird ihnen erlauben, sich auf die
Jahrzehnt um 1 Billion Dollar steigt und der Weltoutput derzeit wichtigsten Probleme zu konzentrieren, also
um bis zu 5 Billionen zunehmen kann. Das bedeutet die Wiederherstellung des weltweiten Wirtschaftswachsfür die vierköpfige Durchschnittsfamilie 17.000 Dollar. tums, die Öffnung von Märkten sowie die UnterstütEs bedeutet, daß aufgrund zusätzlichen Handels in zung des russischen Reformprozesses. Wir müssen
Verbindung mit der GATT-Runde weitere 1,4 Millionen nicht den Saal verlassen und irgendwelche bombastiamerikanischer Arbeitsplätze geschaffen werden schen Erklärungen abgeben, um Fortschritte bei diekönnen.
sen Themen erzielt zu haben.
Bevor ich zum Schluß komme, möchte ich darauf
hinweisen, daß ich nächste Woche mit Präsident Clinton zum Wirtschaftsgipfel nach Tokio reisen werde.
Wir treten in einer starken Position an, der stärksten
seit Jahren, weil wir unsere wirtschaftlichen Hausaufgaben gemacht haben. Unsere Führung hat dem
bereits dahinsiechenden G-7-Prozeß neues Leben
eingehaucht, und unsere Glaubwürdigkeit dürfteunsere Partner in der G-7 dazu ermutigen, weitere kooperative Schritte zu unternehmen, um ihre Volkswirtschaften anzukurbeln und Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen.

Wir sind uns bewußt, daß nicht jeder die Autorität
haben wird, um sich bei diesem Gipfel an Ort und Stelle
zu Veränderungen zu verpflichten. Unsere japanischen Gastgeber zum Beispiel werden 10 Tage danach ein neues Parlament wählen. Das bedeutet, daß
wir ein noch nachhaltigeres Engagement zur Führung
unter Beweis stellen müssen, um die von uns unternommenen Bemühungen zur Ankurbelung der Weltwirtschaft in die Tat umzusetzen.

Abschließend möchte ich Ihnen mitteilen, daß ich mich
entschlossen hatte, mit dem Ende meiner Amtszeit im
Senat in den Ruhestand zu treten. Das war, bevor
Eine der Botschaften, die ich in jüngster Zeit ausge- mich Präsident Clinton bat, sein Finanzminister zu
sandt habe, lautet, daß wir, die Vereinigten Staaten, werden. Ich sah einen Präsidenten mit dem politiden Rest der Weltwirtschaft nicht allein mitziehen schen Mut, zu tun, was in dieser Stadt in den vergankönnen. Dies muß eine kooperative Bestrebung sein. genen 12 Jahren nicht getan wurde, und das ist:
Aus diesem Grund arbeiten wir so hart an der Öffnung Unsere Wirtschaft in den Griff zu bekommen und
von Märkten und der Umsetzung koordinierter und unsere wirtschaftliche Zukunft zu verändern. Ein Teil
kooperativer binnenwirtschaftlicher Maßnahmen. Wir davon ist sein energisches Engagement für die Öffmüssen diesen Prozeß solide fortsetzen.
nung von Märkten und die Verfügbarkeit von mehr
Waren
für mehr Menschen. Ich bin üoerzeugt, daß die
Der Gipfel wird uns allen - dem Präsidenten, mir und
von uns an der Handelsfront angestrebten Aktionen
Außenminister Christopher - die Gelegenheit geben,
dies bewirken werden.

* *

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Seite 3

�BOTSCHAFTER
7. Juli 1993

CLINTON ERNENNT RICHARD HOLBROOKE
ZUM BOTSCHAFTER IN DEUTSCHLAND
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat seine Absicht bekanntgegeben, Richard Holbrooke zum
Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland zu ernennen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vom Pressesprecher des Weißen Hauses am 30. Juni 1993
herausgegebenen Erklärung.

Präsident Clinton hat heute seine Absicht bekanntgegeben, Richard Holbrooke zu seinem Botschafter in
Deutschland zu ernennen...
"Die Mitarbeiter, die wir heute unserem außenpolitischen Team hinzufügen, bringen außerordentliche
Leistungen und Charakter mit", erklärte der Präsident.
"Ich freue mich besonders, daß Richard Holbrooke
unserem Land als Botschafter in Deutschland dienen
wird. Während seiner Tätigkeit in der Regierung und
in jüngster Zeit als Manager im Privatsektor hat er
bewiesen, daß er über die für eine solch bedeutende
Position erforderlichen Begabungen verfügt."
Richard Holbrooke war seit 1985 geschäftsführender
Direktorder Investmentfirma Lehman Brothers in New
York sowie Vorsitzender des überparteilichen Ausschusses für die Erneuerung der Regierung, der von
der Carnegie-Stiftung und dem Institute for International Economics gefördert wird. Von 1977-1981 war er

Abteilungsleiter des Außenministeriums für Ostasien
und den Pazifik. Davor war er von 1962-1969 im
Auswärtigen Dienst der Regierung tätig, arbeitete in
Vietnam, im Stab des Weißen Hauses und gehörte der
Delegation bei den Pariser Verhandlungen über einen
Friedensschluß in Vietnam an.
Von 1970-1972 war Holbrooke Direktor des Friedenskorps in Marokko und diente von 1974-1975 als hochrangiger Berater im Ausschu ß des Präsidenten für die
Organisation der Regierung bei ihrer außenpolitischen
Tätigkeit. Auch war Holbrooke Chefredakteur des
außenpolitischen Magazins Foreign Policy, freier
Mitarbeiter bei Newsweek International und beriet
1976 im Wahlkampf das Team Carter/Mondale in
sicherheitspolitischen Fragen.
Richard Holbrooke hat einen Bachelor of Arts der
Brown University und war Gastdozent der Woodrow
Wilson School. Erist 52 Jahre alt und hatzwei Söhne...

* * * *

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Seite 1

�4. J U L I
7. Juli 1993

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG
DER WELTWEITEN DEMOKRATIEBEWEGUNG AUF
Botschaft zum amerikanischen Unabhängigkeitstag
WASHINGTON - (AD) - Mit der Feststellung, daß das Echo der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung heute
auf der ganzen Welt zu hören ist, fordert Präsident Clinton die Amerikaner auf, sich erneut ihren Idealen zu
verschreiben und die weltweite Bewegung für Demokratie und Freiheit zu unterstützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten zum Unabhängigkeitstag im Wortlaut.

Am Unabhängigkeitstag begehen wir die Geburt der
ersten und größten Demokratie der Neuzeit. Die in der
Unabhängigkeitserklärung verkörperten Ideale haben
unserer Nation als Leitlinie und den Völkern auf der
ganzen Welt als Inspiration gedient. Dieses Dokument
hat die Idee von Amerika exakt umrissen: daß die
Rechte des Einzelnen nicht von der Großzügigkeit der
Regierung herrühren, sondern aus der Hand des Allmächtigen stammen. Die Gründerväter gaben auf
immer ihre Bindung an die alten europäischen Klassenvorstellungen auf und verschrieben sich statt dessen dem Glauben, daß alle Menschen gleich sind.
Die herausragenden Männer, die sich vor 218 Jahren
in Philadelphia versammelten, um die Unabhängigkeit
unserer Nation zu erklären, riskierten ihre Ehre, ihr
Vermögen, sogar ihr Leben, um eine bessere Zukunft
für ihre Kinder und Enkel zu schaffen. Als Erben des
Vermächtnisses der Freiheit verdanken wir unsere
Freiheiten der Tatsache, daß die Gründerväter unserer Nation die Notwendigkeit für tiefgreifenden Wandel
erkannten und dementsprechend handelten.

Heute finden auf der ganzen Welt einschneidende
Veränderungen statt. Nationen, die seit Jahrhunderten nichts als Tyrannei kannten, verschreiben sich
plötzlich den Idealen von Freiheit und Demokratie.
Und überall, wo die Freiheit verkündet wird, ist das
Echo der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten
Staaten von Amerika zu hören. Die Worte von Thomas
Jefferson werden in Dutzenden von Nationen in Hunderten von Sprachen gesprochen.
Wir sind zu Recht stolz auf den Einfluß, den unsere
Überzeugungen auf die Welt hatten. Aber die Mission
Amerikas ist noch lange nicht erfüllt. Die Welt ist zwar
voller Chancen, aber auch voller Unsicherheiten. Wir
müssen uns der Aufgabe widmen, die Träume unserer
Gründerväter zu bewahren und der unvollendeten
amerikanischen Autobiographie unser eigenes Kapitel
hinzuzufügen. Indem wir die Veränderungen begrüßen, die die Welt von heute umgestalten, tragen wir zur
Schaffung einer schöneren, demokratischeren und
friedlicheren Welt bei. An diesem Unabhängigkeitstag
ermutige ich alle Amerikaner, sich erneut der Überzeugung zu verschreiben, daß unsere heroische Reise
immer nach oben führen muß.
Ich wünsche allen einen wunderbaren Tag.

* * * *

AMERIKA DIENST 27

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Seite 1

�DROGEN
7. Juli 1993

CLINTON MÖCHTE NACHFRAGE NACH DROGEN
DURCH PRÄVENTION BEKÄMPFEN
Erklärungen von Clinton und Lee Brown
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, "durch Prävention die Nachfrage nach Drogen
... zu ersticken", äußerte Präsident Clinton am 1. Juli 1993. "Das bedeutet mehr und bessere Erziehung, mehr
ehandlung und mehr Rehabilitation", erklärte der Präsident anläßlich der Vereidigung von Lee Brown als
irektor des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik.
Der Präsident verwies darauf, daß er trotz haushaltspolitischer Engpässe die Mittel zur Eindämmung der
Nachfrage nach illegalen Drogen um 10 Prozent aufgestockt und "eine dramatische Erhöhung der Mittel zur
Polizeiarbeit in den Gemeinden" bereitgestellt habe.
Brown zufolge ist der Drogenmißbrauch ein "unversöhnlicher, unbarmherziger Feind", der häufig "ganze
Stadtviertel überwältigt" hat... Er "hat Amerika seiner Vitalität und Wettbewerbsfähigkeit beraubt und plündert
unsere Zukunft."
Brown erklärte, er werde frühere Versuche zum Abfangen von Drogenlieferungen in die Vereinigten Staaten
untersuchen und "die aufgeben, die nicht funktioniert haben", und er werde danach trachten, die "internationale Ablehnung des Drogenschmuggels... zu mobilisieren", insbesondere bei den lateinamerikanischen Staaten.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus den Erklärungen von Präsident Clinton und Lee Brown.

Zuviele junge Amerikaner werden ihrer Zukunft und
sehr viele ihres Lebens beraubt. Aus all diesen Gründen erfordert der Kampf gegen Drogen eine facettenreiche Offensive und den größtmöglichen Einsatz der
Ressourcen, die wir als Volk besitzen. Das haben wir
in dieser Administration zu erreichen versucht. Trotz
aller Haushaltskürzungen und eines fünfjährigen strikten Einfrierens der Gesamtausgaben im Inland steigen
unsere Haushaltsmittel zur Nachfragereduzierung um
Lee Browns Führungsrolle bei der Gewährleistung von 10 Prozent, und es gibt eine dramatische Erhöhung
Sicherheit für unsere Gemeinden und Bürger ist unü- der Mittel zur Polizeiarbeit in den Gemeinden sowie
bertroffen, und heute muß er diese Qualitäten und all eine eindeutige Verpflichtung, die Behandlung von
diese Erfahrung einsetzen, um die destruktiven Ver- Drogenabhängigen in das nationale Krankenversichelockungen illegaler Drogen in den Griff zu bekommen. rungsprogramm aufzunehmen, das unsere Administration in naher Zukunft vorlegen wird.
Wir wissen, daß die erfolgreiche Kontrolle von Drogen
nicht in einem Vakuum stattfindet. Es handelt sich hier Am wichtigsten ist jedoch, daß unsere Anstrengungen
um ein vielköpfiges Ungeheuer. Drogen verletzen nun durch Lee Brown koordiniert, zusammengefaßt
unsere Grenzen, wenn Schmuggler sie als illegale und geleitet werden. Das Büro des Direktors für
Fracht einführen. Unsere Gefängnisse sind überfüllt, Drogenpolitik wird nicht länger vom Rest der Regieund unsere Gerichte sind überlastet durch Konsumen- rung getrennt fungieren und lediglich die Rolle einer
ten und Händler. Verbrechen und Gewalt werden in Kanzel für Moralpredigten spielen. Von nun an wird es
große und kleine Gemeinden getragen, und dasselbe Hand in Hand mit den anderen Ministerien arbeiten,
gilt für Schüsse aus fahrenden Autos und willkürliche und damit wird unsere Effektivität gesteigert. Unser
Morde.
Ziel besteht darin, die Nachfrage nach Drogen durch
Präsident Clinton: Als ich Lee Brown zum Leiter des
Büros für nationale Drogenkontrollpolitik berief, bezeichneten ihn viele als eine hervorragende Wahl. Ich
meine, dies ist eine zutreffende Charakterisierung,
denn Lee Brown bringt dreißigjährige Erfahrung in
höchsten polizeilichen Positionen in einigen der härtesten Städte unseres Landes mit: New York, Houston
und Atlanta...

AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�Prävention im Keim zu ersticken. Das bedeutet mehr
und bessere Erziehung, mehr Behandlung und mehr
Rehabilitation.

Bereichen der Prävention, Erziehung, Behandlung,
Strafverfolgung und Bekämpfung des Schmuggels
hinzuarbeiten. Die nationale Drogenkontrollstrategie,
die ich für den Präsidenten und das amerikanische
Gleichzeitig möchten wir den Nachschub abschnüren, Volk entwickeln möchte, wird Mittel dort einsetzen, wo
indem wir mehr Polizeibeamte einsetzen, indem wir die Probleme am schwierigsten sind. Sie wird Ansätze
den Gesetzen in unseren Gemeinden und an den mit erwiesener Effektivität unterstützen, etwa die PoAußengrenzen des Landes Geltung verschaffen und lizeiarbeit auf Gemeindeebene. Wir werden die Tatsawir unseren Freunden und Verbündeten helfen, das- che unterstreichen, daß Drogensucht ebenso ein
selbe jenseits unserer Grenzen zu tun. Wir verpflich- Problem der öffentlichen Gesundheit wie der Justiz ist,
ten uns, mit anderen Ländern zusammenzuarbeiten, indem wir die Verfügbarkeit von Behandlungsmöglichdie den Mut und den politischen Willen demonstriert keiten erweitern und deren Qualität verbessern.
haben, die Drogenhändler im eigenen Land zu verfolgen, die ihre Gesellschaften und ihre Volkswirtschaf- Wir werden unsere Bemühungen verdoppeln, in der
ten destabilisieren...
amerikanischen Jugend ein Wertegefüge zu verankern, das sie letztlich gegen die Verlockungen des
Die Pioniertaten, die Lee Brown bei der Polizeiarbeit Drogenhandels und die Flucht in die Drogenabhängigvor Ort in Houston und New York vollbracht hat, sind keit immun macht. Wir werden das amerikanische
heute legendär. Dabei lernten Beamte als Fußstreifen Volk davon überzeugen, daß seine Besonnenheit und
ihre Nachbarn kennen und engagierten sich bei der die seiner Kinder ebenso Teil des Amerikanischen
Prävention von Verbrechen ebenso wie bei der Ergrei- Traums ist wie der Besitz eines Eigenheims oder eine
fung von Kriminellen.
Collegeausbildung. Und dieses Heim und die Familie
gehen, wenn sie überhaupt jemals erworben wurden,
Dies ist ein Kampf, der uns gewiß alle über die Grenzen
rasch verloren, wenn sie in dem Alptraum der Drogenvon Parteien, Rassen, Regionen und Einkommen hinweg
sucht zu Treibgut werden.
vereinen kann. Wir kämpfen für unsere Familien,
unsere Kinder, unsere Gemeinden und unsere Zu- Obwohl die Drogenprobleme im Bewußtsein der Öfkunft. Jeder einzelne Amerikaner - täuschen wir uns fentlichkeit einen Teil ihres Einflusses verloren haben,
nicht - trägt auch persönliche Verantwortung, eine werden wir das amerikanische Volk auffordern, die
Rolle in diesem Kampf zu spielen. Jeder, der denkt, Kampagne gegen Drogen zum persönlichen Kreuzzug
Lee Brown oder irgend jemand sonst könne dieses zu machen. Und ich bin überzeugt, daß wir Erfolg
Problem für das amerikanische Volk anstatt mit dem haben werden. Wir werden frühere Versuche zum
amerikanischen Volk lösen, wird sich noch wundem... Abfangen von Drogenlieferungen untersuchen und die
aufgeben, die nicht funktioniert haben. Wir werden aus
Lee Brown: Herr Präsident, erlauben Sie mir zu
unseren Fehlern lernen und Fortschritte machen.
Beginn, meinen aufrichtigen Dank für die Berufung in
Ihr Kabinett als Direktor des Büros für nationale Dro- Wir werden eng mit unseren Freunden auf der Welt
genkontrollpolitik zum Ausdruck zu bringen. Durch die zusammenarbeiten, besonders mit unseren lateinaAufwertung des Postens zum Kabinettsrang haben merikanischen Nachbarn, umdie internationale AblehSie der Nation und der Welt Ihre Entschlossenheit nung des Drogenschmuggels und seiner kriminellen
bekundet, das amerikanische Volk im Innern ebenso Profite zu mobilisieren. Wir werden dies und noch
unmißverständlich zu schützen und zu verteidigen wie mehr tun. Aber eines werden wir niemals tun: Vor
im Ausland.
denjenigen kapitulieren, die uns in dem Glauben wiegen möchten, das Drogenproblem sei zu weitverbreiDies ist zu Recht der Fall. Denn die Drogensucht in
tet, zu tief verwurzelt oder zu kostspielig, um etwas
Amerika, die soviele ihrer Opfer unter unseren jungen
dagegen zu tun. Wir werden den Sirenenklängen der
Menschen, sogar unter Neugeborenen, fordert, hat
sich als unversöhnlicher, unbarmherziger Feind erwie- Legalisierung widerstehen und denjenigen, die mit
sen. Häufig hat sie ganze Stadtviertel überwältigt und Drogen handeln, eine bewährte Botschaft senden,
Straßen zu Schlachtfeldern gemacht. Sie hat Amerika indem wir sie ins Gefängnis stecken.
seiner Vitalität und Wettbewerbsfähigkeit beraubt und Wir werden Drogenhandel stets als schweres Verbreplündert unsere Zukunft.
chen gegen die Gesellschaft behandeln, und wir werden diejenigen, die den Klauen der Abhängigkeit entSo unversöhnlich der Gegner auch sein mag, in dieser
fliehen möchten, mit Mitgefühl und echter UnterstütAdministration hat er einen hartnäckigen Feind...
zung behandeln. Unser Ziel wird es sein, den DrogenIch verspreche, mit dem Kongreß und den anderen konsum in Amerika zu reduzieren, nicht, weil dies ein
Mitgliedern des Kabinetts auf die Schaffung einer leicht erreichbares Ziel wäre, sondern weil das Wohleffektiven, dauerhaften öffentlichen Politik in den ergehen der Nation dies erfordert und weil das gute
Gewissen jedes Amerikaners es verlangt.
* *

Seite 2

AMERIKA DIENST 27

t

&gt;

�DROGEN
7. Juli 1993

NEUE ZUSAMMENARBEIT BEI STRATEGIE ZUR
BEKÄMPFUNG DES DROGENMISSBRAUCHS
von David Clark Scott
Die von vielen hochrangigen Drogenbekämpfern in ganz Amerika verspürte Frustration bringt ein beispielloses
Ausmaß an Zusammenarbeit zwischen den Nationen der westlichen Hemisphäre sowie den Ruf nach einer
durchgreifenden Überarbeitung der Drogenbekämpfungsstrategie hervor. Der Beschluß der Clinton-Administration, den Kampf gegen den Konsum im Inland gegenüber Programmen zur Eindämmung des Drogenschmuggels und Vernichtung von Anbauflächen im Ausland zu forcieren, ermutigt auch andere Regierungen.
David Clark Scott ist Mitarbeiter von The Christian Science Monitor. Reprinted by permission of The Christian
Science Monitor. Copyright (c) 1993 The Christian Science Publishing Society. All rights reserved.

Drogenbaron Pablo Escobar ist auf der Flucht. Immer
mehr Kokain und Heroin wird sichergestellt. In Kanada
und den Vereinigten Staaten geht der Verbrauch illegaler Drogen zurück. Aber niemand feiert. Statt
dessen steigt die Frustration bei den führenden Drogenbekämpfern in ganz Amerika.

Marti Guillo, Sekretärderguatemaltekischen Kommission gegen Sucht und Handel mit illegalen Drogen bei
einer Kaffeepause während der CICAD-Konferenz.

Die 1986 gegründete CICAD ist die Unterorganisation
der Organisation Amerikanischer Staaten, die zum
Forum für die Koordinierung der Bemühungen zur
"Je mehr wir das Problem loszuwerden scheinen, Drogenbekämpfung in der Region wird. CICAD finandesto größer scheint es zu werden", erklärt Miguel ziert und unterstützt die Verteilung von Informationen
Angel Gonzalez Felix, Koordinator für Menschenrech- über nationale Drogenerziehungsprogramme. Sie hat
te und Drogenschmuggel im mexikanischen Ministe- beispielhafte Gesetze zur Beendigung der Geldwärium für Auswärtige Beziehungen. "Unsere Gefäng- sche und zur Kontrolle des Handels mit Chemikalien
nisse sind voller Drogenschmuggler. Wir hatten große entwickelt, die bei der Herstellung von Drogen verwenErfolge beim Abfangen von Drogenlieferungen aus det werden. Sie richtet juristische Zentren ein, um die
dem Ausland, aber Anbau und Abhängigkeit auf loka- Angleichung von Gesetzen und grenzüberschreitende
ler Ebene steigen. Das ist wie bei einem mit Wasser Zusammenarbeit zwischen Richtern und Staatsanwälgefüllten Ballon. Man drückt auf einer Seite, und die ten zu fördern.
andere Seite schwillt an."
"Die CICAD ist für uns ein sehr wichtiges multilaterales
Diese Frustration bringt ein beispielloses Ausmaß an Forum. Keine andere Organisation konzentriert sich
Zusammenarbeit zwischen den Staaten der westli- auf dieses Problem als hemisphärisches Problem",
chen Hemisphäre hervor. Sie führte beim 13. Halbjah- erläutert Eva Kmiecic, Generaldirektorin des kanadirestreffen der Interamerikanischen Kommission zur schen Direktorats für Polizei und Strafverfolgung.
Kontrolle des Drogenmißbrauchs (CICAD) Anfang März
1993 in Costa Rica zu Rufen nach einer durchgreifen- Aber bis noch vor drei oder vier Jahren hielten sich die
24 Teilnehmerstaaten der CICAD an Fragen von
den Erneuerung der Drogenbekämpfungsstrategie.
Souveränität und Korruption auf. Sie klassifizierten
"Dies ist wesentlich mehr geworden als ein nationales einander als "Produzenten"-, Transit"- oder "Verbrauoder regionales Problem. Der einzige Weg, um dage- cher-Staaten. Heute werden sie durch einen Gegner
gen anzugehen, besteht darin, sich zusammenzu- vereint, der keine Unterscheidungen dieser Art trifft.
schließen und die Strategie zu koordinieren. Es gibt in
Amerika kein einziges Land, das heute nicht sowohl Ein Land nach dem anderen berichtet über steigenden
mit dem Problem des Konsums als auch dem des Verbrauch harter Drogen. Die meisten lateinamerikaDrogenschmuggels konfrontiert ist", so Jose Eduardo nischen Staaten führen keine Statistiken, aber anhand
AMERIKA DIENST 27

Seite 1

�der beschlagnahmten Mengen, Anzahl der Festnahmen, Krankenhausberichte und einiger weniger statistischer Untersuchungen läßt sich der Trend belegen.

Vega Pinzon, Direktor des nationalen Rauschgiftbüros
von Kolumbien. "So gibt es zum Beispiel in vielen
Ländern keine Kontrolle chemischer Grundstoffe. Die
Verpflichtung dazu wird lediglich auf Diskussionsebe"Chile erklärte früher stets, es benötige kein Drogener- ne behandelt. Auf Handlungsebene gibt es nur leere
ziehungsprogramm", so der Generalsekretär der CICAD, Versprechungen."
Irving Tragen. "Letztes Jahr [1992] wurde die Regierung durch eine Studie schockiert, derzufolge 18 Pro- Aber die politische Macht und Verantwortung der CICADzent der Gymnasiasten in Nordchile bereits bazuko Vertreter ist im Wachsen begriffen, erklärt Alberto
(Kokainpaste) konsumiert hatten. Mit dem Schrump- LeStelle, der argentinische Minister für das Programm
fen des US-amerikanischen Markts stellen wir heute zur Verhütung der Drogensucht und den Kampf gegen
einen rapiden Anstieg des Verbrauchs in ganz Latein- Drogenhandel.
amerika fest."
"Ich hoffe, daß eines Tages Vertreter der DrogenbeExperten führen für diesen Trend eine Reihe von kämpfung auf Ministerebene hier teilnehmen werden.
Gründen an. Erfolgreiche Bemühungen zur Eindäm- Wenn Außenminister hier anwesend sind, die uneinmung des Drogenschmuggels in Mexiko und der Kari- geschränkte Macht über das gesamte Vorhaben habik haben die Drogenschmuggler gezwungen, ihre ben, dann weiß ich, daß wir auf dem Weg zu einer
Verteilungswege anzupassen. Mehr Flugzeuge lan- wirklichen Lösung sind", fügt LeStelle hinzu.
den in Mittelamerika oder werfen dort ihre Drogenlieferungen ab. Seit Mitte der achtziger Jahre haben die Lateinamerikanische Länder haben die Vereinigten
Drogenschmuggler begonnen, ihre Komplizen mit Staaten in der Vergangenheit kritisiert, weil sie den
Löwenanteil der Gelder zur Drogenbekämpfung für die
Drogen statt mit Geld zu entlohnen.
Unterbindung des Schmuggels und Programme zur
"Wir fangen an, das Problem des Konsums in wirt- Reduzierung des Angebots im Ausland anstatt für die
schaftlich schwachen und ländlichen Gebieten Latein- Reduzierung des Konsums im Inland ausgaben. Deshab
amerikas festzustellen, wo es kein Geld gibt, Men- fühlten sich viele CICAD-Mitglieder durch den amerischen jedoch heute harte Drogen nehmen. Dies ist kanischen Vertreter bei der Konferenz, J. Phillip McLean,
ermutigt, der einen Rückgang des Verbrauchs festAnlaß zu ernster Sorge", erklärt Gonzalez Felix.
stellte und versprach, die Nachfrage nach Rauschgift
Der Verbrauch steigt in Europa, was ebenfalls Einfluß weiter abzubauen.
auf die Verteilungsrouten hat. "In Lateinamerika gibt
es keinen internationalen Flug- oder Seehafen, der "Wir werden unseren größten Beitrag zur internationaheute nicht als Umschlagplatz für Drogen benutzt len Rauschgiftbekämpfung leisten, wenn wir Jahr für
wird", erläutert Juan Carlos Antoniassi, ein Verbin- Jahr den Drogenkonsum in den USA reduzieren. Die
neue Administration wird ihr Hauptaugenmerk dem
dungsoffizier von Interpol.
Konsum widmen", so McLean, der Stellvertretender
Maßnahmen zur Bekämpfung der Kokain- oder Hero- Abteilungsleiter für interamerikanische Angelegenheiinproduktion in Kolumbien, Peru und Bolivien haben ten im US-Außenministerium ist.
einige Anbauer und Laboratorien gezwungen, sich in
Nachbarländern niederzulassen. Das Wirtschafts- Mittlerweile leiten die Mitglieder der CICAD auf Anrewachstum in der Region steigt, und wenn die Nachfra- gung Mexikos eine gründliche Bewertung dessen ein,
ge in den Vereinigten Staaten und Kanada zurückgeht, was bis heute geleistet wurde und welche neuen
haben die Händler eine solch große Gewinnspanne, Strategien erforderlich sind, um die ausufernde Geißel
daß sie ihr überschüssiges Kokain zu niedrigeren des Drogenhandels zu bekämpfen.
Preisen in Lateinamerika loswerden und immer noch
"Viele Länder tun, was sie tun sollten. Tag für Tag
einen Profit machen können.
jedoch stellen wir den Einsatz immer raffinierterer
"Das Problem des Drogenschmuggels ist so ernst, es Systeme und Taktiken durch die Schmuggler fest.
zerstört unsere Länder, unsere Regierungen und unsere Was sollen wir also tun? Wir müssen unsere in den
Kinder. Wir müssen zusammenarbeiten. Es ist eine vergangenen sechs Jahren angewandten Strategien
Frage des Überlebens", meint die venezolanische überprüfen und für die Zukunft planen", meint der
Vertreterin bei der CICAD, Senatorin Sonia Sgambatti. mexikanische Vertreter bei der CICAD, Gonzalez Felix.
Trotz der Fortschritte bei der Entwicklung eines regionalen Konsenses erklären viele CICAD-Mitglieder, es
müsse noch viel getan werden, bis die Region in ihrem
Kampf gegen illegale Rauschmittel wirklich vereint ist.
"Sie können feststellen, daß die Zahl der Länder, die
sich des Problems annehmen, steigt. Aber es gibt
immer noch viel Heuchelei", äußert sich Gabriel de
Seite 2

Er führt die Notwendigkeit einer reibungsloseren Zusammenarbeit zwischen nationalen und internationalen Dienststellen an. Es könnte mehr in den Bereichen
Geldwäsche, Kontrolle des Waffenhandels und Finanzierung alternativer Entwicklungsstrategien getan
werden, anstatt bei Programmen zur Vernichtung von
Anbauflächen, erläutert er.

AMERIKA DIENST 27

�Das Umdenken bei der Strategie und der Trend zu
verstärkter Zusammenarbeit werden wahrscheinlich
einen Wandel in den Hilfsprogrammen der Vereinigten
Staaten und der Vereinten Nationen für Lateinamerika
erzwingen.
In der Vergangenheit sind Gelder vielleicht in die
Vernichtung von Anbauflächen oder ein Drogenerzie-

hungsprogramm eines Landes geflossen, nicht aber in
ein Nachbarland. "Eine der wichtigsten Dimensionen
des Drogenproblems besteht darin, daß es vor Landesgrenzen nicht haltmacht. Wir müssen unsere Hilfe
- technischer und wirtschaftlicher Art - ebenso grenzüberschreitend bündeln", erklärt CICAD-Generalsekretär Tragen.

* * * *

AMERIKA DIENST 27

*

Seite 3

�DROGEN
7. Juli 1993

KAMPF GEGEN DROGEN SOLLTE
ZU HAUSE BEGINNEN
von Peter Hakim
Ungeachtet dessen, wie viele illegale Drogen die Vereinigten Staaten jenseits ihrer Grenzen beschlagnahmen,
werden immerwieder neue ins Land geliefert, soder VerfasserdesvorliegendenArtikels. Er argumentiert, "unser
Krieg gegen Drogen wird zu Hause gewonnen oder verloren". Peter Hakim ist amtierender Präsident von InterAmerican Dialogue mit Sitz in der Bundeshauptstadt Washington.
Copyright (c) 1993 Peter Hakim. Aus The Christian Science Monitor.
Der Gebrauch und Mißbrauch von illegalen Drogen
scheint von der politischen Tagesordnung der Vereinigten Staaten verschwunden zu sein. Im Wahlkampf
des Jahres 1992 war er für die Kandidaten kaum noch
ein Thema. In den ersten Wochen seiner Amtszeit
nahm Präsident Clinton drastische Kürzungen beim

Mitarbeiterstab des Drogenbeauftragten vor, ohne auf
sichtbare Proteste zu stoßen, und wird noch eine
bedeutende politische Erklärung über Suchtmittel
abgeben müssen.

werden könnten. Die Inkraftsetzung dieser Vorschriften würde von den Vereinigten Staaten erfordern, sich
nicht länger auf die Strafverfolgung zu verlassen,
sondern in die Erziehung, Prävention und Behandlung
zu investieren. Eine Empfehlung sticht besonders
hervor: Die Vereinigten Staaten sollten ihre Drogenprobleme nicht länger außerhalb ihrer eigenen Grenzen zu lösen versuchen, sei es durch das Abfangen
von Drogenlieferungen oder durch die Vernichtung
des Nachschubs in den Ursprungsländern.

Was für ein Unterschied zu der Zeit vor einigen
Jahren, als Drogen die öffentliche Gefahr Nr. 1 waren,
als der damalige Präsident Bush eine seiner ersten
großen Ansprachen aus dem Oval Office nutzte, um
eine neue Drogenbekämpfungsstrategie bekanntzugeben, als er die Invasion in Panama teilweise auch
aus dem Grund begann, dem Drogenhandel und der
Geldwäsche dort ein Ende zu setzen, und als er zwei
Drogengipfel mit den Präsidenten lateinamerikanischer Länder anberaumte.

Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die von den
Vereinigten Staaten in Übersee geführten Schlachten
zur Drogenbekämpfung keinen Einfluß auf das Drogenproblem im Inland hatten und in Zukunft wohl auch
nicht haben werden. Trotz der für diese Bekämpfung
ausgegebenen Milliarden Dollar stellte der Bundesrechnungshof im Jahr 1991 fest, daß die in die USA
gelangende Flut von Drogen keinesfalls eingedämmt
worden war. Falcos Buch führt den Grund hierfür an:
"Eine relativ geringe Menge an Drogen kann unseren
gesamten... Markt versorgen. Ein 52 QuadratkilomeIllegale Drogen sind so leicht zu bekommen wie eh und ter großes Opiumfeld kann genug Heroin abwerfen,
je, und die im Zusammenhang mit ihnen stehende um die Nachfrage in den Vereinigten Staaten zu dekGewalt und Kriminalität ist ungebrochen. Es besteht ken. Vier Boeing 747-Transportflugzeuge ... können
die Hoffnung, daß sich die Gemüter in Zusammen- den amerikanischen Kokainverbrauch eines Jahres
hang mit dieser Angelegenheit soweit beruhigt haben, herbeischaffen. Wann immer eine Quelle zum Versiedaß klügere und effektivere Ansätze gewählt wer- gen gebracht wird, kann sie schnell durch eine andere
den können. Wenn das der Fall ist, dann ist das neue ersetzt werden."
Buch The Making of a Drug Free America (Times
Books, 1992) gerade zur rechten Zeit erschienen. Das "Das Abfangen von Drogenlieferungen an der Grenze
von Mathea Falco, der hochrangigen Beauftragten für hat kaum Auswirkungen auf die Straßenpreise... Nur
internationale Suchtangelegenheiten des früheren 10 Prozent des... Kokainpreises gehen an diejenigen,
Präsidenten Carter verfaßte Buch verweist auf eine die Kokapflanzen anbauen oder Kokain schmuggeln...
Reihe von funktionierenden Drogenbekämpfungspro- Selbst wenn wir in der Lage wären, die Hälfte des aus
grammen, die auf umfassenderer Ebene durchgeführt Südamerika kommenden Kokains zu beschlagnahAMERIKA DIENST 27

Seite 1

�men - eine sehr optimistische Prognose - würden die
Kokainpreise in amerikanischen Städten um weniger
als fünf Prozent ansteigen." Kurzum: Ungeachtet
dessen, wie viele Koka- oder Opiumfelder vernichtet
oder wie viele Herstellungseinrichtungen zerstört werden,
nehmen immer wieder neue die Produktion auf.
Ungeachtet dessen, wie viele Drogen konfisziert werden, werden immer neue verschifft. Nichts, das die
Vereinigten Staaten außerhalb ihrer Grenzen unternehmen können, wird viel zur Lösung ihres Drogenproblems im Land beitragen. Unser Krieg gegen Drogen
wird zu Hause gewonnen oder verloren.

oftmals mit regierungsfeindlichen Aufständischen
zusammen. Die Vereinigten Staaten sollten in dem
globalen Krieg gegen Drogen nicht aufgeben, sondern
den Ländern bei ihrem Kampf gegen die Gefahren für
Demokratie und politische Stabilität beistehen. Dieser
Krieg wird jedoch einen anderen Ansatz verlangen.
Washington sollten den Staaten beim Entwurf und der
Durchführung ihrer eigenen Drogenkontrollstrategien
helfen, und bei ihnen nicht auf die Übernahme amerikanischer Heilmittel dringen. Die Vereinigten Staaten
sollten insbesondere andere Länder nicht zu zwingen
versuchen, ihr Militär zur Drogenbekämpfung einzusetzen, da dadurch die zivile Kontrolle über das Militär
Diese Binsenweisheit ist jedoch kein Argument für die untergraben werden kann. Militärische und paramilitäVereinigten Staaten, den Kampf gegen den Drogen- rische Streitkräfte der Vereinigten Staaten sollten nicht
handel in Übersee aufzugeben. In vielen lateinameri- andernorts in Drogenoperationen eingesetzt werden.
kanischen Ländern unterminiert der Drogenhandel die
Aussichten auf eine demokratische Zukunft. Richter, Die Clinton-Administration sollte weiterhin in dem glogewählte Beamte, Angehörige des Militärs und Polizi- balen Kampf gegen Drogen engagiert bleiben, jedoch
sten werden mit Drogendollar gekauft und von den aus den richtigen Gründen und mit den richtigen TakDrogenbaronen gewaltsam eingeschüchtert.
tiken - nicht unsere eigenen Drogenprobleme zu lösen,
sondern anderen Ländern bei der Lösung ihrer ProbleKriminelle haben die Kontrolle übergroße Gebiete des me zu helfen.
nationalen Territoriums übernommen und arbeiten
* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 27

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                <text>&lt;strong&gt;1. G-7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Gipfel von Tokio&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Lloyd Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA erwarten substantielle Gespräche bei Weltwirtschaftsgipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen eines hochrangigen US-Regierungsvertreters&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hilfe des Westens könnte Schlüsselrolle bei russischen Reformen spielen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht zur Russlandhilfe der G-7&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bentsen: USA nachdrücklich für Marktöffnung im Ausland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Finanzminister Bentsen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Botschafter&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ernennt Richard Holbrooke zum Botschafter in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. 4.Juli&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton ruft zur Unterstützung der weltweiten Demokratiebewegung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft zum amerikanischen Unabhängigkeitstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Drogen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton möchte Nachfrage nach Drogen durch Prävention bekämpfen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Clinton und Lee Brown&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Zusammenarbeit bei Strategie zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von David Clark Scott&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kampf gegen Drogen sollte zu Hause beginnen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Peter Hakim&lt;/em&gt;</text>
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30. Juni 1993

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LUFTANGRIFF ANTWORT AUF IRAKISCHES
MORDKOMPLOTT
Ansprache Präsident Clintons an die Nation

ANGRIFF AUF HERZSTÜCK DES
IRAKISCHEN TERRORISMUS
Erklärung des US-Verteidigungsministers

DIE AMERIKANISCHE MILITARAKTION
GEGEN DEN IRAKISCHEN TERRORISMUS
Eine Übersicht der amerikanischen
Regierung

MENSCHENRECHTE

WIENER DOKUMENT BETONT ALLGEMEINGÜLTIGKEIT DER MENSCHENRECHTE
Shattuck zum Abschluß der Weltkonferenz
über Menschenrechte

UNO

USA MUSSEN BEI UNO-FRIEDENSSICHERUNG FÜHRENDE ROLLE ÜBERNEHMEN
Erklärung von Botschafterin Albright
vor Kongreßausschuß

START II

CIA-DIREKTOR WOOLSEY ZUR ÜBERWACHUNG VON START II
Stellungnahme vor Senatsausschuß

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.:0228-339 2372
Fax:0228-33 41 02

�HANDEL

SENATOREN ÄUSSERN SICH ZUR
URUGUAY-RUNDE
Brief des Finanzausschusses an Clinton

FRAUEN

DURCHBRUCH FÜR FRAUEN AUF
MENSCHENRECHTSKONFERENZ
Frauenfragen im Rampenlicht

GESELLSCHAFT

DIE GENERATION DES BABY-BOOMS
WIRD ÄLTER
von Marc Leepson

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1993

�IRAK
30. Juni 1993

LUFTANGRIFF ANTWORT AUF
IRAKISCHES MORDKOMPLOTT
Ansprache Präsident Clintons an die Nation
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton hat das Mordkomplott des Irak gegen Präsident Bush als "Anschlag
gegen unser Land und gegen alle Amerikaner" bezeichnet. Man habe "eine solche Aktion gegen unser Land"
nicht unbeantwortet lassen können.
"Seit den ersten Tagen unserer Revolution hat Amerikas Sicherheit von der Eindeutigkeit dieser Botschaft
abgehangen: Trampelt nicht auf uns herum", erklärte Clinton in einer landesweit übertragenen Fernseh- und
Rundfunkansprache. Er habe deshalb am Freitag (25. Juni) einen Angriff mit Marschflugkörpern auf das
Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes angeordnet, um "Saddam Hussein von der Unterstützung solch
gesetzlosen Verhaltens in der Zukunft abzuschrecken".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.
Meine amerikanischen Mitbürger, heute abend möchte ich zu Ihnen über einen Angriff der Regierung des
Irak gegen die Vereinigten Staaten und die Maßnahmen sprechen, die wir soeben ergriffen haben, um
darauf zu antworten.
Im vergangenen April hat die kuwaitische Regierung
einen vermutlich geplanten Autobombenanschlag zur
Ermordung des ehemaligen Präsidenten George Bush
bei seinem Besuch in Kuwait-Stadt aufgedeckt. Die
kuwaitischen Behörden nahmen 16 Verdächtige fest,
darunter zwei irakische Staatsbürger. Im Anschluß an
diese Festnahmen habe ich unsere eigenen Nachrichtendienste und Ermittlungsbehörden angewiesen, eine
gründliche und unabhängige Untersuchung durchzuführen. In den vergangenen Wochen haben Vertreter
dieser Behörden ein Spektrum nachrichtendienstlicher Informationen geprüft, sind nach Kuwait und an
andere Orte gereist, haben die Verdächtigen intensiv
vernommen und die forensischen Beweise eingehend
untersucht. Am vorigen Donnerstag haben Justizministerin Reno und CIA-Direktor Woolsey mir ihre Erkenntnisse vorgelegt.
Aufgrund ihrer Ermittlungen ergeben sich zwingende
Beweise dafür, daß es in der Tat ein Komplott zur
Ermordung des ehemaligen Präsidenten Bush gegeben hat und daß dieses Komplott, das den Einsatz
eines im Irak hergestellten mächtigen Sprengsatzes
einbezog, vom irakischen Geheimdienst geleitet und
verfolgt wurde.

AMERIKA DIENST 26

Wir sollten von solchen Taten nicht überrascht sein,
kommen sie doch von einem Regime wie dem Saddam
Husseins, das durch Greueltaten geherrscht und seine
eigenen Bürger abgeschlachtet hat, in zwei Nachbarländer eingefallen ist, weitere angegriffen, chemische
Kriegführung eingesetzt sowie Krieg gegen die Umwelt geführt hat. Saddam hat wiederholt den Willen
und das Gewissen der Völkergemeinschaft verletzt,
aber dieser Versuch der Rache eines Tyrannen an
dem Führer der weltweiten Koalition, die ihn im Krieg
besiegte, ist besonders verabscheuungswürdig und
feige. Wir danken Gott, daß er erfolglos war.
Die Behörden, die ihn zunichte machten, genießen die
Hochachtung aller Amerikaner. Es ist klar, daß dies
kein impulsiver oder zufälliger Akt war. Es war ein vom
irakischen Regime ersonnener, gut durchdachter Plan,
der sich gegen einen früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten aufgrund der von ihm als Präsident
ergriffenen Maßnahmen richtete. Damit war der irakische Anschlag auf Präsident Bush ein Anschlag gegen
unser Land und gegen alle Amerikaner. Wir konnten
eine solche Aktion gegen unser Land nicht unbeantwortet lassen, und das haben wir auch nicht getan.
Seit den ersten Tagen unserer Revolution hat Amerikas Sicherheit von der Eindeutigkeit dieser Botschaft
abgehangen: Trampelt nicht auf uns herum. Eine
feste und angemessene Reaktion war unerläßlich, um
unsere Souveränität zu schützen, denjenigen eine
Botschaft zu senden, die staatlich geförderten Terro-

Seite 1

�rismus einsetzen, weitere Gewalttaten gegen unser
Volk abzuschrecken und die Erwartung zivilisierten
Verhaltens zwischen Nationen zu bekräftigen.
Deshalb habe ich am Freitag angeordnet, daß unsere
Streitkräfte das Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes in Bagdad mit Marschflugkörpern angreifen.
Diese Flugkörper wurden heute nachmittag um 16.22
Uhr östlicher Zeit gestartet. Sie trafen vor etwa einer
Stunde ein. Ich habe diese Aktion mit der Führung des
Kongresses sowie mit unseren Verbündeten und Freunden in der Region erörtert, und ich habe eine Sondersitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen
beantragt, um das Verbrechen des Irak bloßzustellen.
Diese Aktionen richteten sich gegen die irakische
Regierung, die für das Mordkomplott verantwortlich
war. Saddam Hussein hat wiederholt bewiesen, daß
er zu Terrorismus oder Aggression greifen wird, wenn
man ihm nicht Einhalt gebietet. Unsere Absicht war es,
die Fähigkeit des Irak zur Unterstützung von Gewalt
gegen die Vereinigten Staaten und andere Nationen
anzugreifen sowie Saddam Hussein von der Unterstützung solch gesetzlosen Verhaltens in der Zukunft
abzuschrecken.

Nation, Gruppe oder Person zu vermitteln beabsichtigen, die unsere führenden Vertreter oder unsere Bürger schädigen möchte, sollte kein Zweifel bestehen:
Wir werden den Terrorismus bekämpfen. Wir werden
Aggression abschrecken. Wir werden unser Volk
schützen.
Die Welt hat wiederholt klargestellt, was der Irak tun
muß, um in die Völkergemeinschaft zurückzukehren,
und der Irak hat dies wiederholt verweigert. Wenn
Saddam und sein Regime weitere illegale, provokative
Aktionen planen sollten, können sie unserer Antwort
gewiß sein.
Den Männern und Frauen in unseren Streitkräften
sowie unseren Nachrichtendiensten und Ermittlungsbehörden, die die Untersuchung und unsere militärische Reaktion durchgeführt haben, möchte ich mitteilen: Sie haben meine Dankbarkeit und die Dankbarkeit
aller Amerikaner. Sie haben einen schwierigen Auftrag mit Mut und Professionalismus ausgeführt.

Abschließend möchte ich dem ganzen amerikanischen
Volk noch folgendes sagen: Obwohl der Kalte Krieg
geendet hat, ist die Welt nicht frei von Gefahr, und ich
bin entschlossen, die erforderlichen Schritte zu unterDeshalb haben wir unsere Aktion gegen eine mit der nehmen, um die Sicherheit unseres Landes zu bewahirakischen Unterstützung des Terrorismus in Verbin- ren. Wir werden unsere Streitkräfte kampfbereit haldung gebrachte Anlage gerichtet und gleichzeitig alles ten. Wir werden uns dafür einsetzen, entstehende
Erdenkliche getan, um Verluste an unschuldigen Bedrohungen abzuwenden, und wir werden Maßnahmen ergreifen, wenn Maßnahmen erforderlich sind.
Menschenleben so gering wie möglich zu halten.
Das genau haben wir auch heute getan.
An der Botschaft, die wir mit diesen Aktionen Saddam
Hussein, dem Rest der irakischen Führung und jeder Ich danke Ihnen, und Gott segne Amerika.

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AMERIKA DIENST 26

�IRAK
30. Juni 1993

ANGRIFF AUF HERZSTÜCK DES
IRAKISCHEN TERRORISMUS
Erklärung des US-Verteidigungsministers
Zu Beginn einer Pressekonferenz am 26. Juni 1993 gab Verteidigungsminister Les Aspin die folgende Erklärung
ab.

WASHINGTON - (AD) -"... General Powell und ich
werden Ihnen heute abend einige zusätzliche Informationen geben, aber da die Operation erst vor kurzem
beendet wurde, haben wir noch keine Ergebnisse
vorliegen. Wir hoffen, daß wir Ihnen am morgigen Tag
mehr sagen können, wahrscheinlich jedoch erst am
Nachmittag.
Tomahawk-Marschflugkörper von Kriegsschiffen der
US-Marine waren auf die irakische Geheimdienstzentrale gerichtet. Diese Operation sollte eine entschiedene und unmißverständliche Antwort der Vereinigten
Staaten auf den Versuch des Irak darstellen, den
ehemaligen Präsidenten George Bush im April dieses
Jahres während seines Besuchs in Kuwait zu ermorden. Der Attentatsversuch war nicht der Akt einer
kleinen Gruppe Unabhängiger. Alle Beweise deuten
darauf hin, daß es sich um das Werk des irakischen
Geheimdienstes (Iraqi Intelligence Service - IIS) handelt und um eine Aktion, die von höchster Ebene der
irakischen Regierung genehmigt worden sein mußte.
Nach einer Überprüfung des Beweismaterials wies
Präsident Clinton das Verteidigungsministerium an,
eine Reihe von Optionen zu entwickeln. Der Präsident
entschied sich dann für eine dieser Optionen, die das
Ziel sein würde - eine Option, die die Behörde treffen
würde, die unseren Erkenntnissen zufolge direkt für
die Planung und Ausführung dieses Verbrechens
verantwortlich ist. Wir werden auf diesem Schaubild
einige Gründe dafür geben, warum wir die irakische
Geheimdienstzentrale als Ziel ausgewählt haben.
Der irakische Geheimdienst ist die größte nachrichtendienstliche Organisation des Irak. Er ist verantwortlich
für die Untersuchung und Verfolgung jeder vermeintlichen Illoyalität. Er ist ebenfalls verantwortlich für die
Überwachung irakischer Bürger und ihrer politischen
Aktivitäten sowie die Bekämpfung irakischer Dissidenten und Oppositioneller im Ausland.
AMERIKA DIENST 26

Der irakische Geheimdienst ist die Behörde, die für
Terroranschläge im Ausland die Hauptverantwortung
trägt - und in diesem Fall hat er wieder einen Versuch
unternommen.
Der irakische Geheimdienst hat zahlreiche verdeckte
Aktivitäten durchgeführt, einschließlich von Attentaten, zuerst gegen irakische politische Dissidenten,
dann gegen abtrünnige Wissenschaftler und Kurdenführer. Er hat eine Terrorkampagne in Kuwait durchgeführt, Autobomben im Nordirak gelegt und die UNOHilfskonvois sowie Mitarbeiter der UNO angegriffen.
Und jetzt ist da natürlich der Attentatsversuch auf den
ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Das Herzstück des irakischen Geheimdienstes ist ein
großes, mehrstöckiges Gebäude - das Hauptquartier
in Bagdad. Dieses Gebäude war das Ziel des gerade
beendeten Angriffs. Darin befinden sich die Büros
seines Direktors, und es ist der Brennpunkt aller
Operationen des IIS im Inland und in ÜberseeS Es ist
das Zentrum der Operationsplanung, von Verhören,
des Kommunikationswesens und der Computeroperationen.
Durch die Wahl dieser Einrichtung für den heutigen
Angriff haben wir eine angemessene Antwort gegeben, die den Irak eine Zeitlang zu künftigen Aktionen
dieser Art unfähig machen wird. Und wir sind der
Ansicht, daß das irakische Volk und seine Führung
diesen Angriff richtig einschätzen werden - als einen
lediglich gegen das Regime, das für den Angriff auf
Präsident Bush verantwortlich ist, und nicht gegen das
irakische Volk gerichteten Angriff.
Die Aktion des heutigen Abends wurde ausschließlich
von den amerikanischen Streitkräften durchgeführt.
Das Verbrechen war gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet, und wir entschieden uns, darauf zu reagieren und unser Recht auf Selbstverteidigung gemäß
Seite 1

�Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen geltend
zu machen.
Ein Verhalten wie der Attentatsversuch gegen Präsident Bush konnte nicht unbeantwortet bleiben. Wenn
das Regime in Bagdad in dem Glauben gelassen wird,
daß es sich der Verantwortung für eine solche Verhaltensweise entziehen kann, dann wird es nur zu einer
Wiederholung ermutigt.

Die einseitige Aktion des heutigen Abends mindert in
keiner Weise die Unterstützung der Vereinigten Staaten für Maßnahmen der Koalition oder für die Autorität
der Vereinten Nationen.
Uns liegen zwar noch keine spezifischen Ergebnisse
dieser Operation vor, ich möchte jedoch darauf hinweisen, daß das Können und professionelle Verhalten des
amerikanischen Militärs dem Präsidenten die Vielzahl
von Optionen gaben, die er benötigte, um angemessen auf diesen Angriff auf einen ehemaligen Präsidenten reagieren zu können..."

* * *

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AMERIKA DIENST 26

�IRAK
30. Juni 1993

DIE AMERIKANISCHE MILITÄR AKTION GEGEN
DEN IRAKISCHEN TERRORISMUS
Eine Übersicht der amerikanischen Regierung
WASHINGTON - (AD) - Die amerikanische Regierung hat am 27. Juni 1993 dem UN-Sicherheitsrat die folgende
Übersicht mit dem Titel "Die Militäraktion der Vereinigten Staaten gegen den irakischen Terrorismus am 26. Juni
1993" übergeben.
Zu Beginn eines dreitägigen Besuches des ehemaligen Präsidenten George Bush in Kuwait-Stadt am 14.
April 1993 vereitelten die kuwaitischen Behörden ein
tenoristisches Komplott. Dabei stellten sie eine mächtige Autobombe sowie weiteren Sprengstoff sicher und
nahmen 16 Verdächtige fest, die von zwei irakischen
Staatsbürgern angeführt wurden.

hergestellt haben. Gewisse Baumuster dieser Sprengsätze wurden ausschließlich bei Vorrichtungen angetroffen, die mit dem Irak in Verbindung stehen, und
nicht bei Vorrichtungen, die von anderen terroristischen Gruppen benutzt werden.

2. Nach Aufassung der Sachverständigen enthielten
auch andere in Zusammenhang mit diesem Komplott
In den beiden folgenden Monaten haben Ermittlungs- sichergestellte Sprengsätze, darunter "kubische
teamsdes FBI und der Nachrichtendienste eine gründ- Bomben", Komponenten, die von der- oder denselben
liche Untersuchung dieser Operation durchgeführt. Person(en) gebaut wurden, die bereits früher sicherAufgrund dieser Untersuchung sind das Justizministe- gestellte Bomben der Iraker hergestellt haben.
rium und der Nachrichtendienst CIA zu dem Schluß
gelangt, daß der Irak die terroristische Operation geplant, 3. Die Autobombe selbst besaß ungeheure Vernichausgerüstet und geleitet hat, die im April in Kuwait das tungskraft. Es handelte sich um eine äußerst raffinierLeben von Präsident Bush bedrohte. Darüber hinaus te Vorrichtung, die einen komplizierten Herstellungssind unsere Nachrichtendienste aufgrund aller ihnen prozeß erforderte und in dem Fahrzeug gut versteckt
zur Verfügung stehenden Beweisquellen der festen war. Sie enthielt etwa 80 Kilogramm Sprengstoff. Sie
Überzeugung, daß dieses Mordkomplott vom iraki- war so konstruiert, daß sie über eine Fernbedienung,
schen Geheimdienst (IIS) geleitet und betrieben wur- einen Zeitzünder oder manuell gezündet werden konnte. Die Sachverständigen sind zu dem Schlu ß gelangt,
de.
daß diese Bombe stark genug war, um Menschen in
Zu den Beweisen, die als Grundlage für diese Schlüs- einem Radius von etwa 400 Metern zu töten.
se herangezogen werden, gehören folgende EinzelB. Die Verdächtigen
heiten:
1. Das FBI hat die 16 zur Zeit in Kuwait vor Gericht
stehenden Verdächtigen eingehend vernommen. Die
1. Eine in einem Toyota Landau iser versteckte Bombe beiden Hauptverdächtigen - Ra'ad al-Asadi und Wali
wurde von den Verdächtigen in der Nacht des 13. April al-Ghazali - sind irakische Staatsbürger. Sie erklärten
1993 überdie irakisch-kuwaitische Grenze geschmug- dem FBI, daß sie in Basra (Irak) angeworben und dort
gelt. Diese Bombe und die anderen beschlagnahmten von Personen Befehle erhalten hätten, die sie für
Sprengsätze wurden von Sachverständigen des FBI Angehörige des irakischen Geheimdienstes hielten.
persönlich untersucht. Nach dem Urteil dieser Experten wurden Schlüsselkomponenten, darunter der fern- 2. Diese Verdächtigen erklärten dem FBI, ihre irakigesteuerte Zünder, der Plastiksprengstoff, die Zünd- schen Auftraggeber hätten ihnen die Autobombe und
kapsel, die integrierten Schaltkreise und die Verdrah- die anderen Sprengsätze am 10. April 1993 in Basra
tung von der- oder denselben Person(en) gebaut, die übergeben.
bereits früher beschlagnahmte Bomben der Iraker
A. Forensische Erkenntnisse

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�3. Einer der Verdächtigen, al-Ghazali, sagte aus, ersei ten, Präsident Bush werde persönlich für den Krieg
ausdrücklich für die Ermordung von Präsident Bush in verantwortlich gemacht. Man werde ihn jagen und
Kuwait-Stadt angeworben worden.
bestrafen, selbst nach seinem Ausscheiden aus dem
Amt. Verschiedene geheime nachrichtendienstliche
4. Der andere Hauptverdächtige, al-Asadi, teilte dem Quellen belegen die Schlußfolgerung, daß die irakiFBI mit, seine Aufgabe sei es gewesen, al-Ghazali und sche Regierung den Anschlag auf Präsident Bush
die Autobombe zur Universität von Kuwait (wo Präsi- angeordnet hat.
dent Bush und der Emir von Kuwait auftreten sollten)
zu führen und kleinere Sprengsätze an anderen Stel- 2. Aufgrund aller ihr zur Verfügung stehenden Beweilen in Kuwait zu plazieren.
se ist sich die CIA sehr sicher, daß die irakische
Regierung auf höchster Ebene ihren Geheimdienst
C. Nachrichtendienstliche Bewertung
angewiesen hat, den ehemaligen Präsidenten Bush
bei dessen Besuch in Kuwait vom 14.-16. April 1993 zu
1. Während und unmittelbar nach dem Golfkrieg ließ
ermorden.
Saddam - durch seine kontrollierten Medien - verbrei-

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AMERIKA DIENST 26

�MENSCHENRECHTE
30. Juni 1993

WIENER DOKUMENT BETONT ALLGEMEINGÜLTIGKEIT DER MENSCHENRECHTE
Shattuck zum Abschluß der Weltkonferenz über Menschenrechte
Wl EN - (AD) - Der Leiter der amerikanischen Delegation bei der Wertkonferenz über Menschenrechte in Wien,
John Shattuck, hat bei der Schlußsitzung am 25. Juni 1993 erklärt, das von der Konferenz erarbeitete "starke,
zukunftsorientierte Dokument" bekräftige "die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und die grundlegenden
Prinzipien, für die mein Land eintritt".
Shattuck verwies darauf, "die Aufmerksamkeit, die diese Konferenz den Rechten von Frauen, Minderheiten und
der Urbevölkerung gewidmet hat, beweist, daß Menschenrechtsprinzipien auf neue Bereiche ausgedehnt
werden". Die Konferenz habe ferner "Neuland betreten, indem sie die tiefgehende Beziehung zwischen
Menschenrechten, Demokratie und Entwicklung aufzeigte".
Nachfolgend veröffentlichen wir Shattucks Stellungnahme im Wortlaut.

Die Weltkonferenz über Menschenrechte hat ein starkes, zukunftsorientiertes Dokument hervorgebracht,
das die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte und
die grundlegenden Prinzipien, für die mein Land eintritt, bekräftigt. Die Wiener Erklärung verweist auf die
Erkenntnis der internationalen Staatengemeinschaft,
daß diese Werte von allen Menschen geteilt werden.
Die Aufmerksamkeit, die diese Konferenz den Rechten von Frauen, Minderheiten und der Urbevölkerung
gewidmet hat, beweist, daß Menschenrechtsprinzipien auf neue Bereiche ausgedehnt werden und daß
der Schutz des einzelnen für die Menschenrechtsgemeinschaft von übergeordneter Bedeutung bleibt. Die
Konferenz hat darüber hinaus Neuland betreten, indem sie die tiefgehende Beziehung zwischen Menschenrechten, Demokratie und Entwicklung aufzeigte.
Femer hat die Konferenz signalisiert, daß grobe Verletzungen wie Folter, das Verschwindenlassen von
Menschen, Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren und
willkürliche Verhaftungen eingestellt werden müssen.
Die in dem Dokument zum Ausdruck gebrachte Verpflichtung zu verbesserter Durchführung sowie verstärkter Beratung und technischer Zusammenarbeit,
die durch ein finanziell gut ausgestattetes Zentrum für
Menschenrechte unterstützt wird, wird in den kommenden Jahren große Fortschritte bei der Effektivität
der UN-Menschenrechtsmechanismen nach sich ziehen. Wir freuen uns, daß die Konferenz empfohlen
hat, die Generalversammlung der Vereinten Nationen
möge sich vordringlich mit der Einsetzung eines HoAMERIKA DIENST 26

hen Kommissars für die Förderung und den Schutz der
Menschenrechte befassen. Diese weitreichenden
Aktionsziele werden nur dann verwirklicht werden,
wenn sich die internationale Staatengemeinschaft für
diese Errungenschaft engagiert. Die Vereinigten Staaten sind stolz darauf, diese Errungenschaft mit in die
Wege zu leiten.
Die Beteiligung nichtstaatlicher Organisationen (NGOs)
hat einen enormen Beitrag zur Arbeit der Konferenz
geleistet und das Schlußdokument bereichert. Wir
sind zuversichtlich, daß die NGOs eine noch wichtigere Kraft für Gerechtigkeit und Freiheit weltweit werden,
da sie die Stimmen einer mächtigen Basisbewegung
für Menschenrechte und Demokratie repräsentieren.
Herr Vorsitzender, wir haben nach wie vor Bedenken
im Hinblick auf Sprachregelungen, die in einigen Teilen
des Dokuments anzutreffen sind, insbesondere gegen
jede Andeutung, daß eine ausländische Besatzung in
jedem Fall eine Verletzung von Menschenrechten
darstellt und die Tatsache, daß diese Konferenz die
Pressefreiheit nicht so nachdrücklich unterstützt hat,
wie wir uns dies gewünscht hätten.
Herr Vorsitzender, wir sind der Überzeugung, daß die
Pressefreiheit gemeinsam mit der Meinungsfreiheit
den Kern des demokratischen Prozesses bildet. Paragraph 26 fordert die Staaten auf, Freiheit und Schutz
der Presse im Rahmen der nationalen Gesetzgebung
zu garantieren. Obwohl diese Bestimmung als im
Einklang mit den internationalen Normen für eine freie
Seite 1

�Presse verstanden werden kann und trotz der nachhaltigen Bekräftigung des Prinzips der Allgemeingültigkeit in dieser Erklärung sind wir der Auffassung, die
Konferenz hätte ein umfassenderes und weitreichenderes Prinzip im Hinblick auf die Pressefreiheit artikulieren können und sollen. Mit Bestürzung nehmen wir
überdies die Auslassung eines Hinweises auf den
Antisemitismus zur Kenntnis, der gemeinsam mit
anderen Formen von Rassismus und Rassendiskriminierung unserer Ansicht nach eine schwerwiegende
Verletzung der Menschenrechte darstellt.
*

Seite 2

*

Wir gratulieren Ihnen, Herr Vorsitzender, ebenso wie
Generalsekretär Fall und Botschafter Saboia, der so
geschickt den Entwurfsausschuß geleitet hat, und
Frau Warsazi, die Vorsitzende des Hauptausschusses
war, sowie allen Konferenzteilnehmern, dem Sekretariat, den für die Konferenz verantwortlichen Beamten
sowie den Vertretern unseres Gastlandes und dieser
Stadt für die hervorragende Arbeit, die sie alle geleistet
haben.

*

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AMERIKA DIENST 26

�UNO
30. Juni 1993

USA MÜSSEN BEI UNO-FRIEDENSSICHERUNG
FÜHRENDE ROLLE ÜBERNEHMEN
Erklärung von Botschafterin Albright vor Kongreßausschuß
WASHINGTON - (AD) - Die friedenssichernden Maßnahmen der Vereinten Nationen sind fürdie amerikanischen
Interessen von lebenswichtiger Bedeutung, so UNO-Botschafterin Madeleine Albright, und die Vereinigten
Staaten müssen bei diesen Bemühungen eine führende Rolle übernehmen.
"Wenn wir uns Scheuklappen aufsetzen, uns nur auf unsere innenpolitische Tagesordnung konzentrieren und
das Gemetzel zu unserer Linken und den entfernten Konflikt zu unserer Rechten nicht sehen wollen, wird der
Preis dieses fehlenden Engagements schließlich mindestens in einer zusätzlichen finanziellen Belastung
bestehen, die wir zu tragen haben." Wahrscheinlicher sei jedoch, "daß zu den Kosten die Entsendung
amerikanischer Streitkräfte und damit einhergehend mögliche Verluste an Menschenleben gehören werden",
erklärte Albright am 24. Juni 1993 vor einem Kongreßausschuß.
Sie äußerte, "falsche Vorstellungen" in der amerikanischen Öffentlichkeit von den Vereinten Nationen und ihrer
Rolle bei der Friedenssicherung könnten die amerikanische Politik "in die falsche Richtung" lenken, falls diese
nicht angefochten werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der vorbereiteten Erklärung von Botschafterin Albright.

Ich möchte einige falsche Vorstellungen von den Vereinten Nationen und der Friedenssicherung ansprechen, die - meiner Ansicht nach fälschlicherweise - die
öffentliche Diskussion in diesem Land über seine Rolle
im UN-System bestimmen.
Es handelt sich kurz gesagt um Mythen über die
Vereinten Nationen, die entkräftet werden müssen,
bevor sie uns während dieses turbulenten neuen Zeitalters in der Weltpolitik in die falsche Richtung lenken:
Mythos Nr. 1: Die UN-Friedenssicherung hat nichts
mit dem nationalen Interesse der Vereinigten Staaten
zu tun. Ich glaube, daß meine Aussage vor diesem
Unterausschu ß vom 3. Mai diesem Märchen ein Ende
setzte. Die Friedenssicherung ist zu einem wichtigen
Instrument geworden, um drei grundlegende, in unserem nationalen Interesse liegende Gebote zu erfüllen,
die wirtschaftlicher, politischer und humanitärer Art
sind. Ich bin in meiner jüngsten Rede vordem Council
on Foreign Relations näher darauf eingegangen. Die
Welt bleibt weiterhin ein gefährlicher Ort.
Stellen Sie sich jedoch einen Moment vor, wie der
Verteidigungshaushalt der Welt und der Vereinigten
Staaten heute aussähe, wenn es keine friedenssichernden Operationen der UNO gäbe, und welch
AMERIKA DIENST 26

einen Anreiz das daraus resultierende Machtvakuum
für eine Intervention durch Nachbarstaaten oder
Möchtegern-Regionalmächte bieten würde. Wir sehen uns zunehmend dem oft gewalttätigen Ausbruch
lokaler oder regionaler Streitigkeiten gegenüber, die
die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erfordern.
Und in dieser neuen Welt sind die Friedenssicherung
und die moderne Verantwortung für die kollektive
Sicherheit für unsere eigene Sicherheit von essentieller Bedeutung.
Mythos Nr. 2: Wenn die Vereinten Nationen eine
Sicherheitsoperation durchführen, können die Vereinigten Staaten "aussteigen". Wenn der Tenor lautet
"Die UNO soll das regeln", kann das fürdie Vereinigten
Staaten keine Untätigkeit bedeuten. Dieses Land ist
Teil des UNO-Systems - wir sind tatsächlich ein einflußreiches Mitglied und sollten das auch weiterhin
bleiben - und unsere Teilnahme und führende Rolle
sind für die Arbeit der Vereinten Nationen von lebenswichtiger Bedeutung. Die Alternativen - glückselige
Isolation oder der kostspielige Dienst als Weltpolizist sind unrealistisch und nicht akzeptabel. Die Operation
in Somalia ist ein gutes Beispiel dafür, daß eine
fortgesetzte Rolle der Vereinigten Staaten - gering im
Vergleich zu unserem anfänglichen UNITAF Einsatz -

Seite 1

�ein integraler Bestandteil der Formel "Die UNO soll das der UNO zu verbessern. Am 28. Mai einigte sich der
regeln" ist.
Sicherheitsrat auf eine Liste von Reformen bei der
Friedenssicherung, und die Pläne zu deren UmsetMuthos Nr. 3: Friedenssichemde Operationen grün- zung werden uns vom Generalsekretär im September
den auf einem Konsens, vermeiden Gefahren und vorgelegt werden. Innerhalb unserer Regierung hat
verlängern lediglich die Konflikte zwischen Regierun- die Administration seit Februar eine intensive intermigen. Viele friedenssichernde Operationen, insbeson- nisterielle Überprüfung sowohl der amerikanischen
dere in der heutigen Zeit der gescheiterten GesellRolle bei der Friedenssicherung als auch der Plaschaften, finden im Rahmen interner Konflikte oder nungs- und Leitungsfähigkeiten der Vereinten NatioAnarchie statt und sind somit nicht abhängig von nen bei der Friedenssicherung durchgeführt. Wir erkonventionellen Vorstellungen von der Zustimmung warten den baldigen Abschluß dieses Überprüfungsjeder Konfliktpartei. Auch sind friedenssichernde verfahrens. Schließlich hoffen wir, daß im September
Operationen keinesfalls ohne Risiko. Im Laufe der eine Sitzung des Sicherheitsrates auf Ministerebene
Geschichte der UNO wurden 925 Blauhelmsoldaten stattfindet, um die Friedenssicherung zu überprüfen.
im Einsatz getötet, 528 davon starben im Verlauf noch
andauernder Operationen. 53 britische, 49 französiMythos Nr. 5: Die innenpolitische Tagesordnung in
sche, 43 irische, 35 kanadische und 10 amerikanische den Vereinigten Staaten hindert uns daran, eine freie
Soldaten starben in Erfüllung ihrer Pflicht. Im ehema- und sichere Welt zu führen und zu gestalten. Dies ist
ligen Jugoslawien wurden 43 Blauhelmsoldaten getöim besten Fall ein logischer Fehler und im schlechtetet. 186 B lau helme opferten auf Zypern ihr Leben. Das sten eine katastrophale öffentliche Politik. Die StabiMassaker in Somalia vom 5. Juni war eine deutliche lität der Weltwirtschaft sowie der regionalen und der
Erinnerung daran, wie ungeschützt einige Blauhelm- Weltpolitik ist tief in den amerikanischen Interessen
soldaten in der sehr feindlichen Umgebung sind, in die und unserer Wirtschaft verankert. Wenn wir uns
sie entsandt werden.
Scheuklappen aufsetzen, uns nur auf unsere innenpolitische Tagesordnung konzentrieren und das GemetDie Hälfte (14) der 28 friedenssichernden Operationen zel zu unserer Linken und den entfernten Konflikt zu
in der Geschichte der UNO wurden innerhalb von ein unserer Rechten nicht sehen wollen, wird der Preis
oder zwei Jahren nach ihrem Beginn beendet. Einige dieses fehlenden Engagements schließlich mindefriedenssichernde Operationen mögen vielleicht zu stens in einer zusätzlichen finanziellen Belastung
einer Pattsituation beitragen, aber die Alternative wäre bestehen, die wir zu tragen haben. Wahrscheinlicher
oftmals ein blutiger und kostspieliger Konflikt - der die ist jedoch, daß zu den Kosten die Entsendung ameriGefahr einer Eskalation beinhaltet, die niemand wünscht. kanischer Streitkräfte und damit einhergehend mögliche Verluste an Menschenleben gehören werden.
Mythos Nr. 4: Friedenssicherung ist zu kostspielig und
Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben
leidet unter Betrug und Mißmanagement. Ich habe
stets anerkannt, daß Außen- und Innenpolitik untrennhäufig zu den Ad-hoc-Ansätzen Stellung genommen,
bar miteinander verbunden sind. Je eher wir alle diese
von denen Operationen zur Friedenssicherung beGrundtatsache verstehen, desto eher werden wir die
herrscht werden. "Improvisation" ist der Begriff, derdie
Friedenssicherung durch die UNO als kleines aber
Probleme der Friedenssicherung am besten umschreiwichtiges Teil in den Gesamtbestrebungen anerkenben könnte. Und obgleich das Potential für Betrug und
nen, weltweit Stabilität und Wohlstand hervorzubrinMißmanagement besteht, wie dies in jeder großen
gen sowie Demokratien und ihre für gewöhnlich marktOrganisation der Fall ist, betreffen die drängendsten
orientierten Volkswirtschaften zu fördern.
Probleme der UN-Friedenssicherung den rein improvisierenden Charakter des Systems. Dies führt einer- All dies verweist auf die Tatsache, daß wir in einem
seits zu großen Lücken in der institutionellen Fähigkeit großen Dialog stehen, dessen Ausgang noch niemand
und andererseits zu Ineffizienz. Tatsächlich leistet der mit Gewißheit vorhersagen kann. In unseren Bemükleine Friedenssicherungsstab im UNO-Hauptquartier hungen, einen Plan dafür zu entwerfen, welche Rolle
hervorragende Arbeit, und derzeit werden Schritte die Vereinigten Staaten in diesem neuen Zeitalter
unternommen, um seinen Umfang und seine Effektivi- spielen sollten, können wir den Pflichten einer Supertät zu steigern. Die für Friedenssicherungsoperatiomacht nicht entsagen. Wir können nicht "altes Dennen ausgegebenen Millionen - im Jahr 1993 insgesamt ken" benutzen, um unsere Haltung zu Friedenssicheüber 3 Milliarden Dollar - müssen an den wesentlich rungsoperationen und -missionen von heute und in der
höheren Kosten gemessen werden, die entstehen, Zukunft festzulegen. Die beitragenden Länder sind mit
wenn man Konflikte weiter schwären und explodieren einem völlig neuen Problemspektrum konfrontiert,
läßt.
darunter die Entsendung von Truppen bei innenpolitischen Konflikten sowie der Schutz humanitärer HilfsIch möchte hinzufügen, daß sich die Administration an
konvois. Wir benötigen mehr Köpfe, die sich kühn über
führender Stelle bemüht, durch die Verwirklichung
die Konventionen der Vergangenheit hinwegsetzen
wichtiger Initiativen bei den Vereinten Nationen und
und die Macht dieser Nation ins 21. Jahrhundert fühinnerhalb unserer Regierung die Friedenssicherung
ren.
* * * * *
Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�START

II
30. Juni 1993

CIA-DIREKTOR WOOLSEY ZUR
ÜBERWACHUNG VON START II
Stellungnahme vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Stellungnahme, die von CIA-Direktor R. James
Woolsey am 24. Juni 1993 bei einer Anhörung des Auswärtigen Ausschusses des Senats zum START-II -Vertrag
abgegeben wurde.

Herr Vorsitzender, Mitglieder dieses Ausschusses, ich
freue mich über diese Gelegenheit, heute vor Ihnen
über die Fähigkeit der Nachrichtendienste sprechen zu
können, den START-II-Vertrag zu überwachen. Dies
ist ein historisches Abkommen, weil es nicht nur ballistische Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen - MIRVed ICBMs - beseitigt, sondern auch den
Abbau der schwersten und zerstörerischsten ICBMs
im Arsenal der ehemaligen Sowjetunion fordert: der
SS-18.
Zu Beginn möchte ich jedoch eine wichtige Unterscheidung treffen. Ich bin bereit, zu Ihnen heute über unsere
Fähigkeit im Hinblick auf die Bestimmungen des STARTI-Vertrags zu sprechen. Dabei handelt es sich um
unsere Fähigkeit zur Entdeckung von Aktivitäten, die
im Gegensatz zu den vertraglichen Verpflichtungen zu
stehen scheinen.
Ich werde jedoch keine Urteile im Hinblick auf die
Verifizierung abgeben - eine Funktion, die dazu dient,
die Einhaltung vertraglicher Bestimmungen zu bewerten und die von den zuständigen politischen Gremien
mit Unterstützung der Nachrichtendienste erfüllt wird.
Nach dieser Einleitung möchte ich Sie über unsere
grundsätzliche Bewertung der Aussichten für die
Überwachung des START-Il-Vertrags in Kenntnis
setzen. Wie beim START-I-Vertrag ist das Vertrauen,
das wir in die Überwachung bestimmter Verfügungen
des Vertrags haben, unterschiedlich. Obwohl die
Nachrichtendienste in der Lage sein werden, viele
Bestimmungen des Vertrags mit einem hohen Maß an
Sicherheit zu überwachen, wird unsere Fähigkeit in
einigen Bereichen problematisch sein. Insgesamt
jedoch haben wir in den Nachrichtendiensten Vertrauen in unsere Fähigkeit, die Aufgaben zu erfüllen, die
uns diesem Abkommen gemäß zufallen.

AMERIKA DIENST 26

Ich möchte Ihnen nun erläutern, wie wir zu unserem
Gesamturteil gelangt sind. Insbesondere möchte ich
darüber sprechen, wie die Nachrichtendienste die
politischen Entscheidungsträger während der Verhandlungen über den Vertrag unterstützt haben, sowie über
die wichtigsten nachrichtendienstlichen Überwachungsaufgaben und unsere Fähigkeit, bedeutsame Fälle
potentieller russischer Betrugsmanöver zu entdecken.
Ich werde mit einer Erörterung einiger Herausforderungen abschließen, vor denen die Russen bei der
Verwirklichung von START II stehen.
Nachrichtendienstliche Unterstützung
Die Nachrichtendienste haben in allen Phasen des
Vertrags eine aktive Rolle bei der polnischen Unterstützung gespielt - von der Konzipierung einer amerikanischen Verhandlungsposition bis zum Genfer Treffen vom Dezember 1992, bei dem die Einzelheiten von
START II den letzten Schliff erhielten.
Es ist zutreffend zu sagen, daß unsere Unterstützung
in zwei Bereichen besonders wichtig war. Erstens
halfen wir den politischen Entscheidungsträgem, die
Folgen des Zerfalls der Sowjetunion zu verstehen - die
Folgen nicht nur für ihre Kemwaffeninfrastruktur, sondern
auch für die Verhandlungsposition der Russen.
Zweitens spielten die Nachrichtendienste eine aktive
Rolle, indem sie dazu beitrugen, den Vertrag auf eine
Art und Weise zu gestalten, die sowohl unsere Überwachungsfähigkeiten ergänzt als auch Betrugsversuche der Russen behindert.
In diesem Zusammenhang haben wir uns zum Beispiel
besonders auf die SS-18-Raketensilos konzentriert.
Wir betonten dabei die Bedeutung vertraglicher Bestimmungen, die uns die Überwachung der Umrüstung
von SS-18-Raketensilos zur Aufnahme einer kleineren
Seite 1

�Rakete mit einem Einfachgefechtskopf gestatten würde.
Femer wurden Vertragsbestimmungen entwickelt, die
gewährleisten, daß nach der Umrüstung jeder Versuch Rußlands, die mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstete SS-18 erneut in diesen Silos zu stationieren,
ein langer, kostspieliger und wahrnehmbarer Prozeß
sein würde.
Überwachungsaufgaben
Die vollständige Verwirklichung von START II wird
sieben bis zehn Jahre dauern. In diesem Zeitraum
werden die Nachrichtendienste gefordert sein, dramatische Reduzierungen und zahlenmäßige Begrenzungen von Raketen, U-Booten und Bombern zu überwachen. Darüber hinaus werden wir extrem technische
Beschränkungen der Leistungsfähigkeit von Raketen
sowie Verbote im Hinblick auf die Standorte dieser
Raketen und deren Systemkomponenten überwachen.
Ich möchte kurz einige unserer neuen Aufgaben laut
START II benennen. Dazu gehören:
Überwachung einer Reduzierung der russischen
Kernwaffen auf ein Niveau von 3.000 bis 3.500
Gefechtsköpfen.
Überwachung eines Verbots von Produktion,
Flugerprobung und Stationierung von MIRVed
ICBMs.
Überwachung der Umrüstung einiger SS-ISSilos zur Aufnahme einer kleineren Rakete mit
einem Einfachgefechtskopf.

chung von bereits stationierten Waffen geht, wie der
silogestützten ICBMs, der unterseebootgestützten
ballistischen Raketen und schweren Bomber. Wir
haben ein hohes Maß an Vertrauen in unsere Fähigkeit
zur Überwachung von Waffenreduzierungen - einschließlich der Beseitigung der SS-18. Darüber hinaus
vertrauen wir auf unsere Fähigkeit, das Verbot von
strategischen Raketen mit Mehrfachgefechtsköpfen
zu überwachen.
Unsere Zuversicht in die Überwachung einer Reihe
dieser Aktivitäten wird durch neue Bestimmungen
über Vor-Ort-Inspektionen im START-Il-Vertrag gestärkt. Dafür möchte ich folgende Beispiele anführen:
Wir hätten das Recht, die Zerstörung aller angemeldeten SS-18-Rugkörperzellen und -Startbehälter zu beobachten.
Wir hätten das Recht, die zur Aufnahme der
kleineren Rakete umgerüsteten SS-18-Silos zu
beobachten und zu vermessen.
Wir hätten ebenfalls das Recht, zusätzliche
Inspektionen von umgerüsteten SS-18-Silos vorzunehmen, um unter anderem zu bestätigen,
daß die neue in dem Silo gelagerte Rakete einen
Einfachgefechtskopf hat.
Und wir hätten das Recht, zu besonderen Zeiten
schwere Bomber zu inspizieren, um zu gewährleisten, daß sie nicht dafür ausgelegt sind, mehr
als die zulässige Höchstzahl von Kernwaffen
tragen zu können.

Überwachung der Umrüstung einiger MIRVed

In einigen Bereichen von START II - wie bei der
Überwachung der Raketenproduktion - werden unsere
Unsicherheiten größer sein. Einige Einrichtungen
werden
ständiger Vor-Ort-Inspektion unterliegen, und
Überwachung der Zahl von Kernwaffen auf
unser
Vertrauen
in die Überwachung der Raketenprorussischen schweren Bombern sowie die Geduktion
in
diesen
Einrichtungen wird selbstverständwährleistung, daß die als Träger von konventiolich hoch sein. Umgekehrt werden wir jedoch weniger
nellen Waffen umgerüsteten keine Kernwaffen
Vertrauen in unsere Schätzungen bezüglich der Rakemit sich führen oder auf nukleare Aufträge
tenproduktion in Einrichtungen haben, bei denen kein
ausgerichtet werden.
ständiges Inspektionsregime vorhanden ist.
Überwachungserkenntnisse
Angesichts der historischen Schwierigkeiten bei der
Wie ich bereits erklärte, ist unsere Fähigkeit zur Über- Kontrolle der Raketenproduktion, als wir kein Recht
wachung bestimmter Verfügungen von START II un- auf die Durchführung von Inspektionen hatten, sind wir
terschiedlich ausgeprägt, aber insgesamt sind wir daher nicht sicher, wieviele Raketen von den Russen
zuversichtlich, daß wir die Fähigkeit zur Überwachung produziert, aber nicht disloziert wurden. Folglich sind
des Vertrags besitzen. Dieses Urteil basiert auf einer wir uns der Möglichkeit bewußt, daß einige nicht
Vielzahl von Faktoren, nicht zuletzt auf unserer großen angemeldete Raketen an uns unbekannten Orten lagern.
Erfahrung. Über drei Jahrzehnte lang haben wir Daten Obwohl der START-Il-Vertrag uns nicht bei der Kläüber die sowjetischen strategischen Streitkräfte ge- rung dieser Unsicherheiten hilft, haben wir unseres
sammelt und analysiert sowie andere Rüstungskon- Erachtens genügend Informationen um beurteilen zu
können, daßdie Russen kein umfassendes Programm
trollabkommen überwacht.
für die Lagerung von Hunderten oder mehr nicht angeOhne sicherheitsempfindliche Quellen und Methoden meldeter und nicht stationierter strategischer ballistipublik zu machen, kann ich sagen, daß unsere Zuver- scher Raketen haben.
sicht am höchsten sein wird, wenn es um die ÜberwaICBMs vom Typ SS-19 zur Aufnahme eines Einfachgefechtskopfs.

•

Seite 2

AMERIKA DIENST 26

�Potential für Betrugsmanöver

dem in den beiden Verträgen geforderten Abbau. Die
in Zusammenhang mit der Verschrottung dieser AusAls wir die Möglichkeiten für die Umgehung von START rüstung und Modernisierung der verbleibenden StreitII untersuchten, widmeten wir den Szenarien besonde- kräfte stehenden Kosten werden die angeschlagene
re Aufmerksamkeit, die theoretisch für die Russen russische Wirtschaft noch zusätzlich belasten. Darüsowohl möglich als auch attraktiv erschienen sowie ber hinaus wird die Bereitschaft Rußlands, sich an die
denjenigen, die die größte Bedrohung für unsere Bestimmungen des START-Il-Vertrages zu halten,
Überwachungsfähigkeiten darstellen. Wir berieten vom Erfolg seines Modernisierungsprogramms sowie
auch mit dem Büro der Vereinigten Stabschefs und seiner Fähigkeit zur Schaffung einer einsatzfähigen
anderen Experten um sicherzustellen, daß wir Szena- strategischen Truppe für die Zukunft abhängen.
rien einbezogen, die für unsere Militärplaner die größte
Bedeutung haben.
Die Beziehungen zwischen Rußland und der Ukraine
drohen auch, die Fortschritte Rußlands bei der InkraftEbenso wie unter dem START-I-Vertrag sind die setzung der START-Bestimmungen zu behindern.
möglicherweiserisikoreichstenSzenarien diejenigen, Rußland hat Vorbedingungen für den Austausch von
die die heimliche Produktion und Dislozierung mobiler Ratifizierungsurkunden für START I und die RatifizieRaketen und ihrer Abschußrampen implizieren. Der rung von START II gestellt: Weißrußland, Kasachstan
START-Il-Vertrag hat diese Besorgnis weder verschärft und die Ukraine sollen den START-I-Vertrag ratifizienoch abgebaut.
ren sowie dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) als
Bei der Untersuchung der Szenarien sowie unserer nuklearwaffenfreie Staaten beitreten.
Möglichkeiten zur Aufdeckung des Potentials für Betrugsversuche zogen wir auch die verstärkte Offenheit
der Russen - insbesondere in aggressiveren Bereichen - in Betracht sowie die Möglichkeit weiterer
verfassungsmäßiger Reformen. Wir sind der Ansicht,
daß solche Entwicklungen nicht nur heimliche Aktionen der Regierung erschweren, sondern auch die
Vertuschung eines absichtlichen Betruges erschweren. Unseres Erachtens werden angesichts solcher
Reformen weder Rußland noch die anderen Staaten
der ehemaligen Sowjetunion in der Lage sein, ein
raffiniertes Betrugsprogramm einzuleiten oder in die
Tat umzusetzen. Auch würde wohl der Versuch, eine
kleine Anzahl von Waffen zu verstecken, zwar nicht
auffallen, ihnen jedoch kaum Vorteile verschaffen.

Zur Zeit scheint die Ukraine der Staat zu sein, der am
stärksten motiviert ist, strategische Streitkräfte zu halten
- und sie ist auch der Staat, der am ehesten zu ihrer
Unterhaltung in der Lage ist. Während Präsident
Krawtschuk weiterhin darauf besteht, daß die Ukraine
atomwaffenfrei wird, fordert eine beträchtliche Zahl
von Parlamentsabgeordneten, daß die Ukraine die
Kontrolle über die auf ihrem Territorium stationierten
Nuklearwaffen übernimmt. Die Haltung und Aktionen
der Ukraine könnten Kasachstan beeinflussen, das
sein Interesse daran bekundet hat, einige der SS-18Silos und -Raketen als Träger für Raumkapseln zu
nutzen.

Bislang waren Rußland und die Ukraine noch nicht in
der Lage, ihre Differenzen über die Kontrolle strategiDie Herausforderung an Rußland bei der Imple- scher Nuklearwaffen auf ukrainischem Territorium
mentierung von START II
beizulegen. Die Präsidenten Jelzin und Krawtschuk
waren
optimistisch angesichts des Ergebnisses ihres
Herr Vorsitzender, in den letzten Minuten habe ich
jüngsten
Gipfels, auf dem Jelzin sich bereiterklärte,
über die Fähigkeit der Nachrichtendienste gesproder
Ukraine
noch vor der Ratifizierung von START I
chen, die Durchführung von START II zu überwachen.
durch
Kiew
Sicherheitsgarantien zu geben und ihr
Nun möchte ich mich auf einige der wichtigsten politieinen
Beitritt
zum Nichtverbreitungsvertrag zu ermögschen und militärischen Fragen beziehen, denen sich
lichen.
Die
Einzelheiten
der von Rußland abgegebeRußland und die anderen Republiken der ehemaligen
nen
Garantien
müssen
jedoch
noch mit der Ukraine
Sowjetunion gegenübersehen - Fragen, die einen diausgearbeitet
werden,
und
frühere
Bemühungen in
rekten Einfluß auf die Fähigkeit Rußlands haben,
dieser
Hinsicht
waren
erfolglos.
diesen Vertrag in Kraft zu setzen.
Ru ßland sieht sich der nie dagewesenen Herausforde- Wir sind uns auch bewußt, daß eine weitere Verzögerung gegenüber, die in den beiden START-Verträgen rung der Ratifizierung von START I durch die Ukraine
geforderten Einschränkungen in Kraft zu setzen. Es ist den russischen Zeitplan für die völlige Implementieeine Ironie, daß einer der Faktoren, die die Implemen- rung der beiden START-Verträge umwerfen und die
tierung des START-Il-Vertrages komplizieren können, Rußland zur Reduzierung seiner strategischen StreitRu ßlands eigener ehrgeiziger Plan ist, einen noch über kräfte zur Verfügung stehende Zeit verkürzen wird.
den in START I und START II hinausgehenden Abbau Selbst nach Inkrafttreten des Vertrages könnte Rußvon Waffen und Raketensystemen vorzunehmen. land sich weiterhin besorgt die Frage stellen, ob die
Rußland plant beispielsweise die Verschrottung Hun- Ukraine wirklich ihre gesamten strategischen und
derter von Raketen und Sprengköpfen zusätzlich zu nuklearen Waffen verschrottet hat.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�Schlußbemerkung

Verfügung stehender technischer Hilfsmittel zur
Sammlung von Informationen so wachsam wie möglich zu sein - und sicherzustellen, daß wir weiterhin die
Unabhängigkeit und Fähigkeit bewahren, die Implementierung des Vertrages zu überwachen.

Herr Vorsitzender, zum Abschluß meiner Ausführungen möchte ich nochmals betonen, daß wir in den
Nachrichtendiensten zuversichtlich sind, daß wir mit
Hilfe der von uns in unseren Haushaltsvorlagen angeforderten Mittel und Instrumente in der Lage sein Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Nachrichtendienste
werden, die uns unter diesem Vertrag zufallenden diese Fähigkeit - und sie sind darauf eingestellt und
Kontrollfunktionen zu erfüllen.
bereit, die mit der Kontrolle der START-Verträge einhergehenden Herausforderungen anzunehmen.
Ebenso wie bei anderen Rüstungskontrollverträgen
werden wir in gewissem Ausmaß von den Informatio- Ich möchte dieser Einschätzung jedoch eine wichtige
nen zur Vertragsüberwachung abhängen, die uns Einschränkung hinzufügen: Unsere Einschätzung und
Rußland zur Verfügung stellt. Wir müssen jedoch unser umfassendes Vertrauen in die Kontrolle des
sorgfältig darauf achten, daß wir nicht in zu große START-II-Vertrages hängt großenteils von den Mitteln
Abhängigkeit von solchen Informationen gelangen. und Instrumenten ab, die uns zur Verfügung gestellt
Angesichts des Potentials an Instabilität in jenem Teil werden. Es ist nur fair zu sagen: Wenn unsere
der Weh besteht die einzig vernünftige Möglichkeit für Fähigkeiten durch eine Kürzung unserer Mittel unteruns darin, weiterhin mit Hilfe der Vielzahl uns zur miniert werden, könnte unser Vertrauen in die Kontrolle dieses Vertrages schwinden.
*

Seite 4

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AMERIKA DIENST 26

�HANDEL
30. Juni 1993

SENATOREN ÄUSSERN SICH ZUR URUGUAY-RUNDE
Brief des Finanzausschusses an Clinton
WASHINGTON - (AD) - Die Mitglieder des Finanzausschusses des Senats haben Präsident Clintons Antrag auf
Verlängerung des "Fast-Track"-Mandats für Handelsgespräche zugestimmt und beschlossen, im Zuge dieser
Entscheidung dem Präsidenten ein Schreiben zu übersenden, in dem sie ihre Ansichten zu den amerikanischen
Zielen im Hinblick auf die seit langem auf der Stelle tretende Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche
darlegen.
Nachfolgend veröffentlichen wir das Schreiben vom 23. Juni 1993 im Wortlaut.
Der Finanzausschuß hat die Fortschritte in den Verhandlungen der Uruguay-Runde seit ihrer Einleitung in
Punta del Este im September 1986 intensiv beobachtet. Wie Sie wissen, hat der Kongreß im Allgemeinen
Handels- und Wettbewerbsgesetz von 1988 die wichtigsten Verhandlungsziele für die Runde festgelegt.
Diese waren und sind nach wie vordie Meßlatte, ander
wir das Ergebnis dieser Verhandlungen beurteilen
werden.

offenerem, gleichmäßigerem und auf Gegenseitigkeit
beruhendem Zugang für amerikanische Exporteure
von Waren und Dienstleistungen führen muß. Im
Hinblick auf Fertigwaren sollten die Vereinigten Staaten ein Abkommen anstreben, das tarifäre und nichttarif äre Hemmnisse für amerikanische Exporte abbauen
und Zölle beseitigen wird, wo unsere Privatwirtschaft

eine solche Maßnahme befürwortet und wichtige
Handelspartner dem zustimmen.

Seither haben sich die Verhandlungen jedoch weiterentwickelt, und die Probleme sind eindeutiger definiert
worden. Insbesondere hat GATT-Direktor Arthur Dunkel
im Dezember 1991 seinen "Entwurf der Schlußakte"
vorgelegt, und dieses Dokument ist seitdem zur überwiegenden Verhandlungsgrundlage geworden.

Bei den Verhandlungen über den Handel mit Dienstleistungen sollten die Vereinigten Staaten wesentliche
Marktzugangsverpflichtungen anstreben, die unseren
Firmen nationale Behandlung, Niederlassungsfreiheit
und gleichwertige Wettbewerbschancen gewähren.
Ländern, die solche Verpflichtungen nicht eingehen,
sollten die Vorzüge des Dienstleistungsabkommens
Während der Kongre ß den Antrag des Präsidenten auf verwehrt werden. Über eine erhebliche Reduzierung
Verlängerung der Verhandlungsvollmacht und "Fast- bestehender Handelsschranken hinaus sollte die Runde
Track"-Verfahren für die Uruguay-Runde behandelt, femer Regeln festsetzen, um zu verhindern, daß die
ist es deshalb angemessen, angesichts von spezifi- Länder neue Schranken aufrichten.
schen Fragen, die im Entwurf der Schlußakte angesprochen oder nicht aufgegriffen werden, erneut über Marktzugang ist auch ein wichtiges Ziel bei den Verunsere Ziele nachzudenken. Nachfolgend haben wir handlungen über den Agrarhandel, in denen wir beunsere Ansichten zu den Zielen dargelegt, die die deutsame Verpflichtungen anstreben sollten, die
Vereinigten Staaten unseres Erachtens im Hinblick auf Exportchancen für amerikanische Erzeuger erweitern
sieben Schlüsselbereiche der Verhandlungen verfol- werden. Darüber hinaus sollten wir uns einen wesentgen sollten. Der Ausschuß beabsichtigt, jedes endgül- lichen Abbau von Exportsubventionen und landwirttige Abkommen der Uruguay-Runde an diesen sowie schaftlichen Stützungsprogrammen zum Ziel setzen,
an den im Handelsgesetz von 1988 formulierten Zielen die durch die Förderung von Überproduktion und
zu messen.
Dumping überschüssiger Erzeugnisse auf dem Weltmarkt die Weltmarktpreise verzerren. Ferner sollten
Während die Verhandlungen über Marktzugang im wir sicherstellen, daß ungerechtfertigte sanitäre und
Vorfeld des im Juli stattfindenden Treffens der Ent- phytosanitäre Maßnahmen beschränkt werden, bei
scheidungsträger der G-7-Länder weiter fortschreiten, gleichzeitiger Bewahrung unseres Rechts, legitime
bekräftigt der Ausschuß erstens seine seit langem Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit, Hygiene
bestehende Überzeugung, daß die Uruguay-Runde zu und Umwelt aufrechtzuerhalten.
AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�Auch die Verhandlungen über staatliche Beschaffungen bieten eine Chance, den Marktzugang für amerikanische Unternehmen zu verbessern. Neben der
Bestrebung, die Hemmnisse auf Auslandsmärkten
abzubauen, sollten sich die Vereinigten Staaten darum
bemühen, den Geltungsbereich des staatlichen Beschattungskodex zu erweitem sowie Fairneß und
Transparenz von Verwaltungsverfahren zu steigern.
Der Ausschuß geht nach wie vor davon aus, daß die
Vereinigten Staaten einen nachhaltigeren GATTMechanismus zur Schlichtung von Streitfällen anstreben sollten, der innerhalb von festgelegten Fristen die
unverzügliche und effektive Durchsetzung unserer
Rechte gewährleistet. Gleichzeitig müssen wir die
Fähigkeit beibehalten, unsere Handelsgesetze zu
benutzen, um die Verletzung von Handelsabkommen
zu korrigieren und auf die unfairen Handelspraktiken
unserer Konkurrenten einzugehen. In diesem Zusammenhang ist der Ausschuß der Ansicht, daß Schlichtungsausschüsse, die über Klagen bezüglich unserer
Maßnahmen zur Verhängung von Antidumping- oder
Ausgleichszöllen verhandeln, daran gehindert werden
sollten, das Urteil der amerikanischen Internationalen
Handelskommission, des Handelsministeriums oder
amerikanischer Gerichtshöfe durch ihr eigenes Urteil
zu ersetzen.
Der Ausschuß ist der festen Überzeugung, daß unsere
Gesetze zur Verhängung von Antidumping- und Ausgleichszöllen als effektive Instrumente zur Bekämpfung unfairen Dumpings und unfairer staatlicher Subventionen bewahrt werden müssen. Wir sind insbesondere besorgt über die im Entwurf der Schlußakte
enthaltenen Bestimmungen über Klageberechtigung,
Kumulierung, Kosten/Nutzen-Methodologien, Mindestausnahmen, nichteinklagbare Subventionen und die
Beendigung von Antidumping- und Ausgleichszollordnungen. Wir sollten verschärfte Disziplinen gegen
Export- und Binnensubventionen (darunter Kapitalinfusionen, Subventionen für natürliche Ressourcen und
regionale Subventionen) sowie effektive Maßnahmen
anstreben, um die Umgehung von Antidumping- und
Ausgleichszollordnungen sowie das Dumping über
Drittländer zu verhindern. Gleichzeitig sollten wir auf
größere Transparenz bei den von unseren Handelspartnern ergriffenen Antidumping- und Ausgleichszollmaßnahmen sowie auf die Klarstellung wichtiger Regeln
und verschärfte Verfahrensnormen drängen, um den
*

Seite 2

*

Mißbrauch dieser Regeln gegen amerikanische Exporteure zu verhindern.
Bei den Verhandlungen über geistiges Eigentum sollte
unser Hauptziel unseres Erachtens ein Abkommen
sein, das angemessenen Schutz und effektive Durchsetzung aller Arten von Rechten an geistigem Eigentum sicherstellt. Wir gehen jedoch davon aus, daß der
Entwurf der Schlußakte in mehrfacher Hinsicht unzureichend ist. Die Übergangsfristen sollten - insbesondere im Hinblick auf die Entwicklungsländer - verkürzt
werden. Das Abkommen sollte einen frühzeitigen
Patentschutz für Produkte umfassen, die vor der
Markteinführung auf Gesetzeskonformität geprüft
werden müssen. Die Regeln über die Anwendung der
Lizenzpflicht sollten gestärkt werden. Darüber hinaus
sollte das Abkommen vertragliche Arrangements und
Transfers uneingeschränkt anerkennen sowie amerikanischen Eigentümern von Rechten an geistigem
Eigentum die umfassende nationale Behandlung zusichern.
Abschließend sind wir im Hinblick auf die Verhandlungen über Textilien und Bekleidung der Auffassung, die
Vereinigten Staaten sollten gewährleisten, daß alle
Länder gleichwertigen Zugang zu ihren Binnenmärkten bereitstellen und Maßnahmen verwirklicht werden
sollten, um handelsverzerrende Maßnahmen wie
Umschlag über Drittländer, Falschdeklaration, Schmuggel und andere Formen der Umgehung von Handelsbestimmungen zu verhindern. Ferner sind wir der
festen Überzeugung, daß jedes Land, das sich nicht an
das Rahmenabkommen der Uruguay-Runde hält, keinen
Nutzen aus dem Auslaufen des Mehrfaserabkommens (MFA) ziehen sollte. Darüber hinaus fordern wir
Sie auf, bei allen Verhandlungen über Zollsenkungen
in den Bereichen Textil und Bekleidung die wichtige
handelsliberalisierende Wirkung des Auslaufens des
MFA sowie die Auswirkungen auf die Umwelt zu
berücksichtigen.
Wir fordern Sie auf, bei Ihren Bemühungen, die Uruguay-Runde bis zum Jahresende abzuschließen, diese Ziele gemeinsam mit den im Handelsgesetz von
1988 enthaltenen Zielen im Auge zu behalten. Wir
sehen der Zusammenarbeit beim weiteren Fortschreiten dieser Verhandlungen gerne entgegen und stehen
bereit, Ihnen jede Hilfe und jeden Rat zu geben, die Sie
für nützlich halten mögen.
*

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AMERIKA DIENST 26

�FRAUEN
30. Juni 1993

DURCHBRUCH FÜR FRAUEN
AUF MENSCHENRECHTSKONFERENZ
Frauenfragen im Rampenlicht
WIEN - (AD) - Hunderte von Frauenrechtsgruppen aus
der ganzen Welt sind Feiice Gaer, einem Nichtregierungsmitglied der US-Delegation zufolge die "dynamischste Kraft" auf der von den Vereinten Nationen
veranstalteten Weltkonferenz über Menschenrechte.

Christopher vor den Konferenzteilnehmern aus mehr
als 180 UNO-Mitgliedstaaten. "Dies ist jedoch in allzu
vielen Teilen der Weh, wo Frauen einzig aufgrund ihres
Geschlechts Diskriminierung und Vorurteilen ausgesetzt sind, nach wie vor eine unerfüllte Vision."

"Sie stellen die am besten organisierte Gruppe dar und
sind am stärksten auf ihr Ziel ausgerichtet: Frauenfragen in den Mittelpunkt der Tagesordnung für die
Menschenrechte zu stellen", so Gaer, geschäftsführende Direktorin des Jacob Blaustein Instituts für
Menschenrechte in einem Interview während der
zweiwöchigen Konferenz.

Einige Teilnehmerstaaten der Konferenz hatten versucht, das Prinzip der Universalität der Menschenrechte unter dem Vorwand zu unterminieren, die spezifische historische und kulturelle Situation müsse in
Betracht gezogen werden. Frauengruppen halten
jedoch die Errichtung von kulturellen Begrenzungen
oder wirtschaftlichen Vorbedingungen für die Gewährleistung von Menschenrechten für besonders frauenfeindlich.

Die Bemühungen der Frauen, so Gaer, stehen jetzt in
Einklang mit denen der US-Regierung, die "sich gewandelt" und die Integration von Frauenfragen im
gesamten UNO-System zu einem wichtigen Ziel dieser Konferenz gemacht hat.

"Wenn Männer über kulturellen Relativismus sprechen, wollen sie den Frauen mit dem Argument ihre
Rechte verweigern, daß es um eine Frage der kulturellen Identität geht", so Hamida Mirabet Labidi, eine
Frauengruppen sammelten sich unter dem Slogan Juristin aus Tunesien. Obwohl Tunesien fortschrittli"Frauenrechte sind Menschenrechte" u nd richteten die che Gesetze zum Schutz der Frauen hat, so Labidi,
allgemeine Aufmerksamkeit auf Fragen wie Gewalt drängen die islamischen Extremisten in ihrem Land auf
gegen Frauen, sexuelle Ausbeutung, Verstümmelung eine Umkehrung der Gewährung von Frauenrechten.
der Geschlechtsorgane, Kindesmord an weiblichen
Nachkommen, politische und wirtschaftliche Diskrimi- Wie viele andere Frauen auf dieser Konferenz erklärte
nierung sowie Mißbrauch innerhalb der Familie.
Labidi, sie sei nach Wien gekommen, um Gruppen aus
anderen Ländern zu treffen und von ihren Erfahrungen
Gaer zufolge war die Wiener Konferenz bereits in zu lernen. Nichtstaatliche Organisationen (NGOs) aus
vielerlei Hinsicht ein Sieg für die Frau: "Die Schlußer- allen Teilen der Welt treffen sich im Erdgeschoß des
klärung der Weltkonferenz wird ein wirklicher Meilen- Gebäudes, in dem die UNO-Konferenz stattfindet.
stein für Frauenrechte sein. Sie stellt tatsächlich einen
Durchbruch dar, und Frauen werden damit zu einem Ein Blick auf die sechsseitige Liste der Aktivitäten der
festen Bestandteil der Tagesordnung."
nichtstaatlichen Organisationen für einen Konferenztag macht deutlich, daß ein Drittel der dort stattfindenAußenminister Christopher hatte in einer Rede zu den Aktivitäten sich auf Frauenrechte bezieht. GrupBeginn der Konferenz die Notwendigkeit der Gewähr- pen von Frauen, die in einem muslimisch beherrschten
leistung von Frauenrechten als ein "moralisches Gebot" Staat leben (Women Living under Muslim Law) bis hin
bezeichnet.
zum Menschrechtsrat der asiatischen Frauen (Asian
Diejenigen, die die Charta der Vereinten Nationen Women's Human Rights Council) nehmen an Workentwarfen, "waren entschlossen, ein Dokument zu shops und Diskussionen über eine Vielzahl von Theverfassen, das Frauen ebenso wie Männer schützen men teil - aber das übergreifende Thema, das alle
und ihnen zu Sebstbestimmung verhelfen sollte", erklärte Frauengruppen vereint, ist die Frage, wie Gewalt
gegen Frauen verhindert werden kann.
AMERIKA DIENST 26

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�"Wenn Sie nach einem Thema suchen, das wirklich
universal ist, dann ist es Gewalt gegen Frauen", erklärte das amerikanische Delegationsmitglied Arvonne
Fräser. Eine auf der Konferenz verteilte Übersicht des
US-Außenministeriums macht deutlich, daß Gewalt
gegen Frauen selten als Menschenrechtsverletzung
betrachtet wird, "obwohl Mißbrauch solcher Größenordnung gegen jede andere Gruppe auf der Wert als
wichtiger humanitärer Notstand anerkannt worden wäre".
Um die Aufmerksamkeit der internationalen Öffentlichkeit auf diese Frage zu lenken, organisierte ein Bündnis verschiedener Frauengruppen am zweiten Konferenztag eine 11 stündige internationale Gerichtsverhandlung über die Verletzung von Frauenrechten.
Mehr als eintausend Menschen hörten die Zeugenaussagen von 33 Frauen, einschließlich einer Pakistanerin, die erzählte, wie sie von ihrer eigenen Familie
angezündet wurde, einer koreanischen "comfort woman"
(Bezeichnung für Frauen, die im Zweiten Weltkrieg
von den japanischen Besatzern zur Prostitution gezwungen wurden, Anm. d. Red.) und einer Afroamerikanerin, die von Körperverletzung zu Hause durch
ihren ehemaligen Ehemann, einen Polizisten, erzählte.
Frauen aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Somalia
und anderen Kriegsgebieten erklärten, daß im Namen
der "Verbesserung der Moral" und der "ethnischen
Säuberung" Kriegsverbrechen gegen Frauen begangen wurden. Die dem Gericht vorgelegten Beweismaterialien umfaßten auch ein Dokument aus dem Iran,
das die Größe der Steine festlegt, mit denen des
Ehebruchs schuldige Frauen gesteinigt werden sollen.
Anfang dieses Jahres beschloß die UNO-Menschenrechtskommission prinzipiell die Ernennung eines UNOSonderberichterstatters über Gewalt gegen Frauen;
hierbei handelt es sich um eine von den Vereinigten
Staaten unterstützte Maßnahme, die in dem letzten
Entwurf für eine Erklärung der Weltkonferenz befürwortet und begrüßt wird. Die Vereinigten Staaten
möchten, daß das Mandat des Sonderberichterstatters auch das Recht enthält, Körperverletzung innerer * *

Seite 2

halb der Familie, Vergewaltigung, Kindesmord an
weiblichen Nachkommen, "Tötungen um der Ehre
willen", "Mitgift-Morde" sowie andere im Zusammenhang mit Traditionen und Gebräuchen stehende Praktiken zu untersuchen.
Die Frauengruppen begrüßten auch die Ankündigung
Außenminister Christophers, die Clinton-Administration werde auf die Ratifizierung der Internationalen
Konvention über die Beseitigung aller Formen von
Diskriminierung gegenüber Frauen drängen, nachdem der Senat eine andere UNO-Konvention über
rassische Diskriminierung ratifiziert hat.
Die Konvention über die Beseitigung aller Formen von
Diskriminierung gegenüber Frauen ist das wichtigste
internationale Rechtsinstrument zum Schutz der
Menschenrechte der Frau. Verfassungsmäßige, legislative und andere in der Konvention beschriebene
Maßnahmen haben das Ziel, durch Gleichstellungsmaßnahmen Chancengleichheit zu erreichen, Schwangere und Mütter zu schützen, gleiche Arbeitsplatzchancen zu bieten sowie Gleichheit vor dem Gesetz zu
garantieren.
Bis heute haben 120 Länder die Konvention ratifiziert
und sind somit rechtlich verpflichtet, ihre Bestimmungen in die Tat umzusetzen. Aber Verfechter von
Frauenrechten weisen darauf hin, daß viele Staaten
den Vertrag an Vorbehalte gebunden haben, die so
grundlegend sind, daß sie im Prinzip seinem Ziel
widersprechen.
Zusätzlich haben Gaer zufolge viele Staaten, die die
Konvention unterzeichneten, keine gutentwickelten
Rechtssysteme, und Frauen haben keinen Regreßanspruch auf die Inkraftsetzung der Gesetze.
"Der Unterschied zu den Vereinigten Staaten ist der:
Wenn wir einen Vertrag unterzeichnen, bedeutet das,
daß wir ihn auch wirklich in die Tat umsetzen werden",
so Gaer. "Genauer gesagt sind wir damit in einer
Position, mit anderen Staaten darüber zu sprechen,
wie sie die Frauen in ihren Gesellschaften behandeln."

*

4t

AMERIKA DIENST 26

�GESELLSCHAFT
30. Juni 1993

DIE GENERATION DES BABY-BOOMS WIRD ÄLTER
von Marc Leepson
Die Generation des Baby-Booms (in Deutschland allgemein als die "geburtenstarken Jahrgänge" bezeichnet)
hatte dem Autor zufolge "enormen Einfluß auf praktisch jeden Aspekt der amerikanischen Gesellschaft". Der
nachfolgende Beitrag untersucht die Kräfte, von denen diese Generation geprägt wurde, sowie den Einfluß, den
die "Baby-Boomer" auf das politische und gesellschaftliche Leben in den Vereinigten Staaten gehabt haben. In
einem Anhang werden bekannte Vertreter dieser Generation genannt.
Marc Leepson lebt als freier Schriftsteller in der Bundeshauptstadt Washington. Er war zuvor Mitarbeiter beim
Congressional Quarterly sowie Kolumnist beim Magazin American PolHics. Der 1945 Geborene gehört somit
fast auch zur "Baby-Boom"-Generation.
Man hat sie unter anderem die Dr.-Spock-Generation,
die Fernsehgeneration, die Pepsi-Generatbn, die Rockand-Roll-Generation, die Jetzt-Generation, die Generation der 60er, die Woodstock-Generation, die Vietnam-Generation und die Yuppie-Generation genannt.
Am häufigsten jedoch werden die 76 Millionen Amerikaner, die in den 18 Jahren (1946-64) nach dem
Zweiten Weltkrieg geboren wurden, als Baby-BoomGeneration bezeichnet.
Diese Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge
haben enormen Einflu ß auf praktisch jeden Aspekt der
amerikanischen Gesellschaft ausgeübt, und zwar aus
einem einzigen Grund: Sie sind die zahlenmäßig
größte Generation der amerikanischen Geschichte.
"Wenn in einem Jahrhundert die Geschichte unserer
Zeit geschrieben wird, könnte durchaus gesagt werden, daß der Baby-Boom einer der mächtigsten und
dauerhaftesten Einflüsse auf diese Nation gewesen
ist", äußerten die Demographen Leon F. Bouvier und
Carol J. De Vita in einem unlängst vom privaten
gemeinnützigen Population Reference Bureau veröffentlichten Bericht. Die Angehörigen dieser Generation wurden "von Schriftstellern, Wissenschaftlern,
Planern, Politikern, Marketing-Fachleuten und der
populären Presse für die Probleme der Nation gescholten, für ihre Erfolge anerkannt, beobachtet, untersucht, analysiert und eingehend geprüft".
Die Bedürfnisse der geburtenstarken Jahrgänge haben seit den frühen fünfziger Jahren, als ihre ersten
Angehörigen in Rekordzahlen eingeschult wurden,
wichtige Segmente der amerikanischen Gesellschaft
geprägt. Als der älteste Teil der Generation das
Jugendalter erreichte, drückte er dem Jahrzehnt der
AMERIKA DIENST 26

sechziger Jahre, als ein "Jugendbeben" die gesamte
soziale Landschaft der Vereinigten Staaten erschütterte und alles - von Frisuren bis zum Lebensstil beeinflußte, einen unauslöschlichen Stempel auf. Als
die "Boomer" in den siebziger Jahren ins Erwerbsleben
eintraten, hatten sie am meisten unter den Wirtschaftsproblemen dieses Jahrzehnts zu leiden. Als die älteren
Angehörigen dieser Generation dagegen in das mittlere Lebensalter und die jüngeren in die Erwerbsbevölkerung eintraten, profitierten viele von ihnen besonders stark vom Wirtschaftsboom der achtziger Jahre.
Als der 46jährige (Geburtsdatum: 19. August 1946)
Bill Clinton am 20. Januar 1993 den Amtseid des
Präsidenten ablegte, übernahm er als erster Angehöriger der geburtenstarken Jahrgänge das höchste
politische Amt des Landes. "Vierzig Jahre lang, von
Dwight Eisenhower [Präsident von 1953 bis 1961] bis
zu George Bush [1989-1993] war die Präsidentschaft
das Monopol von Männern, die im Zweiten Weltkrieg
die Uniform des Landes getragen hatten", stellte der
Veteran unter den politischen Kolumnisten, David Broder,
fest. "Sie alle hatten persönliche Erinnerungen an die
Große Depression. Sie alle hatten teil an der verbindenden Erfahrung der nationalen Mobilisierung gegen
den Nazismus, Faschismus und das kaiserliche Japan."
Clintons Generation, fügte Broder hinzu, hat ein unterschiedliches Konglomerat an "prägenden Ereignissen" vorzuweisen, darunter die Bürgerrechts-, Frauen- und Umweltbewegung sowie anhaltende nationale
Auseinandersetzungen über das Recht auf Schwangerschaftsabbruch und über den Vietnamkrieg von
1965-1973. Baby-Boomer - die etwa ein Drittel der
Seite 1

�amerikanischen Bevölkerung stellen - haben darüber
hinaus ein neues und äußerst verschiedenes Geflecht
von sozialen und kulturellen Faktoren geprägt - und
sind von diesem geprägt worden. Clintons Wahl, so
der Kulturkritiker Hai Hinson, bekräftigte "einen grundlegenden Wandel im kulturellen Temperament des
Landes", der sich "überall, am auffälligsten jedoch in
der populären Kultur" feststellen lasse - "im Femsehen, auf Schallplatten, in Magazinen, in der Werbung
und natürlich in den Spielfilmen".

mindestens ein vierjähriges Collegestudium abgeschlossen hatten, stieg von etwa 10 Prozent in den fünfziger
Jahren auf 16 Prozent im Jahr 1970 bis auf 23 Prozent
im Jahr 1980. Damit wurden die Angehörigen der
geburtenstarken Jahrgänge zur gebildetsten Generation in der amerikanischen Geschichte. Als die ersten
"Baby-Boomer" ihr Collegestudium abschlössen,
beeinflußten sie die amerikanische Gesellschaft und
Kultur in den sechziger Jahren auf eine Art und Weise,
die weiterhin ihren Nachhall findet.

Der Boom beginnt

Die Sechziger

Der amerikanische Baby-Boom war kein isoliertes
Phänomen. In der gesamten Geschichte der Menschheit und weltweit sind die Geburtenraten im Anschluß
an Kriege normalerweise gestiegen. Ein gewisser
Baby-Boom fand in den ersten Jahren nach dem
Zweiten Weltkrieg in der Tat auch in anderen Teilen der
Welt statt, als die Geburtenraten in den späten vierziger Jahren in ganz Westeuropa ebenso wie in Australien, Kanada und Neuseeland beträchtlich anstiegen.
Diese Entwicklung endete in Europa jedoch 1950, als
die Geburtenraten stark zu sinken begannen.

Die unverhältnismäßig hohe Zahl junger Leute hatte
tiefgreifende Auswirkungen in den instabilen sechziger
Jahren, einer Zeit, in der "es fast schien, daß Amerika
zur Filiarchie wurde", so der Historiker William Manchester in seinem Buch The Glory and the Dream
(1974). In den ersten Jahren ihres Erwachsenenlebens waren viele Baby-Boomer in den sechziger und
frühen siebziger Jahren voller Verachtung für die sozialen,
religiösen, moralischen und politischen Werte der
Generation ihrer Eltern. Einige schlugen eine Laufbahn in der Wirtschaft aus, um für den sozialen Wandel
zu arbeiten. Sie schlössen sich Bewegungen für
Die Demographen hatten für die Vereinigten Staaten Bürger- und Persönlichkeitsrechte, für Umweltschutz
einen ähnlich kurzlebigen Anstieg der Geburtenraten und Frauenrechte, gegen den Vietnamkrieg und andenach dem Krieg prophezeit. Tatsächlich kam es ren Bewegungen an, die sich gegen das Establishjedoch in den Worten von Bouvier und De Vita zu "einer ment richteten.
beispiellosen, eineinhalb Jahrzehnte währenden Fruchtbarkeitsexplosion", die schon bald "Anpassungen in Viele Angehörigen dieser Generation aus allen soziaunseren Schulen, Arbeits-, Wohnungs- und Verbrau- len Schichten blieben jedoch den Werten ihrer Eltern
chermärkten sowie bei staatlichen Programmen" er- treu. Andere aber - vorwiegend der Mittelschicht
forderten. Die Geburtenraten schössen von 85,9 (pro entstammende weiße Teenager und junge Erwachse1.000 Frauen im gebärfähigen Alter) im Jahr 1945 auf ne - folgten den Schlagworten der Subkultur der sech101,9 im folgenden Jahr bis auf den Rekordstand von ziger Jahre (etwa "tune in, tum on, drop out") und
122,7 auf dem Höhepunkt des Baby-Booms 1957 lehnten die Moral des Establishments ab. Diese
empor. Auch in Kanada, Australien und Neuseeland sogenannten Hippies kleideten sich radikal anders,
blieben hohe Geburtenraten bis in die frühen sechziger lebten in Wohngemeinschaften oder in aller Offenheit
Jahre bestehen.
als unverheiratete Paare zusammen, propagierten
den Konsum von Drogen wie Marihuana und LSD und
Die erste - und von einigen Beobachtern als wesent- wandten sich von Christen- und Judentum ab, um sich
lichste betrachtete - Auswirkung der geburtenstarken mit fernöstlichen Religionen wie Buddhismus und HinJahrgänge auf die amerikanische Gesellschaft trat duismus zu beschäftigen.
Anfang der fünfziger Jahre ein, als ihre Angehörigen
das öffentliche Schulsystem des Landes überschwemm- Die Hippies waren die sichtbarsten Vertreter der sogeten. So stieg beispielsweise die Zahl der Grundschüler nannten Subkultur, einer Bewegung, mit der sich auch
(Alter von 5-12) von 1950 bis 1970 um über 60 Prozent viele andere, weniger radikale Angehörige dieser
(von 23 auf 37 Millionen). Die Zahl der Besucher Generation identifizierten. "Wir waren frei zu experihöherer Schulen verdoppelte sich von 1950 bis 1975. mentieren, und alles schien möglich: Alles konnte
Dieser starke Zustrom von Schülern führte Mitte der verändert werden", kommentierte der Journalist und
fünfziger Jahre in den Grundschulen und in den sech- Autor Charles Kaiser in seinem 1988 erschienenen
ziger Jahren in den weiterführenden Schulen landes- Buch 1968 in America, dessen Untertitel - Music,
weit zu einer ernsten Überlastung sowie einem Mangel Politics, Chaos, Counterculture and the Shaping
of a Generation - einen Hinweis auf den Einflu ß dieser
an Lehrern und Klassenräumen.
Generation auf die amerikanische Gesellschaft der
In den sechziger Jahren überschwemmten die gebur- sechziger Jahre enthält. "Selbst wenn wir es gewollt
tenstarken Jahrgänge dann die Colleges. Von 1957 hätten, konnten wir die Leistungen unserer Eltern nicht
bis 1975 vermehrte sich die Zahl der Collegestudenten nachahmen, da wir keine Wirtschaftskrise erlebten,
sprunghaft von etwa 3 Millionen auf rund 11 Millionen. die wir überwinden mußten (oder eine Nazi-BedroDer Prozentsatz junger Erwachsener (Alter 25-29), die hung, die wir besiegen mußten)", schrieb Kaiser. "Das
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AMERIKA DIENST 26

�Fehlen einer offenkundigen wirtschaftlichen Heraus- Die überwältigende Mehrheit der Männer und Frauen,
forderung zwang uns, darüber nachzudenken, wie wir die in Vietnam dienten, entstammten Familien der
unteren Mittel- oder der Arbeiterschicht. Nur ein
uns selbst neuerfinden könnten."
geringer Anteil der privilegierten Schichten nahm am
Gegen Ende der sechziger Jahre, so Kaiser, waren Krieg teil. Viele der 16 Millionen, die nicht im Militär
viele Angehörige dieser Generation von einer "Malai- dienten, wählten gut durchdachte Wege, wie die Anse" betroffen. Zu den Ursachen dieses Unbehagens nahme von Beschäftigungen, die vom Wehrdienst
gehörten "das Fehlen religiöser Überzeugungen, eine ausgenommen waren, die Verlängerung ihrer akadeungewollte Gewöhnung an die nukleare Katastrophe, mischen Ausbildung, Heirat und Kinder, um dem
eine unerwartete Vertrautheit mit dem politischen Mord Wehrdienst zu entgehen. Andere unternahmen drasti- die Ermordung von Malcolm X1965 ebenso wie die sche Schritte und wählten das Exil im Ausland oder
John F. Kennedys 1963 - sowie ein Verlangen nach gingen ins Gefängnis, anstatt den Wehrdienst abzuleiIdealismus, der von Kennedys Präsidentschaft am sten.
dauerhaftesten in Erinnerung blieb".
Viele derjenigen, die während der Vietnam-Ära im
Diese "grundverschiedenen Elemente", schrieb Kai- Militär dienten, unterstützten das amerikanische Vorser, "verstärkten zwei scheinbar gegensätzliche, prak- gehen in Vietnam. Andere unterstützten den Krieg
tisch jedoch einander ergänzende Impulse: Den Wunsch zwar nicht, besaßen aber nicht die Mittel, um dem
nach Schaffung unserer eigenen Kulturen, unserer Dienst zu entgehen, oder dienten gegen ihren Willen.
eigenen Welt, in der wir uns von der Welt unserer
Eltern zurückziehen konnten, sowie die Notwendig- Die Präsidentschaftswahl von 1992 bewies Hoagland
keit, uns höheren Anliegen zu widmen, Kreuzzügen, zufolge, daß es "politisch in Amerika immernoch keine
die uns die Chance geben würden, uns als moralische Verjährungsfrist" für den Vietnamkrieg gibt. Hoagland
Menschen zu definieren."
bezog sich auf den vom dem damaligen Präsidenten
George Bush (der im Zweiten Weltkrieg gedient hatte)
Der wichtigste Kreuzzug war für viele Baby-Boomer gegen Bill Clinton im Präsidentschaftswahlkampf 1992
die Ablehnung der amerikanischen Beteiligung am geführten "Generationskrieg", wie es der politische
Vietnamkrieg. Der Krieg begann in großem Maßstab Beobachter Sidney Blumenthal vom Magazin The
1965 und erreichte seinen Höhepunkt 1969, als 550.000 New Yorker bezeichnete. "Ich meine, es ist falsch,
amerikanische Soldaten in Südostasien gegen das gegen sein eigenes Land zu demonstrieren oder
kommunistische Nordvietnam und seinen südvietna- Demonstrationen gegen sein eigenes Land im Ausmesischen Verbündeten, den Vietcong, kämpften. Der land zu organisieren", erklärte Bush in einer PräsidentVietnamkrieg war der längste und seit dem Amerikani- schaftsdebatte im Hinblick auf Clintons gegen den
schen Bürgerkrieg von 1860-65 umstrittenste Krieg in Krieg gerichtete Aktivitäten, als dieser an der Univerder amerikanischen Geschichte.
sität von Oxford in England studierte. "Ich bin der
Überzeugung", erklärte Bush ebenfalls im Wahlkampf,
Die nationale Debatte über den Krieg "traumatisierte "daß der Dienst in Uniform ein gutes Kriterium füreinen
[die] Nation, zerstörte das Leben von Millionen Ameri- Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist."
kanern, führte für [Präsident Lyndon] Johnson und die
Demokraten zum Verlust des Weißen Hauses [in den Tatsächlich erwies sich die "generationsorientierte"
Wahlen von 1968] und hat immer noch starken Einllu ß Strategie Meinungsumfragen zufolge als weitgehend
auf die Weltpolitik", schrieb der politische Kommenta- erfolglos, hauptsächlich deshalb, weil die meisten
tor Jim Hoagland Mitte 1992. Zu diesem Zeitpunkt Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge Sympawurde die Frage der Kriegsgegnerschaft des damali- thie für Clintons Umgehung des Wehrdienstes und für
gen Kandidaten Clinton zu einem Phänomen, das seine Ablehnung des Krieges empfanden. So erklärHoagland als "einen unwahrscheinlichen Prüfstein" im ten mehr als zwei Drittel der in einer Meinungsumfrage
Präsidentschaftswahlkampf bezeichnete.
von The Washington Post zwei Wochen vor der
Präsidentschaftswahl Befragten, ihrer Meinung nach
Das Thema von Clintons Umgehung des Wehrdienhätten Clintons Ansichten zu Vietnam und sein nichtstes - unter männlichen amerikanischen Collegeabsolgeleisteter Wehrdienst im Wahlkampf überhaupt kein
venten in den sechziger Jahren ein alltägliches PhänoThema sein dürfen.
men - schlug 1992 politische Wellen. Nahezu 27
Millionen Amerikaner erreichten während des Viet- Dies steht in krassem Gegensatz zur öffentlichen
namkrieges das wehrfähige Alter. Mehr als 60 Prozent Meinung in früheren Präsidentschaftswahlen. "Für
dieser Gruppe - rund 16 Millionen - leisteten keinen [Präsident] Kennedy waren der Militärdienst und die
Wehrdienst. Von den fast 11 Millionen, die sich Teilnahme an Kampfhandlungen [im Zweiten Weltfreiwillig meldeten oder einberufen wurden, dienten krieg] eine Referenz für nationale Führungsqualitäetwa 2,7 Millionen in Vietnam. Mit anderen Worten: ten", so der politische Kolumnist Mark Shields. "FairerRund 90 Prozent der jungen Männer, die für Kampfein- weise läßt sich jedoch sagen, daß sich Männer im
sätze in Vietnam in Frage kamen, entzogen sich mittleren Alter aufgrund ihrer persönlichen Erfahrung
diesem Dienst.

AMERIKA DIENST 26

Seite 3

�wesentlich stärker mit Bill Clinton identifizieren" als mit den Vereinigten Staaten. Clinton, Vizepräsident Albert
Gore und die anderen Angehörigen dieser Generation
denen, die in Vietnam gedient haben.
werden zumindest in den kommenden beiden Jahr"Baby-Boomer" in wirtschaftlich schlechten und zehnten das Schicksal des Landes bestimmen. "Für
guten Zeiten
die nächsten 20 Jahre", so Bouvier und De Vita,
"werden die geburtenstarken Jahrgänge nicht nur die
Präsident Nixon schaffte zu Beginn des Jahres 1973
Grundlagen für ihren eigenen Ruhestand und die Jahre
die entzweiende Wehrpflicht ab, und in demselben
danach, sondern auch für die Zukunft der Nation
Jahr beendeten die Vereinigten Staaten ihre erfolglose
schaffen."
militärische Intervention in Vietnam. Mit dem Abflauen
der politischen Leidenschaften gingen die "Baby-Boo- ZurZeit beginnen fürdie ersten Vertreter der geburtenmer" in großer Zahl auf Arbeitsplatzsuche. In 13 starken Jahrgänge die produktivsten Arbeitsjahre,
aufeinanderfolgenden Jahren - von 1968 bis 1980 - während in den Vereinigten Staaten eine Zeit wirttraten jedes Jahr rund zwei Millionen Amerikaner neu schaftlicher Ungewißheit herrscht. In naher Zukunft
ins Erwerbsleben ein. Obwohl Millionen neuer Arbeits- werden die Kinder dieser Generation erwachsen werplätze geschaffen wurden, wurde der Arbeitsmarkt von den, und ihre Eltern werden in den Ruhestand treten.
den Angehörigen der geburtenstarken Jahrgänge "Sowohl direkt als auch indirekt", stellen Bouvier und
überschwemmt. Die daraus folgende Belastung der De Vita fest, werden die geburtenstarken Jahrgänge
Wirtschaft brachte für viele "Baby-Boomer" in den "die Tagesordnung im Hinblick auf Entscheidungen
siebziger Jahren hohe Arbeitslosenquoten, verbreitete des Landes im Bildungswesen, bei Maßnahmen zur
Unterbeschäftigung, schwaches Produktivitätswach- Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bei Rentenpolitik
stum und auch in anderer Hinsicht wirtschaftlich schwe- und Gesundheitswesen bestimmen."
re Zeiten mit sich.
Es ist nicht leicht, eine genaue Prognose darüber
"Als die ersten Baby-Boomer [im Jahr 1973] zur Er- abzugeben, wie diese Tagesordnung aussehen wird.
werbsbevölkerung stießen, hatten wir das ölembargo Ein Grund ist, daß die Angehörigen der geburtenstarder OPEC", erklärte Paul Light, ein Politologieprofes- ken Jahrgänge zwar eine Altersstufe und viele Lebenssor an der Un iversity of Minnesota. "Danach hatten wir erfahrungen gemeinsam haben, diese Gruppe jedoch
eine Rezession nach der anderen. Wir hatten die aus Personen besteht, deren Positionen, Lebenstile
Hyperinf lat ion der späten siebziger Jahre und dann ein und politische Überzeugungen erheblich voneinander
Jahrzehnt der Schrumpfung... Als Generation sind sie abweichen. Als Beispiel mögen die letzten beiden
außergewöhnlich anfällig für kurzfristige Wirtschafts- Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten AI Gore und
kräfte."
sein Vorgänger Dan Quayle dienen, die beide den
geburtenstarken Jahrgängen angehören.
Wirtschaftlich verbesserte sich die Lage für viele
Angehörige der geburtenstarken Jahrgänge in den Gore, der in Vietnam gedient hat, ist ein liberaler
frühen achtziger Jahren - einer Zeit, in der viele ehema- Demokrat, der viele der aktivistischen politischen und
lige Anhänger der Subkultur sich enthusiastisch die sozialen Ansichten der frühen "Baby-Boomer" vertritt.
wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Werte der Der ehemalige US-Senator aus Tennessee setzt sich
Mitte zu eigen machten. "Viele Boomer, die als Twens offen für den Umweltschutz ein. Während seiner
die Gründung einer Familie aufgeschoben hatten, gesamten politischen Laufbahn vertrat Gore überdies
begannen damit in den frühen achtziger Jahren. Tat- zahlreiche populistische Anliegen, darunter eine höhesächlich produzierten die Boomer in der Mitte des re Besteuerung der besonders Wohlhabenden, EinJahrzehnts ihren eigenen kleinen Baby-Boom (von sparungen im Verteidigungshaushalt sowie staatliche
Demographen als 'Miniboom' bezeichnet)."
Arbeitsbeschaffungsprogramme.
Im selben Jahrzehnt trat der sogenannte Yuppie auf der junge, aufstiegsbereite "Baby-Boomer", der in der
allgemeinen Hochkonjunktur von Mitte bis Ende der
achtziger Jahre den wirtschaftlichen Jackpot gewann.
Viele "Boomer" durchliefen eine Metamorphose "von
J'accuse zu Jacuzzi", erklärte der ehemalige Anführer
der studentischen Antikriegsbewegung Todd Gitlin zu
der Neigung seiner Generation, sich vom aktiven
Kämpfer gegen das Establishment zum gierigen Konsumenten teurer Luxusgüter zu entwickeln.

Quayle, ein ehemaliger US-Senator aus Indiana, der
während des Vietnamkriegs in der Nationalgarde (einer
auf Teilzeitbasis funktionierenden Reservetruppe) seines
Staates diente, ist sozial und politisch ein konservativer Republikaner. Gemeinsam mit seiner Frau Marilyn
vertritt Quayle viele soziale und politische Ideen, die
besonders von der Generation seiner Eltern befürwortet werden. "Vor zwanzig Jahren galt es für Frauen als
unpassend zu sagen, daß sie heiraten wollten... oder
zu sagen 'ich liebe meinen Mann, ich liebe meine
Kinder1", erklärte Marilyn Quayle während des PräsiDie neunziger Jahre und danach
dentschaftswahlkampfs, die sich trotz eines abgeDie Wahl Präsident Clintons im Jahr 1992 symbolisier- schlossenen Jurastudiums entschied, sich voll und
te den Aufstieg seiner Generation in die obersten ganz ihrem Mann und der Familie zu widmen, anstatt
Ränge der politischen und wirtschaftlichen Macht in Jura zu praktizieren.
Seite 4

AMERIKA DIENST 26

�Neben den Differenzen zwischen gleichaltrigen BabyBoomern gibt es in dieser Generation eine weitere
Kluft: zwischen den frühen Baby-Boomern wie Präsident Clinton, die Mitte bis Ende der vierziger Jahre
geboren wurden und denen, die 10 bis 15 Jahre später
auf die Welt kamen. "In den Jahren 1946,1947 und
1948 geborene Personen wuchsen gegenüber den
1964 geborenen mit sehr unterschiedlichen [Erfahrungen] auf, so De Vita in einem Interview. "Obwohl die
geburtenstarken Jahrgänge demographisch betrachtet von 1946 bis 1964 reichen, haben wir es im Hinblick
auf den Einfluß individueller Lebenserfahrung und den
Einfluß bestimmter Dinge auf das Leben mit einer
älteren und einer jüngeren Hälfte dieser Generation zu
tun."

Darstellende Künste
1946 Gregory Hines, Tänzer, Schauspieler
1947 Kevin Kline, Schauspieler
1947 Peter Serkin, Pianist
1947 David Letterman, Moderator von Fernsehtalkshows, Komödiant
1950 William Hurt, Schauspieler
1950 Whoopi Goldberg, Schauspielerin, Komödiantin
1954 Oprah Winfrey, Moderatorin von Fernsehtalkshows

Die wichtigste Frage besteht vielen Beobachtern zufolge darin, ob die vielfältige Gruppe der Baby-Boomer 1955 Kevin Costner, Schauspieler
bei der Übernahme wichtiger nationaler Führungspositionen politisch, sozial und kulturell mit einer Stimme 1957 Spike Lee, Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler
spricht. Wahrscheinlich ist, daß es keine einheitliche
Stimme geben wird. Schon aufgrund ihrer beispiello- 1958 Madonna, Sängerin, Tänzerin, Schauspielerin
sen Zahl werden die Baby-Boomer jedoch weiterhin
einen tiefgreifenden Einfluß auf das Geflecht der 1958 Prince, Sänger, Songschreiber
amerikanischen Gesellschaft haben.
1962 Paula Abdul, Tänzerin, Sängerin
"Vielleicht keine Generation in der Geschichte", so
Bouvier und De Vita, "hatte soviel Einfluß auf den 1962 Tom Cruise, Schauspieler
Verlauf der menschlichen Entwicklung (oder wird jemals
1963 Whitney Houston, Sängerin
soviel Einfluß haben)."
Sport
Bekannte Angehörige der Baby-Boom-Generation

1947 Kareem Abdul-Jabbar, Basketballspieler
1955 Moses Malone, Basketballspieler

Nachfolgend veröffentlichen wir eine Liste bekannter
Angehöriger der Baby-Boom-Generation in Amerika.
Angegeben wird das Geburtsjahr (und in Klammem
das Todesjahr):

1955 Edwin Moses, Läufer

Politik

1963 Michael Jordan, Basketballspieler

1946 David Stockman, ehemaliger Haushaltsdirektor
der Regan-Administration

Medien

1946 William Clinton, US-Präsident
1947 Carol Moseley Braun, US-Senatorin

1959 John McEnroe, Tennisspieler

1946 Sandy Woodruff, Rundfunkjournalistin
1948 Bryant Gumbel, Rundfunkjournalistin
1950 Jane Pauley, Fernsehjournalistin

1947 Mark Rudd, prominentes Mitglied der Bewegung gegen den Vietnamkrieg

Wirtschaft

1947 Dan Quayle, US-Vizepräsident, 1989-93

1955 Steven Jobs, Gründer von Apple Computer

1948 Albert Gore Jr., US-Vizepräsident

1955 William Gates, Gründer von Microsoft Computers

1948 Clarence Thomas, Richter am Obersten Bundesgericht,

1952 Christie Hefner, Zeitschriftenverlegerin

1948 Hillary Rodham Clinton, Rechtsanwältin, First
Lady der Vereinigten Staaten

Literatur

1951 Lee Atwater, Spitzenwahlkampfberater der
Republikaner (1992 verstorben)

1947 Tom Clancy, Romanautor

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1947 Stephen King, Romanautor

Seite 5

�1947 Ann Beattie, Verfasserin von Kurzgeschichten,
Romanautorin

1947 Dave Barry, Humorist
1949 Mary Gordon, Romanautorin

* * * * *

Seite 6

AMERIKA DIENST 26

�THEMENINDEX
30. Juni 1993

DER AMERIKA DIENST
I.Halbjahr 1993
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (1. Halbjahr 1993) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

Holocaust-Museum

17

AID

20

Afroamerikaner

5

ILO

23

Amtseinführung

3, Sonderdienst

IWF

18

Außenpolitik

2,3,4,9,11,13,22

Irak

2, 3, 26

Bosnien

2,7,9,16,17 ,18 ,19,
20,21

Jefferson

16

KSZE

22

Chemische Waffen

2

Kongreß

15

Kriegsverbrechen

8,22

Demographie

20
Lage der Nation

Sonderdienst

Einwanderung

22,23
Marshall-Zentrum

23

Frauen

7, 8, 26

Martin Luther King

3,15

Friedenssicherung

25

Medien

11,12,13,15

Menschenrechte

4,5,6,7,8,10,24,26

Militärmacht

2

NAFTA

13

G-7

16

GATT

7,23

Gesellschaft

4,26

NATO

13,19,24,25

Handel

7,8,10,17, 18, 19,
21,22,26

Naher Osten

6,17

Hochgeschwindigkeitszüge

18

Nationaler Sozialer Dienst

19

AMERIKA DIENST 26

Seite 1

�Nichtverbreitung

12,24

Technologie

8

Terrorismus

11,18

OECD

tt

Thurgood Marshall

4

Porträt

1,2,7,18,22

UNO

4, 24, 26

US-Militär

5

Regionale Konflikte

16

USA-Afrika

21

Rundfunk

25

USA-Deutschland

5,24

Rußland

11,12,13 ,14,16,17

USA-EG

5

USA-Europa

10

SDI

20

USIA

21

Somalia/Bosnien

25

Umwelt

17,18, 23, 25

START II

1,20,21, 26

Serbien

13

Verteidigung

10,25

Sicherheit

20

Somalia

2,19,24

Wirtschaft

5,9,12

Wissenschaft

15

* * * *

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 26

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                <text>&lt;strong&gt;1. Irak&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Luftangriff Antwort auf irakisches Mordkomplott&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Präsident Clintons an die Nation&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angriff auf Herzstück des irakischen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanische Militäraktion gegen den irakischen Terrorismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht der amerikanischen Regierung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wiener Dokument betont Allgemeingültigkeit der Menschenrechte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Shattuck zum Abschluss der Weltkonferenz über Menschenrechte&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA müssen bei UNO-Friedenssicherung führende Rolle übernehmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Botschafterin Albright vor Kongressausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Start II&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;CIA-Direktor Woolsey zur Überwachung von Start II&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Stellungnahme vor Senatsausschuss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Senatoren äußern sich zur Uruguay-Runde&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Brief des Finanzausschusses an Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Frauen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Durchbruch für Frauen auf Menschenrechtskonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Frauenfragen im Rampenlicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;7. Gesellschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Generation des Baby-Booms wird älter&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Marc Leepson&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;8. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;1. Halbjahr 1993&lt;/em&gt;</text>
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