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dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

20.Januar 1994

3

AUSSENPOLITIK

USA MÜSSEN SICH WEITERHIN IN DER
WELTPOLITIK ENGAGIEREN
Radioansprache des Präsidenten

USA ENGAGIEREN SICH FÜR REFORMEN
IN DEN VISEGRAD-STAATEN
Präsident Clinton trifft führende
Politiker dieser Länder

CLINTON UND JELZIN ERÖRTERN
INTEGRIERTE ZUKUNFT EUROPAS
Umfassende Beziehungen angestrebt

CLINTON UND JELZIN BEKRÄFTIGEN
BEDEUTUNG IHRER ZUSAMMENARBEIT
Die Moskau-Deklaration

UKRAINE, RUSSLAND UND USA
VEREINBAREN TRANSFER NUKLEARER
GEFECHTSKÖPFE
Wortlaut des trilateralen Abkommens

RUSSLANDHILFE

HILFE DER USA AN RUSSLAND
Übersicht des Außenministeriums

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax: 0228 -33 41 02

�NAHER OSTEN

CLINTON UND ASSAD FORDERN
"FRIEDEN DER MUTIGEN"
Syrien strebt normale Beziehungen
zu Israel an

USIA

KEMBLE ERÖFFNET
BUSINESS INFORMATION CENTER
Ansprache im Amerika Haus Frankfurt

PORTRAT

PENN KEMBLE SIEHT FORDERUNG DER
DEMOKRATIE IM AUSLAND ALS
HAUPTAUFGABE
Porträt des Stellvertretenden
USIA-Direktors

AIDS

DIE WAHRHEIT ÜBER AIDS
von Robert Stewart

•

�AUSSENPOLITIK
19. Januar 1994

USA MÜSSEN SICH WEITERHIN IN DER
WELTPOLITIK ENGAGIEREN
Radioansprache des Präsidenten
MOSKAU- (AD) - In seiner wöchentlichen Radioansprache, die dieses Mal aus dem Kreml übertragen wurde,
erklärte Präsident Clinton, die Vereinigten Staaten müßten sich "weiterhin in der Weltpolitik engagieren",
unabhängig von der Bewältigung der innenpolitischen Probleme. Der Präsident fügte hinzu, Engagement und
Führungsstärke der Vereinigten Staaten seien "der einzige Weg, weltweites Wirtschaftswachstum und die
Öffnung ausländischer Märkte anzukurbeln ... und die kleinen Probleme von heute vor einer Eskalation in
gefährliche Krisen von morgen zu bewahren".
In seiner nachfolgend im Wortlaut veröffentlichten Rede zog Präsident Clinton Bilanz der Aktivitäten und
Leistungen seiner Europareise.

Guten Morgen. Ich spreche heute zu Ihnen aus
Moskau, wo ich eine Reihe von Gesprächen mit Präsident Boris Jelzin und anderen russischen Reformkräften abschließe. Mein Besuch hier markiert das
Ende einer Woche von Treffen in Europa, die eine
Verbesserung der Sicherheit und des Wohlstands der
Vereinigten Staaten zum Ziel haben, indem wir auf ein
stärker geeintes Europa durch gemeinsame demokratische Werte und Institutionen, freie Marktwirtschaften
und Kooperation bei der Verteidigung hinarbeiten.

Heute steht Europa an einem entscheidenden Augenblick der Geschichte - der Kalte Krieg ist vorüber.
Westeuropa fürchtet nicht länger eine Invasion. Und
wir leben nicht mehr unter dem Schatten der nuklearen
Vernichtung. Die Sowjetunion ist zu einem Dutzend
neuer unabhängiger und im großen und ganzen demokratischer Staaten von Zentralasien bis zu den baltischen Ländern geworden.

Trotz dieser Fortschritte zur Freiheit müssen wir jedoch noch immer mit unseren transatlantischen PartTrotz der uns im Inland konfrontierenden Herausforde- nern am Aufbau einer neuen Sicherheit arbeiten.
rungen von der Gesundheitsreform über die Verbre- Zahlreiche Nationen des ehemaligen Sowjetblocks
chensbekämpfung bis zur Umschulung unserer Ar- kämpfen mit wirtschaftlichen Härten, die ihre neuen
beitskräfte und Schaffung von mehr Arbeitsplätzen Demokratien bedrohen könnten. In vielen dieser Länder
müssen wir uns weiterhin in der Weltpolitik engagie- schüren militante Nationalisten das Feuer althergeren. Dies ist der einzige Weg, weltweites Wirtschafts- brachten, ethnischen und religiösen Hasses. Und wir
wachstum und die Öffnung ausländischer Märkte müssen immer noch die Arbeit beenden, die nuklearen
anzukurbeln, damit wir unsere Exporte aufstocken und Arsenale des Kalten Krieges abzubauen. Wir können
neue Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten schaf- es uns nicht leisten, diese Herausforderungen zu
fen können. Darüber hinaus müssen wir bei internatio- ignorieren.
nalen Angelegenheiten eine Führungsrolle zum Schutz
unserer Nation übernehmen und die kleinen Probleme Unser Land versuchte, Europa nach dem Zweiten
von heute vor einer Eskalation in gefährliche Krisen Weltkrieg den Rücken zu kehren. Das Ergebnis waren
eine weltweite Depression, der Aufstieg des Faschisvon morgen bewahren.
mus und ein weiterer Weltkrieg. Nach dem Zweiten
Kein Teil der Wert ist wichtiger für uns als Europa. Weltkrieg handelten wir klüger. Wir haben uns entUnsere Völker haben in diesem Jahrhundert zwei schlossen gegen die kommunistische Expansion gestellt.
Weltkriege zum Schutz der europäischen Demokra- Wir gründeten die NATO. Wir schufen neue Institutiotien geführt. Heute ist Europa nach wie vor das nen zur Erweiterung des Welthandels. Wir trugen
Kernstück unserer Sicherheit und außerdem unser dazu bei, die kriegführenden Länder in Europa zu
wertvollster Partner bei Handel und Investitionen.
verläßlichen Verbündeten zu machen. Das Ergebnis
AMERIKA DIENST 3

Seite 1

�war eine Zeit von Frieden und Wohlstand, die in der
Geschichte ihresgleichen sucht.

dort verblieben waren. Die meisten dieser Gefechtsköpfe sind auf die Vereinigten Staaten gerichtet. Und
ihr Abbau wird die Sicherheit für uns alle erhöhen, nicht
Ein Schlüssel zu unserer neuen Sicherheit besteht nur aufgrund der Vermeidung von nuklearen Katastrodarin, den ehemals kommunistischen Staaten Euro- phen, sondern auch der Vereitelung von nuklearem
pas beim Aufbau demokratischer Regierungen, markt- Terrorismus.
wirtschaftlicher Systeme und friedlicher Streitkräfte
behilflich zu sein. Unsere beste Investition in die Und jetzt bin ich in Moskau - es ist kalt, aber unsere
Sicherheit ist heute die Unterstützung dieser Praktik Arbeit hat uns eine neue Jahreszeit der Partnerschaft
der Freiheit in der östlichen Hälfte Europas in Ländern beschert, eine erwärmende Partnerschaft mit den
wie Polen, der Ukraine und Rußland. Das war das russischen Reformern. Präsident Jelzin und ich haben
oberste Ziel meiner Reise.
eine Reihe von Abkommen über die Erweiterung unserer
Handelsbeziehungen, den Schutz der MenschenrechIn Brüssel habe ich mit den europäischen Staats- und te und die Verringerung der Bedrohung durch nukleare
Regierungschefs über Wege zur Stärkung all unserer Katastrophen oder die Weiterverbreitung erzielt.
Nationen durch die Intensivierung von Handel und
Investitionen gesprochen. Ich habe auch an dem Zu den schönsten Erfahrungen hier in Moskau zählt
Gipfeltreffen über die Anpassung der NATO - des die Begegnung mit den russischen Zuhörern - viele von
größten Militärbündnisses der Geschichte - an dieses ihnen junge Menschen. In vielfältiger Hinsicht erinnerneue Zeitalter teilgenommen. Unsere NATO-Partner ten mich ihre Sorgen an die von unseren Jugendlichen
haben meinen Vorschlag einer Partnerschaft für Frie- zum Ausdruck gebrachten, insbesondere als sie über
den angenommen - einer Partnerschaft, die die östli- ihre Ausbildung und ihre Karriere, ihre Hoffnungen und
chen Nationen der NATO zur Beteiligung an der militä- Ängste vor der Zukunft sprachen. Ihre Bemerkungen
rischen Kooperation mit den NATO-Streitkräften ein- vermittelten jedoch auch den Eindruok, daß ihre Hofflädt.
nungen auf ein neues Rußland - ein stolzes und freies
Rußland - trotz aller heutigen Probleme diese Ängste
In Prag bin ich mit den Staats- und Regierungschefs überwiegen. Ich habe versucht, sie davon zu überzeuder Tschechischen Republik, Polens, Ungarns und der gen, daß der friedliche Übergang ihres Landes zu einer
Slowakei zusammengetroffen. Diese Länder standen offeneren Gesellschaft nicht nur für sie, sondern auch
an vorderster Front beim Zusammenbruch des Kom- für die übrige Welt wichtig ist. Und ich habe sie
munismus und der Wiedergeburt der Freiheit. Als ich gedrängt, auf dem Kurs der wirtschaftlichen und polimit so berühmten demokratischen Helden wie dem tischen Reformen zu bleiben.
polnischen Präsidenten Lech Walesa und dem Präsidenten der Tschechischen Republik, Vaclav Havel, Letztlich ist die nächste Generation das Kernstück
Gespräche führte, habe ich ihnen versichert, daß die dieser gesamten Reise - die jungen Menschen in
Sicherheit ihrer Länder wichtig für unsere eigene Si- Amerika, in Europa und der übrigen Welt. Es sind die
cherheit ist und neue Wege zum Erfolg ihrer Wirt- Art von Bestrebungen, die wir in dieser Woche unterschaftsreformen aufgezeigt.
nehmen, die Demokratie verbessern, militärische
Kooperation statt Konflikt und offenere Märkte mit
Danach bin ich nach Kiew in der Ukraine geflogen. Ich mehr Arbeitsplätzen für unsere und andere Menschen
traf mit dem ukrainischen Präsidenten Krawtschuk bieten. Das sind die Dinge, die die Zukunft unserer
zusammen, um ein Abkommen über die Beseitigung Jugendlichen vielversprechender, wohlhabender und
von über 1.800 nuklearen Gefechtsköpfen festzu- sicherer machen.
schreiben, die beim Zusammenbruch der Sowjetunion

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AMERIKA DIENST 3

�AUSSENPOLITIK
19. Januar 1994

USA ENGAGIEREN SICH FÜR REFORMEN
IN DEN VISEGRAD-STAATEN
Präsident Clinton trifft führende Politiker dieser Länder
PRAG - (AD) - Die Vereinigten Staaten "engagieren
sich" für eine Unterstützung der Visegrad-Länder bei
deren fortgesetztem Streben nach "friedlichen Reformen und Erneuerung", erklärte Präsident Clinton am
12. Januar 1994.
Dieses Engagement ist dem Präsidenten zufolge auf
"mehr" zurückzuführen "als lediglich unsere gemeinsamen Werte und unsere Bewunderung für Ihre Anstrengungen. Es leitet sich auch aus unseren eigenen
Sicherheitsbelangen ab. Ich möchte mich ganz klar
ausdrücken: Die Sicherheit Ihrer Länder ist für die
Sicherheit der Vereinigten Staaten von Bedeutung."
Clinton führte in Prag am 11. und 12. Januar Einzelgespräche mit den führenden Politikern der vier Visegrad-Staaten und traf sich zum Abschluß am 12.
Januar mittags mit ihnen zu einem Arbeitsessen. Die
Gruppe, die ihren Namen von einer ungarischen Stadt
übernommen hat, in der sich die vier Nationen einigten,
Konsultationen zu gemeinsamen Anliegen abzuhalten, war vertreten durch Präsident Vaclav Havel und
Ministerpräsident Vaclav Klaus für Tschechien, Präsident Lech Walesa und Ministerpräsident Waldemar
Pawlak für Polen, Präsident Michal Kovac und Ministerpräsident Vladimir Meciar für die Slowakei sowie
Präsident Arpad Göncz und Ministerpräsident Peter
Boross für Ungarn.
Bei einer dem Mittagessen folgenden Pressekonferenz wies Präsident Clinton Kritik an dem Programm
Partnerschaft für Frieden von Seiten derjenigen zurück, die eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO für
zahlreiche Nationen Mittel- und Osteuropas forderten.
Es sei "unfair" zu argumentieren, die NATO begehe
durch die Annahme der Partnerschaft für Frieden
einen Fehler. "Die Behauptung, die 16 NATO-Mitgliedstaaten begingen einen Fehler, weil sie nicht einigen
ausgewählten Ländern Europaseine sofortige Sicherheitsgarantie ausstellten, ohne irgendwelche Kenntnisse darüber zu haben, ob die aus einer NATOMitgliedschaft resultierenden Verpflichtungen erfüllt

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werden können, ist meines Erachtens dem Bündnis
gegenüber unfair."
Aufgrund seiner Gespräche mit den Staats- und Regierungschefs der Visegrad-Staaten und anhand anderer
Daten sei er zu der Erkenntnis gelangt, daß vom Osten
keine "unmittelbare" Bedrohung ausgehe. Die vier
Nationen "hegen den großen Wunsch, in wirtschaftlicher, sozialer, politischer sowie militärischer Hinsicht
Teil Europas und des westlichen Bündnisses zu sein".
Der Präsident räumte jedoch ein, es gebe immer
Bedenken, daß zu einem späteren Zeitpunkt "die
dunklere Seite der Vergangenheit" wiederholt werden
könnte, als die ehemalige Sowjetunion viele osteuropäische Nationen besetzte.
Ihm zufolge besteht die Lösung darin, "diese Nationen
zu erfassen und ihre Sicherheit auf eine Weise zu
verbessern, die auch anderen Ländern eine Erhöhung
ihrer Sicherheit durch eine Partnerschaft mit uns erlaubt".
Clinton erklärte, er sei nach Europa gereist, um die
Parameter einer "neuen Sicherheit" zu umreißen, die
auf der Integration des Kontinents, nicht seinerTeilung
basierten. "Während des Kalten Krieges", so der
Präsident, "wurde die Sicherheit des westlichen Bündnisses durch die Teilung Europas" in einen kommunistischen Block und die Demokratien des Westens
definiert. "Unsere neue Sicherheit muß durch die
europäische Integration definiert sein, die Integration
eines umfassenderen Europa auf der Grundlage militärischer Zusammenarbeit, gefestigter Demokratien
und marktwirtschaftlicher Systeme", betonte er.
Die Partnerschaft für Frieden bedeute zwar noch keine
Mitgliedschaft in der NATO, sei aber auch kein "Wartesaal auf Dauer". Sie verändere die gesamte Diskussion innerhalb der NATO, so daß die Frage jetzt nicht
länger laute, ob das Bündnis neue Mitglieder aufnehmen werde, sondern vielmehr wann und wie. Sie lasse
die Tür für das beste Ergebnis für unsere Region offen.
Das beste Ergebnis wäre nach Meinung des Präsiden-

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�ten ein Europa - Rußland und die anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion eingeschlossen das ausnahmslos aus demokratischen Regierungen
und Marktwirtschaften bestehe.
Clinton erklärte, er habe den Staats- und Regierungschefs der Visegrad-Staaten mitgeteilt, die Vereinigten
Staaten verfügten über drei Möglichkeiten zur Unterstützung ihrer weiteren Erneuerung und Sicherheit und damit der demokratischen Integration Europas.
Zusätzlich zu der Partnerschaft für Frieden sei Washington zur "Festigung der demokratischen und
marktwirtschaftlichen Reformen" in den VisegradStaaten bereit, indem die amerikanischen Programme
"mehr Betonung auf Hilfe für diese Region bei der
Milderung der Auswirkungen der Reformen auf die
Arbeitnehmer" legen sowie Handel und Investitionen
ermutigen.

Clinton hat dem Regierungsvertreter zufolge dargelegt, aufgrund der Partnerschaft für Frieden sei die
Frage einer NATO-Erweiterung über die derzeitigen
16 Mitgliedstaaten hinaus mit Ja beantwortet worden.
Die verbleibenden Fragen seien wann und wie. Der
Beamte stellte fest, die Partnerschaft werde ab sofort
gewohnheitsmäßige Kooperation und Konsultationen
zwischen den Streitkräften der Teilnehmer und der
NATO fördern.
Die Vereinigten Staaten würden zur Organisation,
Ausbildung und "möglicherweise zur Bereitstellung
von Gerät" für die Streitkräfte beitragen, die von den
Teilnehmern für die Partnerschaft entsandt werden,
um den NATO-Normen zu entsprechen.

Im Anschluß an ein Seminar über Privatisierung mit
amerikanischen und tschechischen Unternehmern reiste
der Präsident nach Kiew zu Gesprächen mit Präsident
Der Präsident ließ eigenen Angaben zufolge die Vise- Leonid Krawtschuk über die Nukleararsenale der Ukraine
grad-Länder wissen, er bilde ein Netzwerk der Demo- - einer Mischung aus den Tagen der Sowjetunion
kratie, "eine Initiative, unabhängigen und Basisgrup- übriggebliebener mobilerund silogestützter Interkontipen neue Mittel an die Hand zu geben", um so eine nentalraketen (ICBMs) und Marschflugkörper. Die
"prosperierende bürgerliche Gesellschaft" zu fördern. Urkaine soll 176 ICBMs zerlegen und mit Rußland die
Einnahmen aus dem Verkauf von angereichertem
Der Präsident kündigte ferner eine Konferenz in Uran teilen, das aus den Raketengefechtsköpfen
Washington über Handel und Investitionen gegen Ende wiederverarbeitet wird. Clinton, Krawtschuk und der
des Jahres an, um Wege zu sondieren, "die amerika- russische Präsident Boris Jelzin unterzeichneten am
nischen Investitionen aufzustocken und den Kauf von 14. Januar in Moskau ein Nuklearabkommen.
Produkten anzukurbeln, die von den hartarbeitenden
Menschen in all diesen aufstrebenden Demokratien Vor seiner Abreise aus Prag besichtigte der Präsident
hergestellt werden".
den Alten Jüdischen Friedhof, einen historischen Ort,
an dem nahezu fünf Jahrhunderte jüdischen Lebens in
Zuvor hatte Clinton einem hochrangigen amerikani- Prag zurückverfolgt werden können. Clinton sprach
schen Regierungsvertreter zufolge mit den Staats- mit Michaela Pokova, der Künstlerin, die die Namen
und Regierungschefs eine mögliche Schwerpunktver- der während des Holocaust im Zweiten Weltkrieg
lagerung amerikanischer Hilfsprogramme erörtert, ermordeten 77.297 tschechoslowakischen Juden in
einschließlich Plänen zur Umschulung von Arbeitneh- die Mauern der Pinkas-Synagoge einschreibt. Ungemern für Aufgaben im Hochtechnologiebereich im fähr 84 Prozent der Juden in der Tschechoslowakei
kommenden Jahrhundert. Der Regierungsvertreter starben während des Krieges. Die jüdische Bevölkedeutete an, Washington werde die Betonung auf die rung Prags beträgt heute nur noch 1.300, verglichen
Bereitstellung von "mehr Know-how als Geld" für die mit 30.000 im Jahr 1939.
umstrukturierten Hilfsprogramme legen.
Einer der Berater Clintons, Richard Schifter vom NatioClinton, so der Beamte, habe sich bemüht, den Vise- nalen Sicherheitsrat, erklärte, Clinton habe den Begrad-Politikern zu versichern, daß die Vereinigten such des Friedhofs persönlich auf sein Programm
Staaten ein vitales Interesse an deren Zukunft haben. gesetzt. Schifter, dessen Eltern während des HoloEr bekräftigte, die Beteiligung an der Partnerschaft für caust in Polen ums Leben kamen, stellte fest, es gebe
Frieden sei ein Schritt zu einer möglichen NATO- keine Grabstätten von Opfern des Holocaust. (Die
Mitgliedschaft. "Es gab keine Andeutung", so der meisten Opfer wurden von den Nazis in Krematorien
Beamte, "einer expliziten Sicherheitsgarantie" - etwas, verbrannt). Die Bedeutung des Alten Jüdischen Frieddas alle vier Länder der Nachrichtenberichterstattung hofs besteht ihm zufolge darin, daß er "als Erinnerung
zufolge vor dem NATO-Gipfel angestrebt hatten.
für die Kultur steht, die in diesem Teil der Welt ein
halbes Jahrtausend lang existierte und ... zwischen
Während aller Gespräche habe Clinton Zusagen über
1941 und 1944 ausgemerzt wurde".
eine NATO-Mitgliedschaft vermieden und "keine Kriterien oder einen Zeitplan festgelegt. Wir betonen
jedoch eine deutliche Verbindung (zwischen der Partnerschaft für Frieden und der NATO-Mitgliedschaft)
auf lange Sicht".
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AMERIKA DIENST 3

�AUSSENPOLITIK
19. Januar 1994

CLINTON UND JELZIN ERÖRTERN
INTEGRIERTE ZUKUNFT EUROPAS
Umfassende Beziehungen angestrebt
MOSKAU - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Rußland müßten die Konzeption einer neuen Zukunft für
ein integriertes Europa entwickeln, erklärte Präsident
Clinton am 13. Januar 1994 und ausgehend davon
"eine neue Zukunft fürunsere Wert insgesamt" aufbauen.
Clinton zufolge belegen die Meinungen, die er bei
seinen Gesprächen mit europäischen Staats- und
Regierungschefs in Brüssel, Prag und Kiew vernommen habe, die Notwendigkeit zur Aufhebung von Trennungslinien und die Arbeit an der gemeinsamen militärischen, politischen und wirtschaftlichen Integration
des Kontinents.
In einer Rede im prunkvollen St. Georgsaal des Kreml
äußerte Clinton gegenüber dem russischen Präsidenten Jelzin, seines Erachtens könnten die beiden Länder zusammen "eine neue Sicherheit für Europa auf
der Grundlage demokratischer Werte, freier Marktwirtschaften und der gegenseitigen Achtung der Nationen"
schaffen. Es war das dritte Treffen Clintons mit Jelzin.
Das Gipfeltreffen im April in Vancouver und die Tokioter Sitzung im Juli gingen diesem Staatsbesuch voraus.
Clinton erklärte Jelzin, die beim NATO-Gipfel in dieser
Woche angenommene Partnerschaft für Frieden könnte "gegenseitige Sicherheit in ganz Europa hervorbringen", so daß es "zum ersten Mal im gesamten Verlauf
unserer Geschichte ein Europa geben könnte, das
nicht durch eine künstliche Linie zwischen Völkern
getrennt ist".
Auf eine Frage erläuterte er seine Überzeugung, "daß
wir eine eindeutige Chance zur Zusammenarbeit beim
Aufbau eines neuen Sicherheitsrahmens für Europa
auf der Grundlage freier politischer Systeme, freier
Wirtschaftssysteme und sich gegenseitig respektierender Nationen haben".
Außenminister Christopher führte vor Journalisten aus,
die Präsidenten Clinton und Jelzin hätten in ihrem
90minütigen Privatgespräch die Partnerschaft sowie
AMERIKA DIENST 3

das nukleare Abrüstungsabkommen erörtert, das die
beiden Präsidenten mit dem ukrainischen Präsidenten
Leonid Krawtschuk am 14. Januar unterzeichneten.
Christopher bezeichnete die Partnerschaft als "die
konzeptionelle Kontinuität" zwischen den Aufenthalten
des Präsidenten bei seiner achttägigen Reise durch
Europa. Ihm zufolge bietet sie das "Konzept für die
Integration Europas insgesamt - die neue Architektur
für die europäische Sicherheit der Zukunft".
Die beiden Präsidenten führten eine Reihe von privaten und offiziellen Gesprächen und hatten ein gemeinsames Abendessen in Jelzins Datscha in der Nähe von
Moskau.
Jelzin erklärte, er sei zufrieden mit der ersten Gesprächsrunde, in der er seinen Aussagen zufolge
Clinton über "die derzeitige Situation in Rußland" nach
den jüngsten Parlamentswahlen unterrichtet und
'Themen im Zusammenhang mit den bilateralen Beziehungen erörtert" habe.
Dies war offensichtlich ein Verweis auf die finanzielle
und psychologische Unterstützung der Vereinigten
Staaten für die politischen und wirtschaftlichen Reformen in Rußland sowie Washingtons großes Interesse
anderen Fortsetzung. Christopher führte vor Journalisten aus, Jelzin habe Clinton "eine uneingeschränkte
Verpflichtung zum Reformprozeß" gegeben und von
dessen Intensivierung gesprochen, da ein Großteil der
vom russischen Volk im vergangenen Monat an den
Wahlurnen zum Ausdruck gebrachten wirtschaftlichen
Härten auf das zu langsame Tempo der Reformen
zurückzuführen sei.
Finanzminster Bentsen informierte die Journalisten
über Clintons Zusage an Jelzin, "daß wir - solange
Rußland die Reformen fortsetzt - mit der G-7, dem
Internationalen Währungsfonds und der Weltbank
zusammenarbeiten werden, damit Rußland möglichst
schnell Unterstützung erhält". Der Präsident versicherte Jelzin der uneingeschränkten Unterstützung
des Westens für die stattfindenden Reformen und

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�machte deutlich, die Vereinigten Staaten wollten keine In einer Bäckerei erwarb der Präsident einen Leib
Verlangsamung dieser Dynamik.
Schwarzbrot, den er mit Rubeln bezahlte, schüttelte
den Wartenden die Hand und besuchte anschließend
Bentsen zufolge befindet sich Rußland "an einem ein Fischgeschäft und eine Metzgerei. Während seikritischen Scheideweg", er habe jedoch unter den nes Spaziergangs teilte er den Journalisten mit, Jelzin
russischen Regierungsvertretern die "einhellige Mei- und er hätten erörtert, "was wir zur Beschleunigung der
nung" festgestellt, daß die Reformmaßnahmen ver- Hilfe tun könnten. Alle hartarbeitenden Menschen
stärkt und beschleunigt werden müßten. Bentsen müssen wissen, daß sie am Ende belohnt werden."
würdigte die bisherigen Fortschritte der Reformen und Clinton sagte zu einer russischen Käuferin, er und
bemerkte, die Regierung Jelzin habe die Inflationsrate Jelzin hätten darüber gesprochen, "wie wir zusamvon 30 auf 12 Prozent und das Haushaftsdefizit von 20 menarbeiten können, um das Leben für die arbeitenauf neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt. den Menschen in Ihrem Land zu verbessern."
"Präsident Clinton hat erklärt, das sei eine echte Leistung, und diese Botschaft müsse der Wert vermittelt Der amerikanische Präsident machte auch an der
werden", so Bentsen.
Kasan-Kathedrale am Roten Platz halt, einer Kirche
aus dem 17. Jahrhundert, die unter Stalin zerstört und
Einem hochrangigen Regierungsvertreter zufolge gin- vor drei Jahren wiederaufgebaut worden war. Clinton
gen die ersten Gespräche zwischen Clinton und Jelzin zündete dort im Gedenken an seine letzte Woche
über den gesteckten Zeitrahmen hinaus, worauf der verstorbene Mutter eine Kerze an.
amerikanische Präsident den Vorschlag machte: "Wir
sollten einfach nicht auf die Uhr schauen, sondern Später stellte der Präsident auf einem für Russen aller
diese äußerst angeregte Unterredung fortsetzen." Der Berufssparten gegebenen Empfang Überlegungen über
Beamte fügte hinzu, Präsident Jelzin habe die Begeg- diese "seltsame Zeit" an, in der die technologische
nungen als "fruchtbar, spezifisch, interessant und Entwicklung das Leben verbessert, während "die ältekonstruktiv" bezeichnet.
sten Dämonen der Gesellschaft uns immer noch quälen
- der Haß des Menschen auf andere Menschen aufClinton habe Jelzin eine Aufstellung über die von den grund ihrer Rasse, ethnischen Zugehörigkeit, Religion
Vereinigten Staaten in Vancouver eingegangenen oder sogar des Stücks Land, auf dem sie geboren
Verpflichtungen übergeben, worin beispielsweise fest- sind".
gestellt wird, daß der dort beschlossene Unternehmensfonds in Höhe von 300 Millionen Dollar ab der Er prognostizierte, im kommenden Jahrhundert werde
nächsten Woche in Betrieb genommen wird und ein die Größe einer Nation daran gemessen werden, "wie
zweiter Unternehmensfonds zur Unterstützung der erfolgreich sie jedem Mann und jeder Frau eine ChanModernisierungsbestrebungen großer staatlicher Be- ce gebe ... ihre naturgegebenen Fähigkeiten voll zu
triebe folgen soll. Das von Clinton angekündigte entfalten".
Hilfspaket von 1,6 Milliarden Dollar sei in voller Höhe
bewilligt und 69 Prozent der Mittel bereits ausgegeben Dem Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses,
Mark Gearan, zufolge war Clinton nach seinen Geworden.
sprächen mit Jelzin davon überzeugt, daß der russiClinton teilte später vor Journalisten mit, er habe Jelzin sche Präsident "einen Weg zur Zusammenarbeit mit
eine Landkarte gegeben, die die Verteilung der ameri- dem Parlament finden werde", um die "zukünftigen
kanischen Hilfe auf verschiedene Gebiete Rußlands Herausforderungen bewältigen zu können".
veranschauliche - einschließlich des Pakets in Höhe
von 1,6 Milliarden Dollar und weiterer im September US-Außenminister Christopher äußerte, die beiden
vom Kongreß bewilligter 2,5 Milliarden Dollar. Der Präsidenten würden bei ihrem Arbeitsessen in Jelzins
Karte zufolge umfaßte die Rußlandhilfe folgende Kate- Datscha außenpolitische Fragen ansprechen, eingorien: Humanitäre Angelegenheiten und Gesund- schließlich der Sicherheit Europas, der Beziehungen
heitsfürsorge, Entwicklung des Privatsektors, Energie Rußlands zu seinen Nachbarn, der Weiterverbreitung
und Umwelt, Sicherheit, Rückführung russischer Offi- von Atomwaffen sowie Bosnien-Herzegowina. Ein
ziere aus Polen und Ostdeutschland sowie Handel und hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter fügte
Investitionen. Die Projekte erstrecken sich von Sacha- hinzu, die beiden Politiker würden vielleicht auch über
lin im Osten bis Smolensk im Westen und konzentrie- die Beseitigung von zielgesteuerten Computerprogramren sich absichtlich auf Gebiete au ßerhalb von Moskau men für Interkontinentalraketen sprechen, die jetzt auf
die Vereinigten Staaten und Rußland gerichtet sind
und St. Petersburg.
und bereits beim Treffen von Vancouver erörtert wurNach den offiziellen Gesprächen besuchte der Präsi- den.
dent die Moskauer Straßen und Geschäfte - wie zuvor
schon in Brüssel und Prag - und nahm in der Nähe des
Lubjanskaja-Platzes ein Bad in der Menge, als er seine
Limousine verließ.
* *
* *
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AMERIKA DIENST 3

�AUSSENPOLITIK
19. Januar 1993

CLINTON UND JELZIN BEKRÄFTIGEN
BEDEUTUNG IHRER ZUSAMMENARBEIT
Die Moskau-Deklaration
MOSKAU - (AD) - Die Präsidenten Bill Clinton und Boris Jelzin haben die fundamentale Bedeutung der
Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland erneut bekräftigt.
Die Beziehungen zwischen ihren beiden Ländern seien in eine neue Phase gereifter strategischer Partnerschaft
eingetreten, "die auf Gleichberechtigung, gegenseitigem Vorteil und der Anerkennung der nationalen Interessen
des jeweils anderen Landes basiert", erklärten die beiden Regierungschefs in einer am 14. Januar 1994
unterzeichneten gemeinsamen Deklaration.
Der Deklaration zufolge werden die beiden Präsidenten die Anweisung zur Änderung der Zielkoordinaten der
ihrem Kommando unterstellten strategischen Atomraketen geben, so daß sie ab dem 30. Mai 1994 nicht länger
aufeinander gerichtet sind.
Femer bekräftigt Präsident Jelzin in der Deklaration "die Unumkehrbarkeit des Übergang zur Marktreform in
Rußland sowie seine Absicht zur Fortsetzung der Reformen und zur Inangriffnahme der mit diesem Übergang
einhergehenden sozialen Erfordernisse".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Deklaration im Wortlaut.
Bei ihrem Treffen vom 12. bis 15. Januar 1994 in
Moskau bekräftigten der Präsident der Vereinigten
Staaten von Amerika, William J. Clinton, und der
Präsident der Russischen Föderation, Boris Jelzin,
erneut die fundamentale Bedeutung der amerikanischrussischen Zusammenarbeit auf der Grundlage der
Charta der amerikanisch-russischen Partnerschaft und
Freundschaft, der Vancouver-Deklaration sowie bestehender Verträge und Abkommen. Sie stellten mit
Befriedigung fest, daß die Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten und Rußland in eine neue Phase
gereifter strategischer Partnerschaft eingetreten seien, die auf Gleichberechtigung, gegenseitigem Vorteil
und der Anerkennung der Interessen des jeweils anderen
Landes basiert. Ausgehend von diesem Standpunkt
gaben sie einen Überblick über das gesamte Spektrum
bilateraler und internationaler Fragen.
Die beiden Präsidenten führten intensive Gespräche
über Sicherheitsaspekte, einschließlich Abrüstungsfragen und der Nichtverbreitung von Atomwaffen. Beide
Seiten verliehen ihrer Besorgnis über die zunehmenden Herausforderungen an die globalen Nichtverbreitungsregime Ausdruck. Sie waren sich einig über die
Notwendigkeit einer Stärkung dieser Regime und der

AMERIKA DIENST 3

Schaffung eines neuen Mechanismus zur Verbesserung von Transparenz und Rechenschaftspflicht beim
Transfer konventioneller Waffen und empfindlicher
Mehrzwecktechnologien zusammen mit anderen interessierten Staaten. Sie befürworteten auch entschieden den Abschluß von Verhandlungen über ein
baldiges umfassendes Verbot von Atomtests. Die
beiden Präsidenten wiederholten ihre Unterstützung
für eine Einstellung der Produktion spaltbaren waffenfähigen Materials und berieten über neue Maßnahmen
zur Stärkung der strategischen Stabilität.
Auf der Grundlage der derzeit zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder geführten Gespräche
über Maßnahmen zum strategischen Disengagement
gaben die Präsidenten bekannt, sie würden Anweisung zur Änderung der Zielkoordinaten der ihrem
Kommando unterstellten strategischen Atomraketen
geben, so daß diese spätestens am 30. Mai 1994 nicht
mehr zielgerichtet sind. Somit werden zum ersten Mal
in nahezu einem halben Jahrhundert - praktisch seit
Beginn des atomaren Zeitalters - die Vereinigten Staaten und Rußland nicht täglich mit nuklearen Streitkräften auf eine Art und Weise operieren, die von gegenseitiger Feindschaft ausgeht.

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�Die Präsidenten Clinton und Jelzin äußerten sich zufrieden über die beschleunigte Entwicklung eines breiten Spektrums wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und
technologischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Rußland. Sie bekräftigten erneut ihre
starke Unterstützung für ein schnelles Anwachsen von
bilateralem Handel und Investitionen als besonderer
Priorität. Ihrer Ansicht nach ist die Gore-Tschernomyrdin-Kommission ein dynamischer und effektiver Mechanismus für Koordination und Erweiterung der
amerikanisch-russischen Kooperation im Weltraum
sowie der Zusammenarbeit beider Länder - gemeinsam mit anderen interessierten Parteien - beim Bau
einer Weltraumstation.
Die beiden Präsidenten verliehen ihrer Bereitschaft
Ausdruck, Fortschritte auf dem Weg zu offenen und
auf gegenseitigem Vertrauen basierenden amerikanisch-russischen Beziehungen zu erzielen und günstige Bedingungen für die umfassende Entwicklung politischer, kommerzieller, humanitärer und persönlicher
Kontakte zwischen den beiden Ländern zu schaffen.
In diesem Zusammenhang bekundeten sie ein beiderseitiges Interesse an verstärkter konsularischer Vertretung im jeweils anderen Land. Die Vereinigten
Staaten planen die Eröffnung eines Generalkonsulats
in Jekaterinburg im Februar 1994.

Die Präsidenten Clinton und Jelzin verliehen ihrer
Befriedigung darüber Ausdruck, daß das Ende des
Kalten Krieges kontinuierliche Fortschritte zur Überwindung der Teilung des europäischen Kontinents mit
sich gebracht und den Weg zu umfassender Kooperation zwischen den europäischen Staaten bei einer
neuen Tagesordnung vordringlicher Aufgaben geebnet habe, die präventiver Diplomatie, Friedenssicherung, dem Schutz der Menschenrechte und der Rechte nationaler sowie anderer Minderheiten Priorität
einräumt. In diesem Zusammenhang begrüßten die
beiden Präsidenten die Entscheidungen des KSZEMinistertreffens in Rom, die sie als wichtigen Schritt
zur Umgestaltung der KSZE zu einem Schlüsselinstrument der internationalen Zusammenarbeit in Europa
erachten.
Ausgehend von der Überzeugung, daß neue Teilungen Europas vermieden werden müssen, einigten sich
die Präsidenten Clinton und Jelzin auf die erforderliche
Schaffung einer neuen europäischen Sicherheitsordnung, die alle einbezieht, nicht diskriminiert und sich
auf die praktische sicherheitspolitische Zusammenarbeit konzentriert. Die beiden Präsidenten waren sich
einig, daß das beim Brüsseler Gipfeltreffen der NATOMitgliedstaaten verabschiedete Konzept der Partnerschaft für Frieden ein wichtiges Element der sich
abzeichnenden neuen europäischen Sicherheitsarchitektur ist.

Die Präsidenten Clinton und Jelzin begrüßten die
Beschleunigung der Schaffung einer offenen und
prosperierenden Weltwirtschaft und eines ebensol- Präsident Jelzin setzte Präsident Clinton von der Absicht
chen Handelssystems, die durch die Zustimmung des Rußlands in Kenntnis, sich aktiv an der Partnerschaft
US-Kongresses zum Nordamerikanischen Freihan- für Frieden zu beteiligen und substantielle Abkommen
delsabkommen (NAFTA) und dem erfolgreichen Ab- abzuschließen, die den Weg zu umfassender und
schluß der Uruguay-Runde der GATT-Verhandlungen intensiver Kooperation zwischen Rußland und der
gefördert wurden.
NATO als Partner ebnen. In Anbetracht der internationalen Rolle Rußlands begrüßte Präsident Clinton die
Präsident Jelzin informierte Präsident Clinton über die Aussicht auf die aktive Beteiligung Rußlands an der
jüngsten Schritte der Mitgliedstaaten der Gemein- Partnerschaft für Frieden.
schaft Unabhängiger Staaten zu verstärkter wirtschaftlicher Koordination und Kooperation. Die beiden Prä- Die beiden Präsidenten verurteilten aggressiven Nasidenten waren sich einig, daß solche offen und freiwil- tionalismus, Menschenrechtsverletzungen sowie ethlig im Einklang mit den Regeln und Verfahren des nische und religiöse Intoleranz jeglicher Art, einschließGATT durchgeführten Initiativen der raschen Einbe- lich Antisemitismus. Sie verliehen ihrer ernsthaften
ziehung aller Teilnehmerstaaten in die Weltwirtschaft Besorgnis über das Potential für eine Eskalation der
förderlich sein sollten.
Konflikte im ehemaligen Jugoslawien und in einigen
der neuen unabhängigen Staaten der früheren SowjetIn diesem Kontext nahmen die Präsidenten Clinton union Ausdruck. Präsident Jelzin informierte Präsiund Jelzin einen Meinungsaustausch über die Wirt- dent Clinton über die von Ru ßland auf dem Territorium
schaftsstrategien ihrer beiden Regierungen vor. Prä- der ehemaligen UdSSR unternommenen friedenssisident Jelzin legte die Wirtschaftslage in Rußland dar. chernden Bestrebungen. Die beiden Präsidenten sind
Er bekräftigte die Unumkehrbarkeit des Übergangs zur zur Intensivierung der Koordinierung ihrer AngelegenMarktreform in Rußland sowie seine Absicht zur Fort- heiten im Rahmen der Arbeit der Vereinten Nationen
setzung der Reformen und zur Inangriffnahme der mit und der KSZE entschlossen, um die unverzügliche und
diesem Übergang einhergehenden sozialen Erforder- friedliche Lösung von Konflikten unter Bedingungen zu
nisse. Präsident Clinton unterstrich seine uneinge- fördern, die allgemein akzeptierten Normen des Völschränkte Unterstützung für die russischen Reformen kerrechts entsprechen, einschließlich der Respektieund verwies auf soziale Belange, die ein neues und rung der Unabhängigkeit, Souveränität und bestehenvielversprechendes Gebiet der Zusammenarbeit wer- den Grenzen der neuen unabhängigen Staaten der
den könnten.
ehemaligen Sowjetunion.

Seite 2

AMERIKA DIENST 3

�Die beiden Präsidenten bekräftigten die Unterstützung
der Vereinigten Staaten und Rußlands für die Vereinten Nationen. Sie werden gemeinsam mit anderen
Ländern handeln, um das Potential der Vereinten
Nationen zur Unterstützung und Schaffung von Frieden und Verhinderung von Konflikten zu stärken. Die
beiden Seiten werden praktische Vorschläge untereinander und mit anderen Ländern zur Vorbereitung der
Beteiligung an friedenssichernden Operationen der
UNO ausarbeiten. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 50. Jahrestag der Vereinten Nationen erachten es die Präsidenten Clinton und Jelzin für unab-

*

AMERIKA DIENST 3

*

dingbar, zum geeigneten Zeitpunkt ein Treffen der
Staats- und Regierungschefs der Mitglieder des UNSicherheitsrats zu einer Überprüfung der für die Vereinten Nationen beim Gipfeltreffen des UN-Sicherheitsrats festgelegten Arbeit sowie der zukünftigen
Aufgaben einzuberufen.
Die Präsidenten Clinton und Jelzin sind davon überzeugt, daß die Vereinigten Staaten und Rußland weiterhin ihre Partnerschft konsolidieren sowie Stabilität,
Frieden und Sicherheit auf der ganzen Wert fördern
werden.

*

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Seite 3

�AUSSENPOLITIK
19. Januar 1994

UKRAINE, RUSSLAND UND USA VEREINBAREN
TRANSFER NUKLEARER GEFECHTSKÖPFE
Wortlaut des trilateralen Abkommens
MOSKAU - (AD) - Die Präsidenten der Ukraine, Rußlands und der Vereinigten Staaten einigten sich am 14.
Januar 1994 auf die Verfahren für die Verlegung der ukrainischen nuklearen Gefechtsköpfe nach Rußland sowie
auf damit einhergehende Entschädigungs- und Sicherheitsgarantien.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Wortlaut des trilateralen Abkommens und des Anhangs.

Das trilaterale Abkommen
Die Präsidenten Clinton, Jelzin und Krawtschuk kamen am 14. Januar 1994 in Moskau zusammen. Die
drei Präsidenten bekräftigten, daß sie sich gegenseitig
als vollwertige und gleichberechtigte Partner behandeln werden und die Beziehungen zwischen ihren
Ländern auf der Grundlage der Respektierung der
Unabhängigkeit, Souveränität und territorialen Integrität jeder Nation unterhalten werden.
Die drei Präsidenten waren sich einig über die Bedeutung der Entwicklung wechselseitig nützlicher, umfassender und kooperativer Wirtschaftsbeziehungen. In
diesem Zusammenhang begrüßen sie die Absicht der
Vereinigten Staaten, der Ukraine und Rußland Unterstützung beim Aufbau effektiver Marktwirtschaften zu
gewähren.
Die drei Präsidenten zogen Bilanz der bisher erzielten
Fortschritte beim Abbau der Nuklearstreitkräfte. Die
Deaktivierung der strategischen Streitkräfte ist in den
Vereinigten Staaten, Rußland und der Ukraine bereits
weit fortgeschritten. Die Präsidenten begrüßten die
andauernde Deaktivierung der RS-18 (SS-19) und RS22 (SS-24) auf ukrainischem Territorium durch die
Entfernung der Gefechtsköpfe.
Die Präsidenten sehen der Inkrafttretung des STARTI-Vertrags einschließlich des Lissaboner Protokolls
und angeschlossener Dokumente erwartungsvoll entgegen, und Präsident Krawtschuk bekräftigte seine
Verpflichtung zum möglichst baldigen Beitritt der Ukraine zum Nichtverbreitungsvertrag als atomwaffenfreier
Staat. Die Präsidenten Clinton und Jelzin stellten fest,
das Inkrafttreten des START-I-Vertrags würde ihnen

AMERIKA DIENST 3

die frühzeitige Ratifizierung von START-II gestatten.
Die Präsidenten erörterten in diesem Zusammenhang
von ihren Ländern zu unternehmende Schritte zur
Lösung bestimmter Fragen über Nuklearwaffen.
Die Präsidenten betonten die Bedeutung der Gewährleistung der Sicherheit und des Schutzes von Nuklearwaffen bis zu ihrer Zerlegung.
Die Präsidenten sind sich der Bedeutung einer Entschädigung für die Ukraine, Kasachstan und Belarus
für das hochangereicherte Uran in den auf ihrem
Territorium gelagerten nuklearen Gefechtsköpfen
bewußt. Es wurden Vereinbarungen ausgearbeitet,
um der Ukraine, Kasachstan und Belarus faire und
rechtzeitige Entschädigung zu gewähren, wenn die
nuklearen Gefechtsköpfe auf ihrem Territorium zur
Zerlegung nach Rußland transferiert werden.
Die Präsidenten Clinton und Jelzin verliehen ihrer
Befriedigung über den Abschluß des Vertrags über
hochangereichertes Uran Ausdruck, der von den entsprechenden Behörden der Vereinigten Staaten und
Rußlands unterzeichnet wurde. Durch die Umwandlung von waffenfähigem Uran in nur zu friedlichen
Zwecken nutzbares Uran stellt das Abkommen über
hochangereichertes Uran einen großen Schritt zur
Erlangung des Ziels der Nichtverbreitung dieser beiden Länder dar.
Die drei Präsidenten beschlossen gleichzeitige Aktionen zur Verlegung der nuklearen Gefechtsköpfe aus
der Ukraine und für Entschädigung an die Ukraine in
Form der Lieferung der Spaltstoffanordnung für Kernkraftwerke.

Seite 1

�Die Präsidenten Clinton und Jelzin setzten Präsident
Krawtschuk davon in Kenntnis, daß die Vereinigten
Staaten u nd Ru ßland zur Gewährung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine bereit sind. Sobald der
START-I-Vertrag in Kraft tritt und die Ukraine atomwaffenfreie Partei des Nichtverbreitungsvertrags (NW)
wird, werden die Vereinigten Staaten und Rußland
insbesondere folgendes unternehmen:

Präsident Clinton bekräftigte die Verpflichtung der
Vereinigten Staaten zur Bereitstellung von technischer
und finanzieller Hilfe für den sicheren Abbau der
Nuklearstreitkräfte und die Lagerung von spaltbarem
Material. Die Vereinigten Staaten stimmten zu, Rußland, der Ukraine, Kasachstan und Belarus im Rahmen des Nunn-Lugar-Programms nahezu 800 Millionen Dollar solcher Hilfsleistungen, einschließlich mindestens 175 Millionen Dollar für die Ukraine, zukomIhre Verpflichtung gegenüber der Ukraine im men zu lassen. Der amerikanische Kongreß hat
Einklang mit den Prinzipien der Schlu ßakte von zusätzliche Mittel des Nunn-Lugar-Fonds für dieses
Helsinki zur Respektierung der Unabhängigkeit Programm bewilligt, und die Vereinigten Staaten werund Souveränität sowie der bestehenden Gren- den intensiv mit Rußland, der Ukraine, Kasachstan
zen der KSZE-Mitgliedstaaten bekräftigen und und Belarus zusammenarbeiten, um die Hilfe für dieanerkennen, daß Grenzveränderungen nur durch ses wichtige Vorhaben zu erweitern. Die Vereinigten
friedliche und im Einvernehmen erzielte Mittel Staaten werden darüber hinaus auf die rasche Umsetvorgenommen werden können. Sie werden ihre zung der bereits bestehenden Hilfsabkommen hinarVerpflichtung bekräftigen, auf die Androhung beiten.
oder den Einsatz von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit Der Anhang
eines jeden Staates sowie auf den Einsatz ihrer
Waffen zu verzichten, außer im Falle derSelbst- Die drei Präsidenten beschlossen, daß Rußland zur
verteidigung oder anderen, im Einklang mit der Einleitung des Entschädigungsprozesses für die UkraiCharta der Vereinten Nationen stehenden Fäl- ne dieser binnen zehn Monaten Spaltstoffanordnungen für Kernkraftwerke liefern wird, die 100 Tonnen
len.
niedrigangereichertes Uran enthalten. Innerhalb derIhre Verpflichtung gegenüber der Ukraine im selben Frist werden mindestens 200 nukleare GeEinklang mit den Prinzipien der Schlu ßakte von fechtsköpfe von RS-18 (SS-19) und RS-22 (SS-24)
Helsinki bekräftigen, auf die Ausübung von wirt- von der Ukraine zur Zerlegung nach Rußland transfeschaftlichem Druck zu verzichten, der die in der riert. Die ukrainischen Regierungsvertreter werden die
Souveränität anderer KSZE-Mitgliedstaaten Zerlegung dieser Gefechtsköpfe überwachen. Die
immanente Ausübung ihrer Rechte ihren Inter- Vereinigten Staaten werden 60 Millionen Dollar als
essen unterordnen würde und ihnen auf diese Vorschuß an Rußland zahlen. Diese Summe wird von
Weise erlauben würde, sich Vorteile jedweder den im Rahmen des Vertrags über hochangereichertes Uran an Rußland fälligen Zahlungen abgezogen.
Art zu verschaffen.
Die Mittel werden zur Verfügung gestellt, um die AusIhre Verpflichtung bekräftigen, unverzüglich gaben für den Transport und die Zerlegung strategiAktionen des UN-Sicherheitsrats zur Unterstüt- scher Gefechtsköpfe und die Herstellung der Spaltzung der Ukraine als atomwaffenfreie Partei des stoffanordnung abzudecken.
NW anzustreben, wenn die Ukraine Opfer eines Akts von Aggression oder Ziel der Andro- Alle nuklearen Gefechtsköpfe werden vom Territorium
hung einer Aggression werden sollte, bei der der Ukraine zum Zweck ihrer Zerlegung in möglichst
kurzer Zeit nach Rußland transferiert. Rußland wird
Nuklearwaffen eingesetzt werden.
Entschädigung in Form der Lieferung der SpartstoffIm Falle der Ukraine ihre Verpflichtung bekräfti- anordnung an die Ukraine für den Bedarf der ukrainigen, keine Nuklearwaffen gegen irgendeinen schen Kernkraftwerksindustrie innerhalb desselben
atomwaffenfreien Mitgliedstaat des NW einzu- Zeitraums leisten.
setzen, außer im Falle eines Angriffs auf sie
selbst, ihr Territorium oder abhängige Territo- Die Ukraine wird die Beseitigung aller Nuklearwaffen
rien, ihre Streitkräfte oder ihre Verbündeten, einschließlich der auf ihrem Territorium gelagerten
durch einen in Verbindung oder in einem Bünd- strategischen Offensivwaffen im Einklang mit den
nis mit einem Nuklearstaat stehenden solchen entsprechenden Abkommen und innerhalb der im
START-I-Vertrag vorgesehenen Zeit sowie im Kontext
Staat.
der Erklärung über den atomwaffenfreien Status der
Die Präsidenten Clinton und Jelzin setzten Präsident Ukraine gewährleisten. Alle SS-24 auf dem TerritoKrawtschuk davon in Kenntnis, daß mit Großbritan- rium der Ukraine werden durch die Entfernung ihrer
nien, dem dritten Verwahrerstaat des NW, Konsurta- Gefechtsköpfe binnen zehn Monaten deaktiviert.
tionen abgehalten wurden und Großbritannien bereit
ist, der Ukraine dieselben Sicherheitsgarantien anzu- Im Einklang mit den 1993 zwischen Rußland und der
bieten, sobald sie atomwaffenfreie Partei des NW Ukraine erzielten Abkommen wird Rußland die techniwird.
sche Versorgung und den Schutz der nuklearen GeSeite 2

AMERIKA DIENST 3

�fechtsköpfe bereitstellen, und die Ukraine wird koope- Verabschiedung fördern, das alle Nuklearaktivitäten
rieren, indem sie die Bedingungen zur Durchführung der Ukraine den lAEO-Sicherheitsvorschriften unterdieser Operationen für Rußland schafft.
wirft, womit der ungehinderte Export der Spaltstoffanordnungen von Rußland an die Ukraine für die ukraiRußland und die Vereinigten Staaten werden die nische Kernkraftwerksindustrie gestattet wird.
Ausarbeitung eines Abkommens durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) und dessen

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AMERIKA DIENST 3

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Seite 3

�RUSSLANDHILFE
19.Januar 1994

HILFE DER USA AN RUSSLAND
Übersicht des Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht des Außenministeriums mit Einzelheiten der amerikanischen Unterstützung für die wirtschaftlichen und politischen Reformbestrebungen in Rußland.

Überblick
Die amerikanischen Hilfsleistungen für Rußland wurden im Januar 1992 bei der internationalen Koordinierungskonferenz in der Bundeshauptstadt Washington
ins Leben gerufen. Damals gaben die Vereinigten
Staaten ein Programm für humanitäre Nothilfe sowie
ihre Teilnahme an mehreren Arbeitsgruppen zu internationalen Hilfsbestrebungen bekannt, um humanitäre Hilfe mit technischer Unterstützung zu kombinieren.
Diese Bestrebungen lassen sich in drei allgemeine
Kategorien (humanitäre Hilfe, technische Unterstützung, Kreditbürgschaften und Wirtschaftsabkommen)
mit unterschiedlichen Programmtypen aufteilen, die
häufig eine Verbindung zwischen humanitärer Hilfe
und technischer Unterstützung herstellen. Diese
Verbindung ist exemplarisch im Gesundheitswesen,
wo die Bereitstellung von Gerät und medizinischen
Versorgungsgütern als humanitäre Hilfe angesehen
wird und der Aufbau eines zuverlässigen Gesundheitswesens als technische Unterstützung. Bestrebungen
in den Bereichen Landwirtschaft und Nahrungsmittelvertriebssysteme haben ähnliche Aspekte: Die Bereitstellung von Waren und Transportmöglichkeiten wird
als humanitäre Hilfe eingestuft, die Hilfe für private
Landwirte und andere Elemente eines marktwirtschaftlichen Agrarsystems als technische Unterstützung.
Beim Gipfeltreffen vom 3. und 4. April 1993 in Vancouver verliehen die Präsidenten Clinton und Jelzin ihrem
entschlossenen Engagement für eine dynamische und
effektive amerikanisch-russische Partnerschaft Ausdruck, die internationale Stabilität stärkt. Die beiden
Präsidenten verabschiedeten eine umfassende Kooperationsstrategie zur Förderung von Demokratie,
Sicherheit und Frieden. Sie stimmten femer einem
neuen Paket bilateraler Wirtschaftsprogramme zur
Bewältigung der vordringlichen humanitären Erfordernisse Rußlands und als Beitrag zu Rußlands erfolgreiAMERIKA DIENST 3

chem Übergang zur Marktwirtschaft zu. Das beim
Gipfeltreffen in Vancouver bekanntgegebene Wirtschaftspaket beläuft sich insgesamt auf 1,6 Milliarden
Dollar für Rußland, einschließlich (bereits im Haushaltsjahr 1993 bewilligten) 690 Millionen Dollar an
Krediten, 700 Millionen Dollar für Nahrungsmittelverkäufe zu Vorzugsbedingungen und 230 Millionen Dollar an Krediten der Export-Import Bank. Zu dem Paket
zählen ferner ein russisch-amerikanischer Unternehmensfonds in Höhe von 50 Millionen Dollar zur Unterstützung der Entwicklung des Privatsektors, 95 Millionen Dollar zur Förderung der Privatisierungsbestrebungen und eine Initiative im Umfang von 6 Millionen
Dollar zur Rückführung russischer Offiziere, 215 Millionen Dollar für die Entnuklearisierung sowie 48 Millionen Dollar zur Mobilisierung einer breiten Koalition
amerikanischer Bürger und Institutionen zur Unterstützung der Demokratisierung.
Im September 1993 verabschiedete der Kongreß das
Hilfspaket fürdie Neuen Unabhängigen Staaten (NUS)
in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar, das ein von den Vereinigten Staaten beim Gipfeltreffen der Gruppe der
sieben führenden Industrienationen (G-7) im Juli 1993
in Tokio bekanntgegebenes bilaterales Paket von 1,8
Milliarden Dollar umfaßt. Die Mittel werden zur Unterstützung von sieben Hilfskategorien verwendet: Entwicklung des Privatsektors, einen besonderen Prrvatisierungs- und Umstrukturierungsfonds, Handel und
Investitionen, die Initiative Demokratiekorps, humanitäre Hilfe, Energie und Umwelt sowie Unterstützung
für den Truppenabzug und die Bereitstellung von
Wohnungen. Rund zwei Drittel des bewilligten 2,5
Milliarden-Hilfspakets sind für Rußland gedacht, das
restliche Drittel wird unter den anderen elf neuen
unabhängigen Staaten aufgeteilt.
Diese Zusammenfassung erläutert die Hilfstypen sowie
die staatlichen Kredite und andere Finanzbürgschaften.
Seite 1

�Humanitäre Hilfe
Die humanitäre Hilfe unterstützt das "soziale Netz"
Rußlands durch die Bereitstellung grundlegender,
vordringlicher Güter oder Unterstützung zur Heilung
von Krankheiten und Abwendung von Hungersnöten
sowie Erleichterung des Übergangs zu offenen Märkten.
Staatliche Hilfe. Ein Großteil der humanitären Hilfe
der US-Regierung wurde im Rahmen der Operation
Provide Hope bereitgestellt, die im Januar 1992 offiziell ins Leben gerufen wurde. Drei Phasen von
Provide Hope sind abgeschlossen. Sie umfaßten
überschüssige Nahrungsmittelbestände, Medikamente und medizinische Versorgungsgüter des US-Verteidigungsministeriums für Rußland sowie andere Zielorte unter Verwendung von Transportmitteln des Verteidigungsministeriums (einschließlich Verträgen mit
privaten Spediteuren). Im Rahmen der aktuellen drei
Phasen von Operation Provide Hope liefern die Vereinigten Staaten Nahrungsmittel im Wert von 48,8 Millionen Dollar sowie Medikamente, medizinische Versorgungsgüter und Geräte für über 97 Millionen Dollar
nach Rußland. Zu den jüngsten zusätzlichen Lieferungen von überschüssigem medizinischem Gerät des
Verteidigungsministeriums zählen zwei 1.000-BettenKrankenhäuser für Moskau, rund 18 Tonnen medizinischer Versorgungsgüter im Wert von 1,2 Millionen
Dollar nach Jakutsk und medizinische Versorgungsgüter im Wert von 3,8 Millionen Dollar nach Sibirien.

als 250 Millionen Dollar für Nahrungsmittelhilfe an
Rußland zur Verfügung. Zu der Vielzahl von Produkten zählen: Reis, Mais, Babynahrung, Weizen und
Weizenmehl, Milchpulver sowie Erdnüsse und Erdnußprodukte. Die Vereinigten Staaten haben darüber
hinaus im Haushaltsjahr 1993 Mais (29 Millionen Dollar) und Futterweizen (24,7 Millionen Dollar) für Rußland gespendet.
1992 stellte das US-Landwirtschaftsministerium rund
63,5 Tonnen Güter im Wert von 52,5 Millionen Dollar
für Rußland im Rahmen des Programms Nahrungsmittel für den Fortschritt zur Verfügung sowie 39,4
Tonnen Nahrungsmittel im Wert von rund 75 Millionen
Dollar unter dem Programm Abschnitt 416 (b). (Transportkosten inklusive).
Besondere Güter. Gesonderte Programme befaßten
sich mit dem Kaufvon Gütern durch die US-Regierung
im Wert von über 75 Millionen Dollar, die durch neun
amerikanische Privatorganisationen im Rahmen ihrer
karitativen Tätigkeit mit gefährdeten Personengruppen, insbesondere Frauen und Kindern, verteilt wurden.

Hilfe des Privatsektors. Eine zweite Komponente
der amerikanischen humanitären Hilfsbestrebungen
sind Spenden des Privatsektors. Im Rahmen der
Initative für medizinische Hilfe wurde die gemeinnützige Organisation Projekt HOPE befugt, Arzneimittel
und medizinische Versorgungsgüter in den NUS zu
beschaffen, zu sammeln und zu verteilen. Seit BeDie Initiative für Arzneimittelhilfe des US-Amts für kanntgabe dieser Initiative im Februar 1991 hat Projekt
internationale Entwicklung (U.S. Agency for Inter- HOPE medizinische Versorgungsgüter im Wert von
national Development - USAID) greift auf bereits bewil- mehr als 54 Millionen Dollar in über 50 Orte Ru ßlands
ligte 10 Millionen Dollar zurück, um dringend benötig- transportiert.
te Arzneimittel für die neuen unabhängigen Staaten zu
kaufen. Im Falle von Rußland wurde dieser Fonds Über gemeinnützige Vertragspartner können die
verwendet, um Pharmazeutika, vornehmlich Leukä- amerikanischen Privatorganisationen ihre gespendemiemedikamente, im Wert von über 16.000 Dollar zu ten Hilfsgüter von der US-Regierung transportieren
kaufen, die im November 1992 nach Chabarowsk lassen. In den Jahren 1992 und 1993 wurden rund 19
Tonnen Nahrungs- und Arzneimittel sowie medizinigeliefert wurden.
sche Versorgungsgüter in über 150 russische Städte
Überwachung der öffentlichen Gesundheit. Das in geliefert. Der Wert dieser Lieferungen beläuft sich auf
Atlanta ansässige Zentrum für Seuchenbekämpfung mehr als 58 Millionen Dollar. 1993 stellten die Verei(Center for Disease Control - CDC) arbeitet seit Okto- nigten Staaten femer 10 Millionen Dollar für den Luftber 1992 mit dem russischen Gesundheitsministerium transport von Arzneimitteln und medizinischen Versorund verschiedenen Organisationen zusammen, um gungsgütern an fünf Orte in Rußland zur Verfügung.
die Verfügbarkeit von Ressourcen für das Gesundheitswesen zu sondieren, Frühwarnfaktoren für Seu- Ein Beispiel der Hilfe des Privatsektors sind einzeln
chen auszumachen und die bestehenden Informa- abgepackte Pakete medizinischer Versorgungsgüter,
tionssysteme für Gesundheit und Ernährung zu ver- Produkte zur persönlichen Hygiene und von den
amerikanischen Pfadfinderinnen gesammeltes Spielbessern.
zeug, das im Januar 1993 unter Kindern in KrankenNahrungsmittelhilfe. Unabhängig von den im Rah- häusern und Pflegeeinrichtungen in St. Petersburg
men der Operation Provide Hope bereitgestellten verteilt wurde. Ein weiteres Beispiel ist der jüngste
Nahrungsmittellieferungen unterhält das amerikani- Lufttransport von Arzneimitteln im Wert von 8 Millionen
sche Landwirtschaftsministerium (U.S. Department of Dollar nach St. Petersburg, die von Heart-to-Heart
Agriculture-USDA) drei Initiativen für Nahrungsmittel- International mit Hilfe der amerikanischen Akademie
lieferungen nach Rußland. Das Landwirtschaftsmini- der Allgemeinmediziner gesammelt wurden.
sterium stellte im Haushaltsjahr 1993 Kredite von mehr

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AMERIKA DIENST 3

�Technische Hilfe
Die technische Unterstützung trägt dazu bei, den
Empfängern das Verständnis der freien Marktwirtschaft und des demokratischen Systems sowie die
Fähigkeit für deren Aufbau zu vermitteln. Technische
Hilfe kann in Beratern oder vor Ort stationierten Fachleuten, Lehrmaterial, Seminaren und Arbeitsgruppen,
Geräten und Gütern für die Aufnahme des Betriebs,
Informationszentren und Bibliotheken, dem Austausch
von Berufsgruppen und Technologietransfer bestehen.
Mit der größte Bereich technischer Hilfe ist der Agrarsektor und damit in Verbindung stehende agrarwirtschaftliche Projekte. Rund 800 amerikanische Freiwillige werden im Rahmen des Programms für den Austausch von Landwirten von 1992 bis 1994 nach Rußland entsandt. (Bis heute haben 391 Freiwillige ihren
Dienst abgeleistet). Die sechs für die Durchführung
des Programms zuständigen amerikanischen Organisationen konzentrieren ihre Bemühungen auf die Entwicklung innovativer, basisorientierter Ansätze für
Vermarktung, Verarbeitung, Verteilung, Lagerung und
Kreditprobleme, mit denen sich Landwirte und Unternehmer im ländlichen Raum konfrontiert sehen. Das
amerikanische Landwirtschaftsministerium unterstützt
einen Modellbauernhof in der Nähe von St. Petersburg
mit zwei freiwilligen amerikanischen Landwirtehepaaren, die Hand in Hand mit Bauern und ehemaligen
Angehörigen des Militärs arbeiten. Ein politischer
Berater des USDA arbeitet mit dem russischen Landwirtschaftsministerium zusammen, und im Rahmen
des Programms für den Austausch von Führungskräften werden zwei amerikanische Agrarwirtschaftler in
der vor kurzem privatisierten Nahrungsmittelindustrie
tätig. Studienprogramme für die Vermarktung von
Agrarprodukten im Rahmen des USDA-Cochran-Stipendiums werden von 82 russischen Teilnehmern
genutzt.
Mit einem Zuschuß in Höhe von 645.000 Dollar bildet
die University of Idaho russische Landwirte in Erntemethoden, Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung
verderblicher Güter aus. Die US-Regierung hat darüber hinaus ein (vom Zentrum für agrar- und landwirtschaftliche Entwicklung verwaltetes) privates agrarwirtschaftliches Zentrum in Rußland unterstützt und
stellt Mittel für den Transport von Samen, Schädlingsbekämpfungsmitteln, speziellem Pflanzgerät sowie
Geräten für die Ernte und Lagerung zur Verfügung.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist das Gesundheitswesen. Die US-Regierung hat zur Vermittlung von acht
Partnerschaften zwischen Krankenhäusern in Moskau, Dubna, Murmansk, St. Petersburg, Wladiwostok
und Stawropol beigetragen. Mit Hilfe einer Spende von
300.000 Dollar richten das Children's Health System
und Children's Hospital of the King's Daughters in
Norfolk (Virginia) ein Mutter-und-Kind-Gesundheits-

AMERIKA DIENST 3

programm für die Rostropowitsch-Stiftung in Moskau
ein.
Das Amt für Handel und Entwicklung unterstützt Projektstudien für Investitionen im Gesundheitswesen
unter besonderer Berücksichtigung der Modernisierung des Vertriebs von Pharmazeutika. Das Wirtschaftsministerium hat im Oktober 1992 eine für
Gesundheitsfürsorge zuständige Delegation nach
Rußland entsandt und in den Vereinigten Staaten
Seminare für die Privatindustrie veranstaltet. Darüber
hinaus organisierte das Ministerium 1993 zwei größere Konferenzen für amerikanische Hersteller von
pharmazeutischen Produkten und medizinischem Gerät.
Die Entwicklungsgesellschaft OPIC hat drei Sondierungsstudien zu Investitionen im Gesundheitswesen
zugestimmt.
Ferner wurden drei Abkommen über Hilfestellung bei
der pharmazeutischen Produktion und dem Wiederaufbau der russischen Industrie für Kinderimpfstoffe
unterzeichnet. Im Januar 1993 entsandte die Lebensmittelbehörde (Food and Drug Administration - FDA)
ein Team für die Planung von Ausbildungsaktivitäten
am Tarasawitsch Institut. Im Mai 1993 veranstaltete
die Behörde einen Workshop in Moskau über die Vorschriften zur Kontrolle von Impfstoffen, Pharmazeutika, medizinischem Gerät und Lebensmitteln. Die USRegierung stellt Gerät und Ausbildung für drei russische Herstellervon Impfstoffen zur Verfügung. Merck
und Lederle (zwei führende amerikanische Pharmaunternehmen) arbeiten an diesem Projekt und suchen
darüber hinaus Partner für ein Joint venture.
Privatisierung. Die US-Regierung steht seit September 1992 an vorderster Stelle bei der Bereitstellung von
Hilfe für die Privatisierung in Rußland. Das Privatisierungshilfsprogramm von USAID konzentriert sich vornehmlich auf folgende Bereiche:
Erarbeitung von Maßnahmen, Programmen und
Transaktionen zur Privatisierung von staatlichen Vermögenswerten wie Lastwagen, Fabriken oder Kleinunternehmen und
Entwicklung der ergänzenden Infrastruktur unter Einbeziehung von Gesetzen und Vorschriften, einer funktionierenden Börse, Behörden
und Organisationen zur Unterstützung der Unternehmen - die alle die Solvenz der privatisierten Unternehmen sichern sollen.
Die Schubkraft dieser beiden Initiativen trägt zur Schaffung eines offenen, fairen und berechenbaren unternehmerischen Umfelds bei, das Investitionen im Inund Ausland fördert. Die Privatisierungsprogramme
umfassen die Privatisierung kleiner Betriebe, Pilotprojekte zur Privatisierung von Landbesitz, die Entmonopolisierung von Warenhäusern und dem Transportwesen, ein öffentliches Informationssystem sowie die
beginnende Entwicklung eines Kapitalmarktes. Das

Seite 3

�nationale Auktionssystem gestattet russischen Bürgern den Erwerb von Aktienanteilen an Unternehmen,
die im gesamten Land zur Versteigerung angeboten
werden.
Der Erfolg der Bemühungen Rußlands um die Reform
der staatlich kontrollierten Wirtschaft zeigt sich am
deutlichsten an seinem Privatisierungsprogramm, an
dem 77 der 89 Regionen Rußlands teilnehmen. Seit
dem 31. September 1993 sind mehr als 4.000 der
mittelständischen und großen Unternehmen durch
Anteilsscheinauktionen privatisiert worden. Monatlich
werden etwa 800 versteigert. Nahezu 11.000 zusätzliche Firmen sind als Aktiengesellschaften registriert der erste Schritt zur Privatisierung. Derzeit sind mehr
als 20 Prozent der russischen Industriearbeiter im
Privatsektor angestellt. Diese Elemente bekräftigen,
daß im russischen Privatisierungsprozeß bei der Abgabe
staatlicher Vermögenswerte an den Privatsektor in nur
einem Jahr beträchtliche Fortschritte erzielt wurden.

geleitet, damit auf dem russischen Rohstoff markt auch
Handel mit Erdölprodukten betrieben werden kann.
Unter der Schirmherrschaft der amerikanischen Regierung werden in Rußland und den Vereinigten Staaten eine Reihe von Seminaren über den Betrieb von
Erdöl- und Erdgasleitungen sowie Elektrizität abgehalten. Das Energieministerium und das Umweltschutzamt der Vereinigten Staaten richteten in Moskau ein
Zentrum zur Energieeinsparung ein.
Aufbau demokratischer Institutionen. Diese Programme stellen Informationen über die Prinzipien der
Regierungsführung in einer demokratischen Gesellschaft zur Verfügung. Die Hauptgebiete bei diesem
Aspekt technischer Hilfe sind Programme zur Rechtsstaatlichkeit, öffentliche und Kommunalverwaltung,
Stärkung politischer Parteien und Veranstaltung von
Wahlen sowie die Förderung unabhängiger Medien.

Im Bereich staatsrechtlicher Programme besuchen
russische Parlamentarier im Rahmen des ParlamentaAm 28. September 1993 unterzeichneten Vertreter rischen Patenschaftsprogramms des US-Informationsdes US-Amts für internationale Entwicklung ein Ab- amts (USIA) die Vereinigten Staaten. Eine Delegation
kommen zur Initiierung eines russisch-amerikanischen führender Abgeordneter des russischen Obersten
Unternehmensfonds. Die Vereinigten Staaten planen Sowjets verbrachte Anfang 1993 eine Woche in der
die Ausstattung dieses Fonds mit einem Kapital von Bundeshauptstadt Washington im Rahmen des Proüber 300 Millionen Dollar an Auslandshilfe in den jekts "Gesetzgebung für Demokratie", das mit Hilfe
kommenden drei Jahren. 40 Millionen Dollar sollen für eines Darlehens des US-Informationsamts von der
Aktivitäten im äußersten Osten Rußlands aufgewen- Lawyers Alliance for World Security organisiert wurde.
det werden. In Anbetracht des Ressourcenreichtums Ein Rechtsberater der amerikanischen Bundesanwaltsdes Fernen Ostens und der Bedeutung des Pazifik- kammer koordiniert in Moskau deren Tätigkeit auf den
rands wird damit ein Katalysator für das reiche unter- Gebieten Verfassungslehre und Gesetzgebung,
nehmerische Potential der Region geschaffen, ein- Umstrukturierung des Justizwesens und Strafrechtsschließlich Gemeinschaftsunternehmen mit amerika- reform. Die Anwaltskammer veranstaltete im Januar
nischen Firmen. Der Fonds, der von einem privaten 1993 in Washington mehrere Seminare zur VerfasVerwaltungsrat geführt wird, soll die Befugnis zur sungsreform und dem Entwurf einer russischen VerAufnahme von Darlehen und Investitionen in Anteils- fassung. Neben weiteren Programmen wird an der
papieren haben sowie technische Hilfe zur Förderung Rechtsakademie des russischen Justizministeriums
neuer Privatunternehmen und Unternehmer in Ruß- ein Ausbildungsprojekt für Juristen durchgeführt.
land mit besonderer Betonung der Unterstützung kleiner und mittelständischer Betriebe anbieten. Er soll Mit Hilfe der Programme zur öffentlichen Verwaltung
zur Nutzung des amerikanischen Regierungskapitals fördert das US-Informationsamt Ausbildungsprogramermutigt werden, um andere Ressourcen für die Ent- me für hochrangige kommunale und städtische Beamte Rußlands und stellt Sister Cities International Mittel
wicklung des russischen Privatsektors anzuziehen.
zur Einrichtung städtischer Ausbildungsprogramme
Energie. Die technischen Hilfsprogramme der US- zwischen Partnerstädten zur Verfügung. USIA gibt
Regierung im Energiesektor zielen auf erhöhte Reak- auch politisches und verwaltungstechnisches Infortorsicherheit, Energieeinsparung, Bekämpfung von mationsmaterial heraus. Der Bürgermeister von NiEnergieverschwendung und Entwicklung effizienter schi-Nowgorod nahm an einem dreiwöchigen StudienEnergiereserven ab. Im Rahmen des Programms für programm in den Vereinigten Staaten über StadtverReaktorsicherheit richten das Energieministerium und waltung, Beteiligung von Unternehmen an der Stadtdie kerntechnische Genehmigungsbehörde der Verei- verwaltung, Föderalismus und Wirtschaftswissenschafnigten Staaten ein Ausbildungszentrum zur Verbesse- ten teil. Ein Berater der National Forum Foundation
rung der Betriebssicherheit ein. Eine Arbeitsgruppe erarbeitete zusammen mit dem Stadtrat von St. Pezur Energieeinsparung (die nach Kostroma und Jeka- tersburg Flächennutzungs- und Baubestimmungen.
terinburg entsandt wurde) sowie Teams für die Sicher- Zwei amerikanische Kommunalverwaltungsexperten
heit im Kohlebergbau (in den Regionen von Kusbass führen in Nowossibirsk regionale Ausbildungsprogramund Workuta) wurden an verschiedenen Orten bera- me durch und entwickeln Programme für Nischi-Nowtend tätig und installieren Einrichtungen zur Energie- gorod, Jekaterinburg und Saratow. Das US-Amt für
einsparung. Es wurde ein Programm in die Wege internationale Entwicklung rief in Moskau und Nischi-

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�Nowgorod ein umfassendes Programm zur kommunalen Finanzverwaltung ins Leben.
Die International Foundation for Electoral Systems
(IFES), das National Democratic Institute, das International Republican Institute und andere nichtstaatliche
Organisationen intensivierten ihre laufenden Programme zur Bereitstellung technischer Hilfe für die Parlamentswahlen vom Dezember 1993. Diese Aktivitäten
zur technischen Unterstützung lassen sich in vier
Hauptkategorien aufteilen: Die Entwicklung des politischen Prozesses zur Förderung freier und fairer
Wahlen, Unterstützung bei der Organisation von Wahlen,
Förderung der Wahlbeteiligung durch Aktivitäten der
Medien und Dialog mit der Öffentlichkeit sowie die
Ausbildung von Teams russischer Wahlbeobachter.
Das IFES und der Beauftragte der amerikanischen
Wahlprüfungskommission arbeiteten direkt mit der
russischen Wahlprüfungskommission zusammen.
Der Aufbau unabhängiger Medien umfaßt eine Vielzahl von Aktivitäten und Organisationen. Internews,
eine gemeinnützige amerikanische Organisation, bildet Journalisten aus und gibt Empfehlungen für die
Einrichtung eines unabhängigen Verteilersystems für
Femsehnachrichten. Im Dezember 1992 förderten
USIA und die Soros Foundation ein von Internews
organisiertes zweiwöchiges Seminar in den Vereinigten Staaten über den Femsehbetrieb in Amerika und
insbesondere unabhängige Femsehstationen auf großen
amerikanischen Märkten. Internews veranstaltete auch
die erste auf Video aufgenommene Telekonferenz für
100 Millionen Zuschauer über die Debatten des russischen und des ukrainischen Parlaments.
Grundsätze der Unternehmensfuhrung und Ausbildung kleiner Betriebe. Eine Vielzahl laufender
Programme soll Beratung über Grundsätze der Unternehmensfuhrung anbieten. Das Peace Corps hat
Freiwillige nach Wladiwostok und an die Wolga entsandt, um kleinen Betrieben Grundlegendes beizubringen.
Das Wirtschaftsministerium richtet amerikanische
Geschäftszentren ein, die Informationen zur Unternehmensfuhrung zur Verfügung stellen. 83 Russen
nehmen an der vom Wirtschaftsministerium organisierten Praktikantenausbildung in amerikanischen
Unternehmen (Special American Business Internship
Training - SABIT) teil und 38 halten sich zur Zeit in den
Vereinigten Staaten auf. Das Wirtschaftsministerium
hat einen amerikanisch-russischen Ausschuß zur
Untemehmensentwicklung ins Leben gerufen.
Das US-Informationsamt richtet in Wladiwostok ein
Amerika Haus als zentrale Informationsquelle über
verschiedene Aspekte marktwirtschaftlicher Prinzipien
ein. Es bietet eine Vielzahl von Publikationen an, die
Beispiele für die freie Marktwirtschaft liefern. USIA
organisiert auch mehrere Fernsehprogramme und
Radiosendungen über Aspekte der freien Marktwirtschaft.
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Sichere Abrüstung. Die Vereinigten Staaten haben
Rußland, Belarus, Kasachstan und der Ukraine 1,2
Milliarden Dollar an Nunn-Lugar-Hilfe zugesagt. Bisher wurden ein Rahmenabkommen und 11 Durchführungsvereinbarungen unterzeichnet, die bis zu 374
Millionen Dollar an Rußlandhilfe bereitstellen. Diese
Vereinbarungen bieten Beistand bei der Beseitigung
strategischer Trägersysteme für Atomwaffen, der
Beschaffung von Gerät für den Aufbau und Betrieb
einer Lagerstätte für spaltbares Material, bei der Einrichtung nationaler und einrichtungsgebundener Systeme für die Kontrolle und Rechenschaft über Nuklearmaterial für zivile Zwecke sowie dessen Schutz.
Kreditbürgschaften und Wirtschaftsabkommen
Seit 1991 haben die Vereinigten Staaten der ehemaligen Sowjetunion mehr als 5 Milliarden Dollar an landwirtschaftlichen Kreditbürgschaften zur Verfügung
gestellt. I m September 1992 gab das Landwirtschaftsministerium neue Kreditbürgschaften in Höhe von 900
Millionen Dollar bekannt, die unter das GSM-102Programm der amerikanischen Förderungsstelle für
die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte (Commodity
Credit Corporation - CCC) fallen und dem Erwerb
landwirtschaftlicher Produkte aus den Vereinigten
Staaten dienen sollen. 100 Millionen Dollar dieser
Summe sind für das Haushaltsjahr 1992,800 Millionen
Dollar für das Haushaltsjahr 1993 vorgesehen. Das
Programm für 1993 wurde im November 1992 ausgesetzt, als die Russische Föderation mit ihren Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 899 Millionen Dollar
an noch von der früheren Sowjetunion eingegangenen
CCC-Obligationen in Verzug geriet. Durch diese einstweilige Einstellung blieben 365 Millionen Dollar des für
das Haushartsjahr 1993 vorgesehenen Programms
ungenutzt; die 497 Millionen Dollar an Rückständen
wurden in das Umschuldungsprogramm miteinbezogen, das am 2. April von den offiziellen Gläubigern
angenommen wurde. Die Zahlung dieser Rückstände
wird Teil eines noch auszuhandelnden bilateralen
Umschuldungsabkommens sein; 497 Millionen Dollar
an nicht unter die Umschuldung fallenden Rückständen sind noch fällig. Weitere Bestrebungen umfassen
unter anderem:
Die Export-Import Bank hat Kreditbürgschaften
und Versicherungen in Höhe von über 240 Millionen Dollar für Transaktionen in Rußland
bewilligt.
Gemäß einem im Juni 1992 ratifizierten Abkommen kann die Entwicklungsgesellschaft OPIC in
Rußland niedergelassenen amerikanischen
Unternehmen eine Versicherung und andere
Bürgschaften anbieten.
Im Juni 1992 wurde ein bilaterales Handelsabkommen (bilateral trade agreement - BIT) ratifiziert, das den Meistbegünstigungsstatus einräumt. In demselben Monat wurden auch bila-

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�terale Verträge über Investitionen und Versteuerung unterzeichnet. Für das BIT ist noch die
Zustimmung des russischen Parlaments erforderlich. Die Ratifizierungsinstrumente für den
Vertrag über die Versteuerung wurden während
des Moskaubesuchs von Vizepräsident Gore im
Dezember 1993 ausgetauscht.
Das Amt für Handel und Entwicklung hat über 12
Millionen Dollar für Projektstudien und verwandte Programme für 40 Handelsprojekte bereitgestellt.
Weitere Programme
Weitere Programme sind bereits in die Wege geleitet
worden:
Die amerikanische Regierung hat Finanzhilfe
für die Einrichtung eines internationalen Wissenschafts- und Technologiezentrums in Rußland zugesagt.
Aus Angehörigen des US-Amts für internationale Entwicklung und des Außenministeriums bestehende Teams reisten im Oktober und November 1993 nach Moskau und trafen mit Vertretern russischer Behörden zusammen, um ein
Programm zur Bereitstellung von 5.000 Wohnungen für aus dem Baltikum und anderen
Gebieten heimkehrende demobilisierte russische Offiziere zu entwerfen, wie von Präsident
Clinton beim Gipfel der sieben führenden Industrienationen angekündigt. Zu diesem Zweck
wurde im August 1993 ein von Präsident Clinton
beim Vancouver-Treffen bekanntgegebenes
Pilotprojekt begonnen, das 450 Wohneinheiten
umfaßt. Dieses Pilotprojekt sieht auch Umschulungsmaßnahmen vor. In Moskau, St.

Petersburg, Nowosibirsk und Jekaterinburg arbeiten Wohnungsfachleute an einer Gesetzesreform für den Wohnungssektor, entwickeln ein
Gesetz zur Privatisierung von Wohnungen und
geben Ratschläge für die Stadtverwaltung. Der
University of Maryland wurden Gelder zur Einrichtung eines Austauschprogramms für Wohnungsbaufachleute bewilligt. Das US-Informationsamt finanzierte im Februar 1993 ein Seminar über den amerikanischen Wohnungssektor
für Fortgeschrittene.
Im Rahmen des FREEDOM Support Act haben
Schüler weiterführender Schulen aus Rußland
Austauschprogramme mit amerikanischen High
Schools begonnen. Die Soros Foundation gab
ihre Absicht bekannt, 10 Millionen Dollar für die
Reform des weiterführenden Schulwesens in
Rußland bereitzustellen, wozu auch das Projekt
"Umwandlung der Geistes- und Sozialwissenschaften" zählt.
Ein Team der Weltbank, dem auch Mitarbeiter
des US-Amts für internationale Entwicklung und
des Umweltschutzamts angehören, bereitet ein
Abkommen über ein Paket von Darlehen im
Umweltschutz- und Energiebereich in Höhe von
3 bis 4 Millionen Dollar vor, um einen Mechanismus in Gang zu setzen, weitere Gelder anzuziehen.
Fünf Privatorganisationen aus den Vereinigten
Staaten haben Zuschüsse zur Förderung örtlicher nichtstaatlicher Organisationen und der
ehrenamtlichen Tätigkeit erhalten. Die für das
russische Programm bereitgestellten Gelder
belaufen sich auf ungefähr 4 Millionen Dollar.

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�NAHER

OSTEN
19. Januar 1994

CLINTON UND ASSAD FORDERN
"FRIEDEN DER MUTIGEN"
Syrien strebt normale Beziehungen zu Israel an

GENF - (AD) - Präsident Clinton verlieh am 16. Januar
1994 seiner Hoffnung Ausdruck, daß der Appell des
syrischen Präsidenten Assad zu einem "Frieden der
Mutigen" in Israel eine "positive Reaktion hervorrufen"
werde.
Clinton bezeichnete die Erklärung Assads, er sei bereit
zum Aufbau normaler Beziehungen zu Israel als Teil
einer umfassenden Friedenslösung als "äußerst wichtig" und teilte auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Präsidenten mit, seiner Ansicht nach
sei der syrische Staatschef gewillt, das zur Friedensschaffung erforderliche Risiko auf sich zu nehmen,
"das alle verantwortlichen Politiker eingehen müssen,
die wirklich den Frieden anstreben".
Clinton entsandte ein Team amerikanischer Diplomaten aus Genf nach Israel, um Ministerpräsident Rabin
noch vor dem für nächste Woche in der Bundeshauptstadt Washington angesetzten Treffen der Delegationschefs des Friedensprozesses im Nahen Osten
über die Gespräche zu informieren. Dieses Treffen
war im vergangenen Monat vereinbart worden.
Der amerikanische Präsident gab bekannt, er habe
seit seinem Amtsantritt brieflich und fernmündlich in
regelmäßigem Kontakt zu Assad gestanden und fügte
hinzu, er sehe der Gelegenheit erwartungsvoll entgegen, in einem persönlichen Gespräch mit dem syrischen Staatschef dessen Ansichten darüber zu hören,
"wie dieses Jahr zu einerZeit des Du rchbruchs an allen
Fronten gestaltet werden kann". Nach einem länger
als vier Stunden andauernden offiziellen Treffen
amerikanischer und syrischer Regierungsvertreter und
einem 50minütigen Gespräch unter vier Augen sei er
sicher, daß Assad "das gleiche Ziel wie er selbst"
verfolge: "Nicht nur die Beendigung des Krieges,
sondern die Schaffung eines wirklichen und umfassenden Friedens mit Israel, der zu normalen, friedlichen
Beziehungen zwischen guten Nachbarn führt."

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Der syrische Präsident erklärte, sein Land strebe
"einen FriedenderMutigen"an, "einen echten Frieden,
der von Dauer und lebensfähig ist, einen Frieden, der
den Interessen beider Seiten Rechnung trägt...". Wenn
die Politiker Israels zur Schaffung eines solchen Friedens bereit seien, werde "ein neues Zeitalter der
Sicherheit und Stabilität anbrechen, das von normalen, friedlichen Beziehungen zwischen allen Staaten
gekennzeichnet ist".
Clinton zufolge forderte der syrische Präsident einen
"Frieden der Mutigen", da sowohl in Tel Aviv als auch
in Damaskus "schwerwiegende Entscheidungen" getroffen werden müßten, "wenn dieses gemeinsame
Ziel erreicht werden soll. Aus diesem Grund schließe
ich mich seinem Appell an."
Diese schwerwiegenden Entscheidungen umfassen
dem amerikanischen Präsidenten zufolge den israelischen Rückzug im Zuge des Strebens nach Frieden
und Sicherheit, wie in den UN-Resolutionen 224 und
338 gefordert. Nach seinen Gesprächen mit Assad
teilte Clinton mit: "Ich bin zuversichtlich, daß wir die
Grundlagen für wirkliche Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den Delegationschefs gelegt haben",
die nächste Woche in der Bundeshauptstadt Washington aufgenommen werden.
Auf die Frage, ob Assad eine 'bindende Verpflichtung"
zur Normalisierung der Beziehungen zu Israel eingegangen sei, erwiderte Clinton: "Die kurze Antwort
lautet Ja. Meines Erachtens gab Präsident Assad eine
klare, offene und höchst bedeutende Erklärung über
normale, friedliche Beziehungen ab."
Clinton lehnte es ab, über spezifische Konzessionen
oder Vorschläge zu sprechen, die in den Gesprächen
gemacht wurden und wies darauf hin, die Parteien
müßten die Umsetzung eines jeden Abkommens
aushandeln. Er stellte jedoch fest, die Behauptung

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�Assads, "es ist an der Zeit, den Konflikt mit Israel zu
beenden und einen Frieden mit diesem Staat zu schließen, der zu normalen und friedlichen Beziehungen
führt" stelle ein hoffnungsvolles neues Element dar.
Präsident Clinton verlieh seiner Hoffnung Ausdruck,
"daß dies eine positive Reaktion Israels hervorrufen
wird und die Parteien sich anschließend zusammensetzen, um die Einzelheiten ausarbeiten".

Präsident, sei er der Überzeugung gewesen, daß
Assads Beteiligung am Friedensprozeß für den Frieden "entscheidend"sei. Diese Überzeugung habe sich
in den Stunden "konstruktiver und ermutigender" Erörterungen im Hotel Intercontinental in Genf bestätigt.

Clinton zufolge haben Assad und er eine Erörterung
der mit der Aushandlung eines umfassenden Friedens
einhergehenden "Details" vermieden und bekräftigt,
dies sei nicht "angemessen", da andere KonfliktparteiAuf die Frage, waru m seiner Ansicht nach Fortschritte en nicht anwesend seien. Sie hätten vielmehr darüber
jetzt möglich seien, antwortete der Präsident, Wa- gesprochen, "wie am besten Durchbrüche" bei allen
shington versuche, "den meines Erachtens geeigne- Aspekten des Friedensprozesses erzielt werden könnten Zeitpunkt in der Geschichte zu nutzen, wenn man ten.
engagierte Politiker hat, die dies vollbringen wollen".
Ihm zufolge werden die Vereinigten Staaten alles in Assads Erklärung zu normalisierten Beziehungen waren
ihrer Macht Stehende tun, "um den Prozeß in Gang zu die erste Aussage, in der sich der syrische Staatschef
halten, das Vertrauen unter den Parteien zu bewahren öffentlich zur Erfüllung der israelischen Bedingungen
sowie versuchen, ein ehrlicher Makler zu sein und die für die Aufnahme von Gesprächen über den Abzug
Probleme zu bewältigen".
ihrer Truppen von den Golanhöhen äußerte, wo jetzt
rund 13.000 israelische Siedler leben.
Clinton erläuterte, Assad und er hätten auch die bilateralen Beziehungen erörtert und sich darauf verstän- Wie ein hochrangiger amerikanischer Regierungsverdigt, daß von den Diplomaten ein "Mechanismus" treter später erklärte, habe Assad "heute Neuland
geschaffen wird, um die Meinungsverschiedenheiten erschlossen bei der Darlegung seiner Vision von Friezwischen Washington und Damaskus im einzelnen den, einem ehrenwerten Frieden mit Israel. Meines
auszumachen sowie auf ihre Behebung hinzuarbeiten. Erachtens hat er dies zum ersten Mal getan."
Der Präsident stellte fest, sie seien sich einig, "daß wir
sehr viel zu unseren bilateralen Beziehungen und zu
einer besseren Zukunft beitragen werden, wenn wir
das gegenseitige Vertrauen bei der Arbeit an einer
friedlichen Lösung im Nahen Osten bewahren können".

Der Beamte bezeichnete das 'bedeutende" Ergebnis
der Gespräche als "einiges", das Assad "zuvor nie
gesagt hatte. Insbesondere die Verpflichtung zur
Beendigung des Konflikts mit Israel, die Verpflichtung
zu Frieden mit Israel, die Verwendung des Begriffs
'normale, friedliche Beziehungen' - all dies sind Formulierungen und eine Terminologie, die zuvor nie verwenEin hochrangiger Regierungsvertreter stellte fest, Clin- det wurde... Es wurde Neuland erschlossen, zuminton habe die Frage des Bombenanschlags auf den Pan dest im Hinblick auf die Terminologie."
Am Flug 103 angeschnitten und "eindeutig klargestellt,
daß dies für die Vereinigten Staaten ein äußerst ern- Ebenso wie der Präsident lehnte der Regierungsverstes Thema sei. Der Präsident erklärte, es sei absolut treter eine Definition dessen ab, was unter normalen,
unerläßlich, daß Libyen die des Anschlags angeklag- friedlichen Beziehungen zu verstehen sei. Er stellte
ten beiden Männer für den Prozeß ausliefert. Dem jedoch fest, Assad "hat uns zweifelsohne seine EinPräsidenten zufolge ist dies eine absolute Bedingung schätzung der Anforderungen des Friedens vermittelt,
der Vereinigten Staaten."
er versteht die umfassenden Elemente des Friedens
und ich möchte wirklich nicht weitergehen". Der BeamPräsident Clinton traf Präsident Assad zum Abschluß te fügte jedoch hinzu, Assad habe öffentlich erklärt, er
einer achttägigen Europareise, die sich auf die Her- sei bereit, auf die Erfordernisse des Friedens zu reaausforderungen konzentriert hatte, mit denen sich die gieren.
Atlantische Gemeinschaft konfrontiert sieht. In seinen
Ausführungen hatte er jedoch festgestellt, daß ihn der Aus israelischer Sicht beinhalten diese Erfordernisse
Nahe Osten seit dem Tag seiner Amtsübernahme sichere Grenzen, diplomatische Anerkennung sowie
äußerst beschäftigt habe. Von Anfang an, so der offenen Handel und Handelsbeziehungen.

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�USIA
19.Januar 1994

KEMBLE ERÖFFNET BUSINESS
INFORMATION CENTER
Ansprache im Amerika Haus Frankfurt
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Stellvertretenden USIA-Direktors Penn
Kemble anläßlich der Eröffnung des Business Information Center im Amerika Haus Frankfurt am 18. Januar
1994.

Botschafter Holbrooke hat uns das Thema Handel und
Kultur vorgegeben. Staatssekretär Garten wird sich
mit dem Thema Handel befassen - und sicherlich auf
höchst effiziente Weise. Wir im US-Informationsamt
sind für das zuständig, was man als die kulturelle
Domäne bezeichnen könnte.
Natürlich verwenden wir den Begriff Kultur hier im

umfassendsten Sinne. Obwohl USIA sehr viel im
Bereich der Künste sowie der akademischen und
wissenschaftlichen Welttätig ist, hatdervom Business
Information Center angebotene Informationsdienst einen
eher praktischen Aspekt. Wir erwarten nicht, daß
diese Einrichtung ein Zentrum der Hochkultur wird.

In den Vereinigten Staaten waren Handel und Kultur
nicht nur unterschiedliche Gebiete-viele gingen davon
aus, daß zwischen den beiden ein inhärenter Gegensatz besteht. Die einzig authentische Kultur war, was
einige als Gegenkultur bezeichneten: Die Gemeinschaft der Werte und Ideen, die entstanden war und
durch den Widerstand gegen den rein materiell eingestellten Menschen genährt wurde. Aus diesem Blickwinkel bestand der einzig mögliche Beitrag, den der
Handel zur Kultur leisten konnte, in einem Stipendium.

Ich bin erstaunt darüber, wie veraltet diese Einstellung
heute erscheint. Dies schlägt sich in den offensichtlichsten Dingen nieder. Beispielsweise kann man nicht
mehr einen Raum betreten - noch nicht einmal zu einer
Die Tatsache, daß Botschafter Holbrooke uns heute Vernissage oder einer Party von Schauspielern gehen
hier zusammengebracht hat, könnte jedoch eine Ver- - und vom äußeren Erscheinungsbild her sagen, wer
lagerung des in unserer Zeit vorherrschenden Gefühls das "Kulturvölkchen" und wer die "Geschäftsleute"
bedeuten, daß wir uns um Erkenntnis und Verständnis sind. Versuchen Sie es, und Sie können sicher sein,
bemühen sollten. Ein deutsches Wort hat seinen einen Fauxpas zu begehen.
festen Platz im amerikanischen Vokabular gefunden,
der Begriff "Zeitgeist". Wir Amerikaner sind boden- Heute treffen Sie Manager aus der Computerindustrie,
ständige Menschen und müssen vorsichtig sein, wenn die ihre Examensarbeit über die Choräle des Mittelalwir uns auf das Terrain geistiger Höhenflüge begeben tersgeschrieben, und andere, die in Lateinamerika mit
- insbesondere, wenn wir ein Land besuchen, das für der Urbevölkerung gearbeitet haben und mit großen
seine philosophischen und historischen Leistungen Ideen für Investitionen in die Krabbenzucht zurückkabekannt ist. Dennoch möchte ich versuchen - wenn men. Die Migration geht auch in die andere Richtung,
auch vielleicht etwas stümperhaft - meinen Eindruck von der Geschäftswelt in den Kulturbereich. Der Mann
einer Änderung des Zeitgeists wiederzugeben.
im dunkelblauen Anzug könnte sich als jemand erweisen, der seinen Arbeitsplatz bei einer Versicherung
Diejenigen unter Ihnen, die - sei es in den Vereinigten aufgab, um ein Buch über die architektonischen GärStaaten oder hier in Europa - die Erfahrungen meiner ten des 18. Jahrhunderts zu schreiben oder ein BilGeneration teilen, könnten sich bei der Verbindung der dungsprogramm für jugendliche Angehörige von MinBegriffe Kultur und Handel etwas ungemütlich fühlen. derheiten zu entwickeln.
Vor nicht allzulanger Zeit lief man Gefahr, als Philister,
Banause oder Diener des bourgeoisen Establishment Was geht hier vor? Was hat diese Vermischung der
abgetan zu werden, wenn man Handel und Kultur in Domänen von Handel und Kultur bewirkt?
einem Atemzug nannte.
AMERIKA DIENST 3

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�Ein offensichtlicher Faktor war der Zusammenbruch
des Marxismus-Leninismus. Nachdem selbst die
vernünftigsten Menschen verstanden hatten, daß der
Kommunismus eine grausame Täuschung war, erhielt
der Fortbestand des "sozialistischen Blocks" die Idee
eines unversöhnlichen Konflikts zwischen den Welten
von Handel und Kultur irgendwie am Leben. Viele der
Linken konnten immer noch durch die Behauptung
beschämt werden, daß sie etwas des Profits wegen
taten. Aber als sich den Menschen, die unterdem "real
existierenden Sozialismus" gelebt hatten, endlich die
Chance bot, der Welt zu zeigen, was sie davon hielten,
wurde diese Verlegenheit ausgemerzt.
Veränderungen haben sich jedoch nicht nur bei der
sogenannten Linken vollzogen. Führungskräfte in der
Geschäftswelt werden sich zunehmend bewußt, daß
Wohlstand vornehmlich in den Menschen und ihren
Qualifikationen, in ihrer Bildung und ihrer Fähigkeit
liegt, in relativem Frieden und Harmonie miteinander
zu leben und zu arbeiten.

mehr informiert sein, als nur über Preis, Menge und
Postanschrift. Wenn Mercedes Benz oder BMW den
Bau eines Werkes in South Carolina oder Alabama
planen, wollen sie eine Vielzahl harter kommerzieller
Fakten wissen: Transportkosten, Energiekosten,
Lohnkosten etc.
Wenn es sich um eine ernsthafte Investition handelt,
benötigt das Unternehmen auch die Beantwortung
anderer Fragen: Was für Schulen gibt es in der
Gegend? Bestehen Erholungsmöglichkeiten für die
Angestellten? Welche Einstellung hat die örtliche
Bevölkerung gegenüber Ausländern? Gibt es in der
Region irgendwelche merkwürdigen Sitten und Gebräuche? Eine gute Führungskraft wird vielleicht sogar
ein Buch über den Süden der Vereinigten Staaten von
William Faulkner oder Toni Morrison lesen wollen.

Ähnliches gilt auch fü r einen Amerikaner, der etwas auf
dem deutschen Markt verkaufen will. Heute werden
Märkte nicht einfach entdeckt - sie werden kultiviert.
Wie kann man das Interesse der Deutschen an KurorZweifelsohne gibt es diejenigen, die Profite absahnen, ten amerikanischen Stils, amerikanischen Laufschuindem sie schwache Menschen ausnutzen. Aber hen, Burritos oder ähnlichem wecken? Man muß sehr
während wir in das Zeitalter der Informationswirtschaft viel über sie herausfinden und sorgfältig eine Strategie
eintreten, findet die Idee zunehmend Widerhall, daß entwerfen. Man benötigt eine Vielzahl von Informatiodie größten Vorteile bei Produktivität und Gewinn in nen - aber Informationen reichen nicht aus. Erforderder Förderung von Menschen zu finden sind - nicht lich ist ein Gefühl für die Menschen und ihre Kultur.
indem man ihre Schwächen ausnutzt. Dies trägt dazu
bei, Handel und Kultur - Bildung, Ideen, Werte und die Der Zugang des Amerika Hauses Frankfurt zu elektroKünste - nach einer langen und schmerzlichen Zeit der nischen rechnergestützten Informationsdiensten wie
Dialogue, Legislate und Nexis - harten Fakten - kann
Spannungen wieder zusammenzubringen.
zu Handel und Investitionen zwischen unseren LänIch möchte jetzt diesen hochintellektuellen Orbit ver- dern beitragen, die von beiderseitigem Vorteil sind.
lassen und sehen, ob ich - wie eine Raumfähre - auf die
Wir hoffen auch, daß diese Informationen für UmweltErde zurückkehren kann.
schutzorganisationen, Frauengruppen, GewerkschafWie kann man, praktisch gesehen, Arbeitsbeziehun- ten und Kommunalbeamte von Nutzen sein können.
gen zwischen Handel und Kultur herstellen? Wie Wir haben nicht einfach nur eine Marktwirtschaft,
können wir in USIA die Aufgabe bewältigen, die Kosten sondern eine soziale Marktwirtschaft. Wenn die Wirtfür Einrichtungen wie diese zu rechtfertigen - zu einer schaftsbeziehungen zwischen unseren beiden LänZeit, in der der amerikanische Steuerzahler zu Recht dern erfolgreich sein sollen, ist große Transparenz
fordert, daß jeder in derzeit nach dem Kalten Krieg von erforderlich, und beide Seiten müssen sich der Pflichuns im Ausland ausgegebene Dollar eindeutig ge- ten der in der Wirtschaft Tätigen gegenüber der Öffentrechtfertigt ist?
lichkeit bewußt sein.
Handel und Kultur basieren gleichermaßen auf Information, und Information ist Teil unseres Namens, wie
wir beim US-Informationsamt bisweilen sagen. Ein
zentrales Element indem Plan für die Neuorganisation
von USIA, den unser Direktor, Dr. Joseph Duffey,
Präsident Clinton diese Woche vorlegen wird, ist das
Vorhaben, die amerikanischen Botschaften und Zentren wie dieses auf der ganzen Welt an das bemerkenswerte elektronische Informationsnetz anzuschließen, das wir in den Vereinigten Staaten aufbauen.
Kurzum: Wir wollen Frankfurt zum Dreh- und AngeLpunkt unseres Informationsnetzes machen.

In diesem Bereich wirken Kultur und Handel aufeinander ein, sie verstärken sich entweder gegenseitig oder
verstricken sich und werden besiegt. Wenn Länder
starke Handelspartner werden wollen, ist gegenseitiges Verständnis erforderlich, da dieses die Basis für
Vertrauen darstellt. Aus diesem Grund ist es notwendig, daß sich ein Zentrum wie dieses nicht nur in der
Wirtschaft, sondern auch im Bildungswesen und den
Künsten engagiert.

Das Amerika Haus Frankfurt wird den Deutschen auch
Zugang zu den reichhaltigen Mitteln der weiterführenden Bildung in Amerika verschaffen. Die StudentenbeWenn ein Geschäftsmann ein Produkt vermarkten ratung unserer Infothek kann denjenigen, die ein
oder eine Investition tätigen will, muß er über sehr viel Hochschulstudium in den Vereinigten Staaten in Be-

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AMERIKA DIENST 3

�tracht ziehen, Information und Beratung anbieten - sei
es durch Stipendien im Rahmen des Fulbright-Programms oder durch Finanzierung auf eigene Faust.

Dies ist natürlich ein Aspekt der Gespräche, die wir in
den Vereinigten Staaten führen müssen. In unserem
Land wird manchmal die Meinung vertreten, Programme wie die Einrichtung von Amerika Häusern seien
USIA kann mit Hilfe dieser Einrichtung auch eine Vergünstigungen, die wir Deutschland gewähren.
andere Aufgabe unterstützen, die sowohl für die Ver- Natürlich hoffen wir, daß die Deutschen davon profitieeinigten Staaten als auch für Deutschland äußerst ren. Aber in der heutigen Zeit haben nicht nur wir den
wertvoll ist: Der Englischunterricht für junge Deutsche. Deutschen etwas aus unserem eigenen Leben anzuIch lasse nie eine Gelegenheit verstreichen, Staatsse- bieten - die Deutschen und wir sind durch gemeinsame
kretär Garten daran zu erinnern, daß die Vereinigten Werte und zunehmend auch durch viele gemeinsame
Staaten enorme Vorteile aus diesen bildungspoliti- Erfahrungen miteinander verbunden. Unser Kulturschen Aktivitäten ziehen - auf sehr direkte und greifba- und Bildungsaustausch mit Deutschland ist für uns von
re Weise. Durch die weiterführende Bildung erzielen immer größerem Vorteil.
die Vereinigten Staaten jährlich Nettoeinnahmen aus
dem Ausland in Höhe von ungefähr 6 Milliarden Dollar Folglich ist es nicht nurdie Vereinigung von Kultur und
- was die weiterführende Bildung zu einer unserer Handel, die die Amerika Häuser im Vergleich zu den
produktivsten Exportindustrien macht. Durch den legendären Tagen des Wiederaufbaus nach dem Krieg
Englischunterricht werden nicht nur Märkte für unsere weiter verändert - das Entstehen eines modernen und
Bücher, Filme und sogar Hardware-Produkte geschaf- vereinigten Deutschland verwandelt diese Einrichtunfen - einer Studie der britischen Zeitschrift The Econo- gen in Schlüsselverbindungen von beiderseitigem Vormist zufolge beläuft sich der Markt fürden Englischun- teil zwischen großen Nationen. Es ist eine Ehre,
terricht weltweit jährlich auf 9 Milliarden Dollar.
hierbei eine kleine Rolle zu spielen.
Kurzum: Kultur ist nicht nur eine Ergänzung des Handels, sondern kann selbst ein großes Geschäft sein.

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�PORTRAT
19.Januar 1994

PENN KEMBLE SIEHT FÖRDERUNG DER DEMOKRATIE
IM AUSLAND ALS HAUPTAUFGABE
Porträt des Stellvertretenden USIA-Direktors
BONN - (AD) - Der Stellvertretende USIA-Direktor Penn Kemble nahm am 17. und 18. Januar 1994 an den 27.
deutsch-amerikanischen Kulturkonsultationen teil und eröffnete am 18. Januar im Beisein des amerikanischen
Botschafters in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C. Holbrooke, das Business Information Center im
Amerika Haus Frankfurt. Aus diesem Anlaß veröffentlichen wir das Porträt von Penn Kemble.

Penn Kemble wurde am 4. Mai 1993 von Präsident
Clinton zum Stellvertretenden Direktor des US-Informationsamts nominiert und vom amerikanischen Senat
am 29. Juni 1993 bestätigt. Kemble hat sich seit vielen
Jahren die Förderung von Demokratie im Ausland zur
Aufgabe gemacht. Seine Position bei USIA ist die des
Stellvertreters von USIA-Direktor Dr. Joseph Duffey.
Seit 1991 war Kemble Mitglied des Board for International Broadcasting und ist seit 1988 hochrangiger
Mitarbeiter von Freedom House, einer überparteilichen Menschenrechtsorganisation, die Demokratie
weltweit unterstützt. 1972 war Kemble Mitbegründer
der Koalition für eine demokratische Mehrheit (Coalition for a Democratic Majority) und dann Mitherausgeber von The Defense Democrat. Seit 1981 ist er
Vorsitzender des Exekutivausschusses der Koalition.
Von 1981 bis 1988 war Kemble Präsident von Prodemca, einer Organisation für die Förderung der demokratischen Entwicklung auf dem gesamten amerikanischen Kontinent. Zwischen 1979 und 1981 arbeitete
er als Produzent und Drehbuchautor im öffentlichen
Hörfunk für WETA-TV in der Bundeshauptstadt Washington. 1978 und 1979 war er persönlicher Referent
und Redenschreiber von Senator Patrick Moynihan,
einem Demokraten aus New York.
Von 1969 bis 1972 war Kemble Vorsitzender von
Frontlash, Inc., einer vom amerikanischen Gewerkschaftsbund AFL-CIO geförderten Kampagne zur
Wählerregistrierung und politischen Bildung von der

Arbeiterklasse und Minderheiten angehörenden Jugendlichen. Kemble arbeitete ferner zwischen 1963
und 1969 als Programmdirektor der League for Industrial Democracy, mit besonderem Augenmerk auf die
Angelegenheiten von Jugendlichen und Studenten.
Kemble erhielt 1962 sein Bakkalaureat an der University of Colorado. Im selben Jahr legte er einen besonderen Abschluß (Special Certificate Program) in Film
und Fernsehen an der Fakultät für Kommunikationswissenschaften der Boston University ab und nahm
1964 und 1965 am Graduate Program in Arbeitsmarktökonomie der New School for Social Research in New
York teil.
Kemble veröffentlichte Artikel in Commentary, The
New Republic sowie Leitartikel für die New York
Times und die Washington Post. Er ist Vorstandsmitglied des National Democratic Institute for International Affairs und war Anfang der achtziger Jahre im
Rundfunkprogrammrat von USIA tätig.
Bei der Nominierung von Kemble erklärte Präsident
Clinton: "Penn Kemble hat hart für die Förderung der
Sache der Freiheit im Ausland gearbeitet. Ich bin
sicher, daß er und Joe Duffey bei der Ausschöpfung
aller Ressourcen von USIA zur weiteren Verfolgung
dieses Ideals gut zusammenarbeiten werden.
Kemble ist mit Marie-Louise, geb. Caravatti, verheiratet.

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�AIDS
19. Januar 1994

DIE WAHRHEIT ÜBER AIDS
von Robert Stewart
Der amerikanische Filmemacher Richard Panzer nutzt sein Talent für eine eindringliche, gezielte, aber dennoch
nicht bedrohliche Diashow, die Erwachsene über das AIDS-Risiko und die Notwendigkeit zu einer veränderten
Lebensweise informiert. In dem nachfolgenden Artikel geht der Autor im einzelnen auf die Diashow und die
Krankheit AIDS ein.
Robert Stewart ist freiberuflicher, auf Gesundheitsfragen spezialisierter Journalist.
Der Artikel erschien erstmals in der Septemberausgabe 1992 von The World &amp; I, einer Publikation der The
Washington Times Corporation. Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von The
World &amp; I. Copyright (c) 1992.

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts werden voraussichtlich mindestens eine Million Amerikaner an AIDS
erkrankt sein. Die Mehrzahl sind Heterosexuelle, von
denen sich viele als Teenager infiziert haben. Wenn
keine Therapie gefunden wird, können Hunderttausende der Teenager von heute als Twens sterben.
Filmemacher Richard Panzer nutzt sein Talent, um
den Erwachsenen eine Botschaft über die Gefahren
von AIDS zu vermitteln.
Panzer, der Gründer von FreeTeens, kombiniert seine
Ausbildung als Filmemacher an der Yale University
und seine Erfahrungen mit Dokumentarfilmen, dem
Theater und sozialen Aktionen, um seine Botschaft in
einer Weise zu strukturieren, die eindringlich und gezielt,
aber dennoch nicht bedrohlich ist. Sein Ansatz lädt zu
Diskussionen und Nachdenken ein, nicht nur über die
Konsequenzen von Fehlem, sondern auch über den
Wunsch nach Liebe und Familie, den die meisten
Teenager zum Ausdruck bringen.
In den achtziger Jahren beschäftigte er sich intensiv
mit AIDS und der Bedeutung dieser Krankheit für seine
eigenen Kinder. Nachdem er die Vielfalt von AIDSAufklärungsprogrammen und Publikationen des öffentlichen Dienstes gelesen hatte, die die Bevölkerung
mit nichtssagenden und/oder irreführenden Aussagen
bombardierten, dachte er, man könnte etwas Besseres erarbeiten.

AMERIKA DIENST 3

Panzer schuf eine Free Teens-Diashow, die Grundsätzliches über AIDS lehrt. Darüber hinaus entwarf er
Free Teens-Poster, die in 30 Bundesstaaten verwendet werden und die an die Teenager appellieren, sich
vor AIDS zu schützen und keine Drogen zu nehmen abstinent und enthaltsam zu sein. Seine Fernseh- und
Radiospots verbreiten dieselbe Botschaft.
Die Free Teens-Diashow beginnt mit der Erläuterung
grundlegender Gesundheitskonzepte in vereinfachter,
aber wissenschaftlich korrekter Weise. Panzer selbst
wuchs in einer Familie von Ärzten auf. Die Diashow
wird von der World Medical Health Foundation unterstützt.
Dem Zuschauer wird die Struktur eines Virus vorgestellt. Die Präsentation beschreibt dann das AIDS
verursachende HIV (human immunodeficiency virus humanes Immunschwächevirus) als das "getarnte Virus".
Warum getarnt? HIV kann das Abwehrsystem des
Körpers überwinden, die weißen Blutkörperchen angreifen, in sie eindringen und die Kontrolle übernehmen, wodurch sie mehr HIV-Zellen als weiße Blutkörperchen produzieren.
Danach werden die drei Stadien der HIV-Infektion
beschrieben, angefangen vom Eindringen des Virus in
den Körper und dem Auftreten grippeähnlicher Symptome, die von den meisten ignoriert werden. Es wird
festgestellt, daß das Virus danach keine erkennbaren

Seite 1

�Symptome verursacht und sich heimlich jahrelang im
Körper multipliziert. Ein Sexualpartner zeigt vielleicht
keinerlei Symptome von AIDS, obwohl das HIV zu
diesem Zeitpunkt sehr leicht übertragen werden kann.

Jede Aktivität, durch die mit dem AIDS-Virus infizierte
Flüssigkeit in den Körper eines Menschen gelangt,
kann eine Infektion hervorrufen. Es ist bekannt, daß
das HI-Virus durch verseuchte Blutkonserven und die
gemeinsame Benutzung von Spritzen unter infizierten
Drogenabhängigen verbreitet wird und auch durch
offene Wunden in den Körper eindringen kann. Das
Virus kann in jedem feuchten Teil des Körpers überleben, insbesondere in Blut, Sperma und Scheidenflüssigkeit. Sexuelle Beziehungen werden wahrscheinlich
der Hauptgrund für den erwarteten starken Anstieg
von AIDS-Fällen unter Teenagern sein.

Die Show geht bis zum Endstadium weiter, wenn AI DS
voll ausgebrochen ist und das Opfer mit 80prozentiger
Sicherheit noch drei oder weniger Jahre zu leben hat.
Die Dias zeigen nur einige dertypischen Krankheitsbilder, die AIDS-Patienten bekommen können, wie Soor
- ein Pilz, der den Verdauungstrakt befällt und das
Essen erschwert, Lungenentzündungen wie Pneumozystis carini und seltene Krebsarten wie das KaposiSarkom.
Im allgemeinen werden Präservative als Schutz vor
AIDS für viel sicherer gehalten, als sie den heutigen
Viele Teenager haben die vage Vorstellung, an AIDS Erkenntnissen zufolge wirklich sind. Die meisten
zu sterben, bedeute nur, Gewicht zu verlieren und Amerikaner sind sich zwar bewußt, daß die Idee von
dahinzusiechen. Die Dias machen sie mit der Realität "safe sex" jetzt durch die des "safer sex" ersetzt wurde,
vertraut. Eine Lehrerin verglich die Diashow mit einem aber nur wenige wissen, wie unsicher Kondome als
Film, den sie in der weiterführenden Schule im Fahrun- Schutz vor einer AIDS-Infektion sind.
terricht gesehen hatte: "Der Film zeigte uns echte
Autounfälle. Die Realität zu sehen, hat uns eindeutig Im Laufe der vergangenen 30 Jahre durchgeführte
zu besseren Autofahrern gemacht."
Untersuchungen über Kondome zeigen, daß diese bei
Ehepaaren in 10-30 Prozent der Fälle nicht vor einer
Eine Reihe sehr eindringlicher Bilder zeigt unter den Schwangerschaft schützten. Bei einer Frau kann nur
Folgen von AIDS leidende Babys. Ein Drittel der an ein oder zwei Tagen im Monat eine Befruchtung
Babys HlV-infizierter Mütter haben die Krankheit be- stattfinden. Eine Ansteckung mit dem HI-Virus ist
reits bei ihrer Geburt, andere stecken sich durch die jedoch leider täglich möglich, und die Viren sind weMuttermilch an. Die Zeit zwischen der Infektion als sentlich kleiner als Spermien.
Teenager und dem Ausbruch der Krankheit kann mit
dem Zeitpunkt zusammenfallen, an dem junge Paare Der kleinste Fehler oder Riß in einem Präservativ kann
den ersten Kinderwunsch hegen. Die Teenager wer- tödlich sein.
den folglich erkennen, daß sie nicht nur sich selbst,
sondern auch ihre ungeborenen Kinder in Gefahr Konservativen Schätzungen zufolge ist unter Konbringen. Ihre Babys könnten zwar überleben, werden dombenutzem das Risiko, sich von einem infizierten
ihre Mutter jedoch wahrscheinlich schon sehr früh Partner anzustecken, eins zu sechs. Eine Studie unter
Ehepartnern besagt, daß sich jeder sechste Ehepartverlieren.
ner eines HlV-Infizierten innerhalb von anderthalb
Es werden einige aus dem wirklichen Leben gegriffene Jahren ansteckte. Diese Paare hatten die Kondome
Beispiele für AIDS-Fälle unter Teenagern angeführt, sehr sorgfältig benutzt. Panzer veranschaulichte diewie der von Alison Gertz, die sich 16jährig infizierte und ses Risiko folgendermaßen: "Jemand bietet ihnen ein
bei der die Krankheit im Alter von 24 Jahren zum kostenloses Flugticket nach Disney World an, sagt
Ausbruch kam. Diese Beispiele sollen die Diskussion aber auch, daß eines der sechs Flugzeuge dorthin
innerhalb der Gruppe anregen. Der Moderator stellt abstürzen wird. Würden Sie trotzdem an Bord gehen?"
Fragen wie: "Was fängt eine 24jährige normalerweise
Der ehemalige Generalstabsarzt Koop gibt folgenden
mit ihrem Leben an?"
Ratschlag: "Jungen Leuten muß ehrlich gesagt werDer ehemalige Generalstabsarzt C. Everett Koop wies den, daß der beste Schutz vor AIDS sexuelle Enthaltim Zusammenhang mit dem Risiko einer AI DS-Infizie- samkeit ist, bis sie als Erwachsene zu einer auf gegenrung auf folgendes hin: "Wenn Sie mit jemandem seitiger Treue basierenden, monogamen Partnerschaft
Geschlechtsverkehr haben, ist es das Gleiche, als bereit sind." Panzer nutzte diese Aussage als Auswenn Sie in den letzten zehn Jahren mit allen Ge- gangspunkt der Diskussion. Richard und seine ausgeschlechtspartnern Ihres Sexualpartners und deren bildeten Moderatoren stellen die Frage: "Weiß irgend
Partnern geschlafen hätten." Um diese Aussage Dr. jemand, was das Wort monogam bedeutet?"
Koops zu untermauern, bereitete Panzer ein Dia mit
Symbolen von Paaren vor - ein Paar befindet sich am Während der Präsentation und der nachfolgenden,
unteren Ende, und das verzweigte Netz dervorherigen von Free Teens unterstützten Programme erhalten die
Kontakte beider Partner veranschaulicht, daß dieses jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Optionen zu
Paar die Krankheiten von einem Dutzend oder sogar prüfen. Sie werden ermutigt zu entscheiden, welche
Werte am ehesten zu dem von ihnen angestrebten
Hunderten von Menschen bekommen kann.
Leben führen.

Seite 2

AMERIKA DIENST 3

�Panzer versucht ihnen zu der Erkenntnis zu verhelfen,
daß sie vorausschauend denken müssen, wenn sich
ihr Leben gemäß ihren Vorstellungen entwickeln soll,
und sich einfache, aber tiefgründige Fragen stellen
müssen, beispielsweise: "Wie will ich werden?"
Er hält ihnen folgendes vor Augen: "Ist die konsequente Benutzung von Kondomen bei jedem Geschlechts-

verkehr sicherer als wahlloser und ungeschützter Sex?
Die Anwort lautet Ja. Ist sie sicherer als Abstinenz
oder lebenslange Treue beider Partner? Die Antwort
lautet Nein. Vergessen Sie nicht: Eine einzige sexuelle Begegnung reicht aus, um sich mit dem Hl-Virus zu
infizieren - und Ihr Leben ändert sich für immer."

* * * *

AMERIKA DIENST 3

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA müssen sich weiterhin in der Weltpolitik engagieren&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA engagieren sich für Reformen in den Visegrad-Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Präsident Clinton trifft führende Politiker dieser Länder&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton und Jelzin erörtern integrierte Zukunft Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Umfassende Beziehungen angestrebt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton und Jelzin bekräftigen Bedeutung ihrer Zusammenarbeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Die Moskau-Deklaration&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ukraine, Russland und USA vereinbaren Transfer nuklearer Gefechtskörper&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut des trilateralen Abkommens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Russlandhilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hilfe der USA an Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton und Assad fordern "Frieden der Mutigen" &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Syrien strebt normale Beziehungen zu Israel an&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. USIA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kemble eröffnet Business Information Center &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache im Amerika Haus Frankfurt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Penn Kemble sieht Förderung der Demokratie im Ausland als Hauptaufgabe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des Stellvertretenden USIA-Direktors&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. AIDS&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Wahrheit über AIDS&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert Stewart&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

12.Januar 1994

AUSSENPOLITIK

CLINTON UNTERSTREICHT ENGAGEMENT
DER VEREINIGTEN STAATEN FÜR EUROPA
Rede des Präsidenten in Brüssel
MILITÄRISCHE SICHERHEIT DER USA
ENG MIT DER EUROPAS VERBUNDEN
Vom Vizepräsidenten anstelle von
Präsident Clinton gehaltene Rede

NATO

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN SETZT
VISION DER NATO UM
Ansprache von Präsident Clinton
beim NATO-Gipfel
NATO-ERWEITERUNG
von Außenminister Christopher

MENSCHENVERSUCHE

CLINTON FÜR AUFDECKUNG VON
STRAHLENEXPERIMENTEN
Wiedergutmachungsfrage soll noch
geklärt werden

MARTIN LUTHER KING

MARTIN LUTHER KINGS ANLIEGEN
Gedenktag zu Ehren des Bürgerrechtlers

FILM

HOLLYWOOD 1993 - DER ROMAN
ALS DREHBUCHVORLAGE
Jahresbilanz amerikanischer Filme

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
12. Januar 1994

CLINTON UNTERSTREICHT ENGAGEMENT DER
VEREINIGTEN STAATEN FÜR EUROPA
Rede des Präsidenten in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - In einer am 9. Januar 1994 gehaltenen außenpolitischen Grundsatzrede erklärte Präsident
Clinton, er sei nach Europa gereist, "um zu erklären und zu demonstrieren, daß Europa von zentralem Interesse
für die Vereinigten Staaten bleibt".
Es sei an der Zeit, "unsere Partnerschaft wiederzubeleben und in einer Ära historischen Wandels eine neue
Sicherheit zu definieren", äußerte er vor einer aus Angehörigen vieler Nationalitäten bestehenden Gruppe
zukünftiger Europapolitiker in Brüssel.
"Die neue Sicherheit muß in der europäischen Intergration liegen - einer Integration von Sicherheitskräften,
Marktwirtschaften und nationalen Demokratien", stellte er fest.
Die neue Sicherheit muß ihm zufolge drei Elemente umfassen - militärische Stärke und Kooperation, lebhaftere Wirtschaftstätigkeit und die "Unterstützung der in den ehemals kommunistischen Staaten aufkeimenden
Verbreitung von Demokratie und Freiheit des einzelnen".

Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, Herr Bürgermeister, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist
mir eine große Freude, mit dem Ministerpräsidenten
und vielen zukünftigen führenden Politikern Europas in
diesem großartigen historischen Saal sein zu dürfen.
Ich kam zum ersten Mal als junger Mann nach Brüssel,
zu einer ganz anderen, aber schwierigen Zeit, als
unser aller Zukunft in Unsicherheit lag. Es ist angebracht, daß meine erste Europareise in meiner Eigenschaft als Präsident der Vereinigten Staaten das Ziel
verfolgt, eine bessere Zukunft für die jungen Menschen in Europa und den Vereinigten Staaten aufzubauen und daß meine Reise hier in Belgien beginnt.
Als großartige Hauptstadt und Hauptquartier der NATO
und der Europäischen Union waren Brüssel und Belgien seit langem der Mittelpunkt einer stetigen Entwicklung Europas zu größerer Sicherheit und vermehrtem Wohlstand.
An diejenigen gerichtet, die etwas über meine Person
wissen: Ich stehe seit nahezu 40 Jahren in der Schuld
dieses Landes, denn es war ein Belgier - Adolf Sax der das Saxophon erfand.
Ich bin zu diesem Zeitpunkt hierher gekommen, weil
ich der Ansicht bin, daß es an der Zeit ist, unsere
Partnerschaft wiederzubeleben und in einer Ära historischen Wandels eine neue Sicherheit zu definieren.
AMERIKA DIENST 2

Fürunsere transatlantische Partnerschaft ist ein neuer
Tag angebrochen: Der Kalte Krieg ist vorüber, Deutschland ist vereinigt, die Sowjetunion existiert nicht mehr,
und in Rußland herrscht eine konstitutionelle Demokratie. Das Gespenst, das unsere Bürger jahrzehntelang verfolgte - durch das "Fulda Gap" einrollende
Panzer oder die Vernichtung durch eine Atombombe dieses Gespenst ist Gott sei Dank verschwunden. Ihre
Generation ist der Nutznießer dieses wundervollen
Wandels.
Letztlich ist der Eiserene Vorhang von innen her verrostet und wurde durch die Entschlossenheit mutiger
Männer und Frauen zu Fall gebracht, die in Freiheit
leben wollen - Polen und Tschechen, Russen, Ukrainer und Balten - all jenen, die verstehen, daß weder die
Wirtschaftsordnung noch das Gewissen aufoktroyiert
werden können.
Ihre heroischen Anstrengungen waren jedoch - und
das ist ebenso wichtig - nicht zuletzt deshalb von Erfolg
gekrönt, weil wir nie in unserer Entschlossenheit nachließen, weil die zur Abschreckung dienenden Waffen
nie verschwanden und die Botschaft der Demokratie
immer zu hören war.
Während der Osten eine neue Geburt der Freiheit
erlebt, ist hier in Westeuropa einer der großen Siege
der Freiheit sichtbar-derfriedliche Zusammenhalt von
Seite 1

�Nationen, die jahrhundertelang in Konflikt standen.
Dieser Wandel wurde durch weitblickende Politiker wie
Monnet, Schumann, Spaak und Marshall herbeigeführt, die wußten, daß moderne Nationen ihre Zukunft
eher durch Zusammenarbeit als durch Eroberungen
bereichern können.

Das ist meine Einschätzung der Realität. Wir haben
während des Kalten Krieges der Geschichte gut gedient. Jetzt ruft uns die Geschichte erneut, damit wir
die neuen Errungenschaften der Freiheit in einen
umfassenderen und dauerhafteren Frieden umwandeln und konsolidieren. Wir müssen eine neue Sicherheit für Europa aufbauen. Die alte Sicherheit basierte
Meine Administration unterstützt die Europäische Union auf der Verteidigung unseres Blocks gegen einen
und die Entwicklung gestärkter europäischer Institutio- anderen Block. Die neue Sicherheit muß in der euronen zur Verfolgung eines gemeinsamen Ziels und päischen Integration wurzeln - einer Integration von
gemeinsamer Aktionen. Wir sind uns bewußt, daß ein Sicherheitskräften, Marktwirtschaften und demokratistarker, gleichberechtigter Partner für uns von größe- schen Nationen. Ziel meiner Europareise ist es, beim
rem Vorteil ist als ein schwacher.
Übergang dieser Bewegung zur Integration behilflich
zu sein und Ihnen zu versichern, daß Amerika hierbei
Der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums
ein starker Partner sein wird.
und die westeuropäische Integration sind die beiden
größten Errungenschaften für den Frieden in der letz- Die Völker, die die Fesseln des Kommunismus abten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wir alle ernten die schüttelten, befinden sich jetzt in einem Wettlauf zwiFrüchte dieser Entwicklungen. Zudem haben nach schen Verjüngung und Verzweiflung. Das Ergebnis
dem Ende des Kalten Krieges und trotz der weltweiten wird die Sicherheit jeder Nation im transatlantischen
Rezession, die Ihre Zukunft verdunkelt, all unsere Bündnis beeinflussen. Zur Zeit findet dieser Wettlauf
Nationen jetzt die Chance, lange aufgeschobene Schritte vom Balkan bis Zentralasien statt. Auf einer Rennbahn
zurwirtschaftlichen und sozialen Erneuerung zu unter- befinden sich die Nachkommen des Zeitalters der
nehmen. Meine eigene Nation hat einen Anfang Aufklärung, die die Errungenschaften der Freiheit durch
gemacht: Wir haben unsere Wirtschaft in Ordnung den Aufbau freier Volkswirtschaften, offener Demogebracht, unser Haushaltsdefizit abgebaut, in unsere kratien und toleranter Gesellschaften konsolidieren
Menschen investiert, Arbeitsplätze geschaffen und wollen. Ihre Gegner sind die grimmigen Anwärter auf
eine wirtschaftliche Wiederbelebung eingeleitet, die den dunklen Thron der Tyrannei - die militanten Natiohoffentlich nicht nur den Vereinigten Staaten von Nutzen nalisten und Demagogen, die überkommenes Mißsein wird, sondern auch allen anderen Nationen.
trauen schüren und die Härten der Erneuerung zur
Schau stellen, um die Versprechungen der Reformen
Wir stellen uns auch einigen der sozialen Probleme in
zu verschleiern.
unserem Land, die wir viel zu lange ignoriert haben:
Der Herausforderung, eine Gesundheitsfürsorge für Keiner von uns kann es sich leisten, bei diesem
alle bereitzustellen, die Kriminalität auf unseren Stra- Wettlauf lediglich als Zuschauer zu fungieren. Zuviel
ßen zu bekämpfen und die Bedürfnisse unserer armen steht auf dem Spiel. Halten Sie sich folgendes vor
Kinder zu befriedigen. Wir haben eine wirklich multi- Augen: Die kommenden Monate und Jahre entscheikulturelle Gesellschaft. In einem unserer Landkreise den vielleicht darüber, ob das russische Volk die
leben Angehörige von über 150 verschiedenen natio- friedliche Entwicklung von Demokratie und Marktwirtnalen und ethnischen Gruppen. Aber wir arbeiten am schaft fortsetzt oder aus Frustration Politiker währt, die
Aufbau einer amerikanischen Gemeinschaft für das in Autoritarismus und Imperialismus zurückfallen. Diese
21. Jahrhundert.
Zeit entscheidet vielleicht darüber, ob die Nachbarn
Rußlands in Freiheit leben und sich der Gruppe atomGemeinsam mit der Europäischen Union haben wir
waffenfreier Staaten anschließen oder unter den Belakürzlich der Wert zu einem neuen GATT-Abkommen
stungen der Reformen zusammenbrechen und an
verholten, das in allen Ländern Millionen neuer ArWaffen festhalten, die das Risiko eines nuklearen
beitsplätze schaffen wird. Es wäre in vielerlei Hinsicht
Unfalls oder Ablenkungsmanövers erhöhen.
einfach, Ihnen lediglich eine Botschaft der Freude zu
übermitteln, ein Loblied auf unser gemeinsames Erbe Diese Zeit entscheidet vielleicht, ob die Nachfolgezu singen, zu frohlocken, daß unsere Arbeit für den staaten der ehemaligen Sowjetunion in das Gefüge
Frieden belohnt worden ist, und uns über die derzeiti- des transatlantischen Wohlstands und der Sicherheit
gen wirtschaftlichen Fortschritte zu freuen. Dies ist eingegliedert oder aber isoliert und im Stich gelassen
jedoch nicht der geeignete Zeitpunkt, uns selbst zu werden, während sie mit denselben beängstigenden
beglückwünschen. Wir werden zweifellos mit genü- Veränderungen konfrontiert sind, mit denen sich so
gend Herausforderungen konfrontiert, um als wirkliche viele Staaten in Europa auseinandersetzen.
Partner zu handeln, was bedeutet, daß wir unsere
Lasten teilen, anstatt nur über unsere Triumphe zu Diese bahnbrechenden Entscheidungen müssen letztsprechen. Und wir sollten ehrlich unsere Ansichten lich von den Völkern getroffen werden, die das Joch
darüber darlegen, was wir erreicht haben und was wir des Kommunismus abwarfen. Sie müssen die Entnoch erreichen sollten.
scheidungen über ihre Zukunft selbst treffen. Wir im

Seite 2

AMERIKA DIENST 2

�Westen können ihnen jedoch zweifellos dabei helfen,
und wir müssen den politischen Willen hierzu aufbringen.

Warum behatten Sie die Präsenz in Europa bei? Wie
können Sie diese Kosten rechtfertigen, wo wir im
eigenen Land so viele Probleme haben? Wir haben
das nach dem Ersten Weltkrieg ausprobiert. Dieses
Diese Aufgabe erfordert stetige und geduldige An- Jahr hat das amerikanische Volk jedoch seine Widerstrengungen, die von einer auf die gesamteuropäische standsfähigkeit gegen den Sirenengesang eines weltIntegration abzielenden Strategie geleitet werden. Sie weiten Rückzugs unter Beweis gestellt. Wir taten das,
erfordert auch ein gewisses Maß an Bescheidenheit - als der Kongreß dem Nordamerikanischen Freihandie Erkenntnis, daß wir nicht jedes Ereignis in jedem delsabkommen zustimmte, sich dafür aussprach, daß
Land zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle haben kön- Amerika in der Weltwirtschaft konkurriert, anstatt sich
nen. Wenn wir jedoch zur Annahme der zentralen zurückzuziehen. Und wir taten das, als wir Europa und
Herausforderung bereit sind, können wir nicht nur die anderen die Hand reichten, mit der Europäischen
Nationen des Ostens, sondern auch unsere transat- Union zusammenarbeiteten und die Wert zur Annahlantische Partnerschaft neubeleben.
me eines neuen GATT-Abkommens über den Welthandel führten.
In den vergangenen 50 Jahren hat die transatlantische
Gemeinschaft nur die Hälfte der Versprechungen des Ich bin heute hierhergekommen, um zu erklären und
im Zweiten Weltkrieg errungenen Sieges über den zu demonstrieren, daß Europa von zentralem InteresFaschismus umgesetzt. Die andere Hälfte lag hinter se für die Vereinigten Staaten bleibt und wir in Zusamder Europa trennenden Mauer brach. Jetzt haben wir menarbeit mit unseren Partnern die vor uns liegenden
die Chance, die vollen Versprechungen der europä- Chancen ergreifen werden.
ischen Siege ohne ihre großen Enttäuschungen zu
verwirklichen: Die Normandie ohne Jalta, die Befrei- Zweifellos ist unser Engagement nicht einzig und allein
ung Belgiens und der Niederlande ohne die Berlin- auf Europa gerichtet - wir müssen uns auch LateinBlockade.
amerika und Asien zuwenden, die sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa von zunehmenWährend des vergangenen halben Jahrhunderts war der Bedeutung sind. Unsere Bande zu Europa werden
die transatlantische Sicherheit vorrangig von der durch anders sein als in der Vergangenheit, aber mißversteunsere Streitkräfte bereitgestellten Abschreckung hen Sie mich nicht: Die Beziehungen zwischen den
abhängig. Jetzt besteht die unmittelbare Bedrohung Vereinigten Staaten und Europa sind einzigartig. Unsere
im Osten nicht in vorrückenden Armeen, sondern in beiden Länder haben den festen Glauben, daß Gott
schleichender Instabilität. Die Abwehr dieser Bedro- uns mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet hat,
hung erfordert nicht nur militärische Sicherheit, son- und wir sind überzeugt, daß der Staat mit unserer
dern auch die Förderung des demokratischen und Zustimmung nur existiert, um Freiheit, Sicherheit und
wirtschaftlichen Erneuerungsprozesses. Zusammen- Wohlstand für jeden einzelnen von uns zu fördern. Das
genommen stellen diese Kräfte das stärkste Bollwerk ist in der heutigen Wert immer noch eine radikale Idee.
gegen die Europa derzeit konfrontierenden Gefahren Sie wurde von Locke und Montesquieu entwickelt, in
dar - ethnische Konflikte, Menschenrechtsverletzun- meinem Land von Jefferson und Madison umgesetzt,
gen, destabilisierende Flüchtlingsströme, das Entste- hat Tyrannen gestürzt und Millionen an die Küsten
hen aggressiver Regime und die Weiterverbreitung unseres Landes geführt.
von Massenvernichtungswaffen.
Über drei Jahrhunderte haben die familiären Bande
Die Integration des ehemals kommunistischen Blocks zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den
in Eu ropa wird ein allmählicher und oftmals schwieriger Handel zwischen unseren Ländern gefördert, und Sie
Prozeß sein, wie die von Deutschland unternomme- bleiben unser wertvollster Partner, nicht nur in der
nen mutigen Anstrengungen beweisen. Und wir dür- Sache von Demokratie und Freiheit, sondern auch was
fen nicht vergessen, daß diese Gelegenheit - wie alle Handel und Investitionen betrifft.
großen Chancen - verpaßt werden kann. Wir dürfen
jetzt nicht zulassen, daß der Eiserne Vorhang durch Vor allen Dingen bleibt Europa aber der Kern unserer
einen Schleier der Gleichgültigkeit ersetzt wird. Denn Sicherheit. Aus diesem Grund ist Amerika weiterhin
die Geschichte wird das Urteil über uns sprechen, wie entschlossen der Sicherheit und Stabilität Europas
sie diejenigen mit Verachtung gestraft hat, die zwi- verpflichtet. Aus diesem Grund habe ich auf die
schen den beiden Weltkriegen den Isolationismus Einberufung des dieswöchigen NATO-Gipfels gedrängt.
predigten, und wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg die Aus diesem Grund setze ich mich für die fortdauernde
mutigen Architekten der transatlantischen Gemein- Präsenz von 100.000 amerikanischen Soldaten in
schaft gepriesen hat.
Europa im Einklang mit dem ausdrücklichen Wunsch
unser Verbündeten hier ein. Es ist nicht Gewohnheit,
Nach dem Ende des Kalten Krieges haben einige, mit sondern Sicherheit und Partnerschaft, die dieses forteinem kurzen Gedächtnis ausgestattete Menschen in gesetzte Engagement der Vereinigten Staaten rechtAmerika uns aufgefordert, unsere Sachen zu packen fertigen.
und nach Hause zu gehen. Ich werde oft gefragt:
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Seite 3

�Und ebenso wie wir in Partnerschaft mit Europa jede
sicherheitspolitische Herausforderung dieses Jahrhunderts angegangen sind, ist jetzt für uns die Zeit gekommen, gemeinsam eine neue Sicherheit für das 21.
Jahrhundert aufzubauen, für ein Jahrhundert, in dem
die meisten von Ihnen den Großteil Ihres Lebens
verbringen werden. Die neue Sicherheit muß darauf
abzielen, ein größeres Europa durch die starken Bande
militärischer Zusammenarbeit, prosperierender Marktwirtschaften und lebensfähiger Demokratien zu verknüpfen.

Grund habe ich die Partnerschaft für Frieden vorgeschlagen.

Diese Partnerschaft wird einen Evolutionsprozeß für
die offizielle Erweiterung der NATO fördern. Sie ist auf
den Tag ausgerichtet, an dem die NATO neue Mitglieder aufnimmt, die die uneingeschränkte Verantwortung des Bündnisses übernehmen. Sie wird einen
Rahmen schaffen, in dem sich die ehemals kommunistischen Staaten und andere Nichtmitglieder der NATO
gemeinsam mit den NATO-Mitgliedstaaten an militärischer Planung, Ausbildung, Übungen und anderen
Ich möchte kurz jedes dieser Elemente ansprechen. Bestrebungen beteiligen können. Diese Partnerschaft
Der erste und wichtigste Bestandteil unserer Sicher- wird neue Bande der Kooperation unter den Militärs
heit muß militärische Stärke und Zusammenarbeit des Ostens und Westens schmieden. Sie wird die
sein. Der Kalte Krieg ist vorüber, der Krieg an sich Entwicklung von Demokratien und demokratischen
jedoch nicht. Wie wir alle wissen, wütet er zur Zeit nicht Praktiken wie die Achtung der Menschenrechte und
nur in entfernten Ländern, sondern mitten hier in zivile Kontrolle über Streitkräfte verstärken. Sie kann
Europa im ehemaligen Jugoslawien. Dieser mörderi- der NATO neue Instrumente für die Reaktion auf
sche Konflikt erinnert uns daran, daß Streitkräfte selbst ethnische Instabilität und andere Gefahren unseres
nach dem Ende des Kalten Krieges von Bedeutung Zeitalters an die Hand geben.
sind. Er enthüllt auch die Schwierigkeiten, bei Konflikten innerhalb oder zwischen Staaten Streitkräfte ein- Der Einsatz der NATO-Streitkräfte bei solchen Missiozusetzen. Und er lehrt uns, daß es am besten ist, nen wird stets in Erwägung gezogen und muß von Fall
rechtzeitig zu handeln, um Konflikte zu verhindern, die zu Fall entschieden werden. Der morgige Gipfel wird
wir später nicht mehr unter Kontrolle bringen können. uns jedoch in eine bessere Position für solche Entscheidungen versetzen, damit wir sie frühzeitig und
Bei unseren Bestrebungen zur Beendigung dieser klug treffen können.
Tragödie und Milderung des Leidens ihrer Opfer müssen
wir auch unsere Sicherheitsinstitutionen verändern, Die Partnerschaft für Frieden wird die grundlegende
damit sie besser mit solchen Konflikten umgehen und Aufgabe der NATO zur Verteidigung des NATO-Terridie europäische Integration fördern können. Hierbei toriums gegen einen Angriff nicht ändern. Wir können
spielen viele Institutionen eine Rolle, einschließlich der es uns nicht leisten, diese Mission aufzugeben, solanEuropäischen Union, der Westeuropäischen Union, ge der Traum von einem Imperium noch in den Köpfen
des Europarats, der KSZE und der Vereinten Natio- einiger geistert, die sich nach einer grausamen Vernen. Die NATO, das größte Militärbündnis der Ge- gangenheit zurücksehnen. Wir können es uns jedoch
schichte, muß im Mittelpunkt dieses Prozesses ste- auch nicht leisten, eine neue Linie zwischen Ost und
West zu ziehen, die eine künftige Konfrontation herhen.
aufbeschwören könnte.
Nur die NATO verfügt über die Streitkräfte, das integrierte Kommando, die umfassende Legitimierung und Diese Partnerschaft öffnet die Tür zu Kooperation mit
die gewohnheitsmäßige Zusammenarbeit, die zur allen ehemaligen Gegnern der NATO, einschließlich
Aufnahme neuer Mitglieder und Reaktion auf neue Rußlands, der Ukraine und den anderen neuen unabHerausforderungen unabdingbar sind. Eine der tief- hängigen Staaten auf der Grundlage der Überzeugreifendsten Umwälzungen innerhalb des transatlanti- gung, daß die Grenzen der Freiheit jetzt durch ein
schen Bündnisses während der vergangenen 50 Jahre neues Verhalten und nicht die alte Geschichte definiert
fand statt, weil die Streitkräfte unserer respektierten werden müssen.
Nationen immer zusammen ausgebildet wurden, zuAllen in Europa und den Vereinigten Staaten, die nur in
sammen übten und marschierten. Aber nicht nur die
Europa eine neue Linie etwas weiter im Osten ziehen
Kompatibilität unserer Waffen, sondern auch der
wollen, sage ich, daß wir die Möglichkeit der besten
Kameradschaftsgeist unserer Krieger bildeten den
Zukunft für Europa nicht ausschließen sollten, die in
Lebensnerv unserer wechselseitigen SicherheitsgaDemokratie, Marktwirtschaften und Kooperation für
rantie und unsere größte Hoffnung auf Frieden.
wechselseitige Sicherheit in allen Ländern besteht.
Vor zwei Jahren begannen unsere Nationen, die NATO Wir können uns gegen eine weniger gute Zukunft
mit der Gründung des Nordatlantischen Kooperations- wappnen, aber wir sollten die beste Zukunft für Sie und
rats an dieses neue Zeitalter anzupassen. Er bezieht Ihre Generation anstreben.
den gesamten ehemaligen Sowjetblock sowie die 16
Die NATO kann darüber hinaus am besten zur BewälMitgliedstaaten der NATO ein. Jetzt ist es an der Zeit,
tigung der neuen sicherheitspolitischen Herausfordeüber diesen Dialog hinauszugehen und eine funktiorungen Europas beitragen, wenn sie mehrzur Eindämnierende Partnerschaft zu schmieden. Aus diesem
mung der Verbreitung von MassenvernichtungswafSeite 4

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�fen unternimmt. Offen gesagt ist dies eine der schwierigsten uns konfrontierenden Aufgaben. Die Eindämmung der Verbreitung dieser Waffen und ihrer Trägersysteme wird enge Zusammenarbeit, Aufrichtigkeit
und Disziplin sowie die Bereitschaft derjenigen erfordern, die sie jetzt aufgrund des unmittelbaren finanziellen Gewinns nicht aufbringen.

der Öffentlichkeit für eine progressive Außenpolitik
und größere Integration unterminiert. Unsere jeweiligen Bestrebungen zur Wiederbelebung unserer Volkswirtschaften sind aus diesem Grund nicht nur für
unseren Lebensstandard von Bedeutung, sondern auch
für unsere kollektive Stärke. Und beide werden Ihre
Zukunft und die Ihrer Kinder gestalten.

Die Gefahr ist eindeutig und allgegenwärtig. Zunehmende Raketenfähigkeiten bringen einen größeren
Teil Europas in die Reichweite verbrecherischer Staaten wie Iran und Libyen. Wir erhalten beunruhigende
Berichte über Bestrebungen, Nuklearmaterial nach
und aus Osteuropa zu schmuggeln. Und dieser nach
Osten blickende Gipfel wird uns die Chance bieten, die
Gefahr auf unserem eigenen Territorium in Angriff zu
nehmen.

Wir müssen rasch vorgehen, um das GATT-Abkommen umzusetzen. Wir müssen jedoch auch gemeinsam und voneinander lernen, um umfassendere und
mutigere Anpassungen an diese neue globale Wirtschaft vorzunehmen.

Das zweite Element der neuen Sicherheit, die wir
aufbauen, muß größere wirtschaftliche Vitalität sein ein Thema, das meines Erachtens von unmittelbarer
Bedeutung für Sie ist. Wir müssen auf florierende und
offene Marktwirtschaften aufbauen, die Triebfedern,
die uns während der letzten Jahrzehnte in Europa und
den Vereinigten Staaten den größten Wohlstand in der
Geschichte der Menschheit beschert haben.
Unser gemeinsamer Erfolg beim Abschluß eines neuen
GATT-Abkommens krönte sieben Jahre währende
Bestrebungen zur Ausdehnung des Wohlstands auf
alle Handelsnationen. Wir müssen jetzt eine Folgetagesordnung für das GATT definieren, die sich auf die
Erneuerung moderner Volkswirtschaften und die
Ausbreitung des Wohlstands auf die Nationen in unserem Osten konzentriert, die den schwierigen Übergang zur Marktwirtschaft vollziehen.
Erstens ist die Erneuerung unserer eigenen Volkswirtschaften entscheidend. Wenn wir nicht Arbeitsplätze
schaffen und die Einkommen in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan - den fortschrittlichen Ländern
der Welt - erhöhen, wird es für diese Völker - all unsere
Nationen - schwierig sein, weiterhin eine Politik des
Engagements für die übrige Welt zu unterstützen.
Die Nationen der Europäischen Union sehen sich mit
besonders ernsthaften wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, angesichts nahezu 20 Millionen
Arbeitslosen und, im Falle Deutschlands, der außerordentlich hohen Kosten der Vereinigung. All unsere
Nationen mußten gegen die unruhigen Kräfte dieser
neuen globalen Wirtschaft und gegen den Wettbewerb
kämpfen, der durch Niedriglohnländer oder Technologien verursacht wird, dank derer wir mit weniger Arbeitnehmern mehr produzieren können - aber es gibt keine
neue Technologie, die neue Arbeitsplätze für die Entlassenen bereitstellt. Das ist nicht nur für Europa ein
Problem, sondern auch für die Vereinigten Staaten
und jetzt auch für Japan.
Unter den atlantischen Nationen hat die wirtschaftliche
Stagnation zweifelsohne die finanzielle Unterstützung
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Wir Amerikaner haben in Bereichen wie beruflicher
Bildung und Lehre sowie den Wechsel von der Schule
zu gutbezahlten Arbeitsplätzen viel von Europa zu
lernen und dabei gleichzeitig die von der Wirtschaft
geforderten neuen Qualifikationen zu erarbeiten. Wir
haben jedoch vielleicht bei der Flexibilität unserer
Arbeitsplatzstruktur und unserer Fähigkeit zur Schaffung von Arbeit und neuen beruflichen Möglichkeiten
auch etwas zu geben. Dies ist ein Bereich, in dem wir
nützliche Lektionen voneinander lernen können. Und
aus diesem Grund bin ich erfreut, daß unsere führenden Minister im März die von mir im vergangenen Juli
vorgeschlagene Arbertsplatzkonferenz abhalten werden. Wir müssen nur noch herausfinden, wie wir mehr
Arbeitsplätze schaffen und diejenigen belohnen können, die härter und konstruktiver arbeiten. Dies ist die
Grundlage für alle anderen Verhaltensweisen, die wir
fördern wollen, um weiterhin in unseren Ländern und
der übrigen Welt engagiert zu sein.
Während wir auf die Stärkung unserer Volkswirtschaften hinarbeiten, müssen wir uns jedoch vor Augen
halten, daß wir unserem eigenen Wohlstand und unserer
Sicherheit dienen, indem wir zum Prosperieren der
neuen Marktwirtschaften in der Osthälfte Europas
beitragen. Erfolgreiche Marktreformen in diesen Staaten werden den Demagogen der Region den Wind aus
den Segeln nehmen. Sie werden zur Entschärfung
ethnischer Spannungen beitragen. Sie werden den
neuen Demokratien helfen, Fuß zu fassen. Sie liegen
auch in unserem langfristigen Interesse, denn wir
haben gelernt, daß wohlhabende Nationen nicht reicher werden können, solange sie nicht Abnehmer
jenseits ihrer Grenzen für ihre Waren und Dienstleistungen haben.
Die kurzfristigen Schwierigkeiten der Einbeziehung
Osteuropas in unser Wirtschaftsbündnis werden sich
in vielfältigerweise bezahlt machen, wenn diese Staaten morgen zu Abnehmern der Waren und Dienstleistungen Westeuropas werden. Aus diesem Grund
haben wir uns zu Beginn der Amtszeit dieser Administration zu einer beträchtlichen Aufstockung unserer
Unterstützung für Marktreformen in den neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion verpflichtet und unsere Hilfe fürdie wirtschaftliche Umgestaltung Mittel-und
Osteuropas fortgesetzt.

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�Letztlich wird der Erfolg der Marktreformen für den
Osten mehr von Handel als Hilfsleistungen abhängen.
Keiner von uns hat genug Geld, um die Zukunft dieser
Länder auf ihrem Weg zu freien Marktwirtschaften
maßgeblich zu beeinflussen. Wir können ihnen nicht
genug Hilfe geben, um sie zu gleichberechtigten Partnern zu machen. Sie müssen wachsen und ihren Weg
zu einer vollwertigen Partnerschaft mit uns erarbeiten.
Aus diesem Grund sollte eine unserer Prioritäten im
Abbau von Handelsschranken in den ehemals kommunistischen Ländern bestehen. Es wäre wenig sinnvoll, einerseits ihren Marktreformen zu applaudieren
und ihnen andererseits nur begrenzten Zugang zu
unseren Märkten anzubieten. Das hieße, jemanden
auf ein Schloß einzuladen und sich zu weigern, die
Zugbrücke herunterzulassen. Die Vereinigten Staaten
haben bereits viele Hemmnisse des Kalten Krieges für
Produkte aus diesen Ländern beseitigt. All unsere
Nationen müssen weitere Wege finden, um unserem
Beispiel zu folgen. Der wirtschaftliche Erfolg dieser
Staaten kann einfach nicht von unserer eigenen Erneuerung und Sicherheit getrennt werden.
Im Jahr 1931 stellte ein bemerkenswerter britischer
politischer Karikaturist die Vereinigten Staaten und
Europa in einem Ruderboot dar. Am hinteren Ende
des Bootes, an dem die östlicheren Mächte Europas
saßen, war ein großes Leck, und das Boot sank rasch.
Am vorderen Ende, wo die Vereinigten Staaten und
Westeuropa saßen, war es noch an der Wasseroberfläche - das Boot sank mit dem Heck zuerst. Und eine
der Personen an unserem Ende des Bootes sagte:
"Gott sei Dank - das Leck ist nicht an unserem Ende
des Bootes." Schließlich sank das ganze Boot. Das
wird wieder geschehen, wenn wir nicht zusammenarbeiten. Die westliche Hälfte Europas kann zweifelsohne - wie die Geschichte belegt - nicht lange sicher sein,
wenn die östliche Hälfte weiterhin in Aufruhr ist.
Das dritte und letzte Gebot dieser neuen Sicherheit
besteht in der Unterstützung der in den ehemals
kommunistischen Staaten aufkeimenden Verbreitung
von Demokratie und Freiheit des einzelnen. Der Erfolg
dieser demokratischen Reformen kann uns allen mehr
Sicherheit geben, weil Demokratien normalerweise
keinen Krieg gegeneinander führen und nicht ihr Wort
brechen. Demokratische Regierungen nähren eine
bürgerliche Gesellschaft, Respektierung der Menschenrechte und schlichte Toleranz. Die demokratischen
Werte im Herzen unserer westlichen Gemeinschaft
sind auch unsere beste Antwort auf durch das Ende
des Kalten Krieges freigesetzten aggressiven Nationalismus und ethnischen Haß.
Wir in der transatlantischen Gemeinschaft müssen
uns dem Erfolg der Demokratie in allen ehemals
kommunistischen Staaten verschreiben, die unmittelbare Nachbarn Westeuropas sind, weil ihre Sicherheit
unsere Sicherheit betrifft. Nirgendwo ist der Erfolg der
Demokratie wichtiger für uns alle als dort und dann in
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Rußland. Ich möchte wiederholen, in Rußland - wenn
die Nation sich weiterhin zu einer marktwirtschaftlich
orientierten Demokratie entwickelt, die zufrieden in
ihren Grenzen und in Frieden mit ihren Nachbarn lebt
und ihre Größe anhand der Fähigkeit definiert, alle
Kinder Rußlands ihr volles Potential ausschöpfen zu
lassen - dann wird unsere Rolle im Hinblick auf die
vollständige Integration Europas umfassender, leichter und sicherer. Wie ein ukrainischer Gesetzgeber es
kürzlich formulierte: Wenn Rußland demokratisch ist,
wird Europa ruhig sein.
Die Ergebnisse der jüngsten Wahlen in Rußland und
die Aussagen einiger russischer Politiker haben uns
allen echten Anlaß zur Sorge bereitet. Wir müssen
konsequent ÄuGerungen der Intoleranz und drohende
Aggression verurteilen. Wir sollten diese Sorgen jedoch auch in ihrem historischen Kontext sehen. Es
sind schließlich erst zwei Jahre seit der Auflösung der
Sowjetunion vergangen. Vornurzwei Monaten schien
Rußland am Rande eines Bürgerkriegs. Aber seitdem
hat Rußland freie und faire nationale Wahlen abgehalten, das russische Volk hat eine wirklich demokratische Verfassung ratifiziert und die erste postsowjetische Legislative in der Geschichte des Landes gewählt. Und die Regierung verfolgt weiterhin demokratische und wirtschaftliche Reformen.
Die von Rußland begonnene Umgestaltung ist absolut
beeindruckend. Denken Sie nur daran, was das Land
seit 1917 war. Wenn Sie ins 18. Jahrhundert zurückblicken und sich die Geschichte der Nation von damals
bis heute vor Augen führen, ist derGedanke.daßdiese
Nation ernsthaft demokratische Wahlen abhalten und
die Umgestaltung vornehmen konnte, wirklich beeindruckend. Wir können nicht erwarten, daß sie über
Nacht 75 Jahre der repressiven Führung korrigiert, 75
Jahre der totalitären Politik oderdie gesamte nationale
Geschichte, in der es keine Demokratie gab.
Wie in anderen kommunistischen Nationen wird dies
die Arbeit von Generationen sein. Wir in den Vereinigten Staaten befassen uns jetzt seit 200 Jahren damit
und arbeiten immer noch daran, es richtig zu machen.
Wir alle müssen uns bewußt sein, daß es falsche
Entscheidungen und selbst Rückschläge geben wird,
wie es in all unseren Ländern im gesamten Verlauf der
Geschichte der Fall war. Aber solange diese Staaten
ihre Fortschritte zu Demokratie und Respektierung der
Rechte ihres Volkes und anderer Völker fortsetzen, die
Rechte ihrer Minderheiten und ihrer Nachbarn verstehen, sollten wir ihre Fortschritte mit beständiger Geduld unterstützen.
Um diese neuen Demokratien zu unterstützen, wenden wir uns an die Basis, damit sie die Institutionen
einer bürgerlichen Gesellschaft aufbaut, von Gemeindearbeitern in der Tschechischen Republik zu freiwilligen Wahlhelfern in Bulgarien. Wir werden femer
Schritte zur Ermutigung der Kooperation zwischen den
neuen Demokratien unternehmen. Ebenso wie in
AMERIKA DIENST 2

�Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg müssen wir Heute können wir das Opfer der hier auf Ihrem Boden
regionale Nachbarn zur Zusammenarbeit gewinnen, beerdigten Amerikaner ehren, indem wir die Freiheit
statt uns gegenseitig mißtrauisch zu beobachten.
erweitem, für die sie kämpften undförderenErhalt sie
ihr Leben ließen. Der Kampf Ihrer Generation für ein
Die friedliche umfassendere Integration, die wirvollzie- größeres Europa wird nicht gemeinsam an den Stränhen, ist nicht nur ein europäisches Anliegen - ich den oder auf den Ebenen dieses Kontinents gewonwiederhole, sie liegt eindeutig im Interesse der Verei- nen, sondern vielmehr in seinen neuen Parlamenten
nigten Staaten. Meine Nation war begeistert über die und Stadträten, in den Büros und Fabriken seiner
in den vergangenen fünf Jahren erzielten Fortschritte neuen Marktwirtschaften, in den Herzen und Köpfen
der Freiheit auf diesem Kontinent. Und wir sind uns junger Menschen wie vielen der heute hier Anwesendes Tributs wohl bewußt, den Zwistigkeiten in Europa den. Sie haben am meisten von einem im Hinblick auf
letztlich von unserem eigenen Volk fordern.
Sicherheit, Wirtschaft und Demokratie integrierten
Europa zu gewinnen.
Nur wenige Stunden von diesem Ort entfernt liegen die
Gräber von Tausenden Amerikanern, die in zwei gro- Letztlich werden Sie entscheiden müssen, welche Art
ßen Kriegen in Europa ihr Leben ließen. Die Geschich- von Europa Sie wollen und wie hart Sie dafür zu
te hat festgehalten, wo sie gefallen sind - auf den arbeiten bereit sind. Sie sollten jedoch auch wissen,
Schlachtfeldern von Flandern, an den Küsten der daß die Vereinigten Staaten Ihnen in diesem Kampf
Normandie,beiderArdennenschlacht. Wirsolltenuns zur Seite stehen werden, wie wir es in den anderen
jedoch auch daran erinnern, warum sie hierherkamen, Schlachten des 20. Jahrhunderts getan haben.
warum sie die Sicherheit ihres Zuhauses verließen, um
in einem fernen Land zu kämpfen. Sie kamen, weil die Ich glaube, daß unsere Freiheit untrennbar ist. Ich
Sicherheit stärker von Dingen abhängt, die weit über glaube, daß wir ein gemeinsames Schicksal haben.
geographische Trennlinien hinausgehen. Unsere Ich glaube, daß das 21. Jahrhundert die aufregendste
Sicherheit hängt von mehr ab als dem Ozean, der uns Zeit sein kann, die Europa und die Vereinigten Staaten
trennt. Sie hängt von der Existenz eines starken, freien je erlebt haben, und unsere Zukunft die reichste und
und demokratischen Europa ab.
vielversprechendste einer Generation überhaupt sein
kann. Wir müssen jedoch daran arbeiten. Ich danke
Ihnen.
* * * * *

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Seite 7

�AUSSENPOLITIK
12. Januar 1994

MILITÄRISCHE SICHERHEIT DER USA ENG
MIT DER EUROPAS VERBUNDEN
Vom Vizepräsidenten anstelle von Präsident Clinton gehaltene Rede
MILWAUKEE - (AD) - "Die militärische Sicherheit der Vereinigten Staaten ist weiterhin so eng wie je zuvor in
unserer Geschichte mit der Europas verbunden", stellte Vizepräsident AI Gore fest.
In einer am 6. Januar 1994 in Milwaukee anstelle von Präsident Clinton gehaltenen Rede erklärte Gore seinen
Zuhörern, die Vorfahren in Rußland, Mittel- und Osteuropa haben, nach dem Ende des Kalten Krieges sei die
Zukunft Amerikas auch weiterhin eng mit der Europas verknüpft. "Wenn Europa kämpft, leiden wir", erklärte er.
"Wenn Europa sicher und frei ist, prosperieren auch wir in den Vereinigten Staaten."
Gore zufolge wird Präsident Clinton auf seiner Europareise vom 8. bis 16. Januar den Staaten Mittel- und
Osteuropas eine Anbindung an die NATO anbieten, die eine zunehmende Integration in die politischen und
wirtschaftlichen Institutionen der atlantischen Gemeinschaft zusichert.
Der Vizepräsident mußte in letzter Minute als Ersatzredner für den Präsidenten einspringen, der bedingt durch
den Tod seiner Mutter in seinen Heimatstaat Arkansas reiste.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede des Vizepräsidenten im
Wortlaut.

Als der Präsident vor 15 Monaten hier war, sprach er
an jenem Tag im Oktober überdie Notwendigkeit einer
durchgreifenden demokratischen nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. In zwei Tagen
wird der Präsident zu einer Reihe von Treffen nach
Europa reisen, die dieses Ziel verfolgen. In Brüssel
wird er die Bedeutung unserer wirtschaftlichen und
sicherheitspolitischen Bande mit der NATO und Europa hervorheben. In Prag will er unser entschiedenes
Engagement für die jungen Demokratien in Polen,
Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei unterstreichen. Bei seinem Besuch in Moskau wird
er unserer Unterstützung für die demokratischen Reformen in Rußland und andernorts Ausdruck verleihen. Bei seinem Aufenthalt im belarussischen Minsk
will er auf die Bedeutung der von diesem und anderen
Staaten beim Abbau von Atomwaffen erzielten Fortschritte hinweisen.
Vor seiner Abreise ins Ausland zu Gesprächen mit
anderen Staats- und Regierungschefs wollte der Präsident hierherkommen und mit Ihnen erörtern, warum
diese Reise für das amerikanische Volk so wichtig ist.
Der Präsident hat mich gebeten, Ihnen am heutigen
Tag seine Ansichten zu vermitteln, denn zu diesem
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Zeitpunkt der Geschichte steht ganz Europa an einem
Wendepunkt, der große Auswirkungen auf unsere eigene Sicherheit und unseren Wohlstand hat.
Aus diesem Grund legen der Präsident und ich so
großen Wert darauf, daß sich unsere Administration
stark auf Europa, insbesondere Mittel- und Osteuropa
sowie Rußland konzentriert. Dem Wunsch des Präsidenten entsprechend führte mich meine erste Auslandsreise in meiner Eigenschaft als Vizepräsident
nach Polen. Heute sind mindestens zwei derjenigen
anwesend, die mich bei dieser Gelegenheit begleiteten. Während meines Aufenthalts in Polen führte ich
intensive Gespräche mit Präsident Walesa und besuchte zusammen mit ihm eine Morgenandacht in
seiner Privatkapelle.
Letzten Monat reiste ich nach Ungarn, wo ich in Budapest mit der neuen Regierung zusammentraf. Auf
dieser Europareise führte ich auch auf Wunsch des
Präsidenten ein langes Gespräch unter vier Augen mit
dem ukrainischen Präsidenten Krawtschuk. Seit unserem Amtsantritt sind der Präsident und ich mit
nahezu allen führenden Politikern der Staaten Mittelund Osteuropas zusammengetroffen sowie mit vielen

Seite 1

�Staats- und Regierungsoberhäuptern der Republiken
der ehemaligen Sowjetunion, da Präsident Clinton
großen Wert auf den Bertrag unserer Nation zu dem
positiven Wandel legt, der zur Zeit stattfindet und
fortgeführt werden muß.
Wir leben in einer Zeit erstaunlicher Veränderungen.
Nachdem wir während des Kalten Krieges ein halbes
Jahrhundert lang gegenüber der sowjetischen Aggression hart geblieben sind, ist der Kalte Krieg plötzlich
vorüber und die Sowjetunion existiert nicht mehr.
Nachdem wir jahrzehntelang für die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika sowie
zwischen Arabern und Juden im Nahen Osten gebetet
haben, sind wir plötzlich Zeugen eines hoffnungsvollen
Händedrucks, auf den sich die Augen der ganzen Welt
richten. Nachdem wir jahrzehntelang von der Freiheit
versklavter Nationen geträumt und darauf hingearbeitet haben - viele von Ihnen aus ganzem Herzen - sind
diese Staaten plötzlich frei, und in ganz Europa entstehen neue Demokratien. Der Präsident hat mir mitgeteilt, er freue sich außerordentlich, wieder mit einigen
dieser Helden der Demokratie zusammenzutreffen,
beispielsweise Vaclav Havel und Lech Walesa.

davonzulaufen. Was hat uns das gebracht? Eine
Depression und einen weiteren schrecklichen Krieg.
Und was hat es uns gebracht, daß wir uns nach dem
Zweiten Weltkrieg an der Weltpolrtik beteiligten?
Jahrzehnte von Sicherheit und Wohlstand. Und wir
müssen wieder so handeln.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes haben
der Präsident und ich erklärt, unsere Außenpolitik
werde sich auf wirtschaftliche Erneuerung, starke
Verteidigung und die Förderung von Demokratie in
Übersee stützen. Im vergangenen Jahr haben wir bei
der Erreichung dieser Ziele Fortschritte gemacht.
Natürlich haben wir als erstes unser wirtschaftliches
Haus wieder in Ordnung gebracht, denn ohne eine
starke Wirtschaft können wir im Ausland nicht konkurrieren und eine Führungsrolle übernehmen. Wir verabschiedeten ein Paket wirtschaftlicher Maßnahmen,
um unser Haushaltsdefizit um 500 Milliarden Dollar zu
reduzieren und investierten gleichzeitig in Bildung und
Ausbildung, Technologie und Rüstungskonversion.
Nebenbei bemerkt: Sie werden sich vielleicht erinnern, daß bei unserer Amtsübernahme das für das
neue Jahr veranschlagte Defizit 300 Milliarden Dollar
betrug. Diese Schätzung beläuft sich jetzt nur noch auf
Gleichzeitig bergen einige der sich auf der Welt vollzie- 190 Milliarden Dollar. Die von uns unternommenen
henden Veränderungen für uns große Gefahren, dar- Anstrengungen tragen bereits Früchte - nicht nur in
unter die Weiterverbreitung von Massenvernichtungs- Form des so wichtigen Defizitabbaus, sondern auch
waffen und die weltweite Zerstörung der Umwelt. Und einer niedrigen Inflationsrate und beispiellos niedrigen
wir werden mit einer veränderten, neuen Weltwirt- Zinssätzen.
schaft konfrontiert, die uns viele neue Chancen bieten,
aber auch beunruhigend für unsere Arbeitsplätze und Das Vertrauen der Verbraucher ist wieder gestärkt.
Gemeinden sein könnte. Angesichts dieses Wandels Der Hausbau erlebt einen Boom - im letzten Monat den
würden es manche Amerikaner bevorzugen, wenn wir größten in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
uns aus den Streitigkeiten der Welt heraushalten und Unsere Nation hat in den letzten zwölf Monaten mehr
nur auf unsere innenpolitischen Herausforderungen Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft geschaffen als in
konzentrieren würden. Europa sieht sich noch härte- den vergangenen vier Jahren zusammengenommen.
ren wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns und sind uns
Zweistelligen Arbeitslosenquoten und äußerst schlep- dessen auch bewußt. Um nur ein Beispiel zu nennen:
pendem Wachstum. Viele Europäer würden es viel- Voruns liegt noch die Aufgabe, jedem Amerikaner eine
leicht auch vorziehen, nicht mit den Problemen außer- sichere Gesundheitsfürsorge anzubieten. Und mit
halb ihrer Grenzen belastet zu werden. Und die in Ihrer Hilfe werden wir das tun. Wir haben einen guten
Rußland und den anderen ehemals kommunistischen Anfang gemacht, und es war ein gutes erstes Jahr.
Staaten stattfindende wirtschaftliche Umgestaltung ist
Nachdem unsere eigene Wirtschaft in Ordnung genoch viel beängstigender.
bracht war, haben wir als nächstes Schritte zur ÖffFolglich sind sämtliche Nationen der großen Versu- nung ausländischer Märkte für amerikanische Waren
chung ausgesetzt, sich nur auf ihre eigenen Probleme und Dienstleistungen unternommen, damit wir unsere
zu konzentrieren. Aber meine heutige Botschaft - und Exporte fördern und wertere Arbeitsplätze schaffen
die Botschaft der Reise des Präsidenten - ist die können. Wir haben das Nordamerikanische Freihanfolgende: Um im Inland stark zu sein, müssen wir uns delsabkommen verabschiedet, das die Zölle auf unseauch im Ausland engagieren. Wir müssen mit anderen re Exporte senken und über 200.000 neue amerikaniNationen zusammenarbeiten, um ein Wachstum der sche Arbeitsplätze schaffen wird. Wir haben unsere
Weltwirtschaft und eine Öffnung ausländischer Märkte Beziehungen zu den aufstrebenden Wirtschaftsmächzu erzielen, wenn wir unsere Exporte erhöhen wollen. ten Asiens ausgebaut. Erst letzten Monat erzielten wir
Wir müssen uns zusammen mit anderen Nationen ein historisches neues Abkommen bei den Welthandafür einsetzen, das Ende des Kalten Krieges zu delsgesprächen im Rahmen des GATT, das wertere
besiegeln, damit wir nicht letztlich mehr Geld für die Hunderttausende amerikanischer Arbeitsplätze schafVerteidigung und weniger für die erforderlichen inlän- fen und die gesamte Weltwirtschaft ankurbeln wird, so
dischen Investitionen aufwenden. Nach dem Ersten daß wir diese wieder in Gang bringen können.
Weltkrieg unternahmen wir den Versuch, vor der Welt
Seite 2

AMERIKA DIENST 2

�Mit Hilfe dieser und anderer Schritte stellen wir die
wirtschaftlichen Interessen des amerikanischen Volkes wieder in den Mittelpunkt unserer Außenpolitik.
Wir haben auch die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten beim Umweltschutz wiederhergestellt. Im
vergangenen Jahr haben wir uns um eine Stärkung
unseres Verteidigungsapparats bemüht.

bleiben. Wir werden dafür sorgen, daß sie die am
besten ausgebildeten, am besten ausgerüsteten, am
besten vorbereiteten Streitkräfte auf dieser Erde bleiben.

Die von uns im vergangenen Jahr unternommenen
Schritte machen Amerika stärker und sicherer. Bei
dieser Gelegenheit möchte ich insbesondere die Dienste aller Männer und Frauen in Uniform würdigen, die
uns auf der ganzen Welt beschützen. Präsident Clinton hat oft darauf hingewiesen, daß die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten die besten der Welt sind, und wir
sind entschlossen sicherzustellen, daß sie das auch

Präsident Clintons Ziel bei dieser Reise besteht darin,
zu diesem Schutz beizutragen. Er kann nicht von
neuen, mit Stacheldraht bewehrten Mauern kommen.
Der Schutz, den die neuen Staaten Europas heute
benötigen, ist vielmehr die Art von Schutzmechanismus, den wir alle in unserem tiefsten Inneren haben der Schutz, der die dunkelste Seite unserer Natur
davor bewahrt, an die Oberfläche zu kommen - das
Gefühl der Toleranz und die Gewohnheiten, die durch

Wir haben im vergangenen Jahr große Anstrengungen
zur Erhöhung der Sicherheit Amerikas unternommen.
Nichts ist jedoch von größerer Bedeutung für unsere
Unter der fähigen Leitung von Verteidigungsminister Sicherheit als unsere Beziehungen zu Europa. Nach
Les Aspin schlössen wir die tiefgreifende Umstruktu- dem Ende des Kalten Krieges mögen einige denken,
rierung unseres Militärs ab um sicherzustellen, daß wir Europa sei für unsere Nation nicht mehr so wichtig wie
über die zur Reaktion auf die diversen Bedrohungen zuvor. Präsident Clinton erklärt, daß sie unrecht
dieses neuen Zeitalters erforderlichen Streitkräfte haben. Tatsache ist: Europa bleibt unser wertvollster
verfügen. Und als wir aus dem Ausland bedroht Handelspartner, und die militärische Sicherheit der
wurden, beispielsweise als wir von der irakischen Vereinigten Staaten ist weiterhin so eng wie je zuvor in
Verschwörung zur Ermordung des ehemaligen Präsi- unserer Geschichte mit der Europas verbunden.
denten Bush erfuhren, setzte Präsident Clinton diese
Streitkräfte ein, um entschieden zurückzuschlagen In diesem Jahrhundert haben wir unsere Söhne und
und eine klare, unmißverständliche Botschaft zu sen- Töchter zweimal nach Europa entsandt, um Aggression abzuwehren und das Überleben der Demokratie
den.
zu sichern. In zwei Weltkriegen haben wir eine Lektion
Wir setzten uns auch für die Förderung demokrati- gelernt, die in jeder Veteranenvereinigung und Gescher Bewegungen auf der ganzen Welt ein und erhöh- denkhalle in Wisconsin und im ganzen Land verstanten beträchtlich unsere Unterstützung für die Reform- den wird. Wenn Europa kämpft, leiden wir. Wenn
kräfte in Rußland, der Ukraine, Armenien und den Europa sicher und frei ist, prosperieren auch wir in den
anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Vereinigten Staaten.
die die Tür hinter ihrer kommunistischen Vergangenheit zu schließen versuchen und eine neue demokra- Europa erfreut sich jetzt der Wiedergeburt der Freiheit.
tische Zukunft einleiten wollen. Wir hoben die gegen Nach einem halben Jahrhundert der Unterdrückung
Südafrika verhängten Sanktionen sofort auf, nachdem haben die baltischen Staaten ihre rechtmäßige Unabdort eine Übereinkunft zur Abschaffung der Apartheit hängigkeitwiedererlangt. Wir waren Zeuge, wie große
und der Abhaltung nichtrassischer Wahlen erzielt worden Dissidenten, Helden wie Vaclav Havel und Lech Walewar. Ist das nicht ein Zeichen der Hoffnung in unserer sa, die kommunistische Herrschaft abschütteln halfen
und zu führenden Politikern ihres Volkes wurden.
Welt?
Boris Jelzin und andere mutige demokratische ReforTrotz drängender Haushaltsprobleme erhöhten wirdie mer in Rußland hielten trotz heftigen Widerstands
Gelder für unsere Programme zur Unterstützung der reaktionärer Kräfte Wahlen ab und entwarfen eine
Basisdemokratie von Mittelamerika über Asien bis Verfassung.
Osteuropa erheblich. Der Erfolg junger Demokratien
wie der in Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik Diese demokratische Renaissance ist Grund zur Hoffund der Slowakei ist für unsere Nation und unsere nung. Am europäischen Horizont hängt jedoch eine
Sicherheit von Bedeutung. Wir müssen ihnen zum dunkle Wolke - die Gefahr des fanatischen NationalisErfolg verhelfen. Wir haben nicht jahrelang die Solida- mus, der durch alte Ressentiments entzündet, durch
rität unterstützt, um die Demokratie in Polen zu verlie- wirtschaftliche Frustration genährt und durch egoistiren. Wir haben nicht die sanfte Revolution in der sche Demagogen geschürtwird. Im ehemaligen JugoTschechoslowakei gefeiert, um diese neugeborene slawien brennt dieses Feuer bereits. Aber auch in
Freiheit dem Tod durch Vernachlässigung preiszuge- anderen Staaten schwelt es, insbesondere in Osteuroben. Um ihrer- und unseretwillen haben wir uns im pa. Wenn wir nicht mit dem Bau neuer SchutzvorrichKalten Krieg behauptet. Und jetzt müssen wir uns um tungen beginnen, könnte diese Glut sich entfachen
ihrer- und unseretwillen beim Aufbau eines umfassen- und Europa wieder verschlingen, wie es während der
deren demokratischen Friedens in ganz Europa be- beiden schlimmsten Krisen dieses Jahrhunderts der
Fall war.
haupten.

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Seite 3

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die Praktiken von freiem Handel, offener Demokratie,
einem soliden bürgerlichen Leben und der Respektierung der Unterschiede zwischen Einzelpersonen und
Nationen aufgebaut werden.

kommunistischen Staaten in die Kooperation mit dem
übrigen Europa. Sie bringt den evolutionären Prozeß
der offiziellen Erweiterung der NATO voran - ein Schritt
zur Aufnahme neuer Mitglieder in das Bündnis.

Denjenigen, die fragen, wo es solche Toleranz auf der
Welt gibt, würde ich sagen, kommt nach Milwaukee.
Betrachtet Eure Stadt. Eure Wurzeln gehen zurück
nach Polen, Rußland, der Ukraine, dem Baltikum,
nach Deutschland, Italien und England, Afrika, Asien
und Lateinamerika. Ihr mögt Christen, Juden oder
Muslime sein, und dennoch seid Ihr alle eine Gemeinde. Warum? Weil Ihr alle die amerikanische Überzeugung teilt, daß unseren Unterschieden Stärke innewohnt, wir einen kollektiven bürgerlichen Raum aufbauen können, der groß genug für unsere verschiedenen Identitäten ist, wir E Pluribus Unum - aus Vielen
Eins - sein können. Dies erachten wir hier in unseren
gesegneten Vereinigten Staaten von Amerika für selbstverständlich. Diese Idee ist jedoch auch Europa nicht
fremd. Diese von Jefferson und Madison in unserer
Unabhängigkeitserklärung und unserer Verfassung
niedergelegten Ideen waren europäische Importe, aus
dem großartigen Zeitalter der Aufklärung in Europa
abgeleitet.

Die Partnerschaft für Frieden lädt die neuen Demokratien Europas ein, sich unverzüglich an der militärischen und politischen Kooperation mit den NATOMitgliedstaaten sowie untereinander zu beteiligen. Die
der Partnerschaft beitretenden Staaten können an der
militärischen Planung, Übungen und Operationen teilnehmen. Die Partnerschaft wird zur Förderung demokratischer Praktiken beitragen, die diese Staaten auf
die volle NATO-Mitgliedschaft vorbereiten. Die neue
NATO muß die Belange der Nationen ansprechen, die
zwischen Rußland und Westeuropa liegen, denn die
Sicherheit dieser Staaten betrifft die Sicherheit Amerikas. Ich möchte dies nochmals wiederholen: Die
Sicherheit der zwischen Rußland und Westeuropa
gelegenen Staaten betrifft die Sicherheit Amerikas.
Insbesondere nach den jüngsten Wahlen in Rußland
sind diese Staaten natürlicherweise besorgt darüber,
ob sie wieder zu einer Pufferzone werden, einem
Preis, über den sich andere streiten.

Im gesamten ehemaligen sowjetischen Block wurden
diese Ideen jedoch durch falsche Ideologien und Jahrzehnte der Diktatur im Keim erstickt. Heute haben wir
die Chance dazu beizutragen, daß unsere hehren
Werte der Freiheit an Orten Fuß fassen, die das
Heimatland so vieler unserer Vorfahren waren. Wir
können die falschen Linien, die Europa zu lange geteilt
haben, ausradieren helfen und die Wunden heilen, die
von dieser Spaltung hinterlassen wurden. Die Förderung der europäischen Integration bringt nicht nur
unsere höchsten Ideale zum Ausdruck, sondern wird
auch die beste Investition sein, die wir für unsere
eigene Sicherheit und unseren Wohlstand tätigen
können.

Die Partnerschaft für Frieden zielt darauf ab, diesen
Staaten das Vertrauen zu bieten, daß sie sich im
Westen integrieren können, statt stets Angst haben zu
müssen, was in ihrem Osten geschieht. Die Partnerschaft für Frieden teilt nicht Ost und West in einer
Weise, die eine künftige Konfrontation heraufbeschwören könnte. Statt dessen versucht sie, ein größeres
Europa zu integrieren. Gleichermaßen bietet sie eine
offene Tür für alle Nationen Mittel- und Osteuropas
sowie die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und lädt sie alle ein, neue Beziehungen zur
NATO in der Überzeugung zu schmieden, daß die
neuen Grenzen der Freiheit jetzt nicht nur der alten
Geschichte, sondern auch neuen Verhaltensweisen
Rechnung tragen müssen.

Präsident Clintons oberstes Ziel bei dieser Reise ist die
Stärkung der NATO und die Gewährleistung, daß sie
zur Bewältigung der gerade von mir beschriebenen
Herausforderungen bereit ist. Die NATO ist das größte
militärische Bündnis in der gesamten Geschichte der
Menschheit. Wir hätten den Karten Krieg nicht ohne
sie gewinnen können. Aber jetzt ist die Sowjetunion
verschwunden, zu deren Abschreckung sie beitrug.
Es ist an der Zeit für die NATO, die neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas in Angriff zu
nehmen, wie die Konsolidierung der demokratischen
Errungenschaften unter den östlichen Nachbarn der
NATO und die Abwendung ethnischer Konflikte.
Beim NATO-Gipfel in Brüssel wird der Präsident den
Vorschlag einer Partnerschaft für Frieden unterbreiten, die von der NATO als ein großer Schritt zur
Erfüllung der neuen sicherheitspolitischen Bedürfnisse Europas geschaffen werden soll. Die Partnerschaft
ist ein neuer Weg zur Einbeziehung der ehemals
Seite 4

Die Partnerschaft für Frieden kann Kooperation zur
Gewohnheit machen, die der Lebensnerv der NATO
und ihrer offiziellen Sicherheitsgarantien ist. Wir sehen dem baldigen Beginn einer solchen Kooperation
mit Polen, der Tschechischen Republik und anderen
ehemals kommunistischen Staaten entgegen, während wir die Grundlage für ein neues und größeres
Europa schaffen.
Präsident Clintons zweites Ziel besteht darin, unsere
Unterstützung für die Völker und politisch Verantwortlichen der ehemals kommunistischen Staaten unter
Beweis zu stellen, Demokratie aufzubauen und den
Grundstein für eine bürgerliche Gesellschaft zu legen:
Politische Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände und eine freie Presse. In Prag wird der Präsident mit den Staats- und Regierungschefs der Tschechischen Republik, Ungarns, Polens und der Slowakei
zusammenkommen - den Visegrad-Nationen - die bei
der Reformwelle in Europa eine solch führende Rolle

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�spielen. In Minsk wird der Präsident unsere Unterstützung für den Vorsitzenden des Obersten Sowjets von
Weißrußland, Schuschkewitsch, und andere Politiker
des demokratischen Reformprozesses in Belarus zum
Ausdruck bringen. Und in Moskau wird er mit Präsident Boris Jelzin und anderen russischen Reformern
zusammentreffen, die ihre Nation zu einer demokratischen, marktorientierten und friedlichen Zukunft führen.
Die starke Unterstützung für reaktionäre Kandidaten
bei den jüngsten russischen Wahlen hat uns allen
Anlaß zur Sorge bereitet. Wir wären schlecht beraten,
wenn wir diese Ergebnisse ignorieren würden, und es
ist unsere Pflicht, die Stimmen des Rassismus und intoleranten Nationalismus zu verdammen, wann immer
sie vernommen werden. Täuschen Sie sich jedoch
nicht - bei diesen russischen Wahlen gab es auch eine
andere Botschaft der Hoffnung. Eine Wahl, die noch
Monate, bevor sie infreierund fairer Weise abgehalten
wurde, unwahrscheinlich erschien. Und als das russische Volk wählte, ratifizierte es eine demokratische
Verfassung und stimmte für die erste postsowjetische
russische Legislative.
All dies kann den russischen Reformern zu Fortschritten verhelfen. Wir dürfen das Vertrauen in den Reformprozeß nicht verlieren, nur weil er langsam vorankommt oder Rückschläge erleidet. Die Veränderung
einer ganzen Gesellschaft ist das Werk von Generationen. Auf dem Weg dorthin werden das russische Volk
und die anderen neuen Staaten zweifelsohne einige
schlechte Entscheidungen treffen, ebensowiewirdies
gelegentlich in unserer eigenen Geschichte getan haben.
Demokratie macht uns schließlich nicht alle zu Engeln,
sondern bietet uns nur einen Weg, kollektiv von unseren sehr menschlichen Fehlern zu lernen. Solange
diese Nationen Freiheit mit Schutzmaßnahmen für
ethnische und religiöse Minderheiten sowie politischen
Dissens unterstützen, hegen wir Vertrauen, daß Reformen an die Stelle von Reaktion treten.
Präsident Clintons drittes Ziel besteht in der Reduzierung der durch Massenvernichtungswaffen entstehenden Gefahren. Als sich die Sowjetunion auflöste,
befanden sich vier Staaten im Besitz ihrer Nuklearwaffen - Rußland, die Ukraine, Kasachstan und Belarus.
Ein Schlüssel zu unserer Sicherheit ist die Gewährleistung, daß es nur einen einzigen atomaren Nachfolgestaat der Sowjetunion gibt. Unter der Führung von
Präsident Nasarbajew stimmt Kasachstan zu, seine
Nuklearwaffen aufzugeben. Ich war erfreut, im vergangenen Monat an dem Tag in Alma-Ata zu sein, an
dem das Parlament diese Entscheidung ratifizierte.
Wir arbeiten gemeinsam mit der Ukraine an der Sicherstellung eines ähnlichen Abkommens. Ein Grund für
die Reise des Präsidenten nach Minsk ist, dem Volk
und den politisch Verantwortlichen von Belarus zur
Ratifizierung des START-Vertrags und zur Zustimmung zu einem atomwaffenfreien Staat zu gratulieren.
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Darüber hinaus erwarten wir in Brüssel die Verabschiedung unseres Vorschlags zur Bewältigung der
Bedrohung durch nukleare, biologische und chemische Waffen.
Das letzte Ziel des Präsidenten ist die Unterstützung
der dramatischen Fortschritte zu marktwirtschaftlichen
Reformen in allen ehemals kommunistischen Staaten
sowie ein größeres, wirtschaftlich besser florierendes
Europa. Wie wir alle wissen, erlebt ein Großteil Europas eine tiefe Rezession, und wenn diese Nationen
wieder wachsen können, werden wir von mehr Exporten und mehr Arbeitsplätzen in unserem eigenen Land
profitieren. Ebenso wichtig ist die Gewährleistung,
daß das Wirtschaftswachstum alle früher kommunistischen Staaten erreicht, die den schwierigen Übergang
zu Marktwirtschaften vollziehen.
Einige der größten Helden dieser Flucht vor dem
Kommunismus sind die Menschen, deren Namen wir
niemals wissen werden - der Bauer in der Nähe von
Sofia, der jetzt mit größerem Stolz arbeitet, weil er
wieder das Land seines Großvaters besitzt. Der
Unternehmer in Riga, der von seinem Appartement
aus ein neues Unternehmen betreibt. Der Fabrikarbeiter in St. Petersburg, der sich an die neuen Gewohnheiten und Unsicherheiten des Kapitalismus anzupassen versucht.
Der Erfolg der Freiheit wird in hohem Maße von der
Arbeit dieser Menschen abhängen. Wir müssen alles
in unserer Macht Stehende tun um sicherstellen, daß
ihre Mühen belohnt werden. In Brüssel wird der
Präsident die westeuropäischen Staats- und Regierungschefs auffordern, gemeinsam mit unserem Land
Schritte zu unternehmen, um alle unsere Märkte offener für die Waren aus den neuen Demokratien Europas zu machen. In Prag, Moskau und Minsk wird er mit
den Politikern dieser neuen Marktwirtschaften zusammenarbeiten um zu gewährleisten, daß unsere Wirtschaftshilfe sowie Handels- und Investitionstätigkeit
auf die möglichst große Unterstützung dieser Nationen
ausgerichtet sind, während sie den äußerst schwierigen Übergang zur Marktwirtschaft vollziehen.
Heute vollbringen die Menschen der ehemals kommunistischen Nationen täglich Wunder. Mit wenig Ressourcen und Erfahrung verwandeln sie wirtschaftlichen Ruin in funktionierende Märkte. Sie ersetzen das
graue Orwellsche Leben durch die vielversprechenden und vielfältigen Kulturen, deren sich ihre Völker
einst erfreuten. Sie beleben die religiösen Traditionen
wieder, die der Kommunismus nicht ausmerzen konnte. Und sie pflanzen kräftige Schößlinge der Demokratie auf einem Boden, der einst durch Diktatur brachlag
und durch die verheerenden Feuer des Krieges verwüstet war.
Die harte Arbeit der politischen und wirtschaftlichen
Umgestaltung obliegt den Menschen in der Region,
und sie machen heroische Fortschritte - für unser

Seite 5

�eigenes Land sind die Risiken jedoch enorm hoch. Wir
müssen uns auch hinter die Sache der Reformen
stellen. Es liegt im Eigeninteresse Amerikas, daß
diese Reformen Erfolg und Bestand haben. Wenn dies
der Fall ist, werden wir alle mehr Sicherheit haben. Wir
können einen weiteren, alle einbeziehenden europäischen Krieg verhindern. Wir können weitere Fortschritte beim Abbau der alles vernichtenden Waffen
machen. Wir können unsere Sicherheit weiterhin mit
sehr viel niedrigeren Verteidigungsbudgets aufrechterhalten. Wir können neue Märkte für unsere Exporte
und neue Arbeitsplätze für unsere Menschen schaffen, während diese neuen Volkswirtschaften zu wachsen und prosperieren beginnen. Aus diesem Grund
dürfen wir nicht als Zuschauer agieren. Wir müssen
unsere Arbeit zum Aufbau eines größeren und freieren
Europa fortsetzen.

Ich denke zurück an den polnischen Aufstand von
1863, bei dem die polnischen Kämpfer sich von dem
Motto leiten ließen: "Für Eure Freiheit und unsere". In
ihrem tiefsten Inneren waren sie überzeugt, daß ihre
eigene Befreiung andere befreien würde, weil sie für
das umfassendere Prinzip der Freiheit kämpften. Heute
dauert der Kampf für Freiheit in Europa mit neuen
Hoffnungen und hohen Risiken an.
Wenn der Präsident die Reise in diese Länder antritt,
wissen er und alle, die mit ihm zusammengearbeitet
haben, daß der Kampf um die Heilung der Wunden und
Sicherstellung des demokratischen Erfolgs nicht ihr
Kampf allein ist. Es muß auch unser Kampf sein. Es
ist der Kampf eines Lebens - unseres Lebens. Es ist
die Geschichte eines Jahrhunderts - unseres Jahrhunderts. Präsident Clinton und ich haben uns verpflichtet, dies zur Aufgabe unserer Nation zu machen.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 2

�NATO
12. Januar 1994

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN SETZT
VISION DER NATO UM
Ansprache von Präsident Clinton beim NATO-Gipfel
BRÜSSEL - (AD) - Die vorgeschlagene Partnerschaft für Frieden, die eine militärische Zusammenarbeit
zwischen den ehemals kommunistischen Staaten Osteuropas und der NATO vorsieht und schließlich zur
Aufnahme dieser Länder in das Bündnis führen soll, "ändert nicht die ursprüngliche Vision der NATO, sondern
setzt sie um", erklärte Präsident Clinton.
"Wir sollten jetzt zu den Menschen im Osten Europas sagen: 'Wir teilen Euer Schicksal und engagieren uns für
Euren Erfolg'", forderte der Präsident die Teilnehmer des NATO-Gipfels in Brüssel am 10. Januar 1994 auf. "Die
Gemeinschaft demokratischer Staaten ist gewachsen, und jetzt ist es an der Zeit, diese neuen Nachbarn
willkommen zu heißen."
Der Präsident begrüßte die erneute Warnung des Bündnisses vor der Einkesselung Sarajevos und der
Schutzzonen in Bosnien-Herzegowina und fügte hinzu, diese Warnung sei keine bloße Rhetorik. Wenn sich die
Situation nicht verbessere, müsse das Bündnis zum Handeln bereit sein.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank, Herr Generalsekretär, meine sehr verehrten Damen und Herren. Es ist mir eine große Ehre,
mein Land heute morgen bei diesem NATO-Gipfel
vertreten zu dürfen, wie das bereits acht meiner Vorgänger getan haben.
Wir alle sind aus dem gleichen zwingenden Grund
hierhergekommen: Die Sicherheit des nordatlantischen Raumes ist für die Sicherheit der Vereinigten
Staaten von lebenswichtiger Bedeutung. Die Gründerväter der NATO schufen das größte Militärbündnis
der Geschichte. Das war ein kühnes Unterfangen. Wir
alle wissen wohl, daß wir diese Woche zusammentreffen, weil die Geschichte uns auffordert, nach dem
Ende des Kalten Krieges gleichermaßen mutig zu
handeln. Wir fürchten nicht länger den Angriff eines
gemeinsamen Gegners. Aber obgleich unser gemeinsamer Feind nicht mehr existiert, sind wir uns bewußt,
daß die uns alle konfrontierenden Gefahren nicht
verschwunden sind.
Im Zeitalter nach dem Kalten Krieg müssen wir uns mit
dem destabilisierenden historischen Umbruch auseinandersetzen, den das Ende des Kalten Krieges bewirkt
hat.

AMERIKA DIENST 2

Die heutige Bedrohung liegt nicht in vorrückenden
Armeen, sondern in schleichender Instabilität. Die
beste Strategie zur Bekämpfung dieser Gefahr besteht in der Integration der ehemals kommunistischen
Staaten in das Gefüge unserer liberalen Demokratie,
wirtschaftlichen Prosperität und militärischen Zusammenarbeit. Denn die Sicherheit dieser Generation wird
davon beeinflußt, ob die in diesen Nationen durchgeführten Reformen angesichts der bedeutenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten, ethnischen Spannungen und des intoleranten Nationalismus erfolgreich
sind.
Die Zahl der reaktionären Stimmen bei den jüngsten
Wahlen in Rußland erinnert uns erneut an die Stärke
der Demokratiegegner. Das fortgesetzte Gemetzel in
Bosnien zeigt, welcher Preis zu zahlen ist, wenn sich
diese Opponenten durchsetzen. Wenn wir nicht unsere neue Herausforderung meistern, werden wir mit
Sicherheit irgendwann wieder mit unseren alten Herausforderungen konfrontiert. Wenn die Demokratie im
Osten scheitert, werden von dort kommende Gewalt
und Zerrüttung uns und anderen Demokratien erneut
schaden.

Seite 1

�Deshalb wird die von unserer Generation gespielte
Rolle als treuhänderischer Verwalter dieses großartigen Bündnisses meines Erachtens vor allem danach
beurteilt werden, ob uns die Integration der östlichen
Staaten in das westliche Sicherheits- und Wertesystem gelingt. Wir haben die einzigartige, die echte
Chance, die europäische Sicherheit auf der Grundlage
historisch neuer Prinzipien umzugestalten - dem Streben nach wirtschaftlicher und politischer Freiheit. Und
ich würde behaupten, daß wir jetzt harte Arbeit leisten
müssen, denn eine derartige Chance erhalten wir
vielleicht nie wieder.
Tatsächlich fragt sich die Welt heute, ob wir den
Weitblick und Mut unserer Vorgänger besitzen, im
Einklang mit unseren langfristigen Interessen zu handeln. Ich bin zuversichtlich, daß der Stahl in diesem
Bündnis nicht gerostet ist. Unsere Nationen haben
dies bei ihren gemeinsamen Bestrebungen im Golfkrieg unter Beweis gestellt. Im vergangenen Jahr
bewiesen wir das erneut, als wir in Zusammenarbeit
nach siebenjährigen Anstrengungen durch Kompromiß- und Harmoniedenken ein neues GATT-Abkommen erzielten. Und jetzt müssen wir erneut so handeln.
Um die vor uns liegende große Chance zu ergreifen,
habe ich den Vorschlag unterbreitet, eine sogenannte
Partnerschaft für Frieden zu schmieden, die für alle
ehemals kommunistischen Staaten des früheren
Warschauer Pakts sowie andere Nichtmitglieder der
NATO offen ist. Die Teilnahme an dieser Partnerschaft wird gemeinsame Planung, Ausbildung und
Übungen für uns alle betreffende Missionen beinhalten. Die Teilnehmer sollen eingeladen werden, hier
oder im Koordinationszentrum in Mons direkt mit der
NATO zusammenzuarbeiten.

die zu einer Aufnahme der östlichen Länder führende
Partnerschaft für Frieden nicht die ursprüngliche Vision der NATO, sondern setzt diese um.
Wir sollten jetzt zu den Menschen im Osten Europas
sagen: 'Wir teilen Euer Schicksal und engagieren uns
für Euren Erfolg.' Die Gemeinschaft demokratischer
Staaten ist gewachsen, und jetzt ist es an der Zeit,
diese neuen Nachbarn willkommen zu heißen."
Präsident Mitterand hat so beredt darauf hingewiesen,
daß einige dieser Neuankömmlinge der NATO gerne
sofort beitreten würden, und es wurden Vorbehalte
gegen dieses Konzept einer Partnerschaft für Frieden
laut. In meinem Land wurde ich getagt, ob dies das
Beste sei, was getan werden könne, ob dies bedeute,
einen Mittelweg zwischen Untätigkeit und voller Mitgliedschaft zumindest für die Visegrad-Länder zu finden? Hierauf möchte ich persönlich mit einem entschiedenen Nein antworten - auseiner Vielzahl der von
Präsident Mitterand bereits dargelegten Gründe.
Warum sollten wir jetzt eine neue Trennungslinie durch
Europa ziehen, die lediglich etwas weiter im Osten
liegt? Warum sollten wir jetzt etwas unternehmen, das
Europa seiner bestmöglichen Zukunft berauben könnte? Die bestmögliche Zukunft wäre ein demokratisches, der Sicherheit all seiner europäischen Nachbarn verpflichtetes Rußland. Die beste Zukunft wäre
eine demokratische Ukraine, eine demokratische
Regierung in jedem Nachfolgestaat der ehemaligen
Sowjetunion, die alle marktwirtschaftlicher Zusammenarbeit, der gemeinsamen Sicherheit und demokratischen Idealen verpflichtet sind. Wir sollten diese
Möglichkeit nicht verhindern.

Ich behaupte, daß wir bei der Partnerschaft für Frieden
weder auf das eine noch auf das andere verzichten
Die Partnerschaft wird das Bündnis auf die Übernah- müssen. Sie ermöglicht uns die Vorbereitung und
me neuer Aufgaben vorbereiten, die uns die heutige Verwirklichung der Erweiterung des Bündnisses zu
Zeit aufzwingt. Die gemeinsame Arbeitsgruppe, die dem Zeitpunkt, an dem andere Länder zur Übernahme
wir einrichten, wird effektives und schnelles Handeln der aus der NATO-Mitgliedschaft resultierenden Verbei der Friedensschaffung und -Sicherung erleichtern antwortung in der Lage sind. Dabei werden wir überdie
und uns bei der Lösung einiger äußerst schwieriger Zeit verfügen, Rußland und die anderen unabhängiProbleme behilflich sein, die wir heute zu bewältigen gen Staaten der früheren Sowjetunion zu erfassen, die
versuchen. Wir müssen dieses Bündnis auch auf neue während dieser ganzen Debatte weltweit unbeachtet
Bedrohungen vorbereiten, insbesondere den durch blieben, wodurch die Möglichkeit einer Zukunft EuroMassenvernichtungswaffen und ihren Trägersystemen pas offenbleibt, die einen vollkommenen Bruch mit der
uns bekannten destruktiven Vergangenheit darstellt.
entstehenden.
Auf der Grundlage des vor zwei Jahren von der NATO
ins Leben gerufenen Nordatlantischen Kooperationsrats setzt das Programm Partnerschaft für Frieden
einen Prozeß in Gang, der zur Erweiterung der NATO
führt. Zu Beginn hatte dieses Bündnis zwölf Mitgliedstaaten, heute sind es 16, und jeder einzelne hat es
gestärkt. Der NATO-Vertrag hat in der Tat stets die
Aufnahme neuer Mitglieder angestrebt, die die Ziele
des Bündnissesteilen und seine Einflußsphäre demokratischer Sicherheit erweitem könnten. Folglich ändert

Seite 2

Folglich harte ich diesen Vorschlag nicht für einen
halbherzigen Kompromiß. Es handelt sich im wesentlichen um eine gute Idee und ist zum gegenwärtigen
Zeitpunkt in der Geschichte das Richtige. Dieser
Vorschlag läßt die bestmögliche Zukunft für Europa
offen und gibt uns die Mittel an die Hand, uns auf eine
Zukunft vorzubereiten, die vielleicht nicht die beste,
aber entschieden besser als die Vergangenheit ist.
Meines Erachtens sollten wir alle diesen Kurs verfolgen.

AMERIKA DIENST 2

�Hierbei müssen wir uns über einige Annahmen und
Auswirkungen im klaren sein. Erstens: Wenn wir auf
diese Weise vorgehen, müssen wir die Bande unseres
Bündnisses erneut stärken. Amerika engagiert sich für
diese gemeinsamen Bestrebungen. Ich verpflichte
mich zur Beibehaltung einer Truppenpräsenz von
ungefähr 100.000 Soldaten in Europa im Einklang mit
dem ausdrücklichen Wunsch unserer Verbündeten.
Die Menschen in Europa können bei der Aufrechterhaltung dieses Engagements auf Amerika zählen.

Ich möchte auch als Reaktion auf die Äußerungen
Präsident Mitterands etwas ansprechen, das uns alle
beschäftigt - das Bosnien-Problem. Wenn wir über
schwierige Entscheidungen sprechen, müssen wir auch
bereit sein, sie zu treffen. Heute hat man mich gebeten, etwas über meine Politik gegenüber Rußland und
darüber zu sagen, was wir alle meines Erachtens zur
Förderung von Demokratie und Wirtschaftsreformen
in diesem Land unternehmen sollten. Ich will jedoch
noch zwei Punkte zu Bosnien ansprechen.

Zweitens: Wir müssen uns bewußt werden, daß diese
neue sicherheitspolitische Herausforderung eine Reihe von Antworten erfordert, die sich von denen der
Vergangenheit unterscheiden. Aus diesem Grund ist
unsere Administration über die von vorigen Administrationen unternommenen Anstrengungen hinausgegangen, den Europäern bei sicherheitspolitischen
Anliegen und der Förderung ihrer Interessen Beistand
zu leisten. Sie alle genießen unsere Unterstützung
auch außerhalb des NATO-Rahmens.

Erstens möchte ich bekräftigen, daß die Vereinigten
Staaten weiterhin bereit sind, der NATO bei der
Umsetzung einertragfähigen, von den Konfliktparteien freiwillig erzielten Lösung der Bosnien-Frage beizustehen. Natürlich wäre hierzu die Unterstützung durch
unseren Kongreß erforderlich, aber meiner Ansicht
nach können wir diese erlangen, wenn eine derartige
Operation eindeutig unter dem Kommando der NATO
steht, die Mittel zur Durchführung der Mission den
Zielen des Bündnisses entsprechen und diese Ziele im
Hinblick auf Zeit und Umfang klar definiert sind.

Wir haben uns für den Vertrag von Maastricht ausgesprochen. Wir befürworten das Engagement der
Europäischen Union für eine gemeinsame Au ßen- und
Sicherheitspolitik. Wir unterstützen Ihre Bestrebungen zur Stärkung der Westeuropäischen Union, damit
diese zur Sicherheit Europas einen größeren Beitrag
leisten kann.
Im Einklang mit diesem Ziel haben wir den Vorschlag
unterbreitet, NATO-Mittel für Operationen der Westeuropäischen Union zur Verfügung zu stellen, an denen
die NATO selbst nicht beteiligt ist. Obwohl die NATO
die Stütze unserer Sicherheit bleiben muß, werden
diese Bestrebungen unserem Volk und unseren Parlamenten gegenüber neue Ziele der europäischen Institutionen sowie eine gerechtere Aufteilung der Verantwortung innerhalb der transatlantischen Gemeinschaft
unter Beweis stellen.
Schließlich muß bei der Entwicklung einer Partnerschaft für Frieden jeder von uns zur Übernahme der zu
ihrem Erfolg erforderlichen Lasten bereit sein. Das
darf keine bloße Geste sein. Es ist nicht nur ein Forum.
Diese Partnerschaft für Frieden ist auch eine militärische und sicherheitspolitische Initiative im Einklang
mit den Zielen der NATO. Es gibt anscheinend die
pessimistische Einschätzung, daß die Erweiterung der
Zahl unserer Mitglieder eine Erweiterung unserer
Verpflichtungen bedeutet, die durch Militärstrategien
und entsprechende Verhaltensweisen unterstützt
werden muß. Die Aufnahme neuer Mitglieder bringt
nicht nur schwierige Entscheidungen mit sich, sondern
erfordert auch mehr Mittel. Zur Zeit verfügen wir nicht
über viele Mittel, sie müssen aber - wie der Generalsekretär mir bei dem Treffen heute morgen mitteilte bereitstehen, damit unsere Verbündeten und Freunde,
die sich dieser Partnerschaft unmittelbar verpflichten,
dieses Unterfangen ernst nehmen können.

AMERIKA DIENST 2

Zweitens begrüße ich die erneute Bekräftigung unserer Warnung vor einer Einkesselung Sarajevos und der
Schutzzonen durch das Bündnis. Wenn wir diese
Warnung erneut bekräftigen, kann sie nicht als bloße
Rhetorik verstanden werden. Die Angreifer Sarajevos
müssen wissen, wie ernst unsere Warnung gemeint
ist. Wenn wir diesen Satz in der Erklärung lassen,
müssen wir auch dahinterstehen.
Die hier Versammelten müssen sich folglich bewußt
sein, daß das Bündnis zum Handeln bereit sein muß,
wenn sich die Situation nicht verbessert. Auf dem
Spiel steht nicht nur die Sicherheit der Einwohner
Sarajevos und jede Möglichkeit, diesen schrecklichen
Konflikt zu beenden, sondern auch die Glaubwürdigkeit des Bündnisses. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Das wird in Zukunft in anderem Zusammenhang noch Auswirkungen haben.
Da ich mich für diese Sprachregelung ausspreche,
erwarte ich auch, daß der Nordatlantikrat gegebenenfalls Maßnahmen ergreift. Wenn einer der hier Anwesenden nicht damit übereinstimmt, sollte er nicht für
diese Sprachregelung stimmen. Meines Erachtens ist
es die angemessene Formulierung, aber wenn wir so
etwas in die AbSchlußerklärung aufnehmen, müssen
wir uns auch klar ausdrücken.
Abschließend möchte ich noch ein Zitat des berühmten, inzwischen verstorbenen amerikanischen Politologen Walter Lippman anführen. Drei Tage nach der
Unterzeichnung des Nordatlantikvertrags gab er schriftlich folgende Prophezeiung ab: "Der Vertrag wird noch
zu einer Zeit in Erinnerung bleiben, in der die zu seiner
Unterzeichnung führenden Bedingungen nicht länger
das Hauptinteresse der Menschheit darstellen. Denn
durch den Vertrag wird eine Interessengemeinschaft

Seite 3

�anerkannt und verkündet, die viel älter als der Konflikt
mit der Sowjetunion ist, unddie zukünftigen Ereignisse
werden ihn überleben."

gemeinschaft besteht jedoch weiter. Jetzt ist es an
uns, eine neue Sicherheit für eine neue Zukunft des
atlantischen Raums im 21. Jahrhundert zu schaffen.

Dieser Gipfel wird zeigen, daß er recht hatte. Die
Sowjetunion existiert nicht mehr, unsere Interessen-

* * * * *

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AMERIKA DIENST 2

�NATO
12. Januar 1994

NATO-ERWEITERUNG
von Außenminister Christopher
WASHINGTON - (AD) - Der folgende Artikel von Außenminister Warren Christopher erschien am 9. Januar 1994
in der Washington Post unter der Überschrift "NATO Plus".

In ganz Mittel- und Osteuropa, einschließlich der
Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion, sind
Demokratie und Reformen auf dem Vormarsch, jedoch noch nicht gesichert. Sie werden von Extremisten angegriffen, die in wirtschaftlicher Unsicherheit
ihren Nährboden finden und Hypernationalismus schüren. Viele dieser Staaten fürchten das Wiederaufflammen jahrhundertealter Rivalitäten und revanchistischer
Ambitionen. Unkontrolliert könnten diese Spannungen die Fortschritte zu Reformen vereiteln und letztlich
die Stabilität Europas bedrohen.
Die Staaten im Osten der NATO - einige mit einer
stolzen demokratischen Tradition, andere mit wenig
oder keiner - streben engere Beziehungen zu westlichen Institutionen an, insbesondere zur NATO. Das
Schmieden solcher Bande in dieser entscheidenden
Übergangsperiode wird Demokratie und Reformen
eine mehr als reelle Chance für Erfolg bieten.
Aus diesem Grund hat Präsident Clinton den Vorschlag einer Partnerschaft für Frieden unterbreitet, um
das Engagement der NATO für den Osten zu vertiefen
und die neuen Demokratien in den Westen einzubeziehen. Die Partnerschaft wird allen Mitgliedern des
Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR, der die
Staaten des ehemaligen Warschauer Pakts und der
früheren Sowjetunion umfaßt) sowie allen anderen
europäischen Ländern offenstehen.
Die Partnerschaft wird den Streitkräften der Nichtmitgliedstaaten der NATO die Entwicklung praktischer
Arbeitsbeziehungen zu den Streitkräften der NATO bei
Planung, Ausbildung und gemeinsamen Übungen
gestatten. Die Partnerschaft wird eine Planungsgruppe zur Organisation der gemeinsamen Ausbildung und
Übungen sowie zur Vorbereitung möglichergemeinsamer Operationen ins Leben rufen. Diese Gruppe wird
direkt mit den Militärplanern der NATO zusammenarbeiten. Wir werden Fähigkeiten aufbauen, um die
AMERIKA DIENST 2

Herausforderungen unserer gemeinsamen Sicherheit
in Angriff zu nehmen.
Aktive Partner werden im NATO-Hauptquartier vertreten sein und sich an den politischen und militärischen
Gremien des Bündnisses beteiligen. Immer wenn eine
unmittelbare Bedrohung der territorialen Integrität,
politischen Unabhängigkeit oder Sicherheit eines
Partnerstaats auftritt, hat die Partnerschaft das ausdrückliche Recht zu Konsultationen und zur Aufnahme
eines intensiven politischen Dialogs mit den Mitgliedern des Bündnisses. Die Verankerung eines solchen
Rechts ist ein wichtiger Schritt zur Beschwichtigung
der von einer Reihe mittel- und osteuropäischer Staaten empfundenen Unsicherheit und zur Verstärkung
der politischen Verbindungen mit ihnen.
Die Partnerschaft hat weder Einflu ß auf die Hauptaufgabe der NATO zur Verteidigung des Bündnisses,
noch beeinträchtigt sie die integrierte Kommandostruktur, die Entscheidungsfindungsmechanismen oder
die gegenseitige Verpf lichtu ng zu r kollektiven Verteidigung der NATO. In der Tat wird sie der NATO bei der
Anpassung ihrer Fähigkeiten in entscheidenden Bereichen wie Krisenmanagement, humanitäre Hilfslieferungen und Friedenssicherung behilflich sein.
Die Partnerschaft ist für die Aufgabe der NATOUmgestaltung zur Bewältigung der Herausforderungen der Ära nach dem Kalten Krieg von zentraler
Bedeutung. Sie bietet den Nationen, die den NATOBeitrrtt anstreben, ein Mittel zur Vorbereitung auf die
Verpflichtungen der Mitgliedschaft. Jeder Staat kann
das Ausmaß der Beteiligung an der Partnerschaft
selbst entscheiden. Diejenigen, die sich für ein aktives
Engagement in der Partnerschaft aussprechen, werden sich Kooperation und die routinemäßigen Konsultationen zur Gewohnheit machen, die der Lebensnerv
des Bündnisses sind. Wie General John Shalikashvili
es formulierte, wird die Partnerschaft für Frieden "unseren
Seite 1

�Militärs die gemeinsamen Verfahren, operativen Erfahrungen und die gemeinsame Ausbildung vermitteln, die für das Funktionieren eines Bündnisses wie
der NATO absolut unabdingbar sind".
Als logische Folge der Partnerschaft für Frieden werden die Vereinigten Staaten beim Gipfeltreffen eine
eindeutige Grundsatzerklärung anstreben, daß die Tür
zur Erweiterung des Bündnisses offen ist. Wir stellen
uns einen evolutionären Prozeß der Erweiterung vor,
aus dem weder Mittel- und Osteuropa, noch Rußland,
die Ukraine oder andere Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion zwangsläufig ausgeschlossen wären. Unseres Erachtens wird ein schrittweiser Ansatz
zur Erweiterung die beiden Ziele verwirklichen, das
Vertrauen der mittel- und osteuropäischen Staaten zu
vertiefen und gleichzeitig nicht den Fanatismus extremistischer Elemente, insbesondere in Rußland, zu
schüren, die in einer erweiterten NATO eine militärische Bedrohung sehen.
Die NATO-Mitgliedstaaten behalten das Exklusivrecht
zur Entscheidung, wann und wie neue Mitglieder aufgenommen werden. Die Beteiligung an der Partnerschaft wird die erforderlichen Qualifikationen für die
Mitgliedschaft vermitteln, aber die Beteiligung allein ist
keine Garantie für die Mitgliedschaft. Die Entscheidung der NATO über die Mitgliedschaft wird sich auf
eine realistische Beurteilung der Erfordernisse der
transatlantischen Sicherheit und der Fähigkeit jedes
Kandidaten - wie durch die Partnerschaft für Frieden
unter Beweis gestellt - gründen, die gegenseitige
Verantwortung zur Verteidigung der Mitgliedstaaten
zu übernehmen. Am wichtigsten ist, daß ein mögliches
neues Mitglied demonstrieren muß - wie im Nordatlantikvertrag niedergelegt - daß es die Prinzipien der
Demokratie, Freiheit des einzelnen und Achtung der
Menschenrechte, der Rechtsstaatlichkeit, friedlichen
Beilegung von Streitigkeiten und der Unverletzbarkeit
nationaler Grenzen einhält-kurzum, dievonderNATO
verkörperten Werte, die den Bestand des Bündnisses
gesichert haben.
Die Partnerschaft und der evolutionäre Ansatz zur
NATO-Erweiterung sind Investitionen in das Projekt,
daß es in einem zukünftigen Europa keine gemeinsamen Feinde geben muß. Wir wollen, daß Rußland
seinen Platz in der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur übernimmt. Rußland muß jedoch auch seinen Teil der Verantwortung tragen, sowohl bei der
Definition seiner Souveränität als auch bei seinen
Beziehungen zu den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Rußland muß jeden Versuch zur Neukonstituierung der UdSSR vermeiden. Sein Verhalten gegenüber anderen Staaten muß im Einklang mit internationalen Normen stehen und der Versuchung widerstehen, auf die alten sowjetischen Praktiken der Einschüchterung und Dominierung zurückzugreifen. Sollte
Rußland von diesem neuen Weg abweichen, können
wir unseren Ansatz zur transatlantischen Sicherheit

Seite 2

und den strategischen Prioritäten der NATO überarbeiten.
Der Vorschlag der Administration zur Partnerschaft für
Frieden und das Prinzip der strukturierten, allmählichen NATO-Erweiterung erfreuen sich beträchtlicher
Unterstützung in Europa, sowohl unter den Mitgliedern
des Bündnisses als auch den Regierungen Mittel- und
Osteuropas. Dennoch wurde der Ansatz der Administration von manchen kritisiert. Einige fürchten, unser
Vorschlag gehe zu weit und würde die Effektivität des
Bündnisses potentiell schwächen. Andere fürchten,
die Partnerschaft tue zu wenig und setze Mittel- und
Osteuropa Ru ßlands - wie manche es sehen - imperialen Ambitionen aus.
Diese Ängste sind unbegründet. Die von uns vorgeschlagene Partnerschaft wird in keiner Weise das
Bündnis verdrängen. Die Stärke der NATO wurzelt in
ihrer politischen und militärischen Geschlossenheit
und der soliden Verpflichtung der Vereinigten Staaten
zur europäischen Sicherheit. Das Bündnis wird niemals Mitglieder auf Kosten der militärischen Bereitschaft oder Effektivität aufnehmen. Wie Senator Nunn
kürzlich feststellte, muß die NATO die erforderlichen
Ressourcen und Änderungen der Strategie sorgfältig
gegeneinander abwägen, die mit einer Erweiterung
einhergehen würden. Gleichzeitig sollten wir der
gegenwärtigen Anzahl von NATO-Mitgliedern keine
magische Bedeutung beimessen. Wem es dem Bündnis
nicht gelingt, den Osten zu erfassen und letztlich
einzubeziehen, könnte es sehr wohl den Samen eben
der Instabilität säen, die es zu vermeiden sucht.
Eine NATO, die sich nicht an die neuen, Europa
konfrontierenden sicherheitspolitischen Herausforderungen anpaßt, riskiert, durch die zentrifugalen Kräfte
der Apathie und Sparsamkeit auseinandergerissen zu
werden, wenn haushaltsbewußte Regierungen im
Westen einer zunehmend skeptischen Öffentlichkeit
Rede und Antwort stehen.
Falls die Beibehaltung der NATO in ihrem jetzigen
Zustand längerfristig eine Gefahr darstellt, besteht die
unmittelbare Gefahr in ihrer zu raschen Veränderung.
Eine plötzliche Erweiterung der NATO ostwärts könnte
ein neoimperialistisches Rußland heraufbeschwören.
Sie würde eine erneute Teilung Europas durch das
Ziehen neuer Linien riskieren und unabsichtlich die
Konfrontationslinie etwas weiter im Osten kopieren,
die wir seit Jahrzehnten zu überwinden trachteten.
Darüber hinaus könnte die vorzeitige Erweiterung zur
Einbeziehung von Staaten führen, die - politisch oder
militärisch - für die Verantwortung der Mitgliedschaft
nicht bereit sind.
Bei der Anpassung der NATO zur Konfrontation mit
den sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas in der Zeit nach dem Kalten Krieg wollen wir das
Bündnis als Anker der transatlantischen Sicherheit
aufrechterhalten. Die NATO allein wird jedoch nicht

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�ausreichen, um den Reformen im Osten zum Erfolg zu
verhelfen. Die transatlantische Sicherheit hängt nicht
nur von politischer und militärischer Kooperation ab,
sondern auch von der Fortsetzung des steinigen Weges
der Wirtschaftsreformen. Die europäischen Nationen,
die den schwierigen Übergang zu freier Marktwirtschaft und Demokratie vollziehen, müssen ihren Völkern greifbare Vorteile bieten können. Den westlichen
Nationen und Institutionen obliegt die Verantwortung

zur Unterstützung dieser Bestrebungen, insbesondere durch erweiterten Zugang zu westlichen Märkten.
Durch weiterreichende Handelsmuster werden wir die
Reformen beschleunigen und Wohlstand mehren.
Morgen, wenn wir in Brüssel die Kooperation der
NATO mit dem Osten erweitern, werden wir das Fundament der Sicherheit legen, auf dem ein demokratisches und wohlhabendes Europa ruhen kann.

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Seite 3

�MENSCHENVERSUCHE
12. Januar 1994

CLINTON FÜR AUFDECKUNG VON
STRAHLENEXPERIMENTEN
Wiedergutmachungsfrage soll noch geklärt werden

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration hat
ein umfassendes Programm ins Leben gerufen, um die
US-Bürger auszumachen, die zwischen 1945 und
1971 Opfer staatlich geförderter nuklearer Menschenversuche wurden.
Energieministerin Hazel O'Leary ist - mit uneingeschränkter Unterstützung des Präsidenten - entschlossen, "die Tür zu den Geheimnissen der Vergangenheit
zu öffnen" und hat einen Biomedizinethiker von der
Johns Hopkins University mit der Leitung der von
ihrem Ministerium durchzuführenden Untersuchung
beauftragt.
Letzten Monat wies O'Leary ihre Mitarbeiter an, die
Aufzeichnungen über von der früheren Atomenergiekommission durchgeführte biomedizinische Experimente zu orten, Testpersonen zu identifizieren, Dokumente zu entklassifizieren und einen gebührenfreien
Telefonanschluß für die Opfer der Versuche oder
Hinterbliebenen einzurichten. Ungefähr 700 Menschen waren von den Versuchen der Atomenergiekommission betroffen, 18 wurde stark radioaktiv angereichertes Plutonium eingespritzt, einigen offensichtlich ohne ihr Wissen.
Als erster Schritt in diesem komplexen Prozeß wird
eine neugegründete interministerielle Arbeitsgruppe
am 3. Januar mit Energieministerin O'Leary, Gesundheitsministerin Donna Shalala, Verteidigungsminister
Les Aspin, Justizministerin Janet Reno, Veteranenminister Jesse Brown, dem Direktor des Haushaltsbüros
Leon Panetta sowie NASA-Direktor Dan Goldin zusammentreffen. Die Teilnahme der NASA impliziert
nicht, daß die von ihr durchgeführte radiologische
Forschung mißbräuchlich oder ethisch fragwürdig
gewesen war.
Im Pentagon ordnete Verteidigungsminister Aspin die
Prüfung aller Akten bis zurück in die vierziger Jahre an.
Sprecherin Kathleen deLaski teilte mit, die Beamten
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nähmen Kontakt zu Forschern auf, untersuchten relevante medizinische Literatur und nähmen die Zehntausenden von Telefonanrufen des eigens eingerichteten
Anschlusses entgegen, um Hinweise auf mögliche
Testpersonen zu erhalten. Sie fügte jedoch auch
hinzu, das Aufspüren dieser Akten sei schwierig, da
viele offenbar nicht mehr existierten.
Das Veteranenministerium arbeitet eng mit dem Energie- und dem Verteidigungsministerium zusammen.
"Wir werden bei unserer Untersuchung dieser Tests
nichts unversucht lassen", erklärte Minister Brown.
Sollten die Veteranen Opfer unzulässiger Experimente geworden sein, würden die Amerikaner darüber
informiert, die Veteranen benachrichtigt und "angemessene Maßnahmen" ergriffen.
Der erste Bericht über nukleare Menschenversuche
wurde 1986 vom Kongreßabgeordneten Ed Markey
aus Massachusetts erstellt. Er bezeichnete darin die
von ihm beschriebenen Experimente als "ein dunkles
Kapitel in der Geschichte der nuklearmedizinischen
Forschung".
Bei der Vorbereitung der Studie, die damals in den
Medien keinen großen Widerhall fand, erfuhr Markey,
daß dem Frückstück von mehr als einem Dutzend
geistig behinderter Jungen im Jahr 1946 radioaktiv
angereichertes Eisen und Kalzium beigemischt worden war. Durch das Experiment sollte festgestellt
werden, wie schnell diese Stoffe vom Körper verarbeitet werden.
Bei einer anderen, in Massachusetts durchgeführten
und von der Atomenergiekommission und dem Büro
für Marineforschung geförderten Versuchsreihe wurde 23 Schwangeren in den fünfziger Jahren radioaktives Eisen eingespritzt.
Steven Aftergood vom amerikanischen Wissenschaftsverband erklärte, die Experimente seien nicht von

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�Sadisten durchgeführt worden, sondern von Wissenschaftlern staatlicher Labors und medizinischer Forschungseinrichtungen in der Überzeugung, daß sie
auf der Höhe des Kalten Krieges den nationalen Sicherheitsinteressen dienten.

Experimente an Amerikanern) sowie seine Rückfragen zu den Experimenten ignoriert.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Mark Gearan,
erklärte, die schriftliche Antwort, die Markey von
Regierungsvertretern der Reagan- und Bush-AdminiEin mit den Experimenten vertrauter Nuklearphysiker strationen erhalten habe, "erschien uns unzureichend",
erklärte, nur geringfügige Dosen Radioaktivität seien weil nicht weiter nachgeforscht worden war und sie
verwendet worden. Generell scheinen viele Experi- "einige der in dem Bericht des Kongresses enthaltenen
mente gemäß der damaligen medizinischen und ethi- äußerst beunruhigenden Fragen nicht beantwortet
schen Normen durchgeführt worden zu sein - die sich haben". Die Regierungsvertreter der Clinton-Adminijedoch von den heutigen unterscheiden. Beispielswei- stration beabsichtigen ihm zufolge, "alles in ihrer Macht
se wurden die Gefahren der Radioaktivität während Stehende zu tun, um den vorliegenden Fragen auf den
der vierziger und fünfziger Jahre weniger berücksich- Grund zu gehen". Er warnte jedoch, daß es sich um ein
"Labyrinth von Informationen handelt", deren Prüfung
tigt.
Monate dauern könnte.
Die Frage der Information über die Experimente und
die Zustimmung dazu muß jedoch geklärt werden. Die Frage einer möglichen finanziellen Entschädigung
Dem Energieministerium liegen Hinweise vor, daß der Opfer sei noch anhängig. O'Leary spreche sich
einige der Betroffenen nicht über die Versuche in "offen dafür aus, daß das Unrecht behoben wird". Sie
Kenntnis gesetzt wurden, einige nicht die erforderliche stellte fest, der Kongreß und die Öffentlichkeit sollten
schriftliche Zustimmung gegeben und andere zuge- entscheiden, "was eine geeignete Wiedergutmachung"
stimmt hatten, jedoch nicht über die potentiellen Ge- für die Opfer und ihre Hinterbliebenen wäre.
sundheitsrisiken informiert worden waren.
Gearan zufolge ist es "verfrüht zu sagen, welche
Die Experimente wurden auch mit "beunruhigender Maßnahmen" die Administration ergreifen wird oder
Häufigkeit" - so die Formulierung des Energieministe- "welche Ergebnisse erzielt werden".
riums - an älteren Menschen, Kindern, Gefangenen,
Klinikpatienten und geistig Behinderten durchgeführt. Obwohl das Energieministerium heute ForschungsexAndere Experimente scheinen ohne therapeutischen perimente am Menschen durchführt, verfährt es nach
medizinischen Zweck oder ohne die entsprechenden strengen Bundesrichtlinien. Die Experimente aus der
Zeit des Kalten Krieges wurden nicht wiederholt, und
medizinischen Studien stattgefunden zu haben.
die Bestimmungen des Energieministeriums verhinMarkey zufolge haben zwei Administrationen die dern ihre erneute Durchführung ohne Information und
Auswirkungen seines Berichts American Nuclear Zustimmung.
Guinea Pigs: Three Decades of Radiation Experiments on U.S. Citizens (Amerikanische nukleare Bundesvorschriften fordern jetzt institutionelle ÜberVersuchskaninchen: Drei Jahrzehnte radioaktiver prüfungsgremien an allen Forschungseinrichtungen,
um "den Schutz des Menschen sicherzustellen".

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�MARTIN

LUTHER

KING
12. Januar 1994

MARTIN LUTHER KINGS ANLIEGEN
Gedenktag zu Ehren des Bürgerrechtlers
WASHINGTON - (AD) - Am 15. Januar 1994 wäre Martin Luther King 65 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlaß
veröffentlichen wir den folgenden Artikel von David Pitts.

"Ich habe immer noch einen Traum. Es ist ein Traum,
der tief im amerikanischen Traum verwurzelt ist. Ich
träume davon, daß sich diese Nation eines Tages
erheben und gemäß der wahren Bedeutung ihres
Bekenntnisses leben wird: 'Wir halten diese Grundsätze für selbstverständlich, daß alle Menschen gleich
erschaffen worden sind.'" (Martin Luther King im
August 1963, beim Marsch auf Washington).
Hätte er gelebt, wäre er am 15. Januar erst 65 Jahre alt
geworden - was uns daran erinnert, daß er noch nicht
einmal 40 war, als sein Streben nach rassischer Gleichberechtigung an diesem schrecklichen Tag im Memphis vor nahezu einem Vierteljahrhundert ein jähes
Ende fand.
Am nächsten Montag werden Amerikaner im ganzen
Land erneut das Leben dieses herausragenden Mannes und die von ihm verfochtene Sache mit einem
nationalen Gedenktag feiern. Es ist ein Tribut an die
Universalität seiner Botschaft, daß sein Geburtstag
heute nicht nur ein Feiertag in den Vereinigten Staaten, sondern auch in über 40 Ländern der Welt ist. Sie
reichen von Bangladesh bis zum Senegal, und es wird
besondere Feierlichkeiten wie Andachten, Vorträge,
Lesungen und sogar offizielle Bälle geben.
Inzwischen ist die Geschichte über Kings Reise von
Montgomery (Alabama), wo er den Bus-Boykott von
1955 organisierte, bis nach Memphis (Tennessee), wo
er 1968 den Kampf der schwarzen Angestellten im
Gesundheitswesen für bessere Arbeitsbedingungen
anführte, weithin bekannt.
Nicht so leicht zu verstehen ist heute der außerordentliche Mut, den es erforderte, das in den Südstaaten so
fest verankerte System der Rassentrennung und die
im übrigen Land überall vorherrschende Rassendiskriminierung anzufechten.

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Von Anfang an gründete sich Kings Strategie auf
Gewaltverzicht und war von den Lehren Mahatma
Gandhis geleitet, dessen Politik des bürgerlichen
Ungehorsams zur Unabhängigkeit Indiens und der
Befreiung von britischer Herrschaft beitrug.
Man muß sich jedoch vor Augen haften, daß Kings
heute so weithin bewunderte Politik zu seinen Lebzeiten große Kontroversen hervorrief. Sie wurde nicht nur
von Verfechtern der Rassentrennung abgelehnt. Selbst
innerhalb der Bürgerrechtsbewegung sah sich King
der Kritik von allen Seiten des politischen Spektrums
ausgesetzt. Viele Bürgerrechtler dachten, er ginge zu
schnell vor und zu weit. Andere, insbesondere Radikale wie Malcolm X, Eldridge Cleaver und Stokely
Carmichael (jetzt Kwame Toure), waren wütend über
das langsame Tempo der Veränderungen. Einige
drängten auf eine gewalttätige Revolte zur Erlangung
rassischer Gleichheit.
Wie gewöhnlich hielt King an seinen Ansichten und
Prinzipien fest. "Die mutigen Bestrebungen unserer
aufrührerischen Brüder wie Denmark Vesey und Nat
Turner sollten uns eine eloquente Lehre sein", warnte
er, "daß gewalttätige Rebellion von Anfang an zum
Scheitern verurteilt ist." (Denmark Vesey und Nat
Turner führten den Aufstand gegen die Sklaverei an).
Obwohl Kings Taktik nicht so radikal war, wie manche
befürworteten, war seine Vision es zweifelsohne. Sein
Traum für die schwarzen Amerikaner bestand nicht
nur in rechtlicher und politischer Gleichberechtigung,
sondern in der uneingeschränkten Beteiligung am
wirtschaftlichen Leben der Nation. "Wenn jemand
keine Arbeit oder kein Einkommen hat", so King, "hat
er weder ein Leben, noch Freiheit oder die Möglichkeit
des Strebens nach Glück."
King trug seine Botschaft nicht nur in alle Teile der
Vereinigten Staaten, sondern vermittelte sie allen auf
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�der Welt. Bei zahlreichen Anlässen sagte er: "Überall
stellt Ungerechtigkeit eine Bedrohung der Gerechtigkeit dar."
Nach Art der größten Staatsmänner nutzte er die
Stunde und Dynamik der Sache, die nicht warten
konnte. Er appellierte an den angeborenen Idealismus
der weißen und schwarzen Amerikaner gleichermaßen, die wußten, daß ihr Land und die Welt ein
besserer Ort sein könnten.
Die von ihm miterrungenen Siege waren zahlreich:
Nicht nur bahnbrechende Gesetze wie das Bürgerrechtsgesetz von 1964, das Gesetz über das Wahlrecht von 1965 und das Gesetz über die gerechte
Vergabe von Wohnungen von 1968, sondern auch die
ereute Konzentration der politischen Tagesordnung
der Nation auf die Verwirklichung der Versprechungen
der amerikanischen Verfassung für jeden Bürger.
Trotz solcher Fortschritte verhallte sein Ruf nach rassischer Gleichberechtigung zu seinen Lebzeiten teilweise ungehört - vielleicht wird er für die Generation
seiner Kinder verwirklicht, aber nicht für ihn. Daß
dieses Ziel für einen einzelnen Mann, selbst Martin
Luther King, zu groß ist, überrascht nicht angesichts
der rassischen Intoleranz, die einen Großteil der
Geschichte der Menschheit charakterisiert, nicht zuletzt unsere Zeit.

Vielleicht ist dies aber nicht so wichtig. Denn Martin
Luther King hatte einen Traum, nicht nur ein Programm. Erveränderte unsere Herzen, nicht nur unser
Denken. Sein Leben war beredtes Zeugnis der Idee,
daß ein Mensch etwas bewirken kann.
Wenn er heute zu uns sprechen könnte, würde er
zweifellos jedem Bürger dieses Landes und jeden
Weltbürger raten, nicht nur den weiten Weg zu Freiheit
und Gerechtigkeit zu feiern, den wir zurückgelegt
haben, sondern den Kampf fortzusetzen, bis die Reise
vollendet ist.
Um nochmals aus seiner berühmtesten Rede zu zitieren, die er an einem heißen Augusttag vordem Lincoln
Memorial vor nahezu 26 Jahren gehalten hat:
"Wenn dies geschieht und wenn wir den Frieden
wirklich ausrufen, wenn wir ihn in jedem Dorf und
jedem Flecken, in jedem Bundesstaat und jeder Stadt
erschallen lassen, werden wir dem Tag schnell näherkommen, an dem alle Kinder Gottes, Schwarze und
Weiße, Juden und Heiden, Protestanten und Katholiken einander die Hände reichen und das alte Spiritual
anstimmen: 'Free at last. Free at last. Thank God
Almighty, we are free at last.'"

* * * * *

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�FILM
12. Januar 1994

HOLLYWOOD 1993 - DER ROMAN
ALS DREHBUCHVORLAGE
Jahresbilanz amerikanischer Filme

WASHINGTON - (AD) - Romane dienten Hollywood
als Drehbuchvorlagen für einige der eindringlichsten
und bedeutendsten Filme des Jahres 1993.
Gegen Jahresende packten Hollywoods kreative Drehbuchautoren und Filmregisseure auch eine Reihe heikler,
deprimierender Themen an - den Holocaust, die AI DSPandemie und, wieder einmal, Vietnam - die keine
leichtverdauliche Kost für die Feiertage sind.
Steven Spielberg, Regisseur bisheriger Kassenschlager wie E.T. und Die Farbe Lila, führte 1993 Regie bei
zwei längeren, auf Romanen basierenden Filmen. Der
eine, Jurassic Park, ein sich um die Rückkehr des
Zeitalters der Dinosaurier drehendes Abenteuer, hat in
weniger als sechs Monaten weltweit die höchsten
Bruttoeinnahmen in der Geschichte der Filmindustrie
eingespielt. Der Film gründete sich auf einen Roman
mit dem gleichen Titel von Michael Crichton.
Der zweite, am Jahresende in die Kinos gekommene
Spielberg-Film, Schindlers Liste, war ein Meisterwerk der Kunst und Geschichte, das auf das von dem
Australier Thomas Keneally geschriebene Buch zurückgriff.
Keneallys Roman beschreibt bewegend detailliert die
authentischen Ereignisse im Leben des Nazi-Sympathisanten Oskar Schindler - Geschäftsmann, Frauenheld und schließlich pfiffiger Retter von über 1.000
gefährdeten Juden, die dem sicheren Tod im Konzentrationslager Auschwitz in Polen entkamen. Drehbuchautor Steven Zaillians Vorlage hielt sich eng an
das Original. Spielberg kämpfte über zehn Jahre lang
mit dem schwierigen Projekt, bevor der Film mit Liam
Neeson und Ben Kingsley in den Hauptrollen einer
begeisterten Öffentlichkeit gezeigt wurde.
Regisseur Martin Scorsese schien in seinem Element
bei der beziehungsreichen Verfilmung (zusammen mit
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dem Schriftsteller Jay Cocks) von Edith Whartons
Roman Zeit der Unschuld. Mit den glänzenden
Darstellern Daniel Day-Lewis und Michelle Pfeiffer
spiegeh der Film die glitzernde Welt der New Yorker
High Society in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts wider. Der Film war ein entscheidender Neuanfang für Scorsese, dessen Werk sich häufig mit der
zeitgenössischen italienisch-amerikanischen Gemeinde in New York beschäftigt.
Robert AHman, der Entfremdung und schwarzen Humor
in Filmen wie Nashville und M-A-S-H widergab, griff
für seinen Film Short Cuts auf die Romane von
Raymond Carver zurück. Als Vorlage dienten neun
Kurzgeschichten und ein Prosagedicht von Carver,
aus denen AHman (in Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller Frank Barhydt) eine Collage beziehungsloser
Situationen schuf, die irgendwie, zufällig, auf Zelluloid
verschmelzen. Sexuell, gesellschaftlich, psychologisch sieht man die rund zwölf Darsteller in dem
verzweifelten Kampf, Ordnung in ihr Leben zu bringen.
Amy Tran verfilmte ihr mitreißendes und häufig
schmerzliches Töchter des Himmels in Zusammenarbeit mit dem Ko-Drehbuchautor Ron Bass und dem
chinesisch-amerikanischen Regisseur Wayne Wang.
Mit einer guten Mischung bekannter und bisher unbekannter asiatisch-amerikanischer Schauspieler beschwört sie eindringlich die Geschichte und Erfahrungen nahezu eines Jahrhunderts.
So düster dieser Film häufig erschien, während sich
die Ereignisse entwickelten, war er doch sehr viel
mitreißender und gefühlvoller als Heaven and Earth
ein anderer in Asien wurzelnder Film. In seiner Verfilmung zweier Memoiren von Le Ly Hayslip zeichnet
Regisseur Oliver Stone die Geschichte Vietnams - und
die Rolle Amerikas darin - über 30 Jahre hinweg auf. Er
tut dies in quälender, wütender Weise, ähnlich wie in

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�seinen packenden Filmen Platoon und Geboren am
4. Juli.

Einer der ungewöhnlichsten Aspekte des Filmjahres
1993 waren die zahlreichen Auftritte vieler bekannter
Schauspieler.

Auch Unterhaltungsliteratur für die breite Masse fand
1993 ihren Weg auf die Leinwand. Neben Crichtons
Jurassic Park wurde sein Ost-West-Spionageroman
Rising Sun verfilmt, in dem Sean Connery und Wesley Snipes mitspielten. Die Firma mit Tom Cruise und
The Pelican Brief mit Julia Roberts und Denzel
Washington - Thriller nach den Werken von John
Grisham - zählten ebenfalls zu den Kassenschlagern
des Jahres 1993.

i

Authentische Geschichten als Drehbuchvorlage waren in Hollywood im letzten Jahr zwar nicht vorherrschend, zogen jedoch auch Zuschauer an. Das von
Ron Nyswaner verfaßte Philadelphia unter der Regie
von Jonathan Demme stand an erster Stelle. Tom
Hanks spielt darin einen Rechtsanwalt, der nach der
Ankündigung, daß er AIDS-infiziert ist, von seinem
Unternehmen entlassen wird und dieses daraufhin
verklagt. In dem Film spielen auch Denzel Washington
und Jason Robards mit. Der Kabelsender Home Box
Office zeigte erstmals einen authentischen Film über
AIDS - And the Band Piayed On - der auf Randy
Shirts Krankheitsgeschichte (Aids. Die Geschichte
eines großen Versagens, 1989) basiert.
Hollywood wandte sich auf der Suche nach Vorlagen
auch dem Theater zu. Neben der gelungenen, eigenwilligen Inszenierung des englischen Schauspielers
und Regisseurs Kenneth Branagh von Shakespeares
Viel Lärm um nichts hatten die Kinobesucher die
Wahl zwischen Shadowlands (dem bewegenden
Drama des englischen Autors William Nicholson über
die Romanze zwischen dem Schriftsteller OS. Lewis
und der Amerikanerin Joy Davidman) und Six Degrees of Separation des amerikanischen Bühnenautors John Guare, einer Mischung aus Komödie und
Drama mit sozialem Unterton.
Besonderen Anklang beim amerikanischen Kinopublikum fanden drei ausländische Filme, die auf sinnliche
Weise ehebrecherische Beziehungen schildern - Das
Piano aus Australien, Bittersüße Schokolade aus
Mexiko und Lebe wohl meine Konkubine aus China.

* *

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Clint Eastwood, der letztes Jahr für Erbarmungslos
den Oskar als "bester Schauspieler" gewann, spielte in
In The Line of Fire einen zum Schutz eines amerikanischen Präsidenten eingesetzten Geheimagenten und
führte anschließend in A Perfect World Regie, in dem
er und Kevin Costner die Hauptrollen hatten. Anthony
Hopkins, der gemeinsam mit Debra Winger in Shadowlands zu sehen ist, spielt in The Remains of the
Day überzeugend den Butler eines englischen Herrenhauses; Emma Thompson ist in der Rolle der Haushälterin zu sehen.
Thompson wiederum, Mitglied der munteren Truppe in
dem shakespearischen Ränkespiel von Branagh (ihrem Ehemann), stellte in In the Name of the Father
eine Rechtsanwälte dar. Denzel Washington war
auch in Viel Lärm um nichts zu sehen. Und Tom
Hanks, der an AIDS leidende Rechtsanwalt aus Philadelphia, spielte in einer der unterhaltsamsten Komödien des Jahres, Schlaflos in Seattle, einen Witwer,
der durch eine Talkshow im Radio eine neue Liebe
findet.
Erwähnt werden sollte auch Mrs. Doubtfire, eine
Ende des Jahres in die Kinos gekommene Komödie
mit Robin Williams. Dieser Knüller, in dem sich Williams als Kindermädchen verkleidet, um bei seinen
Kindern sein zu können, war der siebte Spielfilm des
Jahres, der mehr als 100 Millionen Dollar einbrachte.
Zur Zeit bereitet Hollywood die Filmliste für 1994 vor.
Die Zuschauer werden die Wahl haben zwischen der
Verfilmung des Romans von Isabel Allende, Das Geisterhaus, von Tom Robbins' Even Cowgirls Get the
Blues sowie in Anlehnung an Werke beliebter Romanautoren - darunter Grisham und Crichton - gedrehten
Filmen. Und dieses Jahr sollen Stars wie Kevin
Costner, Anthony Hopkins, Paul Newman und Meryl
Streep in mehreren Filmen zu sehen sein.

* *

*

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                    <text>cimGrikci
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

SONDERDIENST

10. Januar 1994

AUSSENPOLITIK

CLINTON UNTERSTREICHT ENGAGEMENT
DER VEREINIGTEN STAATEN FÜR EUROPA
Rede des Präsidenten in Brüssel

MILITÄRISCHE SICHERHEIT DER USA
ENG MIT DER EUROPAS VERBUNDEN
Vom Vizepräsidenten anstelle von
Präsident Clinton gehaltene Rede

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�AUSSENPOLITIK
10. Januar 1994

CLINTON UNTERSTREICHT ENGAGEMENT DER
VEREINIGTEN STAATEN FÜR EUROPA
Rede des Präsidenten in Brüssel
BRÜSSEL - (AD) - In einer am 9. Januar 1994 gehaltenen außenpolitischen Grundsatzrede erklärte Präsident
Clinton, er sei nach Europa gereist, "um zu erklären und zu demonstrieren, daß Europa von zentralem Interesse
für die Vereinigten Staaten bleibt".
Es sei an der Zeit, "unsere Partnerschaft wiederzubeleben und in einer Ära historischen Wandels eine neue
Sicherheit zu definieren", äußerte er vor einer aus Angehörigen vieler Nationalitäten bestehenden Gruppe
zukünftiger Europapolitiker in Brüssel.
"Die neue Sicherheit muß in der europäischen Intergration liegen - einer Integration von Sicherheitskräften,
Marktwirtschaften und nationalen Demokratien", stellte er fest.
Die neue Sicherheit muß ihm zufolge drei Elemente umfassen - militärische Stärke und Kooperation, lebhaftere Wirtschaftstätigkeit und die "Unterstützung der in den ehemals kommunistischen Staaten aufkeimenden
Verbreitung von Demokratie und Freiheit des einzelnen".
Vielen Dank, Herr Ministerpräsident, Herr Bürgermeister, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist
mir eine große Freude, mit dem Ministerpräsidenten
und vielen zukünftigen führenden Politikern Europas in
diesem großartigen historischen Saal sein zu dürfen.

Fürunsere transatlantische Partnerschaft ist ein neuer
Tag angebrochen: Der Kalte Krieg ist vorüber, Deutschland ist vereinigt, die Sowjetunion existiert nicht mehr,
und in Rußland herrscht eine konstitutionelle Demokratie. Das Gespenst, das unsere Bürger jahrzehntelang verfolgte - durch das "Fulda Gap" einrollende
Ich kam zum ersten Mal als junger Mann nach Brüssel, Panzer oder die Vernichtung durch eine Atombombe zu einer ganz anderen, aber schwierigen Zeit, als dieses Gespenst ist Gott sei Dank verschwunden. Ihre
unser aller Zukunft in Unsicherheit lag. Es ist ange- Generation ist der Nutznießer dieses wundervollen
bracht, daß meine erste Europareise in meiner Eigen- Wandels.
schaft als Präsident der Vereinigten Staaten das Ziel
verfolgt, eine bessere Zukunft für die jungen Men- Letztlich ist der Eiserene Vorhang von innen her verroschen in Europa und den Vereinigten Staaten aufzu- stet und wurde durch die Entschlossenheit mutiger
bauen und daß meine Reise hier in Belgien beginnt. Männer und Frauen zu Fall gebracht, die in Freiheit
Als großartige Hauptstadt und Hauptquartier der NATO leben wollen - Polen und Tschechen, Russen, Ukraiund der Europäischen Union waren Brüssel und Bel- nerund Balten - all jenen, die verstehen, daß weder die
gien seit langem der Mittelpunkt einer stetigen Ent- Wirtschaftsordnung noch das Gewissen aufoktroyiert
wicklung Europas zu größerer Sicherheit und ver- werden können.
mehrtem Wohlstand.
Ihre heroischen Anstrengungen waren jedoch - und
An diejenigen gerichtet, die etwas über meine Person das ist ebenso wichtig - nicht zuletzt deshalb von Erfolg
wissen: Ich stehe seit nahezu 40 Jahren in der Schuld gekrönt, weil wir nie in unserer Entschlossenheit nachdieses Landes, denn es war ein Belgier - Adolf Sax - ließen, weil die zur Abschreckung dienenden Waffen
der das Saxophon erfand.
nie verschwanden und die Botschaft der Demokratie
immer zu hören war.
Ich bin zu diesem Zeitpunkt hierher gekommen, weil
ich der Ansicht bin, daß es an der Zeit ist, unsere Während der Osten eine neue Geburt der Freiheit
Partnerschaft wiederzubeleben und in einer Ära histo- erlebt, ist hier in Westeuropa einer der großen Siege
rischen Wandels eine neue Sicherheit zu definieren. der Freiheit sichtbar-derfriedliche Zusammenhalt von
Sonderdienst 1

Seite 1

�Nationen, die jahrhundertelang in Konflikt standen.
Dieser Wandel wurde durch weitblickende Politiker wie
Monnet, Schumann, Spaak und Marshall herbeigeführt, die wußten, daß moderne Nationen ihre Zukunft
eher durch Zusammenarbeit als durch Eroberungen
bereichern können.

Das ist meine Einschätzung der Realität. Wir haben
während des Kalten Krieges der Geschichte gut gedient. Jetzt ruft uns die Geschichte erneut, damit wir
die neuen Errungenschaften der Freiheit in einen
umfassenderen und dauerhafteren Frieden umwandeln und konsolidieren. Wir müssen eine neue Sicherheit für Europa aufbauen. Die alte Sicherheit basierte
Meine Administration unterstützt die Europäische Union auf der Verteidigung unseres Blocks gegen einen
und die Entwicklung gestärkter europäischer Institutio- anderen Block. Die neue Sicherheit muß in der euronen zur Verfolgung eines gemeinsamen Ziels und päischen Integration wurzeln - einer Integration von
gemeinsamer Aktionen. Wir sind uns bewußt, daß ein Sicherheitskräften, Marktwirtschaften und demokratistarker, gleichberechtigter Partner für uns von größe- schen Nationen. Ziel meiner Europareise ist es, beim
rem Vorteil ist als ein schwacher.
Übergang dieser Bewegung zur Integration behilflich
zu sein und Ihnen zu versichern, daß Amerika hierbei
Der Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums
ein starker Partner sein wird.
und die westeuropäische Integration sind die beiden
größten Errungenschaften für den Frieden in der letz- Die Völker, die die Fesseln des Kommunismus abten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wir alle ernten die schüttelten, befinden sich jetzt in einem Wettlauf zwiFrüchte dieser Entwicklungen. Zudem haben nach schen Verjüngung und Verzweiflung. Das Ergebnis
dem Ende des Kalten Krieges und trotz der weltweiten wird die Sicherheit jeder Nation im transatlantischen
Rezession, die Ihre Zukunft verdunkelt, all unsere Bündnis beeinflussen. Zur Zeit findet dieser Wettlauf
Nationen jetzt die Chance, lange aufgeschobene Schritte vom Balkan bis Zentralasien statt. Auf einer Rennbahn
zur wirtschaftlichen und sozialen Erneuerung zu unter- befinden sich die Nachkommen des Zeitalters der
nehmen. Meine eigene Nation hat einen Anfang Aufklärung, die die Errungenschaften der Freiheit durch
gemacht: Wir haben unsere Wirtschaft in Ordnung den Aufbau freier Volkswirtschaften, offener Demogebracht, unser Haushaltsdefizit abgebaut, in unsere kratien und toleranter Gesellschaften konsolidieren
Menschen investiert, Arbeitsplätze geschaffen und wollen. Ihre Gegner sind die grimmigen Anwärter auf
eine wirtschaftliche Wiederbelebung eingeleitet, die den dunklen Thron der Tyrannei - die militanten Natiohoffentlich nicht nur den Vereinigten Staaten von Nutzen nalisten und Demagogen, die überkommenes Mißsein wird, sondern auch allen anderen Nationen.
trauen schüren und die Härten der Erneuerung zur
Schau stellen, um die Versprechungen der Reformen
Wir stellen uns auch einigen der sozialen Probleme in
zu verschleiern.
unserem Land, die wir viel zu lange ignoriert haben:
Der Herausforderung, eine Gesundheitsfürsorge für Keiner von uns kann es sich leisten, bei diesem
alle bereitzustellen, die Kriminalität auf unseren Stra- Wettlauf lediglich als Zuschauer zu fungieren. Zuviel
ßen zu bekämpfen und die Bedürfnisse unserer armen steht auf dem Spiel. Halten Sie sich folgendes vor
Kinder zu befriedigen. Wir haben eine wirklich multi- Augen: Die kommenden Monate und Jahre entscheikulturelle Gesellschaft. In einem unserer Landkreise den vielleicht darüber, ob das russische Volk die
leben Angehörige von über 150 verschiedenen natio- friedliche Entwicklung von Demokratie und Marktwirtnalen und ethnischen Gruppen. Aber wir arbeiten am schaft fortsetzt oder aus Frustration Politikerwählt, die
Aufbau einer amerikanischen Gemeinschaft für das in Autoritarismus und Imperialismus zurückfallen. Diese
21. Jahrhundert.
Zeit entscheidet vielleicht darüber, ob die Nachbarn
Rußlands in Freiheit leben und sich der Gruppe atomGemeinsam mit der Europäischen Union haben wir
waffenfreier Staaten anschließen oderunter den Belakürzlich der Welt zu einem neuen GATT-Abkommen
stungen der Reformen zusammenbrechen und an
verholten, das in allen Ländern Millionen neuer ArWaffen festhalten, die das Risiko eines nuklearen
beitsplätze schaffen wird. Es wäre in vielerlei Hinsicht
Unfalls oder Ablenkungsmanövers erhöhen.
einfach, Ihnen lediglich eine Botschaft der Freude zu
übermitteln, ein Loblied auf unser gemeinsames Erbe Diese Zeit entscheidet vielleicht, ob die Nachfolgezu singen, zu frohlocken, daß unsere Arbeit für den staaten der ehemaligen Sowjetunion in das Gefüge
Frieden belohnt worden ist, und uns über die derzeiti- des transatlantischen Wohlstands und der Sicherheit
gen wirtschaftlichen Fortschritte zu freuen. Dies ist eingegliedert oder aber isoliert und im Stich gelassen
jedoch nicht der geeignete Zeitpunkt, uns selbst zu werden, während sie mit denselben beängstigenden
beglückwünschen. Wir werden zweifellos mit genü- Veränderungen konfrontiert sind, mit denen sich so
gend Herausforderungen konfrontiert, um als wirkliche viele Staaten in Europa auseinandersetzen.
Partner zu handeln, was bedeutet, daß wir unsere
Lasten teilen, anstatt nur über unsere Triumphe zu Diese bahnbrechenden Entscheidungen müssen letztsprechen. Und wir sollten ehrlich unsere Ansichten lich von den Völkern getroffen werden, die das Joch
darüber darlegen, was wir erreicht haben und was wir des Kommunismus abwarfen. Sie müssen die Entnoch erreichen sollten.
scheidungen über ihre Zukunft selbst treffen. Wir im

Seite 2

Sonderdienst 1

�Warum behalten Sie die Präsenz in Europa bei? Wie
können Sie diese Kosten rechtfertigen, wo wir im
eigenen Land so viele Probleme haben? Wir haben
das nach dem Ersten Weltkrieg ausprobiert. Dieses
Diese Aufgabe erfordert stetige und geduldige An- Jahr hat das amerikanische Volk jedoch seine Widerstrengungen, die von einer auf die gesamteuropäische standsfähigkeit gegen den Sirenengesang eines weltIntegration abzielenden Strategie geleitet werden. Sie weiten Rückzugs unter Beweis gestellt. Wir taten das,
erfordert auch ein gewisses Maß an Bescheidenheit - als der Kongreß dem Nordamerikanischen Freihandie Erkenntnis, daß wir nicht jedes Ereignis in jedem delsabkommen zustimmte, sich dafür aussprach, daß
Land zu jedem Zeitpunkt unter Kontrolle haben kön- Amerika in der Weltwirtschaft konkurriert, anstatt sich
nen. Wenn wir jedoch zur Annahme der zentralen zurückzuziehen. Und wir taten das, als wir Europa und
Herausforderung bereit sind, können wir nicht nur die anderen die Hand reichten, mit der Europäischen
Nationen des Ostens, sondern auch unsere transat- Union zusammenarbeiteten und die Welt zur Annahlantische Partnerschaft neubeleben.
me eines neuen GATT-Abkommens über den Welthandel führten.
In den vergangenen 50 Jahren hat die transatlantische
Gemeinschaft nur die Hälfte der Versprechungen des Ich bin heute hierhergekommen, um zu erklären und
im Zweiten Weltkrieg errungenen Sieges über den zu demonstrieren, daß Europa von zentralem InteresFaschismus umgesetzt. Die andere Hälfte lag hinter se für die Vereinigten Staaten bleibt und wir in Zusamder Europa trennenden Mauer brach. Jetzt haben wir menarbeit mit unseren Partnern die vor uns liegenden
die Chance, die vollen Versprechungen der europä- Chancen ergreifen werden.
ischen Siege ohne ihre großen Enttäuschungen zu
verwirklichen: Die Normandie ohne Jalta, die Befrei- Zweifellos ist unser Engagement nicht einzig und allein
ung Belgiens und der Niederlande ohne die Berlin- auf Europa gerichtet - wir müssen uns auch LateinBlockade.
amerika und Asien zuwenden, die sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Europa von zunehmenWährend des vergangenen halben Jahrhunderts war der Bedeutung sind. Unsere Bande zu Europa werden
die transatlantische Sicherheit vorrangig von derdurch anders sein als in der Vergangenheit, aber mißversteunsere Streitkräfte bereitgestellten Abschreckung hen Sie mich nicht: Die Beziehungen zwischen den
abhängig. Jetzt besteht die unmittelbare Bedrohung Vereinigten Staaten und Europa sind einzigartig. Unsere
im Osten nicht in vorrückenden Armeen, sondern in beiden Länder haben den festen Glauben, daß Gott
schleichender Instabilität. Die Abwehr dieser Bedro- uns mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet hat,
hung erfordert nicht nur militärische Sicherheit, son- und wir sind überzeugt, daß der Staat mit unserer
dern auch die Förderung des demokratischen und Zustimmung nur existiert, um Freiheit, Sicherheit und
wirtschaftlichen Erneuerungsprozesses. Zusammen- Wohlstand für jeden einzelnen von uns zu fördern. Das
genommen stellen diese Kräfte das stärkste Bollwerk ist in der heutigen Welt immer noch eine radikale Idee.
gegen die Europa derzeit konfrontierenden Gefahren Sie wurde von Locke und Montesquieu entwickelt, in
dar - ethnische Konflikte, Menschenrechtsverletzun- meinem Land von Jefferson und Madison umgesetzt,
gen, destabilisierende Flüchtlingsströme, das Entste- hat Tyrannen gestürzt und Millionen an die Küsten
hen aggressiver Regime und die Weiterverbreitung unseres Landes geführt.
von Massenvernichtungswaffen.
Über drei Jahrhunderte haben die familiären Bande
Die Integration des ehemals kommunistischen Blocks zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den
in Eu ropa wird ein allmählicher und oftmals schwieriger Handel zwischen unseren Ländern gefördert, und Sie
Prozeß sein, wie die von Deutschland unternomme- bleiben unser wertvollster Partner, nicht nur in der
nen mutigen Anstrengungen beweisen. Und wir dür- Sache von Demokratieund Freiheit, sondern auch was
fen nicht vergessen, daß diese Gelegenheit - wie alle Handel und Investitionen betrifft.
großen Chancen - verpaßt werden kann. Wir dürfen
jetzt nicht zulassen, daß der Eiserne Vorhang durch Vor allen Dingen bleibt Europa aber der Kern unserer
einen Schleier der Gleichgültigkeit ersetzt wird. Denn Sicherheit. Aus diesem Grund ist Amerika weiterhin
die Geschichte wird das Urteil über uns sprechen, wie entschlossen der Sicherheit und Stabilität Europas
sie diejenigen mit Verachtung gestraft hat, die zwi- verpflichtet. Aus diesem Grund habe ich auf die
schen den beiden Weltkriegen den Isolationismus Einberufung des dieswöchigen NATO-Gipfels gedrängt.
predigten, und wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg die Aus diesem Grund setze ich mich für die fortdauernde
mutigen Architekten der transatlantischen Gemein- Präsenz von 100.000 amerikanischen Soldaten in
schaft gepriesen hat.
Europa im Einklang mit dem ausdrücklichen Wunsch
unser Verbündeten hier ein. Es ist nicht Gewohnheit,
Nach dem Ende des Kalten Krieges haben einige, mit sondern Sicherheit und Partnerschaft, die dieses forteinem kurzen Gedächtnis ausgestattete Menschen in gesetzte Engagement der Vereinigten Staaten rechtAmerika uns aufgefordert, unsere Sachen zu packen fertigen.
und nach Hause zu gehen. Ich werde oft gefragt:

Westen können ihnen jedoch zweifellos dabei helfen,
und wir müssen den politischen Willen hierzu aufbringen.

Sonderdienst 1

Seite 3

�Und ebenso wie wir in Partnerschaft mit Europa jede
sicherheitspolitische Herausforderung dieses Jahrhunderts angegangen sind, ist jetzt für uns die Zeit gekommen, gemeinsam eine neue Sicherheit für das 21.
Jahrhundert aufzubauen, für ein Jahrhundert, in dem
die meisten von Ihnen den Großteil Ihres Lebens
verbringen werden. Die neue Sicherheit muß darauf
abzielen, ein größeres Europa durch die starken Bande
militärischer Zusammenarbeit, prosperierender Marktwirtschaften und lebensfähiger Demokratien zu verknüpfen.

Grund habe ich die Partnerschaft für Frieden vorgeschlagen.

Diese Partnerschaft wird einen Evolutionsprozeß für
die offizielle Erweiterung der NATO fördern. Sie ist auf
den Tag ausgerichtet, an dem die NATO neue Mitglieder aufnimmt, die die uneingeschränkte Verantwortung des Bündnisses übernehmen. Sie wird einen
Rahmen schaffen, in dem sich die ehemals kommunistischen Staaten und andere Nichtmitglieder der NATO
gemeinsam mit den NATO-Mitglied Staaten an militärischer Planung, Ausbildung, Übungen und anderen
Ich möchte kurz jedes dieser Elemente ansprechen. Bestrebungen beteiligen können. Diese Partnerschaft
Der erste und wichtigste Bestandteil unserer Sicher- wird neue Bande der Kooperation unter den Militärs
heit muß militärische Stärke und Zusammenarbeit des Ostens und Westens schmieden. Sie wird die
sein. Der Kalte Krieg ist vorüber, der Krieg an sich Entwicklung von Demokratien und demokratischen
jedoch nicht. Wie wir alle wissen, wütet erzurZeit nicht Praktiken wie die Achtung der Menschenrechte und
nur in entfernten Ländern, sondern mitten hier in zivile Kontrolle über Streitkräfte verstärken. Sie kann
Europa im ehemaligen Jugoslawien. Dieser mörderi- der NATO neue Instrumente für die Reaktion auf
sche Konflikt erinnert uns daran, daß Streitkräfte selbst ethnische Instabilität und andere Gefahren unseres
nach dem Ende des Kalten Krieges von Bedeutung Zeitalters an die Hand geben.
sind. Er enthüllt auch die Schwierigkeiten, bei Konflikten innerhalb oder zwischen Staaten Streitkräfte ein- Der Einsatz der NATO-Streitkräfte bei solchen Missiozusetzen. Und er lehrt uns, daß es am besten ist, nen wird stets in Erwägung gezogen und muß von Fall
rechtzeitig zu handeln, um Konflikte zu verhindern, die zu Fall entschieden werden. Der morgige Gipfel wird
wir später nicht mehr unter Kontrolle bringen können. uns jedoch in eine bessere Position für solche Entscheidungen versetzen, damit wir sie frühzeitig und
Bei unseren Bestrebungen zur Beendigung dieser klug treffen können.
Tragödie und Milderung des Leidens ihrer Opfer müssen
wir auch unsere Sicherheitsinstitutionen verändern, Die Partnerschaft für Frieden wird die grundlegende
damit sie besser mit solchen Konflikten umgehen und Aufgabe der NATO zur Verteidigung des NATO-Terridie europäische Integration fördern können. Hierbei toriums gegen einen Angriff nicht ändern. Wir können
spielen viele Institutionen eine Rolle, einschließlich der es uns nicht leisten, diese Mission aufzugeben, solanEuropäischen Union, der Westeuropäischen Union, ge der Traum von einem Imperium noch in den Köpfen
des Europarats, der KSZE und der Vereinten Natio- einiger geistert, die sich nach einer grausamen Vernen. Die NATO, das größte Militärbündnis der Ge- gangenheit zurücksehnen. Wir können es uns jedoch
schichte, muß im Mittelpunkt dieses Prozesses ste- auch nicht leisten, eine neue Linie zwischen Ost und
West zu ziehen, die eine künftige Konfrontation herhen.
aufbeschwören könnte.
Nur die NATO verfügt über die Streitkräfte, das integrierte Kommando, die u mf assende Legitimierung und Diese Partnerschaft öffnet die Tür zu Kooperation mit
die gewohnheitsmäßige Zusammenarbeit, die zur allen ehemaligen Gegnern der NATO, einschließlich
Aufnahme neuer Mitglieder und Reaktion auf neue Rußlands, der Ukraine und den anderen neuen unabHerausforderungen unabdingbar sind. Eine der tief- hängigen Staaten auf der Grundlage der Überzeugreifendsten Umwälzungen innerhalb des transatlanti- gung, daß die Grenzen der Freiheit jetzt durch ein
schen Bündnisses während der vergangenen 50 Jahre neues Verhatten und nicht die alte Geschichte definiert
fand statt, weil die Streitkräfte unserer respektierten werden müssen.
Nationen immer zusammen ausgebildet wurden, zuAllen in Europa und den Vereinigten Staaten, die nur in
sammen übten und marschierten. Aber nicht nur die
Europa eine neue Linie etwas weiter im Osten ziehen
Kompatibilität unserer Waffen, sondern auch der
wollen, sage ich, daß wir die Möglichkeit der besten
Kameradschaftsgeist unserer Krieger bildeten den
Zukunft für Europa nicht ausschließen sollten, die in
Lebensnerv unserer wechselseitigen Sicherheitsga- Demokratie, Marktwirtschaften und Kooperation für
rantie und unsere größte Hoffnung auf Frieden.
wechselseitige Sicherheit in allen Ländern besteht.
Vor zwei Jahren begannen unsere Nationen, die NATO
mit der Gründung des Nordatlantischen Kooperationsrats an dieses neue Zeitalter anzupassen. Er bezieht
den gesamten ehemaligen Sowjetblock sowie die 16
Mitgliedstaaten der NATO ein. Jetzt ist es an der Zeit,
über diesen Dialog hinauszugehen und eine funktionierende Partnerschaft zu schmieden. Aus diesem
Seite 4

Wir können uns gegen eine weniger gute Zukunft
wappnen, aber wir sollten die beste Zukunft für Sie und
Ihre Generation anstreben.
Die NATO kann darüber hinaus am besten zur Bewältigung der neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas beitragen, wenn sie mehrzur Eindämmung der Verbreitung von MassenvernichtungswafSonderdienst 1

i
**

i
ft

�fen unternimmt. Offen gesagt ist dies eine der schwierigsten uns konfrontierenden Aufgaben. Die Eindämmung der Verbreitung dieser Waffen und ihrer Trägersysteme wird enge Zusammenarbeit, Aufrichtigkeit
und Disziplin sowie die Bereitschaft derjenigen erfordern, die sie jetzt aufgrund des unmittelbaren finanziellen Gewinns nicht aufbringen.

der Öffentlichkeit für eine progressive Außenpolitik
und größere Integration unterminiert. Unsere jeweiligen Bestrebungen zur Wiederbelebung unserer Volkswirtschaften sind aus diesem Grund nicht nur für
unseren Lebensstandard von Bedeutung, sondern auch
für unsere kollektive Stärke. Und beide werden Ihre
Zukunft und die Ihrer Kinder gestalten.

Die Gefahr ist eindeutig und allgegenwärtig. Zunehmende Raketenfähigkeiten bringen einen größeren
Teil Europas in die Reichweite verbrecherischer Staaten wie Iran und Libyen. Wir erhalten beunruhigende
Berichte über Bestrebungen, Nuklearmaterial nach
und aus Osteuropa zu schmuggeln. Und dieser nach
Osten blickende Gipfel wird uns die Chance bieten, die
Gefahr auf unserem eigenen Territorium in Angriff zu
nehmen.

Wir müssen rasch vorgehen, um das GATT-Abkommen umzusetzen. Wir müssen jedoch auch gemeinsam und voneinander lernen, um umfassendere und
mutigere Anpassungen an diese neue globale Wirtschaft vorzunehmen.

Das zweite Element der neuen Sicherheit, die wir
aufbauen, muß größere wirtschaftliche Vitalität sein ein Thema, das meines Erachtens von unmittelbarer
Bedeutung für Sie ist. Wir müssen auf florierende und
offene Marktwirtschaften aufbauen, die Triebfedern,
die uns während der letzten Jahrzehnte in Europa und
den Vereinigten Staaten den größten Wohlstand in der
Geschichte der Menschheit beschert haben.
Unser gemeinsamer Erfolg beim Abschluß eines neuen
GATT-Abkommens krönte sieben Jahre währende
Bestrebungen zur Ausdehnung des Wohlstands auf
alle Handelsnationen. Wir müssen jetzt eine Folgetagesordnung für das GATT definieren, die sich auf die
Erneuerung moderner Volkswirtschaften und die
Ausbreitung des Wohlstands auf die Nationen in unserem Osten konzentriert, die den schwierigen Übergang zur Marktwirtschaft vollziehen.
Erstens ist die Erneuerung unserer eigenen Volkswirtschaften entscheidend. Wenn wir nicht Arbeitsplätze
schaffen und die Einkommen in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan - den fortschrittlichen Ländern
der Welt - erhöhen, wird es für diese Völker - all unsere
Nationen - schwierig sein, weiterhin eine Politik des
Engagements für die übrige Wert zu unterstützen.
Die Nationen der Europäischen Union sehen sich mit
besonders ernsthaften wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert, angesichts nahezu 20 Millionen
Arbeitslosen und, im Falle Deutschlands, der außerordentlich hohen Kosten der Vereinigung. All unsere
Nationen mußten gegen die unruhigen Kräfte dieser
neuen globalen Wirtschaft und gegen den Wettbewerb
kämpfen, der durch Niedriglohnländer oder Technologien verursacht wird, dank derer wir mit weniger Arbeitnehmern mehr produzieren können - aber es gibt keine
neue Technologie, die neue Arbeitsplätze für die Entlassenen bereitstellt. Das ist nicht nur für Europa ein
Problem, sondern auch für die Vereinigten Staaten
und jetzt auch für Japan.
Unter den atlantischen Nationen hat die wirtschaftliche
Stagnation zweifelsohne die finanzielle Unterstützung
Sonderdienst 1

Wir Amerikaner haben in Bereichen wie beruflicher
Bildung und Lehre sowie den Wechsel von der Schule
zu gutbezahlten Arbeitsplätzen viel von Europa zu
lernen und dabei gleichzeitig die von der Wirtschaft
geforderten neuen Qualifikationen zu erarbeiten. Wir
haben jedoch vielleicht bei der Flexibilität unserer
Arbeitsplatzstruktur und unserer Fähigkeit zur Schaffung von Arbeit und neuen beruflichen Möglichkeiten
auch etwas zu geben. Dies ist ein Bereich, in dem wir
nützliche Lektionen voneinander lernen können. Und
aus diesem Grund bin ich erfreut, daß unsere führenden Minister im März die von mir im vergangenen Juli
vorgeschlagene Arbeitsplatzkonferenz abhalten werden. Wir müssen nur noch herausfinden, wie wir mehr
Arbeitsplätze schaffen und diejenigen belohnen können, die härterund konstruktiverarbeiten. Dies ist die
Grundlage für alle anderen Verhaltensweisen, die wir
fördern wollen, um weiterhin in unseren Ländern und
der übrigen Welt engagiert zu sein.
Während wir auf die Stärkung unserer Volkswirtschaften hinarbeiten, müssen wir uns jedoch vor Augen
harten, daß wir unserem eigenen Wohlstand und unserer
Sicherheit dienen, indem wir zum Prosperieren der
neuen Marktwirtschaften in der Osthälfte Europas
beitragen. Erfolgreiche Marktreformen in diesen Staaten werden den Demagogen der Region den Wind aus
den Segeln nehmen. Sie werden zur Entschärfung
ethnischer Spannungen beitragen. Sie werden den
neuen Demokratien helfen, Fuß zu fassen. Sie liegen
auch in unserem langfristigen Interesse, denn wir
haben gelernt, daß wohlhabende Nationen nicht reicher werden können, solange sie nicht Abnehmer
jenseits ihrer Grenzen für ihre Waren und Dienstleistungen haben.
Die kurzfristigen Schwierigkeiten der Einbeziehung
Osteuropas in unser Wirtschaftsbündnis werden sich
in vielfältigerweise bezahlt machen, wenn diese Staaten morgen zu Abnehmern der Waren und Dienstleistungen Westeuropas werden. Aus diesem Grund
haben wir uns zu Beginn der Amtszeit dieser Administration zu einer beträchtlichen Aufstockung unserer
Unterstützung für Marktreformen in den neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion verpflichtet und unsere Hilfe für die wirtschaftliche Umgestaltung Mittel-und
Osteuropas fortgesetzt.

Seite 5

�Letztlich wird der Erfolg der Marktreformen für den
Osten mehr von Handel als Hilfsleistungen abhängen.
Keiner von uns hat genug Geld, um die Zukunft dieser
Länder auf ihrem Weg zu freien Marktwirtschaften
maßgeblich zu beeinflussen. Wir können ihnen nicht
genug Hilfe geben, um sie zu gleichberechtigten Partnern zu machen. Sie müssen wachsen und ihren Weg
zu einer vollwertigen Partnerschaft mit uns erarbeiten.
Aus diesem Grund sollte eine unserer Prioritäten im
Abbau von Handelsschranken in den ehemals kommunistischen Ländern bestehen. Es wäre wenig sinnvoll, einerseits ihren Marktreformen zu applaudieren
und ihnen andererseits nur begrenzten Zugang zu
unseren Märkten anzubieten. Das hieße, jemanden
auf ein Schloß einzuladen und sich zu weigern, die
Zugbrücke herunterzulassen. Die Vereinigten Staaten
haben bereits viele Hemmnisse des Kalten Krieges für
Produkte aus diesen Ländern beseitigt. All unsere
Nationen müssen weitere Wege finden, um unserem
Beispiel zu folgen. Der wirtschaftliche Erfolg dieser
Staaten kann einfach nicht von unserer eigenen Erneuerung und Sicherheit getrennt werden.
Im Jahr 1931 stellte ein bemerkenswerter britischer
politischer Karikaturist die Vereinigten Staaten und
Europa in einem Ruderboot dar. Am hinteren Ende
des Bootes, an dem die östlicheren Mächte Europas
saßen, war ein großes Leck, und das Boot sank rasch.
Am vorderen Ende, wo die Vereinigten Staaten und
Westeuropa saßen, war es noch an der Wasseroberfläche - das Boot sank mit dem Heck zuerst. Und eine
der Personen an unserem Ende des Bootes sagte:
"Gott sei Dank - das Leck ist nicht an unserem Ende
des Bootes." Schließlich sank das ganze Boot. Das
wird wieder geschehen, wenn wir nicht zusammenarbeiten. Die westliche Hälfte Europas kann zweifelsohne - wie die Geschichte belegt - nicht lange sicher sein,
wenn die östliche Hälfte weiterhin in Aufruhr ist.
Das dritte und letzte Gebot dieser neuen Sicherheit
besteht in der Unterstützung der in den ehemals
kommunistischen Staaten aufkeimenden Verbreitung
von Demokratie und Freiheit des einzelnen. Der Erfolg
dieser demokratischen Reformen kann uns allen mehr
Sicherheit geben, weil Demokratien normalerweise
keinen Krieg gegeneinander führen und nicht ihr Wort
brechen. Demokratische Regierungen nähren eine
bürgerliche Gesellschaft, Respektierung der Menschenrechte und schlichte Toleranz. Die demokratischen
Werte im Herzen unserer westlichen Gemeinschaft
sind auch unsere beste Antwort auf durch das Ende
des Kalten Krieges freigesetzten aggressiven Nationalismus und ethnischen Haß.
Wir in der transatlantischen Gemeinschaft müssen
uns dem Erfolg der Demokratie in allen ehemals
kommunistischen Staaten verschreiben, die unmittelbare Nachbarn Westeuropas sind, weil ihre Sicherheit
unsere Sicherheit betrifft. Nirgendwo ist der Erfolg der
Demokratie wichtiger für uns alle als dort und dann in
Seite 6

Rußland. Ich möchte wiederholen, in Rußland - wenn
die Nation sich weiterhin zu einer marktwirtschaftlich
orientierten Demokratie entwickelt, die zufrieden in
ihren Grenzen und in Frieden mit ihren Nachbarn lebt
und ihre Größe anhand der Fähigkeit definiert, alle
Kinder Rußlands ihr volles Potential ausschöpfen zu
lassen - dann wird unsere Rolle im Hinblick auf die
vollständige Integration Europas umfassender, leichter und sicherer. Wie ein ukrainischer Gesetzgeber es
kürzlich formulierte: Wenn Rußland demokratisch ist,
wird Europa ruhig sein.
Die Ergebnisse der jüngsten Wahlen in Rußland und
die Aussagen einiger russischer Politiker haben uns
allen echten Anlaß zur Sorge bereitet. Wir müssen
konsequent Äußerungen der Intoleranz und drohende
Aggression verurteilen. Wir sollten diese Sorgen jedoch auch in ihrem historischen Kontext sehen. Es
sind schließlich erst zwei Jahre seit der Auflösung der
Sowjetunion vergangen. Vor nur zwei Monaten schien
Rußland am Rande eines Bürgerkriegs. Aber seitdem
hat Rußland freie und faire nationale Wahlen abgehalten, das russische Volk hat eine wirklich demokratische Verfassung ratifiziert und die erste postsowjetische Legislative in der Geschichte des Landes gewählt. Und die Regierung verfolgt weiterhin demokratische und wirtschaftliche Reformen.
Die von Rußland begonnene Umgestaltung ist absolut
beeindruckend. Denken Sie nur daran, was das Land
seit 1917 war. Wenn Sie ins 18. Jahrhundert zurückblicken und sich die Geschichte der Nation von damals
bis heute vor Augen führen, ist der Gedanke, da ß diese
Nation ernsthaft demokratische Wahlen abhalten und
die Umgestaltung vornehmen konnte, wirklich beeindruckend. Wir können nicht erwarten, daß sie über
Nacht 75 Jahre der repressiven Führung korrigiert, 75
Jahre der totalitären Politik oder die gesamte nationale
Geschichte, in der es keine Demokratie gab.
Wie in anderen kommunistischen Nationen wird dies
die Arbeit von Generationen sein. Wir in den Vereinigten Staaten befassen uns jetzt seit 200 Jahren damit
und arbeiten immer noch daran, es richtig zu machen.
Wir alle müssen uns bewußt sein, daß es falsche
Entscheidungen und selbst Rückschläge geben wird,
wie es in all unseren Ländern im gesamten Verlauf der
Geschichte der Fall war. Aber solange diese Staaten
ihre Fortschritte zu Demokratie und Respektierung der
Rechte ihres Volkes u nd anderer Völker fortsetzen, die
Rechte ihrer Minderheiten und ihrer Nachbarn verstehen, sollten wir ihre Fortschritte mit beständiger Geduld unterstützen.
Um diese neuen Demokratien zu unterstützen, wenden wir uns an die Basis, damit sie die Institutionen
einer bürgerlichen Gesellschaft aufbaut, von Gemeindearbeitern in der Tschechischen Republik zu freiwilligen Wahlhelfern in Bulgarien. Wir werden femer
Schritte zur Ermutigu ng der Kooperation zwischen den
neuen Demokratien unternehmen. Ebenso wie in
Sonderdienst 1

�Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg müssen wir
regionale Nachbarn zur Zusammenarbeit gewinnen,
statt uns gegenseitig mißtrauisch zu beobachten.

r

*

Heute können wir das Opfer der hier auf Ihrem Boden
beerdigten Amerikaner ehren, indem wir die Freiheit
erweitem, für die sie kämpften und für deren Erhalt sie
ihr Leben ließen. Der Kampf Ihrer Generation für ein
Die friedliche umfassendere Integration, die wir vollzie- größeres Europa wird nicht gemeinsam an den Stränhen, ist nicht nur ein europäisches Anliegen - ich den oder auf den Ebenen dieses Kontinents gewonwiederhole, sie liegt eindeutig im Interesse der Verei- nen, sondern vielmehr in seinen neuen Parlamenten
nigten Staaten. Meine Nation war begeistert über die und Stadträten, in den Büros und Fabriken seiner
in den vergangenen fünf Jahren erzielten Fortschritte neuen Marktwirtschaften, in den Herzen und Köpfen
der Freiheit auf diesem Kontinent. Und wir sind uns junger Menschen wie vielen der heute hier Anwesendes Tributs wohl bewußt, den Zwistigkeiten in Europa den. Sie haben am meisten von einem im Hinblick auf
letztlich von unserem eigenen Volk fordern.
Sicherheit, Wirtschaft und Demokratie integrierten
Europa zu gewinnen.
Nur wenige Stunden von diesem Ort entfernt liegen die
Gräber von Tausenden Amerikanern, die in zwei gro- Letztlich werden Sie entscheiden müssen, welche Art
ßen Kriegen in Europa ihr Leben ließen. Die Geschich- von Europa Sie wollen und wie hart Sie dafür zu
te hat festgehalten, wo sie gefallen sind - auf den arbeiten bereit sind. Sie sollten jedoch auch wissen,
Schlachtfeldern von Flandern, an den Küsten der daß die Vereinigten Staaten Ihnen in diesem Kampf
Normandie, beider Ardennenschlacht. Wir sollten uns zur Seite stehen werden, wie wir es in den anderen
jedoch auch daran erinnern, warum sie hierherkamen, Schlachten des 20. Jahrhunderts getan haben.
warum sie die Sicherheit ihres Zu hauses verlie ßen, um
in einem fernen Land zu kämpfen. Sie kamen, weil die Ich glaube, daß unsere Freiheit untrennbar ist. Ich
Sicherheit stärker von Dingen abhängt, die weit über glaube, daß wir ein gemeinsames Schicksal haben.
geographische Trennlinien hinausgehen. Unsere Ich glaube, daß das 21. Jahrhundert die aufregendste
Sicherheit hängt von mehr ab als dem Ozean, der uns Zeit sein kann, die Europa und die Vereinigten Staaten
trennt. Sie hängt von der Existenz eines starken, freien je erlebt haben, und unsere Zukunft die reichste und
vielversprechendste einer Generation überhaupt sein
und demokratischen Europa ab.
kann. Wir müssen jedoch daran arbeiten. Ich danke
Ihnen.
* * * * *

Sonderdienst 1

Seite 7

�AUSSENPOLITIK
10. Januar 1994

MILITÄRISCHE SICHERHEIT DER USA ENG
MIT DER EUROPAS VERBUNDEN
Vom Vizepräsidenten anstelle von Präsident Clinton gehaltene Rede
MILWAUKEE - (AD) - "Die militärische Sicherheit der Vereinigten Staaten ist weiterhin so eng wie je zuvor in
unserer Geschichte mit der Europas verbunden", stellte Vizepräsident AI Gore fest.
In einer am 6. Januar 1994 in Milwaukee anstelle von Präsident Clinton gehaltenen Rede erklärte Gore seinen
Zuhörern, die Vorfahren in Rußland, Mittel- und Osteuropa haben, nach dem Ende des Kalten Krieges sei die
Zukunft Amerikas auch weiterhin eng mit der Europas verknüpft. "Wenn Europa kämpft, leiden wir", erklärte er.
"Wenn Europa sicher und frei ist, prosperieren auch wir in den Vereinigten Staaten."
Gore zufolge wird Präsident Clinton auf seiner Europareise vom 8. bis 16. Januar den Staaten Mittel- und
Osteuropas eine Anbindung an die NATO anbieten, die eine zunehmende Integration in die politischen und
wirtschaftlichen Institutionen der atlantischen Gemeinschaft zusichert.
Der Vizepräsident mußte in letzter Minute als Ersatzredner für den Präsidenten einspringen, der bedingt durch
den Tod seiner Mutter in seinen Heimatstaat Arkansas reiste.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Weißen Haus freigegebenen Text der Rede des Vizepräsidenten im
Wortlaut.

Als der Präsident vor 15 Monaten hier war, sprach er
an jenem Tag im Oktober über die Notwendigkeit einer
durchgreifenden demokratischen nationalen Sicherheitspolitik der Vereinigten Staaten. In zwei Tagen
wird der Präsident zu einer Reihe von Treffen nach
Europa reisen, die dieses Ziel verfolgen. In Brüssel
wird er die Bedeutung unserer wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Bande mit der NATO und Europa
hervorheben. In Prag will er unser entschiedenes
Engagement für die jungen Demokratien in Polen,
Ungarn, der Tschechischen Republik und der Slowakei unterstreichen. Bei seinem Besuch in Moskau wird
er unserer Unterstützung für die demokratischen Reformen in Rußland und andernorts Ausdruck verleihen. Bei seinem Aufenthalt im belarussischen Minsk
will er auf die Bedeutung der von diesem und anderen
Staaten beim Abbau von Atomwaffen erzielten Fortschritte hinweisen.
Vor seiner Abreise ins Ausland zu Gesprächen mit
anderen Staats- und Regierungschefs wollte der Präsident hierherkommen und mit Ihnen erörtern, warum
diese Reise für das amerikanische Volk so wichtig ist.
Der Präsident hat mich gebeten, Ihnen am heutigen
Tag seine Ansichten zu vermitteln, denn zu diesem
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Zeitpunkt der Geschichte steht ganz Europa an einem
Wendepunkt, der große Auswirkungen auf unsere
eigene Sicherheit und unseren Wohlstand hat.
Aus diesem Grund legen der Präsident und ich so
großen Wert darauf, daß sich unsere Administration
stark auf Europa, insbesondere Mittel- und Osteuropa
sowie Rußland konzentriert. Dem Wunsch des Präsidenten entsprechend führte mich meine erste Auslandsreise in meiner Eigenschaft als Vizepräsident
nach Polen. Heute sind mindestens zwei derjenigen
anwesend, die mich bei dieser Gelegenheit begleiteten. Während meines Aufenthalts in Polen führte ich
intensive Gespräche mit Präsident Walesa und besuchte zusammen mit ihm eine Morgenandacht in
seiner Privatkapelle.
Letzten Monat reiste ich nach Ungarn, wo ich in
Budapest mit der neuen Regierung zusammentraf.
Auf dieser Eu ropareise führte ich auch auf Wunsch des
Präsidenten ein langes Gespräch unter vier Augen mit
dem ukrainischen Präsidenten Krawtschuk. Seit
unserem Amtsantritt sind der Präsident und ich mit
nahezu allen führenden Politikern der Staaten Mittelund Osteuropas zusammengetroffen sowie mit vielen

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�Staats- und Regierungsoberhäuptern der Republiken
der ehemaligen Sowjetunion, da Präsident Clinton
großen Wert auf den Beitrag unserer Nation zu dem
positiven Wandel legt, der zur Zeit stattfindet und
fortgeführt werden muß.
Wir leben in einer Zeit erstaunlicher Veränderungen.
Nachdem wir während des Kalten Krieges ein halbes
Jahrhundert lang gegenüber der sowjetischen Aggression hart geblieben sind, ist der Kalte Krieg plötzlich
vorüber und die Sowjetunion existiert nicht mehr.
Nachdem wir jahrzehntelang für die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen in Südafrika sowie
zwischen Arabern und Juden im Nahen Osten gebetet
haben, sind wir plötzlich Zeugen eines hoffnungsvollen
Händedrucks, auf den sich die Augen der ganzen Welt
richten. Nachdem wir jahrzehntelang von der Freiheit
versklavter Nationen geträumt und darauf hingearbeitet haben - viele von Ihnen aus ganzem Herzen - sind
diese Staaten plötzlich frei, und in ganz Europa entstehen neue Demokratien. Der Präsident hat mir mitgeteilt, er freue sich außerordentlich, wieder mit einigen
dieser Helden der Demokratie zusammenzutreffen,
beispielsweise Vaclav Havel und Lech Walesa.

davonzulaufen. Was hat uns das gebracht? Eine
Depression und einen weiteren schrecklichen Krieg.
Und was hat es uns gebracht, daß wir uns nach dem
Zweiten Weltkrieg an der Weltpolitik beteiligten?
Jahrzehnte von Sicherheit und Wohlstand. Und wir
müssen wieder so handeln.

Während des Präsidentschaftswahlkampfes haben
der Präsident und ich erklärt, unsere Außenpolitik
werde sich auf wirtschaftliche Erneuerung, starke
Verteidigung und die Förderung von Demokratie in
Übersee stützen. Im vergangenen Jahr haben wir bei
der Erreichung dieser Ziele Fortschritte gemacht.
Natürlich haben wir als erstes unser wirtschaftliches
Haus wieder in Ordnung gebracht, denn ohne eine
starke Wirtschaft können wir im Ausland nicht konkurrieren und eine Führungsrolle übernehmen. Wir verabschiedeten ein Paket wirtschaftlicher Maßnahmen,
um unser Haushaltsdefizit um 500 Milliarden Dollar zu
reduzieren und investierten gleichzeitig in Bildung und
Ausbildung, Technologie und Rüstungskonversion.
Nebenbei bemerkt: Sie werden sich vielleicht erinnern, daß bei unserer Amtsübernahme das für das
neue Jahr veranschlagte Defizit 300 Milliarden Dollar
betrug. Diese Schätzung beläuft sich jetzt nur noch 190
Gleichzeitig bergen einige der sich auf der Welt vollzie- Milliarden Dollar. Die von uns unternommenen Anhenden Veränderungen für uns große Gefahren, dar- strengungen tragen bereits Früchte - nicht nur in Form
unter die Weiterverbreitung von Massenvernichtungs- des so wichtigen Defizitabbaus, sondern auch einer
waffen und die weltweite Zerstörung der Umwelt. Und niedrigen Inflationsrate und beispiellos niedrigen Zinswir werden mit einer veränderten, neuen Weltwirt- sätzen.
schaft konfrontiert, die uns viele neue Chancen bieten,
aber auch beunruhigend für unsere Arbeitsplätze und Das Vertrauen der Verbraucher ist wieder gestärkt.
Gemeinden sein könnte. Angesichts dieses Wandels Der Hausbau erlebt einen Boom - im letzten Monat den
würden es manche Amerikaner bevorzugen, wenn wir größten in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
uns aus den Streitigkeiten der Welt heraushalten und Unsere Nation hat in den letzten zwölf Monaten mehr
nur auf unsere innenpolitischen Herausforderungen Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft geschaffen als in
konzentrieren würden. Europa sieht sich noch härte- den vergangenen vier Jahren zusammengenommen.
ren wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns und sind u ns
Zweistelligen Arbeitslosenquoten und äußerst schlep- dessen auch bewußt. Um nur ein Beispiel zu nennen:
pendem Wachstum. Viele Europäer würden es viel- Vor uns liegt noch die Aufgabe, jedem Amerikaner eine
leicht auch vorziehen, nicht mit den Problemen außer- sichere Gesundheitsfürsorge anzubieten. Und mit
halb ihrer Grenzen belastet zu werden. Und die in Ihrer Hilfe werden wir das tun. Wir haben einen guten
Rußland und den anderen ehemals kommunistischen Anfang gemacht, und es war ein gutes erstes Jahr.
Staaten stattfindende wirtschaftliche Umgestaltung ist
Nachdem unsere eigene Wirtschaft in Ordnung genoch viel beängstigender.
bracht war, haben wir als nächstes Schritte zur ÖffFolglich sind sämtliche Nationen der großen Versu- nung ausländischer Märkte für amerikanische Waren
chung ausgesetzt, sich nur auf ihre eigenen Probleme und Dienstleistungen unternommen, damit wir unsere
zu konzentrieren. Aber meine heutige Botschaft - und Exporte fördern und weitere Arbeitsplätze schaffen
die Botschaft der Reise des Präsidenten - ist die können. Wir haben das Nordamerikanische Freihanfolgende: Um im Inland stark zu sein, müssen wir uns delsabkommen verabschiedet, das die Zölle auf unseauch im Ausland engagieren. Wir müssen mit anderen re Exporte senken und über 200.000 neue amerikaniNationen zusammenarbeiten, um ein Wachstum der sche Arbeitsplätze schaffen wird. Wir haben unsere
Weltwirtschaft und eine Öffnung ausländischer Märkte Beziehungen zu den aufstrebenden Wirtschaftsmächzu erzielen, wenn wir unsere Exporte erhöhen wollen. ten Asiens ausgebaut. Erst letzten Monat erzielten wir
Wir müssen uns zusammen mit anderen Nationen ein historisches neues Abkommen bei den Welthandafür einsetzen, das Ende des Kalten Krieges zu delsgesprächen im Rahmen des GATT, das weitere
besiegeln, damit wir nicht letztlich mehr Geld für die Hunderttausende amerikanischer Arbeitsplätze schafVerteidigung und weniger für die erforderlichen inlän- fen und die gesamte Weltwirtschaft ankurbeln wird, so
dischen Investitionen aufwenden. Nach dem Ersten daß wir diese wieder in Gang bringen können.
Weltkrieg unternahmen wir den Versuch, vor der Welt
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�Mit Hilfe dieser und anderer Schritte stellen wir die
wirtschaftlichen Interessen des amerikanischen Volkes wieder in den Mittelpunkt unserer Außenpolitik.
Wir haben auch die Führungsrolle der Vereinigten
Staaten beim Umweltschutz wiederhergestellt. Im
vergangenen Jahr haben wir uns um eine Stärkung
unseres Verteidigungsapparats bemüht.

bleiben. Wir werden dafür sorgen, daß sie die am
besten ausgebildeten, am besten ausgerüsteten, am
besten vorbereiteten Streitkräfte auf dieser Erde bleiben.

Die von uns im vergangenen Jahr unternommenen
Schritte machen Amerika stärker und sicherer. Bei
dieser Gelegenheit möchte ich insbesondere die Dienste aller Männer und Frauen in Uniform würdigen, die
uns auf der ganzen Welt beschützen. Präsident Clinton hat oft darauf hingewiesen, daß die Streitkräfte der
Vereinigten Staaten die besten der Welt sind, und wir
sind entschlossen sicherzustellen, daß sie das auch

Präsident Clintons Ziel bei dieser Reise besteht darin,
zu diesem Schutz beizutragen. Er kann nicht von
neuen, mit Stacheldraht bewehrten Mauern kommen.
Der Schutz, den die neuen Staaten Europas heute
benötigen, ist vielmehr die Art von Schutzmechanismus, den wir alle in unserem tiefsten Inneren haben der Schutz, der die dunkelste Seite unserer Natur
davor bewahrt, an die Oberfläche zu kommen - das
Gefühl der Toleranz und die Gewohnheiten, die durch

Wir haben im vergangenen Jahr große Anstrengungen
zur Erhöhung der Sicherheit Amerikas unternommen.
Nichts ist jedoch von größerer Bedeutung für unsere
Unter der fähigen Leitung von Verteidigungsminister Sicherheit als unsere Beziehungen zu Europa. Nach
Les Aspin schlössen wir die tiefgreifende Umstruktu- dem Ende des Kalten Krieges mögen einige denken,
rierung unseres Militärs ab um sicherzustellen, daß wir Europa sei für unsere Nation nicht mehr so wichtig wie
über die zur Reaktion auf die diversen Bedrohungen zuvor. Präsident Clinton erklärt, daß sie unrecht
dieses neuen Zeitalters erforderlichen Streitkräfte haben. Tatsache ist: Europa bleibt unser wertvollster
verfügen. Und als wir aus dem Ausland bedroht Handelspartner, und die militärische Sicherheit der
wurden, beispielsweise als wir von der irakischen Vereinigten Staaten ist weiterhin so eng wie je zuvor in
Verschwörung zur Ermordung des ehemaligen Präsi- unserer Geschichte mit der Europas verbunden.
denten Bush erfuhren, setzte Präsident Clinton diese
Streitkräfte ein, um entschieden zurückzuschlagen In diesem Jahrhundert haben wir unsere Söhne und
und eine klare, unmißverständliche Botschaft zu sen- Töchter zweimal nach Europa entsandt, um Aggression abzuwehren und das Überleben der Demokratie
den.
zu sichern. In zwei Weltkriegen haben wir eine Lektion
Wir setzten uns auch für die Förderung demokrati- gelernt, die in jeder Veteranenvereinigung und Gescher Bewegungen auf der ganzen Welt ein und erhöh- denkhalle in Wisconsin und im ganzen Land verstanten beträchtlich unsere Unterstützung für die Reform- den wird. Wenn Europa kämpft, leiden wir. Wenn
kräfte in Rußland, der Ukraine, Armenien und den Europa sicher und frei ist, prosperieren auch wir in den
anderen neuen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Vereinigten Staaten.
die die Tür hinter ihrer kommunistischen Vergangenheit zu schließen versuchen und eine neue demokra- Europa erfreut sich jetzt der Wiedergeburt der Freiheit.
tische Zukunft einleiten wollen. Wir hoben die gegen Nach einem halben Jahrhundert der Unterdrückung
Südafrika verhängten Sanktionen sofort auf, nachdem haben die baltischen Staaten ihre rechtmäßige Unabdort eine Übereinkunft zur Abschaffung der Apartheit hängigkeit wiedererlangt. Wir waren Zeuge, wie große
und der Abhaltung nichtrassischer Wahlen erzielt worden Dissidenten, Helden wie Vaclav Havel und Lech Walewar. Ist das nicht ein Zeichen der Hoffnung in unserer sa, die kommunistische Herrschaft abschütteln halfen
und zu führenden Politikern ihres Volkes wurden.
Welt?
Boris Jelzin und andere mutige demokratische ReforTrotz drängender Haushaltsprobleme erhöhten wir die mer in Rußland hielten trotz heftigen Widerstands
Gelder für unsere Programme zur Unterstützung der reaktionärer Kräfte Wahlen ab und entwarfen eine
Basisdemokratie von Mittelamerika über Asien bis Verfassung.
Osteuropa erheblich. Der Erfolg junger Demokratien
wie der in Polen, Ungarn, der Tschechischen Republik Diese demokratische Renaissance ist Grund zur Hoffund der Slowakei ist für unsere Nation und unsere nung. Am europäischen Horizont hängt jedoch eine
Sicherheit von Bedeutung. Wir müssen ihnen zum dunkle Wolke - die Gefahr des fanatischen NationalisErfolg verhelfen. Wir haben nicht jahrelang die Solida- mus, der durch alte Ressentiments entzündet, durch
rität unterstützt, um die Demokratie in Polen zu verlie- wirtschaftliche Frustration genährt und durch egoistiren. Wir haben nicht die sanfte Revolution in der sche Demagogen geschürt wird. Im ehemaligen JugoTschechoslowakei gefeiert, um diese neugeborene slawien brennt dieses Feuer bereits. Aber auch in
Freiheit dem Tod durch Vernachlässigung preiszuge- anderen Staaten schwelt es, insbesondere in Osteuroben. Um ihrer- und unseretwillen haben wir uns im pa. Wenn wir nicht mit dem Bau neuer SchutzvorrichKalten Krieg behauptet. Und jetzt müssen wir uns um tungen beginnen, könnte diese Glut sich entfachen
ihrer- und unseretwillen beim Aufbau eines umfassen- und Europa wieder verschlingen, wie es während der
deren demokratischen Friedens in ganz Europa be- beiden schlimmsten Krisen dieses Jahrhunderts der
Fall war.
haupten.

Sonderdienst 1

Seite 3

�die Praktiken von freiem Handel, offener Demokratie,
einem soliden bürgerlichen Leben und der Respektierung der Unterschiede zwischen Einzelpersonen und
Nationen aufgebaut werden.

kommunistischen Staaten in die Kooperation mit dem
übrigen Europa. Sie bringt den evolutionären Prozeß
der offiziellen Erweiterung der NATO voran - ein Schritt
zur Aufnahme neuer Mitglieder in das Bündnis.

Denjenigen, die fragen, wo es solche Toleranz auf der
Wert gibt, würde ich sagen, kommt nach Mifwaukee.
Betrachtet Eure Stadt. Eure Wurzeln gehen zurück
nach Polen, Rußland, der Ukraine, dem Baltikum,
nach Deutschland, Italien und England, Afrika, Asien
und Lateinamerika. Ihr mögt Christen, Juden oder
Muslime sein, und dennoch seid Ihr alle eine Gemeinde. Warum? Weil Ihr alle die amerikanische Überzeugung teilt, daß unseren Unterschieden Stärke innewohnt, wir einen kollektiven bürgerlichen Raum aufbauen können, der groß genug für unsere verschiedenen Identitäten ist, wir E Pluribus Unum - aus Vielen
Eins - sein können. Dies erachten wir hier in unseren
gesegneten Vereinigten Staaten von Amerika für selbstverständlich. Diese Idee ist jedoch auch Europa nicht
fremd. Diese von Jefferson und Madison in unserer
Unabhängigkeitserklärung und unserer Verfassung
niedergelegten Ideen waren europäische Importe, aus
dem großartigen Zeitalter der Aufklärung in Europa
abgeleitet.

Die Partnerschaft für Frieden lädt die neuen Demokratien Europas ein, sich unverzüglich an der militärischen und politischen Kooperation mit den NATOMitgliedstaaten sowie untereinander zu beteiligen. Die
der Partnerschaft beitretenden Staaten können an der
militärischen Planung, Übungen und Operationen teilnehmen. Die Partnerschaft wird zur Förderung demokratischer Praktiken beitragen, die diese Staaten auf
die volle NATO-Mitgliedschaft vorbereiten. Die neue
NATO mu ß die Belange der Nationen ansprechen, die
zwischen Rußland und Westeuropa liegen, denn die
Sicherheit dieser Staaten betrifft die Sicherheit Amerikas. Ich möchte dies nochmals wiederholen: Die
Sicherheit der zwischen Rußland und Westeuropa
gelegenen Staaten betrifft die Sicherheit Amerikas.
Insbesondere nach den jüngsten Wahlen in Rußland
sind diese Staaten natürlicherweise besorgt darüber,
ob sie wieder zu einer Pufferzone werden, einem
Preis, über den sich andere streiten.

Im gesamten ehemaligen sowjetischen Block wurden
diese Ideen jedoch durch falsche Ideologien und Jahrzehnte der Diktatur im Keim erstickt. Heute haben wir
die Chance dazu beizutragen, daß unsere hehren
Werte der Freiheit an Orten Fuß fassen, die das
Heimatland so vieler unserer Vorfahren waren. Wir
können die falschen Linien, die Europa zu lange geteilt
haben, ausradieren helfen und die Wunden heilen, die
von dieser Spaltung hinterlassen wurden. Die Förderung der europäischen Integration bringt nicht nur
unsere höchsten Ideale zum Ausdruck, sondern wird
auch die beste Investition sein, die wir für unsere
eigene Sicherheit und unseren Wohlstand tätigen
können.
Präsident Clintons oberstes Ziel bei dieser Reise ist die
Stärkung der NATO und die Gewährleistung, daß sie
zur Bewältigung der gerade von mir beschriebenen
Herausforderungen bereit ist. Die NATO ist das größte
militärische Bündnis in der gesamten Geschichte der
Menschheit. Wir hätten den Kalten Krieg nicht ohne
sie gewinnen können. Aber jetzt ist die Sowjetunion
verschwunden, zu deren Abschreckung sie beitrug.
Es ist an der Zeit für die NATO, die neuen sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas in Angriff zu
nehmen, wie die Konsolidierung der demokratischen
Errungenschaften unter den östlichen Nachbarn der
NATO und die Abwendung ethnischer Konflikte.

Die Partnerschaft für Frieden ziert darauf ab, diesen
Staaten das Vertrauen zu bieten, daß sie sich im
Westen integrieren können, statt stets Angst haben zu
müssen, was in ihrem Osten geschieht. Die Partnerschaft für Frieden teilt nicht Ost und West in einer
Weise, die eine künftige Konfrontation heraufbeschwören könnte. Statt dessen versucht sie, ein größeres
Europa zu integrieren. Gleichermaßen bietet sie eine
offene Tür für alle Nationen Mittel- und Osteuropas
sowie die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und lädt sie alle ein, neue Beziehungen zur
NATO in der Überzeugung zu schmieden, daß die
neuen Grenzen der Freiheit jetzt nicht nur der alten
Geschichte, sondern auch neuen Verhaltensweisen
Rechnung tragen müssen.
Die Partnerschaft für Frieden kann Kooperation zur
Gewohnheit machen, die der Lebensnerv der NATO
und ihrer offiziellen Sicherheitsgarantien ist. Wir sehen dem baldigen Beginn einer solchen Kooperation
mit Polen, der Tschechischen Republik und anderen
ehemals kommunistischen Staaten entgegen, während wir die Grundlage für ein neues und größeres
Europa schaffen.

Präsident Clintons zweites Ziel besteht darin, unsere
Unterstützung für die Völker und politisch Verantwortlichen der ehemals kommunistischen Staaten unter
Beweis zu stellen, Demokratie aufzubauen und den
Grundstein für eine bürgerliche Gesellschaft zu legen:
Beim NATO-Gipfel in Brüssel wird der Präsident den Politische Parteien, Gewerkschaften, WirtschaftsverVorschlag einer Partnerschaft für Frieden unterbrei- bände und eine freie Presse. In Prag wird der Präsiten, die von der NATO als ein großer Schritt zur dent mit den Staats- und Regierungschefs der TscheErfüllung der neuen sicherheitspolitischen Bedürfnis- chischen Republik, Ungarns, Polens und der Slowakei
se Europas geschaffen werden soll. Die Partnerschaft zusammenkommen - den Visegrad-Nationen - die bei
ist ein neuer Weg zur Einbeziehung der ehemals der Reformwelle in Europa eine solch führende Rolle
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}

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,

�fgß
spielen. In Minsk wird der Präsident unsere Unterstützung für den Vorsitzenden des Obersten Sowjets von
Weißrußland, Schuschkewitsch, und andere Politiker
des demokratischen Reformprozesses in Belarus zum
Ausdruck bringen. Und in Moskau wird er mit Präsident Boris Jelzin und anderen russischen Reformern
zusammentreffen, die ihre Nation zu einer demokratischen, marktorientierten und friedlichen Zukunft führen.

i

Die starke Unterstützung für reaktionäre Kandidaten
bei den jüngsten russischen Wahlen hat uns allen
Anlaß zur Sorge bereitet. Wir wären schlecht beraten,
wenn wir diese Ergebnisse ignorieren würden, und es
ist unsere Pflicht, die Stimmen des Rassismus und intoleranten Nationalismus zu verdammen, wann immer
sie vernommen werden. Täuschen Sie sich jedoch
nicht - bei diesen russischen Wahlen gab es auch eine
andere Botschaft der Hoffnung. Eine Wahl, die noch
Monate, bevor sie in freier und fairer Weise abgehalten
wurde, unwahrscheinlich erschien. Und als das russische Volk wählte, ratifizierte es eine demokratische
Verfassung und stimmte für die erste postsowjetische
russische Legislative.
All dies kann den russischen Reformern zu Fortschritten verhelfen. Wir dürfen das Vertrauen in den Reformprozeß nicht verlieren, nur weil er langsam vorankommt oder Rückschläge erleidet. Die Veränderung
einer ganzen Gesellschaft ist das Werk von Generationen. Auf dem Weg dorthin werden das russische Volk
und die anderen neuen Staaten zweifelsohne einige
schlechte Entscheidungen treffen, ebenso wie wirdies
gelegentlich in unserer eigenen Geschichte getan haben.
Demokratie macht uns schließlich nicht alle zu Engeln,
sondern bietet uns nur einen Weg, kollektiv von unseren sehr menschlichen Fehlern zu lernen. Solange
diese Nationen Freiheit mit Schutzmaßnahmen für
ethnische und religiöse Minderheiten sowie politischen
Dissens unterstützen, hegen wir Vertrauen, daß Reformen an die Stelle von Reaktion treten.

t

*

Darüber hinaus erwarten wir in Brüssel die Verabschiedung unseres Vorschlags zur Bewältigung der
Bedrohung durch nukleare, biologische und chemische Waffen.
Das letzte Ziel des Präsidenten ist die Unterstützung
der dramatischen Fortschritte zu marktwirtschaftlichen
Reformen in allen ehemals kommunistischen Staaten
sowie ein größeres, wirtschaftlich besser florierendes
Europa. Wie wir alle wissen, erlebt ein Großteil Europas eine tiefe Rezession, und wenn diese Nationen
wieder wachsen können, werden wir von mehr Exporten und mehr Arbeitsplätzen in unserem eigenen Land
profitieren. Ebenso wichtig ist die Gewährleistung,
daß das Wirtschaftswachstum alle früher kommunistischen Staaten erreicht, die den schwierigen Übergang
zu Marktwirtschaften vollziehen.
Einige der größten Helden dieser Flucht vor dem
Kommunismus sind die Menschen, deren Namen wir
niemals wissen werden - der Bauer in der Nähe von
Sofia, der jetzt mit größerem Stolz arbeitet, weil er
wieder das Land seines Großvaters besitzt. Der
Unternehmer in Riga, der von seinem Appartement
aus ein neues Unternehmen betreibt. Der Fabrikarbeiter in St. Petersburg, der sich an die neuen Gewohnheiten und Unsicherheiten des Kapitalismus anzupassen versucht.

Der Erfolg der Freiheit wird in hohem Maße von der
Arbeit dieser Menschen abhängen. Wir müssen alles
in unserer Macht Stehende tun um sicherstellen, daß
ihre Mühen belohnt werden. In Brüssel wird der
Präsident die westeuropäischen Staats- und Regierungschefs auffordern, gemeinsam mit unserem Land
Schritte zu unternehmen, um alle unsere Märkte offener für die Waren aus den neuen Demokratien Europas zu machen. In Prag, Moskau und Minsk wird er mit
den Politikern dieser neuen Marktwirtschaften zusammenarbeiten um zu gewährleisten, daß unsere Wirtschaftshilfe sowie Handels- und Investitionstätigkeit
auf die möglichst große Unterstützung dieser Nationen
Präsident Clintons drittes Ziel besteht in der Reduzie- ausgerichtet sind, während sie den äußerst schwierirung der du rch M assenvem ichtu ngswaff en entstehen- gen Übergang zur Marktwirtschaft vollziehen.
den Gefahren. Als sich die Sowjetunion auflöste,
befanden sich vier Staaten im Besitz ihrer Nuklearwaf- Heute vollbringen die Menschen der ehemals kommufen - Rußland, die Ukraine, Kasachstan und Belarus. nistischen Nationen täglich Wunder. Mit wenig ResEin Schlüssel zu unserer Sicherheit ist die Gewährlei- sourcen und Erfahrung verwandeln sie wirtschaftlistung, daß es nur einen einzigen atomaren Nachfolge- chen Ruin in funktionierende Märkte. Sie ersetzen das
staat der Sowjetunion gibt. Unter der Führung von graue Orwellsche Leben durch die vielversprechenPräsident Nasarbajew stimmt Kasachstan zu, seine den und vielfältigen Kulturen, deren sich ihre Völker
Nuklearwaffen aufzugeben. Ich war erfreut, im ver- einst erfreuten. Sie beleben die religiösen Traditionen
gangenen Monat an dem Tag in Alma-Ata zu sein, an wieder, die der Kommunismus nicht ausmerzen konnte. Und sie pflanzen kräftige Schößlinge der Demokradem das Parlament diese Entscheidung ratifizierte.
tie auf einem Boden, der einst durch Diktatur brachlag
Wir arbeiten gemeinsam mit der Ukraine an der Sicher- und durch die verheerenden Feuer des Krieges verwüstellung eines ähnlichen Abkommens. Ein Grund für stet war.
die Reise des Präsidenten nach Minsk ist, dem Volk
und den politisch Verantwortlichen von Belarus zur Die harte Arbeit der politischen und wirtschaftlichen
Ratifizierung des START-Vertrags und zur Zustim- Umgestaltung obliegt den Menschen in der Region,
mung zu einem atomwaffenfreien Staat zu gratulieren. und sie machen heroische Fortschritte - für unser
Sonderdienst 1

Seite 5

�eigenes Land sind die Risiken jedoch enorm hoch. Wir
müssen uns auch hinter die Sache der Reformen
stellen. Es liegt im Eigeninteresse Amerikas, daß
diese Reformen Erfolg und Bestand haben. Wenn dies
der Fall ist, werden wir alle mehr Sicherheit haben. Wir
können einen weiteren, alle einbeziehenden europäischen Krieg verhindern. Wir können weitere Fortschritte beim Abbau der alles vernichtenden Waffen
machen. Wir können unsere Sicherheit weiterhin mit
sehr viel niedrigeren Verteidigungsbudgets aufrechterhalten. Wir können neue Märkte für unsere Exporte
und neue Arbeitsplätze für unsere Menschen schaffen, während diese neuen Volkswirtschaften zu wachsen und prosperieren beginnen. Aus diesem Grund
dürfen wir nicht als Zuschauer agieren. Wir müssen
unsere Arbeit zum Aufbau eines größeren und freieren
Europa fortsetzen.

Ich denke zurück an den polnischen Aufstand von
1863, bei dem die polnischen Kämpfer sich von dem
Motto leiten ließen: "Für Eure Freiheit und unsere". In
ihrem tiefsten Inneren waren sie überzeugt, daß ihre
eigene Befreiung andere befreien würde, weil sie für
das umfassendere Prinzip der Freiheit kämpften. Heute
dauert der Kampf für Freiheit in Europa mit neuen
Hoffnungen und hohen Risiken an.
Wenn der Präsident die Reise in diese Länder antritt,
wissen er und alle, die mit ihm zusammengearbeitet
haben, da ß der Kampf um die Heilung der Wunden und
Sicherstellung des demokratischen Erfolgs nicht ihr
Kampf allein ist. Es muß auch unser Kampf sein. Es
ist der Kampf eines Lebens - unseres Lebens. Es ist
die Geschiente eines Jahrhunderts - unseres Jahrhunderts. Präsident Clinton und ich haben uns verpflichtet, dies zur Aufgabe unserer Nation zu machen.

* * * *

Seite 6

*

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^roM ^

amcrika
dienet

Herausgeber. U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
5. Januar 1994

CLINTON-BILANZ

CLINTON HAT 1993 BEEINDRUCKENDE
GESETZE ERLASSEN
Bilanz der Tagesordnung und
Zielsetzungen des Präsidenten

VEREINTE NATIONEN

USA ERFREUT ÜBER VON DEN
VEREINTEN NATIONEN ERZIELTE
FORTSCHRITTE
Rückblick auf 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN AMERIKANISCHE POLITIK
KONZENTRIERT SICH GLEICHZEITIG
AUF EUROPA UND DEN PAZIFISCHEN RAUM
Interview mit John Shalikashvili

PORTRAT

RUSSLAND-EXPERTE UND ENGER FREUND
DES PRÄSIDENTEN SOLL NEUER
STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER
WERDEN
Porträt von Strobe Talbott

US-MI LITAR

HILFESTELLUNG IN DER ÜBERGANGSZEIT
von Don Ward

LITERATUR

DER "TYPISCHE AMERIKANER"
Interview mit der Autorin Gish Jen

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�CLINTON-BILANZ
5. Januar 1994

CLINTON HAT 1993 BEEINDRUCKENDE
GESETZE ERLASSEN
Bilanz der Tagesordnung und Zielsetzungen des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Während seines ersten Jahres im Weißen Haus hat Präsident Clinton eine Reihe
bahnbrechender Gesetze erlassen, obwohl weder die
Medien noch die Öffentlichkeit die ihm seiner Ansicht
nach gebührende Anerkennung gezollt haben.
Clinton kann 1993 auf eine Leistungsbilanz seiner
Präsidentschaft zurückblicken, die in den letzten Jahrzehnten ihresgleichen sucht. Seine Initiativen führten
zu weiteren Fortschritten bei der Einkommensteuer,
niedrigen Zinssätzen, Kürzungen beim Zuwachs der
Bundesausgaben und zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen im Privatsektor innerhalb von zehn Monaten als während der vergangenen vier Jahre zusammengenommen.
Clinton artikulierte seine Vision eines neuen Wohlstands, der durch die mit zunehmendem Welthandel
einhergehende Schaffung von Arbeitsplätzen genährt
wird. Mit Appellen seinerseits, Präsidalerlassen oder
indem er dem Kongreß die Zustimmung zu den Gesetzesvorlagen abrang, scheint Clinton den Grundstein für ein neues Zeitalter amerikanischer Wettbewerbsfähigkeit gelegt zu haben.
Auf dem Weg dorthin hat Clinton - der es angeblich
allen recht machen will - dennoch viele der Lobbyisten
irritiert, die ihm beim Wahlkampf geholfen hatten, und
die Gewerkschaften mit seinem vehementen Drängen
auf das Nordamerikanische Freihandelsabkommen
(North American Free Trade Agreement - NAFTA)
ebenso verärgert wie sogenannte gemäßigte Demokraten mit seinem Vorschlag für die Gesundheitsreform sowie die Bürgerrechtler, indem er von einem
umstrittenen Kandidaten für die Schlüsselposition im
Justizministerium für Bürgerrechtsfragen Abstand nahm.
Der Präsident stellte jedoch auch Frauengruppen durch
die Liberalisierung der Vorschriften für Schwangerschaftsabbruch, die bürgerlich Gesinnten durch die

AMERIKA DIENST 1

Aufhebung einiger Beschränkungen für die Wählerregistrierung und Umweltschützer durch die Unterzeichnung des Gesetzes zur Erhaltung der Natur zufrieden.
Mit objektiven Maßstäben und zweifelsohne anhand
derer der letzten zwei Jahrzehnte hat der Präsident
umfassende Veränderungen bewirkt.
Er hat die Aktenschränke mit allen festgefahrenen
liberalen Gesetzen buchstäblich leergefegt - mit Ausnahme eines Gesetzes, das den Unternehmern den
Ersatz von Arbeitskräften während eines Streiks verbietet - und versprochen, auf die Verabschiedung
dieses Gesetzes im kommenden Jahr hinzuarbeiten.
Der Präsident unterzeichnete Präsidialerlasse, mit denen
das Verbot von medizinischer Beratung bei Schwangerschaftsabbruch aufgehoben wurde sowie für die
Wiedereinführung der Verwendung von fetalem Gewebe in der Forschung zu Heilverfahren für die Parkinsonsche oder Alzheimersche Krankheit. Er verlieh von
vorherigen Präsidenten abgelehnten Maßnahmen durch
seine Unterschrift Gesetzeskraft, einschließlich der
Brady-Gesetzesvorlage, die Bestimmungen für den
Kauf von Handfeuerwaffen verschärft, den Zusatzartikeln zum Hatch-Gesetz, das Bundesbediensteten eine
aktivere Beteiligung an der Parteipolitik gestattet sowie
weiteren Gesetzen, mit denen die Registrierung von
Wählern erleichtert wird und Arbeitnehmern Urlaubstage aus familiären Gründen ohne Sorge um ihren
Arbeitsplatz gewährt werden.
Der Präsident erhob seine im Wahlkampf gegebenen
Versprechen zu Gesetzen, Ausbildungskredite kostengünstiger zu gestalten, Collegestudenten die
Zahlung von Studiengebühren im Austausch für einen
nationalen Sozialdienst als Polizist, Arzt oder Krankenschwester zu ermöglichen, die Einkommensteuer
für die wohlhabendsten amerikanischen Privatpersonen und Unternehmen zu erhöhen und Richtlinien für
die Modernisierung der Regierung aufzustellen.

Seite 1

�Die beiden herausragendsten Siege waren jedoch der
Erfolg des Präsidenten beim Gesetz zum Abbau des
enormen Haushaltsdefizits des Landes - dank dem
dieses in den nächsten fünf Jahren hoffentlich um
500 Milliarden Dollar verringert werden soll - und dem
Gesetz zur Umsetzung des NAFTA, das bei seiner
vollständigen Verwirklichung eine Freihandelszone von
Alaska bis zur Südgrenze Mexikos schaffen soll.

tiver als ursprünglich angestrebten Politik sind. Andere Kritiker verweisen darauf, daß es Clinton nicht
gelungen sei, ein wirksames Mittel gegen die Verschleppungstaktik der Republikaner im Senat zu finden, die sein Paket wirtschaftlicher Anreize scheitern
ließ.

Beim ersten Sieg hatte er die überwiegende Zustimmung seiner Partei und die kleinstmögliche Mehrheit
von einer Stimme. Den zweiten errang er, indem er
sich einer Vielzahl von Gegnern stellte - dem Unabhängigen Ross Perot, vielen Gewerkschaftsmitgliedern,
die seine Wahl unterstützt hatten, zahlreichen Kritikern
aus der eigenen Partei und sogar einigen ihrer führenden Kongreßabgeordneten. Der Sieg gelang ihm
durch den Aufbau einer wirksamen, überparteilichen
Koalition aller, die überzeugt werden konnten, und zur
Überraschung der meisten Politiker und Politologen
mit einigen überzähligen Stimmen.

Einigen Amerikanern gehen diese Veränderungen nicht
schnell genug vonstatten. Und vielen scheint, daß die
Beurteilung der Ereignisse nicht mit der Realität übereinstimmt.
Einer für Time Magazine und CNN durchgeführten
Umfrage zufolge waren 48 Prozent der Befragten der
Ansicht, der Kongreß habe sich 1993 in einer ebensolchen "Pattsituation" befunden wie 1992, und lediglich
43 Prozent sahen Fortschritte während des Jahres
1993 bei der Überwindung der festgefahrenen Parteiensituation.

Im Rückblick auf die 1993 von ihm erzielten Leistungen
erklärte Clinton in einem kürzlich durchgeführten InterEine ähnliche überparteiliche Koalition unterstützte view der Zeitschrift Rolling Stone, ihm sei von den
Clinton bei der Frage der finanziellen Unterstützung für Medien und folglich auch von der Öffentlichkeit keine
Rußland und die anderen Nachfolgestaaten der ehe- Anerkennung für die Dinge gezollt worden, die er für
maligen Sowjetunion. Obwohl dieses Thema nicht so die Amerikaner getan habe.
umstritten wie das NAFTA war, mußte Clinton den
Andere stimmen dem zu. "Die Tatsache, daß dieser
Kongreß - zu einer Zeit, in der die Abgeordneten ihre
Kongreß sehr produktiv war, gehört in unserem Land
Zustimmung zur Unterstützung der Amerikaner verzu den am besten gehüteten Geheimnissen", erklärte
weigerten - von der Notwendigkeit überzeugen, zwei
Senator John Breaux im Congressional Quarterly.
Milliarden Dollar an Steuergeldern für die Hilfe an
"Die Menschen glauben immer noch, der Kongreß
Rußland beim Übergang zur Demokratie aufzuwenleiste nichts."
den.
Auch in akademischen Kreisen ist man der Ansicht,
Der Kongreß wies einen der schwierigsten Vorschläge daß die Partnerschaft Clintons mit dem Kongreß nicht
des Präsidenten für eine Veränderung zurück, wobei genügend artikuliert wird. "Es ist keine Frage, daß
die Verschleppungstaktik des Senats Clintons Plan dieser Kongreß sehr aktiv und äußerst produktiv war,
zur Ankurbelung der amerikanischen Wirtschaft durch ob einem die erzielten Ergebnisse gefallen oder nicht",
höhere Aufwendungen für die Schaffung von Arbeits- so Roger Davidson, Politologe an der University of
plätzen selbst angesichts des anwachsenden Haus- Maryland.
haltsdefizits scheitern ließ. Dieses Experiment mußte
verschoben werden, um die Annahme anderer Be- Es wäre vielleicht zu euphorisch, die aus der ersten
schränkungen der Staatsausgaben zu erlangen.
Sitzungsperiode des 103. Kongresses gezogene Bilanz mit den Kongressen der "Great Society" unter
Von einigen Kritikern wird behauptet, Clinton sei zu Präsident Lyndon Johnson zur vergleichen - wie dies
kompromißbereit gewesen und hätte Einzelheiten seines einige führende Politiker der Demokraten getan haben
ursprünglichen Konzepts geopfert, um im Kongreß - Analysten behaupten jedoch, daß es in Washington
Stimmen zu gewinnen. Im Hinblick auf seinen Einsatz kein so produktives erstes Amtsjahr eines Präsidenten
für das Recht Homosexueller, im Militär zu dienen, oder Kongresses gegeben habe, seit Johnson 1969
stellen sie beispielsweise fest, wie verschieden Clin- das Amt verließ.
tons im Wahlkampf gemachte Versprechungen zu
diesem strittigen Thema von seiner letztlich viel restrik-

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AMERIKA DIENST 1

�VEREINTE

NATIONEN
5. Januar 1994

USA ERFREUT ÜBER VON DEN
VEREINTEN NATIONEN ERZIELTE FORTSCHRITTE
Rückblick auf 1993

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sind
erfreut über die im letzten Jahr von den Vereinten
Nationen bei der Durchführung interner Reformen und
dem Umgang mit internationalen Problemen erzielten
Fortschritte.
Der führende UNO-Experte im US-Außenministerium,
Douglas Bennet, Abteilungsleiter für internationale
Organisationen, umriß am 23. Dezember 1993 die
Haftung der Vereinigten Staaten.
Obwohl 1993 "ein von sichtbaren Erfolgen und Fehlschlägen im Bereich der Friedenssicherung gekennzeichnetes Jahr" war, so Bennet, wurde anderen Aktionen der UNO, die zu "einigen substantiellen Fortschritten" führten, wenig Aufmerksamkeit zuteil. Diese
Fortschritte wurden u.a. durch eine Änderung der
amerikanischen Politik möglich, sind aber "teilweise
auf eine grundlegende Änderung des internationalen
Klimas" zurückzuführen.
Präsident Clinton erklärte im September 1993 in seiner
Rede vorder UN-Generalversammlung, die Vereinten
Nationen müßten ihre Funktionsweise neu erfinden.
"Offensichtlich wird eine Anzahl lebensfähiger UNInstitutionen eine viel besser funktionierende Nachbarschaft schaffen", erklärte Bennet, "und wir sind der
Ansicht, daß hierbei wichtige Fortschritte erzielt wurden."
Im letzten Sommer stellten die Vereinigten Staaten
auch eine Liste mit den wichtigsten Zielen der UNGeneralversammlung für ihre Sitzungsperiode im Herbst
auf, die von größerer Rechenschaftspflicht des UNSystems zu Haushaltsfragen und von Menschenrechtsproblemen zu einer veränderten Schubkraft der UNResolutionen über den Nahen Osten reichten. Der
neue Haushalt der UNO sieht keine Ausgabensteigerung und eine bedeutende Umverteilung der Fonds für
Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten vor,

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was ihm zufolge Prioritäten der Vereinigten Staaten
sind.
Eines der jüngsten und sichtbarsten Ergebnisse der
amerikanischen Führungsrolle in der Weltorganisation
ist ihm zufolge die Einrichtung des Amts eines UNHochkommissars für Menschenrechte - eine von den
Vereinigten Staaten seit Ende der vierziger Jahre
gestellte Forderung. Der Hochkommissar wird ein
Streiter für die Menschenrechte sein, auf die Verhinderung von Menschenrechtsverletzungen hinarbeiten und
den Versuch zum Beginn eines Dialogs mit den Regierungen unternehmen, die Probleme mit den Menschenrechten haben.
Bennet führte drei "ziemlich bedeutende" Errungenschaften der Generalversammlung im Rüstungskontrollbereich an - Resolutionen, die den Abschlu ß eines
umfassenden Vertrags über das Verbot von Atomtests
fordern, die Produktion von spaltbarem Material für
Waffen verbieten und ein Moratorium für den Export
von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen beantragen. Er begrüßte auch die Unterstützungserklärung
der Generalversammlung für den Friedensprozeß im
Nahen Osten.
Anfang 1993 schuf UN-Generalsekretär Boutros-Ghali
einen Posten mit dem Mandat zur Erfüllung der Aufgaben eines Generalinspekteurs. Dieses Konzept wurde
von der Generalversammlung begrüßt. "Es bleibt
noch mehr zu tun... aber wir sind der Ansicht, daß wir
dieses Jahr hierbei mehr Fortschritte gemacht haben
als erwartet", so Bennet.
Im UN-Sicherheitsrat übten die Vereinigten Staaten
ihm zufolge einen wichtigen Einfluß auf die Beibehaltung der Wirtschaftssanktionen gegen Irak und Libyen
aus.
Bennet wies auch auf die "viel nüchternere Einschätzung" des Sicherheitsrates bei der Erwägung neuer

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�friedenssichemder Operationen hin. "Unser Ansatz
war die Entwicklung von Leitlinien, politischen Maßnahmen, Praktiken, Erfahrungen und Einschätzungen, die uns eine disziplinierte Untersuchung jeder
dieser neuen Situationen erlaubt hätte", erklärte er.
Auf die Frage, ob der Schwerpunkt von der Friedenssicherung auf die Friedensschaffung verlegt werde,
räumte Bennet ein, "diese Unterscheidungen seien es
wert, diskutiert zu werden", aber schwer vorzunehmen. "Die internationale Staatengemeinschaft muß
sich auf eine Vielzahl von friedenssichernden Aktivitäten vorbereiten", ließ er wissen.
"Sie muß in den Bereichen präventive Diplomatie und
Konfliktverhütung viel bessere Arbeit leisten", äußerte
er. "Die Frühwarnsysteme müssen besser funktionieren. Die diplomatischen Interventionen müssen viel
subtiler sein als bisher."

Ihm zufolge sind die meisten Länder der Ansicht, daß
die Bestrebungen zur Erweiterung des Sicherheitsrates zu einer Zahl von nicht viel mehr als zwanzig
Mitgliedern führen werden. "Den Vereinigten Staaten
liegt keine Zahl vor, und es bleibt zu sehen, wo sie
liegen wird. Aber alles darüber Hinausgehende wäre
zu groß", betonte Bennet.
Auf die Frage nach der Wirksamkeit der U NO-Sanktionen antwortete er; "Wir wissen aus Erfahrung, daß
Sanktionen alleine in der Regel nicht zur schnellen
Änderung einer Politik führen, mit der Zeit kann das
jedoch - wie in Südafrika - der Fall werden.
"Sanktionen sind ein stumpfes Instrument. Sie ziehen
Bevölkerungen in Mitleidenschaft, bei denen das gar
nicht wünschenswert ist. Sie liefern manchen Regierungen eine Entschuldigung für die Fortsetzung unerwünschter Verhaltensweisen."

Er verlieh der Hoffnung der Vereinigten Staaten Ausdruck, daß ihr Anteil an der Friedenssicherung von
über 30 Prozent auf ungefähr 25 Prozent gesenkt
werde, "was unserem Anteil am Haushalt entspricht".
Die derzeitige Veranlagungsformel stammt aus dem
Jahr 1974.

Bennet zufolge erwarten die Vereinigten Staaten, daß
die Einsetzung eines Kriegsverbrechertribunals zur
Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen im
ehemaligen Jugoslawien zu "einer ernsthaften Strafverfolgung" führt. Der Staatsanwalt des Tribunals soll
seine Arbeit im Februar aufnehmen. "Das Tribunal
wurde lange Zeit nach der Verübung der Verbrechen
Sollten Japan u nd Deutschland wie erwartet M rtglieder eingesetzt, und die Beweisführung wird in einigen
des Sicherheitsrates werden, würde sich diese Veran- Fällen sehr schwierig sein. Das ist das größte Prolagung ändern. "Meines Erachtens ist es für die blem, dem wir uns gegenübersehen", so Bennet.
Institution Vereinte Nationen von Nachteil, zu mehr als
25 Prozent von einem einzigen Land abhängig zu sein, Er bezeichnete die Beziehungen der Vereinigten Staaund das war auch das wichtigste Grundprinzip bei der ten zu Generalsekretär Boutros-Ghali als "ausgezeichFestsetzung anderer Höchstsätze", so Bennet.
net" und stellte fest: "Wir unterhalten sehr gute Beziehungen zu ihm; das ist nicht immer einfach, aber
Die Generalversammlung setzte eine Arbeitsgruppe äußerst konstruktiv." Boutros-Ghali sei amerikanizur Oberprüfung der Frage einer Erweiterung des Si- schen Ansichten gegenüber "extrem aufgeschlossen"
cherheitsrats ein. "Unserer Meinung nach ist es für gewesen." Er stimmte nicht immer mit ihnen überein,
den Sicherheitsrat von großer Bedeutung, seine Effi- aber ich könnte mich nicht erinnern, daß auch nur ein
zienz beizubehalten", so Bennet. "Er darf nicht zu groß einziges Mal eine von den Vereinigten Staaten geäusein, damit er seine Arbeitslast bewältigen kann."
ßerte Meinung unberücksichtigt gelassen oder ungeprüft verworfen worden wäre."

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�PARTNERSCHAFT

FÜR

FRIEDEN
5. Januar 1994

AMERIKANISCHE POLITIK KONZENTRIERT SICH
GLEICHZEITIG AUF EUROPA UND DEN
PAZIFISCHEN RAUM
Interview mit John Shalikashvili
WASHINGTON - (AD) - Dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, General John Shalikashvili, zufolge
hat die amerikanische Politik eine zweifache Ausrichtung: Den pazifischen Raum und Europa.
Der hochrangige Vertreter des amerikanischen Militärs teilte am 3. Januar 1994 im Programm WorldNet
Dialogue des US-Informationsamts (USIA) mit, Präsident Clinton arbeite an "pazifischen Übereinkünften",
die jedoch nicht vom tiefverwurzelten Interesse der
Vereinigten Staaten "an der Sicherheit und Stabilität
Europas" ablenken würden.
"Es handelt sich hier nicht um zwei widersprüchliche
Ideen", ließ der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs die Journalisten aus Bonn, Paris, Prag und
Warschau wissen. Als Weltmacht hätten die Vereinigten Staaten "die Fähigkeit, sich mit derselben Energie
zwei Regionen der Welt" gleichzeitig zu widmen.
Der für den 10. Januar in Brüssel anberaumte NATOGipfel wird ihm zufolge den Vereinigten Staaten die
Gelegenheit zur Bekräftigung ihrer Absicht geben,
"ihre Präsenz in Europa beizubehalten", und Präsident
Clinton werde das bei den anderen Staats- und Regierungschefs nochmals betonen. Shalikashvili erklärte,
der Präsident werde in Brüssel auf die "zentrale Bedeutung" des Bündnisses für die transatlantische Sicherheit hinweisen und unterstreichen, daß Frieden
und Stabilität in Mittel- und Osteuropa am meisten
gedient ist, "wenn keine neuen Divisionen aufgestellt
werden".
Die Präsenz von 100.000 amerikanischen Soldaten in
Europa, einschließlich zweier Divisionen und dreier
Gegenstücke zu taktischen Jagdgeschwadern der USLuftwaffe bis zum Ende des Haushaltsjahres 1996, sei
"die richtige Anzahl". Dazu soll eine ausreichende Zahl
an der Küste stationierter Seestreitkräfte zur Unterstützung eines Trägerverbands sowie einer amphibischen Landungsgruppe im Mittelmeer gehören. Der
General wies jedoch auch darauf hin, daß sich die
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Vereinigten Staaten das Recht vorbehalten, die sicherheitspolitische Lage in Europa jedes Jahr neu zu
bewerten, um festzustellen, ob sie diesen schrittweisen Abbau auf ungefähr 100.000 Soldaten verlangsamen oder beenden sollen.
Das vorgeschlagene Programm Partnerschaft für
Frieden geht dem Vorsitzenden der Vereinigten
Stabschefs zufolge wirksam und gleichzeitig alle Moskau,
Warschau, Budapest und Prag betreffenden Probleme an. Die Partnerschaft für Frieden baue Hindemisse ab und sei für den transatlantischen Raum von
Vorteil, erklärte er. Sie werde die beteiligten Militärs
durch gemeinsame Übungen, Planung und Operationen einander näherbringen und die Gelegenheit zur
Beseitigung von Problemen im Bereich der Transparenz bieten.
Im Hinblick auf einen angemessenen Zeitrahmen für
das Programm erklärte Shalikashvili, "es obliegt den
Ländern Mittel- und Osteuropas, das Tempo der zu
erzielenden Fortschritte zu bestimmen". Er sehe keinen Grund, warum das Programm Partnerschaft für
Frieden nicht bereits Anfang 1994 "erste positive
Ergebnisse" zeitigen sollte. Obwohl die Teilnahme an
dem Programm "nicht gleichbedeutend" mit einer
künftigen NATO-Mitgliedschatt sei, befänden sich die
Staaten "in einer besseren Position", zu einem früheren Zeitpunkt ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.
In bezug auf die jüngsten Wahlen in Rußland unterstrich Shalikashvili, in der Wahlberichterstattung sei
anfänglich die Zustimmung der Wähler zu dem nationalistischen Wladimir Schirinowskij übertrieben dargestellt worden. Das Abschneiden Schirinowskijs sollte
"nicht den von uns bei unseren Beziehungen zu den
östlichen Ländern eingeschlagenen Kurs ändern".
Dem General zufolge sollten die Wahlergebnisse für
die reformistischen und demokratischen Kräfte in
Rußland einen "Aufruf zum Handeln" darstellen, ihre
Seite 1

�Bemühungen um die Gewährleistung eines korrekten
Ablaufs des Reformprozesses zu verstärken und die
Zweifler "möglichst bald davon zu überzeugen, daß
Reformen zur Zeit das beste Heilmittel in Rußland
sind".
Es sei wichtig, den Reformkräften, die "Rußland zu
gestärkten demokratischen Institutionen und einer
Marktwirtschaft hinführen", die größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Shalikashvili geht davon aus, daß die Vereinigten
Staaten und Rußland im neuen Jahr "auf niedriger
Ebene" militärische Übungen durchführen werden.
Der Abbau der Mauern zwischen den Militärs beider
Länder sollte ihm zufolge zur Unterstützung der russischen Reformkräfte führen. Der General bezeichnete
es auch als wichtig, daß Rußland "bei den friedenssichernden Operationen (der UNO) ein vollwertiger
Partner" wird.

zahlen bereit oder in der Lage seien. Fortgesetzte
humanitäre Hilfsbestrebungen "retteten Hunderttausende von Menschenleben" und Sanktionen "haben
auf Serbien bedeutende Auswirkungen gehabt". Sollten sich die drei Kriegsparteien in Bosnien auf einen
Friedensplan verständigen, so Shalikashvili, könnten
die Streitkräfte zu seiner Umsetzung eingesetzt werden.
Zum Thema Somalia ließ der General wissen, der für
den 31. März geplante Abzug amerikanischer Truppen
verfolge das Ziel, "den Vereinten Nationen und den
verbleibenden Ländern die größte Chance" für die
Fortsetzung humanitärer, friedenssichernder und friedensschaffender Operationen zu geben.
Trotz des Verdachts einer von Nordkorea ausgehenden atomaren Bedrohung verfolgten die Vereinigten
Staaten 'Veine besonderen Pläne", ihre Arsenale
konventioneller Waffen in Südkorea zu verstärken.

Nach dem NATO-Gipfel wird Präsident Clinton nach Auf Fragen zur Rüstungskontrolle erklärte der GenePrag reisen, "um die Bedeutung zu unterstreichen, die ral, die gesetzten Fristen lägen zwar noch in weiter
er den Staaten Mitteleuropas beimißt".
Feme, es sei aber dennoch von Bedeutung, "unsere
Anstrengungen zu verdoppeln, um zu gewährleisten",
Zur Situation in Bosnien-Herzegowina äußerte der daß diese atomaren Gefechtsköpfe "so schnell und
General, für die Bosnien-Frage gebe es keine militäri- sicher wie möglich abgebaut werden", wie im STARTsche Lösung zu einem Preis, den die Nationen zu Il-Vertrag vorgesehen.
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AMERIKA DIENST 1

�PORTRAT
5. Januar 1994

RUSSLAND-EXPERTE UND ENGER FREUND
DES PRÄSIDENTEN SOLL NEUER
STELLVERTRETENDER AUSSENMINISTER WERDEN
Porträt von Strobe Talbott
Am 28. Dezember 1993 gab US-Au ßenminister Christopher bekannt, er habe Botschafter Strobe Talbott für das
Amt seines nächsten Stellvertreters ausgewählt und bezeichnete ihn als "begnadeten Strategen und Manager".

Auf einer Pressekonferenz in Los Angeles teilte der Außenminister mit, er habe Talbott für die zweithöchste
Position in seinem Ministerium vorgeschlagen und Präsident Clinton habe der Nominierung zugestimmt, die jetzt
noch der Bestätigung des Senats bedarf.

Strobe Talbott war früher als Journalist tätig und spielte
eine Schlüsselrolle bei der Konzeption der RußlandPolitik der Administration zur Unterstützung des russischen Präsidenten Boris Jelzin.
Der 47jährige Talbott, langjähriger Freund Bill Clintons
sowie ehemals Chef vom Dienst und Kolumnist des
Time Magazine, ist der führende Experte des Präsidenten für die Politik gegenüber Rußland und den
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion sowie ein unbeirrbarer Befürworter der Reformbewegung in diesen Republiken.
Talbott, der sich in drei Jahrzehnten durch seine
Kommentare zu außenpolitischen Fragen einen Namen
gemacht hat und fließend Russisch spricht, wurde am
2. April 1993 zum Außerordentlichen und Bevollmächtigten Botschafterund Sonderberater des Außenministers fürdie neuen unabhängigen Staaten derfrüheren
Sowjetunion ernannt.
Er soll eine wichtige Rolle beim Entwurf des auf dem
Treffen in Vancouver zwischen Präsident Clinton und
Präsident Jelzin bekanntgegebenen amerikanischen
Hilfspakets für Rußland gespielt haben sowie bei dem
später auf dem Tokioter Gipfel der führenden Industrienationen angekündigten internationalen Hilfspaket.
Talbott ist ein enger Vertrauter von Außenminister
Christopher und kennt den Präsidenten seit der Zeit,
AMERIKA DIENST 1

als Clinton und er vor 25 Jahren als Rhodes-Stipendiaten an der Oxford University ein Zimmer teilten. Seitdem sind sie befreundet, und wenn Clinton als Gouverneur von Arkansas nach Washington reiste, wohnte er
oft bei Talbott.
Bei seiner Anhörung vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Senats im März 1993 hatte Talbott erklärt, er hätte
einen Großteil der vergangenen 30 Jahre mit dem
Versuch verbracht, Rußland und die anderen Republiken der früheren Sowjetunion zu verstehen. Talbott,
der an der Hotchkiss School, einer weiterführenden
Privatschule in Connecticut, Russisch gelernt und an
den Universitäten von Yale und Oxford russische
Literatur studiert hat, erwarb seinen Ruf als Sowjetunion-Experte, als er die mündlich Überlieferten Memoiren des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Nikita
Chruschtschow übersetzte und veröffentlichte (Khrushchev Remembers, 1970 und Khrushchev Remem
bers: The Last Testament, 1974).
Am 23. März 1993 äußerte Talbott vor dem Senatsausschuß: "Ich werde zwar erstmals im Dienst derRegierung arbeiten, der Gegenstand meiner Arbeit ist
jedoch ein Thema, dem ich bereits einen Großteil
meines Lebens gewidmet habe."
In der Vergangenheit wurde ihm zufolge die nationale
sicherheitspolitische Rechtfertigung amerikanischer
Ru Bland hilf e vorwiegend negativ formuliert: "Hilfe für
Rußland, damit es nicht explodiert und uns dabei in
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�Mitleidenschaft zieht; Hilfe für Rußland, damit es nicht resultierenden Härten für die russischen Bürger zu
das Rad der Geschichte wieder zurückdreht."
mildern. Anstelle einer "Schocktherapie", die nach
Meinung mancher zur Umwandlung der ehemaligen
"Ich würde jedoch behaupten, daß unsere Ziele und Planwirtschaft erforderlich sei, wird Talbott zufolge das
unsere Politik positiver sein können und sollten. Mit neue Ziel "weniger Schock und mehr Therapie für das
anderen Worten: Die amerikanische Politik sollte nicht russische Volk sein. Das ist kurz zusammengefaßt
nur auf die Verhinderung des Schlimmsten abzielen, das Ziel unserer Bemühungen...".
sondern auch auf die Förderung des Besten, das in der
ehemaligen Sowjetunion geschehen könnte. Das betrifft Talbott machte an der Yale University seinen Aballe Nachfolgestaaten, nicht nur Rußland... Sie haben schluß als Bachelor of Arts und Master of Arts. Er
mit ihrer Vergangenheit gebrochen und gestalten ihre erhielt außerdem von der Oxford University einen
Zukunft neu. Wir werden ihnen dabei helfen."
Master in Literaturwissenschaft sowie die Ehrendoktorwürde des Monterey Institute of Strategie Studies.
Talbott unterstrich anschließend die Unterstützung
der Vereinigten Staaten für "die Reformen und die Talbott hat seit 1974 die Rüstungskontrollgespräche
Reformer, seien sie politisch in der Offensive oder der genau verfolgt, Rußland, China, den Nahen Osten,
Defensive, seien ihre Vertreter im Kreml, im Parlament Kuba und Iran bereist und ausführlich über diese
oder im Herzen des Landes." Er fügte hinzu: Während Länder berichtet. Bevor er dem Außenministerium
Rußland und die anderen unabhängigen Staaten ihren beitrat, umfaßte seine Arbeit für das Time Magazine
heroischen Übergang vom Kommunismus zur Demo- auch Tätigkeiten als diplomatischer Korrespondent,
kratie durchlaufen, müssen wir unsere eigene Über- Berichterstatter des Außenministeriums und des Weißen
gangszeit durchleben - von der Führungsmacht einer Hauses, Osteuropa-Korrespondent, Chef vom Dienst
gegen die Sowjetunion gerichteten Koalition zum in Washington, Herausgeber und außenpolitischer
Anführer einer strategischen Allianz mit den Nachfol- Kolumnist.
gestaaten der Sowjetunion."
Seine Werke über Rüstungskontrolle und die amerikaAuf einer Pressekonferenz nach den jüngsten Ruß- nisch-russischen Beziehungen umfassen unter
landwahlen, die der Partei des ultranationalistischen anderem: At the Highest Levels: The Inside Story
Wladimir Schirinowskij eine erstaunlich große Unter- of the End of the Cold War (Auf höchster Ebene: Das
stützung brachten, betonte Talbott nochmals, daß die Ende des Karten Krieges und die Geheimdiplomatie
Administration ihre Unterstützung der russischen der Supermächte 1989-91; dt. 1993, zusammen mit
Reformen nicht einstellen werde und es keine Anzei- Michael Beschloss), The Master of the Game: Paul
chen dafür gebe, daß das russische Volk das getan Nitze and the Nuclear Peace, Reagan and Gorbahabe.
chev (zusammen mit Michael Mandelbaum), Deadly
Gambits: The Reagan Administration and the
"Das sollte uns eine Lehre sein", fuhr er fort, "daß wir Stalemate in Nuclear Arms Control (Raketenschach,
unsere eigenen nationalen Interessen an einer Förde- dt. 1984) sowie Endgame: The Inside Story of SALT
rung der Reformkräfte stärker im Auge behalten soll- Two.
ten, die auch im neuen Parlament und ganz gewiß in
der Jelzin-Regierung ziemlich mächtig sein werden." Für seine Berichterstattung erhielt Talbott 1980 und
1985 den Edward Weintal-Preis für hervorragende
Talbott gab auch bekannt, die Administration werde diplomatische Berichterstattung sowie 1979, 1981,
mehr Zurückhaltung bei ihrem Drängen auf schnelle 1987 und 1988 Auszeichnungen des Overseas Press
Wirtschaftsreformen in Rußland zeigen, um die daraus Club.
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AMERIKA DIENST 1

�US-MILITAR
5. Januar 1994

HILFESTELLUNG IN DER ÜBERGANGSZEIT
von Don Ward
Zu einer Zeit, in der amerikanische Militäreinrichtungen in den gesamten Vereinigten Staaten abgebaut oder
geschlossen werden, ergreifen Verantwortliche dieser Stützpunkte und anderer Anlagen die Initiative bei der
Karriereplanung für die Tausenden von Militär- und Zivilangestellten, die entlassen oder entwurzelt werden. Der
nachfolgende Artikel beschreibt diese Stellenvermittlung. Sein Verfasser, Don Ward, ist Journalist bei der Navy
Times.
Veröffentlichung und Übersetzung mit freundlicher Genehmigung von Government Executive, Mai 1993.
Copyright (c) 1993 National Journal, Inc. Alle Rechte vorbehalten.

Alyce El gehört zu den 8.700 Angestellten der Marineschiffswerft und dem Marinestützpunkt von Philadelphia, die durch die 1995 geplante Schließung dieses
Stützpunktes ihren Arbeitsplatz verlieren.
Die 24jährige Mitarbeiterin des Personalbüros wartet
mit ihrer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aber
nicht bis zu ihrer Entlassung. El nutzt das besondere,
auf dem Stützpunkt errichtete sogenannte Übergangszentrum, um ihre Fähigkeiten zu bewerten und neue
Karrieremöglichkeiten zu erkunden.
Das Übergangszentrum von Philadelphia wurde im
März 1993 eröffnet, um Zivilangestellten des USMilitärs bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen in
Regierungsbehörden oder der Privatwirtschaft behilflich zu sein. Durch seine dem neuesten Stand der
Technik entsprechenden Computer, zahlreichen Softwareprogramme und sein Korps von Schiffswerftmanagem, die auch eine Beraterfunktion einnehmen,
gehört es zu den am besten ausgerüsteten Zentren
seiner Art. Die angebotenen Dienste sollen den Zivilangestellten bei der Beurteilung ihrer Fähigkeiten, der
Vorbereitung aussagekräftiger Lebensläufe und der
Bewerbung um staatliche Stellen helfen.
In einigen Fällen stehen den Arbeitnehmern, die sich
zu einem Berufswechsel entschlossen haben, Umschulungsprogramme zur Verfügung. Arbeitsplatzmessen und -clubs sind ebenfalls geplant.
"Ich fand das Zentrum außerordentlich hilfreich, um
meine Arbeitsplatzsuche zu organisieren und zu sehen, welche Qualifikationen ich hierzu vorweisen muß",
so El. "Die Berater haben mir geholfen, meinen
Lebenslauf noch ansprechender zu gestalten. Und sie

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haben mich auf Fähigkeiten hingewiesen, von denen
ich gar nicht wußte, daß ich sie besitze."
Philadelphia ist nur einer von zahlreichen Militärstützpunkten, auf denen die Hilfe für Zivilangestellte bei der
Suche nach einem neuen Arbeitsplatz nahezu eine
nationale Freizeitbeschäftigung geworden ist. Vor
mehreren Jahren begann das Verteidigungsministerium mit der Bereitstellung einer ähnlichen Übergangshilfe für Zivil- und Militärangestellte durch Familienunterstützung sowie Büros für ehemalige Angestellte auf
den Stützpunkten. Die jüngsten Stützpunktschließungen und der derzeitige Streitkräfteabbau erfordern
jedoch eine Verstärkung dieser Bemühungen. (Ende
Juni 1993 empfahl der Ausschuß für die Schließung
und Neuorientierung der Militärstützpunkte die Schließung oder Verkleinerung von ungefähr 30 großen
Militäreinrichtungen und einer Vielzahl kleinerer Stützpunkte, was zur Entlassung oder Entwurzelung von
mehr als 125.000 Zivil- und Militärangestellten führte.
Der unabhängige Ausschuß handelte im Einklang mit
seinem Mandat gemäß einem 1990 vom Kongreß
entwickelten Verfahren, um einengerechten, unparteiischen, öffentlichen Entscheidungsprozeß über die
Stützpunktschlie ßung sieherzustellen).
Als Folge davon riefen Mitarbeiter verschiedener Stützpunkte mit eigenen Geldmitteln auf eigene Faust von
der Basis ausgehende Übergangshilfeprogramme ins
Leben, von denen jedes auf die besonderen Bedürfnisse der Stützpunktmitarbeiter zugeschnitten ist.
"Es gibt hier alle möglichen Sonderprogramme", erklärt Ellen Tunstall, Programmanagerin für Unterstützungsberechtigung des Abteilungsleiters für Personalpolitik für Zivilangestellte im Verteidigungsministerium.
Seite 1

�"Auf den Stützpunkten hat man sich wirklich etwas
einfallen lassen. Sie haben mit dem Arbeitsministerium und Beschäftigungsausschüssen zusammengearbeitet. Außerhalb des Ministeriums gab es allgemeine
Anleitung, und einige Einrichtungen erhielten Unterstützung in Form von Geldern oder Programmen, aber
ein Großteil der Aktionen war wirklich innovativ und
ging von der Basis aus. Und das ist das Verdienst der
Manager und Angestellten dort."
Im März 1992 eröffneten zivile Angehörige des Personalbüros im Armeedepot von Sacramento (Kalifornien) ein Zentrum, das dem in Philadelphia ähnelt,
jedoch kleiner ist, nachdem dieser Militärstützpunkt
1991 auf die Liste der zu schließenden Einrichtungen
gesetzt wurde. Der stellvertretenden Zentrumsleiterin
Mary Romero zufolge soll es 6.500 Zivil- und Militärangestellten sowie ihren Familien behilflich sein. Bisher
hat das Zentrum nahezu 70 Mitarbeitern des Armeedepots eine neue Anstellung verschafft. Das Depot,
dessen Schließung für 1997 geplant ist, ist auf die
Reparatur von Radaranlagen und Telekommunikationseinrichtungen spezialisiert.
Im Juli 1991 begannen Beamte des Luftwaffenstützpunktes Mather nahe Sacramento, dessen Schließung im Rahmen des Verfahrens von 1988 ins Auge
gefaßt wurde, ein Programm zur Unterstützung von
1.600 Zivilangestellten bei der Suche nach einem
neuen Arbeitsplatz oder der Umschulung für einen
neuen Beruf. Durch dieses Programm, dem ersten
seiner Art in der US-Luftwaffe, wurden bislang 750
Mitarbeiter beraten und 133 zu einem neuen Arbeitsplatz verholten, so die Koordinatorin Joann Morse.
Im Zuge des fortgesetzten Streitkräfteabbaus nehmen
weitere Bestrebungen dieser Art Gestalt an.
Das Pentagon plant bis zum 1. Oktober 1993 die
Reduzierung der Zahl seiner Zivilangestellten um 40.000,
wodurch die Streitkräfte bis zum Ende des Haushaltsjahres 1993 auf 966.000 Angehörige verringert werden
sollen. Voraussichtlich werden ungefähr 25.000 Mitarbeiter das Militär freiwillig verlassen, die übrigen sollen
-je nach Art ihrer Beschäftigung und ihres Dienstalters
-durch finanzielle Anreize von bis zu 25.000 Dollar pro
Person zum Abschied bewegt werden.
Auf vielen Stützpunkten könnte der Personalabbau
schon viel früher beginnen. Zahlreiche Stützpunkte
haben bereits um die Erlaubnis gebeten, ihre Mitarbeiter gehen zu lassen. Beispielsweise hat Philadelphia
das Ersuchen gestellt, seine Mitarbeiterzahl um 800
bis 1.200 zu senken, da für die große Belegschaft nicht
genügend Arbeit vorhanden ist.

die von den Kürzungen des Verteidigungshaushalts
und der Stützpunktschließung betroffen sind.
Mittlerweile haben Verantwortliche zahlreicher Stützpunkte vom Arbeitsministerium Gelder für die Umschulung erhalten und Freiwillige vor Ort für Beratertätigkeiten gewonnen, um den Angestellten des Militärs
einen reibungslosen Übergang in den Privatsektor
oder andere Regierungsbehörden zu erleichtern.
In Philadelphia richteten für Zivilangestellte zuständige Mitarbeiter des Personalbüros des Flottenkommandos ein Übergangszentrum ein, das anderen zur
Schließung oder Neuorientierung vorgesehenen Militärstützpunkten als Modell dienen könnte. Nancy
Doody, der Spezialistin für Personalführung und Gestalterin des Zentrums, zufolge stellte die große Zahl
entlassener Arbeitnehmer und ihre stark spezialisierte
Arbeit eine ziemlich große Herausforderung dar. "Die
meisten Karrierezentren sind wie Arbeitsämter, aber
das von mir Entworfene in Philadelphia verfolgt eine
andere Linie", erklärt Doody. "Ich habe Karriereplanung und Entwicklung miteinander verknüpft, da viele
der Betroffenen neue Entscheidungen hinsichtlich ihrer
Zukunft zu treffen haben. Sie müssen ihre Optionen
und Qualifikationen prüfen und sich unter dem Gesetz
zur Berufsausbildung und Stellensuche für einen anderen
Beruf ausbilden lassen, da viele ihrer Arbeitsplätze
wegfallen."
Doody ermutigt ihre Klienten, sich selbst als Unternehmen zu verstehen, "das Ihre Fähigkeiten vermarkten
und Ihr Produkt - Sie - verkaufen soll".
Das Zentrum verfügt über Computer und Laserdrucker
zur professionellen Erstellung von Lebensläufen, Softwareprogramme zur Einschätzung beruflicher Fähigkeiten, Nachschlagewerke, damit die Qualifikationen
auf potentielle Arbeitgeber abgestimmt werden können, Branchenverzeichnisse zur Sondierung von Industriekontakten sowie Computerprogramme zur Bewerbung bei staatlichen Stellen. Zudem stehen dem
Zentrum mehr als ein Dutzend ehrenamtliche Berufsberater zur Verfügung - eine Mischung aus Schiffswerftmanagern und Betriebsratsmitgliedern, die entlassenen Klienten bei ihrem neuen Anfang zur Seite
stehen.
Das Ziel ist die Unterstützung von entlassenen Zivilangestellten bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz innerhalb der 120 Tage betragenden Kündigungsfrist.

"Bisher war es ein wirklicher Erziehungsprozeß, den
Menschen begreiflich zu machen, daß wir keine Stellenvermittlung sind", erklärt die vor Ort tätige ManageEinen Tag vor Bekanntgabe der Stützpunktschließun- rin Cindy Anderson. "Unsere Aufgabe besteht darin,
gen und Neuorientierungsempfehlungen für das Jahr die Angestellten mit den für ihre Vermarktung bei der
1993 kündigte Präsident Clinton im März ein Hilfspaket Stellensuche erforderlichen Werkzeugen auszustatin Höhe von 20 Milliarden Dollar zur Unterstützung von ten. Viele Menschen entdecken das erst, wenn sie hier
Industriezweigen, Arbeitnehmern und Gemeinden an, sind."

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�Da viele dieser Arbeitnehmer seit Jahren nicht mehr
auf dem Arbeitsmarkt waren, stellt das Zentrum Beratung zur Streßbewältigung und Videokassetten zur
Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen zur Verfügung und probt mit den Klienten gestellte Personalgespräche.

se einschätzen und ihm bei seinem neuen Anfang
helfen zu können. Alles ist auf den einzelnen abgestellt. Es gibt hier kein Standardformat."

Doody plant auch die Einrichtung einer kleineren Version des Zentrums von Philadelphia beim Flottenkommando in Ariington (Virginia) für die 12.000 bei den
"In der staatlichen Verwaltung gibt es für so viele Dinge zahlreichen Kommandosystemen der US-Marine
Vorschriften", stellt Anderson fest. "Für uns gibt es beschäftigten ZivilangestelHen. "Wenn es in Philadelkein business-as-usual. Wir sind vollständig auf unse- phia funktioniert, tut es das überall", so Doody.
ren Kunden ausgerichtet, um wirklich seine Bedürfnis-

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�LITERATUR
5. Januar 1994

DER "TYPISCHE AMERIKANER"
Interview mit der Autorin Gish Jen
WASHINGTON - (AD) - Was ist der "typische Amerikaner"? Eine chinesisch-amerikanische Autorin hat sich in
ihrem sarkastischen, aufschlußreichen ersten Roman, der von Literaturkritikern in den Vereinigten Staaten
gelobt wurde, die Beantwortung genau dieser Frage zum Ziel gesetzt.
Der Roman Typical American von Gish Jen ist die Geschichte von Yi-feng Chang - in Amerika Ralph Chang
- der im Jahr 1974 seinen Vater, einen wissenschaftlichen Angestellten, seine Mutter und seine ältere Schwester
in einer kleinen, nahe Schanghai gelegenen Stadt zurückläßt, um in New York Ingenieurwesen zu studieren.
Ralph gibt sich große Mühe, durchläuft jedoch einen Akkulturationsprozeß, bis seine Schwester Teresa und ihre
Freundin Helen zu ihm nach New York kommen. Das Buch beschreibt ihren bisweilen schmerzlichen, manchmal
witzigen Weg, Amerikaner zu werden.

Die in Amerika als Kind chinesischer Einwanderer
geborene Gish Jen wuchs in Jonkers und Scarsdale
(New York) auf. Als Romanautorin ist sie eine Art
Abtrünnige in einer Familie, der unter anderem drei
Geschäftsleute - ihre Brüder - und eine Ärztin - ihre
jüngere Schwester - angehören.

Nach ihrer Rückkehr aus China studierte sie Literatur,
heiratete 1983 David O'Connor (der kein Chinese ist)
und widmete sich ausschließlich hausfraulichen Tätigkeiten. Als sie dreißig war, verspürte sie jedoch den
dringenden Wunsch nach beruflichem Erfolg und begann
zu schreiben.

Als "gehorsame Tochter" besuchte Jen ein Jahr lang
die Stanford Business School. Aber kurz nach Beginn
des zweiten Jahres wurde ihr klar, daß eine Laufbahn
in der Wirtschaft einfach nicht das Richtige für sie ist.
Sie ging nach China und erteilte dort Bergbauingenieuren Englischunterricht.

Ursprünglich wollte Jen keinen Roman über chinesische Einwanderer schreiben, erklärte sie in einem
Interview mit dem US-Informationsamt (USIA). "Das
Thema ergab sich irgendwie" aus einer Serie von
Kurzgeschichten, die sie über die fiktive Familie geschrieben hatte und die viele verschiedene Themen
behandelte. "Nachdem ich drei oder vier dieser Geschichten geschrieben hatte, wurde mir klar, daß ich
genug Interesse an diesen Charakteren hatte, um ein
Buch über sie zu schreiben", teilte sie mit.

In China entdeckte sie, daß sie den dortigen "Gemeinschaftssinn" liebte. "Es gab dort viele Dinge, die mir
gefielen und die ich wunderbar beruhigend fand.
Gleichzeitig war ich mir der Unterschiede sehr bewußt."
"Beispielsweise hatte ich eine ganz andere Einstellung
zur Autorität alsdie meisten Chinesen, die ich traf. Sie
akzeptieren, daß der Staat sehr viel und der einzelne
keine Macht haben sollte. Wenn man in Amerika
aufgewachsen ist, akzeptiert man diese Idee nicht.
Wenn man dort mit willkürlichem Machtmißbrauch
konfrontiert wird, ist man entrüstet. Die Chinesen sind
das nicht, und sie können auch nicht verstehen, warum
eine 'nette Chinesin' entrüstet ist. Der Grund ist, daß
ich in Amerika aufgewachsen bin. Ich bin Amerikanerin und habe diesen Dingen gegenüber eine amerikanische Einstellung."

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"Ich habe wahrscheinlich einen Roman über Einwanderer geschrieben, weil meine Eltern Einwanderer
waren", stellte sie in einem im März 1991 von Houghton Mifflin/Seymour Lawrence veröffentlichten Buch
fest. "Damals entwickelte ich auch Interesse an Amerika
betreffenden Themen. Es interessierte mich zu wissen, wer wir als Amerikaner sind. Und es schien, daß
die Einwanderer die wirklichen Außenseiter waren,
was uns zeigte, woraus die amerikanische Kultur wirklich besteht."
Was ist denn der "typische Amerikaner"?
Bisher, teilte Jen dem US-Informationsamt mit, wurde
der "typische Amerikaner" vornehmlich von Menschen
Seite 1

�europäischer Herkunft definiert, aber die Definition
muß jetzt erweitert werden. "Ich versuche zu argumentieren, daß wir jetzt angesichts neuer Einwanderungswellen den typischen Amerikaner' als jemanden
sehen müssen, der bestimmte Fragen zu seiner eigenen Person stellt. Der typische Amerikaner ist beispielsweise jemand, der viel Zeit mit der Untersuchung
der Frage verbringt, wer er ist. Diese Frage wird in
anderen Ländern nicht gestellt: Was jemand aus sich
macht."

"Jede Art von Wachstum beinhaltet meiner Meinung
nach Wandel. Jeder Wandel beinhaltet Verlust. Hier
besteht ein wirklicher Verlust, das möchte ich gar nicht
leugnen. Ein gegen diesen Wandel gerichteter Standpunkt ist ein gegen das Leben gerichteter Standpunkt.
Jeder Elternteil, der stirbt, ist ein Verlust. Dennoch
können wir als Kinder nicht einfach das Leben unserer
Ehern wiedererschaffen, um ihr Leben fortzusetzen."

Jen betonte, ihr Buch handele zwar von Amerikanern
chinesischer Herkunft, richte sich jedoch nicht an eine
"In anderen Ländern ist man einfach man selbst, bestimmte Leserschaft. Beim Verfassen ihres Buches
insbesondere in älteren Kulturen wie in China. Man ist habe sie "große Anstrengungen unternommen, um
das Kind seiner Eltern. Man ist vorwiegend an seinem eine sehr detaillierte psychologische Beschreibung
Platz in der Gesellschaft. Hier in Amerika werden wir meiner Charaktere zu geben, die eher menschlich als
mit all diesen anderen Botschaften bombardiert - 'man 'exotisch' wirken sollten." Jen hofft, daß ihre Leser in
sollte alles sein, was man sein kann', und so fort. den Vereinigten Staaten "auf die chinesisch-amerikaMeines Erachtens sind wir eine von einer Idee und nischen Erfahrungen schauen, darin ihre eigenen
diesen Gedanken geeinte Nation."
Erfahrungen sehen und sich gleichzeitig der Unterschiede und Gemeinsamkeiten bewußt werden".
Jen zufolge kann man jahrelang in Japan, Frankreich
oder Italien leben, ohne jemals Japaner, Franzose An ihre Leser in Übersee richtet Jen die folgende
oder Italiener zu werden. Man kann jedoch in Amerika Botschaft: "Mein Buch enthält eine Art Warnung
leben und ein wirklicher Amerikaner werden.
bezüglich der Freiheit hier (in den Vereinigten Staaten), welche Nachteile sie haben kann und welche
"Der Grund dafür ist, daß in Amerika - beispielsweise Grenzen das in diesem 'Paradies' Gebotene hat. Ein
im Unterschied zu Japan, wo das Wesen des Japaners Mensch hat hier viel weniger Beschränkungen als in
eng verbunden mit Rasse, Geschichte und Blut ist - jedem anderen Teil der Welt, aber es gibt immer noch
das Wesen des Amerikaners etwas mit bestimmten Grenzen. Die Freiheit kann für große und edle Dinge
gemeinsamen Ideen zu tun hat", erläuterte sie. "Wir genutzt werden, aber auch für unehrenhafte und gesind eine Nation, die sich von jeder anderen auf der fährliche... Sie beinhaltet sowohl Gefahren als auch
Welt stark unterscheidet. Wir sind 'das großartige Chancen."
Experiment'. Wir sind ein auf Gedanken und Vorstellungen basierendes Land, was bedeutet, daß jeder zu Sie räumt ein, daß die amerikanische Gesellschaft ihre
uns gehören kann. Wie könnte jemand ein wirklicher "willkürlichen Grenzen" hat, wobei der Rassismus die
Japaner werden, so wie das dort verstanden wird?"
am stärksten vorherrschende ist. "Eine der Grenzen,
die in diesem Land am schwersten abzuschaffen sind,
USIA befragte Jen zu der vorherrschenden Ansicht ist die der Rasse. Jeder scheint automatisch anzunehaller Nichtamerikaner, daß der amerikanische "Markt- men, daß die Rasse der wichtigste Aspekt eines
platz der Ideen" unkontrolliert, chaotisch und bisweilen Menschen ist. Das stellt eine wirkliche Schwierigkeit
gefährlich instabil ist.
dar, wenn die Menschen einander einschätzen", so
Die Autorin lachte. "Das ist ein Teil der amerikanischen Jen.
Natur - daß jeder argumentiert und eine Meinung
vertritt. Wir haben diese Art von Anarchie und jeder
nimmt daran teil. Das macht einfach Spaß."

Das Leben in den Vereinigten Staaten wird ihr zufolge
stärker von den Grenzen der eigenen Vorstellungskraft eingeschränkt. "In diesem Land, in dem man sein
Jen hatte beobachtet, daß viele Chinesen, die in die Leben nach den eigenen Wünschen gestalten kann,
Vereinigten Staaten ziehen, Angst vor der Assimilie- wird man von den eigenen Vorstellungen vom Leben
rung haben, die sie für einen gefährlichen Verlust ihres beschränkt. Manchmal habe ich den Eindruck, die
Selbst halten. "Wahr ist meines Erachtens, daß jeder, Menschen haben nicht ausreichend darüber nachgeder mit klarem Kopf darüber nachdachte, in einer dacht, wer sie werden wollen, bevor sie einfach losanderen Kultur Fuß zu fassen, in Angst und Schrecken stürmen, um diese Person zu werden. Das geschieht
mit Ralph in meinem Buch. Er folgt aus bestimmten
versetzt wurde", meinte sie.
Gründen einfach der falschen Spur. Er hätte mehr
"Meiner Ansicht nach ist es jedoch auch unvermeid- nachdenken sollen, wie sich in meinem Buch herauslich, daß die jeweilige Umgebung einen Menschen stellt."
verändert. Und das halten die Menschen oftmals für
schrecklich: Man verliert sein Erbgut! Ich halte das "Damit will ich einfach sagen, daß es in Amerika diese
enormen Chancen gibt, aber auch viele Stricke, um
aber eher für einen Teil des Lebens."
sich zu erhängen. Es gibt beides, und die Menschen
sollten Vorsicht walten lassen."
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�Jen würde sich freuen, wenn ihr Buch zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen würde. Ihr
wirkliches Ziel besteht jedoch darin, Literatur mit wahrhaft
künstlerischem Wert zu schaffen, die über ethnische
Grenzen hinausgeht.

Jen, die kürzlich ein Guggenheim-Stipendium erhielt,
arbeitet zur Zeit an ihrem zweiten Roman. Eine ihrer
Kurzgeschichten, The Water-Faucet Vision, erscheint
in einer kürzlich veröffentlichten Anthologie asiatischamerikanischer Literatur mit dem Titel Charlie Chan
is Dead (Penguin Books, 1993. Herausgeberin Jessica Hagedom).

* * * * *

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                <text>&lt;strong&gt;1. Clinton-Bilanz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton hat 1993 beeindruckende Gesetze erlassen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bilanz der Tagesordnung und Zielsetzung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Vereinte Nationen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erfreut über von den Vereinten Nationen erzielte Fortschritte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rückblick auf 1993&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Partnerschaft für Frieden&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Politik konzentriert sich gleichzeitig auf Europa und den pazifischen Raum&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit John Shalikashvili&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Porträt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Russland-Experte und enger Freund des Präsidenten soll neuer Stellvertretender Außenminister werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt von Strobe Talbott&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. US-Militär&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hilfestellung in der Übergangszeit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Don Ward&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Literatur&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;der "typische Amerikaner"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit der Autorin Gish Jen&lt;/em&gt;</text>
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

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22. Dezember 1993

RUSSLAND

CLINTON: RUSSEN BEFÜRWORTEN
NICHT DIE EXTREMEN ANSICHTEN
SCHIRINOWSKIS
Der Präsident bekräftigt Unterstützung
für russischen Reformprozeß

GATT

URUGUAY-RUNDE WIRD AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT ANKURBELN
Übersicht über Einzelheiten des Abkommens

ATOMTESTVERBOT

VERHANDLUNGEN ÜBER
UMFASSENDES ATOMTESTVERBOT
Übersicht des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung

MENSCHENRECHTE

VEREINTE NATIONEN RICHTEN
AMT EINES HOCHKOMMISSARS FÜR
MENSCHENRECHTE EIN
Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse

PORTRAT

INMAN BRINGT UNTERNEHMERISCHE
FÄHIGKEITEN UND MILITÄRISCHEN
HINTERGRUND MIT
Porträt des designierten
neuen Verteidigungsministers

THEMENINDEX

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1993
Mit dieser letzten Ausgabe des Jahres 1993
wünscht die Redaktion des Amerika Dienst allen
Beziehern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest
und ein friedliches und erfolgreiches neues Jahr

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 • 339 23 72
Fax: 0228 3341 02

�RUSSLAND
22. Dezember 1993

CLINTON: RUSSEN BEFÜRWORTEN NICHT
DIE EXTREMEN ANSICHTEN SCHIRINOWSKIS
Der Präsident bekräftigt Unterstützung für russischen Reformprozeß

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton erklärte am
15. Dezember 1993, es gebe keine Beweise dafür, daß
das russische Volk die extremen außenpolitischen
Ansichten des ultranationalistischen Politikers Wladimir Schirinowski unterstützt.

der Kriminalität und der Inflation konzentrierte, nicht
jedoch auf seine Ansichten überdie Wiederherstellung
des russischen Imperiums, das sogar seit langem
nicht mehr zugehörige Gebiete wie Alaska und Finnland umschließen sollte.

Auf einer Pressekonferenz gab Clinton bekannt, er
plane keine Änderung der amerikanischen Politik zur
Unterstützung der Reformelemente in Rußland und
fügtehinzu: "ZurZeit ist es wichtig, nicht überzureagieren."

Der Präsident wies darauf hin, daß in Rußland noch
keine endgültigen Wahlergebnisse vorliegen und die
Zusammensetzung des Parlaments noch nicht feststeht. "Wir wissen noch nicht, wie das neue Parlament
aussehen wird", so Clinton. "Ob ich deswegen besorgt
bin? Ja, das bin ich. Ob ich der Ansicht bin, daß die
russische Politik einen gravierend neuen, gefährlichen
Kurs einschlagen wird? Meines Erachtens gibt es
hierfür keine Anzeichen."

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
ließ mittlerweile wissen, Rußlands Präsident Boris
Jelzin habe Vizepräsident Gore versichert, Moskau
werde weiterhin die Souveränität seiner Nachbarn
respektieren und den Kurs der russischen Außenpolitik nicht verändern. Dem Regierungsvertreter zufolge
teilte Jelzin Gore auch mit, die Politik der russischen
Regierung werde weiterhin auf politische und wirtschaftliche Reformen ausgerichtet bleiben.
Clinton teilte auf Fragen mit, er sei "besorgt" über
einige der von Schirinowskij, dem Führer der "sogenannten" Liberaldemokratischen Partei, gemachten
Äußerungen. Schirinowskij und seine Anhänger haben anscheinend ein Viertel der Listenplätze in einem
Wahlgang der aus vier Abstimmungen bestehenden
Wahl vom 12. Dezember in Rußland gewonnen. "Kein
Amerikaner, kein Bürger dieser Welt", teilte Clinton
einem Fragesteller mit, "der solche Kommentare liest,
wäre nicht besorgt".
Präsident Clinton machte jedoch auch deutlich: "Es ist
wichtig zu erkennen, daß wir zur Zeit keine Beweise
dafür haben, daß diejenigen, die für diese Partei stimmten, all diese Kommentare befürworten oder auch nur
davon wußten." Damit spielte der Präsident offensichtlich auf die Tatsache an, daß Schirinowskij aus
dem Nichts durch einen langen Fernsehwahlkampf in
Erscheinung getreten ist, der sich auf die Bekämpfung

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Da er nicht wisse, ob sich die russische Politik ändern
werde, sehe er zur Zeit keine Notwendigkeit zur Änderung seiner eigenen Politikder Unterstützung für Jelzin
und seine Reformbewegung. "Andererseits", fügte
Clinton hinzu, "müssen wir diese Entwicklung beobachten und in unser Handeln einbeziehen. Wir alle
sind gefordert, unsere Anstrengungen zu verdoppeln,
um den russischen Reformprozeß auf eine Art und
Weise zu unterstützen, von der der Bürger versteht,
daß sie ihm zum Vorteil gereicht."
Clinton wiederholte, er sei der Ansicht, das russische
Volk habe ein "Protestvotum" abgegeben, um sich
über die wirtschaftliche und psychologische Notlage
der letzten Jahre zu beschweren. Viele russische
Bürger hätten sich "in wirtschaftlicher Hinsicht wahrhaft im freien Fall befunden" und ... auch unter den
psychologischen Belastungen gelitten, die entstehen,
wenn die Menschen für weniger Geld härter arbeiten
müssen, oder wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren
oder als Ergebnis "all der Veränderungen" keine Verbesserungen sehen.
Der Präsident stellte fest, die Wahlen in Rußland
hätten "zwei Zentren demokratischer Legitimität" her-

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�vorgebracht - das vom Volk gewählte Parlament und
Jelzin. "Sie werden eng zusammenarbeiten", so Clinton, "manchmal auf kalkulierbare Weise, manchmal
nicht; das wissen wir aus unserer hier gemachten
Erfahrung... Wir werden abwarten um zu sehen, wer
Parlamentsabgeordneter wird, was diese Menschen
tun und was sie äußern."

soviel wie von ihnen prognostiziert. Dadurch könnte
Schirinowskijs Liberaldemokratische Partei ungefähr
ein Viertel der 225 Listenplätze des Unterhauses erhalten; ein Drittel der Stimmen ist jedoch noch nicht
ausgezählt. Dem Regierungsvertreterzufolgewurden
die meisten der noch nicht gezählten Stimmen in
"großen, städtischen Gebieten abgegeben, wo die
Reformer gute Ergebnisse erwarten."

Die endgültigen Ergebnisse der Wahlen vom 12.
Dezember stehen noch nicht fest, da das Wahlverfah- Im zweiten Teil der Abstimmung über die Zusammenren kompliziert ist und die Wahlzettel in Rußland per setzung des Unterhauses werden 225 Sitze mit AbgeHand und nicht maschinell ausgezählt werden.
ordneten der Direktwahlkreise besetzt. Schätzungen
des Regierungsvertreters zufolge hatte Schirinowskijs
Der zuvor erwähnte hochrangige Regierungsvertreter Partei Kandidaten in nur 70 der 225 Wahlbezirke
erklärte, Jelzin habe Gore in Moskau mitgeteilt, "daß aufgestellt. Er stellte fest: "In den meisten Wahlkreidie russische Regierung einen entschiedenen Reform- sen sind sie noch nicht einmal im Rennen."
kurs beibehalten wird und insbesondere, daß die wirtschaftlichen und politischen Reformen fortgesetzt werden Nach Erhalt der Berichte au s 165 Wahlkreisen erklärte
und er (Jelzin) einer Zusammenarbeit mit dem russi- der Regierungsvertreter: "Die größten Gewinner sind
schen Parlament freudig entgegensieht". Jelzin teilte bei den sogenannten Unabhängigen zu verzeichnen,
Gore mit, "die Hauptlinien der russischen Außenpolitik die keiner Partei angehören." Die Unabhängigen
und die Achtung der Souveränität und territorialen haben ihm zufolge anscheinend 100 Sitze gewonnen.
Integrität der Nachbarstaaten durch die russische Von den übrigen Mandaten ging ein Drittel an die
Regierung werde weiterhin die russische Politik cha- Reformparteien und ein Viertel an die Kommunisten
rakterisieren."
und Agrarier. Er fügte hinzu, die Kandidaten Schirinowskijs hätten dem Anschein nach bei den EinzelerDer hochrangige Regierungsvertreter äußerte, die gebnissen aus den Direktwahlkreisen 'last nichts"
Administration sei der Ansicht, daß der russische gewonnen.
Reformprozeß sich über Jahrzehnte entwickeln werde
und "es von Bedeutung ist, daß wir während der Obwohl es ihm zufolge sowohl einen Block von Befürunvermeidlichen Hochs und Tiefs des Dramas der wortern als auch von Kritikern der ReformbemühunEvolution der russischen Reform unsere langfristigen gen gebe, deute nichts darauf hin, "daß wir alle zusamInteressen im Auge behalten. Wir halten es nicht für menarbeiten oder in vielerlei Hinsicht übereinstimmen
klug, die Dinge zu überstürzen oder bei den ersten werden".
Anzeichen für Schwierigkeiten unsere Politik neu zu
überdenken. Aus diesem Grund wollen wir unsere Folglich äußerte der Regierungsvertreter, es sei "ziemderzeitige Linie (der Unterstützung des Reformprozes- lich wahrscheinlich", daß das neue Parlament aus den
größten Blöcken zusammengesetzt werde... erstens,
ses und der Reformer) weiterverfolgen."
den Reformern, zweitens, den selbsternannten UnabDer amerikanische Regierungsvertreter wies darauf hängigen, drittens wahrscheinlich den Kommunisten
hin, Schirinowskij sei, obwohl die Medien ausführlich und dann wohl Schirinowskijs Kandidaten. "Das wird
über ihn berichteten, in der parlamentarischen Hierar- meines Erachtens die reale Machtverteilung im Parlachie aufgrund des komplizierten russischen Wahlver- ment sein", fuhr er fort.
fahrens eher am unteren Ende anzusiedeln. In einem
Teil der Wahl hätten mehr als 52 Prozent der Wähler Der Regierungsvertreter nannte allein die Tatsache,
die russische Verfassung angenommen. In einem daß Wahlen abgehalten wurden, einen Beweis dafür,
weiteren Teil wurden die Mitglieder des Oberhauses wieviel das russische Volk seit dem Zusammenbruch
gewählt. Dem Regierungsvertreter zufolge ist "fast des Kommunismus vor nur zwei Jahren erreicht habe.
Die Annahme der Verfassung "bietet die Struktur, die
nichts" über dieses Wahlergebnis bekannt.
Regeln für die politische Debatte und wird die Rechte
Bei den beiden Abstimmungen über die aus 450 Sitzen und Pflichten ... der Exekutiven und der Legislativen
bestehende Staatsduma hatte Schirinowskij die größ- festlegen. Im weitesten Sinne repräsentiert die Abten Gewinne zu verzeichnen. Amerikanische Wahl- stimmung das Ende der sowjetischen Ära und den
beobachter waren überrascht darüber, daß er unge- Beginn etwas vollkommen Neuen."
fähr 25 Prozent der Listenplätze gewann, fast doppelt

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AMERIKA DIENST 51

�GATT
22. Dezember 1993

URUGUAY-RUNDE WIRD AMERIKANISCHE
WIRTSCHAFT ANKURBELN
Übersicht über Einzelheiten des Abkommens
WASHINGTON - (AD) - Die zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union (EU) erzielten
Vereinbarungen über eine Reform des Handelssystems werden einer von der amerikanischen Mission in Genf
herausgegebenen Übersicht zufolge eine bedeutende Belebung für die amerikanische Wirtschaft darstellen, falls
sie von den anderen Teilnehmerstaaten der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche angenommen
werden.
Die Übersicht gibt einen kurzen Überblick über 12 Verhandlungsbereiche und skizziert einige der aus dem
Abschluß der Uruguay-Runde am 15. Dezember 1993 resultierenden Vorteile für amerikanische Unternehmen,
Landwirte und die Wirtschaft im allgemeinen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Übersicht.

Marktzugang für Industrieprodukte
Die Europäische Union wird ihre Zölle auf
amerikanische Exporte in die EU im Wert von
mehr als 5 Milliarden Dollar abschaffen, was
vielen der wettbewerbsfähigsten Industrien
Amerikas zugute kommt.
In der Branche der forstwirtschaftlichen Produkte, die 1,8 Millionen Amerikaner beschäftigt,
haben sich die EU und die Vereinigten Staaten
auf eine Abschaffung der Zölle geeinigt, falls
Japan und andere Handelspartner dem Beispiel
folgen. Dies wird enorme neue Chancen in
einem Sektor beinhalten, in dem die amerikanischen Exporte nach Europa bereits die Marke
von 1 Milliarde Dollar übersteigen.
Ähnliche Vorteile können wir bei pharmazeutischen Produkten, Baugerät, Agrarmaschinen,
medizinischen Geräten, Spirituosen, Bier, Möbeln
und in der Spielzeugindustrie erwarten - Bereichen, in denen die Vereinigten Staaten und die
EU ebenfalls die Zölle abschaffen werden.
In der Elektronikindustrie - die für die zukünftige
Wettbewerbsfähigkeit Amerikas von entscheidender Bedeutung ist - hat die EU einer Senkung ihrer Zölle auf amerikanische Exportartikel
um zwei Drittel zugestimmt. Dieser IndustrieAMERIKA DIENST 51

zweig exportiert bereits Halbleiter, Computer
und Telekommunikationsprodukte im Wert von
mehr als 13 Milliarden Dollar in die EU und
beschäftigt ungefähr 700.000 Amerikaner.
Agrarhandel
Wir haben ein Agrarpaket ausgehandelt, das
den Zugang amerikanischer Agrarprodukte zu
den europäischen Märkten bewahrt und ausweitet. Insbesondere werden wir neue Märkte
für frisches Obst, Gemüse und Nüsse öffnen.
Das "Erweiterungsabkommen", das für bestimmte Mengen Mais und Sorghum den Zugang zum
spanischen und portugiesischen Markt garantiert, wird nun dauerhaft verlängert.
Die Vereinigten Staaten haben auch das Blair
House Abkommen über Exportsubventionen unangetastet bewahrt. Um den Übergang zu
diesem neuen System zu erleichtern, haben wir
uns darauf verständigt, die in diesem Abkommen vorgesehenen Exportsubventionskürzungen in Höhe von 21 Prozent gleichmäßig auf den
sechsjährigen Zeitraum für die Umsetzung des
Abkommens zu verteilen.
Während dieses Zeitraums zur Umsetzung des
Abkommens werden die Vereinigten Staaten
den Export landwirtschaftlicher Erzeugnisse
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�stärker fördern können. Die Produzenten und
Verarbeiter von Weizen, Pflanzenöl, Molkereiprodukten und Eiern werden die Hauptnutznießer dieser Anpassung sein.
Audiovisueller Bereich
Die amerikanische Unterhaltungsindustrie beschäftigt 5 Millionen Amerikaner und gehört zu
unseren wettbewerbsfähigsten und erfolgreichsten Exportbereichen. Europa hat die Exporteure unserer Film-, Fernseh- und Tonaufnahmenbranche seit langem einer Vielzahl von
Beschränkungen unterworfen.
Die im audiovisuellen Bereich erzielte Lösung
gestattet den Vereinigten Staaten die Förderung der Interessen ihrer Künstler, Darsteller
und Produzenten und ermöglicht den freien
Informationsfluß auf der ganzen Wert.

wird andere Staaten zur Liberalisierung ihrer
Vorschriften ermutigen und beinhaltet Mittel,
um Trittbrettfahrer zur Einhaltung der Bestimmungen zu zwingen. Amerikanische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit führend.
Unsere Finanzeinrichtungen in Übersee schaffen Einkommen und fördern die amerikanischen
Exporte und Investitionen im Ausland.
Seehandel
Die Vereinigten Staaten und die Europäische
Union stimmten darin überein, daß ein gewisses
Maß an Lberalisierung von seifen anderer Länder
erforderlich ist, damit wir selbst gute Verpflichtungen im Schiffahrtsbereich eingehen können.
Da dieses bestimmte Maß noch nicht erreicht
ist, stimmten die Vereinigten Staaten und die
EU darin überein, die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Förderung weiterer Bestrebungen in
diesem Sektor einzurichten. Die Bestimmungen und Bedingungen für diese Arbeitsgruppe
werden auf multilateraler Ebene festgesetzt.

Wir haben uns geweigert, der EU die Legitimierung ihrer diskriminierenden Quoten unter dem
Deckmantel einer Verbesserung des Welthandelssystems zu gestatten.
Subventionen
Finanzdienstleistungen
Die Vereinigten Staaten haben ein Abkommen
über Finanzdienstleistungen angestrebt, innerhalb dessen die Staaten substantiellen Marktzugang und Sonderbehandlung einzelner Länder anbieten, was die Verpflichtung zu einer
bedingungslosen Meistbegünstigungsklausel
ermöglichen sowie jetzt und in Zukunft unbeschränkten Zugang zu unserem Markt erlauben
würde. Da uns bis zum 15. Dezember nur ein
Tag bleibt, ist es leider offensichtlich, daß viele
Länder nicht bereit oder in der Lage sein werden, gute Angebote vorzulegen. Unter diesen
Umständen konnten und wollten wir unsere
Märkte nicht für alle ganz öffnen. Wir mußten
eine Möglichkeit für den Umgang mit Trittbrettfahrern finden, was uns auch gelungen ist.

Beim heiklen Problem der Subventionen haben
wir einen Mittelweg gefunden, der unsere Freiheit zur Unterstützung der Forschung bewahrt,
die die Grundlage für die Wirtschaft von morgen
schaffen kann. Gleichzeitig haben wir uns auf
eine Struktur geeinigt, die die Regionalförderung der EU beschränkt und Regeln festlegt, die
eindeutig benachteiligende Subventionen verbieten.
Luftfahrt
Die gestärkten und verbesserten Disziplinen
des neuen, in der Uruguay-Runde ausgehandelten Subventionstextes werden auch auf die
Luftfahrtindustrie angewendet. Dies war das
Hauptziel der amerikanischen Luftfahrtindustrie
- einer unserer am stärksten exportorientierten
Industrien. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union einigten sich auch auf eine
einjährige Fortsetzung der multilateralen Verhandlungen zur Verbesserung und Stärkung
der Disziplinen des GATT-Luftfahrtabkommens.

Die Europäische Union und wir haben uns geeinigt,
daß wir und andere bereit sind, im Bankwesen
und bei anderen Finanzdienstleistungen, einschließlich des Versicherungswesens, Ausnahmen von der Meistbegünstigungsklausel zuzulassen, und die Vereinigten Staaten werden das Textilien und Bekleidung
auch tun. Wir haben jedoch ein sechsmonatiDie Vereinigten Staaten und die EU haben
ges Moratorium nach Inkrafttreten des Abkombeschlossen,
eine Ergänzung zum Text über
mens beschlossen, nach dessen Ablauf die
Textilien
und
Bekleidung
anzustreben.
Staaten ihre Angebote und Ausnahmen von der
Meistbegünstigungsklausel abändern können.
Die Ergänzung würde das Auslaufen des MultiBis dahin werden wir eine Reihe von soliden
faserabkommens (MFA) direkt mit der Öffnung
Bestimmungen für Finanzdienstleistungen ausder Märkte für Textilien und Bekleidung verbinarbeiten.
den. Sie sieht vor, daß die Länder, die letztlich
keinen Zeitplan für die Öffnung ihrer Märkte für
Dieses Abkommen wird die Finanzmärkte öffTextilund Bekleidungsimporte vorlegen, nicht
nen. Es hat die Grundlage dafürgeschaffen. Es
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AMERIKA DIENST 51

�die Vorteile erhöhter Quoten genießen. Obwohl
sich eine Anzahl textilexportierender Staaten
diesem Ansatz entschieden widersetzt, werden
die Vereinigten Staaten und die EU ihn weiterhin
als eine ihrer obersten Prioritäten verfolgen.

Tatsächlich wird uns die Runde dabei helfen,
das 301-Gesetz wirksam anzuwenden, denn
wenn wir einen Fall vor ein Schlichtungsgremium des GATT bringen und gewinnen, wissen
wir, daß aufgrund der gestärkten Regeln zur
Beilegung von Streitigkeiten der Bericht angenommen wird und wir Vergeltungsmaßnahmen
ergreifen können, falls das andere Land nicht
reagiert.

Wir haben bereits äußerst bedeutsame Angebote von vielen unserer Handelspartner zur
Öffnung ihrer Märkte für Textilien und Bekleidung sowie zur Festsetzung ihrer Zölle auf
angemessenem Niveau erhalten. Einige Län- Antidumping
der sind jedoch hierzu nicht bereit. Der von uns
Die amerikanischen Unterhändler haben die
verfolgte Ansatz sieht vor, daß diese wenigen
amerikanischen
Antidumping- und AusgleichsStaaten keine Quotenerhöhung erhalten, bis sie
zollgesetze
geschützt,
die Arbeitnehmer und
einen Zeitplan zur Öffnung ihrer Märkte und
Industrien
in
Amerika
vor
Importen zu unfairen
Festsetzung ihrer Zölle vorlegen.
Preisen bewahren. Die wichtigsten Ziele der
Vereinigten Staaten wurden erreicht, einschließBeilegung von Streitigkeiten
lich der Unterbindung einer Hinterlegung ameDie Verfahren der Uruguay-Runde zur Beilerikanischer Sachentscheidungen durch das
gung von Streitigkeiten bieten für die VereinigGATT, der Beibehaltung des Beschwerderechts
ten Staaten zahlreiche Vorteile:
von Arbeitnehmern und der Abschaffung eines
automatischen Auslaufens von AntidumpingEs wird eine Berufungsstelle eingerichtet, bei
zöllen.
der Einspruch gegen die Beschlüsse eines
Schlichtungsgremiums erhoben werden kann. Gesundheit, Sicherheit und Umwelt
Überkreuz-Vergeltung zwischen Sektoren ist
möglich, wenn ein Land seinen handelspolitischen Verpflichtungen nicht nachkommt.
Die Beilegung von Streitigkeiten erfolgt im Vergleich zu dem langwierigen und oft ergebnislosen Gremiumsverfahren des vorigen Systems
rechtzeitig, automatisch und bindend.
Die amerikanischen Unterhändler stellen sicher,
daß die amerikanischen Handelsbräuche nicht
geschwächt werden.
Die Uruguay-Runde wird nicht die Art und Weise
des Einsatzes unseres 301-Gesetzes ändern.
Innerhalb der Runde erfordert das 301-Gesetz
bereits, daß im Zusammenhang mit einer Verletzung des GATT stehende Beschwerden ein
offizielles Schlichtungsverfahren des GATT
durchlaufen. Daher ist die Übereinkunft der
Uruguay-Runde zur Beilegung von Streitigkeiten, die die Anwendung von GATT-Schlichtungsverfahren im Fall von Wiedergutmachung
wegen einer Verletzung des Abkommens verlangt, nichts Neues.

*

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Wir haben unser Recht auf die Einführung und
Beibehaltung strenger Anforderungen an Gesundheit, Sicherheit und Umwelt in den Vereinigten Staaten geschützt. Unsere Standards,
die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und nicht als Handelshemmnisse eingesetzt werden, sind vor ausländischer Intervention sicher.
Beschaffung
Die großen Märkte für staatliche Beschaffungsmaßnahmen werden für Waren, Dienstleistungen und Bauverträge der Vereinigten Staaten
geöffnet. Die Beschaffungsmärkte der EU und
Japans könnten jährlich einen Wert von 300
Milliarden Dollar erreichen. Es wird erwartet,
daß weitere Länder das Abkommen unterzeichnen - darunter Korea, Taiwan, Australien und
China - und dadurch neue Möglichkeiten geschaffen werden.

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�ATOMTESTVERBOT
22. Dezember 1993

VERHANDLUNGEN ÜBER UMFASSENDES
ATOMTESTVERBOT
Übersicht des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung
Nachfolgend veröffentlichen wir die vom US-Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and
Disarmament Agency - ACDA) vor kurzem herausgegebene Übersicht zu der Aushandlung eines Vertrags über
ein umfassendes Atomtestverbot (Comprehensive Test Ban Treaty - CTBT).

Bericht des Ersten Ausschusses der UN-Generalversammlung
Erstmals hat der Erste Ausschuß der UN-Generalversammlung übereinstimmend eine Resolution zu einem
weltweiten Vertrag über ein Verbot aller Atomtests
angenommen. Die Vereinigten Staaten waren der
wichtigste Befürworter dieser Resolution. Die aktive
Unterstützung der Resolution durch alle fünf Atommächte ermöglichte ihre Annahme in Übereinstimmung.
In der Resolution wird die Genfer Abrüstungskonferenz zum Beginn von Verhandlungen über einen universellen, international verifizierbaren Vertrag über ein
umfassendes Atomtestverbot im Januar 1994 aufgefordert. Die Resolution bekräftigt ebenfalls erneut die
Bedeutung "äußerster Zurückhaltung" im Hinblick auf
Atomtests und unterstreicht den wichtigen Einfluß
einer solchen Zurückhaltung auf einen Erfolg der CTBTVerhandlungen.
Die Clinton-Administration unterstützt entschieden den
baldmöglichen Abschluß eines Vertrags über ein
umfassendes Atomtestverbot.
Präsident Clinton legte die Administration erstmals auf
dem Gipfel von Vancouver mit Präsident Jelzin im April
auf Verhandlungen über ein multilaterales Atomtestverbot fest. Um den Vereinigten Staaten zu einer
möglichst starken Position bei den CTBT-Verhandlungen zu verhelfen, kündigte der Präsident am 3. Juli
1993 in einer Ansprache an die Nation eine Verlängerung des Moratoriums für amerikanische Atomtests
mindestens bis Ende September des kommenden
Jahres an und rief die anderen Atommächte dazu auf,

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diesem Schritt zu folgen. In seiner im September vor
der Generalversammlung der Vereinten Nationen
gehaltenen Rede erneuerte der Präsident seine Forderung nach einem globalen Moratorium für Atomversuche.
Die Aktion des Ersten Ausschusses stellt einen weiteren Meilenstein dar. Sie stellt die Weichen für die
Annahme der Resolution durch die UN-Generalversammlung zu einem späteren Zeitpunkt und verleiht
den andauernden Konsultationen zwischen den an der
Genfer Abrüstungskonferenz teilnehmenden Staaten
zur Vorbereitung der für Januar angesetzten Verhandlungen zusätzlichen Schwung. Die Annahme der
Resolution durch die Generalversammlung würde die
Entschlossenheit der internationalen Staatengemeinschaft zur Beendigung aller Atomversuche noch unterstreichen.
Verhandlungsperspektiven
Um einen schnellen Beginn der Verhandlungen im
Januar zu gewährleisten, hat die Clinton-Administration intensive Beratungen mit ihren Verbündeten und
anderen Nationen über die Vorbereitungen für die
CTBT-Verhandlungen abgehalten. Die vom Ersten
Ausschuß in Übereinstimmung angenommene Resolution verleiht diesen Konsultationen zusätzlichen
Nachdruck. Der derzeitige Vorsitzende des Ad-hocKomitees für ein Atomtestverbot führte während der
Sitzungspause der Abrüstungskonferenz ebenfalls
informelle Konsultationen über Fragen bezüglich der
Struktur und Organisation der multilateralen Verhandlungen. Diese Beratungen werden jetzt intensiviert,
um den Weg für einen reibungslosen Verhandlungsbeginn Anfang 1994 zu ebnen.

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�Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß innerhalb kurzer Zeit eine Einigung über die wichtigsten
Elemente eines multilateralen Vertrags erzielt werden
kann. Von Bedeutung für die Aushandlung der CTBTVerifizierungsbestimmungen - einem entscheidenden
Element des Vertrags - wird die Arbeit der 1976
eingerichteten Ad-hoc-Gruppe von Wissenschaftlern
(Ad Hoc Group of Scientific Experts - GSE) sein, die
internationale kooperative Maßnahmen zur Entdekkung und Identifizierung unterirdischer Atomversuche
prüft. Seitdem hat die GSE beträchtliche Arbeit zur
Entwicklung eines globalen Systems für den internationalen Austausch seismologischer Daten für CTBTÜberwachungsprozesse geleistet.

Schritt zu folgen. Das globale Moratorium für Atomtests wurde befolgt, bis China am 5. Oktober einen
unterirdischen Atomtest durchführte, obwohl eine
Vielzahl von Nationen, einschließlich der Vereinigten
Staaten, es eindringlich dazu aufgerufen hatte, dies zu
unterlassen.

Die Vereinigten Staaten verliehen ihrem tiefen Bedauern über diesen Test Ausdruck und forderten China
eindringlich dazu auf, von weiteren Atomtests Abstand
zu nehmen und gemeinsam mit den anderen Atommächten das globale Moratorium einzuhalten. Der
Präsident wies weiterhin das Energieministerium an,
Maßnahmen zu ergreifen, die es den Vereinigten
Staaten ermöglichen würden, im kommenden Jahr
Ein CTBT kann nur erfolgreich sein, wenn die fünf Atomtests durchzuführen, falls die im Hatfield-ExonAtommächte ihm beitreten und ihn fördern. Diese Mitchell-Zusatzartikel festgelegten Voraussetzungen
Staaten tragen eine besondere Verantwortung dabei, im Hinblick auf Notifizierung und Überprüfung gegeeinen Beitrag zu den Genfer Verhandlungen zu leisten ben sind.
und Atomtests zu unterlassen.
Die endgültige Entscheidung des Präsidenten über die
Amerikanische Atomtestpolitik
Wiederaufnahme von Atomtests wird sich auf grundlegende nationale Sicherheitsinteressen der VereinigPräsident Clinton kündigte am 3. Juli 1993 eine neue ten Staaten gründen, die folgende Fakten berücksichamerikanische Atomtestpolitik sowie einen Vertrag tigen:
über das Verbot von Atomtests an. Nach gründlicher
Prüfung entschied die Administration, daß die im
Den Beitrag, den weitere Tests zur Verbesseamerikanischen Arsenal befindlichen Atomwaffen sirung der Sicherheit und Zuverlässigkeit des
cher und zuverlässig sind. Zusätzliche Atomtests
amerikanischen Arsenals bei der Vorbereitung
hätten den Vereinigten Staaten helfen können, sich auf
eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestein Atomtestverbot vorzubereiten und einige zusätzliverbot leisten würden.
che Verbesserungen in den Bereichen Sicherheit und
Die Reaktion Chinas und anderer Staaten auf
Zuverlässigkeit vorzunehmen. Der Präsident entden
Appell der Vereinigten Staaten zu einem
schied jedoch, daß diese Vorteile aufgewogen werden
globalen
Moratorium für Atomtests.
durch die Gefahr, daß solche Atomversuche die Nichtverbreitungsziele der Vereinigten Staaten unterminieFortschritte bei den CTBT-Verhandlungen.
ren.
Die Auswirkungen weiterer amerikanischer
Am 3. Juli gab der Präsident seine Entscheidung
Atomtests auf die umfassenderen Nichtverbreibekannt, das Moratorium für amerikanische Atomtests
tungsziele der Vereinigten Staaten.
bis mindestens Ende September 1994 zu verlängern,
sofern keine andere Nation Atomtests durchführt. Auch Die Administration führt mit dem Kongreß und ihren
rief er die anderen Atommächte dazu auf, diesem Verbündeten Konsultationen zu diesen Fragen.

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AMERIKA DIENST 51

�MENSCHENRECHTE
22. Dezember 1993

VEREINTE NATIONEN RICHTEN AMT EINES
HOCHKOMMISSARS FÜR MENSCHENRECHTE EIN
Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nach mehr als 30
Jahre andauernden Diskussionen über die politisch
brisante Frage der Schaffung des Amts eines Hochkommissars für Menschenrechte schuf die UN-Generalversammlung am 20. Dezember 1993 diesen Posten für die Förderung und den Schutz der Menschenrechte auf der ganzen Welt.
Die Übereinkunft wurde nach wochenlangen schwierigen diplomatischen Verhandlungen im Dritten Ausschuß der Generalversammlung erzielt. Die Kompromißlösung des Ausschusses verleiht dem Hochkommissar breiten Spielraum und hohes Ansehen, spezifiziert jedoch nicht die von den Ländern der Dritten Welt
geforderten, ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wie Informationsbesuche oder die Verhängung
von Sanktionen.
Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, bezeichnete das Abkommen am 15. Dezember 1993 als "einen wichtigen
Meilenstein für die Menschenrechte auf der Welt" und
"eine weitreichende Errungenschaft für die internationalen Beziehungen".
"Wir halten diesen Schritt für einen globalen Triumph
der Menschenwürde, der Rechte des einzelnen und
der Grundfreiheiten", erklärte Albright.
In diplomatischen Kreisen wird die Übereinkunft als
größter Erfolg der UN-Generalversammlung seit vielen Jahren gewertet, insbesondere da die Ansicht
weitverbreitet war, daß selbst nach dem Erfolg und der
Dynamik der Weltkonferenz über Menschenrechte im
Juni dieses Jahres in Wien ein Kompromiß nicht zu
erreichen wäre.
Der ecuadorianische Botschafter Jose Ayalo Lasso,
der Vorsitzende des Sonderausschusses, der die
schwierige Kompromißlösung ausarbeitete, bezeichnete das Abkommen als "einen großen Erfolg, da jeder
mit dem Text zufrieden ist. Dies ist ein Text, der die
AMERIKA DIENST 51

gemeinsamen Ideale der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen im Menschenrechtsbereich in sich vereinigt."
Weiter erklärte Ayalo Lasso: "Dies ist ein Text, der
dem Hochkommissar genügend Handlungsspielraum
für effektives Vorgehen gibt. Es ist auch ein Text, der
dem Hochkommissar klar die Grenzen seines Handlungsspielraums aufzeigt, damit jeder möglicherweise
im Rahmen seiner heiklen Aufgabe der Förderung und
des Schutzes der Menschenrechte entstehende Zweifel
an seiner Arbeit ausgeräumt wird."
Dem Resolutionsentwurf zufolge, der am 20. Dezember von der Generalversammlung angenommen wurde, wird der Hochkommissar Sorge tragen, daß alle
bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Rechte gefördert und geschützt werden.
Der Hochkommissar wird den Rang eines Stellvertretenden Generalsekretärs innehaben und Generalsekretär Boutros-Ghali, der Menschenrechtskommission
und dem Wirtschafts- und Sozialrat verantwortlich
sein.
Der Hochkommissar wird auch im Rahmen des Menschenrechtszentrums Staaten und regionalen Organisationen Beratungsdienste sowie technische und finanzielle Hilfe anbieten und die entsprechenden Bildungs- und Informationsprogramme der Vereinten
Nationen sowie die Menschenrechtsaktivitäten im
gesamten VN-System koordinieren.
Der Hochkommissar soll einen "Dialog mit allen Regierungen über die Umsetzung seines Mandats im Hinblick auf die Achtung aller Menschenrechte führen".
Die Resolution sieht auch vor, daß er 'Von der Erkenntnis geleitet werden" soll, "daß alle Menschenrechte,
bürgerlichen, kulturellen, wirtschaftlichen, politischen
und sozialen Rechte universell, unteilbar, voneinander
abhängig und zusammenhängend sind... und daß die
Förderung einer ausgewogenen und dauerhaften
Entwicklung für alle Menschen sowie die GewährleiSeite 1

�stung des Rechts auf Entwicklung von großer Bedeutung sind".
Ein an den Verhandlungen beteiligter amerikanischer
Regierungsvertreter erklärte in einem Interview: "Wir
sind der Ansicht, ... daß das Mandat keine Verbote
enthält."
Erwies darauf hin, daß der Hochkommissar der Resolution zufolge "einen Dialog mit den Regierungen
beginnen kann. Unseres Erachtens gibt das dem Amt
des Hochkommissars großen Spielraum, öffentlich
Erklärungen abzugeben ... oder in privaten Gesprächen zu sondieren, ob (die Regierungen) Informationsbesuchen zustimmen. Der Hochkommissar kann ein
Team entsenden, ungeachtet dessen, ob es sich hierbei um einen Informationsbesuch oder um etwas anderes
handelt."
Der Regierungsvertreter stellte auch fest: "Ein Land
kann immer nein sagen, aber das war (im Umgang mit
den Vereinten Nationen oder der Menschenrechtskommission) stets der Fall."
Eine Konzession an die Entwicklungsländer war ihm
zufolge die Erwähnung des Rechts auf Entwicklung ein Mittel für sie, auf den Hochkommissar Druck auszuüben, sich mit Entwicklungsfragen zu befassen.

Die Diplomaten wenden ihre Aufmerksamkeit jetzt den
möglichen Kandidaten für das Amt des ersten Hochkommissars für Menschenrechte zu. Sie erwarten,
daß mehrere Staaten Generalsekretär Boutros-Ghali
eine Nominierung ihres Kandidaten zur Prüfung vorlegen. Für einen der Spitzenreiter hält man Ibrahimi Fall
aus Senegal, den derzeitigen Direktor des Menschenrechtszentrums.
Man stimmt darin überein, daßder erste Hochkommissar einen Präzedenzfall von großer Bedeutung schaffen wird.
"Es werden Handlungsmöglichkeiten in dem Maße
entstehen, wie der Hochkommissar sich als vertrauenswürdige Persönlichkeit herausstellt, die mit komplexen, heiklen und Feingefühl verlangenden Situationen umgehen kann", so Ayalo Lasso.
"Ich persönlich bin der festen Überzeugung, daß die
Effektivität des Hochkommissars von dem in ihn gesetzten Vertrauen abhängt. Gewinnt er das Vertrauen
aller, wird er in der Lage sein, mit den Regierungen in
Kontakt zu bleiben, um Menschenrechtsverletzungen
zu verhindern oder wiedergutzumachen", stellte Ayala
Lasso fest.

Dem Vertreter der Vereinigten Staaten beim UN-Wirtschafts- und Sozialrat, Botschafter Victor Marrero,
Die Vereinigten Staaten "haben das Recht auf Ent- zufolge ist die Einrichtung des Amts eines Hochkomwicklung als unveräußerliches Menschenrecht akzep- missars für Menschenrechte ein großer, historischer
tiert, aber es bleibt immer noch die Frage der Umset- Schritt, mit dem "die Nationen der Welt die Bedeutung
zung dieses Rechts", so der amerikanische Regie- und Unentbehrlichkeit der Achtung der Menschenrungsvertreter. Er betonte jedoch die Bedeutung der rechte bekräftigt haben. Sie haben sich verpflichtet,
den Entwicklungsländern gewährten technischen Hilfe den Menschen an die erste Stelle zu setzen und die
und Beratung.
Würde und Entwicklung des einzelnen über alles andere
zu stellen. Sie haben den Menschenrechten wieder
"Wir schufen ein Amt mit hohem Ansehen", ließ er
die herausragende Bedeutung verliehen, die die Verwissen. "Unserer Ansicht nach kann ein Hochkommisfasser der Charta dieser großartigen Organisation
sar Ressourcen binden und Regierungen zur Zustimbeabsichtigten."
mung zu dieser Art von Programmen bewegen... Der
Hochkommissar wird in der Lage sein, auf die Regie- Marrero warnte: "Ein Hochkommissar wird viele Akrungen Druck zur Annahme dieser Programme und auf tionsmöglichkeiten haben. Wir sollten uns jedoch
die Regierungen der Geberländer zur Gewährung von keinen Illusionen hingeben. Die Macht, Grundrechte
Geldern für diese Programme auszuüben."
zu gewähren oder zu verweigern, wird weiterhin bei
den nationalen Regierungen liegen."
Eine der wichtigsten Bestimmungen des Abkommens
ist dem Regierungsvertreter zufolge, daß der Hoch- "Es wird unsere Aufgabe bleiben, die Regierungen
kommissar für Menschenrechte vom UN-Generalse- davon zu überzeugen, daß die Staaten nicht gekretär für einen Zeitraum von vier Jahren mit der schwächt, sondern gestärkt werden, wenn ihre Bürger
Möglichkeit der Verlängerung um eine weitere vierjäh- frei von Unterdrückung und Angst leben können. Ein
rige Amtszeit ernannt wird. Eine solche Bestimmung mit großen Befugnissen ausgestatteter Hochkommisgibt dem Hochkommissar mehr Unabhängigkeit als sar kann bei diesen Bestrebungen ein wichtiger Vereinem typischen Stellvertretenden Generalsekretär.
bündeter sein", so Botschafter Marrero.

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AMERIKA DIENST 51

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�PORTRAT
22. Dezember 1993

INMAN BRINGT UNTERNEHMERISCHE FÄHIGKEITEN
UND MILITÄRISCHEN HINTERGRUND MIT
Porträt des designierten neuen Verteidigungsministers

WASHINGTON - (AD) - Als Präsident Clinton am 16.
Dezember 1993 Bobby Ray Inman für den Posten
seines nächsten Verteidigungsministers nominierte,
entschied er sich für einen Kenner des Militärs, der
auch in Wirtschaft und Management erfahren ist und
im Kongreß hohes Ansehen genießt.
Der Viersterneadmiral Inman, der im Falle seiner
Bestätigung durch den Senat der 19. Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten wird, ging nach einer
dreißigjährigen Karriere in den Ruhestand. Er diente
sowohl im Korea- als auch im Vietnamkrieg und wird im
Falle seiner Bestätigung der erste Berufssoldat an der
Spitze des Pentagon seit General George C. Marshall
im Jahr 1950 sein.
Präsident Clinton, der bei einer kurzen Feierstunde im
Rosengarten des Weißen Hauses die Nominierung
Inmans bekanntgab, erklärte, die von Inman im Dienst
der Nation gemachten Erfahrungen seien "wahrhaft
beeindruckend".
Erstellte fest, daß Inman während seiner dreißigjährigen Laufbahn in der Marine hochrangige Ämter unter
den Präsidenten Ford, Carter, Reagan und Bush
bekleidet hatte und machte geltend: "Ich weiß, daß er
als Verteidigungsminister ein Gewinn für unsere Nation sein wird."
"Erbringt fürdieses Amt die Eigenschaften mit, die alle
Amerikaner respektieren", fügte der Präsident hinzu.
"Der Sohn eines Tankstellenbesitzers aus einer kleinen Stadt in Texas gelangte durch Intelligenz, Begabung und harte Arbeit zu hohen Ehren und Erfolg."
Inman wurde innerhalb von 24 Stunden nach der
Rücktrittsankündigung von Verteidigungsminister Aspin
nominiert. Seit Inman die Marine verlassen hatte, war
er dem Weißen Haus zufolge an einer Vielzahl von
geschäftlichen Unternehmungen beteiligt und Mitglied
mehrerer Aufsichtsräte.

AMERIKA DIENST 51

Während seiner beruflichen Laufbahn diente Inman
unter Administrationen der Demokraten und der Republikaner. Als Computergenie und nachrichtendienstlicher Experte wurde er 1977 unter der Carter-Administration Leiter der Nationalen Sicherheitsbehörde
(National Security Agency - NSA) und 1981 Stellvertretender CIA-Direktor. Beim CIA demonstrierte Inman Senator David Boren zufolge als erster, "daß das
Verfahren der Kontrolle durch den Kongreß funktionieren kann".
Als der ehemalige Verteidigungsminister Cheney sein
Amt verließ, empfahl er Inman für den Posten und
stellte fest: "Er kennt das Verteidigungsministerium
außerordentlich gut und ... hat gute Beziehungen zu
vielen seiner zukünftigen hochrangigen Mitarbeiter im
Militär."
Inman genießt im Kongreß hohes Ansehen. Lee
Hamilton, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Repräsentantenhauses, nannte die Nominierung Inmans "eine ausgezeichnete Entscheidung" und
prognostizierte ihm eine gute Aufnahme im Kongreß.
Sowohl Senator John McCain, ein Kritiker der ClintonAdministration, als auch William Cohen vom Streitkräfteausschuß des Senats bezeichneten ihn als "herausragend".
In seiner Eigenschaft als Stellvertretender Direktordes
Nachrichtendienstes hatte sich Inman öffentlich gegen
schnelle Kürzungen der Gelder für den Nachrichtendienst ausgesprochen. Er argumentierte, solche Entscheidungen sollten zurückgestellt werden, bis die
Politik des Nachrichtendienstes für die Zeit nach dem
Kalten Krieg festgelegt sei.
Der in Rhonesboro (Texas) geborene Inman erlangte
1950 an der University of Texas seinen Abschluß als
Bachelor. Er trat 1952 als Leutnant zur See seinen
Dienst in der Marine an und machte zwei Jahrzehnte

Seite 1

�später seinen Abschluß am National War College. In
den darauffolgenden 19 Jahren diente er in seiner
Eigenschaft als Analytiker für den Nachrichtendienst
der Marine an Bord eines Flugzeugträgers, zweier
Kreuzer, eines Zerstörers sowie bei einer Vielzahl von
Aufgaben an Land. Auch war Inman in der amerikanischen Pazifikflotte als Stellvertretender Stabschef sowie
als Marineattache in Stockholm tätig.
Im Falle seiner Bestätigung wird Inman den Posten
des Verteidigungsministers in einer sehr schwierigen
Zeit innehaben, und er räumte ein, daß es "keine
leichte Aufgabe" sein werde.
"Ich bezeichne mich selbst als Unternehmer mit hoffentlich strategischer Ausrichtung", erklärte er und
fügte hinzu, in den vergangenen 10 Jahren habe er
"eine Menge über das Funktionieren eines Unternehmens gelernt" und hoffe, "einen Großteil meiner Zeit
mit der Einführung der besten Geschäftspraktiken im
Verteidigungsministerium verbringen zu können".
Das Pentagon sah sich im vergangenen Jahr mit einer
Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert: Einer
neuen Politik im Zusammenhang mit Homosexuellen
im Militär, dem Tailhook-Skandal und der sich wandelnden Rolle von Frauen in militärischen Kampfsituationen, dem Druck aufgrund der in Somalia erlittenen

militärischen Verluste, dem Krankenhausaufenthalt
Aspins wegen seiner Herzprobleme sowie einem
gekürzten Verteidigungshaushalt.
Inman hat sich auch mit dem fortgesetzten Abzug
amerikanischer Streitkräfte sowie einem schrumpfenden Vorrat an militärischer Ausrüstung zu befassen,
die zu der derzeitigen schlechten Stimmung im Verteidigungsministerium beitrugen. Er muß der Überprüfung der amerikanischen Nuklearwaffenstrategie vorstehen, den Rückzug der amerikanischen Truppen
aus Somalia bis zum 31. März kommenden Jahres
überwachen, dem Ministerium bei seinen Schwierigkeiten angesichts neuer Rollen und Missionen bei der
Friedenssicherung vorstehen, das Atomwaffenprogramm Nordkoreas im Auge behalten sowie BosnienHerzegowina und andere Krisengebiete auf der Welt
wachsam beobachten.
Gleichzeitig muß Inman Mittel und Wege finden, den
Verteidigungshaushalt um weitere 50 Milliarden Dollar
zu kürzen, wogegen Aspin sich sträubte.
Von dem geschickten Manager, der von Kollegen als
entschlossen bezeichnet wird, erwartet man, daß er
sich sofort nach dem Rücktritt Aspins am 20. Januar
1994 mit den Einzelheiten der Leitung des Pentagon
vertraut macht.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

�THEMENINDEX
22. Dezember 1993

DER AMERIKA DIENST
2. Halbjahr 1993
Nachstehend eine Liste der Themen, die im Amerika Dienst (2. Halbjahr 1993) erschienen sind. Angegeben
ist jeweils die Nummer der Ausgabe, in der das betreffende Thema behandelt wird.

THEMA

NUMMER DER AUSGABEN

4. Juli

27

Deutsch-Amerikanischer Tag

41

Diplomatie

42

Drogen

27, 28, 44

AID

29

APEC

47,48

Abrüstung

39,43

Einwanderung

31,36

Atomtestverbot

40,51

Europa

38

Atomversuche

28

Außenpolitik

30,35,38,39,40,41,
45,
Sonderdienst (4.0kt)

Flüchtlinge

39

Frauen

41

42

Friedenssicherung

34

Führungsrolle der USA

39

Austauschprogramme

Balkan

30

Bevölkerung

46

G-7

27, 28, 30

Bildung

37,38

G-7/Korea

28

Blues

34

GATT

45, 48, 50, 51

Bosnien

31,32,33, 36, 45

GUS-Hilfe

29

Botschafter

27

Gesellschaft

45

Bürgerrechte

34

Gesundheitsreform

34,39

Gleichberechtigung

34

Country-Music

AMERIKA DIENST 51

35

Seite 1

�Haiti

42

Porträt

30, 33, 42, 43, 51

Handel

29,31,44

Pressefreiheit

33

Haushalt

30

Proliferation

29

Innenpolitik

37

Raumfahrt

34

Rußland

38,40,41, 50,51

Serbien-Montenegro

31

John F. Kennedy

46

KSZE

49

Somalia

35,40,41, 42

Kongreß

37

Sudan

34

Kriegsverbrechen

30,36
Terrorismus

32,46

Landminen

32,46

Literatur

42

US-Militär

48

Luftfahrt

45

US-Regierung

48

USA-Asien

47

Martin Luther King

32

USA-Deutschland

37,49

Medien

46

USA-Europa

48

Menschenrechte

48, 50, 51

USA-Korea

28

Musik

36

USA-Rußland

36,37

USIA

40,44

Umwelt

43

Verbrechensbekämpfung

47,50

Verteidigung

36,37

Weiterverbreitung

35

Wettbewerb

44

Wirtschaft

27,30,31,32,33,35

.
NAFTA

33, 34,38,46,47, 50

NATO

28, 33, 43, 49

Naher Osten

29,31,32,35,37,38,
39,40

Nichtverbreitung

30,50

Osteuropa

31

Pazifik

36

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 51

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                <text>&lt;strong&gt;1. Russland&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton: Russen befürworten nicht die extremen Ansichten Schirinowskijs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Der Präsident bekräftigt Unterstützung für russische Reformprozeß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Gatt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uruguay-Runde wird amerikanische Wirtschaft ankurbeln&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht über Einzelheiten des Abkommens&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Atomtestverbot&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Verhandlungen über umfassendes Atomtestverbot &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Vereinte Nationen richten Amt eines Hochkommissars für Menschenrechte ein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Entscheidung nach jahrzehntelanger Kontroverse&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Porträt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Inman bringt unternehmerische Fähigkeiten und militärischen Hintergrund mit&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Porträt des designierten neuen Verteidigungsministers&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Themenindex&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Amerika Dienst&lt;br /&gt;&lt;em&gt;2. Halbjahr 1993&lt;/em&gt;</text>
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V^ *«?

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C
50

16. Dezember 1993

NAFTA

NAFTA UNTERSTREICHT
FÜHRUNGSROLLE DER USA
Erklärung Präsident Clintons
bei Unterzeichnung des NAFTA

GATT

URUGUAY-RUNDE GEHT ÜBER URSPRÜNGLICH GESETZTE ZIELE HINAUS
Erklärung des
US-Handelsbeauftragten

EINIGUNG ZWISCHEN USA UND EU
BEI URUGUAY-RUNDE BEKANNTGEGEBEN
Abschluß der Handelsgespräche

NICHTVERBREITUNG

USA BEKÄMPFEN VERBREITUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Ausführungen von
Verteidigungsminister Aspin

RUSSLAND

USA GRATULIEREN RUSSLAND
ZU HISTORISCHEN WAHLEN
Erklärung des Weißen Hauses

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

USA UND ITALIEN BEKÄMPFEN GEMEINSAM
ORGANISIERTES VERBRECHEN
Erklärung von Präsident Clinton

MENSCHENRECHTE

CLINTON: MENSCHENRECHTE MÜSSEN
HOHE PRIORITÄT BEI DEN VEREINTEN
NATIONEN BEHALTEN
Proklamation zum Menschenrechtstag

SHATTUCK: MENSCHENRECHTSPOLITIK
DER USA STREBT ENDE DER FOLTER AN
Erläuterungen bei Pressekonferenz

�NAFTA
15. Dezember 1993

NAFTA UNTERSTREICHT FÜHRUNGSROLLE DER USA
Erklärung Präsident Clintons bei Unterzeichnung des NAFTA
WASHINGTON - (AD) - Die Annahme des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free
Trade Agreement - NAFTA) durch die Vereinigten Staaten signalisiert das Engagement der Vereinigten Staaten
für ihre Verantwortung zu Führungsstärke in der Welt, erklärte Präsident Clinton bei der Unterzeichnungszeremonie zur Inkraftsetzung des NAFTA.
Der Präsident fügte hinzu: "Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Weltwirtschaft mit all ihren Versprechungen und Gefahren ist jetzt die zentrale Tatsache im Leben hartarbeitender Amerikaner."
Der Präsident gab seine Erklärung am 8. Dezember 1993 ab, bevor er das Gesetz in demselben Saal des
Wirtschaftsministeriums unterzeichnete, in dem Präsident Truman 1949 den Nordatlantikvertrag zur Gründung
der NATO unterzeichnet hatte.
Nachfolgend veröffentlichen wir den offiziellen Text der Rede Präsident Clintons.

Ich freue mich außerordentlich, Sie alle hierzu sehen.
Ich danke Speaker Foley und dem Vorsitzenden der
Republikanischen Partei Bob Michel für ihre Anwesenheit am heutigen Tag. So viele verdienen ein Wort des
Dankes. Der Vizepräsident hat ausgezeichnete Arbeit
geleistet. Ich möchte drei weiteren Persönlichkeiten
danken - Laura Tyson, der Vorsitzendendes Rates der
Wirtschaftsberater, Bob Rubin, dem Vorsitzenden
meines nationalen Wirtschaftsteams sowie einem
Mitglied des Repräsentantenhauses aus der Republikanischen Partei, das nicht erwähnt wurde - dem
Abgeordneten David Dreier, der mit mir an einem
regnerischen Tag nach Lousiana fuhr, um für das
NAFTA zu werben. Ich würde gerne noch viele andere
erwähnen; Ihnen allen danke ich jedoch für das, was
Sie getan haben.

Ein besonderes Wort des Dankes gilt dem Kabinett,
weil wir etwas Einzigartiges versuchen. Wir versuchen, unsere gesamten Ministerien und führenden
Kabinettsmitglieder zur Zusammenarbeit an all den
Dingen zu bewegen, die für uns von Bedeutung sind.
Viele von ihnen haben trotz ihrer vollen Terminkalender einen Großteil ihrer Freizeit und ihrer Arbeitszeit
hierzu verwendet. Ich danke den bereits erwähnten
ehemaligen führenden Politikern sowie unserem Militär. Da General Powell hier anwesend ist, möchte ich
besonders hervorheben, daß die hochrangigen Offiziere, mit denen ich über das NAFTA sprach, vielleicht
die das Freihandelsabkommen am stärksten unterstützende Gruppe waren. Der Grund dafür ist meines
Erachtens die von ihnen in den letzten Jahrzehnten
gemachte Erfahrung. Sie wußten, daß wir es uns nicht
leisten konnten, vor unserer Verantwortung zu FühWährend der Kampagne für das NAFTA unterstützte rungsstärke und unserem konstruktiven Engagement
der Vizepräsident bei unseren Treffen diese Position, in der Welt zurückzuschrecken. Und viele von ihnen,
lange bevor wir wußten, ob wir hierherkommen würden die noch Uniform tragen, durften und sollten das nicht
oder nicht. Es ist mir auch ein Bedürfnis, Mickey in der Öffentlichkeit sagen. Meines Erachtens darf ich
Kantor und Mack McLarty persönlich für die insbeson- das heute jedoch. Ich war von ihren Worten zutiefst
dere in den letzten Tagen der Verhandlungen mit bewegt.
mexikanischen Handelsvertretern und der mexikanischen Regierung von ihnen geleistete Arbeit zu dan- Ich möchte auch all jenen Bürgern besonderen Dank
ken. Auch möchte ich hier die Vertreter Mexikos und aussprechen, die uns geholfen haben - führenden
Kanadas begrüßen und sie herzlich willkommen hei- Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Umßen. Sie sind unsere Partner in einer Zukunft, die wir weltschützern, die hieran arbeiteten - von denen viele
zusammen aufbauen wollen.
starker Kritik ausgesetzt waren, insbesondere in der

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Umweltschutzbewegung und in Kreisen der Arbeitnehmer. Ich möchte eine Gruppe besonders hervorheben, die für unseren Erfolg von zentraler Bedeutung
war - die Kleinunternehmer, von denen sich viele
organisierten und uns zur Hilfe eilten. Sie haben
wirklich etwas bewirkt.

jetzt wirkliche Fortschritte im Hinblick auf ein weltweites Handelsabkommen, das von derartiger Bedeutung
ist, daß die materiellen Vorteile des NAFTA für unser
Land dagegen gering erschienen.

Heute haben wir die Chance, das zu tun, was unsere
Eltern vor uns taten. Wir haben die Chance zur
Ich möchte die Gelegenheit nicht versäumen, meinem Neugestaltung der Weh. In diesem neuen Zeitalter
guten Freund Bill Daley und dem Kongreßabgeordne- wird unsere nationale Sicherheit ebenso von unserer
ten Bill Frenzel für ihre bei der Mobilisierung dieser Fähigkeit zum Abbau ausländischer HandelsschranBestrebungen geleistete Hilfe zu danken, obwohl die ken abhängen wie von unserer Fähigkeit zur Durchbeiden bereits erwähnt wurden. Der Kongreßabgeord- brechung entlegener Schutzwälle. Wir sind wieder
nete Frenzel schrieb mir kürzlich einen wunderbaren einmal führend und entdecken dabei eine grundlegenBrief und schickte mir eine seiner berühmten Karikatu- de Wahrheit über uns selbst. Wenn wir führen, schafren über das N AFTA, die ich jetzt rahmen lasse. Diese fen wir Sicherheit und Wohlstand für unser eigenes
beiden Persönlichkeiten repräsentieren den parteien- Volk.
übergreifenden Geist, der angesichts des Rufs nach
Wandel im Kongreß und im ganzen Land vorherrscht. Es war eine harte Lektion. In diesem Jahrhundert
Ich hoffe, daß wir in den vor uns liegenden Tagen, wurden wir zweimal zur Definition unserer Rolle in der
Monaten und Jahren mehr davon sehen werden. Es Welt gezwungen. Nach dem Ersten Weltkrieg zogen
wir uns zurück und bauten protektionistische Schutzwar sehr schön.
wälle um unsere Nation. Das Ergebnis war eine große
Diese ganze Angelegenheit hat sich als ein für unsere Depression und letztlich ein weiterer schrecklicher
Nation entscheidender Zeitpunkt erwiesen. Vor eini- Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgten wir
gen Minuten sprach ich mit einem der hier Anwesen- einen anderen Kurs - wir wendeten uns der Welt zu.
den, der mir erzählte, daß er die Abstimmung von Begnadete Politiker beider politischen Parteien errichChina aus im internationalen Fernsehen verfolgt habe. teten eine neue Ordnung auf der Grundlage kollektiver
Und er fuhr fort, man hätte dabei sein müssen um Sicherheit und erweiterten Handels. Sie legten ein
verstehen zu können, wie wichtig das NAFTA für die Fundament der Stabilität und schufen dabei die Bedinübrige Welt war. Nicht wegen seiner Bestimmungen - gungen, die zum Entstehen der großartigen amerikada es im Grunde genommen eine Handelsvereinba- nischen Mittelschicht führten, einem der echten Wirtrung zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und schaftswunder in der gesamten Geschichte der ZiviliKanada ist - sondern weil es zum Symbol für den sation. Ihre Staatskunst zeigt sich noch heute - am
Kampf um die Geisteshaltung in unserem Land wurde IWF und der Weltbank, dem GATT und der NATO.
und dafür, wie wir unsere eigenen beträchtlichen
Herausforderungen in einer äußerst schwierigen und In diesem Auditorium unterzeichnete Präsident Harry
Truman im Jahr 1949 eines der grundlegenden Dokusich rasch wandelnden Welt angehen.
mente dieses goldenen Zeitalters amerikanischer
. Ich bin der Ansicht, daß wir jetzt eine Entscheidung Führung - den Nordatlantikvertrag zur Gründung der
getroffen haben, die uns den Aufbau einer Weltwirt- NATO. "Mit diesem Vertrag hoffen wir einen Schutzschaftsordnung erlaubt, die mehr Wachstum, mehr schild gegen Aggression und die Angst vor Aggression
Gleichberechtigung, verbesserten Umweltschutz sowie zu schaffen", erklärte Truman seinen Zuhörern, "ein
eine größere Chance für den Weltfrieden fördert. Wir Bollwerk, das es uns gestattet, uns der wirklichen
stehen kurz vor einem weltweiten Wirtschaftswachs- Aufgabe der Regierung und der Gesellschaft zu widtum, das auf die Tatsache zurückzuführen ist, daß die men, der Aufgabe, unseren Bürgern ein erfüllteres und
Vereinigten Staaten sich im entscheidenden Moment glücklichereres Leben zu ermöglichen.''
für Wettbewerb anstatt Rückzug entschieden.
Die von Truman und Acheson, Marshall und VandenIn wenigen Minuten werde ich durch meine Unter- berg aufgebauten Institutionen haben jetzt ihre Arbeit
schrift dem Nordamerikanischen Freihandelsabkom- vollendet. Der Kalte Krieg ist vorüber. Die grausame
men Gesetzeskraft verleihen. Das NAFTA wird die Gewißheit der Auseinandersetzung mit dem Kommuzwischen unseren drei Nationen bestehenden Han- nismus wurde durch die euphorische Ungewißheit des
delsschranken abbauen. Es wird die weltweit größte internationalen wirtschaftlichen Wettbewerbs ersetzt.
Handelszone errichten und bis 1995zur Schaffung von Die große Frage des Tages lautet, wie Sicherheit für
200.000 Arbeitsplätzen allein in diesem Land führen. unser Volk zu einer Zeit gewährleistet werden kann, in
Die von unserer Administration ausgehandelten Zu- der Wandel die einzige Konstante ist.
satzabkommen über Umweltschutz und Arbeit werden
dieses Abkommen zu einer treibenden Kraft für sozia- Um Mißverständnissen vorzubeugen: Die Weltwirtlen Fortschritt sowie Wirtschaftswachstum machen. schaft mit all ihren Versprechungen und Gefahren ist
Das von uns durch die Ratifizierung des NAFTA be- jetzt die zentrale Tatsache im Leben hartarbeitender
zeugte Vertrauen trägt bereits Früchte. Wfr madhfcn * Amerikaner. Sie bereichert das Leben von Millionen
Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Amerikanern, aber zu viele dieser Winde des Wandels
unterhöhlen die Basis ihrer Sicherheit.
Seit zwei Jahrzehnten arbeiten die meisten Menschen
mehr für weniger. Anscheinend sichere Arbeitsplätze
gingen verloren. Und obwohl Amerika wieder die
produktivste Nation auf der Welt ist, birgt eben diese
Produktivität den Samen weiterer Unsicherheit. Schließlich bedeutet Produktivität, daß dieselbe Anzahl Menschen mehr-oder sehr häufig, daß weniger Menschen
mehr - produzieren können. Mit einer solchen Welt
sehen wir uns konfrontiert.
Wir können den globalen Wandel nicht aufhalten. Wir
können den überall vorherrschenden internationalen
Wettbewerb nicht außer Kraft setzen. Wir können nur
von seinen Energien profitieren. Wir müssen uns jetzt
verdeutlichen, daß der einzige Weg zu weiterem
Wohlstand für ein wohlhabendes Land in Exporten
besteht - einfach neue Kunden für die von ihm produzierten Waren und Dienstleistungen zu finden. Das,
meine amerikanischen Mitbürger, ist die vom Kongreß
mit der Abstimmung über die Ratifizierung des NAFTA
getroffene Entscheidung.
Ich bin dankbar für die vom Kongreß in diesem Jahr
beim Defizitabbau und der Zinssenkung sowie der
Schaffung von mehr Wohnraum und Arbeitsplätzen
geleistete Arbeit. Wenn sich unsere nationale Wirtschaftspolitik dank unserer Fähigkeiten langfristig zum
Nutzen unseres Volkes auswirken soll, müssen wir
jedoch eine Außenwirtschaftspolitik haben, dank der
sich Produktivität nicht nur in höheren Einkommen für
unsere Unternehmen ausdrückt, sondern in mehr
Arbeitsplätzen und höheren Einkommen für unsere
Bürger. Das bedeutet mehr Kunden. Es gibt keinen
anderen Weg - wederfürdie Vereinigten Staaten, noch
für Europa oder Japan oder irgendein anderes wohlhabendes Land der Welt.
Aus diesem Grund bin ich dankbar, daß wir nach der
NAFTA-Abstimmung im Repräsentantenhaus ein so
gutes Gespräch mit den Wirtschaftsvertretern des
asiatisch-pazifischen Raums in Washington hatten.
Ich bin dankbar, daß - wie von Vizepräsident Gore und
Stabschef Mack McLarty vor zwei Wochen bei ihrem
Treffen mit Präsident Salinas angekündigt - die Nationen dieses Kontinents im nächsten Jahr zu einem
Wirtschaftsgipfel zusammenkommen, bei dem geplant wird, wie die Vorteile des Handels auf alle aufstrebenden demokratischen Marktwirtschaften Nord- und
Südamerikas ausgeweitet werden können.
Und jetzt freue ich mich, daß wir die Chance zur
Sicherung des größten Durchbruchs haben. Unterhändler aus 112 Nationen arbeiten auf den Abschluß
der Verhandlungen über eine neue Runde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens hin - ein historischer weltweiter Pakt, der einen globalen Wirtschaftsaufschwung ankurbelt, liegt jetzt in greifbarer Nähe.
Ich möchte eines unmißverständlich klarstellen. Wir

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können und sollten uns nicht mit einem schlechten
GATT-Abkommen zufriedengeben. Wir werden jedoch in unseren Bestrebungen zur Sicherstellung eines
guten Abkommens in diesen letzten Tagen nicht nachlassen. Wir sind bereit, unseren Beitrag zum Erfolg
dieser Verhandlungen zu leisten, aber wir bestehen
darauf, daß andere Nationen auch das Ihre tun. Wir
dürfen diese Chance nicht vergeuden. Ich fordere alle
Nationen der Welt auf, diesen Moment zu nutzen und
die Verhandlungen über ein gutes GATT-Abkommen
in der nächsten Woche abzuschließen.
Ich sage allen, selbst unseren Unterhändlern: Rasten
und ruhen Sie nicht. Bringen Sie die Verhandlungen
zum Abschluß. Ich habe Mickey Kantor neulich gesagt, daß wir die mühevolle Arbeit am NAFTA mit
einem Urlaub bei den GATT-Gesprächen belohnen
werden.
Meine amerikanischen Mitbürger, Stück für Stück wird
all dies die Bedingungen für umweltverträgliche globale Expansion schaffen. So bedeutend sie auch sind unsere Ziele müssen noch ehrgeiziger sein. Die
Vereinigten Staaten dürfen sich nicht mit weniger
zufriedengeben als einem neuen Handelssystem, von
dem alle Nationen durch stabilen Handel profitieren,
der unsere Mittelschicht schützt und anderen Nationen
die Chance zum Aufbau einer Mittelschicht gibt. Damit
wird die Lage der Arbeitnehmer und die Umwelt verbessert. Damit wird sichergestellt, daß unsere Maßnahmen unsere Werte widerspiegeln.
AusdiesemGrundmußunsereTagesordnung weitreichend sein. Wir stellen fest, daß dynamischer Handel
nicht zum Raubbau an der Umwelt führen darf. Wir
streben neue institutionelle Arrangements an um zu
gewährleisten, daß der Handel die Wert sauberer als
zuvor hinterläßt. Wir fordern die Arbeitnehmer aller
Länder auf, sich Rechte zu sichern, die wir jetzt als
selbstverständlich erachten, sich zu organisieren und
einen ordentlichen Lebensunterhalt zu verdienen.
Wir werden darauf bestehen, daß erweiterter Handel
fair zu unseren Unternehmen und Regionen ist. Kein
Land sollte Kartelle, Tochtergesellschaften oder Einfuhrvorschriften benutzen, um unsere Produkte aus
seinen Regalen fernzuhalten. Und wir müssen darauf
hinarbeiten, daß unsere Bürger die persönliche Sicherheit zur vertrauensvollen Beteiligung an diesem
neuen Zeitalter haben. Jeder Arbeitnehmer muß die
erforderliche Aus- und Fortbildung erhalten, um von
den Vorteilen des internationalen Wettbewerbs profitieren zu können, statt seine Lasten zu tragen.
Im nächsten Jahr wird unsere Administration ein umfassendes Gesetz zur Umgestaltung unseres Beschäftigungssystems in ein Wiederbeschäftigungs- und
Umschulungssystem für das 21. Jahrhundert vorlegen. Und vor allem sage ich Ihnen, wir müssen die
Umstrukturierung der breiten politischen Koalition für
erweiterten Handel anstreben. Seit Jahrzehnten haben

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�arbeitende Männer und Frauen sowie ihre Vertreter
Maßnahmen unterstützt, die uns Wohlstand und Sicherheit gebracht haben. Grund dafür war unsere
Erkenntnis, daß erweiterter Handel uns allen nutzt, wir
jedoch eine Verpflichtung zum Schutz der Arbeitnehmer haben, die den Löwenanteil der Last des Wettbewerbs tragen, indem wir ihnen die Chance zur Umschulung bieten sowie dazu, einer neuen, unterschiedlichen und letztlich sichereren Arbeit nachzugehen. In
den vergangenen Jahren ist dieser Sozialpakt auseinandergebrochen. Das darf nicht weiterhin der Fall
sein.

sowie den arbeitenden Männern und Frauen in diesem
Land. Es bedeutet größere Produktivität, weniger
Arbeitslose, effizientere Arbeit, höhere Löhne und
mehr Sicherheit für unsere Bürger. Wir müssen dies
tun.

Wir streben ein neues und offeneres globales Handelssystem nicht nur um seiner selbst willen, sondern
um unsertwillen an. Gute Arbeitsplätze, eine sich
bezahlt machende Karriere und ein erweiterter Horizont für die Amerikaner der Mittelschicht können nur
durch die Erweiterung von Exporten und globalem
Wachstum sichergestellt werden. Zu lange war unser
Wenn ich in wenigen Minuten meine Unterschrift unter Schritt unsicher, während sich der Boden unter unsedas NAFTA-Gesetz setze, tue ich dies mit folgendem ren Füßen bewegte. Heute, da ich dem NordamerikaVersprechen: Für die Männer und Frauen unseres nischen Freihandelsabkommen mit meiner Unterschrift
Landes, die Angst vor diesen Veränderungen hatten Gesetzeskraft verleihe und weitere Fortschritte beim
und in ihrem Widerstand gegen das NAFTA einen GATT fordere, haben wir meines Erachtens Fuß geAusdruck dieser Ängste sahen, die meines Erachtens faßt. Und ich bitte Sie alle, standfest zu sein - sich
und meines Wissens falsch, aber dennoch legitime bewußt zu machen, daß wir der Wert von heute und
morgen nicht den Rücken zukehren können. Wir
Ängste waren.
müssen uns den Herausforderungen stellen, sie verDie Vorteile dieses Abkommens werden auch für Sie trauensvoll annehmen, uns mit den Problemen ehrlich
von Vorteil sein. Ich bitte die Gegner des NAFTA zur und offen auseinandersetzen und die Vorteile dieser
Zusammenarbeit mit uns, um die Umsetzung der Welt für uns alle zum Tragen bringen. Amerika ist, wo
Vereinbarungen zu Arbeitsfragen sowie derZusatzab- es ein sollte - an der Führungsspitze, das Tempo
kommen zu gewährleisten, und ich appelliere an alle, bestimmend und das Vertrauen unter Beweis stellend,
die an das NAFTA glauben, gemeinsam mit mir auf das wir alle benötigen, um uns dem morgen zu stellen.
den Kongreß einzuwirken, um das beste Ausbildungs- Wir sind zum Wettbewerb bereit und können gewinund Umschulungsprogramm für Arbeitnehmer der Welt nen. Ich danke Ihnen.
hervorzubringen. Wir schulden es den Unternehmern

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�GATT
15. Dezember 1993

URUGUAY-RUNDE GEHT ÜBER URSPRÜNGLICH
GESETZTE ZIELE HINAUS
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union (EU) erzielten Einigung über Fragen
einer Reform des Welthandels, die im Falle ihrer Annahme durch die anderen Teilnehmerstaaten der UruguayRunde den spiralförmigen Anstieg der Agrarsubventionen beenden, die Märkte für Dienstleistungen öffnen,
Schutz geistigen Eigentums gewähren, die Subventionen für die zivile Luftfahrtindustrie senken und die Zölle
abbauen soll.
"Die Vereinigten Staaten und Europa werden jetzt Seite an Seite an einem erfolgreichen Abschluß dieser
Verhandlungen arbeiten", erklärte der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor am 14. Dezember 1993 nach einer
Nachtsitzung in Genf mit EU-Chefunterhändler Sir Leon Brittan. "Wir sind sogar über die vor sieben Jahren im
uruguayischen Punta del Este gesetzten ehrgeizigen Ziele hinausgegangen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des US -Handelsbeauftragten im Wortlaut.

Ich freue mich ankündigen zu können, daß die Vereinigten Staaten und die Europäische Union eine umfassende Einigung über alle ausstehenden Fragen der
Uruguay-Runde erzielen konnten. Mit diesem Durchbruch in der Runde lösten wir einen gordischen Knoten. Die Vereinigten Staaten und Europa werden jetzt
Seite an Seite an einem erfolgreichen Abschlu ß dieser
Verhandlungen arbeiten.
Ich habe am Dienstag darauf hingewiesen, daß wir den
Entwurf eines wahrhaft historischen Handelsabkommens vorliegen haben. Heute wissen wir, daß es
erzielt werden kann. Die Uruguay-Runde wird mehr
Handelshemmnisse abbauen als jedes andere Handelsabkommen in der Geschichte. Sie wird zu einer
Steigerung amerikanischer Exporte führen - von denen jetzt 10 Prozent aller Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten abhängen - und erstmals internationale
Handelsrichtlinien für die Bereiche Dienstleistungen,
Landwirtschaft, geistiges Eigentum und Investitionen
festlegen.
Wir sind sogar über die vor sieben Jahren im uruguayischen Punta del Este gesetzten ehrgeizigen Ziele
hinausgegangen. Die Vereinigten Staaten und die
Europäische Union werden ihre Zölle - Steuern, die wir
alle zahlen - anstelle der ursprünglich vorgesehenen
Senkung um ein Drittel um die Hälfte reduzieren. Wir
werden im Dienstieistungsbereich, indem mehr alsdie

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Hälfte aller amerikanischen Arbeitnehmer tätig ist,
neue große Märkte öffnen. Wir werden dem spiralförmigen Anstieg der sinnlosen Agrarsubventionen, die
unseren Staatshaushalt in den Bankrott treiben und
die Weltmärkte für amerikanische Farmer verzerren,
ein Ende setzen.
Die Grundlage der amerikanischen Wirtschaft ist die
Kreativität, Innovationsfreudigkeit und Erfindungsgabe unserer Bürger. Die Uruguay-Runde wird den
illegalen Mißbrauch mit Patenten, Urheberrechten,
Warenzeichen und anderen Rechten geistigen Eigentums beenden.
Der Abschluß der Uruguay-Runde ist für dauerhaftes
Wirtschaftswachstum und die Schaffung guter Arbeitsplätze in Amerika, Europa und auf der ganzen
Welt von essentieller Bedeutung. Im nächsten Jahrzehnt wird die Weltwirtschaft aufgrund des Abbaus
von Handelshemmnissen und der Öffnung von Märkten als Ergebnis dieser Runde 6 Billionen Dollar hinzugewinnen.
Sir Leon Brittan und ich haben zahllose Stunden an
dieser Übereinkunft gearbeitet. Wir rufen die anderen
Regierungen der Wert dazu auf, über die begrenzten
Interessen weniger Staaten hinaus auf die viel größeren Vorteile dieses Abkommens für alle Völker dieser
Wert zu schauen. Es bleiben noch zwei Tage. Jetzt ist

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�die Zeit gekommen, denselben Mut, politischen Willen
und Weitblick zu zeigen, den die Vereinigten Staaten
und die Europäische Union an den Tag gelegt haben.
Es steht viel auf dem Spiel. Die Gewinne sind real. Die
Zeit drängt. Wir müssen - und wollen - Erfolg haben.

Staaten zur Liberalisierung ihrer Vorschriften ermutigen und beinhaltet Mittel, um Trittbrettfahrer zur Einhaltung der Bestimmungen zu zwingen. Amerikanische Unternehmen sind in diesen Bereichen weltweit
führend. Unsere Finanzeinrichtungen in Übersee
schaffen Einkommen und fördern die amerikanischen
Sir Leon Brittan und ich trafen in der Nacht zusammen, Exporte und Investitionen im Ausland.
um die drei Angelegenheiten zu lösen, die die Vereinigten Staaten und die Europäische Union spalteten: Audiovisueller Bereich. Wir waren nicht in der Lage,
Luftfahrt, Finanzdienstleistungen und der audiovisuel- unsere Differenzen über Fragen im Unterhaltungsbele Bereich.
reich beizulegen. Um die Runde voranzubringen, sind
sich die Vereinigten Staaten und die EU einig geworWir haben diese Fragen gelöst und den Weg für einen den, daß sie uneins sind. Unsere Differenzen bleiben
Abschluß der Uruguay-Runde bereitet. Die Bedeu- jedoch bestehen.
tung dieser Runde für die Weltwirtschaft kann gar nicht
genug betont werden, und wir bitten andere Nationen, Fernsehprogramme, Spielfilme und Tonaufnahmen gemeinsam mit uns die Runde zu einem größtmögli- dieser Sektor ist für die Gesundheit und Vitalität der
chen Erfolg zu machen.
amerikanischen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Millionen von Amerikanern arbeiten in diesen
Luftfahrt. Wir haben eine Einigung erzielt, um unsere Branchen. Noch wichtiger ist, daß unsere Filme,
Differenzen im Bereich der Luftfahrt gerecht und im Fernsehprogramme und Tonaufnahmen nahezu auf
Interesse beider Seiten zu lösen. Wir haben uns die ganze Welt, einschließlich Europa, Anziehungsgeeinigt, die Luftfahrt unter das neue Subventionsab- kraft ausüben.
kommen zu stellen, das zu größerer Disziplin bei der
Vergabe von Subventionen und einem stärkeren, Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten
schnelleren, bindenden System zur Beilegung von und Europa überdie Fragen in der UnterhaltungsinduMeinungsverschiedenheiten führen soll. Auch einig- strie sind wohlbekannt.
ten wir uns auf eine einjährige Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Ziel der Erweiterung und Verbes- In den letzten Jahren hat die Europäische Gemeinserung des GATT-Abkommens überdie zivile Luftfahrt schaft eine Rundfunkrichtlinie erlassen, die von den
Mitgliedstaaten die Ausstrahlung möglichst mehrheitaus dem Jahr 1979.
lich europäischer Programme fordert.
Finanzdienstleistungen. Die Vereinigten Staaten
strebten ein Abkommen über Finanzdienstleistungen Die EU-Mitgliedstaaten haben die Subventionen für
an, innerhalb dessen die Staaten substantiellen Markt- ihre Filmemacher stark erhöht, teilweise mit aus der
zugang und Sonderbehandlung einzelner Länder Besteuerung ausländischer Filme gewonnenen Gelanbieten, was eine bedingungslose Meistbegünsti- dern.
gungsklausel ermöglichen sowie jetzt und in Zukunft Nahezu alle EU-Staaten erheben eine Leerkassettenunbeschränkten Zugang zu unserem Markt erlauben abgabe und verteilen die daraus resultierenden Einwürde. Da bis zum 15. Dezember nur ein Tag bleibt, künfte nach einem für amerikanische Künstler und
ist es leider offensichtlich, daß viele Länder nicht bereit Produzenten nicht gerechten Schema. Diese Maßoder in der Lage sein werden, gute Angebote vorzulenahmen wurden von wachsender Rhethorik über eine
gen. Unter diesen Umständen konnten und wollten wir
"kulturelle" Invasion durch amerikanische Filme und
unsere Märkte nicht für alle ganz öffnen. Wir mußten
Musik begleitet.
eine Möglichkeit für den Umgang mit Trittbrettfahrem
finden, was uns auch gelungen ist.
Die Vereinigten Staaten verfolgten im Unterhaltungsbereich klare Ziele: Wir wollten einen kalkulierbaren
Die Europäische Union und wir stimmten überein, daß und fairen Zugang zum europäischen Markt und die
wir und andere bereit sind, im Bankwesen und bei faire Behandlung unserer kreativen Bürger.
anderen Finanzdienstleistungen eine Befreiung von
der Meistbegünstigungsklausel zuzulassen, und die Wir strebten jedoch auch eine sowohl für die VereinigVereinigten Staaten werden das auch tun. Wir haben ten Staaten als auch fürdie EU-Mitgliedstaaten günstijedoch ein sechsmonatiges Moratorium nach Inkraft- ge Lösung an. Folglich haben die Vereinigten Staaten
treten des Abkommens beschlossen, nach dessen während der zweiwöchigen Verhandlungen über diese
Ablauf die Staaten ihre Angebote und Befreiungen von Angelegenheit eine Idee nach der anderen zur Lösung
der Meistbegünstigungsklausel abändern können. Bis dieser Frage auf eine für beide Seiten gerechte Weise
dahin werden wir eine Reihe von soliden Regeln für im Rahmen eines Gesamtpakets vorgelegt.
Finanzdienstleistungen ausarbeiten.
Die Europäische Union lehnte jeden unserer VorschläDieses Abkommen wird die Finanzmärkte öffnen. Es ge ab. Stattdessen bot sie Konsultationen und andere
hat die Grundlage dafür geschaffen. Es wird andere Schritte an, die weit von wirklichem Marktzugang oder

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�wirklich gerechter Behandlung eines Landes entfernt
sind.
Aufgrund der Unzulänglichkeit der Vorschläge der EU
und ihrer mangelnden Bereitschaft zur Annahme der
von uns gemachten Vorschläge, beschlossen wir,
unsere Angebote für den audiovisuellen Bereich zurückzunehmen und eine Befreiung von der Meistbegünstigungsklausel in Anspruch zu nehmen.

Wir beschlossen, keine bedeutungslosen Halblösungen zu akzeptieren. Vielmehr sind wir der Ansicht, daß
wir die Interessen unserer Künstler, Darsteller und
Produzenten - und den freien Informationsfluß auf der
ganzen Welt - am besten fördern können, indem wir
uns alle uns zustehenden Rechte vorbehalten, um auf
uns diskriminierende Praktiken in diesen Bereichen zu
reagieren.

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�GATT
15. Dezember 1993

EINIGUNG ZWISCHEN USA UND EU BEI
URUGUAY-RUNDE BEKANNTGEGEBEN
Abschluß der Handelsgespräche

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union haben bei der Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche eine umfassende Einigung
erzielt und damit den Weg für abschließende Gespräche der am weitreichendsten internationalen Handelsverhandlungen bereitet.
"Heute wissen wir, daß es (eine wahrhaft historisches
Handelsabkommen) erzielt werden kann", erklärte der
US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor am 14. Dezember 1993 auf einer Pressekonferenz, bei der er
zusammen mit dem für die Außenhandelspolitik der
Europäischen Union zuständigen Kommissar Sir Leon
Brittan die Einigung bekanntgab.
In den letzten Monaten der Uruguay-Runde hatte die
festgefahrene Situation zwischen den Vereinigten
Staaten und der Europäischen Union über von der
Landwirtschaft bis zu Finanzdienstleistungen reichende Themen das Ergebnis der globalen Handelsgespräche, an der über 100 weitere Staaten teilnahmen,
in Frage gestellt. Im letzten Moment erzielten die
beiden größten Handelsmächte der Welt Einigung
über alle Fragen mit Ausnahme des Schutzes der
europäischen Film- und Fernsehindustrie aus "kulturellen" Gründen.
"Mit diesem Durchbruch in der Runde lösten wir einen
gordischen Knoten", stellte Kantor fest. Die Einigung
zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union wurde im letzten Moment erzielt - weniger
als 48 Stunden vor Ablauf der Frist für den Abschluß
der Uruguay-Runde. Wenn Präsident Clinton dem
Kongreß das globale Handelspaket nicht bis zum 15.
Dezember 24.00 Uhr vorlegt, verliert er sein FastTrack-Mandat, das eine Annahme ohne Abänderungen oder eine Ablehnung des Werkes vorsieht.
Sir Leon Brittan rief die anderen Nationen zur Unterstützung der Vereinigten Staaten und der EU beim
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde auf. "Der

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heutige Tag stellt einen Meilenstein in der Geschichte
des Welthandels dar", behauptete er.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor wies darauf hin, das als Ergebnis der Uruguay-Runde erzielte
Abkommen werde zu einer Halbierung der Zölle und
der Öffnung neuer großer Märkte im Dienstleistungsbereich führen, "in dem mehr als die Hälfte der amerikanischen Arbeitnehmer tätig ist". Zudem werde es
"dem spiralförmigen Anstieg der sinnlosen Agrarsubventionen, ... die die Weltmärkte für amerikanische
Farmer verzerren", ein Ende setzen.
Er fügte hinzu, im kommenden Jahrzehnt würden der
Abbau der Handelshemmnisse und die Öffnung der
Märkte eine Ankurbelung der Weltwirtschaft in Höhe
von 6 Billionen Dollar darstellen.
Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
erzielten einen Durchbruch beim Agrarhandel und
erreichten Kantor zufolge die Öffnung seit langem
geschlossener Agrarmärkte. Er zeigte sich jedoch
enttäuscht darüber, daß der Streit über die Film- und
Fernsehindustrie nicht beigelegt werden konnte. Die
Vereinigten Staaten und die EU "sind sich einig geworden, daß sie uneins sind", und werden folglich beide
nicht dem Abkommen der Uruguay-Runde über die
audiovisuellen Dienstleistungen beitreten.
Ein Streit über Subventionsregeln im Luftfahrtbereich,
der die Runde zum Entgleisen zu bringen drohte,
wurde durch ein gesondertes amerikanisch-europäisches bilaterales Abkommen über große Zivilflugzeuge gelöst, das die vorgeschlagenen GATT-Regeln
über Subventionen nicht antastet.
Im Bereich des Marktzugangs für Industrieprodukte
einigten sich die Vereinigten Staaten und die Europäische Union auf eine Abschaffung der Zölle für pharmazeutische Produkte, Baugerät, Agrargerät, medizinische Geräte, Spirituosen, Bier, Möbel und Spielzeug.

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�Im Rahmen der multilateralen Handelsvereinbarungen sollen einer Übersicht der Vereinigten Staaten zu
dem Abkommen zufolge auch Zölle auf forstwirtschaftliche Produkte abgeschafft werden, falls Japan und die
anderen Handelspartner dem Beispiel folgen.

schen Union. Er stellte jedoch fest, nach Bekanntgabe
des Abkommens seien noch einige neue Vorschläge
über Finanzdienstleistungen, Textilien und geistiges
Eigentum vorgelegt worden. Ihm zufolge muß auf
jedem dieser Gebiete am letzten Verhandlungstag ein
"empfindliches Gleichgewicht" geschaffen werden.
Peter Sutherland, der Generaldirektor des GATT, "Dennoch bin ich zuversichtlich, daß wir die Uruguaybegrü ßte den Abschlu ß der bilateralen Verhandlungen Runde morgen zum Abschluß bringen können", äuzwischen den Vereinigten Staaten und der Europäi- ßerte er in einer schriftlichen Erklärung.

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�NICHTVERBREITUNG
15. Dezember 1993

USA BEKÄMPFEN VERBREITUNG VON
MASSENVERNICHTUNGSWAFFEN
Ausführungen von Verteidigungsminister Aspin

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten benötigen Verteidigungsminister Aspin zufolge einen aggressiveren Ansatz bei der Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen, um Präsident Clintons Politik
umzusetzen.

Stelle der alten Sowjetunion getreten, sowjetisches
Nuklearmaterial oder -technologien fänden den Weg
zum Schwarzmarkt, das gekaufte Fachwissen über
Waffen gelange zu den Verbreitern von Massenvernichtungswaffen und unverantwortliche, einstmals unter
dem Einfluß der Sowjetunion stehende Staaten - wie
Nordkorea - verfolgten aggressiv ihre eigenen Waffenprogramme.

Im September hatte Clinton vor der UN-Generalversammlung geäußert: "Eine unserer wichtigsten Prioritäten muß die Verhinderung der Weiterverbreitung
von Massenvernichtungswaffen sein, seien sie atoma- Darüber hinaus fördere die Weltwirtschaft Aspin zufolge die Verbreitung von Technologie und erschwere
rer, chemischer oder biologischer Art."
das "Aufspüren illegaler, für die Entwicklung von Warfen
Indem er diese Politik in einer am 7. Dezember 1993 nützlicher Materialien und Technologien".
vor der Nationalen Akademie der Wissenschaften in
Washington gehaltenen Rede bekräftigte, warnte Aspin "Wir sehen uns einer größeren Verbreitungsgefahr
jedoch auch, daß wir uns "in einem neuen Zeitafter gegenüber als je zuvor", stellte der Verteidigungsminibefinden", in dem die von diesen Waffen ausgehende ster fest und fügte hinzu: "Eine Politik der Verhinderung durch Verweigerung ist nicht genug. Es handelt
Bedrohung noch größer sei.
sich nicht nur um Nuklearwarfen. Alle potentiell gefähr"Die bisherige Gefahr bestand in Tausenden Gefechts- lichen Nationen sind zumindest zur Herstellung bioloköpfen in der Sowjetunion. Die neue uns konfrontie- gischer und chemischer Kampfstoffe in der Lage."
rende nukleare Gefahr liegt vielleicht in einigen wenigen Instrumenten in den Händen verbrecherischer Laut Aspin verfolgt die neue Initiative einen fünf Punkte
Staaten oder sogar Terrorgruppen", erläuterte der umfassenden Ansatz:
Verteidigungsminister.
Verdeutlichung gegenüber allen Parteien, daß
es eine neue, aggressive Politik gibt,
Aspin stellte fest, die Politik der Abschreckung, Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung von Waffen habe
Kauf von Artillerie zur besseren Lokalisierung
während des Kalten Krieges gut funktioniert. Er fügte
und
Zerstörung von Massenvernichtungswafjedoch hinzu, heute "sehen wir uns mit dem Potential
fen,
eines wesentlich verschärften Verbreitungsproblems
konfrontiert", weil der Zusammenbruch der SowjetuniEntwicklung neuer Strategien für die Auseinanon und die Freisetzung ihrerTechnologien die Verbreidersetzung mit Gegnern, die solche Waffen
tung von Massenvernichtungswaffen fördern könne.
besitzen,
"Wir haben eine neue Aufgabe in Angriff genommen",
stellte Aspin fest. "Wir haben ein neues Problem
erkannt und handeln, um ihm mit der Nichtverbreitung
von Massenvernichtungswaffen zu begegnen."
Mehrere Gefahren zusammengenommen machten die
Welt noch gefährlicher als früher, so Aspin. Vier
ehemalige sowjetische Nuklearstaaten seien an die
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Sammlung verbesserter nachrichtendienstlicher
Erkenntnisse über die Programme und Arsenale unverantwortlicher Staaten und
Koordinierung der internationalen Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Verbreitung solcher Waffen.

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�Die Initiative fördere einen Konsens bezüglich der Verteidigung gegen einige wenige ballistische RakeGrößenordnung der Bedrohung, reduziere die militäri- ten aufbauen können, die von unverantwortlichen
sche Nützlichkeit von Massenvernichtungswaffen, halte Staaten oder Terroristen abgefeuert werden könnten.
den Preis solcher Waffen hoch, um die Nachfrage zu
verringern und senke die Verletzbarkeit potentieller Ein hochrangiger Vertreter des VerteidigungsministeOpfer solcher Waffen, führte der Verteidigungsmini- riums hatte zuvor im Pentagon prognostiziert, daß der
Einsatz oder potentielle Einsatz von Massenvernichster aus.
tungswaffen durch solche Gruppen "ein sich abzeichAspin würdigte die Verabschiedung des Nunn-Lugar- nendes Problem ist".
Zusatzartikels durch den Kongreß, im Rahmen dessen
die Vereinigten Staaten Geld und Fachwissen bereit- Im Hinblick auf die nach dem Golfkrieg entdeckten
stellen, um den Nachfolgestaaten der Sowjetunion bei unerwartet modernen Nuklearwaffenprogramme des
der Zerstörung der sowjetischen Arsenale behilflich zu Irak fügte der Vertreter des Verteidigungsministeriums
hinzu: "Wir wollen eine solche Überraschung nicht
noch einmal erleben." Die neue Politik zusammenfasEr bekräftigte, die Vereinigtes Staaten strebten eine send erklärte er gegenüber Reportern: "Wenn man
Klärung zum ABM-Vertrag an, damit sie eine regionale etwas nicht verhindern kann, mu ß man sich schützen."

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�RUSSLAND
15. Dezember 1993

USA GRATULIEREN RUSSLAND ZU
HISTORISCHEN WAHLEN
Erklärung des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir eine von der Pressestelle des Weißen Hauses zu den
Wahlen in Rußland herausgegebene Erklärung.

Die Vereinigten Staaten gratulieren der Regierung und
dem Volk Rußlands zu den am gestrigen Tag abgehaltenen historischen Wahlen. Der 12. Dezember 1993
war ein bedeutender Tag für die Entwicklung des
demokratischen Systems in Rußland. Die Wahlen
wurden friedlich und geordnet organisiert und durchgeführt. Beobachter meldeten keine Unregelmäßigkeiten beim Wahlgang. Das Bild von Millionen Russen
beim Gang zur Wahlurne, um über ihre Zukunft zu
entscheiden, ist ein dramatisches Beispiel für die in
den zwei Jahren seit dem Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion beim Aufbau einer demokratischen Zukunft gemachten Fortschritte.
Mit der Annahme einer neuen Verfassung und den
Wahlen für eine neue Legislaturperiode hat sich das
russische Volk der letzten Relikte des alten sowjetischen Systems entledigt und sie durch neue, gesetzlich verankerte Institutionen ersetzt, die eine Grundlage für die kontinuierliche Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft legen. Die Vereinigten Staaten
und die internationale Staatengemeinschaft haben
großes Interesse am Erfolg dieses Prozesses.

In den kommenden Tagen werden die bei den Parlamentswahlen abgegebenen Stimmen gezählt und die
neue Duma wird mit den Vorbereitungen für ihre Eröffnungssitzung beginnen. Genaue Ergebnisse der Wahlen
oder die Zusammensetzung des Parlaments liegen
noch nicht vor. Präsident Jelzin hat seiner Bereitschaft
zum Beginn eines konstruktiven Dialogs mit den verschiedenen darin vertretenen politischen Kräften
Ausdruck verliehen. Wir erhoffen eine entsprechende
Haltung von seiten aller führenden Politiker Rußlands.
Am Beginn eines neuen Zeitalters und der Entwicklung
demokratischer Institutionen in Rußland werden die
Vereinigten Staaten ihre uneingeschränkte Unterstützung für die politischen und wirtschaftlichen Reformen
in diesem Land fortsetzen. Der Präsident sieht seinem
für Januar geplanten Besuch in Moskau sowie den
Gesprächen mit Präsident Jelzin und anderen Politikern über den weiteren Aufbau einer Partnerschaft
zwischen den Vereinigten Staaten u nd Ru Bland erwartungsvoll entgegen. Vizepräsident Gore wird morgen
abend in Moskau eintreffen und in seinen Treffen mit
russischen Politikern die amerikanische Unterstützung
für Demokratie und Wirtschaftsreformen unterstreichen.

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�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
15. Dezember 1993

USA UND ITALIEN BEKÄMPFEN GEMEINSAM
ORGANISIERTES VERBRECHEN
Erklärung von Präsident Clinton
WASHINGTON - (AD) - In einer am 12. Dezember 1993 abgegebenen Erklärung äußerte Präsident Clinton, bei
ihrem andauernden Kampf gegen die Mafia und andere internationale Verbrechersyndikate hätten sich die
Vereinigten Staaten ebenso wie die italienische Regierung verpflichtet, "zurückzuschlagen, die Straßen
zurückzuerobern und diejenigen zu bestrafen, deren kriminelles Verhalten am Gefüge unserer Gesellschaften
zerrt und das Leben unserer Bürger bedroht".
Als Beweis für die Entschlossenheit der Vereinigten Staaten verwies er auf die hochrangigen Gespräche des
Direktors der amerikanischen Bundespolizei FBI, Louis Freeh, und des Abteilungsleiters für Strafverfolgung im
US-Finanzministerium, Ronald Noble, mit italienischen Regierungsvertretern am vergangenen Wochenende zur
Erörterung neuer Schritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Beim andauernden Kampf gegen die Mafia und andere
internationale Verbrechersyndikate erneuern die Vereinigten Staaten ihr Versprechen der Solidarität mit der
Regierung und dem Volk Italiens sowie deren Unterstützung.

lungsleiter für Strafverfolgung im Finanzministerium,
an diesem Wochenende zu hochrangigen Gesprächen mit italienischen Regierungsvertretern zur Erörterung neuer Schritte bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Italien auf.

Das organisierte Verbrechen ist eine Geißel, die in
unseren beiden Nationen einen schrecklichen Tribut
gefordert hat - durch Rauschgift verwüstete, durch
Gewalt verrohte, durch Mord zerstörte Existenzen.

Direktor Freeh und Abteilungsleiter Noble führen heute
in Palermo Gespräche über diese gemeinsamen
Bestrebungen bei der Strafverfolgung. Sie werden
unterstreichen, was wir und alle Nationen Richter
Giovanni Falcone - dem beim Kampf gegen die italienische Mafia ermordeten mutigen Juristen - schulden
und dem Einsatz anderer tapferer Italiener, die ihr
Leben jeden Tag beim Kampf gegen das organisierte
Verbrechen aufs Spiel setzen.

Die Vereinigten Staaten haben sich ebenso wie die
italienische Regierung verpflichtet, zurückzuschlagen,
die Straßen zurückzuerobern und diejenigen zu bestrafen, deren kriminelles Verhalten am Gefüge unserer Gesellschaften zerrt und das Leben unserer Bürger
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist erfreut, daß
bedroht.
wir Italien bei der Suche nach Richer Falcones MörAus diesem Grund weise ich das Justizministerium dern behilflich sein konnten. FBI-Laborexperten haund das Finanzministerium an, alles in ihrer Macht ben die Verarbeitung von DNA-Beweisen am SchauStehende zur Verbesserung der Zusammenarbeit platz des Verbrechens in Sizilien erleichtert. Ihre Hilfe
zwischen amerikanischen und italienischen Strafver- erwies sich als der entscheidende Faktor für die vor
folgungsbehörden zu tun.
kurzem erfolgte Anklage gegen eine große Zahl von
Verdächtigen.
Als Beweis unserer Entschlossenheit halten sich Louis
Freeh, der Direktor des FBI, und Ronald Noble, Abtei-

AMERIKA DIENST 50

Seite 1

�Direktor Freeh übermittelt darüber hinaus unsere
Botschaft der Verpflichtung gegenüber den italienisehen Strafverfolgungsbeamten und unserer Zusammenarbeit mit ihnen. Ihre kontinuierliche und ent-

schlossene Unterstützung hat den amerikanischen
Strafverfolgungsbeamten zu echten und greifbaren
Fortschritten bei der Bekämpfung der Mafia in den
Vereinigten Staaten verholten.

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�MENSCHENRECHTE
15. Dezember 1993

CLINTON: MENSCHENRECHTE MÜSSEN
HOHE PRIORITÄT BEI DEN
VEREINTEN NATIONEN BEHALTEN
Proklamation zum Menschenrechtstag
WASHINGTON - (AD) - Mit der Erklärung, daß den Menschenrechten weiterhin hohe Priorität bei den Vereinten
Nationen eingeräumt werden muß, forderte Präsident Clinton am 10. Dezember 1993 die "Berufung eines
Hochkommissars für Menschenrechte und die effektive Arbeit des Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien".
In einer Proklamation zum Menschenrechtstag umriß Clinton weitere zum Schutz der Menschenrechte zu
ergreifende Schritte einschließlich der Ratifizierung der internationalen Konvention über die Abschaffung aller
Formen von rassischer Diskriminierung.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Proklamation des Präsidenten, die den 10. Dezember 1993 zum
Menschenrechtstag, den 15. Dezember zum Tag der Bill of Rights und die Woche vom 10. Dezember zur
Menschenrechtswoche erklärt.

Dieses Jahr markiert den 45. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menchenrechte. Die Universalität
dieser Rechte und die gemeinsame Verpflichtung aller
Regierungen, für sie einzutreten - die in der Erklärung
verankerten Aussagen - wurden bei der Weltkonferenz
über Menschenrechte im Juni in Wien bekräftigt. Die
Erklärung ist der Grundstein für die Erarbeitung eines
internationalen Konsenses über die Menschenrechte,
weil sie die gemeinsamen Interessen fördert, die wir
mit anderen Nationen teilen. Sie erkennt an, daß allen
Menschen bestimmte unveräußerliche Rechte zustehen - das Recht auf Leben, Freiheit und Unverletzbarkeit der Person, das Recht auf Schutz vor willkürlicher
Festnahme und Inhaftierung sowie das Recht auf
Schutz vor Massenexekutionen und Folter. Die AllgeUnsere Bill of Rights garantiert unsere grundlegenden meine Erklärung der Menschenrechte geht über sozioFreiheiten, einschließlich der Religions-, Rede- und ökonomische Bedingungen sowie religiöse und kultuPressefreiheit. Seit über 200 Jahren war sie ein relle Traditionen hinaus, denn die Umstände von Geburt,
leuchtender Wegweiser für sozialen Wandel, der unser Geschlecht, Kultur oder geographischer Herkunft können
Verständnis dieser Grundfreiheiten vertieft und diese das Streben des menschlichen Geistes nach dem
Grundrechte für alle unsere Bürger gewährleistet hat. Recht auf ein Leben in Freiheit und Würde nicht
Wir gedenken des Tages der Bill of Rights noch immer einschränken. Diese Sehnsucht nach einer Verbessefeierlich, weil die Sicherstellung der Achtung der rung der Lebensbedingungen des Menschen ist kein
Menschenrechte in den Vereinigten Staaten niemals westlicher Exportartikel. Sie ist ein angeborener Wunsch
aufhört - es ist ein andauernder Prozeß.
des Menschen.

Thomas Paine hat einmal geschrieben, "hätten wir
einen Platz, an dem wir stehen können, könnten wir die
Welt verbessern". Der Dezember markiert den Jahrestag von zwei bahnbrechenden Ereignissen im
andauernden Kampf zur Gewährleistung des Schutzes der Menschenrechte und der Schärfung des
Bewußtseins der Welt für diese allen zustehenden
Freiheiten. Am 15. Dezember 1791 wurde die amerikanische Bill of Rights ratifiziert. Und anderthalb
Jahrhunderte später, am 10. Dezember 1948, verabschiedete die Generalversammlung der Vereinten
Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte. Beide Dokumente haben den Blick zahlloser
Menschen geschärft - und ihr Leben verbessert.

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�Wenn wir über Menschenrechte sprechen, beziehen
Wir müssen alles Erforderliche unternehmen,
um die Konvention über die Abschaffung aller
wir uns auf reale Menschen an realen Orten. Die in der
Formen von Diskriminierung der Frau zu ratifiErklärung enthaltenen grundlegenden Garantien werzieren.
den manchen hohl erscheinen, wenn die Worte nicht in
sinnvolle Aktionen umgewandelt werden. Wir haben
Die Bill of Rights und die Allgemeine Erklärung der
noch viel zu tun:
Menschenrechte verankern die folgende für alle MenWir müssen durch die Berufung eines Hoch- schen und alle Nationen zeitlos gültige Wahrheit: Die
kommissars für Menschenrechte und die effek- Achtung der Menschenrechte ist die Grundlage für
tive Arbeit des Kriegsverbrechertribunals für Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.
das ehemalige Jugoslawien sicherstellen, daß
die Menschenrechte auf der Tagesordnung der Aufgrund dessen erkläre ich, William J. Clinton, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, kraft der
Vereinten Nationen hohe Priorität behalten.
mir durch die Verfassung und die Gesetze der VereiWir müssen zügig handeln, um die Zustimmung nigten Staaten verliehenen Befugnis den 10. Dezemdes Senats zur Ratifizierung der internationalen ber 1993 zum Menschenrechtstag, den 15. Dezember
Konvention über die Beseitigung aller Formen 1993 zumTagderBillofRightsund die Woche vom 10.
rassischer Diskriminierung zu gewinnen.
Dezember 1993 zur Menschenrechtswoche. Ich rufe
alle Amerikaner dazu auf, diese Tage und diese Woche
Wir müssen Gesetze zur Durchsetzung der mit angemessenen Programmen, Feierlichkeiten und
Konvention gegen die Folter erlassen, um unser Aktivitäten zu begehen.
Engagement für die weltweit angestrebte Abschaffung dieser abscheulichen Menschenrechts- Unterzeichnet am 10. Tag des Dezember, im Jahre
verletzung zu unterstreichen.
des Herrn 1993 und im 218. Jahr der Unabhängigkeit
der Vereinigten Staaten von Amerika.

* * * * *

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�MENSCHENRECHTE
15. Dezember 1993

SHATTUCK: MENSCHENRECHTSPOLITIK DER
USA STREBT ENDE DER FOLTER AN
Erläuterungen bei Pressekonferenz

WASHINGTON - (AD) - Die Clinton-Administration
räumt der Ausbreitung von Demokratie weltweit und
der Beendigung von Folterungen durch Regierungen
oberste Priorität ein, erklärte John Shattuck, Abteilungsleiterfür Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im US-Außenministerium, am 8. Dezember 1993 bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des
Menschenrechtstages.
Der 10. Dezember markiere den 45. Jahrestag der
Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Genf und biete eine Gelegenheit,
"Rückschau zu halten und Bilanz zu ziehen, was
erreicht wurde und was noch zu tun bleibt", erklärte
Shattuck.
"Meine Regierung möchte insbesondere alle Regierungen aufrufen, die Praxis der Folter bis zum Jahr
2000 abzuschaffen." Shattuck beschrieb das Problem
als "weitverbreitet" und fügte hinzu: "Die Grundvoraussetzung zur Beendigung der Folter ist politischer
Wille."
Shattuck stellte fest, die Vereinigten Staaten würden zum ersten Mal - eine Beurteilung ihrer Einhaltung
verschiedener internationaler Verträge vornehmen und
den Bericht der UN-Menschenrechtskommission vorlegen.
"Ich sage hier öffentlich, daß die Menschenrechtsbilanz der Vereinigten Staaten in keiner Weise perfekt ist
und von der Regierung, unabhängigen Organisationen
sowie der freien Presse einer ständigen Prüfung unterzogen wird. Ich möchte insbesondere auf die Rolle der
freien Presse bei der Verfolgung von Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern einschließlich der Vereinigten Staaten verweisen."
Shattuck äußerte gegenüber den Journalisten auch,
daß die Vereinigten Staaten die Einrichtung eines
Hochkommissars für Menschenrechte befürworten ein zur Zeit von den Vereinten Nationen erörtertes

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Thema. "Damit würde den Programmen der Vereinten
Nationen Auftrieb verliehen und sichergestellt, daß
Menschenrechten der ihnen gebührende Platz als eine
der Säulen des UN-Systems zukommt."
Obwohl Shattuck kurz auf diese und andere umfassendere Themen einging, verwendete er einen Großteil der Pressekonferenz auf die Beantwortung spezifischer Fragen zu China, Haiti, Israel, Ägypten, Burma,
dem ehemaligen Jugoslawien und zu anderen Ländern.
Shattuck, der vor kurzem von Besuchen in Israel und
Ägypten zurückgekehrt war, antwortete auf eine Frage, er habe in beiden Ländern "sehr ausführliche
Gespräche über das Thema Folter" geführt sowie die
generelle Behandlung von Gefangenen.
Er beschrieb Präsident Clintons Ansatz zu Menschenrechtsfragen als "sehr umfassende und ausgewogene
Anwendung dieser Normen in allen Ländern, mit denen wir bilaterale Beziehungen unterhalten".
Shattuck bekräftigte die amerikanische Position, daß
die Vierte Genfer Konvention auf die von Israel besetzten Gebiete Anwendung findet und stellte fest, die von
den Vereinigten Staaten mit Israel geführten Gespräche - und die Jahresberichte des US-Außenministeriums überdie dortige Menschenrechtssituation - spiegelten diese Auffassung eindeutig wider.
Shattuck zufolge ist Washington nicht "gegen" die Bindung von Auslandshilfe an die Menschenrechtsbilanz
eines Empfängerlandes, er betonte jedoch im weiteren Verlauf der Pressekonferenz, Washington treffe
"nicht alle Entscheidungen zu Auslandshilfe ausschließlich auf der Grundlage der Menschenrechte". Er
machte diese Aussage als Antwort auf eine Frage zu
Israel, das den größten Teil der amerikanischen Auslandshilfe erhält.
Menschenrechte standen auf der Tagesordnung von
jedem Besuch Außenminister Christophers im Nahen
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�Osten, "und stehen zweifelsohne dieses Mal auf der
Tagesordnung", stellte Shattuck fest. Er betonte jedoch, Christophers derzeitiger Besuch in der Region
habe den Friedensprozeß zum Ziel.

Im Hinblick auf die "tragische Menschenrechtssituation" in Haiti äu ßerte Shattuck seine Absicht, dem Land
in der kommenden Woche einen Besuch abzustatten
und bekräftigte die Sichtweise der Vereinigten Staaten, daß Demokratie und Menschenrechte Hand in
Im Hinblick auf China äußerte Shattuck, das Engage- Hand gehen. "Die Zukunft der Menschenrechte in Haiti
ment für dieses Land bilde ein "Kernstück" von Präsi- hängt von der Wiedereinführung der Demokratie und
dent Clintons Außenpolitik in seinem ersten Amtsjahr. der Wiedereinsetzung ins Amt des demokratisch
Gespräche zu einem breiten Spektrum von Themen - gewählten Präsidenten von Haiti, Präsident Aristide,
wie Handel und nukleare Nichtverbreitung - seien auf ab." Die derzeitige Politik der Vereinigten Staaten,
höchster Ebene geführt worden, bis hin zu einem haitianische Asylbewerber abzufangen, habe "ernstTreffen zwischen Präsident Clinton und seinem chine- hafte Schwierigkeiten" hervorgerufen, erklärte Shatsischen Amtskollegen Jiang Zemin.
tuck und fügte hinzu, eine Rückkehr zur Demokratie in
Haiti könnte eine Änderung dieser Politik bewirken.
"Meines Erachtens gibt es zweifelsohne Bestrebungen seitens der chinesischen Regierung zur Einhal- Auf die Frage nach der Situation im ehemaligen Jugotung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte slawien stellte Shattuck fest, die Vereinigten Staaten
wie alle Nationen es zu tun bestrebt sind...", antwortete hätten eine Führungsrolle im UN-Sicherheitsrat beim
Shattuck. Auf die Frage, ob China weiterhin der Drängen auf die Einrichtung eines KriegsverbrecherMeistbegünstigungsstatus eingeräumt würde, stellte tribunals zur Prüfung der Situation übernommen.
er fest, Clintons Präsidialerlaß fordere "insgesamt
beträchtliche Fortschritte bei den Menschenrechten in "Das Kriegsverbrechertribunal ist zum jetzigen ZeitChina" und eine Entscheidung werde in diesem Kon- punkt das wichtigste und überwältigende Signal für
text getroffen.
eine Menschenrechtskatastrophe" im ehemaligen
Jugoslawien.
Shattuck hatte vor kurzem eine 10tägige Reise nach
China unternommen und war der erste hochrangige "...Sowohl der Außenminister als auch die BotschafMenschenrechtsvertreter der Vereinigten Staaten, der terin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten NatioTibet einen Besuch abstattete. Auf die Frage, ob nen, Madeleine Albright, haben Erklärungen abgegeAußenminister Christopher eine Reise nach China ben ..., daß sich die Vereinigten Staaten verpflichten,
beabsichtige, antwortete Shattuck, bevor dies der Fall die Beweise auf jede Spur hin zu überprüfen und keine
sei, müßten in China "maßgebliche" Fortschritte bei Fragen des Friedensprozesses dem Vorgehen des
den Menschenrechten erzielt werden.
Kriegsverbrechertribunals im Rahmen der UN-Statuten im Wege stehen sollten", erläuterte Shattuck.
In seinen Ausführungen über Hongkong erläuterte
Shattuck, die erneute Unterstellung unter die chinesi- Im weiteren Verlauf der Pressekonferenz antwortete
sche Regierungsgewalt beleuchte einen weiteren Shattuck einem Reporter, die Vereinigten Staaten
Brennpunkt der amerikanischen Außenpolitik. "Die erachteten Vergewaltigung als eine Form der Folter,
demokratische Beteiligung ist eine der Säulen von insbesondere, wenn sie im Rahmen der Kampagne
Präsident Clintons Außenpolitik, und wir hoffen natür- der "ethnischen Säuberung" angewandt würde. Die
lich, eine Verpflichtung zur andauernden Beteiligung amerikanischen Vertreter beim Kriegsverbrechertribuim Hinblick auf Hongkong ... und den Schutz der nal "weiden die Position vertreten..., daß ein wesentGrundrechte der Bürger von Hongkong zu erhalten." licher Bereich bei den Ermittlungen zu ethnischen
Säuberungen (im ehemaligen Jugoslawien) der systeEinem Journalisten, der nahelegte, die neue Konzen- matische Einsatz von Vergewaltigung sein sollte".
tration der Vereinigten Staaten auf Handel sei nur ein
Ersatz für die Bekämpfung des Kommunismus im In einer kurzen Erörterung der MenschenrechtssituaKalten Krieg, antwortete Shattuck: "...ich möchte tion in Indien stellte Shattuck fest, die Vereinigten
eindeutig klarstellen, daß die Vereinigten Staaten Staaten seien "erfreut", daß die Regierung in NeuMenschenrechte keinem Handels- oder Wirtschafts- Delhi Menschenrechtsorganisationen den Zutritt zum
Land gestattet hätte. "Das war ein von uns vehement
thema unterordnen...".
verfolgtes Anliegen", so Shattuck.
Er verwies darauf, daß die Zustimmung der Vereinigten Staaten zum Nordamerikanischen Freihandelsab- Er beschrieb Burma als "das kritischste Menschenkommen (North American Free Trade Agreement - rechtsproblem der heutigen Welt". Die Vereinigten
NAFTA) "eben aus dem Grund möglich war, weil die Staaten hätten "alle Instrumente der Diplomatie" dort
Menschenrechtssituation und die Demokratie sich in eingesetzt, beobachteten die Lage, und "wir hoffen
Mexiko verbessert haben" und der Einsatz des Instru- natürlich, daß es schon sehr bald eine Verbesserung
mentes NAFTA "mehr Anreize zu Menschenrechts- der Menschenrechtssituation in Burma geben wird".
verbesserungen" biete.

Seite 2

AMERIKA DIENST 50

�Auf die Frage, vermeintlich werde in der amerikanischen Politik "mit zweierlei Maß gemessen" - insbesondere im Hinblick auf die Behandlung von Muslimen
- verwies Shattuck darauf, daß die islamischen Staaten zu den stärksten und wichtigsten Verbündeten Washingtons zählten und religiöse Konflikte in keiner
Weise auf die muslimische Welt begrenzt seien.
"Zweifelsohne beobachten wir sie in anderen Teilen
der Welt. Das Thema betrifft auch das heutige Afrika
und Teile des Fernen Ostens."
Indem er sich der Menschenrechtsproblematik allgemein zuwandte, stellte Shattuck fest, die amerikanische Delegation bei der Weltkonferenz über Menschenrechte in Wien 1993 sei sich über die "äußerst
enge Verbindung zwischen Entwicklung, Menschenrechten und Demokratie" einig gewesen.

Zur Zeit gebe es einen "Überhang" an internationalen
Verträgen, die von den Vereinigten Staaten erörtert
würden, einschließlich Verträgen zu Rassendiskriminierung, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Rechten sowie den Rechten von Kindern und Frauen.
Er nannte drei Bereiche, in denen ein "überwältigender
Konsens" zu Menschenrechten bestehe: Das Recht
auf persönliche Integrität (Freiheit von Folter, Massenexekutionen, etc.), das Recht auf Redefreiheit und "in
gewissem Maße" auf politische Beteiligung sowie die
Gewährung grundlegender Wirtschafts- und Sozialrechte.
"Dies sind nicht Werte der Vereinigten Staaten, sondern der Welt", erklärte Shattuck.

* * * * *

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Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;NAFTA unterstreicht Führungsrolle der USA &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Clintons bei Unterzeichnung des NAFTA&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Uruguay-Runde geht über ursprüngliche gesetzte Ziele hinaus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Nichtverbreitung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA bekämpfen Verbreitung von Massenvernichtungswaffen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ausführungen von Verteidigungsminister Aspin&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Russland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA gratulieren Russland zu historischen Wahlen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA und Italien bekämpfen gemeinsam organisiertes Verbrechen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von Präsident Clinton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Menschenrechte müssen hohe Priorität bei den Vereinten Nationen behalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Proklamation zum Menschenrechtstag&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shattuck: Menschenrechtspolitik der USA strebt Ende der Folter an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erläuterungen bei Pressekonferenz&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United Stat&amp; of America
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ArfO'c

Z12462C
8. Dezember 1993

49

USA-DEUTSCHLAND

ERSTE GRUNDSATZREDE VON
BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke
in Potsdam

KSZE

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor
KSZE-Ministertreffen

NATO

CHRISTOPHER ERLÄUTERT
PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN
Rede vor dem
Nordatlantischen Kooperationsrat

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�USA-DEUTSCHLAND
8. Dezember 1993

ERSTE GRUNDSATZREDE
VON BOTSCHAFTER HOLBROOKE
Gehalten bei der Atlantik-Brücke in Potsdam
POTSDAM - (AD) - In seiner ersten Grundsatzrede in Deutschland erklärte der neue amerikanische Botschafter, Richard C. Holbrooke, bei einem Treffen der Atlantik-Brücke am 7. Dezember 1993 im Cäcilienhof in
Potsdam, daß die Clinton-Administration "eine sich abzeichnende Rolle Deutschlands auf der globalen Bühne
unterstützen wird. Wir haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen sie und sehen der ebenso engen
Zusammenarbeit mit Bonn wie bisher entgegen", erläuterte der Botschafter den Anwesenden, zu denen der
Vorsitzende der Atlantik-Brücke, Walther Leisler Kiep, der brandenburgische Ministerpräsident Dr. Manfred
Stolpe und Dr. Herbert Knoblich, Präsident des Landtags Brandenburg, zählten. "Aus diesem Grund", fügte der
Botschafter hinzu ."unterstützen wir beispielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands im UN -Sicherheitsrat". Aus der Sicht der US-Administration sei Deutschland "voll und ganz in der Lage", die "Lasten und
Verpflichtungen" einer ständigen Mitgliedschaft zu übernehmen.
Mit der Feststellung, in den Vereinigten Staaten bestehe eine Versuchung, "sich nach innen zu wenden" und sich
auf innenpolitische Probleme zu konzentrieren, unterstrich Botschafter Holbrooke, Präsident Clinton und andere
hochrangige Regierungsvertreter hätten "immer wieder klargestellt, daß ein Rückzug zu einer neuen Form von
Isolationismus in den neunziger Jahren fürdie Vereinigten Staaten keine Alternative darstellt". Die Konzentration
der deutschen Medien auf die amerikanischen Truppenreduzierungen und die Bedeutung Asiens für die
Vereinigten Staaten "verschleiern jedoch gelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten weiterhin
100.000 Soldaten in Europa belassen wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Europa fürdie Vereinigten
Staaten nichts - ich wiederhole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung verloren hat". Die asiatisch-pazifische
Region sei für die Vereinigten Staaten 'Von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, Geschichte
und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der einen Region
nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt betont habe."
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Text der Rede von Botschafter Holbrooke.

Ich möchte den Organisatoren dieser Veranstaltung
und der Atlantik-Brücke für die Einladung am heutigen
Abend hier danken. Die Atlantik-Brücke ist eine au ßerordentlich wichtige Institution, die seit Jahren und in
jüngster Zeit dank der herausragenden Tätigkeit meiner Freunde Walther Leisler Kiep und Beate Lindemann immens viel für die deutsch-amerikanischen
Beziehungen geleistet hat. Daher habe ich ohne zu
Zögern Walther und Beate sogar noch vor meiner
Ankunft in Deutschland vor zwei Monaten versprochen, meine erste politische Grundsatzrede vor dieser
renommierten Gruppe zu halten.
Bevor ich beginne, gestatten Sie mir bitte eine persönliche Anmerkung. Ich möchte den vielen Deutschen,
denen ich in meiner kurzen Zeit hier bereits begegnet
bin, für die mir entgegengebrachte Freundlichkeit und
Gastfreundschaft meinen tiefempfundenen Dank
AMERIKA DIENST 49

aussprechen. Ich werte dies nicht als Ausdruck der
Gefühle der Deutschen für mich persönlich, sondern
gegenüber der Nation, die ich die Ehre habe, hier zu
vertreten. Auf persönlicher Ebene war die Herzlichkeit
dieser Kontakte jedoch das herausragendste und erfreulichste Merkmal meiner ersten Monate in Deutschland. Ich danke Ihnen allen - auch vielen hier nicht
Anwesenden - für diese freundliche Aufnahme.
Ich habe mir geschworen, mich in meinen Ausführungen heute abend strikt auf die Zukunft zu konzentrieren, aber ich kann nicht beginnen, ohne auf den
heutigen Jahrestag zu verweisen. Vor genau 52
Jahren griffen die Japaner Pearl Harbor an und brachten die Vereinigten Staaten - entschieden und unabänderlich - auf den Kurs, der uns schließlich heute hierhin
geführt hat.

Seite 1

�Der 7. Dezember 1941 war mehr als ein entscheidender Augenblick für die Vereinigten Staaten. Er zwang
Amerika zur Konfrontation mit der Verantwortung einer
neuen Rolle - Führung in der globalen Arena - auf die
wir nicht vorbereitet waren, die wir erlernen und in die
wir im Laufe der Zeit hineinwachsen mußten. Die
durch Pearl Harbor und die folgenden Ereignisse freigesetzten Kräfte beeinflußten das Geschehen über
mehr als zwei Generationen hinweg und haben auf die
eine oder andere Art die Sichtweise - das grundlegende Weltbild - aller in diesem historischen Raum Anwesenden beeinflußt, in dem - wie ich mit Ehrfurcht und
großer Demut feststellen möchte - der Krieg in Europa
schließlich beendet wurde.

wenn auch in ziemlich unterschiedlicher Weise. 45
Jahre lang gründete sich die Politik der Vereinigten
Staaten auf die Verteidigung Deutschlands gegen
potentielle Aggression aus dem Osten. Diese Politik
war leicht zu verstehen, wenn auch ihre Umsetzung
gelegentlich schwierig und sogar gefährlich war.
Trotz der Versuchung einer Konzentration auf innenpolitische Probleme gibt es heute auch im Bereich der
Außenpolitik eine neue Verantwortung, der man sich
stellen muß. Um Mißverständnissen vorzubeugen die Versuchung, sich nach innen zu wenden, besteht
nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Vereinigten Staaten.

In Amerika wurde das Ende des Kalten Krieges weithin
und zu recht als das Ende einer Ära - ein abgeschlossenes Kapitel - gesehen. Eines der wichtigsten und
häufigsten Themen im Präsidentschaftswahlkampf von
1992 war der Gedanke, es sei an der Zeit für die
Vereinigten Staaten, ihr eigenes Haus in Ordnung zu
So kurz diese Ereignisse auch zurückliegen, beginnen bringen. Präsident Clinton hat dies formuliert und in
sie doch in unseren Köpfen bereits eine gewisse seinem ersten Amtsjahr eine Reihe von Initiativen in
Patina anzusetzen, während wir uns nach der Eupho- den Bereichen Gesundheitsfürsorge, Bildungswesen
rie und dem Freudentaumel der Bewältigung eines und Sozialpolitik durchgeführt, die in der Geschichte
völlig neuen Komplexes von Problemen zuwenden. ihresgleichen suchen. Gleichzeitig hat der Präsident
Michael Walzer vom Institute for Advanced Study in jedoch eindeutig klargestellt, daß Amerika seine FühPrinceton verwies vor kurzem auf die Ähnlichkeiten rungsrolle in der Weh bei der Bewältigung unserer
zwischen "dem wunderbaren Jahr 1989" und 1848, innenpolitischen Probleme besser erfüllen kann. Um
"als Professoren für Philosophie und Politologie sich aus Präsident Clintons Ansprache vor der Generalverplötzlich in die Lage versetzt sahen, Verfassungen zu sammlung der Vereinten Nationen im Herbst zu zitieschreiben". Walzer formulierte wehmütig, aberzutref- ren: "Innenpolitische Erneuerung ist ein überfälliges
fend, 1989 scheine "bereits eine Ewigkeit zurückzulie- Tonikum. Aber Isolationismus und Protektionismus
gen". Wir haben guten Grund uns zu fragen, wie der sind noch immer Gift. Wir müssen unsere Völker
grenzenlose Enthusiasmus und die Hoffnung dieser veranlassen, über ihre naheliegenden Ängste hinaus
zu einem erweiterten Horizont zu blicken." Ich möchte
Monate der Befreiung so schnell verfliegen konnten.
dieses Publikum nicht zu der Annahme verleiten, daß
Für Deutschland hat die Vereinigung die uneinge- alle Amerikaner diese Ansicht bereitwillig teilen. Mächtige
schränkte Souveränität und Befreiung von den Be- Stimmen fordern eine Umkehrung des Engagements
schränkungen und Härten des Kalten Krieges bewirkt. der Vereinigten Staaten im Ausland, denen mit Hilfe
Sie hat auch neue Verantwortung mit sich gebracht, derjenigen im Ausland und insbesondere in Europa
die eine neue Denkweise erfordert. Das vereinigte widerstanden werden muß, die den Glauben dieser
Deutschland ist nicht nur ein größeres Deutschland. Administration an ein dauerhaftes amerikanisches
Es ist auch ein anderes Deutschland als das West- Engagement in Übersee teilen.
deutschland der Zeit des Kalten Krieges, das sich
bemüht, die Erfahrungen und Perspektiven zweier Deutschland könnte in zweifacher Weise versucht
Gruppen von Deutschen nach nahezu einem halben sein, sich nach innen zu wenden. Auf nationaler Ebene
Jahrhundert unterschiedlicher Geschichte miteinan- hat sich die vollständige Integration der neuen Länder
der zu verknüpfen. Dieser noch lange nicht abge- in die Wirtschaft und Gesellschaft des vereinigten
schlossene Prozeß wird entscheiden, was das neue Deutschland als sehr viel größere Herausforderung,
Deutschland sein wird. Wir Amerikaner sind uns der kostenintensiver und psychologisch mühsamer erwieSie konfrontierenden Schwierigkeiten und noch zu sen, als man 1989 je prognostiziert hätte. Ich bin
bewältigenden Probleme bewußt. Wir haben jedoch erstaunt über das allgemeine Ausmaß dieser Fehleinauch uneingeschränktes Vertrauen in die Erfindungs- schätzung. Als Vorbereitung für diesen Posten habe
gabe der Deutschen und ihre Entschlossenheit, die ich zahlreiche 1989 und 1990 verfaßte Artikel nochHerausforderungen der Vereinigung zu meistern.
mals gelesen. Keiner sagte die Schwierigkeiten voraus, mit denen sich Deutschland heute konfrontiert
Ich möchte eine grundlegende Tatsache unterstrei- sieht.
chen: Das vereinigte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten ebenso wichtig wie das geteilte Deutsch- Deutschland sieht sich noch einer weiteren Versuland - und auf lange Sicht vielleicht noch wichtiger, chung ausgesetzt, sich nach innen zu wenden. Das

Jetzt haben wir einen anderen, vielleicht ebenso entscheidenden Augenblick durchlebt. Die Ereignisse
zwischen 1989 und 1991 brachten die herkömmliche
Ordnung unserer Welt ausdem Lot. Nichts wird jemals
wieder so sein wie es war.

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AMERIKA DIENST 49

�Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht am 1. November hat der weiteren Entwicklung dessen, was
jetzt als Europäische Union bezeichnet wird, neuen
Auftrieb verliehen. Die Notwendigkeit, gleichzeitig ein
vereintes Deutschland und ein vereintes Westeuropa
aufzubauen, konfrontiert die Deutschen mit enormen
Herausforderungen, die leicht als Rechtfertigung benutzt
werden könnten, die uneingeschränkte Aufmerksamheit auf das Inland zu lenken.

schichte und ihrem Eigeninteresse eine pazifische und
eine atlantische Nation sind. Aber wir messen der
einen Region nicht mehr Bedeutung bei als der anderen - und werden dies auch nicht tun, wie ich wiederholt
betont habe.

Ich freue mich, daß die politisch Verantwortlichen in
Deutschland und den Vereinigten Staaten entschlossen sind, nicht dieser Versuchung der Abkehr von der
Welt zu erliegen. Unsere Politiker sehen sich heute
einer Situation gegenüber, die zwei früheren Wendepunkten in diesem Jahrhundert vergleichbar ist: 1919
und 1945.1919 gelang es den Politikern in Europa und
Amerika trotz guter Absichten nicht, einen dauerhaften
Frieden zu schaffen. 1945 brachte der mit nüchterner
Einschätzung des Machbaren und großen Staatsmännern kombinerte Idealismus Ergebnisse hervor, die
uns einen Rahmen für Sicherheit boten, der uns die
Zeit für die friedliche Lösung 1989-1991 einräumte.
Mit welcher Periode werden uns spätere Generationen
vergleichen? Die Entscheidung ist klar. Unsere Aufgabe besteht in der Bewältigung der gegenwärtigen
Herausforderung mit Führungsstärke und Phantasie
ebenso wie 1947. Die Geschichte und unsere Kinder
verlangen, daß wir das Fundament für eine sichere
und friedliche Zukunft legen.

Diese neue Vision wird durch seine Beteiligung an den
Friedenssicherungsmissionen unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in Kambodscha und
Somalia symbolisert, ist jedoch nicht auf sie begrenzt.
Dies kann im ehemaligen Jugoslawien beobachtet
werden, wo mutige Bundeswehrpiloten und -flieger
weiterhin täglich einen Beitrag zur Luftbrücke für Sarajevo und zu den Fallschirmabwürfen von humanitären
Hilfsgütern über Bosnien leisten. Es ist ebenso offenkundig in Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion,
wo Deutschland nach wie vor eine Führungsrolle bei
der Bereisteliung von Hilfe spielt. Und Deutschland
sondiert darüber hinaus Wege der Zusammenarbeit in
Asien, wie kürzlich während Bundeskanzler Kohls
beeindruckendem Besuch in China beobachtet. Von
wahrscheinlich größter Bedeutung ist das eindeutige
Zeichen der politisch Verantwortlichen in der Bundesrepublik Deutschland, daß Deutschland schrittweise
zur Übernahme einer globalen Rolle bereit ist.

Weit davon entfernt, sich nach innen zu wenden, hat
auch Deutschland eine umfassendere außenpolitische Vision ausdrücklich bekräftigt.

Ebenso wie die Vereinigten Staaten die Vereinigung
Präsident Clinton, Vizepräsident Gore und Außenmini- Deutschlands begrüßt und unterstützt haben, begrüster Christopher haben immer wieder klargestellt, daß ßen und unterstützen wir die Bereitschaft Deutschein Rückzug zu einer neuen Form von Isolationismus lands, dieser neuen Rolle und Verantwortung gerecht
in den neunziger Jahren für die Vereinigten Staaten zu werden. Präsident Clinton, der seinen Respekt und
keine Alternative darstellt. Die Medien hier in Deutsch- seine Achtung für die Deutschen häufig zum Ausdruck
land haben sich vornehmlich auf das Tempo konzen- gebracht hat, teilt diese Ansicht uneingeschränkt.
triert, mit dem die amerikanischen Streitkräfte aus Unseres Erachtens hat das vereinigte Deutschland,
Deutschland und Europa abgezogen werden sowie selbst während es mit ernsthaften neuen innenpolitiauf jüngste Aussagen Washingtons über die Bedeu- schen und wirtschaftlichen Problemen kämpft, heute
tung Asiens. Dies ist angesichts der historischen eine zunehmende Rolle in der Welt zu spielen - und das
Dimension dieser Veränderungen verständlich. Die bedeutet nicht nur Europa. Wir sind uns bewußt, daß
starke Konzentration auf die amerikanischen Truppen- dieses Thema in Deutschland ernsthaft erörtert wird
reduzierungen und solche Ereignisse wie der äußerst und wollen den Deutschen im Hinblick auf die Größenerfolgreiche Gipfel von Seattle verschleiern jedoch ordnung oder Geschwindigkeit keine Ratschläge erteigelegentlich die Tatsache, daß die Vereinigten Staa- len. Das sind Ihre Entscheidungen. Meine Aufgabe
ten weiterhin 100.000 Soldaten in Europa belassen heute abend ist einfach: Sicherzustellen, daß diese
wollen, die Mehrzahl davon in Deutschland, und Euro- Administration eine sich abzeichnende Rolle Deutschpa für die Vereinigten Staaten nichts - ich wieder- lands auf der globalen Bühne unterstützen wird. Wir
hole, überhaupt nichts - von seiner Bedeutung haben nicht nur keine Angst davor, sondern begrüßen
verloren hat. Unsere beträchtliche und greifbare sie und sehen der ebenso engen Zusammenarbeit mit
Truppenpräsenz ist nur eine Manifestation unseres Bonn wie bisher entgegen, jedoch in einem breiteren
Engagements für Deutschland, die NATO und die Rahmen. Aus diesem Grund unterstützen wir beizukünftige Stabilität Europas.
spielsweise die ständige Mitgliedschaft Deutschlands
Ich möchte sowohl eine persönliche als auch eine
offizielle Anmerkung zu Asien und dem Pazifik machen
- ein Gebiet, dem ich einen Großteil meiner öffentlichen und privaten Karriere gewidmet habe. Diese
Region ist für die Vereinigten Staaten von unerläßlicher Bedeutung, die aufgrund ihrer Geographie, GeAMERIKA DIENST 49

im UN-Sicherheitsrat, wobei natürlich betont werden
mu ß, daß die ständige Mitgliedschaft im Sicherheitsrat
der Vereinten Nationen nicht nur Status und Ehre mit
sich bringt, sondern auch Lasten und Verpflichtungen.
Unserer Ansicht nach ist Deutschland voll und ganz in
der Lage, diese zu übernehmen.
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�Bevor ich eine Tagesordnung für die zukünftige deutschamerikanische Partnerschaft anbiete, muß ich kurz
auf einige der vor uns liegenden praktischen Probleme
eingehen. Ich beziehe mich hier nicht auf Isolationismus oder die Haushaltsdefizite unserer Nationen,
sondern auf die Vielfalt lokaler oder regionaler Konflikte, die ironischerweise die Welt instabiler machen als
während des Kalten Krieges. Die Ereignisse des 20.
Jahrhunderts haben den Nationalismus für immer der
Romantik beraubt, die ihm im letzten Jahrhundert
solche Macht verliehen hat. Trotz allem scheint er
jedoch nichts von seinem Einfluß und wenig von seinem Potential zu gelegentlichen, jedoch erschreckenden Auswüchsen von Grausamkeit verloren zu haben.
Wir können es uns jedoch nicht leisten, Problemen
solchen Ausmaßes und mit solchen Konsequenzen
wie in Bosnien den Rücken zu kehren, nur weil sie sich
einer schnellen Lösung widersetzen. Wenn ein solches Problem sich nicht mit alten Patentrezepten
beheben läßt, müssen neue gesucht werden. Wo uns
die Inspiration verläßt, müssen wir auf Durchhaltevermögen und Entschlossenheit zurückgreifen.

digkeit eines GATT-Abkommens bis zum 15. Dezember ausgesprochen. Es gibt keinen - ich wiederhole,
keinen -16. Dezember. Obwohl die Zeit knapp wird,
liegt eine Vereinbarung in greifbarer Nähe. Seien Sie
versichert, daß die amerikanischen Handelsbeauftragten und die Amerikanische Botschaft in Bonn in
diesen schwierigen letzten Stunden eng mit ihren
deutschen Kollegen zusammenarbeiten, um die Uruguay-Runde zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Ein Erfolg der Uruguay-Runde ist nicht nur an und für
sich wichtig, sondern auch weil der Stichtag nicht ganz
einen Monat vor dem NATO-Gipfeltreffen am 10.
Januar liegt. Das Ergebnis der GATT-Verhandlungen
wird unweigerlich Auswirkungen auf die Ereignisse im
Januar in Brüssel haben.

Deutschland hat natürlich ein vitales nationales Interesse an stabilen, florierenden, marktorientierten
Demokratien an seinen unruhigen östlichen Grenzen.
Auch wenn wir geographisch weiter entfernt sind,
teilen wir dieses Interesse uneingeschränkt. Die Vereinigten Staaten haben einen Ansatz vorgeschlagen Heute liegen vor Deutschland und den Vereinigten Partnerschaft für Frieden - der die Aussicht auf unmitStaaten neue und aufregende Möglichkeiten zur Zu- telbare Zusammenarbeit für ganz Osteuropa mit der
sammenarbeit bei der Verfolgung unserer gegenseiti- Möglichkeit noch engerer Verbindungen in der Zukunft
gen Interessen, die unseres Erachtens auch im weiter- eröffnet. Er bietet den kleineren Staaten der Region
gehenden Interesse Europas und der ganzen Wert zusätzliche Sicherheit, vermeidet jedoch gleichzeitig
neue Trennlinien durch dieses Gebiet.
liegen.
Eine dieser Chancen bietet sich eben jetzt bei den
Verhandlungen in Genf und Brüssel, wo die Unterhändler aus der ganzen Welt auf den Abschluß der
Uruguay-Runde vorder für den 15. Dezember gesetzten Frist hinarbeiten. Präsident Clinton und Außenminister Christopher haben wiederholt bekräftigt, daß
internationaler Handel nicht länger als Einzelthema getrennt von Außenpolitik oder der jeweiligen nationalen Wirtschaftspolitik - behandelt werden kann.

Deutschland und die Vereinigten Staaten arbeiten eng
zusammen, um diese Partnerschaft für Frieden Realität werden zu lassen. In einem ähnlichen Zusammenhang war der Außerordentliche und Bevollmächtigte
Botschafter für Rußland und die neuen unabhängigen
Staaten, Strobe Talbott, erst vor wenigen Wochen in
Bonn, um Wege zur besseren Koordinierung unserer
Bestrebungen beim Aufbau von Demokratie sowie der
Förderung von Stabilität und Wirtschaftsreformen in
dieser entscheidenden Regbn zu erörtern. Die deutschPräsident Clinton hat sein starkes Engagement für amerikanische Zusammenarbeit beim Aufbau von
offenen Handel und die Abschaffung von Protektionis- Demokratie ist weder auf offizielle Kanäle noch auf den
mus während der Debatte unter Beweis gestellt, die Osten begrenzt. Von den privaten gemeinsamen
der jüngsten Abstimmung im Kongreß über das Nord- deutsch-amerikanischen Bestrebungen auf diesem
amerikanische Freihandelsabkommen - oder NAFTA - Gebiet möchte ich besonders die Tätigkeit des Gervoranging. Seit vielen Jahren hat kein amerikanischer man Marshall Fund hervorheben, dessen Treuhänder,
Präsident soviel persönliches und politisches Prestige unter anderem mein enger Freund und Berater Fritz
aufs Spiel gesetzt, um die Zustimmung des Kongres- Stern, Programme auf die neuen Länderzuschneiden.
ses zu einem internationalen Abkommen zu erlangen.
Sein beeindruckender Erfolg ist ein Signal für das Ich muß betonen, daß die deutsch-amerikanische
amerikanische Engagement zum Abbau von Handels- Partnerschaft nicht funktionieren würde, wenn sie sich
schranken und zum Aufbau einer wirklich globalen nur auf die kühle Berechnung nationaler Interessen
Wirtschaft. Meines Erachtens hat er auch den Weg gründen würde. Bei solchen Anlässen ist dies für
zum Erfolg beim GATT-Prozeß gewiesen, denn ohne gewöhnlich der Punkt, an dem der Geist von Baron von
GATT ist das NAFTA offensichtlich ein unvollständiger Steuben und Carl Schurz beschworen wird. Ein weiProzeß, der das Welthandelssystem verzerren könn- teres Lieblingsthema ist das eines meiner Vor-Vorgänte.
ger, Botschafter Jacob GoukJ Schurman - der berühmte Tribut an die deutsch-amerikanische Freundschaft,
Bundeskanzler Kohl und seine Amtskollegen haben den er und Gustav Stresemann gemeinsam auf einem
sich ebenso wie wir in der Öffentlichkeit für die Notwen- Podium der Heidelberger Universität im Jahr 1928
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AMERIKA DIENST 49

�zollten. Dies ist ein ausgezeichnetes Thema für den
jährlich begangenen Deutsch-Amerikanischen Tag,
aber wir alle hier wissen, daß diese Partnerschaft in
etwas Unmittelbarerem und Konkreterem wurzelt:
Unseren gemeinsamen Erfahrungen seit 1945.
Millionen Amerikaner und ihre Familienangehörigen
haben hier in den letzten mehr als 40 Jahren gedient.
Sie haben in deutschen Gemeinden gelebt und ihre
positiven Erfahrungen mit nach Hause genommen.
Praktisch die gesamte Nachkriegsgeneration westdeutscher Politiker aller Ressorts hat die Vereinigten
Staaten bereist, dort gelebt oder studiert. Darüber
hinaus verbindet ein riesiges Netz von Kontakten in
den Bereichen Handel, Bankwesen, Kultur und Bildung unsere beiden Völker fest miteinander. Die
Atlantik-Brücke selbst und das Aspen Institut sind
ausgezeichnete Beispiele hierfür.

men aller Art zwischen Ostdeutschen und Amerikanern tun.
Damit komme ich zu meiner zentralen Aussage des
heutigen Abends zurück, daß wir auf unsere gemeinsamen Erfahrungen aufbauen müssen und nicht die
Hände in den Schoß legen dürfen. Wir benötigen keine
gemeinsame Bedrohung mehr, um zusammenzuarbeiten. In der Tat sollte sich eine neue Partnerschaft
nicht ausschließlich oder vornehmlich auf Bedrohungen von außen gründen, sondern auf die Herausforderungen und Chancen der Zukunft. Ich beabsichtige, in
einerweiteren Rede im kommenden Monat im einzelnen auf diese bilateralen Themen einzugehen, in der
ich hoffentlich einige neue Entwicklungen in der USMission in Deutschland bekanntgeben kann.

Zweifelsohne werden wir nicht immer übereinstimmen, insbesondere bei der Suche nach Lösungen in
der
neuen und komplexeren Welt, der wir uns jetzt
Die Deutschen, die in der ehemaligen DDR gelebt
gegenübersehen,
aber wir müssen ehrlich und kontihaben, denen über Jahre hinweg Lügen über Amerika
nuierlich
miteinander
reden, wenn wir die erforderliche
und Westdeutschland aufgetischt wurden, beginnen
Führungsstärke
bieten
wollen. Meine Aufgabe hier
erst jetzt, diese Art von Kontakten und Austauschprobesteht
nicht
darin,
als
Hüter
dieser Beziehungen zu
grammen mit Amerikanern zu erfahren. Auf beiden
fungieren,
sondern
mit
Hilfe
meiner
deutschen AmtsSeiten muß mehr getan werden, um diese Situation zu
kollegen
und
den
heute
abend
hier
Anwesenden siverbessern. Die Einrichtung eines Amerikanischen
cherzustellen,
daß
wir
auf
der
von
unseren
VorgänGeneralkonsulats in Leipzig und seine Aktivitäten in
gern
geschaffenen
Grundlage
aufbauen
und
sie
erweiSachsen und Thüringen sind ein greifbares Beispiel für
tern.
das amerikanische Engagement. Wir werden in Zukunft mehr für die Förderung von Austauschprogram-

*

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* * *

*

Seite 5

�KSZE
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER DRÄNGT AUF VERSTÄRKTES
ENGAGEMENT FÜR DIE KSZE
Rede des Außenministers vor KSZE-Ministertreffen
ROM - (AD) - Außenminister Christopher zufolge ist die Vision der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) von umfassender Sicherheit für ein neues Europa auf der Grundlage von Demokratie
und kooperativer Sicherheit noch weit von ihre vollständigen Verwirklichung entfernt.
In seinen Ausführungen vor der KSZE-Plenarsitzung am 30. November 1993 verwies der Außenminister auf drei
Bereiche, in denen weitere Fortschritte zur Umsetzung der vor drei Jahren beim Pariser Gipfeltreffen umrissenen
Vision der KSZE erzielt werden müssen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Außenminister Christopher im Wortlaut.
Ich möchte Ministerpräsident Ciampi und Außenminister Andreatta für die Veranstaltung dieses Ministertreffens meinen Dank aussprechen.

dem wurden beachtliche Fortschritte erzielt. Unsere
Vision ist jedoch von ihrer vollständigen Verwirklichung noch wert entfernt.

Dies ist das erste von mehreren wichtigen Treffen, an
denen ich in dieser Woche in Europa teilnehmen
werde, zunächst hier in Rom und dann in Brüssel. In
etwas mehr als einem Monat wird Präsident Clinton
zum NATO-Gipfeltreffen reisen, dem ersten von drei
Besuchen, die er Europa im ersten Halbjahr 1994
abstatten wird. Diese Besuche unterstreichen die
andauernde Bedeutung, die die Vereinigten Staaten
ihren Beziehungen zu Europa beimessen.

Nationen wurden wiedergeboren und ethnische Identitäten fest behauptet. Es entstand jedoch auch aggressiver und häufig myopischer Nationalismus, und
fürchterliche ethnische Konflikte brachen aus. Die
Fundamente demokratischer Institutionen werden
gelegt, aber ihre Strukturen sind noch im Aufbau
begriffen. Eine freie Presse ist ein allgemein anerkanntes Ideal, aber noch keine gemeinsame Realität.
Der steinige Weg zu Wirtschaftsreformen hat begonnen, wirtschaftliche Härten sind jedoch noch immer
wertverbreitet.

Ich möchte dieses wichtige Gremium und die Welt
wissen lassen, daß die Vereinigten Staaten den transatlantischen Beziehungen - sowie der Sicherheit und Die KSZE ist eine kreative und viele Nationen umfasdem Wohlstand Europas - unerschütterlich verpflichtet sende Institution. Wir müssen ihre einzigartigen Fäsind. Mit keiner Region der Welt sind wir enger higkeiten nutzen, um zur Gestaltung eines durch
verbunden. Wir sind nicht nur durch Verträge aneinan- demokratische Institutionen, Achtung der Menschender gebunden, sondern durch die dauerhaften Bande rechte und wachsenden Wohlstand gesicherten neuder Geschichte, Kultur und gemeinsamen Werte.
en Europas beizutragen. Dies ist die einzige Grundlage für ein künftiges Europa im Frieden.
Die Vision der KSZE von umfassender Sicherheit
wurzelt tief in diesen gemeinsamen Werten, und daher Die dauerhafte Besorgnis um die menschliche Würde
ist es mir eine Ehre, die Vereinigten Staaten bei diesem und ihre Achtung sind ein Kernstück der amerikaniMinistertreffen der KSZE zu vertreten.
schen Außenpolitik. Wir sind uns bewußt, daß wir in
den Vereinigten Staaten noch keine perfekte Union
Vor drei Jahren - beim Pariser Gipfeltreffen - umriß die haben. Wir streben jedoch kontinuierlich nach der GeKSZE die Vision eines neuen Europas auf der Grund- währleistung der Achtung und des Schutzes jedes
lage von Demokratie und kooperativer Sicherheit. Seit- einzelnen.

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Seite 1

�Diese Besorgnis um Menschenrechte erstreckt sich
auf alle Beziehungen der Vereinigten Staaten in der
Welt. Obwohl es nicht das einzige uns leitende Prinzip
ist, würde eine amerikanische Außenpolitik ohne das
Engagement für internationale Menschenrechte weder den Idealen noch den Interessen unserer Nation
gerecht.
Jeder KSZE-Mitgliedstaat ist zur Wahrung und zum
Schutz der Rechte des einzelnen verpflichtet. Auf
beiden Seiten des Atlantiks besteht großes Interesse,
Respekt für Vielfalt zu schaffen, Minderheiten das
Wahlrecht zu gewähren und jedem ein Mitspracherecht am nationalen Leben einzuräumen. Wie der
Zusammenbruch des sowjetischen Imperiums demonstriert, kann kein Staat langfristig Stabilität und Wohlstand ohne eine offene Gesellschaft und ein grundlegendes Engagement für Menschenrechte erlangen.
Seit ihren ersten Tagen hat die KSZE dazu beigetragen, die internationale Besorgnis über die Behandlung
der Bürger eines Landes rechtlich zu untermauern.
Menschenrechte müssen weiterhin an oberster Stelle
der KSZE-Tagesordnung stehen. Der Hochkommissarfürnationale Minderheiten hat einen maßgeblichen
Beitrag zum Schutz von Minderheiten geleistet, in der
ehemaligen jugoslawischen Republik Makedonien, der
Slowakei und Albanien. Das Büro für demokratische
Institutionen und Menschenrechte hat Menschenrechtsmissionen effektiv organisiert und Wahlen überwacht.
Im ehemaligen Jugoslawien, in Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan und anderen KZSE-Staaten
finden jedoch immer noch gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Diese Menschenrechtsverletzungen gilt es zu unterbinden.

Die Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverletzungen und Bedrohungen der Grundfreiheiten ist nur
ein Teil der uns konfrontierenden Herausforderungen.
Wir müssen uns auch mit den Konsequenzen eines
Konflikts befassen, der sich einer Lösung widersetzt
hat, und bei dem die Parteien bisher die Beendigung
des Blutvergießens und Mordens hartnäckig verweigert haben.
In diesem Jahr ist der Winter früh in Bosnien eingebrochen, und die humanitäre Krise hat sich verschärft.
Unter diesen tragischen Umständen werden die Vereinigten Staaten ihre humanitären Bestrebungen zur
Milderung des Leidens verstärken. Wir werden eng mit
dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen zusammenarbeiten, um den wirksamsten Einsatz dieser Hilfe auszumachen. Als größtes einzelnes
Geberland haben wir seit dem Ausbruch der Feindseligkeiten im Jahr 1991 bereits Hilfsleistungen im Wert
von weit über 400 Millionen Dollar bereitgestellt.
Heute gebe ich einen weiteren Beitrag der Vereinigten
Staaten von 150 Millionen Dollar für Programme und
Organisationen bekannt, die den entscheidendsten
Aspekt der Winterhilfe abdecken. Unser Ziel besteht
in zusätzlichen Nahrungsmittellieferungen, Material,
um die Unterkünfte winterfest zu machen, Flüchtlingshilfe und medizinischer Versorgung für die Menschen
in Bosnien durch folgende Maßnahmen:
Erstens sind wir zur Verdoppelung der amerikanischen
Flüge im Rahmen der multinationalen Luftbrücke für
Sarajevo bereit. Die Vereinigten Staaten fliegen zur
Zeit rund ein Drittel aller Missionen und haben während
der 500tägigen Geschichte der Luftbrücke dank dieser
Bestrebungen insgesamt 6.000 Flüge absolviert. Diese
durch die Luftbrücke geschaffene Lebensader - der
Hauptversorgungsweg für Sarajevo - hat inzwischen
die Dauer der Berliner Luftbrücke von 1948 übertroffen.

Der Schutz der Menschenrechte erfordert freie und
starke Medien. Ein renommierter Richteram Obersten
Bundesgericht, der inzwischen verstorbene Benjamin
Cardozo, hat einmal erklärt: "Redefreiheit ist die
M atrix, d ie u nerlä ßliche Voraussetzu ng praktisch jeder Zweitens sind wir bereit, die benötigten Lieferungen
anderen Form von Freiheit."
zum Flughafen Tuzla zu transportieren, sobald dieser
geöffnet wird. Darüber hinaus werden wir das erforWir müssen sorgfältig beobachten und sicherstellen, derliche Gerät bereitstellen, um ihn offen zu halten.
daß die Redefreiheit nicht nur proklamiert, sondern in Dieser Flughafen könnte die entscheidende Anlaufallen aufstrebenden Demokratien praktiziert wird. stelle für die humanitäre Hilfe werden. Bisher haben
Während diese Länder neue Verfassungen und Ge- die bosnischen Serben und Kroaten die Nutzung des
setze erlassen, sollte die KZSE darauf bestehen, daß Flughafens zu diesem Zweck verhindert. Wir fordern
die Pressefreiheit vollständig geschützt und frei von alle kriegführenden Parteien auf, ihr unverantwortlistaatlicher Einflußnahme ist.
ches Verhalten zu ändern, durch das der Transport
dringend benötigter Lieferungen über diese EinrichBei der Sicherstellung der Pressefreiheit sind Forttung blockiert wird. Wir fordern die kriegführenden
schritte erzielt worden, obwohl bei der Verteilung und
Parteien ferner zur Einhaltung ihrer kürzlich unterVerfügbarkeit von Presseerzeugnissen noch immer
zeichneten Abkommen auf sowie den Landweg für die
starke Einschränkungen bestehen. Ein noch größeres
Hilfskonvois zu sichern. Die kriegführenden Parteien
Hindernis beim Aufbau offener Gesellschaften ist der
müssen erkennen, daß dies in ihrem eigenen InteresMangel an Fortschritten bei der Aufhebung der Fernse liegt. Ungehinderter Zugang wird den vitalen Beseh- und Rundfunkzensur. Das Fernsehen ist das
dürfnissen aller bosnischen Fraktionen dienen.
"größte Megaphon" einer Demokratie und darf nicht
zum Faustpfand irgendeiner Partei werden.

Seite 2

AMERIKA DIENST 49

�Drittens wird unser neuer Beitrag die Fallschirmabwürfe verstärken. In den vergangenen acht Monaten
haben die kontinuierlichen Fallschirmabwürfe von
Nahrungsmitteln und sonstigen Gütern für die isoliertesten und gefährdetsten Gemeinden den Unterschied
zwischen Leben und Tod für Tausende Bosnier bedeutet. Nachdem wir nahzeu 80 Prozent der Flüge übernommen und über 10 Millionen Mahlzeiten abgeworfen haben, wissen wir, daß dieses Programm entscheidend ist. Mit den neuen Mitteln können wir die
Hilfsleistungen verdoppeln, die wir für dieses lebenswichtige Unternehmen bereitstellen. Die Pakete werden femer Material enthalten, um die Unterkünfte
wintertest zu machen, damit die Menschen in den
entlegendsten Regionen den Winter überleben können.
Viertens haben wir entschieden, die Nutzung des
amerikanischen Militärhospitals in Zagreb zu verbessern, um schwer verwundete bosnische Kinder medizinisch versorgen zu können.
Wir fordern andere Regierungen und regionale Organisationen wie die Organisation der islamischen Konferenz auf, ihr Engagement zu verstärken und damit
den unschuldigen Menschen in Bosnien zu helfen,
diesen Winter zu überleben. Was immer wir jedoch an
Hilfe leisten - es ist nie genug. Solange der bewaffnete
Konflikt andauert, ist es nach menschlichem Ermessen unmöglich, das Leiden der Menschen in Bosnien
zu beenden. Die einzige Antwort besteht darin, den
Kämpfen ein Ende zu bereiten, und das einzige Mittel
dafür ist eine Verhandlungslösung. Die Vereinigten
Staaten ermutigen und unterstützen diplomatische
Bestrebungen zu einem Friedensabkommen für Bosnien.

die Opfer von Kriegsverbrechen und anderer Menschenrechtsverletzungen bestehen. Die für die Greueltaten Verantwortlichen müssen für ihr Handeln zur
Rechenschaft gezogen werden. Die Vereinigten Staaten unterstützen das Kriegsverbrechertribunal uneingeschränkt, das seine Arbeit am 17. November aufgenommen hat. Das Tribunal hat die erforderliche Befugnis, um die Kriegsverbrecher der Gerechtigkeit zu
überstellen, wo immer sie auch sein mögen und aufgespürt werden. Keine Nation, die angeklagten oder vom
Tribunal einbestellten Personen Zuflucht gewährt oder in irgendeiner anderen Weise seine Arbeit behindert - kann auf einen guten Stand als Mitglied der
internationalen Staatengemeinschaft hoffen. Die Arbeit
des Tribunals wird zur Abschreckung derjenigen beitragen, die ethnische und territoriale Konflikte durch
Angriffe auf Zivilisten beilegen wollen.
Wir müssen uns auch auf die Verhinderung und Lösung von Konflikten andernorts auf dem Kontinent
konzentrieren. In Rom sollten wir heute eine Entscheidung zur Stärkung der Fähigkeit der KSZE erzielen,
ein sicheres Europa aufzubauen. Insbesondere müssen
wir handeln, um die Fähigkeit der KSZE zur Vorwarnung und Verhinderung von Konflikten zu verbessern.
Die KSZE hat bereits einen Vorsprung bei präventiver
Diplomatie erzielt. In Moldawien, Estland, Lettland,
Georgien, Tadschikistan und Nagomyi Karabach sowie
im ehemaligen Jugoslawien ebnen die KSZE-Missionen den Weg zur Verhinderung von Konflikten, Eindämmung ihrer Ausweitung und Beendigung offener
Kampfhandlungen. Die Mitglieder dieser Missionen
sollten auf ihre Leistung unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen stolz sein, wo ethnische Konflikte
und Menschenrechtsverletzungen das Gefüge von
Staaten und Kulturen zerbrechen lassen. Obwohl wir
einen guten Anfang gemacht haben, ist es eben nur ein
Anfang. Wir müssen mehr tun, insbesondere in den
neuen unabhängigen Staaten, wo die KSZE lebenswichtige Unterstützu ng der Reformer bei Aufbau unabhängiger, demokratischer Gesellschaften leisten kann.

Zwei spezifische KSZE-Aktivitäten verdienen unsere
uneingeschränkte Unterstützung: Die der Sanktionsüberwacher auf dem Balkan und die von Skopje ausgehende Mission zur Eindämmung des Konflikts. Diese
Aktivitäten sind nicht nur unerläßlich für eine mögliche
Lösung, sondern demonstrieren auch unsere Entschlossenheit, eine Ausweitung zu verhindern und die In Georgien müssen wir unsere Anstrengungen verKosten der Aggression in die Höhe zu treiben.
doppeln, um der Regierung bei der Erlangung von
Frieden und Stabilität behilflich zu sein und gleichzeitig
Wir verurteilen jede Einmischung in die Beobachter- die Respektierung der Menschenrechte und territoriamissionen der KSZE im ehemaligen Jugoslawien. Die len Integrität des Landes sicherzustellen. In MoldaVereinigten Staten erachten die Ausweisung der KSZE- wien kann das verbesserte Mandat unserer Mission
Beobachter aus Kosovo, Vojvodina und Sandschak allen Parteien bei der Schaffung eines politischen
als völlig ungerechtfertigt. Wir drängen die KSZE zu Rahmens für Frieden helfen und den baldigen Abzug
weiterem Druck auf die serbischen Behörden, die der verbliebenen russischen Truppen unterstützen. In
Rückkehr der Beobachter zu gestatten und jegliche Tadschikistan kann die unverzügliche Einrichtung einer
Einmischung in die KSZE-Bestrebungen zur Bericht- kleinen Mission am Boden den internationalen Bestreerstattung über die Ereignisse in diesen Regionen zu bungen zur Förderung der politischen Aussöhnung
unterlassen.
behilflich sein, die für Stabilität in dieser krisengeschüttelten Region erforderlich ist.
Während wir versuchen, das Leiden zu mildern und
den Konflikt auf dem Balkan zu beenden, müssen wir In Nagornyi Karabach zwingen uns das andauernde
für das Völkerrecht eintreten und auf Gerechtigkeit für Leiden Hunderttausender Flüchtlinge und die Gefahr

AMERIKA DIENST 49

Seite 3

�neuer Feindseligkeiten zur Intensivierung unserer
Bestrebungen für die Beendigung des Konflikts. Auf
Initiative Italiens hat die Minsk-Gruppe beachtliche
Fortschritte bei der Sondierung eines gemeinsamen
Standpunkts der Parteien erzielt. Jetzt ist es an der
Zeit für die Zustimmung aller Parteien zu dem so
mühsam von den Unterhändlern dieses Forums ausgearbeiteten Zeitplan. Wir wissen, daß Schweden,
das jetzt den Vorsitz der Minsk-Gruppe innehat, dieses
Ziel entschlossen verfolgen wird.

len, wo wir die Beseitigung von Nuklearwaffen anstreben. Wir begrüßen die Unterzeichnung des STARTVertrags und die Einhaltung des Nichtverbreitu ngsvertrags durch Belarus. Wir begrü ßen darüber hinaus die
Absicht Kasachstans, den START-Vertrag zu unterzeichnen und Präsident Nazarbajews Zusicherung zur
Einhaltung des NW. Wir sehen dem Abschlu ß solcher
Maßnahmen durch die Ukraine entgegen.

Während wir die KSZE stärken, müssen wir auch
andere regionale Institutionen anpassen. Wir können
Das Engagement der KSZE bei diesen Konflikten dauerhaftere europäische Sicherheit durch die Verunterstreicht darüber hinaus die Herausforderung, einen flechtung von Strukturen fördern, die jeweils mit sich
Konsens zu Richtlinien für die Überwachung der regio- ergänzenden Rollen und Aufgaben versehen werden.
nalen Friedenssicherung durch die KSZE zu erzielen. Die NATO steht im Zentrum der transatlantischen
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß Sicherheit und wird der zentrale Punkt des Engagedie KSZE eindeutig Stellung zu den unseren Mitglie- ments der Vereinigten Staaten für die Sicherheit Eurodern angemessen erscheinenden militärischen Aktivi- pas bleiben. Wir arbeiten mit unseren europäischen
täten beziehen muß. Und es ist an der Zeit, die Verbündeten bei der Anpassung der NATO an die
Instrumente zu erarbeiten um sicherzustellen, daß die neuen Herausforderungen eines ungeteilten Europas
mit der Friedenssicherung befaßten Kräfte ihre Aufga- zusammen - und machen ehemalige Gegnerzu neuen
ben in strikter Neutralität und in gutem Glauben aus- Partnern für Frieden.
üben.
Wir haben i-nseren NATO-Verbündeten eine PartnerDarüber hinaus müssen wir das gesamte Spektrum schaft für Frieden vorgeschlagen, die unsere Partner
der KSZE-Konfliktverhinderungsinstrumente besser im Nordatlantischen Kooperationsrat (NAKR) und in
nutzen, vom Mechanismus der "menschlichen Dimen- anderen europäischen Nationen in die praktische Sision" bis zu dem in Stockholm vereinbarten Mechanis- cherheitzusammenarbeit einbeziehen wird. Gleichmus zur friedlichen Beilegung von Streitigkeiten. Bei zeitig schlagen wir vor, die Tür zu einer evolutionären
diesem Treffen werden wir den amerikanischen Vor- Entwicklung der N ATO-M rtgliedschaft zu öffnen. Beim
schlag zur Erarbeitung eines "Plans für schnelles Ministertreffen des Nordatlantikrats und des NAKR
Eingreifen" verabschieden. Ich freue mich, daß wir Ende dieser Woche in Brüssel werden im Vorfeld des
dank dieser Entscheidung Diplomaten und Experten NATO-Gipfels wichtige Initiativen erörtert.
aus dem öffentlichen und privaten Sektor besser einbeziehen können - die zum raschen Einsatz zur Ver- Die Vision der KSZE zwingt uns zu der Erkenntnis, daß
stärkung oder Einleitung einer Mission bereit sind. Die Demokratie und Sicherheit durch Wohlstand nachhalVereinigten Staaten haben Regierungsvertreter als tig unterstützt werden. Beim Pariser Gipfeltreffen
Beobachter zur Unterstützung der KSZE-Missionen 1990 und erneut beim Wirtschaftsforum 1993 sah die
benannt und auch beträchtliche Mittel zur Verfügung KSZE freie Marktwirtschaften als unerläßlichen Begesteift. Wir tragen unseren Teil bei und fordern alle standteil ihrer Vision.
KSZE-Mitgliedstaaten auf, dasselbe zu tun.
Die Nationen Mittel- und Osteuropas, die den schwierigen
Übergang zu marktwirtschaftlichen Demokratien
Die KSZE muß ebenfalls einen Teil durch die Straffung
vollziehen,
müssen ihren Völkern greifbare Vorteile
ihres Entscheidungsfindungsprozesses leisten. Der
bieten
können.
Ihre Bürger müssen wissen, daß ihre
Wert der KSZE hängt von ihrer Flexibilität, ihrer relativ
Opfer
durch
die
Handelspolitik der führenden Indugeringen Bürokratie und ihrer Fähigkeit zu Innovatiostrienationen
belohnt
werden. Unser Engagement für
nen ab. Diese Vorteile müssen gewahrt werden.
die neuen Demokratien des Ostens wird häufig an dem
Darüber hinaus kann die KSZE auch regionale Stabi- Ausmaß gemessen, in dem wir im Westen Marktzulität fördern, insbesondere durch das noch nicht voll gang gewähren.
ausgeschöpfte Potential des Forums für Sicherheitszusammenarbeit. Ein sicheres Europa kann die Ver- Die Öffnung von Märkten in Schlüsselsektoren - und
breitung von Massenvernichtungswaffen nicht zulas- der erfolgreiche Abschlu ß der Uruguay-Runde bis zum
sen. Die Sicherheitsprinzipien der KSZE verpflichten Stichtag am 15. Dezember - wird die ost- und mitteleuuns, auf die Androhung oder den Einsatz von Gewalt ropäischen Nationen auf den Weg zu größerem
gegen die territoriale Integrität und politische Unab- Wohlstand, Sicherheft und Demokratie bringen. Ein
hängigkeit zu verzichten. Diese Prinzipiem bilden die Scheitern wird die Nationen des Westens spalten und
Grundlage der Sicherheitszusagen, die wir den Nach- die Härten für neue und alte Demokratien gleichermafolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion geben wol- ßen verschärfen.

Seite 4

AMERIKA DIENST 49

�Um es nochmals zu wiederholen, wir stehen heute an
einem Wendepunkt für diesen Kontinent. Obwohl die
Umgestaltung des Ostens etwas von ihrer Dynamik
eingebüßt hat, liegt ein sichereres, freieres und besseres Europa noch immer in greifbarer Nähe. Wir wollen
unser Versprechen eines demokratischen und unge-

teilten Europa erfüllen - ein in den Prinzipien dieser
Institution verankertes Versprechen. Wir wollen unser
Engagement für die KSZE verstärken, während wir die
Zukunft Europas in Demokratie und Frieden aufbauen.
Ich danke Ihnen.

* *

AMERIKA DIENST 49

*

Seite 5

�NATO
8. Dezember 1993

CHRISTOPHER ERLÄUTERT PARTNERSCHAFT
FÜR FRIEDEN
Rede vor dem Nordatlantischen Kooperationsrat
BRÜSSEL - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Außenminister Christopher am 3. Dezember 1993
beim Treffen des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) im NATO-Hauptquartier gehaltene Rede.

Mit der von Präsident Clinton im Oktober vorgeschlagenen Partnerschaft für Frieden ist die NATO zur
Erweiterung ihres Engagements für den Osten bereit.
Alle Mitglieder des NAKR - ebenso wie einige andere
europäische Länder - sind zur Beteiligung aufgefordert. Unser Ansatz bezieht alle ein. Jede Nation
entscheidet für sich selbst, wie intensiv und aktiv sie
sich engagieren und welche Ressourcen sie bereitstellen will.

Wir möchten, daß die Partner Seite an Seite mit den
NATO-Mitgliedstaaten planen, ausbilden und üben.
Wir erwarten den Beginn dieser Aktivitäten im nächsten Jahr. Die Partner werden sich an bestimmten, die
Aktivitäten der Partnerschaft leitenden politischen und
militärischen Gremien der NATO sowie an einer militärischen Planungsgruppe beteiligen.

Die Partnerschaft an sich ist ein wichtiger Schritt.
Gleichzeitig werden aktive Teilnehmer an der PartnerDie Partnerschaft für Frieden steht für eine feierliche schaft dazu beitragen, die Länder auf die Erfüllung
Verpflichtung der NATO. Die Mitglieder dieser Part- ihrer Verpflichtungen der NATO-Mitgliedschaft vorzunerschaft werden Verpflichtungen gegenüber der NATO bereiten. Natürlich werden viele andere Faktoren in
und untereinander eingehen. Aktive Partner sollten jede Entscheidung der Mitglieder einfließen, und die
das Recht zu Konsultationen mit der NATO haben, Erweiterung vollzieht sich nicht über Nacht. Mit all der
wenn ihre territoriale Integrität, natürliche Unabhän- wechselseitigen Verantwortung, die sie erfordert, muß
die NATO-Mitgliedschaft das Ergebnis eines evolutiogigkeit und Sicherheit bedroht sind.
nären Prozesses sein. Dieser Prozeß muß die KernDie Partnerschaft für Frieden wird den Ländern nut- funktionen und die operative Effektivität des Bündniszen, die sich beteiligen. Von diesen Ländern wird auch ses erhalten. Und er muß im Einklang mit Artikel 10
erwartet, daß sie ihre Ressourcen und Erfahrung zum des Nordatlantikvertrags stehen.
gegenseitigen Nutzen beitragen.
Die Vereinigten Staaten vertreten die Auffassung, daß
Wir verwenden den Begriff "Partner" absichtlich. Wir die NATO dank der Partnerschaft für Frieden ihre
möchten die beteiligten Nationen in sehr viel engere Stärke, Geschlossenheit und ihre unlösbaren Bande
Beziehungen zur NATO bringen. Die Partnerschaft über den Atlantik hinweg verbessern kann. Die Partwird Zusammenarbeit unter ihren Mitgliedern auf ei- nerschaft wird darüber hinaus ein beispielloses Enganem qualitativ neuen Niveau fördern. Sie wird einen gement für ein Europa mit gemeinsamen Werten und
Rahmen für beträchtlich erweiterte politische und mili- gemeinsamer Sicherheit auf die Probe stellen und zu
tärische Kooperation bieten. Sie wird den Weg für diesem Europa beitragen - im Osten wie im Westen.
gemeinsame Krisenbewältigung, Friedenssicherung
und humanitäre Missionen ebnen. Die Partnerschaft Ich bin zuversichtlich, daß das Bündnis Fortschritte
für Frieden wird die Vielfalt der Instrumente erweitern, machen wird. Ich bin zuversichtlich, daß wir alte
die wir in absehbarer Zukunft auf Sicherheitsprobleme Gegner zu neuen Partnern machen werden, und ich
anwenden können.
bin zuversichtlich, daß wir ein neues Europa aufbauen
werden.
AMERIKA DIENST 49

Seite 1

�Wie ich bereits erwähnte, haben wir gestern im Nord- Sie versichert, daß Ihre Ansichten sorgfältig erwogen
atlantikrat die Aussichten für Partnerschaft verbes- werden, während das Bündnis diese bedeutende Inisert. Heute haben wir das Privileg, diese wichtige neue tiative verfolgt und wir uns auf den Gipfel vorbereiten.
Initiative mit unseren NAKR-Partnem zu erörtern. Seien Ich sehe Ihren Reaktionen erwartungsvoll entgegen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 49

�NATO
8. Dezember 1993

PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN:
DER ANDERE TEIL VON MARSHALLS VISION
Rede von Verteidigungsminister Aspin
WASHINGTON - (AD) -In einer Rede vor dem Atlantischen Rat der Vereinigten Staaten am 3. Dezember 1993
erläuterte Verteidigungsminister Les Aspin Präsident Clintons Vorschlag einer Partnerschaft für Frieden und
bezeichnete sie als den anderen Teil von General Marshalls Vision.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Verteidigungsministers im Wortlaut.

Um die sich uns heute in Europa bietenden Chancen
zu verstehen, sollten wir zunächst Rückblick auf das
Europa vor 45 Jahren zwischen dem Zweiten Weltkrieg und dem Kalten Krieg halten.
Es war eine Zeit großer Hoffnungen. Der Zweite
Weltkrieg war beendet. Freiheitsliebende Nationen
waren siegreich. Und ebenso wie heute war die
Nachkriegszeit ein historischer Wendepunkt. Gefahren lauerten, aber es gab auch die Chance zum Aufbau
eines sicheren, geeinten Europas.

Europas zu eigen zu machen. Diese Vision ist jetzt in
greifbare Nähe gerückt. Um sie zu nutzen, müssen wir
jedoch drei Dinge vollbringen.
Erstens müssen wir bekräftigen, daß die euro-atlantische Region eine unteilbare geopolitische Region ist
und die Vereinigten Staaten sich infolgedessen weiterhin in Europa engagieren.

Zweitens müssen wir den Erfolg der demokratischen
und wirtschaftlichen Reformen in Mittel- und Osteuropa unterstützen, einschließlich Rußlands, der Ukraine
Das war natürlich die von George C. Marshall umrisse- und der anderen ehemaligen sowjetischen Republine Vision, als er das Mikrophon ergriff, um seine ken. Wir sollten den mutigen Bestrebungen der Reforberühmte Rede bei der Abschlußfeier in Harvard zu mer in diesen Nationen besondere Aufmerksamkeit
widmen. Freiheit und Wohlstand sind die besten
halten.
Garanten von Sicherheit und Stabilität in ganz Europa.
Diese Vision war allumfassend. Marshalls Plan wurde
ganz Europa angeboten, vom Atlantik bis zum Ural, Drittens müssen wir die Entwicklung eines neuen
einschließlich der Sowjetunion und den Ländern Ost- Sicherheitssystems fördern, das sich auf die Realitäeuropas. Seine Vision - ein Kontinent prosperierender tendes heutigen Europas gründet und nicht auf die zur
Demokratien, die zu ihrer gegenseitigen Sicherheit in Teilung Europas während des Kalten Krieges gezogeinternationalen Beziehungen zusammenarbeiteten. Kein nen künstlichen Grenzen. Dies ist natürlich eine
schwierige Aufgabe.
Land war ausgeschlossen.
Meines Erachtens haben wir einen Prozeß in die Wege
geleitet, der ein solches System hervorbringen könnte,
und ich möchte heute darüber sprechen. Es ist ein
Und nur ein Teil von Marshalls Vision wurde verwirk- Vorschlag, den wir unseren NATO-Verbündeten zur
licht.
Erörterung beim Gipfeltreffen im Januar unterbreitet
haben. Er heißt Partnerschaft für Frieden. Ich habe
Heute, 45 Jahre und einen Kalten Krieg später bietet
bei meinen Gesprächen am 20. Oktober 1993 in
sich uns eine weitere Chance - nicht einen neuen
Travemünde diese Partnerschaft grob umrissen, und
Marshallplan vorzulegen, sondern dort weiterzumaAußenminister Christopher hat ausführlich darüber
chen, wo der Kalte Krieg aufhörte, und uns erneut
gesprochen. Heute möchte ich im einzelnen darauf
Marshalls Vision eines ungeteilten, sicheren und freien
eingehen.

Aber die Ereignisse nahmen ihren Lauf. Stalin lehnte
das Angebot ab. Der Eiserne Vorhang fiel.

AMERIKA DIENST 49

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�Wir gehen bei unserem Ansatz dazu von bestimmten
Annahmen aus und es ist wichtig, sie eingangs zu
erwähnen. Sie lauten, daß die NATO eine einzigartig
effektive internationale Sicherheitsorganisation ist, die
an die Ära nach dem Kalten Krieg angepaßt werden
sollte, die NATO weiterhin unser Hauptkanal für ein
Engagement in Europa ist und schließlich, daß die
NATO das Kernstück jedes neuen euro-atlantischen
Sicherheitssystems bilden sollte.

anderen Formen der Beteiligung an NATO-Aktivitäten
erarbeiten.
Bis dahin wäre klar, welche Nationen aktive, einen
Beitrag leistende Partner für Frieden zu werden beabsichtigen. Das von den Planern unterbreitete Programm würde der NATO und den politisch befugten
Partnern zur Zustimmung vorgelegt, und der Durchführungsprozeß würde beginnen.

Eines der wesentlichsten Produkte dieses Prozesses
für den aktiven Partner sind Sicherheitskonsultationen. Verbündete und Partner würden Konsultationen
vereinbaren, wenn die territoriale Integrität, politische
Unabhängigkeit oder Sicherheit eines Partnerstaats
bedroht
wären. Diese Konsultationen sollten viel zur
In unserer Vorstellung wird die Partnerschaft den
Verbesserung
des Gefühls von Sicherheit und StabiliRahmen für detaillierte, operative militärische Zusamtät
der
Osteuropäer
beitragen.
menarbeit bei multinationalen Sicherheitsbestrebungen bilden, die das Kernstück der NATO sind.
Es ist wichtig, hier festzustellen, daß die Partnerschaft
Die an der Partnerschaft beteiligten Nationen würden zwei Dinge nicht gewähren kann: Die Sicherheitsgaletztlich mit der NATO an einer Reihe militärischer rantie der NATO und automatische Mitgliedschaft zu
Aktivitäten teilnehmen. Zu diesen Aktivitäten könnten einem späteren Zeitpunkt.
gemeinsame militärische Planung, Ausbildung und
Übungen zählen. Sie könnten sogar Operationen wie Erstens, die Sicherheitsgarantie. Artikel 5 des NordatSuch- und Rettungsübungen, Katastrophenhilfe, Frie- lantikvertrags fordert von allen Parteien, daß ein
bewaffneter Angriff gegen eine oder mehrere von
denssicherung und Krisenmanagement beinhalten.
ihnen als ein Angriff gegen sie alle angesehen wird.
Die Partnerschaft für Frieden leitet einen Prozeß in die Die Garantie von Artikel 5 würde sich nicht auf die
Wege, der uns von u nserem heutigen Stand zu diesem Partner erstrecken.
neuen Stadium der Sicherheitszusammenarbeit bringt.
Die nächste gro ße Frage lautet natürlich, ob der Beitritt
Sie würde folgendermaßen funktionieren:
zur Partnerschaft eine Eintrittskarte zur NATO ist.
Die Staats- und Regierungschefs würden beim NATO- Dies trifft nicht zu. Die Partner für Frieden kommen
Gipfel Anfang nächsten Monats eine Rahmenerklä- nicht automatisch für die Mitgliedschaft in der NATO in
rung über die Partnerschaft abgeben und Einladungen Frage. Sie müssen der NATO noch nicht einmal
an die 22 Mitglieder des Nordatlantischen Koopera- beitreten wollen. Und die Partner hätten kein Vetotionsrats sowie von den NATO-Verbündeten verein- recht bezüglich der Staaten, die der NATO beitreten
barte andere europäische Staaten aussprechen. Jeder möchten.
könnte unterzeichnen.
Andererseits hätten die Partner für Frieden eine ChanInteressierte Nationen würden die Erklärung unter- ce zur Zusammenarbeit mit der NATO bei der Entwickzeichnen und damit ihrer Zustimmung zum Beitritt zu lung der Prinzipien, Zielsetzungen und Fähigkeiten der
der Partnerschaft Ausdruck verleihen.
NATO-Mitgliedstaaten. Obwohl die Partnerschaft keine
Garantie für Mitgliedschaft ist, wäre die aktive BeteiliJeder neue Partner würde dann die Einrichtungen, gung wahrscheinlich eine unerläßliche Voraussetzung
Ressourcen und Streitkräfte angeben, die er der Part- für eine zukünftige NATO-Mitgliedschaft.
nerschaft zur Verfügung stellen will, sowie das Ausmaß seiner Beteiligung an gemeinsamer Ausbildung, Dieser Ansatz birgt sowohl für die derzeitigen NATOPlanung und Operationen.
Mitgliedstaaten als auch die Partner große Vorteile.
Diese Erwägungen beinhalteten unseren Ausgangspunkt, als wir Wege zu einem neuen, besseren Sicherheitssystem in Europa zu sondieren begannen.
Das Ergebnis ist die Partnerschaft für Frieden.

Ein Partner wird darüber hinaus darlegen, was er zur
Erlangung der zivilen Kontrolle über das Militär sowie
zur Transparenz des Verteidigungshaushalts und der
Maßnahmen zu tun bereit ist - das heißt, sie für die
Bürgerschaft sichtbar zu machen.

Erstens nimmt er keine erneute Teilung Europas vor.
Wir haben zwei Generationen lang versucht, den Eisernen Vorhang zu heben. Wir wollen ihn nicht ersetzen, indem wir eine neue Grenze ziehen. Die Partnerschaft für Frieden räumt allen Nationen dieselbe Chance
zur Beteiligung ein, macht die Ergebnisse jedoch von
Schließlich würden die NATO-Offiziere in Zusammen- den Anstrengungen jedes einzelnen Partners abhänarbeit mit Planern aus Partnemationen in einem Pla- gignungsraum in Mons, dem Obersten Hauptquartier der
Alliierten Streitkräfte in Europa, ein Programm für die Zweitens bietet die Partnerschaft für Frieden die richAusbildung, Planung, gemeinsamen Übungen und tigen Anreize. In der alten Welt des Kalten Krieges war

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AMERIKA DIENST 49

�die NATO ein für die Reaktion auf eine Bedrohung von
außen geschaffenes Bündnis. In der neuen Welt nach
dem Kalten Krieg kann die NATO ein auf die gemeinsamen Werte von Demokratie und freien Marktwirtschaften gegründetes Bündnis sein. Die Partnerschaft
für Frieden belohnt diejenigen, die Schritte in diese
Richtung unternehmen.

seine Absichten eindeutig klarzustellen, bevor er in
das neue Sicherheitssystem aufgenommen wird. Der
Partnerschaftsprozeß bietet gleichberechtige Chancen, beurteilt die Ergebnisse jedoch ausschließlich am
Verhalten der einzelnen Staaten.

Der Partnerschaftsprozeß setzt keine Zeitpläne oder
strikte Regeln fest, wieviel die Partnertun müssen oder
Drittens erfordert die Partnerschaft für Frieden einen wie schnell. Sie können in dem von ihnen gewährten
echten Beitrag der Partner. Sie fragt nicht nur, was die Tempo arbeiten. Einige Staaten sind vielleicht zuNATO für ihre neuen Partner tun kann, sondern auch, nächst nur mit der Unterzeichnung der Erklärung zuwas die neuen Partner für die NATO tun können. frieden. Andere könnten sich auf eine nominelle
Sicherheitskonsultationen werden beispielsweise den Beteiligung beschränken.
aktiven Partnern zur Verfügung stehen, die einen
Beitrag leisten und sich für die multinationalen Aktivi- Aktive und engagierte Partner, die sich direkt an der
täten engagieren, die das Kernstück der NATO bilden. Planung, den Übungen und der Ausbildung zusammen mit den alliierten Streitkräften sowie an regelmäViertens bleibt die NATO durch die Partnerschaft im ßigen politischen Konsultationen beteiligen, werden
Zentrum der europäischen Sicherheitsbelange und jedoch einen Vorteil haben. Sie werden sich die
das amerikanische Engagement im Zentrum Europas. operativen Verfahren, Kooperationsmechanismen und
routinemäßigen Konsultationen schneller zu eigen
Schließlich rückt die Parnterschaft für Frieden die machen.
Frage der NATO-Mrtgliedschaft für die Partner in den
richtigen Kontext - an das Ende des Prozesses statt an Die Partnerschaft für Frieden war eine Initiative von
den Anfang. Wenn wir einige Erfahrungen mit dem Präsident Clinton. Wir freuen uns, daß sie eine solch
Partnerschaftsprozeß gemacht haben, wird es sehr bemerkenswerte Reaktion hervorgerufen hat. NATOviel klarer sein, welche der in Frage kommenden Generalsekretär Manfred Wörner unterstützt sie unNationen sich wirklich die Ideale der NATO gemeinsa- eingeschränkt. Sie hat die aktive Unterstützung aller
mer demokratischer Werte und kooperativer Sicher- Verbündeten erhalten. Sie wird in Europa weithin als
Beispiel der amerikanischen Führungsrolle in der Welt
heit zu eigen machen wollen.
nach dem Karten Krieg begrüßt.
Einige haben die Partnerschaft mit dem Argument
kritisiert, sie würde die NATO schwächen. Meines Präsident Clinton versteht diese neue Welt. Die PartErachtens wird sie die NATO stärken. Sie macht die nerschaft für Frieden ist ein weiteres Beispiel seines
NATO weiterhin relevant für die Förderung eines Si- Vorgehens, damit die amerikanische Führungsrolle
cherheitssytems für die euro-atlantische Region und auch in Zukunft gesichert ist und gleichzeitig die Ladie Konzentration darauf. Sie wird dazu beitragen, die sten der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele
NATO an sich wandelnde Zeiten und die Erfordernisse gerecht verteilt sind.
nach zwei Generationen der Konzentration auf den
Wir vertreten die Auffassung, daß die Partnerschaft
Warschauer Pakt anzupassen.
dazu beitragen wird, das von uns allen Gewünschte
Es wurden Beschwerden geäußert, daß die Partner- herbeizuführen - die Vision Marshalls eines friedlichen,
schaft alle ehemaligen kommunistischen Staaten stabilen, sicheren und vereinten Europas.
unabhängig von ihren Absichten gleich behandelt. Im
Gegenteil - sie bietet jedem Staat die gleiche Chance, Ich danke Ihnen.

*

AMERIKA DIENST 49

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amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C
1. Dezember 1993

48

US-REGIERUNG

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten

APEC

APEC-TREFFEN FORDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer

GATT

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER
ABSCHLUSS DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

USA-EUROPA

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council
on Foreign Relations

MENSCHENRECHTE

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Ausschuß der
UN-Generalversammlung

US-MILITAR

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

AUCH SIE DIENEN:
FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�US-REGIERUNG
1. Dezember 1993

CLINTON: ERSTES AMTSJAHR EIN ERFOLG
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 27. November 1993 erklärte Präsident Clinton, seine
Regierung habe während seines ersten Jahres im Amt "mehr wichtige Gesetze verabschiedet... als jede andere
Administration in den vergangenen 40 Jahren".
Nachfolgend veröffentlichen wir den Text der Rede des Präsidenten im Wortlaut.

In dieser Woche hat meine Familie wie die meisten
amerikanischen Familien das Erntedankfest gefeiert.
Wir versammelten uns um einen mit den Gaben unseres großartigen Landes gedeckten Tisch und dankten
dem Herrn für alles, das wir haben und alles, auf das
wir hoffen können.
Kein Feiertag hat eine längere amerikanische Tradition als das Erntedankfest. In der Tat hat kein Volk
mehr Grund dankbar zu sein, weil kein Volk gesegneter ist. Dieser Feiertag signalisiert auch, daß sich das
dem Ende zuneigt - die Zeit, in der viele von uns Bilanz
ziehen und Besinnung üben. Für unsere Nation war es
in jeder Hinsicht ein ereignisreiches Jahr.
Während meiner Reisen durch das Land und in Briefen
von meinen amerikanischen Mitbürgern fühlte ich mich
berührt und ermutigt durch die zum Ausdruck gebrachte Unterstützung für die von uns vorgenommenen
Veränderungen und erzielten Fortschritte. Es war ein
guter Anfang - die Inflationsrate ist gesunken, die
Zinssätze sind auf einem Rekordtiefstand, das Defizit
wurde abgebaut, die Investitionen sind im Anstieg
begriffen. Viele der heutigen Zuhörer zählen zu den
Millionen Amerikanern, die ihre Häuser oder Unternehmen im letzten Jahr aufgrund der gesunkenen Zinsen
neu finanziert haben. Und in den vergangenen 10
Monaten hat die Wirtschaft mehr Arbeitsplätze im
Privatsektor geschaffen als in den letzten 4 Jahren zusammengenommen.
Der Kongreß hat dem Nordamerikanische Freihandelsabkommen zugestimmt, und ich bin nach Seattle
gereist, um mit Wirtschaftsvertretern aus dem asiatisch-pazifischen Raum zusammenzutreffen. Ich weiß
jetzt, daß ich mit Exportzuwächsen den Motor zur
Schaffung von Arbeitsplätzen noch weiter beschleunigen kann.

AMERIKA DIENST 48

Wir konnten noch sehr viel mehr tun, um unseren
Arbeitnehmern und Familien zu helfen. Der Kongreß
hat ebenfalls eine Gesetzesvorlage über Urlaub aus
familiären Gründen und Krankenurlaub verabschiedet, dem ich mit meiner Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen habe. Die Arbeitnehmer haben jetzt das
Recht auf Urlaub, damit sie sich ohne ihren Arbeitsplatz zu verlieren um einen kranken Familienangehörigen oder ein neugeborenes Baby kümmern können.
Das Gesetz wird dazu beitragen, die Vereinigten Staaten zu einem Ort zu machen, an dem man gleichzeitig
erfolgreich seiner Tätigkeit nachgehen und seine Rolle
als Elternteil wahrnehmen kann.
Darüber hinaus haben wir durch die Reform des Gesetzes
über Kredite für einen Collegebesuch Schritte zur
Unterstützung unserer Studenten unternommen, die
jetzt leichter einen Kredit erhalten - zu niedrigeren
Zinssätzen und besseren Rückzahlungsbedingungen
sowie strengeren Vorschriften über die Rückzahlungskonditionen.
Wir haben das Gesetz über den Nationalen Sozialdienst unterzeichnet, dank dem binnen drei Jahren
100.000 junge Amerikaner Geld für ihre Collegeausbildung verdienen können, während sie gleichzeitig ihre
Gemeinden von der Basis aus wiederaufbauen.
Wir erhielten in beiden Häusern des Kongresses die
Zustimmung zu unseren Reformen für die Finanzierung von Wahlkampagnen. Und wenn der Kongreß
wieder zusammentritt - wenn das Repräsentantenhaus und der Senat es billigen - können wir noch sehr
viel mehr tun, um die Lobbyisten aus unseren Kongreßwahlen und damit aus unserem Entscheidungsfindungsprozeß herauszuhalten.
Wir haben ein Wirtschaftsprogramm verabschiedet,
das Arbeitnehmerfamilien mit Kindern echte Steuerer-

Seite 1

�leichterungen gewährt um sicherzustellen, daß jederin
diesem Land mit einer 40-Stunden-Woche und Kindern nicht mehr unterhalb der Armutsgrenze leben
muß. Aber es bleibt noch viel zu tun.

Jede dieser Veränderungen, jeder von uns unternommene Schritt muß an einem Arbeitsplatz gemessen
werden, den eine Mutter oder ein Vater findet, einer
Chance, die ein Kind erhält, an besseren Zukunftsaussichten für einen Geschäftsmann, oder an sichereren
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir Straßen und einer sichereren Zukunft. Jeder Schritt
jetzt einen Vorschlag zur Gesundheitsreform unter- nach vorne, der zur Wiederbelebung unserer Wirtbreitet. Ich hege die Hoffnung, daß der Kongreß vor schaft, unserer Gemeinden, unserer Familien beiträgt,
Ende nächsten Jahres einen Plan billigen wird, der ist ein Schritt, der es wert ist, unternommen zu werden.
jedem Amerikaner lebenslang umfassende Gesund- Letztlich werden diese Schritte jedoch nur Bestand
heitsfürsorge gewährleistet.
haben, wenn wir zusammen größere Anstrengungen
unternehmen, um die Vereinigten Staaten von innen
Die Gesetzesvorlage über Verbrechensbekämpfung
heraus zu erneuern. Wir müssen uns um die vielen
ist von beiden Häusern des Kongresses verabschiedet
Familien kümmern, die völlig zusammengebrochen
worden. Im Rahmen dieses Gesetzes werden wir
sind, die jungen Frauen, die illegitime Kinder zur Welt
mehr Polizeistreifen auf den Straßen haben - bis zu
bringen. Diese Probleme erfassen unser Land von
100.000 Polizisten, mehr Gefängnisse bauen, Lager
allen Seiten - und über alle Rassenschranken hinweg.
für erstmals straffällig gewordene Jugendliche einrichWir müssen besorgt sein, daß sich ohne die Struktur,
ten, Handfeuerwaffen verbieten. Wir müssen jedoch
die Disziplin, den Familienzusammenhalt zu viele Kinder
noch einige Meinungsverschiedenheiten ausräumen
mit einer Zukunft bar jeder Hoffnung konfrontiert seund diesen Gesetzentwurf Anfang kommenden Jahhen. Zu viele Kinder leben heute mit zu wenig Hoffres verabschieden.
nung, zu wenig Liebe und zu wenig Disziplin.
Wir machen Fortschritte beim Kampf gegen das Verbrechen. Kurz bevorder Kongreß sich vertagte, hat er Wir müssen besorgt sein, daß sowohl in unseren
einem Gesetz zugestimmt, das eine Wartezeit von 5 Städten als auch den ländlichen Gebieten der Wert
Tagen vor dem Kauf einer Handfeuerwaffe festsetzt, des Lebens herabgewürdigt wird. Zu viele Kindertöten
damit Alter und Geisteszustand des Käufers geprüft andere Kinder mit Vernichtungswaffen, die wirksamer
sowie ein polizeiliches Führungszeugnis eingeholt und moderner sind als die der Polizei, die Menschen
werden können. Diese Maßnahme war ein nationaler schützen soll.
Sieg im Kampf gegen Verbrechen und Gewalt. Und ein Was uns anbetrifft, so arbeiten wir hart, um wirtschaftsehr persönlicher Sieg für Jim und Sarah Brady - eine liche Sicherheit, gesicherte Gesundheitsfürsorge und
von Gewalt heimgesuchte Familie, die ihre Tragödie in Sicherheit in den Gemeinden zu gewährleisten, damit
einen Triumph umgewandelt hat, indem sie sieben auf diese Weise ein Teil der Belastungen gemildert
lange Jahre um die Verabschiedung dieses wichtigen werden kann, die unsere Familien zu tragen haben.
Gesetzes kämpfte, um uns vor Personen zu schützen, Wir arbeiten hart, um den für die amerikanischen
denen der Besitz oder die Benutzung von Handfeuer- Arbeitnehmerfamilien vorteilhaften, die Welt erfassenwaffen nicht gestattet werden sollte. Wir haben mit der den Veränderungen eine Chance zu geben. Es wurde
Verabschiedung der Brady-Gesetzesvorlage lange einmal gesagt, die Familie sei der Test für die Freiheit.
gewartet, aber dies ist nur das jüngste Beispiel dafür, Sie stellt unsere Freiheit und unser Verantwortungsbewie wir den im letzten Wahlkampf versprochenen wußtsein auf die Probe. Und das ist der stichhaltigste
Wandel in Washington bewirkt haben.
Grund, den Familienzusammenhalt zu bewahren und
In den ersten 10 Monaten haben wir die Pattsituation
überwunden. Wir haben einen Großteil dessen erreicht, was ich in meinem ersten Jahr bewirken wollte.
Viele der Veränderungen, von denen ich in meinem
Präsidentschaftswahlkampf gesprochen habe, werden jetzt verwirklicht. Tatsache ist, daß dem äußerst
renommierten Congressional Quarterly zufolge diese Administration in Zusammenarbeit mit beiden Parteien mehr wichtige Gesetze verabschiedet hat als
jede Administration in den vergangenen 40 Jahren.

4t

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die schweren Lasten zu mildem zu versuchen, die seit
nunmehr fast 30 Jahren die Bürde für die Familien
erschwert haben.
Meine amerikanischen Mitbürger, während wir an diesem
hochgeschätzten Feiertag für das danken, was wir
haben, sollten wir uns vor Augen führen, was so viele
Millionen Amerikaner nicht haben. Wir sollten uns
erinnern, was Arbeit und Familie für ein bürgerliches
Leben bedeuten. Wir können die Grundstruktur unserer Gesellschaft nur wiederherstellen und erneuern,
wenn wir beides aufbauen - Arbeit und Familie.
Gemeinsam können wir es schaffen, glaube ich.

*

AMERIKA DIENST 48

�APEC
1. Dezember 1993

APEC-TREFFEN FÖRDERT STÄRKERE
REGIONALE IDENTITÄT
Ausführungen Präsident Clintons
Aus Anlaß des Treffens führender Politiker des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit
(Asia-Pacific Economic Cooperation Forum -APEC) in Seattle machte Präsident Clinton am 20. November 1993
folgende Ausführungen:

Meine Damen und Herren, wir nähern uns dem Ende
der APEC-Konferenz und haben gerade ein dreistündiges Treffen zwischen 14 Wirtschaftsvertretern des
APEC abgehalten. Es warfür mich eine Freudeund für
die Vereinigten Staaten eine Ehre, Gastgeber des
historischen Treffens auf dieser schönen Insel zu sein.
Die asiatisch-pazifische Region ist für unsere Nation
und die Welt in zunehmendem Maße von entscheidender Bedeutung. In dieser Region leben 40 Prozent der
Weltbevölkerung, sie umfaßt die am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt, und die hier anwesenden führenden Politiker repräsentieren die Hälfte
des globalen wirtschaftlichen Outputs.
Die Ereignisse dieser Woche waren für alle Völker der
Region ein Erfolg. Wir haben die Grundlage für
regionale Bestrebungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Erhöhung der Einkommen, Erweiterung der
wirtschaftlichen Chancen und Förderung von Harmonie in der Region gelegt. Diese Woche haben wir
mehrere deutliche Schritte zur Erreichung dieser Ziele
unternommen.
Am Montag und Dienstag sind 1.500 Wirtschaftsvertreter zusammengetroffen, um über das Potential der
Region zum Ausgleich ihrer Handelsbilanzen zu beraten. Gegen Ende der Woche einigten sich unsere
Minister auf ein Maßnahmenpaket zur Marktöffnung,
das zu einem erfolgreichen Abschluß der UruguayRunde multilateraler Handelsgespräche bis zum 15.
Dezember 1993 beitragen soll. Auf der Ministertagung
einigte man sich auf die Entwicklung eines Aktionsplans in der nahen Zukunft zum Abbau der Hemmnisse, die das Wirtschaftsleben in der gesamten Region
behindern, beispielsweise unterschiedliche Produktnormen.

AMERIKA DIENST 48

Der krönende Abschluß der Aktivitäten dieser Woche
war das erstmalige Treffen der Staats- und Regierungschefs. Die heute morgen von uns geführten
Gespräche, die wir am Nachmittag fortsetzen werden,
geben uns die Möglichkeit, besser miteinander bekannt zu werden und unsere Visionen für unsere
eigene Nation sowie unsere vielfältige und dynamische Region miteinander zu vergleichen. Du rch u nser
Treffen und unsere Gespräche konnten wir eine stärkere regionale Identität und ein erhöhtes Bewußtsein
für ein gemeinsames Ziel zu fördern. Dieses Ziel ist in
der Abschlußerklärung enthalten, die wir gerade bekanntgegeben haben.
Die Erklärung legt unsere gemeinsamen Ansichten
über eine Wirtschaft der Region dar, die von Offenheit,
Zusammenarbeit, dynamischem Wachstum, erweitertem Handel, verbessertem Verkehrs- und Kommunikationswesen sowie hochwertigen und gutbezahlten
Arbeitsplätzen gekennzeichnet ist. Wir begrüßen den
von der Gruppe renommierter Persönlichkeiten gemachten, eine Herausforderung darstellenden Vorschlag zur Einführung von Freihandel in der asiatischpazifischen Region, Förderung der weltweiten Liberalisierung des Handels und zum Beginn konkreter,
spezifischer Programme zur Erreichung dieser langfristigen Ziele.
Bei unseren am gestrigen Abend und heute geführten
Gesprächen war ich erstaunt, wie viele gemeinsame
Prioritäten wir haben - stabiles, umweltverträgliches
Wirtschaftswachstum, offenere Märkte, bessere Arbeitsplätze, verbesserte Lebens- und Arbeitsbedingungen für unser Volk, bessere Ausbildung für unsere
Kinder und Erwachsenen sowie Schutz der einzigartigen Natur in der Region.

Seite 1

�Natürlich sind wir uns nicht immer über die Wege zur
Erlangung dieser Ziele einig. Aber zumindest verfügt
unsere Region heute zum ersten Mal über ein Mittel,
ernsthafte politische Gespräche über Fragen wie beispielsweise den Abbau von Handelshemmnissen oder
die Beibehaltung eines stabilen Wirtschaftswachstums zu führen.
Wenn ich unsere Vereinbarungen kurz zusammenfassen sollte, würde ich folgendes sagen: Wir haben uns
für eine geeinte, nicht gespaltene asiatisch-pazifische
Region ausgesprochen. Wir stimmten darin überein,
daß wir offene, nicht geschlossene Volkswirtschaften
haben sollten. Wir wollen dieser Überzeugung Ausdruck verleihen, indem wir alles in unserer Macht
Stehende unternehmen, um bis zum 15. Dezember ein
gutes GATT-Abkommen zu erzielen.

Durch das heutige Treffen helfen wir der asiatischpazifischen Region, eine echte Gemeinschaft zu werden - keine formale, juristische Struktur, sondern eine
Gemeinschaft von Staaten mit gemeinsamen Interessen, gemeinsamen Zielen und einem gemeinsamen
Engagement für Zusammenarbeit zum Nutzen aller.
Die Entwicklung dieser Gemeinsschaft liegt sicherlich
im Interesse des amerikanischen Volkes und aller
Völker in der Region. Wir sollten uns über die erzielten
Fortschritte freuen. Und ich möchte nochmals im
Namen der Vereinigten Staaten betonen, daß es für
uns eine Ehre war, die vielen führenden Politiker hier
begrüßen zu dürfen.
Ich danke Ihnen.

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AMERIKA DIENST 48

�APEC
I.Dezember 1993

WIRTSCHAFTSVISION DES APEC
Abschlußerklärung der Konferenzteilnehmer
SEATTLE - (AD) - Bei dem vom 18. bis 20. November 1993 in Seattle anberaumten Treffen der Minister sowie
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia Pacific
Economic Cooperation - APEC) gaben die Teilnehmer folgende Abschlußerklärung über ihre Wirtschaftsvision
ab.

Wir haben ein beispielloses Treffen der Wirtschaftsvertreter des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit abgehalten. In dieser Zeit nach
dem Kalten Krieg bietet sich uns die Chance einer
neuen Wirtschaftsgrundlage für den asiatisch-pazifischen Raum, die der Dynamik unserer unterschiedlichen Volkswirtschaften Rechnung trägt, die Zusammenarbeit verbessert und Wohlstand fördert.
Unser Treffen berücksichtigt die Mitsprache des aufstrebenden asiatisch-pazifischen Raums in internationalen Angelegenheiten. An der Schwelle zum 21.
Jahrhundert wird unsere dynamische Region, die 40
Prozent der Weltbevölkerung und 50 Prozent ihres
Bruttosozialprodukts ausmacht, unseres Erachtens
eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft spielen und
den Weg zu Wirtschaftswachstum und Erweiterung
des Handels ebnen.
Die Grundlage unseres Wirtschaftswachstums ist das
offene multilaterale Handelssystem. Aus diesem Grund
unternehmen wir größte Anstrengungen zu einem
erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde bis zum
15. Dezember. Wir sind entschlossen zu einer Führungsrolle der asiatisch-pazifischen Region bei konkreten Schritten, in Genf das bestmögliche Ergebnis
zu erzielen. Die zunehmende Beteiligung der APECLänder an einem gestärkten GATT-System wird darüber hinaus größere regionale Zusammenarbeit erleichtern.
Unser Erfolg war das Ergebnis der Fähigkeit unserer
Gesellschaften, sich an wandelnde Gegebenheiten
anzupassen. Unsere Volkswirtschaften streben nach
Interdependenz und es besteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter uns. Wir sind geeint in unserem
Engagement zum Aufbau einer Zukunft mit Stabilität
und Wohlstand für unsere Völker.

AMERIKA DIENST 48

In Anerkennung unserer wirtschaftlichen Interdependenz sowie unserer wirtschaftlichen Vielfalt stellen wir
uns eine Gemeinschaft asiatisch-pazifischer Volkswirtschaften vor, in der
der Geist der Offenheit und Partnerschaft vertieft wird und uns gestattet, kooperative Lösungen für die Herausforderungen unserer sich
rasch verändernden regionalen und globalen
Wirtschaft zu finden.
Wir sind ein riesiger asiatisch-pazifischer Markt
mit 2 Milliarden Menschen, in dem dynamisches
Wirtschaftswachstum andauert und zu einer expandierenden Weltwirtschaft sowie der Unterstützung eines offenen internationalen Handelssystems beiträgt.
Wir werden weiterhin Hemmnisse für Handel
und Investitionen abbauen, damit unser Handel
innerhalb der Region und mit der Welt expandieren kann und ein freier Fluß von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Investitionen zwischen
unseren Volkswirtschaften gewährleistet ist.
Unsere Völker profitieren gemeinsam vom Wirtschaftswachstum durch höhere Einkommen,
hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitsplätze
sowie größere Mobilität.
Verbesserte Aus- und Fortbildung führt zur
Verringerung des Analphabetentums, bietet die
Qualifikationen für die Aufrechterhaltung des
Wirtschaftswachstums und ermutigt einen Kunst
und Wissenschaft fördernden Ideenaustausch.
Fortschritte im Telekommunikations- und Transportwesen verringern den Zeitverlust und die
Entfernungen innerhalb unserer Region und

Seite 1

�verbinden unsere Volkswirtschaften, damit Waren Wir haben die Einberufung eines Treffens der APECund Menschen schnell und effizient transportiert Finanzminister zu Konsultationen über umfassende
werden können.
Wirtschaftsthemen einschließlich makroökonomischer
Entwicklungen und des Kapitalflusses vereinbart.
Unsere Umwelt wird verbessert, indem wir die Unseres Erachtens werden uns solche Diskussionen
Qualität der Luft, des Wassers und der Grünflä- bei der Bewältigung der die Region konfrontierenden
chen schützen und unsere Energiequellen sorg- Herausforderungen behilflich sein, bis hin zur Sicherfältig verwalten, um umweltverträgliches Wachs- stellung von nichtinflationärem regionalem Wachstum sicherzustellen und unseren Menschen eine tum, Finanzierung von Investitionen sowie Entwicksicherere Zukunft zu bieten.
lung von Infrastruktur und Kapitalmärkten.
Wir sind uns bewußt, daß diese Vision nur Realität
wird, wenn wir gemeinsam aktiv an ihrer Verwirklichung arbeiten. Wir sind überzeugt, daß wir Erfolg
haben können. Wir beabsichtigen, unsere gemeinsame Vision als Leitfaden für die künftige Entwicklung
unserer Region zu benutzen.
Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die kontinuierliche Entwicklung des APEC als Forum, das sich
dem Hervorbringen greifbarer wirtschaftlicher Vorteile
fürdie Region verschrieben hat. Wirfordern das APEC
zur Erweiterung seines wirtschaftlichen Dialogs und zu
Fortschritten bei spezifischen Arbeitsprojekten auf.
Der Unternehmergeist und die marktorientierten
Maßnahmen, die unsere wirtschaftliche Dynamik geleitet haben, werden im APEC weiterhin gefördert.

Wir fordern die Unternehmer zur Gründung eines
pazifischen Wirtschaftsforums auf, um vom APEC
anzusprechende Themen zur Erleichterung von regionalem Handel und Investitionen auszumachen und die
weitere Entwicklung von Unternehmensnetzen in der
gesamten Region zu erleichtern. Darüber hinaus
fordern wir das APEC zur Intensivierung seines politischen Dialogs über kleine und mittelständische Unternehmen auf.

Wir stimmen überein, Investitionen in nachfolgende
Generationen durch die Gründung eines APEC-Bildungsprogramms zu tätigen, um regionale Zusammenarbeit bei weiterführender Bildung zu fördern,
entscheidende regionale Wirtschaftsfragen zu studieren, die Qualifikation von Arbeitnehmern zu verbessern, kulturelle und akademische AustauschprogramWir begrüßen die in dem Bericht der renommierten
me zu erleichtern, die Mobilität der Arbeitskräfte zu
Persönlichkeiten des APEC enthaltene Herausfordeverbessern und das Verständnis der Vielfalt unserer
rung, freien Handel in Asien herbeizuführen, die globaRegion zu vertiefen. Wir sind uns über die Gründung
le Handelsliberalisierung voranzubringen und konkreeines APEC-Freiwilligenprogramms für Unternehmer
te Programme zur Verwirklichung dieser langfristigen
einig, um die Kooperation unter uns bei der EntwickZiele in die Wege zu leiten. Wir fordern das APEC auf,
lung von Humankapital und dem Austausch von UnterSchritte zur Vertiefung und Verbesserung der Ergebnehmensführung und -techniken zu fördern.
nisse der Uruguay-Runde zu unternehmen, die Liberalisierung von Handel und Investitionen in der Region zu
Als APEC-Mitglieder verpflichten wir uns zur Vertiebeschleunigen und regionale Zusammenarbeit in solfung unseres Zusammengehörigkeitsgefühls auf der
chen Bereichen wie Normen zu erleichtern.
Grundlage unserer gemeinsamen Vision zur Verwirklichung von Stabilität, Sicherheit und Wohlstand für
unsere Völker.
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AMERIKA DIENST 48

�GATT
1. Dezember 1993

KANTOR ZUVERSICHTLICH ÜBER ABSCHLUSS
DER URUGUAY-RUNDE
Auftrieb für NAFTA und APEC erwartet

SEATTLE - (AD) - Auf die Erfolge beim Handel mit
Asien und Mexiko zurückblickend, ist der amerikanische Handelsbeauftragte Mickey Kantor optimistisch
über den Abschluß der seit langem festgefahrenen
Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche bis
zum 15. Dezember 1993.

ment zur Lösung der verbliebenen schwierigen Fragen
bewiesen.

Am Morgen des 20. November äu ßerte sich Kantor vor
einem langen Sftzungstag mit den Wirtschaftsministern gegenüber Reportern, während Präsident Clinton zu einem Treffen mit führenden Politikern aus den
Pazifikanrainerstaaten in der Nähe der Stadt aufbrach.

Kantor ist am 22. und 23. November in Washington mit
EU-Kommissar Sir Leon Brittan zur Erörterung einiger
dieser Optionen zusammengetroffen.

Vor seiner Reise nach Seattle verfolgte Kantor den
entscheidenden Sieg Präsident Clintons bei der Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko
und Kanada.
In Seattle erzielte Kantor beim jährlichen Ministertreffen des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation
- APEC) die Zustimmung zu einer eindeutigen Erklärung, die auf den Abschluß der Uruguay-Runde drängt
und jegliche Schwächung des Blair House-Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten u nd der Europäischen Union (EU) zu im Zusammenhang mit der
Uruguay-Runde stehenden Agrarfragen ablehnt.
Darüber hinaus konnte Kantor Angebote mehrerer
APEC-Länder über den Abbau oder die Senkung von
Zöllen in Sektoren sichern, in denen die EU sich
solchen Angeboten widersetzt hatte, einschließlich
den Bereichen Elektronik, Holz und Papier.
"Meines Erachtens bedeutet das, daß wir jetzt eine
enorme Chance zur Beendigung der Uruguay-Runde
haben", erklärte Kantor bei dem Pressegespräch.
Ihm zufolge haben alle Teilnehmer der Uruguay-Runde bei den Verhandlungen in Genf echtes EngageAMERIKA DIENST 48

"Ich glaube, wir alle sehen die uns zur Verfügung
stehenden Optionen bei der Bewältigung dieses Themenkomplexes", fügte Kantor hinzu.

Die Aussicht auf stärkere Handelsbeziehungen der
Vereinigten Staaten zu Lateinamerika, der am zweitschnellsten wachsenden Wirtschaftsregion der Welt,
sowie mit Asien und dem Pazifik, der am schnellsten
wachsenden Region, müßten laut Kantor Einfluß auf
die EU haben.
"Meiner Ansicht nach konnte den Partnern in Genf die
Bedeutung dessen nicht entgehen, was hier stattgefunden hat", so Kantor, "und meines Erachtens bewirkt
es einen Unterschied."
UnterdemFast-Track-Mandat, das die Beteiligung der
Vereinigten Staaten an der Uruguay-Runde regelt,
muß Präsident Clinton den Kongreß bis zum 15.
Dezemberdavon in Kenntnis setzen, ob er ein Abkommen zur Annahme vorlegen will. Der Kongreß muß
gemäß dem Fast-Track-Mandat jedes Abkommen
innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens ohne Abänderungsantrag annehmen oder ablehnen.
"Wir beabsichtigen, dem Kongreß bis zum 15. Dezember nicht die Umrisse des Pakets, sondern seinen
wesentlichen Inhalt vorzulegen", erklärte Kantor. "Es
gibt vielleicht noch technische Schwierigkeiten, die
nicht geregelt wurden."
"Man muß bestimmte Einzelheiten, wenn nicht sogar
genauere Einzelheiten wissen, um dem Kongreß ein
Abkommen vorlegen zu können", fuhr er fort. "Wir
halten das heute durchaus für möglich."

Seite 1

�Auf dem APEC-Treffen äußerte Kantor, er sei zufrieden mit der relativ unbedeutenden Übereinkunft, einen
Ausschuß für Handel und Investitionen ins Leben zu
rufen, wodurch die Funktion der Gruppe von bloßer
Konsultation zur Festsetzung der Handelspolitik aufgewertet werde.
Einige Mitglieder des Verbands Südostasiatischer
Nationen (Association of South-East Asian Nation ASEAN), insbesondere Malaysia, haben starken Einspruch gegen jegliche Institutionalisierung des APEC
erhoben.
"Man braucht ein Gefühl dafür... wie vorsichtig man
sein muß, um nichts Unmögliches zu verlangen", so
Kantor. "Das letzte was wir wollen wäre, ... diese
Organisation zu etwas zu drängen, das ihre Mitglieder
nicht wollen oder in politischer Hinsicht nicht können."
Dennoch werde das APEC in Zukunft mehr Funktionen übernehmen, prognostizierte er.

Handelsdefizit der Vereinigten Staaten mit China in
Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar als wirtschaftlich und politisch untragbar.
Der US-Handelsbeauftragte zeigte sich zuversichtlich
im Hinblick auf eine Beilegung der Konflikte über den
Zugang amerikanischer Waren und Dienstleistungen
zum chinesischen Markt, illegale Lieferungen durch
Drittländer zur Umgehung amerikanischer Importquoten für Textilien sowie den Schutz von Patenten und
Urheberrechten.
"Ohne die Vorgänge in privaten Treffen anzusprechen", so Kantor "möchte ich nur betonen, daß wir in
bezug auf die Fähigkeit der Vereinigten Staaten, all
diese Fragen mit den Chinesen zu erörtern und substantielle und bedeutende Fortschritte zu erzielen,
nicht pessimistisch sind."

Zu einem anderen Thema verlieh Kantor seiner Erwartung Ausdruck, die Vereinigten Staaten könnten Be"Was jetzt geschehen wird, ist mit einem fahrenden denken der neuen kanadischen Regierung ausräuZug zu vergleichen, der den Bahnhof verläßt und men, die Kanada von dergeplanten Inkraftsetzung des
NAFTAam 1. Januar 1994 abhaltenwürden. Dennoch
immer schneller wird."
machte er entschieden deutlich, es werde keine NeuKantor sprach auch sein Treffen mit dem chinesischen verhandlung energiepolitischer Fragen geben.
Wirtschaftsminister an und bezeichnete das derzeitige
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 48

�USA - E U R O P A
1. Dezember 1993

WARUM ES AUF EUROPA ANKOMMT
Rede Oxmans vor dem Baltimore Council on Foreign Relations
BALTIMORE - (AD) - Stephen A. Oxman, Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im
US-Außenministerium, ist der Ansicht, daß Europa intergraler Bestandteil der Außenpolitik der Vereinigten
Staaten bleiben wird.
In einer am 15. November 1993 vor dem Baltimore Council on Foreign Relations gehaltenen Rede erklärte
Oxman, Europa und die Vereinigten Staaten blickten auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte
zurück.
"Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte: Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir verfolgen
beide diese hehren Ziele - für uns und für die übrige Welt", äußerte er.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede Oxmans im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, heute abend
bei Ihnen zu sein und vor einem solch renommierten

Forum sprechen zu dürfen. Mein Dank gilt Dr. Burdfür
die Einladung und Herrn Jacobs für seine freundlichen
Einführungsworte.
Sie werden vielleicht bemerkt haben, daß meine Ausführungen den Titel "Warum es auf Europa ankommt"
tragen. Bevor ich die darin enthaltene Frage "Kommt
es auf Europa an?" beantworte, sollten wir uns zuerst
fragen "Was ist Europa?" Europa ist in vielerlei Hinsicht einer der erstaunlichsten Teile unseres Globus.
Dort finden sich mehr souveräne Staaten auf weniger
Fläche als in jedem anderen Teil der Erde - und sie sind
natürlich von größter kultureller und historischer Bedeutung für die Vereinigten Staaten und die Welt.
Ich möchte mit der EG beginnen, den zwölf Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft, die jetzt nach
Inkrafttreten des Vertrags von Maastricht als Europäische Union (EU) bezeichnet wird. Auf diese Länder
entfallen 1,3 Prozent der Erdoberfläche - oder ungefähr ein Viertel des Territoriums der Vereinigten Staaten. Die zwölf EU-Mitgliedstaaten haben eine Bevölkerung von 350 Millionen Menschen, das sind 6 Prozent der Weltbevölkerung und ungefähr 40 Prozent
mehr als die Bevölkerung der Vereinigten Staaten.
Das bedeutet, daß 350 Millionen Menschen auf einer
Fläche wohnen, die dreimal so groß wie der Bundesstaat Texas ist.

AMERIKA DIENST 48

Noch erstaunlicher ist vielleicht, daß auf diese 12
Staaten, die einen solch kleinen Anteil der Erdoberfläche ausmachen, nahezu 22 Prozent des weltweiten
Bruttosozialprodukts - 5,5 Billionen Dollar - entfallen.
Das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten ist
ein wenig höher - 5,7 Billionen Dollar.
Natürlich ist Europa sehr viel mehr als die 12 Länder
der Europäischen Union. Selbst ohne die ehemalige
Sowjetunion umfaßt Europa 24 Staaten. Insgesamt
gesehen machen diese 36 Länder nur 3,3 Prozent der
Erdoberfläche aus, und mit 573 Millionen Einwohnern
stellen sie 10 Prozent der Weltbevölkerung. Dennoch
erzeugen sie ein Bruttoinlandsprodukt von nahezu 7
Billionen Dollar - 27,3 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts.
Aus diesem Blickwinkel muß Europa als das gesehen
werden, was es ist: Ein Gigant.
Die Tatsache, daß ich mich heute abend verpflichtet
fühle, Sie an die Bedeutung Europas zu erinnern, trägt
der zunehmenden Verbreitung der Annahme Rechnung, Europa sei für Wohlstand und Sicherheit der
Vereinigten Staaten nicht länger wichtig. Nichts wäre
weniger zutreffend.
Diese Administration ist sich bewußt, daß nach dem
Ende des Kalten Krieges neue au ßenpolitische Ansätze erforderlich sind. Wir müssen uns aber auch vor
Augen führen, daß Europa eindeutig integraler Be-

Seite 1

�standteil unserer Außenpolitik bleibt. Ich möchte die Heute ist die Situation anders, die Herausforderung
Zeit heute dazu nutzen, die Gründe hierfür anzuführen jedoch ähnlich. Statt uns aus Europa zurückzuziehen,
und darzulegen, was die Clinton-Administration zur müssen wir unsere Partnerschaft erneut stärken, inStärkung der europäisch-amerikanischen Partnerschaft dem wir neue Ziele auf der Gru ndlage unserer gemeinunternimmt.
samen Werte festsetzen und zusammen über die zur
hrer Erreichung erforderlichen Mittel entscheiden. Etwas
Die Herausforderung
anderes zu tun - Europa mit "wohlwollender Vernachlässigung'' zu behandeln - würde eine Bedrohung für
Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht an den Film
unsere Wirtschaft und Sicherheitsinteressen darstel"Der Kandidat" mit Robert Redford. Gegen alle Widriglen und das große Potential aufs Spiel setzen, das die
keiten geht die von Redford gespielte Figur siegreich
amerikanisch-europäische Partnerschaft für die Zuaus einem schwierigen Wahlkampf für den Senat
kunft birgt.
hervor. Der Film endet mit der Aufnahme eines
entgeisterten Redford, der seinen Wahlkampfmana- Partnerschaft für den Wohlstand
gern anklagend die Frage stellt: "Was soll ich jetzt
tun?"
Während des letzten Präsidentschaftswahlkampfes
hat ein aus vier Worten bestehendes Credo - "Die
Die von Redford dargestellte Person ist eine offen- Wirtschaft, Du Dummkopf" - den Demokraten gut
sichtlich unzulängliche Analogie zum erfolgreichen gedient. Amerikaner jeglicher politischer Couleur
Bündnis demokratischer Nationen der atlantischen verstanden, daß wir unser wirtschaftliches Haus in
Gemeinschaft. Dennoch sind die Vereinigten Staaten Ordnung bringen müssen und eine starke Außenpolitik
und Europa mit einer ähnlich mißlichen Lage konfron- bei einer soliden wirtschaftlichen Grundlage beginnt.
tiert. Nahezu 50 Jahre lang wurde unsere Beziehung Wohlstand im Inland erfordert jedoch die weitere
überwiegend durch die Notwendigkeit der Eindäm- Konzentration auf das Ausland. Und der letzte Ort, den
mung des Kommunismus und Gewährleistung der wir aus den Augen verlieren dürfen, ist Europa.
gemeinsamen Sicherheit definiert. Die europäischen
Verbündeten standen im Kalten Krieg an vorderster Sicherlich hätte es wenig Sinn, sich in politischer
Front, weshalb sich die Frage nach ihrer Bedeutung für Hinsicht von einer Region zu lösen, die für unser
uns oder unserer für sie gar nicht stellte. Nach dem wirtschaftliches Wohlergehen von derart zentraler
Sieg im Kalten Krieg könnten mit einem kurzen histo- Bedeutung ist. Ich möchte Ihnen einige zwingende
rischen Gedächtnis ausgestattete Menschen versucht Gründe ins Gedächtnis rufen:
sein, Hände zu drücken, ihre Sachen zu packen und
Das Volumen unserer Exporte nach Europa
nach Hause zurückzukehren - wie wir es 1918 taten.
entspricht in etwa dem nach Ostasien - 120
Solche Stimmen wurden lauter, als bedingt durch das
Milliarden Dollar - jedoch mit einem Überschuß
Fehlen der einigenden Bedrohung durch den Kommuvon 12 Milliarden Dollar anstelle eines Defizits
nismus Handelskonflikte ausbrachen und unsere Sivon 82 Milliarden Dollar.
cherheitspartnerschaft durch tragische Ereignisse wie
den Krieg im ehemaligen Jugowlawien auf die Probe
Ungefähr 60 Prozent der gesamten von amerigestellt wurde. Was unternehmen die Vereinigten
kanischen
Unternehmen in Übersee erzielten
Staaten denn jetzt?
Gewinne stammen aus Westeuropa, gegenüber 17 Prozent aus Ostasien.
Die jüngste Geschichte liefert eine nützliche Richtschnur. Nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen sich
Amerikanische Unternehmen haben in Westeuviele Stimmen für eine Loslösung von Europa aus.
ropa Investitionen im Wert von 225 Milliarden
Präsident Truman sowie den Außenministem Marshall
Dollar getätigt (die Hälfte unserer Investitionen
und Acheson gebührt Tribut, daß sie genau das Gein Übersee), im Vergleich zu weniger als 60
genteil taten. Dank dem Marshallplan und einer aktiMilliarden Dollar in Ostasien (und lediglich 23
vistischen Außenpolitik festigten wir mit den EuroMilliarden Dollar in Japan).
päern eine Partnerschaft für Demokratie, Wohlstand
und Sicherheit. General Marshall formulierte es bei
Die Westeuropäer haben in den Vereinigten
der Verkündigung seines Plans für Europa folgenderStaaten 258 Milliarden Dollar investiert (65 Prozent
maßen: "Es ist logisch, daß die Vereinigten Staaten
aller ausländischen Investitionen in unserem
alles in ihner Macht Stehende tun, um die WiederherLand), gegenüber weniger als 100 Milliarden
stellung einer gesunden Weltwirtschaft zu unterstütDollar an Investitionen aus Ostasien.
zen, ohne die es keine politische Stabilität und keinen
Und eine letzte Zahlenangabe: Unsere Exporte
sicheren Frieden geben kann." Die Vereinigten Staanach Europa im letzten Jahr in Höhe von 120
ten hatten enorme Vorteile von ihrem fortgesetzten
Milliarden Dollar entsprechen nahezu 2,5 MillioEngagement in Europa, das ihnen beständige Hannen Arbeitsplätzen.
delspartner und verläßliche Verbündete im Kampf
gegen den Kommunismus bescherte.

Seite 2

AMERIKA DIENST 48

�Tatsache ist, daß Europa weiterhin unser wichtigster
Handelspartner ist, wenn wir Exportvolumen, Investitionen, Gewinne und Handelsbilanz betrachten. Und
unsere Beziehung ist nicht nur in Zahlen zu messen.
Europa ist ein wohlhabender, hochentwickelter Markt
mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 16.000
Dollar - verglichen mit 6.300 Dollar in den Pazifikrandstaaten. Das bedeutet, daß die Europäer mehr Geld
für hochwertige amerikanische Exportartikel ausgeben - von Personalcomputern bis zu Kinokarten - als
die Konsumenten der weniger begüterten Regionen.
Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um
diese wirtschaftlichen Beziehungen zu fördern und zu
erweitern.
Aus diesem Grund hat Außenminister Christopher als
eine seiner ersten Amtshandlungen die Einrichtung
einer "Amerikaabteilung" im State Department vorgenommen. Die handelspolitische Tagesordnung der
Vereinigten Staaten und die Erfordernisse unserer
Unternehmer im Ausland sind oberste Prioritäten dieser Administration. Auf Initiative des Außenministers
beginnen die amerikanischen Botschaften eine aggressivere Rolle bei der Förderung unserer Handelsinteressen auf der ganzen Welt zu spielen. Unsere
Dipbmaten werden ausgebildet, nicht nur unsere Werte,
sondern auch unserer Produkte, nicht nur unsere
Sicherheit, sondern auch unser geistiges Eigentum zu
schützen. Angesichts des Umfangs unserer Beziehungen ist diese Amerikaabteilung nirgends so wichtig
wie in Europa.
Die bloße Bedeutung dieser Beziehungen tendiert
zusammen mit dem Verschwinden der kommunistischen Bedrohung dazu, unsere Meinungsverschiedenheiten beim Handel zu vergrößern. Und in Zeiten
wirtschaftlicher Stagnation und hoher Arbeitslosigkeit
erscheint Protektionismus sehr verlockend. Um nur
ein Beispiel zu zitieren - unsere langwierigen Verhandlungen mit der EU im Rahmen der Uruguay-Runde des
GATT belegen, wie schnell selbst die besten Freunde
bei Handelsbeziehungen auf die Probe gestellt werden.
Die Vereinigten Staaten können die Uruguay-Runde
nicht allein zu Ende bringen. Ich möchte unseren
europäischen Freunden gegenüber erneut betonen,
daß der Abschluß der Runde bis zum 15. Dezemberwenn das Fast-track-Mandat des Präsidenten ausläuft
- von entscheidender Bedeutung für die Wiederbelebung der Weltwirtschaft ist. Für keine Nation werden
die noch ausstehenden Absprachen bei Waren, Dienstleistungen oder der Landwirtschaft leicht sein- aber sie
müssen getroffen werden. Es darf keinen 16. Dezember für die Uruguay-Runde geben.
Letztlich bin ich davon überzeugt, daß die meisten
Europäer unseren Glauben an freieren Handel teilen.
Sie und wir wissen, daß die Aufrechterhaltung alter
Handelsschranken oder der Aufbau neuer niemandem

AMERIKA DIENST 48

nützt und uns allen schadet. Wir sehen uns mit einer
dreifachen Herausforderung konfrontiert: 1. Gemeinsam den freien Fluß von Waren und Dienstleistungen
durch den Abbau von Handelshemmnissen zu ermutigen, 2. Meinungsverschiedenheiten beim Handel vor
einer Eskalation zu heftigen Auseinandersetzungen
zu bewahren und 3. die unweigerlich auftretenden
Kontroversen besser zu meistern. Eine Loslösung von
Europa würde es unmöglich machen, diese Ergebnisse zu erzielen oder unsere Handelsbeziehungen auf
eine solide Grundlage zu stellen.
Wir müssen uns auch vor Augen führen, daß der
Niedergang des Kommunismus den Vereinigten Staaten und Europa gleichermaßen eine einzigartige Chancebietet. In Mittel-und Osteuropagibt es 135 Millionen
Konsumenten und in der ehemaligen Sowjetunion
weitere 285 Millionen. Die Gesundung und das Wachstum ihrer Volkswirtschaften aktiv zu unterstützen ist
auf lange Sicht der Weg, ihnen zu helfen und unseren
eigenen Wohlstand durch die Öffnung riesiger Märkte
für Waren und Dienstleistungen aus dem Westen
sicherzustellen.
Die Vereinigten Staaten verpflichten sich zu einem
Hilfsprogramm, das Handel und Investitionen für die
Zukunft sichern wird. Seit 1989 haben wir 1,4 Milliarden Dollar an finanzieller und technischer Unterstützung zur Förderung demokratischer Institutionen und
freier Märkte in Mittel- und Osteuropa bereitgestellt,
und weitere 390 Millionen Dollar wurden fürdas laufende Jahr bewilligt. Die Hilfsleistungen für die ehemalige
Sowjetunion belaufen sich seit 1991 auf 4,3 Milliarden
Dollar.
Diese Gelder sind gut angelegt: Eine heute getätigte
relativ geringe Investition wird hohe Dividenden an
Sicherheit und Wohlstand für die Vereinigten Staaten
und Europa bringen. Der Ertrag unserer Marshallplanhilfe beweist diese Tatsache: Inflationsbereinigt haben wir Europa im Rahmen des Marshallplans rund 95
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von 4 Jahren zur
Verfügung gestellt. Heute kaufen die Europäer von
uns Waren und Dienstleistungen im Wert von nahezu
120 Milliarden Dollar jährlich.
Während die Volkswirtschaften Osteuropas die Fähigkeit erlangen, auf eigenen Fü ßen zu stehen, dürfen wir
keine Anstrengung scheuen, sie zu unseren ebenbürtigen Handelspartnern zu machen. Wenn Handel und
Investitionen die Hilfsleistungen ersetzen sollen, müssen
die Handelsschranken gesenkt und beseitigt werden,
insbesondere in Europa.
Die Vereinigten Staaten haben bereits die meisten
Hemmnisse für Waren aus Mittel- und Osteuropa
abgebaut. Bedauerlicherweise sind die Länder Westeuropas, die in der Tat die natürlichen Märkte für
Exporte aus Mittel- und Osteuropa sind, nicht so offen.
Wenn wir im Westen Vorteile von neuen Märkten im

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�Osten erwarten, ist es erforderlich - und richtig -, daß Aus diesem Grund ist den Vereinigten Staaten mit
Mittel-und Osteuropa im Westen offene Märktefür ihre einer aktiven Politik der Prävention, statt einer Politik
der Unaufmerksamkeit, gut gedient. Mit anderen
Waren finden.
Worten, es ist letztlich leichter und kostengünstiger,
Der Privatsektor muß eine Führungsrolle bei der Ver- Frieden aufzubauen und zu bewahren, als ihn wiederlagerung der Grenzen von Demokratie und Marktwirt- herzustellen.
schaften nach Osten übernehmen. In den wenigen
Jahren seit dem Fall der Berliner Mauer haben Unter- Unsererfolgreiches Vorgehen im Kalten Krieg steht für
nehmen aus dem Westen bereits über 7 Milliarden diese Politik der Prävention. Aber nun, da sich der
Dollar in die vielversprechenden Volkswirtschaften Staub des Falls der Berliner Mauer gelegt hat, befinPolens, Ungarns und der Tschechischen Republik den wir uns nicht - wie einige gehofft hatten - am Ende
investiert. Dieser Weg zu Wohlstand birgt jedoch der Geschichte, sondern vielmehr am Beginn eines
einige Fallstricke. Der vollständige Übergang zu einer neuen Zeitalters, das ein Umdenken bei unseren
Marktwirtschaft benötigt schließlich Zeit. Eigentums- Sicherheitsbeziehungen erfordert. Wir sehen uns mit
gesetze, Rückführung der Gewinne, Entwicklung der keiner wichtigeren Aufgabe konfrontiert als der ErarInfrastruktur, Zugang zu Kapital, angemessene Versi- beitung einer Sicherheitspartnerschaft mit Europa, die
cherungen, eine effiziente Erwerbsbevölkerung - all die Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
dies und noch mehr ist zur Schaffung eines günstigen anspricht. Dies nicht zu tun, würde uns eines Tages
Investitionsklimas erforderlich. Letztlich können Rat- teuer zu stehen kommen.
schläge, Ausbildung und Gedankenaustausch, die der
Westen zu bieten hat, sich für den Osten so wertvoll Das Leben war einfacher in den Tagen der monolithiwie Dollars erweisen und werden dazu beitragen, schen sowjetischen Bedrohung. Der Mechanismus
einen noch stetigeren Investitionsfluß anzuregen. Dieser des Bündnisses für kollektive Sicherheit - die NATO Investitionsfluß wird von entscheidender Bedeutung hatte eine klar definierte Mission. Das heißt nicht, daß
sein. Der Kapitalmangel im Osten schnellt explosions- wirdas Ende des Kalten Krieges bedauern sollten. Um
artig in die Höhe und kann durch staatliche Mittel des Außenminister Christopher mit einer jüngst gemachWestens nie vollständig gedeckt werden. Privatkapital ten Aussage zu zitieren: "Sich nach seinen Härten
spielt eine unerläßlich Rolle.
zurückzusehnen, kann nur auf Gedächtnisverlust
zurückgehen."
Amerikaner haben einen Pioniergeist gemein, der sich
den durch neue Grenzen entstandenen Herausforde- Aber jetzt scheinen viele der während des Kalten
rungen stellt. Die aufstrebenden Demokratien sind Krieges schwelenden Probleme aufzuflammen - Proeinem "Wilden Osten" vergleichbar - und darunter bleme, für die die NATO nicht konzipiert war. Ethniverstehe ich, eines der aufregendsten Kapitel der sche und regionale Konflikte, die Verbreitung von
amerikanischen Geschichte wiederaufzuschlagen - Massenvernichtungswaffen, die Unterbrechung des
der durch Handel, Investitionen und Zusammenarbeit Flusses lebenswichtiger Ressourcen, Terrorismus: Dies
- den Instrumenten des Friedens - entwickelt werden sind die Hauptbedrohungen der westlichen Sicherheit.
soll. Es handelt sich hierbei um einen langwierigen, Wie ich darlegen werde, müssen wir hauptsächlich in
schwierigen Prozeß, der eine neue Partnerschaft Europa und gemeinsam mit den Europäern die Mittel
zwischen Ost und West erfordert. Es wird jedoch auch zu ihrer Bewältigung finden.
ein aufregendes Abenteuer von gegenseitigem Nutzen. Und wenn nur aufgrund dieser Chancen im Trotz ihrer veränderten Aufgabe sollte die NATO weiOsten, ist Europa nach wie vor das Kernstück unserer terhin das Fundament unserer Partnerschaft und die
Grundlage von Sicherheit und Stabilität in Europa
Gegenwart und Zukunft.
bilden. Nurdie NATO verfügt über die Streitkräfte, den
multilateralen Mitarbeiterstab sowie die Tradition poliPartnerschaft für den Frieden
tischer und militärischer Kooperation, die uns in die
Während Handel und Investitionen ein Pfeiler unserer Lage zu versetzen, flexibel und durchgreifend auf
besonderen Beziehungen zu Europa sind, ist Sicher- diese sicherheitspolitischen Herausforderungen zu
heit der andere. Die Vereinigten Staaten haben zwei- reagieren. Die vor uns liegende grundlegende Aufgamal in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts ihre be besteht darin, die NATO an die veränderten Zeiten
Söhne und Töchter zum Erhalt der Demokratie über anzupassen.
den Atlantik geschickt. Wir haben einen hohen Preis
bezahlt. Und wir haben eine Lektion gelernt: Früher Dieser Prozeß hat begonnen. Im Verlauf der verganoder später wird Chaos in Europa uns einbeziehen, genen drei Jahre hat die NATO ihre Streitkräfte und
weil für uns viel auf dem Spiel steht. Europa ist unser Führungsebene umstrukturiert, um sich mehr auf Kriführender Handelspartner und engster Verbündeter senmanagement und Friedenssicherung zu konzenbei der Bewahrung internationaler Sicherheit und der trieren und gleichzeitig ihre Kernfunktion der VerteidiAusbreitung von Demokratie. Probleme in Europa gung des NATO-Territoriums gegen einen Angriff zu
werden allzu leicht zu einer Heimsuchung für unsere bewahren. Und wir haben die Sicherheitszusammenarbeit nach Osten ausgedehnt, um unsere ehemaligen
beiden Länder.
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AMERIKA DIENST 48

�Gegner als neue Partner für den Frieden einzubeziehen - ein Thema, dem ich mich gleich zuwenden
möchte.
Von allen uns konfrontierenden neuen Herausforderungen ist die Verhinderung oder Entschärfung ethnischer und regionaler Konflikte die vielleicht greifbarste
- und erschreckendste. Es trifft zu, daß die NATO den
Krieg im ehemaligen Jugoslawien nicht abgeschreckt
oder beendet hat. Aber niemand hätte dies von ihr
erwarten sollen.
Die Tragödie im ehemaligen Jugoslawien ereignete
sich zu kurz nach dem Ende des Kalten Krieges, um
der NATO die zur Anpassung erforderliche Zeit einzuräumen. Wie Lee Hamilton, der Vorsitzende des
Auswärtigen Auschusses des Repräsentantenhauses
feststellte: "Die heute im ehemaligen Jugoslawien
entfesselten Dämonen gehen auf die Zeit lange vor
Bestehen der NATO zurück und haben seit Jahren
unmittelbar unter der Oberfläche gelebt. Man kann die
NATO nicht anhand eines Krieges innerhalb der ehemaligen Grenzen eines Nichtmitgliedstaats der NATO
beurteilen."
In den Gebieten, in denen sich die NATO engagiert,
hat sie schnell und effektiv reagiert. Allein durch ihr
Engagement im ehemaligen Jugoslawien ist die NATO
über die Debatte von Einsätzen "out ofarea" hinausgegangen. Sie setzt eine Flugverbotszone in der Luft und
ein Wirtschaftsembargo auf See durch. Auf Initiative
der Vereinigten Staaten drohte die NATO einen Lufteinsatz an, der die Einkesselung Sarajevos und anderer Gebiete Bosniens lockerte. Sollte schließlich eine
in gutem Glauben ausgehandelte Lösung erzielt und
die erforderlichen Bedingungen erfüllt werden, kommt
der NATO eine zentrale Rolle bei deren Umsetzung zu.
Die traurige Tatsache bleibt jedoch bestehen, daß in
Ermangelung des Willens zu Frieden unter den Kombattanten weder die NATO noch irgendeine andere
Organisation oder Nation - abgesehen von einer
massiven Verlegung von Truppen und Ressourcen viel zur Verhinderung eines größeren Krieges tun
können. Im Falle des ehemaligen Jugoslawien gibt es
weder unter den Verbündeten noch in den Vereinigten
Staaten einen Konsens über eine Intervention dieser
Größenordnung. Die NATO kann und muß ihre Fähigkeit zur Verhinderung von Konflikten stärken, bevor sie
überhaupt ausbrechen.
Vor kurzem bin ich mit Außenminister Christopher
nach Mittel- und Osteuropa gereist, wo wir im Vorfeld
des NATO-Gipfels im Januar Präsident Clintons umfassende neue Initative für eine Partnerschaft zwischen der NATO und dem Ostern erörtert haben.
Unter dem Namen "Partnerschaft für den Frieden"
fordert dieser Vorschlag die Nationen Mittel- und Osteuropas zu praktischer Zusammenarbeit mit den NATOMitgliedstaaten in einem breiten Spektrum von Bereichen wie gemeinsamer Planung, Ausbildung, Übungen und Manövern auf.
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Als Höhepunkt eines Evolutionsprozesses könnten
einige dieser Nationen letztlich der NATO beitreten. In
der Zwischenzeit sollte sich die Partnerschaft für den
Frieden zur Förderung von Stabilität und Sicherheit in
ganz Europa als nützlich erweisen. Infolgedessen
können wir darauf hoffen, künftige Krisen vor ihrem
Ausbruch im Keim zu ersticken, statt erst im nachhinein darauf zu reagieren.
Ungeachtet dessen wie mächtig oder effektiv eine
Streitmacht NATO sein oder werden mag, kann sie
natürlich nie Frieden in Europa oder andernorts garantieren. Letztlich ist die Bereitschaft der Völker in einer
bestimmten Region, auf den Einsatz von Gewalt gegeneinander zu verzichten, der Schlüssel zur Verhinderung von Konflikten.
Auch hier ist die Partnerschaft mit Europa unsere
beste Hoffnung für die Zukunft. Unsere Nationen sind
die Bannerträger der Demokratie. Gemeinsam müssen wir auf die Erweiterung des Kreises gleichgesinnter Länder hinarbeiten, denn damit verbessern wir
unsere eigene Sicherheit. Der Nationale Sicherheitsberater Anthony Lake hat es ausgezeichnet formuliert:
"Die Entstehung neuer Demokratien erhöht unsere
Sicherheit, weil Demokratien normalerweise nicht
miteinander Krieg führen oder dem Terrorismus Vorschub leisten. Sie sind im diplomatischen Bereich
vertrauenswürdiger und haben größere Achtung vor
den Menschenrechten ihrer Völker." Eine Welt demokratischer Marktwirtschaften wird ein Ort mit mehr Sicherheit und Wohlstand sein. Wir müssen sie mit
unseren europäischen Verbündeten und Freunden
aufbauen.
Während wir diese Aufgabe in Angriff nehmen, hängt
die Aufrechterhaltung eines stabilen internationalen
Umfelds in hohem Maße von unserer Fähigkeit zur
Zusammenarbeit mit den Europäern bei der Bewältigung der größten Herausforderungen für unsere kollektive Sicherheit ab. Die Vereinigten Staaten mögen
die einzige Supermacht der Welt sein, aber unsere
außenpolitische Tagesordnung erfordert die Kooperation der führenden Demokratien, um Erfolg zu haben.
Nur in Partnerschaft mit Europa können wir die Verbreitung von Waffen eindämmen, Terrorismus bekämpfen und den freien Fluß von Rohstoffen gewährleisten. Wenn wir diese Kämpfe führen, müssen wir
uns vor Augen halten, daß die uns zur Verfügung
stehenden Instrumente - Wirtschaftssanktionen,
Sammlung nachrichtendienstlicher Erkenntnisse und
Friedenssicherungsoperationen - effektiver sind, wenn
wir sie zusammen mit den europäischen Partnern
einsetzen. Die Vereinigten Staaten können und müssen nicht im Alleingang handeln.
Zusammenhalt
"Wir müssen alle zusammenhalten, oder wir werden
gewiß uns selbst überlassen sein", stellte ein bekannter Europhiler namens Benjamin Franklin einmal fest.
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�Die Vereinigten Staaten und Europa brauchen einander weiterhin, um das Anliegen des gemeinsamen
Wohlstands und der Sicherheit voranzubringen.
Mit diesen Worten möchte ich nicht den Eindruck
erwecken, die euro-amerikanische Partnerschaft sei
einfach eine Vernuftehe, um nicht zu sagen, eine

Zweckgemeinschaft. Wir blicken auf eine lange Geschichte gemeinsamer Ziele und Werte zurück. Europa und die Vereinigten Staaten sind ein gutes Paar.
Wir stehen für dieselben fundamentalen Werte:
Demokratie, wirtschaftliche Chancen, Frieden. Wir
verfolgen beide diese hehren Ziele - für uns und die
übrige Welt.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 48

�MENSCHENRECHTE
I.Dezember 1993

USA BENENNEN GRAVIERENDE
MENSCHENRECHTSVERLETZER
Erklärung vor Drittem Auschuß der UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der Stellvertreter von US-Botschafterin Madeleine Albright bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Victor Marrero, hat in einer Rede vordem Dritten Ausschuß der UN-Generalversammlung
am 23. November 1993 Kuba, Burma und China als Nationen mit ernsthaften Menschenrechtsproblemen
benannt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ausführungen Marreros im Wortlaut.

Herr Vorsitzender, die große Verfechterin der Menschenrechte, Eleanor RooseveK, hat einmal erklärt,
wenn Menschenrechte zu Hause, in der Nachbarschaft, in Schulen, Fabriken, Farmen und Büros nicht
von Bedeutung seien, dann seien sie nirgendwo von
Bedeutung. Wenn Frauen, Männer und Kinder nicht
nach Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminierung an Orten streben könnten, die in
ihrem Leben wichtig seien, dann hätten universelle
Menschenrechte und Demokratie keine Bedeutung.
Wir mögen die Wert danach absuchen, würden sie
jedoch niemals finden.
Ich wende mich heute an Sie, um zu unterstreichen,
daß die Verpflichtung meines Landes zu universellen
Menschenrechten an welchem Ort auch immer niemals stärker war. Wir glauben an die Bevollmächtigung des einzelnen und die Gewährleistung individueller Menschenrechte. Wir glauben, daß es eine direkte
Verbindung zwischen menschlicher Würde und der
Fähigkeit von Nationen zu effektiver Regierungsführung gibt, zwischen Menschenrechten und sozialer
Entwicklung sowie zwischen der universellen Anwendung von Menschenrechten und globalem Frieden. Es
gibt keine höhere Pflicht, kein größeres Bedürfnis und
kein stärkeres Gebot als die Sicherstellung dieser
Rechte.
In diesem Jahr, dem 45. Jahrestag der Allgemeinen
Erklärung der Menschenrechte, sollten wir den Völkern und Nationen Anerkennung zollen, die darum
gekämpft haben, den in ihr verankerten Idealen Inhalt
zu verleihen und universelle Menschenrechte in das
tägliche Leben aller Bürger der Welt einzubringen.

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Herr Vorsitzender, ebenso wie unser Land seine
Anstrengungen verstärkt hat, den Idealen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gerecht zu
werden, haben wir andere Nationen zu ermutigen
versucht, dasselbe zu tun. Unseres Erachtens sollten
die Bosnier frei von Angst und die Somalis frei von
Hungersnöten sein. Unseres Erachtens sollten die
Haitianer Redefreiheit genießen. Die Tibetaner sollten
ihre Religion frei ausüben können.
Traurigerweise finden auf der Welt gravierende Menschenrechtsverletzungen statt. Der die Staaten des
ehemaligen Jugoslawien bedrohende Schrecken ist
allen hier Anwesenden nur zu gut bekannt. Unbeschreibliche Akte der Vergewaltigung, des Mordens,
ethnischer Säuberungen, Plünderungen und mutwillige Zerstörung sind nach wie vor eine Heimsuchung für
die Menschen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien.
Wir begrü ßen die wichtige Arbeit von Sonderberichterstatter Mazowiecki und anderer. Die internationale
Staatengemeinschaft muß weiterhin effektive Mittel
zur Wiedergutmachung dieser abscheulichen Akte
suchen. Das Mandat des Kriegsverbrechertribunals
für das ehemalige Jugoslawien besteht im Aufspüren,
der Anklage und Verurteilung der für die Anordnung
und Durchführung dieser Verbrechen gegen die Menschlichkeit Verantwortlichen. Die Vereinigten Staaten
möchten in dieser Sache nicht mißverstanden werden:
Die politisch verantwortlichen Serben in Serbien, Bosnien
und Kroatien tragen die Verantwortung fürden größten
Teil der in diesen tragischen Zeiten begangenen Greueltaten. Diejenigen mit Blut an den Händen und einem
belasteten Gewissen werden der Gerechtigkeit der
internationalen Staatengemeinschaft nicht entgehen.

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�Bosnien ist jedoch nicht das einzige Beispiel flagranter
Menschenrechtsverletzungen. In Somalia blicken
Menschen zahlreicher unterschiedlicher Clans dem
Tag entgegen, an dem in ihrer Nation wieder Frieden
einkehrt. Die Vereinigten Staaten haben ein Interesse
an diesem Prozeß. Zusammen mit anderen Nationen
haben wir Millionen Dollar an humanitärer Hilfe bereitgestellt sowie das Leben unserer Soldaten für diese
Sache aufs Spiel gesetzt. Wir hoffen, daß in diesem
kriesengeschüttelten Land jedem einzelnen das Grundrecht auf Leben garantiert werden kann. Die Somalis
müssen jedoch selbst eine Führungsrolle bei der
Gewährleistung dieses Rechts übernehmen.
In Haiti verletzen die Militärmachthaber weiterhin das
grundlegende Recht aller Haitianer auf freie Wahl ihrer
Regierung. Das Engagement der Vereinigten Staaten
und der gesamten internationalen Staatengemeinschaft
ist nach wie vor ungebrochen, die demokratische
Herrschaft in Haiti wiederherzustellen und beim Aufbau von Institutionen, denen sie vertrauen können,
behilflich zu sein.
Auch Kuba ist noch immer eine tragische und negative
Ausnahme des Trends zu Demokratie in Lateinamerika. Die Regierung verweigert ihren Bürgern weiterhin
das Recht auf Rede- und Koalitionsfreiheit und inhaftiert Menschenrechtsverfechter, die es wagen, die
Wahrheit über die Unterdrückung zu sagen. Die
kubanische Marine hat eine schwimmende Berliner
Mauer errichtet und verhaftet oder ermordet diejenigen, die in erbarmungswürdigen Gummischläuchen
oder selbstgezimmerten Booten von der Insel zu fliehen versuchen. Wir fordern das Regime auf, den
Würgegriff um die Grundfreiheiten der Kubaner zu
lockern und Sonderberichterstatter Groth in Ausübung
seines Mandats einen Besuch zu gestatten.

Seit vielen Jahren übt Saddam Husseins Regime eine
Terrorherrschaft über das irakische Volk aus. Im
vergangenen Jahr haben die irakischen Streitkräfte die
Marschen im Süden entwässert und abgefackelt, Dörfer
niedergebrannt und Städte mit Artilleriefeuer belegt.
Die Regierung hat ein vollständiges Embargo für
Nahrungsmittel, Brennstoff und Medikamente gegen
den Nordirak verhängt - all dies in flagranter Verletzung
von Resolution 688 des UN-Sicherheitsrats.
Herr Vorsitzender, wir sind tief besorgt über die Bilanz
von Menschenrechtsverletzungen der sudanesischen
Regierung, bis hin zu Berichten über die Vollstreckung
der Todesstrafe ohne Gerichtsverfahren, Massenexekutionen, Verschleppungen, systematische Folterung
und willkürliche Verhaftungen. Wir fordern alle Konfliktparteien im Sudan zur Achtung der grundlegenden
Menschenrechte auf. Wir sind ersetzt, daß sudanesische Regierungsvertreter Dissidenten verhaftet haben, die mit Sonderberichterstatter Diro zusammengetroffen sind oder eine Begegnung mit ihm gesucht
haben.
Wir sind zutiefst besorgt, Herr Vorsitzender, über
Berichte gravierender Menschenrechtsverletzungen
in Burundi, Äquatorialguinea und Tschad. Wir verurteilen darüber hinaus den fortschreitenden Verfall der
bürgerlichen Gesellschaft in Zaire. Obwohl Mauretanien gewisse Fortschritte zur Demokratie erzielt hat,
bedauern wir die jüngste Generalamnestie der für die
Folterung und Ermordung von über 500 Mauretaniern
afrikanischer Abstammung Verantwortlichen. Zusätzliche glaubwürdige Schritte zur Demokratie sind erforderlich.

Herr Vorsitzender, auch die Menschenrechtspraktiken
der chinesischen Regierung sind weiterhin repressiv
und erfüllen die internationalen Normen in keiner Weise.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin tief besorgt Die Sicherheitskräfte sind verantwortlich für Menschenüber die Menschenrechtssituation in Burma. Obwohl rechtsverletzungen, einschließlich Folterungen, willFortschritte erzielt wurden, verweigert die Regierung kürlichen Festnahmen und Inhaftierungen. Männer
dem burmesischen Volk nach wie vor Grundfreiheiten. und Frauen, deren einziges Verbrechen in der ÄußeNobelpreisträgerin Aung Suu Kyi steht immer noch rung von Meinungen besteht, die im Widerspruch zur
unter Hausarrest, und wir fordern hiermit erneut ihre politischen Führung stehen, befinden nach wie vor in
Freilassung. Es besteht ein eindeutiger Zusammen- Haft. Während ihrer Inhaftierung wurden einige dieser
hang zwischen burmesischen Waffenkäufen und den Gefangenen unmenschlich behandelt. China sollte
andauernden Menschenrechtsverletzungen. Aus sicherstellen, daß erzwungener Schwangerschaftsabdiesem Grund haben die Vereinigten Staaten ein frei- bruch und obligatorische Sterilisierung nicht Bestandwilliges Waffenembargo gegen Burma verhängt, und teil seiner Familienplanungspolitik bleiben. China sollte
wir ermutigen alle Mitgliedstaaten der Vereinten Natio- ferner seinen Bürgern internationale Rundfunk- und
nen, dasselbe zu tun.
Fernsehsendungen zugänglich machen. Die chinesischen Behörden sollten alle erforderlichen Schritte
Die iranische Regierung verletzt weiterhin die Men- zum Schutz des beträchtlichen kulturellen und religischenrechte ihrer Bürger in massivem Umfang. Zu ösen Erbes von Tibet unternehmen.
den bekannten Menschenrechtsverletzungen zählen
Massenexekutionen, häufige Folterungen, Verbot der Herr Vorsitzender, glücklicherweise brechen durch
Rede-, Religions-, Presse-, Versammlungs- und Koa- diese dunklen Wolken Strahlen der Hoffnung in die
litionsfreiheit, gravierende Beschränkungen der Rech- Welt von heute, die uns ermutigen, es besser zu
te von Frauen und Arbeitnehmern sowie die andauern- machen. Wir sind positiv beeindruckt von Entwicklunde Unterdrückung der Bahai.
gen im Bereich der Menschenrechte in einer Reihe von
Ländern, die bisher Anlaß zur Sorge gegeben haben.
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AMERIKA DIENST 48

�Beispielsweise hegen wir große Hoffnungen, daß die
Unterzeichnung und Umsetzung der israelisch-palästinensischen Grundsatzerklärung entscheidende
Verbesserungen für die Menschenrechtssituation in
den von Israel besetzten Gebieten bewirken wird.
Unser Lob gebührt denjenigen, die in diesem Jahr am
härtesten gearbeitet haben, um für die Menschen in
Südafrika Frieden, Demokratie und Gleichberechtigung zu erreichen - vor allem Präsident de Klerk und
Nelson Mandela. Frieden und Demokratie müssen
jedoch noch verwirklicht werden, und wir fordern alle
Parteien zur konstruktiven Beteiligung an dem sich
jetzt vollziehenden politischen Umbruch auf.
Im Jahr 1993 erlebte Kambodscha eine demokratische und Menschenrechtsrevolution. Die in diesem
Jahr erzielten Fortschritte bei den Menschenrechten
sollten gewährleisten, daß Kambodscha nie wieder zu
der verzweifelten Unterdrückung des "Schreienden
Landes" zurückkehrt.

Regierung Nicaraguas zur Durchführung der Empfehlungen der Dreierkommission auf, die eine Gesetzesreform und die Lösung anhängiger Menschenrechtsfälle zum Inhalt hat.
Wir sind von den Fortschritten der peruanischen
Regierung bei der Wiedereinführung der demokratischen Herrschaft und der drastischen Reduzierung
von Menschenrechtsverletzungen in diesem Jahr
beeindruckt, obwohl die Vereinigten Staaten weiterhin
besorgt über Todesfälle und Verschleppungen sowie
Straffreiheit für in der Vergangenheit begangene
Menschenrechtsverletzungen sind.
Die Vereinigten Staaten begrüßen die von den Menschen in Ghana und Ruanda erzielten Fortschritte zur
Demokratie.

Trotz der Krise in Moskau Anfang Oktober gibt die
historische Umgestaltung in Rußland Anlaß zur Hoffnung. Wir sind erfreut, daß die Menschenrechtssituation sich dort weiterhin verbessert. Während die
In den vergangenen Jahren hat Sri Lanka beachtliche Nation Demokratie anstrebt, sehen wir der ZusamFortschritte bei der Menschenrechtsreform gemacht. menarbeit mit Rußland in den Vereinten Nationen und
Wir hoffen, die derzeitige Regierung wird diese Bestre- andernorts entgegen, um größere Achtung der Menbungen fortsetzen und aktiv die Umsetzung früherer schenrechte und demokratischer Institutionen zu fördern.
Verpflichtungen überwachen.
In Mexiko, Kolumbien und Guatemala geben mit der
Prüfung von Berichten über Menschenrechtsverletzungen beauftragte unabhängige Organisationen starke, mutige Empfehlungen an ihre Präsidenten und
gesetzgebenden Organe ab.

Glücklicherweise, Herr Vorsitzender, gibt es heute
mehr Verfechter und Garanten der Menschenrechte
als Böswillige, die sie verweigern wollen. Die Vereinigten Staaten sehen der Verleihung des Menschenrechtspreises der Vereinten Nationen am Menschenrechtstag, dem 10. Dezember, erwartungsvoll entgeDer Prozeß zu Frieden und Aussöhnung in El Salvador gen. Wir hoffen, daß die Geehrten echte Hüter der
hat im Jahr 1993 wirklich beeindruckende Fortschritte Menschenrechte sind - Menschen, die manchmal
erzielt. Die Vereinten Nationen können stolz auf die jahrelang unter gefährlichen Bedingungen mit wenig
unerläßlich Rolle sein, die ONUSAL (Organisation der Anerkennung arbeiten.
Vereinten Nationen in El Salvador) in dieser Erfolgsgeschichte gespielt hat. Die Vereinigten Staaten sind Menschenrechtsverfechter verbreiten nicht nur das
jedoch besorgt über die jüngste Ermordung von FMLN- Licht der Wahrheit in ihren eigenen Nationen, sondern
Mitgliedern in El Salvador und fordern die Regierung unter uns allen. Die Würde ihrer Arbeit verleiht unsezur Verhaftung und Verurteilung der Verantwortlichen ren Häusern, Schulen, Arbeitsplätzen und religiösen
auf.
Stätten Sicherheit. Alsdie wahren Helden unserer Zeit
sind sie die Streiter für Freiheit und Demokratie. Wir
Wir beglückwünschen Präsidentin Chamorro zu ihren wollen gemeinsam die Freiheiten feiern, die sie für uns
jüngsten Versuchen, die Kontrolle über die nicaragua- zu Hause, in Städten, Schulen, am Arbeitsplatz und in
nischen Sicherheitskräfte zu erlangen. Wir fordern die religiösen Stätten bewirkt haben.

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AMERIKA DIENST 48

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*

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Sehe 3

�US-MILITAR
I.Dezember 1993

AUCH SIE DIENEN: FRAUEN IM US-MILITÄR
von Michele McCormick
Der Anteil von Frauen in den amerikanischen Streitkräften nimmt ständig zu - wie ihre Rolle im Golf krieg 1991
und die jüngsten Direktiven der US-Regierung zeigen, erläutert die Verfasserin in dem folgenden Artikel, stellt
jedoch fest, daß ihre Zahl noch vergrößert werden kann.
Michele McCormick ist freiberufliche Schriftstellerin mit Wohnsitz in Kalifornien.

Major Jacqueline Cumbo von der US-Armee fällt es
nicht schwer zu entscheiden, welche ihrer militärischen Erfahrungen ihr am tiefsten im Gedächtnis
verhaftet ist. Es war der Tag, an dem sie die Versetzung nach Panama erhielt, wo die Operation Gerechte
Sache bereits in vollem Gange war.
"Ich war zu Tode erschrocken", erinnert sie sich. "Ich
dachte, ich übernehme nicht nur das Kommando - ich
übernehme es in einer feindlichen Umgebung. Ich
hatte keine Angst um mein Leben, sondern davor,
Entscheidungen zu treffen, die für alle die Sicherheit
gewährleisten sollten."
Die 31jährige Militärpolizistin hätte sich keine Sorgen
zu machen brauchen. Sie übte das Kommando über
die Kompanie erfolgreich aus und übernahm die gleiche Aufgabe während der Operation Wüstensturm am
Persischen Golf. "Ein weiblicher Kompaniekommandeur der MP (Militärpolizei) ist selten in einem Kampfgebiet", erklärt eine Frau, die diese Aufgabe zweimal
übernommen hat. Aber eine Einheit von 111 Männern
und 14 Frauen zu kommandieren, gefiel ihr gut. "Ich
hatte keine Probleme", stellt sie fest. "Die Kameradschaft war ausgezeichnet."
Die US-Armee ist derselben Meinung. Cumbos kürzliche Beförderung zum Major reihte sie in die knapp
fünf Prozent Hauptleute bei der Militärpolizei ein, die
für eine Beförderung vorgeschlagen werden.
Heutzutage sind solche Geschichten keine Seltenheit
mehr. In dem Maße, wie sich die Präsenz der Frauen
im Militär erweitert hat, haben sie ein breites Spektrum
nicht herkömmlicher Aufgaben übernommen. Ihre
Präsenz hat auch Fragen aufgeworfen - von Schwangerschaft und Kinderbetreuung bis zu sexueller Belästigung und Kampfeinsätzen - bei deren Bewältigung
die Teilstreitkräfte harte Arbeit geleistet haben.
AMERIKA DIENST 48

Die amerikanischen Soldatinnen von heute haben ihre
Fähigkeiten überzeugend unter Beweis gestellt. Trotz
kontinuierlicher Fortschritte haben viele von ihnen
jedoch immer noch das Gefühl, daß mehr getan werden muß und sie ihre Präsenz noch erweitern können.
Für diese Frauen bot der Krieg am Persischen Golf die
Gelegenheit, unter Beweis zu stellen, daß sie ihre
Arbeit auch unter schwierigsten Bedingungen meistern konnten. Der Krieg hatte auch maßgebliche
Auswirkungen auf die Stellung der Frau in den USStreitkräften sowie ihr potentielles Fortkommen. Obwohl
Frauen seit vielen Jahren in einem breiten Spektrum
von Positionen gedient haben, waren sie beim Golfkrieg zum ersten Mal ganz direkt und in solchem
Umfang an Kampfhandlungen beteiligt.
"Der Golfkrieg hat einen unglaublichen Unterschied
bewirkt", stellt Carolyn Becraft fest, Expertin für Frauenfragen im Militär, die zurZeit Kommunikationsdirektorin des internationalen Instituts für Frauenforschung
ist. "Der Krieg hat Mythen zerstört - daß Frauen sich
nicht versetzen lassen, besondere Behandlung verlangen, sie den Zusammenhart zerstören, diese Nation Frauen in Leichensäcken nicht tolerieren würde."
"Statt dessen hat der Golfkrieg bewiesen, daß wir mit
Frauen in den Krieg gehen und gewinnen können.
Viele der Fragen von Politikern wurden beantwortet.
Leider konnten sie nicht auf andere Weise beantwortet
werden."
Allein im Hinblick auf den Umfang war der Anteil von
Frauen während des Golfkrieges beeindruckend. Über
33.000 Soldatinnen hatten in der gesamten Region
Posten inne. Sie dienten als Mechanikerinnen, Pilotinnen, Lastwagenfahrerinnen, Militärpolizistinnen, Besatzungsmitglieder von Raketenbombern und in einer
Vielzahl anderer Positionen. Drei Frauen wurden
Seite 1

�getötet, als eine SCUD-Rakete in eine Kaserne einschlug, eine starb im Gefecht und zwei wurden als
Kriegsgefangene genommen.
Obwohl diese Erfahrungen einen Präzedenzfall schufen, war die Tatsache, daß so viele Frauen ihre Rolle
so erfolgreich in einem Kriegsgebiet ausübten, für
niemanden eine Überraschung.
"Die Ausbildung hat sich bezahlt gemacht", erklärt
Generalmajor Robert Frix, der als Stellvertretender
Kommandierender General der Third Army seinen
Dienst tat. "Ausbildung zur Erfüllung der Aufgabe und
zur Zusammenarbeit. In einer solchen Situation sieht
man Frauen nicht als Frauen, sondern als kompetente
Führungskräfte."
Die Chance für Frauen, eine Führungsrolle in einem so
schwierigen Umfeld zu übernehmen, kann sehr wohl
bei einer bahnbrechenden Entscheidung eine Rolle
gespielt haben, die ihnen weitere Möglichkeiten bei
Kampfeinsätzen einräumte. Am 28. April 1993 erließ
Verteidigungsminister Les Aspin eine Direktive, die
Frauen Zugang zu einem breiteren Spektrum von
Positionen und die Bewerbung für Positionen in Kampfflugzeugen gestattete. Aspin versprach ferner, den
Kongreß zur Aufhebung des bestehenden Gesetzes
über den Ausschluß aus Kampfhandlungen zu drängen und die Versetzung von Frauen auf in Kampfhandlungen verwickelte Schiffe zu genehmigen.
In einer kurz nach Veröffentlichung der Direktive gehaltenen Rede stellte Aspin fest, das heutige Militär
müsse sich die besten verfügbaren Talente zunutze
machen. In der Vergangenheit "waren den Frauen zu
viele Schlüsselpositionen beim Militär verschlossen",
erklärte er. "Während wir jede Positon mit der am
besten geeigneten Person besetzen wollten, haben
wir gleichzeitig einige der Besten ausgeschlossen. Wir
sind jetzt dabei, dies zu ändern."

Der Trend zur Öffnung solcher Positionen für Frauen
war langsam, aber stetig. "Jedes Mal, wenn ich an
einer Stufe meiner Karriereleiter angelangt war, wurden neue Möglichkeiten eröffnet", steift Looney fest.
Im gesamten Verlauf der amerikanischen Geschichte
waren Frauen an militärischen Aktionen beteiligt, aber
die Art ihres Engagements hat sich entschieden gewandelt.
Neben so traditionellen Aufgaben wie Tätigkeiten als
Krankenschwestern oder Boten haben einige wenige
auch Waffen auf dem Kriegsschauplatz getragen eine Rolle, die sie für gewöhnlich nur als Männer
verkleidet ausüben konnten.
Bis zum Ersten Weltkrieg trugen Frauen die Uniformen
aller amerikanischen Teilstreitkräfte und leisteten
Unterstützung, die sich vornehmlich auf Tätigkeiten im
administrativen Bereich oder als Krankenschwestern
konzentrierte.
Aber das enorme Ausmaß des Zweiten Weltkriegs
erforderte eine größere Beteiligung. Während dieses
langen Krieges wurde das Frauen-Armeekorps
(Women's Army Corps - WACs) und die Frauengruppe
für freiwillige Notdienste (Women Accepted for Voluntary Emergency Services - WAVEs) gegründet. Frauen traten diesen Gruppen bei und wurden in Bereichen
wie Luftfahrt, Navigation, Ingenieurwesen, Schießausbildung, Flugsicherung, Bordfunk und vielem mehr
tätig.

Trotz dieser langen, bedeutenden Geschichte begann
das interessanteste Zeitalter des Militärdienstes für
Frauen erst vor ungefähr 25 Jahren. "Unser wichtigster Meilenstein war das Jahr 1967", erinnert sich
Evelyn "Pat" Foote, pensionierter Brigadegeneral des
Heeres. "Damals unterzeichente Präsident Johnson
das öffentliche Gesetz 90-130, das die Beschränkung
der Zahl von Frauen, die in der Armee dienen konnten,
"Die Veränderungen sind wirklich bahnbrechend", so und die Restriktionen für die Beförderung von Frauen
Becraft. "Sie ebnen den Weg für Frauen, Vier-Sterne- aufhob."
General zu werden. Zum ersten Mal werden Frauen
auf oberster Ebene mit am Tisch sitzen, um wichtige Laut Foote, einer energischen Verfechterin der Beteiligung von Frauen an allen Bereichen des MilitärdienFragen von Krieg und Frieden zu diskutieren."
stes einschließlich direkter Kampfhandlungen, erfolgKorvettenkapitän Donna Looney, zur Zeit dem Büro ten diese Veränderungen nicht in Anerkennung der
des Sonderberaters der US-Marine für Frauenfragen Fähigkeiten von Frauen, sondern als Reaktion auf
unterstellt, stellt fest, die Veränderungen seien für die einen ernsthaften Bedarf.
weiblichen Unteroffiziere und Mannschaftsgrade von
noch größerer Bedeutung. "Dank dieser Veränderun- Im Januar 1973, als der Vietnamkrieg sich dem Ende
gen können Frauen jetzt die Fähigkeiten, in denen sie zuneigte, wurde auch die allgemeine Wehrpflicht für
ausgebildet wurden, auf modernsten Schiffen einset- amerikanische Männer abgeschafft. Das Konzept
einer reinen Freiwilligenarmee wurde eingeführt. Um
zen. Es ist ein enormer Sprung nach vorne für sie."
den Bedarf an Dienstverpflichteten zu erfüllen, wurden
Es ist zumindest auch ein kleiner Schritt für Looney, die in hohem Maße Frauen angeworben. "Nach dem
bald ihren derzeitigen Posten verlassen und Erster Ende der allgemeinen Wehrpflicht 1973 nahm die Zahl
Offizier eines Schiffes wird, das die Weiterversorgung der Frauen stark zu", stellt Foote fest. Diese Zunahme
von Kampfgruppen gewährleistet. Vor der am 28. April verstärkte sich nochmals 1976, als die Militärakadeerlassenen Richtlinie hätte sie sich nicht um diese Po- mien für Frauen geöffnet wurden und ihnen neue
Chancen für militärische Leistungen boten.
sition bewerben können.
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�Diese Veränderungen spiegeln sich eindeutig in der
wachsenden Präsenz von Frauen beim Militär wider.
Kurz vor 1973 waren weniger als 2 Prozent der Soldaten Frauen. Heute beträgt diese Zahl nahezu 12
Prozent. Insgesamt sind mehr als 200.000 Frauen im
aktiven Dienst und über 100.000 dienen in verschiedenen Reserveeinheiten.

erläutert Mary Jones, Hauptmann der US-Armee. Jones,
die während des Golfkriegs eine Instandsetzungskompanie kommandierte, gebar zwei Kinder im Verlauf
ihrer 11 Dienstjahre.

Noch schwieriger als eine Schwangerschaft sind ihr
zufolge für die Soldatin die durch den Dienst möglicherweise erforderlichen Trennungen. Jedes Mitglied
Die von ihnen übernommenen Verantwortungsberei- der Streitkräfte, sei es männlich oder weiblich, muß
che sind bemerkenswert. Beispielsweise macht Char- einen Versorgungsplan haben, der im Falle einer
lene Wagner, Leutnant des Heeres, Militärgeschichte Stationierung in Kraft treten kann. "Keiner dieser
als erste Frau, die einen Cobra-Angriffshubschrauber Pläne funktioniert je perfekt", so Jones. "Fünfundfliegt. Sie setzte sich dieses Ziel, als ihr bei einem neunzig Prozent funktionieren. Es ist kein ausschließEinführungskurs über die verschiedenen Flugzeugty- liches Frauenproblem - auch alleinstehende Männer
pen im Bestand der Armee gesagt wurde, "welche sie haben Probleme."
(als Frau) fliegen darf und welche nicht". Im Stillen
hoffte sie jedoch darauf, daß sich eines Tages eine Die glühendsten Befürworter von Frauen im Militär wie
Foote sind der Ansicht, daß sich Mutterschaft und das
Chance "eröffnen würde".
militärische Leben nicht gegenseitig ausschließen.
Bei ihrem ersten Einsatz in Korea werden ihrem "Es gibt dort Frauen, die sehr anspruchsvolle BatailKommando 14 Stabsfeldwebel und sieben Hubschrau- lone kommandieren, ihre Kinder aufziehen und zudem
noch die Ehefrau sind, die ihr Mann sich wünscht",
ber unterstehen.
erklärt sie.
Die Leistungen von Patricia Fornes, Oberstleutnant
der Luftwaffe, haben einen emotionalen Aspekt. Sie ist Die Realität kann jedoch hart sein. Obwohl Jones im
die erste Frau, der das Kommando über ein Raketen- Hinblick auf ihre militärischen Fähigkeiten zuversichtgeschwader übertragen wurde - eine weitere Möglich- lich und auf ihre Leistungen stolz war, beschloß sie,
keit, die Frauen erst vor kurzem zugänglich gemacht den Dienst zu quittieren. Sie war von ihrer ältesten,
wurde. Fornes leitet dieselbe Einheit, der einst ihr erst acht Jahre alten Tochter fünfmal für jeweils sechs
Vater vorstand - jetzt Oberstleutnant im Ruhestand. Monate getrennt. "Es war Zeit für eine Pause", erklärt
Ihr werden rund 75 Soldaten unterstehen - die Männer sie, "denn meine Kinder wuchsen ohne mich auf.
und Frauen, die auf den Raketenanlagen der Vereinigten Staaten in Bereitschaft sind und die Einrichtungen Manche Frauen leiden unter anderen Frustrationen.
Obwohl ihre militärischen Optionen sich verbessern,
warten.
befürwortet nicht jeder die Aussicht auf "bahnbrechen"Führungsstärke ist schwer zu definieren", erklärt Glenn de Veränderungen". Einige machen sich Sorgen, daß
Fornes, wenn sie über die neuen Aufgaben ihrer sie nicht für Posten in Frage kommen, denen sie sich
Tochter nachdenkt. "Aber man wei ß, wenn jemand sie durchaus gewachsen fühlen, und warten immer noch
hat, und ich glaube, diese Dame besitzt sie in hohem auf den Tag, an dem jede Tätigkeit im Militär für alle
Maße."
Frauen offen steht. Im Gegensatz dazu halten andere
wiederum das Herkömmliche für besser.
Selbst angesichts des derzeitigen Abbaus der amerikanischen Streitkräfte nimmt der Prozentsatz von Frauen "Es gibt Frauen im Militär", so Cumbo, "die sich den
weiter zu. Obwohl die Truppenstärke zwischen 1987 neuen Kampfregeln widersetzen. Es ist einfach nicht
und 1992 um fast 370.000 Mann reduziert wurde, stieg das, was sie wollen." Zur Zeit stehen Frauen 99
der Prozentsatz der Frauen von 10,2 auf 11,5 Prozent Prozent aller Berufsgruppen in der Luftwaffe und 99
an.
Prozent der Positionen offen. In der Armee sind es 91
Prozent der Berufsgruppen und 62 Prozent der PosiEs steht außer Frage, daß die Präsenz von Frauen tionen. Die Marine hat 86 Prozent der Berufsgruppen
Fragen und Probleme aufgeworfen hat, die nicht leicht und 60 Prozent der Positionen für Frauen geöffnet,
zu lösen sind. Schwangerschaft ist beispielsweise während die Marineinfanteristen 80 Prozent der Beeine Realität im Leben der Frau. Zur Zeit verrichten rufsgruppen und 34 Prozent der Positionen anbieten.
schwangere Frauen ihre Aufgaben so lange wie möglich.
Ist die Tätigkeit gefährlich, oder sie sind aus medizini- Das scheinen enorme Chancen zu sein, aber einigen
schen Gründen nicht in der Lage, sie auszuüben, Frauen reicht das nicht aus. Wenn jedoch Verteidiwerden ihnen administrative Aufgaben übertragen. gungsminister Aspin wie versprochen das Gesetz über
Nach der Geburt des Kindes erhalten die Mütter min- den Ausschluß von Frauen aus Kampfhandlungen
destens sechs Wochen Mutterschaftsurlaub.
Ende1993 aufhebt, wird es noch mehr Chancen geben. Die Marine erstellt bereits Pläne, jedem der drei
"Im großen und ganzen vertreten wir die Auffassung, Flugzeugträger 1994-95 etwa 500 Frauen zuzuteilen,
daß man nicht krank ist, nur weil man schwanger ist", falls das Gesetz geändert wird.

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�"Das Militär muß jetzt begründen, warum Frauen von
einer Position ausgeschlossen werden", erläutert Becraft.
"Es wird hoffentlich eine vernünftige Erklärung dafür
geben, warum die Möglichkeiten von Frauen aufgrund
ihres Geschlechts beschränkt werden. Wahrscheinlich läuft das auf körperliche Stärke hinaus."

vergaßen wir alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern und waren nur noch Soldaten."

fast kein Unterschied zwischen dem Einsatz als
Kombattant oder Nichtkombattant. "Meines Erachtens werden Frauen letztlich in Kampfausrüstung enden",
äußert Jones. "Gehört nicht die Infanterie zur Arbeit
jedes Soldaten dazu? Als der Bodenkrieg begann,

Alle Teilstreitkräfte haben strenge Regeln, die sexuelle
Belästigung verbieten. Die Beseitigung derartiger
Probleme und die Schaffung eines Umfelds, in dem
Frauen sich profilieren können, stellt im Militär eine
Priorität dar. "In der Vergangenheit war es schwierig

In der Armee ist das eine besonders heikle Frage, da
so viele Frauen den Einheiten zugeteilt sind, die Kampfeinheiten direkt unterstützen. "Frauen werden eines
Tages Kampf eingesetzt", erklärt Oberstleutnant
Die vielleicht letzte große Hürde für Frauen im Militär Marcene Etchieson, Personalexpertin. "Unsere Politik
bringt immer noch einige interessante Scenarien her- schließt sie von einer Beteiligung an routinemäßigen
vor. Frauen werden beispielsweise von Elitekampf- direkten Bodenkämpfen aus." Zu den im Golfkrieg
truppen wie den Special Forces der Armee oder den gefangengenommenen Frauen stellt Etchieson fest:
Kampfschwimmern der Marine SEALS ausgeschlos- "Das liegt nicht außerhalb der Politik der Armee. Sie
sen. Bisweilen werden Frauen jedoch diesen Gruppen taten die ihnen zugeteilte Arbeit."
zugeteilt, wenn ihre besonderen Fähigkeiten vonnöten
Wie auch immer diese Arbeit aussehen mag - einige
sind.
führende Vertreter der Streitkräfte sind der Ansicht,
"Wir alle erkennen den herausragenden Beitrag von daß gewisse Beschränkungen bestehen bleiben
Frauen an, die in unseren Streitkräften dienen", erklärt müssen. "Ich persönlich vertrete die Auffassung, daß
der Senator und ehemalige Astronaut John Glenn, der Frauen nicht in der Infanterie dienen sollten", äußert
bei vielen Entscheidungen in bezug auf das Militär eine Frix. "Ich gehörte ihr an und weiß folglich, was das
Schlüsselrolle spielt. "Die Teilnahme von Frauen an bedeutet. Denken Sie über mich, was Sie wollen, aber
Kampftruppen und -Positionen führt zu einigen grund- ich glaube nicht, daß Frauen mit extremen Entbehrunlegenden Fragen über den zukünftigen Umfang und gen fertig werden können."
die Struktur der Streitkräfte."
Major Kathy Wood, Offizier der Armee, ist widerstreDie wichtigste Frage - sollten Frauen im direkten bend zu derselben Schlußfolgerung gelangt. Sie wurde
Kampf eingesetzt werden - ist Fachleuten zufolge schon zu Beginn ihrer Laufbahn für den Einsatz in
durch die moderne Technologie praktisch fiktiv gewor- Panzern ausgebildet und stellt jetzt fest: "Nach zwei
den. "Der Ausschluß der Frau vom Kampf ist eine Jahren Umgang mit Panzern und angesichts der
absolut falsche Formulierung", so Frix. "Frauen wer- Bedingungen und Situationen, denen wir ausgesetzt
den von Positionen ausgeschlossen, bei denen das waren, bin ich zu der Erkenntnis gelangt, daß Frauen
Töten von Menschen die Haupttätigkeit ist."
nicht dorthin gehören. Es fällt mir schwer, das zuzugeben, aber es stimmt. Es stimmt auch, daß Frauen, die
Frix und andere weisen darauf hin, daß Frauen bei der im Kampf eingesetzt werden möchten, die Gelegenmodernen Kriegführung ebenso in Gefahr sind wie die heit zur Entscheidung für einen Bereich haben, der sie
Männer. "Der Krieg am Golf war großangelegt, und sie mit größter Wahrscheinlichkeit ins dichteste Kampfgewaren von Beginn an beteiligt", stellt er fest. "Es gab tümmel bringt."
dort keine Unterschiede. Absolut keine. Niemand
machte sich darüber Sorgen, daß Frauen der Gefahr Während die Armee den Frauen eine breite Palette
ausgesetzt waren."
von Möglichkeiten anbietet, wird die Marine sogar
noch fortschrittlicher. Seit Beginn der achtziger Jahre
Das schließt die Frauen selbst mit ein. Yolanda Wood, hat das Programm "Frauen zur See" weiblichen MariAbsolventin der Luftwaffenakademie, ist Navigatorin neangehörigen den Dienst auf See ermöglicht. Mariund war früher den KC-135-Tankf lugzeugen zugeteilt. nekapitän Dennis Egan befehligte einen Flottentanker,
"Ich bin ausgebildet worden", erklärt sie. "Ich bin zu dessen Besatzung 62 Frauen zählten. "Es klappte
Luftwaffenoffizier. Niemand will in den Krieg. Aberder gut", erklärt er. "Es war eine Übung in Flexibilität. Ich
Wunsch nach der Verteidigung des Heimatlandes ist bekam hochqualifizierte, sehr intelligente Frauen."
nicht auf ein Geschlecht beschränkt."
Dennoch, so Egan, müssen bestimmte Punkte beDie US-Marine hat sich diese Philosophie bereits voll rücksichtigt werden - von der Umgestaltung der Schifund ganz zu eigen gemacht. Sie hat einer Luftkampf- fe, um den Bedürfnissen der Frauen Rechnung zu
einheit schon die erste Frau zugeteilt. Sollten die tragen, bis zu den Schwierigkeiten, die die enge ZuUmstände in Zukunft eine Angriffsmission unter Füh- sammenarbeit von Männern und Frauen mit sich bringt.
rung der Marine erfordern, könnte es sehr wohl eine "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz war ein Anlaß
Frau sein, die die erste Bombe abwirft.
zur Sorge, mit dem man sich offen befassen mußte",
Für die Frauen, die am Golfkrieg teilnahmen, existiert äußert er.

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�für Frauen, mit Männern zu konkurrieren, weil sie
keinen nennenswerten Dienst zur See ableisteten."
Gegenwärtig werden auch Schiffe von weiblichen
Angehörigen der Marine befehligt. Korvettenkapitän
Darlene Iskara, die 1990 das Kommando erhielt, war
die einzige Frau an Bord des von ihr befehligten
Schiffes. Seitdem ist zwei weiteren Frauen das
Kommando über ein Schiff übergeben worden, und
weibliche Angehörige der Marine haben auch Staffeln
kommandiert.
Bemerkenswerte Leistungen sind für weibliche Marinepiloten nichts Neues. Im Gegensatz zu Pilotinnen
der Luftwaffe, die zuvor vom Führen bestimmter Jagdflugzeuge ausgeschlossen waren, sind die Pilotinnen
der Marine jedes im Arsenal verfügbare Flugzeug geflogen, einschließlich der im Training verwendeten F/
A-18-Jagdbomber und Angriffsflugzeuge.

Dieser Zugang wird nur langsam gewährt. Gegenwärtig gehören allen Teilstreitkräften nur 11 weibliche
Offiziere im Generalsrang an - zwei in der Armee, drei
in der Luftwaffe, fünf in der Marine und eine bei den
Marineinfanteristen. Nur eine von ihnen - Konteradmiral der Marine - hat den Rang eines Zweisternegenerals. Nur zwei weibliche Luftwaffenoffiziere und ein
weiblicher Armeeoffizier wurden jemals mit zwei Sternen ausgezeichnet. Und was die Armee betrifft, ist das
Beispiel schon fast Geschichte. Generalmajor Betty
Clark, letzter Kommandeur des Frauen-Armeekorps,
wurde 1973 nach Auflösung des Korps in den Ruhestand versetzt.

Oberst Jean Oestreich von der Luftwaffe, ehemalige
Direktorin der Operationen für strategisches Luftkommando, ist der Ansicht, daß mehr Frauen in höchste
Ränge aufsteigen werden. "Ich beobachte eine veränderte Einstellung gegenüber den Frauen", stellt sie
fest. "Als ich kam, hatten die Männer und die FühFrauen nehmen an Feindstaffeln teil und fliegen Feindrungsriege begrenztere Ansichten von dem, was wir
darstellung, um ihre männlichen Kollegen in Kurventun
könnten. Heute ist das kein Thema mehr."
kampftechniken auszubilden. In der Marine gibt es zur
Zeit fünf Testpilotinnen, die gewährleisten, daß die Andere Vertreter des Militärs sind der Auffassung, daß
neuen Flugzeuge den Erfordernissen der Marine ent- auch Frauen Generäle werden - bis jetzt sei dazu nur
sprechen.
noch nicht genug Zeit vergangen. "Erst Mitte der
siebziger
Jahre kamen immer mehr Frauen in die
Im Juni und Juli 1993 traten die ersten weiblichen
Armee",
erklärt
Etchieson. "Man braucht einige Jahre,
Angehörigen der Marine einer auf einem Flugzeugträbis
man
General
oder Hauptfeldwebel wird. Erst jetzt
ger stationierten taktischen Staffel bei. Die Marine
kommt
eine
steigende
Zahl von Frauen hierfür in
erwartet, im April 1994 20 bis 25 Pilotinnen und weibFrage."
liche Flugoffiziere in taktischen Staffeln zu haben. Für
die Frauen in der Marine, die zuvor trotz ihrer umfassenden Ausbildung von diesen wichtigen Positionen
ausgeschlossen waren, stellt das eine dramatische
Veränderung dar.
"Vor diesem Wandel waren meine Optionen sehr
begrenzt", stellt Leutnant Sara Joyner, eine 26jährige
Fluglehrerin bei der Marine, fest. Sie erklärte vor
Journalisten, sie hoffe, für die Ausbildung zur Steuerung des angesehenen F-18-Jagdbombers angenommen zu werden.
Angesichts des technologischen Wandels betrifft die
Frage, mit der Frauen im Militär konfrontiert werden,
nicht so sehr den Kampf, sondern den Zugang zu
Führungspositionen. "Frauen wollen keine Infanteristen sein", erklärt Becraft. "Sie wollen Zugang zu
Positionen, die zu höheren Rängen führen."

*

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Zweifelsohne widmen sich alle Teilstreitkräfte dieser
Frage sorgfältig und aufmerksam. Alle haben Frauenbeauftragte zur Entwicklung von Lösungen. Die Frauenberatungskommission für die Teilstreitkräfte (Defense Advisory Commission on Women in the Services
- DACOWITS) steht dem Verteidigungsministerium
beratend zur Seite.
Trotz Komplikationen wie dem fortgesetzten Streitkräfteabbau, der die Chancen für Männer und Frauen
in den Streitkräften beschränkt, besteht kein Zweifel,
daß sich die Dinge dramatisch verändern.
"Die Operation Wüstensturm hat gezeigt, daß jeder
Soldat eingezogen werden muß, wenn Soldaten benötigt werden", erklärt Kampfveteran Cumbo. "Das
Geschlecht ist unerheblich. Frauen mögen an der
Front führend sein, oder die Nachhut bilden, aber sie
werden präsent sein."

* * * *

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Herausga

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U.S. Information Service
United States of America

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^'•SfiÄfr
fctf*
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Z12462C

^

24. November 1993

47

NAFTA

CLINTON BEGRUSST NAFTA ALS
ERWEITERUNG DER AMERIKANISCHEN
ROLLE IN DER WELTWIRTSCHAFT
Erklärung des Präsidenten
NAFTA-ABSTIMMUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS VERLEIHT CLINTONS BESTREBUNGEN
ZUR HANDELSERWEITERUNG AUFTRIEB
Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen

REPRÄSENTANTENHAUS VERABSCHIEDET
NAFTA NACH HEFTIGEN DEBATTEN
Mehr Zustimmung als erwartet

VERBRECHENSBEKÄMPFUNG

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DES
GESETZES ZUR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
AUF
Rede des Präsidenten in Memphis

USA-ASIEN

WACHSENDE BINDUNGEN DER USA ZU
ASIATISCHEN NATIONEN
Rede Christophers in der
Washington University

APEC

APEC-STAATEN VEREINBAREN
ZOLLSENKUNGEN
Ergebnisse der Ministertagung

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 33 4102

�NAFTA
24. November 1993

CLINTON BEGRÜSST NAFTA ALS ERWEITERUNG DER
AMERIKANISCHEN ROLLE IN DER WELTWIRTSCHAFT
Erklärung des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (North American Free Trade Agreement - NAFTA) zur Bekräftigung der Führungsrolle der
Vereinigten Staaten in der Weltwirtschaft beitragen.
"Das NAFTA wird die amerikanischen Arbeitnehmer zu den produktivsten Beschäftigten und Gewinnern in der
Weltwirtschaft machen", stellte Präsident Clinton in einer Ansprache am 17. November 1993 unmittelbar nach
der Verabschiedung des NAFTA im Repräsentantenhaus mit 234 zu 200 Stimmen fest.
Der Präsident unterstrich, im derzeitigen Umfeld von internationalem Wettbewerb und konstanten Veränderungen könne die Sicherheit amerikanischer Arbeitnehmer nicht durch eine Wendung nach innen und den Aufbau
protektionistischer Schutzmauern gewährleistet werden.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung des Präsidenten im Wortlaut.

Vielen Dank. Vor einigen Minuten hat das Repräsentantenhaus über die Verabschiedung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens abgestimmt. Das
NAFTA wird unsere Exporte erweitern, neue Arbeitsplätze schaffen und die amerikanische Führungsrolle
in der Weltwirtschaft bekräftigen. Dieses Abkommen
liegt zutiefst im Interesse der Vereinigten Staaten. Das
NAFTA wird die amerikanischen Arbeitnehmer zu den
produktivsten Beschäftigten und Gewinnern in der
Weltwirtschaft machen.

dieses Abkommen, sowie dem Finanzminister, der
gebürtiger Texaner ist und besonders gut versteht,
warum dieses Abkommen in unserem Interesse liegt.
Und ich möchte Vizepräsident Gore meinen herzlichen
Dank dafür aussprechen, daß er dem amerikanischen
Volk die Botschaft in seiner ausgezeichneten Fern sehdiskussion vermittelt hat.

Die Abstimmung des heutigen Abends ist ein entscheidender Augenblick für unsere Nation. Zu einer Zeit, in
der viele Menschen unter den Belastungen der weltIch möchte den Gesetzgebern beider Parteien für ihre wirtschaftlichen Probleme leiden, haben wir uns für
Unterstützung des NAFTA danken. Wie jeder weiß, Wettbewerb entschieden - nicht für Rückzug -, zur
haben viele von ihnen echten Mut bei der Entschei- Führungsrolle in einer neuen Weltwirtschaft, einer
dung bewiesen, was ihrer Ansicht nach im besten Führungsrolle, die Amerika in der Vergangenheit so
Interesse ihrer Nation liegt. Ich möchte all den Bürgern häufig übernommen hat. Die Debatte überdas NAFTA
meinen Dank aussprechen, die so hart daran gearbei- war kontrovers. Guten Glaubens haben Männer und
tet haben, den Unternehmern - insbesondere den Frauen starke Argumente für und gegen dieses AbKleinunternehmern, den Fürsprechern beim Kampf kommen vorgebracht. Jeder Teilnehmer an der Deum das NAFTA - und auch Lee lacocca, der heute batte wollte jedoch das gleiche - mehr Arbeitsplätze,
mehr Sicherheit, mehr Chancen für jeden Amerikaner
abend unter uns weilt.
- und auch ich will das.
Ein besonderes Wort des Dankes gebührt den Kabinettsmitgliedern, die so lange und intensiv gearbeitet Ich danke denjenigen, die mit uns zusammengearbeihaben - vor allem Mickey Kantor, unserem Handels- tet haben. Mein besonderer Dank gilt denjenigen, die
beauftragten, für seineunermüdlichen Anstrengungen für uns die Bestrebungen an der Basis organisiert
bei den Zusatzvereinbarungen und seinen Einsatz für haben - Bill Daley und der ehemalige KongreßabgeAMERIKA DIENST 47

Seite 1

�ordnete Bill Frenzel. Ich danke auch den leidenschaftlichen Verteidigern der gegen das NAFTA eingestellten Arbeitnehmer für die Ausübung ihres Rechts auf
freie Meinungsäußerung. Und sie hatten recht, sich
gegen Wirtschaftsbedingungen auszusprechen, die
zu wenig Arbeitsplätze geschaffen und stagnierende
Einkommen bewirkt haben sowie gegen unzulängliche
Strategien zur Umschulung unserer Arbeitnehmerund
Investitionen in unsere Mitbürger und Arbeitsplätze,
die sie benötigen. Sie haben hart gekämpft und
verdienen meinen Respekt.
In einer von weltweitem Wettbewerb gekennzeichneten Wirtschaft, in der Wandel die einzige Konstante ist,
können wir jedoch nicht einfach die Sicherheit der
amerikanischen Arbeitnehmer erhöhen, indem wir
unsere Volkswirtschaft mit protektionistischen Mauern
umgeben odervorgeben, weltweiter Wettbewerb finde
nicht statt.
Unsere einzige Chance besteht darin, uns dieser neuen
Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren und zu gewinnen. Aus diesem Grund war die Verabschiedung des
NAFTA von so großer Bedeutung. Und ich hoffe, der
Senat wird das Verfahren in den nächsten Tagen
abschließen.
Durch die Abschaffung dertarifären und nichttarifären
Handelshemmnisse Mexikos werden wir mehr Autos,
mehr Computer und andere Produkte exportieren und
mehr amerikanischen Arbeitnehmern hier im Inland
ihre Arbeitsplätze erhalten können. Das NAFTA wird
in Mexiko die Anforderungen an Umweltschutz und
Arbeitsnormen erhöhen. Ich möchte heute abend die
Tarifparteien zur Zusammenarbeit mit unserer Administration aufrufen um sicherzustellen, daß die Bestimmungen des NAFTA zum Arbeits- und Umweltschutz
eingehalten werden. Wir müssen gewährleisten, daß
dieses Abkommen für Amerika Vorteile bringt.

wandelnder wirtschaftlicher Bedingungen erforderlich
ist.
Wir müssen unseren Bürgern auch andere Dinge
bereitstellen: Eine dauerhafte Gesundheitsfürsorge
sowie erhöhte Investitionen in Menschen, Orte und
Arbeitsplätze. Und wir müssen uns weiterhin für eine
Senkung der Handelshemmnisse im Ausland einsetzen, die das Wirtschaftswachstum hier in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt verlangsamen.
Morgen werde ich mich in Seattle mit führenden Politikern von fünfzehn Staaten aus dem asiatisch-pazifischen Raum treffen. Ich werde sie bitten, auf offenere
Märkte für unsere Produkte hinzuarbeiten. Nach meiner
Rückkehr werde ich mich an die marktwirtschaftlich
orientierten Demokratien Lateinamerikas wenden und
sie bitten, diesem großartigen amerikanischen Pakt
beizutreten, der meiner Meinung nach äu ßerst vielversprechend für unsere Zukunft ist.
Im nächsten Monat werden wir bei unseren Konku rrenten in Europa und Asien darauf drängen, die Arbeit an
dem weltweiten Handelsabkommen zu beenden, das
buchstäblich Hunderttausende von Arbeitsplätzen in
den Vereinigten Staaten schaffen wird, während auf
der ganzen Welt die Märkte geöffnet werden.

Wir waren schon einmal mit derselben Frage konfrontiert wie heute abend: Ob wir uns nach innen wenden
oder nach außen öffnen. Nach dem Ersten Weltkrieg
zogen sich die Vereinigten Staaten zurück und umgaben ihre Volkswirtschaft mit protektionistischen Mauern. Das Ergebnis war eine Depression und schließlich ein weiterer Weltkrieg. Nach dem Zweiten Weltkrieg trafen wir eine ganz andere Entscheidung: Wir
öffneten uns nach außen. Wir errichteten ein System
erweiterten Handels und kollektiver Sicherheit. Wir
bauten die Volkswirtschaften unserer ehemaligen
Das NAFTA ist ein großer Schritt, jedoch nur ein erster Gegner wieder auf und schufen dabei die große
Schritt bei unseren Bemühungen um die Ausweitung amerikanische Mittelschicht.
des Handels und Herbeiführung einer wirtschaftlichen
Wiederbelebung hier und auf der ganzen Welt. Ein Am heutigen Abend, nach dem Ende des Kalten
gerechtfertigter Einwand der NAFTA-Gegner ist, daß Krieges, ist unsere Nation wieder mit dieser Entscheiwir einen noch besseren Stand in der Weltwirtschaft dung konfrontiert. Und heute abend kann ich mit Stolz
haben, wenn wir über ein Ausbildungs- und Umschu- sagen, daß wir nicht zurückgeschreckt sind. Heute
lungssystem für unsere Arbeitnehmer verfügen, das abend fanden die Vorsitzenden beider Parteien eine
den sie konfrontierenden Herausforderungen Rech- gemeinsame Basis für das Gemeinwohl. Wir haben
nung trägt. Wir müssen unseren Arbeitnehmern die uns heute abend für die Zukunft entschieden. Wir
Bildung und Ausbildung anbieten, die sie im weltweiten haben erneut unsere Stärke demonstriert. Wir haben
Wettbewerb benötigen. Ich rufe die Koalition, die das selbst in dieser schwierigen Zeit unser SelbstbewußtNAFTA annahm, zu meiner Unterstützung auf, damit sein unter Beweis gestellt. Unsere Bürger sind Gewinich Anfang kommenden Jahres dem Kongreß ein ner. Und wir haben meiner Ansicht nach am heutigen
Wiederbeschäftigungssystem von Weltklasse zur Abend gezeigt, daß wir gemeinsam bereit sind, zu
Verabschiedung vorlegen kann, das unseren Arbeit- konkurrieren, zu gewinnen und die Welt des 21. Jahrnehmern die Gewißheit gibt, daß sie immer die Ausbil- hunderts zu gestalten.
dung erharten können, die für sie angesichts sich
• * * * *

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AMERIKA DIENST 47

�NAFTA
24. November 1993

NAFTA-ABSTIMMUNG IM REPRÄSENTANTENHAUS
VERLEIHT CLINTONS BESTREBUNGEN
ZUR HANDELSERWEITERUNG AUFTRIEB
Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen

WASHINGTON - (AD) - Durch die unerwartet hohe
Zustimmung zum Nordamerikanischen Freihandelsabkommen am Tag zuvor mit neuer Macht versehen,
reiste Präsident Clinton am 18. November 1993 zur
Konferenz über asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit und erklärte, der Erfolg in Seattle könnte "eine wirtschaftliche Expansion bewirken, die auf
Jahre andauert".
Musikalisch begleitet von einer Militärkapelle, von
euphorischen Mitarbeitern applaudiert und von seinem
Vizepräsidenten als Magier gerühmt, wurde Clinton
eine Abschiedszeremonie bereitet, die für gewöhnlich
einem von Triumphen in Übersee zurückkehrenden
Präsidenten vorbehalten ist. Der ungewöhnliche Staatsakt stand jedoch im Einklang mit dem politischen und
psychologischen Auftrieb, den Clinton durch die Überwindung der Opposition seitens der Gewerkschaften
und in seiner eigenen Partei erhalten hatte, der zu
einem Abstimmungserfolg von 234 zu 200 Stimmen
zugunsten des NAFTA im Repräsentantenhaus führte, der parteipolitische und ideologische Grenzen
überschritt.
Clinton unternahm unverzüglich Schritte zur Umsetzung des Abkommens und telefonierte mit dem mexikanischen Präsidenten Carlos Salinas, um zu entscheiden, "wie dieses großartige neue Zeitalter der
nordamerikanischen Beziehungen am besten in die
Wege geleitet werden kann". Salinas, so Clinton, lud
Vizepräsident Gore unmittelbar nach der endgültigen
Verabschiedung des NAFTA durch den US-Senat und
den mexikanischen Senat zu einem Besuch in MexikoCity ein.
Der Stabschef des Weißen Hauses, Thomas "Mac"
McLarty, wird Gore voraussichtlich begleiten. Clinton
zufolge werden die beiden amerikanischen Regierungsvertreter mit Salinas und Vertretern seiner Regierung zu "eingehenden Diskussionen" über die DurchAMERIKA DIENST 47

führung der Bestimmungen des Abkommens zusammentreffen, das über einen Zeitraum von 15 Jahren
hinweg die meisten Zölle abbauen soll, die zur Zeit
beim grenzüberschreitenden Handel mit Kanada und
Mexiko erhoben werden.
Das Abkommen tritt am 1. Januar 1994 in Kraft.
"Es liegt in unserer Verantwortung sicherzustellen",
erklärte der Präsident, "da ß wir das meiste aus diesen
Bestrebungen im Hinblick auf unsere Beziehungen zu
unseren Nachbarn im Süden - Mexiko und den übrigen
Ländern Lateinamerikas - und hoffentlich zu den Nationen auf der ganzen Welt machen, die sich für offenen
und freien Handel, Abbau der Handelshemmnisse für
unsere Produkte und Dienstleistungen sowie die Zusammenarbeit für globalere Chancen, Arbeitsplätze
und Wachstum engagieren."
Unmittelbar nach der Abstimmung im Repräsentantenhaus wird Clinton seinen Aussagen zufolge Konsultationen mit den lateinamerikanischen Nationen aufnehmen, die zum Beitritt zu einer Freihandelszone auf
dem Kontinent bereit sind.
Indem er bereits über den Kontinent hinaus auf neue
Chancen und Herausforderungen blicke, äußerte der
Präsident, werde er in Seattle ähnliche den Handel
ankurbelnde Gespräche mit Nationen führen, die Europa
als fruchtbarsten Handelspartner Washingtons ersetzen. Clinton stellte fest, die politischen Vertreter der
Länder im Pazifischen Becken "sind dynamische und
mächtige Wirtschaftspartner und Konkurrenten, die
den am schnellsten wachsenden Teil der Weltwirtschaft vertreten."
Die NAFTA-Abstimmung, erklärte Clinton, gestatte
ihm, zu dem Treffen in Seattle "mit gestärktem Rückgrat für offene Märkte auf der ganzen Welt zu kämpfen".

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�Die "kreative Spannung" zwischen den Volkswirtschaften im Pazifischen Becken und den Vereinigten Staaten, so Clinton, könne "eine wirtschaftliche Expansion
bewirken, die auf Jahre andauert".

Clinton wiederholte die zu einem Mantra seiner Äußerungen zur Erweiterung des Handels gewordene Formulierung -, daß kein wohlhabendes Land Zuwächse
verzeichnen kann, solange es nicht neue Kunden für
seine Waren in einer gesunden globalen Wirtschaft
Mit Aufnahme des Prozesses zur Verabschiedung des findet - und bekräftigte, die Vereinigten Staaten hätten
NAFTA - "der mutige Schritt zur Öffnung des Handels mit der Abstimmung im Repräsentantenhaus "einen
auf unserem Kontinent", so Clinton - hätten die Verei- großen Schritt in die richtige Richtung" unternommen.
nigten Staaten jetzt "den wirtschaftlichen, politischen "Ich beabsichtige in den nächsten Tagen im pazifiund moralischen Stand in einer Sache, die weltweit schen Nordwesten weitere Schritte in diese Richtung",
verwirklicht werden sollte. Die Vereinigten Staaten versprach der Präsident.
meinen es ernst mit dem Abbau der Handelsschranken und der Förderung von Wachstum in unserem
Land und auf der ganzen Welt."

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AMERIKA DIENST 47

�NAFTA
24. November 1993

REPRÄSENTANTENHAUS VERABSCHIEDET
NAFTA NACH HEFTIGEN DEBATTEN
Mehr Zustimmung als erwartet

WASHINGTON - (AD) - Am 17. November 1993 verabschiedete ein äußerst gespaltenes Repräsentantenhaus das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA) mit 234 zu 200 Stimmen -16 Stimmen mehr als die
für die Annahme erforderlichen 218.
Der Abstimmung des Repräsentantenhauses folgt noch
die Entscheidung des US-Senats, der das Abkommen
voraussichtlich im Laufe der kommenden Tage verabschieden wird.
Die ungewöhnliche Uneinigkeit innerhalb der Parteien
in der Debatte über das NAFTA zeigte sich am Gesamtergebnis der Abstimmung des Repräsentantenhauses: 102 Demokraten und 132 Republikaner stimmten für das Abkommen während 156 Demokraten, 43
Republikaner und ein Unabhängiger sich dagegen
aussprachen.
Das Übereinkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada wird Volkswirtschaften mit
einem gesamtwirtschaftlichen Output von mehr als 6,7
Billionen Dollar und über 360 Millionen Konsumenten
vereinigen.
Während der achtstündigen Debatte im Repräsentantenhaus wurde das Abkommen von einigen Abgeordneten als die umstrittenste und entzweiendste Maßnahme bezeichnet, die dem Kongreß seit langer Zeit
vorgelegt worden sei.
Das NAFTA hat die parteipolitischen Grenzen verwischt und innerhalb der Bundesstaaten, der Demokratischen Partei des Präsidenten sowie zwischen der
Administration und den Gewerkschaften zu Spaltungen geführt.
Falls das NAFTA von allen drei Ländern angenommen
wird, soll es in einem am 1. Januar 1994 beginnenden
Zeitraum von 15 Jahren dietarifären und nichtarifären
Handels- und Investitionshemmnisse beseitigen.
AMERIKA DIENST 47

Das kanadische Parlament hatte das NAFTA im Juni
angenommen, es kann jedoch in Kanada nicht in Kraft
treten, bevor es vom neuen Ministerpräsidenten Jean
Chretien offiziell proklamiert worden ist. Dieser will das
jedoch eigenen Angaben zufolge erst tun, wenn die
Vereinigten Staaten sich mit den kanadischen Einwänden im Energie-, Subventions- und Dumpingbereich
befassen. Die mexikanische Regierung hat noch
keine endgültigen Schritte in bezug auf das NAFTA
unternommen, seine Verabschiedung in Mexiko gilt
jedoch als sicher.
Zusätzlich zu diesen 1992 vom ehemaligen US-Präsidenten George Bush unterzeichneten grundlegenden
Abkommen umfaßt das NAFTA von Präsident Clinton
mit Kanada und Mexiko Anfang dieses Jahres ausgehandelte Zusatzabkommen zum Schutz der Umwelt
und der Arbeitnehmerrechte.
Präsident Clinton machte in den Vereinigten Staaten
das NAFTA in vielerlei Hinsicht zu einer Frage der
Führungsrolle Amerikas in der Welt. Der Präsident
setzte alle Hebel in Bewegung, um im Repräsentantenhaus Stimmen zu gewinnen, indem er unentschiedenen Abgeordneten Abmachungen zum Schutz einiger Industriezweige in ihren Wahlbezirken versprach,
falls es zu einem Anstieg der Importe mexikanischer
Waren kommen sollte.
Die NAFTA-Gegner beschuldigten jedoch den Präsidenten des Stimmenkaufs und wollen gerichtlich gegen einige dieser Abmachungen vorgehen.
Der US-Handelsbeauftragte Mickey Kantor erklärte
vordem Abstimmung in einer Femsehansprache, eine
Zustimmung zum NAFTA würde zeigen, daß es der
Clinton-Administration gelungen sei, "mit einer Koalition beider Parteien die festgefahrene Situation in
Washington wieder in Gang zu bringen".
In der Debatte ging es größtenteils um Arbeitsplätze viele Gesetzgeber argumentierten, ein verbesserter
Seite 1

�Zugang zum mexikanischen und kanadischen Markt
würde sich in einer Steigerung der Exporte und einem
Anstieg hochbezahlter amerikanischer Arbeitsplätze
niederschlagen, während andere die Meinung vertraten, es gingen Arbeitsplätze verloren, weil sich die
Unternehmen wegen der niedrigeren Löhne und den
weniger strengen Umweltschutzbestimmungen in
Mexiko ansiedeln würden.

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Lee
Hamilton, drängte die Gesetzgeber zur Unterstützung
des NAFTA aus außenpolitischen Gründen.

Indem er das NAFTA als "eine der wichtigsten außenpolitischen Entscheidungen des Jahrzehnts" bezeichnete, stellte Hamilton fest, das Abkommen würde
engere Zusammenarbeit mit Mexiko bei illegalen Drogen
und Einwanderung, politische Stabilität in Mexiko sowie
"Das N AFTA wird zu einer Gefährdung von amerikani- die bereits eingeleiteten politischen und wirtschaftlischen Arbeitsplätzen aufgrund des Wettbewerbs mit chen Reformen in Lateinamerika fördern. Die Ablehdem Niedriglohnland Mexiko führen", erklärte William nung des NAFTA hätte die Fähigkeit Präsident ClinFord, Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und tons zu Verhandlungen bei der Uruguay-Runde der
Arbeit. "Es stellt kein Junktim zwischen Lohnerhöhun- Handelsgespräche und in anderen internationalen
gen und Produktivitätszuwächsen in Mexiko her, das Gremien wie dem Forum für asiatisch-pazifische wirtein Sinken des Lebenstandards in den Vereinigten schaftliche Zusammenarbeit und der NATO untermiStaaten verhindern würde. Das NAFTA gewährleistet niert.
nicht, daß die hart erkämpften Gesundheits- und Sicherheitsnormen amerikanischer Arbeitsplätze nicht Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses, Dan
angesichts von Konkurrenz aus einem Land geschmä- Rostenkowski, beschuldigte beide Seiten "riesiger
lert werden, das seine Normen bezüglich Kinderarbeit, Übertreibungen" der Auswirkungen des NAFTA: "Wir
Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz nicht ein- werden im Januarkeinen wirtschaftlichen Aufschwung
auf dem Kontinent erleben, weil wir diesem Abkomhält."
men im November zustimmen ...Und wir werden auch
Der Führer der Mehrheitsfraktion im Repräsentanten- keinen explosionsartigen Zuwachs oder Verlust an
haus, Richard Gephardt, bezeichnete den Vertrag als Arbeitsplätzen beobachten."
"unzulänglich und mit Mängeln behaftet", weil er "die
Rechte von Unternehmern, aber nicht die Rechte der "Wir diskutieren, ob Amerika ein zuversichtliches Land
ist, bereit, sich der Zukunft und allen Konkurrenten zu
Arbeitnehmer schützt".
stellen - oder eine Nation im Niedergang, die sich an
Für den parlamentarischen Geschäftsführer der Erinnerungen der Vergangenheit klammert", äußerte
Demokraten und Hauptgegner des NAFTA, David Rostenkowski.
Bonior, ging es in der Debatte um einen Schlagabtausch zwischen den Befürwortern von Großunterneh- Einige, wie der Republikaner Doug Bereuter aus
Nebraska, stellten fest, die Verabschiedung des NAFTA
men und den Fürsprechern der Arbeitnehmer.
würde den Vereinigten Staaten bei der Uruguay-Run"Stehen Sie auf der Seite von Fortune 500?", fragte er de globaler Handelsgespräche mehr Spielraum verleiunter Bezug auf die Liste der 500 größten Unterneh- hen.
men des Landes in der Zeitschrift Fortune, oder
stehen Sie auf der Seite der bedauernswerten 500.000 Andere Befürworter des NAFTA brachten das ArguAmerikaner, die ihren Arbeitsplatz aufgrund des Ab- ment vor, es werde die Umweltbedingungen entlang
der Grenze verbessern und gleichzeitig mexikanische
kommens verlieren werden?"
Reformen beim Wahl- und Arbeitsrecht sowie beim
"Ich weiß nicht, wie man in diesem Land mehr Arbeits- Umweltschutz ermutigen.
plätze schaffen kann, wenn man nicht die Märkte
ausweitet", erwiderte die Demokratin Pat Schroeder. In einer Abschlußrede vor der Abstimmung forderte
"Es ist ein gutes Geschäft ... Ich komme aus einem der Sprecher des Repräsentantenhauses, Thomas
Foley, die Abgeordneten auf, nach vorne auf die sie
Amerika, das sich nicht vor der Welt fürchtet."
konfrontierenden Herausforderungen wie die GesundSchroeder zufolge werden amerikanische Produkte in heitsreform zu blicken, und nicht auf den tiefen MeiMexiko nach der Verabschiedung des NAFTA infolge nungsverschiedenheiten zu beharren, von denen die
des Abbaus von Zöllen durchschnittlich 20 Prozent Debatte charakterisiert war.
billiger.
"Lassen Sie diese Debatte oder unsere Entscheidung
Der Kongreßabgeordnete Sam Gibbons, Vorsitzender nicht das Gefüge unserer Demokratie zerbrechen",
des Haushaftsunterausschusses für Handel und einer erklärte Foley. "Sie soll uns vielmehr stärken, wenn wir
der Architekten des NAFTA, erklärte, das Abkommen uns den Herausforderungen der Zukunft stellen."
würde einen mexikanischen Markt öffnen, der seit 400
Jahren für amerikanische Produkte versperrt war.
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AMERIKA DIENST 47

�VERBRECHENSBEKÄMPFUNG
24. November 1993

CLINTON RUFT ZUR UNTERSTÜTZUNG DES
GESETZES ZUR VERBRECHENSBEKÄMPFUNG AUF
Rede des Präsidenten in Memphis
MEMPHIS - (AD) - Am 13. November 1993 hielt Präsident Clinton eine Rede bei der 86. Jahresversammlung
der Church of God in Christ im Mason Temple in Memphis.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vom Pressebüro des Weißen Hauses freigegebenen Text von Präsident
Clintons Rede.

Ich danke Ihnen. Bischof Ford, Mrs. Mason, Bischof
Owens und Bischof Anderson - meine Bischöfe, Bischof Walker und Bischof Lindsey. Wenn Sie nicht an
Bischof Lindseys Grillfest teilgenommen haben, waren
Sie noch nie auf einem Grillfest. Und wenn Sie nicht bei
Bischof Walkers Rededuell mit einem meiner Gegner
anwesend waren, haben Sie noch nie eine politische
Rede gehört.
Ich freue mich, hier sein zu dürfen. Sie haben mein
tiefstes Inneres berührt, mich zu Tränen gerührt und
mich beflügelt. Im vergangenen Jahr war ich mit Ihnen
im Tagungsgebäude. Vor zwei Jahren kamen Ihre
Bischöfe nach Arkansas und wir legten am The Point
in Little Rock eine Gedenktafel nieder, wo Bischof
Mason die Eingebung für den Namen dieser herrlichen
Kirche erhielt.
Bischof Brooks hat von seiner Kanzel aus prophezeit,
daß ich zum Präsidenten gewählt würde, als die meisten dachten, ich würde nicht überleben. Ich danke
ihm und Ihnen für Ihr Vertrauen und Ihre Arbeit, denn
ohne Sie stünde ich heute nicht hier als Ihr Präsident.
Viele meiner Vorredner haben eloquent und gut gesprochen, und es wurden zahlreiche Leute vorgestellt.
Ich möchte meinem guten Freund, Gouverneur
McWerther, und meinem Freund, Bürgermeister Herenton, sowie meinem Freund, dem Kongreßabgeordneten Harold Ford, dafürdanken, daß sie heute mit mir
hier sind. Wir freuen uns, in seinem Wahlkreis zu sein.
Wenn Sie mir gestatten, möchte ich noch drei weitere
Kongreßabgeordnete vorstellen. Sie sind mit mir
hierhergekommen. Und ohne sie kann ich sehr wenig
fürSietun. Der Präsident schlägt vor, und der Kongreß

AMERIKA DIENST 47

verfügt. Manchmal verwirft der Kongreß meine Vorschläge, ich freue mich jedoch sagen zu können, daß
dieser Kongreß einem jüngsten Bericht aus Washington zufolge - ungeachtet dessen, was Sie gehört haben
mögen - einem höheren Prozentsatz meiner Vorschläge zugestimmt hat als jedem anderen Präsidenten in
seinem ersten Jahr im Amt seit Präsident Eisenhower.
Und ich möchte dem Kongreß dafür meinen Dank
aussprechen.
Ich möchte daher meinen guten Freund vorstellen, den
Kongreßabgeordneten Bill Jefferson aus New Orleans,
Louisiana, der in Tennessee zu Besuch weilt. Bitte
erhebe Dich. Und einen Unterstützer meines Wahlkampfs der ersten Stunde, den Kongreßabgeordneten
Bob Clement aus Tennessee, den viele von Ihnen
kennen. Sowie einen jungen Mann, der zu den Menschen in Tennessee zurückkommen und sie um eine
Beförderung im nächsten Jahr bitten wird, den Kongreßabgeordneten Jim Cooper aus Tennessee, ebenfalls ein guter Freund. Bitte begrüßen Sie ihn.
Wie Sie wissen, wurde ich in den vergangenen 10
Monaten mit einer Reihe von Namen bedacht, aber
niemand hat mich bisher Bischof genannt. Als ich neun
Jahre alt war, blickte mich meine geliebte, inzwischen
verstorbene Großmutter, die eine sehr kluge Frau war,
an und sagte: "Weißt Du, ich glaube, Du könntest
Prediger werden, wenn Du nur ein kleines bißchen
artiger wärst."
Ein Bibelspruch lautet: "Ein gelassenes Herz ist das
Leben des fleischlichen Organismus, Eifersucht aber
ist Fäulnis für das Gebein." Dies ist ein glücklicher Ort,
und ich bin glücklich, hier zu sein. Ich danke Ihnen für
Ihre geistigen Anregungen.
Seite 1

�Dank Gottes Gnade und Ihrer Hilfe wurde ich im
vergangenen Jahr zum Präsidenten dieses großartigen Landes gewählt. Ich hätte mir nie träumen lassen,
jemals an diesen geheiligten Ort zu kommen, an dem
Martin Luther King seine letzte Predigt hielt. Ich bitte
Sie, heute an die Ziele zu denken, für die ich kandidiert
habe und die Ziele, fü r die so viele von Ihnen gearbeitet
haben, um mich in dieses wichtige Amt zu setzen. Ich
habe hart gearbeitet, um bei unseren gemeinsamen
Bestrebungen Wort zu halten - die Wirtschaft wiederzubeleben; die Politik umzukehren, nur denjenigen an
der Spitze des Totempfahls zu helfen und nicht der hart
arbeitenden Mittelschicht oder den Armen; die Menschen über rassische, regionale und politische Grenzen hinweg zusammenzubringen; aus unserer Vielfalt
Stärke zu machen statt sie uns entzweien zu lassen;
Arbeit, Familie und Gemeinschaft zu belohnen und zu
versuchen, uns ins 21. Jahrhundert zu geleiten. Ich
habe versucht, Wort zu halten.
13 Prozent der Ernennungen meiner Präsidentschaft
sind Afroamerikaner, und im Kabinett der Vereinigten
Staaten gibt es 5 Afroamerikaner - zweieinhalbmal
soviele wie je zuvor in der Geschichte dieses großartigen Landes in der Regierung. Ich habe versucht, das
Wahlrecht durch das von allen Kirchen in unserem
Land stark unterstützte Motor-Voter-Gesetz zu fördern. In der nächsten Woche wird es mir eine große
Ehre sein, das Gesetz über die Wiederherstellung der
Religionsfreiheit zu unterzeichnen, ein Gesetz, für das
sich Menschen aller religiösen und politischen Überzeugungen ausgesprochen haben, das der Verfassung wieder echte Bedeutung verleihen soll - Ihnen
und jedem anderen Amerikaner die Freiheit zu gewähren, das zu tun, was das Wichtigste in Ihrem Leben ist
- Ihre Religion Ihrer Überzeugung nach auszuüben.
Ich sage Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, wir
haben einen guten Anfang gemacht. Die Inflationsrate
ist gesunken. Die Zinssätze sind niedrig. Das Defizit
wurde verringert. Die Investitionen sind gestiegen.
Millionen Amerikaner - einschießlich einiger der heute
hier Anwesenden - haben ihre Hypotheken für Häuser
oder Unternehmenskredite im letzten Jahr neu finanziert. Und in den vergangenen zehn Monaten hat
unsere Volkswirtschaft mehr Arbeitsplätze im Privatsektorgeschaffen als in den letzten vier Jahren zusammengenommen.
Wir haben ein Gesetz über Urlaub aus familiären
Gründen verabschiedet, demzufolge man nicht entlassen werden kann, wenn man bei der Geburt eines
Kindes oder der Krankheit eines Elternteils Urlaub
nimmt. Wir wissen, daß die meisten Amerikaner
arbeiten müssen, aber Sie sollten nur wegen Ihres
Arbeitsplatzes nicht zu schlechten Eltern werden. Wenn
Sie als Arbeitnehmer und Elternteil nicht Erfolg haben,
kann unser Land keinen Erfolg haben.
Ich habe wie versprochen das Programm für Collegekredite radikal reformiert, um die Kosten von Krediten
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für den Collegebesuch zu senken, sie leichter verfügbar zu machen und die Rückzahlungsbedingungen zu
erleichtern. Darüber hinaus haben wir das Gesetz
über einen Nationalen Sozialdienst verabschiedet, das
100.000 jungen Amerikanern in drei Jahren von jetzt
an gerechnet die Chance einräumt, einen Dienst in
ihren Gemeinden zu leisten, um die zerrissenen Bande
der Gemeinde zu flicken, den Bedürfnissen der Menschen an der Basis gerecht zu werden und gleichzeitig
etwas Geld für die Collegeausbildung zu verdienen.
Es ist eine großartige Idee.
Am 15. April, wenn die Steuern fällig sind, wird zwischen 15 und 18 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit
bescheidenem Einkommen, Familien mit Kindern und
Einkommen unter 23.000 Dollar, ein Steuernachlaß
gewährt - nicht Steuererhöhungen auferlegt - um im
Rahmen der äußerst wichtigen Bestrebungen sicherzustellen, daß wir die Arbeit der letzten 20 Jahre und
die Familien vergüten. 50 Millionen amerikanische
Eltern und ihre Kinder erhalten dadurch einen Vorteil,
weil der Steuersatz wieder zugunsten amerikanischer
Arbeitnehmerfamilien festgesetzt wird.
Unter der Schirmherrschaft der First Lady haben wir
einen umfassenden Plan zur Gewährleistung der
Gesundheitsfürsorge für alle Amerikaner vorgelegt.
Wie können wir von den Amerikanern erwarten, zu
arbeiten und mit all den Veränderungen der Weltwirtschaft zu leben, wenn ein 18jährigerden Arbeitsplatz
durchschnittlich siebenmal in seinem Leben wechselt,
und wenn wir nicht einfach sagen können: "Wir sind in
die Reihen der anderen modernen Länder der Welt
eingetreten. Sie können eine solide Gesundheitsfürsorge haben, die Ihnen niemals weggenommen werden kann." Es war höchste Zeit, dies zu tun. Ich bitte
um Ihre Mithilfe bei der Verwirklichung.
Aber es bleibt noch sehr viel mehr zu tun. Sie und ich
wissen, daß die meisten Menschen immer noch härter
für dieselben oder niedrigere Löhne arbeiten und viele
Angst haben, ihr Arbeitsplatz könnte wegrationalisiert
werden. Wir müssen die für unser Volk erforderliche
Aus- und Fortbildung bereitstellen - nicht nur für unsere
Kinder, sondern auch für die Erwachsenen. Wenn wir
dieses Land nicht vor den die ganze Welt erfassenden
Kräften des Wandels abschotten können, müssen wir
zumindest den Menschen eine sichere Beschäftigung
garantieren. Sie müssen einen neuen Arbeitsplatz
finden können, wenn sie einen benötigen. Wir müssen
das heute in Angriff nehmen, und wir beabsichtigen,
dies zu verwirklichen.
Wir müssen gewährleisten, daß Investitionen in bestimmte Gebiete des Landes getätigt werden - die
Innenstädte und verarmte ländliche Regionen im Mississippidelta meines Heimatstaates sowie in diesem
Bundesstaat, in Louisiana und ähnlichen Gegenden in
ganz Amerika. Es ist gut und schön, Menschen
auszubilden, aber wenn sie keinen Arbeitsplatz haben,
bildet man sie umsonst aus. Wir müssen Investitionen

AMERIKA DIENST 47

�in den Regionen anziehen, wo die Menschen nach
Arbeit hungern.
Und schließlich müssen wir Menschen finden, die das
von uns zu Produzierende kaufen. Wir sind das
produktivste Volk der Erde. Das erfüllt uns mit Stolz.
Das bedeutet jedoch, daß eine Person jedes Jahr in
der gleichen Zeit mehr produzieren kann. Wenn immer
weniger Menschen immer mehr produzieren können
und man dennoch mehr Arbeitsplätze schaffen und die
Einkommen erhöhen will, muß man mehr Kunden für
die Produkte finden. Aus diesem Grund habe ich so
hart gearbeitet, um auf der ganzen Welt mehr amerikanische Produkte zu verkaufen. Aus diesem Grund
habe ich gefordert, daß wir Computer im Wert von
Milliarden Dollar verkaufen, die wir früher nicht exportiert haben - damit unser Volk arbeiten kann.
Warum? Nächste Woche werde ich in den Bundesstaat Washington reisen, um mit den M inisterpräsidenten Chinas und Japans sowie den Staats- und Regierungschefs von 13 weiteren asiatischen Ländern-dem
am schnellsten wachsenden Teil der Welt - zusammenzutreffen und sagen: "Wir wollen Ihre Partner
sein. Wir werden Ihre Waren kaufen, aber wir wollen,
daß Sie bitte auch unsere kaufen." Das ist der Grund.
Aus diesem Grund habe ich so hart für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen gearbeitet, das die
Kongreßabgeordneten Ford, Jefferson, Cooper und
Clement heute unterstützt haben, weil wir wissen, daß
die Amerikaner sich nur dem Wettbewerb stellen und
gewinnen können, wenn die Menschen kaufen, was
wir zu verkaufen haben. In Mexiko leben 90 Millionen
Menschen. Sie geben 70 Cents pro Dollar für ausländische - für amerikanische - Waren aus. Die Menschen machen sich zu Recht Sorgen, daß nicht nur in
den Vereinigten Staaten Betriebe geschlossen und
nicht nur nach Mexiko, sondern überallhin verlagert
werden, wo Arbeitskräfte billig sind. Das ist geschehen.
Was ich Ihnen, meine amerikanischen Mitbürger, sagen
möchte, ist folgendes: Nichts an diesem Abkommen
macht dies wahrscheinlicher. Es ist bereits geschehen. Es kann wieder passieren. Was wir tun müssen,
ist, die Arbeitsplätze hier zu halten, indem wir hier
Kunden finden. Genau das tut das Abkommen. Es
bietet uns eine Chance, Möglichkeiten für die Menschen zu schaffen.
Ich habe Freunde in diesem Publikum, Geistliche aus
meinem Bundesstaat, Väter und Söhne, Menschen.
Ich blicke in diese riesige Menge und sehe Menschen,
die ich seit Jahren kenne. Sie wissen es. Ich habe
mein Leben lang für die Schaffung von Arbeitsplätzen
gearbeitet. Ich würde niemals wissentlich etwas tun,
das dem amerikanischen Volk einen Arbeitsplatz
wegnehmen würde. Dieses Abkommen wird mehr
Arbeitsplätze hervorbringen. Wenn es nicht funktioniert, können wir es auch in sechs Monaten aufgeben.

AMERIKA DIENST 47

Aber wenn wir diese Chance nicht ergreifen, werden
wir sie für immer verlieren. Wir müssen sie ergreifen,
weil wir es besser machen müssen.
Was ich Ihnen heute jedoch sagen möchte, meine
amerikanischen Mitbürger, ist, daß wir all dies tun und
dennoch scheitern können, wenn wir nicht die große
intellektuelle Krise in den Griff bekommen, die Amerika
heute erfaßt hat.
Im Anschluß an dieses Treffen werden der Kongreßabgeordnete Ford und ich zu einer städtischen Versammlung in einer nahegelegenen Baptistenkirche
gehen, die er zum Thema Gesundheitsfürsorge und
Gewalt in den Städten abhält. Ich sage Ihnen, wenn wir
nicht etwas gegen die Gemeinden heimsuchende
Verbrechen, Gewaltakte und Drogen unternehmen,
werden wir dieses Land nicht heilen können.
Wenn Martin Luther King, der erklärt hatte, "Wie Moses
stehe auch ich auf dem Berggipfel und kann das
Gelobte Land sehen. Ich werde nicht zusammen mit
Euch dorthin kommen, aber wir werden dorthin gelangen.. ." heute hier neben mir stehen und die vergangenen 25 Jahre beurteilen könnte, was würde er sagen?
"Ihr habt gute Arbeit geleistet", würde er sagen, "indem
ihr Menschen gewählt habt, die früher aufgrund ihrer
Hautfarbe nicht gewählt werden konnten. Ihr habt
mehrpolitische Macht, und das ist gut so. Ihrhabegute
Arbeit geleistet", würde er sagen, "indem ihr Menschen, die dazu fähig sind, ein Leben an einem Ort
ihrer Wahl ermöglicht und ihnen Freizügigkeit in diesem großartigen Land gewährt. Ihr habe gute Arbeit
geleistet", würde er sagen, "indem ihr Farbige in die
höchsten Ränge der Streitkräfte und der Regierung
befördert habt. Ihr habt sehr gute Arbeit geleistet",
würde er sagen. "Ihr habt gute Arbeit geleistet, als ihr
eine schwarze Mittelschicht geschaffen habt mit
Menschen, denen es wirklich gut geht, und es gelangen immer mehr Afroamerikaner als Weiße in die
Mittelschicht. Ihr habt gute Arbeit geleistet. Ihr habt
gute Arbeit bei der Verbesserung der Chancen geleistet."
Er würde jedoch auch sagen: "Ich habe nicht gelebt
und bin nicht gestorben, damit die amerikanische
Familie zerstört wird. Ich habe nicht gelebt und bin
nicht gestorben, damit dreizehnjährige automatische
Schußwaffen bekommen und neunjährige aus Spaß
damit erschießen. Ich habe nicht gelebt und bin nicht
gestorben, damit junge Menschen ihr eigenes Leben
durch Drogen zerstören oder ein Vermögen verdienen,
indem sie das Leben anderer zerstören. Dafür habe
ich mich nicht eingesetzt."
"Ich habe für die Freiheit gekämpft", würde er sagen,
"aber nicht für die Freiheit der Menschen, einander
skrupellos umzubringen, nicht für die Freiheit der Kinder, Kinder zu bekommen, die von ihren Vätern verlassen werden, als ob sie keinen Wert hätten. Ich habe
dafür gekämpft, daß die Menschen ein Recht auf

Seite 3

�Arbeit haben, aber nicht, daß Menschen und ganze nehmen keine Drogen, wir wollen in die Schule gehen,
Gemeinden im Stich gelassen werden. Dafür habe ich wir wollen einen Beruf erlernen, wir wollen hart arbeiten, wir wollen vorankommen, wir wollen eine Familie
nicht gelebt und mein Leben gelassen."
gründen. Wir wechselten die Schule, weil die alte so
Meine amerikanischen Mitbürger, er würde sagen: gefährlich war. Als wir in die neue Schule kamen, um
"Ich habe dafür gekämpft, daß Weiße nicht länger so uns anzumelden, und dort in der Schlange standen,
von Haß erfüllt sind, daß sie gegen Schwarze Gewalt rannte jemand in das Gebäude und fing an zu schieanwenden. Ich habe nicht für das Recht der Schwar- ßen. Mein Bruder wurde erschossen, als er in der
zen gekämpft, andere Schwarze ruchlos zu ermor- sichereren Schule direkt vor mir stand."
den."
Martin Luther King hat nicht für eine solche Freiheit
Kürzlich erzählte mir der Bürgermeister von Baltimore, gelebt und sein Leben gelassen. Dafür haben sich die
ein guter Freund von mir, wie er die Familie eines Menschen nicht am Vorabend seiner Ermordung im
jungen Mannes - eines achtzehnjährigen - besuchte, April 1968 in dieser heiligen Kirche versammelt. Wenn
der am Halloweentag umgebracht worden war. Er sie einem an jenem Abend in dieser Kirche Anwesenbegleitete wie immer die Kleinen, damit sie sicher ihre den gesagt hätten, daß wir unsere Freiheit so mißbrauScherze treiben und Süßigkeiten sammeln konnten. chen würden, er hätte es wohl kaum geglaubt. Ich
Auf der anderen Seite der Straße gab ein 14jähriger sage Ihnen: Es ist unsere moralische Pflicht, das zu
einem 13jährigen eine Pistole und fragte ihn, ob erden ändern.
Mut hätte, auf den 18jährigen zu schießen. Und so
wurde er erschossen. Und der Bürgermeister mußte Jetzt haben wir dazu endlich eine Chance. Heute ist
der Familie einen Beileidsbesuch abstatten.
ein Geistlicher aus New Haven (Connecticut) hier. Ich
war mit Reverend Jackson während meines WahlkamSchauen Sie sich Washington an, wo ich lebe, unsere pfes an einem verschneiten Tag in Connecticut in
Bundeshauptstadt, die weltweit das Symbol der Frei- seiner Kirche, um der Kinder zu gedenken, die in dieser
heit ist - wie dort von der Freiheit Gebrauch gemacht Stadt umgebracht wurden. Danach gingen wir im
wird. Kürzlich ergriff abends ein Mann auf der Straße Schnee zwei Kilometer die Straße hinunter. Damals
ein einjähriges Kind und brachte es in sein Auto. Das war das amerikanische Volk noch nicht bereit. Die
Kind war vielleicht sein eigenes. Zwei Männer waren Menschen sagten: "Oh, das ist schrecklich, aber was
hinter ihm her, sie verfolgten ihn im Auto und schössen können wir dagegen tun?"
wie wild, obwohl sie wußten, daß sich das Baby in dem
Auto befand. Sie erschossen den Mann, eine Kugel Jetzt, da wir sehen, daß ausländische Besucher in
ging durch seinen Körper und traf das Baby am Fuß. unser Land kommen und im schönen Bundesstaat
Florida willkürlich umgebracht werden, da wir sehen,
Wenn man letzthin die Titelseiten unserer Zeitungen wie unsere Kinder ihr eigenes Begräbnis planen, da
las, fragte man sich, ob wir über den Weltfrieden oder das amerikanische Volk endlich den aufgetürmten
über weltweiten Konflikt sprechen. Sie erinnern sich Abfall von Kriminalität und Gewalt in Angriff nimmt
sicher an den langen Artikel auf der ersten Seite der sowie das Auseinanderbrechen von Familien und
Washington Post über die 11jährige, die ihre eigene Gemeinden, den Anstieg von Drogenkonsum und ArBeerdigung plante. "Ich möchte, daß diese Lieder beitslosigkeit - jetzt sind wir vielleicht endlich bereit,
gesungen werden und will dieses Kleid tragen. Ich etwas dagegen zu unternehmen.
weiß, daß ich nicht lange zu leben habe." Das ist nicht
die Freiheit, für die Martin Luther King sich sein Leben Es gibt für jeden von uns etwas zu tun. Es gibt
lang einsetzte und für die er gestorben ist - die Freiheit, Veränderungen, die wir von außen herbeiführen müssen
zu sterben, bevor man ein Teenager ist.
- das ist die Aufgabe des Präsidenten, des Kongresses, der Gouverneure, Bürgermeister und SozialeinIn diesem Land sterben jedes Jahr mehr als 37.000 richtungen. Und dann gibt es Veränderungen, die wir
Menschen infolge von Schußwaffengebrauch. Schuß- von innen herbeiführen müssen, damit sie wirksam
verletzungen sind die Haupttodesursache bei jungen sind. Es gibt ja auch ein Lied mit einem solchen Text,
Männern. Und da wir jetzt alle so 'cool' sind, daß jeder wenn ich mich nicht irre. Manchmal kann von außen
eine halbautomatische Waffe bekommen kann, ist die nichts bewirkt werden, manchmal müssen alle AntworWahrscheinlichkeit, daß jemand erschossen wird, heute ten von den Werten, Gefühlen und Stimmen stammen,
dreimal so groß wie vor 15 Jahren, weil die Waffe die aus unserem Inneren kommen.
meistens drei Kugeln enthält. 160.000 Schulkinder
bleiben täglich der Schule fern, weil sie Angst haben Wir machen einen Anfang. Wir wollen ein Gesetz
müssen, dort verletzt zu werden.
verabschieden, das unserem Volk mehr Sicherheit
gewährt - weitere 100.000 Polizisten einstellen und für
Vor einiger Zeit war ich in Kalifornien bei einer städti- junge Leute, die noch gerettet werden können, Juschen Versammlung. Ein netter junger Mand stand auf gendlager anstelle von Gefängnissen einrichten. Unsere
und sagte: "Herr Präsident, mein Bruder und ich Schulen sicherer machen. Den Zugang zu diesen
gehören keiner Gang an. Wir haben keine Pistolen, wir schrecklichen Waffen beschränken. Das Brady-Ge-

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AMERIKA DIENST 47

�setz verabschieden und von denjenigen, die eine Waffe
kaufen wollen, zumindest ein polizeiliches Führungszeugnis verlangen. Und denjenigen, die noch nicht alt
genug sind, um zu wählen und in den Krieg zu ziehen,
sagen: Du solltest keine Handfeuerwaffe besitzen und
keine benutzen, wenn Du Dich nicht auf einem Schießstand befindest.
Wirwollen ein Gesetz zur Gesundheitsfürsorge verabschieden, das jedem Bürger Zugang zu medizinischer
Versorgung gewährleistet. Und das müssen wir auch
tun. Jeder Drogensüchtige muß die Möglichkeit zu
Therapie und Rehabilitation haben, insbesondere
diejenigen, die aus dem Gefängnis entlassen werden.
Wir haben jetzt mit Lee Brown einen Drogenbeauftragten, der Polizeichef von Atlanta, Houston und New
York war und etwas von diesen Dingen versteht. Und
wenn der Kongreß im nächsten Jahr wieder zusammentritt, werden wir uns weiter damit beschäftigen.
Wir brauchen jetzt dieses Gesetz zur Verbrechensbekämpfung. Wir sollten es dem amerikanischen Volk zu
Weihnachten schenken. Und wir müssen auch in allen
anderen Bereichen Fortschritte machen. Aber, meine
amerikanischen Mitbürger, wir benötigen auch andere
Dinge. Ich denke nicht, daß wir das Gefüge unserer
Gesellschaft reparieren können, bevor die Arbeitswilligen einen Arbeitsplatz erhalten haben. Die Arbeit
bestimmt unser Leben. Sie gibt dem Leben Orientierung und gewisse Disziplin. Sie verleiht dem Leben
Sinn und gibt Eltern Selbstbewußtsein. Sie stellt für
Kinder ein Vorbild dar.
Der berühmte afroamerikanische Soziologe, William
Julius Wilson, hat ein beeindruckendes Buch mit dem
Titel The Truly Disadvantaged (Die wirklich Benachteiligten) geschrieben - die atemberaubende Chronik
des Verfalls unserer Innenstädte infolge der Abnahme
von Arbeitsplätzen. Und wir müssen mit Hilfe öffentlicher und privater Stellen einen Weg finden, die Attraktivität der Standorte hierzu erhöhen, um mehr Investitionen anzuziehen. Ich behaupte, daß wirdie amerikanische Gemeinde und die amerikanische Familie nicht
wiederherstellen können, bis wir die Struktur, Werte,
Disziplin und Befriedigung, die Arbeit vermittelt, wiederhergestellt haben.
Kürzlich las ich eine wunderbare Rede, die im Rahmen
einer von Bill und Camille Cosby veranstalteten Vorlesungsreihe gehalten wurde, in derder Redner feststellte: "Ich wuchs vor Jahren in Anacostia auf. Schon
damals lebten dort nurSchwarze, und es war eine sehr
arme Gegend. Aber als ich als Kind in der vollkommen
von Schwarzen bewohnten armen Nachbarschaft
aufwuchs, war unsere Verbrechensrate niedriger als
die durchschnittliche Verbrechensrate unserer Stadt.
Warum? Weil wir intakte Familien hatten. Weil wir
intakte Gemeinden hatten. Diejenigen, die Sonntags
in die Kirche gingen, wohnten auch in ihrer Nähe. Der
Besitzer des Drugstores wohnte um die Ecke. Der

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Besitzer des Kolonialwarenladens lebte in unserer
Gemeinde. Wir waren eine Einheit."
Ich sage Ihnen: Wir müssen unser Volk wieder einen.
Diese Kirche war dafür stellvertretend. Warum haben
Sie indiesem Land wohl fünf Millionen Mitglieder? Weil
die Menschen wissen, daß Sie mit dem Geist Gottes
erfüllt das Richtige tun.
Deshalb müssen wir eine Partnerschaft bilden - aus
allen staatlichen Behörden und allen Vertretern der
Wirtschaft - aber wo es keine Familien gibt, wo es keine
Ordnung gibt, wo es keine Hoffnung gibt, wo wir unsere
Streitkräfte abbauen, weil wir den Kalten Krieg gewonnen haben, stellt sich die Frage, wer diesen Kindern
Orientierung, Disziplin und Liebe geben wird. Das
müssen Sie tun, und wir müssen Ihnen helfen.
Die Heilige Schrift sagt, "Ihr seid das Salz der Erde;...
Ihr seid das Licht der Welt. ...laßt euer Licht vor den
Menschen leuchten, damit sie eure vortrefflichen Werke
sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen." Das müssen wir tun. Wie sollten wir es
Martin Luther King erklären, wenn er heute hier wäre
und sagte: "Ja, wir haben den Karten Krieg gewonnen.
Ja, die größten Gefahren - der Kommunismus und der
Atomkrieg - existieren nicht mehr. Der Kommunismus
ist Vergangenheit. Die atomare Bedrohung nimmt ab.
Ja, wir haben all diese wunderbare Technologie entwickelt. Ja, wir haben zu Hause alle einen Videorekorder. Das ist interessant. Ja, wir können 50 verschiedene Fernsehprogramme empfangen. Ja, wir können
ungeachtet unserer Rasse in eine Streitkräfteakademie oder ein gutes College kommen, wenn wir hart
arbeiten und uns an die Regeln halten und können es
weit bringen."
Wie könnten wir ihm erklären, daß all diese Kinder
umgebracht werden und einander umbringen? Wie
könnten wir die Dinge rechtfertigen, die in keinem
anderen Land der Welt außer unserem erlaubt sind?
Wie könnten wir erklären, daß wir den Menschen die
Freiheit gegeben haben, erfolgreich zu sein, und
Bedingungen schufen, in denen Millionen Menschen
diese Freiheit mißbrauchen und all die Dinge zerstören, die das Leben ausmachen und es lebenswert
gestalten? Wir könnten es nicht erklären.
Aus diesem Grund sage ich Ihnen heute, meine
amerikanischen Mitbürger, Sie haben mich in dieses
Amt berufen, und wir machen Fortschritte bei den
Aufgaben, für die ich zuständig bin. Wenn wir jedoch
nicht die verheerenden Auswirkungen von Verbrechen, Drogen und Gewalt angehen und einsehen, daß
sie für das Auseinanderbrechen von Familien und
Gemeinden sowie für die steigende Arbeitslosigkeit
verantwortlich sind und nicht sagen "Einige dieser
Dinge können nicht von der Regierung erledigt werden, weil sie das Innerste der Werte, des Geistes, der
Seele und der menschlichen Natur betreffen", werden

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�wir keines der Dinge erreichen, die wir uns vorgenommen haben.

Zukunft geben. Wir werden ihnen die Pistolen fortnehmen und ihnen Bücher geben. Wir werden ihnen die
Verzweiflung nehmen und ihnen Hoffnung geben. Wir
Deshalb möchte ich am heutigen Tag von dieser werden die Familien, Wohngegenden und Gemeinden
Kanzel aus Sie alle eindringlich dazu aufrufen, das wiederaufbauen. Wir werden nicht zulassen, daß nur
Leben und die Arbeit Martin Luther Kings zu ehren. Wir e i n i g e w e n i g e v o n d e r g a n z e n h i e r geleisteten Arbeit
ehren das, wofür unsere Kirche steht und werden mit profitieren. Wir werden es mit Gottes Hilfe zusammen
Gottes Hilfe eine Änderung der bestehenden Zustän- t u n
de herbeiführen. Wir werden diesen Kindern eine
Ich danke Ihnen.

* * * *

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*

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�USA-ASIEN
24. November 1993

WACHSENDE BINDUNGEN DER USA ZU
ASIATISCHEN NATIONEN
Rede Christophers in der Washington University
WASHINGTON - (AD) - Außenminister Christopher rief die asiatischen Länder dazu auf, gemeinsam mit den
Vereinigten Staaten auf einen erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde des GATT zu drängen.
"Für keine Nation steht bei der Beseitigung der Hindernisse für Handel und Investitionen weltweit mehr auf dem
Spiel als für Asien", erklärte Christopher am 17. November 1993 während einer Rede in der Washington
University, die wir nachfolgend im Wortlaut veröffentlichen.

Vielen Dank für Ihre einleitenden Worte, Professor
Lardy. Ich danke dem World Affairs Council und der
Jackson School für die Einladung, heute zu Ihnen zu
sprechen. Scoop Jackson vertrat die Ansicht, die
Vereinigten Staaten zögen ihre Stärke aus ihrer Bereitschaft zum Engagement im Ausland, und er wäre stolz
auf die hier in seinem Namen geleistete Arbeit.
Vor 130 Jahren wurde in der grünen Wildnis Seattles
von einer Gruppe kühner und intellektuell ambitionierter Pioniere die University of Washington gegründet.
Die erste Fakultät bestand aus einem Professor, der
erste Jahrgang hatte einen Studenten.
Aus diesen einfachen Anfängen an der rauhen Grenze
entwickelte sich die University of Washington zu einer
der größten staatlichen Universitäten Amerikas. In
diesem Zusammenhang möchte ich die Leistungen
meines langjährigen Freundes Bill Gerberding, des
Rektors dieser Universität, würdigen.
Heute lockt eine andere Grenze. Und Seattle steht
nicht am Ende des Weges, sondern an seinem Anfang.
An der Schwelle des kommenden Jahrhunderts muß
Amerika erneut nach Westen schauen - auf Asien und
unsere pazifische Zukunft.
Im 19. Jahrhundert verbanden weitblickende Amerikaner die Küsten mit großen Eisenbahnlinien. Jetzt
überwinden wir durch die Reichweite unserer Satelliten und die enorme Geschwindigkeit der Faseroptik
den Pazifik. Mit derselben Entschlossenheit, mit der
im Staat Washington die Eisenbahn eingeführt wurde,
bauen wir jetzt Kommunikations-, Handels- und Kulturverbindungen zu Asien auf.
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Die Anzeichen für unsere pazifische Zukunft machen
sich hier überall bemerkbar. Auf den Handel mit Asien
entfallen 95 Prozent des Umschlags von Seattles
geschäftigen Häfen. Ein Viertel der Schulkinderdieser
Stadt sind asiatischer Herkunft. Der Pike Place Market
ist erfüllt von den Gerüchen, Düften und Sprachen des
Pazifikrandbeckens. Und in jeder Branche - von der
Flugzeugindustrie über die Software bis zum Immobiliengeschäft - ist die Wirtschaft Seattles mit der Asiens
in zunehmendem Maße verbunden.
Ich habe heute eine einfache Botschaft zu verkünden:
Die ganze Nation muß den von Seattle eingeschlagenen Weg verfolgen. In dem Maße, in dem Asien
Fortschritte macht, müssen das auch die Vereinigten
Staaten tun. Zur Zeit ist für die Vereinigten Staaten
keine Region der Welt wichtiger als Asien.
Amerika hat während der vergangenen 50 Jahre drei
Kriege in Asien geführt. Wir haben dort dauerhafte
Sicherheitsinteressen. Was unsere wirtschaftlichen
Interessen in dieser Region betrifft, wickeln wir 40
Prozent unseres Handels mit Asien ab, halb soviel wie
mit Europa. Und täglich erfüllen sich Einwanderer aus
Asien und ihre Nachkommen den Amerikanischen
Traum, bereichern unsere Kultur und halten über ein
Meer von Chancen hinweg greifbare Bindungen aufrecht.
Vor etwas mehr als einer Generation, als viele dieser
Einwanderer zum ersten Mal die Küsten Amerikas
erreichten, schien Asien im Kreis epischen Leidens
gefangen zu sein. Jetzt herrscht in Asien jedoch eine

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�neue Entschlossenheit. Die Verzweiflung über den
Niedergang ist dem Fortschrittsglauben gewichen.
In Südchina wagen ehemals rückständige, ländliche
Regionen den Sprung ins Industriezeitalter. In Singapurs florierendem Hafen, in dem einst die Arbeiter
Reissäcke auf dem Rücken trugen, wird jetzt die
Spitzentechnologiefracht mit riesigen Drehkränen
entladen. Und in den gewaltigen Wolkenkratzern
Jakartas erwerben in Bambushütten geborene Indonesier auf den asiatischen Warenmärkten ein Vermögen.

Für keine Region steht bei der Beseitigung der Hindernisse für Handel und Investitionen weltweit mehr auf
dem Spiel als für Asien. Asien hat uns um eine
Fortsetzung unseres Engagements in der Region
gebeten, und wir werden dieser Bitte nachkommen.
Damit das amerikanische Volk jedoch von den Vorteilen eines solchen Engagements profitieren kann, müssen
die asiatischen Märkte für unsere Waren und Dienstleistungen offen sein.

Heute fordere ich die führenden Vertreter der asiatischen Volkswirtschaften dazu auf, gemeinsam mit u ns
auf einem erfolgreichen Abschlußder Uruguay-Runde
Ebenso wie den Mount Rainier betrachtet man Asiens des GATT zu drängen. Wenn die Runde zu einem
erstaunliche Wiederbelebung - und die daraus resul- Erfolg führt, werden weltweit Märkte geöffnet und
tierenden Herausforderungen - am besten als Ge- Arbeitsplätze geschaffen. Sollte sie scheitern, werden
samtüberblick. Bis zum Jahr 2000 wird wahrscheinlich wir alle unter den vernichtenden Auswirkungen des
die Hälfte des Wachstums beim Welthandel auf Asien steigenden Protektionismus leiden.
entfallen. In Asien finden sich die Volkswirtschaften
mit der größten Wachstumsrate und der vielverspre- Während wir an der Öffnung des Welthandels arbeichendste Absatzmarkt für amerikanische Exporte. ten, müssen wir auch unsere regionalen HandelsbeGleichzeitig haben wir jedoch mit einigen unserer ziehungen stärken. Die heutige historische Abstimasiatischen Handelspartner inakzeptable Handelsde- mung über das NAFTA ist ein Test für unsere diesbefizite.
zügliche Bereitschaft. Noch wichtiger ist: Sie testet
unseren Wunsch nach Konkurrenz anstelle von RückIn sicherheitspolitischer Hinsicht ist Asien stabilerund, zug.
wenn Sie wollen, pazifischer orientiert als zu jedem
anderen Zeitpunkt seit der Jahrhundertwende. Gleich- Das NAFTA liegt in unserem fundamentalen nationazeitig müssen wir neue sicherheitspolitische Heraus- len Interesse. Es beseitigt die Hindernisse auf dem
forderungen annehmen, die den Horizont verdunkeln. Weg zum Wohlstand. Es beweist, daß Amerika an der
Schwelle zum nächsten Jahrhundert nach außen blickt
In der gesamten Region bewässert die steigende Flut und sich nicht nach innen wendet. Aus diesem Grund
der Demokratie einige der verdörrtesten Gebiete der hat sich der Präsident so stark für die Verabschiedung
Freiheit. Zur gleichen Zeit finden sich in Asien jedoch des NAFTA eingesetzt. Und aus diesem Grund bin ich
einige der am stärksten abgeschotteten Regime der der Ansicht, daß das Repräsentantenhaus heute für
Welt.
das NAFTA stimmen wird.
Wir müssen nach vorne blicken, die Gefahren beseitigen und das Versprechen eines größeren Engagements im Pazifikraum in die Tat umsetzen. Aus
diesem Grund hat Präsident Clinton eine neue pazifische Gemeinschaft gefordert, die auf drei wesentlichen Elementen aufbaut: Gemeinsamem Wohlstand,
gemeinsamer Stärke und einer gemeinsamen Verpflichtung zu demokratischen Werten.

Das APEC ist ein weiterer unerläßlicher Bestandteil
unserer Strategie zur Stärkung regionaler Handelsbeziehungen. Es wurde erst vor vier Jahren gegründet nicht zur Regelung des Handels in der Region, sondern um die Behinderung der Wirtschaft durch die
Bürokratie zu beenden und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Volkswirtschaften zu fördern.

Das diesjährige Treffen hier in Seattle, dem das historische Zusammentreffen Präsident Clintons mit fühZunächst möchte ich die wirtschaftliche Dimension renden Vertretern des APEC folgt, soll der Ausweitung
ansprechen. In Asien sehen wir am deutlichsten, daß von Handel und Investitionstätigkeit im pazifischen
Wirtschaftspolitik das Zentrum unserer Außenpolitik Raum dienen. Wir werden die handelspolitischen
ist. Letztes Jahr beliefen sich unsere gesamten Expor- Maßnahmen der Mitglieder des APEC stärker aufeinte in die Region auf 128 Milliarden Dollar und schufen ander abstimmen. Wir werden den Zugang amerikanischer Unternehmen zu den asiatischen Märkten
2,4 Millionen amerikanische Arbeitsplätze.
erleichtem. Und wir werden die Institution APEC
Diese Administration bemüht sich bei ihren Beziehun- stärken.
gen zu Asien um die Ausweitung von Handel und
Investitionstätigkeit auf drei Ebenen: Auf globaler Im Softwaregeschäft stellt "offene Architektur" den
Ebene durch das GATT, auf regionaler Ebene durch Schlüssel zum Ganzen dar. Daran arbeiten meine
das Forum für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Kollegen und ich zur Zeit: An der Entwicklung eines
Zusammenarbeit (Asia-Pacif ic Economic Cooperation offenen Umfelds, in dem wir den 500 Milliarden Dollar
umfassenden Handel unter den APEC-Mitgliedern um
- APEC) und bilateral mit einzelnen Nationen.
ein Vielfaches erhöhen können.
Wohlstand

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�Ich möchte ganz deutlich werden: Das APEC ist ein
Baustein, kein Handelsblock. Die Vereinigten Staaten
halten es für den Eckpfeiler regionaler wirtschaftlicher
Zusammenarbeit. Diese regionalen Bestrebungen
sind wiederum ein Katalysator für weltweite Zusammenarbeit im Bereich des Handels.
Gleichzeitig bemüht sich die Clinton-Administration
um die Stärkung unserer wichtigsten bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu Asien. China, einer unserer
größten Handelspartner, verzeichnete im vergangenen Jahr einen Überschuß von nahezu 20 Milliarden
Dollar beim Handel mit den Vereinigten Staaten. Zur
Lösung dieses Problems bemühen wir uns gemeinsam mit den Chinesen um eine volle Umsetzung
unserer Marktzugangsabkommen.

Unsere Sicherheitsrolle in Asien beginnt bei unseren
vertraglich verankerten Bündnissen mit Japan, Südkorea, Australien, Thailand und den Philippinen. Wir
halten diese Verpf lichtu ngen ein und u nsere Vomepräsenz im gesamten Pazifik aufrecht.
Gleichzeitig arbeiten wir in Asien auf die Verhinderung
der Verbreitung von Massenvernichtungswaffen hin.
Die Bedrohung der Verbreitung von Nuklearwaffen ist
nirgends ernsthafter als in Nordkorea.

Nordkorea ist in einer Zeitfalle gefangen. Es ist das
isolierteste Land der Welt, unberührt von den Winden
des Wandels, die die Region erfaßt haben. Es hat die
wirtschaftlichen Träume seines Volkes dem Aufbau
einer Millionen Mann starken Armee geopfert - die
größtenteils an der Türschwelle Südkoreas stationiert
In Südkorea haben wir einen neuen Dialog in die Wege ist.
geleitet, der das Handels- und Investitionsklima für
Die anderen Nationen der Region teilen Präsident
amerikanische Unternehmen verbessern wird.
Clintons feste Überzeugung, daß Nordkorea seine
Mit Japan handeln wir einen neuen wirtschaftlichen Ambitionen auf Nuklearwaffen aufgeben muß. Wir
Rahmen aus. Die politischen und sicherheitspoliti- dürfen nicht zulassen, daß Nordkorea eine nukleare
schen Säulen unserer Partnerschaft mit Japan sind in Bedrohung für Südkorea oder seine anderen Nachbargutem Zustand. Die wirtschaftliche Säule bedarf je- staaten darstellt.
doch dringend einer Reparatur. Diese Administration
mißt der Verbesserung unserer Wirtschaftsbeziehun- Nordkorea hat sich geweigert, den internationalen
gen zu Japan ebensogroße Bedeutung bei wie der Inspektoren uneingeschränkten Zugang zu seinen
Pflege unserer Bindungen in politischer und sicher- Nuklearanlagen zu gewähren. Die Vereinigten Staaheitspolitischer Hinsicht. Aus diesem Grund bemühen ten engagieren sich für eine diplomatische Lösung als
wir uns um die Korrektur des bestehenden Handelsun- bestem Mittel zur Lösung der Nuklearfrage. Gleichzeigleichgewichts. Wir sind entschlossen zum Aufbau tig bestehen wir auf der vollen Einhaltung aller internaeiner ausgewogeneren Partnerschaft zum beiderseiti- tionalen Verpflichtungen Nordkoreas, einschließlich
des Nichtverbreitungsvertrags. Nordkorea muß seine
gen Nutzen.
umfassenden Sicherheitsverpflichtungen erfüllen und
die von der Internationalen Atomenergie-Organisation
Sicherheit
geforderten Inspektionen zulassen.
Unsere Bestrebungen zur Förderung des Wohlstands
der Vereinigten Staaten in Asien hängen letztlich von Darüber hinaus muß Nordkorea das EntnuklearisieFrieden und Sicherheit in der Region ab. Aus diesem rungsabkommen mit Südkorea einhalten. Dies ist
Grund ist das kontinuierliche Sicherheitsengagement nicht nur die Meinung der Vereinigten Staaten, sonder Vereinigten Staaten die zweite wesentliche Kom- dern der gesamten internationalen Staatengemeinponente unserer neuen pazifischen Gemeinschaft.
schaft.
Ich war 20 Jahre alt und bei der US-Marine - ein Alter,
in dem viele der heute hier Anwesenden sind - als der
Zweite Weltkrieg und seine Folgen erstmals ein Junktim zwischen den Vereinigten Staaten und der Sicherheit des Pazifiks herstellten. Heute haben sich die
Gründe für unsere Verankerung in Asien gewandelt.
Sie sind jedoch noch immer zwingend. Denn es liegt
nach wie vor eindeutig in unserem nationalen Interesse, regionale Aggression abzuschrecken und das
Wirtschaftswachstum in der asiatisch-pazifischen Region
aufrechtzuerhalten.

Wenn Nordkorea die notwendigen Inspektionen und
die Wiederaufnahme des Dialogs mit Südkorea über
Nuklearfragen verweigert, erwägen wir die Empfehlung an den UN-Sicherheitsrat, andere Optionen als
Verhandlungen in Betracht zu ziehen. Das muß nicht
das Ergebnis dieser Pattsituation sein. Wir fordern
Nordkorea auf, sich der Gemeinschaft verantwortungsbewußter Nationen anzuschließen.

Während wir auf die Lösung der Pattsituation in Nordkorea hinarbeiten, müssen wir auch regionale Ansätze
zur Konfliktverhinderung entwickeln. Aus diesem Grund
Obwohl die Spannungen des Kalten Krieges abgeebbt haben meine Amtskollegen und ich bei der ASEANsind, hegen zahlreiche asiatische Nationen Vorbehalte Ministerkonferenz im Juli das regionale Sicherheitsfogegen ihre Nachbarländer. Ein Abzug der Vereinigten rum des ASEAN gegründet. Dieses Forum wird unseStaaten würde diese Sorgen verstärken. Aus diesem re vertraglich niedergelegten Bündnisse ergänzen,
Grund muß Amerika sich weiterhin engagieren.
jedoch nicht ersetzen. Es wird Spannungen mildern

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Sehe 3

�und vom Wettrüsten abhalten. An diesen Sicherheitsdiskussionen werden die ASEAN-Nationen, die Vereinigten Staaten, Japan, Kanada, Südkorea, Australien
und andere Staaten teilnehmen, wie beispielsweise
China, Rußland und Vietnam.
Vor zehn oder sogar fünf Jahren wäre eine solche
Vielfalt von Nationen undenkbar gewesen. Im nächsten Jahr wird diese Vision Realität.
Demokratie
Ebenso wie Sicherheit die Grundlage für das Streben
nach Wohlstand, ist Demokratie das Fundament für
Sicherheit. Offenere Gesellschaften führen zu einer
stabileren Region. Demokratische Nationen sind bessere
Nachbarn und bessere Handelspartner. Aus diesem
Grund ist die Unterstützung von Demokratie und
Menschenrechten das dritte wesentliche Element
unserer neuen pazifischen Gemeinschaft.
Präsident Clinton hat erklärt, daß "freie Märkte die
Menschen nicht nur bereichern, sondern ihnen auch
Macht verleihen". Immer mehr Asiaten gehören der
Mittelschicht an und streben nach größerem Mitspracherecht in ihren Gemeinden. Während die Fabriken
in China prosperieren, kommt die politische Macht
zunehmend von den Arbeitnehmern am Fließband.
Größere Offenheit wird auch zur nachhaltigen Modernisierung in Asien beitragen. Denn wie können Länder
ohne Rechtsstaatlichkeit Investitionen anziehen? Wie
können sie ohne eine freie Presse Korruption bekämpfen? Wie können sie ohne einen konstanten Informationsfluß Wohlstand schaffen?
Einige bringen das Argument vor, Demokratie sei
irgendwie ungeeignet für Asien und unsere Betonung
der Menschenrechte sei ein Deckmantel für Kulturimperialismus. Aber über Phnom Penh liegt kein Deckmantel - der Stadt, in der die Kambodschaner im
Frühjahr erstmals in freien Wahlen abgestimmt haben.
Es liegt kein Deckmantel über Seoul, wo der ehemalige
Dissident Kim Young Sam jetzt Präsident Koreas ist.
Und auch über Schanghai liegt kein Deckmantel, wo
die Talkshow "Radio Orient" jeden Tag Tausende von
Anrufen und Briefen erhält.
Zweifelsohne hinken weite Teile Asiens hinter dem
Marsch der Geschichte hinterher. Das Streben nach
Freiheit ist jedoch kein Export aus dem Westen. Es ist
ein menschlicher Instinkt. In ganz Asien arbeiten die
Vereinigten Staaten auf die Erfüllung dieses Bedürfnisseshin. Mit anderen Worten: Wirpassenunsandie
Zukunft an.
Menschenrechte sind ein Hauptthema bei unseren
Beziehungen zu mehreren asiatischen Ländern, einschließlich Burma, Vietnam, Indonesien und China.
Die Clinton-Administration hat gegenüber China eine
Politik entwickelt, die sowohl unsere Werte als auch
unsere Interessen widerspiegelt. China ist eine große

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Nation und ein einflußreiches Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft. Ein stabiles, wohlhabendes
China liegt im langfristigen Interesse der Vereinigten
Staaten.
Die jüngsten Probleme bergen das Risiko negativer
Auswirkungen auf unsere Beziehungen. Solange es
insgesamt keine bemerkenswerten Fortschritte in der
Menschenrechtsfrage gibt, wird der Präsident den
Meistbegünstigungsstatus für China nicht verlängern
können. Wir fühlen uns durch das kürzlich von Beijing
unterbreitete Angebot zur Öffnung der Gefängnisse
für das Internationale Rote Kreuz ermutigt. Wir hoffen,
dies ist ein Anzeichen für dauerhafte Fortschritte.
Beim Handel sind wir weiterhin besorgt über Marktzugang, Textilien und den Schutz von geistigem Eigentum. Im Zusammenhang mit der Nichtverbreitung
haben wir Sanktionen gegen China wegen der Lieferung von M-11-Komponenten an Pakistan verhängt.
Gleichzeitig haben wir eindeutig klargestellt, daß wir
zur Aushandlung derfür die Aufhebung dieser Sanktionen erforderlichen Bedingungen bereit sind.
Wir haben daher einen Prozeß größeren Engagements in China in die Wege geleitet, um Fortschritte in
diesen Schlüsselbereichen zu erzielen. Unser Ziel
besteht im Aufbau umfassender Beziehungen, die die
Beilegung unserer Meinungsverschiedenheiten gestatten.
Viele der die neue pazifische Gemeinschaft verbindenden Themen sind globaler Natur- Herausforderungen,
die politische Grenzen überschreiten. Betrachten Sie
beispielsweise die Umweltprobleme, denen sich Asien
mit seinem enormen Bedarf an Energiequellen im
nächsten Jahrhundert gegenübersieht. Berücksichtigen Sie, daß in 20 Jahren allein in Asien eine Milliarde
mehr Menschen leben werden.
Probleme wie diese verlangen grenzüberschreitende
Lösungen. Aus diesem Grund hat die Clinton-Administration globale Fragen zum Hauptthema unserer
Außenpolitik gemacht.
Vor kurzem fuhr ich am Roten Platz in Moskau vorbei,
um eine Rede vor russischen Studenten zu haften.
Ebenso wie viele von Ihnen waren sie der mitreißenden Proklamationen über "unseren Augenblick in der
Geschichte" müde. Aber Ihre Generation - sei es in
Moskau, Seattle oder Beijing - steht wirklich an einem
Wendepunkt zwischen dem Kalten Krieg und einem
neuen Jahrtausend. Für die russische Jugend stellt
sich die Frage, ob sie an freie Märkte und demokratische Reformen glauben soll. Für Sie lautet die Frage
einfacher: Glauben Sie an sich selbst?
In den vergangenen Jahren waren einige Amerikaner
besorgt, daß der Erfolg Asiens Probleme für die Vereinigten Staaten verursachen könnte. Sie haben sich
die Wirtschaftsleistung Japans betrachtet oder Chinas
unglaubliches Wachstum, oder die ungebremste EntAMERIKA DIENST 47

�Wicklung der Vier Tiger Asiens, und befürchtet, die
besten Tage Amerikas lägen hinter uns.

Die Tugenden, die Amerika zur Größeverholfen haben
- Sparsamkeit, Fleiß, Optimismus, Flexibilität - müssen uns erneut beim Wiederaufbau der amerikanischen Wirtschaft und eines noch größeren Engagements in Asien leiten.

Ich sehe das anders. Der Erfolg Asiens ist auch der
unsere - weil die Dynamik Asiens riesige neue Märkte
für unsere Produkte schafft, weil unser Engagement
seit einem halben Jahrhundert regionale Stabilität Können wir das Vertrauen dazu aufbringen? Können
unterstützt hat und weil das Streben Asiens nach wir den Mut zur Ergreifung dieser Gelegenheit aufbieFreiheit die ungebrochene Stärke unserer Werte re- ten? Von Lewis und Clarks Expedition bis zum ersten
Flug einer Boeing legt alles in unserer Geschichte den
flektiert.
Schluß nahe, daß wir es können. Und alles in unserer
Ich betrachte die Blüte des asiatischen Wohlstands Zukunft - unserer pazifischen Zukunft - deutet an, daß
und sehe die Saat der amerikanischen Erneuerung. wir es müssen.

*

AMERIKA DIENST 47

* * *

*

Seite 5

�APEC
24. November 1993

APEC-STAATEN VEREINBAREN ZOLLSENKUNGEN
Ergebnisse der Ministertagung
SEATTLE - (AD) - Die in Seattle zusammengekommenen Minister der asiatisch-pazifischen Staaten haben
versuchsweise das Angebot unterbreitet, ihre Märkte
für eine Reihe von Rohstoffen und Fertigprodukten zu
öffnen, um einen erfolgreichen Abschluß der festgefahrenen Uruguay-Runde multilateraler Handelsgespräche zu fördern.
Das Angebot wurde am 19. November 1993 auf der
Ministertagung des Forums für asiatisch-pazifische
wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle bekanntgegeben.
Da China und Taiwan nicht an der Uruguay-Runde
teilnehmen, beteiligten sie sich nicht an den Angeboten über den Marktzugang, jedoch an der gemeinsamen Erklärung, in der ein erfolgreicher Abschluß der
Runde bis zum 15. Dezember gefordert wird.
Einige der anderen APEC-Minister begrüßten den im
Juli von der Vierergruppe (Vereinigte Staaten, Kanada, Japan und Europäische Union) ausgehandelten
Vorschlag über einen zollfreien Marktzugang. Die
Europäische Union ist das einzige Mitglied der Vierergruppe, das nicht der APEC angehört.
Der Vorschlag vom Juli fordert Zollfreiheit für pharmazeutische Produkte, Stahl, Baugerät, landwirtschaftliches Gerät, medizinisches Gerät, Möbel, Bier und
Spirituosen. Auch strebt er eine Harmonisierung der
Zölle auf Chemikalien an.
Die Minister der APEC-Länder gingen sogar noch
weiter als die Vierergruppe, indem sie Zollfreiheit für
Elektrogeräte, Papier, Holz, wissenschaftliches Gerät,
Spielzeug und Ölsaaten sowie eine Harmonisierung
der auf Fisch verhängten Zölle vorschlugen.
Für den Handel mit nichteisenhaltigen Metallen schlugen einige APEC-Staaten Zollfreiheit, andere eine
Harmonisierung der Zölle vor.
Die vorgeschlagene Abschaffung und Senkung der
Zölle wird erst in Kraft treten, wenn alle Teilnehmerstaaten der Uruguay-Runde bis zum 15. Dezember
zustimmen.

AMERIKA DIENST 47

Nicht alle Länder waren mit den unterbreiteten tarifären Konzessionen einverstanden. Die Vereinigten
Staaten, Kanada und Australien sprachen sich dafür
aus, Hongkong, Japan, die Philippinen, Südkorea und
Singapur stimmten einem Großteil der Vorschläge zu.
Die Zustimmung war in den einzelnen Bereichen verschieden: Zehn Länder vereinbarten Zollfreiheit bei
Elektrogeräten, bei Spielwaren waren es nur fünf.
Dem amerikanischen Handelsbeauftragten Mickey
Kantor zufolge hat der Handel mit diesen Produkten
unter den APEC-Staaten, ausgenommen China und
Taiwan, jährlich einen Wert von 250 Milliarden Dollar.
"Wir gaben eine zusätzliche Erklärung ab, in der wir
unserer kollektiven Bereitschaft zur Rückkehr an den
Genfer Verhandlungstisch Ausdruck verliehen, um
einen umfassenden Marktzugang für Industrieprodukte zu erzielen", stellte Kantor fest.
Eine nicht namentlich genannte Vertreterin der Vereinigten Staaten bezeichnete die Vorschläge im Zollbereich als kühnen Schritt. Bei den meisten Verhandlungen gäben die Teilnehmer für gewöhnlich ihr letztes
Angebot nicht vor Abschluß des Verfahrens bekannt.
"Es sieht vielleicht nicht nach einer großen Sache aus,
aber das ist es", äu ßerte sie. Die im Juli unterbreiteten
Vorschläge seien nicht auf so viel Zustimmung gestoßen, wie die Vierergruppe gehofft hatte. Die jüngsten
Vorschläge beträfen auch Sektoren, die für die nicht
der Vierergruppe angehörenden Staaten von größerem Interesse seien.
Die wenigen bis zum Abschluß der Uruguay-Runde
verbleibenden Wochen würden nicht einfach sein,
aber der Vorschlag der APEC-Staaten könnte die für
einen erfolgreichen Abschluß erforderliche Dynamik
liefern, erklärte sie.
Zur Zufriedenheit der Vereinigten Staaten enthielt die
APEC-Erklärung starke Unterstützung für das im vergangenen Jahr abgeschlossene Blair House-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zur Beilegung der Meinungsverschie-

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�denheiten über Agrarhandel, die seit Jahren Fortschritte bei der Uruguay-Runde verhindert hatten.
Frankreich hat infolgedessen das Abkommen gekündigt.

Das war einigen Delegationen zu viel. Die Minister
baten die renommierten Persönlichkeiten statt dessen
um die Umformulierung ihrer Empfehlungen und Berichterstattung in einem Jahr.

Den APEC-Ministem zufolge bedeutete das Blair HouseAbkommen bereits eine Abkehr von einem zuvor vom
Generaldirektor des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens (GATT) im Entwurf vorgelegten durchgreifenderen Agrarvorschlag.

In seiner Ansprache vor den APEC-Ministern am 19.
November 1993 schlug Präsident Clinton weitere kleine Schritte für Fortschritte beim APEC vor: Ein Treffen
der APEC-Finanzminister, einen runden Tisch für
Unternehmer aus dem asiatisch-pazifischen Raum
sowie die Gründung einer asiatisch-pazifischen Stiftung für Bildung.

"Alle weiteren Bestrebungen zur Verwässerung des
Ergebnisses würden die Fähigkeit aufs Spiel setzen,
generell akzeptable Ergebnisse im Agrarbereich zu
erzielen", stellte die APEC-Erklärung fest.
Die APEC-Minister einigten sich auf einen kleinen
Schritt, mit dem das APEC von einem rein konsultativen Forum zu einem mit der Formulierung politischer
Maßnahmen betrauten werden soll, indem ein von den
Vereinigten Staaten vorgeschlagener Ausschuß für
Handel und Investitionen gegründet wird.
Weit von einem Forum für die Durchführung von
Handelsgesprächen entfernt, wird der Ausschuß jährlich über Handelshemmnisse unter den APEC-Staaten berichten.

Diese Vorschläge schienen den anderen Teilnehmern
akzeptabel.
Clinton verwies auf die Intention der Vereinigten Staaten für ein weiteres politisches und wirtschaftliches
Engagement in Asien.
"Wir beabsichtigen nicht, die Kosten unserer Militärpräsenz in Asien und die Lasten der regionalen Führungsrolle zu tragen, nur um von den durch Stabilität
hervorgerufenen Wachstumsvorteilen ausgeschlossen
zu werden", fügte der Präsident hinzu.
Obwohl die Vereinigten Staaten seit langem Handelsdefizite mit allen außer einem APEC-Mitgliedstaat
hätten, so Clinton, eigneten sich ihre wachsenden
Volkswirtschaften gut für künftige amerikanische
Exporte.

Die Minister haben keinen der in dem Bericht einer
"Gruppe renommierter Personen" unterbreiteten provokativen Vorschläge über eine Vision des APEC
unterstützt. Unter anderem sah der Bericht vor, freien
Handel zum obersten Ziel des APEC zu erklären und "Waren und Dienstleistungen - bei denen wir stark
einen Terminplan für die Verwirklichung dieses Ziels sind, wie etwa Flugzeugbau, Finanzdienstleistungen,
Telekommunikation und Infrastruktur - sind vornehmab 1996 festzusetzen.
lich das, was Asien bei seinem Wachstumsmuster
verfolgen muß", stellte Clinton fest.
*

Seite 2

*

AMERIKA DIENST 47

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt NAFTA als Erweiterung der amerikanischen Rolle in der Weltwirtschaft &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;NAFTA-Abstimmung im Repräsentantenhaus verleiht Clintons Bestrebungen zur Handelserweiterung Auftrieb &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gespräche Gores in Mexiko vorgesehen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Repräsentantenhaus verabschiedet NAFTA nach heftigen Debatten &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mehr Zustimmung als erwartet&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Verbrechensbekämpfung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton ruft zur Unterstützung des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des Präsidenten in Memphis&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. USA-Asien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bindungen der USA zu asiatischen Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Christophers in der Washington University&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. APEC&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;APEC-Staaten vereinbaren Zollsenkungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ergebnisse der Ministertagung&lt;/em&gt;</text>
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amcriko
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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^TION

4

Z12462C
46

NAFTA

17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR
VERABSCHIEDUNG DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA
ZUSTIMMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im
Weißen Haus und Eingangserklärung des
Präsidenten

TERRORISMUS

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat

LANDMINEN

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor
UN-Generalversammlung

MEDIEN

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER
DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar

BEVÖLKERUNG

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST
WICHTIGES AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitung für Weltkonferenz

JOHN F. KENNEDY

DER PRÄSIDENT, DER HOFFNUNGEN
WECKTE
Persönliche Erinnerungen von David Pitts

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON MACHT SICH FÜR VERABSCHIEDUNG
DES NAFTA STARK
Radioansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - In einer Radioansprache am 13. November 1993 würdigte Präsident Clinton die
amerikanischen Kriegsveteranen und drängte auf Unterstützung für das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA).
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede des Präsidenten im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, in dieser Woche feierten die
Amerikaner den Tag der Kriegsveteranen - den Tag,
an dem wir denjenigen danken, die für uns gedient,
unsere Sicherheit gewährleistet und zur Bewahrung
der Freiheit beigetragen haben, die unser aller höchstes Gut ist.
Nachdem ich am Donnerstag auf dem Friedhof Arlington der Veteranen gedacht habe, kam ich mit zwei die
Generationen umspannenden Gruppen von Patrioten
zusammen - den Veteranen des Ersten Weltkriegs und
den Angehörigen des Militärs im aktiven Dienst, die in
Somalia solch ausgezeichnete Arbeit geleistet haben.
Diese tapferen Amerikaner sind durch den Heldenmut,
mit dem sie unserer Nation dienten, über die Generationen miteinander und mit der Geschichte verbunden.
Keiner von ihnen hat sich der Gefahr oder Herausforderung entzogen. In unruhigen Zeiten haben sie
unsere Interessen über unsere Grenzen hinaus geschützt.
Und während sich auf der Welt der tiefgreifendste
Wandel seit 50 Jahren vollzieht, können wir heute eine
eindringliche Lehre aus ihrem Mut und ihrer Vision
ziehen. Ebenso wie wir niemals beim Schutz unseres
Land es vor einer militärischen Bedrohung zurückgeschreckt sind, können wir unseren Wohlstand nicht
schützen, wenn wir uns nicht den wirtschaftlichen
Herausforderungen stellen.
Seit meinem Amtsantritt als Präsident hat sich unsere
Administration der Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft verschrieben, sich dafür engagiert,
daß sich Arbeit wieder für alle Amerikaner bezahlt
macht und die Bedingungen zu schaffen, dank derer

AMERIKA DIENST 46

unser Privatsektor mehr Arbeitsplätze, höhere Einkommen und mehr Chancen für alle verwirklichen
kann. Dieses Wirtschaftsprogramm beginnt zu funktionieren. Wir haben das Defizit gesenkt, die Inflation
niedrig gehalten und die Zinssätze auf einen Rekordtiefstand gedrückt. Millionen Amerikaner haben ihre
Häuser und Unternehmen neu finanziert. Und obwohl
wir noch nicht so viele Arbeitsplätze haben wie wir
möchten, hat der Privatsektor in den vergangenen 10
Monaten mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den
letzten vier Jahren zusammengenommen.
Der einzige Weg, wie eine wohlhabende Nation wachsen, Arbeitsplätze hervorbringen und die Einkommen
erhöhen kann, besteht jedoch letztlich im Abbau der
Handelshemmnisse und der Erweiterung des Handels
in einer wachsenden Weltwirtschaft. Es gibt einfach
keinen anderen Weg, mit dem ein reiches Land Arbeitsplätze schaffen und die Einkommen erhöhen kann,
als andere Kunden für seine Waren und Dienstleistungen zu finden. Die Vereinigten Staaten sind keine
Ausnahme. Wir haben die Chance, dies in einigen
Tagen zu tun, wenn der Kongreß über das als NAFTA
bezeichnete Handelsabkommen berät.
Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen wird
die mexikanischen Hemmnisse für amerikanische
Exporte abbauen. Wenn diese Schranken fallen,
werden wir im nächsten Jahr allein an Mexiko weitere
55.000 in Amerika hergestellte Autos verkaufen. Wir
werden weitere Hunderttausende Computer verkaufen und in den nächsten beiden Jahren 200.000 neue
gutbezahlte Arbeitsplätze schaffen. NAFTA ist ein
wirlich gutes Geschäft für Amerika. Und wenn wir
Mexiko nicht für unsere Produkte öffnen, können Sie
Seite 1

�davon ausgehen, daß die Europäer oder die Japaner
dies für ihre Produkte tun. Wenn das NAFTA verabschiedet wird, haben wir auf dem mexikanischen Markt
einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Japanern
und Europäern. Sollte es zum Scheitern verurteilt sein
und Japan oder Europa nehmen die Herausforderung
an, der wir uns nicht gesteift haben, werden sie einen
Vorteil gegenüber uns haben.
Warum haben also einige unserer Mitbürger solche
Angst vor dem NAFTA? Weil sich ihre Welt in den
vergangenen 20 Jahren so stark verändert hat - und
häufig nicht zum Besseren. Technologie kann man
heute überall auf der Wert finden. Geld und Informationen umkreisen den Globus in Millisekunden. Qualifikationen, die einstmals nur wir besaßen, haben jetzt
auch andere. Diese neue Weltwirtschaft hat enorm
viele Chancen geschaffen, aber auch viele Härten mit
sich gebracht.
Wir mußten viele Anpassungen vornehmen. Zur Zeit
arbeiten wir daran, unser veraltetes Arbeitslosensystem durch ein neues - genannt Wiederbeschäftigung
- zu ersetzen, damit jeder, der aus irgendeinem Grund
seinen Arbeitsplatz verliert, sofort Zugang zu der von
ihm benötigten Ausbildung, Fortbildung und Arbeitsplatzvermittlung hat. Wir haben das Gesetz über den
Urlaub aus familiären Gründen verabschiedet, so daß
niemand seinen Arbeitsplatz verliert, wenn er wegen
eines Neugeborenen oder zur Pflege kranker Eltern
eine Zeitlang nicht arbeitet. So können die Menschen
gleichzeitig gute Arbeitnehmer und gute Familienmitglieder sein.

Die amerikanischen Arbeitnehmer sind heute wieder
die produktivsten weltweit. Wir können im Wettbewerb
und bei der Produktion überall jeden anderen übertreffen. Wir werden wieder für eine lange Zeit die Nummer
eins sein, wenn wir uns dem Wettbewerb in der Welt
öffnen. Aus diesem Grund haben amerikanische
Arbeitnehmer vom NAFTA nichts zu befürchten, sondern sollten sich vielmehr Sorgen machen, wenn wir
gegen das NAFTA stimmen und Mexiko, den anderen
Ländern Lateinamerikas und den sich uns bietenden
Chancen den Rücken kehren.
Am Tag nach der Kongreßabstimmung über das NAFTA
werde ich in Seattle mit führenden Politikern vieler
asiatischer Länder - einschließlich Chinas und Japans
- zusammentreffen, und sie um Öffnung ihrer Märkte
auch für unsere Produkte bitten. Bis Ende dieses
Jahres werde ich mich entschieden dafür einsetzen,
ein noch umfassenderes weltweites Handelsabkommen abzuschließen, das die Handelshemmnisse für
den Export unserer Produkte nach Europa und in die
übrige Welt abbauen soll.

Gemeinsam mit anderen Nationen können wir das
Wachstum der Weltwirtschaft buchstäblich erneut
ankurbeln und Millionen neuer Arbeitsplätze und Exportmöglichkeiten für alle Amerikaner schaffen. Hierzu müssen wir jedoch als ersten Schritt diese Woche
für das NAFTA stimmen, das nicht nur eine Handelsvereinbarung mit Mexiko darstellt, sondern auch zum
Symbol unseres Engagements für Wachstum und
Handel auf der ganzen Welt geworden ist. Glauben
Sie mir: Wie auch immer der Kongreß abstimmen
mag, er wird jeder Nation auf der Welt signalisieren,
Wir benötigen eine Reform des Gesundheitswesens welche Absichten wir verfolgen - ob wir unsere Fühund haben einen Plan vorgelegt, der zum ersten Mal in rungsrolle in der Weltwirtschaft beibehalten und bei
unserer Geschichte allen Amerikanern eine Gesund- anderen auf die Öffnung ihrer Märkte für Produkte und
heitsfürsorge anbietet - selbst wenn sie ihren Arbeits- Dienstleistungen unseres Landes und anderer Staaplatz verlieren. Und wir sind entschlossen zur Be- ten drängen, oder ob wir uns in den Protektionismus
kämpfung der Kriminalität mit mehr Polizisten, mehr flüchten.
Lagern für jugendliche Straftäter sowie mehr Gefängniszellen für diejenigen, die das brauchen. Das sind Wenn wir das NAFTA verabschieden, werden wir zum
einige der Maßnahmen aus der Gesetzesvorlage zur Zentrum des weltweit größten Handelsblocks mit Kanada
Bekämpfung der Kriminalität, die dem Kongreß zur und Mexiko, der sich durch die Aufnahme der übrigen
Zeit vorliegt.
Länder Lateinamerikas schnell vergrößern wird. Tun
wir das nicht, geraten wir in eine festgefahrene SituaFolglich leisten wir in den Bereichen Erziehung, Ge- tion, während jemand anders diese Gelegenheit ersundheit, Urlaub aus familiären Gründen und Bekämp- greift.
fung der Kriminalität harte Arbeit, um dem amerikanischen Volk die Sicherheit zu geben, die wir alle ange- Diese Abstimmung wird viel darüber aussagen, wer
sichts der uns konfrontierenden Veränderungen benö- wir, die Amerikaner des Jahres 1993, eigentlich sind.
tigen. Wir können die Welt jedoch nicht zu dem Große Nationen werden nicht nur durch ihre Taten
machen, was sie einmal war. Wir können unsere definiert, wenn die Spielregeln und die Zukunft klar und
Arbeitnehmer, ihre Arbeitsplätze und Einkommen einfach die Zeiten leicht sind, sondern durch die von ihnen
nicht vor den Unwägbarkeiten des weltweiten Wettbe- getroffenen Entscheidungen in Zeiten großer Veränwerbs schützen, indem wir Mauern zu errichten versu- derungen, wenn die Zukunft im Dunkeln liegt, die
chen. Die einzige Möglichkeit zur Bereitstellung wirt- Menschen mit Schwierigkeiten kämpfen und ihre Zukunft
schaftlicher Sicherheit und größerer Chancen für die gestalten müssen.
Mittelschicht in unserem Land besteht darin, sich
dieser neuen Welt direkt zu stellen, zu konkurrieren Dies ist ein für Amerika entscheidender Zeitpunkt.
Werden wir die Chance ergreifen? Werden wir uns für
und zu gewinnen. Und wir können gewinnen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 46

�die Hoffnung anstelle der Angst entscheiden? Die
Geschichte der Größe Amerikas läßt darauf schließen. Wir haben immer gesiegt, wenn unsere Nation
sich in der Welt engagiert und ihre großen Herausforderungen angenommen hat. Durch die Verabschiedung des NAFTA kann der Kongreß demonstrieren,
daß wir in einer prosperierenden Weltwirtschaft konkurrieren und gewinnen wollen. Wir übernahmen die

Führungsrolle bei ihrer Schaffung und werden das
angesichts des bevorstehenden 21. Jahrhunderts wieder
tun müssen. Wir können eine Zukunft aufbauen, die
wir unseren Kindern mit Stolz hinterlassen können und die Zukunft beginnt am Mittwoch mit einer positiven Abstimmung über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen.

* * * *

AMERIKA DIENST 46

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Seite 3

�NAFTA
17. November 1993

CLINTON: KONGRESS WIRD NAFTA ZUSTIMMEN
Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus
und Eingangserklärung des Präsidenten

WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge wird
das beabsichtigte Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement NAFTA) zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada
und Mexiko genügend Stimmen für seine Verabschiedung erhalten, wenn es dem Kongreß am 17. November 1993 vorgelegt wird.
In einer landesweit im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz am 10. November warnte der Präsident,
ein Scheitern des Abkommens könnte die Fähigkeit
der Vereinigten Staaten beeinträchtigen, andere Nationen davon zu überzeugen, daß die Zeit reif für ein
neues weltweites Handelsabkommen ist.
"Wir können gewinnen", betonte der Präsident. "Und
wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
zurückziehen wollen."
Mit der Verabschiedung des NAFTA hätten die Vereinigten Staaten, so Clinton, "einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale Staatengemeinschaft,
um auf den Abschlu ß einer weltweiten Handelsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen GATTAbkommens - zu drängen."
Der Präsident verwies darauf, daß alle noch lebenden
ehemaligen amerikanischen Präsidenten und Außenminister sich ebenso wie 80 Prozent der derzeitigen
Gouverneure von Bundesstaaten und eine beeindrukkende Vielzahl von Nobelpreisträgern für Wirtschaft
zugunsten des NAFTA ausgesprochen haben.
Auf die Frage, ob ein Scheitern des NAFTA seinen
Stand beim bevorstehenden Ministertreffen mit den
Staats- und Regierungschefs des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (AsiaPacific Economic Cooperation - APEC) in Seattle
beeinträchtigen würde, antwortete Clinton: "Meines
Erachtens wird es meine Fähigkeit zur Ausübung der
Außenpolitik nicht schmälern, außer im wirtschaftlichen Bereich. Es würde vielmehr mein Argument
AMERIKA DIENST 46

entkräften, daß die Asiaten ihre Märkte weiter öffnen
sollten."
Zur Zeit, so der Präsident, betrage das Handelsdefizit
der Vereinigten Staaten mit Japan 49 Billionen Dollar
jährlich, mit China 19 Billionen und mit Taiwan 9
Billionen Dollar. Im Gegensatz dazu belaufe sich der
Handelsüberschuß der Vereinigten Staaten mit Mexiko auf 5,4 Billionen Dollar.
Dem Präsidenten zufolge hätte ein Scheitern des
NAFTA negative Auswirkungen auf die amerikanischen Beziehungen zu den lateinamerikanischen
Nationen.
Sollte der Vorschlag nicht verabschiedet werden, warnte
Clinton, würden die Vereinigten Staaten eine Chance
zum Verkauf ihrer Produkte an Mexiko verpassen, die
Auslagerung von Arbeitsplätzen südlich der Grenze
nicht verhindern können und die Kosten Mexikos für
Umweltschutz und Arbeitskräfte weiter drücken, wodurch amerikanischen Firmen ein weiterer Wettbewerbsnachteil entstünde.
Auf die Frage, ob die Vereinigten Staaten auf den
Devisenmärkten zur Unterstützung des mexikanischen
Peso intervenieren müßten, wenn das NAFTA verabschiedet würde, erwiderte Clinton: "Meines Erachtens
... würde der Peso aufgrund der Zustimmung zum
NAFTA steigen, weil er die mexikanische Wirtschaft
stärken würde."
Clinton ging auch auf andere Themen ein wie Haiti,
Bosnien-Herzegowina, die Beziehungen zwischen Israel
und Jordanien sowie seine außenpolitischen Berater.
Er betonte, die Haitianer müßten verstehen, daß die
für das Embargo gegen ihr Land Verantwortlichen der
Chef des haitianischen Militärs, Raoul Cedras, und der
Polizeichef Michel Francois seien, weil sie das New
Yorker Abkommen gebrochen hätten.
Clinton verlieh seiner Überzeugung Ausdruck, daß der
haitianische Ministerpräsident Robert Malval und
Seite 1

�Präsident Jean-Bertrand Aristide "zu Gesprächen in
gutem Glauben bereit sind und eine Lösung herbeizuführen versuchen, dank der wir auf den Weg zur
Demokratie und Verwirklichung dieses Abkommens
zurückfinden könnten".

die nichts mit den Kontroversen zu tun haben, die bei
meinem Amtsantritt ein heißes Eisen waren und heute
noch sind - Somalia, Haiti und Bosnien. Es wäre ein
großer Fehler, dies falsch zu interpretieren."

Auf die Frage, waserzurEntschärfung der Situation in
Bosnien-Herzegowina unternehme, stellte der Präsident fest, unter den derzeitigen Bedingungen "ist das
einzige, was wir tun können, die Verluste an Menschenleben in dem bevorstehenden Winter so gering
wie möglich zu halten. Wir müssen versuchen, die Zustimmung der Vereinten Nationen zur Position der
NATO zu erhalten, daß die Vereinigten Staaten im
Falle einer ernsthaften Bombardierung Sarajevos
Luftstreitkräfte bereitstellen, und dies eine aktuelle,
echte Option ist - nicht nur Theorie. Wir wollen
sicherstellen, daß unser humanitäres Programm funktioniert."

Meine Damen und Herren, gegen Ende dieser Sitzungsperiode des Kongresses, kurz vor dem Erntedankfest, sollte unser Volk wissen, daß wir hier in
Washington endlich die Themen angehen, die für alle
Amerikaner von zentraler Bedeutung sind, und die
Pattsituation durch Fortschritte zum Wohle aller ersetzen.

Nach der Wahrscheinlichkeit der Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen Israel und Jordanien
am 12. November 1993 - dem Datum, an dem der
Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak
Rabin im Weißen Haus vorgesehen ist - befragt,
antwortete der Präsident, er sei erfreut über "die Berichte von Fortschritten" in den israelisch-jordanischen
Beziehungen, glaube jedoch nicht, "daß in dieser
Hinsicht am Freitag irgend etwas abend geschieht".

wobei die dramatische Erhöhung des Einkommensteuerfreibetrags berufstätigen Amerikanern mit Kindern und einem bescheidenen Einkommen aufgrund
von Steuersenkungen ein besseres Leben ermöglicht.
Wir haben mehr amerikanische Produkte aus dem
High-tech-Bereich exportiert. Wir haben das Gesetz
über den Erziehungsurlaub verabschiedet. Wir haben
die Möglichkeit für Investitionen in neue Unternehmen
in diesem Land erhöht. Und wir haben einen umfassenden Plan vorgelegt, der jedem Amerikaner eine
wirklich sichere Gesundheitsversorgung anbietet.

Erklärung des Präsidenten
Er wolle nicht, daß "noch jemand in Haiti verletzt wird",
fügte Präsident Clinton hinzu und erklärte, "wir müssen Nachfolgend veröffentlichen wir die Eingangserkläein weiteres Abkommen anstreben, damit das Land rung von Präsident Clinton bei der Pressekonferenz im
Weißen Haus am 10. November 1993.
zur Normalität zurückkehren kann".

In den vergangenen Monaten haben wir das größte
Paket zum Abbau unseres Haushaltsdefizits der
Geschichte verabschiedet, die Zinssätze und die Inflationsrate befinden sich weiterhin auf einem historischen Tiefstand, Millionen von Amerikanern konnten
ihre Häuser neu finanzieren, die Investitionstätigkeit
Die von den Vereinigten Staaten angeführte Luftbrük- steigt, und in den letzten zehn Monaten sind in unseke nach Bosnien, betonte Clinton, "dauert bereits rem Land mehr neue Arbeitsplätze geschaffen worden
länger an als die Berliner Luftbrücke, und es ist eine der als in den vergangenen vier Jahren.
umfassendsten humanitären Hilfsbestrebungen" in der Es wurden echte Anstrengungen zur Verbesserung
Geschichte.
der Sicherheit erwerbstätiger Familien unternommen,

Im Zusammenhang mit Berichten über einen Brief
Rabins an Präsident Clinton mit der Bitte um teilweisen
Erlaß der Haftstrafe für den verurteilten Spion Jonathan Pollard bestätigte Clinton, der Ministerpräsident
habe ihm wegen Pollard geschrieben und fügte hinzu:
"Ich habe das Justizministerium um Überprüfung dieses Falles gebeten." Der Präsident erklärte, er habe
"noch keinen Bericht vom Ministerium erhalten, und ich
werde keine Entscheidung zum Fall Pollard treffen,
bevor mir das Ministerium stichhaltige Gründe dafür
nennt".
Clinton erläuterte ferner, er beabsichtige keine drastischen personellen Veränderungen in seinem außenpolitischen Team und dementierte, daß der am 8.
November 1993 zurückgetretene Stellvertretende
Außenminister Clifton R. Wharton zum "Opferlamm"
gemacht worden sei.
Der Präsident stellte fest, Wharton "hat gute Arbeit
geleistet... er war mit einer Reihe von Themen befaßt,
Seite 2

Wir bemühen uns um eine effizientere Gestaltung
unserer Regierung, um mit weniger mehr zu bewirken,
und ich bin stolz darauf sagen zu können, daß der
Kongreß heute deutlich seine Entschlossenheit zur
Reform der Gesetze über Wahlkampffinanzierung
demonstriert. Vor mehreren Monaten verabschiedete
der Senat eine entsprechende Gesetzesvorlage. Heute
wird der Ausschuß des Repräsentantenhauses über
ein Gesetz abstimmen, welches das Repräsentantenhaus meines Erachtens annehmen wird.
Das ist eine Bilanz einmaliger Leistungen. In den
nächsten Wochen bis zum Ende der Sitzungsperiode
wird der Kongreß jedoch mit der Herausforderung
konfrontiert, noch größere Schritte zum Schutz der
persönlichen Sicherheit der Amerikaner zu unternehmen sowie zur Schaffung vermehrter Chancen, wertwert zu konkurrieren und zu gewinnen.

AMERIKA DIENST 46

�Der Senat schließt zur Zeit die Arbeit an unserem
Gesetz über Verbrechensbekämpfung ab, das das
von mir in meiner Wahlkampagne gemachte Versprechen erfüllt, 100.000 zusätzliche Polizisten einzustellen, Verbrecher hinter Gittern zu halten, die Kriminellen
von der Straße zu holen, Jugendlager und alternative
Einrichtungen für jugendliche Straftäter anzubieten
und denjenigen die Waffen wegzunehmen, in deren
Besitz sie sich nicht befinden sollten. Wir verfügen
jetzt wirklich über die Schlagkraft, das Brady-Gesetz
zu verabschieden. Nach Jahren -12 Jahren - heroischen Einsatzes von Jim und Sarah Brady ist der
Kongreß meines Wissens endlich entschlossen, sich
der Lobby gegen das Brady-Gesetz zu widersetzen
und gegen die Kriminalität vorzugehen, die für die
meisten Amerikaner den wichtigsten Aspekt ihrer
persönlichen Sicherheit darstellt.

sen folgen und den Wählern in ihren Wahlkreisen die
Gründe für ihre Entscheidung darlegen. Und wenn die
vorläufigen Ergebnisse der gestrigen Debatte ein Indikator sind, dann können die Mitglieder des Repräsentantenhauses dem amerikanischen Volk die Tatsachen und ihre eigenen Überzeugungen anvertrauen.

Diese Abstimmung erfolgt an einem für unsere Nation
bedeutenden Moment. Wir haben schwere Zeiten
hinter uns. Während der vergangenen 20 Jahre haben
60 Prozent der Amerikaner für die gleichen oder sogar
niedrigere Löhne härter gearbeitet. Wir hatte große
Schwierigkeiten mit der Produktivitätssteigerung, die
für die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Steigerung der Einkommen unabdingbar ist. Aber es ist uns
gelungen. Dieses Land ist jetzt auf einer Vielzahl von
Gebieten im Herstellungs- und Dienstleistungsbereich
das produktivste der Welt. Wir können gewinnen. Und
Heute in einer Woche wird der Kongreß die Entschei- wir müssen ab nächster Woche entscheiden, ob wir
dung darüber treffen, ob durch das Nordamerikani- uns dem Wettbewerb stellen und gewinnen oder uns
sche Freihandelsabkommen die Exporte erhöht und zurückziehen wollen.
Arbeitsplätze geschaffen werden. Niemand hätte das
NAFTA entschiedener und beredter verteidigen kön- Bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, möchte ich noch
nen als Vizepräsident Gore es gestern abend in seiner einen Punkt zum NAFTA ansprechen, der gestern
Debatte mit Herrn Perottat. Gestern abend bewies der Abend zu kurz gekommen ist. Dieses Abkommen
Vizepräsident, daß allein die Darlegung der Fakten bedeutet mehr Arbeitsplätze, aber der reale Zuwachs
über das NAFTA sowie die Formulierung unserer an Arbeitsplätzen in Amerika wird stattfinden, wenn
Sorge um das Wohlergehen der amerikanischen Ar- zwei weitere Schritte unternommen worden sind. Er
beitnehmer die Ängste und verzerrten Darstellungen wird stattfinden, wenn alle Demokratien und freien
überwinden können, die gegen das NAFTA vorge- Marktwirtschaften Lateinamerikas sich ebenfalls dem
bracht wurden. Das NAFTA bedeutet Exporte, Expor- großen Handelsblock Mexiko, Kanada und Vereinigte
te bedeuten Arbeitsplätze. Kein wohlhabendes Land Staaten angeschlossen haben. Denn wenn das einder Weh kann mehr Arbeitsplätze schaffen, ohne seine mal geschehen ist, haben wir einen entschieden besseren Einfluß auf die internationale StaatengemeinExporte zu steigern.
schaft, um auf den Abschluß einer weltweiten HanDas amerikanische Volk hat gestern abend bewiesen, delsvereinbarung vor Ende des Jahres - dieses neuen
daß es bereit ist, den Diskussionen über diese Frage GATT-Abkommens - zu drängen. Wenn das Repräzuzuhören und sich nicht nur Millionen anderer Ame- sentantenhaus sich für das NAFTA entscheidet, wird
rikaner anzuschließen, wie denjenigen, die der Vize- das Auswirkungen auf Asien und auf Europa haben.
präsident gestern abend anführte, sondern jedem Für dieses Land steht folglich ziemlich viel auf dem
ehemaligen Präsidenten, Außenminister, Nobelpreis- Spiel. Ich bin überzeugt, daß das Repräsentantenträger für Wirtschaft sowie über 80 Prozent der amtie- haus das Richtige tun wird.
renden Gouverneure.
Ich möchte heute auch den Kongreßabgeordneten
Der Gegensatz am gestrigen Abend war deutlich. Herr Hoagland, Kreidler, Dicks und Valentine sowie SenaPerot warnte die Mitglieder des Repräsentantenhau- tor Nunn für ihre erklärte Unterstützung des NAFTA
ses vor schrecklicher Vergeltung, falls siedem NAFTA danken. Ich denke, daß sich in den nächsten Tagen
zustimmten. Der Vizepräsident rief die Abgeordneten noch mehr Abgeordnete für das NAFTA aussprechen
auf, sich für Hoffnung statt für Angst zu entscheiden werden und wir zum Zeitpunkt der Abstimmung über
und dem Vorschlag zuzustimmen, daß die Amerikaner die für einen Sieg erforderliche Stimmenzahl verfügen
in der Weltwirtschaft konkurrenzfähig sein und Gewin- werden.
ne machen können, bei der Abstimmung ihrem Gewis-

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Seite 3

�TERRORISMUS
17. November 1993

SANKTIONEN GEGEN LIBYEN SIND BEWEIS
FÜR WIDERSTAND GEGEN TERRORISMUS
Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Der amerikanischen Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Madeleine
Albright, zufolge sind die vom UN-Sicherheitsrat verabschiedeten härteren Wirtschaftssanktionen gegen Libyen
ein Beweis für die feste Entschlossenheit der Völkergemeinschaft zur Bekämpfung des internationalen
Terrorismus.
In einer am 11. November 1993 vor dem UN-Sicherheitsrat abgegebenen Erklärung äußerte Albright: "Der
Terrorismus stellt für jede Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung
entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter Umständen auch vom Sicherheitsrat
beschlossene, verbindliche Sanktionen umfassen."
Die mit 11 Jastimmen, keiner Gegenstimme und 4 Enthaltungen angenommene Resolution des Sicherheitsrates sieht das Einfrieren libyscher Auslandsguthaben, ein Verbot des Verkaufs von Erdölfördergeräten an das
Land sowie die Schließung von Büros libyscher Luftfahrtgesellschaften vor. Diese Maßnahmen gegen Libyen
sind auf die Weigerung des Landes zurückzuführen, zwei mutmaßliche Täter des Bombenanschlags von
Lockerbie den amerikanischen oder britischen Anklagebehörden auszuliefern und mit Frankreich bei der
Untersuchung des Bombenanschlags auf Flug UTA 772 einer französischen Verkehrsmaschine zusammenzuarbeiten.
Durch die Verabschiedung der Resolution hat der Sicherheitsrat Botschafterin Albright zufolge den flexiblen
Einsatz von "Sanktionen als Mittel der Diplomatie" unter Beweis gestellt.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafterin Albright im Wortlauf.

Herr Präsident, die heutige Resolution soll für alle
sichtbar die Entschlossenheit dieses Rates zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus demonstrieren. Der Weg zu dieser Resolution war nicht
leicht, aber das ist der Weg der Gerechtigkeit ohnehin
nur selten.
Angehörige von 30 Nationen sind Opfer der Terroranschläge geworden, die auf Pan Am-Flug 103 und UTAFlug 772 verübt wurden. Vor nahezu zwei Jahren
nahm der Sicherheitsrat die Resolution 731 an. Die
libysche Regierung weigerte sich schlichtweg, diese
Resolution zu beachten. Seit damals hat Libyen keine
Anstrengung gescheut, die auch in privaten Gesprächen unterbreiteten Angebote des Sicherheitsrates
auszuschlagen und der internationalen Staatengemeinschaft falsche Versprechungen zu machen, um
ihre Entschlossenheit zu unterminieren - und die heutige Aktion zu verhindern.

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Der Sicherheitsrat kann stolz darauf sein, daß die
Bemühungen Libyens zur Verhinderung dieser Resolution gescheitert sind. Der Terrorismus stellt für jede
Nation der Welt eine Herausforderung dar. Als Reaktion darauf ist meine Regierung entschlossen, Gerechtigkeit herbeizuführen. Dieses Bestreben muß unter
Umständen auch vom Sicherheitsrat beschlossene,
verbindliche Sanktionen umfassen.
Herr Präsident, der Kampf gegen den internationalen
Terrorismus muß eine kollektive Anstrengung sein.
Die Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit mit
Großbritannien und Frankreich diesen Bemühungen
vorgestanden. Wir haben eng mit jedem Mitglied des
Sicherheitsrates zusammengearbeitet. Die uns vorliegende Resolution ist ausgewogen und hat ein klar
definiertes Ziel. Ihre Hauptmerkmale sind das Einfrieren libyscher Guthaben, ein begrenztes Embargo gegen
die libysche petrochemische Industrie sowie eine

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�Verschärfung früherer, unter Resolution 748 erlasse- sie. Diese Resolution richtet sich einzig und allein
ner Sanktionen. Diejenigen, die sie für nicht ausrei- gegen Libyen. Mit jedem Tag, an dem sich die libysche
chend halten, möchte ich folgendes fragen: Warum Regierung nicht an die Beschlüsse der Vereinten
hat Libyen so große Anstrengungen unternommen, Nationen hält, wird der vom libyschen Volk zu zahlende
diese Resolution zu verhindern, wenn die Auswirkun- Preis höher.
gen der neuen Sanktionen kaum spürbar sind?
Herr Präsident, ich möchte noch etwas Allgemeines
Libyen weiß genau, was es tun muß. Wir erwarten die hervorheben. Durch den heutigen Beschluß zur VerAuslieferung der des Bombenanschlags von Locker- schärfung der Sanktionen hat der Sicherheitsrat wiebie Angeklagten. Wir erwarten die Zusammenarbeit der den flexiblen Einsatz von Sanktionen als Mittel der
der libyschen Regierung mit den französischen Justiz- Diplomatie unter Beweis gestellt. Und je mehr wir
behörden. Wir erwarten Schadenersatzzahlungen für demonstrieren, daß dieser Rat Sanktionen verhängen,
die Opferdes libyschen Terrorismus. Und wir erwarten aufheben, aussetzen oder verschärfen kann, desto
die klare und erwiesene Ablehnung des Terrorismus besser dienen sie als Mittel unserer Diplomatie.
durch die libysche Regierung.
Herr Präsident, die tragischen Anschläge auf Pan AmDie Vereinigten Staaten haben seit längerem Sanktio- Flug 103 und UTA-Flug 772 forderten unschuldige
nen gegen Libyen verhängt, die weit über die vom UN- Menschenleben. Ihre Familien erwarten von uns eine
Sicherheitsrat verabschiedeten hinausgehen. Wir haben Antwort. Heute kommt die Reaktion des Sicherheitsuns jedoch zu einem fairen und gerechten Vorgehen rats. Wir müssen jetzt auf die Einhaltung der Bestimbei dem zu unserer heutigen Abstimmung führenden mungen durch Libyen warten, jedoch mit hartnäckiger
Verfahren verpflichtet. Wir haben die Ansichten der Entschlossenheit, bis der Gerechtigkeit Genüge getan
Staaten, für die in wirtschaftlicher Hinsicht mehr auf ist. Vielen Dank, Herr Präsident.
dem Spiel steht als für uns, erwogen und respektieren

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AMERIKA DIENST 46

�LANDMINEN
17. November 1993

USA FÜR WELTWEITES VERBOT DES
VERKAUFS VON LANDMINEN
Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben der UN-Generalversammlung eine Resolution
über ein Moratorium für den Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen unterbreitet.
Bei der Vorlage der Resolution im Namen der Vereinigten Staaten und 46 Mitunterzeichnerstaaten am 11.
November 1993 erklärte Senator Leahy, "es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den
Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die Minen verlegt
wurden. Heute werden Landminen von einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man findet sie auf
Brücken, Straßen und Fußwegen, in Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem Ort, an dem es Zivilisten
gibt."
"Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist", so Leahy, "als Katalysator für konzertierte internationale
Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Senator Leahy im Wortlaut.

Ich möchte heute im Namen der Vereinigten Staaten
eine Resolution mit dem Titel "Moratorium für den
Export von gegen lebende Ziele gerichteten Landminen" unterbreiten. Sie ist in Dokument A/C.1/48/L.42
enthalten. Sie fordert alle Staaten zur Zustimmung
und Durchführung eines Moratoriums für den Export
von Landminen auf, die eine ernsthafte Gefahr für Zivilisten darstellen. Darüber hinaus wird der Generalsekretär in der Resolution um die Erstellung eines Berichts über Fortschritte bei dieser Initiative gebeten,
einschließlich möglicher Empfehlungen für weitere
Restriktionen für den Export dieser Waffen.
Als ich vor einigen Jahren durch Mittelamerika reiste,
traf ich einen jungen Honduraner, der durch eine
Landmine ein Bein verloren hatte. Er stammte aus
einer armen Bauernfamilie und konnte nicht mehr auf
dem Feld arbeiten. Seine Familie konnte sich nicht um
ihn kümmern, und zwei Jahre lang hatte er nur mit einer
selbstgebastelten Krücke als Behelf in einem Krankenhaus verbracht. Ich fragte ihn, welche Seite der
Kriegsgegner die Mine dort gelegt hatte. Er wußte es
nicht - und welchen Unterschied würde das machen?
Sein Leben würde niemals mehr dasselbe sein.
Seit damals habe ich die schreckliche Wirkung von
Landminen in vielen Ländern gesehen, und diese
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Erfahrung hat mich in der Entschlossenheit bestärkt,
etwas zurBekämpfungdieser Geißel zu unternehmen.
Als Vorsitzender des Senatsunterausschusses für
auswärtige Operationen habe ich ein Programm ins
Leben gerufen, um kriegsversehrten Zivilisten mit
künstlichen Gliedmaßen und Rehabilitation behilflich
zu sein. Dieses Programm besteht noch heute.
Medizinische Hilfe wird dringend benötigt. Das größere Problem von Millionen willkürlich über riesige Landstriche verteilten Landminen ist jedoch weiterhin akut.
Dieser honduranische Junge ist nureinervon Hunderttausenden unschuldiger Zivilisten - viele von ihnen
Kinder - die durch Landminen getötet oder schrecklich
verkrüppelt wurden. Heute sind über 85 Millionen
dieser Waffen in mehr als 60 Ländern verteilt. Landminen, vor allem gegen lebende Ziele gerichtete, haben
eine medizinische, soziale, wirtschaftliche und umweltpolitische Krise globalen Ausmaßes verursacht.
Viele von Ihnen kommen aus diesen Ländern. In
Afghanistan gibt es 10 Millionen Minen. Ganze Gebiete des Landes sind unbewohnbar. Es kann Generationen dauern, bevor man wieder sicher in diesen Gegenden leben kann. In Angola, wo jeden Tag neue Minen
gelegt werden, gibt es bereits 9 Millionen Minen, und in

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�Kambodscha 55 Millionen. Beide Länder haben über
20.000 Amputierte. In Kambodscha, wo bis zu 300
Menschen pro Monat durch Landminen getötet oder
verstümmelt werden, hat jeder 236. ein Bein oder
einen Arm verloren.

glieder des Senats einstimmig für die Verlängerung
des amerikanischen Moratoriums um weitere drei Jahre.
Der Präsident wird dieser dreijährigen Verlängerung
Ende dieses Monats durch seine Unterschrift Gesetzeskraft verleihen.

Die Verbreitung von Landminen hat tragische Konsequenzen lange nachdem der Konflikt beendet ist.
Minen verhindern die sichere Rückkehr von Flüchtlingen und anderen Vertriebenen, und sie haben eine
Vielzahl verkrüppelter und verarmter Menschen zur
Folge, für die gesorgt werden muß. Die wirtschaftlichen Konsequenzen von Landminen sind verheerend
für die armen Entwicklungsländer, wo sie am meisten
verbreitet sind.

Mit ist natürlich bewußt, daß ein Exportmoratorium
eines Landes keine Lösung ist. Das Ziel des amerikanischen Moratoriums ist, als Katalysator für konzertierte internationale Aktionen zur Beendigung dieses sinnlosen Abschlachtens unschuldiger Menschen zu fungieren. Während wir die gefährliche, kostenintensive
und zeitaufwendige Aufgabe der Räumung von Millionen alter Landminen in Angriff nehmen, besteht unsere Herausforderung darin sicherzustellen, daß sie nicht
durch neue ersetzt werden. Dies können wir nur durch
eine internationale Führungsrolle und Kooperation
erreichen.

Es gab Zeiten, in denen Landminen nur benutzt wurden, um den Vormarsch des Gegners in Kriegszeiten
zu verhindern, und es wurde sorfältig registriert, wo die
Minen verlegt wurden. Heute werden Landminen von
einigen als Waffe für Terroranschläge verwendet. Man
findet sie auf Brücken, Straßen und Fußwegen, in
Feldern und an Wasserstellen - praktisch an jedem
Ort, an dem es Zivilisten gibt. Es werden kaum
Versuche unternommen, um ihre Lokalisierung aufzuzeichnen, und Zivilisten können Wochen oder Monate
später getötet oder verletzt werden, wenn die Mine
plötzlich explodiert.
Landminen sind billig, leicht herzustellen und können
ganze Gebiete unzugänglich machen. Für rund 3
Dollar kann man eine Landmine kaufen, die ein Bein
oder einen Arm abreißt oder ein Kind tötet. Für 75
Dollar kann man einen etwas weiterentwickelten Typ
kaufen, zum Beispiel eine Mine mit Selbstzerstöreinrichtung oder eine selbstentschärfende Mine.
Nur 3 Dollar für eine Landmine - dennoch schätzen die
Vereinten Nationen in Kambodscha die Kosten für die
Beseitigung dieser einen Landmine auf 1.000 Dollar.
Es würde Milliarden Dollar kosten, um die Minen in nur
diesem Land zu räumen.

Das in dieser Resolution geforderte internationale
Exportmoratorium ist ein wichtiger erster Schritt. Meine
Regierung unterstützt darüber hinaus Bestrebungen
zur Verbesserung von Protokoll 11 der Konvention über
konventionelle Waffen von 1980.
Wir erwägen weitere mögliche Schritte für umfassendere Bestrebungen zur Bewältigung der Landminenkrise . Und wir unterstützen die vor kurzem in einer
Resolution der Generalversammlung befürwortete
Initiative der Europäischen Union, die einen Bericht
über die Möglichkeit eines Treuhandfonds zur Minenentschärfung fordert. Die Räumung der Minen wird mit
enormen Kosten verbunden sein. Als Mitglied des
amerikanischen Senats werde ich alles in meiner
Macht Stehende tun um zu gewährleisten, daß die
Vereinigten Staaten ihren Teil zur Beseitigung dieser
Minen beitragen.

Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten wissen die
Unterstützung der 46 Mitunterzeichnerstaaten dieser
Resolution zu schätzen. Wir hoffen, daß andere
Staaten sich uns anschließen und drängen sie dazu.
Die Menschen auf der ganzen Wert wollen der durch
Im vergangenen Jahr habe ich mich erfolgreich für eine Landminen verursachten menschlichen Tragödie ein
Gesetzesvorlage im Kongreß über ein einjähriges Ende setzen. Es ist an uns, die Führungsstärke unter
Moratorium füramerikanische Exportevon Landminen Beweis zu stellen, damit dies geschieht.
eingesetzt. Vor zwei Monaten votierten die 100 Mit-

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AMERIKA DIENST 46

�MEDIEN
17. November 1993

DIE ROLLE FREIER MEDIEN IN DER DEMOKRATIE
Rede Shattucks bei KSZE-Seminar
WARSCHAU - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die am 2. November 1993 beim KSZE-Seminar über freie
Medien in Warschau vom Abteilungsleiter für Menschenrechte und humanitäre Angelegenheiten im USAußenministerium, John Shattuck, gehaltene Eröffnungsansprache im Wortlaut.

Es ist mir eine Ehre, diese Woche als Leiter einer
amerikanischen Delegation in Warschau zu sein, zu
der prominente Vertreter der US-Medien und der
akademischen Welt zählen. Ich möchte dem Büro für
demokratische Institutionen und Menschenrechte für
die Veranstaltung dieses Seminars danken und freue
mich auf eine Woche offener Diskussionen über die
Prinzipien und Praktiken freier Medien in einer freien
Gesellschaft. Ich möchte Polen meinen Dank für die
Gastfreundschaft aussprechen.
Warschau als Ort der Veranstaltung eines Seminars
scheint mir besonders geeignet, denn hier haben
Menschen, denen die Redefreiheit verweigert wurde,
dennoch ihre Stimme erhoben. Mutig. Entschlossen.
Mit Engagement. Und die in Polen friedlich mit Ideen
geführte Revolution hat dazu beigetragen, das Blatt in
Osteuropa zu wenden. Polen ist ein unmißverständliches Beispiel für die Macht der Rede, die sich von der
Zensur zu befreien sucht, um die Ungrechtigkeit anzugreifen und zu berichtigen. Polen ist der Beweis für die
Macht des Volkes - seiner Ideen, seiner Worte und
seiner Träume - über die Tyrannei.
Seit jenen ersten berauschenden Tagen der Freiheit
hat Polen den sich rasch verändernden politischen und
wirtschaftlichen Systemen inhärenten Tumult erlebt.
In eben solchen Zeiten des Wandels wollen Regierungen manchmal die Pressefreiheit beschneiden mit
dem Argument, die Redefreiheit müsse gegen andere
Bedürfnisse der Gesellschaft abgewogen werden. In
einer Demokratie, in der die Souveränität beim Volk
liegt, ist die Redefreiheit das wichtigste Recht. Vor
sechzig Jahren, mitten in der Großen Depression, als
Zehntausende Amerikaner arbeitslos waren, schrieb
der Richter am Obersten Bundesgericht, Benjamin
Cardozo: "Die Freiheit des Ausdrucks ist die Matrix,
die unerläßliche Bedingung, für nahezu jede andere
AMERIKA DIENST 46

Form der Freiheit." Eine Regierung, die ihr Volk und
ihre Presse zum Schweigen bringt, ist nicht demokratisch. Denn ein Volk, dem ein Maulkorb angelegt und
Information verweigert wird, ist ein Volk ohne Macht,
ein Volk ohne die Fähigkeit zur Bewältigung seiner
Probleme.
Hier in Europa waren die Medien und die Kommunikationstechnologie entscheidend für die friedlichen Revolutionen, die den Kontinent erfassen, sowie für die
kontinuierliche Entwicklung neuer politischer Systeme. In Rußland und der ehemaligen Tschechoslowakei wurden die Hoffnungen der Menschen jahrzehntelang dank Samizdat und Kopiermaschinen am Leben
erhalten. In Rumänien wurden mutige Bürger bei
ihrem Protest gegen eine Rede von Ceausescu im
Fernsehen gezeigt, bevor die Zensoren das Programm
unterbrechen konnten. Dies und die verwirrte Reaktion des Regimes verliehen dem rumänischen Volk
Mut. In der Tschechoslowakei trotzten Fernsehjournalisten der Nachrichtensperre und zwangen die
Geschäftsleitung, die Demonstrationen der sanften
Revolution zu übertragen. Eine der ersten Taten der
neuen tschechischen Regierung war, den staatlichen
Zensor zu feuern. Die Bürger in ganz Osteuropa und
der ehemaligen Sowjetunion haben sich mit Begeisterung ihrer neuentdeckten Redefreiheit bemächtigt.
Dennoch wird die Verpflichtung der Regierungen zu
freien Medien häufig auf die Probe gestellt - in meinem
Land ebenso wie in Europa. Kritik an der Regierung
beschneidende Gesetze und staatliche Kontrolle des
Handwerkszeugs der Medien - Druckerpressen, Zeitungsverlage, Fernsehstationen, Subventionen und
Vertrieb - engen eben die Redefreiheit ein, die Grundlage von Stabilität und Legitimität all unserer Nationen
ist.

Seite 1

�Als mit dem Aufbau unserer Nation vertrauter Amerikaner kann ich mich mit dem Kampf der osteuropäischen Länder und der neuen unabhängigen Staaten
sehr gut identifizieren. Skeptiker bezüglich des Werts
der Pressefreiheit argumentieren, daß die Erfahrung
der Vereinigten Staaten einzigartig und aus diesem
Grund für Erörterungen der Rolle von Medien andernorts irrelevant ist. Ich bin anderer Meinung. Die
amerikanische Erfahrung ist nicht einzigartig. Auch wir
sahen uns bei der Geburt unserer Nation mit Kämpfen
im Inland und Bedrohungen aus dem Ausland konfrontiert. Ebenso wie Sie versuchten wir ein neues politisches System zu gründen. Im gesamten Verlauf
unserer Geschichte haben wir mit der Herausforderung gerungen, eine starke Regierung zu schaffen und
gleichzeitig das Volk vor einer nicht rechenschaftspflichtigen Regierung zu schützen - so übermächtig,
daß sie repressiv werden konnte. Seit 200 Jahren
bilden die Medien das Kernstück unserer Gesellschaft
und sehen sich dennoch konstantem Druck durch
staatliche Zensur ausgesetzt.

Das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler lief einige
Jahre nach seinem Inkrafttreten aus, aber die daraus
gezogenen Lehren sind eindeutig: In einem Land wie
unserem ist die Pressefreiheit zu Zeiten der größten
Instabilität einer Nation dem höchsten Risiko ausgesetzt. Die Stimmen der Opposition in solchen Zeiten
zum Schweigen zu bringen, heißt, die Gesellschaft
konstruktiver Kritik zu berauben, das Risiko zu laufen,
friedlichen Protest in gewalttätigen Widerstand ausarten zu lassen und zu verhindern, Sprache zum Mittler
demokratischen Wandels zu machen.

Die amerikanische Verpflichtung zur Redefreiheit ist
kein Luxus einer modernen Gesellschaft. Redefreiheit
ist der Ursprung von Kreativität in unserer Gesellschaft
und der Stabilität unserer Regierungsform. Thomas
Jefferson hat einmal die Theorie aufgestellt, die Menschen müßten alle 17 Jahre das Joch ihrer Regierung
abwerfen. 217 Jahre später hat sich dies als unwahr
erwiesen, und zwar eben weil die Redefreiheit die
friedliche Umgestaltung einer Gesellschaft ermöglicht.
Rede- und Pressefreiheit sind kein Luxus in einem
Die Geschichte eines Druckers namens John Peter neuen demokratischen Staat, sondern eine NotwenZenger in der damaligen Kolonie New York wird häufig digkeit und eine Entscheidung, die eine Demokratie
als Beispiel der amerikanischen Verpflichtung zur immer wieder treffen muß.
Redefreiheit angeführt. Im Jahr 1735, vor der Gründung unserer Nation, wurde Peter Zenger wegen In diesem Jahrhundert wurde die Pressefreiheit in den
ketzerischer Reden der Prozeß gemacht. Sein Verge- Vereinigten Staaten wiederholt auf die Probe gestellt.
hen war die Anmaßung, Kritik am britischen Gouver- Sie wurde während der beiden Weltkriege herausgeneur gedruckt zu haben. Unter anderem beschuldigte fordert, während der Bürgerrechtsbewegung und von
er den Gouverneur, die Kolonie französischen Angrif- den Vietnamkriegsgegnern, die uns noch frisch in
fen auszusetzen. Die Geschworenen stimmten für Erinnerung sind. Rede- und Pressefreiheit werden
Freispruch anhand von Beweisen für die Wahrheit der heute unter dem einen oder anderen Deckmantel
Anschuldigung. Diese Geschichte wird gelegentlich weiterhin diskutiert. Wir sind eine Gesellschaft, die
erzählt, um zu demonstrieren, daß die Amerikaner in erörtert, ob von der Regierung finanzierten Künstlern
einzigartiger Weise aufgeschlossen gegenüber einer Zwänge auferlegt werden sollen, ob die Gewalt in
freien Presse sind. Das ist jedoch nicht der Punkt. unseren Städten die Kontrolle von GewaltdarstellunObwohl die Amerikaner ihre Freiheit lieben, wäre die gen im Femsehen und Kino erfordert, ob die AbtreiBehauptung, wir seien anders als andere Menschen, bungsgegner das Recht haben, Abtreibungskliniken
eine Verzerrung unserer und Ihrer Geschichte. Der aufsuchenden Frauen ihren Protest buchstäblich ins
Kampf um das Prinzip einer freien Presse wurde nicht Gesicht zu schreien, ob die Regierung richtig oder
über Nacht gewonnen. Erst jahrzehntelange Kämpfe falsch handelte, als sie während der Golfkrise eine
und der Mut unzähliger Einzelpersonen führte zu sei- Nachrichtensperre verhängte. An den Universitäten,
ner Verankerung in der amerikanischen Bill of Rights. die traditionsgemäß das Hauptforum der freien Rede
sind, wird heute das Argument vorgebracht, die Redefreiheit
sollte eingeschränkt werden, wenn die Rede
Trotz der Verfassung der Vereinigten Staaten und trotz
Angehörige
einer ethnischen rassischen, relgiösen
der kühnen Aussage des ersten Zusatzartikels, "Der
oder
sozialen
Gruppe angreift. Aus meiner Sicht sind
Kongreß darf kein Gesetz erlassen, das ... die Redeall
dies
Bedrohungen
der freien Rede, aber auch
oder Pressefreiheit ... einschränkt", verabschiedete
Themen
lebhafter
Diskussionen.
unser Kongreß im Jahr 1798 das Gesetz über Ausländer und Aufwiegler, mit dem das Recht zu r Kritik an der
Regierung beschnitten wurde. Warum stimmte der In dieser Woche werden wir Gedanken über die RechtsKongreß einer solchen Gesetzesvorlage zu, und war- grundlage freier Medien austauschen. Eben weil die
um verlieh Präsident John Adams, ein Unterzeichner Pressefreiheit gleichermaßen unerläßlich für die
der Unabhängigkeitserklärung, ihm Gesetzeskraft? Demokratie und einer ständigen Bedrohung ausgeGelehrte verweisen auf die Besorgnis über eine Bedro- setzt ist, vertreten wir die Auffassung, da ß eine veriashung der Vereinigten Staaten durch Frankreich sowie sungsmäßige Garantie - kein Gesetz - den besten
auf die Rivalität zwischen der Föderalistischen Partei Schutz der Pressefreiheit darstellt. Ein von der Legisvon John Adams und der Republikanischen Partei lative gewährtes Recht kann von dieser wieder entzogen werden.
seines Vizepräsidenten Thomas Jefferson.

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AMERIKA DIENST 46

�Hinsichtlich der internationalen Verpflichtungen begrüßen wir die von der Menschenrechtskommission
der Vereinten Nationen getroffene Entscheidung, einen Sonderberichterstatter über Meinungs- und Redefreiheit zu ernennen. Die Resolution über die Einrichtung dieses Amtes verleiht der tiefen Besorgnis über
die Verfolgung von Journalisten, Redakteuren, Schriftstellern, Verlegern und Druckern Ausdruck sowie
derjenigen, die lediglich von ihrem Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit Gebrauch
machen.
Wir begrüßen auch die Wiener Deklaration, sind jedoch der Ansicht, daß sie beim Schutz der Pressefreiheit nicht weit genug geht. Das "Rahmenwerk nationaler Gesetze" mag nicht immer eine angemessene
Grundlage für die Gewährleistung einer freien Presse
sein, insbesondere wenn die Regierung der Presse
ablehnend gegenübersteht. Das gleiche Problem besteht
bei Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Resolution des Europarates von 1993,
die "akzeptable" journalistische Praktiken definiert. Ich
fürchte, durch diese Bestimmungen werden freie Medien
nicht gewährleistet, sondern beschränkt.

Entscheidungen werden vom Menschen getroffen, sei
es, wofür das Geld ausgegeben wird, wer gewählt wird
oder wem Glauben geschenkt wird. Die Erfahrung hat
wiederholt gezeigt, daß das beste Mittel gegen Falschinformation mehr Information ist.
Wenn wir einen juristischen Rahmen für freie Medien
erörtern, sollten wir die natürliche Spannung zwischen
den Regierenden und denjenigen, die über sie berichten, in Betracht ziehen. Die Aufgabe der Medien ist die
Überwachung der Regierung, nicht umgekehrt. Die
Medien lassen für gewöhnlich Politiker nicht in Ruhe.
In Polen nimmt die satirische Femsehserie "Polskie
Zoo" die Politiker aufs Korn, obwohl viele von ihnen
diejenigen waren, die im Kampf Polens für Redefreiheit an vorderster Front standen. Das geschieht in
jeder freien Gesellschaft. Als George Washington aus
dem Amt ausschied, versahen die Karikaturisten einen
Esel mit seinem Kopf, und eine Zeitung in Philadelphia
schrieb: " Jedes Herz, das die Freiheit und das Glück
des Menschen wünscht, sollte höher schlagen aus
Jubel darüber, daß der Name Washington von diesem
Tag an nicht länger politische Schandtaten und legalisierte Korruption nährt." Selbst Gründerväter werden
nicht unbedingt respektvoll behandelt.

Auf der Tagesordnung dieser Woche stehen journalistische Freiheit und Verantwortung. Ich bin über
dieses Thema beunruhigt, da es anzudeuten scheint,
Regierungsvertreter hätten das Recht zur Definition
von 'Verantwortungsbewußtem" Verhalten. Seitens
der Regierung eine gute Beurteilung der Presse zu
erwarten, ist ebenso töricht wie die Erwartung, alles
mögen, befürworten oder auch nur lesen zu wollen,
was an einem Zeitungskiosk zum Verkauf angeboten
wird.

Die Debatte dauert noch heute an. Wenn Amerikas
leidenschaftliche Verteidigung der Pressefreiheit charakteristisch für unsere Nation ist, dann aber auch die
Tatsache, daß keine Einrichtung öfter am Pranger
steht als die Presse, niemand von der Öffentlichkeit
schneller zum Sündenbock gemacht wird. "Die Medien" werden von Politikern und Aktivisten aus dem
gesamten ideologischen Spektrum als Quelle verschiedener Übel verurteilt - von schlechter Politik bis
zum Verfall des Wertesystems. Während unseres
Als ich vor kurzem in der Schlange an der Kasse eines letzten Präsidentschaftswahlkampfes war einer der
Supermarktes stand, hatte ich die Auswahl unter beliebtesten Aufkleber der Republikanischen Partei
Publikationen mit Titelgeschichten, die von Präsident "Ärgert die Medien: Wählt wieder Bush!" Und es
Clintons Reformplan für das Gesundheitswesen über verging nicht viel Zeit nach der Amtsübernahme Prädie Herbstmode, neue Angebote für Autos und Kabel- sident Clintons, bis die Leitartikelschreiber seine
femsehen bis zu so verführerischen Überschriften Administration zu kritisieren begannen, was einige
reichten wie "Elvis beim Frühstücken gesehen", "Fünf Demokraten zu Klagen über die "unfaire Behandlung"
Fitnessübungen beim Telefonieren" und "Opfer rätsel- ihres Präsidenten veranlaßte.
hafter Krankheit vergessen Tiernamen - erinnern sich
aber an alles andere". Diese Titel zeigen zumindest, Die freien Medien sind für gewählte Politiker ein ständaß es keine Garantie für guten Geschmack gibt. Es diges Ärgernis. Die freien Medien werden oft vom Volk
gibt keine Sicherheit dafür, daß alles, was die Men- kritisiert. Die freien Medien verleihen oft Ideen Ausschen in einer Demokratie schreiben oder lesen wol- druck, die nicht jeder mag oder befürwortet.
len, tiefgründig, erhebend oder wahr ist. Freie Rede
kann ebensogut albern, verletzend oder vollkommen Der große russische Dichter Turgenjew schrieb 1882:
unwahr sein. Die Frage ist jedoch, wer die Medien bei "An den Tagen des Zweifeins und des traurigen Grüihren Exzessen mäßigen sollte und was der Preis für belns über das Schicksal meines Landes bist Du allein
mein Stab und meine Stütze - mächtige, wahre, freie
die Kontrolle einer freien Presse ist.
russische Sprache!" Rußland erlebt eine sehr harte
Zur ersten Frage: Ich würde argumentieren, Journali- Zeit. Unser Respekt für Rußland hat nicht abgenomsten sollten in objektiver Berichterstattung ausgebildet men, die Vereinigten Staaten haben jedoch in der
werden und die Redakteure über die Veröffentlichun- Öffentlichkeit und in Gesprächen ihre Ablehnung der
gen entscheiden. Ihre Entscheidung wiederum sollte Zensur in Rußland und des Verbots der Oppositionsvom Markt geleitet werden. Die Essenz eines freien presse deutlich gemacht. In der ehemaligen SowjetIdeenmarktes ist dieselbe wie die der Demokratie: Die union genoß Rußland den Ruf, die freiesten Medien zu
AMERIKA DIENST 46

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�haben. Die Medien haben beim Schutz der Demokratie in Ru Bland eine Rolle gespielt: Die Fernsehberichterstattung über den Putschversuch von 1991 und die
Proteste im Oktober riefen die demokratischen Kräfte
auf den Plan. Angesichts der gegenwärtigen Krise und
der bevorstehenden Wahlen müssen die Menschen
eine Stimme und eine Vielfalt von Informationsquellen
zur Verfügung haben.

freie Presse ist immer wieder eine Kraft zur Behebung
von haßbedingtem Unrecht gewesen. Die schlechte
Behandlung von Arbeitnehmern, Korruption und Rechtsbrüche finden statt, weil wir Menschen sind. Eine freie
Presse hat sich wiederholt als Korrektiv erwiesen.
Politische Inkompetenz oder Machtmißbrauch ereignen sich nicht aufgrund der Nachlässigkeit der Demokratie, sondern weil die Politiker Menschen sind.
Machtmißbrauch oder der unkluge Umgang mit Macht
Freie Medien sind der beste Schutz einer Demokratie sind so alt wie die Menschheit und ebenso Bestandteil
und ein Urheber für friedlichen sozialen Wandel. Unter der menschlichen Natur wie Ehrgeiz und Angst, Mitleid
normalen Umständen stellen freie Medien das Mittel und Vorurteil, derWunsch, Gutesund die Versuchung,
dar, durch das die Wählerschaft sich bildet und ihren Böses zu tun. Eine freie Presse weist immer wieder
Ansichten über aktuelle Fragen Ausdruck verleiht. Es auf politische Inkompetenz und Machtmißbrauch hin
gibt auf der Welt nicht einen gewählten Politiker, der und hilft der Demokratie erneut auf die Füße. In einer
nicht den Tag mit der Lektüre von Nachrichten und Demokratie erstreben wir eine Beschränkung der
Leitartikeln beginnt. In bewegten Zeiten gewähren die schlimmsten Eingebungen der Regierenden und eine
freien Medien die Ideenvielfalt und stellen ein Forum Freisetzung der besten Eingebungendes Volkes. Das
für abweichende Meinungen dar.
Ergebnis ist auf kurze Sicht manchmal das Gegenteil
des Erwünschten, auf lange Sicht jedoch eine DemoIn den Vereinigten Staaten fallen uns viele Beispiele für kratie, die unter dem Schutz der Pressefreiheit in
die positiven Auswirkungen freier Medien auf die kreativen, stabilen und gerechten Gesellschaften in
Gesellschaft ein. Die Presse brachte zur Jahrhundert- Nationen Früchte trägt, die in Harmonie, nicht in Bürwende die inhumanen Bedingungen in amerikanischen gerkrieg leben.
Fabriken und Mietshäusern ans Licht, die Presse
stellte ein Forum für die Gegner des Vietnamkriegs Die Vereinigten Staaten sind der festen Überzeugung,
dar. Die größte Veränderung, die die Presse in den daß Menschenrechte und Demokratie die PressefreiVereinigten Staaten bewirkte, fand vielleicht bei den heit voraussetzen. Als Abteilungsleiter für MenschenRassenbeziehungen statt. Wie viele andere hier ver- rechte und humanitäre Angelegenheiten im Außenmitretene Nationen werden die Vereinigten Staaten seit nisterium beschäftige ich mich nicht nur zeitweilig mit
langer Zeit mit ethnischen und rassischen Spannun- freien Medien - vielmehr sind sie ein zentraler Bestandgen konfrontiert, oftmals weil das in unserer Verfas- teil meiner Arbeit. Nach dem Ende des Kalten Krieges
sung verankerte Recht auf Freiheit und Würde einigen und angesichts der Bestrebungen einer Vielzahl von
Menschen aufgrund ihrer Rasse verweigert wurde. Ländern zum Aufbau funktionierender Demokratien
Die Abschaffung der Sklaverei hing von einer freien besteht für uns die Chance eines dauerhaften FriePresse ab, beispielsweise William Lloyd Garrisons dens und einer anhaltenden Verpflichtung zur Freiheit.
abolitionistischerZeitung. Die Bürgerrechtsbewegung Der Philosoph Tacitus schrieb vor langer Zeit: "Rar
in diesem Jahrhundert basierte ebenfalls auf der sind jene glücklichen Zeiten, in denen Gedanken und
Redefreiheit - auf dem Recht von Martin Luther King Worte frei sind." Wenn wir uns mit Wachsamkeit für die
und Malcolm X, ihre Meinung zu äußern und Märsche Freiheiten einsetzen, von denen ich spreche, können
anzuführen, auf dem Recht der Presse zur Berichter- wir gemeinsam darauf hinarbeiten, daß uns allen
stattung über Unterdrückung. Martin Luther Kings unwiderruflich solche Zeiten bevorstehen.
Rede "Ich habe einen Traum ..." inspiriert die Menschen noch heute, und ohne Redefreiheit und eine Ich danke Ihnen.
freie Presse würde dieser Traum im Dunkeln bleiben.
Wir haben keine Vorurteile aufgrund von Redefreiheit,
sondern weil sie in der Naturdes Menschen liegen. Die

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�BEVÖLKERUNG
17. November 1993

BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IST WICHTIGES
AUSSENPOLITISCHES THEMA
Vorbereitungen für Weltkonferenz

Einrichtung eines Referats für Bevölkerungs-,
VEREINTE NATIONEN - (AD) - "Die BevölkerungsFlüchtlingsund Migrationsfragen im US-Auentwicklung ist ein bedeutendes au ßenpolitisches Anßenministerium,
um bevölkerungspolitische
liegen, dem die Clinton-Administration einen beträchtAspekte
stärker
in
den Vordergrund zu rücken
lichen Teil seiner Energie widmet", und die Vereinigten
sowie
Staaten werden aktiv an den Vorbereitungen für die
bevorstehende Weltkonferenz über Bevölkerung und
Entwicklung einer umfassenden neuen BevölEntwicklung teilnehmen, erklärte der amerikanische
kerungspolitik.
Botschafter Victor Marrero vor der UN-Generalversammlung.
1993 leisteten die Vereinigten Staaten einen Beitrag
von
14,5 Millionen Dollar zum UN-Bevölkerungsfonds
"Die Vereinigten Staaten verpflichten sich, alles in ihrer
und
beabsichtigen für 1994 eine Beitragserhöhung auf
Macht Stehende zu tun, um die Kairoer Konferenz
40
Millionen
Dollar. Die Vereinigten Staaten hatten
erfolgreich zu gestalten", äußerte Marrero am 4. Noden
Fonds
im
Jahr 1986 wegen der Finanzierung von
vember. Sie haben ihm zufolge zur Vorbereitung der
Programmen
zum
Schwangerschaftsabbruch durch
Konferenz einen Beitrag in Höhe von 1 Million Dollar
die
Behörde
und
des
Programms zur zwangsweisen
geleistet.
Familienplanung in China verlassen. Zu diesem ZeitMarrero, der Stellvertreter von Botschafterin Albright punkt beliefen sich die amerikanischen Beiträge auf
bei den Vereinten Nationen, wies darauf hin, daß die insgesamt 46 Millionen Dollar.
Vereinigten Staaten seit dem Amtsantritt Präsident
Clintons vor neun Monaten vier konkrete Schritte zur In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung im
Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle bei September erneuerte Präsident Clinton das Engageinternationalen Bevölkerungsfragen unternommen ment Amerikas zur Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, um mehr Informationen und Dienstleihätten:
stungen im Bereich der Familienplanung bereitzustelUmkehr der sogenannten Mexiko-City-Politik, len.
die amerikanische Finanzbeiträge an Organisationen beschränkte, die im Zusammenhang mit Der Zweite Ausschuß der UN-Generalversammlung
Schwangerschaftsabbrüchen stehende Aktivi- erörtert zur Zeit die Vorbereitungen für die Weltkonferenz über Bevölkerung und Entwicklung, die für Septäten verfolgen,
tember 1994 in Kairo anberaumt ist. Die von zwei
erstmalige finanzielle Unterstützung seit 1986 wichtigen Teilnehmerländern - den Vereinigten Staades Fonds der Vereinten Nationen für Bevölke- ten und Ägypten - in dem Ausschuß abgegebenen
rungsfragen (United Nations Fund for Popula- Erklärungen demonstrierten die erstaunliche Annähetion Activities - UNFPA) sowie der internationa- rung der Ansichten über diese Themen sowie neue
len Föderation für Familienplanung (Planned Ansätze bei Bevölkerungsfragen in Industriestaaten
Parenthood Federation) und des Familienpla- und Entwicklungsländern - im Gegensatz zu der
nungsprogramms der Weltgesundheitsorgani- umstrittenen Konferenz von Mexico City im Jahr 1984.
sation (World Health Organization - WHO),

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Seite 1

�Nafis Sadik, der Direktor des UN-Bevölkerungsfonds
und Generalsekretärder Konferenz, stellte fest, das im
Mai abgehaltene vorbereitende Treffen "war eine äußerst
positive Bestätigung für das Engagement der internationalen Staatengemeinschaft bei bevölkerungs- und
entwicklungspolitischen Fragen."
"Die Kairoer Konferenz ist unsere historische Chance,
der Bevölkerung den ihr gebührenden Stellenwert bei
Maßnahmen und Aktionen zu sichern, die den Bedürfnissen und Wünschen der Menschheit Rechnung tragen. Dies zu verwirklichen, schulden wir nicht nur uns
selbst, sondern insbesondere künftigen Generationen", erklärte Sadik gegenüber den Delegierten.

Die Vereinigten Staaten drängten femer auf einen
expliziten Wortlaut der Empfehlungen bezüglich der
Notwendigkeit von verbesserten Informations- und
Bildungsprogrammen sowie zu den Bereichen Technologie, Forschung und Entwicklung.
Ägypten sei darüber hinaus bestrebt sicherzustellen,
daß die Empfehlungen die Verbindung zwischen
Bevölkerung, umweltverträglichem Wirtschaftswachstum und umweltverträglicher Entwicklung hervorheben.

Der ägyptische Minister für Bevölkerung und Familienfürsorge, Mäher Mahran, erläuterte, die "Verantwortung und Beteiligung der Männer an Programmen zur
"Die Vereinigten Staaten hoffen, das Dokument hebt Kontrolle des Bevölkerungswachstums kann nicht länger
eindeutig hervor, daß die Stabilisierung des Weltbevöl- ignoriert werden. Frauen haben bis heute einen grokerungswachstums ein allen anderen Zielen zugrun- ßen Teil der Last getragen - und dies gilt sowohl für die
deliegendes und sie verstärkendes Ziel ist", fügte Industrie- als auch die Entwicklungsländer."
Marrero hinzu.
"Es ist unser Wunsch, daß Familienplanung gleicherDem amerikanischen Botschafter zufolge erwarten die maßen von Männern und Frauen übernommen wird",
Vereinigten Staaten von den Empfehlungen "ein klar so Mahran.
formuliertes Programm für künftiges Vorgehen" mit
Mahran forderte ferner größere Betonung von Proeiner Mindestanzahl von Empfehlungen.
grammen, die den Stand der Frau in der Gesellschaft
" Familien sowie die Vereinbarkeit von Arbeit und El- verbessern, das Analphabetentum unter erwachseternrolle betreffendenEmpfehlungen müssen auch nen Frauen bekämpfen sowie Informationen über die
ausdrücklich die Tatsache berücksichtigen, daß diese Mutterschaft anbieten, und erklärte, den PrivatorganiVereinbarkeit nicht nur von angemessenen Kinderta- sationen müsse die Freiheit eingeräumt werden, "ihre
gesstätten sowie anderen Sozialmaßnahmen und historische Kreativität und Pionierarbeit" ohne ungeProgrammen abhängt, sondern auch vom Zugang zu bührliche staatliche Einschränkungen auszuüben.
den Kontrollmitteln für die Anzahl der Kinder und den
Zeitabstand zwischen ihrer Geburt", stellte er fest. In den vergangenen neun Jahren ist Ägypten dem
"Die Kontrolle der Frau über die Empfängnis ist unab- Minister zufolge zu einer Erfolgsgeschichte der Bevölkerungskontrolle geworden. Die Geburtenrate sei von
dingbar zur Erlangung voller Gleichberechtigung."
3,98 auf 2,99 Prozent gesunken, 48 Prozent der BevölFamilienplanungsprogramme sollten freiwillig erfolgen kerung verwendeten Kontrazeptiva und die Kinderund Bestandteil eines umfassenderen Gesundheits- sterblichkeit betrage 3,5 Prozent.
programms sein, das Vorbeugungsmaßnahmen gegen AIDS, den Bedarf an Kontrazeptiva, sicheren
Schwangerschaftsabbruch und Schwangerschaftsdienste anspricht, fuhr er fort.
* * * * *

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�JOHN

F.

KENNEDY
17. November 1993

Der Präsident, der Hoffnungen weckte
Persönliche Erinnerungen von David Pitts
WASHINGTON - (AD) -Aus Anlaß des 30. Jahrestages der Ermordung von John F. Kennedy am 22. November
1993 veröffentlichen wir persönliche Erinnerungen an den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Der Autor
des nachfolgenden Artikels, David Pitts, erlebte die Kennedy-Zeit als Junge in England.

Würde John F. Kennedy noch leben, wäre er jetzt 76
Jahre alt - ein ernüchternder Gedanke für eine Generation, die erwachsen wurde, als er die Idee der "New
Frontier" entwickelte, und die jetzt mittleren Alters oder
älter ist. Es ist eine Generation, die ihn nicht vergessen
kann, obwohl seit jenem schrecklichen Tag in Dallas
jetzt dreißig Jahre vergangen sind.
John F. Kennedy trat 1961 mit einem äußerst knappen
Wahlergebnis als jüngster Präsident der Vereinigten
Staaten sein Amt an. Doch als er 1.000 Tage später
ermordet wurde, war die Welt in ihrer Trauer geeint.
Die seitdem vergangene Zeit hat unweigerlich zu einer
Neubewertung seiner Leistungen geführt. Wir haben
gelernt, seine Worte von seinen Taten zu trennen,
seine Vision von seiner Politik und seinen Witz von
seiner Klugheit.
In der Wert Anfang der sechziger Jahre hatte Kennedy
jedoch keine leichte Aufgabe. Von Anfang an war
seine Amtszeit von schweren au ßenpolitischen Krisen
überschattet, die in der Nachkriegszeit ihresgleichen
suchten.
Der Kommunismus in Kuba und Südostasien, die
Bedrohung durch Nikrta Chruschtschow wegen Westberlin und gefährliche Krisen wie im Kongo (jetzt Zaire)
beherrschten die Aufmerksamkeit des jungen Präsidenten und der intelligenten jungen Männer, die er mit
nach Washington brachte.
Trotz der Unlösbarkeit vieler dieser Probleme waren
deutliche Erfolge zu verzeichnen, die ein neues Bild
von den Vereinigten Staaten als einem Land schufen,
das sich nicht nur für eine sicherere, sondern auch eine
fürsorglichere Welt einsetzte. Das Peace Corps, die
Allianz für den Fortschritt sowie der Vertrag über das

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Verbot von Atomtests waren anschauliche Beispiele
für ein Amerika, das sich von seiner besten Seite
zeigte.
Auch gab es neue, kühne Versuche zur Bekämpfung
von Armut und Rassendiskriminierung, die nicht nur im
Inland, sondern auch in Übersee Anlaß zu neuer
Hoffnung gaben.
Es sind jedoch nicht die Errungenschaften oder Fehlschläge der Kennedy-Jahre, an die wir uns erinnern,
und auch nicht die Widersprüche dieses höchst komplizierten Mannes. Wir erinnern uns an das von John
F. Kennedy vermittelte Gefühl, daß wir die Welt neu
gestalten können, wir auf diesem Planeten Herr über
unser eigenes Schicksal sind, die Menschheit nicht
dem Untergang geweiht ist, daß "auf der Wert" - wie er
sagte - "Gottes Werk das Vorbild für unser eigenes
sein mu ß". Das ist kein geringer Anspruch, und wir alle
erfüllen seine Erwartungen nicht.
Ich war ein Junge und wuchs in England auf, als ich
Kennedys Amtsantrittsrede sah. Wir mußten geschlagene 24 Stunden darauf warten. Das war in den Tagen
vor dem Satellitenfernsehen, als die Videokassetten
mit Verzögerung per Flugzeug ankamen. Ich erinnere
mich, daß ich fasziniert von seiner Rede war, obwohl
ich als 13jähriger noch nicht ihre Auswirkungen verstand.
Ebenso wie Amerika schloß auch Europa John F.
Kennedy an diesem Tag ins Herz, und zwei Jahre und
zehn Monate lang war das Ansehen der Vereinigten
Staaten höher als jemals zuvor oder danach. In den
Augen der Europäer war Kennedy der Inbegriff des
amerikanischen Ideals: Jung, erfolgreich, energiegeladen, optimistisch, unkonventionell, aber mit sehr viel
Stil.

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�Als er im Sommer seines letzten Lebensjahres, 1963, halt des Lebens sind. Nun weilt er nicht mehr unter
Europa bereiste, waren die Europäer enthusiastisch, uns. Heute trauern wir um ihn. Morgen und in der
insbesondere in Irland, dem Land seiner Vorfahren. Zukunft werden wir ihn vermissen. Und so werden wir
Es ging ihnen ebenso um John F. Kennedy, den Mann, nie wissen, wie anders die Welt ausgesehen haben
den sie liebten, wie um den Präsidenten John F. könnte, wenn das Schicksal dieses unglaubliche TaKennedy.
lent am Leben erhalten hätte und er an der unvollständigen Tagesordnung für Frieden und Fortschritt für alle
Den erfahrenen alten Politikern Europas - DeGaulle in hätte mitwirken können."
Frankreich, Adenauer in der Bundesrepublik Deutschland, MacMillan in England - erschien Kennedys Konzept Die Welt von heute unterscheidet sich stark von der
einer "New Frontier" naiv. Die Europäer waren jedoch Anfang der sechziger Jahre. Wir befinden uns in einem
davon angetan. Lord Harlech, der damalige britische Zeitalter der Beschränkungen, wird gesagt. DiejeniBotschafter in Washington, stellte fest: "Jeder wollte gen unter uns, die jene Jahre erlebten, werden jedoch
damals, daß die Vereinigten Staaten die Führungsrolle nie die Stimme mit dem Bostoner Akzent vergessen,
übernahmen. Es gefiel ihnen, Präsident Kennedy als die uns drängte, die Dinge zu tun, die getan werden
führenden Politiker der westlichen Welt zu haben".
müssen, um das Leben für die ganze Menschheit zu
dem zu machen, was es sein sollte.
Es ist ein Tribut an die bemerkenswerte Weitsicht
Präsident Kennedys, daß selbst nach dem Ende des Wäre er nicht vor 30 Jahren ermordet worden, wäre er
Kalten Krieges viele der Fragen, die er Anfang der natürlich nicht länger jung und vielleicht nicht einmal
sechziger Jahre so energisch ansprach, 30 Jahre mehr kraftvoll. Aber ich wage zu behaupten, daß er
später immer noch auf der Tagesordnung stehen: Die immer noch engagiert wäre und sich weiterhin der
Notwendigkeit der Eindämmung der Weiterverbrei- unvollendeten Tagesordnung der Menschen für Frietung von Atomwaffen, der Kampf um rassische Ge- den und Fortschritt widmen würde.
rechtigkeit, die weltweite Kluft zwischen Arm und Reich.
In einer Rede sprach er einst über seine Hoffnungen
Unweigerlich fragen wir uns, in was für einem Land, in für Amerika, und diese Worte sind auch im Jahr 1993
was für einer Welt wir leben würden, wäre John F. noch von Bedeutung:
Kennedy nicht gestorben - eine quälende Frage der
Geschichte. Der französische Botschafter zitierte bei "Ich sehe einer großen Zukunft für Amerika entgegen,
Kennedys Tod Stendhal: "Er verkörperte eine wunder- einer Zukunft, in der unser Land seine militärische
Stärke unserer moralischen Zurückhaltung anpassen
bare Hoffnung."
wird, seinen Wohlstand unserer Klugheit, seine Macht
Genau das verfolgt Kennedys Generation noch heute unserem Ziel. Ich sehe einem Amerika entgegen, das
- die unerfüllten Hoffnungen, der Schmerz unerfüllter keine Angst vor Anmut und Schönheit hat, das die
Träume. Für uns wurde er zu einer Metapher - nicht Naturschönheiten schützt, das die alten großen amenur für die Zerbrechlichkeit von Hoffnungen, sondern rikanischen Häuser, Plätze und Parks unserer nationalen Vergangenheit bewahrt und das schöne und gut
auch für die schreckliche Unsicherheit des Lebens.
geplante Städte für unsere Zukunft bauen wird. Ich
Adlai Stevenson, der amerikanische Botschafter bei sehe einem Amerika entgegen, das Errungenschaften
den Vereinten Nationen, sprach über dieses Gefühl der Künste belohnt, wie wir Errungenschaften in Wirtverlorener Hoffnung in der vielleicht eloquentesten, schaft oder Staatskunst belohnen... Ich sehe einem
kurz nach John F. Kennedys Tod gehaltenen Gedenk- Amerika entgegen, dem auf der ganzen Welt Respekt
rede. "Präsident Kennedy", erklärte er, "war so sehr gebührt, nicht nur wegen seiner Stärke, sondern auch
ein Mann unserer Zeit, engagierte sich so für unsere wegen seiner Zivilisation. Und ich sehe einer Welt
Welt, gehörte so in unsere Zeit, reagierte so stark auf entgegen, die nicht nur Demokratie und Vielfalt schützt,
ihre Herausforderungen, daß er wie das Symbol der sondern auch die Leistung des einzelnen."
Vitalität und Lebensfreude schien, die der Wesensge-

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                <text>&lt;strong&gt;1. NAFTA&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton macht sich für Verabschiedung des NAFTA stark&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Radioansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Clinton: Kongress wird NAFTA zustimmen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Zusammenfassung der Pressekonferenz im Weißen Haus und Eingangserklärung des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Terrorismus&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Sanktionen gegen Lybien sind Beweis für Widerstand gegen Terrorismus &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Albrights vor UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Landminen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA für weltweites Verbot des Verkaufs von Landminen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Senator Leahy vor UN-Generalversammlung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Medien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle freier Medien in der Demokratie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede Shattucks bei KSZE-Seminar&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Bevölkerung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Bevölkerungsentwicklung ist wichtiges außenpolitisches Thema&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vorbereitung für Weltkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. John F. Kennedy&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Präsident, der Hoffnungen weckte&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Persönliche Erinnerungen von David Pitts&lt;/em&gt;</text>
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