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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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Z12462 C

06

26. März 1997
y

USA-RUSSLAND

ZIEL IST EIN STABILES, DEMOKRATISCHES,
GEEINTES EUROPA
Gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung

FRAUEN

FÖRDERUNG DES STATUS DER FRAU IST
BESTANDTEIL DER AMERIKANISCHEN
AUSSENPOLITIK
Reden der Außenministerin und der First Lady

USA-EUROPA

DIE BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DEN
VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA
Rede von Wirtschaftsminister Daley

USA-DEUTSCHLAND

AKTUELLE THEMEN DER EUROATLANTISCHEN BEZIEHUNGEN
Rede von J.D. Bindenagel
KULTURBRUCH MIT AMERIKA - NEIN DANKE!
Rede von J.D. Bindenagel

Informationen über die Politik der US-Regierung und
die Vereinigten Staaten im allgemeinen können
auf der Home Page von USIS-Deutschland
im World Wide Web des Internet unter
http://www.usia.gov/posts/bonn.html
abgerufen werden.

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn
Tel.: 0228-339 2372

Fax: 0228-333 138
e-mail: bbsbonn@usia.gov
internet: http://www.usia.gov/posts/bonn.html

�USA-RUSSLAND
26. März 1997

Ziel ist ein stabiles, demokratisches, geeintes Europa
Gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung

HELSINKI - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die beim Gipfel von Helsinki am 21. März 1997 verabschiedete
gemeinsame amerikanisch-russische Erklärung zur europäischen Sicherheit.

Die Präsidenten Clinton und Jelzin erörterten die
derzeitige Sicherheitslage im euroatlantischen Raum.
Sie bekräftigten ihr Engagement für das gemeinsame
Ziel, ein stabiles, sicheres, integriertes und ungeteiltes
demokratisches Europa aufzubauen. Die Rolle der
Vereinigten Staaten und Rußlands als Mächte mit
weltweiten Pflichten stellt an diese Länder die besondere Anforderung, zur Erlangung dieses Ziels eng
zusammenzuarbeiten. Die Präsidenten bekräftigten,
daß diese Zusammenarbeit im Geist von Offenheit und
Pragmatismus stattfinden wird, der in den letzten
Jahren charakteristisch für die amerikanisch-russischen Beziehungen gewesen ist.
In Erinnerung an die gemeinsame Erklärung zur
europäischen Sicherheit vom Mai 1995 stellten die
Präsidenten fest, daß ein dauerhafter Friede in Europa
auf der Integration des gesamten Kontinents in eine
Reihe sich gegenseitig unterstützender Institutionen
und Beziehungen gründen sollte, die gewährleisten,
daß es keine erneute Teilung oder Konfrontation
geben wird. Keine Institution kann die Sicherheit
alleine gewährleisten. Die Präsidenten stimmten
überein, daß die Entwicklung von Sicherheitsstrukturen
auf eine Art und Weise stattfinden sollte, die keinen
Staat bedroht und das Ziel des Aufbaus eines stabileren und integrierten Europas fördert. Diese Evolution
soll auf einer umfassenden Verpflichtung zu den
Grundsätzen der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) basieren, wie sie
in der Schlußakte von Helsinki, dem Verhaltenskodex
von Budapest und anderen OSZE-Dokumenten
niedergelegt sind, einschließlich der Respektierung
von Menschenrechten, Demokratie und politischem
Pluralismus, der Souveränität und territorialen Integrität
aller Staaten sowie ihres natürlichen Rechts auf die

AMERIKA DIENST 06

Auswahl der Mittel zur Gewährleistung ihrer eigenen
Sicherheit.
Die Präsidenten sind überzeugt, daß die Stärkung der
OSZE, deren Potential noch voll entfaltet werden muß,
den Interessen der Vereinigten Staaten und Rußlands
dient. Die Präsidenten verliehen ihrer Zufriedenheit
über das Ergebnis des OSZE-Gipfels von Lissabon
Ausdruck und waren sich über die Bedeutung der
Umsetzung der dort getroffenen Entscheidungen einig,
die Ziele der sicherheitspolitischen Zusammenarbeit
genauer zu definieren und weiter nach innovativen
Methoden für die Erfüllung der wachsenden Zahl von
der OSZE übernommener Aufgaben zu suchen.
Sie unterstrichen ihr Engagement für die Förderung
der operativen Fähigkeiten der OSZE als einzigem
Rahmen für die europäische Sicherheitszusammenarbeit, der die umfassende und gleichberechtigte
Beteiligung aller Staaten vorsieht. Die Konsensregelung soll die unantastbare Grundlage für den
Entscheidungsfindungsprozeß der OSZE sein. Die
Präsidenten bekräftigten ihr Engagement für die
Zusammenarbeit bei den laufenden Bestrebungen der
OSZE zur Entwicklung eines Sicherheitsmodells für
Europa, das der drastisch veränderten Situation am
Vorabend des 21. Jahrhunderts und den auf dem
Gipfel von Lissabon getroffenen Entscheidungen über
eine Charta zur europäischen Sicherheit Rechnung
trägt. Die wesentliche Rolle der OSZE in Bosnien und
Herzegowina und ihre Fähigkeit zur Entwicklung neuer
Formen der Friedenssicherung und Konfliktverhütung
sollten ebenfalls aktiv weiterentwickelt werden.
Bei ihren Gesprächen in Helsinki richteten die beiden
Präsidenten ihr besonderes Augenmerk auf die Frage
der Beziehungen zwischen der NATO und der Russi-

Seite 1

�sehen Föderation. Uneinig waren sie sich weiterhin
über die Frage der NATO-Erweiterung. Um die
möglichen Auswirkungen dieser Meinungsverschiedenheiten gering zu halten, einigten sich die Präsidenten, auf bilateraler Ebene und gemeinsam mit
anderen Ländern ein Dokument auszuarbeiten, das
die Zusammenarbeit zwischen der NATO und Rußland
als wichtiges Element eines neuen umfassenden
europäischen Sicherheitssystems festlegt. Das von
den Staatschefs der NATO-Mitgliedstaaten und
Rußlands unterzeichnete Papier würde eine dauerhafte Verpflichtung auf höchster politischer Ebene
darstellen. Ferner stimmten die Präsidenten darin
überein, daß die in diesem Dokument definierten
Beziehungen zwischen der NATO und Rußland
Konsultationen, Koordination und - soweit möglich und
wo angemessen - gemeinsame Entscheidungsfindung
und Aktionen bei gemeinsame Belange betreffenden
Sicherheitsfragen vorsehen soll.
Die Präsidenten stellten fest, das von der NATO und
Rußland verabschiedete Dokument würde sowohl die
tiefgreifende Umgestaltung der NATO, einschließlich
ihrer politischen und friedenssichernden Dimension,
als auch die neuen Realitäten Rußlands beim Aufbau
einer demokratischen Gesellschaft berücksichtigen
und dazu beitragen.
Das Dokument verkörpert
darüber hinaus das gemeinsame Engagement der
NATO und Rußlands bei der Entwicklung ihrer Beziehungen in einer die gegenseitige Sicherheit verbessernden Weise.
Die Präsidenten erinnerten an die historische Bedeutung des Vertrags über konventionelle Streitkräfte in
Europa bei der Schaffung des erforderlichen Vertrauens für den Aufbau eines gemeinsamen Sicherheitsraums auf dem Kontinent im Interesse aller
Staaten in Europa, ob sie einem militärischen oder
politischen Bündnis angehören oder nicht, und werden
weiterhin jegliche destabilisierende Aufrüstung von
Streitkräften in unterschiedlichen Regionen Europas
verhindern.
Die Präsidenten unterstrichen die Bedeutung einer
Anpassung des KSE-Vertrags. Sie stimmten bezüglich

der Notwendigkeit einer Beschleunigung der Verhandlungen zwischen den KSE-Parteien überein mit dem
Ziel, bis Ende Frühjahr oder Anfang Sommer 1997

ein Rahmenabkommen abzuschließen, das die
grundlegenden Elemente eines angepaßten KSEVertrags enthält, im Einklang mit den Zielen und
Prinzipien des in Lissabon im Dezember 1996 vereinbarten Dokuments über den Umfang und die Parameter.
Präsident Jelzin betonte die Sorge Rußlands, die
NATO-Erweiterung werde zu einer potentiell bedrohlichen Aufrüstung permanent stationierter Streitkräfte der NATO in der Nähe Rußlands führen.
Präsident Clinton unterstrich, daß das Bündnis keine
diesbezüglichen Aktionen in Erwägung zieht.
Präsident Jelzin begrüßte Präsident Clintons Erklärungen und bekräftigte, Rußland würde entsprechende Zurückhaltung bezüglich der Stationierung
seiner konventionellen Streitkräfte in Europa üben.
Präsident Clinton verwies auch auf die Politik der
NATO im Hinblick auf die Stationierung von Nuklearwaffen, wie sie am 10. Dezember 1996 vom Nordatlantikrat formuliert wurde, daß die NATO-Mitglieder
"keine Absicht, keinen Plan und keinen Grund" zur
Stationierung von Nuklearwaffen auf dem Territorium
von Staaten haben, die jetzt Mitglied des Bündnisses
sind, und auch keine zukünftige Notwendigkeit dafür
sehen. Präsident Clinton verwies auf die Bereitschaft
der NATO, einen spezifischen Hinweis auf diese Politik
in das von der NATO und Rußland verabschiedete
Dokument einzubeziehen. Präsident Jelzin sprach
sich für eine Einbeziehung eines solchen Hinweises in
das Dokument aus.
Die Präsidenten waren sich einig, daß sich die Vereinigten Staaten, Rußland und ihre Partner in Europa
mit zahlreichen gemeinsamen Sicherheitsbedrohungen
konfrontiert sehen, die am besten durch Zusammenarbeit zwischen allen Staaten des euroatlantischen
Raums angesprochen werden können. Sie verpflichteten sich zur Intensivierung ihrer Bestrebungen,
auf dem bei ihren Treffen in Helsinki erarbeiteten
gemeinsamen Terrain aufzubauen, um die Effektivität
der europäischen Sicherheitsinstitutionen zu verbessern, einschließlich des in dieser Erklärung
enthaltenen Abschlusses von Abkommen und Vereinbarungen.

* * * *

*

.

Seite 2

AMERIKA DIENST 06

�FRAUEN
26. März 1997

Förderung des Status der Frau ist
Bestandteil der amerikanischen Außenpolitik
Reden der Außenministerin und der First Lady

WASHINGTON - (AD) - US-Außenministerin Madeleine Albright erklärte am 12. März 1997 bei einer
Veranstaltung im US-Außenministerium aus Anlaß des internationalen Tags der Frau, die Förderung des Status
der Frau sei nicht nur ein moralisches Gebot, sondern auch ein wesentlicher Bestandteil der amerikanischen
Außenpolitik.
Auch die First Lady Hillary Rodham Clinton forderte die "vollständige Einbeziehung der Bedürfnisse von Mädchen
und Frauen in die amerikanische Außenpolitik".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Reden von Außenministerin Albright und der First Lady unwesentlich gekürzt.

Madeleine Albright: Zu Beginn meiner Ausführungen
am heutigen Morgen möchte ich eine einfache Feststellung machen. Die Förderung des Status der Frau
ist nicht nur ein moralisches Gebot, sondern sie wird
aktiv in die Außenpolitik der Vereinigten Staaten
integriert. Sie ist unsere Aufgabe. Das ist die richtige und offen gesagt auch eine kluge - Vorgehensweise.

saal des Kriegsverbrechertribunals über die weitreichenden Operationen der UN-Hochkommissarin für
Flüchtlinge bis zur obersten Etage des US-Außenministeriums.

Am Vorabend des neuen Jahrhunderts wissen wir, daß
wir die von uns angestrebte Zukunft nicht ohne den
Beitrag der Frauen gestalten können. Und wir wissen,
daß Frauen weltweit nur dann entsprechend ihren
Begabungen einen vollwertigen Beitrag leisten können,
wenn sie gleichen Zugang, gleiche Rechte, gleichen
Schutz und eine faire Chance an den Hebeln der
wirtschaftlichen und politischen Macht erhalten.

Bei meiner jüngsten Reihe von Staatsbesuchen traf ich
mit sechs Präsidenten, vier Ministerpräsidenten, acht
Außenministern, drei Verteidigungsministern, zwei
Premierministern, einem Kanzler, einem Generalsekretär und einem Handelsminister zusammen. Und wenn
wir alle in einem Raum säßen, sähe man 26 Anzüge
und mein Kostüm.

Wir haben bei der Erlangung dieser Ziele Fortschritte
gemacht. Ich habe einmal gesagt, wenn ich eine oder
zwei Generationen früher geboren worden wäre und
eine definitive Aussage zur amerikanischen Außenpolitik hätte machen wollen, hätte ich nur die Möglichkeit gehabt, Mitglied der Gesellschaft zu werden und
einem Botschafter, der beleidigende Äußerungen
macht, Tee über die Hose zu gießen.
Heute sind Frauen an jeder Facette internationaler
Angelegenheiten beteiligt - vom politischen Entscheidungsfindungsprozeß bis zu Vertragsabschlüssen, von Rüstungskontrolle bis Handel, vom Gerichts-

AMERIKA DIENST 06

Wir haben also allen Grund zu feiern. Aber wir haben
noch einen weiten Weg vor uns.

Dieser Mangel an Frauen in Spitzenpositionen spiegelt
sich in den politischen und ökonomischen Strukturen
der meisten Nationen wider. Ob man gegen eine
unsichtbare Schranke läuft oder schmutzige Arbeit
verrichtet - Gleichberechtigung bleibt für die meisten
von uns eher ein Wunsch als eine Realität.
Es liegt im amerikanischen Interesse, das zu ändern.
Die Förderung des Status der Frau steht in direktem
Zusammenhang mit unseren außenpolitischen Zielen.
Wir wollen Frieden schaffen und den Kreis demokratischer Länder erweitern. Wir möchten eine wachsende
Weltwirtschaft aufbauen, die gute Arbeitsplätze für
Amerikaner schafft. Und wir streben eine Zukunft an,

Seite 1

�in der unsere Werte von mehr Menschen in Ehren
gehalten werden.
Auf jeden Fall können wir unser Ziel nicht erreichen,
wenn die Frauen ausgegrenzt werden.
Frauen
müssen auf jedem Schritt dieses Weges einbezogen
werden.
Betrachten Sie sich beispielsweise das Streben nach
Frieden.
Ich gehöre nicht zu den Vertretern der Ansicht, wenn
nur Frauen das Sagen auf der Welt hätten, gäbe es
keine Kriege mehr. Die menschliche Neigung zu
Dummheit und Fehlkalkulation ist weit verbreitet. Aber
die Geschichte dieses Jahrhunderts lehrt uns, daß
Demokratie der Vater des Friedens ist. Und der
gesunde Menschenverstand sagt uns, daß echte
Demokratie nicht ohne die vollständige Beteiligung der
Frau möglich ist.
Die Weltfrauenkonferenz in Peking hat den Frauen
neue Impulse gegeben, für ihre Rechte einzutreten,
sich zu engagieren, zu organisieren, zur Wahl zu
gehen und sich zur Wahl zu stellen. Das von Frauen
geschaffene große Netz nichtregierungsabhängiger
Organisationen konzentriert sich auf diese Aufgaben.
Größere Beteiligung führt zu mehr Demokratie und
repräsentativerer Politik. Und in den Regionen, in
denen Demokratie für den Frieden am meisten bewirkt,
arbeiten Frauen hart an der Schaffung und Erweiterung der Institutionen zur Förderung der Freiheit.
Ich war in Bosnien Zeuge der Bestrebungen von
Frauengruppen, die Wunden ethnischer Spaltung zu
heilen. Die Frauen in diesem Land sind entschlossen
zum Aufbau einer Gesellschaft, in der sie - die einen
enormen Preis für in der Vergangenheit getroffene
falsche Entscheidungen zahlen mußten - daran
mitwirken, die richtigen Entscheidungen für die Zukunft
zu treffen.
Ich habe gesehen, wie in Zentraleuropa und den
Neuen Unabhängigen Staaten Bewegungen entstanden, die Frauen beim Aufbau der neuen Demokratien ein Mitspracherecht geben wollen. Das ist von
entscheidender Bedeutung, denn die Frauen haben
am stärksten unter den wirtschaftlichen und sozialen
Zerrüttungen der letzten Jahre gelitten.
In Burundi sah ich, wie Hunderte von Hutu- und TutsiFrauen Seite an Seite arbeiteten, um zu verhindern,
daß in ihrem Land ein solcher Völkermord stattfindet
wie der, der im benachbarten Ruanda so viel Leid
verursachte.
Während der Weltfrauenkonferenz und danach habe
ich erlebt, wie Vertreter von Gruppen aus der ganzen
Welt - afrikanische, asiatische, lateinamerikanische,

Seite 2

jüdische, islamische und christliche - sich der gemeinsamen Sache des Erhalts der weltweiten Dynamik zu
offeneren und repräsentativeren politischen Systemen
verschrieben haben.
Das ist ihr Ziel, und es ist das Ziel von uns Amerikanern.
Dasselbe gilt für Wirtschaftswachstum.
Seit 1993 haben wir unter der Führung Präsident
Clintons mehr als 200 Handelsvereinbarungen ausgehandelt, damit dem Welthandel enormen Auftrieb
verliehen und Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen.
Damit die Weltwirtschaft weiterhin wächst, müssen
Frauen überall mehr Zugang zu wirtschaftlichen
Chancen und Macht erhalten.
Wirtschaftswachstum erfordert eine moderne Volkswirtschaft. Und wie Kemal Atatürk vor sieben Jahrzehnten erklärte, kann man nicht mit der modernen
Welt Schritt halten, wenn man nur die halbe Bevölkerung modernisiert.
Trotz der jüngsten Errungenschaften bleiben Frauen
eine unterbewertete und unterentwickelte Ressource
der Menschheit. Das heißt jedoch nicht, daß Frauen
nur schwer Arbeit finden.
In vielen Gesellschaften verrichten Frauen neben der
Geburt und Erziehung von Kindern den Großteil
anderer Arbeiten. Aber oftmals dürfen sie kein Land
besitzen, nicht zur Schule gehen, erhalten weniger
Nahrung und haben in der Regierung nur wenig oder
kein Mitspracherecht.
Es ist kein Zufall, daß weltweit der Großteil der Menschen, die in bitterer Armut leben, Frauen sind. Oft
müssen sie ihre Kinder ohne die Hilfe der Väter
aufziehen. Viele sind bereits in jungen Jahren in
einem Netz von Unwissenheit und Mißbrauch gefangen.
Frauen sind bereit, als vollwertige Partner zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen, aber sie benötigen
Bildung, angemessene Gesundheitsfürsorge, Zugang
zu Krediten und Schutz vor Gewalt. Sie benötigen
Wissen und die Macht, eigene Entscheidungen zu
treffen.
Wir wissen aus Erfahrung, daß bei Erfüllung dieser
Voraussetzungen der Teufelskreis der Armut gebrochen und die Geburtenrate stabilisiert werden kann,
das Umweltbewußtsein wächst, die Ausbreitung
sexuell übertragbarer Krankheiten abnimmt und die
Wahrscheinlichkeit der Weitergabe sozial konstruktiver
Werte an die jüngere Generation steigt. Das ist ein

AMERIKA DIENST 06

�unbezahlbares und dauerhaftes Geschenk an die
Nachwelt.

behandelt werden. Das heißt, unsere Welt wird besser
und wir alle werden bereichert.

Wir dienen auch der Zukunft, wenn wir für die grundlegenden Werte der Rechtsstaatlichkeit und Respektierung der Würde jedes menschlichen Wesens eintreten.

Bei den Bestrebungen zur Förderung des Status der
Frau haben die Vereinigten Staaten eine Führungsrolle
übernommen. Aber eine Führungspersönlichkeit kann
nicht untätig zusehen - und wir sehen nicht untätig zu.
Auf Initiative von Präsident Clinton beziehen wir
Frauen betreffende Anliegen in die amerikanische
Außenpolitik ein. Was heißt das?

Vor einem halben Jahrhundert war eine großartige
First Lady die treibende Kraft bei der Verabschiedung
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. In
Peking bekräftigte eine andere großartige First Lady
eloquent die Verpflichtung der Vereinigten Staaten zu
dieser Erklärung und ihrer Anwendung auf alle Menschen - insbesondere auf Frauen und Kinder.
Ich weiß nicht, ob dies die Folge einer Unterhaltung
zwischen diesen beiden First Ladies war.
Aber ich weiß, daß die Allgemeine Erklärung der
Menschenrechte geistige und moralische Werte
verkörpert, die von zentraler Bedeutung für alle
Kulturen sind und sowohl die uns definierende wunderbare Vielfalt respektieren als auch die uns verbindenden menschlichen Bande.
Die Erklärung verpflichtet alle Regierungen, mit
Gesetzen und in der Praxis den Schutz der Rechte
derjenigen anzustreben, die ihrer Gerichtsbarkeit
unterstehen. Und durch ihr bloßes Vorhandensein
beweist sie, daß die Einhaltung dieser Verpflichtung
durch eine Regierung nicht nur ein innenpolitisches,
sondern ein universelles Anliegen ist.
Bedauerlicherweise werden Frauen heute auf der
ganzen Welt in verabscheuungswürdiger Weise
mißbraucht. Einige sagen, dieser Mißbrauch sei
kulturell bedingt, und wir könnten nichts dagegen tun.
Ich sage, es ist ein Verbrechen, und es ist die Verantwortung jedes Einzelnen von uns, dem Einhalt zu
gebieten.
Es ist ermutigend, daß die Bestrebungen zur Eindämmung der Gewalt gegen Frauen nach der Konferenz von Peking verstärkt wurden. In einem Land
nach dem anderen sehen wir Projekte, mit denen das
Bewußtsein geschärft und den Frauen besserer
Schutz im Rahmen der Gesetze eingeräumt werden
soll.
Das ist wichtig, weil jedes Mal eine spezielle Polizeieinheit gegründet wird, um die unverzügliche Reaktion auf
sexuellen Mißbrauch oder häusliche Gewalt sicherzustellen; jedes Mal werden gemeinsame Anstrengungen unternommen, um die Verstümmelung weiblicher
Genitalien zu beenden; jedes Mal wird ein Programm
in die Wege geleitet, um die Ausbeutung von Frauen
und Kindern zu stoppen; jedes Mal werden Schritte
unternommen, damit Frauen gleichberechtigt als
Einzelpersonen, Familienmitglieder und Bürger

AMERIKA DIENST 06

Zum einen heißt es, daß in diesem Jahr das USAußenministerium den Vorsitz über den letztes Jahr
zur Umsetzung der Aktionsplattform von Peking
gegründeten interministeriellen Rat für Frauen führen
wird.
Es heißt, daß unser Hilfsprogramm für Länder in
Übersee weiterhin die Betonung auf Projekte legen
wird, die die Fähigkeit von Frauen zur wirtschaftlichen
und politischen Beteiligung verbessern, ihnen Zugang
zu Bildung und Gesundheitsfürsorge, einschließlich
reproduktiver Gesundheitsfürsorge, gewähren und sie
selbst gegen Gewalt und Krankheiten schützen.
Es heißt, daß wir uns besonders auf die Institutionen
der bürgerlichen Gesellschaft konzentrieren, die
Frauen und Flüchtlingshilfe einbeziehen und den
Erfordernissen der Frauen gerecht werden.
Es heißt, daß wir weiterhin in ehrlicher und gründlicher
Weise über Menschenrechtsverletzungen berichten,
und wir werden diese Menschenrechtsverletzungen
verurteilen - seien sie Unterlassungssünden derjenigen, die sich weigern, bei häuslicher Gewalt zu
ermitteln oder sie strafrechtlich zu verfolgen, oder
vorsätzliche Vergehen von Diktatoren wie in Burma
oder Extremisten wie in Afghanistan.
Es heißt, daß wir weiterhin das internationale Kriegsverbrechertribunal unterstützen, weil wir die Auffassung vertreten, daß die für ethnische Säuberungen
Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden
sollten und diejenigen, die Vergewaltigung nur als eine
weitere Waffe des Krieges ansehen, für ihre Verbrechen bezahlen sollten.
Es heißt, daß wir uns an globalen Bestrebungen
beteiligen, um scharf gegen den illegalen Menschenhandel mit Frauen und Kindern vorzugehen. Und ich
möchte hinzufügen, daß diejenigen, die mit Drogen
handeln, ebenso schwer bestraft werden sollten wie
die Schlepperbanden.
Und es heißt, ich werde explizit sagen, daß es höchste
Zeit für die Vereinigten Staaten ist, Vertragspartei der
Konvention über die Abschaffung der Diskriminierung
von Frauen zu werden, wenn ich in einigen Wochen in
North Carolina im Jesse Helms Center sprechen
werde.

Seite 3

�Wie die meisten von Ihnen inzwischen wissen, habe
ich meines Erachtens sehr gute Beziehungen zum
Vorsitzenden des Ausschusses für auswärtige Beziehungen. Wir sind - wenn möglich - einer Meinung und
streiten uns freundschaftlich, wenn wir zu einem
Thema Meinungsverschiedenheiten haben.
Die Integration der Frau in unsere Außenpolitik ist ein
aktiver, kontinuierlicher, weltweiter Prozeß. Er erfordert nicht nur die Zusammenarbeit mit anderen
Regierungen, sondern auch mit Nichtregierungsorganisationen und anderen Befürwortern von Fortschritt. Er betrifft alles - von der Erarbeitung von
Programmen des Amts für internationale Entwicklung
über politische Entscheidungen, die von unseren
Büros hier in Washington getroffen werden, bis zu den
Aktivitäten unserer Botschaften auf der ganzen Welt.
Und er verkörpert unsere Auffassung, daß Fortschritt
nicht nur das Öffnen von Türen erfordert, sondern
auch tatkräftige Anstrengungen, andere einzubeziehen
und die Kunde zu verbreiten, daß das alte Zeitalter der
Ungerechtigkeit und Unterdrückung enden muß, damit
ein neues Zeitalter der Chancen und uneingeschränkten Beteiligung anbrechen kann.
Abschließend möchte ich ein paar Worte über unsere
nächste Rednerin sagen, denn sie ist zweifelsohne
eine der Frauen, die wir in unsere Außenpolitik
einbezogen haben.
In den vergangenen vier Jahren ist Hillary Rodham
Clinton zur am meisten respektierten und geschätzten
- wenn auch inoffiziellen - Botschafterin der Vereinigten
Staaten geworden.
Sie hat Amerikas Tagesordnung für Frieden, Demokratie, Wirtschaftswachstum und Rechtsstaatlichkeit von
Indien bis Indonesien, von China bis Kopenhagen und
von der Ukraine bis zu einer denkwürdigen diplomatischen und kulinarischen Erfahrung in Ulan Bator
vorangebracht.
Sie geht die ihr zugewiesenen Aufgaben mit enormer
Energie, Intelligenz, Engagement und höchster
Eloquenz an.
Diejenigen von Ihnen, die Reden vor der Öffentlichkeit
gehalten haben, wissen, wie schwer es sein kann, ein
Publikum problemlos mitzureißen. Stellen Sie sich vor,
wie schwer es ist, wenn die Zuhörer aus 150 verschiedenen Ländern kommen und die meisten von
ihnen mit Kopfhörern dasitzen, deren Kabel in alle
Richtungen gehen, und einer emotionslosen und nicht
immer akkuraten Übersetzung zuhören.
Und dennoch begeisterte diese Frau, die Ehrenvorsitzende unserer Delegation, in Peking genau diese
Art von Publikum.

Seite 4

Ihre Botschaft klingt noch nach, ihr Beitrag zur amerikanischen Führungsrolle wird weiter ausgebaut, ihre
Klugheit ist zu einer internationalen Kraft für das Gute
geworden. All dies - und sogar ein Grammy Award.
Als Außenministerin kann ich mir kein größeres
Geschenk vorstellen, als die First Lady an meiner Seite
und an der Seite Amerikas zu haben.
Auf meine Bitte hin wird sie an diesem Wochenende
nach Afrika reisen, einer Region von großer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und den Fortschritt der
Frauen.
Ich sehe dem Bericht über ihre Reise erwartungsvoll
entgegen, und ich weiß, wir alle sind jetzt gespannt auf
ihre Ansprache.
Wir begrüßen unsere großartige First Lady, Hillary
Rodham Clinton.
Hillary Clinton: Vielen Dank, Frau Außenministerin.
Ich benutze diese Anrede immer noch gerne. Wir
treffen uns heute aus Anlaß des internationalen Tags
der Frau im Zentrum des Außenministeriums. Wir
Amerikaner haben viel zu feiern, angefangen mit einer
Außenministerin, die aufgrund ihres Geschlechts eine
Schwelle überschritt und - was viel wichtiger ist - sich
nicht nur für die Rechte von Amerikanern einsetzt,
sondern für die Bürger auf der ganzen Welt ungeachtet
ihres Geschlechts.
Madeleine Albright hat nicht nur viele unsichtbare
Schranken durchbrochen, sondern auch oft Frieden
ausgehandelt. Sie hat nicht nur viele Türen geöffnet,
sondern auch den Horizont vieler Menschen erweitert.
Da Frau Albright es ansprach - während meines
letzten Gesprächs mit Frau Roosevelt sagte diese mir,
wie erfreut sie gewesen sei, als ihr Mann die erste
Frau in der Geschichte der Vereinigten Staaten in sein
Kabinett berief, und wie sehr sie sich jetzt freue, daß
mein Mann erstmals eine Frau an die Spitze des
Außenministeriums gestellt hat.
Ich danke Außenministerin Albright für ihre Führung,
ihren Mut und - ganz persönlich - für ihre Freundschaft.
Ich freue mich außerordentlich, daß sie zugestimmt
hat, dem interministeriellen Rat des Präsidenten für
Frauenfragen vorzusitzen, wobei ihr Theresa Loar, Tim
Wirth und andere hilfreich zur Seite stehen werden.
Wir wissen, daß unsere neue Außenministerin und wir
alle mit zahllosen Pflichten konfrontiert sind. Unserer
Außenpolitik mangelt es nicht an Herausforderungen.
Wir müssen den Abbau von Massenvernichtungswaffen fortsetzen. Wir müssen den Traum dieses
Jahrhunderts von einem vollständig geeinten, demokratischen und friedlichen Europa erfüllen.
Wir
müssen uns für die Nutzung neuer Chancen in Asien
einsetzen, die Chancen für Frieden im Nahen Osten

AMERIKA DIENST 06

�und anderen Gebieten nutzen, die nicht nur für die
Vereinigten Staaten, sondern für die ganze Welt von
strategischer Bedeutung sind.
Wir müssen mit unseren Partnern in Lateinamerika,
Afrika und andernorts am Aufbau einer alle einbeziehenden und expandierenden Weltwirtschaft
arbeiten. Wir müssen unsere Menschen vor den
Bedrohungen durch Terrorismus, Extremismus,
internationales Verbrechen, Drogen und Umweltzerstörung retten.
All das verlangt unsere Aufmerksamkeit und unser
Engagement. Heute möchte ich eine einfache Idee
vorbringen:
Die vollständige Einbeziehung der
Bedürfnisse von Mädchen und Frauen in die amerikanische Außenpolitik. Trotz der von ihnen geleisteten
Arbeit bei der Kindererziehung und in der Gemeinde
genießen allzu viele Frauen auf dieser Welt, insbesondere in den Entwicklungsländern, weder Gleichberechtigung noch werden ihnen Chancen eröffnet.
Ich möchte mich deutlich ausdrücken. Die Herausforderung ist nicht auf die Entwicklungsländer beschränkt. Wir haben hier in den Vereinigten Staaten
und in anderen Industrieländern genug zu tun um
sicherzustellen, daß Frauen an der Demokratie
beteiligt sind. Ein Ziel jedes Landes sollte die Gewährleistung sein, daß alle Bürger ungeachtet ihrer Rasse,
ihres Geschlechts, ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder
ihrer Religion ihren rechtmäßigen Platz in der Gesellschaft einnehmen können.
Sie werden mir vergeben, wenn ich kurz abschweife:
Gestern war ich in Arkansas, wo ich die Menschen
besuchte, die morgens von einem schrecklichen
Tornado heimgesucht worden waren. Noch vor dieser
Katastrophe machten diese Menschen bereits Überstunden, um sich das von ihnen angestrebte Leben zu
ermöglichen. Die ganzen Vorteile der amerikanischen
Gesellschaft lagen für sie noch in weiter Ferne. Nach
diesem Tornado schien alles verloren, wofür sie
gearbeitet und was sie sich erhofft hatten.
Später hielt ich eine Rede bei einer Veranstaltung, auf
der Gelder gesammelt wurden, um alleinerziehenden
Eltern, vor allem Frauen, den Besuch eines College
oder einer Berufsschule zu ermöglichen. Ich sprach
mit fünf Frauen, die mir sagten, wie wichtig es für sie
war, daß die Gesellschaft in Form derjenigen, die die
Gelder aufbrachten, sie einbezog und ihnen mitteilte,
daß sie etwas aus ihrem Leben machen könnten, aufs
College gehen und den Lebensunterhalt für sich und
ihre Kinder verdienen könnten.
Sie hatten die in Amerika immer noch viel zu oft
geäußerte Botschaft gehört: Sie seien nichts wert und
niemand hätte Interesse an ihnen. Eine junge Frau
erzählte mir: "Vor fünf Jahren war ich in einem heruntergekommenen Frauenhaus in Fayetteville (Ar-

AMERIKA DIENST 06

kansas). Ich besaß nichts. Nicht nur, daß ich kein
Auto hatte, ich hatte auch keinen Führerschein, und
mein Gesicht sah aus, als wäre ein Lastwagen drübergefahren. Und plötzlich gab es Menschen, die mich
davon überzeugten, daß ich etwas aus mir machen
und auch für meinen neun Monate alten Sohn sorgen
könnte. Ich fragte mich, wieso diese Menschen an
mich glaubten, mir zutrauten, aufs College zu gehen
und mich selbst zu ernähren. Wieso kümmerten sich
diese Menschen um mich, wo sich doch nicht einmal
mein eigener Mann um mich kümmerte."
All dies erinnerte mich an andere Geschichten, die mir
auf der ganzen Welt erzählt wurden, als die Frauen in
Bangladesch, Indien, Nicaragua oder Chile sich
erhoben und mir sagten, was es für sie bedeuten
würde, daß ihnen jemand zutraute, ihre Familien zu
ernähren, ihre Fähigkeiten auf dem Markt Wert hätten,
daß ihre Kinder, insbesondere ihre Töchter, ein
besseres Leben haben könnten.
Den Frauen, mit denen ich gestern abend zusammentraf, wurde die Rückkehr auf die Schulbank ermöglicht,
und heute sind sie Bürgerinnen der Vereinigten
Staaten im wahrsten Sinne des Wortes. Die Einkommensunterschiede in unserem Land und auf der
Welt führen dazu, daß Menschen zurückgelassen
werden, von der Datenautobahn abkommen, nicht die
Chancen der Demokratie nutzen können. Amerika
muß um seiner selbst sowie um seiner Führungsrolle
in der Welt von heute und morgen willen in jeder

Nation Demokratie und eine bürgerliche Gesellschaft
fördern, damit alle Bürger - Männer, Frauen und Kinder
- ihre von Gott gegebenen Begabungen nutzen
können.
Man könnte jetzt natürlich sagen: "Es ist gut, sich um
die Frauen von Arkansas zu kümmern, aber warum
sollten ich oder irgendein anderer Amerikaner sich mit
den Frauen in den Entwicklungsländern und andernorts auf der Welt befassen?" Warum sollten Frauen,
wie Außenministerin Albright gerade eloquent darlegte,
zu einem unserer Belange und einem Bestandteil der
amerikanischen Außenpolitik werden?
Die Außenministerin hat es bereits geäußert und diese
Administration ist davon überzeugt, daß die Hälfte der
Bürger dieser Welt unterbewertet, unterbezahlt, nicht
ausreichend gebildet und vertreten, schlecht ernährt
ist, nicht genug beachtet und gedemütigt wird. In einer
solchen Situation können wir unsere demokratischen
Werte und unsere Lebensweise nicht bewahren.
Wenn die Amerikaner sich als Nation um die Öffnung
ausländischer Märkte für amerikanische Waren und
Dienstleistungen bemühen, wenn wir in Anbetracht
neuer Bedrohungen die Sicherheit unseres Landes
erhöhen wollen, wenn wir Frieden und Wohlstand
ausweiten möchten, dann müssen wir uns mit der
Situation der Frauen auf der Welt befassen.

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�Sie in diesem Saal wissen besser als jeder andere,
daß sich unsere Welt inmitten einer großartigen
Umgestaltung befindet, die mehr Demokratie ankündigt, welche hoffentlich zu mehr Frieden führt. Die
großen Versprechungen dieser Zeit beinhalten jedoch
luch Herausforderungen. Globaler Wettbewerb, die
nformationsrevolution und die hohe Geschwindigkeit
les Wandels üben Druck auf jede Gesellschaft aus 'on der Regierung bis zu den einzelnen Familien.
Diese Zwänge stellen uns an der Schwelle zum 21.
Jahrhundert vor unvermeidliche Fragen. Wie können
-vir Wege finden, um ein Gleichgewicht zwischen den
Rechten und Pflichten des einzelnen und der Gesellschaft zu finden? Wie können Eltern ihre Kinder in
Anbetracht der Einflüsse der Massenmedien und der
Konsumgesellschaft aufziehen? Was machen wir mit
dem scheinbaren Konflikt zwischen persönlicher
Identität und der im Zeitalter der Globalisierung und
Hochtechnologie zur Verfügung stehenden Arbeit?
Was geschieht mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft? Wir werden die Menschen ihren ethnischen
Stolz bewahren und ihre Staatsbürgerschaft schätzen,
und wie werden Nationen ihre Souveränität schützen,
während sie gleichzeitig auf regionaler und globaler
Ebene mit anderen Ländern zusammenarbeiten?
Wenn wir über diese Fragen und die Antwort einer
freien Nation wie der unsrigen nachdenken, dürfen wir
nicht vergessen, daß es bei der Demokratie nicht nur
um gesetzlich geschützte Rechte, Wahlen oder die
freie Marktwirtschaft geht. Es geht um die Verinnerlich ung demokratischer Werte in den Herzen und
Köpfen der Menschen. Es geht darum, wie die
Demokratie im täglichen Leben der Menschen verwurzelt ist, wenn es weder einen heißen noch einen kalten
Krieg gibt.
Angesichts der Veränderungen um uns herum dürfen
wir unsere weltweiten Interessen nicht länger nur mit
Machtblöcken und großen Waffenarsenalen verfolgen.
Weltweit und in unserem eigenen Land wurden wir
nach dem Ende des Kalten Krieges frei, uns auf die
Probleme direkt vor der eigenen Haustür zu konzentrieren. Wie ziehen wir unsere Kinder auf? Wie stellen
wir eine angemessene Krankenversicherung für
unsere Familien sicher?
Wie können wir dafür
sorgen, daß Demokratien und freie Märkte nicht nur
Verbraucher, sondern Staatsbürger hervorbringen?
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir in dieser
Zeit weltweiter Herausforderungen weiterhin mit dem
sogenannten traditionellen Gleichgewicht der Kräfte
konfrontiert sind. Ich möchte aber auch betonen, daß
wir in diese Gleichung, die oft als Realpolitik bezeichnet wird, die Idee einbringen müssen, daß das reale
Leben vielleicht ebenso eng mit der Frage verknüpft
ist, ob Demokratien überleben und prosperieren.
Die heute angesprochenen Fragen sollten nicht nur als
Frauenfragen angesehen werden. Es ist zweifelsohne

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fair zu behaupten, daß Frauen oft zwangsläufig zu
Experten für die Gefahren und Wechselfälle des
Lebens werden und daher besser verstehen und
würdigen können, welch ureigenes Interesse sie daran
haben sicherzustellen, daß ihre Gesellschaften und
Regierungen diese Herausforderungen des realen
Lebens angehen.
Ich war Zeuge, wie Frauen auf verschiedenen Kontinenten Lösungen gefunden haben. Junge Mütter in
Jakarta kommen wöchentlich zu Kursen über Familienplanung und bessere Ernährung ihrer Kinder zusammen. Ärzte und Krankenschwestern in Belarus
und der Ukraine kümmern sich um die Kinder von
Tschernobyl. Frauen von Santiago bis San Diego
befassen sich mit so verschiedenen Fragen wie
Bildung, Verbrechen und Umwelt.
Diese Fragen stehen im Zentrum unserer globalen
demokratischen Interessen, denn Demokratie zeichnet
sich durch die faire und echte Beteiligung an jedem
Aspekt des Lebens aus. Leider ist es nötig darauf
hinzuweisen, daß ein größeres Mitspracherecht von
Frauen bei ihre Zukunft betreffenden Fragen in
direktem Zusammenhang mit der Gesundheit von
Demokratien steht, denn Frauen sind in den meisten
Ländern und weltweit in der Mehrheit. Das Credo der
Vereinigten Staaten sollte folgendermaßen lauten: Eine
Demokratie ohne die umfassende Beteiligung der
Frauen ist ein Widerspruch in sich. Um ihr volles
Potential zu erreichen, muß die Demokratie alle Bürger
einbeziehen.
Offensichtlich hat die Frage, ob uns die Stärkung demokratischer Werte auf der Welt gelingt, besondere
Auswirkungen auf Frauen, die in unserem Land und
andernorts immer noch danach streben, ihren rechtmäßigen Platz in Regierung, Wirtschaft und Gesellschaft zu erlangen oder sogar zu bestimmen, und die
ihren rechtmäßigen Anteil an persönlicher, politischer,
wirtschaftlicher und bürgerlicher Macht verlangen. Die
Förderung des Status von Frauen und Mädchen und
Investitionen in ihre Fähigkeiten sollen sicherstellen,
daß sie über die Mittel verfügen, die Chancen eröffnen:
Bildung, Gesundheitsfürsorge, Kreditwürdigkeit und
Arbeit, Rechtsschutz und das Recht auf die umfassende Teilnahme am politischen Leben in ihren Ländern.
Aus diesem Grund müssen die Vereinigten Staaten
ihre überparteiliche Tradition der Unterstützung von
Initiativen fortsetzen, die unsere Welt diesen Zielen
näherbringen.
Heute werden mehr als 600 Millionen Frauen weltweit
Bildungsmöglichkeiten verwehrt. Zwei Drittel aller
Analphabeten sind Frauen. Dabei ist die wichtigste
Investition, die ein Entwicklungsland tätigen kann, die
Ausbildung von Mädchen und Frauen. Wir entdecken,
daß in einem Land nach dem anderen die Vorteile der
Ausbildung von Frauen weit über das Klassenzimmer
und die Schule hinausgehen. Sie bringt stärkere

AMERIKA DIENST 06

�Familien, bessere Gesundheit und Ernährung, höhere
Löhne und Gehälter und verstärkte Beteiligung am
politischen Leben hervor.
Ich habe gesehen, wie die Unterstützung der Vereinigten Staaten für die weltweite Ausbildung von
Frauen und Mädchen sich auszahlt. Ich habe gesehen, wie ähnliche soziale Investitionen, von denen
ebenfalls viele vc n den Vereinigten Staaten unterstützt
werden, in so un arschiedlichen Ländern wie Brasilien,
den Philippinen, Nepal und Pakistan etwas bewirken.
Da ich - ebenso wie viele von Ihnen - viel reise, habe
ich mit eigenen Augen gesehen, daß Investitionen in
Mädchen und Frauen zur Umgestaltung von Gemeinden beitragen, die wiederum ganze Gesellschaften verändern. Weder Frauen noch die Demokratie können sich voll entfalten, solange Frauen
innerhalb und außerhalb des Hauses unterbewertet
sind.
Viele Experten für Wirtschaftsentwicklung aus der
ganzen Welt haben mir gesagt, die Arbeit der Frau sei
kein Bestandteil der Volkswirtschaften und Frauen
seien kein Akteur auf den Märkten. Und trotzdem
habe ich bei meinen Reisen durch städtische und
entlegende ländliche Gebiete mit eigenen Augen
gesehen, daß Frauen oft den Großteil der Arbeitslast
tragen: Sie säen, ernten und ermöglichen kleinen
Unternehmen das Prosperieren auf den Märkten.
Ich weiß, daß Frauen arbeiten. Ihr Beitrag schlägt sich
vielleicht nicht im Bruttoinlandsprodukt ihrer Gesellschaften nieder, aber er ist wertvoll. Wenn alle Frauen
der Welt morgen aufhören würden, außerhalb des
Hauses zu arbeiten, würden sämtliche Volkswirtschaften zusammenbrechen.
Es ist an der Zeit, den von Frauen innerhalb und
außerhalb des Hauses geleisteten Beitrag zu honorieren und zu würdigen. Investitionen in die Frau beinhalten auch Investitionen in ihre Gesundheit und damit
wiederum in die Gesundheit ihrer Familien. Ich freue
mich ganz besonders, daß die Vereinigten Staaten im
Rahmen des Amts für internationale Entwicklung (AID)
Hilfe gewähren um sicherzustellen, daß Frauen, Kinder
und Familien Zugang zum gesamten Spektrum
kostengünstiger, hochwertiger Gesundheitsdienste
erhalten - von Geburtsvorbereitungskursen für werdende Mütter über Grundimpfungen für Kinder bis zur
Rehydrationstherapie zur Behandlung von unter
Diarrhöe leidenden Kindern.
Ich möchte noch gesondert auf Familienplanung und
ihre Bedeutung in diesem größeren Zusammenhang
eingehen. Familienplanung ist grundlegend dafür, daß
Frauen die Verantwortung für sich und ihre Kinder
übernehmen.
Dennoch haben derzeit etwa 100
Millionen Frauen weltweit keinen Zugang zu Familienplanungsdiensten oder nutzen sie nicht, weil sie arm,
ungebildet und ohne Fürsorge sind. Etwa 20 Millionen

AMERIKA DIENST 06

Frauen lassen einen gefährlichen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. Einige dieser Frauen tragen
lebenslängliche Behinderungen davon, einige leiden
unter anderen gesundheitlichen Problemen.
Im Grunde genommen ist die Zahl riskanter Schwangerschaftsabbrüche an sich schon eine Tragödie.
Hohe Raten von Schwangerschaftsabbrüchen sind
kein Anzeichen für die Gleichberechtigung der Frau.
Vielmehr repräsentieren sie ein Versäumnis unsererseits, Frauen bei der Verhinderung ungewollter
Schwangerschaften zu helfen. Wenn wir wirklich die
Zahl von Schwangerschaftsabbrüchen verringern und
starke Familien fördern wollen, dürfen wir der Verpflichtung Amerikas zu Familienplanungsprojekten in
Übersee nicht den Rücken zuwenden.
Wenn wir die Frauen wirklich in allen Gesellschaften
der Welt zu gleichberechtigten Partnern machen
wollen, müssen wir alles in unserer Macht Stehende
unternehmen, um Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen
- sei es versteckter häuslicher Mißbrauch oder eine
offenkundige Kriegstaktik. Es gibt keine isolierte
soziale Investition, die als Patentrezept für Frauen oder
Entwicklungsländer dienen kann, und Amerika sollte
sich auch nicht jeder gerechten Sache auf der Welt
verschreiben. Aber ich bin überzeugt, daß eine stabile,
prosperierende Welt außerhalb unserer Reichweite
liegt, solange Frauen in hohem Maße diskriminiert und
ungerecht behandelt werden.
Insgesamt sind unsere Investitionen in soziale Entwicklung wesentlich für die Stärkung freier Märkte, die
Verbreitung unserer demokratischen Ideale und die
Verbesserung unserer Sicherheit. Mit der Zeit hat
Amerika gelernt, daß unsere Ideale und Interessen
nicht von den uns umgebenden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Strömungen getrennt werden
können.
Wir haben hoffentlich auch gelernt, daß weltweites
Engagement sowohl Chancen im Inland als auch
Verpflichtungen im Ausland beinhaltet.
Ich möchte Ihnen ein kleines Beispiel geben. Kürzlich
hielt ich bei einer von AID veranstalteten Konferenz mit
dem Titel "Lektionen ohne Grenzen" eine Rede. Der
Bürgermeister von Baltimore, Kurt Schmoke, sprach
bei dieser Konferenz darüber, daß Regierungsvertreter
aus dieser Stadt nach Afrika gegangen waren, um
etwas über einfache, kostengünstige Strategien zu
lernen, die auf diesem Kontinent eingesetzt werden,
Eltern zur Impfung ihrer Kinder zu ermutigen. Jetzt
werden in Baltimore ähnliche Programme in Gemeindekliniken, einem Impfmobil und bei Hausbesuchen durchgeführt, wodurch die Impfrate für
Kinder unter drei Jahren anstieg.
Wir können von unseren Nachbarn auf der ganzen
Welt lernen. Wir werden feststellen, daß viele der

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�Lektionen, die wir lernen können, mit Hilfe unserer
Außenpolitik gelehrt wurden. Weniger als ein Prozent
unseres Haushalts - und dennoch kann das Leben
zahlloser Menschen verbessert werden, und wir
können die Lebensqualität hier zu Hause verbessern.
abschließend möchte ich einige Worte über meine
evorstehende Afrikareise sagen. Ich fühlte mich sehr
eehrt,
als ich gebeten wurde, diese Reise zu machen,
;
veil meines Erachtens Amerikas Engagement in der
A/elt das Engagement für Afrika südlich der Sahara
oeinhalten muß. Die zeitgenössische Geschichte ist
eine Geschichte, die die Bürger und Länder schreiben,
und es gibt eine neue Geschichte, die erzählt werden
muß. Jede Region trägt ihr eigenes Kapitel bei. Afrika
hat eine bemerkenswerte Geschichte, wenn wir ihr nur
Aufmerksamkeit schenken.
Afrika ist auf dem Weg zu Demokratie. In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Demokratien von
fünf auf 23 gestiegen. Afrika verzeichnet ein Wirtschaftswachstum und geht von erstickenden staatlich
kontrollierten Volkswirtschaften zu offenen Märkten
über, dank denen sich das menschliche Potential voll
entfalten kann. Letztes Jahr hatten 30 Länder positives Wirtschaftswachstum.
Afrika beginnt, neue Beziehungen zu den Vereinigten
Staaten zu knüpfen. Beziehungen, die nicht nur auf
Hilfe, sondern gemeinsamen Idealen, gegenseitiger
Verantwortung, Integration in die Weltwirtschaft und
Partnerschaften gründen, die Konflikte lösen und
gemeinsame Herausforderungen bewältigen sollen.
Natürlich sind viele der afrikanischen Demokratien neu
und daher noch instabil. Die Hoffnungen sind noch
zaghaft. Ein zu großer Teil des Kontinents wird
weiterhin von Krankheiten, Unterernährung, Armut,
Ungerechtigkeit, Korruption, gefährlichen Konflikten
und ihren schrecklichen Auswirkungen heimgesucht Flüchtlingskrisen, die vor allem Frauen und Kinder zu
einem Leben verurteilen, das immer schlimmer wird.
Und trotz dieser Herausforderungen können wir in
diesem Augenblick der Geschichte zum ersten Mal
sehen, daß es in Afrika Grund zu sehr viel mehr
Hoffnung als Verzweiflung gibt. Mit der Unterstützung
der Vereinigten Staaten können wir diese Hoffnung
stabilisieren.
Ich habe die Ehre, Senegal, Südafrika, Simbabwe,
Tansania, Uganda und Eritrea zu besuchen. Ich freue
mich, daß so viele Botschafter aus diesen Ländern und
anderen Ländern in Afrika heute hier anwesend sind.
Ich hoffe, die Anstrengungen der jeweiligen Länder
beim Aufbau von Demokratie und einer starken
bürgerlichen Gesellschaft aus erster Hand erfahren
und hervorheben zu können. Ich werde mich besonders auf Basisinitiativen und Bestrebungen kon-

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zentrieren, die Frauen und Kinder betreffen. Diese
Reise wird - so hoffe ich - dem amerikanischen Volk
ein erneutes Gefühl für die Bedeutung unseres
Engagements für Afrika vermitteln. Sie soll zeigen,
warum wir alles in unserer Macht Stehende zur
Unterstützung von Demokratie und sozialen Investitionen in Afrika sowie zur Stärkung von Afrikas Platz in
der internationalen Staatengemeinschaft tun müssen.
Ich hoffe, diese Reise wird zeigen, daß das amerikanische Engagement nicht nur an Dollars für Hilfsleistungen oder humanitären Bestrebungen nach
Tragödien und Krisen gemessen werden kann,
sondern an den demokratischen Werten, die wir
verstärken, den Menschenrechten, die wir verteidigen,
und den Konflikten, die wir präventiv lösen helfen.
Natürlich steht die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten auf dem Spiel. Instabilität in Afrika - sei sie in
Krieg, Terrorismus, organisiertem Verbrechen, Krankheiten, Umweltzerstörung oder Armut begründet betrifft auch uns. Darüber hinaus steht die Wirtschaft
auf dem Spiel. Zur Zeit halten die Vereinigten Staaten
nur einen Anteil von sieben Prozent des afrikanischen
Marktes von 600 Millionen Menschen. Indem wir
stärkere wirtschaftliche Bande mit Afrika knüpfen,
tragen wir auch in hohem Maße zur Sicherung des
Wohlstands unseres eigenen Volkes bei.
Aber letztlich leiten sich die wichtigsten Gründe
unseres Engagements für Afrika aus einer positiven
Grundlage her. Afrika ist in Bewegung - mit einer
neuen Generation von Politikern, dem frischen Wind
politischer Reformen und prosperierenden multiethnischen Gesellschaften.
Wenn wir uns die Zukunft des amerikanischen Engagements auf der Welt betrachten, stellen wir fest, daß
wir ein Interesse am Erfolg des anderen haben - wo
immer wir dazu beitragen, die Grundlage für Demokratie zu schaffen, wo immer wir aus gegenseitigem
Respekt heraus den Menschen die Hand reichen,
damit sie sich selbst helfen können, wo immer wir klar
verstehen, daß dies eine Zeit der Interdependenz und
Verbindungen ist. Wir werden gemeinsam Fortschritte
erzielen. Wenn wir unseren Freunden in den neuen
Demokratien in Afrika behilflich sind und mit ihnen
zusammenarbeiten oder uns die Bedeutung unseres
Engagements für Frauen und Kinder vor Augen führen
- immer stehen die amerikanischen Interessen auf dem
Spiel.
Aber sehr viel wichtiger ist, daß Amerikas Werte auf
dem Spiel stehen. Wenn wir von diesen Werten
geleitet handeln, werden wir dazu beitragen, die Welt
in die neue Zukunft zu führen, die wir für unsere Kinder
und alle Kinder auf der ganzen Welt für möglich
erachten.

AMERIKA DIENST 06

�USA-EUROPA
26. März 1997

Die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten
und Europa
Rede von Wirtschaftsminister Daley

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration begrüßt die jüngsten Aktionen der Europäischen Union zur
Förderung von Demokratie in Kuba, ist jedoch enttäuscht, daß die EU ein Gremium der Welthandelsorganisation
(WTO) um die Überprüfung der amerikanischen Politik gegenüber Kuba gebeten hat, äußerte Wirtschaftsminister
William Daley bei der Konferenz des European Institute in Washington am 14. März 1997.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Wirtschaftsminister Daley im Wortlaut.

Wenn ich mir die Natur der amerikanisch-europäischen Beziehungen betrachte, kommen mir die Worte
von Präsident Clinton bei seinem ersten Besuch in
Brüssel 1994 in den Sinn:
"Europa bleibt von zentralem Interesse für die Vereinigten Staaten ...
unser wertvollster Partner, nicht nur in
der Sache von Demokratie und Freiheit, sondern auch was Handel und
Investitionen betrifft."
Es gab eine Zeit, in der die Vereinigten Staaten Europa
ausschließlich als Sicherheitsanliegen sahen. Die
Eindämmung des Kommunismus und der sowjetischen
Expansion, die Gewährleistung von Frieden und
Stabilität auf dem Kontinent sowie der Aufbau von
Bündnissen gegen auftretende strategische Bedrohungen auf der ganzen Welt waren die treibende
Kraft hinter unseren Beziehungen. Heute - nach dem
Ende des Kalten Krieges und mit einer prosperierenden Weltwirtschaft - haben sich unsere Bande erweitert und vertieft.
Während die Vereinigten Staaten Beziehungen in
anderen Teilen der Welt kultivieren, sind wir uns
bewußt, daß keine andere Beziehung so wichtig ist wie
die zwischen unserem Land und der Europäischen
Union. Wir haben gemeinsame historische und
kulturelle Bande, und noch wichtiger ist, wir haben ein
gemeinsames Interesse an der Förderung von Frie-

AMERIKA DIENST 06

den, Demokratie und Entwicklung auf der ganzen Welt
sowie eine gemeinsame Verpflichtung dazu. Gemeinsam haben wir den Krieg in Bosnien beendet und mit
dem Aufbau einer Grundlage für Demokratie und
Wohlstand in der Region begonnen. Wir haben den
aufstrebenden Demokratien in Zentral- und Osteuropa
geholfen und eine Partnerschaft für den Frieden
eingeführt, die alte Trennlinien in Europa durch eine
echte militärische Koalition aller europäischen Länder
ersetzt. Und indem wir unsere gemeinsamen diplomatischen, wirtschaftlichen und strategischen Ressourcen
einsetzen, unterstützen wir den Friedensprozeß im
Nahen Osten und stellen uns gemeinsam gegen die
nukleare Weiterverbreitung auf der koreanischen
Halbinsel.
Aus der Verwüstung des Zweiten Weltkriegs und der
Teilung des Kalten Krieges ist eine Partnerschaft
hervorgegangen, die auf globale Herausforderungen
mit den Lektionen der Geschichte und der Kraft der
Einheit reagiert. Am ermutigendsten ist jedoch, daß
diese Partnerschaft nicht nur eine Partnerschaft der
militärischen Macht und des militärischen Einflußbereichs ist. Das gemeinsame Terrain zwischen den
Vereinigten Staaten und Europa ist vielmehr ebenso
stark durch gemeinsame Wirtschafts- und Handelsinteressen definiert. Die EU ist nicht der größte
Exportmarkt der Vereinigten Staaten - das trifft auf
Kanada zu. Aber die EU ist bei weitem unser größter
Handelspartner - ein Markt für Exporte und Verkäufe
amerikanischer Firmen in Höhe von über einer Billion

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�Dollar und steht damit für nahezu die Hälfte des
Weltmarkts für amerikanische Unternehmen. In der
Tat ist Europa ein viermal größerer Markt für amerikanische Firmen als Kanada oder Japan.
Ebenso beeindruckend wie die Größenordnung der
von uns getätigten Geschäfte ist die Tatsache, daß die
Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa ausgeglichen sind. Drei Millionen
Europäer arbeiten für amerikanische Firmen in Europa,
und drei Millionen Amerikaner sind bei europäischen
Unternehmen in Amerika tätig. In der Tat befindet sich
jeder zwölfte Arbeitsplatz in der Fertigungsindustrie in
den Vereinigten Staaten in einer europäischen Fabrik.
Und auch unsere Handelsbilanz ist im Großen und
Ganzen ausgeglichen. In den vergangenen 25 Jahren
beliefen sich die Handelsüberschüsse und -defizite mit
Europa auf plus-minus Null. Im Vergleich dazu erzielte
der Handel der Vereinigten Staaten mit Asien ein
Defizit von 1,5 Billionen Dollar.
Europa ist auch unser wichtigster Partner bei der
Entwicklung und Unterstützung des Welthandelssystems. Die Hälfte des Welthandels entfällt auf die
Vereinigten Staaten und Europa. Wir haben ein
gemeinsames Interesse an der Öffnung von Weltmärkten und der Förderung von größerer wirtschaftlicher
Freiheit. Und in den vergangenen 50 Jahren waren
alle Fortschritte beim Welthandelssystem die Folge
unserer gemeinsamen Vereinbarungen und Maßnahmen. Wenn wir nicht übereinstimmen - wie es
während der Uruguay-Runde im Agrarbereich eine
Reihe von Jahren der Fall war - macht der offene
Handel wenig Fortschritte.
Wenn wir jedoch gemeinsam auf gemeinsame Ziele
hinarbeiten, ist unsere globale Führungsrolle ein
beeindruckender Katalysator. Betrachten Sie sich,
was wir in jüngster Zeit durch unsere gemeinsamen
Bestrebungen erreicht haben: Den Abschluß der
Uruguay-Runde, die Gründung der WTO, das Informationstechnologieabkommen und das Abkommen über
Telekommunikationsdienste.
Aber unsere beiden Seiten zum Vorteil gereichenden
bilateralen Beziehungen und unsere gemeinsamen
globalen Interessen bedeuten nicht, daß wir ständig
einer Meinung sind. Über die Jahre hinweg waren
Meinungsverschiedenheiten eine Realität, und wir
haben zweifelsohne auch heute einige - wobei die
größte über das Libertad- oder Helms-Burton-Gesetz
besteht.
Um ganz offen zu sein: Die Clinton-Administration ist
enttäuscht, daß die EU ein Gremium der Welthandelsorganisation (WTO) um die Überprüfung der amerikanischen Politik gegenüber Kuba gebeten hat. Die
Förderung eines friedlichen Übergangs zu Demokratie
in Kuba ist seit langem ein wichtiges Element der
überparteilichen amerikanischen Außenpolitik. Und

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das Schlüsselelement dieser Politik - einschließlich
des während der Kennedy-Administration und dem
Libertad-Gesetz von 1996 verhängten Embargos - sind
Jahrzehnte zurückreichende Gesetze und Bestimmungen, die für die nationale Sicherheit der Vereinigten
Staaten als grundlegend angesehen werden. Unsere
Aktionen und Maßnahmen gegenüber Kuba waren nie
durch Profitdenken motiviert. In der Tat ist das
Gegenteil der Fall. Wir waren bereit, den wirtschaftlichen Preis für unsere Prinzipien zu bezahlen, selbst
als ausländische Firmen bereitwillig Geschäfte mit
Kuba getätigt haben. Aber die amerikanische Haltung
in dieser Frage ist klar: Die WTO ist nicht das geeignete Forum zur Lösung von Differenzen in der
Außenpolitik.
Vor diesem Hintergrund möchte ich hinzufügen, daß
diese Administration die jüngsten Aktionen der Europäischen Union zur Förderung von Demokratie in
Kuba begrüßt, insbesondere die "gemeinsame Position" der EU zu Kuba. Auch die Vereinigten Staaten
haben im Geist der Zusammenarbeit gehandelt. Im
Januar hat Präsident Clinton angesichts der kooperativen Bestrebungen unserer Partner das Recht, unter
Titel III des Libertad-Gesetzes Klage zu erheben, zum
zweiten Mal ausgesetzt. Der Präsident hat darüber
hinaus seine Absicht bekundet, das auch weiter zu tun,
solange die EU ihre verstärkten Anstrengungen zur
Förderung von Frieden in Kuba aufrechterhält.
Ich hoffe, daß wir in diesem Geist der Zusammenarbeit
fortfahren und stimme mit Sir Leon Brittans Einschätzung überein, daß wir bezüglich unserer Differenzen
über das Libertad-Gesetz gute Fortschritte gemacht haben. Wir werden zusammen mit der EU alles in
unserer Macht Stehende tun, um eine beide Seiten
zufriedenstellende Resolution zu erzielen. Wenn wir
jedoch unsere Meinungsverschiedenheiten nicht
unverzüglich beilegen, werden die Vereinigten Staaten
die WTO offiziell davon in Kenntnis setzen, daß das im
Februar eingerichtete Gremium keine Befugnis für ein
Verfahren hat, weil es sich hierbei um eine die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten und ihre
Außenpolitik betreffende Angelegenheit handelt.
Abgesehen von Kuba gibt es auch eher routinemäßige
Themen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren
Verbündeten in der EU. Im Agrarbereich haben wir ein
besonders ernstes Problem, da der Mangel an Fortschritten seitens der EU beim Abschluß eines
Veterinär-Äquivalenzabkommens die amerikanischen
Fleisch- und Geflügelexporte in Höhe von über 1
Milliarde Dollar zu stören droht. Wenn wir diesen
Disput nicht bis zum 1. April lösen - in nicht einmal
zwei Wochen - wird das nicht nur Auswirkungen auf
die amerikanischen Exporte, sondern auch auf die der
EU haben. Darüber hinaus haben wir seit einiger Zeit
Differenzen bei anderen Themen, wie den audiovisuellen Quoten der EU, dem Verbot der EU für nicht BSEverseuchtes amerikanisches Rindfleisch, Öko-Kenn-

AMERIKA DIENST 06

�Zeichnungsprogrammen, die europäische Produktionsmethoden bevorzugen, handelsrestriktive Zollkategorie-Neuklassifizierungen von bestimmtem Informationstechnologiegerät und Auftragsvergabepraktiken
bei Stromversorgungsunternehmen.
Wir dürfen jedoch nicht zulassen, daß diese - und
andere in der Zukunft zweifellos auftauchende Probleme unsere Freundschaft, unsere gemeinsamen
Interessen und die Notwendigkeit von Zusammenarbeit überschatten.
In ihren ersten vier Jahren arbeitete die ClintonAdministration mit der Europäischen Union an der
Schaffung eines transatlantischen Kooperationsmechanismus, der umfassender denn je ist - der
neuen transatlantischen Agenda (NTA). Sie ist eine
ehrgeizige Tagesordnung für die Ausweitung der
amerikanisch-europäischen
Zusammenarbeit, die
Förderung von Frieden und Demokratie, die Erweiterung des Handels und die Ermutigung von
Kontakten zwischen jungen Amerikanern und Europäern, die die nächste Generation von Führungspersönlichkeiten im Zeitalter nach dem Kalten Krieg sind.
Ferner konzentriert sich die NTA auf das, was möglicherweise als die nächste Generation von Sicherheitsbedrohungen bezeichnet werden könnte - Verbrechen,
Drogen, Gesundheitsgefährdungen und Umweltzerstörung.
Der zweite wichtige Mechanismus, der transatlantische
Wirtschaftsdialog, unterstützt unsere Unternehmen bei
ihrer Suche nach Gemeinsamkeiten beim Abbau von
Hindernissen für die Wirtschaft sowie offenem und
fairem Handel. Der transatlantische Wirtschaftsdialog
ist ein weiteres Hilfsmittel bei den Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union und bietet Unternehmen und Regierung
eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Die Einrichtung
dieser neuen transatlantischen Institutionen ist eine
große Leistung der ersten Clinton-Administration. In
ihrer zweiten Amtszeit sollte unsere Aufgabe darin
bestehen, die bilateralen Probleme schneller zu lösen
und eine Agenda für die Zukunft aufzustellen, damit
keine neuen Probleme entstehen.
Die neue transatlantische Agenda und der transatlantische Wirtschaftsdialog sollten ein wertvolle'
Aktivposten bei der Bewältigung von Aufgaben wie der
genaueren Definition von einem neuen transatlantischen Markt ohne Handelsschranken, von Schritten zu
seiner Erlangung sowie von gemeinsamen Bestrebungen zur Öffnung weiterer Märkte auf der ganzen Welt
sein. Die Wirtschaftsvertreter auf beiden Seiten des
Atlantiks haben ihrem Wunsch nach einem offenen
transatlantischen Markt ohne Handelshemmnisse
Ausdruck verliehen, und genau das ist unser Ziel. Wir
haben einen pragmatischen, schrittweisen Ansatz zu
dem neuen transatlantischen Markt gewählt, der
meines Erachtens der richtige Weg ist. Das wichtigste

AMERIKA DIENST 06

ist jetzt, weitere Einzelheiten unserer Bestrebungen zu
beschließen und klare Ziele zu setzen.
Ein wichtiges frühes Element des neuen transatlantischen Marktes ist ein Abkommen über die gegenseitige Anerkennung (Mutual Recognition Agreement MRA) zur Verringerung der Kosten von Produkttests
und Kontrollen im atlantischen Raum. Wir handeln
derzeit mehrere dieser Abkommen über die gegenseitige Anerkennung der Vereinigten Staaten und der
Europäischen Union aus, die sich auf bilateralen
Handel im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar
beziehen. Beim amerikanisch-europäischen Gipfel im
vergangenen Dezember wurde das Ziel gesetzt, die
Verhandlungen über das MRA bis Ende Januar
abzuschließen. Demnach hätten wir heute den 73.
Januar! Die Uhr tickt also, obwohl wir uns alle Mühe
geben. Die verbleibenden Schwierigkeiten auf dem
Gebiet von Pharmazeutika und medizinischem Gerät
können überwunden werden, und die diese Woche
geführten kleinen Verhandlungsrunden für diese
Sektoren erzielten vielversprechende Ergebnisse. Ich
kann Ihnen versichern, daß beide Seiten äußerst
motiviert sind und wissen, daß die Augen aller im
Weißen Haus und an der Spitze der EU-Kommission
auf ihnen ruhen. Ich möchte keine zeitlichen Prognosen anstellen, aber nach optimistischen Schätzungen
können wir eher früher als später mit einer Einigung
rechnen - zweifellos vor dem nächsten amerikanischeuropäischen Gipfel Ende Mai.
Eine Vielzahl anderer Fragen im Zusammenhang mit
dem transatlantischen Markt erfordern in den kommenden Monaten unsere Aufmerksamkeit:
Abschluß des Prozesses zur Harmonisierung
von Kraftfahrzeugnormen - ein vor einem Jahr
eingeleitetes Projekt.
Fortschritte bei Zollfragen, dem Schutz geistigen Eigentums und auf anderen Gebieten, auf
denen Kostensenkungen möglich sind, in den
Bereichen Biotechnologie, Pharmazie und
chemische Industrie.
Entwicklung einer gemeinsamen Politik zu
Kryptologie und Entschlüsselung.
Lösung globaler Fragen, beispielsweise
Beschleunigung der Umsetzung von Abkommen der Uruguay-Runde, Abschaffung
der Zölle, Zusammenarbeit bei der Suche
nach dem besten Weg für einen WTO-Beitritt
Chinas und Rußlands.
Besondere Aufmerksamkeit möchte ich auch den
gemeinsamen amerikanisch-europäischen Aktionen
beim Kampf gegen Bestechung und Korruption im
Welthandel widmen. Europa könnte weitaus mehr
unternehmen, um die Empfehlungen der OECD zur

Seite 3

�Bestrafung von Bestechung und Beendigung der
Möglichkeit ihrer steuerlichen Absetzung durchzusetzen. Für Bestechung sollte im Welthandel kein
Raum sein, und die Clinton-Administration möchte,
daß Europa uns bei der Abschaffung dieser Abschreckung von fairem, offenem Handel zur Seite
steht.
In dem Bestreben, die führenden amerikanischen
Unternehmen auf der Weltbühne für offene Märkte und
internationalen Handel zu halten, habe ich mein
Ministerium angewiesen, unsere handelspolitischen
Aufgaben möglichst klar und detailliert darzulegen. Es
steht außer Frage, daß Handelsmissionen effektiv und
gleichermaßen im Interesse von Amerikanern und
Europäern sind. Ich wollte zahlreicheren und unterschiedlicheren Unternehmen die Teilnahme daran
ermöglichen und jede Kritik fernhalten, die Unternehmen dabei behindern könnte. Unsere Handelsmissionen werden offene, zugängliche, transparente
und zielgerichtete Bestrebungen sein, und ich sehe der
Aufgabe erwartungsvoll entgegen, sie zu leiten und die
Botschaft offener Märkte an die führenden Politiker von
Entwicklungsländern weiterzugeben, in denen die
Chancen am größten sind und amerikanische sowie
europäische Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen die größten Erfolge erzielen.
Die uns konfrontierenden Fragen - Differenzen über
Kuba, China und Rußland betreffende Angelegenheiten, technische und spezifische Belange des neuen
transatlantischen Marktes - verblassen in Anbetracht

der großen Gemeinsamkeiten zwischen Amerika und
Europa. Unsere gemeinsame Kultur - Millionen von
amerikanischen Familien mit Geschichte und Wurzeln
in Europa -, unsere gemeinsamen Anliegen - Millionen
von Arbeitnehmern, die ihre Familien mit Arbeitsplätzen in amerikanischen und europäischen Unternehmen ernähren -, und unsere gemeinsame Geschichte - von den Einwanderern, die Amerika aufbauten, bis zu den amerikanischen Soldaten, die Seite
an Seite mit unseren Verbündeten die Kräfte des
Nazismus besiegten und den Totalitarismus abwehrten
- sind ein elementarer Bestandteil der amerikanischeuropäischen Beziehungen.
Der Präsident
hat
Amerika aufgefordert, die Tage zu nutzen, in denen wir
Wohlstand im Inland und Frieden mit dem Ausland
genießen. Dasselbe gilt auch für uns, insbesondere
vor dem Hintergrund, daß die amerikanisch-europäischen Beziehungen der Dreh- und Angelpunkt einer
wachsenden Weltwirtschaft voller Chancen sind, in der
das Leben der Menschen mit jedem Tag reicher,
gesünder, sicherer und freier wird.
Es stünde uns gut an, dem Beispiel von George
Marshall zu folgen, dessen Arbeit im Dienste Amerikas
Europa so sehr dabei half, sich von den Folgen des
Krieges zu erholen und wieder seinen Platz unter den
führenden Nationen der Welt einzunehmen: "Kriege
entstehen durch Armut und Unterdrückung", erklärte
Marshall. "Fortgesetzter Friede ist nur in einer relativ
freien und prosperierenden Welt möglich."
Ich danke Ihnen.

* * * * *

Seite 4

AMERIKA DIENST 06

�USA-DEUTSCHLAND
26. März 1997

Aktuelle Themen der euroatlantischen Beziehungen
Rede von J.D. Bindenagel

ERFURT - (AD) - Der Charge d'Affaires der Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik
Deutschland, J.D. Bindenagel, hielt am 17. März 1997 beim Treffen der Arbeitsgruppe für außenpolitische Fragen
der CDU/CSU Bundestagsfraktion in Erfurt/Thüringen nachfolgende Rede.

Vielen Dank für die Gelegenheit, heute zu Ihnen
sprechen zu dürfen. Es ist eine Ehre, mit dieser
herausragenden Gruppe Gedanken über die drängendsten Probleme unserer Zeit auszutauschen.
Es ist mir auch eine besondere persönliche Freude,
heute hier in Thüringen sein zu können. Als der
dienstälteste amerikanische Diplomat in Deutschland
bin ich mir unserer gemeinsamen Erfahrungen aus der
Vergangenheit und der Grundlage wohl bewußt, die
diese Geschichte für unsere Zukunft bildet. Das ist
nirgends offenkundiger als hier in Erfurt.
Im Jahr 1945 gab es eine amerikanische Präsenz in
Thüringen. Auch mein Vater war als Infanterist der
104. Infanteriedivision hier stationiert. Nachdem die
letzte große Schlacht in Halle gekämpft war, wurden er
und seine Division von der Mulde für das historische
Treffen mit russischen Streitkräften nach Torgau
verlegt. Aber wenige Monate später zogen die
amerikanischen Truppen ab, und wir kamen rund
siebenundvierzig Jahre lang nicht zurück. In diesen
dazwischenliegenden Jahren spürten wir, wie hoch der
Preis der nicht vorhandenen amerikanischen Präsenz
ist.
Im vergangenen Monat, am 11. und 12. Februar,
waren die amerikanischen Streitkräfte wieder in
Thüringen - dieses Mal, um eine Übung mit Truppen
der 1. Infanteriedivision durchzuführen. Diese Übung
ist nicht nur ein Anzeichen dafür, wie weit wir seit der
Vereinigung Deutschlands gekommen sind, sondern
steht auch als Symbol, wohin wir beim Streben nach
Sicherheit für ganz Europa gehen wollen.

AMERIKA DIENST 06

Die Beseitigung von Trennlinien, die Förderung von
Stabilität und Wohlstand - das sind die Ziele, von
denen unsere Politik geleitet ist - in der NATO und den
transatlantischen
Beziehungen
gleichermaßen.
Während die Clinton-Administration ihre zweite
Amtszeit antritt, sind dies unsere unumstrittenen
Prioritäten.
Seit die neue Administration am 20. Januar ihre
Geschäfte aufnahm, haben bereits Außenministerin
Albright, Finanzminister Rubin und Verteidigungsminister Cohen Deutschland und andere Hauptstädte
unserer Verbündeten besucht, um diese Prioritäten
umzusetzen und unsere gemeinsame Tagesordnung
eines ungeteilten Europas voranzubringen.
Ein entscheidender Schritt in diesem Prozeß wird die
Anpassung der NATO sein - neue Mitglieder, Umstrukturierung und die Charta zwischen der NATO und
Rußland. Ende der Woche werden die Präsidenten
Clinton und Jelzin in Helsinki zusammenkommen, um
dieses vorrangige Thema zu erörtern.
In wenigen Monaten wird das Bündnis ein
außerordentliches Gipfeltreffen abhalten, um
potentielle neue Mitglieder zur Aufnahme von
Verhandlungen über die Mitgliedschaft einzuladen.
Im gesamten Verlauf des Aufnahmeprozesses
- einem offenen Prozeß, der nicht im Juli endet
- müssen wir sicherstellen, daß die Länder, die
nicht in der ersten Verhandlungsrunde über
die NATO-Mitgliedschaft zum Beitritt eingeladen werden, ihre Beteiligung an einer erweiterten Partnerschaft für den Frieden oder

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�besonderen Beziehungen zur NATO aufrechterhalten und sogar vertiefen. Wir sehen,
welche positiven, stabilisierenden Auswirkungen dies bereits in der Region gehabt hat.
Die übergeordneten Ziele der Vereinigten Staaten für
die europäische Sicherheit haben sich in der zweiten
Clinton-Administration nicht geändert. Sie sehen
einige neue Gesichter und einen gewissen neuen Stil
in der amerikanischen Diplomatie, aber unser Ziel
bleibt gleich: Der Aufbau eines friedlichen, integrierten
Europas in einer neuen atlantischen Gemeinschaft.
Diese Gemeinschaft muß in der Lage sein, die Sicherheitsherausforderungen des 21. Jahrhunderts
effektiv zu bewältigen.
Amerika hat seinerseits eine Führungsrolle in der sich
verändernden NATO übernommen. Im Frühjahr 1993
formulierte die erste Clinton-Administration ihre Politik
im Hinblick auf den Krieg auf dem Balkan. Wir wurden
daran erinnert, daß Bismarck einmal gesagt hat, der
Balkan sei nicht das Leben eines einzigen pommerischen Grenadiers wert. Diese Debatte über "elementare" nationale Interessen der Vereinigten Staaten in
Europa war eine lebhafte, eindringliche Prüfung der
Rolle Amerikas in Europa.
Im April 1993 wurde das Holocaust Memorial Museum
in Washington eröffnet - ein Ereignis, das uns die
Gelegenheit bot, das amerikanische Engagement in
Europa durch ein neues Prisma zu betrachten. Der
Eröffnung wohnten zahlreiche Politiker aus Zentraleuropa bei, die uns bei diesem Anlaß an die Instabilität
in Europa entlang der alten Trennlinie des Kalten
Krieges erinnerten. Elie Wiesel, ein Überlebender des
Holocaust, verwies auf die besondere Notwendigkeit
einer andauernden amerikanischen Präsenz in Europa
in solchen Zeiten. Es war nicht nur die Geschichte
lange vergangener Zeiten, sondern auch die jüngere
Geschichte, die die Vereinigten Staaten veranlaßte,
ihre Verpflichtung zu Stabilität und Sicherheit in Europa
erneut zu bekräftigen.
Die NATO paßt sich wie alle wichtigen Institutionen
kreativ an die neue Welt an, in der wir uns wiederfinden. Im Hinblick auf die interne Struktur der NATO ist
Frankreich dabei, seine Beziehungen zum Bündnis
neu zu definieren.
Auch wir suchen nach Wegen zur Stärkung des
europäischen Pfeilers, damit wir den sich abzeichnenden Sicherheitsherausforderungen effektiver begegnen können.
Dies ist nirgends offensichtlicher als bei der Stationierung von NATO-Truppen in Bosnien. Die SFOR, und
davor die IFOR, beweisen, daß die NATO die Aufgaben des 21. Jahrhunderts mit Hilfe von Verbündeten
und Nichtverbündeten gleichermaßen angehen kann.

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Auf diese Erfahrung können wir die mögliche CJTFMission der Zukunft aufbauen.
Die Partnerschaft für den Frieden der NATO hat weit
über die anfänglichen Erwartungen hinaus Erfolge
gezeigt. Der bleibende Wert der durch die PfFÜbungen gebotenen konkreten Zusammenarbeit und
persönlichen Erfahrungen ist unermeßlich. Während
wir die PfF erweitern, indem wir mehr gemeinsame
Übungen durchführen und die Ebene unserer bilateralen und multilateralen Kontakte erweitem, wird die PfF
zu einem unerläßlichen Ergänzungsmechanismus für
verstärkte Zusammenarbeit. Aber es gibt noch viele
andere Wege, dies zu erreichen. Die bilateralen
Bestrebungen der Vereinigten Staaten, die wir als den
Aktionsplan für die baltischen Staaten bezeichnen,
sind ein Beispiel.
Und als Teil dieser umfassenden Umgestaltung öffnet
die NATO ihre Türen für neue Mitglieder.
Damit die NATO-Erweiterung Erfolg haben kann, muß
sie in einer Weise vollzogen werden, die Sicherheit
und Stabilität auf dem gesamten Kontinent stärkt - für
Mitglieder und Nichtmitglieder gleichermaßen. Vor
allem darf sie keine neuen Trennlinien in Europa
schaffen.
Aus diesem Grund ist es entscheidend, daß Rußland
seinen rechtmäßigen Platz in dem neuen Europa
einnimmt. Rußland ist von zentraler Bedeutung bei
unserem Streben nach Stabilität in Europa. Wir
wünschen ein friedliches, stabiles und demokratisches
Rußland, das fest in einen ungeteilten Kontinent
integriert ist.
Ein entscheidendes Element der russischen Integration in europäische Institutionen wird die Entwicklung einer strategischen Partnerschaft zwischen
Rußland und der NATO sein. Diese Partnerschaft
muß auf der Respektierung der legitimen Sicherheitsinteressen der jeweils anderen Seite gründen. Sie
geht von der Überzeugung aus, daß konkrete Zusammenarbeit der Art, wie wir sie zwischen der NATO
und den russischen Bodentruppen in Bosnien gesehen
haben, zum Vorteil aller Parteien ist.
Wir arbeiten darauf hin, dieser Partnerschaft durch die
Verhandlungen über eine Charta Form und Fokus zu
verleihen. Als Chefunterhändler könnte Generalsekretär Solana später mehr Einzelheiten nennen. Ich
möchte nur sagen, daß wir uns zutiefst zur Entwicklung
dieser Partnerschaft verpflichtet haben und intensiv auf
die Erlangung dieses Ziels hinarbeiten. Gleichzeitig
haben wir uns verpflichtet, mit unserer Tagesordnung
der Erweiterung des Bündnisses fortzufahren. Wie
Außenministerin Albright kürzlich sagte, möchten wir
Rußland ein Mitspracherecht, aber kein Vetorecht
einräumen.

AMERIKA DIENST 06

�Ein anderer wesentlicher Bestandteil unserer Agendafür europäische Stabilität ist die Frage der konventionellen Streitkräfte.
Sie führt die verschiedenen
Elemente - Erweiterung, Partnerschaft mit Rußland
und interne Anpassung - zu einem einheitlichen
Ganzen zusammen. Der KSE-Vertrag bietet die
unerläßliche Grundlage für konventionelle Stabilität auf
dem gesamten europäischen Kontinent. Aber er
wurde zu einer anderen Zeit unter ganz anderen
Umständen konzipiert. Heute arbeiten wir an der
Anpassung des Vertrags an die derzeitigen strategischen Gegebenheiten.
Die NATO unterbreitete in Wien einen weitreichenden
Vorschlag, um die alten Blockstrukturen durch ein
neues System nationaler und territorialer Grenzen zu
ersetzen. Wir möchten die Sicherheit aller Parteien
erhöhen, indem wir die Transparenz auf den niedrigeren Ebenen der Streitkräfte verbessern. Die Verhandlungen über die Anpassung dieses rechtlich bindenden
Vertrags sind ein wichtiger Bestandteil unserer Agenda
für europäische Sicherheit. Diese impliziert auch die
Bestrebung, Stabilität zu einer langfristigen Errungenschaft zu machen, die in einem Vertrag kodifiziert ist.
Unsere neuen Sicherheitsbeziehungen zu Rußland
werden auch durch Wirtschaftsbeziehungen ergänzt.
Die Gore-Tschernomyrdin-Kommission ist zu einem
zentralen Element bei der Gestaltung der Beziehungen
Amerikas und der anderen westlichen Staaten zu
Rußland geworden.
Im Hinblick auf Investitionen, Unterstützung, Beratung
und Goodwill haben wir viel für Rußland - und die
neuen unabhängigen Staaten - erreicht.
Wir reichen Rußland die Hand der Freundschaft, und
Rußland reagiert.
Die russischen Wähler haben in überwältigender Zahl
gezeigt, daß sie zur Bewahrung ihrer neugewonnenen
Freiheiten und zur Fortsetzung des Reformweges
entschlossen sind. Obwohl sie mit großen Schwierigkeiten konfrontiert sind, kämpfen sie darum, über die
sehr realen Härten des Augenblicks hinaus in eine
bessere Zukunft zu blicken.
Unser Ansatz ist umfassend. Er ist nicht auf die
Reform der NATO beschränkt. Vielmehr nutzt er die
bestehenden multilateralen Institutionen wie die
Europäische Union, die Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa und die Welthandelsorganisation. Wir möchten alle verschiedenen Institutionen einbeziehen, weil wir unser Konzept der
neuen atlantischen Gemeinschaft auf eine umfassende
Definition von Sicherheit gründen, die über traditionelle
Militärfragen hinausgeht.
Diese neue Gemeinschaft gründet auf den Idealen, die
Staatsmänner wie George Marshall, Konrad Adenauer

AMERIKA DIENST 06

und Jean Monnet vor nahezu 50 Jahren von einem
wahrhaft integrierten Europa vom Atlantik bis zum Ural
hatten. Sie wird die Partnerschaft der Vereinigten
Staaten nicht nur mit einem integrierteren Europa,
sondern weltweit vertiefen.
Diese Gemeinschaft basiert auf unseren bilateralen
Beziehungen zu allen Ländern Europas sowie auf
unseren Verbindungen im Rahmen multilateraler
Institutionen wie der NATO, der EU und der OSZE.
Durch die Europäische Union, die NATO und die
OSZE haben wir eine historische Chance zur Ausweitung von Frieden und Wohlstand. Durch die
Öffnung demokratischer Institutionen für neue Mitglieder machen wir Gegner zu Freunden und Verbündeten, verbreiten Freiheit und Wirtschaftsreformen und
öffnen unsere Gesellschaften für eine Weltwirtschaft,
die wirklich keine Grenzen kennt. Gemeinsam verfolgen wir eine umfassende Strategie zur Vermeidung
künftiger Konflikte in einem integrierten Europa.
Die ersten Schritte werden nicht allein von der NATO
unternommen.
Die neuen Demokratien Zentraleuropas öffnen sich ebenfalls nach Osten und Westen
um sicherzustellen, daß der Dialog fortgesetzt wird und
fruchtbar ist.
An diesem Punkt möchte ich die positive Rolle Polens
in der Region hervorheben. Polen hat besonderes
Geschick bei der Pflege der Beziehungen zu seinen
Nachbarn im Westen und Osten gleichermaßen
bewiesen und nicht die Tatsache aus den Augen
verloren, daß seine Beziehungen zu diesen Ländern
eine wichtige Priorität bleiben. Polen hat die alte Kluft
überwunden und gemeinsame Friedenssicherungsbataillone mit der Ukraine und Litauen geschaffen.
Polen hat die PfF genutzt, um die Beziehungen zu
seinen Nachbarn im Osten zu verbessern, und nicht
nur, um seine Eignung für einen NATO-Beitritt unter
Beweis zu stellen. Durch diese Bestrebungen hebt
sich Polen als stabilisierender Akteur im neuen
Zentraleuropa ab, dessen Anstrengungen zur Nachahmung empfohlen werden.
Abschließend möchte ich betonen, daß wir uns zwar
einen ehrgeizigen, aber auch den richtigen Zeitplan
gesetzt haben.
Würde der Prozeß langsamer vonstatten gehen,
könnte die politische Unterstützung der NATO in den
Mitgliedstaaten auf unnötige Weise unterminiert
werden. Das Bündnis hat seine ursprüngliche Entscheidung zur Erweiterung vor drei Jahren - 1994 getroffen, und es ist jetzt an der Zeit, Fortschritte zu
machen und die NATO an die derzeitigen Gegebenheiten anzupassen.
Noch länger zu warten, würde einen Aufschub der
vielen mit einer NATO-Erweiterung einhergehenden
Vorteile bedeuten. Madeleine Albright formulierte es

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�kürzlich folgendermaßen: "Gleichzeitig gewinnen wir
neue Verbündete, die bestrebt und zunehmend fähig
sind, einen Beitrag zu unserer gemeinsamen Sicherheitsagenda zu leisten - vom Kampf gegen den
Terrorismus und die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bis zur Sicherung von Stabilität in
Krisenregionen wie dem ehemaligen Jugoslawien."
Allein die Aussicht auf eine NATO-Erweiterung gibt
Zentral- und Osteuropa mehr Sicherheit, als es in
diesem Jahrhundert genossen hat.
Gleichzeitig wollen wir das Tempo nicht forcieren,
denn das könnte - ebenso wie unnötige Verzögerungen - zu Instabilität führen. Wir haben einen überlegten, schrittweisen und transparenten Anpassungsprozeß eingeleitet. Die militärische Effektivität wird
bewahrt. Vor allem werden die 16 Mitgliedstaaten der
NATO während des gesamten Anpassungsprozesses
weiterhin Entscheidungen per Konsens fällen.
Bei unseren Diskussionen über die Zukunft der NATO
sollten wir - und insbesondere diejenigen unter uns,
die an dem politischen Entscheidungsfindungsprozeß
beteiligt sind - nicht vergessen, daß die NATO mehr
bewirkt hat als die Eindämmung der sowjetischen

Bedrohung. Bei ihrer Gründung bot die NATO das
Vertrauen und die Sicherheit, die Europas zerstörte
Volkswirtschaften für ihren Wiederaufbau benötigten.
Sie ermöglichte die europäische Integration, indem sie
die Annäherung von Frankreich und Deutschland
bewirkte. Und sie stabilisierte die Beziehungen
zwischen Griechenland und der Türkei.
Die NATO bot weitaus mehr als die Verteidigung
unserer Lebensweise gegen militärische Aggression.
Sie diente als Forum für Zusammenarbeit bei einer
Vielzahl anderer Fragen. Letztlich wurde sie zu einem
Ort, an dem viele unserer bedeutenden multilateralen
und sogar bilateralen Gespräche stattfanden.
Amerikaner und Europäer können untereinander die
Integration neuer Mitglieder in den Bereichen Politik
und Wirtschaft, Verteidigung und Sicherheit gewährleisten. Wenn wir dieses Ziel erreicht haben, werden
wir auf das Ende des 20. Jahrhunderts als eine Zeit
zurückblicken, in der wir die richtigen Entscheidungen
trafen und den Mut hatten, die historischen Chancen
zu nutzen.
Vielen Dank.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 06

�USA-DEUTSCHLAND
26. März 1997

Kulturbruch mit Amerika - nein danke!
Rede von J.D. Bindenagel

BERLIN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede, die der Charge d'Affaires der Botschaft der
Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland, J.D. Bindenagel, am 16. März 1997 bei der
Fulbright-Woche in Berlin gehalten hat.

Herr Außenminister, Frau Dr. Ischinger, Mitglieder des
Fulbright-Vereins, liebe Fulbright-Stipendiaten und
Alumni,
vielen Dank für die Gelegenheit, zu Ihnen sprechen zu
dürfen - vor allem hier in Berlin. Immer wenn ich in
diese Stadt komme, denke ich an ihre Geschichte
dramatischer Veränderungen und des Aufruhrs. Man
kann praktisch nicht umhin. Wenn man durch die
Stadt geht und zu der Ruine der Gedächtniskirche
kommt, muß man sich an den Strudel der Gewalt
erinnern, der seine Narben auf diesem Land und der
Welt hinterließ. Der Flughafen Tempelhof erinnert uns
an die 18 Monate der Berliner Luftbrücke und die
Solidarität der Alliierten. Und ein Spaziergang entlang
dem Schöneberger Rathaus ruft die Filme meiner
Jugend und einen jungen amerikanischen Präsidenten
ins Gedächtnis, der uns erklärte, der stolzeste Satz
eines freien Bürgers sei: "Ich bin ein Berliner." Wir
hatten das Glück, diese Stadt ungeteilt und frei zu
erleben, als Symbol nicht nur für ein vereintes
Deutschland, sondern auch für einen Kontinent, der
endlich die letzten Grenzen und Schranken des Kalten
Krieges niederreißt. Sie dürfen nie wieder aufgebaut
werden.
Weswegen wurden diese Schranken überhaupt
errichtet? Wodurch wurden die Kontakte zwischen
West und Ost unterbunden? Ich gebe zu, daß die
Antwort für uns heute von Bedeutung ist, wenn wir die
Reisefreiheit und den Austausch von Gedanken
schützen wollen - die kostbarsten, hart erkämpften
Errungenschaften dieses Jahrhunderts der Konflikte.
Als die Sowjetunion ihre politische Kontrolle über die
Länder Zentral- und Osteuropas konsolidierte, sorgte
Stalin dafür, daß es keine privaten Kontakte zu der
Welt dort draußen gab. Als seine Nachfolger sahen,

AMERIKA DIENST 06

daß die Deutschen aus dem unfreien Teil Deutschlands auf der Suche nach Freiheit und Chancen in den
Westen strebten, errichteten sie Wachposten und die
Berliner Mauer. Als George Marshall vor fünfzig
Jahren Wirtschaftshilfe und Chancen versprach, war
ein Teil Europas, der ebenso zerstört war wie der Rest,
nicht frei, sich daran zu beteiligen. Und als William
Fulbright darauf drängte, daß junge Menschen Studenten - international reisen und zum freien Fluß
von Menschen und Gedanken beitragen, konnte sich
halb Europa nicht daran beteiligen. Wenn uns dieses
zu Ende gehende Jahrhundert nur eines lehrt, dann,
daß Freiheit schnell verloren und massiv, extensiv
unterdrückt werden kann. Diese Unterdrückung kann
letztlich überwunden werden, aber nur nach großem
Leid. Wenn der Staat dem Volk die Kontrolle entzieht
oder die Menschen ihre Freiheit dem Staat abtreten, ist
der freie Fluß der Menschen und Gedanken meistens
das erste Opfer. Robert Frost sagte einmal, etwas in
der menschlichen Natur verabscheue eine Mauer.
Das mag zutreffen, aber wir dürfen nicht untätig
zusehen. Wir benötigen Brücken, die jede Mauer
überspannen können.
Das Fulbright-Austauschprogramm ist eine solche
Brücke - vielleicht unsere wichtigste. Sie ist stabil und
jetzt über fünfzig Jahre alt. Mehr als 20.000 Menschen
haben diese Brücke zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten überquert. Ihre Erfahrungen und
Leistungen im Leben beweisen, daß die Deutschen
und Amerikaner, die diese Brücke überquerten, in
hohem Maße von ihren Studien und Reisen profitiert
haben. Sie haben unsere beiden Länder auch bereichert. Sie sind Minister und Fernsehkommentatoren,
Leiter von Unternehmen und Anwaltskanzleien,
führende Akademiker und Wissenschaftler geworden.
Ein amerikanischer Fulbright-Stipendiat in Deutschland

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�wurde ein Astronaut, und einem deutschen FulbrightStipendiaten in den Vereinigten Staaten wurde vor
einigen Jahren der Friedensnobelpreis für Medizin
verliehen. Wie es ein Bundestagsabgeordneter vor
kurzem formulierte, war das deutsch-amerikanische
Fulbright-Programm in den letzten fünfzig Jahren der
Eckpfeiler der bilateralen kulturellen Beziehungen.
Und Präsident Herzog erklärte in einer Rede hier in
Berlin vor nur einem Jahr, das Fulbright-Programm sei
eine wunderbare Investition in unsere gemeinsame
Zukunft. Präsident Clinton schrieb im vergangenen
Jahr, das Fulbright-Programm sei wichtiger als je zuvor
- ein maßgeblicher Beitrag zur Entwicklung einer auf
Frieden, Wohlstand und Freiheit gegründeten globalen
Staatengemeinschaft.
Diese starken Worte des Lobes und Engagements
sollten uns erfreuen und ermutigen. Austauschschüler, Alumni und alle an der ausgezeichneten
Durchführung des Fulbright-Programms in Deutschland Beteiligten können zu Recht stolz sein. Aber die
durch das Fulbright-Programm gebaute "Brücke"
benötigt noch unsere Unterstützung. Wir leben in
einer Zeit, in der sich die Regierungen unserer beiden
Länder großem Druck ausgesetzt sehen, zu sparen
und die fortgesetzte Notwendigkeit jedes Programms
unter Beweis zu stellen. In meinem Land sieht das
Modell für staatliche Aktivitäten - das von manchen als
Paradigma bezeichnet wird - vor, daß Programme nur
mit staatlichen Geldern gefördert werden, wenn sie
eine Partnerschaft mit dem Privatsektor vorweisen
können. Die Fulbright-Kommission in Deutschland
erfüllt diese Bedingung mit ihrem neuen Verein der
Freunde und Förderer des deutsch-amerikanischen
Fulbright-Programms, der sowohl Praktikantenplätze
als auch Stipendien anbietet. Ich bin überzeugt, wenn
der Privatsektor ein echtes Engagement für staatlich
unterstützte
Austauschprogramme
demonstriert,
werden Regierungen nicht vor ihren Verpflichtungen
zurückschrecken. Sie werden an diesem Erfolg
teilhaben wollen. In diesem Jahr ist der FulbrightFörderverein ebenso gewachsen wie der Beitrag der
amerikanischen und der deutschen Regierung.
Ich möchte eine logische Schlußfolgerung ziehen.
Wer sich die gesamten deutsch-amerikanischen
Austauschprogramme ansieht - berufliche, akademische, Jugendaustausch, Städtepartnerschaften - ist
zweifelsohne verblüfft, wenn er sich die staatlichen
Beiträge ansieht. Die zahlreichen Stiftungen, Berufsgruppen, Privatvereinigungen und Unternehmen fügen
den Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern
jedes Jahr im realen Leben und im Cyberspace immer
mehr Brücken hinzu. Sie ersetzen die Rolle der
Regierung nicht, sondern ergänzen sie. Wahrscheinlich kann niemand genau sagen, wieviele private
Übereinkünfte zwischen amerikanischen und deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen
geschlossen wurden. Wir wissen, daß es viele gibt möglicherweise mehr als je zuvor. Das heißt jedoch

Seite 2

nicht, daß wir das Fulbright-Programm weniger nötig
hätten.
Wir müssen den Privatsektor, die akademischen
Institutionen und die Medien insgesamt in unsere
Kulturbeziehungen einbeziehen. Allzu viele vertreten
die irrige Annahme, zwischen Deutschland und den
Vereinigten Staaten gebe es einen Kulturbruch. Das
Gegenteil ist der Fall. Die Vereinigten Staaten haben
in Europa keinen wichtigeren Austauschpartner auf
kultureller, akademischer und beruflicher Ebene als
Deutschland. Und ich wage zu behaupten, daß es für
Deutschland außerhalb von Europa kein wichtigeres
Tourismus- und Austauschland gibt als die Vereinigten
Staaten. Diese Beziehungen sind zu umfassend, zu
vielfältig und zu dynamisch, um in die enge Schablone
von Beziehungen zwischen spezifischen Institutionen
gepreßt zu werden. Es sind Beziehungen mit vielen
Brücken, nicht nur mit einer.
Die selektive Lektüre einiger Zeitungen mag den
Eindruck erwecken, in Amerika habe sich das Bild von
Deutschland geändert oder Deutschland sei für
Amerika nicht länger einzigartig.
Solche Artikel
erwähnen den Abbau der amerikanischen Streitkräfte
in Deutschland oder die Umstrukturierung einiger
Amerika Häuser. Aber sie begreifen nicht das Wesentliche: Wir leben nicht mehr in einer Zeit der Selbstverständlichkeit oder des automatischen Konsenses,
sondern in einer Zeit der Partnerschaft. Ein amerikanischer Kommentator schrieb letzte Woche in der
Washington Post nachdem er diese Stadt besucht
hatte, in Deutschland sei die größte Story, daß es
keine Story gebe - das heißt, wie er es formulierte, "die
alte Nation scheint vollkommen verschwunden zu
sein".
Glücklicherweise werden wir nicht mehr mit der
Tyrannei konfrontiert, die dieses Jahrhundert in
Aufruhr versetzte. Die Mauern sind gefallen, und auf
den Brücken herrscht mehr Geschäftigkeit denn je.
Dies ist das normale und aufregende Zeitalter der
Vorbereitung auf das neue Jahrhundert in internationaler Partnerschaft. Das Fulbright-Programm ragt
als leuchtendes Beispiel heraus und verbindet unsere
beiden Gesellschaften miteinander. Es gibt keinen
Kulturbruch.
Sie wissen, daß es eine Tradition gibt, die so alt ist wie
das Fulbright-Programm in diesem Land. Jedes Jahr
im Herbst kommen die derzeitigen und ehemaligen
Mitglieder des Fulbright-Programms in Bremen
zusammen, wo die ersten deutschen Fulbright-Stipendiaten in den fünfziger Jahren mit dem Schiff in die
Vereinigten Staaten aufbrachen und die ersten
amerikanischen Austauschschüler in Deutschland
ankamen. Jedes Frühjahr kommen sie hier in Berlin
zusammen. Bei diesen jährlichen Zusammenkünften
sprechen sie über die Geschichte, deren Bestandteil
sie sind und jetzt in Berlin über die Zukunft, in der sie

AMERIKA DIENST 06

�eine wichtige Rolle spielen werden. Ich bin überzeugt,
daß diese Rolle angesichts steigernder Kommunikation und Kontak'e zwischen unseren beiden Ländern
an Bedeutung gewinnen und die Zeit immer weiter
zurück in die Geschichte verweisen wird, in der diese
Kontakte tatsächlich unterbrochen waren. Wenige
Dinge verbinden uns so stark wie das halbe Jahrhundert unseres gemeinsamen Engagements für un-

sere grundlegenden Menschenrechte - Reisefreiheit
und freier Gedankenaustausch. Mit Ihrem persönlichen Engagement und mit Unterstützung unserer
beiden Regierungen wird es nie wieder einen solchen
Bruch geben.
Ich danke Ihnen.

* * * * *

AMERIKA DIENST 06

Seite 3

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G o d e s b e r g l ,

3240

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300

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08-85432

17

2 6 . A p r i l 1973

Inhalt

DOKUMENTATION

Energiebotschaft Präsident Nixons
- Wortlaut -

Das J a h r Europas
- Wortlaut d e r Kissinger-Rede vom 2 3 . A p r i l 1973 -

USA: E r n s t e Verletzung des Vietnam-Abkommens durch Hanoi
- Wortlaut d e r amerikanischen Note vom 20. A p r i l 1973 -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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53

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T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300
Telex:08-85432

17/1973

ENERGIEBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Nixon dem amerikanischen Kongreß
am 18. April 1973 übersandte Energiebotschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Nach innen und außen befindet sich Amerika in einer Zeit des Übergangs.
Alte Probleme bringen neue Initiativen hervor, doch an ihrer Stelle entstehen
neue Probleme, die erneut unsere Erfindungsgabe herausfordern und dynamisches
Handeln erfordern. Nirgendwo trifft dies mehr zu als auf dem Gebiet der Energie,

In dem Maße, wie der Wohlstand in Amerika anstieg und das Land immer
stärker industrialisiert wurde, nahm auch der Energiebedarf immer mehr zu.
Bei einer Einwohnerzahl von nur sechs Prozent der Weltbevölkerung entfällt
auf uns fast ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs der Welt. Unser Energiebedarf ist so schnell angewachsen, daß er das verfügbare Angebot übersteigt,
und bei unserer derzeitigen Zuwachsrate wird unser Energiebedarf in 12 Jahren
fast doppelt so hoch wie im Jahre 1970 sein.

In den unmittelbar vor uns liegenden Jahren müssen wir mit der Möglichkeit gelegentlicher Energieverknappungen sowie mit einem Ansteigen der Energiepreise rechnen.
Es

�Es ist ganz klar, daß wir auf dem Gebiet der Energie vor entscheidend
wichtigen Aufgaben stehen. Wenn der derzeitige Trend unkontrolliert anhält,
könnten wir mit einer echten Energiekrise rechnen. Aber eine solche Krise
kann und sollte abgewendet werden. Denn wir verfügen über die Kapazitäten und
die Hilfsguellen zur Deckung unseres Energiebedarfs, wenn wir nur die entsprechenden Maßnahmen ergreifen - und zwar jetzt ergreifen.

Mehr als die Hälfte der gesamten Kohlereserven der Welt befinden sich in
den Vereinigten Staaten. Diese Vorkommen allein würden zur Deckung unseres
Energiebedarfs für mehr als ein Jahrhundert reichen. Wir verfügen über potentielle

Vorkommen von Milliarden Tonnen Erdöl, die ausgeschöpft werden könnten,

über ähnlich große Mengen Schieferöl und über rund 57 Billionen Kubikmeter Erdgas. Wenn wir richtig haushalten und vonseiten

der Verbraucher der Einsparung

an Energie mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann können diese Vorräte ausreichen, solange unsere Wirtschaft von konventionellen Brennstoffen abhängig
ist.

Neben den natürlichen Brennstoffen haben wir Wasserkraftwerke und eine
wachsende Anzahl von Atomkraftanlagen zur Verfügung. Weiter können Amerikas
riesige Forschungs- und Entwicklungskapazität

noch lange,bevor unsere der-

zeitigen Energiequellen erschöpft sind, uns neue, saubere und praktisch unbegrenzte Energiequellen erschließen.

Daher sollten wir uns nicht zu pessimistischen Voraussagen über eine
Energiekrise verleiten lassen. Genausowenig aber sollten wir uns von einem
trügerischen Sicherheitsgefühl einlullen lassen. Wir müssen unsere Situation
realistisch prüfen, die Alternativen sorgfältig abwägen - und dann entschlossen
handeln.

Abwägen der Alternativen
Über 90 Prozent der Energie, die wir heute in den Vereinigten Staaten verbrauchen, kommen von drei Quellen: Erdgas, Kohle und Erdöl. Jede dieser Quellen

�Quellen stellt uns vor andere Probleme.

Erdgas ist unser sauberster Brennstoff und wird aus Gründen des Umweltschutzes am meisten bevorzugt. Aber schlecht überlegte Vorschriften der Bundesregierung für Preisgestaltung bei Erdgas haben zu einer ernsten und zunehmenden
Verknappung dieses Brennstoffes geführt. Wir verfügen über riesige Mengen an
Kohle, aber der Abbau und die Verwendung von Kohle haben so hartnäckige Umweltprobleme geschaffen, daß gegenwärtig nicht einmal 20 Prozent unseres Energiebedarfs durch Kohle gedeckt werden und die Gesundheit der gesamten Kohleindustrie ernsthaft gefährdet ist.

Unsere dritte konventionelle Hilfsquelle ist Erdöl; aber die einheimische
Produktion förderbaren Erdöls reicht nicht mehr aus, um mit dem Bedarf Schritt
zu halten.
Bei der Entscheidung, wie wir diese Hilfsquellen zusammen mit anderen,
wie zum Beispiel der Kernenergie, ausweiten und weiterentwickeln sollten,
müssen wir nicht nur unsere wirtschaftlichen Ziele, sondern auch unsere Ziele
auf den Gebieten des Umweltschutzes und unserer nationalen Sicherheit berücksichtigen. Jedes dieser Gebiete wird von unseren die Energie betreffenden Entscheidungen stark berührt.

Wenn wir die Dynamik unserer Wirtschaft, die Gesundheit unserer Umwelt
und die Sicherheit unserer Energiequellen erhalten wollen, ist es notwendig,
daß wir das richtige Gleichgewicht zwischen diesen Prioritäten finden.

Die Entscheidungen sind schwierig, aber deshalb dürfen wir uns nicht
weigern, zu handeln. Wir können nicht einfach stehenbleiben, nur weil es
schwierig ist, vorwärts zugehen. Dies ist etwas, wofür sich Amerikaner niemals
entscheiden dürfen.

Die Herausforderung, vor die uns das Energieproblem stellt, ist eine der
größten Chancen unserer Zeit. Wir haben bereits damit begonnen, dieser Herausforderung zu entsprechen und ihre Chancen wahrzunehmen.
Nationale

�Nationale Energiepolitik:

Die erste Botschaft zur Energiepolitik:,die je ein amerikanischer Präsident vorgelegt hat, übersandte ich dem Kongreß im Jahr 1971. In dieser Botschaft schlug ich eine Reihe spezifischer Maßnahmen vor, um unseren veranschlagten Bedarf durch Steigerung unserer Produktion an sauberer Energie in
Amerika zu decken.
Zu diesen Schritten gehörten verstärkte Forschung und Entwicklung, um
mehr saubere Energie zu erhalten, vermehrte Bereitstellung von Energieressourcen,
die auf im Besitz des Bundes befindlichem Land liegen, verstärkte Anstrengungen
zur Entwicklung der Kernenergie und ein neues Bundesamt, das unsere Energieprogramme planen und durchführen soll.

In den 22 seit Vorlage dieser Botschaft verstrichenen Monaten sind die
Anstrengungen Amerikas auf den Gebieten der Energieforschung und -entwicklung
um 50 Prozent verstärkt worden.

Zwecks Steigerung der einheimischen Gewinnung konventioneller Brennstoffe
ist die Vergabe von Erdöl- und Erdgaskonzessionen zur Förderung im Schelfgebiet erweitert worden. Die von der Bundesregierung und den Einzelstaaten festgesetzten Normen zum Schutz der Umwelt in den Meeresgebieten, in denen diese
Pachtzonen liegen, sind verschärft worden. Wir haben strengere Überwachungseinrichtungen geschaffen und die Möglichkeiten verbessert, um Verschmutzungen
durch öl zu verhindern oder zu beseitigen.

Wir beabsichtigen, die Erschließung von Ölschiefer und geothermisehen
Energiequellen auf Bundesland so lange fortzusetzen, wie eine jetzt im Gange
befindliche Untersuchung zeigt, daß die Umwelt ausreichend geschützt werden
kann.

Wir haben ferner neue Maßnahmen ergriffen, um unser Potential zur Anreicherung von Uran, das zur Produktion von Brennstoff für Kernkraftwerke benötigt wird, zu erweitern, den Bau von Atomkraftwerken zu standardisieren und

�und sicherzustellen, daß der bereits erfreulich hohe Sicherheitsstand erhalten bleibt.

Wir haben neue Normen und Richtlinien in Kraft gesetzt sowie weitere
Maßnahmen ergriffen, damit mehr zur sparsamen Nutzung von Energie getan und
hierzu ermutigt wird. Kurzum, wir haben unsere Anstrengungen mit Nachdruck
begonnen, um sicherzustellen, daß Amerika stets über die Energie verfügt,
die es zur Erhaltung seines Wohlstandes braucht. Aber alles, was wir bisher
erreichten, ist nur ein Anfang.

Wir müssen jetzt auf unserem vermehrten Wissen und den Leistungen der
letzten 22 Monate aufbauen und eine umfassendere, integrierte nationale
Energiepolitik entwickeln. Zur Durchführung dieser Politik müssen wir:
- die einheimische Erzeugung aller Arten von Energie steigern;
- Maßnahmen ergreifen, die wirksamer zum sparsamen Energieverbrauch beitragen;
- uns um Deckung unseres Energiebedarfs zu den niedrigstmöglichen Kosten,
wie sie mit der Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit und dem
Schutz unserer natürlichen Umwelt vereinbar

sind, bemühen;

- übermäßige regulative und administrative Hindernisse abbauen, die den
Bau von Anlagen zur Energiegewinnung verzögert oder verhindert haben;
- zusammen mit anderen Ländern Maßnahmen treffen, um Forschungsvorhaben
auf dem Energiesektor durchzuführen und Wege zur Verhinderung ernsthafter Verknappungen zu finden; und
- unsere

riesigen wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten

- staatliche wie private - einsetzen, so daß unsere gegenwärtigen
Energiequellen vernünftiger genutzt und neue Quellen und Formen von
Energie erschlossen werden können.

Die von mir heute angekündigten Maßnahmen und die Vorschläge, die ich
dem Kongreß unterbreite, sollen diese Ziele verwirklichen. Sie tragen der
Tatsache Rechnung, daß wir uns in einer Zeit des Übergangs befinden, in der

�der wir darauf hinarbeiten müssen, kurzfristige Versorgungsschwierigkeiten
zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum herabzudrücken, während wir Maßnahmen zur Steigerung und zum Ausbau unserer einheimischen Versorgung treffen,
um unseren langfristigen Energiebedarf zu decken.

Wir dürfen nicht glauben, daß diese Übergangsperiode leicht sein wird.
Die vor uns liegende Aufgabe wird die gemeinsamen und kooperativen Anstrengungen von Verbrauchern, Industrie und Regierung fordern.

Entwicklung unserer einheimischen Energiequellen
Dia Anstrengungen zur Steigerung der einheimischen Energieproduktion in
einer Weise, die mit unseren Wirtschafts-, Umwelt- und Sicherheitsinteressen
zu vereinbaren ist, sollte sich auf die folgenden Gebiete konzentrieren:

Erdgas
Erdgas ist Amerikas wichtigster Brennstoff. Es verbrennt sauber und hat
damit die geringsten schädlichen Auswirkungen auf unsere Umwelt.

Seit 1966 ist unser Erdgasverbrauch um mehr als ein Drittel gestiegen,
so daß Erdgas heute 32 Prozent unseres GesamtVerbrauchs an Energie aus allen
Quellen deckt. Im gleichen Zeitraum sind unsere nachgewiesenen und verfügbaren
Erdgasreserven um ein Fünftel zurückgegangen. Wenn wir nicht verantwortungsbewußt handeln, werden wir bald zunehmende Verknappungen bei diesem entscheidend
wichtigen Brennstoff erleben.

Doch das Problem der Verknappungen ist weniger die Folge unzureichender
Vorkommen, als vielmehr schlechter Regelungen. Erdgas ist der Brennstoff, bei
dem es seitens der Bundesregierung - über die Bundesenergiekommission - die
meisten Vorschriften gibt. Nicht nur der Betrieb der Erdgasleitungen zwischen

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�zwischen den einzelnen Bundesstaaten,wie dies der Kongreß ursprünglich und
zu Recht vorgesehen hatte, ist Vorschriften unterworfen, sondern auch der
Preis des Erdgases, das von Tausenden unabhängiger Produzenten über diese
Pipelines geliefert wird.

Über ein Jahrzehnt lang waren die Preise des über diese Pipelines unter
so weitgehenden

Bestimmungen gelieferten Erdgases künstlich niedrig gehalten

worden. Die Folge war, daß die Nachfrage künstlich angeregt wurde, Exploration
und Erschließung jedoch,die für die Bereitstellung neuer Erdgasmengen zur
Deckung dieses zunehmenden Bedarfs notwendig waren, verkümmerten. Diese Form
eines Reglements durch die Regierung hat wesentlich zu den Verknappungen,
die wir erlebt haben, beigetragen, und zu der noch stärkeren Verknappung, mit
der wir nunmehr rechnen.

Als Folge der durch Vorschriften niedrig gehaltenen Preise werden mehr
als fünfzig Prozent unseres Erdgases durch industrielle Benutzer und Versorgungsbetriebe verbraucht, von denen viele sonst vielleicht Kohle oder öl
benutzen würden. Während die Hausbesitzer gezwungen werden, vom Erdgas abzulassen und teurere Brennstoffe zu benutzen, werden unnötig große Mengen an
Erdgas durch die Industrie aufgebraucht.

Da außerdem die Preise in den Erdgas erzeugenden Bundesstaaten häufig
höher sind als die Preise, die von der Bundesenergiekommission für die Weiterverteilung festgesetzt wurden, gelangt neu entdecktes und neu gefördertes Erdgas meist gar nicht mehr in die Pipelines. Die potentiellen Verbraucher in
den Bundesstaaten ohne eigene Erdgasförderung leiden also am schlimmsten unter
Verknappungen. Die Bundesenergiekommission bemüht sich zwar, diese Probleme
zu mildern, jedoch beeinträchtigen der ganze Rahmen der Durchführungsbestimmungen
und

damit zusammenhängende juristische Beschränkungen die Möglichkeiten der

Kommission, in angemessener Weise darauf zu reagieren.

Es ist klar, daß der Preis, der den Erzeugern von Erdgas im inneramerikanischen Handel gezahlt wird, steigen muß, wenn es den notwendigen Anreiz für

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�für eine bessere Versorgung und für eine Verminderung der unrationellen Nutzung
geben soll. Manche haben zusätzliche Vorschriften vorgeschlagen, um den nötigen
Anreiz zu gewähren, aber wir haben bereits die Gefahren einer solchen Methode
erlebt. Wir müssen die Vorschriften abbauen und nicht erhöhen. Gleichzeitig
können wir jedoch nicht alle Vorschriften für Erdgas beseitigen, ohne daß es
zu einem wesentlichen Preisauftrieb bei dem gegenwärtig erzeugten Erdgas sowie zu Konjunkturprofiten kär.e.

Um dieses Problem zu lösen, schlage ich vor, daß Erdgas aus neuen Vorkommen, Erdgas, das neu für die inneramerikanischen Märkte bestimmt ist, sowie
die weiterlaufende Erzeugung von Erdgas aus erloschenen Kontrakten nicht mehr
einer Preisreaulierung beim Produzenten unterworfen sein soll. Die Verabschiedung dieses Gesetzes sollte zu neuer Exploration und Erschließung von Quellen
anregen. Da jedoch erhöhte Preise für neues, nicht den Reglements unterliegendes
Erdgas im Durchschnitt nach den Preisen für Erdgas berechnet werden, das den
Vorschriften unterliegt, dürfte gleichzeitig der Verbraucher vor allzu jähen
Kostensteiqerungen geschützt werden.
Um dem Verbraucher einen weiteren Schutz gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu geben, schlage ich vor, den Innenminister zu ermächtigen, für
das neue Naturgas einen Preisstopp zu erlassen, falls die Umstände dies erfordern. Ehe der Minister aber von dieser Vollmacht Gebrauch macht, würde er
die Kosten für andere einheimische Brennstoffe in Erwägung ziehen, wobei die
Überlegenheit des Naturgases vom Standpunkt des Umweltschutzes in Rechnung
zu stellen wäre.

Kontinentales Schelfgebiet
Die Öl- und Gasvorkommen in den Vereinigten Staaten liegen annähernd
zur Hälfte in einem Gebiet, das der öffentlichen Hand gehört, vor allem im
Schelfgebiet an den Kontinentalrändern. Das Tempo, mit dem wir unsere einheimische Energieproduktion steigern können, wird in weitem Maße davon abhängen, wie schnell wir diese Vorkommen erschließen können.
Seit

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�Seit 1954 hat das Innenministerium nahezu 3,2 Millionen Hektar Land in
diesem Schelfgebiet an private Entwicklungsunternehmen verpachtet. Dies ist
jedoch nur ein kleiner Prozentsatz der potentiell produktiven Gebiete. Zu
einer Zeit, in der wir gezwungen sind, fast 30 Prozent unseres Öls aus dem
Ausland zu beziehen, ist ein Erschließungs- und Entwicklungsprogramm dieses
Ausmaßes nicht zureichend.
Ich erteile daher dem Innenminister die Anweisung, Maßnahmen zu ergreifen,
durch die die jährlich im Schelfgebiet verpachtete Bodenfläche bis zum Jahr
1979 auf das Dreifache erweitert wird, wobei bereits im Jahr 1974 mit zusätzlichen Verkäufen im Golf von Mexiko zu beginnen ist und auch Gebiete
mit mehr als 200 m Wassertiefe einzuschließen sind, und zwar unter Bedingungen,
die meiner Erklärung vom Mai 1970 über die Ozeanpolitik entsprechen. Durch
diese Beschleunigung der Verpachtungen könnte die jährliche Energieproduktion
bis zum Jahre 1985 um schätzungsweise 214 Millionen Tonnen Öl gesteigert
werden (das sind etwa 16 Prozent des von uns für dieses Jahr erwarteten Ölbedarfs), sowie um 142 Milliarden cbm Naturgas (was etwa 20 Prozent des für
dieses Jahr erwarteten Bedarfs an Naturgas entspräche).
Bislang bestand eines der zentralen Probleme für die Nutzbarmachung
dieser speziellen Hilfsquellen in der Gefahr, die damit für die Umwelt entstehen konnte. Heute aber geben uns neue Techniken, neue Bestimmungen und
Normen und neue Überwachungskapazitäten die Möglichkeit, die Gefahren für die
Umwelt ganz erheblich zu reduzieren und unter Kontrolle zu bringen. Wir sollten
nunmehr aus diesem Fortschritt Nutzen ziehen. Die im Schelfboden und in dem
der öffentlichen Hand gehörenden Land liegenden Rohstoffquellen sind das Eigentum aller Amerikaner, und der akute Bedarf, der für alle Amerikaner an neuen
Energiequellen besteht, erfordert es, daß wir sie erschließen.

Wenn irgendwann festgestellt werden sollte, daß die Schürf- und Erschließungsarbeiten in einem spezifischen Schelfgebiet nur mit unzureichendem
Schutz für die Umwelt weitergeführt werden können, dann werden wir mit solchen
Operationen nicht beginnen oder sie nicht weiterführen. Diese Politik fand 1971
ihren Ausdruck in der Aussetzung von 35 Konzessionsverträgen im Santa BarbaraKanal. Wir bleiben auch weiterhin bei dieser Aussetzung der Konzessionen von

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�von Santa Barbara, und ich fordere erneut, daß der Kongreß eine entsprechende
Gesetzesmaßnahme verabschiedet, die für diejenigen eine angemessene Regelung
möglich macht, die gezwungen sind, ihre Pachten in diesem Gebiet aufzugeben.

Gleichzeitig weise ich den Innenminister an, über die Schelfgebiete jenseits der Kanalinseln von Kalifornien weiterhin Pachtkonzessionen zu vergeben,
wenn die zur Zeit im Gang befindlichen Untersuchungen erweisen, daß die Risiken für die Umwelt tragbar sind.
Ich ersuche ferner den Vorsitzenden des Präsidialbeirats für Umwelthygiene, zusammen mit der Umweltschutzbehörde und in Konsultation mit der
Nationalen Akademie

der Wissenschaften und den zuständigen Bundesbehörden

in einer Untersuchung feststellen zu lassen, welche Auswirkungen die Öl- und
Gasgewinnung im Schelfgebiet des Atlantik und im Golf von Alaska auf die Umwelt haben. In diesen Gebieten werden keine Bohrungen unternommen werden, solange ihre ökologischen Auswirkungen nicht ermittelt sind. Bei diesem Prozeß
werden die Gouverneure, die Mitglieder der Legislative und die Bürger dieser
Gebiete zu Rat gezogen werden.
Schließlich ersuche ich den Innenminister um die Aufstellung eines langfristigen Konzessionierungsprogramms für alle Energiequellen, die auf einem
der öffentlichen Hand gehörenden Gebiet liegen. Dieses Programm muß auf einer
gründlichen Analyse der Ziele unseres Landes hinsichtlich Energie, Umwelt und
Wirtschaft beruhen.

Alaska-Pipeline
Eine weitere wichtige Quelle für die einheimische Ölproduktion existiert
im Norden Alaskas. Obgleich die Privatindustrie sich schon darauf eingestellt
hat, diese Vorkommen zu erschließen, und die Bundesregierung hohe Summen für
ökologische Analysen aufwandte, wird dieses Projekt noch immer verzögert.
Diese Verzögerung hat nichts mit kritischen Gutachten zu ökologischen Auswirkungen zu tun, sondern mit veralteten rechtlichen Behinderungen, die die Geländebreite für die Verlegung der vorgeschlagenen Pipeline betreffen.
In

- 10 -

�In e i n e r Z e i t , i n der w i r wachsende Mengen von Rohöl i m p o r t i e r e n und
dabei unsere Z a h l u n g s b i l a n z e r h e b l i c h i n Unordnung b r i n g e n , außerdem zu
e i n e r Z e i t , i n der w i r b e a c h t l i c h e Ölverknappungen e r l e b e n , s i n d wir e i n d e u t i g auf d i e 2 86 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, d i e Alaska l i e f e r n
könnte - e i n e Menge, d i e e i n v o l l e s D r i t t e l u n s e r e r gegenwärtigen Importe
ausmachen würde.
In den l e t z t e n Wochen habe i c h dem Kongreß e i n e G e s e t z e s v o r l ä g e zugel e i t e t , durch d i e d i e gegenwärtigen R e s t r i k t i o n e n i n bezug auf den Bau der
Leitung aufgehoben würden. Ich a p p e l l i e r e an den Kongreß, d i e s e A n g e l e g e n h e i t
s c h n e l l zu behandeln, damit wir den Bau der Ö l l e i t u n g so s c h n e l l wie möglich
i n Angriff nehmen können.
Ich wende mich gegen jede w e i t e r e Verzögerung, d i e d u r c h ' d i e nochmalige
Untersuchung der Frage e n t s t ü n d e , ob es ratsam s e i , die Ö l l e i t u n g durch
Kanada zu v e r l e g e n . Unserem I n t e r e s s e an e i n e r raschen S t e i g e r u n g u n s e r e r
Ölversorgung w i r d am b e s t e n damit g e d i e n t , daß d i e A l a s k a - L e i t u n g gebaut
w i r d . Sie könnte v i e l s c h n e l l e r f e r t i g g e s t e l l t werden a l s e i n e P i p e l i n e
durch Kanada; i h r e gesamte K a p a z i t ä t würde für den T r a n s p o r t von Öl b e n u t z t ,
das auf amerikanischem T e r r i t o r i u m g e f ö r d e r t wird und für amerikanische Märkte
i n Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht w i r d . Außerdem würde
der Bau e i n e r Leitung durch Alaska e i n e b e a c h t l i c h e Anzahl von A r b e i t s p l ä t z e n
für Amerikaner i n Alaska und in der S c h i f f b a u i n d u s t r i e

schaffen.

Schieferöl
Die abbaufähigen Vorkommen von S c h i e f e r ö l auf dem k o n t i n e n t a l e n T e r r i t o rium der V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden auf etwa 86 M i l l i a r d e n Tonnen g e s c h ä t z t ,
von denen ca. 11,5 M i l l i a r d e n Tonnen a l s r e l a t i v l e i c h t zugänglich g e l t e n .
Als i c h im J ä h r

1971 meine E n e r g i e - B o t s c h a f t v o r l e g t e , e r s u c h t e i c h

den I n n e n m i n i s t e r darum, versuchsweise e i n Konzessionierungsprogramm für Ö l s c h i e f e r zu entwickeln und mir e i n e eingehende Begutachtung der ö k o l o g i s c h e n
Auswirkungen e i n e s solchen Programms an d i e Hand zu geben. Der M i n i s t e r h a t
d i e s e s Modellprojekt v o r b e r e i t e t und e r w a r t e t i n Kürze e i n e n d g ü l t i g e s Gutachten über d i e ökologischen Auswirkungen. Wenn d i e Umweltrisiken annehmbar

- 11 -

�annehmbar s i n d , werden w i r mit dem Programm

fortfahren.

B i s h e r h a t es i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n keine Produktion von S c h i e f e r ö l auf kommerzieller B a s i s gegeben. Unser Versuchsprogramm wird uns w e r t v o l l e
Erfahrungen i n der Anwendung v e r s c h i e d e n e r B e t r i e b s t e c h n i k e n und b e i u n t e r s c h i e d l i c h e n ökologischen Gegebenheiten e i n b r i n g e n . Im Rahmen des v o r g e schlagenen Programms würden d i e Kosten der E r s c h l i e ß u n g und des Umweltschutzes
von den p r i v a t e n Konzessionsinhabern

getragen.

Verpachtung g e o t h e r m i s c h e r E n e r g i e q u e l l e n
Zu der Z e i t , i n d e r i c h d i e e r s t e E n e r g i e - B o t s c h a f t v o r l e g t e , wies i c h
auch den I n n e n m i n i s t e r an, e i n Konzessionierungsprogramm für d i e E r s c h l i e ß u n g
g e o t h e r m i s c h e r Energie auf Bundesland v o r z u b e r e i t e n . Die Bestimmungen und endg ü l t i g e ö k o l o g i s c h e Analysen für e i n s o l c h e s Programm d ü r f t e n gegen Ende des
Frühjahrs

1973 f e r t i g g e s t e l l t

sein.

Wenn d i e Analyse zu dem Ergebnis f ü h r t , daß w i r i n e i n e r für den Umwelts c h u t z a k z e p t a b l e n Art und Weise mit den Vorbereitungen f o r t f a h r e n können,
e r w a r t e i c h , daß d i e Verpachtung von Bundesland zur Verwendung a l s

Förderfeld

für geothermische Energie b a l d darauf beginnen w i r d .
Die Verwendung g e o t h e r m i s c h e r Energie könnte für v i e l e Regionen im Westen
d e r USA von g r o ß e r Bedeutung s e i n ,

da damit e i n T e i l

des E n e r g i e b e d a r f s

i n den W e s t s t a a t e n gedeckt und andere E n e r g i e r e s e r v e n f r e i g e s e t z t würden, d i e
s o n s t v e r b r a u c h t werden müßten. B e i s p i e l s w e i s e wird h e u t e schon der E n e r g i e b e d a r f der S t a d t San F r a n c i s c o zu einem D r i t t e l aus dem G e y s i r - G e b i e t i n
Kalifornien

gedeckt.

Gegenwärtig werden neue Verfahren der L o k a l i s i e r u n g und E r s c h l i e ß u n g von
g e o t h e r m i s c h e r Energie e n t w i c k e l t . Im kommenden H a u s h a l t j ä h r werden d i e Nationale Wissenschaftsstiftung

( N a t i o n a l Science Foundation) und das Geologische

Bundesamt i h r e Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auf diesem Gebiet i n t e n sivieren.

Kohle

�Kohle
Kohle ist unsere am reichlichsten vorhandene und billigste einheimische
Energiequelle- Dennoch deckt Kohle in einer Zeit, in der Energieknappheit
droht, weniger als 20 Prozent unseres Bedarfs an Energie, und es besteht ernste
Gefahr, daß ihre Verwendung sogar noch weiter eingeschränkt wird. Wenn das tatsächlich einträte, müßten wir unsere ölimporte sehr rasch steigern und alle
damit zusammenhängenden Handels- und Sicherheitsprobleme in Kauf nehmen.
Die Kohleproduktion wurde nicht nur infolge der Konkurrenz des Erdgases
eingeschränkt - eine durch Preisregulierungen seitens des Bundes künstlich
geschaffene Konkurrenz -, sondern auch infolge aufkommender Besorgnisse um
die Umwelt und der Gesundheitsschutz- und Sicherheitsvorschriften für die
Gruben. Um den Umweltschutzanforderungen gerecht zu werden, sind die Versorgungsunternehmen zu Erdgas und schwefelarmen Heizöl aus dem Ausland übergegangen. Das Problem wird durch die Tatsache noch kompliziert, daß einige
schwefelarme Kohlevorkommen deshalb nicht erschlossen werden, weil über die
SchürfVorschriften der Bundes- und einzelstaatlichen Behörden Unklarheiten bestehen.
Ich ersuche dringend darum, die erweiterte Erschließung und Nutzung
unserer Kohlevorkommen auf nationaler Ebene mit größtem Vorrang in Angriff
zu nehmen. Die heutigen und möglichen künftigen Verbraucher, die zwischen verschiedenen Energiequellen wählen können, sollten bei ihrer Entscheidung das
nationale Interesse im Auge haben. Jede Entscheidung gegen Kohle steigert
den Erdöl- oder Gasverbrauch, beeinträchtigt unsere nationale Unabhängigkeit
und steigert die Kosten dafür, den Energiebedarf zu decken.
In meiner Anfang des Jahres unterbreiteten Botschaft über die Lage der
Nation forderte ich im Kapitel "Natürliche Hilfsquellen und Umwelt" strenge
gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der Umwelt gegen die durch den Bergbau
verursachten Schädigungen. Ich wiederhole jetzt diesen Appell. Solange aber
die Kohleindustrie die Betriebsvorschriften, nach denen sie sich in der Praxis
zu richten haben wird, nicht kennt, werden auch unsere riesigen Vorkommen an
schwefelarmer Kohle nicht so schnell erschlossen, wie dies der Fall sein müßte,
und diese Kohle wird auch weiterhin zu wenig genutzt.
Das
- 13 -

�Das inzwischen erweiterte Gesetz von 1970 über die Luftreinhaltung
macht zur Auflage, daß die primären Anforderungen an die Luftqualität - jene,
die der Gesundheit gelten - ab 1975 einzuhalten sind, während die verschärften
sekundären Grenzwerte - jene, die mit dem "Allgemeinwohl" in Zusammenhang
stehen - innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne Gültigkeit erlangen. Die
Bundesstaaten arbeiten sehr erfolgreich darauf hin, die primären Grenzwerte,
wie sie das Gesetz zur Luftreinhaltung fordert, durchzusetzen, und ich fühle
mich durch ihre Anstrengungen ermutigt.
Gleichzeitig sollten wir in unsere

Sorge um das "Allgemeinwohl" oder

das nationale Interesse auch Erwägungen einbeziehen, die sowohl der nationalen
Sicherheit und der Prosperität der Wirtschaft als auch unserer Umwelt gelten.
Wenn wir darauf bestünden, bis 1975 sowohl die primären als auch die
sekundären Grenzwerte in der Luftreinhaltung durchzusetzen, könnte es geschehn,
daß wir die Nutzbarmachung von Kohlemengen in der Größenordnung bis zu 155 Millionen Tonnen pro Jahr verhindern. Dies würde zwangsläufig einer Steigerung des
ölbedarfs um ca. 2 30 OOO Tonnen pro Tag bedeuten. Dieses Öl müßte importiert
werden, was unsere Zahlungsbilanz ungünstig beeinflussen und mit 1,5 Milliarden
Dollar und mehr pro Jahre belasten würde. Eine solche Entwicklung könnte auch
zum Verlust von etwa 26 OOO Arbeitsplätzen in Kohlegruben führen.
Wenn wir aber andererseits die Bestimmungen des Gesetzes über die Luftreinhaltung vernünftig durchführen und dabei sorgfältig die primären, auf die
Gesundheit bezogenen Grenzwerte einhalten, dagegen die Durchsetzung der sekundären Grenzwerte nicht überstürzen, sollte es uns auch möglich sein, praktisch
all die Kohle zu verwenden, die sonst ungenutzt bliebe.
Die Bundesbehörde für Umweltschutz deutete bereits an, daß die nach dem
Luftreinhaltegesetz als vernünftige Frist zugestandene Periode zur Erreichung
der Sekundärnormen über 1975 hinaus verlängert werden könne. Im vergangenen
Jahr richtete der Leiter der Umweltschutzbehörde an alle Gouverneure der
Bundesstaaten ein Schreiben, in dem er darlegte, daß in der gegenwärtigen
Periode der Verknappung schwefelarmer Brennstoffe die Bundesstaaten nur dort
auf der Verwendung solcher Brennstoffe bestehen sollten, wo dies im Interesse
der Einhaltung der primären Maximalwerte zum Schutz der Gesundheit notwendig

- 14 -

�notwendig s e i . Diese Maßnahme s e i t e n s der Bundesstaaten s o l l t e i n v i e l e n
F ä l l e n den wünschenswerten E r s a t z von schwefelarmen Brennstoffen durch Kohle
ermöglichen. Ich u n t e r s t ü t z e s o l c h e Handlungsweise v o l l a u f .
Viele Ordnungs-Kommissionen d e r Bundesstaaten e r l a u b e n i h r e n

staatlichen

V e r s o r g u n g s b e t r i e b e n , e r h ö h t e B r e n n s t o f f k o s t e n i n der Form von höheren Gebühren an den Verbraucher w e i t e r z u g e b e n . G e l e g e n t l i c h g i b t es aber Verzögerungen
d a b e i , auch d i e Weitergabe der Kosten für Umweltschutzausrüstungen i n ä h n l i c h e r
Weise zu g e s t a t t e n . D e r a r t i g e Verzögerungen ermutigen n i c h t dazu, von Umwelts c h u t z v e r f a h r e n Gebrauch zu machen, und fördern nur d i e Tendenz z u r Verwendung
schwefelarmer B r e n n s t o f f e ,

die meist i m p o r t i e r t sind.

Um mehr Anreiz für d i e Anwendung neuer Umweltschutztechniken zu geben,
ersuche i c h a l l e e i n z e l s t a a t l i c h e n Kommissionen für V e r s o r g u n g s b e t r i e b e ,

sicher-

z u s t e l l e n , daß d i e Versorgungsunternehmen für den Einbau von Umweltschutzausr ü s t u n g e n , e i n s c h l i e ß l i c h der Vorrichtung zur A b l u f t r e i n i g u n g und zur Kohlevergasung, s c h n e l l und f a i r e n t s c h ä d i g t werden.
«

Als z u s ä t z l i c h e Maßnahme zur S t e i g e r u n g der Produktion und d e r Verwendung
von Kohle ordne i c h an, daß e i n neues B e r i c h t s v e r f a h r e n im US-Innenministerium
über d i e n a t i o n a l e Kohleproduktion e i n g e f ü h r t w i r d , und i c h e r s u c h e d i e
Bundesenergiekommission, über d i e Verwendung von Kohle i n Kraftwerken

regel-

mäßig B e r i c h t zu e r s t a t t e n .
Ich erhöhe außerdem unsere

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

auf dem K o h l e s e k t o r , wobei Verfahren zur Entschwefelung und d i e Entwicklung
b i l l i g e r , s a u b e r verbrennender Kohle besonders g e f ö r d e r t werden s o l l e n .
Kernenergie
Obgleich w i r uns i n d e r E n e r g i e p r o d u k t i o n b i s h e r i n e r s t e r L i n i e auf
f o s s i l e B r e n n s t o f f e wie Kohle und Öl s t ü t z t e n , dürfen wir davon k ü n f t i g n i c h t
mehr so s t a r k abhängig s e i n und haben es auch n i c h t n ö t i g . Die w i c h t i g s t e
A l t e r n a t i v e für Energie aus f o s s i l e n Brennstoffen i s t für den Rest d i e s e s
Jahrhunderts die Kernenergie.
Unsere gut f u n d i e r t e n u k l e a r e Technik s t e l l t i n der Deckung des gegenw ä r t i g e n Bedarfs b e r e i t s e i n e u n v e r z i c h t b a r e E n e r g i e q u e l l e d a r . Wir haben i n
- 15 -

�i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n zur Z e i t 30 Atomkraftwerke i n B e t r i e b . Von den
neu zu i n s t a l l i e r e n d e n K r a f t w e r k s k a p a z i t ä t e n /

für d i e 1972 Abschlüsse g e -

t ä t i g t wurden, e n t f a l l e n 70 P r o z e n t auf Atomkraft. Um 1980 w i r d der von Atomr e a k t o r e n e r z e u g t e Strom der E l e k t r i z i t ä t s m e n g e aus 179 M i l l i o n e n Tonnen Öl
oder 227 M i l l i a r d e n Kubikmeter Gas e n t s p r e c h e n . Man s c h ä t z t , daß d i e Stromp r o d u k t i o n i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n im J a h r 1985 zu 25 P r o z e n t und im J a h r
2000 zu mehr a l s 50 Prozent auf Atomkraft b a s i e r e n w i r d .
Die m e i s t e n Atomkraftwerke, d i e h e u t e i n B e t r i e b s i n d , a r b e i t e n mit L e i c h t w a s s e r - R e a k t o r e n . In a b s e h b a r e r Zukunft werden e i n i g e m i t g a s g e k ü h l t e n Hocht e m p e r a t u r - R e a k t o r e n a u s g e r ü s t e t s e i n . Diese Methoden der Kerntechnik werden
im n ä c h s t e n J a h r z e h n t durch den S c h n e l l b r u t r e a k t o r e r g ä n z t , durch den der
Nutzungsgrad für unsere einheimischen Uranvorkommen um etwa das 30fache e r höht w i r d . Gegenwärtig wird d i e Entwicklung des S c h n e l l b r u t r e a k t o r s mit
F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g im Rahmen d e r n u k l e a r e n Forschung und Entwicklung m i t
höchsten. Vorrang b e t r i e b e n .
Die B e t r i e b s s i c h e r h e i t b e i der Produktion von Atomstrom i s t

außerordent-

l i c h hoch. In unserem z i v i l e n Atomenergieprogramm h a t es keinen e i n z i g e n
T o d e s f a l l gegeben, der auf S t r a h l u n g zurückzuführen i s t . Wir haben d i e

feste

A b s i c h t , durch noch i n t e n s i v e r e Forschung und Entwicklung i n der Reaktors i c h e r h e i t d i e s e n Standard zu h a l t e n .
Bei Atomkraftwerken s i n d d i e Verfahren, mit denen d i e B e t r i e b s s i c h e r h e i t und d i e Z u l ä s s i g k e i t u n t e r den Aspekten des Umweltschutzes

ermittelt

werden, l e b e n d i g e r und e i n e r B e t e i l i g u n g der Ö f f e n t l i c h k e i t mehr z u g ä n g l i c h
a l s b e i a l l e n anderen v e r g l e i c h b a r e n I n d u s t r i e - V o r h a b e n . Von der Regierung
und der I n d u s t r i e müssen a l l e Anstrengungen unternommen werden, um d i e Ges u n d h e i t und d i e S i c h e r h e i t der A l l g e m e i n h e i t zu schützen und jenen b e f r i e digende

Antworten geben zu können, d i e s i c h wegen d i e s e r E n e r g i e q u e l l e e h r -

l i c h e Sorgen machen.
G l e i c h z e i t i g müssen w i r danach t r a c h t e n , u n v e r n ü n f t i g e

Verzögerungen

i n der Entwicklung von Kernenergie zu vermeiden. Sie bewirken n i c h t s a n d e r e s ,
a l s daß durch s i e unnötige Kosten v e r u r s a c h t und unsere E n e r g i e k n a p p h e i t
schlimmert w i r d . Es i s t entmutigend zu w i s s e n , daß Atomkraftwerke,

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die

ver-

�die 27 000 Megawatt Strom erzeugen könnten und im Verlauf des Jahres 1972
hätten in Betrieb genommen werden sollen, nicht fertiggestellt wurden. Um
diese Produktionskapazität zu ersetzen, müßten wir ein Drittel der Erdgasmengen verwenden, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 1972 für die Stromerzeugung verbraucht wurden. So darf es nicht weitergehen.
In meiner ersten Sonderbotschaft über Energie im Jahr 1971 schlug ich
vor, daß die Versorgungsunternehmen langfristige Pläne in bezug auf den Standort von Atomkraftwerken und Stromfernleitungen vorbereiten und veröffentlichen.
Dieses Gesetz würde für Bund und Einzelstaaten den Rahmen schaffen, um die
Konzessionen für den Bau einzelner Anlagen zu erteilen, und zwar auf der Grundlage uneingeschränkter und ausgewogener Überlegungen sowohl in bezug auf
ökologische Erfordernisse als auch auf Energiebedarf. Der Kongreß hat diese
Vorlage noch nicht behandelt. Ich unterbreite sie in diesem Jahr erneut zusammen mit einer Anzahl neuer Bestimmungen zur Vereinfachung der amtlichen
Genehmigungsverfahren; darunter befindet sich auch eine Bestimmung, die verlangt, daß die Regierung innerhalb von 18 Monaten nach Eingang eines kompletten
Antrages auf Lizenzierung diesen endgültig behandelt haben muß.
Ich möchte außerdem betonen, daß der private Sektor bei künftigen nuklearen Entwicklungen auch weiterhin wachsen muß. Die Atomenergiekommission
unternimmt gegenwärtig Schritte, um größere Mengen von angereichertem Uranbrennstoff für die amerikanischen Atomkraftwerke bereitzustellen. In den
achtziger Jahren reicht diese Expansion jedoch nicht aus, um unseren Bedarf
voll zu decken. Die Regierung richtet jetzt ihre Erwartungen auf die Privatindustrie, die erforderlich werdende zusätzliche Kapazität zu beschaffen.
Unsere Atomtechnik stellt einen nationalen Wertfaktor dar, der gar nicht
hoch genug eingeschätzt werden kann. Es ist lebenswichtig, daß wir sie auch
in Zukunft mit Nachdruck weiterentwickeln.
Das immer häufigere Auftreten unnötiger Verzögerungen im Aufbau von Kraftwerken muß ein Ende haben, wenn wir unseren Energiebedarf decken sollen. Um
keinen Zweifel aufkommen zu lassen - zum Schutz der Öffentlichkeit und unserer
Umwelt muß energisch auf vernünftige Schutzmaßnahmen bestanden werden. Der
Öffentlichkeit muß auch das uneingeschränkte Recht zur Mitsprache und Frage-

- 17 -

�F r a g e s t e l l u n g zugestanden werden, wenn wir darüber e n t s c h e i d e n , wo neue K r a f t werksanlagen gebaut werden s o l l e n . Wir müssen unsere amtlichen Verfahren z u r
Konzessionierung und I n s p e k t i o n s t r a f f e n , Überlappungen i n d e r Z u s t ä n d i g k e i t
v e r r i n g e r n und Konfusion, d i e durch a m t l i c h e S t e l l e n zustande kommt, a u s schalten.
Diese Z i e l e versuche i c h mit mehreren S c h r i t t e n zu e r r e i c h e n . Im Laufe
des kommenden J a h r e s werden w i r v e r s c h i e d e n e Möglichkeiten p r ü f e n , um s i c h e r z u s t e l l e n , daß a l l e ö f f e n t l i c h e n und p r i v a t e n I n t e r e s s e n u n p a r t e i i s c h und
ohne Verzug i n a l l e n amtlichen Verfahren zur E r t e i l u n g von Genehmigungen,
Konzessionen und z u r I n s p e k t i o n gegeneinander abgewogen werden.
Ich s c h l a g e dem Kongreß e r n e u t v o r , d i e Standortwahl für Kraftwerke ges e t z l i c h zu r e g e l n , ebenso - und d i e s zum e r s t e n Mal - d i e Anlage von T i e f wasser-Häfen. A l l e meine G e s e t z e s v o r l a g e n zur S t a n d o r t f r a g e e n t h a l t e n Bestimmungen, d i e sowohl auf Bundesebene a l s auch auf e i n z e l s t a a t l i c h e r Ebene
die Lizenzierung

v e r e i n f a c h e n . Es i s t von g r o ß e r Bedeutung, daß der Kongreß

rasch und im Sinne d i e s e r Vorschläge h a n d e l t .

Ansporn zur E x p l o r a t i o n e i n h e i m i s c h e r Vorkommen
Unser S t e u e r s y s t e m g i b t j e t z t d i e dringend b e n ö t i g t e n Anreize für d i e
M i n e r a l - E x p l o r a t i o n i n der Form von p r o z e n t u a l e n Entschädigungen b e i Unerg i e b i g k e i t und von Abschreibungen für gewisse Bohrkosten. Diese Bestimmungen
u n t e r s c h e i d e n jedoch n i c h t zwischen der E x p l o r a t i o n für neue Vorkommen und
der E r s c h l i e ß u n g b e r e i t s b e k a n n t e r F e l d e r .
Um zu v e r s t ä r k t e r E x p l o r a t i o n zu e r m u t i g e n , ersuche i c h den Kongreß,
i n unserem gegenwärtigen S t e u e r g e s e t z d i e Bestimmungen über I n v e s t i t i o n s k r e d i t e so zu e r w e i t e r n , daß für a l l e Versuchsbohrungen für neue Öl- und
E r d g a s f e l d e r K r e d i t e b e r e i t g e s t e l l t werden. Im Rahmen d i e s e s Vorschlags würde
für e r f o l g r e i c h e Versuchsbohrungen e i n etwas h ö h e r e r K r e d i t a l s für e r f o l g l o s e Bohrungen gewährt, um p o s i t i v e E r g e b n i s s e z u s ä t z l i c h zu p r ä m i e r e n .
Der I n v e s t i t i o n s k r e d i t h a t s i c h a l s wirksamer Anreiz für A k t i v i t ä t e n
der I n d u s t r i e e r w i e s e n . Ich e r w a r t e , daß e r i n bezug auf d i e Suche nach neuen
Vorkommen gleichermaßen wirksam i s t .
Einfuhren
- 18 -

�Einfuhren zur Deckung unseres Energiebedarfs
Ölimporte
Um für die nächste Zeit Brennstoffverknappungen zu vermeiden und Brennstoffkosten so niedrig wie möglich zu halten, wird es für uns notwendig sein,
die Brennstoffimporte zu erhöhen. Gleichzeitig müssen wir, um auf weiter
Sicht unsere Abhängigkeit von Importen zu verringern, zur Exploration und Erschließung einheimischer Ölvorkommen und zum Bau von Raffinerien zur Verarbeitung des Rohöls ermutigen.
Das gegenwärtige Quotensystem für Ölimporte - das kontrollierte Öl-Einfuhrprogramm - wurde zu einer Zeit geschaffen, in der wir im Inland mehr öl
produzieren konnten, als wir selbst verbrauchten. Durch die Kontingentierung
der Importe wurde die Einfuhr von ausländischem Rohöl begrenzt. Das Verfahren
ermutigte außerdem zum Ausbau der einheimischen Erdölindustrie und diente
der nationalen Sicherheit.
Heute jedoch produzieren wir nicht so viel Öl, wie wir verbrauchen, und
wir müssen immer größere Mengen einführen, um unseren Bedarf zu decken.
Als Folge davon ist das gegenwärtige kontrollierte Öleinfuhrprogramm
praktisch nicht mehr von Nutzen. Statt dessen ist es nur geeignet, unsere
Versorgungsprobleme noch zu vergrößern, und es nimmt uns die Flexibilität,
die wir brauchen, um schnell und wirksam unseren Importbedarf zu decken. Die
allgemeine Unzufriedenheit mit dem Programm und die offensichtliche Notwendigkeit, die Dinge zu ändern, hat zu Unsicherheit geführt. Unter solchen Verhältnissen kann es nur in begrenztem Umfang langfristige Investitionsplanungen
für neue Bohranlagen und den Bau von Raffinerien geben.
Mit sofortiger Wirkung hebe ich durch Erlaß alle bestehenden Zölle auf
importiertes Rohöl und Ölprodukte auf. Die Inhaber von Importlizenzen werden
so in die Lage versetzt, Erdöl zollfrei einzuführen. Dieses Verfahren wird
helfen, die Energiekosten für den amerikanischen Verbraucher niedrig zu halten.
Mit sofortiger Wirkung setzte ich außerdem die direkte Kontrolle über
die Menge von Rohöl und Raffinerieprodukten, die importiert werden können,
vorläufig außer Kraft. Anstelle

dieser Kontrollen führe ich ein System der
- 19 -

�der Lizenzgebühr entsprechend der Menge ein.
Unter dem neuen System können die gegenwärtigen Inhaber von Importlizenzen Erdöl gebührenfrei bis zur Höhe ihres Kontingents für 1973 einführen.
Für Importe,die die für 1973 zugeteilte Menge überschreiten, muß der Importeur
Gebühren entrichten.
Durch dieses System sollten sich mehrere Ziele erreichen lassen.
Erstens dürfte es helfen, unseren unmittelbaren Energiebedarf durch
Förderung der Einfuhr ausländischen Öls zu niedrigsten Kosten für den Verbraucher zu decken, während es gleichzeitig Anreize zur Exploration und Erschließung unserer einheimischen Vorkommen für die Deckung des langfristigen
Bedarfs gibt. In diesem Jahr werden wenig Gebühren bezahlt werden müssen;
allerdings werden alle Freistellungen von der Gebührenzahlung im Verlauf der
nächsten paar Jahre auslaufen. Durch ein allmähliches Anheben der Gebühren
über die nächsten zweieinhalb Jahre bis zum Maximum von 0,5 Cent pro Gallone
(3,78 Liter) Rohöl und 1,5 Cent pro Gallone Raffinerieprodukte sollten wir auch
künftig unseren Energiebedarf decken können und gleichzeitig die Industrie
zur Steigerung der einheimischen Produktion ermutigen.
Zweitens soll dieses System Anreiz zum Bau von Raffinerien innerhalb
der Vereinigten Staaten geben, weil die Gebühren für Raffinerieprodukte höher
sind als für Rohöl. Als zusätzliche Fördermaßnahme darf Rohöl bis zu einer
Menge, die 75 Prozent der neuen Raffineriekapazität entspricht, eingeführt
werden, ohne daß es der Gebührenabgabe unterliegt. Dieses Sonderkontingent
kann jede Ölfirma während der ersten fünf Jahre nach Errichtung oder Erweiterung ihrer Raffineriekapazität in Anspruch nehmen.
Drittens soll dieses System die Flexibilität schaffen, die wir zur
wirksamen Deckung unseres Kurzzeit- und Langzeitbedarfs brauchen. Wir werden
von Zeit zu Zeit die Gebührenhöhe überprüfen,um sicherzustellen, daß wir
entsprechend unserer Absicht, die einheimische Produktion zu steigern und
dabei gleichzeitig die Kosten für den Verbraucher auf dem niedrigstmöglichen
Stand zu halten, die niedrigsten Gebühren erheben. Wir werden außerdem das
Berufungsgremium für Ölimporte voll einschalten, um zu gewährleisten, daß
der Bedarf aller Sektoren der Mineralölindustrie gedeckt wird, insbesondere
- 20 -

�insbesondere der Bedarf der unabhängigen Betriebe, die helfen, den Wettbewerb auf dem freien Markt aufrechtzuerhalten.
Viertens soll das neue System zu unserer nationalen Sicherheit beitragen.
Erhöhte einheimische Produktion macht uns von der Versorgung aus dem Ausland
weniger abhängig. Gleichzeitig werden wir die Gebühren in einer Weise anpassen, durch die unsere Versorgung aus dem Ausland so weit wie nur irgend
möglich gesichert wird. Schließlich gebe ich dem Ausschuß für Ölpolitik Anweisung, Anreize zu prüfen, die auf eine Steigerung unserer einheimischen
Reservevorräte oder eine Zusatzproduktion abzielen. Auf diese Weise schaffen
wir Vorräte, die uns gegen eine vorübergehende Unterbrechung von Lieferungen
aus dem Ausland abschirmen.

Tiefwasserhäfen
Es ist völlig klar, daß wir in der absehbaren Zukunft Öl in großen Mengen
importieren müssen. Wir sollten dabei im Auge behalten, daß dies mit möglichst
geringen Schäden für die Umwelt geschieht. Leider sind unsere gegenwärtigen
Kapazitäten für diese Zwecke nicht ausreichend.
Die Lösung dieses Problems liegt in der Anlage von Tiefwasserhäfen, die
Großtanker aufnehmen können, gleichzeitig wichtige wirtschaftliche Vorteile
bieten und das Risiko vermindern, daß Schiffe kollidieren oder auf Grund
laufen. Kürzlich vom Präsidialbeirat für Umwelthygiene durchgeführte Untersuchungen zeigen, daß wir mit sehr viel geringerer Verschmutzung zu rechnen
haben, wenn wir weniger, aber größere Tanker und Tiefwasserhäfen zur Verfügung
haben,anstatt, wie bisher, viele kleine Tanker und herkömmliche Hafenanlagen
zu benutzen; sie werden anderweitig gebraucht.
Wenn wir unsere Hafenkapazität nicht auf tiefes Wasser ausweiten, ist
zu erwarten, daß amerikanische und ausländische Gesellschaften ihr öl auf
den Bahamas und in den kanadischen Häfen löschen. Von diesen Tankerhäfen aus
wird das Öl durch eine immer größere Anzahl kleiner und mittelgroßer Tankschiffe
zu unseren herkömmlichen Häfen transportiert, wodurch sich das Risiko der
Verschmutzung während des Transports und durch Unfälle erhöht. Zur gleichen
Zeit gehen den Vereinigten Staaten die Arbeitsplätze und das Kapital verloren,

- 21 -

�v e r l o r e n , die s i c h b e i diesen a u s l ä n d i s c h e n Anlagen ergeben.
Angesichts d i e s e r Sachlage müssen w i r , s o glaube i c h , e i n e h r g e i z i g e s
Programm i n Angriff nehmen, um für d i e Aufnahme von Erdölimporten neue T i e f wasserhäfen zu s c h a f f e n .
Für d i e Anlage von Häfen waren b i s h e r d i e E i n z e l s t a a t e n , kommunale
Verwaltungen und die P r i v a t w i r t s c h a f t z u s t ä n d i g . Die E i n z e l s t a a t e n können
jedoch k e i n e Genehmigung e r t e i l e n , d i e über d i e Drei-Meilen-Zone h i n a u s r e i c h e n . Deshalb b r i n g e i c h e i n e G e s e t z e s v o r l a g e e i n , auf Grund deren das
US-Innenministerium e r m ä c h t i g t w i r d , s o l c h e Lizenzen zu e r t e i l e n .

Die

L i z e n z i e r u n g wäre mit e i n e r umfassenden und angemessenen Begutachtung d e r
ökologischen Auswirkungen verbunden und würde für s t r e n g e N a v i g a t i o n s - und
S i c h e r h e i t s v o r s c h r i f t e n sowie für entsprechende E r f o r d e r n i s s e für d i e Landnutzung Sorge t r a g e n . Im besonderen s i e h t das vorgeschlagene Gesetz d i e Zusammenarbeit von Bundes-, E i n z e l s t a a i _ s - und Kommunalbehörden vor.

Sparsamer Umgang mit Energie
Der Reichtum an n a t ü r l i c h e n H i l f s q u e l l e n war i n d e r Vergangenheit
u n s e r g r ö ß t e r V o r t e i l . F a l l s uns aber d i e s e r Reichtum dazu e r m u t i g t ,

unsere

H i l f s q u e l l e n a l s etwas S e l b s t v e r s t ä n d l i c h e s anzusehen, so kann s i c h d i e s
l e i c h t n a c h t e i l i g für unsere Zukunft auswirken.
Der gesunde Menschenverstand s a g t uns k l a r , daß w i r , während w i r d i e
uns i n Zukunft zur Verfügung stehenden Formen und Quellen von Energie a u s w e i t e n , ebenso v i e l Aufmerksamkeit auf den sparsamen Umgang mit der uns h e u t e
zur Verfügung stehenden Energie verwenden und nach M i t t e l n und Wegen suchen
müssen, um das k ü n f t i g e Anwachsen des E n e r g i e b e d a r f s zu b e s c h r ä n k e n .
Als Volk müssen w i r uns auf n a t i o n a l e r Ebene um einen sparsamen Umgang
mit Energie bemühen. Die I n d u s t r i e kann dazu b e i t r a g e n , indem s i e e n e r g i e sparende E r z e u g n i s s e l i e f e r t und s e l b s t Energie ökonomischer e i n s e t z t .

Alle

A r b e i t e r und Verbraucher können m i t h e l f e n , indem s i e im A l l t a g b e s t ä n d i g auf
Einsparung von Energie bedacht s i n d - daß man Lampen a u s s c h a l t e t , wenn k e i n
L i c h t gebraucht w i r d , d i e M o t o r e i n s t e l l u n g beim Auto r e g u l i e r e n l ä ß t , Klimaanlagen und Heizungen weniger b e n u t z t und E r z e u g n i s s e k a u f t ,
- 22 -

d i e Energie w i r t -

�wirtschaftlicher verbrauchen.
Der Regierung fällt ebenfalls auf allen Ebenen eine wichtige Rolle zu einmal direkt durch Einsparen von Energie und zum anderen richtungweisend
für die Bemühungen um den sparsamen Umgang mit Energie.
Ich ordne heute die Schaffung einer Behörde für Energiewirtschaft an,
die im Innenministerium gebildet werden und die Programme zur Einsparung
von Energie koordinieren soll, welche gegenwärtig noch auf den gesamten Regierungsapparat aufgesplittert sind. Diese Behörde wird Forschungsvorhaben
durchführen und mit Verbraucher- und Umweltschutzgruppen

zusammenarbeiten,

um die Verbraucher über die Möglichkeiten aufzuklären, wie ihre für den
Energiebezug aufgewandten Dollars den größten Gegenwert erbringen können.
Um den Verbrauchern weitere Informationen an die Hand zu geben, werde
ich das Handelsministerium anweisen, in Zusammenarbeit mit dem Präsidialbeirat für Umwelthygiene und dem Amt für Umweltschutz ein auf freiwilliger Beteiligung basierendes System von Energieverbrauchsplaketten für die wichtigsten
Haushaltsgeräte zu entwickeln. Diese Plaketten sollen Angaben über den Energieverbrauch sowie eine

Einstufungstabelle aufweisen, die einen Wirtschaftslich-

keitsvergleich mit anderen gleichartigen Erzeugnissen möglich

macht. Darüber

hinaus wird die Umweltschutzbehörde in Kürze die Ergebnisse ihrer Tests zum
Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen veröffentlichen.
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie die Regierung sich richtungweisend auf diesem Gebiet betätigen kann. Ich fordere zum Beispiel erneut,
daß örtlichen Dienststellen die Verwendung von Geldern aus dem Fernstraßentreuhandfonds für Zwecke des Massentransitverkehrs gestattet wird. Wenn wir
dem Massentransitverkehr mehr Augenmerk schenken, so kann dies erheblich zur
Einsparung von Benzin beitragen.
Auch die Bundesbehörden können ein Beispiel geben. Das Bundesamt für allgemeine Verwaltungsdienste (GSA) errichtet gegenwärtig ein neues Bürogebäude
des Bundes unter Verwendung moderner Verfahren zur Einsparung von Energie mit
dem Ziel, den Energieverbrauch gegenüber entsprechenden anderen Gebäuden gleicher
Größe um 20 Prozent zu senken. Gleichzeitig untersucht das Bundesamt für technische Normen (NBS) in seinen Laboratorien den Energieverbrauch von Gebäuden.

- 23 -

�Gebäuden. Sobald diese Untersuchung abgeschlossen ist, werden analytische
Verfahren zur Verfügung stehen, um den Energieverbrauch neuer Wohngebäude
im Voraus veranschlagen zu können. Diese Informationen werden zusammen mit den
Erfahrungen, die beim 3au und Betrieb des von der Bundesregierung errichteten
Versuchsgebäudes gesammelt werden, den Architekten und Baufirmen helfen,
energiewirtschaftlich günstigere Gebäude zu entwerfen und zu errichten.
Auf Grund meiner Weisungen von 1971 und 1972 wurden bereits wichtige
Schritte unternommen, um die Isolierungsnormen für Ein- und Mehrfamilienhäuser auf den neuesten Stand zu bringen und mitzuhelfen, den Wärmeverlust
zu verringern sowie auch anderweitig Energie im Wohnungsbau zu sparen. Sobald
die Ergebnisse dieser wichtigen Demonstrationsprojekte vorliegen, werde ich
die Bundesanstalt für den privaten Wohnungsbau (FHA) anweisen, 5io

Konsulta-

tionsvorschriften angesichts unserer Erfahrungen auf den neuesten Stand zu
bringen und ihre mögliche Ausdehnung auf mobile Wohneinheiten zu erwägen.
Schließlich sollten wir uns darüber klar sein, daß wir die Einsparung
von Energie am wirksamsten fördern können, wenn wir sicherstellen, daß die
Energiepreise den wirklichen Gestehungskosten

entsprechen. Durch die Aufhe-

bung von Vorschriften wie den derzeitigen Höchstpreisen für Erdgas, und durch
Gewährleistung einer gerechten Aufteilung der Kosten für angemessene Umweltschutzmaßnahmen können wir Fortschritte in Richtung auf eine wirtschaftlichere
Inanspruchnahme unserer Hilfsquellen machen.
Das Einsparen von Energie ist eine nationale Notwendigkeit, doch glaube
ich, daß dies auf freiwilliger Basis wirksamer durchgeführt werden kann. Wird
diese Herausforderung ignoriert, so könnte dies die Gefahr vermehrter Verknappungen, steigender Preise und einer Schädigung der Umwelt heraufbeschwören
sowie die Möglichkeit vergrößern, daß die Einsparungen künftig durch Zwangsmaßnahmen verwirklicht werden. Es dürfte nicht notwendig werden, daß ein Land,
das stets über große Mengen an Energie verfügte, zur Rationierung von Energie
übergehen muß. Dies ist ein Teil der Herausforderung auf dem Energiesektor,
dem zu begegnen jeder Amerikaner mithelfen kann; ich rufe alle Amerikaner auf,
das Ihre hierzu beizutragen.
Forschung

- 24 -

�Forschung und Entwicklung
Wenn w i r d i e Gewißheit haben w o l l e n , daß der Aufwärtstrend u n s e r e r W i r t s c h a f t n i c h t durch unzureichende Energieversorgung oder durch zu t e u r e Energie
b e h i n d e r t w i r d , dürfen

wir uns n i c h t l ä n g e r von k o n v e n t i o n e l l e n

Energieformen

abhängig machen. S t a t t dessen müssen wir durch Forschung und Entwicklung a l l e
s i n n v o l l e n Anstrengungen unternehmen, um sowohl andere E n e r g i e q u e l l e n
auch neue Verfahren zu b e s c h a f f e n ,

als

d i e s e Energie zu p r o d u z i e r e n und zu n u t z e n .

Für d i e nahe Zukunft werden wir dank u n s e r e r Forschungs- und E n t w i c k l u n g s p o l i t i k Verfahren zur Verfügung haben, um unsere gegenwärtigen f o s s i l e n Brenns t o f f e so zu fördern und n u t z b a r zu machen, wie d i e s e i n e r gesunden Umwelt am
meisten z u t r ä g l i c h

ist.

S p ä t e r , etwa ab 1985 b i s zum Beginn des nächsten J a h r h u n d e r t s , werden
wir über k o m p l i z i e r t e r e E r s c h l i e ß u n g s t e c h n i k e n für unsere Reserven an f o s s i l e n
Brennstoffen und über d i e v o l l e n t w i c k e l t e Technologie zun. B e t r i e b des S c h n e l l b r u t r e a k t o r s mit F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g verfügen.

Unsere Anstrengungen i n bezug

auf d i e w e i t e r e n t f e r n t e Zukunft k o n z e n t r i e r e n s i c h auf Verfahren - b e i s p i e l s weise k o n t r o l l i e r t e Kernfusion und Sonnenenergie - , d i e uns s a u b e r e Energie
p r a k t i s c h unbegrenzt zu l i e f e r n

vermögen.

In meiner E n e r g i e - S o n d e r b o t s c h a f t

vom J a h r 19 71 an den Kongreß umriß i c h

e i n b r e i t f u n d i e r t e s Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Ich s c h l u g d i e
Ausweitung gemeinsamer Anstrengungen von Regierung und I n d u s t r i e v o r , um den
s c h n e l l e n B r u t r e a k t o r mit F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g , Verfahren der Kohlevergasung
und der Kamin-Abluftreinigung b i s zum Stadium der Demonstrationsanlagen w e i t e r zu e n t w i c k e l n . Diese Programme kommen gut voran.
In mainera Haushalt für das F i n a n z j a h r 1974 i s t e i n e Erhöhung der M i t t e l
für Forschung und Entwicklung auf dem E n e r g i e s e k t o r vorgesehen, d i e 20 P r o z e n t
mehr a l s 1973 b e t r a g e n s o l l e n .
Mein Haushalt für 1974 s i e h t d i e Schaffung e i n e s neuen z e n t r a l e n E n e r g i e fonds im Innenministerium v o r , um z u s ä t z l i c h e Gelder für n i c h t - n u k l e a r e Forschung und Entwicklung b e r e i t zu s t e l l e n , wobei das Schwergewicht auf der
Kohleforschung l i e g e n s o l l . Dieser Z e n t r a l f o n d s s o l l uns d i e F l e x i b i l i t ä t
geben, d i e w i r für e i n e r a s c h e Nutzbarmachung n e u e r , besonders
- 25 -

vielver-

�v i e l v e r s p r e c h e n d e r Technologien auf dem E n e r g i e s e k t o r b r a u c h e n , welche schon
nach k u r z e r Z e i t Früchte t r a g e n .
Eines der meistversprechenden Programme, dem im F i n a n z j a h r 1974 e r h ö h t e
Mittel zufließen, i s t ein Kohle-Lösungsextraktionsverfahren,

das zu a s c h e -

und schwefelarmen Brennstoffen aus Kohle f ü h r t . A l l e s i n allem i s t

vorgesehen,

für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben i n der KohleVeredelung 27 P r o z e n t
mehr M i t t e l b e r e i t z u s t e l l e n .
Neben der Erhöhung der M i t t e l für den F l ü s s i g m e t a l l - B r u t r e a k t o r

ersuche

i c h um mehr M i t t e l für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Reaktors i c h e r h e i t und der B e s e i t i g u n g r a d i o a k t i v e r Abfälle sowie für d i e P r o d u k t i o n
von K e r n b r e n n s t o f f e n .
Wasser e n t h ä l t e b e n f a l l s p o t e n t i e l l e B r e n n s t o f f e - i n d e r Form e i n e s
besonderen I s o t o p s von Wasserstoff - i n Mengen, die a u s r e i c h e n würden, um
F u s i o n s r e a k t o r e n J a h r t a u s e n d e i n B e t r i e b zu h a l t e n . W i s s e n s c h a f t l e r d e r Atomnergie-Kommission sagen j e t z t i n zunehmendem Vertrauen auf einen E r f o l g vora u s , daß w i r im Laboratorium d i e Anwendbarkeit der k o n t r o l l i e r t e n thermonukl e a r e n Fusion durch magnetische E i n s c h l i e ß u n g i n naher Zukunft

demonstrieren

können. Wir s i n d auch b i s zu dem Punkt vorgedrungen, wo manche W i s s e n s c h a f t l e r
glauben, daß schon i n den n ä c h s t e n p a a r J a h r e n d i e KernVerschmelzung mit
H i l f e von Laser S t r a h l e n d e m o n s t r i e r t werden könne. In meinem Budget für 19 74
habe i c h e i n e Erhöhung a l l e r für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der
Kernfusion vorgesehenen M i t t e l um 35 P r o z e n t v o r g e s c h l a g e n , um Versuchsprogramme zu b e s c h l e u n i g e n und Vorstudien für den Reaktorbau i n d i e Wege zu l e i t e n .
Während wir für d i e m i t t e l f r i s t i g e Deckung des E n e r g i e b e d a r f s

Brutre-

a k t o r e n im Auge haben, werden d i e kommerziellen K r a f t r e a k t o r e n von h e u t e auch
noch b i s zum Ende des J a h r h u n d e r t s den größten T e i l der P r o d u k t i o n s k a p a z i t ä t
für Atomstrom s t e l l e n . Obgleich Kernreaktoren von Anfang an einen bemerkenswerten S i c h e r h e i t s s t a n d a r d besaßen, s i e h t mein Budget für 1974 z u s ä t z l i c h e
M i t t e l vor, d i e g e w ä h r l e i s t e n s o l l e n , daß unsere rasch anwachsende I n a n s p r u c h nahme von Atomkraft n i c h t d i e Gesundheit und S i c h e r h e i t der Bevölkerung aufs
S p i e l s e t z t . Zu den P r o j e k t e n gehören z . B . A r b e i t e n an Systemen für d i e
s i c h e r e Lagerung der r a d i o a k t i v e n A b f ä l l e aus den K e r n r e a k t o r e n . Die

- 26 -

�\

Die Atomenergie-Kommission a r b e i t e t an z u s ä t z l i c h e n Verbesserungen der Lagerung von Abfällen an der Oberfläche und wird w e i t e r h i n d i e Möglichkeiten
z u r u n t e r i r d i s c h e n Lagerung mit l a n g f r i s t i g e r Abkapselung d i e s e r A b f ä l l e
untersuchen.
Sonnenenergie i s t a l s mögliche Quelle für saubere Energie auf unbegrenzte
Z e i t ungemein v i e l v e r s p r e c h e n d . In meinem neuen Haushalt s i n d d i e für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Sonnenenergie vorgesehenen M i t t e l
v e r d r e i f a c h t worden und umfassen j e t z t 12 M i l l i o n e n D o l l a r . Ein g r o ß e r T e i l
d i e s e r Gelder s o l l dafür verwendet werden, d i e Entwicklung kommerzieller
Systeme für d i e Heizung und Kühlung von Gebäuden zu b e s c h l e u n i g e n .
Forschungs- und E n t w i c k l u n g s m i t t e l für Umweltschutz-Verfahren s o l l e n im
Haushalt 1974 um 24 P r o z e n t e r h ö h t werden. Zu d i e s e n Forschungen z ä h l t e i n e
V i e l z a h l von P r o j e k t e n im Zusammenhang mit der Kamin-Abluftreinigung;
•

auch

der Bau e i n e r Demonstrationsanlage für d i e Entfernung von Schwefeldioxid g e h ö r t dazu. Darüber h i n a u s werden s i c h d i e Atomenergie-Kommission und das
Bundesamt für Umweltschutz w e i t e r h i n mit Forschungsprojekten zur Untersuchung der thermischen Effekte von Kraftwerken

befassen.

Während d i e Bundesregierung i h r e Verpflichtungen i n Forschung und Entwicklung auf dem E n e r g i e s e k t o r bedeutend e r h ö h t , wird und s o l l e i n großer
A n t e i l d i e s e r Forschung von der P r i v a t w i r t s c h a f t übernommen werden.
Ich b i n besonders e r f r e u t ,

daß d i e E l e k t r i z i t ä t s g e s e l l s c h a f t e n

d i e Be-

deutung der Forschung im H i n b l i c k auf das r a s c h e Anwachsen des Bedarfs an
e l e k t r i s c h e r Energie e r k a n n t haben. Die k ü r z l i c h e Schaffung des Forschungsi n s t i t u t s für S t r o m t e c h n i k , das 1974 einen E t a t von mehr a l s 100 Millionen
D o l l a r haben w i r d , kann zur Entwicklung von Technologien b e i t r a g e n , d i e s o wohl Probleme des L e i s t u n g s b e d a r f s a l s auch des Umweltschutzes lösen h e l f e n ,
welche gegenwärtig der I n d u s t r i e Kopfzerbrechen b e r e i t e n .
H i s t o r i s c h gesehen haben d i e E l e k t r i z i t ä t s w e r k e einen g e r i n g e r e n A n t e i l
i h r e r Einkünfte auf Forschung verwandt a l s d i e meisten anderen t e c h n o l o g i e abhängigen I n d u s t r i e z w e i g e . Dies i s t zum T e i l auf d i e zögernde Haltung mancher
e i n z e l s t a a t l i c h e r Kommissionen für d i e V e r s o r g u n g s b e t r i e b e

zurückzuführen,

e r h ö h t e Aufwendungen für Forschung und Entwicklung i n den Grundgebühren zu

-

27 -

�zu berücksichtigen. Die Bundesenergie-Kommission erließ kürzlich eine Bundesvorschrift, derzufolge es zulässig ist, die Aufwendungen für Forschung und
Entwicklung über die Gebühren wieder hereinzuholen. Die für die einzelnen
Bundesstaaten zuständigen Behörden sind in ihren Anordnungen der Bundesenergiekommission

gefolgt und zeigen gegenwärtig in ihrer Behandlung der

Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, die in Übereinstimmung mit unserem
veränderten Bedarf an Energie auf nationaler Ebene anfallen, mehr Großzügigkeit.
Ich hoffe, daß dieser Trend bestehen bleibt, und ersuche alle einzelstaatlichen Kommissionen für die Versorgungsbetriebe dringend um eine Überprüfung ihrer Vorschriften in bezug auf Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, um sicherzustellen, daß sich die Stromversorgungsunternehmen in
der Energieforschung und -entwicklung uneingeschränkt an nationalen Anstrengungen beteiligen können.
Es ist töricht und bedeutet nur einen Schnitt ins eigene Fleisch, Mittel
schneller zuzuteilen, als sie wirksam verwendet werden können. Gleichzeitig
müssen wir unseren Fortschritt und unseren Bedarf sorgfältig überprüfen,
um eine ausreichende Verfügbarkeit von Mitteln zu gewährleisten. Wenn dringend zusätzliche Gelder gebraucht werden, werde ich alles in meiner Macht
stehende tun, daß diese auch bereitgestellt werden.

Internationale Zusammenarbeit
Mit Energieproblemen sieht sich jede Nation konfrontiert. Und wo es
eine solche Interessengemeinschaft gibt, existiert auch der Anlaß für gemeinsames Handeln sowie die dafür erforderliche Basis.
Die Vereinigten Staaten sind heute Partner einer Anzahl gemeinschaftlicher Anstrengungen. Wir haben uns den 22 Mitgliedstaaten der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angeschlossen, um
einen umfassenden Bericht über die Probleme auf weite Sicht auszuarbeiten
und zu einer Übereinkunft über die Zuteilung von Öl in Zeiten akuter Verknappung zu gelangen. Die Europäische Gemeinschaft hat die Notwendigkeit
gemeinsamer Anstrengungen bereits erörtert und bereitet Empfehlungen für

- 28 -

�für e i n e E n e r g i e p o l i t i k der Gemeinschaft vor. Wir haben den Wunsch zum Ausdruck g e b r a c h t , i n d i e s e n Bemühungen mit i h r zusammenzuarbeiten.
Wir haben des w e i t e r e n mit der Sowjetunion gemeinsame Forschungen auf
dem Gebiet der

Magnetohydrodynamik (MHD) v e r e i n b a r t , e i n e s Verfahrens z u r

Stromerzeugung mit s e h r hohem N u t z e f f e k t ,

und w i r tauschen

Informationen

über Kernfusion, K e r n s p a l t u n g , Stromerzeugung, S t r o m t r a n s p o r t und Umweltschutz a u s . Diese Anstrengungen s o l l t e n e i n Modell für gemeinsame Forschungsanstrengungen mit anderen Ländern s e i n . Außerdem s o n d i e r e n amerikanische
Firmen d i e Möglichkeiten, d i e für gemeinsame P r o j e k t e mit der Sowjetunion
b e i der E r s c h l i e ß u n g von n a t ü r l i c h e n H i l f s g u e l l e n zum V o r t e i l b e i d e r Nationen bestehen.
Ich habe f e r n e r das US-Außenministerium dahingehend i n s t r u i e r t , i n k o o r d i n i e r t e m Vorgehen

mit der Atomenergie-Kommission, anderen z u s t ä n d i g e n Re-

gierungsbehörden und dem Kongreß so s c h n e l l wie möglich e i n Programm i n t e r n a t i o n a l e r Zusammenarbeit i n Forschung und Entwicklung für neue Formen von
Energie und zur Entwicklung i n t e r n a t i o n a l e r Verfahrensweisen b e i der Behandlung von Energiefragen i n Z e i t e n k r i t i s c h e r V e r s o r g u n g s s c h w i e r i g k e i t e n

auf-

zustellen.
Meines Erachtens ergeben s i c h aus den Energieproblemen bedeutende Mögl i c h k e i t e n für d i e N a t i o n , auf dem Wege über f r i e d l i c h e Zusammenarbeit l e b e n s w i c h t i g e Z i e l e zu v e r f o l g e n . Keine Gelegenheit s o l l t e versäumt werden, um das
Bauwerk des F r i e d e n s , das w i r i n der Welt e r r i c h t e n w o l l e n , zu s t ä r k e n . Und
nur wenige Fragen und Probleme geben uns e i n e so gute Gelegenheit an d i e Hand,
zu d e m o n s t r i e r e n , daß durch gemeinsame Zusammenarbeit für unsere n a t i o n a l e n
I n t e r e s s e n mehr zu gewinnen i s t a l s durch z e r s t ö r e r i s c h e Konkurrenz oder g e fährliche

Konfrontation.

Bundesenergieorganisation
Wenn wir der Herausforderung, d i e d i e E n e r g i e f r a g e s t e l l t ,

gerecht

werden s o l l e n , muß d i e gegenwärtige f r a g m e n t a r i s c h e O r g a n i s a t i o n der e n e r g i e bezogenen A k t i v i t ä t e n i n der Exekutive r e f o r m i e r t werden.
Im
- 29 -

�Im J a h r 1971 u n t e r b r e i t e t e i c h e i n e G e s e t z e s v o r l ä g e , um d i e E n e r g i e f r a g e n
b e t r e f f e n d e n A k t i v i t ä t e n der Bundesbehörden i n einem neu zu schaffenden Min i s t e r i u m für n a t ü r l i c h e H i l f s q u e l l e n zusammenzufassen. Der 92. Kongreß h a t
i n bezug auf d i e s e n Vorschlag k e i n e Entscheidungen g e t r o f f e n .

Inzwischen habe

i c h d i e neue P o s i t i o n e i n e s P r ä s i d i a l b e r ä t e r s für n a t ü r l i c h e H i l f s q u e l l e n g e schaffen,

der d i e Koordinierungsbestrebungen auf dem Gebiet der n a t ü r l i c h e n

Hilfsquellen

unterstützt.

Auf dem Wege der P r ä s i d i a l V e r o r d n u n g t r e f f e i c h heute s p e z i e l l e Maßnahmen,
um auf Bundesebene d i e o r g a n i s a t o r i s c h e n Voraussetzungen für A k t i v i t ä t e n auf
dem E n e r g i e s e k t o r zu v e r b e s s e r n .
Ich habe den US-Innenminister angewiesen, d i e S t r u k t u r s e i n e r Behörde
auf dem E n e r g i e s e k t o r auf v e r s c h i e d e n e Weise zu s t ä r k e n :
- Die Verantwortungsbereiche des neuen U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r s für Energie
und Mineralien werden so e r w e i t e r t , daß a l l e auf den S e k t o r Energie e n t f a l l e n d e n T ä t i g k e i t e n des Ministeriums einbezogen werden;
- das Ministerium w i r d d i e Voraussetzungen dafür s c h a f f e n ,

daß Unterlagen

über Energie gesammelt und a n a l y s i e r t werden;
- e i n e neu zu schaffende Behörde für E n e r g i e w i r t s c h a f t h a t d i e Aufgabe,
nach M i t t e l n und Wegen zu suchen, um den E n e r g i e b e d a r f zu r e d u z i e r e n ;
- das Innenministerium h a t außerdem s e i n e Möglichkeiten g e s t r a f f t ,

die

Energieforschung und - e n t w i c k l u n g auf b r e i t e r e r Basis zu überwachen und zu
koordinieren.
Durch P r ä s i d i a l e r l a ß habe i c h das US-Finanzministerium e r m ä c h t i g t , dem
Ausschuß für Ö l p o l i t i k Weisung zu e r t e i l e n . Dieses Kommittee k o o r d i n i e r t das
Erdölimportprogramm und l e g t mir Empfehlungen i n bezug auf Änderungen d i e s e s
Programms vor. Der s t e l l v e r t r e t e n d e F i n a n z m i n i s t e r wurde zum Vorsitzenden
d i e s e s Ausschusses bestimmt.
Durch einen zweiten P r ä s i d i a l e r l a ß , der h e u t e i n Kraft t r i t t , s t ä r k e i c h
die Möglichkeiten des P r ä s i d i a l a m t e s , auch Fragen der E n e r g i e p o l i t i k auf
h ö c h s t e r Ebene behandeln zu können, indem e i n Sonderausschuß Energie e i n g e s e t z t w i r d , dem d r e i meiner w i c h t i g s t e n B e r a t e r angehören. Außerdem b e s t ä t i g t
der E r l a ß noch einmal d i e Ernennung e i n e s S o n d e r b e r a t e r s , der einem Stab
-

30 -

�Stab von Energieexperten im Präsidialamt vorsteht.
Darüber hinaus wird im Amt für Haushaltfragen eine neue Abteilung
für Energie und Wissenschaft eingerichtet.
So hilfreich diese Maßnahmen der Exekutive auch sein mögen, ist doch mehr
grundlegende Umorganisation erforderlich. Um dieser Notwendigkeit nachzukommen, werde ich einen Gesetzesvorschlag
für Energie und natürliche

zur Schaffung eines Ministeriums

Hilfsquellen (Department, of Energy and Natural

Resources - DENR) unter Bezugnahme auf den im Jahr 1971 unterbreiteten Gesetzesvorschlag einbringen, wobei jetzt noch mehr Gewicht auf Energieprogramme gelegt wird.
Dieses neue Ministerium wäre für das gesamte Spektrum der nationalen
Energiefragen zuständig. Es wäre federführend bei der Durchführung der nationalen Energ:epolitik, wie sie in dieser Botschaft im einzelnen umrissen
ist.

Schlußfolgerung
Die Nationen bestehen nur dann, wenn sie Herausforderungen zu begegnen
vermögen und neue Wege beschreiten können, sobald die Umstände und die Möglichkeiten Änderungen erfordern.
Als die ersten Siedler nach Amerika kamen, fanden sie ein Land mit ungeahnten Naturschätzen vor, und dies wurde zum Grundstein für die wohlhabendste
Nation der Welt. In dem Maße, in dem wir bei der Bevölkerungszahl, Prosperität,
Industriekapazität, kurzum auf allen jenen Gebieten Wachstum verzeichneten,
die ein Spiegelbild des steten Aufwärtstrends im amerikanischen Lebensstandard sind, nahm auch die Inanspruchnahme unserer natürlichen Hilfsquellen zu.
Heute sind die Energierohstoffe, die unserem nationalen Wachstum so
viele Impulse gegeben haben, nicht genügend erschlossen, um der ständig weiter
wachsenden Inanspruchnahme,der sie ausgesetzt sind, gerecht zu werden. Es ist
an der Zeit, andere Wege zu gehen, um diesem Erfordernis nachzukommen. Die
Herausforderung, der wir uns gegenübersehen, bedeutet für uns eine der größten
Chancen der Gegenwart - die Chance, eine noch stärkere einheimische Wirtschaft,

- 31 -

�Wirtschaft, eine sauberere Umwelt und ein besseres Leben für unser ganzes
Volk zu schaffen.
Die Vorschläge, die ich hiermit unterbreite, und die Maßnahmen, die ich
ergreifen werde, können uns das Rüstzeug an die Hand geben, diese wichtige
Aufgabe zu erfüllen.
Es ist dringend notwendig,zu handeln. Ich hoffe, daß der Kongreß schnell
über die Vorschläge entscheidet, die ich vorlege. Letzten Endes liegt aber
die Verantwortung nicht nur beim Kongreß oder

bei der Regierung. Sie liegt

bei uns allen - sei es Regierung, Industrie oder jeder einzelne Bürger.
Wann immer wir mit großen nationalen Herausforderungen konfrontiert
wurden, tat das amerikanische Volk seine Pflicht. Ich vertraue darauf, daß
dies auch jetzt geschieht.

Richard Nixon

Weißes Haus,
18. April 1973

- 32

�• a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

89-3240

Postfach

Telex:

Dokumentation

Service
300

08-85432

17/1973

DAS JAHR EUROPAS
Von Henry Kissinger

NEW YORK - (AD) - Der Berater Präsident
Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat am 23.
April 1973 in einer Rede auf dem Jahresessen der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press in New York
programmatische Aussagen über die
Europa-Politik der Vereinigten Staaten
gemacht. Die vom Weißen Haus veröffentlichte Rede hat folgenden Wortlaut:
Wenn dieses Jahr als das Jahr Europas bezeichnet worden ist, so nicht
deshalb, weil Europa im Jahre 1972 oder 1969 weniger wichtig gewesen wäre.
Eine neue Ära
Das Jahr 1973 ist das Jahr Europas, weil die Ära, die durch die
Entscheidungen einer Generation zuvor gestaltet wurde, zu Ende geht. Der
Erfolg jener Politik hat neue Realitäten geschaffen, die neue Methoden
erfordern:
- Die Wiedererstarkung Westeuropas ist genauso

ein definitives

Faktum, wie es der historische Erfolg der europäischen Bewegung zur
wirtschaftlichen Vereinigung ist.
- Das
- 1-

�- Das strategische militärische Kräfteverhältnis zwischen Ost und
West hat sich von einem amerikanischen Übergewicht fast bis zur Stufe der
Gleichheit hin verschoben, womit sich die Notwendigkeit eines neuen Verständnisses der Erfordernisse unserer gemeinsamen Sicherheit ergibt.
- Andere Gebiete in der Welt haben an Bedeutung gewonnen. Japan
ist zu einem wichtigen Machtzentrum geworden. In vielen Fällen müssen
"atlantische" Lösungen, wenn sie Bestand haben sollen, heute auch Japan
miteinbeziehen.
- Wir befinden uns in einer Periode des Nachlassens der Spannungen.
Aber zugleich mit dem Verschwinden der starren Abgrenzungen der letzten
zwei Jahrzehnte, treten neue Ansprüche der nationalen Identität auf und
bilden sich Rivalitäten zwischen den Nationen.
- Es haben sich Probleme ergeben, mit denen man eine Gercration
zuvor überhaupt nicht rechnete - die neue Formen kooperativen Handelns
erfordern. Ein Beispiel dafür ist die Energieversorgung der Industriestaaten.
Diese Faktoren haben zu einer dramatischen Veränderung des psychologischen Klimas im Westen geführt - eine Wandlung, die für die westlichen
Staatsmänner derzeit die größte Aufgabe und Herausforderung darstellt.
Eine neue Generation in Europa, die den Krieg und seine Erschütterungen nicht
mehr aus persönlicher Erfahrung kennt, nimmt die Stabilität als etwas
selbstverständliches. Dagegen fühlt sie sich weniger verpflichtet gegenüber
der Einheit, die den Frieden möglich machte, und gegenüber den Anstrengungen,
die zu seiner Erhaltung notwendig sind. In den Vereinigten Staaten haben
die Jahrzehnte, in denen man Lasten globalen Ausmaßes trug, eine Abneigung
entstehen lassen - die durch die Frustrationen des Kriegs in Südostasien
noch verstärkt wurde - globale Engagements auf der Basis einer überwiegenden
amerikanischen Verantwortung beizubehalten.
Diese Periode des Übergangs muß zwangsläufig Schwierigkeiten mitsichbringen. So hat man sich in Amerika beschwert, daß Europa seine weitergesteckten Aufgaben und Verantwortungen ignoriere, indem es gar zu einseitig seinem wirtschaftlichen Eigeninteresse nachgeht, und daß es nicht

- 2-

�nicht seinen fairen Anteil an der Last der gemeinsamen Verteidigung
übernähme. In Europa hat man sich beschwert, daß Amerika darauf aus
sei, Europa wirtschaftlich zu spalten oder Europa militärisch im
Stich zu lassen oder es in diplomatischer Hinsicht zu übergeben.
Die uns gestellte Aufgabe lautet: Kann eine aus der gemeinsamen
Erkenntnis der Gefahr zusammengeschmiedete Einheit aus gemeinschaftlichen positiven Bestrebungen und Wünschen eine neue Zielsetzung erlangen?
In den vierziger und fünfziger Jahren bestand die Aufgabe in
dem wirtschaftlichen Wiederaufbau und in der Sicherung gegen die Gefahren eines Angriffs. Der Westen reagierte mit Mut und Einfallsreichtum. Heute besteht die Notwendigkeit darin, aus dem atlantischen
Verhältnis eine möglichst dynamische Kraft für den Aufbau einer neuen
Struktur des Friedens zu machen, einer Struktur, die weniger auf Krisen
abgestellt und sich dafür ihrer Chancen bewußter ist, die ihre Inf
spiration mehr aus ihren Zielen als aus ihren Ängsten gewinnt.
Das ist der Grund, warum der Präsident es unternimmt, sich persönlich

und direkt an die führenden Männer Westeuropas zu wenden. Das

Ziel des Präsidenten ist es, in seinen Gesprächen mit den Regierungschefs Großbritanniens, Italiens, der Bundesrepublik Deutschland und
Frankreichs sowie mit dem Generalsekretär der NATO und anderen führenden
Persönlichkeiten in Europa die Grundlage für eine neue Ära schöpferischer
Gestaltung im Westen zu legen.
Er wird dabei davon ausgehen, die atlantischen Probleme in umfassender Weise zu behandeln. Die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Probleme in den atlantischen Beziehungen sind durch die
Realität miteinander verkoppelt, nicht weil wir das wollten oder zu dem
taktischen Zweck, das eine Problem gegen das andere auszuspielen.
Im Jahre 1972 hat der Präsident die Beziehungen zu unseren Gegnern
so umgestaltet, daß die Lasten der Furcht und des Mißtrauens leichter
wurden.
Im
- 3 -

�Im Jahr 1973 können wir zu dem gleichen Gefühl einer historischen
Leistung kommen, wenn wir die Ideale, die wir mit unseren Freunden
teilen, und die gemeinsamen Zielsetzungen mit neuer Kraft beleben.
Die Vereinigten Staaten schlagen ihren atlantischen Partnern
vor, daß wir bis zu der Zeit, da der Präsident gegen Ende des Jahres
nach Europa reist, eine neue Atlantik-Charta ausgearbeitet haben, die
die Ziele für die Zukunft setzt - einen Plan:
- der auf der Vergangenheit aufbaut, ohne zu ihrem Gefangenen
zu werden;
- der sich mit den Problemen befaßt, die durch unseren Erfolg entstanden sind;
- der ein neues Verhältnis zwischen den atlantischen Nationen
schaftt, an dessen Fortschritt auch Japan teilhaben kann.
Wir bitten unsere Freunde in Europa, Kanada und schließlich auch
in Japan, sich uns in diesem Bemühen anzuschließen.
Das ist es, was wir mit dem Jahr Europas meinen.
Probleme der atlantischen Beziehungen
In den atlantischen Beziehungen gibt es echte Probleme. Sie sind
zu einem Teil entstanden, weil die atlantische Gemeinschaft sich in den
fünfziger und sechziger Jahren in den vielen verschiedenen Dimensionen
ihres gemeinsamen Unterfangens in unterschiedlicher Weise organisiert
hat.
- In den Wirtschaftsbeziehungen hat die Europäische Gemeinschaft
in immer stärkerem Maße ihre regionale Wesensart betont; die Vereinigten Staaten hingegen müssen als Teil eines umfassenderen internationalen Handels- und Währungssystem handeln und für es verantwortlich sein.
- In unserer gemeinsamen Verteidigung sind wir immer noch nach dem
Grundsatz der Einheit und Integration organisiert, aber unter radikal

�radikal anderen strategischen Bedingungen.
- Die Diplomatie ist Gegenstand häufiger Konsultationen, im
Wesentlichen wird sie jedoch von traditionellen Nationalstaaten betrieben. Die Vereinigten Staaten haben globale Interessen und Verantwortungen. Unsere europäischen Verbündeten haben regionale Interessen. Diese widersprechen einander nicht notwendigerweise, aber
in der neuen Äara sind sie auch nicht automatisch identisch.
Kurz gesagt, in der Verteidigung verkehren wir miteinander regional
und sogar als Konkurrenten auf einer integrierten Basis und in der
Diplomatie als Nationalstaaten. Wenn die verschiedenen kollektiven
Institutionen rudimentärer Natur wären, dann wäre der potentielle Widerspruch in ihrem Arbeitsmodus kein Problem. Aber nach einer Generation
der Entwicklung und angesichts des neuen Gewichts und der Stärke unserer
Verbündeten harmonieren die verschiedenen Teile der Gesamtkonstruktion
nicht immer miteinander und manchmal behindern sie sich sogar gegenseitig.
Die atlantischen Nationen müssen eine Lösung für die Bewältigung
ihrer Vielfalt finden. Wir können es uns nicht mehr leisten, nationale
oder regionale Selbstinteressen ohne einen einigenden Rahmen zu verfolgen. Wir können nicht zusammenhalten, wenn jedes Land oder jedes
Gebiet seine Autonomie behauptet, wann immer es zu seinem Nutzen ist,
und auf Einigkeit besteht, wenn es darum geht, die Unabhängigkeit
anderer zu beschneiden.
Wir müssen ein neues Verhältnis zwischen dem Eigeninteresse und
dem gemeinsamen Interesse herstellen. Wir müssen über das Gebiet
der Sicherheit hinaus Interessen und positive Werte finden, um erneut
Völker und Parlamente mitzureissen.

Die

- 5-

�DIE TAGESORDNUNG FÜR DIE ZUKUNFT
Wirtschaft
Kein Element der amerikanischen Nachkriegspolitik war beständiger
als unsere Unterstützung der europäischen Einheit. Wir haben sie bei
jeder Gelegenheit gefördert. Wir wußten, daß ein vereintes Europa ein
unabhängigerer Partner sein würde. Aber wir nahmen an - vielleicht allzu unkritisch -, daß unsere gemeinsamen Interessen durch die langen
Jahre der Zusammenarbeit sichergestellt seien. Wir rechneten damit,
daß der wirtschaftlichen Integration die politische Einheit folgen
würde, und daß ein vereinigtes Europa, das mit uns in einer atlantischen
Partnerschaft kooperativ zusammenarbeitete, viele unserer internationalen
Lasten erleichtern würde.
Es liegt auf der Hand, daß sich viele dieser Erwartungen nicht
erfüllten.
Wir und Europa haben aus der europäischen wirtschaftlichen Integration Nutzen gezogen. Ein vermehrter Handel innerhalb Europas hat
das Wachstum der europäischen Volkswirtschaften sowie die Expansion des
Handels in beiden Richtungen über den Atlantik hinweg gefördert.
Wir können jedoch die Tatsache nicht übersehen, daß der wirtschaftliche Erfolg Europas und seine Verwandlung von einem Empfänger
unserer Hilfe zu einem starken Konkurrenten gewisse Reibungen erzeugt
hat. Es hat in den internationalen Währungsbeziehungen Störungen sowie
gewisse Rivalitäten gegeben.
Auf dem Gebiet des Handels hat das natürliche wirtschaftliche
Gewicht eines 250 Millionen Menschen umfassenden Gebietes andere
Staaten dazu veranlaßt, besondere Vorkehrungen anzustreben, um ihren
Zugang zu diesem Markt zu schützen. Das Aufkommen eines geschlossenen
Handelssystems, das die Europäische

Gemeinschaft sowie eine ständig

wachsende Zahl anderer Länder in Europa, im Mittelmeerraum und in Afrika
umfaßt, scheint zu Lasten der Vereinigten Staaten und anderer Länder

�Länder zu gehen, die hiervon ausgeschlossen sind. Im Hinblick auf die
Landwirtschaft, wo die Vereinigten Staaten Wettbewerbsvorteile haben,
sind wir besonders darüber besorgt, daß die Schutzpolitik der Gemeinschaft den Zugang unserer Erzeugnisse behindern könnte.
Diese Divergenz tritt zu einem Zeitpunkt auf, da wir ein chronisches
und wachsendes Defizit in unserer Zahlungsbilanz sowie einen protektionistischen Druck von innen zu verzeichnen haben.
Dem allmählichen Anwachsen manchmal unbedeutender, manchmal wesentlicher Dispute muß ein Ende gesetzt werden; an seine Stelle muß die entschlossene Verpflichtung auf beiden Seiten des Atlantik treten, nach
kooperativen Lösungen zu suchen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Vereinigung Europas
unterstützen. Wir haben nicht die Absicht, das zu zerstören, an dessen
Zustandekommen wir so nachdrücklich mitgewirkt haben. Für uns ist die
europäische Einheit, was sie immer gewesen ist: nicht Selbstzweck, sondern
ein Mittel zur Stärkung des Westens. Wir werden weiterhin die europäische
Einheit als Komponente einer grösseren atlantischen Partnerschaft unterstützen.
In diesem Jahr beginnen wir umfassende Handelsverhandlungen mit
Europa und mit Japan. Wir werden ebenso auch in Zukunft auf eine Reform
des Währungssystems drängen, damit es die Stabilität fördert, statt
ständige Störungen hervorzurufen. Auf dem Gebiet des Handels und in den
Währungsbeziehungen muß ein neues Gleichgewicht hergestellt werden.
Wir sehen in diesen Verhandlungen eine historische Chance für
positive Leistungen. In diese Verhandlungen müssen sich die höchsten
Politiker einschalten, denn sie erfordern vor allem anderen den Einsatz
des politischen Willens. Wenn sie nur den Experten überlassen bleiben
würden, dann würde das unvermeidliche Konkurrenzdenken wirtschaftlicher
Interessen die Debatte beherrschen. Der Einfluß von Interessengruppen
und von Sonderinteressen würde sich durchsetzen. Es gäbe keine übergeordnete Zielsetzung.
Die
- 7-

�I

Die Vereinigten Staaten werden sich eine weitgefaßte politische
Einstellung zu eigen machen, die unserem richtungweisenden politischen
Interesse an einer offenen und ausgewogenen Handelsordnung sowohl mit
Europa als auch mit Japan gerecht wird. Dies ist der Geist des Handelsgesetzes des Präsidenten und seiner Rede vor dem Internationalen Währungsfond im vorigen Jahr. Er wird unsere Strategie bei den Handels- und
Währungsgesprächen bestimmen. Wir sehen diese Verhandlungen nicht als
einen Test der Stärke an, sondern als einen Test der gemeinsamen staatspolitischen Klugheit.

Verteidigung
Die atlantische Einheit ergab sich immer am natürlichsten auf
dem Gebiete der Verteidigung. Über lange Jahre hinweg waren die militärischen Bedrohungen für Europa ganz eindeutig;über die Notwendigkeit,
ihnen zu begegnen, war man sich auf beiden Seiten des Atlantik allgemein
einig; und die Verantwortung Amerikas war vorrangig und stand außer Frage.
Heute sind wir uns weiterhin über das Ziel der kollektiven Verteidigung
einig, aber wir sehen uns der neuen großen Aufgabe gegenüber, sie unter
radikal veränderten strategischen Bedingungen und mit der neuen Chance
aufrechtzuerhalten, unsere Sicherheit durch ausgehandelte Truppenreduzierungen zu fördern.
Der Westen hat nicht mehr das nukleare Übergewicht, das es ihm
in den fünfziger und sechziger Jahren gestattete, sich fast ausschließlich auf

iine massive nukleare Vergeltung zu verlassen. Weil eine solche

Strategie unter Bedingungen des nuklearen Gleichgewichts zum gegenseitigen Selbstmord geradezu einlädt, muß das Bündnis andere Möglichkeiten
haben. Die kollektive Fähigkeit, einem Angriff in Westeuropa mit Hilfe
der Strategie der flexiblen Antwort zu widerstehen, steht im Mittelpunkt
einer rationalen Strategie und ist von entscheidender Bedeutung für die
Wahrung des Friedens. Aus diesem Grunde haben die Vereinigten Staaten beträchtliche konventionelle Streitkräfte in Europa aufrechterhalten, und

- 8-

�I

und unsere NATO-Verbündeten haben die wichtige Anstrengung unternommen,
ihre eigenen militärischen Einrichtungen zu modernisieren und zu verbessern.
Die Erfordernisse der Flexibilität sind kompliziert und kostspielig.
Flexibilität erfordert ihrer Natur nach eine gewisse Empfindsamkeit für
neue Bedingungen und eine kontinuierliche Konsultation unter den Verbündeten, um die richtige Antwort auf sich ändernde Verhältnisse zu
finden. Und wir müssen der Verteidigungsposition, die durch unsere
Strategie festgelegt wird, Substanz verleihen. Die Strategie der flexiblen Antwort darf nicht nur ein Schlagwort für eine Verteidigungsstruktur sein, die auf dem aus innenpolitischen Erwägungen hervorgegangenen Kompromiß auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner errichtet ist.
Wir und unsere potentiellen Gegner müssen sie vielmehr als eine glaubwürdige, substantielle und rationale Position der Verteidigung sehen.
Um das militärische Gleichgewicht zu wahren, das die Stabilität
in Europa 25 Jahre lang gewährleistet hat, hat das Bündnis keine andere
Wahl, als diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden und ein Übereinkommen über unsere Verteidigungsbelange zu erreichen. Diese Aufgabe ist um
so schwieriger, als das Nachlassen der Spannungen den Argumenten, daß
man ruhig mit einer einseitigen Reduzierung der Truppen beginnen könne,
neuen Auftrieb gegeben hat„ Und eine ungezügelte wirtschaftliche
Konkurrenz kann die Impulse für eine gemeinsame Verteidigung entscheidend schwächen. Alle Regierungen des westlichen Bündnisses sehen
sich der großen Aufgabe gegenüber, ihren Völkern die Realitäten der
Sicherheit in den siebziger Jahren vor Augen zu führen.
Der Präsident hat mich ersucht, zu erklären, daß Amerika sich
weiterhin verpflichtet fühlt, seinen fairen Anteil an der atlantischen
Verteidigung zu tragen. Er widersetzt sich mit allem Nachdruck einem
einseitigen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa. Aber wir sind
unseren Völkern eine vernünftige Verteidigungsposition schuldig, und
zwar auf dem sichersten Minimalumfang und zu den sichersten Minimalkosten unter gerechter Aufteilung der Lasten. Das muß nach Ansicht des

- 9-

�des Präsidenten aus dem Dialog mit unseren Verbündeten im Jahre 1973
herauskommen.
Wenn dies erreicht ist, werden die notwendigen amerikanischen
Truppen in Europa aufrechterhalten bleiben, nicht lediglich als Pfand
für den tatsächlichen Einsatz unserer Nuklearwaffen, sondern als ein
wesentlicher Beitrag zu einer vereinbarten und eindeutigen Struktur
der westlichen Verteidigung. Dies wird uns auch in den Stand setzen,
unsere Gegner sinnvoll in Verhandlungen über beiderseitige, ausgewogene Reduzierungen zu verwickeln.
In den nächsten Wochen werden die Vereinigten Staaten der NATO
das Ergebnis unserer eigenen Vorbereitungen für die Verhandlungen über
beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierungen unterbreiten, die in
diesem Jahr beginnen werden. Wir hoffen, daß dies ein Beitrag für einen
wnitergefaßten Dialog über Sicherheit sein wird. Unsere Haltung wird
nicht vom Standpunkt spezifischer amerikanischer Interessen, sondern von
den allgemeinen Interessen des Bündnisses bestimmt. Unsere Position wird
die Ansicht des Präsidenten widerspiegeln, daß diese Verhandlungen
kein Vorwand sind, amerikanische Truppen ungeachtet der Konsequenzen
abzuziehen. Keine Formel für einen Abzug - welchen innenpolitischen
Anreiz oder welche politisch logische Grundlage sie auch haben mag -,
ist zu verteidigen9wenn sie die Sicherheit unterminiert.
Unser Ziel in dem Verteidigungsdialog ist ein neuer Konsens über
die Sicherheit, der auf die neuen Verhältnisse und die hoffentlich neuen
Möglichkeiten effektiver Rüstungsbegrenzungen abgestellt ist.
Diplomatie
Wir sind in eine wahrhaft bemerkenswerte Periode der Ost-WestDiplomatie eingetreten. Die beiden letzten Jahre haben ein Abkommen über
Berlin, einen Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
UdSSR, ein SALT-Abkommen, den Beginn von Verhandlungen über eine Europäische Sicherheitskonferenz und über beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierungen sowie eine ganze Reihe bedeutsamer praktischer bilateraler

- 10 -

�t

i

bilateraler Abkommen zwischen westlichen und östlichen Ländern
gebracht, darunter eine dramatische Änderung in den bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR. Dies waren
keine isolierten Schritte, sondern Schritte auf einem bereits 1969
abgesteckten Weg, und sie wurden als kollektive Anstrengung unternommen. Unsere Haltung zur Frage der Entspannung unterstrich, daß Verhandlungen konkret und nicht nur die Atmosphäre verbessernd sein
müßten und daß Konzessionen auf der Basis der Gegenseitigkeit erfolgen müßten. Wir beabsichtigen, die Politik der Entspannung auf
dieser Basis weiterzuverfolgen.
Doch gerade dieser Erfolg hat seine eigenen Probleme geschaffen.
Es besteht ein wachsendes Unbehagen, daß die Interessen unserer
traditionellen Verbündeten und anderer Freunde der Diplomatie der
Supermächte geopfert werden könnten. Einige unserer Freunde in Europa
schienen einfach nicht bereit zu sein, Amerika das gleiche Vertrauen
in seine Motive entgegenzubringen, das wir ihnen entgegengebracht
haben, oder uns die gleiche taktische Flexibilität zuzugestehen, die
sie bei der Verfolgung ihrer eigenen Politik anwandten.
All dies unterstreicht die Notwendigkeit, zusammen mit unseren
Verbündeten eine klare Serie gemeinsamer Ziele zu artikulieren. Wenn
dies einmal erfolgt ist, dann wird es für die verschiedenen Verbündeten
durchaus möglich, ja sogar wünschenswert sein, diese Ziele mit beträchtlicher taktischer Flexibilität zu verfolgen.
Wir brauchen nicht in allen

politischen Einzelheiten übereinzu-

stimmen. In vielen Teilen der Welt, insbesondere außerhalb Europas,
werden unsere Methoden und Einstellungen unterschiedlich sein. Unbedingt erforderlich ist jedoch eine Verständigung darüber, was gemeinsam
getan werden sollte und welche Grenzen dem Ausmaß unserer Autonomie gesetzt werden sollten.
Wir haben nicht die Absicht, auf Kosten unserer Freunde eine
illusorische Ruhe zu erkaufen. Die Vereinigten Staaten werden niemals
wissentlich die Interessen anderer opfern. Aber die Einsicht gemeinsamer
- 11 -

�gemeinsamer Interessen erfolgt nicht automatisch; sie erfordert
eine ständige Neudefinition. Der Abbau der Spannungen, zu dem wir
uns verpflichtet haben, macht den Zusammenhalt der Verbündeten unerläßlich, doch auch schwieriger. Wir müssen sicherstellen, daß der
Schwung der Entspannung durch gemeinsame Zielsetzungen aufrechterhalten bleibt und nicht durch ein Treibenlassen, durch Weltflucht oder
durch Selbstgefälligkeit.
Der Beitrag Amerikas
Die Tagesordnung, die ich hier dargelegt habe, ist keine ameri»
kanische Verordnung, sondern ein Appell zu einem gemeinsamen schöpferischen Bemühen. Diese Generation hat die historische Chance, ein
neues Gebäude der internationalen Beziehungen für die vor uns liegenden
Jahrzehnte zu errichten. Dafür ist eine wiedererstarkte atlantische
Partnerschaft unerläßlich.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zu leisten:
- Wir werden weiterhin die europäische Einheit unterstützen.
Auf der Grundlage der Prinzipien der Partnerschaft werden wir Konzessionen für ihr weiteres Wachstum machen. Wir erwarten, daß man uns
in einem Geist der Gegenseitigkeit entgegenkommt.
- Wir werden nicht von unseren feierlichen Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten zurücktreten. Wir werden unsere Streitkräfte
aufrechterhalten und uns nicht einseitig aus Europa zurückziehen.
Andererseits erwarten wir von jedem Verbündeten einen fairen Anteil an
dem gemeinsamen Bemühen um die gemeinsame Verteidigung.
- Wir werden den Abbau der Spannungen gegenüber unseren Gegnern
auf der Grundlage konkreter Verhandlungen im gemeinsamen Interesse
weiter betreiben. Wir begrüßen die Beteiligung unserer Freunde an einem
konstruktiven Ost-West-Dialog.
- Wir werden niemals bewußt die Interessen unserer Freunde in
Europa und in Asien verletzen. Andererseits erwarten wir, daß ihre
Politik unsere Interessen und unsere Verantwortung ernst nimmt.

- 12 -

.

�- Wir sind bereit, an der Lösung neuer gemeinsamer Probleme, denen
wir gegenüberstehen, kooperativ mitzuwirken. So wirft beispielsweise das
Problem der Energie den schwierigen Fragenkomplex der Sicherstellung der
Versorgung, der Auswirkung der Öleinkommen auf die internationale
Währungsstabilität, der Natur der gemeinsamen politischen und strategischen Interessen und der langfristigen Beziehungen zwischen den
Öl verbrauchenden und den Öl erzeugenden Ländern auf. Dies könnte eine
Ära der Konkurrenz sein; es sollte eine Ära der Zusammenarbeit sein.
- Genauso wie die Autonomie Europas kein Selbstzweck ist, so kann
die atlantische Gemeinschaft kein exklusiver Klub sein. Japan muß ein
Hauptpartner bei unserem gemeinsame Vorhaben sein.
Wir hoffen, daß unsere Freunde in Europa uns in diesem Geist entgegenkommen werden. Wir haben das Beispiel der großen Leistungen der
vergangenen Jahrzehnte vor Augen.- sowie die Möglichkeit; ihnen gleichzutun und sie noch zu übertreffen. Das ist die vor uns liegende Aufgabe.
Auf diec.2 Weise können die atlantischen Länder in den siebziger Jahren
wirklich ihren Völkern und der Sache des Friedens dienen.

+ + + + +

- 13 -

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17/1973

USA: ERNSTE VERLETZUNG DES VIETNAM-ABKOMMENS DURCH HANOI
- Wortlaut der amerikanischen Note vom 20. April 1973 -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben Nordvietnam der
ernsten Verletzung des Vietnam-Abkommens beschuldigt und darauf hingewiesen,
daß Hanoi seit dem Waffenstillstand vom 28. Januar über 30 OOO nordvietnamesiche Soldaten durch Laos und Kambodscha nach Südvietnam eingeschleust
hat. Diese Feststellungen sind in einer Note vom 20. April enthalten, die
an die Teilnehmer der Internationalen Vietnamkonferenz gerichtet ist und am
24. April vom State Department veröffentlicht wurde. In der Note werden die
von Hanoi am 16. April erhobenen Vorwürfe und Behauptungen als "völlig grundlos" zurückgewiesen.

Die amerikanische Note hat folgenden Wortlaut:

1. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika entbietet
dem Außenministerium der Demokratischen Republik Vietnam seine Hochachtung
und gibt sich die Ehre, auf eine Note vom 16. April 1973 Bezug zu nehmen, die
von der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam an die Regierung der
Vereinigten Staaten und - wie angenommen wird - auch an die anderen Unterzeichner der Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz übermittelt
worden ist.

2. In ihrer Note macht es sich die Regierung der Demokratischen Republik
Vietnam in ihrem Namen und gelegentlich auch im Namen der "provisorischen Re- 1 -

�Revolutionsregierung" zur Aufgabe, die Situation in Südvietnam zu beschreiben,
und erhebt Beschuldigungen gegen die Regierung der Vereinigten Staaten und
gegen die Regierung der Republik Vietnam.

3. Die Vereinigten Staaten weisen die Beschuldigungen der Demokratischen
Republik Vietnam als völlig grundlos zurück und erblicken in dieser Note einen
schlecht getarnten Versuch seitens der Demokratischen Republik Vietnam, die
Aufmerksamkeit von ihren eigenen zahlreichen und äußerst ernsten Verletzungen
des Waffenstillstandes abzulenken.
4. Im Gegensatz zu den in der Note angeführten Behauptungen ist es völlig
klar, daß das Haupthindernis für den Frieden in der militärischen Aktivität
besteht, die von der Demokratischen Republik Vietnam und von unter ihrer Kontrolle
stehenden Truppen in Südvietnam, Laos und Kambodscha in unentschuldbarer Übertretung des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam sowie des Abkommens über die Wiederherstellung des
Friedens und die Wiederaussöhnung in Laos durchgeführt wird.

5. Außerordentliche Sorge ruft die große Menge an militärischer Ausrüstung
hervor, die seit dem 28. Januar heimlich von Nordvietnam nach Südvietnam
transportiert worden ist, ohne daß man sich auch nur im geringsten bemüht, die
Artikel 7 und 20 des Friedensabkommens vom 27. Januar einzuhalten. Es liegen
überwältigende Beweise für den ständigen illegalen Transport von Ausrüstungen
und Nachschubgütern aus Nordvietnam nach oder durch Laos und Kambodscha und
nach Südvietnam vor, die von den gegen die legitimen Regierungen dieser Länder
opponierenden militärischen Streitkräften verwendet werden. Zu dem Nachschub,
der Vietnam erreichte, gehören über 400 Panzer und Panzerspähwagen, 300 Artillereigeschütze der verschiedensten Typen sowie große Mengen an Munition,
Fahrzeugen usw. Beispielsweise wurden in der Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandes bis zum 18. April 1973 mehr als 27 000 Tonnen an militärischem
Nachschub durch die entmilitarisierte Zone nach Südvietnam gebracht. Im gleichen
Zeitraum wurden über 26 000 Tonnen von Nordvietnam nach Loas transportiert.
Ebenfalls in diesem Zeitraum konnten mehr als 17 OOO Fahrten von militärischen
Lastkraftwagen von Nordvietnam nach Laos und mehr als 7000 durch die entmilita-

�e n t m i l i t a r i s i e r t e Zone nach Südvietnam f e s t g e s t e l l t werden. Keinem der auf
Grund des Friedensabkommens e i n g e s e t z t e n Organe zur Wahrung des F r i e d e n s
wurde d i e Gelegenheit gegeben, d i e s e T r a n s p o r t e zu r e g i s t r i e r e n .
6. Ein Beweis für d i e A b s i c h t , an den Verletzungen des A r t i k e l s 20 des
Abkommens f e s t z u h a l t e n , s i n d d i e großen Anstrengungen, d i e unternommen werden,
um das Straßensystem i n Laos sowie i n den angrenzenden T e i l e n Südvietnams a u s zubauen. Auf der S t r a ß e 7, der Hauptverbindung von Nordvietnam zur Hochebene
der Tonkrüge, sowie auf den S t r a ß e n 4 und 4 / 7 , d i e i n Ost-West-Richtung durch
d i e n ö r d l i c h e Hochebene v e r l a u f e n , wurden Brücken und Entwässerungsgräben
festgestellt.

Darüber h i n a u s g i b t es Beweise für s t ä n d i g e Anstrengungen

Nordvietnams, e i n e S t r a ß e von Südlaos nach der Provinz Quang T r i und der Provinz
Quang Ngai zu bauen. Diese g r e n z ü b e r s c h r e i t e n d e S t r a ß e b e f i n d e t s i c h n i c h t i n
der Nähe i r g e n d e i n e r der f e s t g e l e g t e n Ü b e r g a n g s s t e l l e n , u n d

logischerweise

könnte s i e nur a l s h e i m l i c h e r Nachschubweg nach den z e n t r a l e n Küstenregionen
Südvietnams verwendet werden.
7. Die Demokratische Republik Vietnam h a t f e r n e r i n d i r e k t e r V e r l e t z u n g
der A r t i k e l 7 und 15 b des Friedensabkommens und des A r t i k e l s 7 des Waffens t i l l s t a n d s p r o t o k o l l s M i l i t ä r p e r s o n a l sowie m i l i t ä r i s c h e Ausrüstung i n und
durch d i e e n t m i l i t a r i s i e r t e Zone g e b r a c h t .
8. Es i s t bekannt geworden, daß nach dem W a f f e n s t i l l s t a n d vom 28. J a n u a r
1973 w e i t e r h i n über 30 OOO n o r d v i e t n a m e s i s c h e S o l d a t e n u n t e r s c h w e r s t e r Verl e t z u n g des Abkommens durch Laos und Kambodscha nach Südvietnam m a r s c h i e r t
s i n d . D i e s e r E r s a t z für Kampftruppen h a t d i e K a p a z i t ä t der n o r d v i e t n a m e s i s c h e n
Armee-Einheiten im Süden s t a r k e r h ö h t . Darüber h i n a u s l i e g e n Beweise v o r , daß
neue n o r d v i e t n a m e s i s c h e Armee-Einheiten wie Flugabwehr-Einheiten nach dem
28. J a n u a r nach Südvietnam gekommen s i n d . So i s t b e i s p i e l s w e i s e der Komplex
des F l u g p l a t z e s von Khe Sanh k ü r z l i c h mit Raketen vom Typ SA-2 b e s t ü c k t
worden, d i e vor dem W a f f e n s t i l l s t a n d e i n d e u t i g n i c h t vorhanden gewesen waren.

9. Sich mit dem i l l e g a l e n Aufbau des M i l i t ä r p o t e n t i a l s n i c h t

zufrieden

gebend h a t d i e Demokratische Republik Vietnam s e i t dem W a f f e n s t i l l s t a n d

diese

�diese Einheiten und andere unter ihrem Befehl stehenden Streitkräfte tatsächlich eingesetzt, um im ganzen Lande unter eindeutiger Verletzung der fundamentalen Zielsetzung des Friedensabkommens, wie sie in den Artikeln 2 und 3
niedergelegt ist, Hamlets und Dörfer sowie militärische Stellungen der Republik anzugreifen. Die Angriffe bestanden im allgemeinen aus Beschießungen
mit Granatwerfern und Artillerie, auf die häufig Bodenangriffe folgten - mit
dem offensichtlichen Zweck, das Gebiet auszuweiten, das von den unter n^r-.
vietnamesischem Kommando stehenden Streitkräften kontrolliert wird. In einic^n
Fällen wurden die Angriffe mit solcher Intensität vorgetragen, daß die Verteidigungsstreitkräfte der Regierung sich zurückziehen mußten, so beispielsweise aus Stellungen in Hoang Hau in der Nähe von Hue, an der kambodschanischen
Grenze in der Provinz Chau Duc und in der Provinz Bac Lieu. Andere seit lanaem
von Streitkräften der Republik Vietnam besetzte Vorposten halten sich trotz
anhaltender Angriffe weiterhin, wie Stellungen in Tonle Cham in der Provinz
Tay Ninh, in Räch Bap in der Provinz Binh Duong und in den Distrikten Hong
Ngu und Cai Cai in der Provinz Kien Phong.

10. Ferner setzen nordvietnamesische Streitkräfte größere militärische
Offensiven fort, die auf die Öffnung neuer Nachschubrouten und die Ausweitung
ihrer Kontrolle abzielen, wie im Gebiet von Sa Huynh in der südlichen Provinz
Quang Ngai.

11. Truppen unter Kontrolle der Demokratischen Republik Vietnam haben
ferner unter Verletzung von Artikel 5 des Waffenstillstandsprotokolls zahlreiche Minen verlegt und versucht, den wiederaufgenommenen Eisenbahnverkehr
zu stören. Anfang dieses Monats wurde in der Provinz Phu Yen eine Mine unter
einen Zug gelegt, und eine Gruppe von Gleisarbeitern wurde angegriffen.

12. Darüber hinaus haben diese Streitkräfte wahllos viele Städte, Flüchtlingslager und andere Bevölkerungszentren, wie beispielsweise in Tan Chau und
Phan Thiet, mit Granatwerfern und Artillerie beschossen und der Zivilbevölkerung schwere Verluste zugefügt. Sie haben sogar die Unterkünfte der Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission in Tri Ton und Hong Ngu mit
Granatwerfern beschossen.
13. Über

�13. Über d i e w e i t v e r b r e i t e t e n Angriffe auf d i e t e r r i t o r i a l e n

Sicherheits-

s t r e i t k r ä f t e der Republik Vietnam h i n a u s haben Agenten der Demokratischen
Republik Vietnam i h r e T e r r o r a k t e f o r t g e s e t z t und Menschen e r m o r d e t , Handg r a n a t e n i n ö f f e n t l i c h e E i n r i c h t u n g e n geworfen, ö f f e n t l i c h e S t r a ß e n und Wege
vermint und z a h l r e i c h e Entführungen vorgenommen.
14. Eine w e i t e r e e r n s t e Gefährdung des F r i e d e n s s t e l l e n die z a h l r e i c h e n
Handlungen der k l a r e n und bewußten O b s t r u k t i o n s e i t e n s der Demokratischen
Republik Vietnam und der " p r o v i s o r i s c h e n R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " i n der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n

d a r . Beide w e i g e r t e n s i c h b e h a r r l i c h an i r -

gendwelchen Untersuchungen der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n e c h t m i t zuwirken, d i e i h r e r Sache n i c h t d i e n l i c h gewesen wäre. Dementsprechend b l o c k i e r t e n oder v e r h i n d e r t e n s i e e i n e Untersuchung des Abschusses e i n e s CH-47Hubschraubers, des A n g r i f f e s auf Sa Huynh und d e r I n s t a l l i e r u n g von Raketen
i n Khe Sanh, um nur d r e i bezeichnende B e i s p i e l e zu nennen.

15. Die Taktik des H i n h a l t e n s und d e r O b s t r u k t i o n wurde auch e i n d e u t i g
aus d e r Weigerung e r s i c h t l i c h , s i c h offen zu d i s l o z i e r e n . Die Nordvietnamesen
d i s l o z i e r t e n nur fünf d e r s i e b e n r e g i o n a l e n H a u p t q u a r t i e r e , und i h r e Verbündeten von der " p r o v i s o r i s c h e n R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " s o g a r nur e i n e s . Die
D i s l o z i e r u n g von s u b r e g i o n a l e n Gruppen war minimal. Die " p r o v i s o r i s c h e Rev o l u t i o n s r e g i e r u n g " h a t t e zu keinem Z e i t p u n k t mehr a l s e i n V i e r t e l i h r e s zugestandenen Kontingents

operationsbereit.

16. Daher müssen d i e Demokratische Republik Vietnam und die " p r o v i s o r i s c h e R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " d i e Verantwortung für das Versagen der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n , d i e i h r ü b e r t r a g e n e n Funktionen zu e r f ü l l e n ,
tragen.
17. Von b e s o n d e r e r Besorgnis für d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n i s t d i e b i s h e r i g e Weigerung d e r Demokratischen Republik Vietnam, Informationen über
Amerikaner zu v e r ö f f e n t l i c h e n , d i e i n Indochina vermißt s i n d , oder ü b e r j e n e ,
von den bekannt i s t , daß s i e d o r t g e s t o r b e n s i n d , wie d i e s i n A r t i k e l 8 (b)
des Pariser-Abkommens v e r l a n g t w i r d .
18. Zu
- 5 -

�18. Zu den von der Demokratischen Republik Vietnam in ihrer Note
gegen die Vereinigten Staaten vorgebrachten Beschuldigungen gehört die
Behauptung, daß die Vereinigten Staaten die Regierung der Republik Vietnam
"unterstützten", indem sie die Waffenruhe nicht einhielten und dadurch die
Artikel 2 und 3 des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens ernsthaft verletzten. Die gesamte Beschuldigung
entbehrt jeder Grundlage. Die Vereinigten Staaten haben sich vielmehr nach
dem 28. Januar darauf konzentriert, die Bedingungen des Abkommens genauestens
einzuhalten, indem sie ihre eigenen Streitkräfte aus Vietnam abzogen und sich
der Beteiligung an jeglicher Feindseligkeit

in Vietnam enthielten. Alle Lie-

ferungen an Waffen und militärischen Ausrüstungen für die Republik Vietnam
standen in strikter Übereinstimmung mit Artikel 7 des Pariser Abkommens und
Artikel 7 des Waffenstillstands-Protokolls.

19. Die Demokratische Republik Vietnam

behauptet ferner, daß der Abzug

der amerikanischen Streitkräfte in einer Weise abgeschlossen worden sei, die
von den Artikeln 5 und 6 des Pariser Abkommens abweiche, und beschuldigt die
Vereinigten Staaten, ihre Waffen nicht abzuziehen und ihre Stützpunkte nicht
abzubauen, wie dies in den genannten Artikeln verlangt wird. Artikel 5 verlangt
jedoch nur den Abzug jener Waffen, jener Munition und jenes Kriegsmaterials,
die sich zum Zeitpunkt oder nach dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abkommens
im Besitz der Vereinigten Staaten (oder Verbündeter der Vereinigten Staaten
und der Republik Vietnams) befunden haben mögen. Er verlangt nicht den Abzug
irgendwelcher Waffen aus Südvietnam, die die Vereinigten Staaten vor dem Inkrafttreten des Abkommens auf Grund vorheriger Übergabe nicht mehr in Besitz
hatten. Dies war die Bedeutung der Formulierung "der Vereinigten Staaten" in
Artikel 5. Die gleiche Formulierung mit der gleichen Bedeutung wurde in Artikel
6 bezüglich der abzubauenden militärischen Stützpunkte

benutzt. Die Ver-

einigten Staaten haben diese Bestimmungen vollständig erfüllt. Alle militärischen Ausrüstungen und Einrichtungen von Militärstützpunkten, die sich
früher

im Besitz der amerikanischen Streitkräfte in Südvietnam befanden und

die nach dem 28. März dort verblieben, sind vor dem 27. Januar an die Regierung der Republik Vietnam übergeben worden.
20. In

�20. In der angeführten Note wird w e i t e r d i e Beschuldigung erhoben,
daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n der Republik Vietnam u n t e r Verletzung des Abkommens und des W a f f e n s t i l l s t a n d s - P r o t o k o l l s Waffen, Munition und K r i e g s m a t e r i a l g e l i e f e r t h ä t t e n . Diese Behauptung i s t e i n f a c h

unbegründet.

A r t i k e l 7 des Abkommens e r l a u b t es den südvietnamesischen P a r t e i e n , auf
e i n e r S t ü c k - f ü r - S t ü c k - B a s i s b e s c h ä d i g t e s , v e r n i c h t e t e s , unbrauchbar g e wordenes oder v e r b r a u c h t e s K r i e g s m a t e r i a l , Waffen und Munition zu e r s e t z e n .
Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n und die Republik Vietnam haben Verfahren für d i e
Überwachung von Waffenlieferungen

a u s g e a r b e i t e t , um d i e E i n h a l t u n g d i e s e r

Beschränkungen zu g e w ä h r l e i s t e n , und es werden Aufzeichnungen darüber g e führt, die diese Einhaltung v e r i f i z i e r e n .

Die Heranführung d i e s e s E r s a t z e s

wie auch d i e genannten Unterlagen der Verfahren s t e h e n j e d e r z e i t der I n s p e k t i o n und Beobachtung durch d i e I n t e r n a t i o n a l e K o n t r o l l - und Überwachungskommission und d i e Gemeinsame Zweier-Militärkommission o f f e n .

Die Heran-

führung d i e s e s E r s a t z e s i s t auf j e n e d r e i Ü b e r g a n g s s t e l l e n b e s c h r ä n k t ,
von der Republik Vietnam nach den Bestimmungen des Abkommens

die

festgelegt

worden s i n d .
2 1 . Die i n der Note d e r Demokratischen Republik Vietnam erhobene Behauptung, d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n h ä t t e n über 10 000 a l s Z i v i l b e r a t e r

getarnte

S o l d a t e n z u r ü c k g e l a s s e n , e n t b e h r t j e d e r Grundlage und i s t ohne Zweifel e i n
Versuch, d i e Aufmerksamkeit von der großen Zahl n o r d v i e t n a m e s i s c h e r S o l d a t e n
im Süden abzulenken. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n haben i n Übereinstimmung mit
A r t i k e l 5 des Friedensabkommens i h r e Truppen und i h r e M i l i t ä r - und P o l i z e i b e r a t e r abgezogen. In Südvietnam s i n d nur etwa 200 Mann a m e r i k a n i s c h e s

Militär-

p e r s o n a l v e r b l i e b e n , d i e zum Stab des V e r t e i d i g u n g s - A t t a c h e s , dem Wachpersonal
des Marinekorps der B o t s c h a f t und zu dem Team gehören, das v e r s u c h t , den
S t a t u s der im E i n s a t z Vermißten zu k l ä r e n . Es g i b t kein a l s Z i v i l i s t e n g e t a r n t e s M i l i t ä r p e r s o n a l . Wie b e r e i t s ö f f e n t l i c h e r k l ä r t , l i e g t d i e Gesamtzahl
des o f f i z i e l l e n

amerikanischen P e r s o n a l s i n Südvietnam u n t e r 9O00, wovon

d i e große Mehrhext l o g i s t i s c h e und Wartungsfunktionen a u s f ü h r t ,

die bald

von den Südvietnamesen übernommen werden s o l l e n .
22. Andere

�22. Andere Amerikaner üben Tätigkeiten aus, wie sie von diplomatischen,
konsularischen und Hilfsmissionen in der ganzen Welt ausgeübt werden. Die
Aufgaben und Funktionen des in Südvietnam verbliebenen Personals der Vereinigten Staaten sind der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam voll
und ganz bekannt und stehen in völliger Übereinstimmung mit dem Abkommen vom
2 7. Januar.

23. Die Vereinigten Staaten werden ferner beschuldigt, durch ihre militärischen Tätigkeiten in Laos unmittelbar nach dem Abschluß des Waffenstillstandsabkommens zwischen den Parteien in Laos Artikel 8 der Akte von Paris
zu verletzen. Die militärische Tätigkeit der Vereinigten Staaten seit dem
Waffenstillstand ist

sehr begrenzt gewesen. Sie wurde

auf Ersuchen von

Ministerpräsident Souvanna Phouma durchgeführt. Sie wurde
fand

notwendig und

als direkte Antwort auf schwere und flagrante Verletzungen des Ab-

kommens durch nordvietnamesische und Pathet Lao-Streitkräfte, vor allem durch
die Angriffe in Pak Song am 23. Februar und in Tha Vieng am 13. April nach
dem Waffenstillstand, statt.

24. Die Demokratische Republik Vietnam behauptet ferner, die Vereinigten
Staaten verletzten die "Unabhängigkeit,

Souveränität, Einheit, territoriale

Integrität und Neutralität" von Kambodscha, indem sie weiterhin ihre militärische Tätigkeiten in diesem Lande durchführten. In Wirklichkeit sind
diese Tätigkeiten auf Luftunterstützungsoperationen in Antwort auf die anhaltenden militärischen Operationen der Demokratischen Republik Vietnam in
Kambodscha begrenzt und wurden von der Khmer-Republik selbst angefordert.
Ende Januar setzte die Khmer-Republik alle Angriffsoperationen aus, und
die Vereinigten Staaten stellten ebenfalls offensive Luftoperationen ein.
Die Reaktion der Demokratischen Republik Vietnam und der kambodschanischen
Streitkräfte unter ihrer Kontrolle

bestand jedoch in einer totalen mili-

tärischen Offensive - trotz der Verpflichtungen, die die Demokratische Republik Vietnam in Artikel 20 des Abkommens und Artikel 8 der Akte von Paris
übernommen hat. Um die Einhaltung dieser entscheidenden Bestimmungen herbeizuführen, ohne die das gesamte Vietnam-Abkommen in Frage gestellt würde,

- 8-

�I

würde, leisten die Vereinigten Staaten den Khmer-Streitkräften Luftunterstützung.

25. Was die Behauptungen der Demokratischen Republik Vietnam bezüglich
der anhaltenden Haft südvietnamesischer Zivilisten anbetrifft, so wird die
Regierung der Republik Vietnam diese ohne Frage zurückweisen wollen; die Regierung der Vereinigten Staaten möchte jedoch darauf hinweisen, daß die "provisorische Revolutionsregierung" die Freilassung von nur einigen Hundert Zivilgefangenen angeboten hat trotz der Tatsache, daß sie viele Tausende gefangengenommen hat. Dies ist eine Angelegenheit, in der es eindeutig auf Gegenseitigkeit ankommt.

26. Die Behauptung, die amerikanische Regierung verzögere absichtlich
die Minensuchoperationen, ist eindeutig falsch. Die Minensuchoperationen der
Vereinigten Staaten sind so rasch fortgeschritten, wie es die Sicherheit, die
verfügbaren Streitkräfte, Wetterbedingungen und von der Demokratischen Republik
Vietnam auferlegte Beschränkungen erlauben. Wir sind in der Lage gewesen,
trotz des Verlustes von zwei Hubschraubern unseren vereinbarten Zeitplan einzuhalten. Für diese Operation sind alle verfügbaren Minensucheinheiten der
Vereinigten Staaten herangezogen worden. Ja es ist so, daß eine beträchtlich
größere Streitmacht eingesetzt worden ist, als von den Vereinigten Staaten
ursprünglich vorgeschlagen und von der Demokratischen Republik Vietnam akzeptiert worden war.

27. Die Tatsache, daß nur die Explosion von einigen wenigen Minen beobachtet worden ist, ist völlig verständlich und keineswegs überraschend.
Wie Vertretern der Demokratischen Republik Vietnam bei zahlreichen Gelegenheiten genau erläutert worden ist, haben die Minen eine variable Neutralisie rungskapazi tat, die programmiert werden kann und die bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt zur Neutralisierung der meisten Minen geführt hat. Trotzdem kann
keine ausreichende Sicherheit garantiert werden, so lange nicht alle betroffenen
Gebiete mit der geeigneten Ausrüstung durch bestens ausgebildetes Personal

- 9 -

�\

Personal methodisch abgesucht worden sind.
28. Angesichts der vielen ernsten Verletzungen anderer Bestimmungen
des Abkommens durch die Demokratische Republik Vietnam, die oben erläutert
worden sind, haben die Vereinigten Staaten jedoch

beschlossen, ihre Minen-

suchoperationen auszusetzen. Diese Aussetzung ist als Antwort auf dip "^ih1reichen materiellen Verletzungen des Abkommens durch die Demokratische F\ publik Vietnam in Übereinstimmung mit der Regel des internationalen Rechtes
gerechtfertigt, daß ein materialler Bruch eines internationalen Abkommens
durch eine Partei die andere

Partei berechtigt, die Durchführung des Ab-

kommens ganz oder teilweise auszusetzen. Diese Regel des üblichen internationalen Rechtes ist in Artikel 60 der Konvention über das Vertragsrechtvon 1969 niedergelegt. Die Vereinigten Staaten sind selbstverständlich bereit, die Minensuchoperationen wieder aufzunehmen, sobald die Demokratische
*

Republik Vietnam damit beginnt, in Übereinstimmung mit ihren Verpflichtungen
gemäß des Abkommens zu handeln.

29. Die Regierung der Vereinigten Staaten lehnt daher die allgemeinen
und die spezifischen Beschuldigungen kategorisch ab, daß sie die Bestimmungen
des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des
Friedens in Vietnam verletzt habe. Die Regierung der Vereinigten Staaten
ihrerseits bekräftigt erneut, mit der oben ausgeführten Ausnahme, ihre Absicht, sich an die Bestimmungen des Abkommens vom 27. Januar zu halten, und
sie wird alles in ihrer Macht stehende tun, um einen dauerhaften Frieden in
Indochina herbeizuführen. Sie appelliert an die Demokratische Republik Vietnam
und alle

anderen Parteien der Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz,

diese Bemühungen zu unterstützen.

- lO -

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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Energiebotschaft Präsident Nixons &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Jahr Europas &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Kissinger-Rede vom 23. April 1973 - &lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Ernste Verletzung des Vietnam-Abkommens durch Hanoi &lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der amerikanischen Note vom 20. April 1973 -&lt;/em&gt;</text>
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und
Dokumentation

1

1
I

United States Information Service

26. A p r i l 1977

10

INHALT

DOKUMENTATION
Carter legt sein Energieprogramm vor
- Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April

Carter fordert drastische Energiesparmaßnahmen
- Ansprache an das amerikanische Volk am 18. April 1977

Um Über/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 3 0 0 ,
D 5 3 0 0 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

10/1977

CARTER LEGT SEIN ENERGIEPROGRAMM VOR
Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rede vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses am 20. April 1977 seine neue Energiepolitik dargelegt. Wie bereits in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk zwei Tage zuvor forderte der Präsident eine einschneidende Senkung
des Energieverbrauchs im Rahmen eines umfassenden Pakets von Maßnahmen.
Carter fordert vom Kongreß Gesetze, die jede Verschwendung von Energie
steuerlich bestrafen und jede Einsparung entsprechend belohnen.
Die Rede des Präsidenten vor dem Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des Kongresses, verehrte Gäste:
Das letztemal, daß wir in dieser Gruppierung zusammenkamen, war vor genau
drei Monaten am Tage meiner Amtseinführung. Wir haben bei der Inangriffnahme der Probleme unseres Landes einen guten Start gehabt.
Aber in den kommenden Monaten müssen wir noch enger zusammenarbeiten,
denn wir stehen vor der größten innenpolitischen Herausforderung, die unsere
Nation zu unseren Lebzeiten je zu bestehen haben wird.

Wir müssen jetzt -

gemeinsam - handeln, um einen nationalen Energieplan auszuarbeiten und zu

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu verwirklichen, damit wir mit einer Krise fertig werden können, die uns
sonst überwältigen würde.
Meine Rede heute abend wird keine Begeisterung auslösen können.
handelt sich um eine nüchterne und schwierige Darstellung.

Es

Während der

letzten drei Monate ist mir völlig klar geworden, warum nicht bereits eine
umfassende Energiepolitik entwickelt worden war.

Das ist eine undankbare

Aufgabe, aber es ist nun einmal unsere Aufgabe, und ich glaube, wi. haben
einen fairen, wohl ausgewogenen und effektiven Plan anzubieten.
zu einem noch besseren Leben fuer das amerikanische Volk führen.

Er kenn
Der Kern

unseres Energieproblems besteht darin, daß unser Bedarf an Brennstoff
rascher steigt als unsere Produktion, und unser Hauptmittel, um dieses
Problem zu lösen, besteht darin, Verschwendung und Unfähigkeit zu verringern.
öl und Erdgas stellen 75 Prozent unseres Verbrauchs in diesem Lande, aber
sie stellen nur sieben Prozent unserer Reserven dar. Unsere Nachfrage nach
öl ist jedes Jahr um über fünf Prozent gestiegen, aber die einheimische
öl Produktion ist in letzter Zeit um über sechs Prozent zurückgegangen.
Unsere ölimporte sind stark angestiegen - was uns umso verwundbarer macht,
wenn die Versorgung unterbrochen wird - aber Anfang der achtziger Jahre wird
selbst das ausländische öl zunehmend kanpp werden. Wenn sich die Weltnachfrage während der achtziger Jahre weiterhin mit der gegenwärtigen Rate
von fünf Prozent steigern könnte, dann könnten wir bis Ende des nächsten Jahrzehnts die gesamten bekannten öl Vorräte der ganzen Welt verbraucht haben.
Unsere Handelsdefizite nehmen zu. Wir haben im vorigen Jahr für über
35 Milliarden Dollar öl eingeführt, und wir werden in diesem Jahr noch sehr
viel mehr ausgeben.

Es ist

jetzt an der Zeit, Einhalt zu gebieten.

Wir könnten natürlich dieses Problem weiterhin einfach links liegen lassen aber wenn wir das täten, dann würden wir unser Volk einer drohenden Katastrophe
aussetzen.
Darum
- 2 -

�Dokumentation
United States Information Service

10/1977

CARTER LEGT SEIN ENERGIEPROGRAMM VOR
Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat in einer Rede vor beiden
Häusern des amerikanischen Kongresses am 20. April 1977 seine neue Energiepolitik dargelegt. Wie bereits in seiner Ansprache an das amerikanische
Volk zwei Tage zuvor forderte der Präsident eine einschneidende Senkung
des Energieverbrauchs im Rahmen eines umfassenden Pakets von Maßnahmen.
Carter fordert vom Kongreß Gesetze, die jede Verschwendung von Energie
steuerlich bestrafen und jede Einsparung entsprechend belohnen.
Die Rede des Präsidenten vor dem Kongreß hat folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Mr. Speaker, Mitglieder des Kongresses, verehrte Gäste:
Das letztemal, daß wir in dieser Gruppierung zusammenkamen, war vor genau
drei Monaten am Tage meiner Amtseinführung. Wir haben bei der Inangriffnahme der Probleme unseres Landes einen guten Start gehabt.
Aber in den kommenden Monaten müssen wir noch enger zusammenarbeiten,
denn wir stehen vor der größten innenpolitischen Herausforderung, die unsere
Nation zu unseren Lebzeiten je zu bestehen haben wird.

Wir müssen jetzt -

gemeinsam - handeln, um einen nationalen Energieplan auszuarbeiten und zu

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�zu verwirklichen, damit wir mit einer Krise fertig werden können, die uns
sonst überwältigen würde.
Meine Rede heute abend wird keine Begeisterung auslösen können.
handelt sich um eine nüchterne und schwierige Darstellung.

Es

Während der

letzten drei Monate ist mir völlig klar geworden, warum nicht bereits eine
umfassende Energiepolitik entwickelt worden war.

Das ist eine undankbare

Aufgabe, aber es ist nun einmal unsere Aufgabe, und ich glaube, wi, haben
einen fairen, wohl ausgewogenen und effektiven Plan anzubieten.
zu einem noch besseren Leben fuer das amerikanische Volk führen.

Er kann
Der Kern

unseres Energieproblems besteht darin, daß unser Bedarf an Brennstoff
rascher steigt als unsere Produktion, und unser Hauptmittel, um dieses
Problem zu lösen, besteht darin, Verschwendung und Unfähigkeit zu verringern.
öl und Erdgas stellen 75 Prozent unseres Verbrauchs in diesem Lande, aber
sie stellen nur sieben Prozent unserer Reserven dar. Unsere Nachfrage nach
öl ist jedes Jahr um über fünf Prozent gestiegen, aber die einheimische
öl Produktion ist in letzter Zeit um über sechs Prozent zurückgegangen.
Unsere ölimporte sind stark angestiegen - was uns umso verwundbarer macht,
wenn die Versorgung unterbrochen wird - aber Anfang der achtziger Jahre wird
selbst das ausländische öl zunehmend kanpp werden. Wenn sich die Weltnachfrage während der achtziger Jahre weiterhin mit der gegenwärtigen Rate
von fünf Prozent steigern könnte, dann könnten wir bis Ende des nächsten Jahrzehnts die gesamten bekannten öl Vorräte der ganzen Welt verbraucht haben.
Unsere Handelsdefizite nehmen zu.

Wir haben im vorigen Jahr für über

35 Milliarden Dollar öl eingeführt, und wir werden in diesem Jahr noch sehr
viel mehr ausgeben.

Es ist

jetzt an der Zeit, Einhalt zu gebieten.

Wir könnten natürlich dieses Problem weiterhin einfach links liegen lassen aber wenn wir das täten, dann würden wir unser Volk einer drohenden Katastrophe
aussetzen.
Darum
- 2 -

�Darum brauchen wir eine umfassende nationale Energiepolitik.

Ihr Rat

hat bei der Ausarbeitung dieses Planes einen wichtigen Einfluß ausgeübt.
Viele der darin enthaltenen Vorschläge gehen auf Ihre eigenen gesetzgeberischen Initiativen zurück.
Vor zwei Tagen habe ich zum amerikanischen Volk über die Grundsätze gesprochen, die hinter unserem Plan und unseren Zielen für 1985 stehen:
- Wir wollen die jährliche Wachstumsrate unseres Energiebedarfs auf
weniger als zwei Prozent senken.
- Wir wollen unseren Benzinverbrauch um 10 Prozent senken.
- Wir wollen unsere Importe an ausländischem öl auf sechs Millionen
Barrel pro Tag senken - also auf weniger als die Hälfte des Standes, den
wir erreichen würden, wenn wir keine Einsparungen vornähmen.
- Wir wollen eine strategische Erdölreserve von einer Milliarde Barrel etwa den Bedarf für zehn Monate - einrichten.
- Wir wollen unsere Kohleförderung um über zwei Drittel auf über eine
Milliarde Tonnen pro Jahr steigern.
- Wir wollen 90 Prozent der amerikanischen Häuser und alle Neubauten
wärmeisolieren.
- Wir wollen für über 2,5 Millionen Häuser Sonnenenergie nutzen.
Ich hoffe, daß der Kongreß diese Ziele in Form einer gemeinsamen
Resolution als eine Demonstration der gemeinsamen Verpflichtung zur
Erreichung dieser Ziele verabschieden wird.
Heute abend möchte ich die spezifischen Schritte umreißen, durch die
wir diese Ziele erreichen können.

Die Vorschläge fallen unter folgende

Hauptkategorien:
- Einsparung
- Produktion
- Umstellung
- Entwicklung
- Fairness - die eine Hauptüberlegung bei all unseren Vorschlägen ist.
Wir
- 3 -

�Wir ziehen es vor, diese Ziele durch freiwillige Zusammenarbeit mit einem
Minimum an Zwang zu erreichen.

In vielen Fällen schlagen wir finanzielle

Anreize vor, die die Menschen ermutigen werden, Energie zu sparen, und die
Kräfte unserer freien Wirtschaft mobilisieren werden, das Notwendige zu tun.
Aber ich muß Ihnen sagen, daß freiwillige Mitarbeit allein nicht ausreichen wird - das Problem ist zu groß und die Zeit ist zu kurz.
In einigen wenigen Fällen sind Strafen und Beschränkungen zur Verringerung der Verschwendung unerläßlich.
Unser erstes Ziel ist die Einsparung.

Sie ist der billigste und

praktikabelste Weg, um mit unserem Energiebedarf zurecht zu kommen und
unsere wachsende Abhängigkeit von ausländischem öl zu verringern.
Mit der richtigen Planung können wir selbst bei einer Beseitigung der
Energieverschwendung wirtschaftliches Wachstum,mehr Arbeitsplätze und eine
höhere Lebensqualität erreichen.
Die beiden Gebiete, auf denen wir am meisten Energie verschwenden,sind
der Transport und unsere Heizungs- und Kühlungssysteme.
Der Transportsektor verbraucht 26 Prozent unserer Energie - und die
Hälfte davon wird verschwendet. In Europa wiegt ein durchschnittliches
Kraftfahrzeug 2 700 (US-) Pfund - in unserem Lande (US-) 4 100 Pfund.
Der Kongreß hat bereits Brennstoffverbrauchsnormen aufgestellt, die
verlangen, daß bis 1985 neue Autos im Schnitt nicht mehr als eine Gallone
auf 27,5 Meilen verbrauchen dürfen - gegenüber heute durchschnittlich
18 Meilen.
Um

- 4 -

�Um sicherzustellen, daß dieser bestehende Auftrag des Kongresses erfüllt wird, schlage ich eine abgestufte Verbrauchssteuer auf neue "Benzinfresser" vor, die den durchschnittlichen Verbrauchsnormen nicht entsprechen.
Die Steuer wird niedrig anfangen und bis 1985 jedes Jahr weiter steigen.
Im Jahre 1978 wird ein Wagen, der 15 Meilen mit einer Gallone fährt, mit
180 Dollar besteuert werden, und ein Wagen, der nur 11 Meilen mit einer
Gallone fährt, mit 450 Dollar.

Im Jahre 1985 werden sich die Steuern für

solche aufwendige Neuwagen mit einem so hohen Verbrauch auf 1 600 Dollar
und 2 500 Dollar stellen.
Das gesamte durch diese Verkaufssteuer auf verschwenderische Automobile
eingenommene Geld wird durch Rabatte auf Wagen mit einem wirtschaftlicheren
Verbrauch wieder an den Verbraucher zurückgegeben werden. Wir gehen davon
aus, daß nach diesem Vorschlag die Leistungsfähigkeit und die gesamte
Automobil Produktion und der Absatz steigen werden. Wir werden sicherstellen, daß die amerikanischen Automobilarbeiter und ihre Familien keinen
unfairen Anteil an der Bürde tragen werden. Selbstverständlich werden wir
auch mit unseren Handelspartnern zusammenarbeiten, um dafür zu sorgen, daß
auch sie fair behandelt werden.
Und jetz möchte ich über die umstrittensten und mißverstandensten
Teile des Energievorschlags sprechen - eine vorsorgliche Benzinsteuer.
Der Benzinverbrauch macht die Hälfte unseres Gesamtölverbrauchs aus.
Wir müssen einfach Benzin sparen, und ich bin überzeugt, daß das
amerikanische Volk mit dieser Herausforderung fertig werden kann. Es ist
eine Sache des Patriotismus und des Pflichtgefühls.
Wir gehen davon aus, daß zwischen heute und 1980 der Benzinverbrauch
etwas über den gegenwärtigen Stand steigen wird.

In den darauf folgenden

fünf Jahren, wenn wir leistungsgünstigere Automobile haben, müssen wir
den Verbrauch Jahr für Jahr drosseln, um unsere Ziele für 1985 zu erreichen.
Ich
- 5 -

�Ich schlage vor, daß wir uns selbst zu diesen fairen, vernünftigen und
notwendigen Zielen verpflichten und gleichzeitig ein Gesetz über eine zusätzliche Steuer von 5 Cent pro Gallone verabschieden, das automatisch
jedes Jahr in Kraft treten wird, in dem wir die jährlich gesteckten Ziele
nicht erreichen.

Als zusätzlichen Anreiz würden wir, wenn wir in einem

Jahr die Ziele nicht erreichen, aber im nächsten Jahr wieder in der Norm
sind, die zusätzliche Steuer wieder abschaffen.

Wenn das amerikanische

Volk unserem Aufruf folgt, können wir diese Ziele erreichen, ohne daß diese
Benzinsteuer jemals in Kraft zu treten braucht.

Sie wissen ebenso gut wie

ich, daß das zu schaffen ist.
Wie bei allen anderen Steuern müssen wir die negativen Auswirkungen
auf unsere Wirtschaft so klein wie möglich halten - und jene, die sparen,
belohnen - und jene bestrafen, die verschwenden.

Daher sollten alle

Einkünfte aus dieser Steuer, sollte sie je in Kraft treten, wieder in
gerechter Weise an die Öffentlichkeit zurückgegeben werden.
Wir werden eine Reihe anderer Maßnahmen vorschlagen, um unser Verkehrssystem leistungsfähiger zu machen.
Eine der Nebenwirkung der Benzineinsparung besteht darin, daß die
Regierungen der einzelnen Bundesstaaten weniger Geld durch die Benzinsteuer
einnehmen. Um die für sie daraus entstehenden Härten zu verringern und
eine angemessene Instandhaltung der Bundesstraßen zu gewährleisten,
sollten wir die Einzel Staaten für diesen Verlust über den Straßen-Treuhandfonds entschädigen.
Ein zweites Gebiet, auf dem wir die Energieverschwendung reduzieren
können, sind unsere Häuser und Gebäude.

Bei einigen dieser großen Gebäude

wird die Hälfte der für Heiz- und Kühlanlagen verwendeten Energie verschwendet.

Von heute an müssen wir sicherstellen, daß neue Gebäude so wirk-

sam wie möglich mit Isolier- und Heizsystemen ausgestattet werden, durch die
der Verbrauch von Brennstoff einschneidend verringert werden kann - und daß
- 6 -

�daß auch die älteren Gebäude entsprechend ausgerüstet - oder umgestaltet
werden.
Die Bundesregierung sollte hier ein Beispiel geben.

Ich werde in einem

Präsidialerlaß strikte Einsparungsziele sowohl für alte als auch für neue
Gebäude festsetzen - eine 45-prozentige Steigerung in der wirksamen Energienutzung für neue Gebäude und eine zwanzigprozentige Steigerung für bereits
bestehende Gebäude bis zum Jahre 1985.
Wir brauchen ferner Anreize, um all denen, die eigene Häuser und
Geschäfte besitzen, bei der Energieeinsparung zu helfen.
Diejenigen, die ihre Gebäude "wetterfest" machen lassen, sollten für die
ersten 800 Dollar, die sie für Einsparungsmaßnahmen investieren, eine
25-prozentige Steuererleichterung erhalten und 15 Prozent für die nächsten
1500 Dollar.
Wenn die Hausbesitzer es jedoch vorziehen, können sie auch einen Werkdienst mit der Durchführung solcher Arbeiten betrauen. Alle großen
Elektrizitätswerke werden gehalten sein, derartige Dienstleistungen anzubieten. Die Heiz- und Elektrizitätswerke würden für die Durchführung der
entsprechenden Arbeiten Sorge tragen und eine vernünftige Finanzierung
ermöglichen. Der Kunde würde für die Verbesserungen kleine, regelmäßige
Zuschläge zu seinen monatlichen Stromrechnungen zahlen. In vielen Fällen
würdtn sich diese zusätzlichen Kosten fast völlig durch den niedrigeren Energieverbrauch ausgleichen, der durch die Energieeinsparungsvorrichtungen
erzielt wird.
Weitere Vorschläge für Energieeinsparung in Häusern und Gebäuden betreffen:
- Eine direkte Bundeshilfe für Bürger mit niedrigem Einkommen;
- eine zusätzliche zehnprozentige Steuererleichterung auf Geschäftsinvestitionen;
- Bundesausgleichs- 7 -

�- Bundesausgleichsmittel für öffentliche Schulen und Krankenhäuser;
- öffentliche Gelder, um die einzelstaatlichen und kommunalen Amtsgebäude "wetterfest" zu machen.
Wenn wir unsere Geschäfts- und Fabrikgebäude und unsere Häuser auf diese
Weise in Bezug auf Energieeinsparung verbessern, müssen wir auch für eine
verbesserte Energienutzung bei unseren elektrischen Haushaltsgeräten sorgen.
Ich schlage daher ein Gesetz vor, das zum erstenmal bis zum Jahre 1980
strenge Leistungsnormen für Haushaltsgeräte festsetzen soll.
Wir müssen auch unser Strompreis-System reformieren.

Viele Jahre hindurch

haben wir die Energievergeudung belohnt, indem wir den größten Verbrauchern
die billigsten Stromtarife gewährten.

Wegen des Wettbewerbs um neue Industrien

ist es für einzelne Staaten schwierig, solche Reformen durchzuführen.

Der

einzige faire Weg besteht darin, sich an eine Reihe von Prinzipien zu halten,
die für die gesamte Nation Anwendung finden.
Ich schlage daher ein Gesetz vor, das im Verlauf der nächsten zwei Jahre
folgende Maßnahmen erfordern würde:
- Allmähliche Einstellung der Reklame - Tarife und anderer Preisanreizsysteme, die Erdgas und Elektrizität für Großverbraucher künstlich billig
halten und nicht die
wahren Kosten wiedergeben.
- Angebot von Preistarifen unter Berücksichtigung der Spitzenbelastungszeiten, mit höheren Preisen für die Tagestunden, wenn der Bedarf am größten
ist und niedrigeren Sätzen für die Stunden, in denen der Bedarf klein ist.
- Einzelzähl er für jede Wohnung in neuen Gebäuden statt nur eines Hauptzählers.
ET werden zur Zeit bereits Pläne eröertert, nach denen dar TennesseeValley Administration-Elektrizitätssystem als Modell für die Durchführung
solcher neuen Programme zur Energieeinsparung dienen soll.
Noch
- 8 -

�Noch ein weiterer Schritt zur Energieeinsparung besteht darin, die
Industrie und die Versorgungswerke zu ermutigen, ihre "Kogenerationsprojekte"
weiter auszubauen, bei denen ein großer Teil des Dampfes genutzt wird, der
jetzt bei der Elektrizitätserzeugung vergeudet wird.

In der Bundesrepublik

Deutschland kommen 29 Prozent der gesamten Energie aus solchen Kogenerationsanlagen, in den Vereinigten Staaten dagegen nur 4 Prozent.
Ich schlage eine besondere zehnprozentige Steuervergünstigung für
Investitionen in solche Projekte vor.
Im Verein mit der Energieeinsparung ist das zweite Hauptziel unserer
Strategie die Produktior und eine vernünftige Preisgestaltung.
Wir können unsere Erdöl- und Erdgasproduktion niemals so weit steigern,
daß wir unseren Bedarf decken können, aber wir müssen sichergehen, daß unser
Preissystem vernünftig ist, vor jeder Vergeudung abschreckt und die Erschließung neuer Quellen und neue Produktion ermutigt.
Einer der Grundsätze unserer Energiepolitik ist, daß der Preis für
Energie den echten Kosten für ihre Erneuerung entsprechen muß, um auf diese
Weise auf lange Sicht Angebot und Nachfrage in ein Gleichgewicht zu bringen.
Eine realistische Preisgestaltung ist vor allem für unsere knappen Brennstoffe, wie öl und Erdgas,wichtig. Vorschläge für eine sofortige und
völlige Aufhebung der Preisbindung für einheimisches öl und Erdgas wären
jedoch katastrophal für unsere Wirtschaft und für die arbeitenden Menschen
in den USA und würden darüber hinaus die langfristigen Probleme der
schwindenden Vorräte auch nicht lösen.
Wir werden erlauben, daß der Preis für neuentdecktes öl über einen
dreijährigen Zeitraum auf den Weltmarktpreis von 1977 steigt - mit
entsprechenden Ausgleichen für die Inflation.

Der laufende Ertrag für die

Erzeuger von früher entdecktem öl würde der gleiche bleiben, ausgenommen
natürlich die Anpassungen an die Inflation.

- 9 -

�Da die Fairness eine wesentliche Strategie unseres Energieprogramms
ist, wollen wir den Produzenten keine Spekulationsgewinne (Windfall profits)
zukommen lassen - über die Anreize hinaus, die sie für die Erschließung
und Produktion brauchen.

Wir machen uns jedoch selbst etwas vor, wenn wir

bei unserer Preisgestaltung nicht die Kosten für die Erneuerung der Energie
in Rechnung stellen.
Daher schlage ich vor, daß wir für die bestehenden Vorräte eine BohrlochSteuer einführen, die der Differenz zwischen dem gegenwärtigen gebundenen
Preis des Öls und dem Weltmarktpreis entspricht.

Das mit dieser Steuer

eingenommene Geld soll den Verbrauchern und den arbeitenden Menschen
Amerikas zurückgegeben werden.
Wir sollten auch mit den künstlichen Verzerrungen der Preise für Erdgas
in den verschiedenen Gebieten unseres Landes ein Ende machen, die dazu
geführt haben, daß Menschen in den Erzeugerstaaten exorbitante Preise bezahlt
haben, während vor allem im Nordosten eine Verknappung imd Arbeitslosigkeit
und wirtschaftliche Stagnation eintraten.

Wir dürfen nicht zulassen, daß

Energieverknappungen unsere Nation zersplittern und zerstückeln.
Ich möchte mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um den Erdgasproduzenten
einen ausreichenden Anreiz für die Erschließung neuer Vorkommen zu geben,
indem wir mit aller Vorsicht auf eine Preisfreigabe neuentdeckter Erdgasvorkommen hinarbeiten, wenn die Marktverhältnisse dies erlauben.
Ich schlage jetzt vor, daß die Preisgrenze für alles irgendwo in unserem
Lande verkaufte neue Erdgas mit Anfang 1978 bei dem Preis festgeleqt wird,
der dem entsprechenden Energiewert von einheimischem Rohöl entspricht.

Dieser

Vorschlag wird sowohl für neues Gas als auch für auslaufende zwischenstaatliche Verträge (zwischen den einzelnen Bundesstaaten) gelten.
berührt würden bestehende Verträge.
Wir

- 10 -

Nicht

�Wir müssen sicherstellen, daß öl und Erdgas nicht von Industrien und
Versorgungsbetrieben verschwendet werden, die an ihrer Stelle Kohle verwenden könnten.
Unsere dritte Strategie ist die Umstellung von knappen Brennstoffen auf
Kohle, wo immer dies möglich ist.
Obwohl die Kohle heute nur 18 Prozent unseres Energiebedarfs deckt, so
macht si° doch 90 Prozent unserer Energiereserven aus.

Ihre Förderung und

Verwendung schafft Schwierigkeiten für die Umwelt, aber wir können durch
kontrolierten Tagebau und Normen gegen die Luftverschmutzung mit ihnen
fertig werden.
Um eine Steigerung des Kohleverbrauchs in der Industrie und in Versorgungsbetrieben um 400 Millionen Tonnen oder 65 Prozent bis 1985 zu erreichen,
schlage ich mit Beginn 1979 eine progressive Besteuerung von großen
industriellen Verbrauchern von öl und Erdgas vor. Hersteller von
Düngemitteln und Getreidetrockner, die Erdgas benutzen müssen, wären von
dieser Steuer befreit. Versorgungsbetriebe würden diesen Steuern erst 1983
unterworfen, da es länger dauert, sie auf Kohle umzustellen.
Ich werde auch Vorschläge für eine erweiterte Forschung und Entwicklung
auf dem Gebiet der Kohle unterbreiten. Wir müssen bessere Methoden finden,
um sie sicherer abzubauen und sauberer zu verbrennen und um sie für die
Herstellung anderer sauberer Energiequellen zu verwenden. Wir haben
Milliarden für die Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Kernenergie
ausgegeben, aber nur wenig für die Kohle. Hier können Investitionen reiche
Dividende bringen.
Aber selbst mit diesen Umstellungsanstrengungen haben wir noch immer eine
Lücke - zwischen der Energie, die wir brauchen, und der Energie, die wir
produzieren und importieren.

Deshalb müssen wir als letzten Ausweg weiterhin

in zunehmendem Maße die Kernenergie benutzen.
Wir
- 11 -

�Wir verfügen heute über 63 Kernkraftwerke, die etwa drei Prozent unserer
Gesamtenergie produzieren, und 70 weitere Kernkraftwerke sind zum Bau freigegeben.

Die einheimischen Uranvorrä'te reichen aus, um diese Zahl von

Anlagen für weitere 75 Jahre zu betreiben.

Wirksame Sparanstrengungen

können dazu beitragen, den Anteil der Kernenergie so klein wie möglich zu
halten.

Es besteht keine Notwendigkeit, in das Plutonium-Zeitalter einzu-

treten, indem wir einen Schnellen Brutreaktor, wie die vorgeschlagene
Demonstrationsanlage in Clinch River, genehmigen oder bauen.
Wir müssen jedoch unsere Kapazität für die Erzeugung von angereichertem
Uran für Leichtwasser-Kernkraftwerke steigern, indem wir die neue ZentrifugenTechnologie anwenden, die nur etwa ein Zehntel der Energie verbraucht wie
die bestehenden Gasdiffusionsanlagen.
Wir müssen ferner die Verfahren für die Genehmigung von Nuklearanlagen
reformieren. So sollten keine neuen Anlagen in erdbebengefährdeten Zonen
oder in der Nähe dichtbesiedelter Zentren gebaut werden; die Pläne sollten
so weit wie möglich genormt werden; und es muß ausreichendere Vorsorge für
die Lagerung von ausgebranntem Brennstoff getroffen werden.
Aber auf der anderen Seite sollte es selbst bei den gründlichsten
Sicherheitsvorkehrungen keine zehn Jahre bis zur Genehmigung für den Bau
einer Anlage dauern. Ich schlage vor, daß wir vernünftige, objektive
Kriterien für die Baugenehmigung aufstellen, und daß Anlagen, die auf
einem genormten Plan beruhen, für die Baugenehmigung keine Einzelprüfung
der Pläne brauchen.
Unsere vierte Strategie ist die Entwicklung dauerhafter und zuverlässiger neuer Energiequellen.
Am vielversprechendsten ist die Sonnenenergie, für die schon ein
Großteil der Technologie zur Verfügung steht. Wassererwärmungsanlagen und
Raumheizung mit Sonnenenergie sind bereits in einem Stadium der kommerziellen

�kommerziellen Produktion.

Alles, was notwendig ist, sind einige Anreize

für die Entwicklung eines großen Marktes.
Ich schlage daher eine stufenweise abnehmende Steuerabschreibung von
heute bis 1984 für all jene vor, die zugelassene Sonnenheizungsanlagen
kaufen.

Zunächst soll die Abschreibung 40 Prozent auf die ersten

1 000 Dollar und 25 Prozent für die nächsten 6 400 Dollar betragen, die
investiert werden.
Eine zunehmende Produktion von Energie aus Erdwärme kann sichergestellt
werden, indem wir die gleichen Steueranreize wie für die Förderung von
Erdgas und Erdöl einräumen.
Als wir diesen Plan entwickelten, ließen wir uns von dem Grundsatz leiten, daß er vor allen Dingen fair sein muß.
Niemand soll ein unfaires Opfer bringen müssen.
Niemand soll einen unfairen Gewinn erzielen dürfen.
Der Wunsch nach Gerechtigkeit wird in unserem ganzen Plan deutlich:
- in der Bohrlochsteuer, die zur Sparsamkeit anregt, aber wieder
zurück an die Öffentlichkeit fließt;
- in einer Dollar-für-Dollar-Rückzahlung der Bohrlochsteuer, soweit
sie öl für Wohnungsheizung berührt;
- in einer Verringerung der unfairen Preisgestaltung für Erdgas;
- in der Sicherstellung, daß Wohnungen über das benötigte öl und
Erdgas verfügen werden, während sich die Industrie auf die reichlicher
verfügbare Kohle umstellt, die deren Bedarf ebenso dienlich ist;
- in einer Preisgestaltung der Versorgungswerke auf der Basis der
echten Kosten, damit jeder Kunde einen fairen Anteil bezahlt;
- in der Automobilsteuer und dem Rabattsystem, das jene belohnt, die
Energie sparen und jene bestraft, die sie verschwenden.
Ich
- 13 -

�Ich schlage noch einen weiteren Schritt vor, um eine Ausgewogenheit
in unserem Plan sicherzustellen.

Wir brauchen genauere Informationen über

unsere Energieversorgung und über die Firmen, die sie produzieren.
Wenn wir von uns selbst Opfer verlangen, dann brauchen wir Fakten, von
denen wir ausgehen können.

Wir brauchen ein unabhängiges Informations-

system, das uns zuverlässige Daten über Energiereserven und Energieproduktion, Kapazitäten für den Notfall und finanzielle Angaben über die
Energieproduzenten liefert.
Ich glaube nun einmal an den Wettbewerb, und wir haben nicht genug
Wettbewerb.
In dieser Zeit der zunehmenden Verknappung muß der Wettbewerb unter
Energieproduzenten und Verteilern sichergestellt werden.
Ich emofehle, daß von den EnergieapsellSchäften ein individuelle
Rechnung!egung für Produktion, Raffirerie, Verteilung und Vermarktung
verlangt wird - getrennt nach einheimischer und ausländischer Geschäftstätigkeit. Die strikte Anwendung der Kartellgesetze kann auf diesen
Daten basieren und könnte die Notwendigkeit für eine Bestrafung verhindern.
ProfitJägerei durch steuerliche Schlupflöcher muß verhindert werden,
und unabhängige Bohrunternehmen sollten die gleichen unangreifbaren
Steuerabschreibungen erhalten wie die großen Gesellschaften.
Die Energieindustrie darf keine großen unverdienten Gewinne einheimsen.
Steigende Preise für vorhandene ölvorräte dürfen nicht zu Spekulationsgewinnen führen, sondern müssen für die Bevölkerung unseres Landes abgeschöpft werden.
Wir müssen jedermann klarmachen, daß jetzt unser Volk durch seine
Regierung unsere Energiepolitik festlegt.
Das
- 14 -

�Das neue Energieministerium muß ohne Verzug eingerichtet werden. Die
weitere Aufsplitterung der Zuständigkeit und Verantwortlichkeit der
Regierung für das Energieprogramm unserer Nation ist gefährlich und unnötig.
Vor zwei Tagen habe ich erklärt, daß diese schwere Anstrengung das
moralische Gewicht eines Krieges habe.

Diese Anstrengung wird, wenn sie

erfolgreich ist, unsere Arbeitsplätze, unsere Umwelt, unsere nationale
Unabhängigkeit, unseren Lebensstandard und unsere Zukunft schützen.

Unsere

Energiepolitik wird innovativ, aber auch fair und vorhersehbar sein.

Sie

wird nicht leicht sein.

Sie wird von uns allen das Beste fordern - unseren

Weitblick, unsere Hingabe, unseren Mut und unser Gemeinsamkeitsgefühl.
Es handelt sich um ein sorgfältig ausgewogenes Programm und hängt,
wenn es fair sein soll, von all seinen wichtigen Einzelbestandteilen ab.
Es wird ein Prüfstein für unsere grundlegende politische Stärke und
Fähigkeit sein.
Aber wir sind schon früher mit Herausforderungen fertig geworden, und
unsere Nation ist immer noch stärker daraus hervorgegangen.

Das ist die

Aufgabe vor der wir stehen - Sie hier im Kongreß, die Mitglieder meiner
Administration und die gesamte Bevölkerung unseres Landes.
sicher, daß wir gemeinsam erfolgreich sein werden.
+ + +

- 15 -

Ich bin

�Dokumentation
United States Information Service

10/1977

CARTER FORDERT DRASTISCHE ENERGIESPARMASSNAHMEN
Ansprache an das amerikanische Volk am 18. April 1977

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 18. April 1977 in
seinem zweiten sogenannten "Gespräch am Kamin" - diesmal von seinem Schreibtisch aus - das amerikanische Volk zu drastischen Energiesparmaßnahmen aufgerufen.

In einem wie er selbst eingangs sagte, "unangenehmen Gespräch" be-

reitete er die Öffentlichkeit auf seine am übernächsten Tag dem Kongreß vorgelegte neue Energiepolitik vor.
Die von allen Rundfunk- und Fernsehanstalten übertragene Ansprache des
Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute abend mit Ihnen ein unangenehmes Gespräch über ein
Problem

führen, das in unserer

Geschichte ohne Beispiel dasteht.

Abgesehen

von der Verhütung eines Krieges stellt es die größte Aufgabe dar, der sich
unser Land zu unseren Lebzeiten gegenübersieht.

Die Energiekrise hat uns

nicht überwältigt, sie wird es aber tun, wenn wir nicht rasch handeln.
Sie

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Sie ist ein Problem, das wir nicht in einigen wenigen Jahren werden lösen können.

Es wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach bis Ende dieses Jahr-

hunderts immer mehr verschärfen.

Wir dürfen weder selbstsüchtig noch schüch-

tern sein, wenn wir unseren Kindern und Kindeskindern eine brauchbare Welt
hinterlassen wollen.

Wir müssen einfach die Nachfrage nach Energie in Ein-

klang mit unseren rasch schwindenden Ressourcen bringen.

Wenn wir jetzt han-

deln, können wir über unsere Zukunft selbst bestimmen und brauchen nicht zuzulassen, daß die Zukunft über uns bestimmt.
In zwei Tagen werde ich dem Kongreß meine Energievorschiä'ge unterbreiten.
Seine Mitglieder werden meine Partner sein, und sie haben mir bereits viele
wertvolle Ratschläge erteilt.
Viele meiner Vorschläge werden unpopulär sein.

Einige werden von Ihnen

verlangen, Unannehmlichkeiten auf sich zu nehmen und Opfer zu bringen.
Das wichtigste Charakteristikum dieser Vorschläge besteht darin, daß
die Alternativen zu ihnen einer nationalen Katastrophe gleichkämen. Jeder
weitere Aufschub kann unsere Stärke und unsere Macht als Nation beeinträchtigen. Unsere Entscheidungen auf dem Energiesektor werden den Charakter des
amerikanischen Volkes und die Regierungsfähigkeit des Präsidenten und des
Kongresses auf die Probe stellen. Dieses schwierige Unterfangen wird das
"moralische Äquivalent des Krieges" sein - abgesehen davon, daß wir unsere
Anstrengungen zusammenfassen, um aufzubauen, und nicht, um zu zerstören.
Ich weiß, daß manche unter Ihnen zweifeln werden, ob wir überhaupt vor
einer echten Energieknappheit stehen. Die Schlangen vor den Tankstellen aus
dem Jahre 1973 sind verschwunden, und unsere Wohnungen sind wieder warm.
Unser Energieproblem ist aber heute schwieriger als es 1973 und selbst
noch vor einigen Wochen in der Starre des Winters war. Es ist deshalb schlimmer, weil es zu weiterer Verschwendung gekommen und noch mehr Zeit verstrichen
ist, ohne daß wir etwas für die Zukunftsplanung getan hätten. Und es wird
- 2 -

�wird jeden Tag schwieriger werden, wenn wir nicht endlich handeln.
Die Erdöl- und Erdgasvorkommen, von denen wir in unserer Energieversorgung zu 75 Prozent abhängig sind, nähern sich der Erschöpfung.

Trotz zuneh-

mender Anstrengung geht die heimische Produktion seit Jahren stetig um jährlich rund 6 Prozent zurück.
Jahren verdoppelt.

Die Einfuhren haben sich in den vergangenen fünf

Die Unabhängigkeit unserer Nation von wirtschaftlichen

und politischen Maßnahmen wird zunehmend eingeengt.

Wenn wir keine tiefgrei-

fenden Veränderungen bewirken, um unseren Ölverbrauch zu vermindern, wird es
nach unseren Erkenntnissen schon Anfang der achtziger Jahre dahinkommen, daß
die Welt nach mehr öl verlangt, als die Erde zu geben vermag.
Die Welt verbraucht gegenwärtig etwa 60 Millionen Barrel öl pro Tag,
und die Nachfrage steigt jährlich um etwa fünf Prozent. Das bedeutet, daß
wir, um auch nur Schritt zu halten, jedes Jahr ein neues Texas, alle neun Monate ein neues Nordalaska oder alle drei Jahre ein neues Saudi-Arabien brauchten. So kann es offensichtlich nicht weitergehen.
Wir müssen auf unsere Geschichte zurückblicken, um unsere Energieprobleme zu verstehen. Zweimal kam es in den letzten Jahrhunderten zu einer
Wende in der Art der Energienutzung.
Die erste erfolgte vor rund 200 Jahren:

Die Abkehr vom Holz, das bis

dahin etwa 90 Prozent des Brennstoffbedarfs gedeckt hatte, und die Hinwendung zur Kohle, die sich als weit effizienter erwies.

Dieser Wandel gab

die Basis für die industrielle Revolution ab.
Die zweite Wende erfolgte in diesem Jahrhundert mit dem wachsenden Einsatz von öl und Erdgas. Sie waren praktischer und billiger im Gebrauch als
Kohle, und die Vorräte schienen fast unbegrenzt. Sie machten das Zeitalter
des Automobils und Flugzeugs als Reisemittel möglich. So gut wie alle heute
Lebenden sind in diesem Zeitalter aufgewachsen und haben es nie anders gekannt.,
Weil
- 3 -

�Weil öl und Gas knapp zu werden beginnen, müssen wir uns rasch auf
einen dritten Wandel vorbereiten: Auf starke Einsparungen bei diesen Energiestoffen und die zunehmende Verwendung von Kohle und die Nutzung von erneuerungsfä'higen Energiequellen wie beispielsweise die Sonnenenergie.
Die Welt ist auf eine solche Zukunft nicht vorbereitet.

In den fünf-

ziger Jahren wurde zweimal so viel öl wie in den vierziger Jahren verbraucht,
und in den sechziger Jahren wiederum doppelt so viel wie in den fünfziger Jahren.

In jedem einzelnen dieser Jahrzehnte wurde mehr öl verbraucht als in

der ganzen vorausgegangenen Menschheitsgeschichte.
Der Weltverbrauch an öl steigt noch immer.

Würde diese steigende Ten-

denz in den siebziger und achtziger Jahren bei einer Steigerungsrate von jährlich fünf Prozent wie in der Vergangenheit beibehalten, wären bis Ende des
nächsten Jahrzehnts alle bekannten ölreserven in allen Teilen der Welt aufgebraucht.
Ich weiß, daß viele unter Ihnen vermuten, gewisse öl- und Gasvorkommen
seien bisher verheimlicht worden.

Sie können durchaus recht haben.

Aber Ihr

Mißtrauen gegen die ölgesellschaften kann die Tatsache nicht aus der Welt
schaffen, daß die Erdölvorräte zu Ende gehen.
Wir alle haben von den riesigen ölfeldern im Norden Alaskas gehört. In
einigen Jahren, wenn die ölförderung dort auf vollen Touren laufen wird,
dürfte sie gerade dem Zwei Jahreszuwachs unserer Energienachfrage entsprechen.
Jede neue Bestandsaufnahme der Welt-Erdölreserven hat sich bisher als beunruhigender erwiesen als die vorausgegangene. Die Erdölförderung kann vielleicht noch sechs bis acht Jahre steigen; aber zu irgendeinem Zeitpunkt in
den achtziger Jahren wird sie nicht mehr wesentlich erhöht werden können. Die
Nachfrage wird die Förderung übersteigen. Es gibt keinen Ausweg.
Wir
- 4 -

�Wir haben jedoch insofern eine Wahl, als wir uns klar machen können, wie
wir uns in den nächsten Jahren verhalten wollen. Jeder Amerikaner verbraucht
das Energieäquivalent von 60 Barrel öl pro Jahr,
schwenderischste Land der Erde„

Unser Land ist das ver-

Wir vergeuden mehr Energie als wir einführen.,

Bei etwa gleich hohem Lebensstandard verbrauchen wir etwa die doppelte Energiemenge pro Kopf der Bevölkerung wie andere Länder, darunter selbst Deutschland, Japan und Schweden,
Eine Alternative besteht darin, fortzufahren wie bisher. Wir können uns
so noch einige weitere Jahre dahintreiben lassen. Unser Ölverbrauch würde
dann Jahr für Jahr weiter steigen. Unsere Kraftfahrzeuge würden auch weiterhin zu groß und unwirtschaftlich sein. Dreiviertel derselben würden nach wie
vor nur einen Menschen - den Mann am Steuer - befördern, während unsere Massenverkehrsmittel weiterhin etwa 50 Prozent der dort anfallenden Wärme als Abwärme vergeuden würden. Wir können auch damit fortfahren, knaoDes öl und Erdgas zur Elektrizitätserzeugung zu verwenden und in diesem Prozeß zwei Drittel
des Heizwertes zu verschwenden.
Wenn wir nicht handeln, werden wir auf diese Weise gegen 1985 rund 33
Prozent mehr Energie verbrauchen als heute. Wir können unsere heimische Erzeugung nicht mehr wesentlich steigern, so daß wir gezwungen wären, doppelt
so viel Erdöl zu importieren als heute.
Die Lieferquellen werden unsicher sein, die Kosten werden weiter steigen. Vor sechs Jahren zahlten wir 3,7 Mrd. Dollar für unsere Erdöl Importe;
im vorigen Jahr waren es 36 Mrd. Dollar - oder fast zehnmal so viel; und dieses Jahr werden wir wahrscheinlich 45 Mrd. Dollar aufbringen müssen
Wenn wir nichts unternehmen, werden wir bis 1985 über 550 Mrd, Dollar
für die öleinfuhr aufwenden müssen - über 2500 Dollar für jeden Mann, für jede Frau und für jedes Kind in Amerika.

Zusätzlich zu diesem Geld werden wir

auch weitere Arbeitsplätze verlieren und immer anfälliger gegen Lieferunterbrechungen werden.
Heute
- 5 -

�Heute haben wir noch eine Wahl. Wenn wir aber länger zuwarten, werden
wir in ständiger Angst vor Lieferembargos schweben. Wir würden damit unsere
Freiheit gefährden, in außenpolitischen Fragen als souveräne Nation zu handeln.
Innerhalb von zehn Jahren wären wir dann nicht mehr in der Lage, öl in
ausreichenden Mengen einzuführen - aus keinem Land und auf keinen Fall zu einem annehmbaren Preis.
Wenn wir zuwarten und nicht handeln, werden sich unsere Fabriken außerstande sehen, unsere Leute angesichts rückläufiger Brennstofflieferungen weiter zu beschäftigen.

Allzuwenige Kraftwerke werden dann auf Kohle, den wich-

tigsten heimischen Energiestoff, umgestellt sein. Wir werden dann nicht bereit sein, unser Transportsystem mit kleineren und wirtschaftlicheren Kraftfahrzeugen und einem verbesserten Netz von Bussen, Bahnen und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln zu betreiben.
Wir werden dann unter verstärkten Druck geraten, unsere Umwelt noch mehr
auszuplündern.

Wir werden dann ein Sofortprogramm zum Bau von noch mehr

Kernkraftwerken, zur Intensivierung des Tagebaus, zur Verbrennung noch größerer Kohlemengen und zur Erbohrung von noch mehr Ölquellen vor der Küste in
Angriff nehmen müssen, als dies notwendig sein wird, wenn wir heute schon mit
der Einsparung von Energiestoffen beginnen.
Die Inflation wird sich dann beschleunigen und die Produktion verlangsamen während immer mehr Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.
Es wird ferner ein noch härterer Wettbewerb unter den Völkern und unter
den einzelnen Regionen innerhalb des eigenen Landes ausbrechen.
Wenn wir es versäumen, umgehend geeignete Maßnahmen zu treffen, werden
wir einer wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Krise entgegen'
gehen, die unsere freien Institutionen gefährden könnte.
Wir

�Wir haben jedoch auch eine andere Möglichkeit.
beginnen, uns hierauf vorzubereiten.
deln, solange wir Zeit haben.

Wir können heute damit

Wir können uns entschließen, zu han-

Das genau ist das Konzept der Energiepolitik,

die wir am Mittwoch vorschlagen werden.
Unsere nationale Energieplanung stützt sich auf zehn grundlegende Prinzipien.
Das erste Prinzip besagt, daß wir eine wirksame und umfassende Energiepolitik nur dann betreiben können, wenn die Regierung die Verantwortung übernimmt und wenn das Volk den Ernst der Herausforderung begreift und bereit
ist, die erforderlichen Opfer zu bringen.
Das zweite Prinzip postuliert, daß ein gesundes Wirtschaftswachstum anhalten muß. Nur bei entsprechenden Einsparungen an Energie können wir unseren
Lebensstandard aufrechterhalten und unserem Volk genügend Arbeitsmöglichkeiten
bieten. Ein wirksames Energiesparprogramm wird Hunderttausende neuer Arbeitsplätze schaffen.
Das dritte Prinzip betrifft den notwendigen Schutz unserer Umwelt. Unsere Energieprobleme haben dieselben Ursachen wie unsere Probleme auf dem Gebiet des Umweltschutzes: die verschwenderische Nutzung natürlicher Ressourcen.
Deren Konservierung gestattet es uns, beide Probleme in einem Zuge zu lösen.
Das vierte Prinzip besagt, daß wir unsere Verwundbarkeit bei möglicherweise verheerenden Liefersperren verringern müssen.

Wir können uns selbst von

ungewissen Zulieferungen unabhängig machen, indem wir unseren ölbedarf durch
eine möglichst weitgehende Inanspruchnahme reichlich vorhandener Energiestoffe
wie Kohle und die Anlage strategischer Erdölreserven vermindern.
Der fünfte Grundsatz beinhaltet die Forderung, fair zu sein. Unsere Lösungen müssen jeder Region, jeder Bevölkerungsschicht und jeder Interessengruppe etwa gleich große Forderungen auferlegen. Die Industrie wird ihren
- 7 -

�ihren Teil zu den Energieeinsparungen ebenso beisteuern müssen wie dies von
den Verbrauchern erwartet werden wird.

Auch die Energieproduzenten verdie-

nen eine faire Behandlung; wir werden es aber nicht zulassen, daß die ölgesellschaften die eigentlichen Nutznießer sein werden.
Das sechste Prinzip, das eigentliche Fundament unserer Politik, läuft
darauf hinaus, die Nachfrage durch Einsparungsmaßnahmen zu senken.

Unsere

nachdrückliche Betonung von Einsparungen markiert einen eindeutigen Unterschied zwischen diesem Plan und früheren Plänen, die lediglich zu erhöhten
Förderungsleistungen anspornen sollten.

Die Einsparung von Energie ist die

rascheste, billigste und praktischste Energiequelle.

Die Einsparung von

Energie ist auch die einzige Methode, mittels derer wir ein Barrel Rohöl für
ein paar Dollar kaufen können; ein Barrel ül zu verschwenden, aber kostet
13 Dollar.
Das siebte Prinzip bestimmt, daß die Preise für Energie im allgemeinen
den tatsächlichen Gegenwert derselben widerspiegeln müssen. Es hieße uns
selbst betrügen, wenn wir die Energiekosten künstlich niedrig halten und somit mehr Energie verbrauchen würden, als wir uns tatsächlich leisten können.
Das achte Prinzip entspricht der Auffassung, daß die staatliche Politik vorhersagbar und sicher sein muß. Sowohl die Verbraucher als auch die
Produzenten verlangen nach einer Politik, auf die sie in ihrer Planung für morgen zählen können. Das ist einer der Gründe, warum ich gemeinsam mit dem
Kongreß ein neues Energieministerium zu errichten beabsichtige, das über 50
Behörden ersetzen soll, die gegenwärtig gewisse Kontrollbefugnisse auf dem
Energiesektor ausüben.
Das neunte Prinzip bestimmt, daß wir bei solchen Brennstoffen sparen
müssen, die selten vorkommen und in erster Linie solche verwenden sollten,
die in größeren Mengen verfügbar sind. Wir können nicht damit fortfahren,
öl und Gas zur Deckung von 75 Prozent unseres Energiebedarfs heranzuziehen,
während sie nur sieben Prozent unserer gesamten heimischen Energiereserven dar-

�darstellen.

Wir müssen auf die reichlich vorhandene Kohle zurückgreifen

und gleichzeitig Vorkehrungen zum Umweltschutz treffen und strengere Sicherheitsmaßstä'be bezüglich der Kernenergie einführen.
Das zehnte Prinzip erfordert, daß wir umgehend damit beginnen, neue unkonventionelle Energiequellen zu erschließen, auf die wir uns im nächsten
Jahrhundert stützen können.
Von diesen zehn Grundsätzen, gingen wir auch bei der Entwicklung der Politik aus,die ich Ihnen und dem Kongreß am Mittwoch unterbreiten werde.
Unser Energieplan wird auch eine Reihe spezifischer Ziele einschließen,
an Hand derer sich der Fortschritt in Richtung auf ein stabileres Energiesystem bemessen lassen wird.
Folgende Ziele werden für 1985 festgesetzt:
- Die Jahreswachstumsrate unseres Energiebedarfs auf einen Satz von weniger als zwei Prozent zu senken.
- Den Benzinverbrauch gegenüber dem derzeitigen Bedarf um zehn Prozent
zu kürzen.
- Den Anteil des Importöls am amerikanischen Ölverbrauch um die Hälfte
zu kürzen - von potentiell 16 Millionen Barrel pro Tag auf nur sechs Millionen
Barrel pro Tag.
- Eine strategische Erdölreserve von einer Milliarde Barrel oder mehr als
einem Halbjahresbedarf zu errichten.
- Unsere Kohleförderung um etwa zwei Drittel auf über eine Milliarde
Tonnen im Jahr zu steigern.
- 90 Prozent aller amerikanischer Wohnungen und sämtliche Neubauten
wärmezuisolieren.
- Die Sonnenenergie in über zweieinhalb Millionen Häusern zu nutzen.
Wir
- 9 -

�Wir werden den Fortschritt in Richtung auf diese Zielsetzungen Jahr
für Jahr analysieren.

Unser Plan sieht noch strengere Einsparungsmaßnahmen

für den Fall vor, daß die gesteckten Ziele nicht erreicht werden.
Ich kann Ihnen nicht sagen, daß diese Maßnahmen leicht fallen werden,
und sie werden auch nicht populär sein.

Nach meinem Dafürhalten werden sich

jedoch die meisten unter Ihnen darüber im klaren sein, daß eine Politik, die
keine Änderungen und Opfer erforderlich macht, keine erfolgreiche Politik sein
kann.
Dieser Plan ist von entscheidender Bedeutung für unsere Bestrebungen,
die Arbeitsplätze zu sichern, die Umwelt zu schützen, unseren Lebensstandard
zu erhalten und für die Zukunft zu sorgen.
Ob dieser Plan wirklich etwas verändert, wird sich nicht hier in
Washington, sondern in jeder Stadt, Fabrik und Familie wie auch auf jeder
Fernstraße und jeder Farm entscheiden.
Nach meinem Dafürhalten handelt es sich hier um eine positive Herausforderung. An den Veränderungen, die wir zu bewirken hoffen, haftet etwas
typisch und spezifisch Amerikanisches. Wir waren in unserer gesamten Geschichte immer stolz, ein zu Leistungen fähiges Volk zu sein. Wir waren immer stolz auf unseren Einfallsreichtum und unser Geschick bei der Lösung
amerikanischer Probleme. Wir brauchen diese Leistungsfähigkeit und diesen
Ideenreichtum heute mehr denn je.
Wir waren stolz auf unsere führende Rolle in der Welt. Nunmehr haben
wir Gelegenheit, der Welt abermals ein positives Beispiel zu geben.
Und wir waren immer stolz auf unsere Zukunftsvorstellungen.

Wir hatten

immer den Wunsch, unseren Kindern und Kindeskindern eine Welt zu hinterlassen,
die ihnen reichere Möglichkeiten bietet, als sie uns zu Gebote standen. Unsere Kinder sind es, für die wir heute Vorsorge treffen müssen.
- 10-

Sie sind

�sind diejenigen, die am meisten darunter leiden würden, wenn wir nicht handeln.
Ich habe Ihnen hier einige der Prinzipien meines Plans dargelegt.
Ich bin sicher, daß jedem unter Ihnen irgendetwas an den Einzelheiten
unserer Vorschläge mißfallen wird.

Dieser Plan verlangt von Ihnen, daß Sie

Opfer bringen und Veränderungen in Ihrem Lebensstil hinnehmen.

Gewiß, die

Opfer werden schmerzlich sein - aber das ist jedes einigermaßen sinnvolle
Opfer.

Sie werden zu manchen Kostensteigerungen führen und manche größere

Unbequemlichkeiten für jedermann

mit sich bringen.

Die Opfer werden aber nur allmählich gefordert werden und realistisch
und notwendig sein. Allem voran werden sie fair sein. Niemand wird einen
unangemessenen Vorteil aus diesem Plan ziehen können, und niemand wird gezwungen sein, einen ungebührlichen Anteil an seinen Lasten zu tragen. Wir
werden die Daten, die uns die öl- und Erdgasgesellschaften zugängig machen,
genau prüfen, um zu erfahren, wieviel sie tatsächlich produzieren, welche
Vorräte und Reserven sie besitzen und welche Gewinne sie machen.
Bürger, die darauf bestehen, riesige und übermotorisierte Kraftfahrzeuge
zu fahren, können sicher sein, daß sie für diesen Luxus künftig mehr als bisher bezahlen müssen.
Wir müssen damit rechnen, daß sämtliche Interessengruppen in unserem
Land jeweils den Teil dieses Plans angreifen werden, der sie unmittelbar betrifft. Sie werden erklären, daß Opfer gut seien, solange andere sie bringen, daß aber das ihnen abverlangte Opfer unvernünftig, unfair und dem Lande
abträglich wäre. Wenn sie damit Erfolg haben, wäre den normalen Bürgern, die
in keiner Interessengruppe organisiert sind, eine Bürde aufgelastet, unter
der sie zusammenbrechen müßten.
Es
- 11 -

�Es gibt nur einen Maßstab für dieses Programm: den Nutzen für unser Land.
Andere Generationen von Amerikanern fanden sich vor große Herausforderungen gestellt und sie haben sie bewältigt.

Ich vertraue darauf, daß die

Lösung dieser Aufgabe unser eigenes Leben bereichern wird.

Wenn Sie sich

uns anschließen und im Geiste des Patriotismus und des Mutes mit uns zusammenarbeiten, werden wir den Beweis liefern, daß unsere große Nation die Welt
in ein Zeitalter des Friedens, der Unabhängigkeit und der Freiheit zu führen
vermag.

- 12 -

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Carter legt sein Energieprogramm vor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses am 20. April -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carter fordert drastische Energiesparmaßnahmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache an das amerikanische Volk am 18. April 1977 -&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA DIENST
VON**

26. A p r i l 1989

17
INHALT

DOKUMENTATION
Die deutsch-amerikanische Freundschaft auf dem Prüfstand;
Herausforderung der neunziger Jahre
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters bei der Atlantik-Brücke
Sperrfrist: 27. April 1989, 19:00 Uhr (MESZ)
Cheney: Abkommen über konventionelle Streitkräfte von grösserer
Tragweite
- Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe (Auszüge) Howe: USA dürfen sich nicht von Europa abkoppeln
- Interview mit dem britischen Außenminister -

HINTERGRUNDMATERIAL
Die Modernisierung der Nuklearwaffen:
- von General John R~. Galvin -

i

Einige Diskussionspunkte

Hat sich die Sowjetunion wirklich verändert
- von William E. Odom -

WJSSENSCHAFT UND TECHNIK
Gemeinsam gegen die Drogengefahr
- 12. PRIDE-Kongreß in Atlanta mit Delegierten aus 81 Ländern -

* * * * *

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�AMERIKA DIENST
"VON

4

Dokumentation

26. April 1989

17

DIE DEUTSCH-AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT AUF DEM PRÜFSTAND
HERAUSFORDERUNG DER NEUNZIGER JAHRE
- Rede von Botschafter Vernon A. Walters bei der Atlantik-Brücke (SPERRFRIST: 27. APRIL 1989, 19:00 UHR (MESZ))
HANNOVER - (AD) - Bei seinem ersten Auftritt als Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland erklärte Vernon A.
Walters am 27. April 1989 in Hannover, die entscheidende Herausforderung für
die Welt bestehe in der Neugestaltung der Ost-West-Beziehungen und eines sichereren Europas. Darüber hinaus würdigte Walters die herausragende Rolle,
die die NATO bei der Bewahrung eines historischen Friedens gespielt hat und
auch in Zukunft spielen wird. Um seiner Aufgabe gerecht zu werden, benötige
das Bündnis "weiterhin effektive und glaubwürdige konventionelle und nukleare
Streitkräfte".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Walters im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, heute hier
In Hannover über die Herausforderungen
an
die
deutsch-amerikanische
Partnerschaft
sprechen
zu
können.
Ich freue mich insbesondere darüber,
meine erste Rede in Europa hier halten zu dürfen.
Eine Ansprache vor
der Atlantik-Brücke scheint mir deshalb besonders sinnvoll zu sein, weil
diese Organisation in der bemerkenswerten Geschichte des Aufbaus fester
und dauerhafter Beziehungen zwischen
der Bundesrepublik und den Vereinigten Staaten eine außergewöhnlich ehrenvolle Rolle gespielt hat.
Die
Atlantik-Brücke
verkörpert
den Wunschtraum von Menschen wie dem
verstorbenen John Jay McCloy, der in
den Jahren nach 1945 die Auffassung
vertrat, daß Frieden und Stabilität

United States Information Service
Embassy of the United States of America

in Europa Freundschaft, Zusammenarbeit und Verständnis zwischen Ihrem
und unserem Land erfordere.
Ihre
Hoffnungen haben sich erfüllt, und
ich möchte an dieser Stelle die großartige Arbeit würdigen, die sowohl
die Begründer als auch die heutigen
Mitglieder der Atlantik-Brücke geleistet haben und noch immer leisten.
Es bleibt uns jedoch noch weitere gemeinsame Arbeit zu tun, und ich möchte heute einige noch vor uns liegende
Aufgaben umreißen.
Bevor ich damit beginne, möchte
ich den hier anwesenden Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als einen
herausragenden Politiker und Förderer
der deutsch-amerikanischen Beziehungen begrüßen.
Ihre Anwesenheit ist
mir eine Ehre.

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Meine Damen und Herren, wir ehren
heute abend das Andenken eines Mannes, der ein langjähriges Vorstandsmitglied der Atlantik-Brücke gewesen
ist und der einen sehr bedeutenden
Beitrag zur Verbesserung der deutschamerikanischen Verständigung und Zusammenarbeit geleistet hat.
KarlHeinz Beckurts, einer der führenden
Atomphysiker der Bundesrepublik und
auf der internationalen Ebene ein
Verfechter der friedlichen Nutzung
der Kernenergie, wurde vor drei Jahren von Terroristen der Rote Armee
Fraktion brutal ermordet. Durch seinen frühen und so tragischen Tod haben wir nicht nur einen guten Kollegen und hervorragenden Wissenschaftler, sondern auch einen Menschen verloren, der sich weitreichende und
tiefgehende Gedanken um die Zukunft
der Menschheit gemacht und aktiv daran gearbeitet hat, die Lebensbedingungen für die Menschen auf dieser
Erde zu verbessern. Ich fühle mich
persönlich geehrt, an diesem Abend,
der
dem Andenken von Karl-Heinz
Beckurts gewidmet ist, zu Ihnen sprechen zu dürfen.
Eine
meiner
Grundüberzeugungen
lautet, daß die Erhaltung des Weltfriedens aktive internationale Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis erfordert. In meiner Eigenschaft
als amerikanischer Botschafter bei
den Vereinten Nationen von 1985 bis
1989 habe ich dazu mit multilateraler
Diplomatie und Bemühungen zur Erhaltung des Friedens einen Beitrag geleistet.
In dieser Zeit haben die Vereinten Nationen erneut ihre Funktion als
starke Kraft weltweiter Versöhnung
und als Instrument zur Konfliktlösung
übernommen.
Die Vereinten Nationen
bieten ein Forum, in dem kein einzelner Staat die Vorherrschaft hat und
fördern ein Umfeld der Flexibilität,
in dem einzelne Länder eher als in
anderen Gremien bereit sind, ihre destabtlisierende Politik abzuwandeln
oder aufzugeben. Mit dieser erweiterten Rolle der Vereinten Nationen
konnten Fortschritte für einen Frie-

den in Afghanistan, im südlichen
Afrika und im Krieg zwischen Iran und
Irak erzielt werden. Auf diese Bilanz können alle Mitglieder der Vereinten Nationen ^colz sein. Ich hoffe inständig, daß die internationale
Zusammenarbeit in den Vereinten Nationen anderen von Konflikten heimgesuchten Ländern der Welt zum Frieden
verhelfen kann.
Die Vereinten Nationen waren jedoch nicht meine erste Station auf
dem Wege internationaler Zusammenarbeit für den Frieden. Nach der Gründung der NATO, die ich als junger Offizier bei der Unterzeichnung des
Nordatlantikvertrages miterlebte, war
ich Mitglied des Stabs von General
Eisenhower, als sich das Oberste
Hauptquartier der Alliierten Mächte
in Europa (SHAPE) etablierte.
Ich
hatte das Glück, in dieser Zeit eng
mit General Eisenhower zusammenarbeiten zu dürfen. So erhielt ich die
einmalige Gelegenheit, ihn bei ganz
unterschiedlichen Ereignissen kennenzulernen und im Umgang mit ausländischen Spitzenpolitikern zu beobachten.
Nach einzelnen Treffen mit
Staats- und Regierungschefs sprach er
bei der Rückfahrt häufig über seine
Gesprächspartner und seine Reaktion
auf die behandelten Themen. Sein auf
einem ungeheuren Erfahrungsschatz basierendes Urteil war mir später von
großem Nutzen.
Er war ein ausgezeichneter Menschenkenner und besaß
die untrügliche Fähigkeit, Menschen
richtig einzuschätzen.
Eisenhower war der Ansicht, die
Völker des Bündnisses müßten für den
Gedanken der gemeinsamen Verteidigung
und insbesondere für die Notwendigkeit des NATO-Militärbündnisses gewonnen werden. Vor dem Hintergrund
der kommunistischen Machtübernahme in
Prag, des militärischen Druckes auf
Griechenland durch von Moskau unterstützte Guerillas, der Berlin-Blockade und anderer bedrohlicher Schritte
der Sowjetunion wuchs die Überzeugung
unter den Ländern Westeuropas und
Nordamerikas, daß sie sich zur Verteidigung ihrer Freiheit zusammen-

�schließen müßten. Angesichts dieser
Gefahr formierte sich die Solidarität
unseres Bündnisses.

Systems erkannt und experimentieren
nun mit vom Westen entlehnten Mechanismen.

Seitdem hat sich die Welt erheblich verändert. Dennoch stehen wir
vor neuen Möglichkeiten und Herausforderungen, die unsere Kreativität
und unseren Mut auf vielfältige Weise
auf die Probe stellen werden. Einige
dieser Herausforderungen werden sich
in den entscheidenden Bereichen der
Verteidigungspolitik und Rüstungskontrollstrategie ergeben.
Wir werden
uns mit weiteren Herausforderungen in
der Wirtschaft konfrontiert sehen und
uns grenzüberschreitenden Problemen
wie etwa dem Umweltschutz stellen
müssen. Am grundlegendsten ist jedoch die Herausforderung zur Neugestaltung
der
Ost-West-Beziehungen,
mit denen wir ein sichereres Europa
schaffen können, ein Europa, in dem
die in den Nachkriegsjahren erfolgte
Teilung überwunden werden kann.

Der Wind der politischen Reform
weht also auch in der Sowjetunion und
in Osteuropa, insbesondere in Polen
und Ungarn. Diese Tendenzen bestätigen auf eindrucksvolle Weise zwei
Grundwahrheiten. Eine ist die ungeheure
kreative
Antriebskraft
der
Freiheit des Menschen in der heutigen
Welt. Letzten Monat hat Außenminister Baker in seiner Rede in Wien von
der Schaffung eines neuen Europas gesprochen, das auf den folgenden Freiheiten basiere. Er sprach von:
Der Freiheit aller Europäer, ein
Mitspracherecht an Entscheidungen
zu haben, die ihr Leben betreffen.
Der Freiheit aller Europäer, ihre
unterschiedlichen
politischen
Meinungen zum Ausdruck zu bringen, wenn alle Ideen dankbar aufgenommen werden und Menschenrechte wahrhaft unverletzlich sind.

LEISTUNGEN UND PERSPEKTIVEN
In den Jahren seit den Herausforderungen der frühen Nachkriegszeit
haben wir viel erreicht. Durch Zusammenarbeit haben wir eine wohlhabende
und
dynamische
atlantische
Staatengemeinschaft geschaffen. Unsere demokratischen Werte und unser
Engagement für die Marktwirtschaft
eröffnen uns nie dagewesene neue Möglichkeiten zur besseren Selbstverwirklichung des Menschen.
Als der
Marshall-Plan ins Leben gerufen wurde, betrug das Bruttosozialprodukt
der Länder, die heute die Europäische
Gemeinschaft bilden, sechs Prozent
unseres BSP. Heute hat es denselben,
wenn nicht einen größeren Umfang.
Diese Erfahrungen, die sozusagen
in einem "Atlantischen Versuchslabor"
entstanden sind, finden Nachahmer auf
der ganzen Welt. Der einstmals moderne Glaube an eine zentralistische
Planung als dem kürzesten Weg zur
wirtschaftlichen Entwicklung ist ins
Wanken geraten.
Sogar die Sowjetunion und andere Planwirtschaften haben das Versagen des stalinistischen

Der Freiheit aller Europäer, Ideen und Informationen auszutauschen und ihr Recht auf Freizügigkeit wahrzunehmen.
Und schließlich sprach er von der
Freiheit und dem Recht aller Europäer, vor militärischer Einschüchterung oder einem Angriff
sicher zu sein.
Die zweite der von mir erwähnten
Grundwahrheiten lautet, daß sich echte Hoffnungen auf mehr Freiheit und
einen anhaltenden Frieden in Europa
nicht zufällig ergeben haben.
Sie
sind möglich, weil der Westen Einigkeit und
Zielstrebigkeit
bewiesen
hat. Diese Behauptung kann kaum besser verdeutlicht werden als durch die
bei den jüngsten KSZE-Verhandlungen
erzielten Erfolge des Westens bei der
Förderung der Aussichten auf mehr
Freiheit in den Warschauer-Pakt-Staaten. Dank enger Zusammenarbeit der
NATO-Verbündeten und der begrüßenswerten Unterstützung der neutralen

- 3 -

�europäischen Länder haben wir vor
kurzem in Wien ein KSZE-Dokument erarbeitet, in dem sich die Sowjets und
die Osteuropäer zur besseren Einhaltung der Menschenrechte verpflichten.
Wenn diese Maßnahmen verwirklicht
werden, wird ein wesentlich größeres
Maß an Freiheit im Osten Europas Eilzug halten.
Wir haben noch weitere Gründe zuversichtlich zu sein, daß die Entschlossenheit des Westens zu günstigen Ergebnissen führt. Mit dem NATODoppelbeschluß und der danach erfolgten Stationierung von Pershing II und
Marschflugkörpern würden - so wurde
behauptet - weitere Rüstungskontrollabkommen unmöglich gemacht. Tatsächlich spielten sie eine entscheidende
Rolle, als es darum ging, die Sowjets
zum Abschluß des INF-Vertrags zu bewegen. Die Vereinigten Staaten und
die Bundesrepublik Deutschland haben
jeder für sich einen einzigartigen
und entscheidenden Beitrag geleistet,
um die erste jemals auf dem Verhandlungsweg erzielte Reduzierung von Nuklearwaffen zu verwirklichen.
Aufgrund unseres Realitätssinns
und
unserer
Entschlossenheit
zu
Schritten wie diesen bin ich zuversichtlich, daß wir gemeinsam mit unseren Verbündeten die erforderliche
militärische Stärke aufrechterhalten
können, um bei den RüstungskontrollverhandLungen mit den Sowjets weitreichende und nutzbringende Ergebnisse zu erzielen.
Die gegenwärtig
stattfindenden Gespräche über konventionelle Streitkräfte in Europa beinhalten - wenn wir bei diesem Ansatz
bleiben - die Möglichkeit für mehr
Sicherheit in Europa. Die Absichtserklärung des Generalsekretärs Gorbatschow sein Land werde 50 000 Soldaten, 5,000 Panzer und anderes Gerät
aus Osteuropa abziehen, hat uns im
vergangen Dezember ermutigt. Darüber
hinaus begrüßen wir ähnliche Schritte
anderer Warschauer-Pakt-Staaten.
Obwohl diese Schritte für uns alle einen hoffnungsvollen Anfang bedeuten, werden sie doch das militäri-

sche Ungleichgewicht, das Unsicherheit in Europa zur Folge hat, nicht
aus der Welt schaffen. Wenn diese
Reduzierungen
vollständig
durchgeführt werden, haben die WarschauerPakt-Staaten
gegenüber
den
NATOStreitkräften bei Panzern und Artillerie immer noch einen Vorteil von
zwei zu eins. Schließlich ist eine
Uberquerung der Weichsel immer noch
einfacher als eine Uberquerung des
Atlantiks. Genau diese Vorteile sind
es, die die Möglichkeiten für einen
erfolgreichen konventionellen Angriff
beinhalten und die wir bei den Verhandlungen in Wien ausschalten müssen. Wir sollten bei den Verhandlungen Geduld und Realitätssinn walten
lassen, um ein solches Ziel zu erreichen.

DIE HERAUSFORDERUNG DER SICHERHEIT
Diese
günstigen
Entwicklungen,
die zeitlich in eine Periode innenpolitischer Reformen in der Sowjetunion
fallen, haben in unseren beiden Ländern Hoffnungen geweckt auf entscheidende Veränderungen der Ost-West-Beziehungen. Ich teile diese Hoffnungen, aber der Prozeß des Wandels hat
gerade erst begonnen, der Weg, den
wir noch vor uns sehen, ist noch lang
und viele unbeantwortete Fragen warten auf ihre Lösung.
Es scheint jedoch vielfach die
Auffassung vorzuherrschen, daß die
von uns angestrebten grundlegenden
Veränderungen bereits stattgefunden
hätten oder kurz vor ihrer Verwirklichung stünden.
Es wird behauptet,
unsere Politik der Beibehaltung starker und glaubwürdiger Streitkräfte
bei gleichzeitiger Bereitschaft zu
Rüstungskontrollverhandlungen mit der
Sowjetunion sei nicht mehr zeitgemäß
oder seiin der heutigen Zeit zu gefährlich.
Darauf möchte ich folgende Antwort geben: Die NATO wird auch weiterhin effektive
und glaubwürdige
konventionelle und nukleare Streitkräfte benötigen. Das bedeutet, daß

�wir die für diesen Bereich bestimmten
Ressourcen besser nutzen sollten. Es
bedeutet auch, daß der Umfang unserer
Verteidungsausgaben dem Stand der militärischen Fähigkeiten der Sowjetunion entsprechen muß. Auch die besten Absichten können sich über Nacht
wandeln, aber - was noch wichtiger
ist - eine einseitig geschwächte Verteidigung kann nicht an einem Tag
wiederaufgebaut werden.
Es ist Ihnen sicherlich bekannt,
daß in meinem Land vielfach die Frage
laut wird, ob die Europäer wohl ihren
gerechten Anteil an der gemeinsamen
Verteidigung übernehmen. Diese Frage
ist meiner Meinung nach falsch gestellt. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Halten wir, Europäer
und Amerikaner, die Streitkräfte aufrecht, die wir für unsere Verteidigung benötigen, für den Fall, daß die
Sowjets sich wieder auf ihre früheren
bedrohlicheren Verhaltensweisen besinnen, oder entscheiden sich die
Sowjets dahingehend, daß sie ihre
Streitkräfte doch nicht auf rein defensive Zwecke umstrukturieren.
Meiner Ansicht nach ist eine intensivierte Zusammenarbeit zur Verteidigung Europas entscheidend wichtig. Eine solche Zusammenarbeit kann
nicht automatisch oder über Nacht erfolgen. Wir müssen sie wirklich wollen, und wir müssen den Prozeß echter
Konsultationen innerhalb der NATO als
Fundament unserer gemeinsamen Arbeit
aufrechterhalten.
Die
deutschamerikanische Partnerschaft im westlichen Bündnis ist der Schlüssel zum
Erfolg der NATO.
Ich weiß, daß die Präsenz der etwa 1 Million - deutscher und verbündeter - Soldaten auf dem Territorium
der Bundesrepublik eine besondere Belastung darstellt, die von den Bundesbürgern getragen werden muß. gegenwärtig erarbeiten wir gemeinsam
mit Ihrer Regierung Möglichkeiten,
mit denen die Störungen im Alltag der
Bundesbürger auf ein Mindestmaß beschränkt werden können. Dies werden
wir fortführen.
Als alter Soldat

verstehe ich die Probleme nur zu gut,
die Ausbildung und Manöver für die
Bevölkerung bedeuten, auf deren Territorium sie stattfinden müssen.
Unsere - deutschen und verbündeten - Streitkräfte müssen Übungen abhalten, wenn sie ihre Effektivität
erhalten und unsere gemeinsame Sicherheit sowie die in unserer Strategie vorgesehene Vorneverteidigung gewährleisten sollen.
Unsere Streitkräfte müssen unter realistischen Bedingungen üben, so daß sie im Falle
des Aufrufs zu unserer Verteidigung den Gott verhüten möge - dazu in der
Lage sein würden.
Die Erhaltung der Stärke und Fähigkeiten bedeutet auch den Besitz
der notwendigen modernen - konventionellen und nuklearen - Waffen. In
dieser Hinsicht treten wir in eine
besonders schwierige Phase ein. Viele Menschen in unseren beiden Ländern
vertreten die Auffassung, die militärische Gefahr aus dem Ostblock habe
sich vermindert. Wir sehen aber keine Anzeichen dafür, daß die sowjetische Fähigkeit zur Durchführung eines Angriffs auf den Westen erheblich
geschwächt worden wäre.
Trotz der
von Gorbatschow angekündigten Maßnahmen hält die Rüstungsproduktion im
Osten unvermindert an.
In einer Zeit der Haushaltsdefizite werden die Regierungen unserer
Länder vor eine ausgesprochen schwierige Wahl gestellt. Meiner Ansicht
nach werden jedoch die Westeuropäer
und die Nordamerikaner, wie sie es
schon in der Vergangenheit bewiesen
haben, auch weiterhin die Stärke und
Klugheit besitzen, um die notwendigen
Opfer zur Erhaltung der Effektivität
und Glaubwürdigkeit unserer konventionellen Streitkräfte zu bringen.
Eine
angespannte
Haushaltslage
und die immer ausgefeiltere Technologie machen es mehr denn je erforderlich, verteidigungsrelevante Technologien zu schützen, mit denen wir die
zahlenmäßige
Überlegenheit
unserer
potentiellen Gegner ausgleichen kön-

- 5 -

�nen.
Die COCOM-Mitglieder stärken
ihre Systeme, mit denen sie den Handel mit strategisch wichtigen Gütern
kontrollieren, während sie gleichzeitig die Liste der von uns kontrollierten Güter überarbeiten und auf
ein Mindestmaß beschränken. Die Vereinigten Staaten unterstützen ein^u
Ausbau des Handels mit Osteuropa und
der Sowjetunion, solange er nicht unsere Sicherheit gefährdet. Aber amerikanische Unternehmen haben mehr potentielle Aufträge verloren als irgendein anderes Land, indem sie sich
an ihre COCOM-Verpflichtungen gehalten haben, und unsere Öffentlichkeit
muß die Gewißheit erhalten, daß auch
unsere Verbündeten diesen entscheidenden Bestandteil unserer gemeinsamen Verteidigung weiterhin unterstützen.

den Vereinigten Staaten und ihren
Verbündeten für die kollektive Verteidigung geschlossen wurde.
Wenn
einzelne Verbündete die historische
transatlantische
Verpflichtung
zur
gegenseitigen Verteidigung durch Teilung der Risiken zu unterlaufen suchen, werden damit aller Voraussicht
nach zentrifugale Kräfte im Bündnis
freigesetzt, die für uns alle katastrophale Auswirkungen haben könnten.
Damit hätten wir die wichtigste Lektion der zwei Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ignoriert, die da lautet, daß Sicherheit
nur in einem Kollektiv erreicht werden kann, das gemeinsame Interessen
und Werte über kurzfristige Einzelvorteile stellt.

DIE HERAUSFORDERUNG DES WANDELS
Der Glaube an eine geringere militärische Gefahr aus dem Ostblock
und die Sorge über mögliche Konsequenzen eines Nuklearkrieges haben
Fragen darüber aufgeworfen, ob das
Bündnis wirklich weiterhin auf Nuklearwaffen zurückgreifen sollte.
Auch in diesem Zusammenhang dürfen wir nicht nur auf ein weniger gefährliches
militärisches
Gleichgewicht zwischen Ost und West hoffen.
Wir müssen uns vor Augen halten, daß
diese Waffen seit mehr als vierzig
Jahren zu einem großen Teil den Ausbruch eines Krieges verhindert haben.
Dies ist die längste Friedenszeit in
der neueren Geschichte Europas, wenn
man die Zeit zwischen dem deutschfranzösischen Krieg und dem Ausbruch
des Ersten Weltkrieges ausklammert.
Ob wir nun Kernwaffen befürworten
oder nicht, sie sind in jedem Fall
unerläßlich für die Erhaltung unserer
Fähigkeit, einen Angriff durch die
überlegenen konventionellen Streitkräfte des Warschauer Pakts abzuschrecken. Das bedeutet, wir müssen
unsere Nuklearwaffen gegenüber jeder
Art von militärischer Bedrohung modern und effektiv erhalten.
Dieses Prinzip berührt den Lebensnerv des Bündnisses, das zwischen

Sowohl in Ostais auch in Westeuropa können wir das Potential für
weitreichende Veränderungen erkennen.
Dabei ist es von entscheidender Bedeutung daß wir die Kraft und den
Kurs dieser Veränderungen nicht unter- oder überbewerten.
Veränderungen dieser Art werden
nicht über Nach und auch nicht automatisch erfolgen.
Die grundsätzlichen Entscheidungen für einen solchen
Prozeß werden in Moskau und in den
Hauptstädten
Osteuropas
getroffen.
In Polen können wir zum Beispiel die
vielversprechenden Ansätze und die
Schwierigkeiten beobachten, die mit
einem
solchen Wandel einhergehen.
Dieser hoffnungsvolle Prozeß steht
meiner Ansicht nach noch nicht unwiderruflich fest.
Unvergessen sind
die tragischen Ereignisse vom November 1956 und vom August 1968. Sie
erinnern uns daran, was geschehen
kann.
Der Westen kann eine konstruktive
und wichtige Rolle für die Verbreitung der Freiheit im Osten spielen.
Wir sollten uns aber auch vergegenwärtigen, daß unsere Rolle ihre Grenzen hat, die ihr durch begrenzte Mittel und die gegenwärtigen politischen

�Bedingungen gesteckt sind. Aufgrund
dieser Einschränkungen und der im
Ostblock
zu treffenden Grundsatzentscheidungen müssen wir in unseren
Erwartungen geduldig und realistisch
bleiben.
Dennoch glaube ich, daß sowohl
die Zeit als auch der unstillbare
Durst unserer Zeitgenossen nach Freiheit schließlich in ganz Europa die
demokratischen
Ideale
triumphieren
lassen werden, die bisher nur den Westen verbinden.
Darüber
hinaus
kündigen
sich
große Veränderungen in Westeuropa an.
Ich befürworte seit langem den Gedanken eines Europas ohne Grenzen und
freue mich über die Hinwendung zum
Binnenmarkt. Angesichts der jetzt in
der Europäischen Gemeinschaft wahrgenommenen Impulse hoffe ich, daß viele
Träume von Politikern wie Monnet, De
Gasperi und Adenauer Wirklichkeit
werden.
Als ich im Mai 1948 mit
Avereil Harriman nach Europa kam, um
den Marshall-Plan zu verwirklichen,
zielte unsere Hilfe bereits auf eine
europäische Einheit ab.
Als
ich
vor
einigen
Tagen
Washington verließ, schlugen die Wogen des Interesse an dem Geschehen in
Europa immer noch hoch. Genau wie
ich, sehen viele darin die echte Möglichkeit zur Verwirklichung von John
F. Kennedy's Traum einer atlantischen
Gemeinschaft, die von gleich starken
amerikanischen und europäischen Säulen getragen wird.
Sie sehen auch
die möglichen Vorteile eines europäischen Marktes, in dem künstliche innere Schranken abgebaut und damit in
Europa Energien und verstärkter Wettbewerb zum allseitigen Vorteil freigesetzt werden.
Andererseits muß ich offen zugeben, daß es in den Vereinigten Staaten auch Stimmen gibt, die in der
Schaffung des Binnenmarktes Grund zur
Sorge sehen. Vertreter dieses Standpunktes sind besorgt darüber, daß der
schwierige Entscheidungsprozeß, mit
dem sich die EG konfrontiert sieht,

Kompromisse hervorbringt, die dem
amerikanischen Zugang zu und der Präsenz auf dem europäischen Markt abträgligh sind. Sie sind ferner besorgt darüber, daß sich protektionistische Tendenzen wie sie etwa in der
europäischen Landwirtschaft bestehen,
verstärken könnten.
Wir Amerikaner stehen hier vor
einer
Herausforderung.
Präsident
Bush und vor ihm Präsident Reagan sahen sich wiederholt protektionistischem Druck in unserem eigenen Land
ausgesetzt.
Wenn wir diesen Druck
erfolgreich bekämpfen wollen, müssen
wir beweisen können, daß sich auch
die EG für den freien Handel einsetzt
und die ihm im Weg stehenden Schranken niederreißen kann.
Ich weiß, daß die Regierung der
Bundesrepublik ein offenes Welthandelsystem befürwortet.
Wir müssen
weiterhin intensiv zusammenarbeiten,
um zu gewährleisten, daß wir in diesem Bereich unser Ziel erreichen können.
Ich möchte noch weitere Aufgabengebiete ansprechen, die meines Wissens für Präsident Bush von großer
Bedeutung sind.
Es sind Probleme,
die über Landesgrenzen hinausgehen
und die nur durch internationale Zusammenarbeit gelöst werden können.
Schon bald wurde mir klar, daß diese
Probleme auch für die Bundesbürger
ein ernstes Anliegen darstellen.
Das erste dieser Aufgabengebiete
besteht in dem gemeinsamen Schutz unserer Umwelt. Dabei kann ich nicht
ohne Stolz feststellen, daß die Vereinigten Staaten schon seit einiger
Zeit auf diesem Gebiet eine Pionierrolle übernommen haben, indem sie
dieses Problem erkannt und Schritte
zu dessen Bewältigung in die Wege geleitet haben. Obwohl wir schon gewisse
Erfolge
verbuchen
können,
bleibt noch viel zu tun. Wir müssen
das Problem des Umweltschutzes auf
internationaler Ebene angehen, und
dabei nimmt die Zusammenarbeit zwischen Ost und West in unserem gemein-

- 7 -

�samen Kampf einen zentralen Stellenwert ein.
Das Krebsgeschwür des internationalen Terrorismus ist eine weitere
Aufgabe, die unseren ganzen Erfindungsreichtum und unsere Energie herausfordert.
Durch ihre Zusammenarbeit auf diesem Gebiet haben die
westlichen
Industrienationen
ihre
Verteidigung gegen diese Geißel der
Menschheit schon verbessert.
Dabei
weiß ich die hohe Qualität der Zusammenarbeit zwischen dem Nachrichtendienst und der Justiz in der Bundesrepublik Deutschland mit den amerikanischen Behörden außerordentlich
zu schätzen.
Die jüngsten Schlagzeilen haben
erneut die Aufmerksamkeit auf die
Herausforderung gelenkt, die im Verbot der Verbreitung chemischer Waffen
und den Mitteln zu ihrer Herstellung
liegt. Meiner Ansicht nach haben wir
jetzt eine solide Grundlage für bilaterale Zusammenarbeit auf diesem Gebiet geschaffen. Darüber hinaus versuchen wir, die mit der Bewältigung
dieses Problems befaßten internationalen Institutionen zu verstärken.
Die von Außenminister Baker im vergangenen Monat in Wien erhobene Forderung einer Konferenz mit Vertretern
von Regierung und chemischer Industrie ist ein erster Schritt in diese
Richtung.
Die Regierung
der Vereinigten
Staaten hat sich ferner der Arbeit an
einem
internationalen Vertrag zur
Ächtung aller chemischen Waffen verpflichtet.
Dies ist eine außerordentlich schwierige Aufgabe, da die
Probleme der Verifizierung so vielschichtig sind.
Dennoch sind wir
entschlossen, mit unseren europäischen Verbündeten - einschließlich
der Bundesrepublik Deutschland - zusammenzuarbeiten, um so bald wie möglich
einen wirksamen Vertrag zu
schließen.
Der Kampf zur Eindämmung des illegalen internationalen Drogenhandels
wird von unseren Regierungen mit al-

len verfügbaren Mitteln geführt. Im
Bereich der Wirtschaft ist die Schuldenkrise der Entwicklungsländer - wie
durch die jüngsten Ereignisse in Venezuela dramatisch belegt wird - ein
weiteres Beispiel für ein Problem,
das wirksamer multilateraler Maßnahmen bedarf.
Ich habe hier nur einen Teil der
wachsenden Anzahl von Problemen angeschnitten, die von der internationalen Völkergemeinschaft bewältigt werden müssen. Uns ist die Dringlichkeit von Lösungsvorschlägen wohl bewußt, und wir werden gemeinsam mit
unserer Regierung daran arbeiten.

RETROSPEKTIVE UND PERSPEKTIVEN
Unsere Erfahrungen der vergangenen vierzig Jahre sowie die Errungenschaften der letzten Jahre haben mich
gelehrt, daß ein uneingeschränktes
Engagement unserer beiden Kontinente
bei der Gestaltung eines stabilen Umfeldes für friedlichen Wandel weiterhin unerläßlich ist. Schließlich leben wir alle auf einem Planeten, der
von Jahr zu Jahr kleiner wird.
Ich bin voll und ganz davon überzeugt, daß die von Deutschen und
Amerikanern hervorgebrachte einzigartige Partnerschaft auch in den kommenden Jahrzehnten ein zentrales Element unserer Welt bilden wird. Es
handelt sich hierbei nicht nur um ein
Frage der Wechselwirkung auf den Gebieten
Politik,
Verteidigung
und
Wirtschaft. Diese Beziehungen waren
und werden von starken Grundfesten
persönlicher Freundschaften, geistiger Verbundenheit
und gemeinsamer
Werte getragen.
Es bedarf besonderer Bemühungen,
dieses Netzwerk unserer gegenseitigen
Beziehungen zu erweitern. Der Generation, deren freundschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten
in
der
Nachkriegszeit
entstanden
sind, folgt nun eine jüngere Generation, die den Wiederaufbau nach dem
Krieg nicht selbst erlebt hat und die

�nicht Zeuge des unglaublichen Wunders
war, das von Ihren Landsleuten beim
Wiederaufbau des verwüsteten Deutschlands der Nachkriegszeit vollbracht
wurde - und dieses Wunder konnte
vollbracht werden, ohne daß Sie Ihre
Freiheit dafür opfern mußten.

müssen.
Ich darf Ihnen versichern,
daß Präsident Bush und Außenminister
Baker keinerlei Zweifel an der Loyalität unserer deutschen Freunde bezüglich
gemeinsamer
Vorstellungen
oder der Prinzipien des Atlantischen
Bündnisses hegen.

Bundeskanzler Kohl, von der Bedeutung
der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen tief überzeugt, ist sich
dieser Herausforderung voll und ganz
bewußt. Im Hinblick auf die Zukunft
der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinigten Staaten bin ich voller Zuversicht. Wir Amerikaner sind fest entschlossen, diese Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit unseren deutschen
Freunden in Angriff zu nehmen.

Allerdings bestehen Gelegentlich
ernsthafte
Meinungsverschiedenheiten
im Hinblick auf den Wesensgehalt bestimmter politischer Maßnahmen. Wenn
dem so ist, sollten wir objektiv an
den Kern der Sache herangehen.

Als ein Leitmotiv meiner Gedanken
heute betrachte ich die Notwendigkeit, in den vor uns liegenden Jahren
das richtige Gleichgewicht zwischen
Kontinuität und Wandel herzustellen.
Ich bin zutiefst davon überzeugt, daß
die weltweit stattfindenden positiven
Veränderungen
nur deshalb möglich
sind, weil wir unsere Politik stark
und konsequent durchsetzen und uns
über Grundsätzliches einig sind. Angesichts der neuen Herausforderungen
sollten wir das was wir aus der Geschichte gelernt haben, hier auf's
Neue anwenden.
Innerhalb der atlantischen Staatengemeinschaft ist die deutsch-amerikanische Beziehung gesund und dynamisch. Wir blicken auf eine Tradition enger Konsultationen und Kooperation zurück, eine Tradition, die
heute fortbesteht und auch in Zukunft
fortbestehen muß.
Wir sehen uns jedoch mit Gefahren
konfrontiert, die vermieden werden
müssen, wenn unsere Partnerschaft
weiterhin gedeihen soll. Auf deutscher Seite nehme ich eine Tendenz zu
der Auffassung wahr, die Bundesrepublik werde ungerechterweise zur Zielscheibe amerikanischer Kritik.
Das
gibt mir das Gefühl, ständig ihre
Loyalität unter Beweis stellen zu

In den Vereinigten Staaten müssen
wir die Tendenz bekämpfen, daß einzelne Streitpunkte manchmal die bilaterale
Tagesordnung
überschatten.
Dies zu tun erfordert unsererseits
Selbstdisziplin und ein gesundes Gefühl für Prioritäten.
In der Verwirklichung dieses Ziels sehe ich
meine Aufgaben.
Im Grunde meines Wesens bin ich
Optimist. Darunter verstehe ich, daß
ich Vertrauen in unsere Fähigkeit
setze, unsere Zukunft mit Vernunft
und gemeinsamen Vorgehen zu gestalten. Ein rationaler Ansatz in den
vor uns liegenden wichtigen Zeiten
erfordert von uns, Lehren aus unseren
bisherigen Erfolgen oder Fehlschläge
zu ziehen.
Die vor uns liegenden Aufgaben
können nur dann bewältigt werden,
wenn wir nach diesen historischen
Lehren vorgehen. Was die Zukunft der
deutsch-amerikanischen
Beziehungen
betrifft, bin ich zuversichtlich, daß
wir Amerikaner unseren Beitrag leisten werden.
Gleichzeitig besitze
ich bezüglich unserer gemeinsamen
Ziele ein unbegrenztes Vertrauen in
das deutsche Volk.

- 9 -

�AMERIKA DIENST
%roN^

Dokumentation
26. April 1989

17

CHENEY: ABKOMMEN ÜBER KONVENTIONELLE STREITKRÄFTE VON GRÖSSERER TRAGWEITE
- Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe (Auszüge) -

BRÜSSEL - (AD) - Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Abschluß der Frühjahrstagung der Nuklearen Planungsgruppe (NPG) der NATO erklärte der amerikanische Verteidigungsminister Cheney am 20. April 1989 in Brüssel, die Frage
von Verhandlungen zwischen NATO und Warschauer Pakt über die nuklearen Kurzstreckensysteme sollte "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" nußer acht gelassen werden, da die gerade stattfindenden Verhandlungen über die konventionellen
Streitkräfte "von größerer Tragweite und von größerer Bedeutung sind". Die
Sowjets waren "stets um ein entnuklearisiertes Europa bestrebt", weil sie dadurch in der Lage sein würden, ihre "überwältigende Überlegenheit im konventionellen Bereich" ins Spiel zu bringen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus der Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe im Wortlaut:
Wörner: Meine Damen und Herren,
bei unserem Treffen der NPG haben wir
die in den vergangenen Monaten geleistete Arbeit überprüft.
Wir haben
Orientierungspunkte
geliefert, mit
deren Hilfe die Arbeit im Einklang
mit unserem stufenweisen Ansatz weitergeführt werden kann. Wir haben
ein breites Spektrum von Fragen diskutiert. Wie Ihnen bekannt ist, waren bei diesem Treffen keinerlei Entscheidungen zu fällen.
Der amerikanische Verteidigungsminister hat uns über die Modernisierung der sowjetischen Atomstreitkräfte informiert. Dabei wurde uns deutlich vor Augen geführt, daß die Sowjets ihre Streitkräfte modernisiert
haben und dies auch in Zukunft tun
werden.
Ferner
trug der SACEUR
(Oberster Alliierter Befehlshaber in

United States Information Service
Embassy of the United States of America

Europa) seine Analyse der künftigen
Erfordernisse im Nuklearbereich vor.
Wie Sie dem Kommunique entnehmen können, herrscht Übereinstimmung über
die Grundlage unserer künftigen Arbeit.
Cheney:
Dies war meine erste
Teilnahme an einem Treffen der NPG
seit meiner Berufung zum Verteidigungsminister, und von diesem Standpunkt aus war es ein interessantes
und informatives Erlebnis. Ich teile
die Ansicht des Generalsekretärs, daß
dies eine produktive Sitzung war, in
der wir viel geleistet haben. Ich
bin befriedigt, daß das veröffentlichte Kommunique die Tatsache widerspiegelt, daß wir zur Fortsetzung unseres stufenweisen Ansatzes in der
Lage sind, um ein wirksames und
glaubwürdiges
Abschreckungspotential

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D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�aufrechtzuerhalten, dem in der Strategie des Bündnisses eine Schlüsselfunktion zukommt.
Wie Manfred schon sagte, haben
wir einige definitive Informationen
zu dem Vortrag, der über die Modernisierung sbe mühungen der Sowjets J.a
Hinblick auf ihre Kurzstreckeudysteme
gehalten wurde. Es gibt dazu eine
Übersicht, die wir am Ende dieser
Pressekonferenz verteilt werden wird.
Cheney:
Das werde ich gern
tun. Eine der Entwicklungen, die ich
im Verlauf unserer Gespräche und Beratungen begrüßt habe, war der von
mir gewonnene Eindruck - und hierzu
hat sicher jeder Minister seine eigene Meinung -, eines Konsenses im
Bündnis, daß wir die Neigung zu einer
dritten Null-Lösung um jeden Preis
vermeiden müssen.
Das Kommunique bezieht sich insbesondere darauf, daß unsere Strategie der Abschreckung auch in absehbarer Zukunft sowohl konventionelle
als auch nukleare Streitkräfte erfordert. Bei dieser Konferenz haben wir
erneut unsere Entschlossenheit bekundet, zu gewährleisten, daß die NATO
in ihrem gesamten Spektrum eine Vielfalt Uberlebensfähiger und im Einsatz
flexibler
Nuklearstreitkräfte
besitzt. Meines Erachtens muß man von
der Annahme ausgehen, daß Kernwaffen
im Hinblick auf unsere Verteidigungshaltung weiterhin wichtiger Bestandteil einer effektiven Abschreckung
sind.
Das Problem
von Verhandlungen
über
nukleare
Kurzstreckensysteme
sollte meiner Ansicht nach zum gegenwärtigen Zeitpunkt außer acht gelassen werden, da den gegenwärtigen Bemühungen zur Aushandlung eines Abkommens über konventionelle Streitkräfte
von größerer Tragweite und größerer
Bedeutung zukommt.
Die Sowjets waren stets um ein
entnuklearisiertes Europa bestrebt.
Das war immer schon eines ihrer strategischen Ziele und ein Kurs, den sie
in Verhandlungen zur Beseitigung der

Atomwaffen aus Europa verfolgten, damit dann ihre überwältigende Überlegenheit im konventionellen Bereich zu
Tragen käme. Ihr käme dann größere
Bedeutung zu als heute. Es wäre ein
Fehler, sich unsererseits zu einer
Zeit auf Verhandlungen über nukleare
Kurzstreckensysteme einzulassen, da
die Sowjets weiterhin solch einen
überwältigenden
Vorsprung
bei den
konventionellen Fähigkeiten haben.
Frage: Ich möchte Herrn Cheney
noch eine Frage stellen. Natürlich
bestehen im Bündnis erhebliche Meinungsunterschiede zur Modernisierung
oder zum Ersatz der Lance-Rakete.
Ich möchte Herrn Cheney fragen, ob
überhaupt Fortschritte im Hinblick
auf eine Entscheidung über Lance erzielten wurden, und wenn ja, welche?
Cheney:
Ich möchte dazu nochmals unterstreichen, was Manfred zu
Beginn der Konferenz betonte:
bei
dieser Zusammenkunft sollten keine
"Entscheidungen
getroffen"
werden.
Das Treffen diente einer ersten Information über die von SACEUR durchgeführte Untersuchung zu den Erfordernissen für Atomwaffensysteme. Genau das erfolgte, und wir erhielten
die von der High Level Group erarbeitete Studie.
Jetzt ist dies ein kontinuierlicher Prozeß.
Seit einiger Zeit
gibt es Bestrebungen zum schrittweisen Vorgehen bei der Erhaltung unserer glaubwürdigen Fähigkeit zur Abschreckung. Meiner Ansicht nach nahm
die Konferenz ihren erwarteten Verlauf. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, daß zu diesem Zeitpunkt keine Notwendigkeit für eine Entscheidung zur Stationierung eines bestimmten Systems bestand. Im vorliegenden
Kommunique werden unsere Interessen
ausreichend berücksichtigt, so daß
ich dem Kongreß diesen Fall vorlegen
kann, damit die zur Finanzierung von
Forschung und Entwicklung dieser Systeme notwendigen Mittel bewilligt
werden können.
Frage:
Werden Sie die in Absatz 6 angesprochenen Punkte voran-

- 2 -

�treiben?
Überschreitet
dies ihre
Kompetenzen, wie
es im Pentagon
heißt?
Wird dies eine politische
Entscheidung sein?
Es heißt, daß
diese Entscheidungen in einem umfassenderen politischen Kontext getroffen werden - heißt das, diese Entscheidung wird nicht von Ihnen allen
getroffen?
Cheney:
Dazu sollte angemerkt
werden, daß Entscheidungen von dieser
Tragweite im Bündnis auch eine technische und eine militärische Dimension haben, die Entscheidungen darüber aber von den Politikern der beteiligten Länder getroffen werden.
Das ist ein Bündnis souveräner Staaten, und in allen beteiligten Ländern
wie auch unter uns gibt es gesunde
politische Debatten. Ich erwarte also, daß endgültige Entscheidungen
über
die
Beibehaltung
effektiver
Streitkräfte auf dem neuesten Stand
in diesem Rahmen getroffen werden.
Frage:
Absatz 5 des Kommuniques beginnt mit dem Satz: "Im Einklang mit unserem schrittweisen Ansatz, demzufolge Entscheidungen getroffen werden, wenn dies erforderlich ist." Meine Frage lautet, welche Art von Entscheidung wird bis
1991-92 notwendig sein?
Nur eine
Entscheidung über das wann und wo der
Modernisierung, oder auch über die
Frage der Modernisierung an sich?
Cheney:
Meiner
Ansicht
nach
ist die Frage des "ob" der Modernisierung
bereits grundsätzlich Bestandteil des Kommuniques in dem Sinne, daß wir über die Bedeutung der
Aufrechterhaltung der Nuklearfähigkeit sprechen -, daß die NATO tatsächlich ein Vielfalt von überlebensfähigen, operativ flexiblen Nuklearstreitkräften über das gesamte Spektrum besitzt.
Diese Streitkräfte
müssen auf dem neuesten Stand gehalten werden, wo dies erforderlich ist.
Der Generalsekretär hat bereits
das Datum angesprochen, zu dem die
Lance voraussichtlich veraltet sein
wird - Mitte der neunziger Jahre.
Ich glaube, man kann davon abweichen

und sagen, daß wir hoffentlich bis
1991 oder 92 bestimmte Entscheidungen
im Hinblick darauf getroffen haben
werden, welche Systeme stationiert
werden. Aber an diesem Punkt sind
wir eindeutig noch nicht angelangt.
Im Moment besteht kein Bedarf für
solche klaren Entscheidungen.
Und
aus diesem Grund finde ich akzeptabel, was in das Kommunique aufgenommen worden ist.
Frage:
Herr
Verteidigungsminister, kürzlich sagten Sie, ich zitiere:
"Meiner Ansicht nach müssen
wir im Hinblick auf Nuklearraketen
kürzerer
Reichweite
Verhandlungen
aufnehmen."
Zumindest ein anderes
Land vertritt den Unterlagen zufolge
die Meinung, daß dies letztlich vielleicht doch gar keine so schlechte
Idee ist.
Könnten Sie dazu vielleicht einige Ausführungen machen,
und eventuell auch Generalsekretär
Wörner?
Cheney: Natürlich kann ein anderes Land diese Ansicht vertreten.
Wir teilen sie zu diesem Zeitpunkt
jedoch nicht. Ich glaube, wir haben
die Position der amerikanischen Regierung hinreichend klargestellt, daß
Verhandlungen über Nuklearstreitkräfte kürzerer Reichweite heute nicht
angebracht
sind.
Herr
Minister
Younger hat sehr offen eine Meinung
vorgebracht, die ich teile - nämlich,
daß die Betonung im Hinblick auf das
europäische
militärische
Gleichgewicht heute primär auf konventionelle
Waffen gelegt werden sollte, und
nicht auf Nuklearstreitkräfte kürrzerer Reichweite.
Wörner:
Ich möchte nur hinzufügen, daß diese Frage zweifelsohne
im Rahmen des Gesamtkonzepts erörtert
werden wird. Und zweitens unterhält
die Sowjetunion heute noch immer
vierzehnmal soviele Waffensysteme wie
wir. Um ihren guten Willen unter Beweis zu stellen, fordern wir sie zu
Reduzierungen auf.
Ich wiederhole,
was ich in Washington gesagt habe warum nicht reduzieren. Wir haben in
den vergangengen fünf Jahren einseitig 2 400 nukleare Gefechtsköpfe ab-

- 3 -

�gebaut - das entspricht einem Drittel
unseres Nuklearpotentials - und die
Sowjets haben um keinen einzigen reduziert. Sie haben den Abbau von 24
Systemen angekündigt - verglichen mit
2 400 - es bleibt also genug Raum für
weitere Schritte ihrerseits.
Frage:
Herr
Generalsekretär,
in Brüssel vernimmt man Gerüchte, die
Bundesrepublik Deutschland würde zu
einem NATO-Partner geringerer Qualität, nachdem es ihr bis heute nicht
gelungen ist, eine Entscheidung über
die Modernisierung zu treffen und sie
die Verlängerung des Wehrdienstes auf
18 Monate zurückgenommen hat. Wie
denken Sie darüber?
Wörner: Es steht mir nicht zu,
nationale Entscheidungen zu kommentieren, aber ich möchte zwei Bemerkungen machen. Erstens hege ich keinerlei Zweifel, daß die Bundesrepublik weiterhin ein verläßliches Mitglied
des Bündnisses sein wird.
Zweitens gehe ich davon aus, daß die
Bundesrepublik Deutschland ihrer Verpflichtung nachkommen und die für die
NATO notwendigen Streitkräfte aufrechterhalten wird.

Frage:
Herr
Verteidigungsminister Cheney, unabhängig davon, ob
Entscheidungen getroffen worden sind
oder nicht, wurden bei dieser Sitzung
irgendwelche
alternativen
erwähnt,
auf die man im Notfall zurückgreifen
kann, wenn die Lance oder andere Systeme nicht modernisiert werden, zum
Beispiel Gespräche über größeres Vertrauen in die in Großbritannien stationierten Bomber? Wurde eine solche
Alternativlösung zur Modernisierung
erwähnt?
Cheney:
Zumindest
in
keinem
der Gespräche, an denen ich teilgenommen habe.

* * * * *

�AMERIKA DIENST
Dokumentation
26. April 1989

17

HOWE:

USA DÜRFEN SICH NICHT VON EUROPA ABKOPPELN

- Interview mit dem britischen Außenminister -

WASHINGTON - (AD) - Die Sicherheit Westeuropas und Nordamerikas hängt in
erster Linie von der Geschlossenheit der NATO ab, erklärte der britische
Außenminister Sir Geoffrey Howe im amerikanischen Fernsehen am 18. April 1989.
Da die Sowjetunion versuche, die Vereinigten Staaten von Europa abzukoppeln,
müsse der Westen sicher sein, daß Gorbatschows Vorschlag für "ein gemeinsames
Haus Europa" die Vereinigten Staaten nicht ausschließe.
Nachfolgend veröffentlichen wir das in der Sendung MacNeil/Lehrer News
Hour am 18. April 1989 geführte Interview mit dem britischen Außenminister.
Koproduzent der Sendung war WNET-TV und MACNEIL/LEHRER GANNET PRODUCTIONS.
Copyright (c) 1989 Educational Broadcasting Corporation and GWETA.
Rechte vorbehalten).
Frage: Welches Thema stand bei
Ihrem Besuch bei Präsident Bush im
Weißen Haus an erster Stelle?
Antwort:
Das Hauptthema war
natürlich der gesamte Komplex der
Ost-West-Beziehungen, da wir erst
kürzlich mit Staats- und Parteichef
Gorbatschow
und
Außenminister
Schewardnadse in London zusammengetroffen sind und das NATO-Gipfeltreffen in Kürze stattfindet. Weitere
Gesprächsthemen waren das südliche
Afrika und der Nahe Osten.
Frage: Gibt es aus Ihrer Sicht
irgendwelche größeren Probleme mit
den bevorstehenden Rüstungskontrollgesprächen?
Antwort!

Nicht

im

mindesten.

United States Information Service
Embassy of the United States of America

(Alle

Meiner Ansicht nach müssen wir die
sich uns im Bereich der Rüstungskontrolle bietenden Chancen so gut
wie möglich nutzen, um die RUstungskontrollgespräche in die Wege zu leiten und zu einem fruchtbaren Ende zu
bringen. Gleichzeitig müssen wir jedoch auch die Bereitschaft der Bevölkerung
aufrechterhalten,
effektive
Verteidigungs- und
Sicherheitskräfte
zu unterhalten. Beides gleichzeitig
ist ziemlich schwierig.
Frage: Warum?
Antwort;
Die Menschen
geben
sich gerne dem Glauben hin, daß sowieso alles abgeschafft wird und die
Zukunft rosig aussieht. Wenn wir also Truppenreduzierungen vornehmmen,
warum nicht gleich die ganze Vertei-

Postfach 20 03 00
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Tel.: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�digung abschaffen?
Ich übertreibe
natürlich, aber die Tatsache bleibt
bestehen, daß wir unsere atomaren Fähigkeiten
aufrechterhalten
müssen;
wir müssen sie auf dem gebotenen
Stand halten, aber gleichzeitig das
generelle Klima der Beziehungen verbessern.
Frage:
Hat das etwas mit der
anscheindend anhaltenden Skepsis zu
tun, die zumindest in Großbritannien
über Gorbatschow und seine Absichten
vorherrscht?
Antwort:
Ich glaube nicht nur
in Großbritannien.
Meiner Ansicht
nach haben wir hier in Großbritannien
mehr als alle anderen Gorbatschow ein
gutes Gelingen gewünscht und hoffen
auf Erfolg für seine bewundernswerte
Aufgabe, die sowjetische Wirtschaft
von Grund auf umzugestalten.
Wir
wünschen ihm, daß sich auch in der
Außenpolitik ein positiveres Denken
breit macht - das befürworten wir uneingeschränkt.
Aber wer weiß, ob er Erfolg haben
wird? In der Sowjetunion sind noch
immer sehr mächtige Kräfte am Werk,
die das starke militärische Einsatzkonzept aufrechterhalten wollen. Was
geschieht, wenn er keinen Erfolg hat?
Wir müssen die Ereignisse im historischen Kontext betrachten und uns
auf das Schlimmste gefaßt machen,
während wir auf das Beste hoffen.
Frage:
Besteht
denn
Skepsis
bezüglich Gorbatschow selbst und seinen Absichten?
Antwort:
Das glaube ich eigentlich nicht. Wenn man seine Reden
liest, hat er meiner Ansicht nach erkannt, daß man mit Zwangsarbeit im
Hinblick auf Wirtschaft und Politik
schlechte Karten hat - er muß ganz
von vorne anfangen. Wenn ihm das gelingt, muß er einige der abschreckenden
außenpolitischen
Verwicklungen
überdenken, in die sich die Sowjetunion
hineinmanövriert
hat.
Die
Truppen werden aus Afghanistan abgezogen. Bei Kuba wartet er noch immer

auf eine Gegenleistung für all das
Geld, das in dieses Land geflossen
ist - um nur einige Beispiele zu nennen.
Andererseits unterhält er noch
immer einen mächtigen, enormen Bestand an chemischen Waffen. Er hat
noch immer eine riesige Armee und
Auswahl an Streitkräften - zwei- oder
dreimal größer als die der NATO ;n
Europa. Man muß also alle Aspekte
der Person Gorbatschow und seiner Politik berücksichtigen.
Frage:
Es wurde Kritik laut,
daß der Westen die Antwort auf den
von Moskau unterbreiteten Vorschlag
über einen umfassenden Abbau der konventionellen Rüstungen verzögert hat.
Können Sie dazu etwas sagen?
Antwort:
Das ist nicht richtig. Man muß sich vor Augen führen,
daß der Westen seit Jahren auf Fortschritte bei der Rüstungskontrolle
gedrangt hat - bei chemischen, nuklearen und in Europa vor allem bei konventionellen Waffen - da die Sowjets
bei Panzern, Artillerie usw. weit
überlegen sind.
In diesem Bereich
wollen wir Fortschritte sehen.
Vor erst sechs Wochen habe ich in
Wien die Vorschläge des Westens zu
einem sehr umfassenden Abbau dieser
Waffenkategorien unterbreitet und die
Sowjetunion hat jetzt im Versuch,
diese zu überbieten, noch drastischere Vorschläge gemacht. Nachdem wir
zehn Jahre lang versucht haben, sie
überhaupt zu einem Schritt zu bewegen, würden wir eine Antwort auf die
jetzt von uns unterbreiteten Angebote
und Forschritte in diesem Bereich begrüßen.
Frage: Abgesehen von Ihrem Gespräch mit dem Präsidenten waren Sie
heute auch auf dem Capitol Hill. Ein
Kongressabgeordneter, der Vorsitzende
des Streitkräfteausschusses des Repräsentantenhauses, Les Aspin, hat
vor kurzem erklärt, die Position der
NATO sei zu vorsichtig und würde dem
Wunsch des Westens nach Kürzung der

- 2 -

�Verteidigungausgaben nicht gerecht.
Wurde dieses Thema heute erneut angesprochen?
Antwort:
Natürlcih haben wir
darüber gesprochen. Wir kommen jedoch auf den gleichen Punkt zurück.
Jahrelang haben wir versucht, bei der
Rüstungskontrolle
Fortschritte
mit
der Sowjetunion zu erzielen. Schließlich ist es uns gelungen, ihre Zustimmung zur Aufnahme neuer Gespräche
zu gewinnen, nachdem die gescheiterten
Verhandlungen
beendet
worden
sind. Wir haben drastische Vorschläge unterbreitet, damit sie ihre Überlegenheit abbauen und gleichzeitig
unsere eigene Gesamtzahl verringert.
Wir wollen, daß sie ernsthaft darüber
verhandeln.
Die Vorschläge kommen
gerade frisch aus der Druckerpresse,
also steht es uns nicht an, sie schon
wieder beiseite zu legen und neue zu
produzieren. Man muß erst einmal gehen lernen, bevor man laufen kann.
Hier müssen Fortschritte erzielt werden.
Frage:
gesagt?

Haben Sie das Les Aspin

Antwort:
Das habe ich allen
gesagt, die heute im Verlauf des Tages getroffen habe.
Frage:
reagiert?

Und

wie

hat

er darauf

Antwort:
Nun, sicherlich hat
die Medaille auch eine Kehrseite, die
ich aber nicht akzeptiere. Ich bin
nicht gegen eine erfolgreiche Rüstungskontrolle
eingestellt.
Wir
möchten Fortschritte erzielen, und
wir in Großbritannien haben eine bedeutende Rolle bei deren Förderung
gespielt. Wir sollten jedoch Schritt
für Schritt in einer realistischen
Art und Weise vorgehen.
Frage: Wie steht es dann mit
dem anscheinend ziemlich weit verbreiteten
und
teilweise
von
Gorbatschows charismatischen Besuchen
in der ganzen Welt hervorgerufenen Eindruck, demzufolge er mehr an der

Verringerung von Waffen interessiert
ist als die NATO. Stellt dieser Eindruck für Sie ein Problem dar und
stimmen Sie zu, daß es ihn wirklich
gibt?
Antwort:
Meines
Erachtens
stellt er aus zwei Gründen ein Problem dar. Erstens, weil die Menschen
schon so lange daran gewöhnt sind,
mit einer unbeweglichen sowjetischen
Führung zu leben, so daß der Wechsel
zu Gorbatschow, einem handfesten Politiker, der über reale Probleme mit
einem menschlichen Ansatz spricht,
den Menschen ein großes Gefühl der
Erleichterung
vermittelt.
Danach
sollten sie sich anschauen, was wirklich geschieht. Bedenken Sie, daß er
diese riesige Überzahl an Waffen aller Art besitzt.
Und wie ich gestern schon erklärt
habe, kann er aus einem gut ausgestatteten Hut noch lange Zeit gut bewaffnete Hasen herausziehen. Er hat
eine Menge Waffen mehr abzubauen als
wir. Die Menschen müssen also gewarnt werden, ohne daß man ihnen nun
sagt, Herr Gorbatschow sei kein guter
Kerl, ohne ihnen zu sagen, wir sollen
ihm nicht stets vertrauen, aber indem
wir ihnen einfach sagen: "Wir müssen
sorgfältig beobachten, was wirklich
vorgeschlagen wurde, weil sie immer
noch ein großes Waffenarsenal besitzen, weil sie immer noch mehr chemische Waffen haben als der Rest der
Welt zusammen und weil sie immer noch
mehr Panzer als die NATO und der Warschauer Pakt zusammen besitzen." Es
ist also noch ein langer Weg zurückzulegen. Wir sind bereit, mit ihm
diesen Weg zu gehen, aber wir sollten
dabei Vorsicht walten lassen.
Frage:
Was sagen sie denjenigen, die der Meinung sind, die NATO
sollte noch über die von Gorbatschow
vorgeschlagenen
Streitkräftereduzierungen hinausgehen und bis auf die
Hälfte heruntergehen, wenn der Warschauer Pakt ebenfalls bis auf dieses
Niveau reduziert? Ist das ein gänzlich unrealistischer Vorschlag?

- 3 -

�Antwort:
Nun, es wäre meines
Erachtens ein Versuch, zu laufen bevor man in der Lage ist zu gehen.
Wenn man die Situation des Warschauer
Pakts betrachtet, mit etwa dreimal so
vielen der wichtigsten Waffensysteme
wie Panzern und Artillerie wie wir,
und wenn wir dann sagen, "in Ordnung,
laßt uns beginnen, laßt uns erhebliche Reduzierungen auf unserer Seite
vornehmen und laßt uns auf Eurer Seite Reduzierungen vornehmen, um dasselbe Niveau wie bei uns zu erzielen", dann müssen sie erheblich mehr
Waffen beseitigen als wir, weil sie
ohnehin schon dreimal soviel haben
wie wir. Wir sollten sehen, ob sie
es damit ernst meinen.
Wenn sie
wirklich darauf eingehen, wenn sie
wirklich ihre enorme Panzerproduktion
einstellen, die heute noch stattfindet - sie stellen weiterhin neue Panzer her, neue U-Boote. Es gibt also
noch genug Zeit, um noch dramatischere Pläne zu schmieden, wenn wir diesen hier unter Dach und Fach haben.
Frage:
Betrachten
wir
Gorbatschows Vorschläge und seine
Auftritte in der ganzen Welt sowie
sein Reden von einem "gemeinsamen
europäischen Haus", das meines Erachtens die UdSSR, nicht jedoch die Vereinigten Staaten einbezieht - was beabsichtigt er Ihrer Meinung nach damit?
Antwort:
Nun, meines Erachtens
ist das "gemeinsame europäische Haus"
ein attraktives Schlagwort. Er hat
von einem "gemeinsamen pazifischen
Haus" gesprochen. Er hat sogar schon
von einem "gemeinsamen arktischen
Haus" gesprochen. Er hat eine ganze
Menge Häuser in seinen Plan eingearbeitet. Die Wahrheit ist aber, daß
das europäische Haus, in dem die europäische Zivilisation - Menschenrechte, Demokratie, Selbstbestimmung,
Freiheit - wirklich gedeiht, ein Haus
ist, das nicht von der Sowjetunion
entworfen wurde. Dieses Haus wurde
in Westeuropa und bei Ihnen auf der
anderen Seite des Atlantiks entworfen. Es ist ein Haus, dessen Fundamente von uns gelegt wurden. Und

wenn er bereit ist, die Bewohner der
Warschauer-Pakt-Staaten in unsere Art
von sozialen, politischen und liberalen Strukturen einziehen zu lassen,
wenn er bereit ist, die Sowjetunion
darin einziehen zu lassen, dann werden wir sie freudig begrüßen. Wir
sind jedoch besser qualifiziert, als
die Architekten des "gemeinsamen europäischen Hauses" aufzutreten. Für
ihn ist es eine nette Phrase. Demgegenüber haben wir schon lange daran
gearbeitet.
Frage: Aber Ihrer Meinung nach
bemüht er sich nicht darum, Westeuropa von den Vereinigten Staaten wegzusteuern.
Antwort:
Ich denke, daß dies
weiterhin ein langfristiges Ziel der
sowjetischen Außenpolitik ist.
Frage:
Hat
etwas verändert?

sich

daran

irgend

Antwort:
Nein, das hat sich
nicht geändert. Deshalb ist der Zusammenhalt der NATO so wichtig, weil
die Sicherheit Europas und Amerikas
von unserem Zusammenhalten in der
NATO abhängt.
Die Sowjetunion würde uns sehr
gerne voneinander abkoppeln. Deshalb
wollen wir ja auch dafür sorgen, daß
das gemeinsame europäische Haus die
Vereinigten Staaten nicht ausschließt.
Betrachten Sie die 35 Länder, die
an den Verhandlungen im Rahmen des
KSZE-Prozesses teilgenommen haben also die Staaten des Warschauer Pakts
und der NATO einschließlich der Vereinigten Staaten und Kanadas sowie
die neutralen Staaten in Europa -,
daß ist in gewisser Weise der Rahmen
für die
Schaffung
einer breiten
Grundlage der Menschenrechte in ganz
Europa und Nordamerika.
Frage:
Nachdem
seit
Ihrem
letzten Besuch hier soviele Veränderungen stattgefunden haben, insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion, was man viel-

- 4 -

�leicht
als
Annäherung
bezeichnen
könnte, möchte ich Sie zum Schluß
fragen: Betrachten Sie dies als Beginn einer definierbaren neuen Ära in
den internationalen Beziehungen - als
das Ende des kalten Krieges und eine
neue Phase?
Antwort:
Ich glaube, die ist
eine wirklich aufregende Zeit für
meine Tätigkeit als Außenminister,
weil es eine Menge positiver Veränderungen gibt - die Art, wie wir heute mit der sowjetischen Führung sprechen können, verglichen mit der
schroffen Zurückweisung, wie wir sie
von Gromyko gewohnt waren.
Wenn man mit Gromyko über Menschenrechte sprach, entgegnete er
einfach: "Sie werden nach diesem Gespräch Bescheid wissen."
Das hat
sich geändert. Wir haben große Möglichkeiten, Fortschritte zu erzielen,
sei es im südlichen Afrika, in
Kambodscha oder in Mittelamerika.
Wir dürfen jedoch nicht annehmen,
daß, nur weil die Dinge an einigen
Fronten heute so gut stehen, dies mit
allen Dingen auf immer und ewig der
Fall sein wird. Wir müssen ständig
daran arbeiten. Die Demokratie muß
besonders wachsam bleiben, weil es
nur allzu leicht heißen kann: "Wie
gewonnen, so zerronnen." Wir haben
bis jetzt nur gewonnen, weil wir unsere Einheit und unsere Bereitschaft
aufrechterhalten haben, uns zu verteidigen.

- 5 -

�AMERIKA DIENST
4-,

Hintergrundmaterial

&lt;

26. April 1989

17

DIE MODERNISIERUNG DER NUKLEARWAFFEN:

EINIGE DISKUSSIONSPUNKTE

- Von General John R. Galvln -

Der folgende Beitrag des Obersten Alliierten Befehlshabers in Europa wurde
erstmals am 18. April 1989 in der International Herald Tribüne veröffentlicht.
(c) International Herald Tribüne (Alle Rechte vorbehalten).

MONS - Atomwaffen bilden weder
die Ursache von Spannungen in Europa,
noch erhöhen sie die Wahrscheinlichkeit eines Krieges.
Im Gegenteil,
ihre Präsenz hat seit dem Ende des
Zweiten Weltkriegs den Frieden in Europa aufrechterhalten - der längsten
kriegsfreien Periode auf diesem Kontinent seit mindestens 500 Jahren.
Konventionelle Waffen waren niemals ein erfolgreiches Mittel zur Abschreckung
eines Krieges.
Ironischerweise ist es gerade die schreckliche Macht der Atomwaffe gewesen,
die den Frieden erhalten hat. Nukleare Gefechtsfeldsysteme sind für die
Abschreckung und für die NATO-Strategie der flexiblen Reaktion und Vorneverteidigung lebenswichtig. Ihr Vorhandensein stellt sicher, daß wir

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Embassy of the United States of America

mehrere Optionen
zur Beantwortung
einer Aggression haben und gleichzeitig den Angreifer darüber im Ungewissen lassen, ob sein Angriff erfolgreich sein wird.
Obwohl wir sie vielleicht niemals
einsetzen werden, wird durch wirksame
nukleare Gefechtsfeldwaffen eine atomare Reaktion
auf einen Angriff
glaubwürdiger, da diese eingesetzt
werden können, ohne automatisch zu
einem regelrechten Atomkrieg zu führen.
Gleichzeitig bilden sie ein
sichtbares Bindeglied zu den strategischen Streitkräften und zeigen damit, daß die möglichen Folgen einer
Aggression deren voraussichtlich Vorteile bei weitem überwiegen.
Zwischen den Mitgliedstaaten der

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�NATO finden gegenwärtig Diskussionen
- in Form von weitreichenden, offenen
Gesprächen, die Kennzeichen eines
einzigartigen Bündnisses souveräner,
demokratischer Nationen sind - über
die Modernisierung ihrer nuklearen
Gefechtsfeldwaffen statt. Wie in jeder fruchtbaren Diskussion werden
viele Aspekte des Problems erörtert
und viele Tatsachen vorgetragen.
Selbst die Sowjets haben sich in
den öffentlichen Dialog des Westens
eingeschaltet.
Der stellvertretende
Außenminister Viktor Karpow hat erklärt, er könne "nicht garantieren,
daß keine Gegenmaßnahmen zur Modernisierung unserer eigenen Kurzstreckensysteme ergriffen werden", falls die
NATO die Erneuerung ihrer nuklearen
Kurzstreckenwaffen beschließt.
Dies
ist die gleiche bedrohliche, säbelrasselnde Haltung
wie sie von den
Sowjets eingenommen wurde, als wir
die Pershing II und landgestützten
Marschflugkörper stationierten.
Im
gegenwärtigen Fall ist es schwer einzusehen, wie sie damit drohen können,
mit etwas (der Modernisierung) zu
beginnen,
was
sie
schon
vollbracht haben.
Was in der derzeitigen öffentlichen Diskussion fehlt, ist eine genaue Analyse der vom Warschauer Pakt
zur Modernisierung
seiner eigenen
atomaren Kurzstreckensysteme vorgenommenen Maßnahmen.
Der Warschauer Pakt hat in den
achtziger Jahren ein umfassendes Modernisierungsprogramm
für
diese
Streitkräfte durchgeführt.
- Die Sowjets ersetzen das System
FROG durch den weiterreichenden
und zielgenaueren Flugkörper vom
Typ SS-21 und setzen diesen in
Brigaden auf Front- und Armeebene
ein.
Zu Beginn des Jahrzehnts
hatte der Warschauer Pakt nur
eine
Handvoll
SS-21-Flugkörper
stationiert.
Unter Staats- und
Parteichef
Michail
Gorbatschow
hat sich die Zahl der SS-21-Abschußrampen mehr als verdoppelt.

Der Warschauer Pakt besitzt gegenwärtig über 150 Abschußvorrichtungen in Einheiten, während
er gleichzeitig eine große Zahl
von FROG-Sv^i-emen beibehält.
- Das
Systeme
SCUD mit seiner
Reichweite von 300 km wurde durch
die SS-23 ersetzt, bis letztere
durch den INF-Vertrag verboten
wurde.
Das ältere System SCUD
wird nun beibehalten und verbessert.
550 dieser Systeme verbleiben im Arsenal der Fronten
und Armeen.
- Die Sowjets haben die Zahl der in
vorgeschobenen Gebieten gelagerten Nachladeflugkörper für alle
ihre Kurzstreckensysteme erheblich erhöht.
- Ihren eigenen Berechnungen zufolge geben die Sowjets für den Warschauer Pakt bei den Abschußvorrichtungen für nukleare Kurzstreckenraketen eine Überlegenheit von 12 zu 1 gegenüber der
NATO zu. Durch die Einbeziehung
von Verbesserungen bei Zielgenauigkeit
und
Reaktionsvermögen
stellen ihre neuen und modernisierten Systeme eine wachsende
Bedrohung für zeitkritische Ziele, wie etwa nukleare Raketeneinheiten, Luftwaffenstutzpunkte und
Luftverteidigungseinrichtungen
der NATO dar.
- Die Sowjets und ihre Verbündeten
im Warschauer Pakt modernisieren
nicht nur ihre nuklearfähige Artillerie, um deren Leistungs- und
Uberlebensfähigkeit zu verbessern
(indem sie gezogene durch Systeme
auf Selbstfahrlafetten ersetzen),
sondern sie haben auch die Zahl
dieser Systeme erheblich vergrössert. Im Jahr 1980 herrschte bei
der nuklearfähigen Artillerie ein
ungefährer Gleichstand, heute dagegen besitzt der Warschauer Pakt
bei diesen Systemen eine bedeutende zahlenmäßige Überlegenheit
gegenüber der NATO.

�Während die Staaten des Warschauer Pakts damit beschäftigt waren, ihre atomaren Kurzstreckensysteme aufzustocken - was tat das
Bündnis? Es reduzierte einseitig nukleare Gefechtsköpfe auf dem Kontinent. Zwischen 1979 und 1988 baute
die NATO rund 2 400 atomare Gefechtsköpfe ab - insgesamt ein Drittel unseres Bestands - was die niedrigste
Zahl an Gefechtsköpfen in Europa seit
20 Jahren zur Folge hatte. Auch weiterhin versucht die NATO, die Sicherheit ihrer Mitgliedstaaten auf dem
niedrigsten Streitkräfteniveau zu gewährleisten. Wir könnten weitere Reduzierungen unseres Bestands vornehmen ohne unsere Sicherheit aufs Spiel
zu setzen, wenn wir durch modernere
Systme verbesserte Überlebensfähigkeit,
Zuverlässigkeit,
Genauigkeit
und Reichweite erhalten.
Die derzeitige Diskussion in der
NATO konzentriert sich auf den Ersatz
für die 88 Lance-Abschußvorrichtungen
des Bündnisses.
Diese Waffe wurde
mit der Technologie der sechziger
Jahre entwickelt und Anfang der siebziger Jahre stationiert.
Aufgrund
des Alters hat sie verschiedene technische Mängel und Konstruktionsprobleme, die sie irgendwann unzuverlässig machen werden. Es werden Änderungen vorgenommen, so daß sie noch
bis Mitte der neunziger Jahre einsatzbereit sein wird. Der Versuch,
ihre Lebensdauer über diese Zeit hinauszudehnen, wäre unzulässig teuer
und technologisch unmöglich.
Landgestützte Raketen haben gegenüber den nuklearen Gefechtsfeldwaffen entschiedene Vorteile. Verglichen mit der Artillerie erlaubt
ihre größere Reichweite der NATO zunächst, die nachfolgenden Streitkräfte einem Risiko auszusetzen, um sie
aufzuhalten und eine Massierung der
Streitkräfte zu verhindern, die unsere Vorneverteidigung überfordern würde. Gleichzeitig können die Systeme
aufgrund der Reichweite weit genug
hinter unserer Linien aufgestellt
werden, so daß sie im Falle eines
Konflikts nicht der Gefahr rascher
- 3

Eroberung oder Zerstörung ausgesetzt
sind, wodurch der Druck auf das Bündnis, sie frühzeitig einzusetzen, vermindert wird.
Darüber hinaus sind sie überlebensfähiger als luftgestützte Waffen.
Raketensysteme können an beliebig
vielen Orten versteckt werden; Flugzeuge müssen von einer begrenzten Anzahl von Flugplätzen aus operieren,
die bekannt sind und vom Feind unter
Druck gesetzt werden können. Selbst
wenn die Flugzeuge erfolgreich starten, müssen sie die engmaschige Luftverteidigung des Warschauer Pakts die tödlichste der Welt - unterfliegen. Ferner werden diese Flugzeuge
auch für die Luftverteidigung und zum
Angriff auf die nachfolgenden Streitkräfte benötigt.
Seegestützte Systeme sind nicht
so reaktionsfähig wie landgestützte,
aber ihr gravierendster Mangel besteht darin, daß ihnen ein wesentliches Kriterium für unser Abschrekkungskonzept fehlt: Diese Waffensysteme kommen von See und demonstrieren der anderen Seite nicht mit absoluter Gewißheit, daß es sich bei
jeder nuklearen Reaktion um die Antwort "aller NATO-Partner" handelt.
Nicht zuletzt ist es die Geschlossenheit des Bündnisses, die der Abschreckung Nachdruck verleiht.
Die Sowjets haben in jüngster
Zeit mehrere positive Schritte unternommen, die zur Vermiderung des Konfrontationsniveaus in Europa beitragen könnten, bis hin zum Eingeständnis der Notwendigkeit asymmetrischer
Reduzierungen ihrer Streitkräfte, der
Veröffentlichung von Daten über ihre
Streitkräfte und - in gewissem Maße der Verpflichtung zum Abbau ihrer unnötig großen konventionellen Stärke.
Die Androhung von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Moderniserung der NATO
und mangelnde "Glasnost" im Hinblick
auf ihre eigene Modernisierung sind
jedoch Schritte in die falsche Richtung.
Die

NATO

wird

eine

gemeinsame

�Entscheidung über die Modernisierung
fällen - eine Entscheidung, die weder
von eine» Land aufgezwungen noch vqn
Drohungen von außen beeinflußt ist.
Wie immer das Ergebnis auch aussehen
mag, es wird ?tets das Produkt umfassender Erörterungen der Regierungen
vou Völkern sein, die frei sind, das
F^r und Wider von Alterna,t,4Y£n §bzuwägen.
Die Verpflichtung zur Aufrechterhaltung dieser Freiheit ist
die Rechtfertigung für das Bündnis,
die Quelle unserer Starke und das
Wesen unserer Partnerschaft.

* * * | * *

�AMERIKA DIENST
^7

Hintergrundmaterial

&lt;&amp;

26. April 1989

17

HAT SICH DIE SOWJETUNION WIRKLICH VERÄNDERT
- Von William E. Odom -

Der folgende Artikel wurde erstmals in der in der in Washington D.C. erscheinenden Zeitschrift U.S. News &amp; World Report vom 3. April 1989 veröffentlicht.
Der Autor ist Direktor für nationale Sicherheitsstudien beim
Hudson Institute.
(c) U.S. News &amp; World Report, Inc. (Alle Rechte vorbehalten).
- (AD) - Fast täglich erscheinen
in der westlichen Presse verblüffende
Berichte über Veränderungen in der
Sowjetunion.
Die Begriffe Glasnost
und Perestrojka wurden in viele Sprachen übernommen. Darin spiegelt sich
die Annahme wider, daß tiefgreifende
Reformen stattfinden. Wir lesen von
"Demokratisierung",
dem
"Gewinnmotiv", "privater Landwirtschaft" und
"Wahlen mit mehreren Kandidaten".
Bisweilen gehen sowjetische Schriftsteller über die Verurteilung von
Breschnew und Stalin hinaus und stellen sogar Lenin und Marx in Frage.
Viele Amerikaner fühlen sich durch
all diese Nachrichten in dem Glauben
bestärkt, die sowjetische Diktatur
gebe den Weg für grundlegende Veränderungen frei.
Entspricht dieses
Bild der Wirklichkeit?
Bricht für
die UdSSR ein neuer Tag an?

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Dies mag zutreffen oder auch
nicht. Fragmente ergeben kein einheitliches Bild. Was wir benötigen
sind Meßwerte und Maßstäbe, um die
Medieneuphorie über sich scheinbar
vollziehende Veränderungen zu durchbrechen und die wirklichen Veränderungen zu bewerten.
Nachfolgend einige Orientierungspunkte:
Erstens beruht die sowjetische
Wirtschaft auf dem staatlichen Besitz
an Produktionsmitteln und Kapital,
und nahezu die gesamte Wirtschaftstätigkeit wird nach wie vor von einem
zentralen Planungssystem sowie fast
100 Ministerien und staatlichen Ausschüssen kontrolliert.
Die Preise
spiegeln nicht Angebot und Nachfrage
wider, sie sind weiterhin zentral

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�vorgeschrieben. Durch den Mangel an
Wettbewerb und freiem Handel wird den
staatlichen Planern kein Mittel an
die Hand gegeben, um zwischen effektivem und ineffektivem Einsatz von
Land, Arbeit und Kapital zu unterscheiden.
Zweitens kontrolliert ein umfassendes System der Zensur den Fluß von
Informationen und bestimmt deren Inhalt. Ein freier Austausch von Wirtschaftsinformationen, der im Westen
für Werbung, Verhandlungen, Management, An- und Verkauf unabdingbar
ist, existiert praktisch überhaupt
nicht. Der Staat monopolisiert die
Medien und benutzt sie, um die Bevölkerung für die Zwecke der Partei zu
kontrollieren und mobilisieren.
Drittens werden die ersten beiden
Erscheinungen durch eine einzige politische Partei am Leben gehalten,
die über dem Gesetz steht und dieses
überwiegend als Mittel zur Kontrolle
der Gesellschaft einsetzt. Die Partei hat über große Zeiträume hinweg
nur wenig organisierte Opposition geduldet. Sie hat ferner stets verlangt, daß sich ihre Mitglieder fast
wie Offiziere verhalten, indem sie
Befehle entgegennehmen und diese ohne
Fragen ausführen.

Wie lassen sich Veränderungen
messen?
Trotz Glasnost und Perestrojka
haben sich diese strukturellen Bedingungen kaum verändert. Sie wurden in
mehrfacher Hinsicht abgeschwächt, da
Gruppen außerhalb und einige Einzelkämpfer innerhalb der Partei versucht
haben, diese Lockerung auszunutzen.
Ein Teil der sowjetischen Geschichte
wurde neu geschrieben und die Presse
wird eingesetzt, um alles vom großrussischen Nationalismus und neostalinistischen Stimmungen bis hin
zur Autonomie nichtrussischer Minderheiten und liberalen demokratischen
Ideen zu fördern.
Nach sieben Jahrzehnten einer repressiven Partei- und Polizeikontrol-

le sind diese Entwicklungen in westlichen Augen in der Tat erstaunlich.
Sind sie jedoch Beweis für die Tatsache, daß ein grundlegender Wandel
stattgefunden hat, stattfindet oder
bald stattfinden wird? Um diese Fragen zu beantworten, benötigen wir
Maßstäbe, die wir an unsere Orientierungspunkte anlegen können. Drei davon sind:
Erstens, wieviel marktwirtschaftliche Handlungsfreiheit ist zugelassen worden? Bis zumindest die Hälfte
der Wirtschaft, einschließlich Industrie und Landwirtschaft, von zentralen Kontrollen befreit und in irgendeiner Weise auf Privatbesitz und
Marktpreise gegründet wurde, wird
sich kein Wandel des Systems vollzogen haben. Die zentrale Planungsbürokratie muß abgebaut und die Führung
der Wirtschaft durch administrative
Vorschriften beseitigt werden.
Welche Bilanz hat Gorbatschow bis
heute vorzuweisen? Erstens sind bis
heute trotz aller Reden über Dezentralisierung, Marktpreise und lokale
Kontrolle des Eigentums wirkliche
Fortschritte nur Randerscheinungen.
Einige wenige "Kooperativen" wurden
gegründet, aber sie machen lediglich
einen Bruchteil des Bruttosozialprodukts aus. Der in einem Gesetz aus
dem Jahr 1987 versprochene Spielraum
für Unternehmenstätigkeit ist nicht
Wirklichkeit geworden.
Das jüngste
Parteiplenum über die Landwirtschaft
deutet auf einen Schritt zu privatem
Unternehmertum in der Landwirtschaft
hin, der im Falle seiner Verwirklichung ein bedeutender Schritt nach
vorn sein wird.
Zweitens muß die Zensur abgeschafft werden. Landesweite Werbung,
Verhandlungen und Austausch von wirtschaftlichen Informationen müssen gestattet werden. Ohne sie hat eine
Marktwirtschaft keine Chance auf Erfolg
Wie steht es mit Gorbatschows Reformbilanz, wenn man diesen Maßstab
anlegt? Schlecht, milde gesagt. Obwohl Glasnost öffentliche Kritik und

�mehr Freiheit für Literatur, Geschichtsschreibung, politische Wissenschaften und Kunst zugelassen hat,
hat sie nicht den freien Informationsfluß gestattet, der Zeichen für
einen Wandel des Systems wäre.
Drittens muß sich die Kommunistische Partei dem Gesetz unterordnen,
Bürgerrechte und Privateigentum müssen durch das Gesetz geschützt werden.
Ohne diese Umgestaltung läßt
sich voraussichtlich keines der ersten beiden Kriterien verwirklichen.
Eine Marktwirtschaft verlangt nach
einem
unabhängigen
Rechtssystem.
Dasselbe gilt für eine freie Presse
und für die politische Demokratisierung.
Gorbatschow und seine Verbündeten
in der Intelligenz! ja haben die Reform des Rechtswesens Reformen auf
ihre Tagesordnung geschrieben und es
zeichnet sich einige Bewegung ab.
Die Sowjetbürger wurden ermutigt, das
Gesetz zur Verteidigung ihrer Rechte
in Anspruch zu nehmen. Die Presse
hat ernsthaften Mißbrauch des Rechtssystems aufgedeckt. Die wichtigsten
Maßnahmen, mit denen die Partei der
Rechtsstaatlichkeit unterworfen und
willkürliche Parteikontrolle über die
Wirtschaftstätigkeit verboten sowie
neue Gesetze zum Schutz von Privateigentum geschaffen werden sollten,
wurden jedoch noch nicht einmal in
Angriff genommen.

diese Veränderungen durchgeführt werden, ohne den nationalen Minderheiten
die Ausübung ihres in der sowjetischen
Verfassung
garantierten
Rechts auf Unabhängigkeit zu gewähren? Kann Reform die tief verwurzelten Gewohnheiten der Parteibürokratie
und der Legislative überwinden? Können die Konsumenten die unvermeidbare
Inflation und Arbeitslosigkeit
in
Kauf nehmen, die ein Marktsystem, das
der sowjetischen Industrie Effizienz
aufzwingt, mit sich bringen würde?
Perestrojka anhand dieser Maßstäbe zu messen, legt die Vermutung nahe, daß wenig tiefgreifende Veränderungen
stattgefunden
haben
und
Gorbatschows Reformen umkehrbar sein
können. Solche Prüfsteine sind auch
Anzeichen für die Größenordnung seiner Aufgabe - wenn es tatsächlich ein
Systemwandel sein sollte, den er anstrebt.
Ein Herunterschrauben der westlichen
Erwartungshaltung
an
Gorbatschow könnte sich längerfristig
für die Ost-West-Beziehungen als angebracht erweisen. Wenn wir weniger
von ihm erwarten, ist unsere Geduld
wahrscheinlich
größer, sollte die
Perestrojka an Schwung verlieren und
unsere
Desillusionierung
weniger
schockierend, sollte sie vollständig
scheitern.

Diese Prüfsteine tragen nicht nur
dazu bei, den Wust an Schlagzeilen
und Schablonen über Glasnost und
Perestojka zu durchforsten - sie dekken auch die Gefahren auf, mit denen
sich jeder sowjetische Verfechter von
Reformen konfrontiert sieht. Können

- 3 -

******

�AMERIKA DIENST
^VoN^

Wissenschaft und Technik
26. April 1989

17

GEMEINSAM GEGEN DIE DROGENGEFAHR
- 12. PRIDE-Kongreß in Atlanta mit Delegierten aus 81 Ländern -

ATLANTA - (AD) - Die Interessen und Probleme der 81 Staaten, aus denen
fast 7000 Teilnehmer zur 12. Jahreskonferenz der privaten amerikanischen AntiDrogen-Organisation PRIDE (Parents' Resources Institute for Drug Education)
nach Atlanta (Georgia) gekommen waren, sind vielfach recht unterschiedlicher
oder sogar gegensätzlicher Natur. Alle Delegierten waren jedoch aufgerufen,
ihre Differenzen beiseite zu lassen und zusammenzuarbeiten, damit der Kampf
gegen Sucht und Drogen gewonnen werden könne.

Eindringlich
appellierte
Dr.
Thomas Gleaton, Präsident und Gründer
von PRIDE, in seiner Eröffnungsansprache zu der sechstägigen Konferenz
(10. - 16. April 1989) an die Verständigungsbereitschaft aller.
Die
Teilnehmer kamen nicht nur aus Ländern, in denen Drogen konsumiert werden, sondern auch aus Ländern, in denen Drogen hergestellt werden. Auf
beiden Seiten fehlt es häufig an der
Kenntnis der komplexen Situationshintergründe beim anderen. Es kommt zu
Schuldzuweisungen, ohne sich ausreichend mit den Problemen auf der anderen Seite auseinandergesetzt zu haben. Miteinander reden schafft jedoch eine Basis, um die gemeinsame
Aufgabe mit Erfolg anpacken zu können.
Während der ersten drei Tage befaßten sich Experten verschiedener

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Fachgebiete mit allen nur erdenklichen Sachfragen, zu denen auch nationale und internationale politische
Themen gehörten. Erst am 13. April
begannen die der Öffentlichkeit zugänglichen
Veranstaltungen.
Die
zahlreichen Arbeitskreise für Erwachsene und Jugendliche waren sorgfältig
vorbereitet worden.
Die Organisation PRIDE, der mittlerweile eine ganze Anzahl internationaler Sektionen angehören, ging
1978 aus einer Elterninitiative gegen
die Gefährdung der Jugend durch Drogen hervor. Man wollte allgemein Eltern und junge Menschen über wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Konsequenzen von Rauschgiftkonsum exakt, ohne Pathos und nach dem
neuesten Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zu den Auswirkungen infor-

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�mieren.
Erziehungsberechtigte
und
Lehrerschaft sollten veranlaßt werden, Kindern und Jugendlichen mehr
Zeit zu widmen und sie zu überzeugen,
daß ein drogenfreies Leben ein besseres und lohnenderes Dasein garantiere. Die Organisation unterhält heute
eine der größten Datenbanken der Welt
über Drogengebrauch unter Jugendlichen. Von überall her erhofft man
sich von PRIDE Rat und Hilfe - 1988
bearbeitete die Organisation über
150 000 Anfragen und Bitten um Informationsmaterial.

Vorbeugen und Verhüten
Vielen jungen Menschen in aller
Welt seien heutzutage Fernsehen, Kino, heiße Musik, T-Shirts und Aufkleber wichtiger als herkömmliche Bildungswerte, sagte Dr. Gleaton. Moderne Technik vermittle "eine neue
Art von Kultur", die den Konsum von
Alkohol und Drogen glorifiziere. Dagegen seien die Eltern das wichtigste
Bollwerk. Und es sei dringend nötig,
"sie dabei ein bißchen mehr zu ermutigen und sie weniger zu kritisieren".
Auf der anderen Seite wiesen die
erfolgreichen
Vorbeugungsprogramme,
die PRIDE durchführt und schon durchgeführt hat, einen Weg, um das Problem wirksam anzupacken. Sie seien,
so Gleaton, "auf Eltern, Schulen, Religionsgemeinschaften und auf die Gemeinden ausgerichtet, die sich um die
Jugend Sorgen machen und Drogenkonsum
verhindern wollen".
Im größeren Rahmen sollten die
gegenwärtigen Anstrengungen der amerikanischen Regierung zur Bekämpfung
von Drogenhandel und Sucht ebenfalls
auf Vorbeugung konzentriert werden,
insbesondere "auf die Verantwortlichkeit dessen, der Drogen nimmt". Damit meine er, ihn von der Gesellschaft her zu beeinflussen - und dazu
können und sollten die Medien, bis
hin zum T-Shirt- und Aufkleber-Motto,
vieles beitragen.
Nur in der Jugend selbst liege
die Lösung für das Rauschgiftproblem,

erklärte Dr. Gleaton. Organisationen
und Regierungen sollten sie unter
diesem Aspekt unterstützen anstatt zu
versuchen, sie zu reglementieren.
Für junge Leute, die die Einsicht besitzen, bedeute
der Kampf gegen
Rauschgift eine neue soziale Bewegung, die mit der Bürgerrechtsbewegung oder der Anti-Kriegs-Bewegung
der sechziger Jahre zu vergleichen
sei. Sie seien durchaus in der Lage,
sich für die Sache zu engagieren "und darin sollten wir sie unterstützen. Aber die Wege, die aus der Misere führen, müssen sie selbst finden". Eine ganz wichtige Aufgabe von
PRIDE besteht jetzt darin, neue Programme zu entwickeln, die junge Menschen motivieren, Drogen zu meiden,
sich gegen eine Flucht oder gegen ein
Abgleiten in Drogen gewissermaßen zu
immunisieren.
Wenn die Sucht einmal da ist, sei
sie nicht zu heilen.
Dr. Gleaton
verwies in diesem Zusammenhang auf
die Statistik.
Sie besagt, daß 75
Prozent der Drogenabhängigen nach
einer Therapie wieder rückfällig werden. Man müsse eng mit anderen Ländern zusammenarbeiten, um "Vorbeugung" in der wahren Bedeutung des
Wortes praktizieren zu können. Der
Definition von PRIDE zufolge wolle
man damit jemanden von vornherein motivieren, Drogen gar nicht erst zu
probieren, oder ihn sehr früh, lange
ehe die Abhängigkeit einsetzt, von
Drogen abbringen.
"Mehr Gefängniszellen und mehr Krankenhausbetten für
Süchtige einzurichten, wäre dem Sinne
nach nichts anderes, als würde man
mehr Gräber für AIDS-Patienten ausheben. Die einzige Antwort auf eine
unheilbare Krankheit lautet: Vorbeugen und Verhüten."
Die Eltern sollten sich auch darum kümmern, was ihre Kinder lesen.
Keith Schuchard, Mitbegründerin von
PRIDE, sieht die Vereinigten Staaten
an einem zweiten Wendepunkt:
Seit
1980 sei der Drogenkonsum unter Jugendlichen zurückgegangen, berichtete
sie. Aber die heute gebräuchlichen
Rauschmittel seien viel gefährlicher
als jene, die damals genommen wurden.

- 2 -

�An Zeitungskiosken und in Buchläden
sollten sich die Eltern sehr gründlich nach Jugendheften umsehen, die
Drogengebrauch propagieren, und dagegen Front machen.
Mark Gold, der unter anderem
einen landesweiten Telefondienst zur
Beratung Kokain-Abhängiger eingerichtet hat, machte die inzwischen von
Studien belegte Erfahrung, daß Crack
ganz besonders gewalttätig mache.
Das geben Kokainsuchtige auch selbst
zu.
Zwei Drittel der gewalttätigen
Drogenabhängigen berichteten, Verbrechen dann begangen zu haben, "wenn
sie 'high' waren - nicht während des
Entzuges". Crack ist ein Derivat von
Kokain, das besonders stark süchtig
macht.
Gold beklagte, daß man so
lange Zeit gebraucht habe, um sich
von seiner Gefährlichkeit zu überzeugen.

Staaten gelangen, von den Hindernissen, die gegen sie errichtet sind,
nicht zurückgehalten werden.
Umso
wichtiger sei die persönliche Abwehr
und Nicht-Anfälligkeit gegen Drogen
bei jedem einzelnen, die durch Erziehung und Leitbilder auch innerhalb
der Jugend geprägt wird.
Die Nationen müßten zusammenstehen und gemeinsam ihre Nöte, ihre
Fehlschläge und ihre Erfolge im Kampf
gegen Drogen analysieren und bewältigen, forderte Kay Bondurant. Sie ist
für die internationalen Koordinierungsprogramme von PRIDE verantwortlich, die unter anderem Australien,
Ägypten, Belize, Bermuda, Honduras,
Kanada, Nigeria, Panama und die
Cayman-Inseln mit der amerikanischen
Organisation verbinden. "Jedes Kind
hat das Recht, erwachsen zu werden,
ohne daß es den Schmerz des Drogenmißbrauchs erleidet", sagte sie.

Strafverfolgung allein könne gegen Drogen nicht viel ausrichten.
Das zeigt Gleaton zufolge schon die
Tatsache, daß 90 Prozent der illegalen Drogen, die in die Vereinigten

- 3 -

* * * * * *

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die deutsch-amerikanische Freundschaft auf dem Prüfstand: Herausforderung der neunziger Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Vernon A. Walters bei der Atlantik-Brücke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sperrfrist: 27. April 1989, 19:00 Uhr (MESZ)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cheney: Abkommen über konventionelle Streitkräfte von grösserer&lt;br /&gt;Tragweite&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Pressekonferenz der Nuklearen Planungsgruppe (Auszüge)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Howe: USA dürfen sich nicht von Europa abkoppeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit dem britischen Außenminister&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Modernisierung der Nuklearwaffen:&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von General John R. Galvin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hat sich die Sowjetunion wirklich verändert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William E. Odon&lt;/em&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsam gegen die Drogengefahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;12. PRIDE-Kongreß in Atlanta mit Delegierten aus 81 Ländern &lt;br /&gt;&lt;/em&gt;</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Die Wissenschaft notiert&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Erde unter einer stratosphärischen Rauchglocke&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wie wird das Wetter?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;205 Millionen Anfragen im Jahr 1960 beim telephonischen Wetterdienst in USA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krebszellen und Magnetismus&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Aufsehenerregende Entdeckung amerikanischer Wissenschaftler&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vertrag über Bau eines NASA-Fernmeldesatelliten unterzeichnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Leben in den USA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;New Yorker, die nur spanisch sprechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Über 40 000 Portorikaner wandern jährlich nach Norden&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Von Kunst und Künstlern&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dichter und Bauer in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jesse Stuart, der Bergpoet aus Kentucky, erhielt den Dichterpreis 1961&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vielseitiger amerikanischer Künstler auf Europatournee&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Gedenktage im Juni 1961&lt;/strong&gt;</text>
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26. Mai 1976

Inhalt

INFORMATION:
Kein Pardon für Rauschgifthä'ndler
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und
seine Bekämpfung"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Internationales Abkommen zur Beobachtung der Ozonschicht
-USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

Keimfreie Blutkonserven

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1976

KEIN PARDON FÜR RAUSCHGIFTHÄNDLER
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung"-

--(AD)-- Mehr als 5 000 Menschenleben, Hunderttausende zerstörter Existenzen,
Überfälle, Diebstahl, Erpressung und Betrug - das ist derzeit der traurige
Jahrestribut für die neue Rauschgiftwelle in den Vereinigten Staaten. Der Verlust für die Volkswirtschaft wird auf 17 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Als sich Ende der sechziger Jahre erstmals die Öffentlichkeit des Problems bewußt wurde, handelte die amerikanische Bundesregierung rasch und energisch. Es wurden Sonderorganisationen wie das US-Bundesamt für Drogenüberwachung (Drug Enforcement Administration - DEA) und das Nationale Institut zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) geschaffen,
über die diplomatischen Kanäle wurde versucht, weltweit den Rauschgifthandel
wirksam zu bekämpfen und zu unterbinden. Angesichts der Erfolge hatte es
Mitte 1973 den Anschein, als wäre der Wendepunkt erreicht. In heutiger Sicht
aber waren nur einzelne Schlachten gewonnen - der Krieg ging weiter. Anfang
1975 zeigte sich erneut ein Anstieg des Drogenkonsums. Bereits gewonnenes
Territorium ging wieder verloren.
In

- 1 -

�In der Botschaft zum Problem "Drogenmißbrauch und seine Bekämpfung", die
Präsident Ford Ende April 1976 dem US-Kongreß unterbreitete, kündigt der Präsident neue und aggressive Maßnahmen an, um den gegenwärtigen Trend wachsenden
Drogenkonsums in den Vereinigten Staaten zu brechen und ins Gegenteil zu
verkehren.
Die im "Weißbuch über Drogenmißbrauch" vom Jahre 1975 von der Drogenkommission gegebenen Empfehlungen bilden die Grundlage für eine weitere Intensivierung und Ausweitung der von der US-Regierung vorgesehenen Maßnahmen. Vor
allem den Rauschgifthändlern und Schmuggel ringen soll das verbrecherische
Handwerk gelegt werden. Es genüge nicht, wie Präsident Ford erklärte, diese
Leute dingfest zu machen, wenn sie anschließend von den Justizbehörden mit
Glacehandschuhen angefaßt würden.

Selbst notorische Händler würden nach der

Verhaftung gegen Kaution, deren Beschaffung ihnen nicht schwer falle, wieder
auf freien Fuß gesetzt. Eine Erhebung des US-Justizministeriums zeige, daß
jeder vierte des Heroinhandels überführte Verbrecher überhaupt keine Haftstrafe erhalte. Und wenn eine Verurteilung erfolge, betrage die Haftstrafe
bei jedem dritten weniger als drei Jahre. Selbst zu längerer Haft Verurteilte
könnten, wenn sie ein Drittel der Zeit abgesessen hätten, auf Bewährung entlassen werden.
Dieses Vorgehen, so erklärte Präsident Ford, sei gegenüber Kriminellen
nicht angebracht, die aus der Not der Menschen ihre Profite ziehen. Es sei
auch falsch gegenüber den Opfern des Rauschgifts, und es sei falsch vom
Standpunkt des amerikanischen Rechtswesens aus gesehen. Deshalb habe die Regierung dem US-Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreitet, denen zufolge Personen,
die des Handels mit Heroin und ähnlichen Suchtstoffen überführt sind, zu
Haftstrafen verurteilt werden müssen. Für Ersttäter soll die Haftdauer mindestens drei Jahre, für Wiederholungstäter oder solche, die Rauschgift an
Jugendliche verkaufen, mindestens sechs Jahre betragen.
Präsident

�Präsident Ford hebt hervor, daß die neuen Vorschläge nicht au

Rachege-

lüsten geboren seien. Ihnen liege vielmehr das Bestreben und die Pflicht der
Regierung zugrunde, die Allgemeinheit vor solchen Schmarotzern zu schützen
und abschreckende Maßnahmen zu ergreifen. Diese sehen unter anderem vor,
keine Freilassung von Rauschgifthändlern mehr zu gewähren, wenn der Festgenommene bereits einschlägig vorbestraft ist, wenn eine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, wenn er Ausländer ist, wenn bei ihm bei der Festnahme
ein falscher Paß gefunden wurde, wenn er aus Poliezigewahrsam oder dem Gefängnis flüchtet oder bereits früher wegen Flucht verurteilt wurde.
Die Bestimmungen über Leibesvisitationen und die Beschlagnahme von
Kraftfahrzeugen, Booten und Flugzeuoen, die zum Schmuggein von Suchtstoften
und Geldgewinnen von Rauschgifthändlern benutzt werden, durch den amerikanischen Zoll werden erheblich verschärft. Außerdem werden Meldefristen beim
Zoll für private Eigner kleiner Küstenboote drastisch verkürzt und Geldbußen
erhöht.

Synthetische Suchtstoffe
Als vordringlich bezeichnet Präsident Ford die Ratifizierung der Internationalen Konvention über nsychotrope Substanzen durch den US-Kongreß. Sie
wurde bereits 1971 zur Überwachung des internationalen Handels mit synthetischen,suchtgefährdenden Substanzen geschlossen - vor allem zur Überwachung von
Barbituraten, Amphetaminen und Tranquillantien. Durch den Mißbrauch von Präparaten auf der Basis dieser Substanzen entstand in den Vereinigten Staaten
bereits ein ähnlich schwerwiegendes Problem wie durch Heroin.

Straffung

- 3 -

�Straffung des Regierungsprogramms

Die Tätigkeit der zuständigen Abteilungen in sieben Bundesministerien
und 17 anderen Behörden, die in das Regierungsprogramm zur Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs eingeschaltet sind, soll besser koordiniert werden. Präsident
Ford setzte zu diesem Zweck zwei neue Kabinettsausschüsse ein: Der eine befaßt sich mit den Fragen des Rechtsvollzugs im Zusammenhang mit der Rauschgiftbekämpfung, der andere mit vorbeugenden Maßnahmen sowie der Therapie und
Rehabilitation bei Opfern des Drogenmißbrauchs.
Der letztgenannte Ausschuß, der unter dem Vorsitz des Bundesministers
für das r esundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen steht, wird sich besonders
darauf konzentrieren, mehr Möglichkeiten zur Wiedereingliederung Süchtiger
in das Berufs- und Arbeitsleben zu schaffen. Denn Behandlung allein ist erfahrungsgemäß nicht genug.

Vielmehr müssen die Lebensbedingungen, die das

Drogenopfer zur Flucht ins Rauschgift veranlaßten, grundlegend geändert werden. Andernfalls ist immer wieder mit einem Rückfall zu rechnen. Um den Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen, ist nach Ansicht des Präsidenten auch eine
bessere Koordinierung der Maßnahmen solcher Stellen, die sich mit Vorbeugung
und Rehabilitation befassen, und jenen der Justiz erforderlich.
Auf internationaler Ebene werden die Anstrengungen zur Zusammenarbeit mit
anderen Regierungen auf der Basis der bisherigen Erfahrungen weiter verstärkt.
Die USA geben Beistand über die in einer Anzahl von Ländern stationierten
amerikanischen Fahndungsbeamten, die gemeinsam mit den einheimischen Behörden
gegen Händler-und Schmugglerringe vorgehen. Jedoch müsse der Auf - und Ausbau
von Institutionen und eines wirksamen Systems internationaler Verträge, die
den juristischen Rahmen für internationale Gegenschläge gegen die Rauschgiftkriminalität abgeben, beharrlich vorangetrieben und verbessert werden.

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INTERNATIONALES ABKOMMEN ZUR BEOBACHTUNG DER OZONSCHICHT
- USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

— ( A D ) — Die Sorge wegen möglicher schädlicher Auswirkungen von Flugzeugabgasen und anderen chemischen Stoffen auf die Stratosphäre veranlaßte die
Vereinigten Staaten, England und Frankreich, ein Fünf-Jahres-Abkommen zur
Beobachtung dieses Bereiches der irdischen Lufthülle, insbesondere der stratosphärischen Ozonschicht, abzuschließen. Es wurde Anfang Mai 1976 von Regierungsvertretern der drei Länder in Paris unterzeichnet.
Amerika, England und Frankreich wollen künftig alle einschlägigen Forschungsprojekte koordinieren und mit den für dieses Spezialgebiet zuständigen
internationalen Organisationen abstimmen. Denn der Verdacht ist begründet, daß
bestimmte chemische Verbindungen, die mit Verbrennungsprodukten und durch
andere Prozesse in die Atmosphäre gelangen, diese so stark zusätzlich belasten, daß die wegen ihrer Schutzwirkung unbedingt lebenswichtige Ozonschicht massiv angegriffen und "verdünnt" wird. Gegenüber aggressiven natürlichen Verbindungen hat sich im Laufe von Jahrmilliarden unter Mitwirkung
der Sonnenenergie eine Art Gleichgewicht für die atmosphärische Ozonkonzentration eingestellt. Die Ozonschicht wurde bisher ausreichend regeneriert.
Durch Abgase aller Art, durch die in aller Welt in großen Mengen verwendeten

-l -

�verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe und den immer dichter werdenden Flugverkehr in immer größeren Höhen erwächst jedoch die Gefahr einer zu geringen Neubildung von Ozon. Häufung von Hautkrebs und Augenkrankheiten beim Menschen,
schwere Beeinträchtigung biologischer Prozesse bis hin zur Plantonproduktion
sowie Klimaveränderungen zählten aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Folgen.
•

Um Art und Größenordnung künstlich ausgelöster Veränderungen in der Lufthülle der Erde und die daraus erwachsenden Gefahren erkennen zu können, haben
bereits verschiedene Länder Forschungsprojekte in Angriff genommen. Das Dreierabkommen soll helfen, bereits laufende Untersuchungen, auch solche unter der
Regie der Vereinten Nationen sowie nationaler und internationaler regionaler
Wissenschaftsorganisationen, zu beschleunigen und zu unterstützen. Es fordert
vor allem die enge Zusammenarbeit mit der UN-Organisation für Meteorologie
(WMO)» dem UN-Umweltgremieum (UNEP) und der.Internationalen Organisation
für die Zivile.Luftfahrt. Man will mehr Möglichkeiten für die kontinuierliche
Beobachtung der Ozonschicht schaffen, die.Forschung in bezug auf biologische
und klimatische Auswirkungen einer Veränderung der Verhältnisse in der Stratosphäre intensivieren und die Frage klären, ob und in welcher Form internationale Richtlinien hinsichtlich höchstzulässiger Mengen und Bestandteile von
Flugzeugabgasen für die Zivilluftfahrt eingeführt werden müssen.
Die Regierungen der USA, Englands und Frankreichs werden darauf hinarbeiten, daß bessere Mittel und Wege gefunden werden, um mehr Meßdaten über die
stratosphärische Ozonschicht zu sammeln, die Auswertung von Meßprogrammen zu
beschleunigen und Analysenergebnisse so rasch wie möglich auszutauschen. Die
Vertragsparteien unterrichten einander über bereits laufende oder geplante
Forschungs- und Analysenprogramme und nutzen alle Chancen zur Durchführung
neuer, qemeinsamer Forschungsprojekte. Aufgrund von Erkenntnissen zu möglichen
Veränderungen der Ozonkonzentration in der Stratosphäre will man gemeinsam
Empfehlungen über die künftige Verbesserung des Meßstellennetzes ausarbeiten.
•

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�In den Vereinigten Staaten sind die Bundesluftfahrtbehörde (FAA - Federsl
Aviation Administration), die US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung
(NOAA - National Oceanic and Atmospheric Administration), die Weltraunbehörde
(NASA - National Aeronautic and Space Administration), das Verteidigungsministerium und die Umweltschutzbehörde EPA in die Fünf-Jahres-Studie eingeschaltet. Sie wurde auf Anregung des amerikanischen Verkehrsministers William
Coleman in Angriff genommen, als dieser im Februar 1976 entschied, das britisch-französische Überschau-Passagierflugzeug CONCORDE versuchsweise für
die Dauer von 16 Monaten zur Aufnahme eines begrenzten Liniendienstes nach
New York und Washington zuzulassen.

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KEIMFREIE BLUTKONSERVEN

--(AD)-- Raumflugkörper wie die amerikanischen VIKING-Sonden, die im Verlauf dieses Sommers auf dem Mars landen sollen, müssen zuvor aufs sorgfältigste keimfrei gemacht worden sein. Andernfalls besteht die Gefahr, daß sie
die Umgebung des Landeplatzes mit irdischen Organismen verseuchen. Mitarbeiter der US-Weltraumbehörde NASA entwickelten besondere Sterilisierverfahren,
die die Gewähr geben, daß einerseits vorhandene Keime abgetötet werden,
andererseits aber durch die dabei angewandten hohen Temperaturen keinerlei
Schäden an den empfindlichen Instrumenten entstehen können.
Auf dem im Jet Propulsion Laboratory (JPL-Institut für Strahlantriebe)
der Universität Kalifornien in Pasadena ständig weiter verbesserten Verfahren
beruht eine neue Methode, um Behälter und Verbindungsschläuche für das Aufbewahren und Umfüllen von Blutkonserven, die dazu wieder aufgetaut werden
müssen, absolut keimfrei zu machen. Die Schläuche bildeten bisher das
schwächste Glied in der Sterilisierkette. Das neue Verfahren erlaubt es jedoch, auch die Schläuche so stark zu erhitzen, daß eventuell bei der Montage
eingesickerte Keime mit Sicherheit abgetötet werden.
Die doppelwandigen Schläuche werden unter Hitzeeinwirkung verschweißt
und gleichzeitig sterilisiert. Ihr äußerer Teil und die flachen Anschlußstücke
bestehen aus einem gewöhnlichen Kunststoff, nämlich Plyvinylchlorid. Die

- l -

�Die Innenwandung, die direkt mit dem Blut in Berührung kommt, ist mit einer
speziellen, hitzebeständigen Auflage beschichtet., Sobald die Schläuche zusammengefügt sind, wird bei den Anschlußstücken mit der Wärmebehandlung (200
Grad C) begonnen. Durch das sofort einsetzende Verschweißen wird die Ausbreitung von Keimen verhindert. In den Schläuchen vorhandene Keime werden abgetötet, Das ganze Verfahren nimmt weniger als eine Minute in Anspruch.

X X X

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kein Pardon für Rauschgifthändler&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmissbrauch und seine Bekämpfung" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationales Abkommen zur Beobachtung der Ozonschicht&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Keimfreie Blutkonserven</text>
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Information
und
Dokumentation
United States Information Service

14

26. Mai 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters vor der Universität von Notre Dame
- Wortlaut AbSchlußerklärung zu den Genfer Gesprächen zwischen Vance und Gromyko

HINTERGRUNDMATERIAL
Neue Verhandlungsrunde über Seerechtskonvention in New York
Interview mit dem US-Chefdelegierten, Sonderbotschafter Elliott Richardson
USA: Mehr Produktions- und Lieferkapazitäten für angereichertes Uran
von Stewart Ramsey

Um Übet/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

14

26. Mai 1977

REDE PRÄSIDENT CARTERS VOR DER UNIVERSITÄT VON NOTRE DAME
- Wortlaut -

South Bend, Indiana - (AD) - Präsident Carter hat am 22. Mai 1977 in
einer richtungsweisenden Rede vor der Universität von Notre Dame die Grundkonzeptionen der neuen amerikanischen Außenpolitik umrissen, die sich "auf
unseren moralischen Wertvorstellungen begründen muß". Das eindeutige Ziel
dieser Außenpolitik müsse die Schaffung eines umfassenderen Rahmens für eine
internationale Zusammenarbeit sein, die den politischen Realitäten einer
neuen Welt Rechnung trägt, in der sich gegenwärtig die tiefstgreifenden
Veränderungen der Geschichte vollziehen.
Die Rede Carters hat folgenden Wortlaut:
In den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Präsident von Notre Dame ist
Father Hesburg beharrlicher und wirksamer für die Unterstützung der Rechte
der Menschen eingetreten, als jeder andere mir bekannte Amerikaner.
Sein

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

Sein Interesse an der Arbeit des Instituts für Bürgerrechte der Universität hat niemals nachgelassen, und er hat eine wichtige Rolle bei der
Ausweitung des für die Institutsarbeit gesetzten Rahmens gespielt, die sich
auf alle Völker erstrecken soll - wie dies auch die hier in den letzten
Monaten durchgeführte Konferenz über Menschenrechte und amerikanische
Außenpolitik gezeigt hat.
Dieses Interesse wurde heute mit der Wahl von Bischof Donal Lamont,
Paul Kardinal Arns und Stephen Kardinal Kim erneut manifestiert, denen die
Ehrendoktorwürde verliehen wurde.

In ihrem Kampf für die mensch1 "--.hen

Freiheiten in Rhodesien, Brasilien und Südkorea haben diese drei kirchlichen
Würdenträger all die besten Eigenschaften ihrer Länder und ihrer Kirchen in
sich vereint.

Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit Ihnen ihre Hingabe und

ihre persönlichen Opfer zu würdigen.
In der vergangenen Woche habe ich in Kalifornien über das innenpolitische
Programm für unser Land gesprochen. Unsere Aufgabe in den nächsten Jahren
besteht darin, den Bedarf unserer Bevölkerung noch wirksamer sicherzustellen
und - entgegen allen düsteren Erwartungen unserer Zeit - zu demonstrieren,
daß unsere Regierung sowohl kompetent als auch human sein kann.
Ich möchte heute über die Beziehungen sprechen, die zwischen unseren
Schritten im Ausland und unseren wesentlichen Charakterzügen als Volk bestehen.
Ich glaube, wir können eine Außenpolitik betreiben, die demokratisch ist,
die sich auf unseren grundlegenden Wertvorstellungen begründet und die
Stärke und Einfluß für humane Ziele einsetzt. Wir können ferner eine Außenpolitik verfolgen, die vom amerikanischen Volk sowohl unterstützt - als
auch verstanden wird.
Ich

- 2 -

«

�I

*

Ich habe volles Vertrauen in unser eigenes politisches System.

Da

wir wissen, daß sich die Demokratie bewährt hat, können wir auch die Argumente der Machthaber ablehnen, die ihren Völkern die Menschenrechte verweigern.
Wir sind zuversichtlich, daß das Beispiel der Demokratien überzeugend
sein wird, und daher suchen wir denen dieses Beispiel

näherzubringen, von

denen wir uns unterschieden haben und die noch nicht überzeugt sind.
Wir sind zuversichtlich, daß demokratische Mehtoden am wirksamsten sind,
und daher geraten wir auch nicht in Versuchung, unrechte Taktiken in unserem
Land - oder im Ausland - anzuwenden.
Wir sind von unserer eigenen Stärke überzeugt, und daher können wir auch
wesentliche beiderseitige Reduzierungen in dem nuklearen Wettrüsten anstreben.
Wir vertrauen auf die Vernunft unseres eigenen Volkes, und so lassen wir
es auch an dem Prozeß teilhaben, die außenpolitischen Entscheidungen zu
treffen.

Daher können wir mit den Stimmen von 215 Millionen, und nicht nur

von einer Handvoll, Menschen sprechen.
Die größten Erfolge der Demokratie in der jüngsten Zeit - in Indien,
Portugal, Griechenland, Spanien - zeigen, daß unser Vertrauen keineswegs
unangebracht ist.
Da wir vertrauensvoll in unsere eigenen Zukunft blicken, sind wir jetzt
frei von dieser übertriebenen Furcht vor der Kommunismus, die uns einst dazu
veranlaßt hat, jeden Diktator zu umarmen, der gemeinsam mit uns diese Furcht
tei1te.
Zu

- 3 -

�Zu viele Jahre lang waren wir bereit, die brüchigen Prinzipien und
Taktiken unserer Gegener anzunehmen und manchmal auch unsere Wertvorstellungen zu Gunsten der ihrigen aufzugeben.
Wir haben Feuer mit Feuer bekämpft und niemals daran gedacht, daß Feuer
besser mit Wasser bekämpft wird.
Dieser Weg schlug fehl - wobei Vietnam das beste Beispiel für seine
geistige und moralische Armut ist.
Aber durch Fehler haben wir unseren Weg zurück zu unseren eigenen Prinzipien und Wertvorstellungen gefunden, und wir haben unser verlorengegangenes
Vertrauen zurückgewonnen.
Gemessen an der Geschichte sind die 200 Jahre unseres Landes ein kurzer
Zeitraum; und unser Anstieg zur vorherrschenden Weltmacht ist noch kürzer.
Er geht auf das Jahr 1945 zurück, als Europa und die alte internationale
Ordnung beide in Trümmern lagen. Vorher stand Amerika weitgehend am Rande
der weltpolitischen Ereignisse. Danach standen wir zwangsläufig im Mittelpunkt.
Wir haben mit dazu beigetragen, solide Zeugnisse unseres Glaubens und
unserer Zielsetzungen zu errichten - die Vereingten Nationen, die Nordatlantikpaktorganisation, die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds sowie
weitere Institutionen. Dieses internationale System hat ein Vierteljahrhundert lang Bestand gehabt und sich bewährt.
Unsere Politik in dieser Zeitspanne war von zwei Prinzipien geleitet:
dem Glauben, daß die sowjetische Expansion eingedämmt werden muß, und dem
hiermit zusammenhängenden Glauben an die Wichtigkeit eines fast exklusiven
Bündnisses zwischen den nicht-kommunistischen Ländern zu beiden Seiten des
Atlantiks.
Dieses
- 4 -

�*

Dieses System konnte nicht für immer unverändert bleiben.
Trends haben seine Grundlage geschwächt.

Historische

Die einigende Gefahr eines Kon-

flikts mit der Sowjetunion ist jetzt weniger stark - auch wenn der Wettstreit weit umfassender geworden ist.
Der Vietnamkrieg hat eine tiefe moralische Krise ausgelöst und dabei
das weltweite Vertrauen in unsere Politik untergraben. Die wirtschaftlichen
Spannungen der siebziger Jahre haben das Vertrauen der Öffentlichkeit in
das Vermögen der industriellen Demokratie geschwächt, einen anhaltenden Wohlstand für ihre Bürger zu gewährleisten - eine Vertrauenskrise, die durch
den verdeckten Pessimismus einiger unserer Staatsmänner noch verstärkt wurde.
Es ist eine wohlbekannte Wahrheit, daß die Welt sich heute mitten in dem
tiefstgreifenden und raschesten Umwandlungsprozeß ihrer gesamten Geschichte
befindet.

In weniger als einer Generation hat sich das tägliche Leben und

das Streben der meisten Menschen völlig geändert.

Der Kolonialismus ist

nahezu verschwunden; ein neues Gefühl nationaler Identität ist in fast
100 jungen Ländern entstanden; Allgemeinbildung ist heute viel weiter verbreitet; das Streben ist auf viel höhere Ziele gerichtet.

Nachdem immer

mehr Menschen von traditionellen Zwängen befreit wurden, sind immer mehr
Menschen entschlossen, soziale Gerechtigkeit zu erlangen.
Die Welt ist immer noch durch ideologische Streitigkeiten gespalten, sie
wird von regionalen Konflikten beherrscht und lebt unter der drohenden
Gefahr, daß wir die Unterschiede zwischen Rassen und Wohlstand nicht beseitigen können, ohne daß es zu Gewalttätigkeiten kommt oder die großen
Militärmächte in einen Krieg hineingezogen werden.

Wir können nicht länger

die traditionellen Fragen Krieg und Frieden von den neuen weltweiten Problemen
Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte trennen.
Es ist

�Es ist eine neue Welt - aber Amerika sollte sie nicht fürchten.
eine neue Welt - und wir sollten dazu beitragen, sie zu formen.

Es ist

Es ist

eine neue Welt, die eine neue amerikanische Außenpolitik erfordert - eine
Politik, die sich auf eine Haltung des Anstands in ihren Werten und auf
Optimismus in ihrem historischen Ausblick gründet.
Wir können nicht länger eine Politik nur für die Industrieländer als
Grundlage der globalen Stabilität verfolgen, sondern wir müssen auf die
neue Realität einer politisch erwachenden Welt reagieren.
Wir können nicht länger erwarten, daß die anderen 150 Nationen dem Diktat
der Mächtigen folgen, aber wir müssen auch weiterhin vertrauensvoll unsere
Bemühungen fortsetzen, Impulse zu geben, zu überzeugen und zu führen.
Unsere Politik muß unsere Überzeugung widerspiegeln, daß die Welt auf
mehr als auf einfaches überleben hoffen kann, und die Überzeugung, daß
Würde und Freiheit die fundamentalen geistigen Erfordernisse des Menschen
sind.
Unsere Politik muß ein internationales System formen, das länger andauert
als Geheimabkommen.
Wir können eine solche Politik nicht durch Manipulationen gestalten.
Unsere Politik muß offen und freimütig sein; sie muß eine Politik des konstruktiven weltweiten Engagements sein, die auf folgenden fünf Grundvoraussetzungen ruht:
Erstens

sollte unsere Politik die grundlegende Verpflichtung unseres

Volkes widerspiegeln, die Sache der Menschenrechte zu fördern.
Dann

�*

Dann sollte unsere Politik sich auf eine enge Zusammenarbeit zwischen
den industriellen Demokratien der Welt gründen, weil wir dieselben Werte
teilen und weil wir gemeinsam dazu beitragen können, ein besseres Leben
für alle zu schaffen.
Auf der Grundlage einer starken Verteidigungskapazität muß unsere Politik
auch versuchen, die Beziehungen mit der Sowjetunion und mit China in einer
Weise zu verbessern, die sowohl umfassender ist als auch auf größerer
Gegenseitigkeit beruht. Auch wenn wir keine ideologischen Gegensätze überwinden können, so müssen wir doch Anpassungen erreichen, die das Risiko des
Krieges vermindern.
Unsere Politik muß sich ferner auf die Entwicklungsländer erstrecken,
um Leiden zu mildern und um die Lücke zwischen den Reichen und den Armen
dieser Welt zu verringern.
Schließlich muß unsere Politik alle Länder dazu ermutigen, sich über
enge nationale Interessen zu erheben und gemeinsam nach Lösungen für solche
überaus schwierigen weltweiten Probleme wie die Drohung des Atomkrieges, den
Rassenhaß, Umweltschäden, Hunger und Krankheit zu suchen.
Seit Januar haben wir damit begonnen, eine Außenpolitik zu entwickeln
und in Gang zu setzen, die auf diesen Voraussetzungen fußt, und ich habe
mich bemüht, diese Voraussetzungen dem amerikanischen Volk klar vor Augen
zu führen. Lassen Sie mich einen kurzen Überblick geben über das, was
wir getan haben, und lassen Sie mich darlegen, was wir zu tun beabsichtigen.
Erstens haben wir Amerikas Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten
als fundamentalen Grundsatz unserer Außenpolitik bekräftigt.

Was unsere

Vorfahren, Religion und Hautfarbe, unseren Herkunftsort und unseren
kulturellen Hindergrund angeht, so sind wir eine so mannigfaltige Nation,
wie sie die Welt je gekannt hat.

Nichts Mystisches von Blut und Boden ver-

eint uns. Was uns zusammenbindet - vielleicht mehr als alles andere - ist

- 7 -

�*

ist unser Glaube an die menschliche Freiheit.

Wir möchten die Welt wissen

lassen, daß unsere Nation für mehr eintritt als finanzielle Prosperität.
Das heißt nicht, daß wir unsere Außenpolitik mit Hilfe starrer moralischer
Maxime

führen können.

Wir leben in einer Welt, die unvollkommen ist und

immer unvollkommen sein wird - in einer Welt, die kompliziert ist und
immer kompliziert sein wird.
Ich bin mir vollkommen der Grenzen der moralischen Überprüfungskraft
bewußt.

Ich mache mir keine Illusionen, daß Veränderungen leicht oder

schon bald eintreten werden.

Aber ich glaube auch, daß es ein Fehler ist,

die Macht des Wortes und der Ideen, die das Wort umfaßt, zu unterschätzen.
In unserer Geschichte reicht diese Macht von Thomas Paines "Der gesunde
Menschenverstand" bis zu Martin Luther Kings "Ich

habe einen Traum".

Im Bereich des menschlichen Geistes sind Worte auch Aktion - und zwar
weit mehr, als es manchen von uns klar ist, die in Ländern leben, wo die
Freiheit der Meinung für selbstverständlich gehalten wird.
Die Führer der totalitären Länder verstehen dies sehr wohl.

Der

Beweis dafür ist, daß das Wort genau die Aktion ist, deretwegen Dissidenten
in diesen Ländern verfolgt werden.
Nichtsdestoweniger können wir schon bedeutsame weltweite Fortschritte
bezüglich des Schutzes des Einzelnen vor der willkürlichen Macht des Staates
sehen. Würden wir diese Tendenz ignorieren, dann würden wir an Einfluß
und moralischer Autorität in der Welt verlieren. Um führen zu können,
müssen wir die moralische Kraft wiedergewinnen, über die wir einst verfügten.
Alle

�Alle Menschen werden aus diesen Fortschritten Nutzen ziehen. Aus
freiem und offenem Wettstreit erwächst kreative Veränderung - in der Politik,
im Handel, in der Wissenschaft und in der Kunst. Aus der Kontrolle erwachsen Konformität und Verzweiflung.
Die großen Demokratien sind nicht frei, weil sie stark und wirtschaftlich erfolgreich sind.

Sie sind stark und wirtschaftlich erfolgreich,

weil sie frei sind.
Zweitens haben wir uns bewußt bemüht, die Bindungen zwischen unseren
Demokratien zu stärken. Auf unseren kürzlichen Konferenzen in London sind
wir übereingekommen, unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu erweitern,
den freien Handel zu fördern, das Weltwährungssystem zu stärken und nach
Mitteln und Wegen zu suchen, um eine nukleare Proliferation zu vermeiden.
Wir bereiteten konstruktive Vorschläge für die bevorstehenden Konferenzen
über die Nord-Süd-Probleme der Armut, der Entwicklung und des globalen
Wohlergehens vor, und wir einigten uns über gemeinsame Bemühungen zur
Verstärkung und Modernisierung unserer gemeinsamen Verteidigung.
Und was noch wichtiger ist: Alle von uns bekräftigten unseren grundlegenden Optimismus hinsichtlich der Zukunft des demokratischen Systems.
Dieser Geist des Vertrauens breitet sich aus. Gemeinsam können unsere
Demokratien dazu beitragen, ein größeres System der weltweiten Zusammenarbeit zu formen - und das Londoner Treffen war ein erfolgreicher Schritt
in Richtung auf dieses Ziel.
Drittens haben wir Schritte unternommen, um die Sowjetunion für gemeinsame Anstrengungen zur Beeindigung des strategischen Wettrüstens zu
gewinnen. Dieses Wettrüsten ist nicht nur gefährlich, es ist auch moralisch
beklagenswert. Wir müssen ihm eine Ende setzen.
Ich

- 9 -

�Ich weiß, daß es nicht leicht sein wird, Übereinkünfte zustandezubringen.

Die Probleme sind außerordentlich komplex und die amerikanischen

und die sowjetischen Interessen, Vorstellungen und Bestrebungen sehr
unterschiedlich.

Wir müssen ebenso geduldig wie umsichtig vorgehen.

Unser Ziel ist es, beiden Seiten gegenüber fair zu sein, um zu reziproker Stabilität, Parität und Sicherheit zu gelangen.

Wir wünschen eine

Einfrierung der weiteren Modernisierung der strategischen Waffen und
deren ständige erhebliche Verringerung.

Wir wünschen einen umfassenden

Kernwaffenteststopp, ein Verbot der chemischen Kriegführung, keine Angriffskapazitäten gegen Raumsatelliten und eine Begrenzung der Rüstungen im
Gebiet des Indischen Ozeans.
Ich hoffe, daß es uns möglich sein wird, zusammen mit allen Ländern
gemeinsame Schritte zu unternehmen, um die Kernwaffen vollständig aus unseren
Todesarsenalen zu eliminieren.

Wir werden beharrlich darauf hinwirken.

Ich glaube an die Entspannung im Verhältnis zur Sowjetunion.
bedeutet sie Fortschritt in Richtung auf den Frieden.
schritt muß sowohl umfassend als auch reziprok sein.

Für mich

Aber dieser FortEs wird uns nicht

möglich sein, einem Teil der Welt zur Ruhe zu verhelfen

und in einem

anderen Teil die Verschärfung der Konflikte hinzunehmen.
Die Auswirkungen der Detente sollten sich nicht allein auf unsere beiden
Länder beschränken.

Wir hoffen, daß sich die sowjetischen Führer uns in

dem Bemühen anschließen werden, die Weiterverbreitung von Nuklearsprengstoffen
zu unterbinden und die Verkäufe von konventionellen Waffen zu verringern.
Wir hoffen, die Sowjetunion davon überzeugen zu können, daß kein Land das
Recht hat, sein eigenes gesellschaftliches System anderen aufzuzwingen weder durch direkte militärische Intervention noch durch den Einsatz der
militärischen Streitkräfte eines Vasallenstaates, wie im Falle der kubanischen
Intervention in Angola.
Kooperation

�Kooperation bringt auch Verpflichtungen mit sich.

Wir hoffen, die

Sowjetunion dazu bewegen zu können, in Zukunft auch in der Unterstützung
der Entwicklungsländer eine größere Rolle zu spielen, weil gemeinsame
Hilfsanstrengungen dazu beitragen werden, eine Brücke des gegenseitigen
Vertrauens zwischen uns zu schaffen.
Viertens unternehmen wir wohlüberlegte Schritte, um die Chancen für
einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu verbessern.
In weitreichenden Konsultationen mit führenden Politikern der betroffenen Länder haben wir einige Bereiche der Übereinstimmung herausgefunden und eine gewisse Bewegung in Richtung auf einen Konsensus in Gang
gebracht.

Diese Verhandlungen müssen fortgesetzt werden.

In meinen öffentlichen Äußerungen habe ich ferner versucht, ein flexibleres Rahmenwerk für die Erörterung von drei Schlüssel fragen vorzuschlagen,
die bisher nicht in den Griff zu bekommen waren: die Gestalt eines umfassenden Friedens, die Zusammenhänge zwischen Sicherheit und Grenzen und
die Frage der palästinensischen Heimstatt.
Die historische Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
Israel hängt nicht von der Innenpolitik des einen oder des anderen Landes
ab; sie leitet sich vielmehr ab von unserer gemeinsamen Achtung vor der
Freiheit des Menschen und von unserer gemeinsamen Suche nach dauerhaftem
Frieden.

Wir werden weiterhin auf eine Regelung drängen, wie wir sie alle

brauchen.

Unsere gemeinsame Politik wird durch Veränderungen der Führer-

schaft in irgendeinem der Länder in Nahost nicht berührt.

Deshalb erwarten

wir von Israel und seinen Nachbarn, daß sie sich weiterhin an die Entschließungen Nr. 242 und 338 der Vereinten Nationen gebunden fühlen, denen
sie zu einem früheren Zeitpunkt bereits zugestimmt haben.
Die

- 11 -

�Die Gegenwart kann durchaus der bestgeeignete Zeitpunkt für eine echte
Regelung seit Beginn des arabisch-israelischen Konflikts sein.

Diese

Gelegenheit zu verpassen, könnte Unheil bedeuten - nicht nur für den
Nahen Osten, sondern vielleicht auch für die internationale politische
und wirtschaftliche Ordnung.
Fünftens versuchen wir trotz des Risikos, daß es zu Reibungen mit unseren
Freunden kommt, die Gefahr einer nuklearen Proliferation und einer weltweiten Verbreitung konventioneller Waffen zu vermindern.
Auf dem jüngsten Gipfel herrschte allgemeine Obereinstimmung, daß die
Proliferation von Kernbrennstoffen aus der Wiederaufbereitung von abgebrannten Kernbrennstoffen eine ernste Frage darstellt.

Wir haben nunmehr

internationale Bemühungen in Gang gesetzt, die besten Methoden der Nutzung
der Kernenergie für friedliche Zwecke herauszufinden und gleichzeitig die
Gefahren zu verringern, daß ihre Produkte für die Herstellung von Sprengstoffen abgezweigt werden.
Wir haben ferner eine umfassende Überprüfung unserer eigenen Politik
betreffend die Weitergabe von Waffen abgeschlossen.

Der Wettbewerb im

Verkauf von Rüstungsgütern ist dem Frieden abträglich und stört die Wirtschaft
liehe Entwicklung der ärmeren Nationen.
Wir werden im Zuge unserer nationalen Politik darauf bedacht sein, den
jährlichen Dollarwert der Waffenverkäufe zu verringern, die Weitergabe von
modernsten Waffen zu beschränken und das Ausmaß unserer Koproduktionsabsprachen mit anderen Staaten zu vermindern.

Und was ebenso wichtig ist, wir

werden versuchen, andere Nationen dazu zu bewegen, sich uns in diesen
Bemühungen anzuschließen.
Das alles ist erst der Anfang.

Es ist aber ein Anfang, der auf ein

klares Ziel hinweist: einen größeren Rahmen für eine den neuen historischen
Umständen angemessene internationale Zusammenarbeit zu schaffen.
Wir
- 12 -

�Wir werden enger mit den einflußreicheren unter den Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien zusammenarbeiten.

Wir brauchen ihre Freundschaft

und ihre Mitarbeit bei gemeinsamen Bemühungen in einer Zeit, in der
sich die Machtstrukturen der Welt verändern.
Vor über hundert Jahren erklärte Abraham Lincoln, unsere Nation könnte
nicht halb als Sklaven- und halb als ein freier Staat existieren. Und
wir wissen, daß eine friedliche Welt nicht zu einem Drittel reich und zu
zwei Dritteln hungrig sein kann.
Die meisten Länder teilen unseren Glauben, demzufolge ein langfristiger,
erweiterter und für alle Beteiligten vorteilhafter Handel den Entwicklungsländern am ehesten dazu verhilft, sich selbst zu helfen. Aber die unmittelbaren Probleme des Hungers, der Krankheit, des Analphabetentums und
der Unterdrückung stellen sich uns hier und heute.
Die Demokratien des Westens, die OPEC-Staaten und die wirtschaftliche
entwickelten kommunistischen Länder können über bereits bestehende internationale Instiutionen zu dem Zweck zusammenarbeiten, wirksamere Hilfe
zu gewähren.

Das ist eine hervorragende Alternative zum Krieg.

Es liegt ein besonderes Bedürfnis für die Zusammenarbeit und für
Konsultationen mit anderen Ländern dieser Hemisphäre vor. Wir brauchen kein
neues Schlagwort; obwohl es sich hier um eine Freunde und Nachbarn handelt,
sind unsere Bindungen zu ihnen gleichermaßen wie unsere Bindungen zur übrigen
Welt Bindungen der Gleichheit. Wir werden sie als Teil eines neuen weltweiten Mosaiks aus globalen, regionalen und bilateralen Beziehungen behandeln.
Es ist

- 13 -

�Es ist wichtig, daß wir Fortschritte in Richtung auf eine Normalisierung
der Beziehungen zur Volksrepublik China machen.

Wir halten die amerikanisch-

chinesischen Beziehungen für ein zentrales Element unserer Weltpolitik, und
China ist eine Schlüssel kraft des Weltfriedens.

Wir wünschen,mit dem

schöpferischen chinesischen Volk bezüglich der Probleme,mit denen sich die
gesamte Menschheit konfrontiert sieht, eng zusammenzuarbeiten.

Wir hoffen,

eine Formel finden zu können, die einige der Schwierigkeiten zu überbrücken vermag, die uns noch immer trennen.
Lassen Sie mich bitte abschließend sagen, daß wir uns zu einer friedlichen Beilegung der Krise in Südafrika verpflichtet fühlen.

Die Zeit

ist gekommen, das Prinzip der Herrschaft der Mehrheit zur Grundlage der
politischen Ordnung zu machen - in Anerkennung des Prinzips, daß die
Rechte der Minderheit in einem demokratischen System ebenfalls geschützt
werden müssen.

Um friedvoll zu sein, muß der Wandel prompt erfolgen.

Die

Vereinigten Staaten sind etnschlossen, mit ihren europäischen Verbündeten
und den betroffenen afrikanischen Staaten zusammenzuarbeiten, um einen
angemessenen internationalen Rahmen für die rasche und progressive Verwandlung der südafrikanischen Gesellschaft zu schaffen und diese von unverdienter Beeinträchtigung von außen her zu schützen.
Lassen Sie mich abschließend zusammenfassen:
Unsere Politik basiert auf einer historischen Vision der Rolle Amerikas;
sie leitet sich her von einer umfassenderen Betrachtungsweise des globalen Wandels;
sie beruht auf unseren moralischen Wertvorstellungen;
sie wird gestützt durch unseren materiellen Wohlstand und unsere militärische Macht;
sie verfolgt den Zweck, der Menschheit zu dienen; und
sie entspricht einer Politik, die Sie, wie ich hoffe, stolz machen wird,
Amerikaner zu sein.
+ + +

- 14 -

�Dokumentation
United States Information Service

14

26. Mai 1977

ABSCHLUSSERKLÄRUNG ZU DEN GENFER GESPRÄCHEN
ZWISCHEN VANCE UND GROMYKO

Genf - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance
und der sowjetische Außenminister A.A. Gromyko gaben nach Abschluß ihrer
Gespräche über die Begrenzung der strategischen Waffen in Genf am 21. Mai
eine gemeinsame Erklärung heraus, die folgenden Wortlaut hat:
"In Fortführung des Gesprächs zwischen dem Außenminister der Vereinigten
Staaten, Cyrus R. Vance, und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, L. I. Breschnew, sowie dem Mitglied des Politbüros der KPdSU und
Außenminister der UdSSR, A. A. Gromyko, das Ende März 1977 in Moskau
stattfand, trafen sich Cyrus R. Vance und A. A. Gromyko vom 18. bis 20. Mai
in Genf.
Sie prüften im einzelnen die Situation hinsichtlich der Vorbereitung
eines neuen Abkommens über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen,
das auf dem Obereinkommen von Wladiwostok beruht und die Ergebnisse der
nachfolgenden Diskussionen in Rechnung stellt.

Beide Seiten stimmten überein,

daß die Gespräche in Genf notwendig und nützlich waren und daß ein Fortschritt
bei der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für weitere Verhandlungen

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Verhandlungen erzielt wurde.

Als Folge des Meinungsaustauschs wurden die

Differenzen zwischen den beiden Seiten in Bezug auf mehrere vorher ungelöste
Fragen verringert.

Man kam überein, daß die Erörterung aller ungelösten

Fragen fortgesetzt wird mit d?m Ziel eines baldigen Abschlusses eines neuen
Abkommens, das an die Stelle des Interimabkommens über gewisse Maßnahmen
hinsichtlich der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen treten wird.
Zwischen Cyrus R. Vance und A. A. Gromyko kam es ferner zu einem gründlichen Meinungsaustausch über das Problem einer Lösung in Nahen Osten.
Beide Seiten gehen von der Prämisse aus, daß die Eliminierung der
beständigen Quelle der Spannung im Nahen Osten eine der Hauptaufgaben für
die Gewährleistung des Friedens und der internationalen Sicherheit darstellt.

Sie sind überzeugt, daß zur Erreichung dieses Zieles eine wichtige

Rolle der Genfer Friedenskonferenz über den Nahen Osten zukommt - einem
internationalen Forum, das speziell dafür eingesetzt wurde, über eine Lösung
des Nahost-Problems im Interesse aller betroffenen Parteien zu verhandeln.
Nachdem sie bekräftigt hatten, daß beiderseitige Anstrengungen der USA
und der UdSSR, die Ko-Vorsitzende der Genfer Konferenz sind, von wesentlicher
Bedeutung für die Erreichung eines gerechten, dauerhaften und stabilen
Friedens im Nahen Osten sind, kamen beide Seiten überein, ihre gemeinsamen
Anstrengungen auf die Wiederaufnahme der Arbeit der Konferenz im Herbst 1977
zu richten, wobei sie die Bedeutung einer sorgfältigen Vorbereitung vor dem
Zusammentreten der Konferenz anerkannten. Zu diesem Zwecke werden die Vereinigten Staaten und die UdSSR monatliche Konsultationen auf Botschafterebene
in Washington oder Moskau führen. Sie stimmten ferner überein, daß sie in
dieser Richtung auch in ihren Kontakten mit den unmittelbar in den NahostKonflikt verwickelten Parteien wirken werden."
+ + +

�MiUnited States Information Service

26. Mai 1977

14

NEUE VERHANDLUNGSRUNDE OBER SEERECHTSKONVENTION IN NEW YORK
Interview mit dem US-Chefdelegierten, Sonderbotschafter
Elliott Richardson

Der amerikanische Sonderbotschafter
Elliott Richardson und US-Chefdelegierte
auf der Seerechtskonferenz der UN, die
am 23. Mai in New York zu einer neuen
Sitzungsperiode zusammengetreten ist,
hat in einem dem US-Informationsamt
(USIA) gegebenen Exklusivinterview die
Aufgaben und Ziele dieser Konferenz dargelegt. Dabei gab Richardson der
Hoffnung Ausdruck, daß die gegenwärtigen
Beratungen der Vertreter aus rund 150
Ländern, die sich über mehrere Wochen
hinziehen werden, zu konkreten Fortschritten führen, da sonst Gefahr besteht,
daß einzelne Länder einseitige Schritte
unternehmen könnten.
Frage:

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Frage:

Herr Botschafter, nehmen wir die Seerechtskonferenz als einen

konkreten Begriff, welche Bedeutung kommt ihr auf dem weiten Feld internationaler Verhandlungen zu?
Antwort:

Die Bedeutung dieser Konferenz ist nicht allein in der Schaffung

eines Rahmens für das Seerecht, sondern auch in ihren Auswirkungen auf
weitere Gebiete zu sehen.
Die Tatsache, daß hier Verhandlungen zwischen 150 Ländern geführt werden,
zwingt zu einem Procedere nach Konsens. Angesichts dessen, was hier auf dem
Spiele steht, wäre ein Erfolg der Konferenz ein deutlicher Beweis dafür,
daß Länder mit so unterschiedlichen Interessen, wirtschaftlichem Entwicklungsstand, politischen Auffassungen und kulturellen Traditionen in der Lage
sind, sich zu einem kreativen Vorhaben auf dem Gebiet des Völkerrechts *n
einem Tisch zusammenzusetzen.

Auf der anderen Seite würde ein Fehlschlagen

der Verhandlungen einen schweren Rückschlag für die Bemühungen bedeuten, auch
bei anderen multilateralen Verhandlungen zu Erfolgen zu gelangen.

Die Kon-

ferenz hat somit Präzedenzfall-Auswirkungen angesichts der ineinandergreifenden multilateralen Verhandlungen in so vielen anderen Bereichen, von denen
praktisch die gesamte Welt betroffen wird.
Frage: Einige Beobachter haben in der Konferenz eine Konfrontation
zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern gesehen; stimmt
dies?
Antwort: In gewisser Beziehung stellt die Konferenz die bekannteste
Phase des Nord-Süd-Dialogs dar. Viele der diffizilsten Fragen, denen sich
die Konferenz gegenübersieht, gehen auf unterschiedliche Auffassungen und
unterschiedliche wirtschaftliche Interessen der Industriestaaten und der
Entwicklungsländer zurück. Die Chance wie auch das Risiko dieser Konferenz
ist, daß sie von vielen Teilnehmern als Forum betrachtet wird, auf dem
Industriestaaten und Entwicklungsländer ein Verfahren für eine gemeinsame
Lösung für die Konzeption einer "neuen internationalen Wirtschaftsordnung"
testen.
- 2 -

�testen.

Die Gruppe der 77 zum Beispiel - heute sind es 110 Länder - ist

die Hauptkraft auf dieser Konferenz, auf der die Entwicklungsländer Positionen
zur Förderung der in der neuen internationalen Wirtschaftsordnung niedergelegten Ziele formulieren.
Stellung.

Und diese Gruppe bezieht zu allen wichtigen Fragen

So hat die Frage, ob es dem Norden und dem Süden, den Reichen

und den Armen, den Entwicklungsländern und den Industriestaaten gelingt,
in diesem Rahmen eine Übereinstimmung zu erzielen, auch Auswirkungen auf
einen möglichen Erfolg in anderen Foren.
Frage:

Wie würde sich dies auf andere Bereiche auswirken?

Antwort: Einige der in den Bestimmungen des Vertrages angestrebten Anpassungen werden konkrete Auswirkungen auf andere Bereiche haben. So kann
zum Beispiel die Frage der Kontrolle der Internationalen Meeresbodenbehörde - die jeweilige Rolle des Rates und der Versammlung, das Abstimmungsverfahren im Rat - überall dort von Bedeutung sein, wo es gilt, einen
Ausgleich zwischen dem gleichen Stimmrecht aller Länder und Einern Stimmrecht
zu finden, das dem Ausmaß und dem jeweiligen Interesse der großen Länder
Rechnung trägt. Wenn wir uns künftig mit der Schaffung der erforderlichen
Institutionen befassen, wie sie aufgrund der wirtschaftlichen Interdependenz
notwendig geworden sind, werden wir auch immer öfter auf Lösungen zurückgreifen müssen, die auf der Seerechtskonferenz ausgearbeitet worden sind.
Zu den Gebieten, denen weltweites Interesse entgegengebracht wird und bei
denen auf Lösungen dieser Konferenz zurückgegriffen werden dürfte, gehören
zum Beispiel die Antarktis und der Weltraum. Ich habe erst kürzlich mit
einem Anwalt gesprochen, der sich auf Rechtsfragen spezialisiert tat, die mit
Weltraumsatelliten zu tun haben. Er sagte mir, daß von den Experten genauestens verfolgt wird, was im Hinblick auf das Seerecht geschieht.

Frage:

Wir sprechen über die Schaffung umfassender internationaler

Rechtsnormen, die sich aus dem Seerecht ergeben können?
Antwort:

- 3 -

�Antwort:

Ja, denn dies hier ist ein Testfall dafür, ob die Welt wirk-

lich in der Lage ist, rechliche Institutionen zu schaffen, die Konflikte
abwenden und Streitigkeiten beilegen können.

Es geht hier letztlich um

den Versuch, ein System aufzubauen, um dem Recht in Situationen Geltung
zu verschaffen, die sonst möglicherweise zu einem Konflikt führen oder
leicht in Anarchie ausarten könnten.
Frage:
Antwort:

Was aber, wenn die Seerechtskonferenz fehlschlägt?
Ein Fehl schlag würde zur Anarchie auf den Weltmeeren führen.

Darum muß man verstehen, warum sich die Welt so stark in einer Seerechtskonferenz engagiert hat, die Jahr um Jahr hartnäckig und entschlossen auf
ein Abkommen hingearbeitet hat.

Warum nun geben sich die Küstenstaaten und

die seefahrenden Länder, die Staaten ohne Zugang zu den Weltmeeren und die
geographisch benachteiligten Länder nicht damit zufrieden, weiterhin an den
Bestimmungen des herkömmlichen Völkerrechts festzuhalten, das seit dem
17. Jahrhundert besteht?
Frage:

Ja, warum?

Antwort: Es lassen sich meines Erachtens verschiedene Entwicklungen
erkennen, deren Tempo sich in den letzten Jahren zunehmend beschleunigt hat.
Da ist einmal die technologische Evolution, die es ermöglicht hat, die Erdgas- und Erdölreserven des Kontinentalschelfs in immer größerer Entfernung
von den Küsten zu erschließen. Damit wurde es notwendig, die Hoheitsgewalt
der Küstenstaaten gegenüber der internationalen Rechtsprechung immer genauer abzugrenzen. Da sind weiter die technologischen Entwicklungen, durch
die die mineralischen Schätze des Meeresbodens der Tiefsee in Reichweite
gerückt wurden. Damit wird es notwendig, einen sicheren rechtlichen Rahmen
für den Meeresbodenbergbau zu schaffen. Weiter ist da das drängende Problem
der Nahrungsmittelreserven. Die Nahrungsmittel des Meeres stellen riesige
Proteinreserven dar - doch stehen zahlreiche Fischbestände am Rande der Vernichtung, da es keine vereinbarten rechtlichen Bestimmungen für ihren Schutz
- 4 -

�Schutz gibt.

Schließlich besteht eine wachsende Gefahr, daß die Nahrungs-

mittelreserven der Meere durch die Umweltverschmutzung vernichtet werden.
Die starke Zunahme der Erdöl mengen, die von einem Teil der Welt in andere
Gebiete transportiert werden müssen, machen es immer zwingender, einen Rahmen
von Normen zum Schutze der Weltmeere vor Umweltverschmutzung zu schaffen.
Frage:

Auf der Konferenz ist bisher noch kein Vertrag ausgearbeitet

worden, und vermutlich hat es somit auch kein neues Recht gegeben?
Antwort: Von Beginn ihrer Beratungen vor drei Jahren an hat die
Konferenz neue Rechtsprinzipien erarbeitet. So gab es beispielsweise die
Ausdehnung der Territorialgewässer von drei auf 12 Seemeilen und die
Konzeption einer exklusiven 200-Meilen-Wirtschaftszone.
Frage:

Hat dies nicht zu einseitigen Maßnahmen einiger Länder, unter

anderem auch der Vereinigten Staaten, geführt?
Antwort: Der wirtschaftliche Druck und die Sorge um den Schutz der
Weltmeere vor Umweltverschmutzung haben bei immer mehr Ländern zu Ansprüchen
auf Souveränitätsrechte als Küstenstaaten geführt. Unser Gesetz zum Schutz
der Fischbestände ist zum Beispiel ein solcher, allerdings sehr begrenzter
Anspruch. Solange es kein internationales Abkommen gibt, können die
territorialen Ansprüche der Küstenstaaten auf Kosten der traditionellen
Freiheit der Meere weiter ausgebaut werden. Totale territoriale Ansprüche auf
die 200-Meilen-Wirtschaftszone würden die Freiheit der Schiffahrt in über
30 Prozent der Weltmeere beschneiden. Und solange es keine Abkommen über die
Durchfahrt durch internationale Schiffahrtsstraßen gibt, würde es für 116
solcher Schiffahrtsstraßen in aller Welt Streitigkeiten über die anzuwendenden
Schiffahrtsregeln geben.
Frage:

Könnten solche Streitigkeiten möglicherweise zu Kettenreaktionen

führen?
Antwort:

�Antwort:

Sie könnten dazu führen, daß statt der Freiheit der üblichen

Benutzung - dies schließt auch die Durchfahrt getauchter U-Boote, das
überfliegen von Zivil- und Militärflugzeugen sowie die übliche Benutzung
der exklusivien Wirtschaftszone nach den für die offene See geltenden
Bestimmungen ein - territoriale Seerechtsbestimmungen gelten, die nur
unschädliche Durchfahrten zulassen.

Damit wären dann die großen Schiffahrts-

länder in einer peinlichen Verlegenheit: sie ständen vor der Entscheidung, ob
sie sich solchen Souveränitätsansprüchen der Küstenstaaten beugen oder gegen
sie angehen sollten.

Wir könnten beispielsweise unsere Rechtsansprüche

verlieren, weil wir von ihnen keinen Gebrauch machen oder sie einfach aufgeben.

Wenn die Schiffahrtsländer auf der anderen Seite ihre Rechtsansprüche

angesichts derdiesen entgegenstehenden Ausdehnung der Souveränität geltendmachen, würde dies zu einem wachsenden Unmut auf Seiten einer immer größeren
Zahl von Ländern führen.
der Kanonenbootdiplomatie.

Diese Alternative wäre ein Rückfall in die Zeit
Langfristig wären die vom Export ihrer Rohstoffe

abhängigen Entwicklungsländer und die auf den Export ihrer Fertigerzeugnisse
angewiesenen Industriestaaten die Verlierer.

Eine weltweite wirtschaftliche

Entwicklung setzt eine Anwendung des Rechts voraus, die Handel und Schiffahrt
ein Maximum an Freiheit gibt.
Frage:

Sie sind also der Ansicht, daß diese Sitzungsperiode in New York

unter einem starken Zwang steht, Fortschritte zu erzielen?
Antwort: Zumindest drei Punkte müssen beachtet werden. Da ist einmal
der enttäuschende Ausgang der letzten Sitzungsperiode, der die Möglichkeit
anklingen ließ, daß in den die Nutzung des Meeresbodens betreffenden
Fragen nur wenig Fortschritt erzielt werden könnte. Ein zweiter derartiger
Fehl schlag würde höchstwahrscheinlich zu einer Atmosphäre führen, die von
der Suche nach Sündenböcken und von Gegenbeschuldigungen gekennzeichnet wäre.
Die Folge wäre, sofern es nicht zu einem völligen Zusammenbruch der Konferenz
käme, daß weitere Bemühungen zur Erzielung eines Abkommens auf unbestimmte
Zeit hinausgeschoben würden. Zum anderen wäre es unmöglich, wenn keine

- 6 -

�keine wesentlichen Fortschritte erzielt werden, einseitige gesetzliche Maßnahmen einzelner Länder länger zu verhindern.

Das könnte zum Beispiel zu

einer Beeinträchtigung des Rechts auf freie Schiffahrt in der vorgeschlagenen
200-Meilenzone und zu beschränkten nationalen Projekten für eine Erschließung des Meeresbodens führen.

Und schließlich besteht meines Erachtens

seitens der Teilnemerstaaten die Einsicht, daß es sich hier in der Tat um
einen wichtigen Vorstoß handelt, ein neues Gebäude der Weltordnung zu
errichten.

Die in diese Bemühungen gesetzten Hoffnungen sind zerbrechlich.

Aber werden sie zunichtegemacht, so könnte dies zu noch größerer
Enttäuschung führen.

Gehen sie jedoch in Erfüllung, so wäre dies ein

Triumph der internationalen Zusammenarbeit.
+ + +

- 7 -

�26. Mai 1977

14

USA: MEHR PRODUKTIONS- UND LIEFERKAPAZITÄTEN
FÜR ANGEREICHERTES URAN

von Stewart Ramsey

- (AD) - Die Entwicklung des natriumgekühlten Schnellbrutreaktors, der
Plutonium produziert und als Kernbrennstoff benutzt, soll einer Entscheidung der Regierung Carter zufolge gedrosselt werden.

Das bedeutet

u.a., daß die Vereinigten Staaten die Herstellung von angereichertem Uran
mit größerem Nachdruck verfolgen, um die heutige Generation von Leichtwasserreaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.
Wenn der Kongreß zustimmt, werden die USA ihre Anreicherungskapazitäten
vergrößeren und auch wieder neue Verträge zur Lieferung von angereichertem
Uran an das Ausland abschließen können.

Seit drei Jahren wurden nur

Lieferungen auf der Basis bereits bestehender Verträge ausgeführt.

Präsident

Carter ist jedoch aufgrund gewisser Vereinbarungen ermächtigt, für
Forschungs- und Testreaktoren die Ausfuhr von hoch angereichertem Uran
zu genehmigen - d. h. von Uran, das mehr als 20 Prozent Uran-235 enthält.
Im Gegensatz dazu ist das Uran für die Leichtwasserreaktoren der Kernkraftwerke im allgemeinen nur auf 2-4 Prozent angereichert.
Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Die USA beabsichtigen, wie Präsident Carter am 7. April 1977 bekanntgab, die Produktionskapazität für plutoniumfreie Kernbrennstoffe, insbesondere für angereichertes Uran, zu erhöhen, um für den Bedarf des Inund Auslandes "ausreichend und rechtzeitig Kernbrennstoffe zu beschaffen..."
Damit andere Länder nicht mehr gezwungen seien, solche Materialien in
eigener Regie zu entwickeln, werden zusätzliche Maßnahmen vorbereitet, die
es den Vereinigten Staaten erlauben, neue Lieferverpflichtungen für Kernbrennstoff zu übernehmen.

Sie sollen "jedem anderen Land, das sich ein-

verstanden erklärt, unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung (von Kernwaffen) ebenfalls zu verfolgen, und bereit ist, Bedingungen zu akzeptieren",
die Lieferung von Kernbrennstoff garantieren.
Die hier erwähnte Einschränkung ist in einer Gesetzesvorlage, die dem
US-Kongreß am 28. April zugeleitet wurde, im einzelnen erläutert.

Demnach

würden die Vereinigten Staaten
- einem Land, das nicht zu den Atommächten ^ählt, keinen Kernbrennstoff
liefern, wenn dieses Land zu irgendeinem Zeitpunkt nach Inkrafttreten der
neuen Gesetze einen nuklearen Sprengsatz zündet;
- auf ihrer Zustimmung zur Wiederaufarbeitung oder Übereignung von
Kernbrennstoff aus amerikanischen Lieferungen oder von Material, das mit
Hilfe amerikanischer Ausrüstungen produziert wurde, in jedem Einzelfall
bestehen;
-

- als Dauerverpflichtung bei einer Belieferung durch die USA fordern,
jegliche kerntechnische Aktivität den Sicherheitsmaßnahmen zu unterstellen,
die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wahrgenommen werden.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten würden sich um Neuverhandlungen über bereits
laufende Abkommen zur Zusammenarbeit bemühen, jedoch nicht versuchen,
diese Verträge rückwirkend durch neue Bedingungen zu ergänzen. Gegenwärtig
stellen die USA etwa 90 Prozent des gesamten angereicherten Urans zur Verfügung, das für friedliche Zwecke verwendet wird.
So würde das Thema einer möglichen nuklearen Proliferation auch auf
der Londoner Gipfelkonferer.z der westlichen Industriestaaten (7./8. Mai 1977)
erörtert. Die Teilnehmer erkannten die Notwendigkeit an, zur Deckung des
Weltenergiebedarfs den Anteil der Kernenergie zu erhöhen, verpflichteten
sich jedoch gleichzeitig, das Risiko einer Weiterverbreitung von Kernwaffen zu verringern. Sie beschlossen die Durchführung einer mit Vorrang
zu behandelnden Studie, die Wege aufzeigen soll, wie diesen Zielen am
besten Rechnung getragen werden könne.
Die Nichtweiterverbreitung gefährlicher nuklearer Materialien ist
ein Kernpunkt der Atompolitik Präsident Carters. Sie setzt voraus, daß
Einsparung von Energie den Bedarfszuwachs verlangsamt und daß die amerikanischen Uranreserven genügend groß sind, um die Entwicklung des natriumgekühlten Schneilbrutreaktors nicht mehr mit Vorrang betreiben zu müssen.
Gleichzeitig wird die Forschung auf den Gebieten jener Alternativtechnologien gefördert, bei denen die Gefahr einer Proliferation wesentlich geringer ist.
Der im Jahr 1974 von den USA verhängte Stopp für die Annahme neuer
Lieferverträge für angereichertes Uran ergab sich aus der Auslastung der
Kapazitäten der drei amerikanischen Anreicherungsanlagen.

Dies war u.a.

eine Folge der Tatsache, daß sich frühere Regierungen und der Kongreß
nicht einigen konnten, der Privatwirtschaft den Bau neuer Anreicherungsanlagen zu gestatten.

Frühere Administrationen hatten Forschungs- und Ent-

wicklungsprojekte stark gefördert, die auf den kommerziellen Einsatz des
schnellen Brüters mit Flüssigmetallkühlung abzielten. (Dieser Typ erzeugt
mehr Kernbrennstoff, als er verbraucht, und zwar Plutonium.)

- 3 -

Einer der

�der Gründe für diese Politik war die Befürchtung, daß die Uranvorkommen
für eine langfristige Versorgung der gegenwärtigen Generation von Leichtwasserreaktoren nicht ausreichten.
Angesichts der Ergebnisse neuerer Erhebungen, die für die Zukunft
einen niedrigeren Stromproduktionsbedarf als früher voraussagen, wurde
jedoch in letzter Zeit eine beträchtliche Anzahl von Bestellungen neuer
Reaktoren zurückgezogen.

Dadurch dürfte auch die angespannte Lage bei

der Belieferung mit angereichertem Uran etwas entschärft werden.

Die

US-Regierung arbeitet gegenwärtig an einem von Fall zu Fall anzuwendenden
Modus für die Elektrizitätswirtschaft, einen Teil des angereicherten Urans,
für dessen Abnahme sie sich vertraglich verpflichtet hatte, zurückgeben
zu können.
Amerikanische Energiefachleute nehmen jetzt an, daß im Jahr 2000 in
den USA 300 bis 400 Atomkraftwerke mit Leichtwasserreaktoren in Betrieb
sein werden. Noch vor einem Jahr stand die Voraussage bei 500 Atomkraftwerken (von denen es gegenwärtig 65 gibt).
über den Umfang der amerikanischen Uranreserven bestehen gewisse
Unsicherheiten. Der größte Teil leicht zu fördernden Natururans, Has in
geringer Tiefe liegt, ist bereits abgebaut. Nach Meinung vieler Fachleute
gibt es jedoch mit ziemlicher Sicherheit noch genügend große weitere Vorräte, um den gesamten Bedarf der heutigen Generation von Kraftwerksreaktoren, die noch bis Mitte der neunziger Jahre in Betrieb gehen sollen,
zu decken. In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die Wissenschaftler
und Wirtschaftler im Auftrag der Ford-Stiftung durchführten, wird u.a. festgestellt, daß durch den Anreiz höherer Preise, durch intensivere und umfassendere Exploration ausreichende Mengen von Uran gefördert werden
könnten, um den Bedarf amerikanischer Leichtwasserreaktoren bis in
nächste Jahrhundert hinein zu decken.
Nach

�Nach den gültigen Gesetzen dürfen die Vereinigten Staaten zur Zeit
(d.h. 1977) aus anderen Ländern mit Uranvorkommen (z.B. Südafrika,
Kanada und Australien) bis zu 10 Prozent ihres Uranbedarfs importieren.
Diese Zahl erhöht sich bis 1984 auf fast 100 Prozent.

Präsident Carter

hat die Energieforschungs- ur.d Entwicklungsbehörde ERDA angewiesen, in
der vor einigen Monaten in Angriff genommenen Erhebung zur Frage der
amerikanischen Uranreserven nunmehr auch das Element Thorium zu berücksichtigen.

Denn Thorium eignet sich unter bestimmten Voraussetzungen für

die Verwendung als Brennstoff in Reaktoren.
Die Schätzungen für die bekannten und vermutlich abbaufähigen Uranvorkommen in den USA belaufen sich auf 1,8 bis 2 Millionen Tonnen, wobei
Produktionskosten von 66 Dollar/Kilogramm vorausgesetzt werden. Höhere
Preise würden jedoch auch den Abbau minderwertigerer Uranerze ermöglichen.
Bezieht man "mögliche und vermutete" Reserven ein, könnte die Gesamtmenge
sogar mit 3,6 Millionen Tonnen angenommen werden. Die Hälfte davon würde
genügen, so erklärte kürzlich Dr. Robert Fri, amtierender Chef der ERDA,
um mindestens 300 Leichtwasserreaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.
Die frühere Regierungen und der US-Kongreß hatten sich in letzter
Minute auf die Errichtung einer weiteren Gasdiffusionsanlage zur Urananreicherung geeinigt. Für diese vierte Anlage, die wie die anderen drei
unter Staatsaufsicht zu betreiben gewesen wäre, wurden zunächst 170 Millionen
Dollar bereitgestellt. Inzwischen beschloß die Regierung Carter, daß in
der neuen Anlage das energiesparende Ganszentrifugenverfahren angewandt
werden solle. Es ermöglicht die Trennung des leichteren Uranisotops
U-235 von Uran-238 durch Zentrifugieren mit sehr hoher Umdrehungsgeschwindigkeit. Bei dem seit mehr als 30 Jahren angewandten Diffusionsverfahren dagegen werden die Moleküle der gasförmigen Uranverbindung in zahlreichen Stufen durch poröse Trennwände gepumpt.
Der

- 5 -

�Der Energieverbrauch beim

Gaszentrifugenverfahren beträgt schätzungs-

weise nur vier Prozent des Verbrauchs bei der Gasdiffusion, um den gleichen
Anreicherungsgrad zu erzielen.

Um eine neue Gasdiffusionsanlage be-

treiben zu könnne, müßten drei neue große, mit Kohle gefeuerte Heizkraftwerke gebaut werden; die Zentrifugen-Anreicherungsanlage könnte wahrscheinlich an schon bestehende Kraftwerke angeschlossen werden.

Aber die

Gesamtkosten für die Gaszentrifugen-Trennanlage dürften erheblich höher
sein als die 4,4 Milliarden Dollar, die für eine neue Gasdiffusionsanlage
aufgewandt werden müßten.
Wie aus Regierungskreisen verlautet, soll die neue Zentrifugen-Trennanlage entweder in Oak Ridge (Tennessee) oder in Portsmouth (Ohio)
stationiert werden, wo sich bereits Gasdiffusionsanlagen befinden.

Die

meisten amerikanischen Versuche auf dem Gebiet der Zentrifugen-Technologie
wurden in Oak Ridge durchgeführt, wo seit 1971 zahlreiche Testapparaturen
in Betrieb sind.

Der Kongreß bewilligte 60 Millionen Dollar für die

Errichtung einer Demonstrationsanlage mit dem fortschrittlichsten Zentrifugentyp, Ho m sog. "Satz Drei". Man nimmt an, daß diese Technologie eine
höhere Kapazität erlaubt als die Gaszentrifugen, die in Europa zur Urananreicherung veiwendet werden.
Die Zentrifugentechnologie wird in den USA sehr optimistisch beurteilt.
Da jedoch Anreicherungsanlagen dazu verwendet werden können, auch Uran
für Atombomben zu produzieren, sofern der Grad der Anreicherung hoch
genug ist, betrachten die Vereinigten Staaten die gesamte Anreicherungstechnologie als "sensitiv" und geben sie nicht für den Export frei.
Die Anreicherungskapazität wird nach Einheiten für die Trennarbeit
(SWU- separative work units) gemessen, worunter der Aufwand zur Trennung
der Uranisotope zu verstehen ist.

Nach den gegenwärtigen Programmen werden

die USA Anfang der achtziger Jahre über eine Anreicherungskapazität von
28 Millionen SWU/Jahr verfügen.

Die neue Zentrifugen-Trennanlage würde

- 6 -

�würde diese Kapazität um weitere 8,8 Millionen SWU/Jahr erhöhen.
Sie könnte Mitte der achtziger Jahre in Betrieb gehen und gegen Ende
des nächsten Jahrzehnts die volle Produktion aufnehmen.

+ + +

- 7 -

�</text>
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                    <text>26. Mai 1982

21
INHALT

INFORMATION
Präsident Reagan setzt sich für Jugendaustausch ein
- USICA-Direktor zum Beauftragten für Austauschprogramme ernannt
DOKUMENTATION
Clark: Umfassende Sicherheitsüberlegungen der USA
- Rede des Sicherheitsberaters des US-Präsidenten Der Sinn der Abschreckung
- Ansprache des Ständigen Vertreters der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, am 24. Mai 1982 auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und
des Amerika Hauses in Hannover Rede des AFL-CIO-Präsidenten auf dem DGB-Kongreß in Berlin
WIRTSCHAFT
Eine freie Weltwirtschaft:
4

Ziel der USA beim Weltwirtschaftsgipfel

- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake HINTERGRUNDMATERIAL
Internationale Studie:

Portrait amerikanischer Wertvorstellungen

Von Neuseeland ausgewiesener Sowjetbotschafter in New York aufgetaucht

Um Übcr/cndung von
ßckgcHcmplorcn
wird gebeten

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�21

26. Mai 1982

PRÄSIDENT REAGAN SETZT SICH FÜR JUGENDAUSTAUSCH EIN
USICA-Direktor zum Beauftragten für Austauschprogramme ernannt

WASHINGTON - (AD) - Präsident Ronald Reagan hat sich nachdrücklich für
eine Verstärkung des Jugendaustausches zwischen den Vereinigten Staaten und
anderen Ländern der Welt eingesetzt.

In einer Ansprache vor leitenden Vertre-

tern der Wirtschaft, der Regierung» privater Stiftungen und mit dem Jugendaustausch befaßter Organisationen hob Reagan am 24. Mai 1982 hervor, "daß
einer der besten Wege, um richtigere Vorstellungen von anderen Ländern und
unserem eigenen Lande zu entwickeln,darin besteht, daß mehr Amerikaner eine
Zeitlang in einer Familie oder einer Gemeinde in einem anderen Lande leben."
Der Direktor des Amtes für Internationale Kommunikation (USICA), Charles
Z. Wick, der vom Präsidenten als sein persönlicher Beauftragter für die Austauschprogramme vorgestellt wurde, wies darauf hin, daß das Besucherprogramm
für Studenten den Vereinigten "Staaten helfe, "den widrigen Winden der politischen Feindseligkeiten" in der Welt zu begegnen. Wick teilte mit, daß allein 32 amtierende Staats- und Regierungschefs und 392 Parlamentarier aus
92 Ländern an Besucherprogrammen teilgenommen haben, die von der amerikanischen
Regierung unterstützt wurden.
Präsident Reagan

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�Präsident Reagan führte in seiner Ansprache unter anderem aus:
Hinter den Schlagzeilen des Tages... steht eine weniger sensationelle
Dimension der Außenpolitik.

Es ist das Geflecht der menschlichen Beziehun-

gen zwischen unserem Lande und anderen Ländern in der ganzen Welt.

Dieses

Geflecht ist mehr als nur die Beziehungen von Regierung zu Regierung, Tourismus oder Handel. Es besteht auch aus den Erfahrungen junger Menschen, die
in anderen Ländern in Familien gelebt und dort Schulen oder Universitäten
besucht haben.
Ich bin überzeugt, daß einer der besten Wege, um richtigere Vorstellungen von anderen Ländern und unserem eigenen Lande zu entwickeln, darin
besteht, daß mehr Amerikaner eine Zeitlang in einer Familie oder Gemeinde
in einem anderen Land leben. Und wir können nicht hoffen, daß andere Völker unser Land schätzen, wenn nicht mehr ihrer kommenden Führer die gleiche
Chance gehabt haben, die Wärme der amerikanischen Familie, die Lebendigkeit
einer amerikanischen Gemeinde und die Vielfalt unseres Bildungssystems zu
erleben.
In uns allen schwelt ein Funke, der, wenn er im richtigen Alter angefacht wird, unser ganzes Leben erleuchten, unsere Ideale erheben, unsere Toleranz vertiefen und unseren Wissensdurst bezüglich der übrigen Welt verschärfen kann. Bildungs- und Kulturaustausch, vor allem unter unseren jungen Menschen, bieten eine perfekte Chance, diesen kostbaren Funken anzufachen,
uns einfühlsamer und klüger zu machen und uns in unserem ganzen Beruf zu Weltbürgern werden zu lassen.
Vor 21. Jahren erklärte Präsident Eisenhower, der Vater des People-toPeople-Programms (Volk-zu-Volk-Programms), daß der Anfangspunkt aller Zusammenarbeit zwischen Einzelpersonen,zwischen Gruppen, innerhalb einer Gesellschaft oder zwischen Völkern das echte menschliche Verständnis sei. Wir haben diesen lebenswichtigen Bestandteil des Friedens nie dringender gebraucht
als in der heutigen Zeit.
Seit dem
- 2 -

*

�Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Vereinigten Staaten viele ausgezeichnete Programme für Studenten und Schüler, Wissenschaftler, Jugendliche oder landwirtschaftliche und Gewerkschaftsgruppen entwickelt.

Sie

hängen von der Mitarbeit Tausender amerikanischer Familien und Hunderten
von Schulen, Universitäten und Freiwilligenorganisationen ab. Viele von
diesen sind heute hier vertreten.

Und doch ist die Zahl der durch unsere

Regierung geförderten jungen Menschen noch relativ klein, vor allem verglichen mit geförderten Programmen der Sowjetunion und selbst unserer Verbündeten, der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich.
Anfang nächsten Monats werde ich nach Versailles gehen, um mit unseren sechs Hauptverbündeten zusammenzutreffen. Bei den jungen Menschen in
ihren Ländern und in unsrem Lande werden die Werte, die wir gemeinsam haben,
vielleicht weniger geschätzt als vor 20 oder 30 Jahren. Die Nachfolgegeneration hat unsere bemerkenswerte Zusammenarbeit nach dem Kriege nicht erfahren,
und sie ist weniger vertraut mit den Idealen, die Amerika damals motiviert
haben und uns heute noch motivieren.
Ich bin der Überzeugung, daß wir heute eine große Chance haben, durch erweiterte Austauschprogramme für unsere Jugendlichen aus allen Schichten unserer Gesellschaft neue Bindungen zu schaffen.

Wenn wir damit Erfolg haben

wollen, wenn wir menschliche Brücken über die Meere hinweg und in die Zukunft
hinein als eine Investition in den Frieden bauen wollen, dann werden wir mehr
private Unterstützung und Mitarbeit brauchen als jemals zuvor.
Darum habe ich Sie, meine Damen und Herren, heute hierher eingeladen,
um mit mir zusammen eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Regierung
und Privatsektor, zwischen gemeinnützigen und nicht gemeinnützigen Organisationen, zwischen Familien in unserem ganzen Lande und jenen im Ausland
zu schaffen - für einen erregenden Austausch unserer jungen Menschen.
Auf der Basis eines erweiterten amerikanischen Programms möchte ich mit
unseren Verbündeten in Versailles darüber sprechen, daß all unsere Länder

- 3 -

�unsere Länder mehr Nachdruck auf diese Programme legen...
Ich möchte einen Präsidialausschuß ins Leben rufen, um mich zu beraten,
und Charles Wick, der mein persönlicher Beauftragter in dieser Angelegenheit ist, zu helfen - zu helfen, ein stärkeres privates Engagement im ganzen Lande anzuregen. Ich hoffe, daß die heutige Zusammenkunft ein neues
Kapitel in unseren Bemühungen aufschlagen wird, die breitestmögliche Grundlage für den Frieden zu schaffen.
Ich sehe dem Bericht von Charles Wick über die Konferenz und die anschließende Arbeit mit großem Interesse entgegen. Sie alle haben meine
nachhaltige Unterstützung und meine besten Wünsche für dieses neue Unterfangen.

+ + + + +

�Doku

olion

International Communication Agency
Embassy of the United States of America

26. Mai 1982

21

CLARK: UMFASSENDE SICHERHEITSÜBERLEGUNGEN DER USA
• Rede des Sicherheitsberaters des US-Präsidenten -

WASHINGTON - (AD) - Der Sicherheitsberater Präsident Reagans, William
P. Clark, hat am 21. Mai 1982 in einer Rede vor dem Zentrum für Strategische
und Internationale Studien an der Georgetown-Universität in Washington auf
die umfassenden Sicherheitsüberlegungen der Vereinigten Staaten hingewiesen.
Neben der Stärkung der konventionellen und einer Modernisierung der strategischen Streitkräfte komme es vor allem auch auf eine Unterstützung der Freunde und Verbündeten Amerikas an, so sagte Clark.
Die Rede des amerikanischen Sicherheitsberaters hat folgenden Wortlaut:
Das Tempo in Fragen der nationalen Sicherheit war kaum je rascher als
in den letzten anderthalb Jahren.

Die Veröffentlichung unserer Vorschläge

für eine Verringerung der strategischen Streitkräfte, die Falkland-Krise
und die kommenden Gipfeltreffen in Versailles und Bonn sind nur die jüngsten
einer Reihe von geplanten und nicht geplanten Ereignisse, die die Aufmerksam-

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Tel.: 0228-339 22 40
Telex: 08-85432

�die Aufmerksamkeit der mit Fragen der nationalen Sicherheit Betreuten erfordern.
Wir haben die Rückgabe des Sinai an Ägypten und die planmäßigen Starts
und Landungen der Raumfähre Enterprise erlebt.
Wir haben mit Trauer die brutale Ermordung von Anwar Sadat, die Entführung von General Dozier in Europa, Krieg im Mittleren Osten und Guerillaaufstände in der Karibik erlebt.
Wir haben in Genf Verhandlungen über nukleare Mittel Streckensysteme
(INF) begonnen, an den Gipfeltreffen von Ottawa und Cancun teilgenommen und
in Washington viele Staats- und Regierungschefs begrüßt.
Wir haben das Funktionieren der Demokratie in El Salvador und Jamaika
beobachtet und Tyrannei in Afghanistan und Polen erlebt.
Es ist eine komplexe, interdependente Welt, in der wir leben, in der
die Chancen oft als Herausforderungen verkleidet sind.

Das Tempo wird sicher-

lich nicht nachlassen, und in diesen sich überstürzenden Ereignissen sieht
man oft vor lauter Bäumenden Wald nicht mehr, der sich zu bewegen scheint
wie Birnam Wood in Macbeth.
Aus diesen Gründen hat der Präsident Anfang Februar dieses Jahres eine
Oberprüfung unserer nationalen Sicherheitsstrategie angeordnet.

Damals be-

stand unsere Strategie in einer Kollektion der Politiken der Ministerien, die
während des ersten Amtsjahres dieser Administration entwickelt wurden.

Der

Präsident verlangte eine Oberprüfung der Ergebnisse dieses ersten Jahres, um
zu sehen, wo wir standen, um sicherzugehen, daß diese verschiedenen Politiken
miteinander übereinstimmten, und um den Kurs für die Zukunft abzustecken.
Vor allem wollten wir sichergehen, daß alle Erörterungen mit den führenden Kongreßvertretern über eine Kürzung des Verteidigungshaushalts und alle
Gespräche mit der Führung der Sowjetunion über Rüstungsverminderungen auf
- 2 -

�Rüstungsverminderungen auf einer wohldurchdachten, integrierten Strategie
der Erhaltung der nationalen Sicherheit beruhten.
Das Engagement des Präsidenten'in dieser Überprüfung ist ein gutes
Beispiel dafür, wie er sich selbst in Fragen der nationalen Sicherheit einsetzt.

Die Erfahrungen Präsident Reagans liegen - als früherer Gouverneur

eines Bundesstaates - eindeutig eher bei der Wirtschafts- und Innenpolitik.
Aber ein lebenlanges Interesse an der und Sorgen um die Debatte über Fragen
der nationalen Sicherheit haben dezidierte Vorstellungen geschaffen, die
Ronald Reagan dem amerikanischen Volke darlegte und die dieses vor anderthalb Jahren für richtig befand.
Die Umsetzung dieser Vorstellungen in Politik ist eine der Hauptanstrengungen des Präsidenten in diesem Jahr gewesen. Er betrachtet die nationale
Sicherheit als seine zwingendste Verantwortung und behandelt sie dementsprechend.
In diesem Jahr widmete der Präsident etwa ein Drittel seiner Arbeitszeit der nationalen Sicherheit - mehr als für irgendeine andere Aufgabe.
Er hat bereits 32 Erlasse auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit unterzeichnet - allein in diesem Jahr 19 - ein Arbeitstempo, das sich gegenüber
seinen Vorgängern sehen lassen kann.

Es haben während der Amtszeit dieser Ad-

ministration 57 Sitzungen des Nationalen Sicherheitsrates stattgefunden - fast
eine wöchentlich.

Der Präsident hat bei allen den Vorsitz geführt.

Nur

wenige Präsidenten - und keiner in Friedenszeiten - haben unseren Sicherheitsproblemen so viel Aufmerksamkeit geschenkt.
Bei dieser besonderen Überprüfung der Sicherheit hat der Präsident eine
außerordentlich aktive Rolle gespielt.

Er hat nacheinander alle neun inter-

ministeriellen Entwürfe geprüft und begutachtet, die erarbeitet wurden.

Gele-

gentlich verwies er die Entwürfe an die zuständigen Ausschüsse zurück, und
manchmal schärfte er unsere etwas vagen Formulierungen ganz persönlich.

Der

Stab des Nationalen Sicherheitsrates hat diese Bemühungen als fairer Vermittler von Ideen unterstützt.

Die 1982 entwickelte Verteidigungspolitik von
- 3 -

�Verteidigungspolitik von Minister Weinberger bot eine ausgezeichnete Grundlage für die militärische Seite dieser Überprüfung.

Die leitenden Beamten

im Verteidigungsministerium", Außenministerium, dem Zentralamt für Nachrichten und Abwehr (CIA) sowie iranderen interessierten Behörden stellten sich
total in den Dienst der Sache.

Der Gemeinsame Sicherheitsausschuß traf sich

zwölf mal, um die verschiedener Teile der Überprüfung zu erörtern. Aber als
das abgeschlossen war, waren Überprüfung und Entscheidungen Sache des Präsidenten.
•

Nun, da die Arbeit abgeschlossen ist, sind wir zu einer Reihe von Schlußfolgerungen gekommen.
Erstens, Ziel und Zweck unserer Strategien muß die Erhaltung unserer
Institutionen der Freiheit und der Demokratie, der Schutz unserer Bürger,
die Förderung ihres wirtschaftlichen Wohlergehens und die Förderung einer
internationalen Ordnung sein, die diese Institutionen und Prinzipien begünstigt.
Zweitens, wir sind überzeugt, daß die Politiken unseres ersten Amtsjahres innerlich miteinander übereingestimmt haben und die Grundlage für eine
Strategie bilden, die die Sicherheit der Vereinigten Staaten gewährleistet.
Drittens, eine erfolgreiche Strategie muß diplomatische, politische,
wirtschaftliche und medienpolitische Komponenten haben, die auf der Grundlage
mi1itärischer Stärke ruhen.
Viertens, unsere Strategie muß in die Zukunft gerichtet und aktiv sein.
Wie müssen Hoffnung bieten. Wie der Präsident im vorigen Jahr in Notre Dame
sagte: "Kollektivismus und die Unterordnung des einzelnen unter den Staat
werden heute in der ganzen Welt als eine bizarre und üble Episode der Geschichte betrachtet, deren letzte Seiten gerade heute noch geschrieben werden."
Wir haben etwas Besseres zu bieten: Freiheit. Um das Amerika zu gewährleisten, das wir alle wünschen, und die globale Stabilität und Prosperität,
die wir alle anstreben, können wir uns nicht einfach zurücklehnen und hoffen,
- 4 -

�und hoffen, daß irgend etwas geschehen wird.
wir tun.

Wir sind überzeugt von dem, was

Das erfordert Initiative, Geduld und Ausdauer. Wir müssen bereit

sein, mit Nachdruck auf die Chancen zu reagieren, so wie sie sich bieten, und
Chancen zu schaffen, wo es vorher keine gegeben hat. Und wir müssen in unseren Anstrengungen ausdauernd sein.
Fünftens, wir müssen eine Koalitionsstrategie verfolgen. Wir müssen
uns mit unseren Freunden und Verbündeten enger zusammenschließen. Es gibt
keinen anderen Weg. Wir müssen eine noch engere Bindung mit regionalen Verbündeten und Freunden" erreichen.
Der NATO-Gipfel im nächsten Monat ist ein typisches Beispiel. Es mag
eine lautstarke Minderheit geben, die die Grundvoraussetzungen des Atlantischen Bündnisses in Frage stellt. Das ist nicht das erstemal und wird
auch nicht das letztemal sein. Aber wenn Präsident Reagan und die anderen
Staats- und Regierungschefs der NATO inr kommenden Monat in Bonn zusammenkommen, dann dürfte es eine nachhaltige Bekräftigung der Einigkeit, Lebenskraft
und Entschlossenheit des Bündnisses geben. Eine starke, einige NATO bleibt
für den Schutz der westlichen Interessen unerläßlich. Bei den Differenzen
unter NATO-Staaten geht es um die Gestaltung des Bündnisses, nicht um seine
Existenz. In Bonn werden wir eine grundsätzliche Obereinstimmung über die
Notwendigkeit der Stärkung der Abschreckungsposition erleben. Wir werden eine
ausgewogene Einstellung zur Rüstungskontrolle sehen. Die NATO bleibt der gemeinsamen Aufgabe der Erhaltung der Demokratie verschrieben.
Sechstens, die wirtschaftliche Komponente unserer Strategie ist von besonderer Bedeutung. Wir müssen ein gut funktionierendes internationales Wirtschaftssystem mit möglichst geringen Verzerrungen im Handel und vereinbarten
Regeln für die Beilegung von Meinungsverschiedenheiten fordern.
Die Gipfeltreffen in Ottawa und Cancun spielten eine positive Rolle
in der Suche nach einer kooperativen Strategie für ein weltweites Wirtschaftswachstum.

Die Initiative für das Karibische Becken ist ein weiterer Beitrag,

der eine konstruktive" langfristige Zusage an Länder unserer Hemisphäre bietet.
- 5 -

�Hemisphäre bietet.

Das Gipfeltreffen in Versailles im kommenden Monat wird

ein weiterer Schritt sein.
des Realismus.

Wir rechnen in Versailles mit einer Atmosphäre

Wir hoffen, daß es zu neuem Denken beflügeln wird, wenn alte

Konzepte brüchig werden.
Wir müssen auch unseren Hauptgegner, die Sowjetunion, zwingen, die Last
seiner wirtschaftlichen" Mängel selbst zu tragen.
Siebtens, die Aufrechterhaltung des'Friedens erfordert ein starkes,
flexibles und einsatzbereites" Militär.

Der Neuaufbau der Verteidigung un-

serer Nation ist heute eine dringende Aufgabe.
Aus naheliegenden Gründen kann ich den Teil meines Überblicks, der die
Verteidigung anbelangt, nicht in all den Einzelheiten besprechen, wie Sie
es sich vielleicht wünschen.

Aber ich werde versuchen, auf einige der Haupt-

gesichtspunkte einzugehen, und dabei auch, soweit mir dies möglich ist, recht
speziell sein.
Unsere Interessen sind"globaler Natur, und sie geraten mit denjenigen
der Sowjetunion in Konflikt - einem Staat, der weltweit eine Politik verfolgt,
die der unseren feindlich gegenübersteht. Die Sowjetunion unterhält ein Militär, das so schwerbewaffnet ist,'Wie"es dies in der Geschichte noch nicht
gegeben hat, und sie verfügt über eine Kapazität, die es ihr ermöglicht, ihre
militärische Macht weit jenseits ihrer eigenen Grenzen darzustellen. Rund um
dia Welt haben wir lebenswichtige Interessen, einschließlich der Seeverbindungen. Es ist eine harte Tatsache, daß die militärische Macht der Sowjetunion nunmehr in der Lage ist, diese lebenswichtigen Interessen zu bedrohen.
Zudem ergänzt sie ihre unmittelbaren militärischen Kapazitäten durch Stellvertreter, durch umfangreiche Waffenverkäufe und Kredite hierfür, durch Manipulation terroristischer und subversiver Organisationen sowie durch Unterstützung von Aufständen und separatistischen Bewegungen, indem Waffen, Beratung, militärische Ausbildung und politische Unterstützung gewährt werden.
Unsere eigenen

�Unsere eigenen Streitkräfte und die unserer Verbündeten müssen unsere
gemeinsamen Interessen in einem: zunehmend turbulenteren Umfeld schützen.
Wir müssen bereit sein, vor einem Angriff abzuschrecken und einen solchen Angriff zurückzuschlagen, sollte die Abschreckung versagen.
In dieser Hinsicht erhält die Modernisierung unserer strategischen Kernwaffen oberste Priorität bei unseren Anstrengungen, die militärischen Kapazitäten der Vereinigten Staaten wiederherzustellen. Die nukleare Abschreckung
kann nur dann erreicht werden, wenn unsere Haltung bei den strategischen Kernwaffen die Sowjets zu der Beurteilung bringt, daß die Risiken eines Krieges
in jedwedem Fall zu groß sind, als daß es einen Anreiz zur Einleitung eines
Angriffs geben könnte.
Die Entscheidungen hinsichtlich unserer strategischen Kernwaffen, vom
Präsidenten im vergangenen Herbst angekündigt, bleiben die Grundlage unserer
Politik.
Oberste Priorität sollte dabei den Uberlebensfähigen strategischen Kommunikationssystemen gegeben werden.
Außerdem planen wir, die bemannten Bomberverbände zu modernisieren, die
Treffgenauigkeit und die Nutzlast unserer von U-Booten abgeschossenen ballistischen Raketen zu erhöhen, die seegestützten Marschflugkörper hinzuzufügen,
die strategische Verteidigung zu verbessern und eine neue landgestützte
ballistische Rakete zu dislozieren, die größer und auch zielgenauer ist.
Die letztere Entscheidung wurde vom Präsidenten erneut am vergangenen
Montag bekräftigt.

Seiner Ansicht nach ist die Produktion einer modernen

Interkontinentalrakete (ICBM) und deren frühestmögliche Einbindung in
die operativen Streitkräfte absolut wesentlich.
Der Präsident hat dem Verteidigungsministerium einige Leitlinien hinsichtlich der Prioritäten gegeben, die er bei den verschiedenen Stationierungs- 7 -

�verschiedenen Stationierungs- und Verteidigungsschemata zugrundegelegt
wissen möchte; im wesentlichen aber hat er das Ministerium um dessen Vorschläge hinsichtlich einer permanenten Stationierungsmöglichkeit bis zum
Frühherbst ersucht, damit er dem Wunsch des Kongresses entsprechen kann,
noch vor Jahresende solle die Administration eine Position bezogen haben.
Gleichzeitig hat der Präsident klargestellt, daß er bis zur Auswahl,
Finanzierung und Bauerlaubnis einer überlebensfähigeren Stationierungsart
wünscht, die Option der Dislozierung einer begrenzten Anzahl von MX-Raketen
in MINUTEMAN-Silos als integralen Bestandteil des MX-Programms zu behalten.
Die Option der Stationierung in Silos stellt einen Schutz gegen unvorhergesehene technische Entwicklungen und Programmänderungen dar.

Sie ist

ein deutlicher Anreiz für die Sowjets, über Waffenverminderungen zu verhandeln, wobei die MX sogar in den Silos an Überlebensfähigkeit gewinnen, da
die drei Bereiche der strategischen Triade modernisiert werden.
Das MX-Programm ist zu bedeutsam, als daß man zulassen könnte, daß die
Risiken des technischen Umfelds oder der Rüstungskontrolldebatten die Einführung der Rakete in die Streitkräfte verzögern könnten.
Während ein Versagen bei der Stärkung unserer nuklearen Abschreckung
katastrophal sein könnte, macht auch die jüngste Geschichte deutlich, daß die
konventionelle Abschreckung jetzt-ebenfalls wichtiger denn je ist. Die derzeitigen Dislozierungen in Übersee werden beibehalten, um die Kapazität für
eine rechtzeitige und bewegliche Antwort auf Krisenfälle zu haben und um unsere Entschlossenheit zu demonstrieren, unseren Verpflichtungen gerecht zu
werden.
Land-, See- und Luftstreitkräfte werden auch weiterhin in Europa, im
westlichen Pazifik, in Südwestasien und auch andernorts stationiert bleiben,
wie es die Lage erfordert. In dieser Hemisphäre werden die Seestreitkräfte
im Nordatlantik, im Karibischen Becken, im Mittelmeer, im westlichen Pazifik
und im Indischen Ozean präsent bleiben. Vornedislozierte Streitkräfte werden
- 8 -

�Streitkräfte werden aufgestellt, um eine rasche Reaktion zu erleichtern.

In

Abständen werden, je nach Notwendigkeit, Kräfte aus den Vereinigten Staaten
in Übersee disloziert.
Unsere strategische Reserve der in den Vereinigten Staaten stationierten
Streitkräfte - sowohl aktive als auch Reservekomponenten - wird einsatzbereit
gehalten und in regelmäßigen Abständen zu Manövern herangezogen, wobei die
Manöver "Bright Star" im Nahen Osten im vergangenen Jahr sowie "Ocean Venture
82" in der Karibik im vergangenen Monat eine wertvolle Erfahrung für unsere
Streitkräfte waren. Sie demonstrierten zudem eine multinationale Kapazität
der verschiedenen Streitkräfteeinheiten, um unsere Interessen und die unserer
Freunde in der ganzen Welt zu verteidigen. Die Notwendigkeit, rasch weltweit
Verstärkung einzusetzen, bedeutet, daß Verbesserungen bei unserer strategischen
Mobilität und bei unserer Reservestruktur von größter Bedeutung sind.
Obgleich die Sowjetunion die offenkundigste Bedrohung unserer lebenswichtigen Interessen auf weltweitem Gebiet darstellt, so können diese unsere Interessen doch auch durch Aktionen anderer Staaten und Gruppen gefährdet werden.
In Krisenfällen,an denen die Sowjetunion nicht beteiligt ist, hoffen wir, uns
auf uns freundlich gesonnenen Regional Staaten zur Stellung militärischer
Streitkräfte verlassen zu können.
Sollte die Bedrohung jedoch die Kapazitäten der Regional Staaten übersteigen, so müssen wir innerhalb des Rahmens unseres verfassungsmäßigen Prozesses
bereit sein, amerikanische Streitkräfte zur Hilfe unserer Verbündeten einzusetzen.

Dies bedeutet nicht, daß wir uns in Bereiche vordrängen, wo wir we-

der erwünscht noch notwendig sind.

Es bedeutet jedoch, daß wir nicht im vor-

hinein eine Option aufgeben können, die wir möglicherweise benötigen, um unsere lebenswichtigen Interessen zu schützen.

Dies zu tun, würde bedeuten,

zur Aggression einzuladen, die Glaubwürdigkeit unserer Verpflichtung unseren
Freunden gegenüber zu untergraben und unsere globalen Zielsetzungen einem
Risiko auszusetzen.
Dies unterstreicht

�Dies unterstreicht die Bedeutung der Sicherheitshilfe.

Mit diesem

Ausdruck bezeichnen wir Verkäufe militärischer Güter ans Ausland, Hilfe durch
Zuwendungen, internationale Militärausbildung und -training, wirtschaftliche
Unterstützungsgelder und Operationen zur Friedenssicherung.

Wenn wir unseren

Verbündeten und Freunden nicht beistehen, ihre legitimen Verteidigungserfordernisse zu verwirklichen, so sinkt ihre Fähigkeit, sich einem Konflikt zu
stellen, und der Druck auf eine letztendliche Verwicklung der Vereinigten
Staaten nimmt zu.

Allerdings leistet heute die Sicherheitshilfe nicht die

Arbeit, die sie leisten sollte.
Die Mittel sind unzureichend und oft genug ihrer Natur nach falsch.
In den fünfziger Jahren lag das Budget für Sicherheitshilfe bei zwischen 5
bis 10 Prozent des Verteidigungshaushalts.
Prozent.

Heute sind es etwa eineinhalb

Wenn es auch nicht nötig ist, zu dem Umfang der Nachkriegszeit zu-

rückzukehren, durch den Westeuropa wiederbewaffnet und gesichert wurde, so
könnte doch ein stetiges Wachstum der Sicherheitshilfe unsere

kostenwirk-

samste Investition sein.
Die alljährlichen Haushaltszyklen beeinträchtigen eine langfristige
Planung.

Sowohl die an unserem Programm der Sicherheitshilfe beteiligten

Länder als auch die für die Beschaffung Zuständigen im Verteidigungsministerium müssen vorausplanen.

Entsprechende Zeiträume bei der Beschaffung be-

•

einflussen die Qualität des Gesamtprogramms.

Schließlich vermindern legisla-

tive Beschränkungen die Fähigkeit unserer Regierung zur angemessenen Reaktion
auf Bedingungen im Krisenfall.
Ein wirksames Programm der Sicherheitshilfe ist ein entscheidendes
Element dabei, wie wir unsere Sicherheitszielsetzungen im Ausland erfüllen.
Dadurch ist es eine echte Ergänzung unserer eigenen Streitkräftestruktur.
Sicherheitshilfe kann dazu beitragen, vor einem Konflikt abzuschrecken, und
sie kann die Fähigkeit unserer Freunde und Verbündeten erhöhen, sich selbst
ohne den Einsatz amerikanischer Streitkräfte zu verteidigen.

Wirkungsvolle

Programme können ein Maß der Kompatibilität zwischen den amerikanischen Streitkräften und den Empfängerländern schaffen, das, falls notwendig, eine Zusammen- 10 -

�I

eine Zusammenarbeit auch im Krisenfall ermöglicht.

Die Sicherheitshilfe

bietet nicht nur einen kostenwirksamen Weg zur Vermehrung unserer Sicherheit
im weltweiten Rahmen, sondern stärkt auch insgesamt unsere Volkswirtschaft
und unsere Verteidigungsproduktionsbasis insbesondere.

Kurz:

Etwas Hilfe

bringt eine Menge Sicherheit.
Aus diesen Gründen planen wir eine besondere Anstrengung zur Verbesserung
der Wirksamkeit und Reaktionsfähigkeit dieser vitalen Komponente unserer nationalen Sicherheitsstrategie. Wir werden nach Wegen zur Verminderung der
Anlaufzeiten suchen. Wir werden einen scharfen Blick auf die bestehende Gesetzgebung und künftige Mittelerfordernisse werfen. Programme bedürfen der
Vorhersagbarkeit: Dies zielt auf ausgiebigeren Einsatz der Mehrjahresverpflichtungen und auf eine größere Aktivierung des Sonderfonds für Verteidigungsbeschaffungen. Zusammengefaßt: die Sicherheitshilfe bedarf der Verbesserung, und wir planen, sie zu verbessern.
Niemand sollte das Hauptziel der amerikanischen Globalstrategie mißverstehen:

Dieses Ziel heißt Frieden. Wir haben einen zu großen Teil unserer

nationalen Ressourcen und Emotionen in den vergangenen 40 Jahren für die Beseitigung der Not, des Hungers, des Leidens und der Verzweiflung in der ganzen Welt eingebracht, um etwas anderes als den Frieden in allen Ecken dieses
Planeten zu wollen.

Diejenigen, die die Vereinigten Staaten wegen angeblicher

Kriegstreiberei verleumden, können in dieser Hisnicht kaum ihr eigenes schlechtes Gewissen verbergen.

Insbesondere hat die Liste der Sowjetunion, was be-

waffnete Unterdrückung von Volksbewegungen seit 1945 angeht, kaum ihresgleichen
unter den modernen Staaten.
Deshalb sind wir zur Erhaltung des Friedens in Freiheit - zögernd zwar gezwungen, sorgfältig für die Möglichkeit zu planen, daß unsere Gegner sich
als nicht gewillt erweisen sollten, Frieden zu halten.
Wenn wir uns einer Strategie für unsere Streitkräfte zuwenden, so treten
wir in die Welt der Annahmen, der Szenarien, der hypothetischen Projektionen
ein.

Unsere Strategie beinhaltet den Einsatz der Streitkräfte zur raschen Er- 11 -

�raschen Erreichung spezifischer politischer Zielsetzungen unter Bedingungen,
die für die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten vorteilhaft sind.
Wir brauchen eine bessere, detailliertere Strategie, um die richtige
Ausrüstung zu kaufen, die entsprechenden Streitkräfte aufzubauen und um genaue Pläne auszuarbeiten.

Diese Strategie muß Flexibilität ermöglichen,

aber zugleich ein Vorausplanen erlauben.
Um dieses Problem zu lösen, haben wir uns mit Strategie als einem Planungskontinuum beschäftigt.

An dem einen Ende des Spektrums betont unsere

Methode die Integration von Wirtschafts- und Sicherheitshilfe, Training von
ausländischem Militärpersonal und ergänzender Unterstützungskapazität.
An dem anderen Ende des Konfliktspektrums stellen unsere strategischen
Leitlinien die globalen militärischen Kapazitäten der Sowjetunion und das
Wechselverhältnis der strategischen Gefechtsfelder in Rechnung.

Wir stellen

fest, daß trotz unserer Anstrengungen zur Friedenswahrung ein jeder Konflikt
mit der Sowjetunion sich zu globalen Dimensionen ausweiten könnte.
globales Planen eine Notwendigkeit.

Daher ist

Dies bedeutet nicht, daß wir die Kapazität

haben müßten, uns den sowjetischen Streitkräften gleichzeitig und erfolgreich
an allen Fronten zu stellen.

Das können wir nicht.

Was es bedeutet, ist,

daß wir ausgewogene Streitkräfteverhältnisse schaffen und Prioritäten für aufeinanderfolgende Operationen setzen müssen, um sicherzustellen, daß unsere
militärische Kraft auf wirksamste Weise zum Einsatz gelangt.
Es liegt im Interesse der Vereinigten Staaten, den Umfang eines jeglichen Konflikts zu begrenzen.

Die Fähigkeit zur Gegenoffensive an anderen

Fronten ist ein wesentliches Element unserer Strategie, aber sie ist kein Ersatz für angemessene militärische Kapazität zur Verteidigung unserer vitalen
Interessen in dem Bereich, in dem sie bedroht werden.

Andererseits könnte

die Entscheidung zur Ausweitung eines Konflikts durchaus nicht von uns abhängen.

Daher müssen die amerikanischen Streitkräfte in der Lage sein, in einem

Konflikt frühzeitig auf einen umfassenden Angriff mit eindeutig globalen
Implikationen zu reagieren.
Der Präsident
- 12 -

�Der Präsident hat Prioritäten hinsichtlich der Art festgelegt, in der
unsere Streitkräfte im Kampffall eingesetzt würden, hinsichtlich der geographischen Gegebenheiten und hinsichtlich der Streitkräfteentwicklung - womit beginnen wir?
Wir haben versucht, die Risiken zu analysieren, vor denen wir stehen.
Wir können uns nicht auf alle gleichzeitig vorbereiten - einmal, weil Dinge
ihre Zeit brauchen, und zum andern, weil der militärische Vorteil der Sowjetunion sich aus einem Jahrzehnt der Investitionen herleitet.

Es steht nicht

genug Geld zur Verfügung, um die Risiken über Nacht zu beseitigen.
Was wir versucht haben, ist eine Analyse der Risiken, eine Erstellung
der Rangordnungen und die Entwicklung von Plänen, wie wir uns verhalten
sollen, wenn es zum Schlimmsten kommt.
Andererseits hoffen wir auf das Beste, und wir wollen diese Hoffnung
auch anderen bieten - unseren Verbündeten, unseren Freunden, der Dritten Welt
und insbesondere den Bürgern der Sowjetunion.
Es ist unsere tiefste Hoffnung, daß wir mit einer aktiven und zugleich
klugen nationalen Sicherheitspolitik eines Tages die Führung der Sowjetunion
dazu bringen könnten, ihre Aufmerksamkeit nach innen zu wenden, die Legitimation zu suchen, die nur vom Einverständnis der Regierten herrührt, und sich
auf diese Weise der Hoffnungen und der Träume ihres eigenen Volkes anzunehmen.

- 13 -

�21

26. Mai 1982

DER SINN DER ABSCHRECKUNG
Ansprache des Ständigen Vertreters der Vereinigten Staaten im
Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett,
am 24. Mai 1982 auf einer gemeinsamen Veranstaltung der
Deutschen Atlantischen Gesellschaft
und des Amerika Hauses in Hannover -

- (AD) - Ich freue mich außerordentlich, daß ich eingeladen wurde, heute
vor einem so hervorragenden Publikum zu sprechen.

In zwei Wochen werden die

Staats- und Regierungschefs des Atlantischen Bündnisses in Bonn zum ersten
NATO-Gipfel seit vier Jahren zusammentreffen. Wir werden alte und neue Gesichter sehen, und es werden alte und neue Probleme behandelt werden. Die
Welt ist bedauerlicherweise nicht zu einem sichereren Ort geworden seit 1978,
als die führenden Persönlichkeiten des Bündnisses in Washington zusammenkamen,
Die Tagesordnung, die die Staats- und Regierungschefs am 10. Juni in Bonn behandeln werden, läßt erkennen, daß die Lage im Jahr 1982 gefährlicher geworden ist.
Eines der Themen in Bonn - und ein Thema, über das in jüngster Zeit in
der Öffentlichkeit heftig diskutiert wurde - ist das Problem der Abschreckung

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�der Abschreckung vor einem Krieg und des Schutzes des Friedens angesichts
der heutigen Herausforderungen.
mit diesem Thema beschäftigt.

Es

ist gut, daß sich die Öffentlichkeit

In einer Demokratie kann sich der Bürger nur

durch die Kenntnis der derzeitigen Weltlage, des Kräfteverhältnisses und
der strategischen Erfordernisse ein vernünftigem Urteil bilden. Und der Bürger hat das Recht, von der politischen Führung eine ständige, offene und
ernsthafte Prüfung der Frage der Sicherheit zu erwarten, die schließlich die
Grundlage für alle anderen Aspekte unseres Lebens bildet.

Ohne grundlegende

nationale Sicherheit kann kein anderer Bereich des nationalen Lebens wachsen
und gedeihen.

Eine Nation ohne Sicherheit ist eine Nation ohne Stabilität

- eine Nation ohne eine Zukunft unter eigener Kontrolle.
Die notwendige Diskussion von -Sicherheitsfragen in der Öffentlichkeit
kann nur produktiv sein, wenn die Fragen genau definiert und objektiv angesprochen werden.

Eine Debatte, die sich nur auf einen oder einige wenige

Aspekte des Problems konzentriert und alle anderen Aspekte außer acht läßt,
wird nicht zur Einsicht der Öffentlichkeit führen und ebenso wenig wird das
einer Diskussion gelingen, bei der es um Schlagworte und Emotionen statt um
Fakten geht - wie wir das heute bei der sogenannten Friedensbewegung erleben.

Die Abschreckungsstrategie der NATO
Es wird oft gesagt, daß die NATO ein Verteidigungsbündnis ist, und das
stimmt selbstverständlich. Die NATO häuft keine überflüssigen Waffen für Angriffskriege an; sie marschiert nicht in Nachbarländer ein - wie die Sowjetunion das in Afghanistan getan hat, und benutzt nicht die Androhung von Waffengewalt für politische Zwecke - wie die Sowjetunion dies beispielsweise tut,
indem sie Militärmanöver an der polnischen Grenze abhält. Die NATO würde
ihre Streitkräfte nur zur Selbstverteidigung als Antwort auf einen Angriff
einsetzen. Der Nordatlantikvertrag verweist nachdrücklich auf Artikel 51
der Charta der Vereinten Nationen, der die Selbstverteidigung gestattet.
Der Zweck

�f

Der Zweck des Zusammenschlusses im Bündnis bestand jedoch nicht lediglich darin, für den Fall eines Krieges eine stärkere Verteidigung zu sichern,
sondern in erster Linie den Ausbruch eines Krieges zu verhindern.
ist also im Grunde ein Abschreckungsbündnis.

Die NATO

Indem sie eine mächtige ver-

einte Front bildete, hat die NATO wirksam vor einer Aggression gegen irgendeines ihrer Mitglieder abgeschreckt, weil sie keinen Zweifel daran ließ, daß
ein Aggressor es mit der ganzen kollektiven Streitmacht des Bündnisses aufnehmen muß und sich nicht ein Land nach dem anderen herauspicken kann.
Niemand, der mit der europäischen Geschichte, mit Geopolitik oder mit
der Koalitionstheorie vertraut war, hätte den außerordentlichen Erfolg der
Abschreckungstheorie der NATO in der Erhaltung des Friedens über mehr als
drei Jahrzehnte hinweg voraussagen können.
Ein Kontinent, der fast ständig Kriege erlebte, die in dem barbarischen
Blutbad zweier Weltkriege in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts gipfelten, wurde zu einem der friedlichsten und stabilsten Gebiete der Erde.
Westeuropa, dem relativ engen und strategisch schwierigen, vom Meer umgebenen Anhängsel der eurasischen Landmasse - überschattet von der massiven
Größe und Stärke des neuen sowjetischen Imperiums - ist es dennoch gelungen,
sich militärischer Sicherheit, politischer Freiheit und beispiellosen sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts zu erfreuen.
Die Verbindung zwischen Europa und Nordamerika, zunächst als Vereinbarung in Kriec/szeiten gegen Hitler und Mussolini gedacht, hat wiederholt
Krisen und Streitigkeiten überlebt und hat sich zum dauerhaftesten Bündnis
souveräner Staaten in Friedenszeiten in der Geschichte entwickelt.
Das Grundziel der Abschreckungspolitik der NATO hat sich seit 1949 nicht
geändert.

Es sind jedoch starke Änderungen in der Zusammensetzung der Streit-

kräfte und der militärischen Doktrin eingetreten, um den Veränderungen der
Bedrohung des Bündnisses gerecht zu werden.

Als das Bündnis gegründet wurde,

hatten beispielsweise die Vereinigten Staaten eine überwältigende Führungs- 3 -

�überwältigende Führungsstellung bei Atomwaffen und Trä'gersystemen inne.

Die

Androhung einer atomaren Vergeltung wurde deshalb als eine wirksame Abschrekkung für sich selbst angesehen. Später, als die Sowjets ihre Atomwaffen und
Trägersysteme entwickelten, erkannte die NATO, daß eine glaubwürdige Abschrekkung nicht einzig und allein auf die Androhung atomarer Vergeltung gegründet
werden könne.

Es war jetzt vielmehr eine Fähigkeit notwendig, auf einer Viel-

falt von Ebenen antworten zu können, um die Sowjets vor die Ungewißheit zu
stellen, wie der Westen genau antworten würde - aber vor die Gewißheit, daß
die NATO auf eine Weise antworten könnte und würde, die die Sowjets viel, mehr
kosten würde als sie hoffen könnten, aus einer Aggression zu gewinnen.

Diese

Strategie hängt von der Verbindung der konventionellen, taktisch nuklearen
und strategisch nuklearen Streitkräfte der NATO untereinander ab.

Sie erfor-

dert als wesentlichsten Punkt die unlösbare Verkuppelung der Vereinigten Staaten und Europas, damit die Sowjetunion nie die Hoffnung hegen könnte, einen
Angriff gegen Europa allein richten zu können.

Die Kritik an der NATO-Strategie
Die NATO-Strategie der flexiblen Antwort, ist aus verschiedenen Richtungen
angegriffen worden.

Keiner dieser Angriffe hat jedoch je eine ernsthafte Alter-

native geboten, die die Sicherheit und die Freiheit des Westens bewahren würde.
Die Strategie wurde einmal von Leuten angegriffen, die die oberflächliche
Glätte und Automatik der Doktrin der massiven Vergeltung der fünfziger Jahre
vorzogen - und heute noch angeblich vorziehen -, nämlich die Doktrin: "Wenn
Du diese Linie überschreitest, wird Du in Flammen aufgehen". Diese Kritiker
argumentierten, daß es als ein Zeichen der Schwäche angesehen würde, wenn man
konventionelle oder Mittelstrecken-Optionen überhaupt nur in Erwägung zöge.
Es liegt jedoch heute für die meisten Beobachter auf der Hand, daß eine solche
vereinfachte Drohung nicht glaubwürdig ist. Die Abschreckung hängt vielmehr
von einer ununterbrochenen Kette von Kapazitäten ab, bei der die Stärke und
Wirksamkeit eines jeden Gliedes die ganze Kette stärkt und ihr Glaubwürdigkeit
verleiht. Die Vereinigten Staaten spielen auf allen drei Ebenen ihre Rolle
- 4 -

�ihre Rolle - mit über 300 000 Soldaten in Europa; mit dem Fortschreiten der
Arbeiten für die Modernisierung der nuklearen Zwischenstreckensysteme und
die Rüstungskontrolle sowie mit den Anstrengungen, die Oberlebensfähigkeit
und Wirksamkeit unserer strategischen Vergeltungsstreitkräfte zu gewährleisten.
Alle anderen Mitglieder des Bündnisses haben ebenfalls ihre Rolle zu spielen.
Eine zweite Art von Kritik der NATO-Strategie konzentrierte sich auf die
physischen und moralischen Folgerungen des Einsatzes von Kernwaffen.

Diese

Kritiker stellen zu Recht fest, daß die Gewalt der Kernwaffen ungeheuer ist
und ihr Einsatz zu massiven Verlusten führen kann. Das Argument springt dann
von dieser unbestrittenen Tatsache zu der völlig unlogischen Schlußfolgerung,
daß eine Abschreckungsstrategie, zu deren Repertoire diese Waffen gehören, unmoralisch und unannehmbar sei. Dieses Argument läuft praktisch auf die Beschuldigung hinaus, daß unsere führenden Politiker gerne einen Atomkrieg hätten,
was natürlich einfach nicht stimmt.
muß verhütet werden.

Niemand will den nuklearen Konflikt.

Wie Präsident Reagan sagte:

Er

"Frieden ist nicht das

Nichtvorhandensein von Konflikt, sondern die Fähigkeit, einen Konflikt mit friedlichen Mitteln beizulegen".

Die Frage ist, ob es, wenn wir uns der Kernwaffen

entledigen, dazu beitragen würde, einen gewaltsamen Konflikt zu verhindern,
oder ob es ihn wahrscheinlicher machen würde.

Angesichts des großen Überge-

wichts der konventionellen Streitkräfte zugunsten der Sowjetunion und angesichts des Potentials der Sowjetunion auf der nuklearen Seite ist es offenkundig, daß Kernwaffen im Westen notwendig sind, um eine wesentliche, stabilisierende Rolle zu spielen.

Ein Abbau der nuklearen Rolle könnte nur durch

starke Erhöhungen der konventionellen Rüstung erreicht werden.
Eine dritte Art der Kritik, wie sie kürzlich von einigen ehemaligen amerikanischen RegierungsVertretern vorgebracht wurde, arbeitet mit einem auf
den ersten Blick hintergründigeren Argument.

Statt auf Kernwaffen überhaupt

zu verzichten, wollen diese Kritiker einfach auf die Option der NATO verzichten, sie gegen einen sowjetischen Angriff einzusetzen, wenn die Sowjets nicht
selbst als Erste Kernwaffen eingesetzt haben. Nach dieser Auffassung sollte
sich die NATO ausschließlich auf ihre konventionellen Streitkräfte verlassen,
um vor einem konventionellen sowjetischen Angriff abzuschrecken und, wenn
- 5 -

�und, wenn notwendig, ihn niederzuschlagen, und sie sollte bereit sein, die
notwendigen zusätzlichen Mittel aufzubringen, um ihre konventionellen Streitkräfte so weit aufzubauen, daß sie dazu in der Lage sind.
Wie jedoch die meisten Leute erkannt haben, würde eine solche Politik
eine offene Einladung zu einer sowjetischen Aggression bedeuten. Sie würde
auf der einen Seite einen massiven Ausbau der konventionellen Streitkräfte
erfordern, der wahrscheinlich mehr kosten würde als unsere politischen
Systeme heute oder in absehbarer Zukunft aufzubringen bereit wären.

Sollte

die NATO dann nicht die konventionellen Streitkräfteziele erreichen, dann würde das die Glaubwürdigkeit des Vorschlags

selbst nach seinen eigenen Maßstä-

ben untergraben. Auf der anderen Seite - und einmal ganz abgesehen von der
konventionellen Belastung - würde der Verzicht auf eine mögliche nukleare
Option die Wahl der Strategie den Sowjets überlassen.

Es würde ihnen erlauben,

die Risiken einzuengen, die sie bei jeder Art von Aktion eingehen würden sei es eine ausgewachsene Invasion oder ein Schritt zur Erreichung eines begrenzten Zieles, wie etwa die'türkischen Meerengen oder Berlin.

Und durch

eine Senkung der Risiken konnte eine solche Politik eine Entscheidung der
Sowjets zu militärischem Handeln begünstigen. Sie würde die Schwelle

des

militärischen Handelns senken. Wie wir in Afghanistan erlebt haben, hat die
sowjetische Bereitschaft, militärisch einzugreifen, wenn die Risiken gering
zu sein scheinen, in den letzten Jahren zugenommen.

Die NATO darf sich keine

sie selbst einschränkende Politik zulegen, die diese sowjetische Tendenz
weiter stärken würde.
Alle Kritiker der Abschreckungsstrategie der NATO sind letztlich an dem
fundamentalen Erfordernis jeder ernsthaften geistigen Anstrengung gescheitert: Sie haben keine wirksame und glaubwürdige Alternative geboten. Ein
hoher moralischer Anspruch und Ernsthaftigkeit der Motive reichen allein nicht
als Grundlage für eine Sicherheitsstrategie aus. Und ebenso wenig können das
vereinfachte Formeln, die mehr die Öffentlichkeit ansprechen als^die militärische Realität reflektieren. Eine Strategie kann nur auf d ^ Basis einer
ernsthaften und ständig auf dem neuesten Stand gehaltenen Prüfung der Lage
erstellt werden. Die Erbauer der Maginot-Linie mußten diese schmerzliche
- 6 -

�diese schmerzliche Erfahrung machen.

Und so ging es den jungen Männern in

England, die in den dreißiger Jahren beschlossen, nie mehr für Gott und das
Vaterland zu kämpfen - nur um sich ein Jahr später im Krieg zu befinden,
auf ihn völlig unvorbereitet.

Im Atomzeitalter können wir uns solche Irr-

tümer und Illusionen nicht mehr erlauben.
Trotz geistiger und praktischer Unzulänglichkeiten ist die öffentliche
Kritik an Doktrin und Position der NATO leider oft in oberflächliche Rezepte für die Rüstungskontrolle umgesetzt worden, die, wenn sie tatsächlich
verwirklicht würden, außerordentlich gefährlich wären.

So gibt es beispiels-

weise Leute, die behaupten, daß sie sich um die Aufrechterhaltung der nuklearen Abschreckung nicht kümmerten oder dagegen seien; trotzdem aber sind sie
bereit, den wiederholten sowjetischen Vorschlag für ein Moratorium der Dislozierung neuer nuklearer Mittel Streckensysteme anzunehmen - wobei sie schlicht
die Tatsache außer acht lassen, daß dies den Westen ohne dislozierte amerikanische Systeme beließe, während die Sowjets bereits runde 600 Systeme mit
über 1200 Gefechtsköpfen - einschließlich 900 Gefechtsköpfen auf den mobilen
SS-20-Raketen mit Mehrfachgefechts köpfen - disloziert haben.

Eine so leicht-

fertige Einstellung zur Wirklichkeit untergräbt die Aussichten für die Rüstungskontrolle, da die Sowjets keinerlei Anreiz hätten, über eine Begrenzung oder
einen Abbau ihrer Systeme zu verhandeln.

Und was am wichtigsten ist, es

schwächt ernsthaft die Abschreckung vor einem Krieg, weil es eine stabile
ausgewogene Lösung unmöglich macht.
Wir dürfen nicht vergessen:

Es war nur auf der Basis der durch die

NATO-Strategie erzielten Sicherheit und Stabilität möglich, daß der Westen
in der Schlußakte von Helsinki östliche Zugeständnisse hinsichtlich der Prinzipien der Nichteinmischung, der Souveränität und des Verzichts der Anwendung
oder Androhung von Gewalt erreichte.

Helsinki stellte sowohl eine Anerken-

nung der durch die NATO erzielten Stabilität, als auch ein hoffnungsvolles
Programm für die Zukunft dar.

Leider hat die Sowjetunion später die meisten

dieser Prinzipien verletzt - am deutlichsten in der Polen-Krise.
Es sollte

�Es sollte uns eigentlich" nicht überraschen, daß die Sowjetunion keine
Achtung vor den Prinzipien der internationalen Stabilität und der friedlichen
Zusammenarbeit an den Tag legt und daß sie ihre'Propagandaangriffe gegen genau die Elemente der westlichen Abschreckung richtet - unserer politische
Einigkeit, unsere konventionelle Verteidigung und die strategische Verbindung Europas und Nordamerikas -, die es überhaupt erst erlaubt haben, diese
Prinzipien aufzustellen.

Unsere Aufgabe im Westen besteht darin, diese Prin-

zipien lebendig zu erhalten; und weiterhin den Zusammenhalt und die Stärke des
Westens grundsätzlich aufrechtzuerhalten, da sie die einzige Grundlage sind,
auf der diese Prinzipien letztlich geschützt und erweitert werden können.

Die gegenwärtige Anstrengung der NATO
i

Vor drei Wochen wurde eine umfassende Studie über die Streitkräfte der

NATO und des Warschauer Paktes veröffentlicht.

Es ist das erste Mal, daß die

NATO einen so detaillierten Vergleich herausgegeben hat.

Das Dokument, das

ich jedem von Ihnen empfehlen möchte, der es noch nicht gelesen hat, is, glaube ich, in allen Sprachen des Bündnisses, einschließlich natürlich Deutsch,
erschienen.

Es vergleicht auf objektive Weise die Mannschaftsstärke, die

Kampfeinheiten, die Ausrüstung der Landstreitkräfte, die Flugzeuge, die Flotten und die nuklearen Trägersysteme beider Bündnisse.

Die Lehren, die wir

aus diesem Dokument ziehen können, sind ernüchternd.

Jeder hat schon immer

vage Vorstellungen gehabt, daß die Sowjetunion in Europa über größere Streitkräfte verfügt als die NATO.

Aber wieviele Leute wissen, daß das Verhältnis

an konventionellem Großgerät sich während der letzten zehn Jahre, also während der Periode eben der Entspannungf

und Rüstungskontroll Verhandlungen we-

sentlich verschlechtert hat, daß das Verhältnis an Panzern des Warschauer Paktes
und an Panzern der NATO sich von 3 : 1

sich auf 4 : 1 zu Ungunsten der NATO

verschoben hat oder daß sich das Verhältnis bei der Artillerie von 2 : 1
auf 3 : 1 verschoben hat.

Diese Zahlen sind entmutigend.

Aber die NATO hat

gezeigt, daß sie über die Mittel und den politischen Willen verfügt, das Erforderliche zu tun, um ein Gleichgewicht der Abschreckung aufrechtzuerhalten.
Auf der nuklearen Seite wird der NATO-Doppelbeschluß vom Dezember 1979 ein wich- 8 -

�ein wichtiges Element des militärischen und politischen Vorteils der Sowjets
beseitigen, indem er entweder zum Abbau der vorhandenen sowjetischen SS-20-,
SS-4- und SS-5-Raketen durch Verhandlungen über eine Null-Option führt - was
wir ganz sicher vorziehen würden - oder zur Dislozierung eines militärischen
Gegengewichts.
Indem er den gegenwärtigen Vorteil der Sowjets beseitigt, den Moskau
während der letzten Jahre trotz seines angeblichen Interesses am Abbau der
Spannungen in verschärftem Tempo'ausgebaut hat, wird der Doppelbeschluß gewährleisten, daß die europäische Sicherheit festmit den strategischen Streitkräften der Vereinigten Staaten verbunden bleibt. Die Sicherheit Amerikas und
die Sicherheit Europas werden weiterhin eine gemeinsame Sache sein. Ohne
ihren derzeitigen Vorteil kann die Sowjetunion nicht in Versuchung geraten,
das Maß der amerikanisch-europäischen strategischen Einigkeit fajlsch zu beurteilen; kann sie nicht von der falschen Vorstellung ausgehen, daß ein Krieg
auf Europa begrenzt werden könnte und kann daher keinen Krieg unter der falschen Voraussetzung beginnen, daß die Risiken der Sowjetunion begrenzt seien.
Und wenn Moskau diese Fähigkeit nicht mehr hat, dann wird es auch die Fähigkeit verlieren, in einer Krise politischen Druck auf Europa auszuüben, indem
es eben einen solchen" begrenzten Krieg androht.

Es kann nicht überraschen, daß die Sowjetunion so nachhaltig gegen den
Doppelbeschluß gekämpft hat, der ein wichtiges Element der strategischen und
politischen Hebelwirkung der Sowjets beseitigt.

Unsere Aufgabe im Westen be-

steht darin, bei der Verwirklichung beider Teile des Beschlusses standhaft zu
bleiben.

Das ist die einzige Chance, die Sowjets dazu zu bringen, in Genf

ernsthaft zu verhandlen. Bisher Jiaben die Sowjets auf einer Position beharrt,
die es ihnen erlauben würde, alle Ihre derzeitigen SS-20-Raketen westlich des
Ural zu behalten ohne ihnen irgendwelche Begrenzungen für den Rest ihres Territoriums aufzuerlegen, während es keine vergleichbaren amerikanischen Systeme
geben dürfte. Heute liegt ganz Westeuropa unter der Bedrohung der sowjetischen
Nuklearraketen.

Nur wenn die Sowjetunion überzeugt ist, daß der Westen es

ernst meint, wird sie einen Anreiz zu Verhandlungen haben und wird nicht
weiterhin ihre öffentliche Propaganda einsetzen, um ihre strategischen und
- 9 -

�strategischen und politischen Vorteile zu schützen.
Auch die konventionelle Seite des Standes der Streitkräfte bedarf unserer dringenden Aufmerksamkeit.

Dabei handelt'es sich traditionell um

ein noch schwierigeres Gebiet als das der Nuklearstreitkräfte, weil es hier
um viel Geld und viel Menschen geht - beides in demokratischen Gesellschaften schwer aufzubringen.

Die derzeitige wirtschaftliche Rezession hat das

Problem noch verschärft.

Aber wenn unsere Strategie wirklich flexibel blei-

ben soll, dann müssen wir mehr tun, um mit den Sowjets Schritt zu halten,
die seit Jahren ihre Verteidigungsausgaben um real vier Prozent jährlich gesteigert haben.

Das Problem für den Westen besteht nicht nur darin, mehr

zu tun, obwohl dies natürlich eindeutig notwendig ist. Das Problem besteht
darin, unsere Anstrengungen effektiver zu machen.

Das wird eine enge Zu-

sammenarbeit zwischen militärischen Planern, der Industrie und den politischen Entscheidungsgremien der Länder erfordern.

Es handelt sich um eine

Herausforderung, der wir begegnen können, wenn wir unsere überwältigenden
wirtschaftlichen und technologischen Vorteile in bester Weise nützen.

Globale Zurückhaltung und Aufgaben
Die Abschreckung vor einem Krieg in Europa, so schwierig dies auch sein
mag, ist eine Aufgabe, die wir seit nunmehr über einer Generation erfolgreich
gelöst haben. Wir kennen diese Aufgabe gut. Die Abschreckung vor einem Krieg
in der übrigen Welt ist weit schwieriger, aber diese Aufgabe wird wahrscheinlich unsere Fähigkeiten in diesem Jahrzehnt auf die Probe stellen. Und das
hängt direkt mit unserer Sicherheit zusammen. Die Ausweitung des Konzepts
der Abschreckung, von dem vertrauten Gebiet Europas auf das wenig bekannte
Gebiet des Persischen Golfs - von dem die Industriestaaten Europas mit rund
70 Prozent ihres Erdöls abhängen - oder auf andere potentielle Krisenzonen
erfordert ein überdenken traditioneller Formen und eine Neugestaltung militärischer Pläne. Es berührt jedes Land des Bündnisses. Die globale Struktur
der Nachkriegsperiode, von der wir alle wegen des außeordentlichen Wachstums
des Handels abhängig waren - und dies gilt besonders für die Bundesrepublik
- 10 -

�die Bundesrepublik Deutschland - ist eine zerbrechliche Sache.

Sie ist durch

militärische Aktionen, Subversion und Guerillakrieg verwundbar; sie ist verwundbar gegenüber wirtschaftlichen Problemen, und sie ist verwundbar durch politische Veränderung.

Wir können die Existenz einer günstigen, reibungslos

funktionierenden Weltordnung nicht einfach als etwas Selbstverständliches voraussetzen, so wie wir das Fortdauern der Abschreckung in Europa nicht als
selbstverständlich voraussetzen können.

Und wir können im Zeitalter der Ra-

keten und Flugzeuge nicht mehr sagen, daß Ereignisse in anderen Regionen weit
weg sind, wie die Menschen in den dreißiger Jahren sagten, daß die Ereignisse
in der Mandschurei, in Äthiopien oder in der Tschechoslowakei weit weg waren.
Da es keine klar entwickelten Bündnisstrukturen, wie etwa die NATO, gibt, die
auf seit langem bestehenden politischen Konsens und militärischer Bereitschaft
beruhen, ist die Aufgabe der Abschreckung vor einem Konflikt in der Dritten
Welt weit schwieriger als in Europa.
da es an der Vorbereitung mangelt.

Die Risiken des Kampfes sind auch höher,
Und so war es in der Tat die Dritte Welt,

die die meiste Gewalttätigkeit erlebt hat - angefangen von Afghanistan über
Kampuchea bis nach El Salvador.

Die Aufrechterhaltung von Stabilität und die

Ausweitung der Abschreckung auf andere Regionen wird alle Anstrengungen der
Länder des Bündnisses erfordern:

Wir müssen die Wirtschafts- und Militärhilfe

an Freunde ausweiten, wir müssen, soweit notwendig, Macht zeigen und wir müssen die Verteidigung der NATO dort stärken, wo sie sonst durch die Notwendigkeit geschäwcht wäre, Ressourcen abzuziehen, um mit globalen Problemen fertigzuwerden.

Das ist eine stattliche Aufgabe, aber Erfolge hierbei sind wichtig,

wenn die Struktur der globalen Sicherheit, von der unsere Länder abhängen, aufrechterhalten werden soll.

Zusammenfassung
Im Atomzeitalter ist die Abschreckung nicht einfach eine Strategie unter
vielen, aus denen man nach Belieben aussuchen könnte.
listische Strategie.

Es ist die einzige rea-

Ein Konflikt in Europa wäre verheerend, und wir müssen

ihn weiterhin verhüten.

Der einzige Weg zu diesem Ziel ist der, den die NATO

seit drei Jahrzehnten eingeschlagen hat: Aufrechterhaltung einer einigen
- 11 -

�einer einigen politischen Front, gestützt durch die militärische Macht, die
notwendig ist, um die Sowjetunion abzuschrecken. Das ist ein anspruchsvoller
Kurs, aber es ist ein Kurs, den wir auch in Zukunft erfolgreich beibehalten
können. Ich bin „sicher, daß die Völker des Westens über den Einfallsreichtum,
die Mittel und die Entschlossenheit verfügen, um die Abschreckung in Zukunft
so wirksam aufrechtzuerhalten wie in der Vergangenheit. Und auf dieser gesunden Grundlage werden sie die Sicherheit, Stabilität und Freiheit erhalten,
die für die friedliche Verwirklichung demokratischer Werte wesentlich sind.

+ + + + +

- 12 -

�Dokumentation
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

26. Mai 1982

REDE DES AFL-CIO-PRÄSIDENTEN AUF DEM DGB-KONGRESS IN BERLIN

BERLIN - (AD) - Der Präsident des größten amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO, Lane Kirkland, hat in einer Rede als Gast auf dem Kongreß
des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Berlin am 18. Mai 1982 darauf hingewiesen, daß die Unterstützung des Atlantischen Bündnisses durch freie Gewerkschafter nicht nachlassen dürfe, sondern verstärkt werden müsse.
Die Rede Kirklands hat in deutscher Übersetzung folgenden Wortlaut:
Lieber Kollege Vetter, verehrte Gäste, Funktionäre und Delegierte,
liebe Kolleginnen und Kollegen!
Ich überbringe diesem Kongreß des DGB die Grüße und besten Wünsche der
arbeitenden Männer und Frauen der Vereinigten Staaten. Damit will ich unterstreichen, welche große Bedeutung wir in der AFL-CIO unseren Beziehungen zu
den deutschen Gewerkschaften sowohl im Bereich unserer bilateralen Kontakte
als auch bei unserer gemeinsamen Arbeit in der internationalen freien Gewerkschaftsbewegung beimessen.
Ich bin in einer kleinen Stadt in Südkarolina zur Welt gekommen, wo im
Unabhängigkeitskrieg eine große Schlacht, die Schlacht von Camden, geschlagen

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Camden, geschlagen wurde.
Auf dem Schlachtfeld befand sich auch eine Einheit, die von einem deutschen Soldaten angeführt wurde, den Amerika unter dem Namen Baron de Kalb
kennt, und der sich als Freiwilliger in den Dienst für die Sache der amerikanischen Revolution gestellt hatte. An diesem blutigen Tag hat seine kleine
Truppe, als die meisten unserer Streitkräfte in Panik schon die Flucht ergriffen hatten, unerschütterlich bis zum Ende standgehalten; er gab für unsere Sache sein Leben.
An jenem Ort steht heute ein Denkmal zur Erinnerung an den Baron de
Kalb, in das folgende Worte eingegraben sind:

"Von Geburt Deutscher. Von

Wesen ein Bürger der Welt."
Etliche der Begründer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind aus
Deutschland gekommen. Diese Tradition hat sich in verschiedenen Berufszweigen und Gegenden bis heute erhalten.
Die Neubelebung unserer brüderlichen Verbindungen nach dem Zweiten Weltkrieg half über die Maßen zum Aufbau Eures Landes, aber auch zu dem eines
starken, freien und demokratischen Westeuropa. Was wir gemeinsam im Namen
von Freiheit und Demokratie erreicht haben, darf nicht ins Wanken geraten
oder der Verlockung eines Rückzugs des einen oder anderen aus unserem langen,
gemeinsamen Kampf gegen jene Kräfte erliegen, die sich gegen den Geist der
Menschlichkeit formiert haben.
Die engen und herzlichen Beziehungen zwischen AFL-CIO und DGB, Beziehungen, die sich in den letzten Jahren entwickelt haben und gewachsen sind,
waren ein entscheidender Faktor für die Rückkehr der AFL-CIO in den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften. Meinen besonderen Dank möchte ich
Eurem Vorsitzenden, meinem guten Freund Heinz Oskar Vetter, sagen für die
Rolle, die er bei diesem Prozeß gespielt hat, wie auch für die vielen anderen Leistungen, die er für unsere gemeinsamen Ziele erbracht hat.

Ich hoffe

und ich rechne auch voll damit, daß wir diese Zusammenarbeit fortsetzen,
- 2 -

�Zusammenarbeit fortsetzen, damit die der Förderung von Frieden, Fortschritt
und Freiheit in aller Welt dienende Arbeit verstärkt wird.
Für einen amerikanischen Gewerkschafter

meiner Generation ist diese

Reise nach Berlin, zu meinem ersten DGB-Kongreß, ein bewegendes Erlebnis.
Es ist ermutigend, diesen großen Gewerkschaftsbund in Aktion zu sehen, diese Organisation, die sich wie ein Phpnix aus der Asche erhoben hatte, zu der
sie von den Schrecken der Nazi-Brutalität reduziert worden war - dieses lebendige Zeugnis für den bleibenden Einfluß freien Gew.erkschaftswesens auf
Herzen und Sinne der arbeitenden Männer und Frauen.
Hier, in dieser geteilten Stadt, enthüllt sich auch mit aller Schärfe
der große Konflikt unserer Tage, der Konflikt um menschliche Grundwerte,
der allen Fragen militärischer Verteidigung nicht nur zugrunde liegt, sondern sie bestimmend überschattet. Hier stoßen wir auf den deutlichsten Gegensatz zwischen einem Polizeistaat, der sich hinter einer Mauer der Schande
einsperrt, und einem freien Volk, das Gerechtigkeit durch Demokratie verfolgt.
Hier verläuft die Trennlinie

zwischen eingelösten Versprechen und solchen,

die gebrochen wurden.
Hierher kam vor 19 Jahren mein Vorgänger George Meany, zusammen mit Präsident John F. Kennedy; er war hier, als Kennedy feststellte, daß freie und
demokratische Gesellschaften, trotz all ihrer Schwierigkeiten, niemals eine
Mauer hätten bauen müssen, um ihre Bevölkerung festzuhalten, und als er die •'. ,
uns bindenden Werte mit den einfachen, lebendig gebliebenen Worten bekräftigte:
"Ich bin ein Berliner."
Diese Solidarität von Männern und Frauen wird in dieser Generation durch
das Entstehen und die brutale Unterdrückung der Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc in Polen auf die Probe gestellt. Die in der Vereinbarung von Gdansk
1980 klar ausgesprochenen wichtigen Fragen und Werte, vom polnischen Staat
akzeptiert und auf Befehl seines sowjetischen Gebieters verraten, sind die
gleichen, die Berlin teilen.
Aber noch
- 3 -

�Aber noch müßte erst, trotz all ihrer Gestapo-Methoden und Macht, die
polnische Faschisten-Junta in den Reihen oder in der Führung der Solidarnosc
einen Quisling finden! Diese Bewegung repräsentiert weiterhin das wirkliche
Wollen des polnischon Volkes.
Können wir, die wir in relativer Behaglichkeit und Sicherheit die Segnungen der Freiheit genießen, weniger entschlossen sein und dennoch berechtigt unseren Anspruch erheben, im Namen der Freiheit zu sprechen?
Der Ruf nach Frieden und Abrüstung ist überall im Westen laut und deutlich zu vernehmen. Seine Nachdruck!ichkeit bringt unsere politischen Führer
in Bewegung. Aber jenseits der Mauer herrscht Schweigen, und die wachsende
Rüstungslast hungert die Menschen weiterhin aus und erstickt ihre Stimmen.
Hier liegt das Wesentliche des Problems des Friedens, das nicht durch
Selbstbezichtigung und Schuldzuweisungen innerhalb der kleinen Familie freieft
und demokratischer Nationen gelöst werden kann.
Beim Kampf zwischen Humanität und Tyrannei geht es wie beim Sprichwort?;
lichen Tanz mit dem Bären.
dy

Die Grundregel lautet: Nicht aufhören, auch wenn

müde wirst!

Aus diesem Grund darf auch unsere,von freien Gewerkschaftern dem Atlantisehen Bündnis gegebene Unterstützung nicht nachlassen, sondern muß verstärkt
werden. Kein kluger Mann baut sich für die häusliche Bequemlichkeit ein
schönes Haus und vergißt dann, dieses gegen Feuer und Diebstahl zu versichern.
Unsere Werte verdienen angesichts der Gefahr ganz gewiß eine starke Verteidigung.
Vor mehr als 200 Jahren ist von einem unserer revolutionären Führer,
Patrick Henry, jene aktuelle Frage gestellt und beantwortet worden:
"Ist das Leben so teuer und ist der Frieden denn so süß, daß sie zum

�sie zum Preis von Ketten und Sklaverei erkauft werden müssen?

Der Himmel

verhüte es!"
Ich wüßte nicht, daß sich seitdem in all den Jahren irgend etwas ereignet habe, das eine andere Antwort" als diese richtige erlaubt hätte.
Wir sind mit Euch auch davon überzeugt, daß Brot und Freiheit keine
alternativen Ziele, sondern ein Unteilbares sind.
In dieser Zeit wirtschaftlicher Rezession, wo die Arbeitslosenzahl in
den OECD-Ländern 30 Millionen und mehr erreicht, bedeutet diese Oberzeugung
eine dringliche Aufgabe und schwere Verantwortung. Wir haben im Gewerkschaftlichen Beratungs-Ausschuß bei der OECD in harmonischer Übereinstimmung mit
unseren Kollegen aus allen Industrie-Demokratien an der Entwicklung einer gemeinsamen Stellungnahme zu den uns alle quälenden wirtschaftlichen und sozialen Problemen gearbeitet, wie Massenarbeitslosigkeit, Hochzins, die anhaltende
Energie-Krise, niedriges Wirtschaftswachstum und die den Armen und Benachteiligten mit grausamen, ungerechten einzelstaatlichen Politiken auferlegten
Härten.
Wir haben unsere konzertierte Meinung, unsere gemeinsame Besorgnis, den
gewählten Führern und den Gestaltern der Wirtschaftspolitik in unseren Ländern
so energisch wie möglich und auf allen uns offenstehenden Wegen klargemacht.
Wir werden damit fortfahren, wir werden mit unseren Argumenten in jene Stellen
unserer Länder vordringen, in denen abgestimmt und gewählt wird, bis wir uns
von den Besessenen des Monetarismus und der Mythologie des Marktes befreit
haben.
In Solidarität mit unseren Kollegen und Kolleginnen in den Entwicklungsländern haben wir uns auch an die Bewältigung der zwischen den reichen und
armen Nationen des Nordens und des Südens anhaltenden Kluft gemacht. Wir haben
dabei nicht, wie das bei so vielen geschieht, die noch viel breitere Kluft
zwischen den Reichen und den Armen in den Ländern des Südens ignoriert.

Wir

haben Mindestnormen für die Lebens- und Arbeitsbedingungen, mittels der Sozial-

�der Sozialklausel, und in den Handelsbeziehungen gefordert sowie die rückhaltlose Anwendung des lebenswichtigen Prinzips der Koalitionsfreiheit mittels
freier Gewerkschaften als bewährtem Weg des Fortschritts in der Aufwärtsentwicklung der Menschheit in aller Welt.fm Geist uneingeschränkter Solidarität
versichere ich Euch der starken Unterstützung seitens AFL-CIO beim gemeinsamen Vorgehen, den Herausforderungen der kommenden Jahre gerecht zu werden.
Vielen Dank. Viel Glück für Euch alle!

+ + + + +

- 6 -

�Ulirl/chofl
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

26. Mai 1982

EINE FREIERE WELTWIRTSCHAFT: ZIEL DER USA BEIM WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL
- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -

WASHINGTON - (AD) - Beim Treffen der führenden Staatsmänner der sieben
wichtigsten Industrieländer in Versailles im Juni wird wahrscheinlich jeder
der Teilnehmer eine etwas unterschiedliche Auffassung von dem einbringen,
was der interessanteste Teil der Tagesordnung sein sollte.
RegierungsVertretern in Washington zufolge möchte Präsident Reagan seine
Gesprächspartner davon überzeugen, das Gipfeltreffen vom 5.-6. Juni in Versailles
als eine Gelegenheit zu ergreifen, sich auf einige der grundlegenden Aspekte der
Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Industriestaaten - und zur übrigen Welt zu konzentrieren. Der Versailler Gipfel sollte den Kurs abstecken, um mit diesen
Aspekten des Weltwirtschaftssystems noch in diesem Jahrzehnt fertigzuwerden.
Genauer gesagt: Die Vereinigten Staaten erhoffen eine anhaltende Anstrengung
zur Aufrechterhaltung des offenen Welthandelssystems und die Ausdehnung des
Grundsatzes einer offenen Weltwirtschaft auf neue Bereiche. Amerikanische Regierungsvertreter haben bereits öffentlich von dem Wunsch nach Ausweitung der
GATT-Regelungen gesprochen, um Bereiche wie Dienstleistungen, Handel mit

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�Handel mit landwirtschaftlichen Produkten, Handel mit hochtechnologischen
Gütern und Investitionen einzubeziehen. Es bestehe zudem auch das Bedürfnis,
Möglichkeiten zu diskutieren, wie die in ihrer Industrialisierung begriffenen
Staaten in das offene Welthandelssystem einbezogen werden können, während ihnen
gleichzeitig der Zugang zu den expandierenden Märkten zugesichert wird, die sie
so dringend brauchen.
*

Ober eine stärkere Öffnung des Weltwirtschaftssystems zu sprechen, scheint
ein Schlag ins Gesicht der herrschenden Realitäten zu sein - in einer Zeit, da
die weltweite Rezession überall den protektionistischen Druck erhöht und die
Industriestaaten einander wegen so häßlicher Handelsprobleme wie Landwirtschaftssubventionen, Stahl und Maiskleber an die Gurgel zu gehen scheinen.
Trotzdem herrscht unter den führenden Politikern in den Vereinigten Staaten
das Gefühl vor, jetzt sei die Zeit für neue Verpflichtungen und neue Anstrengungen, die einen Rückfall verhindern und dem Welthandel neue Wege weisen
können. Dabei sind ihrer Meinung nach die Vereinigten Staaten auch in einer
besseren Position als die Europäer - mit ihren derzeitigen Zweifeln hinsichtlich des Wertes eines offenen Handelssystems - oder Japan, das selbst starken
verbalen Angriffen wegen einiger seiner eigenen Handelspraktiken ausgesetzt ist,
in einer solchen Kampagne die Führungsrolle zu übernehmen.
Zum Teil rührt die unterschiedliche Akzentuierung der Gipfel teil nehmer nicht •
von amerikanischer Unempfänglichkeit, sondern vom amerikanischen Optimismus her
- einem Optimismus, der in starkem Kontrast steht zu dem Pessimismus, der derzeit *
in vielen anderen Hauptstädten vorherrscht. Die Reagan-Administration ist überzeugt, daß sie zu einer dauerhaften Verringerung der Inflation und anhaltendem
nichtinflationären Wachstum gelangen kann. Dies aber, so amerikanische Regierungsvertreter, wäre das Beste, was die Vereinigten Staaten für die Volkswirtschaften
der anderen Länder tun könnten.
Es ist

- 2 -

�Es ist offenkundig, daß man wenig von einem Vorschlag in Versailles halten
würde, demzufolge die Vereinigten Staaten mehr Geld in ihre Volkswirtschaft
pumpen sollten, um die Zinsen herunterzubringen. Sowohl die Reagan-Administration
als auch der Federal Reserve Board bestehen darauf, daß eine konsequente Geldpolitik der Zentralbank nötig ist, um die antiinflationäre Anstrengung glaubwürdig und erfolgreich zu machen und zu einer dauerhaften Senkung der Inflationsraten zu gelangen.
Ist erst einmal die Öffentlichkeit davon überzeugt, daß das jüngste,
dramatische Absinken der Inflationsraten in den Vereinigten Staaten von Dauer
ist, dann werden sicherlich - so Wirtschaftsberater der Regierung - auch die
Zinsen fallen. Viele Beobachter führen die Aussicht auf große Haushaltsdefizite
in den kommenden Jahren als Grund dafür an, daß die amerikanischen Zinsen noch
nicht auf die Rezession und auf die verbesserten Inflationsraten reagiert haben.
Allerdings gehen der Präsident, die Republikaner und auch die Demokraten im
Kongreß nunmehr deutlich in die Richtung einer Reduzierung der Defizite. Die
einzige Frage, über die jetzt noch debattiert wird, ist, wie dies geschehen soll.
Ein Teil der Besorgnis im Ausland über die hohen amerikanischen Zinsen
bezieht sich auf Probleme der Wechselkurse. Ausländische Gelder werden durch
die hohen Zinserträge in die Vereinigten Staaten gelockt, halten den Dollar
stark und - so lautet das Argument - tragen zu der Schwäche anderer Währungen
auf den Devisenmärkten bei. Von hoher Stelle wird in einigen Ländern darüber
geklagt, daß man zur Verhinderung einer weiteren Abwertung der eigenen Währung
gezwungen gewesen sei, die eigenen Zinsen höher zu halten, als man dies
eigentlich möchte.
Einige Europäer haben - an einer kräftigeren Senkung der Zinsen in nächster
Zukunft zweifelnd - den Vorschlag gemacht, die Vereinigten Staaten sollten
stärker auf den Devisenmärkten intervenieren, um zu verhindern, daß der Dollar
zu stark aufgewertet wird.
In jüngster

- 3 -

�In jüngster Zeit haben Finanzminister Regan und andere Angehörige seines
Ministeriums öffentlich bezweifelt, ob die amerikanischen Zinsen wirklich die
Ursache der Schwäche mancher ausländischer Währung seien. Sie argumentieren
vielmehr, daß in manchen Fällen die Währungsschwäche mehr von der inflationären
Politik in dem jeweiligen Land und auch von anderen Ereignissen in Europa bestimmt wird. Sie bezweifeln zugleich, ob eine staatliche Intervention bei den
Devisenmärkten Wirkung dabei zeigen würde, den Wechselkurs einer Währung zu
heben, wenn fundamentale Marktkräfte in die entgegengesetzte Richtung wirken.
Finanzminister Regan sagte es in seiner Rede vom 10. Mai vor dem Ministertreffen der OECD in Paris deutlich: "Diejenigen mit einer inflationären Politik
müssen sich den Konsequenzen stellen, die diese politische Entscheidung für den
Wechselkurs und für die Zahlungsbilanz hat."
Da die Reagan-Administration bewußt die stärker interventionistisch
akzentuierte Politik der vorhergegangenen Administration aufgekündigt hat, ist
es höchst unwahrscheinlich, daß sie in Versailles dazu überredet werden könnte,
auf genau die gleiche Politik zurückzugreifen.
Trotzdem erklärte Finanzminister Regan am 9. Mai in Paris, daß "wir nicht
halsstarrig sind", was die Frage der Intervention auf den Devisenmärkten angehe.
Kurz vor der Eröffnung des OECD-Ministertreffens erklärte er vor Reportern,
daß er eine unparteiische Studie vorzuschlagen gedenke, die den Wert von Eingriffen in die Devisenmärkte untersuchen soll. "Wir würden gerne einen kleinen
Beweis dafür haben, ob die Intervention wirklich funktioniert. Wir wären durchaus bereit, zu intervenieren, wenn es funktionieren sollte." Regan machte jedoch
deutlich, daß er nicht über eine Art von Eingriff spreche, der versuchen würde,
die grundlegenden Tendenzen zu verändern.
Die amerikanische Haltung der letzten Jahre war generell die, daß eine
größere Stabilität der Wechselkurse nur dadurch erzielt werden kann, daß man
die fundamentalen Faktoren - insbesondere die Inflation - in den Griff bekommt,

�Griff bekommt, die eine Veränderung der Wechselkurse zur Folge haben - und
nicht dadurch, daß die Regierung in großem Umfang Devisen kauft oder verkauft.
Amerikanische Regierungsvertreter sind der Überzeugung, daß dieser Prozeß,
die grundlegenden Probleme in den Griff zu bekommen, durch intensivere Konsultation zwischen den Regierungen erleichtert würde - Konsultationen, bei denen
ein Blick auf die Solidität der Binnenwirtschaftspolitik eines Landes geworfen
wird und auch auf die begrenztere Frage nach seiner Politik der Intervention
auf den Devisenmärkten.
Schon in der Vergangenheit haben die Vereinigten Staaten Vorschläge in
diesem Rahmen unterbreitet. Die Zusätze zu dem Abkommen des Internationalen
Währungsfonds, die im Jahr 1976 vereinbart wurden, enthielten auch das Thema
Konsultationsverfahren; aber RegierungsVertreter in Washington sind der Ansicht,
es sei nicht wirkungsvoll genug. Sie hätten lieber einen Konsultativprozeß, der
"Zähne zeigt", bei dem ein Land, das eindeutig keine solide, antiinflationäre
Politik verfolgt, auch wirklich den Druck seiner Partner zu spüren bekommt, um
sein Handeln zu verbessern.
All diese Themen werden sicherlich ihren Teil Aufmerksamkeit erhalten,
wenn die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten
sich im Juni in Versailles treffen. Aber in Washington hofft man, daß die
Beschäftigung mit den drängenden, kurzfristigen Schwierigkeiten die Aufmerksamkeit nicht von längerfristigen und grundlegenderen Fragen ablenken wird, wie
diese Staaten in Zukunft bei Wirtschaftsfragen zueinander und zur übrigen Welt
stehen sollen.
+++++

- 5 -

�21

26. Mai 1982

INTERNATIONALE STUDIE: PORTRAIT AMERIKANISCHER WERTVORSTELLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Verglichen mit Westeuropäern und Japanern sind die
Amerikaner stolzer auf ihr Land und ihre Arbeit, eher bereit, für ihr Land
zu kämpfen, sowie im allgemeinen glücklicher und religiöser.
Dies geht aus einer internationalen Studie hervor, die das amerikanische Gallup-Institut sowie eine Reihe anderer privater Forschungsgruppen
in 16 Ländern durchgeführt haben. In Zukunft soll sich diese Studie auch
auf Australien, Neuseeland und eine Anzahl lateinamerikanischer Länder erstrecken.
Die Umfrage in den Vereinigten Staaten wurde von der unabhängigen
katholischen Forschungsinstitution CARA gefördert und zeitigte einige zum
Teil unerwartete Ergebnisse.
Rund 80 Prozent der befragten Amerikaner erklärten der Untersuchung
zufolge, daß sie stolz seien, Amerikaner zu sein - verglichen mit nur 38
Prozent der angesprochenen Europäer und 30 Prozent der Japaner, die Stolz

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 22 40
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�die Stolz auf ihre nationale Identität bekundeten. 71 Prozent der von der
Studie erfaßten Amerikaner brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, für ihr
Land zu kämpfen, gegenüber 43 Prozent in Europa und 22 Prozent in Japan.
Insgesamt gesehen hat Amerika mehr Vertrauen zu seinen Institutionen
als Europa, ausgenommen den Rechtsvollzug. Größtes Vertrauen genießen die
Kirchen, das geringste die

Gewerkschaften, die Presse sowie die großen

Unternehmen. Weniger Vertrauen zu diesen Institutionen in ihren jeweiligen
Ländern bekundeten der Studie zufolge die Westeuropäer. Japan vertraut
mehr auf sein Rechtssystem als Amerika und Europa. 84 Prozent der Amerikaner
behaupteten, stolz auf ihre Arbeit zu sein, gegenüber 79 Prozent in Großbritannien, 37 Prozent in Japan und 15 Prozent in Deutschland.
Amerikaner und Iren, so geht aus der Studie weiter hervor, glauben mehr
an Gott als die Befragten aus den anderen Ländern: 95 Prozent der angesprochenen Bürger in den USA und in Irland antworteten positiv auf diese
Frage. 71 Prozent der Amerikaner glauben an ein Leben nach dem Tode, verglichen mit 43 Prozent in Europa und 40 Prozent in Japan.
Die Frage nach der Zufriedenheit mit ihrem Leben ergab, daß Dänen,
Schweden und Amerikaner am zufriedensten sind. Am unteren Ende der Skala
stehen die Italiener, Spanier und die Japaner.
Die Amerikaner halten sich im allgemeinen für glücklich; 32 Prozent
meinen sogar, sie seien "sehr glücklich", 60 Prozent behaupten "ziemlich
glücklich" zu sein. Die Iren und Briten liegen den Aussagen zufolge in der
Kategorie "sehr glücklich" noch etwas vor den Amerikanern; sehr niedrig
stufen sich hier die Japaner und die Bewohner der Bundesrepublik Deutschland
ein.
In jedem der erfaßten Länder wurden mindestens 1 200 ausgewählte Bürger
in einem etwa einstündigen Interview befragt. In den Vereinigten Staaten
wurden 2 000 Menschen interviewt, darunter zahlreiche Schwarze, Amerikaner
spanischer Abstammung und Jugendliche.
+++++
- 2 -

�Hintergrund
materiell
International Communication Agency
Embassy of the United States of America

21

26. Mai 1982

VON NEUSEELAND AUSGEWIESENER SOWJETBOTSCHAFTER IN NEW YORK AUFGETAUCHT

NEW YORK - (AD) - Ein sowjetischer Diplomat, der von Neuseeland wegen
Beschaffung von Mitteln für die Kommunistische Partei dieses Staates des Landes
verwiesen worden war, tauchte kürzlich in New York auf, um anscheinend an einer
Sitzung des Wirtschafts- und Sozialrats der Vereinten Nationen (ECOSOC) teilzunehmen. Allerdings wurde er auf keiner solchen Sitzung gesehen.
Der außenpolitische Redakteur der Hearst-Zeitungsgruppe, John Wallach,
berichtete, daß Vsevolod Sofinsky, bis zum Januar 1980 sowjetische Botschafter
in Neuseeland, Anfang April dieses Jahres in New York eingetroffen sei. Wallach
zufolge war Sofinsky Korrespondenten bekannt, die in Moskau gearbeitet haben, da
er zeitweilig die Presseabteilung des sowjetischen Außenministeriums geleitet
hatte.
In seiner Sitzungsperiode vom 13. April bis zum 7. Mai behandelte der
ECOSOC Probleme, die von der Präsenz ausländischer Truppen in Kampuchea über
die Menschenrechtslage in Polen, Guatemala und El Salvador bis hin zu Ereignissen
in dem von Israel besetzten West-Ufer des Jordan reichten. Diejenigen, die

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Telex: 08-85432

�Diejenigen, die Sofinsky kennen, erklären jedoch, daß er zu keiner Zeit bei
den Beratungen gesehen wurde.
Amerikanische Regierungsvertreter gaben keinen Kommentar zu Presseberichten,
denen zufolge sie sich Gedanken über den eigentlichen Zweck des Erscheinens von
Sofinsky in New York machten. Ein Sprecher des Außenministeriums wies darauf hin, ,
daß gemäß den Vereinbarungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Vereinten
Nationen die USA jedermann den Zugang zu New York gewähren müssen, der von der
Weltorganisation eingeladen worden ist.
Im Januar 1980 erklärte die neuseeländische Regierung den damaligen Botschafter Sofinsky zur persona non grata und forderte ihn auf, wegen seiner Einmischung
in die Innenpolitik des Landes Neuseeland sofort zu verlassen.
Die Zeitung "Auckland Star" berichtete in ihrer Ausgabe vom 25. Januar 1980,
daß der neuseeländische Geheimdienst im Rahmen einer routinemäßigen Überwachung
Sofinsky dabei ertappt habe, wie dieser größere Geldsummen an die Sozialistische
Einheitspartei (S.U.P.), Neuseelands kommunistischer Partei, übergab, die in
engem Kontakt zu Moskau steht.
Die S.U.P. hatte zwar bereits vorher zugegeben, daß sie Geld für Flugtickets
in die Sowjetunion erhalte, doch verlautete vom Büro des neuseeländischen Ministerpräsidenten,daß es um mehr Geld als nur die Kosten für Flugkarten gegangen
v
sei.
Ministerpräsident Robert Muldoon erklärte, daß die S.U.P. im Mittelpunkt der
industriellen Unruhe stehe, unter der Neuseeland in den letzten Jahren litt,
und fügte hinzu, die Aktivitäten von Botschafter Sofinsky hätten die Überzeugung
der Regierung bestätigt, daß die S.U.P. von Moskau aus gelenkt und finanziell
unterstützt wird.
In seinem

�\

In seinem Kommentar zu diesem Vorfall
seelands, Sofinskys Verhalten sei entweder
stamme der Arroganz des Botschafters: "Daß
solchen Zeit, da die Russen in Afghanistan
verstrickt hat, hat mich überrascht."
+++++

- 3 -

erklärte der Ministerpräsident Neuunglaublich plump gewesen oder entder Botschafter selbst sich zu einer
stehen, in eine solche Angelegenheit

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Reagan setzt sich für Jugendaustausch ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USICA-Direktor zum Beauftragten für Austauschprogramme ernannt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clark: Umfassende Sicherheitsüberlegungen der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des Sicherheitsberaters des US-Präsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sinn der Abschreckung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ansprache des Ständigen Vertreters der Vereinigten Staaten im Nordatlantikrat, Botschafter Tapley Bennett, am 24. Mai 1982 auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und des Amerika Hauses in Hannover -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rede des AFL-CIO-Präsidenten auf dem DBG-Kongress in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine freie Weltwirtschaft: Ziel der USA beim Weltwirtschaftsgipfel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Von unserem Wirtschaftskorrespondenten Eugene Brake -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Studie: Portrait amerikanischer Wertvorstellungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Neuseeland ausgewiesener Sowjetbotschafter in New York aufgetaucht</text>
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                    <text>&lt;&lt;e5^

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Embassy of the United States of America
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21

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26. Mai 1993

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5300 Bonn 2

BOSNIEN

FÜNF NATIONEN GEBEN EINIGUNG ÜBER
SCHRITTE IN BOSNIEN BEKANNT
Gemeinsame Erklärung zu
Aktionsprogramm

START II

START-RATIFIZIERUNG
VORDRINGLICHSTES
RÜSTUNGSKONTROLLZIEL
Scheitern würde strategische
Unsicherheit bewirken

HANDEL

HANDELSUNGLEICHGEWICHT JAPAN-USA
ALS "UNANNEHMBAR" BEZEICHNET
Brown: Keine Beeinflussung des
Dollar-Kurses beabsichtigt
KANTOR BITTET SENATOREN UM VERLÄNGERUNG DES FAST-TRACK-MANDATS
UND DES ALLGEMEINEN
PRÄFERENZSYSTEMS
Erklärung vor dem Finanzausschuß des Senats

USA-AFRIKA

"GRUNDLEGEND NEUE"
AMERIKANISCH-AFRIKANISCHE
BEZIEHUNGEN
Rede von Außenminister Christopher

USIA

DUFFEY: ÖFFENTLICHE DIPLOMATIE
WICHTIGER ALS JE ZUVOR
Anhörung vor Senatsausschuß

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228 339 2372
Fax: 0228 33 41 02

�BOSNIEN
26. Mai 1993

FÜNF NATIONEN GEBEN EINIGUNG ÜBER
SCHRITTE IN BOSNIEN BEKANNT
Gemeinsame Erklärung zu Aktionsprogramm
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und vier weitere Mitglieder des UN-Sicherheitsrates haben ein
Aktionsprogramm angekündigt, um die Kämpfe in Bosnien-Herzegowina zu beenden und einen dauerhaften
Frieden zu schaffen.
Nach einem Treffen in Washington am 22. Mai 1993 gaben US-Außenminister Christopher sowie die Außenminister Rußlands, Frankreichs, Großbritanniens und Spaniens in einer Erklärung bekannt, sie seien "einer
Ansicht" über die wirksamsten, sofort zu ergreifenden Schritte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der gemeinsamen Erklärung der fünf Nationen zu ihrem Aktionsprogramm. Diese sollten zur Verwirklichung der einschlägigen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates sowie zur
Ausarbeitung weiterer Maßnahmen führen.

Frankreich, die Russische Föderation, Spanien, das
Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von
Amerika sind zutiefst besorgt über die Tatsache, daß
sich der Konflikt in Bosnien-Herzegowina fortsetzt,
obwohl sich die internationale Staatengemeinschaft
und die Ko-Vorsitzenden der Internationalen Konferenz über das ehemalige Jugoslawien, die sie entschieden unterstützen, energisch um seine Beendigung bemühen.
Wir werden weiterhin hartnäckig an der Beendigung
dieses schrecklichen Krieges und der Erzielung einer
dauerhaften und gerechten Lösung arbeiten.
Wir sind auch einer Ansicht über die wirksamsten,
sofort zu ergreifenden Schritte.
1.
Humanitäre Hilfe. Wir werden den Menschen
in Bosnien-Herzegowina weiterhin humanitäre Hilfe
zur Verfügung stellen und darauf bestehen, daß alle
Konfliktparteien humanitäre Hilfslieferungen ungehindert passieren lassen.
2.
Sanktionen. Dievom UN-Sicherheitsrat gegen
Serbien und Montenegro verhängten Sanktionen
müssen von allen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen strikt eingehalten werden, bis die vom Sicherheitsrat in Resolution 820 aufgeführten Bedingungen für
eine Aufhebung der Sanktionen, einschließlich des
Rückzugs der bosnisch-serbischen Truppen aus den
gewaltsam besetzten Gebieten, erfüllt sind.

AMERIKA DIENST 21

3.
Grenzschließung. Wir nehmen das Versprechen der Behörden in Belgrad zur Kenntnis, die Grenze zu Bosnien-Herzegowina zu schließen und somit
auf die bosnischen Serben Druck auszuüben, den
Friedensplan zu akzeptieren. Wir werden beobachten, ob die Grenzschließung Wirkung zeigt. Obwohl
die Hauptverantwortung für die Durchsetzung dieser
Schritte bei der Belgrader Regierung liegt, können wir
beispielsweise durch Entsendung von Beobachtern an
die Grenzen, die Bereitstellung technischen Fachwissens oder durch Luftbeobachtungsmissionen Hilfe
leisten. Auch nehmen wir die von den Behörden in
Zagreb zum Ausdruck gebrachte Bereitschaft zur
Kenntnis, Beobachter an der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina zu stationieren.
4.
Schutzzonen. Das Konzept der Errichtung von
Schutzzonen in Bosnien-Herzegowina, wie von Frankreich und anderen Ländern vorgeschlagen, könnte
einen wertvollen Beitrag darstellen. Wir werden an
einer baldigen Verabschiedung der zur Zeit diskutierten neuen Resolution des UN-Sicherheitsrates arbeiten. Das Vereinigte Königreich und Frankreich haben
zusammen mit anderen Nationen bereits in der
UNPROFOR dienende Truppen in die Schutzzonen
entsandt. Truppen anderer Länder, darunter Spanien
und Kanada, spielen am Boden eine wichtige Rolle.
Die Russische Föderation erwägt zusätzlich zu ihren
bereits in Kroatien stationierten Truppen die Bereitstellung von Streitkräften in Bosnien. Die Vereinigten

Seite 1

�Staaten sind bereit, ihrer Verpflichtung nachzukommen, zum Schutz der UNPROFOR-Truppen beizutragen, falls diese angegriffen werden oder um solche
Aktionen ersuchen. Weitere Beiträge von anderen
Ländern wären äußerst willkommen.

Gebiete ausbreitet. Eine solche Entwicklung würden
wir sehr ernst nehmen.
10. Die ehemalige jugoslawische Republik Makedonien. Es ist von Bedeutung, daß jeder in der
Region versteht, daß die Aggression gegen die ehemalige jugoslawische Republik Makedonien ernsthafte Konsequenzen haben würde. Wir werden nach
Rücksprache mit den Behörden in Skopje eine verstärkte internationale Präsenz dort unterstützen. Die
Vereinigten Staaten ziehen in Betracht, einen Beitrag
zu diesen Bemühungen zu leisten.

5.
Flugverbotszone. In Bosnien sollte weiterhin
die Flugverbotszone durchgesetzt werden.
6.
Kriegsverbrechertribunal. Wir unterstützen
die zügige Errichtung eines Kriegsverbrechertribunals,
so daß diejenigen, die Greueltaten begehen, der
Gerechtigkeit zugeführt werden können.
7.
Dauerhafter Frieden. Ein dauerhafter Friede
kann durch eine ausgehandelte Lösung erreicht werden, die auf dem Vance/Owen-Prozess und intensivierter internationaler Zusammenarbeit und Bemühungen basiert. Frankreich, Rußland, Spanien, das
Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten
werden einen dieses Ziel verfolgenden fortgesetzten
politischen Prozeß unterstützen und aktiv daran teilnehmen. In dem Ausmaß, in dem die Konfliktparteien
eine zügige Durchsetzung der beiderseitig akzeptierten Bestimmungen des Vance/Owen-Plans beschließen, sollte dies gefördert werden.
8.
Zentralbosnien-Herzegowina. Wir sind zutiefst beunruhigt über die Kämpfe zwischen den bosnisch-kroatischen Truppen und denen der bosnischen
Regierung sowie über die damit in Zusammenhang
stehenden "ethnischen Säuberungen", und wir stimmen darin überein, daß Kroatien darüber informiert
werden sollte, daß die Unterstützung der an diesen
Aktivitäten beteiligten bosnisch-kroatischen Truppen
zur Verhängung von Sanktionen gegen Kroatien durch
die internationale Staatengemeinschaft führen könnte.

11. Kosovo. Wir befürworten eine verstärkte Präsenz internationaler Beobachter im Kosovo. In der
ehemals autonomen Region Kosovo sollten die internationalen Menschenrechtsmaßstäbe strikt eingehalten werden. Wir unterstützen jedoch keine Unabhängigkeitserklärungen dieses Gebietes.
12. Kroatien. Dieselben Überlegungen gelten auch
für die von Serben bewohnten Gebiete Kroatiens. Wir
werden an der Erneuerung und Stärkung des Mandats
der UNPROFOR-Schutztruppen arbeiten. Die kroatische Regierung und die örtlichen serbischen Behörden sollten den Waffenstillstand einhalten und einen
konstruktiven Dialog führen, um die praktischen, wirtschaftlichen und eventuellen politischen Probleme
zwischen ihnen zu lösen.
13. Weitere Maßnahmen. Wir werden die Möglichkeit für neue und härtere Maßnahmen offen halten.
Diese werden nicht von vornherein verurteilt oder
ausgeschlossen.

Wir, die fünf Mitglieder des UN-Sicherheitsrates, sind
in der Entschlossenheit und dem Engagement vereint,
diese sofortigen Schritte zu unternehmen. Wir werden
eng mit den Vereinten Nationen und den betroffenen
9.
Eindämmung. Wir werden eng zusammenar- regionalen Organisationen bei der Umsetzung dieser
beiten mit dem Ziel, den Konflikt einzudämmen und der Vorhaben zusammenarbeiten.
Möglichkeit zuvorzukommen, daß dieser sich auf andere
* * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�START

II
26. Mai 1993

START-RATIFIZIERUNG VORDRINGLICHSTES
RÜSTUNGSKONTROLLZIEL
Scheitern würde strategische Unsicherheit bewirken

WASINGTON - (AD) - Das vordringlichste Rüstungskontrollziel der Vereinigten Staaten besteht führenden
Vertretern des US-Amts für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA) zufolge in der Inkraftsetzung und
Verwirklichung der Verträge über die Verringerung
strategischer Rüstungen, START I und START II.
"Unsere oberste Aufgabe ist, diese beiden Verträge in
die Praxis umzusetzen und durchzuführen", erklärte
der amtierende ACDA-Direktor Thomas Graham am
18. Mai 1993 vor dem Senatsausschu ß für Auswärtige
Angelegenheiten. Er fügte hinzu, START II, ein im
Januar zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland unterzeichneter bilateraler Vertrag, "spiegelt eindeutig das Ende des Kalten Krieges und den Beginn
neuer amerikanisch-russischer Beziehungen wider".
Der START II Vertrag schreibt zwingend "eine drastische Reduzierung" der strategischen Offensivarsenale beider Länder vor, die letztlich zu einer Verringerung
der strategischen Arsenale um bis zu zwei Drittel der
derzeitigen Niveaus führt, auf eine Obergrenze von
3.000 bis 3.500 Gefechtsköpfen für jede Nation bis
zum Jahr 2003, erläuterte Graham.
START II "nimmt eine drastische Reduzierung der
strategischen Offensivwaffen vor und strukturiert die
verbleibenden Streitkräfte in einer der Welt nach dem
Kalten Krieg entsprechenden stabilisierenden Weise
um", äußerte der Stellvertretende ACDA-Direktor,
Botschafter Linton Brooks, der führende Unterhändler
der Vereinigten Staaten bei den Vertragsverhandlungen.
Der Vertrag wird ICBMs (Interkontinentalraketen) mit
Mehrfachgefechtsköpfen - MIRVed ICBMs - beseitigen, die traditionell als die destabilisierendsten strategischen Offensivwaffen angesehen werden, führte er
aus.

AMERIKA DIENST 21

"Jeder in diesem Raum Anwesende hofft, daß die
Demokratie in Rußland Erfolg haben wird", stellte
Brooks fest, aber "das ist nicht die einzige Möglichkeit".
Wenn sie keinen Erfolg hat, "wird es noch wichtiger
sein, daß wir die strategischen Streitkräfte dieses
Staates in stabilisierender Weise umstrukturieren",
fügte er hinzu.
"Sowohl aus substantiellen als auch aus generellen
politischen Erwägungen heraus wäre es eine äußerst
negative Entwicklung", für die Welt, wenn START II
nicht verwirklicht wird, stellte Graham fest. "Es würde
eine Situation strategischer Ungewißheit geschaffen."
Beide Regierungsvertreter waren sich einig, daß die
Aushandlung von START II unmöglich gewesen wäre,
hätte es nicht START I als Grundlage gegeben, und
unterstrichen, daß der spätere Vertrag nicht verwirklicht werden kann, bis der erste in Kraft tritt.
Im Rahmen der amerikanischen Verfassung muß dem
Präsidenten die Ratifizierung des Senats vorliegen,
bevor er die Vereinigten Staaten zur Einhaltung der
Vertragsbestimmungen verpflichten kann, und der Senat
hat START I am 1. Oktober 1992 mit 93 zu 6 Stimmen
ratifiziert.
START I ist ein multilateraler Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten, Belarus, Kasachstan, Rußland
und der Ukraine, und es sind Graham zufolge "noch
einige Hürden zu überwinden". Er verwies auf die
Tatsache, daß die Ukraine ihre Zusagen im Rahmen
des Lissaboner Protokolls, START I zu ratifizieren und
dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) als atomwaffenfreier Staat beizutreten, nicht eingehalten hat. Er
forderte die Ukraine auf, diese beiden Schritte zu unternehmen.

Seite 1

�Rußland darf als Nachfolgestaat der Sowjetunion gemäß
dem Lissaboner Protokoll weiterhin Atomwaffen besitzen.

Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten der
Ukraine mindestens 175 Millionen Dollar als Ausgleich
für mit der Zerlegung von Waffen und der Beseitigung
strategischer Trägersysteme verbundene Kosten
Graham erklärte, die Vereinigten Staaten seien sich angeboten. Das Geld wird jedoch erst angewiesen,
des Wunsches der Ukraine nach Sicherheitsgarantien wenn die Ukraine START ratifiziert und dem NW als
und finanzieller sowie technischer Unterstützung bewußt, atomwaffenfreier Staat beitritt, fügte er hinzu.
um die mit der Zerlegung von Waffen verbundenen
Kosten auszugleichen.
Der Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hält
eine Reihe von Anhörungen über START II ab. Am 11.
Die Vereinigten Staaten hätten der Ukraine versichert, Mai 1993 sprach Außenminister Christopher vor dem
so Graham, da ß sie kein hochangereichertes Uran von Gremium und drängte auf die unverzügliche RatifizieRußland erwerben würden, bis Rußland ein Abkom- rung des Vertrags.
men mit der Ukraine, Belarus und Kasachstan über die
gerechte Aufteilung der Einnahmen aus dem Verkauf
erzielt habe.

* *

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AMERIKA DIENST 21

�HANDEL
26. Mai 1993

HANDELSUNGLEICHGEWICHT JAPAN - USA ALS
"UNANNEHMBAR" BEZEICHNET
Brown: Keine Beeinflussung des Dollar-Kurses beabsichtigt

WASHINGTON - (AD) - Drei hochrangige, bereits
bestätigte oder nominierte Vertreter der Clinton-Administration haben nach der Veröffentlichung neuer Zahlen,
die ein steigendes amerikanisches Defizit im Handel
mit Japan belegen, bekräftigt, dieses Ungleichgewichts
müsse behoben werden.
Handelsminister Brown erklärte, das Ungleichgewicht
sei groß und im Wachsen begriffen, und es sei "unverantwortlich", wenn die Clinton-Administration dagegen
nichts unternehmen würde. "Unseres Erachtens ist
ein Handelsdefizit von 80 Milliarden Dollar für die
Vereinigten Staaten völlig unannehmbar", äußerte Brown
am 19. Mai 1993 bei einem internationalen Wirtschaftsforum in Washington. "Sicherlich ist es inakzeptabel,
mit diesem einen Land - Japan - auf 50 Milliarden Dollar
zu kommen."
Browns Stellungnahme erfolgte nach der Veröffentlichung eines Berichts durch das Handelsministerium,
demzufolge das amerikanische Defizit im Warenhandel von 7,9 Milliarden Dollar im Februar im März steil
auf 10,2 Milliarden Dollar angestiegen ist. Das bilaterale Defizit der Vereinigten Staaten im Handel mit
Japan stieg ebenfalls - von 4,1 Milliarden Dollar im
Februar auf 5,3 Milliarden Dollar im März. In den
vergangenen sechs Monaten erreichte das amerikanische Defizit gegenüber Japan insgesamt über 28
Milliarden Dollar.
"Wir müssen dieses Ungleichgewicht korrigieren, indem wir die drei uns zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen - ein umgehendes staatliches Konjunkturprogramm in Japan, auf den Marktkräften beruhende Korrekturen des Wechselkurses sowie Verhandlungen, um die strukturellen Hindernisse für verbesserten Handel zwischen unseren Ländern zu beseitigen", äußerte Brown in einer getrennten Erklärung
zu den Handelszahlen.

AMERIKA DIENST 21

Vor Reportern erläuterte er später, diese Erklärung
solle nicht so verstanden werden, daß die Administration plane, die Wechselkurse zur Beeinflussung der
Handelsströme einzusetzen. Der Wechselkurs "ist
einer von zahlreichen Faktoren, die Einfluß auf den
Handel haben. Er ist nicht der einzige, und er ist nicht
der vorherrschende. Es gibt keine Politik, den Wechselkurs zu beeinflussen", erklärte Brown.
Der Handelsminister betonte, amerikanische Produkte seien heute sowohl kostenmäßig als auch qualitativ
konkurrenzfähig. Brown zufolge untersucht die Clinton-Administration derzeit verschiedene Sektoren
innerhalb Japans, in denen sie Vereinbarungen zur
Marktöffnung anstreben könnte. Bisher sei keine
Entscheidung gefallen, auf welche Sektoren sich die
Administration zunächst konzentrieren werde.
"Wir werden auf einem gezielten, meßbaren und überprüfbaren Ansatz bestehen", erklärte er. "Die Japaner
sind darüber nicht begeistert. Es gefällt ihnen nicht.
Sie haben ernste Bedenken gegen das Halbleiterabkommen. Es gefällt uns. Es gefällt uns, weil es
funktioniert hat. Es gefällt ihnen nicht, weil es funktioniert hat. Es ist eines der wenigen Modelle, die
zwischen uns funktioniert haben."
Er verwies darauf, daß meßbar und überprüfbar nicht
notwendigerweise ein exaktes Abbild des Halbleiterabkommens bedeuten müsse, das ausländischen
Importen einen gewissen prozentualen Marktanteil in
Japan vorbehalte. Brown zufolge gibt es noch andere
Wege, um Fortschritte zu messen.
"Meines Erachtens haben wir demonstriert, daß wir
einen wesentlich direkteren - einige nennen es härteren, nun gut - Ansatz wählen werden", erklärte er.
Brown stellte fest, die Vereinigten Staaten hätten die
Erfahrung gemacht, daß Bemühungen, Japan zu struk-

Seite 1

�turellen Veränderungen in seiner Volkswirtschaft zu
veranlassen ohne dabei spezifische Sektoren zu berücksichtigen, nicht funktioniert hätten. Die Administration verfolge hingegen sowohl sektorale als auch
strukturelle Wege. Er erwarte jedoch nicht, daß ein
ähnlicher Ansatz auch für Europa gewählt werde.

wenn wir lediglich geringfügige Konzessionen gegen
Konzessionen tauschen", äußerte Summers am 19.
Mai 1993 in einer Rede vor amerikanischen Im- und
Exporteuren in New York. "Die unverhältnismäßige
Belastung, die von den Vereinigten Staaten in der
Nachkriegszeit übernommen wurde, erfordert es heute, daß andere Industriestaaten, insbesondere diejenigen mit chronischen Außenhandelsüberschüssen, einen
unverhältnismäßig hohen Beitrag zur Öffnung ihrer
Märkte leisten."

Brown kritisierte überdies die seiner Meinung nach
exzessive Debatte über die Chancen für eine Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA) im Kongreß, wenn "die Schlacht...
noch nicht einmal begonnen hat".
Er verwies darauf, daß es heute, da Europa und Japan
beim Ausmaß des Wohlstandes mit den Vereinigten
"Wir haben noch nichts anzubieten", erklärte er und Staaten gleichgezogen hätten, "an der Zeit ist, mit
fügte hinzu, die Administration werde ihre Bemühun- unserem Ausmaß an Offenheit gleichzuziehen". Dargen zur Verabschiedung durch den Kongreß nach über hinaus verteidigte er den Ansatz der ClintonAbschluß von Ergänzungsabkommen über Arbeitsbe- Administration, der weder gelenkten Handel noch eine
dingungen und Umwelt aufnehmen. Er verwies dar- Bedrohung des multilateralen Handelssystems darauf, daß ein Drittel der Kongreßabgeordneten dezi- stelle.
dierte Befürworter des NAFTA, ein Drittel dagegen und
ein Drittel noch unentschlossen seien. "Von unserer "Es ist nicht gelenkter Handel, wenn man erwartet, daß
Warte ist dies meines Erachtens keine schlechte konkurrenzfähige Hersteller nicht nur die Chance haben,
Ausgangsbasis", erklärte er.
an ausländische Regierungen zu verkaufen, sondern
diese auch real verwirklichen können", erklärte er. "Es
Brown zufolge sollte die Administration über das NAFTA ist kein gelenkter Handel, wenn man keine Diskriminiehinaus an eine Handelszone fürdie ganze Hemisphäre rung ausländischer Waren oder Investoren erwartet."
denken. Im einzelnen nannte er Brasilien, Argentinien
und Chile als Länder, auf die ein Freihandelsabkom- Die Clinton-Administration ist Summers zufolge dabei,
men ausgedehnt werden könnte.
einen neuen wirtschaftlichen Rahmen abzustecken,
"um die Bedingungen gegenüber Japan anzugleichen
Der Handelsminister betonte fernerdie Bedeutung, die und zu gewährleisten, daß wir mittelfristig einen erhebdem Abschluß der Uruguay-Runde von Welthandels- lichen Abbau im Handelsüberschuß dieses Landes
gesprächen von der Clinton-Administration in diesem beobachten".
Jahr beigemessen werde. Die Verhandlungen "werden sicherlich Schwerpunkt der Diskussionen" beim Die von Clinton für den Posten der Stellvertretenden
Ministertreffen der Organisation für wirtschaftliche US-Handelsbeauftragten für Asien nominierte CharleZusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 2. und ne Barshefsky bezeichnete ebenfalls die Steiergung
3. Juni sein. "Wir erwarten Hilfe von unseren europäi- des japanischen Überschusses im bilateralen Handel
schen Verbündeten und Frankreich."
mit den Vereinigten Staaten als unannehmbar.
Der für internationale Angelegenheiten zuständige
Staatssekretär im Finanzministerium, Lawrence
Summers, veröffentlichte ebenfalls eine scharfe Erklärung, in der die Konzentration der Clinton-Administration auf den japanischen Handelsüberschuß unterstützt wurde.
"Wir können in diesem Land die Unterstützung für die
Offenhaltung unserer Märkte nicht aufrechterhalten,

"Diese Überschüsse müssen sinken", erklärte sie am
19. Mai 1993 in einer Stellungnahme vordem Finanzausschuß des Senats. Sie bekräftigte Präsident Clintons Botschaft, wonach die Vereinigten Staaten ihre
wirtschaftlichen Interessen gegenüber Japan nicht
länger außenpolitischen und sicherheitspolitischen
Interessen unterordnen würden.

* *

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AMERIKA DIENST 21

�HANDEL
26. Mai 1993

KANTOR BITTET SENATOREN UM
VERLÄNGERUNG DES FAST-TRACK-MANDATS UND
DES ALLGEMEINEN PRÄFERENZSYSTEMS
Erklärung vor dem Finanzausschuß des Senats
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte Mickey Kantor hat den Finanzausschuß des
Senats gebeten, einem Antrag der Clinton-Administration auf Verlängerung des Fast-Track-Verhandlungsmandats und die Ausdehnung des Allgemeinen Präferenzsystems (Generalized System of Preferences - GSP) zu
entsprechen.
Das bisherige Fast-Track-Mandat lief im März aus, das GSP gilt noch bis zum 4. Juli 1993.
Nachfolgend veröffentlichen wirdie vorbereitete Erklärung Kantors vom 20. Mai 1993, die er nicht verlas, sondern
dem Finanzausschuß zur Aufnahme ins Protokoll zuleitete.

Es ist mir eine Freude, mit Ihnen die Vorschläge der
Administration zu erörtern, das Mandat für den Abschluß der Uruguay-Runde der multilateralen Handelsgespräche zu verlängern, Fast-Track-Verfahren
des Kongresses auf ein Gesetz zur Inkraftsetzung der
Abkommen der Uruguay-Runde anzuwenden und das
bestehende Allgemeine Präferenzsystem zu verlängern.
Am 27. April legte die Administration dem Kongreß
verschiedene Gesetzentwürfe zur Erneuerung des
Fast-Track-Mandats für die Uruguay-Runde und die
Ausweitung des Allgemeinen Präferenzsystems auf
die Entwicklungsländer vor, einschließlich der neuen
unabhängigen Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Es ist unser Ziel, diese beiden Vorhaben bis
Anfang Juli in die Tat umzusetzen.
Die Uruguay-Runde
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist der wichtigste
Schritt, den wir zur Öffnung ausländischer Märkte auf
der ganzen Welt für amerikanische Waren, Agrarprodukte und Dienstleistungen unternehmen können.
Unsere wichtigsten Handelspartner haben ihre Verpflichtung unterstrichen, die Runde noch in diesem
Jahr zu einem Abschluß zu bringen. Wir haben nur
begrenzte Gelegenheiten, die wir jetzt zum Nutzen

AMERIKA DIENST 21

aller Nationen ergreifen müssen. Es mag vielleicht
eine schwierige Aufgabe sein, diese Runde durch eine
Erweiterung des Handels zu einer Zeit abzuschließen,
in der die Weltwirtschaft nicht wächst, aber der Präsident ist der Ansicht, daß jetzt genau der richtige
Zeitpunkt hierfür gekommen ist.
Die Uruguay-Runde ist von einzigartiger Bedeutung,
da das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT)
weiterhin die Grundlage des Welthandelssystems
darstellt. Diese Verhandlungen befinden sich jetzt in
ihrem siebten Jahr. Um sie zum Abschluß zu bringen,
müssen wir Fortschritte im Bereich Marktzugang
machen, indem wirunseinigen, die Handelsschranken
für Waren, Dienstleistungen und Agrarprodukte abzubauen. Wir haben die Absicht, die Runde bis zum 15.
Dezember abzuschließen.
Einige Länder warten, bevor sie einen Beitrag leisten,
darauf, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische Gemeinschaft auf diesem Gebiet die Führungsrolle übernehmen. Die Europäische Gemeinschaft
und wir haben die Verantwortung übernommen, uns
auf Grundzüge zum Marktzugang zu einigen. Wir
werden jedoch nur Erfolg haben, wenn andere Länder,
beispielsweise Japan und die Entwicklungsländer, sich
ebenfalls umfassend an diesen Bemühungen beteiligen.
Seite 1

�Es ist von Bedeutung, daß unsere Handelspartner sich
entschlossen haben, die Debatten über Fragen der
Uruguay-Runde nicht zu vertagen, während sie die
Beratungen des Kongresses über das Fast-TrackMandat abwarten. Da der Kongreß historisch gesehen
ein entschiedener Befürworter dieser Verhandlungen
gewesen ist, bleibt die Hoffnung bestehen, daß das
Fast-Track-Verhandlungsmandat erneuert wird und
die Runde trotz der Frustration und Enttäuschung
darüber, sich nicht schon eher geeinigt zu haben, zu
einem Abschluß gebracht wird.
Ich möchte unbedingt hinzufügen, daß der Wunsch,
die Uruguay-Runde bis zum 15. Dezember 1993 zu
einem Abschluß zu bringen, in keiner Weise ein Signal
für die Bereitschaft sein sollte, nach einem Abkommen
zu streben, das für die Vereinigten Staaten keine
entscheidende Verbesserung darstellt. Präsident Clinton hat mich angewiesen, nach einem Abkommen mit
unseren Handelspartnern zu streben, das den Verhandlungszielen unseres Landes entspricht. Wenn wir
jedoch vor Ende des Jahres die Verhandlungen abschließen und unsere Ziele erreichen wollen, haben
wir keinen Moment zu verlieren.

zweitens den Entwurf der "Schlußakte" auf Gebieten
zu verbessern, die von den Vereinigten Staaten und
anderen Ländern identifiziert wurden: Antidumping,
Subventionen, Rechte an geistigem Eigentum im
Zusammenhang mit dem Handel, bestimmte Umweltfragen in den Texten über technische Hindemisse
beim Handel, sanitäre und phytosanitäre Maßnahmen, Textilien und institutionelle Fragen, einschließlich der Gründung einer multilateralen Handelsorganisation.
Die in Toronto geführten Gespräche waren ermutigend. Die Parteien unternahmen vereinte Anstrengungen in allen Schlüsselbereichen der Marktzugangsverhandlungen. Es wäre nicht angebracht, hier jetzt
Einzelheiten aufzuführen, ich möchte jedoch betonen,
daß die Diskussionen von den intensiven bilateralen
Anstrengungen profitierten, die die EG und die Vereinigten Staaten im Bereich der bedeutend geringeren
verbleibenden Differenzen unternommen haben.

Es war für jeden von uns offensichtlich, daß Japan
noch seinen vollen Beitrag zu den Marktzugangsverhandlungen leisten muß. Ich bin weiterhin hoffnungsvoll, daß sich Japan als Gastgeber des WirtschaftsgipUnsere wichtigsten Handelspartner sind jetzt bereit, fels der G-7 für den Erfolg dieser Verhandlungen
Abkommen für einen Abschluß der Uruguay-Runde engagieren wird. Ich werde vordem G-7- Teffen im Juli
auszuhandeln, und sie sind sich unserer Sorge be- noch mindestens zweimal mit meinen Amtskollegen
wu ßt, da ß in Genf substantielle Arbeit geleistet werden zusammentreffen, um eine Einigung zu erzielen.
muß, bevor die Ergebnisse akzeptabel sind.
Ich hoffe, daß hier zu Hause der Kongreß seine
Die jüngsten Ereignisse zeigen, daß wir mit der Euro- Prüfung einer "sauberen" Gesetzgebung für das Fastpäischen Gemeinschaft zusammenarbeiten und einen Track-Mandat abschließen wird, damit wir uns dieses
Abschluß der Uruguay-Runde herbeiführen können. erneute Interesse zunutze machen und die VerhandIch bin bereits viermal mit EG-Kommissar Brittan, lungen bis zum 15. Dezember abschließen können.
dreimal mit dem kanadischen Minister Wilson und
zweimal mit dem japanischen Minister Mori zusam- Die Erneuerung des Fast-Track-Mandats für die
mengetroffen. Zusätzlich haben wir uns auf einen Uruguay-Runde
intensiven Zeitplan für Treffen geeinigt, die einzig und Der Vorschlag der Administration für das Fast-Trackallein einen Abschlu ß der Runde zum Ziel haben. Wir Mandat würde vom Präsidenten erfordern, den Konwerden Anfang Juni wieder zusammenkommen.
greß noch vor dem 15. Dezember 1993 über seine
Unser letztes Treffen fand vergangene Woche in Toronto statt. Gastgeber war der kanadische Handelsminister Wilson, Hauptgesprächsgegenstand waren
Marktzugangsfragen der Uruguay-Runde. Präsident
Delors, Ministerpräsident Miyazawa, Premierminister
Mulroney und Präsident Clinton baten uns, gewissenhafte Arbeit im Hinblick auf ein ehrgeiziges Marktzugangspaket zu leisten, um auf dem im Juli in Tokio
stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel greifbare Fortschritte vorweisen zu können.

Absicht zu informieren, solche Abkommen zu schließen - und zwar noch vor dem 15. April 1994 - und uns
zusätzliche zehn bis zehneinhalb Monate bis zum
Abschluß der Uruguay-Runde zu geben.

Der Präsident machte den Vorschlag einer Erneuerung des Fast-Track-Mandats für die Runde, damit der
Verhandlungsprozeß von Vertrauen geprägt, der zum
Abschluß der endgültigen Abmachung notwendige
Schwung vorhanden ist und die Vereinigten Staaten
beim Abschluß der Runde noch in diesem Jahr eine
Wenn es uns gelingt, ein gutes Abkommen über Markt- führende Rolle spielen können.
zugang auszuhandeln, werden wir nach Meinung von Der Vorschlag der Administration für eine GesetzgeVertretern der vier Parteien in der Lage sein, an den bung zur Erneuerung des Fast-Track-Mandats hat den
Genfer Verhandlungstisch zurückzukehren, um die Handelspartnern der Vereinigten Staaten ein wichtibeiden verbleibenden großen Aufgaben anzugehen: ges Signal gesendet, welchen Stellenwert die AdminiErstens, die Verhandlungen über Marktzugang bei stration einem starken und offenen multilateralen
Waren und Dienstleistungen mit den 115 an der Runde Handelssystem beimißt und mit welcher Entschlosteilnehmenden Nationen abschließen zu können und senheit sie einen Abschluß der Runde anstrebt.
Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�Wir schlugen eine "saubere" Fast-Track-Gesetzgebung vor, die frei von Bestimmungen oder Bedingungen ist, so daß wir uns unsere Verhandlungsflexibilität
bewahren und den Gesetzgebungsprozeß zum Zwekke eines Abschlusses der Runde noch in diesem Jahr
beschleunigen können. Meiner Ansicht nach ist es
entscheidend, die Zustimmung des Kongresses zum
Fast-Track noch vor dem Treffen der G-7 zu erhalten,
so daß die wirklich wichtigen Fragen anstelle unserer
innenpolitischen Probleme im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit beim Abschluß der Runde stehen.
Ich möchte hier hervorheben, daß die Administration
dieses Mandat nur für die Uruguay-Runde erhalten
will, der Präsident sich jedoch entschieden für die
Aushandlung eines Freihandelsabkommens mit Chile
engagiert. Die Administration wird die separate Erweiterung des Fast-Track-Mandats für künftige Abkommen dieser Art anstreben, nachdem sie den Kongreß
in dieser Angelegenheit umfassend konsultiert hat.

höher als die Lieferungen in die gesamte Europäische Gemeinschaft.
Kurz gesagt, waren die Vereinigten Staaten schon seit
langem führend in der Welt was die Förderung wirtschaftlicher Entwicklung durch den Handel betrifft, und
die Waren im Wert von nahezu 17 Milliarden Dollar, die
jährlich unter dem Allgemeinen PräferenzsystemProgramm geliefert werden, sind eine wichtige Komponente dieser Führungsrolle. Tatsache ist, daß die
Vorteile des Allgemeinen Präferenzsystems dazu
beitragen, Märkte in den Entwicklungsländern zu
schaffen, was nicht nur den in diesen Ländern lebenden Menschen zugute kommt, sondern auch den
amerikanischen Exporteuren neue Chancen eröffnet.
Zweitens ist das Allgemeine Präferenzsystem
ein Instrument der Handelspolitik. Die Vorteile
des Systems können dazu genutzt werden,
Reformen in Bereichen wie geistige Eigentumsrechte und Arbeitnehmerrechte bei den Nutznießern durchzusetzen. Ich engagiere mich
dafür, daß wir uns dieses Instrumentes so weit
als möglich bedienen, um in den Entwicklungsländern unsere handelspolitischen Ziele zu erreichen.

Erneuerung des Allgemeinen Präferenzsystems
Die Administration hat dem Kongreß auch einen Vorschlag fürdie kurzfristige Erneuerungdes Allgemeinen
Präferenzsystems vorgelegt. Unserem Vorschlag
zufolge würde das Allgemeine Präferenzsystem, das
am 4. Juli 1993 ausläuft, um weitere 15 Monate - bis
zum 30. September 1994-verlängert. Während dieser
15 Monate möchte die Administration gerne mit dem
Kongreß an der Entwicklung eines Vorschlags für eine

Drittens hilft das Allgemeine Präferenzsystem
den amerikanischen Unternehmen, konkurrenzfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu schaffen.
Durch das Präferenzsystem werden die InputKosten für amerikanische Unternehmen gesenkt
und ihre internationale Konkurrenzfähigkeit erhöht
- insbesondere im Vergleich zu anderen Industriestaaten, die solche Inputs durch ihre eigenen Präferenzsysteme finanzieren. Buchstäblich Hunderte amerikanischer Unternehmen jeder
Größenordnung, von der Spielzeugindustrie bis
zu den Herstellern elektronischer Geräte, verlassen sich auf diese Weise auf die Vorteile des
Allgemeinen Präferenzsystems.

langfristige Erweiterung des Allgemeinen Präsferenz-

system-Programms zusammenarbeiten. Der Vorschlag
der Administration zum Allgemeinen Präferenzsystem
würde auch das gesetzliche Verbot einer Ausdehnung
des Allgemeinen Präferenzsystems auf die ehemalige
Sowjetunion abschaffen, das Rußland und andere
Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion daran
hindert, als mögliche Nutznießer des Allgemeinen
Präferenzsystems in Frage zu kommen. Dieser Vorschlag würde es uns ermöglichen, die Unterstützung
Präsident Clintons für den Präsidenten der Russischen Föderation, Boris Jelzin, in die Tat umzusetzen.

Viertens fördert das Allgemeine Präferenzsystem marktwirtschaftliche Reformen in den entstehenden Marktwirtschaften Mittel- und Osteuropas. Durch die Förderung der Exportmöglichkeiten in diesen immer noch instabilen Marktwirtschaften verleiht das Allgemeine Präferenzsystem dem Reformprozeß Schwung. Aus
diesem Grund gab Präsident Clinton Präsident
Jelzin das Versprechen, daß wir uns dafür einsetzen würden, Rußland in das Allgemeine
Präferenzsystem einzuschließen.

Die Administration unterstützt die kurz- und langfristige Erweiterung des Allgemeinen PräferenzsystemProgramms aus den folgenden Gründen:
Erstens ist das Allgemeine Präferenzsystem
das wichtigste Instrument, die wirtschaftliche
Entwicklung durch Handel anstatt durch Hilfsleistungen zu fördern. Der relativ offene Markt der
Vereinigten Staaten war stets fürdie Exporteure
der Entwicklungsländer von lebenswichtiger
Bedeutung. Den neuesten Zahlen des GATT
zufolge entfallen 40 % aller Exporte der Entwicklungsländer in die Industriestaaten auf die Vereinigten Staaten; diese Zahl ist doppelt so hoch
wie die der Exporte nach Japan und bedeutend

Hiermit bin ich am Ende meiner offiziellen Erklärung
angelangt. Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, vor
Ihnen sprechen zu dürfen und freue mich auf die
Zusammenarbeit mit diesem Ausschu ß bei diesen und
anderen Handelsfragen.

* * * *
AMERIKA DIENST 21

*

Seite 3

�USA-AFRIKA
26. Mai 1993

GRUNDLEGEND NEUE" AMERIKANISCHAFRIKANISCHE BEZIEHUNGEN
Rede von Außenminister Christopher
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten werden unter der Clinton-Administration "grundlegend neue"
Beziehungen zu Afrika unterhalten, erklärte der amerikanische Außenminister Warren Christopher am 20. Mai
1993.
In einer ausführlichen Rede vor der Jahresversammlung des Af rican-American Institute stellte Christopher fest,
es werde eine neue Art von Beziehung sein, "bei der die Vereinigten Staaten den Afrikanern beim Aufbau
demokratischer Institutionen sowie der Weichenstellung für Wirtschaftswachstum helfen können, bei der unsere
Aufgabe jedoch darin besteht, afrikanische Lösungen zu unterstützen und nicht zu verhindern".
"Die Völker und Regierungen Afrikas arbeiten auf Demokratie und freie Märkte in der wachsenden Überzeugung
hin, daß sie sich auf dem Weg zum Fortschritt befinden," äußerte Christopher. "Sie haben sich auf eine
einzigartige afrikanische Reise begeben, so eindrucksvoll wie alles auf diesem Kontinent von atemberaubender
Schönheit", führte er bei der dreitägigen Konferenz in einem Washingtoner Vorort aus, an der zahlreiche
afrikanische Regierungsvertreter und Diplomaten teilnahmen.
"Es ist eine Reise, die Amerikas Respekt und Unterstützung verdient - und diesen Respekt und diese
Unterstützung gelobe ich heute."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Au ßenminister Christopher vor dem Af rican-American Institute im
Wortlaut.
Mr. Tempelsman, Mrs. Derryck, liebe Freunde. Ich
begrüße diese Gelegenheit, Ihnen heute die Haltung
der Clinton-Administration zu Afrika darzulegen. Ich
freue mich besonders, daß ich der erste Außenminister bin, der je vor einem African-American Institute
eine Rede geharten hat.
Unsere Administration ist sich der von Ihnen durch 40
Jahre engagierter Arbeit bei der Vertiefung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Afrika
sowie der Unterstütuzng der afrikanischen Völker bei
der Gestaltung eines besseren Lebens erbrachten
Leistungen sehr wohl bewußt.
Amerika und Afrika sind in grundlegender Weise miteinander verbunden.
Als die älteste Demokratie der Wert haben wir ein
dauerhaftes Interesse am Erfolg der neuen Demokratien in Afrika. Als multirassische Gesellschaft sind die
Vereinigten Staaten besonders ermutigt durch den
sich abzeichnenden Übergang zur Demokratie in
Südafrika.

AMERIKA DIENST 21

Darüberhinaus verbindet uns unser Bewußtsein - und
die Zusammenarbeit.
Wenn ein Kind in Afrika den Hungertod stirbt, bewegt
uns diese Tragödie in Amerika. Wenn amerikanische
Wissenschaftler eine Heilmethode für AIDS suchen,
werden sie von den Gebeten und Hoffnungen der
Afrikaner und Amerikaner geleitet.
Wenn unser Amt für Internationale Entwicklung beträchtliche Investitionen in Programme zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit tätigt, bewirkt dies einen
Unterschied bei der Hilfe für Afrika. Und wenn das
amerikanische Unternehmen Merck ein Medikament
zur Verfügung stellt, mit dem Millionen Afrikaner von
den verheerenden Folgen der Flußblindheit geheilt
werden können, überschreitet diese Maßnahme nicht
nur die Grenzen der Pharmakologie, sondern verringert die Entfernung zwischen Amerika und Afrika.
Diese Entfernung wird auch durch das Ende des
Kalten Krieges verringert. Während der langen Zeit
des Kalten Krieges wurde die Politik gegenüber Afrika

Seite 1

�häufig davon bestimmt, welche Vorteile sie für Washington oder Moskau mit sich brachte, und nicht
anhand ihrer Auswirkungen auf Afrika. Dankenswerterweise sind wir über den Punkt hinausgekommen,
Maßnahmen anhand der Kriterien zu verabschieden,
wie sie sich auf die Schiffahrtsrouten in der Nähe
Afrikas auswirken, statt auf die Menschen in Afrika.

Ich möchte die Worte von Präsident Chiluba aus
Sambia zitieren: "Wir wissen, was richtig ist. Demokratie ist richtig. Die beste Lektion, die wir aus den
vergangenen 27 Jahren lernen können, lautet, daß
Freiheit heute das Kernstück jeder erfolgreichen Nation der Welt und in Afrika bildet."

Die Völker Afrikas wissen, wo ihre Zukunft liegt: nicht
bei korrupten Diktatoren wie Mobutu, sondern bei
mutigen Demokraten in jedem Teil des Kontinents.
Vom Senegal bis nach Benin, von Madagskar bis Mali
bauen die afrikanischen Nationen starke demokratische Institutionen auf. Sie erkennen, daß Demokratie
den einzigen Rahmen für Toleranz und Harmonie
Die Clinton-Administration wird die Freiheitsbewegung bietet, weil sie die Rechte des einzelnen schützt und
- zu Demokratie und freien Märkten - in Afrika uneinge- Schutz für Minderheiten gewährt.
schränkt und greifbar unterstützen. Wir werden mit
den afrikanischen Nationen zusammenarbeiten, um Das African-American Institute hat bei der Förderung
die Gesundheits-, Umwelt- und Bevölkerungsproble- von Demokratie eine außerordentlich nützliche Rolle
me anzusprechen, die das Leben bedrohen und eine gespielt. Sie haben die Wahlen überwacht, Regienachhaltige Entwicklung gefährden. Und wir werden rungsvertreter ausgebildet und Staatsbürgerkunde
Afrika beim Aufbau seiner Kapazitäten für präventive gelehrt. Sie sind sich bewußt, daß Demokratie nicht
Diplomatie und Konfliktlösung behilflich sein, damit nur am Wahltag - sondern jeden Tag - durch eine
das Volk auf diesem Kontinent frei vom Terror eines lebendige Kultur des Staatswesens und die VerpflichKrieges leben kann.
tung zu freien und offenen Diskussionen sowie Rechtsstaatlichkeit funktionieren muß.
Förderung von Demokratie und Menschenrechten
Die Demokratie hat am Wahltag im September letzten
Das Kernstück unserer neuen Beziehungen wird das Jahres in Angola funktioniert. Aber seitdem wurden
dauerhafte Engagement für Demokratie und Men- dem angolanischen Volk die Früchte seiner Beteilischenrechte bilden. Präsident Clinton hat eindeutig gung an diesem Prozeß verweigert. Präsident Clinton
klargestellt, daß die Förderung von Demokratie und hat der Bedeutung dieser freien und fairen Wahlen
Menschenrechten eine Säule der amerikanischen Rechnung getragen, als er in dieser Woche bekanntAußenpolitik ist. Und diese Säule ist in Afrika ebenso gab, daß die Vereinigten Staaten jetzt die angolanihoch wie in jedem Teil der Welt.
sche Regierung anerkennen.

In der veränderten Welt von heute können und werden
wir auf produktive neue Beziehungen zu Afrika hinarbeiten. Der Präsident und ich haben uns zum Aufbau
dieser neuen Beziehungen auf der Grundlage unserer
gemeinsamen Interessen und Werte verpflichtet.

Es sind Demokratien - nicht Diktaturen - die die besten
Mittel zur Verteidigung der Menscherechte bieten, um
die afrikanischen Nationen auf den Weg zum Fortschritt zu bringen und die lebenswichtigen sozialen
und wirtschaftlichen Fragen anzusprechen, die nationale Grenzen überschreiten.

Wir beabsichtigen, uns weiterhin aktiv für die Förderung einer Verhandlungslösung zwischen der angolanischen Regierung und der Nationalen Union für die
völlige Unabhängigkeit Angolas, UN ITA, zu engagieren, die es allen Menschen in Angola gestattet, sich der
Früchte der Demokratie zu erfreuen. Die Anerkennung der Vereinigten Staaten soll zur Verwirklichung
Die Vereinigten Staaten werden durch Programme
dieses Zieles beitragen und die UNITA ermutigen, sich
des amerikanischen Amts für Internationale Entwickdem Friedensprozeß und Prozeß der nationalen Auslung (U.S. Agency for International Development söhnung anzuschließen. Wie Präsident Clinton erklärUSAID), mit multilateraler Unterstützung und über
te, hoffen wir, daß die UNITA Bestandteil der von uns
Kreditanstalten Afrika beim Aufbau seiner Wirtschaftsanerkannten Regierung wird. Wir sind nach wie vorder
kapazität behilflich sein. Unter der Clinton-AdministraAuffassung, daß es in Angola keinen militärischen
tion werden diese globalen Belange nicht in die FußnoSieg geben kann - und die Vereingten Staaten werden
ten unserer außenpolitischen Tagesordnung verwiediejenigen nicht unterstützen, die eine militärische
sen. Statt dessen erhalten sie die vordringliche AufLösung verfolgen.
merksamkeit, die sie verdienen.
Heute erhält Afrika unsere Aufmerksamkeit und unse- Heute steht Südafrika am Beginn des Übergangs zu
ren Respekt aufgrund der mutigen Begebungen zum einer nichtrassischen Demokratie. Die Vereinigten
Aufbau von Demokratie und Chancen auf diesem Staaten unterstützen diesen friedlichen Übergang.
Kontinent. Obwohl die Bewegung zur Demokratie und Wir treten denen entgegen, die die Verhandlungen
freien Märkten in Osteuropa und Lateinamerika mehr zum Scheitern bringen möchten, und wir lehnen diejeAufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, fordern auch die nigen ab, die Gewalt anwenden.
Völker Afrikas ihre Freiheit.

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AMERIKA DIENST 21

�Wir hoffen, daß binnen kurzer Zeit ein Datum für
wirklich freie Wahlen in Südafrika festgelegt wird.
Diese Wahlen werden als überwältigender Triumph
der Menschenrechte auf dem gesamten afrikanischen
Kontinent und auf der ganzen Welt ihren Widerhall
finden.

nische Wirtschaft an den Bemühungen teilhaben, den
Menschen in Südafrika beim Aufbau einer starken und
pulsierenden Wirtschaft zu helfen, wenn der Fortschritt zur Demokratie unumkehrbar geworden ist.

Der Übergang zu einer nichtrassischen Demokratie in
Südafrika ist auch das Produkt der grundsätzlichen
Ablehnung der Apartheid durch die internationale
Staatengemeinschaft. I n der besten politischen Tradition Amerikas hat eine Koalition des Gewissens in
diesem Land eine lange und erhebende Kampagne
gegen das System der Apartheid geführt, das eine
halbe Welt weit entfernt ist. Unsere Sanktionen haben
bei den bisher erzielten Fortschritten eine wichtige
Rolle gespielt.

Die Unterstützung der afrikanischen Entwicklungsfähigkeit

Unglücklicherweise hatte Südafrika kein Monopol auf
Menschenrechtsverletzungen auf dem Kontinent. Diese
Das Verdienst für diese enorme Leistung wird vor Tatsache muß sich in der amerikanischen Politik nieallem denen in Südafrika zufallen, die ihr Leben ein- derschlagen. Wir können bei den Menschenrechten
setzten - und in einigen Fällen ihr Leben gaben -, damit im Falle Afrikas keine Abstriche gegenüber den Maßein neuer Tag der Freiheit anbrach. Das Verdienst wird stäben machen, die wir in anderen Teilen der Welt
Nelson Mandela gebühren, der nach 27 Jahren das anlegen. Ich möchte deutlich machen, daß die VereiGefängnis verließ - unbesiegt, ungebrochen und mit nigten Staaten die Menschenrechte berücksichtigen
dem festen Glauben, daß die Bevölkerung Südafrikas werden, wenn wir entscheiden, wie unsere knappen
immer noch eine Zukunft auf der Grundlage der jedem Ressourcen für die Auslandshilfe verteilt werden solMenschen innewohnenden Werte und der Menschen- len.
würde aufbauen kann.
Die Förderung der Demokratie ist das zentrale Ziel der
Es gebührt darüber hinaus F.W. De Klerk, dessen Clinton-Administration. Deshalb hat der Präsident
entscheidender Beitrag daran gemessen werden kann, beschlossen, als ersten afrikanischen Staatschef den
wie weit sich seine Ansichten fortentwickelt haben und ersten Präsidenten eines demokratischen Namibia,
wie weit eine Mehrheit der weißen Südafrikaner ihn Sam Nujoma, zu einem offiziellen Besuch ins Weiße
Haus einzuladen.
dabei begleitet hat.

Es sind die den Willen ihrer Bürger zum Ausdruck
bringenden demokratischen Staaten Afrikas, die am
besten in der Lage sind, die Art von wirtschaftlichen
Veränderungen vorzunehmen, mit denen das Leben
ihrer Bürger verbessert werden kann. Die entwicklungspolitische Herausforderung, vor der die meisten
afrikanischen Staaten stehen, ist nach wie vor imposant, aber ihre Überwindung liegt innerhalb der Fähigkeiten demokratischer Marktwirtschaften.

Die Einsetzung einer nichtrassischen Regierung in
Südafrika wird bei jedem Amerikaner Anklang finden,
aber besonders in den Städten und Gemeinden dieses Viele Staaten des Kontinents sind weiterhin von WirtLandes, die sich gemeinsam um das Ende der Apar- schaftskrisen betroffen. In vielen Ländern haben die
pro-Kopf-Einkommen stagniert oder abgenommen,
theid bemüht haben.
waren Handels- und Investitionsflüsse schwach ausWenn wir den Geist und die Lehren unserer eigenen geprägt, behinderte die Schuldenlast die Aussichten
Bürgerrechtsbewegung beherzigen, sagen wir damit auf neues Wachstum. Dürre, Hungersnöte und Bürnicht, daß Amerika alle Antworten gefunden hat oder gerkrieg haben Krisen zu Katastrophen werden laswir bereits eine perfekte Union gefunden haben. Wir sen. Keiner Region des Kontinents blieben Verwüsind jedoch dem Grundprinzip verpflichtet, daß die stungen durch Mensch oder Natur erspart.
Menschenrechte allgemeingültig sind - daß jeder Bürger
in jedem Land als Individuum beurteilt werden sollte, Der Trend zur Demokratie in Afrika muß durch umweltunabhängig von Rasse oder wirtschaftlichem Status. verträgliche wirtschaftliche Entwicklung gestärkt werden. Der Frieden und die Stabilität, die von Demokratie
Südafrikas erfolgreicher Übergang ist wichtig für Afri- verursacht werden, können zu dringend benötigten
ka, die Vereinigten Staaten und die Welt. Die Vereinig- Privatinvestitionen führen - und damit einhergehend
ten Staaten werden helfen - und wir erwarten auch von Entwicklungskapital, Technologietransfer und technianderen demokratischen Industriestaaten Hilfe. Nach sches Fachwissen hervorbringen. Der Abzug von
der Bildung eines Exekutivrats für den Übergang - und Investitionen aus Afrika wird nur dann umgekehrt
der Festsetzung eines Wahltermins - werden wir mit werden, wenn Afrika sich selbst zu einem attraktiveren
unseren Partnern in der G-7 zusammenarbeiten, um Ort für das Kapital macht. Die Anwendung von RechtsSüdafrika bei der Wiedereingliederung in die Weltwirt- staatlichkeit, der Abbau der Korruption, die Sicherstelschaft zu helfen. Wir haben die Weltbank und die lung des Gewinntransfers sowie der Aufbau einer
Parteien in Südafrika aufgefordert, heute mit der Pla- qualifizierteren Erwerbsbevölkerung - all dies wird
nung der Projekte zu beginnen, die zu Wirtschafts- dazu beitragen, Afrika eine wesentlich größere Rolle in
wachstum führen werden. Ebenso sollte die amerika- der Weltwirtschaft einzuräumen.
AMERIKA DIENST 21

Seite 3

�Die Hauptverantwortung für den Aufbau dieser Fähigkeiten fällt den afrikanischen Ländern selbst zu. Aber
die Industriestaaten der Welt - einschließlich der Vereinigten Staaten - haben eine gemeinsame Pflicht zur
Hilfe. Für das kommende Haushaltsjahr beantragen
wir 800 Millionen Dollar für bilaterale Entwicklungshilfe
in Afrika. Darüber hinaus werden wir Afrika weiterhin
eine halbe Milliarde Dollar an humanitärer und anderer
Hilfe gewähren.
Die Vereinigten Staaten und die Völkergemeinschaft
werden die Volkswirtschaften afrikanischer Länder,
die bereits ernsthafte Reformen eingeleitet haben,
bereitwilliger unterstützen. Wir arbeiten mit anderen
Gläubigerländern zusammen, um Ländern, die Anpassungsprogramme des Internationalen Währungsfonds
(IWF) durchführen, einen weiteren Schuldenerlaß zu
gewähren. Die Administration bittet den Kongreß um
Unterstützung, damit sich die Vereinigten Staaten an
multilateralen Bemühungen zum Schuldenabbau beteiligen können. Diese neue Initiative würde diese
armen Länder für die Implementierung schwieriger
Reformen belohnen.

Es kann keine umweltverträgliche Entwicklung geben,
ohne daß man sich erneut des drängenden Problems
bewußt wird, daß sich aufgrund der Wachstumsrate
der Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern die
Einwohnerzahl in den nächsten 15 bis 20 Jahren
verdoppeln wird. Das schnelle Bevölkerungswachstum macht die Bemühungen beim Kampf gegen die
Armut und zum Schutz der Umwelt zunichte. Die
Vereinigten Staaten werden nicht länger vorgeben,
dieses Problem existiere nicht.
Wir werden statt dessen partnerschaftlich mit den
Nationen in Afrika und andernorts zusammenarbeiten,
um umfassende Maßnahmen in den Bereichen Familienplanung und Schwangerenvorsorge zu ergreifen
und uns für eine verbesserte Stellung der Frau einsetzen.
Konfliktlösung in Afrika

Ich möchte ganz deutlich machen, daß die neuen
Beziehungen der Clinton-Administration zu Afrika sich
entscheidend von dem Ansatz der letzten 12 Jahre
unterscheiden. Gleichzeitig beglückwünsche ich den
Auch neue handelspolitische Ma ßnahmen werden den ehemaligen Präsidenten Bush dafür, die Operation
afrikanischen Staaten helfen, auf dem Weltmarkt zu Restore Hope ins Leben gerufen zu haben - die
konkurrieren. Protektionistische Schranken hemmen Mobilisierung des Militärs für eine Hilfsaktion in Somanach wie vor die Wettbewerbsfähigkeit Afrikas und lia. Wir waren mit Stolz erfüllt, als wir sahen, wie
dessen Wachstumsaussichten. Afrika kann von ei- amerikanische Soldaten verhungernden Kindern an
nem erfolgreichen Abschluß der Verhandlungen im einem Ort der Erde zu essen gaben, der weit von
Rahmen der Uruguay-Runde viel gewinnen, den die unseren Küsten entfernt ist, unserem Herzen jedoch
Vereinigten Staaten bis zum Ende des Jahres anstre- nahesteht.
ben.
Die Vereinigten Staaten haben diese Bemühungen
jedoch
nicht alleine unternommen. Andere Nationen,
Afrikas wirtschaftliche Zukunft ist untrennbar mit seieinschließlich
vieler afrikanischer Staaten, hatten entner umweltpolitischen Zukunft verbunden. Ein Afrika,
scheidenden
Anteil
an den Hilfsleistungen. Obwohl
das dem Wüstensand und Buschwerk weicht, und ein
Somalia
weiterhin
mit
schwierigen Problemen konAfrika, dessen Boden erodiert, ist ein Afrika, das seine
frontiert
ist,
haben
die
Bemühungen
der internationaFähigkeit zur Selbsternährung verringert. Ein Afrika,
len
Staatengemeinschaft
das
Leiden
gemildert und
das seine Wälder und erneuerbaren Wasservorräte
eine
Chance
zum
Wiederaufbau
dieser
Nation gegeverliert, ist ein Afrika, das seine Fähigkeit aufs Spiel
ben.
Die
Erfahrung
Somalias
erinnert
uns
daran, daß
setzt, in Zukunft seine Grundbedürfnisse zu decken.
die internationale Staatengemeinschaft aus Mitgefühl
Ein afrikanischer Spitzenpolitiker hat erklärt, das Pro- heraus wirksam handeln kann. Sie erinnert uns aber
blem der Bodenerosion sei so ernst geworden, daß auch daran, daß wir nicht abwarten dürfen, bis Tausein Land, aus dem Weltraum betrachtet, in den Ozean sende Hungers gestorben sind.
auszubluten scheine. Wir müssen dazu beitragen,
diese Umweltwunden zu heilen. Zu diesem Zweck Die in Somalia gelernten Lektionen müssen wir jetzt im
wird das USAID dieses Jahr mindestens 70 Millionen Sudan anwenden. Der Bürgerkrieg im Sudan hat zu
Dollar für Umwelt- und Naturschutzprojekte in Afrika schrecklichem Leid und entsetzlichen Menschenrechtsverletzungen geführt. Die Vereinigten Staaten bemüausgeben.
hen sich in Zusammenarbeit mit den Regierungen der
Eine umweltpolitische Herausforderung, bei der die Region, der UNO und anderen um eine Beendigung
Vereinigten Staaten eine besonders große Hilfe wa- der Kämpfe. Wir müssen alles in unserer Macht
ren, steift die verheerende Dürre im südlichen Afrika Stehende tun, um angemessene Hilfslieferungen zur
dar. In Zusammenarbeit mit anderen interessierten Beendigung dieser Tragödie zu sichern, insbesondere
Nationen und Geberländern stellten die Vereinigten mit Beginn der Regenzeit.
Staaten als Antwort auf diese Katastrophe nahezu 1
Milliarde Dollar zur Verfügung. Zur Zeit besteht die In Liberia, wo brutale Konflikte wüteten, unterstützen
Gefahr einer Hungersnot nicht mehr, und die Länder wir die Bemühungen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) zur Wiederherstellung des
dieser Region haben eine gute Ernte.
Friedens. Wir streben eine Verhandlungslösung an,
Seite 4

AMERIKA DIENST 21

�die zur völligen Entwaffnung aller an den Kämpfen
beteiligten Gruppen führt, sowie freie, gerechte, von
internationalen Beobachtern überwachte Wahlen und
die Errichtung einer demokratischen Regierung.

Ich möchte auch die häufig unbeachtete Beteiligung
afrikanischer Länder an friedenserhaltenden Maßnahmen im Ausland anerkennen. Nigeria und Kenia im
ehemaligen Jugoslawien, Kamerun in Kambodscha,
Ghana und Sierra Leone im Libanon - diese und
Die Zukunft Liberias wird jedoch in Monrovia und nicht andere Länder Afrikas machen die Welt zu einem
in Washington entschieden. Nur die Liberianer können sichereren Ort.
einen wirklichen und dauerhaften Frieden schaffen,
die Wunden der liberianischen Gesellschaft heilen und Die OAE und andere afrikanische Organisationen
darüber entscheiden, wer in Zukunft die politische müssen sich der Vermittlung und der präventiven
Verantwortung trägt.
Diplomatie bedienen, um den Menschen in Afrika die
Chance für ein Leben ohne Krieg zu eröffnen. Durch
Das Leiden in Liberia muß auf schnelle und friedliche eine kreative, oft lebensrettende Diplomatie, wird das
Weise ein Ende finden. Dieses Land verdient ein Schicksal Afrikas von den Afrikanern bestimmt.
besseres Schicksal, ähnlich der Zukunft, die am Osten
des Kontinents in Eritrea herandämmert. Die untrenn- Neue Beziehungen
barverbundenen Tragödien von Eritrea und Äthiopien
werden jetzt zu einem Kapitel der Geschichte, das sich Heute habe ich die Ausgangsbasis für grundlegend
hoffentlich niemals wiederholen wird. Nach dreißig neue Beziehungen der Vereinigten Staaten mit Afrika
Jahren Bürgerkrieg ist ein unabhängiges Eritrea ent- umrissen. Es wird eine neue Art von Beziehung sein,
standen, teilweise aufgrund der Friedensgespräche, bei der die Vereinigten Staaten den Afrikanern beim
die vom Carter Center in Atlanta unterstützt wurden. Aufbau demokratischer Institutionen sowie der Weichenstellung für Wirtschaftswachstum helfen können,
Erst letzten Monat entschied sich die überwältigende bei der unsere Aufgabe jedoch darin besteht, afrikaniMehrheit der Eritreer in einem von der UNO überwach- sche Lösungen zu unterstützen und nicht zu verhinten Volksentscheid für die Unabhängigkeit von Äthio- dern.
pien. Am 27. April erklärte Eritrea seine Unabhängigkeit - und an demselben Tag erkannten die Vereinigten Es wird eine neue Art von Beziehung sein, die auf
Staaten Eritrea an. Neben einem jüngst demokratisch unserer festen Überzeugung basiert, daß in Afrika die
gewordenen Äthiopien kann diese neue Nation den ihr Diktatur zwar noch nicht abgeschafft worden ist, die
gebührenden Platz als ein Symbol der Hoffnung am Zukunft aber in freien Wahlen und freien Institutionen
liegt.
Hörn von Afrika einnehmen.
Ich habe über die Bemühungen der Vereinigten Staaten gesprochen, einige der militärischen Konflikte in
Afrika zu beenden, aber unser dauerhaftester Beitrag
könnte darin bestehen, Afrika beim Aufbau eigener
Kapazitäten zur Konfliktlösung und Friedenssicherung
zu helfen. Die Vereinigten Staaten arbeiten eng mit der
Organisation für Afrikanische Einheit (OAE) zusammen, unterstützen die friedenssichernden Maßnahmen in Ruanda und die Ausbildung von Wahlbeobachtern andernorts. Angesichts der Tatsache, daß die
OAE bald ihr dreißigjähriges Bestehen feiert, ist es
nicht nur von Bedeutung, die Leistungen dieser Organisation anzuerkennen, sondern zu untersuchen, wie
sie bei der Verhinderung oder Beendigung von Kriegen
auf diesem Kontinent eine größere Rolle spielen kann.

Es wird eine neue Art von Beziehung sein, die noch
gestärkt wird, wenn ein neues Südafrika den Übergang
von Unterdrückung zu Demokratie vollzogen hat.
Die Völker und Regierungen Afrikas arbeiten auf
Demokratie und freie Märkte in der wachsenden
Überzeugung hin, daß sie sich auf dem Weg zum
Fortschritt befinden. Sie haben sich auf eine einzigartige afrikanische Reise begeben, die so eindrucksvoll
ist wie alles andere auf diesem Kontinent von atemberaubender Schönheit.
Es ist eine Reise, die Amerikas Respekt und Unterstützung verdient - und diesen Respekt und diese Unterstützung gelobe ich heute.
Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 21

* * * *

Seite 5

�USIA
26. Mai 1993

DUFFEY: ÖFFENTLICHE DIPLOMATIE
WICHTIGER ALS JE ZUVOR
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Dem designierten Direktor des US-Informationamts (United States Information Agency - USIA), Joseph Duffey, zufolge besteht in der Zeit nach dem Kalten Krieg, "in der Ideen und Werte zum Mittelpunkt menschlicher Anliegen geworden sind", noch größerer Bedarf "für die Strategien der öffentlichen
Diplomatie."
Das Ziel dieser Strategien, erklärte Duffey bei der Anhörung zu seiner Bestätigung vordem Senatsausschuß für
Auswärtige Angelegenheiten am 18. Mai 1993, ist "die Vermittlung unserer Werte und Prognosen für eine
sicherere Zukunft für unsere Kinder und alle Völker auf der Erde".
Im Hinblick auf den internationalen Rundfunk stellte Duffey fest, die Clinton-Administration werde die Zusammenlegung "einiger technischer Elemente" des USIA-Senders Voice of America mit den Sendern Radio Free
Europe und Radio Liberty vorschlagen, wodurch die bessere "Zusammenarbeit und Koordinierung" sowie
weniger "Überschneidungen" gewährleistet würden. Er werde jedoch auch darauf hinarbeiten, fügte Duffey
hinzu, "daß die wichtigen Bestandteile von RFE/RL zusammen mit der entsprechenden redaktionellen und
journalistischen Freiheit erhalten bleiben".
Duffey deutete ferner an, daß auf internationale Femsehberichterstattung größere Betonung gelegt wird und die
Bedeutung des Femsehens mit jedem Tag zunimmt. Erfuhrfort: "Eine wirksame Strategie für das internationale
Rundfunkwesen muß sowohl Hörfunk als auch Fernsehen umfassen."
(Der Senatsausschuß für Auswärtige Angelegenheiten hat am 20. Mai 1993 einstimmig die Bestätigung von
Direktor Duffey vorgeschlagen).
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext von Direktor Duffey im Wortlaut.
Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder, ich
stehe heute als der von Präsident Clinton ernannte
Direktor des US-Informationsamts vor Ihnen. Ich fühle
mich geehrt durch das von Präsident Clinton mit der
Weiterleitung meines Namens für diese Position zum
Ausdruck gebrachte Vertrauen. Ebenso weiß ich das
Entgegenkommen zu schätzen, das mir von den Mitgliedern des Ausschusses und ihren Mitarbeitern bei
jüngsten Besuchen und Gesprächen über die Arbeit in
diesem Bereich unserer internationalen Politik und der
Sicherheitsgemeinschaft erwiesen wurde. Im Falle
meiner Bestätigung sehe ich der Zusammenarbeit mit
den Delegierten des Kongresses erwartungsvoll entgegen, all unseren Mitbürgern in der wichtigen Aufgabe zu dienen, die häufig als "öffentliche Diplomatie"
bezeichnet wird.
In meiner Eingangserklärung möchte ich einige Worte
darüber sagen, wie ich diese neuen Aufgaben ange-

AMERIKA DIENST 21

hen möchte. Ich werde nicht so sehr über spezifische
Programme sprechen, sondern vielmehr über eine
allgemeine Philosophie sowie die Perspektiven und
Werte, die ich in diese neue Position einbringe, falls der
Senat meiner Bestätigung zustimmt. Im Anschluß an
eine kurze Eingangserklärung werde ich gerne auf Ihre
Fragen eingehen.
Im August dieses Jahres feiern wir den 40. Jahrestag
der Gründung der United States Information Agency
durch Präsident Dwight Eisenhower im Jahr 1953.
Über die Jahre hinweg hat das US-Informationsamt
unseren Zielen als Nation durch Bildungs- und kulturelle Austauschprogramme, Rundfunk- und Fernsehsendungen über die Vereinigten Staaten sowie seiner
Institutionen und Politik, Verbreitung gedruckter und
visueller Materialien, durch Außenstellen auf der ganzen Welt und anderen Instumenten der öffentlichen
Diplomatie gedient.

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�Das US-Informationsamt wurde in den Jahren gegründet, als das Zeitalter des "Kalten Krieges" nach dem
Ende des Zweiten Weltkriegs gerade im Entstehen
war. In jenen Tagen der Eskalation des Ost-WestKonflikts begannen die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion, sich für Ideen über grundlegende soziale
Philosophien zu engagieren, die die internationale
Bühne über vier Jahrzehnte dominieren sollten. In
diesem Konflikt sah sich unsere Nation einer dogmatischen Philosophie zentralisierter sozialer Kontrollen,
Feindseligkeit gegen freie Marktwirtschaften und Unterdrückung der Freiheit des einzelnen gegenüber.
Selbst 1948, als die endgültige Gesetzesvorlage verabschiedet wurde, die zur Gründung des US-Informationsamts führte (Smith-Mundt-Act), versuchte unsere
Nation noch, im Krieg der Ideen aufzuholen. Die
Sowjetunion hatte bereits außerhalb der traditionellen
diplomatischen Kanäle mit direkter Kommunikation mit
der Öffentlichkeit in den als Dritte Welt bezeichneten
Teilen des Globus begonnen. Dies wurde begleitet
von umfangreichen Publikationen, Besuchen sowie
Studenten- und anderen Austauschprogrammen,
Konferenzen und der Verbreitung von Nachrichten und
Desinformation.

US-Informationsamt eine führende Rolle, indem es
über die Voice of America wahrheitsgetreue Nachrichten verbreitete, durch Bildungs- und kulturelle
Austauschprogramme Kontakte zwischen den Völkern aufrechterhielt, Englischunterricht anbot, Zentren
und Bibliotheken gründete, Konferenzen und Symposien veranstaltete. All diese über die Jahre hinweg
vom Kongreß genehmigten und finanzierten Aktivitäten dienten dem tieferen Verständnis amerikanischer
nationaler Werte. Und dieses Verständnis spielte eine
Rolle dabei, daß Millionen von Menschen sich gegen
die bürokratisierte Tyrannei und die Unterdrückung
durch Systeme erhoben, die keine Rücksicht auf das
menschliche Streben nach freier Meinungsäußerung
und Kreativität nahmen.

Sicher verfielen wir zeitweise in eine Sprache und in
Annahmen, die chauvinistischer und propagandistischer als glaubhaft waren. Das war nicht unsere beste
Zeit. Und zeitweise waren wir übereifrig und sogar ein
wenig naiv. Aberdie Instrumente der "weichen" Diplomatie, der öffentlichen Diplomatie, haben der Nation
gut gedient. Sie waren während des Kalten Krieges
unsere Angriffsstrategie, und sie waren effektiv. In
einem kürzlich erschienenen Artikel der New York
Times schrieb der Romanschriftsteller John Le Carre
Kurz nach der Grüdnung des US-Informationsamts über das Ende des Kalten Krieges. Ich bin mir bewußt,
vor vierzig Jahren entschied sich unsere Nation für daß dieser Autor von Spionageromanen keine Quelle
eine defensive Strategie, die unsere Militärpolitik während ist, die normalerweise in einem Kontext wie diesem
des Kalten Krieges kennzeichnen sollte. Die Strategie zitiert wird. Jedoch bin ich der Ansicht, daß sein
wurde bekannt als "Containment", der Widerstand Kommentar es wert ist, hier angeführt zu werden. Er
gegen den sowjetischen Expansionismus. Militäri- sprach überden Erfolg des Westensdabei, den Kalten
sche "Eindämmung" und "Abschreckung" waren mit Krieg schließlich zu beenden. Dieser Erfolg, schrieb
unserer Verteidigung in Zusammenhang stehende er, "wurde... durch Offenheit, nicht durch GeheimhalMaßnahmen. Es ist jedoch schwierig zu argumentie- tung erreicht". "Die Stärke Amerikas", fuhr er fort, "lag
ren, daß diese Strategien allein das Ende des Kalten in seiner Offenheit, Flexibilität und Bereitschaft, sich zu
Krieges herbeiführten. Wir sollten uns vor Augen etwas zu bekennen, Risiken einzugehen und Verändeführen, daß unsere Nation sich auch während der rungen herbeizuführen." Dieser Geist, diese Werte
langen und schwierigen Zeit des Kalten Krieges für waren unserer Nation in dem jüngsten Konflikt äu ßerst
eine aktive Offensivstrategie engagierte. Diese Offen- dienlich. Diese Werte werden uns auch angesichts der
sivstrategie erwies sich als sehr viel wirksamer, als wir vor uns liegenden Herausforderungen gut zu statten
zu jener Zeit gedacht hatten. Eines der Ämter an kommen.
vorderster Front dieser Offensivstrategie war das USInformationsamt. (Es gab zweifellos auch andere Heute denken wir über das Ende des Kalten Krieges
Instrumente: Die vom Kongreß finanzierten Sender nach. Auf nahezu jedem Kontinent regen sich erneut
Radio Free Europa/Radio Liberty spielten ebenfalls Selbstbestimmung und Freiheit. Das Gerede von
eine Rolle, ebenso wie zahlreiche Bürgerinitiativen und Triumph und Sieg erscheint jedoch irrelevant, wenn wir
-bestrebungen).
an die nahe Zukunft denken. Wie können nicht behaupten, daß die Welt jetzt ein sicherer Ort ist. Wir
Die Verbreitung von Ideen und Vorstellungen, die mit können lediglich behaupten, daß der Kalte Krieg und
den Bestrebungen freier Männer und Frauen in Zu- damit die große Polarisierung von Gedanken und
sammenhang standen, die Würde und Selbstbestim- Konflikten beendet ist. Im ehemaligen Jugoslawien, in
mung anstrebten, war der wichtigste Faktor bei der bestimmten asiatischen Regimen und andernorts werden
Beendigung der Ära des Kalten Krieges. Diese Ideen staatliche Unterdrückung, gedankenlose und brutale
schwappten über die "Mauer" und durchdrangen den ethnische Konflikte u nd der Unterwerfungswille weiter"Eisernen Vorhang". Und sie waren mächtige Fakto- hin die Regierungen charakterisieren, die sich über
ren, die die sich allmählich vollziehenden Veränderun- den Aufschrei des menschlichen Geistes hinwegsetgen bewirkten. Wichtig war auch die Verbreitung zen.
genauer Informationen über Weltereignisse und über
einige der grundlegendsten Prinzipien demokratischer Vielleicht besteht heute eine noch größere NotwendigGesellschaften. Bei diesen Bestrebungen spielte das keit für die Strategien öffentlicher Diplomatie in einer
Seite 2

AMERIKA DIENST 21

�Welt, in der Ideen und Werte zum Mittelpunkt menschlicher Anliegen geworden sind. Denn Amerika ist ein
einzigartiges Land der Ideen. In vielerlei Hinsicht sind
Amerika und all seine Institutionen die Verkörperung
einer einzigen großen Idee - daß der sicherste Garant
für Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand in den Rechten und der Würde und dem Willen des Volkes begründet ist.
Die Möglichkeiten, die das US-Informationsamt heute
hat, unterscheiden sich von der Aufgabe, die es in den
letzten vier Jahrzehnten erfüllen mußte. Es besteht
weltweit ein neues Interesse an der staatlichen Kultur
der Vereinigten Staaten und der täglichen Praktizierung von Demokratie und freiem Unternehmertum. Es
hat eine Revolution im Kommunikationswesen gegeben. "Aber direkte Kommunikation schafft nicht an
sich schon Verständnis" (Walter Wriston). Es gibt
mehr Kommunikationstecnnologien und eine neue,
zugänglichere Art von Öffentlichkeit in der Welt. Aber
Information und Bedeutung sind nicht dasselbe. Es ist
noch immer die Aufgabe öffentlicher Diplomatie, nach
Strategien für die Vermittlung unserer Werte und
Prognosen für eine sicherere Zukunft für unsere Kinder und alle Völker auf der Erde zu suchen.
Nicht nur die Welt hat sich geändert, sondern auch
Amerika. Alexis de Tocqueville schrieb einmal: "Unter
demokratischen Nationen stellt jede Generation ein
neues Volk darr." Ich bin der Ansicht, er glaubte, daß
ein freies Volk nie die Bedeutung der Staatsbürgerschaft als gegeben hinnehmen kann. Eine neue
Generation führender Persönlichkeiten entsteht in den
Institutionen unserer Nation und bemüht sich, wie es
jede Generation tun muß, die Werte neu zu entdecken
und zu erfinden, die das Wesen unserer Republik darstellen.
In unserer eigenen Nation wird heute eine neue und
angeregte Debatte über das angemessene Verhältnis
zwischen den Rechten und Pflichten in einer Demokratie geführt. Es wird über den Dienst an der Gemeinschaft gesprochen und darüber, die Arbeit als eine
Berufung zu betrachten, die Verpflichtungen gegenüber anderen impliziert anstatt lediglich den Weg zur
Selbstverwirklichung darzustellen. Es wird über die
Notwendigkeit der Verpflichtung gesprochen, die Zukunft
für alle Kinder einer Generation zu sichern, nicht nurfür
jene, die uns am nächsten stehen. Teil unseres
Zeugnisses für die heutige Welt, Teil der "amerikanischen Geschichte", ist die Botschaft, daß diese Gesellschaft die Aufgabe der Demokratie nicht beendet
hat, und daß wir entschlossen sind, den Zynismus
unter Kontrolle zu halten, der zu den größten Bedrohungen in etablierten Demokratien gehört.
Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, das US-Informationsamt auf einen
Weg zu führen, der den Geist und die Entschlossenheit fördert, die die derzeitigen BemühunAMERIKA DIENST 21

gen unserer Bürger charakterisieren, die Ideen
und Ideale wiederzubeleben, die verständige
Selbstregierung ermöglichen. Ich werde mich
bemühen, dem US-Informationsamt als einer
Behörde vorzustehen, die ein realistisches Bild
unserer andauernden Bemühungen gibt, hierzu
Hause eine perfektere Union zu schaffen, anstatt die Vereinigten Staaten als fertige Gesellschaft darzustellen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, dem US-Informationsamt so vorzustehen, daß es einen Beitrag zur Entwicklung
neuer Definitionen für "nationale Sicherheit" leisten kann, die den neuen Zeiten angemessen
sind. Diese neuen Definitionen werden nicht
schnell entstehen, und - wie jüngst von außenpolitischen Analysten behauptet - sie werden
kein "geschlossener und analytischer Prozeß"
sein. Vielmehr werden diese neuen Definitionen aus einem offenen, "öffentlichen und politischen Prozeß"kommen. (Rethinking America's
Security, Hrsg. G. Allison und G.F. Treverton,
1992). Sie werden das Ergebnis offener Gespräche zwischen Einzelpersonen, Gruppen und
Organisationen in der Regierung und im Privatsektor sein, die eng zusammenarbeiten. Die
neuen, den neuen Zeiten angepaßten Definitionen der nationalen Sicherheit werden nicht so
sehr auf Eindämmung als auf der Propagierung,
Ausweitung und Erweiterung des Wissens, der
Kultur und Gebräuche von Demokratie und Selbstregierung basieren. Sie werden auch auf den
Strategien fürZusammenarbeit zwischen unabhängigen Nationen im Kontext eines freien Flusses von Informationen, Ideen und Handel gründen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, dem US-Informationsamt in dem Bewußtsein vorzustehen, daß ein Aspekt der nationalen Sicherheit und der Führungsrolle der
Vereinigten Staaten heute die neue Sparsamkeit in der Regierung ist und daß unsere Nation
stärker sein wird, wenn wir klüger mit unserem
Haushaltsdefizit umgehen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
bemühen, dem US-Informationsamt in dem Bewußtsein vorzustehen, daß diese Behörde in
stärkerem Maße ein Modell für die Gleichstellung aller ihrer Mitarbeiter sein sollte. Und es
sollte eine Organisation sein, die ein offenes
Ohr für die Verbesserungsvorschläge derjenigen hat, die tagtäglich an den vielfältigen Programmen arbeiten, die unsere Arbeit so erfolgreich machen.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich mich
nicht dafür entschuldigen, im Namen unserer
nationalen Sicherheit ein Befürworter langfristiSeite 3

�ger Investitionen in Ideen und Menschen zu
sein. Ich werde mich nicht dafür entschuldigen,
selbst wenn wir in Washington kurzfristig mit
vielen Krisen und Problemen konfrontiert werden, wie das immer der Fall zu sein scheint.
Im Falle der internationalen Beziehungen ist es leicht,
den Wert längerfristiger Investitionen zu vergessen.
Heute erinnern uns das Fulbright-Programm sowie
Besucher- und Vortragsprogramme der letzten beiden
Jahrzehnte daran, daß die langfristige Investition von
gestern die demokratische Revolution von heute ist.
Mehr als 130 derzeitige oder ehemalige politische
Entscheidungsträger lernten in ihrer beruflichen Laufbahn die Vereinigten Staaten zum ersten Mal durch
Programme des US-Informationsamts näher kennen zu ihnen gehören die heutigen Ministerpräsidenten
Bulgariens, Ungarns und Polens. Acht von sechzehn
Ministern des neuen Kabinetts in Thailand haben am
internationalen Besuchsprogramm teilgenommen. Und
in Rußland wurde Alexander Jakowlew, ein ehemaliger Fulbright-Wissenschaftler, als "Architekt" von
Glasnost bekannt.
Im Falle meiner Bestätigung werde ich nicht
vergessen, daß es Unterschiede zwischen der
traditionellen Diplomatie unter den Regierungen
und dem gibt, was wir unter "öffentlicher Diplomatie" (public diplomacy) verstehen. Ein Teilnehmer bei einer Anhörung im Kongreß beschrieb im vergangenen September einen Aspekt
dieses Unterschieds folgendermaßen: "Es gibt",
so stellte er fest, eine notwendige "offizielle ...
Diplomatie zwischen Regierungen, zu deren
Bestandteilen Taktgefühl, Geduld, stilles Lavieren zwischen Entscheidungsträgern und das
Gefühl gehören, daß Eliten mit Eliten agieren."
Darüber hinaus, so fuhr er fort, gebe es die
Notwendigkeit einer anderen Art von Diplomatie, "... Kommunikation zwischen den Menschen...
(bisweilen)... weniger mit Taktgefühl, sondern
Direktheit, nicht mit Resignation, sondern in der
Annahme, daß Menschen die Geschichte durch
die Macht von Ideen verändern können."

esten Stand zu bringen, um den Zielen einer
besseren Vorbereitung unserer Bevölkerung auf
die Zukunft in einer wirklich weltweiten Gemeinschaft besser zu dienen.
Als letzten Punkt möchte ich, Herr Vorsitzender, die
Frage des Rundfunkwesens behandeln. Dies ist ein
Problem, daß derzeit sowohl für den Kongreß als auch
für die Administration von großem Interesse ist. Ich
habe keine offizielle Rolle bei der Überprüfung gespielt, die zur Zeit innerhalb der Administration stattfindet. Ich habe jedoch Beobachtungen angestellt und
mich mit den für die Prüfung von Vorschlägen zuständigen Personen getroffen, um Einsparmöglichkeiten
auszumachen und durch stärkere Effizienz in diesem
Bereich zum Defizitabbau beizutragen.
Nächste Woche wird der von Senator John Kerry
geleitete Unterausschuß Anhörungen zu diesem Thema
veranstalten. Ich hoffe, dann in der Lage zu sein, einen
einigermaßen detaillierten Vorschlag für die Zukunft
des internationalen Sendebetriebs der Vereinigten
Staaten zu skizzieren. Ich möchte hier die Prinzipien
erläutern, die meinen Ansatz zu diesen Fragen leiten
werden.
Die Voice of America hat seit ihrer Gründung effektiv
den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten
gedient. Surrogatsender, beispielsweise Radio Free
Europe und Radio Liberty, haben ebenfalls mit besonderem Erfolg zuröffentlichen Diplomatie der Vereinigten Staaten beigetragen, indem sie Völkern, die
keine adäquaten freien nationalen oder lokalen Nachrichtenquellen besaßen, Nachrichten und Kommentare lieferten. Sowohl die Voice of America als auch
Radio Free Europe/Radio Liberty haben talentierte
Rundfunkleute, die sich besonders für ihre Arbeit
engagieren. Ich weiß, daß Präsident Clinton diese
Wertschätzung und Achtung für die von ihnen Tag für
Tag geleistete schwierige und wichtige Arbeit teilt.

Die Administration wird einen Plan für Haushaltskürzungen vorlegen, die sich aus der Zusammenlegung
einiger technischer Elemente von VOA und RFE/RL
sowie verbesserter Zusammenarbeit und KoordinieIm Falle meiner Bestätigung werde ich nicht rung ergeben, mit denen Überschneidungen vermievergessen, daß das "zweite Mandat" der Charta den werden. Diese Vorschläge werden die künftige
des US-Informationsamts vorsieht, Amerika- Fähigkeit zur Lieferung glaubwürdiger, unabhängiger
nern zu einem besseren Verständnis der globa- Sendungen mit der Flexibilität, diese Dienste gegebelen Gesellschaft zu verhelfen und die Fähigkeit nenfalls zu bündeln, nicht in Frage stellen. Im Falle
unserer Bürger zu verbessern, sich an einer meiner Bestätigung erwarte ich, mit dem Vorsitzenden
völlig neuen Weltwirtschaft zu beteiligen. Viele des Board for International Broadcasting, Dan Mica,
der wichtigsten Anliegen unserer Bürger berüh- zusammenzuarbeiten, um zu gewährleisten, daß die
ren heute Fragen, die im internationalen Kon- wichtigen Bestandteile von RFE/RL zusammen mit
text behandelt werden müssen, darunter der be- der entsprechenden redaktionellen und journalistischen
drohliche Handel mit Drogen, Bedrohungen der Freiheit erhalten bleiben.
Umwelt, Terrorismus sowie der Verlust von
Mein erster Eindruck von Voice of America ist nicht
Märkten und Arbeitsplätzen. Ich werde mit dem
nur der eines Höchstmaßes an professionellem RundKongreß zusammenarbeiten, um die Gründungsfunkjournalismus sondern auch von enormer Flexibilicharta des US-Informationsamts wie das Smithtät sowie Bereitschaft und Fähigkeit zum Wandel.
Mundt-Gesetz zu überprüfen und auf den neuVOA unterhält heute einen kurdischen Dienst und

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AMERIKA DIENST 21

�einen tibetanischen Dienst, den der Dalai Lama unlängst als "Medizin gegen Depressionen und Erschöpfung" für das tibetanische Volk bezeichnete. Während
der Operation Provide Hope hat VOA umgehend ein
somalisches Programm ins Leben gerufen. Aufgrund
des Bedarfs für mehr Nachrichten und Informationen
in Asien hat VOA im vergangenen Jahr Programme
geschaffen, die sich auf Ereignisse und Themen in und
um China und dessen asiatischen Nachbarstaaten
konzentrieren.

gewährleisten, daß Amerika nicht den Kontakt mit
unabhängigen Denkern verliert und auch, um amerikanische Solidarität mit dem Kampf gegen Gewalt und
Unterdrückung zu demonstrieren. Das Büro für Forschungsarbeiten des US-Informationsamts führt Meinungsumfragen und demoskopische Studien durch.
Die Bemühungen des Amts werden von engagierten,
besonders ausgebildeten außenpolitischen Mitarbeitern vor Ort in Ljubljana, Zagreb, Skopje, Belgrad und
Podgorice durchgeführt. Dies entspricht meines Erachtens dem vorgesehenen Ziel von RundfunksenAufgrund der Veränderungen im internationalen Rund- dungen - als besonders wichtigem Element einer Gefunkwesen hat das Büro für Rundfunkwesen (Bureau samtregierungsstrategie.
of Broadcasting) des US-Informationsamts eine Stelle
für Beziehungen zu angeschlossenen Anstalten (Offi- Rundfunkwesen umfaßt jedoch nicht nur das Radio,
ce of Affiliate Relations) eingerichtet. Diese Dienst- sondern Rundfunkwesen besteht aus Radio und Fernstelle arbeitet mit ausländischen Rundfunk- und Fern- sehen. Während die Bedeutung des Radios auf Jahre
sehstationen weltweit zusammen, um das Hörer- und hinaus nicht abnehmen wird, wächst die Bedeutung
Zuschauerpublikum zu erweitern und das VOA-Signal des Fernsehens jeden Tag. Eine wirksame Strategie
über gut zu empfangende lokale Frequenzen zu ver- für das internationale Rundfunkwesen muß sowohl
breiten. Das Büro für Rundfunkwesen unterhält darü- Hörfunk als auch Fernsehen umfassen.
ber hinaus ein umfangreiches Programm, um ausländische Rundfunkjournalisten mit Methoden des west- Herr Vorsitzender, ich freue mich darauf, im Falle
meiner Bestätigung Direktor des US-Informationsamlichen Journalismus vertraut zu machen.
tes zu werden, das dieses Jahr sein 40jähriges BesteIm ehemaligen Jugoslawien sendet Voice of America hen feiert. Die Frauen und Männer des US-Informaheute in vier Sprachen - serbisch, kroatisch, slowe- tionsamtes haben der Nation in den vergangenen vier
nisch und albanisch. VOA hat seine stark erweiterten Jahrzehnten hervorragende Dienste geleistet. Sie
Kapazitäten eingesetzt, um die Sendungen in serbi- haben gezeigt, daß Präsident Eisenhower recht hatte,
scher Sprache mehr als zu verdoppeln und die Stärke als er sagte: "Der Krieg beginnt in den Köpfen der
und den Sendebereich des Signals in dieser Region zu Menschen, und dasselbe gilt für den Frieden." Ich
vergrößern. Das US-Informationsamt plaziert heute glaube, die Bilanz der vergangenen 40 Jahre zeigt,
Sendebeiträge bei unabhängigen serbischen Fern- daß es für ein dauerhaftes direktes Engagement vor
sehstationen und veranstaltet über Satellit Live-Fern- Ort, das von einsatzfreudigen und talentierten Mänsehdiskussbnen zwischen amerikanischen Regierungs- nern und Frauen in Washington unterstützt wird, keivertretern und Kommentatoren sowie prominenten nen Ersatz gibt. Ich hoffe auf eine gute ZusammenarZuschauern in jener vom Krieg zerrissenen Region. beit mit diesen Mitarbeitern ebenso wie mit Ihnen, um
Es führt sorgfältig ausgewählte Austauschprogramme deren künftige Arbeit noch produktiver zu gestalten.
mit Bürgern des ehemaligen Jugoslawien durch, um zu

*

AMERIKA DIENST 21

* * *

*

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fünf Nationen geben Einigung über Schritte in Bosnien bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gemeinsame Erklärung zu Aktionsprogramm&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Start II&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Start-Ratifizierung vordringlichstes Rüstungskontrollziel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Scheitern würde strategische Unsicherheit bewirken&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Handelsungleichgewicht Japan-USA als "unannehmbar" bezeichnet &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Brown: Keine Beeinflussung des Dollar-Kurses beabsichtigt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kantor bittet Senatoren um Verlängerung des Fast-Track-Mandats und des allgemeinen Präferenzsystems&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem Finanzausschuß des Senats&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USA-Afrika&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;"Grundlegend neue" amerikanisch-afrikanische Beziehungen &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Außenminister Christopher&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Duffey: öffentliche Diplomatie wichtiger als je zuvor&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>nroimciuon
und
Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

26. Juni 1985
INHALT

DOKUMENTATION
Reagan f o r d e r t i n t e r n a t i o n a l e S c h r i t t e gegen den Terrorismus
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten Außenminister Shultz: Keine Konzessionen an die T e r r o r i s t e n
- Erklärung vor dem Außenpolitischen SenatsausschuB USA fordern UdSSR zur Beendigung i h r e r antijüdischen Kampagne auf
- Erklärung des US-Außenministeriums USA bedauern Nicaraguas Abkehr vom CONTADORA-Prozeß
- Erklärung des US-Außenministeriums HINTERGRUNDMATERIAL
Der Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (NPT)
- Eine Wartung des amerikanischen Außenministeriums Die Nicaragua-Hilfe im US-Kongreß
- Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"DISCOVERY" nach sieben Tagen zurück
- Erfolgreiches Laser-Experiment im Weltraum - Neue Forschungen zur
Röntgenstrahlenastronomie Noch gefährlicher a l s Heroin
- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain US-Delegation i n Bonn * * * * *

Um Über/endung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel

•: 0228-339 2035
Telex: 8-85432

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

25

26. Juni 1985

REAGAN FORDERT INTERNATIONALE SCHRITTE GEGEN DEN TERRORISMUS
- Erklärung des amerikanischen Präsidenten -

Washington -(AD)- Am 20. Juni 1985 gab Präsident Reagan eine Erklärung ab, in der er die Nationen des Westens zum gemeinsamen Kampf gegen
den Terrorismus aufrief. Sie hat folgenden Wortlaut:
Gestern abend hat ein sinnloser Akt des Terrorismus erneut Amerikanern das Leben gekostet, diesmal in El Salvador. Unter den 15 Toten und
13 Verletzten waren zwei amerikanische Geschäftsleute und vier Soldaten
des Marinekorps (Marines), die nicht im Dienst, unbewaffnet und in Zivil
waren. Außerdem wurden neun unschuldige salvadorianische und guatemaltekische Männer und Frauen getötet; 13 wurden verwundet. Diese Greueltat
wie auch der Bombenanschlag, der sich früher am gestrigen Tage in Frankfurt in der Bundesrepublik Deutschland ereignete, beweisen erneut, daß
die Terroristen nicht nur gegen die Vereinigten Staaten Krieg führen,
sondern gegen die zivilisierte Gesellschaft schlechthin. In diesem Krieg
geben unschuldige Zivilisten das Ziel ab. Dies ist ein Krieg, in dem unschuldige Zivilisten ganz bewußt als Opfer auserkoren werden und in dem
die Angehörigen unserer Streitkräfte in ganz besonderem Maße zu Ziel-

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 08-85432

�zu Zielscheiben geworden sind. Das kann nicht so weitergehen. Wir müssen
gegen diejenigen vorgehen, die auf Menschenleben und auf die Werte, die
uns teuer sind, nicht das mindeste geben, und wir müssen gemeinsam mit
anderen Nationen handeln, die genau wie wir demokratische Institutionen
besitzen und Gewaltakten und dem Gebrauch physischer Machtmittel grundsätzlich ablehnend gegenüberstehen. Wir im Westen müssen gemeinsam handeln, wie wir dies schon vor mehr als einem Jahrhundert getan haben, um
die Piraterie von den Meeren zu verbannen, und wie wir dies wieder vor 45
Jahren getan haben, um der Bedrohung durch die Tyrannei zu begegnen.

In Reaktion auf den Tod unserer Marines und zivilen Staatsbürger in
El Salvador habe ich den Außenminister und den Verteidigungsminister angewiesen, der Regierung Präsident Duartes mit Hilfe unserer Nachrichtendienste jegliche Art von Hilfestellung zu leisten, die sie braucht, um
die Terroristen, die diesen Gewaltakt begangen haben, zu finden und zu
bestrafen.Zu diesem Zwecke habe ich heute die beschleunigte Auslieferung
der von der salvadorianischen Regierung im Rahmen der sicherheitspolitischen Hilfe angeforderten Güter angeordnet, und ich bin bereit, meine
Sondervollmachten für Notfälle zu nutzen, um die Streitkräfte El Salvadors mit zusätzlichen militärischen Mitteln zu versehen, die ihnen bei
ihrem Feldzug gegen die kommunistische Guerilla dienlich sein können. Die
Guerilla hofft vergebens, daß unsere Entschlossenheit oder unsere Unterstützung für die Wiederbelebung der Demokratie in El Salvador durch Terrorismus erschüttert werden können. Wenn andere militärische Mittel der
Vereinigten Staaten in dieser Hinsicht zweckdienlich sein können, dann
werde ich sie zur Verfügung stellen. Ich erwarte, daß der Kongreß diese
Maßnahmen unterstützen wird, und ich werde mit den entsprechenden parlamentarischen Ausschüssen des Kongresses darüber beraten, welche weiteren
Schritte in El Salvador und anderswo unternommen werden können, um der
Unterstützung von außen ein Ende zu setzen, die die Terroristen in El
Salvador aus Nicaragua und dem Ostblock erhalten.

Ferner habe ich heute Vizepräsident Bush damit betraut, innerhalb der
amerikanischen Regierung und bei den Beratungen mit unseren Verbündeten
die Federführung zu übernehmen, wenn es darum geht, zu klären, welche militärischen und sonstigen Schritte wir und unsere in gleicher Weise be- 2 -

�Weise bedrohten Freunde unternehmen können, um diesem zunehmend gewalttätigen und

willkürlichen, dabei aber zielgerichteten Anschlag

auf die

Menschlichkeit ein Ende zu bereiten. Vor allem habe ich den Vizepräsidenten gebeten, diese Angelegenheit während der Besuche, die er in der kommenden Woche verschiedenen europäischen Hauptstädten abstatten wird, in
den Vordergrund zu stellen. Nach seiner Rückkehr wird er eine alle Regierungsressorts übergreifende Arbeitsgruppe einberufen, um darüber Empfehlungen zu erarbeiten und mir zur Entscheidung vorzulegen, wie alle verfügbaren Mittel der Vereinigten Staaten bei der Auseinandersetzung mit
diesem Problem am zweckmäßigsten eingesetzt werden können.

Schließlich möchte ich, daß Ihnen, dem amerikanischen Volk, bewußt
ist, daß alles, was wir in dieser Hinsicht unternehmen, nicht in sinnlosem Zorn getan werden darf. Was geschehen ist, erfordert eine wohlerwogene Reaktion auf die Akte der Gesetzlosigkeit derer, die sich nicht an die
Normen der zivilisierten Gesellschaft halten. Als Ihr Präsident glaube
ich, daß unsere Reaktion auf die verbrecherischen Anschläge auf Bürger
unseres Landes den Grundsätzen der Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit
genügen muß. Diejenigen, die solche Akte der Gesetzlosigkeit begehen, und
diejenigen, die dergleichen unterstützen, müssen wissen, daß sie niemals
dazu führen werden, daß wir vor terroristischen Forderungen kapitulieren.
Wir sind sowohl eine friedfertige Nation als auch ein gerechtigkeitsliebendes Volk. Wir geraten von Natur aus nur langsam in Zorn und sind großmütig, wenn es darum geht, denen zu helfen, die in weniger glücklichen
Umständen leben. Keine Nation der Welt verhält sich großzügiger gegenüber
Notleidenden. Aber es gibt auch Grenzen, und diese Grenzen sind jetzt erreicht. Wir können nicht dulden, daß Mitmenschen in Lebensgefahr gebracht
werden, nur weil sie das Glück haben, Staatsbürger dieses großen Landes
zu sein.

- 3 -

�Dokumentation
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1985

25

AUSSENMINISTER SHJLTZ:

KEINE KONZESSIONEN AN DIE TERRORISTEN

- Erklärung vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß -

WASHINGTON -

(AD) - Die Vereinigten Staaten werden nach den Worten

von US-Außenminister George Shultz keine Konzessionen an die T e r r o r i s t e n
machen und auch andere Staaten nicht drängen, dies zu t u n .
ßenpolitischen Ausschuß

Vor dem Au-

des amerikanischen Senats sagte Shultz

am 19.

Juni 1985, eine solche P o l i t i k könnten sich die USA nicht l e i s t e n .
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Herr Vorsitzender, Sie haben mich aufgefordert, heute mit einer Erklärung über die Entführungssituation zu beginnen, und ich begrüße diese
Möglichkeit.
Die Haltung der Vereinigten Staaten in der Frage der Entführung ist
klar und eindeutig.

Wir werden gegenüber den Terroristen weder Konzes-

sionen machen, noch werden wir andere Staaten drängen, dies zu tun. Zu-

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�tun.

Zugeständnisse unter solchen Umständen kämen einem Nachgeben gegen-

über Erpressern g l e i c h . Und was noch schlimmer i s t ,

dies würde

Terror-

i s t e n ü b e r a l l auf der Welt zu der Annahme ermutigen, daß solche Taktiken
E r f o l g haben können.
Wir müssen unsere Staatsbürger heute und i n der Zukunft vor solchen
abscheulichen Handlungen schützen.

Wir können uns keine P o l i t i k der Kon-

zessionen gegenüber dem Terror l e i s t e n .
Der Führer der Amal-Schiiten und J u s t i z m i n i s t e r Nabih B e r r i , hat die
Verantwortung

für

die Verhandlungen mit den Entführern übernommen.

hat uns v e r s i c h e r t , daß die Passagiere sicher und wohlauf seien.

Er

Wir ha-

ben ihm e r k l ä r t , daß wir ihn verantwortlich halten für die sichere Rückkehr unserer Staatsbürger und die s o f o r t i g e Lösung dieser Angelegenheit.
Wir haben ihm und der libanesischen Regierung gegenüber unsere P o s i t i o n
klargemacht.
Die Entführung i s t moralisch unhaltbar und kann durch k e i n e r l e i Gründe g e r e c h t f e r t i g t

werden.

B e r r i , a l s prominenter S c h i i t e n f ü h r e r ,

sollte

sich darüber im klaren s e i n , daß die Entführung nicht nur eine Sache der
Sicherheit

unserer amerikanischen Staatsbürger

ist,

sondern auch seine

eigenen l a n g f r i s t i g e n Interessen und auch die des Libanon berührt.
Eine Teilhaberschaft an der i n t e r n a t i o n a l e n Völkergemeinschaft gründet sich auf Ansehen und auf die B e r e i t s c h a f t , die Grundsätze von Recht
und Ordnung anzuerkennen und aufrechtzuerhalten, auf denen diese Gemeinschaft r u h t .

Wer diese Verpflichtung nicht übernimmt, muß die Konsequen-

zen a l s Geächteter tragen.

Wird diese Entführung f o r t g e s e t z t , dann wird

dies dem Ruf Libanons irreparablen Schaden zufügen und die Hoffnungen der
verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Lande auf soziale und p o l i t i s c h e Ger e c h t i g k e i t zurückwerfen.
I s r a e l hat e r k l ä r t , daß es seine P o l i t i k
die

Sicherheitssituation

dies

nach I s r a e l verlegt wurden.

gestattet

-

s e i , die Gefangenen - wie

f r e i z u l a s s e n , die

von Ansar

Die Entführung der TWA-Maschine verhindert

�TWA-Maschine verhindert i n der Tat die Durchführung eines Prozesses, der
b e r e i t s begonnen h a t t e .

Den Entführern miß klargemacht werden, daß i h r

Bemühen, die T WA-Passagiere gegen die Ansar-Gefangenen auszutauschen, ohne moralische Rechtfertigung i s t und keinen E r f o l g haben w i r d .

Ja, dies

i s t kontraproduktiv.
Herr Vorsitzender, die amerikanische Regierung wird nicht ruhen, bis
a l l e unsere Staatsbürger wieder i n Sicherheit mit i h r e n Familien v e r e i n t
sind.

Botschafter Bartholomew i n Beirut steht w e i t e r h i n i n Kontakt mit

Nabih B e r r i sowie mit Präsident Gemayel und anderen verantwortlichen l i banesischen Führern.

Wir arbeiten eng mit anderen Regierungen zusammen,

die ihren Einfluß i n dieser Angelegenheit zum Tragen bringen können.
Algerien hat n a t ü r l i c h von Anfang an eng mit uns zusammengearbeitet.
Eine Anzahl anderer Länder i n dieser Region hat auf die eine oder andere
Weise Erklärungen zu diesem Thema abgegeben, dazu gehören auch, bevor a l les begann, (Präsident) Assad von S y r i e n , der sich allgemein über Entführungen a u s l i e ß , h i e r
Irak hat

in

Washington die

seine Verurteilung

durch seine Zeitung.

tunesische

Regierung, auch der

zum Ausdruck gebracht, genauso wie Ägypten

Der Präsident

hat

gerade einen B r i e f

von König

Hussein e r h a l t e n , i n dem dieser mit allem Nachdruck das - wie er schreibt
- "feige Verbrechen" v e r u r t e i l t .

Ich möchte, daß dieser B r i e f i n das o f -

f i z i e l l e P r o t o k o l l übernommen w i r d .

Er wird i n Kürze v e r ö f f e n t l i c h t

wer-

den; dieses Schreiben i s t eine überaus nachdrückliche Erklärung.
Ich bin also der Meinung, daß die i n t e r n a t i o n a l e
sich darüber im klaren i s t , was vor sich geht.
ließ, erhielt

Völkergemeinschaft

Bevor i c h mein Büro ver-

ich eine Nachricht über eine Bombenexplosion i n F r a n k f u r t .

Wir können also sehen, daß sich die Bedrohung durch den Terrorismus ausb r e i t e t ; dieser Bedrohung muß k l a r und eindeutig entgegengetreten werden,
und wir müssen den meiner Meinung nach echten i n t e r n a t i o n a l e n Konsens i n
dieser Frage fördern.
Wir werden auch w e i t e r h i n a l l e uns zur Verfügung stehenden M i t t e l und
Möglichkeiten ausnutzen, um die sichere Freilassung a l l e r Passagiere und
- 3 -

�Passagiere und Besatzungsmitglieder z erreichen, so daß sie zu ihren Familien und den ihnen Nahestehenden zurückkehren können.

Unsere Ent-

schlossenheit, diese Krise zu einem erfolgreichen und baldigen Ende zu
bringen, ist unerschütterlich.

* * *

- 4 -

�26. Juni 1985

25

USA FORDERN UdSSR ZUR BEENDIGUNG IHRER ANTIJÜDISChEN KAMPAGNE AUF
- Erklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON -

(AD)

-

Das amerikanische Außenministerium hat am 14.

Juni 1985 die Sowjetunion a u f g e f o r d e r t , i h r e d e r z e i t i g e Kampagne zu beenden, mit der sie eine Erneuerung jüdischer Kultur i n der Sowjetunion zu
verhindern

sucht.

Kampagne s t e l l e

ein

In der Erklärung heißt e s , eine Fortsetzung
"echtes

Hindernis

für

die konstruktiven

dieser

Beziehunge

mit der Sowjetunion d a r , die die Vereinigten Staaten anstreben".

Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Am 1 1 . Juni verhafteten die sowjetischen Behörden den jüdischen Wissenschaftler und Hebraischlehrer Roald Zelichonok.

Fünf Tage vorher wur-

de e i n weiterer Hebräischlehrer, Yevgenij Aizenberg aus Charkow, zu zweieinhalb Jahren Arbeitslager v e r u r t e i l t .

Dem Moskauer Hebräischlehrer Dan

Shapiro wurde verwehrt, Verbindung mit seinem Anwalt aufzunehmen, während

Postfach 20 03 00
D 5300 Bonn 2

Tel.: 0228-339 2035
Telex: 08-85432

�aufzunehmen, während er in einem sowjetischen Gefängnis schmachtet und
auf seinen Prozeß wartet.

Insgesamt haben die sowjetischen Behörden seit

Juli letzten Jahres mindestens 14 jüdische Kulturaktivisten verhaftet sieben davon Hebräischlehrer.

Sie sind Hauptopfer dessen, was den Anschein einer offiziellen sowjetischen Kampagne gegen die derzeitige
Kultur in der Sowjetunion hat.

Wiederbelebung der jüdischen

Bislang wurden zehn dieser Menschen ver-

urteilt - einige aufgrund plump gefälschter Vorwürfe angeblich kriminellen Verhaltens, die gezielt darauf gerichtet sind, sie zu diskreditieren.
Zwei wurden nach ihrer Verhaftung brutal zusammengeschlagen.

Wir haben

auch beunruhigende Nachrichten über einen Dritten, Yulij Edelstein, der
in einem Arbeitslager in Sibirien, wo er eine Strafe von drei Jahren verbüßt, immer wieder geschlagen wird.

Viele Juden wurden nicht nur verhaftet und geschlagen, sondern verloren auch ihren Arbeitsplatz, ihre Wohnungen wurden durchsucht, ihre Telefone unbrauchbar gemacht und ihre Post einbehalten.

Artikel in sowjeti-

schen Zeitungen und Programme im sowjetischen Fernsehen brandmarken Hebräischlehrer und andere jüdische Kulturaktivisten als "zionistisch" und
subversiv - wobei oft sogar ihre Namen genannt werden.

Zionismus wird

mit Nazismus gleichgestellt, und jüdische Führer aus dem Zweiten Weltkrieg werden bezichtigt, den Nazis dabei geholfen zu haben, Juden für die
Todeslager zusammenzutreiben.

Obgleich die staatlichen Stellen in der

Sowjetunion behaupten, ihre Kampagne ziele lediglich auf jene, die sie
Zionisten nennen, gibt es doch keinen Zweifel darüber, daß immer aufs
neue wiederholte, unverantwortliche Unterstellungen wie diese die häßlichen Flammen des Antisemitismus schüren können.

Diejenigen sowjetischen Juden, die man aussucht, um sie zu verfolgen,
haben eins gemein:

Sie wollen ihr ethnisches Erbe bewahren, sie wollen

ihre überkommene Sprache lehren und lernen, und sie wollen die Freiheit
haben, die Sowjetunion zu verlassen und in das Land ihrer Wahl zu reisen.
Das Schlimmste, was je einer von ihnen tat, bestand darin, mündlich und
schriftlich gegen ihre schreckliche Behandlung durch die sowjetischen Be- 2-

�sowjetischen Behörden zu protestieren.

Und dafür wurden sie verhaftet,

geschlagen, isoliert, verunglimpft, ins Gefängnis geworfen.

Wir möchten den äußersten Ernst unterstreichen, mit dem wir diese
Entwicklung beobachten.

Das Andauern dieser Kampagne stellt ein echtes

Hindernis für die konstruktiven Beziehunge mit der Sowjetunion dar, die
die Vereinigten Staaten anstreben.

Wir fordern die Sowjetunion auf, die-

se tragische und unnötige Kampagne einzustellen.

Die Verpflichtungen,

die die Sowjetunion freiwillig in Helsinki und andernorts eingegangen
ist, fordern es, und schlichter menschlicher Anstand verlangt es.

- 3-

�26. Juni 1985

25

USA BEDAUERN NICARAGUAS ABKEHR VOM COMTADORA-PROZESS
- Erklärung des US-Außenministeriums -

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium v e r ö f f e n t l i c h t e am 20. Juni 1985 eine Erklärung, i n der das Bedauern der Vereinigten
Staaten über die Abkehr Nicaraguas vom CONTADORA-Prozeß zum Ausdruck gebracht w i r d .
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Wir bedauern den S c h r i t t der nicaraguanisehen Regierung, sich aus dem
CONTADORA-Prozeß zurückzuziehen.
Seit über zwei Jahren bemühen sich die Staaten Mittelamerikas und der
CONTADORA-Gruppe darum, Mittelamerika Frieden zu bringen.
schritt

wurde dabei e r z i e l t ,

Großer F o r t -

zu einem Abkommen zu gelangen, das

manns Interesse an der Sache des Friedens gerecht w i r d .

jeder-

Auf dem T r e f f e n ,

Postfach 20 03 00 Tel.:0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Auf dem T r e f f e n , das am 18. &gt;Xini i n Panama begann und das gestern ausgesetzt wurde, s o l l t e e i n Vorschlag der CONTADORA-Gruppe über eine Einigung
bei entscheidenden Sicherheitsfragen erwogen werden.
Vor ernsthafte Verhandlungen g e s t e l l t , weigerte sich Nicaragua sogar,
den Vorschlag der CONTADORA-Gruppe auch nur i n Erwägung zu ziehen.

Wie-

derholte Versuche der v i e r CONTADORA-Mitglieder, die Nicaraguaner umzustimmen, zeigten nur zu d e u t l i c h , daß die nicaraguanische Delegation sich
an klare Anweisungen aus Managua h i e l t .
Die Vereinigten Staaten unterstreichen erneut ihre u n g e t e i l t e Unterstützung einer

verifizierbaren

und umfassenden regionalen Lösung.

Ein

gestern v e r ö f f e n t l i c h t e s Kommunigue der CONTADORA-Gruppe z e i g t , daß Costa
Rica, El Salvador, Guatemala und Hbnduras erneut i h r e Verpflichtung bekräftigten,

zu einem regionalen Abkommen zu gelangen.

A l l e Staaten

in

Mittelamerika sind f ü r den Frieden dort v e r a n t w o r t l i c h , und Nicaragua hat
sich gerade dieser Verantwortung e n t l e d i g t .
Wir fordern die Regierung von Nicaragua a u f , sich dem Friedensprozeß
ieder

anzuschließen, wie i h n der

von den CONTADORA-Staaten entworfene

Plan v o r s i e h t .

* * * * *

�26. Juni 1985

25

DER VERTRAG ÜBER DIE NICHT WUTERVERB^ITUNG VON KERNWAFFEN (NPT)
- Eine Wertung des amerikanischen AußenmLnisteriums -

WASHINGTON -

(AD) -

Das amerikanische AuGenministerium hat im Juni

1985 i n einem Hintergrundartikel

die Fiedeutung des Vertrages über

die

Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen - Non-F'roliferation Treaty oder NPT
- hervorgehoben.
Seit

dieser Vertrag im März 1970 i n Kraft getreten i s t , i s t er e i n

Eckpfeiler der Bemühungen der Vereinigten Staaten und anderer Länder, die
weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.

Jede amerikanische Ad-

m i n i s t r a t i o n hat a l l e s daran g e s e t z t , eine weltweite Einhaltung des Vertrages zu erreichen.

Kein Rüstungskontrollvertrag i s t von so v i e l e n Län-

dern - 125 - unterzeichnet worden wie der NPT.

Drei der Kernwaffenstaa-

ten - die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die UdSSR - sind M i t glieder des Vertrages; Frankreich und China gehören dem Vertrag nicht a n ,
obwohl Frankreich seine Bereitschaft bekundet h a t , sich so zu v e r h a l t e n ,
a l s ob es Signatarstaat wäre.

Der Vertrag

sieht

Postfach 20 03 00 Tel.: 0228-339 2035
D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�Der Vertrag sieht vor, daß alle fünf Jahre eine tlberprüfungskonferenz
abgehalten werden kann.

Zwei solche Konferenzen haben stattgefunden -

1975 und 1980 - und die dritte ist für September 1985 vorgesehen.

Wie

auf den bisherigen Konferenzen wird auch im herbst dieses Jahres Artikel
für Artikel des Vertrages auf seine Einhaltung überprüft werden.

Der

Nichtweiterverbreitungsvertrag

oder

auch

Atomsperrvertrag

hat

drei Hauptziele:

erstens, eine weitere Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern, was
die treibende Kraft für das Zustandekommen des NPT war;

zweitens, die friedliche nukleare Zusammenarbeit bei entsprechenden
Sicherheiten zu fördern; und

drittens, die Verhandlungen zur Beendigung des nuklearen Wettrüstens
im Sinne einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu fördern,
ein Ziel, das sich bei den multilateralen Verhandlungen über den Vertrag ergab.
Die Sachartikel des Vertrages sind sorgfältig formuliert worden, um
diesen Zielen zu dienen.

Nach den Bestimmungen des Vertrages sind Kernwaffenstaaten verpflichtet , keinen Nichtnuklearstaat bei dem Erwerb von nuklearen Sprengvorrichtungen zu unterstützen (Artikel I).

Umgekehrt sind alle Nichtnuklear-

staaten verpflichtet, auf die Herstellung oder den sonstigen Erwerb von
Kernwaffen zu verzichten (Artikel II).

Der

Vertrag

sieht

vor, daß die

Internationale

Atomenergiebehörde

(IAEA) internationale Sicherheitsvorkehrungen, einschließlich Inspektionen vor Ort, trifft, um sicherzustellen, daß spaltbares Material in den
Nichtnuklearstaaten
III).

nur für friedliche Zwecke verwendet wird

(Artikel

In diesem Artikel werden die Signatarstaaten ferner verpflichtet,

bei nuklearem Material und bestimmtem Gerät, das in Nichtnuklearstaaten

�i n Nichtnuklearstaaten e x p o r t i e r t
mungen zu bestehen.

w i r d , auf den

IAEA-Sicherheitsbestim-

Das System der Sicherheitsbestimmungen

trägt

zur

Überprüfung der Einhaltung bei und i s t darauf angelegt, eine Abzweigung
von spaltbarem M a t e r i a l von f r i e d l i c h e n Zwecken zur Waffenherstellung zu
entdecken und zu verhindern.
I n A r t i k e l IV wird das Recht der Signatarstaaten anerkannt, Kernenergie f ü r f r i e d l i c h e Zwecke zu entwickeln, und es wird weitestgehender Austausch von Gerät, M a t e r i a l i e n und Informationen für die f r i e d l i c h e
zung der Kernenergie gefordert.

Nut-

Die Signatarstaaten s o l l e n auch Zugang

zu a l l e n V o r t e i l e n der f r i e d l i c h e n Anwendung von nuklearen Sprengkörpern
haben ( A r t i k e l V).
A r t i k e l VI l e g t a l l e n Signatarstaaten a u f , i n gutem Glauben Verhandlungen über wirksame Maßnahmen zur Beendigung des nuklearen

Wettrüstens

mit dem Endziel einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu führen.
Der Vertrag verkörpert eine allgemein u n t e r s t ü t z t e Norm der Nichtweiterverbreitung.

Die ö f f e n t l i c h e Meinung der Walt i s t i n steigendem Maße

zu der Auffassung gelangt, den Erwerb von nuklearen Sprengkörpern a l s unrechtmäßig und eine Walt mit so vielen Kernwaffen a l s unerwünscht zu betrachten.
Die Vorbereitungen

für

die Uberprüfungskonferenz

laufen.

Im A p r i l

und Oktober 1984 und im A p r i l 1985 fanden Sitzungen des Vorbereitungsausschusses s t a t t .

Auf diesen Sitzungen wurden hauptsächlich Verfahrensfra-

gen behandelt, wie etwa die v o r l ä u f i g e Tagesordnung, Organisation der A r b e i t und Konferenzdaten.
Von Seiten der Vereinigten Staaten laufen die Vorbereitungen schon
s e i t über zwei Jahren.

Dazu gehören ausführliche Konsultationen mit u n -

seren Verbündeten, mit

neutralen und b l o c k f r e i e n Ländern sowie mit

UdSSR und deren Verbündeten.

Bei diesen Konsultationen haben die V e r e i -

nigten Staaten ihre Bereitschaft
des Vertrages zu sprechen.

der

zu erkennen gegeben, über a l l e

Artikel

Sie haben den wichtigen Beitrag hervorgeho- 3 -

�Beitrag hervorgehoben, den der Vertrag zum Weltfrieden und zur i n t e r n a t i o n a l e n Sicherheit
gebracht,

daß die

leistet.
Konferenz

Und sie
diese

haben die

entscheidend

hbffnung zum Ausdruck
wichtigen

Rüstungskon-

trollabkommen b e s t ä t i g t und b e k r ä f t i g t und zu einer noch s t r i k t e r e n E i n haltung des Vertrages

führen w i r d .

Die Vereinigten Staaten haben i h r e

eigenen Anstrengungen zur Förderung einer noch s t r i k t e r e n Einhaltung vers t ä r k t und auf diplomatischem Wage dafür geworben, daß noch mehr Staaten
dem Vertrag b e i t r e t e n .

Um was geht es bei

der Uberprüfungskonferenz?

Die Debatte

dürfte

sich hauptsächlich auf die Zusammenarbeit bei der f r i e d l i c h e n Nutzung der
Kernenergie ( A r t i k e l IV) und auf die Bemühungen zur Beendigung des nuklearen

Wettrüstens

(Artikel

VI)

konzentrieren.

Die

Vereinigten

Staaten

können i h r e f r i e d l i c h e nukleare Zusammenarbeit sehen lassen, aber sie bemühen sich dennoch w e i t e r , um diese Zusammenarbeit noch zu verbessern.
Präsident Reagan hat keinen Zweifel daran gelassen, daß einschneidende,
gerechte und v e r i f i z i e r b a r e Verringerungen der Kernwaffen höchste P r i o r i t ä t haben.

Wir h o f f e n , daß die neuen, im März 1985 i n Genf angelaufenen

Verhandlungen mit

der UdSSR uns a l l e dem l e t z t l i c h e n Z i e l

näherbringen

werden - nämlich der Abschaffung a l l e r Kernwaffen.
Wenn wir i n die Zukunft b l i c k e n , dann i s t und b l e i b t der Nichtweiterverbreitungsvertrag
Walt.

von

lebenswichtiger

Bedeutung

für

eine

sicherere

Der E r f o l g der Uberprüfungskonferenz von 1985 wird von v i e l e n Fak-

toren abhängen, vor allem aber von der Einsicht der Signatarstaaten, daß
der

NPT wesentlich

trägt.

zur

internationalen

Sicherheit

und S t a b i l i t ä t

Eine Vtelt ohne NPT würde zu geringerer p o l i t i s c h e r

bei-

Zurückhaltung

und der Vteiterverbreitung von nuklearen Sprengkörpern, zu wachsenden r e gionalen Spannungen und wachsenden regionalen Argwohn sowie zu einer Senkung der Barrieren gegen den Erwerb von Kernwaffen führen und damit zu
einer

Gefährdung

des

internationalen

Friedens

Stabilität.

* * * * *

und der

internationalen

�26. Juni 1985

25

DIE NICARAGUA-HILFE IM US-KONGRESS
Kurzinformation zum Gesetzgebungsverfahren -

WASHINGTON - (AD) - Am 6. Juni 1985 nahm der amerikanische Senat e i nen Gesetzesentwurf a n , der die

Wiederaufnahme der amerikanischen

Hilfe

für a n t i s a n d i n i s t i s c h e Rebellen i n Nicaragua v o r s i e h t ; am 12. Juni f o l g t e
das Repräsentantenhaus mit einer eigenen Vorlage.

Aus diesem Anlaß wurde

i n Washington die nachstehende Kurzinformation v e r ö f f e n t l i c h t , i n der der
weitere Gang des Gesetzgebungsverfahrens beschrieben w i r d :
Die beiden voneinander abweichenden Gesetzesentwürfe des Repräsentantenhauses und des Senats zur n i c h t m i l i t ä r i s c h e n H i l f e für

antisandinist-

ische Rebellen i n Nicaragua müssen noch miteinander i n Einklang gebracht
werden.

Das diesbezügliche Verfahren i s t

angelaufen, aber es i s t

noch

nicht abzusehen, wann die Endvorlage f e r t i g g e s t e l l t sein wird und P r ä s i dent Reagan zur Unterzeichnung vorgelegt werden kann.

Der stellvertretende

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�Der s t e l l v e r t r e t e n d e Pressesprecher des Vteißen Hauses, Larry Speakes,
sagte, der Präsident könne das Gesetz, das die H i l f s l e i s t u n g e n b e i n h a l t e t , b i s zum 4 . J u l i unterzeichnen.

Bevor das Gesetzeswerk dem Präsiden-

ten z u g e l e i t e t werden kann, muß jedoch zunächst eine Reihe von S c h r i t t e n
im Kongreß abgeschlossen werden.
1 . Das Bewilligungsgesetz des Senats
Bevor e i n Vermittlungsausschuß

des Repräsentantenhauses und des Se-

nats ernannt werden kann, um die beiden voneinander abweichenden Gesetzesentwürfe

i n Einklang

zu bringen, muß der Senat das

Haushaltsgesetz

verabschieden, das die Senatsversion des Gesetzesentwurfs über H i l f e

für

die Rebellen e i n s c h l i e ß t .
Dieser Gesetzesentwurf des Senats, der n i c h t m i l i t ä r i s c h e H i l f e i n Höhe von 38 M i l l i o n e n b e i n h a l t e t , war ursprünglich T e i l des Gesetzes zur
A r b e i t des Außenministeriums, wurde aber am 13. Juni vom Bewilligungsausschuß

des Senats

i n e i n Nachtragshaushaltsgesetz

über

13,4

Milliarden

Dollar eingegliedert.
Das Repräsentantenhaus verabschiedete seine Version dieses Nachtragshaushaltsgesetzes am 12. J u n i ; am gleichen Tag stimmte es auch f ü r die
Eingliederung eines Gesetzesentwurfs über n i c h t m i l i t ä r i s c h e H i l f e f ü r Reb e l l e n i n Nicaragua i n Höhe von 27 M i l l i o n e n D o l l a r .
Das Haushaltsgesetz des Senats kann abgeändert werden, wenn es zur
Abstimmung ins Plenum geht.
2. Der Vermittlungsausschuß
Iftenn das Gesetz vom Senat angenommen worden i s t , wird e i n V e r m i t t lungsausschuß

des Repräsentantenhauses und des Senats ernannt, um eine

gemeinsame Kompromißfassung des Gesetzes zu entwerfen.

Diese Endfassung

muß sodann sowohl vom Repräsentantenhaus a l s auch vom Senat verabschiedet
werden.

I n diesem Stadium können Abänderungen eingebracht werden, aber

�werden, aber wenn sie angenommen werden, muß das Gesetz zurück in den
Vermittlungsausschuß.
3. Hauptfragen
Der

Unterschied

zwischen

den Gesetzesentwürfen

beider

Häuser

des

Kongresses, der im Vermittlungsausschuß &lt;im ehesten zu Auseindersetzungen
führen d ü r f t e , b e t r i f f t

die Rolle des Zentralamtes f ü r Nachrichten und

Abwehr (CIA) bei der Auszahlung der Hilf5geld5r.
ligt

Die Senatsversion

bil-

dem CIA eine solche Rolle z u , während das Repräsentantenhaus

dies

ausdrücklich untersagt.
Andere Unterschiede b e t r e f f e n die HEhe der Geldmittel und der Z e i t raum, über den hinweg sie zur Auszahlung kommen s o l l e n .

Die Senatsver-

sion sieht für das am 30. September endende Haushaltsjahr 1985 14 M i l l i o nen Dollar und f ü r das Haushaltsjahr 1986 24 M i l l i o n e n Dollar vor.
Fassung des Repräsentantenhauses sieht

dagegen 27 M i l l i o n e n D o l l a r

Die
vor,

die bis zum 3 1 . März 1986 i n d r e i 90-Tage-Intervallen ausgezahlt werden
sollen.
Die

Version des Repräsentantenhauses

Dollar a l s B e i h i l f e

sieit

außerdem zwei M i l l i o n e n

für die Durchführung eines von der CONTADORA-Gruppe

e r a r b e i t e t e n Friedensabkommens
Senats wird der Präsident

für

die

Region vor.

I n dem Gesetz des

l e d i g l i c h a u f g e f o r d e r t , die

CONTADORA-Initia-

t i v e zu unterstützen.
4. Die Verteilung der Hilfsgelder
Wenn das Gesetz e r s t einmal endgültig verabschiedet und unterzeichnet
worden i s t ,

wird es dem Präsidenten o b l i e g e n , darüber

zu entscheiden,

welche Widerstandsgruppen bedacht werden und wie schnell sie die

Hilfs-

gelder e r h a l t e n .
Bis zur Einstellung der H i l f e im Jahre 1984 war der G r o ß t e i l der M i t t e l an die Demokratischen S t r e i t k r ä f t e Nicaraguas (FDN) gegangen, die im

�die im N o r d t e i l des Landes operieren.

Eine Reihe von Senatoren und Abge-

ordneten des Repräsentantenhauses haben Präsident Reagan s c h r i f t l i c h

er-

sucht, einen T e i l der Hilfsgelder dem im Süden a k t i v e n Demokratisch-Revol u t i o n ä r e n Bündnis, einer Rebellengruppe unter der Führung Eden Pastoras,
zukommen zu lassen.

- 4 -

�Wi//en/chcift
und Technik
United States Information Service
Embassy of the United States of America

26. Juni 1985

25

"DISCOVERY" NACH SIEBEN TAGEN ZURÜCK
Erfolgreiches Laser-Experiment im Vteltraum - Neue Forschungen
zur Röntgenstrahlenastronomie -

-

(AD) - Der amerikanische Raumtransporter DISCOVERY kehrte am Nach-

mittag des 2A. Juni 1985 nach siebentägigem Flug um die Erde zurück und
landete planmäßig auf einer Bahn der Edwards A i r Force Base i n K a l i f o r nien.

Ein umfangreiches Arbeitsprogramm war bewältigt

- ausgeführt von

fünf amerikanischen, einem französischen und einem arabischen Astronauten.

Dem erten Muslim im Vteltraum, Prinz Sultan b i n Salman b i n Abdal

Aziz AI Saud, war P u b l i c i t y gewiß.

Der erfahrene und passionierte F l i e -

ger i s t e i n Neffe des Königs von Saudi Arabien.
zialist

Er war a l s Nutzlastspe-

dabei, um Experimente auszuführen und u.a. Aufnahmen von seiner

Heimat zur Erleichterung geologischer Untersuchungen zu machen.

Am 2. Flugtag (18. Juni) beobachtete er vom Flugdeck aus das Absetzen des r i e s i g e n N a c h r i c h t e n s a t e l l i t e n ARABSAT aus dem Nutzlastraum der
DISCOVERY, 45 Minuten später den Start des S a t e l l i t e n aus der Umlaufbahn

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�der Umlaufbahn i n 320 km Höhe für den Aufstieg zur geostationären Bahn 35
680 km über der Erdoberfläche.
Liga
zur

als

Relaisstation

Übertragung

für

ARABSAT dient den Staaten der Arabischen

Telefongespräche, zur Datenübermittlung und

von regionalen

und kommunalen Fernsehprogrammen.

Signale können f ü r den Gebrauch innerhalb der einzelnen Länder
werden, um p o l i t i s c h e
vermeiden.

Probleme unter

Die

kodiert

den arabischen Benutzerstaaten zu

Ein Schwestersatellit war b e r e i t s einige Monate zuvor von der

europäischen Trägerrakete ARIANE auf eine Umlaufbahn gebracht worden.
Schon am ersten Flugtag hatte die DISCOVERY-Besatzung einen Nachricht e n s a t e l l i t e n abgesetzt, der Eigentum der Regierung Mexikos i s t .

Er e r -

möglicht den Anschluß selbst der abgelegensten Regionen des Landes an die
modernen Ubertragungsmittel

der Fernmeldetechnik.

Für etwa e i n

Viertel

der mexikanischen Bevölkerung gab es bisher weder Fernsehen noch Zugang
zum Telefonnetz.
Am 19. Juni e r f o l g t e s c h l i e ß l i c h der S t a r t des d r i t t e n Nachrichtens a t e l l i t e n (TELSTAR D-3), der das Betriebsnetz des Fernmeldeunternehmens
"American Telephone and Telegraph Company" (At&amp;T) wesentlich
Er

wird

im inneramerikanischen

Dienst

sowie

Hawaii, Alaska und Puerto Rico eingesetzt.

für

die

erweitert.

Verbindungen

mit

Jeder der Auftraggeber

be-

zahlte an die NASA (US-Behörde f ü r L u f t - und Raumfahrt) eine S a t e l l i t e n Startgebühr von e l f M i l l i o n e n D o l l a r .
TELSTAR D-3 (Masse: 630 kg) i s t das d r i t t e Gerät einer neuen Generat i o n von Fernmeldesatelliten.
che a l s

Er vermag f a s t viermal mehr Telefongesprä-

die unmittelbaren Vorläufer

Vielseitigkeit

und Leistungsfähigkeit

gleichzeitig
des

zu ü b e r m i t t e l n .

neuen Gerätetyps

zeigt

Die
sich

auch i n der höheren Kapazität für Faksimile- und Datenschnellübertragung,
der Möglichkeit zur g l e i c h z e i t i g e n Abwicklung von Hunderten von Fernsehkonferenzen

und

zur

Übertragung

von bis

zu 24 Farbfernsehprogrammen.

TELSTAR D-Geräte sind mit verbesserten B a t t e r i e n sowie mit Festkörperverstärkern ausgerüstet.

Während die Lebensdauer der bisherigen Fernmelde-

s a t e l l i t e n ca. sieben Jahre b e t r u g , werden für die neue Generation zehn
Jahre angesetzt.

D-l wurde im Jahr 1983 mit einer DELTA-Raketen, D-2 im

�D-2 im August 1984 beim Jungfernflug der DISCOVERY von Bord des Raumtransporters a g e s t a r t e t .

Erfolgreiches LASER-Experiment
Wegen eines Programmierfehlers, durch den die DISCOVERY i n die

fal-

sche P o s i t i o n gebracht worden war, mußte das Laser-Experiment vom 19. Jun i am 2 1 . Juni wiederholt werden.
Insel

Mauri

im P a z i f i k

blaues

Dabei wurde von einer S t a t i o n auf der
Laser-Licht

geringer

Intensität

aufge-

s t r a h l t , um es von einem kleinen Spiegelsystem an einer Seitenluke
DISCOVERY r e f l e k t i e r e n

zu lassen.

der

Die Astronauten konnten beim ersten

Versuch das Laser-Licht von der Erdoberfläche gut ausmachen, jedoch wurde
wegen der falschen Position des Raumschiffs der Spiegel nicht g e t r o f f e n .
Der zweite Versuch zwei Tage später v e r l i e f dann zu a l l e r
Es s o l l t e

vor allem geklärt

werden, ob und inwieweit

Zufriedenheit.

ein

Laser-Strahl

beim Durchgang durch die Atmosphäre v e r z e r r t würde, was das genaue Anpeilen eines Objektes im Weltraum i n Frage s t e l l e n könnte.

Der computerge-

steuerte L a s e r - S t r a h l , am Ausgangsort Mauri nicht einmal
weitete sich zu einem scheinwerferähnlichen L i c h t k e g e l .
Bord der DISCOVERY erfaßte i h n und warf i h n zurück.

bleistiftdick,
Der Spiegel an

M i t H i l f e des Com-

putersystems i n der S t a t i o n Mauri wurde er dem Raumtransporter ca. eine
Minute lang präzise nachgeführt.

Es war das erste Wsltraumexperiment im Rahmen der Forschungen f ü r das
amerikanische SDI-Programm.. Die Meßdaten vom r e f l e k t i e r e n d e n S t r a h l geben den Wissenschaftlern u.a.

Hinweise darauf, ob mit stärkeren Laser-

Strahlen f e i n d l i c h e Flugobjekte genau genug angepeilt
sie zu zerstören.

werden können, um

Im Rahmen der Entwicklung eines leistungsfähigen Ver-

teidigungssystems wurde die NASA ersucht, ab 1987 bei j ä h r l i c h zwei Raumtransporterflügen SDI-Experimente ausführen zu lassen.

Flüssigkeitsmechanik
- 3 -

�Körper unvorstellbar hoher Dichte b i l d e t .

Röntgenstrahlung von Gasen der

Umgebung könnte e i n Hinweis auf seine Existenz s e i n .
DISCOVERY hatte SPARTAN, einen 1000 kg schweren Forschungssatelliten,
an Bord, der mit Teleskopen und empfindlichen Zählgeräten zur Messung der
I n t e n s i t ä t von Röntgenstrahlung ausgerüstet war.
ausgesetzt

und dann wieder

eingeholt,

Er wurde für 45 Stunden

was die Astronautin Dr.

Shannon

Lucid mit H i l f e des 15 m langen Greifarms besorgte. SPARTAN r i c h t e t e s e i ne Teleskope zum S t e r n b i l d Perseus, so Galaxienhaufen a l s Emissionsquellen von Röntgenstrahlung aus sehr heißen Gasen ausfindig gemacht worden
waren.

Die Instrumente tasteten i n diesem Bereich das Firmament a b , r e -

konstruierten

ein

zweidimensionales

Bild

von der

Röntgenlicht-Emission

und sammelten Daten über die Gastemperaturen i n den Galaxienhaufen.
die

intensive

Strahlung

aus

dem Zentrum

unserer

Milchstraße,

Lichtjahre von der Erde e n t f e r n t , s o l l t e beobachtet werden.

Auch

30 000

Die Auswer-

tung der Aufzeichnungen könnte dazu b e i t r a g e n , Theorien der Astronphysik
zur Entwicklung von Glaxienhaufen und zu Energie- und Materieumsetzungen
im Zentrum einer Galaxie wie dem unserer Milchstraße zu untermauern.

- 5 -

�26. Juni 1985

25

NOCH GEFÄHRLICHER ALS HEROIN
- Eindringliche Warnung vor dem Rauschgift Kokain US-Delegation i n Bonn -

-

(AD)- A l l e

Nationen müßten sich

darauf

e i n s t e l l e n , beim ersten

Auftreten eines Rauschgiftproblems mit dein Gefahren einer S u c h t s t o f f e p i demie k o n f r o n t i e r t
sich selbst

zu werden.

Denn die Erfahrung habe g e z e i g t , daß es

i n einer Gesellschaft,

die bislang von

Rauschgiftproblemen

nicht berührt wurde, mit unglaublicher Geschwindigkeit zur Seuche entwikkelt.

Mit dieser e i n d r i n g l i c h e n

Warnung s k i z z i e r t e Dr. Manuel Gallardo

vom i n t e r n a t i o n a l e n S u c h t s t o f f r e f e r a t

im amerikanischen Außenministerium

die Konzequenzen eines p l ö t z l i c h e n Ausbruches von Drogenmißbrauch.

Neben

den Belastungen i n medizinischer und sozialer H i n s i c h t , die Drogenabhäng i g k e i t mit sich b r i n g e , seien v e r b r e i t e t e Anwendung von Gewalt, Korruption,

politische

und w i r t s c h a f t l i c h e

Instabilität

sowie Aushöhlung der

sozialen Strukturen eines Landes unweigerliche Folgen.

Gallardo , von Hause aus k l i n i s c h e r Psychologe, befaßt sich s e i t mehr
a l s 20 Jahren mit Drogenmißbrauch und i s t s e i t sechs Jahren f ü r das State

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D 5300 Bonn 2
Telex: 8-85432

�das State Department tätig.

Seine Bemühungen gelten vor allem der Ein-

dämmung des Verlangens nach Suchtstoffen.

So studierte und untersuchte

er an Ort und Stelle, wie sich Ausbrüche von Kokain- und Heroinmißbrauch
überhaupt entwickeln.

Nach Gallardos Meinung sind mangelnde Kenntnis und mangelndes Verständnis für die Auswirkungen von Drogenmißbrauch, die schließlich zu
erwarten sind, Hauptfaktoren im Hintergrund solcher Epidemien.

Das gelte

heute vor allem für Nationen, die zu Anbauländern für Suchtstoffpflanzen
geworden sind.

Die Pflanzen werden meist von armen Bauern angebaut, die

nun plötzlich entdecken, daß sie mit ihrem Erntegut schnell und leicht zu
Geld kommen können.

Ähnlich sei es mit den Verbindungsleuten zum Handel

und mit korrupten Polizei- und Regierungsbeamten.
von ihren Verbindungen zur Drogenszene.

Auch sie profitieren

"Persönliche Beweggründe, auf

die sich die Leute bei der Beteiligung an illegalen Handlungen berufen,
lassen sich immer irgendwie rechtfertigen", sagt Dr. Gallardo.

An das

Opfer denke niemand - es ist "irgendwo da draußen, weit weg, unbekannt".
Fast noch stärker ausgeprägt sei das Bestreben, gegenüber den schlimmen
Auswirkungen nicht nur den Kopf in den Sand zu stecken, sondern von ihnen
auch nach entsprechenden Informationen nichts wissen zu wollen.

Der in solchen Ländern zunächst verhältnismäßig ruhige Zustand ist
meist nich von langer Dauer.

Die 'Drogendynamik" vermag auch in den Ur-

sprungsländern wie in jeder anderen Nation sehr rasch Veränderungen herbeizuführen.

Bei den modernen Suchtstoffen könne nach Meinung von Dr.

Gallardo ohnehin angenommen werden, daß der eine oder andere Teilbereich
des Problems außer Kontrolle gerate. Das beste Beispiel dafür, wie mäßiger Drogenkonsum eskalieren und epidemieartige Ausmaße annehmen könne,
seien die Länder in der Andenregion Südamerikas, wo der Kokastrauch angebaut werde.

Schon vor Jahren habe man diese Staaten darauf hingewiesen,

daß sich aus der Kokaproduktion, wenn sie weiterhin unkontrolliert bleibe, mit der Zeit viele Probleme ergeben würden,

jedoch hätten viele Fak-

toren jegliche Gegenmaßnahmen zu einem frühen Zeitpunkt verhindert.

Heu-

te sei die Region von einer ganzen Reihe von Problemen bedroht, die alle
mit Drogen zusammenhängen.
Zu

den

Konsequenzen

�Zu den Konsequenzen der Tatsache, daß i n den Andenländern 100 000 b i s
200 000 stark Kokainsüchtige leben, zählen Gallardo zufolge massive Korr u p t i o n , die die Gesellschaft aushöhlt, Bestechung zum "Kauf" der ö f f e n t l i c h e n Meinung und der p o l i t i s c h e n Repräsentation, Gewaltverbrechen mit
Drogenhintergrund und, verursacht durch den immensen Geldfluß im Drogenhandel, mögliche p o l i t i s c h e D e s t a b i l i s i e r u n g .

"Wer hätte angenommen, daß

südamerikanische Präsidenten zu der Erkenntnis kämen, daß Drogen zu einer
überragenden
Gallardo.

Gefahr

für

das

Vtohlergehen

der

Region

führen?",

fragt

"Vter hätte geglaubt, daß Richter und selbst der J u s t i z m i n i s t e r

von Kolumbien von Händlern ermordert würden oder daß Bauern, die Drogenpflanzen anbauen, die p o l i t i s c h e n Systeme Südamerikas bedrohen könnten?"
Manche Nationen, unter ihnen besonders Kolumbien, haben die Gefahren e r kannt und handelten überaus z i e l s t r e b i g verantwortungsbewußt.

Sie s t e l l -

ten sich dem Problem, anstatt es übersehen oder wegdiskutieren zu wollen.
Gallardo

zufolge

ist

jedoch Südamerika nicht

die einzige von einer

sich ständig verstärkenden Drogenepidemie bedrohte Region.

Auch i n Pa-

k i s t a n , Jamaika und Großbritannien nehme Drogenmißbrauch i n erschreckender

Weise zu.

Während Haschisch-Konsum bei einem kleinen T e i l der pa-

kistanischen Bevölkerungskreise von jeher ü b l i c h war, sehe sich das Land
j e t z t einem explosionsartigen Anwachsen der Heroinsucht gegenüber.

Denn

der dort angebaute Schlafmohn werde nunmehr auch i n den Inlandsmarkt geschleust.
Ähnlich sei i n Jamaika Marihuana aus den dort w i l d wachsenden P f l a n zen lange Zeit nur für gewisse medizinische oder r e l i g i ö s e Zwecke verwendet worden.

In den l e t z t e n Jahren jedoch wurden i n Jamaika immer weitere

Kreise der M i t t e l s c h i c h t vom Drogenkonsum erfaßt - und dies nicht nur im
Zusammenhang mit Marihuana.
b e r i c h t e t Gallardo.

Vor allem die Kokainsucht

"Psychiater, die während v i e l e r

nehme stark

Jahre i h r e r

zu,

Praxis

nie Leute mit Kokain-Problemen zu sehen bekamen, haben j e t z t Dutzende und
Aberdutzende

von Patienten

mit

Kokainabhängigkeit."

Besonders

seien die Auswirkungen der i n Zigaretten eingedrehten, nicht

schlimm

gereinigten

Kokapaste.

Großbritannien g l a u b t e ,
- 3 -

�Großbritannien glaubte, die Heroinsucht unter Kontrolle zu haben,
sagt Gallardo.

Jetzt aber werde Heroin von jungen Menschen neu entdeckt.

Die Beteiligung der Mafia am Heroinhandel habe auch in Italien einen
Markt für dieses Rauschgift geschaffen.
viele Heroinsüchtige.
gekommen.

Inzwischen gebe es dort sehr

Zu einer ähnlichen Entwicklung sei es in Malaysia

Im Lande selbst werde weder Schlafmohn angebaut, noch sei frü-

her Opium gewohnheitsmäßig konsumiert worden.

Aber die Händlerringe be-

nutzten Malaysia als Durchgangsland und ließen Heroin für den Inlandsgebrauch "aussickern".
inabhängigen.

Jetzt habe Malaysia eine erhebliche Zahl von Hero-

Und das unvermeidliche Aussickern von Drogen konfrontiere

z.B. Nachbarländer der kokainproduzierenden Region Südamerikas, insbesondere die Nachbarländer Brasilien, Argentinien und Venezuela, mit der Gefahr einer Kokainepidemie.

Kokain - eine Todesdroge

Von einer Kokainepidemie ist nach Meinung Gallardos und zahlreicher
anderer amerikanischer Experten vor allem Europa bedroht.

Die Schmuggel-

strategie der Händler ziele auf diese Region, weil sie sich hier einen
ausbaufähigen Markt erwarteten.

Ähnliche Befürchtungen äußerten auch die

Mitglieder einer amerikanischen Delegation, die sich in London, Bonn und
Rom derzeit um verstärkte internationale Zusammenarbeit in der Rauschgiftbekämpfung

bemüht.

Suchtstoffreferaten

Die Delegation setzt sich aus Vertretern von

im amerikanischen Aißenministerium, des amerikani-

schen Amtes für geistige Gesundheit, Alkohol- und Drogenmißbrauch, der
amerikanischen Behörde für Suchtstoffbekämpfung
Organisationen zusammen.

(DEA) und von privaten

Sie alle suchen nach Mitteln und Wegen, die

Programme der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zur Drogenbekämpfung wirksamer zu gestalten.

Kokain gilt heute in den USA als ein überaus gefährliches Rauschgift,
das immer "hungriger" nach dem Suchtstoff mache. Dr. John McDonald, Arzt
und Leiter des amerikanischen Amtes für geistige Gesundheit, Alkohol- und
Drogenmißbrauch, berichtete in Bonn über seine Erfahrungen mit Patienten,
- 4 -

�mit Patienten, die marihuana- und kokainabhängig sind.

Kokain löse u.a.

Psychosen aus und beeinträchtige die Funktionen des zentralen Nervensystems.

Es wirke auf jene Gehirnpartien, die auch das Hunger- und Durst-

empfinden steuern.

So sei zu erklären, daß das Verlangen nach Kokain,

das bei Anfängern zunächst Euphorie und scheinbare Leistungssteigerung,
dann aber Depresionen erzeuge, im gewohnheitsmäßigen Gebrauch immer intensiver werde und sich zu einer Sucht steigere, von der loszukommen nur
wenigen gelingt.

Ihre verheerenden gesundheitlichen und die Persönlich-

keit zerstörenden Auswirkungen machten sich erst nach zwei bis drei Jahren bemerkbar - und dann sei es meistens schon zu spät, um wirksam gegen
die Schädigungen angehen zu können.

Delegationsmitglied Ann Wrobleski, Stellvertretende Unterstaatssekretärin im amerikanischen Außenministerium, verwies darauf, daß in Südamerika enorme Mengen von Kokain produziert würden - weitaus mehr, als z.B.
der amerikanische Markt aufnehmen könne.

So werde jetzt Europa mehr und

mehr mit dem Rauschgift überschwemmt. Experten schätzen, sagte Jon Thomas
vom amerikanischen Außenministerium, daß im Jahr 1985 in Osteuropa mit
einem Konsum von 20 Tonnen zu rechnen sei.

In den Vereinigten Staaten

werden z.Zt. im Jahr ca. 60 Tonnen Kokain abgesetzt.

Man könne anneh-

men, daß zehn Tonnen des Rauschgiftes eine Million Menschen kokainabhängig machen.

Wie Frau Wrobleski berichtete, probierten in den USA täglich

5000 Menschen Kokain zum ersten Mal.

Kokain sei heute keineswegs mehr

ein Problem in reichen Familien, sondern sei zu einem "alarmierenden"
Problem des Mittelstandes geworden.

Auch handle es sich längst nicht

mehr um ein "amerikanisches" Problem.

Andere Teile der Welt würden eben-

falls immer stärker davon betroffen, insbesondere Europa, wie schon aus
den beschlagnahmten Mengen bei westeuropäischen Zoll- und Polizeibehörden
erkennbar sei.

Wenn ein Land verhindern wolle, daß Suchtstoffe an Boden gewinnen und
Rauschgiftkonsum zur Epidemie wird, müsse es äußerst aggressiv die Drogensituation überwachen und ständig von neuem analysieren, meinen die
amerikanischen Experten.

Niemand und kein Staat könne es sich leisten,

die Zügel schleifen zu lassen - auch wenn gegenwärtig keine Gefahr zu

�Gefahr zu drohen scheine.
dikal ändern.

Die Situation könne sich sehr schnell und ra-

Von größter Bedeutung sei jedenfalls auch das Aufspüren

der Geldströme aus dem Drogengeschäft und die Beschlagnahme der teilweise
sogar über renommierte Bankinstitute transferierten Gelder.

Dies sei ei-

ner der Punkte, an dem die Drogenbekämpfung wirksam ansetzen könne - allerdings erfordere dies enge und engagierte internationale Zusammenarbeit.

* * * * *

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