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                    <text>18. Oktober 1978

25

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache Präsident Carters zur Eröffnung der ägyptisch-israelischen
Verhandlungen in Washington
WIRTSCHAFT
Der Rahmen für die neue Exportpolitik der USA
- Von Unterstaatssekretär C. Fred Bergsten Die USA müssen mehr exportieren
- Von John J. Harter
HINTERGRUNDMATERIAL
Warnke gibt Leitung von SALT-Verhandlungen und ACDA auf
- Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir Zwanzig Jahre US-Raumfahrtbehörde NASA
- Raumfahrt ohne Sensationen - Anwendungsbezogene Zukunftsprojekte WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Hawaii nutzt vulkanische Wärmeenergie

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�1

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Oktober 1978

25

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS ZUR ERÖFFNUNG DER ÄGYPTISCH-ISRAELISCHEN
VERHANDLUNGEN IN WASHINGTON

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 12. Oktober 1978 die
Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel, an denen unter anderem der
israelische Außenminister Moshe Dayan und der ägyptische Verteidigungsminister Kamal Hassan Ali teilnehmen, in einer feierlichen Zeremonie im Weißen
Haus eröffnet. Seine Eröffnungsansprache hat folgenden Wortlaut:
Meine Herren Minister, Herr Vizepräsident, Herr Außenminister, Freunde:
Seit 2000 Jahren haben die Menschen im Nahen Osten "Frieden, Frieden"
gerufen, wenn es dort keinen gab. Dieser von Unruhe heimgesuchte Boden hat
schwer unter der Last des Krieges gelitten. Aber vor nicht ganz einem Monat
haben Präsident Sadat von Ägypten und Ministerpräsident Begin die Chance
für einen echten Frieden herbeigeführt. In ihren Verhandlungen in Camp David
haben sie die Klugheit und den Mut gezeigt, die notwendig waren, um einen
Friedensrahmen im Nahen Osten zu schaffen.
Ein jeder, der wie sie davon träumt, die Spaltung und Verbitterung im
Nahen Osten zu beenden, wird sich mir anschließen, wenn ich ihre Vertreter

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�Vertreter hier in Washington willkommen heiße, da sie ihre nächsten entscheidend wichtigen Schritte tun,um aus dem Rahmenabkommen ein dauerhaftes
Gebäude des Friedens zu machen.
Niemand, der um die Geschichte unserer eigenen Generation oder der dieses
Jahrhunderts, ja der vergangenen 20 und noch weiter zruückliegender Jahrhunderte weiß, kann sich der historischen Bedeutung dieses Ereignisses entziehen - des Augenblicks, in dem Ägypter und Israelis zusammenkommen, um
mit der Aushandlung der Bedingungen eines Vertrages zu beginnen, der in
praktischer und konkreter Weise Friedensbeziehungen zwischen ihnen festlegen
wi rd.
Unsere heutige Zusammenkunft gibt uns einen Maßstab für das, was erreicht wurde und das, was noch zu tun bleibt, um Frieden und Würde zu einer
Realität für alle Völker im Nahen Osten werden zu lassen.

Sicherlich haben

wir nicht alle Probleme gelöst, noch alle Risiken beseitigt.

Wir haben je-

doch Prinzipien und Verfahrensweisen für eine Lösung der vor uns liegenden
Verhandlungen geschaffen.
Erneut fordern wir Jordanien, die Bewohner des Westufers und des GazaStreifens und andere, die bereit sind, diese Chance zu ergreifen, auf, sich
uns in unseren Friedensbemühungen anzuschließen.
Die Alternative wäre der Fortbestand einer sinn- und ziellosen, gefährlichen Feindschaft und möglicherweise sogar ein weiterer Krieg.
Die Gespräche, die heute beginnen, befassen sich in erster Linie mit dem
Teil des Rahmenwerks von Camp David, der sich auf den Frieden zwischen Ägypten
und Israel bezieht, um die spezifischen Bedingungen festzulegen, unter denen
Ägypten die volle Ausübung seiner Autorität und Souveränität über den Sinai
übernehmen wird, gemäß denen die Sicherheit zwischen den beiden Staaten, den
beiden Völkern, gewährleistet wird und gemäß denen die beiden Länder als
friedliche Nachbarn zusammenleben und zusammenarbeiten werden.
Dieser

�Dieser Frieden zwischen diesen beiden großen Nationen muß die Grundlage
und der erste Schritt hin zu dem umfassenderen und noch größeren und noch
wichtigeren Ergebnis sein, das wir alle erstreben - eine umfassende und dauerhafte Friedensregelung zwischen Israel und all seinen Nachbarn.

Ein Friedens-

vertrag zwischen Ägypten und Israel sollte ergänzt werden durch Fortschritte
in der Erfüllung der Bedingungen des allgemeinen Rahmenabkommens von Camp
David, soweit es sich mit dem Westufer und dem Gaza-Streifen und einer gerechten Lösung der Palästinenserfrage in all ihren Aspekten befaßt.
In den Tagen nach Camp David wurden - wie wir gesehen haben - schwierige, aber wichtige Entscheidungen sowohl in Ägypten wie in Israel gefällt.
Entscheidungen, die den entschlossenen Einsatz der Führer, der Regierungen
und der Völker für diese große Anstrengung unter Beweis stellten, Entscheidungen, die ihre Bereitschaft und ihre Fähigkeit erweisen, die bestehende
Verpflichtung zum Frieden zu einer baldigen Realität werden zu lassen.
In seiner mitreißenden Zukunftsvision hat Präsident Sadat die Entschlossenheit seiner Nation zum Frieden noch klarer werden lassen, zu einem Frieden
nicht nur für die Ägypter, sondern für alle die in den jüngsten Konflikt verwickelt oder von ihm betroffen sind, zu einem Frieden, der die Antwort auf
ihr Verlangen nach einem Ende all des Blutvergießens und all der Zerstörung
gibt und der die legitimen Rechte all jener sichert, die gelitten haben oder
in Zukunft durch einen nie endenden Krieg leiden könnten.
In diesen Tagen hat Ministerpräsident Begin erneut seinen Mut und seine
staatsmännische Kunst unter Beweis gestellt und seine Entschlossenheit beim
Treffen sehr schwieriger Entscheidungen, die für den Frieden notwendig sind
und gefällt werden müssen.
Ich bin mir bewußt, wie hart und schwierig es für ihn gewesen ist, einige dieser Entscheidungen zu treffen und für die Mitglieder seiner Regierung
sich ihm darin anzuschließen.

Sie gehen ans Herz jedes israelischen Bürgers.

Die Entscheidungen der Knesset bestätigen, was wir in diesem Land immer ge-

- 3-

�gewußt und geglaubt haben, daß es Israels größter Wunsch ist, in Frieden
und gutnachbarlichen Beziehungen mit allen Ländern um Israel herum zu leben.
Die Vereinigten Staaten haben sich rückhaltlos verpflichtet, diesen Prozeß so lange durchzuhalten, bis jede Partei im arabisch-israelischen Konflikt
mit allen anderen in Frieden lebt.

Hier geht es zutiefst auch um unsere

eigenen nationalen Interessen.
Die Frage von Krieg oder Frieden im Nahen Osten berührt das Wohlergehen
eines jeden Amerikanern.

Aber darüber hinaus spricht der Generationen alte

Kreislauf von Tragödie und Leiden das moralische Gewissen der Amerikaner und
unser tiefes und ständiges Anliegen der Menschenrechte und der Verwirklichung
der menschlichen Möglichkeiten überall auf der Erde an.
Wir werden mit allen beteiligten Parteien Hand in Hand arbeiten, bis
die Arbeit getan und der Frieden gesichert ist.
Minister Moshe Dayan, Minister Kamal Hassan Ali, Minister Ezer Weizman,
Minister Boutros Ghali: das ägyptische Volk und das israelische Volk und die
Menschen überall auf der Erde sind jetzt auf Sie angewiesen. Unsere Unterstützung steht Ihnen zur Verfügung.
Mein persönliches Engagement ist Ihnen gewiß.
unsere Gebete begleiten Sie.
Ich danke Ihnen sehr.

+ + + + +

Unsere Hoffnungen und

�I

Wirt/chaft

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

18. Oktober 1978

25

DER RAHMEN FÜR DIE NEUE EXPORTPOLITIK DER USA
- Von Unterstaatssekretär C.Fred Bergsten -

Der Unterstaatssekretär für Internationale
Angelegenheiten im amerikanischen Finanzministerium, Dr. C.Fred Bergsten, gehörte
der Arbeitsgruppe an, die die neue Exportförderungspolitik Präsident Carters entwickelt hat. In dem nachfolgenden Artikel,
der die Ausführungen Dr. Bergsten zu dieser neuen Politik vor einem Kongreßausschuß
am 29. September zusammenfaßt, versucht der
Autor den Rahmen und den Hintergrund des
neuen Programms aufzuzeigen.

Präsident Carter hat am 26. September 1978 eine neue Exportpolitik der
Vereinigten Staaten verkündet, und zwar aus zwei Gründen.
Erstens, eine größere Exportleitung ist ein integraler Bestandteil unserer
Gesamtanstanstrengungen zur Stärkung und Stabilisierung des Dollar auf den
ausländischen Devisenmärkten. Der Präsident hat persönlich und wiederholt seine
Besorgnis über den Dollar zum Ausdruck gebracht - nicht zuletzt vor der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank am 25. September. Eine

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�Eine der Hauptursachen für die Schwäche des Dollar ist das große und wachsende Defizit in unserer Handelsbilanz und auf den laufenden Konten.

Der

konstruktivste Weg zum Abbau dieser Defizite ist eine Ausweitung der amerikanischen Exporte.
Dabei ist es wichtig, darauf hinzuweisen, daß die jüngsten Trends in der
Handelsbilanz und die weiteren Aussichten ermutigend sind.

In jedem der

letzten drei Quartale ist das Handelsdefizit gegenüber dem vorigen Quartal
um 500 Millionen Dollar zurückgegangen: von 3,1 Milliarden Dollar im Zeitraum
Dezember 1977 bis Februar 1978 auf 2,6 Milliarden Dollar im Zeitraum März
bis Mai 1978 und auf 2,1 Milliarden Dollar im Zeitraum Juni bis August 1978.
Im kommenden Jahr dürfte das laufende Defizit aufgrund des stärkeren
Wachstums im Ausland, des etwas langsameren Wachstums in den USA und der erhöhten Preiswettbewerbsfähigkeit amerikanischer Güter weiter zurückgehen.
Wir sind der Auffassung, daß der Rückgang des Defizits im Jahre 1979 etwa 30
bis 40 Prozent betragen könnte.

Andere Beobachter - wie etwa der Internationale

Währungsfonds, die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Morgan Guarantee and Trust Company - rechnen sogar mit
einem noch stärkeren Abbau des Defizits zwischen 50 und 67 Prozent.
Auf jeden Fall müssen die Vereinigten Staaten neue Exportinitiativen
ergreifen. Wir müssen sicherstellen, daß die jetzigen Trends auch anhalten.
Wir brauchen einen Fortschritt selbst über die optimistischsten Voraussagen
hinaus. Und wir müssen begreifen, daß - was immer das Ergebnis kurzfristig
sein mag - die amerikanische Exportleistung aus langfristigen Gründen wesentlich steigen muß.
Und das ist der zweite wesentliche Grund für unsere neue Exportpolitik.
Die Außenwirtschaftsposition der Vereinigten Staaten erfährt eine langfristige,
strukturelle Veränderung. Die starke Zunahme unserer Abhängigkeit von eingeführtem öl und - in geringerem Umfang - anderen Produkten bedeutet, daß der
Anteil der Importe an unserem Bruttosozialprodukt stark zugenommen hat. Des-

�Deshalb muß ein entsprechender Anstieg des Anteils der Exporte an unserem
Bruttosozialprodukt stattfinden - wo ein einziger Prozentpunkt heute über
20 Milliarden Dollar bedeutet, genug also, um unser

laufendes Defizit selbst

bei dem diesjährigen Rekordstand völlig abzubauen.
Das Handelsdefizit war seit langem abzusehen. Die Korrektur wird nicht
von heute auf morgen möglich sein. Aber was wir von den Devisenmärkten und
von unseren Handelspartnern deutlich zu hören bekommen ist, daß wir kraftvoll
und entschieden handeln müssen, um diese Korrektur vorzunehmen. Das neue Exportförderungsprogramm ist ein wichtiger Teil der Antwort der Regierung auf
diese Herausforderung.
Die Vereinigten Staaten hatten es einfach nie nötig gehabt, sich so um
die Exporte zu kümmern, wie andere Länder, Die meisten amerikanischen Hersteller waren damit zufrieden, den gewaltigen amerikanischen Binnenmarkt zu
beliefern,und haben sich niemals wirklich auf Exporte konzentriert. Unsere
wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von der übrigen Welt zwingt uns heute
einfach dazu, uns mehr auf Exporte einzustellen - ebenso wie wir lernen müssen, mit der Energie sparsamer umzugehea und ebenso wie einige unserer wichtigen Handelspartner, vor allem Japan, sich mehr auf Importe einstellen müssen.
Die von Präsident Carter am 26. September verkündeten Maßnahmen bieten keine
rasche Lösung - aus dem einfachen Grunde, daß sie langfristige, strukturelle
Probleme ansprechen.
In den letzten zwei Jahrzehnten sind die amerikanischen Exporte nur halb
so rasch gewachsen wie die anderer Industrieländer. Im Jahre 1972 kamen die
Vereinigten Staaten mit 19,2 Prozent auf einen Tiefpunkt ihres Anteils am
Weltexport; 1975 war ein leichter Anstieg auf 21,2 Prozent zu verzeichnen und
seither ist unser Exportanteil wieder auf 18,9 Prozent zurückgegangen.
Im Gegensatz dazu ist es unseren Konkurrenten gelungen, eine reale
Wachstumsrate ihrer Exporte - selbst unter Ausschluß ihrer Exporte nach den
USA - von fast 4 Prozent jährlich seit 1974 zu erreichen, und das trotz einer

- 3 -

�einer weltweiten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.
Für diese Entwicklungen gibt es mehrere Gründe:

Unsere wichtigsten

Märkte, wie Kanada und Lateinamerika, hatten ein langsameres Wachstum als
die wichtigsten Märkte einiger unserer Hauptkonkurrenten.

Unterschiedliche

Wachstumsraten haben unserer Handelsbilanz rund 10 bis 15 Milliarden Dollar
gekostet.

Die wesentliche Aufwertung des Dollar im Jahre 1975 -

zu einer

Zeit, da unsere Inflationsrate höher lag als die anderer Länder - hat unsere
preisliche Wettbewerbsfähigkeit in der jüngeren Vergangenheit geschwächt;
das hat unserer Handelsbilanz etwa 5 bis 10 Milliarden Dollar gekostet.
Eine Reihe fortgeschrittener Entwicklungsländer, vor allem in Ostasien,
hat allen Industrieländern einen bedeutenden Marktanteil abgenommen.

Und

die Veränderung der Wechselkurse Ende 1977 und Anfang 1978 sind verzerrende
kurzfristige Handelsanteile, die sich wertmäßig ebenfalls in Dollar ausdrücken.

Aber unsere nationale Gleichgültigkeit gegenüber Exporten - sowohl

auf dem privaten Sektor wie in der amerikanischen Regierung - hat ohne Frage
ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt.

Eine solche Indifferenz können wir

uns heute einfach nicht mehr leisten.
Eine höhere Exportleistung der Vereinigten Staaten würde das Wachstum
unserer Wirtschaft anregen und Arbeitsplätze schaffen. Höhere Exporte würden dazu beitragen, den Wertverfall des Dollar aufzuhalten und damit die Inflation zu bekämpfen. Aber eine Steigerung der Exporte stellt eine große
Herausforderung an Arbeitnehmer, Arbeitgeber und Regierung dar. Sie erfordert,
daß wir unsere Aufmerksamkeit auf viele Faktoren richten - einschließlich
Produktivität, preisliche Wettbewerbsfähigkeit, industrielle Innovation und
Initiative und wirtschaftspolitische Maßnahmen der Regierung.
Ein bestimmender Faktor für:die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit im
Ausland ist die Produktivität unserer Volkswirtschaft. Produktivität hängt
weitgehend von Neuinvestitionen ab. In den letzten fünf Jahren hat das Produktivkapital pro Arbeiter praktisch auf dem gleichen Stand stagniert, was

- 4 -

�was zu einem scharfen Absinken des Wachstums der Produktivität geführt hat.
Die in diesem Jahr von der Regierung dem Kongreß zugeleiteten Steuerempfehlungen sollen die Kapitalbildung und die nationale Produktivität anregen.
Ein weiterer bestimmender Faktor für die amerikanische Wettbewerbsfähigkeit im Ausland ist die Inflationsrate.

Eine zu hohe Inflation in den USA

- vor allem im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland und zu Japan - hat
unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgehöhlt.

Das Anti-Inflations-

programm des Präsidenten wird aus einem breit angelegten Fächer von Maßnahmen
zur Senkung der Inflationsrate bestehen.

In dem Maße, in dem diese Maßnahmen

greifen, wird sich unsere Handelsposition verbessern.
Die Vereinigten Staaten haben sich seit langem eines verhältnismäßigen
Vorteils bei hochtechnologischen Exporten erfreut. Um diesen Vorteil weiterhin sicherzustellen,haben wir eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die die öffentlichen und privaten Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen untersuchen
soll. Dabei soll vor allem geprüft werden, inwieweit die Forschungstätigkeit
durch amtliche Vorschriften und Bestimmungen behindert wird.
Wir ergreifen auch wichtige internationale Initiativen, um die Exportleistung der USA zu verbessern. Von anderen Ländern eingeführte Handelsbeschränkungen wirken sich negativ auf unsere Exportchancen aus. Zollschranken,
vor allem aber nicht-zollursächliche Handelsschranken verringern unsere Fähigkeit, neue Auslandsmärkte zu erobern und bestehende auszuweiten. Wir
haben uns bei den Miltilateralen HandelsVerhandlungen in Genf nachdrücklich
um einen Abbau dieser Handelsschranken bemüht. Der bisherige Fortschritt
in Genf ist ermutigend.
Ausländische Regierungen haben ihre Kreditgarantien und Subventionen
für ihre eigenen Exporteure verstärkt, was gelegentlich zu Lasten amerikanischer Exporteure geht.

Wir haben dieses Problem auf dreifache Weise auf-

gegriffen: Erstens, wir haben eine internationale Vereinbarung ausgehandelt,
die Richtlinien für die Regierungsfinanzierung von Exporten aufstellt. Zwei-

- 5 --

�Zweitens, in den Multilateralen Handelsverhandlungen verhandeln wir über
einen internationalen Kodex zur Einschränkung von Regierungssubventionen
für Exporte - um unfaire Konkurrenz auszuschalten.

Drittens, wenn die

Konkurrenz einer ausländischen Regierung bei der Exportfinanzierung nicht
eingeschränkt werden kann, dann werden wir entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen.
Verordnungen der amerikanischen Regierung selbst hatten ebenfalls eine
negative Auswirkung auf die Exportleistung.

Um verschiedenartige außen-

politische Ziele zu erreichen hat die amerikanische Regierung den Verkauf
bestimmter Waren an bestimmte Länder untersagt.

Diese Maßnahmen haben nicht

nur zu einer direkten Senkung des Absatzes geführt, sondern sie haben auch
einen negativen Einfluß auf den Absatz anderer, frei verkäuflicher Waren.
Die Vereinigten Staaten geraten in den Geruch, ein unzuverlässiger
Lieferant zu sein.

Der ausländische Käufer könnte sich zum Einkauf anderswo

entschließen, aus Angst, eines Tages von der Belieferung abgeschnitten zu
werden.

Die neue Exportpolitik sucht den negativen Einfluß solcher poli-

tischer Maßnahmen auf die Exporte auf die wenigen Fälle zu beschränken,
in denen lebenswichtige nationale Interessen auf dem Spiele stehen.
All diese Bemühungen sind wichtige Elemente unseres Versuches die Exporte zu steigern. Aber sie genügen für sich allein noch nicht. Dem Export
muß größerer Vorrang eingeräumt werden.
Im politischen EntScheidungsprozeß der Vereinigten Staaten werden die
Belange des Exports häufig anderen nationalen Zielsetzungen untergeordnet.
Auch die Unternehmer räumen dem Export nur zu oft eine unzureichende Priorität ein. Zu viele Unternehmen sind der Meinung, es sei nicht der Mühe
wert, zu exportieren.
Veränderungen in der Weltwirtschaft während des letzten Jahres haben
zu einem grundlegenden Wandel der Verhältnisse geführt.

- 6 -

Die amerikanische

�amerikanische Geschäftswelt muß sich dieser veränderten Bedingungen bewußt
werden.
Erstens, das Absinken des Wertes des Dollar im Verhältnis zu den Währungen einiger unserer wichtigen Handelspartner hat die preisliche Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Waren augenfällig erhöht.

Amerikanische Her-

steller, die noch vor einem Jahr nicht konkurrieren konnten, könnten jetzt
eine echte Wettbewerbschance haben.

Dies gilt vor allem in der Bundesre-

publik Deutschland und in Japan, aber auch gegenüber den Erzeugnissen dieser
Länder auf Drittmärkten.
Zweitens, die Lohnkluft zwischen amerikanischen Arbeitern und Arbeitern
in anderen Ländern beginnt sich zu schließen. Es ist für viele Erzeugnisse
nicht mehr billiger, sie im Ausland herstellen zu lassen und sie dann in
die Vereinigten Staaten zu importieren, In Japan sind die Löhne von 53
Prozent der amerikanischen Löhne im Jahre 1977 auf 72 Prozent im August 1978
gestiegen. Die Löhne in der Bundesrepublik Deutschland liegen in einigen
Industriezweigen heute schon auf der gleichen Höhe oder sogar über den amerikanischen Löhnen. Das ist ein wichtiger Faktor, den amerikanische und
ausländische Unternehmen in Rechnung stellen, wenn sie sich überlegen, ein
neues Werk in den Vereinigten Staaten oder anderswo zu errichten.
Drittens, was wir tun ist richtig.

Rund 100 amerikanische Firmen haben

wesentliche Anteile am Weltmarkt erobert. Der Anteil der Exporte an unserem
Bruttosozialprodukt ist in den letzten Jahren beträchtlich gestiegen - von
4,1 Prozent im Jahre 1971 auf 6,4 Prozent im Jahre 1977. Aber dieser Anteil muß noch weiter steigen. Jeder Prozentpunkt wird weitere 20 Milliarden Dollar an Exporten bringen - wie schon gesagt, genug, um unser derzeitiges laufendes Defizit zu beseitigen.
Unser Zahlungsbilanzdefizit der laufenden Konten ist ohne Frage zu hoch.
Die jüngsten Wechselkursänderungen haben eine gewisse Entlastung gebracht,
aber es sind weitere öffentliche und private Maßnahmen notwendig.

- 7 -

Diese

�Diese Maßnahmen müssen direkt auf unsere Handelsprobleme ausgerichtet sein
- seien es die ülimporte, die zu hohe Inflation in den Vereinigten Staaten
oder das unzureichende Wachstum der Exporte.

Die neue Exportförderungspo-

litik ist ein entscheidend wichtiges Element dieser Gesamtstrategie.

+ + + + +

�I

Hfl
•1
I 3

Wirt/chcift
International Communication Agency
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18. Oktober 1978

25

DIE USA MÜSSEN MEHR EXPORTIEREN
Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten müssen stärker exportorientiert werden, um das Defizit in der Zahiungs- und Handelsbilanz aufzufangen.

Diese Auffassung vertrat der Unterstaatssekretär für Industrie

und Handel im amerikanischen Handelsministerium,

Frank A. Weil, in einem

Exklusivinterview mit dem Korrespondenten des US-Amtes für Internationale
Kommunikation (USICA), John J. Harter.
"Der frühere hohe Stand unserer Einfuhren hat unsere Mittel nicht so
sehr belastet", so erklärte Weil, "aber die Situation hat sich seit 1973
mit dem starken Anstieg der Kosten für Importöl verändert. Diese und andere Veränderungen in der Weltwirtschaft erfordern einige tiefe Änderungen
in der Haltung von uns allen. Früher wurde von den Unternehmern und der
Regierung in den Vereinigten Staaten den Exporten eine niedrige Priorität
eingeräumt. Das muß geändert werden."
Weil äußerte sich zuversichtlich, daß das amerikanische Handelsdefizit im Jahre 1979 bedeutend niedriger als in den beiden vorangegangenen
Jahren sein werde. Nach seiner Ansicht wird das beschleunigte Wirtschaftswachstum in den anderen größeren Industriestaaten die Nachfrage nach ame-

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�amerikanischen Handelsgütern steigern.

Diese Tendenz werde durch den wach-

senden Preisvorteil verstärkt, den die amerikanischen Erzeugnisse auf den
ausländischen Märkten aufgrund der jüngsten Wechselkursveränderungen und der
neuen von Präsident Carter am 26. September angekündigten amerikanischen Exportförderungsmaßnahmen geni eßen.
Die Vereinigten Staaten, so versicherte Weil, dürften in ihren Anstrengungen nicht nachlassen.

"Dies war die fünfte Ankündigung von Exportförde-

rungsmaßnahmen durch einen amerikanischen Präsidenten seit 1953 und die vier
vorigen verliefen nach etwa einem Jahr im Sande."

Bei den früheren Anstren-

gungen, so fügte Weil hinzu, habe sich das finanzielle Klima nach etwa einem
Jahr verändert und die Notwendigkeit für handelspolitische Maßnahmen sei mehr
oder weniger geschwunden.

Im Gegensatz zu heute seien jedoch damals die

Zahlungsbilanzprobleme der Vereinigten Staaten durch einen übermäßigen Kapitalabfluß gegenüber dem Kapitalzustrom entstanden, der zum Teil durch einen
Handelsüberschuß finanziert worden sei. Zum Unterschied dazu existiere heute ein Handelsbilanzproblem, das durch einen hohen Überhang der Importe an
Gütern und Dienstleistungen gegenüber den Exporten gekennzeichnet werde.
In der Vergangenheit hätten die Vereinigten Staaten irrtümlicherweise
versucht, eine Handels- oder Exportlösung für ein Problem zu finden, das
im Grunde ein finanzielles Problem war. Dieses Mal, so betonte Weil, "darf
der Wille zur Fortsetzung dieser Anstrengung nicht nachlassen, denn dieses
Mal haben wir ein echtes Handelsdefizit, das eine Lösung durch Handel erfordert - und ein Problem, mit dem wir noch eine ganze Reihe von Jahren
zu kämpfen haben werden, gleichgültig, was wir tun."
Die jetzt notwendige Exportanstrengung müsse lange mit vollen Segeln
fahren und müsse echte Wurzeln schlagen.
"Im übrigen", so fuhr Weil fort, "ist das Handelsdefizit einer der
Hauptfaktoren, die zur Inflation beitragen, denn so wie der Kurs des Dollar
sinkt - das ist eines der Ergebnisse - so steigen die Preise für landwirt-

- 2 -

�landwirtschaftliche Erzeugnisse, was den Wettbewerbsdruck von den amerikanischen Erzeugnissen nimmt.

Es ist also so, um ein anderes Beispiel zu

nehmen, daß nicht nur die japanischen Autos teurer werden, sondern alle
Autos".
Weil vertrat die feste Überzeugung, daß das Exportförderungsprogramm,
wenn es durchgehalten werde, eine Änderung bringen könne.
"Sicherlich werden wir durch das Exportförderungsprogramm nur die Marge
verändern", so räumt Weil ein, "aber wir brauchen die Marge gar nicht so
sehr verändern, um ein ganz anderes Bild zu bekommen. Wenn die Vereinigten
Staaten beispielsweise zwischen 1974 und 1977 ihren Anteil an den Weltmärkten aufrechterhalten hätten - wenn wir die gleiche Wachstumsrate der Exporte
erlebt hätten wie die übrige Welt - dann hätten wir 1977 rund 14 Milliarden
Dollar mehr Exporte gehabt als wir tatsächlich hatten."
Die Vereinigten Staaten haben nach Auffassung Weils ihren Anteil an den
Weltmärkten hauptsächlich deshalb eingebüßt, "weil die übrige Welt, getrieben von der Notwendigkeit, für ihre ölimporte zu bezahlen, aggressiv nach
Exportmärkten gesucht hat."
Das neue Exportförderungsprogramm werde jenen Sektoren der amerikanischen
Wirtschaft neue Anstöße geben, die normalerweise nicht an Exporte denken,
weil sie damit beschäftigt sind, den gewaltigen amerikanischen Binnenmarkt
zu bedienen. "Wenn wir die kleineren Unternehmen nicht auf den Geschmack
bringen und es ihnen leichter machen, ins Ausland zu exportieren, dann werden
sie es erst gar nicht versuchen."
Zu dem neuen Exportförderungsprogramm, das Präsident Carter am 26. September 1978 verkündete, gehört ein Computer-gespeichertes Informationssystem, das kleineren und mittleren Unternehmen Informationen über Absatzmöglichkeiten im Ausland zugänglich macht.

Das Amt zur Förderung kleinerer

Unternehmen (Small Business Administration) wird ferner zusätzliche Mittel

- 3 -

�Mittel bereitstellen - bis zu 100 Millionen Dollar - um Kleinunternehmen
Anlaufkredite für den Einstieg in ausländische Märkte zu gewähren. Ein
wichtiger Punkt ist auch die Ausweitung der Kredittätigkeit der US-ExportImport-Bank.

"Wenn man zusammennimmt, was eine ganze Reihe von Firmen tun kann", so
betonte Weil abschließend, "und wenn jede Firma nur ihre Exporte um ein paar
tausend Dollar erhöht - dann wird sich das auf einige Milliarden Dollar an
neuen Exporten belaufen."

+ + + + +

- 4 -

�1

a

I

IKJInternational Communication Agency
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18. Oktober 1978

25

WARNKE GIBT LEITUNG VON SALT-VERHANDLUNGEN UND ACDA AUF
- Von unserem Korrespondenten Hugh 0. Muir -

WASHINGTON - (AD) - Der Chef der amerikanischen Delegation bei den
Verhandlungen mit der Sowjetunion über ein Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT), Botschafter Paul Warnke, wird von seinem Posten
zurücktreten, nachdem er an einer weiteren Runde von SALT-Verhandlungen, die
am 21. oder 22. Oktober auf hoher Ebene in Moskau beginnen soll, teilgenommen
hat.
Für den Rücktritt Warnkes als ChefUnterhändler und als Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) gab das Weiße Haus in einer
Erklärung vom 10. Oktober "persönliche Gründe" an. Präsident Carter habe
das Rücktrittsgesuch angenommen, so heißt es weiter in der Bekanntgabe, und
hervorgehoben, daß Warnke durch sein Wirken die Sicherheit der Vereinigten
Staaten gestärkt und einen wesentlichen Beitrag zum Weltfrieden geleistet
habe.
In der Erklärung des Weißen Hauses wird mitgeteilt, daß Warnke zusammen
mit dem amerikanischen Außenminister Vance nach Moskau zu den zwei- bis dreitägigen SALT-Verhandlungen mit hohen sowjetischen Vertretern reisen werde
und "kurz danach seinen Posten verlassen wird."
Gegenüber

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�Gegenüber Journalisten, die ihn am gleichen Tag in Washington interviewten, antwortete Warnke auf die Frage, ob er glaube, daß bei den bevorstehenden Verhandlungen in Moskau ein endgültiges Abkommen Zustandekommen
werde, das wäre möglich, aber es sei durchaus nicht sicher.

Jedenfalls

hoffe man, daß die SALT-Verhandlungen zu einem erfolgreichen Abschluß gelangen werden.
In einer Fernsehpressekonferenz am 10. Oktober wies Präsident Carter
nochmals darauf hin, daß Botschafter Warnke den Posten des Chefs der amerikanischen Delegation bei den SALT-Verhandlungen und das Amt des Direktors
des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung im März 1977 mit dem Vorbehalt übernommen habe, daß "er sie nur für einen begrenzten Zeitraum ausüben könne."
Damals, so sagte Carter, habe man geglaubt, noch im Jahre 1977 zu einem
SALT-Abkommen zu gelangen, das sich an das SALT-I-Interimsabkommen anschließen
sollte, das am 3. Oktober 1977 auslief.
Warnke habe die Verhandlungen dann weiter geführt, so sagte Carter,
doch vor einigen Monaten ihm (Carter) gegenüber erklärt, er würde aus persönlichen Gründen gerne seinen Posten niederlegen. Er habe ihn dann dazu bewogen, im Amt zu bleiben.
Carter, der abschließend bestätigte, daß Warnke nunmehr nach den Verhandlungen in Moskau zurücktreten werde, gab sein Bedauern darüber mit den
Worten Ausdruck: "Ich wünschte, er bliebe. Er ist ein sehr guter Mann."
Warnke hatte die Doppelaufgabe als ACDA-Direktor und Leiter der amerikanischen SALT-Delegation übernommen, nachdem es im Kongreß wegen seiner Ernennung einige Kontroversen gegeben hatte.
Verschiedene Senatoren hatten sich der Ernennung wegen seiner angeblich
zu "liberalen Neigungen" widersetzt.

Konservative Kreise waren der Ansicht,

- 2 -

�Ansicht, daß er den Sowjets bei den Verhandlungen um ein neues SALT-Abkommen
zu große Zugeständnisse machen würde.

Das Abstimmungsergebnis von 58 zu 40,

mit dem der Senat ihn bestätigte, wurde als Zeichen für die Stärke der gegen
ihn gerichteten Stimmen gewertet.
Warnke nahm in seinen Äußerungen gegenüber den Journalisten auf dieses
Verhältnis Bezug und erklärte mit Nachdruck, daß es keinerlei Druck irgendwelcher Art gegeben habe, der ihn zu seinem Rücktritt bewog.

Sein Entschluß

sei gänzlich aus eigenem Antrieb gekommen.
Er habe gewiß nicht die Absicht»mit seinem Rücktritt sozusagen in der
Versenkung zu verschwinden, so führte Warnke weiter aus, vielmehr werde er
sich mit aller Kraft für den Vertrag einsetzen und ihn bei jenen, die über
ihn zu entscheiden haben, vertreten.
über die Frage, wer diese Entscheidung fällen wird, hat Präsident Carter
noch nicht endgültig entschieden.

Auf seiner Pressekonferenz deutete er

allerdings an, daß es wahrscheinlich der Senat und nicht der Kongreß als Ganzes sein werde.
Auf die direkte Frage, ob er das zu erwartende SALT-II-Dokument dem
Kongreß als Vertrag vorlegen werde, für den nur eine Zwei drittel-Zustimmung
durch den Senat erforderlich wäre, oder als ein Exekutiv-Abkommen, das der
Billigung durch eine Mehrheit sowohl des Senats wie des Repräsentantenhauses
bedürfte, erklärte der Präsident: "Ich habe noch nicht entschieden, wie ich
das Abkommen oder den Vertrag dem Kongreß vorlegen werde. Ich glaube es
wird davon abhängen, wann es zum Abschluß kommt. Vorziehen würde ich es jedoch, es als einen Vertrag vorzulegen."
über einen Nachfolger für Botschafter Warnke ist noch nichts bekannt.
In Kreisen der Administration wurde geäußert, daß man mit der Nominierung
eines neuen Direktors für das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung warten
wolle, bis der Ratifizierungsprozeß von SALT-II abgeschlossen sei, um eine
- 3 -

�eine sich überschneidende oder vorzeitige Debatte der SALT-Probleme zu vermeiden.

In der Zwischenzeit dürfte der Stellvertreter Warnkes, Spurgeon

Keeney, die Leitung des ACDA übernehmen und dem amerikanischen Verteidigungsminister,Harold Brown, die führende Rolle bei den Bemühungen der Administration zufallen, die Unterstützung des Kongresses für die Ratifizierung der aus
den SALT-II-Verhandlungen erwachsenen Ergebnisse zu gewinnen.
Wenn es gegen Ende dieses Monats in Moskau zu einem entscheidenden Durchbruch kommt, dann besteht nach Ansicht amtlicher Kreise in Washington die
Möglichkeit, daß noch vor Ende dieses Jahres ein Carter-Breschnew-Gipfeltreffen stattfinden und der SALT-II-Vertrag dem Kongreß Anfang 1979 vorgelegt wird.
Warnke, dessen "Mut und Sachverstand" mitgeholfen haben, ein neues SALTAbkommen in greifbare Nähe zu bringen und der, wie es in der Erklärung des
Weißen Hauses weiter heißt, auch auf vielen anderen Gebieten der Rüstungskontrolle solide Fortschritte erzielen konnte, tritt wieder als Partner in
ein großes Washingtoner Anwaltsbüro ein.
Wie er abschließend vor der Presse betonte, tue er das "einzig und allein
aus persönlichen Gründen."

Er bedaure diese Notwendigkeit, habe aber wirk-

lich keine andere Wahl.

+ + + + +

- 4 -

�18. Oktober 1978

25

ZWANZIG JAHRE US-RAUMFAHRTBEHÖRDE NASA
Raumfahrt ohne Sensationen - Anwendungsbezogene Zukunftsprojekte

WASHINGTON - (AD) - Anläßlich des 20. Jahrestages der Gründung der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde (NASA) am 1. Oktober 1978 besuchte
Präsident Jimmy Carter das John F. Kennedy-Raumfahrtzentrum in Kap Canaveral
(Florida), Vor ca. 5000 NASA-Mitarbeitern umriß der Präsident künftige Zielsetzungen des amerikanischen Raumfahrtprogramms. In zunehmendem Maße werden
direkte Ergebnisse von Raumfahrtaktivitäten und Nebenprodukte der Raumfahrttechnik in den Alltag integriert - kaum jemand frage mehr danach, wie sie
zustande kamen. Bei den amerikanischen Zukunftsprojekten stehe der praktische
Nutzen im Vordergrund, was jedoch nicht heiße, daß die weitere Erforschung
unseres Planetensystems, der Sonne und des Universums vernachlässigt würden.
Für die achtziger Jahre sind gerade auf diesen Gebieten von den USA neue,
wichtige Missionen geplant.
In der Politik spielen Satelliten bereits eine bestimmende Rolle. Wie
Präsident Carter erklärte, leisten fotografische Aufklärungssatelliten "einen
unermeßlichen Beitrag zur Sicherheit aller Nationen". Sie seien ein bedeutsamer Stabilisierungsfaktor z.B. in Fragen im Zusammenhang mit der Überwachung
von Vereinbarungen über die Rüstungskontrolle geworden. Jody Powell, der

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Telex:08-85432

�der Sprecher des Weißen Hauses, wies gegenüber Journalisten darauf hin,
daß mittels der dabei angewandten Technik die Vereinigten Staaten in der
Lage seien, die Einhaltung der Bedingungen eines solchen Abkommens zu verifizieren, "ohne auf den guten Willen der anderen Partei angewiesen zu
sein",

Inspektionen an Ort und Stelle zuzulassen.

In seiner Ansprache erinnerte Präsident Carter an die gewaltige Gemeinschaftsleistung der amerikanischen Nation, ohne die der Erfolg der letzten 20 Jahre nicht denkbar gewesen sei.

Tausende von Wissenschaftlern,

Ingenieuren, Facharbeitern und Experten hätten unmittelbare Beiträge geleistet.

Alles in allem wurden bisher etwa 100 Milliarden Dollar investiert.

Der Start des sowjetischen Sputnik I vor 21 Jahren habe den Anstrengungen
der USA einen unerhörten Auftrieb gegeben.

"Wir haben die Herausforderung

angenommen und sind in der Tat noch ein gutes Stück weitergegangen.

Als

Amerikaner können wir stolz auf unsere Leistungen und darauf sein, was sie
nicht nur unserem eigenen Land, sondern der ganzen Welt gebracht haben",
so sagte Carter.
Man spreche oft von Fortschritt. Aber in dem gesamten Erfahrungsbereich von Wissenschaft und Technik gebe es nichts, was mit den riesigen
Schritten vergleichbar wäre, die in den nur zwei Jahrzehnten des Raumfahrtzeitalters gemacht worden sind. "Menschen wurden auf die Reise um die Erde
und zum Mond geschickt. Wir haben Maschinen in Umlaufbahnen um Erde, Mond,
Sonne und den Planeten Mars gebracht. Wir haben gelernt, im Weltraum zu
manövrieren, Raumschiffe im Weltraum aneinanderzukoppeln, und uns sogar frei
im Weltraum zu bewegen. An Bord des SKYLAB lernten wir, über viele Wochen
im gewichtslosen Zustand zu leben und zu arbeiten. Mit wissenschaftlichen
unbemannten Satelliten begannen wir, die inneren und äußeren Planeten unseres Sonnensystems zu erforschen. Zwei VIKING-Sonden senden seit mehr als
zwei Jahren wertvolle wissenschaftliche Daten von der Marsoberfläche.
PIONIER 10 flog am Jupiter vorbei und befindet sich jetzt auf dem Weg in den
interstellaren Raum - das erste Produkt von Menschenhand, das unser Sonnensystem verläßt. Seine Flugzeit könnte einen längeren Zeitraum umfassen, als

- 2 -

�als es möglicherweise der Lebensdauer der Zivilisation entspricht, die ihn
auf den Weg schickte.

Seinen Zielort kennen wir nicht.

Aber wie das gesamte

Unternehmen und die Anstrengungen um die Erforschung des Weltraums ist er ein
Symbol für menschliche Neugier, menschliche Erfindungsgabe und den so menschlichen Wunsch, mit anderen vernunftbegabten Lebewesen in Verbindung zu treten ."
Zwar sei das APOLLO-Projekt mit dem Ziel, Menschen zum Mond und wieder
sicher zurück zur Erde zu bringen, auch eine Sache des nationalen Prestiges
gewesen, erklärte der Präsident. "Aber dabei machten wir eine interessante
Erfahrung. Wir blickten mit den Augen der Astronauten und ihren Kameras
zurück zur Erde, die über dem fremdartigen Mondhorizont im pechschwarzen
Himmel schwebte. Wir sahen unsere Welt als kleine, zerbrechliche Kugel im
Wechselspiel ihrer Farben - aber wir sahen unseren Planeten ohne nationale
Grenzen ... Von allem, was wir durch die Erforschung des Weltraums gelernt
haben, war nichts so wichtig wie die Erkenntnis, daß diese unsere Welt eine
Wesenseinheit bildet."
Die erste große Ära der Raumfahrt sei vorüber, erklärte der Präsident,
aber die Zukunft werde nicht minder wichtige Entwicklungen bringen. Das
Herzstück der "zweiten Generation" von Raumfluggeräten, der wiederverwendbare Raumtransporter, ermöglicht mit 32 Tonnen Nutzlast regelmäßige Routineflüge mit den verschiedensten Aufgabenstellungen, was auch unter dem Gesichtspunkt der Rentabilität attraktiv sein werde. Regierungen, Astronauten, Institute und die Industrie anderer Länder sind an dem Projekt direkt beteiligt. Die Raumfahrt-Investitionen begännen sich in zunehmendem Maße bezahlt
zu machen.
Wie Präsident Carter weiter berichtete, werden Nachrichtensatelliten
weiterentwickelt und noch leistungsfähiger gemacht, die bereits zuverlässige
und billige Nachrichtenverbindungen weltweit und Sofort ermöglichen.
Sie haben abgelegene Gebiete aus der Isolation geholt.
Wetterbeobachtungssatel1i ten

- 3 -

�Wetterbeobachtungssatelliten haben schon Milliarden Dollar einsparen
helfen und durch frühzeitige Warnung vor Wirbel stürmen und Überschwemmungen
Tausenden von Menschen das Leben gerettet.

Sie sollen ebenso weiterentwickelt

und noch verbessert werden wie die amerikanischen Satelliten zur Fernerkundung der Erde.

Die "Dienste" dieser Raumfahrtgeräte nehmen auch zahlreiche

andere Länder in Anspruch.

Auf diese Weise werden Untersuchungen auf den Ge-

bieten Geologie und Lagerstättenforschung, Ökologie, Land- und Forstwirtschaft, Kartographie, Raumordnung, Wasserwirtschaft, Erforschung und Überwachung der Meere wie z.B. hinsichtlich der Gefahren durch Eisberge oder großflächige Verschmutzung, ferner im Interesse der Bodennutzung, des Verkehrswesens oder der richtigen Standortwahl für neue Industriebetriebe wesentlich
erleichtert.
Raumfahrttechnische Großprojekte wie industrielle Fabrikation, oder die
Montage riesiger Konstruktionen im Weltraum, die als Solarkraftwerke arbeiten, den erzeugten Strom in eine andere Energieform umsetzen, welche zur Erde übertragen und hier wieder in Strom zurückverwandelt werden kann, sollten
nach Ansicht Präsident Carters zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht forciert
werden.

"Meines Erachtens ist es zu früh, auf solchen Gebieten schon natio-

nale Verpflichtungen einzugehen.

Aber wir werden die dafür erforderliche

Technologie weiterentwickeln und die jetzt notwendigen Schritte unternehmen,
um uns die Möglichkeiten für die Zukunft offenzuhalten."
Die wissenschaftlichen Projekte für die achtziger Jahre werden die
direkte Erkundung des Sonnensystems mit automatischen Geräten fortsetzen.
Mars und Venus, Jupiter und seine Monde, Saturn mit seinen Monden und Ringen
sowie Kometen und Asteroide werden Beobachtungsprojekte sein. Zu den neuen
Aufgaben gehören auch Untersuchungen der Sonne aus einer neuen Perspektive
- ein amerikanischer Forschungssatellit, an dessen Ausrüstung Wissenschaftlergruppen des Auslandes beteiligt sind, wird in eine Flugbahn gebracht,
die ihn über die Pol gebiete der Sonne führt.
blieb dem Menschen bisher verwehrt.

Der Blick in diese Regionen
Der

- 4 -

�Der Start des 10 Tonnen schweren Weltraumteleskops im Jahre 1983, das
die Erde in 480 km Höhe umkreisen soll, dürfte der astronomischen Forschung
einen großen Auftrieb geben.

"Vermutlich können die damit gewonnenen Er-

kenntnisse", so Präsident Carter, "uns in unserem Verstehen der tatsächlichen
Natur von Materie, Energie und Zeit in einer Weise voranbringen, die wir uns
heute noch gar nicht vorzustellen vermögen."
Die nächste Generation amerikanischer Raumfluggeräte werde auch Art
und Größenordnungen der amerikanischen Interessen und Bedürfnisse als die
einer lebendigen, verantwortlichen und freien Gesellschaft widerspiegeln,
erklärte der Präsident. "Diese Raumfahrtaktivitäten werden nicht für sich,
sondern an all dem gemessen, was die Bedürfnisse unseres Landes ausmacht.
Wir werden andere Länder ermutigen, sich an der Arbeit und an den daraus
zu gewinnenden Vorteilen zu beteiligen. Die führende Rolle der Vereinigten
Staaten in der Raumfahrt werden wir nicht aufgeben."

- 5 -

�I

Wi//en/chaft
und Technik
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�Da die Hawaiische Inselkette durch vulkanische Eruptionen entstand, vermuten
die Wissenschaftler noch mehr solcher "Heißwasserboiler" im Untergrund.
Das z.Zt. gebaute Versuchskraftwerk soll 1980 in Betrieb genommen werden.
Später hofft man größere Generatoren (für zunächst 23 Megawatt, später 500
Megawatt Stromleistung) installieren zu können und außerdem Unternehmen, die
in der Tiefsee Manganknollen fördern, dafür zu interessieren, in der Nähe des
Geothermalkraftwerks Verarbeitungsbetriebe zu errichten.
Das Kilauea-Projekt ist eines von fünf amerikanischen Erdwärmekraftwerken,
die zur Zeit mit staatlicher Förderung errichtet werden und sich in verschiedenen Aufbaustadien befinden.

Zusammen mit der Privatwirtschaft entwickelte

das amerikanische Energieministerium neben Hawaii die Projekte Imperial Valley
(Kalifornien), Roosevelt Hot Springs und Raft River (beide Bundesstaat Utah)
und Valles Caldera (Neu-Mexiko).

"Wir hoffen", so Arthur Follett von der Ab-

teilung Geothemische Energie des Energieministeriums, "bis 1985 in den Vereinigten Staaten 3000 bis 4000 Megawatt Strom aus Erdwärme erzeugen zu können."
Damit könnte der Elektrizitätsbedarf von drei bis vier Millionen Menschen gedeckt werden.
An jedem Standort sind allerdings andere technische Probleme zu lösen.
Während es sich am Kilauea um verhältnismäßig "sauberes" Heißwasser handelt,
enthalten die meisten Thermalquellen Beimengungen von Schwefel, Salzen und
anderen korrodierenden Substanzen in unterschiedlichen Konzentrationen. Sie
müssen weitgehend entfernt werden, um Schäden an den Maschinen und an der Umwelt zu verhindern. Wissenschaftler und Ingenieure des amerikanischen Energieministeriums arbeiten beispielsweise z.Zt. an der Entwicklung effektiverer Verfahren zur Abscheidung von Schwefelwasserstoff aus dem Thermalwasser der
kalifornischen Wärmekraftwerke.
Im Gegensatz zu Hawaii müssen die meisten arideren Anlagen mit "kühlerem"
Wasser arbeiten.

Es kommt mit nur etwa 150 Grad Celsius aus der Erde, so daß

wirksamere Systeme für die Umwandlung von Wärme- in elektrische Energie gefun-

- 2 -

�gefunden werden müssen, um die Quelle optimal zu nutzen.

Inzwischen hat

das amerikanische Energieministerium auch umfangreichere Projekte in Zusammenarbeit mit interessierten Stellen in Italien, Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland, Island, Japan, Neuseeland und El Salvador in Angriff genommen.

+ + + + +

3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Präsident Carters zur Eröffnung der ägyptisch-israelischen Verhandlungen in Washington&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Rahmen für die neue Exportpolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Unterstaatssekretär C. Fred Bergsten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die USA müssen mehr exportieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von John J. Harter -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Warnke gibt Leitung von SALT-Verhandlungen und ACDA auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Korrespondenten Hugh O. Muir -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zwanzig Jahre US-Raumfahrtbehörde USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Raumfahrt ohne Sensationen - Anwendungsbezogene Zukunftsprojekte -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hawaii nutzt vulkanische Wärmeenergie</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

1

HaiHi

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26

2. November 1978
0=H=A=L=T

WIRTSCHAFT
Erklärung Carters zur Dollar-Stützung
- Wortlaut Blumenthal und Miller spezifizieren Maßnahmen zur Dollar-Stützung
- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung Presseverlautbarung des Zentralbankrates zur Dollar-Stützung
- Wortlaut DOKUMENTATION
Carter legt Programm zur Bekämpfung der Inflation vor
- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24. Oktober 1978 INFORMATION
Carter ernennt Alfred E. Kahn zum Leiter des Anti-Inflationsprogramms
Seignious und Earle Nachfolger von Warnke
HINTERGRUNDMATERIAL
Strengere Sicherheitsauflagen für die Schiffahrt
- Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und Tankerunfälle WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuartiger Windgenerator
Energiespeichern mit Kohlendioxid
Bluttest auf Krebs im Frühstadium

Um Ubcf/endun9 von
ßcIcgcMcmplaren wird
gebecen

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�Wift/choft
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26

2. November 1978

ERKLÄRUNG CARTERS ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 1. November 1978 eine
Erklärung zur Dollar-Stützung abgegeben, die folgenden Wortlaut hat:

In der letzten Woche habe ich meine Regierung auf ein ausgewogenes, konzertiertes und langfristiges Programm zur Bekämpfung der Inflation festgelegt.
Dieses Programm erfordert wirksame Maßnahmen, um die Stärke des Dollar zu gewährleisten.

Die grundlegenden Faktoren, die die Stärke des Dollar angehen, weisen in
die richtige Richtung.

Der Kongreß hat ein Energieprogramm verabschiedet; un-

ser Außenhandelsdefizit schrumpft; und vergangene Woche habe ich ein starkes
Programm zur Bekämpfung der Inflation vorgelegt.

Der anhaltende Verfall des

Kurswertes des Dollar ist fraglos angesichts der grundlegenden wirtschaftlichen
Situation nicht gerechtfertigt.

Dieser Verfall gefährdet den wirtschaftlichen

Fortschritt hier in den USA und im Ausland sowie den Erfolg unseres Programms
zur Bekämpfung der Inflation.

Als ein wesentlicher Schritt im Rahmen des Programms zur Bekämpfung der

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�der Inflation ist es jetzt notwendig, zu handeln, um dem übermäßigen Verfall
des Dollar in jüngster Zeit Einhalt zu gebieten.

Deshalb leiten das Finanz-

ministerium und der Zentralbankrat gemäß meinem Ersuchen, starke Maßnahmen zu
treffen, Schritte sowohl auf den heimischen als auch den internationalen Geldmärkten ein, um die Stärke des Dollar zu gewährleisten.
Die internationalen Komponenten dieses Programmes wurden in Verbindung
mit anderen Regierungen und Notenbanken der hierfür wichtigen Länder entwickelt,
und diese wollen zur Erreichung unserer gemeinsamen Ziele voll und ganz mit den
Vereinigten Staaten zusammenarbeiten.
Finanzminister Blumenthal und der Präsident des Zentralbankrates Miller
werden umgehend detaillierte Maßnahmen ankündigen.

+ + + + +

�1

1
I

Wirt/chaft
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26

2. November 1978

BLUMENTHAL UND MILLER SPEZIFIZIEREN MASSNAHMEN ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister W. Michael Blumenthal
und der Vorsitzende des US-Bundeszentralbankrates G. William Miller kündigten
am 1. November 1978 in einer gemeinsamen Erklärung folgende Maßnahmen zur Stützung des Dollar an:
Der jüngsteAusschlag des Dollarkurses übertraf nicht nur jede Abwärtsbewegung, die in irgendeinem Zusammenhang mit grundlegenden Faktoren steht, sondern behindert zweifelsohne jeden Fortschritt in Richtung auf Preisstabilität
und verschlechtert das Klima für Investitionen und Wachstum. Der Zeitpunkt
ist gekommen, diese Entwicklung zu stoppen. Das Finanzministerium und der Zentralbankrat geben heute umfassende korrektive Aktionen bekannt.
Ober die inneren Maßnahmen des Zentralbankrates hinausgehend werden die
Vereinigten Staaten in Zusammenarbeit mit den Regierungen und Notenbanken Deutschlands und Japans sowie der Schweizerischen Nationalbank nachdrücklich und in koordinierter Weise mit den Beträgen intervenieren, die erforderlich sind, um die
Situation zu bessern.

Die Vereinigten Staaten bieten für Zwecke ihrer Beteili-

gung an der koordinierten Interventionstätigkeit auf dem Markt Geldmittel in

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�in Höhe von 30 Milliarden Dollar in den Währungen dieser drei Länder auf.
Darüber hinaus wird das Finanzministerium beginnend Dezember seine Goldverkäufe auf mindestens 1,5 Millionen Unzen pro Monat steigern.
Die Maßnahmen zur Mobilisierung von Devisen, die in dem beigefügten Anhang dargestellt werden, schließen ein:

die Inanspruchnahme der Tranche des

amerikanischen Zentralbanksystems im Internationalen Währungsfonds,wobei wir
für einen Teil derselben davon ausgehen, daß die Allgemeinen Kreditvorkehrungen
(General Arrangements to Borrow - GAB) aktiviert werden; den Verkauf von Sonderziehungsrechten; die Erweiterung der SWAP-Fazilitäten der Notenbanken; und
die Begebung von Anleihen in fremder Währung durch das US-Finanzministerium.
Die grundlegenden Wirtschaftsbedingungen und die Wachstumstrends in den
vier Ländern verändern sich in Richtung auf ein besseres internationales Gleichgewicht.

Das gibt einen besseren Rahmen für die Wiederherstellung stabilerer

Devisenmärkte und eine Korrektur der jüngsten übermäßigen Wechselkursschwankungen ab.

Anhang
A. Maßnahmen im Rahmen des Internationalen Währungsfonds.
1. Inanspruchnahme der Tranche des amerikanischen Zentralbanksystems:
3 Milliarden Dollar.
(Die Vereinigten Staaten können DM oder Yen im Gegenwert von zusammen
2 Milliarden Dollar unmittelbar in Anspruch nehmen.

Eine Inanspruchnahme des

Gegenwerts von zusätzlich einer Milliarde Dollar kann kurz darauf erfolgen,
für die eine Aktivierung der Allgemeinen Kreditvorkehrungen (GAB) ins Auge gefaßt ist.)
2. Verkauf von Sonderziehungsrechten:
2 Milliarden Dollar.
B. Maßnahmen

�B. Maßnahmen zur Aufstockung der SWAP-Kreditlinien des Zentralbanksystems.
1. Erhöhung der SWAP-Kreditlinien bei der Deutschen Bundesbank auf
6 Milliarden Dollar
2. Erhöhung der SWAP-Kreditlinie bei der Bank von Japan auf
5 Milliarden Dollar.
3. Erhöhung der SWAP-Kreditlinie bei der Schweizerischen Nationalbank auf
4 Milliarden Dollar.
C. Begebung von Anleihen in fremder Währung bis zur Höhe von 10 Milliarden
Dollar.
Insgesamt
30 Milliarden Dollar.
(Von diesem Gesamtbetrag wurden annähernd 1,8 Milliarden Dollar im Zuge
früherer Operationen aufgrund der SWAP-Kreditlinien des Zentralbanksystems in
Anspruch genommen; er schließt jedoch die SWAP-Fazilität des Finanzministeriums
bei der Deutschen Bundesbank aus.)

- 3 -

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Wirt/chaft
»

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2. November 1978

PRESSEVERLAUTBARUNG DES ZENTRALBANKRATES ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Bundeszentralbankrat gab am 1.
November 1978 im Zusammenhang mit den geplanten Maßnahmen zur Stützung des
Dollar folgende Presseverlautbarung heraus:

Das Finanzministerium und der Bundeszentralbankrat kündigten heute Maßnahmen an, die darauf abzielen, den Dollar zu stärken und damit den anhaltenden inneren inflatorischen Pressionen entgegenzuwirken.

Der Zentralbankrat hat folgende spezifische Schritte angekündigt:

- Genehmigung einer einprozentigen Heraufsetzung des Diskontsatzes durch
die Bundeszentralbank New York von 8,5 auf 9,5 Prozent mit sofortiger Wirkung.
Der Diskontsatz ist der Zinssatz, den Mitgliedbanken des Zentralbanksystems
auf Geld zu bezahlen haben, das sie bei der für sie zuständigen DistriktsReservebank aufnehmen.

- Einführung einer über die derzeitige Hinterlegungspflicht der Mitgliedbanken hinausgehenden zusätzlichen Hinterlegungspflicht in Höhe von 2 Prozent

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�2 Prozent aller Termineinlagen in Höhe von 100 000 Dollar und darüber.
- Aufstockung der reziproken Devisenarrangements (SWAP) des Zentralbanksystems mit den Notenbanken Deutschlands, Japans und der Schweiz um 7,6 Milliarden Dollar auf 15 Milliarden Dollar und Aktivierung des SWAP-Arrangements
mit der Bank von Japan.

Die aufgrund dieser erweiterten Arrangements verfüg-

baren Devisen sollen zusammen mit anderen, dem Finanzministerium zur Verfügung stehenden Devisen im Rahmen des Programms einer nachhaltigen Intervention
auf den Devisenmärkten in Zusammenarbeit mit ausländischen Notenbanken dazu
benutzt werden, um den derzeitigen übermäßigen Wechselkursbewegungen Einhalt
zu gebieten.
- Die zusätzliche Hinterlegungspflicht gilt beginnend mit Donnerstag,
dem 2. November, für alle außenstehenden Termineinlagen der genannten Größenordnung, für die die Hinterlegung in spätestens zwei Wochen zu erfolgen hat.
Die bisherige Hinterlegungspflicht schwankt zwischen 1 Prozent für langfristige
Einlagen und 6 Prozent für auf weniger als 6 Monate befristete Einlagen.

Die

zusätzliche Hinterlegungspflicht in Höhe von 2 Prozent betrifft sämtliche
Termineinlagen dieser Größe unabhängig von deren Fälligkeit; sie bedeutet die
Hinterlegung von zusätzlich etwa 3 Milliarden Dollar.
- Die Hinterlegungspflicht wird dazu beitragen, die relativ rasche Expansion des Kreditgeschäfts der Banken in der jüngsten Zeit zu verlangsamen.
Sie wird ferner den Mitgliedbanken einen erhöhten Anreiz bieten, Geldmittel
im Ausland aufzunehmen und damit den Dollar durch Belebung der Dollarnachfrage
auf den Euro-Märkten zu stärken.
- Ein SWAP-Arrangement ist eine erneuerungsfähige kurzfristige Fazilität,
gemäß der sich eine Notenbank bereit erklärt, die Währung der anderen Partei
bis zur vereinbarten Höhe gegen eigene Währung einzutauschen. In allen reziproken
Währungsarrangements handelt die Reservebank von New York unter Anleitung des
Offenmarkt-Ausschusses des Zentralbanksystems federführend für das Zentralbanksystem. Die reziproken Währungsarrangements des Zentralbanksystems mit den

- 2 -

�0
den Notenbanken Deutschlands, Japans und der Schweiz beziffern sich gegenwärtig wie folgt:

Deutsche Bundesbank:

6 Milliarden Dollar; Bank von Japan:

5 Milliarden Dollar; und Schweizerische Nationalbank:

+ + + + +

4 Milliarden Dollar.

�1
I

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. November 1978

26

CARTER LEGT PROGRAMM ZUR BEKÄMPFUNG DER INFLATION VOR
- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24.Oktober 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 24. Oktober 1978 in
einer Fernsehansprache sein Progranm zur Bekämpfung der Inflation erläutert.
Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend mit Ihnen offen über unser ernstestes innenpolitisches Problem sprechen.

Dieses Problem ist die Inflation.

Die Inflation

kann wirtschaftliche Erfolge gefährden, die wir erzielt haben, und sie kann
dem im Wege stehen, was wir in der Zukunft zu erreichen wünschen.
Es handelt sich um eine seit langem bestehende Bedrohung.
Während der letzten zehn Jahre betrug die jährliche Inflationsrate durchschnittlich 6 1/2 Prozent, und in den drei Jahren vor meiner Amtsübernahme
hatte sie sich auf durchschnittlich 8 Prozent erhöht.
Die Inflation war deshalb, seit ich Präsident geworden bin, für mich ein
ernstes Problem.

Wir haben versucht, sie unter Kontrolle zu bringen, hatten

aber keinen Erfolg dabei.

Es ist jetzt für uns alle an der Zeit, größere und

koordiniertere Anstrengungen zu unternehmen.

w

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D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Wenn die Inflation sich weiter verschlimmert, werden verschiedene Dinge
passieren.

Ihre (der Bürger) Kaufkraft wird sich weiterhin verringern, und

der größte Teil dieser Belastung wird von jenen getragen werden müssen, die
sich dies am wenigsten leisten können.
Schaden erleiden.

Unsere nationale Produktivität wird

Der Wert unseres Dollar im Welthandel wird weiter sinken.

Wir haben während der letzten 21 Monate gute Fortschritte dabei erzielt,
Arbeitsplätze für unsere Bevölkerung zu schaffen.

Wir haben mehr als sechs

Millionen neuer Stellen für den amerikanischen Arbeiter bereitgestellt.

Wir

haben die Arbeitslosenrate um etwa 25 Prozent gesenkt, und wir werden unsere
Bemühungen um einen Abbau der Arbeitslosigkeit insbesondere unter unseren jungen Menschen und den Minderheiten weiterhin

fortsetzen.

Ich muß Ihnen heute abend jedoch sagen, daß die Inflation diese Fortschritte gefährdet.

Wenn wir die Inflation nicht unter Kontrolle bekommen,

dann werden wir nicht in der Lage sein, die Arbeitslosigkeit weiterhin zu verringern, und möglicherweise machen wir dann sogar Rückschritte.
Die Inflation ist ganz ohne Frage ein ernstes Problem.

Welche Lösung

gibt es?
Ich weiß auch keine Antwort auf alle Fragen.

Niemand weiß sie.

Vielleicht gibt es überhaupt keine komplette und ausreichende Antwort,
aber ich möchte Sie wissen lassen, daß die Bekämpfung der Inflation während
der vor uns liegenden Monate ein zentrales Anliegen für mich sein wird, und
ich möchte an unsere Nation appellieren, sich mir in diesem Bemühen anzuschließen.
Es gibt zwei allzu einfache und vertraute Antworten, die manchmal angeboten werden - einfach, zu vertraut und zu extrem.

Eine dieser Antworten be-

stünde darin, seitens der Bundesregierung ein kompliziertes Schema von Lohnund Preiskontrollen über unser gesamtes freies Wirtschaftssystem zu verhängen.
Die
- 2 -

�Die andere würde eine bewußt herbeigeführte Rezession bedeuten, die Millionen von Menschen arbeitslos machen würde.
Beide Vorschläge würden zu keinem Erfolg führen und müssen daher abgelehnt werden.
Ich habe während der letzten Monate viele Stunden damit zugebracht, gemeinsam mit meinen eigenen Beratern und mit einer Reihe von Experten von außerhalb der Regierung jeden Vorschlag, jede Empfehlung und jede Möglichkeit für
eine Beseitigung der Inflation zu prüfen.
Dabei habe ich eines über jeden Zweifel hinaus gelernt, daß es nämlich
kein Patentrezept für die Lösung des Inflationsproblems gibt.
Was es allerdings gibt, ist eine Reihe von Teillösungen. Einige davon
werden Erfolg bringen, andere vielleicht nicht. Aber wir haben keine andere
Wahl, als die besten uns zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zu benutzen
und weiterhin die Suche nach zusätzlichen Maßnahmen, die vielleicht wirksam sein
könnten, fortzusetzen.
Ich möchte heute abend mit Ihnen über einige der Mittel und Wege sprechen,
die wir entwickeln konnten.
Einige dieser Faktoren liegen im Bereich meiner Machtbefugnis als Präsident, vor allem was Maßnahmen der Regierung anbetrifft, und ich werde darauf
bestehen, daß die Regierung ihren Anteil an diesem Bemühen leistet.
Ob aber unsere Anstrengungen erfolgreich sein werden, wird letztlich genauso von Ihnen wie von mir abhängen.
Ihre Entscheidung, die Sie täglich an Ihrer Tankstelle, in Ihrem Kaufhaus,
in Ihrer beruflichen Tätigkeit oder auf Ihren Gewerkschaftsversammlungen treffen,
werden genauso entscheidend sein

für die Antwort unseres Landes auf die Infla-

tion, wie die Entscheidungen, die hier im Weißen Haus oder im Kapitol durch den
- 3 -

�den Kongreß getroffen werden.
Ich kann nicht garantieren, daß unsere gemeinsamen Anstrengungen Erfolg
haben werden.

Ja, es ist fast gewiß, daß sie keinen Erfolg haben werden, wenn

man unter Erfolg rasche oder dramatische Veränderungen versteht.

Jede freie

Regierung auf dieser Welt muß sich mit dem Problem der Inflation auseinandersetzen

und jede von ihnen weiß, daß eine langanhaltende Krankheit eine lang-

fristige Behandlung erfordert.

Es liegt bei uns, alle nur möglichen Verbes-

serungen zu erreichen, selbst wenn wir dabei einen teilweisen Fehlschlag riskieren, statt einen Fehl schlag mit Sicherheit in Kauf zu nehmen, weil wir überhaupt nichts versuchen.
Ich werde meine Anstrengungen auf die Regierung konzentrieren.

Wir alle

wissen, daß die Regierung nicht die einzige Ursache der Inflation ist.

Aber

sie ist eine der Ursachen, und die Regierung muß nun einmal ein Beispiel setzen.

Daher muß sie auch bei der fiskalischen Zurückhaltung die Führung er-

greifen.
- Wir werden die Regierungsausgaben niedrig halten, das Defizit im Staatshaushalt verringern und Verschwendung in der Regierung beseitigen.
- Wir werden einen teilweisen Einstellungsstop für den Bundesdienst verfügen und die Zahl der Bundesbediensteten verringern.
- Wir werden nutzlose Bestimmungen abschaffen.
- Wir werden unsere Wirtschaft wieder mehr unter das Zeichen des Wettbewerbs rücken.
- Und wir werden uns gegen jede weitere Senkung der Bundeseinkommenssteuern wenden, solange nicht überzeugende Aussichten dafür bestehen, daß wir
die Inflation in den Griff bekommen.
Lassen
- 4 -

�Lassen Sie mich erklären, was jeder dieser Schritte bedeutet.
Das Defizit der Bundesregierung ist zu hoch.

Unser Volk hat die ver-

schwenderischen Bundesausgaben sowie die Inflation, die damit verbunden ist,
einfach satt und ist ihrer müde.
Wir haben bereits einige Erfolge erzielt. Seit ich mich um das Präsidentenamt beworben habe, haben wir das Defizit um ein Drittel gesenkt - und zwar von
mehr als 66 Milliarden Dollar im Finanzjahr 1976 auf etwa 40 Milliarden Dollar
im Finanzjahr 1979; eine Verringerung von mehr als 25 Milliarden Dollar in
nur drei Jahren.
Es wird weiter gesenkt werden. Im nächsten Jahr plane ich bei einer
starken Zurückhaltung in den Bundesausgaben und einem zu erwartenden mäßigen
Wirtschaftswachstum, das Haushaltsdefizit um weniger als die Hälfte seit meiner
Bewerbung um das Präsidentenamt zu reduzieren, nämlich auf 30 Milliarden Dollar
oder weniger.
Die Regierung hat einen zu großen Anteil dessen, was unser Land produziert, ausgegeben. Während meines Wahlfeldzuges habe ich versprochen, den Regierungsanteil an unseren gesamten nationalen Ausgaben im Finanzjahr 1981 von
23 Prozent auf 21 Prozent zu kürzen.
Wir planen nunmehr, dieses Ziel bereits ein Jahr früher zu erreichen.
Der Abbau des Defizits macht schwierige und unangenehme Entscheidungen
erforderlich.
Wir werden in unserem Lande den Gürtel enger schnallen müssen.

Harte Ent-

scheidungen sind notwendig, wenn wir Konsequenzen vermeiden wollen, die noch
schlimmer sind.
Ich habe die feste Absicht, diese harten Entscheidungen zu treffen.

- 5 -

Ich

�Ich habe bereits mein Veto gegen Gesetzesvorlagen eingelegt, die unseren
Kampf gegen die Inflation unterminieren würden, und der Kongreß hat dieses
Veto nicht überstimmt.

Ich weiß, daß der Kongreß auch weiterhin in dem Be-

mühen mit mir zusammenarbeiten wird, unsere Aufgaben in verantwortungsbewußter,
nicht inflationsfordernder Weise zu erfüllen.

Ich werde von den

meinem Amte

zur Verfügung stehenden administrativen und haushaltsmäßigen Vollmachten, notfalls auch dem Veto-Recht, Gebrauch machen, um unser Land fest auf dem Kurs
der fiskalischen Zurückhaltung zu halten.
Zurückhaltung gilt für die Steuerpolitik genauso wie für die Ausgabenentscheidungen.

Eine Steuersenkung war politisch niemals populärer als heute.

Aber wenn zukünftige Steuersenkungen übereilt und ohne Berücksichtigung des
Haushaltsdefizits vorgenommen werden, dann werden sie uns allen Schaden, weil
sie nämlich eine größere Inflation hervorrufen.
Es gibt Steuersenkungen, die direkt die Kosten und Preise verringern und
zum Kampf gegen die Inflation beitragen könnten. Ich werde vielleicht Mittel
und Wege in Erwägung ziehen, um diese besonderen Steuern zu senken, während
gleichzeitig auch das Defizit im Haushalt gesenkt wird, aber solange wir keine
überzeugenden Aussichten auf eine Kontrolle der Inflation haben, werde ich
mich jeder weiteren Senkung der Bundeseinkommenssteuer widersetzen.
Um die Regierung in einem überschaubaren Größenverhältnis zu halten,
ordne ich heute abend eine Reduzierung bei der Einstellung von Bundesbediensteten an. Diese Anweisung bedeutet eine Senkung der Zahl der ständigen Bundesbediensteten, die haushaltsmäßig in diesem Finanzjahr bereits eingeplant sind,
um 10 000, und ich werde die Gesamtzahl der Bundesbediensteten verringern.
Ich habe bereits hinsichtlich der Gehaltserhöhungen für Bundesbedienstete
eine Obergrenze von 5,5 Prozent verfügt, und die höheren Angestellten und Beamten des Bundes werden überhaupt keine Gehaltserhöhungen erhalten.
Es genügt jedoch nicht, nur das Regierungsdefizit, die Ausgaben und die
- 6 -

�die Neueinstellungen zu kontrollieren.

Wir müssen auch die durch gewisse

Regierungsbestimmungen hervorgerufenen Kosten unter Kontrolle bringen.
Der Kongreß hat in den letzten Jahren eine Reihe richtungweisender Gesetze zur Verbesserung der Umwelt-

und Sozial Verhältnisse verabschiedet.

Wir müssen und wir werden den Fortschritt im Bemühen um den Schutz der Gesundheit und der Sicherheit des amerikanischen Volkes beibehalten.
Aber wir müssen auch uns darüber klar sein, daß alles seinen Preis fordert - und daß der Verbraucher letzten Endes die Rechnung bezahlen muß. Wo
Verordnungen notwendig sind, müssen sie auch wirksam sein. Wo sie die Inflation bekämpfen, sollten sie unterstützt werden.

Wo sie aber unnötig sind,

sollte man sie aufheben.
Zu Anfang dieses Jahres gab ich den Behörden des Bundes die Anweisung,
unnötige Verordnungen zu streichen und die Kosten und Vorzüge neuer Verordnungen zu analysieren.

Heute sind beispielsweise von dem Amt für Sicherheit

und Gesundheit am Arbeitsplatz nahezu eintausend unnötige Verordnungen aufgehoben worden.
Jetzt können wir auf diesem Fortschritt weiter aufbauen.
- Ich habe einem Rat der weisungsberechtigten Ämter und Behörden die Anweisung erteilt, die von ihnen erlassenen Verordnungen zu koordinieren, damit
jede Überschneidung und jeder Leerlauf vermieden wird.
- Als Wichtigstes wird der Rat ein einheitliches Verzeichnig aller geplanten wichtigen Verordnungen aufstellen.

Dieses Verzeichnis wird uns zum ersten-

mal eine umfassende Liste aller von der Bundesregierung geplanter Bestimmungen
zusammen mit ihren Kosten und den angestrebten Zielen an die Hand geben.
Ich werde als Präsident persönlich meine Autorität einsetzen, um sicherzustellen, daß solche Verordnungen nur erlassen werden, wenn sie notwendig sind,
und daß sie ihr Ziel zu einem Preis erreichen, der so gering wie möglich ist.
Wir

�Wir werden das Dickicht von Verordnungen beseitigen, das sich um uns
gebildet hat, und damit unserem System des freien Wettbewerbs die Chance
geben, an dem ihm zustehenden Platz zu gedeihen.
Im vorigen Jahr haben wir der Luftfahrtindustrie einen neuen Impuls für
den Wettbewerb gegeben.

Einige Verordnungen wurden aufgehoben.

Die Kräfte

des freien Marktes trieben die Preise herunter, die Zahl der Passagiere erreichte Rekordhöhen - und die Gewinne stiegen.

Das neue Gesetz über die Auf-

hebung von Vorschriften für Fluggesellschaften wird dafür sorgen, daß diese
Vorteile von Dauer sein werden.

Zum erstenmal seit Jahrzehnten haben wir

Aufsichtsbestimmungen für einen großen Industriezweig tatsächlich aufgehoben.
Im kommenden Jahr werden wir in Zusammenarbeit mit dem Kongreß darangehen, auch in anderen Industriezweigen, wie etwa im Güterverkehr auf Schiene
und Straße, mehr Wettbewerb zu schaffen.
Der Wettbewerb ist nämlich die stärkste all unserer Waffen gegen die
Inflation. Ohne echten Wettbewerb steigen Preise und Löhne - selbst wenn
die Nachfrage nachläßt.
Wir müssen daher darauf hinwirken, überall dort, wo es möglich ist, mehr
Wettbewerb zuzulassen, damit nächtige Gruppen - wie Regierung, Unternehmer,
Gewerkschaften - es sich zweimal überlegen müssen, ehe sie ihre wirtschaftliche Macht mißbrauchen.
Wir werden unsere Anstrengungen verdoppeln, um dem Wettbewerb wieder seinen Platz in unserem amerikanischen System der,freien Marktwirtschaft zu verschaffen.
Ein weiterer Grund für die Inflation ist das Nachlassen unseres Produktivitätszuwachses.

Eine leistungsstärkere Produktion ist wesentlich, wenn wir

die Inflation unter Kontrolle bekommen, amerikanische Erzeugnisse auf den
Weltmärkten wettbewerbsfähiger machen, neue Arbeitsplätze schaffen und das Real- 8 -

�Realeinkommen unserer Bevölkerung steigern wollen.
Einen Anfang zur Verbesserung unserer Produktivität haben wir gemacht.
Das vom Kongreß soeben verabschiedete Steuergesetz enthält viele der Investitionsanreize, die ich im vorigen Januar empfohlen hatte. Die Bundesförderung
von Forschung und Entwicklung - vor allem was die Grundlagenforschung betrifft - wird weiter verstärkt werden. Wir werden die Programme des Bundes,
die Produktivitätsverbesserungen im Bereich unserer gesamten Wirtschaft fördern, koordinieren und verstärken.
Die Anstrengungen der Regierung werden sich gegen die Inflation an der
Stelle richten, wo sie sich am schmerzlichsten auswirkt - die Inflation in
den wesentlichen Bereichen der Existenz: Ernährung, Wohnung und Gesundheit.
Wir werden in unserer Agrarpolitik weiterhin bestrebt sein, die Produktion
der landwirtschaftlichen Betriebe hochzuhalten, stabile Preise zu bewahren
und die Inflation zu dämpfen.
Steigende Zinssätze sind stets eine Begleiterscheinung der Inflation gewesen. Die Kosten für Betriebserweiterungen und die Preise, die der Verbraucher
für Häuser und Verbrauchsgüter zahlen muß, steigen durch sie weiter an.
Die Verantwortung für die Kontrolle der Inflation kann nicht allein auf
der Geldpolitik ruhen, die das Problem durch straffe Geld- und Kreditrestriktionen angehen muß, durch die die Zinssätze hochgetrieben werden.
Ich werde auf ein ausgewogenes, aufeinander abgestimmtes und kontinuierliches Programm hinarbeiten, bei dem straffe Zügelung des Haushalts, Maßhalten
bei Lohn- und Preisforderungen auf dem privaten Sektor und eine verantwortungsbewußte Geldpolitik einander unterstützen.
Wenn wir Erfolg haben, dürfen wir mit einer Senkung der Inflations- und
Zinssätze sowohl für die Verbraucher als auch für die Unternehmer rechnen.
Was
- 9 -

�Was die Gesundheitsfürsorge anbetrifft, wo die Kosten weitaus schneller
gestiegen sind als die allgemeine Inflationsrate, so besteht die für uns wichtigste Maßnahme in der Verabschiedung des Krankenhauskostendä'mpfungsgesetzes.
Der Senat hat es in diesem Jahr bereits verabschiedet.

Im kommenden Jahr

werde ich es erneut versuchen, und ich hoffe, daß beide Häuser des Kongresses
handeln werden, um die Krankenhauskosten zu dämpfen - wenn Ihre Vertreter im
Kongreß entsprechend von Ihnen hören.
Bis zum Januar, wenn der neue Kongreß zusammentritt, werde ich ein Paket
spezifischer Gesetzesvorlagen vorbereitet haben, die die Inflation bekämpfen
helfen sollen.
Die Regierung wird ihren Teil tun, aber in einem Land wie dem unseren
kann die Regierung allein die Aufgabe nicht lösen.

Letztlich wird Erfolg oder

Fehlschlag dieser Bemühungen auch davon ahängen, ob der private Sektor die freiwilligen Lohn- und Preisleitlinien, die ich heute abend ankündige, akzeptieren
und entsprechend handeln wird.
Es sind faire Leitlinien.

Es sind Normen, an die sich jeder halten kann.

Wenn wir uns an sie halten, dann werden sie den Preisanstieg dämpfen - so daß
die Löhne nicht mehr hinter den Preisen herjagen müssen, nur um auf der gleichen
Höhe zu bleiben.
Sie weisen außerdem den Weg zu einer schließlichen Überwindung der Inflation, indem sie den Druck beseitigen, der sie ausgelöst hat.
In den letzten zehn Jahren haben wir bei unseren Bemühungen, uns vor der
Inflation zu schützen, Verhaltensweisen und Gewohnheiten entwickelt, die die
Inflation - sobald sie erst einmal begonnen hat - eben gerade in Gang halten.
Die Gewerkschaften erheben weitreichende Tarifforderungen, weil sie damit rechnen, daß die Inflation anhält. Weil wir erwarten, daß es so kommt, tritt es
dann auch ein, und sobald die Dinge einmal in Gang gekommen sind, treiben

- 10 -

�treiben Löhne und Preise einander in die Höhe.
Es ist wie bei einer Menschenmenge im Fußbailstadion.wenn alle stehen.
Jeder würde genauso gut sehen, wenn sie alle sitzen würden - aber niemand
ist gewillt, sich als erster hinzusetzen.
Mit Ausnahme der Arbeiter in den niedrigsten Lohngruppen appelliere ich
an alle Beschäftigten in diesem Lande, ihre Gesamtlohnerhöhungen auf ein
Höchstmaß von sieben Prozent im Jahr zu begrenzen.

Von heute abend an sollte

jeder Tarifvertrag und jede gewährte Lohnerhöhung diesem Richtwert entsprechen.
Meine Preisbegrenzungen werden gleichermaßen strikt sein.

Unser Grund-

ziel für die gesamte Wirtschaft ist ein Preisanstieg von 5,75 Prozent.

Um

dieses Ziel zu erreichen, setze ich heute abend für jedes Unternehmen in
unserem Lande die Leitlinien, seine Preissteigerungen zumindest ein halbes
Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1976 und 1977 zu halten.
Selbstverständlich müssen wir hierbei bereits eingegangene bindende Verpflichtungen in Rechnung stellen, die eine absolute Befolgung dieser Leitlinien verhindern.
Aber dieser Preisrichtwert liegt viel niedriger als die diesjährige
Inflationsrate, und was noch wichtiger ist, er ist niedriger als der Richtwert für Lohnerhöhungen.

Dieser Unterschied wird durch die wachsende Pro-

duktivität ausgeglichen, und dadurch kann das Einkommen des amerikanischen
Arbeiters von der Inflation nicht eingeholt werden.
Diesen Leitlinien kann jeder folgen.

Jeder!

Ich meine, daß es für kein

Unternehmen, keine Gewerkschaft, keinen Berufsstand, keinen Menschen in diesem Lande eine Entschuldigung gibt, sich nicht an diese Leitlinien zu halten.
Die Schwierigkeit mit einem Programm auf freiwilliger Grundlage besteht
darin, daß die Arbeitnehmer fürchten, daß sie, wenn sie sich an diese Leitlinien halten

- während andere es nicht tun - Nachteile hätten, falls die
- 11 -

�die Inflation anhält.
Um dieser Befürchtung zu begegnen, werde ich den Kongreß im Januar ersuchen, ein Programm zu verabschieden, das eine Steuerermäßigung für jene
Arbeitnehmer ermöglicht, die sich an die Leitlinien halten, falls die Inflationsrate mehr als sieben Prozent betragen sollte.

Mit anderen Worten,

sie hätten eine "echte Lohnversicherung" gegen eine Inflation, die von anderen verursacht würde.
Dies wird unseren Arbeitnehmern einen zusätzlichen Anreiz für die Befolgung dieses Programms bieten - und den einzigen legitimen Grund für eine
Verweigerung der Zusammenarbeit ausräumen.
Da es sich um keinen staatlichen Kontroll plan handelt, kann ich ein verantwortungsloses Unternehmen nicht darin hindern, seine Preise zu erhöhen,
oder eine selbstsüchtige Gruppe von Arbeitnehmern daran, ihre Macht auszunutzen, um

übersteigerte Löhne zu fordern.

Sollte das jedoch eintreten,

wird die Regierung entsprechend reagieren, indem sie ihre Möglichkeiten und
die öffentliche Meinung ins Spiel bringt.
Sobald sie die Preise steigern oder Lohnerhöhungen verlangen, die übersteigert sind, wird das Unternehmen oder die Gewerkschaft den Druck zu spüren
bekommen, den die Öffentlichkeit ausüben kann - durch eine neue Konkurrenz,
um die Preise zu senken, oder durch die Aufhebung von Schutzmaßnahmen und
Privilegien der Regelung, derer sie sich jetzt erfreuen.
Wir werden auch die 80 Milliarden Dollar, die die Regierung jährlich
für Beschaffungen der Privatindustrie aufwendet, besser nutzen. Wir müssen
kluge und umsichtige Käufer sein. Wenn die Kosten zu rasch ansteigen, dann
können wir die Käufe aufschieben - wie es jede Familie tun würde - oder uns an
einen anderen Lieferanten wenden. So werden wir beispielsweise in diesem Jahr
vielleicht keine Armada von Autos kaufen, wenn diese Autos zu teuer sind,
oder wir werden vielleicht unsere Einkäufe bei Lieferanten tätigen, die sich

- 12 -

�sich an unser Lohn- und Preisleitlinien halten, statt bei denen, die dies
nicht tun.
Wir werden verlangen, daß diejenigen Firmen, die der Regierung Güterund Dienstleistungen liefern, nachweisen, daß sie sich an die Lohn- und Preisleitlinien halten. Wir werden innerhalb gesetzlicher Grenzen alle Anstrengungen machen, um denjenigen Firmen Regierungsaufträge zu verweigern, die unseren Lohn- und Preisleitlinien nicht folgen.
Wir werden unsere Kaufkraft effektiver einsetzen, um eine Zurückhaltung
bei den Preisen und den Wettbewerb Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Regierung gewährt gegenwärtig vielen Teilen der Privatwirtschaft
wirtschaftliche Privilegien - Sonderrechte, geschützte Löhne und Preise,
Subventionen, Schutz vor ausländischem Wettbewerb. Sollten Löhne und Preise
in einigen Industriezweigen zu rasch wachsen, dann werden wir das als ein Zeichen dafür betrachten, daß diese Privilegien nicht mehr notwendig sind und
daß dieser Schutz aufgehoben werden sollte.
Wir werden sicherstellen, daß kein Zweig unserer Wirtschaft seine besonderen Privilegien oder seine konzentrierte Macht benutzen kann, um die
übrigen zu schikanieren.
Die Mittel und Wege, die ich heute aufgezeigt habe, werden der Inflation
kein Ende setzen. Sie verbessern lediglich unsere Chancen, die Dinge zum
Besseren statt zum Schlechteren zu gestalten.
Ich möchte noch einmal das Programm zusammenfassen, das ich heute abend
verkündete.
- Wir werden das Haushaltsdefizit senken.
- Wir werden das Einstellungsprogramm des Bundes beschneiden und
die Zahl der Bundesbediensteten verringern.
- Wir
- 13 -

�- Wir werden bei den Bundesausgaben Zurückhaltung üben.
- Wir werden weitere Steuersenkungen hinausschieben.
- Wir werden nutzlose Bestimmungen abschaffen.
- Wir werden die Bundespolitik benutzen, um zu einem stärkeren Wettbewerb anzuregen.
- Wir werden spezifische Leitlinien sowohl für Löhne und Preise in der
ganzen Wirtschaft festsetzen.
- Wir werden alle zu unserer Verfügung stehenden Kräfte einsetzen, um
diesem Programm zu einem Erfolg zu verhelfen.
- Und wir werden dem Kongreß im kommenden Januar neue Vorschläge zur Bekämpfung der Inflation unterbreiten, einschließlich der Empfehlung für eine
echte Lohnversicherung, von der ich heute abend gesprochen habe.
Ich habe wiederholt erklärt, daß diese Maßnahmen hart sein werden - und
sie sind es tatsächlich.

Ich habe aber auch gesagt, daß sie fair sein werden

- und sie sind es tatsächlich.

Sie treffen in gleicher Weise alle Gruppen.

Aber sie geben uns allen die gleiche Chance, Fortschritte zu erzielen.
Und diese Vorschläge, die uns eine Chance bieten, verdienen es, daß sie
diese Chance erhalten.

Wenn man sie heute oder nächste Woche oder im nächsten

Monat ins Lächerliche zieht, sie zerfetzt, bevor sie die Chance hatten, sich
als erfolgreich zu erweisen, dann wird man die Chancen eines Erfolges von Anfang an vermindert haben.
Diese Maßnahmen können erfolgreich sein, aber das braucht Zeit, und Sie
sind diejenigen, die ihnen diese Zeit geben können.

Wenn ich heute abend

jeden Amerikaner um eines bitte, dann ist es, daß man diesem Programm eine
Chance gibt - eine Chance, für uns alle erfolgreich zu sein.
Sie können dazu beitragen, daß diese Chance geboten wird, indem Sie
Ihren Einfluß ausüben.
Arbeitgeber und Arbeitnehmer müssen wissen, daß Sie als Bürger keine
vernatwortungslosen Preis- und Lohnerhöhungen hinnehmen werden.
- 14 -

Die von

�von Ihnen gewählten Vertreter im Kongreß müssen wissen, wie Sie als Bürger
denken, wenn sie schwierige Entscheidungen treffen.
Zu häufig hören sie nur diejenigen Stimmen, die Sonderinteressen vertreten und ihre eigenen engen Zielsetzungen unterstützen.

Wenn Sie wollen,

daß die Regierungsvertreter die Inflation eindämmen, dann müssen Sie sicherstellen, daß man Ihre Stimme überall hört •
Ich habe Ihre Stimme mit unmißverständlicher Deutlichkeit vernommen.
Vor etwa 40 Jahren, als die Welt gespannt aufblickte, ob sein Land überleben würde, trat Winston Churchill mit allem Nachdruck jenen entgegen, die
glaubten, Großbritannien würde sich der Nazi-Bedrohung beugen. Churchill
fragte damals seine Landsleute: "Was glauben die denn, wer wir eigentlich
sind?"
Es gibt heute Leute, die sagen, daß eine freie Wirtschaft die Inflation
nicht in den Griff bekommen könne und daß wir die Fähigkeit verloren hätten,
als Nation zu handeln statt als Kollektiv besonderer Interessen. Und ich
erwidere darauf: "Was glauben die denn, wer wir eigentlich sind?"
Ich glaube, daß unser Volk, unser wirtschaftliches System und unsere
Regierung dieser Aufgabe gewachsen sind.
spiel mir recht geben. ,

+ + + + +

- 15 -

Ich hoffe, daß Sie durch Ihr Bei-

�1

1
I

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^

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. November 1978

26

CARTER ERNENNT ALFRED E. KAHN ZUM LEITER DES ANTI-INFLATIONSPROGRAMMS

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 24. Oktober 1978 den
bisherigen Chef des Bundesamtes für Zivilluftfahrt, Alfred E. Kahn, zum Leiter
seines Anti-Inflationsprogramms ernannt.
Kahn, ein prominenter amerikanischer Wirtschaftler und ehemaliger Direktor
der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Cornell-Universität. wird
sein neues Amt als Leiter des Rates für Lohn- und Preisstabilität unverzüglich
übernehmen. Er löst Botschafter Robert Strauss ab, der sein Amt als Sonderbeauftragter des amerikanischen Präsidenten für Handelsverhandlungen weiterhin
beibehält.
Stellvertretender Direktor des Rates bleibt Barry Bosworth.
Präsident Carter bezeichnete Kahn bei der Bekanntgabe seiner Ernennung
als "meinen neuen Partner bei der Kontrolle der Inflation in diesem Lande" und
sagte, daß sie zusammen darauf hinarbeiten würden, daß die Reaktion Amerikas
auf die Inflation "wirksam" und "flexibel" ist.
Kahn

Postfach 2 0 0 3 0 0
D 5 3 0 0 Bonn 2

Tel: 0 2 2 2 1 - 8 9 32 4 0
Telex:08-85432

�Kahn erklärte vor der Presse, daß er sein neues Amt übernehme, weil er
davon überzeugt sei, daß die vom Präsidenten in seinem Plan aufgestellten
Lohn- und Preis-Leitlinien im Verein mit einer straffen Zügelung der Bundesausgaben und einer Durchforstung der inflationsfördernden Bestimmungen der
Bundesdienststellen "der einzig richtige Weg ist, der unbedingt zum Erfolg
führen muß."

+ + + + +

�1

1=0 £ m

2 31

Information
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

2. November 1978

26

SEIGNIOUS UND EARLE NACHFOLGER VON WARNKE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat den Generalleutnant
d.R. George M. Seignious zum Nachfolger von Paul Warnke als Direktor des
Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) und den Stellvertretenden
Leiter der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen über die Begrenzung der strategischen Rüstungen (SALT) Ralph Earle II zum Nachfolger
Warnkes als Delegationsleiter nominiert.
Das Weiße Haus gab die Nominierung von Seignious, der bisher der
SALT-Delegation als Sonderberater angehört hatte, am 20. Oktober 1978
bekannt.
General Seignious wurde am 21. Juni 1921 in Orangeburg in South
Carolina geboren und absolvierte 1942 die Citadel-Kriegsschule als Leutnant.
Er war mit der 10. Panzerdivision in Europa im Einsatz und war zuletzt als
Stabsoffizier tätig. Er hatte verschiedene wichtige Posten im amerikanischen
Verteidigungsministerium inne und war Militärberater von Gouverneur Harriman
und Botschafter Vance bei den Vietnamverhandlungen in Paris.
Von 1971

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Von 1971 bis 1972 war Seignioüs Stellvertretender Unterstaatssekretär
für Sicherheitshilfe und Direktor des Amtes für Sicherheitshilfe im Verteidigungsministerium und anschließend bis 1974 Leiter des Gemeinsamen
Stabes der Stabschefs der US-Streitkräfte.

Im Jahre 1974 trat er in den

Ruhestand.
Ralph Earle II, dessen Ernennung am 26. Oktober 1978 bekanntgegeben
wurde, war seit Mai 1977 der Vertreter Warnkes bei den SALT-Verhandlungen
gewesen.
Earle wurde am 26. September 1928 in Bryn Mawr in Pennsylvania geboren
und studierte bis 1955 Jura an der Harvard-Universität. Von 1950-52 diente
er in der amerikanischen Armee und praktizierte vom 1956 bis zu seinem Eintritt in den Regierungsdienst im Jahre 1968 als Anwalt in Philadelphia.
Er gilt als Fachmann für Fragen der internationalen Sicherheit.
Beide Ernennungen bedürfen noch der Bestätigung durch den amerikanischen
Senat, der im Januar nächsten Jahres wieder zusammentritt.

�2. November 1978

26

STRENGERE SICHERHEITSAUFLAGEN FÜR DIE SCHIFFAHRT
Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und Tankerunfä'lle -

WASHINGTON - (AD) - Mit der Unterzeichnung durch Präsident Carter hat
eine vom amerikanischen Kongreß gebilligte Vorlage Gesetzeskraft erlangt, die
die Ölverschmutzung auf See und in Hafengebieten eindämmen und Tankerunfälle
im Bereich der Küstengewässer der Vereinigten Staaten weitgehend unterbinden
soll. Das "Gesetz von 1978 über Häfen- und Tankersicherheit" enthält wesentlich striktere Auflagen als frühere Bestimmungen und erweitert den Kompetenzbereich der US-Küstenwacht. Wie John M. Murphy, der Vorsitzende des Repräsentantenhaus-Ausschusses für die Handelsmarine und das Fischereiwesen, erklärte,
sollen dadurch amerikanische Häfen und Wasserwege geschützt werden. Gleichzeitig soll es Erfordernisse für das von den USA und internationalen Gremien
angestrebte Ziel erfüllen, die hohe See und Küstengebiete vor Umweltschäden
zu bewahren, die gestrandete und auseinanderbrechende öltanker verursachen.
Mehrere schwere Tankerunfälle hatten den amerikanischen Kongreß veranlaßt, die Gesetzesvorlage zügig zu behandeln.

Dazu zählen vor allem der Fall

des liberianischen Tankers "Argo Merchant", der im Jahr 1976 vor der Küste von
Massachusetts auf Grund lief, auseinanderbrach und das Meer mit 30 000 Tonnen
öl verseuchte, ferner die Katastrophe für die Küsten der Bretagne nach dem
Stranden der "Amoco Cadiz" und die Explosion auf der "Sansinena" bei Long

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�Long Beach (Kalifornien).

Auch zeigte sich der Gesetzgeber besorgt über mög-

liche Auswirkungen des Tankerverkehrs in amerikanischen Häfen angesichts der
steigenden Nachfrage nach ausländischem öl. Gegenwärtig laufen pro Tag etwa
35 Tanker mit insgesamt über 1 Million Tonnen Rohöl Häfen der USA an.
Das neue Gesetz schreibt eine strengere Kontrolle des Schiffsverkehrs
vor und verlangt, daß die Tanker zur Verhinderung von Kollisionen und anderen
Unfällen mit elektronischen Hilfsmitteln für die Steuerung ausgerüstet werden.
Das routinemäßige Ablassen von öl bei Reinigungsarbeiten an Tanks soll eingeschränkt werden.

Etwa 85 Prozent der öl Verseuchung der Meere sind auf öl-

haltiges Spillwasser zurückzuführen.

Alles in allem enthält das Gesetz über

Häfen- und Tankersicherheit ähnliche Bestimmungen wie das Londoner Protokoll
von 1978 für die Internationale Konvention gegen die Meeresverschmutzung.

Die

Zwischenstaatliche Beratende Kommission für die Seeschiffahrt (IMCO) mit ihren
62 Mitgliedstaaten, von der das Londoner Protokoll ausgearbeitet wurde, konzentriert sich ebenfalls darauf, schwere Unfälle auf See mit den daraus erwachsenden massiven Schäden für "unseren künftigen Brotkorb, die Meere", wie
es John Murphy formulierte, zu verringern.
Die Vereinigten Staaten werden sich auf solchen internationalen Konferenzen auch künftig für strenge Vorschriften einsetzen. Umgekehrt wurden
zahlreiche Richtwerte, die die IMCO im Februar und Juli 1978 für Tankersicherheit und Ausrüstungen annahm, in das amerikanische Gesetz übernommen. Während jedoch die IMCO-Vorschriften nur für Tanker von 40 000 und mehr Nettoregistertonnen gelten, besagt das amerikanische Gesetz, daß von 1986 an auch
alle 15 Jahre alten Schiffe mit einer Frachtkapazität von 20 000 bis 40 000
Tonnen einzubeziehen seien. Außerdem bietet das Gesetz die Grundlage für
andere wichtige Sicherheitsvorschriften:
(1) Die Kompetenzen der amerikanischen Küstenwacht werden erweitert,
um auch außerhalb der US-Hoheitsgewässer Dienstleistungen für den
Schiffsverkehr zu erbringen.
(2) Der

- 2 -

�(2) Der Verkehrsminister kann die Weiterfahrt von Schiffen unterbinden,
wenn durch sie Gesetze oder Vorschriften verletzt werden.
(3) Es werden Mindestnormen für Schiffe und die Qualifikation ihrer Besatzungen festgesetzt.
(4) Für das Anlaufen amerikanischer Häfen und für von dort auslaufende
Schiffe werden sichere Routen festgelegt.
(5) Das nationale Inspektionsprogramm wird erweitert, um die Einhaltung
der Vorschriften zu gewährleisten und entsprechende Kontroll Zertifikate auszustellen.
(6) Es wird ein Informations-Datensystem über die Sicherheit der Schifffahrt in amerikanischen Gewässern geschaffen.
(7)

Die Vorschriften müssen mit Bundes-, Staats- und Kommunalbehörden
abgesprochen werden.

+ + + + +

- 3 -

�UUi//cn/choft

I 3

und Technik

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2. November 1978

26

NEUARTIGER WINDGENERATOR

- (AD) - Einen neuen Windgenerator-Typ für die Umwandlung von Windkraft
in elektrische oder mechanische Energie will die McDonnell Douglas Corporation
in St. Louis, Missouri, bauen. Mit einem Zuschuß von 1,5 Millionen Dollar des
amerikanischen Energieministeriums konstruieren Ingenieure des Unternehmens
einen sogenannten Girogenerator (abgekürzt von "cyclogiro windmill"), der eine
elektrische Leistung von 40 Kilowatt haben wird. Das würde ausreichen, um 16
Wohnhäuser mit Strom zu versorgen.
Im Gegensatz zu den bisher üblichen Windgeneratoren sind die Blätter senkrecht angeordnet und routieren an einem Flügelgestell um eine vertikale zentrale
Achse. Bei dieser Anordnung können, ohne daß größere Veränderungen vorgenommen
werden müssen, Winde aus jeder Richtung genutzt werden. Nach Ansicht der Konstrukteure ist der Girogenerator mit geringeren Mitteln zu erstellen als ein
herkömmlicher Windgenerator entsprechender Leistung. Er kann auch gegen Beschädigungen durch Sturm besser geschützt werden, weil man in einem solchen
Fall die Blätter so lockert, daß sie dem Wind nachgeben können und die Belastung
auf ein Minimum verringert wird.

Der

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�Der Prototyp des Girogenerators ist 27 m hoch.

Er besteht aus einem 18 m

hohen Stahlgerüst, auf dem das 9 m hohe dreiflügelige Gestell mit den vertikalen
Rotoblättern an einer zentralen Achse montiert ist, sowie aus einem Elektrogenerator.

Versuchsanordnungen wurden bereits im Freien und im Windkanal getestet.

Ende 1979 soll die Prototyp-Anlage auf der Teststation für kleine Konversionssysteme für Windenergie, die das amerikanische Energieministerium in Rocky Fiats
(Colorado) unterhält, in Betrieb gehen.

Der Regierungszuschuß für das Projekt

wurde im Rahmen des Programms für Anwendungen in Farmbetrieben und ländlichen
Gebieten gewährt.

Dieses Programm soll neue technische Entwicklungen, insbe-

sondere die Schaffung zuverlässiger und rentabler Windenergie-Systeme für einen
weiten Anwendungsbereich fördern.

Eine Anwendungsmöglichkeit wäre z.B. künst-

liche Bewässerung mit Wasser aus tiefen Brunnen.

Im Gebiet der Großen Ebenen

setzen die Farmer in vielen Fällen künstliche Bewässerung ein.
der Pumpen sind sie meist auf Erdgas angewiesen.

Für den Betrieb

Der Girogenerator könnte mit

seinen 40 kW Leistung außerdem kleine, abgelegene Siedlungen in Gebirgsgegenden,
auf Inseln oder in Küstenregionen, wo immer Wind weht, mit Strom versorgen.

+ + + + +

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�3!

I 3

w.

UJiz/cn/choft
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26

2. November 1978

ENERGIESPEICHERN MIT KOHLENDIOXID

- (AD) - Das Speichern von Energie kann zu einem wichtigen Faktor für die
Lösung der Energiekrise werden. Es gibt bereits eine Reihe von Vorschlägen,
auch für den Einsatz von chemischen Substanzen für diesen Zweck. Drei amerikanische Forscher vom Laboratorium der RCA (Radio Corporation of America) in
Princeton (New Jersey) verwiesen kürzlich auf die Möglichkeit der Anwendung
einfacher physiko-chemischer Reaktionen für die Speicherung elektrischer Energie, die von Solarzellen oder Windgeneratoren erzeugt wird.
Richard Williams, Richard Crandall und Allen Bloom schlagen vor, Überschußstrom, der während sehr sonniger Perioden oder bei anhaltendem Wind erzeugt und zunächst nicht gebraucht wird, an Elektroden in einem Wasserbad
weiterzuleiten.

In das Wasser, das sich unter der Stromeinwirkung in Wasser-

stoff und Sauerstoff zersetzt, wird Kohlendioxid (C0 2 ) eingeblasen.

Der frei-

werdende Wasserstoff verbindet sich mit C0 2 -Gas zu Ameisensäure.
Diese ist nicht nur ein wichtiger Rohstoff und vielseitig verwendbar,
sondern sie kann auch in Tanks gelagert oder in Pipelines ähnlich wie die Erdölprodukte transportiert werden. Ameisensäure könnte nach Meinung der drei
Wissenschaftler z.B. Benzin für den Betrieb von Verbrennungskraftmaschinen er-

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Telex:08-85432

�ersetzen.

Man könnte sie außerdem nach Bedarf in Brennstoffzellen für die

Erzeugung von elektrischem Strom benutzen.

Langfristig gesehen böte diese

Konzeption eine Möglichkeit zur Verwertung des CCL in der industriellen Abluft, das gegenwärtig zum größten Teil in die Atmosphäre entweicht und die Erdatmosphäre immer stärker mit Kohlendioxid anreichert.

Dies aber hat unerwünsch-

te, in ihrem Umfang noch gar nicht überschaubare Auswirkungen auf die Tempera-»
turen und das Klima an der Erdoberfläche.

+ + + + +

�1
I

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2. November 1978

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BLUTTEST AUF KREBS IM FRÜHSTADIUM

- (AD) - Forscher am Wissenschaftlichen Laboratorium von Los Alamos
(LASL) in Neu Mexiko, das der Universität von Kalifornien angeschlossen ist,
haben neuartige Bluttests zur Krebsfrüherkennung entwickelt.

Sie basieren auf

der Beobachtung, daß bei Krebs das natürliche Abwehrsystem des Körpers mit
dem Einsatz von T(Thymus)-Lymphozyten versagt bzw. nicht ausreichend funktionsfähig ist.

Normalerweise steuern diese Zellen die Abwehr von Infektionen

verschiedener Ursachen und vernichten körperfremde Gewebe

sowie Krebszellen.

Die Thymusdrüse, bei deren Passage gewöhnliche Lymphzellen mit dieser Eigenschaft ausgestattet werden, zählt zu den primären Immunitätsorganen des Körpers.
Dr. Richard Gross (LASL) hatte während seiner schon Jahre zurückliegenden
Tätigkeit im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Ostafrika entdeckt,
daß ein direkter Zusammenhang zwischen der T-Lymphozyten-Aktivität und dem
Krankheitsverlauf bei Kindern und Jugendlichen besteht, die von einer bestimmten Form von Lymphsarkom, dem sog. Burkitt-Tumor, befallen waren.

(Diese

Krebserkrankung tritt dort relativ häufig auf und gab schon vor Jahren zu der
Vermutung Anlaß, daß auch Viren als Krebsursache in Frage kommen könnten.)
"In jedem Fall waren", so Gross, "mit fortschreitender Krankheit die T-Lymphozyten unterdrückt, d.h. inaktiv, nahmen aber ihre Funktion wieder auf, wenn

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�wenn der Tumor behandelt wurde und sich zurückbildete."

Den Nachweis führte

er mit dem von dem Südafrikaner Dr. Peter Brain entwickelten Rosetten-Inhibitionstest, der zuverlässig Veränderungen in der Aktivität der malignen Prozesse anzeigte.
Am Massachusetts General Hospital in Boston, wo Gross nach der Rückkehr
aus Afrika arbeitete, benutzte er dieses inzwischen verfeinerte Verfahren, um
maligne Prozesse bei Patienten mit großer Treffsicherheit vorherzusagen, bei
denen Röntgenaufnahmen vom Brustkorb gewisse Anomalien aufwiesen.

Zusammen

mit dem Tiermediziner Dr. David Smith (LASL) entwickelte Robert Gross ein Modell zur Erfassung von Immunfunktionen bei Tieren.

Die Wissenschaftler konn-

ten dieses Verfahren inzwischen so weit vervollkommnen, daß damit zuverlässige
Aussagen über das Vorliegen maligner Prozesse im tierischen und menschlichen
Organismus möglich geworden sind.
Die Empfindlichkeit der Methode zeigte sich bei einer Studie, die Gross
und Smith gemeinsam mit Dr. Geno Saccamanno vom St. Mary-Krankenhaus in Grand
Junction (Colorado) durchführten. Dr. Saccamanno, der schon seit 30 Jahren
Bergarbeiter der Uranminen von Colorado betreut, leistete Pionierarbeit in
der Beobachtung und Interpretation von Zell Veränderungen als Indikator für
Krebserkrankungen. Er entwickelte den heute allgemein üblichen Sputum-Test
als Diagnosehilfe für Lungenkrebs.
Wie Dr. Smith in diesem Zusammenhang erklärte, sind dabei aufgedeckte
Zell Veränderungen nicht automatisch gleichbedeutend damit, daß es bei dem Patienten zur Entwicklung von Krebs kommt. Deshalb sei es so wichtig, herauszufinden, weshalb die einen an Lungenkrebs erkranken, die anderen jedoch immun
bleiben. Der LASL-Bluttest wird gegenwärtig am St. MaryKrankenhaus von Grand
Junction erprobt, um eine mögliche Krebsgefährdung von Uran-Bergarbeitern so
früh wie nur irgend möglich zu entdecken. Die bisher erzielten Ergebnisse haben großes Interesse bei der Industrie in verschiedenen anderen westlichen
Bundesstaaten der USA gefunden, wo der Bergbau ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor ist und berufsbedingte Lungenerkrankungen häufiger sind als bei der ameri- 2 -

�amerikanischen Bevölkerung im allgemeinen.
Die Wissenschaftler von LASL sind überzeugt, daß die immunologischen Reaktionstests geeignet sind, Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko ausfindig
zu machen, noch ehe andere Symptome überhaupt in Erscheinung treten.

Mit um-

fassenden klinischen Untersuchungen, bei denen Umweltfaktoren, Gewohnheiten,
familiär bedingte Anfälligkeit und bereits durchgemachte Erkrankungen unter die
Lupe genommen werden, müßte es dann möglich sein, dem Krebs auf die Spur zu
kommen und ihn zu lokalisieren.

So könnte beispielsweise auch die Entwicklung

von Krebs im Magen-Darm-Trakt sowie Brustkrebs frühzeitig genug erfaßt werden,
um erfolgreich dagegen anzugehen.
Dr. Gross und Mitarbeiter glauben, daß der Test schon in wenigen Jahren
Teil routinemäßig vorgenommener immunologischer Untersuchungen sein wird, die
vor allem der Krebsfrüherkennung und der Überwachung von Patienten gelten,
die gegen Krebs behandelt werden oder bei denen die Behandlung schon mit Erfolg
abgeschlossen werden konnte. Eine wichtige Frage stehe allerdings noch offen
- die Frage nämlich, wann die Änderung der Immunitätslage eintritt. Man weiß
noch nicht, ob Zell Veränderungen, die zur Krebsentwicklung führen, für die
Unterdrückung der T-Lymphozyten-Aktivität verantwortlich sind, oder ob primär
die T-Zellen-Aktivität aus irgend einem Grunde zusammenbricht und dem Krebs
freie Bahn gibt.

+ + + + +

- 3 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Erklärung Carters zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;- Wortlaut -&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Blumenthal und Miller spezifizieren Maßnahmen zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der gemeinsamen Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseverlautbarung des Zentralbankrates zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter legt Programm zur Bekämpfung der Inflation vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Fernsehansprache vom 24. Oktober 1978 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter ernennt Alfred E. Kahn zum Leiter des Anti-Inflationsprogramms Seignious und Earle Nachfolger von Warnke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Strengere Sicherheitsauflagen für die Schiffahrt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neues Gesetz gegen Ölverschmutzung und &amp;nbsp;Tankerunfälle -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neuartiger Windgenerator&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Energiespeichern mit Kohlendioxid&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bluttest auf Krebs im Frühstadium&amp;nbsp;</text>
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I

Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

INHALT

HINTERGRUNDMATERIAL
Die politischen Kräfte der Mitte auf dem Vormarsch
Nachlese zu den amerikanischen Wahlen
- von Andrew J. Glass Grundzüge des neuen US-Energiegesetzes
Was für SALT II spricht
- von Senator Edward M. Kennedy US-Stiftung für Internationale Technologische Zusammenarbeit
Partner für Entwicklungsländer
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Pockenbekämpfung - erfolgreichstes UN-Programm
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt
Hämoglobine mit unterschiedlicher Sauerstoffbindung
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�15. November 1978

27

DIE POLITISCHEN KRÄFTE DER MITTE AUF DEM VORMARSCH
NACHLESE ZU DEN AMERIKANISCHEN WAHLEN
- Von Andrew J. Glass -

- (AD) - Sicherlich haben die sogenannten Zwischenwahlen in den
Vereinigten Staaten - bei denen das ganze Repräsentantenhaus, ein Drittel
des Senats und 36 Gouverneure gewählt und über etwa 200 Volksbegehren
(in den Einzelstaaten) abgestimmt wurde - keinen Erdrutsch und keine
sensationellen Ergebnisse gebracht. Trotzdem sind diese Wahlen einer
rückblickenden Betrachtung wert.
Die politischen Kräfte der Mitte konnten ihre Position nicht nur
halten, sondern sogar ausbauen.

Eine Meinungsumfrage des Harris-Instituts

vor zehn Jahren ergab, daß sich 43 Prozent der amerikanischen Wähler
als konservativ, 36 Prozent als politisch in der Mitte und 21 Prozent als
liberal ansahen.
In diesem Jahr zeigte sich, daß ein Abbröckeln auf beiden Seiten
des politischen Spektrums stattgefunden hat. Heute bezeichnen sich

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn2
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�V

sich 38 Prozent als konservativ und 20 Prozent als liberal, während die
Mitte mit 42 Prozent eine solide Mehrheit darstellt.
Wenn man das auf die neugewählten Senatoren anwendet, dann ist eine
ähnliche Struktur festzustellen:

40 Prozent der Neuen können als konservativ,

46 Prozent als gemäßigt (Mitte) und 14 Prozent als liberal betrachtet
werden.
Die Mitte steht also.

Die Wahlergebnisse lassen erkennen, daß die

amerikanischen Wähler zwar neue Gesichter sehen wollen, daß sie aber
ihre politische Überzeugung kaum ändern.
•

•

•

Neue Gesichter hat es reichlich gegeben.

Von den insgesamt 71

Gouverneursposten und Senatssitzen, die zur Disposition standen, wurden
56 Prozent durch Neulinge besetzt.

Und die 77 Neulinge im Repräsentanten-

haus stellen - abgesehen von der Wahl nach Watergate im Jahre 1974 - die
größte Gruppe dieser Art in diesem Jahrzehnt dar.
Die Wahlbeteiligung wurde mit rund 58 Millionen Wählern, d.h.
37 Prozent der Wahlberechtigten, ermittelt, was gegenüber der Zwischenwahl (bei der das Amt des Präsidenten nicht zur Disposition steht) von
1974 einen Rückgang um zwei Prozent bedeutet.

Die endgültige Zahl der

Wahl beteil igten wird erst in einigen Monaten feststehen, aber man kann
sagen, daß die Wahlbeteiligung in den Vereinigten Staaten weit niedriger
liegt als in den meisten anderen demokratischen Industriestaaten der
Welt.
•

Am 7. November 1978 ist es weder den Demokraten noch den Republikanern
gelungen, die großen Chancen der Zeit zu nutzen.

Die demokratischen

Kandidaten für das Repräsentantenhaus erhielten 56 Prozent der abgegebenen
Stimmen, also ein bis zwei Prozent weniger als 1976 und drei Prozent
weniger als 1974 - als Watergate den Republikanern große Verluste brachte.
In vielen

�In vielen Einzelstaaten schienen sich die demokratischen Kandidaten
mehr oder weniger mit Fernsehwerbung zufriedenzugeben

und taten nicht

genug, um ihre eingefleischten Wähler an die Urne zu bringen.

Sonst

hätten sie sicher bessere Resultate erzielen können.
Aus Umfragen geht hervor, daß sich 61 Prozent der in Städten lebenden
erwachsenen Amerikaner als Anhänger der Demokratischen Partei betrachten,
und 85 Prozent der Schwarzen, 72 Prozent der Juden, 69 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder und 62 Prozent der Jugendlichen halten es mit der
Sache der Demokraten.
Auf der anderen Seite hätten bei der niedrigen Wahlbeteiligung der
Demokraten die Republikaner eigentlich eine Chance haben müssen, ein
beachtliches Comeback zu feiern. Aber diese Chance blieb aus.
Im Repräsentantenhaus, wo 218 Sitze von insgesamt 435 für die Mehrheit
erforderlich sind, konnten die Demokraten 277 Sitze gewinnen, während
die Republikaner mit 157 oder 158 vorliebnehmen mußten. Die Demokraten
konnten ihre Verluste - mit 13 oder 14 Sitzen - in Grenzen halten. Die
Republikaner konnten allerdings 3 Sitze im Senat und 6 Gouverneursposten
dazugewinnen - mehr als man eigentlich erwartet hatte.
In der Ausschau nach positiven Trends bei den diesjährigen Zwischenwahlen, die man fairerweise wohl als eine - wenn auch schwache - Hinwendung
zu den Republikanern bezeichnen kann, stellen die Führer der Demokraten
die Tatsache heraus, daß ein Gewinn von dreizehn Sitzen im Repräsentantenhaus ein weitaus kleinerer Erfolg ist als der durchschnittliche Gewinnzuwachs von 35 Sitzen, die die nicht an der Macht befindliche Partei in
in den Zwischenwahlen seit 1930 zu verzeichnen pflegte. Dagegen führen
die Republikaner an, daß der Zugewinn an Sitzen nach der ersten Hälfte
der Amtszeit eines neuen Präsidenten gewöhnlich unter zehn gelegen hat.
Aber wenn

�Aber wenn die Republikaner bei dieser Wahl auch unter den für Zwischenwahlen üblichen Gewinnen blieben, so könnte sich das Kräfteverhältnis im
Senat doch gerade so weit nach rechts verschoben haben, daß dadurch die
Chancen für einen Nuklearpakt mit den Russen im kommenden Jahr gefährdet
werden.
In einer ersten privaten Analyse der Wahlergebnisse wird in Washingtoner
Kreisen denn auch die Auffassung vertreten, daß der nahezu fertig ausgearbeitete Vertrag über strategische Rüstungsbegrenzung (SALT II) in Gefahr
geraten könnte, weil einige dem Vertrag freundlich gesonnene demokratische
Liberale durch einen wenn auch leichten Gewinnzuwachs der Republikaner
- vor allem im Herzland der Nation, dem Mittelwesten - ausgeschaltet wurden.
Auch wenn im Senat eine knappe Mehrheit für SALT besteht, so müssen doch
gemäß der amerikanischen Verfassung zwei Drittel des Gremiums - das heißt
67 Senatoren - für den Vertrag stimmen, wenn er ratifiziert werden soll.
Sechs der sieben Senatoren, die es nicht geschafft haben, galten
als Liberale, was ein schlechtes Omen für SALT sein dürfte. Und in
drei Bundesstaaten - Colorado, Iowa und New Hampshire - sind die Republikaner, die ihre liberalen demokratischen Opponenten schlugen, als
eingefleischte Konservative und SALT-Gegner bekannt.
Auf die Frage, wie er die Niederlage dieser drei Demokraten erkläre,
sagte der Parteivorsitzende der Demokraten, John White, die Wähler seien
eigentlich nicht so sehr gegen den Liberalismus dieser Senatoren, aber
sie wollten ihre Staaten wieder in das "traditionelle Schema" nach dem
Umschwung der Wahlen von 1972 zurückbringen.
Was SALT anbetrifft, so sagte White, "der Vertrag wird in Ordnung
sein, wenn er als militärisch vorteilhaft für die Vereinigten Staaten
präsentiert wird. Wenn er aber so dargestellt wird, daß er nur ein
"Gleichgewicht" (mit der Sowjetunion) verschafft, dann wird er in
Gefahr geraten."
Trotz
- 4 -

�Trotz der potentiellen Bedeutung der Wahlen für den SALT-Vertrag
waren viele Analytiker doch vor allem bestrebt, auszuloten, was die
Ergebnisse für das Jahr 1980 und die neue Präsidentschaftswahl besagen
könnten.

Es ist ein Axiom der amerikanischen Politik, daß der eigentliche

Aufbau der Partei in den fünfzig Hauptstädten der Bundesstaaten nicht aber
in Washington - der eigentlichen Hauptstadt - erfolgt.

Und gerade hier

haben die Republikaner vielleicht ihre besten Erfolge in diesem Jahr zu
verzeichnen gehabt und damit die Basis für einen möglichen großen neuen
Aufschwung in den kommenden Jahren geschaffen.
Die neue Liste der Gouverneure verzeichnet 32 Demokraten und 18 Republikaner - ein glatter Gewinn von sechs Posten für die Republikaner.
Es war das erstemal seit 1968, daß die Partei in der Minderheit ihre
Position bei den Gouverneurswahlen verbessern konnte. Und was noch
wichtiger ist, die entscheidenden Staaten, in denen die Republikaner
gewannen oder ihre Position hielten, erstrecken sich in einem weiten
Bogen über die amerikanischen
Industrie- und Farmgebiete: Pennsylvania,
Ohio, Indiana, Illinois, Iowa und Minnesota.
Auch im Süden, der seit vielen Jahren die Bastion einer Partei der Demokraten - gewesen war, konnten die Republikaner einen Wiederaufschwung verzeichnen.

Zum erstenmal

seit der Aera des Wiederaufbaus

nach dem amerikanischen Bürgerkrieg vor einem Jahrhundert gewannen die
Republikaner den Gouverneurssitz in Texas und einen Senatssitz in
Mississippi.
Im Heimatstaat von Präsident Carter, in Georgia, gewannen die Republikaner einen heißumstrittenen Repräsentantenhaussitz und konnten sich
trotz der Bemühungen Carters und seines persönlichen Einsatzes in Südund Nordkarolina behaupten.
In den Parlamenten der Einzelstaaten - den "Brutstätten" der nationalen
Politik - konnten die Republikaner Gewinne erzielen.

- 5 -

Während sie bisher

�bisher in fünf Bundesstaaten beide Häuser kontrollierten, haben sie jetzt
mindestens 13 erobert.

Das ist sehr wichtig, wenn man bedenkt, daß die

Aussichten für die Republikaner nach der Neufestlegung der Wahlkreise, die
nach der Volkszählung von 1980 notwendig werden wird, nicht allzu günstig
waren.

Da sie befürchten mußten, daß die "Brutstätte" austrockenen könnte,

haben sie über 12 Millionen Dollar in den einzelstaatlichen Wahlkampf gepumpt, und es hat sich nach ihrer Meinung gelohnt.
Da die Wahlergebnisse keine dramatischen Folgerungen in der einen
oder anderen Richtung zulassen, haben die nationalen Politiker aller
Couleur Anlaß zur Freude gefunden.

Während man im Weißen Haus erklärte,

die Wahlresultate spiegelten in etwa eine Stimmung im Lande wider, die
"den Vorstellungen des Präsidenten nahe kommt", bezeichnete der Vorsitzende
der Republikanischen Partei, Bill Brock, den 7. November als einen "großen
Tag" für seine Partei, der nach den Rückschlägen von 1974 und 1976 einen
Aufwärtstrend erkannen lasse.
Interessanterweise wollten weder die Führer de Demokraten noch die
der Republikaner die Wahlergebnisse als Ausdruck der Volksmeinung über
Präsident Carters Politik oder dessen Popularität gesehen wissen. Zu
dem Zeitpunkt, da die Amerikaner zur Wahlurne gerufen wurden, hielten
Sichnach Umfragen jene, die ihn für einen ausgezeichneten Präsidenten
halten, und jene, die meinen, er zeige nur mäßige oder gar schlechte
Leistungen, in etwa die Wage. Die Wahlergebnisse deuten nicht darauf
hin, daß die Amerikaner durch die Wahl ihrer Kandidaten den Präsidenten
besonders loben oder strafen wollten.
Es bleibt jedoch abzuwarten, wie Präsident Carter mit dem neuen
96. Kongress auskommen wird, der im Januar 1979 zusammentritt.

Was man

im Augenblick hört, ist, daß die Berater des Präsidenten von einem
eher bescheidenen gesetzgeberischen Programm sprechen, verglichen mit
dem, was Carter in den beiden ersten Jahren seiner Amtszeit durchzusetzen

- 6 -

�durchzusetzen versuchte. Das Hauptaugenmerk wird auf die Bekämpfung der
Inflation und die Stärkung der Wirtschaft gerichtet sein.
Jack Carlson, der marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaftsberater
der Amerikanischen Handelskammer, rechnet damit, daß der neue Kongress
bezüglich der Wachstumsprogramme und der Ausgabenprogramme des Bundes
zurückhaltender sein wird. Im Senat zeichne sich eine Stärkung des
Flügels ab, der marktwirtschaftliche Lösungen gegenüber Regierungslösungen
vorziehe.
Ein führender Vertreter des liberal orientierten Nationalkomitees
für einen leistungsfähigen Kongress, Russell Hemenway, bezeichnete das
Wahlergebnis im Senat zwar als eine "Katastrophe", wies aber darauf hin,
daß 31 der 40 Abgeordneten, die sein Komitee unterstützten, ihren Sitz
im Repräsentantenhaus halten konnten.
Soweit die Wahlen von 1978 als ein Test für die Überlebensfähigkeit
der Republikanischen Partei als potente Kraft im politischen Leben
Amerikas betrachtet wurden, haben die Republikaner diese Probe bestanden.
Aber aus dem Wahlergebnis läßt sich auch nicht herauslesen, daß die Wähler
gewillt seien, die Demokraten aus ihrer derzeitigen Vormachtstellung in
den einzelstaatlichen Parlamenten, im Kongress, ja auch im Präsidentenamt
zu verdrängen.
Die amerikanische Wählerschaft hat sich einmal mehr als nach der
Mitte ausgerichtet, unabhängig, selektiv und - leider - auch apathisch
erwiesen.

+ + + + +

- 7 -

�27

15. November 1978

GRUNDZOGE DES NEUEN US-ENERGIEGESETZES

- (AD) - Nach 18 Monaten erbitterten Ringens verabschiedete der amerikanische Kongreß ein Energie-Gesetz, das nach Ansicht von Regierungsvertretern
das von Präsident Carter auf der Gipfelkonferenz in Bonn gegebene Versprechen
wahrmachen kann, bis 1985 täglich ca. 340 000 Tonnen Importöl einzusparen.
Obgleich der Kongreß an der von Präsident Carter unterbreiteten Vorlage einige einschneidende Änderungen vornahm, ist der Präsident überzeugt, daß das
Gesetz in seiner endgültigen Fassung "unsere nationale Sicherheit fördern, unsere außenpolitische Handlungsfreiheit sichern und unsere wirtschaftlichen
Interessen im In- und Ausland schützen wird".
Die meisten Abstriche machte der Kongreß an der vorgeschlagenen Steuer
auf amerikanisches Rohöl, die den Preis auf Weltpreisniveau hätte anheben und
zu massiven Einsparungen führen sollen.

Präsident Carter hatte beabsichtigt,

damit bis zum Jahr 1985 täglich bis zu 630 000 Tonnen ül zu sparen.

Aber auch

ohne diese Maßnahme, so erklären Regierungsvertreter, erlaube das neue Gesetzeswerk beträchtliche Energieeinsparungen.

Die wichtigsten Abschnitte betreffen:
Erdgas

�Erdgas
Kernstück des Planes ist nach der Streichung der Rohölsteuer durch den
Senat die Preisgestaltung für Erdgas. Ursprünglich wollte Präsident Carter
hier die Preiskontrollen beibehalten.
hebung und der Preisfreigabe.

Der Senat bestand jedoch auf deren Auf-

Der Kongreß stimmte schließlich dem Kompromiß

zu, in den nächsten Jahren die Preiskontrollen allmählich abzubauen und sie
bis 1985 gänzlich aufzuheben.

Es handelt sich um ein kompliziertes Gesetzes-

werk, das für "altes" und "neues" Gas, für private Haushaltungen und die Industrie sowie weitere Verbrauchergruppen unterschiedliche Preise festsetzt.
Energiesteuern
Nur mit äußerster Zurückhaltung ging der Kongreß im gegenwärtigen Wahljahr an die Abstimmung über ein Steuerpaket heran, mit dem der Präsident den
Energieverbrauch verringern wollte.

Eine feste Steuer auf den Verbrauch von

öl und Gas in der Industrie lehnte er ebenso ab wie eine Erhöhung der Benzinsteuer, und der Vorschlag der Regierung, Kraftfahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch mit einer Steuer zu belegen, wurde erheblich abgeschwächt.

Ab 1979

sollten auf Autos mit geringer Kilometerleistung bzw. hohem Kraftstoffverbrauch
200 Dollar an Steuer erhoben werden, welche bis 1985 auf 385Ö Dollar angestiegen wäre.
Dagegen wurden Steuererleichterungen für sparwillige Bürger wohlwollend
behandelt. Hausbesitzer können jetzt einen Kredit - im Endeffekt einen Steuernachlaß - für die Installierung von Vorrichtungen zur Wärmeisolierung oder Solaranlagen bekommen. Ähnliche Vergünstigungen gibt es auch für Geschäftsleute,
wenn sie Energie-Sparvorrichtungen einbauen lassen oder anstatt öl andere Formen von Primärenergie benutzen.
Gebührenreform bei den Versorgungsbetrieben
Der Kongreß stimmte den Vorschlägen Präsident Carters zu, den Gebührenkatalog der öffentlichen Versorgungsbetriebe zu ändern, um einen Anreiz für
- 2 -

�für die Reduzierung des Ölverbrauchs zu schaffen.

Er schwächte jedoch den

ursprünglichen Vorschlag über zwingende Vorschriften ab; übrig blieben "Richtlinien".

Dennoch erwartet man sich von diesen wesentliche

den Ölverbrauch.

Auswirkungen auf

Sie umfassen beispielsweise niedrigere Gebühren für den

Stromverbrauch außerhalb der Spitzenzeiten, Abschaffung der Rabatte für Großverbraucher und Anreize für Elektrizitätsunternehmen, Vereinbarungen über den
Energieverbund zu treffen.
Umstellung auf Kohle

Ursprünglich bildeten derartige Projekte ein Schwerpunktprogramm in dem
dem Kongreß vom Präsidenten unterbreiteten Energiepaket.

In größtmöglichem

Umfang sollte die Industrie Umstellungen von öl auf Kohle vornehmen.
nat nahm jedoch umfangreiche Abstriche vor.

Der Se-

Heute gelten die Auflagen für

Kohleverwendung nur für neue Betriebe, nicht für bereits existierende, und
selbst neuen Anlagen werden Ausnahmeregelungen aus den verschiedensten Gründen
zugebilligt - angefangen von Verschmutzungsproblemen bis zum Mangel an geeigneter Kohle.

Jedoch dürfen von 1990 an Kraftwerke kein Erdgas mehr

verwenden.

Energieeinsparung

Zu diesem Thema gab es die wenigsten Kontroversen.

Das Programm sieht

die Gewährung von Beihilfen für einkommensschwache Familien, Krankenhäuser und
Schulen zum Einbau wärmeisolierender Vorrichtungen vor.

Es fordert außerdem

neue, regierungsamtliche Leistungsnormen für Kühlschränke, Klimaanlagen, Öfen
und andere stromverbrauchende Geräte und Ausrüstungen.

Die im US-Kongreß vertretenen so verschiedenartigen Interessen führten
bei der Behandlung des Energiegesetzes zu den seit Jahren schwersten und mit
großer Erbitterung geführten Auseinandersetzungen.

Sie dauerten buchstäblich

bis zum Ende der Frist für die Amtszeit des 95. Kongresses der Vereinigten
Staaten.

In den Morgenstunden des 15. Oktober 1978 wurde das Gesetzeswerk

schließlich angenommen.

Präsident Carter begrüßte die Entscheidung als "be-

- 3 -

�"bestandene Prüfung für die Fähigkeit der Nation, schwierige Probleme anzupacken und sich um eine Lösung für sie zu bemühen."

Mit praktisch allen

Kommentatoren, Kritikern wie Befürwortern des Energiepakets, stimmte er darin
überein, daß das neue Gesetzeswerk nicht den Abschluß, sondern "einen wichtigen Anfang bildet".
Kurz nach der Rückkehr von Energieminister James Schlesinger aus China
am 9. November unterzeichnete Präsident Carter das Gesetz. Schon einen Tag
später veröffentlichte das Energieministerium seine neuen Durchführungsbestimmungen für das Energiegesetz.

Ca. drei Wochen später, ab 2. Dezember 1978,

dürfte die Erdgasversorgung aus Texas, Oklahoma und Louisiana für die übrigen
Bundesstaaten spürbar besser werden.
Präsident Carter wird jedoch versuchen, mit der Unterbreitung neuer Vorschläge im US-Kongreß im Januar 1979 seine Energie-Politik auf der jetzt geschaffenen Basis mit dem Ziel weiter auszubauen, die Vereinigten Staaten langfristig gegen die Auswirkungen eines möglichen Verlustes ausländischer Versorgungsquellen mehr zu schützen.
Kurzfristig gesehen sind die Aussichten für die Energieversorgung ausgezeichnet, auch wenn der Winterbedarf, wie üblich, das Niveau des maximalen
Angebots nahezu erreichen wird. Nach Ansicht von Energieminister James
Schlesinger bereitet für die nächste Zeit die Ölversorgung "kein Problem".
Erdgas gebe es genügend, und ein Streik im Kohlebergbau wie im vergangenen
Winter werde sich nicht wiederholen.
Der Bedarf der freien Welt an Erdöl ist innerhalb des letzten Jahres um
mehr als vier Prozent bzw. 280 000 Tonnen pro Tag gestiegen. Aber dies ist zum
Teil auf die verstärkte Anlegung von Vorräten in Erwartung einer möglichen Preisanhebung seitens der OPEC-Länder im Januar 1979 zurückzuführen. Danach wird
die Nachfrage wieder zurückgehen - ohne Rücksicht darauf, wie die Entscheidung
der OPEC-Länder ausfallen wird.
Schlesinger

- 4 -

�Schlesinger verweist darauf, daß das jetzt verabschiedete Energiegesetz
der US-Regierung auch endlich die Möglichkeit gebe, Entscheidungen über den
Import von verflüssigtem Erdgas zu treffen.

Sie sei z.B. bereit, Verhandlun-

gen mit Mexiko über dieses Thema jederzeit fortzusetzen.

In China verhandelte

der Minister u.a. über eine mögliche Unterstützung seitens der Vereinigten
Staaten bei der Erschließung der reichen chinesischen Vorkommen an Erdöl, das
wahrscheinlich zum großen Teil den Weg auf den Weltmarkt nehmen werde.
habe großes Interesse an westlicher Technologie gezeigt.

China

Auch wenn das Gros

der Exporte nach Japan gehen werde, würde dies, so Schlesinger, für die USA
und andere öl importierenden Länder eine Entlastung bedeuten.

Im Anschluß an

seine Chinareise besuchte Minister Schlesinger Japan, um über die Zusammenarbeitzwischen den drei Ländern USA, Japan und der Bundesrepublik Deutschland
bei der Gewinnung flüssiger Brennstoffe aus Kohle zu verhandeln.

Die Vereinig-

ten Staaten erwägen den Bau einer entsprechenden Anlage.
Ein solches Projekt wäre Teil eines "Energie-Pakets - Teil II", das im
April nächsten Jahres dem Kongreß zugeleitet werden soll.

Es würde außerdem

die Politik samt den wichtigsten Projekten zur Nutzung der Sonnenenergie, zur
Gewinnung von Brennstoffen aus Alkohol und Ölschiefer und auf dem Gebiet der
Kernenergie behandeln.

In Regierungskreisen hält man nach wie vor den Leicht-

wasser-Reaktor für das z. Zt. optimal* System und hofft, daß der nächste Kongreß
im kommenden Jahr Genehmigungen rascher erteilen werde.

+ + + + +

- 5 -

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m

motcno

ä\

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

WAS FÜR SALT II SPRICHT
Von Senator Edward M. Kennedy

Senator Kennedy hat im September dieses
Jahres zum zweiten Mal die Sowjetunion besucht und während seines Aufenthaltes dort
zwei Stunden mit Partei- und Regierungschef Leoniid Breschnew gesprochen und über
35 Stunden lang Gespräche mit anderen führenden Politikern geführt. Vor und nach
seiner Reise in die UdSSR hatte Kennedy
Besprechungen mit Präsident Carter, Außenminister Vance und Sicherheitsberater
Brzezinski und deren Mitarbeitern. Der
folgende Artikel, der auf den Erfahrungen
Kennedys bei seinem Besuch in der Sowjetunion beruht, ist eine überarbeitete Fassung einer Rede des Senators vor dem Rat
für Auswärtige Beziehungen in Chicago.

Es besteht erneut die Hoffnung, daß die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion den politischen Willen aufbringen werden, das langerwartete SALT II-Abkommen abzuschließen.

Und darüber hinaus besteht jetzt die Hoffnung, daß Prä-

sident Carter und Präsident Breschnew zu einem amerikanisch-sowjetischen Gipfeltreffen zusammenkommen und daß die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion eine Aufwärtsentwicklung einschlagen werden.
Es

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Es wäre für die Carter-Administration ein außenpolitischer Erfolg von
historischer Bedeutung, wenn sie im Jahre 1979 beweisen könnte, daß die Vereinigten Staaten engere und festere Beziehungen zu ihren beiden Nukleargegnern
- der Sowjetunion und China - (und niemals waren die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China so gut wie heute) herstellen
können, als diese beiden genannten miteinander haben könnten.

Dieser Erfolg

liegt heute für Präsident Carter in Reichweite, und ich werde ihn nachdrücklich darin unterstützen, daß er ihn erreicht.
In diesem Zusammenhang müssen wir in aller Klarheit die Bedeutung eines
wirksamen und ausgewogenen SALT II-Abkommens zwischen den beiden einzigen Ländern erkennen, die nicht nur jeder den anderen, sondern die ganze Welt völlig
zerstören könnten.

Die große Mehrheit des amerikanischen Volkes befürwortet

solch ein Abkommen - dies ist der Fall, seit die grundsätzlichen Richtlinien
im Jahre 1974 durch eine republikanische Administration in Wladiwostok festgelegt wurden.

Kein Politiker, welcher Partei er auch angehört, sollte die Unter-

stützung übersehen, die SALT II in der Öffentlichkeit erfährt, und sich auch
immer vor Augen halten, daß ein solches Abkommen überparteilicher Natur ist.
Und kein verantwortungsvoller Politiker sollte die Tatsache ignorieren, daß
SALT II ein gutes und festes Abkommen sein wird, das ganz klar im Interesse
der Vereinigten Staaten und der Welt liegt.

Die Vorteile von SALT II
SALT II wird unsere Sicherheit sowie die internationale Stabilität fördern. Es wird die Gefahr eines nuklearen Schlagabtausches vermindern, dessen
"tödliches Gift" - wie Präsident Kennedy einmal erklärte - "durch Wind und
Wasser, durch Boden und Saat bis in die entferntesten Winkel unserer Welt getragen und noch ungeborene Generationen von Kindern befallen würde". Lassen
Sie mich die Mittel und Wege aufzeigen, wie diese Risiken vermindert, die
Sicherheit vermehrt und die Stabilität gefördert werden können.
Erstens,

- 2 -

�Erstens, das strategische Gleichgewicht ist der Grundpfeiler dieses Abkommens.

Durch SALT I wurde die Zahl der Trägerraketen eingefroren, von denen

die Sowjets mehr besaßen als die Vereinigten Staaten.
rität korrigieren.

SALT II wird diese Dispa-

Dieses Abkommen wird zu gleichen Begrenzungen der Zahl der

strategischen Trägerraketen, über die beide Seiten verfügen dürfen, führen.
Innerhalb dieser gleichen Gesamtzahl wird es die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen, die gleiche Anzahl von Raketenabschußrampen mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) und die gleiche Anzahl von landgestützten Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen geben.

Zweitens, als Folge dieser gl eichen Begrenzungen werden die Sowjets etwa
300 nukleare Trägersysteme vernichten müssen; die Vereinigten Staaten können
jedoch ihrem Arsenal weitere 250 hinzufügen, wenn sie dies wollen.

Das gesamte

B-1-Bomberprogramm könnte innerhalb der Grenzen von SALT II abgeschlossen werden - wären wir töricht genug, dies tun zu wollen.

Ohne SALT könnten die Sowjets

nach Schätzungen unseres Geheimdienstes allein schon bei Aufrechterhaltung ihres
gegenwärtigen Programms bis 1985 etwa 500 weitere nukleare Trägersysteme dislozieren.

Dies bedeutet:

SALT wird verhindern, daß rund 750 Nuklearsysteme

- bis zu 10 000 oder mehr nukleare Gefechtsköpfe auf unser Land gerichtet sein
werden.

Ohne Frage könnten wir der potentiellen strategischen Bedrohung der Sowjets
auch ohne SALT entsprechend entgegentreten„

Dies würde aber die Verdoppelung

unserer vorgesehenen Trident-Unterseeboote, die Dislozierung von bis zu 300
M-X-Raketen sowie möglicherweise die Dislozierung einer neuen Generation von
schweren Bombern erforderlich machen.

Der Preis, den wir dafür zu zahlen

hätten, würde, gemessen an heutigen Preisen, bei 100 Milliarden Dollar liegen.
Welch geringer Preis, um uns näher an die nukleare Katastrophe zu bringen!

Drittens, SALT II wird nicht nur die Zahl der Interkontinentalraketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen.

Als Ergebnis der jüngsten Verhandlungs-

runde wird es auch die Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe beschränken, die durch
den sogenannten Prozeß der Aufspaltung auf diese Raketen aufgesetzt werden können.

Es wird die Fähigkeit der Sowjets begrenzen, aus der größeren Nutzlast
- 3 -

�Nutzlast ihrer Raketen Vorteile zu ziehen, indem sie ihren schweren Raketen
eine riesige Zahl zusätzlicher Gefechtsköpfe aufladen.

Es wird verhindern, daß

zehntausende von Gefechtsköpfen auf die Vereinigten Staaten gerichtet sein
werden.

Das ist ein sehr bedeutsamer Verhandlungserfolg der Carter-Administration.

Viertens, wir werden im Rahmen von SALT unsere ausgewogene Abschreckung
erhalten und verbessern.

Wir werden unsere Streitmacht von B-52-Bombern durch

höchst zielgenaue, mächtige Marschflugkörper (Cruise Missiles) mit großer Reichweite modernisieren und verbessern.

Und unsere Unterhändler haben sicherge-

stellt, daß amerikanische Bomber mit diesen Marschflugkörpern die meisten Ziele
erreichen und treffen können, die von unserem strategischen Luftkommando als
wichtig angesehen werden, ohne eine sowjetische Luftabwehr durchdringen zu müssen.

Wir werden unser geplantes Trident-Unterseebootprogramm weiterführen.

Ein solches Trident-Unterseeboot allein wird genügend Gefechtsköpfe - von denen jeder die zwei- bis dreifache Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe hat mitführen, um alle sowjetischen Städte mit mehr als 200 000 Einwohnern zu
treffen.
Fünftens, SALT II wird unsere Fähigkeit schützen und stärken, die strategischen Streitkräfte der Sowjetunion mit Hilfe von Satelliten und anderen Aufklärungsmöglichkeiten zu beobachten. Es wird weiterhin eine absichtliche Verheimlichung verbieten, ja, jede Einmischung in unsere nationalen technischen
Verifizierungsmittel. Es wird von den Sowjets verlangen, von einer jahrhundertealten Geheimhaltungspraxis Abstand zu nehmen, indem sie uns Angaben über ihre
eigenen strategischen Streitkräfte machen müssen. Und es wird außerordentlich
konservative Zählungsmethoden vorschreiben, die unsere Verifizierungsmöglichkeiten erhöhen. So müssen beispielsweise jede Rakete, die jemals mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet war, und jede Abschußrampe, die jemals eine Rakete
mit Mehrfachgefechtsköpfen enthielt, auch in Zukunft als mit Mehrfachgefechtsköpfen ausgerüstet gezählt werden. Das muß so sein, weil unsere Satelliten uns
mitteilen können, wie eine Abschußrampe aussieht, aber sie können uns nicht
mitteilen, was sich in der Abschußrampe befindet. Ohne SALT wäre es den Sowjets
freigestellt, alle nur möglichen Mittel der Verheimlichung anzuwenden, was uns
die Beobachtung ihrer Streitkräfte sehr erschweren würde.
Sechstens,

�Sechstens, SALT II wird es uns erlauben, unsere technologische Überlegenheit aufrechtzuerhalten. Trotz all des Geredes über die sowjetische Bedrohung, liegt der einzige große Vorteil der sowjetischen Raketen doch nur
darin, daß sie größer und schwerer sind. Unsere Raketen sind an Zielgenauigkeit überlegen, an Vielfalt überlegen und an technologischer Verfeinerung überlegen. Allein die Forschungs- und Entwicklungsprogramme für unsere Marschflugkörper und die Trident-Unterseeboote werden uns auf diesen untscheidend
wichtigen Gebieten der militärischen Technologie auf viele Jahre hinaus einen
Vorsprung sichern. Und wir werden sogar in der Lage sein, nach Herzenslust
über die Möglichkeiten von M-X-Raketen, des Mehrfach-Zielpunkt-Schemas für Raketen (MAP), oder des Allerschlimmsten, nämlich einer Kombination von MAP und
M-X - das mehrere Milliarden Dollar kosten würde -.nachzudenken. Das sind
jedoch Programme, die ich für finanziell verschwenderisch, die Umwelt schädigend und militärisch destabilisierend betrachte - und die wir niemals realisieren sollten.

Die politische Begründung von SALT
Warum wird also angenommen, daß SALT II eine solche Kontroverse auslösen würde, wenn das Abkommen dem amerikanischen Senat im nächsten Frühjahr unterbreitet werden sollte? Ich glaube, dafür gibt es drei wesentliche Gründe.
Erstens, SALT ist verzerrt dargestellt und falsch verstanden worden. Zweitens,
es haben sich zu wenige Mitglieder der Regierung und des Kongresses bisher für
SALT ausgesprochen. Drittens, SALT II ist immer wieder mit anderen zwischen
den USA und der Sowjetunion stehenden Dingen in Verbindung gebracht worden,
wie beispielsweise mit Afrika und den Menschenrechten - und dies gegen unsere
besten Interessen.
Zunächst einmal sind die Kritiker von SALT schon sehr früh in die Offensive gegangen.

Einige von ihnen raten zu einer Rückkehr zu der Politik des

Kalten Krieges - gestützt auf der Illusion, daß Sicherheit und Frieden gewährleistet werden können, wenn wir die militärische Übermacht zu erreichen trachten.

Sie zielen auf die Furcht einiger Amerikaner ab, die sich noch der Tage
- 5 -

�Tage des amerikanischen Nuklearmonopols und der amerikanischen Nuklearüberlegenheit erinnern. Aber selbst die Nuklearüberlegenheit hat schon vor 15 Jahren
viel von ihrer Bedeutung verloren, nachdem beide Seiten genügend Kernwaffen besaßen, um der anderen nach jedem Erstschlag unannehmbaren Schaden zufügen zu
können.

Präsident Breschnew erklärte mir, er sei davon überzeugt, daß selbst

nur eine Atombombe, die von der einen oder anderen Seite abgeworfen würde, zu
einem allgemeinen nuklearen Schlagabtausch führen würde - zu einer nuklearen
Katastrophe nicht nur für unsere beiden Länder, sondern für die gesamte Welt.
Nachdem nun ein ungefähres strategisches Gleichgewicht zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion besteht, verzerren einige Kritiker dieses
Bild weiterhin dadurch, daß sie die Sowjets praktisch als Riesen und uns dagegen quasi als Zwerge darstellen.

Dabei verringern oder verschweigen sie

völlig unsere eigenen großen Stärken.

Sie propagieren gar die gefährliche Vor-

stellung, daß ein Atomkrieg sowohl für die Sowjetunion als auch für die Vereinigten Staaten weniger als die totale Zerstörung bedeuten würde.

Diese Kri-

tiker leisten unserer Nation gewiß keinen guten Dienst. Sie sind die Propheten
der Furcht - einer Furcht, die einer freien, vertrauensvollen und entschlossenen
Nation unwürdig ist.
Wir sind stark und werden stark bleiben. Wir verfügen über zahlreiche Vorteile - nicht nur militärisch im engeren, sondern auch strategisch im weiteren
Sinne.
Ich habe bereits auf unsere Überlegenheit auf dem Felde der militärischen
Technologie hingewiesen. Zu dieser Tatsache muß hinzugefügt werden, daß wir
über mehr als 9000 einsatzfähige strategische Nukleargefechtsköpfe verfügen
- gegenüber 4500 in sowjetischer Hand. Es muß ferner hinzugefügt werden, daß
wir unsere Planungen praktisch nur gegen eine einzige Nuklearmacht aufstellen
müssen; die Sowjets müssen das gegenüber vier Mächten: China, Frankreich,
Großbritannien und USA. Sie müssen in ihre Planungen ferner die 160 amerikanischen Maschinen vom Typ F-lll einbeziehen, die sich auf britischem Boden befinden, sowie zahlreiche andere "nuklearfähige" Flugzeuge, die wir überall auf

- 6 -

�auf der Welt dislozieren können und auch dislozieren - und alle können Atombomben und Raketen in sowjetische Ziele bringen.

Wenn die Kritiker beklagen,

daß der Backfire-Bomber bei SALT nicht berücksichtigt wird,

so müssen sie

aber auch einräumen, daß auch keine F-lll in Europa und keine FB-111 in den
USA dabei in Rechnung gestellt werden.

Und dann muß noch die Tatsache angemerkt werden, daß die sowjetischen
strategischen Streitkräfte gegenüber einem Nuklearangriff weitaus verwundbarer
sind als die amerikanischen Streitkräfte.

Etwa 70 Prozent der sowjetischen

Raketen sind landgestützt, bei uns sind dies weniger als 30 Prozent.

Fast 90

Prozent der sowjetischen Unterseeboote befinden sich ständig in irgendeinem
Hafen, etwa 60 Prozent unserer Unterseeboote sind ständig auf See.

Und schließlich darf man die Tatsache nicht übersehen, daß alle an die
Sowjetunion angrenzenden Länder ihr derzeit ablehnend gegenüberstehen und die
gegenwärtige sowjetische Führung nie einen anderen Zustand kannte; für uns
sprechen mehr als 100 Jahre des Friedens zwischen den Vereinigten Staaten und
ihren Nachbarn.

Wir vertrauen voll und ganz unseren NATO-Verbündeten.

Kann

die Sowjetunion das gleiche Vertrauen in die Staaten des Warschauer Paktes
haben?

Ich glaube nicht, daß irgendeine vernünftige Person es vorziehen würde,
lieber strategische Planungen in Moskau anzustellen als strategische Planungen
in Washington. Ich kenne keinen einzigen amerikanischen General, der lieber
über die der Sowjetunion zur Verfügung stehenden Militärmacht verfügen würde
als über die militärische Macht, die den Vereinigten Staaten zur Verfügung
steht.

Und es ist gefährlich und unverantwortlich, wenn jemand versucht, uns

und die Welt davon zu überzeugen, daß wir ein Land militärischer Zwerge seien,
wo wir doch eine eindrucksvolle strategische Macht darstellen, die sehr wohl
in der Lage ist, heute und in Zukunft unsere Interessen und die unserer Verbündeten zu schützen.

SALT

- 7 -

�SALT ist kontrovers, weil es in unverantwortlicher Weise mit anderen
schwierigen Fragen verbunden worden ist, die zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion stehen.

Leider brauchte die Regierung ein Jahr lang, um

zu akzeptieren, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: daß nämlich SALT
zu wichtig für das Leben eines jeden Mannes, einer jeden Frau und eines jeden
Kindes auf unserem Planeten ist, um mit den anderen politischen, wirtschaftlichen
und militärischen Fragen, die uns trennen, in einen Topf geworfen zu werden einschließlich der wichtigen Fragen der Menschenrechte.
SALT bedarf keiner Rechtfertigung.

Es sollte nicht - und es wird auch

nicht - mit anderen politischen Fragen in Zusammenhang gebracht werden.

Aber

es liegt auch auf der Hand, daß es politisch leichter sein wird, SALT II zu
ratifizieren, wenn gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist, und daß es politisch
schwieriger sein wird, SALT II zu ratifizieren, wenn dieses Vertrauen fehlt.
Ob wir es nun wahrhaben wollen oder nicht, SALT bleibt zwar in der Tagespolitik,
aber nicht in der großen Politik mit anderen Fragen der amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen verbunden.

+ + + + +

- 8 -

�15. November 1978

27

US-STIFTUNG FÜR INTERNATIONALE TECHNOLOGISCHE ZUSAMMENARBEIT
Partner für Entwicklungsländer

WASHINGTON - (AD) -

Als eines der größten Probleme auf dem Gebiet

des Technologie-Transfers erwies sich die Unfähigkeit, vorhandene Technologien den besonderen Erfordernissen von Entwicklungsländern anzupassen.

Darüberhinaus gibt

es noch wenig Ansätze, auf dem Gebiet der

Entwicklung und der technischen Hilfe das bisher übliche starre Modell
mit dem Geberland, d.h. dem hochentwickelten Industrieland, auf der
einen Seite

und dem Empfängerland, dem Entwicklungsland, auf der anderen

Seite durch ein weiter gefaßtes Modell zu ersetzen, das zu echter Partnerschaft führt.
Die von Präsident Carter vorgeschlagene"Stiftung für Internationale
Technologische Zusammenarbeit" (Foundation for International Technoiogical
Cooperation - FITC) soll helfen, diesen Mangel zu beheben. Ihre Planungsabteilung unter der Leitung von Dr. Ralph Smuckler, früher Ordinarius für
Internationale Studien an der Universität von Michigan, hat die Arbeit
bereits aufgenommen. Wie Dr. Smuckler in einem Exklusivinterview mit dem

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�dem Amt für Internationale Kommunikation (ICA) in Washington erklärte,
sieht die mit Bundesmitteln finanzierte Stiftung ihre derzeit wichtigste
Aufgabe darin, Marktanalysen durchzuführen, um zu ermitteln, ob und in
welcher Weise die heute verfügbaren Technologien mit dem größtmöglichen
Nutzeffekt auch in Entwicklungsländern eingesetzt werden können.
Die Stiftung, die als offizielle Organisation erst im kommenden Jahr
etabliert wird, sieht sich keineswegs als "einziger Motor zur Ausweitung
des Wirtschaftswachstums" in Entwicklungsländern und zur Verbesserung
des Lebensstandards der großen Masse ihrer Bevölkerung.

Aber sie kann,

so Dr. Smuckler, zu einem sehr wichtigen Faktor werden, um die Verhältnisse
zu verbessern und so zum Abbau psychologischer Schranken zwischen Arm und
Reich,

des sogenannten Nord-Süd-Gefälles, beizutragen.

Ihr Programm wird

im Detail von den Vereinigten Staaten auf der Konferenz der Vereinten
Nationen über Wissenschaft und Technologie, die im August 1979 in Wien
stattfindet, der Weltöffentlichkeit vorgelegt.

Die Stiftung wird keine

Doppelgleisigkeit zur Tätigkeit des amerikanischen Amtes für Internationale
Entwicklung (AID) schaffen, sondern sich darauf konzentrieren, auf welche
Weise der Transfer hochentwickelter Technologien und wissenschaftlicher
Erkenntnisse in ärmere Länder zu bewerkstelligen ist und weltweite
Probleme wie Energieproduktion und Umweltverschmutzung gelöst werden
können.
Im kommenden Jahr will die FITC versuchen, acht bis zehn besonders
wichtige Probleme abzustecken. Dazu gehören in erster Linie Produktion,
Lagerung und Verteilung von Nahrungsmitteln und die Landwirtschaft Grundansprüche also, die zu erfüllen eine Hauptaufgabe der FITC sein wird.
Außerdem können die Vereinigten Staaten, wie Dr. Smuckler erklärte, ihren
Beistand anbieten, um natürliche Hilfsquellen zu erschließen und zu nutzen,
neue, gegen Krankheiten unempfindliche Pflanzen zu entwickeln und den
Städtebau optimal zu planen. Weitere Hilfsmöglichkeiten sieht er z.B.
darin, für Unterrichtszwecke in Dorfschulen abgelegener Regionen Satelliten
einzusetzen oder in tropischen Gebieten künstliche Bewässerung mit Anlagen

- 2 -

�Anlagen durchzuführen, die mit Sonnenenergie betrieben werden.
Die Stiftung selbst wird nicht über das Personal verfügen, das
den Technologietransfer selbst vornehmen könnte. Vielmehr wird sie
Mittlerfunktionen erfüllen, indem sie bestehenden Problemen auf den
Grund geht und Experten, von denen zu erwarten ist, daß sie richtige
Lösungen finden, finanzielle Mittel zukommen läßt. In diesen Prozess
werden die Entwicklungsländer voll und ganz eingeschaltet, denn sie
sollen mitentscheiden, was sie benötigen und wie die Programme aussehen
sollen, die Abhilfe schaffen. Sie sollen letzlich in die Lage versetzt
werden, eigene Institutionen für die Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker zu gründen.
Nach Ansicht Dr. Smucklers wird sich der tatsächliche Prozess des
Technologietransfers zu einem Mechanismus entwickeln, von dem beide
Seiten profitieren. Als Beispiel verwies er auf Studien zur Stickstoffassimilation, die gegenwärtig in Brasilien durchgeführt werden, auf die
Entwicklung neuer Verfahren der Fischzucht in verschiedenen Gebieten der
Philippinen und auf ein indisches Projekt zur Verbesserung des SojabohnenAnbaus.
Die Vereinigten Staaten haben, wie Botschafter John W. McDonald
auf der "UN-Konferenz über technologische Zusammenarbeit unter Entwicklungsländern" in Buenos Aires (September 1978) erklärte, schon in den letzten
20 Jahren zahlreiche Projekte nach dem "Partnerschaftsmodell", d.h.
außerhalb der üblichen bilateralen Abkommen, finanziert. Für ca. 36 000
Personen aus über 100 Ländern wurden bisher auf diese Weise die notwendigen
Mittel aufgebracht. Sie erhielten eine sogenannte Drittländer-Ausbildung.
Das bedeutet, daß sie in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten und
außerhalb des als Empfängerland vorgesehenen Entwicklungslandes geschult
wurden. Dieses "trilaterale Modell" hilft psychologische Schranken abzubauen, die bei Anwendung des herkömmlichen "Geber-Empfänger-Modells"
zwangsläufig bestehen.
Bei diesem
- 3 -

�Bei diesem neuen, zeitgemäßeren Modus ist es üblich, daß sich zwei
Entwicklungsländer zusammensetzen und das Vorgehen für ein ganz bestimmtes
Projekt erörtern.

Stellen sie fest, daß sie nicht alle notwendigen

Antworten finden können,wenden sie sich gemeinsam an ein drittes Land
oder an eine Organisation.

In den Vereinigten Staaten haben sich bereits

verschiedene Institutionen bereit erklärt,als "dritte Partei" zu fungieren.
Sie werden in einem solchen Fall entweder selbst beraten und die Leitung
von Projekten übernehmen

oder Anfragen und Hilfeersuchen an die best-

geeigneten Stellen weiterleiten.
A.

Zur Verfügung stehen u.a.

Nationale Akademie der Wissenschaften
-

insbesondere bei Projekten für einen besseren Schutz der
Ernteerträge gegen Verderb und anderweitige Verluste, bei
Projekten der Wasserwirtschaft, der Erschließung von Meeresressourcen, von Naturprodukten (Waldprodukte, öle, Harze und
Gummi), Energieversorgung für ländliche Gebiete, Ausbildung
von Personal für Umweltschutz, Ansiedlung von kleineren
Industriebetrieben auf dem Land.

B.

Amerikanische Gesellschaft für öffentliches Gesundheitswesen
- vor allem für die Lösung von Problemen, die die primärärtzliche
Versorgung, Gesundheitsfürsorge mit der Einrichtung geeigneter
Systeme, medizinische Technik und Hilfsmittel, Kleinindustrie
mit Produktionsprogrammen auf medizinischen und verwandten
Gebieten sowie die Einschaltung von Beratern aus Ländern der
Dritten Welt umfassen.

C.

Amerikanischer Erziehungs- und Bildungsrat
-

eine Organisation mit mehr als 1200 in ihr vertretenen Colleges
und Universitäten für Beratungsaufgaben und Anleitung auf den
Gebieten Sprachenunterricht, volkskundliche und wirtschaftsgeographische Studien, Erwachsenenbildung und Weiterbildung,
Lehrerausbildung und -fortbildung, Austausch im Bildungswesen.
Internationale

�D.

Internationale Vereinigung für Städtebau und -Verwaltung
-

eine Organisation (Sitz Washington) mit mehr als 3 000 in ihr
vertretenen Städten aller Größen aus den USA, Kanada und Westeuropa hat sich die Lösung urbaner Probleme und die Verbesserung
der Lebensqualität in den Städten zum Ziel gesetzt.
Erfahrungsaustausch

Sie ist zum

auf den Gebieten Städteverwaltung,

Wachstumssteuerung urbaner Gemeinwesen, Probleme der Umweltverschmutzung in der Stadt, hohe Verkehrsdichte sowie Kooperation
von jeweils zwei Städten in Entwicklungsländern mit einer Stadt
in einem Industrieland bereit.
E.

Nationaler Technischer Informationsdienst (NTIS)
-

technische Zentralbibliothek (Washington) mit einem riesigen
Archiv von Texten im vollen Wortlaut oder als Kurzfassung,
gespeichert im Computer oder auf Mikrofilm, über mehr als
1 000 000 staatlich finanzierter Forschungsprojekte aus
praktisch allen Interessengebieten der Entwicklungsländer.
Außerdem hat der NTIS Zugang zu 160 anderen Datenbanken innerhalb der USA, die über weitere 50 Millionen Forschungsprojekte
von Universitäten, wissenschaftlichen Instituten und Privatleuten Informationen geben können. Auch 150 000 nichtamerikanische
Forschungsdokumente sind in den Archiven erfaßt. Bilaterale
Abkommen zwischen dem NTIS und über 20 Entwicklungsländern wurden
bereits abgeschlossen, so daß diese Länder über NTIS schriftlich, per Telefon, Fernschreiber oder Computer auch untereinander wissenschaftlich-technische Informationen austauschen
können. Gegenwärtig verhandelt NTIS mit Vertretern des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen über Möglichkeiten
einer optimalen Förderung der technischen Zusammenarbeit unter
Entwi cklungsländern.

F.

INTELSAT (Internationale Organisation für Fernmeldesatelliten)
- mit 102 Mitgliedstaaten eine der jüngsten und technisch be-

- 5 -

�technisch bestausgestatteten internationalen Institutionen
der Welt.

Mit Fernmeldesatelliten im Wert von 450 Millionen

Dollar ermöglicht sie rasche, exakte und billige Nachrichtenverbindungen um den ganzen Erdball.

Ungefähr 70 Staaten, die

Hälfte davon Entwicklungsländer, haben Bodenstationen für den
Satellitenfunk in Betrieb und können so über dieses Nachrichtennetz miteinander in Verbindung treten.
Das Direktorium von INTELSAT hat einem Vorschlag Kuweits
und einiger arabischer Staaten grundsätzlich zugestimmt, daß
sich INTELSAT auf dem Gebiet der internationalen technischen
Zusammenarbeit engagiert und Regierungen, die noch nicht über
ausreichende technische Erfahrungen verfügen, berät und dabei
unterstützt, ein Fernmeldenetz via Satelliten einzurichten.

Auf

diese Weise könnten immer mehr Länder miteinander wissenschaftlichtechnische Daten und Informationen austauschen, was auch ihrer
Entwicklung zugute käme.
Den Entwicklungsländern dabei zu helfen, ihre eigenen institutionellen
Möglichkeiten für eine Bewertung, Auswahl, Anpassung und Neuschöpfung von
Technologien zu verbessern und für Wissenschaft und Technik eine eigene
Infrastruktur aufzubauen, ist eines der wesentlichen Ziele der US-Stiftung
für internationale technologische Zusammenarbeit. Für Ausbildung, Forschung
und Entwicklung auf besonders wichtigen Gebieten wie Energie, Landwirtschaft,
Gesundheitswesen und Kleinindustrie - vor allem in Ländern mit niedrigen
Einkommen - werden finanzielle Mittel beschafft und die Beratung bzw. Anleitung durch Experten vermittelt. Auch soll die Zusammenarbeit zwischen
amerikanischen und ausländischen Institutionen gefördert werden, die sich
um optimale Lösungen für spezielle Entwicklungsprobleme bemühen. Die
Stiftung ist ferner daran interessiert, die wirtschaftlichen Möglichkeiten
auf subregionaler und regionaler Ebene zu verbessern und Technologien den
Erfordernissen selbst lokaler Probleme und Umstände anzupassen.
+ + + + +

- 6 -

�31
I

UUi//cn/choft
wui Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

27

POCKENBEKÄMPFUNG - ERFOLGREICHSTES UN-PROGRAMM
Amerikanische Ärzte maßgeblich beteiligt

- (AD) - Am 26. Oktober 1978 war es ein volles Jahr, dass in Afrika
kein einziger Pockenfall mehr auftrat - Asien ist sogar schon seit drei
Jahren pockenfrei. Dies ist einer etwa zehn Jahre währenden Kampagne der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Ausrottung der Pocken zu verdanken und die Welt zieht daraus in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher
Sicht bereits Dividenden. Sie belaufen sich, so verlautet aus Kreisen
der WHO, auf nahezu zwei Milliarden Dollar im Jahr. Das ist ungefähr
die Summe, die die Krankheit früher an wirtschaftlichen Verlusten verursachte. Das Bekämpfungsprogramm war demgegenüber wesentlich billiger.
Es erforderte 300 Millionen Dollar.
Etwa zwei Drittel dieser Kosten trugen Länder, in denen die Pocken
die meisten Opfer forderten.

Für den Rest kam die WHO sowie eine Anzahl

anderer Länder und Spenderorganisationen auf.

Impfstoffe mit Millionen

von Einheiten stellten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
zur Verfügung.

Langjährige Mitarbeiter der Vereinten Nationen, denen

die WHO angeschlossen ist, bewerten den Kampf gegen die Pocken als das

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�das wirksamste Programm großen Stils, das von den UN je durchgeführt
wurde.

Es befreite Millionen und Abermillionen Menschen von Not und

Leid.
Als die WHO im Jahr 1967 ihre Kampagne begann, erkrankten jährlich
schätzungsweise zweieinhalb Millionen an den Pocken.
starben oder blieben ihr Leben lang geschädigt.
ereignete sich vor einem Jahr in Somalia.
Birmingham im September 1978

Viele von ihnen

Die letzte Kontaktinfektion

Den Tod einer Engländerin in

rechnen WHO-Beamte nicht zu der regulären

Kategorie von Pockenerkrankungen, weil die Infektion offensichtlich auf
unreichende Schutzmaßnahmen in einem Laboratorium zurückzuführen ist,
wo Pockenviruskulturen für experimentelle Zwecke gezüchtet werden.
Die WHO setzt sich schon seit geraumer Zeit für verschärfte Vorsichtsmaßnahmen in Laboratorien ein und drang darauf, daß nur noch vier
Institute - in London, Moskau, Peking und Atlanta (Georgia) - ständig
Pockenviruskulturen halten dürfen, um Vergleiche mit anderen infektiösen
Viren anstellen zu können und im Fall unvorhergesehener Entwicklungen
Forschungsmaterial an der Hand zu haben.

Im Dezember 1978 will die WHO

aufgrund des Gutachtens eines Wissenschaftlergremiums endgültig darüber
entscheiden, ob von der totalen Ausrottung der Pocken in der Welt gesprochen werden könne - oder noch immer nicht.
In 130 Ländern werden heute von Reisenden keine Impfbescheinigungen
mehr verlangt. In den USA und 38 weiteren Ländern besteht keine Impfpflicht
mehr zum Schutz gegen Pocken. Das bedeutet, daß die Kampagne gegen die
Pocken in diesen Ländern Gelder, die bisher für die Herstellung oder
den Kauf von Vakzinen oder für die Durchführung vom ImpfProgrammen, die
Behandlung von Pockenpatienten, die Überwachung im Inland und an den
Grenzen sowie für Maßnahmen gegen plötzliche Ausbrüche der Seuche verwendet werden mußten, jetzt für andere Zwecke verfügbar macht.
Theoretisch könnten sie nach Ansicht der WHO anderen notwendigen Entwicklungs-

- 2 -

�Entwicklungsprogrammen, insbesondere auf dem Gebiet des Gesundheitswesens,
zugute kommen.
Der erste Jahrestag zu dem letzten bekannt gewordenen Fall in
Somalia wurde am Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York in
einer kleinen Feier gewürdigt. Am darauffolgenden Tag ehrte man in
Rochester (New York) zwei amerikanische Ärzte, die sich im Kampf gegen
die Pocken besonders verdient gemacht hatten. Es sind dies Dr. William
Foege, der Direktor der Zentralstelle für Krankheitsbekämpfung (Center
for Disease Control - CDC) in Atlanta, und Dr. Donald A. Henderson, der
ehemalige Leiter der CDC-Abteilung für die Ausrottung der Pocken und jetzt
Dekan der Fakultät für öffentliches Gesundheitswesen an der Johns HopkinsUniversität in Baltimore (Maryland).
Die CDC leistete einen der wichtigsten Beiträge zur Kampagne der WHO.
Sie schickte mehr als 300 Ärzte und technisches Personal in Gebiete in
aller Welt, wo immer wieder Pockenepidemien auftraten.

Dr. Henderson

leitete die WHO-Kampagne von Anfang an und gab erst vor einem Jahr diese
Funktion ab, nachdem sich immer deutlicher zeigte, daß die akuten Gefahren
gebannt sind.

+ + + + +

- 3 -

�I 3
27

UUi//cn/choft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

15. November 1978

HAMOGLOBINE MIT UNTERSCHIEDLICHER SAUERSTOFFBINDUNG
Umweltbedingungen zwingen Fische zum "Umschalten"

- (AD) - Die ungewöhnliche Adaptionsfähigkeit der Fische im
Amazonasgebiet, wo sich häufig in kurzer Zeit die Lebensbedingungen
radikal ändern, ist bei zahlreichen Arten auf das Vorhandensein mehrerer
Hämoglobintypen im Organismus zurückzuführen, die Sauerstoff verschieden
stark binden. Diese unterschiedliche Affinität von Molekülen des roten
Blutfarbstoffs zu Sauerstoff versetzt die Fische in die Lage, den Sauerstoffbedarf des Organismus auch unter schlechten Atmungsbedingungn optimal
zu decken. Dies fanden 22 Wissenschaftler aus sechs Ländern während
ihrer Expedition mit dem amerikanischen Forschungsschiff "Alpha Hei ix"
zum Amazonas heraus.
Hämoglobin ist das Schlüsselmolekül der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) für den Transport von Sauerstoff zu den Organen und Geweben.
Das sauerstoffbeladene Molekül im (auf Grund dieses Zustandes hellen)
Arterienblut gibt in den Kapillaren der Gewebe den Sauerstoff durch
Dissoziation ab. über mehrere chemische Reaktionen wird vom Hämoglobin

Postfach 20 0 3 0 0

Tel: 02221-89 32 4 0

�Hämoglobin auch die Abführung von Kohlendioxid (CO2) mit dem Venenblut
besorgt, das infolge der (^-Beladung dunkler gefärbt ist. Chemisch
gesehen ist Hämoglobin die Kombination eines jeweils artspezifischen
Proteins (Globin) mit einem Porphyrin-Eisen-Komplex-Salz.
In einem Bericht an die Nationale Forschungsstiftung (National
Science Foundation - NSF) der USA betont der Leiter der Expedition,
der Zoologe Dr. Austen Riggs von der Staatsuniversität Texas in Austin,
die Bedeutung der Forschungsergebnisse für den Nachweis der gleichzeitigen
Existenz verschiedenartiger Hämoglobine mit unterschiedlicher Affinität
zu Sauerstoff in einem Organismus. Sie sei offenbar viel weiter verbreitet, als bisher angenommen wurde. Die Entdeckung sei "von großem
Interesse für die Evolutionsforschung und für die Genetik". Sie
vermittle außerdem wichtige Erkenntnisse über die Funktion des menschlichen
Hämoglobins. (In menschlichen Erythrozyten wird z.B. fetales Hämoglobin
und sog. bleibendes Erwachsenen-Hämoglobin unterschieden. Beide Hämoglobintypen sind bei der Geburt im Verhältnis von ungefähr 2 : 1 vorhanden.
Aber schon in den ersten Lebensmonaten wird die "fetale" gegen die
"bleibende" Form völlig ausgetauscht. Es wurden aber auch zahlreiche
pathologische Typen von Hämoglobin nachgewiesen, zu denen z.B. das
schwere Anämien verursachende Sichelzellen-Hämoglobin gehört. Diese
Formen und zahlreiche weitere, inzwischen ermittelte Varianten sind
vererbbar und treten bei Personen bestimmter Rassenzugehörigkeit, aber
auch regional mit größerer Häufigkeit auf. Für eine Behandlung der oft
katastrophalen Auswirkungen von "Baufehlern" des menschlichen Hämoglobins
und des durch sie verursachten Sauerstoffmangels im Organismus besteht
neuerdings bei vielen Fällen Hoffnung aufgrund der Forschungsergebnisse
einer deutschen Wissenschaftlergruppe vom Max-Planck-Institut in Mühlheim/
Ruhr und der Technischen Hochschule von Aachen. Sie entwickelten eine
Methode, mit der sich gewisse Substanzen, welche die Bindungen zwischen
Hämoglobin und molekularem Sauerstoff schwächen, in Erythrozyten einlagern
lassen.

Die Folge ist eine vermehrte Sauerstoffabgabe an Organe und

- 2-

�und Gewebe.)

Das Interesse der internationalen Gruppe mit Biochemikern, Zoologen
und Biologen aus den USA, Brasilien, Dämemark, Großbritannien, Italien
und Norwegen auf der "Alpha Hei ix", einer schwimmenden Forschungsstation
des Scripps-Instituts für Ozeonographie in San Diego (Kalifornien), hatte
in erster Linie den anatomischen Besonderheiten und biochemischen
Mechanismen sowie den Verhaltensä'nderungen der Fischpopulationen
einer Veränderung der Umweltbedingungen gegolten.

bei

Die Amazonas-Fische

sind auf besondere Anpassungen angewiesen, um zu überleben.

Jedes Jahr

verursachen Regenfälle gewaltige Überschwemmungen, die in weite Gebiete
des tropischen Urwalds vordringen.

Wenn das Hochwasser zurückgeht,

bleiben Tümpel und kleine Seen mit großen Mengen von Fischen zurück.
"Faulende Vegetation verbraucht rasch den Sauerstoff im Wasser", erklärt
Dr. Riggs.

Die in den Hochwasserrückständen gefangenen Fische müssen

ums überleben kämpfen.

Die Forscher untersuchten im Bordlaboratorium u.a. das Blut von
praktisch jeder wichtigen Fischart, um mehr über deren Anpassungsmechanismen, die ein überleben möglich machen, herauszufinden.

Die

Studien konzentrierten sich deshalb auf Blut, weil es zusammen mit dem
Sauerstoffträger Hämoglobin ein direktes "Kettenglied" zwischen dem
Sauerstoff in der Umwelt und den Körpergeweben bildet, die in Stoffwechsel
Prozessen den aufgenommenen Sauerstoff verbrauchen.

Die biologische Anpassung habe, so Dr. Riggs, dazu geführt, daß
manche Fischarten z.B. ganz normal Luft atmen - sie heben einfach den
Kopf aus dem Wasser.

Bei einer der Spezies wurde eine ganz reguläre

Lunge festgestellt.

Bei einer anderen ist ein Teil des Magens so um-

gewandelt, daß er den Gasaustausch bei Luftatmung durchführen kann.
Wieder andere Fische holen den Sauerstoff aus der Oberflächenschicht
des Wassers. Aber es gibt auch zahlreiche Arten, die anatomisch nicht
auf diese Weise angepaßt sind und statt dessen komplizierte molekulare

- 3 -

�molekulare und biochemische Mechanismen entwickelt haben. Und eine davon
ist die Ausbildung von zwei und mehr verschiedenen Hämoglobinen im
Organismus, die den Sauerstofftransport und die Versorgung der Gewebe
unter den verschiedensten Umweltbedingungen aufrechterhalten.

Daß bei

Fischen sehr häufig mehrere Hämoglobintypen auftreten, war bereits bekannt.
So kennt man beim Karpfen drei verschiedene Hämoglobine.

Aber sie weisen

alle die gleichen Eigenschaften der Sauerstoffbindung auf.
Wie Dr. Riggs weiter betont, ist eine gute Kenntnis der Physiologie und Biochemie der Amazonas-Fische eine wichtige Voraussetzung für
die Nutzung dieser wichtigen Nahrungsquelle nach vernünftigen ökologischen
Gesichtspunkten.

Gegenwärtig in den USA und in Brasilien durchgeführte

Studien zeigen, daß sich einige Amazonas-Fischarten für die Zucht in
Fischfarmen eignen würden.

Die biochemischen Untersuchungen im Verlauf

der Expedition helfen, die Bedingungen besser zu definieren, unter denen
der Betrieb solcher Fischfarmen durchgeführt werden muß.
Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Forschungsfahrt der "Alpha Hei ix"
ins Amazonasgebiet werden in der britischen Zeitschrift "Comparative
Biochemistry and Physiology" veröffentlicht.

+ + + + +

- 4-

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und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter legt seine außen- und innenpolitischen Ziele dar
- Fernsehinterview mit Bill Moyers HINTERGRUNDMATERIAL
Die Endergebnisse der US-Wahlen vom 7. November 1978
- Liste der Gouverneure der 50 Einzel Staaten der USA - Der neue Senat der Vereinigten Staaten - Das neue Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten WIRTSCHAFT
Schwerpunkt Kohle im US-Energieprogramm
- Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Atomkraftnutzung mit mehr politischer Sicherheit
- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien Doppelrendezvous mit dem Planeten Venus
- Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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Telex:08-85432

�n
m m

ST 4itt

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. November 1978

28

PRÄSIDENT CARTER LEGT SEINE AUSSEN- UND INNENPOLITISCHEN ZIELE DAR
Fernsehinterview mit Bill Moyers

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 13. November in
einem längeren Interview im öffentlichen (d.h. nicht von Privatgesellschaften, sondern von der öffentlichen Hand getragenen) Fernsehen der
Vereinigten Staaten seine außen- und innenpolitischen Ziele dargelegt.
Das Interview mit dem bekannten amerikanischen Journalisten Bill Moyers,
der früher selbst als Pressereferent im Weißen Haus tätig gewesen war, ist
als "Halbzeitstand" in der Amtszeit Präsident Carters von besonderer
Bedeutung.

Wir geben im folgenden den vollen Wortlaut des Interviews

wieder.

Frage: Herr Präsident, Sören Kierkegaard, ein Philosoph, den Sie
gelesen und auch zitiert haben, hat einmal einen Essay geschrieben, in
dem er zur Selbstprüfung auffordert. Bekenntnisse und Prüfung sind in
Ihrer Kirche seit langem Brauch - wennschon für gewöhnlich nicht m

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�im Fernsehen.
Mit Ihrer Erlaubnis möchte ich einige Fragen zur Selbstprüfung stellen.
Wenn es unter Ihren Anhängern eine einhellige beherrschende Kritik der
Carter-Administration gibt, so lautet sie, daß es während der ersten achtzehn Monate kein beherrschendes Thema, keine Vision von dem, was Sie zu tun
beabsichtigen, gegeben hat.

Werden Sie in den nächsten zwei Jahren versuchen,

eine Carter-Vision des Landes zu gestalten?
Antwort:

Ich glaube, es war ebenfalls Kierkegaard, der gesagt hat,

daß jeder Mensch ein Einzelner, eine Ausnahme, ist, und die Vielfalt der
Aufgaben und Verantwortungen, die ein Präsident hat, die gleichen Probleme,
denen sich unsere Nation stellen muß, führen meiner Ansicht nach dazu,
daß recht oft ein gewisser zentraler Brennpunkt fehlt.
Wir befassen uns mit dem Problem einer starken nationalen Verteidigung,
machen uns einige Sorgen über die Absichten potentieller Gegner, wie etwa
der Sowjetunion,und sind zu gleicher Zeit mit aller Kraft darum bemüht,
eine geraeinsame Grundlage zu finden, die die Gewähr für den Frieden
zwischen uns sowie für eine bessere Freundschaft und einen Abbau des
Mißtrauens bieten kann.
Zur gleichen Zeit befassen wir uns mit SALT (Verhandlungen über eine
Begrenzung der strategischen Rüstungen), versuchen Frieden zu schaffen im
Nahen Osten, auf Zypern, in Namibia, Rhodesien und Nicaragua, sind bemüht,
in unserem Lande die Führungsrolle zu übernehmen, wie sie die übrige Welt
immer wieder erwartet, und dann natürlich auf dem Gebiet der innenpolitischen
Probleme in ihrem ganzen Umfang - der Versuch, die Landwirtschaft stark zu
erhalten, die Exporte zu steigern, die Preise durch ein Anti-Inflationsprogramm zu stabilisieren, den notwendigen Forderungen vieler Interessengruppen in unserem Land, die durchaus guten Willens sind, gerecht zu
werden.
'••&lt;•"'+

Diese weitumfassenden
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"

"

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�Diese weitumfassenden und höchst unterschiedlichen Verantwortlichkeiten auf einen kleinen Nenner zu bringen, ist somit nahezu unmöglich.
Ich glaube, daß in einigen Fällen auch bei früheren Präsidenten die von
ihnen ausgehenden Anstöße erst in der Retrospektive in ein einfaches
Schlagwort zusammengefaßt wurden.

Ich weiß, daß Roosevelts "New Deal"

mit seiner Amtszeit identifiziert wird, als er aber den Ausdruck in einer
Rede brauchte, hatte er keine Ahnung, daß er damit den exakten Begriff
für das schaffen würde, was er seinem Land brachte.
Ich glaube also, daß nur dann, wenn man eine Administration unter
einem, wenn auch nur geringen historischen Abstand sieht, ein zentrales
Thema in den Blick gelangen kann. Wir sind bemüht, das Vertrauen in die
Regierung wiederherzustellen. Wir bemühen uns um eine Stärkung des Weltfriedens, lenken die Aufmerksamkeit auf die Menschenrechte und wollen
beispielhaft zeigen, was ich in meinem Wahl kämpf und auch seitdem ich in
meinem Amt bin, zum Ausdruck zu bringen versuchte, daß meine Partei und das,
wofür ich stehe, eine Verbindung von Mitgefühl und Kompetenz in der
richtigen Form sind.
Bisher waren wir nicht in der Lage, diese Kluft in adäquater Weise
zu überbrücken. Ich glaube, daß wir einen Schritt in der richtigen
Richtung getan haben, aber ein oder zwei Sätze oder ein kurzes, geschicktes
Schlagwort zu finden, um eine Administration in ihrem formativen oder auch
selbst in ihrem produktiven Stadium zu identifizieren, das ist nahezu
unmöglich.
Frage:

Wenn ich es Ihnen in einer anderen Weise darstellen darf, es

ist einmal gesagt worden, daß jede große neue Gestalt in der Literatur
unsere Vorstellung von Literatur verwandelt.

Ich glaube, das gleiche

gilt wahrscheinlich auch für die Präsidentschaft.
von dem, was das Land überhaupt ist.

Sie repräsentiert etwas

Sie sind der jüngste Repräsentant

dieser Tradition und ich wüßte gern, ob Sie jetzt nach zwei Jahren in
der Administration wissen, was Sie gern hinterlassen würden.
Antwort:
- 3 -

�Antwort:

Ich glaube nicht, daß sich meine Ziele sehr verändert

haben, seit ich daran dachte, mich für die Präsidentschaft zu bewerben,
also vier Jahre, bevor ich gewählt wurde, und in den letzten beiden Jahren.
Es gibt keinen Zweifel, daß unsere Nation schweren Schaden genommen
hat durch den Vietnamkrieg und durch die Watergate-Skandale und die CIAEnthüllungen,und ich glaube, daß die Menschen in unserem Lande auch
mißtrauisch wurden und anzunehmen begannen, daß viele in entscheidenden
Positionen stehenden Vertreter der Öffentlichkeit unehrlich seien, nicht
geradeheraus mit der Wahrheit hervortreten und daß unser Land bei der
großen Mehrheit der Nationen der übrigen Welt keinen Respekt mehr fand.
Es gab bei unseren eigenen Verbündeten und Freunden Bedenken, daß
wir für solche einträten, die die Personifizierung der Menschenrechtsverletzungen waren, und ich denke, daß wir in all dieser Hinsicht, wie
die Leute unsere Regierung beurteilen, sei es vom Standpunkt des
amerikanischen Bürgers oder der führenden Vertreter und Bürger ausländischer
Staaten, einen guten Fortschritt in der Richtung auf das Ziel hin gemacht
haben, das rechte Bild einer guten Nation mit Integrität und Zielsetzung
und Offenheit und auch mit einem Präsidenten, der wirklich für das Volk
selbst spricht, wiederhergestellt haben.
Ein Problem ergab sich, daß bei der Offenheit, die ich zu schaffen
versuchte, in. der Debatte über komplizierte Dinge die Klarheit ausblieb.
M e einfachsten Entscheidungen, die ich zu treffen habe, sind - wie ich
in vergangener Woche vor dem FFA-Konvent in Kansas City sagte - diejenigen
über die ich am wenigsten weiß, und daß, je mehr man über das Thema weiß,
über all die Komplexitäten auf beiden Seiten, die detai 11 ief.ten;:urid.verwickelten Argumente es um so schwieriger ist, eine Entscheidung zu treffen.
Wenn man über eine Sache nicht viel weiß, dann kann man eine sehr
rasche und leichte Entscheidung fällen. Aber ich denke, daß wir bei der
Korrektur einiger der Mängel, die in unserer Regierung bestanden, gute

- 4 -

�gute Fortschritte gemacht haben, und ich glaube, die Geschichte wird uns
nun mit Wohlwollen betrachten.
Frage:

Während Sie reden, fällt mir ein, daß seit 1960 kein Präsident

mehr zwei Amtsperioden im Weißen Haus bis zum Ende durchgestanden hat.
Kennedy wurde gewählt und ermordet, Johnson wurde gewählt und verlor
das Vertrauen, Nixon wurde gewählt und endete in Schimpf und Schande,
Ford wurde ernannt und verlor die Wahl. Möchten Sie der erste Präsidnet
sein, der seit 1960 zwei Amtsperioden zu Ende bringt?
Antwort: Darüber habe ich noch nicht entschieden. Ich möchte dieser
Ehre wert sein und wenn ich mich entschließe, mich 1980 zur Wiederwahl zu
stellen, dann beabsichtige ich auch zu gewinnen. Aber in kann verstehen,
warum es für einen Präsidenten schwierig ist, zwei Amtsperioden durchzustehen.
Man ist die Personifizierung der Probleme, und selbst wenn man ein Problem
erfolgreich angeht, wird man mit ihm identifiziert. Und das ist es, was
die Verantwortung der Präsidentschaft ausmacht.
Frage:

Herr Präsident, ist das der Grund warum sich das gestörte

Verhältnis zur Präsidentschaft in immer stärkerem Maße ausgebreitet hat?
Seit etwa fünfzehn Jahren hat man fast den Eindruck, als ob das amerikanische
Volk oder wesentliche Vertreter des amerikanischen Volkes sich in aller
Stille immer mehr von der Präsidentschaft distanziert haben und in ihr
nicht mehr das Symbol der Nation als Ganzes sehen.
Antwort:

Das mag wohl stimmen, aber es gibt da besondere Umstände

hinsichtlich der Präsidenten, die Sie erwähnten.

Kennedy wurde ermordet.

Ich glaube nicht, daß das irgendeine direkte Beziehung zur Präsidentschaft
als solcher hatte. Das war einfach ein tragisches Ereignis, das - so hoffe
ich - sich nicht wiederholen wird.
In Johnson

- 5 -

�In Johnson sah das Land meiner Ansicht nach denjenigen, der in erster
Linie verantwortlich war für die Fortsetzung des Vietnam-Krieges und dieser
Krieg lag wie eine Zentnerlast auf seinem Nacken und zog ihn nieder.
Ich denke, er hat das beste, was er konnte, getan, um den Krieg
zu beenden und ich weiß, daß er persönlich wegen der Verluste amerikanischer
Menschenleben in Vietnam sehr gelitten hat.
Nixon, sein Nachfolger hatte allerdings das besondere Problem mit Watergate und Ford wurde mit der Begnadigung Nixons identifiziert und hatte nicht
genug Zeit, wie ich meine, um sich selbst zu etablieren

und im Amt zu

bleiben.
Das waren also besondere Umstände, aber ich glaube nicht, daß es im
Amt selbst liegt, daß man aus ihm wegen irgendwelcher widriger Ereignisse
herausgedrängt wird.
Frage:

Sie stimmen also nicht einem Ihrer Vorgänger zu, der sagte,

daß es ein glänzendes Elend sei?
Antwort: Nein, ich glaube, es war Präsident Nixon, der sagte, es
sei ein glänzendes Elend, nein ich habe mich nicht elend gefühlt in diesem
Amt. Ich möchte auch darauf hinweisen, daß es freiwillig ist. Niemand
ist meines Wissens bisher gezwungen worden, Präsident zu sein, und in der
Tat, trotz der schwierigen Aufgaben und Probleme und der gelegentlichen
Enttäuschungen und Kritiken, mir gefällt es.
Frage:
Antwort:

Was ist das schwerste daran?
Ich glaube das schwerste daran ist der Versuch, in hartem

Widerstreit miteinander stehende Ideen höchst ehrenwerter Menschen in das
richtige Verhältnis zueinander zu bringen.
gar nicht bis auf meinen Tisch.

Die leichten Probleme kommen

Wie Sie wissen, werden die leichten

- 6 -

�leichten Probleme im Leben von jedem Einzelnen oder innerhalb der Familie
oder vielleicht im Rathaus oder einem Amtsgebä'ude oder dem Parlament eines
Bundesstaates gelöst. Die aber, die sich nach allen intensiven Anstrengungen nicht lösen lassen, die kommen hierher ins Weiße Haus zur
Lösung, und das sind dann ganz andere Probleme.
Und ich glaube, der Versuch, diese miteinander in Konflikt stehenden
Ideen zueinander in ein Verhältnis zu bringen, ist vielleicht die schwerste
Aufgabe für einen Präsidenten.

- Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis Frage: Sie haben vor nicht allzulanger Zeit gesagt: "Ich empfinde
mein Leben jetzt, als befände ich mich in einer schweren Prüfung mit Fragen,
die vielfache Möglichkeiten der Beantwortung bieten, bei der man mir Dinge
vorlegt, und ich habe die schwierige Entscheidung zu treffen."
Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Antwort:

Ich habe nichts gefunden, was leicht ist an diesem Amt.

Aber ich habe auch nicht erwartet, daß es leicht sein würde, als ich hierher
kam.

Ich erwähnte ein Beispiel bereits früher:

Die Tatsache, daß wir sehr

besorgt um den Schutz der Sicherheit unserer Nation sein und jede Eventualität
bedenken müssen, wenn wir mit der Sowjetunion zu keinem Fortschritt in
Richtung auf den Frieden gelangen.
Zur gleichen Zeit aber müssen wir jede Möglichkeit erkunden, um ein
friedliches Verhältnis zur Sowjetunion zu haben, um Spannungen abzubauen und
um eine gemeinsame Grundlage zu finden, auf der wir in der Zukunft tatsächlich
eine Freundschaft aufbauen können.

Und dies beides, die beiden Seiten dieser

Möglichkeit, sind nicht nur außerordentlich schwierig, sondern stehen allem

- 7 -

�allem Anschein nach in Widerstreit miteinander.
Frage:

Worauf zielen die Sowjets Ihrer Meinung nach ab?

Sehen Sie

in der Sowjetunion eine in erster Linie defensive Macht, die ihre eigene
Position in der Welt zu festigen sucht, oder sehen Sie in ihr eine aggressive
Macht, die bemüht ist, ihre Position in der Welt auszuweiten?
Antwort:

Um einmal überaus großmütig zu sein - aber auch nicht zu

weit vom Punkte abzukommen - ich glaube, daß die Sowjets vor allem Frieden
und Sicherheit für ihr eiqenes Volk wollen, und sie übertreiben zweifellos
jede scheinbare Drohung gegen sie und müssen es, um sicher zu sein, daß
sie in der Lage sind, sich selbst zu schützen.

Gleichzeitig, wie es mit

uns der Fall ist, möchten sie gern ihren Einfluß bei anderen Völkern
in der Welt ausweiten, im Glauben, daß ihr Regierungssystem, ihre Weltanschauung

das Beste seien.

Das heißt, wir müssen für die Zukunft bei bestehendem Frieden zwischen
uns planen, mit ihnen in Konkurrenz zu stehen und in der Lage zu sein,
zugleich aggressiv und erfolgreich zu konkurrieren.
Aber ich möchte sagen, daß dieses ihre beiden Grundmotive sind,
so wie auch bei uns, Sicherheit für sich selbst und den eigenen Einfluß
in der übrigen Welt soweit wie möglich zum Tragen zu bringen.
Frage:

Nun gibt es Leute, die der Meinung sind, daß es das Ziel

der Sowjets sei, uns gegenüber sowohl in bezug auf herkömmliche als auch
auf strategische Waffen eine Überlegenheit zu erlangen, und daß wir uns
daher nicht damit zufriedengeben

sollten, ein Gleichgewicht zu erzielen,

sondern daß wir ihnen gegenüber überlegen sein sollten.
die Alternativen, über die man spricht.
Antwort:

Das sind praktisch

Was haben Sie dazu zu sagen?

Sie werden uns weder in nationaler noch in der gesamten

militärischen Stärke überlegen sein.

Wir sind wirtschaftlich gesehen bei

- 8 -

�bei weitem die stärkere Nation.

Unsere Produktivitätskapazität ist

der sowjetischen überlegen und wird es meiner Meinung nach immer sein.
Wir stützen uns auf ein lebendiges, dynamisches gesellschaftliches
und politisches System, das auf Freiheit und Individualität basiert, sowie
auf eine gemeinsame Zielsetzung, die von unserem Volk getragen wird und
ihm nicht durch eine autokratische Regierung auferlegt wurde.

Ich meine,

daß die Tatsache, daß wir keine Kontrolle über irgendein Volk in der Welt
wünschen, uns einen Wettbewerbsvorteil gibt, wann immer irgendwo eine neue
Regierung entsteht

oder wann immer wir nach Freunden suchen.

uns mehr als der Sowjetunion.

Man vertraut

Die Sowjets geben mehr als doppelt so viel

ihres Bruttosozialprodukts für militärische Dinge aus, aber wir sind
dennoch weitaus stärker, und wir werden zumindest zu unseren Lebzeiten immer
stärker sein als sie.
Wir sind von Freunden und Verbündeten umgeben;

Kanada im Norden,

Mexiko im Süden, zwei offene und zugängliche Ozeane im Osten und Westen.
Wenn wir die Dinge aus der Perspektive des Kreml betrachten, dann sehen
sich die Sowjets fast einer Milliarde Chinesen gegenüber, die eine starke
Animosität und ein starkes Mißtrauen gegenüber den Sowjets und gegenüber
dem Westen haben.

In Osteuropa können sich die Sowjets auf ihre Verbündeten

und Freunde nicht annähernd so verlassen, wie das bei unseren Verbündeten
der Fall ist.

Moskau hat auch Schwierigkeiten hinsichtlich eines unge-

hinderten Zugangs zu den Ozeanen, das Klima bei ihnen ist nicht so gut
wie bei uns, ihr Land ist nicht so produktiv wie unseres.
Wenn es also in der Gegenwart oder in der Zukunft um eine Herausforderung
seitens der Sowjetunion geht, dann meine ich, daß unser Land gut dabei
wegkommt, und dafür danke ich Gott.
Frage:

Aber sind Sie denn der Meinung, daß die Einstellung, daß wir

die Nummer eins seien, die jetzt viele Leute geräuschvoll zum Ausdruck

�Ausdruck bringen, eine gesunde Einstellung ist?
Kann denn dieses ganze Problem, daß man Nummer eins sein müsse,
jemals zu etwas anderem führen

als zu einer zunehmenden Eskalation der

Spannungen und zu zunehmenden Ausgaben für die Rüstung?
Antwort:

Was den Bereich der Kernwaffen angeht - und hier ist, wie

Sie wissen, unser Wettstreit mit den Sowjets am direktesten - so haben
beide Seiten die Konzeption eines ungefähren Gleichgewichts akzeptiert wir sind in etwa gleichwertig.
wir haben mehr davon.

Die Sowjets haben größere Gefechtsköpfe,

Wir haben drei unterschiedliche Trägersysteme für

die Gefechtsköpfe, die sich gegenseitig ergänzen - wenn es jemals soweit
kommen sollte, aber ich glaube nicht, daß es jemals soweit kommen wird.
Wir haben eine weitaus höher entwickelte elektronische Technologie,und
unsere Überwachungssysteme sind vermutlich genauso gut, wenn nicht besser
als die sowjetischen.
Unsere Unterseeboote laufen leiser als die ihren.

Wir verfügen über

den Vorteil des gewaltigen Reservoirs eines freien Unternehmertums, das
voller Innovation ist und uns voranbringt.

Bei uns ist das Zusammenspiel

zwischen der Produktion ziviler oder friedlicher Güter auf der einen Seite
und militärischer Güter auf der anderen Seite weitaus enger.
Ich meine also, daß im Falle der Nuklearwaffen ein Gleichgewicht
besteht, und die Sowjets erkennen das an und wir auch.
Beide Seiten sind sich darüber im klaren, daß keiner den anderen
angreifen kann, ohne ungestraft davonzukommen. Wir können - sollte das
sein müssen - einen Angriff seitens der Sowjetunion verkraften und könnten
dann immer noch ihr Land zerstören, und die Sowjets wissen das ebenso wie
wir.
Ich bin also der Meinung, daß diese schreckliche Gewißheit der gegen-

- 10 -

�gegenseitigen Zerstörung einen Angriff verhindern wird.

Wir haben nicht

die Absicht - und auch nicht die Sowjets -, die Fähigkeit zu entwickeln,
das andere Land zu zerstören, ohne selbst durch nukleare Kräfte zerstört
zu werden.
Was nun die Frage der landgestützten Waffen angeht, so haben die
Sowjets - wie ich bereits vorher sagte - verletzliche Grenzen. Sie haben
Nachbarn, denen sie nicht so gut vertrauen können, wie es bei uns der Fall
ist, und auf dem nuklearen Felde sehen sie sich sogar drei weiteren
Nuklearmächten gegenüber, die im Falle einer Krise potentielle Gegner
sein könnten: den Chinesen, den Briten und den Franzosen - und dann
noch uns. Uns steht keiner von diesen als potentieller Gegner gegenüber.
Aber ich glaube, daß eine Nation, die sich übertrieben stark gibt, die
behauptet, sie sei so mächtig, daß sie das andere Land beherrschen oder
zerstören könnte, sich in das eigene Fleisch schneiden würde, und ich
glaube auch nicht, daß wir oder die Sowjets eine solche Kapazität entwickeln
könnten, selbst wenn wir dies wollten.

- Iran Frage: Lassen Sie mich noch einmal auf die Gleichung zurückkommen,
daß es mehrere Lösungen für schwierige Fragen gibt, und sie auf andere
derzeitige und sehr brennende Fragen anwenden. Die eine davon ist der
Iran. Welche Möglichkeiten sehen Sie da?
Antwort:

Wir sehen, wie Sie wissen, in dem Schah einen Freund,

einen loyalen Verbündeten, und das gute Verhältnis, das der Iran heute
zu den anderen Demokratien der Welt, den westlichen Mächten hat,ist
überaus konstruktiv und wertvoll.

Wenn es also einen starken und unabhängigen

Iran in diesem Raum gibt, dann ist dies ein sehr stabilisierender Faktor,
und wir würden es sehr, sehr ungern sehen, wenn dieses Land durch Gewalt

- 11 -

�Gewalt zerstört und die Regierung mit all den unabsehbaren Folgen gestürzt
würde.

Der Schah ist in erster Linie innerhalb des Iran kritisiert worden,

weil er versucht hat, das Land zu demokratisieren und weil er in rascher
Folge soziale Reformen eingeführt hat.
Einige seiner innenpolitischen Gegner sind nicht mit der Art und Weise
einverstanden, in der dies geschah, oder sie sind der Meinung, daß dies
nicht schnell genug - oder gar zu schnell - geschah, und sie beklagen, daß
der Schah im Zuge der Modernisierung des Iran mit hergebrachten religiösen
und sozialen Sitten und Gebräuchen gebrochen habe.
Frage:

Er wird aber auch kritisiert, weil er die Politik eines

Polizei Staates führe?
Antwort:

Das ist absolut richtig.

Ich glaube, diese Kritik gegenüber

dem Schah war zu hören, manchmal vielleicht gerechtfertigt.
Einzelheiten nicht.

Ich kenne die

Aber ich meine, es kann kein Zweifel daran bestehen,

daß der Iran große soziale Fortschritte erreicht hat und auch Fortschritte
hinsichtlich der freien Meinungsäußerung.

So hat der Schah noch in den

letzten Monaten das Parlament ermächtigt oder angewiesen, seine Erörterungen
in aller Öffentlichkeit und auch im Fernsehen durchzuführen - etwas, was
selbst wir in unserem Lande nicht tun.
Frage:

Glauben Sie, dies alles kommt zu spät?

Antwort: Ich hoffe nicht. Ich weiß nicht, was letztlich eintreten
wird. Ich möchte hoffen, daß bald eine Koalitionsregierung gebildet werden
kann. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es dort eine quasi Militärregierung.
Der Schah hat erneut seine Verpflichtung bekräftigt, offene und demokratische
Wahlen durchzuführen - vielleicht in sechs oder acht Monaten. Ich hoffe,
daß dies möglich sein wird.
Wir möchten, daß das iranische Volk seine Ansichten klar zum Ausdruck

- 12 -

�Ausdruck bringen kann und daß es eine Regierung hat, die intakt ist und
die Ansichten der Mehrheit klar zum Ausdruck bringen kann.
Frage: Aber können wir irgend etwas tun, um eine solche Entwicklung
zu fördern, oder sind unsere Hände gebunden?
Antwort:

Nein, wir werden nicht versuchen, uns in die inneren Angelegen-

heiten des Iran einzumischen.
Frage: Wir haben aber doch dazu beigetragen, daß er an die Macht kam.
Meinen Sie jetzt, daß wir nichts tun können, um ihn an der Macht zu halten?
Antwort:
Frage:

Ich glaube, diese Entscheidung muß das iranische Volk treffen.
Schmerzt es manchmal, wenn Sie sich zurückhalten müssen und

nichts tun können, wo Sie doch genau wissen, daß in einem Teil der Welt,
der jenseits Ihrer Einflußnahme steht, große Dinge auf dem Spiele stehen?
Antwort: Wir haben in gar keiner Weise die Absicht, uns in die inneren
Angelegenheiten eines anderen Landes hineinziehen zu lassen, es sei denn,
unsere eigene Sicherheit wäre direkt bedroht, und das ist eine Denkweise,
die ich zum Ausdruck gebracht habe, seit ich mich im nationalen politischen
Bereich betätige.
Ich bin der Meinung, daß wir harte Lektionen lernen mußten, und zwar
in Vietnam und anderswo. Und wir haben uns immer bemüht, unseren Verbündeten und Freunden gegenüber loyal zu sein; die Mehrheitsherrschaft
auf der Basis eine Person eine Stimme; die demokratischen Verfahren und
den Schutz der Menschenrechte zu fördern.
Ohne Zweifel waren wir nicht immer erfolgreich bei dem Versuch, andere
Völker zu ermutigen, es unseren Normen und Leitsätzen gleich zu tun, aber
ich bin doch der Meinung, daß wir bei diesem Bemühen Beharrlichkeit bewiesen

- 13 -

�bewiesen haben.
Frage:

Aber das ist genau der Punkt, wo in manchen Kreisen dieses

Landes Kritik laut wird dahingehend, daß die Sowjets beispielsweise ein
Interesse daran hätten, was im Iran passiert, und daß sie in ihrer Bewegungsfreiheit - heimlich oder offen - unbehindert seien, während wir wenn wir die von Ihnen vertretene Haltung verfolgen - gebunden seien und
nichts tun könnten, obwohl wir doch - heimlich oder öffentlich - in dieser
Angelegenheit eine harte Position beziehen und erklären sollten, daß wir
zwar den Schah nicht besonders lieben, aber ihn doch an der Macht haben
wollen.

Sie sagen, dieser Zeitpunkt sei vorüber und daß wir das nicht tun

könnten?
Antwort: Nein. Wir haben durch meine eigenen öffentlichen Erklärungen
sowie durch die von Außenminister Vance klargestellt, daß wir den Schah
und die gegenwärtige Regierung unterstützen, wobei wir uns darüber im klaren
sind, daß wir keinerlei Kontrolle über die Entscheidungen haben, die
letztlich das iranische Volk treffen muß, und auch nicht auf die Stabilität
in diesem Gebiet; wenn der Terrorismus, die Gewalt und die Anarchie im
Gefolge eines völligen Sturzes der iranischen Regierung Erfolg hätten, dann
wäre dies eine Bedrohung für den Frieden.
Uns liegen beispielsweise keinerlei Beweise dafür vor, daß die Sowjets
versuchten, die bestehende Regierungsstruktur im Iran zu zerstören, oder
daß sie eine Quelle der Gewalt in diesem Lande darstellten. Ich meine,
sie sind sich darüber im klaren, daß sie eine sehr lange Grenze mit dem
Iran haben und daß eine stabile Regierung - wer auch immer deren führende
Politiker sein mögen - für sie nur von Wert sein könnte.
Das kann sich durchaus ändern.

Sollte es sich herausstellen, daß

der Schah sehr schwach ist und daß andere Kräfte vielleicht an die Macht
kommen könnten, dann ist es durchaus möglich, daß die Sowjets diese ihre

- 14 -

�ihre Haltung ändern.

Aber das sind die Dinge, wie sie jetzt stehen.

- Der Nahe Osten und Camp David Frage:

Was haben Sie denn zum Nahen Osten zu sagen, Herr Präsident?

Antwort: Ich habe hunderte von Stunden für die Vorbereitung sowie für
die direkten Verhandlungen mit den Führern des Nahen Ostens, insbesondere
Ägyptens und Israels,verwandt,und auch Außenminister Vance hat unter Aufgabe
eines Teils seiner anderen Verpflichtungen für die Außenpolitik versucht,
einen erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen über einen Friedensvertrag
herbeizuführen.
Und auch hier haben wir keinerlei Machtbefugnisse über jemand anderen.
Wir können keinen Druck ausüben, um die Israelis und die Ägypter zu einer
friedlichen Regelung der Streitfälle zu veranlassen, die sie trennen.
Der Rahmen von Camp David, fast ein Wunder, was einen Abschluß angeht,
- und es scheint jetzt im Rückblick ein größeres Wunder zu sein, als zur
Zeit seines

Zustandekommens - bildet eine vernünftige Basis zwischen Ägypten

und Israel.

Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß beide Länder aus einem

Frieden den größten Nutzen ziehen würden.
Frage: Und dennoch scheinen sich die Gespräche heute in einer Sackgasse
zu befinden?
Antwort: Die gegenwärtigen Meinungsverschiedenheiten sind - verglichen mit den Vorteilen die erzielt werden können - relativ unbedeutsam.
Die Vorteile sind im Vergleich mit den Meinungsverschiedenheiten so überwältigend, daß ich hoffe, daß die Ägypter und die Israelis Fortschritte in
Richtung auf den Frieden machen werden.
Frage:
- 15 -

�Frage:

Was steht denn diesen Fortschritten heute entgegen?

Antwort:

In Camp David haben wir einen Rahmen geschaffen.

Dieser

enthielt eine ganze Menge an Substanz, aber er erforderte dennoch Verhandlungen über Details und spezifische Fragen, und es gibt eben keine
Möglichkeit, einen Friedensvertrag mit all den Einzelheiten und den detaillierten Absprachen, mit den vereinbarten Landkarten, skizzierten Linien
und Zeitplan abzuschließen, ohne weit über das hinaus zu gehen, was der
Rahmen von Camp David darlegte.
Es haben also beide Seiten voneinander zusätzliche Sicherheiten gefordert, die über das hinausgehen, was speziell in Camp David vereinbart
wurde.

Und ich denke doch, daß die beiden Regierungen in einigen Fällen

- ja in manchen Fällen - eine ziemlich gute Übereinkunft erreicht haben.
Was nun weiterhin geschehen wird, weiß ich nicht, wir hoffen daß
beide Seiten weiterhin auf die Erreichung eines Abkommens hinarbeiten
werden, daß sie darauf hinarbeiten werden, einander zu verstehen,und die
Konsequenzen eines Fehl Schlages gegen die Vorteile eines Erfolges abwägen,
und daß beide flexibel sind.
Es handelt sich um uralte Argumente, um historisches Mißtrauen, das
nicht leicht zu überwinden ist, und was daran so frustrierend ist, ist
die Tatsache, daß wir an diesen Verhandlungen teilhaben, daß wir jedoch
Israel nicht veranlassen können, die ägyptischen Forderungen anzunehmen oder umgekehrt. Wir müssen danach trachten, einige dieser Forderungen
abzuschwächen und unseren Einfluß geltend zu machen. Ich weiß wirklich
nicht, was hier geschehen wird. Wir beten darum,daß diese Abkommen zustande kommen.
Frage:

Ersuchen Sie beide Seiten darum, weitere Konzessionen zu

machen?
Antwort:

- 16 -

�Antwort:

Ja, Tag und Nacht.

Wir ersuchen beide Seiten, doch auf jeden Fall konstruktiv zu handeln,
nicht auf einer festgefahrenen Position zu beharren, die Verhandlung fortzusetzen, auf unseren Vorschlag einzugehen und diesen Kompromissen zuzustimmen.
Das waren und sind unsere Bemühungen, die auf einer konstanten Basis
forgesetzt werden.

Ich glaube, es wäre einfach schrecklich, wenn wir kein

friedliches Abkommen zwischen Israel und Ägypten erreichen könnten.
Frage:

Und was würde dann geschehen?

Antwort: Dann würden unsere Kinder, unsere Enkelkinder, zukünftige
Generationen auf diese Zeit zurückblicken und sagen, daß kleine, winzige
technische Dinge, Sätze, die Formulierung von Vorstellungen, legalistische
Einzelheiten, die zu jener Zeit angesichts eines Abkommens zwischen Ägypten
und den Israelis von überragender Wichtigkeit schienen, absolut keinerlei
geschichtliche Bedeutung haben. So stehen im Grunde die Probleme.
Frage:

Wollen Sie damit sagen, daß der Engpaß von heute aufgrund von

technischen Dingen und nicht aufgrund von wesentlichen Grundsatzfragen
entstanden ist?
Antwort:

Ja!

Verglichen mit den Prinzipien, über die bereits Einigung

erzielt worden ist, sowie mit dem Gesamtbereich der Dinge sind die Meinungsverschiedenheiten jetzt relativ unbedeutsam.
Frage: Ägypten möchte die gegenwärtigen Verhandlungen, so wie ich
es sehe, mit der zukünftigen Lösung der Probleme des Gazastreifens und
des Westufers verbunden wissen. Wer ist nun eigentlich eigensinniger?
Antwort:

Ich möchte nicht damit anfangen, zu sagen, wer nun eigentlich

- 17 -

�eigentlich eigensinniger ist.

Ich meine, beiden Seiten muß eine ent-

sprechende Eigensinnigkeit zugeschrieben werden.
Frage: Sie sprachen von Enkelkindern; und nach Camp David haben Sie
gesagt, daß ein kritischer Augenblick dadurch überwunden werden konnte,
daß jemand an gerade diese Enkelkinder gedacht habe. Könnten Sie sich dazu
näher äußern?
Antwort:
zuzumessen;

Es ist vielleicht ein Fehler, dieser Sache zuviel Bedeutung
aber während der letzten Verhandlungsstunden in Camp David,

als es den Anschein hatte, daß alles zusammenbrechen würde, schickte mir
Ministerpräsident Begin einige Fotografien von sich und mir und Präsident
Sadat hinüber mit der Bitte, sie zu signieren.
Zu dieser Zeit ging es gerade um Jerusalem, das sich als ein fast
unüberwindbäres Hindernis erwies und worüber wir später übereinkamen, es
nicht in das Rahmenwerk einzuschließen. Und statt meiner Unterschrift
unter diese Fotos zu setzen, wie es Präsident Sadat getan hatte, schickte
ich meine Sekretärin, Susan Clough hinüber und erhielt von einem seiner
Berater die Namen all seiner Enkel. Ich widmete diese Fotos dann persönlich
all seinen Enkeltöchtern und Enkelsöhnen, unterzeichnete und trug sie dann
zu ihm hinüber - und zwar in einem der angespanntesten Augenblicke -, ich
überreichte ihm die Fotos, und er begann, über den Zusammenbruch der Verhandlungen zu sprechen. Dann blickte er auf die Fotos und sah, daß ich
alle Namen seiner Enkelkinder darauf geschrieben und sie signiert hatte;
und dann begann er mir von seinem Lieblingsenkel zu erzählen sowie über die
Eigenheiten der verschiedenen anderen Enkelkinder und wir hatten ein ziemlich
gefühlsbetontes Gespräch über die Vorteile, die sich für meine beiden
Enkel sowie seine Enkelkinder ergeben könnten, wenn wir den Frieden erreichten.
Ich glaube, das löste die bestehende Spannung, die zu dem damaligen Zeitpunkt zu einem Hindernis für jede Art von Lösung hätte werden können.

Frage:

Welche Schlüsse ziehen Sie nun daraus hinsichtlich der Natur

- 18 -

�Natur dieser Probleme und ihrer Lösung?
Antwort: Sehen Sie, wenn Sie die Probleme unter dem Gesichtspunkt
betrachten, welche Wirkung sie auf die Menschen haben, auf kleine Kinder,
auf Familien, ja auf den Verlust des Lebens, dann erlangen Abkommen, die
Notwendigkeit für Abkommen, eine alles überragende Bedeutung. Wenn die
internationalen Anwälte nun die Dinge in die Hand nehmen und sich mit den
technischen Einzelheiten befassen - mit der Frage beispielsweise, ob ein
bestimmtes Ereignis sich in neun Monaten oder achteinhalb Monaten oder zehn
Monaten vollziehen soll oder noch früher, ob beispielsweise diese Demarkationslinie um einen bestimmten Hügel herumgeführt oder über ihn hinweggehen soll,
oder ob die Beobachtungstürme 150 Fuß hoch, 200 Fuß hoch, oder 125 Fuß hoch
sein sollen, dann erlangt die menschliche Dimension offensichtlich überragende Bedeutung, aber wenn dann wiederum die Verhandlungsführer sich an
einen Tisch setzen und mit ihren Gesprächen beginnen, besteht die Tendenz,
daß die menschliche Dimension immer geringer wird und daß man sich an den
legal istischen Einzelheiten, an dem Vertragstext sowie exakten Zeitplänen
festbeißt und historische Perspektiven keine Bedeutung mehr haben.

Ein weiteres Problem - und zwar eines der ernsthaftesten - war, daß
es in Camp David keine täglichen Presseunterrichtungen gab; und von dieser
Absprache gingen wir auch hier in Washington aus, als die Gespräche begannen,
daß nämlich keine Seite direkte Erklärungen gegenüber der Presse abgeben würde.
Wie Sie wissen, ist diese Absprache nicht eingehalten worden, und das hat
für uns weitere gewaltige und unnötige Probleme geschaffen.
Frage:

Sie meinen, daß es auf beiden Seiten undichte Stellen gab?

Antwort: Nicht nur undichte Stellen, sondern fast jeden Tag sehe
ich im Fernsehen Interviews von zumindest einer der beiden beteiligten
Seiten. In Camp David arbeitete ich ferner direkt mit den Staatschefs zusammen.
Hier in Washington arbeiten wir mit den Verhandlungsführern zusammen, und
diese wiederum berichten ihre Entscheidungen zurück an ihren Staatschef oder

- 19 -

�oder an das Kabinett, das Kabinett stößt sie wieder um, veranlaßt die
Verhandlungsführer zu einer Änderung des Textes oder auch nur eines Wortes,
und praktisch sind es dann die radikalsten Mitglieder der Regierungen, die
den Haupteinfluß auf den Verhandlungsprozeß ausüben - statt daß man die
Staatschefs in einer Entfernung von etwa 100 Metern hat (wie in Camp David)
und sie ein für alle mal diese Fragen lösen können.
Ich bin also der Meinung, daß die Nachfolgekonferenz von Camp David
viel mehr Zeit in Anspruch nimmt und weitaus frustrierender ist, als dies
in Camp David der Fall war, wo wir drei in erster Linie die Verhandlungen
geführt haben.
Frage:

Wenn ich das Logbuch von Camp David lese, dann ergibt sich

daraus, daß sie insgesamt 27 1/2 Stunden mit Sadat und 29 Stunden mit Begin
sowie 9 Stunden mit Sadat alleine und 6 Stunden mit Begin alleine verbracht
haben, wobei sonst niemand im Raum war - so wie es bei Roosevelt und
Churchill der Fall war.
Glauben Sie, daß Sie die meisten dieser größeren Fragen, denen wir uns
gegenüber sehen, lösen könnten, wenn Sie die Leute in einen Raum bekämen
und mit ihnen sprechen könnten? Man hat gesagt, daß Lyndon Johnson weitaus
mehr hätte erreichen können, hätte er nur die Leute einen nach dem anderen
überzeugen können, statt zum Fernsehen und zu öffentlichen Reden Zuflucht
zu nehmen.
Glauben Sie, daß andere Probleme, vor denen Sie stehen, gelöst werden
könnten, wenn Sie sich sozusagen Auge in Auge mit dem Gegner aussprechen
könnten?
Antwort:

Ich könnte keinen Erfolg garantieren, aber ich meine doch,

daß die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges ohne Frage größer wäre.

- 20 -

�- Die Amtseinführung Frage:

Das führt uns auf etwas zurück, was Sie auch schon vorhin

sagten, daß nämlich alles, was Sie tun, niemals in einem Sinne gesehen wird,
wie Sie es zu tun versuchen, daß Sie für viele Menschen in vielerlei Weise
erscheinen.

Wie lösen Sie diese Widersprüche?

Antwort: Das kann nicht ausbleiben. Das schwierigste Problem, mit
dem ich fertig werden muß, besteht darin, daß ich mich für die Menschen in
aller Welt nicht als einschichtigen oder ganz einfachen Charakter oder
Person darstelle.
Die Tagesordnung eines durchschnittlichen Arbeitstages für mich ist
unglaublich vielschichtig, und ich muß von einem Thema zum anderen übergehen, von innenpolitischen zu außenpolitischen Fragen, von einem Land zum
anderen, von einem Problem zum anderen.

Und es ist mir einfach nicht

möglich, in wenigen Worten zu sagen, was ich an diesem oder jenem Tag getan
habe, sodaß dieser vielschichtige Eindruck unausweichlich eintritt.
Das einzige, was ich nach meinem eigenen Wissen und Gewissen tun
kann, ist, jedes Problem um seiner selbst willen zu bedenken und eine
Entscheidung zu treffen, die nach meiner Überzeugung zu dem gegebenen
Zeitpunkt die beste für mein Land und für mein Volk ist.
Es ist natürlich ein Vorteil, gute Berater zu haben, und ich habe
gute Berater.
Ich bin kritisiert worden, weil ich mich zu sehr in die Einzelheiten
eines Problems einließe, aber das ist nun einmal meine Art, und ich glaube,
das zahlt sich gelegentlich sehr gut aus, da ich dadurch in der Lage bin,
die Vielschichtigkeit eines Problems zu verstehen, wenn die endgültige
Entscheidung getroffen werden muß. Ich brauche mich dann nicht ausschließlich
auf meine Berater zu verlassen, die nicht über das Wissen verfügen, das ich

- 21 -

�ich als Präsident allein haben kann.
Aber das ist wohl eine unerfüllbare Hoffnung eines jeden Politikers,
wie ich vermute, von allen bewundert zu werden, allein

eine klare Vor-

stellung von allen Themen zu haben, alles fein verpackt und verschnürt
zu haben, so daß es ohne jeden Zweifel von allen Seiten geprüft werden
kann, seinen Charakter von allen klar erkannt und die universelle Billigung
aller Menschen zu haben, die man vertritt.

All das sind unerfüllbare

Träume.
Frage:

Pat Cadell - er ist einer Ihrer Mitarbeiter - hielt vor kurzem

eine Rede, in der er erklärte, ein Präsident könne Erfolg haben, auch
wenn er wenig leiste, weil die Menschen draußen davon ausgingen, daß er
nicht viel leisten könne. Glauben Sie, daß das stimmt?
Antwort:
Frage:

Ich hoffe, daß ich den Beweis dafür nicht anzutreten brauche!
Wie ich hörte, wurden Sie, da wir von Details sprechen,

kritisiert, weil Sie die Liste geführt hätten, wer wann die Tennisplätze des Weißen Hauses benutzen darf.
Antwort:
Frage:
Antwort:

Tun Sie das noch?

Nein, und ich habe das übrigens auch niemals getan.
Das war also eine Falschmeldung?
Ja, ganz sicherlich.

Frage: Ernsthaft gesprochen, ist der Job zu groß? Ist die amerikanische
Regierung, die heute ein 500 Milliarden Dollar-Unternehmen ist, zu groß,
als daß sie von einem einzigen Chef gemanaged werden könnte?
Antwort: Nein, ich möchte nicht tauschen - ich sage das in dem
Bewußtsein, daß natürlich nicht eine Person alles tun kann. Aber der

- 22 -

�der Aufbau der amerikanischen Regierung ist noch immer der beste, den ich
mir vorstellen kann.

Es besteht eine gewaltige Aufteilung der Verantwortung

unter den verschiedenen Zweigen der Bundesregierung, eine angemessene Aufteilung der Verantwortung zwischen mir und den Gouverneuren der Einzelstaaten und den Bürgermeistern und den Kreisverwaltungen auf der kommunalen
Ebene, zwischen der Regierung und den einzelnen Bürgern.
Dieses Kräfteverhältnis hat sich historisch entwickelt, und es hat
sich, wie ich meine, zu dem gegenwärtigen Stand der Dinge entwickelt,
weil man in jedem Falle, in dem eine Änderung eingetreten ist, die Dinge
erprobt und sich die beste Lösung durchgesetzt hat. Aber es wäre ein
schwerer Fehler, eine solche Regierung, sagen wir mit Hilfe eines Ausschusses,
leiten zu wollen. Und ich bin sehr dankbar, daß ich die Mitglieder meines
Kabinetts selbst einstellen und entlassen kann. Ich berate mich mit meinem
Kabinett, und ich höre den Mitgliedern meines Kabinetts zu, aber die
Entscheidung treffe ich alleine. Ich brauche nicht abstimmen zu lassen
und mich nach einer Mehrheit in meinem eigenen Kabinett zu richten, und
wenn man sich vorstellen würde, daß es eine Dreipersonen-Präsidentschaft
gäbe, eine Person, die sich vielleicht um die Außenpolitik kümmert, eine
um die innenpolitischen Fragen und eine, die an der Spitze der Verwaltung
selbst stünde, dann wäre das sicherlich sehr viel schlechter als der
jetzige Zustand.

Ich finde unsere verfassungsmäßige Regelung gut. Wir haben eine
Exekutive mit verfassungsmäßig begrenzter Macht und eine Stimme, mit der
wir die Erwartungen und Hoffnungen unseres Landes richtig und genau, wie
ich glaube, unserem Volk zu Ausdruck bringen können.
Frage:
Antwort:

War Camp David der bisherige Höhepunkt Ihrer Regierungszeit?
Ich möchte sagen, die ersten zwölfeinhalb Tage waren

wahrscheinlich der Tiefpunkt meiner Regierungszeit, der letzte halbe
Tag in Camp David war einer der Höhepunkte.

- 23 -

Das ist alles schwer zu

�zu sagen.
Frage:

Was war für Sie der Tiefpunkt?

Waren Sie sich beispielsweise

in diesem Sommer der zunehmenden Zweifel an Ihrer Fähigkeit als Präsident
bewußt?
Antwort:

Es gab eine Flut von Nachrichten und Aufhängern in den

Wochenblättern und Leitartikeln überall im Lande, die eine Besorgnis
über meine Fähigkeit zum Ausdruck brachten, die Regierung zu leiten.
Ich weiß nicht, ob sie mehr verurteilend oder kritisch waren als
über frühere Präsidenten bis zurück zu Abraham Lincoln und noch weiter
zurück.

Jeder Präsident ist als unfähig und sogar als miserabel kritisiert

und abgetan worden.
Frage: Die Meinungsumfragen über Sie sind in diesem Sommer auch
sehr tief gesunken.
Antwort: Sie sind nicht so tief gefallen wie beispielsweise bei
Harry S. Truman während dessen Regierungszeit, aber sicherlich tiefer,
als ich es gerne gehabt hätte. Ich habe mir jedoch darüber niemals ausgesprochene Sorgen gemacht, denn ich konnte in dem Entwicklungsstadium
beispielsweise feststellen, daß in meinem Umgang mit dem Kongress Fortschritte in bezug auf Entschlüsse eintraten, die schließlich zu Entscheidungen führten, die zeigten, daß der 95. Kongreß auf eine sehr gute
Leistungsbilanz zurückblicken kann.
Und ich glaube, in den Konfrontationen mit dem Kongreß - als wir
uns über zwei oder drei Fragen stritten - habe ich mich durchgesetzt,
weil ich glaube, daß ich recht hatte und Prinzipien aufgestellt habe,
die für die Zukunft gut sein werden.
Aber ich habe auch niemals an meiner eigenen Entschlossenheit

- 24 -

�Entschlossenheit gezweifelt. Ich erkenne durchaus meine eigenen Grenzen
und Fehler. Ich bin nicht allwissend, und ich bin sicherlich nicht
allmächtig. Ich habe eine begrenzte Macht, begrenzte Vollmachten, und ich
versuche, die dem Amt selbst innewohnenden Mängel zu überwinden, so gut
ich kann.
Frage: In Kreisen, in denen ich mich umgehört habe, gibt es Leute,
die gesagt haben, daß Jimmy Carter ein Energiegesetz akzeptiert habe, das
nicht seinen Wünschen entsprach, daß Jimmy Carter sich mit einem Steuergesetz zufriedengegeben habe, das seinen Überzeugungen zuwiderlief, daß
Jimmy Carter einem aggressiven Kampf um eine Reform des Wohlfahrtsprogramms
ausgewichen sei, daß er beim Krankenhauskostendämpfungsgesetz verloren
habe, daß er im Bildungswesen nicht vorankomme. In gewisser Weise sagten
die Leute, daß Jimmy Carter, der versprochen habe, Befähigung und Leistungsfähigkeit in die Regierung zu bringen, an jeder Front gescheitert sei und
sich mit Kompromissen zufriedengebe, die er vorher nicht wollte. Und daraus
ist, wie ich glaube, die Vorstellung von einem schwachen Präsidenten entstanden - von einem Präsidenten, der an einer Front nach der anderen
Niederlagen erleidet.
Antwort:

Das endgültige gesetzgeberische Pensum, wie es verabschiedet

wurde, ist, wie ich meine, ein großes Verdienst des Kongresses und zeigt
eine gute Verträglichkeit zwischen den Parlamentariern und mir und darf
uns alle mit Stolz erfüllen.
Die Tatsache, daß nur sehr wenige Mitglieder des Kongresses bei der
letzten Wahl unterlagen - im Vergleich zu früheren "Zwischenwahlen" ist gut. Wir haben noch immer mehr als 60 Prozent Demokraten im Repräsentantenhaus, über 60 Prozent im Senat und, wie ich glaube, auch rund
60 Prozent bei den Gouverneuren. Das ist doch eine Bestätigung für die
Leistungen der Demokratischen Partei.
•

•

Aber ich glaube, ich muß fairerweise sagen, daß es Zeiten gab, jijn

- 25 -

�in denen ich Kompromisse unterhalb der Schwelle dessen abschließen mußte,
was ich vom Kongreß gefordert hatte.
Energiegesetzes

Wir haben etwa 65 Prozent des

erreicht, das wir dem Kongreß ursprünglich unterbreitet

hatten, vor allem was die Einsparung von Importöl angeht - d.h. etwa
2,5 Millionen Barrel pro Tag statt der 4,5 Millionen Barrel wie vorgesehen.
Ich hätte gerne alles erreicht.
werde

Aber ich bin ja noch im Amt, und ich

später versuchen, noch einiges mehr zu erreichen.

- Die Steuergesetzgebung Frage: Nehmen wir einmal das Steuergesetz; während des Wahl kämpfes
haben Sie erklärt, unser Steuersystem sei eine Schande für die Menschheit.
Das Steuergesetz, das Sie jetzt unterschrieben haben, ist ein Gesetz, das
den großen Steuerzahlern den größten und den kleineren Steuerzahlern den
kleineren Abschlag gewährt. Haben Sie dieses Gesetz mit ruhigem Gewissen
unterzeichnet?
Antwort:

Das ist nicht ganz fair, denn obwohl das Gesetz hinter den

Reformen zurückgeblieben ist, für die ich eingetreten bin, bringt es doch
wesentliche Steuererleichterungen für alle Steuerzahler, und es ist ein
einigermaßen ausgewogenes Gesetz, soweit das möglich ist.
Es war notwendig, daß ein Gesetz verabschiedet wurde - und verglichen
mit der Version, die das Repräsentantenhaus verabschiedet hat, oder
verglichen mit der Version, die der Senat verabschiedet hat, ist der
Kompromiß, der erreicht wurde, besser als jede der beiden vorigen Versionen.
Wenn ich mein Veto gegen das Gesetz eingelegt hätte, nachdem der
Kongreß es mir zugeleitet hatte, dann hätte das mit Wirkung vom 1.1. des
neuen Jahres ein gewaltiges Mehr an Steuern für das amerikanische Volk

- 26 -

�Volk bedeutet - nicht nur ein Verlust einer Steuersenkung von rund
20 Milliarden Dollar, die wir erreicht haben, sondern auch den Verlust
von rund 13 Milliarden Dollar an Steuersenkungen, die im vorigen Jahr
beschlossen worden sind.
Das war also ein Fall, bei dem die Entscheidung schwierig war.

Als

ich wenige Tage vor der Vertagung des Kongresses mit den führenden
Vertretern des Repräsentantenhauses und des Senats zusammentraf - AI Ullman
im Haus und Russell im Senat - habe ich ihnen erklärt:
akzeptieren, und das werde ich nicht akzeptieren".
meinen Vorstellungen gefolgt.

"Das werde ich

Sie sind im wesentlichen

Wenn es auch hinter dem zurückgeblieben ist,

was ich gerne gehabt hätte, so wäre doch mein Veto gegen das Gesetz ein
ganz schwerer Fehler gewesen.

- Die Demokratische Partei Frage:

Die Erläuterung, die rationelle Erklärung, die in Washington

für eine ganze Reihe von Kompromissen notwendig ist, bringt mich zu der
Frage, welchen Weg die Demokratische Partei nach Ihrer Auffassung einschlagen wird.

Wie Sie wissen, haben die Demokraten eine Tradition, die

Macht der Regierung zu benutzen, um die Unausgewogenheiten und die Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Wirtschaft zu korrigieren, Neuland
zu betreten, auszugleichen und Risiken zu übernehmen.

Republikaner werden

im allgemeinen gewählt, um zu managen, zu stabilisieren, die Zügel nur
leicht anzuziehen.
Howard Baker - der Fraktionsführer der republikanischen Minderheit
im Senat - erzählt in der ganzen Stadt herum: "Die Demokraten singen
unser Lied, ein republikanisches Lied". Und viele Leute sagen, was da
in Washington neugeboren worden ist, sei eine konservative Administration
mit einem demokratischen Präsidenten und republikanischen Institutionen.

- 27 -

�Institutionen.

Glauben Sie, das könne man so sagen?

übernimmt die

Demokratische Partei tatsächlich das Gedankengut der Republikaner?
Antwort:

Nein, das glaube ich nicht.

Die Demokratische Partei war

immer eine Partei des Mitgefühls und der Sorge um die Bevölkerung unseres
Landes.

Wir waren schon immer darauf aus, jemandem eine helfende Hand zu

reichen, der keine ausreichende Chance im Leben hatte, auf eigenen Füßen
zu stehen, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, sein eigenes Schicksal
zu meistern, eine Bildung zu erhalten, wo sie fehlt, eine bessere Gesundheitsfürsorge, eine bessere Ernährung, eine gesicherte Altersversorgung,
bessere Straßen zu erhalten.

Das sind die Dinge, die die Demokratische

Partei schon immer auf ihre Fahnen geschrieben und für die sie sich immer
eingesetzt hat.
Ich habe das schon sehr früh in meiner Regierungstätigkeit als
Gouverneur von Georgia erkannt, daß wir als Demokraten einen unverdienten
Ruf hatten, in Geldsachen nicht verantwortungsbewußt und in der Verwaltung
nicht kompetent zu sein.

Eine meiner großen Kampagnen während meiner

Zeit als Gouverneur war eine Reorganisation der Regierung, eine Einschränkung
der Bürokratie, eine Senkung der Steuern, eine saubere Haushaltsführung,
und meinen Wahl kämpf um die Präsidentschaft habe ich mit diesem Programm
bestritten.

Und wir haben bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen, seit ich

hier in Washington bin.
Wir werden das Haushaltsdefizit um über die Hälfte dessen gesenkt
haben, was der republikanischen Administration zur Verfügung stand,
als sie aus dem Amt ging.
Wir werden eine Reform des öffentlichen Dienstes (Civil Service)
verabschiedet haben, um zur Abwechslung einmal die Bürokratie in den
Griff zu bekommen. Wir haben 28 bis 30 Milliarden Dollar an Steuersenkungen erreicht. Gleichzeitig hatten wir die größte Anweisung er-

- 28 -

�erhöhter Mittel für ein besseres Bildungswesen, das das Land je gebabt hat.
Wir haben in fast beispielloser Weise Städten und Gemeinden Hilfe
zuteil werden lassen. Wir haben ein Wohnungsbauprogramm von über zwei
Millionen Einheiten pro Jahr aufrechterhalten, Es ist uns durch eine
straffe Verwaltung der finanziellen Mittel gelungen, eine Versorgung unseres
Volkes mit guten Dienstleistungen mit einem sparsamen Haushalt, einer
Senkung der Defizite und einer Senkung der Steuern zu kombinieren. Und
es ist meiner Ansicht nach nicht unvereinbar, diese beiden Dinge miteinander
zu kombinieren.
Man kann ein Kind nicht mit Unfähigkeit, Verschwendung
und Korruption ausbilden. Man kann einen Hungrigen nicht mit Unfähigkeit,
Verschwendung oder Korruption speisen. Und ich glaube, daß die Demokraten
jetzt zurecht einen Ruf der kompetenten Verwaltung gewonnen haben, dessen
sie sich früher nicht erfreuten.
Ich kann durchaus verstehen, daß sich die Republikaner jetzt beklagen,
denn sie können nicht mehr erfolgreich behaupten, daß die Demokraten nicht
gleichzeitig mitfühlend, besorgt und kompetent sein könnten.
Frage: Wenn Sie ein schwarzer Teenager in einem Getto wären, wenn
Sie einer der Millionen von Menschen wären, die in unserer Wirtschaft
überzählig sind, die in unserer Wirtschaft, in unserer Gesellschaft keine
positive Rolle haben, hätten Sie dann aus den Ergebnissen der Wahl am
7. November großen Mut geschöpft?
Antwort: Das ist schwer zu sagen, wenn man die Ergebnisse analysiert.
Die Republikaner haben einige Sitze im Repräsentantenhaus dazugewonnen ich glaube etwa ein Dutzend - und einige wenige Sitze im Senat. Natürlich
dürfte es niemanden ermutigen, daß die Republikaner mehr Sitze haben.

- 29 -

�- Die wirtschaftlichen Aussichten Frage:

Ich meine jetzt mehr das Vokabular, das viele Demokraten be-

nutzen - das fast jeder benutzte - da wird von Einschränkungen, Auffanglinien, Steuersenkungen usw. gesprochen, was alles zusammen eine völlig
andere Einstellung zur Regierungsmacht bedeuten würde, als es die traditionelle demokratische Einstellung war.
Antwort:

Ich weiß jetzt, was Sie meinen.

Das ist natürlich schwer

zu sagen, denn für eine bestimmte Person, die keine Arbeit hat, ist das
wichtigste, einen Arbeitsplatz zu finden.
In den letzten 20 Monaten etwa haben wir in der amerikanischen Wirtschaft
netto fast sieben Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Wir haben die
Arbeitslosenrate um rund 25 Prozent gesenkt.
Was die Landwirtschaft angeht, so haben wir deren Einkommen gesteigert das Nettoeinkommen um rund 25 Prozent - und wir halten zusätzliche Verpflichtungen für eine bessere Bildung, bessere

Wohnungen usw. aufrecht.

Nun herrscht allerdings allgemein die Ansicht unter jenen, die zu den
ganz untersten Einkommensgruppen gehören, und unter jenen im Ruhestand
lebenden Personen, deren Einkommen festliegt, daß die größte Bedrohung
unseres Landes die Inflation sei. Ich glaube, die Kandidaten für den
Kongreß und die Anwärter auf Gouverneursposten hatten sehr wohl erkannt,
daß der Bekämpfung der Inflation eine sehr hohe Priorität eingeräumt
werden mußte.
Damit verbunden ist eine sehr knappe Haushaltsführung, ein Abbau
der Defizite und eine Demonstration unserer Wirtschaft gegenüber der
Regierung und gegenüber dem Privatsektor, daß wir eine verantwortungsbewußte Geldpolitik betreiben.
Ich glaube,

- 30 -

�Ich glaube, auf lange Sicht ist es im Leben eines Menschen ebenso
wichtig, die Inflationslast zu erleichtern wie die Löhne zu erhöhen oder
den Preis für verkaufte Erzeugnisse.
Auf der Kontrolle der Inflation liegt wohl ein neuer Schwerpunkt, was
aber nicht heißt, daß wir das Streben nach neuen Arbeitsplätzen, nach
einem besseren Leben für die Menschen, die in unserem Lande wohnen, aufgegeben hätten.
Frage: Aber es ist doch wahrscheinlich so, daß bei einem Erfolg
Ihres Kampfes gegen die Inflation einige Menschen ihren Arbeitsplatz
verlieren, oder nicht?
Antwort: Ich glaube nicht, daß dies der Fall sein wird. Auf jeden
Fall ist so etwas nicht vorgesehen. Ich glaube, daß die Zahl der Arbeitsplätze in jedem Jahr, in dem ich im Amt bin, zunehmen wird. Das Tempo
der Zunahme mag vielleicht nachlassen und sich einpendeln, aber ich glaube
nicht, daß es einen Nettoverlust in der Zahl der Arbeitsplätze in unserem
Lande geben wird.
Frage:

Eine ganze Reihe privater Wirtschaftsexperten sagt für 1980

eine Abwärtsbewegung voraus. Wie können Sie das vermeiden, wenn Sie
wirklich den Druck auf Zinssätze und auf den Wohnungsbau und den Druck
zur Beendigung des Wachstums der Inflationsrate aufrechterhalten?

Haben

Sie da einen neuen Trick auf Lager?
Antwort:

Nein, hier gibt es keine Tricks, und auch hier wiederum

handelt es sich um eine schwierige Entscheidung, die wohl ausgewogen sein
muß.

Aber ob wir es uns leisten können, die gewaltigen Defizite zu er-

höhen, indem wir Geld ausgeben, das wir gar nicht haben, und meinen, dem
amerikanischen Volk damit etwas Gutes zu tun, ist eine schwierige Frage.
Ich glaube nicht, daß wir das können.
Ich meine,
- 31 -

�Ich meine, wir brauchen sorgfältige Haushaltsführung, genauer gezielte Dienstleistungen der Regierung, um den Ansprüchen jener gerecht
zu werden, die sie am dringendsten brauchen - kombiniert mit einer Wiederherstellung des Vertrauens in die Fähigkeit unserer Regierung, mit
fiskalischen, währungspolitischen und administrativen Aufgaben fertig
zu werden.
Und es gibt Zeiten, in denen diese Dinge in einem Gegensatz zueinander stehen, aber wir haben jetzt zehn Jahre lang eine Inflation erlebt, die im Schnitt etwa 6,5 Prozent betrug, und ich glaube, daß fast
alle Wirtschaftler - selbst jene, die meinen, wir könnten im nächsten Jahr
eine Rezession erleben - sich darüber einig sind, daß wir etwas tun müssen,
um die Inflationsrate zu senken.
Frage:

Einige Ihrer Mitarbeiter, mit denen ich heute Vormittag ge-

sprochen habe, erklärten mir, daß sie eine neue Haltung Ihrerseits spürten,
einen neuen Geist des Vertrauens, und sie schreiben das der Tatsache zu,
daß Sie in Ihrem Geist einige sehr harte Entscheidungen an der Inflationsfront getroffen haben und bei diesen Entscheidungen bleiben werden.
das richtig?

Ist

Stimmen die Vorstellungen dieser Leute?

Antwort: Ich habe nicht das Gefühl, daß ich heute kompetenter oder
aggressiver oder meiner selbst sicherer wäre als früher. Seit ich im
Amte bin, haben wir einige sehr schwierige Entscheidungen treffen müssen.
Ich habe den Eindruck, daß jeden Tag schwierige Entscheidungen getroffen werden mußten.
Aber je länger ich im Amt bin, desto eher weiß ich natürlich, was
notwendig ist. Ich begreife den Aufbau der Regierung besser. Ich kenne
die führenden Persönlichkeiten in Washington und außerhalb Washingtons
besser, die mithelfen, die Politik unseres Landes und die Zukunft unseres
Landes zu gestalten.
Der 95. Kongreß
- 32 -

�Der 95. Kongreß hat seine Arbeit abgeschlossen.

Er hat, glaube ich,

600 oder 700 Gesetze verabschiedet, die meine eigenen Programme klären
helfen.

Wir versuchen, das Beste aus den Entscheidungen des Kongresses

zu machen, und ich bin mir sicherlich über die Möglichkeiten und die
Grenzen des Präsidentenamtes besser im klaren.

- Kritik an der Presse Frage:

Was haben Sie von Washington gelernt?

Antwort: Ich mag Washington sehr gerne. Wir waren, das ist wohl das
Geringste, was man sagen kann, Neulinge hier. Ich kannte die führenden
Mitglieder des Kongresses nicht. Ich kannte die Vertreter der Massenmedien
nicht - außer denen, die mich im Wahl kämpf begleiteten. Und sie kannten
mich nicht. Ich mußte viel lernen, was die bürokratische Struktur der
Regierung angeht. Ich hatte natürlich keinen Zugang zu den Geheimnissen
der nationalen Verteidigung oder der internationalen Beziehungen, und
ich habe etwa 18 Monate nicht nur als Präsidnet, sondern auch als Schüler
gebraucht, um zu erfahren, was ich vorher nicht wußte.
Es hat meinerseits keine großen Enttäuschungen gegeben. Ich habe
gestern einigen Journalisten beim Essen erzählt, daß es zwei Dinge
gab, die für mich eine unangenehme Überraschung waren. Eines war die
Untätigkeit des Kongresses, daß es so lange dauert, bis eine komplizierte
Vorlage durch den Kongreß gegangen ist, und das andere war die Verantwortungslosigkeit der Presse.
Frage:
Antwort:

Verantwortungslosigkeit?
Ja!

- 33 -

�Frage:
Antwort:

Was meinen Sie damit?
Sehr oft waren Berichte unrichtig.

Wenn ich daran denke,

daß oft eine einfache Recherche der Tatsachen durch einen Anruf oder eine
persönliche Nachfrage eine schwere Verzerrung des Berichts hätte verhindern
können.

Und es herrscht auch ein Gefühl des Zweifels oder sogar des

Zynismus hinsichtlich der Regierung und hinsichtlich ihrer Programme und
Vorschläge, was sicherlich durch die Erfahrungen von Vietnam hervorgerufen
wurde, durch die Tatsache, daß die Öffentlichkeit während Watergale getäuscht
wurde, und vielleicht sogar vom CIA, wie ich vorhin andeutete.
Viel davon wurde sicherlich auch durch meine Unzugänglichkeit verursacht und dadurch, daß ich die Presse nicht kannte und die Presse mich
nicht kannte.

In den letzten Monaten haben wir Schritte getan, um sicher-

zustellen, daß wir einander besser verstehen, damit ich die Möglichkeit
habe und meine Kabinettsmitglieder die Möglichkeit haben, dem amerikanischen
Volk die Fakten durch die Presse klar zu vermitteln und umgekehrt.
Frage:

Ist das das Werk Ihres Medienzars, Mr. Rafshoon?

Was hat er Ihnen geraten, wie Sie richtig ankommen?
Antwort: Wir waren alle gemeinsam der Überzeugung, daß wir einen
klaren Zugang zur Öffentlichkeit durch die Presse brauchten - unverzerrt,
wahr. Nicht, daß wir versuchen wollten, Fehler zu vertuschen; sondern
daß alle jene, die berichten, wirklich wissen, daß sie Zugang zu mir oder
zu Jody Powell, zu Hamilton Jordan, zu Mitgliedern meines Kabinetts oder
anderen haben, daß sie anrufen und fragen können, ob das oder jenes stimmt
oder nicht.
Wir sind uns alle darüber im klaren, was für verheerende Folgen eine
irreführende Erklärung oder eine falsche Erklärung hätte, denn dadurch
würde unsere Glaubwürdigkeit erschüttert, und wir haben alles in unseren

- 34 -

�unseren Kräften stehende getan, um das zu verhindern.
Aber ich glaube, wir haben in dieser Hinsicht einige Fortschritte
erzielt, und ich verstehe heute den Kongreß sehr viel besser.

Ich kenne

das Tempo, mit dem man bei der Behandlung einer Vorlage im Kongreß rechnen
muß.

Ich verstehe die Kompliziertheit des Ausschuß-Systems, das gegenseitige

Verhältnis zwischen Repräsentantenhaus und Senat.
Und ich glaube, daß es uns auch sehr viel besser gelingt, der Presse
Zugang zu den Fakten zu verschaffen.
Frage:

Die Stunde ist um, sollen wir aufhören?

Antwort:
Frage:

Ich glaube, wir hören besser auf, wenn die Stunde um ist.
Im Namen des öffentlichen Fernsehens danke ich Ihnen, daß Sie

sich diese Zeit genommen haben.
Antwort:

Ich danke Ihnen, Bill.

+ + + ++

- 35 -

�29. November 1978

28

DIE ENDERGEBNISSE DER US-WAHLEN VOM 7. NOVEMBER 1978

LISTE DER GOUVERNEURE DER 50 EINZELSTAATEN DER USA
DER NEUE SENAT DER VEREINIGTEN STAATEN
DAS NEUE REPRÄSENTANTENHAUS DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Im folgenden bringen wir nach Staaten geordnet
eine Aufstellung der Namen der Gouverneure der 50 Einzelstaaten der
Vereinigten Staaten von Amerika (18 wurden neu gewählt), eine Liste der
Senatoren (ein Drittel wurde neu gewählt) und eine Liste der Mitglieder
des Repräsentantenhauses.
(D) bedeutet Mitglied der Demokratischen Partei
(R) bedeutet Mitglied der Republikanischen Partei
(N) bedeutet neugewählt.
(Da alle Mitglieder des Repräsentantenhauses zur Wahl standen sind alle
nicht mit (N) gezeichneten wiedergewählt worden)

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�LISTE DER GOUVERNEURE DER 50 EINZELSTAATEN der USA
32 Demokraten, 18 Republikaner

STAATEN

NAMEN

Alabama

Forrest James (D) (N)

Alaska

Jay Hammond (R)

Arizona

Bruce Babbitt (D)

Arkansas

Bill Clinton (D) (N)

California

Edmund G. Brown, Jr. (D)

Colorado

Richard D. Lamm (D)

Connecticut

Ella T. Grasso (D)

Delaware

Pierre S. Du Pont (R)

Florida

Robert Graham (D) (N)

Georgia

George Bushbee (D)

Hawaii

George R. Ariyoshi (D)

Idaho
Illinois
Indiana
Iowa
Kansas

John V. Evans (D)
James R. Thompson (R)
Otis R. Bowen (R)
•

Robert D. Ray (R)
John Carlin (D) (N)

Kentucky
Louisiana
Maine
Maryland
Massachusetts
Michigan

Julian Carroll (D)

Minnesota

Albert Quie (R) (N)

Mississippi

Charles C. Finch (D)

Missouri

Joseph P. Teasdale (D)

Edwin W. Edwards (D)
Joseph Brennan (D) (N)
Harry R. Hughes (D) (N)
Edward King (D) (N)
William G. Milliken (R)

�STAATEN

NAMEN

Montana

Thomas L. Judge (D)

Nebraska

Charles Thone (R) (N)

Nevada

Robert List (R) (N)

New Hampshire

Hugh Gallen (D) (N)

New Jersey

Brendan T. Byrne (D)

New Mexiko

Bruce King (D) (N)

New York

Hugh L. Garey (D)

North Carolina

James B. Hunt, Jr. (D)

North Dakota

Arthur A. Link (D)

Ohio

James A. Rhodes (R)

Oklahoma

George Nigh (D) (N)

Oregon

Victor Atiyeh (R) (N)

Pennsylvania

Richard Thornburgh (R) (N)

Rhode Island

J. Joseph Garrahy (D)

South Carolina

Richard Riley (D) (N)

South Dakota

William Janklow (R) (N)

Tennessee

Lamar Alexander (R) (N)

Texas

William P. Clements (R) (N)

Utah

Scott M. Matheson (D)

Vermont

Richard A. Snelling (R)

Virginia

John Dal ton (R)

Washington

Dixy Lee Ray (D)

West V i r g i n i a

John D. Rockefeller 4th (D)

Wisconsin

Lee Sherman Dreyfus (R) (N)

Wyomi ng

Ed Herschier (D)

- 3-

�DER NEUE SENAT DER VEREINIGTEN STAATEN
58 Demokraten, 41 Republikaner, 1 Unabhängiger

STAATEN

NAMEN

Alabama

Howell Heflin (D) (N); Donald Steward (D) (N)

Alaska
Arizona

Theodore Stevens (R); Mike Gravel (D)
Barry Goldwater (R); Dennis Deconcini (D)

Arkansas

Dale Bumpers (D); David Pryor (D) (N)

California
Colorado

Alan Cranston (D); S.I. Hayakawa (R)
Gary Hart (D); William L. Armstrong (R) (N)

Connecticut

Abraham A. Ribicoff (D); Lowell P. Weicker, Jr., (R)

Delaware

William V. Roth Jr. (R); Joseph R. Biden, Jr. (D)

Florida

Lawton Chiles (D); Richard Stone (D)

Georgia
Idaho

Herman E. Talmadge (D); Sam Nunn (D)
Daniel K. Inouye (D); Spark M. Matsunaga (D)
Frank Church (D); James A. McClure (R)

Illinois

Charles H. Percy (R); Adlai E. Stevenson (D)

Indiana

Birch Bayh (D); Richard C. Lugar (R)

Iowa

John C. Culver (D); Roger Jepsen (R) (N)

Kansas
Kentucky
Louisiana
Maine
Maryland
Massachusetts
Michigan

Bob Dole (R); Nancy Kassebaum (R) (N)
Walter Huddieston (D); Wendel 1 H. Ford (D)
Russell B. Long (D); J. Bennet Johnston (D)
Edmund S. Muskie (D); William S Cohen (R) (N)
Charles MCC. Mathias (R); Paul S. Sarbanes (D)
Edward M. Kennedy (D); Paul E. Tsongas (D) (N)

Minnesota
Mississippi

Rudy Boschwitz (R) (N); David Durenberger (R) (N)
John C. Stennis (D); Thad Cochran (R) (N)

Missouri

Thomas F. Eagleton (D); John C. Danforth (R)

Hawaii

Donald W. Riegle, Jr. (D); Carl Levin (D) (N)

- 4 -

�STAATEN

NAMEN

Montana

John Melcher (D); Max Baucus (D) (N)

Nebraska

Edward Zorinsky (D); J.J. Exon (D) (N)

Nevada
New Hampshire

Howard W. Cannon (D); Paul Laxalt (R)
John A. Durkin (D); Gordon Humphrey (R) (N)

New Jersey

Harrison A. Williams (D); Bill Bradley (D) (N)

New Mexiko
New York

Pete V. Domenici (R); Harrison H. Schmitt (R)
Jacob K. Javits (R); Daniel P. Moynihan (D)

North Carolina

Jesse Helms (R); Robert Morgan (D)

North Dakota

Milton R. Young (R); Quentin N. Burdick (D)

Ohio
Oklahoma

John Glenn (D); Howard M. Metzenbaum (D)

Oregon
Pennsylvania

Mark 0. Hatfield (R); Bob Packwood (R)
Richard S. Schweiker (R); J. John Heinz 3rd (R)

Rhode Island
South Carolina

Claiborne Pell (D); John H. Chafee (R)
Strom Thurmond (R); Ernest F. Hollings (D)

South Dakota
Tennessee
Texas

George S. McGovern (D); Larry Pressler (R) (N)

Utah
Vermont
Virginia
Washington
West Virginia
Wisconsin

Jake Garn (R); Orrin G. Hatch (R)
Robert T. Stafford (R); Patrick J. Leahy (D)
Harry F. Byrd, Jr. (U); John Warner (R) (N)
Warren G. Magnuson (D); Henry M. Jackson (D)
Jennings Randolph (D); Robert C. Byrd (D)
William Proxmire (D); Caylord Nelson (D)

Wyoming

Malcolm Wallop (R); Alan K. Simpson (R) (N)

Henry Bellmon (R); David Boren (D) (N)

Howard H. Baker, Jr. (R); James R. Sasser (D)
John G. Tower (R); Lloyd M. Bentsen (D)

- 5 -

�DAS NEUE REPRÄSENTANTENHAUS DER VEREINIGTEN STAATEN
276 Demokraten, 159 Republikaner

ALABAMA
Jack Edwards (R)
William Dickinson (R)
Bill Nichols (D)
Tom Bevill (D)
Ronnie Flippo (D)
John Buchanan (R)
Richard Shelby (D) (N)
ALASKA
Don Young (R)
ARIZONA
John Rhodes (R)
Morris K. Udall (D)
Bob Stump (D)
Eldon Rudd (R)
ARKANSAS
Bill Alexander (D)
Edwin R. Bethune, Jr. (R) (N)
John P. Hammerschmidt (R)
Beryl Anthony (D) (N)

- 6 -

�CALIFORNIA
Harold T, Johnson (D)
Don H. Clausen (R)
Robert T. Matsui (D) (N)
Vic Fazio (D) (N)
John L. Burton (D)
Phillip Burton (D)
George Miller (D)
Ronald V. Dellums (D)
Fortney H. Stark (D)
Don Edwards (D)
Leo J, Ryan (D)
Paul McCloskey (R)
Norman Y. Mineta (D)
Norman Shumway (R) (N)
Tony Coelho (D) (N)
Leon Panetta (D)
Charles Pashayan (R) (N)
Bill Thomas (R) (N)
Robert J. Lagomarsino (R)
Barry M. Goldwater Jr. (R)
James C. Corman (D)
Carlos J. Moorhead (R)
Anthony Beilenson (D)
Henry A. Waxman (D)
Edward R. Roybai (D)
John H. Rousselot (R)
Robert K. Dornan (R)
Julian Dixon (D) (N)
Augustus F. Hawkins (D)
George E. Danielson (D)
Charles H. Wilson (D)
Glenn M, Anderson (D)

Wayne Grisham (R) (N)
Dan Lungren (R) (N)
Jim Lloyd (D)
George E. Brown Jr. (D)
Jerry Lewis (R) (N)
Jerry M. Patterson (D)
William Dannemeyer (R) (N)
Robert E. Badham (R)
Bob Wilson (R)
Lionel Van Deerlin (D)
Clair Burgener (R)

- 7 -

�COLORADO
Patricia Schroeder (D)
Timothy Wirth (D)
Ray Kogovsek (D) (N)
James Johnson (R)
Ken Kramer (R) (N)
CONNECTICUT
William R. Cotter (D)
Christopher J. Dodd (D)
Robert N. Giaimo (D)
Stewart B. McKinney (R)
William Ratchford (D) (N)
Anthony Moffett (D)
DELAWARE
Thomas Evans (R)
FLORIDA
Earl Hutto (D) (N)
Don Fuqua (D)
Charles Bennett (D)
Bill Chappell (D)
Richard Kelly (R)
C.W. Young (R)
Sam Gibbons (D)
Andy Ireland (D)
Bill Nelson (D) (N)
L.A. Barans (R)
Dan Mica (D) (N)
Ed Stack (D) (N)
William Lehman (D)
Claude Pepper (D)
Dante Fascell (D)
- 8 -

�GEORGIA
Bo Ginn (D)
Dawson Mathis (D)
Jack Brinkley (D)
Elliott Levitas (D)
Wyche Fowler (D)
Newt Gingrich (R) (N)
Larry McDonald (D)
Billy Lee Evans (D)
Ed Jenkins (D)
Doug Barnard (D)
HAWAII
Cecil Heftel (D)
Daniel Akaka (D)
IDAHO
Steven D. Symms (R)
George V. Hansen (R)
ILLINOIS
Bennett Stewart (D) (N)
Morgan F. Murphy (D)
Martin Russo (D)
Edward J. Derwinski (R)
John G. Fary (D)
Henry J. Hyde (R)
Cardiss Collins (D)
Dan Rostenkowski (D)
Sidney R. Yates (D)
Abner Mikva (D)
Frank Annuzio (D)
Phillip M. Crane (R)

Robert McClory (R)
John N. Erlenborn (R)
Tom Corcoran (R)
John B. Anderson (R)
George M. 0"Brian (R)
Robert H. Michel (R)
Tom Railsback (R)
Paul Findley (R)
Edward Madigan (R)
Daniel B. Crane (R) (N)
Melvin Price (D)
Paul Simon (D)

- 9 -

�INDIANA
Adam Benjamin Jr. (D)
Floyd J. Fithian (D)
John Brademas (D)
J. Danforth Quayle (R)
Elwood Hillis (R)
David Evans (D)
John R. Myers (R)
H. Joel Deckard (R) (N)
Lee H. Hamilton (D)
Philip R. Sharp (D)
Andrew Jacobs Jr. (D)
IOWA
James A.S. Leach (R)
Tom Tauke (R) (N)
Charles E. Grassley (R)
Neal Smith (D)
Tom Harkin (D)
Berkley Bedell (D)
KANSAS
Keith G. Sebelius (R)
Jim Jeffries (R) (N)
Larry Winn Jr. (R)
Dan Glickman (D)
Robert Whittaker (R) (N)

- 10 -

�KENTUCKY
Carroll Hubbard Jr. (D)
William H. Natcher (D)
Romano L. Mazzoli (D)
Gene Synder (R)
Tim Lee Carter (R)
Larry Hopkins (R) (N)
Carl D. Perkins (D)
LOUISIANA
Bob Livingston (R)
Lindy Boggs (D)
David Treen (R)
Claude Leach (D) (N)
Jerry Huckaby (D)
W. Henson Moore (R)
John Breaux (D)
Gillis Long (D)
MAINE
David F. Emery (R)
Olympia Snowe (R) (N)
MARYLAND
Robert Bauman (R)
Clarence Long (D)
Barbara Mikulski (D)
Majorie Holt (R)
Gladys Spellman (D)
Beverly Byron (D)
Parren Mitchell (D)
Michael Barnes (D) (N)

- 11 -

�MASSACHUSETTS
Silvio 0. Conte (R)
Edward Boland (D)
Joseph Early (D)
Robert Drinan (D)
James Shannon (D) (N)
Nicholas Mavroules (D) (N)
Edward Markey (D)
Thomas P. O'Neill Jr. (D)
Joe Moakley (D)
Margaret Heckler (R)
Brian Donnelly (D) (N)
Gerry Studds (D)
MICHIGAN
John Conyers (D)
Carl Pursei 1 (R)
Howard Wolpe (D) (N)
David Stockman (R)
Harold Sawyer (R)
Bob Carr (D)
Dale Kildee (D)
Bob Traxler (D)
Guy Vander Jagt (R)
Don Albosta (D) (N)
Robert Davis (R) (N)
David Bonior (D)
Charles Diggs (D)
Lucien Nedzi (D)
William Ford (D)
John Dingell (D)
William Brodhead (D)
James Blanchard (D)
William Broomfield (R)
- 12 -

�MINNESOTA
Arien Erdahl (R) (N)
Tom Hagedorn (R)
Bill Frenzel (R)
Bruce Vento (D)
Martin Sabo (D) (N)
Richard Nolan (D)
Arlan Stangeland (R)
James Oberstar (D)
MISSISSIPPI
Jamie L. Whitten (D)
David R. Bowen (D)
G.V. Sonny Montgomery (D)
Jon Hinson (R) (N)
Trent Lott (R)
MISSOURI
William Clay (D)
Robert A. Young (D)
Richard A. Gephardt (D)
Ike Skelton (D)
Richard Bolling (D)
E. Thomas Coleman (R)
Gene Taylor (R)
Richard H. Ichord (D)
Harold L. Volkmer (D)
Bill D. Burlison (D)
MONTANA
Pat Williams (D) (N)
Ron Marlenee (R)

- 13 -

�NEBRASKA
Douglas Befeuter (R) (N)
John Cavanaugh (D)
Virginia Smith (R)
NEVADA
Jim Santini (D)
NEW HAMPSHIRE
Norman D'Amours (D)
James Cleveland (R)
NEW JERSEY
James J. Florio (D)
William J. Hughes (D)
James J. Howard (D)
Frank Thompson Jr. (D)
Millicent Fenwick (R)
Edwin B. Forsythe (R)
Andrew Maguirel (D)
Robert A. Roe (D)
Harold C. Hollenbeck (R)
Peter W. Rodino Jr. (D)
Joseph G. Minish (D)
Matthew J. Rinaldo (R)
Jim Courter (R) (N)
Frank J. Guarini (D) (N)
Edward J. Patten (D)
NEW MEXIKO
Manuel Lujan Jr. (R)
Harold Runnels (D)

- 14 -

�NEW YORK
William Carney (R) (N)

Frank Horton (R)

Thomas Downey (D)

Barper Conable (R)

Jerome Ambro (D)

John Lafalce (D)

Norman Lent (R)

Henry Nowak (D)

John Wydler (R)

Jack Kemp (R)

Lester Wolff (D)

Stanley Lundine (D)

Joseph Addabbo (D)
Benjamin Rosenthal (D)
Geraldine Ferraro (D) (N)
Mario Biaggi (D)
James Scheuer (D)
Shirley Chisholm (D)
Stephen Solarz (D)
Frederick Richmond (D)
Leo Zeferetti (D)
Elizabeth Holtzman (D)
John Murphy (D)
S. William Green (R)
Charles Rangel (D)
Theodore Weiss (D)
Robert Garcia (D)
Jonathan Bingham (D)
Peter Peyser (D) (N)
Richard Ottinger (D)
Hamilton Fish (R)
Benjamin Gilman (R)
Matthew McHugh (D)
Samuel Stratton (D)
Gerald Solomon (R) (N)
Robert McEwen (R)
Donald Mitchell (R)
James Hanley (D)
Gary Lee (R) (N)
15 -

�NORTH CAROLINA
Walter B. Jones (D)
L.H. Fountain (D)
Charles Whitley (D)
Ike Andrews (D)
Stephen L. Neal (D)
Richardson Preyer (D)
Charles Rose (D)
W.G. Hefner (D)
James G. Martin (R)
James T. Broyhill (R)
Lamar Gudger (D)
NORTH DAKOTA
Mark Andrews (R)
OHIO
Willis D. Gradison (R)
Thomas A. Luken (D)
Tony P. Hall (D) (N)
Tennyson Guyer (R)
Delbert L. Latta (R)
William H. Harsha (R)
Clarence J. Brown (R)
Thomas N. Kindness (R)
Thomas L. Ashley (D)
Clarence E. Miller (R)
J. William Stanton (R)
Samuel L. Devine (R)
Donald J. Pease (D)
John F. Sieberling (D)
Chalmers P. Wylie (R)

Ralph Regula (R)
John M. Ashbrook (R)
Douglas Applegate (D)
Lyle Williams (R) (N)
Mary Rose Oakar (D)
Louis Stokes (D)
Charles A. Vanik (D)
Ronald Mottl (D)

16

�OKLAHOMA
James R. Jones (D)
Mike Symar (D) (N)
Wes Watkins (D)
Tom Steed (D)
Mickey Edwards (R)
Glenn English (D)
OREGON
Les Aucoin (D)
AI Ullman (D)
Robert Duncan (D)
James Weaver (D)
PENNLYLVANIA
Michael Meyers (D)

Joseph Gaydos (D)

William H. Gray III (D) (N)

Don Bailey (D) (N)

Raymond F. Lederer (D)

Austin J. Murphy (D)

Charles F. Dougherty (R) (N)

William F. Clinger (R) (N)

Richard T. Schulze (R)

Marc L. Marks (R)

Gus Yatron (D)

Eugene Atkinson (D) (N)

Robert W. Edgar (D)
Peter H. Kostmayer (D)
Bud Shuster (R)
Joseph M. McDade (R)
Daniel J. Flood (D)
John P. Murtha (D)
Lawrence Coughlin (R)
William S. Moorhead (D)
Donald L. Ritter (R) (N)
Robert S. Walker (R)
Allen E. Ertel (D)
Dough Walgren (D)
William Goodling (R)
- 17

�RHODE ISLAND
Fernand J. St Germain (D)
Edward P. Beard (D)
SOUTH CAROLINA
Mendel J. David (D)
Floyd Spence (R)
Butler Derrick (D)
Carroll A Campbell Jr. (R) (N)
Ken Holland (D)
John Jenrette Jr. (D)
SOUTH DAKOTA
Leo K. Thorsness (R)
James Abnor (R)
TENNESSEE
James H. Quillen (R)
John Duncan (R)
Marilyn Lloyd (D)
Albert Gore (D)
Bill Boner (D) (N)
Robin Beard (R)
Ed Jones (D)
Harold Ford (D)

- 18 -

�TEXAS
Sam Hall Jr. (D)
Charles Wilson (D)
James M. Collins (R)
Ray Roberts (D)
James Mattox (D)
Phil Gramm (D) (N)
Bill Archer (R)
Bob Eckhardt (D)
Jack Brooks (D)
J.J. Pickle (D)
Jim Wright (D)
Jack Hightower (D)
Joe Wyatt (D) (N)
E. Kika De La Garza (D)
Richard White (D)
Charles Stenholm (D) (N)
Mickey Leland (D) (N)
Ken Hance (D) (N)
Henry Gonzales (D)
Tom Loeffler (R) (N)
Ron Paul (R) (N)
Abraham Kazen (D)
Martin Frost (D) (N)

UTAH
Gunn McKay (D)
Dan Marriott (R)
VERMONT
James Jeffords (R)

- 19 -

�VIRGINIA
Paul THble (R)
6. William Whitehurst (R)
David E. Satterfield (D)
Robert H. Daniel Jr. (R)
W.Co Dan Daniel (D)
M„ Caldwell Butler (R)
Jo Kenneth Robinson (R)
Herbert E. Harris (D)
William C„ Wampler (R)
Joseph Fisher (D)
WASHINGTON
Joel Pritchard (R)
AI Swift (D) (N)
Don Bonker (D)
Mike McCormack (D)
Thomas Foley (D)
Norman Dicks (D)
Mike Lowry (D) (N)
WEST VIRGINIA
Robert H. Mollohan (D)
Harley 0, Staggers (D)
John M„ Slack (D)
Nick Joe Rahall III (D)

- 20 -

�WISCONSIN
Les Aspin (D)
Robert Kastenmeier (D)
Alvin Baldus (D)
Clement Zablocki (D)
Henry Reuss (D)
William Steiger (R)
David Obey (D)
Tobias Roth (R) (N)
F. James Sensenbrenner (R) (N)
WYOMING
Dick Cheney (R) (N)

+ + + + +

- 21 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

SCHWERPUNKT KOHLE IM US-ENERGIEPROGRAMM
Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz -

- (AD) - "Energisch, aber fair" werden laut Energieminister James R.
Schlesinger die neuen Verordnungen durchgesetzt, die helfen sollen, die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von Importöl zu verringern. Sie sind
darauf abgestellt, die Industrie und die Versorgungsbetriebe zu veranlassen,
weniger öl und Erdgas und dafür mehr Kohle aus den riesigen Naturvorräten der
USA einzusetzen. Sofern z.B. keine Ausnahmegenehmigung des Energieministeriums vorliegt, dürfen den Bestimmungen zufolge neue Kraftwerke und neue Betriebe der Großindustrie weder Gas noch öl als Primärenergie verwenden. Und
Ausnahmen sollen nur dann zugelassen werden, wenn die Nutzung von Alternativbrennstoffen um mehr als 50 Prozent teurer käme als die Verwendung von Dl
oder Gas. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 10 Dollar pro
Barrel öl (159 Liter) und bis zu drei Dollar pro 1000 Kubikfuß (ca. 28,3 cbm),
die widerrechtlich verbraucht wurden, geahndet. Nach diesen Anordnungen für
völlig neu errichtete Betriebe werden in Kürze auch die ähnlich gearteten
Bestimmungen für in der Umstellung begriffenen Anlagen sowie für die bestehenden Betriebe veröffentlicht.

Minister

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Minister Schlesinger erwartet seitens der Industrie "eine weitgehende
Einhaltung der Vorschriften".

Seinen Schätzungen zufolge könnten auf diese

Weise bis zum Jahr 1985 ca. 400 000 Barrels Importöl pro Tag eingespart werden; wichtige Faktoren dafür seien jedenfalls das Verhalten der Industrie,
die wirtschaftliche Wachstumsrate der USA und das Ausmaß der Schaffung neuer
Betriebskapazitäten bis zu dem genannten Zeitpunkt.

Die Regierung Carter

strebe an, daß das verfügbare Gas (ca. 28 Milliarden cbm aus einheimischen
Quellen

in diesem Jahr) so rasch wie möglich mit besserem Nutzeffekt einge-

setzt werde; dabei bleibe allerdings das langfristige Ziel, nämlich die Verlagerung auf Kohle und andere ausreichend vorhandene Energiequellen, unangetastet.

Bis es soweit sei, könnten Industrie- und Versorgungsbetriebe, die

noch auf Erdgas-Verbrauch eingerichtet seien, diese Energiequelle weiterhin
nutzen, solange die gegenwärtigen Vorräte dies zuließen.

Der "gespaltene

Erdgas-Markt" bis zum Inkrafttreten des neuen Energiegesetzes mit unterschiedlichen Preisen und Versorgungslagen innerhalb einzelner Bundesstaaten
im Gegensatz zum Erdgas-Handel zwischen den Bundesstaaten habe überaus ungünstige Auswirkungen auf die Situation im Erdgas-Bereich gehabt, ebenso wie
das Gas-Spargesetz von 1974, das viele Firmen gezwungen habe, von Gas auf
Importöl überzugehen.

+ + + + +

�Wi//en/choft
und Technik

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

28

29. November 1978

ATOMKRAFTNUTZUNG MIT MEHR POLITISCHER SICHERHEIT
- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien -

- (AD) - Eine erste umfassende Bilanz zieht nach mehr als 100 Sitzungen
ihrer acht technischen Arbeitsgruppen die "Internationale Konferenz über die
Bewertung von Kernbrennstoffzyklen" (INFCE - International Nuclear Fuel Cycle
Evaluation) seit dem 27. November 1978 in Wien.

Das Gremium, auf Initiative

Präsident Carters im Jahr 1977 ins Leben gerufen, hat die Aufgabe, in zunächst
auf zwei Jahre befristeten Bemühungen Mittel und Wege zu suchen, um die nukleare Proliferation, d.h. die Ausbreitung von Kernwaffen, unter Kontrolle zu
bringen.
Am Sitz der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien erörtern z.Zt. die Delegierten der 53 INFCE-Mitgliedstaaten aus Ost und West,
Nord und Süd die bisher definierten diffizilen

politischen und technischen

Probleme, die sich aus der genannten Zielsetzung ergeben und für die Lösungen
gesucht werden sollen.

Albert Carnesale, Mitglied der amerikanischen Delegation,

umriß kürzlich auf einer Tagung des amerikanischen "Atomic Industrial Forum"
in Washington die wichtigsten Fragen, die nach Ansicht der amerikanischen Regierung geklärt werden müssen, über die aber bei den Mitgliedstaaten die Meinungen geteilt sind.

Zu ihnen zählen z.B.
- die

Postfach 20 03 0 0
|iMci«I«l:5TiTiW

Tel: 02221-89 32 40
Telex: 0 8 - 8 5 4 3 2

�- die Wachstunisrate für die Kernkraft;
- die Notwendigkeit für zusätzliche Staaten, eigene Urananreicherungsbetriebe zu errichten;
- die Bedingungen, die von Lieferländern von Kernbrennstoffen gestellt

.

werden;
- die Vorteile und Kosten der Wiederverwendung von Kernbrennstoff in
Leichtwasser-Reaktoren (gegenwärtig arbeiten alle nach dem System der
Einmal-Verwendung);
- Sicherheits- und Proliferationsrisiken einer langfristigen Lagerung
verbrauchter Brennstoffelemente;
- Vor- und Nachteile des Atommüll-Managements im Fall einer Wiederaufarbeitung;
- notwendige Anlaufzeiten für die kommerzielle Anwendung von Reaktorsystemen modernster Konstruktion; und
- Zeitplan für die Kommerzialisierung des Brutreaktors.
Carnesale hob hervor, daß die Vereinigten Staaten ungeachtet ihrer Vorbehalte gegenüber Brutreaktoren nicht beabsichtigen, die INFCE-Konferenz dazu
zu bewegen, die Weiterentwicklung dieses Typs zu blockieren. "Vielmehr ergeben sich Differenzen in erster Linie darüber, wie eine spätere Realisierung
des Brüterreaktor-Programms aussehen, in welchem Tempo der neue Reaktortyp
in weiteren Ländern eingeführt und nach welchen Richtlinien die Brutreaktorökonomie gehandhabt werden soll." Keinesfalls sei INFCE dazu da, den Brüter
zu stoppen. Denn wenn dem so wäre, hätte die INFCE-Konferenz nicht 53 Mitgliedstaaten, unter ihnen die Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und die
Sowjetunion.
Die Frage, ob die USA eine INFCE—Empfehlung für die Schaffung multinationaler Wiederaufbereitungszentren unterstützen würden, beantwortete Carnesale
damit, daß dies trotz der gegenwärtig von den USA an den Tag gelegten Zurückhaltung hinsichtlich jeder Art von Wiederaufbereitung von nuklearem Abbrandmaterial von den bestehenden Alternativen abhänge. "Wenn man die Wahl hat
zwischen Wiederaufbereitungsanlagen unter nationaler Kontrolle", so Carnesale,

�Carnesale, "die in immer mehr Ländern errichtet werden, und der Schaffung
multinationaler Anlagen, so braucht man kein politisches Genie zu sein, um
zu dem Schluß zu kommen, daß ein Betrieb unter wirksamer multinationaler
Kontrolle besser wäre.

Und wenn wir Brütertechnologien anstreben, die eine

umfassende Wiederaufbereitungs-Industrie erfordern, so würden selbstverständlich multinationale Wiederaufbereitungsanlagen ernsthaft in Erwägung gezogen."

Carnesale, amerikanischer Delegationsleiter bei dem aus 22 Nationen bestehenden Technischen Koordinierungsausschuß für die acht Arbeitsgruppen der
INFCE, erinnerte daran, daß Begriffe wie "waffenfähiges Material", "Widerstand gegen Proliferation" und "Möglichkeiten zur Aufdeckung" längst Eingang
in die Verhandlungssprache gefunden haben.

So sei es auch nicht verwunderlich,

daß auf der letzten Sitzung des Koordinierungsausschusses im Oktober 78 die
ausführlichste Diskussion dem Thema gilt, wie das Risiko einer Proliferation
zu bewerten sei.

Dennoch sollte man sich im klaren sein, daß es weder Aufgabe der INFCE
ist, sich nur mit der friedlichen Anwendung der Atomenergie zu befassen, noch
sich ausschließlich um die Gefahr der Weiterverbreitung von Kernwaffen zu
kümmern.

Statt dessen habe INFCE Mittel und Wege zu erkunden, wie die Atom-

energie eingesetzt werden könne, um den Energiebedarf der Welt zu decken, und
wie gleichzeitig Vorsorge zu treffen sei, die damit zwangsläufig verbundene
Gefahr einer Proliferation nuklearer Waffen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Es hieße jedoch zu viel erwarten, nähme man an, daß INFCE das Problem des möglichen Mißbrauchs von Einrichtungen, die für den nuklearen Brennstoffzyklus
bestimmt sind, aus der Welt schaffen könne.

Denn kein Mitgliedstaat sei ver-

pflichtet, sich z.B. bei abweichender Meinung gegenüber den von der Mehrzahl
geäußerten Ansichten diesen zu beugen.

Er könne frei entscheiden, welchen Weg

er gehen wolle, da INFCE in erster Linie für Studien technischer und analytischer
Natur, jedoch nicht als Verhandlungsforum zuständig sei.

+ + + + +

- 3 -

�1
»

3

Wi//cn/choft
vt\d Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29. November 1978

28

DOPPELRENDEZVOUS MIT DEM PLANETEN VENUS
Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel -

(AD) - Die beiden interplanetaren US-Sonden PIONIER-VENUS I und
PIONIER-VENUS II, die am 20. Mai und 8. August 1978 am Kap Canaveral
gestartet wurden, werden Anfang Dezember ihr Ziel erreichen. PIONIERVENUS I, über eine halbe Tonne schwer und mit Instrumenten für 12 Experimente an Bord, soll am 4. Dezember 1978 in eine stark exzentrische Umlaufbahn um den Planeten Venus eintreten. Der tiefste Punkt wird nur 150 km
über der Oberfläche, der höchste dagegen 66 000 km weit draußen im Weltraum liegen. Bei einer um 15 Grad zur Planetenachse geneigten Bahnebene
durchläuft der Satellit auch alle jene Zonen, wo mögliche Wechselwirkungen
von Sonnenwind und solaren Partikelwolken mit der Planeten-Umwelt, insbesondere der Ionosphäre, zu erfassen sind. Seine wichtigsten Aufgaben
werden sein, die Hochatmosphäre zu analysieren, die Bewölkung samt ihren
Veränderungen fortlaufend zu beobachten, mittels Radar die dichte
Wolkenhülle zu durchdringen, um die Planetenoberfläche zu sondieren, und
schließlich das Gravitationsfeld des Planeten zu vermessen, woraus sich
Hinweise auf Massenanomalien und damit bis zu einem gewissen Grad auf

Postfach 20 03 00
l»MciMl:fT7riW

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�I

auf den Aufbau des Planetenkörpers ergeben könnten.

Einen ganzen "Venustag"

lang (ihm entsprechen 243 Erdentage, die die Venus für eine einzige Umdrehung um ihre Achse braucht) soll der PIONIER-Orbiter die Venus beobachten.

Die Konstrukteure von Hughes Aircraft Co. in El Segundo

(Kalifornien), die im Auftrag der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA
das Satellitenpaar entwickelten und bauten, sind jedoch überzeugt, daß
die "aktive Lebensdauer" wesentlich größer sein wird.
Im Vergleich dazu kurzlebig, für die Wissenschaft aber kaum weniger
bedeutsam,wird PIONIER-VENUS II mit vier Abstiegssonden sein, die an
weit auseinanderliegenden Stellen der Planetenoberfläche niedergehen.
Der Sonenträger, "Bus" genannt, stieß bereits am 15. November in ca.
11 Millionen km Entfernung von der Venus das erste, 318 kg schwere
Forschungsgerät aus.

Seine sieben Instrumente sammeln Daten über Zu-

sammensetzung und Struktur der Atmosphäre, Zusammensetzung und Art der
Wolken und die Wärmebilanz des Planeten.

Am 19. November lösten sich bei

einem Abstand von 9,3 Millionen km von der Venus auch die drei identischen
kleineren, je 91 kg schweren Abstiegssonden vom "Bus" ab, die mit den
Bezeichnungen "Tag", "Nacht" und "Norden" unterschieden werden.

Sie

dienen der Durchführung von jeweils drei Experimenten, um bestimmte
Meßdaten über Lufthülle und Wolken einschließlich ihrer Struktur zu bekommen.
Der "Bus" schließlich soll mit seinen Instrumenten Auskunft über die
Zusammensetzung der Ionosphäre, die Dichte der Hochatmosphäre und die
Verteilung ihrer Bestandteile geben.
Für die vier "Töchter" ist der 9. Dezember 1978 der kritische Tag,
an dem sie innerhalb vom 11 Minuten nacheinander in die Atmosphäre der
Venus eintauchen.

Während die drei kleinen Sonden ungebremst zu Boden

stürzen, entfaltet die große Sonde ca. 67 km über der Oberfläche einen
Fallschirm, der die Meßdauer verlängern soll. Jede Sonde dürfte ca.
57 Minuten lang Meßdaten übermitteln, bis Hitze (ca. 470°C) und Druck
(ca. 90 mal höher als auf der Erde) an der Oberfläche und die Wucht des
Aufpralls sie zerstören.

Ob der "Bus" ebenfalls zu Boden stürzt oder

- 2 -

�'

oder aber nach Passieren der oberen Luftschichten wieder in den Weltraum
geschleudert wird, hängt vom Winkel seines Eintritts in die VenusAtmosphäre ab.

Er wird ca. 90 Minuten nach seinen vier Tochtersonden

die Lufthülle der Venus erreichen. An Bord von Orbiter und "Bus" befindet sich auch je ein Instrument deutscher Wissenschaftler, das in Freiburg bzw. an der Universität Bonn in Zusammenarbeit mit dem Max-PlanckInstitut für Kernphysik in Heidelberg entwickelt wurde.
Mit dem PIONIER-VENUS-Projekt wollen die Forscher der NASA versuchen, Antworten auf zahlreiche Fragen zu finden. Weshalb sind Erde
und Venus, enge Nachbarn im Weltraum und von ähnlicher Größe und Masse,
so verschiedener Natur? Weshalb ist die Venusatmosphäre, die vermutlich
zu 95 Prozent aus Kohlendioxid besteht, so anders als die Lufthülle der
Erde? Welches sind neben Wasserdampf und Kohlendioxid, die von sowjetischen
Sonden gemessen wurden, ihre Bestandteile in den oberen und unteren Luftschichten, und wie sind sie verteilt? Man weiß bereits, daß es auch Stickstoff und Argon, Salzsäure, Sauerstoff, Kohlenmonoxid und Fluorwasserstoffsäure gibt. Enthalten bestimmte Wolken schweflige Säure, wie es
den Anschein hat? Gibt es mehrere, verschieden geartete Schichten von
Wolken? Wie steht es mit Luftzirkulation und Turbulenzen?
Aus den MARINER 10-Untersuchungen vom Jahr 1974 ist z.B. bekannt,
daß die Venus ein sehr stürmischer Planet ist, auf dem heiße Winde aus
der Äquatorzone spiralähnlich mit hoher Geschwindigkeit zu den kühleren
pol nahen Breiten strömen. Die Wissenschaftler haben noch keine Erklärung
dafür, weshalb es auf der Erde so viel, auf der Venus so wenig Wasser
gibt. Und sie wollen u.a. wissen, ob der hohe Druck und die hohe Temperatur
in oberflächennahen Luftschichten womöglich die Folge eines "Gewächshauseffektes" sind,den Meteorologen der Erde prophezeien, falls die Erdatmosphäre weiterhin und in ständig steigendem Maße mit Kohlendioxid
angereichert wird.
Aufgrund von Radaruntersuchungen amerkikanischer Radioteleskope und

- 3 -

�und von einem Foto, das eine sowjetische Landesonde zur Erde funkte, wissen
wir, daß auf der Venus hohe Gebirge und mit Felsbrocken übersäte Gebiete
zu finden sind - ganz ähnlich wie auf dem Mars.
zu erkennen.

Auf dem Foto sind Schatten

Sie lassen vermuten, daß die Wolkenhülle Lücken hat, die das

Sonnenlicht durchdringen kann.

Und die "Radarkarte" von weiten Teilen

der Venus-Nordhalbkugel gibt mehrere Gebiete an, deren Beschaffenheit auf
vulkanische Aktivität schließen läßt.

Der neue Vorstoß zur Venus mit den

amerikanischen PIONIER-Sonden könnte helfen, manche Geheimnisse zu entschlüsseln, die dem Schwestergestirn der Erde eigen sind.
der Menschen beschäftigt es schon seit Jahrtausenden.

+ + + + +

Die Phantasie

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter legt seine außen- und innenpolitischen Ziele dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fernsehinterview mit Bill Moyers -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Endergebnisse der US-Wahlen vom 7. November 1978&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Liste der Gouverneure der 50 Einzelstaaten der USA -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Der neue Senat der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Das neue Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schwerpunkt Kohle im US-Energieprogramm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Energieminister Schlesinger äußert sich zum neuen Gesetz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomkraftnutzung mit mehr politischer Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- INFCE-Konferenz hält Jahrestagung in Wien -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doppelrendevous mit Planeten Venus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Zwei amerikanische PIONIER-Sonden kurz vor dem Ziel -&lt;/em&gt;</text>
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3

Information
und

1

TP] {i/iiTTiiM
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

29

INHALT

DOKUMENTATION
Ansprache Präsident Carters zum Jahrestag der Menschenrechtserklärung
- Wortlaut Außenminister Vance umreißt Grundzüge der amerikanischen Europapolitik
- Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs

WIRTSCHAFT
Gute Aussichten für den US-Dollar und den US-Handel
- Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums

HINTERGRUNDMATERIAL
SALT 11 d i e n t de r n a t i o na 1 e n Sic h e r h e i t
- Von Senator Gary Hart -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Weltweite Untersuchungen zur Wetterforschung
- Zusammenarbeit von 149 Staaten Neue Forschungsergebnisse über "Legionärskrankheit'

Um Übei/endung von
ßckgcHcmplorcn wird
gebecen

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
13. Dezember 1978

29

ANSPRACHE PRÄSIDENT CARTERS ZUM JAHRESTAG DER MENSCHENRECHTSERKLÄRUNG
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Ansprache am
6. Dezember 1978 anläßlich des 30. Jahrestages der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vollversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 das Engagement seiner Regierung für
die weltweite Einhaltung der Menschenrechte unterstrichen. Die Ansprache
des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Was ich heute zu sagen habe, ist im Grunde sehr einfach.

Ich habe es

schon viele Male gesagt. Aber es kann nicht oft genug, nicht nachdrücklich genug,nicht anhaltend genug gesagt werden.
Solange ich Präsident bin, wird die Regierung der Vereinigten Staaten weiterhin in der ganzen Welt für die Menschenrechte eintreten.
Keine
Macht der Welt kann uns von dieser Verpflichtung abhalten.
In dieser Woche begehen wir den 30. Jahrestag der Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Wir verschreiben uns erneut - nach

den Worten von Eleanor Roosevelt, die den Vorsitz im Menschenrechtsausschuß (der Vereinten Nationen) führte - der Allgemeinen Erklärung als

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�als "einer gemeinsamen Norm des Erfolgs für alle Völker aller Länder".
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - und die Konventionen,
die aus ihr hervorgegangen sind - geben keine Beschreibung der Welt wie
sie ist.

Sie sind ein Leuchtfeuer - ein Richtstrahl in eine Zukunft der

persönlichen Sicherheit, der politischen Freiheit und der sozialen Gerechtigkeit.
Für Millionen von Menschen auf dem ganzen Erdball ist dieses Leuchtfeuer noch sehr fern - mehr ein Lichtfunke an einem dunklen Horizont der
Entbehrung und Unterdrückung.

Die Berichte von Amnesty International, der

Internationalen Kommission der Juristen, der Internationalen Liga für Menschenrechte und vieler anderer privater Menschenrechtsorganisationen dokumentieren sattsam die Praktiken und Umstände, die Leben und Geist zahlloser Menschen vernichten.
Politischer Mord, Folter, willkürlicher und ausgedehnter Freiheitsentzug ohne Anklage oder Prozess - das sind die grausamsten und übelsten
Verletzungen der Menschenrechte.
Von allen Menschenrechten ist das wichtigste und grundlegendste, von
willkürlicher Gewalt frei zu sein - ob diese Gewalt von Regierungen, von
Terroristen, von Verbrechern oder von selbsternannten Heilsbringern ausgeübt wird, die unter dem Deckmantel der Politik oder der Religion handeln.
Aber weil die Regierungen über eine so viel größere Macht verfügen
als jeder einzelne, haben sie eine besondere Verantwortung. Die erste
Pflicht einer Regierung besteht darin, ihre Bürger zu schützen. Wenn Regierungen selbst willkürliche Gewalt gegen ihre Bürger ausüben, dann untergraben sie ihre eigene Legitimität.
Es gibt noch andere Verletzungen des Körpers und des Geistes, die
gleichermaßen zerstörerisch für das menschliche Leben sind.

- 2 -

Hunger,

�Hunger, Krankheit und Armut sind ebenso Feinde der menschlichen Existenz
wie eine Regierung, die ihre Bürger unterdrückt.

Das amerikanische Volk will, daß seine Regierung sowohl das menschliche Leiden lindert als auch die menschliche Freiheit stärkt.

Das ist der Grund warum ich - mit der Hilfe und der Ermutigung vieler
der hier Anwesenden - versucht habe, das Leuchtfeuer der Menschenrechte in
der amerikanischen Außenpolitik neu zu entzünden.

In den letzten zwei

Jahren haben wir versucht, diesen menschlichen Anliegen in unserer diplomatischen Tätigkeit und in der Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen als Nation Ausdruck zu verleihen.

Wir werden nicht schweigen, wenn in anderen Ländern die Rechte des einzelnen verletzt werden.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte bedeu-

tet, daß kein Land den Mantel der Souveränität über Folter, das Verschwindenlassen von Menschen, amtlich sanktionierte Bigotterie oder die Zerstörung der Freiheit innerhalb ihrer Grenzen breiten kann.

Die Botschaft, die all unsere Vertreter im Ausland verkünden - ob sie
vom Außenministerium, vom Handelsministerium, vom Landwirtschaftsministerium
oder vom Verteidigungsministerium kommen - ist die, daß die Menschenrechte
für den Charakter unserer Beziehungen zu anderen Ländern eine Rolle spielen.

Bei der Verteilung der knappen Mittel unserer Auslandshilfeprogramme
werden wir demonstrieren, daß unsere tiefsten Bindungen zu Ländern bestehen, die sich einem demokratischen Weg der Entwicklung verschrieben haben.

Wir werden nicht zögern, gegenüber Regimen, die an umfassenden Verletzungen der Menschenrechte festhalten, unseren Abscheu zum Ausdruck zu
bringen - noch werden wir vorgeben, daß das unsere Beziehungen nicht berühre.

Ich
- 3 -

�Ich hoffe, daß der Kongreß im kommenden Jahr einen Schritt tun wird,
der seit einer Generation überfällig ist, nämlich die Ratifizierung der
Konvention über die Verhütung und Bestrafung von Völkermord,,

Auch die Konvention gegen den Völkermord wurde vor 30 Jahren von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet - einen Tag vor der
Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Es war die

Bekräftigung der Welt, daß sie die Lehren der Katastrophe niemals vergessen wolle.

Leider ist der Völkermord keiner bestimmten geschichtlichen

Zeitspanne vorbehalten.

Die Völkermord-Konvention wurde von 83 Ländern ratifiziert.

Die Ver-

einigten Staaten haben dies - obwohl sich jeder Präsident seit 1948 dafür
eingesetzt hat - nicht getan.

Auf internationalen Konferenzen im Rahmen

der Vereinten Nationen und anderswo werden wir immer wieder gefragt, warum
nicht.

Wir haben darauf keine befriedigende Antwort.

Ich appelliere an den Senat der Vereinigten Staaten, diesen Jahrestag
auf die einzig angebrachte Art und Weise zu begehen:

nämlich durch die Ra-

tifizierung der Völkermord-Konvention zum frühest möglichen Datum.

Diese Maßnahme muß der erste Schritt auf dem Wege zur Ratifizierung
anderer Menschenrechtsverträge sein, einschließlich dessen, den ich vor
einem Jahr unterzeichnet habe.

Viele der hier vertretenen religiösen

Gruppen und Menschenrechtsgruppen haben einen Feldzug unternommen, um die
Öffentlichkeit über diese Konventionen aufzuklären.

Ich begrüße diese An-

strengungen.

Die Flüchtlinge sind die lebenden, heimatlosen Opfer der Unfähigkeit
unserer Welt, nach den Grundsätzen des Friedens und der Menschenrechte zu
leben.

Diesen Flüchtlingen zu helfen, ist einfach Menschenpflicht.

Als

Amerikaner - als ein Volk, das weitgehend aus Nachkommen von Flüchtlingen
besteht -,sind wir uns dieser Pflicht besonders deutlich bewußt.
Unser

�Unser Land wird alles in seiner Macht stehende tun, um das Elend
der gestrandeten Flüchtlinge aus Indochina und aus dem Libanon und der entlassenen Gefangenen aus Kuba und von anderswo zu lindern.

Ich hoffe, daß

wir immer bereit sein werden, mehr als nur unseren fairen Anteil an Flüchtlingen aufzunehmen, die vor rassischer, religiöser oder politischer Unterdrückung aus ihrer Heimat fliehen,,

Die Wirksamkeit unserer Menschenrechtspolitik ist heute eine unbestreitbare Tatsache.

Sie hat zu einer Atmosphäre des Wandels beigetragen, die

manchmal beunruhigend ist, die aber den Fortschritt auf vielerlei Weise und
an vielen Orten gefördert hat.
gene freigelassen worden.
nachgelassen.

In einigen Ländern sind politische Gefan-

In anderen hat die Brutalität der Unterdrückung

In wieder anderen ist eine vorher nicht feststellbare Entwick-

lung in Richtung demokratischer Institutionen oder der Herrschaft des Rechts
eingetreten.

Jenen, die unsere Verpflichtung anzweifeln, sage ich:

Fragt die Opfer,

fragt die Flüchtlinge, fragt die Regierungen, die Repression ausüben.

Ob

in Kambodscha oder Chile, ob in Uganda oder Südafrika, in Nicaragua, in
Äthiopien oder in der Sowjetunion - alle Regierungen wissen, daß wir um die
Menschenrechte bemüht sind - und nicht ein einziger von denen, die praktisch Risiken oder Leiden wegen der Menschenrechte auf sich nehmen, hat uns
gebeten, unsere Bemühungen zu unterlassen.

Aus den Gefängnissen, den Ar-

beitslagern und von den Verbannten hören wir nur eine einzige Botschaft:
Schweigt nicht, haltet an euren Bemühungen fest und verschafft der Stimme
der Freiheit Gehör.

Ich bin stolz, daß unsere Nation für mehr einsteht als für militärische
Macht und wirtschaftliche Kraft.

Sie steht ein für die Ideale, die ihren

Niederschlag finden in den Hoffnungen der Bauern in Lateinamerika, der Arbeiter in Osteuropa, der Studenten in Afrika und der Landbevölkerung in
Asien.
Wir
- 5 -

�Wir leben in einer schwierigen komplizierten Welt - in einer Welt,
in der der Friede praktisch das überleben bedeutet.

Unsere Außenpolitik

muß dieses Faktum in Rechnung stellen. Häufig entfernt uns eine Entscheidung, die uns einem unserer Ziele näher bringt, weiter von einem anderen
Ziel.

Selten lassen es die Gegebenheiten zu, Maßnahmen zu ergreifen, die

für alle zufriedenstellend sind.
Aber ich möchte noch einmal zum Ausdruck bringen, daß die Menschenrechte nicht am Rande der Außenpolitik der Vereinigten Staaten stehen.
Unsere Menschenrechtspolitik ist nicht nur reines Dekor. Mit ihr wollen
wir weder unser Image aufpolieren, noch wollen wir damit der diskreditierten Politik der Vergangenheit einen frischen moralischen Anstrich geben.
Wenn wir uns für die Menschenrechte einsetzen, dann aus dem breit angelegten Bemühen heraus, unsere große Macht und unseren Einfluß für die
Schaffung einer besseren Welt einzusetzen - einer Welt, in der die Menschen
in Frieden und in Freiheit leben können und in der ihren grundlegenden Erfordernissen in angemessener Weise entsprochen wird.
Die Menschenrechte sind das Kernstück unserer Außenpolitik, weil sie
das Kernstück dessen sind, was wir unter einer nationalen Gemeinschaft
verstehen.
Zum größten Teil werden andere Nationen durch eine gemeinsame rassische
oder ethnische Abstammung zusammengehalten, durch einen gemeinsamen Glauben
oder Religion oder durch Bindungen an das eigene Land, die viele Jahrhunderte zurückreichen. Einige Nationen werden zusammengehalten durch die Gewalt
einer tyrannischen Regierung.
Wir sind anders, und ich glaube, daß wir glücklicher dran sind.
Als Volk kommen wir aus jedem Land und aus jedem Winkel dieser Welt.
Wir hängen zahlreichen Religionen und Glaubensbekenntnissen an. Wir ent-

- 6 -

�entstammen jeder Rasse, jeder Hautfarbe und haben jeden ethnischen und kulturellen Hintergrund.

Wir sind zurecht stolz auf diese Dinge sowie auf den

Reichtum, die sie dem Gewebe unseres nationalen Lebens gewähren.

Aber dies

sind nicht die Dinge, die uns als Volk vereinigen.

Was uns vereinigt, was uns zu Amerikanern macht, ist der gemeinsame
Glaube an den Frieden, an eine freie Gesellschaft sowie das gemeinsame Eintreten für die Freiheiten, die unsere Verfassung enthält.

Dieser Glaube,

dieses Eintreten sind die Quellen für das Verständnis unserer nationalen
Gemeinschaft.

In einzigartiger Weise ist unsere Nation gegründet auf der

Idee der Menschenrechte.

Aus unserer eigenen Geschichte wissen wir, wie

machtvoll diese Idee sein kann.

In der nächsten Woche begehen wir ein weiteres wichtiges Datum der
Menschenrechte - den Tag der Bill of Rights.
Worten Lincolns "in Freiheit konzipiert".

Unsere Nation wurde nach den

Aber es dauerte fast zwei Jahr-

hunderte, bis diese Freiheit zur Reife gelangte.

Fast während der ganzen ersten Hälfte unserer Geschichte wurden den
schwarzen Amerikanern selbst die grundlegendsten Menschenrechte verwehrt.
Fast während der ersten zwei Drittel unserer Geschichte
aus dem politischen Prozeß ausgeschaltet.

wurden die Frauen

Ihre Rechte und die der gebür-

tigen Amerikaner sind immer noch nicht verfassungsmäßig garantiert und durchsetzbar.

Selbst die Freiheit der Rede ist von Zeit zu Zeit im Verlaufe

unserer Geschichte bedroht gewesen.

Erst in den letzten zehn oder zwölf

Jahren haben wir das erreicht, was Pfarrer Theodore Hesburgh die "legale
Preisgabe von mehr als drei Jahrhunderten der Apartheit" genannt hat,und
der Kampf um die vollen Menschenrechte für alle Amerikaner - schwarz, braun
und weiß, männlich und weiblich, reich und arm - ist alles andere als vorüber.

Für mich wie auch für die meisten von Ihnen sind dies keine abstrakten
Dinge.

In dem ländlichen Georgia, wo ich aufwuchs, wurden der Mehrheit

- 7 -

�Mehrheit meiner Mitbürger zahlreiche Grundrechte verweigert - das Recht zu
wählen, das Recht frei und ohne Furcht zu sprechen, das Recht der gleichen
Behandlung unter dem Gesetz.

Ich habe aus erster Hand die Auswirkungen

eines Systems der Beschneidung der Rechte erlebt.

Ich habe den Mut jener

Menschen miterlebt, die sich diesem System entgegenstellten.

Und schließlich

erlebte ich die auf eine Beseitigung dieser Mißstände abgestellten Energien,
die freigesetzt wurden, als meine Heimat aus der Dunkelheit herausschritt
und in die Zeit eintrat, die Hubert Humphrey im Jahr der Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte den "hellen Sonnenschein der Menschenrechte" nannte.
Die amerikanische Bill of Rights ist 187 Jahre alt.

Und in jedem die-

ser 187 Jahre war man darum bemüht, sie zu einer Realität werden zu lassen.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte ist nur 30 Jahre alt.

In

der geschichtlichen Perspektive ist die Idee der Menschenrechte gerade erst
angesprochen worden.
Ich ziehe diesen Vergleich nicht heran, um zur Geduld zu mahnen. Ich
ziehe ihn heran, weil ich auf Standhaftigkeit und auf verpflichtenden Einsatz drängen möchte.
Vor 187 Jahren war die Bill of Rights, was die meisten Amerikaner anbetraf, ein Dokument der Verheißungen. Es gab keine Garantie dafür, daß diese
Verheißungen auch verwirklicht werden würden. Wir haben sie nicht dadurch
verwirklicht, daß wir darauf warteten, daß die Geschichte ihren unvermeidbaren
Lauf nahm. Wir haben sie verwirklicht, weil viele Opfer brachten. Wir haben
sie verwirklicht, weil wir Standhaftigkeit und Ausdauer bewiesen.
Für Millionen Menschen in aller Welt ist die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte immer noch eine Erklärung der Hoffnungen.
Wie
- 8 -

�Wie alle von Ihnen wünsche ich, daß sich diese Hoffnungen erfüllen.
Der Kampf um ihre Erfüllung wird länger anhalten, als jeder von uns leben
wird; ja,so lange wie die der Menschheit selbst.
Aber wir müssen durchhalten und standhaft bleiben.
Und wir müssen damit anfangen, sicherzustellen, daß unser Land, das wir
so sehr lieben immer in der vordersten Front derjenigen steht, die für die
große Hoffnung, den großen Traum der Menschenrechte kämpfen.

+ + + + +

- 9 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

29

13. Dezember 1978

AUSSENMINISTER VANCE UMREISST GRUNDZÜGE DER AMERIKANISCHEN
EUROPAPOLITIK
Ansprache vor dem Londoner Royal Institute for International Affairs

LONDON - (AD) - Außenminister Cyrus R. Vance hat am 9. Dezember 1978
in einer viel beachteten Ansprache in London die Grundzüge der amerikanischen
Europapolitik aufgezeigt und die enge Partnerschaft zwischen den USA und
Europa unterstrichen. Der amerikanische Außenminister hatte auf seiner
jüngsten Reise nach dem Nahen Osten in London Zwischenstation gemacht
und sprach vor dem Royal Institute for International Affairs des renommierten
Chatham House.
Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Mr. Watt, Mitglieder des Instituts:
Fast sechzig Jahre lang war das Chatham House ein Anreiz und richtungsweisend für die Kreativität der westlichen Gesellschaften. Ich begrüße
die Gelegenheit, heute mit Ihnen einige Gedanken darüber austauschen zu

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�zu können, wie die Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten - der Grundpfeiler unseres wastlichen Erbes - kreativ und effektiv
auf die Herausforderungen der Zeit, in der wir leben, reagieren kann.

EINLEITUNG
Vor mehr als drei Jahrzehnten gingen die Vereinigten Staaten und
die Nationen Westeuropas gemeinsam daran, einen zerstörten Kontinent
wieder aufzubauen und ein militärisches Bündnis zum Schutze der Freiheit
zu errichten.
Auf beiden Seiten des Atlantik hatten diejenigen, die den Marshallplan gestalteten und an der Schaffung der NATO arbeiteten, die Vision
eines starken Amerikas und eines starken Europas, die durch gemeinsame
Interessen aneinander gebunden waren.

Aus dieser Vision heraus schufen

sie eine sich selbst erneuernde Partnerschaft, die aus der kontinuierlichen
Vitalität der Werte und Hoffnungen erwuchs, die wir teilen.
Während der siebziger Jahre haben wir eine außerordentlich schwierige
Zeit durchmachen müssen.
glücklich passiert.

Aber wir haben diese turbulenten Gewässer

Obwohl der vor uns liegende Kurs immer noch große

Forderungen an uns stellt, sollte uns der von uns erzielte Fortschritt
großes Vertrauen in unsere Zukunft geben.
-

Zum ersten Male in der Geschichte des Bündnisses sind alle NATOMitglieder Demokratien.

-

Die NATO ist stark und wird stärker.

-

Wir haben nicht nur dem schlimmsten protektlonistisehen Druck 1n

- 2 -

�in einer Generation Widerstand geleistet, sondern wir arbeiten
darüber hinaus zusammen, um ein gesünderes und offeneres Welthandelssystem zu schaffen.
-

Wir haben einen Rahmen engerer Konsultationen über wirtschaftliche
und sicherheitspolitische Fragen geschaffen als je in der jüngsten
Geschichte.

-

Die europäische Integration macht Fortschritte und bestätigt unsere
Überzeugung, daß ein starkes Europa gut für ein starkes Amerika ist.

-

Und wir bewegen uns auf normalere Beziehungen zu den Ländern
Osteuropas zu. Die Fortschritte auf dem Wege zu diesem Ziel
spiegeln sich wider in unserer Unterstützung der vollen Verwirklichung der Schlußakte von Helsinki und in der Anerkennung
der Souveränität und der Unabhängigkeit der Nationen dieses
Raumes.

Heute möchte ich mit Ihnen darüber sprechen, wie wir - aufbauend
auf dieser Grundlage - weiterhin unsere gemeinsame Sicherheit gewährleisten und einen gesunden Wiederaufschwung unserer Volkswirtschaften fördern
können.

Dies sind die dringlichsten Punkte auf unserer derzeitigen ge-

meinsamen Tagesordnung.
Aber wenn wir uns auf diese lebenswichtigen Anliegen konzentrieren,
die sich wie ein nicht abreißender Faden durch unsere Partnerschaft ziehen,
so zwingen uns unsere gemeinsamen Interessen doch auch, daß wir uns gemeinsam einer erweiterten internationalen Tagesordnung zuwenden. Denn
es gibt längerfristige Herausforderungen für unsere Sicherheit und unser
Wohlergehen, die ebenfalls unserer ernsthaften und anhaltenden Aufmerksamkeit bedürfen:
Wie werden

�-

Wie werden sich das internationale Wirtschaftssystem wie auch
unsere eigenen Volkswirtschaften den sich ändernden GefLigen des
Welthandels anpassen?

-

Wie können wir den zunehmenden Energieerfordernissen gerecht
werden, ohne das Risiko einer nuklearen Proliferation zu erhöhen?

-

Wie können wir zur Erfüllung der legitimen Sicherheitserfordernisse
der einzelnen Nationen beitragen, während wir doch gleichzeitig
vereinbarte Begrenzungen hinsichtlich des Anwachsens der konventionellen Waffenverkäufe anstreben?

-

Und wie können wir zu dem politischen Willen gelangen, jetzt in
bezug auf Fragen zu handeln, die eine tiefgehende Auswirkung auf
die Welt ausüben werden, die wir unseren Kindern hinterlassen Fragen wie das Bevölkerungswachstum und der Schutz der Umwelt.

An diesen Fragen wird unser Einfallsreichtum, unsere Ausdauer und
Beharrlichkeit in vollem Umfange gemessen werden.

Denn wir gehen an

alle diese Probleme innerhalb eines sich verändernden und pluralistischen
Systems heran - mit über 150 unabhängigen Ländern und neuer sich bildender
Machtzentren.

Kein

einzelnes Land oder Gruppe von Ländern kann für sich allein

Lösungen für diese komplizierten Probleme finden.

Sie sind in ihrem Ursprung

so wie in dem notwendig werdenden Umfang ihrer Lösungen wahrhaft international.
In zunehmendem Maße muß daher unsere führende Rolle darauf hinauslaufen,
andere Länder zur Zusammenarbeit mit uns hinsichtlich der Ziele, die wir
teilen, und die am besten gemeinsam gelöst werden können, zu inspirieren.
Und bei jeder dieser Fragen blicken wir auf unsere europäischen Verbündeten
als einen Kernpunkt, um den herum wir diese kooperativen Anstrengungen
aufbauen müssen.
Unsere Fähigkeit

�Unsere Fähigkeit, sich dieser weitgefaßten Tagesordnung zuzuwenden,
wird von der entscheidend wichtigen Kraft unserer Partnerschaft - und
insbesondere von unserer wirtschaftlichen und militärischen Stärke abhängen.

WIRTSCHAFTLICHE SICHERHEIT FÜR UNSERE VÖLKER
Für die meisten unserer Länder ist heute die dringendste Forderung,
unsere Volkswirtschaften neu zu beleben und das Vertrauen in unser wirtschaftliches System wieder herzustellen.
Wenn die Wirtschaftsgeschichte der letzten fünf Jahre geschrieben
wird, dann ragen zwei wichtige Dinge heraus.
Die Vereinigten Staaten und Europa, ja, die demokratischen Industrieländer als Gesamtheit haben während der letzten 25 Jahre die schwersten
wirtschaftlichen Probleme erlebt.

Dazu gehören die drastischen Erhöhungen

der Weltölpreise und die Inflation, gefolgt von einer schweren Rezession
und großer Arbeitslosigkeit.
Und trotz dieser ernsthaften Probleme haben wir doch bei der Stärkung
unserer wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit Erfolge erzielt.
Anstatt in die psychologische Haltung des sich Bereicherns auf Kosten anderer
zurückzufallen, die in den dreißiger Jahren die Weltwirtschaft zerstörte,
haben wir neue und effektivere Mechanismen für ernsthafte, konzertierte
Aktionen geschaffen. Die Einrichtung periodischer Gipfelkonferenzen über
Wirtschaftsfragen, eine engere Zusammenarbeit zwischen den Währungsbehörden,
die Schaffung der Internationalen Energieagentur und eine aktivere OECD all diese Anstrengungen reflektieren das Vertrauen in unsere Fähigkeiten
und keine Verzweiflung angesichts von Schwierigkeiten.
Wir
- 5 -

�Wir verstärken unsere wirtschaftliche Koordinierung miteinander aus
einem einfachen Grunde:

Weil wir uns nämlich jetzt alle darüber im klaren

sind, daß die wirtschaftliche Gesundheit eines jeden von uns wichtig ist
für die

wirtschaftliche Gesundheit von uns allen.

auf Zeiten der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu.

Dies trifft insbesondere
Der Druck zum Schutz

der einheimischen Märkte vergrößert sich, die Konkurrenz nimmt zu, und
wir alle sind versucht, unsere individuellen Probleme auf Kosten unserer
Nachbarn zu lösen.

Aber gerade dann brauchen wir ein ganz besonderes

Gespür für die Auswirkung, die unsere Entscheidungen im eigenen Lande
auf andere im Ausland haben werden.

Wenn wir solche Entscheidungen ohne

genügende Berücksichtigung der Probleme anderer treffen, dann löst dies
nur Vergeltungsmaßnahmen sowie eine Spirale kompensierender Aktionen aus.
Alle von uns würden an Boden verlieren;

alle von uns wären schlechter

daran.

Als Ergebnis dieser Tatsachen sind wir uns alle ganz klar darüber,
daß wir nur durch die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie, zu der
alle Länder ihren Beitrag leisten, das Wohlergehen eines jeden einzelnen
Landes fördern können.
Eine solche Zusammenarbeit kann schwierig und frustrierend sein.
Die politische Unterstützung für harte wirtschaftliche Entscheidungen
im Inland vollzieht sich in Demokratien häufig nur langsam. In einigen
Fällen entsprechen die Ergebnisse nicht unseren Erwartungen, und wir
müssen unsere Anstrengungen verdoppeln. Aber die Maßnahmen eines jeden
von uns, im Verein mit einer größeren transatlantischen Kooperation,
haben die Vereinigten Staaten und andere Industrienationen auf den Weg
zu einem anhaltenden,nichtinflationären Wachstum gebracht. Der Erfolg
wird unsere Fähigkeit vergrößern, die Chancen für den einzelnen sowie
die soziale Gerechtigkeit zu erweitern, die die größte Stärke unserer
Demokratien darstellen.

�DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Die Vereinigten Staaten sind sich der Bedeutung einer starken und
lebensfähigen

amerikanischen Wirtschaft für die Schaffung größerer

wirtschaftlicher Sicherheit in Europa, Japan und in anderen Ländern der
Erde voll bewußt.

Was wir in Washington unternehmen, kann das Leben der

Bürger in London oder Rom nachhaltig beeinflussen, ebenso wie die
Entscheidungen anderer Regierungen die Wohlfahrt von Amerikanern berühren können.
Demgemäß wird die Binnenwirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten
im Hinblick auf die wirtschaftlichen Interessen der Atlantischen Gemeinschaft
als einem Ganzen gestaltet.

Grundlage dieser Bemühungen sind die Zusagen,

die Präsident Carter auf dem Bonner Weltwirtschaftsgipfel vom vergangenen
Juli gegeben hat.

Er versicherte, daß die Vereinigten Staaten erhebliche

Anstrengungen unternehmen werden, die Inflation einzudämmen und eine
Energiepolitik zu betreiben, die die Abhängigkeit Amerikas von öl einfuhren
beträchtlich vermindern werde.

Wir treffen gegenwärtig spezifische Maß-

nahmen, um diese Zusicherungen zu erfüllen:
-

Am 24. Oktober verkündete Präsident Carter ein weitgefächertes
Programm zum Kampf gegen die Inflation.

Es schließt ein maßvolles

Vorgehen auf dem monetären Bereich, eine starke Verminderung der
Regierungsausgaben und vor allem auch Richtwerte für Lohn- und
Preissteigerungen ein.

Der neue Staatshaushalt des Präsidenten

wird ein sehr knapp bemessenes Plafond für öffentliche Ausgaben
festsetzen und das Haushaltsdefizit des Bundes auf weniger als
die Hälfte dessen von 1976 reduzieren.
Der Präsident hat entschieden darauf hingewiesen, daß die Eindämmung
der Inflation das wichtigste innenpolitische Ziel überhaupt ist.

Wir werden

in unseren diesbezüglichen Bemühungen solange fortfahren, bis wir dieses

�dieses Ziel erreicht haben.
-

Am 1. November haben wir ferner weitreichende Maßnahmen eingeleitet, um unsere Anstrengungen im Kampf gegen die Inflation zu
verstärken und den Dollar zu festigen.
starken Beschränkungen unterworfen.

Wir haben die Devisenmärkte

Die Vereinigten Staaten haben

sich ferner mit den drei wichtigsten Überschußländern - Deutschland,
Japan und die Schweiz - abgesprochen, ihre jeweiligen Direktinterventionen auf den Devisenmärkten aufeinander abzustimmen, um dem
übermäßigen Rückgang des Dollarwertes entgegenzuwirken.

Wir werden

tatkräftig und auf koordinierte Art und Weise mit anderen Ländern
zusammenarbeiten, um die Stabilität der Devisenmärkte zu gewährleisten.

Um ihren Anteil hieran zu finanzieren, werden die

Vereinigten Staaten den in der Geschichte einmaligen Betrag

von

30 Milliarden Dollar aufbieten, die gemeinsam mit den finanziellen Ressourcen

anderer Länder zu massiven Interventionen verwendet werden

sollen, falls dies zur Erreichung unseres Ziels notwendig sein
sollte.

Die Vereinigten Staaten haben darüber hinaus ihr Programm

zum Verkauf ihrer Goldvoräte intensiviert.
Wir rechnen damit, daß die grundlegenden Maßnahmen zur Verbesserung
der Wirtschaftsposition der Vereinigten Staaten, die inzwischen angelaufen
sind, einen anhaltenden positiven Einfluß auf den Dollar ausüben werden.
-

Am 9. November unterzeichnete der Präsident ein Gesetz, das die
Grundlage für eine gesunde amerikanische Energiepolitik abgeben
dürfte. Dieses Gesetz soll eine Einsparung bei den öl einfuhren
von rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag bis 1985 in die Wege leiten.
Unsere Energiesituation ist ohnehin im Begriff, sich zu bessern.
Die amerikanischen Energiepreise nähern sich mehr und mehr dem
Weltniveau, und die Zunahme des Energieverbrauchs ist gegenwärtig
erheblich geringer als das Wachstum unseres Bruttosozialproduktes.
Wir sind

�-

wir sind gleichzeitig dabei, unser Zahlungsbilanzdefizit durch
ein umfassendes Exportförderungsprogramm zu vermindern.

Präsident Carter ist entschlossen, sich mit seinem ganzen politischen
Gewicht für Maßnahmen einzusetzen, die zur Lösung der Wirtschaftsprobleme
geeignet scheinen.

Sie finden gegenwärtig wachsende politische Unerstutzung.

Weder der Präsident noch der Kongreß oder das amerikanische Volk werden
sich zufrieden geben, wenn es uns nicht gelingt, erhebliche Fortschritte
im Kampf gegen die Inflation, in den Bemühungen um die Stärkung des Dollar
und in der Schaffung einer gesunden Energiewirtschaft zu machen.

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Wenngleich es vordringlichste Aufgabe eines jeden von uns ist, für
eine geordnete heimische Wirtschaft zu sorgen, müssen wir uns gleichzeitig gemeinsam um die Aufrechterhaltung unseres wirtschaftlichen Wachstums
bemühen.

AUSSENHANDEL
Es gibt keinen wichtigeren und entscheidenderen Test für unsere
Fähigkeit, uns um der Erreichung wirtschaftlicher Ziele willen zusammenzuschließen, als den erfolgreichen Abschluß der Multilateralen Handelsverhandlungen - noch in diesem Monat.
Während der letzten drei Jahrzehnte haben wir gemeinsam darauf
hingearbeitet, ein offeneres und besser funktionierendes Welthandelssystem zu errichten.

Nunmehr haben wir die Chance, den inzwischen erzielten

�erzielten Fortschritt zu konsolidieren und das Gefüge unserer Handelsbezeihungen weiter zu verbessern.

Im Zuge dieser Bemühungen können wir ein

Außenhandelsklima für die Zukunft schaffen, das von größerer Sicherheit
und Zuversicht gekennzeichnet ist - ein Klima, das eine fortgesetzte
Expansion des Welthandels möglich macht. Wenn wir dabei Erfolg haben, wird
dies allen wirtschaftliche Vorteile bringen. Wenn wir dabei scheitern,
wird dies den wirtschaftlichen Fortschritt, den wir bisher erzielt haben,
in Gefahr bringen.

Ein Scheitern würde die Inflation anheizen, das

wirtschaftliche Wachstum verlangsamen und es den Entwicklungsländern
schwerer machen, angemessen am Welthandel zu partizipieren.

Wenn wir da-

bei scheitern, gefährden wir des weiteren die politische Zusammenarbeit,
die wir unter großen Mühen zustandegebracht haben.
Eines der Hauptziele der Multilateralen Handelsverhandlungen besteht
darin, ein gemeinsam vereinbartes Rahmenwerk hinsichtlich der Gewährung
von Exportsubventionen und der Erhebung von Ausgleichszöllen zu schaffen.
Wenn unser Kongreß im kommenden Monat zusammentrifft, wird der Präsident
gesetzgeberische Maßnahmen zur Verlängerung seiner Befugnis zum Verzicht
auf Ausgleichszölle für den Zeitraum fordern, der für die Verwirklichung
der Vereinbarungen der Tokio-Runde erforderlich sein wird.

Wir werden

Maßnahmen ergreifen, um die zerstörerischen Nebenwirkungen zu vermeiden,
die sich aus dem Auslaufen der genannten Befugnisse am 3. Januar 1979
ergeben könnten.
Unsere Unterhändler in Genf werden darauf bedacht sein, die Erörterungen
noch im Verlaufe dieses Monats zu beenden.

Doch selbst wenn wir Fort-

schritte in Richtung auf ein offeneres und besser funktionierendes Welthandelssystem machen, müssen wir einen Rückfall in den Protektionismus
vermeiden, der alle diesbezüglichen Fortschritte unterminieren könnte.
In jedem Land werden unterschiedliche Gruppen auch weiterhin ihre Regierung auffordern, aus wirtschaftlichen, politischen und sozialen Gründen
in das bestehende Handelssystem einzugreifen.

- 10 -

Unsere Länder sind sich

�sich der Bedeutung der Ablehnung von Forderungen bewußt, die eine wirksame
wirtschaftliche Anpassung an den Wandel behindern.

Unsere Erwiderung

auf derartige Forderungen muß innerhalb des wirtschaftlichen Rahmens
bleiben, den wir gemeinsam geschaffen haben.

Unsere Politik muß eine

positive Anpassung unserer Volkswirtschaften auf veränderliche Bedingungen
erleichtern;

sie darf sie nicht behindern oder die hieraus erwachsenden

Belastungen anderen aufbürden.

DIE EUROPÄISCHE INTEGRATION
über die unmittelbaren Erfordernisse zur Stärkung des Welthandelssystems hinausgehend haben wir alle ein grundlegendes Interesse an der
zunehmenden Rolle der Europäischen Gemeinschaft auf dem Gebiet der Weltwirtschaft. Wir in den Vereinigten Staaten bewundern den Weitblick
jener Männer und Frauen, die an der Aufgabe arbeiten, die Zusammenarbeit
unter den europäischen Ländern zu erweitern und zu vertiefen. Wir begrüßen
diese Entwicklung und fördern sie, weil eine starke Europäische Gemeinschaft
im Interesse Amerikas wie aller europäischen Länder liegt; sie stellt
eine neue dynamische Kraft auf dem Gebiet der internationalen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen dar.
Die neuen europäischen Währungsabsprachen zu einer engeren diesbezüglichen Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft, die am
5. Dezember bekanntgegeben wurden, stellen einen wichtigen Schritt in
Richtung auf eine wirtschaftliche Integration Europas dar, die wir seit
langem schon unterstützen.

Wir sind der Auffassung, daß die neuen Ver-

einbarungen zu einem vertretbaren Wachstum der Weltwirtschaft und einem
stabilen internationalen Währungssystem beitragen werden.

Die Vereinigten

Staaten freuen sich auf fortgesetzte und enge Konsultationen mit ihren
europäischen Handelspartnern, wenn diese Vereinbarungen in die Praxis
umgesetzt werden.
Generell
- 11 -

�Generell werden die nächsten Jahre für Europa kritische Jahre sein,
da die Gemeinschaft auf eine engere wirtschaftliche Integration hinarbeitet,
ihre Mitgliederzahl vergrößert, erste Direktwahlen für ein europäisches
Parlament abhält und zunehmende Verantwortung für das politische und wirtschaftliche Wohlergehen ganz Europas übernimmt.
Sämtliche Demokratien des Westens unterstützen die Demokratien in
Südeuropa und sorgen sich ihretwegen. Wir in den Vereinigten Staaten achten
das politische Engagement der führenden Politiker der Gemeinschaft, jenen
Ländern den Beitritt freizustellen und die wirtschaftlichen Probleme auf
sich zu nehmen, die die Aufnahme dieser Länder mit sich bringen dürfte.
Als prosperierende westliche Demokratien sollten wir uns der besonderen
Verantwortlichkeit gegenüber den Demokratien in Gebieten bewußt sein, die
von einem Zusammenbruch ihrer Wirtschaft bedroht sind - in jenen Gebieten,
in denen die kurzfristigen Aussichten gering sind, deren Volkswirtschaften
aber bei einiger Unterstützung von außen auf eine gesunde Basis gestellt
und deren langfristige Aussichten verbessert werden können. Es gibt wohl
etablierte Mechanismen zur Gewährung der notwendigen Hilfe: den Weltwährungsfond und die Weltbank. In gewissen Situationen können auch informelle oder ad hoc-Vorkehrungen erforderlich werden. Das Konsortium
zur Unterstützung Portugals liefert ein Beispiel. Länder, die in der Lage
sind, Hilfe zu leisten, sollten ihre Energien und ihre Ressourcen gemeinsam
zur Anwendung bringen. Hilfsmaßnahmen - ehe es zu spät ist - sind eine
Investition in die Zukunft der Freiheit.

DIE AMERIKANISCH-EUROPÄISCHEN BEZIEHUNGEN UND DIE ENTWICKLUNGSLANDER
Wenn wir uns Maßnahmen überlegen, die wirtschaftlichen Bindungen
unter den Entwicklungsländern zu stärken, dürfen wir die Tatsache nicht
übersehen, daß unsere Interessen - und unsere Verantwortung - dort nicht
- 12 -

�nicht enden.

Wenn wir dem Wunsch unserer Bürger nach wirtschaftlicher

Sicherheit und einem steigenden Lebensstandard Rechnung tragen wollen,
erfordert dies, daß wir nachdrücklicher als bisher auf die Hoffnungen
und Wünsche der Völker der Entwicklungsländer eingehen.

Ihr wirtschaftliches

Wohlergehen ist im steigenden Maße Voraussetzung für unser eigenes Wohlergehen.
Zusammengenommen entfällt etwa ein Drittel des gesamten Außenhandels
der OECD-Mitglieder auf Entwicklungsländer. Diese sind heute die am
raschesten expandierenden Märkte für Exporte der Industriestaaten - Märkte,
von denen Millionen von Arbeitsplätzen in unseren Ländern abhängen.
Die Entwicklungsländer liefern uns wichtige Rohstoffe, und wir bedürfen
ihrer Mitarbeit, um so weltweite kritische Probleme wie das der Energieund Nahrungsmittelvorsorgung zu lösen.
Kurz gesagt, können wir ein starkes internationales Wirtschaftssystem
nicht ohne anhaltende wirtschaftliche Fortschritte in den Entwicklungsländern aufbauen.
Wir müssen deshalb gemeinsam ideologische Debatten beiseite lassen,
die vielfach die Beziehungen zwischen den Entwicklungsländern und Industriestaaten charakterisieren.
ergreifen, um

Wir müssen praktische und konkrete Maßnahmen

den grundlegenden Ansprüchen von rund 800 Millionen Menschen

gerecht zu werden, die in absoluter Armut leben.
Es gibt keine wichtigere Aufgabe in bezug auf das langfristige Wohlergehen der Welt, unsere politische Sicherheit und unsere Wertvorstellungen
als freie Völker als mit den Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um
deren wirtschaftlichen Fortschritt zu fördern.
Probleme der Sicherheit

- 13 -

�PROBLEME DER SICHERHEIT
Grundlage unserer Prosperität ist die Zuversicht in bezug auf unsere
eigene Sicherheit.

Diese Sicherheit wiederum hängt im wesentlichen ab von

der Aufrechterhaltung starker Streitkräfte;
der Beziehungen des Westens zur Sowjetunion;

von der wirksamen Gestaltung
von den Bestrebungen zur

Begrenzung und Verminderung der Rüstungen sowohl im Osten als auch im Westen;
und von der Stärkung der atlantischen Partnerschaft.
Wir können in der anhaltenden Steigerung der sowjetischen Militärprogramme und Dislozierungen von Waffen Anlaß zur Sorge erblicken.

Wir

können aber auch in den Schritten, die wir innerhalb des Bündnisses unternehmen, um das militärische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, Anlaß zur
Zuversicht sehen.
Seit einigen Jahren schon ist die zentrale Tatsache der Weltsicherheit
die strategische nukleare Parität zwischen den Vereinigten Staaten und der
Sowjetunion. Wir und unsere Partner sind mit dieser Lage fertig geworden,
ohne uns die Abschreckung oder den Willen dazu von irgendwelcher Seite
diktieren zu lassen.
Die Tatsache der strategischen Parität besteht weiter fort. So wie
wir sowjetischen Verstärkungen gleiches entgegensetzen, so müssen wir
annehmen, daß die Sowjets entschlossen sind, mit uns gleichzuziehen. Deshalb würde das Streben nach Überlegenheit der einen wie der anderen Seite
in Frustration, Verschwendung und einer Erhöhung der Spannungen und
letzten Endes in einer Verminderung der Sicherheit aller enden.
Unsere gemeinsame Sicherheit beruht auf drei grundlegenden Prinzipien:
Erstens, so wie wir im Hinblick auf Maßnahmen der Sowjetunion wachsam
bleiben müssen, so müssen wir auch bereit sein, Bereiche gemeinsamer

- 14 -

�gemeinsamer Interessen zu erkunden und auszuweiten.

Wollten wir unseren

Befürchtungen gestatten, die Notwendigkeit zu überschatten, nach gemeinsamen Boden zu suchen, hieße das, uns selbst dazu verurteilen, in fortgesetzter Spannung zu leben. Wir dürfen aber auch unserem Wunsch nach
besseren Beziehungen nicht gestatten, uns zu Vereinbarungen zu veranlassen,
die unsere nationalen Interessen nicht angemessen schützen.
Zweitens müssen wir bereit sein, alles zu tun, was notwendig ist,
um unsere Sicherheit zu gewährleisten - auch wenn wir der Aufrechterhai tung eines Gleichgewichts auf niedrigerem Niveau den Vorzug gegenüber einer weiteren Aufrüstung geben. Sowohl der Weg zu militärischer
Stärke als auch der zur Beschränkung der Rüstungen spielen in der Geschichte
des Sicherheitsstrebens der NATO eine zentrale Rolle.
Die Beschränkung der Rüstungen ist ein schwieriges und frustrierendes
Unterfangen. Unsere Zielsetzungen und unsere Bemühungen werden zwangsläufig Kritik auslösen - bei einigen, deren Auffassung nach wir ein zu
geringes Maß an Abrüstung erreicht haben, und bei anderen, die da meinen,
die Sowjets zögen Vorteile aus Rüstungskontrollabkommen. Wir sollten
uns realistisch klarmachen, was wir zu erreichen suchen. Rüstungskontrolle
kann den militärischen Wettstreit nicht beenden. Wir können - und wir tun
dies auch - Rüstungsbeschränkungen aber dazu benutzen, der Rüstungsausweitung eine Obergrenze zu setzen. Zu diesem Zweck können wir den schwierigen
Prozess des Rüstungsabbaus und qualitativer Beschränkungen in Angriff
nehmen und den hierzu erforderlichen Dialog in Gang halten.
Die Rüstungskontrolle, richtig verstanden und klug angewendet, ist
eine weitere Möglichkeit - eine ergänzende Möglichkeit -, um nach Sicherheit zu streben. Unsere Unfähigkeit, alles sofort zu Erreichen, sollte
uns nicht davon abhalten, jene bedeutsamen Schritte zu unternehmen, die
wir verwirklichen können.
Drittens, wenn die Vereinigten Staaten auch hinsichtlich der mi 1i- 15 -

�tärisehen Stärke unübertroffen bleiben werden, so müssen wir uns doch alle
immer darüber im klaren sein, daß unsere Sicherheit kollektive gemeinsame
Anstrengungen erfordert und daß unsere Verteidigung unteilbar ist.

Als

Bündnis teilen wir uns in die Lasten und Risiken einer gemeinsamen Verteidigung.

Die westliche Stärke - in rein militärischem wie auch in einem

weiteren Sinn - hängt von der

Qualität unserer Partnerschaft und von unserem

Selbstvertrauen in bezug auf die Zukunft ab.
Diese fundamentalen Grundsätze bestimmen unsere Sicherheitsentscheidungen.
Ein Blick auf die aktuelle militärische Situation und auf die Tendenzen
sowie darauf, wie die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten mit dem
Sachverhalt der strategischen Parität zurechtkommen, zeigt, daß wir vor
großen Herausforderungen stehen - und wir begegnen ihnen durch kooperative
Maßnahmen.
Die strategischen Modernisierungspläne der USA umfassen die Land-,
See- und Luftkomponenten unserer Streitkräfte. Wir entwickeln eine neue
ballistische Interkontinentalrakete (ICBM), und Optionen für eine neue
ICBM-Stationierung werden gegenwärtig intensiv geprüft, damit wir die
beste unter verschiedenen Alternativen auswählen können. Wir werden
im nächsten Jahr eine neue Unterseebootgestützte Rakete dislozieren, und
wir bauen ein neues strategisches Unterseeboot. Bei uns läuft ein
intensives Programm für Marschflugkörper, das nicht nur die luftgestützte
Version, sondern auch see- und landgestützte Versionen umfaßt. Diese
Programme werden sicherstellen, daß die Stärke des Bündnisses auch weiterhin
ausreichend sein wird, um vor Angriffen abzuschrecken und um unsere gemeinsamen Interessen zu schützen.
SALTistein weiteres Instrument zur Stärkung der Sicherheit.
-

Mit SALT I und dem Vertrag über Abwehrraketen (ABM) begann der
wichtige Prozeß der Begrenzung der strategischen Rüstung. Ohne

- 16 -

�Ohne diese Abkommen wären wir zusätzlich zu einem unbegrenzten
Wettrüsten auf dem Gebiete der Offensivwaffen auch noch in ein
Wettrüsten auf dem Gebiet der Defensivwaffen geraten.
-

SALT II wird eine wesentliche Dämpfung des Tempos des Wettrüstens
auf dem Gebiet der strategischen Waffen bedeuten.

Angesichts

einer geregelteren und vorhersehbareren Zukunft werden wir mehr Aufmerksamkeit, Talente und Ressourcen der Verbesserung der konventionellen sowie der Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte der NATO widmen
können.
-

SALT II wird den Grundsatz der zahlenmäßigen Parität der strategischen
Trägerraketen festlegen.

-

Und es wird die Zahl der Interkontinentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen begrenzen, die der Stabilität potentiell den
größten Schaden zufügen können.

Gleichzeitig wird SALT II in keiner Weise die Streitkräfteprogramme
ausschließen,die gegenwärtig laufen, um den Gefahren zu begegnen, die
selbst bei einem Abkommen bestehen bleiben.

Wir haben uns alle unsere

wesentlichen strategischen Streitkräfteoptionen vorbehalten.

Andere

Programme, die die Abschreckung der NATO stärken, können weitergeführt
werden.

Die Interessen der Verbündeten sind geschützt worden, weil die

alliierten Interessen auch unsere Interessen sind.
Lassen Sie mich nachdrücklich unterstreichen, daß sowohl bei unseren
Verteidigungsbemühungen als auch bei unseren Rüstungskontrollverhandlungen
es unser grundlegendes Ziel ist, die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und die unserer Verbündeten zu stärken. Dies war und wird immer der Grundpfeiler unserer Politik bleiben.
Deswegen

- 17 -

�Deswegen befassen wir uns mit SALT - weil ein gesundes Abkommen die
westliche und auch die globale Sicherheit verbessern wird.

Ohne ein

Abkommen würde unsere technologische und wirtschaftliche Stärke uns in
den Stand setzen, jedem sowjetischen strategischen Aufbau zu begegnen.
Aber ein gutes Abkommen kann mehr Sicherheit bei weniger Risiko und weniger
Kosten gewähren. Und wir sind uns darüber im klaren, daß ohne SALT der
strategische Wettstreit das gesamte politische Ost-West-Verhältnis
infizieren könnte, wobei die Bemühung zur Schaffung einer weniger gefährlichen Welt Schaden nehmen würde, die ein Kernstück der westlichen
Außenpolitik ist.
Da sich abzeichnende SALT II-Abkommen wird nicht alle unsere Probleme
lösen.

Es wird beispielsweise nicht den Trend zu einer verstärkten

Verwundbarkeit der festen landgestützten Raketen umkehren - ein Problem,
das sich auf lange Sicht für beide Seiten stellt. Die notwendige
strategische Streitkräftemodernisierung muß und wird vorangehen, genauso
wie der SALT-Prozeß vorangehen muß und wird.

In SALT III werden wir

dann um weitere Reduzierungen und qualitative Begrenzungen bemüht sein.
Wir können nicht den Umgang mit der strategischen Parität erörtern,
ohne die Frage in den Griff zu bekommen, wie die NATO auf Verbesserungen
der sowjetischen Nuklearstreitkräfte reagieren soll, die gegen Europa
gerichtet sind. Obwohl die Bindung an die amerikanischen strategischen
Streitkräfte die letztliche Abschreckung der NATO bleibt, müssen die
Sowjets begreifen, daß wir es nicht zulassen werden, daß an irgendeinem
Punkt in der Substanz unserer Abschreckung, einschließlich der nuklearen
Gefechtsfeldstreitkräfte»eine Schwächung eintritt. Bei uns laufen verschiedene nukleare Gefechtsfeld-Modernisierungsprogramme. Wir prüfen
die Frage, ob Rüstungskontroilanstrengungen von Nutzen sein könnten.
Obwohl keine Entscheidungen hinsichtlich der Streitkräfteerfordernisse
oder der Rüstungskontrolle gefällt worden sind, konsultieren wir uns
innerhalb des Bündnisses intensiv, um einen gemeinsamen Plan auszuarbeiten,
Im Bereich
- 18 -

�Im Bereich der konventionellen Waffen schreitet die Verstärkung
der sowjetischen Streitkräfte weiter voran. Auch hier ergreift der
Westen wirksame Gegenmaßnahmen.

Auf dem Gipfeltreffen in Washington

vom Mai 1978 kam eine Einigung auf ein Langfristiges Verteidigungsprogramm
zustande, das die Fähigkeit der NATO verbessern soll, als Verteidigungsbündnis zu handeln.

Die NATO erkennt der Verstärkung der konventionellen

Streitkräfte höchste Priorität zu.

In den letzten Jahren haben die

Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte in Europa um rund 10 000 Mann
verstärkt.

Die NATO unernimmt umfassende und enschlossene Bemühungen,

um die Kampfkraft und die Fähigkeit zu einer anhaltenden Verteidigung
zu steigern.

In kluger Weise legen wir den Schwerpunkt auf Verbesserungen,

die sich aus unserer kollektiven technologischen Stärke ergeben und die zu
einer größeren Kampfkraft der Streitkräfte statt lediglich zu deren
Vergrößerung führen.

Viele dieser Schritte sind nicht sehr augenfällig;

sie machen keine Schlagzeilen.
Maßnahmen eines

Es handelt sich aber um ernst zu nehmende

ernst zu nehmenden Bündnisses, das entschlossen ist, alle

ihm zu Gebote stehenden Ressourcen und seine ganze Willenskraft auf den
Aufbau einer verbesserten gemeinsamen Verteidigung zu verwenden.
Auch hier sind wir darauf bedacht, Beschränkungen auf paritätischer
Basis auszuhandeln. Das Jahr 1978 hat im Zuge der inzwischen fünf Jahre
dauernden Verhandlungen auf beiden Seiten über eine beiderseitige und
ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) einige Bewegung erbracht. Die
Sowjets zu einer Vereinbarung über die Verminderung der Streitkräfte
auf gleiche kollektive Stärken zu bewegen, ist weitere anhaltende Anstrengungen wert. Wir wollen hoffen, daß die Erreichung eines Abkommens
über die Beschränkung der strategischen Waffen auch den MBFR-Verhandlungen
neue Impulse geben wird.
Selbstverständlich greifen die Sicherheitsüberlegungen und - interessen des Westens über die NATO hinaus. Wir müssen uns auch fragen,
ob wir in einem Zeitalter der strategischen Parität im Wettstreit mit

- 19 -

�mit der Sowjetunion in der Dritten Welt nicht inzwischen ins Hintertreffen
geraten sind.

Die Antwort lautet nein.

Auch wenn die Fähigkeit der

Sowjets zur Anwendung militärischer Macht inzwischen zugenommen hat, so
verfügen die Vereinigten Staaten nicht nur über überlegene Seestreitkräfte
und andere militärische Machtmittel, sondern erfreuen sich auch wirtschaftlicher und politischer Vorteile.
Wir begrüßen auch den Geist zunehmender nationaler Unabhängigkeit in
den Entwicklungsländern.

Sie haben aus mehrfachem Anlaß ihre Entschlossenheit

und Fähigkeit bewiesen, der Beherrschung durch Drittmächte zu entgehen.
Seit 1960 entstanden im Zuge der Entkolonialisierung, die sich
nunmehr ihrem Abschluß nähert, 65 neue Länder mit sehr unterschiedlichen
politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systemen. In diesen Jahren
war der Einfluß von außerhalb in den einzelnen Ländern und zu verschiedenen
Zeiten verschieden stark ausgeprägt. Zu der ständigen Ausweitung des
kommunistischen Einflusses, die viele Kreise einstmals befürchtet hatten,
ist es aber nicht gekommen.
Die Vielfalt und der unaufhörliche Wunsch nach nationaler Freiheit
in den Ländern der Dritten Welt sind die sichersten Schranken gegen
ausländische Beherrschung. Wir können unsere eigenen Interessen in diesen
Gebieten der Welt am ehesten dadurch fördern, daß wir diese Vielfalt
begrüßen und diesen Geist achten.
Die Bindungen zwischen dem Westen und der Dritten Welt auf den
Gebieten der Wirtschaft, der Politik, der Kultur und der Sicherheit sind
geeignet, den Geist der Unabhängigkeit wach zu halten.

Wir müssen die

Bindungen zu ihnen stärken - indem wir auch weiterhin die wirtschaftliche
Entwicklung und notfalls auch die militärische Sicherheit dieser Länder
durch unsere Hilfe fördern;

indem wir die Sowjets und ihre Verbündeten

drängen, in Krisengebieten Zurückhaltung zu üben;

- 20 -

und indem wir darauf

�darauf hinarbeiten, Streitfälle, die Gelegenheit für das Eingreifen
ausländischer Mächte liefern, auf diplomatischem Wege zu lösen.

Langfristig ist es die Fähigkeit des Westens, den Nationalismus,
den Wunsch nach Selbstbestimmung und das wirtschaftliche Wachstum der
Länder der Dritten Welt praktisch zu unterstützen, die uns Anlaß zur
Zuversicht hinsichtlich unserer künftigen Beziehungen zu diesen gibt.

ZUSAMMENFASSUNG

Auf jedem von mir heute angesprochenen Gebiet - auf wirtschaftlichem,
politischem und militärischem Gebiet mithin - sehen wir uns vor außergewöhnliche Herausforderungen gestellt.

Gemeinsam aber stehen Amerika und

Europa auch die außerordentlichen Ressourcen zur Verfügung, derer wir
bedürfen, um diesen Herausforderungen gerecht zu werden.

Die physischen, industriellen und technologischen Hilfsquellen
unseres Bündnisses sind ohnegleichen.

Wenn wir den Willen zeigen, unsere

Volkswirtschaften mit dem Mut zum Risiko weiterzuentwickeln,und unsere
Verteidigung mit Entschlossenheit aufrechterhalten, können wir eine
Welt größerer Sicherheit und Stabilität schaffen.

Und diesen Willen

haben wir durchaus.
Letztlich wird unser Bündnis nicht lediglich durch das zusammengehalten, was wir ablehnen, sondern durch das, wofür wir eintreten.

Unsere

größte Stärke sind eben jene Bande, die uns so eng miteinander verknüpfen.

Diese Bande beruhen auf unseren gemeinsamen Vorstellungen von den
Rechten und der Würde des einzelnen Menschen, von politischer Gerechtigkeit
und von der Freiheit für alle Menschen.
Die Verhandlungen

- 21 -

�Die Verhandlungen, die wir gegenwärtig führen, und die Politik, die
wir verfolgen, würden jeglichen Sinnes entbehren, wenn wir unsere Außenpolitik nicht in Übereinstimmung mit diesen grundlegenden Wertvorstellungen
unserer Völker betreiben wollten.
Winston Churchill sprach einst von der Notwendigkeit, zusammenzustehen und "die größeren Hoffnungen der Menschheit entschlossen zu verwirklichen."
Das zu tun, ist heute wie einst unsere größte Aufgabe.

+ + + + +

- 22 -

�1

1

I
29

Wirt/choft

rrl

3

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

GUTE AUSSICHTEN FÜR DEN US-DOLLAR UND DEN US-HANDEL
Interview mit dem Chefberater des US-Handelsministeriums

Der leitende Wirtschaftsberater des
amerikanischen Handelsministeriums,
Courtenay Slater, hat in einem
Exklusiv-Interview mit dem Wirtschaftskorrespondenten des US-Amtes für
Internationale Kommunikation (USICA),
John J. Harter, die Aussichten für
den US-Dollar und den amerikanischen
Handel im kommenden Jahr als günstig
beurteilt. Nachfolgend der Wortlaut
des Interviews:
Frage: Können Sie uns etwas darüber sagen, in welchem Umfang sich
die amerikanische Handelsbilanz Ihrer Ansicht nach im kommenden Jahr verbessern wird?
Antwort: Unsere Experten rechnen damit, daß die Bilanz der laufenden
Konten - d.h. die Bilanz in Dienstleistungen und Gütern - sich im kommenden
Jahr um mindestens ein Drittel verbessern wird. Manche halten sogar eine
noch weitgehende Verbesserung für möglich. Es sind bereits wesentliche

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�wesentliche Verbesserungen eingetreten, wie die Handelsstatistiken der
letzten sechs Monate im Vergleich zum ersten Quartal dieses Jahres (1978)
zeigen.
Frage:

Können Sie einige der wesentlichen Faktoren nennen, die zu

einer Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz im nächsten Jahr oder
in den nächsten zwei Jahren beitragen?
Antwort:

Wenn ich sie in eine Rangfolge stellen müßte, dann kämen

an erster Stelle die verbesserten Wachstumsaussichten in Europa und bei
unseren anderen wichtigen Handelspartnern.

Der Gesamtumfang der ameri-

kanischen Exporte hängt sehr stark von der Fähigkeit dieser Länder ab,
unsere Waren zu kaufen, und diese Aussichten scheinen sich zu verbessern.
Die Vorbestellungen für unsere Exporte haben in den letzten Monaten sehr
stark zugenommen.
Ferner werden unsere Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation, die wir
gerade eingeführt haben - und an deren Wirksamkeit wir glauben -, den
Preisanstieg in unserem eigenen Lande in Grenzen halten, was zur Korrektur
unserer Handelsbilanz und dazu beitragen wird, daß unsere Exporte wettbewerbsfähig bleiben. Die jüngsten Veränderungen des Wertes des Dollar
im Verhältnis zu starken ausländischen Währungen werden unsere: Exporte
wettbewerbsfähiger und unsere Importe teurer machen. Auch das wird ein
wichtiger Faktor sein, der zur Korrektur unserer Handelsbilanz beitragen
wird.
Und schließlich haben wir eine Vielfalt wirtschaftspolitischer
Maßnahmen eingeführt, um die Exporteure zu ermutigen.

So gibt es ein

besonderns aktives Programm mit Japan zur besseren Erforschung des Marktes
dieses Landes, und wir rechnen mit einer Bereitschaft Japans, mehr Güter
aufzunehmen als in der Vergangenheit.
Frage:

Wenn man einige der längerfristigen Faktoren betrachtet,

- 2 -

�betrachtet, die sich auf die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Güter
auf internationalen Märkten auswirken, glauben Sie dann, daß amerikanische
Firmen unzureichend in modernen Fertigungsanlagen investiert haben?
Antwort:

In gewissem Sinne muß ich diese Frage bejahen.

Die Investitions-

tätigkeit war schleppend wegen der Rezession, die 1974-75 sehr stark war die schlimmste seit 40 Jahren.

Es J$t nicht überraschend, daß sie dem Ver-

trauen der Wirtschaft einen Stoß versetzt hat. Die Vereinigten Staaten
sind hier nicht das einzige Land, in dem das geschah.

Auch andere Länder

haben diese Erfahrung gemacht, und auch in Westeuropa und in anderen
Industrieländern war die Investitionstätigkeit schleppend.
Aber wir treten jetzt in ein wirtschaftliches Klima ein, in dem die
Raten der Kapazitätsausnutzung steigen und die bestehende Produktionskapazität, wenn auch noch nicht auf dem höchsten Stande, aber doch soweit
ausgenutzt wird, daß Neuinvestitionen für die Unternehmen wieder verlockend
erscheinen. Ich bin überzeugt, daß die Investitionstätigkeit anziehen
wird, wie sich schon aus den jüngsten Statistiken ablesen läßt. Ein
wachsender Anteil der Investitionen geht in Neubauten und neue Fabrikationsanlagen, während in der früheren Phase des Wiederaufschwungs die meisten
Investitionen in die Erneuerung von Gerät bestehender Anlagen, Lagerbeständen und Motorfahrzeugen gingen. Ich glaube, die schwache Investitionstätigkeit war in erster Linie ein zyklisches Phänomen, das aus der Rezession
herrührte, und kein langfristiger Anti-Investitionstrend.
Frage:

Wie sehen Sie die langfristigen Aussichten für die Investitionen?

Antwort:
schwung.

Ich rechne für die achtziger Jahre mit einem weiteren Auf-

Die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte wird dann lang-

samer zunehmen, weil wir nicht die starken Jahrgänge haben werden wie in
den siebziger Jahren.

Wenn nicht mehr so viele junge, relativ niedrig

bezahlte ungelernte Arbeitskräfte auf den Markt drängen, dann wird sich der
Schwerpunkt auf Rationalisierungsinvestitionen verlagern.

- 3 -

Der Kongreß

�Kongreß hat gerade eine neue Steuergesetzgebung verabschiedet - und zwar
mit breiter InterStützung, die ein günstigeres Klima für Investitionen
schafft.

Diese und andere Aspekte lassen für die achtziger Jahre ein

günstiges Investitionsklima erwarten.
Frage:

Die Vereinigten Staaten haben in weiten Bereichen der

Technologie immer einen Vorsprung gehabt.

Haben wir diesen Vorsprung

noch?
Antwort:

Wir haben immer noch auf einigen Gebieten der Technologie

einen Wettbewerbsvorsprung, aber wir leben in einer Welt, in der
Information frei und rasch von einem Land zum andern fließt.

Wir können

eine solche Welt ohne weiteres begrüßen und fördern, denn unser Lebensstandard - und der Lebensstandard sonstwo in der Welt - hängt von der
Innovation und der Entwicklung neuer Technologien ab.

In einer solchen

Welt werden wir nicht mehr den Vorsprung haben, daß wir etwas erfinden und
dann glauben, wir könnten das auf Jahre hinaus für uns allein behalten.
Wir leben in einer Welt der Konkurrenz.

Und das ist auch gut so, denn

diese verstärkte weltweite Konkurrenz hält unsere Wirtschaft auf Trab,
und das kommt wieder dem amerikanischen Verbraucher zugute.
Aber nicht alle Leistungsfähigkeit und Innovation in der Produktion
kommt von der Technologie, der technologischen Innovation oder der Erfindung neuer Maschinen.. Einige der wichtigsten Fortschritte entstehen
aus einem besseren und leistungsfähigeren Management, besser ausgebildeten
Arbeitskräften und rationellerer Nutzung der Arbeitskraft - und ich glaube,
auf diesen Gebieten des Wettbewerbs brauchen sich die Vereinigten Staaten
nicht zu fürchten.
Frage:

Glauben Sie, daß die Regierung alles tut, was sie kann und

tun sollte, um der amerikanischen Industrie zu helfen, auf dem Weltmarkt
wettbewerbsfähig zu bleiben?
Antwort:
- 4 -

�Antwort:
wirtschaft.

Ich bin ein nachdrücklicher Verfechter der freien MarktIch meine, es gibt strikte Grenzen für das, was die Regierung

tun kann und soll, um die Wirtschaft zu unterstützen.

Das wichtigste,

was wir tun müssen, ist, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich die
Wirtschaft selbst helfen kann, und der wichtigste Weg, um das zu erreichen,
ist der, den Anteil der Regierung an der Wirtschaft zu begrenzen.
tun wir.

Das

Die Regierungsausgaben gehen gemessen am Prozentsatz des Brutto-

sozialprodukts zurück.

Der Anteil ist bei uns beträchtlich geringer als

in den meisten anderen Ländern, einschließlich der demokratischen Länder
Westeuropas mit einer "gemischten" Wirtschaft. Wir tun das auch auf dem
Gebiet der staatlichen Verordnungen, wo wir, wie ich meine, dem Unternehmer klarmachen müssen, welches die Spielregeln sind und daß sich die
Spielregeln nicht ständig ändern. Wir arbeiten an diesem Problem, und
werden dieses Problem hoffentlich lösen können.

Wenn wir eine solche

Atmosphäre schaffen, dann hat der Unternehmer ein ausreichendes Maß an
Gewißheit und Sicherheit und einen ausreichenden Spielraum.

Das ist

eine sehr viel konstruktivere Methode der Förderung des Wettbewerbs in
der Wirtschaft als direkte Subventionen und direkte Programme.
Natürlich verfügen wir über wichtige Informationsprogramme für die
Wirtschaft. Das Handelsministerium stellt Informationen über Exportmöglichkeiten zur Verfügung, hilft bei Exportvereinbarungen und leistet
Unterstützung durch unsere Handelsattaches im Ausland und unsere Handelsbüros in den Vereinigten Staaten selbst. Diese Art der Unterstützung
ist durchaus angebracht und für die Wirtschaft sehr wertvoll. Aber nach
meiner Überzeugung sollten direkte Subventionen oder finanzelle Unterstützungen für die Wirtschaft in sehr engen Grenzen gehalten werden.
Frage: Welche wirtschaftliche Bedeutung haben die zunehmenden
Importe von Fertigwaren aus Entwicklungsländern nach den USA?
Antwort:
klima.

Das ist sicherlich ein wichtiger Faktor im Wettbewerbs-

Dabei geht es, allgemein gesprochen, meist um einfachere Fertig-

- 5 -

�Fertigwaren - wie Textilien, Tennisschuhe und andere relativ einfache
und billige Erzeugnisse - also Waren, die in Konkurrenz zu Erzeugnissen
unserer einheimischen Industrien stehen, die kurzfristig gesehen am wenigsten
in der Lage sind, mit einer solchen wachsenden Konkurrenz fertig zu werden.
Das wirft natürlich für uns sehr schwierige wirtschaftliche und politische
Fragen im eigenen Lande auf.
Wir begrüßen diese Einfuhren trotzdem aus verschiedenen Erwägungen»
Sie versorgen unsere Verbraucher mit Waren, die sie zu dem niedrigst
möglichen Preis kaufen wollen.

Und die Entwicklungsländer brauchen ganz

offensichtlich die Arbeitsplätze und die Einnahmen, die sich aus diesen
Waren ergeben.
Auf der anderen Seite verursacht das eine Reihe sehr schwieriger
Anpassungsprobleme für einige unserer Industriezweige. Wir versuchen,
dieses Problem zu bewältigen, und das wird noch einige Jahre dauern,
bis wir neue Arbeitsplätze und unternehmerische Chancen für die durch aiese
Importe aus dem Geschäft gedrängten Arbeitnehmer und Arbeitgeber geschaffen
haben.
Ich darf hinzufügen, daß all diese Anpassungen bei einer Hochkonjunktur
leichter zu bewältigen sind, wenn allgemein ein hoher Beschäftigungsstand herrscht und es sehr viel leichter ist, neue Arbeit zu finden.
Frage: Die amerikanischen Exporte nach Entwicklungsländern haben
in den letzten Jahren ebenfalls in augenfälliger Weise zugenommen,, Hängt
das mit den steigenden Einfuhren aus diesen Ländern zusammen?
Antwort:

Sicherlich!

Es ist keine Frage, daß die besten Interessen

der amerikanischen Wirtschaft in einer Ausweitung des Handels, vor allem
mit den Entwicklungsländern, liegen. Dort liegt das größte Potential für
eine Ausweitung.

Die Entwicklungsländer werden unsere großen Märkte

der Zukunft sein.
Frage:

�Frage:

Hätte ein weiteres Wachstum und eine weitere Industrialisierung

in jenen Ländern eine positive oder negative Gesamtauswirkung auf die
amerikanische Handelsbilanz?
Antwort: Ich kann nicht sagen, was für eine Auswirkung das auf
unsere Handelsbilanz generell hätte, aber das ist ein etwas engstirniger
Aspekt der Frage. Die laufenden Konten brauchten keineswegs unmittelbar
berührt zu sein, denn selbst wenn unser Handel an Gütern und Waren nicht
ausgeglichen wäre, dann würden andere Formen des wirtschaftlichen Austausches
einen Ausgleich schaffen. Was wir nicht durch den Verkauf von Waren
verdienen, werden wir durch den Verkauf von Dienstleistungen oder aus
Investitionserträgen verdienen. Der Ablauf der Weltwirtschaft verlangt
das einfach. Wenn es nicht zu derzeitigen Wechselkursen geschieht, dann
werden sich die Kurse so lange ändern, bis es eintritt. Die relevantere
Frage ist daher, ob wir ein reicheres Land mit einer größeren Auswahl
an Gütern werden, weil wir mit einer Vielfalt anderer starker Länder
Handel treiben. Das ist das Ziel, auf das wir hinarbeiten. Es geht nicht
immer alles glatt und schön. Auf dem Wege gibt es Anpassungsprobleme, und
manche davon werden sehr ernst sein. Eine solche Art des Fortschritt und
der Entwicklung zu neuen wirtschaftlichen Verhältnissen kommt stufenweise,
und auf jeder Stufe gibt es Probleme. Aber wir sollten in unseren Anstrengungen nicht nachlassen, denn es liegt in unserem langfristigen
Interesse wie auch im Interesse der Weltwirtschaft.

Frage:
Antwort:

Wie sind die gegenwärtigen Aussichten für den Dollar?
Der Wert des Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen

ist in den letzten Wochen beträchtlich gestiegen, seit die amerikanische
Regierung und die amerikanische Bundesbank politische Maßnahmen zur
Stärkung des Dollar ergriffen haben.

Ich gehe davon aus, daß der Anstieg

des Wertes des Dollar anhalten wird.
Nach unserer Auffassung war der Dollar zu weit gefallen, als es den

- 7 -

�den zugrundeliegenden wirtschaftlichen Faktoren entsprochen hätte. Der
jüngste Anstieg des Dollar auf den Devisenmärkten scheint die entsprechende
Korrektur zu sein.
Zu den fundamentalen Faktoren, die zur Abschwächung des Dollar
geführt hatten, gehörte unter anderem das unterschiedliche Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu anderen Ländern
in den Jahren 1975, 1976,und 1977 - sowie die Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten wie andere Industriestaaten heute viel mehr für die öl Importe
ausgeben als früher.

In neuerer Zeit haben unterschiedliche Inflationsraten

das Problem weiter kompliziert»

Wenn man einen etwas längeren Zeitraum

betrachtet - wenn man beispielsweise die ganzen siebziger Jahre nimmt dann stellt man fest, daß die Vereinigten Staaten kein ernsteres Inflationsproblem hatten als di'e meisten anderen Länder,

Wenn man jedoch nur 1977

herausgreift, dann stellt man fest, daß die Preissteigerungsraten höher
waren, vor allem im Vergleich zur Bundesrepublik Deutschland.

Dieser Unter-

schied in der Inflationsrate mußte durch Veränderungen der Wechselkurse
ausgeglichen werden.
Aber selbst wenn man das alles zusammenrechnet, dann erklärt es
trotzdem nicht ein so tiefes Absinken des Dollarkurses, wie es tatsächlich
eingetreten ist»

Hier spielten auch einige kurzfristige Faktoren eine

Rolle - vielleicht kann man von Spekulation sprechen.

Wir sind jedoch der

Meinung, daß sich die Handelsbilanz verbessern und der Wert des Dollar
sich weiter stabilisieren und vielleicht sogar steigen wird.

+ + + + +

-8-

�29

13. Dezember 1978

SALT II DIENT DER NATIONALEN SICHERHEIT
- von Senator Gary Hart -

Senator Gary Hart gehört der Demokratischen Partei an und vertritt
den Staat Colorado (sein Sitz stand
am 7. November 1978 nicht zur Wahl).
Er wird im neuen Kongreß, der im
Januar 1979 zusammentritt, sicherlich
einer der Befürworter eines SALTVertrages sein.

Seit Jahren unterliegt die öffentliche Diskussion über Nutzen und
Nachteil der Verhandlungen über die Begrenzung strategischer Rüstungen
(SALT) in den meisten Fällen einem Trugschluß.

Kritiker wie Anhänger

von SALT gehen im allgemeinen davon aus, daß,um für SALT eintreten zu
können, man eine vertrauensvollere Haltung gegenüber der Sowjetunion,
eine optimistischere Interpretation ihrer Motive sowie die Bereitschaft
zeigen müsse, die eigenen strategischen Streitkräfte, sei es durch Vertrag
oder sei es durch einseitige Entscheidung, zu begrenzen.

Bei Kritikern

wie Anhängern von SALT gilt in gleicher Weise, daß, falls man den

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�den sowjetischen Motiven und Aktionen gegenüber skeptisch sei und eine
starke amerikanische Sicherheitspolitik befürworte, man notwendigerweise
gegen ein SALT-Abkommen sein müsse.
Ich behaupte nun, daß es im Sinne einer starken nationalen Sicherheitspolitik für unsere Nation - wenn man sie richtig versteht - notwendig
ist, die SALT-Verhandlungen ganz allgemein und dieses Paket der SALT-IIAbmachungen im besonderen zu unterstützen.

Diese Behauptung möchte ich in

verschiedener Hinsicht begründen:
Erstens, je pessimistischer man hinsichtlich des anhaltenden sowjetischen
strategischen Aufbaus ist, um so wichtiger ist es, daß dieser Aufbau
durch SALT II

nach oben hin begrenzt wird.

Da durch den Vertrag die

sowjetische strategische Streitmacht auf die gleiche Größe wie die
unsrige begrenzt wird und zwar nicht nur insgesamt,sondern auch in bezug
auf verschiedene wichtige Unterkategorien, so werden die Sowjets dadurch
gezwungen sein, zwei- bis dreihundert Nuklearwaffen, die jetzt auf unser
Land gerichtet sind, abzurüsten.

Auch wenn es sich bei diesen Waffen sehr

wahrscheinlich um die älteren Typen handeln wird, so bedeutet dies dennoch
eine Reduzierung ihrer Streitkräfte um zehn Prozent.
Hinzu kommt,daß die Sowjets ohne die durch SALT festgesetzten Höchstgrenzen nach den Schätzungen unserer Nachrichtendienste mehrere hundert
weitere Waffen bauen und bis 1985 in ihre Streitkräfte eingliedern würden.
Je mehr man also wegen des sowjetischen Rüstungsaufbaus besorgt ist,
umso nützlicher und sinnvoller erweisen sich die durch SALT festgesetzten
Begrenzungen vom Standpunkt der nationalen Sicherheit.
Zweitens, SALT II wird wahrscheinlich auch gewisse spezifische sowjetische Waffen begrenzen und bis zu einem gewissen Grade den Kurs ändern,
den die Sowjets beim Aufbau ihrer strategischen Streitkräfte einschlagen.
Ein Beispiel:
- 2 -

�Ein Beispiel: Der Vertrag wird verhindern, daß die mobilen Interkontinentalraketen - bei den Sowjets ihre SS-16 - produziert, disloziert
und getestet werden.
Ein weiteres Beispiel:

Der Vertrag begrenzt die Zahl der Interkonti-

nentalraketen mit Mehrfachgefechtsköpfen und verlangt von den Sowjets,
sich weniger auf die Streitkräfte zu Lande denn auf die Seestreitkräfte
zu konzentrieren, als dies sonst wohl bis 1985 der Fall sein dürfte.
Das Ergebnis ist eine ausgewogenere und stabilere sowjetische Streitmacht mehr der Streitmacht ähnlich, auf die sich die Vereinigten Staaten seit
Jahren stützen.
Ein weiteres Beispiel: Obwohl die endgültigen Details der Beschränkungen
für "neue Typen" von Interkontinantalraketen (ICBM) noch nicht definiert
worden sind, rechne ich mit Begrenzungen in den Abkommen, die die Schwungkraft des massiven sowjetischen ICBM-Programms auf einigen wichtigen
Gebieten abschwächen würde - eines Programms, das nach den Worten von
Verteidigungsminister Brown vier neue Typen produzieren könnte.
Und noch ein Beispiel:

Falls die Verhandlungen zu Begrenzungen der

Nutzlast der Interkontinentalraketen und - was noch wichtiger ist - zu
einer "Fraktionalisierung" (d.h. Begrenzung der Zahl der Sprengköpfe
für eine einzelne Rakete) führen, dann wird die Unsicherheit hinsichtlich
einer künftigen Ausnutzung der großen Zahl der sowjetischen ICBM-Raketen
reduziert.
Drittens, SALT II wird von den Vereinigten Staaten keinerlei Reduzierung oder Veränderung ihrer Streitkräfte verlangen.

Die Größenordnung

sowie die ausgewogenen Eigenschaften unserer Triade werden erhalten
bleiben.
Viertens, die anhaltende Fähigkeit der Vereinigten Staaten, mit
der Sowjetunion qualitativ zu konkurrieren und den amerikanischen Vorsprung

- 3 -

�Vorsprung in der militärischen Technologie zu nutzen, ist auch weiterhin
garantiert.

SALT II dürfte in keiner Weise irgendein Forschungs- und

Entwicklungsprogramm oder eine Dislozierungsoption der USA unmöglich
machen, die gegenwärtig erwogen werden.
Die Beschränkungen für landgestützte oder seegestützte Raketen mit
einer Reichweite von mehr als 600 Kilometern, die in dem Protokoll
niedergelegt werden, werden in etwa drei Jahren auslaufen.

Offen gesagt:

Wir könnten diese Systeme vorher sowieso nicht dislozieren.

Diese im

Protokoll festgehaltenen Beschränkungen werden trotz der Befürchtung
einiger Kreise in diesem Lande nicht automatisch fortgesetzt.

Vor etwa

einem Jahr habe ich einen diesbezüglich klarstellenden Text entworfen,
den ich - sollte dies notwendig werden - während der Ratifizierungsdebatte
vorlegen werde, um sicherzustellen, daß nach Ablauf des Protokollzeitraums alle Verhandlungen, die sich auf diese Bestimmungen beziehen, neu
verhandelt werden müssen - und zwar ohne jede Präjudizierung.
Fünftens, die Tatsache, daß jene Systeme, die offensichtlich die
Sowjets am meisten beunruhigen (ich denke jetzt besonders an die Marschflugkörper - Cruise Missiles), im Protokoll erfaßt sind, dürfte uns
während der nächsten Gesprächsrunde

beträchtlichen Verhandlungsspielraum

geben.
Die Aufnahme dieser Bestimmungen in das Protokoll hat nicht nur die
Lösung der Streitfragen nach Wladiwostok erleichtert, sondern sie stellt
auch eine der klügsten Verhandlungszüge der amerikanischen Diplomatie
der letzten achtzehn Monate dar.
Sechstens, alle Bestimmungen des SALT-Paketes, von denen unsere
nationale Sicherheit abhängt, können mit einem hohen Grad an Verläßlichkeit
verifiziert werden.

Die Bestimmungen sind so sorgfältig ausgearbeitet

worden, daß wir jederzeit zwischen Erfüllung und Nichterfüllung unterscheiden

- 4 -

�unterscheiden können.
Deswegen braucht man "den Russen nicht vertrauen zu müssen", um SALT
zu unterstützen.

Wir können uns auf unsere außerordentlich gute Auf-

klörungstechnologie verlassen, mit der ich mich als Mitglied des Geheimdienstausschusses des Senats sehr eingehend befaßt habe.
Der Vertrag wird ausdrücklich jede Einmischung in die Vertragsüberwachung mit Hilfe von "nationalen technischen Mitteln" ausschließen,,
Deshalb wird der Vertrag jeglichen Einsatz von sowjetischen Anti-Satelliten
gegen unsere Weltraumaufklärung verbieten. Auch dies ist verifizierbar,
weil wir jederzeit feststellen könnten, ob unsere Systeme durch einen
gegnerischen Angriff zerstört worden sind.
Wenn also die Sowjets den Vertrag durch Worte oder feindliche Aktionen
verletzen würden, dann wären wir uns doch aufgrund unserer eigenen
Verifizierungskapazität jederzeit über wichtige Daten hinsichtlich der
Größenordnung, des Umfangs und der Modernisierung der strategischen
Streitmacht Moskaus im klaren» Wenn ich auch damit rechne, daß die
Sowjets in den kommenden Jahren die Modernisierung ihrer Streitkräfte
fortsetzen werden, so können doch die militärischen und technischen
Planer der USA unsere eigenen militärischen Forschungs- und Entwicklungsprogramme effektiver gestalten - gerade wegen der Informationen, die uns
ein SALT-Abkommen garantiert.
Zusammengefaßt möchte ich sagen, daß meine Analyse des SALT-Abkommens
darauf hinausläuft, daß es für unsere nationale Sicherheit im traditionellen
Sinne wichtig ist. Man kann über die Sowjets hinsichtlich ihrer Motive
oder ihrer Glaubwürdigkeit denken, wie man will. Aber eines ist für mich
klar: Je mehr man ihnen mißtraut,desto mehr muß man einen anhaltenden
Wettstreit auf dem Gebiete der Waffen in Rechnung stellen; je mehr man
mit einer anhaltenden strategischen Aufrüstung Moskaus rechnet, desto mehr

�desto mehrsollte man ein SALT-Abkommen unterstützen.
Aber all dies setzt traditionelle Vorstellungen der nationalenSicherheit
voraus.

Im Atomzeitalter gewinnt die nationale Sicherheit eine andere

Bedeutung. Was ein SALT-Abkommen letztlich am wichtigsten macht im Hinblick
auf unsere nationale Sicherheit,ist die Tatsache, daß es den Einsatz
nuklearer Waffen weniger wahrscheinlich werden läßt.
Diese Schlußfolgerung kann man nicht beweisen.

Sie ist nicht das

Ergebnis mathematischer Berechnungen oder einer verfeinerten und modernen
Kriegsspiel-Analyse.

Und doch wissen wir alle, daß die einfache und

zentrale Prämisse der SALT-Verhandlungen die Erkenntnis beider Seiten
ist, daß beide Länder, ja, die gesamte Menschheit das allergrößte Interesse
daran haben, einen Atomkrieg zu vermeiden.

Es könnte keinen direkteren

und zerstörerischen Angriff auf unsere nationale Sicherheit geben als
einen nuklearen Schlagabtausch.

+ + + ++

- 6-

�I 3
29

UUi//cn/choft
w\d Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

WELTWEITE UNTERSUCHUNGEN ZUR WETTERFORSCHUNG
Zusammenarbeit von 149 Staaten

- (AD) - Die Meteorologische Weltorganisation (WMO, eine Organisation
der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf) eröffnete jetzt für ihr erstes
"Globales Wetterexperiment" offiziell die operationelle Phase.

Es soll

auf weltweiter Basis atmosphärische Vorgänge und Gesetzmäßigkeiten besser,
als es mit den bisher durchgeführten Untersuchungen möglich war, aufklären helfen, um die Wettervorhersage auf größere Zeiträume ausdehnen
zu können.

Die Vereinigten Staaten leisten umfangreiche Beiträge zu

dem internationalen Unternehmen.
David Arthur Davis, der Generalsekretär der WMO, bezeichnet es als
"das größte Experiment, das je für friedliche Zwecke unternommen wurde".
Es wird die 149 WMO-Mitgliedstaaten in die Lage versetzen, die Erdatmosphäre
kontinuierlich und mit einem weitaus dichteren Meßnetz als bisher unter
Beobachtung zu halten. Für die Durchführung des Projekts werden atmosphärische
Daten aus allen nur erdenklichen Quellen rund um den Globus gesammelt
und analysiert - z.B. von sogenannten geostationären Satelliten j_n

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�in 36 000 km Höhe, von Satelliten auf polaren Umlaufbahnen, von Höhenballonen für die Wetterbeobachtung, von Schiffen auf ganz bestimmten
Positionen, Meßbojen im Meer, von Instrumentensonden, die aus Flugzeugen
abgeworfen werden und an Fallschirmen niedergehen, und schließlich von
Beobachtungsstationen der Weltwetterwacht in allen Erdteilen.

Alle

Messungen des seit Jahren vorbereiteten Unternehmens werden von der
Projektzentrale der WMO in Genf koordiniert.

Der operationellen Phase,

die 12 Monate dauert, folgt die der Forschung und Analyse, die mehrere
Jahre in Anspruch nehmen wird.
Schon Mitte der achtziger Jahre könnte es aufgrund der jetzt in
Angriff genommenen zusätzlichen Untersuchungen möglich sein, exakte Wettervorhersagen zu erstellen, die statt der heute üblichen zwei bis drei Tage
10 Tage oder noch längere Zeiträume umfassen.

Für die verschiedensten

Wirtschaftszweige - von der Landwirtschaft über das gesamte Verkehrswesen
bis zur Bauwirtschaft - wäre dies von sehr großer Bedeutung.
Wie Generalsekretär Davis in einer Pressekonferenz Anfang des Monats
u.a. berichtete, sei es schwierig, die Kosten für das Weltwetterexperiment
abzuschätzen. Es stelle eine enorme Ausweitung der gegenwärtigen Vorhandenen meteorologischen Beobachtungssysteme dar. Vermutlich werden
3 000 bis 5 000 Personen in aller Welt regelmäßig mitarbeiten. Es sei
mit einem zusätzlichen Kostenaufwand von "etlichen Hundert Millionen
Dollar" zu rechnen, um den Apparat in seiner neuen Form in Gang zu bringen
und funktionsfähig zu machen.

+ + + + +

- 2 -

�UUi//cn/choft

I 3

und Technik

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

13. Dezember 1978

29

NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE ÜBER 'LEGIONÄRSKRANKHEIT'

- (AD) - über die sogenannte Legionärskrankheit, benannt nach der
zunächst völlig rätselhaften und so bedrohlichen Epidemie unter den Teilnehmern einer Tagung der "American Legion" im Jahr 1976 in Philadelphia,
wurde im November 1978 in Atlanta (Georgia) ein internationales Symposium
abgehalten. Wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, tritt die durch
ein Bakterium verursachte Krankheit, die Symptome ähnlich jenen der
Lungenentzündung hervorruft, häufiger auf, als zunächst angenommen wurde.
Der amerikanischen Zentralstelle für Seuchenüberwachung in Atlanta wurden
seit der Epidemie vor zwei Jahren fast 1100 weitere Fälle allein in den
USA gemeldet. Dies hatte die Behörde veranlaßt, das Symposium einzuberufen.
Dr. William Foege, der Leiter der Zentralstelle für Seuchenüberwachung,
berichtete, daß man seit der Massenerkrankung;;;in, Philadelphia, von der weit
über hundert Teilnehmer betroffen waren und die 29 von ihnen das Leben
kostete, eine Entdeckung nach der anderen im Zusammenhang mit der
"Legionärskrankheit" habe machen können.

Dessen ungeachtet habe aber

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�aber die Medizin noch sehr viel zu lernen. Auf viele Fragen wurde noch
keine Antwort gefunden.
Der bakterielle Erreger, der die Bezeichnung "Legionella Pneumophilia"
erhielt, greift nicht nur die Lunge an, die meist bleibende Schäden davonträgt.

Wie sich inzwischen herausstellte, werden auch andere lebens-

wichtige Organe betroffen.

Wenn nicht sofort nach Ausbruch der Krankheit

Antibiotika gegeben werden, können neben der Lunge auch Leber, Nieren,
Magen und das zentrale Nervensystem befallen werden.
Ärzte, die an dem Symposium teilnahmen, hatten Fälle gesehen, wo die
Patienten in Halluzinationen verfielen, lange Zeit verwirrt waren und
nicht mehr wußten, was sie sagten und taten.
dächtnis.

Andere verloren ihr Ge-

Ein Arzt aus Tennessee berichtete, daß ein Patient, den er im

Krankenhaus behandelte, Tobsuchtsanfälle bekam und festgebunden werden
mußte.
Im November veröffentlichte die amerikanische Seuchenkontrollstelle
ihre neuesten Statistiken zur Legionärskrankheit:

Bis zum 7. November

1978 waren in 43 Bundesstaaten und dem "District of Columbia" mit der
Bundeshauptstadt Washington 496 Einzelfälle regristriert worden.

Dazu

kamen 558 Fälle im Zusammenhang mit 10 epidemieartigen Erkrankungswellen,
die mit dem Vorfall in Philadelphia begannen.

Der Höhepunkt von Einzel-

erkrankungen wurde im September 1977 beobachtet.
schnitt 20 Fälle pro Monat gemeldet.

Seitdem werden im Durch-

Von der Gruppe der 496 Personen

waren, wie nachträglich ermittelt werden konnte, 309 männlichen und 120
weiblichen Geschlechts.

86 (19 Prozent) starben an der Krankheit, ihr

Durchschnittsalter lag bei 56 Jahren.

Bei 244 Fällen lagen Angaben

über die Rassenzugehörigkeit vor - es waren 210 Weiße und 34 Schwarze
betroffen.

Sofern in den Statistiken die Erkrankten auch nach dem Ge-

schlecht erfaßt waren, ergab sich, daß die Sterberate bei Männern
19 Prozent, bei Frauen 15 Prozent betrug.
Klimaanlagen
- 2 -

�Klimaanlagen scheinen in erster Linie für die Übertragung des
Erregers der Legionärskrankheit verantwortlich zu sein.

Wie aus der

Zentralstelle für Seuchenüberwachung verlautet, wurde aufgrund der
Untersuchung von epidemieähnlichen Erkrankungen in Bloomington (Indiana), Mephis (Tennessee) und Atlanta (Georgia) das Bakterium aus dem
Wasser von zwei Kühl türmen, zwei Luftbefeuchtern von Klimaanlagen und
außerdem in Wasserproben von einem Bach isoliert.

+ + + + +

- 3 -

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                    <text>27. Dezember 1978

30

INHALT

DOKUMENTATION
Carter kündigt volle diplomatische Beziehungen mit Peking an
- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 Erklärung der USA zur Anerkennung der Volksrepublik China
Präsident Carter erläutert China-Entscheidung vor der Presse
- Wortlaut HINTERGRUNDMATERIAL
Lebenswichtige Energieforschung
US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung neuer Technologien
- von Dale D. Myers -

Staatssekretär im US-Energieministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
War die Planetenbildu.ig anders?
Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der bisher
gültigen Theorie

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
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30

27. Dezember 1978

CARTER KÜNDIGT VOLLE DIPLOMATISCHE BEZIEHUNGEN MIT PEKING AN
- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 15. Dezember 1978
in einer kurzfristig angesetzten Fernseh- und Rundfunkansprache vom Weißen
Haus aus mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China
vom 1. Januar 1979 an volle diplomatische Beziehungen aufnehmen werden.
Die Ansprache des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Guten Abend. Ich möchte ein gemeinsames Kommunique verlesen, das
auch in diesem Augenblick von der Führung der Volksrepublik China bekanntgegeben wird.
"Gemeinsames Kommunique über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China
am 1. Januar 1979.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China sind
übereingekommen, sich gegenseitig anzuerkennen und mit Wirkung vom 1. Januar
1979 diplomatische Beziehungen aufzunehmen.
Die Vereinigten Staaten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Die Vereinigten Staaten erkennen die Regierung der Volksrepublik
China als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas an.

In diesem Zu-

sammenhang wird das Volk der Vereinigten Staaten kulturelle, kommerzielle
sowie andere inoffizielle Beziehungen mit dem Volk von Taiwan aufrechterhalten.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China bekräftigen die Grundsätze, die von beiden Seiten in dem Kommunique von
Schanghai vereinbart wurden, und unterstreichen erneut, daß
-

beide Seiten die Gefahr eines internationalen militärischen
Konfliktes zu reduzieren wünschen;

-

keine Seite eine Hegemonie - die Herrschaft einer Nation über die
andere - in der asiatisch-pazifischen Region oder in irgendeiner
anderen Region der Welt anstrebt und jede Seite den Anstrengungen
irgendeines anderen Landes oder einer Gruppe von Staaten entgegentritt, eine solche Hegemonie zu errichten;

-

keine Seite bereit ist, im Namen einer dritten Partei zu verhandeln oder in Abkommen oder Vereinbarungen mit der anderen
einzutreten, die gegen andere Staaten gerichtet sind;

-

die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika die chinesische
Position anerkennt, daß es nur ein China gibt und daß Taiwan ein Teil
Chinas ist;

und daß

beide Seiten glauben, daß eine Normalisierung der chinesischamerikanischen Beziehungen nicht nur im Interesse des chinesischen
und des amerikanischen Volkes liegt, sondern auch zur Sache des
Friedens in Asien und in der Welt beiträgt.

�Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Volksrepublik China
werden zum 1. März 1979 Botschafter austauschen und Botschaften einrichten."
Unser Land und die Volksrepublik China haben gestern dieses endgültige historische Abkommen erzielt.
Am 1. Januar 1979 - in etwas mehr als 2 Wochen - werden unsere
beiden Regierungen eine volle Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
erreichen.
Als eine Nation talentierter Menschen, die ein Viertel der gesamten
Bevölkerung der Erde umfaßt, spielt China eine wichtige Rolle in den
weltpolitischen Angelegenheiten - eine Rolle, die in den vor uns liegenden
Jahren nur noch wichtiger werden kann.
Wir ergreifen diesen wichtigen Schritt nicht aus kurzlebigen taktischen
oder vorteilhaften Gründen.

Wenn wir anerkennen, daß die Volksrepublik

China die einzige Regierung Chinas ist, dann erkennen wir eine einfache
Realität an. Aber diese Entscheidung betrifft weit mehr als eine Anerkennung
der Fakten.
Vor der Entfremdung der letzten Jahrzehnte hat das amerikanische und
das chinesische Volk eine lange Geschichte der Freundschaft verbunden.
Wir haben bereits damit begonnen, einige dieser früheren Bindungen neu
anzuknüpfen. Ein rascher Ausbau unserer Beziehungen erfordert jedoch
jene Art von Strukturen, welche diplomatische Beziehungen möglich machen
werden.
Die Änderungen, die ich heute Abend ankündige, werden von großem
langfristigen Nutzen sowohl für das Volk der Vereinigten Staaten als auch
Chinas sein und, so glaube ich, für alle Völker der Welt.

Die

�Die Normalisierung sowie die erweiterten kommerziellen und kulturellen
Beziehungen, die damit zusammenhängen, werden zum Wohlergehen unseres
eigenen Landes und zu unserem nationalen Interesse beitragen,und sie werden
die Stabilität in Asien fördern.
Diese positiven Beziehungen zu China

können in nützlicher Weise der

Welt zugute kommen, in der wir leben und in der unsere Kinder leben werden.
Wir haben bereits damit begonnen, unsere Verbündeten sowie den Kongreß
über die Einzelheiten unserer geplanten Maßnahmen zu unterrichten.
bin bereits in Verbindung mit den Führern Taiwans getreten.

Ich

Aber ich möchte

auch dem Volk von Taiwan eine besondere Botschaft vermitteln, mit dem
das amerikanische Volk in der Vergangenheit umfassende, enge und freundschaftliche Beziehungen unterhalten hat und dies auch in Zukunft tun
wi rd.
Wie die Vereinigten Staaten in dem Kommunique von Schanghai im Jahre
1972 unterstrichen haben,werden wir auch weiterhin ein Interesse an der
friedlichen Lösung der Taiwan-Frage haben.
Ich habe besondere Aufmerksamkeit darauf verwendet, sicherzustellen,
daß eine Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und der Volksrepublik China das Wohlergehen des Volkes von Taiwan nicht
gefährden wird.
Das Volk der Vereinigten Staaten wird unsere gegenwärtigen kommerziellen,
kulturellen, handelspolitischen sowie andere Beziehungen mit Taiwan durch
nichtregierungsamtliche Möglichkeiten aufrechterhalten.

Zahlreiche

andere Länder tun dies bereits mit Erfolg.
Diese Entscheidungen und Maßnahmen eröffnen ein neues und wichtiges
Kapitel in der Geschichte unseres Landes und auch in weltpolitischen

- 4 -

�weltpoli tisehen Angelegenhei ten.
Um den Nutzen dieses neuen Verhältnisses zwischen der Volksrepublik
China und den Vereinigten Staaten zu fördern und zu beschleunigen, freue
ich mich, ankündigen zu können, daß der stellvertretende Ministerpräsident
Teng meine Einladung zu einem Besuch Washingtons Ende Januar angenommen
hat.

Sein Besuch wird unseren Regierungen die Gelegenheit bieten, mit-

einander über globale Fragen zu sprechen und gemeinsam mit der Arbeit an
der Förderung der Sache des Weltfriedens zu beginnen.
Diese Erteignisse sind das endgültige Resultat langer und ernsthafter
Verhandlungen, die von Präsident Nixon im Jahre 1972 aufgenommen und unter
der Präsidentschaft von Präsident Ford weitergeführt wurden. Die Ergebnisse
legen Zeugnis ab von den stetigen und entschlossenen überparteilichen Bemühungen unseres Landes, eine Welt aufzubauen, in der der Friede das Ziel
sowie die Verantwortung aller Länder sein wird.
Die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und China verfolgt keinen anderen Zweck als diesen:

die Förderung des

Friedens.
Aus diesem Geiste heraus - und zu dieser Zeit des Friedens - bin ich
besonders stolz darauf, Ihnen heute Abend diese gute Nachricht mitteilen
zu können.

- 5 -

�a

1
I

i

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

27. Dezember 1978

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ERKLÄRUNG DER USA ZUR ANERKENNUNG DER VOLKSREPUBLIK CHINA

WASHINGTON - (AD) - Das Weiße Haus veröffentlichte am 15. Dezember 1978
eine "Erklärung der Vereinigten Staaten" zur amerikanischen Anerkennung
der Volksrepublik China, die folgenden Wortlaut hat:
"Mit dem 1. Januar 1979 anerkennen die Vereinigten Staaten von Amerika
die Volksrepublik China als die einzige rechtmäßige Regierung Chinas.
Mit dem gleichen Datum gewährt die Volksrepublik China den Vereinigten
Staaten von Amerika eine solche Anerkennung.

Die Vereinigten Staaten

nehmen damit diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China auf.
Zur gleichen Zeit, am 1. Januar 1979, werden die Vereinigten Staaten
von Amerika Taiwan mitteilen, daß sie die diplomatischen Beziehungen beenden und daß das gegenseitige Verteidigungsabkommen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Republik China in Einklang mit den Bestimmungen des Vertrages aufgehoben wird.

Die Vereinigten Staaten erklären ferner, daß sie

ihr verbleibendes militärisches Personal innerhalb von vier Monaten von
Taiwan abziehen werden.
In der

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Telex:08-85432

�In der Zukunft werden das amerikanische Volk und das Volk von Taiwan
wirtschaftliche, kulturelle und andere Beziehungen ohne offizielle
Regierungsrepräsentation und ohne diplomatische Beziehungen beibehalten.
Die Administration wird sich um Anpassungen an unsere Gesetze und
Bestimmungen bemühen, die die Beibehaltung kommerzieller, kultureller
und anderer nicht auf Regierungsebene liegender Beziehungen unter den
neuen Umständen, wie sie nach der Normalisierung bestehen werden, erlauben.
Die Vereinigten Staaten sind zuversichtlich, daß das Volk von Taiwan
einer friedlichen und prosperierenden Zukunft entgegensieht.

Die Vereinigten

Staaten haben auch weiterhin ein Interesse an der friedlichen Lösung der
Taiwan-Frage und erwarten, daß sie von den Chinesen selbst friedlich gelöst
werden wird.
,

•

•

Die Vereinigten Staaten glauben, daß die Aufnahme diplomatischer,
Beziehungen zur Volksrepublik China zum Wohlergehen des amerikanischen
Volkes, zur Stabilität in Asien, wo die Vereinigten Staaten ein großes
Sicherheits- und Wirtschaftsinteresse haben, und zum Frieden für die
gesamte Welt beitragen wird."

+ + + + +

'••

•

�I

Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

PRÄSIDENT CARTER ERLÄUTERT CHINA-ENTSCHEIDUNG VOR DER PRESSE
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Unmittelbar nach seiner neunminütigen Fernsehansprache traf Präsident Jimmy Carter mit Pressevertretern im Weißen
Haus zusammen und erläuterte ihnen seine Entscheidung.
Die Niederschrift der Pressekonferenz hat folgenden Wortlaut:
Präsident Carter: Ich wollte kurz vorbeikommen und Sie wissen lassen,
daß dies meiner Auffassung nach ein außerordentlich wichtiger Augenblick
in der Geschichte unseres Landes ist. Es ist ein Augenblick, den ich
und meine beiden Vorgänger mit Nachdruck angestrebt haben. Wir haben den
Standpunkt der Vereinigten Staaten mit Festigkeit vertreten, und erst
seit den letzten Wochen hat sich immer mehr herausgestellt, daß Ministerpräsident Hua und der stellvertretende Ministerpräsident Teng zu einer
Normalisierung der Beziehungen bereit waren. Ich glaube, daß die Interessen
von Taiwan in angemessener Weise geschützt worden sind. Einer meiner Mitarbeiter wird Ihnen die Einzelheiten erläutern.
Unser

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�Unser Botschafter dort, Leonard Woodcock, hat bei der nachdrücklichen
und deutlichen Darlegung unserer Ansichten gegenüber den Vertretern der
Volksrepublik China hervorragende Arbeit geleistet.

Ich werde mich in

angemessener Weise auf den Besuch des stellvertretenden Ministerpräsidenten
Teng vorbereiten.

Wir haben ihn an dem einen Tag eingeladen, und ohne

Verzögerung hat er am nächsten Tag die Einladung angenommen, und ich
glaube,er sieht dieser Reise mit großer Erwartung und auch Vergnügen
entgegen.
Ich habe heute abend persönlich mit Ministerpräsident Ohira gesprochen.
Heute früh haben wir die Vertreter Taiwans unterrichtet, und wir haben auch
zahlreichen führenden Politikern in aller Welt von dieser langerwarteten
Entwicklung in unserer nationalen Diplomatie Kenntnis gegeben.
Ich glaube, einer der größten Nutzen, der sich aus dieser Entwicklung
ergibt, ist die Fortsetzung starker Handels- und kultureller Beziehungen
mit Taiwan, dem Volk von Taiwan, sowie eine neue Aussicht auf prosperierende
Handelsbeziehungen mit fast einer Milliarde Menschen in der Volksrepublik
China.
Die Entwicklung wird natürlich auch gefördert durch die neue Möglichkeit,
das chinesische Volk (besser) zu verstehen und energisch für den Frieden
in diesem Gebiet sowie für den Frieden überhaupt in der Welt zu arbeiten.
Heute nachmittag wurde die Sowjetunion durch ihren hiesigen Botschafter
Mr. Dobrynin unterrichtet, und ich glaube,die Sowjets waren mit der Tatsache
vertraut, daß wir eine Normalisierung erwarteten, wann immer die Chinesen
bereit waren, auf unsere vernünftigen Bedingungen einzugehen.

Sie waren

also nicht überrascht.
Wie Sie sehr wohl wissen, unterhalten die Sowjetunion und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen.
Meine
- 2 -

�Meine Beurteilung dieses Schrittes läuft darauf hinaus, daß er von
fast jedem Land dieser Welt, vielleicht von allen Ländern, wohlwollend
aufgenommen wird, weil er zur Stabilität beiträgt.

Die Sowjets sowie

andere Länder wissen sehr wohl - und zwar auf grund unserer privaten
Erläuterungen, nicht nur erst kürzlich, sondern schon in den vergangenen
Monaten - daß wir absolut nicht den Wunsch haben, unsere neuen Beziehungen
zu China zum Nachteil der Sowjets oder irgendeines anderen Landes zu
benutzen.
Wir sind der Überzeugung, daß dieser Schritt die Stabilität fördern
und keine Instabilität in Asien sowie der übrigen Welt hervorrufen wird.
Darüber bin ich sehr erfreut. Und es ist kein Zweifel, daß ich
einen Hauptteil dieses Erfolges Präsident Nixon und Präsident Ford zuschreiben muß, die die Grundlage für diese erfolgreichen Verhandlungen
gelegt haben. Und der größte Teil der Prämissen, die vor sechs Jahren
oder mehr im Kommunique von Schanghai niedergelegt wurden, ist jetzt
verwirklicht worden.
Man kann also sagen, daß ich erfreut bin, und ich weiß, daß die
Welt auf Ihre genaue Erläuterung der Ergebnisse wartet.
Frage:

Wie wurde es von den Führern im Kongreß aufgenommen?

Antwort: Die Reaktion war gemischt. Einige der anwesenden Führer
im Kongreß haben seit sehr langem sehr starke freundschaftliche Beziehungen
zu den Vertretern der Regierung von Taiwan, sie sind aber nicht so eingehend vertraut mit den offiziellen Vertretern der Volksrepublik China.
Eine der am ausgiebigsten debattierten Fragen war, ob wir unser
Verteidigungsabkommen mit Taiwan abrupt beenden würden oder ob wir den
Vertrag in Einklang mit seinen eigenen Bestimmungen aufheben würden.

- 3 -

Und

�Und die Vertreter der Volksrepublik stimmten der von uns vertretenen
Position zu, daß wir Taiwan ein Jahr im voraus von der Vertragsaufhebung
unterrichten würden und daß das Verteidigungsabkommen während des Jahres
1979 gültig bleiben solle.

Ich glaube, das hat einige der Besorgnisse

und Bedenken bei den Senatoren verringert.
Eine andere von ihnen zum Ausdruck gebrachte Sorge war, ob wir unsere
kulturellen und unsere Handelsbeziehungen zum Volk von Taiwan beibehalten
würden oder nicht.

Ich gab ihnen die Versicherung, daß wir das könnten

und daß die Chinesen das wüßten.

Und wir werden den Kongreß schon recht

bald zu Beginn der Sitzungsperiode um eine besondere Gesetzgebung ersuchen, die eine solche Form des Austausches mit dem Volk von Taiwan
möglich macht.

Dazu würde auch gehören, daß die Export- Importbank

und die OPIC (Overseas Private Investment Corporation) ermächtigt werden,
bei spezifischen Handelsverhandlungen Garantien zu übernehmen und zu
helfen.
Ich glaube, daß wir viele ihrer Besorgnisse haben verringern können,
aber dennoch wird es sicher einige Kongreßmitglieder geben, die der
Ansicht sind, daß wir den "status quo" hätten beibehalten sollen. Ich
nehme jetzt noch eine letzte Frage entgegen!
Frage:
antworten?
Antwort:

Wird die ganze Nation auf Ihre Rede mit massivem Beifall
Und wie, meinen Sie, wird die Reaktion auf Ihre Rede in Taiwan sein?
Ich bezweifle, daß es in Taiwan massiven Beifall geben

wird, aber wir tun alles, was wir vermögen, um dem Volk von Taiwan zu
versichern, daß für uns an der Spitze - als das eine, was an der Spitze
der Prioritäten in unseren Beziehungen zur Volksrepublik und zu ihnen
steht - daß das Wohlergehen des Volkes von Taiwan keinen Schaden erleiden wird.
Die Antwort

-4 -

�Die Antwort auf die andere Frage - ich glaube nicht, daß dies einen
irgendwie nachteiligen Effekt auf die in der Sache davon unabhängigen
SALT-Verhandlungen haben wird.

Und meiner Ansicht nach haben die Sowjets,

wie ich bereits früher sagte, mit dieser Entwicklung gerechnet.

Sie

waren nicht überrascht, und wir haben sie in jüngster Zeit darüber informiert.
Ihre Reaktion war nicht abweisend,und wir werden energisch weiter vorangehen, so wie wir dies in den letzten Monaten getan haben, und zwar durch
meine eigene Administration, um ein erfolgreiches SALT-Abkommen zum
Abschluß zu bringen."

+ + + + +

- 5 -

�International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

LEBENSWICHTIGE ENERGIEFORSCHUNG
US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung
neuer Technologien
- von Dale D. Myers Staatssekretär im US-Energieministerium

- (AD) - Eines der ersten energiepolitischen Ziele Präsident Carters,
die Senkung der Zuwachsrate für den Verbrauch, ist der Verwirklichung
nähergekommen: Sie betrug 1977 nur noch 2,1 Prozent und lag damit um
mehr als die Hälfte niedriger als 1976. Mit der Verabschiedung des
Nationalen Energiegesetzes ist zu erwarten, daß sich diese günstige
Entwicklung noch beschleunigen wird und die Zuwachsrate merklich unter
die Marke von 2 Prozent gebracht werden kann. Das Nationale Energiegesetz
soll außerdem helfen, bis zum Jahr 1985 ölimporte im Umfang von 2,5 bis
2,9 Millionen Barrel pro Tag (ca. 357 000 - 415 000 Tonnen/Tag) einzusparen. Allein das Erdgasgesetz wird dafür sorgen, daß die ölimporte
um 50 Prozent zurückgehen. Die Einsparungen für die Handelsbilanz
könnten bis 1985 etwa 14 Milliarden Dollar (nach heutigem Dollarwert) ausmachen.
Aber

Postfach 20 03 OO
D5300 Bonn 2

�Aber das jetzt in Kraft getretene Gesetz ist nur ein Anfang.

Eines

der wichtigen Ziele der nächsten Stufe - des Nationalen Energieplanes II,
der Anfang 1979 bekanntgegeben wird - ist die Lösung des ülpreisproblems.
Der Preis von einheimischem öl muß ungefähr auf das Preisniveau von Importöl
angehoben werden.

Preispolitik, Sparmaßnahmen und die Ermutigung zur Inan-

spruchnahme von Alernativ-Energien, wie dies im Energiegesetz vorgesehen
ist, sollen maßgeblich zur Verringerung der ölimporte beitragen.

Fortschritte

zur Nutzung von alternativen Energiequellen werden allerdings durch
Investitionen in neue Technologien erkauft werden müssen.
Dies ist natürlich mit vielen Problemen verbunden.
an die sogenannte "tertiäre" Erdölgewinnung.

Man denke nur

In den heute vorhandenen

und erschlossenen ölfeldern liegen schätzungsweise noch 300 Milliarden
Barrels (fast 43 Milliarden Tonnen), wenn die herkömmliche primäre und
die senkundäre Förderung abgeschlossen ist.
Drittel der ursprünglichen ölvorräte.

Das sind noch immer zwei

Um aber nur einen Teil dieser

"Reste" aus dem Boden zu holen, sind hochentwickelte, sehr viel wirksamere
und aufwendige Fördertechniken notwendig.

Die meisten sind unter den

heutigen Marktverhältnissen unwirtschaftlich und verlangen Investitionen,
die vorläufig nur schwer zu realisieren sind.
Ähnlich ist es mit der riesigen Menge von Erdgas, die in Schiefervorkommen des Appalachen-Gebirges, in tiefliegenden Sanden in Oklahoma
und bestimmten geologischen Schichten entlang der Küste des Golfs von
Mexiko eingeschlossen sind. Es werden spezielle und komplizierte neue
Verfahren notwendig sein, um diesen wertvollen Rohstoff zu lokalisieren,
mengenmäßig zu erfassen und mit entsprechenden Bohrungen zu fördern.
Die Produktion von Synthesegas und synthetischen Flüssigbrennstoffen
schafft Möglichkeiten, den Kohlenverbrauch in den Vereinigten Staaten
auszuweiten.

Kohle, die in den USA 90 Prozent der Reserven an fossilen

Brennstoffen ausmacht, auf die aber nur 18 Prozent des amerikanischen

�amerikanischen Verbrauchs an Primärenergie entfallen, muß wieder zu einem
Hauptlieferanten für Energie werden.

Bis jetzt ist es aber noch nicht

möglich, synthetische Brennstoffe aus Kohle zu Preisen herzustellen, die
mit den Preis für Erdgas oder Erdöl konkurrieren könnten.

Es ist jedoch

nicht auszuschließen, daß mit der Zeit - etwa im Laufe der nächsten 10
Jahre - infolge des Anstiegs der Preise für öl und Gas der Ausgleich eintritt und unter Umständen die Substitutionsenergien, die heute doppelt so
teuer sind wie öl, nicht nur wettbewerbsfähig werden, sondern sogar bei
entsprechend großem Angebot dazu beitragen könnten, die ölpreise zu drücken.
Es liegt deshalb im nationalen Interesse, die Forschung auf dem Gebiet
der synthetischen Brennstoffe wie auch auf anderen Gebieten umgehend massiv
zu fördern. Die amerikanische Industrie muß die geeigneten neuen Technologien
zur Verfügung haben, wenn Importöl unerschwinglich teuer wird. Das USEnergieministerium erfüllt hier eine wichtige Funktion. Von Anfang an ist
es eine seiner Hauptaufgaben, die sogenannte Kommerzialisierung zu unterstützen - d.h. die beschleunigte Umsetzung von Technologien aus dem
Versuchsstadium in die marktreife Anwendung. Mit allen seinen Abteilungen
ist das Ministerium bemüht, der Kommerzialisierung den Weg zu ebnen.
Im November setzte es eine ganze Serie von Konferenzen mit Vertretern von
Industrie und Wirtschaft aus allen Teilen der USA in Gang, um Kommerzialisierungspläne detailliert darzustellen, Technologie-Transfer zu beschleunigen
und die Weichen zu stellen für die Einführung neuer Technologien, von denen
in der Sicht des Ministeriums die Privatindustrie nun profitieren kann.
Aber die Regierung kann nur Katalysator sein.

Die eigentlichen

Beiträge müssen von der Privatwirtschaft kommen, die über die Ressourcen
verfügt, welche die Regierung weder besitzt noch wünscht.

Bis jetzt

sind ungefähr 20 neue Verfahren als besonders förderungswürdig eingestuft
worden.

Sie betreffen in erster Linie Stromerzeugung, die Herstellung

von flüssigen und gasförmigen Brennstoffen und Wärmeerzeugung mit Sonnenenergie.

Einige von ihnen sind sehr aussichtsreich, haben aber eine

- 3 -

�eine verhältnismäßig lange Anlaufzeit, andere könnten sofort - wenn auch
bescheidene - Beiträge zur Energieproduktion leisten.
Von grundsätzlicher Bedeutung sind die Arbeiten auf dem Gebiet
der Fördersteigerung für Erdöl und von unkonventionellen Verfahren zur
Förderung von Erdgas.

Intensivförderung bei öl könnte, wenn sich

keine

besonderen Schwierigkeiten ergeben, bis 1985 etwa 143 000 Tonnen pro Tag,
bis 1990 fast 300 000 Tonnen pro Tag an Erdöl bringen.
Gasförderung sind die Aussichten sogar noch besser:

Für die unkonventionelle

Durch sie könnten

etwa ab 1985 Gasmengen produziert werden, die fast 143 000 Tonnen entsprechen,
und 1990 bereits dreimal so viel.
Sofortige, allerdings bescheidene Beiträge dürften einige andere
neue Technologien leisten - z.B. die Wirbelbettverbrennung von Kohle zur
Verringerung der Schwefelbestandteile in der Abluft, die Anlage kleiner
Wasserkraftwerke sowie verschiedene Solarenergiesysteme.

Der Energie-

ertrag wird aber in den nächsten Jahren bei allen diesen Systemen nur das
Äquivalent von rund 7 000 Tonnen öl/Tag erreichen.
Einsparungstechniken, insbesondere in Verbindung mit Motoren,
Heizanlagen und Geräten, die weniger Energie verbrauchen, lassen außerdem
auf weitere Rückgänge der amerikanischen ölimporte in allernächster Zeit
hoffen. Schon allein technische Verbesserungen an ölheizanlagen könnten den
Tagesverbrauch um fast 36 000 Tonnen senken.
All dies läßt erkennen, daß es kein Patentrezept gibt, um unsere
ölimporte zu verringern. Wir brauchen vielmehr ein breites Spektrum von
Technologien, wenn wir für die achtziger und neunziger Jahre schmerzliche
Konsequenzen für die Wirtschaft vermeiden wollen. Im Weitvergleich
zeigen die Vereinigten Staaten übrigens eine günstigere Entwicklung, als
dies gemeinhin dargestellt wird. So erhöhte sich in der Zeit von 1967 1977 in der ganzen Welt die ölnachfrage um 70 Prozent, in den USA dagegen
nur um 46 Prozent. Im Jahr 1967 betrug der Anteil Amerikas am Welt- 4 -

�Weltölbedarf 35 Prozent; bis 1977 war er auf 30 Prozent zurückgegangen.
In vielen anderen Ländern hat er sich in den letzten 10 Jahren mehr
als verdoppelt.

Im Jahr 1967 machten die ölexporte aus dem Nahen

Osten

nach Westeuropa und Japan ca. 943 000 Tonnen/Tag aus; zehn Jahre später,
1977, beliefen sich die Mengen auf 1,85 Millionen Tonnen pro Tag.
Amerikanische öl kaufe in den Nahostländern machten 1967 etwa 28 500 Tonnen
pro Tag aus.

Im darauffolgenden Jahrzehnt stiegen unsere Importe aus

dieser Region prozentual gesehen erheblich - aber den 1,85 Millionen
Tonnen für Europa und Japan stehen nur wenig mehr als 370 000 Tonnen
pro Tag für die Vereinigten Staaten gegenüber»

+ + + + +

5 -

�1
»

3

Uli//en/chaft
und Technik
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

30

27. Dezember 1978

WAR DIE PLANETENBILDUNG ANDERS?
Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der
bisher gültigen Theorie

- (AD) - Die Theorien über den Ursprung und die Entwicklung der
Planeten unseres Sonnensystems müssen möglicherweise revidiert werden.
Am Ames-Forschungszentrum der NASA in Mountain View (Kalifornien), der
Leit- und Auswertungszentrale für das Projekt PIONIER-VENUS I und II,
versuchen Wissenschaftler.die ersten Ergebnisse der Serienstudie vom
9. Dezember 1978 zu deuten, die den Erwartungen aufgrund der bestehenden
Theorie absolut nicht entsprechen.
Sie betreffen in erster Linie Informationen über die Atmosphäre
des leuchtenden Gestirns, das einmal als Schwesterplanet der Erde bezeichnet wurde. Die "Geschwister" scheinen jedoch grundverschieden
voneinander zu sein. Ob sie überhaupt Familienähnlichkeit besitzen und
tatsächlich aus dem gleichen Urstoff zu etwa gleicher Zeit entstanden
sind, wird immer fraglicher.
Es waren

Postfach 20 0 3 0 0

Tel: 02221-89 32 40

�Es waren nämlich höchst unerwartete Daten, die sowohl die Umlaufsonde
(PIONIER-VENUS I ) , die am 4. Dezember 1978 in einen stark exzentrischen
Venusorbit eingeschwenkt war, als auch die fünf direkt auf den Planeten
gelenkten Forschungsgeräte zur Erde funkten.

Deren Gemeinschaftsattacke

kam am 9. Dezember, nachdem sie bereits im November, noch etwa 11 Millionen
km von der Venus entfernt, voneinander getrennt worden waren und jedes
auf eigener Bahn auf das Ziel zuflog.

Vier von ihnen sollten Absturzbahnen

folgen, die die Gewähr gaben, daß sowohl die Tag- und Nachtseite der
Venusatmosphäre als auch ihr pol- und äquatornaher Bereich sondiert wurden.
Eines dieser Geräte brachte dann sogar der Wissenschaft ein Sondergeschenk,
indem es nach dem Aufstürz noch unerwartet für weitere 68 Minuten Meßdaten
zur Erde funkte.

Dann waren die Batterien erschöpft, und sicherlich

hatte auch die Hitze (mehr als 480°C) ihr Teil zu seinem Verstummen beigetragen.

Der "Bus", das ursprüngliche Trägergerät für die vier Auf-

sturzsonden, verglühte etwa 130 km über der Oberfläche in der Atmosphäre
der Venus.

Seine Meßdaten waren nach dem Eintauchen in den Luftmantel

vier Minuten lang empfangen worden.
Die Ermittlung von Temperaturen, Druck und Zusammensetzung der
Venusatmosphäre, direkte Messungen und Beobachtungen in verschiedenen
Höhenbereichen waren die Aufgaben der AufSturzsonden.

Die Ingenieure

hatten sie so zu konstruieren, daß sie beim Durchgang durch die Atmosphäre
samt der ca. 20 km dicken dichten Wolkenschicht oberhalb von ca. 50 km
Höhe auch den extremen Hitze- und Druckverhältnissen in Bodennähe standhielten.

Und nur ganz präzise Berechnungen konnten die Gewähr geben,

daß die Geräte auch tatsächlich die gewünschten Punkte auf der Oberfläche
in harter Landung erreichten.

Wäre z.B. die Erde das Ziel gewesen, würde -

dies nur zum Vergleich - das Netz ihrer Verteilung von Oslo in Norwegen
und der Malagassenrepublik im Indischen Ozean bis hin zur Amazonasmündung
in Brasilien und einem Punkt im Pazifik vor der Stadt Santiago de Chile
reichen.
- Hochbetrieb im Funkverkehr mit sechs Satelliten gleichzeitig -

- 2 -

�Nicht weniger schwierig und kompliziert war die Bewältigung der
nachrichtentechnischen Aufgaben auf dem Höhepunkt der Mission.
nach "Fahrplan" kam die Sechsergruppe am Planeten Venus an.
kritische Phase:

Exakt

Erste

Einsteuern des Orbiter in die vorgesehene Umlaufbahn.

Mehrfach wurden in den ersten Tagen der venusnächste und venusfernste
Bahnpunkt verändert,bis schließlich mit 233 km und 65 983 km die bestmöglichen Werte für die Umlaufellipse erreicht waren.

Während dieser Zeit

mußte natürlich auch der Funkverkehr mit der noch immer im Anflug befindlichen Fünfergruppe (PIONIER-VENUS II) voll aufrechterhalten werden.
Am 9. Dezember endlich tauchten innerhalb von Minuten ihre vier gegen
Reibungshitze geschützen Aufsturzsonden nacheinander in die Venusatmosphäre
ein.

Wenig später folgte der "Bus".

vom Arnes-Forschungszentrum meint:

Projektleiter Dr. Charles Hall

"Es war der komplizierteste Job von

Satellitenüberwachung und Funkverkehr, den wir je hatten".
Die Beobachtungsstationen auf der Erde mußten zu sechs Geräten gleichzeitig Verbindung halten, von denen jedes einzelne Hunderte von Informationseinheiten ("bits") in der Minute übermittelte.

Mit dem Eintritt der

vier Landesonden in die dichte Venusatmosphäre kam es bei allen zunächst
einmal zum "Blackout", wie man dies z.B. von zurückkehrenden AP0LL0Raumschiffen her kannte:

Um die Kapsel bildet sich infolge der Reibungs-

hitze ein Mantel glühender ionisierter Gase, die den Funkkontakt unterbrechen.

Während des weiteren Absinkens meldete sich aber jede der Sonden

präzise zum erwarteten Zeitpunkt wieder und übermittelte ihre zahlreichen
Meßdaten.
"Unterhalb von 49 km Höhe ist die Atmosphäre bemerkenswert klar, bis
hinunter zum Boden", fand Dr. Boris Ragent vom Arnes-Forschungszentrum.
In 15 km Höhe registrierten alle vier Sonden eine Temperatur von 377°C.
Von da an zeigte sich bei allen das gleiche Problem:

Die Temperatur-

messer spielten plötzlich verrückt, möglicherweise als Folge eines Kurzschlusses, den die stark korrodierend wirkende Atmosphäre hervorgerufen

- 3 -

�hervorgerufen haben könnte.

"Was wirklich passierte, verstehen wir noch

nicht", erklärt Dr. Alvin Seiff (Arnes-Institut). Die Daten für die übrigen
Meßwerte dagegen kamen bis zum Aufstürz - in einem Fall noch für weitere
68 Minuten - ordnungsgemäß durch.
1972 übrigens noch 107 Minuten

Die sowjetische Sonde VENERA 8 hatte

nach ihrer Landung Daten von der Oberfläche

gesendet, dabei 480 C als Oberflächentemperatur sowie einen Druck von mehr
als dem 90fachen des Drucks an der Erdoberfläche gemessen.
Diese Daten stimmen gut mit jenen überein, die amerikanische Wissenschaftler in Untersuchungen von der Erde aus ermittelt hatten.

Sie kenn-

zeichneten die Venus als eine lebensfeindliche, höllisch heiße Welt.

Ein

sogenannter Treibhauseffekt unvorstellbaren Ausmaßes bestimmt dort die
Umweltbedingungen.

Das Kohlendioxid, aus dem die Venusatmosphäre zu mehr

als 95 Prozent besteht, und Wasserdampf stauen die Wärme der Sonneneinstrahlung, so daß die Wärme nicht in den Weltraum abgestrahlt wird.

Da-

durch erfährt die Oberfläche eine Aufheizung auf mörderische Temperaturen.
Die amerikanischen Sonden meldeten Werte um 483°C.

Verständlich, daß

unter diesen Bedingungen Wasser in flüssiger Form nicht existieren kann,
auch wenn der hohe Druck den Siedepunkt erhöht,

übrigens lieferten optische

Sensoren der Sonde, die die harte Landung länger als eine Stunde überlebte,
Anhaltspunkte über die Beschaffenheit der Oberfläche:

Durch den Aufstürz

wurden Staubmassen aufgewirbelt, die vier Minuten brauchten, bis sie
wieder zu Boden gesunken waren.
- Theoretiker in Verlegenheit Aufregung verursachte zunächst einmal die Erkenntnis, daß der Gehalt
der Venusatmosphäre an dem Edelgas Argon, und zwar an dem Isotop mit
der Massenzahl 36, etwa lOOmal größer ist als in der Erdatmosphäre.

Das

Gas müsse, so meinen die Wissenschaftler, noch aus dem Urstoff von Gasen
und Staub stammen, der sich vor 4,5 Milliarden Jahren um den neugeborenen
Stern, unsere Sonne, bewegte.
haben.

Aus ihm dürften sich die Planeten gebildet

Weshalb aber die Venus soviel mehr Argon als die Erde, und noch

- 4 -

�noch sehr viel mehr als der Mars habe zurückhalten können, ist noch ein
Rätsel.
Theoretisch müßten die inneren Planeten - Merkur, Venus, Erde, Mars schon vor langer Zeit ihre Urgase zum größten Teil verloren haben. Und es
gibt vorläufig keine einleuchtende Erklärung, weshalb die Venus ihre
Uratmosphäre behielt, die Erde dagegen sie weitgehend verlor. Denn beide
Planeten haben etwa die gleiche Masse, sind ungefähr gleich groß und
haben - nach kosmischen Maßstäben - eine vergleichbare Entfernung zur
Sonne.
"Unsere Vorstellungen von der Planetenbildung waren notgedrungen
stark vereinfacht", meint Michael B. McElroy von der Harvard-Universität,
einer der Projektwissenschaftler. "Schließlich war die Erde bis vor
wenigen Jahren der einzige Planet, den wir näher erforscht hatten. Aus
den 'Bausteinen', die wir von der Erde her kannten, versuchten wir in
der Theorie die Planeten Merkur, Venus und Mars zu konstruieren." Dazu
Dr. Thomas Donahue von der Universität Michigan: "Wir müssen wieder zurück
an die Tafel und neue Theorien über die Bildung und die Evolution von
Planeten entwickeln." Viele der neuen Meßdaten seien mit der Theorie
vom gemeinsamen Ursprung gerade der Planeten Erde und Venus nicht zu vereinbaren.
Inzwischen ausgewertete erste Daten von der Umlaufsonde, des Orbiter,
zeigen, daß die Luft in der Hochatmosphäre über dem Nordpol ca. 25°C wärmer
ist als über dem Äquator, wo am meisten Sonnenlicht einfällt. Es wird
angenommen, daß atmosphärische Strömungen vom Äquatorbereich in Richtung
zu den Polen diese Unterschiede hervorrufen. In der Venusatmosphäre
steigt heiße Luft über der Äquatorzone auf, verliert auf ihrem Weg zu
den Polen an Wärmeenergie, sinkt deshalb in tiefere Schichten ab und wird
dabei durch Kompressionskräfte aufgeheizt.
Wie die

�Wie die vier Landesonden fand auch der Orbiter - er braucht für
einen Umlauf 24 Stunden 14 Minuten - mit Hilfe eines Massenspektrometers
Sauerstoff, Kohlenstoff bezw. Kohlendioxid, Helium, Stickstoff, Neon
und Wasserdampf in der Atmosphäre.

In ca. 370 km Höhe registrierte

er überwiegend atomaren Sauerstoff, fand aber auch molekularen Sauerstoff
neben Wasserstoff, Helium, Stickstoff und C0 2 .

In tieferen Bereichen

ändert sich, so Harry Taylor vom Goddard-Raumflugzentrum.die relative
Häufigkeit dieser Substanzen.

Wegen des schwachen Magnetfeldes an der

Venus könnten, so wird ferner vermutet, von dem sehr "heißen", wenn auch
schwachen Sonnenwind große Gasmengen aus dem Bereich der hohen Ionosphäre
in der Lufthülle der Venus fortgetragen werden.
Die Spektrometer geben Hinweise auf deutliche und scharfe Übergänge
zur IonoDause bei 612 km und 532 km Höhe - sowohl in der Abstiegs- als
in der Atrfetiegsbahn des Orbiter.

Die Daten lassen auf ausgeprägte

Strukturen, aber auch Störungen in diesem Bereich schließen.

Die Tatsache,

daß die Elektronen-Temperaturen, d.h. ihre Bewegungsenergie, nahe dem
venusnächsten Bahnpunkt höher sind als erwartet, könnte auf eine wirksamere
Aufheizung der hohen Ionosphäre durch den Sonnenwind zurückzuführen sein,
als man erwartet hatte. Aber es wäre auch denkbar, daß ein noch unbekannter
Mechanismus am Werke ist, durch den die obere Schicht der Ionosphäre
gegenüber der unteren isoliert wird.
Die Wissenschaftler - unter ihnen Spezialisten aus anderen Ländern

wie Dr. Jaques Blamont von der Universität Paris und Prof. Ulf von Zahn
von der Universität Bonn - werden auf Monate hinaus mit der Analyse der
Daten von den PIONIER-VENUS-Sonden beschäftigt sein. Sie hoffen, Ähnlichkeiten wie ausgeprägte Unterschiede zwischen den inneren Planeten ermitteln
und Antworten auf die Frage finden zu können, weshalb die Entwicklung
auf dem Planeten Venus anders verlaufen ist als auf der Erde. Dies könnte
sogar für die Zukunft der Menschen auf unserem Planeten und ihren Umgang
mit Natur und Umwelt von erheblicher Bedeutung sein. Denn einen selbst-

- 6-

�selbstverschuldeten "Treibhauseffekt" z.B., der durch gedankenlose Anreicherung der irdischen Lufthülle mit Kohlendioxid verursacht würde,
können wir uns nicht leisten.

+ + + + +

/

A

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter kündigt volle diplomatische Beziehungen mit Peking an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Ansprache vom 15. Dezember 1978 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung der USA zur Anerkennung der Volksrepublik China&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carter erläutert China-Entscheidung vor der Presse&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lebenswichtige Energieforschung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;US-Energieministerium als Katalysator für die Einführung neuer Technologien&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- von Dale D. Myers - Staatssekretär im US-Energieminsiterium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;War die Planetenbildung anders?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erste Ergebnisse der US-PIONIER-Venussonden widersprechen der bisher gültigen Theorie&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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und
Dokumentation

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Januar 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Abschlußerklärung Carters zum Treffen von Guadeloupe
- Wortlaut -

WIRTSCHAFT
USA erwarten 1979 Fortschritte in den Handels- und RohstoffVerhandlungen
- Ein Interview mit C. Fred Bergsten, Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Gravitationswellen indirekt nachgewiesen?
US-Wissenschaftler beobachteten auffällige Bahnveränderung an Doppelstern
Intensivförderung von Erdgas
"Künstliches Radiofenster" in der Ionosphäre
Mikrowellen kochen Teersand aus

Um Übersendung von
BcIcgcHcmploren wird
gebeten

Postfach 20 O:
D5300 Bonn

Tel: 02221-89 3240
;:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Januar 1979

ABSCHLUSSERKLÄRUNG CARTERS ZUM TREFFEN VON GUADELOUPE
- Wortlaut -

SAINT FRANCOIS, GUADELOUPE - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 6.
Januar 1979 in einer Abschlußerklärung das Vierertreffen von Guadeloupe als
sehr nützlich und gehaltvoll bezeichnet.

Die anderen Beteiligten - der

französische Staatspräsident Giscard d'Estaing, Bundeskanzler Schmidt und
der britische Premierminister Callaghan - gaben nach Ende der Konferenz ähnlich lautende Stellungnahmen ab.

Die Erklärung Präsident Carters hat folgenden Wortlaut:

Zunächst möchte auch ich Valery Giscard d'Estaing, dem französischen
Volk und insbesondere der Bevölkerung von Guadeloupe meinen Dank sagen, die
unseren Besuch hier so angenehm, erfreulich und nützlich gemacht haben. Wegen der nicht genau festgelegten Tagesordnung, der Ungezwungenheit der Gespräche und der nahezu einmaligen Harmonie, die zwischen uns besteht, habe
ich bisher an keiner Konferenz teilgenommen, die für mich nützlicher oder
gehaltvoller gewesen wäre.

Einer der kostbarsten und wertvollsten Aktivposten, über die das amerikanische Volk, ja vielleicht der größte Teil der Welt verfügt, ist die enge

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�&gt;

enge Harmonie, die leichte und schnelle Kommunikation sowie die gemeinsame
Zielsetzung der Völker, die hier durch mich, durch Bundeskanzler Schmidt,
durch Präsident Giscard d'Estaing und durch Premierminister Callaghan vertreten sind.

Der größte Teil unserer Gespräche hatte regionale Probleme und globale
Fragen zum Inhalt, weil die Meinungsunterschiede, die bilateral zwischen uns
bestehen, außerordentlich geringfügig sind und kaum Konsequenzen haben.

Wir sind entschlossen, die wertvollen Bande der Freundschaft und der
Zusammenarbeit noch weiter zu verstärken - militärisch für die gemeinsame
Verteidigung und für den Frieden sowie in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht.

Wir haben uns verpflichtet, zum Weltfrieden beizutragen, und wir haben
mit Interesse und Genugtuung festgestellt, daß es in den letzten Jahren Fortschritte bei der Normalisierung der Beziehungen zwischen den Völkern der
Welt gegeben hat.

Ehemalige Feinde sind Freunde geworden.

Potentielle Geg-

ner haben sich bemüht, durch enge Konsultationen und Verhandlungen Gewaltanwendung zu vermeiden, und bestehende Freundschaften sind vertieft worden.

Wir alle sind uns darüber einig, daß die Öffnung der Volksrepublik China
zur übrigen Welt, der westlichen Welt, eine konstruktive Entwicklung darstellt.

Und wir sind alle entschlossen, diese Entwicklung zu fördern und

sicherzustellen, daß sie nicht zu einem Hindernis für die Entspannung wird
und daß sie möglicherweise in der Zukunft - das hoffen wir - zu einer Stärkung unseres Verhältnisses der Freundschaft und Harmonie zu der Bevölkerung
der Sowjetunion führen wird.

Wir haben die potentiellen Krisenpunkte der Welt erörtert, und wir haben
uns bemüht, aus der einzigartigen Gelegenheit Kapital zu schlagen, die der
eine oder andere von uns hat, die Spannungen zu vermindern, die Völker dieser
Gebiete selbst - mit unserer gelegentlichen Unterstützung - einen Weg zum

- 2 -

«

�zum Frieden finden zu lassen, so daß Stabilität und die Entwicklung einer besseren Lebensqualität sowie die Förderung der Menschenrechte in allen den Gebieten anhalten, wo vielleicht unser Einfluß spürbar wird.
Und schließlich möchte ich diesen erfahrenen Politikern und Staatsmännern
hier danken für den Rat, den sie mir zuteil werden ließen, sowie für ihre
konstruktive Unterstützung der Bemühungen hinsichtlich der SALT-Verhandlungen
und anderer wichtiger internationaler Schritte, bei denen das amerikanische
Volk die Führung ergriffen hat. Für mich und mein Volk ist dies immer von
großem Nutzen. Und ich bin zutiefst dankbar für das Verhältnis, dessen wir
uns erfreut haben und dessen wir uns - so hoffe ich sehr - in immer zunehmendem Maße auch in den vor uns liegenden Jahren erfreuen werden.
Ich danke Ihnen.

+ + + + +

- 3

�UJifl/choll
International Communication Agency
Embassy of the United States of America
10. Januar 1979

USA ERWARTEN 1979 FORTSCHRITTE IN DEN HANDELS- UND ROHSTOFFVERHANDLUNGEN
- Ein Interview mit C. Fred Bergsten,
Unterstaatssekretä'r im US-Finanzministerium -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten rechnen damit, daß die
Entwicklungsländer schon 1979 erhebliche Vorteile aus den Multilateralen
Handelsverhandlungen der Tokio-Runde ziehen werden, die gegenwärtig in Genf
zu Ende gehen.

C. Fred Bergsten, Unterstaatssekretär für Internationale Angelegenheiten im US-Finanzministerium unterstrich in einem Exklusivinterview mit dem
Korrespondenten des US-Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), John
Harter, daß im Zuge der Genfer Verhandlungen bereits Einigung über die Beseitigung wichtiger nicht-tarifärer Handelshindernisse erzielt wurde, die
jedem Rückgriff der Teilnehmerstaaten auf Einfuhrquoten, Ausgleichszölle und
andere Handelsrestriktionen enge Grenzen setzen.

Das Interview hat folgenden Wortlaut:

FRAGE:

Was halten Sie, bei realistischer Betrachtung, für die aus-

sichtsreichsten Gebiete für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen
zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern im neuen Jahr?
ANTWORT:

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�ANTWORT: Meiner Auffassung nach ist die Nord-Süd-Politik integraler
Bestandteil unserer gesamten Außenwirtschaftspolitik.

In den Erwägungen be-

züglich unserer internationalen Währungspolitik, unserer Außenhandelspolitik,
der Rohstoffprobleme, des Transfers technologischer Erkenntnisse, der Investitionsprobleme und anderer Fragen versuchen wir stets, unsere Besorgnisse
hinsichtlich der Entwicklungserfordernisse der ärmsten unter den Ländern in
die diesbezügliche US-Politik zentral einzubauen.
Es besteht meines Erachtens die Notwendigkeit einer weiteren Integrierung der Entwicklungsländer in das Welthandelssystem, um deren bewußtere
Teilnahme an diesem sicherzustellen und die Industriestaaten dazu zu ermutigen, sich stärker auf deren Erfordernisse einzustellen und diese in allen
Phasen der Gestaltung des internationalen Wirtschaftssystems einzubeziehen.
FRAGE: Wird die Tokio-Runde der Handelsverhandlungen, die gegenwärtig
in Genf ihrem Abschluß entgegengeht, die Welt auf diesem Weg voranbringen?
ANTWORT:

Ja, das wird sie meines Erachtens.

Den Entwicklungsländern

wird die Tokio-Runde erhebliche Vorteile einbringen.
Ihre Ausfuhren an Fertigwaren sind in den letzten zehn bis zwanzig
Jahren um astronomische Werte - 20 bis 25 Prozent pro Jahr - gestiegen. Das
war in der Tat eine der wichtigsten Grundlagen für das wahrlich phänomenale
wirtschaftliche Wachstum einiger dieser Länder und für deren Weiterentwicklung.
Wenn ich hier ein oder zwei der für die Entwicklungsländer in den vor uns
liegenden ein bis zwei Dekaden wichtigsten Faktoren herausgreifen soll, würde
ich das anhaltende rasche Wirtschaftswachstum in der industrialisierten Welt
als Voraussetzung für wachsende Märkte für deren Exporte und die Beibehaltung
und womöglich weitere Liberalisierung des Offenhandelssystems nennen.
Das Ergebnis der Tokio-Runde,ist von entscheidender Bedeutung für die
Realisierung der letztgenannten Möglichkeit. Es gibt uns die Möglichkeit
an die Hand, den Pressionen des Protektionismus zu widerstehen, der tragische

- 2 -

�tragische negative Auswirkungen auf die Entwicklungsländer haben könnte,
und es trägt dazu bei, die ihnen ohnehin offenstehenden Märkte noch weiter
zu öffnen.

Eine Reihe der Kodizes bezüglich nicht-tarifärer Maßnahmen, die

im Zuge der Tokio-Runde ausgehandelt wurden, werden für die Entwicklungsländer von ganz erheblicher Bedeutung sein, weil sie der Möglichkeit eines
Rückgriffs der Länder auf Einfuhrquoten, Ausgleichzölle und eine ganze Reihe
anderer Exporthindernisse enge Grenzen setzen.
FRAGE:

Es war in jüngster Zeit wiederholt die Rede von "strukturellen

Veränderungen" in der Weltwirtschaft.

ANTWORT:

Was hat es damit auf sich?

Strukturelle Veränderungen bedeuten in diesem Zusammenhang

im Grunde genommen den Hinweis auf die zunehmende Fähigkeit der Entwicklungsländer, auf den Weltmärkten auch auf dem Fertigwaren-Sektor mit uns zu konkurrieren.

Die Entwicklungsländer bestreiten einen wachsenden Anteil an den

Weltmärkten bei Textilien,

Stahlerzeugnissen, Schiffsbauausrüstungen und

anderen Produkten, deren Herstellung noch vor einem Jahrzehnt größtenteils
von den Industriestaaten monopolisiert wurde.

Wir begrüßen und fördern die

zunehmende Wettbewerbsfähigkeit der Entwicklungsländer als Zeichen ihres Durchbruchs zu einem besseren Leben und einer wirksameren Beteiligung an der Weltwirtschaft.

Jener Trend verursacht für uns als Importländer offensichtlich Anpassungsprobleme, und er bedeutet, daß wir unsere Ressourcen auf andere Produktionen verlagern müssen.

Glücklicherweise sind die Entwicklungsländer

gleichzeitig rasch expandierende Märkte für unseren Export,

über 40 Prozent

der amerikanischen Ausfuhren gehen derzeitig in Entwicklungsländer, die die
weitaus am schnellsten wachsenden Märkte für unsere Ausfuhren bei einer Reihe
hochtechnischer Produkte darstellen und bei denen die Vereinigten Staaten
einen Wettbewerbsvorteil genießen.

Das aber erfordert spezifische Anpassungen seitens gewisser Unternehmen
und Arbeitskräfte beim Übergang von einer Produktion auf eine andere.

Pres-

sionen in Richtung auf einen stärkeren Protektionismus ergeben sich insbe- 3 -

�insbesondere dann, wenn sich die Handelsströme rasch beschleunigen.

Wir

werden deshalb gelegentlich Schritte unternehmen müssen, um das Tempo des
Wandels zu verlangsamen; trotz anhaltender Pressionen werden wir den Wandel
selbst jedoch niemals ablehnen.
FRAGE:

Eine der Hauptbehinderungen in bezug auf das, was die Exekutive

in den Vereinigten Staaten im Hinblick auf jede beliebige Teilfrage des NordSüd-Dialogs unternehmen kann, ist die diesbezügliche Einstellung des Kongresses.
Glauben Sie, daß dort möglicherweise eine Verhärtung der Standpunkte eintreten wird?
ANTWORT:

Wenn wir Programme durchführen sollen, die für die Entwicklungs-

länder notwendig sind, müssen wir selbstverständlich das amerikanische Volk
davon überzeugen, daß diese Programme im Interesse der Vereinigten Staaten
liegen.

Deshalb habe ich nichts dagegen einzuwenden, wenn der Kongreß eine

zurückhaltende oder skeptische Haltung bezüglich solcher Fragen einnimmt.
Wir müssen das amerikanische Volk und über dieses dessen Vertreter im Kongreß
überzeugen.

Wir leben in einer Zeit großer Zurückhaltung in der Haushalts-

politik der Vereinigten Staaten. An der Spitze der Liste unserer nationalen
Prioritäten stehen die Verringerung der Staatsausgaben, die Vermeidung von
Verschwendung, die Begrenzung unseres Haushaltsdefizits und der Kampf gegen
die Inflation.

Das alles ist absolut wichtig, sowohl für unser Land selbst

als auch für die Entwicklungsländer - schon wegen der Auswirkungen des Gangs
der amerikanischen Wirtschaft auf diese.

Daraus resultiert für uns eine schwie-

rige Situation, in der wir uns dennoch um weitere Fortschritte bemühen müssen.
Im Rahmen der gegebenen Möglichkeiten waren wir nach meinem Dafürhalten
recht erfolgreich in unseren Bemühungen, die Märkte offen zu halten und unsere
Beteiligung an den internationalen Währungsvereinbarungen und unsere Auslandshilfe auszuweiten, die von 5,1 Milliarden Dollar im Haushaltjahr 1976 auf
7,2 Milliarden Dollar im laufenden Haushalt erhöht worden ist.

Die Bewilli-

gungen für die Multilateralen Entwicklungsbanken wurden in den letzten beiden
Jahren sogar verdoppelt,

überall dort also, wo wir ein echtes Anliegen ver-

treten und dessen Bedeutung für die Vereinigten Staaten überzeugend darzulegen
- 4 -

�darzulegen vermögen, können wir der Unterstützung durch den Kongreß sicher
sein.

Das wiederum weist auf die grundlegende Tatsache hin, daß wir fähig
sein müssen, den Nachweis zu erbringen, daß eine spezifische politische Maßnahme den Vereinigten Staaten ebenso wie den Entwicklungsländern zugute
kommt - daß auch wir aus einem bestimmten Schritt Vorteile ziehen können.
Rohstoffabmachungen beispielsweise, die die Preise stabilisieren, sind für
das Erzeugerland und für uns als Importland gut.

Es gibt natürlich auch humanitäre Gründe für fortgesetzte amerikanische
Transferoperationen.

Ich zweifle nicht an der fortgesetzten Bereitschaft

des amerikanischen Volkes, armen Menschen überall auf der Erde zu helfen,
solange es sicher sein kann, daß die aufgewandten Mittel tatsächlich armen
Ländern zugute kommen und wirksam zu deren wirtschaftlichen Entwicklung beitragen.

Ich glaube, daß das amerikanische Volk selbst in einer Zeit strengster

Mäßigung in der Haushaltpolitik hierzu bereit ist und das sogar wünscht.
Volk muß aber die Gewißheit der Effektivität solcher Hilfe haben.

Das

Diese Ge-

wißheit zu schaffen, ist ein Aspekt auf den unsere gesamten diesbezüglichen
Anstrengungen gerichtet sind.

FRAGE:

Die Vereinigten Staaten zögern anscheinend, den Vorschlag

des Weltbankpräsidenten McNamara zu unterstützen, das Kapital der Bank zu verdoppeln.

Warum?

ANTWORT:

Nein, das stimmt nicht.

Wir sind in Wahrheit für eine be-

trächtliche Erhöhung des Kapitals der Weltbank und durchaus geneigt, einer
Verdoppelung des Kapitals zuzustimmen, sofern gewisse Übereinkommen hinsichtlich der exakten Form der Aufstockung erzielt werden können.

Der Kongreß

müßte selbstverständlich unserer Beteiligung zustimmen; die Regierung jedenfalls steht einer Verdoppelung des Kapitals durchaus wohlwollend gegenüber.
Wir unterstützen die Weltbank nachdrücklich und führen gegenwärtig Verhandlungen, die in der Tat zu einer Verdoppelung ihres Kapitals in naher Zukunft

- 5-

�Zukunft führen werden, wie wir hoffen.
FRAGE:

Haben Sie nicht vor einem Kongreßausschuß erklärt, daß die

Vereinigten Staaten sehr strenge Maßstäbe in bezug auf Mittelzuweisungen an
regionale Entwicklungsbanken anlegen werden?
ANTWORT:

Nein, ich habe gesagt, wir wollen sicherstellen, daß die Aus-

leiheprogramme der Multilateralen Banken auf den wirtschaftlichen Charakter
der jeweiligen Region zugeschnitten sein müssen.

Ich habe vor allem auf die

Inter-Amerikam'sehe Entwicklungsbank hingewiesen, deren Ausleiheprogramm sich
auf die Tatsache einstellen muß, daß der größte Teil Lateinamerikas inzwischen in Wahrheit der internationalen Mittelklasse zuzurechnen ist. Nur
zwei oder drei lateinamerikanische Länder wären beispielsweise für Kredite
der Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) qualifiziert, jener Zweigorganisation der Weltbank, die Kredite zu Sonderbedingungen lediglich an Länder
mit einen pro-Kopf-Einkommen von weniger als 500 bis 600 Dollar vergibt.

Die

meisten lateinamerikanischen Länder haben inzwischen einen Entwicklungsstand
erreicht, von dem aus sie ihren Bedarf an ausländischen Anleihen zu kommerziellen oder mindestens nahezu kommerziellen Bedingungen decken können.
FRAGE:

Besteht Ihrer Meinung nach ein Gegensatz zwischen der seit

neuerer Zeit verstärkt erhobenen Forderung nach Projekten zur Befriedigung
der grundlegenden menschlichen*Erfordernisse und dem Wunsch der Entwicklungsländer, ihre langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu beschleunigen?
ANTWORT:

Nein, ich sehe keinen Gegensatz darin.

Die Geschichte der

Entwicklungsanstrengungen in der Nachkriegszeit läßt vielmehr erkennen, daß
eine bessere Einkommensverteilung - eines der Ergebnisse der Kreditvergabe
unter dem Gesichtspunkt der Deckung des Grundbedarfs der Menschen - und ein
rasches wirtschaftliches Wachstum tatsächlich Hand in Hand gehen.

Es besteht

absolut kein Grund zur Befürchtung, eine größere Konzentration auf Projekte
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse werde das Wachstum verlangsamen.
Derartige Projekte haben insofern, als sie einen größeren Anteil an der Be-

- 6 -

�Bevölkerung wirksam in den Wirtschaftsprozeß eingliedern, ihnen eine stärkere
Motivation geben, greifbare Ergebnisse zeitigen, und die Produktivität der
Landwirtschaft erhöhen, oftmals sogar sehr positive Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Fortschritt des betreffenden Landes.

Umgekehrt schafft eine er-

folgreiche langfristige Entwicklung die Voraussetzungen - ausreichende Deviseneinkü'nfte und Ersparnisse im eigenen Lande -, die notwendig sind, um Vorhaben
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse durchzuziehen.

In einem geschickten

Management derartiger Ressourcen, das man gegenwärtig überall auf der Welt
zu lernen beginnt, sehe ich die echte Chance, beide Arten von Projekten gleichzeitig voranzutreiben.
FRAGE:
che

Die Rohstoffpolitik erfährt derzeit viel Aufmerksamkeit.

Wel-

Auswirkungen werden Rohstoffabkommen auf die wirtschaftliche Modernisie-

rung der Entwicklungsländer auf lange Sicht haben?
ANTWORT: Ich halte sie im Falle der meisten Entwicklungsländer für
wichtig, wenn auch nicht für ausschlaggebend. Für einige von ihnen bleibt
das Angewiesensein auf einen oder einige wenige Rohstoffe so wichtig, daß
instabile Preise auf den Produktenmärkten für sie ruinös sein können. Der
rasche Preisverfall bei Kupfer in den letzten Jahren hatte beispielsweise
verhängnisvolle Auswirkungen auf Zaire, das hinsichtlich seiner Exporterlöse
und Devisenposition weitgehend von diesem Rohstoff abhängig ist. Die Einnahmen aus den Rohstoffausfuhren sind für den größten Teil der Entwicklungsländer entscheidend wichtig. Deshalb unternimmt meine Regierung große Anstrengungen, Rohstoffabkommen zustandezubringen, die die Weltpreise dieser
Erzeugnisse stabilisieren und es den Ausfuhrländern solcher Erzeugnisse
- abgesehen von anderen günstigen Auswirkungen - gestatten, systematischer
und mit größerer Zuversicht hinsichtlich des Ausmaßes künftiger Deviseneinkünfte zu planen. Wir haben ein Zuckerabkommen getroffen und verhandeln
gegenwärtig über ein Kautschukabkommen. Es werden ferner Gespräche über eine
Verbesserung der internationalen Kakao-, Kaffee- und Zinnabkommen eingeleitet.
Verhandlungen über weitere Rohstoffe dürften in naher Zukunft folgen.

FRAGE:

�»

FRAGE:

Können Ihrer Meinung nach die Regierungen viel unternehmen,

um den Transfer von technologischen Kenntnissen nach den Entwicklungsländern
zu beschleunigen?
ANTWORT:

Der Großteil der Technologien, die Entwicklungsländer wün-

schen, ist nicht im Besitz der Regierungen, sondern im Besitz der privaten
Wirtschaft.

Die hauptsächliche Methode, einen Transfer von modernem

techno-

logischen know-how zu bewirken, besteht tatsächlich in der Hereinnahme privater ausländischer Investitionen.

Die Entwicklungsländer selbst haben sich

in den letzten Jahren als sehr geschickt erwiesen, wenn es darum ging, die
Gewähr zu schaffen, daß ausländische Investoren industrielle Verfahren und
Produktionsmethoden in ihrer Wirtschaft auf eine Art und Weise einbringen,
die diesen auf Dauer zugute kommt.
Natürlich können die Regierungen der Industriestaaten diesen Prozeß
fördern. So hat Präsident Carter zum Beispiel die Errichtung einer Stiftung
für internationale technologische Zusammenarbeit vorgeschlagen, um Forschungs- und Entwicklungsprogramme in direkter Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern abzuwickeln und auf diese Weise deren technologischen Stand
zu erhöhen.
FRAGE:

Warum gab es ein so großes Hin und Her wegen des Mandats

an den Plenarausschuß der Vollversammlung der Vereinten Nationen, als Forum
für die Diskussion der gesamten Nord-Süd-Situation zu fungieren?
ANTWORT:

Das grundlegende Problem besteht darin, daß keine Notwendig-

keit für ein solches Aufsichtsgremium besteht.
Art bahnen sich an:

Fortschritte sehr bedeutsamer

in bezug auf internationale Währungsfragen im Weltwährungs-

fonds, in bezug auf den Handel innerhalb des GATT, in bezug auf Entwicklungsprobleme im Rahmen der Weltbank, was die Rohstoffproblematik angeht vor der
UNCTAD (UN-Konferenz über Handel und Entwicklung) und in Fragen der Technologie
in den Vereinten Nationen und anderen Gremien.
meiner Meinung nach gut voran.

Alle diese Gespräche kommen

Wir machen in einem pragmatischen Prozeß

�Prozeß Fortschritte in bezug auf alle diese Fragen, die von wirklich zentraler
Bedeutung für den Entwicklungsprozeß sind.

Ich sehe, offen gesagt, keine Not-

wendigkeit für ein Aufsichtsgremium, das den Versuch unternehmen soll, alle
diese Dinge in einer Gesamtschau zu betrachten.
Es ist vielmehr gefährlich, eine solche Institution zu schaffen, weil
es dort zwangsläufig zu einer Politisierung dieser Fragen oder zu rhetorischen
Tiraden kommen wird, wie dies vor solchen Foren öfters der Fall ist. Ein solches Vorgehen kann in der Substanz harmlos sein, könnte aber negative Auswirkungen in Gestalt der innenpolitischen Reaktion in einigen Industriestaaten
zeitigen, die an sich zur Kooperation bereit sind. Es dürfte gut sein, sich
von Zeit zu Zeit zusammenzusetzen, um die Fortschritte in den Beziehungen
zwischen den Entwicklungs- und den Industrieländern zu überprüfen. Meiner Auffassung nach besteht aber, was echte Fortschritte in spezifischen Fragen und
echte Verbesserungen in den Programmen und in der Politik der einzelnen Länder
als Beitrag zur Förderung des Entwicklungsprozesses angeht, die beste Methode
darin, sich der bestehenden funktionsfähigen internationalen Organisationen
zu bedienen, deren Bemühen auf ein spezifisches Ziel gerichtet ist - sei es
im Bereich der Währungsfragen, des Handels, der Entwicklung oder der Technologie. Wir haben aus der Geschichte gelernt, daß solche Organisationen die
Art von Institutionen sind, in denen sich politische Tiraden auf ein Minimum
begrenzen lassen und wirkliche pragmatische Fortschritte erzielt werden können.
FRAGE:

Alles in allem:

Haben Sie das Gefühl, daß die Regierung Carter

in der Lage sein wird, 1979 eine positive Politik gegenüber den Entwicklungsländern zu betreiben?
ANTWORT: Ich glaube, wir können dies. Ich habe bereits von dem Gebot
einer Mäßigung in der Haushaltpolitik gesprochen, was darauf hinausläuft, daß
wir im Hinblick auf die Auslandshilfe als solche nicht so viel tun können, wie
wir gerne täten. Aber in vielen dieser Bereiche - Handel, Rohstoffe, Investitionen und Technologie - können wir auch weiterhin sehr progressiv voranschreiten.
Ein

�Ein Wort möchte ich dem aber noch hinzufügen: Wenn wir von der Verbesserung der Nord-Slid-Beziehungen sprechen, so handelt es sich hierbei in
Wahrheit um ein Geben und Nehmen.

Wir sind der Auffassung, daß einige unter

den höher entwickelten Entwicklungsländern zum Kampf gegen den weltweiten
Trend zum Protektionismus beitragen sollten - und zwar vor allem über ihre
Außenwirtschaftspolitik.

Die Entwicklungsländer insgesamt müssen sich zur

Zusammenarbeit bereitfinden - sowohl war ihre rhetorischen Vorbringungen als
auch ihre realistischen Erwartungen angeht. Alle diese Fragen sind schwer
zu lösen.

Einige von ihnen sind rein intellektueller Natur; alle aber sind

sicherlich heikel im Hinblick auf die Innenpolitik der Industriestaaten.
Was wir tun können - und ich bin zuversichtlich, daß wir es unter Mitarbeit der Entwicklungsländer tun werden - ist, auf jedem dieser wichtigen
Wirtschaftsgebiete pragmatisch vorzugehen, die Ergebnisse vergangener Anstrengungen zu konsolidieren und in dem Bemühen fortzufahren, das bestehende
System zum Segen der Entwicklungsländer wie zu unserem eigenen Vorteil weiter
zu verbessern.

Wenn wir alle entschlossen und pragmatisch auf dieses Ziel

hinarbeiten, werden wir,dessen bin ich sicher, erfolgreich sein.

+ + + + +

- 10 -

�Uli//cn/chofl
wid Technik
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

10. Januar 1979

GRAVITATIONSWELLEN INDIREKT NACHGEWIESEN?
US-Wissenschaftler beobachteten auffällige Bahnveränderung
an Doppelstern

- (AD) - Vieles spricht dafür, daß dem amerikanischen Astrophysiker
Dr. Joseph Taylor mit zwei Kollegen der indirekte Nachweis dafür gelungen
ist, daß Schwerewellen existieren. Wie Taylor auf dem internationalen
Symposium über relativistische Astrophysik im Dezember 1978 in München
berichtete, könnten die Ergebnisse vierjähriger Untersuchungen an einem
bestimmten Doppelstern mit Hilfe des Radiotelekops von Arecibo (Puerto
Rico) so interpretiert werden, daß die beobachtete Bahnveränderung auf
die Aussendung von Gravitationswellen zurückzuführen ist. Das Instrument
mit seiner 300 m großen Parabolantenne ist das leistungsstärkste bzw.
empfindlichste Gerät, über das die Astronomie gegenwärtig verfügt.
Das Objekt ist kein gewöhnlicher Doppelstern. Vielmehr handelt es
sich um einen Pulsar samt einem massiven, für optische und radioastronomische
Beobachtungen jedoch "stummen" Partner. Zum ersten Mal seit der Entdeckung
der Pulsare im Jahr 1967 fanden Prof. Taylor (Universität Massachusetts), Dr\_

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dr. Peter M. McCulloch (Universität Tasmanien, Australien) und Lee A.
Fowler (Universität Massachusetts) im Jahr 1974 einen Pulsar als Begleiter
eines anderen Sterns. Für die Astronomie war dies von ganz besonderer
Bedeutung, weil dem Objekt, dessen beide Komponenten aus Massen ungeheurer
Dichte bestehen müssen, zum ersten Mal eine Chance gegeben war, die von
Einstein vorausgesagten Auswirkungen einer Abstrahlung von Gravitationsenergie zu beobachten.
Die Astrophysik kennt inzwischen 320 Pulsare.

Es sind Radioquellen

im Universum, die ihre Signale in ganz exakten Zeittakten, meist stark
gebündelt, und in einem jeweils für den einzelnen Pulsar typischen Signalmuster aussenden.

Man hält sie für die Überreste explodierter und

kollabierender Sterne, die sehr schnell rotieren.

Die Restmasse hat sich

so stark verdichtet, daß ein Teelöffel voll davon eine Milliarde Tonnen
wiegen würde.
messer.

Ein solcher Stern ist sehr klein, hat nur etwa 10 km Durch-

Aber die Dichte seiner Materie erreicht unvorstellbar hohe Werte.

Elektronen und Protonen sind zu Neutronen zusammengepreßt.

Von chemischen

Elementen oder Reaktionen kann also keine Rede mehr sein. Allein in dem
galaktischen System, zu dem unser Sonnensystem gehört, dürfte es Millionen
von Pulsaren geben.

Die meisten von ihnen sind jedoch selbst für die

empfindlichsten der auf der Erde vorhandenen Radioteleskope "unsichtbar".
Der von Taylor und Mitarbeitern nunmehr vier Jahre lang beobachtete
Pulsar (er erhielt nach der Entdeckung die Bezeichnung PSR 1913+16) sendet
alle sechshundertstel Sekunde einen Radioblitz in Richtung Erde. Daß er
einen Partner haben und das Ganze ein Doppelstersystem sein muß, ergab
sich daraus, daß in einer Periode von 7,75 Stunden die "Normal"-Frequenzen
scheinbar verkürzt und dann wieder verlängert aufgenommen werden. Auch
ist die vom Pulsar ausgesandte elektromagnetische Strahlung offenbar
einem starken Gravitationseffekt durch den Partner unterworfen, den der
Pulsar auf einer stark exzentrischen Bahn in knapp 8 Stunden einmal umkreist,
wobei er durchschnittlich 300 km pro Sekunde zurücklegt. Der PulsarDoppelstern gehört zu unserem Milchstraßensystem und befindet sich jm

�in 15 000 Lichtjahren Entfernung von der Erde in der galaktischen Ebene.
In vier Jahren verringerte sich die Umlaufzeit des Pulsars um vier
Zehntausendstel Sekunden.

Eine Verkürzung um eine Zehntausendstel Sekunde

im Jahr wird in der allgemeinen Relativitätstheorie vorausgesagt, wenn sehr
schnell und asymmetrisch sich bewegende kompakte Massen durch die Abstrahlung
von Gravitationswellen Energie verlieren.

Prof. Taylor ist jetzt auf Grund

der Meßdaten überzeugt, daß es die von Albert Einstein im Jahr 1916
postulierten Gravitationswellen tatsächlich gibt.
Die beiden Objekte nähern sich infolge der Abstrahlung von Gravitationsenergie immer mehr. Und wenn die Umlaufbahn kleiner wird, verkürzt sich
auch die Zeit, die der Pulsar für einen Umlauf um den anderen Stern benötigt.
Bei diesem könnte es sich einer Verlautbarung der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA zufolge um einen zweiten, jedoch "stummen" Pulsar,
vielleicht aber auch um ein sogenanntes Schwarzes Loch handeln. Die
Existenz dieser Objekte war bisher noch nicht nachzuweisen. Theoretischen
Überlegungen und Berechnungen zufolge sind sie jedoch dann zu erwarten,
wenn Sterne unter der Wirkung ihres eigenen Gravitationsfeldes so stark und noch viel mehr als ein Pulsar - verdichtet worden sind, daß die
Gravitationskraft an der Oberfläche sogar das Licht zurückhält, das der
Stern aussenden würde. Die Quanten elektromagnetischer Strahlung vermögen
aus dem Schwerefeld nicht mehr herauszukommen. Der Stern ist unsichtbar, ein
"Schwarzes Loch". Allerdings könnte die Beobachtung spezieller Wirkungen
von Gravitationskräften seine Existenz verraten.
Nach Meinung Prof. Taylors sollten die während der vierjährigen
Beobachtung gewonnenen Erkenntnisse dazu beitragen, die in einer Anzahl
von Laboratorien in den USA und anderen Ländern laufenden Experimente,
Schwerewellen aus dem Kosmos zu registrieren, mit größtem Nachdruck
weiterzuführen. Apparate auf der Erde bauen zu wollen, die solche
Wellen für die Durchführung von Versuchen erzeugten um sie nachweisen
und messen zu können, wäre sinnlos. So ist die Forschung auf außer-

- 3 -

�außerirdische Quellen angewiesen.

Es kommt nun darauf an, Detektoren zu

entwickeln, die empfindlich genug sind, um zumindest auf gerichtet abgestrahlte Gravitationswellen aus dem Kosmos reagieren zu können.

Da diese -

im Gegensatz z.B. zu elektromagnetischen Wellen - die Erde nahezu ungestört
durchlaufen, angesichts der Entfernung zu ihrer Quelle aber äußerst schwach
sind, ist es schwer, die auf unserem von

Natur aus unruhigen Planeten

überhaupt mit Meßinstrumenten zu erfassen.
Der amerikanische Physiker Dr. Joseph Weber (Universität Maryland)
bemüht sich darum seit Ende der fünfziger Jahre.
und Meßverfahren wurden bei ihm und inzwischen in

Die Meßausrüstungen
anderen Instituten -

das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching ist z.B. mit einem
Laser-Interferometer an den Versuchen beteiligt - ständig weiter verbessert.

(Für ein erstes außerirdisches Experiment hatte im Dezember 1972

die letzte APOLLO-Mannschaft sogar ein Gravitationswellen-Meßgerät auf
dem Mond installiert.)
Vor einem Jahrzehnt ging Weber zum ersten Mal an die Öffentlichkeit
und konnte Anfang der siebziger Jahre auf wissenschaftlichen Konferenzen
von verblüffenden Ergebnissen berichten - u.a. von zwei täglichen Meßspitzen, die dann auftraten, wenn die in mehr als 1 000 km Abstand voneinander in Ost-West-Richtung aufgestellten Detektoren zum Zentrum der
Milchstraße hin oder in die Gegenrichtung "horchten". Mit größter Wahrscheinlichkeit ist die Strahlungsquelle im galaktischen Zentrum anstatt
in einem Außenbereich jenseits unseres Sonnensystems zu suchen. Die vorsichtig als "events" ("Vorkommnisse") bezeichneten Meßausschläge könnten
tatsächlich durch Schwerewellen verursacht werden. Sie als solche nachzuweisen, wird aber erst möglich sein, wenn noch mehr und noch empfindlichere
Meßgeräte rund um den Erdball zur Verfügung stehen.
Gravitation ist als Anziehungskraft zwischen allen Massen wirksam.
Wie bereits Isaac Newton fand, zieht jede Masse im Universum jede andere und jedes Masseteilchen jedes andere - mit einer Kraft an, die dem Produkt

�Produkt ihrer Masse proportional, dem Quadrat ihrer Entfernung umgekehrt
proportional ist. Damit war aber das Wesen der Schwerkraft nicht erklärt.
Erst mit der Allgemeinen Relativitätstheorie gab Albert Einstein den bis
dahin gültigen Hypothesen eine neue Dimension:

Jegliche Materie sei ein von

ihrer Masse abhängiges Schwerefeld zuzuordnen, das naturgemäß andere Materie
beeinflußt.

Dabei sei aber auch vorausgesetzt, daß die Masse eines Objekts

nicht als konstante Größe zu betrachten ist, sondern von der relativen
Geschwindigkeit zu anderen Objekten abhänge.
Während Newton annahm, daß sich die Gravitation in direkter Fernwirkung zeitlos durch den Raum fortpflanze, war Einstein überzeugt, daß
Gravitation - ähnlich wie Licht - bei der Fortpflanzung im Raum Wellennatur habe und die Ausbreitung von endlicher Geschwindigkeit sei, vielleicht
mit Lichtgeschwindigkeit erfolge.

So ordnet die moderne theoretische

Physik dem Gravitationsfeld Quanten (sog. Gravitonen) zu, wie auch der
elektromagnetischen Wellenstrahlung Quanten zugeordnet sind.

Während

jedoch die elektromagnetischen Kräfte anziehend und abstoßend wirken
können, ist die Gravitation ausschließlich eine anziehende Kraft.
Darauf beruht, auch wenn sie noch so schwach ist, ihre Eigenschaft, eine der
wirksamsten Kräfte im Universum zu sein.

+ + + + +

- 5 -

�10. Januar 1979

1

INTENSIVFÖRDERUNG VON ERDGAS

- (AD) - Mit massiver hydraulischer Kraft versuchen Ingenieure der
Mitchell Energy &amp; Development Corporation, "dichte" Formationen in einem bereits voll ausgebauten Erdgasfeld in Texas zu öffnen, um auf diese Weise die
Erdgasproduktion mindestens auf das Doppelte, vielleicht sogar bis zum Vierfachen der normalerweise erreichbaren Menge zu steigern.

Ein Gemisch von

Wasser und Sand wird am Bohrschacht mit einem Druck 675 kg/ccm in mehr als
3000 m Tiefe gepreßt.

Damit will man erreichen, daß sich in den tiefliegenden

Kalkformationen Risse von ca. 60 cm Höhe im Umkreis bis etwa 800 m um den
Schacht bilden, die dem in mikrofeinen Poren des Gesteins eingeschlossenen
Gas den Weg zur Bohrstelle freimachen sollen.

Die stark verdichteten Gesteinsschichten enthalten riesige Mengen
von Erdgas, dessen Förderung bei Anwendung der herkömmlichen Verfahren jedoch
unwirtschaftlich ist.

Eine der neuen Methoden, mit denen sie zumindest zum

Teil erschlossen werden können, verlangt ein hydraulisches Aufbrechen des
Gesteins unter hohem Druck.

Für den Versuch im "Fallon Field" in Texas wurden

schon während der ersten 16 bis 24 Stunden fast viertausend Tonnen Wasser,
vermischt mit 1400 Tonnen Sand, am Bohrloch in die Tiefe und in das gasführende
Gestein gepreßt.

Wenn nach der auf diese Weise erzwungenen Spaltöffnung die

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Telex:08-85432
D5300 Bonn 2

�die Flüssigkeit zurückgewonnen wird oder sich verteilt, bleibt der Sand an
Ort und Stelle.

Er soll die Risse offenhalten, über die das Gas in Richtung

Bohrschacht sickert.

Genaue Messungen über mehrere Wochen sollen helfen,

die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens zu ermitteln.
Das Fallon-Erdgasfeld liegt im sand- und kalksteinführenden Teil des
Cotton Valley, einem der zahlreichen und oft weitläufigen Vorkommen dieser
Art in den Vereinigten Staaten.

Die unterirdischen Formationen des Cotton

Valley haben eine Ausdehnung von etwa 650 000 qkm und reichen vom zentralen
und nordöstlichen Texas bis in den Nordwesten von Louisiana und den Südosten
von Arkansas.

Zu den Kosten des Großversuchs im FalIon-Feld in Höhe von

etwa 1,8 Millionen Dollar steuert das US-Energieministerium 553 000 Dollar
bei.

+ + + + +

�• Fi

1

I

Wi//cn/choft
und Technik
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10. Januar 1979

"KÜNSTLICHES RADIOFENSTER" IN DER IONOSPHÄRE

- (AD) - Die beiden "Fenster" in der Erdatmosphäre für elektromagnetische Wellen, die von Himmelskörpern und anderen kosmischen Objekten ausgesandt werden und zu uns gelangen können, stellen nur einen relativ kleinen
Ausschnitt aus dem Spektrum dar. Es handelt sich um das sog

optische Fenster

für sichtbares Licht und das - wesentlich breitere - Radiofenster, über das
die Radioteleskope Strahlung aus dem Weltraum empfangen,

Der Großteil fällt

jedoch der atmosphärischen Absorption durch Ozon, Wasserdampf, Kohlendioxid
und andere Moleküle zum Opfer.

Und Wellen niedrigerer Frequenz jenseits des

Radiofensters, d.h. Wellen von mehr als 20 m Wellenlänge, werden durch die
Ionosphäre abgeschirmt.

So war es bisher nur mit Raketensonden und Forschungs-

satelliten von Positionen außerhalb der Erdatmosphäre aus möglich, elektromagnetische Strahlung aus dem Kosmos auch in den von der Erdoberfläche aus
nicht zugänglichen Frequenzbereichen zu erfassen.

Die Erkenntnisse, die man

in relativ kurzer Zeit damit gewinnen konnte, haben das "Weltbild" der Astrophysik bereits wesentlich verändert und erweitert,

Inzwischen hat sich herausgestellt, daß beim Aufstieg von Großraketen
für gewisse Zeit ein "künstliches Radiofenster" in der Ionosphäre geschaffen
wird.

Besonders deutlich beobachtete man dies beim Start des amerikanischen

Himmelslabors SKYLAB im Mai 1973, als die Trägerrakete SATURN bei der Beschleu-

Postfach 20 03 00

Tel: 02221-89 32 40

�Beschleunigung des SKYLAB auf Umlaufbahngeschwindigkeit oberhalb von ca.
300 km Höhe pro Sekunde eine Tonne Treibstoff verbrannte.

Die Abgase - Kohlen-

dioxid, Wasserstoff, Wasserdampf usw. - traten mit dem ionosphärischen
"Plasma", d.h. den in bestimmten Luftschichten reichlich vorhandenen elektrisch
geladenen Teilchen, in chemische Reaktion.
Plasma abgezogen.

Dabei wurde aus der Ionosphäre

Eine solche Störung der Ionosphären-Struktur wirkt sich

sowohl auf den Funkverkehr als auch auf die Durchlässigkeit der Atmosphäre
für kosmische Radiowellen aus. Als weitere Effekte beobachtete man eine Steigerung der Plasmatemperatur, d.h. eine Erhöhung der Bewegungsenergie der ionisierten Teilchen, sowie verstärktes Luftleuchten.

Es ist dies ein schwaches

Leuchtphänomen am Nachthimmel, das durch angeregte Atome in den elektrisch
geladenen Schichten der Erdatmsophäre verursacht wird.
Der "SKYLAB-Effekt", wie man das Phänomen inzwischen bezeichnet, ist
nur vorübergehender Natur. Wie Dr. Paul A. Bernhardt vom "Radioscience
Laboratory" der Stanford-Universität berichtete, hatte sich vier Stunden nach
dem "Verzehr" von Plasma durch die Abgase die Struktur der Ionosphäre wieder
normalisiert.

Für die Radioastronomie ergibt sich jedoch in dieser Zeit eine

Möglichkeit, mit ihren hochempfindlichen stationären Instrumenten Untersuchungen vorzunehmen, die ihr normalerweise verwehrt sind.
Wissenschaftler der Stanford-Universität und der Universität Boston
haben sich zusammengetan, um sowohl den "SKYLAB-Effekt" im Detail und unter
kontrollierten Bedingungen zu untersuchen als auch die zeitweilige Eröffnung
eines - wenn auch schmalen - "künstlichen Radiofensters" zum Universum für
Forschungen im Frequenzbereich von 1 - 5 Megahertz (1 Million bis 5 Millionen
Schwingungen pro Sekunde) zu benutzen. Dieser Bereich ist insofern besonders
interessant, als z.B. bei diesen Wellenlängen das sog. galaktische Rauschen
am stärksten ist. Auch will man eine Anzahl rätselhafter Radioquellen wie
den Vela- und Gum-Nebel studieren; beide senden Radioimpulse niedriger Frequenz aus.
Eine

- 2 -

�Eine Gelegenheit dazu bietet die zweite SPACELAB-Mission, die im
ersten Quartal 1982 durchgeführt werden soll.

In Vorbereitung' der Unter-

suchungen wurde im Sommer 1977 in etwa 250 km Höhe über der Hawaii-Insel
Kauai eine hochexplosive Sprengladung gezündet, die einen ähnlichen Effekt
wie die Raketenabgase hatte.

Beim Einschuß des Raumtransporters, mit SPACELAB

in die Erdumlaufbahn feuern die Triebwerke in Höhenbereichen zwischen 300
und 480 km.

Von ihren Abgasen ist vor allem die F-Schicht der Ionosphäre

(durchschnittliche Höhe: 360 km) betroffen.

Zur Durchführung von "Radio-

fenster"-Versuchen wurde das orbitale Manövriersystem des Raumtransporters
für jeweils 12 Sekunden über fünf im voraus bestimmten Punkten entlang der
Umlaufbahn bestimmte Abgasmengen freigesetzt.

Laut Dr. Bernhardt besteht

ein wesentliches Problem während dieses Experiments darin, genau festzustellen, wo die Gase zur Ruhe kommen, die mit Überschallgeschwindigkeit in
der dünnen Atmosphäre ausgestoßen werden.
erst

Es sei durchaus möglich, daß sie

nach mehreren Hundert Kilometern durch die Kollision mit Luftteilchen

abgebremst werden.
Schweifes.

Jedes Freisetzen führt zur Bildung eines kometenähnlichen

(Mit Hilfe von Computermodellen werden derzeit mögliche Effekte

simuliert).

Die Beobachtungsstationen sind
1) Roberval (in der Nähe von Quebec, Kanada) für Radiosignale extrem
niedriger Frequenz - sog. VLF-Schwingungen, die den erdmagnetischen
Feldlinien zwischen dem Beobachter und dem VLF-Sender auf der
Siple-Station in der Antarktis folgen, der von der Stanford-Universität dort betrieben wird;
2) Millstone Hill bei Boston für Messungen der ionosphärischen Elektrodichte und möglicher Frequenzänderungen an Funksignalen von geostationären Satelliten;
3) der 300 m-Spiegel von Arecibo in Puerto Rico (betrieben von der
Cornell-Universität) zur Messung von Dichte, Geschwindigkeit und
Temperatur der ionosphärischen Elektronen während und nach de" Triebwerk-Zündungen;
4) Jicamarca
- 3 -

�4) Jicamarca (Peru) für spezielle Untersuchungen an der Ionosphäre
im Äquatorbereich, wo die erdmagnetischen Feldlinien horizontal
verlaufen und das Plasma instabil machen für "Löcher" in der Ionosphäre;
5) zwei Stationen der Tasmania-Universität (Australien) für Untersuchungen im Frequenzbereich von 1 000 000 bis 5 000 000 Hertz
( 1 - 5 Megahertz).
.

Schließlich haben alle fünf Stationen die Aufgabe, Auswirkungen der
Bildung von "Löchern" in der Ionosphäre auf den Funkverkehr zu beobachten.
" . . .

+ + + + +

�I 3

Wi//en/chcift
und Technik
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10. Januar 1979

MIKROWELLEN KOCHEN TEERSAND AUS

- (AD) - Die Extraktion von Kohlenwasserstoffen aus Teersanden mittels
Mikrowellen wird vom "Illinois Institute of Technology" (IIT) in Chicago mit
theoretischen und experimentellen Studien sowie mit Rentabilitätsberechnungen
untersucht. Im Rahmen eines Forschungsauftrags des US-Energieministeriums
ist diese Phase des Projekts, die auf 18 Monate befristet wurde, mit 200 000
Dollar dotiert. Die Teersande liegen im Bundesstaat Utah. Es handelt sich
um ölhaltigen Sandstein, in dem schätzungsweise 3,5 Milliarden Tonnen Erdöl
gebunden sind.
Das Verfahren beruht auf dem gleichen Prinzip, nach dem die Mikrowellenherde arbeiten. Diese zeichnen sich dadurch aus, daß in ihnen z.B. auch
große Teile vollkommen gleichmäßig erhitzt und in kürzerer Zeit als in herkömmlichen Kochherden durch und durch gar werden. Die Forschergruppe aus
Chicago schlägt vor, mittels der Mikrowellen-Heiztechnik die Kohlenwasserstoffe im Teersand in nutzbare Brennstoffe umzuwandeln. Aufgrund der Ergebnisse der bisher durchgeführten Studien und Versuche bestehen gute Aussichten,
dies auf wirtschaftlich attraktiver Basis - noch dazu umweltschonend - auch
tatsächlich zu erreichen. Mit den jetzt vom Energieministerium bewilligten
Geldmitteln wird eine Apparatur gebaut, mit der sich eine verhältnismäßig
große Menge von Teersand erhitzen läßt. Es werden Meßreihen in bezug auf

Postfach 20 03 OO
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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�auf elektrische, mechanische und wä'rmeenergetische Parameter bei den Teersanden durchgeführt, außerdem geeignete Fördermethoden entwickelt und der
Energie-Nutzungsgrad bei Anwendung der Mikrowellen-Extraktion ermittelt.
Allgemeine wirtschaftliche und ökologische Aspekte des neuen Verfahrens
sind weitere Punkte des Studienprojekts, das die Basis für umfangreiche
Feldversuche in Utah abgeben wird.

+ + + + +

�</text>
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                <text>Amerikadienst 10.01.1979</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abschlusserklärung Carters zum Treffen von Guadeloupe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erwarten 1979 Fortschritte in den Handels- und Rohstoffverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ein Interview mit C. Fred Bergsten, Unterstaatssekretär im US-Finanzministerium -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gravitationswellen indirekt nachgewiesen?&lt;br /&gt;US-Wissenschaftler beobachteten auffällige Bahnveränderung an Doppelstern&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Intensivförderung von Erdgas&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Künstliches Radiofenster" in der Ionosphäre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mikrowellen kochen Teersand aus</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1979

I N H A L T

DOKUMENTATION
Carter erhielt Martin Luther King-Friedenspreis
- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Atlanta Stabilität in Ostasien: Die Rolle der Vereinigten Staaten
- Von Außenminister Cyrus Vance Brzezinski umreißt Außen- und China-Politik der USA
- Wortlaut WIRTSCHAFT
Carter ersucht um Verlängerung der Vollmacht zum Verzicht auf Ausgleichszölle
- Schreiben des Präsidenten an den Kongreß Presseverlautbarung des Sonderberaters des US-Präsidenten für Handelsverhandlungen zur Frage des Verzichts auf Ausgleichszölle
Solomon erläutert US-Standpunkt zum Weltwährungssystem
HINTERGRUNDMATERIAL
Produktion geht vor Import
- US-Energieminister Schlesinger zur Erdgaspolitik -

Um Übei/endung von
BcIcgcHcmplorcn wird
gebeten

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Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1979

CARTER ERHIELT MARTIN LUTHER KING-FRIEDENSPREIS
- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Atlanta

ATLANTA, GEORGIA - (AD) - Präsident Jimmy Carter erhielt am
14. Januar 1979 den Martin Luther King-Friedenspreis, der zum Gedenken
des 50. Geburtstages des ermordeten Bürgerrechtlers verliehen wurde.
In einer Ansprache anläßlich der Feierlichkeiten in Atlanta im Staate
Georgia hielt Präsident Carter eine Ansprache, in der er neue Friedensinitiativen im Nahen Osten ankündigte und auch seine Absicht mitteilte,
einen SALT II-Vertrag nach dem Abschluß dem amerikanischen Senat als
Vertrag zur Ratifizierung - wozu eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist zu unterbreiten.

Ferner nahm der Präsident zu Fragen der Menschenrechte

Stellung.
Die wesentlichen Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
Wir können heute zu dem empfindlichen Thema der Menschenrechte als
Nation in der ganzen Welt mit einer Stimme sprechen, weil Martin Luther

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Telex:08-85432

�v

Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung dazu beigetragen haben,
alle Amerikaner von den Ketten des amtlichen Rassismus hier in unserem
Lande zu befreien.
Hätte er nicht gelebt, hätten wir seine Stimme nicht vernommen, hätte
sich seine Handlungsweise nicht durchgesetzt, dann wäre es für die
Vereinigten Staaten heute peinlich, in internationalen Gremien den Begriff
"Menschenrechte" zu erwähnen.
Vater King sprach die Wahrheit, als er sagte, "viele Menschen glauben,
Martin befreie nur schwarze Menschen.

In Wahrheit hat er geholfen, alle

Menschen zu befreien."
Die große Aufgabe, vor der wir alle - und besonders die Regierung heute stehen, ist, sich des Vertrauens würdig zu erweisen, das die
Bürgerrechtsbewegung und Martin Luther King in Amerika gesetzt haben.
Er vertraute unserem Lande.

Er vertraute unserer Regierung.

Er vertraute

unserem Volk, selbst wenn ein objektiver Beobachter bei voller Wahrheit
sagen könnte, daß es Zeiten gab, in denen unsere Regierung, ihre Gesetze
und viele Amerikaner dieses Vertrauen nicht verdienten.
Möge niemand daran zweifeln, wo ich stehe. Meine Administration
und ich selbst sind auf Ihrer Seite. Wir haben uns den Bürgerrechten
verschrieben. Wir haben uns der Gleichheit der Chancen verschrieben.
Wir haben uns der Gleichheit vor dem Gesetz verschrieben - und Sie können
sich auf uns verlassen.
Diese Administration ist darum bemüht, die moralische Autorität
Amerikas in der Welt wiederherzustellen. Wie ich schon oft gesagt habe,
die Menschenrechte sind die Seele der Außenpolitik unseres Landes. Und
solange ich Präsident bin, wird Amerika in dem Kampf um die Menschenrechte
weiterhin an der Spitze stehen.
Martin Luther King
- 2 -

&lt;

�Martin Luther King sagte einmal, "wir müssen Hand an die Weltordnung
anlegen und vom Krieg sagen, 'diese Art der Beilegung von Meinungsverschiedenheiten ist nicht recht'."
Er erklärte, daß die entscheidende politische und moralische Frage
unserer Zeit die Notwendigkeit sei, Unterdrückung und Gewalt zu überwinden,
ohne selbst zu Unterdrückung und Gewalt zu greifen.

Das ist und bleibt

eine schwierige, aber auch eine entscheidende Frage.
Ich versuche, den Frieden, dessen sich unser Land heute, Gott sei
Dank, erfreut, zu verewigen und auszubreiten und unsere moralische Stärke
und unsere guten Dienste einzusetzen, um alte Feinde zur Aufgabe ihrer
Streitigkeiten zu bewegen, damit die Energien und Talente ihrer Völker
dazu benutzt werden können, statt Leiden und Tod ein besseres Leben
hervorzubringen.
Im südlichen Afrika arbeiten wir mit den dortigen Regierungen und
Völkern - Menschen, denen seit langem die Grundrechte verweigert wurden daran, eine Mehrheitsregierung zustande zu bringen, dem Rassismus und
Haß ein Ende zu setzen und die rechtliche Billigung der Apartheid überall
in diesem großen Kontinent zu beenden.
In Nikaragua arbeiten wir mit anderen Ländern daran, in einem Streit
zu vermitteln und in einem unserer Nachbarländer Freiheit und demokratische
Grundsätze herbeizuführen.
•

Im Nahen Osten versuchen wir, unter höchst schwierigen politischen
Umständen als Vermittler aufzutreten, um Frieden zwischen alten Feinden
zu stiften. Wir haben aufgrund des Wunsches der dortigen Völker nach
Frieden recht große Fortschritte erzielt. In dieser Woche werden wir eine
weitere Delegation von Unterhändlern und Vermittlern nach dem Nahen
Osten entsenden, um die letzten Elemente der Differenzen in den sprachlichen
Formulierungen des Friedensvertrages auszuräumen. Und dann werden wir

- 3 -

�wir uns der höchst wichtigen politischen Frage zuwenden, wie die Übereinkommen von Camp David in größtmöglichem Umfang verwirklicht werden können.
Da es sich hier im Augenblick um eine politische Frage handelt, bin
ich sicher, daß dies zumindest bis auf die Ebene der Außenminister angehoben werden wird.

Und falls notwendig werde ich nicht zögern, Präsident

Sadat und Ministerpräsident Begin zu einem erneuten Treffen mit mir einzuladen, um einen Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten zu bekommen.
Ein einiges Amerika gibt uns mit Ihrer Unterstützung eine starke und
tragende Stimme, die im Ausland gehört wird.
Abschließend möchte ich sagen, daß ich im Kriegshandwerk ausgebildet
wurde, aber ich teile den Traum von Martin Luther King, daß die Menschheit
einen besseren Weg finden kann.
Wir haben erlebt, wie das ist.

Unsere Generation kennt zu viel Krieg.
Es bedeutet, daß mitten in der Nacht

tausende von Tonnen von Bomben fallen.

Es bedeutet Elend und Tod in einem

nassen und einsamen Schützenloch auf einem gefrorenen Hügel oder im
dampfenden Dschungel - ohne Fanfarenstöße und ohne Glorie.
Die armen Menschen, die nicht in der Lage sind, die Mittel für eine
College-Ausbildung aufzubringen, sind die ersten die in den Krieg ziehen
und ihr Leben für unser Land geben, und dadurch wird es möglich, daß sie
ihrer Chancen beraubt werden. Das darf niemals wieder geschehen.
Krieg bedeutet ein sterbendes kleines Kind in einem brennenden Dorf,
einen alten Mann, der seinen einzigen Sohn begräbt, mit einer Trauer im
Herzen, die niemals getröstet werden kann. Es bedeutet die Zerstörung
des menschlichen Geistes und all dessen, was wir an Schönem und Wertvollem besitzen.
Der Krieg bedeutet eine echte Drohung der massiven nuklearen Vernichtung.

- 4 -

�Vernichtung. Nur Wahnsinnige können heute glauben, daß der Krieg eine
Lösung für irgendetwas wäre.
Wir versuchen, ehemaligen Gegnern die Hand der Freundschaft zu reichen,
Differenzen zu überbrücken und für den Frieden in der Welt zu sorgen.

Wir

befinden uns in den letzten Stadien der Verhandlungen über ein SALT IIAbkommen, das der weiteren Ausbreitung von Kernwaffen zwischen uns und der
Sowjetunion Grenzen setzen

und der Welt ein deutliches Beispiel geben

wird, daß unsere Nation für Frieden einsteht.
Dieser Vertrag, dessen Verhandlungen ich persönlich überwacht habe,
wird die Sicherheitsinteressen unseres Landes schützen.

Er wird die Aus-

sichten für einen zukünftigen Fortschritt in den kommenden Jahren enthalten, die Kernwaffen weiter einzuschränken,und er wird dem Senat als
Vertrag zur Ratifizierung vorgelegt werden, sobald er abgeschlossen ist.
Eine Ablehnung dieses Vertrages würde der Kontrolle und Eindämmung von
Kernwaffen einen schweren Schlag versetzen.

Sie würde den friedlichen

Beziehungen zwischen den beiden größten Militärmächten der Welt einen
schweren Schlag versetzen.

Sie würde der Meinung, die friedliebende

Menschen in den kleinen Ländern und in den Entwicklungsländern in der
ganzen Welt von uns haben, einen schweren Schlag versetzen.

Und sie

würde der Meinung von uns und der Unterstützung, derer sich die Vereinigten
Staaten bei unseren westlichen Verbündeten und bei all jenen erfreuen,
die mit uns gemeinsame Verteidigungsverträge eingehen, einen schweren
Schlag versetzen.
Sie würde dem Ruf unseres Landes als friedliebende Nation einen
schweren Schlag versetzen.

So wie Dr. King und Mahatma Gandhi wußten,

daß Gewaltlosigkeit nicht das Verhalten von Feialingen ist, so ist unsere
Suche dach Frieden kein Zeichen der Schwäche,sondern ein Zeichen der
Stärke.

Wir müssen auch unter Beweis stellen, daß die menschlichen

Werte Amerikas so stark wirken, daß sie wert sind, daß auch andere Nationen

- 5 -

�Nationen sie annehmen und für sie eintreten.
Wir werden niemals einen Frieden erkaufen, der lediglich eine Kapitulation unserer Ideale und Überzeugungen wäre, und ebenso wenig werden wir
versuchen, anderen unsere Werte aufzuzwingen.

Auch das wäre eine

Kapitulation unserer Verpflichtungen und unserer Prinzipien.
Martin Luther King sprach von zwei Arten von Frieden, einem negativen
Frieden, der das Nichtvorhandensein von Furcht und Spannung bedeutet,
und er sprach von einem positiven Frieden, der die Präsenz der Gerechtigkeit
bedeutet.
Was wir heute anstreben, ist ein positiver Frieden - ein Frieden,
der seinen kühnen Traum am Leben erhält, daß alle Menschen Nahrung und
Gesundheitsfürsorge

für ihren Körper, Ausbildung und Kultur für ihren

Verstand und Würde, Gleichheit und Freiheit für ihren Geist haben können.
Es ist dieses Ideal Amerika- ein Amerika, das es bisher noch nicht
gab, das es aber geben kann und das es geben wird - das wir für unsere
Kinder und unsere Kindeskinder anstreben.
Als Präsident werde ich jene unaufhörliche Revolution fortführen,
die unsere Gründerväter begonnen haben und die viele von Ihnen weitergeführt
haben, um unsere Nation zu einem Muster der Gerechtigkeit und der Freiheit
und der Chancengleichheit zu machen.

+ + + + +

- 6 -

�Dokumentation
»

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1979

STABILITÄT IN OSTASIEN: DIE ROLLE DER VEREINIGTEN STAATEN
- Von Außenminister Cyrus Vance -

Der amerikanische Außenminister Cyrus Vance
hat am 15. Januar 1979 vor Geschäftsleuten
über die China-Politik der Vereinigten Staaten und auch über die Chancen des ChinaHandels gesprochen. Nachfolgend geben wir
die Ausführungen von Vance im vollen Wortlaut wieder.

Ich freue mich, daß Sie so zahlreich erschienen sind.

Ich möchte den

beiden hier vertretenen großen Wirtschaftsverbänden, vor allem ihren Vorständen, für ihre Bemühungen danken, das Verständnis der Öffentlichkeit für ein
wichtiges außenpolitisches Problem zu fördern.

Beide Organisationen haben

bei der Stärkung unserer wirtschaftlichen Beziehungen eine wichtige Rolle gespielt - und werden sie weiterhin spielen.
Es ist jetzt einen Monat her, seit der Präsident bekanntgegeben hat, daß
die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China sich auf die Herstellung
voller und normaler diplomatischer Beziehungen geeinigt haben.

Heute möchte

ich mit Ihnen zusammen etwas den Hintergrund erhellen, der zu der historischen
Entscheidung des Präsidenten geführt hat, und Ihnen darlegen, was diese Ent-

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�Entscheidung nach unserer Auffassung für die Vereinigten Staaten und für die
Welt bedeutet.
Wenige außenpolitische Probleme haben die Amerikaner so lange gespalten
wie die China-Frage.

In den dreißiger Jahren wurden sich die Amerikaner zu-

tiefst der Tragödie und der Leiden in China bewußt und nahmen oft leidenschaftlich Stellung.

Anfang der vierziger Jahre fochten beide Länder gemein-

sam gegen die Achsenmächte.

Ende der vierziger Jahre haben wir - letztlich

ohne Erfolg - versucht, beiden Seiten des chinesischen Bürgerkriegs zu einer
friedlichen Beilegung ihres Konflikts zu verhelfen.
In den fünfziger Jahren erreichten die Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und den Vereinigten Staaten einen Tiefpunkt.

Unsere Armeen

stießen in Korea aufeinander, und hier in den Vereinigten Staaten hinterließ
die China-Frage eine tiefe Wunde in der innenpolitischen Landschaft.

Zu den

Tragödien jener Zeit gehört die Zerstörung der Karriere einiger hervorragender
Angehöriger des Auswärtigen Dienstes, weil sie über die Ereignisse in Asien
so berichteten, wie sie sie sahen.
Obwohl in den sechziger Jahren untrügliche Zeichen einer ernsthaften
Rivalität zwischen der Sowjetunion und China zutage traten, blieben unsere
Beziehungen zu Peking auf einem toten Punkt.

Die Vereinigten Staaten, in

militärische Engagements in Südostasien verwickelt, und China, mit der Kulturrevolution beschäftigt, konnten keine Fortschritte in der Überwindung ihrer
Differenzen erzielen.
Das Jahr 1971 war der Beginn einer neuen Phase, über eine tiefe Kluft
des Mißverständnisses und des gegenseitigen Mißtrauens hinweg begannen die
Regierungen in Peking und Washington einen Dialog, der mit dem dramatischen
Besuch Henry Kissingers in Peking im Jahre 1971 und dem Besuch Präsident
Nixons im Jahre 1972 seinen Anfang nahm. Das Kommunique von Schanghai aus
jenem Jahr schuf den Rahmen für unser neues Verhältnis.
Aber

- 2 -

�Aber dieser Dialog war noch unvollständig.

Die Vereinigten Staaten kann-

ten immer noch formell die Republik China - deren de facto Kontrolle sich nur
auf Taiwan (Formosa) und einige anliegende Inseln erstreckte - als die rechtmäßige Regierung Chinas an.

Trotzdem gelang es uns, Kontakte aufzunehmen und

schließlich im Jahre 1973 sogar Verbindungsbüros in Washington und Peking zu
eröffnen.

Aber die Art unserer Beziehung zu Peking blieb in Umfang und Tiefe

durch die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Folgen des Fehlens der
gegenseitigen Anerkennung begrenzt.

Die Nichtanerkennung - dieser heikle Status, in dem sich unsere Beziehungen zu Peking in den sechs Jahren nach dem Schanghai-Kommunique abspielten brachte uns täglich reale und konkrete Probleme.

Auch wenn beide Seiten sich

bemühten, diese Beschränkungen zu verringern, so wurden sie doch immer hinderlicher.

Gespräche mit den Chinesen scheiterten oft letztlich an der Tatsache,

daß ohne eine Anerkennung viele Aktivitäten entweder überhaupt nicht vorankommen konnten oder aber auf einer niederen Ebene geführt werden mußten.

Kon-

takte standen unter dem Zwang solcher Begrenzung, darunter auch solche, die
vielleicht zu einer besseren Verständigung in globalen Fragen hätten führen
können.

Der Handel war begrenzt,und oft gingen Chancen an andere verloren.

Kommerzielle Transaktionen wurden wegen amerikanischer Ansprüche und eingefrorener PRC-Guthaben, die auf das Jahr 1950 zurückgingen, von rechtlichen
Problemen überschattet.

Was aber noch wichtiger ist:

Den Versuch aufgeben,

zu einem Fortschritt zu gelangen, hätte die Gefahr eines Rückschritts bedeutet - und ein Rückschritt in den amerikanisch-chinesischen Beziehungen
hätte unserer Position in der Welt schweren Schaden zugefügt.

So traf Präsident Carter noch vor seinem Amtsantritt seine erste Entscheidung in bezug auf China.

In einem Akt der Kontinuität mit den beiden

früheren Präsidenten bekräftigte er das Schanghai-Kommunique als Grundlage
für unsere Beziehung und versicherte ausdrücklich, daß er sich für eine Normalisierung der Beziehungen einsetzen würde.

Wir waren zu jener Zeit keines-

falls sicher, ob wir in der Lage sein würden, dieses Endziel normaler Beziehungen tatsächlich zu erreichen.

Aber wir hielten es für entscheidend wich-

- 3 -

�wichtig, den Versuch zu machen, und wir waren bereit, uns so viel Zeit zu
nehmen, wie notwendig war, um es auf einer annehmbaren Basis zu erreichen.
In dieser Absicht begannen wir innerhalb der Administration mit Erörterungen und führten auch eine Reihe intensiver Konsultationen sowohl mit
Kongreßmitgliedern wie auch mit einem breiten Querschnitt von Vertretern der
amerikanischen Wirtschaft, mit Gelehrten und Wissenschaftlern und anderen.
Aus unseren Konsultationen und Analysen ergaben sich zwei starke zentrale
Grundtendenzen und verschiedene spezifische Besorgnisse.
Diese Grundtendenzen hätten nicht klarer heraustreten können:

Einer-

seits hegte ein großer Zeil der Amerikaner den Wunsch, daß die Vereinigten
Staaten und die Volksrepublik China diplomatische Beziehungen aufnehmen sollten; gleichzeitig aber zeigte sich ein ebenso großer Teil tief besorgt über
den künftigen wirtschaftlichen Wohlstand, die Sicherheit und die Stabilität
Taiwans.

Auch wir teilten diese Besorgnisse.

Der Präsident entschied, daß

wir nur dann diplomatische Beziehungen mit Peking aufnehmen würden, wenn eine
solche Aktion in einer Weise durchzuführen wäre, die dem Wohlergehen der Bevölkerung auf Taiwan keinen Schaden zufügte und auch nicht die Chancen für
eine friedliche Regelung der Taiwan-Frage durch die Chinesen selbst verringerte.
Außer diesen grundsätzlichen Erwägungen ergaben sich verschiedene spezifische Besorgnisse. Erstens bestand eine weitverbreitete und berechtigte Besorgnis darüber, daß Peking beharrlich daran festhielt, die Vereinigten Staaten müßten vor einer Normalisierung den Gemeinsamen Verteidigungsvertrag mit
Taiwan einseitig aufkündigen, statt ihn in Einklang mit Vertragsbestimmungen
zu beendigen, auf die sich die Vereinigten Staaten und Taiwan im Jahre 1954
geeinigt hatten. Außerdem wollten wir festlegen, daß nach der Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen und der Beendigung der diplomatischen Beziehungen mit Taiwan alle anderen Abkommen und Verträge Gültigkeit behalten sollten.
Zweitens waren wir genauso wie der Kongreß und die amerikanische Öffentlichkeit tief besorgt über den von offiziellen chinesischen Vertretern erho-

�erhobenen unbedingten Anspruch in der Frage ihres Rechts, Taiwan auf jede
ihnen geeignet erscheinende Weise zu "befreien".

Die friedliche Lösung des

Taiwan-Problems durch die Chinesen selbst war vom amerikanischen Standpunkt
von entscheidender Bedeutung; wir konnten keinen Schritt weiter vorangehen,
wenn Peking fortfuhr,über die Taiwan-Frage in so aufreizender Weise zu sprechen und zu denken.
Drittens, innerhalb und außerhalb der Regierung kam es rasch zu einem
Konsens, daß es von wesentlicher Bedeutung sei, daß wir nach der Normalisierung auch weiterhin einen breiten Bereich von Beziehungen zu der Bevölkerung von Taiwan auf einer nicht regierungsamtlichen Basis beibehalten. Im
besonderen würde unter diese Beziehungen nach der Normalisierung auch der
weitere Verkauf von Verteidigungswaffen an Taiwan fallen.
Nachdem diese Prioritäten aufgestellt waren, besuchte ich im August
1977 Peking,und Dr. Brzezinski reiste im Mai 1978 dorthin.

Wir trafen in

Peking auf eine neue selbstbewußte Führung, die sich nach dem Abklingen der
Unruhen im Innern des Landes gebildet hatte.

Es ergaben sich viele Punkte

gemeinsamen Interesses in globalen Fragen, wenngleich wir in bezug auf einige
wichtige Probleme auch weiterhin Differenzen hatten.
eine Normalisierung waren explanatorischer Art.

Unsere Gespräche über

Diese die Gesamtlage betref-

fenden Gespräche bestärkten uns in unserer Ansicht, daß ein starkes, sicheres
und friedliches China im Interesse des Weltfriedens lag.
Im Frühsommer wies Präsident Carter den Chef unseres Verbindungsbüros
in Peking, Botschafter Leonard Woodcock an, in einer Reihe von Darstellungen
unsere Ansichten zur Normalisierung zu umreißen. In fünf Zusammenkünften
legte Botschafter Woodcock die amerikanische Position dar.
Am 19. September traf Präsident Carter mit dem neuen Leiter des chinesischen Verbindungsbüros in Washington, Botschafter Chai Zemin, zusammen.
Indem er sich zum erstenmal direkt in die Gespräche einschaltete, erklärte
der Präsident seinem chinesischen Gesprächspartner, daß wir zu einer Normali- 5 -

�Normalisierung der Beziehungen bereit wären, wenn unsere Besorgnisse über
das künftige Wohlergehen der Bevölkerung von Taiwan entsprochen würde.
Beim Abschluß seiner Darlegungen am 4. November gab Botschafter Woodcock
der chinesischen Seite zu verstehen, daß wir bereit wären, das Datum des 1.
Januar 1979 als Zielpunkt für die Normalisierung unserer Beziehungen anzusteuern, wenn unseren Besorgnissen entsprochen würde.
ihre Antwort Anfang Dezember zu unterbreiten.

Die Chinesen begannen

Mitte Dezember intensivierten

sich die Verhandlungen, wobei der Stellvertretende Ministerpräsident Deng
Xiaoping persönlich beteiligt war. Am 14. Dezember schließlich erreichten
wir eine Übereinkunft, die unseren grundsätzlichen Besorgnissen Rechnung trug,
und die Bekanntgabe unserer Entscheidung, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, erfolgte am 15. Dezember.
Wir konnten volle diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China
in einer Weise aufnehmen, die das Wohlergehen der Bevölkerung auf Taiwan
schützt.

Die Bedeutung dieses Schrittes findet voll und ganz ihren Nieder-

schlag in den Vorkehrungen, die wir getroffen haben und noch treffen werden.
Erstens, die Vereinigten Staaten werden den Gegenseitigen Verteidigungsvertrag nicht abbrechen. Wir haben vielmehr angekündigt, daß wir von unserem
Recht Gebrauch machen werden, den Vertrag mit Taiwan gemäß seinen Bestimmungen
zu beenden, die eine Aufkündigung seitens der einen oder der anderen Seite
mit einjähriger Kündigungsfrist gestatten. Alle anderen Verträge und Abkommen werden in Kraft bleiben.
Das zweite ist die wichtige Angelegenheit der friedlichen Lösung der TaiwanFrage durch die Chinesen selbst. Aus den Maßnahmen und Erklärungen der Volksrepublik China während des letzten Monats wird deutlich, daß die Normalisierung
(der Beziehungen) praktisch die Möglichkeiten für eine Lösung mit friedlichen
Mitteln gefördert hat, wie auch immer die endgültige Regelung dieser Frage
aussehen mag.
Seit

- 6 -

�Seit der Normalisierung der Beziehungen hat die Volksrepublik China einen
merklich gemäßigteren Ton in der Taiwan-Frage angeschlagen:

- Am 9. Januar dieses Jahres erklärte der Stellvertretende Ministerpräsident Deng den Senatoren Nunn, Glenn, Hart und Cohen, daß "über das gesellschaftliche System Taiwans von der Bevölkerung Taiwans entschieden wird.

Verände-

rungen nehmen vielleicht hundert Jahre oder tausend Jahre in Anspruch.
meine ich eine lange Zeit.

Damit

Wir werden die Gesellschaftsform nicht durch Ge-

walt verändern."

- Am Neujahrstag stellte die Volksrepublik China nach 25 Jahren ihre aus
Propagandagründen erfolgte Artilleriebeschießung der dem Festland vorgelagerten Inseln Quemoy und Matsu ein.

Und drittens und letztens werden wir nach Beendigung des Gegenseitigen
Verteidigungsvertrages am 31. Dezember 1979 auch weiterhin unsere bisher betriebene Politik des Verkaufes sorgfältig ausgewählter Verteidigungswaffen an
Taiwan fortsetzen.

Wenn auch die Volksrepublik China erklärt hat, sie miß-

billige dies, so ist sie dennoch unter voller Kenntnis unserer Absichten mit
der Normalisierung vorangeschritten.

Bei der Gestaltung eines neuen Verhältnisses mit der Bevölkerung auf
Taiwan ergreifen wir praktische Schritte, um die Kontinuität der Handelsbeziehungen sowie die kulturellen und anderen nicht-amtlichen Beziehungen sicherzustellen.

Der Präsident hat Maßnahmen eingeleitet, die die ununterbrochene

Fortsetzung solcher Beziehungen vom 1. Januar 1979 an garantieren sollen.

In

Zukunft werden diese Beziehungen durch eine private gemeinnützige Körperschaft
fortgeführt werden, die den Namen Institut auf Taiwan führt.

Diese Körper-

schaft wird die bestehenden und - wie wir zuversichtlich hoffen - sich noch vertiefenden Bindungen zwischen dem amerikanischen Volk und der Bevölkerung auf
Taiwan fördern.

Taipeh wird seine nicht-amtlichen Beziehungen mit unserem

Lande in ähnlicher Weise handhaben.
Lassen

- 7 -

�Lassen Sie mich noch einige Sätze zu dem amerikanischen Institut auf
Taiwan sagen, zu der erforderlichen Gesetzgebung und zu seiner Tätigkeit.
Der amerikanische Kongreß wird ersucht werden, eine Gesamtvorlage zu verabschiedet, mit der die Finanzierung des amerikanischen Instituts auf Taiwan
gesichert, und dessen Vollmacht bekräftigt wird, auf einem weiten Bereich
tätig zu werden.

Ich hoffe, daß wir Ihre aktive Unterstützung für eine zü-

gige Verabschiedung dieser Gesetzesvorlagen erhalten werden.

Das Institut wird seinen Hauptsitz in Washington haben, mit Außenstellen
auf Taiwan.

Es wird die vollen kommerziellen und anderen Dienste anbieten,

die bisher den Geschäftsleuten aus den USA und aus Taiwan durch offizielle
Kanäle gewährt wurden.

In Ihren privaten Geschäften auf Taiwan können Sie

sich jederzeit an die Mitarbeiter des Institutes wenden

oder Sie können

auch direkt mit den örtlichen Firmen und den dortigen Behörden in Verbindung
treten.

Kurz gesagt, wir sehen keinerlei Änderung, die notwendig wäre, um

private amerikanische Geschäfte auf Taiwan anders als bisher durchzuführen.
Anleihen der Export-Import-Bank, Garantien der überseeischen Privaten Investitionsgesellschaft (OPIC)

sowie andere wichtige Vorkehrungen werden weiterbe-

stehen.

Angesichts dieser neuen Vorkehrungen erwarten wir, daß Taiwan auch weiterhin wirtschaftlich gedeihen wird.

Das dynamische wirtschaftliche Wachstum

Taiwans ist einer der eindrucksvollen Faktoren des letzten Jahrzehnts; Taiwan
ist gegenwärtig der achtgrößte Handelspartner der USA, und das Pro-Kopf-Einkommen zählt zu den höchsten in Asien.
Jeder, der sich mit dieser Frage befaßt hat, kann bezeugen, daß die Normalisierung der Beziehung zu Peking kein leichter Schritt war.

Die Schwierig-

keiten lagen immer auf der Hand, und jeder Präsident war immer versucht, die
Dinge weiter hinauszuzögern.

Aber wir alle waren uns doch darüber im klaren,

daß früher oder später etwas unternommen werden müßte.

Wie ich bereits ge-

sagt habe, hätte ein Unterlassen des Versuches, Fortschritt zu erzielen, die
Gefahr heraufbeschworen, Rückschläge in Kauf nehmen zu müssen - und zwar zu

- 8 -

�zu großen Kosten für unsere Position in der Welt.

Zu der Zeit, als wir die-

sen entscheidenden Schritt unternahmen, hatten alle anderen Mitglieder der
NATO, unsere beiden Partner im ANZUS-Pakt sowie Japan seit langem die Volksrepublik China anerkannt - wie auch die meisten anderen Länder der Welt.
Sie waren auf unsere Maßnahme vorbereitet, und die meisten von ihnen, einschließlich aller Mitglieder der Vereinigung Südostasiatischer Nationen
(ASEAN) begrüßten sie.
Als wir diese Maßnahme ergriffen, geschah dies in einer Weise, die in
bedeutsamem Maße die Aussicht auf Stabilität und Frieden in Asien und im
Pazifik fördert. Wir handelten in einer Art und Weise, die uns unserem Ziel
eines stabilen Systems unabhängiger Nationen in Asien näher bringt und die
darüber hinaus die Chancen für die Wahrung eines stabilen Gleichgewichtes
zwischen den Vereinigten Staaten, Japan, China und der Sowjetunion aufrechterhält.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin eine aktive Rolle spielen,
um dieses stabile Gleichgewicht zu wahren. Aus geographischen, historischen
und wirtschaftlichen Gründen sind wir genauso eine pazifische Nation wie eine
atlantische Nation, mit tiefgreifenden kontinuierlichen nationalen Interessen
in diesem Gebiet.

Wir werden ausgewogene und flexible Streitkräfte in diesem

Raum aufrechterhalten, wie der jüngste erfolgreiche Abschluß des StützpunktAbkommens mit den Philippinen so deutlich gezeigt hat. Und wir werden nicht
zögern, falls erforderlich, Maßnahmen zu ergreifen, um unsere lebenswichtigen
nationalen Interessen zu schützen.
Die sich rasch entwickelnden Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern
auf dem Gebiete der Wissenschaft, des Handels und des Austausches erfordert
eine Struktur, die nur diplomatische Beziehungen gewähren können.

Und bei

einer vollen Aufnahme der Beziehungen befinden wir uns in einer weit besseren
Position, um Chinas Rolle als ein konstruktives Mitglied der Weltgemeinschaft
zu fördern. Alle diese Fragen werden wir mit dem Stellvertretenden Ministerpräsidenten Deng erörtern, wenn er in zwei Wochen die USA besucht.
Bei
- 9 -

�Bei dieser Gelegenheit ist es besonders nützlich, auf einige der wirtschaftlichen Vorteile hinzuweisen, die wir im Rahmen der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen mit der Volksrepublik China erwarten.

Dazu gehören unsere Betei-

ligung als regelmäßiger Lieferant landwirtschaftlicher Güter nach China, die
Fähigkeit der amerikanischen Exporteure, auf einer gleichberechtigten Basis
mit anderen Lieferanten zu konkurrieren, sowie die Wiederaufnahme der Schifffahrts-, Luft-, Bank- sowie anderer normaler wirtschaftlicher Beziehungen
mit China.
Lassen Sie mich noch einmal zum Ausdruck bringen, daß wir mit der Normalisierung der Beziehungen in einer Art und Weise handelten, die keine andere
Nation bedroht, sondern die vielmehr das Gemeinschaftsgefühl der Nationen fördert, das wir zu ermutigen trachten.
Wir sind der Überzeugung, daß China bei dem Bemühen um einen Weltfrieden
und um globale Stabilität eine wichtige Rolle zu spielen hat. Das gleiche
gilt für die Sowjetunion. Unseren nationalen Interessen ist am besten dadurch gedient, daß wir eine Verbesserung der Beziehungen mit beiden Nationen
anstreben, während wir gleichzeitig unsere lebenswichtigen strategischen Interessen schützen. Dies war der Fall während des späten Winters sowie des Frühjahres 1972 - eines Zeitraumes, in dem sowohl das Kommunique von Schanghai als
auch SALT I erreicht wurden. Ausgeglichenheit und Stabilität - nicht Isolation - sind unsere strategischen Ziele. Aus diesem Grunde rechnen wir auch
mit dem baldigen Abschluß des SALT-Abkommens mit der Sowjetunion sowie mit
einer Verbesserung unserer Handelsbeziehungen mit den Sowjets als auch mit
den Chinesen.
Darf ich Sie zum Abschluß mit Nachdruck auffordern, die Entscheidung des
Präsidenten sowie die Gesetzgebung zur Fortsetzung der Beziehungen mit der Bevölkerung auf Taiwan zu unterstützen.

Wir brauchen Ihre Unterstützung bei der

Darlegung der strategischen und historischen Notwendigkeit dieses Schrittes.
Und wir ermuntern Sie, einen stärkeren Handel und intensivere Kontakte sowohl
mit der Volksrepublik China als auch mit der Bevölkerung auf Taiwan zu ent- 10 -

�entwickeln.

Es dauerte knapp sieben Jahre von der Formulierung des Kommuniques

von Schanghai bis zur Normalisierung der Beziehungen, über einen schwierigen
Zeitraum hinweg begannen zwei große Nationen damit, Kontakte wiederherzustellen
und eine neue Beziehung zu gestalten.

Wir alle sind uns darüber im klaren,

daß ein neues Zeitalter begonnen hat. Möglichkeiten und Chancen, die uns bisher verwehrt waren, beginnen nunmehr, Gestalt anzunehmen.
Die Nationen, die sich um den größten Ozean der Welt, den Pazifik, gruppieren, umfassen nahezu die Hälfte der Bevölkerung der Welt. Diese Nationen
müssen nun darüber entscheiden, ob sie den Weg einer stärkeren Zusammenarbeit
und eines größeren Wachstums gehen oder ob sie in ein Zeitalter des offenen
Kampfes um Einfluß eintreten wollen.
Was uns angeht, so werden die Vereinigten Staaten in die letzten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts mit der Bereitschaft eintreten, eine führende
Rolle bei der Suche nach Frieden und wirtschaftlichem Wohlergehen zu spielen.
Die Tatsache, daß zwischen den Vereinigten Staaten und China keine diplomatischen Beziehungen bestanden, war seit vielen Jahren ein Hindernis auf dem
Wege zum Fortschritt. Nachdem wir nun dieses Hindernis überwunden haben,
sehen wir uns einer gewaltigen Aufgabe gegenüber - mit großer Erwartung und
großer Hoffnung.

- 11 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1979

BRZEZINSKI UMREISST AUSSEN- UND CHINA-POLITIK DER USA
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der Berater Präsident Carters für Fragen der nationalen
Sicherheit, Zbigniew Brzezinski, hat am 15. Januar 1979 vor amerikanischen Geschäftsleuten die neue China-Politik der Vereinigten Staaten erläutert und dabei gleichzeitig die weltpolitischen Ziele der USA umrissen.
Die Ausführungen Brzezinskis haben folgenden Wortlaut:
Ich möchte Ihnen eine Darstellung unserer China-Politik in einem umfassenden Rahmen geben.
Während ich hier zu Ihnen spreche, werden die Schlagzeilen der Presse von
einer Reihe beunruhigender Entwicklungen beherrscht.
- Der Schah von Persien plant den Antritt eines Erholungsurlaubs, wobei
er eine neue Regierung zurückläßt, die versuchen will, wieder Ruhe in ein von
Wirren aufgewühltes Land zu bringen, an dem die Vereinigten Staaten ein so ungeheuer großes Interesse haben.
- Vietnam

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Telex:08-85432

�- Vietnam hat eine Invasion gegen seinen Nachbarn Kambodscha durchgeführt.

Durch einen Aggressionsakt hat es ein ihm unterwürfiges Regime dem

kambodschanischen Volke aufgezwungen, das der inhumanen, hartherzigen Herrschaft Pol Pots überdrüssig war.
- Eine der ersten Regierungen, die das neue, von Vietnam eingesetzte Regime in Phnom Penh anerkannten, war Afghanistan, ein strategisch bedeutsames
Land mit Grenzen gegen Iran und Pakistan, in dem der sowjetische Einfluß während der letzten Monate beträchtlich zugenommen hat.
- Die Lage am Hörn von Afrika und in Süd-Jemen, Angola und im südlichen
Afrika bleibt weiterhin unsicher, solange kubanische Truppen dort fortfahren,
für die sowjetischen Interessen tätig zu sein.
- Es ist so, daß all die Entwicklungsländer in dem Bogen von Nordostasien
bis zum südlichen Afrika weiterhin auf der Suche nach lebensfähigen Regierungsformen sind, die fähig wären, den Prozeß der Modernisierung durchzuführen.
Ihre mangelnde Stabilität, Unsicherheit und Schwäche kann von außenstehenden
Kräften ausgebeutet und intensiviert werden. Gegenüber diesen beunruhigenden
Entwicklungen jedoch gibt es eine Reihe von ruhigeren, jedoch bedeutsameren
positiven Entwicklungen:
- So wurde ein Fortschritt im Bemühen erzielt, dem Nahen Osten den Frieden
zu bringen. Der Fortschritt ist langsam und oft mühsam. Aber durch die beharrliche Diplomatie von Präsident Carter und Außenminister Vance bewegen wir
uns, wie ich glaube, unaufhaltsam auf die Verwirklichung der Abkommen von Camp
David hin. Wir tragen damit in einem der hitzigsten und schwierigsten Konflikte in der Welt zur Versöhnung bei.
- In Lateinamerika hat die Politik der Vereinigten Staaten einen bedeutsamen Wandel erlebt, und unsere Beziehungen zu den meisten Ländern dieser Region sind so gut wie nie zuvor. Die Ratifizierung der Panamakanal-Verträge
war ein Markstein in der Geschichte.
- Wir
- 2 -

�- Wir haben auch die Art unserer Beziehungen zu den Ländern Schwarzafrikas erheblich verbessert.
- Unsere Beziehungen zu Indien waren nie besser als heute, und wir bewahren unsere freundschaftlichen Bande mit Pakistan.
- In Ostasien besteht ein sehr empfindliches Gleichgewicht der Kräfte,
das unseren Interessen günstig ist. Wir haben unsere Beziehungen zu China
normalisiert, auch um dieses Gleichgewicht zu konsolidieren.
- Regionale Organisationen wie ASEAN und OAU spielen in wachsendem Maße
eine positive Rolle in dem Bemühen, in diesen Gebieten Stabilität zu erzielen.
- Angesichts der wachsenden konventionellen militärischen Kapazität der
Sowjetunion erhöhen wir - wie auch unsere NATO-Verbündeten - unsere Militärausgaben, um sicher zu gehen, daß unsere europäische Verteidigungsposition
stark bleibt.
- Wenn es uns auch noch nicht gelungen ist, ein stabileres Weltwährungsund Welthandelssystem zu schaffen, so haben wir doch in den vergangenen Monaten Fortschritte bei der Stabilisierung des Dollar und der Schaffung eines
geordneteren und expandierenden Weltmarkts durch die Multilateralen Handelsverhandlungen erzielt.
- Wir werden zu einem SALT-II-Abkommen gelangen, das der Dislozierung
von neuen und weiteren Raketen ein Ende setzen und in das prekäre strategische Gleichgewicht zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten einen
Zug von Stabilität bringen wird.
Zu diesen günstigen Entwicklungen kommen noch die auf geistigem Gebiet
hinzu.

Nach dem unsere Kräfte verzehrenden Jahrzehnt von

Vietnam und Water-

gate findet unser Volk wieder zurück zu seinem festen gesellschaftlichen Fundament und zeigt wieder seinen traditionellen Willen und Idealismus.

Auch

weltweit gesehen haben wir mit der Bedeutung, die wir den Menschenrechten, der
- 3 -

�der Nichtweiterverbreitung nuklearen Waffenmaterials und der Einschränkung
der Verkäufe von konventionellen Waffen zumessen, wieder das Banner der moralischen Führung übernommen.

Die Art und Weise,wie die Vereinigten Staaten

offen und geradeheraus die Probleme unseres Zeitalters angehen, steht sicherlich in keiner Weise der einer anderen Großmacht nach, ja übertrifft sie
wahrscheinlich sogar.

Wir bleiben eine neuen Ideen aufgeschlossene Gesell-

schaft und eine Quelle der Inspiration für die Welt.
Diese positiven Entwicklungen sind das Ergebnis der Verpflichtung des
Präsidenten - wie er sie vor mehr als einem Jahr vor der Universität von
Notre Dame dargelegt hat - auf eine Politik des konstruktiven weltweiten
Engagements, auf eine Politik, die den Versuch macht, die Veränderungen unseres Zeitalters dahingehend zu beeinflussen, daß sie in Übereinstimmung mit
unseren Interessen und Wertvorstellungen stehen.

Unter diesem allgemeinen

Blickwinkel haben sich sieben fundamentale Ziele für unsere Außenpolitik herauskristallisiert:
erstens, unsere militärische Sicherheit zu fördern;
zweitens, die Bindungen mit unseren Hauptverbündeten zu stärken und ein
kooperativeres Weltsystem zu fördern;
drittens, in einer positiven Weise auf die wirtschaftlichen und moralischen
Aufgaben des sogenannten Nord-Süd-Verhältnisses zu reagieren;
viertens, die Beziehungen zwischen Ost und West zu verbessern;
fünftens, zu einer Lösung gefährlicher regionaler Konflikte und Spannungen beizutragen;
sechstens, mit solchen globalen Problemen wie der nuklearen Proliferation
und den Waffenlieferungen fertig zu werden; und
schließlich die traditionellen amerikanischen Werte, insbesondere die
Menschenrechte, zu bekräftigen.
Zunächst sollte ich darauf hinweisen, daß die amerikanische Außenpolitik
vor einer grundlegenden analytischen Frage steht:

Sind die Probleme, die ich

vorhin angesprochen habe - Iran, Indochina, das Hörn von Afrika, Afghanistan

- 4 -

�Afghanistan - Hinweise auf längerfristige Trendenzen?

Reagieren wir auf diese

Probleme nicht nur mit einem Gefühl der Dringlichkeit, die ohne Frage geboten
ist, sondern auch mit einem Gefühl der historischen Verzweiflung?

Oder sind

die positiven Entwicklungen eher kennzeichnend für unser Zeitalter?

Sollten

wir auf diesem Kurs bleiben?

Kurz gesagt, ist eine optimistische oder pessimistische Betrachtung der
Geschichte gerechtfertigt?

Mir scheint, daß diese Frage der sich entwickeln-

den außenpolitischen Debatte in den Vereinigten Staaten zugrunde liegt.

Ohne einem blinden Optimismus das Wort reden zu wollen, muß ich doch sagen, daß diese Administration grundlegend optimistisch ist. Wir sind uns
darüber im klaren, daß die Zukunft uns nur gehört, wenn wir uns um sie bemühen.
Anhaltende Wachsamkeit seitens Amerikas, Bereitschaft und Entschlossenheit sind
notwendig, um die bessere vor uns liegende Zukunft zu gestalten.

Aber eine op-

timistische Einstellung zur Geschichte und zur Zukunft Amerikas bildet das
Kernstück der Außenpolitik dieser Administration und auch unserer China-Politik.

Ich möchte damit nicht den Ernst der gegenwärtigen außenpolitischen Herausforderungen herunterspielen oder verkleinern.
ja um lebenswichtige Fragen.

Es geht hier um wichtige,

Aber in jeder Situation reagieren wir mit Ant-

worten, die den Herausforderungen, um die es geht, angemessen sind.

Die Ver-

einigten Staaten werden gelegentlich Rückschläge erleiden, aber wir werden
auch in Zukunft unsere Verluste mit Gewinnen anderswo wettmachen können - wie
in den letzten Jahren hinsichtlich unserer Beziehungen zu Indien, Ägypten,
Osteuropa, Ghana, dem Sudan und Ostasien.

Was wir mit Nachdruck ablehnen, sind apokalyptische Visionen bezüglich
der zukünftigen Fähigkeit der Vereinigten Staaten, unsere Interessen im Ausland zu verfolgen und zu verteidigen.

Der Pessimismus, der von mancher Seite

zum Ausdruck gebracht wird, vermittelt einen Sinn des sozusagen letzten Gefechtes und der Notwendigkeit, ohne einen Gedanken zu verlieren, bei jeder
Herausforderung auf die Barrikaden zu steigen.
Wir
- 5 -

�Wir streben heute weder eine auf einer Pax Americana basierende Weltordnung an, noch eine Ordnung, die auf einem sowjetisch-amerikanischen Kondominium beruht.
Wir sind vielmehr dabei, eine vielfältige und stabile Gemeinschaft unabhängiger Staaten zu schaffen.

In Zusammenarbeit mit unseren traditionellen

Verbündeten - denn all eine können wir die Arbeit nicht leisten - beginnen wir
damit, einen Rahmen zu schaffen für eine weitreichende internationale Zusammenarbeit, die die Vereinigten Staaten, Westeuropa, Japan sowie zahlreiche
der aufstrebenden regionalen Mächte wie Mexiko, Venezuela, Brasilien, Nigeria,
Saudi-Arabien, Indien und Indonesien einschließt.

Und mit der Aufnahme voller

diplomatischer Beziehungen zur Volksrepublik China erweitern wir in sehr bedeutsamem Maße den Bereich der internationalen Zusammenarbeit.
Selbstverständlich wünschen wir die Sowjetunion in diesen Rahmen der
Zusammenarbeit einzubeziehen. Ja, die Sowjetunion steht vor der fundamentalen
Entscheidung, ob sie ein verantwortungsvoller Partner bei der Schaffung eines
globalen Systems echter unabhängiger Staaten werden will, oder ob sie sich
selbst von weltweiten Tendenzen ausschließen und ihre Sicherheit ausschließlich aus ihrer militärischen Mächt und ihrer Beherrschung einiger weniger
Länder herleiten will. Wir hoffen, daß die Sowjetunion - und dazu ermuntern
wie sie - kooperativ sein wird, aber welchen Weg die Sowjetunion auch immer
einschlägt, wir werden unsere Bemühungen um die Schaffung eines Rahmens für
eine globale Kooperation fortsetzen, die sich nicht auf Beherrschung stützt,
sondern auf die Respektierung der Vielfalt.
Wir sind uns darüber im klaren, daß sich die Welt unter dem Einfluß
von Kräften verändert, die keine Regierung kontrollieren kann. Die Bevölkerung der Welt macht jetzt den Prozeß eines politischen Erwachens in einem
Ausmaß durch, das es bisher in der Geschichte noch nicht gab. Das weltweite
System erfährt jetzt eine bedeutsame Neuverteilung der politischen und wirtschaftlichen Macht.

�Die Bilanz der letzten zwei Jahre läßt jedoch erkennen, daß die Vereinigten Staaten diese Veränderungen nicht zu fürchten brauchen.

Im Gegenteil, die-

se Bilanz zeigt, daß wir diese Veränderungen zu unserem Nutzen gestalten und
in einer Welt der Vielfalt Sicherheit erlangen können.
Die Bilanz der letzten zwei Jahre läßt nicht nur erkennen, daß ein realistischer Optimismus angebracht ist. Unsere eigene Vergangenheit sowie die
Qualität unseres Volkes ermutigen auch zur Zuversicht.

Denn unsere Erfahrung

als Nation der vielfältigsten Herkunft und des Wandels spricht für die sich abzeichnenden globalen Verhältnisse.

Nicht nur unser Reichtum, nicht nur unsere

militärische Macht, sondern unsere Geschichte als pluralistisches Volk sowie
unser Eintreten für die Werte der Freiheit und der Unabhängigkeit, die gegenwärtig die gesamte Menschheit aufrühren, verleihen uns eine Hauptrolle bei der
Gestaltung der Trends unserer Zeit.
Angesichts unserer Beurteilung der Geschichte und aufgrund der Ziele unserer Administration sollten folgende Punkte hinsichtlich unserer China-Politik
hervorgehoben werden.
- Wir messen einer Normalisierung langfristige, historische Bedeutung bei.
Sie ist Teil unserer Anstrengungen, unsere Beziehung mit allen aufstrebenden
Mächten in der Welt zu konsolidieren und zu verbessern.

Und keine dieser Mäch-

te ist wichtiger als China mit seiner Bevölkerung von nahezu einer Milliarde
Menschen und dem drittgrößten Verteidigungshaushalt der Welt.
- Wir haben unsere Beziehungen nicht aus taktischen oder zweckdienlichen
Erwägungen normalisiert.

Wir haben vielmehr der Realität Rechnung getragen.

Die Volksrepublik China wird in zunehmendem Maße eine Rolle in weltpolitischen
Angelegenheiten spielen, und es war für uns wichtig, mit dieser Regierung
kontinuierliche, erweiterte und organisch gegliederte Beziehungen zu pflegen.
- Wir sind uns darüber im klaren, daß die Volksrepublik China und wir
unterschiedliche Ideologien sowie unterschiedliche wirtschaftliche und poli-

- 7 -

�politische Systeme haben.

Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß zu einer

Überwindung dieser Unterschiede sowie zu einer erfolgreichen Gestaltung unserer neuen Beziehungen Geduld, Klugheit und Verständnis erforderlich sind.
Wir haben weder die Hoffnung noch den Wunsch, daß wir durch erweiterte Kontakte
mit China dieser Nation das amerikanische Image aufprägen könnten.
- Ja, wir akzeptieren unsere Unterschiede.

Die Normalisierung ist ein

wichtiger Teil unserer weltweiten Anstrengungen, eine stabile Gemeinschaft
vielfältiger und unabhängiger Nationen zu schaffen.

Wie Präsident Carter in

seinem Telegramm an Ministerpräsident Hua Guofeng am 1. Januar erklärt hat,
wünschen "die Vereinigten Staaten eine Welt der Vielfalt, in der jede Nation
die Freiheit hat, einen charakteristischen Beitrag ... zu den vielfältigen
Bestrebungen ... der Menschheit zu leisten.

Wir begrüßen das wachsende En-

gagement der Volksrepublik China in weltpolitischen Angelegenheiten."
- Wir betrachten China als einen Hauptfaktor für den Weltfrieden, allein
schon, weil es China ist:

Eine unabhängige und starke Nation, die sich um

vermehrte Kontakte mit der übrigen Welt bemüht, während sie gleichzeitig
grundsätzlich auf sich selbst vertraut und allen Bemühungen anderer, sie zu
beherrschen, Widerstand entgegensetzt.
- Wie Vizepräsident Mondale erklärt hat, "empfinden wir Bande der Freundschaft, aber Gefühle alleine können die Kluft zwischen uns nicht überbrücken.
Was uns zusammengebracht hat, ist die Erkenntnis unserer parallel laufenden
Interessen bei der Schaffung einer Welt des Fortschritts, der Stabilität und
des Friedens."
Das gemeinschaftliche Interesse, das wir mit China teilen, wird besonders
deutlich in Asien, wo wir beide Frieden, Stabilität sowie Nationen sehen möchten, die frei von äußerer Beherrschung sind.
Ostasien, Südostasien
Regionen der Welt.

sowie Südasien bilden heute eine der bedeutsamsten

Die Volkswirtschaften in diesem Gebiet blühen und gedei•

- 8 - '

�gedeihen, die Bevölkerung ist dynamisch.

Die Vereinigten Staaten haben große

wirtschafts- und sicherheitspolitische Interessen am Rande Asiens:

in Japan,

Südkorea, allen pazifischen Inseln bis hinunter zu den Philippinen und auch
Südostasien.

Um unsere Interessen zu schützen, erhalten wir eine starke militärische
Präsenz in diesem Raum aufrecht, wir führen angemessene Waffenverkäufe in
diesem Bereich durch, und wir sind darauf vorbereitet, in bezug auf unsere
Interessen Maßnahmen zu ergreifen, sollte dies notwendig werden.

Nur wenige

Maßnahmen werden jedoch mehr zur Sicherheit und Stabilität unserer wichtigen
Positionen am Rande Asiens beitragen als ein konstruktives Engagement gegenüber China.

Wenn wir unsere Beziehung mit Peking verbessern, dann wird China

bestrebt sein, daß wir in diesem Raum engagiert bleiben,und nicht danach trachten, uns - wie in der Vergangenheit - von dieser Region abzusetzen.

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten können wir uns in gleicher Weise guter
Beziehungen sowohl zu China als auch zu Japan erfreuen.
Tatsache ist wohl kaum zu hoch zu bewerten.

Die Bedeutung dieser

Die Normalisierung der Beziehun-

gen konsolidiert ein günstiges Gleichgewicht der Kräfte im Fernen Osten und
fördert die Sicherheit unserer Freunde.

Die Chinesen öffnen sich nunmehr dem Ausland und strecken ihre Hand dem
Westen entgegen.

Wir sind bereit, darauf zu reagieren - und zwar weniger in

der Zuversicht, daß ihre Hand auch in Zukunft ausgestreckt bleiben wird, als
vielmehr in dem Wissen, daß ohne ein entsprechende Geste ihre Hand ohne Frage
zurückgezogen werden würde.

Und durch die Entwicklung von Handelsbeziehungen

sowie durch ein gemeinsames Verständnis verringern wir die Chancen künftiger
Animositäten.

Deshalb haben wir den Prozeß der Normalisierung abgeschlossen, der durch
Präsident Nixon, Präsident Ford und Außenminister Kissinger in Gang gesetzt
wurde.
Die

- 9 -

�Die Normalisierung ist deshalb eine Maßnahme, die in historischem Optimismus sowie in politischem Realismus wurzelt.

Dieser Wechsel in unserer

China-Politik stellt keineswegs eine Aufgabe unserer früheren Positionen dar.
Vielmehr reflektiert er unsere Entschlossenheit, weltweit engagiert zu bleiben, die Vielfalt zu fördern und unsere Zukunft zu gestalten.
Eine Generation lang sagten wir "Nein" zur Realität in Ostasien.

Wir

weigerten uns, die Realität anzuerkennen, wir bemühten uns, China zu isolieren, und wir lebten nach Mythen - mit zwei Kriegen und unter unermeßlichen
Kosten für diesen Raum und für uns.
Jetzt sagen wir "Ja" zur Realität.

Wir sind davon überzeugt, daß wir

als eine nach Asien und dem Pazifik hin orientierte Macht mit einem positiven
Verhältnis zu Peking wesentlich zum Frieden und zur Prosperität des amerikanischen Volkes und aller Völker in diesem Raum beitragen werden.

+ + + + +

- 10 -

�Wirt/choft
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1979

CARTER ERSUCHT UM VERLÄNGERUNG DER VOLLMACHT ZUM VERZICHT AUF AUSGLEICHSZÖLLE
- Schreiben des Präsidenten an den Kongreß -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat den amerikanischen Kongreß
am 15. Januar 1979 in einem Schreiben um die Verlängerung der Vollmacht des
US-Finanzministers ersucht, gemäß dem Handelsgesetz von 1974 auf die Erhebung von Ausgleichszöllen auf subventionierte

Einfuhrprodukte zu ver-

zichten.
Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Ich übermittle dem Kongreß heute eine Gesetzesvorlage zur Verlängerung
der Vollmacht des Finanzministers, gemäß Abschnitt 303 (D) des Zollgesetzes
von 1930 auf die Erhebung von Ausgleichzöllen zu verzichten. Die Vollmacht
des Ministers, auf die Erhebung von Ausgleichzöllen zu verzichten, ist am
2. Januar 1979 erloschen. Die Verlängerung dieser Vollmacht ist notwendig,
um dem Kongreß Zeit zu geben, die Ergebnisse der Tokio-Runde der Multi-

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D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�Multilateralen Handelsverhandlungen zu beraten.

Sollte diese Vollmacht

nicht verlängert werden, würde dies wahrscheinlich den Abschluß dieser
Verhandlungen verhindern und unsere nationalen Wirtschaftsinteressen
beeinträchtigen.

Deshalb ersuche ich den Kongreß dringend, das erforderliche

Gesetz zum frühestmöglichen

Zeitpunkt zu erlassen.

Wie vom Kongreß im Handelsgesetz von 1974 verfügt, war das Zustandebringen einer zufriedenstellenden Regelung bezüglich Subventionen und
Ausgleichszölle eines der amerikanischen Hauntziele in der Tokio-Runde.
Wir haben eine Vereinbarung angestrebt, die die Disziplin hinsichtlich der
Gewährung von Subventionen, die den internationalen Handel negativ beeinträchtigen, verbessern soll.

Ich freue mich, mitteilen zu können, daß

unsere Verhandlungsdelegation in den letzten Wochen die Verhandlungen
über eine zufriedenstellende Regelung des Fragenkomplexes Subventionen
und Ausgleichszölle im wesentlichen zum Abschluß bringen konnte.
Regelung schließt folgendes ein:

1.

Die

Neue Regeln für die Gewährung von

Binnen- und Exportsubventionen, die den Schutz der amerikanischen landwirtschaftlichen und industriellen Handelsinteressen erheblich verstärken,
und

2. wirksamere Bestimmungen bezüglich der Publikation von Streit-

fällen, der Konsultation über sie und der Beilegung derselben, die eine
umgehende Regelung von Streitigkeiten möglich machen werden, die aus
Außenhandelssubventionen im internationalen Handel resultieren.
Mein Sonderbeauftragter für Handelsverhandlungen hat mich davon in
Kenntnis gesetzt, daß die Verhandlungen über fast sämtliche Themenkreise
der Multilateralen Handelsverhandlungen im wesentlichen abgeschlossen sind
und daß die fraglichen Vereinbarungen den grundlegenden amerikanischen
Zielen entsprechen.

Allerdings ist ein Schlußabkommen nicht wahrscheinlich,

solange die Verzichtvollmacht nicht auf den Zeitraum ausgedehnt wird,
den der Kongreß gemäß der im Handelsgesetz von 1974 vorgesehenen Verfahren
für die Beratung dieser Vereinbarungen und der zu ihrer Verwirklichung
erforderlichen Gesetzesmaßnahmen benötigt.
Aufgrund

�Aufgrund bestehender Vollmachten kann auf die Auferlegung von Ausgleichszöllen in besonderen Fällen nur verzichtet werden, wenn unter
anderem "ausreichende Schritte unternommen worden sind, die abträglichen
Auswirkungen der fraglichen Subventionen zu eliminieren oder erheblich
zu vermindern".

Diese und andere einschränkenden Bestimmungen in bezug

auf die Anwendung der Verzichtvollmacht, die Teil des bestehenden Rechts
sind, werden weiterhin in Kraft bleiben, wenn die Verzichtvollmacht
verlängert wird.

Auf diese Weise werden amerikanische Produzenten und

Arbeitnehmer auch weiterhin gegen die schädlichen Auswirkungen
subventionierter Konkurrenzprodukte abgeschirmt.
Ein erfolgreicher Abschluß der Multilateralen Handelsverhandlungen
liegt in unserem nationalen Interesse wie auch im Interesse einer weiteren
Ausweitung des Welthandels. Wird die Verzichtsvollmacht nicht verlängert,
wird ein erfolgreicher Abschluß der Handelsverhandlungen ernstlich gefährdet. Demgemäß ersuche ich den Kongreß dringend, diesen Gesetzesvorschlag zum frühestmöglichen Zeitpunkt positiv zu verabschieden.

+ + + + +

- 3 -

�1

Ulifl/chofl

I

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

24. Januar 1979

PRESSEVERLAUTBARUNG DES SONDERBERATERS DES US-PRÄSIDENTEN
FÜR HANDELSVERHANDLUNGEN ZUR FRAGE DES VERZICHTS AUF AUSGLEICHSZÜLLE

WASHINGTON - (AD) - Das Büro des Sonderbeauftragten des US-Präsidenten
für Handelsverhandlungen veröffentlichte im Zusammenhang mit der Einbringung
einer Gesetzesvorlage zur Verlängerung der Vollmacht des Finanzministers zum
Verzicht auf Ausgleichszölle durch den Präsidenten am 15. Januar 1979 eine
Presseerklärung.

Ausgleichszölle werden normalerweise auf Importwaren er-

hoben, deren Herstellung im Ursprungsland durch staatliche Beihilfen
subventioniert werden.
Die Presseverlautbarung hat folgenden Wortlaut:
Präsident Carter hat den neu zusammengetretenen 96. Kongreß um
Verlängerung der Vollmacht ersucht, unter gewissen begrenzten Umständen
auf die Erhebung sogenannter Ausgleichszölle auf subventionierte Einfuhren
zu verzichten.

In der Gesetzesvorlage wird vorgeschlagen, die Verzichts-

vollmacht bis zum 30. September 1979 zu verlängern.

Das Schreiben des

Präsidenten mit dem Antrag an den Kongreß wurde von Botschafter Robert

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�Robert S. Strauss, dem Sonderbeauftragten des Präsidenten für Handelsverhandlungen, veröffentlicht . Der Antrag des Präsidenten, der heute im
Senat eingegangen ist, wird am 18. Januar dem Repräsentantenhaus zugestellt.
Die Vorlage stützt sich auf die Verhandlungen zum Abschluß einer
neuen internationalen Verhaltensordnung; sie soll die Gewährung von
Subventionen einschränken, die geeignet sind, traditionelle Handelsverbindungen zu stören. Der Entwurf einer solchen Verhaltensordnung, der
in der Schlußphase der Multilateralen Handelsverhandlungen in Genf erarbeitet wurde, ist nahezu fertiggestellt.

1
Die Vollmacht zum Verzicht auf solche Zölle war unter anderem an
die Bedingung geknüpft, daß eine internationale Vereinbarung über eine
Verhaltensordnung für die Gewährung von Subventionen getroffen wird.
Diese Vollmacht ist jedoch am 2. Januar 1979 ausgelaufen, noch ehe eine
solche Ordnung fertiggestellt werden konnte.

Seither verlangt der

Finanzminister von den hiervon betroffenen Importeuren die Hinterlegung
einer Kaution oder eines Kreditbriefes als Sicherheit für den Strafzoll,
der dann fällig würde, wenn eine Vereinbarung über eine solche internationale Verhaltensordnung nicht zustande kommt oder diese Vereinbarung
vom Kongreß abgelehnt werden sollte.
Wenn es nicht möglich sein sollte, diese Flexibilität in einer
wichtigen Angelegenheit beizubehalten, die kurz vor ihrer endgültigen
Regelung steht, so erklärte Botschafter Strauss, dann würde damit dem
Kongreß die Gelegenheit verwehrt, eine freundschaftliche und realisierbare
langfristige Lösung zu der heiklen Außenhandelsfrage der Subventionen
und Ausgleichszölle zu erwägen. Strauss betonte, daß die Vereinigten
Staaten die Erhebung von Strafzöllen zu einem Zeitpunkt beginnen würden,
in dem eine Neuregelung in greifbare Nähe gerückt sei, was zu einem
völligen Zusammenbruch nicht nur dieser Teilverhandlungen, sondern der

- 2 -

�der Multilateralen Handelsverhandlungen insgesamt führen könnte.
Strauss wies darauf hin, daß beide Häuser des 95. Kongresses in
der letzten Woche seiner Sitzungsperiode im Oktober vergangenen Jahres
auf Ersuchen des Präsidenten einer Verlängerung der Verzichtsvollmacht
zugestimmt haben, daß aber nicht genügend Zeit verblieben war, geringe
und nicht sachbezogene Abweichungen in den Versionen des Senats und
des Repräsentantenhauses zu bereinigen.

+ + + + +

�Ulift/choft
International Communication Agency
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24. Januar 1979

S0L0M0N ERLÄUTERT US-STANDPUNKT ZUM WELTWÄHRUNGSSYSTEM

- (AD) - Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Anthony M. Solomon, hat in einer Ansprache vor dem
Royal Institute of International Affairs in London am 12. Januar 1979
die amerikanischen Vorstellungen von einem künftigen Weltwährungssystem
- und den Standpunkt zu einem Europäischen Währungssystem (EWS) - dargelegt. Die Ausführungen Solomons haben folgenden Wortlaut:
Ein Großteil des vorigen Jahres war durch große internationale
Währungsunruhen gekennzeichnet. Anhaltende große Zahlungsungleichgewichte unter den Industriestaaten wurden von schweren Unruhen auf den
Devisenmärkten begleitet, die schließlich nachhaltige und international
koordinierte Gegenmaßnahmen erforderten. Diese Unruhen haben zu einem
weitverbreiteten Gefühl Anlaß gegeben, daß unsere Währungsmechanismen
nicht so gut arbeiten wie sie sollten. Es wurden die verschiedensten
Ideen für Veränderungen vorgebracht. Im vorigen Jahr erlebten wir auch
wesentliche Modifizierungen der formalen Struktur des Währungssystems,
mit der Einführung geänderter Artikel des Internationalen Währungsfonds

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�Währungsfonds (IWF) und den Schritten zu einem neuen Währungsabkommen
innerhalb der Europäischen Gemeinschaft.
Die neuen Bestimmungen des IWF und die Anstrengungen der Europäischen
Gemeinschaft, eine engere monetäre Zusammenarbeit und eine größere wirtschaftliche Stabilität zu schaffen, bieten große Hoffnungen auf ein
reibungsloser arbeitendes internationales Währungssystem für die Zukunft.
Ich möchte heute über diese Entwicklungen sprechen und einige der
Auswirkungen für die künftige Entwicklung des Systems andeuten.
Mein Ausgangspunkt ist das Eingeständnis, daß die internationalen
wirtschaftlichen Ungleichgewichte und Spannungen zu einem großen Teil aus
den Erfolgen der Entscheidung nach dem Zweiten Weltkrieg herrühren - einer
brillianten und weitreichenden Entscheidung übrigens - auf die Schaffung
eines offenen und liberalen Systems für den internationalen Handel und
den internationalen Zahlungsverkehr hinzuarbeiten.

Durch die schrittweise

Handelsliberalisierung katalysiert und durch den internationalen Kapitalfluß stimuliert brachte die Weltwirtschaft nach dem Kriege eine rasche und
anhaltende Steigerung des Wohlstandes und des Lebensstandards in den
Industriestaaten und Fortschritte in den Entwicklungsländern.

Ein weiteres

Ergebnis der Entwicklung zu einem offenen Handels- und Kapital System war
ein wachsendes und beispielloses Maß an internationaler gegenseitiger
wirtschaftlicher Anhängigkeit - Interdependenz - vor allem unter den
Industriestaaten, deren industrielle und landwirtschaftliche Strukturen
heute stark von Bezugsquellen und Märkten im Ausland abhängig sind.

Und

das kompliziert die Beherrschung des Systems in zunehmendem Maße.
Gegen Ende der sechziger Jahre und in den siebziger Jahren geriet
der große Nachkriegsrekord an Wachstum, Beschäftigung und Prosperität
ins Stocken.

Wir sind alle nur zu vertraut mit der Beschleunigung der

Inflation als die Vereinigten Staaten den Krieg in Vietnam eskalierten

- 2 -

�eskalierten und immer mehr Mittel hineinpumpten; mit den Schocks für
das System durch die multilateralen Kursangleichungen anfang der siebziger
Jahre; mit dem gleichzeitigen Boom in den Industrieländern und dem damit
verbundenen Anstieg der Rohstoffpreise in der ganzen Welt; mit dem ölembargo und der massiven Erhöhung der öl preise 1973/74; und mit der schweren
Rezession von 1974/75.

Wir haben einen großen Teil dieses Jahrzehnts nicht nur mit zerstörerisch
hohen Inflationsraten weltweit gelebt, sondern auch mit stark unterschiedlichen
Inflations- und Wachstumsraten in den Industrieländern.

Aufgrund des starken

Abbaus der Handelsschranken und der größeren Leichtigkeit, mit der Kapital
über internationale Grenzen fließen kann, können heute die Unterschiede in
den Wachstums- und Inflationsraten der Industrieländer sich nicht nur
potentiell stärker auswirken, sondern sie haben auch eine unmittelbare
Auswirkung auf die Richtung und den Umfang des Handels und der Kapitalströme - und auf die Devisenmärkte.

Unsere stark gewachsene Interdependenz

hat uns allen größeren Wohlstand und einen höheren Lebensstandard gebracht
als er sonst möglich gewesen wäre. Aber diese Gewinne haben auch etwas
gekostet.

Wir mußten alle unseren Preis bezahlen - wir sind heute alle

gegenüber Entwicklungen in anderen Ländern und den Abläufen des internationalen Wirtschaftssystems verwundbar geworden.

Die Entwicklungen des Jahres 1978 haben diese Verwundbarkeit sehr
deutlich erkennen lassen und uns auf zwei eng miteinander zusammenhängenden
aber doch unterscheidbaren Gebieten vor neue Aufgaben gestellt. Erstens,
wir müssen uns überlegen, ob Veränderungen unserer bestehenden Währungsvereinbarungen praktikabel und wünschenswert sind.

Zweitens - und das ist

noch wichtiger - wir müssen bessere Mittel und Wege entwickeln, um unsere
Wirtschaftspolitiken und unsere wirtschaftliche Leistung in eine bessere
Harmonie zu bringen - in dem Bemühen, die international störenden Auswirkungen scharfer Divergenzen in der volkswirtschaftlichen Leistung der
einzelnen Länder zu dämpfen oder zu vermeiden.
Das

- 3 -

�Das internationale Währungssystem und besonders der Devisenmarkt sind
die Brennpunkte, an denen der von unserer interdependenten Weltwirtschaft
ausgehende Druck spürbar wird.

Begreiflicherweise sind internationale

monetäre Vereinbarungen auch ein zentraler Punkt geworden, an dem Vorschläge
zur Behebung dieses Drucks ansetzen.

Manche Leute haben vorgeschlagen,

daß die Währungsbehörden Ziele oder Zonen für die Wechselkurse aufstellen
und durchsetzen.

Andere haben eine Begrenzung der internationalen Kapital -

ströme vorgeschlagen, um eine größere Währungs- und Wechsel kursstabilitat
zu erreichen.

Wieder andere sehen in der großen Rolle des Dollar in den

internationalen Reserven die Hauptursache für die internationalen Währungsschwierigkeiten und haben vorgeschlagen, daß Schritte unternommen werden,
um die Reserverolle des Dollar zu verringern.

Lassen Sie mich etwas zu

diesen drei getrennten, aber nicht notwendigerweise von einander unabhängigen Fragen sagen.

Die Entwicklungen auf den Devisenmärkten während des letzten Jahres
haben ohne Frage ernste Probleme aufgeworfen. Wenn Unsicherheit über die
Gültigkeit der grundlegenden Wirtschaftspolitiken wichtiger Länder herrscht,
dann haben wir gesehen, daß die sich selbst überlassenen Devisenmärkte
eine psychologische Atmosphäre schaffen können, in der die Wechselkurse
sich weit über das Maß hinaus verändern, das nach allen objektiven Maßstäben gerechtfertigt wäre. Aber bedeutet diese Tatsache - und ich glaube
das wird weitgehend als Tatsache anerkannt -, daß die Welt jetzt zu einem
sehr viel besser durchstrukturierten Komplex von Vereinbarungen über die
Intervention auf den Devisenmärkten übergehen kann oder soll?
Im Falle der Vereinigten Staaten drohte der Abfall des Dollar unter
gestörten und ungeordneten Bedingungen im vorigen Herbst unsere Anstrengungen
zur Bekämpfung der Inflation zu unterminieren und das Klima für anhaltende
Investitionen und ein anhaltendes Wachstum in den Vereinigten Staaten und
im Ausland zu gefährden.

Unsere gemeinsam mit der Bundesrepublik Deutschland,

Japan und der Schweiz durchgeführte Entscheidung vom 1. November 1978, ein

- 4 -

�ein großes Programm der koordinierten Intervention zu starten, war eine
ausdrückliche Reaktion auf das, was auf den Devisenmärkten geschah und
geschehen war.

Um jedoch erfolgreich zu sein, mußte diese Antwort in

einen größeren Zusammenhang hineinpassen - einen Zusammenhang zwischen
umfassenden politischen Maßnahmen der Vereinigten Staaten zur Korrektur
ihrer einheimischen Wirtschaftsprobleme und deutlichen Aussichten auf
eine sehr starke Verbesserung der Außenposition der Vereinigten Staaten
zwischen 1978 und 1979.
Die Vereinigten Staaten handeln heute nachhaltig, um mit ihrem
Inflationsproblem fertig zu werden. Die Haushaltpolitik hat eine entscheidende Wende zur Zurückhaltung genommen. Wie sich dieser Tage zeigen
wird, schnallt der Präsident in seinem Haushaltvoranschlag für 1980 den
Gürtel noch enger und senkt das Defizit auf unter 30 Milliarden Dollar oder kaum mehr als ein Prozent unseres Bruttosozialprodukts. Man muß
das mit Defiziten von durchschnittlich 4,5 Prozent des Bruttosozialprodukts vergleichen, die andere wichtige Industriestaaten heute haben.
Die Währungspolitik ergänzt die haushaltmäßige Zurückhaltung, wie sich
aus einem weiteren angekündigten Anstieg der Zinssätze und einer willkommenen Verlangsamung des Anwachsens der Hauptgeldansammlungen zeigt.
Und diese Maßnahmen zur Zügelung der Nachfrage werden in wichtiger Weise
durch Lohn- und Preisnormen ergänzt, die ein großes Maß an Unterstützung
und Befolgung durch das amerikanische Volk gewinnen.
Wir rechnen mit einer sehr starken Verbesserung der amerikanischen
Position auf den laufenden Konten zwischen 1978 und 1979. Das wird die
kombinierten Folgen einer ganzen Reihe von Faktoren widerspiegeln, einschließlich des rasch wachsenden Erfolges unserer Exportbemühungen, der
Durchführung unseres Energieprogramms und eines langsameren Wachstums
in den USA verbunden mit einem rascheren Wachstum in anderen Ländern.
Selbst bei der jüngst angekündigten Erhöhung des ölpreises rechnen wir
damit, das Defizit im Jahre 1979 ganz wesentlich senken zu können.

Wir
- 5 -

�Wir sind uns darüber im klaren, daß unser Inflationsproblem nicht
nur für unsere wirtschaftliche Leistung und unsere wirtschaftlichen Ziele
im eigenen Lande schädlich ist, sondern auch für unsere Außenposition.
Das Problem entstand nicht über Nacht, und es kann nicht leicht und
schmerzlos gelöst werden.

Aber es ist die Politik der amerikanischen

Regierung, dieses Problem zu überwinden, und der Präsident ist entschlossen,
sich nicht davon abbringen zu lassen und es erfolgreich zu lösen.
Wir sind über die ersten Reaktionen auf das Programm vom 1. November
1978 ermutigt, und wir sind durch die besseren Bilanzen auf den Märkten
ermutigt, die sich in letzter Zeit abgezeichnet haben.

Wir sind überzeugt,

daß das Programm einen Rahmen für größere Stabilität und Ordnung bieten
wird, innerhalb dessen die Märkte positiv auf die Stärkung der grundlegenden
Position der Vereinigten Staaten reagieren können.

Bei der Verwirklichung

der internationalen Aspekte des Programms haben wir unsere Konsultationen
über die Politik und den Ablauf an den Devisenmärkten mit anderen beteiligten Ländern stark intensiviert und vertieft.

Dieser Prozess hat

sich für uns als äußerst wertvoll erwiesen bei der Analyse und der Beurteilung der Entwicklungen auf den Devisenmärkten, und wir erwarten eine
Fortsetzung der engen Konsultationen und Zusammenarbeit, die durch diese
Anstrengung hervorgebracht wurden.
Aber so wichtig diese kooperative Initiative war, wir wußten, daß
unsere Interventionsanstrengungen nur Erfolg haben konnten, wenn die
zugrunde liegenden Bedingungen sich zu unseren Gunsten entwickelten und
wenn wir die politischen Maßnahmen zur Hand hatten, um dafür zu sorgen,
daß sie sich weiterhin zu unseren Gunsten entwickelten. Nach unserem
Urteil drückte eine Art Psychose den Dollar in übertriebenem Maße, wie
es den grundlegenden wirtschaftlichen Faktoren überhaupt nicht entsprach
und die Tatsache völlig außer acht blieb, daß die politischen Maßnahmen
zur Hand waren, um unsere Position grundlegend zu verbessern. Die Wahl
des Zeitpunktes war von wesentlicher Bedeutung, und ich glaube nicht, daß

- 6 -

�daß sich das Interventionsprogramm gelohnt oder daß es Erfolg gehabt hätte,
wenn nicht diese Vorbedingungen erfüllt gewesen wären.
Kurz gesagt, großangelegte Interventionen können unter Bedingungen
ernster Unordnung nützlich und wirksam sein, wenn die Grundvoraussetzungen
für eine größere Stabilität erfüllt sind. Aber es wäre falsch, das
Programm vom 1. November als eine Abkehr von einer Politik zu interpretieren,
die es den Wechselkursen erlaubt, die fundamentalen Faktoren verschiedener
Volkswirtschaften zu reflektieren - die Kurse haben diese Faktoren nicht
reflektiert. Die Initiative vom 1. November bedeutet nicht, daß eine
solche Intervention Erfolg haben kann, wenn sie die Wechselkurse gegen
grundlegende Trends halten will oder daß solche Bemühungen wünschenswert
wären. Die Erfahrung der letzten Monate bestätigt vielmehr unsere
Auffassung, daß angemessene wirtschafts- und finanzpolitische Maßnahmen
zur Verfügung stehen müssen, wenn eine sinnvolle und dauerhafte Stabilität
auf den Devisenmärkten erreicht werden soll. Und ich glaube, diese Ansicht
wird von den an den Devisenmärkten selbst Beteiligten voll anerkannt und
selbst immer wieder zum Ausdruck gebracht.
Zweitens, das Potential für sehr große internationale Kapitalströme
mit ihren wichtigen Auswirkungen auf die Wechselkursbewegungen hat manche
Leute zu der Ansicht verleitet, daß eine stärkere amtliche Kontrolle der
Kapital ströme eine nützliche Technik zur Stabilisierung der Devisenmärkte
bieten würde.

Unsere eigenen Erfahrungen in den Vereinigten Staaten mit

Kapitalkontrollen in den sechziger und Anfang der siebziger Jahre bieten
keine Gewähr, daß Kontrollen eine brauchbare Methode wären.

Es scheint

mir sogar eine Methode zu sein, die ein entscheidendes Element der Grundlage unseres offenen und interdependenten weltweiten Systems wegnimmt.
Das könnte die greifbaren wirtschaftlichen Erfolge aushöhlen, die wir im
letzten Jahrzehnt erzielt haben.
Und schließlich ist es eine Methode, die davon ausgeht, daß Kapital -

- 7 -

�Kapitalströme die Wechselkurse nicht beeinflussen dürften - daß nur die
Bewegung von realen Gütern und Dienstleistungen die Kurse beeinflussen
dürfte.

Es fällt mir sehr schwer, diesen Gedanken zu akzeptieren.

Ich bin der Meinung, daß Schritte unternommen werden können, um die
Informationen über die Geldmärkte der Welt auszuweiten und zu verbessern,
und vielleicht den amtlichen Einfluß auf diese Märkte zu stärken.

So

könnten Überlegungen nützlich sein, ob Schritte unternommen werden könnten,
um die auf dem Euromarkt arbeitenden Banken vollständig und ausdrücklicher
den Bestimmungen und der Aufsicht der nationalen Bankaufsichtsbehörden zu
unterstellen.

Ich weiß, daß manche Leute glauben, der Euromarkt sei anker-

los und ungeregelt.

Das ist eine ziemliche Übertreibung.

So sind bei-

spielsweise Zweige amerikanischer Banken, die im Ausland tätig sind - eine
wesentliche Komponente des Eurowährungsmarktes übrigens - den amerikanischen
Berichtspflichten und Bankprüfungsverfahren unterworfen wie die einheimischen
Zweigstellen amerikanischer Banken.

Darüber hinaus arbeitet die Bank für

Internationalen Zahlungsverkehr (BIS) gegenwärtig an einer Ausweitung und
Verbesserung ihres Berichtsverfahrens und ihrer Datensammlung - in dem
Bemühen, eine Grundlage für ein besseres Verständnis des Euromarktes zu
schaffen.

Aber es könnte durchaus noch weitere Schritte geben, um die

Überwachung der Banken zu verstärken und den Eindruck zu zerstreuen, daß
der Markt ein explosives Potential habe.
Und schließlich gibt es die Auffassung, daß die Rolle des Dollar als
Reservewährung und der sehr große Umfang amtlicher Dollarbestände im Ausland
eine wichtige Ursache für die Instabilität des internationalen Währungssystems darstelle. Diese Auffassung hat zu den verschiedenartigsten Vorschlägen geführt - für eine Finanzierung oder Konsolidierung von Dollarguthaben, für eine Verstärkung der Rolle der Sonderziehungsrechte (SDR) im
ganzen System und für eine europäische Währungseinheit oder die stärkere
Heranziehung anderer nationaler Währungen, wie z.B. der Deutschen Mark
oder des japanischen Yen.
Ich

�Ich persönlich hege einige Zweifel, daß die Existenz von - amtlichen
oder privaten - Dollarguthaben im Ausland eine wesentliche Ursache für
die Probleme und die Instabilität des Dollar darstellten. Sicherlich können
plötzliche Veränderungen im Stand dieser Guthaben zusätzlichen Druck auf
die Devisenmärkte ausüben, und das ist gelegentlich sogar geschehen, aber
es gibt auch unabhängig von den Dollarbeständen im Ausland genügend Spielraum für Kapitalbewegungen und Druck auf die Devisenmärkte.

Schritte zur

Finanzierung oder Konsolidierung amtlicher Dollarguthaben im Ausland
könnten zwar eine gewisse positive Wirkung haben, aber mir scheint, daß
diese nicht die eigentliche Ursache für die Unordnung auf den Devisenmärkten
oder die Instabilität des Dollar sind.
Lassen Sie mich in aller Deutlichkeit sagen, daß die Vereinigten
Staaten kein Interesse an einer künstlichen Verlängerung einer besonderen
internationalen Rolle des Dollar haben. Die gegenwärtige Rolle des Dollar
ist die Folge eines Entwicklungsprozesses. Wir rechnen damit, daß die
Rolle des Dollar sich mit den wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen
der Weltwirtschaft weiterentwickeln wird, und eine natürliche Folge könnte
eine relative Einschränkung dieser Rolle in der Zukunft sein.
An dieser Stelle ist es schwierig, genau vorauszusagen, welche
evolutionären Veränderungen in den kommenden Jahren stattfinden mögen,
aber wir können bestimmte Möglichkeiten absehen. Sicherlich können wir
damit rechnen, daß die Sonderziehungsrechte eine immer größere Rolle in
dem System übernehmen werden. Die Welt hat kürzlich wichtige Schritte
unternommen, um die Rolle dieser international geschaffenen Verrechnungseinheit zu vergrößern, indem das Ausmaß ihrer Verwendbarkeit ausgeweitet
wurde, indem ihre finanziellen Eigenschaften gestärkt wurden und durch die
Entscheidung, die Zuteilung von Sonderziehungsrechten nach einem Zeitraum
von sieben Jahren wieder aufzunehmen, in denen keine Zuteilungen vorgenommen wurden. Wir in den Vereinigten Staaten setzen große Hoffnungen
auf den Fortschritt der Sonderziehungsrechte. In dem Maße, in dem die

- 9 -

�die Erfahrung mit dieser Einheit wächst, in dem Maße, in dem Zuteilungen
über einen bestimmten Zeitraum erfolgen, und in dem Maße in dem die Verwendbarkeit dieses Instruments zunimmt, wird es nach unserer Auffassung
das Versprechen erfüllen, das seine Schöpfer in es setzten und eine zunehmen wertvollere Rolle spielen.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß bestimmte nationale
Währungen eine zunehmende Rolle spielen werden.

Im letzten Jahrzehnt

haben die Deutsche Mark und der japanische Yen absolut und relativ eine
immer größere Rolle als Reservewährung gespielt.

Ich möchte in diesem

Zusammenhang feststellen, daß die Behörden anderer Länder im allgemeinen
dazu neigten, von Verwendung ihrer Währungen als Reserve abzuraten hauptsächlich aus Sorge über die möglichen Auswirkungen auf den Geldumlauf im eigenen Lande und aus Angst, daß das Management der Finanzen im
eigenen Lande schwieriger werden könnte.

Ob diese Einstellung weiter

anhält, wird voraussichtlich eine wichtige Auswirkung auf künftige
Entwicklungen haben - ebenso wie Fragen der Größe und der Zugänglichkeit
von Nicht-Dollar-Kapitalmärkten.
Eine neue Möglichkeit für die internationale Währungsentwicklung
bietet sich durch die derzeitigen Bemühungen der Europäischen Gemeinschaft
auf dem internationalen Währungsgebiet. Zumindest in der Eingangsphase
ist das Hauptaugenmerk dieser Anstrengungen auf Vereinbarungen für die
Intervention und die Regelung unter den beteiligten EG-Ländern gerichtet.
Es besteht jedoch die Möglichkeit, daß sich mit der Zeit eine europäische
Währungseinheit als eine Reservewährung von breiterem Interesse und
breiteren Verwendungsmöglichkeiten entwickeln könnte.
Wir sind bereit, aufgeschlossen über diese und andere Ideen für
die Weiterentwicklung des Reservesystems zu sprechen. Solche Ideen
könnten die Möglichkeit einer Reduzierung der relativen Rolle des Dollar
in sich bergen, und diese Aussicht an sich schreckt uns in den Vereinigten

- 10 -

�Vereinigten Staaten nicht. Wir leben nicht in einer statischen Welt,
und wir müssen uns veränderten Umständen anpassen.

Wir werden uns dem

Wandel nicht widersetzen, sondern werden uns vielmehr Gedanken darum
machen, wie wir sicherstellen können, daß jeder Wandel eine Verbesserung
bedeutet, und daß er reibungslos und in einer Weise vollzogen wird, die
unser offenes internationales Handels- und Zahlungssystem stärkt.
Bezüglich jedes dieser Aspekte unserer internationalen Währungsvereinbarungen - des Wechselkurssystems, der internationalen Kapitalmärkte
und des Reservesystems - sind die Vereinigten Staaten bereit, voll und ganz
mit anderen zusammenzuarbeiten, um zu überlegen, wo Verbesserungen möglich
sein könnten. Ich glaube jedoch nicht, daß mögliche Maßnahmen auf einem
dieser Gebiete - oder sogar auf allen diesen Gebieten - die fundamentalen
Probleme lösen werden, vor denen das System steht. So wie ich es sehe,
ist das Grundproblem ein anderes: Wie können wir die wirtschaftliche
Leistung der wichtigen Länder besser koordinieren, um die Inflationsraten
und deren Unterschiede zu senken und die Wachstumsraten in den einzelnen
Ländern in den Griff zu bekommen, um ein besseres Gleichgewicht in den
globalen Wirtschaftsbeziehungen zu erreichen.
Das ist kein kurzfristiges Problem, sondern ein lang anhaltendes.
Es gibt auch kein Wundermittel, um es über Nacht zu lösen. Die Aufgabe
der Koordinierung der internationalen Politik kann letztlich höchst heikle
Probleme der nationalen Souveränität berühren. Trotzdem ist das nach
meiner Auffassung die eigentliche Aufgabe, die wir in Angriff nehmen müssen,
wenn wir es mit der Aufrechterhaltung unseres offenen Systems und der Herbeiführung einer größeren Stabilität in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ernst meinen.
Es fehlt uns nicht an Einrichtungen, mit deren Hilfe wir diese
Anstrengungen vorantreiben können. Die Industrieländer kommen regelmäßig
in den verschiedenen Gremien der Organisation für Wirtschaftliche Zusammen-

- 11 -

�Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zusammen, und die Regierungschefs
haben s ch immer häufiger zusammengefunden, um wirtschaftliche Probleme
zu besprechen»

Erst kürzlich hat der IWF in seinen neuen Artikeln

potentiell wichtige Vollmachten übertragen können, den Betrieb des internationalen Währungssystems und den Prozess der Angleichung der Zahlungsbilanzen zu überwachen.
In den neuen Überwachungsvollmachten des IWF wird eindeutig das grundlegende Problem anerkannt, vor dem das System steht, nämlich die Tatsache,
daß die Erreichung der Stabilität des Devisenmarktes von der Entwicklung
der grundlegenden Wirtschaft1ichen und finanziellen Stabilität in den
Mitgliedsländern abhängt. Diese Bestimmungen rüsten den IWF mit der
Fähigkeit aus, das Problem der Koordinierung der Politiken mit einem
Blick auf die Erreichung eines stabileren Verhältnisses der Zahlungsbilanzposition und einem reibungslosen Funktionieren des internationalen
Währungssystems anzupacken. Im Mittelpunkt des Interesses des IWF steht
nicht nur die Wechsel kurspolitik im engen Sinne, sondern auch die Binnenwirtschaftspolitiken, soweit sie den Prozess der Anpassung der Zahlungsbilanzen berühren, Der IWF hat die erhöhte Fähigkeit, nicht nur Länder
mit Zahlungsbilanzschwierlgkeiten, sondern auch Länder mit Überschüssen
über die internationalen Auswirkungen ihrer Politiken und darüber zu beraten, welchen Kurs sie einschlagen sollten, um ihre Zahlungsbilanzungleichgewichte auszugleichen - eine symmetrische Methode, die nach unserer
Auffassung fUr ein wirksam funktionierendes Währungssystem unerläßlich ist.

Bei der Verwirklichung de&gt;" neuen Überwachungsrone des IWF ist man
vorsichtig und überlegt vorgegangen. Das ist verständlich, wenn man überlegt, daß diese Vollmachten erst seit kurzem existieren, Wir sind jedoch
der Überzeugung, daß die Zeit für den IWF gekommen ist, hier nachdrücklicher
zu handeln, um seine Möglichkeiten auf diesem Gebiet auszuschöpfen, und
wir sind entschlossen, ihn in diesen Anstrengungen zu unterstützen. Ich
habe keinen Zweifel daran, daß die neuen Bestimmungen des IWF der interna-

- 12 -

�internationalen Gemeinschaft einen Rahmen für die Koordinierung ihrer
Politiken bieten, der wirksam zum tragen gebracht werden kann.
Möglichkeiten sind vorhanden.

Die

Die Frage ist, ob die Regierungen es zu-

lassen - ja sogar helfen - werden, daß diese Möglichkeiten genutzt werden.
Wenn sie dazu bereit sind, dann sind die Aussichten für eine anhaltende
Währungsstabilität und die Aufrechterhaltung unseres offenen, interdependenten
Systems gut.
Wir brauchen wirklich eine neue Einstellung zu den Dingen - die Erkenntnis, daß Länder bereit sein müssen, einige ihrer Freiheiten aufzugeben, deren sie sich hinsichtlich ihrer volkswirtschaftlichen Entscheidungen
ohne volle Rücksichtnahme auf die internationale Umwelt erfreut haben, wenn
sie sich der Vorteile einer interdependenten Welt mit freiem Handel und
Zahlungsverkehr erfreuen wollen. Als Teil einer interdependenten Weltwirtschaft
muß jedes Land größere Verpflichtungen in den eigenen volkswirtschaftlichen
Entscheidungen akzeptieren, um seine Politik und sein Verhalten besser mit
denen anderer Länder zu koordinieren. Wie das auch immer institutionell
aussehen mag, wenn die Länder nicht bereit sind, diese Pflichten der
Interdependenz zu übernehmen, dann können sie auch nicht erwarten, ihre
vollen Vorteile zu erhalten.
Die potentielle Rolle der entstehenden europäischen Währungsvereinbarungen
sollte im Lichte der breiteren Entwicklung des Systems gesehen werden.

Die

europäische Anstrengung ist im Grunde von dem Ziel der letztlichen politischen
und wirtschaftlichen Einigung inspiriert - einem Ziel, das weltweit auf
viele Jahre hinaus kaum vorstellbar sein wird.

Im Lichte dieses Zieles

unternimmt die EG einen kühnen und lobenswerten Schritt, um auf vielen der
von mir angesprochenen Gebieten einen Fortschritt zu erzielen.

Was am

wichtigsten ist, die beteiligten EG-Länder machen einen Versuch, eine echte
wirtschaftliche Koordination zu erreichen - in dem Bemühen, die Ungleichgewichte innerhalb der Gemeinschaft auszugleichen und Bedingungen für eine
größere Stabilität der Devisenmärkte zu schaffen.

Die
- 13 -

�Die Anstrengungen der EG auf regionaler Ebene können einen wichtigen
Beitrag zur Verwirklichung der internationalen wirtschaftlichen
Interdependenz leisten, und wir bieten der EG alle Ermutigung zur Erreichung
ihrer Ziele.

Wir haben nur darum gebeten, daß sie die Interessen der

Nichtmitglieder und des Systems insgesamt nicht aus den Augen verliert,
vor allem die unbedingte Notwendigkeit, die Rolle des IWF in dem System
weiterzuentwickeln.

Es wurde uns versichert, daß dies geschehen werde.

Abschließend möchte ich sagen, daß die Entwicklungen des letzten
Jahres eindeutig auf die Notwendigkeit einer Verbesserung unserer Wirtschaftsvereinbarungen hinweisen.

Wir können und werden mit anderen darüber

sprechen, ob Verbesserungen in den mehr mechanischen Aspekten dieser
Vereinbarungen möglich und wünschenswert sind.

Aber Verbesserungen

unseres Währungsmechanismus können das fundamentalere Problem des Systems
nicht lösen, nämlich die Notwendigkeit, daß die Regierungen die internationale
Koordinierung ihrer Wirtschaftspolitiken verbessern - aus der Erkenntnis
ihres eigenen Interesses an der Erhaltung des Systems heraus.

Das muß

nach unserer Auffassung der Brennpunkt unserer Anstrengungen sein, und das
eröffnet als einziges echte Aussichten auf eine dauerhafte Stabilität.

+ + + + +

- 14 -

�2

24. Januar 1979

PRODUKTION GEHT VOR IMPORT
US-Energieminister Schlesinger zur Erdgaspolitik

- (AD) - Vor maßgeblichen Vertretern der amerikanischen Erdöl Wirtschaft
erörterte Energieminister James Schlesinger die Prinzipien, an denen sich angesichts der internationalen Situation auf dem ölsektor die Erdgaspolitik der
Vereinigten Staaten orientieren sollte.

Ausgangsbasis ist die voraussicht-

liche Produktion in den 48 kontinentalen Bundesstaaten der USA (ohne Alaska
und Hawaii), die infolge

der Verabschiedung des Erdgasgesetzes von 1978 be-

reits eine wesentliche Ausweitung erfahren haben.

Schon jetzt stünden, so

Schlesinger, ca. 28 Milliarden cbm mehr Gas zur Verfügung.

Die erste Aufgabe

der Politik sei es, dafür zu sorgen, daß dieses Gas auf die bestmögliche Weise
vom Markt aufgenommen werde.

"Dies ist aus zwei Gründen wichtig", erklärte

der amerikanische Energieminister.

"Erstens können wir dadurch unseren Im-

portbedarf an Erdöl um 60 000 bis 70 000 Tonnen pro Tag reduzieren, und zweitens ließen sich dann chronische Produktionsüberschüsse vermeiden, die den
Anreiz zur allgemeinen Verstärkung der Produktion erheblich dämpfen würden."

Solange es Erdgasüberschüsse gebe, werde sich das US-Energieministerium
darum bemühen, daß diese, wo immer möglich, anstelle von Importöl, insbesondere von öldestillaten, eingesetzt werden.

So werde man zumindest in den

Postfach 20 03 OO Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�den kommenden drei bis vier Jahren Industrie- und Elektrizitätsunternehmen
mit Heizanlagen, die sowohl mit öl als auch mit Gas betrieben werden können,
zur Verwendung von Gas ermutigen.

Dessen ungeachtet stehe aber die Regierung

zu dem Beschluß, daß in neuen Kesselanlagen künftig Kohle anstelle von öl
oder Gas verfeuert werden solle.
Längerfristig gesehen gebe es natürlich manche Unsicherheitsfaktoren,
erklärte Minister Schlesinger.

Dazu zählten z.B. die tatsächlichen Auswir-

kungen der Anreize, die das neue Gesetz mit höheren Preisen, Schutz gegen Inflation, stabilere Markt- und Finanzierungsbedingungen auf die künftige Gasproduktion habe. Alles in allem erwarte die Regierung nach einer gewissen
Übergangszeit sehr viel mehr Aktivitäten in bezug auf den Ausbau vorhandener
und die Erschließung zusätzlicher einheimischer Gasvorkommen.

Sie rechne

damit, daß 1985 ca. 56 - 60 Milliarden cbm mehr Gas gefördert würden, als es
den Gepflogenheiten entsprochen hätte, wie sie vor Inkrafttreten des neuen
Gesetzes bestanden.
Die Förderung in den 48 US-Bundesstaaten dürfe, so Schlesinger, nicht
durch die Anlieferung von Gas anderer Herkunft entmutigt werden. Als Quellen
kämen, nach ihrer Bedeutung geordnet, in Frage:
1) Alaska (die Real kosten für Alaska-Gas werden, längerfristig gesehen,
zurückgehen, sobald es erst einmal auf dem Markt ist);
2) Pipelinegas aus Kanada oder Mexiko (die Menge hängt vom Markt in den USA
ab und wird letztlich vom Preis bestimmt);
3) verflüssigtes Erdgas, das über kurze Frachtwege angeliefert wird;
4) in den USA hergestelltes Synthesegas (wenn die technischen Probleme und
die Kostenfrage gelöst sind); und
5) teures Flüssiggas aus weit entfernten Produktionsgebieten, dessen Antransport außerdem mit einem großen Unsicherheitsfaktor belastet ist.

�In welchem Umfang Gas aus den nachgeordneten Quellen Liberhaupt verwendet
werde, hänge in erster Linie von der Verfügbarkeit bzw. der Produktion unter
Punkt 1 ab.
Nach Meinung Schlesingers sollte jetzt, nach der Verabschiedung des
Energiegesetzes, das Alaska-Gas mit Vorrang erschlossen werden, da es einen
wesentlichen Ausgleich für ölimporte darstelle und dem Gas aus anderen Versorgungsquellen überlegen sei. Volkswirtschaftlich gesehen helfe es selbst
bei erheblicher Überziehung der jetzt veranschlagten Kosten - berücksichtige
man nur die Bindung der Gaspreise an die Weltpresse für öl - ca. fünf Milliarden Dollar einzusparen, wenn das Projekt über 20 Jahre laufe. Wenn sich die
Zeitspanne der Ergiebigkeit der Alaska-Felder ausdehne, erhöhe sich die Entlastung für die amerikanische Zahlungsbilanz beträchtlich. Die anfänglich
hohen Kosten würden sich mit den rasch sinkenden Gebühren für den PipelineTransport - bei stetig steigendem ölpreis - bald so verändern, daß der Verbrauch von Alaska-Gas für den amerikanischen Konsumenten nur von Vorteil sein
könne. Und die Aussicht auf die Auffindung weiterer, noch wesentlich umfangreicherer Vorkommen sowie auf den Einsatz der Gaspipeline über 30 bis 50 anstatt nur über 20 Jahre lasse es absolut zwingend erscheinen, das Projekt
in Angriff zu nehmen.
Zusätzliches Pipelinegas von Nachbarländern wie Kanada oder Mexiko sei,
wie Schlesinger betonte, willkommen, sofern es zuverlässig und zu annehmbaren
Preisen geliefert werde und nicht zur Drosselung der einheimischen Produktion
zwinge. Der letztgenannte Punkt sei ein Aspekt des Problems, der häufig zu
wenig beachtet oder ganz übersehen werde. Was aber ausländisches Flüssiggas mit langen Wegen des Antransports angehe, so habe dieses entgegen den
nach der Ölkrise von 1973/74 und der Erdgasverteuerung von 1976/77 häufig geäußerten Meinungen viel an Attraktivität verloren. Längerfristig gesehen
würden die Kosten für solches Flüssiggas nicht nieeriger liegen als die für
Synthesegas amerikanischer Produktion. Die Belastung der Zahlungsbilanz und
die möglichen Risiken im Zusammenhang mit solchem Flüssiggas liegen also auf
der Hand. Seine Attraktivität basierte auf Subventionen - dem Verfahren, es
- 3 -

�es zusammen mit billigem einheimischem Gas in großen Mengen auf den Markt
zu bringen, der direkten Subventionierung von Flüssiggas-Tankern und den
Krediten von der Export-Import-Bank.

Flüssiggas aus dem Ausland beschwöre

außerdem die Gefahr herauf, daß die Produktion von billigerem einheimischen
Erdgas gedrosselt werde.

Das bedeute jedoch nicht, wie Schlesinger erklärte,

daß die Vereinigten Staaten dem Flüssiggas die Tore verschließen - aber sie
sollten es nur dann in Anspruch nehmen, wenn att.raktievere, billigere Quellen
nicht zu mobilisieren sind.
Für die nächste Zeit sei mehr als genug Gas vorhanden.

Auch mittel- und

längerfristig sei Gas verhältnismäßig attraktiv - es habe weit bessere Aussichten als öl, denn insgesamt gesehen sei das Angebot ausreichend.

In den

Vereinigten Staaten könne innerhalb der nächsten 20 - 30 Jahre der Gasverbrauch sogar ansteigen.

Und da man sich für Entscheidungen Zeit lassen könne,

habe Amerika die Möglichkeit, eine optimale Politik zu entwickeln, um Unsicherheiten der Versorgung aus einheimischen Quellen abzubauen und die Preisgestaltung wie die tatsächliche Verfügbarkeit bei der Inanspruchnahme alternativer
Gasquellen besser zu verstehen.

+ + + + +

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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter erhielt Martin Luther King-Friedenspreis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache des Präsidenten in Atlanta -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stabilität in Ostasien: Die Rolle der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von Außenminister Cyrus Vance -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brzezinski umreißt Außen- und China-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter ersucht um Verlängerung der Vollmacht zum Verzicht auf Ausgleichszölle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Schreiben des Präsidenten an den Kongress -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Presseverlautbarung des Sonderberaters des US-Präsidenten für Handelsverhandlungen zur Frage des Verzichts auf Ausgleichszölle&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solomon erläutert US-Standpunkt zum Weltwährungssystem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Produktion geht vor Import&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Energieminister Schlesinger zur Erdgaspolitik -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>Information
und
Dokumentation

I

1
I

BMJ I
,N

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

INHALT

DOKUMENTATION
Haushaltsbotschaft Präsident Carters an den Kongreß
...-..

.i

?

- Wortlaut -

Präsident Carters Haushaltsvoranschlag 1979/80
- Zusammenfassender überblick - Kurzfristige wirtschaftliche Voraussage - Verteidigungshaushalt - Internationale Angelegenheiten -

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 32 40
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

HAUSHALTSBOTSCHAFT PRÄSIDENT CARTERS AN DEN KONGRESS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat dem amerikanischen
Kongreß am 22. Januar 1979 den Haushaltsvoranschlag für den Zeitraum vom
1. Oktober 1979 bis 30. September 1980 übermittelt.

Die Haushaltsbotschaft,

das Begleitschreiben des Präsidenten zu seinem Budget 1980, in dem er
seine allgemeine Politik darlegt, hat folgenden Wortlaut:
Das Budget für das Haushaltsjahr 1980 ist bescheiden und maßvoll.
Es sieht ein erheblich niedrigeres Ausgabenniveau vor, als angesichts der
jüngsten Schwerpunktverlagerungen im Ausgabegebaren der Bundesregierung
nahegelegen hätte. Es wird diejenigen enttäuschen, die erweiterte Anstrengungen seitens der Bundesregierung auf so gut wie allen Gebieten
anstreben. Es erfüllt aber mein Versprechen, das Defizit auf 30 Milliarden
Dollar oder darunter zu senken.
Diese Politik der Mäßigung ist kein Zufall.

Sie ist vielmehr geboten,

wenn wir einer drohenden Beschleunigung der Inflation entgegentreten

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 32 40
Telex:08-85432

�entgegentreten wollen.
Sollte diese Bedrohung wahr werden, würde dies das Wohl unserer
Wirtschaft und Gesellschaft ernsthaft gefährden.

Amerikaner mit geringen

und festgelegten Einkommen würden darunter am schwersten leiden.

Zurück-

haltung in der Ausgabenpolitik aber würde dann schließlich doch zu einer
unausweichlichen Notwendigkeit.

Je länger wir jedoch warten würden, um

so ernster und kostspieliger müßten die unvermeidbaren Einschränkungen ausfallen.

Im Gegensatz hierzu stellt dieses Budget eine Stütze für eine

ausgewogene Haushaltspolitik dar. Es ist hinreichend einschränkend, um
den inflatorischen Druck abzuschwächen, gestattet aber dennoch ein anhaltendes wirtschaftliches Wachstum.
Die Bundesregierung kann die Inflation nicht allein von sich aus
überwinden.

Der Erfolg erfordert die Mitarbeit seitens der Wirtschaft,

der Gewerkschaften, der Verbraucher, der einzelstaatlichen Regierungen
und der Kommunal Verwaltungen - kurz gesagt aller.

Ich habe im Rahmen

meines Programms zur Bekämpfung der Inflation zu dieser Zusammenarbeit
aufgerufen.

Die Bundesregierung vermag diese Mitarbeit nur durch ihre

Führung und ihr Beispiel sicherzustellen.
entspricht dieser Führungsrolle.
an die Wirtschaft ein.

Dieser Haushaltsvoranschlag

Er schränkt den staatlichen Anspruch

Er trägt gleichzeitig dafür Sorge, daß mit dem

amerikanischen Dollar härter und besser gewirtschaftet wird.
•

Der Schlüssel zu einer wirkungsvollen Führungsrolle des Bundes im
Kampf gegen Inflation, Arbeitslosigkeit und Armut liegt in einer wirkungsvolleren Verteilung und einem wirkungsvolleren Umgang mit den vorhandenen
Mitteln.

Wir müssen das Wachstum der Staatsausgaben vermindern und gleich-

zeitig die Sicherheit unserer Nation gewährleisten und die Wohlfahrt des
amerikanischen Volkes schützen.
Dieser Haushallsvoranschlag sorgt für die notwendige Disziplin vm

�im Ausgabegebaren der Bundesregierung, in dem er
- Programme ausmerzt, die praktisch nicht realisierbar sind;
- andere Programme verbessert, um sie wirkungsvoller zu gestalten;
- die Hilfe für Benachteiligte und Arme besser konzentriert; und
- die Tätigkeit der Bundesregierung reorganisiert und auf eine festere
Basis stellt, um ihre Effizienz zu verbessern und Verschwendung,
Mißbrauch oder Mißmanagement zu vermeiden.
Nach meinem Dafürhalten stellt diese Forderung nach Disziplin eine
Gelegenheit dar, die künftige Regierungstätigkeit neu zu durchdenken und
auf eine festere Grundlage zu stellen - eine Gelegenheit, die Regierung
zum Besseren hin zu verändern. Es ist meine feste Absicht, diese Politik
in den vor uns liegenden Jahren fortzuführen, das Ausmaß der Haushaltsdefizite zu verringern und ein ausgewogenes Budget zu dem frühest möglichen
Zeitpunkt vorzulegen, zu dem die wirtschaftlichen Verhältnisse dies gestatten.
Gesamthaushalt
(in Milliarden Dollar)
.978

1979

1980

1981

1982

VORANSCHLAG

456
493

503

577

Ausgaben

402
451

532

578

653
615

Überschuß oder Defizit

-49

-37

-29

-1

38

Ausgabeermächtlgungen

502

560

616

651

Einnahmen

696

�Mein Gesamthaushaltsvoranschlag sieht für das Haushaltsjahr 1980
Ausgaben von 532 Milliarden Dollar - eine Erhöhung um 38 Milliarden
Dollar oder 7,7 Prozent gegenüber 1979 - und
Milliarden Dollar vor.

Einnahmen von 503

Für die Haushaltsjahre 1981 und 1982 werden sich

die Gesamtausgaben schätzungsweise auf 578 bzw. 615 Milliarden Dollar
beziffern.

Die Haushaltsausgaben, in Prozent des Bruttosozialproduktes

ausgedrückt, werden von 22,1 Prozent in 1978 auf 21,2 Prozent in 1980
und 20,3 Prozent in 1982 zurückgehen.

Diese Verminderung des Anteils

am Bruttosozialprodukt, den die Bundesregierung in Anspruch nimmt, ist ein
grundsätzliches Ziel meiner Politik, das ebenso wichtig ist

wie die

Verminderung des Defizits selbst.
Die von mir empfohlenen Ausgaben konzentrieren sich vor allem auf
die Bemühungen zur Lösung der wichtigsten Probleme unseres Landes.

Ober

eine strenge Analyse aller Regierungsprogramme auf Null-Basis wurden
Prioritäten aufgestellt, die uns dazu verhelfen sollen, die bestmögliche
Regierung zu einem Finanzaufwand zu erhalten, den wir verkraften können.
Sorgfältige Aufmerksamkeit in bezug auf Effizienz und Produktivität werden
die für das Ausgabegebaren verantwortlichen Stellen in die Lage versetzen,
unsere wichtigsten Prioritäten mit weniger Aufwand an Geld und Personal
zu erreichen.
Die Beschränkung der Ausgaben in diesem Haushaltsvoranschlag bedeutet,
daß es der Regierung in einigen Bereichen einfach nicht möglich sein wird,
soviel zu tun wie in der Vergangenheit. Wollen wir die Inflation überwinden, müssen zwangsläufig echte Opfer gebracht werden. Bei der Aufstellung dieses Budgets habe ich alle nur denkbaren Anstrengungen unternommen, die hieraus resultierenden Lasten gerecht und objektiv zu verteilen. Die Einschränkungen wurden nicht willkürlich vorgenommen.
Es gibt allerdings Bereiche, auf denen wesentliche Einschränkungen
nicht möglich sind. Ich war bemüht, die Notwendigkeit außerordentlicher

- 4 -

�außerordentlicher Mäßigung bei den Staatsausgaben mit der Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung einer stärkeren Verteidigung in Einklang zu bringen;
eine nationale Energiepolitik zu betreiben; notleidenden Menschen zu
helfen; wichtige Dienstleistungen für die Öffentlichkeit beizubehalten
und die staatlichen Investitionen fortzuführen.

Erstens ist es meine zentrale Verantwortung als Präsident, sicherzustellen, daß unsere Verteidigungsstreitkräfte stark genug sind, um vor
einer Aggression abzuschrecken.

Dieser Haushaltsvoranschlag bietet die

Gewähr hierfür.

Im Mai 1977 traf ich mit unseren NATO-Verbündeten zusammen und wies
sie dringend darauf hin, daß wir zur Stärkung unserer gemeinsamen Verteidigung künftig enger zusammenarbeiten müssen.

Sie stehen im Begriff,

das Ziel zu erreichen, auf das wir uns damals geeinigt haben.

Wir müssen

und werden unseren Teil dazu beitragen.

Alles in allem sieht der Verteidigungshaushalt für 1980 ein Wachstum
der Ausgaben um real 3 Prozent gegenüber den Ausgaben im laufenden Haushaltsjahr vor.

Der größte Teil dieser Steigerung wird auf die Stärkung

unserer NATO-Streitkräfte und die Aufrechterhaltung des strategischen
Gleichgewichts verwandtwerden.

Dieser Haushaltsvoranschlag ermöglicht

eine Fortführung meiner Politik der ständigen Modernisierung unserer
strategischen Streitkräfte und der Hebung der Kampfbereitschaft unserer
taktischen Streitkräfte.

Er legt ferner großes Gewicht auf militärische

Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, um künftigen Gefährdungen unserer
Sicherheit begegnen zu können.

Gleichzeitig verringert das Budget jedoch

die Verteidigungskosten insofern, als es erhebliche Einsparungen bei
Einkauf, Verwaltung, Nachschub und Versorgung sowie bei den Personalkosten und Personalstand verfügt.

Zweitens trägt der Haushaltsvoranschlag 1980 der entscheidenden

- 5 -

�entscheidenden Bedeutung der Energieversorgung für unser Land Rechnung.
Wegen unserer Abhängigkeit von ausländischem öl laufen wir auch weiterhin
Gefahr, daß die Lieferungen unterbrochen werden, wie dies vor fünf Jahren
geschah.

Es ist von größter Wichtigkeit, daß wir ein wirksames nationales

Energieprogramm entwickeln, das unseren Bedarf an ausländischem öl senkt
und uns Schutz im Falle einer Unterbrechung ausländischer öllieferungen
gewährt.
Das Budget für 1980 gewährleistet eine weitere Aufstockung unserer
strategischen ölreserve.

Es trägt ferner zur Entwicklung von Technologien

bei, die es uns gestatten werden, unsere heimischen Energie-Ressourcen
wirksamer zu erschließen.

Ich habe besonderen Nachdruck auf die Entwicklung

modernster Sonnenenergie-Technologien gelegt.

Der Haushaltsvoranschlag

widmet einer wirksameren Nutzung des Urans, der Frage der nuklearen
Proliferation und Problemen des Umweltschutzes und der Entsorgung nuklearer
Abfall Stoffe verstärkte Aufmerksamkeit.
Drittens werden wir - als eine von Mitempfinden bestimmte Gesellschaft trotz der Wichtigkeit der Mäßigung in der Haushaltspolitik unsere Verpflichtungen gegenüber Benachteiligten auch künftig erfüllen. Deshalb
habe ich sichergestellt, daß mein Haushaltsvoranschlag ausreichende Mittel
für Programme einschließt, die wirklich hilfsbedürftigen Amerikanern helfen.
Um diese Gelder möglichst wirkungsvoll zu nutzen, schließt der Haushaltsvoranschlag Empfehlungen ein, die gewisse Anpassungen bei den direkten
Geldleistungen und eine strengere Zweckbindung und eine verbessertes
Management bei bestehenden Programmen vorsehen, damit die Gelder nicht
vergeudet werden, sondern den Menschen zugute kommen, für die sie eingeplant
wurden.
Meine Administration ist dabei,einen Nationalen Gesundheitsplan
aufzustellen.

Gemäß dieser Absicht legt der Haushaltsvoranschlag großes

Gewicht auf solche Programme, die auf die besonders wichtigen Gesundheits-

- 6 -

�Gesundheitserfordernisse gerichtet sind. Im Vorgriff auf diesen Plan
sehen meine Vorschläge die Ausdehnung des Anspruchs auf die Gewährung
von Gesundheitsmaßnahmen auf weitere 2 Millionen Kinder und Schwangere
der unteren Einkommensklassen vor, die sich die Gesundheitsvorsorge,
derer sie bedürfen, nicht leisten können, und auch auf Personen, die in
medizinisch unterversorgten Gebieten wohnen. Der Haushaltsvoranschlag
sieht neue und erweiterte Programme zur Einschränkung von Aktivitäten vor,
die Gesundheitsschäden verursachen - wie beispielsweise Drogen- und
Alkoholmißbrauch - sowie Programme zum Schutz des einzelnen und der
Gemeinden vor Wasser- und Luftverschmutzung und toxischen Stoffen. Erhöhte
Aufwendungen sind auch für die geisteshygienische Forschung und für
erweiterte medizinisch-notwendige Zusatzleistungen wie NahrungsmittelProgramme für Mütter und Kinder der unteren Einkommensklassen eingeplant.
Ich schlage wiederum gesetzgeberische Maßnahmen zu dem Zweck vor,
den mäßigen Anstieg der Krankenhauskosten überall im Lande zu begrenzen.
Die während der letzten zehn Jahre verzeichnete Erhöhung dieser Kosten
um 320 Prozent war ein erheblicher inflatorischer Faktor und eine unzumutbare Belastung der Haushaltseinkommen. Der Kongreß muß bezüglich dieser
Probleme etwas tun.
Eine Begrenzung der Krankenhauskosten wird die einzelstaatlichen und
kommunalen Haushalte ebenso wie die der privaten Bürger und den Bundeshaushalt entlasten.

Sie wird zudem der Inflation auf einem Gebiet direkt

entgegenwirken, auf dem die Preissteigerung seit langem schon sehr hoch war.
Der Haushaltsvoranschlag empfielt eine Reihe von Änderungen des
Sozialversicherungssystems, um es besser den Gegebenheiten anzupassen
und unnötige Leistungen zu streichen. Das wird die künftigen Aufwendungen
für dieses größte aller Bundesprogramme verringern - und letztlich dazu
beitragen, die Arbeitern und Unternehmern auferlegten Soziallasten niedriger
zu halten. Ich werde in Rücksicht auf die hierdurch erzielten Einsparungen

- 7 -

�Einsparungen künftige Senkungen der Sozialversicherungssteuern in Erwägung
ziehen.
In den letzten beiden Jahren nahm die Gesamtbe.jchaft-.gung in den
Vereinigten Staaten um 7,4 Millionen zu.

Das entspricht einer durchschnittlichen

Steigerungsrate von 4,1 Prozent pro Jahr - einem der höchsten Steigerungssätze unserer gesamten Geschichte.

Der Anteil der Berufstätigen an der

gesamten Zivilbevölkerung ist mit rund 60 Prozent höher als je zuvor.
Aber trotz dieser Erfolge ist die Arbeitslosigkeit insbesondere unter den
Benachteiligten und Minderheitenangehörigen zu hoch.
Die anhaltende hohe strukturelle Arbeitslosigkeit in einer inflatorischen
Volkswirtschaft macht eine Neuorientierung unserer diesbezüglichen Bemühungen
erforderlich.

Die Programme, die darauf abzielen, die wirklich Benach-

teiligten in den Arbeitsprozess einzugliedern, sollen in dem derzeitigen
großen Umfang, wie er von dieser Administration etabliert wurde, weitergeführt
werden.

Die mehr generellen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die nicht

spezifisch auf die Bedürfigsten abzielen, müssen im Hinblick auf die
beschleunigte Wirtschaftstätigkeit und die Notwendigkeit, Prioritäten zu
setzen, eingeschränkt werden.

Unsere Programme zur Beseitigung der

Jugendarbeitslosigkeit und die Maßnahmen aufgrund des umfassenden Beschäftigungs- und Ausbildungsgesetzes (CETA) sind Ausdruck meiner anhaltenden Verpflichtung auf den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Bedürftiger.
Die im vergangenen Jahr gesetzlich verfügte Gewährung von Steuergutschriften
bei Schaffung neuer Arbeitsplätze ermutigt die Privatwirtschaft zunehmend,
Beschäftigungsmöglichkeiten für Benachteiligte und insbedondere die Jugendlichen
unter ihnen zu schaffen.

Diese Anreize sollen durch eine Beschäftigungs-

initiative auf dem Sektor der Privatwirtschaft noch verstärkt werden,
für die ich um die zusätzliche Bewilligung von 400 Millionen Dollar für
das Haushaltsjahr 1979 ersuche.
Mein Budget sieht auch eine nachdrückliche Förderung wirtschaftlicher
Entwicklungsprogramme vor und enthält abermals Vorschläge für die Schaffung
- 8 -

�Schaffung einer Nationalen Entwicklungsbank, die bei der Finanzierung
diesbezüglicher Anstrengungen helfen soll.

Der Vorschlag sieht eine

Erhöhung der Hilfe bei Geschä'ftsneugründungen durch Angehörige von Minderheiten um 36 Prozent vor.
Letzlich halte ich dafür, daß sich die Bundesregierung bei den
Investitionen in die Zukunft unseres Landes an die Spitze stellen muß.
Dieser Haushaltsvoranschlag sieht deshalb eine Weiterführung meiner
Politik vor, eine reale Zunahme der Bundeshilfe für Zwecke der Grundlagenforschung sicherzustellen. Diese Hilfe - 4,6 Milliarden Dollar
in 1980 - macht einen relativ kleinen Teil unseres Gesamthaushaltes
aus, ist aber für die Zukunft unseres Landes von ausschlaggebender Bedeutung. Das von der Grundlagenforschung erarbeitete Wissen gibt das
Potential für Durchbrüche in den Bestrebungen zur Lösung von Problemen
ab, denen wir uns in so kritischen Gebieten wie Landwirtschaft, Gesundheitsfürsorge, Umweltschutz, Energieversorgung, Verteidigung und der Gesamtproduktivität unserer Volkswirtschaft gegenüber sehen oder in Zukunft
gegenübersehen werden. Der künftig zu erwartende Produktivitätszuwachs
wird darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Verminderung der Inflation
leisten.

Wenn wir die Hauptbedürfnisse unserer Nation befriedigen und gleichzeitig Mäßigung bei den Gesamtausgaben üben wollen, wird eine wirksamere
Nutzung der Haushaltsmittel nicht nur wünschenswert, sondern gebieterischer
Zwang.
Im Jahr 1977 schlug ich vor - und beschloß der Kongreß -,ein Energieministerium auf Kabinettsebene zu errichten, das Bundespräsidialamt
straffer zu organisieren und unsere Informationstätigkeiten im Ausland
zusammenzufassen.
Im Jahre 1978 schlug ich vor - und beschloß der Kongreß -,den

- 9 -

�den Bundesdienst zu reorganisieren, eine Energiereserve anzulegen und eine
Notstandsplanung auszuarbeiten, die Durchführung der Bürgerrechtsgesetzgebung zu straffen und eine Versicherung für Pensionspläne der privaten
Wirtschaft einzurichten, um diese wirklichkeitsnäher und wirksamer zu
machen.
Im Jahre 1979 werde ich vorschlagen, ein Bildungsministerium zu
errichten, die Reorganisaierung der Hilfe für die wirtschaftliche

Ent-

wicklung fortzuführen und diese zu konsolidieren, die nationalen Hilfsquellen einer Verwaltung zu unterstellen und den Schienen- und Straßenverkehr zu verbessern.
Mein Haushaltsvoranschlag spiegelt nunmehr im zweiten Jahr eine auf
alle Regierungsaktivitäten ausgedehnte Haushaltsplanung auf Null-Basis
wider.

Die Programme der einzelnen Bundesstellen wurden ausdrücklich

ihrer Dringlichkeit nach eingestuft und verschiedene Programme im Zuge
einer interbehördlichen Haushaltsplanung auf Null-Basis auf mehrere
Ressorts verteilt und dementsprechend veranschlagt.
Zum ersten Mal basiert das Budget auf dem System der auf drei Jahre
ausgelegten Haushaltsplanung, das ich eingeführt habe, um eine bessere
Übersicht über die langfristigen Auswirkungen und die künftige Gestalt
der Regierungspolitik zu erlangen.
In diesem Haushalt schlage ich ein neues System zur Überwachung der
zunehmenden Kredit-Aktivitäten der Bundesregierung und insbesondere der
Übernahme von Kreditgarantien durch den Bund vor.
Weitere wichtige Schritte werden unternommen, die Regierungstätigkeit
und deren Auswirkungen auf den Privatsektor zu verbessern.

Um die

Leistungsfähigkeit der Privatwirtschaft zu steigern, wird die Administration
wo immer anhängig unnötige Bestimmungen streichen und den Schreibaufwand

- 10 -

�Schreibaufwand hinsichtlich Umweltschutz und Sicherheit einschränken.
Weitere Bemühungen werden darauf gerichtet sein, den Verwaltungsaufwand
zu verringern. Die einzelstaatlichen Regierungen, die Kommunal Verwaltungen
sowie private Einrichtungen und Bürger werden durch eine Vereinfachung
der Bedingungen zur Erlangung von Bundeshilfe entlastet werden. Insbesondere sollen die einzelnen Programme enger koordiniert werden, um das
System von Bundeszuschüssen zu vereinfachen; weitere Erleichterungen sind
geplant. Die Verwaltungsarbeit der Bundesregierung wird durch wirksamere
Methoden im Zahlungsverkehr, die Anwendung des Gesetzes zur Reform des
Bundesdienstes und die neu eingesetzten Inspektoren-Teams verbessert,
deren Aufgabe es sein wird, Verschwendung, Betrug und Korruption aufzudecken.
Bei der Vorbereitung dieses Haushaltsvoranschlags wurde ich einmal
mehr an die überwältigenden Anforderungen an den Bundeshaushalt und an
die Begrenztheit unserer finanziellen Hilfsquellen erinnert.
Ich glaube, daß wir die staatlichen Einnahmen und Ausgaben der Höhe
nach rigoros einschränken sollten.

Wir müssen einen Ausgleich zwischen

dem staatlichen und dem privaten Bedarf finden.
Prioritäten sorgfältig wägen.
neue setzen.

Wir müssen unsere

Wir müssen alte Prioritäten ändern und

Wir müssen einige unserer Ansprüche zurückstellen, wenn

wir den kritischsten Erfordernissen von heute genügen

wollen.

Ich ließ mich bei der Gestaltung dieses Haushaltsvoranschlags von
nachstehenden Grundsätzen bestimmen, die mich auch in Zukunft leiten
werden:
-

Der Haushalt ist innerhalb der Grenzen dessen zu halten, was
angesichts der wirtschaftlichen Umstände angemessen ist;

-

die Regierung verfügt über keine eigenen finanziellen Hilfs-

- 11 -

�Hilfsquellen, weil sie nur Gelder verausgabt, die sie den Steuerzahlern abverlangt.
-

Staatliche Maßnahmen müssen auf jene Gebiete beschränkt bleiben,
auf denen staatliche Eingriffe das bessere Mittel zur Lösung von
Problemen schienen, als sie zu immer größeren Dimensionen auflaufen
zu lassen; und

-

wir sind verpflichtet, innerhalb des in diesem Haushaltsvoranschlag
abgesteckten Rahmens von 532 Milliarden Dollar sorgfältig zu
wirtschaften und angemessene Prioritäten festzusetzen.

Ich weiß, daß der Kongreß meine Auffassung teilt. Seine Mitglieder
sind ebenso wie die Regierung gegenüber den Sorgen des amerikanischen Volkes
in bezug auf die Tätigkeit der Regierung, die Steuerlast, die Bedürfnisse
der Bürger und die Effizienz des staatlichen Management aufgeschlossen.
Der Kongreß hat in der Tat in den letzten Jahren wichtige Schritte unternommen - insbesondere in Gestalt der Einführung eines neuen parlamentarischen
Haushaltsverfahrens -, um seine Methode zur Festsetzung von Dringlichkeiten
zu verbessern.

Ich arbeite schon immer eng mit dem Kongreß zusammen und

werde mich auch weiterhin vom Geiste der Zusammenarbeit bestimmen lassen.
Ich freue mich darauf, mit dem Kongreß und dessen führenden Vertretern
bei der Beratung des Budgets zusammenzuarbeiten.
Die von mir getroffenen Entscheidungen waren schwierig.

Es geht hier

nicht um Zahlen in einer Bilanz,sondern um das Leben und die Zukunft der
Menschen in Amerika.

Ich habe mich zur Beschränkung der Regierungsaus-

gaben entschlossen, weil wir die Inflation unter Kontrolle bringen müssen.
Ich habe mich bemüht, bei der Festsetzung der Prioritäten gerecht zu verfahren.

Ich habe aber wiederum jenen Programmen Vorrang gegeben, die auf

unsere dringlichsten Erfordernisse ausgerichtet sind.

- 12 -

Ich habe im Verlaufe

�Verlaufe dieses Prozesses gewisse Programme eingestellt, verringert oder
vorläufig ausgesetzt.
Es ist schwierig, ein Bewußtsein strenger nationaler Zielstrebigkeit
in einer Zeit aufrechtzuerhalten, in der wir keiner klar erkennbaren unmittelbaren Krise ausgesetzt sind - es ist aber ebenso wichtig.

Wir leben

in einer Zeit, in der verantwortungsvolle Führung bedeutet, jene tagtäglichen
Aktionen voraussehen, die uns in die Lage versetzen, Krisen zu vermeiden
und auf die Zukunft hinzuplanen.

Das ist die Absicht, die den hier zur

Erwägung anstehenden Entscheidungen zugrunde liegt, und das ist auch der
Zweck dieses Haushaltsvoranschlags.

+ + + + +

- 13 -

�ffliilm Tffü
1

Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

PRÄSIDENT CARTERS HAUSHALTVORANSCHLAG 1979/80
- Auszüge -

Zusammenfassender überblick
WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 22. Januar 1979 dem
amerikanischen Kongreß seinen Haushaltsvoranschlag für das Finanzjahr 1980
zugeleitet, das vom 1. Oktober 1979 bis zum 30. September 1980 dauert. Der
Haushalt sieht Ausgaben von 532 Milliarden Dollar und Einnahmen von rund 503
Milliarden Dollar vor und bleibt damit im Rahmen der von Präsident Carter zugesagten Senkung des Defizits auf 30 Milliarden Dollar oder weniger.
In dem einleitenden Kapitel des Haushaltsvoranschlages heißt es unter
der Überschrift "Überblick über das Budget" unter anderem:
"Das ist ein sparsamer Haushaltsvoranschlag. Die schwere Inflation, mit
der unser Land heute kämpft, erfordert eine Zurückhaltung im Wachstum der
Bundesausgaben.
Dieser Voranschlag sieht eine solche Zurückhaltung vor. Er schlägt eine
wesentliche Verlangsamung des Wachstums der Bundesausgaben vor. Die im Haus-

Postfach 20 03 00
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�Haushalt vorgesehenen Ausgaben nehmen (im Haushaltsjahr) 1979 um 9,4 Prozent;
1980 um 7,7 Prozent; 1981 um 8,7 Prozent und 1982 um 6,4 Prozent zu - verglichen mit einer durchschnittlichen Zuwachsrate von 12,1 Prozent von 1973
bis 1978.
•

Diese Verlangsamung schließt eine allgemeine Senkung des Wachstums der
Programme in allen Regierungsbereichen ein.

Einige der auf der Prioritäten-

liste der Regierung obenan stehenden Initiativen sind verschoben worden.

Es

sind energische Bemühungen unternommen worden, um die Programme wirksamer
zu gestalten.

Es sind keine Routineerhöhungen vorgeschlagen worden ...

Der Gesamthaushalt erhöht sich von 1979 auf 1980 um 38 Milliarden Dollar.
Die Auszahlungen im Rahmen der Pensions-, Invaliden- und Gesundheitsfürsorgeprogramme werden aufgrund der Angleichung an die Lebenshaltungskosten und wegen der normalen jährlichen Zunahme des Kreises der Bezugsberechtigten steigen. Beschaffungen von Material für wesentliche Modernisierungen der Verteidigung - hauptsächlich zur Stärkung der NATO-bezogenen Kapazitäten - sollen
real etwas zunehmen. Die Zinsleistungen für die öffentliche Verschuldung
werden höher werden, da die ausstehende. Schuldsumme insgesamt steigen wird.
Der übrige Haushalt ist jedoch real gesenkt. Der Stand der Bundesbediensteten wird im Laufe des Haushaltsjahres 1979 gesenkt und bei der Besoldung der
Bundesbediensteten wird in Übereinstimmung mit den nationalen Lohn-PreisNormen Zurückhaltung empfohlen. Insgesamt sieht dieser Haushaltsvoranschlag
unter Berücksichtigung der Inflation für 1980 den gleichen realen Stand
der Tätigkeit der Bundesregierung wie für 1978 und 1979.vor.
In der Zeitspanne von 1978 bis 1982 nehmen die Ausgaben mit einer wesentlichen geringeren Rate zu als die Wachstumsrate des Bruttosozialprodukts,
so daß die Ausgaben im Prozentsatz zum Bruttosozialprodukt (BSP) von 22,1
Prozent im Haushaltsjahr 1978 auf 21,2 Prozent 1980 und 20,3 Prozent 1982
zurückgehen würden. Die Einnahmen würden von 19,7 Prozent des BSP 1978
auf 20,1 Prozent 1980 und - bei keinen weiteren Steuersenkungen - 21,6 Prozent 1982 erreichen ...
Die
- 2 -

�Die diesem Budget zugrunde liegende Haushaltspolitik läßt eine ausgewogene Einstellung zu den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen erkennen.
Währungs- und Haushaltspolitik zusammen dürften ein Klima schaffen, in dem
der inflationistische Druck nachlassen wird.

Während diese Politik eine aus-

reichende Zurückhaltung erkennen läßt, um den inflationistischen Druck zu
mindern, so ist sie doch nicht so restriktiv, daß sie ein weiteres Wirtschaftswachstum verhindern wird.

Die relativ niedrige Rate des Wachstums 1979

dürfte zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosenrate auf etwa 6,2 Prozent
gegen Ende des Kalenderjahres führen.

Es ist damit zu rechnen, daß die Ar-

beitslosenrate 1980 auf diesem Stand bleiben wird.

Die Inflationsrate, die

1978 über 9 Prozent betrug, dürfte bis Ende 1980 auf etwa 6 Prozent zurückgehen.

Das Haushaltsdefizit ging von 66 Milliarden Dollar 1976 auf 49 Mil-

liarden Dollar 1978 und soll nach dem Haushaltsvoranschlag 1980 auf 29 Milliarden Dollar zurückgehen...

Wichtige Haushaltsvoranschläge

Steuervorschläge:

Die Haushaltsvoranschläge tragen dem Vorschlag zur

Sicherung des Reallohns Rechnung, der im Oktober (1978) als integraler Bestandreil des Antiinflationsprogramms des Präsidenten

bekanntgegeben wurde.

Gemäß diesem Vorschlag sollen Arbeitnehmer, deren Bezüge nur innerhalb des
Rahmens der Antiinflationsrichtlinien zunehmen, eine Steuerrückzahlung erhalten können, wenn die Inflationsrate in dem Programmjahr sieben Prozent
übersteigt.

Die Kosten für den Reallohn-Sicherungsvorschlag werden für 1980

mit 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt ...

Verteidigung und Internationale Angelegenheiten:
sentliche Erhöhungen der Verteidigungsausgaben vor.

Das Budget sieht weDie Ausgaben werden für

1980 mit 125,8 Milliarden Dollar gegenüber 114,5 Milliarden Dollar 1979 veranschlagt.

Sowohl die strategischen als auch die konventionellen Streitkräfte

sollen verstärkt werden - vor allem unsere Landstreitkräfte in Westeuropa.
Insgesamt sollen nach den Haushaltsvoranschlägen die Verteidigungsausgaben

- 3 -

�Verteidigungsausgaben 1980 um real etwa drei Prozent steigen ...
Das Budget sieht Erhöhungen der Auslandshilfe mit dem Schwergewicht auf
der langfristigen Entwicklung armer Länder und einer Behebung der weitverbreiteten Armut vor.

Eine beträchtliche Erhöhung der Mittel für die Export-

Import-Bank ist dazu gedacht, unsere Außenhandelslage verbessern zu helfen.
Die Gesamtausgaben für internationale Programme würden von 7,3 Milliarden
Dollar 1979 auf 8,2 Milliarden Dollar 1980 steigen.
Energie:

Die Ausgaben für Energieprogramme werden 1980 mit 7,9 Milli-

arden Dollar angesetzt und liegen damit etwas unter den Ausgaben 1979.

Die-

ser Rückgang ist hauptsächlich auf die Verzögerungen in der Anlage der strategischen Erdölreserve zurückzuführen . Erhöhungen werden für die Forschung
und Entwicklung zur wirksameren Erschließung einheimischer Energiequellen
vorgeschlagen.

Besonderer Nachdruck wird dabei auf die Forschungs- und Ent-

wicklungsbemühungen auf vielversprechenden Gebieten gelegt, die die Privatindustrie auf eigene Initiative kaum unternehmen würde - vor allem auf dem
Gebiet der Sonnenenergie...
Die Nuklearpolitik der Regierung fordert eine Verschiebung der Wiederaufbereitung von abgebranntem Brennstoff von Kernkraftwerkden auf unbegrenzte
Teil und die Einstellung des Versuchsprojekts für einen Schnellen Brüter mit
flüssigem Metall in Clinch River. Im Rahmen dieser Politik sieht der Haushalt 1980 Mittel für die weitere Forschung und Entwicklung zur Verbesserung
der Leistungsfähigkeit bestehender Kernkraftwerke und zur Überprüfung neuer
alternativer Reaktorkonzeptionen. Wesentliche Erhöhungen sind für die nuklearen Entsorgungsprogramme gedacht ...
Binnenwirtschaftliche Entwicklung: Das Budget schlägt die Schaffung
einer Nationalen Entwicklungsbank vor, die Zuschüsse, Kreditgarantien, Zinssubventionen und andere finanzielle Unterstützungen für Unternehmen gewähren
soll, die sich in wirtschaftlichen Notstandsgebieten ansiedeln oder dort
verbleiben ...
Politik

�Politik der öffentlichen Hand:

In den letzten zwei Jahren ist die Zahl

der Beschäftigten rasch gestiegen - von 88,4 Millionen im Dezember 1976 auf
95,9 Millionen im Dezember 1978 ... Die Arbeitslosenrate ging von 7,9 Prozent
im Dezember 1976 auf 5,9 Prozent im Dezember 1978 zurück ...

Diese Zunahme der Beschäftigung erstreckte sich auf alle Gruppen unserer
Gesellschaft.

Der Beschäftigungsanstieg betrug bei Schwarzen und anderen

Minderheiten 11,8 Prozent, bei Frauen 11,7 Prozent und bei Jugendlichen aus
Minderheitengruppen etwa 14,2 Prozent.

Trotzdem ist die Arbeitslosigkeit bei

vielen dieser Gruppen noch immer unannehmbar hoch.

Die Verringerung dieser

Arbeitslosigkeit wird erfordern, daß wir uns auf den Abbau der strukturellen
Arbeitslosigkeit konzentrieren - die Arbeitslosigkeit jener, die selbst in
einer starken Wirtschaft schwer einen Arbeitsplatz finden.

Die Vorschläge

dieses Budgets richten unser Arbeits- und Ausbildungsprogramm auf dieses
Ziel aus.

Die Inflation hat sich in letzter Zeit verschlimmert.

Der Verbraucher-

preisindex stieg 1977 um 6,75 Prozent und 1978 um schätzungsweise 9,25 Prozent.

Eine weitere Beschleunigung der Inflation würde unsere Wirtschaft

und die Volkswirtschaften anderer Länder stören.

Hier in den USA würde es

die Gruppen mit einem begrenzten Einkommen besonders hart treffen.

Es könnte

die Gewinne an Beschäftigung und an Realeinkommen, die wir erzielt haben,
zunichte machen.

Der Haushaltsvoranschlag 1980 empfiehlt daher eine zurückhaltendere
Politik der öffentlichen Hand durch eine Begrenzung des Wachstums der Ausgaben und eine Senkung des Defizits.

Diese Zurückhaltung wird dazu beitragen,

den inflationistischen Druck zu mildern, während sie gleichzeitig ein anhaltendes, mäßiges Wachstums erlaubt ...

Beschäftigung und Bezahlung im Bundesdienst:

In Übereinstimmung mit

dem Ziel des Präsidenten, die Zahl der Zivilbediensteten des Bundes auf dem
Minimum zu halten, das für die wirksame und effiziente Ausübung der Regierungs-

- 5 -

�Regierungsfunktionen notwendig ist, soll die Zahl der Festangestellten in
der Exekutive (Bundespost nicht eingeschlossen) bis Ende 1980 auf einem Stand
von 1 895 900 gehalten werden.

Das sind 35 700 weniger als im Budget des

vorigen Jahres für Ende 1979 angesetzt waren ...
In Obereinstimmung mit den nationalen Lohn- und Preis-Normen im Rahmen
des Antiinflationsprogramms der Regierung geht das Budget von Lohn- und Gehaltserhöhungen für Bundesbedienstete von 5,5 Prozent für 1980 aus.

Diese

Erhöhungen stünden zusammen mit Erhöhungen von Nebenleistungen, die sich im
Rahmen der nationalen Lohn- und Gehaltsnormen bewegen, im Einklang mit diesen Normen.

Die angesetzte Lohn- und Gehaltserhöhung würde nicht notwendiger-

weise eine Vergleichbarkeit mit Lohn- und Gehaltstarifen außerhalb der Bundesregierung nach derzeitigem Verfahren erlauben, es ist jedoch von entscheidender Bedeutung, daß die Regierung ein geeignetes Beispiel setzt, indem sie im
Rahmen der Richtlinien bleibt, deren Einhaltung von anderen gefordert wird."

Kurzfristige wirtschaftliche Voraussage
Für die wirtschaftliche Entwicklung von 1977 bis 1980 geht der Präsident in seinem Haushaltsvoranschlag von folgenden Daten aus (bei den Jahres
zahlen handelt es sich um Kalenderjahre, nicht um Haushaltsjahre, für 1977
liegen die tatsächlichen Zahlen vor, für 1978 bis 1980 handelt es sich um
Voranschläge):

1977

�1977

1978

1979

1980

11.9
5,5

12,7
4,0

9,8

9,8

2,2

3,2

BSP-Deflator

6,1

8,4

7,4

6,4

Verbraucherpreisindex (Zunahme von
Dezember zu Dezember)

6,8

9,2

7,4

6,3

Arbeitslosenrate (Prozent, Dezember)

6,6

5,8

6,2

6,2

Hauptwi rtschaftsi ndikatoren:
Bruttosozialprodukt (BSP), prozentuale
Zunahme von 4. Quartal zu 4. Quartal:
in laufenden Dollar
in konstanten Dollar (1972)

Verte i d i gu ngs ha u s ha11

In dem Haushaltsvoranschlag des Präsidenten ist ein langes Kapitel dem
Verteidigungsbudget der USA im neuen Finanzjahr gewidmet, wobei die Ziele und
Aufgaben der nationalen Verteidigung umrissen werden.

Unter anderem führt Carter in diesem Zusammenhang als nationale Verteidigungserfordernisse auf:

"Den Schutz des amerikanischen Volkes, seiner Institutionen und seines
Landes vor ausländischer Aggression;

die Wahrung eines militärischen Gesamtgleichgewichtes, das zumindest so
günstig ist, wie es gegenwärtig zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten einerseits und der Sowjetunion und ihren Verbündeten besteht;

die Abschreckung eines nuklearen Angriffs auf die Vereinigten Staaten oder
andere Länder, deren Sicherheit für uns wichtig ist, sowie die Garantie, daß
die USA einen Vergeltungsschlag auslösen können, der der Sowjetunion untragbaren

- 7 -

�untragbaren Schaden zufügt, sollte die Abschreckung erfolglos ein;
die Aufrechterhaltung - und zwar gemeinsam mit unseren Verbündeten - einer
ausreichenden Streitmacht, um jeden Aggressor abzuschlagen;
das Bemühen um internationale Abkommen»um alle Rüstungen zu begrenzen und
zu reduzieren, um eine Verbreitung der nuklearen Technologie zu verhindern, um
den Waffenhandel einzuschränken, um Streitfälle durch friedliche Mittel beizulegen und um die internationale Stabilität zu fördern.
Der Haushalt für 1980 sieht eine Ausgabeermächtigung von 138,2 Milliarden
Dollar vor, um diesen nationalen Erfordernissen Rechnung zu tragen.

Die Aus-

gaben für Aufgaben der nationalen Verteidigung werden für 1980 auf 125,8 Milliarden Dollar veranschlagt; sie dürften im Jahre 1981 auf 137 Milliarden Dollar
ansteigen.

Verteidigungsministerium
Die militärischen Programme des Verteidigungsministeriums sorgen für die
Kapazität, unseren hauptsächlichen nationalen Verteidigungserfordernissen Rechnung zu tragen. Die Gesamtausgabeermächtigung (TOA), die für die militärischen
Aufgaben des Verteidigungsministeriums vorgeschlagen werden, belaufen sich auf
135,5 Milliarden Dollar für 1980 und auf 145,7 Milliarden Dollar für 1981. Die
Ausgaben werden für 1980 auf 122,7 Milliarden Dollar geschätzt, was ein Ansteigen von 10,8 Milliarden Dollar gegenüber 1979 bedeutet.
Im Mai 1977 kamen alle Mitglieder der NATO überein, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen.

Erhöhte Verteidigungsausgaben innerhalb der NATO werden zur

Aufrechterhaltung des Abschreckungswertes der Streitkräfte des Bündnisses beitragen, da der Warschauer Pakt seine militärische Kapazität verstärkt.
Im Januar letzten Jahres schlug meine Administration ein Militärprogramm
für 1979 in Höhe von 126 Milliarden Dollar an Gesamtausgabeermächtigungen vor.
- 8 -

�vor.

Der Kongreß kürzte dieses Programm jedoch auf 123,6 Milliarden Dollar.

Das jetzige Budget sieht zusätzliche Bewilligungen für 1979 in Höhe von 2,2
Milliarden Dollar vor, so daß das Gesamtprogramm sich jetzt auf 125,7 Milliarden Dollar an Gesamtausgabeermächtigungen beläuft.
Unser Vorschlag für das Budget 1980 umfaßt die Verteidigungsprogramme,
die zur Erfüllung der nationalen Sicherheitserfordernisse notwendig sind.
Weitere Programme wurden erwogen aber aufgrund geringer Priorität, technischer
Probleme, Terminschwierigkeiten oder zu hoher Kosten verworfen. Alle Programme wurden genau darauf überprüft, Mittel und Wege zu finden, um sie wirksamer zu gestalten. Die sich daraus ergebenden Vorschläge sehen die geringsten Programmkosten bei gleichzeitiger Übereinstimmung mit unseren nationalen Sicherheitsvorkehrungen vor. Das reale Wachstum der Ausgaben wird 1980
auf etwa drei Prozent geschätzt. Die Hauptvorschläge, die der Haushalt 1980
enthält, sind die folgenden:
Aufrechterhaltung ausreichender strategischer Streitkräfte, um der Sowjetunion ganz klar die Nachteile vor Augen zu führen, die die Auslösung eines
nuklearen Krieges hätte;
Verbesserung der Kampfkraft unserer konventionellen Streitkräfte, die für
die Verteidigung unserer NATO-Verbündeten bestimmt sind, um der Sowjetunion
oder ihren Verbündeten im Warschauer Pakt ganz klar die Nachteile vor Augen
zu führen, die die Auslösung eines konventionellen Krieges hätte;
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Kapazität, um vor Konflikten in
aller Welt abzuschrecken, insbesondere in solchen krisengeplagten und potentiell
unsicheren Gebieten wie Nordostasien, dem Nahen Osten sowie dem Persischen Golf;
Modernisierung unserer Seestreitkräfte, um die Freiheit der Meere zu wahren
sowie unsere Kapazität zu schützen, militärische Operationen durchzuführen, wann
immer wir dazu gezwungen sind;
Aufrechterhaltung

�Aufrechterhaltung verläßlicher Möglichkeiten zur Erfassung ausländischer
militärischer Entwicklungen und Aktivitäten sowie zur Verifizierung internationaler Abkommen über die Rüstungskontrolle, einschließlich eines neuen Vertrages
über die Begrenzung strategischer Rüstungen (SALT);
Reform der Besoldung, um in den kommenden Jahren, in denen die Zahl junger
Menschen abnehmen wird, Militärpersonal für den Dienst in den Streitkräften zu
interessieren und zu verpflichten;
Verbesserung der Effizienz des militärischen Betriebes durch stärkeren
Wettbewerb im Beschaffungsprozeß, durch Reformen des Nachschubsystems sowie
durch wirksameren Einsatz von Zivilisten.
Der Haushalt 1980 enthält eine Vielzahl von Programmen zur Verbesserung
unserer konventionellen Kapazität. Diese Programme stärken die Streitkräfte,
die vor nicht-nukleare

militärische Bedrohungen gegen Westeuropa oder in ande-

ren Gebieten abschrecken sollen oder für eine solche Reaktion bereitstehen.
Diese Anstrengungen werden in Zusammenarbeit mit unserem NATO-Verbündeten ergriffen, und zwar als Teil eines Langfristigen Verteidigungsprogramms, das auf
dem NATO-Gipfel im Mai 1977 beschlossen wurde.
Der Haushalt enthält ferner kooperative Programme mit unseren NATO-Verbündeten, einschließlich des gemeinsamen Einkaufs sowie des Betriebs einer Flotte
von Flugzeugen des Frühwarn- und Kontroll Systems (AWACS), der Koproduktion des
neuen Kampfflugzeugs vom Typ F-16 sowie einer gemeinsamen Kanone für neue Panzer. Eine beträchtliche Steigerung der Beschaffung moderner Ausrüstungen für
unsere Landstreitkräfte wird ebenfalls vorgeschlagen. Dazu gehören zusätzliche
Panzer, Luftverteidigungssysteme, Hubschrauber, gepanzerte Mannschaftswagen
und Munition. Das Budget sieht ferner eine beträchtliche Verstärkung der
Artillerie, der Panzerabwehrwaffen sowie der Kampfkraft der Streitkräfte in
Europa vor. Darüber hinaus wird die Kapazität zur See durch den Bau eines neuen,
konventionell angetriebenen Flugzeugträgers verstärkt ...
Strategische

- 10 -

�Strategische Streitkräfte, 10,8 Milliarden Dollar:

Das Hauptziel der ame-

rikanischen strategischen Streitkräfte ist die Abschreckung vor einem nuklearen Angriff auf die Vereinigten Staaten und auf ihre Verbündeten.

Sie tragen

ferner dazu bei, vor einem nicht-nuklearen Angriff abzuschrecken.
Eine Bewertung der strategischen Streitkräfte umfaßt mehr als einen reinen
zahlenmäßigen Vergleich der amerikanischen und der sowjetischen Streitkräfte.
Unsere Streitkräfte sind darauf abgestellt, zu überleben, und in angemessener
Zahl und Stärke auf einen wesentlichen sowjetischen Nuklearangriff zu antworten.
Sie müssen in der Lage sein, den sowjetischen Verteidigungsschirm zu durchdringen und wichtige Ziele in einer kontrollierten Art und Weise unter jeden
Umständen, einschließlich eines massiven sowjetischen Angriffes, zu zerstören.
Unsere Streitkräfte werden diesen Bedingungen heute gerecht, sie müssen
jedoch verbessert werden, um dies auch für die Zukunft sicherzustellen. Zusätzliche Mittel werden für 1979 angefordert, um eine umfassende Entwicklung
einer größeren, treffsicheren ballistischen Interkontinentalrakete vorzunehmen, die mit Modifizierungen auf Unterseebooten, Flugzeugen oder Landstützpunkten disloziert werden kann. Die umfassende Entwicklung einer Methode zur Stationierung dieser Rakete würde nach der Abwägung von Stationierungsalternativen
im Jahre 1979 erfolgen.
Der Haushalt schlägt die Beschaffung von acht TRIDENT-Unterseebooten sowie die weitere Beschaffung der TRIDENT 1-Rakete vor. Ferner wird die Entwicklung und Beschaffung auf Ausschreibungsbasis von luftgestützten Marschflugkörpern (Cruise Missiles) vorgeschlagen, ausgehend von der Entwicklung der
B-52 als Trägerflugzeug, die für das Jahr 1982 geplant ist.
Außerdem werden Mittel für wichtige Verbesserungen der strategischen Befehls- und Kontroll- sowie Warnsysteme angefordert.

Es werden Initiativen

empfohlen, die für eine frühere und. verläßlichere Warnung vor einem Angriff
sorgen und sicherstellen sollen, daß unsere Abschreckungsstreitkräfte rechtzeitig und kontrolliert auf einen weiten Bereich potentieller Bedrohungen reagieren können ...
Allgemeine
- 11 -

�AI 1 gerneine Streitkräfte:

Die allgemeinen (nicht-strategischen) Streit-

kräfte helfen, vor einer Aggression unterhalb der Schwelle des strategischnuklearen Konflikts abzuschrecken oder ihr zu begegnen.

Der größte Teil des

Verteidigungshaushaltes ist für die konventionellen Streitkräfte vorgesehen.
Die aktiven Streitkräfte zählen 16 Heeresdivisionen, 3 Marinedivisionen (Marinekorps), 3 Luftgeschwader des Marinekorps, 26 Geschwader der taktischen Luftwaffe und 269 Kriegschiffe, einschließlich von 13 Flugzeuträgern und 12 trägergestützten Luftgeschwadern.

Das Budget 1980 sieht eine Ausgabelermächtigung

für allgemeine Programme von 50 Milliarden Dollar vor, d.h. eine Erhöhung um
2,5 Milliarden Dollar ...

Es wird eine Reihe von Initiativen zur Modernisierung der bestehenden
Streitkräfte und zur Verbesserung ihrer Kampfbereitschaft vorgeschlagen.

Die-

se Initiativen würden die Fähigkeit unserer allgemeinen Streitkräfte stärken,
das Gleichgewicht der konventionellen militärischen Macht, vor allem in Westeuropa, aufrecht zu erhalten und auch anderswo in der Welt vor einer Aggression
abzuschrecken.

Die Heerestruppen sind dazu bestimmt, die schwerste aller Aufgaben der
allgemeinen Streitkräfte zu bestehen - einen Konflikt zwischen Mitgliedern
der NATO und des Warschauer Paktes - aber sie müssen auch die Flexibilität
besitzen, mit anderen Ernstfällen fertig werden zu können, die amerikanische
Interessen anderswo bedrohen.

Zu den für 1980 vorgeschlagenen Verbesserungen der Einsatzbereitschaft
und Kampfkraft gehören:

Aufstellung zusätzlicher motorisierter Infanterie- und Panzerbataillone
bei unseren nach Europa orientierten Streitkräften;

Erhöhung des Gerätebestandes, der in Europa eingelagert ist, um NAT0Verstärkungen auszurüsten;

Erhöhung
- 12 -

�.

Erhöhung der Einsatzbereitschaft von in Europa stationierten Kampfeinheiten und ausgewählten Kampfeinheiten in den Vereinigten Staaten;
Erhöhung der Zahl der amerikanischen Geschütze in Europa um ein Drittel
und Dislozierung zusätzlicher Panzerabwehrwaffen;
Steigerung der Zahl und der Einsatzbereitschaft der Panzerbesatzungen;
Dislozierung sicherer Fernmeldeeinrichtungen für die taktischen Streitkräfte; und
Verbesserung der Fähigkeit unserer Streitkräfte, nuklearen, biologischen
und chemischen Angriffen widerstehen zu können.
Ferner sind auf allen wichtigen Gebieten der Heeresbeschaffung Erhöhungen
vorgesehen. Bei Panzern gehört zu den Vorschlägen die weitere Beschaffung des
neuen Kampfpanzers XM-1 und der Ersterwerb des neuen Infanterie-Kampffahrzeuges, das der Infanterie die Beweglichkeit geben soll, zusammen mit dem
XM-1-Panzer zu kämpfen. Was die Fliegerei angeht, so ist die Beschaffung von
Transporthubschraubern des Typs Black Hawk und die weitere Umrüstung des
Artilleriehubschraubers vom Typ Cobra auf Panzerabwehrraketen vorgesehen. Für
die Luftabwehr ist die Beschaffung des Patriot-Raketensystems und der StingerRakete geplant ...
Die Hauptaufgabe der taktischen Flugzeuge der Luftwaffe besteht in der
Erringung einer ausreichenden Luftüberlegenheit, um den amerikanischen und
verbündeten Luftstreitkräften zu erlauben, den Landstreitkräften Unterstützung
zu gewähren und die gegnerischen Streitkräfte hinter den Linien zu stören.
Das Budget 1980 schlägt die Beschaffung folgender taktischer Flugzeuge
vor:
144 A-10-Angriffsflugzeuge für die Panzerbekämpfung;
60 F-15T 13 M i ; % , n i i •&gt;• •

•

i

i

�die Marine und das Marinekorps in Europa übernehmen.

Luft- und Seebrückenstreitkräfte:

Vorgesehen 1,9 Milliarden Dollar.

Für die tägliche Neuversorgung der in Übersee stationierten amerikanischen
Streitkräfte in Friedenszeiten und die rasche Verlegung von Soldaten und Gerät in Kampfzonen werden strategische bewegliche Streitkräfte (Transportstreitkräfte) herangezogen.

Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten

sind für das Durchhalten ihrer Streitkräfte von raschem Transport und rascher
Neuversorgung abhängig.

Aggressionen gegen mit den Vereinigten Staa-

ten befreundete Länder können nur dadurch abgewendet werden, daß sich der Gegner der amerikanischen Fähigkeit der raschen Verstärkung und Neuversorgung
bewußt ist.

Der größte Teil der für die Luft- und Seebrückenstreitkräfte angeforderten Ausgabeermächtigung in Höhe von 1,9 Milliarden Dollar ist für den täglichen Betrieb und die Wartung vorgesehen.

Es werden Veränderungen vorgeschla-

gen, um unsere Fähigkeit zur Mobilisierung und zum Transport amerikanischer
Streitkräfte zu verbessern, indem die dienstliche Lebensdauer der C-5A und der
C-141 verlängert und ihre Kapazität erhöht wird.

Ferner ist eine zusätzliche

vorherige Bereitstellung von Gerät in Europa für schwere Heereseinheiten geplant.

Dies wird die rasche Dislozierung von amerikanischen Truppen zur Begegnung von Bedrohungen Westeuropas erleichtern.

Eine beträchtliche Erhöhung

des Programms für die zivile Reserveluftflotte ist geplant.

Das wird Fracht-

kapazitäten in kommerziellen Großraumflugzeugen schaffen, während sie noch in
der Produktion sind.

Die kommerzielle Luftbrückenkapazität kann dann in Krisen-

zeiten mehr Unterstützung bieten, so wie wir zur Verstärkung der Seebrückenkapazität auf Handelsschiffe zurückgreifen.

Die militärischen Seebrückenkräfte transportieren Erdöl und Trockenfracht
für das Verteidigungsministerium.

Diese Schiffe der Kriegsmarine werden in

Friedens- und Kriegszeiten von zivilen Besatzungen gefahren.

- 15 -

Das erlaubt eine

�eine stärkere Konzentration des ausgebildeten Marinepersonals auf Kriegsschiffe ..."
Für Forschung und Entwicklung sind im Budget 11,8 Milliarden Dollar angesetzt, was eine Erhöhung gegenüber 1979 um 7 Prozent bedeutet.

Für die in dem

Bereich des neuen Energieministeriums fallenden Aufgaben der nuklearen Verteidigung, darunter Forschung und Entwicklung, Erprobung und Herstellung von Kernwaffen, Lagerung von nuklearen Abfällen aus Verteidigungsprogrammen und die
Entwicklung von Kernreaktoren für Kriegschiffe, sind 3,022 Milliarden Dollar
vorgesehen, verglichen mit 2,6 Milliarden Dollar im Haushalt 1979.

Internationale Angelegenheiten
Zur Frage der internationalen Angelegenheiten heißt es in dem Haushaltsvoranschlag unter anderem:
"In internationalen Angelegenheiten wird den meisten Erfordernissen durch
diplomatische und politische Initiativen Rechnung getragen, die nur geringe
Beträge an Ausgabevollmachten und Ausgaben nötig machen. Die Auslandshilfe
ist der bedeutsamste Haushaltsposten in den internationalen Angelegenheiten.
Der Haushalt legt besonderen Nachdruck darauf, für folgende Punkte zu
sorgen:
- Eine Erhöhung der bilateralen Entwicklungshilfe der USA, um den grundlegenden Erfordernissen der armen Bevölkerung in den armen Ländern gerecht zu
werden;
- die Erfüllung bereits gegebener Zusagen an die Weltbank sowie andere
multilaterale Entwicklungsbanken, deren Programme die Ressourcen aller Geberländer bei der Bewältigung wirtschaftlicher Probleme in den armen Ländern zusammenfassen;
,.
- die
- 16 -

�- die Fortsetzung der Sicherheitshilfe auf einem hohen Stand, um an der
Schaffung eines Friedens im Nahen Osten mitzuwirken;

- weitere Bemühungen, um die nichtrückzahlbare Militärhilfe herunterzustufen;

- die Erfüllung der humanitären Erfordernisse einer rasch wachsenden
Anzahl von Flüchtlingen; und
- eine beträchtliche Erhöhung der Mittel für die Export-Import-Bank, um
die vermehrten Handelsmöglichkeiten zu nutzen.
Bedarf für die Pflege internationaler Beziehungen

(in Millionen Dollar)

Voranschlag
Hauptprogramme

1978

1979

1980

1981

1982

1926

2515

3625

2619

4315

240

260

277

315

346

1294

1544

1726

2054

2534

25

40

60

Ausgabenermächtigung
Wirtschaftliche und finanzielle
Auslandshilfe:
Multilaterale Entwicklungshilfe:
Multilaterale Entwicklungsbanken:
Internationale Organisation
Amt für Internationale Entwicklung
Vorgeschlagene Gesetzgebung
Lebensmittelhilfe (Gesetz 480)
Sicherheitshilfe
Flüchtlingshilfe
Sonstige wirtschaftliche und
finanzielle Auslandshilfe
Einnahmen aus Offset-Abkommen
Zwischensumme der wirtschaftlichen
und finanziellen Auslandshilfe

923
2219
79

806
1921
164

719
1995
152

1069
1950
154

1195
1950
161

127
336

149

162

165

166

- 346

- 370

- 416

- 458

6472

7013

8348

7951

10269

- 17 -

�1978

1979

1980

1981

1982

180

209

110

92

18

30

34

33

33

33

676

654

656

647

649

- 277
608

- 244
653

- 239
560

- 238
534

- 236
464

Militärhilfe:
Nichtrückzahlbare Militärhilfe
Militärische Ausbildung ausländischer Soldaten
Militärische Lieferungen ins
Ausland auf Kredit
Einnahmen aus Offset-Abkommen
und sonstiges
Zwischensumme der Militärhilfe
-

Gesamtsumme der Auslandshilfe

•

i

•

-

i

•

7080

+ + + + +

r

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•

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7666

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                    <text>26. Januar 1979

4

INHALT

DOKUMENTATION

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1979 -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 20 03 00 Tel: 02221-89 3240
D5300 Bonn 2
Telex:08-85432

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Januar 1979

PRÄSIDENT CARTERS BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
- 23. Januar 1979 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 23. Januar 1979 vor
beiden Häusern des amerikanischen Kongresses seine verfassungsmäßig vorgeschriebene Botschaft über die Lage der Nation - State of the Union Message verlesen.

Die diesjährige Botschaft hat folgenden Wortlaut:

Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des 96. Kongresses, meine Mitbürger.
Ich möchte heute abend ganz allgemein die Lage unserer amerikanischen
Union untersuchen - wie wir eine neue Grundlage für eine friedliche und blühende Welt schaffen.
Unsere in diesem Jahr geborenen Kinder werden im 21. Jahrhundert in ein
reiferes Alter kommen. Was für eine Gesellschaft, was für eine Welt bauen
wir für sie? Werden wir im Frieden leben? Werden sich unsere Kinder einer
besseren Lebensqualität erfreuen? Wird ein starkes und einiges Amerika noch
immer eine Macht der Freiheit und Prosperität in der ganzen Welt sein?
Heute

Postfach 20 03 0 0
D5300 Bonn 2

Tel: 02221-89 3240
Telex:08-85432

�»

Heute gibt es alle Anzeichen, daß die Lage unserer Nation gut ist. Unsere Wirtschaft bietet größeren Wohlstand für mehr Menschen als je zuvor.
Das reale Pro-Kopf-Einkommen und die realen Gewinne sind in den letzten zwei
Jahren wesentlich gestiegen.

Die Exporte landwirtschaftlicher Erzeugnisse

stellen absolute Rekordeauf, und das Einkommen der Farmer ist im vorigen Jahr
um mehr als 25 Prozent gestiegen.
sichert.

Unsere bürgerlichen Freiheiten sind ge-

Unsere militärische Verteidigung ist stark und wird immer stärker.

Und was heute noch wichtiger ist, Amerika lebt in Frieden.
Unsere frühesten nationalen Verpflichtungen, von nachfolgenden Generationen abgewandelt und neu gestaltet, sind uns gut bekommen.

Aber die Probleme,

vor denen wir heute stehen, sind ihrer Natur nach anders als jene, mit denen
es frühere Generationen von Amerikanern zu tun hatten.

Sie sind subtiler,

komplexer und stehen in einem stärkeren Zusammenhang zueinander.

In unserem

eigenen Lande können nur wenige dieser Probleme durch die Regierung allein gelöst werden.

Draußen in der Welt können nur wenige dieser Probleme von den

Vereinigten Staaten allein gelöst werden..
Aber die Amerikaner haben sich als geeintes Volk - in Zusammenarbeit
mit unseren Verbündeten und Freunden - niemals davor gefürchtet, sich den Problemen im eigenen Lande oder draußen in der Welt zu stellen und sie zu lösen.
Die Herausforderung an uns besteht darin, eine neue und festere Grundlage für die Zukunft zu bauen - für eine gesündere Wirtschaft, für eine
leistungsfähigere Regierung, für politisches Vertrauen und für einen stabilen Frieden - damit das Amerika, das unsere Kinder erben werden, noch stärker
und besser sein wird als das unsrige.
Wir können uns nicht in vereinfachte oder extreme Lösungen flüchten,
den Märchenglauben an die Stelle des gesunden Menschenverstandes setzen.
Es ist ein solches Märchen, daß wir in unserer Wirtschaft ewig zwischen
Inflation und Rezession wählen müssen.

Zusammen können wir die Grundlage für

eine starke Wirtschaft mit niedriger Inflation bauen, ohne dadurch eine Re- 2 -

V

�.

Rezession mit ihrer hohen Arbeitslosigkeit oder undurchführbaren Zwangskontrol&gt;2n durch die Regierung herbeiführen zu müssen.

Es ist ein solches Märchen, daß wir in unserer Regierung zwischen Mitgefühl und Kompetenz wählen müßten.

Zusammen können wir die Grundlage für

eine Regierung bauen, die funktioniert - und die für das Volk funktioniert.

Es ist ein solches Märchen, daß wir in unseren Beziehungen zu unseren
potentiellen Gegnern zwischen Konfrontation und Kapitulation wählen müßten.
Zusammen können wir die Grundlage für eine stabile Welt sowohl der Vielfalt
wie des Friedens schaffen.

Zusammen haben wir bereits begonnen, die Grundlage für das Vertrauen in
unser Wirtschaftssystem zu schaffen.

Während der letzten zwei Jahre haben

wir, als wir unsere Wirtschaft aus der tiefsten Rezession seit den dreißiger
Jahren herausgeführt haben, über 7,1 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen.
Die Arbeitslosenrate hat sich um 25 Prozent gesenkt.

Jetzt müssen wir un-

seren Kampf gegen die zähe Inflation verdoppeln, die unser Land seit über
einem Jahrzehnt plagt.

Das ist unser wichtigstes Problem im eigenen Lande,

und wir müssen es gemeinsam angehen.

Die Inflation ist eine Last für alle Amerikaner, aber sie ist eine
Katastrophe für die Armen, die Kranken und die Alten.

Keine amerikanische

Familie sollte gezwungen sein, zwischen Nahrung, Heizung, Gesundheitsfürsorge oder einer anständigen Wohnung wählen zu müssen, weil die Kosten für
jedes dieser Grundbedürfnisse zu hoch geklettert sind.

Vor drei Monaten habe ich ein ausgewogenes Anti-Inflationsprogramm vorgelegt, das eine verantwortungsbewußte Zurückhaltung der Regierung mit einer verantwortungsbewußten Zurückhaltung bei Löhnen und Preisen verbindet.
Es basiert auf meiner Erkenntnis, daß es eine mächtigere Kraft gibt als den
Zwang seitens der Regierung - nämlich die Kraft, die durch die gemeinsamen
Anstrengungen von Millionen von Amerikanern entsteht, die auf ein gemeinsames
Ziel hinarbeiten.

,. .
,
Unternehmer

�\

Unternehmer und Gewerkschaften reagieren zunehmend positiv.
erläßlich, daß wir in der Regierung unseren Teil dazu tun.

Es ist un-

Wir müssen der

Gewohnheit übertriebener Regierungsausgaben Einhalt gebieten.
Ich habe diesem Kongreß einen knappen aber fairen Haushaltsvoranschlag
unterbreitet - ein Budget, das, seit ich für die Präsidentschaft kandidiert
habe, das Defizit des Bundes auf die Hälfte gesenkt hat, und dieses Defizit
wird als Prozentsatz unseres Bruttosozialprodukts fast um 75 Prozent niedriger
liegen.
Der Kongreß hat im vorigen Jahr viel geleistet, und ich bitte jetzt diesen 96. Kongreß, an unserer Partnerschaft festzuhalten, wenn es darum geht,
übertriebenen Bundesausgaben Zügel anzulegen.
Wir müssen stark und ausdauernd sein.

Das wird nicht leicht sein.

Dieses Budget ist eine deutliche Bot-

schaft, daß ich mit Ihrer und des amerikanischen Volkes Hilfe entschlossen
bin, die Inflation unter Kontrolle zu bringen.
Das Budget 1980 sieht eine Zurückhaltung in den Ausgaben vor, die groß
genug ist, um der Inflation Einhalt zu gebieten, aber auch groß genug, um
genug Anreiz zu bieten, um die amerikanischen Arbeiter beschäftigt zu halten
und Investitionen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zu ermutigen.

Wir werden

weiterhin die Ressourcen unserer Nation mobilisieren, um unser Handelsdefizit
abzubauen und die Stärke des amerikanischen Dollar aufrechtzuerhalten.
Wir haben in diesem zurückhaltenden Haushaltsvoranschlag gezeigt, daß
wir auf den Gewinnen der letzten zwei Jahre aufbauen können, um zusätzliche
Unterstützung für die Bildung benachteiligter Kinder, für die Altenfürsorge,
für die Ernährung und die Rechtsberatung der Armen und zur Stärkung der wirtschaftlichen Grundlage unserer städtischen Gemeinden und ländlichen Gebiete
aufbringen können. Wir werden in diesem Jahr den ersten Schritt unternehmen,
um einen nationalen Gesundheitsplan zu entwickeln.
Wir dürfen niemals eine Gruppe von ständig arbeitslosen Amerikanern akzeptieren, die keine Hoffnung hegen und kein Interesse am Aufbau unserer Ge- 4 -

�I

Gesellschaft haben.

Für all jene, die aufgrund von Diskriminierung, Mangel

an besonderen Fähigkeiten oder Armut von unserer Wirtschaft ausgeschlossen
sind, müssen wir Ausbildungsprogramme auf einem hohen Stand aufrechterhalten,
und müssen wir Arbeitsplätze beschaffen.

Ein verantwortungsbewußtes Budget ist nicht unsere einzige Waffe zur
Bekämpfung der Inflation.

Wir müssen jetzt etwas tun, um alle Amerikaner vor Gesundheitsfürsorgekosten zu schützen, die stündlich um eine Million Dollar - 24 Stunden am Tag steigen und sich alle fünf Jahren verdoppeln.

Wir müssen den Faktor der am

stärksten zu dieser Inflation beiträgt - die ins Unermeßliche steigenden Krankenhauskosten - in den Griff bekommen.

Es wird keine deutlichere Bewährungsprobe für die Verpflichtung dieses
Kongresses zum Kampf gegen die Inflation geben als die Gesetzesvorlage, die
ich in diesem Jahr erneut unterbreiten werde, um die Inflation der Krankenhauskosten zu senken.

Mein Vorschlag wird im Laufe der nächsten fünf Jahre

den Amerikanern insgesamt 60 Milliarden Dollar einsparen, von denen allein
25 Milliarden Dollar Einsparungen im Bundeshaushalt sein werden.
nische Volk hat lange genug gewartet.

Das amerika-

In diesem Jahr müssen wir handeln, um

die Krankenhauskosten einzudämmen.

Wir müssen die Inflation auch durch Verbesserungen und eine bessere Anwendung der Antikartellgesetze und durch einen Abbau der Hindernisse bekämpfen,
die die Regierung der Konkurrenz auf dem Privatsektor in den Weg legt.

Wir müssen anfangen, die Gesamtauswirkung der Reglementierung in unserer
Wirtschaft genau zu untersuchen.

Durch die Aufhebung der Reglementierung der

Luftfahrtgesellschaften haben wir die Gewinne erhöht, die Preise für alle
Amerikaner gesenkt und mit einem der wenigen Fälle in der Geschichte begonnen,
bei denen eine große Bundesbürokratie tatsächlich abgebaut wurde.

In diesem

Jahr müssen wir damit anfangen, den Reglementierungsprozeß für die Eisenbahn-

�.

Eisenbahngesellschaften, die Busgesellschaften und die Lastwagengesellschaften zu reformieren.
Amerika besitzt das größte Wirtschaftssystem der Welt.

Wollen wir den

Eingriff der Regierung verringern und dem Wirtschaftssystem eine Chance geben
zu funktionieren!
Und ich appelliere an den Kongreß, weitere Maßnahmen gegen die Inflation zu ergreifen - nämlich unsere Exporte zu fördern und amerikanische Arbeitsplätze zu schützen, die durch unfairen Handel bedroht werden; Energie
einzusparen; die Entwicklung von Sonnenenergie zu steigern und zu beschleunigen und die technologische Führung unserer Nation zu stärken.

Amerikanische

Arbeiter, die sich uns in dem Kampf gegen die Inflation anschließen, verdienen
nicht nur unsere Dankbarkeit, sondern auch den Schutz durch den Reallohnsicherungsvorschlag, den ich unterbreitet habe.
Wenn wir Erfolg haben wollen, müssen wir unsere Haltung wie auch unsere
Politik ändern. Wir können es uns nicht leisten, über unsere Verhältnisse
zu leben, Programme zu schaffen, die wir weder verwalten noch finanzieren können, oder unsere nationalen Ressourcen zu verschwenden. Und wir können Mißwirtschaft und Betrug nicht dulden. Und vor allem müssen wir der Inflation
als geeintes Volk entgegentreten.
Mit Unterstützung des amerikanischen Volkes ist es der Regierung in den
letzten Jahrzehnten gelungen, Rassenschranken zu beseitigen; Hilfe für die
Arbeitslosen und Rentner zu gewähren; die Hungrigen zu speisen; die Sicherheit, die Gesundheit und die Tarifverhandlungsrechte der Arbeiter zu schützen
und unser natürliches Erbe zu erhalten.
Aber es genügt nicht, eine Vielzahl von Regierungsprogrammen ins Leben
gerufen zu haben. Jetzt müssen wir die guten Programme wirksam gestalten und
jene, die verschwenderisch oder unnötig sind, verbessern oder aussortieren.
Mit

�Mit Unterstützung des Kongresses haben wir damit angefangen, die Bürokratie zu reorganisieren und in den Griff zu bekommen.

Wir reformieren das

Zivildienstsystem, damit wir jenen Anerkennung und Belohnung zukommen lassen
können, die gut gearbeitet haben, und jene korrigieren oder entlassen können,
die nicht gut gearbeitet haben.
Wir müssen in diesem Jahr große Anstrengungen unternehmen, um unser Bildungswesen, die wirtschaftliche Entwicklung und das Management unserer natürlichen Ressourcen zu reorganisieren. Wir müssen ein "Sonnenuntergangsgesetz"
verabschieden, damit Regierungsprogramme, wenn sie ihren Wert verloren haben,
automatisch beendet werden.
Es gibt keine wirksame Reorganisation, die nicht umstritten wäre, und
Reform kann niemals leicht sein. Aber wir wissen, daß eine ehrliche und tüchtige Regierung wesentlich ist, um das Vertrauen der Öffentlichkeit in unser
öffentliches Handeln wiederherzustellen.
Niemand von uns kann damit zufrieden sein, wenn zwei Drittel der amerikanischen Bürger es vorzogen, im letzten Jahr nicht zur Wahlurne zu gehen. Zu
viele Amerikaner fühlen sich machtlos gegen den Einfluß privater Interessengruppen und die Flut des privaten Wahl kämpfgel des, das unseren Wahlprozeß bedroht. In diesem Jahr müssen wir das Vertrauen der Öffentlichkeit wieder erringen, indem wir eine begrenzte öffentliche Finanzierung der Wahl kämpfe für
Kongreßwahlen fordern. Das Gesetz Nummer 1 des Repräsentantenhauses sieht
eine öffentliche Finanzierung von Kongreßwahl kämpfen vor, und ich erwarte, daß
ich dieses Gesetz bald unterzeichnen kann.
Eine starke Wirtschaft und eine tüchtige Regierung werden das Vertrauen
hier in Amerika wiederherstellen. Aber der Weg in die Zukunft muß in Frieden
abgesteckt werden. Wir müssen weiterhin eine neue und feste Grundlage für
eine stabile Weltgemeinschaft schaffen.
Wir bauen diese neue Grundlage von einer Position der nationalen Stärke
aus auf - der Stärke unserer eigenen Verteidigung, unserer Freundschaft mit
- 7 -

�mit anderen Nationen und unserer ältesten Ideale.

Die militärische Macht

Amerikas ist eine Hauptkraft für Sicherheit und Stabilität in der Welt.

Wir

müssen unsere strategische Kapazität aufrechterhalten und den während der
letzten zwei Jahren mit unseren Verbündeten in der NATO erzielten Fortschritt
weiterführen, mit denen zusammen wir unsere Einsatzbereitschaft vergrößert,
unsere Ausrüstung modernisiert und unsere Verteidigungstruppen in Europa verstärkt haben.

Ich appelliere an Sie, das starke Verteidigungsbudget, das ich

unterbreitet habe, zu unterstützen.
Aber in unserem Zeitalter erfordert die nationale Sicherheit mehr als nur
militärische Macht.

In weniger als einem Menschenalter hat sich die Bevölke-

rung der Welt verdoppelt, die Kolonialreiche sind verschwunden, und etwa 100
neue Nationen sind entstanden.

Massenkommunikation, Bildung und Abwanderung

in die großen Städte der Welt haben ein neues Streben nach wirtschaftlicher
Gerechtigkeit und den Menschenrechten unter den Menschen überall auf der Welt
ausgelöst.
In einer solchen Welt geht es nicht darum, welche Supermacht die Welt beherrscht.

Keine kann das und keine wird das.

Die Wahl liegt vielmehr zwi-

schen einer Welt der Anarchie und Zerstörung und einer Welt der Zusammenarbeit
und des Friedens.
In einer solchen Welt wollen wir nicht den unvermeidlichen Wandel hemmen,
sondern seinen Lauf in einer hilfreichen und konstruktiven Weise beeinflussen,
die unsere Werte, unsere nationalen Interessen und die Sache des Friedens fördert, über der sich schnell ändernden Welt hängt wie eine Gewitterwolke im
Sommerhimmel die schreckliche Macht der Kernwaffen.
Wir werden auch weiterhin bei der Gestaltung der Kräfte des Wandels mitwirken, die sich anbahnenden Probleme der nuklearen Proliferation und der konventionellen Waffenverkäufe erkennen und unsere große Stärke und unseren Einfluß einsetzen, um internationale Konflikte in anderen Teilen der Welt beizulegen, bevor sie akut werden und sich ausbreiten.
Wir
- 8 -

�Wir haben nicht den Wunsch, den Weltpolizisten zu spielen,

Amerika

möchte vielmehr der Friedensstifter der Welt sein.

Wir legen die Grundlage für eine wahrhaft global Zusammenarbeit - nicht
nur mit den westlichen Nationen und den Industrieländern, sondern auch mit den
Entwicklungsländern.

Unsere Bindungen mit Japan und unseren europäischen Ver-

bündeten sind stärker als je zuvor, und das gilt auch für unsere freundschaftlichen Beziehungen zu den Völkern Lateinamerikas, Afrikas, des westlichen Pazifik und Asiens.

Wir haben mit den Panamakanal-Verträgen in der westlichen Hemisphäre neuen Respekt gewonnen.

Wir haben innerhalb der Entwicklungswelt neues Vertrauen

gewonnen durch unsere Ablehnung des Rassismus, unser Eintreten für die Menschenrechte und unsere Unterstützung der Mehrheitsregierung in Afrika.
Die Multilateralen Handelsverhandlungen stehen nunmehr vor einem erfolgreichen Abschluß, und ihre Billigung durch den Kongreß ist entscheidend wichtig für das wirtschaftliche Wohlergehen sowohl unseres Landes als auch der
Welt.

Dies wird eine unserer Hauptprioritäten für 1979 sein.

Wir treten in eine hoffnungsvolle Ära unserer Beziehungen mit einem Viertel der Weltbevölkerung ein, die in China lebt.

Der Besuch des Stellvertre-

tenden Ministerpräsidenten Deng Xiaoping in der nächsten Woche wird dazu beitragen, diese neue Ära einzuleiten.

Und mit prompten Maßnahmen des Kongresses

hinsichtlich der Billigung einer entsprechenden Gesetzgebung

werden wir un-

sere Verpflichtung für ein gedeihliches, friedliches und sicheres Leben der
Menschen auf Taiwan fortführen.

Ich bin dankbar dafür, daß im vergangenen Jahr - wie auch schon im Jahr
davor - kein Amerikaner auf einem Schlachtfeld irgendwo in der Welt sein Leben gelassen hat.

Und im Iran, in Nikaragua, auf Zypern, in Namibia und in

Rhodesien bemüht sich unser Land um friedliche Lösungen für gefährliche Konflikte.
_Im
- 9 -

�Im Nahen Osten waren wir unter schwierigsten Umständen bemüht, alten
Feinden dabei zu helfen, tiefwurzelnde Differenzen beizulegen, die vier
bittere Kriege zu unseren Lebzeiten ausgelöst haben.
Unser festes Eintreten für den Fortbestand und die Sicherheit Israels
wurzelt in unseren tiefsten Überzeugungen sowie in dem Wissen um die strategische Bedeutung eines stabilen Nahen Osten für unser eigenes Land.

Um Frie-

den und Aussöhnung in diesem Gebiet zu fördern, müssen wir das Vertrauen und
die Zuversicht sowohl Israels als auch der arabischen Länder behalten, die
aufrichtig nach Frieden suchen.
Ich bin fest entschlossen, den vollen

nützlichen Einfluß unseres Landes

einzusetzen, damit die kostbare Gelegenheit für einen dauerhaften Frieden
zwischen Israel und Ägypten nicht verloren geht.
Die neue Grundlage der von uns angestrebten internationalen Zusammenarbeit schließt kein Land aus. Die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion dient
der Sache des Friedens, denn im Atomzeitalter muß der Weltfriede den Frieden
zwischen den Supermächten einschließen, und er muß die Kontrolle der Kernwaffen bedeuten.
Vor zehn Jahren trafen die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion die
historische Entscheidung, die Gespräche über die Begrenzung strategischer
Rüstungen, SALT, zu eröffnen. Ziel und Zweck von SALT, damals wie heute,
ist nicht, einen einseitigen Vorteil für irgendeine Nation zu erlangen, sondern die Sicherheit beider Nationen zu schützen, das kostspielige und gefährliche nukleare Wettrüsten ins Gegenteil zu verkehren, ein stabiles Gleichgewicht der nuklearen Kräfte zu erhalten und einer besorgten Welt zu zeigen,
daß wir entschlossen sind, an der Wahrung des Friedens mitzuwirken.
Das erste SALT-Abkommen wurde 1972 abgeschlossen.

Seit dieser Zeit

sind in sechsjährigen Verhandlungen - sowohl unter republikanischen wie unter demokratischen Präsidenten - fast alle Fragen von SALT II gelöst worden.
Wenn die Sowjetunion weiterhin guten Willens verhandelt, dann wird ein SALT- 10 -

�SALT-Abkommen erreicht werden, das zu verantworten ist.

Es ist wichtig, daß das amerikanische Volk den Charakter des SALT-Prozesses versteht,

SALT II basiert nicht auf Gefühlen

Es basiert auf Selbstinteresse

sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion

Beide Länder haben

ein mächtiges gemeinsames Interesse an der Verringerung der Drohung eines
nuklearen Krieges,

Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, das nicht unsere

nationale Sicherheit fördert.

SALT II wird nicht von Vertrauen abhängig sein
sein,,

Es wird verifizierbar

Wir verfügen über sehr moderne und bewährte Möglichkeiten, einschließ-

lich unserer Satelliten, um festzustellen, ob die Sowjetunion ihren Vertragsverpflichtungen nachkommt

Ich werde kein Abkommen unterzeichnen, das nicht

verifiziert werden kann

Die nukleare Abschreckungsmacht Amerikas wird nach SALT II stark bleiben.
Beispielsweise trägt eines unserer relativ unverwundbaren Poseidon-Unterseeboote allein - weniger als zwei Prozent unserer gesamten nuklearen Macht an
Unterseebooten, Flugzeugen sowie landgestützten Raketen - genug Gefechtsköpfe, um jede große und mittlere Stadt in der Sowjetunion zerstören zu können.

Unsere Abschreckungsmacht ist überwältigend, und ich werde kein Abkom-

men unterzeichnen, wenn unsere Abschreckungskraft nicht überwältigend bleibt.

Ein SALT-Abkommen kann eine kluge Diplomatie oder eine starke Verteidigung nicht ersetzen, und es wird auch nicht d'e Gefahr eines nukTearen Krieges
beenden,

Aber es wird ganz gewiß diese Gefahr vermindern.

Es wird unsere

Bemühungen stärken, die Nuklearversuche zu ächten und die Verbreitung von
Kernwaffen an andere Länder zu beenden.

Und es kann der Beginn sein für den

Verhandlungsprozeß über neue Abkommen, die die nuklearen Rüstungen weiterhin
begrenzen werden

Der

�Der Weg zu einer Rüstungskontrolle, die sich auf eine starke Verteidigung stü.zt - ein Weg, den unser Land und jeder Präsident seit 30 Jahren eingeschlagen haben - kann zu einer Welt des Rechtes und der internationalen Verhandlungen und Konsultationen führen, in der alle Völker in Frieden leben
können.

In diesem Jahr 1979 ist nichts wichtiger, als daß der Kongreß und das
Volk der Vereinigten Staaten entschlossen sind, zusammen mit mir auf diesem
Weg der nuklearen Rüstungskontrolle und des Friedens voranzuschreiten-

Das

ist von allergrößter Bedeutung.

Ich habe hier einige der Veränderungen erläutert, die die Welt umgeformt
haben und die auch heute weiterwirken.
den Wandel nicht zu fürchten.

Aber wir brauchen die Veränderung und

Die Werte, auf denen unsere Nation gegründet

wurde - Freiheit des einzelnen, Selbstbestimmung, d'e Möglichkeit einer menschlichen Erfüllung in Freiheit - alle diese Werte gelten weiterhin.

W-»r finden

ein Lob für diese demokratischen Prinzipien sqgar in Büchern, die aus totalitären Staaten herausgeschmuggelt werden, oder auf Plakaten und Wandzeitungen
in Ländern, von denen wir dachten, daß sie unserem Einfluß verschlossen seien.

Unser Land hat seinen besonderen Platz bei der Führung eines weltweiten
Kampfes für die Menschenrechte wieder eingenommen.

Und das ist eine Verpflich-

tung, die wir im eigenen Lande genauso einhalten müssen wie draußen in der
Welt.
freit.

Die Bürgerrechtsrevolution hat alle Amerikaner, schwarz wie weiß, beAber ihre

vollen Verheißungen sind immer noch nicht verwirklicht.

Ich werde auch weiterhin mit all meiner Kraft für gleiche Möglichkeiten und
Chancen für alle Amerikaner arbeiten - und für positive Maßnahmen für diejenigen, die die besondere Last tragen, daß ihnen in der Vergangenheit die
Chancengleichheit verwehrt wurde.

Wir treten weiterhin für eine Verbesserung

unserer Arbeitsgesetzgebung ein, um die Rechte aller amerikanischen Arbeiter
besser zu schützen.

Und unser Land muß durch die Ratifizierung des Verfassungs-

zusatzes über die Gleichheit der Rechte klarstellen, daß die Rechte der Frauen als Bürger aufgrund der Gesetze unseres Landes garantiert werden.
Solange
- 12 -

�Solange ich Präsident bin, wird hier im eigenen Lande wie auch in der
ganzen Welt Amerikas Beispiel und Amerikas Einfluß eingesetzt wenden, um die
Sache der Menschenrechte zu fördern.
Um die Grundlage für diese Werte zu legen, hat vor zwei Jahrhunderten
eine kühne Generation von Amerikanern ihr Eigentum, ihre Stellung und selbst
ihr Leben aufs Spiel gesetzt.
Wir sind ihre Erben. Und sie senden uns eine Botschaft über die Jahrhunderte hinweg. Die Worte, die sie so deutlich artikuliert haben, werden
jetzt langsam undeutlich, weil sie nicht oft genug gehört werden. Es sind
Worte wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Einigkeit, Opfer, Freiheit, Glauben und
Liebe.
Diese Worte erinnern uns daran, daß es die Pflicht unserer Generation
von Amerikanern ist, den Glauben unserer Nation zu erneuern - nicht nur gegen Drohungen von außen gerichtet, sondern gegen Selbstsucht, Zynismus und
Apathie. Die neue Grundlage, von der ich heute abend gesprochen habe, kann
uns helfen, eine Nation und eine Welt zu schaffen, in der jedes Kind genug
an Nahrung und Ausbildung hat und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken kann,
in der die Ressourcen, die jetzt für den Krieg vergeudet werden, den menschlichen Erfordernissen zugeführt werden, in der alle Menschen genug zu essen,
ein anständiges Heim sowie Schutz vor Krankheiten haben. Sie kann uns helfen,
eine Nation und eine Welt zu schaffen, in der alle Völker die Freiheit haben,
nach der Wahrheit zu streben und einen Beitrag zur menschlichen Verständigung
zu leisten, damit wir alle unser Leben in Frieden leben können.
Heute abend ersuche ich Sie, sich mir bei der Schaffung dieser neuen
Grundlage - einer besseren Grundlage - für unser Land und unsere Welt anzuschließen.
*

+ + + + +

- 13 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Carters Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- 23. Januar 1979 -&lt;/em&gt;</text>
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