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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

30. März 1994

13

NORDKOREA

PERRY: "ZUR ZEIT KEINE KRISE"
Vereinigte Staaten ergreifen
"wohlüberlegte" defensive Maßnahmen

UNO

USA ARBEITEN AUF GLAUBWÜRDIGE, KOSTENGÜNSTIGE UN-FRIEDENSSICHERUNG HIN
Rede von Botschafterin Albright
vor Kongreß-Unterausschuß

CHEMIEWAFFEN

HOLUM DRANGT AUF FRÜHZEITIGE
RATIFIZIERUNG DER
CHEMIEWAFFENKONVENTION
Erklärung von ACDA-Direktor John Holum

AUSSENPOLITIK

CLINTON SOLLTE NICHT UNTERSCHÄTZT
WERDEN
von Samuel R. Berger

FILM

ZEHN OSCARS FÜR SPIELBERGS FILME
Oscar-Verleihung 1994

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�NORDKOREA
30. März 1994

PERRY: "ZUR ZEIT KEINE KRISE"
Vereinigte Staaten ergreifen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen
WASHINGTON - (AD) - US-Verteidigungsminister William J. Perry erklärte am 25. März 1994 vor Journalisten,
zur Zeit gebe es "keine militärische Krise" zwischen den Vereinigten Staaten, ihrem südkoreanischen Verbündeten, und Nordkorea.

Gleichzeitig ließ Perry verlauten, die Vereinigten Staaten ergriffen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen
für den Fall, daß der immer wieder aufflammende
Disput mit Nordkorea erneut eskalieren sollte.
Perry machte seine Ausführungen zu Nordkorea bei
einer im Pentagon anberaumten Pressekonferenz, bei
der er eigentlich die Journalisten über seinen jüngsten
Besuch in Rußland, Kasachstan, der Ukraine und
Belarus informieren wollte - den vier neuen unabhängigen Staaten (NUS), die nach dem Zusammenbruch
der Sowjetunion deren Atomwaffen erbten.
Nach einer kurzen Analyse seiner Reise in die NUS
beantwortete Perry jedoch fast ausschließlich Fragen
zu der Besorgnis der Vereinigten Staaten über die
Weigerung Nordkoreas, angemessene internationale
Inspektionen des Nuklearprogramms des kommunistischen Landes zuzulassen.
"Nordkorea verfügt über eine Armee mit einer Million
Soldaten. Zusätzlich hat das Land die Möglichkeit zur
Entwicklung einer Atombombe, und seine Regierung
ist unberechenbarund instabil", legte Perry die besorgten Überlegungen der Vereinigten Staaten dar.
Die Möglichkeit, daß Nordkorea über Anlagen zum
Bau von Atomwaffen verfügt, "verschärft die gegenwärtige Situation", so Perry.

Perry wollte keine weiteren Einzelheiten zu den Vorbereitungen der Vereinigten Staaten zur Erhöhung der
Verteidigungsbereitschaft geben. "Wir können unsere
militärische Eventualfallplanung einfach nicht in der
Öffentlichkeit erörtern", teilte er mit.
"Wir bemühen uns weiterhin um eine Lösung auf
diplomatischer Ebene. Wir haben noch nicht aufgegeben. Sollte das scheitern, müssen Sanktionen meines
Erachtens der nächste Schritt sein."
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen debattiert
zur Zeit über eine Resolution, die Nordkorea zur Umkehr
seiner Haltung zu internationalen Inspektionen aufruft.
Sollten sich die Vereinten Nationen zur Verhängung
von Sanktionen gegen Nordkorea entschließen, könnten diese "ziemlich nachteilig" sein, so Perry.
Zuvor hatte Perry seine Reise in die ehemalige Sowjetunion als "pragmatische Partnerschaft in Aktion" bezeichnet. Ziel der Reise sei die Beschleunigung der
Konversion strategischer Waffen zu friedlichen Zwekken gewesen.
Während seines Besuchs wurden Perrys Angaben
zufolge Abkommen über Hilfe für die Konversion von
Rüstungsgütern im Wert von mehr als 165 Millionen
Dollar geschlossen.

Präsident Clinton ordnete am 21. März die Entsendung
eines Bataillons von Patriot-Abwehrraketen nach
Südkorea an, die "zur Zeit stattfindet". Die Raketen
werden per Schiff transportiert und in ungefähr einem
Monat stationiert.

"In Rußland trafen wir mit Verteidigungsminister Gratschow zusammen und sprachen über die geplante
Partnerschaft für den Frieden. Erteilte mit, Rußland
werde der Partnerschaft beitreten und der NATO bis
Ende des Monats einen Antrag auf Mitgliedschaft
vorlegen", so Perry.

"Sollte es eine militärische Konfrontation mit Nordkorea geben, wären taktische Luftstreitkräfte der größte
Beitrag, den die Vereinigten Staaten zur Abwehr leisten könnten", erläuterte der Verteidigungsminister.
"Das wäre eine Frage von wenigen Tagen."

Die "Partnerschaft für den Frieden" ist ein Vorschlag
der Vereinigten Staaten, der Mitgliedern des ehemaligen Warschauer Pakts eine eingeschränkte Mitgliedschaft im Nordatlantischen Verteidigungsbündnis
gestattet.

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�"In der Ukraine besuchten wir eine Abschußvorrichtung für ballistische Interkontinentalraketen, an der
früher SS-19 und SS-24 auf die Vereinigten Staaten
gerichtet waren".

"Es war für mich eine erstaunliche Erfahrung, dort zu
stehen und die Kontrollvorrichtungen der Raketen zu
betrachten, die jede größere Stadt der Vereinigten
Staaten zerstören konnten", äußerte er.

"Hier findet der Abbau statt", teilte Perry mit. Die
Ukraine habe unter dem zwischen ihr, Rußland und
den Vereinigten Staaten geschlossenen Abkommen
bereits 120 Gefechtsköpfe nach Rußland zur Zerlegung geschickt.

Dem Verteidigungsminister zufolge war sein Besuch
der ehemaligen sowjetischen Abschußrampe bei Baikonur in Kasachstan "ein sehr bewegendes persönliches Ereignis", weil er einen Großteil seiner beruflichen Laufbahn die Einrichtung aus der Entfernung
untersucht hatte und jetzt aus nächster Nähe sehen
Zwei ukrainische Soldaten hätten Perry in den Schacht
konnte.
begleitet um ihm zu demonstrieren, wie die Rakete
abgeschossen werden konnte.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�UNO
30. März 1994

USA ARBEITEN AUF GLAUBWÜRDIGE,
KOSTENGÜNSTIGE UN-FRIEDENSSICHERUNG HIN
Rede von Botschafterin Albright vor Kongreß-Unterausschuß
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten unterstützen Friedenssicherungsoperationen der Vereinten
Nationen, "weil sie zu einer weniger gewalttätigen, stabileren und demokratischeren Welt beitragen", erklärte die
Botschafterin der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen, Madeleine Albright, am 22. März 1994 vor
einem Unterausschuß des Repräsentantenhauses.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Politik der Administration
Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender, befindet sich die
Administration im letzten Stadium einer einjährigen
Überprüfung der Friedenssicherungspolitik. Diese Politik

zielt nicht auf eine Erweiterung der UN-Friedenssicherung, sondern deren Korrektur ab. Wir erachten die
Friedenssicherung der UNO nicht als Kernstück unserer nationalen Sicherheitsstrategie, sondern als einen
Beitrag dazu. Wir sehen sie als einen Weg, Krisen zu
entschärfen und größere Katastrophen durch einen
Friedensbruch zu verhindern, die Stabilität bedrohen,
Leiden erzeugen und unsere Ressourcen aufzehren.
Wir werden uns stets das Recht vorbehalten, im Alleingang oder durch ein Bündnis wie die NATO zu handeln. Wir wollen jedoch das Vertrauen haben, daß die
Vereinten Nationen die Arbeit in kostengünstiger Weise
und einem absehbaren Zeitrahmen leisten können,
wenn wir die Entscheidung treffen, die Unterstützung
einer UN-Friedensmission liege im Interesse des
amerikanischen Volkes.
Während des Kalten Krieges war die Rolle der Vereinten Nationen bei der Friedenssicherung marginal. In
den vergangenen Jahren hat sie rasch zugenommen,
die Institution großen Belastungen ausgesetzt und
einen dramatischen Anstieg der Kosten und Risiken
von Friedenssicherung mit sich gebracht.

nicht? Welche Kriterien waren beispielsweise für die
vorige Administration maßgeblich, alssiefürdie Unterstützung neuer Operationen im ehemaligen Jugoslawien, in Somalia, Angola, El Salvador, Kambodscha,
der Westsahara, Mosambik und Kuwait stimmte? Und
welche Kriterien wandten die anderen Mitglieder des
Sicherheitsrats an? Es gab keine eindeutige Antwort.
Das haben wir geändert. U nseres Erachtens hängt der
Wert der UN-Friedenssicherung nicht von der Zahl der
angestrebten Missionen ab, sondern davon, wie gut
jede Mission durchgeführt wird. Wir bestehen also
darauf, daß die Schlüsselfragen vorher gestellt werden und nicht nachdem neue Friedenssicherungsverpflichtungen eingegangen worden sind. Zu diesen
Fragen zählen:
Gibt es eine reale Bedrohung für internationalen
Frieden und die Sicherheit?
Hat die vorgesehene Friedenssicherungsmission eindeutige Ziele und kann ihr Umfang klar
umrissen werden?
Wenn die Operation der Friedenssicherung und
nicht der Durchsetzung des Friedens dient, wurde
ein Waffenstillstand vereinbart, und haben die
Konfliktparteien einer UN-Präsenz zugestimmt?

Rigorosere Entscheidungsfindung

Stehen die zur Durchführung der Mission erforderlichen Ressourcen zur Verfügung?

Kurz nach meiner Ankunft in New York im vergangenen Jahr habe ich mir die Frage gestellt: Welche
Kriterien haben wir bei der Entscheidung benutzt, ob
wir eine Friedensmission unterstützen sollen oder

Kann ein Ende der UN-Beteiligung ausgemacht
werden?

AMERIKA DIENST 13

Was geschieht, wenn wir nicht handeln?
Seite 1

�Unsere neue Politik bewirkt bereits etwas. Zum Beispiel haben wir unsere Unterstützung für potentielle
Missionen in Georgien und Liberia von größeren Fortschritten bei den Friedensverhandlungen abhängig
gemacht. Wir unterstützen eine verstärkte UN-Polizeipräsenz in Mosambik, aber unter der Bedingung, daß
die zusätzlichen Kosten ausgeglichen werden. Wir
bestehen darauf, daß in alle Friedenssicherungsmissionen genehmigende oder erweiternde Resolutionen
ein festgesetzter Zeitrahmen aufgenommen wird, damit
die Last des Beweises bei denjenigen liegt, die eine
Erweiterung statt einer Beendigung befürworten. Wir
hoffen einen Präzedenzfall geschaffen zu haben, indem wir Zypern und Kuwait zur Begleichung eines
maßgeblichen Teils der Kosten von Friedenssicherungsoperationen auf ihrem Territorium ermutigen.
Wir verlassen uns soweit wie möglich auf regionale
Organisationen wie die Wirtschaftsgemeinschaft
westafrikanischer Staaten und die KSZE. Und wir
überprüfen regelmäßig den Stand aller UN-Operationen um zu entscheiden, ob ihre Ziele erreicht werden
oder erreicht werden können.

Verbesserungen bei Planung, Ausbildung, Fernmeldewesen, Nachrichtendiensten und öffentlichen Angelegenheiten.
Unser Ziel dabei besteht nicht in der Schaffung einer
Art von globalem Oberkommando, sondern vielmehr
in der Verbesserung der Effizienz bis zu dem Punkt, an
dem UN-Friedenssicherung glaubwürdig, kostengünstig und professionell ist. Wir sind zum Beispiel
entschlossen, die Wiederholung einer Situation wie
vor kurzem zu verhindern, als der UN-Vertreter im
ehemaligen Jugoslawien über drei Stunden für die
Genehmigung der Luftüberwachung zur Verteidigung
der UNO-Truppen benötigte.
Herr Vorsitzender, die UN-Friedenssicherung hat
zweifelsohne noch viel Arbeit vor sich, aber Reformen
werden gemacht, Lektionen gelernt und Fortschritte
erzielt.
Der Wert der Friedenssicherung

Natürlich wäre all dies nicht von Bedeutung, wenn
sorgfältig definierte und gut durchgeführte UN-FrieIch muß auch feststellen, daß trotz der schrecklichen densoperationen nicht dem besten Interesse unserer
Gewalttaten in diesen Staaten bisher keine UN-Opera- Menschen dienen würden. Diese Administration vertionen für Burundi, Sudan, Nagornyi Karabach, Tad- tritt ebenso wie vorige Administrationen die Auffasschikistan, Afghanistan oder Sierra Leone vorgeschla- sung, daß sie dies tun, und wir denken, die meisten
gen worden sind. Dies bedeutet keine Gefühllosigkeit Amerikaner stimmen dem zu.
seitens der internationalen Staatengemeinschaft,
sondern ist vielmehr die Anerkennnung der Grenzen Erstens möchte ich den Sachverhalt in die richtige
dessen, was eine UN-Friedensoperation in Ermange- Perspektive rücken. Die Welt wendet jedes Jahr rund
lung des demonstrierten Willens der kämpfenden 9 Milliarden Dollar für Streitkräfte auf. Die Vereinten
Parteien, sich für Verhandlungen statt Waffen zu ent- Nationen geben ungefähr ein Drittel davon für Friedenssicherung aus. Hier in den Vereinigten Staaten
scheiden, erreichen kann.
veranschlagen wir für jeden für Friedenssicherung
Fähigkeiten zur Erweiterung
aufgewendeten Dollar 300 Dollar für die Verteidigung.
Der jüngste, teils durch das Ende des Kalten Krieges
Wir arbeiten ferner darauf hin, die genehmigten UN- herbeigeführte Anstieg der Kosten für FriedenssicheOperationen effizienter und effektiver zu gestalten.
rung ist weit geringer als die durch die Lockerung der
Spannungen
zwischen Ost und West ermöglichten
Wir haben beispielsweise folgende Vorschläge unterEinsparungen.
breitet:
Ein einheitliches Budget für Friedenssicherung,
um das derzeitige Ad-hoc-System zu ersetzen.
Reformen bei der Beschaffung, die Wettbewerbsfähigkeit und Kostenersparnisse durch
optimale Betriebsvergrößerung gewährleisten.
Die Entwicklung einer computergestützten Datenbank, die eine Standardisierung der Kosten,
rasche und genaue Haushaltsprognosen gestatten sowie Überschätzungen verhindern
würden.
Ein schnell stationierbares Hauptquartier mit
logistischer Unterstützung, damit die Vereinten
Nationen rechtzeitig auf Notfälle reagieren
können.

Seite 2

Zweitens sind die Vereingten Staaten eines der fünf
Länder mit einem Vetorecht zu jeder UN-Friedenssicherungsoperation. Ich kann Ihnen versichern, daß
wir unseren Einfluß geltend machen und wenn nötig
unser Veto einlegen werden, um Operationen zu stoppen, die unseren Interessen zuwiderlaufen würden.
Ich kann Ihnen auch versichern, daß unser kontinuierliches Vetorecht nicht verhandelbar ist.
Drittens ein kleiner, aber nicht unwichtiger Punkt. Im
Jahr 1993 kaufte das UNO-Hauptquartier Waren und
Dienstleistungen in Höhe von über 250 Millionen Dollar
von amerikanischen Lieferanten - 36 Prozent des
Gesamtwerts der Beschaffungen des UNO-Hauptquartiers für die Friedenssicherung.
Viertens besteht, wie Außenminister Christopher in
der vergangenen Woche bestätigte, der Hauptgrund

AMERIKA DIENST 13

�für die Unterstützung bestimmter UN-Friedensoperationen in dem Beitrag, den sie zu Zielen von direktem
Interesse für uns leisten.
Herr Vorsitzender, ich erinnere mich, daß die Mitglieder der Anhörung im vergangenen Jahr verständlicherweise skeptisch über die Aussicht demokratischer
Wahlen in Kambodscha waren. Ich muß zugeben, ich
ebenfalls. Aber in Zusammenarbeit mit dem mutigen
kambodschanischen Volk überwanden die Vereinten
Nationen enorme Schwierigkeiten. Das Ergebnis war
eine Wahl mit einer Beteiligung von über 90 Prozent,
der Amtsantritt einer konstitutionellen Regierung, die
Rückführung Hunderttausender Flüchtlinge und eine
drastische Schwächung der Roten Khmer.
In El Salvador trugen die Vereinten Nationen zur
Beendigung eines Konflikts bei, der70.000 Menschenleben forderte. Beobachter aller Seiten stimmen überein,
daß nur die Vereinten Nationen so erfolgreich bei der
Überwachung der Menschenrechte, der Zuweisung
der Verantwortung für begangene Greueltaten, der
Verifizierung der Durchführung des Friedensabkommens und der Bereitung des Weges für die Wahlen am
vergangenen Wochenende sein konnten, die - trotz
einiger signifikanter Probleme - immer noch die freiesten und friedlichsten in der Geschichte des Landes
waren. Wir erinnern uns, daß unsere Gesellschaft im
letzten Jahrzehnt einen hohen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Preis bezahlte, als wir mit einer
unilateralen Reaktion auf die Konflikte in El Salvador
und andernorts in Mittelamerika kämpften.
In Zypern haben die Vereinten Nationen den Ausbruch
eines Krieges zwischen NATO-Partnern verhindert.
Durch die Präsenz der Vereinten Nationen auf den
Golanhöhen haben sie zur Erhaltung des Friedens
zwischen Israel und Syrien beigetragen.
In Namibia waren sie bei der Schaffung eines Außenpostens der Demokratie und Stabilität in einem strategischen Teil Afrikas behilflich.
In Mosambik bereiten die Vereinten Nationen Wahlen
für diesen Herbst und die Demobilisierung der Gruppen vor, die einen blutigen Bürgerkrieg führten.
Die Wahlbeobachter der Vereinten Nationen werden
im nächsten Monat in Südafrika vor Ort sein. Ihre
Mission besteht in der endgültigen Beendigung der
Apartheid und der Ermutigung eines erfolgreichen
Übergangs zu demokratischer Herrschaft. (Imübrigen
bestehen wir darauf, daß die Kosten dieser Mission
vom regulären UN-Budget getragen werden, statt vom
Etat für die Friedenssicherung).
Die UN-Sanktionen gegen den Irak harten zusammen
mit der UN-Präsenz an der kuwaitischen Grenze die
Ambitionen Saddam Husseins unter Kontrolle.
In Kroatien und Makedonien tragen die UN-Truppen
zur Verhinderung eines größeren Balkankrieges bei.
AMERIKA DIENST 13

In Bosnien arbeiten die Vereinten Nationen partnerschaftlich mit der NATO zusammen, um in Sarajevo
zumindest die Andeutung eines normalen Lebens zu
schaffen, den Flughafen von Tuzla zu öffnen, die
Versorgung mit humanitären Hilfsgütem für die Bedürftigsten aufrechtzuerhalten und Fortschritte für einen
ausgehandelten Frieden zu ermutigen.
Wir unterstützen diese Operationen, weil sie zu einer
weniger gewalttätigen, stabileren und demokratischeren Welt beitragen. Die Geschichte warnt uns, daß
größere Mächte oftmals in einen Kampf kleinerer
Mächte hineingezogen werden und nicht eingedämmte Aggression häufig zu noch mehr Aggression führt.
Es ist weitaus wirksamer und weniger gefährlich, die
Symptome globaler Unruhen bei ihrem Erscheinen zu
behandeln als abzuwarten, bis die Konsequenzen des
Konflikts in unmittelbare Nähe gerückt sind.
In dem Maße, in dem zukünftige Missionen erfolgreich
sind, werden sie die von uns geförderten Ziele zu
weitaus geringeren Kosten als bei einem Alleingang
derVereinigten Staaten erreichen. Wenn wir unilateral
handeln, tragen wir sämtliche Kosten und Risiken.
Wenn die Vereinten Nationen intervenieren, fällt die
Hauptlast anderen zu. Zu den derzeit 70.000 weltweit
stationierten UN-Blauhelmen steuern die Vereinigten
Staaten weniger als 5 Prozent bei. Amerika trägt 30
Prozent der Gesamtkosten, und wir haben zugesagt,
alles in unserer Macht Stehende zu unternehmen, um
diese Zahl bis Anfang 1996 auf 25 Prozent zu senken.
Die Kosten der Friedenssicherung: Der amerikanische Beitrag
Die Vereinigten Staaten waren und sind bei der UNFriedenssicherung der größte Geldgeber, und das
sollte niemand vergessen. Diese Tatsache spiegelt
unsere Position als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats und als führende Wirtschafts- und Militärmacht der Welt wider.
Das System für die Festsetzung der Kosten der Friedenssicherung wurde 1973 mit Unterstützung der
Vereinigten Staaten geschaffen. Diesem System
entsprechend müssen weniger entwickelte Nationen
nur einen Bruchteil ihres Anteils an den Kosten für die
Friedenssicherung im regulären UN-Haushalt zahlen.
Die Differenz wird von den Ständigen Mitgliedern des
Sicherheitsrats beglichen, was ihre besondere Verantwortung für friedenssichernde Operationen demonstriert.
Den Veränderungen in der Weltwirtschaft entsprechend stieg der von uns geschätzte Anteil an den
Kosten der Friedenssicherung in den vergangenen
Jahren von ungefähr 28 auf über 30 Prozent. Der
Zusammenbruch der Sowjetunion und der daraus
resultierende Rückgang an Beiträgen aus dieser Quelle
führte dazu, daß die Vereinten Nationen unsere Veranlagung sogar auf 31,7 Prozent anhoben. Wir haben
jedoch deutlich gemacht, daß wir diese jüngste VeränSeite 3

�derung nicht akzeptieren und lediglich einem Anteil
von 30,4 Prozent zustimmen, worauf auch unsere
Haushaltsplgnung basiert. Die Administration ist der
Ansicht, daß die Quote von 30,4 Prozent immer noch
zu hoch ist und gesenkt werden sollte.
Wir stellten fest, daß eine vor 20 Jahren niedriger
veranschlagte Anzahl von Ländern sich seit dieser Zeit
eines beträchtlichen Wirtschaftswachstums erfreut.
Es wäre gerechter, wenn diese Staaten zur Friedenssicherung zumindest einen ebenso großen Beitrag
leisten würden wie zu anderen Aufwendungen der
UNO.

te wichtiger Länder. Wir führen in New York und im
Ausland Konsultationen. Wir stellen fest, daß die
Generalversammlung im Frühjahr und Herbst dieses
Jahres unser Ersuchen um eine Veränderung des
derzeitigen Verteilungsschlüssels prüfen wird. Ich
kann Ihnen versichern, daß wir Sie weiterhin über alle
Entwicklungen auf dem laufenden halten werden.
Der Haushalt der Administration

Erfolgreiche Friedenssicherungsoperationen der Vereinten Nationen dienen unseren Interessen. Sie werden jedoch wahrscheinlich eher Erfolg haben, wenn
wir unserer Verpflichtung zu ihrer Finanzierung vollDeutschland und Japan entrichten jetzt zur Friedens- ständig nachgekommen sind und andere mit ihren
sicherung einen ihrer regulären Quote entsprechen- Zahlungen in Verzug geratene Mitgliedstaaten dazu
den Beitrag, der primär auf ihrem Anteil am weltweiten auffordern, ebenso zu handeln.
Einkommen basiert. Unter dem jetzigen System müßten
sie mehr bezahlen, wenn sie Ständige Mitglieder des Der Haushaltsentwurf des Präsidenten umfaßte 670
Millionen Dollar an zusätzlichen Ausgleichszahlungen,
Sicherheitsrats würden, was wir unterstützen.
um dem Großteil unserer Verpflichtungen für das
Vor zwanzig Jahren stimmten die Vereinten Nationen Haushaltsjahr 1994 nachzukommen. Da diesem Erzu, den amerikanischen Beitrag auf 25 Prozent des suchen nicht stattgegeben wurde, müssen wir jetzt regulären Haushalts zu begrenzen - deutlich weniger mit Ihrer Hilfe - einen anderen Weg finden, um dieses
als die 31,5 Prozent, die wir derzeit beisteuern. Ziel Geld aufzutreiben. Wir haben Ihren Unterausschuß
war es, eine übermäßige Abhängigkeit der Vereinten auch um die Bewilligung von 533 Millionen Dollar für
Nationen von einer einzigen Finanzquelle zu vermei- das Haushaltsjahr 1995 gebeten. Darunter fallen 288
den. Ein ähnlicher Gedanke könnte jetzt die Vereinten Millionen Dollar an zusätzlichen Zahlungen für unsere
Nationen vielleicht dazu bringen, den prozentualen geschätzten Erfordernisse im Finanzjahr 1994. Dazu
Anteil der Vereinigten Staaten an den Kosten der kommt noch ein Antrag von 75 Millionen Dollar an
freiwilligen Beiträgen für die Friedenssicherung, den
Friedenssicherung auf 25 Prozent zu begrenzen.
wir dem Unterausschuß für Auslandsoperationen vorEine Senkung des amerikanischen Beitrags zur Frie- legen.
denssicherung erfordert offensichtlich geschickte diplomatische Bemühungen. Lediglich den besonderen Da wir der Ansicht sind, daß das Außen- und VerteidiVerteilungsschlüssel abzuschaffen, würde beispiels- gungsministerium "gemeinsam" die Verantwortung für
weise nur dazu führen, daß mehr als zwei Drittel der Friedenssicherung tragen sollten, ersucht die AdminiUN-Mitgliedstaaten fünf- oder zehnmal so viel für die stration auch um eine Bewilligung in Höhe von 300
Friedenssicherung zahlen müßten wie zur Zeit.
Millionen Dollar für einen neuen Posten des Verteidigungsministeriums zur Friedenssicherung. Diese Zahl
Die Beibehaltung des derzeitigen Systems und gleich- basiert auf Schätzungen der Kosten friedenssichernzeitige Festsetzung der Höchstgrenze der amerikani- der Operationen, für die innerhalb der US-Regierung
schen Veranschlagung auf 25 Prozent würde die von das Verteidigungsministerium verantwortlich ist - die
den vier anderen Ständigen Mitgliedern des Sicher- Operationen, bei denen Kampfhandlungen oder die
heitsrats getragenen Kosten erhöhen.
Entsendung amerikanischer Kampfeinheiten wahrscheinlich sind. Das Außenministerium wird natürlich
Ich fürchte, wenn wir uns aus Frustration zu unilateraseine traditionelle diplomatische Verantwortung für
lem Handeln entschließen, werden wir letztlich nur
alle friedenssichernden Operationen und Aktivitäten
unseren eigenen Zahlungsrückstand erhöhen, für andere
beibehalten.
einen nachteiligen Präzedenzfall schaffen und möglicherweise unsere Führungsrolle bei den Vereinten
Nationen unterminieren.

Diese Haushaltsforderungen umfassen nicht die
möglichen Kosten neuer oder erweiterter Operationen
In Anbetracht dieser Schwierigkeiten prüfen wir aktiv an Orten wie Georgien oder Bosnien. Im vergangenen
unsere Optionen zur Erzielung einer niedrigeren Ver- Jahr machte die Administration den Vorschlag, einen
Fonds für eventuelle Friedenssicherungsoperationen
anschlagung.
zu errichten, was abgelehnt wurde. Wir haben keine
Wirhaben den Generalsekretär von unserer- und Ihrer andere Wahl, als unsere Forderungen weiterhin an die
- Entschlossenheit in Kenntnis gesetzt, dafür zu sor- geänderten Gegebenheiten anzupassen. Wir würden
gen, daß unsere Quote auf ein vernünftigeres Niveau uns über Anregungen Ihrerseits freuen, wie wir mit
herabgestuft wird. Daraufhin entsandte der General- diesen möglichen Kostensteigerungen umgehen könsekretär Emissäre zu Konsultationen in die Hauptstäd- nen.
Seite 4

AMERIKA DIENST 13

�Ich bitte Sie um Ihre Zustimmung zu unseren Haushaltsanträgen für die Friedenssicherung und unterstreiche dabei folgende drei Punkte:

zuversichtlich sagen könnte, daß wir unsere Rechnungen vollständig und prompt bezahlen. Das gilt sowohl
im Hinblick auf die Frage des Generalinspekteurs - auf
die Herr Bennet noch zu sprechen kommen wird - als
Erstens werden keine friedenssichernden Operatio- auch auf eine Senkung des amerikanischen Anteils an
nen beschlossen, wenn sie nicht von den UN-Mitglied- den Kosten der UN-Friedenssicherung.
staaten finanziell unterstützt werden. Die derzeitigen
finanziellen Engpässe komplizieren die Bestrebun- Eine angemessene Rolle für den Kongreß
gen, effizient zu planen, Reformen durchzuführen und
die für langfristige Einsparungen erforderlichen Inve- Amerika kann allein durch vollziehende Maßnahmen
stitionen zu tätigen. Die Vereinten Nationen sind mit keine fü hrende Rolle in internationalen Organisationen
ihren Zahlungen an die Truppen entsendenden Staa- spielen. Der Kongreß muß ebenso wie der Präsident
ten bereits in Verzug geraten. Wir wissen, daß einige eine bedeutende Rolle spielen, denn der Kongreß ist
Länder die UNO bereits davon in Kenntnis gesetzt ebenso wie der Präsident dem Volk gegenüber veranthaben, daß sie für zukünftige Operationen keine Trup- wortlich. Herr Vorsitzender, ich versichere Ihnen, daß
pen bereitstellen werden, bis die alten Rechnungen wir im Hinblick auf Finanzierung und Politik mit Ihnen
beglichen sind. Das erschwert die Suche nach zusätz- und Ihrem Unterausschuß zusammenarbeiten möchlichen Streitkräften für Orte wie Bosnien sowie die ten. Wir haben enge und regelmäßige Konsultationen
Aufrechterhaltung einer angemessenen Truppenprä- über alle Aspekte unserer Friedenssicherungspolitik
senz in Ländern wie Somalia. Das wiederum gefährdet begonnen und werden sie beibehalten.
den Erfolg solcher Operationen und setzt die dorthin
zur Friedenssicherung Entsandten größerer Gefahr In diesem Sinne werde ich meine Ausführungen mit
einem Zitat aus einer hervorragenden Studie zur Frieaus.
denssicherung beenden, die unter der SchirmherrZweitens ist es nicht schwierig, sich Situationen vorzu- schaft des Stimson Centers und mit Beteiligung von
stellen, in denen wir alle die Wahl treffen müssen, Representative Rogers vorbereitet wurde. Diese
entweder eine für unsere Interessen wichtige Opera- Schlußfolgerung ist auch eine gute Zusammenfastion abzulehnen oder uns für eine Operation zu ent- sung der Einstellung der Administration zur Friedensscheiden, für die uns die nötigen Gelder fehlen. Wir sicherung:
haben beispielsweise großes Interesse daran, daß die
Die Vereinigten Staaten können bei der Bewilligung
Konflikte in der ehemaligen Sowjetunion auf eine die
neuer friedenssichemder UN-Operationen so hart sein,
Vollständigkeit der neuen unabhängigen Staaten
wie sie wollen, und bei der Entscheidung über die
bewahrende Weise gelöst werden. Die Beteiligung der
Teilnahme amerikanischer Streitkräfte so wählerisch,
UNO ist ein Weg zur Erreichung dieses Ziels. Wenn
wie sie wünschen. Wird jedoch die Fähigkeit der UNO
die UN-Mitgliedstaaten jedoch keine Truppen stellen
zu friedenssichernden Operationen erfolgreich veraus Furcht, dafür nicht finanziell entschädigt zu werbessert, wird dasfürdie Vereinigten Staaten eine neue
den, besteht diese Option nicht mehr. So werden
sicherheitspolrtische Option darstellen, die nach Ermeiner Meinung nach große historische Fehler beganmessen der US-Regierung genutzt werden kann und
gen.
uns gestattet, die Notwendigkeit einer Entscheidung
Drittens könnte meine Fähigkeit zur Förderung unse- zwischen unilateralen Aktionen oder hilflosem und
rer reformorientierten Tagesordnung bei den Verein- untätigem Zusehen bei internationalen Konflikten und
ten Nationen entscheidend erhöht werden, wenn ich Greueltaten zu vermeiden.

*

AMERIKA DIENST 13

* * *

*

Seite 5

�CHEMIEWAFFEN
30. März 1994

HOLUM DRÄNGT AUF FRÜHZEITIGE RATIFIZIERUNG
DER CHEMIEWAFFENKONVENTION
Erklärung von ACDA-Direktor John Holum
WASHINGTON - (AD) - Die frühzeitige Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention (CW-Konvention) wird "einen
äu ßerst wichtigen Präzedenzfall in der Rüstungskontrolle und eine sicherere Welt für uns alle schaffen", erklärte der
Direktor des US-Amts für Rüstungskontrolle und Abrüstung (U.S. Arms Control and Disarmament Agency - ACDA)
John Holum am 22. März 1994 vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats.
Er rief den Senat dazu auf, zügig seine Zustimmung zur Ratifizierung der CW-Konvention zu geben, damit sie zum
frühestmöglichen Zeitpunkt - im Januar 1995 - in Kraft treten kann.
Schnelles Handeln, so Holum, "wird anderen Ländern - Freunden und vor allem Gegnern - die unmißverständliche
Botschaft senden, daß die Vereinigten Staaten es ernst meinen" und "hinter einem neuen globalen Regime stehen,
das chemischen Waffen ein für allemal die angebliche Legitimität abspricht und ihre Weiterverbreitung stoppt".
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Direktor Holum.

Die Bedrohung durch Chemiewaffen
Die Ausschußmitglieder sind sich der mit Chemiewaffen einhergehenden Gefahren sehr wohl bewußt.
Während der Verhandlungen über die Konvention
konzentrierten wir uns auf die Notwendigkeit, die von
der Sowjetunion ausgehende Gefahr für die Vereinigten Staaten und die NATO zu beseitigen. Die Sowjetunion existiert nicht mehrund das Risiko, daß Rußland
die von der Sowjetunion geerbten Chemiewaffen gegen
die Vereinigten Staaten und die NATO einsetzt, hat
sich erheblich verringert. Die weltweite Bedrohung ist
jedoch angestiegen, und die Bedrohung durch Chemiewaffen ist heutzutage weitaus vielfältiger und
geographisch verstreuter als in der Vergangenheit.
Wir benötigen die Konvention wegen des russischen
Arsenals dieser Waffen, aber auch - vielleicht noch
mehr - als entscheidendes Werkzeug zur Beseitigung
anderer Chemiewaffenarsenale und zur Verhinderung
der Weiterverbreitung von Chemiewaffen.
Ungefähr 25 Nationen werden derzeit verdächtigt, sich
entweder im Besitz von Chemiewaffen oder der Fähigkeit zu ihrer Herstellung zu befinden. Dazu zählen der
Irak und Libyen, die nicht wegen ihrer Zurückhaltung
bekannt sind. Chemiewaffen werden als "Atombombe
der armen Länder" bezeichnet, weil sie aus Chemikalien hergestellt werden können, die zwar in vielen
Fällen einer Kontrolle unterliegen, aber dennoch käuflich erworben werden können. Heute werden die aus
AMERIKA DIENST 13

Chemiewaffen resultierenden Gefahren durch die
Produktion und potentielle Weiterverbreitung ballistischer Raketen verschärft, die einen Chemiewaff engefechtskopf Hunderte von Kilometern weit tragen können. Im Gegensatz zu der Hemmschwelle beim Einsatz von Atomwaffen ist diese beim Einsatz von Chemiewaffen erfahrungsgemäß weitaus niedriger.
Im 20. Jahrhundert wurden Atomwaffen nur einmal
eingesetzt - zur Beendigung des Kriegs im Pazifik.
Während dieses Zeitraums haben verschiedene Länder jedoch wiederholt zur Erreichung ihrer militärischen oder politischen Ziele Chemiewaffen verwendet. Im Ersten Weltkrieg wurde gegen unsere Soldaten Giftgas eingesetzt. Chemiewaffen wurden in den
dreißiger Jahren in Äthiopien, in den vierziger Jahren
in der Mandschurei und in den sechziger Jahren im
Jemen eingesetzt. Im Krieg zwischen Iran und Irak
wurden Chemiewaffen zur Alltäglichkeit. Saddam
Hussein bekämpfte 1989 die Rebellion der Kurden mit
Chemiewaffen. Und erst kürzlich im Golfkrieg sahen
sich unsere eigenen Soldaten der möglichen Bedrohung durch Chemiewaffen von seiten des Irak gegenüber.
Es ist von Bedeutung, daß drei Viertel der 25 Staaten
mit der Fähigkeit zum Bau von Chemiewaffen die CWKonvention unterzeichnet haben. Wir streben auch
ihre Ratifizierung sowie schließlich ihre universelle
Einhaltung an.
Seite 1

�Schlüsselelemente der CW-Konvention
Die CW-Konvention ist sowohl ein Abrüstungs- als
auch ein Nichtverbreitungsvertrag. Sie schafft einzigartige globale Normen gegen Chemiewaffen, die mit
der Zeit zur Beseitigung dieser ernsten Bedrohung für
unser Land und den Weltfrieden beitragen werden:
Präsident Clinton hat bereits betont, daß die
CW-Konvention eine ganze Kategorie von Massenvernichtungswaffen verbietet. Sieuntersagt
nicht nur jeglichen Einsatz dieser abscheulichen
Waffen, sondern praktisch auch alle anderen im
Zusammenhang mit Chemiewaffen stehenden
Aktivitäten. Darunter fallen ihre Beschaffung,
Entwicklung, Produktion, Lagerung, Beibehaltung und Verlegung durch eine Partei vom Tag
des Inkrafttretens der Konvention an.
Sie fordert die komplette Zerstörung von Chemiewaffen und ihrer Produktionseinrichtungen,
mit Ausnahme von Einrichtungen, deren Konversion für friedliche Zwecke die internationale
für die CW-Konvention zuständige Organisation explizit gestattet.
Sie untersagt jegliche militärische Vorbereitung
für den Einsatz von Chemiewaffen.
Sie stellt den ersten Rüstungskontrollvertrag
mit bedeutenden Auswirkungen auf den Privatsektordar. Aus diesem Grund ist die chemische
Industrie ausführlich konsultiert und an jeder
Phase der Verhandlungen beteiligt worden.
Sie ist der erste Rüstungskontrollvertrag, der
eine Strafe gegen Länder verhängt, die ihm
nicht beitreten.

jetzt in die Lage versetzen, heimliche Bestrebungen im
Chemiewaffenbereich zu identifizieren und entdekken. Im umfassendsten Sinne schaffen wir ein Netz
von Abschreckung, Entdeckung und möglichen Sanktionen, das den Anreiz fürden Bau chemischer Waffen
verringert.
Die Konvention verlangt auch von anderen Ländern
die sichere und umweltverträgliche Zerstörung ihrer
Chemiewaffenarsenale. Wir werden uns während
dieses Prozesses davon überzeugen können, daß
andere Länder ihren umweit- und sicherheitspolitischen Verpflichtungen nachkommen.
Schutz sicherheitsempfindlicher und vertraulicher
Informationen
Das Verifizierungsregime der CW-Konvention schafft
ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen der Notwendigkeit zur Überprüfung der Vertragseinhaltung einerseits und dem Schutz sicherheitsempfindlicher staatlicher sowie eigentumsrechtlicher, nicht mit Chemiewaffen in Zusammenhang stehender Informationen
andererseits. Insbesondere die Bestimmungen der
Konvention über Ad-hoc-lnspektionen gestatten den
Vertragsparteien den Schutz solcher Informationen
durch die Regelung des Zugangs zu sicherheitsempfindlichen staatlichen oder privaten Einrichtungen.
Alle Inspektionen zur Verifizierung der Einhaltung der
CW-Konvention werden im Einklang mit der amerikanischen Verfassung durchgeführt. Die Gesetzgebung
zur Umsetzung der Konvention soll sicherstellen, daß
derartige Aktivitäten ohne Verletzung des verfassungsmäßigen Schutzes durchgeführt werden.
Vertraglich festgelegte Sanktionen

Wenn ein Land die Verpflichtungen der CW-Konvention nicht einhält, kann es mit gravierenden Strafen
Die Konvention enthält ein einzigartiges Verifizierungs- belegt werden. Eine Verletzung der Konvention geht
regime, das mit Bestimmungen für den Umgang mit mit einem spürbaren politischen Preis einher. In Fällen
Parteien gekoppelt ist, die ihren Verpflichtungen nicht ernsthafter Verletzungen kann die CW-Organisation
nachkommen. Die CW-Konvention ist der erste mul- die Verhängu ng kollektiver Sanktionen gegen ein Land
tilaterale Vertrag, der eingehende, kurzfristig anbe- empfehlen, das illegale Aktivitäten mit chemischen
raumte Ad-hoc-lnspektionen angegebener und nicht Waffen durchführt. In besonders gravierenden Fällen
muß sie die Angelegenheit der UN-Generalversammangegebener Lagerstätten verlangt.
lung und dem Sicherheitsrat zur Kenntnis bringen.
Durch die geforderten Angaben und Routineinspektio- Einzelpersonen und Unternehmen unterliegen ebennen werden Informationen über die Chemiewaffenfä- falls den Verboten der Konvention und können vor
higkeiten und Zerstörungstätigkeit anderer Staaten nationalen Gerichten angeklagt werden.
verfügbar. Wenn wir als Ergebnis dieser und durch
nachrichtendienstliche Mittel erworbener Informatio- Besorgnis über Staaten, die der Konvention nicht
nen ein anderes Land der illegalen Chemiewaffenakti- beitreten
vitäten verdächtigen, können wir unter dem Vertrag Ich möchte eine Frage aufwerfen: Warum sollten wir
Ad-hoc-lnspektionen vor Ort einleiten.
die CW-Konvention ratifizieren und unsere Chemiewaffen
aufgeben, wenn wir nicht sicher sein können,
Obwohl kein Vertrag hundertprozentig verifizierbar ist,
daß
auch
die Staaten beitreten, die uns den größten
wird die CW-Konvention das Risiko der Aufdeckung
Anlaß
zur
Sorge bereiten? Die Antwort auf diese
erhöhen und damit zur Abschreckung von illegalen
Frage
hat
drei
Teile. Erstens haben wir bereits die
Chemiewaffenaktivitäten beitragen. Ihre BestimmunEntscheidung
zur
Beseitigung eines Großteils unseres
gen zu Angaben und Inspektion werden uns besser als
Verifizierung

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�Chemiewaffenarsenals getroffen. Der Kongreß hat
das Verteidigungsministerium angewiesen, unseren
Bestand an mit Chemiewaffen bestückten Einzelgefechtsköpfen zu zerstören und Pläne zur Vernichtung
aller anderen von der CW-Konvention verbotenen
chemiewaffenfähigen Materialien zu erarbeiten. Wenn
wir einseitig unsere eigenen Chemiewaffen zerlegen,
ist es angebracht, auch die Zerstörung der Chemiewaffen anderer Länder anzustreben. Die Konvention
erlegt allen Parteien bindende Verpflichtungen auf,
dem Beispiel der Vereinigten Staaten Folge zu leisten.
Die Konvention ist also äußerst wertvoll, selbst wenn
einige wenige radikale Staaten anfänglich nicht beitreten.

über das Verbot von Chemiewaffen ausgesetzt. Wir
hoffen, daß die Staaten sich mit der Zeit der hohen
politischen und wirtschaftlichen Kosten eines Geächtetendaseins bewußt werden und die Mitgliedschaft
anstreben.
Das Entmilitarisierungsprogramm der Vereinigten Staaten

Unsere eigenen Verpflichtungen im Rahmen der
Konvention können sicher und fristgerecht eingehalten werden. Die Gefahr eines Lecks oder der Verseuchung durch die Lagerung hochtoxischer Chemiewaffen wiegt mögliche Risiken bei der Zerstörung unserer
Chemiewaffenbestände auf. Der nationale ForschungsZweitens sind wir überzeugt, daß die Antwort auf den rat gab diese Beurteilung in seinem Bericht über das
Einsatz chemischer Waffen nicht in Vergeltung mit Grundprogramm des US-Heeres (Army Baseline Prodenselben Mitteln bestehen darf, sondern vielmehr in gramm) über die Zerstörung unserer Chemiewaffen in
einem breiten Spektrum defensiver Maßnahmen - wie Hochtemperatur-Verbrennungsanlagen im vergangeFiltersystemen für Panzer und leichten Schutzanzü- nen Monat ab. Der nationale Forschungsrat erklärte:
gen - gekoppelt mit einer starken Verteidigung. Der "Das Grundprogramm hat sich als sicheres und effekGolfkrieg bot eine überzeugende realistische Gele- tives Entsorgungssystem des Bestands erwiesen...
genheit zur Demonstration, daß das amerikanische Verzögerungen bei der Entsorgung können nur das
Militär zur Abschreckung einer Bedrohung mit chemi- bereits bestehende Risiko versehentlichen Austretens
schen Waffen oder einer Reaktion darauf mit einer erhöhen ... und das Risiko der Entsorgung verschärüberlegenen konventionellen Streitmacht und Strate- fen, während der Zustand der Kampfstoffe und Munition sich weiterhin verschlechtert... Der Ausschuß
gie ausgezeichnet in der Lage ist.
vertritt die Auffassung, daß das Entsorgungsprogramm
Die US-Regierung ist sich seit langem der Notwendig- beschleunigt abgewickelt werden sollte."
keit der Beibehaltung unserer defensiven Chemiewaffenprogramme sowie der Notwendigkeit zur Hilfe für Zweifelsohne wird das Grundprogramm ein ernsthafLänder bewußt, die mit Chemiewaffen bedroht oder tes Risiko für die Gesundheit der Menschen und die
angegriffen werden. Die CW-Konvention gestattet Qualität unserer Umwelt beseitigen. Die Prüfung der
ausdrücklich beide Maßnahmen. Viele Länder sehen Zerstörung chemischer Waffen in naher Zukunft durch
diese Bestimmungen als einen maßgeblichen Anreiz, das Grundprogramm ist daher gleichermaßen gute
der Konvention beizutreten. Ich kann Ihnen versi- Umwertpolitik wie Rüstungskontrolle.
chern, daß die Vereinigten Staaten defensive Schutz- Unterstützung durch beide Parteien und entscheimaßnahmen entwickelt haben und dies auch in Zu- dende Wahlkreise
kunft tun werden, die unsere Streitkräfte gegen alle
Bedrohungen mit Chemiewaffen uneingeschränkt Herr Vorsitzender, ich möchte betonen, daß die Beschützen.
strebungen zur Ratifizierung ein anschauliches Beispiel der Überparteilichkeit und Kontinuität sind. Es
Der dritte Teil meiner Antwort auf die Frage, warum wir war nicht zuletzt Präsident Bushs großes persönliches
die CW-Konvention ratifizieren sollten, selbst wenn Engagement für das Verbot chemischer Waffen, das
einige Staaten nicht beitreten, lautet: Durch die Fest- die Vereinigten Staaten zum Abschluß dieses Versetzung einer globalen Norm gegen chemische Waf- trags bewegte, den die Vereinigten Staaten sieben
fen wird die Konvention den Vereinigten Staaten und Tage vor Beendigung seiner Amtszeit unterzeichneder internationalen Staatengemeinschaft effektivere ten. Präsident Clinton hat die Konvention ebenfalls zur
Druckmittel gegen radikale Regierungen zur Aufgabe außenpolitischen Priorität seiner Administration erihrer Chemiewaffenfähigkeiten an die Hand geben. klärt und dies in seiner Rede vor den Vereinten NatioDie CW-Konvention enthält darüber hinaus spezifi- nen im September vergangenen Jahres sowie in seische Verfügungen über die Bestrafungen von Län- nem Bericht zur Lage der Nation im Januar unterstridern, die nicht beitreten. Der Konvention nicht beitre- chen.
tende Staaten werden vom Handel zwischen den
Vertragspartnern mit bestimmten Chemikalien ausge- Schlußbemerkung
schlossen, die nicht nur für die Produktion von Chemiewaffen, sondern auch für die industrielle Entwick- Ich möchte meine heutigen Ausführungen mit dem
lung und das Wachstum von Bedeutung sind. Diese Punkt abschließen, mit dem ich begonnen habe - der
Staaten werden bald als Parias angesehen und inter- Bedrohung der Sicherheit unserer Nation und des
nationalem Druck zur Einhaltung der globalen Norm Weltfriedens durch chemische Waffen. Herr Vorsitzender, indem wir gemeinsam mit anderen Ländern
AMERIKA DIENST 13

Seite 3

�Chemiewaffen verbieten, haben wir eine wesentliche
Bedrohung der Zeit nach dem Kalten Krieg direkt in
Angriff genommen. Die Konvention wird auf lange
Sicht radikale Staaten von der Beschaffung und dem
Einsatz chemischer Waffen gegen unschuldige Menschen abhalten.

der abhalten, diesen gefährlichen Weg einzuschlagen.

Ich fordere den Senat zur eingehenden Beratung über
die Chemiewaffenkonvention und unverzüglichen
Zustimmung zur Ratifizierung auf. Andere Nationen
werden auf den Senat als deutliches Anzeichen des
Die Konvention wird chemische Waffen durch Engagements der Vereinigten Staaten fürdie Konvendie Festsetzung einer globalen Norm, die ihre tion und ihres möglichst baldigen Inkrafttretens blikEntwicklung, Produktion, Beschaffung, Lage- ken. Promptes Handeln des Senats wird anderen
rung, Beibehaltung, Verlegung und ihren Ein- Ländern - Freunden und vor allem Gegnern - die
unmißverständliche Botschaft aussenden, daß die
satz verbietet, ihrer Berechtigung berauben.
Vereinigten Staaten es ernst meinen. Sie werden
Sie wird die Verbreitung chemischer Waffen schlüssig beweisen, daß die Vereinigten Staaten voll
durch das Verbot verhindern, daß Vertragspar- und ganz hinter einem neuen globalen Regime stehen,
teien anderen bei ihrer Beschaffung behilflich das chemischen Waffen ein für allemal die angebliche
sind.
Legitimität abspricht und ihre Weiterverbreitung stoppt.
Die Führungsrolle der Vereinigten Staaten in dieser
Sie wird den künftigen Einsatz chemischer Waffen Angelegenheit wird die Wirksamkeit unserer anderen
durch die mögliche Verhängung von Sanktionen Rüstungskontrollbestrebungen verbessern - einschließgegen sie einsetzende Länder und die Bereit- lich eines umfassenden Teststoppvertrags und unbestellung von Hilfe für die Opfer stoppen.
grenzter Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags.
Sie wird im Völkerrecht eine Grundlage für die
Handhabung von CW-Programmen schaffen, Kurzum, die frühzeitige Ratifizierung der CW-Konvendie die globale und regionale Sicherheit bedro- tion wird die Führungsrolle der Vereinigten Staaten
untermauern, einen äußerst wichtigen Präzedenzfall
hen.
in der Rüstungskontrolle und eine sicherere Welt für
Schließlich wird die CW-Konvention die vielen uns alle schaffen.
zur Produktion von Chemiewaffen fähigen Län-

* * * * *

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AMERIKA DIENST 13

�AUSSENPOLITIK
30. März 1994

CLINTON SOLLTE NICHT UNTERSCHÄTZT WERDEN
von Samuel R. Berger
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir einen von Samuel R. Berger, dem Stellvertretenden
Nationalen Sicherheitsberater des Weißen Hauses herausgegebenen Artikel, der erstmals am 13. März 1994
in der Washington Post erschien.

Les Gelb vom Council on Foreign Relations verleiht
seiner Bestürzung darüber Ausdruck, daß die Außenpolitik der Clinton-Administration in der amerikanischen Öffentlichkeit populärer ist als unter "den Experten und Gelehrten" (Outlook, 5. März). Was für eine
wunderbare, ermutigende Kritik.

meinschaft demokratischer Marktwirtschaften zu vergrößern. Seit seiner Amtsübernahme hat der Präsident bei allen drei Zielen Fortschritte gemacht.

Er verabschiedete das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA und verhalf den seit sieben
Jahren festgefahrenen Handelsgesprächen des GATT
Zudem behauptet Gelb, Präsident Clinton sei der Welt zu einem erfolgreichen Abschluß. Er richtete die
gegenüber gleichgültig und die Administration verfolge Aufmerksamkeit unserer Nation auf Asien, die Region
keine außenpolitische Strategie. Diese Behauptung der Welt mit dem dynamischsten Wachstum. Er führte
sollte einmal untersucht werden.
historische Vereinbarungen über die Beseitigung der
Atomwaffen in der Ukraine, Belarus und Kasachstan
Erstens sollte die triviale Kritik entkräftet werden, der herbei. Er stand an der Spitze der Bestrebungen, eine
Präsident wende keine Zeit für die Außenpolitik auf. Partnerschaft für den Frieden im Rahmen der NATO
Seit seinem Amtsantritt traf Präsident Clinton mehr als zu schaffen, die Osteuropa stärker in die sicherheitshundertmal mit führenden Politikern anderer Länder politische Zusammenarbeit der NATO einbindet. Er
zusammen, hielt mehr als ein Dutzend wichtiger au- wies das Verteidigungsministerium an, eine grundleßenpolitischer Reden, stattete acht Ländern einen gende Überprüfung unserer Verteidigungsfähigkeit
Staatsbesuch ab, traf bei drei Gipfeln mit Präsident durchzuführen - die erste umfassende Überprüfung
Jelzin zusammen, führte erstmals die Staats- und seit dem Ende des Kalten Krieges. Er gewann neue
Regierungschefs der asiatisch-pazifischen Staaten Unterstützung für die Reformen in der ehemaligen
zusammen, berief einen NATO-Gipfel ein und kündig- Sowjetunion. In kritischen Augenblicken verlieh er
te ein Gipfeltreffen der Länder des gesamten amerika- dem Nahostfriedensprozeß Beständigkeit und Initiatinischen Kontinents an. Wenn der Präsident versucht, ve.
nicht an der außenpolitischen Front tätig zu werden,
versagt er bei diesem Bemühen ganz kläglich.
Nach einjähriger frustrierender Arbeit zur Beendigung
des Konflikts in Bosnien und Milderung des Leidens
Zweitens soll die Behauptung unter die Lupe genom- der Opfer hat die führende Rolle des Präsidenten in der
men werden, Präsident Clinton habe in seinem ersten NATO jetzt zu einer Atempause für Sarajevo geführt,
Amtsjahr keine außenpolitischen Errungenschaften den Verhandlungen neuen Schwung verliehen und ein
zu verzeichnen. Von Beginn seines Wahlkampfes an Abkommen zwischen Bosniern und Kroaten hervorgeund während seiner ganzen bisherigen Amtszeit hat bracht, um wirklichen Frieden zu schaffen.
der Präsident deutlich gemacht, daß die Interessen
der Vereinigten Staaten in drei strategischen Zielen Diese Aktionen spiegeln die Entscheidungen eines
zusammengefaßt werden können: Die Wirtschaft zum Präsidenten wider, der versteht, daß in diesem neuen
Mittelpunkt der Außenpolitik zu machen, unsere Streit- Zeitalter Engagement im Ausland und Stärke im eigekräfte und Sicherheitspolitik an die neuen strategi- nen Land mehr als je zuvor miteinander verbunden
schen Gegebenheiten anzupassen und die Weltge- sind.

AMERIKA DIENST 13

Seite 1

�Der vielleicht größte von Gelb geäußerte Vorwurf
besagt, daß der Präsident - selbst wenn er Engagement zeige - keine außenpolitischen Überzeugungen
besitze. Wiederum belehren uns die Tatsachen eines
Besseren. Überzeugungen werden in Krisenzeiten auf
die Probe gestellt. Und der Präsident hat bei jeder
Gelegenheit den Test bestanden.

gestalten? Die Verabschiedung des NAFTA sendete
ein eindeutiges Signal an die Welt, daß Amerika sich
weiterhin engagiert.

Als unsere Soldaten im Herbst vergangenen Jahres in
Somalia Verluste zu beklagen hatten, die Amerikas
Entschlossenheit auf die Probe stellten, widersetzte
sich der Präsident entschieden den Rufen nach einem
Abbruch des Unternehmens. Präsident Clinton verstärkte unsere Truppen und gewährleistete die erforderliche Unterstützung. Aufgrund der Leistung der
Truppen - und der Führungsstärke des Präsidenten wurde den Somaliern eine ernsthafte Chance zum
Wiederaufbau ihrer Zukunft gegeben.

Präsident Clinton hielt diesen Meinungsumschwung
auf. Er hat sein Land bewegt. Vom NAFTA bis zum
Kampf um die Hilfe für Rußland artikuliert Präsident
Clinton, warum es für diejenigen außerhalb des Elfenbeinturms auf internationales Engagement ankommt,
warum Handelsabkommen bessere Arbeitsplätze
bedeuten, warum der Erfolg der russischen Reformen
eine sicherere Zukunft bedeutet, warum eine wiederbelebte NATO uns sicherer macht. Er weiß um die
Notwendigkeit, erneut eine Lanze für Internationalismus zu brechen. Und das tut er.

Dies war eine Leistung mit enormen Konsequenzen.
Wir müssen uns vor Augen führen, daß zur Zeit der
Amtsübernahme des Präsidenten viele Menschen das
Verhältnis zwischen Innen- und Außenpolitik als NullAls am 3. Oktober vergangenen Jahres die russische summenspiel zu sehen begonnen hatten: Jeder Tag,
Demokratie von ehemals kommunistischen verschwö- den sich ein Präsident mit auswärtigen Angelegenheirerischen Putschisten bedroht wurde, handelte Präsi- ten befaßte, wurde als Tag betrachtet, der nicht zur
dent Clinton unverzüglich zur Unterstützung der russi- Schaffung von Arbeitsplätzen und Wachstum im Inschen Reformkräfte durch die Amerikaner. Sein In- land verwendet wurde. Wie die Experten mit berechstinkt demonstriert das eindeutige, dauerhafte Interes- tigter Sorge feststellten, befanden wir uns kurz vor
se unserer Nation an einem demokratischen Rußland, einem Umschwung der öffentlichen Meinung zu Isolationismus.
das in Frieden mit seinen Nachbarn lebt.

Als sich der Druck nach weiteren Kürzungen des für
unsere Sicherheit unabdingbaren Verteidigungshaushalts verstärkte, hätte ein sich nur mit innenpolitischen
Initiativen befassender Präsident vielleicht unsere
nationale Sicherheit unterbewertet. Präsident Clinton
tat das nicht. Er wandte sich strikt gegen weitere
Kürzungen, weil unser Militär seiner Ansicht nach in
der Lage sein muß, die gesamte Bandbreite von
Bedrohungen in diesem Bereich zu bewältigen.
Und als sich intensiver Widerstand gegen das Nordamerikanische Freihandelsabkommen breitmachte,
hätte ein Präsident "ohne Entschlußkraft" seine Unterstützung für das Abkommen auf ein Minimum begrenzt. Dieser Präsident verteidigte seine Position und
stellte seine Führungsstärke unter Beweis. Er überzeugte die Unentschlossenen mit stichhaltigen und leidenschaftlichen Argumenten.
Die Debatte überdasNAFTA war ein Wendepunkt. Es
ging nicht nur um die Schaffung einer Freihandelszone
mit Mexiko. Es ging in der Tat um sehr viel mehr als
Wirtschaft. Grundsätzlich gesehen, war es eine historische Entscheidung: Würden sich die Vereinigten
Staaten mit dem Ende des Kalten Krieges und angesichts tiefgreifender Veränderungen nach innen wenden oder die Veränderungen der Welt zu ihrem Vorteil

Hat diese Administration alle Antworten auf die sich
wandelnde Welt? Nein. Wir befinden uns zweifelsohne in einer Zeit im Fluß, die von großer Unsicherheit
gekennzeichnet ist. Ebenso wie in der Nachkriegszeit
ist die Schaffung einer neuen Zeit nicht eine Sache von
sechs Tagen. Es kann Jahre dauerhafter öffentlicher
Unterstützung erfordern, bis Schlüsselaspekte unseres Engagements Fuß fassen. Müssen wir mehr zum
Aufbau dieser Unterstützung unternehmen? Definitiv.
Und natürlich ist Erfolg bei auswärtigen Angelegenheiten nie garantiert. Der heutige Kampf um die Zukunft
der Reformen in Rußland ist unsicher und unberechenbar. Trotz des im Weißen Haus gefeierten Durchbruchs im vergangenen Jahr kann keiner davon ausgehen, daß der Frieden im Nahen Osten über Nacht
kommt.
Konstant bleiben die amerikanischen Interessen. Im
vergangenen Jahr hat Präsident Clinton bei der Verfolgung dieser Interessen energische Führungsstärke
bewiesen. Und aufgrund seiner Führungsrolle ist
unsere Nation heute sicherer. Das amerikanische
Volk scheint das besser zu verstehen als einige Experten und Gelehrte.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 13

�FILM
30. März 1994

ZEHN OSCARS FÜR SPIELBERGS FILME
Oscar-Verleihung 1994
Am Ende war die "Liste" lang, umfassend und wirklich stellung und erhielt die begehrte Trophäe für die Verkörperung einer etwas weltfremden, stummen, per
verdient.
Heiratsannonce vermittelten schottischen EhepartneSchindlers Liste, Steven Spielbergs ergreifende, in rin im Neuseeland des 19. Jahrhunderts in Das Piano.
schwarzweiß gedrehte Darstellung eines Kapitels im Und Tommy Lee Jones, einer der handwerklich besten
europäischen Holocaust-dem methodischen Genozid Schauspieler Hollywoods, wurde endlich für seine
der Nazis an Juden und anderen Menschen im Zweiten Arbeit als verbissener Detektiv in Auf der Flucht
Weltkrieg - beherrschte die 66. Oscar-Verleihung am ausgezeichnet, einem der spannendsten Thriller des
21. März 1994. Der Film gewann sieben Oscars, unter Jahres 1993.
anderem als bester Film, fürdie beste Regie, das beste
Drehbuch und die beste Original-Filmmusik.
In einer Nacht weniger Überraschungen war die Kategorie der besten Nebendarsteller das einzig wirklich
Genau 20 Jahre nach seinem ersten Filmdrama The Aufregende. Trotz der überragenden Darstellung von
Sugarland Express erhielt Spielberg endlich die Emma Thompson in Im Namen des Vaters, von
künstlerische Anerkennung der Academy of Motion Hunter in Die Firma (eine seltene DoppelnominiePicture Arts and Sciences, die er die ganze Zeit rung), von Wiona Ryder in Zeit der Unschuld und
während "der längsten Durststrecke meines Lebens", Rosie Perez in Furchtlos, ging die Trophäe an die
wie er es bezeichnete, gesucht hatte. Seine vorheri- Neuseeländerin Anna Paquin. Die 11 jährige Paquin ist
gen Filme, die Milliarden Dollar für die Studios einspiel- die zweitjüngste Oscarpreisträgerin (Tatum O'Neal
ten und Millionen Kinofans unterhielten, wurden im gewann den Oscar mit 10) und wurde für ihre beeingroßen und ganzen bei den Oscar-Verleihungen igno- druckende Verkörperung von Hunters Tochter in Das
riert.
Piano ausgewählt. Die kurze Atemlosigkeit der kleiDieses Mal gewann er nicht nur mit Schindlers Liste, nen Paquin als sie zum Podium ging, um die Auszeichauch sein ebenfalls 1993 in die Kinos gekommener nung von Schaupieler Gene Hackman entgegenzuKassenschlager Jurassic Park wurde mit drei Oscars nehmen, unterstrich ihre Überraschung.
für Spezialeffekte ausgezeichnet.

In gewisser Weise war der Erfolg der romantischen
Komödie
Belle Epoque, Spaniens Beitrag zur KateIn einem Jahr spannender, provokativer Filme - fraglos
gorie
der
fremdsprachigen Filme, unerwartet, angeeinem der besten für Qualitätsfilme in den vergangesichts
überzeugender
anderer Favoriten, von denen
nen Jahren-ragte die Geschichte von Oskar Schindler
drei
aus
Asien
kamen
Lebe wohl meine Konkubine
besonders heraus, einem Nazi-Geschäftsmann, der
(Hongkong),
Das
Hochzeitsbankett
(Taiwan) und
durch das "Mysterium des Guten", wie Schauspieler
Der
Duft
von
grünen
Papayas
(Vietnam)
- sowie
Richard Dreyfuss es bei der Zeremonie beschrieb,
Englands
Beitrag
in
walisischem
Dialekt
Hedd
Wyn.
über 1.200 Juden vor dem sicheren Tod rettete.
Unter der Regie von Fernando Trueba hat Belle EpoSchindlers Liste war jedoch nicht der einzige Erfolg que bereits neun entsprechende Auszeichnungen in
bei der Oscar-Verleihung, die von Los Angeles welt- Spanien gewonnen.
weit live über Satellit übertragen wurde.
Im Gegensatz zu der Zeremonie von 1993, bei der
Tom Hanks gewann den ersten Oscar seiner Karriere einige Teilnehmer kontroverse politische Erklärungen
für seine beeindruckende Darstellung eines AIDS- abgaben, war die Oscar-Verleihung von 1994 eher
infizierten Rechtsanwalts in Philadelphia, der hart- zurückhaltend, wenn auch feierlich und manchmal
näckig gegen die Entlassung aus einer Anwaltssozie- wirklich bewegend. In hohem Maße war dies eine
tät kämpft, während die Krankheit seinen Körper zer- direkte Folge der Themen, mit denen sich die von der
stört. Die zum ersten Mal mit einem Oscar geehrte Kritik besonders gelobten Filme des Jahres 1993
Holly Hunter ist bekannt für ihre ausdrucksvolle Dar- befaßten. Die Ernsthaftigkeit der abstimmenden
AMERIKA DIENST 13

Sehe 1

�Academy-Mitglieder erstreckte sich in der Tat sogar Die Erinnerung war letztlich auch das Thema von
auf Kategorien wie Dokumentarfilme. Hier gingen die Spielbergs Worten bei der Entgegennahme des OsTrophäen an Filmemacher, die Träume und Hoffnun- car. Alserauf der Bühne den Oscarfürdiebeste Regie
gen junger schwarzer Grundschüler erforschten (I Am entgegennahm, ordnete er diesen Sieg in den historiThe Promise) sowie an Defending Our Lives, der schen Zusammenhang ein und sprach von dem Überden nicht allzu leisen Kampf von Opfern häuslicher lebenden des Holocaust, der die Geschichte dem
Schriftsteller Thomas Keneally erzählte, der dann das
Gewalt behandelt.
Buch schrieb, von dem Studioboß bei Universal PicPaul Newman umschrieb diesen Geist, als er den tures, der Spielberg auf das Buch aufmerksam geJean-Hersholt-Preis für humanitäres Engagement - macht hatte, von den 92 Tage dauernden Dreharbeieinen der beiden Ehren-Oscars (den anderen erhielt ten in Polen und den sechs Millionen, "die das nicht
Deborah Kerr für ihr Lebenswerk) - für seine humani- mehr erleben können".
tären Bestrebungen im Laufe der Jahre zur Unterstützung von Kinderhilfsprogrammen und Bedürftigen Einige Minuten später kehrte er mit den Ko-Produzenentgegennahm.
ten Lustig und Jerry Axelson auf die Bühne zurück und
nahm den Oscar für den besten Film entgegen.
"Meines Erachtens werden wir allzuoft daran erinnert,
was in diesem Land nicht funktioniert", äu ßerte er, "und "Ich rufe alle Lehrer, die diesen Film sehen, eindringnicht oft genug an das, was funktioniert". Ich halte die lich auf: Lassen Sie bitte nicht zu, daß der Holocaust
Vereinigten Staaten für das großzügigste Land der zu einer Fu ßnote der Geschichte wird. Bitte lehren Sie
Erde. In unserer Nation sind meiner Meinung nach das in Ihren Schulen. Es gibt 350.000 Zeitzeugen, die
Künstler und Entertainer... die freigebigste Gruppe in ihr Leben der Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit
den Vereinigten Staaten - nicht nur im Hinblick auf widmen wollen. Hören Sie bitte auf die Worte, auf die
Geld, sondern auf Inspiration, Mühe, Zeit, Engage- Echos und die Geister."
ment und Risiko."
Oscar-Verleihung 1994
Dieses Jahr versagten mehr Mitwirkenden vor Rührung die Stimme und es wurden mehr echte Tränen Bester Film:
vergossen als üblich - in gewisser Weise ein schwei- Schindlers Liste
gender Tribut an diejenigen, die entweder durch Krank- Bester Hauptdarsteller:
heit oder politische Verfolgung zu früh starben.
Tom Hanks in Philadelphia
Mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller in der
Hand grüßte Tom Hanks diejenigen, die wie die von Beste Hauptdarstellerin:
ihm verkörperte Figur unter AIDS leiden. "Wir kennen Holly Hunter in Das Piano
ihre Namen. Auf jedes rote Band, das wir heute abend
Bester Nebendarsteller:
tragen, kommen tausend", teilte er mit.
Tommy Lee Jones in Auf der Flucht
"Sie alle ruhen bei unserem gnädigen Schöpfer, in
seiner heilenden Umarmung, die ihr Fieber kühlt, sie Beste Nebendarstellerin:
reinigt und ihnen eine einfache, selbstverständliche Anna Paquin in Das Piano
Wahrheit von Augen führt... die von klugen, toleranten
Männern vor 200 Jahren in Philadelphia niederge- Beste Regie:
schrieben wurde."(Ein ironischer Hinweis auf den Titel Steven Spielberg für Schindlers Liste
des Films, der Bezug nimmt auf das "unveräußerliche"
Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück, Bester fremdsprachiger Film:
das in der in Philadelphia von den Gründervätern der Belle Epoque
Vereinigten Staaten verfaßten Unabhängigkeitserklärung niedergeschrieben wurde).
Bestes Original-Drehbuch:
Jane Champion für Das Piano
"Ich war die Nummer 83317". Mit dieser sachlichen
Feststellung nahm der Überlebende des Holocaust Bestes Drehbuch nach Vorlage:
Branko Lustig seinen Oscar als Ko-Produzent von Steven Zaillian für Schindlers Liste
"Schindlers Liste" entgegen und sprach die Hoffnung
aus, er habe "seine Pflicht gegenüber den unschuldi- Beste Kamera:
gen Opfern des Holocaust erfüllt".
Janusz Kaminski in Schindlers Liste
"Der Weg von Auschwitz auf diese Bühne ist lang. Im
Lager starben die Menschen vor meinen Augen. Ihre
letzten Worte waren: "Du sollst von meinem Mord
Zeugnis ablegen. Sage der Welt, wie ich starb. Halte
die Erinnerung wach."
Seite 2

Bester Schnitt:
Michael Kahn in Schindlers Liste

AMERIKA DIENST 13

�Beste Original-Filmmusik:
John Williams in Schindlers Liste

Beste Tontechnik:
Jurassic Park

Bester Titelsong:
Bruce Springsteen in Philadelphia

Beste Bildtechnik:
Jurassic Park

Bester Dokumentarfilm:
I Am The Promise: The Children of Stanton
Elementary School

Bestes Make-up:
Mrs. Doubtfire
Bester Kurzfilm:
Schwarzfahrer

Bester Dokumentar-Kurzfilm:
Defending our Lives

Bester Trickfilm:
The Wrong Trousers

t

Beste Kostüme:
Gabriella Pescucci in Zeit der Unschuld

i

Beste Ausstattung:
Alan Starski und Ewa Braun in Schindlers Liste
Bester Ton:
Jurassic Park

Jean-Hersholt-Preis für humanitäres Engagement:
Paul Newman
Oscar für das Lebenswerk:
Deborah Kerr

* * * *

AMERIKA DIENST 13

*

Seite 3

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                <text>&lt;strong&gt;1. Nordkorea&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Perry: "Zur Zeit keine Krise"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vereinigte Staaten ergreifen "wohlüberlegte" defensive Maßnahmen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. UNO&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA arbeiten auf glaubwürdige, kostengünstige UN-Friedenssicherung hin&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafterin Albright vor Kongreß-Unterausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Chemiewaffen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Holum drängt auf frühzeitige Ratifizierung der Chemiewaffenkonvention&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung von ACDA-Direktor John Holum&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton sollte nicht unterschätzt werden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Samuel R. Berger&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zehn Oscars für Spielbergs Filme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Oscar-Verleihung 1994&lt;/em&gt;</text>
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&lt;&lt;/

^

amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462 C

23. März 1994

12

BOSNIEN

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG
DES BOSNIEN-VERTRAGS
Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie

AUSSENPOLITIK

CHRISTOPHER: UN-RESOLUTION IST
NÄCHSTER SCHRITT IN KOREANISCHER
PATTSITUATION
Auszüge aus Fernsehinterviews

NAHER OSTEN

USA BEFÜRWORTEN UN-RESOLUTION
ZU HEBRON TROTZ EINWÄNDEN GEGEN
SPRACHREGELUNG
Botschafterin Albright zur Resolution
über die besetzten Gebiete

VERTEIDIGUNG

USA SOLLTEN EHEMALIGE SOWJETUNION
WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Interview mit Verteidigungsminister Perry

DIE US-MILITÄRSTRATEGIE FÜR DIE
NEUNZIGER JAHRE
von General John Shalikashvili

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 339 23 72
Fax: 0228 33 41 02

�BOSNIEN
23. März 1994

CLINTON BEGRÜSST UNTERZEICHNUNG
DES BOSNIEN-VERTRAGS
Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge ist das am 18. März 1994 zwischen Vertretern Bosniens und
Kroatiens unterzeichnete Abkommen über eine Föderation "das erste klare Signal", daß die kriegführenden
Parteien in Bosnien-Herzegowina "die Gewalt beenden und einen Prozeß des Wiederaufbaus beginnen wollen".
Vor der Unterzeichnungszeremonie beiwohnenden Journalisten bezeichnete Clinton das Dokument als "gleichermaßen von Bedeutung für die Zukunft Kroatiens wie Bosniens" und fügte hinzu, "alle Anwesenden hegen
die Hoffnung, daß die Serben sich ebenfalls an diesem Friedensprozeß beteiligen".
Clinton warnte jedoch, die unterzeichneten Dokumente seien "nur ein erster Schritt" zur Beendigung der
ethnischen Konflikte im ehemaligen Jugoslawien, und weder die Vereinigten Staaten noch die internationale
Staatengemeinschaft "können den Erfolg dieser Initiative garantieren".
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten.
Präsident Izetbegovic, Präsident Tudjman, Ministerpräsident Silajdzic, Herr Zubak. Der Außenminister,
der Nationale Sicherheitsberater, der Vizepräsident
und ich freuen sich über den heutigen Anlaß, bei dem
außer Ihnen der Stellvertretende russische Außenminister Vitali Tschurkin, als Vertreter der Troika der
Europäischen Union die Außenminister Griechenlands
- Herr Papoulias -, Belgiens - Herr Claes - und Deutschlands - Herr Kinkel - anwesend sind. Und natürlich
auch David Owen und Thorvald Stoltenberg, die KoVorsitzende der internationalen Konferenz waren.

Konsequenzen jedoch tragischer als im ehemaligen
Jugoslawien. Dort verüben durch serbische Aggression angeheizte nationalistische und religiöse Gruppen Akte ethnischer Säuberung und brutale Greueltaten.

Das heute unterzeichnete Abkommen ist das erste
klare Signal, daß die kriegführenden Parteien in Bosnien-Herzegowina die Gewalt beenden und einen Prozeß
des Wiederaufbaus beginnen wollen. Die Vereinbarungen fordern eine Föderation zwischen den Muslimen und Kroaten in Bosnien. Diese muslimischDarüber hinaus sind wir erfreut, daß dieser Zeremonie kroatische Einheit hat dem Prinzip einer Konföderation
ebenfalls die Botschafter der UNPROFOR-Nationen mit Kroatien zugestimmt. Zusammengenommen können
beiwohnen, die so aktiv auf Frieden und die Erhaltung diese Schritte zur Förderung des Ideals eines multiethdes Friedens hingearbeitet haben: General Shalikash- nischen Bosnien beitragen und die Grundlage für ein
vili, Botschafterin Albright und Kongreßabgeordnete. erneutes Zusammenleben von Muslimen und Kroaten
als friedliche Nachbarn und Landsleute bieten.
Wir sind Zeuge eines Augenblicks der Hoffnung geworden. Seit 33 Monaten wütet Krieg in den Nationen Diese Abkommen sind gleichermaßen von Bedeutung
des ehemaligen Jugoslawien. Mit der heutigen Unter- fü r die Zukunft Kroatiens wie Bosniens. Alle Anwesenzeichnung dieses Abkommens haben die Vertreter den hegen die Hoffnung, daßdie Serben sich ebenfalls
Bosniens und Kroatiens gehandelt, um diesen Krieg zu an diesem Friedensprozeß beteiligen.
beenden und den schwierigen Prozeß der AussöhDie Abkommen sind Beweis für die Ausdauer und
nung in die Wege zu leiten.
Entschlossenheit vieler Menschen - der kroatischen
Auf der ganzen Welt stellen die Spannungen zwischen und bosnischen Diplomaten, die unermüdlich auf den
ethnischer Identität und Souveränität einesdergroßen Frieden hinarbeiteten, der heute hier vertretenen UNProbleme unserer Zeit dar. Nirgendwo waren die Soldaten aus vielen Ländern, die dem Land Stabilität

AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�und humanitäre Hilfslieferungen brachten, und der
NATO-Piloten, die dazu beitrugen, unsere Macht in
den Dienst der Diplomatie zu stellen.

Arrangements für die neue Föderation müssen eine
Chance zu ihrem Funktionieren erhalten. Der Waffenstillstand zwischen den Streitkräften der kroatischen
und bosnischen Regierung muß andauern. Die KroaIch möchte die Führung und den Mut derjenigen wür- ten und Muslime, die mit solcher Intensität gekämpft
digen, die zur Unterzeichnung dieser Abkommen nach haben, müssen jetzt dieselbe Intensität zur WiederherWashington gekommen sind, insbesondere der Präsi- stellung von gewohnheitsmäßiger Toleranz und Kodenten Izetbegovic und Tudjman. Anerkennung ge- existenz an den Tag legen.
bürt auch den unermüdlichen Bestrebungen Thorvald
Stoltenbergs und David Owens sowie natürlich Cyrus Die Frage der Region Petrinja in Kroatien muß gelöst
Vance.derheutenichtzugegenist. Besonders hervor- werden. Serbien und die bosnischen Serben können
heben möchte ich meine persönliche Anerkennu ng der sich nicht ihrer Verantwortung entziehen, wenn ein
geschickten Diplomatie von Botschafter Charles Red- dauerhafter Friede erlangt werden soll.
man. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit.
Die neuen Fortschritte bei der Schaffung des Friedens
Diese Menschen haben alle viel dazu beigetragen, um werden wahrscheinlich von Demagogen scharf kritidieses Maß an Einigung zu erzielen. Durch die Arbeit siert - von verbrecherischen Schützen, von allen, die
Botschafter Redmans und in vielfältiger anderer Weise aus einer Fortsetzung von Gewalt, Aggression und
hat unsere Administration mit unseren NATO-Bündni- menschlichem Leiden Profit ziehen wollen. Solchen
spartnern, der Europäischen Union, Rußland, den Angriffen muß mit derselben Beständigkeit und FühVereinten Nationen und anderen an der Beendigung rungsstärke begegnet werden, wie sie bei der Ausdieses Konflikts zusammengearbeitet. Die Tatsache, handlung dieser Abkommen gezeigt wurden.
daß wirdiesesErgebnisdurchZusammenarbeit erzielt
haben, macht einen bedeutenden Unterschied. Ich Weder die Vereinigten Staaten noch die internationale
möchte dem Stellvertretenden Außenminister Ruß- Staatengemeinschaft können den Erfolg dieser Initialands für seine erneuten Anstrengungen auf diesem tive garantieren. Die Vereinigten Staaten haben jeGebiet und unsere gemeinsamen Hoffnungen danken. doch den Konfliktparteien zur Seite gestanden, als sie
um des Friedens willen Risiken eingingen, und wir
Wir haben uns für diese Bestrebungen engagiert, weil werden das weiterhin tun. Ich habe den Präsidenten
für die Vereinigten Staaten eindeutige Interessen auf Izetbegovic und Tudjman mitgeteilt, daß die Vereinigdem Spiel stehen - das Interesse an der Verhinderung ten Staaten bereit sind, einen Beitrag zu dem diese
einer Ausweitung des Krieges in Europa, ein Interesse Abkommen unterstützenden wirtschaftlichen Wiederdaran zu beweisen, daß die NATO eine glaubwürdige aufbau zu leisten. Unser Land ist, wie ich bereits
Kraft für den Frieden ist, ein Interesse daran, die erwähnte, bereit, sich im Rahmen der NATO an der
schrecklichen, destabilisierenden Flüchtlingsströme Umsetzung einer akzeptablen, durchsetzbaren Löeinzudämmen, die dieser Konflikt hervorbringt und sung zu beteiligen.
natürlich das uns allen gemeinsame humanitäre Interesse an der Beendigung des fortgesetzten Abschlach- In ganz Bosnien und Kroatien waren einst Gemeiden
und ganze Völker durch alte Brücken miteinander
tens Unschuldiger in Bosnien.
verbunden, wie die große Steinbrücke in Mostar, die
Die unterzeichneten Dokumente sind nur ein erster jahrhundertelang stolzes Symbol der Stadt war. AllzuSchritt, aber eindeutig ein Schritt in die richtige Rich- viele dieser Brücken sind jetzt zerstört oder gewaltsam
tung. Wenn er zu einer umfassenden Verhandlungs- gesperrt. Die Herausforderung für die Konfliktparteien
lösung führt und in diesem vom Krieg erschütterten besteht in der Wiederherstellung der Bande, für die
Land einen dauerhaften Frieden schafft, wird diese diese Brücken einst standen. Die Ankündigung, daß
Zeremonie als ein bedeutendes Ereignis in Erinnerung die Brücke der Brüderlichkeit und Einheit in Sarajevo
bleiben. Ob das im Nachhinein geschehen wird, hängt bald wieder geöffnet wird, ist ein hoffnungsvolles
weniger von den hier geäußerten Worten ab als von Anzeichen dafür, daß die Parteien mit der Überwinden heutigen und zukünftigen Aktionen der Muslime, dung der durch Haß und Gewalt geschaffenen SpalKroaten und Serben.
tung beginnen können.
Dokumente wie diese können zwar die Parameterdes
Friedens definieren, dieser Frieden muß jedoch von
den in der Region lebenden Menschen geschaffen
werden. Wirtschaftliche und sicherheitspolitische

Die vor uns liegende Arbeit ist wirklich enorm, aber die
gesamte internationale Staatengemeinschaft hat sich
der Hilfe verpflichtet. Gemeinsam wollen wir nach
Frieden streben.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 12

r
v

�AUSSENPOLITIK
23. März 1994

CHRISTOPHER: UN-RESOLUTION IST NÄCHSTER
SCHRITT IN KOREANISCHER PATTSITUATION
Auszüge aus Fernsehinterviews
WASHINGTON - (AD) - In Fernsehinterviews mit CBS "Facethe Nation", CNN "Late Edition" und MacNeil/
Lehrer "Newsmaker Interview" erklärte Au ßenminister Christopher am 18. und 20. März 1994, die Vereinigten
Staaten und Nordkorea hätten bei der Inspektion von Nuklearanlagen eine Pattsituation erreicht und der nächste
Schritt sei eine UN-Resolution.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Interviews in wesentlichen Auszügen.

Streben die Vereinigten Staaten UN-Handelssanktionen gegen Nordkorea an?
Ich möchte Ihnen kurz die Situation erläutern. Unser
Ziel ist eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel das bedeutet sowohl Nord- als auch Südkorea -, und
wir haben dieses Ziel seit geraumer Zeit mit ziemlich
aggressiver Diplomatie verfolgt. Bedauerlicherweise
befinden wir uns in einer Pattsituation.
Im Augenblick geht es um zwei Dinge. Erstens wollen
wir, daß Nordkorea uneingeschränkten Inspektionen
zustimmt, und zweitens soll der Dialog mit Südkorea
über die Entnuklearisierung fortgesetzt werden.
Es scheint jedoch, daß beides festgefahren ist. Erstens werden die Inspektionen offenkundig nicht beendet, und zweitens hat Nordkorea die Gespräche mit
Südkorea unterbrochen. Wie ich bereits sagte, sind
wir in eine Pattsituation geraten.
Morgen wird die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) zusammenkommen und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststellen, daß
die Inspektionen unzureichend sind und die Angelegenheit an die Vereinten Nationen weiterleiten.
Wir streben eine Resolution an. Wir werden diesen
Weg verfolgen. Wir werden auch noch andere Schritte
unternehmen, aber diese Maßnahmen werden bei den
Vereinten Nationen ergriffen.
Wir stellen uns auf Handelssanktionen ein, was jedoch
genau bei den Vereinten Nationen geschieht, bleibt bis
nächste Woche abzuwarten. Wir wollen sicher sein,
daß alle Mitglieder des Sicherheitsrats und der Vereinten Nationen unserem Vorgehen zustimmen.
AMERIKA DIENST 12

Kann bei den Nahost-Friedensgesprächen die Frage
der Besiedlung bis zu Gesprächen über den endgültigen Status zurückgestellt werden?
Auf diese Position haben sich die beiden Parteien
verständigt. Laut der Grundsatzerklärung zwischen
Israelis und Palästinensern soll die Besiedlung als
Angelegenheit des endgültigen Status entschieden
werden - das heißt, nach der Umsetzung der Grundsatzerklärung haben sie zwei Jahre Zeit für Verhandlungen. Dies ist eine sehr schwierige Frage, und die
Parteien haben vereinbart, daß sie zu diesem Zeitpunkt erörtert wird.
Im Zusammenhang mit der Durchführung der Grundsatzerklärung gibt es viele Aspekte der Besiedlung, auf
die man sich konzentrieren muß. Ich möchte daher
nicht sagen, daß alle Aspekte bis zur Entscheidung
über den endgültigen Status anhängig sind. Die Entscheidung der endgültigen Besiedlung fällt jedoch
unter den endgültigen Status, und es gibt eine Reihe
von Sicherheitsproblemen. Ministerpräsident Rabin
hat klargestellt, daß ihm die Notwendigkeit neuer Sicherheitsbeziehungen bewußt ist, und darüber wird
gesprochen.
Am Freitag vergangener Woche gelang uns die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Palästinensern und den Israelis über Sicherheitsfragen, und
heute kommen sie zur Erörterung dieses Themas in
Tunis zusammen.
Was muß Nordkorea tun, um die Übung "Team
Spirit" zu verhindern?
Das ist praktisch unmöglich. Wenn sie die Inspektoren
wieder zulassen und wenn sie sagen würden: "Gut, wir
Seite 1

�führen Gespräche mit Südkorea, wir entsenden Gesandte." Ich fürchte jedoch, daßdie Sache dafürschon
zu weit gegangen ist. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Meines Erachtens wird es Gespräche zwischen uns
und den Südkoreanern geben, bei denen das richtige
Datum für die Wiederaufnahme festgesetzt wird.
Steht die Stationierung von Patriot-Raketen in
Südkorea bevor?
Das ist eine Frage des Zeitpunkts. Meiner Ansicht
nach werden die Diskussionen zwischen den Militärs
entscheiden, wann genau sie dort stationiert werden.
Es wird jedoch nicht mehr lange dauern.
Wird China UN-Sanktionen gegen Nordkorea unterstützen?
Als ich in China war, haben wir diese Frage erörtert.
Meines Erachtens sollten wir berücksichtigen, daß es
sowohl im Interesse Chinas als auch in unserem
Interesse liegt, die nukleare Aufrüstung in Nordkorea
zu verhindern. Chinahatdasselbelnteressewiewiran
einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel und
hat dies zum Ausdruck gebracht. China hat uns
ermutigt, den diplomatischen Weg einzuschlagen und
sehr sorgfältige Schritte zu unternehmen.
Wenn die Angelegenheit an die Vereinten Nationen
weitergeleitet wird, wollen wir sicherstellen, daß alle
anderen Mittel erschöpft sind. Sollte dies der Fall sein,
hoffe ich, daß man bereit ist, die Sanktionen nicht zu
blockieren, wenn es zu einer Abstimmung kommt.
Würde China sich bei der Abstimmung über Sanktionen der Stimme enthalten?
Wir haben keine solchen Zusagen. China hat uns
jedoch ermutigt, geduldige Diplomatie zu verfolgen.
Und wir hegen die Hoffnung, wenn wir dies tun, wenn
wir Schritt für Schritt vorgehen und zeigen, daß wir die
diplomatischen Mittel ausgeschöpft haben, wird China
die Abstimmung nicht blockieren. Wie Sie wissen, war
China bisher in den Vereinten Nationen zur Unterstützung bereit. Es gab eine frühere Resolution, die
Nordkorea zum Einlenken aufforderte, und die Chinesen haben sie unterstützt.
Der Hauptgrund dafür ist - und dies gilt für gewöhnlich
für alle Nationen - daß es in ihrem Eigeninteresse liegt.
China tut dies nicht, um nett zu den Vereinigten Staaten zu sein. China tut es aufgrund der Sorge um die
Nuklearisierung Nordkoreas, die unserer entspricht.
Wir haben jedoch zweifelsohne alles in unserer Macht
Stehende für einen Dialog getan. Wir haben Nordkorea gesagt, daß wir zu einer dritten Runde des Dialogs
bereit wären, wenn Inspektoren zugelassen und weitere Gespräche mit Südkorea geführt würden. Wir
sind aber in eine Pattsituation geraten. Und ich habe
das Gefühl, wenn wir sorgfältig und schrittweise mit
den Chinesen vorgehen, werden sie feststellen, daß
es in ihrem Eigeninteresse liegt.
Seite 2

Wir unterhalten häufig Beziehungen zu Nationen, mit
denen es ein heikles Thema gibt, deren Zusammenarbeit wir jedoch zu einem anderen Thema benötigen,
und wir erhalten sie, weil es in ihrem und unserem
Interesse liegt.
Erwägen die Vereinigten Staaten die Entsendung
weiterer Truppen nach Südkorea?
Wir haben zur Zeit 37.000 Soldaten dort stationiert.
Uns liegen keine Anträge unserer Kommandeure für
weitere Truppenentsendungen vor. Sie können jedoch versichert sein, daß wir uns schützen. Wir
unterhalten Sicherheitsbeziehungen zu Südkorea. Wir
sind entschlossen, sie zu schützen. Wir wollen keine
Konfrontation. Wenn es jedoch zu einer Konfrontation
kommt, sind wir sicher, daß wirdie Oberhand behalten.
Was ist Ihre Reaktion auf die Aussage des nordkoreanischen Chefunterhändlers, ein Krieg sei unvermeidbar?
Wir haben diese Art von Rhetorik schon vorher von
Nordkorea gehört.
Wir lassen uns dadurch nicht einschüchtern, das kann
ich Ihnen versichern. Wir werden tun, was im Interesse
der Vereinigten Staaten und ihrer Vertragspartner, der
Südkoreaner, liegt. Wir waren bis jetzt in unserer
Diplomatie sehr geduldig mit Nordkorea. Wir wollen
Nordkorea nicht in eine Konfrontation drängen, haben
jedoch meines Erachtens den Punkt erreicht, an dem
es keine andere Wahl als die Anrufung des UNSicherheitsrats gibt, weil der Internationalen Atomenergie-Organisation die Art von Inspektionen einfach
nicht erlaubt wurden, die sie wollten.
Die Vereinigten Staaten haben ein sehr starkes Sicherheitsengagement für Südkorea, und wir werden
Südkorea schützen und obsiegen.
Können die Vereinigten Staaten bei einer internationalen Präsenz in Hebron eine Rolle spielen?
Wie Sie wissen, einigten sich drei der Parteien am
vergangenen Freitag auf die Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen: Syrien, der Libanon und Jordanien. Ebenfalls letzten Freitag beschlossen Israelis
und Palästinenser, eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu erörtern. In diesen Gesprächen wollen
sie überlegen, wie sie den Palästinensern mehr Sicherheit gewähren können. Ministerpräsident Rabin
hat die Notwendigkeit erhöhter Sicherheit anerkannt.
In der vergangenen Freitag angenommenen UNResolution wurde auf die Möglichkeit einer vorübergehenden internationalen Präsenz Bezug genommen.
Diese Forderung wird auch in der Grundsatzerklärung
der Palästinenser und Israelis gestellt. Sie wird Bestandteil der heute in Tunis beginnenden Verhandlungen zwischen den Palästinensern und Israelis sein.
Die Parteien sollen jedoch der internationalen Präsenz

AMERIKA DIENST 12

�Friedensgespräche. Die drei arabischen Länder, die
einer Rückkehr an den Verhandlungstisch zugestimmt
haben, werden den Gesprächen einen gewissen
Es wird sich herausstellen, was die Parteien in diesem Schwung verleihen und die Rückkehr der PLO erleichZusammenhang vorhaben. Die Frage, ob die Verei- tern.
nigten Staaten am besten geeignet sind, hier eine
Rolle zu spielen, muß noch von den Parteien beant- Wie Sie wissen, bin ich der Ansicht, daß die Länderder
arabischen Welt einen Hang zur Zusammenarbeit
wortet werden.
haben. Der PLO-Vorsitzende Arafat wird von der
Sind Sie optimistisch, daß die Serben dem Ab- Tatsache angespornt, daß die führenden Politiker dreier
kommen zu Bosnien beitreten werden?
anderer Länder sich den Friedensgesprächen wieder
anschlössen. Meiner Ansicht nach wird ihn das zur
Meines Erachtens sind wir hier auf dem richtigen Weg.
Rückkehr an den Verhandlungstisch ermutigen und
Wir haben vergangenen Freitag einen sehr bedeutenihm die nochmalige Versicherung geben, daß eine
den Schritt unternommen. Der nächste Schritt wird der
Rückkehr erforderlich ist. Das werden ihm auch die
Versuch sein, die begründeten Forderungen der Ser- Gespräche bestätigen, die er heute mit Ministerpräsiben zu erfahren und dann mit ihnen Gespräche zu dent Rabin führt sowie die Erörterung der Sicherheit im
führen. Es gibt Gründe, warum die Serben jetzt Westjordanland.
vielleicht zur Rückgabe eines Teilgebietes bereit sein
und eine friedliche Lösung ermöglichen könnten.
Was wird Arafat von Rabin verlangen?
zustimmen, so wie in der Grundsatzerklärung gefordert.

.
i

Ich vermute, daß sie einen beträchtlichen Teil des jetzt Hier ist eine Vielzahl von Dingen im Spiel. Wie Sie
in ihrem Besitz befindlichen Gebietes zurückgeben wissen, war Ministerpräsident Rabin sehr offen als er
werden.
hier erklärte, wir verstünden die Sicherheitsbelange
der
Palästinenser. Es wird vieles erörtert, wobei die
Ich möchte keine Zahlen nennen, aber die beiden
Polizei
einen Aspekt darstellt. Vielleicht besteht in
Gruppen - Kroaten und Muslime - könnten mehr als 50
Zukunft
auch die Möglichkeit einer internationalen
Prozent bekommen, wodurch diese Einheit viel lebensPräsenz.
fähiger würde.
Ich möchte jedoch nicht die Gespräche zwischen den
Parteien vorwegnehmen. Es werden intensive DebatDas wird vom Kriegsverbrechertribunal entschieden. ten sein. Ich hege jedoch große Hoffnungen, daß sie
Er gehört meines Erachtens jedoch zu denjenigen, die eine Grundlage für die Wiederaufnahme der Friedensgespräche für sich selbst sowie die drei anderen
in Frage kommen.
Parteien finden werden.
Und was ist mit dem serbischen Präsidenten MiloStehen Rabin und Arafat in telefonischem Konsevic?
takt?
Darüber wird das Kriegsverbrechertribunal entscheiden. Ich bin sicher, daß es über viele Menschen ein Ja, sie haben diese Woche zwei- oder dreimal miteinander telefoniert. Es ist ein gutes Zeichen, daß sie in
Urteil fällen wird.
der Lage sind, am Telefon miteinander zu sprechen;
Die Vereinigten Staaten sind ein entschiedener Befür- diese langjährigen eingeschworenen Feinde haben
worter des Kriegsverbrechertribunals. Wir leisten hierzu jetzt einen Dialog begonnen.
nicht nur einen Beitrag in Form von Personal, sondern
Welche Bedeutung hat das Abkommen zwischen
auch von Geld.
den bosnischen Muslimen und den bosnischen
Wie ist der Stand der Dinge bei den Friedensge- Kroaten?
sprächen zwischen Israel und der PLO?
Es stellt einen wichtigen Schritt dar. Es ist ein sehr
Heute fand ein Telefongespräch zwischen dem PLO- wichtiger Baustein. Wenn man zu dem Gebiet, das
Vorsitzenden Arafat und dem israelischen Ministerprä- den Bosniern anscheinend in Genf angeboten wurde sidenten Rabin statt. Meiner Meinung nach leitet es ungefähr 32 oder 33 Prozent - die 17 Prozent der
eine Reihe von hochrangigen Kontakten zwischen kroatischen Gebiete zählt, erhält man ein sehr viel
diesen beiden Ländern ein. Es soll über die Sicherheit lebensfähigeres Gebilde von ungefähr 51 Prozent.
in den besetzten Gebieten gesprochen werden, und Darum könnte es hier gehen. Es löst auch eine Anzahl
ich denke und hoffe, daß das zu einer frühzeitigen von Problemen, beispielsweise den Zugang zum Meer
Wiederaufnahme der Friedensgespräche zwischen für die Muslime.
diesen beiden Parteien führt.
Folglich war das hier in Washington ein guter Tag für
Sie wissen beide, daß die wirkliche Hoffnung in der den Frieden, ein äußerst wichtiger Schritt. Es liegt
Umsetzung der Grundsatzerklärung liegt. Daher ist noch ein weiter Weg vor uns, denn bevor nicht die
das meines Erachtens ein guter Tag für die Nahost- bosnischen Serben einbezogen worden sind, gibt es
Ist Serbenführer Karadzic ein Kriegsverbrecher?

v

«

AMERIKA DIENST 12

Seite 3

�natürlich keine Zusicherung für Frieden. Das ist meines Erachtens der nächste Schritt. Jetzt lösen die
Muslime und Kroaten ihre Probleme - wie Sie wissen,
haben sie sehr intensiv gekämpft, so daß tatsächlich
der Krieg beendet werden kann, wenn sie ein Abkommen schließen, wie das der Fall war. Wir werden ihre
begründeten Forderungen sondieren, und es werden
Gespräche mit den Serben aufgenommen.

Welche Rolle spielt die amerikanische Diplomatie?
Vor ungefähr einem Monat - Anfang Februar, wenn ich
mich richtig erinnere - beschlossen die Vereinigten
Staaten, wieder eine sehr starke Führungsrolle an der
diplomatischen Front zu übernehmen.

Die Europäer blickten auf uns und sagten: "Unseres
Es werden dauernd Gespräche geführt. Beispielswei- Erachtens kann dieses Problem nicht ohne Eure Interse erörterten die Serben und die Bosnier die Öffnung vention gelöst werden." So begannen wir diesen
der Straßen nach Sarajevo, was heute morgen in der Prozeß, und der erste von uns unternommene - relativ
Entscheidung gipfelte, dies zu tun. Zur Zeit ist in kühne - Schritt besagte: "Warum versuchen wir nicht,
Bosnien sehrviel in Bewegung, und großenteils ist das zuerst die Kroaten und Muslime zusammenzubringen
äußerst vielversprechend. Die Waffenruhe in Saraje- um zu sehen, ob wie diesen Teil des Krieges nicht
vo hält. Anscheinend wird der Flugplatz von Tuzla beenden und als Baustein nutzen können. Diese
Schwelle haben wir überschritten. Unser nächster
geöffnet.
Schritt mu ß darin bestehen, uns den Serben zuzuwenAndererseits werden die Kämpfe in anderen Gebieten den."
fortgesetzt. Folglich gibt es vielversprechende Entwicklungen, aber es bleibt noch viel Arbeit zu leisten.

* *

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AMERIKA DIENST 12

�NAHER

OSTEN
23. März 1994

USA BEFÜRWORTEN UN-RESOLUTION ZU HEBRON
TROTZ EINWÄNDEN GEGEN SPRACHREGELUNG
Botschafterin Albright zur Resolution über die besetzten Gebiete
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben für die Resolution des UN-Sicherheitsrats über
die Situation in den besetzten Gebieten gestimmt, erklärte die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten
Nationen, Madeleine Albright, obwohl sie Einwände gegen einige Sprachregelungen der Resolution haben.
Albright legte am 18. März 1994 die Beweggründe der Vereinigten Staaten für ihr Abstimmungsverhalten dar
und erklärte: "Wir haben eine kollektive Verantwortung gegenüber den Menschen im Nahen Osten und der
internationalen Staatengemeinschaft, Extremisten und Terroristen daran zu hindern, die Hoffnung auf ein
normales Leben in Frieden zu zerstören."
Die Vereinigten Staaten haben Einwände gegen die Bezeichnung "besetzte palästinensische Gebiete" in der
Resolution und gegen die Bezugnahme auf Jerusalem, teilte sie mit, entschieden sich jedoch, sich bei diesen
Artikeln der Stimme zu enthalten und nicht ihr Vetorecht auszuüben.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung Botschafterin Albrights im Wortlaut.

Herr Präsident, die Mitglieder des Sicherheitsrats sind
sich der derzeit schwierigen Situation im Nahen Osten
bewußt. Mutige führende Politiker beider Parteien im
arabisch-israelischen Konflikt haben die Entscheidung
getroffen, jahrzehntelanges Blutvergießen zu beenden und Frieden zu schaffen. Am 13. September
vergangenen Jahres wurde mit der Unterzeichnung
der Grundsatzerklärung durch Israel und die PLO
sowie den Händedruck zwischen Ministerpräsident
Rabin und dem PLO-Vorsitzenden Arafat ein historischer Schritt unternommen. Die internationale Staatengemeinschaft und die Vereinten Nationen verliehen
ihrer überwältigenden Unterstützung fürdiesen außergewöhnlichen Akt der Versöhnung Ausdruck.

Die internationale Staatengemeinschaft war von Abscheu erfüllt. Der Ministerpräsident Israels verurteilte
im Namen seiner Nation diese Tat, verlieh seiner
Beschämung Ausdruck und ergriff schnelle Maßnahmen zur Untersuchung des Verbrechens und Verhinderung einer Wiederholung. Auch Präsident Clinton
faßte das Entsetzen des amerikanischen Volkes über
diese schreckliche Mordtat in Worte, und gemeinsam
mit anderen Mitgliedern des Sicherheitsrats verurteilen wir heute dieses Massaker aufs schärfste.

Herr Präsident, meine Regierung ist entschlossen zu
verhindern, daß Extremisten und Terroristen den Friedensprozeß unterminieren oder stören. Sie wollen die
Israelis und Palästinenser in die Dunkelheit endlosen
Seitdem haben die Unterhändler guten Glaubens Konflikts und Blutvergießens zurückzerren. Wir haben
versucht, Einigung über die Umsetzung der Grund- eine kollektive Verantwortung gegenüber den Mensatzerklärung zu erzielen, während auf beiden Seiten schen im Nahen Osten und der internationalen StaaExtremisten Gewalt und Terrorismus zum Mittel nah- tengemeinschaft, Extremisten und Terroristen daran
men, um den Frieden zu zerstören. 33 Israelis wurden zu hindern, die Hoffnung auf ein normales Leben in
getötet - unschuldige Opfer palästinensischer Extre- Frieden zu zerstören.
misten. Am 25. Februar, im heiligen Monat Ramadan,
wurden in der Stadt Hebron über 30 unschuldige Es gibt auf das Massakervon Hebron nureine Antwort.
Palästinenser von einem extremistischen israelischen Sie liegt in dem heutigen Aufruf des Sicherheitsrats an
Siedler beim Gebet in der Abraham-Moschee nieder- Israel und die PLO, ihre Bestrebungen zu verdoppeln,
die Verhandlungen zügig zum Abschluß zu bringen
geschossen.

AMERIKA DIENST 12

Seite 1

�und mit der unverzüglichen Umsetzung ihres Abkommens zu beginnen. Die Vereinigten Staaten sind
gemeinsam mit den russischen Vermittlern bereit,
alles zur Erreichung dieses Ziels Erforderliche zu
unternehmen.
Herr Präsident, es ist das Ziel, dem Friedensprozeß zu
dienen und ihn zu schützen, das meine Regierung wenn auch widerstrebend - zu der schwierigen Entscheidung geführt hat, die Verabschiedung dieser
Resolution heute trotz unserer Einwände gegen einige
ihrer Sprachregelungen zu ermöglichen. Meine Regierung hat heute in Washington mehrere Schritte
bekanntgegeben, die der Wiederaufnahme des Friedensprozesses im Nahen Osten dienen. Erstens
haben sich Syrien, Jordanien und der Libanon auf die
Wiederaufnahme bilateraler Verhandlungen mit Israel
im April geeinigt. Zweitens - und von besonderer
Bedeutung für die heute erörterte Resolution - haben
Israel und die PLO auf höchster Ebene intensive
Gespräche geführt. Sie haben sich schließlich auf die
Einberufung eines hochrangigen Treffens geeinigt,
dessen Zeitpunkt in den nächsten Tagen bekanntgegeben wird.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die vom Rat
soeben verabschiedeten Artikel der Resolution über
das operative Vorgehen. Wir haben jedoch eine
Abstimmung über jeden einzelnen Artikel dieser Resolution angestrebt, weil wir unsere Einwände gegen die
dort eingeführte Sprachregelung festhalten wollten.
Ich möchte eindeutig klarstellen: Wäre diese Sprachregelung in den Artikeln über das operative Vorgehen
aufgetaucht, hätten wir von unserem Vetorecht Gebrauch gemacht. Wir stimmen in der Tat heute gegen
eine Resolution in der Kommission über den Status
von Frauen eben weil sie impliziert, daß Jerusalem
"besetztes palästinensisches Gebiet" ist.
Wir sind gegen die Bezeichnung dervon Israel im Krieg
von 1967 besetzten Gebiete als "besetztes palästinensisches Gebiet". Aus der Sicht meiner Regierung
könnte die Sprachregelung verwendet werden, um
Souveränität anzudeuten - eine Tatsache, die den
Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO zufolge
in Verhandlungen über den endgültigen Status der
Gebiete entschieden werden muß. Wie zwischen
ihnen vereinbart, werden diese Verhandlungen nicht
später als zwei Jahre nach der Umsetzung der Grundsatzerklärung aufgenommen.
Obwohl meine Regierung unsere Sichtweise bekräftigt, daß die Vierte Genfer Konvention vom 12. April
1949 auf die von Israel seit 1967 besetzten Gebiete
Anwendung findet, lehnen wir die spezifische Bezugnahme auf Israel in dieser Resolution ab und werden
eine solche Einfügung in künftigen Resolutionen ebenfalls ablehnen. Wie ich bereits erwähnte, hätten wir
von unserem Vetorecht Gebrauch gemacht, wenn
diese Sprachregelung in die Artikel über das operative
Vorgehen aufgenommen worden wäre. Die amerika-

Seite2

nische Regierung hat sich statt dessen dafür entschieden, von dieser Sprachregelung Abstand zu nehmen
und ihre Ablehnung durch Stimmenthaltung bei den
Artikeln 2 und 6 der Präambel zum Ausdruck gebracht.
Wir enthalten uns der Stimme bei diesen beiden Artikeln, weil wir wollen, daß kein Zweifel an unserer
Verurteilung des Massakers besteht und wegen unseres vordringlichen Anliegens, den Friedensprozeß zu
schützen und zu fördern sowie aufgrund unseres
Wunsches nach möglichst baldiger Wiederaufnahme
der Verhandlungen.
Jerusalem ist das problematischste Thema, das bei
diesen Verhandlungen angesprochen wird. Um Präsident Clintons Worte vom 16. März zu zitieren: "Im
Hinblick auf die Resolution zu Jerusalem hat sich die
Position der Vereinigten Staaten nicht geändert. Die
Entscheidung liegt jedoch bei den Parteien. Und im
Einklang mit der Erklärung ist es etwas, das endgültig
zu einem späteren Zeitpunkt entschieden wird. Das
sollte unserer Ansicht nach getan werden." Gemäß
der Grundsatzerklärung ist es ein Thema, das Vereinbarungen zwischen Israel und der PLO zufolge in den
Verhandlungen über den endgültigen Status behandelt werden soll. Meine Regierung vertritt nicht die
Auffassung, daß eine solche Formulierung zu Jerusalem wie in dieser Resolution den Verhandlungen förderlich ist. Sie könnte Vorurteile schaffen oder den
Ausgang der Verhandlungen nachteilig beeinflussen.
Der Sicherheitsrat sollte die Vereinbarung zwischen
den Parteien in diesem Zusammenhang respektieren.
Herr Präsident, die Vereinigten Staaten haben dieses
ungewöhnliche Vorgehen heute nachmittag erbeten,
um eindeutig klarzustellen, daß wir keine Bestrebung
des Sicherheitsrats unterstützen können und wollen,
die zu einer Beeinträchtigung des Nahost-Friedensprozesses führen könnte. Es ist an Israel und den
Palästinensern - nicht den Vereinten Nationen - die
erforderliche harte Entscheidung für das Versprechen
des Friedens am Verhandlungstisch zu treffen, damit
er zur Realität des Friedens im Land werden kann.
Die vorliegende Resolution verweist auch auf zu ergreifende Maßnahmen, um die Sicherheit und den
Schutz palästinensischer Zivilisten zu garantieren und

eventuell eine zeitweilige internationale oder ausländische Präsenz einzubeziehen. Der letztere Punkt
bezieht sich auf die Grundsatzerklärung, die die Möglichkeit einer solchen Präsenz vorsieht, wenn die Parteien
sich darauf verständigen. Wenn meine Regierung in
diesem Bereich etwas Hilfreichestun kann, streben wir
die Unterstützung der gegenseitigen Wünsche der
Parteien an.
Herr Präsident, diese Resolution signalisiert den Willen der internationalen Staatengemeinschaft zu Frieden im Nahen Osten. Das Ziel der Vereinigten Staaten
und der Russischen Föderation als Vermittler besteht
in der Beschleunigung der Verhandlungen und dem

AMERIKA DIENST 12

*

�Versuch, sie in möglichst kurzer Zeit zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen.
Herr Präsident, meine Regierung ist optimistisch, daß
die heute in Washington angekündigten Schritte zur
Wiederbelebung des Friedensprozesses zu konkreten
Leistungen in den Verhandlungen zwischen den Parteien führen werden. Ohne das Vertrauen in die

baldige Wiederaufnahme des Friedensprozesses wären
positive Maßnahmen zu dieser Resolution heute nicht
möglich gewesen.
Ich weiß, meine Kollegen teilen meine Hoffnung, daß
bald das Versprechen Wirklichkeit werden kann, das
wir alle mit diesem denkwürdigen Händedruck im
September verbinden.

* * * *

AMERIKA DIENST 12

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
23. März 1994

USA SOLLTEN EHEMALIGE SOWJETUNION
WEITERHIN UNTERSTÜTZEN
Interview mit Verteidigungsminister Perry
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten sollten ihre Hilfe für die Staaten der ehemaligen Sowjetunion
"auf die Dinge konzentrieren, die für uns von Vorteil sind, ungeachtet des Erfolgs der Reformen", erklärte USVerteidigungsminister William Perry.
"Das anschaulichste Beispiel hierfür ist vielleicht die Beseitigung der ballistischen Interkontinentalraketen
(intercontinental ballistic missiles - ICBMs) in der Ukraine", erklärte Perry in einem am 15. März 1994 in der
Zeitung USA Today erschienenen Interview.
Der Verteidigungsminister äußerte sich in seinem Gespräch mit den Zeitungsredakteuren auch zu Bosnien,
Somalia, Nordkorea und China.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Transkription des von Minister Perry gegebenen Interviews.

Sollten die Vereinigten Staaten der ehemaligen
Sowjetunion weiterhin Hilfe leisten?
Unseres Erachtens sollten wir unsere Hilfe auf die
Dinge konzentrieren, die für uns von Vorteil sind,
ungeachtet des Erfolgs der Reformen. Unsere Programme - gemeinsame amerikanisch-russische,
amerikanisch-ukrainische und amerikanisch-kasachische Programme - sind tatsächlich darauf ausgerichtet, ihnen auf Gebieten zu helfen, die für unsere
nationale Sicherheit von Bedeutung sind.

den Gefechtsköpfen von SS-19 und SS-24 beladenen
Züge auf ihrem Weg nach Rußland bereits die russische Grenze überquert hätten. Diese Raketen werden
ihnen zufolge von den Abschußvorrichtungen bei
Pervomaysk entfernt. Ich fragte Präsident Krawtschuk, ob er Minister Radetsky gestatten würde, mich
während meines Besuchs nach Pervomaysk mitzunehmen, damit ich den Demonatageprozeß mit eigenen Augen sehen könnte. Der Präsident stimmte zu,
und ich erwarte somit, daß ich in der kommenden
Woche diese Frage besser beantworten kann.

Das anschaulichste Beispiel hierfür ist vielleicht die
Beseitigung der ballistischen Interkontinentalraketen
(intercontinental ballistic missiles - ICBMs) in der Ukraine.
Diese Raketen sind gegen die Vereinigten Staaten
gerichtet. Die ICBMs werden von ihren Abschußvorrichtungen entfernt, funktionsuntüchtig gemacht, auf
Züge verladen und nach Rußland zu einer Demontageeinrichtung gebracht. Das ist ein Beispiel dafür, was
von manchen als Verteidigung auf andere Weise
bezeichnet wird. Von unserem Standpunkt aus ist das
- ungeachtet der Geschehnisse - die Sache wert.

Was kann noch getan werden?

Wie ist die Situation bei den neueren Atomwaffen
der Ukraine?

Wieviele amerikanische Streitkräfte würden für
eine Friedenstruppe in Bosnien benötigt?

Wir sind vergangene Woche mit Präsident Leonid
Krawtschuk und Verteidigungsminister Vitally Radetsky zusammengetroffen. Sie teilten uns mit, daß die mit

Ich kann keine Zahl nennen. Zunächst einmal benötigen wir einen Friedensvertrag, derdiefürdie Friedenssicherung erforderlichen Funktionen darlegt. So weit

AMERIKA DIENST 12

Rußland, der Ukraine, Kasachstan und Belarus bei der
Konversion ihrer Rüstungsindustrie zur Herstellung
ziviler Produkte beizustehen. Das Motiv dieser Staaten ist einfach und eindeutig: Die Konversion ist gut für
ihre Wirtschaft. Unser Motiv ist die Beseitigung eines
der uns bedrohenden Elemente. Ein bestimmtes
Projekt ist darauf ausgerichtet, ihnen bei der Umwandlung einer Rüstungsfabrik zur Herstellung von Fertighäusern behilflich zu sein.

Seite 1

�von Plutonium, und ein Programm zur Entwicklung von
Atomwaffen besitzt. Es ist sogar möglich, daß diese
Waffen bereits entwickelt wurden. Unsere zweite
Sorge ist, daß das Land einen Reaktor besitzt, der ihm
die Erzeugung größerer Mengen Plutonium gestattet.
Waren Sie bezüglich der Reaktion der Verbünde- Zusätzlich verfügt es über ein Programm zur Raketenten auf die serbische Aggression zu definitiv?
entwicklung, mit dem Mittelstreckenraketen und vielleicht ballistische Raketen längerer Reichweite entDas denke ich nicht. Wir in den Vereinigten Staaten
wickelt werden. Wenn man all das zusammennimmt,
und in der NATO werden gedrängt, unsere Luftüberkönnte jedes Problem, das wir heute mit dem Land
wachung vom Schutz Sarajevos auf den Schutz andehaben, in drei oder vier Jahren durch ein Programm
rer bosnischer Städte auszudehnen - insbesondere
verschlimmert werden, das ungefähr ein Dutzend
auf die zu Schutzzonen erklärten Städte. Ein fachliAtomwaffen und vielleicht eine Rakete umfaßt, die
ches Urteil besagt, daß die Luftstreitmacht zu diesem
diese zu Zielen wie Japan, Südkorea oder Taiwan
Zweck nicht effektiv eingesetzt werden kann. Es ist
tragen kann. Wir versuchen erneut, dieses Problem
nicht nur für die NATO, sondern auch die UNO und die
auf dem Wege der Diplomatie zu lösen.
Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung,
daß die von ihnen abgegebenen Absichtserklärungen Die darüber hinausgehenden Alternativen sind sehr
keine leeren Drohungen enthalten. Wir sollten nicht unattraktiv. Eine besteht in der Verhängung von
mit Aktionen drohen, zu deren Durchführung wir nicht Sanktionen gegen Nordkorea. Die Nordkoreaner haben
in der Lage sind.
bereits verlauten lassen, daß sie die Verhängung von
sind wir jedoch noch nicht. Aus politischen Gründen
möchten wir, daß die amerikanischen Truppen weniger als die Hälfte der gesamten UNO-Truppen ausmachen.

Sanktionen als eine Kriegserklärung betrachten. Wir
Wir müssen Diplomatie anstelle von Militärmacht einkönnten behaupten, das sei bloße Rhetorik. Anderersetzen. Wir taten das bei den Muslimen und den
seits sollten wir ihnen jedoch ernsthaft zuhören. Die
Kroaten, und das führte zu diesem neuen Abkommen
Sanktionen selbst sind vielleicht nicht effektiv. Nord(zwischen ihnen) über eine Föderation.
korea ist bereits ein isoliertes Land. Es hängt nicht in
großem
Umfang von Importen ab. Es hängt von
Kann aus Somalia eine Lehre gezogen werden?
Energieimporten ab, die jedoch größtenteils aus China
Ja. Wenn wir an einer militärischen Operation beteiligt stammen könnten. Somit würde jegliche Verhängung
sind, insbesondere wenn sie erfolgreich ist, besteht die von Sanktionen, die Ergebnisse zeitigen soll, die volle
Tendenz zu ihrer Ausdehnung. In Somalia wurden wir Kooperation Chinas und Japans erfordern. Die Alterdeswegen kritisiert, denn wir führten eine äußerst native zu Sanktionen sind militärische Maßnahmen.
erfolgreiche humanitäre Operation zum Schutz der Unsere führenden Militärs haben erklärt, wir könnten
Hilfskonvois durch und weiteten sie über unsere Kapa- diesen Krieg zwar gewinnen, er würde jedoch zu
zitäten hinaus aus. I n Bosnien wollen wir diesen Fehler enormer Zerstörung und Hunderttausenden von Opnicht wiederholen.
fern führen.
Man muß mit den politischen Zielen beginnen. Was
Bosnien betrifft, verfolgen wir zwei politische Ziele:
Erstens die Verhinderung der Ausweitung des Krieges
über Bosnien und sogar über den Balkan hinaus. Das
zweite Ziel besteht in der Einschränkung der Gewaltanwendung, insbesondere was die Opfer unter der
Zivilbevölkerung während der Fortdauer der Verhandlungen anbetrifft. Unser Hauptantrieb sind diplomatische, nicht militärische Initiativen.

Sollten die Vereinigten Staaten China isolieren?

Es ist für die Vereinigten Staaten von größter Bedeutung, Kontakt zu China zu pflegen. Hierfür gibt es zwei
Gründe. Einer besteht darin, daß China heutzutage
eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaftsmächte der Welt darstellt. Der andere ist in unserer
nationalen Sicherheit begründet, denn China ist die
dominante Militärmacht in diesem Teil der Welt und
kann Dinge beeinflussen, an denen wir großes InteresWodurch können die nuklearen Ambitionen Nord- se haben. Beispielsweise ist jede Maßnahme unseres
koreas eingedämmt werden?
Landes gegen Nordkorea erfolgreicher, wenn sie in
Zusammenarbeit mit China ergriffen wird, und wird
Nordkorea steht auf der Liste besorgniserregender wesentlich schwieriger, vielleicht sogar unmöglich,
Angelegenheiten in der Welt weit oben. Wir glauben, wenn sie von China blockiert wird.
daß das Land im Besitz von spaltbarem Material ist,

* * * * *

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AMERIKA DIENST 12

�VERTEIDIGUNG
23. März 1994

DIE US-MILITÄRSTRATEGIE FÜR
DIE NEUNZIGER JAHRE
von General John Shalikashvili
WASHINGTON - (AD) - General Shalikashvili ist der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs. Der folgende
Artikel basiert auf einer kürzlich von ihm vor der National Defense University in Washington gehaltenen Rede.

Wir befinden uns an einem außergewöhnlichen Wendepunkt, an dem die Welt - natürlich - in einem sehr
raschen Wandel begriffen ist. Aus diesem Grund
versuchen wir als Nation, unsere strategische Basis
wiederzufinden. Und deshalb möchte ich Ihnen einige
meiner Gedanken zu unserem Vorgehen darlegen.
Wir müssen das zentrale Element der Kerndoktrin
erhalten, von der unsere Strategie geleitet ist. Mit
anderen Worten: Demokratie und freie Märkte schaffen Wohlstand und Zufriedenheit, und diese führen zu
Frieden. Das ist eine erprobte Doktrin. Sie hat die
längste Periode des Friedens in der modernen Geschichte Westeu ropas bewahrt, verändert das Gesicht
Asiens und hat die Nationen Süd- und Mittelamerikas
von ihrem langen Liebäugeln mit Diktaturen befreit.
Diese Doktrin sieht sich jedoch mit einer Herausforderung konfrontiert, die in mancher Hinsicht unseren
Erfahrungen am Ende des Zweiten Weltkriegs entspricht, in anderer jedoch sehr unterschiedlich ist.
Mit dem Ende des Kalten Krieges erlebten wir, wie
Milliarden Menschen zu diesem Glauben an Demokratie und Marktwirtschaften konvertierten. Die meisten
dieser Menschen sind verarmt, leben in wirtschaftlicher Unsicherheit und sind zwischen der vertrauten
Vergangenheit und einer Zukunft hin- und hergerissen,
die ihnen erschreckend unsicher erscheint.
Aus diesem Grund müssen wir Wege finden, um ihnen
unverzüglich das Wissen und die Fähigkeiten zur
Anpassung und Modernisierung ihrer Infrastruktur zu
vermitteln und sie auf die ersten Stufen der Leiter zum
Wohlstand zu bringen. Wir müssen ihre Ängste beschwichtigen und Vertrauen bilden.

AMERIKA DIENST 12

Unser Nationaler Sicherheitsberater Anthony Lake
bezeichnet dieses Element unserer Strategie als
Erweiterung. Diese Erweiterung ist die Fortsetzung
unseres Vorgehens während des Kalten Krieges und
ist zentraler Bestandteil unserer neuen Strategie.
Ich möchte feststellen, daß von den zahlreichen neuen
Konflikten, die in den vergangenen Jahren wie die
Masern ausgebrochen sind, keiner zwischen Staaten
mit stabilen, fest verankerten demokratischen Institutionen stattfand. Je rascherdiese Doktrinen in Osteuropa, den Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in
Ostasien und anderen Regionen der Welt Fuß fassen,
desto sicherer wird die Welt.
Wir und sie müssen sich jedoch bewußt sein, daß
Wunder nicht über Nacht geschehen. Die Gesundung
der Volkswirtschaften Westeuropas und Japans benötigte nach dem Krieg Jahrzehnte. Für die Menschen in
Osteuropa, der früheren Sowjetunion und Ostasien
wird es ein langer, mit vielen Steinen gepflasterter Weg
sein.
Der Kalte Krieg errichtete Barrieren, die Nationen,
Nachbarn und Kontinente teilten. Unser wichtigstes
Ziel ist zu verhindern, daß diese Teilungen wiederentstehen oder einfach an einen anderen Ort verlagert
werden. Wir müssen der Versuchung widerstehen,
eine Trennlinie von einer Seite Polens zur anderen zu
ziehen.
Daher ist es meines Erachtens so wichtig, daß Präsident Clinton im Januar in Prag und bei der NATO der
populäreren Vorgehensweise widerstand, die den jetzigen Beitritt von Polen, Ungarn, der Slowakei und der
Tschechischen Republik zur NATO forderte. Damit
wäre die Linie nur weiter nach Osten verlegt, jedoch
Seite 1

�wieder gezogen worden. Ein solcher Kurs hätte erneut
den Prozeß der Teilung Europas, der Schaffung neuer
Spannungen und neuer Spaltungen in die Wege geleitet.
Meiner Ansicht nach hat der Präsident statt dessen
einen klügeren Kurs eingeschlagen. Er entschied sich
für die "Partnerschaft für den Frieden", ein umfassendes Konzept, das zum ersten Mal in der europäischen
Geschichte ganz Europa zusammenbringen kann, und
ein Konzept, das jeder Nation in Europa eine Wahlmöglichkeit bietet.

müssen die Erfordernisse der Abschreckung in unsere
Verteidigungsberechnungen einbeziehen. Wir müssen unsere Streitkräfte entsprechend stationieren und
unsere regionalen Strategien so ausrichten, daß wir
diesen Abschreckungseffekt erzielen.

Wir werden Abschreckung jetzt jedoch auf andere Art
und Weise erreichen. Die Rolle von Nuklearwaffen hat
sich beispielsweise bereits geändert. Als Präsident
Bush im November 1991 seine dramatische Erklärung
abgab, unsere land- und seegestützten Nuklearwaffen
abzuziehen und unsere in den Vereinigten Staaten
stationierten Bomber au ßer Dienst zu stellen, trug dies
Das Ende des Kalten Krieges hat auch die unmittelba- implizit dieser Tatsache Rechnung und half, diesen
re nukleare Bedrohung für das Überleben unserer Wandel zu aktivieren.
Nation beseitigt. Zum ersten Mal in nahezu einem
halben Jahrhundert fürchten wir nicht mehr den Zu- Heutzutage beruhen der Charakter und das Gleichgesammenstoß zweier massiv bewaffneter Armeen ent- wicht der Abschreckung viel stärker auf konventionellang der innerdeutschen Grenze. Es gibt jedoch len Streitkräften. Um einen Schritt weiter zu gehen:
Bedrohungen, die dieses Zeitalter überdauerten, obwohl Sie beruhen in stärkerem Ausmaß auf unserer Bereitsich ihre Komplexität und Natur gewandelt hat.
schaft zu kämpfen und durch entschiedenen Einsatz
konventioneller Waffen zu gewinnen.
Die Regime von Iran und Irak, Nordkorea, Kuba und
Libyen haben beispielsweise alle den Kalten Krieg Ich bin auch der Meinung, daß Eindämmung ein Leben
überlebt, ohne ihre Couleur grundlegend zu verän- nach dem Kalten Krieg hat, obgleich in einem ganz
dern. Der Unterschied ist, daß diese Bedrohungen anderen Sinne als wir je dachten. Sie stellt jetzt unsere
nun nicht miteinander verbunden, weit entfernt und lebensfähigste Lösung für den Umgang mit vielen der
unabhängig voneinander sind. Es gibt niemanden im regionalen Bedrohungen dar, die ich vorher erwähnte.
Hintergrund, der sie verknüpft, sie mit Waffen beliefert, Sie ist nicht länger ein konstruiertes globales Gebilde.
ihre Aktionen koordiniert oder begrenzt. Dennoch sind Vielmehr stellt sie eine selektive oder sogar situationssie ernst. Jede dieser Nationen könnte ihre Region in gebundene Antwort dar, die aggressive Regime einenInstabilität, Aufruhr und Krieg stürzen.
gen, Stabilität und Frieden in bestimmten Regionen
bewahren und unsere Verbündeten schützen soll. In
In den Ruinen des Imperiums lauem ebenfalls neue der Praxis wenden wir diese Strategie bereits gegenBedrohungen. Wir wurden bereits Zeuge des Chaos, über Nordkorea, Iran, Irak und Kuba an. Diese Stratedas Jugoslawien auf der Landkarte ausradierte und gie setzten wir auch im ehemaligen Jugoslawien zur
sind uns deutlich der in vielen ehemaligen Sowjetrepu- Begrenzung der Ausbreitung und Zerstörung in diebliken wütenden Kämpfe bewußt. Wir beobachten, sem Krieg ein. Der Anwendungsbereich dieser Stratewie alter Haß und Verbrechen das Entstehen neuer gie hat sich also verglichen mit der Zeit des Kalten
Unsicherheiten und Ängste schüren, die einfach nicht Krieges erheblich verändert.
ignoriert werden können.
Wie Sie wissen, funktioniert Erweiterung nur, wenn wir
Die Implikation für uns bedeutet, daß wir einen neuen zur Eindämmung dieser regionalen Bedrohungen und
Ansatz zu unserer globalen Strategie benötigen. Wir Isolierung eventueller Ausbrüche in der Lage sind.
brauchen nicht länger einen globalen Kriegsplan zur Schließlich gedeihen Demokratie und Wohlstand eher
Bekämpfung einer einzigen Bedrohung. Aus diesem in einer sicheren als in einer unsicheren Umgebung.
Grund muß die gesamte Organisation unserer globalen Strategie anders gestaltet sein. Sie ist jetzt eine Wir haben diesen Teil unserer Strategie als Engageintegrierte Ansammlung regionaler Strategien, die jede ment bezeichnet und in zwei Hauptanwendungsbereiin einzigartigerweise auf die Interessen, Ziele, Bedro- che aufgeteilt. Der eine ist Prävention, der zweite
hungen und die Dynamik der betreffenden Region Partnerschaft.
zugeschnitten sind.
Prävention trägt offensichtlich zur Schaffung von
Meines Erachtens gibt es jedoch andere zentrale Bedingungen bei, die einen Erfolg der Erweiterung
Elemente unserer Strategie, die ebenfalls beibehalten gestatten. Sie ist eines der Elemente, die unserer
werden müssen. Unsere Betonung von Abschreckung Strategie eine aktive Tendenz verleihen und sie zum
und Strategien zur Abschreckung ist dauerhaft sinn- Motor des Wandels machen, statt einer Reihe von
voll. Es ist immer besser, einen Akt der Aggression zu Reaktionen auf externe Initiativen. Der Kern der
Erweiterung ist zum Teil die Förderung von Idealen
verhindern, als ihn bekämpfen zu müssen.
und zum Teil der Schutz von Stabilität und Frieden, die
Es reicht uns jedoch nicht aus, Strategie, Einsatzkon- fruchtbaren Boden für Erweiterung darstellen.
zept und die Fähigkeit zur Kriegführung zu haben. Wir
Seite 2

AMERIKA DIENST 12

�Bei der Partnerschaft gibt es verschiedene Aktionsfelder. Wir werden unsere traditionellen Bündnisse und
Koalitionen erhalten, aber auch andere Beziehungen
knüpfen, beispielsweise die Partnerschaft für den Frieden in Europa. Wir könnten auch kooperative SicherPartnerschaft gründet auf dem traditionellen Element heitsbeziehungen in Regionen aufbauen, in denen das
unserer Strategie, daß wir nicht im Alleingang erfolg- angemessen erscheint. Wieder muß die Antriebskraft
reich sein können. Logischerweise müssen unsere unserer Partnerschaft Aktivität sein; wir müssen regioBündnisse und Koalitionen ein zentrales Element unserer nale Rahmen schaffen, die zu Stabilität und Frieden
Strategie bleiben.
beitragen und Erweiterung fördern. Wir müssen auch
weiterhin unsere Führungsrolle in der Welt spielen.
Im letzten halben Jahrhundert sind wir gemeinsam Wir sind immer noch das wohlhabendste und mächtigreich geworden, haben gemeinsame politische Syste- ste Land der Welt und die einzige verbliebene Superme entwickelt und gemeinsame Ansichten und Inter- macht. Ich betone das, weil wir alle ein anderslautenessen entstehen und reifen lassen. Unsere Koalitio- des Argument gehört haben, das besagt, die Lasten
nen und Bündnisse sind die größte Quelle von Stabi- der Führung rolle unterminierten unsere materielle und
lität und Sicherheit in einer Welt, die durch so viel geistige Stärke und wir müßten andere dazu zwingen,
Wandel in so kurzer Zeit ins Wanken geraten ist. Sie an unserer Stelle die Führung zu übernehmen. Das ist
sind auch unsere größte Abschreckung vor einem völlig falsch.
Zurückfallen in einen weltweiten Konflikt.

Wir haben die langfristigen Gefahren für unsere Interessen und den Erfolg von Erweiterung identifiziert und
versuchen durch Prävention, diese Gefahren abzublocken oder zu kontrollieren.

Die Tatsache, daß wir die führende Nation in der freien
Welt sind, hat uns reicherund wohlhabendergemacht.
Sie hat uns den nötigen Einfluß verschafft, die Weltwirtschaftsordnung auf eine Weise zu gestalten, die für
unser eigenes Wirtschaftssystem und unsere Erfordernisse nützlicher ist. Sie hat uns gestattet, die
Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf
Diese Evolution hat bereits in Europa, Südwestasien diese Bedrohungen zu beeinflussen. Um unserer
und in dieser Hemisphäre begonnen, muß jedoch noch selbst willen müssen wir diese Führungsrolle beibehalauf andere Regionen ausgeweitet werden. Wir müs- ten.
sen uns mit einer Geschwindigkeit bewegen, bei der
wir uns alle wohl fühlen, bei unseren Verbündeten
jedoch weiter darauf drängen, sich an neue Realitäten
anzupassen und ihr Vorstellungsvermögen zu erweitern.
Wir müssen sie neu gestalten, ihnen neue Aufgaben
und Strategien geben und sie auf gegenwärtige und
künftige Aufgaben vorbereiten. Sie waren in der
Vergangenheit in den gemeinsam durchlebten schwierigen Jahren die Quelle unserer Stärke und müssen
auch in Zukunft unsere Basis sein.

*

AMERIKA DIENST 12

* * *

*

Seite 3

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Clinton begrüßt Unterzeichnung des Bosnien-Vertrags&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache bei Unterzeichnungszeremonie&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Außenpolitik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christopher: UN-Resolution ist nächster Schritt in koreanischer Pattsituation&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus Fernsehinterviews&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Naher Osten&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA befürworten UN-Resolution zu Hebron trotz Einwänden gegen Sprachregelung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschafterin Albright zur Resolution über die besetzten Gebiete&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA sollten ehemalige Sowjetunion weiterhin unterstützen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Interview mit Verteidigungsminister Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die US-Militärstrategie für die neunziger Jahre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von General John Shalikashvili&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

16. März 1994

11

USA-DEUTSCHLAND

WIRTSCHAFT, KULTUR UND
KONTINUIERLICHES ENGAGEMENT
Rede von Botschafter Holbrooke

ARBEITSWELT

JAPAN MUSS NACHFRAGE STEIGERN,
EUROPA ZINSSÄTZE SENKEN
Eröffnungsansprache Präsident
Clintons bei Arbeitsplatzkonferenz

DAS WIEDERBESCHÄFTIGUNGSGESETZ
Erklärung Präsident Clintons

BOSNIEN

WEITERE NATO-MASSNAHMEN IN BOSNIEN
SOLLTEN FRIEDENSGESPRÄCHE FÖRDERN
Rede von Verteidigungsminister Perry - Auszüge

EINDÄMMUNG

KONFRONTATION MIT REAKTIONÄREN
STAATEN
von Anthony Lake

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.: 0228 - 339 23 72
Fax: 0228 - 33 41 02

�USA-DEUTSCHLAND
16. März 1994

WIRTSCHAFT, KULTUR UND
KONTINUIERLICHES ENGAGEMENT
Rede von Botschafter Holbrooke
MÜNCHEN - (AD) - Der Botschafter der Vereinigten Staaten von Amerika in der Bundesrepublik Deutschland,
Richard C. Holbrooke, hielt am 8. März 1994 vor der Gesellschaft für Auslandskunde im Amerika Haus München
nachfolgende Rede.
Das neue Zeitalter
Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute zu Ihnen
über Deutschland und die Vereinigten Staaten zu
sprechen. Ebenso wie der Council on Foreign Relations in den Vereinigten Staaten, dem ich eng verbunden bin, leistet Ihre Organisation einen wertvollen
Beitrag zur Belebung der Diskussion über auswärtige
Angelegenheiten.

problemen zu begegnen. Der jüngste NATO-Gipfel
war ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Die militärische Komponente der strategischen Beziehung darf jedoch nicht länger andere wichtige Dimensionen unserer Partnerschaft in solchem Maße überschatten. Das Ende des Kalten Krieges hat die deutschamerikanischen Beziehungen von der Notwendigkeit
übermäßiger Konzentration auf eine gemeinsame
Bedrohung von außen befreit. Wir sind jetzt frei, nach
Vor einigen Monaten habe ich in Potsdam erörtert, wie dem Gleichgewicht des Schreckens des Kalten Krieges
sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen in die zum Aufbau eines dauerhafteren Friedens in Europa
umfassendere globale Situation fügen. Heute möchte überzugehen. Wir sind jetzt frei, vehementer auf
ich mich auf die bilateralen Beziehungen selbst kon- andere gemeinsame Ziele zu drängen: Förderung von
zentrieren.
Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit im Inland,
Unser vierzigjähriger Kampf zur Überwindung der Teilung Menschenrechten, Freiheit und Marktreformen im
Deutschlands und Europas war erfolgreich. Der Kalte Ausland.
Krieg ist vorüber. Deutschland ist in Frieden und "Unsere Freiheit ist in Gefahr, wenn wir uns auf unseFreiheit vereinigt.
ren Leistungen ausruhen", erinnerte uns Präsident
Kennedy in seiner 1963 in der Paulskirche gehaltenen
Ein Grund fürunseren Erfolg war die Entschlossenheit
Rede, "denn die Zeit und die Welt stehen nicht still.
unserer beiden Länder zur Bewältigung einer gemeinWandel ist das Gesetz des Lebens. Und diejenigen,
samen Bedrohung von außen. Diese Bedrohung ist
die nur auf die Vergangenheit blicken, werden zweiabgeebbt. Nach Jahrzehnten kontinuierlicher Anfelsohne die Zukunft verpassen."
strengungen können wir uns endlich einen beträchtlichen Abbau unseres Streitkräfteniveaus in ganz Euro- Mit dem Ende des Kalten Krieges müssen wir die
pa leisten, einschließlich der amerikanischen Truppen deutsch-amerikanischen Beziehungen an neue Zeiten
in Deutschland.
anpassen. Wir können zu Recht stolz auf unsere
Jüngste Ereignisse verdeutlichen natürlich, daß wir
noch immer in einer gewalttätigen und unsicheren Welt
leben. 65.000 amerikanische Soldaten bleiben in
Deutschland stationiert - der Großteil der 100.000
Mann, die insgesamt in Europa verbleiben. Die deutschamerikanische Sicherheitspartnerschaft im NATOBündnis ist nach wie vor unerläßlich, und sie wird neu
definiert, um Europas drängenden neuen Sicherheits-

AMERIKA DIENST 11

Leistungen sein, aber wenn wir uns nur auf bisherigen
Errungenschaften ausruhen, vergeuden wir die Chance, unsere Partnerschaft zur Bewältigung neuer Herausforderungen zu nutzen.
Das bedeutet, unsere Beziehungen nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Aus der heutigen Perspektive einer erprobten Partnerschaft gesehen, kann
man die schwierigen Anfangszeiten leicht vergessen.

Seite 1

�1

Nach einem erbitterten Krieg bauten wir neue Beziehungen auf. Jeder von uns investierte in hohem Maße
in unsere Partnerschaft, jeder erhielt Stärke und Orientierung vom anderen. Abgelenkt durch neue Herausforderungen müssen wir aufpassen, daß wir unsere
Leistungen nicht verspielen.

Kultur und Wirtschaft
Während wir unsere Streitkräfte - lange das Bindeglied, das unsere Präsenz in Deutschland definierte abbauen, räumen wir anderen Aspekten unserer
Beziehungen zunehmende Bedeutung ein. Ich möchte heute über zwei wichtige Bereiche sprechen, in
denen dies geschieht: Kultur und Wirtschaft. Beide
waren im Lauf der Jahrhunderte bedeutende Pfeiler
der Beziehungen zwischen unseren Gesellschaften.
Heute sind sie sogar noch entscheidender wegen einer
in ihren Auswirkungen so radikalen Entwicklung wie
dem Ende des Kalten Krieges selbst: Der Revolution
im Informationswesen.

Unsere Partnerschaft steht heute wie vor vierzig Jahren erneut vor einem dramatischen Wendepunkt.
Damals wie heute sehen wir uns mit radikalen Veränderungen in der europäischen Landschaft konfrontiert.
Damals wie heute können diese Veränderungen die
Tatsache nicht leugnen, daß grundlegende amerikanische Interessen in Europa Bestand haben. Damals
wie heute erfordern diese Interessen ein aktives Engagement der Vereinigten Staaten für Deutschland und Information ist heute unsere wichtigste und vorherrschende Ressource. Wir leben in informationsreichen
unsere anderen europäischen Partner.
Gesellschaften und arbeiten in auf Informationen
Es gibt jedoch einen Unterschied. Während der Kalte gestützten Volkswirtschaften.
Krieg uns zur Bündelung unserer Kräfte bei der Bewältigung einer gemeinsamen Bedrohung von außen zwang, Immer schnellere technologisch-wissenschaftliche
bietet uns die Wert nach dem Kalten Krieg die Chance, Innovation revolutioniert unsere Arbeit und unsere
unsere Partnerschaft weniger auf Bedrohungen von Arbeitsweise. Beschäftigte im Informationswesen
außen zu gründen, sondern vielmehr auf die unsere machen über die Hälfte der amerikanischen ErwerbsGesellschaften konfrontierenden gemeinsamen Her- bevölkerung und einen zunehmenden Prozentsatz der
deutschen Arbeitnehmer aus. Die Fähigkeit, aus
ausforderungen.
Informationen Nutzen zu ziehen, ist entscheidend für
Obwohl die militärische Dimension unserer Partner- die Wettbewerbsfähigkeit. Im Informationszeitalter
schaft nach wie vor entscheidend ist, bietet ihr abneh- könnte sich kommerzieller Erfolg weniger auf die
mendes Gewicht beiden Nationen die Chance, Zeit Fähigkeit zur Herstellung materieller Güter als auf die
und Energie in die Erarbeitung der nichtpolitischen/ Fähigkeit zur Produktion immaterieller Güter - Ideen militärischen Komponente unserer strategischen Part- stützen und diese Ideen dann in nützliche Produkte
und Verfahren umsetzen.
nerschaft zu investieren.
Ich möchte in der Tat argumentieren, daß unsere
Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der militärischen
Dimension unserer Partnerschaft mehr als je zuvor
von unserer Fähigkeit zur Stärkung ihrer nichtmilitärischen Dimensionen abhängt.
Unsere Gesellschaften bieten einen Bezugspunkt für
den anderen. Eine solche Betrachtungsweise unserer
Beziehungen eröffnet eine Vielfalt von Bereichen, in
denen vertiefte deutsch-amerikanische Zusammenarbeit von gegenseitigem Vorteil sein kann. Unsere
beiden Länder sehen sich jedes auf seine Weise einer
Reihe ähnlicher Herausforderungen gegenüber:
Schaffung von Arbeitsplätzen, Ausbildung von Arbeitnehmern, Reform unseres Gesundheitswesens, Bekämpfung von Drogenmißbrauch und organisiertem
Verbrechen, der Flüchtlingsströme sowie der Möglichkeiten und Probleme ethnischerund kultureller Vielfalt.
Zusammenarbeit bei einer Vielzahl gemeinsamer innenpolitischer Herausforderungen trägt dazu bei, daß
wir nicht gegeneinander arbeiten oder identische Arbeit leisten. Sie gestattet uns die effektivere Nutzung
knapper politischer und wirtschaftlicher Ressourcen.
Sie stellt das Material für neue transatlantische Netzwerke zur Verfügung.

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Letztlich hängen Tempo und Wesen des wissenschaftlich-technologischen-wirtschaftlichen Wandels von der
Fähigkeit und Bereitschaft der Menschen zur Anpassung ab, die bequemen Gewohnheiten oder Gedankengänge abzulegen und mit dem Wandel einhergehende neue Risiken zu akzeptieren.
Die Naturdes Wandels in diesem Informationszeitalter
ist in wesentlicher Hinsicht eine Frage der Kultur. Es
bedeutet, daß die Wettbewerbsfähigkeit moderner,
auf Informationen basierender Volkswirtschaften wie
Deutschland und die Vereinigten Staaten ebensosehr
auf ihrer kulturellen Lebensfähigkeit wie ihren Fähigkeiten in der Hochtechnologie gründen kann.
Als sich sein Leben dem Ende zuneigte, erklärte Jean
Monnet, der große Mann hinter dem inzwischen zum
Teil wahrgewordenen großartigen Traum der Schaffung der Vereinigten Staaten von Europa: "Wenn ich
die Chance hätte, nochmals zu beginnen, würde ich
mit der Kultur anfangen." Nach einem erfüllten Leben
erkannte Monnet, der Pragmatiker par excellence, der
so meisterhaft unterschiedliche nationale Interessen
mit einer umfassenderen gemeinsamen Vision in Einklang zu bringen verstand, daß ein funktional-rationaler Ansatz zu gemeinsamen Herausforderungen nicht

AMERIKA DIENST 11

�ausreichte, um die europäische Idee in den Herzen
und Köpfen der Europäer zu verankern. Mehr war
vonnöten.

wortlich zu sein", erklärte er. "Die Voraussetzungen für
Demokratie und Kunst sind gleich."

Jedes unserer Länder leitet seine Stärke aus einer
Verfassung ab, die künstlerische Freiheit und Meinungsfreiheit sowie Freiheit der Lehre und Forschung
garantiert. Sei es in der Literatur, den bildenden
Künsten, Museen und Ausstellungen, Theater, Musik,
in Handwerk, Architektur, Design, Film und Femsehen, bei Sitten und Gebräuchen, Festspielen oder
Austauschprogrammen - jede Gesellschaft stellt eine
Vielfalt von Ausdrucksformen dar. Es ist das pluralistische Wesen unserer demokratischen politischen Kultur an sich, die Vielfalt der Stimmen in unseren kulturellen Demokratien, das diese kreative transatlantiWir können jedoch nur voneinander lernen und uns so sche kulturelle Gemeinschaft schafft.
gegenseitig ergänzen, wenn wir uns und die VerändeDie Sondierung der durch Kultur gebotenen Möglichrungen unserer Gesellschaften verstehen.
keiten gestattet uns auch das Erschließen der reichen
Dies eröffnet der Kultur Chancen. Der große Geiger Tradition des kulturellen Dialogs, der die Beziehungen
Isaac Stern wurde einmal gefragt, warum alle Berufs- zwischen unseren Gesellschaften seit Jahrhunderten
musiker anscheinend dieselben Noten in derselben kennzeichnet. Es gibt vielfältige Beispiele.
Reihenfolge spielen können, es bei machen jedoch
wundervoll und bei vielen schrecklich klingt. Stern In der Medizin und in der Lehre hat Deutschland uns als
kratzte sich am Kopf. "Nicht die Noten sind entschei- Modell gedient. Die Entstehung und Entwicklung der
dend", wandte er ein. "Es sind die Intervalle zwischen modernen Architektur wird gleichermaßen von den
den Noten." Eine kluge Bemerkung, nicht nur über Vereinigten Staaten und Europa getragen. Hier und
Musik, sondern auch darüber, wie man der Revolution andernorts boten der unterschiedliche kulturelle Hinim Informationswesen begegnen sollte. Die uns heute tergrund und unterschiedliche Einstellungen nützliche
täglich vereinnahmenden Fakten sind weniger wichtig Gegenpole für Interaktion: Europa mit seiner reichen
als unsere Fähigkeit, sie in bedeutungsvollen Mustern Tradition rigorosen intellektuellen Denkens, Amerika
zu arrangieren. Kulturverleiht uns diese Fähigkeit. Sie mit seinem intuitiven, etwas romantischen aber pragbietet die Orientierung, die erforderliche Perspektive, matischen Sinn und jugendlichem Optimismus.
um der Flut von Informationen Sinn zu verleihen.
In der Kunst zog die Düsseldorfer Schule zwischen
Kultur ist ein Begriff, den niemand je zufriedenstellend 1848 und 1869 viele amerikanische Künstler an, und
definiert. Wenn ich von Kultur spreche, meine ich München wurde zum Zentrum des Interesses der in
Kultur im weitesten Sinne, über die Kultivierung des den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts GeboreSelbst hinausgehend, um den Gedanken der Zivilisa- nen, die zurückkehrten, um den "Münchner Stil" in den
tion einzubeziehen. Wenn ich von Kultur spreche, Vereinigten Staaten einzuführen.
meine ich die gesamte Bandbreite der schönen und
angewandten Künste, populäre Kultur und Kultur der Wellen deutscher Einwanderer bereicherten das
Jugend. Ich meine Sport, von der Olympiade über die amerikanische Leben, oftmals auf Kosten DeutschNational Basketball Association bis zur Fußballwelt- lands. Als das Frankfurter Parlament 1848 gewaltsam
meisterschaft, die in diesem Sommer in den Vereinig- aufgelöst wurde, flohen Tausende der "Achtundvierziten Staaten stattfindet. Und ich meine die politische ger" in die Vereinigten Staaten. Die Amerikaner fühlKultur. Die Erforschung dieser Aspekte eröffnet neue ten sich dieser demokratischen Bewegung besonders
Möglichkeiten für die auf eine gemeinsame transatlan- nahe. Die Ideale von 1776 in den Vereinigten Staaten
waren die Ideale der deutschen Achtundvierziger, von
tische kulturelle Identität gegründeten Beziehungen.
denen die meisten jung und idealistisch waren. Als sie
Diese gemeinsame transatlantische kulturelle Identi- in Amerika ankamen, wurden sie enthusiastisch willtät beruht auf der Freiheit der Kultur, das zu sein und kommen geheißen. Und umgekehrt geschah das
zu werden, was sie will. Sie trägt der Tatsache seltsamerweise mit den "Achtundsechzigern", womit
Rechnung, daß die politische Kultur einer Gesellschaft ich 1968 meine.
für ihre künstlerische Kreativität unabdingbar ist. Als
Präsident Franklin Delano Roosevelt im Mai 1939 das Als beispielsweise der Münchner Juraprofessor FreMuseum of Modern Art in New York einweihte, stellte derick Hecker im Jahr 1848 in New York ankam, wurde
er diese grundlegende Verbindung zwischen Freiheit er von über 20.000 Menschen empfangen, die alle
und kultureller Vitalität her. "Die Künste können nur schwarz-rot-goldene Fähnchen schwenkten. Sollte
gedeihen, wenn die Menschen frei sind, sie selbst und einer der heute hier Anwesenden ein Münchner Jurafür ihre eigenen Energien und Leidenschaften verant- professor sein, kann ich leider nicht garantieren, daß
Was für Europa gilt, gilt auch für die transatlantische
Partnerschaft. Unsere gemeinsamen strategischen
Interessen machen Zusammenarbeit erforderlich.
Unseren gemeinsamen politischen Werte machen
Zusammenarbeit möglich. Am Ende sind beide jedoch
unzureichend. Es ist das sich gegenseitig Ergänzende, die Tatsache, daß jeder von uns etwas Besonderes
in unsere Beziehungen einbringt, von dem der andere
lernen und profitieren kann, was die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit potentiell so lohnend macht.

AMERIKA DIENST 11

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�ihm bei seiner Ankunft in New York ein ebensolcher
Empfang bereitet wird. Ich kann jedoch einiges empfehlen, das kulturell vielleicht erhebender ist als der
Anblick von 20.000 Fahnen.

Zum Beipiel gibt es Pläne zur Gründung einer Amerikanischen Akademie in Berlin, die vom amerikanischen Kongreß und dem Smithonian Institute unterstützt und aus privaten Mitteln finanziert wird. Die
Akademie wird die kreative Arbeit durch GastdozenDeutsche politische Flüchtlinge fanden in den Verei- ten, Künstler, Schriftsteller und andere Geisteswisnigten Staaten nicht nur in den Jahren nach 1848 senschaftler unterstützen. Ein Forschungszentrum
Zuflucht, sondern auch während des "tausendjährigen für osteuropäische Geschichte und Kultur ist ebenfalls
Reichs" von 1933 bis 1945. Über eine Million Flücht- vorgesehen. Die Akademie wird Teil des Zentrums für
linge flohen noch vor Ausbruch des Krieges aus Hitler- moderne Studien in den bildenden Künsten an der
deutschland. Ungefähr 200.000 flüchteten in die Ver- National Gallery of Art und somit ein fruchtbarer Boden
einigten Staaten, darunter so bekannte Persönlichkei- für deutsch-europäisch-amerikanische Interaktion im
ten wie die Maler Josef Albers, Max Ernst und Georg Bereich der Kunst.
Grosz, die Komponisten Hanns Eisler, Kurt Weill, Paul
Hindemith und Arnold Schönberg, die Dirigenten Otto Die Umwelt ist ein weiterer neuer Bereich, in dem die
Klemperer und Bruno Walter, die Filmregisseure Fritz deutsch-amerikanische kulturelle Zusammenarbeit
Lang und Billy Wilder, die Architekten Walter Gropius produktiv sein kann. Die Beziehungen zwischen Mensch
und M ies van der Rohe, die Schriftsteller Stefan Zweig, und Umwelt betreffen die Kultur ebenso wie die WisThomas Mann, Heinrich Mann, Erika und Klaus Mann, senschaften. In unseren beiden Ländern befriedigen
Carl Zuckmayer, Lion Feuchtwanger und Berthold Legenden und Überlieferungen über die Natur das
Brecht sowie Geisteswissenschaftler wie Hannah Arendt, tiefverwurzelte Bedürfnis des Menschen nach dem
Hajo Holborn, Peter Drucker, Theodor Adorno, Her- Verständnis der ihn umgebenden Welt. Zudem sind
bert Marcuse, Leo Strauss, Hans Morgenthau, Karl Deutschland und die Vereinigten Staaten im Hinblick
Deutsch und Ernst Fränkel, die später zurückkehrten, auf die Umwelt zwei der weltweit führenden Staaten,
um den modernen Fachbereich Amerikanistik in Deutsch- sowohl bei der Aufstellung von Umweltnormen als
land einzuführen. Bereits 1938 konnte die Kolumnistin auch dem Beitrag zur Umweltverschmutzung. Die
Dorothy Thompson schreiben: "Praktisch jeder, den Reaktion der internationalen Staatengemeinschaft auf
die Welt als einen Vertreter der deutschen Kultur vor globale umweltpolitische Herausforderungen hängt von
1933 ansieht, ist jetzt ein Flüchtling."
der Qualität der Zusammenarbeit zwischen Amerika,
Deutschland und Europa ab.
Während solchen gefeierten Persönlichkeiten für
gewöhnlich die meiste Aufmerksamkeit gewidmet wird, Zur Zeit wird bereits interessante Arbeit geleistet. Das
flohen auch Hunderttausende anderer Deutscher vor Amerika Haus München hat beispielsweise gemeinder Verfolgung nach Amerika. Amerika wurde in sam mit Texas Instruments eine innovative deutschungeahntem Maße bereichert, und Deutschland ver- amerikanische Veranstaltung zu Umweltfragen unter
armte in ungeahntem Maße durch ihre Entscheidung dem Titel "Future Works" gefördert, die auf andere
zu fliehen. Dennoch waren diese Deutsch-Amerikaner deutsche Städte ausgeweitet wurde.
die menschliche Grundlage, auf der neue Netzwerke
Auf diesem Gebiet kann noch viel mehr getan werden,
aufgebaut wurden.
und zwar nicht nur von den Regierungen. Im Rahmen
Diese Interaktion dauert noch heute an, beispielsweise des Fachleiterprogramms des German Marshall Fund
durch das Goethe-Institut und die Amerika Häuser, die verbringen deutsche Englisch- und Sozialwissenschaftsbeide Wurzeln in Bayern haben. An den ersten Deutsch- lehrer einen sechswöchigen Studienaufenthalt über
stunden des Goethe-Instituts nach dem Krieg 1953 in amerikanische Landeskunde in den Vereinigten StaaBad Reichenhall nahmen Amerikaner teil. Bis heute ten. Dies ist ein Beispiel für private Innovationen mit
haben Zehntausende Amerikaner am Goethe-Institut Konzentration auf Ostdeutschland.
Deutsch gelernt. Und ein erster Ausdruck dessen, was
die Amerika Häuser sein würden, war die "Amerikani- Obwohl noch viel unternommen werden kann, um die
sche Bibliothek", die im Januar 1948 in München Wertschätzung der jeweils anderen Kultur zu fördern,
gibt es letztlich keinen Ersatz für persönliche Erfahruneröffnet wurde.
gen. Das bedeutet, daß wir unser Engagement für
Solche Begegnungen waren fruchtbar und produktiv. Austauschprogramme verstärken müssen. Diese sind
Die Revolution im Informationswesen hat ihnen jedoch bereits ein fruchtbares Gebiet, auf dem angesichts der
eine neue Qualität, eine neue Bedeutung verliehen. Im Initiativen zahlreicher Privatorganisationen besondere
Informationszeitalter ist ein sehr viel umfassenderer Erfolge erzielt wurden.
kultureller Dialog über den Atlantik hinweg für unsere
eigenen nationalen Interessen unabdingbar gewor- Sie sind großenteils auch zurückzuführen auf die Energie
den. Aufgrund dieser Erkenntnis leiten wir eine Reihe und Initiative der Bundesregierung und den persönlichen Einsatz von Bundeskanzler Helmut Kohl für
neuer Initiativen in die Wege.
deutsch-amerikanische Austauschprogramme. Prä-

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AMERIKA DIENST 11

�sident Clinton teilt dieses Engagement und unterstützt
entschieden die Bestrebungen vieler Einzelpersonen,
die einen beträchtlichen Teil ihres Lebens der Verbesserung der persönlichen Beziehungen zwischen Deutschen und Amerikanern gewidmet haben.
Es kann und sollte jedoch noch mehr getan werden.
Besonderer Wert sollte auf Austauschprogramme
zwischen Ostdeutschland u nd Amerika gelegt werden.
Sechzehn Millionen Ostdeutsche haben zwei Generationen lang die Vereinigten Staaten nur durch systematisch verzerrte Darstellung kennengelernt. Relativ
wenige Menschen in Ostdeutschland haben Englisch
gelernt. Ihr Verständnis der amerikanischen Gesellschaft, ihrer Werte und Außenpolitik zu vertiefen, stellt
eine lebenswichtige Herausforderung der Zukunft dar.
Während wir unsere zukünftigen Beziehungen schmieden, sollten wir den Worten Monnets Beachtung schenken. Wir wollen unsere Arbeit erneut im kulturellen
Bereich und insbesondere bei den Millionen jungen
Menschen in unseren Ländern beginnen, für welche
die Idee einer transatlantischen kulturellen Gemeinschaft eine wirkliche Attraktion und eine willkommene
Herausforderung darstellt.
Wirtschaft
Die Revolution im Informationswesen hat unsere Arbeitsweise grundlegend verändert.
Unsere nationale Sicherheit beruht mehr denn je auf
wirtschaftlicher Stärke. Globale Wirtschaftskräfte haben
jetzt direktere und stärkere Auswirkungen auf das
Leben von Amerikanern und Deutschen als militärische und sicherheitspolitische Fragen.
Unsere beiden Nationen sind widerstandsfähige wirtschaftliche Konkurrenten. Die Wirtschaft ist jedoch
kein Nullsummenspiel. Weder Amerikaner noch
Deutsche verlieren etwas, wenn andere wohlhabender
werden. Mehr Wohlstand andernorts bedeutet neue
Märkte für amerikanische und deutsche Unternehmen
sowie neue Arbeitsplätze für die Arbeitnehmer in
Deutschland und den Vereinigten Staaten. Die Verbraucher in beiden Ländern können die Auswahl aus
einem breiteren Spektrum kostengünstigerer und
hochwertigerer Güter treffen. Zwischen unseren Ländern
hat sich ein zusätzliches Austauschmuster entwickelt,
das den Unternehmen die Nutzung verschiedener
Wettbewerbsvorteile gestattet, insbesondere bei hochbezahlten Wirtschaftssektoren mit hohem Mehrwert.
Die Vereinigten Staaten und Deutschland haben bedeutende gemeinsame Wirtschaftsinteressen. Beide
Länder sind dem freien Handel verpflichtet. Beide
engagieren sich für offene Investitionsregime, Wettbewerb und dafür, dem Privatsektor die Verfolgung seiner Interessen mit einem Minimum staatlicher Intervention zu ermöglichen. Unsere Wirtschaftsbeziehungen sind ausgewogen und für beide Seiten von Vorteil.

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Die Vereinigten Staaten sind die wichtigste Quelle
ausländischer Investitionen in Deutschland und das
Hauptziel weltweit getätigter deutscher Auslandsinvestitionen. Ungefähr 30 Prozent der gesamten deutschen Direktinvestitionen werden in den Vereinigten
Staaten getätigt; amerikanische Direktinvestitionen in
Deutschland betragen 30 Prozent aller ausländischen
Direktinvestitionen in diesem Land.
Wenn amerikanische Unternehmen wie Coca Cola
und General Motors in den neuen Bundesländern oder
deutsche Unternehmen wie BMW und Siemens in den
Vereinigten Staaten investieren, schaffen sie Arbeitsplätze und kurbeln das Wirtschaftswachstum an.
Derartige Investitionen nehmen den örtlichen Arbeitskräften keine Arbeitsplätze weg, sondern schaffen
neue Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Produkte
für neue Märkte.
Unsere Volkswirtschaften sind zunehmend miteinander verflochten. Daimler-Benz ist kürzlich als erstes
deutsches Unternehmen an der New Yorker Börse
zugelassen worden, wodurch es Zugang zum weltweit
größten Kapitalmarkt erhält. Wir freuen uns darauf,
auch andere deutsche Unternehmen dort begrü ßen zu
können.
Die amerikanische Regierung engagiert sich für eine
weitere Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zu
Deutschland und hat vor kurzem mehrere Initiativen
ergriffen:
Wir haben in Deutschland ein ehrgeiziges Exportförderungsprogramm - das einzige derartige Programm in der gesamten OECD - mit dem
Titel "Schaufenster Deutschland" ins Leben
gerufen, das Bestandteil der neuen nationalen
Exportstrategie der Clinton-Administration ist.
Die amerikanischen Konsulate in Deutschland
wurden umstrukturiert, damit die amerikanische
Regierung besser auf die Erfordernisse amerikanischer und deutscher Unternehmen reagieren kann.
Die Mittel der Handelsabteilung im US-Wirtschaftsministerium und des US-Informationsamts in ganz Deutschland wurden gebündelt,
um Business Centers in den Amerika Häusern
zu errichten.
Das geschlossene amerikanische Generalkonsulat in Düsseldorf wird im Sommer wiedereröffnet, und wir werden die Japaner an diesem
Hauptsitz japanischer Wirtschaftsaktivitäten in
Europa vor eine Herausforderung stellen.
Die US-Botschaft und unterschiedliche öffentliche und private Partner setzen eine Vielzahl von
Initiativen - sogenannte "neue Traditionen" - in
Gang, durch die das amerikanische Engage-

Seite 5

�ment für Berlin und Deutschland auch nach
Abzug der Berlin Brigade aus der Stadt im
September beibehalten wird.

Zudem läßt die ausschließliche Konzentration der
Aufmerksamkeit auf den Handel den Investitionsfluß
außer acht, der in der neuen Weltwirtschaft größere
Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Produktivität haben
könnte und hauptsächlich eine europäisch-amerikanische Angelegenheit ist. Europa investiert in den
Vereinigten Staaten mehr als in der ganzen übrigen
Welt zusammengenommen; die Vereinigten Staaten
investieren mehr in Europa als in der übrigen Welt
zusammengenommen. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union stellen in den Vereinigten Staaten
mehr Arbeitsplätze zur Verfügung als alle anderen
Nationen zusammengenommen. Selbst in Kalifornien, einem Bundesstaat mit offenkundigen Wirtschaftsbeziehungen zu Asien, stammen mehr Investitionen
aus Europa als aus Japan - 43 Prozent der weltweit in
Kalifornien investierten 77,5 Milliarden Dollarkommen
aus Europa.

In der kommenden Woche veranstalten die
Vereinigten Staaten eine Konferenz über die
Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich
wandelnde Arbeitswelt in Detroit, die erste
Konferenz der 0-7, die sich ausschließlich mit
dem wirtschaftlichen Wohlergehen des Durchschnittsbürgers befaßt. Die Konferenz wird die
Aufmerksamkeit der Regierungen auf die Notwendigkeit lenken, sicherzustellen, daß die Arbeitnehmer Nutznießer der durch die Revolution im Informationswesen herbeigeführten
schnellen wirtschaftlichen Veränderungen sind.
Die Konferenz spiegelt die starke Überzeugung
Präsident Clintons wider, daß Wandel begrüßt
und nicht gefürchtet werden sollte. Zu diesem
Zweck müssen wir uns auf den Arbeitsplatz des Die wirkliche Schlagzeile ist jedoch nicht, Europa oder
21. Jahrhunderts vorbereiten.
Asien sind für uns in wirtschaftlicher Hinsicht wichtiger,
sondern daß die wirtschaftliche Gesundheit jeder Region
Zusammengenommen werden durch diese und zu- für die wirtschaftliche Gesundheit der Vereinigten Staaten
künftige Bestrebungen drei bedeutende Behauptun- absolut entscheidend ist.
gen aufgestellt.
Aus diesem Grund können wir uns keine SelbstgefälErstens: Deutschland ist in wirtschaftlicher und wäh- ligkeit darüber leisten, daß wir bei der Öffnung von
rungspolitischer Hinsicht einer unserer weltweit wich- Märkten und der Ausweitung des Handels Fortschritte
tigsten Partner, nicht nur aufgrund unserer direkten machen. Wir werden aufmerksam unsere Bestrebunbilateralen Wirtschaftsbeziehungen, sondern auch gen fortsetzen, Partner wie Japan dringend zur Lösung
wegen der Schlüsselrolle Deutschlands in der Euro- von Handelsstreitigkeiten aufzufordern und größere
päischen Union sowie der Bedeutung der Deutschen Handelshemmnisse abzubauen.
Mark als internationalem Zahlungsmittel.
Glücklicherweise ist dies eine Zeit der Chancen. Die
Zweitens: Wirtschaftswachstum ist eine Vorausset- transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen sind an einem
zung für soziale Gerechtigkeit. In einer Zeit wirtschaft- Wendepunkt angelangt. Die jüngste Serie bahnbrelichen Wachstums ist es leichter als in einer Stagna- chender Ereignisse - einschließlich der Schaffung des
tion, Arbeitsmärkte umzustrukturieren, Arbeitsplätze Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFzu schaffen und Langzeitarbeitslosigkeit zu bekämp- TA), der Einrichtung des Europäischen Wirtschaftsfen. In Zeiten schleppenden Wachstums könnten raums sowie der Bestrebungen zur Stärkung der asiaBemühungen zur Umstrukturierung lediglich bedeu- tisch-pazifischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit auf
ten, Arbeitsplätze zu verlagern anstatt neue zu schaf- der Grundlage offener Märkte - markieren weltweit ein
fen. Wir sehen der Zusammenarbeit mit führenden neues wirtschaftliches Zeitalter. Der erfolgreiche
deutschen Politikern zur Verbesserung der Aussichten Abschluß der Uruguay-Runde, bei dem in den letzten
für Wirtschaftswachstum durch enge Koordination der Stadien die Zusammenarbeit zwischen den VereinigWirtschafts- und Währungspolitik unserer Länder ten Staaten und Deutschland beispielhaft war, bietet
erwartungsvoll entgegen.
bedeutende Chancen für engere deutsch-amerikaniDrittens: Diese Bestrebungen demonstrieren, wie sche Wirtschaftsbeziehungen. Wir sehen der Zusamunbegründet die von manchen Europäern geäußerte menarbeit mit Deutschland und seinen europäischen
Sorge ist, die Vereinigten Staaten könnten ihre starken Partnern zur Erweiterung unseres wirtschaftlichen
transatlantischen Bande den Beziehungen zu den Horizonts erwartungsvoll entgegen.
Pazifikstaaten opfern. Nichts könnte weniger zutreffend sein.

Im NAFTA-Markt mit einer Produktionskapazität von
6,5 Billionen Dollar leben 370 Millionen Menschen.
Deutschland und seine Partner in der Europäischen Obwohl das N AFTA kein so ehrgeiziges Projekt wie die
Union gehören in jeder Hinsicht zu unseren wichtigsten Europäische Union ist und nicht zur Schaffung eines
Wirtschaftspartnern. Amerikanische Exporte über den Binnenmarktes mit einem einheitlichen Außenzoll führen
Pazifik und Atlantik hinweg halten sich ziemlich die wird, richtet es eine Freihandelszone mit für deutsche
Unternehmen bedeutendem Potential ein.
Waage.

Seite 6

AMERIKA DIENST 11

�Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen sieht
die Abschaffu ng von ungefähr 20.000 Einzelzöllen vor.
Die Hälfte sollen jetzt, die verbleibenden innerhalb der
nächsten 15 Jahre aufgehoben werden. Auf nahezu
alle in Nordamerika hergestellten Waren werden keine
Zölle erhoben. Wichtige nichttarifäre Handelshemmnisse werden ebenfalls abgebaut. Die Unternehmen
werden den riesigen nordamerikanischen Markt von
nur einem Produktionsstandort aus bedienen können.
Die geplanten Zollsenkungen werden wahrscheinlich
auch für Drittstaaten von Vorteil sein, insbesondere für
starke Exportländer wie Deutschland. Der aus dem
NAFTA resultierende erwartete wirtschaftliche Aufschwung wird zu höheren Einkommen und steigenden
Importen führen, insbesondere von hochwertigen
Konsumgütern und Hochtechnologieprodukten Gebieten, auf denen Deutschland konkurrenzfähig ist.

Zudem haben sowohl die Vereinigten Staaten als auch
Deutschland eine föderative Struktur. Ein reiches,
noch zu erforschendes Gebiet ist das Verhältnis zwischen den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten
und den Bundesländern, da es nicht nur einen neuen
Weg zur Ausweitung der menschlichen Bindungen
bietet, sondern sich auch ein Großteil unserer künftigen Tagesordnung damit befaßt, wie Regionen und
Kommunen mit den Auswirkungen des globalen Wandels
umgehen.

Internationale Ereignisse beeinflussen die Regionen
nicht nur direkter als je zuvor - die Regionen spielen
auch eine unabhängigere Rolle bei internationalen
Angelegenheiten, indem sie in anderen Nationen nach
gleichgesinnten Partnern suchen, um gemeinsame
Herausforderungen anzugehen. Die neue Weltwirtschaft bietet neue Chancen für Regionalpolitiker in
Eine neue Rolle für Privatunternehmer und regio- jeder Nation, neue und gewinnbringende Koalitionen
mit gleichgesinnten Politikern aus anderen Nationen
nale Akteure
zu bilden, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsaKurz gesagt sind Kultur und Wirtschaft zunehmend me Fragen anzusprechen. Frühere Aktivitäten bei der
wichtige Säulen unserer bilateralen Beziehungen. Ich Entwicklung der deutsch-amerikanischen Beziehunhabe auf verschiedene Möglichkeiten hingewiesen, gen auf der Ebene der Bundesstaaten und Bundeslänwie wir uns um die Vertiefung der Beziehungen auf der, darunter Besuche amerikanischer Gouverneure
diesen Gebieten bemühen. In diesem neuen Zeitalter, und deutscher Ministerpräsidenten, waren sehr prodas durch eine verringerte Bedrohung unserer Sicher- duktiv. Bayern war bei diesen Bestrebungen oftmals
heit, härteren wirtschaftlichen Wettbewerb und eine führend. Es bleibt jedoch noch mehr zu tun.
Vielfalt von Informationen gekennzeichnet ist, darf und
kann eine solche Führungsrolle nicht allein von Regie- Wir können viel erreichen, wenn unsere beiden Natiorungen gespielt werden. Andere Akteure - seien es der nen zusammenarbeiten; einzeln genießen wir und die
Privatsektor oder kleinere staatliche Einheiten wie Welt insgesamt weniger Wohlstand und Sicherheit.
Bundesstaaten und Länder - können an Bedeutung
Unsere Bestrebungen zur Stärkung der bilateralen
gewinnen.
Beziehungen sind an und für sich schon bedeutend.
In dieser Hinsicht ist Jean Monnet erneut besonders Sie bereichern das Leben von Millionen Menschen in
interessant. Als er in der Mitte seines Lebens war, unseren beiden Ländern, und schließlich ist genau das
entschied er sich bewußt gegen eine Mitgliedschaft in langfristig die Aufgabe von uns in der Regierung.
der Regierung, damit er die Integration Westeuropas
voranbringen konnte. Er demonstrierte, wie Privatper- Wir tun diese Dinge jedoch nicht nur wegen ihres
sonen eine wichtige Rolle bei den Beziehungen zwi- Wertes für den einzelnen, sondern weil sie die Fähigkeit unserer beiden Länder zur gemeinsamen Arbeit
schen Nationen spielen können.
für übergeordnete internationale Ziele stärken - die
Das aktive Engagement von Privatpersonen, wirt- Ziele, die ich in meiner im Dezember in Potsdam
schaftlichen und humanitären Organisationen in den gehaltenen Rede angesprochen habe. Wir erachten
Vereinigten Staaten und Deutschland gleichermaßen Deutschland als unerläßlichen Grundpfeiler eines
wird von essentieller Bedeutung sein, wenn wir die stabilen, wohlhabenden, demokratischen und friedlikulturelle und die wirtschaftliche Säule unseres bilate- chen Europa. Die Vereinigten Staaten, die - wie
ralen Verhältnisses stärken und seine Vorteile nach Präsident Clinton erklärte - ihr Engagement in Europa
fortsetzen werden, können dies nur in vollwertiger
Osten hin erweitern wollen.
Partnerschaft mit Deutschland, also den Deutschen,
erzielen.

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AMERIKA DIENST 11

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Seite 7

�ARBEITSWELT
16. März 1994

JAPAN MUSS NACHFRAGE STEIGERN,
EUROPA ZINSSÄTZE SENKEN
Eröffnungsansprache Präsident Clintons bei Arbeitsplatzkonferenz
DETROIT - (AD) - Präsident Clinton zufolge sollte Japan seine heimische Nachfrage steigern, Europa eine
Senkung der Zinssätze anstreben, und die Vereinigten Staaten sollten den Abbau ihres Haushaltsdefizits
fortsetzen, wenn die Industriestaaten die Zahl der Arbeitsplätze in ihren Ländern erhöhen wollen.
Diese drei Dinge zusammengenommen könnten einen neuen Schub weltweiten Wachstums auslösen, der zu
vermehrter wirtschaftlicher Aktivität und mehr Arbeitsplätzen in Europa, Kanada, den Vereinigten Staaten und
Japan führen werde, erklärte Clinton bei dem Treffen von Vertretern der Finanz- und Arbeitswelt der G-7-Staaten.
"Kein wohlhabendes Land der Erde kann auf eigene Faust Arbeitsplätze und Einkommen schaffen, wenn es kein
weltweites Wirtschaftswachstum gibt", erklärte Präsident Clinton am 14. März 1994 auf der ersten Konferenz
über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt vor Delegierten aus den Vereinigten
Staaten, Kanada, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.
Jahrelang hätten diese Länder - so der Präsident - sich auf ihren Treffen mit makroökonomischen- und globalen Finanzfragen befaßt. Auf der Arbeitsplatzkonferenz in Detroit werde man sich jedoch mit dem "wirtschaftlichen Wohlergehen der Bürger dieser Länder" beschäftigen.
Clinton zufolge tragen die Regierungen die Verantwortung für die Bildung und Ausbildung ihrer Bürger, damit
diese auf eine Arbeitswelt vorbereitet sind, die "hohe Löhne bietet, aber auch hohe Qualifikation erfordert".
Der Präsident rief die Vertreter der Wirtschaft dazu auf, ihre gegen eine Einstellung älterer Arbeitnehmer gerichtete Politik zu ändern. "Wenn die Menschen im Laufe ihres Lebens ihren Arbeitsplatz verlieren, wenn wir im Laufe
unseres Lebens im Durchschnitt achtmal unseren Arbeitsplatz wechseln müssen, werden viele Menschen auch
noch mit über 50 oder sogar über 60 Jahren ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. Wir können ihnen nicht die
Chance nehmen, einen Beitrag zu leisten."
Nachfolgend veröffentlichen wir die unwesentlich gekürzte Rede Präsident Clintons.

Vielen Dank, Herr Vizepräsident, für Ihre Ansprache,
Ihre ausgezeichnete Arbeit und Ihr Engagement für
dieses Projekt. Der Vizepräsident wird die ganzen
anderthalb Tage an dieser Konferenz teilnehmen und
mit den hochrangigen Ministern anderer Staaten sowie
den Mitgliedern unseres eigenen Kabinetts und anderen führenden Vertretern der Vereinigten Staaten
zusammenarbeiten.
Ich freue mich, daß die Minister aus den G-7-Staaten
und Vertreter der Europäischen Union sich zu dieser
historischen und hoffnungsvollen Zeit hier im industriellen Kernland Amerikas bei dieser bedeutenden
Konferenz versammelt haben.

AMERIKA DIENST 11

In einigen Staaten sind die Menschen pessimistisch, in
allen Staaten sind einige Menschen pessimistisch, und
in allen Staaten gibt es Menschen, die Schwierigkeiten
haben. Aber es besteht wirklich Grund zur Hoffnung.
Technologie, die einst in den Bereich der Science
Fiction fiel, ist jetzt überall in unseren Unternehmen,
Schulen und Häusern zu finden. Länder, die früher
Raketen aufeinander richteten, arbeiten jetzt nicht nur
auf der Erde, sondern auch im Weltraum zusammen.
Arbeitsplätze, die das Gehirn anstelle des Rückens
beanspruchen, sind jetzt praktisch für alle Menschen in
diesen Ländern in greifbare Nähe gerückt.

Seite 1

�Im vergangenen halben Jahrhundert hingen unsere
gesamten gemeinsamen Unternehmungen - von der
Eindämmung des Kommunismus über die Bekämpfung der Aggression im Persischen Golf bis zu der
Erweiterung des Welthandels, der Förderung von
Demokratie in der ehemaligen Sowjetunion und dem
Beitrag zur Lösung des tragischen Konflikts in Bosnien
- von den Banden zwischen den hier vertretenen
Staaten ab. Ich habe diese Konferenz angeregt, um
dieselbe kollektive Energie, Urteilskraft, dieselben Ideen
und Erfahrungen aufzubieten, um eines der größten
Probleme unseres Zeitalters zu lösen - die Schaffung
und den Erhalt von Gesellschaften mit hoher Wertschöpfung und hohem Wachstum in starken Industriestaaten, die sich den Herausforderungen der Weltwirtschaft stellen.

men zu verlassen. Viele von ihnen kamen auf der
Suche nach Arbeitsplätzen in der Fabrik in Städte wie
Detroit. Während meines Wahlkampfes in Michigan
vor zwei Jahren erkannte ich, daß ich wirklich eine
Chance hatte, zum Präsidenten gewählt zu werden, da
jeder dritte Wähler, der sich an der Vorwahl der
Demokratischen Partei in Michigan beteiligt hatte, aus
Arkansas stammte.

Das ist Amerika. Während des Großteils dieses
Jahrhunderts stand der industrialisierte Mittlere Westen für wirtschaftliche Chancen. Die aus den ländlichen Gebieten vertriebenen Menschen konnten hierher kommen und ungeachtet ihrer Rasse, ihres Bildungsstands und vorherigen Einkommens mit einem
Arbeitsplatz rechnen, der ihnen den Unterhalt ihrer
Familie gestattete und Urlaub, Gesundheitsfürsorge,
Jedes Land sieht sich auf die eine oder andere Art mit Collegebesuch der Kinder, ein Eigenheim und eine
einem hartnäckigen, dauerhaften Problem von Ar- gute Rente ermöglichte. Das war die große Hoffnung
beitsplätzen und Einkommen konfrontiert. Bei den und das große Versprechen von Detroit, von Chicago,
einen besteht die Schwierigkeit in der Schaffung neuer von diesem gesamten regionalen Mekka, das an der
Arbeitsplätze, bei den anderen in der Steigerung des Spitze der Industriellen Revolution in Amerika stand.
Einkommens der Menschen. Wir in den Vereinigten
Staaten haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten Das industrialisierte Amerika litt stark unter den wirteine Vielzahl neu er Arbeitsplätze geschaffen, aber seit schaftlichen Veränderungen, die Sie alle vielleicht
nahezu zwei Jahrzehnten haben die Stundenlöhne der noch besser als ich kennen. Ich war jedoch Zeuge, wie
amerikanischen Arbeitnehmer praktisch stagniert. Ein die Menschen dieser Region kämpften. Vor einigen
amerikanischer Arbeitnehmer hat im Durchschnitt bei Jahren waren die Menschen der Ansicht, die amerikagleichem Verdienst eine längere Wochenarbeitszeit nische Automobilindustrie sei zum Untergang verurteilt. Aber die drei großen Automobilunternehmen
als vor 20 Jahren.
arbeiteten gemeinsam mit ihren Partnern in der ArbeitKeiner von uns hat alle Antworten parat. Wir sind hier nehmerschaft hart an der Verbesserung von Qualität,
zusammengetroffen, weil wir etwas voneinander ler- Sicherheit und Kraftstoffverbrauch. Jetzt erobern sie
nen wollen und uns hoffentlich gegenseitig etwas im In- und Ausland ihre Marktanteile zurück. Sie sind
beibringen können. Wir alle können Besseres leisten, wieder stark. In den vergangenen zwölf Jahren befand
und wenn wir zusammenarbeiten, wird es unseren sich Michigan auf dem Weg zu einer neuen Wirtschaft;
kleine und mittelständische Unternehmen haben hier
Völkern zweifellos besser gehen.
nahezu 400.000 Arbeitsplätze im Fertigungs- und
Erstmals bringt diese Konferenz die Finanz-.Arbeits-, industriellen Dienstleistungsbereich geschaffen.
Handels- und Wirtschaftsminister unserer Länder
zusammen. Wir wissen, daß das Problem der Schaf- Die englische Zeitschrift The Economist bezeichnet
fung von Arbeitsplätzen nicht allein durch eine Sen- den Automation Alley, den 60 Kilometer langen Korridor
kung der Zinssätze, bessere Ausbildung oder ver- zwischen Detroit und Ann Arbor als "den am schnellmehrte Investitionen im Technologiebereich gelöst sten wachsenden Technologiekorridor in den gesamwerden kann, aber diese Maßnahmen sind erforder- ten Vereinigten Staaten von Amerika".
lich. Einige Ministeräußerten mirgegenüber, wenn die
Finanz- und Arbeitsminister jedes Landes miteinander Dennoch dürfen wir in unserem Optimismus nicht zu
sprechen würden, hätten wir wirkliche Fortschritte überschwenglich werden - trotz aller guten Nachrichgemacht. Es gibt keinen besseren Ort, sich dieser ten bleiben die Herausforderungen bestehen. AllzuHerausforderung zu stellen, als diese Stadt, diesen viele Menschen sind ins Hintertreffen geraten. Und
Bundesstaat, diese Region. Hier erkennen wir nicht diese Herausforderung brachte meines Erachtensden
nur, daß Wandel nötig ist, sondern auch, daß wir dazu herausragenden jungen Bürgermeister dieser Stadt
ins Amt und führt so viele von Ihnen überdie Grenzen
fähig sind.
von Partei, Rasse, Einkommen oder Hintergrund hinAls ich in Arkansas aufwuchs, waren viele der Men- weg zusammen, um herauszufinden, wie wir das
schen, die ich kannte und mit denen ich lebte, Landwir- Potential aller Menschen in diesem Land erschließen
te. In meinem Bundesstaat kann fast niemand meines können.
Alters seine Familie mehr als eine Generation zurückverfolgen, ohne auf einen Landwirt zu stoßen. Aber mit
zunehmender Mechanisierung der Landwirtschaft
Zunächst einmal sollten wir die grundlegende Realität
wurden immer mehr Menschen gezwungen, die Farerkennen, daß privates Unternehmertum, nicht staatSeite2

AMERIKA DIENST 11

�liehe Maßnahmen der Motor von Wirtschaftswachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen ist. Unsere
Viston einer erstrebenswerten Gesellschaft hängt stark
von einerflorierenden Privatwirtschaft ab. Wir müssen
uns bewußt werden, daß es Dinge gibt, die eine
Regierung tun kann und sollte - dem Privatsektor die
für Wachstum erforderlichen Mittel an die Hand zu
geben und unsere Menschen auf die Arbeitsplätze
einer neuen Wirtschaft vorzubereiten. Eine bedeutende, von uns in den kommenden zwei Tagen zu erörternde Frage ist die, was in den Verantwortungsbereich der Regierung fällt, was der Privatsektor tun
sollte und wie wir diese beiden Bereiche besser als in
der Vergangenheit in Einklang bringen können. Meines Erachtens sind wir hier in den Vereinigten Staaten
auf dem richtigen Weg. Unsere Wirtschaft hat im Lauf
von 13 Monaten 2,1 Millionen Arbeitsplätze hervorgebracht, 90 Prozent davon in der Privatwirtschaft.

Wir wissen alle, daß die Weltwirtschaft Formen annimmt, wenn Informationen und Investitionen mit erstaunlicher Geschwindigkeit nationale Grenzen überwinden und Wettbewerb um Arbeitsplätze und Einkommen stattfindet. Die Volkswirtschaften an den
Schnittstellen haben keine Möglichkeit, sich zu verstecken. In schneller Entwicklung begriffene Nationen
streben eine Verbesserung ihres Lebensstandards an
indem sie unter Beweis stellen, daß sie die von uns
geleistete Arbeit zu geringeren Kosten anbieten können. Beim Übergang von einem alten zu einem neuen
Zeitalter werden wir von Anfang an eindeutig mit einer
schwierigen Entscheidung konfrontiert: Werden wir
klein beigeben, Schutzwälle errichten und unter einem
langsamen und stetigen Absinken unseres Lebensstandards leiden oder werden wir die Herausforderungen dieser neuen Wirtschaft erwartungsvoll begrü Ben,
hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen und die Menschen darauf vorbereiten?

In den achtziger Jahren fand in Amerika ein großer Teil
des Nettoanstiegs bei der Beschäftigung im staatli- Jede moderne Wirtschaft sieht sich jetzt auf unterchen Bereich statt, vornehmlich auf bundesstaatlicher schiedliche Weise mit dieser Entscheidung konfronund kommunaler Ebene. Zu viele Angehörige der tiert - einer Entscheidung zwischen Hoffnung und
Mittelschicht arbeiten jedoch härter für weniger Geld, Angst, zwischen Stagnation und Wandel, zwischen
und zu viele Amerikaner sind noch arbeitslos. Zu Abschottung und Öffnung. Wenn wir je einen Beweis
vielen fehlt die Ausbildung, um im Wettbewerb beste- dafür benötigten, daß wir uns für Wandel entscheiden
hen zu können, und es gibt zu viele Bereiche, in denen sollten und können, erhielt ich diesen Beweis bei
einfach keine neuen Privatinvestitionen getätigt wer- meinem gestrigen Besuch von Focus: Hope hier in
den, insbesondere in großen Teilen der Innenstädte Detroit, wo ich sah, wie Menschen aus den Innenstädund in entlegenen ländlichen Gebieten.
ten für Arbeitsplätze von Weltklasse ausgebildet werden, Arbeitsplätze von Weltklasse bekommen und
Die wachsende Einkommenskluft zwischen gelernten konkurrenzfähig sind. Amerika hat sich für den Wanund ungelernten Arbeitnehmern stellt nicht nur eine del entschieden. Wir haben auch auf die anderen GGefahr für die Stärke der Volkswirtschaften dieser 7-Staaten geschaut. Unsere heutigen Gäste trafen
Länder dar, sondern auch für die Struktur unserer sich - das sollten meine amerikanischen Mitbürger
demokratischen Gesellschaften. Vor einem Jahr be- wissen - einmal im Jahr. Und über einen Zeitraum von
trug beispielsweise die Arbeitslosigkeit in den Verei- 10 Jahren verabschiedeten die Mitglieder der G-7
nigten Staaten unter Menschen ohne High School- jährlich eine Resolution, die offen gesagt für die VereiDiplom 12,6 Prozent, unter High School-Abgängern nigten Staaten peinlich war. Sie verfaßten sie in sehr
7,2 Prozent, unter Absolventen einer weiterführenden höflicher Form, sagten aber im Grunde, die WeltwirtAusbildung 5,7 Prozent und unter Collegeabgängern schaft könne nicht wachsen, wenn Amerika weiterhin
3,5 Prozent. Und die Arbeitslosigkeit ist wie gesagt sein Haushaltsdefizit erhöhe und jedes Jahr mehr
auch in den Gegenden besonders hoch, in denen die ausgebe, als es an Steuergeldern einnehme. Sie
Menschen nicht von Investitionen profitieren können, baten uns, unser Haushaltsdefizit abzubauen. Und
insbesondere in unseren großen Innenstädten und das taten wir.
den ärmsten ländlichen Gebieten.
Durch die Reduzierung des Defizits um 500 Milliarden
Wir alle müssen auf unsere Art mit diesen grundlegen- Dollar beläuft sich unser Haushaltsdefizit jetzt auf
den Veränderungen umgehen - neue Wege finden, um einen kleineren Prozentsatz unserer jährlichen Eindie Menschen für den Erfolg zu rüsten, uns die Dyna- nahmen als in allen anderen hier vertretenen G-7mik des Marktes zunutze machen und irgendwie diese Staaten mit einer Ausnahme. Darauf bin ich stolz.
Kräfte in Gebiete übertragen, in denen die Menschen Wenn der Kongreß den neuen Haushalt verabschieins Hintertreffen geraten sind. Wir in den Vereinigten det, und alle Zeichen deuten darauf hin, werden wir
Staaten geben den Menschen anscheinend manch- erstmals seit der Amtszeit Präsident Trumans einen
mal größere Anreize zu Investitionen bei einigen unse- über einen Zeitraum von drei Jahren verlaufenden
rer Handelspartner mit sich entwickelnden Volkswirt- Abbau unseres Haushaltsdefizits verzeichnen könschaften als in unseren Innenstädten und entlegenen nen. Wirhaben alsoden richtigen Weg eingeschlagen.
ländlichen Gegenden, deren Volkswirtschaften sich
ebenfalls im Entwicklungsstadium befinden und Wachs- Die hier vertretenen Nationen verfolgen eine Strategie,
tumsmöglichkeiten bieten.
die erkennt, daß jeder der großen Blöcke hierbei eine

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�Rolle zu spielen hat: Die Vereinigten Staaten sollten
den Abbau ihres Haushaltsdefizits fortsetzen, Japan
sollte seine Binnennachfrage erhöhen, Europa sollte
sich weiter um niedrigere Zinssätze bemühen, so daß
diese drei Dinge zusammengenommen einen neuen
Schub weltweiten Wachstums auslösen können, der
zu vermehrter wirtschaftlicher Aktivität und mehr Arbeitsplätzen in Europa, Kanada, den Vereinigten Staaten und Japan führt.
Wir arbeiten auch hart an einem Abbau der Handelshemmnisse im Rahmen des NAFTA, des GATT und
eines Treffens mit den asiatisch-pazifischen Staaten.
Im vergangenen Jahr leisteten wir einzigartige Arbeit,
indem wir Wachstum, Arbeitsplätze und Einkommen
weltweit durch eine Stärkung des Handels unterstützten.
Während der Debatte über das NAFTA hörten wir die
Sorgen der Arbeitnehmer - berechtigte Sorgen - die
dem wirtschaftlichen Wandel schutzlos ausgesetzt
waren und nicht glauben konnten, daß diese Veränderungen für sie von Vorteil wären. Wir mußten jedoch
der Wahrheit ins Gesicht sehen: Arbeitsplätze im
amerikanischen Exportsektorbringen im Durchschnitt
um 22 Prozent höhere Löhne hervor als Arbeitsplätze,
die nicht mit der Weltwirtschaft im Zusammenhang
stehen. Und Handel ist kein Nullsummenspiel. Wenn
die Weltwirtschaft schrumpft, sind wir alle die Verlierer;
wenn sie wächst, sind wir alle die Gewinner.
Eines ist klar: Kein wohlhabendes Land der Erde kann
auf eigene Faust Arbeitsplätze und Einkommen schaffen, wenn es kein globales Wirtschaftswachstum gibt.
Ohne dieses Wachstums werden ärmere Länder, die
dasselbe wie unser Volk zu Löhnen produzieren, von
denen unsere Bürger nicht leben könnten, allmählich
unsere Position untergraben. Bei starkem Wirtschaftswachstum können neue Technologien, neue Aktivitäten und neue Märkte entwickelt werden. Das ist
unsere einzige Option.

unsere Arbeitnehmer als auch unsere Umwelt gekümmert. Unser Ziel ist zu beweisen, daß das den besten
Weg zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im 21. Jahrhundert darstellt.
Was steht dem Wandel denn im Wege? Hier im
industriellen Kernland Amerikas und in der gesamten
industrialisierten Welt haben zu viele Menschen hart
gearbeitet nur um herausfinden zu müssen, daß ihre
Einkommen stagnieren oder sinken. Wir müssen bei
den Menschen das Vertrauen darin wiederherstellen,
daß sie belohnt und nicht bestraft werden, wenn sie
sich die erforderlichen Kenntnisse aneignen und ihr
Land vorwärtsbringen. Diese tiefverwurzelten politischen, fast psychologischen Hemmnisse des Wandels müssen in jedem Land beseitigt werden.
Ich möchte ganz offen mit Ihnen sein: Eines der Dinge,
die ich mir von diesem G-7-Treffen erhoffe, wäre, daß
durch offene und ehrliche Gespräche über Wachstumsprobleme und durch Erfahrungsaustausch jeder
führende Politiker in unseren Ländern in die Lage
versetzt wird, in seinem eigenen Land mehr zu bewirken, weil er es mit Deutschland oder Frankreich vergleichen kann. Und durch Erfahrungsaustausch werden wir führenden Politiker mehr in unserem eigenen
Land bewirken können, weil wir sehen, daß die Deutschen, Franzosen, Kanadier, Italiener und Japaner
dieselben Probleme haben.
Wir haben heute morgen beim Frühstück ausgiebig
darüber gesprochen und jeder machte dieselbe Beobachtung: Wenn wir diese Probleme ehrlich erörtern,
können wir den Menschen bei der Überwindung ihrer
Angst vor Veränderungen helfen und gleichzeitig
anerkennen, daß es im Zusammenhang mit diesem
Wandel berechtigte Sorgen gibt.

Meines Erachtens muß sich diese Konferenz mit drei
entscheidenden Problemen befassen, welche die
Menschen von einer Unterstützung des Wandels
abschrecken. Solange die Menschen nicht überzeugt
Aus diesem Grund müssen wir auch neue Märkte sind, daß sie auf die Arbeitsplätze der Zukunft vorbeschaffen. Das bedeutet, daß wir in arbeitsplatzschaf- reitet sind, Produktivität für sie von Vorteil ist und sie in
fende Technologien investieren müssen, von Mehr- einer dynamischen Volkswirtschaft sowohl einen gefezwecktechnologien im Zuge des Abbaus unseres stigten Arbeitsplatz als auch gefestigte Familien haben
Haushaltsdefizits zu einem Superinformationsnetz, das können, werden sie sich gegen den Wandel sperren.
jeden Klassenrau m und jede Bibliothek im Land mitein- Wir müssen den Wählern in unseren Ländern in all
diesen Punkten erneut Sicherheit verschaffen. Unseander verbindet.
re erste Herausforderung besteht ganz offensichtlich
Viele dieser Technologien fallen in den Umweltbe- darin, unsere Bürger auf eine Arbeitswelt vorzubereireich. Wir wissen jetzt, daß Umweltschutz und Wirt- ten, die hohe Löhne bietet, aber auch hohe Qualifikaschaftswachstum möglich sind. Gemeinsam mit den tion erfordert.
Großen Drei der Automobilindustrien und der Automobilarbeitergewerkschaft werden wir die Entwicklung Wenn ich zu jungen Menschen spreche, sage ich
eines sauberen Autos fördern, das weniger Umweltbe- ihnen, daß sie wahrscheinlich sieben- oder achtmal im
lastungen verursacht und mehr Märkte schafft.
Leben ihren Arbeitsplatz wechseln müssen. Aus diesem Grund erarbeiten wir im Kongreß eine TagesordVon Theodore Roosevelt über Walter Ruther bis zu nung für lebenslanges Lernen, und aus diesem Grund
unserem eigenen hervorragenden Vizepräsidenten bereitet der Kongreß die Annahme von Gesetzen zur
haben unsere klügsten Politiker sich immer sowohl um Einführung von erstklassigen Bildungsnormen vor,

Seite 4

AMERIKA DIENST 11

�fördert grundlegende Reformen und unterstützt die er die Chance erhielt, neue Fähigkeiten zu erwerben
Bewegung derjenigen, die direkt nach der High School und von einem Arbeitgeber eingestellt zu werden, der
in die Arbeitswelt eintreten und nicht aufs College nicht gegen ältere Arbeitnehmer voreingenommen ist.
gehen wollen.
Wir sind in diesem Land in zweierlei Hinsicht gegen
Der Lernprozeß darf nie aufhören. Unser heutiges bestimmte Altersgruppen voreingenommen. Manche
System zum Umgang mit Arbeitslosen ist auf eine Arbeitnehmer stellen nicht gerne junge Leute ein, weil
Wirtschaft zugeschnitten, die bereits seit 10 Jahren sie keine Erfahrung haben. Wie sollen sie je Erfahrunnicht mehr existiert - ein System, das davon ausgeht, gen sammeln, wenn sie keine Arbeit finden? Manche
wenn den Menschen genug zum Überleben gegeben Arbeitnehmer wollen keine älteren Menschen einstelwürde, könnten sie später an ihren alten Arbeitsplatz len, weil sie zu viel Erfahrung haben. Je älter ich
zurückkehren. Die Wahrheit ist jedoch, daß die mei- werde, desto stärker bin ich von folgendem überzeugt:
sten Menschen nicht an ihren alten Arbeitsplatz zu- Die am schnellsten wachsende Altersgruppe in Amerückkehren können. Der Verlust eines Arbeitsplatzes rika sind die Menschen über achtzig. Diejenigen, die
heutzutage ist nicht auf einen zyklischen normalen auf ihre Gesundheit achten, werden - selbst wenn sie
Konjunkturrückgang zurückzuführen, sondern oftmals über siebzig sind - noch tatkräftig und arbeitsfähig sein,
auf strukturelle Veränderungen in der Weltwirtschaft. einen Beitrag leisten und etwas bewirken können.
Was früher in Amerika von einem Menschen erledigt Wenn die Menschen im Laufe ihres Lebens ihren
wurde, wird jetzt von einer Maschine in Amerika oder Arbeitsplatz verlieren, wenn wir im Laufe unseres
einem Arbeitnehmer im Ausland getan. Somit muß Lebens im Durchschnitt achtmal unseren Arbeitsplatz
wechseln müssen, werden viele Menschen auch noch
dieser Mensch ein neues Betätigungsfeld finden.
mit über 50 oder sogar über 60 Jahren ihren ArbeitsDas bedeutet, daß es falsch ist, die Arbeitgeber einen platz wechseln müssen. Wir können ihnen nicht die
Anteil am Arbeitslosengeld zahlen zu lassen, das Geld Chance nehmen, einen Beitrag zu leisten.
einem Fonds zuzuführen und an die Arbeitslosen
weiterzuleiten, die dann untätig das Auslaufen der Wenn die Menschen den Wandel begrüßen sollen,
Arbeitslosenunterstützung abwarten und danach immer müssen wir alle unsere Einstellung dazu ändern, wer
noch keinen neuen Arbeitsplatz haben. Das ist nicht eingestellt werden kann, und insbesondere innerhalb
das Richtige.
welchen Altersspektrums. Das ist von äußerster
Wichtigkeit. Die Frage sollte lauten: Sind die MenVergangene Woche legten wir einen Plan vor, um schen auf die freiwerdenden Arbeitsplätze vorbereiunser Arbeitslosensystem in ein Wiederbeschäftigungs- tet? Wenn das der Fall ist, sollten sie ihre Chance
system umzuwandeln, um diese Ausbildungsprogram- erhalten.
me zu konsolidieren, zentralisierte Karrierezentren zu
schaffen und die Menschen vom Tag ihrer Entlassung Die zweite uns konfrontierende Herausforderung wurde
an für neue Arbeitsplätze auszubilden und vorzuberei- heute morgen bei unserem Frühstück ebenfalls angeten.
sprochen. DergriechischeVertreterderEuropäischen
Union gab hierzu einen sehr engagierten Kommentar
Das stellt in vielen Industriestaaten ein großes Pro- ab. Unsere Bürger müssen davon überzeugt werden,
blem dar. Die Zeitspanne, in der die Menschen arbeits- daß Produktivität eine Verdienstquelle sein kann und
los sind, wird immer länger, und oftmals ist der Grund kein Anlaß zur Sorge ist.
darin zu finden, daß sie keine Berufsausbildung erhalten und gezwungen sind, einen neuen Arbeitsplatz zu Und genau das ist das Geheimnis. Als ich ein Junge
einem niedrigeren Lohn als früher anzunehmen. Wir war, bedeutete Produktivität auf der Farm, daß die
können das ändern und dabei unseren Bürgern mehr Menschen dort ihren Arbeitsplatz verloren. ProduktiSicherheit geben, um die Veränderungen in der Welt- vität in Detroit bedeutete jedoch, daß in der Automobilwirtschaft anzunehmen. Zudem ist das ein gutes industrie mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden als
Geschäft. Wir brauchen unsere Bürger gerade jetzt. auf der Farm verlorengingen. Während des gesamten
Wir sollten nicht für die Untätigkeit der Menschen 20. Jahrhunderts seit der Industriellen Revolution
zahlen, wenn wir sie für ihre Arbeit bezahlen könnten. bedeutete Produktivität in einem Bereich, durch die auf
Das ist kein gutes Geschäft.
diesem Gebiet mehr Arbeit von weniger Menschen
geleistet werden konnte, daß technologischer Wandel
Wie bereits erwähnt, stattete ich gestern Focus: Hope immer Arbeitsplätze in einem anderen Sektor schuf.
einen Besuch ab und sah dort, wie junge Menschen für
moderne Arbeitsplätze im Ingenieurwesen, der Robo- Das ist auch heute noch so. Das Problem besteht
tertechnik und anderen zukunftsorientierten Berufs- jedoch darin, daß die Produktivität im Fertigungsbesparten ausgebildet wurden, was wieder einmal zeigt, reich explosionsartig angestiegen ist und diese Entdaß alle Menschen lernen können. Kürzlich sprach ich wicklung nicht aufhört. Jetzt setzt sie sich im Dienstmit einem Mann aus dem Norden New Yorks, der 29 leistungssektor fort, so daß beispielsweise Banken
Jahre lang in der Rüstungsindustrie arbeitete und jetzt oder Versicherungsgesellschaften aufgrund der Proeine leitende Stellung in einem Krankenhaus hat, weil duktivität im Informationswesen mit weniger Men-

AMERIKA DIENST 11

Seite 5

�sehen mehr Arbeit leisten können. Gleichzeitig sind
alle anderen Länder in der Lage, Dinge zu tun, die
ihnen vorher nicht möglich waren. Folglich besteht in
unseren Staaten diese große Unsicherheit, daß Produktivität erstmals Arbeitsplätze gefährden könnte,
anstatt sie zu schaffen.

gien sollen denjenigen Unternehmen zur Verfügung
gestellt werden, die sie nutzen können, selbst jedoch
nicht die zu ihrer Entwicklung erforderlichen Finanzmittel gehabt hätten. Das sollten alle Länder tun, damit
sich ihre Bürger auf die Seite der Produktivität schlagen und ihre Volkswirtschaften funktionieren.

Wir müssen dagegen ankämpfen. Im vergangenen
Jahr beobachteten wir, wie unsere Unternehmen hier
in Amerika sich wieder erholten - in 13 Monaten
wurden 2,1 Millionen Arbeitsplätze geschaffen. Und
das wäre nicht möglich gewesen ohne eine Produktivitätserhöhung in der Privatwirtschaft. Wir können uns
nicht der Tatsache verschließen, daß Modernisierung
der Schlüssel zu Beschäftigung ist. Wir in der Regierung und die in der Privatwirtschaft Tätigen müssen
neue Bereiche finden, in denen Produktivität zu Erfolg
führen kann. Obwohl wir dieses Jahr die staatlichen
Ausgaben senken, stellen wir Rüstungsunternehmen
mehr Gelder zur Verfügung, damit die Verantwortlichen Möglichkeiten finden können, die für den Sieg im
Karten Krieg und in der Zeit danach erforderlichen
Technologien, die wir alle finanzierten, in neue Technologien für die neuen Arbeitsplätze der Zukunft
umzuwandeln.

Umstrukturierungen wird es immer geben, und es wird
immer ein gewisses Maß an Arbeitsplatzabbau geben.
Die besten staatlichen Maßnahmen, die besten Unternehmenspraktiken können diese Veränderungen nicht
aufhalten. Was wir jedoch tun können, ist, unserem
Volk bei der Gestaltung dieses Wandels zu helfen. Der
Staat muß die Menschen mit lebenslangem Lernen,
Wiederbeschäftigung und einer sicheren medizinischen
Versorgung ausstatten. Die Unternehmen müssen
weiterhin auf Verbesserungen der Produktivität drängen. Das Führungspersonal in der Privatwirtschaft
muß nach neuen Wegen streben, um den Beschäftigten zu helfen, mit gut durchdachter strategischer Planung und Innovationen sowie durch die Schaffung
leistungsfähiger Arbeitsstätten sowie verstärkter Beteiligung der Arbeitnehmer an der Entscheidungsfindung von diesen Produktivitätszuwächsen zu profitieren.

Das ist das Geheimnis. Wir müssen unserem Volk
beweisen, daß der Wandel für unsere Bürger von
Vorteil ist und Produktivitätssteigerung immer noch
den Schlüssel zu Beschäftigung und Wachstum darstellt. Wenn wir das vergessen und zulassen, daß wir
aus Angst nicht die Notwendigkeit erkennen, immer
auf der Seite der Produktivität zu stehen, geraten wir in
wirkliche Schwierigkeiten. Dadurch entstand die Mittelschicht. Die Fähigkeit des einzelnen Arbeitnehmers, mehr Arbeit zu leisten, ließ die amerikanische
Mittelschicht entstehen. Sie führte nach dem Zweiten
Weltkrieg zum Wirtschaftswunder in Europa und Japan. Sie schafft immer noch Chancen. Sie ist nur
etwas anders, stellt eine größere Herausforderung
dar, ist komplizierter und entwickelt sich schneller als
vorher. Wenn wir uns jedoch nur eine Minute gestatten, uns gegen das Produktivitätswachstum zu wehren, befinden wir uns in großen Schwierigkeiten.

Wir haben beim Frühstück heute morgen darüber
gesprochen, daß es in Japan grundsätzlich immer
noch die Politik der lebenslangen Beschäftigung gibt.
Um dies zu erreichen, muß man bereit sein, die Arbeitnehmer auch in harten Zeiten zu behalten, und die
Unternehmen müssen stets neue unternehmerische
Aufgaben finden. Denn auf diese Weise braucht man
nicht die Firma zu wechseln. Was auch immer wir tun,
es besteht hier eine große Verantwortung, die nur von
der Privatwirtschaft getragen werden kann, nicht vom
Staat.

Von 1947 bis 1973 erhöhte sich die Produktivität in
Amerika jährlich um mehr als 3 Prozent, und die Löhne
stiegen mit gleicher Geschwindigkeit. Seitdem hat
sich der Anstieg von Produktivität und Löhnen verlangsamt. Jetzt steigt die Produktivität in vielen Sektoren
unserer Wirtschaft wieder an, und damit werden sich
Arbeitsplätze und Löhne verbessern. Da wir intelligenter, nicht härter arbeiten müssen, ist diese Angelegenheit wichtiger als je zuvor.
Heute steht im Senat ein Gesetz zur Debatte, das den
Unternehmen bei Forschung und Entwicklung zur
Schaffung von Fertigungszentren helfen soll, in denen
Firmen zusammenarbeiten können, wie das die kleineren Produktionsbetriebe beispielsweise im Norden
Italiens bereits längere Zeit tun. Die neuen TechnoloSeite 6

Von Unternehmen, die Automobile herstellen, bis zu
solchen, die Software entwickeln, wurden einige der
größten Fortschritte von denjenigen erzielt, die ihre
Arbeitnehmer als ihr wichtigstes Gut behandelten, die
ihren Arbeitnehmern den höchsten Respekt zollten
und ihnen die größte Rolle dabei einräumten herauszufinden, was getan werden muß, um konkurrenzfähig
zu sein und in der Weltwirtschaft zu bestehen.
Dies sind die leistungsfähigen Unternehmen, die ihre
Beschäftigten ausbilden und fortbilden, sie dazu befähigen, persönliche Verantwortung für die Qualität der
Produkte und Dienstleistungen zu übernehmen, die
Arbeitnehmerund Gewerkschaften als Freunde, nicht
als Gegner betrachten.
Heute werde ich eine Firma mit dem Namen Detroit
Diesel besuchen, die mit der Automobilarbeitergewerkschaft UAW bei der Herstellung qualitativ hochwertiger Motoren für den in- und ausländischen Markt
zusammenarbeitet. Ihr Vorstandsvorsitzender Robert
Penske ist bei den meisten unter Ihnen dafür bekannt,
daß er siegreiche Teams zu den Rennen von Indiana-

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�polis schickt. Darüber hinaus baut er jedoch auch hier
bei Detroit Diesel ein Siegerteam auf - ein Team, das
trotz aller Veränderungen erfolgreich ist.
Unsere dritte Herausforderung besteht darin, den
Menschen Sicherheit in ihrer Lebensplanung zu geben
und gleichzeitig die Dynamik der Marktwirtschaften zu
bewahren. Dies ist ein großes und schwieriges Unterfangen. Wie können wir den Arbeitnehmern die Sicherheit geben, die sie benötigen? Welche Art von
System zur Bewältigung der Arbeitslosigkeit müssen
wir haben, welche Art von Krankenversicherung benötigen wir, welche Art von Ausbildungssystem müssen
wir haben, welche Art von Maßnahmen benötigen wir
für Urlaub aus familiären Gründen und Kinderbetreuung oder die Betreuung von Eltern, die es den Menschen gestattet, ihre Aufgaben als Arbeitnehmer und
Familienmitglieder zu erfüllen?

nicht wechseln konnten, weil irgend jemand in ihrer
Familie seit längerem krank war.
Ich weiß selbst, daß das im vergangenen Jahr hier
unterzeichnete Gesetz über Urlaub aus familiären
Gründen, das uns lediglich allen anderen Ländern der
G-7 und 170 anderen Ländern der Welt gleichstellte,
die amerikanischen Unternehmen stärken wird, weil
Menschen nicht mehr ihren Arbeitsplatz verlieren
müssen, wenn sie kranke Kinder oder pflegebedürftige
Eltern betreuen. Diessind Dinge, denen wiruns stellen
müssen.

Während wir also danach streben, ein ausgewogenes
Gleichgewicht zu finden, den Menschen zu helfen,
diese drei Herausforderungen zu bewältigen, sollten
wir zwei Binsenwahrheiten erkennen: Erstens, trotz all
seinernichtzu kontrollierenden Energie und all der von
ihm ausgelösten Erschütterungen ist der Markt eine
unaufhaltsame
und unerläßliche Macht des Fortschritts.
Mehr als in jedem anderen der hier vertretenen Länder
Wir
brauchen
Märkte,
auf denen Menschen die Wahl
haben wir in den Vereinigten Staaten den schrecklitreffen
können.
chen Preis gesehen, den wir bezahlen, wenn die
Familie als Institution zerfällt. Sie ist eine wesentlich
grundlegendere Institution als das Unternehmen. Sie Zweitens können unsere Gesellschaften menschliche
Werte von der Stärke unserer Familien bis zur Qualiist die grundlegendste Institution überhaupt.
fikation unserer Arbeitnehmer fördern. Wir können
Aber wir wissen, daß die meisten Menschen bei uns dies tun und dabei die Menschen befähigen, die von
heute einen Arbeitsplatz haben. Die meisten Mütter einer pulsierenden Marktwirtschaft bereitgestellten
mit Kindern im Alter von einem Jahr an aufwärts sind Chancen voll und ganz zu nutzen.
heute berufstätig. Wie können wir es ermöglichen, daß
Menschen gleichermaßen ihre Aufgaben als Arbeit- Nun, wenn Sie an diese Dinge glauben, dann werden
nehmer und ihre Aufgaben als Familienmitglieder er- Sie meiner Meinung nach fragen, warum sind wir
füllen? Wie kann der Staat so intervenieren, daß eigentlich alle hier? Warum müssen wir gemeinsam
Arbeitsplätze produktiver werden, anstatt die Unter- handeln? Warum müssen wir in unseren jeweiligen
nehmen so stark zu belasten, daß sie in der Weltwirt- Ländern gemeinsam handeln? Warum sollten diese
schaft nicht konkurrenzfähig sind? Fürdie meisten von Staaten, die soviel gemeinsam haben, versuchen,
uns ist es hart, schwierig und sogar schmerzlich, dies untereinander gemeinsam zu handeln? Ich bitte die
zu erörtern. Wir müssen hier jedoch ehrlich sein, und Minister, diesen Fragen ehrlich und offen nachzugeich freue mich auf einige sehr anregende Diskussionen hen. Ich möchte jedoch erneut betonen, es steht
eindeutig fest, daß es für uns im Inland leichter ist, das
darüber in den nächsten anderthalb Tagen.
Notwendige zu unternehmen, wenn wir wissen, daß
In jedem Land müssen wir die richtige Formel finden. die Menschen in den anderen Ländern mit u ns zusamWir dürfen nicht in Dogmatismus oder Ideologie verfal- menarbeiten und wir langfristig gewinnen werden.
len und vorgeben, das eine oder andere sei bedeutungslos. Aber wir wissen, wenn gesicherte Arbeitneh- Wir sollten deshalb die harten Fragen stellen. Erstens,
mer mit gesicherten Familien, die wissen, daß sie ihre worin besteht das Arbeitsplatzproblem in Wirklichkeit?
Aufgabe als Eltern erfüllen, an die Arbeit gehen, ver- Warum ist die Arbeitslosigkeit selbst bei vorhandenem
setzt sie diese Freiheit in die Lage, die produktivsten Wirtschaftswachstum zu hoch? Können wir wirklich
Arbeitnehmer der Welt zu sein. Wir wissen auch, daß noch von einer nationalen Arbeitslosenquote sprees eine Obergrenze für die Kosten gibt, die ein Betrieb chen?
tragen kann, um seine Produktivität zu bewahren. Wir
müssen deshalb diese schwierigen Fragen gründlich Bedeutet die nationale Arbeitslosenquote überhaupt
etwas für irgend jemand von Ihnen hier in Michigan?
erörtern und behandeln.
Nein, Sie möchten wissen, wie hoch die ArbeitslosenIch weiß, daß die Vereinigten Staaten von der Beweg- quote in Michigan ist, oder wie hoch sie in Detroit oder
lichkeit ihrer Firmen und Arbeitnehmer sowie der Fle- im Landkreis Wayne ist, nicht wahr?
xibilität ihrer Arbeitsmärkte profitiert haben. Ich weiß
Gibt es eine nationale Arbeitslosenquote, die von
femer, daß wir unter der nagenden Ungewißheit unseBedeutung ist? Gibt es Trends in all diesen Ländern,
rer Menschen gelitten haben, wenn sie ihren Krankendie eine Gesamtarbeitslosenquote in jedem von ihnen
versicherungsschutz verloren oder den Arbeitsplatz
weniger bedeutsam machen als die Quoten in ver-

AMERIKA DIENST 11

Seite 7

�schiedenen Sektoren der Gesellschaft, insbesondere
unter Menschen, die aufgrund ihrer Langzeitarbeitslosigkeit, ihres Mangels an Qualifikationen oder ihrer
Isolierung von Investitionsmöglichkeiten den Kontakt
zum Arbeitsmarkt völlig verloren haben?
Zweitens, was ist die beste Strategie für die weltweite
Zusammenarbeit in der Währungs- und Haushaltspolitik, um Wachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu
schaffen? Wie bringen wir unsere Inflationsängste mit
der Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum in Einklang?
Drittens, wie können wir ein soziales Netz aufbauen,
das unseren Menschen hilft, sich weiterzuentwickeln
und das zum Wachstum unserer Volkswirtschaften
beiträgt? Können wir die Möglichkeit lebenslangen
Lernens bereitstellen, den Menschen helfen, den
Anforderungen von Arbeit und Familie gleichermaßen
gerecht zu werden, den Menschen medizinische Versorgung geben und trotzdem die Dynamik unserer
Volkswirtschaften bewahren? Und wenn ja, welches
ist der beste Weg, um dies zu leisten?

wir einen ernsthaften Dialog über das wirtschaftliche
Wohlergehen dereinfachen Menschen in jedemdieser
Länder auf. Dies ist ein historischer, wichtiger und seit
langem überfälliger Augenblick.
Wir alle müssen Erfolg haben. Wenn es irgend jemand
von uns nicht vermag, unsere Menschen davon zu
überzeugen, den Wandel anzunehmen, dann könnte
sich dieses Land auch gleich aus der Weltwirtschaft
zurückziehen. Dies könnte eine nach unten gerichtete
Spirale des Protektionismus, des sinkenden Wachstums und der Rückschritte auslösen, die uns alle in
Mitleidenschaft ziehen könnte.

Wenn die Gesichter dieser neuen Volkswirtschaft,
wenn diese hervorragenden Menschen, die ich Ihnen
heute hier vorgestellt habe, den Mut zur Veränderung
haben können, dann können wir dies auch - jedes
unserer Länder. Wir können in jenem Geist vorwärts
schreiten, den Präsident Roosevelt einmal als "kühnes, andauerndes Experiment" bezeichnet hat. Wenn
wir nach dieser Konferenz mit der Zuversicht weitermachen können, daß wir den Wandel für den Durchschnittsbürger in diesen Ländern, für alle unsere
Viertens, die Geschichte hat belegt, daß Produktivität Menschen nutzen können, dann werden wir erfolgzu besseren Arbeitsplätzen und höheren Löhnen führt. reich sein. Wirwerden nach dieser Konferenz mit einer
Aber wie machen wir, wenn sich der Wandel so rasch wirklichen Tagesordnung zum Treffen der Staats- und
vollzieht, unseren Menschen klar, daß dies auch heute Regierungschefs der G-7-Länder nach Neapel reisen,
ebenso zutrifft wie stets in der Vergangenheit? Und mit der wir uns alle dazu verpflichten können, hier
wie können staatliche Maßnahmen und Unterneh- Fortschritte zu erzielen.
menspraktiken bei den rapiden technologischen Veränderungen des Informationszertaiters den Beschäf- Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß wir früher
tigten vor Augen führen, da ß Wandel und Produktivität bereits zahlreiche schwierige und maßgebliche Entzu ihrem Nutzen eingesetzt werden können?
scheidungen dieser Art zu treffen hatten. Nicht immer
haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Am
Niemand von uns kann Antworten auf alle diese Fra- Ende des Ersten Weltkriegs wendeten sich unsere
gen lediglich innerhalb der Grenzen unserer jeweiligen Nationen nach innen, und dies führte uns in die DeLänder finden. Wenn wir bei dieser Konferenz unser pression und einen weiteren Weltkrieg. Nach dem
Wissen, unsere Ansichten und unsere praktischen Zweiten Weltkrieg wendeten sich unsere Nationen
Erfahrungen miteinander teilen, wird jedes einzelne nach außen. Sie stellten sich mutig der Zukunft. Alte
unserer Länder davon profitieren. Wenn wir neue und Feinde gingen um der gemeinsamen Sache der menschwirksame Wege zur Schaffung von Arbeitsplätzen und lichen Entwicklung willen aufeinander zu. Bündnisse
Steigerung der Einkommen finden, werden die arbei- wurden errichtet, Institutionen wurden geschaffen, die
tenden Menschen aller Länder die Gewinner sein. Ich den Frieden erhielten, den Wohlstand förderten, die
hege die Hoffnung, daß diese Konferenz das von uns Demokratie unterstützten und den Kalten Krieg geim vergangenen Jahr begonnene Unterfangen fortset- wannen.
zen wird, bei dem die führenden Industriestaaten
zusammenarbeiten, um das Erforderliche zu leisten.
Heute stehen wir erneut vor einer Entscheidung, und
diese Konferenz ist Teil der Entscheidungsfindung.
Über Jahre hinweg haben die G-7-Staaten miteinan- Werden wir den Mut haben, den Wandel anzunehmen
der über die großen Fragen der Makroökonomie und und unsere Menschen zu unterstützen? Ich denke, ich
des globalen Finanzwesens beraten. Heute nehmen kenne die Antwort. Gemeinsam müssen wir sie finden.

* * i

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* *

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�ARBEITSWELT
16. März 1994

DAS WIEDERBESCHÄFTIGUNGSGESETZ
Erklärung Präsident Clintons
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Pressebüro des Weißen Hauses herausgegebene Erklärung Präsident Clintons, in der er das Wiederbeschäftigungsgesetz vorstellt.

Vielen Dank, John, fürdiese Einführung. Herr Vizepräsident, Minister Reich, ich danke Ihnen für die bei
diesem Projekt geleistete hervorragende Arbeit. Lane
Kirkland und Larry Perlman gebürt Dank dafür, daß sie
heute hier anwesend sind und die amerikanischen
Arbeitgeber- und Arbeitnehmervereinigungen bei der
von uns aufzubauenden Partnerschaft vertreten.
Ich möchte auch John Hahn aus dem Landkreis Niagara im Bundesstaat New York danken, mit dem ich
vergangenen Monat zusammentraf. Er verlor nach 28
Jahren seinen Arbeitsplatz bei Bell Aerospace und
erwarb nach 28 Jahren neue Qualifikationen als biomedizinisch-technischer Assistent. Er, Deb Woodbury und Donald Hutchinson gehörten alle unserem
Gremium an. Es war eine ausgezeichnete Runde, in
der ich beim Zuhören sehr viel hinzulernte.
Als wir heute morgen im Weißen Haus den Ablauf
dieses Tages planten, teilte mir Mack McCarty mit:
"Wir werden heute über zwei der Angelegenheiten
sprechen, wegen der Sie Präsident geworden sind,
weil Sie etwas tun wollen, um allen Menschen, mit
denen wir aufwuchsen, helfen zu können." Als ich mich
auf den langen Weg machte, der uns hierher führte,
und mit vielen befreundeten Gouverneuren, Bürgermeistern und anderen sprach, bekam ich den Eindruck, daß dieses Land sich wirklich in Gefahr befand,
in das 21. Jahrhundert geworfen zu werden, ohne den
Amerikanischen Traum bewahren und am Leben erhalten zu können, und daß der Durchschnittsamerikaner mit mindestens drei riesigen Problemen konfrontiert war.
Eines bestand darin, daß immer mehr Amerikaner
immer härter und zu stagnierenden Löhnen arbeiteten
und sich der Armutsgrenze immer weiter annäherten.
Aus diesem Grund gaben wir heute die Initiative über
den Einkommensteuerfreibetrag bekannt sowiedie Art

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und Weise, wie sie Arbeitnehmerfamilien mit Kindern
den Weg aus der Armut bahnen sollte.
Ein weiteres Problem war, daß ungeachtet des Abbaus der Arbeitslosigkeit in einigen Bereichen viele
Amerikaner - normalerweise aufgrund ihrer Ausbildung und ihres Wohnorts - im Hintertreffen bleiben.
Das bedeutet jedoch, daß bei einer Arbeitslosenquote
von 6,5 Prozent - wie heute der Fall - die Arbeitslosenquote bei denjenigen mit einer College-Ausbildung 3,5
Prozent beträgt und bei denjenigen, die nach der High
School noch eine - mindestens zweijährige - Ausbildung durchliefen etwas über 5 Prozent. Unter den
High School-Absolventen liegt sie bei etwas über 7
Prozent, bei denjenigen, die die High School abbrachen bei ungefähr 12 Prozent - und bei den jugendlichen Angehörigen von Minderheiten in vielen Innenstädten bei über 50 Prozent. Die Zahl an sich bedeutet
also gar nichts. Es gibt riesige Gebiete mit hoher
Arbeitslosigkeit, bei denen keine Investitionen in den
Menschen getätigt werden.
Der Vizepräsident, Henry Cisneros (der Minister für
Wohnungsbau und städtische Entwicklung), Bildungsminister Richard Riley, der heute anwesend ist, Arbeitsminister Robert Reich und andere arbeiten an der
Initiative, um diesen Gemeinden zu helfen und versuchen, sich auf dieses Problem zu konzentrieren.
Mit dem dritten großen Problem - für das die drei hier
anwesenden renommierten Persönlichkeiten stellvertretend sind - beschäftigen wir uns am heutigen Tag:
Ein Amerikaner wechselt im Durchschnitt sieben- oder
achtmal im Leben den Arbeitsplatz, ob ihm das gefällt
oder nicht. Unsere Aufgabe besteht darin sicherzustellen, daß ihm das vorteilhaft erscheint, daß diese
Veränderungen die Sicherheit der Menschen, nicht
ihre Unsicherheit erhöhen. Und wir wissen, daß unsere gesamte Politik nur dann einen großen Einfluß auf

Seite 1

�das Leben der Menschen haben kann, die uns überhaupt erst hierher entsandt haben, wenn wir genau das
tun.

sein und unser Land und den Privatsektor zu
würdigen - einen der beweglichsten und flexibelsten Arbeitsmärkte aller Industriestaaten. Oftmals legen diese Umschulungs- und Arbeitslosenprogramme dieser Mobilität Hindernisse in
den Weg, anstatt sie zu vergrößern.

Ich bin stolz darauf, daß die von uns unternommenen
Anstrengungen zur Reduzierung des Defizits und
Senkung der Zinssätze zu großen Investitionssteigerungen und im vergangenen Jahr zur Schaffung von 3.
Wir wollen dem Privatsektor, den Unternehmen
mehr als zwei Millionen neuer Arbeitsplätze geführt
und Arbeitnehmern die Verantwortung dafür
haben. Viele Menschen haben jedoch keinen Zugang
übertragen, daß die Ausbildung die Menschen
zu diesen Arbeitsplätzen. Und wie der Arbeitsminister
tatsächlich auf wirklich existierende Arbeitspläterklärte, gibt es in dieser Volkswirtschaft noch sehr
ze vorbereitet - und das für Ausbildungsproviele Verschiebungen von Wählerstimmen. Deshalb
gramme aufgewendete Geld gut und zweckist dieses Wiederbeschäftigungsgesetz von 1994 so
dienlich ausgegeben wird.
wichtig.
4.
Viertens wünschen wir eine wirkliche RechenJeder von Ihnen, der sich je damit beschäftigt hat, weiß
schaftspflicht bei diesem System, so daß wir Inwohl, daß unser derzeitiges Arbeitslosen- und Ausbilvestitionen in Ausbildungsprogramme tätigen,
dungssystem funktionsuntüchtig ist, weil es für eine
die die Menschen tatsächlich auf einen Arbeitsjetzt nicht mehr existierende Volkswirtschaft geschafplatz vorbereiten.
fen wurde. Es wurde im Grunde genommen zu dem
Zweck eingerichtet, die Menschen mit einem Lohn ZurZeit existieren sechs verschiedene Programme für
über Wasser zu halten, der unter ihrem Verdienst lag, freigesetzte Arbeitnehmer. Und die Arbeitnehmer
jedoch ihren Lebensunterhalt finanzierte, bis ihre alten werden von Büro zu Büro und von Programm zu
Arbeitsplätze wieder zur Verfügung standen, denn die Programm geschoben. Es gibt Beispiele von Arbeitmeisten Arbeitsplätze gingen aufgrund eines norma- nehmern derselben Berufssparte, die beide auf diesellen konjunkturellen Rückgangs verloren. Jetzt wissen be Art ihren Arbeitsplatz verloren und für verschiedene
wir jedoch, daß die große Mehrheit der entlassenen Programme in Frage kommen, bei denen unterschiedArbeitnehmer nicht an ihren alten Arbeitsplatz zurück- liche Leistungen und Deckung gewährt werden. Das
kehren kann - daß ihre Entlassung entweder durch erste Element des Plans ist die Schaffung eines umstrukturelle Änderungen der Wirtschaft erfolgte oder in fassenden, zentralisierten Programms, damit die Arder Natur der besonderen Erfordernisse am Arbeits- beitnehmer an einer Stelle die nötige Beratung und
Hilfe erhalten und sich über neue Arbeitsmöglichkeiplatz liegt.
ten, die erforderlichen Qualifikationen sowie die beIm vergangenen Jahr rechneten drei Viertel aller Ar- sten Ausbildungsprogramme zum Erwerb dieser bebeitnehmer mit einem dauerhaften Verlust ihres Ar- sonderen Fähigkeiten informieren können. Kein arbeitsplatzes - die höchste Zahl seit Erstellung dieser beitsloser Amerikaner sollte sich in einem Dschungel
Statistik durch das Arbeitsministerium. Das derzeitige von Gesetzen bewegen müssen, die der Kongreß aus
Ausbildungssystem ist, wie die Kongreßabgeordneten unterschiedlichen Gründen verabschiedet. Die ameriwissen, ein Wirrwarr unterschiedlicher Programme, kanischen Bürger interessiert nicht, unter welches
die allzuoft der Bürokratie den Vorrang einräumen und Gesetz sie fallen, sie wissen nur folgendes: Hier bin
die Kunden - die Arbeitslosen - bestürzt zurücklassen. ich. Ich brauche einen Job. Ich benötige eine Ausbildung. Wie kann ich sie erhalten?
Dieses Gesetz soll das untüchtige, veraltete, bürokratische System in Ordnung bringen, das in zu vielen Der zweite Teil des Plans besteht darin sicherzustelFällen die Rückkehr der Menschen in die Reihen der len, daß die Arbeitnehmer neben einem umfassenden,
Erwerbstätigen verzögert, anstatt sie zu beschleuni- zentralisierten Programm die größtmögliche Auswahl
gen. Es wird ein neues System schaffen, das den an Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten
Arbeitnehmern zu der Ausbildung und Beratung ver- haben und der Markt die zur Verfügung stehenden
hilft, die ihnen die schnellere Besetzung höherbezahl- Dinge nutzen kann. Wir möchten die Arbeitnehmer
ter Arbeitsplätze gestatten.
möglichst bald erreichen, nachdem sie ihren Arbeitsplatzverloren oder-wie in Sunnyvale (Kalifornien) vom
Der Plan enthält vier Punkte:
Vizepräsident erwähnt - ihre Kündigung erhalten haben. Wir möchten ihnen eine Vielzahl von Möglichkei1.
Die Ersetzung dieser zersplitterten Programme
ten anbieten, die erforderlichen Chancen und Ausbildurch ein umfassendes, zentralisiertes Produngswege durch ein computergestütztes Netz zu
gramm,
finden, das Informationen über freie Arbeitsplätze im
2.
größere Auswahlmöglichkeiten bei Wiederbe- gesamten Land, über Arbeitssuche, Ausbildung am
schäftigungsdienstleistungen, die den Menschen Arbeitsplatz, langfristigen Erwerb neuer Qualifikatiodie Rückkehr an den Arbeitsplatz ermöglichen. nen und Ausbildung für diejenigen gibt, die sich selbWir besitzen - um Amerika gegenüber fair zu ständig machen wollen.
Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�Diejenigen, die eine neue Existenz gründen wollen,
können einen Teil ihrer Arbeitslosenunterstützung als
Starthilfe beanspruchen. Und wir bieten jedem Arbeitnehmer die Möglichkeit, eigene Entscheidungen über
Beschäftigung und Ausbildung zu treffen, anstatt nur
Gegenstand der Entscheidungen anderer zu sein.

ten und öffentlichen Ausbildern zu wählen und von den
Anbietern Berichte verlangen, damit die Kunden eine
informierte Entscheidung treffen können und wissen,
wieviele Menschen welche Art von Arbeitsplatz zu
welcher Bezahlung erhielten. Das ist letztlich die
Bewährungsprobe.

Femer möchten wir die Menschen auf reale Arbeitsplätze vorbereiten. Aus diesem Grund besteht der
dritte Teil des Plans darin sicherzustellen, daß diese
Bestrebungen unter der Leitung von Menschen stehen, die praktische Erfahrungen mit diesen Arbeitsplätzen haben - die amerikanischen Arbeitgeber und
Arbeitnehmer. Aus örtlichen Arbeitskräften bestehende und von gewählten Kommunalpolitikern ernannte
Investitionsgremien werden diese Zentren, die ein
umfassendes Programm anbieten, überwachen. Die
Mehrheit soll aus Arbeitgebervertretern bestehen -von
Geschäftsführern bis zu Betriebsleitern. Die Arbeitnehmer und die Schulen werden ebenfalls vertreten
sein. Da Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen
bereits so viel für die Ausbildung der Arbeitnehmertun,
wollen wir Unternehmen und Gewerkschaften ermutigen, ihre eigenen Zentren für umfassende, zentralisierte Umschulungsprogramme für ihre eigenen, von
Entlassungen oder Firmenschließungen betroffenen
Arbeitnehmer zu errichten.

Der Arbeitsminister muß bei diesem Ansatz Beurteilungsmaßstäbe für Ausbildungsprogramme definieren. Diejenigen, die den Normen nicht entsprechen,
sollten ihre finanzielle Unterstützung verlieren. In fünf
Tagen werden führende Vertreter der Industrienationen in Detroit zusammentreffen, um über hochbezahlte Arbeistplätze für unsere Bürger zu beraten. Die
größte Stärke unseres Landes ist unsere Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit. Sie helfen unseren
Unternehmen und Arbeitnehmern, so dynamisch wie
diese Wirtschaft zu sein.

Dieser Ansatz verlangt eine Rechenschaftspflicht. Wir
können uns keine Vergeudung von Zeit oder Geld des
Steuerzahlers leisten, oder - noch wichtiger - die Zeit
und ohnehin knappe Unterstützung der Arbeitnehmer
für zweifelhafte teure Schulen oder staatliche Programme mit aufgeblähter Bürokratie und geringen
Ergebnissen verschwenden. Wir müssen entlassene
Arbeitnehmer in die Lage versetzen, zwischen priva-

*

AMERIKA DIENST 11

*

Wir wissen, daß andere Länder sich immer noch über
die Flexibilität unserer Erwerbsbevölkerung und unserer Wirtschaft wundern sowie über die im letzten
Vierteljahr beobachtete Produktivitätssteigerung - gerade
heute erhielten wir den Bericht, daß wir im letzten
Quartal des vergangenen Jahres die größte Produktivitätssteigerung seit acht Jahren hatten. Wir sind uns
jedoch auch bewußt, daß zu viele Amerikaner hieraus
keine Vorteile haben und weiterhin dem Wandel zum
Opfer fallen.
Das Wiederbeschäftigungsgesetz 1994 baut auf unseren größten Stärken auf und investiert in unsere wichtigste Ressource - unsere Menschen - damit wir das
soziale Netz des 20. Jahrhunderts in ein Sprungbrett
des 21. Jahrhunderts verwandeln und in der Weltwirtschaft siegreich sein können.

*

*

Seite 3

�BOSNIEN
16. März 1994

WEITERE NATO-MASSNAHMEN IN BOSNIEN SOLLTEN
FRIEDENSGESPRÄCHE FÖRDERN
Rede von Verteidigungsminister Perry - Auszüge
WASHINGTON - (AD) - Jede Ausdehnung der Aktionen von NATO-Streitkräften in Bosnien auf weitere zu
Schutzzonen erklärte Städte sollte Verteidigungsminister Perry zufolge "die andauernden Friedensverhandlungen fördern ...zu einer erheblichen Reduzierung der Opferunter der Zivilbevölkerung führen und... durchsetzbar
sein".
In einer Rede vor der National Security Industrial Association erklärte Perry am 10. März 1994: "Die NATOUltimaten zur Einstellung der Bombardierung Sarajevos aus der Luft und mit Artillerie haben alle diese Kriterien
erfüllt, und alle waren erfolgreich."
Er stellte fest, für die Vereinigten Staaten liege der "Hauptschwerpunkt" im ehemaligen Jugoslawien auf
Maßnahmen, die eine Ausbreitung des Krieges verhindern. Zu diesem Zweck hätten die Vereinigten Staaten
"eine kleine Infanterieeinheit in Mazedonien" stationiert, um sich an einer UNO-Friedenstruppe zu beteiligen.
Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem vorbereiteten Redetext von Verteidigungsminister Perry.

Wann und wie amerikanische Militärmacht eingesetzt
werden soll, ist aufgrund der komplexen Sicherheitsprobleme, mit denen die Welt konfrontiert ist, eine der
schwierigsten Fragen, die ein Präsident heute zu
bewältigen hat. Im Zweiten Weltkrieg kämpften wir um
unser Überleben als Nation. Infolgedessen waren wir
verpflichtet, die gesamte militärische Streitmacht einzusetzen, die für den totalen Sieg erforderlich war. In
unseren militärischen Engagements seit dem Zweiten
Weltkrieg haben wir niemals die gesamte uns zur
Verfügung stehende Militärmacht eingesetzt. Im Koreakrieg setzten wir keine Atombomben ein, auch als
unsere Bodentruppen in der Enklave Pusan eingekesselt waren. Ebenso setzten wir auch im Vietnamkrieg
keine Kernwaffen ein. Während der Operation Wüstensturm verzichteten wir nicht nur auf den Einsatz
von Kernwaffen, sondern zeigten darüber hinaus größte Zurückhaltung bei der Verwendung konventioneller
Waffen, indem wir unsere Angriffe auf Bagdad auf den
Einsatz von Marschflugkörpern und präzisionsgelenkter Munition gegen militärische Ziele beschränkten und
den Krieg einstellten, bevor wir die gesamte irakische
Armee vernichtet hatten. Präsident Bush entschied,
daß dieser begrenzte Einsatz militärischer Macht im
Einklang mit dem begrenzten politischen Ziel der Befreiung Kuwaits stand.
In Bosnien haben wir es heute mit noch begrenzteren
Interessen zu tun, und deshalb ist unser Einsatz miliAMERIKA DIENST 11

tärischer Gewalt ebenfalls noch stärker begrenzt. Wir
haben uns zum Beispiel auf bestimmte, sehr eng
definierte Arten des Einsatzes von Luftstreitkräften
verständigt. Aber wir haben nicht beschlossen, Bodentruppen einzusetzen, au ßer in Zusammenhang mit
der Verwirklichung einer von allen Parteien getragenen Friedensregelung. Ich werde heute abend darüber sprechen, wie wir ermittelt haben, welche Art von
militärischem Einsatz in Bosnien angemessen warund
welche Auswirkungen diese Entscheidung in naher
Zukunft für uns haben wird.
Mein Vortrag erhebt keinen Anspruch darauf, eine
allgemeine Analyse dessen zu geben, wie die Vereinigten Staaten im Zeitalter nach dem Kalten Krieg
militärische Macht einsetzen sollten. Aber die Probleme, die sich uns in Bosnien stellen, sind in einiger
Hinsicht repräsentativ für eine Kategorie von nationalen Sicherheitsproblemen, wie sie in der heutigen Welt
häufig anzutreffen sind. Dazu gehört ein blutiger
Konflikt, in dem die kriegfü hrenden Parteien von tiefsitzendem Haß motiviert sind, angeheizt durch den
aggressiven Ehrgeiz von Führern, die ein "Großserbien" schaffen wollen. Senator Moynihan hat geschrieben, "Volkszugehörigkeit ist jene große verborgene Macht unseres Zeitalters". Volkszugehörigkeit
ist, wie er schreibt, eine große Macht, aber sie ist nicht
länger verborgen.

Seite 1

�Der andauernde Krieg in Bosnien nimmt seit langem
die Aufmerksamkeit unseres Volkes in Anspruch. CNN
hat seine Schrecken in unsere Wohnzimmer getragen,
darunter auch das furchtbare Massaker auf dem Markt
von Sarajevo im vergangenen Monat. Die menschlichen Opfer dieses Krieges - besonders die systematischen Tötungen und die ethnischen Säuberungen sind offenkundig und beklagenswert.

finden unter der Schirmherrschaft der Europäischen
Gemeinschaft und der Vereinten Nationen und unter
bescheidener amerikanischer Beteiligung Friedensgespräche statt. Da europäische Interessen am meisten von einer Regelung profitieren würden, war es
angemessen, daß Europa die Führung übernahm.
Dazu möchte ich feststellen, daß wirdie harte Arbeit zu
würdigen wissen, die unsere Verbündeten in die Lösung dieses komplexen und deprimierenden Zwists
Aber welche nationalen Interessen stehen für die investiert haben. Mehrmals schien ein Friedensschluß
Vereinigten Staaten in diesem Krieg auf dem Spiel? Er in greifbarer Nähe zu sein, aber jedes Mal verhinderte
betrifft nicht unser höchstes nationales Interesse: Im irgendein Hindernis seine Verwirklichung.
Gegensatz zum Zweiten Weltkrieg und zum Kalten
Krieg hängt von seinem Ausgang nicht unser nationa- Als die Friedensgespräche vor einem Monat in eine
les Überleben ab. Wir könnten ihn ganz einfach Sackgasse geraten waren, legte Warren Christopher,
aussitzen. Deshalb haben einige die Ansicht vertre- ermutigt durch mehrere europäische Regierungschefs,
ten, wir sollten ihn aussitzen.
eine amerikanische Initiative vor, um Einzeltreffen mit
den kriegführenden Parteien zu veranstalten und zu
Wir haben diese Option aus zwei Gründen verworfen. versuchen, einen neuen Friedensansatz zu finden.
Erstens liegt es unbedingt in unserem nationalen Inter- Der amerikanische Emissär, Botschafter Redman,
esse zu verhindern, daß sich dieser Krieg und seine brachte Muslime und Kroaten in einem "RahmenabFolgen ausweiten - über Bosnien oder sogar über den kommen" zusammen, das den ersten Schritt eines
Balkan hinaus. Zweitens haben wir ein humanitäres möglichen umfassenden Friedensabkommens darstelInteresse daran zu versuchen, die Gewalt einzudäm- len könnte. Viel harte Arbeit liegt noch vor uns, aber es
men und das Leid zu lindern, während wir auf eine sind bereits echte Fortschritte erzielt worden.
Friedensregelung hinarbeiten.
Die Hauptgrundlage dieser Initiative bildete die erneuDies sind reale Interessen, und wir nehmen sie ernst, te Demonstration der Entschlossenheit durch die NATO,
aber es sind begrenzte Interessen und nehmen im der Diplomatie mit einer glaubwürdigen Androhung
Hinblick darauf, was für Amerika auf dem Spiel steht, von Gewalt Nachdruck zu verleihen und das Ausmaß
einen unterschiedlichen Stellenwert ein. Unser Han- der Gewalt zu verringern, während die Gespräche
deln muß mit diesen Interessen im Einklang stehen. stattfanden. Am 9. Februar 1994 erklärte sich die
Wie können wir also diese begrenzten Interessen NATO mit führender Beteiligung der Vereinigten Staawirkungsvoll fördern und gleichzeitig die Risiken für ten und als Reaktion auf ein Ersuchen und eine Resounser Volk und die Kosten in einem akzeptablen lution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen bereit,
Rahmen halten?
ihre Luftstreitmacht einzusetzen, um die Beschießung
Sarajevos mit Artillerie zu unterbinden.
Unser Hauptschwerpunkt liegt auf Maßnahmen, die
eine Ausbreitung des Krieges verhindern können, denn Diese Initiative gründete sich auf die seit langem
unsere wichtigsten nationalen Sicherheitsinteressen bestehenden und von der NATO durchgesetzten
liegen auf diesem Gebiet. Wir haben in dieser Hinsicht Bemühungen, die Bombardiert! ng von Städten aus der
einen bescheidenen aber doch bedeutungsvollen Schritt Luft zu beenden und andere Einsatzmöglichkeiten des
unternommen, nämlich eine kleine Infanterieeinheit in taktischen Luftkrieges zu verhindern. Dies wurde
Mazedonien stationiert, um uns an einer dort einge- durch die Verhängung einer "Flugverbotszone" über
setzten UNO-Friedenstruppe zu beteiligen. Diese Bosnien sowie die Durchsetzung dieser Politik durch
Friedenstruppe soll die Lage dort beobachten und die Stationierung einer schlagkräftigen Luftflotte der
durch ihre Präsenz dazu beitragen, eine Ausbreitung NATO in Italien und der Adria verwirklicht, die rund um
des Krieges zu verhindern, was dort aufgrund der die Uhr über Bosnien patrouilliert. Während der verMöglichkeit von besonderer Bedeutung ist, daß Grie- gangenen zehn Monate hat diese NATO-Flotte die
chenland und die Türkei in einen mazedonischen Krieg Bombardierung bosnischer Städte erfolgreich verhinhineingezogen werden könnten. Es ist diese Besorg- dert, besonders im Vergleich zu den häufigen Bombarnis über eine Ausbreitung des Konflikts, die das größte dierungen, die vor der Verhängung der FlugverbotszoRisiko für amerikanische Interessen darstellt.
ne stattfanden. Die erste militärisch bedeutsame
Verletzung ereignete sich in der vergangenen Woche.
Die Friedenstruppe in Mazedonien bietet eine beJagdflugzeuge der NATO reagierten, indem sie vier
grenzte Abschreckung, aberdiebeste Möglichkeit, um
der sechs Maschinen abschössen, die das Flugverbot
eine Ausbreitung des Krieges zu verhindern, besteht
verletzt hatten.
darin, ihn so rasch wie möglich zu beenden. Deshalb
ist es unser Hauptziel, eine auf dem Verhandlungsweg Die Beschießung Sarajevos mit Artillerie wurde durch
erzielte Friedensregelung zwischen den kriegführen- die Verhängung einer Politik der "Nichtbeschießung"in
den Parteien zu fördern. Seit nahezu zwei Jahren Sarajevo unterbunden. Die NATO erklärte, sie werde
Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�jedes Geschütz angreifen, das auf Sarajevo feuere
oder innerhalb einer Zone von 20 Kilometern um
Sarajevo nicht der Kontrolle der Vereinten Nationen
unterstellt werde. Dieses Vorgehen resultierte aus der
erschreckend hohen Zahl von Zivilisten, die dem täglichen Beschuß Sarajevos zum Opfer fielen. In Sarajevo waren bisher 10.000 Tote und 40.000 Verwundete
zu beklagen, viele Opfer von Artilleriebeschuß. Nach
der Verkündung des NATO-Ultimatums hat Sarajevo
seit über 20 Tagen keine Artillerieangriffe erlebt, während
in den Monaten Dezember und Januar häufig über
tausend Granaten täglich auf die Stadt niedergingen.
Aber die Kämpfe dauern an, und sie finden auf eine Art
und Weise statt, die aus der Luft alleine nur schwer zu
beeinflussen ist - insbesondere die Nahkämpfe mit
Handfeuerwaffen um zahlreiche Städte und Dörfer
Bosniens herum. Deshalb haben wir auch Programme
zur Milderung der Folgen der Gewalt eingerichtet, die
sich aus dieser Art von Kriegführung ergeben. Die
Vereinten Nationen haben zu diesem Zweck 14.000
Soldaten in Bosnien stationiert, und eine ihrer wichtigsten Aufgaben ist der Schutz von Hilfskonvois, die
Nahrung, Medikamente und Kleidung in die belagerten
Städte Bosniens bringen. Hier besteht die Rolle der
NATO-Luftstreitkräfte darin, den UNO-Bodentruppen
auf Anforderung Luftnahunterstützung zu leisten. Femer
haben die Vereinigten Staaten und andere Länder ein
umfangreiches Programm in Gang gesetzt, um Hilfsgüter über Luftbrücken und durch Abwurf per Fallschirm zu liefern. Dieses Programm umfaßte Zehntausende von Soldaten, Millionen Pfund Nahrungsmittel, Medikamente und sonstiges Material sowie Milliarden von Dollar.

3. sie sollte mit dem Einsatz von NATO-Luftstreitkräften und UNO-Bodentruppen durchsetzbar sein. Wir möchten keine leeren Drohungen
abgeben.
Die NATO-UKimaten zur Einstellung der Bombardierung Sarajevos ausder Luft und mit Artillerie haben alle
diese Kriterien erfüllt, und alle waren erfolgreich. Die
Ausdehnung dieser Ultimaten auf zu Schutzzonen
erklärte Städte, in denen militärische Aktionen hauptsächlich von Infanteristen oder Guerilla-Kämpfern in
bebauten Gebieten durchgeführt werden, könnte mit
Luftstreitkräften der NATO nicht durchgesetzt werden.
Der Einsatz von Luftstreitkräften könnte in solchen
Situationen sogar die Zahl der zivilen Opfer erhöhen
anstatt sie zu senken. Ich erinnere mich an eine
Beobachtung während des Vietnamkrieges, daß "wir
ein Dorf zerstören mußten, um es zu retten". Falls
jedoch der Kommandeur der UNO-Truppen, Generalleutnant Rose, den Umfang und die Aggressivität
seiner Bodentruppen steigern sollte, könnte die NATO
sehr wohl dazu aufgefordert werden, den UNO-Streitkräften Luftnahunterstützung zu gewähren, und die
Luftflotte der NATO ist bereit, genau dies zu tun.
Diese Militäraktionen der NATO haben nicht nur das
Ausmaß der Gewaltanwendung in Bosnien verringert,
sondern sind überdies zweifellos ein Impuls für die
Friedensgespräche gewesen, indem sie die Entschlossenheit der NATO, insbesondere der Vereinigten
Staaten, unter Beweis stellten. Und genau darauf
kommt es an, denn die Zukunft Bosniens hängt hauptsächlich vom Ausgang dieser Friedensgespräche ab.

Infolge der neuen amerikanischen Friedensinitiative
haben die bosnische Regierung, die bosnischen Kroaten und die Republik Kroatien vergangene Woche ein
"Rahmenabkommen" unterzeichnet. Dieses Abkommen sieht eine Föderative Republik in den Teilen von
Bosnien-Herzegowina vor, die von der bosnischen
Regierung und den bosnischen Kroaten kontrolliert
werden. Sie verständigten sich femer auf die Umrisse
einer Konföderation zwischen dieser neuen Föderativen Republik und der Republik Kroatien. Diese Woche
befindet sich Botschafter Redman mit Vertretern dieViele haben vorgeschlagen, die Vereinigten Staaten ser drei Parteien in Wien, um die politischen Einzelheiund die NATO sollten auf ihrem erfolgreichen Einsatz ten dieser Übereinkommen auszuarbeiten, einschließvon Luftstreitkräften zur Eindämmung der Gewalt lich einer Verfassung für die neue Föderation. Gleichaufbau en und den Schutz der NATO auf zusätzliche zu zeitig ist General i.R. John Galvin mit führenden Mili"Schutzzonen" erklärte Städte in Bosnien erweitern. tärs derdrei Parteien in Kroatien, um die erforderlichen
Ich bin der Meinung, daß jede vorgeschlagene Erwei- militärischen Arrangements auszuarbeiten.
terung des militärischen Einsatzes der NATO die folAlle drei Unterzeichner der Washingtoner Vereinbagenden drei Kriterien erfüllen sollte:
rungen würdigten die Führungsrolle der Vereinigten
1. Sie sollte die andauernden Friedensverhand- Staaten beim Zustandekommen dieser Abkommen.
Der Ministerpräsident der Republik Bosnien-Herzegolungen fördern,
wina erklärte sogar, die Übereinkunft "wäre ohne die
2. sie sollte zu einer erheblichen Reduzierung amerikanische Führungsrolle nicht möglich gewesen".
der Opfer unter der Zivilbevölkerung führen,
Er stellte jedoch auch fest, daß noch viel harte Arbeit
zu leisten sei, um die bosnischen Serben konstruktiv in
diese Friedensgespräche einzubeziehen.
Nach fast zwei Jahren der Gewalt und gescheiterten
Friedensbemühungen scheinen wir auf dem Weg zum
Frieden in Bosnien einige Fortschritte zu machen.
Aber wie werden die nächsten Schritte aussehen?
Und wohin werden sie führen? Jeder, der versucht, die
Ereignisse auf dem Balkan vorherzusagen, ist entweder mutig oder töricht. Mit dieser Einschränkung
werde ich mutig, aber hoffentlich nicht töricht fortfahren.

AMERIKA DIENST 11

Seite 3

�Hier kann Rußland eine Rolle spielen. Es hat einige
Besorgnis über das russische Engagement in Bosnien
angesichts der Tatsache gegeben, daß die amerikanischen und russischen Interessen auf dem Balkan nicht
völlig identisch sind. Bisher jedoch hat Rußland eine
konstruktive Rolle gespielt, indem es die Serben aufforderte, sich dem NATO-Ultimatum mit der Androhung von Luftangriffen zu fügen. Das russische Angebot, unter dem Dach der Vereinten Nationen zivile
Beobachter nach Tuzla zu entsenden, war entscheidend für die Bereitschaft der Serben, den Flugplatz
wieder für Hilfslieferungen zu öffnen. Wie Präsident
Clinton und ich gegenüber Präsident Jelzin und Verteidigungsminister Gratschow deutlich gemacht haben,
begrüßen wir die konstruktive Beteiligung Rußlands
am Friedensprozeß.
Es gibt viele Möglichkeiten, um die Fortschritte in
Bosnien zum Scheitern zu bringen. Aber durch die
serbische Annahme des NATO-Urtimatums zur Einstellung der Beschießung Sarajevos und durch das
Rahmenabkommen danach wurde in Bosnien in den
vergangenen Wochen zweimal das Schlimmste verhindert. Dies ist eine Bestätigung der Tatsache, daß
die Diplomatie Erfolg haben kann, wenn sie durch die
glaubwürdige Androhung von Gewalt unterstützt wird.

Bosnien optimistisch zu sein. Wenn man jedoch sieht,
daß nicht immer das schlechtestmögliehe Resultat
eintritt, gibt es Grund zu der Hoffnung, daß die kriegführenden Parteien vielleicht doch ein Abkommen
unterzeichnen werden, das der Gewalt ein Ende bereitet. Wenn dies geschieht - und wir sollten heute
hoffnungsvoller sein als noch vor wenigen Wochen sind die Vereinigten Staaten willens, eine wichtige
Rolle bei der Verwirklichung eines Friedensabkommens zu spielen. Mit der Zustimmung des Kongresses
sind wir bereit, ein unter NATO-Befehl stehendes
größeres Truppenkontingent nach Bosnien zu entsenden, um friedenserhaltende Maßnahmen durchzuführen.
NNNN

Berichtigung:
•

Im vierten Absatz des Artikels "Bosnier und Kroaten
schließen historisches Rahmenabkommen" (AD 9,10.
März 1994) wird Kresimir Zubak irrtümlicherweise als
Vertreter
der bosnischen Serben bezeichnet. Er ist ein
Es ist schwer, nach so vielen Monaten des BlutvergieVertreter
der bosnischen Kroaten.
ßens und der verpaßten Gelegenheiten im Hinblick auf

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 11

�EINDÄMMUNG
16. März 1994

KONFRONTATION MIT REAKTIONÄREN STAATEN
von Anthony Lake
WASHINGTON - (AD) - Der Verfasser ist Referent des Präsidenten für nationale Sicherheitsbelange. Der
folgende Artikel wurde dem Foreign Affairs Magazine entnommen. Veröffentlichung und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung von Foreign Affairs, März/April 1994. Copyright (c) 1994, Council on Foreign
Relations, Inc.

Eine Gruppe Geächteter
Das Ende des Kalten Krieges und das Entstehen
neuer unabhängiger Staaten in Osteuropa haben das
Potential zu einer dramatischen Erweiterung der internationalen Staatengemeinschaft, die sich jetzt dem
Aufbau demokratischer Institutionen, der Erweiterung
freier Märkte, der friedlichen Schlichtung von Konflikten und der Förderung kollektiver Sicherheit verpflichtet hat. Um ihrer Interessen und Ideale willen kommt
den Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung zum Schutz und zur Förderung dieser grundlegenden Werte zu. Wie der Präsident in seiner Rede
zur Lage der Nation dargelegt hat, ist die Außenpolitik
der Clinton-Administration vornehmlich auf diese
Bestrebungen ausgerichtet.

Beteiligung des Volkes, die die bestehenden Regime
unterminieren könnte. Diese Nationen stellen eine
chronische Unfähigkeit zu konstruktivem Engagement
mit der übrigen Welt unter Beweis, und in Bündnissen
funktionieren sie nicht effektiv - selbst mit Gleichgesinnten. Sie sind häufig in der Defensive und werden
in internationalen Foren zunehmend kritisiert sowie mit
Sanktionen belegt.
Und schließlich haben sie eine Belagerungsmentalität
gemeinsam. Entsprechend haben sie ehrgeizige und
kostenintensive Militärprogramme in die Wege geleitet
- insbesondere Massenvernichtungswaffen und Raketenträgersysteme - in dem fehlgeleiteten Streben nach
einem Stabilisator für den Schutz ihrer Regime oder
die Förderung ihrer Ziele im Ausland.

Als einzige Supermacht haben die Vereinigten Staaten
eine besondere Verantwortung zur Erarbeitung einer
Strategie, um die reaktionären Staaten zu neutralisieren, einzudämmen und durch selektiven Druck vielleicht letztlich in konstruktive Mitglieder der internationalen Staatengemeinschaft umzuwandeln. Jeder
reaktionäre Staat ist in seiner Geschichte, Kultur und
mit seinen Gegebenheiten einzigartig, und die Strategie der Vereinigten Staaten wurde darauf zugeschnitten. Es gibt jedoch einen gemeinsamen Nenner. In
jedem Fall unterhalten wir Bündnisse und stationieren
zur Abschreckung oder Reaktion auf jeden aggressiven Akt ausreichende militärische Fähigkeiten. Wir
wollen den Einfluß dieser Staaten eindämmen, manchmal durch Isolation, manchmal durch Druck, manchmal durch diplomatische und wirtschaftliche MaßnahDiese reaktionären Staaten haben einigegemeinsame men. Wir ermutigen die übrige internationale StaatenCharakteristika. Regiert von Cliquen, die Macht durch gemeinschaft, mit uns gemeinsam konzertierte BeZwang kontrollieren, unterdrücken sie grundlegende strebungen durchzuführen. Im Falle von Irak und
Menschenrechte und fördern radikale Ideologien. Libyen haben wir beispielsweise bereits einen starken,
Obwohl ihre politischen Systeme sich unterscheiden, durch UN-Resolutionen untermauerten internationateilen ihre Anführer eine Antipathie gegenüber der len Konsens erzielt.
Gleichzeitig muß sich unsere Politik mit der Realität
aufrührerischer und geächteter Staaten auseinandersetzen, die sich nicht nur gegen den Beitritt zur internationalen Staatengemeinschaft entschieden haben,
sondern auch deren Grundwerte angreifen. Es gibt
wenige "reaktionäre" Staaten: Kuba, Nordkorea, Iran,
Irak und Libyen. Zur Zeit mangelt es ihnen an den
Ressourcen einer Supermacht, die ihnen eine ernsthafte Bedrohung der um sie herum geschaffenen
demokratischen Ordnung gestatten würden. Dennoch
ist ihr Verhalten häufig aggressiv und herausfordernd.
Die Bande zwischen ihnen verstärken sich, während
sie versuchen, einen globalen Trend, an den sie sich
offensichtlich nicht anpassen können, zu vereiteln
oder sich von ihm zu isolieren.

AMERIKA DIENST 11

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten engagieren sich darüber hinaus aktiv für unilaterale und multilaterale Bestrebungen zur Begrenzung der militärischen und technologischen Fähigkeiten dieser Staaten. Nachrichtendienste, Terrorismusbekämpfung und multilaterale Exportkontrollmaßnahmen insbesondere für Massenvernichtungswaffen und ihre Trägersysteme werden angewandt. Im Falle Nordkoreas bereitet uns zum Beispiel
das Nuklearprogramm dieses Landes größte Sorge.
Die Aussicht eines Nordkorea im Besitz von Atomwaffen birgt außerordentliche Risiken für unsere Sicherheitsinteressen in Asien und die Integrität des globalen
Nichtverbreitungsregimes. Das militärische Engagement der Vereinigten Staaten fü r die Sicherheit Südkoreas ist unerschütterlich. Die Vereinigten Staaten
führen internationale Bestrebungen an, Nordkorea von
einer Umkehr dieses Kurses zu überzeugen. Gleichzeitig haben wir Pjöngjang gegenüber eindeutig klargestellt, daß die Türen fürbessere Beziehungen geöffnet sind, wenn dieses Land die internationale Besorgnis über sein Nuklearprogramm ausräumen kann. Ist
dies nicht der Fall, wird sich Nordkorea zunehmender
Isolierung und Härten gegenübersehen.

feindlich gesinnte Politik verfolgen. Der Aufbau eines
Regimes zur Bekämpfung des anderen wird aus diesem Grund zugunsten einer Politik der "doppelten
Eindämmung"verworfen. Bei diesem Ansatz behalten
wir die Notwendigkeit eines Kräftegleichgewichts in
dieser lebenswichtigen Region im Auge. Wir streben
mit unseren regionalen Verbündeten die Aufrechterhaltung eines günstigen Gleichgewichts an, ohne weder
vom Irak noch vom Iran abhängig zu sein. Wir können
dies tun, weil wir im Gegensatz zu vorigen Administrationen eine Reihe von Vorteilen haben.
Erstens hat das Ende des Kalten Krieges eine wichtige
strategische Erwägung aus unseren Kalkulationen
verbannt. Wir müssen nicht länger Bestrebungen der
Sowjetunion fürchten, am Persischen Golf Fuß zu
fassen, indem sie unsere Unterstützung für einen
dieser Staaten nutzt, um Beziehungen zu dem anderen aufzubauen.. Die strategische Bedeutung von Irak
und Iran wurde aus diesem Grund drastisch verringert
und ihre Fähigkeit beseitigt, die Supermächte gegeneinander auszuspielen.

Zweitens wurde im letzten Jahrzehnt ein regionales
Kräftegleichgewicht zwischen Iran und Irak auf einem
sehr viel niedrigeren Niveau militärischer Fähigkeiten
hergestellt. Der Sieg des Irak im iranisch-irakischen
Krieg hat die konventionellen Offensivfähigkeiten des
Iran erheblich verringert. Und die Niederlage des Irak
bei der Operation Wüstensturm hat seine Offensivfähigkeiten beträchtlich reduziert und seine Massenvernichtungswaffen strenger Kontrolle unterstellt. Ohne
die Unterstützung einer alternativen Supermacht sehen sich diese beiden Staaten jetzt ernsthaften SchwieDas strategische Grundprinzip in der Persischen Golf- rigkeiten bei der Herausforderung der amerikanischen
region besteht in der Schaffung eines günstigen Kräf- Macht ausgesetzt.
tegleichgewichts, das entscheidende amerikanische
Interessen an der Sicherheit unserer Freunde und am Drittens zögern die Staaten des Golfkooperationsrats
freien Fluß von öl zu stabilen Preisen schützt. Unter infolge der irakischen Invasion in Kuwait weniger,
früheren Administrationen wurde dies durch das Zu- Sicherheits- und Voreinlagerungsarrangements mit
rückgreifen auf eine Regionalmacht zum Ausgleich der Washington einzugehen. Diese Arrangements verleianderen bewirkt. Die Vereinigten Staaten bauten hen unseren Streitkräften die Fähigkeit zur Stationiezuerst den Iran unter dem Schah als hypothetischen rung am Persischen Golf gegen jede Bedrohung, die
regionalen Pfeiler der Stabilität auf. Dann unterstütz- entweder der Irak oder der Iran für diese Staaten
ten sie Saddam Husseins Irak in seinem Krieg mit dem darstellen könnte.
revolutionären Iran zur Eindämmung des Einflusses
Schließlich sind die allgemeinen Trends in der Region
von Khomenis islamischer Regierung. Beide Ansätze
positiv. Washington unterhält gute Beziehungen zu
erwiesen sich als verheerend. Im Falle des Schah
den anderen wichtigen Mächten der Region: Ägypten,
brach die amerikanische Strategie für regionale StabiIsrael, der Türkei und Saudi-Arabien. Fortschritte bei
lität mit seinem Sturz zusammen. Und im Falle von
der Lösung des arabisch-israelischen Konflikts festiSaddam Hussein war ihm die Unterstützung der Vergen unsere Position in der arabischen Welt u nd vertieeinigten Staaten bei der Beschaffung eines massiven
fen die Bande zwischen unseren regionalen Verbünkonventionellen Rüstungsarsenals behilflich, das er
deten. Sie verstärken die Isolation von Irak und Iran
erst erneut gegen sein eigenes Volk und später gegen
und verringern gleichzeitig deren Fähigkeit zur NutKuwait einsetzte.
zung des arabisch-israelischen Konflikts fürdie Förderung ihrer regionalen Ambitionen. Die von den VereiDie Logik doppelter Eindämmung
nigten Staaten angestrebte umfassende Lösung wird
den
Irak der Möglichkeit zur Manipulation der palästiDie Strategie der Clinton-Administration gegenüber
nensischen
Sache und den Iran seiner Fähigkeit zum
diesen reaktionären Staaten geht von der Prämisse
Schüren
von
Aufruhr im Libanon berauben.
aus, daß heute beide Regime eine unseren Interessen
Ebenso wie Nordkorea stellen Irak und Iran eine ernsthafte Herausforderung für unsere Nichtverbreitungsbestrebungen dar. Weil sie jedoch nebeneinander an
der Küste des lebenswichtigen Persischen Golfs gelegen sind, wo sich 65 Prozent der ölreserven der Welt
befinden, stellen diese beiden reaktionären Staaten
auch ein komplexes strategisches Puzzle dar, mit dem
sich drei vorige amerikanische Administrationen auseinandersetzen mußten.

Seite 2

AMERIKA DIENST 11

�Kurzum, bis sich die Gegebenheiten ändern, besteht
keine Notwendigkeit, auf den Irak oder Iran bei der
Aufrechterhaltung eines günstigen Gleichgewichts sowie
dem Schutz amerikanischer Freunde und Interessen
am Golf zurückzugreifen. Die Clinton-Administration
ist zuversichtlich, daß wirdiese Situation für einige Zeit
bewahren können, vor allem, weil wir mit unseren
regionalen Freunden über die gemeinsamen Bedrohungen und deren Bewältigung einer Meinung sind.
Während wir auf die Konsolidierung dieser positiven
Trends hinarbeiten, beobachten wir die Möglichkeit
eines Wandels weiterhin wachsam.
"Doppelte Eindämmung" bedeutet nicht duplizierte
Eindämmung. Der Hauptzweck besteht in der Bekämpfung der Feindseligkeit von Bagdad undTeheran
gleichermaßen, die von den beiden Regimen ausgehenden Herausforderungen sind jedoch unterschiedlich und benötigen daher gezielte Ansätze. Obwohl
Nachbarn, sind die beiden Staaten in Kultur und historischer Erfahrung sehr unterschiedlich. In Saddan
Husseins Regime sehen sich die Vereinigten Staaten
mit aggressiver, modernistischer, säkularer Habgier
konfrontiert. Im Iran werden sie durch ein theokratisches Regime mit einem Gefühl der kulturellen und
politischen Schicksalsergebenhert und tiefsitzender
Feindschaft gegenüber den Vereinigten Staaten herausgefordert.
Im Irak ist das Regime sowohl für Kriegsverbrechen als
auch Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich - ein Regime, dessen Invasion in Kuwait und
Giftgasangriffe auf die eigene Bevölkerung es zu einem internationalen Renegaten gemacht haben. Im
Iran nach Khomeni verhält sich das revolutionäre
Regime noch immer in verabscheuungswürdiger Weise.
Dennoch lehnt die Clinton-Administration weder die
islamische Regierung ab noch strebt sie den Sturz des
Regimes an. Wir sind in der Tat weiterhin zu einem
offiziellen Dialog bereit, in dem wir die Aspekte des
iranischen Verhaltens ansprechen werden, die uns
soviel Anlaß zur Sorge bereiten.
Die Eindämmung des Irak stellt eine andere Herausforderung dar als die Eindämmung des Iran. Nachdem
Golfkrieg setzten die Vereinten Nationen ein weitreichendes Regime ein um sicherzustellen, daß der Irak
nie wieder seine Nachbarn oder den Weltfrieden bedroht, und um Saddam Husseins Aggression gegen
irakische Staatsbürger abzuschrecken. Drei Jahre
nach der Invasion Kuwaits sind die Sanktionen noch
immer in Kraft. Die internationale Staatengemeinschaft ist durch Saddam Husseins Verhalten alarmiert
genug und seinen Absichten gegenüber mißtrauisch
genug, um Washingtons Beharren auf uneingeschränkter Einhaltung aller relevanten Resolutionen des UNSicherheitsrats zu unterstützen.
Noch heute verfolgt Saddams Armee die systematische Zerstörung der versprengten arabischen Bevölkerung im südlichen Irak, während er eine Kampagne
AMERIKA DIENST 11

des Terrors und der Blockaden gegen kurdische, turkmenische und andere Volksgruppen im Nordirak führt.
Obwohl das irakische Regime mit der UN-Sonderkommission für den Irak (UNSCOM) kooperiert, unterhält
es auch verdeckte Bestrebungen zur Beschaffung von
Material zur Herstellung von Raketentreibstoff und
verweigert die vollständige Offenlegung seiner Waffenprogramme. Daher überrascht es kaum, daß die
Sanktionen ohne große Diskussionen alle 60 Tage
verlängert wurden.
In jüngster Zeit hat der Irak Anzeichen einer Änderung
seiner Einstellung gegenüber einigen Forderungen
der UNO gezeigt, wie durch die kürzliche Annahme
von Resolution 715 des UN-Sicherheitsrats unter Beweis
gestellt, die langfristige Überwachung seiner Programme für Massenvernichtungswaffen vorsieht. Diese
Einwilligung geht jedoch einher mit der kontinuierlichen Ablehnung anderer Sicherheitsratsresolutionen,
insbesondere der Weigerung zur Anerkennung der
Souveränität und Grenzen von Kuwait. Der Widerstand erfolgt also unter dem Deckmantel der Einhaltung. Es gibt vielfältige Beweise für die Annahme, daß
der einzige Grund für die beginnende Zusammenarbeit des Irak mit UNSCOM in der Aufhebung der
Sanktionen besteht. Sobald das Öl wieder fließt, muß
Washington davon ausgehen, daß Saddam die Zusage zu langfristiger Überwachung bricht und seine
Programme für Massenvernichtungswaffen wieder
aufbaut. Bevor eine Aufhebung der Sanktionen für
Erdöl in Erwägung gezogen wird, sollte daher ein
hohes Maß an Vertrauen herrschen, daß der Irak nicht
nur die technischen Anforderungen der Bestimmungen für Massenvernichtungswaffen uneingeschränkt
einhält, sondern dies auch auf unbegrenzte Dauer tun
wird. Wie der UNSCOM-Vorsitzende Rolf Ekeus
wiederholt erklärt hat, wird dies eine lange Erprobungszeit der ständigen Überwachungssysteme erforderlich machen. Dieser Vorschlag wurde von
Washington und seinen Partnern im UN-Sicherheitsrat
angenommen. Man ist sich auch der Tatsache bewußt, daß die Überprüfung des Sanktionsregimes
durch den Rat von Saddam Husseins weiteren Absichten beeinflußt wird, fürdie es reichhaltige Beweise gibt.
Die UN-Resolutionen spiegeln auch den internationalen Konsens fürdie Unterstützung zur Beendigung der
Unterdrückung der irakischen Bevölkerung durch
Saddam Hussein wider. In enger Zusammenarbeit mit
den UN-Behörden und internationalen Menschenrechtsorganisationen lenken wir die Aufmerksamkeit auf das
Leiden der Iraker, die von diesem Regime grausam
behandelt werden und Menschenrechtsbeobachter im
Land fordern. Die Clinton-Administration leistet auch
direkte humanitäre Hilfe für die Kurden und andere
Volksgruppen im Nordirak, während sie ihr Leben und
ihre Unterkünfte unter dem Schutz der Koalitionsstreitmacht wieder aufbauen, die Saddams brutale Akte
abschreckt.

Seite 3

�Die humanitären Bestrebungen der internationalen
Staatengemeinschaft im Irak sind ein deutlicher Beweis ihrer Sorge um das Leiden des irakischen Volkes.
Sie ist sich darüber hinaus der Auswirkungen der
Sanktionen auf das tägliche Leben der Iraker bewußt.
Die Resolutionen 706 und 712 des UN-Sicherheitsrats
- deren Umsetzung Saddam Hussein verweigert wurden speziell zur Milderung des Leidens eingeführt.
Sie würden dem Irak den Verkauf begrenzter Mengen
von öl zur Finanzierung des Kaufs von Nahrungsmitteln und anderen humanitären Gütern unter der Voraussetzung gestatten, daß der Verkauf und die Verteilung der Güter von den Vereinten Nationen überwacht
wird. Es sollte daher klar sein, daß Saddam Hussein,
nicht die internationale Staatengemeinschaft, für das
andauernde Leiden verantwortlich ist.
Als ein Signal unseres Interesses an einem demokratischen Irak unterstützt die Clinton-Administration auch
die Ziele des irakischen Nationalkongresses (Iraqi
National Congress - INC), der im Exil tätigen Organisation, die ein breites Sprektrum religiöser, weltlicher und
ethnischer Gruppen vertritt. Der INC hat vor kurzem
seine Basis erweitert, Einrichtungen im Nordirak gegründet und seine Verbindungen zu den benachbarten
arabischen Regierungen vertieft, die ebenfalls die beiden
Ziele anstreben, die territoriale Integrität des Irak zu
bewahren und gleichzeitig eine repräsentative und
freundlich gesinnte Regierung in Bagdad zu fördern.

Die Aussöhnung wird schwierig sein, die Entscheidung
liegt jedoch beim Iran.
Der Streit zwischen den Vereinigten Staaten und dem
Iran sollte nicht als "Kollision von Zivilisationen" oder
Widerstand gegen den Iran als theokratischem Staat
fehlinterpretiert werden. Washington stellt die "islamische" Dimension der Islamischen Republik Iran nicht in
Frage. Wie Präsident Clinton erklärt hat, hegen die
Vereinigten Staaten tiefen Respekt für die Religion und
Kultur des Islam. Es ist der Extremismus - sei er
religiös oder säkular - den wir ablehnen. Die Vereinigten Staaten sind besorgt über die Aktionen und Maßnahmen der Teheraner Regierung. Der Iran unterhält
aktiv verdeckte Bestrebungen zur Beschaffung von
nuklearen und anderen nichtkonventionellen Waffen
sowie von Raketenträgersystemen längerer Reichweite. Er steht bei der Förderung von Terrorismus und
Mordanschlägen an erster Stelle weltweit. Der Iran
lehnt den arabisch-israelischen Friedensprozeß mit
ätzender Gewalt ab. Er versucht, freundlich gesinnte
Regierungen im gesamten Nahen Osten und in Teilen
Afrikas zu unterwandern. Es strebt die Beschaffung
konventioneller Offensivfähigkeiten zur Bedrohung
seiner kleineren Nachbarstaaten am Golf an. Die
Bilanz der Behandlung irakischer Bürger durch den
eigenen Staat - insbesondere von Frauen und religiösen Minderheiten - ist zutiefst beunruhigend.

Bei der Bewältigung dieser vielfältigen Herausforderungen sieht sich die Clinton-Administration einer einfacheren Aufgabe gegenüber als im Falle des Irak, weil
die iranischen Massenvernichtungswaffen sich in einem relativ frühen Entwicklungsstadium befinden. In
diesem Sinne hat die Administration jetzt die Chance,
den Iran davon abzuhalten, in fünf Jahren das zu
werden, was der Irak vor fünf Jahren war. Die Eindämmung wird jedoch auch erschwert, weil die Administration nicht durch einen internationalen Konsens unterstützt wird, der in Resolutionen des UN-SicherheitsDie Herausforderung von Teheran
rats seinen Niederschlag findet, wie im Falle Iraks.
Darüber hinaus wurden nicht so umfassende SanktioDer Iran stellt gleichermaßen eine kleinere wie auch
nen verhängt, um Veränderungen in Irans inakzeptaeine größere Herausforderung dar. Einerseits geht die
blem Verhalten zu bewirken. Vorige Administrationen
Clinton-Administration nicht auf Konfrontationskurs mit
haben sich an der Förderung der "Gemäßigten" im Iran
einem offen aggressiven Staat, der in ein schwächeres
versucht. Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt, daß
Nachbarland einmarschiert ist und es besetzt hat.
eben diese "Gemäßigten" für die Maßnahmen verantNormalere Beziehungen zu der Regierung in Teheran
wortlich sind, die wir so verabscheuungswürdig finden.
sind denkbar, sobald das Land seine Bereitschaft zur
Das wirtschaftliche Mißmanangement des Iran hat
Einhaltung der internationalen Normen und den Verjedoch zusammen mit dem Nachgeben der Preise auf
zicht auf Maßnahmen und Aktionen erklärt hat, die
dem Ölmarkt zu einer verzweifelten Wirtschaftslage
dem regionalen Frieden und der Sicherheit zuwiderfür die iranische Regierung geführt. Angesichts einer
laufen. Andererseits sind politische Differenzen mit
30prozentigen Inflation, einer Verschuldung von 30
dem Iran nicht leicht zu lösen. Der Iran ist ein revoluMilliarden Dollar und Rückständen von 5 Milliarden
tionärer Staat, dessen Führer einen tiefverwurzelten
Dollar bei kurzfristigen Rückzahlungen steht der Iran
Groll über die engen Bande zwischen den Vereinigten
nicht länger als vielversprechender Wirtschaftspartner
Staaten und dem Schah hegen. Seine revolutionären
da. Das untermauert das Argument gegenüber den
und militanten Botschaften zeigen offene Feindschaft
amerikanischen Verbündeten gegen eine Verbessegegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Hauptrung ihrer Beziehungen aus rein wirtschaftlichen
interessen. Diese grundlegende politische Realität
Gesichtspunkten.
wird die Beziehungen in absehbarer Zukunft gestalten.
Trotz Saddams Bestrebungen, Loyalität zu erkaufen,
fordern die Sanktionen ihren Tribut im entscheidenden
inneren Kreis, von dem das Regime abhängt. Berichte
über Putschversuche und Aufruhr unter der relativ
privilegierten irakischen Elite mehren sich. Diese
Tendenzen könnten zu neuen Gegebenheiten für die
irakische Bevölkerung und neuen Chancen zum Aufbau friedlicherer und normaler Beziehungen zwischen
dem Irak und der übrigen Welt führen.

Seite 4

AMERIKA DIENST 11

�Es besteht ferner die Gefahr, daß wir bei der Verwirklichung unserer Bestrebungen, den Irak zur Einhaltung
aller UN-Resolutionen zu zwingen, dem Iran Chancen
bieten, sich ungefragt die Schwäche des Irak zunutze
zu machen. Wir konnten wieder Versuche des Iran
beobachten, Beziehungen zu den irakischen Schiiten
aufzubauen und sich in die Kurdenpolitik einzumischen. Beweise belegen jedoch, daß diese Angst
übertrieben ist. Im iranisch-irakischen Krieg haben die
irakischen Schiiten wiederholt ihre irakische und arabische Identität bewahrt und sich davor gehütet, unter
den Einfluß des Iran zu fallen. Entsprechend scheinen
sich die Bestrebungen des Iran im Norden eher auf die
Schwächung seiner eigenen separatistischen kurdischen Minderheit zu konzentrieren als die Schwächung des Irak durch die Förderung der Loslösung des
Kein Kreuzzug, sondern Engagement
Nordens anzustreben. Wie die anderen Nachbarstaaten des Irak - Syrien und die Türkei - scheint der Iran
Die Strategie der Vereinigten Staaten hängt in hohem in der Tat mehr um die Verhinderung einer Auflösung
Maße von aktiver Koordination und Konsultationen mit des Irak aus Angst besorgt, daß dies die Auflösung
freundlich gesinnten Ländern ab. Der Iran muß eine seines eigenen Hinterlands ermutigen wird.
kontinuierliche und konsequente Botschaft aus dem
Westen hören, um dessen Zustimmung er ersucht und Die Clinton-Administration hat eine realistische und
mit dem er Handel anstrebt. Wir haben einen gewissen tragfähige Politik erarbeitet, die den amerikanischen
Konsens zwischen der Europäischen Union, Kanada Interessen und Realitäten in der Persischen Golfreund Japan über die Aspekte iranischer Aktionen er- gion Rechnung trägt. Die Regime in Bagdad und
zielt, die wir als nicht hinnehmbar erachten. Einige Teheran sind heute schwächerund zunehmend in der
unserer Verbündeten vertreten jedoch die Auffassung, Defensive. Langsam aber sicher gelangen sie zu der
daß die regionale Politik sich vornehmlich auf positive Erkenntnis, daß für ihre starrsinnige Haltung, auf der
Anreize für den Iran gründen muß. Die Bilanz belegt falschen Seite der Geschichte stehen zu bleiben, ein
allerdings unmißverständlich, daß positive Anreize wie Preis bezahlt werden muß. Dies ist kein Kreuzzug,
Handelskonzessionen und Auslandshilfe oder die sondern es sind echte und verantwortungsvolle BeUmschuldung von Anleihen nicht zu einer echten strebungen, auf lange Sicht amerikanische strategiVeränderung von Irans inakzeptablem Verhalten füh- sche Interessen zu schützen, das internationale Syren. Die wirksamste Botschaft ist eine konsequente: stem zu stabilisieren und die Verpflichtung der internaKeine Normalisierung der Beziehungen, bis diese tionalen Staatengemeinschaft zu Demokratie, freien
Aktionen eingestellt werden. Wir scheuen jedoch Märkten und Frieden zu erweitern.
keinen offiziellen Dialog. Dialog und Druck sind keine
sich gegenseitig ausschließenden politischen Ansät- Vor 47 Jahren brachte George Kennan in einem unter
ze.
Pseudonym in dieser Zeitschrift veröffentlichten Artikel triftige Gründe für die Eindämmung eines geächteDie Koppelung unserer Ansätze gegenüber Irak und ten Imperiums vor. Er argumentierte, die Vereinigten
Iran birgt gewisse Risiken. In dem Maße, in dem Druck Staaten hätten die Mittel zur Verfügung, um "den
auf diese Länder ausgeübt wird, könnten sie sich in Druck enorm zu erhöhen, unter dem die sowjetische
ihrem Widerstand gegen den Westen vereinigen. In Politik operieren muß" und dadurch den "Zusammender Tat scheinen Bagdad und Teheran trotz ihrer bruch oder den allmählichen Abbau der sowjetischen
Differenzen im vergangenen Jahr eine Form von Macht" herbeizuführen. Heute sehen sich die VereiZusammenarbeit begonnen zu haben. Letztlich sind nigten Staaten mit einer nicht so großen Herausfordedie Aussichten für Aussöhnung jedoch aus einem rung bei der Eindämmung der Gruppe von Geächteten
einfachen Grund weiterhin begrenzt: Sie mißtrauen konfrontiert, die wir als die "reaktionären Staaten"
einander mehr als den Vereinigten Staaten. Obwohl bezeichnen. Es steht immer noch in unserer Macht, zu
sie ein gemeinsames Interesse an taktischer Zusam- obsiegen.
menarbeit haben, hat keiner wirkliches Interesse am
Stärkerwerden des anderen. Jeder weiß, daß er das
erste Ziel eines wiederauflebenden Staats auf der
anderen Seite des Shatt al Arab sein wird.
Zur Abwehr des iranischen Strebens nach Vorherrschaft am Persischen Golf arbeitet Washington eng
mit freundlich gesinnten Regierungen zusammen, um
den Iran von der Beschaffung der für seine Nuklearund Chemiewaffenprogramme benötigten Importe
abzuhalten, und überwacht den Transfer von Raketen
und verwandten Systemen der derzeitigen Lieferanten
des Iran, einschließlich Nordkoreas. Das bedeutet
nicht, daß Washington die Absicht hegt, den Iran zu
isolieren oder ihm alle militärischen Güter zu verweigern. Diese Administration versucht, zwischen das
regionale Sicherheitsumfeld nicht betreffenden Verteidigungsgütern und solchen zu unterscheiden, die offensiv eingesetzt werden und die Region destabilisieren könnten.

AMERIKA DIENST 11

Seite 5

�</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaft, Kultur und kontinuierliches Engagement&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Arbeitswelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Japan muss Nachfrage steigern, Europa Zinssätze senken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eröffnungsansprache Präsident Clintons bei Arbeitsplatzkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Wiederbeschäftigungsgesetz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung Präsident Clintons&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weitere NATO-Maßnahmen in Bosnien sollten Friedensgespräche fördern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Perry - Auszüge&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Eindämmung&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konfrontation mit reaktionären Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Anthony Lake&lt;/em&gt;</text>
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amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
^7-ioN

^

Z12462C

9. März 1994

10

BOSNIEN

BOSNIER UND KROATEN SCHLIESSEN
HISTORISCHES RAHMENABKOMMEN
Baustein für den Frieden in Bosnien

HANDEL

KANTOR VERTEIDIGT INKRAFTSETZUNG
VON HANDELSARTIKEL SUPER 301
Erklärung des US-Handelsbeauftragten

GESCHICHTE UND ANWENDUNG
VON SUPER 301
Eine Übersicht vom Büro
des US-Handelsbeauftragten

ARBEITSWELT

REICH SKIZZIERT HERAUSFORDERUNGEN
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
Treffen führender Vertreter der G-7 in Detroit
VON METZGERN UND BACKERN
von Robert B. Reich

GEWERKSCHAFTEN FORDERN "GLOBALEN
NEW DEAL" AUF DEM ARBEITSMARKT
Arbeitslosigkeit ist gravierendstes
wirtschaftliches Problem
GLOBALE NACHFRAGE IM MITTELPUNKT
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
USA skeptisch über Wachstumsprognose
für Japan

.

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-3341 02

�PARTNERSCHAFT FÜR FRIEDEN DIE PARTNERSCHAFT FÜR DEN FRIEDEN
Übersicht des Weißen Hauses

FILM

SPIEGEL: SCHINDLERS LISTE
IST EINE LEHRE FÜR UNS ALLE
Menschenrechtskommission sieht
Spielbergs Film

*

i

�BOSNIEN
9. März 1994

BOSNIER UND KROATEN SCHLIESSEN
HISTORISCHES RAHMENABKOMMEN
Baustein für den Frieden in Bosnien

WASHINGTON - (AD) - Nach viertägigen intensiven
Verhandlungen unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten wurde am 1. März 1994 in Washington
ein Rahmenabkommen über die Schaffung einer aus
zwei Bevölkerungsgruppen bestehenden Föderation
in Bosnien unterzeichnet.

Errichtung der neuen Föderation unternehmen soll. Er
wird seine Arbeit am 4. März in Wien aufnehmen und
plant den Entwurf einer neuen Verfassung sowie eines
neuen Abkommens über die Konföderation zwischen
Kroatien und dem neuen Föderalstaat bis zum 15.
März.

Unterzeichner waren die bosnische Regierung, die
kroatische Regierung sowie ein Vertreter der bosnisch-kroatischen Gemeinschaft.

"Dieses Abkommen zeigt, wieviel selbst nach Jahren
erbitterter Gewalt erreicht werden kann, wenn sich

Außenminister Christopher, der die Zeremonie in seinem Ministerium ausrichtete, nannte die Unterzeichnung "einen hoffnungsvollen und bedeutenden Moment in der Geschichte der Bevölkerung von Bosnien
und Herzegowina".
"Wir hoffen, daß der heute hier von Ihnen begonnene
Prozeß dem gesamten ehemaligen Jugoslawien Frieden und Versöhnung bringen wird", teilte Christopher
den drei unterzeichnenden Vertretern mit - dem bosnischen Ministerpräsidenten Haris Silajdzic, dem kroatischen Außenminister Mate Granic sowie dem Vertreter der bosnischen Serben Kresimir Zubak. Sie unterzeichneten auch ein vorläufiges Abkommen über eine
Konföderation zwischen Kroatien und der noch zu
schaffenden bosnischen Föderation.
Das neue Abkommen errichtet die Struktur einer neuen
Föderation der bosnischen und bosnisch-kroatischen
Volksgruppen in Bosnien und sieht eine starke Zentralregierung sowie eine maßgebliche kommunale Selbstverwaltung vor. Es definiert auch die Pflichten jeder
Regierungsebene innerhalb der Föderation und enthält Mechanismen zur Garantie der Menschenrechte
für alle Bürger Bosniens.
Das Abkommen ruft ferner einen aus Vertretern beider
Parteien zusammengesetzten hochrangigen Übergangsausschuß ins Leben, der konkrete Schritte zur

AMERIKA DIENST 10

beide Seiten an einen Tisch setzen und so hart an einer

Übereinkunft arbeiten, wie es hier der Fall war", stellte
Außenminister Christopher fest. "Es beweist, Frieden
kann unterder Voraussetzung möglich sein, daß durch
die Schlagkraft der Waffen entflammte Streitigkeiten
durch schlagkräftige Argumente beigelegt werden
können."
Kurz vor der Unterzeichnungszeremonie sprach Präsident Clinton dem bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic und dem kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman telefonisch seine Glückwünsche aus, äußerte
Christopher und fügte hinzu, die Bosnier und die
Kroaten könnten stolz auf das in den vergangenen vier
Tagen Erreichte sein.
"Wir hoffen, daß diese Vereinbarungen Bosnien entschlossen auf den Weg der Versöhnung bringen und
Kroatien bei seinen Bestrebungen ermutigen, sich um
Integration in die westliche Staatengemeinschaft zu
bemühen", erklärte der amerikanische Au ßenminister.
"Wir hoffen ferner, daß dieses Abkommen die Grundlage für eine umfassende politische Lösung mit den
bosnischen Serben schafft".
Sollte eine Gesamtlösung erzielt werden können, so
Christopher, "sind die Vereinigten Staaten bereit, sich
gemeinsam mit ihren NATO-Bündnispartnern an der
Durchsetzung eines solchen Abkommens sowie am
Wiederaufbau dieser tragischerweise vom Krieg zerstörten Landstriche zu beteiligen".

Seite 1

�"Es wird viel von der Entschlossenheit der Parteien
abhängen, den Schwung der letzten vier Tage beizubehalten", teilte er mit. "Wenn sie bei der Umsetzung
des Abkommens denselben guten Willen an den Tag
legen, den sie bei seiner Aushandlung unter Beweis
stellten, kann diese neue Föderation zweifelsohne ein
Erfolg werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit,
das Ihre zu einer umfassenden Lösung beizutragen,
die zur Errichtung eines lebensfähigen bosnischen
Staats, eines sicheren Kroatien und eines dauerhaften
Friedens führt", so der Chef des State Department.
In den kommenden Tagen und Wochen werden die
Vereinigten Staaten in Abstimmung mit der Europäischen Union und mit Hilfe der Russischen Föderation
sowie der an der UNO-Schutztruppe UNPROFOR
teilnehmenden Nationen alles in Ihrer Macht Stehende
tun, um zur Erlangung des hehren Ziels, Frieden im
ehemaligen Jugoslawien zu schaffen, einen Beitrag zu
leisten.

schaft der Vereinten Nationen und der Europäischen
Union in Genf abgezeichnet hatte.
Statt dessen konzentrierten sich die Bemühungen auf
die Herbeiführung einer Koalition zwischen der bosnischen Regierung und den bosnischen Kroaten. "Die
beiden Parteien wollten dies wirklich und sahen beide
äußerst wichtige taktische und strategische Gründe
hierfür. Damit wurde ein praktischerer und schnellerer
Weg zu dem generellen Abkommen geschaffen, als
unverzüglich die Idee einer territorialen Dreiteilung zu
verwirklichen."
Der Regierungsbeamte, der in den vergangenen sieben Monaten eng in die Lösung der Probleme Bosniens einbezogen war, stellte fest, es bestehe seiner
Ansicht nach "kein Zweifel", daß die Parteien "mit einer
völlig anderen Geisteshaltung als in der Vergangenheit" zu den Verhandlungen nach Washington gekommen seien, und das sei entscheidend.

"Das garantiert nicht, daß wir die Kämpfe von einem
Tag auf den anderen beenden können", erläuterte er.
"Gleichzeitig zeigt es jedoch ein Maß an Engagement,
nicht nur Prinzipien, sondern auch Details bezüglich
"Wir hoffen und beten, daß dies der erste Schritt zum der Lösung der schwierigsten Fragen, über die sie
Frieden ist", erklärte der bosnische Ministerpräsident. stets unterschiedlicher Meinung waren, zu erarbeiten
"Dies wäre nicht möglich gewesen ohne die Führungs- und auf Papier zu bringen.
rolle der Vereinigten Staaten, die sich aktiv um eine
"Damit wird das Engagement, der Wunsch unter Beweis
Verhandlungslösung für Bosnien bemühten."
gestellt, dies zu einer einzigartigen Arbeit zu machen",
"Nichts ist mit der großartigen moralischen Führungs- betonte der Beamte. "Dies ist eine Phase, ein sehr
rolle der Vereinigten Staaten zu vergleichen", so die wichtiger Schritt, weil er meines Erachtens der GrundWorte des kroatischen Außenministers Granic. "Die stein für das ist, was möglicherweise zu einer generelVerhandlungen waren äußerst schwierig und ernst, len Lösung in Bosnien führen könnte."
aber wir haben die Arbeit abgeschlossen."
Er charakterisierte das Geschehen auch als "echte
Der Vertreter der bosnischen Kroaten würdigte eben- Chance für Kroatien, Partner der Vereinigten Staaten,
falls die Vermittlerrolle Amerikas beim Abschluß des der Europäischen Union und derjenigen zu werden, die
Abkommens. "Wir sind entschlossen, unseren Teil der Frieden in Bosnien herbeiführen wollen, und dabei
von den Vereinigten Staaten ergriffenen Initiative voll- wirklich den Kurs Kroatiens in sehr viel deutlicherer
ständig umzusetzen", fügte er hinzu.
Weise in Richtung auf den Westen zu steuern."
Die drei Unterzeichner des Dokuments würdigten die
von den Vereinigten Staaten bei den Verhandlungen
übernommene Rolle.

Bei einer Informationsveranstaltung für Journalisten
erklärte ein hochrangiger Regierungsbeamter später,
die amerikanische Initiative habe nach dreiwöchiger
intensiver Diplomatie Früchte getragen. Diese Initiative wurde von Präsident Clinton am Abend des 7.
Februar in die Wege geleitet, nur zwei Tage nachdem
50 Menschen bei einem Granatenanschlag auf den
Marktplatz in Sarajevo getötet wurden.

"Dieses Arrangement unterscheidet sich grundlegend
von dem anfänglichen", stellte der Regierungsvertreterfest. "Wir haben einige neue Elemente, mit denen
wir arbeiten werden und müssen jetzt sehen, wie wir
diese Elemente so umsetzen können, daß auch die
Serben einer allgemeinen Lösung zustimmen."

Dem Beamten zufolge sehen die Vereinigten Staaten
dies "als Chance für Frieden. Es ist kein Geheimnis,
"Von Anfang an war unsere Intention, in Partnerschaft daß es gewisse Konzessionen von seiten der Serben
mit der Europäischen Union und engen Konsultationen geben mu ß. Wäre das nicht der Fall, hätten wir bereits
mit der Russischen Föderation vorzugehen", so der in Genf eine Lösung erzielt", führte der Beamte aus
Regierungsvertreter. Nach ersten direkten Gesprä- und verwies darauf, daß territoriale Fragen noch nicht
chen mit den betreffenden Parteien wurde beschlos- ausgehandelt wären. "Ich hoffe, daß die Serben dies
sen, die Lösung mit drei Republiken zu verwerfen, die als einen Weg sehen, den Krieg zu beenden, selbst
sich bei den Verhandlungen unter der Schirmherr- wenn sie diese Konzessionen machen."
* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�HANDEL
9. März 1994

KANTOR VERTEIDIGT INKRAFTSETZUNG VON
HANDELSARTIKEL SUPER 301
Erklärung des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Handelsbeauftragte (U.S. Trade Representative - USTR) Mickey
Kantor hat die Entscheidung Präsident Clintons über die erneute Inkraftsetzung des sogenannten Handelsartikels Super 301 des US-Handelsgesetzes durch einen Präsidialerlaß verteidigt.
Auf einer Pressekonferenz am 3. März 1994 gab Kantor die Maßnahme des Präsidenten bekannt und erklärte,
diese werde ihm ermöglichen, amerikanischen Handelspartnern "eine Frühwarnung" im Hinblick auf bestimmte
Handelspraktiken zu senden, deren Abschaffung die Vereinigten Staaten wünschten. Dem Handelsbeauftragten zufolge besteht das Ziel der Vereinigten Staaten in der Beseitigung von Handelshemmnissen, die den
Marktzugang für amerikanische Waren und Dienstleistungen blockieren.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung Mickey Kantors bei der Pressekonferenz .

Seit der Amtsübernahme Präsident Clintons war das
Hauptziel der Handelspolitik dieser Administration die
Öffnung von Märkten und die Erweiterung des Handels. Wir sind der Ansicht, daß aus den Vereinigten
Staaten stammende Fertigwaren, Dienstleistungen und
landwirtschaftliche Produkte auf der ganzen Wert
konkurrenzfähig sind - solange wir auf ausländischen
Märkten die Chance zu fairem Wettbewerb ertialten.
Wir engagieren unsfürden Abbau von Handelshemmnissen auf multilateraler Ebene wenn möglich, auf
bilateraler Ebene wenn nötig.
Dieser Vorstoß zur Marktöffnung stellt eine Verbindung her zwischen dem Abschluß der Uruguay-Runde, der Umsetzung des NAFTA, der Erweiterung unserer
Beziehungen zum APEC, dem Schutz geistigen Eigentums in verschiedenen Ländern, unseren Bestrebungen zur Aufbau ausgewogener Handelsbeziehungen zu Japan sowie unseren Erfolgen im Zusammenhang mit schwerem elektischem Gerät in Europa,
Telekommunikation in Korea, Bauwesen in Japan und
einer Vielzahl von Industrieprodukten in China.
Um unsere Bestrebungen zur weltweiten Öffnung von
Märkten und Festsetzung handelspolitischer Prioritäten zu ergänzen, bat mich der Präsident anzukündigen, daß er heute einen Präsidialerlaß zur erneuten
Inkraftsetzung des als Super 301 bekannten Handelsartikels unterzeichnen wird.

AMERIKA DIENST 10

Präsident Clinton pries Super 301 bei einer Rede an
der Georgetown University am 20. November 1991
erstmals als wirksames Instrument zur Öffnung von
Märkten. Während seines Wahlkampfes und seit
seiner Amtsübernahme hat er sich zur Wiedereinführung von Super 301 verpflichtet. Seit der Einsetzung
dieser Administration habe ich bei einer Vielzahl von
Gelegenheiten die Ansicht der Administration dargelegt, daß der Handelsartikel Super 301 die Öffnung
ausländischer Märkte herbeiführte und wiedereingeführt werden sollte. Dies tun wir mit der heutigen
Unterschrift.
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Wir nennen
heute kein Land beim Namen und identifizieren keine
Handelspraktik. Vielmehr setzen wir das Verfahren
von Super 301 wieder in Kraft. Entsprechend diesem
Präsidialerlaß wird der Handelsbeauftragte 1994 und
1995 die ausländischen Handelspraktiken identifizieren, deren Abschaffung das größte Potential für die
Ausweitung amerikanischer Exporte haben. Die tatsächliche Festsetzung findet am 30. September statt,
sechs Monate nach der Herausgabe des jährlichen
Handelsberichts am 31. März.
21 Tage nachdem sie ausgemacht wurden, werden die
auf die Prioritätenliste gesetzten ausländischen Handelspraktiken gemäß Artikel 301 des Handelsgesetzes Gegenstand einer Überprüfung. Der erste Schritt

Seite 1

�dieses Verfahrens sind Konsultationen mit der ausländischen Regierung über diese Frage in dem Bemü hen,
ein Abkommen über die Abschaffung der betreffenden
Praktiken zu erwirken oder gegebenenfalls eine Entschädigung für den durch diese Praktiken verursachten Schaden zu erhalten.

wichtigsten Handelshemmnisse für unsere
Exporte machen. Unsere Handelspartner wissen, daß wir am 30. September die Prioritätenliste über ausländische Handelspraktiken aufstellen - die schwerwiegendsten Handelsschranken für amerikanische Produkte und Dienstleistungen - die gemäß Artikel Super 301 Gegenstand von Ermittlungen werden.

Sollte kein Abkommen erzielt werden, werden die
Ermittlungen fortgesetzt. In Fällen, in denen die ausländischen Handelspraktiken eine Verletzung von
Handelsvereinbarungen wie dem GATT oder der neuen
Welthandelsorganisation darstellen, werden sie das in
diesen Übereinkünften vorgesehene Verfahren zur
Beilegung von Streitigkeiten durchlaufen, wie im
Handelsartikel 301 vorgesehen. Nach erfolgter Überprüfung mu ß der Handelsbeauftragte entscheiden, ob
die Handelspraktiken unter Artikel Super 301 einklagbar sind und welche Maßnahmen in diesem Fall ergriffen werden sollten. Werden die Handelspraktiken
nicht abgeschafft, können Sanktionen verhängt werden.

Der am heutigen Tag unterzeichnete Präsidialerlaß ist ein flexibles Instrument. Er gestattet
beispielsweise dem Handelsbeauftragten, unseren Handelspartnern eine "Frühwarnung" zu
senden, daß einige ihrer Handelspraktiken in
Zukunft auf die Liste gesetzt werden, falls sie
diese nicht abschaffen. Der Erlaß sieht auch
vor, daß der Handelsbeauftragte ausländische
Handelspraktiken hiervon ausnehmen kann, die
normalerweise als Prioriät eingestuft würden,
jedoch bereits unter andere Bestimmungen des
amerikanischen Handelsgesetzes, bestehende
bilaterale Handelsabkommen oder Handelsgespräche fallen oder bei deren Abschaffung
Fortschritte gemacht werden. Diese Bestimmung unterstreicht unsere Absicht, den Präsidialerlaß gemeinsam mit unseren übrigen Bestrebungen zur Öffnung von Märkten einzusetzen.

Ich möchte deutlich machen, wie dieser Präsidialerlaß
sich in unsere Bestrebungen zur Öffnung von Märkten
einfügt:
Am 31. März werden wir den jährlichen Handelsbericht vorlegen, der eine umfassende Beschreibung der Handelshemmnisse für unsere
Produkte und Dienstleistungen enthält. Dieser
Bericht behandelt viele Hemmnisse in zahlreichen Ländern und vermittelt uns gleichzeitig
einen Einblick, welche ausländischen Handelsschranken für uns den größten Anlaß zur Sorge
geben.
In den nachfolgenden Monaten werden wir
hoffentlich gemeinsam mit anderen Ländern
Fortschritte beim Abschluß von Abkommen über
den Abbau oder die Abschaffung einiger der

Unser Ziel ist die Abschaffung der größten Handelsschranken weltweit, die den Marktzugang für unsere
Produkte und Dienstleistungen blockieren. Wenn uns
das ohne die Erstellung einer Prioritätenliste ausländischer Handelspraktiken unter Artikel 301 gelingt, haben
wir unser Ziel erreicht. Niemand sollte jedoch Zweifel
an unserem Engagement haben, Fortschritte zu machen,
Märkte zu öffnen und den Handel auszuweiten, wie wir
es seit dem Amtsantritt Präsident Clintons getan haben.

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 10

�HANDEL
9. März 1994

GESCHICHTE UND ANWENDUNG VON SUPER 301
Eine Übersicht vom Büro des US-Handelsbeauftragten
WASHINGTON - (AD) - Zeitgleich mit Präsident Clintons Entscheidung, Zusatzartikel 301 zum Handelsgesetz
wieder in Kraft zu setzen, veröffentlichte das Büro des amerikanischen Handelsbeauftragten (U.S. Trade
Representative - USTR) eine Übersicht der Geschichte von Super301 mit einer Beschreibung der in dem Gesetz
geforderten Verfahren.

Geschichte des Super 301
Die 1989 und 1990 gesetzlich verankerten Verfahren
der Handelsklausel Super 301 fordern die Administration auf, "Prioritäten für die Liberalisierung des Handels", einschließlich einer "Prioritätenliste von Ländern" mit "unfairen Handelspraktiken" auszumachen,
deren Abschaffung voraussichtlich "entweder direkt
oder durch die Schaffung eines Präzedenzfalls den
maßgeblichsten Beitrag zur Erhöhung amerikanischer
Exporte leistet".
21 Tage nach der Übermittlung des Berichts über die
Prioritäten an den Kongreß muß der USTR gemäß
Artikel 302 des Handelsgesetzes (allgemein als "Abschnitt-301-Ermittlungen" bezeichnet) Ermittlungen
gegen unfaire Handelspraktiken aller Länder auf der
Prioritätenliste in die Wege leiten.
Super 301 in den Jahren 1989 und 1990
1989 wurden sechsmal unfaire Handelspraktiken in
drei Ländern auf der Prioritätenliste (Japan, Indien und
Brasilien) ausgemacht: 1. Importverbote und andere
Restriktionen bei Importlizenzen in Brasilien, 2. staatliche Beschaffung ausländischer Satelliten durch Japan,
3. staatliche Beschaffung von Supercomputern durch
Japan, 4. Importbeschränkungen für Holzprodukte in
Japan, 5. handelsbezogene Investitionsmaßnahmen
in Indien und 6. Hemmnisse auf dem Versicherungsmarkt in Indien.
Der amerikanische Handelsbeauftragte leitete zu allen
sechs unfairen Handelspraktiken Ermittlungen im
Rahmen von Artikel 301 ein. Die Vereinigten Staaten
erzielten mit Japan Einigung bei allen drei Ermittlungsverfahren zu japanischen Handelspraktiken, und Brasilien hob die Importbeschränkungen des Landes auf.

AMERIKA DIENST 10

Mit Indien wurden jedoch nur geringe Fortschritte bei
den zwei Ermittlungen zu unfairen Handelspraktiken
erzielt.
In den Monaten vor der Erstellung der Liste gemäß
Super 301 im Jahr 1989 fü hrten bilaterale Verhandlungen mit Korea zur Einigung über eine Liberalisierung
der ausländischen Investitionsbedingungen und Aufhebung von Importverboten sowie anderen Maßnahmen zur Schutz der inländischen Produktion. Darüber
hinaus wurden mit Korea Fortschritte bei Importbeschränkungen für Agrarprodukte gemacht. Auch die
Behörden in Taiwan stimmten der Entwicklung eines
Aktionsplans zur Öffnung des taiwanischen Markts für
alle Exporteure insbesondere durch Zollsenkungen für
Fertigwaren zu. Infolgedessen wurden weder Korea
noch Taiwan auf die Liste gesetzt.
Im Jahr 1990 erklärte der USTR die Uruguay-Runde
als oberste Priorität bei der Liberalisierung des Handels und identifizierte erneut Indien und die unfairen
Handelspraktiken des Landes als Prioritäten. Es wurden
keine neuen Ermittlungen gemäß Artikel 301 eingeleitet, da die Hemmnisse auf dem Investition- und Versicherungsmarkt mit Indien bei der Uruguay-Runde erörtet
wurden.
Super 301 als Präsidialerlaß
In den Jahren 1994 und 1995 wird der amerikanische
Handelsbeauftragte seinen Bericht über die unfairen
Handelspraktiken der Länder auf der Prioritätenliste
spätestens bis zum 30. September unterbreiten und
binnen 21 Tagen nach Vorlage des Berichts Ermittlungen gemäß Artikel 301 bezüglich aller festgestellten
unfairen Handelspraktiken der Länder auf der Prioritätenliste in die Wege leiten.

Seite 1

�Ermittlungen gemäß Artikel 301
Ermittlungen im Rahmen von Artikel 301 beinhalten
die Aufdeckung der Fakten, Konsultationen mit den
betroffenen inländischen Industriezweigen und Konsultationen mit der betreffenden ausländischen Regierung. Wo ein Handelsabkommen wie das GATT ins
Spiel kommt, verlangt der USTR gegebenenfalls die
Schlichtung von Streitigkeiten gemäß diesem Abkommen. Während der Ermittlungen strebt der USTR die
Aushandlung von Abkommen an, die eine Abschaffung der betreffenden unfairen Handelspraktik oder
eine Entschädigung vorsehen.
Bei jedem Ermittlungsverfahren im Rahmen von Artikel 301, einschließlich der infolge von Super 301
eingeleiteten, muß der USTR entscheiden, falls keine
Einigung erzielt wird, ob die fragliche Handelspraktik
gemäß Artikel 301 sanktionierbar ist, das heißt, ein
Handelsabkommen verletzt, ungerechtfertigt, unvernünftig oder diskriminierend ist und den amerikanischen Handel belastet oder beschränkt. Wird die
Handelspraktik als sanktionierbar erachtet, muß der
USTR auch entscheiden, welche Strafmaßnahmen falls überhaupt - im Rahmen von Artikel 301 ergriffen
werden sollten.
Der Zeitpunkt für diese Entscheidungen hängt von der
Art der betreffenden Handelspraktik ab. Die Entscheidung bei Ermittlungen zu Handelsabkommen muß

*

Seite 2

entweder 30 Tage nach Abschluß der Schlichtungsverfahren oder 18 Monate nach Einleitung des Ermittlungsverfahrens getroffen werden, je nachdem, welche Frist zuerst abläuft. Bei Ermittlungsverfahren
gegen unfaire Handelspraktiken, die keine Verletzung
von Handelsabkommen darstellen, muß die Entscheidung 12 Monate nach Aufnahme des Ermittlungsverfahrens getroffen werden.
Wird ein Handelsabkommen verletzt, muß der USTR
Vergeltungsmaßnahmen einleiten, außer im Falle einer
spezifischen, gesetzlich verankerten Ausnahme. Falls
es sich nicht um die Verletzung eines Handelsabkommens oder anderer internationaler Verpflichtungen
handelt, liegt es im Ermessen des USTR, Strafmaßnahmen in die Wege zu leiten.
Artikel 301 verleiht dem USTR die Befugnis zu Vergeltungsmaßnahmen vorbehaltlich der Anweisung des
Präsidenten. Zu Vergeltungsmaßnahmen können
Zollerhöhungen, Importquoten, Beschränkungen oder
Gebühren für Dienstleistungen, Austritt aus einem
Handelsabkommen oder andere entsprechende
Maßnahmen zählen. Werden Strafmaßnahmen gemäß
Artikel 301 verhängt, können sie jederzeit wieder
modifiziert oder aufgehoben werden, und sie laufen im
Falle einer Nichterneuerung automatisch nach vier
Jahren aus.

*

AMERIKA DIENST 10

r

�ARBEITSWELT
9. März 1994

REICH SKIZZIERT HERAUSFORDERUNGEN
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
Treffen führender Vertreter der G-7 in Detroit
WASHINGTON - (AD) - Die vom 1 4 . - 1 5 . März in
Detroit anberaumte Konferenz über die Schaffung von
Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt
wird für die G-7-Staaten eine bedeutende Gelegenheit
zum "Informationsaustausch" über die Beschäftigungsprobleme in ihren Ländern darstellen und "ein größeres Repertoire möglicher Lösungen" erarbeiten, erklärte der amerikanische Arbeitsminister Robert Reich
am 3. März 1994 in einer Rede vor der Paul Nitze
School of Advanced International Studies der Johns
Hopkins University. Er äußerte die Hoffnung, daß die
Konferenzteilnehmer "unvoreingenommen gemeinsam
mit uns eine Analyse der derzeitigen Situation vornehmen werden".
Neben Reich werden Finanzminister Lloyd Bentsen,
Wirtschaftsminister Ron Brown und die Vorsitzende
des Rats der Wirtschaftsberater, Laura Tyson, die
Vereinigten Staaten auf der Konferenz vertreten. Ihre
Amtskollegen aus den G-7-Ländern und der EU-Kommission werden ebenfalls in Detroit erwartet.
"Alle G-7-Staaten haben Beschäftigungsprobleme",
äußerte Reich. Er erklärte jedoch auch, in Europa und
den Vereinigten Staaten seien die Probleme unterschiedlich. In den Vereinigten Staaten sei eine große
Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen worden, die häufig
jedoch schlecht bezahlt werden und nicht vorhandene
Qualifikationen verlangen, teilte er mit. "Derzeit verdienen 18 Prozent der ganztags Beschäftigten nicht
genug, um eine vierköpfige Familie zu ernähren. In
den Vereinigten Staaten ist ein beträchtliches Wachstum an Arbeitsplätzen zu beobachten, jedoch auch
eine sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich."
Im Gegensatz dazu ist Europa mit einem ernsthaften
Arbeitslosenproblem konfrontiert, aber diejenigen, die
einen Arbeitsplatz haben, "erhielten Lohnerhöhungen
von bis zu 30 Prozent". Reich stellte fest, es sei eine
Frage der Anzahl von Arbeitsplätzen kontra Arbeitsplatzqualität.

Die Angelegenheit wird ihm zufolge durch wirtschaftlichen Wandel kompliziert. Der Arbeitsminister erwähnte die zu einer "außergewöhnlichen Produktivitätserhöhung" führende technologische Revolution im Bereich der Mikroelektronik sowie den Durchbruch bei
der Biotechnologie und der Entwicklung neuer Materialien als Schlüsselfaktoren einer neuen industriellen
Revolution. "Gleichzeitig ist deutlich das Entstehen
einer Weltwirtschaft zu beobachten", hauptsächlich
aufgrund der Revolution im Kommunikationswesen.
In dieser Weltwirtschaft seien die wichtigsten Produktionsfaktoren beweglich, argumentiert Reich. "Der
Bestandteil einer Volkswirtschaft, der am unbeweglichsten ist, sind die Menschen", stellte er fest und fügte
hinzu, in diesem Bereich seien mehr Investitionen
erforderlich. "Europa und Japan haben wohl mehr in
den Menschen investiert", aber die amerikanische
Wirtschaft genieße den Vorteil "größerer Flexibilität
und Spannkraft".
Eine der Hauptfragen dieser Zeit ist dem Arbeitsminister zufolge, "wie wir uns an diese neue Welt anpassen". Er bemerkte: "Es fand eine Verlagerung der
Nachfrage zugunsten der Arbeitnehmer statt, die
Fähigkeiten zur Problemlösung besitzen. Der Verdienst des einzelnen hängt zunehmend von seiner
Qualifikation ab."
Aus diesem Grund lege die Clinton-Administration
Wert auf die Berufsausbildung sowie die Gesundheitsund Sozialreform, um die Mobilität der Arbeitnehmer
zu erhöhen, stellte Reich fest. Er forderte Gewerkschaften und Arbeitgeber dringend zur "Zusammenarbeit" in der entstehenden neuen Wirtschaft auf. Die
besten Unternehmen seien die, in denen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern stattfinde, stellt er abschließend
fest.

* * * * *
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�ARBEITSWELT
9. März 1994

VON METZGERN UND BÄCKERN
von Robert B. Reich
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir den Text einer vom amerikanischen Arbeitsminister,
Robert B. Reich, am 8. Oktober 1993 vordem Council on Institutional Investors in New York gehaltenen Rede
im Wortlaut.

,

Zwischen Spitzenmanagem und Arbeitnehmern in
Amerika galt einst ein ungeschriebener Vertrag: Wenn
Ihr Euch an Eurem Arbeitsplatz engagiert habt, dann
konntet Ihr darauf zählen, diesen Arbeitsplatz zu
behalten, solange die Firma im Geschäft blieb.

wenn Sie die Rentenfonds von Arbeitnehmern vertreten, die infolge solcher Kürzungen ihren Arbeitsplatz
verlieren könnten, liegt es langfristig in unser aller
Interesse, amerikanische Unternehmen produktiver
zu machen.

Heute jedoch wird dieser stillschweigende Vertrag in
immer schnellerem Tempo gekündigt. Selbst verhältnismäßig gesunde Unternehmen bauen Arbeitsplätze
ab. Im September wurden in amerikanischen Unternehmen täglich etwa 2,000 Arbeitsplätze vernichtet,
die Quote liegt damit um 30 Prozent höher als vor
einem Jahr, als sich das Land noch in der Rezession
befand. Im vergangenen Jahr haben amerikanische
Industriebetriebe trotz steigender Gewinne 275.000
Arbeitnehmer von ihren Gehaltslisten gestrichen.

Eine leise Warnung

Aus der Perspektive der Investoren betrachtet, erscheint dieser Trend sinnvoll. Häufig schnellen die
Aktienkurse nach der Ankündigung größerer Einschnitte bei den Lohnkosten in die Höhe. Schließlich können
selbst gesunde Unternehmen ihre Lage oft noch verbessern, wenn sie sich wirklich auf das absolut Notwendige konzentrieren. Hierarchien können eingeebnet werden, so daß mittlere Leitungsfunktionen zunehmend überflüssig werden. Funktionen, die billiger
außerhalb des Unternehmens wahrgenommen werden können, werden auf Subunternehmer verlagert.
Routinevorgänge können automatisiert werden. Die
Metapher aus der Metzgersprache für modernes
Management scheint zuzutreffen: Es ist Zeit, das Fett
abzuschneiden, Überflüssiges loszuwerden, schlank
und leistungsfähig zu werden.

Unter Kapitalanlegern herrscht ein großes Maß an
Enthusiasmus für das Verschlanken von Unternehmen, aber ich möchte doch eine Warnung aussprechen. Ich möchte niemanden alarmieren, sondern
eine Art gelbes Warnlicht aussenden und eher eine
Frage stellen, als eine Meinung formulieren. Sind wir
in Gefahr, es zu übertreiben?
Ich beginne mit einer neuen Studie der Unternehmensberatung Wyatt über 531 zumeist große Unternehmen, über die kürzlich im Wall Street Journal berichtet wurde. Drei Viertel der untersuchten Firmen gaben
an, sie hätten Arbeitsplätze abgebaut. Die meisten
dieser Unternehmen berichteten jedoch auch, daß
diese Einschnitte nicht das von den Firmen erhoffte
und erwartete Ergebnis erbracht hätten. 85 Prozent
der Unternehmen strebten höhere Gewinne an, diese
stiegen aber lediglich in 46 Prozent der Fälle. 58
Prozent hatten eine höhere Produktivität erwartet,
aber in nur 33 Prozent wurde dieses Ziel auch verwirklicht. Noch interessanter ist die Tatsache, daß innerhalb eines Jahres nach den Kürzungen über die Hälfte
der Firmen gestrichene Stellen neu besetzt hatten.

Die Wyatt-Studie wird von einer weiteren jüngeren
Untersuchung untermauert, die von Dr. Kenneth De
Die Motivation für solches Verhalten wird vielfach Meuse von der University of Wisconsin mitverfaßt
durch Menschen wie Sie gefördert. Sie verlangen wurde. Dr. De Meuse fand heraus, daß die Gewinne
höhere Erträge. Solange die Aktienkurse steigen, von Großunternehmen schneller sanken als zuvor,
während die Beschäftigungszahlen fallen, wird der Be- nachdem diese Firmen in großem Stil Entlassungen
weis dafür erbracht, daß Sie Grund hatten, die Be- vorgenommen hatten. Sicherlich bedeutet dies nicht
triebsleitungen zu Einschnitten zu drängen. Selbst unbedingt einen Zusammenhang von Ursache und
Wirkung. Möglich wäre auch, daß diese Unternehmen
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Seite 1

�bereits vor dem Arbeitsplatzabbau in Schwierigkeiten
steckten und es ihnen vielleicht noch schlechter gegangen wäre, wenn sie diese Maßnahmen nicht ergriffen hätten. Bei einer Betrachtung in Zusammenhang
mit der Wyatt-Studie drängt sich jedoch die Frage auf,
ob der charakteristische Kursanstieg unmittelbar nach
der Ankündigung von Entlassungen mehr auf der kollektiven Annahme der Investoren beruht, daß andere
Anleger auf diese Nachricht ebenfalls positiv reagieren
werden, als auf einer Veränderung der fundamentalen
Bedingungen.
Auf längere Sicht
Wie steht es um die längerfristige Perspektive?
Möglicherweise dauert es etwas länger, bis radikale
Schnitte Wirkung zeitigen. Mir sind keine fundierten
Untersuchungen über die längerfristigen Folgen tiefer
Einschnitte für die Unternehmensbilanzen bekannt,
und ich würde eine solche Studie gerne kennenlernen.
Investoren wie Sie jedoch, die an dem längerfristigen
Unternehmensergebnis interessiert sind, sollten zumindest in Betracht ziehen, welche unbeabsichtigten
Konsequenzen sich wahrscheinlich aus einer Strategie ergeben werden, die den alten stillschweigen Arbeitsvertrag zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern abschafft.
Als erstes bleiben Arbeitsmoral und Loyalität der Arbeitnehmer auf der Strecke, die ihren Arbeitsplatz
behalten. Obwohl sich diese Aktiva nicht unmittelbar
in den Bilanzen niederschlagen, gehören hohe Arbeitsmoral und Loyalität häufig zu den wichtigsten
Aktivposten einer Firma. In immer größerem Umfang
lassen sich finanzielle und physische Anlagen eines
Unternehmens von Wettbewerbern kopieren. Was die
Konkurrenten jedoch nicht kopieren können, sind die
Bereitschaft von Mitarbeitern, sich besonders zu engagieren, Zeit und Mühe zu investieren, um bessere
Methoden zur Produktion von Waren und Dienstleistungen zu entdecken und die Wünsche des Kunden
zu erfüllen. Die Streichung von Stellen kann diese
Aktivposten auf eine Art und Weise gefährden, die sich
nicht in Bilanzen niederschlägt, aber mehr bedeutet,
als weniger subtile Verluste.

Ein Großteil des wahren Wertes von Humankapital
besteht in der Fähigkeit von Arbeitnehmern, in der
Zukunft das Wissen einzusetzen, das sie in den Vergangenheit an ihrem Arbeitsplatz gesammelt haben.
Das Wissen um Produkte, Technologien oder Kunden
kann (und sollte) in einen Strom von kleinen und
großen Innovationen münden. Finanzvorstände neigen dazu, nur den Lohn und die Zusatzleistungen
eines Mitarbeiters zu betrachten, die kaum durch die
gegenwärtige Wertschöpfung desselben Mitarbeiters
wettgemacht werden. Sie sehen nicht den künftigen
Wert, den der Beschäftigte durch die Kumulierung
seiner Erfahrung erwirtschaften wird.
Vor einigen Jahren bat mich eine Gruppe von Konstrukteuren einer großen Computerfirma, an der Konzeption einer Strategie mitzuwirken, um die Finanzfachleute des Unternehmens davon zu überzeugen,
warum die Firma den Auftrag zur Herstellung einer
bestimmten Baugruppe nicht nach außen vergeben
sollte.
"Sie meinen, es sei billiger, zu kaufen anstatt zu
bauen", klagte einer der Konstrukteure, "und für
heute betrachtet, trifft das auch zu. Wenn wir sie
jedoch nicht bei uns herstellen, werden wir nicht
die Erfahrung und das Wissen sammeln, das
mit dem Fertigungsprozeß verbunden ist. Infolgedessen können wir ein ganzes Produktspektrum nicht entwickeln, das wahrscheinlich aus
dieser Baugruppe entstehen wird. Wir werden
sogar die Fähigkeit verlieren, beim Ankauf anderer
Baugruppen als vernünftige Kunden aufzutreten."
Die Finanzexperten besaßen keinen Maßstab um zu
ermessen, was die Firma opferte, weil es zu jenem
Zeitpunkt schlicht unmöglich war, diese potentiellen
Verluste zu beziffern, und sie den nackten Zahlen
deshalb nichts entgegensetzen konnten. Aber hätten
sie den Kapitalwert von kumulativer Erfahrung und
Wissen auch nur berücksichtigt, hätten sie vielleicht
eine anderen Entscheidung als die letztlich von ihnen
gefällte getroffen, und das Unternehmen wäre heute
vielleicht erfolgreicher.
Eine Alternative

Beschäftigte, die befürchten, daß sie als Nächste an
der Reihe sind, werden sich nicht gerade bemühen,
nach arbeitssparenden Innovationen zu suchen. Sie
werden nicht von sich aus die zusätzliche Zeit und
Energie investieren, die so häufig den Ausschlag geben.
Der alte stillschweigende Vertrag, der die Beschäftigten ermutigte, ihre eigene Zukunft als mit der des
Unternehmens verflochten zu betrachten, wird auf den
Kopf gestellt. Das Unternehmen kann sich nicht auf
seine Arbeitnehmer verlassen, weil sich die Arbeitnehmer nicht auf das Unternehmen verlassen können.

Sicherlich läßt sich argumentieren, daß trotz dieser
Einbußen die Strategie des Schlachtens immer noch
der Alternative vorzuziehen ist, den Unternehmen zu
gestatten, im alten Schlendrian weiterzumachen.
Solange die Einschnitte die Wertschöpfung pro Arbeitnehmer erhöhen, ist der Arbeitsplatzabbau sinnvoll,
selbst wenn erteilweise auf Kosten von Arbeitsmoral,
Loyalität, Wissen und Erfahrung von Mitarbeitern geht.
Der Prüfstein, auf den es ankommt, ist die Rentabilität.

Eine weitere Einbuße, die sich ebenso schwierig
quantifizieren läßt aber nicht weniger bedeutsam ist,
besteht in dem Verlust an Wissen und Erfahrung
derjenigen, deren Arbeitsplätze gestrichen werden.

Das ist ein starkes Argument, aber es wäre noch
überzeugender, wenn das einzige Mittel zur Erhöhung
der Wert Schöpfung pro Arbeitnehmer die Schlachtmethode wäre. Es ist jedoch noch ein weiterer Ansatz

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�möglich. Auf die Gefahr hin, die Metapher überzustrapazieren, möchte ich ihn als die Bäckermethode bezeichnen. Der Metzger verbessert die Produktivität,
indem er alles wegschneidet, was ihm überflüssig
erscheint. Der Bäcker verbessert sie, indem er die zur
Verfügung stehenden Zutaten kombiniert, um eine
völlig neue und unzweifelhaft wertvollere Mischung
hervorzubringen.
Der Bäcker investiert in die Qualifikationen seiner
Arbeitnehmer, indem er - am Arbeitsplatz ebenso wie
außerhalb - Aus- und Fortbildung zur Verfügung stellt.
Der Bäcker gibt den Arbeitnehmern in der vordersten
Linie beträchtliche Befugnisse bei Produktion und
Verkauf. Durch die Verknüpfung von Löhnen und
Gewinnen oder Produktivität bietet der Bäcker ein
gewisses Maß an Arbeitsplatzsicherheit.
Wenn die Streichung von Arbeitsplätzen unbedingt
erforderlich ist, führt sie der Bäcker auf humane Weise
durch. Soweit wie möglich erfolgt der Abbau durch die
Nichtbesetzung freiwerdender Stellen. Wo zusätzliche Entlassungen notwendig sind, werden die Arbeitnehmer viele Monate vor dem Verlust von Lohn und
Zusatzleistungen benachrichtigt, und es wird ihnen
Hilfe bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz
geboten. Mit anderen Worten: Anstatt Arbeitsmoral,
Loyalität, Erfahrung und Wissen der Beschäftigten
preiszugeben, werden sie von der Bäckerstrategie als
die für die Mischung unerläßliche Hefe gefördert.
Es gibt zunehmende Beweise für die Wirksamkeit der
Bäckerstrategie. Eine breit angelegte Überprüfung
von 27 ökonometrischen Studien gelangte zu der
Schlußfolgerung, daß durch Gewinnbeteiligung die
Produktivität im allgemeinen um 3,5 bis 5 Prozent
erhöht wird. Von 29 Studien, in denen die Beteiligung
der Beschäftigten an betrieblichen Entscheidungen
untersucht wurde, ergaben 14 positive Auswirkungen
auf die Produktivität, während zwei negative und 13
uneinheitliche Auswirkungen anzeigten. Auch im Hinblick
auf unternehmenseigene Ausbildungsprogramme deutet
vieles auf positive Auswirkungen auf die Produktivität
hin. So ergab eine Studie, daß in jeder von vier
Berufsgruppen (darunter sowohl Angestellte als auch
Arbeitnehmer in der Produktion) die Firmen, die ein
offizielles Ausbildungsprogramm eingeführt hatten, einen
um 17 Prozent höheren Produktivitätszuwachs verzeichneten als Firmen, die dies nicht getan hatten.
Die Kombination aus Engagement, Gewinnbeteiligung,
Ausbildung und Arbeitsplatzsicherheit hat erwiesenermaßen größere Auswirkungen als eine einzelne Bäkkerstratagie für sich. Einer Studie des Massachusetts
Institute of Technology (MIT) zufolge, in der Automobilfabriken mit ähnlicher Technologie verglichen wurden, stellten Fabriken, die eine Kombination dieser
Ansätze durchführten, Automobile in durchschnittlich
22 Stunden und mit 5 Mängeln pro Auto her, während
in traditioneller ausgerichteten Werken dafür 30 Stunden aufgewendet werden mußten, bei 8 Mängeln pro
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Auto. Eine detaillierte Untersuchung der Stahlindustrie ergab, daß in Fertigungsstraßen mit Arbeitsplätzen, bei denen eine Kombination dieser Strategien
angewendet wurde, die Arbeit zu 98 Prozent fristgerecht erfüllt wurde, während dies bei Fertigungsstraßen, in denen keine dieser Strategien zum Tragen
kam, lediglich zu 88 Prozent zutraf.
Wird anstatt der Metzger- die Bäckerstrategie eingesetzt, kommt die so gewonnene Produktivität unmittelbar in höheren Gewinnen zum Ausdruck. Eine Untersuchung von 700 Firmen aus allen wesentlichen Industriezweigen kam zu dem Ergebnis, daß Unternehmen, die eine oder mehrere Bäckerstrategien anwendeten, zwischen 1986 und 1991 höhere Gewinne
ausschütteten als Firmen, die dies nicht taten.
Die Nation
Abgesehen von den relativen Vorteilen der Metzgerstrategie gegenüber der Bäckerstrategie für das wirtschaftliche Ergebnis einzelner Unternehmen erhebt
sich darüber hinaus die Frage nach der Wirtschaftsleistung als Ganzes. Eine der großen Stärken der amerikanischen Wirtschaft ist ihr flexibler und mobiler Arbeitsmarkt. Wir sind in der Lage, uns rasch auf Veränderungen in Technologie und Marktnachfrage einzustellen, weil Kapital und Arbeit frei sind, schnell zu
reagieren. Aber auch hier stellt sich die Frage: Geht
die derzeitige Runde des Arbeitsplatzabbaus zu weit?
Arbeitnehmer sind auch Verbraucher. Arbeitnehmer,
die ihren Arbeitsplatz verloren und noch keinen neuen
gefunden haben, werden weniger konsumieren als
diejenigen, die eine Vollzeitstelle haben. Angst vor
Einkommensverlust wirkt dämpfend auf den Konsum.
Vollzeitbeschäftigte, die Angst um ihren Arbeitsplatz
haben, neigen dazu, jeden Dollar zweimal umzudrehen. Wir stellen fest, daß nicht einmal der Anreiz
niedriger Zinsen viel dazu beiträgt, den Verbrauch
anzukurbeln, wenn die Angst um den Arbeitplatz weit
verbreitet ist.
Im Gegensatz zu den Büchern eines Unternehmens,
die nach dem Abbau von Arbeitsplätzen für die verbleibenden Beschäftigten einen Produktivitätszuwachs
verzeichnen mögen, muß die Wirtschaftsleistung einer Nation als Ganzes das Schicksal derjenigen einbeziehen, die ausgeschieden sind. Wenn Arbeitnehmer,
die ihren Arbeitsplatz verloren haben, umgehend neue
Stellen finden, in denen sie ebenso produktiv, wenn
nicht noch produktiver sein können, wird die Gesamtproduktivität des Landes eindeutig erhöht. Wir alle
können uns ein besseres Leben leisten. Aber für
immer weniger Amerikaner, die ihren Arbeitsplatz
verlieren, ist das so leicht.
Die typische Dauer der Arbeitslosigkeit nimmt weiter
zu. In den siebziger Jahren waren durchschnittlich 11
Prozent der Arbeitslosen landesweit sechs Monate
oder länger ohne Beschäftigung. In den achtziger
Jahren waren es 15 Prozent und in den neunziger
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�i
Jahren bisher 16 Prozent. Im vergangenen Jahr
hatten 21 Prozent der Arbeitslosen sechs Monate oder
länger nicht gearbeitet - im Jahresdurchschnitt die
zweithöchste Zahl seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, und über die Hälfte aller freigesetzten Arbeitnehmer sind auch ein Jahr später noch arbeitslos oder
haben Arbeitsplätze, auf denen sie weniger als 80
Prozent ihres früheren Lohns verdienen.
Wir alle zahlen den Preis, und zwar nicht nur in Form
verlorener Arbeitsleistung und Steuereinnahmen. Die
aus der Lohnsummensteuer bezahlten Ausgaben der
Arbeitslosenversicherung betrugen in den vergangenen fünf Jahren inflationsbereinigt durchschnittlich 22
Milliarden Dollar jährlich. Weitere Bundeshilfen für
diejenigen, deren normale Versicherungsleistungen
bereits aufgebraucht sind, haben den amerikanischen
Steuerzahler in jedem der beiden letzten Jahre weitere
12 Milliarden Dollar gekostet. Es ist mir unmöglich, die
Sozialhilfeausgaben für die Arbeitnehmer (und deren
Familien) zu beziffern, die auch diese zusätzlichen
Hilfen ausgeschöpft haben.

ein Jahr bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber beschäftigt,
62 Prozent weniger als fünf Jahre. Das andere Extrem
ist Japan, wo lediglich 10 Prozent der Arbeitnehmer
weniger als ein Jahr bei einem Arbeitgeber angestellt
waren und 37 Prozent weniger als fünf Jahre. Deutschland und Frankreich lagen näher an Japan, während
Großbritannien, Australien und Kanada näher an den
Vereinigten Staaten lagen. Lediglich 25 Prozent der
Amerikaner arbeiteten mindestens 10 Jahre für denselben Arbeitgeber, während dies in Japan, Deutschland und Frankreich auf über 40 Prozent zutraf.

Die durchschnittliche Länge der Beschäftigung an
einem Arbeitsplatz steht unmittelbar im Verhältnis zum
Angebot von Aus- und Fortbildung durch den Arbeitgeber. In den Vereinigten Staaten werden lediglich 20
Prozent der Arbeitnehmer von den Unternehmen offiziell ausgebildet, während dies in Japan und Deutschland für 70 Prozent gilt. Bevor sich ein Unternehmen
bereit findet, in die Ausbildung zu investieren, muß es
augenscheinlich zunächst ein gewisses Maß an Sicherheit haben, daß der Arbeitnehmer noch Jahre bei
der Firma bleiben wird, damit sich diese Ausbildung
Die Regierung arbeitet zurZeit an einem umfassenden auch bezahlt macht. Backen und Schlachten sind
Programm, um diesen arbeitslosen Amerikanern zu unvereinbar.
helfen, so bald wie möglich nach der Entlassung neue,
gute Arbeitsplätze zu finden. Hilfe bei der Arbeitsplatz- Ich möchte weder übertreiben, noch die Gegensätze
suche, Beratung, aktuelle Informationen darüber, wo zu kraß darstellen. Viele hervorragende Unternehmen
sie neue Arbeitsplätze finden können, die ihren Quali- in den Vereinigten Staaten bauen Arbeitsplätze ab und
fikationen entsprechen, Umschulung und zusätzliche bemühen sich gleichzeitig darum, die Qualifikationen
Einkommensbeihilfen während der Umschulung - all und das Engagement ihrer Stammbelegschaft zu
dies ist dringend erforderlich angesichts der Verände- verbessern. Ich möchte lediglich auf die Schwierigkeirungen in der Technik und auf den Weltmärkten, die ten hinweisen, die sich ergeben, wenn man beides tun
den Amerikanern heute raschere Arbeitsplatzwechsel möchte. Ein Bodensatz von Furcht oder Mißtrauen
abverlangen als je zuvor. Durch die gegenwärtige könnte die Fähigkeit oder den Willen der verbleibenEntlassungswelle tritt diese Notwendigkeit jedoch noch den Arbeitnehmer schmälern, sich zu engagieren. Um
stärker in den Vordergrund.
der langfristigen Ertragskraft des Unternehmens willen
und zum Nutzen der amerikanischen Volkswirtschaft
Die Wahl
ist es vielleicht sinnvoller, den Abbau von Arbeitsplätzen als letztes Mittel zu betrachten, und, wenn man zu
Der Abbau von Arbeitsplätzen kann sicherlich ein diesem Mittel greift, den Arbeitnehmern frühzeitige
wirksames Mittel sein, um die Arbeitnehmer eines Vorwarnungen und umfassende Hilfen bei der VorbeLandes an solche Arbeitsplätze zu leiten, an denen sie reitung und Suche nach einer neuen Stelle zu bieten.
mit ihren derzeitigen Qualifikationen am produktivsten
eingesetzt werden können. Tatsächlich erhöht dies Sie sind keine Zuschauer bei diesem großen wirtjedoch nicht den Wert, den ein Arbeitnehmer in die schaftlichen Turnier. Sie führen Buch über den PunkWirtschaft einbringt in dem Sinne, daß es nicht die testand und legen bisweilen die Ziele fest. Sie haben
Qualifikationen oder das Wissen oder andere dem großen Einfluß auf die Anreize für die Mitspieler. Die
Arbeitnehmer eigene Fähigkeiten zur Schaffung von Rollen, die Sie spielen, erlegen Ihnen Pflichten auf Wohlstand verbessert. Die Arbeit wird lediglich umver- Pflichten als Vertreter Ihres Berufsstandes und als
teilt.
Bürger. Ich appelliere an Sie, die Fakten im Hinblick
Man kann nicht alles haben: Je mehr wir schlachten,
desto weniger backen wir. Andere moderne Industriestaaten stehen vor derselben Wahl und haben sich
mehr für das Backen entschieden. In diesem Zusammenhang ist eine neuere Studie der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) aufschlußreich. Im Jahr 1991 waren 29
Prozent deramerikanischen Arbeitnehmer weniger als

darauf eingehend zu prüfen, ob Stellenabbau gut für
ein Unternehmen ist. Ich bitte Sie, um des ganzen
Landes willen zu überlegen, ob wir nicht zu weit gehen.
Sie sollten sich aller Konsequenzen der Signale, die
Sie aussenden, und der Positionen, die Sie einnehmen, bewu ßt sein, und zwar nicht nur in der derzeitigen
Runde des Spiels, sondern auch in der nächsten und
übernächsten. Die Bewahrung der Zukunft ist schließlich die Quintessenz Ihres Berufsstandes.

* *
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�ARBEITSWELT
9. März 1994

GEWERKSCHAFTEN FORDERN "GLOBALEN
NEW DEAL" AUF DEM ARBEITSMARKT
Arbeitslosigkeit ist gravierendstes wirtschaftliches Problem

WASHINGTON - (AD) - Im Vorfeld der für den 14. und
15. März 1994 in Detroit anberaumten Konferenz über
die Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt haben 23 Gewerkschaftsvertreter
aus den G-7-Staaten einen "globalen New Deal" vorgeschlagen und ein koordiniertes Programm zur Sicherung eines langfristigen Beschäftigungsanstiegs
gefordert.
Die Gewerkschaftsfunktionäre äußerten ihre Forderung am 3. und 4. März gegenüber Arbeitsminister
Robert Reich im Hauptsitz des amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands.
In dem von ihnen vorgelegten Dokument warnen sie,
daß "Arbeitslosigkeit, nicht Inflation die Hauptgefahr
darstellfund sprechen sich gegen hohe Zinssätze und
sogenanntes "dogmatisches Festhalten" an "marktwirtschaftlichen Theorien" aus. Ferner beklagen sie
die während der achtziger Jahre erfolgte "Unterminierung von Arbeitsnormen".
Den Gewerkschaftsvertretern zufolge, die den Beratungsausschuß des Gewerkschaftsdachverbands bilden, sollte die Konferenz von Detroit Verhandlungen
über eine in das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT) aufzunehmende Klausel zu Arbeitnehmerrechten einleiten. Derzeit ist der Präsident des
amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands, Lane
Kirkland, Vorsitzender des Beratungsausschusses.
Der Ausschuß dient der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der
die G-7-Staaten angehören, als Berater.
Die führenden Arbeitnehmervertreter warnten auch
davor, die Arbeitslosen durch den Abbau sozialer
Sicherheit und die Senkung von Löhnen in die Rolle der
"arbeitenden Armen"zu drängen. Sie stellten fest, daß
mehrere G-7-Staaten zweistellige Arbeitslosenzahlen

AMERIKA DIENST 10

zu beklagen haben und unterbreiteten den Vorschlag,
den Arbeitsnehmern sicherere Arbeitsplätze anzubieten.
Neben der Aufnahme von Arbeitnehmerrechten in
Handelsvereinbarungen fordert der "globale New Deal"
von den Industriestaaten die Verwendung öffentlicher
Gelder für Arbeitsbeschaffungsprogramme wie Investitionen in die Infrastruktur, gezielte Forschung und
Entwicklung sowie Strategien zur Konversion militärischer Güter. Er schlägt "konzertierte und koordinierte"
Maßnahmen zur Förderung des Beschäftigungswachstums in allen G-7-Staaten vor. Ferner erneuert er die
beim Tokioter Gipfel abgegebene Gewerkschaftserklärung und spricht folgende Empfehlungen aus:
Die Entwicklung von Märkten "durch die Abschaffung der Armut weltweit und die Aufnahme
einer Sozialklausel in sämtlichen Handelsvereinbarungen".
Eine "beträchtliche Erweiterung" von Bildung
und Ausbildung.
Die "Verringerung und Neuorganisation der
Arbeitszeit sowie die Verlängerung der Ausbildungszeit".
Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und
Gewerkschaften über "zivilisierten Umgang mit
dem Wandel". In dem Dokument ist zu lesen:
"Eine ausgehandelte Kürzung der Arbeitszeit
stellt eine weitaus bessere Reaktion auf Rationalisierung dar als Massenentlassungen."
Die 23 Gewerkschaftsfunktionäre vertreten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada u nd die Verein igten Staaten sowie vier internationale gewerkschaftliche Organisationen - den interna-

Seite 1

�tionalen Verband freier Gewerkschaften, der Weltverband der Arbeitnehmer, den europäischen Gewerkschaftsbund und den Beratungsausschuß des amerikanischen Gewerkschaftsdachverbands.

Präsident Clinton führende Kabinettsmitglieder aus
den G-7-Staaten teilnehmen, die sich mit dem Problem der Schaffung von Arbeitsplätzen und Ankurbelung von Wirtschaftswachstum befassen.

An der Konferenz über die Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt werden neben

* * * *

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AMERIKA DIENST 10

�ARBEITSWELT
9. März 1994

GLOBALE NACHFRAGE IM MITTELPUNKT
DER ARBEITSPLATZKONFERENZ
USA skeptisch über Wachstumsprognose für Japan

WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär im Finanzministerium, Larry Summers, zufolge werden amerikanische Regierungsvertreter die Bedeutung der
Schaffung von Arbeitsplätzen für die Erhöhung der
globalen Nachfrage betonen, wenn Kabinettsmitglieder der führenden Industriestaaten am 14. und 15.
März in Detroit auf der Konferenz über die Schaffung
von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt
zusammentreffen.
Vor einer internationalen Gruppe von Bankiers erklärte
Summers am 7. März, selbst im Falle einer Inflationsrate von 0 Prozent in den europäischen Volkswirtschaften würden deren Arbeitslosenquoten aufgrund
des geringen Sozialprodukts über der 10-ProzentMarke bleiben.
Die Arbeitslosigkeit in Europa ist Summers zufolge seit
1990 um 50 Prozent angestiegen. Gleichzeitig blieb
das Sozialprodukt relativ gering. 1993 stieg es in
Deutschland und Frankreich um weniger als 2 Prozent
an.
"Der Hauptgrund dafür, warum die Arbeitslosigkeit (in
Europa) so viel höher ist, sind die verkrusteten Strukturen der Arbeitsmärkte", äußerte Summers.
In dieser Hinsicht können seiner Meinung nach strukturbezogene Lösungen von Bedeutung sein.
Ein struktureller Ansatz stelle jedoch nur eine teilweise
Lösung dar und ohne einen stärkeren Anstieg der
Nachfrage werde die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr
hoch bleiben.
Summers stellte fest, der fortgesetzt große Handelsbilanzüberschuß Japans habe die globale Nachfrage
gelähmt, und solange Japan seinen Konsum unterdrücke, komme es seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach.

AMERIKA DIENST 10

Summers ist skeptisch über die Prognose eines 2,8prozentigen Wachstums des Bruttoinlandsprodukts in
Japan im am 1. April 1994 beginnenden Haushaltsjahr.
Ihm zufolge gewährt Japan weiterhin nicht in demselben Maße Zugang zu seinem Markt wie die übrigen
Länder.
Der Staatssekretär wiederholte die Behauptung der
Administration, die von den Vereinigten Staaten für
Japan angestrebten wirtschaftlichen Indikatoren seien
nicht Ziele um ihrer selbst willen, sondern Maßnahmen
um entscheiden zu können, ob der Zugang zum japanischen Markt verbessert werde.
"Auf den Gebieten, auf denen die Marktkräfte funktionieren, streben wir keinen gelenkten Handel an", so
Summers. Vielmehr bestehe das Ziel der Administration darin, auf Bereiche Einfluß zu nehmen, in denen
die japanische Regierung bereits eine zentrale Rolle
spiele.
Summers machte auch den Vorschlag, daß die internationalen Finanzinstitutionen wie die Weltbank und
der Internationale Währungsfonds in Zukunft eine
kleinere Rolle bei makroökonomischer Hilfe und eine
größere Rolle bei der Beschleunigung des Flusses
privater Gelder und der Finanzierung wichtiger Sozialprogramme in Bereichen wie Umwelt und Familienplanung spielen sollten.
Er wies erneut auf die Bedeutung hin, welche der
Verbindung zwischen Finanzhilfen aus dem Westen
und Wirtschaftsreformen in Ru ßland sowie anderen im
Übergang zur Marktwirtschaft befindlichen Staaten
zukommt.
Die osteuropäischen Länder, die die strengsten Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation ergriffen haben,
wie Polen und die Tschechische Republik, erlebten die

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                <text>Amerikadienst 09.03.1994</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bosnier und Kroaten schließen historisches Rahmenabkommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Baustein für den Frieden in Bosnien&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Handel&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Kantor verteidigt Inkraftsetzung von Handelsartikel Super 301&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Geschichte und Anwendung von Super 301&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Eine Übersicht vom Büro des US-Handelsbeauftragten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Arbeitswelt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Reich skizziert Herausforderungen der Arbeitsplatzkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Treffen führender Vertreter der G-7 in Detroit&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von Metzgern und Bäckern &lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Robert B. Reich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaften fordern "globalen New Deal" auf dem Arbeitsmarkt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Arbeitslosigkeit ist gravierendstes wirtschaftliches Problem&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Globale Nachfrage im Mittelpunkt der Arbeitsplatzkonferenz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;USA skeptisch über Wachstumsprognose für Japan&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Partnerschaft für Frieden&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Partnerschaft für den Frieden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spiegel: Schindlers Liste ist eine Lehre für uns alle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Menschenrechtskommission sieht Spielbergs Film&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

2. März 1994

*

BOSNIEN

CLINTON: NATO-AKTION IN BOSNIEN
ERFÜLLTE UNO-MANDAT
Ausweitung des Krieges auf
Luftraum sollte verhindert werden

NAHER OSTEN

CLINTON BERAUMT TREFFEN ZWISCHEN
ISRAELIS UND PALÄSTINENSERN IN
WASHINGTON AN
Reaktion auf das Massaker in Hebron

AUSSENPOLITIK

SPIONAGE RUSSLANDS GEGEN
USA "INAKZEPTABEL"
Rede des Außenministers vor Kongreß

KSZE

DIE KSZE: STRATEGIE UND ZIELSETZUNG
Rede von Botschafter Kornblum

AUSLANDSHILFE

GLEICHBERECHTIGUNG IST SCHLÜSSELELEMENT DES AUSLANDSHILFEGESETZES
Rede von AID-Direktor Atwood

ARBEITSWELT

BESCHÄFTIGUNGSKRISE IM WESTEN
HAT EINE LANGE GESCHICHTE
Studie der American Express Bank

BEVÖLKERUNG

USA BEREITEN SICH AUF
BEVÖLKERUNGSKONFERENZ VOR
Vorbereitungssitzung im April in New York

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
2. März 1994

CLINTON: NATO-AKTION IN BOSNIEN
ERFÜLLTE UNO-MANDAT
Ausweitung des Krieges auf Luftraum sollte verhindert werden
WASHINGTON - (AD) - Die Durchsetzung der UNFlugverbotszone über Bosnien durch die NATO sollte
verhindern, "daß der Krieg auch aus der Luft geführt
werden könnte", erklärte Präsident Clinton am 28.
Februar 1994.
Der amerikanische Regierungschef erinnerte daran,
daß die NATO nicht auf Verletzungen der Flugverbotszone durch Hubschrauber reagiert hatte, die Personal
und Nachschub in das Konfliktgebiet brachten und
stellte fest, die Verletzung vom 28. Februar sei die
erste durch Starrflügler erfolgte seit September vergangenen Jahres. Er äußerte, eine Verletzung des
Flugverbots durch Starrflügler sei "bedeutend ernster,
da sie die Fähigkeit besitzen, an militärischen Vorhaben aus der Luft teilzunehmen".
Vier bosnisch-serbische Flugzeuge wurden abgeschossen, nachdem sie acht Bomben auf ein Krankenhaus
und ein Lager in der Nähe von Novi Travnik im von
Muslimen kontrollierten Zentralbosnien abgeworfen
hatten. Anderen Berichten zufolge waren die Ziele ein
Krankenhaus und eine Munitionsfabrik.
Frühwarnflugzeuge der NATO spürten um 5.31 Uhr
mitteleuropäischer Zeit sechs vom jugoslawischen
Unternehmen Soko gebaute Flugzeuge G-4 Super
Galeb (Seemöve) 'm der Flugverbotszone auf, so Admiral
Mike Boorda, der örtliche NATO-Befehlshaber. Auf
einer Pressekonferenz am 28. Februar im Hauptquartier der Allierten Streitkräfte Südeuropa in Neapel
erklärte Boorda, die Piloten an Bord der F-16 der
NATO, welche die Flugverbotszone der NATO patroullierten, hätten die serbischen Piloten gewarnt, die
Zone zu verlassen oder auf dem serbischen Militärflughafen Banja Luka zu landen. Die Serben ignorierten
ihm zufolge auch eine zweite Warnung, sie sollten die
Flugverbotszone verlassen oder landen, sonst würden
sie von den beiden F-16 der NATO angegriffen, die mit
amerikanischen Piloten an Bord vom NATO-Stützpunkt bei Aviano in Italien gestartet waren.

AMERIKA DIENST 9

Als die Super Galeb mit der Bombardierung begannen,
erhielten die F-16 die Erlaubnis zum Eingreifen und
schössen drei der Flugzeuge ab. Als eine zweite F-16
die vierte Super Galeb abschloß, verließen die zwei
verbleibenden Flugzeuge den Luftraum über Bosnien.
Laut Boorda wurden die beiden Super Galeb nicht von
den F-16 verfolgt und die amerikanischen Piloten
sahen auch nicht, ob die serbischen Piloten sich mit
dem Schleudersitz retten konnten.
Der französische General Jean Cot, der Oberkommandierende der UNO-Schutztruppen (UNPROFOR),
gab nach der Militäraktion des Bündnisses eine Erklärung ab, daß "alle Schritte der NATO-Operation in
strikter Übereinstimmung mit den zur Überwachung
der Flugverbotszone vereinbarten Verfahren" stattfanden.
Präsident Clinton stellte fest, es seien zwei Warnungen abgegeben worden. "Es wurde jeder Versuch
unternommen ... diesen Zusammenstoß zu vermeiden. ... Nach dem UN-Mandat (den Resolutionen des
UN-Sicherheitsrats) hatten die Vereinigten Staaten die
Aufgabe zur Durchsetzung des Flugverbots, um die
Möglichkeit auszuschließen, daß der Krieg auch aus
der Luft geführt werden könnte", so der Präsident.
Clinton äußerte sich vor Journalisten, als erdas Weiße
Haus verließ, um in Chicago Redetermine wahrzunehmen und in Pittsburgh mit dem britischen Premierminister John Major zusammenzutreffen. Clinton und
Major werden ein privates Abendessen in Pittsburgh
einnehmen, wo der Großvater und der Vater des
Premierministers gelebt hatten, und später gemeinsam nach Washington zurückkehren.
In Chicago antwortete der Präsident auf eine Frage,
Washington hätte wegen des Vorfalls im bosnischen
Luftraum mit russischen Regierungsvertretern "in Kontakt
gestanden" und Moskau darüber informiert, dies habe
"nichts mit den Aktionen um Sarajevo zu tun", stehe
aber in Zusammenhang mit der weiteren Durchset-

Seite 1

�zung der UNO-Flugverbotszone. Rußland hat unge- Gore äußerte Journalisten gegenüber, der Vorfall könnte
fähr 400 Soldaten entsandt, um sich an der Überwa- die Chancen für eine Lösung der Bosnienkrise erhöchung des Rückzugs serbischer Artillerie um Sarajevo hen und wies darauf hin, der Zwischenfall sende eine
zu beteiligen; die Serben befolgten das Flugverbot "klare und entschiedene" Botschaft, welche die Erkläunter Androhung von Luftschlägen der NATO.
rungen der NATO und der UNO "stärkt".
Vor seinem Treffen mit Präsident Clinton traf Premierminister Major im Weißen Haus mit Vizepräsident AI
Gore zusammen. Erteilte Reportern mit, die Flugverbotszone sei von den serbischen Flugzeugen "eindeutig verletzt" worden. "Es gab keinen Grund für die
Anwesenheit der Flugzeuge dort. Sie verfolgten feindliche Absichten", so Major.

Unterdessen erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Michael McCurry, der Vorfall sei "eine sehr klare
Demonstration von Seiten der NATO, daß sie zur
Durchsetzung des Flugverbots entschlossen ist".

Obwohl es schwierig sei, Spekulationen über die Motive
der bosnischen Serben anzustellen, so McCurry, reiche die Analyse der bosnisch-serbischen Aktion durch
Major stellte fest, die Serben seien gewarnt worden, zu das Außenministerium "von schierer Dummheit zu
landen oder den bosnischen Luftraum zu verlassen, einer Art Testfall für die NATO".
hätten die Warnungen jedoch ignoriert. "Sie beachteten diese Warnung nicht", so der Premierminister. "Sie Auf Fragen stellte er fest, Vertretern der NATO zufolge
wurden abgeschossen und konnten offen gesagt auch seien sieben T-55-Panzer am 28. Februar von einer
Reparatureinrichtung nahe Sarajevo entfernt und unnichts anderes erwarten."
ter Kontrolle der UNPROFOR gestellt worden.
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Seite 2

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AMERIKA DIENST 9

�NAHER

OSTEN
2. März 1994

CLINTON BERAUMT TREFFEN ZWISCHEN ISRAELIS
UND PALÄSTINENSERN IN WASHINGTON AN
Reaktion auf das Massaker in Hebron
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton berief am 25. Februar 1994 als Reaktion auf den Zwischenfall in
Hebron die israelischen und palästinensischen Unterhändler in Washington ein und forderte sie zum Verbleib
am Verhandlungstisch auf, bis ihrem Rahmenabkommen Substanz verliehen worden sei.

Clinton erklärte, als unverzügliche Reaktion auf das
Massaker in der Abraham Moschee in Hebron im
Westjordanland habe Außenminister Christopher die
Zustimmung des israelischen Ministerpräsidenten
Yitzhak Rabin und des Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation, Yasser Arafat, zur
Einberufung der Sitzung in Washington erhalten.
Nachrichtenberichten zufolge hatte ein extremistischer
israelischer Siedler 20 Betende in der Moschee getötet
und über 100 verwundet.
Auf eine Frage antwortete Clinton, er habe das Treffen
in Washington aufgrund von "Umfang und Hintergrund"des Massakers sowie der Tatsache einberufen,
daß der Zeitpunkt "wegen der Vereitelung des Friedensprozesses zweifelsohne das Leben Hunderttausender beeinflußt. Ich hoffe, die Staatskunst der
Politiker in der Region und die Aufmerksamkeit für
dieses schreckliche Problem werden nicht nur das
entschärfen, was zu einer noch viel schlimmeren Runde
des Mordens und der Vergeltungsschläge führen könnte,
sondern auch tatsächlich dazu benutzt, das Ziel der
Mörder zu vereiteln und den Friedensprozeß zu beleben."
Clinton zufolge haben die beiden Politiker zugestimmt,
"ihre Unterhändler... möglichst bald nach Washington
zu entsenden, die dort bis zur Beendigung ihrer Arbeit
ununterbrochen tagen sollen". Die beiden Seiten
arbeiten an der Umsetzung der im September letzten
Jahres im Weißen Haus unterzeichneten Grundsatzerklärung. Sie fordert Israel auf, den Gaza-Streifen
und die Stadt Jericho im Westjordanland palästinensischer Verwaltung zu unterstellen.

AMERIKA DIENST 9

Ein hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter
stellte fest, eine intensivere Runde der Gespräche in
Washington könne bereits in der kommenden Woche
beginnen sowie die israelischen und palästinensischen
Unterhändler einbeziehen, die in einer Reihe von Sitzungen in Taba und Kairo "ermutigende Fortschritte"
erzieh hätten. Die verbleibenden Themen würden sich
vermutlich um Sicherheitsfragen im Gaza-Streifen und
Jericho einschließlich der Rolle der palästinensischen
Polizei, der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Israel
und den Palästinensern sowie der Übergabe der
Regierungsgewalt von den Israelis an die Palästinenser in 45 oder 46 Orten drehen.
Ziel der Vereinigten Staaten, so der Beamte, sei "die
Beschleunigung der Verhandlungen... und ihrbaldiger
erfolgreicher Abschlu ß". Im "wesentlichen" beschränke sich die amerikanische Rolle auf "Unterstützung", er
räumte jedoch ein, Regierungsvertreter würden "aktiv"
vermitteln. Amerikanische Diplomaten, erläuterte der
hochrangige Beamte, würden Gespräche mit beiden
Seiten führen, deren Erfordernisse sondieren und
beurteilen, wie die jeweilige Seite die Position der
anderen interpretiert. "Wir können dazu beitragen, die
Differenzen auszumachen und manchmal bei der
Klärung des Verständnisses der Sichtweise der anderen Seite behilflich sein."
Dem Regierungsvertreter zufolge hat Clinton die Einladung nach Washington ausgesprochen, weil das
Massaker in der Moschee "das Potential zur Vernichtung der bereits erzielten Fortschritte hat. Wir wollten
sicherstellen, daß der Prozeß nicht vereitelt wird und
wir alles in unserer Macht Stehende tun, damit dieser
Fall nicht eintritt."

Seite 1

�Das Ziel der Vereinigten Staaten sei, auf ein möglichst
baldiges Abkommen zu drängen in der Überzeugung,
"daß dies die Gegebenheiten vor Ort in einer Weise
verändern wird, die eine langfristige friedliche Lösung
begünstigt".

Auf die Frage nach Berichten, denen zufolge die
israelischen Armee-Einheiten die Fortsetzung der
Schießereien erlaubt hätten, antwortete der Präsident:
"Wir wissen nicht, ob dies der Wahrheit entspricht.
Meiner Ansicht nach wollen die Israelis die Sicherheit
verbessern, wo sie können, und ich möchte dazu nicht
Sowohl Arafat als auch Rabin hätten die Einladung ohne Beweise oder stichhaltigen Grund zu der Annahnach Washington gerne angenommen, fügte der Beamte me, daß dies zutrifft, Stellung nehmen."
hinzu. Christopher habe den beiden Politikern erklärt,
"angesichts dieses Ereignisses und angesichts der Der Präsident erklärte, er verurteile die Morde stellverBedeutung einer Beschleunigung des Prozesses" sollten tretend für das amerikanische Volk "in schärfster Weise.
beide Seiten seines Erachtens ihre Unterhändler nach Ich bin empört und betrübt, daß solch ein abscheuliWashington entsenden. Beide Politiker hätten unver- cher Akt verübt werden konnte und bekunde mein
züglich zugestimmt. (Christopher, so der Regierungs- aufrichtiges Beileid für die Familien der Getöteten und
vertreter, hätte Arafat zweimal angerufen. Einmal, um Verwundeten."
seiner Betroffenheit und Sorge über das Massaker
Ausdruck zu verleihen und dann, um den PLO-Vorsit- Der Sprecher des Außenministeriums Michael McCurzenden zu einer Warnung seiner Anhänger vor Vergel- ry fügte hinzu, au ßer den Anrufen bei Rabin und Arafat
habe Außenminister Christopher auch mit seinem
tungsschlägen aufzufordern).
ägyptischen Amtskollegen gesprochen.
Ziel der Washingtoner Gespräche sei die Beendigung
der Gewalt nach dem Prinzip "Auge um Auge", von der "Alle Anrufe zielten auf die Zusammenarbeit mit den
die Region seit Generationen heimgesucht wird und Parteien ab, gute Ideen über unser Vorgehen in der
"eine völlig andere Zukunft zu schaffen. Worauf wir nächsten Woche zu entwickeln", so McCurry. "Die
drängen und hoffen müssen ist, daß die Dividenden Vereinigten Staaten haben die Absicht, die Parteien
des Friedens hoch genug zur Diskreditierung der zu Anfang nächster Woche hier in Washington zusamseiner Unterminierung Entschlossenen sind." Er be- menzubringen."
kräftigte, offensichtliches Ziel des Anschlags in der
Moschee sei "eindeutig die Verhinderung des Friedens McCurry erklärte, er habe weder einen Zeitplan für die
... Wenn wir ein Abkommen erlangen können ... ist Gespräche noch Anhaltspunkte, wann und wie die
dies der beste Weg zur Veränderung der Realitäten Delegationen zusammenkommen.
vor Ort in einer Weise, die auch die zur Vereitelung des Bei einem Phototermin mit dem zu Besuch weilenden
Friedens Entschlossenen diskreditieren wird."
kanadischen Außenminister Andre Quellet stellte
Außenminister Christopher Journalisten gegenüber
Der Präsident stellte fest, seines Erachtens "stehen fest: "Wir müssen Wege zu Beschleunigung der
beide Seiten kurz vor einem Abkommen" und er wolle Verhandlungen und Mittel finden, diesen schreckli"den Menschen in der Region ein Signal senden... daß chen Zwischenfall zur Belebung des Friedensprozesder Weg zum Frieden immer noch der richtige Weg ist". ses zu nutzen."
Mit dem Verweis auf die in einer Reihe von Gesprächen in Kairo und an anderen Orten erzielten beacht- Der Anschlag auf die Moschee löste weltweit Betroflichen Fortschritte verlieh er seiner Hoffnung Aus- fenheit aus und veranlaßte das US-Außenministedruck, "daß die Parteien die tragischen Ereignisse von rium, alle amerikanischen Staatsbürger vor Reisen
heute zu einem Katalysatorfür wertere Fortschritte und nach Ostjerusalem, ins Westjordanland und den GazaAussöhnung machen können".
Streifen zu warnen.
"Es kann kein Zufall sein", so Präsident Clinton, "daß
der Mörder im heiligen Monat Ramadan zugeschlagen

und einen Ort ausgewählt hat, der Muslimen und
Juden heilig ist. Sein offensichtliches Ziel war die
Zerstörung der sich jetzt zwischen den Palästinensern
und Israelis abzeichnenden historischen Versöhnung."
Clinton forderte "alle Parteien zur größtmöglichen
Zurückhaltung in einer äußerst emotionalen Situation
auf, fü r die wir alle Verständnis haben. Dem Präsidenten zufolge sind Extremisten auf beiden Seiten "entschlossen, die Araberund Israelis wieder in unendliche
Konflikte und Blutvergießen zu verstricken. Wir müssen sie daran hindern, die Hoffnungen, Visionen und
Wünsche der Menschen nach einem Leben in Frieden
zu vereiteln."

Seite 2

In einer schriftlichen Erklärung verurteilte Außenminister Christopher den Anschlag mit scharfen Worten,
bekundete den Familien der Getöteten und Verwundeten gegenüber sein Beileid und forderte alle Seiten auf,
Ruhe, Vernunft und Zurückhaltung zu bewahren.
"Akte der Gewalt wie dieser können nur den Zielen der
Feinde des Friedens dienen", äußerte der Außenminister. "Die Parteien im Friedensprozeß dürfen sich
durch diese Art von Gewalt nicht von der Fortsetzung
des Weges zum Frieden abhalten lassen, der allen
Menschen in dieser krisengeschüttelten Region dienen wird."
Bei der Pressekonferenz stellte McCurry fest, die
Vereinigten Staaten versuchten, alle Diskussionen im

AMERIKA DIENST 9

�Zusammenhang mit dem israelisch-palästinensischen
Ansatz zum Friedensprozeß in Washington zu konzentrieren und alles in ihrer Macht Stehende zur Förderung von Fortschritten zu tun.

Die Vereinigten Staaten hätten stets ihre Bereitschaft
zur Beteiligung an den Verhandlungen erklärt, um
Hilfestellung zu leisten, wenn die beiden Parteien dies
als nützlich erachteten.

McCurry zufolge würden die beiden Seiten voraussichtlich direkt an den bisher in Paris geführten Gesprächen über die wirtschaftlichen Aspekte der Umsetzung der Grundsatzerklärung sowie an den Sitzungen in Kairo und Taba zu anderen Themen wie etwa
politische Fragen und die Formulierung einer Abschlußerklärung beteiligte Unterhändler entsenden.
Die Unterhändler, die in Washington direkte Konsultationen zu über den Umfang der Grundsatzerklärung
hinausgehenden Fragen unterhalten, könnten ebenfalls zur Teilnahme an den Erörterungen eingeladen
werden.

"Aufgrund der heutigen Tragödie in Hebron ist dies ein
kurzer Abriß des Geschehens. Die Parteien haben in
Konsultationen mit uns zugestimmt, die Gespräche
nach Washington zu verlagern, weil die Vereinigten
Staaten eine Rolle spielen sollen, die... bisher... noch
nicht klar umrissen ist. Zumindest können jedoch
unsere Büros und Einrichtungen hier genutzt werden,
um den Parteien bei Fortschritten zur Seite zu stehen",
führte McCurry aus.
"Angesichts des enormen Ausmaßes der heutigen
Tragödie, der Verluste an Menschenleben, der Tatsache, daß die Feinde des Friedensprozesses in der
Vergangenheit den Prozeß behindern und stören
konnten, war es aus der Sicht der Vereinigten Staaten
außerordentlich wichtig, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um diesen Prozeß voranzubringen."

"Es liegt eine sehr arbeitsreiche Zeit vor uns", erläuterte der Sprecher. "Daß die Vereinigten Staaten zur
Belebung der Gespräche sowie mit Vorschlägen und
jeder Art von Unterstützung alles Erdenkliche zu Fortschritten beitragen, könnte die Dynamik etwas wandeln."

McCurry würdigte eine am 25. Februar vom israelischen Kabinett herausgegebene Erklärung "als sehr
durchgreifend und entgegenkommend", in der die von
der Regierung in Erwägung gezogenen Schritte zur
Eindämmung der in Hebron durch einen israelischen
Extremisten ausgeübten Art von Gewalt dargelegt
werden.

"Es ist außerordentlich wichtig, sich vor Augen zu
führen, daß die Palästinenser und die Israelis kurz vor
einem Abkommen standen, das den Weg zur offiziellen Umsetzung der vom PLO-Vorsitzenden Arafat und
Ministerpräsident Rabin im Weißen Haus unterzeichneten Grundsatzerklärung ebnen würde", erinnerte
McCurry die Journalisten.

"Die israelische Regierung vertritt die Auffassung, daß
diese Elemente in ernsthafter und gefährlicher Weise
die öffentliche Ordnung verletzen und jede rechtliche
Maßnahme ergriffen werden sollte, um sie zurückzuhalten", stellte der Sprecher fest. "Wir erachten dies
als eine sehr bedeutsame Aussage des Kabinetts."

"Der Rahmen eines Abkommens liegt in greifbarer
Nähe. Sie haben bei den bis heute geführten Gesprächen enorme Fortschritte erzielt. Der Zweck der
Zusammenkunft hier in Washington besteht in der
Beschleunigung dieses Prozesses und herauszufinden, ob sie die Arbeit an diesem endgültigen Text nicht
bald abschließen können."

* *

AMERIKA DIENST 9

*

Seite 3

�AUSSENPOLITIK
2. März 1994

SPIONAGE RUSSLANDS GEGEN USA
"INAKZEPTABEL"
Rede des Außenministers vor Kongreß
WASHINGTON - (AD) - "Die Fortsetzung der russischen Spionagetätigkeit gegen die Vereinigten Staaten ist
inakzeptabel", erklärte Außenminister Christopher in einer Anhörung über die Herausforderungen der amerikanischen Außenpolitik vor dem Auswärtigen Ausschuß des Senats am 23. Februar 1994 und fügte hinzu, die
Verhaftung eines CIA-Mitarbeiters aufgrund des Verdachts der Spionage für Rußland sei "eine sehr ernste
Angelegenheit".
Im Hinblick auf Bosnien stellte der Außenminister fest, der jetzt in Sarajevo herrschende Waffenstillstand "ist das
Ergebnis einzigartiger gemeinsamer Bestrebungen", und die Vereinigten Staaten "verpflichten sich zu aktivem
Engagement im Friedensprozeß". Er warnte jedoch, "niemand sollte unsere Entschlossenheit zum Einsatz von
Gewalt bezweifeln, falls dieser erforderlich ist. Wenn schwere Waffen wieder um Sarajevo Stellung beziehen,
werden sie Ziel von Angriffen."
Christopher erwähnte ferner seinen für März anberaumten Besuch in Beijing, bei dem er chinesischen
Regierungsvertretern gegenüber die Bedeutung unterstreichen werde, die die Vereinigten Staaten Fortschritten
im Bereich der Menschenrechte zumessen. Es müßten "dringend" Fortschritte erzielt werden, wenn Präsident
Clinton den Meistbegünstigungsstatus für China erneuern soll.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Eröffnungsansprache von Außenminister Christopher.

Herr Vorsitzender, verehrte Ausschußmitglieder. Ich
freue mich, wieder vor dem Auswärtigen Ausschuß
des Senats sprechen und Ihnen heute die Herausforderungen darlegen zu können, mit denen sich die
amerikanische Außenpolitik konfrontiert sieht. Ihr
Wissen und Ihre Unterstützung sind absolut unerläßlich für mich und diese Administration bei der Erarbeitung eines erfolgreichen Kurses für die Vereinigten
Staaten in der Zeit nach dem Kalten Krieg.
Als ich das letzte Mal vor diesem Ausschuß gesprochen habe, stellte ich fest, daß wir in einer Zeit leben,
in der wir nicht länger von den Forderungen des
Containment getrieben oder durch dieses strategische
Gebot begrenzt werden. Dieses neue Zeitalter läßt
sich nicht mit Schlagworten charakterisieren. In dieser
Zeit tiefgreifender Umwälzungen besteht unsere größte Aufgabe, Herr Vorsitzender, in der Festsetzung
eines klaren Kurses für die Außenpolitik dieser Nation:
Mit Sorgfalt die für dauerhafte Sicherheit und Wohlstand des amerikanischen Volkes vitalen Interessen
auszumachen und sie mit Zielstrebigkeit zu verfolgen.
Anfang dieses Monats unterbreitete der Präsident
dem Kongreß seinen Gesetzentwurf für Frieden,
AMERIKA DIENST 9

Wohlstand und Demokratie, der die übergreifenden
nationalen Sicherheitsziele der Vereinigten Staaten in
der Zeit nach dem Kalten Krieg definiert. Der Etat des
Präsidenten für das Haushaltsjahr 1995 steht im Einklang mit den in der Gesetzesvorlage dargelegten
Zielen. Ich möchte mich heute auf sechs Prioritäten im
Rahmen dieser allgemeinen Ziele konzentrieren. Es
sind die sechs strategischen Prioritäten unserer Außenpolitik, die ich im November letzten Jahres erstmals vor diesem Ausschu ß erläutert habe. Es sind die
Prioritäten, die wir meines Erachtens ansprechen
müssen, wenn wir die großen Herausforderungen
dieses Zeitalters des Wandels bewältigen wollen. Ich
freue mich berichten zu können, daß wir in jedem
dieser Bereiche eine starke Führungsrolle übernommen und beachtliche Fortschritte erzielt haben.
Nach diesem Überblick werde ich kurz darauf eingehen, wie wir unsere Ressourcen zur Förderung dieser
Prioritäten und unserer anderen außenpolitischen Ziele
einzusetzen gedenken. Unsere Haushaltsvorlage für
1995 ist der erste wirkliche Haushalt für auswärtige
Angelegenheiten nach dem Kalten Krieg. Die von uns
gesetzten strategischen Prioritäten, der von uns vor-

Seite 1

�gelegte Haushalt und die Neuorientierung unserer
Auslandshilfe durch das vorliegende Gesetz für Frieden, Wohlstand und Demokratie verkörpern Präsident
Clintons Vision der neuen Herausforderungen für die
amerikanische Außenpolitik im 21. Jahrhundert. Es
sind die Herausforderungen der Förderung von Demokratie, Verbesserung der wirtschaftlichen Sicherheit
und der Konfrontation mit neuen und alten Bedrohungen unserer Sicherheit.
Vor einer Analyse unserer strategischen Prioritäten
und unseres Haushalts möchte ich jedoch die Ereignisse ansprechen, die zweifelsohne diesen Ausschuß
sowie das amerikanische Volk beschäftigen und die
direkte Auswirkungen auf eine dieser Prioritäten haben - unser Interesse an einem sicheren und stabilen
Europa. Ich möchte mit einer Beschreibung der heutigen Sachlage in Bosnien beginnen.

Clintons Vorschlag am 9. Februar die Unterstellung
der die Stadt bedrohenden schweren Waffen unter die
Kontrolle der UNO oder deren Abzug in eine Sperrzone
von 20 Kilometern außerhalb der Stadt an.
Bis heute, drei Tage nach dem Ablauf der 10tägigen
Frist, hat sich das Ultimatum als wirksam erwiesen.
Dies ist in hohem Maße der Entschlossenheit und
Solidarität des NATO-Bündnisses unter Führung der
Vereinigten Staaten zu verdanken. Im Lichte dieser
Zielstrebigkeit und nach direkten Gesprächen zwischen den Präsidenten Clinton und Jelzin haben die
Russen auf die Einhaltung des NATO-Ultimatums
durch die bosnischen Serben gedrängt.

Niemand sollte unsere Entschlossenheit zum Einsatz
von Gewalt bezweifeln, falls dieser erforderlich ist.
Wenn schwere Waffen wieder um Sarajevo Stellung
beziehen, werden sie Ziel von Angriffen. Wenn die
Bombardierung Sarajevos wieder beginnt, werden die
Bosnien
schweren Waffen, wo immer sie stationiert sind, AnWir blicken einem neuen und hoffnungsvolleren Kapi- griffen ausgesetzt. Wir werden genaue Luftüberwatel in Bosnien entgegen. Der jetzt in der umkämpften chung bereitstellen, wenn die UNO-Truppen angegrifStadt Sarajevo herrschende Waffenstillstand ist das fen werden oder um Hilfe ersuchen. Und wir werden in
Ergebnis einzigartiger gemeinsamer Bestrebungen der Erwägung ziehen, ob der zur Beendigung der BombarVereinigten Staaten, der Europäischen Union, der dierung von Sarajevo benutzte Ansatz an anderen
NATO, Rußlands und der Vereinten Nationen. Die Orten in Bosnien erfolgreich sein kann. Unsere InterVereinigten Staaten verpflichten sich zu aktivem essen haben kein Verfallsdatum - genausowenig wie
Engagement im Friedensprozeß im ehemaligen Jugo- die NATO-Entscheidung, die von diesen Interessen
slawien. Wir werden unser volles diplomatisches geleitet war.
Gewicht bei der Suche nach einer Lösung einbringen,
die das Morden beenden kann.
Auf Anweisung des Präsidenten arbeiten wir jetzt aktiv
mit den Parteien und anderen interessierten Nationen
Der Kongreß und das amerikanische Volk sollten ein an der Herbeiführung einer Lösung, die einen tragfähiklares Verständnis der unsere Aktionen leitenden gen bosnischen Staat und einen dauerhaften Frieden
nationalen Interessen haben. Präsident Clinton hat sicherstellt. Wir werden eng mit der bosnischen
diese Interessen in seiner Ansprache an die Nation am Regierung zusammenarbeiten, um ihre begründeten
vergangenen Samstag formuliert: Wir haben ein stra- Forderungen für eine Verhandlungslösung auszumategisches Interesse daran, eine Ausuferung "zu einem chen und zu deren Verwirklichung beizutragen. Wir
größeren europäischen Konflikt zu verhindern, insbe- zählen auf die Mitarbeit der Europäer und Russen, um
sondere zu einem Konflikt, der unsere Bündnispartner andere Parteien - vor allem die Serben - von einer
in der NATO bedrohen oder den Übergang zur friedli- Beilegung des Konflikts zu überzeugen. Sollte es eine
chen Demokratie in den ehemals kommunistischen tragfähige Lösung geben, bekräftigen die Vereinigten
Staaten unterminieren könnte". Wir haben ein politi- Staaten vobehaltlich der Zustimmung des Kongresses
sches Interesse an der Sicherstellung der Glaubwür- ihre Bereitschaft zur Beteiligung an Bestrebungen der
digkeit und Integrität des NATO-Bündisses, eines NATO zur Umsetzung der Lösung.
Bündnisses, das sich an uns um eine Führungsrolle bei
der Bewältigung dieser Krise gewandt hat. Wir haben Während unsere Initiative in den kommenden Wochen
ein Interesse an der Eindämmung der destabilisieren- vorangebracht wird, möchte ich nicht den Eindruck
den Flüchtlingsströme, die dieser Kampf in ganz Euro- erwecken, daß der Erfolg in greifbarer Nähe liegt. Die
pa hervorbringt. Und zweifelsohne haben wir ein Verhandlungen sind schwierig und außerordentlich
humanitäres Interesse an der Beendigung der Grau- komplex. Mit einem klaren Verständnis unserer Intersamkeit ethnischer Säuberungen und der Milderung essen und wie ihnen am besten gedient werden kann,
des Leids derjenigen, denen der Hungertod droht.
werden die Vereinigten Staaten jedoch den Parteien
mit der erforderlichen Sorgfalt und Ausdauer bei der
Diese Analyse unserer Interessen veranlaßte Präsi- Erlangung eines dauerhaften Friedens behilflich sein.
dent Clinton zum Vorschlag eines N ATO-Abkommens Die durch die Sarajevo-Initiative entstandene Dynamik
über die Androhung von Luftangriffen zur Beendigung und größere Glaubwürdigkeit eröffnen mehrere neue
des Mordens an Zivilisten in Sarajevo und zu neuem Möglichkeiten. Wir werden jeden Weg zum Frieden
Auftrieb für den Friedensprozeß. Wie Sie wissen, verfolgen.
ordnete die NATO nach der Zustimmung zu Präsident

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�Herr Vorsitzender, so wichtig und beunruhigend die
Probleme in Bosnien heute auch erscheinen mögen,
dürfen sie uns doch nicht von der Verfolgung umfassenderer außenpolitischer Ziele abhalten. Ich möchte
jetzt mit Ihnen unsere Fortschritte bei der Verwirklichung der sechs strategischen Prioritäten unserer
Außenpolitik sowie die sie und andere nationale Sicherheitsziele unterstützenden Ressourcen erörtern
und überprüfen.
1. Wirtschaftliche Sicherheit
In meiner letzten Rede vor diesem Ausschuß habe ich
wirtschaftliche Sicherheit als erste dieser Prioritäten
definiert. Ich habe dies absichtlich getan, selbst auf die
Gefahr hin, Außenpolitik als Orthodoxie zu bezeichnen. In der Welt nach dem Kalten Krieg müssen
Wirtschaftsfragen das Kernstück unserer Innen- und
Außenpolitik bilden. Präsident Clinton ist mit beeindruckendem Erfolg der Vorreiter der wichtigsten und
ehrgeizigsten internationalen wirtschaftlichen Tagesordnung aller Präsidenten seit nahezu einem halben
Jahrhundert.
Am 4. November 1993 habe ich dargelegt, daß sich
den Vereinigten Staaten mit NAFTA, APEC und GATT
einzigartige Chancen bieten. Ich freue mich, daß wir
dieses Dreiergespann für die wirtschaftliche Zukunft
Amerikas auf den Weg gebracht haben.
Als der Kongreß das NAFTA verabschiedete, haben
wir Chancen für hochbezahlte Arbeitsplätze im Inland
im Exportbereich geschaffen und eine Brücke engerer
wirtschaftlicher und politischer Zusammenarbeit mit
Lateinamerika - angefangen mit Mexiko - geschlagen.
Als der Präsident Veranstalter des erfolgreichen Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (Asia-Pacific Economic Cooperation - APEC)
war, erfaßten wir eine dynamische Region, die in
zunehmendem Umfang amerikanische Exporte anzieht und hochbezahlte amerikanische Arbeitsplätze
unterstützt. Als wir die Verhandlungen der UruguayRunde erfolgreich beendeten, schlössen wir das weitreichendste Handelsabkommen der Geschichte - ein
Abkommen, das Zölle senkt, Handelshemmnisse
abbaut, Wachstum ankurbelt, amerikanische Arbeitsplätze schafft und im nächsten Jahrzehnt 5 Billionen
Dollar zur Weltproduktion beiträgt.
Präsident Clintons Entschlossenheit, die Wirtschaftspolitik zum Kernstück der Außenpolitik zu machen, hat
sich in den Bereichen bewiesen, in denen wir Erfolg
hatten. Diese Entschlossenheit ist ebenso offenkundig in einem Bereich, in dem wir noch Erfolge anstreben: unseren Wirtschaftsbeziehungen zu Japan.
Diese Administration engagiert sich weiterhin, unsere
Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zu Japan auf
eine ebenso feste Grundlage wie unsere sicherheitspolitische und diplomatische Zusammenarbeit zu stellen. Die von Japan mit den Vereinigten Staaten und

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den meisten anderen Ländern erzielten Handelsüberschüsse sind nicht länger hinnehmbar.
Das mit Japan im Juli vergangenen Jahres geschlossene Rahmenabkommen zielt auf eine Erweiterung
des Marktzugangs und eine Behebung des inakzeptablen japanischen Handelsüberschusses mit der Wert
ab. Seit damals konnten wir jedoch keine zufriedenstellenden Fortschritte bei den jeweiligen Körben staatliche Beschaffung, Versicherung und Autos - oder
im Hinblick auf die makroökonomischen Schritte beobachten, die Japan unseren Erwartungen gemäß unternehmen sollte.
Wir erwägen unsere Optionen. Wir wollen keinen
Handelskrieg, wir wollen Handelschancen. Japan
muß seine Verantwortung als eine der größten Volkswirtschaften und Handelsnationen der Welt übernehmen. Das Land muß seine uns und der übrigen Welt
gegenüber eingegangenen Verpflichtungen einlösen.
Dies ist ein globales, nicht nur ein amerikanisches
Problem. Und alle von uns erzielten Fortschritte
werden sowohl der Weltwirtschaft als auch unserer
eigenen Volkswirtschaft helfen. Ich werde im kommenden Monat nach Japan reisen, um unsere Position
gegenüber den japanischen Regierungsvertretern zu
bekräftigen.
2. Rußland und die anderen neuen unabhängigen
Staaten
Herr Vorsitzender, seit der Amtsübernahme dieser
Administration gründet sich unsere Politik gegenüber
Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten auf zwei entscheidende Prämissen. Erstens liegen
die Reformen in der ehemaligen Sowjetunion im umfassenden Interesse der Vereinigten Staaten. Zweitens werden die Reformen nicht leicht sein und die
ständige und starke Unterstützung der internationalen
Staatengemeinschaft erfordern.
Wir sind uns der enormen Schwierigkeiten der Region
bei der vielschichtigen Umgestaltung von einer totalitären zu einer demokratischen Regierung, von einer
Kommando- zur Marktwirtschaft und von einem einzigen Imperium zu vielen neuen unabhängigen Staaten
bewußt. Wir müssen realistisch in unseren Erwartungen, unerschütterlich in unserer Unterstützung der
Reformen und unmißverständlich in unserer Ablehnung von Kräften sein, deren Politik unseren Interessen zuwiderläuft.
Wie Sie wissen, wurden gestern von einem Gericht in
Alexandria (Virginia) ein amerikanischer Mitarbeiter
des CIA und seine Frau offiziell der Spionage für die
ehemalige Sowjetunion und die Russische Föderation
angeklagt. Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit.
Gestern habe ich den russischen Geschäftsträger
einbestellt, um in schärfster Form gegen das Vorgehen des russischen Nachrichtendienstes zu protestieren. Botschafter Pickering sprach dieses Thema
Seite 3

�ebenfalls in Gesprächen mit hochrangigen russischen
Regierungsvertretern in Moskau an, und wir werden
diese Gespräche auf oberster Ebene in Washington
und Moskau fortsetzen. Der Präsident hat eine intensive Überprüfung der Auswirkungen dieses Falls auf
unsere nationale Sicherheit durch die Administration
angeordnet.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin alle erdenklichen Schritte unternehmen, um solche gegen unser
Land gerichteten Aktivitäten zu verhindern. Das Ausmaß der Auswirkungen dieses Vorfalls auf unsere
Beziehungen zu Rußland wird von den russischen
Aktionen in den nächsten Tagen abhängen.
Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben Ängste über die Zukunft Rußlands Wiederaufleben lassen.
Diese Ereignisse sollten jedoch vor dem Hintergrund
der amerikanisch-russischen Beziehungen gesehen
werden, die sich im letzten Jahrzehnt radikal verändert
haben.

Vereinten Nationen und der Schlußakte von Helsinki
verankert. Diese Prinzipien finden auch auf alle Aktivitäten russischer Truppen in den Nachbarstaaten
Anwendung.
Wir müssen ferner auf die Gewährleistung hinarbeiten,
daß Rußland und seine Nachbarstaaten ihre Konflikte
friedlich beilegen - Konflikte, die unser Interesse an
den wirtschaftlichen und politischen Reformen der
Region direkt betreffen. Unsere Bestrebungen zeitigen bereits Erfolge. Beispielsweise arbeiten wir aktiv
an dem uneingeschränkten und fristgerechten Abzug
aller russischen Truppen aus dem Baltikum in diesem
Jahr mit. Und im vergangenen Monat unterzeichnete
die Ukraine nach sorgfältigen diplomatischen Bestrebungen und Präsident Clintons persönlichem Einsatz
das trilaterale Abkommen mit den Vereinigten Staaten
und Rußland, mit dem die Weichen zur Beseitigung
der Nuklearwaffen vom Territorium der Ukraine gestellt werden.

Eine oberste Priorität von Präsident Clinton im Bereich
der nationalen Sicherheit ist die Gewährleistung, daß
der Zusammenbruch der ehemaligen Sowjetunion nicht
neue Nuklearstaaten hervorbringt. Wir haben jetzt
verbindliche Zusagen, daß dies nicht der Fall sein wird.
Die Zustimmung der Ukraine zur Ratifizierung von
START I und ihre Verpflichtung, dem Nichtverbreitungsvertrag (NW) beizutreten, ebnet den Weg zu
engeren Beziehungen zwischen unseren Nationen.
Damit sollten Spannungen in einer Region abgebaut
werden, die von vitalem Interesse für langfristigen
Die Gefahren in Rußland sind weiterhin sehr real. Wir Frieden und Stabilität in Europa ist. Wir haben unsere
müssen auf die Möglichkeit einer Umkehrung der Wirtschaftshilfe bereits verdoppelt. Darüber hinaus
Reformen und das Wiederaufleben eines aggressiven werden wir unsere Hilfe für die Zerlegung der ukrainirussischen Nationalismus aus der Asche des Kommu- schen Raketen und Trägersysteme erhöhen. Wir
nismus - selbst mit demokratischen Mitteln - vorberei- sehen Präsident Krawtschuks Besuch in Washington
tet sein. Gleichzeitig sollten wir nicht das Schlimmste nächste Woche erwartungsvoll entgegen.
annehmen, sondern eine echte Partnerschaft mit einem reformorientierten Rußland aufbauen. Das russi- 3. Europa und die NATO
sche Volk sollte keinen Zweifel an unserer Unterstützung haben, solange es weiterhin in die richtige Rich- Im vergangenen Monat hat Präsident Clinton in Eurotung geht, wie Präsident Clinton im vergangenen Monat pa die vitale Bedeutung der transatlantischen Beziein Moskau eindeutig klargestellt hat. Unsere Botschaft hungen für die amerikanische Sicherheit bekräftigt. Er
ist unmißverständlich: Die Entscheidung Rußlands umriß darüber hinaus seine Vision einer "neuen Sibezüglich seiner Zukunft wird Auswirkungen auf die cherheit" für ein neues Europa. Der Präsident erklärte,
Zukunft unserer Beziehungen haben.
daß Sicherheit "in der erfolgreichen Erweiterung der
militärischen Zusammenarbeit, demokratischen ReDer Präsident hat auch die Bedeutung unterstrichen, gierungen und Marktwirtschaften bestehen muß". Wir
die er der Unabhängigkeit und territorialen Integrität müssen den Übergang zu demokratischen Marktwirtder russischen Nachbarstaaten beimißt. Wir sind uns schaften im Osten unterstützen, indem wir ganz Eurobewußt, daß Rußland offenkundig ein Interesse an pa die Rechte und Pflichten des gleichen liberalen
den Entwicklungen an seinen Grenzen hat, einschließ- Handelssystems und den kollektiven Ansatz zur Silich berechtigter Sorgen über die Rechte gebürtiger cherheit einräumen, die für den Westen Pfeiler der
Russen im Ausland. Wir müssen jedoch - wie mit allen Stärke waren.
Nationen, Freund und Feind gleichermaßen - darauf
bestehen, daß das Verhalten Rußlands gegenüber Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus haben wir die
seinen Nachbarstaaten im Einklang mit den festgeleg- transatlantische Partnerschaft gestärkt, als die Vereiten Prinzipien des Völkerrechts steht, einschließlich nigten Staaten und die Europäische Union zum AbRespektierung der territorialen Integrität und Unab- schluß der Uruguay-Runde zusammenkamen. Das
hängigkeit anderer Staaten, wie in der Charta der Abkommen wird auf beiden Seiten des Atlantiks
Rußland hat einige beachtliche Fortschritte erzielt.
Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Land einen
gewählten Präsidenten, ein gewähltes Parlament und
eine Verfassung mit Bedeutung. Wir werden Zeuge
des kühnsten Experiments unserer Ära beim Aufbau
von Demokratie. Wir sehen auch die Anfänge einer
Marktwirtschaft, in der 40 Prozent der russischen
Erwerbstätigen jetzt im Privatsektor arbeiten und zwei
Drittel der Kleinbetriebe privatisiert sind.

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AMERIKA DIENST 9

�Wachstum ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Es
wird auch den mittel- und osteuropäischen Nationen
bei dem harten Weg zu Wirtschaftsreformen behilflich
sein. Die westlichen Nationen und Institutionen müssen jedoch den Zugang zu den Märkten des Westens
noch erweitern.
Wir wissen, daß der Prozeß des Aufbaus demokratische Marktwirtschaften in Mittel- und Osteuropa noch
lange nicht beendet ist. Aus diesem Grund hat Präsident Clinton während seines Besuchs in Prag im
Januar eine umfassende Tagesordnung für die Region
vorgelegt. Neben den Bestrebungen zur Erweiterung
des Marktzugangs sindVir diesen Ländern beim Auffangen der sozialen Auswirkungen der Reformen
behilfich, fördern Investitionen des Westens und stehen ihnen bei der Gründung und Stärkung demokratischer Institutionen zur Seite.
Die neuen europäischen Demokratien streben auch
engere Beziehungen zu den sicherheitspolitischen
Institutionen des Westens an, insbesondere der NATO.
Und das Bündnis hat auf Präsident Clintons Appell zur
Einbeziehung des Ostens beim Aufbau dieser Beziehungen reagiert. Beim NATO-Gipfeltreffen im Januar
stimmten die Verbündeten Präsident Clintons Initiative
einer Partnerschaft für Frieden zu, um das Engagement der NATO für den Osten zu vertiefen. Neun
Nationen haben bereits den offiziellen Prozeß zur
Beteiligung an der Partnerschaft eingeleitet, und wir
erwarten, daß bald weitere Staaten folgen werden. Die
Partner werden im weiteren Verlauf dieses Jahres
schon gemeinsame Übungen und Ausbildung mit der
NATO durchführen. Die Beteiligung an der Partnerschaft kann die gewohnheitsmäßige Kooperation und
politischen Konsultationen entwickeln und erweitern,
die der Lebensnerv des Bündnisses sind. Die Partnerschaft ist sowohl ein Weg zur Bewältigung gemeinsamer Bedrohungen der europäischen Sicherheit als
auch der Anfang eines evolutionären Prozesses der
NATO-Erweiterung.
Unsere Vision für die weitere unerläßliche Rolle der
NATO beim Erhalt der transatlantischen Sicherheit
steht im Einklang mit unserer kontinuierlichen Unterstützung der europäischen Einheit. Durch unsere
gemeinsame Arbeit in der Uruguay-Runde, der NATO,
zu Bosnien und anderen Fragen haben wir unsere
politischen Beziehungen zur EU und einzelnen Staaten auf eine solide Grundlage gestellt.
Ich habe bereits über unsere Bestrebungen gesprochen, das Bündnis bei der Ermutigung einer Lösung in
Bosnien anzuführen. So wichtig sie sind, beschränken
sich unsere Bestrebungen in Bosnien nicht auf das
Anspornen des Bündnisses und anderer, eine politische Lösung zu ermutigen. Wir haben auch eine
Führungsrolle bei Bemühungen um die Milderung der
humanitären Katastrophe in Bosnien übernommen.
Wir haben die am längsten andauernde koordinierte
Luftbrücke zur Lieferung von Lebensmitteln und MediAMERIKA DIENST 9

kamenten in der Geschichte angeführt. Wir haben
mehr humanitäre Hilfslieferungen als jede andere Nation
bereitgestellt - im Wert von über 550 Millionen Dollar
seit Ausbruch des Konflikts. Darüber hinaus haben wir
eine Vorreiterrolle bei den Bestrebungen zur Einrichtung des Kriegsverbrechertribunals der Vereinten
Nationen übernommen, damit die internationale Staatengemeinschaft diejenigen zur Rechenschaft ziehen
kann, die Kriegsverbrechen in Bosnien begangen haben.
4. Asien und der Pazifik
Ein Aspekt der Außenpolitik dieser Administration mit
Signalwirkung ist die neue Betonung der Förderung
unserer Interessen in der asiatisch-pazifischen Region. Kein Gebiet der Welt ist von größerer Bedeutung
für uns als diese Region. Ihre dynamischen Volkswirtschaften und ihre explosiven Wachstumsraten machen sie zu einem entscheidenden Gebiet für amerikanische Exporte und Arbeitsplätze. Wir haben lebenswichtige Sicherheitsinteressen und -bündnisse in Asien.
Und wir haben ein Interesse an der Förderung demokratischer Werte in einem Teil der Welt, in dem Demokratie auf dem Vormarsch ist, es jedoch noch immer
repressive Regierungen gibt.
Wie Sie wissen, ging die erste Reise des Präsidenten
ins Ausland nach Asien. Bei dieser Reise erklärte der
Präsident im Juli letzten Jahres vor der koreanischen
Nationalversammlung: "Wir müssen uns stets vor
Augen halten, daß Sicherheit an erster Stelle steht." In
Asien beginnt diese Sicherheit mit unseren vertraglich

verankerten Bündissen mit Japan, Südkorea, Australien, Thailand und den Philippinen. Wir erhalten unsere vornestationierte militärische Präsenz im gesamten
Pazifik aufrecht. Und in Zusammenarbeit mit unseren
Verbündeten beteiligen wir uns aktiv am Dialog über
regionale Sicherheit, einschließlich des regionalen
Forums des ASEAN, um Spannungen abzubauen und
den Rüstungswettlauf einzudämmen.
Der angedrohte Austritt Nordkoreas aus dem Nichtverbreitungsvertrag ist eine Herausforderung für die Sicherheit der Halbinsel und des globalen nuklearen
Nichtverbreitungsregimes. Die Vereinigten Staaten
arbeiten eng mit Südkorea, Japan und anderen in der
Region zusammen, um eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel und ein starkes internationales Nichtverbreitungsregime sicherzustellen.
Wir sind fest zur Erlangung dieser Ziele entschlossen.
Unser bevorzugter Weg ist Dialog. Wir waren ermutigt
von der Ankündigung Nordkoreas vor einer Woche, in
die von der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO) geforderten Inspektionen einzuwilligen, um die
Kontinuität der Sicherheitsbestimmungen zu gewährleisten. Das Land muß jetzt ohne Verzögerung seiner
Verpflichtung nachkommen, möglichst bald und ohne
Störungen Inspektionen zuzulassen. Der zufriedenstellende Abschluß dieser Inspektionen wird der IAEO
dabei helfen, der internationalen Staatengemeinschaft

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�zu versichern, daß keine Abzweigung von Material aus
Nordkoreas Atomanlagen stattfand. Obwohl dies eine
bedeutende Entwicklung ist, müssen die wichtigsten
Fragen noch gelöst werden. Wenn wir unsere Gespräche mit Nordkorea fortsetzen sollen, muß das Land
den Nord-Süd-Dialog mit dem Ziel einer atomwaffenfreien Halbinsel wiederaufnehmen.
Die internationale Staatengemeinschaft strebt keine
Isolierung Nordkoreas an. Wenn der Staat seine
Atomwaffenoption aufgibt, seinen internationalen
Verpflichtungen nachkommt und Schritte zur Beachtung der internationalen Verhaltensnormen unternimmt,
steht die Tür für Nordkorea zur Verbesserung seiner
Beziehungen zur übrigen Welt offen.

und Vermißten führen würde. Der Präsident erklärte:
"Wir schulden es allen, die in Vietnam dienten sowie
den Familien derjenigen, deren Schicksal unbekannt
ist." Unsere Beziehungen zu Vietnam werden auch in
Zukunft von Fortschritten bei dieser Angelegenheit
geleitet sein. Zweifellos sollte die Entscheidung des
Präsidenten auch wirtschaftliche und diplomatische
Vorteile mit sich bringen, aber sie wären das Ergebnis,
nicht der Grund dieser Entscheidung. Wenn wir unsere Beziehungen weiterentwickeln, werden wir auch
Betonung auf Menschenrechtsfragen legen.
5. Naher Osten

Im Nahen Osten bleibt die Schaffung eines gerechten
und umfassenden arabisch-israelischen Friedens durch
Im Hinblick auf unsere umfassenderen Ziele im asia- direkte Verhandlungen eine hohe Priorität unserer
tisch-pazifischen Raum sind wir entschlossen, das Administration. Der Verhandlungsgegenstand ist
amerikanische Engagement in der Region zu verstär- komplex, wir sehen jedoch weiterhin Fortschritte. Der
ken und ein besseres Gleichgewicht bei unseren wich- Präsident und ich wollen weiterhin eine so umfassende
und aktive Rolle spielen, wie zur Sicherung weiterer
tigsten bilateralen Beziehungen zu schaffen.
Fortschritte erforderlich.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir der
Verbesserung unserer Wirtschafts- und Handelsbe- Das am 9. Februar in Kairo zwischen Israelis und
ziehungen zu Japan Priorität einräumen und gleichzei- Palästinensern geschlossene Abkommen zeigt, weltig unsere bedeutenden Verbindungen im politischen che Art von Fortschritten möglich ist. Es stellt einen
und Sicherheitsbereich aufrechthalten. Wir bemühen großen Schritt bei der Umsetzung der von den Israelis
uns auch um größere Ausgewogenheit bei unseren und der PLO am 13. September abgegebenen GrundBeziehungen zu China. Wir streben umfassende satzerklärung dar. Es löste einige schwierige SicherBeziehungen zu China an, welche die Beilegung von heitsfragen und bewies, daß die Parteien äußerst
Differenzen über Menschenrechtsfragen, Weiterver- komplexe Angelegenheiten direkt aushandeln und
breitung und Handel gestatten. Präsident Clinton praktische Lösungen finden können. Wir wünschen
wünscht den Aufbau eines positiveren Verhältnisses zwar eine Umsetzung des Abkommens, damit sich die
zu China, aber das Land mu ß auch bei den Menschen- Situation ändert, möchten jedoch auch, daß die Parteirechten insgesamt signifikante Fortschritte machen. en ein dauerhaftes Abkommmen schließen.
Als Ergebnis unserer Bemühungen wurden bei bilateralen Angelegenheiten, einschließlich der Menschen- Da die Israelis und Palästinenser direkt miteinander
rechte, gewisse Fortschritte erzielt. Um Mißverständ- verhandeln, bemühen sich die Vereinigten Staaten um
nissen vorzubeugen: Weitere Fortschritte bei den eine Unterstützung der Vereinbarungen. Wir versuMenschenrechtsfragen sind dringend erforderlich, wenn chen auch sicherzustellen, daß die auf der Konferenz
der Präsident dieses Frühjahr die Meistbegünstigungs- über Hilfe für den Nahen Osten im Oktober vergangenen Jahres beschlossene amerikanische und internaklausel erneuern soll.
tionale Wirtschaftshilfe für den Gaza-Streifen und die
Ich habe bei meinen Gesprächen mit Mitgliedern der Westbank zu Projekten führt, die das Leben der Palächinesischen Regierung im vergangenen Monat auf stinenserverbessern. Wir unterstützen Bestrebungen
diese Punkte hingewiesen und werde das kommenden des Privatsektors wie das Projekt "Erbauer des FrieMonat im Beijing erneut tun. Ich werde bekräftigen, für dens" führender arabisch-amerikanischer und jüdischwie ernst die Administration und der Kongreß gleicher- amerikanischer Wirtschaftsvertreter.
maßen diese Fragen erachten.
Wir haben auch aktiv Fortschritte auf anderen GebieAnfang dieses Monats gab der Präsident die Aufhe- ten der bilateralen Beziehungen gefördert. Das Trefbung unseres Handelsembargos gegen Vietnam sowie fen Präsident Clintons mit dem syrischen Präsidenten
die Einrichtung eines Verbindungsbüros in Hanoi Assad Mitte Januar in Genf war ein Schritt, der die
bekannt. Er tat dies kurz nachdem eine große Mehr- Weichen für die Wiederaufnahme von Verhandlungen
heit des Senats ihn dringend zur Beendigung des in Washington auf allen vier bilateralen VerhandlungsEmbargos aufgefordert hatte. Die Entscheidung des schienen stellte. Zu den israelisch-syrischen BeziePräsidenten fu ßte auf seiner Einschätzung der Koope- hungen fanden ernsthafte Verhandlungen statt, es
rationswilligkeit Vietnams und seiner Überzeugung, erfordert jedoch Zeit, den komplexen Sachverhalt bei
daß diese Aktion zu weiteren Fortschritten bei der den drei Hauptfragen Frieden, Rückzug und Sicherheit
Klärung des Schicksals unserer Kriegsgefangenen anzugehen. Auf anderen Gebieten kamen neue Energien

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AMERIKA DIENST 9

�und Ziele zutage. Beispielsweise werden zwischen
Israel und Jordanien Gespräche über praktische Fragen wie Wasser, Energie und Umwelt geführt.
Wir bemühen uns um den Abbau von Hindernissen in
der Region bei den arabisch-israelischen Kontakten.
Wir leisten harte Arbeit, um den anachronistischen
arabischen Boykott zu beenden. Wir haben bereits
Fortschritte dabei erzielt, Teile des sekundären und
tertiären Boykotts aufzuheben und sind entschlossen,
die mit diesen Praktiken einhergehende Diskriminierung amerikanischer Unternehmen zu beenden. Wir
werden nicht ruhen. Wir werden unsere Bestrebungen
fortsetzen, bis der Boykott vollkommen aufgehoben
ist.
Der Friedensprozeß stellt ein wichtiges Element unserer Regionalpolitik dar. Am Persischen Golf streben
wir auf unterschiedliche Arten eine Eindämmung der
vom Iran und Irak ausgehenden potentiellen Bedrohungen an. Unser Ziel ist die volle Einhaltung aller
Resolutionen des UN-Sicherheitsrats durch den Irak,

einschließlich langfristiger Überwachung. Es ist verfrüht, eine Aufhebung der Sanktionen in Betracht zu
ziehen, wenn der Irak weiterhin die relevanten Resolutionen des Sicherheitsrats verletzt.
Unsere Politik gegenüber dem Iran besteht aus aktiver
Eindämmung, ihre Ausrichtung und Methoden unterscheiden sich jedoch von unserer Politik gegenüber
dem Irak. Wir wollen eine Beendigung des iranischen
Strebens nach Massenvernichtungswaffen sowie der

Unterstützung des Landes für Terrorismus und Subversion, seines gewaltsamen Widerstands gegen den
Friedensprozeß und seiner Menschenrechtsverletzungen. Wir haben unsere Bereitschaft zum offiziellen
Dialog mit dem Iran deutlich gemacht. Wir wollen
jedoch, daß der Iran unsere Absicht klar versteht: Er
sollte und wird keine normalen Beziehungen zur internationalen Staatengemeinschaft und insbesondere zu
den Vereinigten Staaten unterhalten, solange er sein
unerhörtes Verhalten fortsetzt.
6. Nichtverbreitung und andere globale Fragen
Herr Vorsitzender, wir müssen unsere Bestrebungen
zur Kontrolle der Verbreitung von Atom- und hochentwickelten konventionellen Waffen fortsetzen. Solche
Waffen verleihen verbrecherischen Staaten u nverhältnismäßig viel Macht. Sie können Konflikte kleineren
Ausmaßes in Katastrophen großen Ausmaßes verwandeln. Wir verfolgen regionale Strategien zur Eindämmung der Weiterverbreitung und Einschränkung
des Entstehens neuer Atommächte. Ich habe bereits
unsere Bestrebungen in Nordkorea angesprochen, wo
wir noch immer mit der unmittelbarsten Herausforderung konfrontiert sind, sowie die von uns in der früheren Sowjetunion erzielten Fortschritte, unserem bis
heute größten Erfolg. Andere Gebiete, auf die sich
unsere Besorgnis und Aufmerksamkeit richten, sind
der Nahe Osten und Südasien.

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Unsere regionalen Strategien werden ergänzt durch
weltweite Anstrengungen zur Beschränkung der Nachfrage nach Massenvernichtungswaffen und dem Angebot an sicherheitsempfindlichen Gütern. Wir streben die Einsetzung eines Regimes an, das anstelle der
COCOM-Liste für Transparenz und Zurückhaltung
beim Handel mit Waffen und sicherheitsempfindlichen
Technologien in instabilen Regionen sorgt. Wir bemühen uns um internationale Unterstützung für eine
unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr 1995. Gleichzeitig streben wir die
unverzügliche Aushandlung eines umfassenden Atomtestverbots an. Wir hoffen auch, daß der Ausschuß
frühzeitig Konsultationen über die Chemiewaffenkonvention aufnimmt, die das Hauptziel unserer Nichtverbreitungspolitik darstellt.
Unter Präsident Clinton haben die Vereinigten Staaten
ihre Führungsrolle bei globalen Fragen zurückgewonnen, die sich auf Sicherheit und Wohlstand für uns und
künftige Generationen auswirkt. Zu diesen Herausforderungen gehören die Förderung umweltverträglicher
Entwicklung, die Bewältigung der steigenden Zahl von
Flüchtlingen und Migranten, die Bekämpfung des
Terrorismus und illegalen Drogenhandels sowie die
Unterstützung von Demokratie und Menschenrechten. Diese Probleme sind oft grenzüberschreitend und
stellen eine Gefahr für die politische, soziale und
wirtschaftliche Stabilität dar.
Umweltverträgliche Entwicklung versetzt die Menschen
in den Entwicklungsländern in die Lage, in der Weltwirtschaft Teilhaber, Produzenten und Konsumenten
zu werden. Sie erfordert eine gesunde globale Umwelt
sowie ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen
verfügbaren Ressourcen und der Bevölkerung. Im
vergangenen Jahr erneuerte Präsident Clinton die
amerikanische Führungsrolle bei Umweltfragen, als er
das beim Umweltgipfel von Rio 1992 erarbeitete Abkommen über Klimawandel und Artenvielfalt unterzeichnete. Dieser Vertrag liegt derzeit dem Senat vor,
und wir drängen auf seine zügige Ratifizierung.
Wir haben auch die Führungsrolle unserer Nation bei
der Stabilisierung des Bevölkerungswachstums geltend gemacht. Wir arbeiten mit anderen Nationen und
nichtstaatlichen Organisationen daran sicherzustellen, daß die in Kairo anberaumte internationale Konferenz der Vereinten Nationen über Bevölkerung und
Entwicklung die weltweite Zusammenarbeit bei dieser
Frage fördert.
Vor zwei Wochen stellte Präsident Clinton die neue
Drogenkontrollstrategie der Administration vor. Obwohl Amerikas wichtigste Front im Kampf gegen Drogen die Senkung des Drogenmißbrauchs zu Hause
darstellt, sind wir auch der Überzeugung, daß diese
Geißel ebenfalls an der internationalen Front angegangen werden mu ß. In den wichtigsten Transit- und
Herstellungsländern werden wir unsere Anstrengungen auf die Stärkung demokratischer Institutionen, die

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�Bereitstellung wirtschaftlicher Alternativen zum Drogenhandel, die Förderung von Programmen zur Vernichtung von Drogen sowie die Zerschlagung der
Drogenkartelle konzentrieren.
Unser Engagement in der westlichen Hemisphäre
dient unserer gesamten globalen Tagesordnung sowie
unserer obersten Priorität - wirtschaftlicher Sicherheit.
Die bemerkenswerten Veränderungen auf der Welt
während der vergangenen Jahre zeichneten sich als
erstes in Lateinamerika ab, wo die Demokratie im
vergangenen Jahrzehnt dramatische Fortschritte
machte. Der Gipfel der amerikanischen Staaten, den
Präsident Clinton gegen Ende dieses Jahres veranstalten wird, richtet sich auf die Stärkung von Demokratie und guter Regierungsführung, die Ankurbelung
von Handel und Wirtschaftswachstum, die Eindämmung des Drogenhandels sowie andere Kernpunkte
umweltverträglicher Entwicklung, beispielsweise Umwelt
oder Bevölkerung.
Unsere Politik gegenüber Afrika unterstreicht die
Bedeutung, die wir Demokratie und Menschenrechten
beimessen. Afrika sieht sich im Hinblick auf den
Aufbau demokratischer Institutionen sowie auf Fortschritte bei der Erzielung einer umweltverträglichen
Entwicklung enormen Herausforderungen gegenüber.
Angesichts der vorherrschenden Armut und der Verschleppung von Menschen in Afrika werden internationale Hilfe und neue Privatinvestitionen vonnöten sein,
um Wirtschaftswachstum zu fördern und politischen
Wandel zu ermutigen.

heitspolitisches Ziel die Eindämmung der Sowjetmacht
sei. Selbst nach dem Ende des Kalten Krieges wurde
die nationale Sicherheit weiterhin eng definiert und
bezog nicht die Probleme und Möglichkeiten ein, die
durch den Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden waren. Wiedie neuen Prioritäten der Außenpolitik
Präsident Clintons demonstrieren, haben wir die Chance
erhalten - und ergriffen - die amerikanische Diplomatie
neu zu gestalten und die Sicherheit Amerikas in einer
von der Konfrontation der Supermächte befreiten Welt
zu erhöhen.
Der Etat des Präsidenten für das Haushaltsjahr 1995
unterstützt unsere Hauptverantwortung, die nationale
Verteidigung aufrechtzuerhalten und den Frieden zu
fördern. Er erweitert auch das Konzept der nationalen
Sicherheit durch größere Betonung der Wirtschaftsinteressen Amerikas, des Aufbaus von Demokratien
sowie der Bewältigung der Bedrohungen durch die
Weiterverbreitung von Waffen, die Zerstörung der
Umwelt, schnelles Bevölkerungswachstum, illegalen
Drogenhandel und Terrorismus.
Diese Neudefinition der nationalen Sicherheit erfordert
auch Veränderungen bei der Struktur unseres Haushalts. Dieser ist in eine Anzahl sich gegenseitig
verstärkender Ziele aufgeteilt, die mit denen im Gesetz
über Frieden, Wohlstand und Demokratie dargelegten
übereinstimmen. Ich möchte mich jetzt diesen umfassenderen Zielen zuwenden.
Förderung von Wohlstand

Wie ich im Zusammenhang mit unserer obersten strategischen Priorität - wirtschaftlicher Sicherheit - bereits
andeutete, ist der Wohlstand der Nation untrennbar
mit Wachstum und Integration der Weltwirtschaft verbunden. Exporte sind die am schnellsten wachsende
Quelle hochbezahlter Arbeitsplätze in unserer Wirtschaft. Dieser Haushalt finanziert aggressive Exportförderungsprogramme der Export-Import Bank, der
OPIC-Entwicklungsgesellschaft, des Amts für Handel
und Entwicklung sowie des Landwirtschaftsministeriums. Diese Programme werden durch die des Wirtschafts- und des Außenministeriums sowohl hier im
Haushalt 1995
Inland als auch in unseren Botschaften ergänzt. Die in
Herr Vorsitzender, ich habe gerade die von uns erziel- diesem Etat geforderte eine Milliarde Dollar stellt eine
ten Fortschritte bei der Förderung der derzeitigen Investition in amerikanische Arbeitsplätze und die
strategischen Prioritäten unserer Außenpolitik darge- wirtschaftliche Sicherheit Amerikas dar.
legt. Unsere umfassenderen außenpolitischen Ziele
sind in dem Gesetz über Frieden, Wohlstand und Aufbau von Demokratie
Demokratie enthalten und konkretisiert, das den Rahmen für unseren Etat 1995 für internationale Angele- Der Aufbau von Demokratie ist ein langer und schwiegenheiten bildet. Ich sollte an dieser Stelle noch riger Prozeß, der stetige und geduldige Unterstützung
hinzufügen, daß die in dem neuen Gesetz enthaltenen erfordert. Aber die Früchte des Erfolgs rechtfertigen
Reformen unseres Auslandshilfeprogramms einen gemessen an den Kosten des Scheiterns bei weitem
wichtigen Teil der gesetzgeberischen Tagesordnung unsere Anstrengungen.
dieser Administration darstellen.
Die von uns im Haushaltsjahr 1995 angeforderten 1,3
Milliarden
Dollar würden Programme zum Aufbau von
Herr Vorsitzender, mehr als 40 Jahre lang basierte der
Demokratie
in Mitteleuropa und der ehemaligen SoHaushalt für internationale Angelegenheiten auf der
wjetunion
finanzieren,
wo wir ein vitales Interesse an
Prämisse, daß unser vorrangiges nationales sicherDas afrikanische Land, auf das wir unser Hauptaugenmerk richten, ist natürlich Südafrika. Wir müssen dazu
beitragen sicherzustellen, daß alle Südafrikaner im
April an friedlichen, pluralistischen Wahlen teilnehmen
können. Mit Blick auf die Zeit nach den Wahlen
entwickeln wir ein Hilfspaket, um der Bevölkerung
Südafrikas an der Überwindung des Erbes der Apartheit zu helfen und in einem neuen demokratischen
Südafrika die Vorteile der Staatsbürgerschaft zu
gewährleisten.

Seite 8

AMERIKA DIENST 9

�der Stärkung der neuen demokratischen Institutionen
haben. Unser Etat enthält auch einen neuen Posten
für Hilfe an die sich im Übergang zur Demokratie
befindlichen Länder. Der Großteil dieser Gelder wird
für Afrika, Lateinamerika und Asien aufgewendet.
Die Hauptkomponente unserer Programme für demokratischen Aufbau ist die Finanzierung der Nationalen
Stiftung für Demokratie, welche Institutionen fördert,
die Pluralismus, demokratische Regierungen, Staatsbürgerkunde, Menschenrechte und die Achtung der
Rechtsstaatlichkeit voranbringen. Um die Unterstützung der Demokratie auf eine breite Grundlage zu
stellen, müssen wir uns der neuesten Kommunikationstechnologie bedienen. Das US-Informationsamt
ist derzeit in einem Umstrukturierungsprozeß begriffen, um diese Rolle zu übernehmen.
Umwelt vertrag liehe Entwicklung
Wie im Zusammenhang mit unseren globalen Prioritäten bereits erwähnt, ist die Administration der Ansicht,
daß den ineinandergreifenden Bedrohungen von schnellem Bevölkerungswachstum, Armut und Umweltzerstörung zu wenig Aufmerksamkeit gezollt wird. Wenn
wir uns nicht mit diesen Krisen befassen, werden
große Teile der Welt kein umweltverträgliches Wirtschaftswachstum erzielen. Das Ergebnis werden
weitverbreitetes Leiden im Ausland und der Verlust
von Exportmöglichkeiten für amerikanische Unternehmen, Arbeitnehmer und Landwirte sein. Durch die
Aufstockung unserer Fonds für Bevölkerungs- und
Umweltprogramme werden wir umweltverträgliche
Entwicklung fördern und in die Zukunft Amerikas investieren.
Die Vereinigten Staaten sind nicht die einzigen, die den
Versuch zur Lösung dieser Fragen unternehmen. Die
multilateralen Entwicklungsbanken und der IWF verfolgen ähnliche Ziele. Diese Institutionen vergaben
1993 Darlehen im Wert von mehr als 45 Milliarden
Dollar. Sie tragen am meisten zu weltweiter umweltverträglicher Entwicklung bei. Unser Beitrag zu diesen
Organisationen multipliziert die Effektivität unserer
Bestrebungen.
Schließlich enthält dieser Haushalt eine bescheidene
Erhöhung für eines der erfolgreichsten und am meisten bewunderten Programme Amerikas - das Peace
Corps.
Förderung des Friedens
Der größte Teil unseres Haushaltsauftrags - 6,4 Milliarden Dollar-soll der Förderung des Friedens dienen.
Über 80 Prozent dieser Gelder sind für die Aufrechterhaltung und Förderung des Friedens im Nahen Osten
vorgesehen. Zu einer Zeit, in der es so viel Hoffnung
- und so viele Gefahren - gibt, sind derartige Fonds von
entscheidender Bedeutung. Unsere Programme werden
unser fortgesetztes Engagement für die Sicherheit
Israels unterstützen, Ägyptens lebenswichtiger Rolle
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Rechnung tragen und neue wirtschaftliche Entwicklungsbestrebungen auf der Westbank und im Gazastreifen ermöglichen.
t

In diesem Teil des Haushalts sind auch Fonds für
Nichtverbreitung und Abrüstung enthalten - eine unserer wichtigsten strategischen Prioritäten. Dazu zählen
Gelder für das Amt für Rüstungskontrolle und Abrüstung zur Umsetzung der Chemiewaffenkonvention
sowie Bestrebungen zur Verlängerung des Nichtverbreitung svertrags und Stärkung der IAEO, die bei
unseren Bemühungen zur Verhinderung atomarer
Weiterverbreitung in Korea eine Schlüsselrolle spielt.
Zusätzlich enthält diese Haushaltskategorie Programme zur Bekämpfung von Drogenmißbauch, Terrorismus und Verbrechen. Diese kostengünstigen Programme haben direkte Vorteile für das amerikanische
Volk.
Wir haben auch Gelder für die UNO-Friedenssicherung angefordert. Wie Sie wissen, Herr Vorsitzender,
hat die Administration ihre umfassende Prüfung unserer Friedenssicherungspolitik abgeschlossen und unterstützt einmütig die daraus gezogenen Schlußfolgerungen.
Unser Ziel ist nicht die Ausweitung unserer Verpflichtungen im Bereich der Friedenssicherung, sondern die
Einleitung eines Prozesses, der ein fundiertes Urteil
darüber ermöglicht, wann wir an friedenssichernden
Operationen teilnehmen und der UNO bei ihren entsprechenden Bemühungen Beistand leisten sollten.
Wir werden uns immer das Recht vorbehalten, zum
Schutz amerikanischer Interessen im Alleingang zu
handeln. Wenn jedoch ein kollektiver, multinationaler
Ansatz wie beispielsweise eine Friedenssicherungsoperation unseren Interessen am besten dient, wollen
wir ihr wirkungsvolles Funktionieren gewährleisten.
Wenn wir - wie ich persönlich : der Ansicht sind, daß
sorgfältig definierte UN-Friedenssicherungsoperationen ein wirksames Mittel zum Abbau von Spannungen
und der Abschreckung von Gewalt sind, und die Kosten einer solchen Aktion mit anderen geteilt werden
sollten, müssen wir unseren Verpflichtungen im Rahmen der Vereinten Nationen nachkommen. Wir erwarten, daß wir am Ende des Haushaltsjahrs bei der UNO
mit einer Milliarde Dollar für die Friedenssicherung im
Rückstand sind. Wenn wir keinen Weg zur Zahlung
dieser Rückstände finden, muß die UNO wahrscheinlich einige ihrer derzeitigen Operationen einstellen.
Wir erwarten in Kürze den Beginn der Konsultationen
mit dem Kongreß darüber, wie wir gemeinsam das
wachsende Problem der Finanzierung friedenssichernder Operationen angehen können.
Unseres Erachtens sollten das Außen- und Verteidigungsministerium eine gemeinsame Verantwortung
für die Organisation und Finanzierung friedenssichernder Operationen tragen. Wir werden unangenehme
Fragen stellen, bevor wir einer neuen f riedenssichernSeite 9

�den Mission zustimmen. Welche amerikanischen Interessen stehen auf dem Spiel? Ist die Mission klar
definiert und gibt es einen identifizierbaren Endpunkt?
Stehen Mittel zur Verfügung? Wir werden auch die
Bestrebungen von Botschafterin Albright zur Senkung
unserer veranschlagten Mittel für die Friedenssicherung und Einrichtung des Amts eines unabhängigen
Generalinspekteurs bei den Vereinten Nationen fortsetzen.

werden für Flüchtlings- und Katastrophenhilfe aufgewendet und sollen den Kauf von Nahrungsmitteln für
die Armen ermöglichen. Ich möchte hinzufügen, daß
wir hoffentlich durch die Förderung von Frieden, Wirtschaftswachstum und demokratischen Aufbau mit der
Zeit die Notwendigkeit derartiger Hilfsleistungen reduzieren können.

Ich möchte ferner einen entscheidenden Bestandteil
unserer Politik nicht unerwähnt lassen: Führung der
amerikanischen Streitkräfte bei friedenssichernden
Operationen. Ich möchte eindeutig klarstellen, daß
der Präsident niemals sein Oberkommando über die
amerikanischen Streitkräfte abtreten wird. Und unsere
Männer und Frauen in Uniform werden niemals in
Situationen entsandt werden, in denen Feindseligkeiten wahrscheinlich sind, wenn nicht eine ordnungsgemäße Führung gegeben ist.

Dieser Haushaltsantrag umfaßt 4,1 Milliarden Dollar
an Unterstützung für Operationen des Außenministeriums, des Amts für internationale Entwicklung sowie
unserer geschätzten Beiträgezu internationalen Organisationen. Der wirksame Einsatz von Diplomatie durch Berichterstattung, Krisenverhütung und die
geschickte Nutzung der Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen - ist für die erfolgreiche Verwirklichung der umfassenden Ziele der nationalen Sicherheit Amerikas von
entscheidender Bedeutung.

Unterstützung der Diplomatie

Wenn Operationen großen Umfangs oder Kampfhandlungen mit hohem Risiko in Betracht gezogen
werden und die Beteiligung der Amerikaner vonnöten
ist, werden wir wahrscheinlich nicht die operative Führung
der UNO über unsere Streitkräfte akzeptieren. Vielmehr werden wir uns normalerweise auf unsere Ressourcen oder die eines regionalen Bündnisses wie
beispielsweise der NATO verlassen oder auf eine
angemessene Koalition wie die für die Operation
Wüstensturm gebildete.

Das Außenministerium und andere für auswärtige
Angelegenheiten zuständige Behörden führen größere Reformen durch und arbeiten eng mit Vizepräsident
Gore an der Umstrukturierung der Regierung zusammen. Das Außenministerium hat eine umfassende
Neuorganisation und Reform seiner Operationen eingeleitet, um mit dem Tempo des Wandels hier und im
Ausland Schritt halten zu können. Zusätzlich unterstützt der Haushaltsantrag für 1995 entschieden den
Plan des Präsidenten für den Abbau aufgeblähter
Herr Vorsitzender, wir möchten auch Kooperation und Bürokratien durch substantielle Einsparungen auf diesem
Konsultationen zwischen Administration und Kongreß Gebiet.
bei friedenssichernden Operationen verbessern. Wir
haben eine Anzahl von Vorschlägen, die Ihre Sorgen Herr Vorsitzender, der Etat des Präsidenten für das
in Betracht ziehen, und freuen uns auf die Zusammen- Haushaltsjahr 1995 definiert unsere langfristigen politischen Ziele und finanziert die von mir dargelegten
arbeit mit Ihnen.
sechs strategischen Prioritäten. Es ist ein SparhausHumanitäre Hilfe
halt, der im Einklang mit dem Plan des Präsidenten
zum Abbau des Haushaltsdefizits steht. Es ist auch ein
Wir haben 1,6 Milliarden Dollar für humanitäre Hilfe Etat, der ein Thema hat, das uns allen am Herzen liegt:
angefordert. Diese Programme spiegeln den Charak- Investitionen in die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
ter des amerikanischen Volkes wider. Die Fonds
* *

Seite 10

* *

AMERIKA DIENST 9

�KSZE
2. März 1994

DIE KSZE: STRATEGIE UND ZIELSETZUNG
Rede von Botschafter Kornblum
BONN - (AD) - Botschafter John C. Kornblum, Leiter der amerikanischen Delegation bei der Konferenz über
Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), hielt am 24. Februar 1994 eine Rede vor dem Deutschen
Helsinki Komitee.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Kornblum im Wortlaut.

Es ist eine besondere Ehre für mich, vor dem Deutschen Helsinki Komitee zu sprechen. Viele von Ihnen
wissen um meine enge Beziehung zu Deutschland und
meine lange und positive Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen in vielen Bereichen. Als der Vertreter
Amerikas bei der KSZE fühle ich mich mit Gruppen wie
Ihrer besonders eng verbunden.
Es gibt allerdings einen wichtigeren Grund, sich über
die Gelegenheit zu freuen, heute zu Ihnen sprechen zu
können. Fünf Jahre nach dem Niedergang des Kommunismus treten die Widersprüche dieser neuen Ära
deutlicher zutage. Internationale Institutionen stöhnen
unter der Last der Herausforderungen. Viele fragen
sich, ob unsere bestehenden Strukturen für diese
Zerreißprobe geschaffen sind.
Die KSZE ist mit einigen dieser Unsicherheiten konfrontiert worden. Die Methodik der KSZE eignet sich
nicht für schnelle Lösungen. Die KSZE leidet am
meisten unter dem nur allzu verständlichen Wunsch
unserer Völker, dringliche Probleme sofort zu lösen.
Deshalb bin ich besonders froh über diese Gelegenheit, mit einem informierten Forum wie dem Helsinki
Komitee über grundsätzliche Aspekte der KSZE sprechen zu können. Die Einigung auf die Prinzipien von
Helsinki war ein einzigartiges Ereignis, das sich wahrscheinlich nicht so leicht wiederholen läßt. Wir dürfen
nicht zulassen, daß uns Ungeduld den Blick auf die
längerfristige Bedeutung der KSZE und ihrer Methodik verstellt.
Nie zuvor in der Geschichte der KSZE war es wichtiger, daß auch die Öffentlichkeit dies versteht. Die
KSZE ist einzigartig in der Geschichte der Diplomatie.
Sie verkörpert das Versprechen zum Einsatz der
demokratischen Methode des Konsenses und der
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Aussöhnung zur Bewältigung der Ursachen von Instabilität.
Die KSZE wirkt manchmal schwerfällig und scheint
auf rasche Veränderungen nicht zu reagieren. Ihr
innovativer Ansatz zu Sicherheitsfragen muß verstanden und gepflegt werden, wenn sie dem Druck der
neuen Zeit standhalten soll. Wir sollten vor allem nicht
danach trachten, die KSZE zu verändern, nur weil
man mit Unzulänglichkeiten auf anderen Gebieten
nicht zurande kommt. Die KSZE sollte nie eine
"normale" internationale Organisation werden. Die
Stärkung ihrer Sonderstellung in Europa ist die beste
Art und Weise, zu ihrem Erfolg beizutragen.
Die Bedeutung der KSZE-Methodik
Die Sonderrolle der KSZE liegt in ihrer Methodik, die
ich als KSZE-Methodik bezeichnen möchte. Diese
Methodik verkörpert einen Ansatz zu internationaler
Kooperation, der nie zuvor versucht worden war. Die
meisten internationalen Organisationen beruhen auf
einer Satzung, einem Vertrag oder einem Regelwerk.
Diese Organisationen trachten danach, ihre Regeln in
einer formalen und bindenden Weise festzulegen.
Die Methodik der KSZE beruht nicht auf einem bindenden Vertragswerk und strebt dies auch nicht an. Sie
geht davon aus, daß Schwierigkeiten bestehen, die ein
verpflichtendes Abkommen unmöglich und eigentlich
auch nicht wünschenswert machen. Nicht wünschenswert deshalb, weil solche bindenden Verpflichtungen
das gemeinsame Anerkennen des Kooperationsprinzips unmöglich machen würden.
In der Schlu ßakte von Helsinki einigten sich die KSZEMitgliedstaaten statt dessen auf den Versuch, durch
Konsens auf der Basis von gemeinsamen politischen

Seite 1

�Verpflichtungen Spannungen untereinander zu lösen. damals bedrängen uns heute Dutzende widersprüchSie machten deutlich, daß dieser Konsens dynamisch licher Herausforderungen. Die meisten davon lassen
und für ständige Verbesserungen offen sein sollte.
sich auf lange zurückliegende Ursachen zurückführen.
Statt bindender Verpflichtungen messen die KSZEMitgliedstaaten die Einhaltung der Normen an einem
Prozeß ständiger Konsultationen und der Überprüfung
ihrer Umsetzung. Durchgesetzt werden sie durch
politische Ermutigung und gelegentlich den Druck
anderer Teilnehmerstaaten.

Viele dieser Themen erfordern effizientere Instrumentarien, wie zum Beispiel die NATO. Ein langfristiger,
werteorientierter Rahmen wie die KSZE, die auf Kooperation, Offenheit und Konsens basiert, ist erforderlich, wenn wir demokratische Lösungen für die Sicherheitsprobleme der heutigen Zeit finden wollen.

Die KSZE wird von Offenheit und Demokratie geleitet.
Sie ist eher einbeziehend als ausschließend. Die
KSZE-M ethodik verlangt keinen ideologischen Gleichklang, sondern geht davon aus, daß zwischen den
vielen Mitgliedern Meinungsverschiedenheiten bestehen. Sie ist darauf ausgerichtet, diese unterschiedlichen Meinungen auf der Suche nach Konsens bei
Angelegenheiten von gemeinsamem Interesse sorgfältig zu ergründen.

Um erfolgreich zu sein, muß diese aufwendige Methodik von einer breiten Öffentlichkeit verstanden und
getragen werden. Andernfalls scheint die KSZE verwirrt oder sogar machtlos. Regierungen werden sich
fragen, warum sie überhaupt Mitglied werden sollen.
Wenn die einzigartige Rolle der KSZE jedoch erhalten
bleiben soll, müssen ihre Ziele von der gesamten
Gesellschaft unterstützt werden. Ohne diese öffentliche Unterstützung würde die KSZE eine sterile Diplomatenversammlung.

Die Überprüfung der Umsetzung soll zu besseren
Leistungen anspornen statt sogenannte Verletzungen
zu bestrafen. Dadurch schafft die KSZE Kooperation
in Bereichen, wo Konflikt die Regel war. Die Methodik
der KSZE bringt Sicherheit und Kooperation in Bereiche, wo diese zuvor nicht existierten.
Der KSZE-Prozeß ist seinem Wesen nach langsam
und mühevoll. Er ziert darauf ab, die Ursache von
Konflikten zu beseitigen, statt ihre unmittelbaren
Symptome zu behandeln. Wenn das Verständnis und
die Unterstützung der Öffentlichkeit für solche langfristigen Bemühungen schwinden und schnell einfache
Lösungen gefunden werden sollen, werden unsere
Nationen jene Werkzeuge nicht mehr handhaben
können, die sich am besten für die Bewältigung der
komplexen Herausforderungen dieser neuen Zeit eignen.
Die KSZE in einer Zeit raschen Wandels
Um die Bedeutung der KSZE-Methodik für diese neue
Ära zu verstehen, muß eine wichtige Tatsache klargestellt werden. Der KSZE-Prozeß wurde für eine Ära
der Konfrontation entwickelt, in der Fortschritte erwartungsgemäß langsam und mühselig waren. Doch
sogar in den siebziger Jahren, als die Welt noch nicht
so schnellebig war, gab es Kritik an ihrer Arbeitsweise.
Die KSZE hat später bewiesen, daß ihre Methodik
eines der wesentlichen Instrumente des politischen
Wandels in der kommunistischen Welt darstellte.

Wie wird die KSZE für den einzelnen relevant?
Die KSZE benötigt privat organisierte Gruppen, wie
das Deutsche Helsinki Komitee, um der Öffentlichkeit
den Wert eines langsamen Konsensbildungsprozesses nahezubringen. Dabei müssen Sie uns helfen, den
direkten Bezug der KSZE zum täglichen Leben in
jedem Teilnehmerstaat aufrechtzuerhalten.
Die Hoffnungen und Ängste der Bürger im täglichen
Leben bilden das Kernstück der Arbeit der KSZE. Die
KSZE dient dem Frieden, indem sie diese Bedürfnisse
definiert und Mittel zu ihrer Bewältigung sucht. Diese
Mittel können dann in internationale politische Aktionen umgesetzt werden. Schließlich ist es die Verweigerung von Grundrechten wie Identität, Gemeinschaft,
wirtschaftlichem Wohlstand und politischen Rechten,
die den meisten gefährlichen Konflikten zugrunde liegt.
Privatinitiativen sind das unabdingbare Bindeglied
zwischen dem Bürger und den Regierungsvertretern,
die den KSZE-Prozeß verwalten. Das Deutsche Helsinki Komitee ist eine der aktivsten dieser Gruppen.
Ohne Ihr Interesse und Ihre Unterstützung könnte das
aufregende Experiment KSZE nicht fortgesetzt werden.
Die KSZE und Hoffnungen für die Zukunft

Wir alle sind uns des unglaublichen Erfolgs bewußt,
den die Methodik der KSZE bei der Überwindung der
Heute stehen wir dramatischen und schnell ablaufen- Teilung Europas hatte. Heute können wir uns über ein
den Entwicklungen gegenüber. Täglich sind wir mit Europa freuen, das frei von Konfrontationen und ideoTragödien konfrontiert. Man ist versucht, verpflichten- logischen Kriegen ist. Wir können über den Beginn
de Lösungen anzustreben oder zu glauben, Probleme eines neuen und hoffnungsvollen historischen Zeitalkönnten durch energische Umsetzung gelöst werden. ters nachdenken.
In Wirklichkeit aber sind die Probleme der Zeit nach
Von Hoffnung in einer Zeit zu sprechen, in der bewaffdem Kalten Krieg tief ergehend als jene, welche die Zeit
nete Konflikte im KSZE-Bereich zunehmen, mag
der Konfrontation ursprünglich ausgelöst haben. Im
unwissend oder sogar naiv sein, aber ich bleibe dabei.
Gegensatz zu der einen großen Konfrontation von
Seite 2

AMERIKA DIENST 9

�Im Vergleich zu der massiven Unterdrückung und
militärischen Konfrontation, die unsere Welt vor fünf
Jahren noch charakterisierten, ist der Ausgangspunkt
für den Aufbau einer neuen friedlichen Ordnung in
Europa in der Tat hoffnungsvoll.
Durch die Unterzeichnung der Charta von Paris haben
sich die Regierungen von 53 Staaten den Zielen der
Demokratie und freier Märkte verpflichtet, die das
Kernstück der Prinzipien von Helsinki ausmachen.
Statt mit einer strengen ideologischen Teilung zu
kämpfen, können wir jetzt die Möglichkeit in Betracht
ziehen, eine Gemeinschaft freier Nationen zu schaffen, die von einem Ufer des Pazifiks bis zum anderen
reicht. Niemals in der neueren Geschichte waren die
Chancen für eine wirklich kooperative Sicherheitsstruktur größer.
Wir sollten jedoch auch die Konsequenzen eines
Scheiterns der KSZE-Methodik berücksichtigen. Wenn
auf KSZE-Prinzipien gegründete Sicherheitsstrukturen nicht geschaffen werden können, ist die Alternative
erneute Konfrontation oder ein autoritärer Ansatz. Die
Aufrechterhaltung der wertebezogenen KSZE-Methodik ist daher mehr als eine politische Option. Unterstützung der KSZE und ihrer Arbeit ist das deutlichste
Signal, daß unsere Länder bei ihrer Suche nach stabilem Frieden demokratische Methoden nicht aufgeben
werden.
Neue Probleme einer neuen Ära
Wenn Hoffnung gerechtfertigt ist, dann gibt es auch
Grund, nach unseren Erfolgschancen zu fragen. Dreimal
in diesem Jahrhundert haben Kriege und autoritäre
Regime die Demokratie in Europa zerstört. Zwei
dieser Kriege waren die größten Flächenbrände in der
Weltgeschichte. Der dritte - der Kalte Krieg - hatte den
böswilligsten Unterdrückungsapparat, den man sich
nur vorstellen kann, zur Folge.
Beim Fall der kommunistischen Regierungen Mittelund Osteuropas und der Sowjetunion kamen die schrecklichen Trümmer des Totalitarismus zutage. Die meisten Institutionen des normalen politischen und sozialen Lebens waren zerstört. Wirtschaftliche Strukturen
wurden durch die Konzentration der Produktion auf
militärische Güter verzerrt. Umweltprobleme waren
allgegenwärtig. Noch schlimmer war, daß die moralische und geistige Struktur stolzer Nationen völlig zerrissen war.
Wir alle sind uns der Konsequenzen nur zu bewußt.
Normale Prozesse der Heilung und Konsensbildung
wurden in den Ländern, die unter kommunistischer
Herrschaft standen, fünfzig Jahre oder länger unterdrückt. Die unkomplizierte Zusammenarbeit, die zwischen westeuropäischen Ländern selbstverständlich
geworden ist, konnte nicht in Gesellschaften Fuß
fassen, in denen nicht die Möglichkeit offenen Dialogs,
der Konsensfindung und Anpassung bestanden. Mili-

AMERIKA DIENST 9

tärische Planwirtschaften machten den Wohlstand,
der eine entscheidende Grundlage für den Frieden im
Westen war, unmöglich.
Als reichten diese Herausforderungen nicht aus, beraubte unser eigener Erfolg uns des Handlungsimpulses, den eine einzige, klar definierbare Bedrohung
liefert. Anstatt unsere Energien bündeln zu können,
müssen wir jetzt sowohl das Wesen der uns konfrontierenden Probleme als auch die Methoden des Umgangs mit ihnen neu definieren.
Traditionelle Instrumente, beispielsweise militärische
Macht, Wirtschaftshilfe oder diplomatische Verhandlungen, erweisen sich oft als wirkungslos bei grausamen Krisen wie der im ehemaligen Jugoslawien. Ist es
daher verwunderlich, wenn unsere eigene Zusammenarbeit im Westen belastet wurde?
Die KSZE-Normen als Wegweiser für die Zukunft
Die Unsicherheit dieser neuen Ära verleiht Verhaltensnormen und -richtlinien jetzt ebensolche Bedeutung
wie in der Zeit des Kalten Krieges. Die KSZE ist zum
flexibelsten und umfassendsten Wegweiser für die
Reise aus der alten Ära in eine neue, friedliche europäische Ordnung geworden. Ihr Engagement brachte
eine ausführliche Beschreibung der Funktionsweise
einer modernen, demokratischen Gesellschaft hervor.
Wenn wir diese Normen beibehalten und lernen, sie in
den neuen Situationen anzuwenden, dann besteht
keine Gefahr, vom Weg abzukommen.
Heute hat sich das Hauptaugenmerk der KSZE von der
Erörterung und Definition von Normen auf deren
Anwendung verschoben. Anstatt bei unwilligen Regierungen auf ihre Einhaltung zu drängen, muß die KSZE
nun helfen, diese Prinzipien angesichts wirtschaftlichen Niedergangs, interner Konflikte und unerfahrener Politiker zu etablieren. Sie müssen zur Grundlage
für die Errichtung neuer, demokratischer Strukturen
werden.
Ihrem Ruf von Offenheit und Flexibilität getreu, bot die
KSZE ihren Mitgliedstaaten ideale Rahmenbedingungen für die Erprobung innovativer Methoden, den
vielschichtigen Herausforderungen der neuen Zeit zu
begegnen. In nur drei Jahren schuf die KSZE eine
Struktur mit einem Sekretariat, einem permanenten
Beratenden Ausschuss und zahlreichen Aktivitäten
vor Ort.
Sie experimentierte mit neuen Konzepten wie beispielsweise der Integration sozialer, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Aspekte der Sicherheit in
ein umfassendes Konzept, welches das Verhältnis
zwischen den vielen Elementen des modernen Lebens
deutlich macht. Dieses neue Sicherheitskonzept schuf
die Grundlage für innovative Bestrebungen in Sachen
demokratische Entwicklung, präventive Diplomatie und
Konfliktlösung.

Seite 3

�Durch die breitgefächerte Mitgliedschaft und den informellen Charakter der Strukturen hat die KSZE ihre
Glaubwürdigkeit als ein überparteiliches und flexibles
Instrument bewahrt. Dadurch kann sie sich oft solcher
Probleme annehmen, die für andere, formalere Organisationen nicht eng genug definiert oder zu umstritten
sind, so zum Beispiel der in der ehemaligen Sowjetunion entstandenen Konfliktherde. Die Rolle der KSZE
bei der Entwicklung eines Gemeinwesens in der kriegsbelasteten Republik Tadschikistan liefert hierfür ein
ausgezeichnetes Beispiel.
Zukunftsaussichten
Bis jetzt sind unsere mit der "neuen" KSZE gemachten Erfahrungen gut. Wie wird das aber in Zukunft
aussehen? Wir sind noch weit entfernt davon, viele der
in der ehemaligen kommunistischen Welt entstandenen Konflikte zu lösen. Und leider können wir noch
nicht die Ressourcen eines internationalen Forums,
einschließlich der KSZE, so erfolgreich und intensiv
einsetzen, wie wir sollten.
In den vergangenen drei Jahren fand ein in der neueren Geschichte einzigartiger Prozeß des Strukturaufbaus statt. Entsprechende nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Strukturen wurden im Vergleich
dazu in einem Zeitraum von nahezu zehn Jahren
erdacht und aufgebaut.
Jetzt, da die Welle von neuen Abkommen und Erklärungen abgeebbt ist, gibt es wirklich einen Mangel an
Strategien für den Einsatz der von uns entwickelten
Werkzeuge. Wie meistens in Zeiten großer Veränderungen in der Geschichte haben auch wir die belastende menschliche Eigenschaft, in den alten Verhaltensmustern zu bleiben, bis wir neue definiert haben.
Dies erklärt teilweise das Gefühl der Frustration und
sogar des Widerwillens, mit dem viele an die Errichtung einer neuen Sicherheitsordnung herangehen.
Die neuen Instrumente sind da, aber wir verwenden
noch unsere veralteten Gebrauchsanweisungen. Anstatt
immer neue Werkzeuge für immer neue Strukturen zu
schaffen, müssen wir unsere Strategien an die neuen
Situationen anpassen.
Wenn wir dabei Erfolg haben wollen, müssen zwei
grundsätzliche Erfordernisse erfüllt werden:
Wir müssen neue Gedanken- und Kooperationsmuster erlernen. Viele Regierungen konzentrieren ihre Bemü hungen immer noch auf die
traditionellen Konzepte der politischen Beziehungen und der Verteidigung. Man versucht
Verträge und Abkommen anzuwenden, wenn
es sich eigentlich um soziale Probleme handelt.
Lösungsvorschläge konzentrieren sich oft auf
klassische Durchführungskonzepte und nicht
so sehr auf langfristige politische und wirtschaftliche Entwicklungen. Bürokratische Strukturen
innerhalb von Regierungen sind neuen AnfordeSeite 4

rungen gegenüber nicht aufgeschlossen und
weder Regierungen noch nichtstaatliche Organisationen haben die neue Beziehung zwischen
offizieller Autorität und privater Expertise zufriedenstellend definiert. Diese Beziehung muß
sich entwickeln, wenn viele der neuen Probleme
erfolgreich angegangen werden sollen.
Wir müssen weitreichende Strategien verfolgen, die demokratische und marktwirtschaftliche Entwicklungen integrieren. Der Ausdruck
"Sicherheit" kann nicht als eine Art von politischem Mechanismus betrachtet werden, der
angewendet wird, sobald Alarm ausgelöst wurde. Wir dürfen auch Sicherheit nicht länger
durch militärische Abkommen definieren. Für
die neuen demokratischen Staaten beginnt
Sicherheit mit Programmen zur Förderung von
Toleranz und multikulturellen Gesellschaften.
Mit anderen Worten, Sicherheitspolitik muß als
ein aktiver, fortschreitender Prozeß betrachtet
werden, der mit den fundamentalen Aspekten
nationaler Entwicklung beginnt.
Strategien für den Einsatz der KSZE
Wenn Einigkeit über diese Konzepte besteht, werden
die Erfordernisse einer Strategie für den Einsatz der
KSZE klarer. Eine solche Strategie muß meines
Erachtens auf folgenden Elementen basieren:
Die Einzigartigkeit der KSZE und ihre Methodik
sollten erhalten bleiben. Die KSZE kann keine
allgemeingültigen Lösungen für alle Probleme
bieten. Wir sollten auch nicht versuchen, ihr
Aufgabengebiet zu erweitern, wie dies andere
Organisationen tun. Die spezifische Rolle der
KSZE besteht in der Anwendung demokratischer Normen auf nationale Entwicklungen und
auf Versuche zur Lösung von Konflikten. Die
offene, flexible Struktur ist genau auf solche
Aufgaben ausgerichtet. Sie formaler zu gestalten und stärker auf Verträge zu gründen, mit
Durchführungsgewalt auszustatten, oder - wie
bisweilen vorgeschlagen - das Konsensprinzip
abzuschaffen, um die "Dinge zu beschleunigen", würde ihre grundlegenden Stärken untergraben.
Die Aktivitäten der KSZE sollten sich verstärkt
auf die langfristigen Ursachen von Problemen
konzentrieren. Strategien für die Verbindung
politischen Handelns mit grundsätzlichen Fragen politischer und wirtschaftlicher Entwicklung
sind noch von keiner Organisation entwickelt
worden. Die KSZE kann demonstrieren, wie
vielschichtige Sicherheitsaspekte in eine Operationsstrategie eingegliedert werden können.
Regierungen haben keineswegs ein Monopol
auf die Entwicklung solcher Strategien. Nichtstaatliche Experten und Organisationen können

AMERIKA DIENST 9

�einen großen Teil der Arbeit leisten, die für neue
Strategien notwendigen Anforderungen zu erforschen.
Es sollten phantasievollere Mittel fürdie Anwendung von Ressourcen im Rahmen der KSZE
gefunden werden. Die Regierungen begreifen
bis heute nur sehr langsam, welche Art von
Politik und welche Ressourcen diese neue Ära
braucht. Viele der Probleme, mit denen die
KSZE umgeht, erfordern Talente, die für gewöhnlich nicht in Regierungen zu finden sind.
Private Geld- und Personalquellen sollten ausgeweitet und die Zusammenarbeit mit regierungsunabhängigen Organisationen gestärkt
werden.
Zusammenarbeit mit anderen Organisationen
und ihre Integration sollten verstärkt werden.
Wenn keine Organisation allein alles tun kann,
sollte es auch keine Konkurrenz zwischen Organisationen geben, die auf ähnlichen Gebieten
tätig sind. Die KSZE kann brauchbare Rahmenbedingungen bieten, durch die der Arbeit kleinerer Organisationen auf den Gebieten Politik,
militärische Sicherheit, Kultur, Medien, oder
Wirtschaft eine Struktur verliehen wird. Umgekehrt kann die KSZE ihre Expertise in die Arbeit
anderer Organisationen einbringen. Die Aufgaben der Europäischen Union, des Europarates
und der Partnerschaft für Frieden in der NATO
lassen auf zukünftige Zusammenarbeit hoffen.
Die KSZE knüpft bereits besondere Beziehungen zu den Vereinten Nationen. Künstliche
Hindemisse, welche die Kooperation zwischen
NATO und KSZE blockieren, sollten beseitigt
werden.
Grundinhalte sollten gleich bleiben
Meine heutigen Ausführungen zielten darauf ab zu
beschreiben, wie die KSZE zu Strategien beitragen
kann, welche die Herausforderungen einer neuen
historischen Ära angehen.

Der Großteil meiner Rede bezog sich zwar direkt auf
die KSZE, doch ist viel davon auch auf die Arbeit
anderer Organisationen oder Regierungen einzelner
Länder anwendbar. Meines Erachtens stehen wir erst
am Beginn einer Zeit einzigartiger grundlegender sozialer
und politischer Veränderungen. Unsere Gesellschaft
und unsere Lebensweise werden höchstwahrscheinlich weitaus stärker davon beeinflußt werden, als wir
uns heute vorstellen können.
Da die Veränderungen so grundlegend sein werden,
können noch keine Pläne oder Strukturen an die
Bedürfnisse der neuen Zeit angepaßt werden. Wir
können allerdings zugeben, daß wir uns auf unsicherem Boden befinden und daher flexibel bleiben müssen. Die KSZE ist die flexibelste und anpassungsfähigste aller Strukturen. Gleichzeitig ist sie den grundsätzlichen Werten und Normen der Demokratie fest
verbunden.
Diese zwei Erfordernisse - der Erhalt des Fundaments
der Freiheit und das gleichzeitige Streben nach größtmöglicher Flexibilität beim Umgang mit unmittelbaren
Herausforderungen - sind wahrscheinlich die wesentlichen Elemente einer erfolgreichen Sicherheitspolitik
der Zukunft. Insbesondere von Deutschland wird man
erwarten, daß es eine komplexe Strategie entwirft,
welche die Bindung an seine unmittelbaren europäischen Nachbarn stärkt und zugleich seine einzigartige
Rolle und gemeinsamen Interessen mit Partnern in
anderen Regionen bewahrt.
Die KSZE wird nicht das einzige europäische Sicherheitsorgan werden, wie manche glaubten. Sie wird
auch keine Erfolgsgarantie für Demokratie in den eben
erst befreiten Ländern des Ostens sein. Sie kann
jedoch die direkteste Verbindung von Werten und
konkreter Politik bilden. Wenn wir unsere Handlungsweise von den KSZE-Prinzipien leiten lassen, sind wir
auf dem richtigen Weg. Diese einzigartige Rolle sollte
nicht dem Druck des Augenblicks geopfert werden,
denn wir wissen derzeit nicht, in welche Richtung wir
uns bewegen.

* * * *

AMERIKA DIENST 9

*

Seite 5

�AUSLAN DSHILFE
2. März 1994

GLEICHBERECHTIGUNG IST SCHLÜSSELELEMENT
DES AUSLANDSHILFEGESETZES
Rede von AID-Direktor Atwood
WASHINGTON - (AD) - Das neue Auslandshilfegesetz der Clinton-Administration verfolgt das Ziel umweltverträglicher Entwicklung teilweise durch die Einrichtung von Programmen, die den Menschen, insbesondere
Frauen, "ein Gefühl von Beteiligung, Besitz und Gleichberechtigung" geben.
So charakterisierte der Direktor des US-Amts für internationale Entwicklung (U.S. Agency for International
Development - USAID), J. Brian Atwood, die Maßnahme, die offiziell als "Gesetz über Frieden, Wohlstand und
Demokratie" bezeichnet wird, in einer programmatischen Rede am 22. Februar 1994 bei der Konferenz des
Büros der für Bevölkerungsfragen zuständigen Behörden.
"Die Gesetzesvorlage zielt nicht darauf ab, anstelle der Entwicklungsländer zu handeln", erklärte er," sie ist Hilfe
zur Selbsthilfe - eine bürgerliche Gesellschaft aufzubauen, Fähigkeiten und Einkommen zu erwerben, in den
Menschen zu investieren, sein produktives Potential zu entfalten, seine Fortpflanzung zu kontrollieren". Atwood
zufolge ist diese Einstellung nicht visionär, sondern zeugt eher von "gesundem Menschenverstand".
Nachfolgend veröffentlichen wir einen Auszug aus der Rede von Direktor Atwood.

Die Demographen entwerfen ein Zukunftsbild, das uns
starr vor Angst macht. Noch zu Lebzeiten unserer
Kinder wird die Weltbevölkerung mit Sicherheit auf
acht Milliarden Menschen ansteigen. Diese Tatsache
ist die treibende Kraft hinter jeder entwicklungspolitischen Herausforderung. Ihre sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen sowie ihre Konsequenzen für
Umwelt und Politik werden in den kommenden Jahrzehnten die amerikanischen Politiker konfrontieren.
Diese Tatsache ist so sicher wie die Zahl an sich. Alles,
was wir als Amt für Entwicklung und als Entwicklungsgemeinschaft unternehmen, wird zweifellos davon
beeinflußt werden. Unsere Herausforderung liegt dann
darin, wann diese Zahl erreicht wird und wieviel größer
sie noch werden kann.
Präsident Clinton und andere Administrationsmitglieder - Vizepräsident AI Gore, der Staatssekretär im
Außenministerium Timothy Wirth und ich - gehören zu
denjenigen, die verstehen, daß unsere größte Verantwortung darin besteht, den Politikern im In- und Ausland die aus diesen Zahlen resultierenden Konsequenzen zu vermitteln. Die Konsequenzen für die politische
Stabilität. Die Konsequenzen für die Umwelt. Die
Konsequenzen für das Wirtschaftswachstum. Die
Konsequenzen für Familien und Gemeinden. Und

AMERIKA DIENST 9

letztlich die Konsequenzen für unseren Planeten und
die menschliche Gesellschaft.
Eine Tragödie zeichnet sich ab, deren Dimensionen
bereits erkennbar sind:
Die Tragödie unerfüllter Hoffnungen des Menschen, da Männer und Frauen weiterhin über
unzureichenden Zugang zu Informationen und
Verhütungsmitteln verfügen.
Die Tragödie von Frauen, Jugendlichen und
Kindern, die ständig krank sind und oftmals
sterben, weil die Gesellschaft nicht die erforderlichen geringen Investitionen in Gesundheitsfürsorge für Schwangere, Mütter, Familien und
Kinder tätigt.
Die Tragödie von Umweltzerstörung, Armut und
Hunger, die eng miteinanderverknüpft sind. Es
ist eine Tragödie, bei der das Land und die
Institutionen nicht an das Bevölkerungswachstum angepaßt sind. Haiti und Somalia sind die
deutlichsten Beispiele. Die wirkliche Tragödie
besteht darin, daß es noch mehr Beispiele geben
wird. Und wenn wir ihnen den Rücken zukehren
würden, wäre das die größte Tragödie überhaupt.
Seite 1

�Diese Situation erfordert eine präventive Diplomatie.
Es handelt sich hier nicht, wie manche vielleicht meinen, um "die Probleme anderer". Sie könnten alle
Amerikaner betreffen. Wir können uns ihren Auswirkungen nicht entziehen, und sie erfordern eine Politik,
die die Probleme von Grund auf angeht.

werden wir mit weniger M itteln mehr bewirken müssen.
Jede neue Idee, jedes vorgeschlagene Projekt und
jede Verwaltungsreform wird an diesem Maßstab
gemessen.

Diese Betonung des Ergebnisses - was wir mit jedem
zusätzlich investierten Dollar bewirken können - wird
Das ist der Grund dafür, daß die Administration das auch auf unsere neue Bevölkerungs- und Gesund"Gesetz über Frieden, Wohlstand und Demokratie" heitsstrategie bezogen. Diese Strategie wird von dem
gefördert hat, eine neue Charta für Auslandshilfe in der Gefühl für Dringlichkeit angetrieben, das wir alle haZeit nach dem Kalten Krieg. Sie fügt sich nahtlos in die ben. Sie soll weltweit etwas bewirken. Sie enthält die
von AID verfolgte Strategie für Entwicklung ein.
aus der Erfahrung gezogenen Lehren und die Überzeugung, daß unsere gesamten Programme vom Anfang
Wir haben darauf hingewiesen, daß wir ein einziges bis zum Ende die Menschen einbeziehen müssen, die
Ziel - umweltverträgliche Entwicklung - in den fünf als Nutznießer vorgesehen sind. Schließlich handelt
Bereichen verfolgen, die über die Umweltverträglich- es sich um eine Strategie, die immer stärker integrierte
keit von Entwicklung entscheiden: Demokratie, breit Ansätze erfordert, damit wir unsere bevölkerungs- und
gefächertes Wirtschaftswachstum, Umwelt, humani- gesundheitspolitischen Ziele erfüllen können.
täre Hilfe und Unterstützung der im Übergang befindlichen Nationen. Und natürlich Bevölkerung und Die Bevölkerungs- und Gesundheitsstrategie von AID
Gesundheit. Unsere Arbeit wird von einem geschärf- stellt vier miteinander verbundene Prinzipien und Ziele
ten Bewußtsein für die Interdependenz dieser Fragen in den Mittelpunkt:
geleitet.
Förderung der Rechte von Paaren und EinzelMachen sich korrupte und autoritäre Regierungen die
personen, frei und verantwortlich die Zahl ihrer
Mühe, Einrichtungen zur Gesundheitsfürsorge und
Kinder und den zeitlichen Abstand zwischen
Familienplanung bereitzustellen, die den Bedürfnisden Geburten festzulegen.
sen der Menschen Rechnung tragen? Können die
Verbesserung der Gesundheit des einzelnen,
Menschen arbeiten oder die Kinder lernen, wenn sie
unter besonderer Beachtung der gesundheitlihungrig oder krank sind? Können demokratische
chen Bedürfnisse von Frauen und Jugendlichen
Institutionen überleben, wenn die Menschen arbeitssowie der allgemeinen gesundheitlichen Belos sind und nicht das Gefühl haben, daß sie in ihrer
dürfnisse
von Säuglingen und Kindern.
Nation, ihrer Regierung oder bei ihrer Zukunft ein
Mitspracherecht haben? Ist eine Entwicklung umweltSenkung des Bevölkerungszuwachses auf ein
verträglich, wenn Frauen nicht gleichberechtigte BeNiveau, das eine umweltverträgliche Entwickteiligte und Nutznießer sind?
lung zuläßt.
Diese Fragen erinnern uns daran, daß das Streben
Einbeziehung der Zielgruppe in die Programme.
nach umweltverträglicher Entwicklung integrierte
Ansätze erfordert. Der Gesetzentwurf über Frieden, Im Rahmen dieser Strategie wird die Unterstützung
Wohlstand und Demokratie soll uns die hierzu erfor- der Familienplanungssysteme und -dienstleistungen
derlichen Werkzeuge an die Hand geben. Sobald er weiterhin im Mittelpunkt unserer Bestrebungen steGesetzeskraft erlangt hat, wird er Programme einlei- hen. Sie stellt bei weitem die kostengünstigste Interten, die den Menschen - insbesondere Frauen, dem vention dar, um Paaren und dem einzelnen eine Konversteckten wichtigen Entwicklungsfaktor - ein Gefühl trolle über die Zahl der Kinder zu geben und das
von Beteiligung, Besitz und Gleichberechtigung ge- Bevölkerungswachstum zu bremsen. Sie hat direkte
ben. Die Gesetzesvorlage zielt nicht darauf ab, anstel- Vorteile für die Gesundheit und das Wohlergehen von
le der Entwicklungsländer zu handeln, er ist Hilfe zur Frauen, Kindern und Familien. Insbesondere ist sie
Selbsthilfe - eine bürgerliche Gesellschaft aufzubau- entscheidend für eine umweltverträgliche Entwicken, Fähigkeiten und Einkommen zu erwerben, in den lung.
Menschen zu investieren, sein produktives Potential
zu entfalten, seine Fortpflanzung zu kontrollieren. Diese Die Einrichtung eines neuen Zentrums für BevölkeEinstellung ist nicht visionär, sondern zeugt eher von rung, Gesundheit und Ernährung wird die in diesen drei
Bereichen Tätigen zur Zusammenarbeit ermutigen.
gesundem Menschenverstand.
Das neue Zentrum soll ein Zusammenwirken dieser
Werden wir die für diese ehrgeizige Tagesordnung Programme ermöglichen, besonders bei der komplierforderlichen Mittel erhalten? Obwohl sich diese zierten Gesundheitsfürsorge für Schwangere. Es wird
Administration um den Abbau des Haushaltsdefizits uns die Erforschung von Verbindungen zu Programbemüht, ist sie auch unseren Zielen verpflichtet und men aus anderen Sektoren gestatten und unsere
sich unserer Bedeutung bewußt. Doch selbst unter bevölkerungs-und gesundheitspolitischen Bestrebunden besten haushaltspolitischen Voraussetzungen gen verstärken.
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AMERIKA DIENST 9

�Bei unseren politischen Gesprächen mit Gastländern
und anderen Gebern werden wir die Interdependenz
der Ziele umweltverträglicher Entwicklung hervorheben. Beispielsweise beobachten wir langfristige Auswirkungen auf die Familienplanung und verringerte
Kindersterblichkeit als Ergebnis der geförderten Bildung für Frauen und Mädchen. Wir erwarten eine
Verstärkung unserer Aktivitäten auf diesem Gebiet
und arbeiten mit anderen Geberländern zusammen,
die vielleicht mehr tun können.

nach einem integrierten Ansatz sprechen, bedeutet
das kein Patentrezept, wie Familienplanungssysteme
funktionieren oder Dienstleistungen an der Basis
angeboten werden sollten. Das würde alles konterkarieren, was wir über Familienplanung und Gesundheitsfürsorge für Schwangere gelernt haben. Wir
müssen vermeiden, was einer unserer Kollegen als
den sogenannten "Schweizer-Armeemesser-Ansatz"
zu Dienstleistungen bezeichnet hat - alles zu tun
versuchen, und nichts davon gut zu machen.

Ein integrierter Planungsansatz bedeutet nicht, daß
wir schwachen Institutionen oder Anbietern von Dienstleistungen zusätzliche Lasten aufbürden. Vielmehr
beinhaltet er, eine Beschränkung der Aufmerksamkeit
auf bestimmte Ziele auf Kosten anderer zu vermeiden.
Etwas anderes würde zur Verschwendung begrenzter
Mittel führen und wäre zweifellos zum Scheitern verurteilt.

Einige sind besorgt, daß ein integrierterer Ansatz zu
Bevölkerungs-, Gesundheits- und Ernährungsfragen
es erschweren wird, Programme für Resultate in einem dieser Bereiche verantwortlich zu machen. Ich
teile diese Meinung nicht. Wir werden nach wie vor
unsere Leistungen anhand von Indikatoren wie Verwendung von Kontrazeptiva, Geburtenrückgang, Mütterund Kindersterblichkeit genau beobachten und weiterhin nach besseren Bewertungskriterien für die Auswirkungen unserer Programme suchen.

Da ich weiß, daß es eine Vielzahl von Gerüchten und
Diskussionen gab, möchte ich Ihnen versichern, daß
wir zu den bereits eingegangenen Verpflichtungen
stehen, die Gelder für Bevölkerungs-und Familienplanung sowie damit zusammenhängende Gesundheitsprogramme für Schwangere zu erhöhen.
In einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe ist die
Bevölkerungspolitik einer der wenigen Posten im
Haushalt von AID, bei dem eine reale Erhöhung der
Mittel stattfindet. Um sowohl unsere traditionellen
Bestrebungen bei der Familienplanung zu unterstützen als auch das Bevölkerungswachstum von Grund
auf und direkt anzugehen, habe ich die Anweisung
erteilt, daß ein Teil der für das Haushaltsjahr 1995 und
danach für Bevölkerungspolitik vorgesehenen zusätzlichen Gelder für eine begrenzte Zahl innovativer Aktivitäten zur Verfügung gestellt wird. Dazu sollen Programme zur Förderung der Bildung und Gleichberechtigung der Frau gehören, die ich bereits erwähnt habe.
Sie wurden speziell dafür entworfen, die Nachfrage
nach Familienplanungsprogrammen und ihre Nutzung
in der nahen Zukunft zu erhöhen. Die für diese
innovativen Aktivitäten bereitgestellten Gelder sollen
eine Ergänzung zur allgemeinen Finanzierung der
Bildung und Gleichberechtigung von Frauen unter
dem Fonds zur Förderung von Entwicklung darstellen.
Dies ist für uns alle ein neuer und vielversprechender
Ansatz. Wir werden Nachfragen nach dieser Art von
Nutzung sowie ihre Auswirkungen genau beobachten.
Obwohl ich der Verstärkung unserer bestehenden
Programme entschieden verpflichtet bin, engagiere
ich mich gleichermaßen für eine führende Rolle von
AID bei der Familienplanung. Wir haben auf diesem
Gebiet einen relativ großen Vorteil und werden nicht
den für die Familienplanung vorgesehenen Teil unserer Hilfe schmälern.
Auch zu einem weiteren Punkt sollte es keine Mißverständnisse geben. Wenn wir von unserem Wunsch
AMERIKA DIENST 9

Darüber hinaus wollen wir die schwierigeren Fragen
nicht außer acht lassen, wie etwa: Entsprechen die
Programme dem Bedarf der Nutznießer? Welche
Verbindungen bestehen zwischen den von uns unterstützten Eingriffen und Veränderungen bei der Familienplanung und der allgemeinen Gesundheitsfürsorge? Und haben wir umweltverträgliche Systeme eingeführt, die nicht nur in diesem, sondern in 5,10 oder
15 Jahren Ergebnisse erzielen?
Dieses letzte Kriterium ist von besonderer Bedeutung.
Es gibt eine länger werdende Liste von Ländern, in
denen AID einen maßgeblichen Beitrag zur Famlienplanung und zur Gesundheit geleistet hat, darunter
Mexiko, Jamaica, Bangladesch, Indonesien, Marokko,
Ägypten, Kenia und Simbabwe. Kolumbien wird in
Kürze der Liste führender Länder hinzugefügt, zu der
jetzt Thailand, Tunesien und Korea zählen. Die Ergebnisse waren die Folge von umweltverträglicher Entwicklung über einen Zeitraum von mehreren Jahren
hinweg-und dergeduldigen Bestrebungen der mit AID
zusammenarbeitenden Behörden.
Während wir auf Ergebnisse abzielen, sollten wir vor
allem die Perspektiven der Einzelpersonen im Auge
behalten, auf die sich Familienplanung und Gesundheitsdienste richten. Seit langem haben wir uns dem
Ziel verbesserter Gesundheitsfürsorge und leichtem
Zugang verschrieben. Wir müssen mehr Gespräche
mit unseren "Klienten" über die ihnen am größten
erscheinenden Hindernisse führen.
Neben den Müttern und Kindern - der Zielgruppe
unserer Programme - müssen wir den Bedürfnissen
von Jugendlichen, Männern, unverheirateten Frauen
und kinderlosen jungen Ehepaaren unsere Aufmerksamkeit widmen. Wir müssen den von uns geförderten
Organisationen bei der Suche nach besseren Wegen
zu ihrer Einbeziehung behilflich sein, sei es durch

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�Schulen oder Lokale, Freizeitzentren oder Versammlungsorte. Wir müssen die Macht der Massenmedien
besser nutzen, um Ideen und Informationen zu verbreiten.
Bei der Reaktion auf die Bedürfnisse von Frauen
sehen wir uns mit zusätzlichen Herausforderungen
konfrontiert. Berücksichtigung der Rolle der Geschlechter ist unabdingbar für die von uns geförderten Programme. Wir müssen die uneingeschränkte Beteiligung von Frauen auf allen Ebenen der Familienplanung und - in der Tat - der Gesundheits- und Entwicklungsprogramme unterstützen. Wir müssen Frauen
bei der Überwindung der sie konfrontierenden Hindernisse zur Erlangung von Dienstleistungen und Anwendung unterschiedlicher Verhütungsmethoden behilflich sein. Wir müssen darauf achten, daßdie Programme auf die Frauen zugeschnitten sind. Und die Programme müssen die Unterstützung und Beteiligung
der Männer verbessern.
Bei dieser Zusammenkunft werden Sie vorau ssichtlich
die Verbindung zwischen Familienplanung und anderen Dimensionen der Gesundheitsfürsorge für Schwangere ansprechen. In einem Umfeld, in dem die Frauen
weiterhin aufgrund von Schwangerschaften und im
Kindbett sterben, wo HIV/AIDS und andere sexuell
übertragene Krankheiten eine zunehmende Zahl von
Opfern fordern und Frauen die effektive Anwendung
von Kontrazeptiva durch andere Probleme verwehrt
wird, müssen wir Programme entwerfen, die diesen
Realitäten Rechnung tragen und sie in Angriff nehmen.

Risiko eines unsicheren Schwangerschaftsabbruchs
eingehen oder - noch schlimmer - in einem Teufelskreis wiederholter Schwangerschaftsabbrüche gefangen sind, mit allen Implikationen des Leidens für sie,
ihre Kinder und andere Familienmitglieder.
Ich möchte betonen, daß der verbesserte Zugang zu
Informationen über Schwangerschaftsverhütung und
Dienstleistungen unser erster Ansatzpunkt zur Bewältigung der Tragödie unsicherer Schwangerschaftsabbrüche ist. Wir müssen die Qualität der Vorsorge und
die Anwendung sicherer und effektiver Methoden
verbessern. Wir müssen die Beratung verstärken und
das Verständnis von Frauen und ihren Partnern für
Gesundheitsfürsorge bei der Schwangerschaft und
der Entscheidung dafür vertiefen. Von ebensolcher
Bedeutung ist mitfühlende Behandlung der Frauen in
solch verzweifelten Umständen, daß sie keinen Ausweg als einen unsicheren Schwangerschaftsabbruch
sehen.
Dieses Thema, das an oberster Stelle der öffentlichen
Debatten in diesem Land steht, erhält für viele Frauen
in Entwicklungsländern noch zusätzliche Dringlichkeit.
Sie haben entschieden weniger Wahlmöglichkeiten
als Frauen hier, wohin sie sich um Hilfe wenden
können. Obwohl die Hindernisse nicht über Nacht
beseitigt werden können, wird diese Administration
weiterhin für das Prinzip der freien Entscheidung für
eine Schwangerschaft eintreten, einschließlich des
Zugangs zu sicherem und freiwilligem Schwangerschaftsabbruch.

Darüber hinaus müssen wir prüfen, wie wir die Erfordernisse von Frauen berücksichtigen können, die das

* *

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AMERIKA DIENST 9

�ARBEITSWELT
2. März 1994

BESCHÄFTIGUNGSKRISE IM WESTEN HAT
EINE LANGE GESCHICHTE
Studie der American Express Bank
WASHINGTON - (AD) - Die Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten ist in den letzten 25 Jahren angestiegen und
könnte höher liegen als die von den Regierungen herausgegebenen offiziellen Zahlen vermuten lassen, so eine
Studie der American Express (Amex) Bank überdie Arbeitsmarktsituation in fünf führenden Industrieländern. Die
auf Daten ausden Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland, Frankreich und Großbritannien basierende Analyse
wurde in der Januarausgabe 1994 von The Amex Bank Review publiziert.
Aus Anlaß der vom 13. -15. März 1994 in Detroit anberaumten Konferenz überdie Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt veröffentlichen wir einen in Washington Economic Reports
erschienenen Artikel von Ed Taishoff überdie Studie der American Express Bank als Teil einer Serie des Amerika
Dienstes zum Thema Arbeitswelt.

"Die Arbeitslosenquoten in den Industrieländern sind

während des Großteils der vergangenen 25 Jahre
angestiegen, hauptsächlich als Konsequenz eines
verlangsamten Wirtschaftswachstums", wird in dem
Bericht der Amerikan Express Bank festgestellt. Die
offiziellen Beschäftigungszahlen der Regierungen sind
eine "ernste" Untertreibung des tatsächlichen Anstiegs
der Arbeitslosigkeit, da sie zur Erwerbsbevölkerung
nicht die sogenannten "entmutigten" Arbeitnehmer
hinzuzählen - die die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz aufgegeben haben, weil sie wahrscheinlich eine
Absage erhalten würden, soderBericht von Amex. Sie
mit einzurechnen würde die durchschnittliche Arbeitslosenquote in den fünf genannten Industriestaaten effektiv auf über 10 Prozent ansteigen lassen.
Eine solche Bereinigung würde der Amex-Studie zufolge die offizielle Arbeitslosenquote für 1993 in den
Vereinigten Staaten von 6,4 auf 9,3 Prozent, in Frankreich von 12 auf 13,7 und in Großbritannien von 9,8 auf
12,3 Prozent erhöhen. In Japan hätte eine derartige
Anpassung noch drastischere Auswirkungen - einen
Anstieg der gemeldeten 2,7 Prozent auf 9,6 Prozent da der Pool der "entmutigten Arbeitnehmer" viele Frauen
enthält, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu
einem völligen Ausstieg aus dem Arbeitsleben neigen.
Daten zur Dunkelziffer der Arbeitslosen in Deutschland sind nicht verfügbar. Die letzte offizielle Angabe
der Arbeitslosenquote beträgt 9,1 Prozent.

AMERIKA DIENST 9

Während der jüngsten Rezession ging es den amerikanischen Arbeitnehmern besser als ihren europäischen Kollegen. Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten überstieg nie die 8-Prozent-Marke, die
Zahlen in Europa waren jedoch zweistellig.
Stärkerer Anstieg von Arbeitsplätzen in den USA
Seit Beginn der sechziger Jahre nahm die Zahl der
Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten stärkerzu als
in Europa. In dem Bericht werden zwei Erklärungen für
diese Entwicklung gegeben:
Es scheint eine Verbindung zwischen dem relativ langsamen Anstieg der Löhne und Gehälter
in den Vereinigten Staaten und hohem Beschäftigungsanstieg zu geben, insbesondere in den
sechziger und siebziger Jahren. In Europa
fanden schnellere Lohnerhöhungen statt. Obwohl
diese im Einklang mit der Produktivität standen,
"war der Zuwachs der Beschäftigung zu gering,
um steigende Arbeitslosigkeit zu verhindern".
In den Vereinigten Staaten gibt es weniger
strukturbedingte Arbeitslosigkeit als in Europa,
da amerikanische Arbeitnehmer mobiler und
eher als ihre europäischen Kollegen bereit sind,
den Arbeitsplatz und den Wohnort zu wechseln.
Folglich waren Ende der achtziger Jahre in den
Vereinigten Staaten nur 5 bis 6 Prozent aller

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�Arbeitslosen Langzeitarbeitslose, in Europa
hingegen 30 bis 40 Prozent.
Der Fertigungsbereich war der Studie zufolge weniger
als andere Sektoren in der Lage, Arbeitsplätze zu
erhalten. Die Arbeitsplätze im Herstellungsbereich
sind im Vergleich zu ihrem Höchststand in Großbritannien um 18, in Deutschland um 9, in den Vereinigten
Staaten um 8, in Frankreich um 7 und in Japan um 3
Prozent gesunken. Der Hauptgrund für diese abnehmende Beschäftigung bei der Fertigung ist den AmexAnalysten zufolge "die Tendenz zur Produktivitätserhöhung".

Ende des traditionell sicheren Arbeitsplatzes?
Der Bericht verzeichnet wachsende Sorge darüber,
dies könne einen Verlust des traditionell sicheren
Arbeitsplatzes bedeuten, hält aber auch fest, die Tendenz
zur Teilzeitarbeit "gab wenig Anlaß zu Klagen, als die
Volkswirtschaften ein schnelleres Wachstum verzeichneten und die Arbeitslosigkeit sank oder unverändert
blieb".

Die Studie befaßt sich auch mit der Behauptung, die im
wachsenden Dienstleistungssektor geschaffenen neuen
Stellen seien relativ niedrig bezahlt und glichen weder
zahlenmäßig noch im Hinblick auf Löhne und Gehälter
Dennoch ist laut dem Bericht im vergangenen Jahr- den Verlust an Arbeitsplätzen im Fertigungsbereich
zehnt der Anteil dieser Staaten am Güterhandel - dem aus. Der schnellste Zuwachs von Arbeitsplätzen im
Großteil davon Fertigwaren - von 38 auf 44 Prozent Dienstleistungssektor sei nicht bei den niedrigen Lohnangestiegen und verzeichnete einzig in Großbritan- gruppen wie dem Einzelhandel oder Nahrungsmittelsektor zu verzeichnen, sondern vielmehr auf Gebieten
nien keine Zunahme.
wie Wirtschaft und Finanzen, deren Anteil an der
Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch liegt Gesamtbeschäftigung sich seit den siebziger Jahren
darin, daß "die Vorteile der Industrieländer mit ihren verdoppelt hat oder in Bereichen wie Gemeinschaftshöheren Lohnkosten zunehmend in ihren äußerst und Sozialdiensten, öffentliche Verwaltung, Gesundkapitalintensiven Fertigungstechniken und fachbezo- heit, Bildung und Freizeitgestaltung.
genen Dienstleistungen liegen, auf Gebieten, wo diese
Staaten im allgemeinen bereits Erfolg haben".
"Der Hauptgrund für den langfristigen Anstieg der
Arbeitslosigkeit", so die Analyse von Amex, "ist das
Die Studie stellt fest, angesichts der Erweiterung von rückläufige Wirtschaftswachstum seit den sechziger
Handel und Kapitalfluß sowie attraktiveren Investi- Jahren auf ein Niveau, das nicht genügend neue
tionsmöglichkeiten in den Entwicklungsländern "wäre Arbeitsplätze schafft".
es überraschend, wenn arbeitsintensive Industriezweige in den reichen Industriestaaten ohne Schwierigkei- Die gute Nachricht ist jedoch, daß die für den Abbau
ten Wachstum verzeichnen könnten".
der Arbeitslosigkeit erforderliche Wachstumsrate "wohl
nicht auf Dauer ein Inflationsproblem schaffen wird",
Die Studie befaßt sich auch noch mit zwei anderen da die Kluft zwischen tatsächlichem und potentiellem
Bereichen: Dem stetigen Wachstum von Teilzeit- und Output beträchtlich bleibt.
zeitweiliger Beschäftigung sowie dem schnellen Zuwachs von Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich. Dem Bericht zufolge ist in Japan, Frankreich und
Großbritannien eine Wachstumsrate von ungefähr 3
Zwischen 1973 und 1992 stieg Teilzeitarbeit in ande- Prozent erforderlich, um die Arbeitslosigkeit abzubauren Industrieländernden stärker an als in den Vereinig- en, aber "selbst darüber liegende Wachstumsraten
ten Staaten, wo sie von 15,6 Prozent der gesamten werden über einen beträchtlichen Zeitraum hinweg
Beschäftigung im Jahr 1973 auf 18,4 Prozent 1983 nicht die Inflation erneut anfachen". In den Vereinigten
anwuchs und 1992 wieder auf 17,5 Prozent sank. In Staaten ist laut Amex ein Wachstum von nur 2,3
Deutschland stieg sie von 10,1 Prozent 1973 auf 15,5 Prozent erforderlich, was "1994 äußerst wahrscheinProzent 1991, in Japan von 13,9 Prozent 1973 auf 20,5 lich ist".
Prozent im Jahr 1992 und in Großbritannien während
des gleichen Zeitraums von 16 auf 23,2 Prozent.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 9

�BEVÖLKERUNG
2. März 1994

USA BEREITEN SICH AUF
BEVÖLKERUNGS KONFERENZ VOR
Vorbereitungssitzung im April in New York
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten
mobilisieren ihre Ressourcen, um eine führende Rolle
bei der für den 5. bis 13. September 1994 in Kairo anberaumten Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung zu übernehmen.

Wirth erklärte, in der Zwischenzeit würden eine Reihe
von 12 Treffen zu Bevölkerungs- und Entwicklungsfragen abgehalten, von denen die Clinton-Administration
ausreichend Informationen bezüglich der in Kairo zu
erörternden Themen erhalten wird.

Timothy Wirth, Staatssekretär im US-Außenministerium, gab am 28. Februar bekannt, daß vom 4. bis 22.
April 1994 eine Vorbereitungssitzung in New York
stattfinden wird, und das State Department sowie das
Amt für internationale Entwicklung (Agency for International Development - AID) bereits monatlich mit
nichtstaatlichen Organisationen zur Sondierung der in
Kairo zu erörternden Themen zusammengetroffen sind.

Wirth bestätigte die Zusage Japans in Höhe von 3
Milliarden Dollar über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg für Familienplanung und ähnliche Programme sowie Präventionsmaßnahmen gegen AIDS.
1 Milliarde Dollar sei für Familienplanung und verwandte Programme vorgesehen, wohingegen die restlichen
2 Milliarden Dollar für Programme zur Bekämpfung der
Kindersterblichkeit, Aufklärungsprogramme für Frauen und Vorbeugung gegen AIDS verwendet werden.

Wirth zufolge wird eine 23köpfige Delegation - zu
gleichen Teilen aus amerikanischen Regierungsvertretern und Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen zusammengesetzt - an der New Yorker Konferenz teilnehmen, wo "mindestens zwei Informationsveranstaltungen" über die Sicherheitsbedingungen in
Kairo stattfinden werden.
Neben Beamten des Außenministeriums und von AID
zählen zu der Delegation Vertreter des Gesundheitsministeriums und des Umweltschutzamts. Die aus den
Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen bestehende Hälfte der Delegation umfaßt Fachleute für
Familienplanung, Umweltschutz, Rechte von Frauen
und Minderheiten.
Einem Beamten in Wirths Büro zufolge werden mindestens 500 Teilnehmer aus 150 Ländern zu der Sitzung
in Washington erwartet.

Im gleichen Zeitraum haben die Vereinigten Staaten
Aufwendungen in Höhe von 9 Milliarden Dollar für
solche Programme geplant, stellten amerikanische
Regierungsvertreter fest.
Wirth zufolge sind auch Verhandlungen mit den Industrieländern und anderen potentiellen Geldgebern für
weitere Mittel zur Bewältigung des Bevölkerungswachstums beabsichtigt. Wirth wird in zwei Wochen zu
Gesprächen mit möglichen Geldgebern nach Europa
reisen.
Experten schätzen, daß bis zum Jahr 2000 mindestens 10 Milliarden Dollar pro Jahr zur Inangriffnahme
der Bevölkerungsexplosion benötigt werden - doppelt
so viel wie die jetzt aufgewendeten 5 Milliarden Dollar
pro Jahr.
Die Kairoer Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung ist die dritte dieser Art. Die erste wurde 1974 in
Bukarest, die zweite 1984 in Mexiko abgehalten.

* * * * *

AMERIKA DIENST 9

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                    <text>&lt;^S°S^&gt;

*

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Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

23. Februar 1994

BOSNIEN

DIE LAGE IN BOSNIEN
Runkfunkansprache des Präsidenten

GATT

USA BEKRÄFTIGEN ABBAU DER
HANDELSSCHRANKEN
Reaktion der Vereinigten Staaten
auf GATT-Bericht

ARBEITSWELT

WIRTSCHAFTLICHE GESUNDUNG DER USA
AUF BREITER BASIS
Informationen zur bevorstehenden
Arbeitsplatzkonferenz

DROGEN

CLINTON KÜNDIGT NEUEN NATIONALEN
ANGRIFF AUF DROGENABHÄNGIGKEIT AN
Ansprache in Strafvollzugsanstalt

FILM

SCHINDLERS LISTE
von Michael J. Bandler

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 4102

�BOSNIEN
23. Februar 1994

DIE LAGE IN BOSNIEN
Rundfunkansprache des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Am 19. Februar 1994 informierte Präsident Clinton in einer Radioansprache mit
anschließender Beantwortung von Fragen das amerikanische Volk über den Stand der Dinge im Bosnienkonflikt. Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache des Präsidenten im Wortlaut.

Meine amerikanischen Mitbürger, heute morgen möchte
ich zu Ihnen über den Konflikt in Bosnien sprechen.
Meine Administration hat sich über ein Jahr lang um die
Milderung des Leidens und die Beendigung des Konflikts in diesem vom Krieg zerrütteten Land bemüht.
Jetzt hat die anhaltende Belagerung der bosnischen
Hauptstadt Sarajevo einen entscheidenden Moment
herbeigeführt.
In den kommenden Tagen werden vielleicht amerikanische Kampfflugzeuge an NATO-Luftangriffen auf
militärische Ziele in der Umgebung von Sarajevo teilnehmen. Wir wissen noch nicht, ob Luftangriffe nötig
sein werden. Ich möchte jedoch zu Ihnen über die auf
dem Spiel stehenden amerikanischen Interessen sprechen sowie über die Natur und Ziele gegebenenfalls
erforderlicher Luftangriffe.
Die in Bosnien stattfindenden Kämpfe sind Teil einer
umfassenderen Geschichte des Wandels in Europa.
Nach dem Ende des Kalten Krieges verbreitete sich
erneut militanter Nationalismus in vielen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang, insbesondere im ehemaligen Jugoslawien. Während der Nationalismus unter
der serbischen Bevölkerung entbrannte, strebten andere
Teile des Landes nach Unabhängigkeit. Mehrere
ethnische und religiöse Gruppen begannen heftige
Kämpfe. Die Serben tragen jedoch die Hauptverantwortung für die Aggression und die ethnischen Säuberungen, durch die in Bosnien Zehntausende umgebracht und Millionen in die Flucht geschlagen wurden.
Dieses Jahrhundert lehrt uns, daß Amerika es sich
nicht leisten kann, Konflikte in Europa zu ignorieren.
Und in dieser Krise verfolgt unsere Nation eindeutige
Interessen. Wir haben ein Interesse daran, eine
Ausuferung zu einem größeren europäischen Konflikt
zu verhindern, insbesondere zu einem Konflikt, der

AMERIKA DIENST 8

unsere Bündnispartner in der NATO bedrohen oder
den Übergang zur friedlichen Demokratie in den ehemals kommunistischen Staaten unterminieren könnte.
Wir haben ein Interesse daran zu zeigen, daß die
NATO, das weltweit größte Militärbündnis, eine glaubwürdige Kraft für den Frieden in der Zeit nach dem
Kalten Krieg bleibt. Wir haben ein Interesse an der
Eindämmung der destabilisierenden Flüchtlingsströme, die dieser Kampf in ganz Europa verursacht. Und
wir haben ein eindeutiges humanitäres Interesse an
der Beendigung der Abschnürung Sarajevos und des
fortgesetzten Gemetzels an Unschuldigen in Bosnien.
Ich möchte mich ganz deutlich ausdrücken: Europa
muß die Verantwortung für die Lösung dieses Problemstragen und tut das auch. Die Vereinten Nationen
haben in Bosnien Bodentruppen stationiert, um die
humanitären Bestrebungen zu sichern und das Blutvergießen zu mindern. Die Mehrheit sind Soldaten aus
allen Ländern Europas, die mit den mutigen Kanadiern
und Soldaten aus anderen Staaten zusammenarbeiten. Ich habe keine amerikanischen Bodentruppen
nach Bosnien entsandt. Und ich werde keine amerikanischen Bodentruppen zur Durchsetzung einer Lösung entsenden, die von den Konfliktparteien nicht
akzeptiert wird.
Aber die amerikanischen Interessen und die mit einer
amerikanischen Führungsrolle einhergehenden Pflichten erfordern unsere aktive Beteiligung an der Suche
nach einer Lösung. Aus diesem Grund hat meine
Administration daran gearbeitet, die Kämpfe einzudämmen, das Leiden zu mildern und eine faire und
funktionierende Verhandlungslösung dieses Konflikts
herbeizuführen.
Vor mehr als einem Jahr ernannte ich einen amerikanischen Sonderbeauftragten für die Verhandlungen,
Seite 1

�um eine für alle akzeptable funktionierende und durchsetzbare Lösung zu finden. Und ich habe auf die
Bereitschaft unserer Nation hingewiesen - falls eine
solche Lösung gefunden wird - an den Bestrebungen
zu ihrer Umsetzung teilzunehmen, einschließlich des
Einsatzes von militärischem Personal.
Wir haben an der Durchsetzung von Wirtschaftssanktionen gegen Serbien teilgenommen. Wir haben den
Abwurf von Hilfsgütern in Form von Lebensmitteln und
Medikamenten initiiert und uns an der Luftbrücke nach
Sarajevo beteiligt - einer enormen Anstrengung, die
länger als die Berliner Luftbrücke andauert - um den
Hunger und das Leiden Zehntausender Bosnier zu
lindern. Gemeinsam mit den NATO-Verbündeten
begannen wir die Durchsetzung der Flugverbotszone,
die die Parteien an der Ausweitung des Krieges mit
Flugzeugen hindern soll.
Wir haben Serbien vor einer verstärkten Unterdrükkung seiner albanischen Minderheit im Kosovo gewarnt. Wir haben 300 amerikanische Soldaten zu den
UN-Truppen entsandt, die sicherstellen, daß sich der
Krieg nicht auf die zwischen Bosnien und Griechenland liegende ehemals jugoslawische Republik Makedonien erstreckt. Und wir haben mit unseren Verbündeten zusammengearbeitet, um die NATO auf einen
Beitrag zur Lösung dieser Krise vorzubereiten.

In den vergangenen Tagen konnten wir einige ermutigende Anzeichen in Bosnien beobachten, daß unser
Ultimatum Wirkung zeigen könnte. Die Anführer der
bosnischen Serben sagen jetzt, sie wollten das Ultimatum einhalten. Es gibt Beweise, daß die schweren
Waffen aus der Umgebung von Sarajevo abgezogen
werden, aber andere Waffen verbleiben.
Zahlreiche Nationen haben die Ernsthaftigkeit unserer
gemeinsamen Absicht unterstrichen. Ich habe in
dieser Angelegenheit mit dem russischen Präsidenten
Jelzin konferiert. Und in den vergangenen Tagen
haben die Russen einen sehr wichtigen Beitrag geleistet, indem sie ihren Einfluß auf die Serben geltend
gemacht und ihrer Bereitschaft Ausdruck verliehen
haben, ihre UN-Truppen zur Durchsetzung dieser
Anordnung einzusetzen.
Wenn die Waffen wirklich abgezogen oder der Kontrolle unterstellt werden, begrüßen wir diese Nachricht.
Wenn die Serben und andere das NATO-Ultimatum
uneingeschränkt einhalten, besteht keine Notwendigkeit zum Einsatz von Gewalt. Wir sind jedoch entschlossen, das Wort der NATO zu halten. U nd wir sind
zum Handeln bereit. Unsere Aktionen werden von
dem bestimmt, was sich am Boden abspielt.

Ich möchte mich klar bezüglich der uns konfrontierenden Risiken und des von uns angestrebten Ziels ausIm August erklärte die NATO auf unsere Initiative hin drücken, falls Gewalt erforderlich wird. Amerikanische
ihre Bereitschaft, zur Verhinderung der Abschnürung Flugzeuge werden wahrscheinlich die Hälfte der LuftSarajevos und anderer dichtbesiedelter Gebiete Luft- angriffe der NATO ausführen, wenn diese vorgenomangriffe durchzuführen. Das Bündnis bekräftigte diese men werden. General Shalikashvili hat mir gesagt,
Verpflichtung erst letzten Monat beim Brüsseler Gipfel unsere Streitkräfte seien für diese Operation gut vorerneut. Die Bombardierung Sarajevos dauerte jedoch bereitet. Tatsache ist jedoch, daß es keine Mission
an. Vor zwei Wochen kostete bei einem mörderischen ohne irgendein Risiko gibt und Verluste möglich sind.
Angriff eine einzige Bombe 68 Menschen auf dem Ich habe mit meinen nationalen Sicherheitsberatern
Wochenmarkt von Sarajevo das Leben. Und vergan- gesprochen und sie angewiesen, jede nur mögliche
gene Woche erklärten wir gemeinsam mit unseren Vorsichtsmaßnahme zum Schutz unserer mutigen
NATO-Bündnispartnern, daß diejenigen, die Sarajevo Soldaten in Uniform zu ergreifen.
weiterhin terrorisieren, einen Preis zahlen müssen.
Unser militärisches Ziel ist klar: Einen hohen Preis von
An jenem Tag gab die NATO bekannt, daß sie zur denjenigen zu verlangen, die eine Einhaltung des
Durchführung von Luftangriffen gegen alle schweren Ultimatums verweigern. Militärische Gewalt allein
Waffen bereit sei, die nach Ablauf von 10 Tagen in kann nicht garantieren, daß alle schweren Waffen in
einem Umkreis von 20 Kilometern um Sarajevo ver- der Umgebung von Sarajevo abgezogen oder zum
bleiben und nicht der Kontrolle der UNO unterstellt Schweigen gebracht werden, aber militärische Gewalt
werden. Diese Zehntagesfrist endet morgen abend. kann es wahrscheinlicher machen, daß die bosniWenn die Vereinten Nationen und die NATO zu der schen Serben eine Verhandlungslösung anstelle der
Einsicht gelangen, daß das Ultimatum nicht eingehal- Abschnürung Sarajevos suchen und mehr unschulditen wurde, steht die NATO zur Durchführung ihrer ge Zivilisten am Leben bleiben.
Mission bereit. Amerikanische Piloten und Flugzeuge
Aus diesem Grund habe ich auch die amerikanischen
sind bereit, das Ihre zu tun.
Unterhändler zur Intensivierung ihrer Bestrebungen
Ich habe Verteidigungsminister Perry und den Vorsit- angewiesen, den Parteien bei der Erlangung einer
zenden der Vereinigten Stabschefs, General Shali- fairen und durchsetzbaren Lösung behilflich zu sein.
kashvili, gebeten, zu Gesprächen über die Überprü- Ich habe mit den Vorsitzenden beider Parteien im
fung unserer Vorbereitungen mit ihren Amtskollegen Kongreß konferiert und um ihre Unterstützung bei
aus den anderen beteiligten NATO-Mitgliedstaaten diesen Bestrebungen ersucht. Ich möchte, daß wir im
nach Italien zu reisen.
Falle von Luftangriffen alle geschlossen hinterunseren
Streitkräften stehen und entschlossen sind, das Unse-

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AMERIKA DIENST 8

�re zu einer Beendigung dieses gefährlichen Konflikts
beizutragen.

Frage: Aber hat Präsident Jelzin Ihnen eine solche
Zusicherung gegeben? Wann haben Sie zum letzten
Mal mit ihm gesprochen?

Angesichts der derzeit stattfindenden Olympiade sollten wir uns daran erinnern, daß vor nur zehn Jahren die Antwort: Ich glaube vorgestern. Wir stehen ständig
Winterolympiade in Sarajevo abgehalten wurde. Heute in Kontakt. Aufgrund meiner Gespräche mit ihm habe
sind aus den Sportanlagen provisorische Friedhöfe für ich keinen Grund, etwas anderes anzunehmen.
die bei der Belagerung der Stadt Getöteten geworden.
Frage: Herr Präsident, wenn das Ultimatum eingehalSeit der Verhängung des Ultimatums durch die NATO ten wird, wenn Sarajevo sakrosankt ist, werden Sie
vor einer Woche schweigen die schweren Waffen um versuchen, das Ultimatum zu erweitern und auf andere
Sarajevo. Wir wollen jetzt daran arbeiten, daß diese Teile des Landes anzuwenden, wo das Gemetzel
Unterbrechung der Gewalt von Dauer ist, damit die andauert?
Zukunft Sarajevos durch Bilder des Friedens anstelle
der des Krieges und Gemetzels geprägt werden kann. Antwort: Ich möchte es für die nächsten anderthalb
Tage bei meiner Erklärung belassen.
Obwohl der Kalte Krieg vorüber sein mag, ist die Welt
noch immer voller Gefahren und blickt noch immer auf Frage: Herr Präsident, können Sie uns einen Anhaltsdie Vereinigten Staaten um eine Führungsrolle. Nun punkt über die Wahrscheinlichkeit eines Luftangriffs
da unsere Interessen auf dem Spiel stehen und unsere geben?
Verbündeten geschlossen an unserer Seite stehen,
Antwort: Ich habe der von mir zu dieser Frage
wollen wir der Welt erneut unsere Führungsrolle zei- abgegebenen Erklärung nichts hinzuzufügen. Meines
gen.
Erachtens ist meine Aussage ziemlich klar.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Amerika.
Frage: Herr Präsident, hat Präsident Jelzin Ihnen
Zusicherungen gegeben, daß die russische Rolle
ausschließlich konstruktiv sein und unter der Führung
der NATO ausgeübt wird und es kein Risiko einer
verräterischen russischen Streitmacht gibt, die serbische Warfen oder serbische Streitkräfte schützt?
Antwort: Gestern abend hat der Kommandeur der
Vereinten Nationen, General Rose, seiner Zuversicht
Ausdruck verliehen, daß alle UN-Truppen einschließlich der russischen Streitkräfte das UN-Mandat ausführen. Und ich habe keinen Grund, etwas anderes
anzunehmen.

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Frage: Hätten sie solche Maßnahmen lieber schon
vor einem Jahr ergriffen - und vielleicht Tausende
Menschenleben retten können?
Antwort: Wir hatten damals aber nicht die erforderlichen Stimmen. Vor einem Jahr hatten wir nicht den
Konsens, den wir heute haben.
Frage: Stimmen Sie mit Botschafter Tschurkin überein, daß Luftangriffe zur Ausweitung des Krieges führen könnten und in der Tat werden?
Antwort: Der Zweck von Luftangriffen ist in der
NATO-Resolution und in dem Mandat der UNO eindeutig klargestellt. Meiner Ansicht nach ist das klar
und spricht für sich selbst. Die Worte sind unmißverständlich.
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�GATT
23. Februar 1994

USA BEKRÄFTIGEN ABBAU DER
HANDELSSCHRANKEN
Reaktion der Vereinigten Staaten auf GATT-Bericht
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT)
gegenüber ihre Verpflichtung zur Förderung des Wirtschaftswachstums durch den Abbau globaler Handelshemmnisse bekräftigt.
In einem am 17. Februar 1994 herausgegebenen Bericht an das GATT legte die US-Regierung ihre Analyse der
Entwicklungen von 1993 im Hinblick auf ihre obersten Prioritäten beim Handel dar: Die Uruguay-Runde, das
Nordamerikanische Freihandelsabkommen (North American Free Trade Agreement - NAFTA), die Stärkung des
Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) und bilaterale Verhandlungen mit
Japan über verbesserten Zugang zum japanischen Markt.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht in wesentlichen Auszügen.

Das Hauptziel der amerikanischen Handelspolitik ist
die Förderung von Wirtschaftswachstum und die
Schaffung neuer Arbeitsplätze durch den Abbau von
Handelsschranken sowie die daraus resultierende
Expansion des internationalen Handels. Dieses Ziel
ist von der Überzeugung geleitet, daß offener, internationaler, marktorientierter Wettbewerb zum Wachstum der wettbewerbsfähigsten Sektoren der amerikanischen Wirtschaft führen, zufriedenstellende und
gutbezahlte Arbeitsplätze für Amerikaner schaffen und
einen höheren Lebensstandard unterstützen wird. Die
Handelspolitik wird daher als integraler Bestandteil
einer umfassenden Wirtschaftsstrategie erachtet, die
auf die Förderung des Wachstums und der Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft abzielt.
Aus diesem Grund geht die amerikanische Handelspolitik davon aus, daß die wirtschaftspolitischen Ziele der
Vereinigten Staaten im Inland nur erreicht werden
können, wenn Amerika auf den Weltmärkten weiterhin
konkurrenzfähig ist. In diesem Sinne werden die auf
die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Firmen ausgerichteten wirtschaftspolitischen Maßnahmen ebenfalls als integraler Bestandteil der Handelspolitik angesehen. Zu
diesem Zweck verfolgt die US-Regierung eine Reihe
entscheidender makro- und mikroökonomischer Reformen, einschließlich Maßnahmen zum Abbau des
Haushaltsdefizits, Anreiz von Privatinvestitionen,
Kostendämpfung im Gesundheitswesen, VerbesseAMERIKA DIENST 8

rung der öffentlichen Infrastruktur und Unterstützung
der Wiedereinstellung und Umschulung von Arbeitslosen.
Zur Verwirklichung dieses Hauptziels der Handelspolitik verfolgen die Vereinigten Staaten eine breitgefächerte Strategie multilateraler, regionaler und bilateraler Verhandlungen sowie die wirksame Umsetzung
multilateraler, regionaler und bilateraler Handelsabkommen. Im Einklang mit dieser Strategie haben die
Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr folgenden
Punkten höchste Priorität beigemessen:
Dem erfolgreichen Abschluß der Uruguay-Runde,
der Aushandlung von Zusatzvereinbarungen zum
Nordamerikanischen Freihandelsabkommen und
seiner Verabschiedung durch den amerikanischen Kongreß,
der Stärkung des Forums für asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC)
und
bilateralen Verhandlungen über verbesserten
Zugang zum japanischen Markt im Rahmen des
sogenannten amerikanisch-japanischen Rahmenabkommens.
Die Vereinigten Staaten sind sich des wichtigen Beitrags bewußt, den globales Handelswachstum zur

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�globalen wirtschaftlichen und politischen Stabilität,
insbesondere der erfolgreichen Durchführung von
politischen und wirtschaftlichen Reformen in neuentstehenden oder im Übergang befindlichen Demokratien leisten kann. Aus diesem Grund erachtet die
amerikanische Politik sowohl den erfolgreichen Abschluß und die Verwirklichung der Uruguay-Runde als
auch Bestrebungen zur Wiederbelebung des globalen
Wachstums durch verbesserte Koordinierung der
makroökonomischen Maßnahmen als vordringlich.
Wie bereits erwähnt, steht die Stärkung des multilateralen Handelssystems in der Uruguay-Runde im Mittelpunkt der amerikanischen Strategie. Die Vereinigten Staaten haben sich in der Runde für die Erweiterung der Regeln ausgesprochen, damit zusätzlich zur
Zusammenarbeit mit den Mitgliedern bei der Stärkung
der bestehenden Regeln neue Bereiche von vitaler
Bedeutung wie der Schutz des Rechts auf geistiges
Eigentum, Dienstleistungen und Investitionen einbezogen werden. Ebenso wichtig sind die Bestrebungen
zurVerbesserungderChancenfürMarktzugang durch
die Senkung und Beseitigung von tarifären und nichttarifären Hemmnissen sowie ein Programm umfassender multilateraler Reformen für den Agrarsektor.

zur Identifizierung der Hemmnisse für Handel und
Investitionen in der Region führen und weitere Bestrebungen zur Beseitigung derartiger Hindernisse einleiten soll. In diesem Zusammenhang begrüßten die
Vereinigten Staaten die Empfehlungen der Gruppe
hochrangiger Persönlichkeiten zur Entwicklung einer
langfristigen Vision für freien Handel und Investitionen
in der Pazifikregion und der Annahme von Schritten,
die kurzfristig zur Erreichung dieses Ziels unternommen werden sollten. Die Vereinigten Staaten werden
sicherstellen, daß diese Bestrebung im Einklang mit
den GATT-Regeln steht.

Die Vereinigten Staaten bleiben der Erweiterung ihrer
Handelsbeziehungen zu Lateinamerika und der Karibik verpflichtet. Während des vergangenen Jahrzehnts haben die meisten Länder in der Region entschlossen mit der Umstrukturierung, Rationalisierung
und Reform ihrer Wirtschaft begonnen. Derartige
Reformen führten zu greifbaren Ergebnissen. Ein
übergeordnetes Ziel der amerikanischen Handelspolitik ist die Unterstützung dieser politischen Reformen.
Während des vergangenen Jahres führten die Vereinigten Staaten Konsultationen mit praktisch allen Ländern
in der Region über unsere Handelsbeziehungen betreffende Maßnahmen und sondierten, welche weiteDas Ziel der Vereinigten Staaten bei der Aushandlung ren Schritte zur Erweiterung des beide Seiten begündes NAFTA bestand in der Stimulierung von Wirt- stigenden Handels unternommen werden können.
schaftswachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen in ganz Nordamerika durch den Abbau von Han- Zur Zeit prüft die Administration vor dem Hintergrund
delsschranken und Investitionen in der Region sowie der Verabschiedung des NAFTA ihre Handels- und
durch verbesserte Kooperation bei einem breiten Investitionspolitik mit Lateinamerika. Das Gesetz zur
Spektrum innenpolitischer Maßnahmen mit Auswir- Umsetzung des NAFTA gibt einige Schlüsseldaten
kungen auf den Handels- und Investitionsfluß in der vor, an denen die Administration dem Kongreß HinweiRegion. Priorität des amerikanischen Verhandlungs- se auf ihre künftigen Intentionen in bezug auf Handelsziels im Jahr 1993 war der Abschlu ß von Zusatzverein- abkommen mit der Region geben muß, insbesondere
barungen über Zusammenarbeit beim Umweltschutz darüber, mit welchen Ländern die Vereinigten Staaten
und bei Arbeitnehmerfragen. Mit ihrer Umsetzung am Freihandelsabkommen aushandeln sollten und wel1. Januar 1994 werden diese Vereinbarungen zu che Ziele damit verfolgt werden. Obwohl sich diese
kooperativen Bestrebungen zur Verbesserung des Bestimmung nicht auf die Länder Lateinamerikas und
Umweltschutzes und der Arbeitsbedingungen in ganz der Karibik beschränkt, hat Präsident Clinton festgeNordamerika führen. Darüber hinaus werden alle drei stellt, daß die Annahme des NAFTA "als Katalysator
Nationen zu fairen, offenen und gerechten Verwal- für die Ausweitung des freien Handels auf andere
tungs- und Rechtsverfahren bei der Durchsetzung der marktwirtschaftliche Demokratien auf dem gesamten
Umwelt- und Arbeitsgesetze verpflichtet.
Kontinent dienen kann".
Die Vereinigten Staaten betrachten das APEC als
wichtiges Forum für eine Liberalisierung von regionalem Handel und Investitionen, politische Entwicklung
und praktische Maßnahmen zur Förderung des Flusses von Waren, Dienstleistungen, Investitionen, Technologie und Kapital in der Region. Von grundlegender
Bedeutung für das APEC ist die Bewahrung eines
starken multilateralen Systems von GATT-Regeln. Zu
diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten 1993 auf
der Ministerkonferenz des APEC in Seattle die Annahme eines Handels- und Investitionsrahmens entschieden unterstützt. Diesem Rahmen entsprechend haben die APEC-Länder ein aktives Arbeitsprogramm für
Handels- und Investitionsfragen verabschiedet, das

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Am 10. Juli 1993 einigten sich die Vereinigten Staaten
und Japan auf die Erarbeitung eines amerikanischjapanischen Rahmenabkommens über eine neue wirtschaftliche Partnerschaft, das im Einklang mit den
GATT-Regeln steht. Das Rahmenabkommen wird als
ein neuer Mechanismus für amerikanisch-japanische
Konsultationen über Wirtschaftsbeziehungen dienen.
Ziele des Abkommens sind die Verbesserung des
Zugangs zum japanischen Markt für alle wettbewerbsfähigen ausländischen Güter und Dienstleistungen,
die Förderung des Investitionsflusses und der Konkurrenzfähigkeit sowie verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Japan.
Japan hat zugestimmt, mittelfristig seinen derzeitigen

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�Leistungsbilanzüberschuß bedeutend zu senken und welche folgende Diskussionspunkte enthält: Umwelt,
seine Importe aus aller Welt zu erhöhen, indem es Technologie, Entwicklung von Humankapital, Bevölstabiles nachfrageorientiertes Wachstum im Inland kerungsfragen sowie Prävention und Kontrolle von
sowie die Verbesserung des Marktzugangs für wettbe- AIDS.
werbsfähige ausländische Waren und Dienstleistungen fördert. Die Vereinigten Staaten haben einem Das Ziel der Vereinigten Staaten bei den bilateralen
beträchtlichen Abbau ihres Haushaltsdefizits, der Verhandlungen im Rahmen des amerikanisch-japaniFörderung der Spartätigkeit im Inland sowie der Stär- schen Abkommens besteht im Abbau der strukturellen
kung ihrer internationalen Konkurrenzfähigkeit zuge- Hindemisse, die ausländischen Exporteuren und Investoren den Zugang zum japanischen Markt verwehren
stimmt.
sowie in der Förderung bilateraler Zusammenarbeit
Die anfänglichen Verhandlungen sollen folgende Be- beider Staaten bei makroökonomischen Themen und
reiche umfassen: Staatliche Beschaffung, Reform der einer Vielzahl globaler Fragen, beispielsweise UmRegeln, Wettbewerbsfähigkeit, die Automobilindustrie, weltschutz. Die bilateralen Gespräche konzentrieren
wirtschaftliche Harmonisierung sowie die Umsetzung sich vorwiegend auf Geschäftspraktiken im Baugebestehender Abkommen und Maßnahmen. Die ge- werbe, staatliche Beschaffung, Vorschriften im Fimäß diesem Rahmenabkommen entstehenden Vor- nanzdienstleistungsbereich, die Auswirkungen eines
teile werden auf einer Meistbegünstigungsgrundlage engen geschäftlichen Zusammenschlusses beim
gewährt. Zudem werden die Vereinigten Staaten und Marktzugang in der Automobil- und AutoersatzteilJapan zusammen eine gemeinsame Tagesordnung branche sowie auf Hemmnisse beim Handel mit
für Zusammenarbeit in globaler Hinsicht verfolgen, medizinischem Gerät.

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�ARBEITSWELT
23. Februar 1994

WIRTSCHAFTLICHE GESUNDUNG DER USA
AUF BREITER BASIS
Informationen zur bevorstehenden Arbeitsplatzkonferenz
WASHINGTON - (AD) - Aus Anlaß der vom 13.-15. März 1994 in Detroit anberaumten Konferenz über die
Schaffung von Arbeitsplätzen und die sich wandelnde Arbeitswelt veröffentlichen wir in den kommenden Wochen
eine Serie von damit in Zusammenhang stehenden Artikeln.
Die wirtschaftliche Erholung der Vereinigten Staaten
"ist sehr breit gefächert" und bezieht sowohl Dienstleistungen als auch den Herstellungsbereich und das
Baugewerbe mit ein, erklärte der Abteilungsleiter für
Arbeitsfragen im Büro für den amerikanischen Arbeitsplatz (Office of the American Workplace), Martin Manley,
am 17. Februar 1994 in einer Übertragung des
Fernsehsenders WorldNet des US-Informationsamts
USIA.

Abteilung des Arbeitsministeriums gegründet worden
- "aufgrund der Notwendigkeit einer Konzentration auf
Arbeitsfragen". Es bestehe die Notwendigkeit zur
Förderung "neuer Arbeitsmethoden, neuer Managementmethoden, neuer Wege der Vertretung von Arbeitnehmern am Arbeitsplatz", fügte er hinzu.

Die meisten Ausführungen Manleys betrafen die vom
13. bis 15. März 1994 in Detroit stattfindende Konferenz auf Ministerebene über die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie die sich wandelnde Arbeitswelt und
den Arbeitsplatz. Finanzminister Lloyd Bentsen, Arbeitsminister Robert Reich, Wirtschaftsminister Ron
Brown und die Vorsitzende des Rats der Wirtschaftsberater, Laura Tyson, werden mit ihren Amtskollegen
aus den Ländern der G-7 und der Europäischen
Kommission daran teilnehmen.

Ein Clearinghouse, "das mit der Identifizierung
effektiven Arbeitsplatzmanagements in einigen
der am besten geführten Unternehmen Amerikas beginnt",

Manley zufolge bietet die Konferenz den Vertretern der
Länder die Chance, "die Schaffung von Arbeitsplätzen
als globales Problem und eine globale Priorität anzugehen". Im Hinblick auf die Ergebnisse, so Manley,
"hoffe ich, daß sich aus dieser Konferenz ein großer
Erfahrungsaustausch zu unterschiedlichen Ansätzen
ergibt, die in den Ländern der G-7 funktioniert haben".
Er verlieh ferner seiner Hoffnung Ausdruck, daß ein
"dauerhafter Informationsaustausch" die Folge sein
werde.

Ihm zufolge hat sein Büro bereits unter anderem
folgende Programme eingeleitet:

ein Institut "zur Ausbildung von Gewerkschaftsvertretern in Fähigkeiten, die für Entwurf und
Management neuer Arbeitsplätze erforderlich
sind",
eine Reihe von Konferenzen über Arbeitsplätze
in Amerika sowie
ein Symposium über Alternativen zum Stellenabbau.

Manley sprach auch über spezifische Probleme der
heutigen Wirtschaft. Im Hinblick auf die Entlassung
von Arbeitnehmern im Zuge des Stellenabbaus erklärte er, die Unternehmen sollten Abfindungen und Frühpensionierung in Betracht ziehen, da andernfalls die
jüngsten Arbeitnehmer entlassen würden, was die
Wirtschaft der gesamten Region unverhältnismäßig
Die Vereinigten Staaten sähen sich ebenso wie andere beeinflusse, weil junge Familien einen größeren Teil
Länder mit "einer Periode des industriellen Umbruchs ihres Einkommens ausgäben. "Man baut die Stellen
konfrontiert, der in seiner Größenordnung in jeder von oben nach unten, nicht in umgekehrter Richtung
Hinsicht der dem industriellen Arbeitsplatz vorausge- ab", äußerte er. Er sprach sich auch für Arbeitsplatzgangenen Umgestaltung entspricht", stellte Manley teilung aus, um erzwungene Entlassungen zu vermeifest. Aus diesem Grund sei sein Büro für den ameri- den.
kanischen Arbeitsplatz im August letzten Jahres als
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�Zur Größe des sozialen Netzes, das von der Regierung zum Abfangen wirtschaftlicher Erschütterungen
bereitgestellt werden sollte, erklärte Manley, Ziel der
Administration sei es, "anstelle eines Sozialversorgungsnetzes ein Trampolin" bereitzustellen, das den
Arbeitnehmern den Karrieresprung ermögliche.
Er fügte jedoch auch hinzu: "Als Administration sind
wir daran interessiert, den Arbeitsplatzwechsel für
Arbeitnehmerfamilien nicht zu traumatisch zu gestalten." Aus diesem Grund bemühe sich die Administration, die Gesundheitsfürsorge vom Arbeitsplatz unabhängig zu machen.

Manley räumte ein, es sei eine schwierige Frage, ob
der Staat als Arbeitgeber der letzte Ausweg sein sollte,
wenn der Privatsektor keine Arbeitsplätze bereitstelle.
Er gab zu, daß allgemeine Beschäftigung der beste
Weg zur Verhütung von Verbrechen und Abhängigkeit
von Sozialhilfe ist, äußerte jedoch auch: "Es gibt
Grenzen dafür, und es ist kontraproduktiv, von der
Regierung zu erwarten, massiv und dauerhaft über
einen langen Zeitraum hinweg alle wirtschaftlichen
Flauten abzufangen." Es sei eine Frage des Gleichgewichts, fügte er abschließend hinzu.

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�DROGEN
23. Februar 1994

CLINTON KÜNDIGT NEUEN NATIONALEN ANGRIFF
AUF DROGENABHÄNGIGKEIT AN
Ansprache in Strafvollzugsanstalt
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton kündigte am 9. Februar 1994 in der Strafvollzugsanstalt des Landkreises Prince George in einem Vorort der Bundeshauptstadt Washington einen "neuen nationalen Angriff auf die
Drogenabhängigkeit" an, der Strafverfolgung, Vorbeugung, Behandlung und Kontrolle des Nachschubs umfassen werde.
Teil dieser Vollzugsstrategie ist ihm zufolge der derzeit dem Kongreß vorliegende Gesetzentwurf zur Verbrechensbekämpfung, der mehr Drogengerichte in den Vereinigten Staaten fordert.
Als Teil des Programms zur Vorbeugung müssen wir "die Menschen vor dem ersten Drogenmißbrauch erreichen. Dies trifft insbesondere auf die Jugendlichen vor dem Eintritt in die Mittelschule zu", so der Präsident.
Ziel sei es, so Clinton, "im kommenden Jahr Therapieplätze für weitere 140.000 Abhängige von harten Drogen
zu beschaffen".
Durch eine "Verbesserung unseres internationalen Drogenkontrollprogramms" plane seine Administration die
Abkehr von einer Politik, die hauptsächlich auf die Beschlagnahmung von Drogen abzielt und den Übergang zur
Zusammenarbeit mit den Ländern, in denen Drogen angepflanzt werden und die den politischen Willen haben,
die Drogenbarone zu verfolgen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache Präsident Clintons im Wortlaut.

Meine Damen und Herren, wir sind mit der Absicht
hierhergekommen, unsere neue Strategie zur Bekämpfung des Drogenmißbrauchs bekanntzugeben.
Meines Erachtens ist sie umfassender als jede andere
zuvor. Ich möchte heute jedoch deutlich machen, daß
es sich hierum eine Angelegenheit handelt, die Schritt
für Schritt angegangen werden muß. Es geht um ein
sehr menschliches Problem, das von den damit Beschäftigten die Ergreifung bestimmter Maßnahmen
und von denjenigen, die bereits von Alkohol oder
Drogen abhängig sind, noch schärfere Maßnahmen
fordert.

Heute versuchen wir, unsere Regierung auf einen Kurs
zu bringen, der dem amerikanischen Volk wirkliche
Ergebnisse verspricht. Als ich Lee Brown bat, Direktor
des Büros für nationale Drogenkontrollpolitik zu werden, teilte ich ihm mit, daß ich den Inhaber dieses Amts
erstmals zum Kabinettsmitglied ernennen würde. Ich
erkannte, daß es unsinnig wäre zu glauben, 100 oder
125 oder 1.000 in einer Bundesbehörde in Washington
arbeitende Menschen könnten die Gewohnheiten und
die Politik des amerikanischen Volkes verändern.
Vielmehr müssen wir dazu die gesamte Regierung
einsetzen.

Ich bin von dem, was wir heute unternehmen, aus
zweierlei Gründen überzeugt. Einmal, weil das erste
Amt, in das ich gewählt wurde, das eines Justizministers war. Ich begann meine Arbeit im Bereich der
Strafverfolgung. Zweitens, weil ich das zweifelhafte
Privileg hatte, in einer Familie aufzuwachsen, in der es
Alkoholismus und Drogenmißbrauch gab. Ich weiß,
daß eine Behandlung Erfolg haben kann. Und ich weiß
auch, daß wir hart und gleichzeitig fürsorglich sein
müssen.

Ich wage zu behaupten, daß dies wahrscheinlich das
erste Mal ist, daß sieben Kabinettsmitglieder gleichzeitig auf einem Podium sitzen und ihr Engagement fürdie
Beschäftigung mit dieser Angelegenheit bekunden.
Und es gibt viele andere: Im Laufe der nächsten zwei
Tage werden insgesamt zehn weitere ihre Beteiligung
an diesem Kampf zur Durchsetzung unserer Strategie
bekanntgeben.

AMERIKA DIENST 8

Heute sind auch unser AIDS-Beauftragter, der Leiter
des Finanzamts sowie des Nachrichtendienstes anSeite 1

�wesend. Zahlreiche Mitarbeiter der Bundesregierung
sind hier, die nicht auf dem Podium sitzen, aber großen
Anteil an diesen Bestrebungen haben. Ich sage das,
um die Tatsache zu unterstreichen, daß wir uns wirklich bemüht haben, realistisch zu sein und uns Zeit
genommen haben, nüchtern darüber nachzudenken,
was wir tun können und was das übrige Amerika tun
muß, um diese Nation in ihrem Kampf gegen steigenden Drogenmißbrauch zu stärken.
Wir sind uns bewu ßt, daß wir auf der Arbeit von Eltern
und Gemeindemitgliedern aufbauen müssen, die in
den achtziger Jahren soviel unternommen haben, um
den Gelegenheitskonsum von Drogen zu senken. Wir
sind uns bewußt, daß wir die Zahl der Mitarbeiter bei
den Strafverfolgungsbehörden aufstocken müssen,
die bewiesen haben, daß Dinge getan werden können,
die etwas bewirken. Wir sind uns bewußt, daß Fortschritte erzielt werden können, wenn Energien effizient eingesetzt werden - sei es beim Vorgehen gegen
Dealer oder gegen Drogenhändlerringe.

Gewalt bezahlen müssen, weil unsere Notaufnahmen
voller Menschen sind, die angeschossen oder mit dem
Messer angegriffen wurden. Wir zahlen mehr, um
AIDS zu bekämpfen. Aber diese beiden Tatsachen
sind großenteils das direkte Ergebnis unseres starken
Drogenmißbrauchs. Sie wissen das, und ich weiß das.
Wenn wir also dieses Problem lösen wollen, müssen
wir es angehen.
Wir sind uns bewußt, daß Drogenmißbrauch ein entscheidender Faktor beim Auseinanderbrechen von
Familien, dem Anstieg der Arbeitslosigkeit und der
Obdachlosigkeit ist. Jeden Tag, wenn ich das Weiße
Haus verlasse, um joggen zu gehen, sehe ich, wieviele
Menschen nur drei oder vier Häuserblocks vom Weißen Haus entfernt kein Obdach haben. Und Sie
wissen, daß jeder einzelne von ihnen seine Geschichte hat - und viele von ihnen eine Geschichte, in der
Drogen eine Rolle spielen.

Wenn wir in die Babystation eines Kinderkrankenhauses irgendeiner großen Stadt gehen, sehen wir viele
Wir kennen auch einige ziemlich harte Tatsachen. Wir Babys, die drogenabhängig zur Welt kamen. Wir
wissen, daß der Mißbrauch harter Drogen sich in wissen, daß viele unserer Straßen heute zu gefährlich
Amerika unvermindert fortsetzt. Wir wissen, daß diese sind und sogar der Besuch unserer Schulen gefährlich
Tatsache eine Bedrohung der Stabilität unserer Ge- ist. Ich traf vor ungefähr einem Jahr einen Mann aus
sellschaft und der wirtschaftlichen Zukunft unseres Chicago, einen großen, stämmigen, gutaussehenden
Landes darstellt. Wir wissen, daß keine Nation Krimi- jungen Mann, der wirklich etwas aus seinem Leben
nalität und Drogenmißbrauch bekämpfen kann, ohne machen wollte. Und er erklärte, er wisse, daß er hierzu
sich ehrlich und direkt dem Problem der Drogenabhän- eine Ausbildung benötige, jedoch zuviel Angst vor dem
gigkeit zu stellen.
Weg von zu Hause bis zur Schule habe, die der
Wegbereiter für ein besseres Leben wäre. Diese
Wie ich in meiner Rede zur Lage der Nation bereits Geschichte habe ich im vergangenen Jahr immer
sagte, brauchen wir einen gleichermaßen harten und wieder gehört.
klugen Ansatz beim Kampf gegen Kriminalität und
Drogen. Oftmals ist nur eines dieser Erfordernisse Wenn wir also die Kriminalität bekämpfen, die Kosten
gegeben, und wir müssen dafür den Preis zahlen.
im Gesundheitswesen dämpfen und dieses reformieren wollen, wenn wir unsere Familien und Gemeinden
Die Gesetzesvorlage zur Verbrechensbekämpfung und wiederaufbauen wollen, müssen wir alle ernsthafte
diese heute angekündigte Strategie messen der Straf- Anstrengungen unternehmen, um den Konsum von
verfolgung größere Bedeutung bei als jemals zuvor. Drogen zu bekämpfen. Ein Teil davon ist die StrafverSie tun mehr, um die Straßen frei von Drogen zu folgung. Der jetzt dem Kongreß vorliegende Gesetzhalten. Sie tun mehr als je zuvor, um den Konsumen- entwurf zur Verbrechensbekämpfung ist Teil dieser
ten harter Drogen den Zugang zu den erforderlichen Strategie. Er würde weitere 100.000 Polizisten auf
Behandlungsprogrammen zu ermöglichen. Es ist ein Streife schicken. Er würde Straflager für jugendliche
neuer nationaler Angriff auf die Drogenabhängigkeit.
Straftäter zur Verfügung stellen. Er würde einen
dramatischen Anstieg der Unterstützung für DrogenDie Sucht nach Drogen ist ein äu ßerst wichtiger Faktor
gerichte vorsehen - sehr erfolgreiche Drogengerichte,
bei einer Vielzahl unserer Probleme - zunehmender
wie in Florida, New York, Kalifornien und dem District
Gewalt, der Verbreitung von AIDS, der Kostenexploof Columbia, wo gerichtlich angeordnete Rehabilitasion im Gesundheitswesen. Jedesmal, wenn ich einer
tionsprogramme die Menschen drogenfrei machten
Stadtversammlung über das Gesundheitswesen beiund unsere Gefängniszellen für die wirklichen Verbrewohne, teile ich dem amerikanischen Volk mit, daß wir
cher leerten. Das Drogengericht von Miami hat seit
etwas tun müssen, um für alle Amerikaner eine Kran1987 über 4.500 erstmals straffällig Gewordene Recht
kenversicherung bereitzustellen und die Kosten dafür
gesprochen, wovon nur 11 Prozent erneut verhaftet
zu senken. Aber wir müssen ehrlich sein. Kein
wurden.
Vorschlag für das Gesundheitswesen kann alle Probleme lösen, die Gesundheitsfürsorge in Amerika teurer Initiativen dieser Art werden die Bestrebungen der
machen als in jedem anderen Land. Und ein im Gemeinden an der Basis unterstützen, wie der von
Rahmen des Gesundheitswesens nicht zu lösendes
Monsignore East und seinen Gemeindemitgliedern in
großes Problem ist die Tatsache, daß wir mehr für
Washington, die die Brigade "oranger Hut" ins Leben
Seite 2

AMERIKA DIENST 8

�gerufen haben, bei der orangefarbene Hüte tragende
Gemeindemitglieder die Straßen patroullieren und die
Botschaft übermitteln, daß Drogen und der Handel
damit nicht toleriert werden.

r

»

Es gibt Tausende von Gruppen wie diese in Amerika,
die mit der Polizei bei der Räumung von Wohnungen,
in denen Crack genommen wird, und der Säuberung
der Nachbarschaft zusammenarbeiten. Am vergangenen Freitag erläuterten der Vizepräsident und das
Kabinett unseren neuen Plan zur Hilfe für Bewohner
von Sozialwohnungen bei der Bekämpfung von Drogen und Verbrechen. Die Verwirklichung dieses Plans
gelingt uns nur, wenn die Menschen an der Basis sich
beteiligen und die Führungsrolle übernehmen. Wir
müssen jedoch auch das Unsere tun. Am effektivsten
wird mit der Mobilisierung aller Ressourcen einer
Gemeinde vorgegangen. Und das versucht unsere
Strategie zu unterstützen.
Wir wollen durch Prävention darüber hinaus ein neues,
drogenfreieres Amerika schaffen. Wir müssen die
Menschen durch Vorbeugemaßnahmen und frühzeitiges Eingreifen vor dem ersten Drogenmißbrauch erreichen. Dies trifft insbesondere auf die Jugendlichen
vordem Eintritt in die Mittelschule zu, sehr viel weniger
auf High School- oder College-Schüler. Jüngste Statistiken belegen eine Zunahme an Drogenkonsum
unter Jugendlichen. Unseren Kindern muß konstant
eingehämmert werden, daß Drogen nicht sicher sind,
Drogen nicht gut sind, Drogen illegal sind und ihr
Konsum Konsequenzen nach sich zieht.
Ich weiß, daß ein Großteil dieser Programme funktioniert. Ich habe sie in Schulen gesehen, als meine
Tochter noch sehr jung war. Ich habe den Einfluß
bemerkt, den ein Polizist in Uniform im Gespräch mit
Kindern in diesen Schulen ausüben kann, die noch nie
zuvor positive persönliche Beziehungen zu einer Autoritätsperson hatten. Ich weiß, daß wir es schaffen
können. Und unsere Vorlage sieht eine beträchtliche
Aufstockung der Mittel zur Unterstützung dieser Art
von Aktivitäten vor.

4

Wir wissen auch, daß wir mehr am Arbeitsplatz unternehmen müssen. Programme für einen drogenfreien
Arbeitsplatz können genauso wichtig und effektiv wie
Programme für drogenfreie Schulen sein. Unsere
Strategie unterstützt Programme wie diese und fordert
jeden in einer einflußreichen Position auf, das Seine
beizutragen.
Und schließlich müssen wir uns verstärkt der Therapie
widmen. Diese Strategie trägt der Tatsache Rechnung, daß Drogenabhängigkeit eine Krankheit ist, die
behandelt werden kann und sollte, und Therapie wirken kann. Wir werden Konsumenten harter Drogen
wissen lassen, daß wir ihnen bei der Bereitstellung der
benötigten Behandlung behilflich sind, wenn sie als
Abhängige im Teufelskreis des Drogenmißbrauchs
gefangen sind. Unser Ziel ist, im kommenden Jahr

AMERIKA DIENST 8

Therapieplätze für wertere 140.000 Abhängige von
harten Drogen zu beschaffen. Die Zielgruppe sind
chronische Konsumenten harter Drogen, einschließlich Erwachsenen und Jugendlichen, schwangeren
Frauen und Kindern unter der Aufsicht von Strafvollzugsbehörden.
Jeder für Therapie ausgegebene Dollar wird sieben
Dollar sparen, die Amerika heute verliert. Dieser Dollar
gleicht den Produktivitätsverlust aus. Er wird Geld
sparen, das wir jetzt zur Bekämpfung des Problems
statt seiner Verhütung ausgeben. Dieses Ziel ist ein
bemerkenswerter Anfang, der uns die Erweiterung von
Programmen im Einklang mit zunehmender Wirksamkeit der Dienstleistungen und den Forschungserkenntnissen gestattet.
Einer der wichtigsten Aspekte unserer Vorschläge zur
Gesundheitsreform aus Ihrer Sicht ist, daß Drogentherapie als Teil der Krankenversicherung einbezogen
wäre. Das ist von großer Bedeutung. Wir müssen uns
vor Augen führen, daß wir weiterhin für ein Problem
bezahlen, das wir mildern können, solange wir nicht bei
Bedarf unverzüglich ausreichende Therapiemöglichkeiten anbieten.
Sie wissen, da ß die Therapie funktioniert. Es ist an der
Zeit für den Kongreß, dies den von uns vorgelegten
Haushaltsentwürfen zu entnehmen und für Amerika,
es sich aggressiv zu eigen zu machen, wie Sie es in
dieser Institution getan haben.
Wir sind uns auch bewußt, daß wir etwas zur Kontrolle
des Nachschubs unternehmen müssen. Die Strategie
fordert, was unserer festen Überzeugung nach eine
Verbesserung unseres internationalen Drogenkontrollprogramms ist: Eine Verlagerung von einer vornehmlich auf die Beschlagnahme an den Grenzen ausgerichteten Politik - das heißt, den Drogenfluß auf dem
Weg in die Vereinigten Staaten zu unterbrechen - zu
einem dreigleisigen Ansatz: Zusammenarbeit mit
Ländern, in denen Pflanzen zur Herstellung von Drogen angebaut werden und die den politischen Willen
haben, die Drogenbarone indiesen Ländern zu fassen,
Vernichtung der Drogenkartelle, die durch die Belieferung unserer Bürger reich werden, und Fortsetzung
unserer Bestrebungen zur Beschlagnahme, hoffentlich mit bessererTechnologie und klügerem Vorgehen,
so daß wir noch mehr Drogen beschlagnahmen können. Das ist sehr wichtig. Wir sollten diese Bestrebungen nicht einstellen, sondern sie ergänzen, damit wir
erfolgreicher sein können.
Dr. Brown hat gesagt, ja, wir wollen unsere Präsenz an
der Grenze zur Beschlagnahme von Drogen aufrechterhalten, aberwirwollen nicht längeranderGrenze auf
die Leute warten. Er sei müde, Wespen zu erschlagen,
er wolle lieber das Wespennest ausräuchern. Das ist
ein guter Satz.
Unsere Freunde und Nachbarn jenseits unserer Grenzen werden dies wohl begrüßen. In einem Land nach
Seite 3

�dem anderen konnten wir beobachten, wie internationaler Drogenhandel eine Bedrohung demokratischer
Institutionen darstellt. Er fördert Menschenrechtsverletzungen und Terroranschläge auf unschuldige Menschen. Er unterminiert die legitime, breitgefächerte
wirtschaftliche Entwicklung. Er trägt zu regionaler
Instabilität bei. Viele der sich mit diesem Problem
befassenden Länder werden nie wieder, was sie waren, bis sie sich davon befreit haben. Wir sollten ihnen
helfen - um unsertwillen und um ihrer Völker willen.

zitieren, weil seine Worte das aussagen, was wir
meines Erachtens tun müssen. Er erklärte, ich zitiere:
"Bürger von Detroit, steht an meiner Seite, wenn ich
dem Dealer sage, er soll von unseren Straßen verschwinden, unsere Kinder in Ruhe lassen, uns aus
dem Weg gehen. Wir holen uns unsere Straßen und
wir holen uns unsere Kinder zurück."

Bürgermeister Archer kann es nicht alleine schaffen,
Monsignore East kann es nicht alleine schaffen. Aber
auch diese Administration und das gesamte Gewicht
Dies ist ein wesentlicher Teil unserer Au ßenpol'rtik, auf der Bundesregierung und Kommunalverwaltungen
die Hauptlieferanten und die wichtigsten Transitländer können es nicht alleine schaffen. Die Menschen in
ausgerichtet. Wir müssen ihn zu einem wesentlichen diesem Land müssen die Verantwortung für sich selbst,
Bestandteil unseres Engagements zur Förderung von ihre Kinder und ihre Nachbarn übernehmen. Wenn wir
Demokratie, Wirtschaftsreformen und Menschenrech- mit ihnen zusammenarbeiten - wenn wir sagen, wir
ten machen. All dies wird nicht in von Menschen wissen, daß die Abhängigen von harten Drogen es
dominierten Ländern geschehen, die die Ereignisse nicht alleine schaffen können, die von ihnen benötigte
Hilfe Therapie ist, die von ihnen benötigte Hilfe Unterwegen der Profite des Drogenhandels diktieren.
stützung ist - dann, denke ich, können wir wirklich
Lassen Sie mich dort enden, wo ich angefangen habe. etwas bewirken.
Aus meiner persönlichen Erfahrung in meiner Familie
und bei meiner Arbeit im Strafvollzug als Justizminister Ich möchte, daß jeder Amerikaner, jeder Kongreßabund Gouverneur meines Bundesstaates vertrete ich geordnete, jeder Bundesbeamte, jeder, der für einen
nach wie vor die Auffassung, daß Drogenabhängigkeit Bürgermeister oder eine Kommunalverwaltung arbeiimmer noch vom einzelnen überwunden werden muß. tet, mit mir gemeinsam diese Strategie umsetzt. Dies
Im vergangenen Jahr habe ich als Präsident bei 85 ist eine nationale Strategie, keine Strategie der Bunverschiedenen Anlässen über Drogen gesprochen. desregierung. Ich möchte in keiner Weise Parteipolitik
Und ich werde weiterhin darüberreden, bis mir wieder betreiben. Dies sollte uns in Amerika vereinen einmal die Stimme versagt. Aber Sie und ich wissen, Menschen im Privatsektor, Menschen in der Regiedaß wir dieses Problem nicht meistern können, wenn rung, Menschen auf kommunaler Ebene, Menschen
nicht jeder einzelne zu seiner Bewältigung beiträgt. auf nationaler Ebene, Republikaner und Demokraten,
Wenn der einzelne nicht entschieden hätte, die Verant- Menschen, die in dieser Institution arbeiten ijnd Menwortung für sein Leben zu übernehmen, wäre dieses schen, die jenseits ihrer Mauern sind. Wir haben ein
ausgezeichnete Programm nur weitere Verschwen- gemeinsames Interesse an der Rettung unseres Landung von Steuergeldern.
des. Und wir alle tragen eine persönliche Verantwortung. Die heute angekündigte Drogenstrategie ist
Der neugewählte Bürgermeister von Detroit, Dennis unser Versuch, Ihr Partner zu sein und unsere persönArcher, hat beim Ablegen des Amtseids seine Stadt liche Verantwortung zu übernehmen. Und zusammen
vor eine Herausforderung gestellt. Ich möchte ihn jetzt können wir es schaffen.

* * * *

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*

AMERIKA DIENST 8

�FILM
23. Februar 1994

SCHINDLERS LISTE
von Michael J. Bandler
WASHINGTON - (AD) - Mit seinem jüngsten Film, Schindlers Liste, hat der amerikanische Regisseur Steven
Spielberg - der erfolgreichste Filmemacher Hollywoods - seine Kunst and seine Gedankenwelt in dramatisch
andere, dunklere Gefilde verlegt. Seine gereifte Kreativität hat einen visuell eindrucksvollen, intellektuell
fesselnden Film hervorgebracht, der seit seiner Freigabe Ende 1993 das Gespräch der Filmbranche ist. Er wird
in Kürze wertweit in die Kinos kommen.

Gegen Ende von Schindlers Liste, Steven Spielbergs erstaunlichem, weithin gepriesenen neuen Film,
der einen Eindruck des Holocaust (der systematischen
Vernichtung von Juden und anderen Volksgruppen
durch die Nazionalsozialisten während des Zweiten
Weltkriegs) vermittelt, gibt es einen Moment, der im
kleinen den Platz definiert, den dieser Film in der mehr
als 20jährigen Karriere des Regisseurs einnimmt.
Schauplatz ist ein Konzentrationslager der Nazis in
Polen während des Zweiten Weltkriegs. Eine Gruppe
von Lagerinsassinnen ist gerade lebend aus den
Duschen gekommen, aus denen in tragischeren Zeiten während des Krieges tödliches Gas kam - und
Millionen umbrachte. Zu diesem Zeitpunkt strömte
jedoch nur Wasser auf sie hinunter. Die gepeinigten
Frauen sind einigermaßen hoffnungsvoll, als sie sich
ankleiden. Plötzlich erblicken wir im Hintergrund eine
große Anzahl von Kindern, die zu wartenden Lastwagen gehen - oder dorthin getrieben werden. Sie
denken, sie machen einen Ausflug, während sie auf die
Lastwagen zugehen und hinaufklettern.

*

Die Frauen beobachten das Geschehen von der anderen Seite des Hofs und erkennen urplötzlich seine
Bedeutung - der bevorstehende Tod der Kinder.
Verzweifelt rennen die Erwachsenden schreiend und
weinend hinter den abfahrenden Lastwagen her. Aber
sie kommen zu spät.
Erstmals in seiner Karriere, in der er Filme drehte, die
sich häufig mit der Rettung von Kindern vor natürlichen
oder außerirdischen Gefahren befassen, hat Regisseur Steven Spielberg einen Teil seiner Kunst, Vision
und Emotionen auf eine Gruppe von Kindern gerichtet,
die nicht gerettet werden konnten. Obwohl sein Thema neben Kindern auch Millionen von Erwachsenen
umfaßt, sind Kinder für den Regisseur der kostbarste
Teil der Bevölkerung.
AMERIKA DIENST 8

Der 46jährige Spielberg hat - zumindest diesmal - die
Außerirdischen und Killerhaie, die Raumschiffe und
Piraten hinter sich gelassen, um die sich Filme wie
E.T., Unheimliche Begegnung der dritten Art,
Raidersofthe Lost Arkund Hookdrehen. Er hat eine
viel schrecklichere Bedrohung größeren Ausmaßes
entdeckt, die die zukünftige Geschichte gefährdete.
Bei der Wiedergabe des Genozids im Zweiten Weltkrieg und der Darstellung des Bösen fand er in dessen
Mitte eine sonderbare, wenn auch rätselhafte Andeutung des Guten.
Vor ungefähr zwölf Jahren ging der australische
Romanschriftsteller Thomas Keneally in Beverly Hills
(Kalifornien) in ein Lederwarengeschäft, um einen
Koffer reparieren zu lassen. Im Verlauf seines Gesprächs mit dem Geschäftsinhaber Leopold Page
erzählte dieser ihm eine außergewöhnliche Geschichte - das Drama seiner Rettung aus den Händen der
Nazis durch den deutsch-tschechischen Fabrikanten
und Geschäftsmann Oskar Schindler. Schindler, so
wurde ihm mitgeteilt, war ein Hedonist, ein Spieler,
Frauenheld und Kriegsgewinnler. Aber das Elend der
in Europa lebenden Juden, dessen unmittelbarer Zeuge
er in Polen wurde, berührte eine Saite seines Inneren.
Wagemutig und ideenreich erdachte er einen Weg, vor
Kriegsende einige von ihnen - genaugenommen 1.200
- zu retten.
Keneally erkannte sofort, daß es eine gute Geschichte
war. In kurzer Zeit hatte er einen Roman - Schindlers
Liste - geschrieben, der auf den von Page (der seinen
eigentlichen Namen Poldek Pfefferberg geändert hatte) mitgeteilten Tatsachen beruhte, die Keneally weiter
recherchiert hatte. Bei seiner Veröffentlichung 1982
fand das Buch in den Vereinigten Staaten und im
Ausland großen Beifall. Spielberg, der darauf aufmerksam gemacht worden war, wählte das Werk als

Seite 1

�Stoff für einen Film. Nahezu ein Jahrzehnt lang
wurden fieberhaft Drehbücher geschrieben, von denen keines Spielberg gefiel. Als der Regisseur bereits
übervierzig war, verfasste schließlich ein Schriftsteller
namens Steven Zaillian ein Drehbuch, mit dem Spielberg arbeiten konnte.
Er legte den Entwurf den Filmbossen von Universal
Studios zusammen mit seinen Bedingungen vor: Die
Besetzung sollte ohne Rücksicht auf eine Quote zugkräftiger Stars ausgewählt werden, die Länge des
Films (der sich letztlich über dreieinviertel Stunden
erstreckt) sollte der Zeit entsprechen, die für das
Erzählen der gesamten Geschichte erforderlich ist,
und es sollte ein Schwarzweißfilm sein (der Regisseur
verglich das mit einer "Wahrheitsdroge"). Aufgrund
eines anderen Produkts von Spielberg, dem prähistorischen Thriller Jurassic Park, der im Sommer 1993
für Universal der Kassenschlager wurde, beschlossen
die Studioleiter, Spielberg grünes Licht für die Produktion von Schindlers Liste zu geben.

In den Folgejahren tauchte Spielberg überwiegend ins
Reich der Phantasie ein - von der übernatürlichen
Science Fiction zu den Guten und Bösen der realen
Welt in seinen fiktiven Werken mit Helden wie dem
Archäologen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg
namens Indiana Jones. Viele andere von ihm produzierte Filme, bei denen jedoch seine Proteg6s (darunter Chris Columbus und Robert Zemeckis) Regie führten, entstammen ebenfalls dem Reich seiner Phantasie (die Serien Poltergeist und Zurück in die Zukunft
sowie der muntere Hit Falsches Spiel mit Roger
Rabbit sind Beispiele hierfür).

Ungeachtet der Popularität und des Ansehens seiner
Filme gelang dem jungen Regisseur nicht der Zugang
zu dem einzigen Kreis, der in Hollywood wirklich zählt
- dem der Preisträger. Seine Filme füllten die Studiokassen (nicht nur bei Universal, sondern auch von
Warner Brothers und Columbia) und brachten Lob der
Kritiker für den atemberaubenden Einsatz aller Möglichkeiten des Mediums ein. Aber die angesichts der
wenigen Filme, die Eltern und Kinder gemeinsam
"Es brauchte einfach meinen Einfluß, um diesen Film ansehen können, so verzweifelt benötigten Kinderfilzu drehen", erklärte Spielberg kürzlich in einem Inter- me gerieten in den Hintergrund, wenn es um die
view. Eine solche Behauptung erscheint anmaßend, Vergabe von Auszeichnungen ging. Man war der
spiegelt jedoch eine in Hollywood gültige Wahrheit Ansicht, daß die kindliche Unbefangenheit des jüngwider: Dreh' einen Film, der 200 Millionen Dollar sten Fabeldichters im Filmgeschäft bedeute, Spieleinspielt, schieße ein paar Millionen zu oder ziehe sie berg sei einer Modeerscheinung verhaftet und könne
ab, und Du kannst das Projekt Deiner Träume verwirk- nur Anerkennung finden, wenn er sich von ihr befreie.
lichen - was immer es auch sein mag. In diesem Fall
hatte der Regisseur - der erfolgreichste Filmemacher Aus diesem Grund begann er, andere Projekte in die
in der Geschichte dieser Branche - viele Trümpfe aus Abenteuer seiner "Samstagsnachmittagsserie" einzuder Tasche zu ziehen, einschließlich der Anerkennung fügen. Er verfilmte Alice Walkers Die Farbe Lila,
für die Filme Jaws und E.T., die er beide für Universal einen eindringlichen Roman über die Leiden eines im
gedreht hatte. Jurassic Park spielte schließlich mit Süden der Vereinigten Staaten aufwachsenden juneiner Milliarde Dollar mehr ein, als jeder andere Film gen Mädchens, und Das Reich der Sonne des britizuvor.
schen Schriftstellers J.G. Ballard, in dem die Erinnerungen an Ballards Inhaftierung durch die Japaner als
Spielbergs eigenes Leben birgt ebenfalls eine faszinie- Jugendlicher in China verarbeitet werden. Diese und
rende Geschichte. Als Junge bekommt er eine Kame- andere Filme stehen für Spielbergs beeindruckenden
ra geschenkt und er beginnt mit seinen drei Schwe- Kampf um Anerkennung als ernsthafter Filmemacher.
stern als Besetzung im Hof des Hauses Filme zu Aber selbst in diesen Fällen verstärkte die Tatsache,
drehen. Als Teenager vertieft er die dabei gewonnene daß Glückseligkeit - und Überleben - in seinen Filmen
Erfahrung und erhält schließlich einige Preise. Wäh- überwogen, die Ansicht, ein Spielberg-Film triefe
rend er an der California State University das College unweigerlich von Romantik und erfordere ein Happybesucht, verschafft er sich Zugang zu den Universal End.
Studios und wird durch eines seiner frühen Projekte
mit einem Studioleiter bekannt, der den jungen Filme- Die ganzen Jahre über schlummerte in den Winkeln
macher unter Vertrag nimmt.
seines kreativen Unterbewußtseins das Buch von
Keneally. Sein starkes Engagement für das Projekt
So unwahrscheinlich das auch klingt - es war Spiel- wurde teils durch die Anziehungskraft der Geschichte
bergs Erfahrung. Von ersten Aufgaben im Studio - wie selbst genährt, noch mehr jedoch durch die VerbinDuel, einem spannenden, angsteinflößenden Fern- dung zu seinem in jenen Jahren wiedererwachenden
sehfilm aus dem Jahr 1971 über einen Highway- eigenen jüdischen Erbe und seiner Geschichte. Das
Pendler, der von einem Lastwagen mit unsichtbarem Leiden seiner Glaubensbrüder und anderer während
Fahrer verfolgt wird - kam er zum Film und verdiente des Zweiten Weltkriegs sind Teil seines Seins (Mitgliesich 1975 erste Sporen mit der Verfilmung von Peter der seiner Familie kamen im Holocaust um). Während
Benchleys Der weiße Hai, einem Roman über einen er mit den Menschen und Fabelwesen seiner
Killerhai, der die Bürger eines Ferienorts in Neueng- Dinosauriersage Jurassic Park kämpfte, begann er
land in Angst und Schrecken versetzt. Dieser Film war daher mit den Aufnahmen für Schindlers Liste.
sein erster- nicht jedoch sein letzter- Kassenschlager.
Seite 2

AMERIKA DIENST 8

�te irgend etwas - vielleicht ein Akt der Grausamkeit, ein
entwürdigender Moment.- Schindlers Gewissen auf.
Unter Anleitung seines Hauptbuchhalters, eines Juden namens Itzhak Stern (gespielt von dem britischen
Filmschauspieler Ben Kingsley, dem Star von Gandhi), der den Krieg überleben sollte, entwarf der Unternehmer ein Schema zur Rettung seiner jüdischen
Arbeiter, indem er ihre Dienste mit seinen Kriegsgewinnen von den Deutschen abkaufte und die gesamte
Spielberg beginnt mit der Zeit in Polen von der Nazi- Fabrik an einen Zufluchtsort in seiner tschechoslowaInvasion im September 1939 bis 1941 - als die Wehr- kischen Heimat verlegte. Güte? Vielleicht. Aber war
macht begann, die Juden des Landes in kilometergro- sein Ziel die Rettung der Juden, oder sich selbst für den
ße abgegrenzte Ghettos in den Großstädten zu trei- wahrscheinlichen Fall einer Niederlage der Nazis zu
ben, darunter auch Krakau, wo Schindlers Geschichte schützen? Das ist das Rätsel dieses Mannes.
geschah. Die fließende Filmtechnik in schwarzweiß
des polnisch-amerikanischen Kameramanns Janusz Auf jeden Fall stellte er bei seinem von Stern beratenen
Kaminski, die zwischen Aufnahmen mit der Handka- Vorgehen sicher, daß die Liste der "Schindlerjuden" so
mera im Dokumentarstil (häufig von Spielberg selbst lang wie möglich war. (Dreihundert Frauen auf der
gedreht) und Großaufnahmen (wie der nüchterne Blick Liste wurden irrtümlich nach Auschwitz geschickt,
auf das nach der willkürlichen Erschießung eines aber er rettete auch sie). Und mit der Verlagerung
älteren Juden durch ein Schließkommando in einem seiner Aufgabe änderte sich auch die seines UnterBogen über den Schnee spritzende Blut) wechselt, nehmens. Seinen eigenen Anordnungen zufolge prodokumentiert die wachsende Bedrohung. Mit der Zeit, duzierte seine Fabrik zuletzt überhaupt keine Munition
während wir den Krakauer Juden vom Ghetto über das mehr.
Arbeitslager bis nach Auschwitz folgen, werden die
Wenn er auch nach dem Krieg aus den Annalen der
systematischen Greueltaten enthüllt.
Geschichte verschwand, blieb er doch im Leben "seiSchindler - ein beeindruckender, geselliger Mann, ner" Juden allgegenwärtig. Sie besorgten ihm und
einer der favorisierten Bonvivants der Nazis und Par- seiner Frau eine Wohnung sowie andere unbedingt
teimitglied - wird in dem von ihm frequentierten Milieu notwendige Dinge und standen bis zu seinem Tod im
der Kabaretts und Clubs gezeigt. (Er wird von dem Jahr 1974 mit ihm in Verbindung. Heute informiert uns
irischen Schauspieler Liam Neeson dargestellt). Läs- der Nachspann des Films, daß die Schindlerjuden und
sig rauchend und Cognac trinkend, ein ehebrecheri- ihre Familienangehörigen 4.000 Personen umfaßten scher Frauenheld, unterstützte Schindler die Nazis, mehr als die Anzahl der noch in Polen, einst einem
weil sie sein Hauptziel - die Erweiterung seines Finanz- Zentrum jüdischer Kultur und Religion, lebenden Juden.
imperiums - am ehesten erleichtern würden.

Der bei der Uraufführung in den Vereinigten Staaten
Mitte Dezember von der Kritik und dem Publikum
enthusiastisch aufgenommene Film beginnt mit der
traditionellen jüdischen Zeremonie des Kerzenanzündens am Sabbath. Während die warme rotgelbe
Flamme emporsteigt, verblaßt sie plötzlich in farblosem Rauch, und die Geschichte von Oskar Schindler
wird aufgerollt.

f

*

1
*

Nachdem er die Übernahme einer von Juden konfiszierten Emailfabrik veranlaßt hatte, holte er sich Sklavenarbeiter - das heißt, unbezahlte Ghettobewohner u m Kochgeschirr u nd andere tägliche Gebrauchsutensilien für die Soldaten an der Front herzustellen. Bald
darauf wurden seine Arbeiter und die restlichen Krakauer Juden in das Zwangsarbeitslager Plaszow
deportiert, das der Kontrolle eines sadistischen Nazioffiziers, Amon Goeth (gespielt von dem britischen
Schauspieler Ralph Fiennes) unterstand. Der dickbäuchige, methodische Goeth personifiziert, was die
Soziologin Hannah Arendt als die "Banalität des Bösen" bezeichnet (ein Beispiel ist das mutwillige Abschießen der Lagerinsassen von seinem auf dem
Hügel gelegenen Schießstand mit einem Hochleistungsgewehr, das quälend gezeigt wird), mit dem sich
Schindler jedoch als Mittel zum Zweck befreundet.
Goeth erlaubte Schindler die Verlegung seiner Fabrik
- die jetzt Artilleriegeschosse produzieren sollte - nach
Plaszow, gewissermaßen als "Unterlager".

Spielbergs Behandlung dieses umfassenden, auf einer breiten, multidimensionalen Leinwand dargestellten Themas ist ehrfurchtgebietend. Wie von einem
meisterhaften Geschichtenerzähler nicht anders zu
erwarten, erzählt ervor allem die Geschichte -düsterer
als alles, was er sich je ausdachte - in faszinierenden
Details, an den Originalschauplätzen in Krakau, bis hin
zu Schindlers damaliger Fabrik und Wohnung. Das ist
Geschichte - intelligent, leidenschaftlich und kompromißlos dargestellt - mit all ihrer Grausamkeit. Spielberg wurde kritisiert - allerdings nur von einigen - weil
er seinen Holocaust-Film auf einen Nazi konzentrierte,
wenn auch einen "guten" Nazi. Tatsache ist jedoch,
daß die Opfer dieses Völkermords kollektiv für einen
Charakter stehen, dem im Verlauf des Films mitfühlend grenzenlose Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Bei der Verkörperung der betreffenden Persönlichkeiten (insbesondere Schindlerund Goeth, die hinterdem
Schein der Kameradschaft psychologische Gegner
sind) entschied sich der Regisseur klug für enorm
Aberdann erging der Befehlzur Deportation der Juden begabte Schauspieler, denen nur die Anziehungskraft
von Plaszow nach Auschwitz. Aus nach einem halben von Stars fehlte. Seit der Freigabe des Films ist
Jahrhundert noch immer umstrittenen Gründen rüttel- Neeson in der Tat zu einer begehrten Figur der UnterAMERIKA DIENST 8

Seite 3

�hattungsszene geworden. Kingsley hat seinen Stand
als gefeierter Schauspieler bekräftigt, und Fiennes ist
der bevorzugte Neuling aller.
In visueller Hinsicht übertrifft Schindlers Liste fast
alle in den letzten Jahren gezeigten Filme. Mit Ausnahme einiger flüchtiger Sekunden, in denen Spielberg
Farbbilder einblendet, wagte er, den Film in schwarzweiß zu drehen - ein Medium, das seit Mitte der
sechziger Jahre praktisch vergessen war (Regisseur
Martin Scorsese verwendete es 1980 in Wie ein
wilder Stier, und Tim Burton, Erfinder von Batman,
beendet seine Arbeit an einem Schwarzweißfilm über
die fünfziger Jahre, Ed Wood, der 1994 in die Kinos
kommen soll). Da er dem Publikum einen verständlichen und vertrauten Stoff bieten wollte, der die Themen und Schauplätze ergänzte, die vielen unverständlich und fremd sein würden, entschied er sich nach
Möglichkeit für die Verwendung einer Handkamera
anstelle eines Kamerawagens. Als Meister von Massenszenen (die entsetzten Badenden in Der weiße
Hai und die vor den Japanern fliehenden Menschenmassen in Das Reich der Sonne setzte er sein Talent

geschickt bei der Chronologie der Liquidierung des
Ghettos und in anderen Szenen ein.
Zu seiner großen Erleichterung, jedoch wiederum
Zeugnis seines außerordentlichen Geschicks, fügte
sich alles zusammen - Geschichte, Darstellung, Bilder,
künstlerische Gestaltung, faszinierende Beleuchtung
sowie das sinnträchtige und verhaltene Spiel von John
Williams, der die unvergeßlichen Geigensoli von Itzhak Perlman wiedergibt. Obwohl schmerzlich und
beunruhigend, ist der Film letztlich sowohl anregend
als auch leicht verständlich. Anfang 1994, als er
mehrere Auszeichnungen der Kritik und dann den
berühmten Golden Globe des Verbands der ausländischen Presse in Hollywood erhielt, verdichtete sich
das Gerücht über einen Academy Award. Er hat gute
Chancen, als "bester Film" bei der Oskarverleihung
Ende März ausgezeichnet zu werden.
In einem der zahlreichen Gespräche mit seinem großen Ensemble legte Spielberg seine persönliche Sichtweise dar. "Wir machen keinen Film - wir machen ein
Dokument", erklärte er. Diese nüchterne Aussage
unterstreicht die Tiefgründigkeit des Films.

* * * *

Seite 4

*

AMERIKA DIENST 8

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lage in Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rundfunkansprache des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. GATT&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA bekräftigen Abbau der Handelsschranken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Reaktion der Vereinigten Staaten auf GATT-Bericht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Arbeitswelt&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wirtschaftliche Gesundung der USA auf breiter Basis&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Informationen zur bevorstehenden Arbeitsplatzkonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Drogen&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Clinton kündigt neuen nationalen Angriff auf Drogenabhängigkeit an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache in Strafvollzugsanstalt&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Film&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Schindlers Liste&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von Michael J. Bandler&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

16. Februar 1994

NEUE TRADITIONEN

DAS AMERIKANISCHE ENGAGEMENT IN BERLIN
NACH DEM ABZUG DER US-STREITKRÄFTE AUS
DER STADT
Ansprache von Botschafter Holbrooke

BOSNIEN

ALBRIGHT: NUR GEWALT UND DIPLOMATIE
KÖNNEN DAS MORDEN IN BOSNIEN BEENDEN
Erklärung vordem UN-Sicherheitsrat

AMERIKANISCHE INITIATIVE ZUR BELEBUNG
DER BOSNISCHEN FRIEDENSGESPRÄCHE
BEGRÜSST
Tarnoff gibt Überblick über Gespräche
mit den Bündnispartnern

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT ÜBER
LUFTANGRIFFE AUF BOSNIEN GESPALTEN
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten

HAUSHALT

HAUSHALT FÜR 1995 BASIERT AUF STABILER
WIRTSCHAFT
Botschaft des Präsidenten

HANDEL

DIE HANDELSPOLITISCHE TAGESORDNUNG
DER CLINTON-ADMINISTRATION
Auszüge aus dem Jahresbericht
des Rats der Wirtschaftsberater

bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-3341 02

�MENSCHENRECHTE

RECHT AUF ENTWICKLUNG TREIBENDE
KRAFT FÜR MENSCHENRECHTE
Ansprache Geraldine Ferraros vor
UN-Menschenrechtskommission

GEORGE WASHINGTON

DER ERSTE PRÄSIDENT DER
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
von N. Gordon Thomas

�NEUE

TRADITIONEN
16. Februar 1994

DAS AMERIKANISCHE ENGAGEMENT IN BERLIN
NACH DEM ABZUG DER US-STREITKRÄFTE
AUS DER STADT
Ansprache von Botschafter Holbrooke
BERLIN - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C. Holbrooke, und
der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, gaben am 14. Februar 1994 eine Reihe von
Programmen bekannt, die Umfang und Bedeutung des amerikanischen Engagements nach dem endgültigen
Abzug der alliierten Streitkräfte aus der Stadt im September unterstreichen sollen.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Berliner Rathaus erörterten der Botschafter und der Regierende
Bürgermeister einige der sogenannten "Neuen Traditionen", mit denen die "zentrale Bedeutung Berlins für die
künftigen deutsch-amerikanischen Beziehungen unterstrichen wird". Sie sollen ferner die generelle Fehleinschätzung beheben, daß das amerikanische Engagement für die Stadt nach dem Abzug der Truppen abnimmt.
"Keine andere Stadt hat die Phantasie der Amerikaner in den vergangenen fü nfzig Jahren so beflügelt", erklärte
Botschafter Holbrooke. "In Zukunft wird Berlin nicht länger am Rande stehen. Berlin ist nicht nur die Hauptstadt
des vereinigten Deutschland, sondern wird ein großes internationales Zentrum für all diejenigen, die sich mit
Mittel- und Osteuropa befassen."
Während der Pressekonferenz bestätigte Botschafter Holbrooke, daß Präsident Clinton Berlin Mitte Juli im
Zusammenhang mit dem Wirtschaftsgipfel der G-7 in Neapel besuchen wird.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafter Holbrooke.

Keine Stadt der Welt hat so außergewöhnliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wie Berlin. Im
September, wenn die Berlin Brigade nach 49 Jahren
ununterbrochenen Dienstes die Stadt verläßt, werden
diese Beziehungen in eine neue Phase eintreten.
Ich bin stolz, heute zusammen mit dem Regierenden
Bürgermeister ankündigen zu können, daß 1994 das
Jahr großer neuer Programme sein wird, mit denen
die Beziehungen zwischen dem amerikanischen Volk
und den Menschen Berlins neu definiert werden. Wir
nennen dieses Programm "Neue Traditionen".
"Traditionen", weil wir 1994 ein Fundament für dauerhafte Beziehungen legen werden, die auf gemeinsamen Zielen und Werten beruhen. "Neu", weil sich der
Schwerpunkt der Beziehungen zwischen Berlin und
den Vereinigten Staaten von Sicherheit auf Kultur und
Handel verlagern wird.
Zu Beginn möchte ich betonen, daß das amerikanische Sicherheitsengagement für Deutschland und die

AMERIKA DIENST 7

NATO ungeschmälert ist. Wie Präsident Clinton wiederholt unterstrichen hat, werden wir 100.000 Soldaten in Europa stationiert lassen, die Mehrzahl davon in
Deutschland. Wir werden bei uns gegenseitig betreffenden Angelegenheiten, wie die NATO, die Partnerschaft für Frieden, das Verhältnis zu Mitteleuropa und
den unabhängigen Staaten derehemaligen Sowjetunion intensiv und eng mit der Bundesregierung zusammenarbeiten.
Das vereinigte Deutschland ist daher so wichtig für die
Vereinigten Staaten wie das geteilte Deutschland, nur
in unterschiedlicher Weise.
Aber dies ist Berlin. Wie ich bereits erwähnte, ist das
Verhältnis einzigartig. Keine Stadt hat die Phantasie
der Amerikaner in den vergangenen fünfzig Jahren so
beflügelt - zuerst als besetzte ehemalige Hauptstadt,
dann als belagerter Vorposten der Freiheit, der durch
die historische Luftbrücke am Leben erhalten wurde,
als Platz des häßlichsten Symbols des Kommunismus
- der Mauer -, als der Ort, an dem Präsident Kennedy
Seite 1

�seine historische Rede hielt, als Schauplatz endloser
Konfrontationen des Gefangenenaustauschs während
des Kalten Kriegesund schließlich als Ort der Ereignisse vom 9. November 1989, die niemand von uns je
vergessen wird.

Vorbild der berühmten American Academy in
Rom zu gründen.
Im Rahmen der Beziehungen zwischen Berlin
und seiner Partnerstadt Los Angeles wird das
Los Angeles Philharmonie Orchestra am 8.
September in der Berliner Philharmonie ein
Konzert geben. Außerdem werden weitere
Veranstaltungen die beiden Großstädte miteinander verbinden. Der Bürgermeister von Los
Angeles, Richard Reardon, hat seinen Konzertbesuch angekündigt, und wir freuen uns sehr,
daß die Deutsche Bank einen Empfang zu Ehren
der Konferenzteilnehmer und der Musiker des
Los Angeles Philharmonie Orchestra ausrichten wird.

Das Drama dieser Tage des Kalten Krieges wird nicht
wiederkehren. In Zukunft wird Berlin nicht länger am
Rande stehen. Berlin ist nicht nur die Hauptstadt des
vereinigten Deutschland, sondern wird ein großes
internationales Zentrum für all diejenigen, die sich mit
Mittel- und Osteuropa befassen.
Aus diesem Grunde werden die Vereinigten Staaten
hier neue Beziehungen aufbauen. Der Regierende
Bürgermeister und ich werden im Laufe des Jahres
zusammen und auch unabhängig voneinander eine
Reihe von Programmen und Veranstaltungen ankündigen, mit denen die zentrale Bedeutung Berlins für die
künftigen deutsch-amerikanischen Beziehungen unterstrichen wird.

Es wird in diesem Jahr außerdem mehrere
große Kunstausstellungen geben, daruntereine
Tom Wesselmann Retrospektive im Alten
Museum vom 12. September bis 16. Oktober.

Wir können heute noch nicht alles bekanntgeben. Der
endgültige Standort der Amerikanischen Botschaft in
Berlin wird beispielsweise noch erörtert. Wir werden
eine diesbezügliche Entscheidung nach weiteren
Gesprächen mit dem Regierenden Bürgermeisterund
den zuständigen Berliner Behörden in Kürze mitteilen.
Wir sind stolz und freuen uns, heute die ersten Veranstaltungen im Rahmen der "Neuen Traditionen"
ankündigen zu können:
Vom 9. bis 10. September werden wir Mitveranstalter einer gro ßen Konferenz über die Zukunft
der deutsch-amerikanischen Beziehungen mit
Betonung auf Unternehmertum und Investitionen sein. Sie wird im Kronprinzenpalais stattfinden und führende Geschäftsleute sowie Politiker aus beiden Ländern zusammenbringen.
Neben hochrangigen amerikanischen Regierungsvertretern, deren Namen wir zu einem
späteren Zeitpunkt bekanntgeben, werden der
ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger, der renommierte Historiker Fritz
Stern, der Präsident des Council on Foreign
Relations, Leslie Gelb, sowie der weltweit geschätzte Finanzexperte Henry Kaufman an der
Konferenz teilnehmen.
In einigen Wochen werden wir ein neues
"Business Information Center" im Amerika Haus
eröffnen. Dieses Zentrum wird kulturelle und
wirtschaftliche Aktivitäten verbinden, um die
Geschäftsbeziehungen zwischen Berlin und den
Vereinigten Staaten zu beleben.
Wir sondieren ferner zur Zeit die Möglichkeit, in
Berlin eine Amerikanische Akademie nach dem
*

Seite 2

*

Vom 1. bis 3. Oktober wird in Berlin auf dem
Gelände der ehemaligen Amerikanischen Botschaft am Pariser Platz zum ersten Mal ein
"Western Barbecue and Country Music Jamboree" stattfinden.
Darüber hinaus werden bereits bestehende Institutionen und Veranstaltungen Teil der "Neuen Traditionen". Dazu zählen das Deutsch-Amerikanische Volksfest, das amerikanische Football-Spiel "Berlin Bowl"
im August, Veranstaltungen des Aspen Instituts Berlin,
die Amerika-Gedenk-Bibliothek, das erweiterte Stipendienprogramm zum Gedenken an die Luftbrücke
und andere Austauschprogramme. Mittelpunkt vieler
Veranstaltungen wird natürlich auch unser Wahrzeichen in der Stadt sein, das Amerika Haus Berlin.
Und schließlich darf RIAS nicht unerwähnt bleiben.
Am 1. Januar dieses Jahres wurde RIAS - Radio im
Amerikanischen Sektor - Bestandteil eines neuen
bundesweiten Hörfunksenders. Jahrelang sendete
RIAS Informationen, Ideen und Unterhaltung für Hörer
auf beiden Seiten der geteilten Stadt und war damit
maßgeblich daran beteiligt, Berlin wieder zusammenzubringen. Mit der Vereinigung Berlins war die Aufgabe von RIAS beendet, und der Sender konnte sich mit
seinem anspruchsvollen Hörfunkprogramm einer neuen
Phase seiner Existenz zuwenden. In Form der RIASKommission ist hier bereits eine "Neue Tradition"
entstanden, die enge Beziehungen zwischen Amerika
und Berlin durch gemeinsame Initiativen im Bereich
des Rundfunkjournalismus anstrebt und damit die
RIAS-Ideale einer informierten und streitbaren Demokratie weiterhin aufrechterhält. Das ist unseres Erachtens ein ausgezeichnetes Beispiel für in die Tat umgesetzte "Neue Traditionen".
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AMERIKA DIENST 7

�BOSNIEN
16. Februar 1994

ALBRIGHT: NUR GEWALT UND DIPLOMATIE
KÖNNEN DAS MORDEN IN BOSNIEN BEENDEN
Erklärung vor dem UN-Sicherheitsrat
VEREINTE NATIONEN - (AD) - Diplomatische Bestrebungen zur Beendigung der Krise in Bosnien "müssen
durch die Bereitschaft zum Einsatz von Gewalt unterstützt werden, wenn dies für die Sache des Friedens
unabdingbar ist", stellte die amerikanische UNO-Botschafterin Madeleine Albright am 14. Februar 1994 fest.
"Nur Gewalt und Diplomatie können das Gemetzel in Sarajevo beenden und die festgefahrene Situation in Genf
durchbrechen", erklärte sie bei der zur Erörterung des Krieges in Bosnien einberufenen Sitzung des UNSicherheitsrats.
Albright sprach darüber hinaus eine Warnung an die bosnischen Serben aus: "Sie haben die Wahl. Sie können
Ihrem erklärten Wunsch nach Frieden gerecht werden... oder sie unternehmen aggressive Akte und fordern die
bitteren Konsequenzen heraus."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Erklärung von Botschafterin Albright im Wortlaut.

Herr Präsident, das Ziel dieses Rats und meiner
Regierung gleichermaßen sollte in der Ermutigung der
Konfliktparteien in Bosnien-Herzegowina zur Aushandlung eines echten Friedens, eines gerechten und tragfähigen Friedens bestehen, der von allen aus freien
Stücken angenommen wird.
Mit anderen Worten, die Vereinigten Staaten vertreten
die Auffassung, daß dieser Konflikt am Verhandlungstisch gelöst werden sollte - nicht auf dem Schlachtfeld.
Das Grauen der vergangenen Tage ist jedoch Beweis
dafür, daß das Ziel des Friedens nicht durch Diplomatie allein erlangt werden kann. Unsere diplomatischen
Bestrebungen müssen durch die Bereitschaft zum
Einsatz von Gewalt unterstützt werden, wenn dies für
die Sache des Friedens unabdingbar ist. Denn nur
Gewalt und Diplomatie können das Gemetzel in Sarajevo beenden und die festgefahrene Situation in Genf
durchbrechen.
Es wurde ein 10tägiges Ultimatum für den Rückzug
oder die Unterstellung der in der Sperrzone befindlichen schweren Waffen unter die Kontrolle der UNO
ausgesprochen. Nicht der UNO-Kontrolle unterstellte
Waffen können Ziel von Luftangriffen werden. Während der zehn Tage wird die NATO in Absprache mit
den Vereinten Nationen auch auf die Artillerie- oder
Granatenanschläge reagieren, die in Sarajevo solche
Verwüstung angerichtet haben. Diese EntscheidunAMERIKA DIENST 7

gen stehen im Einklang mit den von diesem Rat
verabschiedeten Resolutionen. Sie erfordern keine
weiteren Maßnahmen des Rats. Wir müssen uns vor
Augen führen, daß die Entscheidung zur Einleitung
von Luftangriffen in der Hand des Generalsekretärs
liegt - und es dieser Rat war, der sie dorthin übermittelte.
Wir alle müssen eindeutig klarstellen, was die Entscheidung des Nordatlantikrats bedeutet und was nicht.
Es ist keine Intervention in diesen Konflikt im Namen
der einen oder anderen Partei. Der Zweck ist, die
Parteien davon zu überzeugen, daß die Verfolgung
einer militärischen Lösung dieses Konflikts niemandes
Interessen dient. Wie der Rat wiederholt festgestellt
hat, ist ein ausgehandelter, von allen akzeptierter
Frieden für alle von Vorzug. Wer diesen Punkt versteht, dessen Sicherheit wird durch die Entscheidungen des Nordatlantikrats verbessert. Wer dies - aufgrund seiner eigenen Aggression - nicht will, setzt sich
selbst einem Risiko aus.
Weder die NATO noch dieser Rat können oder sollten
den Parteien eine Lösung aufzwingen, denn eine erzwungene Schlichtung wäre keine dauerhafte Lösung.
Indem wir jedoch versuchen, das Gewaltpotential um
Sarajevo zu verringern und eine von der UNO erklärte
Schutzzone zu schaffen, hoffen wir, den Verhandlungsprozeß zu beleben und ihm Substanz zu verleihen.

Seite 1

�Meine Regierung engagiert sich aktiv bei diesen
Bemühungen.

Herr Präsident, während wir in dieser Woche die
Olympiade auf unseren Fernsehschirmen verfolgen,
werden wir daran erinnert, daß erst zehn Jahre seit der
Herr Präsident, an diesem Punkt möchte ich dem Olympiade in Sarajevo vergangen sind. Es ist erst
Vertreter der Russischen Föderation Tribut zollen. zehn Jahre her, und der Welt wurden Bilder einer
Denn noch letzte Woche - und bereits seit dem Februar modernen, europäischen Stadt geboten, in der Movergangenen Jahres - hat seine Regierung Maßnah- scheen neben orthodoxen und katholischen Kirchen
men zur Entmilitarisierung Sarajevos befürwortet.
als wunderbares Symbol einer multiethnischen GeDie internationale Staatengemeinschaft sagt den sellschaft standen.
bosnischen Serben: Sie haben die Wahl. Sie können An meine Kollegen im Rat und an den Generalsekretär
Ihrem erklärten Wunsch nach Frieden gerecht werden, gerichtet: Die Entscheidung des Nordatlantikrats wird
indem Sie bei Schritten zum Abbau der Spannungen die von uns hier im Sicherheitsrat so häufig zum
kooperieren und das Klima für Frieden verbessern. Ausdruck gebrachten Gefühle bezüglich Bosnien der
Oder sie unternehmen aggressive Akte und fordern die Realität näherbringen - ein Ende der Aggression anzubitteren Konsequenzen heraus. Wenn Sie diese Ent- streben, unschuldige Menschenleben zu schützen und
scheidungtreffen, sollten Sie unsere Entschlossenheit die friedliche Beilegung von Streitigkeiten zu ermutioder die unserer NATO-Partner nicht in Zweifel zie- gen. Bei diesem Unterfangen hat zum ersten Mal eine
hen, die Entscheidung vom 9. Februar durchzusetzen. regionale Sicherheitsorganisation - die NATO - zur
Die Bombardierung Sarajevos muß aufhören, und die Durchsetzung der Entscheidung dieses Rats über den
Rechte und Sicherheit der UN-Schutztruppen und aller Einsatz von Gewalt im Rahmen von Artikel 7 der
anderen - offiziellen oder privaten, zivilen oder militä- Charta der Vereinten Nationen gehandelt. Wir begerischen - internationalen Mitarbeiter müssen strikt ben uns auf unsicheres Terrain. Kooperation zwigewahrt werden. In diesem Zusammenhang stellen schen der NATO und den Vereinten Nationen ist
wir fest, daß die Vereinigten Staaten durchgreifende unabdingbar - nicht nur für die Bürger von Sarajevo
Maßnahmen dieses Rats befürworten werden, wenn und andere Schutzzonen in Bosnien, sondern auch
die bosnischen Serben ihre Drohung wahr machen, die aufgrund des Präzendenzfalls, der für die Zukunft der
Bewegungsfreiheit der Mitarbeiter internationaler Hilfs- kollektiven Sicherheit geschaffen wird.
organisationen einzuschränken.
Herr Präsident, die entschiedene und faire Umsetzung
An die Konfliktparteien gerichtet: Wir sagen, es ist an der NATO-Entscheidung wird in hohem Maße zu der
der Zeit, eine tragfähige Zukunft für Ihr Volk aufzubau- Glaubwürdigkeit dieses Rats und der Vereinten Natioen. Es ist an der Zeit für Wiederaufbau und Reparatur, nen beitragen, in die die größten Hoffnungen der
den Boden zu bestellen und die Kinder in die Schule zu Menschheit gesetzt werden.
schicken. Wir können zum Aufbau einer anderen
Zukunft beitragen, aber Sie müssen das Ihre tun. Herr Präsident, abschließend möchte ich besonders
Denn Ihre Bürger haben ein Recht auf das "stille den Vertreter Frankreichs würdigen, mit dem ich in den
Wunder eines normalen Lebens", wie Präsident Clin- vergangenen Tagen so eng zusammengearbeitet habe,
ton es im Zusammenhang mit dem Nahen Osten und dessen Regierung eine entscheidende Rolle bei
bezeichnete. Ihre Familien verdienen es, über die den Hilfsbestrebungen für die Bürger Sarajevos geStraße gehen zu können, mit dem Schlitten einen spielt hat.
Hügel herunterzufahren, zur Kirche und auf den Markt
zu gehen, ohne jede Minute Angst haben zu müssen,
daß der Tod vom Himmel auf sie herniederregnet.

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Seite 2

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AMERIKA DIENST 7

�BOSNIEN
16. Februar 1994

AMERIKANISCHE INITIATIVE ZUR BELEBUNG DER
BOSNISCHEN FRIEDENSGESPRÄCHE BEGRÜSST
Tarnoff gibt Überblick über Gespräche mit den Bündnispartnern
WASHINGTON - (AD) - Dem Staatssekretär für politische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Peter Tarnoff, zufolge wurde eine neue amerikanische
Initiative "zur Belebung der Verhandlungen über eine
friedliche Beilegung des Krieges in Bosnien" von den
europäischen Staats- und Regierungschefs begrüßt.

Drittens müssen sich die Vereinigten Staaten
und die EU im Falle einer Weigerung der Serben, diese Anforderungen zu erfüllen, "auf weitere gegen die Serben gerichtete Schritte einigen, um den Druck zur Erzielung einer Lösung
zu erhöhen".

Tarnoff, der gerade von Konsultationen mit den Verbündeten der Vereinigten Staaten in London, Bonn
und Paris zurückgekehrt war, gab bei einer Informationsveranstaltung im Außenministerium am 11. Februar 1994 einen Überblick über die Elemente des
Plans.

Viertens müssen sich die Vereinigten Staaten
und die Europäische Union "auf einen gemeinsamen Ansatz bezüglich jeglicher Lockerung
von Sanktionen gegen Belgrad einigen". Tarnoff bekräftigte erneut die amerikanische Position, daß erst nach Erzielung eines Abkommens
über Bosnien und seiner Umsetzung - "was die
Umsetzung in gutem Glauben durch alle Parteien bedeutet - die Zeit für eine mögliche allmähliche Lockerung der Sanktionen gekommen ist".

Der Staatssekretär, der bei seinen Gesprächen von
Botschafter Charles Redman, dem amerikanischen
Sondergesandten für die Jugoslawienverhandlungen
begleitet wurde, erklärte: "Bei allen Unterredungen
wurde die Ansicht der europäischen Regierungen
vertreten, daß sie das Engagement der Vereinigten
Staaten für eine äu ßerst begrü ßenswerte Entwicklung
halten."
"Sie stimmten mit uns überein, daß nach der NATOEntscheidung ... für uns alle die Zeit gekommen ist,
nach Wegen zur erneuten Bekräftigung des politischen Kurses zu suchen, das Ergebnis dieses Krieges
eindeutig eine Verhandlungslösung sein muß und wir
die Gelegenheit hatten, zu diesem Zweck zusammenzuarbeiten. Das ist meines Erachtens der Hintergrund
der von uns geführten Gespräche."
Die amerikanische Initiative, die in der ganzen Europäischen Union verbreitet wurde, umfasst Tarnoff zufolge
die nachstehenden Elemente:
Erstens müssen die bosnischen Serben die
meisten zur Erzielung einer endgültigen Lösung
erforderlichen Konzessionen machen.
Zweitens muß eine solche Lösung den "angemessenen Anforderungen" der bosnischen
Regierung entsprechen.

AMERIKA DIENST 7

Fünftens müssen sich die Vereinigten Staaten
und die EU auf einen gemeinsamen Ansatz
gegenüber Kroatien einigen.
Sechstens versteht die EU, "daß unserer Ansicht nach unser Anteil an Streitkräften zu
Umsetzu ng der Beschlüsse sich auf weniger als
die Hälfte der Soldaten belaufen sollte". Er fügte
hinzu: "Wir haben keine feste Vorstellung vom
Umfang dieser Streitkräfte."
Tamoff machte deutlich, daß in allen von ihm und
Redman geführten Gesprächen "diese Punkte bereitwillig akzeptiert wurden", und "begrüßt wurde, daß wir
diese Rolle übernehmen".
Der Staatssekretär äußerte, er habe den Europäern
mitgeteilt, die Vereinigten Staaten seien zur Aufnahme
vorbereitender Gespräche mit der bosnischen Regierung - und einige haben bereits begonnen - "über einen
aus den Reihen der Bosnier stammenden Vorschlag"
bereit. Er fügte hinzu, Redman, der Außenminister
Christopher am 9. Februar Bericht erstattete, habe
darauf hingewiesen, die Bosnier "begrüßten diese
Initiative der Vereinigten Staaten" und "hätten eine

Seite 1

�enge Zusammenarbeit mit uns begonnen, um nähere
Einzelheiten zu klären".

Tarnoff teilte mit: "Wir haben in Moskau ebenfalls
darüber konferiert."

Nach der Entwicklung dieses Vorschlags würde er von
den Vereinigten Staaten und der EU den serbischen
und kroatischen Parteien in Belgrad und Zagreb sowie
den bosnischen Serben und den bosnischen Kroaten
unterbreitet. Tarnoff betonte, dieser Vorschlag müsse
nicht unverändert angenommen oder abgelehnt werden, aber "wir hoffen wirklich, daß sie die gemeinsame
Zielsetzung der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union erkennen - gemeinsame Zielsetzung
nicht nur hinter diesem Vorschlag, sondern auch bei
der Suche nach Möglichkeiten der aktiven Zusammenarbeit zur Beendigung des Konflikts".

"Wir halten dies für eine amerikanisch-europäische
Initiative, möchten aber gleichzeitig die Russen vollständig von unseren Aktionen in Kenntnis setzen",
stellte er fest. "Wir schätzen ihren Rat und sind uns
bewußt, daß sie auf die Serben Einfluß ausüben
können. Wir haben ihnen unsere Hoffnung deutlich
gemacht, daß ihre Teilnahme an den Gesprächen über
den Vorschlag es ihnen ermöglicht, sich bei den bosnischen Serben und der Belgrader Regierung für diesen Plan einzusetzen."

Auf die Frage, wie ein gemeinsamer amerikanischeuropäischer Ansatz zu Kroatien und den bosnischen
Auf die Frage, welche Art von Druck auf die Serben Kroaten aussehen könnte, antwortete Tamoff, dieser
ausgeübt werden könnte, falls sie sich weigern, den in werde deutlich machen, "daß wir die Notwendigkeit
dem Vorschlag enthaltenen Anforderungen nachzu- erkennen, die Lage in der Krajina zu entschärfen und
kommen - unter Umständen verschärfte Sanktionen - zweitens, daß Kroatien bei einer hoffentlich bald erzielerklärte er: "Wir haben bei unseren Gesprächen keine ten Lösung eine wichtige Rolle spielt. Kroatien hat
Einzelheiten hierzu besprochen, weil das etwas hypo- angesichts seiner Wirtschaftslage und der Zahl der
thetisch ist." Er stellte jedoch fest, es sei von Bedeu- aufzunehmenden Flüchtlinge von einem Ende des
tung, die Möglichkeit offenzulassen, zusätzlich Druck Krieges viel zu gewinnen, wenn es sich jedoch weigert,
auf die bosnischen Serben auszuüben, damit ihnen dazu beizutragen, wird es unter Druck gesetzt."
unsere Entschlossenheit deutlich werde.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Michael
Im Hinblick auf Rußland, das die von der NATO McCurry, teilte vor Journalisten mit, die Genfer Bosangedrohten Luftangriffe gegen die bosnischen Ser- niengespräche zwischen Redmann und dem bosniben ablehnt, wies Tarnoff darauf hin, die Vereinigten schen Ministerpräsidenten Haris Silajdzic über eine
Staaten und die EU versuchten, Moskau in diesen Formulierung des Vorschlags "haben begonnen". Im
Prozeß "einzubeziehen". Präsident Clinton hatte die- Hinblick auf einen Zeitplan für die Umsetzung des
se Angelegenheit mit dem russischen Präsidenten Plans ließ er wissen: "Diese Gespräche werden sich
Boris Jelzin bereits früher am 11. Februar erörtert und so entwickeln, wie es den Parteien angemessen erscheint."

* * * * *

Seite 2

AMERIKA DIENST 7

�BOSNIEN
16. Februar 1994

AMERIKANISCHE ÖFFENTLICHKEIT ÜBER
LUFTANGRIFFE AUF BOSNIEN GESPALTEN
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Einer Meinungsumfrage von Gallup/USA Today vom 7. Februar 1994 zufolge ist die
amerikanische Öffentlichkeit über die Durchführung von gemeinsamen Luftangriffen der Vereinigten Staaten und
ihrer Verbündeten auf militärische Stellungen in Bosnien praktisch gespalten. 48 Prozent sprachen sich für, 43
Prozent gegen die Luftangriffe aus.
Die Erhebung ergab jedoch auch, daß 65 Prozent zur Unterstützung der Luftangriffe auf Bosnien tendierten,
wenn sie von Präsident Clinton und dem Kongreß befürwortet würden.
Andererseits sprach sich eine eindeutige Mehrheit gegen die Entsendung amerikanischer Bodentruppen nach
Bosnien zur Unterstützung der westeuropäischen Streitkräfte aus, wenn sich die Luftangriffe als effektiv
erweisen würden - 57 Prozent dagegen, 35 Prozent dafür.
Nachfolgend veröffentlichen wir die bei der Meinungsumfrage gestellten Fragen und ihre Beantwortung:

"Wie Sie wissen, wurde am Wochenende ein Granatenanschlag auf einen belebten Wochenmarkt in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien ausgeübt, die die
serbischen Streitkräfte einnehmen wollen. Dieser Anschlag, bei dem fast 70 Menschen getötet und weitere
200 verwundet wurden, warder schlimmste Angriff auf
Sarajevo seit dem Ausbruch des Krieges in Bosnien.
Was haben Sie überdiesen Angriff auf Sarajevo gehört
oder gelesen?"
(Alle Angaben in Prozent)
Sehr viel
Etwas
Nicht viel/nichts

32
37
31

"Würden Sie ungeachtet ihrer jetzigen Einstellung
Luftangriffe in Bosnien unterstützen, wenn diese von
Präsident Clinton und dem Kongreß angeordnet würden?"
Zustimmung
Ablehnung
Keine Angabe

"Würden Sie, wenn Luftangriffe sich nicht als wirksames Mittel zur Beendigung der Angriffe auf Sarajevo
erweisen, sich für oder gegen die Entsendung von USBodentruppen durch Präsident Clinton nach Bosnien
zur Unterstützung der Bodentruppen anderer westeuropäischer Staaten aussprechen?"

"ZurZeit wird diskutiert, ob Präsident Clinton amerikanische Militärflugzeuge anweisen sollte, gemeinsam
mit Flugzeugen einiger westeuropäischer Länder Luftangriffe gegen militärische Stellungen der Serben in
Bosnien zu fliegen. Würden Sie derartige Luftangriffe
befürworten oder ablehnen?"
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Ablehnung
Keine Angabe

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Ablehnung
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�HAUSHALT
16. Februar 1994

HAUSHALT FÜR 1995 BASIERT AUF
STABILER WIRTSCHAFT
Botschaft des Präsidenten
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton erklärte, sein Haushalt fürdas Finanzjahr 1995 basiere auf der "stabilen
Grundlage" einer sich verbessernden Wirtschaftslage, dem Abbau des Haushaltsdefizits sowie einer steigenden
Zahl besser bezahlter Arbeitsplätze im Privatsektor.
"Als ich vor einem Jahr mein Amt antrat, sah die Haushalts- und Wirtschaftslage unseres Landes düster aus",
stellte Clinton in einer Begleitnote zu seinem 1.518,3 Milliarden Dollar umfassenden Haushalt für das am
1. Oktober beginnende Finanzjahr fest.
Der Präsident teilte mit, sein Etat werde den Abbau des Haushaltsdefizits fortsetzen, den er vor einem Jahr
begonnen hatte, als er die Ausgaben zurfreien Verfügung einschränkte und verlangte, daß neue Ausgaben durch
entsprechende Einsparungen ausgeglichen werden müßten.
Die verbesserte Wirtschaftslage stellt ihm zufolge die Weichen für eine Reform des Gesundheitswesens und
Sozialsystems sowie für effektive Maßnahmen zur Verbrechensbekämpfung.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Botschaft des Präsidenten.
An den Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika:
Der Haushalt für das Rechnungsjahr 1995, den ich
ihnen mit dieser Botschaft übermittele, basiert auf der
stabilen Grundlage eines Abbaus des Haushaltsdefizits, Wirtschaftswachstum und von uns gemeinsam im
vergangenen Jahr geschaffenen Arbeitsplätzen. Durch
die Förderung von Privatinvestitionen - und getätigte
staatliche Investitionen, um mehr und besser bezahlte
Arbeitsplätze zu schaffen sowie die Arbeitnehmer von
heute und unsere Kinder auf diese Arbeitsplätze vorzubereiten - erneuern wir den Amerikanischen Traum.
Der Haushalt setzt die im vergangenen Jahr vorgenommene Umkehrung der bisherigen Prioritäten in die
eingeschlagene neue Richtung fort:
Er strebt den weiteren Abbau des Defizits an,
er führt unser Programm von Investitionen in
langfristiges Wirtschaftswachstum, Verbrechensbekämpfung und die Fähigkeiten unserer Kinder und Arbeitnehmer weiter und
stellt die Weichen für die Reform des Gesundheitswesens, die für unsere wirtschaftliche und
haushaltspolitische Zukunft entscheidend ist.

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Als ich vor einem Jahr mein Amt antrat, sah die
Haushalts- und Wirtschaftslage unseres Landes düster aus. Eine zwölf Jahre lang praktizierte Haushaltspolitik der Verschuldung und des Sickereffekts hatte
die Defizite schnell ansteigen lassen, zu einer gegen
die Rezession ankämpfenden Wirtschaft geführt und
den Steuerzahlern der Mittelschicht das Gefühl gegeben, von ihrer Regierung im Stich gelassen worden zu
sein.
Am schlimmsten warvielleicht.daßder Amerikanische
Traum - ein besseres Leben für jede nachfolgende Generation zu schaffen - unter Beschu ß geraten war, bedroht durch eine Politik und Einstellung, die das Heute
auf Kosten des Morgen betont, Spekulationsgewinne
auf Kosten langfristigen Wachstums macht und verschwenderische Ausgaben auf Kosten der Zukunft
unserer Kinder tätigt.
Ein Jahr später sieht das Bild schon besser aus. Die
Verabschiedung meiner Haushaltsvorlage für 1993
mit der Verpflichtung, Investitionen in unsere Zukunft
zu tätigen, hat zu einer verstärkten wirtschaftlichen
Erholung beigetragen, einem eindeutigen Abwärtstrend
bei den Haushaltsdefiziten sowie beginnendem erneutem Vertrauen unter unseren Bürgern. Wir haben der
Orientierungslosigkeit ein Ende gesetzt und die festgefahrene Situation wieder in Bewegung gebracht.

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�Endlich arbeiten ein Kongreß und ein Präsident zusammen an der Lösung unserer Probleme.
Schwierige Herausforderungen bleiben weiterhin
bestehen. Nicht alle haben Anteil an der wirtschaftlichen Erholung; einige Regionen hinken hinter dem
übrigen Land zurück. Als Ergebnis der in amerikanischen Unternehmen stattfindenden Umstrukturierung
und dem Ende des Kalten Krieges kommt es weiterhin
zu Entlassungen.
Steigende Kosten im Gesundheitswesen stellen nach
wie vor eine große Gefahr für unsere Familien und
Unternehmen, die Wirtschaft und Fortschritte beim
Abbau unseres Haushaltsdefizits dar. Unser Sozialsystem muß umgestaltet werden, um Arbeit und Verantwortungsbewußtsein zu fördern. Und unsere Nation,
unsere Gemeinden und Familien sehen sich der steigenden Bedrohung durch Kriminalität und Gewalt auf
unseren Straßen gegenüber, einer ungeachtet ihres
Einkommens, ihrer Rasse und ihres Wohnorts die
Lebensqualität der Amerikaner beeinträchtigenden
Bedrohung.
Dieses Jahr stellen wir uns den Herausforderungen mit
einer Reform des Gesundheitswesens und des Sozialsystems mit dem im Kongreß vorliegenden Gesetzentwurf zur Verbrechensbekämpfung und der Fortführung unseres Wirtschaftsplans, mit weiteren Fortschritten beim Abbau des Haushaltsdefizits sowie Investitionen in unsere Menschen, Forschung, Technologie und
Infrastruktur.
Was wir vorfanden
Bei der Amtsübernahme unserer Administration war
das Haushaltsdefizit hoch und stieg weiter an - auf 302
Milliarden 1995 und über 400 Milliarden bis zum Ende
des Jahrzehnts.
Bei der Amtsübernahme unserer Administration spürte die Mittelschicht die Auswirkungen der Steueränderungen der achtziger Jahre, welche die Steuerlast von
den Wohlhabenden auf die weniger Begüterten übertrugen. Von Ende der siebziger Jahre bis in die
neunziger Jahre sank der Steuersatz für die reichsten
Amerikaner, während die Sätze für die meisten anderen Bürger anstiegen.
Bei der Amtsübernahme unserer Administration kämpfte die Wirtschaft noch gegen die Rezession an, es gab
wenig neue Arbeitsplätze und die Zinssätze waren
weiterhin hoch. 1992 betrugen die Hypothekenzinsen
durchschnittlich mehr als acht Prozent. Die Arbeitslosenquote belief sich Ende 1992 auf 7,3 Prozent, und in
den vorigen vier Jahren wurden in unserer Wirtschaft
weniger als eine Million neuer Arbeitsplätze geschaffen. Die Aussichten für die Zukunft waren ein langsamer Produktivitätsanstieg, stagnierende Löhne und
wachsende Ungerechtigkeit - wie das sinkende Vertrauen der Verbraucher demonstrierte.

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Ein neuer Kurs
Heute hat sich die Situation verbessert, sei es beim
Defizit, der Fairness oder der Wirtschaft.
Der von mir heute vorgelegte Haushalt sieht ein Defizit
von 176 Milliarden Dollar vor - ein Abbau um 126
Milliarden Dollar verglichen mit der Lage vor unserem
Wirtschaftsplan. Wenn die von uns für 1994 und 1995
beabsichtigten Reduzierungen stattfinden, wird dies
das erste Mal seit Harry Trumans Zeit im Oval Office
sein, daß das Defizit in drei aufeinanderfolgenden
Jahren sinkt.
Die von uns eingeleiteten Maßnahmen funktionieren.
Wir haben die Ausgaben zur freien Verfügung eingefroren. Außer in Notfällen dürfen wir keinen zusätzlichen Cent für ein Programm aufwenden, wenn wir ihn
nicht bei einem anderen Haushaltsposten einsparen.
Wir senken die Ausgaben für Vorhaben von geringerer
Priorität, um das Versprechen des Defizitabbaus zu
erfüllen und begrenzte, gezielte Investitionen in unsere Zukunft zu tätigen. 1994 wurden 340 zur freien
Verfügung stehende Programme gekürzt, und unser
neuer Haushalt sieht Kürzungen für eine ähnliche Zahl
von Programmen vor. Das ist nicht die Art von Kürzungen, die letztlich zu erhöhten Ausgaben führen. Dies
sind wirkliche Kürzungen, die tatsächlich geringere
Ausgaben nach sich ziehen. Die gesamten Ausgaben
zur freien Verfügung liegen unter denen des Vorjahres
- wiederum reell in Dollar angegeben und nicht inflationsbereinigt.
Im Hinblick auf die Aufwendungen für Unterstützungsprogramme erzielte das Mantelgesetz über den Haushaltsausgleich von 1993 nahezu 100 Milliarden Dollar
an Einsparungen bei praktisch jedem großen Unterstützungsprogramm.
Vorschriften zur sofortigen
Bezahlung verhindern neue nicht gedeckte Ausgaben
für Unterstützungsprogramme, und ich habe durch
einen Präsidialerlaß die erste wirkliche greifende
Bestimmung zu unvorhergesehenen Ausgabenerhöhungen bei diesen Programmen verhängt. In Zukunft
wird die Reform des Gesundheitswesens sich mit den
am schnellsten anwachsenden Unterstützungsprogrammen befassen - Medicare und Medicaid - auf die bei
künftigen Etats der Großteil der Ausgaben entfallen
wird, und der überparteiliche Ausschuß für eine Reform des Unterstützungswesens, den ich durch einen
Präsidialerlaß eingerichtet habe, wird die Möglichkeit
zusätzlicher Einsparungen bei Unterstützungsprogrammen untersuchen.
Obwohl wir harte Maßnahmen ergriffen haben, wird
ein weiteres Werkzeug benötigt. Das modifizierte
selektive Veto, das dem Präsidenten eine verbesserte
Annulierungsvollmacht geben soll, ist bereits vom
Repräsentantenhaus als Verordnung 1578 angenommen worden. Im Falle seiner Erhebung zum Gesetz
wird dem Präsidenten die Befugnis verliehen, fragwür-

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�dige Posten aus Bewilligungsgesetzen auszuklammern und zu verlangen, daß über sie mehrheitlich im
Kongreß abgestimmt wird. Meines Erachtens ergibt
das Sinn und bewahrt die Fähigkeit einer Mehrheit im
Kongreß, Entscheidungen über Bewilligungen zu treffen.
Zusätzlich zu dieser Haushaltsdisziplin haben wir
drastische Änderungen vorgenommen, die Fairness
bei den Steuergesetzen wiederhergestellt haben. Wir
haben die Verteilung der Einkommensteuerbelastung
viel gerechtergestaltet, indem wir nurdie Einkommensteuer für die wohlhabendsten 1,2 Prozent unseres
Volkes angehoben haben - bei Paaren mit einem
Einkommen von mehr als 180.000 Dollar - und den
Einkommensteuerfreibetrag für 15 Millionen Arbeitnehmerfamilien mit niedrigen Einkommen beträchtlich
erhöht haben. Dadurch wird sich für nahezu 99
Prozent der Steuerzahler der Einkommensteuersatz
in diesem Jahr nicht erhöhen.
Ergebnisse
Das wichtigste Ergebnis unserer Bestrebungen zur
Änderung der Regierungsführung Washingtons ist das
wachsende Vertrauen in die Wirtschaft. Die Investitionen steigen - in Unternehmen, Wohnungen und langlebige Gebrauchsgüter; Realinvestitionen in Geräte stiegen 1993 siebenmal so schnell an wie in den vorausgegangenen vier Jahren. Die Hypothekenzinsen haben
den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten erreicht. Im
Vergleich zum Vorjahr haben nahezu zwei Millionen
Amerikaner eine Arbeitsstelle - ein doppelt so großer
Anstieg in einem Jahr wie in den vorigen vier Jahren
zusammengenommen, und Ende 1993 sank die Arbeitslosenquote um fast einen ganzen Prozentpunkt
auf 6,4 Prozent.

lien, neue Häuser, Autos und andere langlebige Gebrauchsgüter zu kaufen.
Investitionen
Zweitens schlugen wir eine Reihe vom Kongreß großenteils angenommener, vollständig finanzierter
Maßnahmen vor, um Privatinvestitionen (über die durch
den Defizitabbau herbeigeführten Anreize hinaus) zu
fördern und staatliche Investitionen in die Zukunft
unseres Landes zu tätigen. Die erste Komponente
bestand darin, 90 Prozent der Unternehmen steuerliche Anreize für Investitionen in zukünftiges Wachstum
zu bieten - einschließlich einer umfassenden Aufstokkung der Aufwandsentschädigungen für kleinere Betriebe und neue Anreize im Kapitalertragsbereich für
langfristige Investitionen in neue Unternehmen.
Die zweite Komponente waren staatliche Investitionen
in die Zukunft: in die Infrastruktur, Technologie,
Qualifikationen und Sicherheit.
Diese Investitionen sollen die Arbeitnehmer von heute
und unsere Kinder auf die neuen, besser bezahlten
Arbeitsplätze in einer modernen Wirtschaft vorbereiten, unser Verkehrswesen und die Umweltinfrastruktur reparieren und erweitern, die Kriminalität bekämpfen, die Technologiebasis unserer Nation vergrößern
sowie unsere medizinische und wissenschaftliche
Forschung verbessern.

Wie ist all dies erreicht worden? Unser Wirtschaftsplan
hatte drei Hauptkomponenten:

Unter anderem haben wir das äußerst erfolgreiche
Programm Head Start und das Ernährungsprogramm
für Schwangere, Babys und Kleinkinder WIC bedeutend erweitert. Durch eine beträchtliche Erhöhung
erfüllten wir das Mandat des Gesetzes über die Effizienz des intermodalen Transports auf dem Land- und
Seeweg (Intermodal Surface Transportation Efficiency Act - ISTEA), wir stellten die Anschubfinanzierung
fürdas Gesetz über den nationalen Sozialdienst bereit
sowie für Reformen und andere Initiativen im Bildungsund Ausbildungswesen, wir ebneten den Weg zu dem
von mir angestrebten Ziel, weitere 100.000 Polizisten
in unseren Städten auf Streife zu schicken und stellten
zusätzliche Gelder für die städtische und ländliche
Entwicklung bereit.

Abbau des Defizits

Handel

Erstens führte die Einführung und schließliche Verabschiedung unseres Plans zum Abbau des Haushaltsdefizits um 500 Milliarden Dollar - dem größten in der
Geschichte - zu einer Senkung des Defizits von 4,9
Prozent des Bruttoinlandsprodukts 1992 auf prognostizierte 2,5 Prozent 1995 und 2,3 Prozent im Jahr
1999. Dadurch wurde der Druck auf die Zinssätze
beträchtlich reduziert, indem die Nachfrage der Regierung nach Krediten verringert und die Märkte von
unserer Entschlossenheit zum Defizitabbau überzeugt
wurden. Diese geringeren Zinssätze ermutigen die
Unternehmen zu Investitionen und motivierten Fami-

Schließlich hängt unsere langfristige Wirtschaftsstrategie von der Erweiterung unserer internationalen
Handelsmärkte ab. 1993 unternahmen wir mehr als je
zuvor während der vergangenen zwei Generationen
zur Öffnung der Weltmärkte für amerikanische Produkte. Die Ratifizierung des Nordamerikanischen
Freihandelsabkommens (NAFTA) errichtet den größten Markt der Welt. Durch die Senkung der Zölle auf
unsere Exporte nach Mexiko wird das Abkommen die
Zahl der Arbeitsplätze bei uns erhöhen - und falls die
vorherige Erfahrung als Leitfaden dienen kann, wird es
sich vorwiegend um gutbezahlte Arbeitsplätze handeln.

Die Grundlage ist solide und stark, und wir arbeiten
stetig und dauerhaft an ihrer Erweiterung für die Zukunft.
Der Wirtschaftsplan

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�Wir beendeten auch unsere Arbeit an der UruguayRunde des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens, einem weltweiten Abkommen zur Senkung von
Zöllen und anderen Handelshemmnissen, das ebenfalls hochbezahlte Arbeitsplätze schaffen und Wirtschaftswachstum in diesem Land ankurbeln wird.
Zusätzlich errichteten wir einen Rahmen für eine neue
wirtschaftliche Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, so daß wir uns für die Erhöhung der japanischen Importe amerikanischer Waren
und Dienstleistungen sowie die Förderung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit einsetzen können. Um
unnötige Belastungen amerikanischer Unternehmen
zu mildern, haben wir überflüssige Exportkontrollen für
bestimmte Technologien beseitigt, um somit Exporte
amerikanischer Hochtechnologieprodukte zu ermutigen.
Das vor uns liegende Jahr
1994 werden wir auf der 1993 gelegten Grundlage
aufbauen.
Steuerliche Disziplin
Wir setzen den im Gesetz über den Haushaltsausgleich vom vergangenen Jahr verankerten Abbau des
Haushaltsdefizits in Höhe von 500 Milliarden Dollar
fort. Um das erforderliche Einfrieren der Ausgaben zur
freien Verfügung zu erzielen und die benötigten Investitionen zu tätigen, schlagen wir neue Kürzungen bei
ungefähr 300 spezifischen, nicht mit der Verteidigung
in Verbindung stehenden Programmen vor. Dazu
gehört die Einstellung von mehr als 100 Programmen.
Viele dieser Einsparungen sind umstritten, wir haben
jedoch kaum eine Wahl, wenn wir unsere haushaltspolitischen Zielsetzungen erreichen wollen.
Auf der anderen Seite enthält dieser Haushalt keine
neuen Steuererhöhungen.
Neue Investitionen

mehr getan. In diesem neuen Zeitalter, in dem die
grundlegende Umstrukturierung unserer Wirtschaft zu
dauerhaften Entlassungen und der tatsächlichen
Schließung ganzer Industrien führt, ist die Einrichtung
eines Systems zur Wiederbeschäftigung erforderlich.
Dieser Etat beginnt mit der Schaffung dieses Systems,
das letztlich den entlassenen Arbeitnehmern den Zugang
zu Umschulung, Arbeitssuche und anderen Dienstleistungen erleichtern soll, die ihnen nicht nur über eine
schwierige Zeit hinweghelfen, sondern sie auch auf
produktive neue Arbeitsplätze vorbereiten soll.
Wir investieren auch weiterhin in unsere wertvollste
Ressource - unsere Kinder - mit bewährten, effektiven
Programmen sowie neuen Initiativen, die Probleme
einer im Wandel begriffenen Gesellschaft angehen.
Wir schlagen die Erhöhung der Gelder für Programme
zum Übergang ins Berufsleben vor, die High SchoolAbgängern, die nicht aufs College gehen wollen, eine
praktische Ausbildung anbieten. Unser Etat sieht auch
eine Erweiterung des Programms für den nationalen
Sozialdienst vor, das unseren jungen Menschen die
Gelegenheit gibt, in ihren Gemeinden Dienst zu tun
und Geld für ihre Collegeausbildung zu verdienen.
Wir unterstützen entschieden das Programm Goals
2000, dem der Kongreß hoffentlich Anfang dieses
Jahres Gesetzeskraft verleihen wird, um den örtlichen
Schulsystemen Unterstützung bei ihren Reformen zur
Ausbildung unserer Kinder für das 21. Jahrhundert zu
gewähren. Wir müssen hohe Maßstäbe an all unsere
Kinder anlegen und ihnen gleichzeitig die ihnen zustehenden Chancen bieten, etwas zu lernen.
Wir sehen auch beträchtliche Erhöhungen für WIC und
Head Start vor, die wir ebenfalls verbessern wollen.
Und wir werden das auf bedürftige Kinder zugeschnittene Programm Titel I maßgeblich erweitern und gezielter anwenden um sicherzustellen, daß sie uneingeschränkt von unserem Bildungssystem profitieren
können.

Die Investitionen in diesem Etat richten sich weiterhin
auf Arbeitsplätze, Bildung, Forschung, Technologie,
Infrastruktur, Gesundheitswesen und Verbrechensbekämpfung.

Investitionen in Know-how. Amerika hat stets eine
Führungsrolle bei Wissenschaft und Technologie
angestrebt. In den vergangenen Jahren haben wir
diesen Status in einigen Bereichen verloren. Für den
Investitionen in den Menschen. Das oberste Ziel Rest dieses Jahrzehnts und im 21. Jahrhundert müsunserer Wirtschaftsstrategie besteht darin, unseren sen wir jedoch sicherstellen, daß die Vereinigten StaaBürgern mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze zu ten einen entschiedenen Vorsprung bei Fortschritten
bieten - heute und in Zukunft - und sie so zu bilden und in Forschung und Technologie haben.
auszubilden, daß sie auf diese Arbeitsplätze vorbereiZu diesem Zweck sieht der Haushaltsentwurf für 1995
tet sind.
maßgebliche Investitionen in folgenden Bereichen vor:
Der Haushalt enthält eine umfassende Initiative zur Das Programm für Spitzentechnologie des Nationalen
Förderung gesicherter Ausbildung und Wiederbeschäf- Instituts für Normen und Technologie, die Fortigung für die Erwerbsbevölkerung. In der Vergangen- schungs-, Weltraum- und Technologieprogramme der
heit hat die Regierung den Arbeitnehmern, die ihren NASA, die nationale Stiftung für Wissenschaft, das InArbeitsplatz verloren hatten, zeitweilig Arbeitslosen- formationsnetz, an dem der Vizepräsident so hart
geld bezahlt, um sie über Wasser zu halten, und wenig gearbeitet hat, sowie Forschung und Entwicklung im
Energiesektor.
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�Darüber hinaus bin ich entschlossen, den unsere
Verteidigung unterstützenden Industriezweigen und
Gemeinden weiterhin behiflich zu sein, während wir
den Mitte der achtziger Jahre begonnenen und Anfang
der neunziger Jahre mit dem Ende des Kalten Krieges
beschleunigten Abbau der Rüstungsindustrie fortsetzen.
Ich schlage beträchtliche Investitionen in das Projekt
zur technologischen Reinvestition vor, das in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor die Entwicklung und
Anwendung von Mehrzwecktechnologien ermutigt. Die
Haushaltsvorlage beinhaltet auch zusätzliche Mittel
für das Büro für wirtschaftliche Anpassung, das
Gemeinden Planungshilfen bei der Umstellung ihrer
lokalen Volkswirtschaften auf gewinnbringende, friedlichen Zwecken dienende Unternehmen bietet.
Investitionen in Infrastruktur. Die Infrastruktur und
die Volkswirtschaften vieler Städte und Gemeinden
sind zu lange vernachlässigt worden. Im vergangenen
Jahr haben wir dieses Problem in Angriff genommen,
und für 1995 beabsichtigen wir die Fortsetzung dieser
Initiativen.
Erstens schlagen wir die weitere uneingeschränkte
Finanzierung der wichtigsten Autobahnprogramme im
Rahmen des ISTEA-Transportbewilligungsgesetzes
vor sowie eine maßgebliche Aufstockung der Kapitalbeihilfen für den Personennahverkehr. Zur Bereitstellung der Mittel in dieser Höhe sieht der Haushaltsentwurf die Aufhebung zahlreicher Autobahndemonstrationsprojekte vor, die häufig eine ineffiziente Nutzung
von Steuergeldern darstellen.
Ferner schlagen wir die Wiederherstellung unserer
Umweltinfrastruktur mit Investitionen in Technologien
der Zukunft im Rahmen des Gesetzes über saubere
Gewässer und andere Umweltprogramme vor.
Im vergangenen Jahr haben wir Gesetze zur Schaffung von städtischen und ländlichen Ermächtigungszonen verabschiedet. In diesem Jahr werden wir diese
Zonen und Gewerbegebiete ihrer Bestimmung übergeben, um Investitionen in vernachlässigte Gemeinden anzuziehen und die Art von Dienstleistungen
anzubieten, die wirtschaftliche Entwicklung unterstützen.
In dieser Haushaltsvorlage werden die Ausgaben für
Wohnungsbeihilfen, Dienste für die Obdachlosen und
Entwicklungshilfe für benachteiligte Gemeinden maßgeblich erhöht, wobei sich die Hilfe für die Obdachlosen verglichen mit dem vergangenen Jahr nahezu
verdoppelt. Sowohl die Wohnungsbeihilfe für Familien
und die Hilfe für die Obdachlosen werden umstrukturiert, um den Übergang zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit zu unterstützen.
Ich schlage auch die Fortsetzung unserer Initiative zur
Entwicklung des ländlichen Raums mit Beihilfen und
Darlehen vor, die eine 35prozentige Aufstockung
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gegenüber dem letzten Jahr darstellen. Diese Hilfsleistungen werden zur Verbesserung der ländlichen Infrastruktur und Dienstleistungen wie Wasseraufbereitungsanlagen und Krankenhäusern beitragen, die
Beschäftigungmöglichkeiten im ländlichen Raum verbessern, die ländlichen Volkswirtschaften weiter diversifizieren und Wohnraum schaffen, indem einkommensschwache M ieter durch die Aufstockung der H ilf e
Hauseigentümer werden können.
Investitionen in die Lebensqualität. Dieser Haushaltsentwurf setzt unsere Bestrebungen zur Erweiterung des Umweltschutzes und zum Schutz unserer
natürlichen Ressourcen fort.
Wir schlagen die Verbesserung der Verwaltung dieser
Ressourcen, der Umweltbestimmungen und Managementprogramme vor. Wir stocken die rotierenden
Fonds der Bundesstaaten für sauberes und Trinkwasser auf und unterbreiten den Vorschlag zur Einrichtung
von vier Pilotprojekten zur Verwaltung des Ökosystems. Darüber hinaus schlagen wir maßgebliche
Verbesserungen und Reformen des Superfondsprogramms vor sowie wichtige internationale Umweltinitiativen.
Gesundheitsreform
Die Durchführung der Gesundheitsreform, die sich auf
die Kostendämpfung im Gesundheitswesen konzentriert, ist der Schlüssel zu noch größeren Fortschritten
beim Defizitabbau. Wenn der Kongreß 1994 das
Gesetz über die Sicherstellung der Gesundheitsfürsorge verabschiedet, wird das Defizit unserer Ansicht
nach im Haushaltsjahr 1999 auf 2,1 Prozent des
Bruttoinlandsprodukts - den niedrigsten Stand seit
1979-fallen.
Natürlich ist der Defizitabbau nur ein Grund für die
Gesundheitsreform. Die Bereitstellung von Gesundheitsfürsorge für jeden Amerikaner mit einem unbefristeten umfassenden Leistungspaket durch private
Versicherungsträger ist nicht nur für die langfristige
Beschränkung des Haushalts, sondern auch für langfristiges Wirtschaftswachstum, die Produktivität unserer Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie die Gesundheit und den Seelenfrieden aller Amerikaner unabdingbar.
Angesichts von rund 58 Millionen Amerikanern ohne
ganzjährigen Versicherungsschutz, angesichts von
schätzungsweise 81 Millionen Amerikanern mit einer
Krankheitsvorgeschichte, die höhere Beiträge entrichten müssen, von überhaupt keiner Versicherung aufgenommen werden, oder aus Angst vor Verlust des
Versicherungsschutzes den Arbeitsplatz nicht wechseln, angesichts von Kleinunternehmen, die für die
Versicherung ihrer Arbeitnehmer - was für die Mehrzahl zutrifft - mit den explosionsartig in die Höhe
schnellenden Versicherungskosten belastet werden,
die für sie 35 Prozent höher als für Großunternehmen

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�und die Regierung sind, angesichts von 76 Prozent
Amerikanern mit zeitlich beschränkten Versicherungspolicen, deren Deckung ausläuft, wenn sie diese am
meisten benötigen - sieht sich dieses Land einer Krise
im Gesundheitswesen gegenüber. Und wir müssen
sie jetzt in Angriff nehmen.

suche und -Vermittlung bietet. Diejenigen, die arbeiten
können, müssen dies innerhalb von zwei Jahren tun,
entweder im Privatsektor oder in der Gemeinde. Das
Gesetz wird den grundlegenden Sozialvertrag - Chancen zu bieten und als Gegenleistung Verantwortung zu
verlangen - wiederherstellen.

Neben unseren Bestrebungen zur Gesundheitsreform
enthält der Haushaltsentwurf für 1995 Schlüsselinvestitionen in das Gesundheitswesen und die Forschung.
Wir schlagen die höchste je beantragte Aufstockung
von Forschungsgeldern für die nationalen Gesundheitsämter vor. Dank dieser Investitionen steht unsere
Nation nicht nur weiterhin an vorderster Front bei der
medizinischen Forschung, sie haben auch Millionen
Menschenleben gerettet und die Lebensqualität von
Millionen weiteren verbessert. Die von uns vorgeschlagenen zusätzlichen Investitionen werden den
nationalen Gesundheitsämtern in vielen Bereichen bei
der Forschung behilflich sein, von AIDS bis zu Herzproblemen, von geistiger Gesundheit bis zu Brustkrebs.

Verbrechensbekämpfung

Reform des Sozialwesens
Eine wichtige Initiative meiner Administration war und
ist die Überarbeitung unseres Sozialsystems. Wir
müssen Arbeit belohnen, wir müssen den Menschen
Motivation zur Arbeit vermitteln, und wir müssen Verantwortung fordern.
Die Reform des Sozialwesens hat bereits begonnen.
Der erste Schritt war die Erhöhung des Einkommensteuerfreibetrags im vergangenen Jahr. Diese Erhöhung belohnt Arbeit, indem sie sicherstellt, daß Familien mit einem ganztags beschäftigten Ernährer nicht in
Armut leben müssen.
Die zweite Stufe der Reform des Sozialwesens ist die
Gesundheitsreform. Unser derzeitiges Gesundheitswesen ermutigt häufig die Sozialhilfeempfänger zum
weiteren Verbleib in dem System, damit sie über
Medicaid eine Krankenversicherung erhalten. Wenn
wir fordern, daß jeder Arbeitnehmer versichert ist, wird
dieses Abschreckungsmittel gegen Arbeit verschwinden.
Das nächste Element der Reform des Sozialwesens
ist persönliche Verantwortung. Unser Reformplan
wird Initiativen zur Verhinderung von Schwangerschaften bei Teenagern enthalten, sicherstellen, daß Eltern
ihren Unterhaltspflichten nachkommen und versuchen,
die Beantragung von Sozialhilfe von vorneherein zu
vermeiden. Wir müssen uns vor Augen halten, daß
nicht die Regierungen Kinder aufziehen, sondern die
Eltern.
Das oberste Ziel unserer Reformen besteht darin, daß
sich die Menschen auf Arbeit und nicht Sozialhilfe
verlassen. Unser Plan wird auf das Gesetz zur Unterstützung der Familie aufbauen, indem es Bildung und
Ausbildung erleichtert sowie Hilfestellung bei ArbeitsSeite 6

Die Verabschiedung des zur Zeit im Kongreß beratenen Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung ist ebenfalls unabdingbar, und sie sollte unverzüglich vorgenommen werden. Wir können schlicht und einfach
nicht dulden, was auf den Straßen unserer Städte
heute geschieht. Verbrechen und Gewalt, die Verbreitung von Handfeuerwaffen und Sturmgewehren, die
Angst von Millionen Amerikanern, wenn sie abends und selbst am Tag - aus dem Haus gehen, müssen
unverzüglich in Angriff genommen werden.
Wir müssen die Strafverfolgung verschärfen, und wir
müssen unseren Kommunalregierungen die erforderlichen Mittel zur Bewältigung der Epidemie von Gewaltverbrechen bereitstellen. Das Gesetz zur Verbrechensbekämpfung wird beträchtliche Mittel vorsehen genügend zur Erfüllung meines Versprechens, zusätzlich 100.000 Polizisten auf unsere Straßen zu entsenden. Diese Haushaltsvorlage finanziert einen Großteil
des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung, und ich
fordere den Kongreß nicht nur zur Verabschiedung
des Gesetzes, sondern auch zur Bereitstellung der für
seine Umsetzung erforderlichen Mittel auf.
Verteidigung und internationale Angelegenheiten
In den auswärtigen Beziehungen und den Verteidigungserfordernissen der Vereinigten Staaten findet
eine tiefgreifende Verlagerung statt. Als ich das Amt
übernahm, sahen wir uns mit drastisch veränderten
internationalen Gegebenheiten und Problemen konfrontiert, aber wir hatten eine Außen- und Verteidigungspolitik sowie Institutionen geerbt, die in vielfacher Hinsicht noch auf die Gegebenheiten und Erfordernisse des Kalten Krieges ausgerichtet waren.
Dieser Haushaltsentwurf spiegelt die großen Veränderungen wider, die wir bei Inhalt, Zielrichtung und Institutionen vornehmen, welche die Verteidigung unserer
Interessen im Ausland gewährleisten. Wir haben uns
zum weiteren Engagement in einer durch Handel und
globale Kommunikationswege untrennbar verbundenen Welt verpflichtet. Der Charakter dieses Engagements verändert sich jedoch.
Wir verpflichten uns weiterhin zur Beibehaltung der am
besten ausgebildeten, am besten ausgerüsteten und
am besten vorbereiteten Kampftruppe der Welt. Dank
der 1993 durchgeführten tiefgreifenden Umstrukturierung unserer Verteidigung wird diese Streitmacht an
die Bewältigung der neuen Herausforderungen der
Zeit nach dem Kalten Krieg angepaßt. Wir können
unsere nationale Sicherheit mit den bei der UmstruktuAMERIKA DIENST 7

�rierung genehmigten Streitkräften aufrechterhalten,
wir müssen uns jedoch gegen weitere Kürzungen des
Verteidigungshaushalts wehren, um die Einsatzbereitschaft und Qualität unserer Streitkräfte zu gewährleisten.
Wir haben wirtschaftlichen Wettbewerb zum Kernstück unserer Außenpolitik erklärt - was in einer globalen Wirtschaft ein Muß ist. Wir setzen die Erfolge von
NAFTA und GATT mit weiteren Verhandlungen zur
Öffnung von Märkten und vermehrter Konzentration
auf die Förderung amerikanischer Exporte fort. Wir
widmen den asiatischen und pazifischen Märkten
besondere Aufmerksamkeit, die das dynamischste
Wachstum aller Regionen der Welt verzeichnen.
Wir verpflichten uns der Erweiterung der Gemeinschaft freier demokratischer Marktwirtschaften als Mittel
zur Gewährleistung größerer Sicherheit und auch zur
Erhöhung wirtschaftlicherChancen. Unsere Programme für die neuen unabhängigen Staaten Europas und
Zentralasiens bilden das Kernstück dieser Bestrebungen.
Wir reagieren aggressiv auf die neuen internationalen
Sicherheitsherausforderungen, mit denen wir uns
konfrontiert sehen: regionale Konflikte, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Flüchtlingsströme und der internationale Fluß illegaler Drogen. Darüber hinaus sprechen wir die Bedrohungen der Umwelt
und das rasche Bevölkerungswachstum mit einem
Programm zur Förderung umweltverträglicher Entwicklung an.
Und schließlich werden unsere internationalen Kooperationsprogramme mit einer völlig neuen Struktur für
die Zeit nach dem Kalten Krieg grundlegend reformiert,
indem wir die Gesetze neu formulieren, die solchen
Programmen seit über 30 Jahren als Grundlage dienten.
Bericht über die Effizienz der Regierung
Der Bericht des Vizepräsidenten über die Effizienz der
Regierung (National Performance Review - NPR) hat
den Weg zu tiefgreifenden Reformen der Funktionsweise der Regierung geebnet, die unerläßlich sind, um
die Regierung effektiver und aktiver zu machen. Im
vergangenen Jahr haben wir mit der Umsetzung seiner
Empfehlungen begonnen. Mit dieser Haushaltsvorlage werden die Bestrebungen beschleunigt.
Erstens wird mit diesem Haushaltsentwurf der in meinem Präsidialerlaß vom vergangenen Jahr geforderte
Abbau von 100.000 Positionen in der Bundesregierung vorgenommen. Aufgrund der Zwänge bei den
Ausgaben zur freien Verfügung gehen unsere Vorschläge tatsächlich um 18.000 Stellen über diese Zahl
hinaus. Darüber hinaus wurden die Planungen für
weitere Einsparungen aufgenommen, die zur Verwirklichung des verbleibenden Teils des vom NPR empfohlenen Stellenabbaus von 252.000 BundesbedienAMERIKA DIENST 7

steten erforderlich ist. Mit diesen Einsparungen werden wir die Zahl der Bundesbediensteten auf den
niedrigsten Stand seit 30 Jahren bringen.
Zur Verwirklichung dieses Ziels müssen wir Anreize für
diejenigen bieten, deren Stellen abgeschafft werden.
Dies ist eine unserer obersten rechtlichen Prioritäten,
die jetzt unsere Aufmerksamkeit erfordert. Diese
"Abfindungspakete" werden die Notwendigkeit für einen
kostenintensiveren Stellenabbau minimieren, haben
weniger negative Auswirkungen, da sie freiwillig sind,
und bringen der Regierung langfristig Einsparungen.
Es ist ebenfalls an der Zeit für die rasche Verabschiedung einer Beschaffungsreform - eine weitere oberste
Priorität. Die Abspeckung des Beschaffungswesens
ist unabdingbar zur Erfüllung unserer Einsparungsziele. Eine Überarbeitung unseres derzeitigen verschwenderischen Systems kann beträchtliche Einsparungen
und bessere Leistungen der staatlichen Lieferanten
bewirken.
Darüber hinaus enthält diese Haushaltsvorlage viele
der im NPR vorgeschlagenen spezifischen programmatischen Einsparungen. Diese Einsparungen wurden großenteils verwendet, um die eingefrorenen
Ausgaben zur freien Verfügung auszugleichen.
Mit meinem Präsidialerlaß vom vergangenen Jahr
haben wir ferner die Reform einer grundlegenden
Funktion der Regierung in die Wege geleitet - der
Kontrollfunktion. Vorschriften sind häufig zur Verbesserung der Gesundheit, Sicherheit, Umwelt und des
Wohlergehens der Amerikaner notwendig. Unser Ziel
ist ein äußerst offener, fairer und ehrlicher Prozeß, der
kluge Vorschriften hervorbringt: Bestimmungen, die
am wenigsten belasten und die kostengünstigsten
Lösungen bieten.
Schließlich haben alle unsere Ministerien und Ämter
mit der Reform ihrer grundlegenden Funktionsweise
begonnen, einschließlich ihrerfinanziellen und administrativen Verfahren.
Das Ziel des Berichts über die Effizienz der Regierung
besteht darin, die Regierungsarbeit besser, kostengünstigerund praktischer zu machen, damit sie auf die
reagieren kann, denen sie dient. Das kann nicht in
einem, vier oder selbst acht Jahren vollzogen werden.
Aber wir haben die Verantwortung, einen Anfang zu
machen, und das haben wir getan.
Schlußbemerkung
Dies sind meine Prioritäten für das kommende Jahr.
Letztes Jahr haben wir erfolgreich die Pattsituation
überwunden, die Washington viel zu lange im Griff
hielt. Im Gegensatz zu bisherigen Haushaltsvorlagen,
denen die Glaubwürdigkeit fehlte, haben wir sichergestellt, daß wir konservative Schätzungen verwenden,
und wir waren offen und ehrlich mit dem amerikanischen Volk.

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�Die Ergebnisse sind offenkundig.
Wir haben gesagt, wir werden das Defizit abbauen,
und das haben wir getan. Wir haben gesagt, wir
werden die Wirtschaft wiederbeleben, und das haben
wir getan. Wir haben gesagt, wir werden dem Privatsektor bei der Schaffung von Arbeitsplätzen behilflich

sein, und das haben wir getan. Wir haben gesagt, wir
werden die Bürokratie abbauen, und das haben wir
getan.
Im vergangenen Jahr haben meine Administration und
der Kongreß Seite an Seite gearbeitet, um das Land
voranzubringen. Lassen Sie uns diese Leistungsbilanz im Jahr 1994 fortsetzen.

* * * * *

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AMERIKA DIENST 7

�HANDEL
16. Februar 1994

DIE HANDELSPOLITISCHE TAGESORDNUNG
DER CLINTON-ADMINISTRATION
Auszüge aus dem Jahresbericht des Rats der Wirtschaftsberater
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir Auszüge aus dem am 14. Februar 1994 freigegebenen
Jahresbericht des Rats der Wirtschaftsberater über die derzeitige Handelspolitik der Clinton-Administration,
einschließlich umweltpolitischer Aspekte der Handelsbeziehungen, internationaler Handels- und Wettbewerbspolitik sowie regionaler Freihandelsverbände.

Die handelspolitische Tagesordnung
Durch Zollsenkungen und die Errichtung eines Rahmens für internationale Zusammenarbeit im Bereich
des Handels hat das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT entscheidend zu einem harmonischeren Welthandelsregime beigetragen. Im Zuge der
Entwicklung der Weltwirtschaft geraten jedoch neue
handelspolitische Angelegenheiten in den Vordergrund.
Zu den wichtigen neuen Fragen, mit denen das GATT
und die neue Welthandelsorganisation konfrontiert
werden, gehören Handel und Umwelt, Wettbewerbspolitik und Regionalismus.
Handel und Umwelt
Handels- und umweltpolitische Fragen sind in den
letzten Jahren immer stärker miteinander verflochten
worden. Bisweilen wird kritisiert, das GATT sei umweltfeindlich; eine andere Argumentation lautet, die
Umweltpolitik einiger Länder bestehe aus dünn verschleiertem Protektionismus. In Wirklichkeit trägt der
Protektionismus oftmals zur Umweltzerstörung bei,
indem unangemessene Produktionsmuster gefördert
werden. Ein offensichtliches Beispiel hierfür ist der
Schutz der Landwirtschaft, durch den landwirtschaftliche Produktion an hierfür ungeeigneten Orten unterstützt wird. Die Landwirte in diesen Gebieten verwenden übermäßig viele Chemikalien oder erschöpfen
zum Ausgleich der naturgegebenen Nachteile der Region
die knappen Wasservorräte, wodurch sie zur Umweltzerstörung beitragen. Ein freierer Handel würde adäquatere Produktionsmuster ermutigen und bei gleichzeitiger Erhöhung des Lebensstandards die Umwelt
verbessern.

AMERIKA DIENST 7

Reguläre Wirtschaftsanalysen schlagen ausgleichende staatliche Maßnahmen vor, wenn die Preise die
Umweltkosten nicht beinhalten. Handelsrestriktionen
sind jedoch selten die beste Lösung für Umweltprobleme. Wenn das Umweltproblem auf ein Land beschränkt ist, sollten innenpolitische Maßnahmen anstelle von Protektionismus angewendet werden. Wenn
die Verschmutzung oder andere Umweltprobleme
grenzüberschreitend sind, werden internationale Vorschriften und Zusammenarbeit erforderlich. Auch hier
erweist sich der Schutz des Handels selten als wirksamstes Heilmittel.
Bisweilen werden Handelssanktionen als Mittel (oder
Drohung) benutzt, Umweltschutzabkommen durchzusetzen. Beispielsweise verlangt das Protokoll von
Montreal aus dem Jahr 1987, das der durch die Emission von Fluorchlorkohlenwasserstoffen und anderen
Chemikalien verursachten Zerstörung der Ozonschicht
in der oberen Erdatmosphäre Einhalt gebieten will, die
Verhängung von Handelssanktionen gegen Länder,
die sich nicht an die in dem Abkommen festgelegten
Umweltnormen halten. Ein weiteres Beispiel ist die
Konvention über internationalen Handel mit gefährdeten Arten wilder Fauna und Flora (Convention on
International Trade in Endangered Species of Wild
Fauna and Flora - CITES), die auf den Schutz gefährdeter wildlebender Tiere und wildwachsender Pflanzen durch Beschränkung und Überwachung ihres
Handels abzielt.
1993 wurde gemäß CITES die Möglichkeit eines Einsatzes von Handelssanktionen für den Umweltschutz
angesprochen, bei China und Taiwan wegen ihres
Handels mit Rhinozerossen und Tigern, bei Norwegen
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�wegen seiner Wahlfangpraktiken unter dem PellyZusatzartikel zur Durchsetzung des von der internationalen Wahlfangkommission verhängten Wahlfangmoratoriums. In beiden Fällen wurden die Sanktionen
jedoch aufgeschoben.
Die Gründer des GATT konnten die heutige Bedeutung von Umweltproblemen nicht vorhersehen. Einige
Fortschritte bei der Harmonisierung von Handel und
Umweltschutz wurden bereits im Zusatzabkommen
zum NAFTA über die Umwelt gemacht. Und die
Präambel des Abkommens zur Gründung der Welthandelsorganisation erkennt die Bedeutung von
Umweltfragen an. Die Unterhändler einigten sich auch
auf die Erarbeitung eines Arbeitsprogramms über Handel
und Entwicklung, um die Reaktionsfähigkeit des multilateralen Handelssystems auf umweltpolitische Ziele
zu gewährleisten.
Welthandel und Wettbewerb
Während die tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse abgebaut werden und nationale Volkswirtschaften stärker in das Welthandelssystem integriert werden, determinieren die Unterschiede bei den nationalen Geschäftspraktiken und Gesetzen in zunehmendem Maße die Handelsbilanzen. Gegenwärtig bestehen keine multilateralen Vorschriften für Regreßforderungen wegen möglicherweise restriktiver Wettbewerbspraktiken wie Preisfestsetzung, Preisdiskriminierung
oder Vorzugsbehandlung von Lieferanten und Verteilern, wie für die japanischen keiretsu charakteristisch.
Viele Nationen, einschließlich der Vereinigten Staaten, verlassen sich auf Kartellgesetze zur Verhinderung wettbewerbsverzerrender Geschäftspraktiken
inländischer Firmen auf ihren Binnenmärkten.
Unter solchen Umständen werden in den meisten
Fällen nationale Antidumpinggesetze angewendet. Im
Gegensatz zu inländischen Kartellgesetzen, die generell den Wettbewerb fördern und die Preise senken,
verringern nationale Antidumpinggesetze bisweilen den
Wettbewerb und erhöhen die Preise. Sowohl in den
Vereinigten Staaten als auch andernorts bewirken
Antidumpinggesetze mehr als nur die Verhinderung
wettbewerbsschädigender Praktiken - was ihr Grundprinzip sein sollte - und haben oftmals den Effekt,
inländische Unternehmen vor ausländischem Wettbewerb zu schützen. In einer neueren Studie kam man
beispielsweise zu dem Ergebnis, daß während der
Reagan-Administration nichttarifäre Handelshemmnisse einschließlich Antidumpingaktionen wahrscheinlich
die Importe von Fertigwaren in die Vereinigten Staaten
um ungefähr ein Fünftel reduzierten -vor allem, indem
ausländischen Produzenten der Zugang zum amerikanischen Markt erschwert oder die dorthin Exportierenden von einer Senkung ihrer Preise abgeschreckt
wurden.

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Wenn eine stabile Wettbewerbspolitik in mehr Nationen effektiv angewendet würde und solche Gesetze
leichter gegen ausländische Verfehlungen durchgesetzt werden könnten, würden sie als erste Verteidigungslinie gegen restriktive Geschäftspraktiken inländischer und ausländischer Firmen dienen. Zur Zeit
verfolgen die Vereinigten Staaten dieses Ziel durch
bilaterale Mechanismen wie Abkommen über die
gemeinsame Bekämpfung von Kartellbildung.
In diesem Zusammenhang stellt das NAFTA einen
Schritt in die richtige Richtung dar. Das Abkommen
verpflichtet die Unterzeichnerstaaten zur Zusammenarbeit bei der Umsetzung der Wettbewerbsgesetze
und stellt Vorschriften über bestimmte staatlich festgesetzte Monopole auf. Es richtet auch einen trilateralen
Ausschuß zur Prüfung des Zusammenhangs zwischen
Handels- und Wettbewerbspolitik in den N AFTA-Staaten ein. Einige andere Freihandelsräume sind noch
weiter gegangen. In der Europäischen Union und der
Freihandelszone von Australien und Neuseeland erstrecken sich Antidumpinggesetze nicht auf den Handel unter den Mitgliedstaaten, da dieser als interner
Handel angesehen wird, der der Wettbewerbspolitik
der Organisation unterliegt.
Bis stärkere Konvergenz und internationale Zusammenarbeit bei der Durchsetzung von Kartellgesetzen
gegen grenzüberschreitendes Fehlverhalten herrschen,
werden sich internationale Dispute über unfaire Preise
zwischen Unternehmen verschiedener nationaler
Herkunft oftmals weiterhin auf die eine oder andere
Weise abspielen: Durch die Anwendung nationaler
Wettbewerbsgesetze mit fortgesetzten Schwierigkeiten bei ihrer internationalen Umsetzung oder durch
übertrieben restriktive nationale Handelsgesetze. Als
Teil der Uruguay-Runde wird der für den Warenhandel
zuständige Rat der Welthandelsorganisation zukünftige Maßnahmen in den Bereichen Investitions- und
Wettbewerbspolitik in Betracht ziehen. Die OECD
führt auf diesem Gebiet ebenfalls ein Arbeitsprogramm
durch.
Regionalismus
Obwohl die Liberalisierung des Handels auf regionaler
Ebene bedeutende Vorteile haben mag, könnten einige Nichtmitgliedstaaten Nachteile durch eine Umlenkung von Handel und Investitionen erleiden, da diese
bevorzugt von ihnen auf die Mitgliedstaaten verlagert
werden. Eine Möglichkeit zur Beschwichtigung dieser
Bedenken besteht für die Angehörigen einer Freihandelszone darin, eine Zollunion anzustreben, deren
gemeinsamer Außenzoll dem niedrigsten Binnenzoll
innerhalb der Region vor der Bildung der Zollunion
entspricht. Eine weitere Möglichkeit wäre die Öffnung
regionaler Abkommen für neue Mitglieder. Zudem
wurde der Vorschlag zur Änderung der GATT-Rege-

AMERIKA DIENST 7

�Regelungen unterbreitet, um Nichtmitgliedem einen Freihandelsverbänden müßten im Rahmen des GATT
Ausgleich zu gewähren, die durch die regionalen übe- erörtert werden, um die Vorteile einer regionalen
ralisierungsabkommen geschädigt werden. Diese und Handelsliberalisierung zu bewahren und gleichzeitig
andere Vorschläge für den Umgang mit regionalen die Sorgen von Außenseitern in Betracht zu ziehen.

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AMERIKA DIENST 7

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�MENSCHENRECHTE
16. Februar 1994

RECHT AUF ENTWICKLUNG IST TREIBENDE KRAFT
FÜR MENSCHENRECHTE
Ansprache Geraldine Ferraros vor UN-Menschenrechtskommission
GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten vertreten die Ansicht, das relativ neue Konzept des Rechts auf
Entwicklung könnte sich als "treibende Kraft zum Wohl der Menschenrechte" erweisen, so Geraldine Ferraro,
Leiterin der amerikanischen Delegation bei der 50. UN-Menschenrechtskommission.
In einer am 10. Februar 1994 vor der Kommission in Genf gehaltenen Rede definierte Ferraro die amerikanische
Auffassung dieses Konzepts und erklärte, das Ziel des Rechts auf Entwicklung sei es, "den einzelnen in die Lage
zu versetzen", an sein eigenes Wohlergehen betreffenden Entscheidungen beteiligt zu sein, und als solches sei
es untrennbar mit bürgerlichen und politischen Rechten verknüpft.
Das Recht auf Entwicklung mu ß zur Erlangung aller anderen Menschenrechte beitragen und kann "niemals eine
Schmälerung irgendeines Menschenrechts rechtfertigen", äußerte sie.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache Geraldine Ferraros im Wortlaut.

Vor 23 Jahren rief John F. Kennedy seine Landsleute
dazu auf, dem Ruf der Geschichte zu folgen und "die
Last des langen Kampfes im Zwielicht ... gegen die
gemeinsamen Feinde des Menschen zu tragen - Tyrannei, Armut, Krankheit und Krieg". Seitdem haben
wenige Nationen diese Feinde so energisch bekämpft
wie die Vereinigten Staaten.
Wir sind heute hier, um über das Recht auf Entwicklung zu sprechen, ein relativ neues Konzept, das
diesen Kampf für eine Verbesserung der Situation des
Menschen verkörpert. Wir hoffen, daß es sich in den
Händen dieser Kommission zu einer treibenden Kraft
zum Wohle der Menschenrechte entwickelt. Da die
Vereinigten Staaten das Konzept des Rechts auf Entwicklung erst kürzlich allgemein anerkannten, möchte
ich diese Gelegenheit zu einer genaueren Definition
dieses Begriffs nutzen.
Erstens. Jeder einzelne - Männer, Frauen und Kinder
- steht im Schnittpunkt aller Menschenrechte: der
bürgerlichen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen. Das Individuum ist ipso facto der Mittelpunkt jeder Diskussion über das Recht auf Entwicklung. Dies stellt das grundlegende Ziel der Erklärung
über das Recht auf Entwicklung dar, in der dieses
Recht als "unveräußerliches Menschenrecht" bezeichnet wird.

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Die Wiener Erklärung und das Aktionsprogramm konzentrieren sich ebenfalls auf dieses Recht des einzelnen und stellen explizit fest, daß "der Mensch im
Mittelpunkt der Entwicklung steht".
Zweitens. Aus dem ersten Punkt folgt natürlicherweise, daß das Recht auf Entwicklung das Ziel verfolgt,
den einzelnen in die Lage zu versetzen, so stark wie
möglich an Entscheidungen beteiligt zu werden, die
sein Wohl oder seine Entwicklung betreffen. Dies steht
wiederum in Zusammenhang mit der Achtung der
grundlegenden Menschenrechte. Demokratie ist der
politische Ausdruck dieser Achtung; privates Unternehmertum, freie Marktwirtschaft und freier Handel
stellen die wirtschaftliche Grundlage dar. Der einzelne
sollte die Freiheit besitzen, ohne übermäßige Einmischung der Regierung wirtschaftlich tätig zu werden,
um somit seine Lebensqualität und die seiner Familie
zu verbessern.
Drittens. Hier möchte ich nochmals ein Zitat aus der
Wiener Erklärung anbringen: "Demokratie, Entwicklung sowie die Achtung der Menschenrechte und grundlegenden Freiheiten sind voneinander abhängig und
verstärken sich gegenseitig." Demokratie ist der
Schlüssel zu Entwicklung. Nur durch die sorgfältige
Bewahrung demokratischer Werte und Institutionen
kann der einzelne sein volles Potential erreichen und
das Recht auf Entwicklung wahrnehmen.

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�Viertens. Das Recht auf Entwicklung muß zur Erlangung aller anderen Menschenrechte beitragen und
darf sie nicht schmälern. Wie in der Wiener Erklärung
deutlich dargelegt, rechtfertigt der Stand der wirtschaftlichen Entwicklung eines Staates niemals eine
Beeinträchtigung irgendeines Menschenrechtes, denn
das würde die unveräußerliche Natur des Rechts des
einzelnen auf Entwicklung in Abrede stellen, auf das
wir uns alle geeinigt haben.
Wir sehen daher den Staat als Garanten aller Menschenrechte. Die Regierungen selbst tragen die
Hauptverantwortung für die Verwirklichung des Rechts
auf Entwicklung ihrer Bürger. Das Recht auf Entwicklung hängt von einer guten und transparenten Regierung, einer soliden Wirtschaftspolitik und der Beendigung offizieller Korruption ab, die öffentliche Mittel von
Projekten zur Verbesserung des Allgemeinwohls abzieht.
Die Vereinigten Staaten unterstützen die Bestrebungen zum Abbau von Hindernissen für die Entwicklung
und fordern alle Nationen zur Förderung einer effektiven nationalen Entwicklungspolitik auf. International
sollten die Regierungen Faimess im Handel sowie
starke Unterstützung des Rechts auf geistiges Eigentum fördern.
Vor einem halben Jahrhundert nannte Franklin Roosevelt "Freiheit von Not" als eines der vier Hauptziele der
internationalen Staatengemeinschaft. In den Nachkriegsjahren spielten die Vereinigten Staaten eine
führende Rolle bei der Gründung der internationalen
Finanzinstitutionen sowie des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens. Und heute stehen wir an vorderster Front der internationalen Reformbestrebungen
dieser Institutionen zur Bewältigung der Herausforderungen einer sich ständig wandelnden Welt. Wir
unterstützen ihre Politik und vertreten die Auffassung,
daß ihre Hilfsprogramme und wirtschaftliche Anpassung entscheidend für Wachstum und Entwicklung
sind.
Die Vereinigten Staaten haben seit langem eine Führungsrolle bei der Hilfe für weniger entwickelte Länder

übernommen. Wir unterhalten umfassende bilaterale
Hilfsprogramme und beteiligen uns uneingeschränkt
an internationalen Finanzinstitutionen. Wir sind einer
der Hauptgeber bei den Entwicklungsprogrammen der
Vereinten Nationen. Wir haben stets bedürftigen
Menschen und Nationen die Hand der Kooperation
gereicht. Wir sind der Überzeugung, daß Auslandshilfe einen großen Beitrag zur Förderung der Menschenrechte leisten kann, ebenso wie wir der Ansicht sind,
daß die Achtung der Menschenrechte ein Faktor bei
der Zuweisung von Auslandshilfe sein muß. Im Bereich der internationalen Kooperation und Hilfe unterstreicht das Recht auf Entwicklung die Bedeutung
koordinierter Bestrebungen der internationalen Staatengemeinschaft, während es auf zwischenstaatlicher
Ebene natürlich keine Verpflichtungen auferlegt.
Die Wiener Erklärung hat das Recht auf Entwicklung in
einen neuen Kontext gesetzt und neue Elemente betont - von denen ich einige heute aufgeführt habe dank dererwirdie sterilen Debatten der Vergangenheit
hinter uns lassen konnten.
Schließlich möchte ich der neuen Arbeitsgruppe für
das Recht auf Entwicklung und ihrem Vorsitzenden,
Botschafter Ennaceur, einige Worte des Dankes und
der Ermutigung aussprechen. Der erste Bericht der
Arbeitsgruppe ist durchdacht und konstruktiv. Obwohl
meine Regierung nicht allen Teilen des Berichts zustimmen konnte, stelle ich mit Befriedigung fest, daß
ein Großteil der Sprachregelungen des Berichts im
Einklang mit meinen heutigen Ausführungen steht.
Abschließend möchte ich das Potential für Fortschritt
bekräftigen, das jetzt vor uns liegt. Das Recht auf
Entwicklung, das als solches dem Menschen inhärent
ist, kann eine bessere Zukunft für alle Menschen
dieser Welt bedeuten - eine Zukunft, in derder einzelne
freier sein und bessere Kontrolle über sein Schicksal
durch die Erweiterung der bürgerlichen, politischen,
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte haben kann. Es bleibt noch viel zu tun, aber zusammen
können wir meines Erachtens die Herausforderung
meistern.

* * * *

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*

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�GEORGE

WASHINGTON
16. Februar 1994

DER ERSTE PRÄSIDENT DER
VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
von N. Gordon Thomas
WASHINGTON - (AD) - George Washington wird "stets als Symbol für Freiheit, Integrität und alles Gute und
Wahre in Amerika gelten", erklärt der Verfasser in einem Porträt des Revolutionsführers und ersten Präsidenten
der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Autor ist Leiter der historischen Fakultät des Pacific Union College
in Angwin (Kalifornien).
Aus Anlaß des Feiertags am 21. Februar zum Gedenken an den Geburtstag von George Washington veröffentlichen wir den nachfolgenden Artikel. Copyright(c)1992derSocietyfortheAdvancementofEducation. Erstmals
erschienen in der Zeitschrift USA Today, November 1992.
Für Amerikaner ist es heutzutage nicht Mode, Lobreden über ihren ersten Präsidenten - George Washington - zu halten. Er ist eine viel zu bekannte Persönlichkeit. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts sollte
Amerika jedoch den einzigen Mann der Revolutionsgeneration nicht vergessen, dem es gelang, 13 freie,
souveräne und unabhängige Staaten zu schaffen.
Ohne Washington hätten wir kein Land. Wie der
Historiker James Thomas Flexner es beschreibt, war
er wirklich unser einziger "unverzichtbarer Mann".
Mehr als jede andere Person in der amerikanischen
Geschichte hat sich Washington früh allgemeiner
Beliebtheit erfreut, die Anfang des 19. Jahrhunderts an
den Rand der Vergötterung grenzte. Nach dem
Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1775-83) wurde
er als "Landesvater" berühmt und bereits zu Lebzeiten
zu einem Denkmal. Thomas Jefferson, der anfänglich
die Gründerväter als eine Gruppe von Halbgöttern
bezeichnet hatte, sich am Ende jedoch dem Föderalistenprogramm von Washingtons Administration widersetzte, berichtete später, Washingtons Charakter
sei in der Tat "perfekt" und "niemals haben sich Natur
und Glück besser zur Größe eines Mannes vereint".
Bei seinem Tod im Jahr 1799 wurde er von General
"Lighthorse Harry" Lee als "Erster im Krieg, Erster im
Frieden und Erster in den Herzen seiner Landsleute"
gewürdigt. Schriftstellerund Redner des 19. Jahrhunderts setzten die Glorifizierung des ersten Präsidenten
der Nation fort und bauten seinen Ruf vornehmlich auf
die sogenannte "Magie des Ursprungs" auf - den mit
den Gründern des Landes einhergehenden Mythos.
Ein Rückschlag war unvermeidbar.

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Aufgrund der populären Schriften von "Parson" Mason
Locke Weems, Washingtons erstem Biographen, der
mehr an Verkaufszahlen als an der Wahrheit interessiert war, und der Einbeziehung der von Weems
gesponnenen Legenden in die amerikanischen Geschichtsbücher, könnte es der Öffentlichkeit für immer
verwehrt sein, George Washington als echtes Wesen
aus Fleisch und Blut zu würdigen. Ersetzte jedoch als
ideale Figurdes öffentlichen Lebens Maßstäbe fürdie
Zukunft der Vereinigten Staaten unabhängig von dem
uns vermittelten ihn umgebenden Heiligenschein.
Unseres Wissens hat Washington nie einen Kirschbaum gefällt oder einen Stein über den Potomac oder
den Rappahannock geworfen, so nützlich diese Illustrationen auch sein mögen, um seine charakterliche
und körperliche Stärke zu veranschaulichen. Und
obwohl er sich nie ganz dem Deismus seiner Zeit
verschrieb, und seine Frömmigkeit außer Frage steht,
ist es darüber hinaus zweifelhaft, ob er je Stunden
kniend im Gebet verbrachte, wie allgemein dargestellt.
Ebenso müssen wir nicht bezweifeln, daß Gott auf der
Seite eines großen und guten Mannes war, der ein
beglücktes Leben führte, aber es bedarf schon ziemlicher Phantasie, Weems Geschichte von einem Indianer zu glauben, der 17mal auf Washington feuerte, ihn
jedoch nicht verletzen konnte, weil er unter göttlichem
Schutz stand.
Auch wenn man den Unsinn wegläßt, ist niemand in
der amerikanischen Geschichte Washington ebenbürtig. Abraham Lincoln hätte ohne diesen ersten Gründervater keine Nation zu erhalten gehabt. Angesichts
der Sympathie für die Selbstbestimmung aller ethni-

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�sehen Gruppen im 20. Jahrhundert könnte man häretisch die Bestrebungen unseres 16. Präsidenten in
Frage stellen, die Union gegen die Woge des Partikularismus der Jahre vor dem Bürgerkrieg zu erhalten.
Lincolns Ermordung im Jahr 1865 auf der Höhe seiner
Popularität wegen seines Einsatzes fürdie Rettung der
Union und die Abschaffung der Sklaverei verankert
seinen festen Platz in der amerikanischen Geschichte.
Die herkömmliche Sichtweise enthält jedoch ein Körnchen Wahrheit, daß Washington zu Beginn des Unabhängigkeitskrieges nichts zu gewinnen und alles zu
verlieren hatte, während Lincoln beim Ausbruch des
Bürgerkriegs alles zu gewinnen und nichts zu verlieren
hatte. Es stimmt auch, daß Lincoln sich vom Zeitpunkt
seiner Wahl an bewußt war, daß er die Interpretation
der Urheber der Verfassung und der Union verteidigte.
Vor allem machte er sich den Erhalt der Union zum
Anliegen, die "in Freiheit entworfen worden war und
sich dem Prinzip verschrieben hatte, daß alle Menschen gleich geschaffen sind". Er verinnerlichte sich
die Vision von George Washington uneingeschränkt.
Es ist interessant, daß der abolitionistische Schriftsteller John Greenleaf Whittier trotz seiner Bewunderung
für Lincoln Washington großen Tribut für die erfolgreiche Beendigung des Bürgerkriegs zollte:
"Unser Erster und Bester!
Seine Asche liegt
Unter dem Himmel seiner Heimat Virginia.
Verzeih, vergiß,
Oh! Wahrer, Gerechter und Tapferer,
Den Sturm, der über Dein geheiligtes Grab
fegte!
Denn den schrecklichen Kampf,
die dunklen Stunden der Nation,
den heftigen Tumult übertönten seine warnenden Worte,
seine irrenden Kinder vernahmen die Stimme
ihres Vaters!"
Lassen Sie uns einen Blick auf Washingtons Leistungen werfen, bevor er Landesvater wurde und es eine
Union gab, die gerettet werden mußte. Im Kampf des
18. Jahrhunderts um Vorherrschaft zwischen England
und Frankreich war es der junge Washington, der im
Sommer 1754 im Tal von Ohio die ersten Schüsse
abfeuerte, die einen die Herrschaft Frankreichs über
den nordamerikanischen Kontinent beendenden Krieg
auslösten. Später war es Washington, der - während
einige Patrioten tapfer einen Krieg nur mit Worten
fochten - das Kommando übernahm, sein Leben und
Gut riskierte, um eine zerstrittene, unkooperative Gruppe
von 13 Kolonien in Waffen gegen Großbritannien zu
führen. Bis 1776 war es in der modernen Geschichte
keiner Kolonie gelungen, die Selbstverwaltung zu erringen. Washington trotzte den Widrigkeiten und
machte den Unabhängigkeitskrieg gegen das Mutterland zum ersten erfolgreichen Aufstand. Er setzte
alles aufs Spiel, um das zu erhalten, was die meisten
Amerikaner als ihr traditionelles englisches Recht auf

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Freiheit ansahen. Sein Erfolg beim Erhalt dieser
Freiheit führte letztlich zur Unabhängigkeit.
Falls es je einen Fels gab, auf den die Unabhängigkeit
gründete, war es Washington. Als rebellischer Oberbefehlshaber verlor er für gewöhnlich seine Kämpfe,
wichtiger war jedoch, daß er den Krieg gewann. Die
dominierende Präsenz des großen Mannes aus Virginia erzwang widerstrebend den Respekt und die
Kooperation aller Bundesstaaten, selbst der unbeugsamen Neuengländer. Ohne seine Präsenz und gewisse
Erfolgsaussichten wäre Frankreich weder je in einen
so unwahrscheinlichen Konflikt eingetreten, noch hätte der Marquis de Lafayette der patriotischen Armee
seine Dienste angeboten. Dieser ehrgeizige französische Offizier erkannte schnell die außerordentlichen
Qualitäten seines Kommandeurs und erklärte voller
Bewunderung nach einem Kampf, er "habe niemals
einen so ausgezeichneten Mann gesehen".
Nach dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zog
sich Washington auf seinen Landsitz Mount Vernon in
Virginia zurück, wo er das Leben eines Gutsherrn
führte. Er hatte seine militärische Aufgabe erfüllt.
Amerika besaß seine Unabhängigkeit. Die gemäß den
Artikeln der Konföderation - einem bloßen Freundschaftsbündnis souveräner Staaten - neugewählte
Regierung funktionierte einigermaßen. Es wurde jedoch bald offensichtlich, daß die 13 Staaten nicht
vereinigt waren, weder ihre innen- noch außenpolitischen Probleme lösen, noch unter ihrer derzeitigen
Regierung überleben konnten. Erneut besaß nur einer
das Prestige und Vertrauen, eine stärkere und zentralisiertere Union zu bilden. Seine bloße Anwesenheit
als Vorsitzender des 1787 einberufenen Verfassungskonvents reichte aus, die Formulierung dieses Dokumententwurfs für eine föderative Republik zu erleichtern. Zudem ging man davon aus, daß er der erste
Präsident dieser neuen Regierung sein würde. Allein
diese Tatsache bewirkte bei vielen Ratifizierungsversammlungen der Bundesstaaten die Zustimmung.
1789 war er als Regierungsoberhaupt der neuen Nation wiederu m die Persönlichkeit, die für die Gründung
der föderativen Republik unverzichtbar war. Er versuchte sich in der nahezu unmöglichen Rolle eines
unabhängigen Regierungsmitglieds, das in diesen frühen
Jahren Streitigkeiten zwischen verfeindeten Gruppen
schlichtete. Obwohl ihm politisches Gezänk von Grund
auf zuwider war, muß man sich vor Augen halten, daß
Washingtons unparteiische Haltung die Gründung
politischer Parteien ermöglichte. Sein enormes Prestige verlieh der neuen Regierung Stabilität und Stärke,
um die erbitterten politischen Kämpfe zu überstehen,
die zum heutigen Zweiparteiensystem der Vereinigten
Staaten führten.
Der erste Präsident der Vereinigten Staaten erkannte
auch, daß er einen Präzedenzfall für jede in diesen
ersten Jahren zu ergreifende Maßnahme schuf. Er
formulierte es folgendermaßen: "Man beobachtet

AMERIKA DIENST 7

�mich mit Argusaugen." Sein Rückzug in den Ruhestand nach achtjähriger Präsidentschaft diente als
Beispiel fürdie Beschränkung auf zwei Amtszeiten, die
bis zu den Wahlen während des Krieges 1940 eingehalten wurde, als die amerikanische Öffentlichkeit mit
ihrem Wunsch nach einem erfahrenen Präsidenten
Franklin Roosevelt für eine dritte Amtszeit wählte.
Die Größe Washingtons beruht jedoch nicht allein auf
seinen Fähigkeiten als Führungspersönlichkeit in Militär oder Regierung. Die amerikanische Geschichte
weist Gestalten mit noch mehr Geschick, Charisma
und Dynamik auf. Washington erhob keinen Anspruch
auf Brillianz; das überließ er Alexander Hamilton, John
Adams, James Madison und Thomas Jefferson.
Dennoch hatte keine andere Persönlichkeit des öffentlichen Lebens auf Dauer ein ausgewogeneres und
fundierteres Urteilsvermögen als George Washington.
Kein anderer führender amerikanischer Politikerzeigte mehr Charakterstärke oder Selbstbeherrschung.
Washingtons Zeitgenossen rühmten ausnahmslos seine
Geduld, seinen Takt und seine Weigerung, andere zu
kritisieren und zu verurteilen.
Im 20. Jahrhundert wurde George Washington kritisiert, weil er für die Freiheit eintrat, gleichzeitig aber
mehr als 300 Sklaven besaß. Es war Bestandteil der
Gesellschaft in den Südstaaten, daß einem Gutsbesitzer in Virginia normalerweise Sklaven vererbt wurden.
Obwohl Washington keinen Kreuzzug gegen die Sklaverei führte - und das in jener Gesellschaft auch nicht
konnte - war die Freiheit stets sein Leitstern. Von
Beginn an stellte er die Sklaverei moralisch in Frage.
Jefferson und andere Sklavenbesitzer taten das ebenfalls, aber Washington war der einzige Gründervater,
der seinen Sklaven die Freiheit schenkte. Er erklärte:
"Nur die Ausrottung der Sklaverei mit Stumpf und Stiel
kann das Fortbestehen unserer Union sichern." Für
ihn war die Sklaverei etwas Unrechtes. Im Gegensatz
zu vielen seiner Zeitgenossen sowohl im Norden als
auch im Süden sagte er nicht einmal andeutungsweise, die Schwarzen seien den Weißen unterlegen. Die
Ansichten Washingtons zu Rasse und Bürgerrechten
ließen mehr als die aller anderen Gründerväter die
amerikanische Einstellung im 20. Jahrhundert erahnen.
Dennoch dürfen wir nicht zulassen, daß die heutige
fanatische Beschäftigung mit Fragen der Rasse oder
des Geschlechts von den unmittelbaren riesigen Problemen ablenkt, mit denen die Urheber "einer perfekteren Union" konfrontiert waren. Das große Experiment des Aufbaus einer neuen föderativen Republik
war genau das: Ein Experiment, und zudem ein
kühnes. Niemand wußte jedoch, ob die gegenseitige
Kontrolle und gemeinsame Verantwortung von Kongreß und Regierung sowie die Gewaltenteilung funktionieren würden. Vielleicht würden immer noch politische und religiöse Tyrannei vorherrschen. Washington einigte sich im Hinblick auf Amerikas besonderes
Problem des religiösen Pluralismus mit Jefferson auf
AMERIKA DIENST 7

eine vollkommene Trennung von Kirche und Staat.
Die an verschiedene Kirchengemeinden gerichteten
Briefe Washingtons bezeugen seinen festen Glauben
an Religionsfreiheit - nicht nur Toleranz - für Katholiken, Protestanten und Juden gleichermaßen. Bei der
Einführung der Religionsfreiheit, deren sich die Vereinigten Staaten stets erfreuten, nahm er den gleichen
Rang ein wie Jefferson und Madison.
Was George Washingtons integre und moralische
Persönlichkeit betrifft, haben Historiker seit langem
immer wieder darauf hingewiesen, wie erstaunlich
wenige streng gehütete Familiengeheimnisse bei ihm
zu finden sind. Selbst diejenigen, die sich mit den
Mitteln der Psychoanalyse der Darstellung seiner historischen Persönlichkeit widmen, hatten keine sexuellen Enthüllungen oder "Intimes" zu berichten. Soviel
sie auch auszugraben versuchten - es war einfach
nichts zu holen. Er war charakterlich vielleicht nicht so
perfekt wie Jefferson schrieb, bleibt jedoch im Vergleich zu einer Vielzahl der heute im öffentlichen Leben
Stehenden eine überragende, einzigartige Figur.
Nachdem ich mehr als dreißig Jahre lang am College
amerikanische Geschichte unterrichtet habe, bin ich
immer noch nicht in der Lage, einige Fragen meiner
Studenten zu beantworten. Haben die Ereignisse
jener Jahre diesem Mann zu Größe verholfen, oder hat
dieser große Staatsmann die Ereignisse gestaltet?
Eine Frage, die beantwortet werden kann, lautet, ob
Washington sich weigerte, der gefürchtete napoleonische "Mann auf dem Pferd" zu werden. Er war einfach
nicht machtbesessen. WährendderdunklenTagedes
Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs, als ihm der
Vorschlag angetragen wurde, das Land als König zu
regieren, war ihm schon der bloße Gedanke daran
zuwider. Jefferson war einer derjenigen, die sehr wohl
wußten, wem das Verdienst der erfolgreichen amerikanischen Revolution gebührt: "Das Augenmaß und
die Integrität einer einzigartigen Persönlichkeit verhinderten womöglich, daß die Revolution - wie viele
andere zuvor - durch die Unterminierung jener Freiheit
beendet wurde, die sie eigentlich schaffen wollte."
In den nahezu zwei Jahrhunderten seit Washingtons
Tod im Jahr 1799 wurde weltweit Dutzende von Malen
der Versuch zur Gründung neuer Demokratien und
Republiken unternommen. Ungeachtet ihrer bisweilen
schönen und kreativen Verfassungen entpuppen sich
ihre "Erlöser" oft als ein Hitler oder Stalin, bestenfalls
als uniformierter Präsident mit Orden auf der Brust.
Weshalb hatten wir mit diesem Mann solches Glück?
Lord Byron wußte schon damals, daß Washington
einzigartig war: "Where may the wearied eye repose/
When gazing onthe Great;? Where neitherguilty glory
glows,/ Nor despicable State?/ Yes - one - the f irst - the
last - the best -/ The Cincinnatus of the West,/ Whom
envy dared not hate,/ Bequeath'd the name of Washington,/ To make man blush there was but one!"

Seite 3

�Nachdem alle Geschichtsbücher und Gedichte dieses
Zeitalters geschrieben und alle patriotischen Lieder
gesungen worden sind, wird George Washington, befreit
von Mythen und Legenden, Amerikas erster und größter Held bleiben. Mehr als selbst Benjamin Franklin
gebührt es ihm, als "der erste Amerikaner" bezeichnet
zu werden. Im Unterschied zu vielen anderen Staatsmännern aus der Kolonialzeit entschied er sich nicht
für Reisen, ein Leben im Ausland und den Genuß des

Luxus von London oder Paris. Washingtons geliebte
Heimat war immer Amerika. Als typischer Amerikaner
war er den Römern ähnlicher als den Griechen, er war
ein Mann der Tat, ein Macher, dessen Individualismus
die territoriale und industrielle Expansion der Vereinigten Staaten erahnen ließ. George Washington, der im
wesentlichen ein amerikanischer Pragmatiker war,
wird stets als Symbol für Freiheit, Integrität und alles
Gute und Wahre in Amerika gelten.

* * * * *

Seite 4

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                <text>&lt;strong&gt;1. Neue Traditionen&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanische Engagement in Berlin nach dem Abzug der US-Streitkräfte aus der Stadt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Bosnien&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Albright: nur Gewalt und Diplomatie können das Morden in Bosnien beenden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärung vor dem UN-Sicherheitsrat&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Initiative zur Belebung der bosnischen Friedensgespräche begrüßt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Tarnoff gibt Überblick über Gespräche mit den Bündnispartnern&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Öffentlichkeit über Luftangriffe auf Bosnien gespalten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Haushalt&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Haushalt für 1995 basiert auf stabiler Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Botschaft des Präsidenten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Handel&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die handelspolitische Tagesordnung der Clinton-Administration &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Auszüge aus dem Jahresbericht des Rats der Wirtschaftsberater&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Recht auf Entwicklung treibende Kraft für Menschenrechte &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache Geraldine Ferraros vor UN-Menschenrechtskommission&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. George Washington&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Der erste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von N. Gordon Thomas&lt;/em&gt;</text>
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dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

9. Februar 1994

BOSNIEN

USA ENTSETZT ÜBER GRANATENANSCHLAG
AUF MARKT IN SARAJEVO
Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry

USA-DEUTSCHLAND

INTENSIVE GESPRACHE ÜBER BOSNIEN
Erörterung der deutsch-amerikanischen
Beziehungen

WIEDERERÖFFNUNG DES US-GENERALKONSULATS IN DÜSSELDORF
Ansprache von Botschafter Holbrooke

PARTNERSCHAFT MIT DEUTSCHLAND
KÖNNTE EUROPAPOLITIK DER USA LEITEN
Neues Buch von Daniel Hamilton

VERTEIDIGUNG

PERRY UMREISST SECHS GRUNDLEGENDE
AUFGABEN DES VERTEIDIGUNGSMINISTERS
Anhörung vor Senatsausschuß

DER WESTEN KANN ENTWICKLUNGEN IN
RUSSLAND MASSGEBLICH BEEINFLUSSEN
Rede von Verteidigungsminister
Perry bei Wehrkundetagung
bitte wenden

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�Y

ABRÜSTUNG

ENDE DES KALTEN KRIEGES ERHÖHT
NOTWENDIGKEIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede des neuen ACDA-Direktors bei
Genfer Abrüstungskonferenz

MENSCHENRECHTE

FORTSCHRITTE BEI DER
MENSCHENRECHTSSITUATION 1993,
VERLETZUNGEN DAUERN JEDOCH AN
Jahresübersicht des US-Außenministeriums

USA-EUROPA

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA:
DAS VERGANGENE UND DAS KOMMENDE JAHR
Rede von Abteilungsleiter Oxman

•

�BOSNIEN
9. Februar 1994

USA ENTSETZT ÜBER GRANATENANSCHLAG
AUF MARKT IN SARAJEVO
Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry
WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten verliehen ihrem "Entsetzen" über das Blutbad auf dem
Zentralmarkt in Sarajevo, das zahlreiche Menschenleben und Verletzte forderte, in von Präsident Clinton und
Außenminister Christopher am 5. Februar 1994 in Washington abgegebenen Erklärungen Ausdruck. Der
anläßlich der Wehrkundetagung in München weilende Verteidigungsminister Perry veröffentlichte seine Erklärung am 6. Februar 1994.
Nachfolgend drucken wir den Wortlaut der Erklärungen.

Erklärung von Präsident Clinton
Ich bin entsetzt über diesen mutwilligen Angriff auf die
Menschen in Sarajevo. Es kann keine militärische
Rechtfertigung für einen Anschlag auf einen Wochenmarkt geben, auf dem Frauen, Männer und Kinder ihre
täglichen Einkäufe machten.
Die Vereinten Nationen sollten in diesem Vorfall unverzüglich ermitteln und unzweifelhaft die Schuldigen
ausmachen.
Ich habe Außenminister Christopher angewiesen,
Konsultationen mit unseren Verbündeten in Europa
und den Vereinten Nationen über die Lage und angemessene nächste Schritte aufzunehmen. Wie er und
der Verteidigungsminister erklärt haben, schließen wir
nichts aus.
Ich habe auch das Verteidigungsministeriu m angewiesen, seine Hilfe bei der Evakuierung, Unterbringung in
Krankenhäusern und Behandlung der bei diesem
grausamen Anschlag Verletzten anzubieten.
Ich weiß, daß ich für alle Amerikaner spreche, wenn ich
unsere Abscheu und unseren Zorn über diese feige
Tat zum Ausdruck bringe.
Erklärung von Außenminister Christopher
Die Vereinigten Staaten teilen das Entsetzen der übrigen Welt über den Granatenangriff auf den Zentral-

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markt in Sarajevo, der mit einem Schlag die meisten
Menschenleben seit Beginn des Konflikts gefordert
hat. Es ist offenkundig, daß sich in diesem Gebiet
keine militärischen Ziele befinden. Wer immer diesen
Anschlag ausgeführt hat, mußte wissen, daß sich viele
Zivilisten auf dem Samstagsmarkt im Zentrum von
Sarajevo befanden, um Lebensmittel und Dinge des
täglichen Bedarfs zu kaufen. Dies war eindeutig ein
mutwilliger verbrecherischer Anschlag, der eine hohe
Zahl unschuldiger Menschen das Leben kosten sollte.
Wir werden auf unverzügliches Vorgehen der Vereinten Nationen drängen, um die für diesen Anschlag
Verantwortlichen auszumachen. Wir schließen Luftangriffe der NATO nicht au s, sobald wir wissen, wer die
Verantwortung trägt. Ich habe dies bereits mit dem
britischen Außenminister Douglas Hurd diskutiert, und
wir werden am kommenden Wochenende unsere
Verbündeten konsultieren. Dieser unverzeihliche Vorfall
steht als eindeutiger Beweis für die Notwendigkeit,
eine Verhandlungslösung im Konflikt im ehemaligen
Jugoslawien zu finden.
Erklärung von Verteidigungsminister Perry
Meine Damen und Herren, die Vereinigten Staaten
teilen das Entsetzen der Welt über diesen mutwilligen
Anschlag auf unschuldige Menschen in Sarajevo. Es
kann keine Rechtfertigung fürdiesen Anschlag auf den
Wochenmarkt geben, wo Frauen, Männer und Kinder
die Dinge destäglichen Bedarfs zu kaufen versuchten.

Seite 1

�Gestern abend sprach Präsident Clinton im Namen
aller Amerikaner, als er unsere Abscheu und unseren
Zorn über diesen feigen Akt zum Ausdruck brachte.

gen Jugoslawien unter Beweis. Das Blutvergießen
muß ein Ende haben, und der Wahnsinn muß enden.
Es ist an der Zeit für verantwortungsbewu ßte Politiker
unter den Kriegsparteien, vorzutreten. Es ist an der
Zeit für die internationale Staatengemeinschaft, zusammenzustehen und maximalen Druck auszuüben.

Ich reise heute nachmittag nach Washington zu Gesprächen mit Präsident Clinton und zu einer Einschätzung der zu ergreifenden Maßnahmen. In der Zwischenzeit stehen wir in Kontakt mit unseren Verbünde- Die Situation im ehemaligen Jugoslawien führt uns die
ten und den Vereinten Nationen.
Gefahren vor Augen, mit denen wir uns in dieser neuen
Zeit nach dem Kalten Krieg konfrontiert sehen. Sie ist
Ein Team amerikanischer Stabsärzte ist inzwischen in nur ein Beispiel ethnischer Konflikte, die wüten könnSarajevo eingetroffen. Wir haben Evakuierungspläne ten, wenn wir die Integration Rußlands und der ehefür die Verwundeten, und unsere vollständig ausgerü- mals der Herrschaft des sowjetischen Imperiums unsteten Teams stehen zur Unterstützung bereit.
terworfenen Länder in das neue Europa nicht sorgfältig
meistern. Bei diesen Bestrebungen muß die NATO
Dieser unverzeihliche Vorfall stellt die Notwendigkeit eine entscheidende Rolle spielen.
für eine Verhandlungslösung im Konflikt im ehemali-

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�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

INTENSIVE GESPRÄCHE ÜBER BOSNIEN
Erörterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C.
Holbrooke, erklärte am 3. Februar 1994, es finde zur
Zeit ein "intensiver Meinungsaustausch über die in
Bosnien zu ergreifenden nächsten Schritte" statt. Aus
diesem Grund "wäre es für mich derzeit nicht angebracht, Einzelheiten" über die Ansichten der Bundesund der US-Regierung bekanntzugeben, teilte er mit.
Bei einer Pressekonferenz betonte Botschafter Holbrooke die Bedeutung der Haltung und Rolle Deutschlands bei dieser und anderen Fragen. "Die sich abzeichnende Rolle des vereinigten Deutschland liegt
sehr stark im Interesse der Vereinigten Staaten", stellte er fest. In Deutschland findet ihm zufolge "eine
interne Debatte über die Politik nach dem Ende des
Kalten Krieges statt", die in der Hand der Deutschen
liege. Die Vereinigten Staaten begrüßten jedoch eine
wichtige Rolle Deutschlands in der Welt sehr. "Die
Vereinigten Staaten haben nicht nur keine Angst vor
einer Rolle Deutschlands, sondern begrüßen sie sogar", so der Botschafter.
Auf die Frage, ob es im Hinblick auf Kontakte zum Iran
Differenzen zwischen den Vereinigten Staaten und
Deutschland gebe, antwortete Holbrooke: "Der Dialog
zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland
über den Iran wird fortgesetzt". Ferner äußerte er:
"Das ist eines der wenigen Gebiete, bei denen unsere
beiden Länder meines Erachtens beträchtliche Meinungsverschiedenheiten haben". An anderer Stelle
fügte er hinzu: "Wir versuchen, unsere Standpunkte
zu klären."

"Wir widersetzen uns nicht dem entscheidenden Dialog zwischen der Europäischen Union (EU) und dem
Iran", betonte Holbrooke. Die Vereinigten Staaten
"unterstützen jedoch keine Kontakte mit Terroristen
und Mörderbanden". Ihm zufolge hat es wenig Sinn
und ist sehr riskant, mit Befürwortern des Terrorismus
zu sprechen.
Holbrooke erörterte auch die amerikanische und deutsche Haltung zur Initiative Partnerschaft für Frieden.
"Jede Regierung hatte mit derselben Frage zu kämpfen", nämlich der Gestaltung der Initiative und damit,
wie schnell die NATO erweitert werden kann.
"Im Oktober, November und Dezember näherten sich
die Vereinigten Staaten und Deutschland in bezug auf
die Partnerschaft für Frieden allmählich aneinander
an", stellte der Botschafter fest. "Innerhalb beider
Regierungen gibt es zu dieser Angelegenheit jedoch
noch immer eine Vielzahl von Meinungen."
Auf die Frage nach Polen und ob die Vereinigten
Staaten und Deutschland unterschiedliche Ansichten
dazu haben, wie schnell Polen in das westliche Bündnis integriert werden könnte, antwortete Botschafter
Holbrooke: "Die Vereinigten Staaten und Deutschland
sind die beiden Länder, die das größte Interesse an
Polen haben." Die beiden Länder bringen ihm zufolge
den Dialog über die polnische Frage entscheidend
voran.

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�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

WIEDERERÖFFNUNG DES
US-GENERALKONSULATS IN DÜSSELDORF
Ansprache von Botschafter Holbrooke
DÜSSELDORF - (AD) - Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Johannes Rau gab der
amerikanische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Richard C. Holbrooke, am 9. Februar 1994 die
Wiedereröffnung des US-Generalkonsulats in Düsseldorf bis Ende des Jahres bekannt.
Das Generalkonsulat wird sich Handelsaktivitäten widmen und zusammen mit dem Amerika Haus Köln eine
Vorreiterrolle bei den Bestrebungen der amerikanischen Regierung übernehmen, die deutsch-amerikanischen
Handels- und Kulturbeziehungen im Bundesland Nordrhein-Westfalen zu vertiefen. Gleichzeitig soll die
Wiedereröffnung des Büros in Düsseldorf die Bedeutung der Stadt als Wirtschaftszentrum in Europa unterstreichen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Ansprache von Botschafter Holbrooke.

Herr Ministerpräsident, meine Damen und Herren.
Amerika ist wieder in Düsseldorf. Heute geben wir die
beabsichtigte Wiedereröffnung unseres Generalkonsulats bis Ende dieses Jahres bekannt. Es wird sich
Wirtschaftsaktivitäten und der Förderung des Handels
widmen. Wir sind dabei, einen Generalkonsul zu
ernennen und haben bereits einen zweiten Beamten
fürdas Generalkonsulat bestimmt, derzurZeit in Tokio
ist und sowohl Japanisch als auch Deutsch spricht.
Diese Tatsache hat nicht nur symbolischen Gehalt:
Düsseldorf ist der europäische Hauptsitz der Japaner
- und wird auch für Amerika zu einem bedeutenden
Handelszentrum werden.
Nach einer Unterbechung von sechs Jahren kehren
die Vereinigten Staaten aus drei äußerst wichtigen
Gründen nach Düsseldorf zurück. Erstens ist unser
Engagement für Deutschland was unsere Außenpolitik und unsere bilateralen Beziehungen anbetrifft weiterhin ungeschmälert. In der Zeit nach dem Kalten
Krieg markiert es jedoch den Anfang einer neuen
Politik, in der wir sowohl zusätzliche Themen als auch
die traditionelle Sicherheitskomponente betonen.
Das strategische Engagement für Deutschland und
Europa ist unverändert, da wir weiterhin 100.000
amerikanische Soldaten in Europa, die Mehrzahl davon
in Deutschland, stationiert haben. Das vereinte Deutschland ist für die Vereinigten Staaten nicht weniger
wichtig als das geteilte Deutschland, die Betonung hat

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sich jedoch verlagert. Der Abzug amerikanischer
Truppen und die größere Volkswirtschaft des vereinigten Deutschland schaffen eine andere Dymanik, in
der die wichtigsten Aspekte u nserer bilateralen Beziehungen nicht nur strategischer, sondern auch handelspolitischer und kultureller Natur sind.
Zweitens hat Präsident Clinton Wirtschafts- und Handelsfragen zum Kernstück der amerikanischen Außenpolitik erklärt. Er hat seine Administration zum
Abbau von Handelsschranken und der Öffnung von
Märkten für amerikanische Unternehmen verpflichtet.
Der Präsident hat eine nationale Exportstrategie entwickelt. Im Rahmen dieser nationalen Exportstrategie
haben wir Deutschland als "Schaufenster" gewählt.
Deutschland wurde als einziges OECD-Land für dieses Programm ausgewählt und wird allen anderen
Ländern als Modell dienen.
"Schaufenster Deutschland"
kratische Barrieren zwischen
teilungen sowie Konsulaten
schäftswelt Dienstleistungen
cher anzubieten.

wird traditionelle büroHandels- und Kulturababbauen, um der Gedirekter und zugängli-

Wirtschaftsbeamte werden mit der Denkweise des
Privatsektors vertraut gemacht, damit sie besser auf
die Erfordernisse der Unternehmen eingehen können.
Die Amerika Häuser werden nicht nur Kulturzentren,
sondern auch Informationszentren für Unternehmen

Seite 1

�sein. Das Amerika Haus Köln wird eng mit dem
Generalkonsulat in Düsseldorf zusammenarbeiten, und
seine Programme werden hier eine prominente Stellung einnehmen. Konsularbeamte werden zu Wirtschaftsbeamten ausgebildet und Anträge amerikanischer und deutscher Geschäftsleute beschleunigt
bearbeiten. "Schaufenster Deutschland" steht für
das uneingeschränkte Engagement unserer Mission.
Mit dem "Schaufenster Deutschland" wollen wir auch
bei großen europäischen Handelsmessen Besucher in
bisher ungekannter Weise zu den amerikanischen
Ständen bringen und von der einzigartigen Situation in
Deutschland profitieren, wo es so viele große Handelsmessen gibt. Im Hinblick auf die Beziehungen zu
deutschen Firmen wollen wir den Kaufbedarf ermitteln,
der von amerikanischen Lieferanten gedeckt werden
kann. Mit anderen Worten: Totales Engagement im
Handel. Die Wiedereröffnng eines Generalkonsulats
in Düsseldorf, das sich Handelsaktivitäten widmet, ist
Teil von "Schaufenster Deutschland" und der übergreifenden nationalen Exportstrategie. Wir sind hier,
um die amerikanisch-deutschen Handelsbeziehungen
zu beleben.

Bundeslandes - Nordrhein-Westfalen. Dieses Bundesland produziert über 20 Prozent des deutschen
Bruttoinlandsprodukts, und mehr als 600 amerikanische Firmen sind hier tätig. Diese Region exportiert
mehr als die 1,4 Milliarden Menschen Chinas und
zusammengenommen übertrifft das Bruttoinlandsprodukt von Nordhrein-Westfalen und Bayern das gesamte Bruttoinlandsprodukt der vier Tiger Asiens - Singapur, Hongkong, Taiwan und Südkorea. Das ist beeindruckend! Ich habe die Bedeutung von Handelsmessen bereits erwähnt. Nun, angesichts der großen
Messen in Düsseldorf, Köln und Essen ist dies der
richtige Ort. Und schließlich habe ich auch die Tatsache berücksichtigt, daß jede führende Nation ein
Generalkonsulat in Düsseldorf unterhält. Wir sprechen von freundlichem Wettbewerb unter Nationen.
Die Vereinigten Staaten werden hier sein, um zu
konkurrieren.
Herr Ministerpräsident, wir freuen uns, wieder in Düsseldorf zu sein. Wir sind entschlossen, bis zum
Äußersten zu gehen, um Handel und Kultur zum
Brennpunkt unseres Engagements in Düsseldorf zu
machen.

Drittens ist Düsseldorf eine großartige Stadt, eines der
wichtigsten Handels- und Industriezentren in Deutsch- Ich danke Ihnen.
land sowie die Hauptstadt des bevölkerungsreichsten

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�USA-DEUTSCHLAND
9. Februar 1994

PARTNERSCHAFT MIT DEUTSCHLAND KÖNNTE
EUROPAPOLITIK DER USA LEITEN
Neues Buch von Daniel Hamilton
WASHINGTON - (AD) - Daniel Hamilton, dem Autor
eines neuen Buches über die deutsch-amerikanischen
Beziehungen, zufolge könnte eine neue strategische
Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
einem vereinten Deutschland die Triebfeder für eine
neue Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Europa sein.
"Die Neuformulierung der Politik gegenüber Deutschland ist ein wesentliches Element des neuen politischen Denkens in den Vereinigten Staaten zu Europa
und der amerikanischen Rolle in der Weh", stellt Hamilton
in der Einleitung seines Buches Beyond Bonn: America
and the Berlin Republic (Nach Bonn - Amerika und
die Berliner Republik) fest.
"Der Ausgangspunkt ist das Verständnis, daß die sich
abzeichnende Berliner Republik nicht einfach eine
Bonner Republik im Großformat ist. Es bedeutet auch,
Bilanz der ungewissen Rolle der Vereinigten Staaten in
der Welt zu ziehen."
"Ungeachtet dieser Herausforderungen sind die Vereinigten Staatenund Deutschland nach wie vorführende
Partner - sowohl füreinander als auch bei der internationalen Ordnung", bekräftigte Hamilton.
Bei einer Pressekonferenz am 27. Januar 1994 anläßlich der Vorstellung des Buches erklärte Hamilton vor
Journalisten, das Deutschland von heute sei die größte Macht Europas - "eine offenere, aber dennoch
weniger gefestigte Gesellschaft, die politisch unbeständiger ist, wirtschaftlich mehr unter Druck steht und
international weniger besonnen ist als die Bonner
Republik, an die sich ihre Nachbarstaaten und die
meisten Amerikaner in den vergangenen 40 Jahren
gewöhnt hatten."
Hamiltons Buch fordert eine Reihe bilateraler Initiativen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. Dazu zählen:

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Eine deutsch-amerikanische strategische Partnerschaft mit dem Osten,
gemeinsame Bestrebungen zur Integration transatlantischer Mechanismen in die erweiterte Europäische Union,
eine strategische Umwertinitiative,
Gemeinschaftsunternehmen, die "neue Koalitionen" außerhalb der nationalen Regierungen
schaffen.
"Zusammengenommen definieren diese Initiativen einen
neuen amerikanischen Ansatz zu Deutschland, der
das Kernstück eines transatlantischen Handels in der
Zeit nach dem Kalten Krieg bildet", so Hamilton.
Hamilton zufolge könnte die deutsch-amerikanische
Partnerschaft internationale Bestrebungen zur Konsolidierung des Rüstungsabbaus und der Marktreformen
in Mittel- und Osteuropa sowie den Nachfolgestaaten
der ehemaligen Sowjetunion auslösen, die östlichen
Länder in westliche Strukturen integrieren und Europas kollektive Verteidigung und Sicherheitsorganisationen neu gestalten.
"Andere Nationen sollten einbezogen werden", fügte
er hinzu, "aber die bilaterale Partnerschaft wird der
unerläßliche Dreh-und Angelpunkt des Wandels sein."
Hamiltons Buch unterschätzt die mit einer deutschamerikanischen strategischen Partnerschaft einhergehenden Schwierigkeiten nicht.
"Wenn die Berliner Republik nicht nur eine Bonner
Republik im Großformat ist, dann auch nicht nur ein
Amerika im Kleinformat", führte Hamilton aus.
"Die amerikanische Erwartung eines neuen und mächtigen Juniorpartners in der Welt - der automatisch das
Weltbild der Vereinigten Staaten teilt, konsequent
amerikanische Initiativen unterstützt und stets rück-

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�sichtsvoll gegenüber amerikanischen Empfindlichkeiten ist - wird zwangsläufig enttäuscht."

kanische Beziehungen der Stiftung. Hamilton war der
Leiter dieser Gruppe.

Das von der Carnegie Endowment for International
Peace (Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden)
veröffentlichte Buch gründet sich auf die Erkenntnisse
einer Studiengruppe von Experten für deutsch-ameri-

Nach langjähriger Mitarbeit wird Hamilton die Stiftung
in Kürze verlassen, um hochrangiger Berater von
Richard C. Holbrooke, dem amerikanischen Botschafter in Bonn, zu werden.

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AMERIKA DIENST 6

�VERTEIDIGUNG
9. Februar 1994

PERRY UMREISST SECHS GRUNDLEGENDE
AUFGABEN DES VERTEIDIGUNGSMINISTERS
Anhörung vor Senatsausschuß
WASHINGTON - (AD) - Der derzeitige Stellvertretende Verteidigungsminister und designierte Verteidigungsminister William Perry erklärte, im Falle seiner Bestätigung durch den Senat zur Ablösung des scheidenden
Verteidigungsministers Les Aspin würden seine Aufgaben in sechs umfassende Kategorien aufzuteilen sein.
Bei seiner Anhörung vordem Streitkräfteausschu ß des Senats am 2. Februar 1994 umriß erfolgende Pflichten
eines künftigen Verteidigungsministers:
Der Überprüfung und Beurteilung von Kriegsplänen und Aufmarschbefehlen höchste Priorität einzuräumen,
die Streitkräfte bei ihren Vorbereitungen zur Gewährleistung ihrer militärischen Einsatzbereitschaft zu
kontrollieren,
ein vollwertiges Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats sowie des engeren außen- und sicherheitspolitischen Beraterteams des Präsidenten zu sein,
verantwortlich für die militärische Komponente der nationalen Sicherheitsstrategie zu zeichnen,
den jährlichen Verteidigungshaushalt zur Vorlage beim Kongreß durch den Präsidenten vorzubereiten
und
während der derzeitigen langen Periode des Streitkräfteabzugs die begrenzten Ressourcen effektiv
einzusetzen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die vorbereitete Erklärung William Perrys vor dem Streitkräfteausschuß des
Senats.

Herr Vorsitzender, sehr geehrte Ausschußmitglieder,
ich bin stolz, heute hier sein zu dürfen und fühle mich
geehrt durch die Entscheidung Präsident Clintons,
mich für das Amt des Verteidigungsministers zu
nominieren
Wir begrüßen das Ende des Kalten Krieges, haben
jedoch im vergangenen Jahr gelernt, weniger zuversichtlich im Hinblick auf die erhofften Vorteile zu sein.
Es wurde oft argumentiert, daß nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nur eine geringe Zahl von
Streitkräften erforderlich sein würde. Das Ende des
Kalten Krieges hat nicht "das Ende der Geschichte" mit
sich gebracht, wie Professor Fukuyama andeutete.
Jeden Tag wird Geschichte gemacht - auf den Hügeln

AMERIKA DIENST 6

Bosniens, den staubigen Straßen Somalias und in den
unterirdischen Bunkern Nordkoreas,
lm

letzten Jahr hat eine Vielzahl nationaler Sicherheitsprobleme die dringende Notwendigkeit starker,
flexibler und einsatzbereiter Streitkräfte unter Beweis
gestellt,

He

ute sind sie weltweit für eine Vielzahl von Aufgaben
stationiert - Friedenssicherung, Friedensschaffung,
Grenzschutz, humanitäre Hilfe und Abschreckung durch
Präsenz. Einige Truppen in Übersee liegen in Garnison e i n i e i n
&gt;
9
Ausbildungslagern, mehr als 80.000 sind
J e d o c n z u r Z e i t a n aktiven Operationen beteiligt und
erfüllen täglich schwierige Pflichten, die nur sie mit

Seite 1

�ihren Fähigkeiten und ihrer Ausbildung bewältigen
können.
Das vergangene Jahr hat erneut gezeigt, daß alte
Bedrohungen immer noch neue Gefahren für Frieden
und Sicherheit darstellen können - ich beziehe mich
auf das Konfliktpotential auf der koreanischen Halbinsel. Die Aussicht, daß das verbrecherische Regime
Nordkoreas die Fähigkeit zum Bau von Atomwaffen
erwirbt, um diese seinem enormen Arsenal konventioneller Waffen hinzuzufügen, symbolisiert die uns derzeit konfrontierende Problematik der Weiterverbreitung. Wir setzen unsere entschiedenen diplomatischen Bestrebungen fort, um dieses alptraumartige
Szenario zu bewältigen, aberdie Präsenz von 100.000
amerikanischen Soldaten, Seeleuten, Fliegern und
Marineinfanteristen im Westpazifik ist ein bedeutender
Faktor bei unserer Abschreckungsplanung.
Wir haben bereits gesehen, daß der Weg zu Demokratie und Stabilität in Rußland steinig und gewunden ist.
Das Entstehen mächtiger reaktionärer Kräfte bedroht
den Prozeß des Aufbaus demokratischer Institutionen
und Traditionen. Keine Frage der nationalen Sicherheit ist wichtiger für uns und unsere Kinder als die einer
stabilen, der Demokratie verpflichteten Regierung in
Rußland.
Natürlich haben wir das Ergebnis der Ereignisse in
Rußland nicht unter Kontrolle - das hat nur das russische Volk. Wir können jedoch einen beträchtlichen,
positiven Einfluß darauf ausüben. Präsident Clinton
hat die Unterstützung der demokratischen Reformen
in Rußland zur Priorität der nationalen Sicherheit
gemacht. Das Verteidigungsministerium spielt bei
diesen Bestrebungen eine Schlüsselrolle.
Wir haben Maßnahmen zur Erleichterung eines sicheren und zügigen Abbaus der Atomwaffen ergriffen.
Das kürzlich von den Präsidenten Clinton, Jelzin und
Krawtschuk unterzeichnete trilaterale Nuklearwaffenabkommen ist ein konkretes Ergebnis dieser Aktionen.
Wir haben Maßnahmen eingeleitet, um amerikanischen Unternehmen bei ihren Bestrebungen beizustehen, die russische Verteidigungsindustrie zur Herstellung kommerzieller Produkte umzuwandeln.
Wir haben auf jeder Ebene Kontakte zwischen den
Militärs gefördert. Ungeachtet dessen, was in Rußland geschehen mag, wird das Militär immer eine
einf lu ßreiche Institution bleiben, und wir wollen alles in
unserer Macht Stehende tun, um das russische Militär
dazu zu ermutigen, eine Reformkraft, kein Reformgegner zu sein.
Die Führungsrolle Präsident Clintons trug dazu bei, die
Initiative Partnerschaft für Frieden mit der NATO ins
Leben zu rufen. Das Verteidigungsministerium wird in
den Vereinigten Staaten die Schlüsselrolle bei der
praktischen Umsetzung dieses Programms spielen.

Seite 2

All diese Bestrebungen zielen auf die Unterstützung
der Administration bei ihrem Bemühen um die Integration Rußlands in der Welt und die Durchführung demokratischer Reformen in diesem Land ab. Sie sind
jedoch an Fortschritte gebunden. Wir müssen uns
weiterhin gemeinsam mit unseren Verbündeten engagieren, falls dieser Prozeß umgekehrt werden sollte,
aber wir müssen auch Geduld zeigen und dürfen uns
nicht von vorübergehenden Rückschlägen abschrekken lassen.
Dies sind nur einige Beispiele für die Bedeutung und
Vielfalt der Aufgaben, die amerikanische Streitkräfte
durchführen und die wir in der Zeit nach dem Kalten
Krieg fortsetzen werden.
All diese Aufgaben sind zu einer Zeit sinkender Verteidigungsbudgets zu bewältigen. Diese Abnahme steht
im Einklang mit der verringerten Bedrohung der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Interessen.
Sie konfrontiert uns jedoch auch mit dem schwierigen
Problem, in der Übergangszeit richtig mit diesen Vermögenswerten und Streitkräften umzugehen.
In der Vergangenheit haben wir derartige Haushaltskürzungen und den damit einhergehenden Streitkräfteabbau nicht sehr gut gehandhabt. Die Erfahrungen
sind bekannt und bestens dokumentiert. Die raschen
Kürzungen nach dem Zweiten Weltkrieg hinterließen
Truppen, die auf die Herausforderungen zu Beginn
des Koreakrieges unzureichend vorbereitet waren.
Der Truppenabbau nach dem Vietnamkrieg führte zu
den "hohlen Truppen" Mitte der siebziger Jahre. Diesmal müssen wir es richtig machen, sonst werden wir
den Preis später in Blut, Gütern oder beidem zahlen.
Dies ist die beängstigende Herausforderung, der sich
der Verteidigungsminister heute gegenübersieht, und
ich bin mir der schwerwiegenden Probleme, mit denen
ich im Falle meiner Bestätigung konfrontiert werde,
sehr wohl bewußt. Ich bin stolz auf das mir von
Präsident Clinton erwiesene Vertrauen, der mich gebeten
hat, die Aufgaben eines amerikanischen Verteidigungsministers zu übernehmen.
Grob zusammengefaßt lassen sich diese Pflichten
meines Erachtens in sechs umfassende Bereiche
aufteilen:
Erstens hat der Verteidigungsminister die Aufgabe, die
Vereinigten Stabschefs und Oberbefehlshaber bei der
Leitung der Militäroperationen zu überwachen. Im
Falle meiner Bestätigung als Verteidigungsminister
werde ich der Überprüfung und Beurteilung von Kriegsplänen und Aufmarschbefehlen höchste Priorität einräumen, und den Oberbefehlshabern bei der Führung
unserer Truppen im Feld die erforderliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Zweitens hat der Verteidigungsminister die Aufgabe,
durch Kontrolle über die Ausrüstung und Ausbildung
unserer Streitkräfte ihre Einsatzbereitschaft zu geAMERIKA DIENST 6

�währleisten. Zur Zeit sind unsere Streitkräfte, um mit
den Worten Präsident Clintons zu sprechen, "die besten,
über die unsere Nation je verfügte". Im Falle meiner
Bestätigung werde ich gemeinsam mit dem Präsidenten dafür sorgen, daß sie "die am besten ausgerüstete,
am besten ausgebildete und am besten vorbereitete
Kampftruppe auf der Welt" bleiben.
Drittens muß der Verteidigungsminister ein wichtiges
Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats sein. Präsident Clinton hat bei seinen jüngsten Gipfeltreffen den
erforderlichen Weitblick an den Tag gelegt. Aber die
Wasser sind unerforscht, und wir schulden dem Präsidenten, ihn bei seiner Planungsstrategie bestmöglich
zu beraten, während wir uns durch die Untiefen derZeit
nach dem Kalten Krieg manövrieren. Im Falle meiner
Bestätigung werde ich konstruktiv und nach besten
Kräften als aktives Mitglied in diesem Team tätig
werden und mich für alle wichtigen Fragen der nationalen Sicherheit engagieren.
Viertens ist der Verteidigungsminister verantwortlich
für die militärische Komponente unserer nationalen
Sicherheitsstrategie. Das setzt gute Beziehungen zur
militärischen Führung und ihre Achtung voraus, so daß
wir ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen zur Entwicklung der besten Ideen und Optionen nutzen können.
Verteidigungsminister Aspin hinterließ uns mit seiner
grundlegenden Umstrukturierung der Streitkräfte ein
wunderbares Erbe. Wir werden unsere Arbeit auf
dieser ausgezeichneten Grundlage aufbauen. Im Falle
meiner Bestätigung werde ich in meinem Ministerium
unterMilitärsund Zivilisten gleichermaßen Teamarbeit
fördern, um die erforderliche Militärstrategie und die
Optionen vorzubereiten.
Fünftens muß der Verteidigungsminister den jährlichen Verteidigungshaushalt zur Vorlage beim Präsidenten und beim Kongreß ausarbeiten, in dem schwie-

*

AMERIKA DIENST 6

rige Ressourcenverteilung und Programmentscheidungen vorgenommen werden. Im Falle meiner Bestätigung werde ich mit dem Militär und dem Kongreß
bei diesen Bestrebungen zusammenarbeiten. Ich
werde nicht davor zurückschrecken, die nötigen schweren Entscheidungen zu treffen um sicherzustellen, daß
unsere Nation über die zur Durchsetzung unserer
Strategie erforderlichen einsatzbereiten Streitkräfte
verfügt.
Sechstens mu ß der Verteidigungsminister - insbesondere in dieser schwierigen Zeit des Truppenabbaus die Mittel verwalten. Im Falle meiner Bestätigung
werde ich innovative Managementtechniken einführen, eine Reform des Beschaffungswesens durchsetzen und die notwendige industrielle Basis schaffen.
Ich verpflichte mich auch Ihnen mitzuteilen, welche
Hilfe ich vom Kongreß benötige, um dieser Verpflichtung nachkommen zu können.
Und schließlich, Herr Vorsitzender, sehr geehrte
Ausschußmitglieder, verpflichte ich mich zum Dienst
an den Männern und Frauen, die heute die Uniform der
Vereinigten Staaten tragen und an denen, die sie in
Zukunft tragen werden.
Im Pentagon hängt über dem Treppenabsatz neben
meinem Büro das Bild eines Soldaten, der gemeinsam
mit seiner Familie in einer Kirche betet - vielleicht vor
einem Einsatz in Übersee. Darunter sind die Worte
aus Jesaja zu lesen: "Wen soll ich senden, und wer
wird für uns gehen?" Die Männer und Frauen in
Uniform haben auf diesen Ruf der Nation geantwortet:
"Hier bin ich! Sende mich." Wir schulden ihnen, ich
schulde ihnen, alles in meiner Macht Stehende zu tun,
und das werde ich.
Ich danke Ihnen.

*

Seite 3

�VERTEIDIGUNG
9. Februar 1994

DER WESTEN KANN ENTWICKLUNGEN IN
RUSSLAND MASSGEBLICH BEEINFLUSSEN
Rede von Verteidigungsminister Perry bei Wehrkundetagung
MÜNCHEN - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Verteidigungsminister William Perry am 6. Februar
1994 bei der Wehrkundetagung in München gehaltene Rede.

Es ist mir eine Ehre, hierbei der Wehrkundetagung mit
so vielen führenden Persönlichkeiten des atlantischen
Bündnisses zusammenzutreffen. Die NATO ist gegenwärtig das erfolgreichste Sicherheitsbündnis der
Welt und steht an erster Stelle der vitalen Interessen
der Vereinigten Staaten. Und sie ist durchaus noch
eine sehr lebendige Organisation. Nicht nur, daß keine
Mitgliedstaaten austreten - viele Länder haben auch
ein starkes Interesse bekundet, ihr beizutreten. Um
ein bekanntes Zitat vom Mark Twain zu paraphrasieren: Die Nachricht vom Tod der NATO ist stark
übertrieben.
Ich möchte hier meinem Freund Manfred Wörner meinen besonderen Dank aussprechen. Er führte das
Bündnis in der Endphase des Kalten Krieges konsequent und umsichtig, und nun hat er uns ein Leitbild für
die Zusammenarbeit mit den nun unabhängigen Staatendes früheren OstblockszurGestaltung einerneuen
Zukunft gegeben.
Wenn wir uns Europa heute anschauen, gibt es viele
Dinge, fürdie wirdankbar sein können. Der Kalte Krieg
ist zu Ende. Die Wahrscheinlichkeit massiver Landschlachten oder gegenseitiger Raketenangriffe ist gering.
Die Feinde von gestern sind die potentiellen Partner
von heute. Und doch müssen wir weiter wachsam
bleiben, denn die Warnzeichen der Geschichte umgeben uns auf allen Seiten.
Wenn wir hier in einem modernen, wohlhabenden
Deutschland zusammenkommen, können wir die historische Parallele der Weimarer Republik Anfang der
dreißiger Jahre nicht vergessen. Die europäischen
Nationen, die Vereinigten Staaten, und vor allem das
deutsche Volkund seine Führungskräfte waren nicht in
der Lage, die deutsche Demokratie aufzubauen und zu

AMERIKA DIENST 6

kräftigen. Der Zusammenbruch dieser jungen Demokratie gab den Anstoß zu einer Reihe von Ereignissen,
deren Narben Europa für immer tragen wird.
Direkt vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges
gelang es dem britischen Dichter W.H. Auden, den
Zeitgeist in einem brillianten Vierzeiler zusammenzufassen: "Im Alptraum der Finsternis heulen alle Hunde
Europas, und die lebendigen Nationen warten, jede
gelähmt und gefangen in ihrem Haß."
Die Folgen waren über 25 Millionen Tote und eine
ganze Reihe nachfolgender Katastrophen.
Wenn wir Audens Gedicht auf unsere heutigen Verhältnisse anwenden, müssen wir uns vor allem Sorgen
machen um die Entwicklungen in den Ländern der
früheren Sowjetunion.
Die Frage, der wir uns nun gegenüber sehen, lautet,
was wir als Regierungen tun können, um derartige
Ereignisse zu verhindern. Erstens müssen wir dazu
sagen, daß wir sie alleine nicht verhindern können.
Nur die Russen können das Schicksal Rußlands bestimmen. Und die anderen Nationen der ehemaligen
Sowjetunion können ihre jeweilige Rolle spielen. Aber
wir im Westen können einen starken positiven Einfluß
auf die Ereignisse ausüben. Und eben darauf ist
unsere Politik ausgerichtet.
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen, was sich in
Rußland gegenwärtig abspielt, und feststellen, daß
eine derart monumentale Veränderung in solch einem
wichtigen Land höchst selten ohne eine vorhergehende große Niederlage in einem Krieg geschieht. Ich
möchte behaupten, daß die gegenwärtige Umgestaltung selbst das Ausmaß der Russischen Revolution
von 1917 übersteigt.

Seite 1

�Das russische Volk versucht, im kurzen Zeitraum von
ein paar Jahren ein autoritäres Regime in eine demokratische Regierung, und eine Planwirtschaft in eine
Marktwirtschaft umzuwandeln. Im Moment befindet
es sich dabei in einem Zwischenstadium, es hängt
sozusagen in der Luft. Ein großes Reich ist in 15
unabhängige Nationen zerfallen. Eine Armee von fünf
Millionen ist auf weniger als zwei Millionen zusammengeschrumpft. Das sind die Keime der turbulenten
Umgestaltung und des Chaos, das heute in Rußland
herrscht.

gegen den bloßen Versuch sträuben? Für Amerika und Europa - steht ungeheuer viel auf dem Spiel.

Inmitten dieser revolutionären Veränderung war es die
Ironie, und hoffentlich nicht die Tragik, des Schicksals,
daß sich ein Supermacht-Arsenal von über 25.000
Atomwaffen auf diesem Gebiet befindet. Man benötigt
keine übermäßige Vorstellungskraft, um zu begreifen,
daß wir ein entscheidendes nationales Sicherheitsinteresse an diesen Entwicklungen haben.

Streitkräfte, damit wir das russische Militär dazu ermutigen können, eine Reformkraft und nicht ein Reformgegner zu sein. Was immer geschieht, wollen wir
offene Kommunikationswege haben.

Schließlich ist Rußland von anderen Nationen umgeben, die früher ein Teil der Sowjetunion waren und die
vor 1917 schon seit Generationen, sogar Jahrhunderten, von Moskau aus regiert worden waren. In allen
leben beträchtliche russischsprachige Minderheiten,
die häufig mit Abneigung und Mißtrauen bedacht werden.
Es überrascht daher nicht, daß der russischen Regierung das Wohl dieser Bevölkerungsgruppen am Herzen liegt. Viele Länder der ehemaligen Sowjetunion
fürchten wiederum die Wiederentstehung des imperialistischen Ru ßland. Eines dieser Länder, die Ukraine,
hat das drittgrößte Arsenal von Atomwaffen in der
Welt.

Im kommenden Juli werden wir unsere erste gemeinsame Übung zur Friedenssicherung im Wolgagebiet
abhalten, an dem unsere 3. Infanteriedivision und die
russische 27. MOT-Schützendivision teilnehmen werden. Wir leisten auch Hilfestellung bei den Entnuklea-

Was können wir also tun?

Erstens tun wir alles Erdenkliche, die Geschehnisse
dort in Richtung auf Reform zu beeinflussen, obwohl
wir uns bewußt sind, daß nur Rußland Rußlands
Zukunft bestimmen wird. Wir unterstützen die Demokratie in Rußland. Wir haben dies bisher in erster Linie
durch Unterstützung der Reform und der Reformkräfte
getan, wo immer wir sie ausmachen. Gegenwärtig ist
Was wir in Rußland sehen, ist ein tief gespaltenes die Jelzin-Regierung die Hauptkraft in der Gesellpolitisches System mit völlig entfremdeten und desillu- schaft, die Demokratie und Wirtschaftsreform fördert.
sionierten Elitegruppen, wirtschaftlicher Ungewißheit Deshalb bieten wir ihr unsere uneingeschränkte, wenn
und sozialer Auflösung als Resultat der drastischen auch nicht kritiklose Unterstützung. Wir sehen ein,
Veränderungen, die stattgefunden haben. Die politi- daß es Fehler und Mängel bei der Umsetzung der
sche Instabilität wurde durch den versuchten Staats- Reformen gibt. Aber wir glauben, daß die Alternativen
streich von Ruzkoj und Consorten, nur zu deutlich ge- zu einem Rückfall in eine dem Westen feindlich gesinnmacht. Inflation und Währungsprobleme untergraben te totalitäre Gesellschaft führen könnten.
Zuversicht und Hoffnung. Und mit dem ZusammenWir unterstützen Jelzins Regierung politisch und wirtbruch der Wirtschaft sind kriminelle Elemente zum
Vorschein gekommen, die vom Volk ebenso gefürch- schaftlich, ebenso wie es viele Ihrer Regierungen tun.
Präsident Clinton besprach diese Bestrebungen austet werden wie jede Bedrohung von außen.
führlich während seiner Gipfeltreffen im letzten Monat.
Überdies haben wir es mit einer Nation von 180 Millio- Aber ich möchte auch darauf verweisen, daß wir
nen Menschen zu tun, welche die Ideologie verloren Anstrengungen und Gelder unseres Verteidigungsaphaben, die sie - wenn auch noch so brutal - bisherdurch parats zur Unterstützung der russischen Reform aufihr ganzes Leben geleitet hat. Diese Ideologie ist wenden, nicht zuletzt des Militärs. Das russische
zerschlagen, diskreditiert, und nichts ist bisher an ihre Militär spielt eine Schlüsselrolle bei der Zukunft RußStelle getreten.
lands. Wir pflegen Kontakte auf allen Ebenen unserer

Es tut mir leid, daß Verteidigungsminister Gratschow
heute nicht hier sein kann, aber ich hoffe, in absehbarer Zukunft wieder mit ihm zusammenzutreffen.

risierungsbestrebungen in Rußland. Wir finanzieren

die Bemühungen bei der Rüstungskonversion. Wir
ermutigen Partnerschaften zwischen amerikanischen
Firmen und russischen Rüstungskonzernen zur Herstellung und zum Verkauf von kommerziellen Produkten als Alternative zur Waffenproduktion.

Und schließlich arbeiten wir aktiv mit Rußland und der
Ukraine zusammen, um ihre unmittelbaren SicherAlles in allem haben wir Grund, einen neuen Alptraum heitsbedenken abzubauen - ihre gegenseitigen Bezieder Finsternis in Europa zu befürchten, fallsdie Reform hungen zu verbessern. Das trilaterale Abkommen,
scheitern sollte und Reaktionen erfolgen. Und wir das die Präsidenten Clinton, Jelzin und Krawtschuk
haben Grund für die Art von aktiven Maßnahmen, vor drei Wochen in Moskau bekanntgegeben haben,
welche die Welt in den dreißiger Jahren versäumt hat war eine außerordentliche diplomatische Leistung. Im
zu ergreifen. Wir haben keine Erfolgsgarantie. Aber Rahmen dieser Vereinbarung werden alle nuklearen
wer würde sich angesichts eines derartigen Alptraums Gefechtsköpfe aus der Ukraine in unmittelbarer ZuSeite 2

AMERIKA DIENST 6

�kunft nach Rußland verlegt. Die Ukraine wird nach
dem Übereinkommen direkt für den Wert des hochangereicherten Urans in den Gefechtsköpfen entschädigt, in Form von Atombrennstäben für die ukrainischen zivilen Reaktoren. Das Abkommen sieht ferner
Sicherheitszulagen für die Ukraine von seiten der
Vereinigten Staaten und Rußlands vor, die mit der
Ratifizierung des START-Vertrags durch die Ukraine
und ihren Beitritt zum Nichtverbreitungsvertrag in Kraft
treten. Das Abkommen ist nicht nur eine Absichtserklärung, sondern leitet auch einen Aktionsplan in die
Wege.
Ein Übereinkommen dieser Art wäre nicht möglich
gewesen, ohne die Sicherheitsbedenken der Ukraine
zu berücksichtigen. Zum einen waren die Vereinigten
Staaten bereit, ein Partner zu sein. Darüber hinaus
trug der beim Brüsseler Gipfel im vergangenen Monat
angenommene Plan der Partnerschaft für Frieden den
ukrainischen Bedenken Rechnung, indem er das Recht
zur Konsultation mit der NATO für aktive Partnerländer
vorsieht, die sich bedroht fühlen. Dies ist das erste
Beispiel einer positiven Auswirkung der Partnerschaft
für Frieden auf die europäische Sicherheit.

essen in starken und vielseitigen Beziehungen ein
Fundament zur Lösung der konkreten Probleme auf
eine Art bieten, die die Interessen anderer respektiert.
Unsere größte Hoffnung gilt einer zukünftigen europäischen Sicherheitssphäre, in der keine Nation ihre
Nachbarn bedroht. Im Europa der Zukunft soll es keine
gemeinsamen Gegner geben. Wir bemühen uns um
ein europäisches Sicherheitssystem, das die Vereinigten Staaten und Kanada sowie ganz Europa einschlie ßt. Es mu ß auf dem gemeinsamen Engagement
für Demokratie und freie Marktwirtschaft gründen. Es
muß auf der beidseitigen Achtung der Menschenrechte gründen. Und es muß sich auf die Unabhängigkeit
der Staaten und die Sicherheit ihrer Grenzen gründen.
Wie Präsident Clinton erklärte, haben wir die Vision
von einem Europa, das zum ersten Mal in der Geschichte nicht durch aktuelle Konflikte oder schwelende Feindseligkeiten geteilt ist. Und wir wollen, daß
Rußland seinen Platz in der neuen europäischen Sicherheitsarchitektur einnimmt.

Aus all den von mir hier dargelegten Gründen, die
durch den hohen Anteil reaktionärer Stimmen bei den
Da es sich hierbei u m ein sowohl von Ru ßland als auch jüngsten Wahlen in Rußland noch unterstrichen werder Ukraine gewünschtes Abkommen handelt, das sie den, gilt es zur Erreichung eines solchen europäischen
aber nicht aus eigenen Kräften erzielen konnten, wird Sicherheitssystems noch echte Herausforderungen
unter Beweis gestellt, daß der Weg der Zusammenar- zu überwinden.
beit das Potential zur Eingliederung Rußlands in EuroDie Partnerschaft für Frieden bietet einen einzigartipa bietet.
gen Weg zu einem solchen Sicherheitssystem. Sie
Rußland wird aufgrund seiner geographischen Lage gründet sich auf folgende Voraussetzung: Die Vereinigten Staaten und ihre Bündnispartner werden alles
und seiner Macht Teil des europäischen SicherheitsErforderliche zur Erhaltung unserer kollektiven Sichersystems werden. Es liegt in unser aller Interesse - und
heit
tun, falls das Schlimmste eintreten sollte. Wir
besonders im Interesse Rußlands - daß seine Rolle
werden
jedoch auch alles realistischerweise Mögliche
konstruktiv und kooperativ wird.
tun, um das Schlimmste zu verhindern.
Wir haben unsere Ansicht schon eindeutig klargestellt,
daß Rußland seinen Teil der Verantwortung für eine Der doppelte Charakter dieser Politik prägt die Partnerschaft für Frieden. Er bringt uns voran und bietet
stabile Ordnung in Europa tragen muß, sowohl in der
gleichzeitig
eine Absicherung für den Fall eines ScheiArt, wie es seine Eigenstaatlichkeit definiert, als auch
terns.
durch seine Beziehungen zu den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Wenn russische Streitkräfte außerZiel der Partnerschaft ist es, die Sicherheit in Europa
halb der russischen Grenzen operieren, muß das im
zu verbessern und in einem den Interessen und FähigEinklang mit dem Völkerrecht geschehen. Rußlands
keiten jedes Partners angepaßten Tempo neue Siberechtigte Sorge bezüglich der Stabilität an seinen
cherheitsbeziehungen zu schaffen.
Grenzen darf weder durch die alte sowjetische Praktik
der Einschüchterung und Dominierung beschwichtigt
Die Partnerschaft für Frieden steht allen Staaten des
werden, noch durch die Untergrabung der Souveräniehemaligen Warschauer Pakts sowie anderen NATOtät und Unabhängigkeit seiner Nachbarn, ungeachtet
Nichtmitgliedstaaten in Europa offen. Diese Nationen
des Zeitraums ihrer Unabhängigkeit.
werden die Chance zur Entwicklung der kooperativen
Gewohnheiten haben, die das Kernstück eines wirWir sind uns darüber im klaren, daß Rußlands Außenkungsvollen Bündnisses bilden. Sie können sich den
politik unter jeder Regierung von Rußlands Interessen Streitkräften des Bündnisses bei militärischen Aktivitäbestimmt wird. Ru ßland ist eine Großmacht. Wie alle ten wie Friedenssicherungsbestrebungen, KatastroNationen wird es Interessen haben, die sich von unse- pheneinsätzen und Rettungsaktionen anschließen. Die
ren und denen seiner Nachbarn unterscheiden. Eine
Partner können sich mit der NATO an Planung, ÜbunPartnerschaft zwischen Nationen bedeutet nicht, daß gen und Ausbildung zusammen mit den Streitkräften
ihre Ansichten identisch sein müssen, sie ist vielmehr des Bündnisses beteiligen. Sie werden in den militäbegründet in der Erkenntnis, daß gemeinsame Interrischen und politischen Gremien der NATO vertreten
AMERIKA DIENST 6

Seite 3

�sein. Die Partner werden die Chance haben, die
regulären Verfahren und Konsultationsmechanismen
der NATO kennenzulernen. Mit der Zeit werden die
Partner Streitkräfte entwickeln, die besser mit denen
der NATO-Mitgliedstaaten operieren können.
Aktive Partner können auch an politischen Konsultationen teilnehmen. Wie ich im Zusammenhang mit der
Ukraine bemerkte, werden sie ein verankertes Recht
auf Konsultationen mit der NATO haben, wenn sie eine
Bedrohung ihrer Sicherheit ausmachen.
Die Partnerschaft bietet die richtigen Anreize für ehemals kommunistische Staaten, um die demokratischen
Verfahren einzuführen, dieden NATO-Mitgliedstaaten
gemeinsam sind. Zum Beispiel werden die Partner die
Schritte spezifizieren, die sie zur demokratischen
Kontrolle ihres Militärs zu unternehmen gedenken, und
sie werden ihren Verteidigungshaushalt offenlegen.

stitionen sind erforderlich, und der Ertrag unserer
Investitionen ist hoch.
Wir müssen schnell ein Format für die von den Partnern vorzulegenden Dokumente ausarbeiten. Es ist
wichtig, daß wir die neuen Partner jetzt mit den Verteidigungsverfahren der NATO vertraut machen.
Wir müssen unseren Dialog mit den potentiellen Partnern aggressiv verfolgen. Wir haben bereits NATOTeams entsandt, um sie zu unterrichten. Diese Teams
erklären interessierten Ländern genau, wie der Prozeß
funktioniert und helfen ihnen, den Anfang zu ihrer
Beteiligung an den Aktivitäten der Partnerschaft für
Frieden zu machen.
Wir müssen unverzüglich handeln, um Aktivitäten der
Partnerschaft für Frieden und Vertreter der Partner in
relevante NATO-Organisationen einzugliedern.

Einige der ehemals kommunistischen Staaten haben
mehr Fortschritte erzielt als andere. Aber die Partnerschaft für Frieden möchte alle diese Nationen ermutigen, in diese richtige Richtung zu gehen.

Wir müssen die praktische Planung gemeinsamer
Übungen beginnen. Derartige Übungen müssen noch
in diesem Jahr stattfinden, wenn wir die Partnerschaft
glaubwürdig machen wollen.

Kurzum, die Partnerschaft ist ein greifbarer Beweis für
die Bereitschaft der NATO, neue Sicherheitsbeziehungen mit ihren östlichen Nachbarn zu schaffen. Sie
leitet sogar einen Prozeß in die Wege, der mit der Zeit
zur Erweiterung der NATO führen wird. Letztlich wird
sie dazu beitragen, andere Nationen auf eine mögliche
Mitgliedschaft in der NATO vorzubereiten, wenn diese
die von der Partnerschaft gebotenen Möglichkeiten
voll ausschöpfen und sich nicht vom Weg zu Demokratie, friedlichen Beziehungen zu ihren Nachbarn und
Wirtschaftsreform abbringen lassen.

Als weiteren Punkt möchte ich anführen, daß die
Vereinigten Staaten die Schaffung einer europäischen
Sicherhefts- und Verteidigungsidentität durch die
Westeuropäische Union unterstützen. Ein starker
europäischer Pfeiler ist entscheidend für ein starkes
Bündnis. Eine europäische Verteidigungsidentität sollte
die NATO ergänzen, nicht mit ihrkonkurrieren. Unsere
Unterstützung einer realen, aber die Dinge nicht
komplizierenden europäischen Verteidigungsfähigkeit
manifestiert sich in unserer Unterstützung des Konzepts eines Interalliierten Gemeinsamen Einsatzverbands. Damit wird es NATO-Mitgliedern und anderen
Koalitionen interessierter Nationen ermöglicht, gemeinsame Einsätze zu unternehmen, wenn die NATO
diese ablehnt, und ohne verschwenderische Duplikation von Ressourcen.

Es war eine kluge Entscheidung des Bündnisses, die
Partnerschaft für Frieden anzunehmen. Ich möchte
die Bündnispartner und besonders Generalsekretär
Wörner zu seiner Führung beglückwünschen. Die
Partnerschaft bietet eine dynamische Lösung für ein
dynamisches Problem.
Aber nachdem wir nun die politische Entscheidung
getroffen haben, müssen wir zur Tat schreiten. Wir
müssen praktische Schritte zu ihrer Durchführung
unternehmen, und wir dürfen keine Zeit mit Streitereien über Haushalts- und bürokratische Fragen vergeuden.
Vier Nationen sind der Partnerschaft für Frieden bereits beigetreten, und die Mehrzahl der mittel- und
osteuropäischen Länder hat ihre Absicht zum Beitritt
bekundet. Es ist Zeit zum Handeln.
Wir müssen alle unverzüglich die angemessenen Mittel bereitstellen, sowohl für die bescheidenen gemeinsamen Auslagen der NATO, als auch für ein aktives
Programm der Beteiligung unserer Streitkräfte an
Aktivitäten der Partnerschaft. Nur bescheidene Inve-

Seite 4

Die Initiative der Partnerschaft für Frieden geht von
einem optimistischen Szenario aus und ist auf positive
Resultate ausgerichtet. Sie vermeidet neue Sicherheitsgrenzen in Europa zu einer Zeit, in der wir auf ein
integriertes Europa hinarbeiten, das besonders auch
Rußland miteinbezieht. Mein Kollege Strobe Talbott
formulierte unsere Zielvorstellungen kürzlich folgendermaßen: Ein stabiles, demokratisches, marktorientiertes Rußland, ein in seinen eigenen Grenzen sicheres Ru ßland, das die Grenzen anderer Länder respektiert, ein integriertes statt eingedämmtes Rußland."
Aber wir haben auch eine Art Rückversicherung gegen
negative Ergebnisse. Wenn Rußland sich an einen
Kurs innenpolitischer Reformen, Respektierung der
Unabhängigkeit seiner Nachbarn und Zusammenarbeit mit dem Westen hält, wird die NATO weiterhin
immer mehr Nationen einbeziehen. Wenn die Reform
in Rußland jedoch scheitern sollte, wird die NATO

AMERIKA DIENST 6

�immer noch da sein, um für die kollektive Verteidigung
ihrer Bündnispartner zu sorgen und wird bereits durch
die Partnerschaft mit deren aktiven Teilnehmerstaaten
die regionale Sicherheit verbessert haben.
Kurzum, Rußland hat die Wahl. Und welche Wahl
Rußland trifft, wird die Zukunft der NATO und der
Partnerschaft für Frieden maßgeblich beeinflussen.
Ich habe unsere Besorgnis und unsere Hoffnung
bezüglich Rußland ehrlich dargestellt. Aber ich möchte noch einmal eindeutig klarstellen, daß es äußerst
voreilig und zutiefst falsch wäre, wenn wir uns durch
diese Besorgnis dazu hinreißen ließen, unsere Bestrebungen für ein grundsätzlich neues Europa aufzugeben. Wenn wir das zu unserer Politik machten, würde
ich mit T.S. Eliot sagen: "Wir hatten die Erfahrung,
aber wir haben das Ziel verfehlt."
Um den Historiker Gordon Craig aus seiner Studie der
Weimarer Republik zu zitieren: 'Wenn ein wohlwollender Geist den Völkern Deutschlands und seiner benachbarten Staaten auch nur eine bruchstückhafte
Vorschau gegönnt hätte davon, was sie in den vierziger Jahren erwartete, ist es unmöglich zu glauben, daß

*

AMERIKA DIENST 6

sie nicht jedes nur mögliche Opfer gebracht hätten, um
die Weimarer Republik gegen ihre Feinde zu verteidigen. Aber diese Art Voraussicht ist dieser Welt nicht
gegeben, und die deutsche Republik hatte nie Freunde
und Unterstützung, wenn sie diese am dringendsten
brauchte."
Präsident Clinton hat klarzum Ausdruck gebracht, daß
die russischen Demokraten die nötigen Freunde haben werden. In einer Ansprache an das russische Volk
erinnerte er daran, daß "es wenige Menschen auf der
Welt gibt, die ein tieferes Wissen der Geschichte
besitzen, sowohl ihrer positiven als auch negativen
Erscheinungen, und die mehr Grund zu Hoffnung auf
die Zukunft haben als Sie." "Ich weiß," sagte er, "daß
die Gegenwart schwer ist, aber wenn Sie die richtige
Entscheidung treffen, wenn Sie Hoffnung statt Furcht
wählen, dann wird die Zukunft Ihren Mut und Ihre
Vision belohnen."
Und im tieferen Sinne würden wir alle an dieser Belohnung teilhaben, ebenso wie wir auch die Kosten mittragen, wenn diese Hoffnungen enttäuscht würden.
Vielen Dank.

* * *

*

Seite 5

�ABRÜSTUNG
9. Februar 1994

ENDE DES KALTEN KRIEGES ERHÖHT
NOTWENDIGKEIT DER RÜSTUNGSKONTROLLE
Rede des neuen ACDA-Direktors bei Genfer Abrüstungskonferenz
GENF-(AD)-Aufgrund neuer "Quellen der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen", so John Holum,
"hat das Ende des Kalten Krieges die Notwendigkeit für Rüstungskontrolle faktisch erhöht".
In einer Rede bei der Genfer Abrüstungskonferenz erklärte John Holum, der neue Direktor des US-Amts für
Rüstungskontrolle und Abrüstung (Arms Control and Disarmament Agency - ACDA) am 25. Januar 1994,
"ehemals eingedämmte ethnische Spannungen sind in Gebieten freigesetzt worden, in denen die Gegner allzu
bereit zum Einsatz von Gewalt als erstem Mittel sind".
Der ACDA-Direktor stellte fest, Rüstungskontrolle könne "uns bei der Bewältigung der Herausforderung helfen,
Frieden und Stabilität in eine krisengeschüttelte neue Weltordnung zu bringen".
Nachfolgend veröffentlichen wir die gekürzte Fassung der Ausführungen von Direktor Holum.

"Herr Präsident, meine Damen und Herren, dies ist für
mich die erste Gelegenheit, als Direktor des US-Amts
für Rüstungskontrolle und Abrüstung auf einer Sitzung
der Genfer Abrüstungskonferenz zu sprechen. Dieses
Forum dient der Sache einer sichereren und stabileren
Welt, und meine heutige Anwesenheit demonstriert
das Engagement der Clinton-Administration für die
Ziele der Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung. Bei meiner Bestätigung für dieses Amt
sicherte mir der Präsident zu, welch hohe Priorität er
persönlich konkreten, unverzüglichen Fortschritten bei
der Stärkung der internationalen Sicherheit durch
multilaterale Zusammenarbeit beimißt. Das Ende des
Kalten Krieges beinhaltet für die Abrüstungskonferenz
besondere Möglichkeiten, und ich versichere Ihnen
heute, daß die Vereinigten Staaten alles in ihrer Macht
Stehende unternehmen werden, um das Beste daraus
zu machen. In diesem Zusammenhang möchte ich
eine an diese Konferenz gerichtete Botschaft von
Präsident Clinton verlesen:
'Ich bin dankbar für diese Gelegenheit, mich an
alle Teilnehmer der Genfer Abrüstungskonferenz wenden zu können. Diese Konferenz hat
zu Beginn der Sitzungsperiode 1994 mehrere
wichtige Punkte auf ihrer Tagesordnung, darunterTransparenz im Rüstungsbereich, und könnte noch weitere aufnehmen, wie das Verbot der
Produktion spaltbaren Materials für NuklearexAMERIKA DIENST 6

plosionen. Keine Angelegenheit ist wichtiger als
die Aushandlung eines umfassenden und verifizierbaren Verbots atomarer Explosionen. Dieses schwierige aber entscheidende Ziel ist die
oberste Priorität dieser Konferenz. Sie reflektiert unseren gemeinsamen Wunsch nach entschiedenen Maßnahmen, die das globale atomare Nichtverbreitungsregime unterstützen und
ergänzen werden und den Erwerb sowie die
Entwicklung von Nuklearwaffen weiter einschränken.
Regionale Instabilitäten, das Ende des Kalten
Krieges sowie die wachsende Gefahr einer Weiterverbreitung von Atomwaffen haben neue und
zwingende Umstände geschaffen, um den
begonnenen Abrüstungsprozeß weiter fortzusetzen. Entsprechend entschied ich im Juli
vergangenen Jahres, das Moratorium für das
Verbot von Atomtests in den Vereinigten Staaten zu verlängern und setzte mich für den Abschluß eines Vertrags über ein umfassendes
Atomtestverbot ein. Gleichzeitig rief ich die
anderen Staaten im Besitz von Atomwaffen
dazu auf, sich an das Atomtestmoratorium zu
halten, und das tue ich heute erneut.
Ich bin zuversichtlich, daß Botschafter Ledogar
und die amerikanische Delegation gemeinsam

Seite 1

�mit Ihnen mutige Schritte unternehmen werden,
um durch die möglichst baldige Aushandlung
eines Vertrags über ein umfassendes Atomtestverbot, der die Sicherheit aller Nationen stärken
wird, die Welt zu einem sichereren Ort zu machen. Während dieser bedeutenden Konferenz
begleiten Sie meine besten Wünsche.'
Die Abrüstungskonferenz ist das einzige multilaterale
Forum zur kontinuierlichen Verhandlung von Fragen
der globalen Rüstungskontrolle und Abrüstung. Ihre
Teilnehmer kommen aus allen Regionen der Erde und
spiegeln eine breite Palette von Sorgen und Interessen
wider. Wir alle halten dieGenfer Abrüstungskonferenz
für einen Marktplatz der Ideen und einen Ort, an dem
die Nationen sich praktischen Dingen widmen und
Abkommen schließen, die die internationale Sicherheit erhöhen.
Die Vereinigten Staaten erkennen die Bedeutung der
Abrüstungskonferenz als multilaterales Rüstungskontrollgremium an, und wir haben eine angemessene
Ausweitung der Mitgliedschaft stets befürwortet. Wir
bestehen jedoch darauf, daß es unangebracht wäre,
den Status von Ländern bei der Konferenz zu verbessern, deren Verhalten weiterhin den Zielen der Organisation diametral entgegengesetzt ist. Wir hoffen,
daß die Teilnehmer der Konferenz weiterhin zusammenarbeiten, um einen Konsens über ein akzeptables
Mitgliedschaftspaket zu schmieden.

von Massenvernichtungswaffen und ihrer Trägersysteme verhindern. Wir können zur Schaffung von
Vertrauen beitragen, indem wir unsere militärischen
Aktivitäten transparenter gestalten. Diese Dinge sind
kein Anzeichen für Schwäche oder Kapitulation, sondern eine kluge Investition in die Zukunft und ein
sicherer Weg, unsere gesamten vitalen nationalen
Interessen zu sichern."
Anschließend ging der ACDA-Direktor auf derzeitige
Entwicklungen im Abrüstungsbereich ein, unter anderem die Unterzeichnung des trilateralen Abkommens
durch die Präsidenten der Ukraine, der Russischen
Föderatbn und der Vereinigten Staaten vor drei Wochen,
das die Verlegung aller Atomwaffen von ukrainischem
Gebiet nach Rußland und ihre dortige Verschrottung
vorsieht. Auch erwähnte er regionale Abrüstungsbestrebungen wie die ACRS-Arbeitsgruppe (Arms Control and Regional Secur'ity) als Teil des Friedensprozesses im Nahen Osten sowie ein neues, vom ASEAN
geschaffenes regionales Forum. Angesichts der
Dynamik des Abrüstungsprozesses enthält die Tagesordnung der Abrüstungskonferenz die folgenden schwierigen Themen:
Vertrag über ein umfassendes Atomtestverbot (CTBVertrag)

"Ich möchte eindeutig klarstellen: Die Politik der
Vereinigten Staaten besteht - wie von Präsident Clinton am 3. Juli 1993 angekündigt - in der entschiedenen
Die Chemiewaffenkonvention demonstriert lebhaft, wie Unterstützung für den möglichst baldigen Abschluß
konstruktiver Ideenwettbewerb und die Verfolgung eines CTB-Vertrags. In der heutigen Zeit nach dem
verschiedener Interessen und Anliegen zu Leistungen Ende des Kalten Krieges gewinnt ein solcher Vertrag
führen können, die dergesamten internationalen Staa- noch an Bedeutung. Ein CTB-Vertrag wird ein bedeutengemeinschaft nutzen. Ich beglückwünsche Sie zu tender Teil unserer Bestrebungen zur Nichtverbreidieser beachtlichen Errungenschaft.
tung von Atomwaffen sein und den im Besitz dieser
Waffen befindlichen Ländern beträchtliche BeschränDies ist jedoch nicht der Zeitpunkt, die Hände in den kungen auferlegen.
Schoß zu legen. Es bleibt viel zu tun, den Anforderungen muß sofort entsprochen werden, und wir haben Ein CTB-Vertrag wird nur mit Teilnahme und Untereine einzigartige Gelegenheit, an der konstruktiven stützung der fünf Atommächte und breiter internatioGestaltung der Welt mitzuwirken.
naler Zustimmung erfolgreich sein. Die Atommächte
tragen eine besondere Verantwortung, einen Beitrag
Das Ende des Kalten Krieges hat jedoch die Notwen- zu diesen Verhandlungen zu leisten, und die Vereinigdigkeit von Rüstungskontrolle faktisch erhöht. Es gibt ten Staaten werden ihrer Verantwortung mit Engageneue Quellen der Weiterverbreitung von Massenver- ment nachkommen. Unserer Ansicht nach ist die
nichtungswaffen und ihrer Abschußvorrichtungen. Verlängerung des amerikanischen Moratoriums für
Ehemals eingedämmte ethnische Spannungen sind in Atomtests ein greifbarer Beweis unseres EngageGebieten freigesetzt worden, in denen die Gegner ments für den CTB-Vertrag. In seiner an Sie gerichteallzu bereit zum Einsatz von Gewalt als erstem Mittel ten Botschaft hat der Präsident die anderen, im Besitz
sind. Bedauerlicherweise gibt es genügend Anhalts- von Atomwaffen befindlichen Länder erneut dazu
punkte dafür, daß wir in einer Welt leben, in der die aufgerufen, von Atomtests abzusehen.
Technologie schnellere Fortschritte macht als die
Klugheit der Menschen.
Stärkung des Nichtverbreitungsregimes
• i

Rüstungskontrolle kann uns bei der Bewältigung der
Herausforderung helfen, Frieden und Stabilität in eine
krisengeschüttelte neue Weltordnung zu bringen. Wir
können destabilisierende militärische Kräfte begrenzen und abbauen. Wir können die Weiterverbreitung

Seite 2

'\r-t

Nach dem Ende des Kalten Krieges haben wir uns aus
einer bipolaren Welt in eine multipolare Welt begeben.
Die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen
bleibt bestehen, und damit auch die Notwendigkeit,
den Nichtverbreitungsvertrag (NW) als wichtigstes

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�Bollwerk gegen die weitere Verbreitung von Atomwaffen zu erhalten. Der N W reflektiert einen breiten
Konsens gegen die Weiterverbreitung. Der Vertrag
errichtet auch einen Rahmen für die Verhinderung der
Weiterverbreitung von Atomwaffen sowie für erleichterte und geregelte staatliche Zusammenarbeit bei der
friedlichen Nutzung von Atomenergie. Ferner hat er
sich als bedeutendes Instrument fürdie Förderung der
sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung seiner Mitgliedstaaten erwiesen.
Die unbegrenzte Verlängerung des Nichtverbreitungsvertrags im Jahr 1995 wird gewährleisten, daß die
vielen Vorteile des Vertrags für seine Parteien in
Reichweite bleiben. Durch die unbegrenzte Verlängerung wird die internationale Staatengemeinschaft den
Möchtegern-Weiterverbreitern das eindeutigste Signal
senden, daß ihre Aktivitäten nicht toleriert werden.
Unterbindung der Produktion von spaltbarem Material
Unser Ziel der Neugestaltung der nuklearen Kontouren der sicherheitspolitischen Landkarte der Welt nach
dem Kalten Krieg endet hier noch nicht. Die erfolgreiche Inkraftsetzung des INF-Vertrags, die Durchsetzung unilateraler Initiativen wie der Abbau und die
Zerlegung von taktischen Nuklearwaffen, Abkommen
zur Reduzierung strategischer Waffen, einschließlich
des START I- und des START Il-Vertrags stellten
wichtige Beiträge zur Eindämmung der Weiterverbreitung von Atomwaffen dar. Jetzt können wir dem nicht
nurdie CTBT-Verhandlungen und die Erweiterung des
Nichtverbreitungsvertrags hinzufügen, sondern auch
die Verhandlungen über ein weltweites Abkommen
über das Verbot der weiteren Produktion von hochangereichertem Uran und Plutonium außerhalb der internationalen Schutzvorschriften oder für Explosivverfahren, wie Präsident Clinton in seiner Rede vor der
UN-Generalversammlung im September vergangenen Jahres forderte.
Ein derartiges Abkommen sollte hier auf der Abrüstungskonferenz offiziell ausgehandelt werden. Die
übereinstimmende Unterstützung einer solchen Konvention durch die Vereinten Nationen war uns eine
große Ermutigung. Ein nichtdiskriminierendes, multilaterales und wirksam verifizierbares Verbot der Produktion von spaltbarem Material könnte die ungeschützten Nuklearprogramme bestimmter Staaten, die
dem Nichtverbreitungsvertrag nicht beigetreten sind,
erstmals gewissen Einschränkungen unterwerfen. Auch
würde dadurch die Produktion von Plutonium und
hochangereichertem Uran für Nuklearwaffen in den
fünf erklärten Atomstaaten beendet.
Negative Sicherheitszusagen
Negative Sicherheitszusagen sind ebenfalls mit der
Sache der Nichtverbreitung eng verbunden.

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Wir können die Erfindung von Atomwaffen nicht rückgängig machen, wir können diese Waffen jedoch unter
Kontrolle bringen. Wir können ihre Auswirkungen und
ihren Einflu ß begrenzen. Ein starker Abbau des Atomwaffenbestands, gestärkte und erweiterte Nichtverbreitungsnormen, der Abschluß des CTB-Vertrags,
ein weltweites Verbot der Produktion von spaltbarem
Material und weitere Maßnahmen werden die Rolle
von Atomwaffen in der Welt des 21. Jahrhunderts
grundlegend verändern. All diese Schritte werden
einen Beitrag zu dem wichtigen Ziel leisten, dem wir
alle verpflichtet sind - einer sichereren und stabileren
Welt.
Die Herausforderung konventioneller Waffen
Das verheerende Zerstörungspotential von Atomwaffen und die durch andere Massenvernichtungswaffen
entstehenden Gefahren erfordern, daß sie auf unserer
Tagesordnung der Rüstungskontrolle ganz oben stehen, aber sie dürfen nicht einfach nur Tagesordnungspunkte sein. Ein weiteres wichtiges Element der
Rüstungskontrolle stellen konventionelle Waffen dar.
Der Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa
(KSE-Vertrag) ist ein Meilenstein beim Abbau konventioneller Waffen. Er dient als Grundlage für die Sicherheitsarchitektur Europas nach dem Kalten Krieg, die
auf Kooperation anstelle von Konfrontation basiert.
Wir sehen der vollen Umsetzung des Vertrags im Jahr
1995 erwartungsvoll entgegen und stellen mit Befriedigung fest, daß Zehntausende von Ausrüstungsgegenständen bereits zerstört worden sind.
Die unmittelbare Herausforderung für dieses Forum
besteht in der Förderung von mehr Transparenz in
Sicherheitsfragen. Transparenz wiederum führt zu
mehr Vertrauen, das die Grundlage für stabile politische Beziehungen bildet.
Im vergangenen Jahr rief die Genfer Abrüstungskonferenz einen Ad-hoc-Ausschuß über Transparenz bei
Rüstungsfragen (Transparency in Armaments - TIA)
ins Leben. Dieser seit mehreren Jahren erste von der
Abrüstungskonferenz eingerichtete Ausschuß stellte
die Fähigkeit der Konferenz unter Beweis, sich an die
Herausforderungen der Zeit nach dem Kalten Krieg
anzupassen. Er ist auch von Bedeutung, da er der
einzige Punkt auf Ihrer Tagesordnung ist, der sich mit
konventionellen Waffen befaßt. Ich ermutige Sie entschieden, Ihre Arbeit auf der im vergangenen Jahr vom
TIA-Ad-hoc-Ausschuß gelegten sehr nützlichen Grundlage fortzusetzen. Ich empfehle Ihnen ferner, die
Ideen in Erwägung zu ziehen, die vergangenes Jahr
von den Vereinigten Staaten zu r Förderung von Transparenz bei konventionellen Waffen unterbreitet wurden.
Eine weitere Frage im Bereich der konventionellen
Waffen, bei der wir bereits erste Schritte unternommen
haben, bezieht sich auf Landminen. Diese Waffen

Seite 3

�fordern weiterhin unter der Zivilbevölkerung große
Opfer, ungeachtet dessen, ob sie sich in einer aktiven
Kampfzone befinden. Die Vereinten Nationen haben
übereinstimmend die von den Vereinigten Staaten
initiierte Resolution unterstützt, die ein Moratorium für
den Export von gegen lebende Ziele gerichtete Landminen fordert. Jetzt müssen wir den nächsten Schritt
tun und das weltweite Moratorium zu einer Realität
machen. Dadurch werden wir nicht nur die Zukunft
vieler unschuldiger Zivilisten schützen, sondern auch
die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Problemen
lenken, die lange Zeit für unlösbar gehalten wurden.
Eine umfassende Tagesordnung für die Zukunft
Trotz der Tatsache, daß die Chemiewaffenkonvention
jetzt nicht länger in den Zuständigkeitsbereich der
Genfer Abrüstungskonferenz fällt, bin ich mir bewußt,
daß viele von Ihnen großes Interesse am weiteren
Schicksal der Konvention haben. Im vergangenen
November unterbreitete Präsident Clinton in Washington dem Senat diese Konvention zur Beratung und
Annahme und wird sich für ihre Ratifizierung zu Beginn
dieses Jahres einsetzen. Die Vereinigten Staaten
fordern alle anderen Signatarstaaten dringend dazu
auf, ebenso zu handeln, damit die Konvention für die
entscheidenden Parteien möglichst bald in Kraft treten
kann.
Die Konvention über biologische- und Toxinwaffen
wurde seit ihrem Inkafttreten durch die Erhöhung der
Mitgliederzahl und durch von mehreren Überprüfungskonferenzen entwickelte vertrauensbildende Maßnahmen gestärkt. Wir sind der Ansicht, daß die Welt noch
mehr unternehmen kann. Präsident Clinton hat bekanntgegeben, daß die Vereinigten Staaten neue
Maßnahmen zur Verbesserung der Transparenz von
Aktivitäten und Einrichtungen fördern werden, bei denen
biologische- und Toxinwaffen Anwendung finden. Die
Vereinigten Staaten unterstützen auch die Arbeit der
Ad-hoc-Gruppe von Regierungsfachleuten, die zur
Identifizierung und Untersuchung möglicher Verifizierungsmaßnahmen für die Konvention über biologische- und Toxinwaffen unter einem wissenschaftlichen und technischen Gesichtspunkt gebildet wurde.
Wir sprechen uns für die baldige Einberufung einer
Konferenz aus, um den Bericht zu prüfen und die
nächsten Schritte zur Stärkung der internationalen
Normen gegen eine Geißel zu beraten, die durchaus
zur Massenvernichtungswaffe der Zukunft werden
könnte.

*

Seite 4

Die Nichtverbreitungspolitik der Clinton-Administration umfaßt auch den Versuch, nach Lösungen zu
suchen, wo die Nichtverbreitungsnormen nicht greifen. Die Vereinigten Staaten haben im Hinblick auf die
Ambitionen Nordkoreas im Atomwaffenbereich eine
entschiedene Haltung eingenommen. Das bedeutet,
daß Nordkorea ein vollwertiges Mitglied des Nichtverbreitungsvertrags bleiben und mit der Internationalen
Atomenergie-Organisation in allen Bereichen zusammenarbeiten muß, einschließlich der Zustimmung zu
regulären und außerordentlichen Inspektionen sowie
der umfassenden Durchsetzung des von Nord- und
Südkorea erzielten Entnuklearisierungsabkommens.
Die Gefahr der Weiterverbreitung ist in Südasien und
dem Nahen Osten akut. Die Vereinigten Staaten
ermutigen Indien und Pakistan, sich multilateralen
Bestrebungen zur Überprüfung der regionalen Sicherheit und Rüstungskontrolle anzuschließen. Wir unterstützen auch in Zukunft die Aktivitäten der Rüstungskontrollgruppe für den Nahen Osten und der Arbeitsgruppe für regionale Sicherheit.
Die Verbreitung von Raketentechnologie macht die
Welt für uns alle zu einem gefährlicheren Ort. Die
Vereinigten Staaten streben eine Stärkung des Raketentechnologie-Kontrollregiemes (Missile Technology
Control Regime - MTCR) an um sicherzustellen, daß
es weiterhin ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Raketen bleibt.
Schlußfolgerung
Herr Präsident, die Abrüstungskonferenz wird durch
ihre bei der Chemiewaffenkonvention erzielten Erfolge
gestärkt. Sie wird angespornt durch die Aussicht auf
die Aushandlung eines umfassenden Atomtestverbots. Sie wird gefordert durch den Ruf nach einer
Erhöhung der Transparenz bei Rüstungsfragen. Sie
wird gestärkt durch au ßerhalb dieses Gebäudes stattfindende wichtige Entwicklungen im Rüstungskontrollbereich.
Unsere Verantwortung heute liegt darin, das Meiste
aus der sich uns bietenden Chance zu machen. Die
Aufgabe liegt unmittelbar vor uns, ihre Ergebnisse
werden jedoch von langer Dauer sein. Die Herausforderungen sind enorm, aber ihnen steht auch das
Versprechen greifbarer Ergebnisse gegenüber. Der
Weg ist steinig, aber wenn wir am Ziel ankommen, wird
es jegliche Mühe wert gewesen sein. Lassen Sie uns
an die Arbeit gehen."

* * *

*

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�MENSCHENRECHTE
9. Februar 1994

FORTSCHRITTE BEI DER
MENSCHENRECHTSSITUATION 1993,
VERLETZUNGEN DAUERN JEDOCH AN
Jahresübersicht des US-Außenministeriums
WASHINGTON - (AD) - Trotz 1993 bei der Menschenrechtssituation erzielter Fortschritte sind in diesem Jahr
weltweit immer noch Verletzungen von Menschenrechten zu verzeichnen, und politischer Unterdrückung wurde
an allzuvielen Orten kein Ende gesetzt, so die Jahresübersicht des US-Außenministeriums.
Die am 1. Februar 1994 veröffentlichte Übersicht mit Berichten aus 193 Ländern belegt, daß Rückschläge bei
den Menschenrechten zwar die "in einigen Teilen der Welt erzielten Fortschritte wieder aufwiegen", jedoch der
tägliche Kampf für Menschenrechte auf globaler, nationaler und lokaler Ebene mehr Aufmerksamkeit erhielt als
je zuvor."
Besondere Besorgnis riefen dem Jahresbericht für 1993 zufolge hervor: "Folter, willkürliche Festnahme,
Straffreiheit für Menschenrechtsverletzer sowie die Tatsache, daß die Rechte von Frauen, Kindern, Urbewohnern und Arbeitnehmern in vielen Teilen der Welt mit Füßen getreten werden".
Zu den positiven Entwicklungen des Jahres 1993 zählten verstärkte Bewegungen an der Basis zur Förderung
von Menschenrechten, "da die Menschen ihre unveräußerlichen Rechte einfordern und von ihren Regierungen
Rechenschaft verlangen", so das Dokument.
Die Jahresübersicht basiert auf von amerikanischen Botschaften, ausländischen Regierungen, internationalen
Organisationen und anderen Quellen erhaltenen Informationen. Sie setzt internationale Menschenrechtsnormen als Maßstab für die Bewertung der Menschenrechtssituation eines Landes ein.
Nachfolgend veröffentlichen wir eine Übersicht über den Jahresbericht 1993.

Grund für die Erstellung der Berichte
Diese Übersicht wird dem Kongreß vom Außenministerium im Einklang mit Artikel 116(d)(1) und Artikel
502B(b) des Auslandshilfegesetzes von 1961 in seiner
geänderten Form sowie Artikel 505(c) des Handelsgesetzes von 1974 in seiner geänderten Form vorgelegt.
Artikel 116(d)(1) des Auslandshilfegesetzes stellt fest:
"Der Außenminister soll dem Speaker des Repräsentantenhauses und dem Senatsausschuß für auswärtige Angelegenheiten bis zum 31. Januar jedes Jahres
einen umfassenden und vollständigen Bericht überdie
Situation der international anerkannten Menschenrechte geben - nach Absatz (A) in Ländern, denen
gemäß dieser Bestimmungen Auslandshilfe gewährt
wurde, sowie nach Absatz (B) in allen anderen Ländern, die Mitglied der Vereinten Nationen sind und

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nicht unter diesem Gesetz auf andere Weise Gegenstand eines Menschenrechtsberichts sind." Wir haben
auch Berichte über einige Länder einbezogen, die
nicht in die von diesen Gesetzesbestimmungen festgesetzten Kategorien und somit nicht unter diese
Erfordernisse des Kongresses fallen.
Die Idee, daß die Vereinigten Staaten sich für die
Einhaltung international anerkannter Menschenrechtsnormen einsetzen sollten, nahm in den siebziger Jahren Gestalt an. 1976 erließ der Kongreß Gesetze zur
Einrichtung des Büros eines Koordinators für Menschenrechte im Außenministerium, das später zum
Amt eines Abteilungsleiters aufgewertet wurde. Der
Kongreß verlieh auch der offiziellen Forderung Gesetzeskraft, daß die amerikanische Außen- und Handelspolitik die Situation der Menschen- und Arbeitneh-

Seite 1

�merrechte in anderen Ländern in Betracht ziehen sollte
und dem Kongreß jährlich Länderberichte vorgelegt
werden. Bei der erstmaligen Erstellung dieser Übersicht 1977 wurden nur die 82 Empfänger amerikanischer Hilfe erfaßt; für 1993 wurden Berichte über 193
Länder erstellt und veröffentlicht.
Verfahren zur Erstellung der Berichte

im Bereich der amerikanischen Außenpolitik, der
Ausbildung und der Hilfszuweisungen dienen. Er soll
femer die Grundlage für konstruktiven Dialog und
Planung zu Möglichkeiten bilden, wie die Vereinigten
Staaten mit ausländischen Regierungen und privaten
Gruppen zur Verbesserung der weltweiten Menschenrechtsbilanz zusammenarbeiten können.

Die Länderberichte zur Menschenrechtssituation
umfassen international anerkannte Rechte des einzelnen, politische, Bürger- und Arbeitnehmerrechte, wie
in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
enthalten. Dazu gehören auch das Recht auf Freiheit
vor Folter sowie vor grausamer, unmenschlicher und
erniedrigender Behandlung oder Bestrafung, vor längerer Inhaftierung ohne Anklage, Verschwinden aufgrund von Verschleppung oder heimlicher Festnahme
sowie anderen eklatanten Verletzungen des Rechts
auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person. Der
einzelne genießt das unveräußerliche Recht auf die
Absetzung der Regierung mit friedlichen Mitteln und
auf die bürgerlichen Freiheiten wie Meinungs-, VerUnsere Botschaften, die erste Entwürfe für die Berich- sammlungs-, Religionsfreiheit und Freizügigkeit ohne
te vorlegten, sammelten während des ganzen Jahres Diskriminierung aufgrund von Rasse, Nationalität oder
Informationen aus einer Vielzahl von Quellen, ein- Geschlecht. Freie Gesellschaften bedürfen auch freischließlich Kontakten zum gesamten politischen Spek- er Gewerkschaften. Die Berichte beurteilen die intertrum, Regierungsbeamten, Juristen, Militärs, Journali- national anerkannten wichtigsten Arbeitnehmerrechsten, Menschenrechtsbeobachtern, Akademikern und te, einschließlich der Koalitionsfreiheit, dem Recht,
Gewerkschaftsmitgliedern. Das Einholen von Infor- sich zu organisieren und Tarifverträge auszuhandeln,
mationen kann gefährlich sein. Die Angehörigen des dem Verbot von Zwangsarbeit, Mindestalter für die
diplomatischen Dienstes unternehmen oftmals große Beschäftigung von Kindern sowie annehmbare ArAnstrengungen unter schwierigen und bisweilen ge- beitsbedingungen.
fährlichen Bedingungen, um gemeldete MenschenDie Übersicht von 1993
rechtsverletzungen zu überprüfen, sich für einzelne
Bürger einzusetzen und Wahlen zu überwachen.
Die Übersicht über die Berichte von 1993 beschreibt
eine Welt, die von den Vorstellungen unseres Landes
Die Berichtsentwürfe wurden von den einzelnen Bot- und anderer Staaten noch weit entfernt ist. Auf der
schaften nach Washington übermittelt und dort vom ganzen Welt leiden Menschen, die das Recht auf ein
Büro für Menschenrechte und humanitäre Angelegen- Leben in Freiheit und Würde haben, allzuoft unter der
heiten in Zusammenarbeit mit anderen relevanten Grausamkeit von Behörden, die sie ihrer Rechte beStellen des Außenministeriums sorgfältig geprüft. Bei rauben, um ihre eigene Macht zu sichern. 1993 wurde
der Erhärtung, Analyse und Herausgabe der Berichte Kindern viel zu oft ihr Geburtsrecht verweigert - in von
bedienten sich die Mitarbeiter des Außenministeriums Diktatoren beherrschten oder von bewaffneten Konzusätzlich ihrer eigenen Informationsquellen, darunter flikten erschütterten Ländern, in denen Gewehrkugeln,
Berichte von amerikanischen und ausländischen Folter, willkürliche Festnahme, Vergewaltigung, VerMenschenrechtsvereinigungen, Vertretern ausländi- schleppung und andere Menschenrechtsverletzungen
scher Regierungen, Angehörigen der Vereinten Natio- dazu benutzt werden, die nach politischer Freiheit
nen sowie anderen internationalen und regionalen Strebenden zum Schweigen zu bringen, jene zu unterOrganisationen und Institutionen, Fachleuten aus
drücken, deren ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht,
Akademikerkreisen und den Medien und hielten KonRasse oder Religion sie zu möglichen Opfern von
sultationen mit all diesen Quellen ab. Die Mitarbeiter
Diskriminierung machen oder die Schwächsten einzudes Außenministeriums zogen auch Experten für
schüchtern oder zu mißhandeln. Die Charta der
Arbeitnehmerrechte, Flüchtlingsfragen, militärische und
Vereinten Nationen bekräftigt "Würde und Wert der
polizeiliche Angelegenheiten, Exil-, Frauen- und Rechtsmenschlichen Persönlichkeit". 1993 wurde jedoch an
fragen zu Rate. Ziel dieser Bestrebungen war sicherallzu vielen Orten die Würde des Menschen verletzt,
zustellen, daß sämtliche relevanten Informationen in
Gewalt wurde durch Straffreiheit verewigt, die für
Betracht gezogen wurden und die Einschätzungen so
massive Menschenrechtsverletzungen Verantwortliobjektiv, gründlich und fair wie möglich waren. Der
chen kamen ungestraft davon und politischer UnterBericht wird als Quelle für die Entscheidungsfindung
drückung wurde kein Einhalt geboten.
Die Menschenrechtsberichte sind das Ergebnis des
engagierten Einsatzes Hunderter von Mitarbeitern des
Außenministeriums und anderer Angestellter der USRegierung während des ganzen Jahres. Im August
1993 erließ der Außenminister eine Richtlinie, mit der
die Menschenrechtsstruktur in unseren Botschaften
weiter verbessert wurde. Sämtliche Abteilungen jeder
Botschaft wurden ersucht, Informationen zu liefern
und Berichte über Menschenrechtsverletzungen zu
erhärten. Es wurden erneut Anstrengungen unternommen, um die Arbeit der Auslandsvertretungen
stärker mit der Förderung von Menschenrechten und
Demokratie zu verknüpfen.

Seite 2

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•

•

�Dieses Jahr wenden wir unsere besondere Aufmerksamkeit einigen Tendenzen zu, die aus den Berichten
von 1993 ersichtlich sind. Bewaffnete Konflikte stellten diegrößte Bedrohung der Menschenrechte dar. Im
Gegensatz dazu sind der historische Händedruck
zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und dem Führer der Palästinensischen
Befreiungsorganisation (PLO), Yassir Arafat, die
Bemühungen des Vorsitzenden des Afrikanischen
Nationalkongresses (ANC), Nelson Mandela, und des
Präsidenten von Südafrika, F.W. de Klerk, um Wahlrecht für alle Bürger, für die ihnen der Nobelpreis
verliehen wurde, sowie der Friedensprozeß in El Salvador Beispiele für die Annäherung an eine Versöhnung, wo diese vorher unmöglich schien.
Dieser Gegensatz zwischen Gewalt und Versöhnung
war typisch für ein Jahr, in dem die Sache von Demokratie und Menschenrechten sowohl Fortschritte als
auch Rückschritte zu verzeichnen hatte. Der Demokratisierungsprozeß in Kambodscha machte mit der
erfolgreichen Veranstaltung von Wahlen Fortschritte,
erlitt jedoch auf Haiti einen Rückschlag, wo das Militär
die Rückkehr von Präsident Aristide verhinderte.
Gleichzeitig setzten sich die Menschenrechtsverletzungen auf der ganzen Welt fort. Besondere Besorgnis riefen 1993 bei uns die folgenden Vorfälle hervor:
Folter, willkürliche Festnahme, Straffreiheit für Menschenrechtsverletzer sowie die Tatsache, daß die
Rechte von Frauen, Kindern, Eingeborenen und Arbeitnehmern in vielen Teilen der Welt mit Fü ßen getreten werden.
1993 waren jedoch auch positive Tendenzen zu verzeichnen. Staaten, die im Rahmen der Vereinten
Nationen, der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und der Organisation für
Afrikanische Einheit (OAE) zusammenarbeiten, unterstützten neue Demokratien, vermittelten in Konflikten
und unternahmen Schritte, um sich gegenseitig für
Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu
ziehen. Auf der ganzen Welt verbreiteten sich Basisgruppen zur Förderung von Menschenrechten und
Demokratie, während die Menschen ihre unveräußerlichen Rechte einforderten und ihre Regierungen zur
Verantwortung zogen.
I. Bewaffnete Konflikte
In Bosnien, dem Sudan, Burundi, Somalia, Angola,
Irak, Aserbaidschan, Georgien und andernorts führten
bewaffnete Konflikte zu einer großen Zahl von Zivilopfern, Flüchtlingsströmen und Menschenrechtsverletzungen. Viele der Konflikte wurden von unverantwortlichen Politikern geschürt, die die Angst der Menschen ausnutzten.
In vielen Gebieten des ehemaligen Jugoslawien dauert das Gemetzel an. 1993 wurden, wie schon 1992,
Angehörige aller Nationalitäten gequält, und es waren

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zahlreiche Verletzungen der Genfer Konventionen zu
beobachten. Die Streitkräfte der bosnischen Serben
setzten mit Unterstützung Belgrads und der serbischen paramilitärischen Truppen hartnäckig ihr Programm der"ethnischenSäuberungen"fort, einschließlich der Belagerung von Städten, dem wahllosen
Beschuß von Zivilisten, der Vergewaltigung und Exekution von Nichtkombattanten und der Behinderung
humanitärer Hilfslieferungen. Die Kriegshandlungen
wurden 1993 ungehindert fortgesetzt, wobei auch die
bosnische Regierung und die kroatischen Streitkräfte
ungeheuerliche Menschenrechtsverletzungen begingen.
Im Sudan machten sich sowohl die Regierung als auch
die Sudanesische Volksbefreiungsarmee (Sudanese
People's Liberation Army - SPLA) weitverbreiteter
Menschenrechtsverletzungen schuldig, darunter Folter, Zwangsumsiedlungen und Massaker an Zivilisten.
In Somalia wurde durch die internationalen humanitären Hilfsleistungen zwar eine Hungersnot großen
Ausmaßes verhindert, die meisten Somalier setzten
sich jedoch überdie Vorschriften sowie den Schutz der
Rechtsstaatlichkeit und sozialen Ordnung hinweg.
Im Irak setzte Saddam Husseins Regime seine eklatanten Menscherechtsverletzungen fort, indem es
militärische Operationen gegen Zivilisten durchführte,
Dörfer niederbrannte und dem Erdboden gleichmachte und die Menschen zum Verlassen ihrer Häuser
zwang, insbesondere die in den Sumpfgebieten im
Süden des Irak lebenden Schia-Araber.
In Aserbaidschan führte der fortdauernde Konflikt über
Nagomyj Karabach bei allen Konfliktparteien zu Menschenrechtsverletzungen.
In der georgischen Provinz Abchasien begannen
abchasische Separatisten ein Schreckensregime,
nachdem sie durch eine erfolgreiche Offensive Kontrolle über die Provinz erlangt hatten. Eine Vielzahl
georgischer Zivilisten und Truppen wurden Opfer von
Folterungen oder Massenexekutionen.
II. Versöhnung
Trotz dieses Blutvergießens war 1993 auch ein Jahr,
im dem einige Länder unter Überwindung von Schwierigkeiten einer Versöhnung näherkamen. 1964 schrieb
Nelson Mandela:
"Ich habe gegen die Herrschaft der Weißen
gekämpft, und ich habe gegen die Vorherrschaft
der Schwarzen gekämpft. Ich habe das Ideal
einer demokratischen und freien Gesellschaft in
Ehren gehalten, in der alle Menschen in Harmonie miteinander leben und Chancengleichheit
herrscht. Es ist ein Ideal, für das ich lebe und
das ich hoffentlich erreiche."
Dreißig Jahre späterführten Nelson Mandela und F.W.
de Klerk ihr Land zu diesem Ideal.
Seite 3

�Auch beim Friedensprozeß im Nahen Osten wurden
Fortschritte erzielt. An einem warmen Septembertag
in der Bundeshauptstandt Washington wurde die Welt
Zeuge des historischen Händedrucks zwischen Ministerpräsident Yitzhak Rabin und PLO-Führer Yassir
Arafat, der jahrelang andauernde Konflikte überwand.
In diesem Moment vereinigten die beiden Männer die
Hoffnungen ihrer Völker auf Frieden.
Im einst von Bürgerkrieg erschütterten El Salvador
vollendete die UN-Wahrheitsfindungskommission ihre
Untersuchungen der im letzten Jahrzehnt begangenen Menschenrechtsverletzungen und empfahl spezifische Maßnahmen zur Förderung des Versöhnungsprozesses.
In Mosambik waren beim politischen Versöhnungsprozeß zwar viele Rückschritte zu verzeichnen, die
Umsetzung der Friedensvereinbarungen von 1992
wurde jedoch fortgesetzt, wodurch die Mosambikaner
größeren Schutz vor Menschenrechtsverletzungen
sowie die Chance auf mehr bürgerliche und politische
Rechte erhalten.
Obwohl die Menschenrechtsverletzungen in diesen
Ländern andauerten, werden auch Fortschritte erzielt.
III. Demokratie
Im Jahr 1993 träumten Menschen auf der ganzen Welt
von Demokratie. Es waren Fortschritte und Rückschläge zu beobachten. In Kambodscha nahmen
nach der historisch größten UN-Friedensmission 90
Prozent der Wahlberechtigten an freien und fairen
Wahlen teil - den ersten in einem Jahrzehnt - und
schufen somit die Möglichkeit einer langfristigen
demokratischen Evolution. Die verbleibenden 370.000
kambodschanischen Flüchtlinge, die überwiegend an
der Grenze zu Thailand lebten, wurden unter Aufsicht
des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen aus freiem Entschluß in ihre Heimat zurückgeführt.
Im Gegensatz dazu verhinderte das Militär auf Haiti
weiterhin die Rückkehr des demokratisch gewählten
Präsidenten Aristide. Eng mit dem Militär verbündete
rechtsradikale Mörderbanden ermordeten den rechtmäßig ernannten Justizminister und verübten gezielt
Mordanschläge auf bestimmte Personen.

Fortschritte bei bürgerlichen und politischen Rechten
gab es Rückschläge, vor allem während der gewalttätigen Verfassungskrise im Oktober.
In Burma weigerten sich die Militärbehörden weiterhin,
die Ergebnisse der Wahlen vom Mai 1990 umzusetzen, bei denen ihre Herrschaft abgelehnt worden war.
In Nigeria machte das Militär die Wahlergebnisse
zunichte, löste alle demokratischen Institutionen auf
und regiert das Land jetzt per Dekret.
In Burundi wurde der erste demokratisch gewählte
Präsident ermordet, was einen blutigen Konflikt auslöste.
Die Grundlage einer demokratisch gewählten Regierung ist das Recht der Bürger, ihre Regierung durch
freie und faire Wahlen zu bestimmen. Wahlen sind
natürlich nicht der Inbegriff einer Demokratie, aber
eine Grundlage. Demokratie erfordert auch die Schaffung bürgerlicher Gesellschaften, in denen die Menschen sich uneingeschränkt am demokratischen Prozeß beteiligen können. Rechtsstaatlichkeit, bürgerliche Kontrolle des Militärs, eine unabhängige Gerichtsbarkeit, freie Medien und das Recht der Menschen auf
Rede-, Koalitions- und Versammlungsfreiheit sind
unabdingbare Elemente demokratischer Gesellschaften.
IV. Folterung, willkürliche Verhaftung und die
Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern
Gravierende Verletzungen der Menschenrechte fanden nicht nur in von Kriegen erschütterten Ländern
statt. Menschenrechtsverletzungen kamen auch weithin in Ländern vor, in denen die Verletzer nicht zur
Rechenschaft gezogen wurden. Wenn Menschenrechtsverletzer straffrei ausgehen, multiplizieren sich
die Menschenrechtsverletzungen.
Im Iran nimmt die Regierung nach wie vor Folterungen
und Massenexekutionen vor und unterbinde die Rede-, Presse-, Versammlungs- und Koalitionsfreiheit.
Gruppen religiöser Minderheiten, einschließlich der
Bahai, sehen sich systematischer Unterdrückung ausgesetzt.

Nordkorea ist weiterhin eines der repressivsten Länder
der Welt. Die Regierung erachtet die Rechte des
In Guatemala wurde Präsident Jorge Serrano friedlich einzelnen als potentiell subversiv für die Ziele des
und verfassungsmäßig entmachtet, nachdem er mehrere Staats und der Partei.
Artikel der Verfassung außer Kraft gesetzt sowie den
In Burma verstärkt das autokratische Militärregime
Kongreß, den Obersten Gerichtshof und das Verfasseine Macht mit einem perversen Sicherheitsapparat.
sungsgericht aufgelöst hatte. Als der Kongreß wieder
Die Menschen werden willkürlich verhaftet und Gefanzusammentrat, wählte er Ramiro de Leon Carpio, den
gene mißhandelt. Den Bürgern werden grundlegende
ehemaligen Menschenrechts-Ombudsman, zum Präpolitische Rechte sowie das Recht auf Rede- und
sidenten.
Versammlungsfreiheit verweigert.
In Ru ßland wurden zum zweiten Mal in der Geschichte Zaire erlebt die schlimmste Menschenrechtskrise seit
des Landes demokratische Parlamentswahlen abge- dem Ende des Bürgerkriegs in den sechziger Jahren.
halten. Trotz dieses Ereignisses und kontinuierlicher
Seite 4

AMERIKA DIENST 6

�Das Mobutu-Regime war verantwortlich für massive
Menschenrechtsverletzungen, einschließlich von
Morden, unrechtmäßigen Verhaftungen, ethnischer
Gewalt, Folterung und dem Verschwinden von Personen.

widmet. Physische Mißhandlungen sind das offenkundigste Beispiel. In vielen afrikanischen Ländern dauert
die Praxis der Verstümmelung weiblicher Genitalien
an. In Pakistan sehen sich zahlreiche Frauen in
Polizeigewahrsam sexueller oder physischer Gewalt
ausgesetzt. Auf mehreren Kontinenten werden FrauIn China werden in der chinesischen Verfassung ver- en und Kinder als Prostituierte verkauft. In vielen
ankerte Grundrechte in der Praxis häufig ignoriert, und Golfstaaten werden Hausangestellte aus Südostasien
Angriffe auf die politische Autorität der Kommunisti- zu übermäßig langen Arbeitszeiten gezwungen und
schen Partei werden oft hart und willkürlich abgewehrt. gelegentlich physisch und sexuell mißbraucht. In
China hat einige positive, aber kleine Schritte im Be- Bangladesch und Indien kommen immer noch Todesreich der Menschenrechte unternommen, einschließ- fälle aufgrund der Mitgift vor. Vergewaltigung in der
lich der Freilassung prominenter politischer Gefange- Ehe wird in zahlreichen Ländern nicht als Verbrechen
ner. Es gibt jedoch noch immer Hunderte, vielleicht angesehen, und zu Hause vergewaltigte oder geschlaTausende politische Gefangene. Berichte über physi- gene Frauen haben häufig keine Zuflucht. Daß das
sche Mißhandlungen dauern an, darunter durch die Leben einer Frau nicht so hoch bewertet wird wie das
Polizei und Gefängniswärter vorgenommene Folte- eines Mannes ist offenkundig in Ländern wie China, wo
rungen. Dies traf besonders auf politisch aufsässige Berichten zufolge sehr viel mehr weibliche Föten
und von Minderheiten bewohnte Regionen wie Tibet abgetrieben werden als männliche.
zu. Im November gab China bekannt, es werde einen
Antrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz Neben physischer Mißhandlung werden die politischen,
für einen Besuch in China wohlwollend in Erwägung bürgerlichen und gesetzlich verankerten Rechte von
ziehen.
Frauen häufig verweigert. 1993 sahen sich Frauen auf
der ganzen Welt gravierenden und diskriminierenden
In Peru nahmen die Terroraktivitäten des Leuchtenden Einschränkungen solcher Grundrechte wie freie Wahl,
Pfads nach der Gefangennahme ihres Anführers im Heirat, Reisen, Aussagen vor Gericht, Erben und
Jahr 1992 ab. Die Anzahl der von der Regierung Besitz von Eigentum sowie Sorgerecht für die Kinder
ermittelten und verurteilten Morde und verschwunde- ausgesetzt. Allzuoft erleben Frauen und Mädchen,
nen Personen verringerte sich ebenfalls. Dennoch daß ihnen der Zugang zu Bildung, Beschäftigung,
dauerten Menschenrechtsverletzungen an und ernst- Gesundheitsfürsorge und sogar Nahrungsmitteln aufhafte Fragen bezüglich der Rechtmäßigkeit von Mili- grund ihres Geschlechts verwehrt wird.
tärgerichtsverfahren für Zivilisten wurden aufgeworfen.
VI. Die Rechte der Arbeitnehmer
In Kuba untersagt die Regierung inländischen oder
internationalen Menschenrechtsgruppen, legal tätig
zu werden. Menschenrechtsaktivisten und politische
Dissidenten werden durch die Polizei und die Sicherheitsbeamten systematisch belästigt, geschlagen und
auf andere Weise mißhandelt.
In der Türkei begingen Terrorgruppen der Regierung
und auch der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Menschenrechtsverletzungen, einschließlich Folterungen.
In Ägypten dauerten die Folterungen und andere
Menschenrechtsverletzungen an. Als einen positiven
Schritt ließ der Oberste Gerichtshof des Landes 25
Angeklagte frei, deren Geständnisse unter Folter erzwungen worden waren.
In Indonesien gab es immer wieder Fälle von ungesetzmäßigen Festnahmen und Inhaftierungen sowie
Folterungen der Festgenommenen. In Osttimor konnten keine maßgeblichen Fortschritte bei der Rechenschaft über die Vermißten nach der Schießerei im
November 1991 in Dili verzeichnet werden.
V. Die Rechte von Frauen
1993 haben wir dem Problem gravierender Diskriminierung von Frauen besondere Aufmerksamkeit geAMERIKA DIENST 6

In zu vielen Ländern erfüllt das Recht der Arbeitnehmer auf Koalitionsfreiheit - das vornehmste Recht, auf
das Gewerkschaften ihre Fähigkeit zu Tarifverhandlungen, Verteidigung der Beschwerden ihrer Mitglieder
und deren Schutz vor unfairen und unsicheren Arbeitsbedingungen gründen - die von der Internationalen
Arbeitsorganisation (International Labor Organization
- ILO) festgesetzten Normen nicht. Es gibt vielfältige
Beschränkungen der Koalitionsfreiheit. Sie reichen
von direkter und totaler staatlicher Kontrolle aller Formen von Arbeitnehmerorganisationen zu so komplizierten Rechtsvorschriften, daß deren vollständige
Einhaltung praktisch unmöglich ist und den Behörden
den Vorwand zu willkürlichen Eingriffen bietet.
1993 dauerte die Praxis von Zwangsarbeit ebenso an
wie die Ausbeutung eingewanderter Arbeitnehmer,
vor allem Hausangestellter. In einigen Ländern existiert die Sklaverei noch immer, vor allem in Mauretanien und im Sudan. Angesichts der zunehmenden
Sorge über die Auswirkungen des internationalen
Handels auf die Normen für Arbeitnehmerrechte konzentrieren sich die diesjährigen Berichte mehr auf
Kinderarbeit in Exportindustrien, auf Mindestlöhne und
Arbeitssicherheitsnormen. Unsere Berichte dokumentieren eine Reihe ernsthafter Probleme mit Kinderarbeit, insbesondere in Südasien und Nordafrika.
Seite 5

�VII. Rechenschaftspflicht
Angesichts der weitverbreiteten Menschenrechtsverletzungen, der Straflosigkeit von Menschenrechtsverletzern und dem Fehlen von Rechtsstaatlichkeit wurden 1993 auf internationaler Ebene gewisse Fortschritte bei der Entwicklung neuer globaler Institutionen zur Förderung der Rechenschaftspflicht bei Menschenrechtsverletzungen erzielt.

Die Organisation für Afrikanische Einheit war an den
Schlichtungsbemühungen in Burundi beteiligt, die zur
Lösung der Verfassungs- und humanitären Krise dieses Landes beigetragen haben.
Die Organisation Amerikanischer Staaten spielte bei
der Durchsetzung von Menschenrechten und rechtmäßigen Verfahren, vor allem in Nicaragua, eine wichtige Rolle.

Im Februar 1993 gründeten die Vereinten Nationen ein
Kriegsverbrechertribunal zur Verfolgung der für gravierende Menschenrechtsverletzungen im ehemaligen Jugoslawien Verantwortlichen. Bis Ende des
Jahres waren alle Richter vereidigt.

VIII. Basisbewegungen für Menschenrechte und
Demokratie

Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa (KSZE) war eine treibende Kraft, die Länder
bei der Einhaltung von Menschenrechtsnormen zur
Rechenschaft zu ziehen. Im September veranstaltete
die KSZE eine Überprüfungskonferenz, um die Fortschritte aller Teilnehmerstaaten bei der Umsetzung
ihrer Verpflichtungen im Rahmen der "menschlichen
Dimension", einschließlich von Menschenrechten,
Grundfreiheiten und Rechtsstaatlichkeit zu beurteilen.
Die KSZE war darüber hinaus aktiv an der Schlichtung
von Streitigkeiten beteiligt, vor allem durch die Arbeit
des Hochkommissars für nationale Minderheiten. In
Lettland und Estland prüften die KSZE und andere
internationale Wahrheitsfindungsmissionen Beschuldigungen wegen Menschenrechtsverletzungen. Obwohl
sie keine systematischen Menschenrechtsverletzungen ausmachen konnten, forderten sie diese Regierungen zur Verabschiedung eines umfassenden Ansatzes zum Bürger- und Ausländerrecht sowie zur
Sicherstellung der gerechten und nichtdiskriminierenden Behandlung von in ihren Ländern lebenden gebürtigen Russen auf. Lettland und Estland haben beide
der Einrichtung von KSZE-Missionen zur Verbesserung ihrer Beziehungen zugestimmt.

gen dokumentieren und ihre Regierungen in die Verantwortung nehmen. Diese Wächter der Menschenrechte verkörpern Hoffnung. Inmitten der Menschenrechtsverletzungen von 1993 gibt es auch eine andere
Geschichte, die der zahllosen Männer und Frauen, die
sich erhoben und "Nein("sagten, Nein zu Ungerechtigkeit, Nein zu Tyrannei, Nein zu Folterung und Nein zu
Zensur. Wir würdigen diejenigen, die gegen große
Unbilden bei der Förderung von Menschenrechten und
Demokratie ankämpfen:

Die Bereitschaft der Nationen, sich gegenseitig bei
Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft zu
ziehen, spiegelt die Arbeit von Einzelpersonen wider,
Aufgrund der Empfehlung der im Juni in Wien veran- ihre eigenen Regierungen in die Verantwortung zu
stalteten Weltkonferenz über Menschenrechte rief die nehmen. Weltweit unterstützten Basisbewegungen
UN-Generalversammlung das Büro des Hochkommis- 1993 die Verbreitung von Menschenrechten, Freiheit
sars für Menschenrechte mit dem Mandat ins Leben, und Demokratie. Das Engagement dieser Menschen,
alle Hemmnisse gegen die uneingeschränkte Wahr- die mit Hilfe von nichtstaatlichen Organisationen arbeinehmung grundlegender Menschenrechte abzubau- ten, fand in der Abschlu ßerklärung der im Juni in Wien
abgehaltenen Weltkonferenz über Menschenrechte
en.
Niederschlag - daß der einzelne, und nicht der Staat,
Die Weltkonferenz empfahl darüber hinausdie Einrich- im Zentrum von Entwicklung steht. Darüber hinaus
tung eines Sonderberichterstatters für Gewalt gegen darf Unterentwicklung niemals MenschenrechtsverletFrauen. Die Menschenrechtskommission wird dieses zungen rechtfertigen. Es besteht in der Tat eine
Projekt 1994 in Angriff nehmen.
wichtige Verbindung zwischen Menschenrechten,
Demokratie und Entwicklung: Der Schutz von MenIn der Zwischenzeit veranlaßte das UN-Menschen- schenrechten und die uneingeschränkte Beteiligung
rechtszentrum Berichterstatter zu einer Einschätzung des einzelnen an seinem eigenen politischen System
der Lage in Ländern wie Burma, Irak und Kuba, wo schaffen den notwendigen Rahmen für Entwicklung.
Menschenrechte weitgehend mißachtet werden. Andere
Gremien wie das Komitee gegen Folter überwachten Menschenrechte werden ohne die konstante Wachdie Einhaltung von UNO-Verträgen und -Konventio- samkeit mutiger Einzelpersonen nicht geschützt, die
nen.
Menschenrechte fördern, Menschenrechtsverletzun-

Seite 6

Monique Mujawamariya, die in Ruanda und
Burundi arbeitet, und ihresgleichen, deren Körper die Narben von Mörderbanden als Preis für
die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen tragen,
Mansour Kikhiya aus Libyen und alle anderen
"Verschwundenen", die aufgrund ihrer Arbeit für
Menschenrechte verschleppt wurden,
Liu Gang, die in China inhaftiert ist, und alle, die
für die friedliche Artikulierung ihrer Meinung gefangengenommen wurden,

AMERIKA DIENST 6

�Sebastian Arcos aus Kuba und alle, die sich
weigern zu schweigen, wenn andere mißhandelt werden,
Aung San Suu Kyi, die sich seit nunmehr fünf
Jahren in Burma in Hausarrest befindet, und
alle, die um den Preis ihrer eigenen Freiheit für
Freiheit kämpfen,

schen Wandel Auftrieb gewann. In diesem Jahr bekräftigte die internationale Staatengemeinschaft ihre
Verpflichtung zum Schutz und zur Förderung der
Menschenrechte in Wien beim 45. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Macht
dieser Bewegung wurde von Eleanor Roosevelt in
einer Rede vor den Vereinten Nationen im Jahr 1958
mit folgenden Worten wiedergegeben:

die Mitarbeiter des Tageszeitung von Sarajevo,
Oslobodjenje, und alle, die für eine freie Presse
arbeiten und demonstrieren, daß Serben und
Kroaten, Muslime und Juden friedlich Seite an
Seite arbeiten und leben können.
Wir würdigen diese Menschen und die Zehntausenden
mutiger Arbeiter für Menschenrechte auf der ganzen
Welt.
Das Jahr 1993 war ein schwieriges Jahr für die Menschenrechte, ein Jahr, in dem Rückschläge die in
einigen Teilen der Welt erzielten Fortschritte aufwiegen. Paradoxerweise war es auch ein Jahr, indemder
tägliche Kampf für Menschenrechte auf globaler, nationaler und lokaler Ebene mehr Aufmerksamkeit erhielt als je zuvor, ein Jahr, in dem die weltweite
Basisbewegung für Menschenrechte und demokrati-

"Wo beginnen Menschenrechte eigentlich? An
kleinen Orten, in unmittelbarer Umgebung - so
unmittelbar und klein, daß sie auf den meisten
Weltkarten nicht wahrnehmbar sind. Und dennoch sind sie die Welt der Einzelperson, die
Nachbarschaft, in der man lebt, die Schule oder
das College, das man besucht, die Fabrik, Farm
oder das Büro, in dem man arbeitet. Das sind
die Orte, wo jeder Mann, jede Frau und jedes
Kind Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Würde
ohne Diskriminerung anstrebt. Wenn diese
Rechte dort keine Bedeutung haben, bedeuten
sie nirgendwo etwas. Ohne Aktionen besorgter
Bürger, sie in ihrer unmittelbaren Umgebung zu
wahren, werden wir alle vergeblich nach Fortschritten auf der Welt Ausschau halten."

* * * * *

AMERIKA DIENST 6

Seite 7

�USA-EUROPA
9. Februar 1994

DIE VEREINIGTEN STAATEN UND EUROPA:
DAS VERGANGENE UND DAS KOMMENDE JAHR
Rede von Abteilungsleiter Oxman
WASHINGTON - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wirdievomAbteilungsleiterfüreuropäischeund kanadische
Angelegenheiten im US-Außenministerium, Stephen A. Oxman, am 27. Januar 1994 bei dem vom Europe
Magazine veranstalteten Forum gehaltene Rede.

Dies ist eine besonders geeignete Zeit, um Bilanz der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa zu ziehen. Erst vor zwei Wochen reiste
Präsident Clinton zum historischen NATO-Gipfel und
anderen ebenso bedeutenden Gesprächen nach Europa. Die Ergebnisse dieser Reise waren wichtig und
konkret. Die Öffentlichkeit widmete ihre Aufmerksamkeit natürlich zu Recht der Partnerschaft für Frieden
und der Bekräftigung seitens derNATO, sie sei füreine
Erweiterung ihrer Mitgliedschaft als Teil eines evolutionären Prozesses offen. Darüber hinaus haben wir
auch die nukleare Gefahr weiter gebannt, die in den
letzten 50 Jahren unser kollektiver Alptraum war,
indem wirden Weg zur Entnuklearisierung der Ukraine
geebnet und mit Rußland vereinbart haben, daß unsere Tausende nuklearer Gefechtsköpfe nicht länger
gegen unsere jeweiligen Städte gerichtet sind. Und
schließlich führte uns das Treffen des Präsidenten mit
Yassir Arafat - obwohl dies nicht in meinen Aufgabenbereich fällt - die großen Fortschritte vor Augen, die wir
zu einem dauerhaften Frieden im Nahen Osten erzielt
haben.
Diese dramatischen Ereignisse waren jedoch bei weitem nicht die einzigen wichtigen Aspekte der Reise des
Präsidenten. In der Tat kann die Reise als Anlaß
genommen werden, die Leistungen von Präsident
Clintons erstem Amtsjahr zu rekapitulieren, und als
Leitfaden für die von uns im nächsten Jahr angestrebten Leistungen dienen. Ich möchte zunächst über die
von Präsident Clinton mit den Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel geführten
Gespräche und sein Treffen mit Politikern aus Mittelund Osteuropa in Prag berichten. Dann möchte ich auf
den NATO-Gipfel eingehen. Und abschließend werde

AMERIKA DIENST 6

ich kurz einige Anmerkungen zu den Auswirkungen
des ersten Staatsbesuchs des Präsidenten in Europa
machen.
Erstens, Präsident Clintons Gespräch mit Präsident
Delors und Ministerpräsident Papandreou, das sich
auf Wirtschaftsfragen konzentrierte. Wie Sie wissen,

steht das Versprechen des Präsidenten zur Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft im Brennpunkt
unserer Außen- wie auch unserer Innenpolitik. Die
Staats- und Regierungschefs der EU sind ebenso
besorgt um die Wiederbelebung ihrer jeweiligen Volkswirtschaften. Wir konzentrieren uns auf die Stimulierung unserer Wirtschaft durch vermehrten Handel, und
wir haben beeindruckende Fortschritte bei der Off nung
von Märkten und dem Abbau von Handelsschranken
erzielt.
In ihren Gesprächen haben Präsident Clinton und die
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
zunächst eine Bilanz der bemerkenswerten Fortschritte gezogen, die wir im vergangenen Jahr bei der
Öffnung von Märkten und dem Abbau von Handelsschranken gemacht haben. Wir erzielten Einigung
unter der G-7 über ein Paket zur Verbesserung des
Marktzugangs. In Zusammenarbeit mit der EU haben
wie einen erfolgreichen und weitreichenden Abschluß
der Uruguay-Runde herbeigeführt. Wir haben femer
die Ratifizierung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens durch den Kongreß sichergestellt.
Zusammengenommen werden diese Leistungen Märkte
für Exporte in Milliardenhöhe öffnen und Millionen von
Arbeitsplätzen in den Vereinigten Staaten scharfen.
Unsere Handelspartner in Europa und andernorts werden
gleichermaßen davon profitieren. Dies sind historische Leistungen.
Seite 1

�Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union
haben sich auch auf eine gemeinsame wirtschaftliche
Tagesordnung für das nächste Jahr verständigt. Wir
werden erstens unser Ziel weiterverfolgen, Handelsschranken abzubauen und den Zugang zu Märkten auf
der ganzen Welt zu verbessern. Wir werden die
Ratifizierung und Umsetzung des GATT-Abkommens
voranbringen. Wir werden versuchen, unsere verbleibenden Differenzen in wichtigen Bereichen wie audiovisuelle und finanzielle Dienstleistungen beizulegen.
Darüber hinaus werden wir auch Angebote zu verbessertem Marktzugang von Japan und anderen Ländern
einholen um sicherzustellen, daß unsere Produkte
eine faire Wettbewerbschance haben.
Zweitens stimmten der Präsident und die Staats- und
Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft
überein, die Schaffung von Arbeitsplätzen an oberste
Stelle unserer Prioritätenliste zu stellen. Die EU sieht
sich mit anhaltender hoher Arbeitslosigkeit und schleppendem Wachstum konfrontiert. Präsident Delors
Weißbuch war ein wichtiger Schritt zur Inangriffnahme
dieses Problems. Die Vereinigten Staaten verzeichnen einen wirtschaftlichen Aufschwung - angekurbelt
durch den Wirtschafts- und Haushaltsplan des Präsidenten - müssen jedoch noch mehr Arbeitsplätze
schaffen, um die Wirtschaft in Schwung zu halten, wie
Präsident Clinton neulich feststellte. Aus diesem
Grund müssen wir und die europäischen Länder Mittel
und Wege finden, um all unseren Arbeitnehmern gute
und hochbezahlte Arbeitsplätze bieten zu können. Die
von der Administration fürdieses Frühjahr anberaumte
Konferenz zur Schaffung von Arbeitsplätzen wird es
uns gestatten, unsere jeweiligen Bestrebungen auszuwerten, Gedanken auszutauschen und sich gegenseitig verstärkende Strategien zur Schaffung von Arbeitsplätzen auf der ganzen Welt zu entwickeln.
Drittens müssen wir beginnen, die nächste Generation
von Handelsfragen anzusprechen. Vielfach wird die
Auffassung vertreten, die Uruguay-Runde werde sich
als die letzte große multilaterale Verhandlungsrunde
erweisen, die sich auf den Abbau von Zöllen und
anderen Handelshemmnissen konzentriert. Unsere
Aufmerksamkeit wird sich jetzt Themen wie der Harmonisierung von Umweltschutzvorschriften mit internationalem Handel, der Handels- und Wettbewerbspolitik (einschließlich dem Kartellrecht und Subventionen) sowie Handels- und Arbeitsnormen zuwenden.
Die bahnbrechenden Bestimmungen des NAFTA zum
Umweltschutz sind ein gutes Beispiel für die Art von
Abkommen, die wir in der Zukunft anstreben.
Unsere wirtschaftlichen Leistungen und unsere Tagesordnung belegen in konkreter Weise einen Grund,
warum die Vereinigten Staaten die Integration Europas so uneingeschränkt unterstützen: Die Vorteile
einer Auseinandersetzung mit der Europäischen Union
bei Fragen wie dieser. Die durch die Europäische
Union verkörperte Einheit ist kein Mythos. Aus meiner
eigenen Erfahrung und durch das Treffen in Brüssel
Seite 2

bekräftigt, kann ich sagen, wie wertvoll unsere Partnerschaft mit der Europäischen Union für die Vereinigten Staaten ist. Der Erfolg unserer wirtschaftlichen
Tagesordnung erfordert konstante, enge Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU
der Art, wie wir sie in den vergangenen Jahren erlebt
haben.
Eine der uns heute konfrontierenden Hauptaufgaben,
die auch ein wesentlicher Punkt bei der Reise des
Präsidenten war, ist die Ausweitung der europäischen
Integration nach Osten. Ich werde später auf die
Partnerschaft für Frieden eingehen - einen wichtigen
Schritt in diese Richtung. Bei den Gespächen mit den
Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union
und bei den Treffen des Präsidenten in Prag haben wir
jedoch darauf hingearbeitet, die Spaltung Europas aus
der Zeit des Kalten Krieges durch eine auf die gemeinsamen Werte Demokratie und Marktwirtschaft gegründete Integration zu ersetzen. Sowohl die EU als auch
wir stellen bereits beträchtliche Hilfe für die Länder
Mittel- und Osteuropas bei ihrem schwierigen Übergang zu demokratischen und freien Marktwirtschaften
bereit. Im nächsten Jahr werden die Vereinigten
Staaten nach neuen Wegen Ausschau halten, um
regionale Kooperation unter den neuentstehenden
Demokratien zu fördern. Wir werden uns femer auf die
Unterstützung der Ausweitung von Demokratie konzentrieren. Präsident Clinton hat beispielsweise bekanntgegeben, daß wir ein Demokratie-Netz schaffen
werden, das den unabhängigen Basisorganisationen
in der Region neue Ressourcen vermitteln wird.
Mehr als Hilfe benötigen diese Länder jedoch Handel,
der Arbeitsplätze und Wohlstand schafft und die Integration eines ehemals geteilten Europas konsolidiert.
Die EU und wir müssen zusammenarbeiten, um mehr
zur Öffnung unserer Märkte für Waren aus dem Osten
zu tun. Wir müssen uns vor Augen halten, daß offene
Märkte nicht nur den neuentstehenden Demokratien
Vorteile verschaffen. Wohlstand und Stabilität im
Osten werden zur Gewährleistung der Sicherheit in
ganz Europa beitragen. Und die Länder Mittel- und
Osteuropas sind nicht nur potentielle Exporteure, sondern
auch potentielle Importeure. Sie können neue Märkte
für westliche Waren und Dienstleistungen bieten.
Ich möchte mich jetzt dem NATO-Gipfel zuwenden.
Ich werde Sie jedoch noch einmal kurz auf die Folter
spannen: Bevor ich überdie Partnerschaft für Frieden
spreche, möchte ich einige der vom Bündnis bei dem
Gipfeltreffen unternommenen Schritte erläutern, um
die NATO zur Bewältigung der Sicherheitsbedrohungen der Zeit nach dem Kalten Krieg umzugestalten.
Historisch gesehen bestand die Aufgabe der NATO in
der Abschreckung und gegebenenfalls Zurückschlagung einer massiven Invasion ausdem Osten, und ihre
Streitkräfte waren auf die Erfüllung dieser Mission
ausgerichtet. Einer solchen Bedrohung sehen wir uns
heute nicht gegenüber. Instabilität, nicht Invasion, ist

AMERIKA DIENST 6

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*

�heute unsere größte Angst. Und zur Bekämpfung
eines Frontalangriffs konzipierte Streitkräfte sind nicht
zwangsläufig gut an die Bewältigung solcher Probleme
wie ethnische oder regionale Konflikte und die Verbreitung von Nuklearwaffen angepaßt. Mehrere beim
Gipfel ergriffene Maßnahmen werden der NATO bei
der Reaktion auf diese neuen Gefahren behilflich sein.
Erstens verabschiedeten die Verbündeten unseren
Vorschlag zur Einrichtung einer gemeinsamen Eingreiftruppe (Combined Joint Task Forces - CJTF)
innerhalb der NATO. Diese gemeinsame Eingreiftruppe wird Planungsressourcen und Kommandos im
Hauptquartier bereitstellen, die das unverzügliche
Zusammenziehen und die Dislozierung von Streitkräften auf Ad-hoc-Basis ermöglichen. Diese Truppen
sollten auf Eventualfälle mit Ausnahme der umfassenden Verteidigung Westeuropas reagieren, die traditionell die militärische Aufgabe der NATO ist. Die gemeinsame Eingreiftruppe wird Operationen mit Streitkräften aus NATO-Mitgliedstaaten, gegebenenfalls
Operationen außerhalb des NATO-Territoriums und
Operationen zur Unterstützung der Vereinten Nationen, der KSZE oder der Partnerschaft für Frieden
ermöglichen. Die gemeinsame Eingreiftruppe ist somit
ein konkreter Schritt zur Verbesserung der Fähigkeit
der NATO, flexibel auf das breite Spektrum der heutigen Sicherheitsbedrohungen zu reagieren und wird
den NATO-Partnern behilflich sein, unverzüglich und
effektivzur Bewahrung des Friedens zu handeln, wenn
sie dies wünschen.
Zweitens wurde beim Gipfeltreffen die Entwicklung
von Sicherheitsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa angesprochen. Der Vertrag
von Maastricht verpflichtete die Europäische Union zur
Erarbeitung einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungsidentität - eine von den Vereinigten Staaten
begrüßte Entwicklung. Als Ergebnis der bei dem
Gipfel getroffenen Entscheidungen wird jetzt auch die
NATO diesen Prozeß unterstützen und ermutigen. Die
gemeinsame Eingreiftruppe wird es der Westeuropäischen Union oder den europäischen Ländern gestatten, vom NATO-Potential Gebrauch zu machen, selbst
wenn sich die NATO gegen ein Engagement entscheidet. Dies wird die europäische Integration fördern, die
Duplizität militärischer Strukturen vermeiden und ein
ausgewogeneres Gleichgewicht der Verantwortung
innerhalb der NATO zwischen Europa und den Vereinigten Staaten herstellen. Die amerikanischen Truppen in Europa werden nach wie vor der Eckpfeiler
unserer Verteidigung sein, aber ein starker europäischer Pfeiler der NATO ist ebenso wichtig.
Drittens entschied sich die NATO auch zur Intensivierung und Erweiterung ihrer Bestrebungen zur Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen. Sie wird
natürlich nicht versuchen, die in anderen Foren wie der
Abrüstungskonferenz der Vereinten Nationen stattfindenden Anstrengungen zu kopieren. Die NATO wird
jedoch einen Rahmen für politische und eventuell
AMERIKA DIENST 6

militärische Reaktionen auf die Bedrohung der Weiterverbreitung erarbeiten, der auf den zentralen Zweck
der NATO abgestimmt ist, die Sicherheit der Verbündeten zu schützen.
Bei dem Gipfeltreffen wurde auch die Bosnien-Frage
angesprochen. Die amerikanische Politik soll drei
Zielsetzungen erfüllen: Einen für alle Parteien akzeptablen tragfähigen Frieden zu erlangen, humanitäre
Hilfslieferungen bereitzustellen und die Ausweitung
des Konflikts zu verhindern. Die bosnische Situation
ist so frustrierend aufgrund der Tatsache, daß Frieden
nur erlangt werden kann, wenn die Parteien selbst sich
für die Einstellung der Kämpfe entscheiden, und sie
sind noch nicht dazu bereit. Wir werden sie weiterhin
ermutigen, in gutem Glauben einertragfähigen Lösung
zuzustimmen, und wir sind vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses nach wie vor zur Beteiligung an
einer Umsetzung durch die NATO bereit.
In der Zwischenzeit haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten enorme Mengen an Hilfslieferungen
mit der Luftbrücke transportiert und per Fallschirm
abgeworfen undTausendenMenschendas Überleben
im Winter auf dem Balkan gesichert. Darüber hinaus
hat die NATO angeboten, Luftstreitkräfte zur Verfügung zu stellen, wenn die Vereinten Nationen um
Unterstützung der angegriffenen UNPROFOR-Truppen bitten, oder um die Abschnürung Sarajevos oder
anderer Gebiete in Bosnien zu verhindern. Diese
Androhung wurde beim Gipfel bekräftigt und - wie
Präsident Clinton betonte - wurde sie in voller Absicht
ihrer Ausführung gemacht. Wir halten uns an diese
Verpflichtung. Es scheint in der Tat, daß die Entschlossenheit der NATO eine Rotation der Srebrenica
schützenden UNO-Truppen möglich macht. Wir erwarten ferner, sehr bald den Plan der UN PROFOR zur
Öffnung des Flughafens von Tuzla zu erhalten, den die
NATO gegebenenfalls aus der Luft unterstützen wird.
Schließlich haben unsere Durchsetzung der Flugverbotszone, die Entsendung unserer Truppen zur Verstärkung des UNPROFOR-Bataillons in Makedonien
und unsere Warnung an Serbien, wir würden im Falle
von durch die Serben ausgelösten Gewaltakten im
Kosovo reagieren, bisher dazu beigetragen, eine
Ausweitung des Konflikts zu verhindern. Wir werden
weiterhin mit den Verbündeten zusammenarbeiten
und alles in unserer Macht Stehende tun, um das
Morden in Bosnien zu beenden - aber es kann keine
magische Lösung und keinen Frieden geben, solange
sich nicht alle Parteien dem Frieden verpflichten.
Nun möchte ich mich der "Schlagzeile" des NATOGipfels zuwenden: der Partnerschaft für Frieden sowie
der Erklärung, daß das Bündnis für eine Erweiterung
offen ist. Wir waren sehr dankbar für die starke und
positive Reaktion auf die Partnerschaft für Frieden von
Seiten unserer Verbündeten und der jungen Demokratien. Die Partnerschaft für Frieden wurde jedoch
bisweilen kritisiert, sie gehe nicht weit genug, um die

Seite 3

�Sicherheit der Länder Mittel- und Osteuropas zu
gewährleisten, und insbesondere, weil sie ihnen nicht
eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO anbiete.
Eine sofortige Mitgliedschaft in der NATO erscheint
wie eine einfache Lösung des Sicherheitsproblems in
Osteuropa, aber - wie H.L. Mencken feststellte: "Für
jedes komplizierte Problem gibt es eine geschickte,
plausible - und falsche - Lösung." Ich bin davon
überzeugt, daß die Partnerschaft für Frieden gegenüber der Politik einer sofortigen Erweiterung große
Vorteile hat. Sie wird in Partnerschaft verbundenen
Nationen die Chance bieten, auf militärischem und
verteidigungspolitischem Gebiet mit der NATO und
untereinander zusammenzuarbeiten und die Fähigkeit
zur Übernahme der aus einer NATO-Vollmitgliedschaft
resultierenden Verantwortung zu entwickeln. Sie wird
auch zur Schaffung eines wirklich integrierten Europa
beitragen, ohne neue Grenzen zu ziehen, die einige
Länder ausschließen. Und all das wird geschehen,
ohnedaßdie Fähigkeiten des Bündnisses geschwächt
oder seine Hauptaufgabe beeinträchtigt werden.
Die Kritiker der Partnerschaft für Frieden haben das
furchterregende Gespenst von München aus dem
Jahr 1938 wiederbelebt. Sie argumentieren, daß es
"Beschwichtigung" sei, die osteuropäischen Länder
nicht in die NATO aufzunehmen und einen neuen
Eisernen Vorhang zu ziehen, der den Rest Europas
von Rußland trennt. Meines Erachtens ist das eine
falsche Analogie zu Deutschland. Ich möchte Sie
vielmehr bitten, sich vor Augen zu halten, wie wir
Deutschland nach den beiden Weltkriegen behandelten - und zu welchem Ergebnis die jeweilige Politik
führte.
In Versailles wurde Deutschland von den Siegermächten isoliert und mit politischen und wirtschaftlichen
Strafmaßnahmen belastet. Dieser Ansatz schuf
Bedingungen, die den Aufstieg Hitlers begünstigten.
Im Gegensatz dazu haben wir Deutschland nach dem
Zweiten Weltkrieg in wirtschaftlicher und politischer
Hinsicht unterstützt und in Westeuropa integriert. Das
Ergebnis waren ein halbes Jahrhundert währender
Friede und Stabilität in Westeuropa.
Ich bin mir bewu ßt, da ß keine Analogie perfekt ist, aber
die Geschichte deutet darauf hin, daß angesichts
dieser zwei Optionen unsere heutige Politik gegenüber
Rußland wie unsere Politik 1945 aussehen sollte, und
nicht wie 1918. Und das ist genau der Ansatz, den wir
mit der Partnerschaft für Frieden verfolgen. Wir streben ein vollkommen integriertes Europa mit demokratischen, marktwirtschaftlich orientierten Staaten an,
die der Sicherheit ihrer Partner ebenso verpflichtet
sind wie die NATO-Staaten heute untereinander. Dieses
Ziel kann am besten erreicht werden, wenn wir Rußland erfassen und einladen, Teil dieses Prozesses zu
werden, anstatt es außen vor der Tür des neuen
Europa stehen zu lassen.

Seite 4

Im kommenden Jahr wird eine unserer Hauptaufgaben
darin bestehen, die Partnerschaft für Frieden funktionsfähig zu machen. Ein führender polnischer Politiker sagte mir im vergangenen Jahr, bei der Partnerschaft für Frieden zählten die Details. Durch die
Details werden wir in der Lage sein, die Partnerschaft
zu einem wirksamen Instrument zur Förderung unseres Ziels eines integrierten Europa zu machen.
Während die künftigen Partner einen Antrag stellen,
machen sie auch Vorschläge, wieviele militärische
Mittel sie für die Partnerschaft zur Verfügung stellen
werden. Sie beschreiben die von ihnen zu ergreifenden Schritte zur Sicherstellung der zivilen Kontrolle
über das Militär und zur Offenlegung ihrer Verteidigungshaushalte. Die Partner werden Vertreter zum
NATO-Hauptquartier entsenden, die untereinander und
mit der NATO gemeinsame Übungen und Operationen
planen. Und wir erwarten, daß Ende dieses Jahres
gemeinsame friedenssichernde Geländeübungen
durchgeführt werden. Bei diesen Übungen werden
NATO-Truppen Seite an Seite mit ihren ehemaligen
Gegnern aus dem Warschauer Pakt zusammenarbeiten.
Und genau das meinen wir, wenn wir sagen, daß die
Partnerschaft für Frieden den jungen Demokratien bei
der Entwicklung von Zusammenarbeitsmechanismen
und routinemäßigen Konsultationen helfen wird, die
den Lebensnerv des Bündnisses darstellen. Die Teilnahme an der Partnerschaft ist keine Garantie für eine
NATO-Mitgliedschaft. Die Partnerschaft wird helfen
sicherzustellen, daß im Falle einer NATO-Erweiterung
die neuen Mitglieder den der NATO zugrundeliegenden politischen Prinzipien verpflichtet sind und bereitwillig die aus einer Mitgliedschaft resultierenden Pflichten übernehmen. Die Partnerschaft für Frieden ist die
richtige Politik für das Europa von heute. Sie gestattet
uns, auf das beste Ergebnis für Europa hinzuwirken,
während wir uns für den Notfall auf das Schlimmste
vorbereiten.
Ich möchte meine Ausführungen mit einer allgemeineren Bemerkung über den Stand unserer Beziehungen
zu Europa abschließen. In den vor der Reise des
Präsidenten liegenden Wochen und Monaten wurde
die Politik der Administration gegenüber Europa von
einigen Gelehrten kritisiert. Sie behaupteten, die
Administration sei sich nicht ausreichend bewußt, welche
Bedeutung Europa hat und daß wir auf die Führungsrolle Amerikas in der Welt verzichtet hätten.
Nach der Reise des Präsidenten hört man diese Kritik
nicht mehr so oft - und das aus gutem Grund. Sie war
damals nicht berechtigt und ist es auch heute nicht.
In seiner Rede im Brüsseler Rathaus bekräftigte Präsident Clinton erneut die Bedeutung unserer engen
Bande zu Europa. Er erklärte: "Europa bleibt für die
Interessen der Vereinigten Staaten von zentraler
Bedeutung, und... wir werden gemeinsam mit unseren

AMERIKA DIENST 6

�Partnern daran arbeiten, die sich uns allen bietenden
Chancen zu ergreifen." In seiner Rede zur Lage der
Nation von dieser Woche erinnerte der Präsident uns
an den Stellenwert von Stabilität und Sicherheit in
Europa für die Vereinigten Staaten.
Europa ist nicht - wie einige fürchten - von unserer
Tagesordnung gestrichen worden. Im Gegenteil: Die
Errungenschaften dieser Administration während ihres ersten Jahres sind eine Spitzenleistung an amerikanischem Engagement und Führungsrolle in Europa.
Der Einsatz des Präsidenten für freien Handel und
unsere engen Konsultationen mit der EU trugen entscheidend zu m Abschlu ß der Uruguay-Runde bei. Die
großen Leistungen des NATO-Gipfels - die Partnerschaft für Frieden, die Unterstützung einer europäischen Verteidigungsfähigkeit durch die NATO, die
gemeinsame Eingreiftruppe sowie die Schritte zur
Nichtverbreitung-waren das Ergebnis amerikanischer
Initiativen und enger Konsultationen mit unseren Verbündeten. Der Gipfel selbst war ein Vorschlag Präsident Clintons. Und wir waren an der Aushandlung des
trilateralen Abkommens über die ukrainischen Nuklearwaffen maßgeblich beteiligt.

Die Vereinigten Staaten werden weiterhin in Europa
engagiert bleiben. Zusätzlich zu der für dieses Frühjahr angesetzten Arbeitsplatzkonferenz wird Präsident
Clinton im Sommer dieses Jahres zweimal nach Europa reisen - im Juni zum Gedenken an die Invasion der
Normandie und im Juli zum G-7-Gipfel in Neapel.
Gegen Ende des Jahres werden wir eine Konferenz
über Handel und Investitionen in Mittel- und Osteuropa
abhalten und weiterhin mit der EU an verbessertem
Marktzugang für Waren aus dem Osten arbeiten.
Die Bande zwischen den Vereinigten Staaten und
Europa sind einzigartig - Bande der Geschichte, Familie,
des Handels, der Sicherheit und vor allem des tiefempfundenen und leidenschaftlichen Engagements für das
Ideal der Freiheit des einzelnen. Diese Bande bilden
die Grundlage für unsere dauerhafte Partnerschaft.
Während des nächsten Jahres - und auch in absehbarer Zukunft - werden wir wie in der Vergangenheit eng
mit der Europäischen Union sowie unseren Freunden
und Verbündeten in Europa zusammenarbeiten, um
gemeinsam die uns konfrontierenden Herausforderungen anzugehen.
Ich danke Ihnen. Jetzt bin ich gerne bereit, Ihre Fragen
zu beantworten.

*

AMERIKA DIENST 6

*

Seite 5

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                <text>&lt;strong&gt;1. Bosnien&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;USA entsetzt über Granatenanschlag auf Markt in Sarajevo&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erklärungen von Clinton, Christopher und Perry&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. USA-Deutschland&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Intensive Gespräche über Bosnien&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erörterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wiedereröffnung des US-Generalkonsulats in Düsseldorf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Ansprache von Botschafter Holbrooke&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Partnerschaft mit Deutschland könnte Europapolitik der USA leiten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Neues Buch von Daniel Hamilton&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Verteidigung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Perry umreißt sechs grundlegende Aufgaben des Verteidigungsministers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatssauschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Westen kann Entwicklungen in Russland maßgeblich beeinflussen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Verteidigungsminister Perry bei Wehrkundetagung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Abrüstung&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Ende des Kalten Krieges erhöht Notwendigkeit der Rüstungskontrolle &lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede des neuen ACDA-Direktors bei Genfer Abrüstungskonferenz&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Menschenrechte&lt;/strong&gt; &lt;br /&gt;Fortschritte bei der Menschenrechtssituation 1993, Verletzungen dauern jedoch an&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Jahresübersicht des US-Außenministeriums&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;6. USA-Europa&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Vereinigten Staaten und Europa:&lt;br /&gt;das vergangene und das kommende Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Rede von Abteilungsleter Oxman&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeben U.S. Information Service
Embassy of the United States of America

Z12462C

2. Februar 1994

CLINTON-JAHRESBILANZ

LEISTUNGEN DER CLINTONADMINISTRATION IM ERSTEN JAHR
Übersicht des Weißen Hauses

RUSSLANDHILFE

TALBOTT: KEINE HILFE DES WESTENS
OHNE REFORMEN IN RUSSLAND
Anhörung vor Senatsausschuß

WIRTSCHAFT

INFORMATION - DIE NEUESTE GRENZE
BEI ARBEIT UND FERTIGUNG
von William Neikirk

UMFRAGE

AMERIKANER HABEN WEITERHIN
INTERNATIONALISTISCHEN BLICKWINKEL
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten

FULBRIGHT

20 JAHRE FULBRIGHT-PROGRAMM
MIT RUSSLAND
Geplante Feierstunde an der
staatlichen Universität Moskau

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-339 23 72
Fax:0228-33 41 02

�CLINTON-JAHRESBILANZ
2. Februar 1994

LEISTUNGEN DER CLINTON-ADMINISTRATION
IM ERSTEN JAHR
Übersicht des Weißen Hauses
WASHINGTON - (AD) - Die folgende Übersicht wurde am 21. Januar 1994 vom Weißen Haus veröffentlicht.

"Um unsere Demokratie soll uns nicht nur die ganze Welt beneiden, unsere Demokratie muß auch die
Lokomotive unserer Erneuerung werden. Amerika hat keine Schwächen, die nicht durch Amerikas Stärken behoben werden könnten." (Rede des Präsidenten bei seiner Amtseinführung).

Zusammenfassung
"Grundlegende und mächtige Kräfte erschüttern unsere WeK und gestalten sie neu, und die
drängende Frage unseres Zeitalters lautet, ob
wir den Wandel zu unserem Freund und nicht zu
unserem Feind machen können... Wir wissen,
daß wir uns harten Wahrheiten stellen und
energische Schritte unternehmen müssen."
(Rede des Präsidenten bei seiner Amtseinführung).
Vom ersten Tag an haben Präsident Clinton und
Vizepräsident Gore die Pattsituation durchbrochen,
die Washington seit Jahren lähmte. Durch effektive
Zusammenarbeit mit dem Kongreß haben sie eine
solide Grundlage für die Gesundung der Wirtschaft
gelegt und bei der Umsetzung der Prioritäten des
Präsidenten einen guten Anfang gemacht.
Der Präsident und der Kongreß können auf ein bemerkenswertes Jahr zurückblicken. Congressional Quarterly stellte fest, daß 88,6 Prozent der vom Präsidenten befürworteten Gesetze in diesem Zeitraum verabschiedet wurden - die höchste Erfolgsquote eines
Präsidenten im ersten Amtsjahr seit Präsident Eisenhower im Jahr 1953. Einer anderen Erhebung zufolge
gewann der Präsident bei knappen Abstimmungen mit
einem noch höheren Prozentsatz - über 90 Prozent -,
was den Rekord von Präsident Johnson im Jahr 1965
noch überbietet. Die Unterstützung beider Parteien
war entscheidend für die Verabschiedung wichtiger
Gesetzesvorlagen wie beispielsweise zum nationalen
Sozialdienst, NAFTA, dem Gesetz über Urlaub aus
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familiären Gründen und Krankenurlaub sowie Hilfe bei
Überschwemmungskatastrophen. Erst zum zweiten
Mal in 60 Jahren machte der Präsident nicht von
seinem Vetorecht Gebrauch. Nachfolgend einige der
wichtigsten Gesetze:
Das Wirtschaftspaket. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 10. August 1993.
Gesetz über Urlaub aus familiären Gründen und
Krankenurlaub. Per Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen am 5. Februar 1993.
Gesetz über die Reform der Kreditvergabe für
Studenten. Per Unterschrift Gesetzeskraft
verliehen am 10. August 1993.
Das Brady-Gesetz. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 30. November 1993.
Gesetz zur Verbrechensbekämpfung. Von beiden
Häusern des Kongresses verabschiedet am 19.
November 1993.
Gesundheitsreform. Eingebracht am 20. November 1993.
Nationaler Sozialdienst. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 21. September 1993.
NAFTA. Per Unterschrift Gesetzeskraft verliehen am 8. Dezember 1993.
GATT. Abkommen abgeschlossen am 15.
Dezember 1993.

Seite 1

�Wahlkampffinanzierung. Von beiden Häusern
des Kongresses verabschiedet am 22. November 1993.
Wiederaufbau der Wirtschaft
"Wir müssen jeden einzelnen um einen Beitrag
bitten, damit wir die Arbeit bewältigen können.
Aber wir werden am meisten von denjenigen
verlangen, die in den vergangenen 12 Jahren
am meisten bekommen und am wenigsten
gegeben haben - denjenigen am oberen Ende
der Leiter. Und wir werden alles in unserer
Macht Stehende zum Schutz der Menschen
tun, die am meisten unter sich verringernden
Einkommen und wegrationalisierten Arbeitsplätzen zu leiden haben - der Mittelschicht und der
arbeitenden Armen." (Erste Rundfunkansprache).
Mehr Arbeitsplätze
Arbeitsplätze werden so schnell wie nie zuvor in den
vergangenen vier Jahren geschaffen. Im ersten Jahr
der Clinton-Administration wurden mehr als 1,6 Millionen neuer Arbeitsplätze im Privatsektor eingerichtet über eine halbe Million mehr als während der letzten
vier Jahre.
Die Arbeitslosenquote fiel im Dezember 1993 auf 6,4
Prozent - dem niedrigsten Prozentsatz seit drei Jahren.
Im ersten Jahr der Clinton-Administration hat die Wirtschaft 164.000 neue Arbeitsplätze pro Monat geschaffen - viermal schneller als in den vergangenen vier
Jahren.
Historischer Defizitabbau
Verabschiedung des umfassendsten Plans zum Defizitabbau in der Geschichte - mehr als 500 Milliarden
Dollar in über fünf Jahren.
Das Paket zum Defizitabbau beinhaltete 255 Milliarden Dollar an spezifischen Ausgabenkürzungen und
eine beispiellose "Einfrierung" - einen realen Abbau
von 12 Prozent - bei allen Ausgaben zur freien Verfügung.

Niedrige Zinssätze
Die amerikanischen Verbraucher profitieren von niedrigen Zinssätzen und Hypothekenzinsen, die ihnen
den Kauf eines Eigenheims erleichtern und die Belastungen fürdiejenigen mildern, die bereits Hypotheken
abzahlen.

8,22 Prozent im letzten Jahr - dies ist der niedrigste
Zinssatz seit über 20 Jahren.
Infolge dieser niedrigen Zinssätze haben mehr als 5,4
Millionen Amerikaner 1993 ihre Eigenheime mit Einsparungen von 10 Milliarden Dollar allein in diesem
Jahr neu finanziert. Ein Hauseigentümer mit einer
Hypothek von 100.000 Dollar, der neu finanziert und 2
Prozentpunkte spart, wird pro Jahr Einsparungen in
Höhe von 1.700 Dollar verzeichnen.
Der Bau neuer Wohnungen stieg von 1,17 Millionen im
vergangenen Januar auf 1,43 Millionen im November
- dem höchsten Niveau seit über drei Jahren. Die
Ausgaben im Baugewerbe liegen 10 Prozent höher als
in den vergangenen Jahren und die aktuelle Zahl von
Hausverkäufen ist die höchste seit 14 Jahren.
Infolge der niedrigen Zinssätze schnellen die Unternehmensinvestitionen in die Höhe. Im letzten Jahr
sind die Aufwendungen für langlebiges Herstellungsgerät am raschesten seit 1984 angestiegen.
Erweiterung der Märkte für amerikanische Produkte
Abschluß des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens und Unterzeichnung des Gesetzes zu seiner
Umsetzung mit der Sicherstellung, daß die Amerikaner eine Führungsrolle bei der Expansion der Weltwirtschaft und Öffnung von Märkten übernehmen, wodurch Arbeitsplätze geschaffen werden.
Aushandlung eines erfolgreichen GATT-Abkommens,
das in über 170 Nationen Handelsschranken senken
wird, den amerikanischen Verbrauchern Einsparungen in Milliardenhöhe bringt und Hunderttausende von
Arbeitsplätzen schafft.
Einführung einer durchgreifenden, neuen Handelspolitik zum Schutz der Umwelt und der amerikanischen
Arbeitnehmer.
Unterstützung der handelspolitischen Tagesordnung
der Vereinigten Staaten in Asien durch die Einberufung des ersten Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs des asiatisch-pazifischen Raums (APEC)
in der Geschichte und Einigung mit Japan auf einen
Rahmen für Handelsgespräche. Förderung der Wachstumsmaßnahmen der G-7 auf den Tokioter Gipfel.
Hilfe für Kleinunternehmen

Gewährung von neuen Steuererleichterungen fürüber
90 Prozent der Kleinunternehmen. Erhöhung der
abschreibbaren Investitionen und Einführung einer
neuen gezielten Senkung der Kapitalertragssteuer für
langfristige Investitionen in Kleinunternehmen - AnreiAngekurbelt durch den Plan zum Defizitabbau sind die
ze, die in den nächsten fünf Jahren Hunderttausende
Zinssätze drastisch gesunken. Im vergangenen Jahr
von Arbeitsplätzen schaffen werden.
fielen die Zinssätze für langfristige Hypotheken mit
Laufzeiten von 10 bis 30 Jahren mehr als einen ganzen Unterzeichnung des Gesetzes über die Aufstockung
Prozentpunkt. Die Hypothekenzinsen für die 30jährige garantierter Kredite für Kleinunternehmen von 1993,
Laufzeit liegen jetzt bei 7,19 Prozent verglichen mit
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�mit dem die Verfügbarkeit dieser Kredite verbessert
wird.
Wachstumsorientierte Hochtechnologiepolitik
Erarbeitung einer nationalen Exportstrategie, mit der
Exportkontrollen für amerikanische High-tech-Produkte im Wert von 37 Milliarden Dollar abgebaut werden,
die hochbezahlte amerikanische Arbeitsplätze unterstützen.
Entwicklung eines Aktionsplans für die nationale Informationsinfrastruktur und Veranlassung des Transfers
von 200 MHz Frequenzspektren an den Privatsektor
für die unverzügliche Einführung neuer Funktechnologien.
Drastische Verlagerung der staatlichen Forschungsund Entwicklungsprioritäten auf zivile Technologie.
Bereitstellung von Anreizen für Forschung und Entwicklung des Privatsektors sowie die Gründung neuer
Unternehmen durch Erhöhung der Steuerfreibeträge
für Forschung und Entwicklung.

100.000 Polizisten auf die Straßen sowie der
Einrichtu ng von Straflagern für erstmals straffällig gewordene, nicht gewalttätige Jugendliche
und mehr Gefängniszellen für Schwerverbrecher. Und ich unterstütze eine Initiative, um
alles in unserer Macht Stehende zu tun, damit
keine Schußwaffen in die Hände von Kriminellen gelangen." (Ansprache bei der Plenarsitzung des Kongresses).
Schußwaffen von den Straßen verbannen
Präsident Clinton unterzeichnete am 30. November
1993 das Brady-Gesetz und brach damit eine siebenjährige Pattsituation. Das Brady-Gesetz fordert eine
fünftägige Wartezeit beim Kauf von Handfeuerwaffen.
Importverbot für ausländische Maschinenpistolen wie
die Uzi und Forderung des Verbots von Sturmgewehren. Das Gesetz zur Verbrechensbekämpfung des
Senats beinhaltet das strengste je erlassene Verbot
von Sturmgewehren.

Verschärfung der staatlichen Lizenzvergabe an Waffenhändler durch Verbesserung der InformationsbeHilfe für die Gemeinden
schaffung über potentielle Waffenhändler mit der
Schaffung von neun wirtschaftlichen Ermächtigungs- Forderung an die Waffenhändler, zuverlässigere
zonen und 95 Unternehmensgemeinden. Der Plan Angaben von den Käufern zu beschaffen und Berichte
bietet den Gemeinden die Anreize und Flexibilität zur über den wiederholten Verkauf von Handfeuerwaffen
Zusammenarbeit mit dem Privatsektor bei der Erarbei- genau zu prüfen. Vorschlag einer drastischen Erhötung tiefgreifender Strategien zur wirtschaftlichen hung der staatlichen Lizenzgebühren für Waffenhändler, um die Zahl von derzeit 284.000 Waffenhändlern in
Entwicklung.
den Vereinigten Staaten zu verringern.

Übermittlung des Gesetzes über die Entwicklung von
Bank-und Finanzinstitutionen in Gemeinden von 1993
an den Kongreß, mit dem ein staatlicher Fonds in Höhe
von 382 Millionen Dollar zur Subventionierung der
Entwicklung von Banken und Institutionen eingerichtet
wird.
Einführung des Gesetzes über die Erschließung von
Wohnraum und Gemeinden von 1993, mit dem die
Mietpolitik für Sozialwohnungen überarbeitet und der
Erwerb von Hauseigentum für einkommensschwache
Amerikaner erleichtert wird.
Einführung der Initiative über Reinvestitionen und
Konversion der Rüstungsindustrie, mit der 1993 spezifische Rüstungskonversionsprogramme in Höhe von
1,7 Milliarden Dollar durchgeführt wurden. Das Paket
beinhaltet Mittel für die Ausbildung und Umschulung
von Arbeitnehmern, Investitionen in besonders schwer
betroffenen Gemeinden sowie ein technologisches
Reinvestitionsprojekt, das kleinen Rüstungsfirmen den
Schritt auf den kommerziellen Markt erleichtern soll.
Sicherere Straßen
"Wir müssen ein durchgreifendes Gesetz zur
Verbrechensbekämpfung erlassen. Ich unterstütze eine Initiative zur Entsendung weiterer

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Forderung nach Verabschiedung einer Maßnahme im
Rahmen des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung
des Senats, um Jugendlichenden Besitz von Handfeuerwaffen zu verbieten.
100.000 neue Polizeibeamte
Um unsere Straßen sicherer zu machen, wird mit dem
vom Kongreß erlassenen Gesetz zur Verbrechensbekämpfung die Zustimmung zum Plan des Präsidenten
erteilt, zusätzlich 100.000 Polizisten auf die Straßen zu
schicken, die sich besonders auf Patrouillen in den
Gemeinden konzentrieren sollen.
Unterzeichnung des Zusatzartikels über die Einstellung von Polizeibeamten, der 200 Millionen Dollar für
Polizeistreifen in den Gemeinden vorsieht. Im Dezember wurden 74 Städten Bundeszuschüsse gewährt.
Sicherere Schulen
Aufstockung der Mittel für die Initiative SAFE Schools
Der Präsident unterbreitete den vom Senat verabschiedeten Vorschlag zu durchgreifenden neuen
Maßnahmen im Rahmen des Gesetzes zur Verbrechensbekämpfung, um die Schulen unserer Nation
sicherer zu machen.

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�Eindämmung des Drogenkonsums

Unterstützung der Familien

Der Direktor des Büros für die nationale Drogenkontrollpolitik wird in den Rang eines Ministers erhoben.

Finanzierung der Initiative zum Erhalt der Familie und
deren Unterstützung, um zur Verhinderung von Kindesmißbrauch beizutragen und den Eltern die zur
Erziehung ihrer Kinder erforderlichen Fähigkeiten zu
vermitteln.

Unterzeichnung eines Präsidialerlasses zur Stärkung
der amtlichen Befugnisse des Büros bei der Drogenkontrollpolitik, einschließlich die nationale Sicherheit
betreffender Themen.

Head Start

Einbeziehung von Therapiemöglichkeiten für Drogen- Aufstockung derMittelfürHead Start um 550 Millionen
mißbrauch im Rahmen des umfassenden medizini- Dollar, wodurch weiteren 100.000 Kindern die Teilnahschen Leistungspakets im Gesetz über Sicherstellung me an diesem Programm ermöglicht wird.
der Gesundheitsfürsorge.
Impfungen
Mehr Gefängnisse und Straflager
Unterzeichnung eines umfassenden Plans zur ImpDas Gesetz zur Verbrechensbekämpfung wird den fung von Kindern, um zusätzlich 6 Millionen amerikaBau neuer Gefängnisse finanzieren um sicherzustel- nischen Kindern kostenlos Impfstoff zur Verfügung zu
len, daß Kriminelle weiterhin hinter Gittern bleiben stellen.
sowie Straflager für jugendliche Täter vergrößern.
Arbeitslosenhilfe
Hilfe für Familien
Unterzeichnung des Gesetzes von 1993 über zusätz"Wir müssen sehr viel mehr tun, um die Sozial- liche Bewilligungen in dringenden Fällen, mit dem die
hilfeempfänger zurück zur Arbeit und Unabhän- Arbeitslosenhilfe auf bis zu 26 Wochen für Opfer der
gigkeit zu bringen, um die Durchsetzung von Rezession verlängert wird und 44 Milliarden Dollar an
Unterhaltszahlungen für Kinder zu verbessern, Arbeitslosengeld in dringenden Fällen für rund 1,9
um diejenigen, die 40 Stunden pro Woche arbei- Millionen arbeitslose Amerikaner bereitgestellt werten und Kinder zu Hause haben mit einer Anhe- den. Rasches Handeln bei der Arbeitslosenhilfe wird
bung des Einkommensteuerfreibetrags zu be- verhindern, daß jede Woche 250.000 bis 300.000
denken, damit wir wirklich sagen können, wir arbeitslose Amerikaner durch das soziale Netz fallen.
belohnen Arbeit statt Abhängigkeit, um alle Kinder
in diesem Land zu impfen, damit weniger Eltern Nahrungsmittelhilfe
vom Urlaub aus familiären Gründen Gebrauch
machen müssen, weil ihre Kinder stark und Uneingeschränkte Finanzierung des speziellen Nahgesund sind." (Unterzeichnung des Gesetzes rungsmittelergänzungsprogramms für Frauen, Babys
und Kinder sowie Erweiterung der durchschnittlichen
über Urlaub aus familiären Gründen und KranBeteiligung um 300.000 Familien und Verabschiedung
kenurlaub).
entscheidender Bestimmungen des Mickey Leland
Gesetzes, mit dem armen Familien mit Kindern mehr
Steuersenkungen für Arbeitnehmerfamilien
Lebensmittelmarken zugebilligt werden.
Anhebung des Einkommensteuerfreibetrags um 21
Milliarden Dollar über fünf Jahre, um Arbeit statt So- Umfassende Gesundheitsreform
zialhilfe zu belohnen. In diesem Jahr werden 14
"Wir müssen dies zu unserer vordringlichsten
Millionen Familien im Rahmen dieser Maßnahme 13
Priorität machen: Jedem Amerikaner eine KranMilliarden Dollar erhalten. Wenn sie vollständig verkenversicherung garantieren - eine Krankenwirklicht ist, werden über 20 Millionen Haushalte mit
versicherung, die ihm niemals wieder entzogen
Einkommen von 27.000 Dollar oder weniger davon
werden kann, eine Krankenversicherung, die
profitieren.
immer da ist... Das, meine amerikanischen
Urlaub aus familiären Gründen und Krankenurlaub
Unterzeichnung des Gesetzes über Urlaub aus familiären Gründen und Krankenurlaub, das bis zu 12
Wochen unbezahlten Urlaub mit Garantie des Arbeitsplatzes für Erwerbstätige vorsieht, damit sie sich um
ihre Familienangehörigen kümmern können. Infolgedessen werden sich Amerikaner nicht mit der schwierigen Entscheidung zwischen Pflege eines Familienangehörigen und Erhalt des Arbeitsplatzes konfrontiert sehen.
Seite 4

Mitbürger, sinddie Prinzipien, auf die wirmeines
Erachtens unsere Bestrebungen gründen sollten: Sicherheit, Unkompliziertheit, Wahlmöglichkeiten, Qualität und Verantwortungsbewußtsein." (Ansprache zum Gesundheitswesen).
Sicherstellung der Gesundheitsfürsorge
Einführung des Gesetzes über die Sicherstellung der
Gesundheitsfürsorge von 1993, einem durchgreifenden Plan zur Reform des nationalen Gesundheitswesens, um allen Amerikanern umfassenden Versiche-

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�rungsschutz zu garantieren, der ihnen nicht wieder
entzogen werden kann. Die Lösung ist ein System mit
garantierter Privatversicherung. Sie gewährleistet jedem
Amerikaner eine gesundheitliche Versorgung, vereinfacht unser System durch die Verringerung der Papierflut und die Aufdeckung von Betrug, bildet Spareinlagen, schützt und erweitert unsere Wahlmöglichkeiten
bei Ärzten und Versicherungsplänen, verbessert die
Qualität der Versorgung und fordert alle zur Übernahme von Verantwortung auf.
Entscheidungsfreiheit

«

Aufhebung der Einschränkungen unter der Reaganund Bush- Administration bei der Beratungspflicht vor
einem Schwangerschaftsabbruch ("Maulkorberlaß"),
Schwangerschaftsabbruch in Militärkrankenhäusern,
der "Mexiko-Stadt-Politik" und des Imports der Abtreibungspille RU-486.
Verbesserte medizinische Forschung
Unterzeichnung des Gesetzes zur Neubelebung der
nationalen Gesundheitsinstitute, welches das staatliche Verbot von fetalen Transplantaten und Forschung
aufhebt, die Büros für die Erforschung der Gesundheit
der Frau, von Minderheiten und für alternative Medizin
errichtet und Ausrichtung sowie Finanzmittel der AIDSForschung konsolidiert.

Nationaler Sozialdienst
Unterzeichnung des Gesetzes über den nationalen
Sozialdienst, das 100.000 Amerikanern die Möglichkeit zum Dienst an ihren Gemeinden und unserem
Land gibt, um somit ihre weiterführende Bildung zu
finanzieren. Die Mitglieder des AmeriCorps werden
sich den vordringlichen Erfordernissen der Nation auf
den Gebieten Bildung, humanitäre Angelegenheiten,
öffentliche Sicherheit und Umwelt direkt widmen.
Bessere Schulen
Unterzeichnung des Gesetzes Goals 2000, eines
umfassenden Reformprogramms für das nationale
Bildungswesen, sowie des Gesetzes zur Verbesserung der amerikanischen Schulen.
Unterzeichnung eines Präsidialerlasses über historische Colleges und Universitäten für Schwarze, durch
den auf Ebene der Bundesregierung die Entwicklung
und der Erfolg dieser Einrichtungen und ihrer Abgänger gefördert werden.

AIDS

Beschäftigung im Sommer

Aufstockung der im Ryan White-Gesetz vorgesehenen Finanzierung ambulanter AIDS-Behandlung um
231 Millionen Dollar auf 579 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1994 sowie Vorschlag einer 20prozentigen
Erhöhung von Ausgaben der nationalen Gesundheitsinstitute für die AIDS-Forschung.

Unterzeichnung des Programms zur Beschäftigung
und Ausbildung Jugendlicher im Sommer 1993, das
700.000 benachteiligten Jugendlichen die Chance bietet,
sinnvolle Gemeindearbeit zu leisten, erste Berufserfahrung zu sammeln und Geld zu verdienen.

Erstmalige Ernennung eines AIDS-Beauftragten zur
Konsolidierung der staatlichen Mittel und Fonds, um
ein Heilmittel zu finden und sich mit dem Thema AIDS
zu befassen.

Einbringung der Initiative Übergang ins Berufsleben, die den Bundesstaaten und Gemeinden Finanzmittel zur Entwicklung und Durchführung von Ausbildungsprogrammen sowie Aufstellung nationaler Standards für solche Programme zur Verfügung stellt.

Bildung und Dienstleistungen
1

der Bundesregierung und einkommensabhängige
Darlehen führt. Durch die Umgehung eines "Mittelsmanns" werden die Kosten der Darlehen in den nächsten fünf Jahren um 3 Milliarden Dollar und in jedem
darauffolgenden Jahr um 2 Milliarden Dollar gesenkt.

Berufsausbildung

"Amerikaner jeder Generation sehen sich der Wiederherstellung des Vertrauens in die Regieenormen Herausforderung gegenüber, die in rung
diesem Land viel zu lange vernachlässigten
"Das Vertrauen der Menschen, die unsere
Erfordernisse zu decken... Denjenigen, die dem
Rechnungen ... in Washington zahlen, ist nicht
Ruf folgen und diese Herausforderungen angroß. Wir müssen es wiederherstellen. Wir
nehmen, mache ich den Vorschlag, daß unser
müssen wieder dafürsorgen, daßdie Regierung
Land ihre Dienste durch neue Chancen im Bilsich für den durchschnittlichen Steuerzahler
dungsbereich belohnt." (Rede des Präsidenten
einsetzt, nicht nur für Interessengruppen."
an der Rutgers University).
(Ansprache bei einer Plenarsitzung des Kongresses).
Finanzierbare Bildung
Unterzeichnung des Gesetzes von 1993 über die
Reform der Kreditvergabe für Studenten, das mehr
Studenten die Möglichkeit zur Finanzierung einer
College-Ausbildung bietet und zu Einsparungen für
den Steuerzahler durch direkte Darlehensgewährung
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Umstrukturierung der Regierung
Durchführung einer eingehenden Untersuchung zur
Leistungsfähigkeit der Regierung, die mehr als 1.200

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�Empfehlungen enthält, um die Regierungsarbeit besser und kostengünstiger zu gestalten. Durch die
Umstrukturierung wird der Mitarbeiterstab um 252.000
Beschäftigte gekürzt und die Arbeit der Regierung
effizienter organisiert. Dadurch sollen Bürokratie
abgebaut, veraltete und überflüssige Vorschriften
abgeschafft und Sonderrechte zurückgenommen
werden.
Das Motor-Voter-Gesetz

sentantenhaus und Senat. Beide Gesetzentwürfe
zielen auf eine Begrenzung der Ausgaben für den
Wahlkampf, eine Verminderung des Einflusses der
politischen Aktionskomitees und des Einsatzes "weicher Gelder" ab.
Unterzeichnung eines Präsidialerlasses zur Verhängung des strengsten Verhaltenskodex in der Geschichte, der Inhabern hochrangiger Ämter Lobbying für die
ihrer Regierungstätigkeit folgenden fünf Jahre verbietet.

Unterzeichnung des Motor-Voter-Gesetzes, das den
70 Millionen nicht registrierten Amerikanern den Gang Abschaffung der Abschreibungsmöglichkeit von für
zu den Wahlurnen vereinfacht, indem ihnen die Gele- Lobbyismus getätigte Ausgaben.
genheit gegeben wird, sich bei Erwerb ihrer FahrerUmweltschutz
laubnis registrieren zu lassen.
Atomversuche am Menschen
Einleitung einer eingehenden Untersuchung der staatlich unterstützten Nuklearversuche am Menschen
während des Kalten Krieges.
Reorganisation der Katastrophenhilfe

"Viel zu lange wurde unsgesagt, wir müßten uns
zwischen der Wirtschaft und der Umwelt entscheiden, zwischen unseren Arbeitsplätzen,
zwischen den Verpflichtungen unserem eigenen Volk gegenüber und unserer Verantwortung für die Zukunft und für die übrige Welt,
zwischen staatlichen Maßnahmen und der Privatwirtschaft... Die Vereinigten Staaten können
ihre führende Stellung in der Weltwirtschaft aufrechterhalten, indem sie beim weltweiten
Umweltschutz die Führungsrolle übernehmen."
(Ansprache Präsident Clintons am Tag der Erde).

Umwandlung der Behörde für staatliche Katastrophenhilfe (Föderal Emergency Management Agency - FEMA)
in eine effektive, flexible Organisation, damit sie den
Opfern von nahezu 80 gemeldeten Katastrophen,
einschließlich der großen Überschwemmungen und
Brände in Kalifornien, schnelle Hilfe zukommen lassen Aktionsplan zur Klimaveränderung
kann.
Einbringung eines innovativen und umfassenden Plans
Einsparung von Steuergeldern
zur Klimaveränderung, derzu Einsparungen für RegieAnordnung einer Reduzierung staatlicher Vergünsti- rung und Wirtschaft führt, das Wirtschaftswachstum
gungen, wodurch die Subvention von exklusiven ankurbelt, Arbeitsplätze schafft und eines der bedrohRestaurants in Regierungsgebäuden aus Steuergel- lichsten Umweltprobleme der heutigen Zeit angeht:
dern beendet sowie die Nutzung staatlicher Flugzeuge Die Erwärmung der Erdatmosphäre.
und Fahrzeuge begrenzt wird.

Forstwi rtschaftsp lan

Unterzeichnung des Gesetzes von 1993 über Leistung
und Ergebnisse der Regierungsarbeit, das von den
Behörden die Entwicklung von Strategien und Möglichkeiten zur Einschätzung von Leistung verlangt, um
die Effektivität und Rechenschaftspflicht gegenüber
der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Entwicklung eines Forstwirtschaftsplans, der die festgefahrene Situation im Nordwestpazifik schließlich
wieder in Gang brachte. Die Bundesbehörden arbeiten heute mit denjenigen zusammen, die in der Region
leben und arbeiten, um den Plan umzusetzen sowie
Wirtschaft und Umwelt der Region wiederherzustellen.

Senkung des Mitarbeiterstabs des Weißen Hauses um Feuchtgebiete
25 Prozent.
Vorlage eines Plans für die Feuchtgebiete, um diese
Eine bunt gemischte Administration
fruchtbaren Ökosysteme zu schützen, die Wasser
Ernennung des vielfältigsten Kabinetts und der vielfäl- filtern und reinigen sowie einen Schutz vor Überflutung
tigsten Administration der Geschichte. Das Kabinett darstellen. Das Paket der Administration reflektiert die
besteht zu 29 Prozent aus Afroamerikanern und zu 14 lebensnotwendige Bedeutung wirksamen Schutzes
Prozent aus Hispanoamerikanern. Sechs Frauen haben und der Wiederherstellung der Feuchtgebiete der Natbn
und befürwortet dringend erforderliche Reformen zur
Kabinettsrang.
Erhöhung der Fairness und Flexibilität der DurchfühReform der Wahlkampffinanzierung und des Lob- rungsprogramme der Bundesregierung.
byismus
Märkte für Umweltprodukte
Einbringung umfassender Gesetzesvorlagen zur Reform der Finanzierung von Wahlkampagnen im Reprä- Unterzeichnung von Präsidialerlassen, um ein Beispiel
zu geben und die Kaufkraft der Regierung zur FördeSeite 6

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�rung von Märkten für Umweltprodukte zu nutzen,
wobei gleichzeitig Steuergelder gespart werden. Die
Präsidialerlasse umfassen folgende Bereiche:
Umweltpapier und umweltfreundliche Güter bei
der staatlichen Beschaffung,
mit alternativen Treibstoffen betriebene Fahrzeuge für den Fuhrpark der Regierung,
energiesparende Computer für die Regierungsarbeit,
beschleunigter stufenweiser Abbau ozonschädigender Chemikalien,

Beistand für Südafrika beim Übergang des Landes von
einem Apartheidssystem zur Demokratie, einschließlich der Veranstaltung nichtrassischer Wahlen im April
1994 durch diplomatische Bemühungen, Hilfsleistungen und die Aufhebung von Sanktionen.
Verstärkung der Bemühungen zur Wiederherstellung
von Demokratie und der Rückkehr Präsident Aristides
nach Haiti durch Unterstützung der Governor IslandsVerhandlungen; Verhängung strenger internationaler
Sanktionen, als die Militärs auf Haiti ihren Versprechen
nicht nachkamen.
Vorschlag eines Gipfeltreffens demokratischer Staatsund Regierungschefs aus dieser Hemisphäre für 1994.

Verhinderung von Verschmutzung - staatliche
Einrichtungen senken toxische Emissionen um Nahostfriedensprozeß
50 Prozent und melden sie u nter den sogenann- Neubelebung des Nahostfriedensprozesses, die zu
ten Gesetzen über das "Recht auf Information". dem im Weißen Haus zwischen Israel und der PLO
unterzeichneten historischen Abkommen führte.
Artenvielfalt
Mobilisierung internationaler Unterstützung für den
Unterzeichnung derArtenschutzkonvention durch den Prozeß, einschließlich auf der Washingtoner KonfePräsidenten, die eine Unkehrung der von der vorheri- renz zugesagter 2 Milliarden Dollar.
gen Admistration eingenommenen Haltung bedeutet.
Die Administration setzte die Industrie und die im Starke nationale Verteidigung
Umweltschutz Tätigen zur Lösung ihrer Probleme ein, Abschluß der ersten umfassenden strategischen
und die Vereinigten Staaten unterzeichneten den Vertrag Überprüfung der verteidigungspolitischen Erfordernisim Juni.
se in derZeit nach dem Kalten Krieg. Der Prozeß bietet
einen Leitfaden zur Aufrechterhaltung der nationalen
Bekräftigung der Führungsrolle Amerikas
Sicherheit und identifiziert substantielle Einsparungen
"Ich weiß jedoch, daß sich viele Menschen nach im Verteidigungshaushalt.
dem Ende des Kalten Krieges fragen, ob die
Vereinigten Staaten sich zurückziehen oder in Durchführung der ersten Überprüfung des nuklearen
der Welt engagieren wollen, und falls sie aktiv Einsatzkonzepts seit dem Ende des Karten Krieges,
sind, welchem Zweck das dienen soll. ... Wir einschließlich der politischen Doktrin, Streitkräftestrukkönnen nicht jedes Problem lösen, aber wir tur, Operationen und Sicherheit.
wollen eine Stütze für den Wandel und ein Stärkung der Sicherheitsbeziehungen
Zentrum des Friedens sein." (Rede des Präsidenten vor der UN-Generalversammlung).
Einberufung des NATO-Gipfels im Januar 1994. Bei
diesem Gipfel wurde die Zustimmung der NATO und
Förderung von Demokratie, Marktreform und Men- osteuropäischer Nationen zu einer "Partnerschaft für
schenrechten
Frieden" gewonnen, um das Bündnis an die neuen
sicherheitspolitischen Erfordernisse Europas anzupasLeitung der internationalen Bestrebungen zur Fördesen, indem den Staaten der ehemaligen Sowjetunion
rung von Demokratie und Marktreform in Rußland und
sowie Mittel- und Osteuropas engere Beziehungen zur
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen SowjetuniNATO angeboten werden.
on durch bilaterale/multilaterale Hilfe und entschiedene Unterstützung der Reformer. Einrichtung derGore- Bekräftigung unseres Engagements in Ostasien sowie
Tschemomyrdin-Kommission zur Zusammenarbeit im Ausarbeitung eines Konzepts der künftigen Sicherheit
Weltraum, bei Energiefragen, der Rüstungskonver- Asiens während des Besuchs in Tokio, Seoul und der
sion und auf anderen Gebieten. Aufhebung vieler Entmilitarisierten Zone.
überholter Gesetze aus der Zeit des Kalten Krieges.
Eindämmung der Weiterverbreitung
Erstmalige Wiederherstellung des Konsenses zur Politik
gegenüber China seit den Vorfällen auf dem Platz des Intensive diplomatische Bemühungen, um Belarus
Himmlischen Friedens als Voraussetzung für einen und Kasachstan vom Beitritt zum NichtverbreitungsDialog, um eine Verbesserung der chinesischen Bilanz vertrag zu überzeugen und zur Entscheidung dieser
bei Menschenrechten, Nichtverbreitung und Handel Länder für einen atomwaffenfreien Status zu bewezu gewährleisten.
gen. Mit der Ukraine und Rußland wurde ein Abkommen über umfassende trilaterale Verhandlungen er-

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�zielt, um die mehr als 1.800 Gefechtsköpfe und 176 auf Situation und Verhinderung der Einkesselung Sarajedie Vereinigten Staaten gerichten ballistischen Inter- vos erforderlich sein sollten.
kontinentalraketen der Ukraine zu beseitigen.
Widerstand gegen einen überstürzten Rückzug aus
Annahme einer umfassenden Nichtverbreitungs- und Somalia, wodurch den Somaliern die Gelegenheit
Exportkontrollpolitik sowie entschiedene Maßnahmen gegeben wurde, eine Rückkehr zu dem Chaos zu
zur Bekämpfung der Weiterverbreitung von Massen- verhindern, das vor unserer Ankunft 350.000 Menvernichtungswaffen durch Nordkorea, Iran, Irak, China schenleben forderte. Rückgang der Angriffe auf Trupund andere Staaten. Ankündigung von Initiativen zur pen der Vereinigten Staaten und der Vereinten NatioEindämmung der Gefahren, die durch die Weiterver- nen sowie Einsetzung einer Untersuchungskommisbreitung von Raketen, atomaren, biologischen und sion zur Ahndung der Urheber von Angriffen auf die
chemischen Waffen entstehen.
UNO-Truppen.
Aussetzung von Atomversuchen und Aufnahme der
Arbeit mit anderen Regierungen mit dem Ziel, bis 1996
einen umfassenden Vertrag über das Verbot von
Atomtests zu erreichen. Zustimmung des Senats zum
Vertrag über Offene Himmel und Vorlage einer Chemiewaffenkonvention im Senat, durch die eine ganze
Kategorie von Massenvernichtungswaffen verboten
wird.
Terrorismusbekämpfung
Angriff auf die irakische Geheimdienstzentrale als
Reaktion auf die irakische Verschwörung zur Ermordung von Präsident Bush, Verhängung neuer Sanktionen der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen gegen Libyen, um die für den Anschlag auf Pan
Am-Flug 103 Verantwortlichen vor Gericht zu bringen,
Verfolgung einer Politik der "doppelten Eindämmung"
des Iran und des Irak.

Rationalisierung und Reform der Auslandshilfe
Vorschlag zur umfassendsten Umstrukturierung der
Auslandshilfe seit der Kennedy-Administration, wodurch Ansichten aus der Zeit des Kalten Krieges
überholt und Wirtschaftswachstum, Demokratie, Frieden, umweltverträgliche Entwicklung und humanitäre
Hilfsleistungen gefördert werden. Einsatz für die Beibehaltung der Hilfe für Israel und Ägypten auf dem
jetzigen Niveau.
Bekämpfung illegaler Einwanderung
Durchsetzung neuer Maßnahmen zur Bekämpfung
illegaler Einwanderung durch Zusammenarbeit mit
ausländischen Regierungen sowie Erleichterung der
legalen Einwanderung.
Kriegsgefangene und Vermißte

Konsequente Untersuchung des Schicksals von Kriegsgefangenen und Vermißten des Vietnamkriegs, einHilfe für Bosnien im Rahmen der längsten humanitären schließlich Überführung der sterblichen Überreste,
Luftbrücke in unserer Geschichte, Förderung der Frie- Freigabe von Dokumenten und Zusammenarbeit im
densgespräche, Durchsetzung der Flugverbotszone, Falle von Diskrepanzen, auch mit Laos. Entsendung
Verhängung von Sanktionen gegen Serbien sowie von zwei Delegationen des Präsidenten nach Vietnam
Zusicherung des entschiedenen Engagements der zur weiteren Erforschung dieser Angelegenheit.
NATO für Luftangriffe, falls diese zur Entspannung der
Humanitäre Hilfsleistungen

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�RUSSLANDHILFE
2. Februar 1994

TALBOTT: KEINE HILFE DES WESTENS
OHNE REFORMEN IN RUSSLAND
Anhörung vor Senatsunterausschuß
WASHINGTON - (AD) - Strobe Talbott, Sonderbotschafterund designierter Stellvertretender Außenminister der
Vereinigten Staaten, erklärte am 24. Januar 1994 bei einer Anhörung vordem Unterausschuß des Senats für
Auswärtige Operationen, die russischen Politiker müßten verstehen, daß die Unterstützung des Westens für die
russischen Reformen diesen eher folgen, als ihnen vorgreifen werden. Um die Mittel der internationalen
Finanzinstitutionen und des westlichen Privatsektors locker zu machen, "muß Rußland weiterhin aggressive
Schritte zur Stabilisierung seiner Wirtschaft unternehmen". Im einzelnen erfordere das Talbott zufolge eine
stabile Währung sowie Verantwortungsbewußtsein bei Finanz- und Geldtransaktionen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den vorbereiteten Redetext für die Anhörung von Botschafter Talbott vor dem
Unterausschuß.

Mr. Atwood und ich freuen uns über die Gelegenheit,
Ihnen und Ihren Kollegen unser Programm zur Unterstützung der Reformen in den Neuen Unabhängigen
Staaten (NUS) der ehemaligen Sowjetunion darzulegen.
Wir alle sind uns bewußt, daß Auslandshilfe kein
Selbstzweck ist - sie ist ein Instrument unserer Au ßenpolitik und daher ein Instrument zur Förderung unserer
nationalen Interessen. Bevor Sie die Einzelheiten
unseres Hilfsprogramms von meinem Kollegen Mr.
Atwood vernehmen, möchte ich deshalb zunächst
kurz auf die Politik eingehen, der sie dienen soll.
Unsere Politik und unser Hilfsprogramm richten sich
auf 12 Staaten. Mit Ihrer Erlaubnis, Herr Vorsitzender,
möchte ich mich heute jedoch nur auf einen konzentrieren: die Russische Föderation, weil die jüngsten
Ereignisse besonders brennende Fragen darüber
aufgeworfen haben, was dort geschieht, was als nächstes geschehen wird, und was wir als Reaktion darauf
unternehmen sollten. Als bei weitem größter und
mächtigster der neuen unabhängigen Staaten verfügt
Rußland darüber hinaus über ein hohes Maß an Einflu ß auf seine Nachbarstaaten - in guten wie in schlechten Zeiten. Bei seiner jüngsten Reise traf Präsident
Clinton mit den Staats- und Regierungschefs der Ukraine
und Belarus zusammen. Sie wiederholten, was wir
viele Male zuvor von ihnen und allen anderen in der
Region gehört haben: Das Schicksal der Reformen in

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Rußland wird das Schicksal der Reformen in den
Nachbarstaaten maßgeblich beeinflussen.
Die vergangenen Monate waren in vielfacher Hinsicht
eine Zeit der Unruhen für Rußland. Der Reformprozeß, zu dessen Unterstützung wir verpflichtet sind, hat
ernsthaften Widerstand provoziert. Im Oktober hetzten die Politiker des alten Parlaments aus der Ära der
Sowjetunion den bewaffneten Mob gegen die Regierung auf, im Dezember gewann eine beträchtliche Zahl
von ultranationalistischen und kommunistischen Deputierten Sitze im neuen Parlament.
Die Stimmung im russischen Volk, die sich in diesen
Wahlergebnissen niederschlug, ist angeheizt von
heftigen Ressentiments gegen die derzeitige Realität,
von Angst vor der Zukunft und entsprechend von
Nostalgie für die Vergangenheit. Eine solche Kombination von Stimmungen ist ungesund für jeden politischen Apparat einer Nation. Aus diesem Grund überrascht es nicht, daß viele Reformer in Rußland beunruhigt und demoralisiert sind. Ebensowenig überrascht es, daß viele im Westen besorgt sind, die
sogenannte Zweite Russische Revolution sei gescheitert und eine Gegenrevolution habe eingesetzt.
Diese Ansicht teilen wir nicht. Präsident Clinton und
Außenminister Christopher ziehen aus den Ereignissen der vergangenen zwei Monate und aus ihren
jüngsten Besuchen in Rußland völlig andere Schluß-

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�folgerungen. Aus der Sicht der Administration unterstreichen die russischen Wahlen, ihre Auswirkungen
auf das Parlament und drastische personelle Veränderungen in der Exekutive sowie die Spannungen, die wir
vor zwei Wochen in Moskau beobachten konnten, die
vier zentralen Prämissen unserer Politik, die wir von
Anbeginn dieser Administration dargelegt haben:

Dennoch befinden sich die Reformer und die Unabhängigen, die bei Schlüsselfragen die Partei der Reformer ergreifen könnten, im Unterhaus ungefähr im
Gleichgewicht mit den Reformgegnern. Im Oberhaus
haben sie eine etwas stärkere Position. Diese Kräftekorrelation kombiniert mit der Boris Jelzin durch die
neue Verfassung verliehenen großen Macht als Präsident bedeutet insgesamt gesehen, daß die ReformErstens befindet sich Ru ßland in einem Titanen- kräfte nach dem 12. Dezember am Boden, aber nicht
kampf über die Zukunft des Landes,
geschlagen sind.

zweitens haben wir enormes Interesse am
Ergebnis dieses Kampfes,

Der vielleicht wichtigste Punkt hier, Herr Vorsitzender,
ist nicht so sehr die relative Stärke der unterschiedlidrittens können wir sowohl im Hinblick auf unse- chen Blöcke und Persönlichkeiten im Augenblick,
re Worte als auch unsere Taten etwas bewirken, sondern der Prozeß und die Institutionen, die jetzt in
die Praxis umgesetzt wurden: Es handelt sich um
viertens handelt es sich hierbei um einen lang- einen politischen Prozeß und eine politische Institufristigen Prozeß, der Geduld und Beständigkeit tion.
von uns erfordert.
Seit nahezu einem Jahrhundert gibt es in Rußland zum
Unser Zeitrahmen sollte nicht nur Jahre, sondern ersten Mal Realpolitik - und in vielerlei Hinsicht zum
Jahrzehnte umfassen - vielleicht sogar eine Genera- ersten Mal überhaupt. Das ist meiner Ansicht nach
tion oder mehr. Vornehmlich aus diesem Grund hat eine begrüßenswerte Entwicklung, die ermutigt und
Präsident Clinton vor zwei Wochen vor 700 russischen unterstützt werden sollte. Dieses Organ - der Kongreß
Studenten seiner Hoffnung für die Zukunft Rußlands der Vereinigten Staaten - kann für diese Unterstützung
Ausdruck verliehen, die unsere eigene in so hohem entscheidend sein, weil es jetzt ein echtes Gegenstück
in Rußland hat, auf das es einwirken kann.
Maße beeinflussen wird.
Wie Präsident Clinton in seiner Moskauer Rede beton- Ein Kooperationsprogramm mit dem neuen Parlament
te, wollen die Amerikaner den Erfolg Rußlands bei wurde bereits in die Wege geleitet, das den Austausch
seiner Umgestaltung - nicht nur um seinetwillen oder von Parlamentsmitgliedern und Mitarbeitern sowie
Verbindungen zu verschiedenen Organen des amerium Europas willen, sondern um unsertwillen.
kanischen Kongresses, wie dem Forschungsdienst
Ein stabiles, demokratisches, marktorientiertes Ruß- des Kongresses (Congressional Research Service land, ein in seinen eigenen Grenzen sicheres Rußland, CRS) beinhaltet. Im nächsten Monat wird der Kongreß
das die Grenzen anderer respektiert, ein integriertes eine kleine Gruppe russischer Parlamentsmitarbeiter
statt eingedämmtes Rußland bedeutet weniger ameri- und die erste 20köpfige Delegation der neuen Duma
kanische Steuergelder für Verteidigung, eine verrin- empfangen. Eine zweite Gruppe von 20 russischen
gerte Bedrohung durch die Massenvernichtungswaf- Parlamentariern wird im März ankommen. Diese
fen, neue Märkte für amerikanische Produkte und Gruppen werden mit ihren Kollegen im amerikanieinen mächtigen, verläßlichen Partner für Diplomatie schen Kongreß und mit Regierungsvertretern zusamund Handel im 21. Jahrhundert.
mentreffen. Darüber hinaus wird das Amt für internationale Entwicklung (Agency for International DevelopIch möchte Ihnen kurz darlegen, wie wir den Stand der ment - AID) mit dem CRS zusammenarbeiten, um
russischen Reformen und ihre Aussichten in ihren beim Aufbau eines Netzes für Informationen und polibeiden wesentlichen Dimensionen beurteilen: Politik tische Analysen für das russische Parlament behilflich
und Wirtschaft.
zu sein. Fünf Millionen Dollar an Hilfsleistungen wurden für das neue russische Parlament bereitgestellt.
Entwicklung eines politischen Prozesses
Wir hoffen, daß dieser Kongreß aktiv an der VerwirkDie Medienberichterstattung und Kommentare über lichung dieser Verbindungen arbeiten wird.
die russische Politik haben sich in der letzten Zeit
vornehmlich auf die schlechten Nachrichten konzen- Die nächsten zweieinhalb Jahre - von heute bis zu den
triert. Das ist verständlich. Der Aufstieg von Wladimir für Mitte 1996 anberaumten Wahlen - werden eine
Schirinowskijs ultranationalistischer Partei ist eine entscheidende Periode sein. Werden die Reformer
beunruhigende Entwicklung, sowohl aufgrund der einen Großteil der öffentlichen Unterstützung zurückextremen Ansichten ihrer Funktionäre als auch weil sie gewinnen können, die sie am 12. Dezember verloren
den Kommunisten und ihren Verbündeten eine Chan- haben? Die Antwort auf diese Frage wird in hohem
ce geboten hat, sich als gemäßigte, vernünftige Libe- Maße von der kontinuierlichen Entwicklung demokratischer Mechanismen und bürgerlicher Aktivitäten
rale darzustellen.
abhängen.

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*

,
,

�Mit Finanzmitteln aus unserem Hilfsprogramm werden
die amerikanischen nichtstaatlichen Organisationen
auf die Entwicklung demokratischer Institutionen in
Rußland und den anderen neuen unabhängigen Staaten in einer Vielzahl von Bereichen hinarbeiten:
Kommunalregierungen, Rechtsstaatlichkeit, politische
Prozesse und unabhängige Medien.

freigegeben. Das alte zentralisierte Vertriebssystem
wurde praktisch abgeschafft. Die Engpässe in der
russischen Wirtschaft werden weniger. Die Exporte
sind hoch und im Dezember war die Inflationsrate auf
ihrem niedrigsten Stand seit September 1992 (obwohl
es Anzeichen gibt, daß die Inflation im Januar höher
ist).

Im Zusammenhang mit unserem Programm für Rechtsstaatlichkeit ist der amerikanische Juristenverband der
russischen Regierung bei der Wiedereinführung von
Schwurgerichtsverhandlungen in neun Zielregionen
behilflich. Diese Initiative wird den Schutz der Menschenrechte und die Entwicklung eines effektiven und
fairen Strafrechtssystems fördern.

Natürlich ist noch ein weiter Weg zurückzulegen. Die
Privatisierung von Firmen ist nur ein erster Schritt bei
der Entwicklung gewinnbringender Unternehmen, die
Arbeitsplätze schaffen. Die Produktion fällt immer
noch, und die Inflationsrate ist nur relativ gesehen
günstig. Bei 12 Prozent in diesem Monat verdoppeln
sich die Preise noch immer alle sechs Monate.

Im Vorfeld der Wahlen in Rußland vom 12. Dezember
boten mehrere amerikanische nichtstaatliche Organisationen und Freiwilligenverbände Hilfe und Rat für
russische Organisationen an, um freie und faire Wahlen
zu unterstützen. Das nationale Institut der Demokraten und das internationale Institut der Republikaner
haben ferner eng mit den politischen Parteien zusammengearbeitet, um ihnen bei der Entwicklung von
tragfähigen Parteistrukturen behilflich zu sein. Die
beiden Institute haben auch Wahlbeobachter ausgebildet und die internationale Überwachung der Wahlen
koordiniert, um die die russische Regierung gebeten
hatte. Es wurden bewußt Anstrengungen unternommen um sicherzustellen, daß alle Parteien gleichermaßen Zugang zu diesen Diensten hatten.

Die russische Führung ist sich darüber im klaren, daß
sie bei der Erfüllung der Bedürfnisse und Beschwichtigung der Ängste ihrer Bürger bessere Arbeit leisten
muß. Präsident Clinton erhielt aus erster Hand einen
Eindruck dieser Bedürfnisse und Ängste, als er einen
Gang durch die Stadt machte, in einem Geschäft
einige Laibe Brot kaufte und mit den Menschen auf den
Straßen sprach.

Die Wirtschaft zählt
Der Hauptfaktor, der das Ergebnis im Jahr 1996 beeinflussen wird, ist die russische Wirtschaft. Auch hier
bietet sich ein vielfältiges Bild. Wir haben Grund zur
Sorge und zu einer Intensivierung unseres Engagements.
Wie viele von Ihnen sind wir besorgt über das Ausscheiden der führenden Reformpolitiker aus der Regierung und die Auswirkungen, die die neue Zusammensetzung des Parlaments auf die Zukunft der Wirtschaftsreformen in Rußland haben wird. Wir fordern
die russische Regierung auf höchster Ebene auf, das
Tempo der Reformen nicht zu verringern.
Als Präsident Clinton vor zwei Wochen in Moskau war,
stand als wichtigster Punkt die russische Wirtschaft
auf seiner Tagesordnung mit Präsident Jelzin. In ihren
Gesprächen unterstrich Präsident Jelzin die guten
Nachrichten.
Über ein Viertel der Erwerbsbevölkerung ist jetzt im
Privatsektor beschäftigt. Mehr als drei Viertel der
russischen Kleinunternehmen und Einzelhandelsgeschäfte sind jetzt in Privatbesitz. Über 7.000 mittelständische und Großunternehmen befinden sich in
privater Hand. Rund 55 Millionen Russen besitzen
Anteile an Privatunternehmen. Für über 90 Prozent
der Waren und Dienstleistungen wurden die Preise
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Der Schlüssel zu Rußlands Umgestaltung liegt jedoch
nicht einfach in der Erfüllung der Grundbedürfnisse der
Bevölkerung, sondern in der Reform des Wirtschaftssystems selbst, dasden russischen Bürgern jeden Tag
dient. Entsprechend besteht die Rolle der westlichen
Geberländer nicht in der Bereitstellung der fehlenden
Güter oder Finanzmittel für Ru ßland, sondern vielmehr
in der Vermittlung von westlichem Fachwissen und
Qualifikationen, damit die Russen selbst sich diesen
Erfordernissen in einem neuen, marktorientierten Umfeld
besser annehmen können.
Unser Programm hat zwei Dimensionen - eine bilaterale und eine multilaterale. Bei der ersten sind wir - und
Präsident Jelzin stimmt mit uns überein - der Ansicht,
daß wir 1993 sowohl im Hinblick auf die Strategie als
auch auf die Verwirklichung einen guten Anfang gemacht
haben. Unser Ansatz bestand darin, die Tendenzen
des politischen und wirtschaftlichen Lebens in Rußland zu stärken, die unseres Erachtens zusammengenommen die Essenz der großen Umgestaltung darstellen, die in diesem Land stattfindet: Demokratisierung und Privatisierung. Sie sind eng miteinander
verbunden und verstärken sich gegenseitig. Je mehr
Menschen in der Privatwirtschaft tätig sind, desto
größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, daß sie am
demokratischen Prozeß teilnehmen - und Kandidaten
wählen, die sich gleichermaßen für wirtschaftliche und
politische Freiheit einsetzen.
Bei unserem bilateralen Hilfsprogramm konzentrieren
wir unsere Aktivitäten so stark wie möglich auf die
Regionen Rußlands, die ihre Reformen zügig durchsetzen. Dank dieses strategischen Ansatzes zur
Unterstützung der russischen Regionen sollten die
Reformer auf lokaler Ebene dabei behilflich sein kön-

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�nen, ihre Fähigkeit zur Schaffung von Wohlstand und
Bereitstellung angemessener Sozialleistungen für die
von der wirtschaftlichen Erschütterung am stärksten
Betroffenen unter Beweis zu stellen. So können diese
Regionen unseres Erachtens anderen als Beispiel
dienen und die Wirkung unseres Programms maximieren.

Doppelbesteuerungsabkommens, das einen bedeutenden Schutz für amerikanische Investoren darstellt.
Diese Bestrebungen werden in den Vereinigten Staaten und in Rußland Arbeitsplätze schaffen und das
Wachstum fördern.

Wie Außenminister Christopher, Finanzminister Bentsen und andere Mitglieder der Administration während
Die Unterstützung von Demokratisierung und Privati- des vergangenen Jahres wiederholt geäu ßert haben sierung war in den bei den Treffen von Vancouver und in Anhörungen vor dem Kongreß, öffentlichen ErkläTokio beschlossenen bilateralen Hilfspaketen von rungen und unseren Gesprächen mit den Russen zentraler Bedeutung. Das Vancouver-Paket wurde in werden das große Geld, die langfristige Unterstützung
Rekordgeschwindigkeit beschlossen und wird jetzt der russischen Reformen, nicht aus bilateralen Ausebenso schnell, effizient und effektiv umgesetzt.
landshilfeprogrammen, sondern von der internationalen Geschäftswelt in Form von Handel und InvestitioWir haben hart an der Umsetzung unserer Kernpro- nen kommen sowie von internationalen Finanzinstitugramme für technische Unterstützung gearbeitet und tionen in Form von Krediten, die Rußland den Überbemühen uns, mit den vom Kongreß für das Haus- gang von einer Kommando- zu einer Marktwirtschaft
haltsjahr 1994 bewilligten 2,5 Milliarden Dollar diese erleichtern sollen.
Programme zügig zu erweitern und darauf aufzubauen. In Ru ßland, Zentralasien und den westlichen N US- Die Präsidenten Jelzin und Clinton erzielten in Moskau
Staaten werden Unternehmensfonds gegründet und vor zwei Wochen eine Einigung: Präsident Jelzin
es wurden Programme zur Verbesserung der Zusam- versprach, daß er den Reformprozeß mit größter
menarbeit in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Geschwindigkeit fortsetzen werde, während der ameEnergie (einschließlich einer Erhöhung der Reaktorsi- rikanische Präsident seinerseits das Versprechen gab,
cherheit) eingeleitet. Da viele dieser Programme über die Vereinigten Staaten würden ihre führende Position
mehrere Jahre laufen, werden diese Mittel in den auf dem G-7-Gipfel und bei den internationalen Fikommenden Jahren zugeteilt. Die technische Unter- nanzinstitutionen zur Intensivierung der multilateralen
stützung muß aufgrund ihrer Natur über einen länge- Unterstützung der russischen Reformen einsetzen.
ren Zeitraum gewährt werden, um effektiv zu sein.
Langfristig werden diese Programme die fundamenta- Präsident Jelzin muß darauf vertrauen können, daß
len Bausteine für ein dauerhaftes Engagement der der Westen ihm zügige und substantielle Hilfe leistet,
Vereinigten Staaten auf diesem neuen Markt durch wenn er weiterhin ein rigoroses Stabilisierungsproerweiterten russisch-amerikanischen Handel und In- gramm durchsetzt, das die staatlichen Ausgaben
begrenzt, das Anwachsen der Geldmenge kontrolliert
vestitionen darstellen.
und die Inflation eindämmt. Zu diesem Zweck arbeiten
Im Hinblick auf das Haushaltsjahr 1995 wenden wir wir mit unseren Partnern in der G-7 an der Bekräftiuns der nächsten Stufe unseres Programms zu - der gung und Untermauerung unserer früheren VerspreFörderung von Handel und Investitionen.
chen zusammen. Obwohl die Höhe unserer Unterstützung noch an das Tempo der Reformen angeglichen
Wir hoffen, daß der Kapitalfluß aus dem Privatsektor werden muß, könnten die Intensität unserer Zusambei der Unterstützung der wirtschaftlichen Erneuerung menarbeit und die Rechtzeitigkeit dieser gezielten
in Rußland eine größere Rolle spielen kann, so wie Hilfe verbessert werden.
Präsident Jelzin und die Reformer sie verstehen und
ermutigen.
Im Hinblick auf die Unterstützung im sozialen Bereich
ist die Herausforderung nicht so sehr die Herstellung
Vizepräsident Gore hat eng mit Ministerpräsident eines sozialen Netzes, sondern seine UmstrukturieTschernomyrdin zusammengearbeitet, um die Grund- rung. Das ist ein entscheidender Unterschied. In der
lage für eine Erweiterung von Handel und Investitionen Sowjetunion gab es praktisch eine Beschäftigungsgazu legen. Während der letzten fünf Monate hat die rantie. Im Rahmen dieser Beschäftigung stellte der
Gore-Tschernomyrdin-Kommission einen guten An- Staat alle erforderlichen sozialen Dienstleistungen bereit
fang gemacht, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, und finanzierte sie. Die sowjetische Wirtschaft war
Engpässe und bürokratische Trägheit zu überwinden. bankrott aufgrund der Höhe der Verteidigungs- und
Die Kommission trug dazu bei, ein Erdöl- und Erdgas- Sozialausgaben, die nicht durch Wirtschaftswachstum
finanzierungsprogramm im Wert von 2 Milliarden Dol- auf anderen Gebieten ausgeglichen wurden. Wählar durch die Export Import-Bank zu bringen, und ein rend Rußland zur Förderung von neuem industriellem
neues Abkommen über Projektanreize wird die Finan- Wachstum seine Wirtschaft umstrukturiert, ist auch
zierung auf andere Sektoren ausdehnen. Die Kom- eine Neuorganisation des Systems der sozialen Untermission stellte mehr als 135 Millionen Dollar an von der stützung erforderlich, um einen umfassenden MechaOPIC-Entwicklungsgesellschaft finanzierten Investi- nismus von Dienstleistungen für Arbeitslose (wie vortionen bereit und überwachte die Ratifizierung des übergehende Arbeitslosenunterstützung und berufliSerte4

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�che Weiterbildung) bereitzustellen sowie Bereiche wie
das Gesundheits-, Wohnungs- und Bildungswesen
von einzelnen Unternehmen zu trennen.

nationale Finanzinstitutionen verdient - benötigt eine
stabile Währung, die wiederum eine verantwortungsbewußte Haushalts- und Geldpolitik erfordert.

Der Großteil dieser Bestrebungen kann dadurch finanziert werden, daß die Ausgaben der Regierung von
allgemeinen Subventionen für große Staatsbetriebe
auf Programme verlagert werden, die auf die Bereitstellung dieser Dienstleistungen abzielen. Die G-7 und
die internationalen Finanzinstitutionen spielen jedoch
bei der Umsetzung dieser strukturellen Änderungen
eine Rolle. Die westlichen Länder können beim Entwurf dieser Sozialprogramme zur Ergänzung der
Marktwirtschaft bedeutende technische Unterstützung
leisten. Die Weltbank könnte sowohl bei der Bereitstellung von fachmännischer Beratung als auch bei der
Übergangsfinanzierung Beistand leisten, während die
Russische Föderation die Verantwortung für Sozialprogramme von den Unternehmen auf die Kommunalverwaltungen überträgt.

Die Schwierigkeit besteht natürlich darin, daß eine
Kontrolle der Geldmenge oftmals die Erreichung eines
anderen Ziels - dauerhafte Beschäftigung - erschwert.
Wir haben in unserem eigenen System damit Erfahrungen gemacht. Besonders ausgeprägt ist das Problem in einer Übergangswirtschaft, insbesondere wenn
diese gleichzeitig den Übergang zur Demokratie vollzieht. Das ist im Grunde genommen die Belastung,
deren Zeuge wir während der vergangenen Monate in
Rußland waren.

Unsere Adminitration hat den Wert dieser Art von Hilfe
vor nahezu einem Jahr erkannt - lange vor dem berühmten "Weckruf" vom 12. Dezember - als wir das
Sonderprogramm zur Privatisierung und Umstrukturierung vorschlugen. Dieses beim G-7-Gipfel in Tokio
im Juli letzten Jahres beschlossene Projekt umfaßte
500 Millionen Dollar an Finanzmitteln der Weltbank für
die Umstrukturierung von Sozialprogrammen in Gemeinden, in denen die Behörden riesige Staatsbetriebe auflösen und privatisieren. Wir planen eine Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der G-7, um die
Bestrebungen zur Erzielung von Fortschritten auf diesem
Gebiet auszuweiten und zu intensivieren.
Kurzum, eine der von uns seit dem 12. Dezember
durchgeführten Anpassungen besteht darin, mehr Wert
auf internationale Programme zu legen, die der Regierung in Moskau und vielen Regionen der Russischen
Föderation dabei behilflich sein sollen, ein starkes
Netz erforderlicher sozialer Dienste aufzubauen. Wenn
die Wähler dann 1996 wieder zu den Wahlurnen
gehen, werden sie die kritische Masse der öffentlichen
Unterstützung für die Reformen darstellen und folglich
eher in der Lage sein, den Reformen die Art von
Mandat zu geben, das sie am 12. Dezember nicht
erhielten.
Die russische Führung - die Exekutive und die Legislative - muß die Kausalbeziehung zwischen Reformen
im Inland und Hilfe von außen begreifen: Unsere
Unterstützung wird ihren Reformen folgen; umgekehrt
kann es nicht sein.
Um den Fluß von Geldern aus den internationalen
Finanzinstitutionen und dem Privatsektor im Westen
einzuleiten, mu ß Ru ßland weiterhin aggressive Schritte zur Stabilisierung seiner Wirtschaft unternehmen.
Ich möchte mich deutlicher ausdrücken: Eine gesunde
Marktwirtschaft - die Investitionen großen Umfangs
von außen anzieht und die Unterstützung durch inter-

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Die Privatisierung umfaßt die Schließung ineffizienter
staatlicher Unternehmen, während der Übergang zur
Marktwirtschaft, zumindest anfänglich, zu höheren
Preisen führt. Das Ergebnis sind soziale Not, Spaltung
und Zukunftsängste. Wenn sie eine kritische Masse
erreichen, können diese Elemente explodieren und zu
einer heftigen politischen Gegenreaktion auf die Reformen führen.
Wirsind unsdessen bewußt, und wir wissen auch, daß
die führenden Politiker Ru ßlands sich als Ergebnis des
12. Dezember genau auf diese Gefahr konzentrieren.
Eine verantwortliche Haushalts- und Geldpolitik sind
jedoch nicht nur abstrakte ökonomische Tugenden,
sondern stellen auch ein politisches Gebot dar. Sie
sind zur Bekämpfung der Inflation erforderlich, die an
sich eine enorme politische Gefahr darstellt. Die
Inflation zerstört - insbesondere wenn ihr das Präfix
"Hyper" vorangestellt ist - Ersparnisse, Investitionen,
die Renten und die Währung. In Rußland hat die
Inflation bereits die Ersparnisse der Menschen vernichtet, Bezieher fester Einkommen verarmen lassen
und die Löhne, die Moral und Effektivität von Lehrern,
Ärzten, Polizisten und Wissenschaftlern untergraben.
Obwohl die Privatisierung Wohlstand geschaffen hat,
wurde durch die Inflation ein Großteil dieses Wohlstands aus dem Land, in die Sicherheit westlicher
Banken abgezogen. Mit anderen Worten, die Inflation
gerät außer Kontrolle und droht die wirtschaftliche
Existenz des einzelnen und ganzer Staaten zu zerstören. Aus diesem Grund kann sie zum Sturz von
Regierungen führen, was bisweilen unangenehme und
äußerst gefährliche Auswirkungen haben kann.
Während Rußland seinen wirtschaftlichen Kurs für das
kommende Jahr plant, müssen seine politisch Verantwortlichen erkennen, daß eine Verlangsamung des
Reformtempos nicht die sozialen Härten des Übergangs zu einem anderen Wirtschaftssystem mildern
wird. Ganz im Gegenteil: Eine Verlangsamung wird
wahrscheinlich die Härten verlängern und verschlimmern, wodurch die Gefahr noch beängstigender politischer Entwicklungen steigt. Schleppende Reformen
sind das Rezept für Hyperinflation und einen Zusammenbruch der Wirtschaft.

Seite 5

�Wenn es in den derzeitigen Statistiken zur russischen
Wirtschaft also eine Grundfrage gibt, dann ist es die
Inflationsrate. Seit der Volksbefragung vom April
vergangenen Jahres befand sich Rußland am Rande
einer Hyperinflation, hat jedoch dank seiner führenden
Politiker diesem Abgrund den Rücken gekehrt. Um
seiner selbst und um der Welt willen muß das Land
diesen Kurs fortsetzen. Das Volk und die Regierung
Rußlands müssen erkennen, daß eine Kontrolle der
Inflation das Hauptziel bei der Gewährleistung fundamentalen Wohlstands für die Bürger darstellt und die
Grundlage für eine prosperierende Zukunft legt.

gegenüber Präsident Krawtschuk, unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Ukraine auszuweiten.
Unseres Erachtens ist es von Bedeutung fürdie Ukraine, die für ihre Wirtschaft verheerende Hyperinf lation
zu bekämpfen und die anderen erforderlichen Marktreformen durchzuführen, die dem ukrainischen Volk
Wohlstand bringen können. Diese Woche hält sich
eine hochrangige Delegation von Wirtschaftsvertretern aus der Ukraine in Washington auf. Wir werden
mit den Delegierten darüber beraten, wie wir unsere
Hilfe bestmöglich zur Unterstützung der Wirtschaftsreformen in der Ukraine einsetzen können. Wie im Falle
Rußlands muß die Hilfe den Reformen folgen, wenn
Die jetzt vor der Jelzin-Regierung und ihren Verbünde- sie effektiv genutzt werden soll.
ten im neuen Parlament liegende Herausforderung
besteht darin, die Wirtschaftsreformen fortzusetzen - Meines Wissens wird die ukrainische Delegation auch
was in erster Linie eine Kontrolle des Haushaltsdefizits mit Senatoren und Mitgliedern des Repräsentantenund der Inflation bedeutet - und gleichzeitig mehr zur hauses zusammenkommen. Ich hoffe, daß Sie mit
Abfederung der gegenläufigen Auswirkungen der Reform ihnen unser Interesse am Aufbau starker amerikaauf gefährdete Gruppen zu unternehmen. Meines nisch-ukrainischer Beziehungen und der UnterstütErachtens sind sich Präsident Jelzin und Ministerprä- zung der erforderlichen wirtschaftlichen Veränderunsident Tschernomyrdin sehr wohl bewußt, welche gen teilen. Wenn Präsident Krawtschuk sich in der
Bedeutung eine Kontrolle der Inflation hat, und daß zweiten Märzwoche zu einem Besuch in Washington
selbst nach der vergangene Woche erfolgten Regie- aufhält, werden wir erneut die Gelegenheit haben,
rungsumbildung die Bewältigung dieser Herausforde- Möglichkeiten zur besten Unterstützung der ukrainirung höchste Priorität bleiben wird. Die uns jetzt schen Reformen zu sondieren.
konfrontierende Herausforderung lautet, alles in unserer Macht Stehende zur Unterstützung Rußlands zu Abschließend möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf
den äußerst wichtigen Schritt lenken, den Kasachstan
leisten.
mit der Aushandlung eines Beistandsabkommens mit
Herr Vorsitzender, ich möchte auch kurz einige An- dem Internationalen Währungsfond unternimmt. Wir
merkungen zu zwei weiteren bedeutenden NUS-Staa- sind zuversichtlich, daß der Vorstand des IWF diesen
ten und ihren Fortschritten beim Reformprozeß ma- Beistand befürworten wird. Präsident Nasarbajew
wird im Februar nach Washington kommen. Sein
chen.
fortgesetztes Engagement für die WirtschaftsreforNach dem Abschlu ß des t rilat eralen Abkommens beim men verdient höchste Anerkennung.
Moskauer Gipfel verpflichtete sich Präsident Clinton

* *

Seite 6

*

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�WIRTSCHAFT
2. Februar 1994

INFORMATION - DIE NEUESTE GRENZE
BEI ARBEIT UND FERTIGUNG
von William Neikirk
Information in Form neuer Technologien und neuer Wege zur Produktherstellung ist dem Verfasser des
vorliegenden Artikels zufolge die neue Grenze der Vereinigten Staaten. Er beschreibt, wie diese "neue
industrielle Revolution" zu einer grundlegenden Umstrukturierung im Arbeitsplatz- und Fertigungsbereich führt.
William Neikirk ist Journalist bei der Chicago Tribüne
Copyright (c) 1993 Chicago Tribüne Company. Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung und Übersetzung mit
freundlicher Genehmigung der Chicago Tribüne Company.

Roger Salquist verkauft Tomaten und Henry Duignan
Ventile - in Wirklichkeit vermarkten sie dasselbe Produkt: Informationen. Salquists genmanipulierte Tomate
ist nur ein Beispiel für eine neue Generation von Produkten, die durch die Revolution der amerikanischen
Biotechnologie hervorgebracht wurden. Duignans auf
Bestellung angefertigtes, vom Computer entworfenes
Ventil stellt eine Abkehr von der starren Massenproduktion im amerikanischen Fertigungswesen dar.
Diese einfachen kleinen Produkte wurden unter Zuhilfenahme der in jahrelanger Arbeit akkumulierten wissenschaftlichen Informationen und Kenntnisse von
Menschen umgewandelt, die sich selbst für Vorkämpfer einer neuen industriellen Revolution halten.
Information in Form neuer Technologien und neuer
Wege zur Produktherstellung ist die neue Grenze einer
Nation, die sich oftmals fragt, ob sie überhaupt noch
eine Grenze hat.
Information ist der Rohstoff junger Unternehmen,
Industriezweige und besser bezahlter Arbeitsplätze,
die Präsident Clinton unbedingt schaffen will, damit die
Arbeit seiner Administration von Erfolg gekrönt ist.
Information stellt die Grundlage für einen nationalen
wirtschaftlichen Vorteil dar.
Dieser Vorteil könnte jedoch im 21. Jahrhundert ernsthaft in Gefahr geraten. Dem Verfahren, mit dem
Amerika dieses Wissen und diese Informationen in

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neue Produkte und verbesserte Fähigkeiten der arbeitenden Bevölkerung umwandelt, fehlen Schwung und
Richtung. Wenn jedoch nicht bessere Arbeit geleistet
wird, könnten die Wirtschaft, das soziale und politische
System Schaden nehmen.
Mit einem repräsentativen Querschnitt von Amerikanern aus zehn Städten während eines Zeitraums von
acht Monaten geführte Interviews offenbaren, daß
sich die amerikanische Wirtschaft inmitten einer tiefgreifenden Umstrukturierung befindet, die durch die
moderne Technologie, neue Erfordernisse des Weltmarktes und das Ende des Kalten Krieges hervorgerufen wurden.
Diese drei Kräfte lassen amerikanischen Unternehmen, Arbeitnehmern und verschiedenen Institutionen
keine andere Wahl, als die Geschwindigkeit zu beschleunigen, mit der Wissen und Information zum
vollen wirtschaftlichen Nutzen eingesetzt werden - so
wie das mit Salquists Tomate und Duignans Ventilen
angestrebt wird.
Es scheint jedoch, daß die Vereinigten Staaten sich
nur mühevoll und langsam den Herausforderungen
eines neuen wirtschaftlichen Zeitalters stellen. Die
Nation neigt dazu, die durch Entlassungen in Unternehmen hervorgerufenen Umwälzungen lediglich für
ein gigantisches kommerzielles Phänomen zu halten,
das ebenso wie alle anderen Konjunkturzyklen vorübergehen wird.

Seite 1

�Es wird nicht vorübergehen. Der Umbruch, dessen
Zeuge die Amerikaner in Form des Stellenabbaus in
Unternehmen wurden, ist nur ein Symptom für die
ständige Forderung nach Effizienz auf dem Weltmarkt,
die an die Vereinigten Staaten gestellt wird. Um zu
überleben, wurden amerikanische Unternehmen gezwungen, Hunderttausende von Arbeitnehmern zu
entlassen, selbst während sie das schnelle neue Spiel
der Informationsverteilung erlernen.

Arbeitsplätze in den innovativsten Unternehmen innehaben wird, weil sie über die beste Ausbildung verfügt.
Safi Qureshy, Generaldirektor von AST Research Inc.
in Irvine (Kalifornien), einer schnell wachsenden
Computerfirma, ist einer von vielen, die befürchten,
daß sich in den Vereinigten Staaten eine gespaltene
Gehaltsstruktur entwickelt.

Während der achtziger Jahre stieg das EinkommensDies ist kein leichtes Spiel, denn die Regeln haben sich gefälle zwischen Collegeabsolventen und Nichtakadegeändert. Während des Kalten Krieges waren Unter- mikern von 30 auf 60 Prozent - ein Hinweis auf eine
nehmen, Regierung, Arbeitnehmer und das Bildungs- geringere Nachfrage nach angelernten Arbeitern.
wesen an ein langsameres Innovationstempo gewöhnt.
Das war der Fall, bevor Ende der achtziger Jahre die
Das einfachere Wirtschaftsmodell der MassenprodukUmstrukturierung begann, die sich bis heute fortsetzt.
tion großer Firmen ließ keine Flexibilität bei der HerDie jüngste Umstrukturierungswelle in den Unternehstellung und keine Produktdifferenzierung zu. Die
men zwang viele Collegeabgänger, ihre Bürotätigkeit
Rüstungsindustrie trieb gemeinsam mit riesigen,
gegen eine schlechter bezahlte Arbeit einzutauschen.
monopolistischen Industrielabors die technologische
Entwicklung an. Die Masse angelernter Arbeitnehmer Die wenigen hochbezahlten Karrieremöglichkeiten
fand im Fertigungsbereich eine Arbeit.
erfordern eine hervorragende technische Ausbildung
in Wachstumsbranchen wie Hochtechnologie und
Das alles ist nicht länger zutreffend. Amerika ist jedoch Wissenschaft, beispielsweise Kommunikationswesen,
immer noch gefangen in dem Übergang zwischen Computersoftware und Biotechnologie. Der gutbeeinem veralteten, aus der Zeit des Kalten Krieges zahlte Arbeitsplatz von morgen wird den Labors von
stammenden Wirtschaftssystem und einer schnellebi- Calgene Inc. in Davis (Kalifornien) ähneln, wo Salquist
gen, flexiblen, internationalen, kostengünstigen, eng Generaldirektor ist.
verbundenen Welt, in der Produkte oft eine Lebensdauer von weniger als einem Jahr haben und Informa- Eines der Hauptprobleme liegt darin, daß diese hochtion und Wissen die Hauptbestandteile des Erfolgs bezahlten Arbeitsplätze sich nicht schnell genug entdarstellen.
wickeln, um die gutbezahlten Jobs von gestern zu
ersetzen, meint Anthony Carnevale, Direktor der
"Der Fertigungsbereich wird zu einer Dienstleistungs- amerikanischen Gesellschaft für Ausbildung und Forindustrie", erklärt Duignan, Leiter von Ross Operating schung.
Valve ausTroy (Michigan). "Nehmen Sie beispielsweise ein Stück Stahl, das aus einer der heutigen Mini- "Es ist ein großes Dilemma", erklärt er. Die amerikaFabriken kommt. Es enthält so viel mehr an Informa- nische Industrie ist in dem Übergang zwischen Alt und
tion."
Neu gefangen, und die Entwicklung neuer Industriezweige mit hohem Profil ist ein langsamer Prozeß.
Nichts wird die amerikanische Demokratie stärker auf "Aus diesem Grund vertritt die Clinton-Administration
die Probe stellen als diese sich abzeichnende wirt- mit Vizepräsident Gore an der Spitze die Ansicht, daß
schaftliche Herausforderung. Die Vereinigten Staaten diese neuen Technologien schneller gefördert werden
haben unter Beweis gestellt, daß sie schnelle Anpas- müssen."
sungen vornehmen können, wenn es um innerbetriebliche Änderungen geht, wie die Schnelligkeit des Stel- Präsident Clintons Technologiepolitik, für die 16 Millenabbaus in Unternehmen zeigt. Aber ein schlanke- liarden Dollar aufgewendet werden, ist eine vielschichres und sparsameres Management allein geht nicht die tige Bestrebung, den technologischen Wandel voranumfassenderen Probleme dieser grundlegenden zutreiben und neue Industriezweige schneller zu förUmstrukturierung an.
dern. Man gelangt jedoch auch allgemein zu der
Erkenntnis, daß diese Veränderungen zu höherer
Viele Analysten fürchten, daß die Vereinigten Staaten Produktivität und einem weiteren Abbau angelernter
durch den kostspieligen, beschwerlichen Prozeß der Arbeitskräfte führen.
wirtschaftlichen Innovation behindert werden, der zu
viele gute Ideen in Labors und Unternehmen ver- "Dieses Land ist nicht zufrieden mit einer polarisierten
schlossen hält.
Zweiklassengesellschaft", stellt Roger Brinner, Ökonom bei DRI/McGraw Hill in Lexington (MassachuNoch beunruhigender ist jedoch die Tatsache, daß die setts) fest.
Erfordernisse der modernen Wirtschaft die Fähigkeiten von Millionen amerikanischer Arbeitnehmer veral- Präsident Clinton muß noch die Einzelheiten seiner
tet erscheinen lassen. Einige Analysten sprechen von Strategie für das Bildungs- und Ausbildungswesen
einer entstehenden technischen Elite, die die besten vorlegen, aber sein Plan für den nationalen Sozial-

Seite 2

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|

,
L

�dienst und ein neues Programm für eine praktische
Ausbildung in weiterführenden Schulen sind zwei Initiativen, die dem sich abzeichnenden Problem Rechnung tragen. Viele Experten sind jedoch der Ansicht,
daß er beherzter eine grundlegende Bildungsreform
fordern sollte.
David Birch, dem Leiter der Unternehmensberatung
Cognetics Inc. in Cambridge (Massachusetts) zufolge
scheint das amerikanische Bildungswesen mit dem
Tempo des Wandels überhaupt nicht Schritt zu halten.
Birch verweist auf in Philadelphia durchgeführte Untersuchungen über das Bildungswesen, die belegen, daß
im Durchschnitt 26 Jahre vergehen, bis eine eindeutig
überlegene Unterrichtsmethode die Kinder in den Grundund weiterführenden Schulen erreicht.
"Das ist praktisch eine Lehrergeneration", erklärt er.
"Aber was geschieht, wenn sich das Wissen innerhalb
von fünfeinhalb Jahren ändert, wie das zur Zeit der Fall
ist? In einer auf Wissen aufbauenden Gesellschaft ist
das Wissen der Erwerbsbevölkerung die einzige
Ressource."
Präsident Clinton betont, daß sich die Amerikaner jetzt
auf lebenslange Bildung und Ausbildung einstellen und
die Bereitschaft zeigen müssen, während ihrer beruflichen Laufbahn aufgrund wirtschaftlicher Umstrukturierung mehrere Male den Arbeitsplatz zu wechseln.
Die bestehenden Ausbildungs- und Umschulungsmechanismen, die funktionieren könnten, sind entweder
zu kostspielig oder von der Mehrzahl amerikanischer
Unternehmen nicht offiziell institutionalisiert worden.
Die Unternehmen in den Vereinigten Staaten sind sich
im allgemeinen des großen Einflusses von Wissen und
Information auf ihre Gewinne bewußt.
Diese Theorie in die Praxis umzusetzen, ist jedoch
äußerst schwierig.
Es ist nicht so sehr das Risiko. Es istdie Tatsache, daß
Risikobereitschaft auf dem amerikanischen Markt oft
bestraft wird. Großunternehmen investieren nicht
genug in neue Technologien, weil große und mächtige
Institutionen wie Pensionskassen und Versicherungsunternehmen sie dazu zwingen, auf "Nummer Sicher"
zu gehen.
Ein Expertengremium des Nationalen Wissenschaftsrats stellte in einem Bericht vom August 1992 fest, daß
die Aufwendungen der Bundesregierung und der Unternehmen für industrielle Forschung und Entwicklung
von 1985 bis 1991 nur um 0,4 Prozent anstiegen,
nachdem sie in den vorherigen fünf Jahren um 7,5
Prozent in die Höhe geschnellt waren.
Noch alarmierender war die Erkenntnis, daß die Vereinigten Staaten mit einem "steigenden Risiko konfrontiert sind, ihre traditionelle Stärke bei der Einführung
von Entdeckungen und Erfindungen" der Industrielabors und Universitäten zu verlieren.

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Das Gremium des Wissenschaftsrats verwies auf die
Kurzzeitplanung der amerikanischen Industrie, die zum
Versuch des Managements führte, es der Wall Street
recht zu machen. Auch führte das Gremium das
Problem auf die mit ungeprüften neuen Technologien
in Verbindung stehenden Risiken und Kosten zurück
sowie auf die Aufsplitterung großer Industrielabors in
kleinere Einheiten, die Bestandteil der derzeitigen
Dezentralisierungsbestrebungen in amerikanischen
Firmen ist.
Neue Unternehmen mit vielversprechenden Ideen haben
es im heutigen rauhen Klima oft schwer. Die Schuldenexplosion in den achtziger Jahren aufgrund von Unternehmensübernahmen und fragwürdigen Immobilienprojekten hat amerikanische Bankiers äußerst
skeptisch gegenüber jeder Idee gemacht, die auch nur
das geringste Risiko birgt.
Salquists Calgene begann wie zahlreiche andere Biotechnologieunternehmen mit Risikokapital. Salquist
trat der Firma 1983 bei, um bei der Beschaffung von
Geldern für eine Gruppe von Forschern behilflich zu
sein, die biologische Experimente mit Pflanzen durchführt. Das Unternehmen hatte keine solide finanzielle
Grundlage. 1985 stand es kurz vor dem Konkurs. "Wir
hatten 1,5 Millionen Dollar Schulden bei der Bank und
50 Angestellte. An einem Donnerstagnachmittag kam
jemand zu uns und bat um einem Scheck in Höhe von
50 Dollar, um eine Frankiermaschine zu bezahlen. Ich
sagte: 'Wir können das nicht bezahlen' - und am
nächsten Tag war Zahltag."
An diesem Abend wurde das Unternehmensdarlehen
bewilligt. Salquist ging zurück in die Firma, um seine
Präsentation über genmanipulierte Pflanzen zu verbessern, insbesondere die Tomate, und innerhalb
weniger Monate verfügte er über alle erforderlichen
Finanzmittel. Die Tomate soll in Kalifornien, Florida
und Mexiko angebaut werden.
Die Tomate und andere gentechnisch veränderte Pflanzen, die in den Labors von Davis gezüchtet wurden,
stellen eine enorme finanzielle Investition dar. Bisher
hat das Unternehmen Salquist zufolge allein 90 Millionen Dollar für die Forschung aufgewendet.
Das ist Information und Wissen in Bestform. Aber die
andere Seite der die Vereinigten Staaten erfassenden
industriellen Revolution verspricht keine hohen Löhne,
sondern genau das Gegenteil.
In Mansfield (Ohio) kann man die Kontraste sehen.
Nahe dem Stadtkern arbeitet ein altes WestinghouseUnternehmen im ruhigeren Rhythmus des postindustriellen Amerika. Die ehemals gewerkschaftlich organisierte Toaster-Fabrik umfaßt jetzt drei Dutzend
kleine, junge Unternehmen, dessen Angestellte leise
vor ihren Computern sitzen. Ironischerweise ist eines
der Unternehmen eine Zeitarbeitsfirma.

Seite 3

�Eine Investmentgesellschaft kaufte den Betrieb auf
und verwandelte ihn in ein Bürogebäude. Für monatlich 100 Dollar kann ein Unternehmer hier einen Geschäftsbetrieb aufbauen, erklärt Herman Stine, der
Direktor des jetzt als Mansfield Commerce Center
bezeichneten Komplexes, in dem 700 Menschen arbeiten.
Stine möchte das Center gerne für Firmen attraktiv
machen, die zu niedrigen Löhnen im Informationsbereich arbeitende Angestellte beschäftigen. "Sie werden wegen der relativ billigen Arbeitskräfte und des
reichlich vorhandenen und relativ billigen Büroraums
hierherkommen", erklärte er. "Wir suchen eine stark
vom Telefon abhängige Firma, die beispielsweise
Büroarbeit, Katalogbestellungen oder Telemarketing
durchführt. Das Gebäude ist zwar immer noch häßlich
wie die Nacht, aber wir haben die gesamte Infrastruk-

tur zur Verfügung, um uns diese Art von Betrieb
zunutze zu machen."
Sind dies die Arbeitsplätze der Zukunft oder zumindest
die Arbeitsplätze der Zukunft von Mansfield?
"Wir sind ein gewinnorientiertes Unternehmen auf der
Suche nach Chancen", so Stine. "Dies ist die Art von
Betrieb, den wir anziehen können. Durch eine Serie
unglücklicher Umstände gibt es viele ungelernte Arbeitskräfte in der Erwerbsbevölkerung."
Mansfield hat tatsächlich eine industrielle Revolution
durchlaufen und steht kurz vor einer weiteren. Als
Anfang der achtziger Jahre zahlreiche alte Fabriken
geschlossen wurden, erreichte die Arbeitslosenquote
16 Prozerrt. Jetzt ist sie halb so hoch, aber viele der
neuen Arbeitsplätze liegen im Einzelhandel oder im
Dienstleistungsbereich.

* * * * *

Seite 4

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�UMFRAGE
2. Februar 1994

AMERIKANER HABEN WEITERHIN
INTERNATIONALISTISCHEN BLICKWINKEL
Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten
WASHINGTON - (AD) - Kürzlich lautete eine Überschrift in der International Herald Tribüne: "Neue
isolationistische Tendenzen in Amerika", und ein Bericht des Times Mirror darunter behauptete, die amerikanische Öffentlichkeit wünsche eine "entschieden verringerte" Rolle der Vereinigten Staaten im Ausland.
Jüngste Meinungsumfragen, einschließlich dervon Times Mirror durchgeführten, widerlegen diese Behauptungen jedoch.
Im Jahr 1993 stellten drei Meinungsforschungsinstitute den Amerikanern acht 'Trendfragen" über das internationale Verhalten der Vereinigten Staaten - Fragen, die früher bei ähnlichen Erhebungen gestellt worden waren
und deren Beantwortung Trends der öffentlichen Meinung belegten.
Die Antworten auf die meisten Fragen deckten sich im großen und ganzen mit den in den achtziger Jahren
gemachten Angaben - einem Jahrzehnt, in dem die Sowjetunion die internationale Szene dominierte und der
sowjetische Expansionismus großen Anlaß zur Besorgnis gab. Die Umfragen zeigen, daß die meisten
Amerikaner immer noch davon überzeugt sind, ihr Land solle weiterhin eine aktive Rolle in den internationalen
Beziehungen spielen.
Nachfolgend veröffentlichen wir die Fragen und Antworten

Alle Angaben in Prozent.

Mai 1993

1.

Die Vereinigten Staaten sollten "uneingeschränkte Zusammenarbeit" mit den Vereinten Nationen haben:

Entsenden 57

Oktober 1993 (Times Mirror)

Entsenden 54

Zustimmung 64

(Research/Strategy/Management)

Ablehnung 28

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)
Zustimmung 58

2.

Ablehnung 32

Nicht entsenden 39

1986 (bei drei Umfragen ermittelter Durchschnitt)
Nicht entsenden 44

Die Vereinigten Staaten sollten "bei internationalen Angelegenheiten ihren eigenen Weg gehen
und sich keine Gedanken darüber machen, ob
andere Länder zustimmen..."

(Times Mirror, Potomac Association)

April 1993 (Times Mirror)

Sollten amerikanische Truppen zu einem Konflikt ins Ausland entsandt werden, wenn der
Präsident es als im Interesse der Vereinigten
Staaten erachtet, oder sollte man der öffentlichen Meinung folgen, und die Truppen nicht
entsenden?

Ablehnung 63

Zustimmung 34

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)
Ablehnung 68

Zustimmung 27

(Times Mirror, Potomac)

AMERIKA DIENST 5

Seite 1

�Die Vereinigten Staaten sollten "nicht so sehr in
internationalen Kategorien denken, sondern sich
mehr auf ihre eigenen nationalen Probleme konzentrieren..."

1986 (bei vier Umfragen ermittelter Durchschnitt)

April 1993 (Times Mirror)

"Die Vereinigten Staaten sollten sich international um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern,
und anderen Ländern so gut sie können die
Lösung ihrer eigenen Probleme überlassen."

Ablehnung 18

Internationalistisch 69 Isolationistisch 30
(Research/St rat egy/Management)

Zustimmung 79

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)
Ablehnung 30

April 1993 (Times Mirror)

Zustimmung 63

Ablehnung 58

(Times Mirror, Potomac)

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)

"Wäre es Ihrer Ansicht nach für die Zukunft des
Landes besser, wenn wir uns aktiv am Weltgeschehen beteiligen, oder wenn wir uns aus
internationalen Angelegenheiten heraushalten?"
März 1993

Zustimmung 37

Ablehnung 59

Zustimmung 34

(Times Mirror, Potomac)
"Es ist am besten für unser Land, sich aktiv am
Weltgeschehen zu beteiligen."

8.

Aktiv beteiligen 67 Heraushalten 28

Mai 1993

Achtziger Jahre (bei drei Umfragen ermittelter
Durchschnitt)

Zustimmung 87

Aktiv beteiligen 66 Heraushalten 30

April-Mai 1987

(National Opinion Research Center)

Zustimmung 87

Wie sollten die Vereinigten Staaten ihre nationalen Sicherheitsinteressen verfolgen:

(Times Mirror, Potomac)

Ablehnung 10

Ablehnung 8

Mai 1993
Internationalistisch 70 Isolationistisch 27

* * * *

Seite 2

*

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�FULBRIGHT
2. Februar 1994

20 JAHRE FULBRIGHT-PROGRAMM MIT RUSSLAND
Geplante Feierstunde an der staatlichen Universität Moskau
WASHINGTON - (AD) - Angaben des US-Informationsamts (United States Information Agency - USIA)
und der Virginia Commonwealth University zufolge
wird an der Fakultät für Geschichte der staatlichen
Universität Moskau in Kürze ein Treffen von Historikern stattfinden, die den 20. Jahrestag des Austauschs
mit Rußland im Rahmen des Fulbright-Programms
begehen.
Die internationale Historikerkonferenz ist eine gemeinsame Konferenz amerikanischer und russischer Akademiker, die sich mit den Auswirkungen des 1974 in
Moskau ins Leben gerufenen Fulbright-Programms
auf die staatliche Universität Moskau befassen wird.
Seit diesem Zeitpunkt fand alljährlich an der Fakultät
für Geschichte der Universität eine Vorlesungsreihe
statt.
Die Vorlesungen wurden von einer Reihe renommierter amerikanischer Historiker gehalten und behandelten Schlüsselereignisse in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Parallel dazu fanden Konsultationen,
Seminare, Prüfungen und inoffiziellen Zusammenkünfte mit Studenten und Fakultätsmitgliedern statt.
"Dieses Programm hat sich als das dauerhafteste und
etablierteste unter allen Programmen dieser Art erwiesen", erklärte Dr. Eugene Trani, Rektor der Virginia
Commonwealth University am 28. Januar 1994 in
einem Interview. Trani, ein ehemaliger FulbrightStipendiat, der an der staatlichen Universität Moskau
Geschichte lehrte, fügte hinzu: "Das Programm überlebte während dieser 20 Jahre alle politischen Schwierigkeiten und Veränderungen. Sein Erfolg ist auch auf
die effektive Zusammenarbeit mit dem Anfang der
siebziger Jahre an der staatlichen Universität Moskau

eingerichteten dynamischen Amerikanistikprogramm
zurückzuführen."
Trani, der auf der internationalen Konferenz über die
Zukunft des Amerikastudienprogramms an der Moskauer Universität sprechen wird, äußerte auch, während dieser Jahre hätten mehr als 300 Studenten das
Programm durchlaufen. "Sie gewöhnten sich an die
international festgesetzten Normen akademischer
Freiheit und wissenschaftlicher Diskussionen, an die
größere Meinungsfreiheit", stellte er fest.
William James, hochrangiger Experte für Austauschprogramme bei USIA, ließ verlauten: "Von allen während
der vergangenen zwei Jahrzehnte im Rahmen des
Austauschprogramms erzielten Leistungen ist keine
bemerkenswerter als die Förderung des Unterrichts in
amerikanischer Geschichte an der staatlichen Universität Moskau durch das Fulbright-Programm." Ihm
zufolge erstellte das Fulbright-Programm eine der
besten Sammlungen amerikanischen Lehrmaterials in
Moskau, wenn nicht sogar im gesamten NUS-Gebiet.
Das nach Senator William Fulbright benannte Fulbright-Programm wurde zur Finanzierung von Vorlesungen und Forschungstätigkeit der Vereinigten Staaten in Übersee ins Leben gerufen. Das Programm mit
der Sowjetunion begann im Studienjahr 1973/74 mit
dem ersten Austausch amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler.
Die internationale Historikerkonferenz wird am 31.
Januar 1994 eröffnet und beinhaltet Vorträge und
Diskussionen über Schlüsselereignisse und -bewegungen der amerikanischen Geschichte, beispielsweise den Bürgerkrieg und das Entstehen der Arbeiterbewegung.

* * * * *

AMERIKA DIENST 5

Seite 1

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                <text>Amerikadienst 02.02.1994</text>
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                <text>&lt;strong&gt;1. Clinton-Jahresbilanz&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Leistungen der Clinton-Administration im ersten Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Übersicht des Weißen Hauses&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Russlandhilfe&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Talbott: keine Hilfe des Westens ohne Reformen in Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Anhörung vor Senatsausschuß&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Information - die neueste Grenze bei Arbeit und Fertigung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;von William Neikirk&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Umfrage&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Amerikaner haben weiterhin internationalistischen Blickwinkel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Das Meinungsbild in den Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Fulbright&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;20 Jahre Fulbright-Programm mit Russland&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Geplante Feierstunde an der staatlichen Universität Moskau&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>amcrika
dienet

Herausgeber: U.S. Information Service
Embassy of the United States of America
4-7

&lt;*

Z12462C

27. Januar 1994
LAGE DER NATION

CLINTON: USA MUSSEN FUHRUNGSROLLE
IM AUSLAND ERNEUERN
Bericht zur Lage der Nation

AUSSENPOLITIK

CLINTON: EUROPAREISE HAT SICHERHEIT
UND DEMOKRATIE AUF DER WELT GEFÖRDERT
Rede des Präsidenten an der Howard University

KONGRESS

UMFASSENDE AUSSENPOLITISCHE TAGESORDNUNG FÜR NEU ZUSAMMENGETRETENEN
KONGRESS

4

Rede zur Lage der Nation leitet
neue Sitzungsperiode ein

BUSINESS INFORMATION
CENTER

FRANKFURTER BUSINESS INFORMATION
CENTER IST WICHTIGES SYMBOL
Eröffnungsansprache von Botschafter Holbrooke
ERÖFFNUNG DES BUSINESS INFORMATION
CENTER IN FRANKFURT
Ansprache von Staatssekretär Garten
DEUTSCH-AMERIKANISCHE HANDELSBEZIEHUNGEN BEISPIELHAFT
Ansprache von Botschafter Cleveland

PORTRÄT

WILLIAM PERRY- KENNER DES PENTAGON
UND ABRÜSTUNGSEXPERTE
Porträt des designierten Verteidigungsministers

Um Übersendung von
Belegexemplaren
wird gebeten

Deichmanns Aue 29
D 53170 Bonn

Tel.:0228-33923 72
Fax:0228-33 41 02

�LAGE

DER

NATION
26. Januar 1994

CLINTON: USA MÜSSEN FÜHRUNGSROLLE
IM AUSLAND ERNEUERN
Bericht zur Lage der Nation
WASHINGTON - (AD) - Mit der Bekräftigung, nichts sei wichtiger für die Sicherheit der Vereinigten Staaten als
eine starke Verteidigung, erläuterte Präsident Clinton am 25. Januar 1994 vor dem Kongreß seine Haushaltsvorlage, die einen Strich unter weitere Kürzungen der Verteidigungsausgaben ziehe sowie die Einsatzbereitschaft und Qualität der amerikanischen Streitkräfte schütze.
In seinem Bericht zur Lage der Nation machte der Präsident den Gesetzgebern des Landes eindeutig klar, daß
letztlich die beste Strategie zur Gewährleistung der Sicherheit der Vereinigten Staaten und zum Aufbau eines
dauerhaften Friedens in der Unterstützung der demokratischen Reformkräfte in Rußland und den anderen
Nachfolgestaaten des ehemaligen Sowjetblocks bestehe.
Die Vereinigten Staaten streben Clinton zufolge die Zusammenarbeit mit Rußland bei der Lösung regionaler
Probleme an, während sie gleichzeitig darauf bestehen, daß russische Truppen unter strenger Einhaltung der
internationalen Normen und nur mit Zustimmung der Nachbarstaaten auf deren Territorium operieren dürfen.
Der Präsident fügte hinzu, seine Administration werde auf die Erneuerung der amerikanischen Führungsrolle im
Ausland hinarbeiten und die demokratische Erneuerung, Menschenrechte sowie umweltverträgliche Entwicklung weltweit unterstützen.
Nachfolgend veröffentlichen wir den Bericht des Präsidenten zur Lage der Nation im Wortlaut.

Mr. Speaker, Herr Präsident, verehrte Mitglieder des
103. Kongresses, meine amerikanischen Mitbürger,
ich hoffe, wir können heute abend über die Lage der
Nation sprechen.
Zu Beginn möchte ich Sie bitten, sich an den herausragenden Mann zu erinnern, der den Vorsitz dieser
Kammer so kraftvoll und geschickt geführt hat. Tip
O'Neill bezeichnete sich gerne als "Mann des Repräsentantenhauses". Das war er zweifelsohne. Noch
mehr war er jedoch ein Mann des Volkes, der Sohn
eines Maurers, der zum Aufbau der großartigen amerikanischen Mittelschicht beitrug. Tip O'Neill vergaß
niemals, wer er war, wo er herkam, oder wer ihn hierhin
entsandt hatte. Heute abend blickt er zum ersten Mal
von dort oben auf uns herab. Ihm zu Ehren sollten
auch wir uns daran erinnern, wer wir sind, woher wir
kamen, und wer uns hierhin entsandt hat.
Wenn wir dies tun, werden wir immer wieder auf das
Prinzip stoßen, daß Durchschnittsmenschen Außerordentliches vollbringen werden, wenn wir ihnen nur
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gleiche Chancen, eine qualifizierte Ausbildung und
eine faire Möglichkeit zur Verwirklichung des Amerikanischen Traums bieten.
Wir sind heute abend in einer Welt versammelt, in der
sich so tiefgreifende und rasche Veränderungen vollziehen, daß alle Nationen auf die Probe gesteift werden. Unser amerikanisches Vermächtnis lautete stets,
einen solchen Wandel zu meistern, ihn zur Erweiterung der Chancen im Inland und unserer Führungsrolle im Ausland zu nutzen. Zu lange Zeit und in
vielfältiger Hinsicht wurde dieses Vermächtnis jedoch
au ßer acht gelassen, und u nser Land verlor die Orientierung.
Seit dreißig Jahren bricht das Familienleben in den
Vereinigten Staaten auseinander. Seit zwanzig Jahren stagnieren oder sinken die Löhne der Arbeitnehmer. Während der zwölfjährigen Wirtschaftsentwicklung mit Sickereffekt haben wir einen trügerischen
Wohlstand auf einer hohlen Grundlage aufgebaut und
unsere nationale Verschuldung vervierfacht. Von
1989 bis 1992 erlebten wir das langsamste Wachstum
Seite 1

�seit einem halben Jahrhundert. Zu vielen Familien
entglitt der Amerikanische Traum, selbst wenn beide
Elternteile berufstätig waren.

laub und Urlaub aus familiären Gründen für einen
Vater bedeutete, den ich an einem Sonntagmorgen im
Weißen Haustraf.

1992 forderte das amerikanische Volk eine Veränderung. Vor einem Jahr habe ich Sie alle gebeten, mit mir
gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft unseres
Landes zu übernehmen. Das haben wir getan. Wir
haben Orientierungslosigkeit und die festgefahrene
Situation durch Erneuerung und Reform ersetzt. Ich
möchte allen hier Anwesenden danken, die den Ruf
des amerikanischen Volkes vernommen, die Pattsituation durchbrochen und die seit 30 Jahren erfolgreichste Teamarbeit zwischen einem Präsidenten und
dem Kongreß geleistet haben.

Es war ungewöhnlich, am frühen Sonntagmorgen eine
Familie dort auf einer Besichtigungstour zu sehen. Es
war eine Familie mit drei Kindern, eines davon im
Rollstuhl. Ich ging zu ihr, und nachdem ein Photo
gemacht worden war und wir einen Rundgang gemacht hatten, wollte ich weitergehen, aber der Mann
faßte mich am Arm und sagte: "Herr Präsident, ich
möchte Ihnen etwas sagen. Meine kleine Tochter hier
ist schwerkrank. Sie wird wahrscheinlich nicht mehr
lange zu leben haben. Aber aufgrund des Gesetzes
über Urlaub aus familiären Gründen konnte ich freinehmen, um Zeit mit ihr zu verbringen - die wichtigste
Dieser Kongreß hat einen Haushalt vorgelegt, der das Zeit meines Lebens - ohne meinen Arbeitsplatz zu
Defizit um eine halbe Billion Dollar kürzt, die Ausgaben verlieren und meiner Familie zu schaden. Es bedeutet
verringert und die Einkommensteuer nur für die wohl- mehr für mich, als ich in Worte fassen kann. Denken
habendsten Amerikaner erhöht hat. Dieser Kongreß Sie dort oben auf dem Hügel nie, daß Ihre Arbeit nichts
hat Millionen Arbeitnehmern mit niedrigem Einkom- bewirkt. Sie bewirkt etwas."
men Steuererleichterungen eingeräumt, um Arbeit statt
den Bezug von Sozialhilfe zu belohnen. Er hat das Obwohl wir etwas bewirken, hat unsere Arbeit erst
NAFTA hervorgebracht. Er hat die Brady-Gesetzes- begonnen. Viele Amerikaner spüren die Auswirkunvorlage erarbeitet, die jetzt Gesetz ist. Jim Brady, ich gen unserer Arbeit noch nicht. Die wirtschaftliche
danke Ihnen, daß Sie heute abend hier anwesend sind. Gesundung hat noch nicht alle Gemeinden erreicht
Möge Gott Sie schützen.
oder genügend Arbeitsplätze geschaffen. Die Einkommen stagnieren noch immer, es gibt immer noch
Dieser Kongreß hat Steuererleichterungen gewährt, zu viel Gewalt und an zu vielen Orten nicht genug
um die Steuern für 90 Prozent der Kleinunternehmen Hoffnung. Im Ausland sehen sich die von uns uneinzu senken, die das Geld jetzt zu verstärkten Investitio- geschränkt unterstützten jungen Demokratien noch
nen und zur Schaffung von Arbeitsplätzen verwenden. immer schwierigen Zeiten gegenüber und erwarten
unsere Führungsrolle. Lassen Sie uns also heute
Der Kongreß hat mehr Forschungsmittel und Theraabend die Fortsetzung des Kurses der Erneuerung
piemöglichkeiten für AIDS, mehr Impfstoffe für Kinder,
beschließen, mehr und bessere Arbeitplätze zu schafForschung zur Gesundheit der Frau, zinsgünstige
fen, Krankenversicherung für alle zu garantieren, Arbeit
Kredite für Collegestudenten der Mittelschicht und ein
statt den Bezug von Sozialhilfe zu belohnen, Demokraneues Programm für einen nationalen Sozialdienst für
tie im Ausland zu fördern, unsere Straßen von Gewalt
diejenigen gefördert, die ihrem Land und ihren Geund Drogen zu befreien und unsere amerikanische
meinden etwas für die weiterführende Bildung zurückGemeinde zu erneuern.
geben wollen. Dieser Kongreß hat sich für eine
drastische Erhöhung von Investitionen im Hochtech- Im vergangenen Jahr haben wir durch die Inangriffnahnologiebereich ausgesprochen, um die Wirtschaft des me des in den Bankrott führenden Haushaltsdefizits
Landes von der Rüstungs- zur High-tech-lndustrie zu begonnen, unser Haus in Ordnung zu bringen. Wir
verlagern. Der Kongreß hat eine neue Gesetzesvorla- haben Ausgaben einschließlich der gesetzlich festgege unterbreitet, damit sich Millionen von Amerikanern legten bei über 340 Haushaltsposten in Höhe von 255
zur Wahl registrieren lassen können, und er hat Erzie- Milliarden Dollar gekürzt. Wir haben die Ausgaben im
hungsurlaub sowie Urlaub aus familiären Gründen Inland eingefroren und ehrliche Zahlen in unserem
eingeführt.
Haushalt aufgeführt.
Alle Vorlagen wurden verabschiedet. Alle wurden
ohne ein einziges Veto als Gesetze erlassen. Alle
diese Leistungen waren, als ich dieses Amt anstrebte,
lediglich Versprechungen. Und sie mußten alle von
Ihnen in diesem Kongreß verabschiedet werden. Ich
bin jedoch überzeugt, daß das wahre Lob den Menschen gebührt, die uns hierhin entsandt haben, die
unsere Gehälter bezahlen, die uns Dampf machen.

Unter der Schirmherrschaft des Vizepräsidenten haben wir eine Kampagne zur Umstrukturierung der
Regierung in die Wege geleitet. Wir haben den Mitarbeiterstab reduziert, Sondervergütungen gekürzt und
sogar die Dienstwagenflotte verringert. Nach Jahren
mit Politikern, deren Rhetorik die Bürokratie attackierte, deren Aktionen sie jedoch aufblähte, werden wir
den bürokratischen Apparat in den nächsten fünf Jahren
tatsächlich um 252.000 Mitarbeiter abbauen. Wenn
Aber wir fangen wirklich an, das Leben zu verändern.
wir das vollbracht haben, wird die Regierung die niedIch möchte Ihnen nur ein Beispiel nennen. Ich werde
rigste Mitarbeiterzahl seit 30 Jahren haben.
nie vergessen, was das Gesetz über ErziehungsurSeite2

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�Weil das Defizit so hoch war und die wohlhabendsten
Amerikaner in den achtziger Jahren von Steuersenkungen profitierten, haben wir sie gebeten, mehr zum
Abbau des Defizits beizutragen. Am 15. April werden
die Amerikaner die Wahrheit über das erfahren, was
wir im vergangenen Jahr bezüglich der Steuern unternommen haben. Nur die obersten 1,2 Prozent unserer
Bürger werden - wie ich immer wieder betont habe eine höhere Einkommensteuer bezahlen. Ich wiederhole - nur die wohlhabendsten 1,2 Prozent der Amerikaner werden sich mit höheren Einkommensteuern
konfrontiert sehen, sonst niemand. Und das ist die
Wahrheit.
Natürlich gab es - wie immer in der Politik - die
Neinsager, denen zufolge dieser Plan nicht funktionieren wird. Sie hatten jedoch unrecht. Als ich Präsident
wurde, prognostizierten die Experten für dieses Jahr
ein Defizit von 300 Milliarden Dollar. Aber weil wir
gehandelt haben, sagen dieselben Experten jetzt, das
Defizit werde unter 180 Milliarden Dollar betragen - 40
Prozent weniger als vorhergesagt.
Unser Wirtschaftsprogramm hat zur niedrigsten Inflationsrate und den niedrigsten Zinssätzen seit 20 Jahren beigetragen. Und weil die Zinssätze niedrig sind,
nehmen Investitionen in Unternehmen siebenmal schneller zu als in den vergangenen vier Jahren. Die Autoverkaufszahlen sind sehr hoch, der Immobilienmarkt boomt
mit Rekordzahlen. Millionen Amerikaner haben ihr
Eigenheim neu finanziert, und unsere Wirtschaft hat
1993 1,6 Millionen Arbeitsplätze im Privatsektor geschaffen - mehr als in den letzten vier Jahren zusammengenommen.
Diejenigen, die diesen Wirtschaftsplan unterstützt haben,
sollten auf seine frühzeitigen Ergebnisse stolz sein.
Jeder in dieser Kammer sollte jedoch wissen und
anerkennen, daß noch mehr zu tun ist. Im nächsten
Monat werde ich Ihnen den Entwurf für den sparsamsten Haushalt übersenden, der je dem Kongreß vorgelegt wurde. Er sieht Kürzungen der Ausgaben bei mehr
als 300 Programmen, die Abschaffung von 100 innenpolitischen Programmen und Reformen bei der staatlichen Beschaffung von Waren und Dienstleistungen
vor. In diesem Jahr müssen wir erneut schwierige
Entscheidungen treffen, um mit dem knappen Ausgabenrahmen zu leben, den wir festgesetzt haben. Das
müssen wir tun. Wir haben bewiesen, daß wir das
Defizit abbauen können, ohne die wirtschaftliche
Gesundung abzublocken, ohne die älteren Menschen
der Mittelschicht zu bestrafen und ohne unsere nationale Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Wenn Sie sich an
diesen Plan halten, werden wir zum ersten Mal, seit
Harry Truman im Weißen Haus lebte, drei aufeinanderfolgende Jahre des Defizitabbaus erleben. Und
nochmals - wir tragen die Verantwortung.
Unser Wirtschaftsplan fördert darüber hinaus unsere
Stärke und Glaubwürdigkeit im Ausland. Sobald wir

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das Defizit verringert und uns wieder für den Konkurrenzkampf gewappnet hatten, reagierte die Welt mit
einem Abbau der Handelsschranken. In einem Jahr
haben wir mit NAFTA, GATT, mit unseren Bestrebungen in Asien und der nationalen Exportstrategie mehr
zur Öffnung der Weltmärkte für amerikanische Produkte getan als je zuvor in den vergangenen zwei
Generationen.
Das bedeutet mehr Arbeitsplätze und einen höheren
Lebensstandard für die Amerikaner, ein niedriges Defizit,
eine niedrige Inflationsrate, niedrige Zinssätze, wenige Handelsschranken und hohe Investitionen. Dies
sind die Bausteine unserer Gesundung. Wenn wir
jedoch die in der Weltwirtschaft vor uns liegenden
Chancen voll ausschöpfen wollen, müssen wir mehr
tun, wie Sie alle wissen.
Wenn wir die Verteidigungsausgaben kürzen, bitte ich
den Kongreß, mehr in die Technologien von morgen zu
investieren. Die Rüstungskonversion wird unsere
militärische Stärke aufrechterhalten und hier im Inland
Arbeitsplätze für unsere Mitbürger schaffen.
Wenn wir die Umwelt schützen, müssen wir in die
Umwelttechnologien der Zukunft investieren, die Arbeitsplätze hervorbringen. In diesem Jahr werden wir
für ein überarbeitetes Gesetz über saubere Gewässer,
ein Trinkwasserschutzgesetz sowie ein reformiertes
Superfonds-Programm kämpfen. Der Vizepräsident
hat recht - wir müssen auch mit dem Privatsektor
zusammenarbeiten, um jedes Klassenzimmer, jede
Praxis, jede Bibliothek, jede Klinik in Amerika bis zum
Jahr 2000 an ein nationales Superinformationsnetz
anzuschließen.
Stellen Sie sich vor - unverzüglicher Zugang zu Informationen wird die Produktivität erhöhen und zur Ausbildung unserer Kinder beitragen, bessere medizinische Versorgung gewährleisten, Arbeitsplätze schaffen. Und ich fordere den Kongreß auf, in diesem Jahr
ein Gesetz zur Einrichtung dieses Superinformationsnetzes zu erlassen.
Wenn wir die Chancen verbessern und Arbeitsplätze
schaffen, müssen alle einbezogen werden. Wir müssen weiterhin die faire Kreditvergabe, gerechte Zuteilung von Wohnungen und die Umsetzung aller Bürgerrechtsgesetze gewährleisten, weil Amerika seine
Erneuerung nicht beendet haben wird, bevor nicht
jeder daran teilhaben kann.
Wir wissen, daß wir dies alles leisten können - unser
wirtschaftliches Haus in Ordnung bringen, den Werthandel erweitern, die Arbeitsplätze der Zukunft ausmachen, Chancengleichheit garantieren - wenn wir
jedoch ehrlich sind, werden wir zugeben, daß diese
Strategie nicht funktionieren kann, wenn wir unseren
Bürgern nicht auch die Aus- und Fortbildung sowie die
Fähigkeiten vermitteln, die sie benötigen, um diese
Chancen von morgen zu ergreifen.

Seite 3

�Wir müssen strenge akademische und berufliche
Standards von Weltklasse für unsere Kinder setzen
und unseren Lehrern und Studenten das Handwerkszeug geben, das sie zu ihrer Erfüllung benötigen. Dank
unseres Programms Goals 2000 können einzelne
Schulbezirke mit Ideen wie der Verwaltung ihrer Schule durch Privatunternehmen oder größeren Auswahlmöglichkeiten unter Schulen experimentieren - können tun, was sie wollen, solange jede Schule an einem
hohen Standard gemessen wird: Lernen unsere Kinder, was sie wissen müssen, um in der Weltwirtschaft
konkurrieren und gewinnen zu können?

Ersatzeltern zahlen müßten, die sich um ihre Kinder
kümmern. Wenn wir intakten Familien Wert beimessen, können wir nicht ein System beibehalten, das in
Wirklichkeit diejenigen bestraft, die zusammenbleiben.
Können Sie sich vorstellen, daß ein Teenager mit
einem Kind mehr staatliche Unterstützung erhält, wenn
er auszieht, als wenn er zu Hause bei den Eltern oder
Großeltern bleibt? Das ist nicht nur schlechte Politik es ist falsch. Und wir müssen es ändern.

Ich habe mich jahrelang zusammen mit anderen
Gouverneuren
und Kongreßabgeordneten beider
Goals 2000 verbindet Weltklassestandards mit basisParteien
sowie
der
einer anderen Partei angehörenorientierten Reformen. Und ich hoffe, der Kongreß
den
vorherigen
Administration
mit diesem Problem
wird das Programm ohne Verzögerung verabschiebefaßt,
bevor
ich
Präsident
wurde.
Ich habe mit vielen
den.
Sozialhilfeempfängern an diesem Problem gearbeitet.
Unsere Initiative Übergang ins Berufsleben wird Und ich möchte allen hier Anwesenden etwas sagen,
zum ersten Mal Schulen mit der Arbeitswelt in Verbin- denen dieses Problem wichtig erscheint. Diejenigen,
dung bringen, indem mindestens ein Lehrjahr nach die dieses System am meisten verändern wollen, sind
Abschluß der High School angeboten wird. Schließlich die davon Abhängigen. Sie wollen von der Sozialhilfe
hat die Mehrzahl der Menschen, auf die wir beim wegkommen. Sie wollen wieder arbeiten. Sie wollen
Aufbau unserer wirtschaftlichen Zukunft zählen, kei- etwas für ihre Kinder tun.
nen College-Abschluß. Wir dürfen sie nicht länger
ignorieren und müssen anfangen, ihnen Befugnisse zu Als ich Gouverneur war, habe ich einmal eine Anhörung anberaumt, an der Sozialhilfeempfänger aus
übertragen.
ganz Amerika teilnahmen, die wieder einen ArbeitsWir müssen unser veraltetes Arbeitslosensystem platz gefunden hatten. Einer Frau aus meinem Bunbuchstäblich in ein neues Wiederbeschäftigungssy- desstaat wurde die Frage gestellt: "Was ist das Beste
stem verwandeln. Das alte Arbeitslosensystem hielt daran, nicht länger Sozialhilfeempfänger zu sein und
einen quasi nur über Wasser, während man auf den wieder einen Arbeitsplatz zu haben?" Und ohne einen
alten Arbeitsplatz wartete. Wir benötigen ein neues Moment zu zögern, sah sie die 40 Gouverneure an und
System, damit die Menschen neue und bessere Ar- sagte: "Wenn mein Junge zur Schule geht und gefragt
beitsplätze erhalten können, weil die meisten der alten wird, womit seine Mutter ihren Lebensunterhalt verArbeitsplätze für immer verloren sind. Und wir wissen, dient, kann er eine Antwort geben." Diese Menschen
daß der einzige Weg zu echter Arbeitsplatzsicherheit wollen ein besseres System, und wir sollten es ihnen
in der Zukunft darin besteht, einen guten Arbeitsplatz bieten.
mit steigendem Einkommen zu finden, echte Talente
und die Fähigkeit zu haben, neue zu erlernen. Wir Wir haben im letzten Jahr damit begonnen. Wir haben
müssen also das Flickwerk der heutigen Ausbildungs- den Bundesstaaten mehr Befugnis zur Erneuerung
programme modernisieren und sie zur Quelle neuer gegeben, weil wir wissen, daß viele großartige Ideen
Fähigkeiten für diejenigen machen, die ihren Arbeits- nicht unbedingt in Washington geboren werden, und
viele Bundesstaaten greifen bereits darauf zurück.
platz verlieren.
Dann hat dieser Kongreß einen dramatischen Schritt
Wiederbeschäftigung - nicht Arbeitslosigkeit - mu ß das unternommen. Statt Menschen mit bescheidenem
Kernstück unserer wirtschaftlichen Gesundung wer- Einkommen durch Steuern in die Armut zu treiben,
den. Ich fordere Sie auf, diesen Vorschlag während haben wir ihnen geholfen, den Weg aus der Armut zu
der derzeitigen Sitzungsperiode des Kongresses zu finden, indem wie die Steuervergünstigungen für ihr
Einkommen drastisch erhöht haben. Damit können 15
verabschieden.
Millionen Arbeitnehmerfamilien der Armut entkomUnd ebenso wie unser Arbeitslosensystem müssen men, weil Arbeit statt Sozialhilfe belohnt wird, und die
wir unser Sozialwesen revolutionieren. Es funktioniert Menschen erfolgreiche Arbeitnehmer und erfolgreiche
nicht. Es widerspricht unseren Werten als Nation. Eltern sein können. Das ist eine echte Reform des
Wenn wir der Arbeit Wert beimessen, können wir nicht Sozialwesens.
ein System rechtfertigen, das Sozialhilfe attraktiver als
Arbeit macht, weil man sich über den Verlust seiner Es bleibt jedoch noch mehr zu tun. In diesem Frühjahr
Krankenversicherung Sorgen machen muß. Wenn wir werde ich Ihnen einen umfassenden Gesetzentwurf
Verantwortung Wert beimessen, können wir die 34 Mil- zur Reform des Sozialwesens vorlegen, der sich auf
liarden Dollar nicht ignorieren, die sich der Verantwor- das Gesetz zur Unterstützung der Familie von 1988
tung entziehende Eltern als Unterhalt an die Millionen gründet und der grundlegenden Verantwortung wieder

Seite 4

AMERIKA DIENST 4

�Wert beimißt. Wir werden Teenagern sagen, wenn Ihr
ein uneheliches Kind habt, geben wir Euch nicht länger
einen Scheck, um einen eigenen Haushalt zu gründen.
Wir wollen, daß die Familien zusammenbleiben. Wir
sagen den Eltern, die sich der Verantwortung entziehen, nicht für den Unterhalt ihrer Kinder aufkommen
und sich nicht um sie kümmern, wir werden Euer
Gehalt pfänden, Euch die Lizenz entziehen, Euch über
Staatsgrenzen hinweg verfolgen und Euch gegebenenfalls dazu zwingen, einen Teil dessen abzuarbeiten, den Ihr schuldet.
Menschen, die Kinder in diese Wert setzen, können
und dürfen sie nicht im Stich lassen. Aber allen von
Sozialhilfe Abhängigen sollten wir letztlich einen einfachen Handel anbieten. Wir stellen die Unterstützung
bereit, die berufliche Ausbildung, die Kinderbetreuung,
die Ihr für ein bis zwei Jahre benötigt. Aber danach
muß jeder, der kann, arbeiten - im Privatsektor, wenn
möglich, im Gemeindedienst, wenn nötig. Dies ist der
einzige Weg, Sozialhilfe zu dem zu machen, was sie
sein sollte - eine zweite Chance, nicht eine Lebensform.
Ich weiß, es wird schwierig, die Reform des Sozialwesens 1994 in Angriff zu nehmen, wenn wir gleichzeitig
das Gesundheitswesen reformieren. Meines Erachtens ist dies jedoch unvermeidlich und zwingend nötig.
Heute sind schätzungsweise eine Million Menschen
von Sozialhilfe abhängig, weil dies der einzige Weg ist,
eine Krankenversicherung für ihre Kinder zu bekommen. Diejenigen, die sich gegen Sozialhilfe zugunsten
eines Arbeitsplatzes ohne Krankenversicherung entscheiden - und viele Jobs für Berufsanfänger sind nicht
mit einer Krankenversicherung verbunden - finden sich
in der unglaublichen Position, Steuern zu zahlen, die
zur Finanzierung der Krankenversicherung für diejenigen beitragen, die sich für den Bezug von Sozialhilfe
entschieden haben. Kein Wunder, daß die Menschen
ihren Arbeitsplatz aufgeben und wieder Sozialhilfe in
Anspruch nehmen, um eine Krankenversicherung zu
bekommen. Wir müssen das Problem des Gesundheitswesens lösen, um einem echte Reform des Sozialwesens vornehmen zu können.
Dieses Jahr werden wir also Geschichte machen,
indem wir das Gesundheitswesen reformieren. Und
ich möchte Ihnen allen - die Regierungsbeamten wie
ich sind - sagen, daß dies ein weiteres Thema ist, bei
dem das Volk den Politikern weit voraus ist. Das
mögen beide Parteien nicht gerne hören, aber es ist
zufällig die Wahrheit.
Wie Sie wissen, hat die First Lady inzwischen fast
einen Million Briefe von Menschen aus ganz Amerika
und aus allen Schichten erhalten. Ich möchte Ihnen
nur einen vorlesen. Richard Anderson aus Reno
(Nevada) verlor seinen Arbeitsplatz und damit seine
Krankenversicherung. Zwei Wochen später hatte
seine Frau Judy eine Gehirnblutung. Er raste mit ihr

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ins Krankenhaus, wo sie 21 Tage auf der Intensivstation lag.
Die Rechnung der Andersons blief sich auf über 120.000
Dollar. Obwohl Judy sich erholte und Richard wieder
Arbeit fand, zu 8 Dollar die Stunde, waren die Rechnungen zu hoch, und sie wurden buchstäblich in den
Bankrott getrieben.
"Frau Clinton", schrieb er an Hillary, "niemand in den
Vereinigten Staaten sollte alles verlieren müssen, für
das er sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, weil er
das Pech hatte, krank zu werden."
Um den Richard und Judy Andersons von Amerika zu
helfen, haben die First Lady und viele andere so hart
und lange an diesem Problem der Gesundheitsreform
gearbeitet. Wir schulden ihnen unseren Dank und
unsere Taten.
Ich weiß, es gibt hier einige, die sagen, es gebe keine
Krise im Gesundheitswesen. Sagen Sie das zu Richard und Judy Anderson. Sagen Sie das zu den 58
Millionen Amerikanern, die jedes Jahr eine Zeitlang
überhaupt keine Krankenversicherung haben. Sagen
Sie es zu den 81 Millionen Amerikanern mit einer
Krankheitsvorgeschichte - sie zahlen mehr oder bekommen überhaupt keinen Versicherungsschutz, oder
können nie ihren Arbeitsplatz wechseln, weil sie oder
ein anderes Familienmitglied eine Krankheitsvorgeschichte haben. Sagen Sie es den Kleinunternehmen,
die die Last explodierender Versicherungskosten zu

tragen haben. Die meisten Kleinunternehmen versichern ihre Beschäftigten und zahlen im Durchschnitt
35 Prozent mehr an Beiträgen als Großunternehmen
und die Regierung. Oder sagen Sie es den 76 Prozent
versicherter Amerikaner, deren Policen bei drei Vierteln von ihnen auf eine bestimmte Lebenszeit begrenzt
ist. Und das heißt, sie haben dann überhaupt keinen
Versicherungsschutz mehr, wenn sie ihn am meisten
benötigen.
Wenn also irgend jemand von Ihnen glaubt, es gebe
keine Krise, dann sagen Sie es diesen Menschen denn ich kann es nicht.
Es gibt einige, die die Auswirkungen dieses Problems
auf das Leben der Menschen schlicht und einfach nicht
verstehen. Alles was sie tun müssen, ist, ihnen
zuzuhören. Sprechen Sie einfach mit ihnen in irgendeinem Wahlbezirk. Sie sind Republikaner und Demokraten und Unabhängige - es hat mit der Partei überhaupt nichts zu tun. Sie glauben, wir bekommen keine
allgemeine Krankenversicherung, und es ist an der
Zeit, ihnen zu zeigen, daß wir sie bekommen.
Vom ersten Tag an zielte unsere Initiative zum Gesundheitswesen darauf ab, das Gute in unserem
Gesundheitswesen zu stärken - die besten Ärzte und
das beste Pflegepersonal der Welt, modernste Forschung, ausgezeichnete Forschungsinstitutionen,

Seite 5

�Medicare für ältere Amerikaner. Nichts davon sollte
aufs Spiel gesetzt werden. Aber wir zahlen immer
mehr Geld für immer weniger Versorgung. Jedes Jahr
können immer weniger Amerikaner ihren Arzt selbst
wählen. Jedes Jahr verbringen Ärzte und Krankenschwestern mehr Zeit mit Papierbergen und weniger
Zeit mit den Patienten wegen des absolut bürokratischen Alptraums, zum dem das derzeitige System
geworden ist.

len, sowie Krankenversicherungsprämien, die nicht
explosionsartig in die Höhe schnellen, wenn man krank
oder älter wird, die Macht - ungeachtet dessen, wie
klein Ihr Betrieb ist - sich für eine zuverlässige Versicherung zu denselben wettbewerbsfähigen Beiträgen
zu entscheiden, die der Regierung und großen Unternehmen eingeräumt werden, eine einfache Möglichkeit für Kranke, und vor allem freie Wahl eines Versicherungsplans und freie Arztwahl.

Dieses System ist gespickt mit Ineffizienz, Mißbrauch
und Betrug - und das ist allgemein bekannt. Im
heutigen Gesundheitswesen haben die Versicherungsgesellschaften das Sagen. Sie suchen sich aus, wen
sie versichern und wie sie das tun. Sie können ihre
Leistungen einstellen, wenn Sie den Versicherungsschutz am stärksten benötigen. Sie sitzen am Hebel.

Unser Ansatz schützt ältere Amerikaner. Jeder dem
Kongreß vorgelegte Plan enthält den Vorschlag zur
Einschränkung von Medicare. Der Unterschied liegt
darin, daß wir der Ansicht sind, diese Einsparungen
sollten zur Verbesserung der Gesundheitsfürsorge für
unsere älteren Mitbürger eingesetzt werden. Medicare muß geschützt werden, sollte rezeptpflichtige
Medikamente umfassen, und wir sollten erste Schritte
unternehmen, um eine Pflegeversicherung anzubieten.

Was bedeutet das? Das bedeutet, daß jede Nacht
Millionen gut versicherter Amerikaner zu Bett gehen,
nur eine Krankheit, einen Unfall oder eine Krankmeldung davon entfernt, keinen Versicherungsschutz zu
haben oder vor dem finanziellen Ruin zu stehen. Das
bedeutet, daß jeden Morgen Millionen von Amerikanern ohne jeglichen Versicherungsschutz zur Arbeit
gehen - was in keinem anderen fortschrittlichen Land
der Welt der Fall ist. Das bedeutet, da ß sich jedes Jahr
immer mehr hart arbeitende Menschen einen neuen
Arzt suchen müssen, weil ihr Chef einen neuen Versicherungsplan wählen mußte. Und zahllose andere
lehnen besser bezahlte Arbeitsplätze ab, weil sie wissen, daß sie sonst ihre Krankenversicherung verlieren.

Denjenigen, die Medicare kürzen wollen, ohne ältere
Menschen zu schützen, sage ich, daß die Lösung der
Engpässe bei der Gesundheitsfürsorge für die arbeitende Mittelschicht nicht darin besteht, Engpässe bei
der Gesundheitsfürsorge für die pensionierten Angehörigen der Mittelschicht zu schaffen. Wir können es
besser machen. Wenn alles erledigt und geregelt ist,
erscheint es mir ziemlich einfach. Versicherungsschutz sollte bedeuten, was er früher bedeutete. Man
zahlt einen fairen Preis für die Sicherheit, und wenn
man krank wird, ist eine Versicherung - welcher Art sie
auch sein mag - immer vorhanden.

Wenn wir im Gesundheitswesen weiterhin den Dingen
ihren Lauf lassen, wird es in unserem Land Menschen Im Zusammenhang mit dergarantierten Krankenversimit weniger Versorgung, weniger Wahlmöglichkeiten cherung müssen wir alle zugeben, daß wir selbst
und höheren Rechnungen geben.
dieses System verantwortlicher nutzen sollten. Die
Menschen müssen ihre Kinder impfen lassen. Wir alle
Unser Ansatz dient dazu, die Qualität der Versorgung sollten Vorsorgeuntersuchungen vornehmen lassen.
und die Wahlmöglichkeit der Menschen zu bewahren. Wir alle müssen zusammenarbeiten, um der Gewalt
Er baut auf dem heutigen Fu nktionieren des Privatsek- Einhalt zu gebieten, durch die unsere Notaufnahmen
tors auf, der Erhöhung der Deckung durch den Arbeit- in den Krankenhäusen überfüllt sind. Wir müssen
geber und der Gewährleistung einer Privatversiche- mehr auf unsere Gesundheit achten und dürfen das
rung für jeden Amerikaner. Und ich darf hinzufügen, System nicht mißbrauchen. Diejenigen, die bei unsedaß die Idee einer Privatversicherung durch den Ar- rem Ansatz keinen Versicherungsschutz genießen,
beitgeber für jeden Amerikaner dem Kongreß vor 20 werden diesen erhalten, müssen jedoch auch dafür
Jahren von Präsident Richard Nixon vorgelegt wurde. bezahlen. Die wenigen Unternehmen, die keinerlei
Das war damals eine gute Idee und ist heute sogar eine Versicherungsschutz anbieten und dadurch anderen
noch bessere Idee.
die Kosten für die Versorgung ihrer Angestellten aufbürden, sollten einen Beitrag leisten. Die Raucher
Warum streben wir eine garantierte Privatversichesollten mehr für ein Päckchen Zigaretten bezahlen.
rung an? Der Grund ist, daß heute 90 Prozent der
Jeder kann einen Beitrag zur Lösung der Krise in
Versicherten ihre Deckung durch den Arbeitgeber
unserem Gesundheitswesen leisten. In Zukunft darf
erhalten - und das sollte auch in Zukunft so sein. Und
es nichts mehr umsonst geben. Das wird nicht leicht
wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen gute Leistungen zu einem
sein, aber es ist möglich.
vernünftigen Preis anbietet, sollte das weiterhin so
sein. Das sollte den Kongreß und den Präsidenten In den kommenden Monaten werde ich hoffentlich mit
zufriedener stimmen.
Demokraten und Republikanern gleichermaßen an der
Gesundheitsreform
zusammenarbeiten, um unter
Unser Ziel ist eine Krankenversicherung für jeden Einsatz
der
Kräfte
des
Marktes die Kosten zu senken
umfassende Leistungen, die Vorsorgeuntersuchunund
dauerhafte
Gesundheitsfürsorge
zu erreichen.
gen und rezeptpflichtige Medikamente umfassen solSeite6

AMERIKA DIENST 4

�Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, daß wir uns in
diesem Land seit 60 Jahren um eine Reform des
Gesundheitswesens bemüht haben. Präsident Roosevelt unternahm einen Versuch, ebenso wie die
Präsidenten Truman, Nixon und Carter. Jedesmal
waren bestimmte Interessengruppen stark genug, um
diese Versuche scheitern zu lassen, aber diesmal wird
das nicht der Fall sein.
Ich bin mir bewußt, daß die Konfrontation mit diesen
Interessen Mut erfordert. Sie wird entscheidende
Fragen über die Art und Weise der Finanzierung
unserer Wahlkampagnen aufwerfen und darüber, wie
die Lobbyisten ihren Einfluß geltend machen. Offen
gesagt wird es nicht leichter werden, Wandel herbeizuführen, wenn wir nicht den Einfluß finanzkräftiger
Interessengruppen begrenzen, die vom jetzigen Systemprofitieren. Daher fordere ich Sie alle jetzt auf, die
von beiden Häusern des Kongresses im vergangenen
Jahr begonnene Arbeit zu vollenden, indem Sie dieses
Jahr eine harte und sinnvolle Reform der Finanzierung
des Wahlkampfes und des Lobbyismus durchführen.
Meine amerikanischen Mitbürger, dies ist ein echter
Test füruns alle. Das amerikanische Volk versorgt uns
in der Regierung mit ausgezeichneter Gesundheitsfürsorge zu vernünftigen Preisen. Uns steht immer eine
Versicherung zur Verfügung. Meines Erachtens müssen
wir jedem hart arbeitenden Steuerzahler denselben
Krankenversicherungsschutz anbieten, der uns bereits gewährleistet wird.
Ich möchte ganz deutlich werden: Wie ich wiederholt
gesagt habe, bin ich guten Ideen von Mitgliedern
beider Parteien gegenüber aufgeschlossen. Ich stelle
keine spezifische Anforderung an einen Ansatz - selbst
bei unserer eigenen Gesetzesvorlage - außer der
folgenden: Wenn Sie mir ein Gesetz vorlegen, das
nicht jedem Amerikaner eine private Krankenversicherung garantiert, die nicht rückgängig gemacht werden
kann, zwingen Sie mich, mein Veto gegen dieses
Gesetz einzulegen, und damit wären wir wieder am
Anfang angelangt.
Meines Erachtens wird das jedoch nicht geschehen.
Ich denke, daß wir jetzt zum Handeln bereit sind. Ich
denke, daß Sie jetzt zum Handeln bereit sind. Und daß
Sie bereit sind, jedem Amerikaner dieselbe Gesundheitsfürsorge anzubieten, die Sie genießen und die
nicht wieder entzogen werden kann. Jetzt, nicht im
nächsten oder übernächsten Jahr, ist es an der Zeit,
uns hinter diejenigen zu stellen, die uns hierher entsandt haben. Jetzt.
Während wir gemeinsam diese Schritte zur Erneuerung unserer Stärke im Inland unternehmen, dürfen wir
nicht unsere Verpflichtung zur Erneuerung unserer
Führungsrolle im Ausland vergessen. Dies ist ein
vielversprechender Moment. Als Ergebnis der in diesem und im vergangenen Jahr erzielten Abkommen
werden die strategischen Nuklearwaffen Rußlands

AMERIKA DIENST 4

nicht längerauf die Vereinigten Staaten gerichtet sein.
Und wir werden unsere nicht mehr auf Rußland richten.
Anstatt Weltraumwaffen zu entwickeln, werden uns
russische Forscher beim Aufbau einer internationalen
Weltraumstation behilflich sein.
Natürlich ist die Welt immer noch voller Gefahren:
Sprunghafte Weiterverbreitung von Waffen, erbitterte
regionale Konflikte, ethnische und nationalistische
Spannungen in vielen jungen Demokratien, schwerwiegende Umweltzerstörung auf der ganzen Wert und
Fanatiker, die überall die Städte terrorisieren. Als
größte Macht der Welt müssen wir daher unsere
Verteidigung und unsere Verantwortung beibehalten.
Dieses Jahr gelang uns die Anklage von Terroristen
und die Verhängung von Sanktionen gegen diejenigen, die ihnen Schutz gewähren. Wir bemühten uns
um die Förderung umweltverträglichen Wirtschaftswachstums. Wir schlössen Abkommen mit der Ukraine, Belarus und Kasachstan über die vollständige
Beseitigung ihrer Atomwaffenarsenale. Wir setzen
uns für eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel
ein. Wir streben die frühzeitige Ratifizierung des
Vertrags über das weltweite Verbot von Chemiewaffen
an. Und heute haben wir gemeinsam mit über 30
anderen Nationen die Verhandlungen über ein umfassendes Verbot aller Atomtests aufgenommen.
Nichts ist jedoch für unsere Sicherheit bedeutender als
unsere Streitkräfte. Wir würdigen den von ihnen zu der
am längsten andauernden humanitären Luftbrücke
der Geschichte in Bosnien geleisteten Beitrag, den
Beitrag derjenigen, die ihre Mission in Somalia in
diesem Jahr beenden werden und ihrer mutigen
Kameraden, die dort ihr Leben ließen. Unsere Streitkräfte sind die besten, über die unsere Nation je
verfügte, und ich habe versprochen, daß sie - solange
ich Präsident bin - die am besten ausgerüstete, am
besten ausgebildete und am besten vorbereitete
Kampftruppe auf der Welt bleiben werden.
Vergangenes Jahr schlug ich einen Verteidigungsplan
vor, der unsere Sicherheit in der Zeit nach dem Kalten
Krieg zu geringeren Kosten gewährleistet. Dieses
Jahr wurde ich vielfach aufgefordert, unsere Verteidigungsausgaben weiter zu senken, um andere staatliche Programme finanzieren zu können. Ich habe Nein
gesagt. Der von mir dem Kongreß vorgelegte Haushalt zieht einen Strich unter weitere Kürzungen der
Verteidigungsausgaben. Er schützt die Einsatzbereitschaft und Qualität unserer Streitkräfte. Letztlich ist
das die beste Strategie. Wir dürfen unsere Verteidigungsausgaben nicht mehr senken. Ich hoffe, daß die
Kongreßabgeordneten ungeachtet ihrer Parteizugehörigkeit diese Position unterstützen.
Letztlich besteht die beste Strategie zur Gewährleistung unserer Sicherheit und zum Aufbau eines dauerhaften Friedens in der Förderung der Demokratie im

Seite 7

�Ausland. Demokratien greifen einander nicht an. Sie
sind bessere Partner in den Bereichen Handel und
Diplomatie. Aus diesem Grund haben wir - Sie und ich
- die demokratischen Reformkräfte in Ru Bland und den
anderen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion unterstützt. Ich begrüße die im letzten Jahr von
diesem Kongreß gezeigte parteiübergreifende Unterstützung unserer Initiativen, Rußland, der Ukraine und
den anderen Staaten während ihrer heroischen Umgestaltung Beistand zu leisten.
Bei unserer Förderung der Reformen müssen wir
Geduld angesichts der enormen Aufgabe mit dem
Schutz unserer grundlegenden Interessen und Werte
kombinieren. Wir werden weiterhin in Rußland und
den anderen Staaten auf eine Fortsetzung der eingeleiteten Wirtschaftsreformen drängen und Zusammenarbeit mit Rußland bei der Lösung regionaler Probleme
anstreben. Gleichzeitig werden wir darauf bestehen,
daß russische Truppen nur dann in Nachbarstaaten
operieren dürfen, wenn diese Staaten ihrer Präsenz
zustimmen und sie im strikten Einklang mit internationalen Normen steht.

die Ratifizierung des neuen GATT-Abkommens ersuchen und Südafrika bei seinem mutigen, hoffnungsvollen und schwierigen Übergang zur Demokratie weiterhin Beistand leisten. Wir werden einen Gipfel der
demokratischen Staats- und Regierungschefs der
westlichen Hemisphäre von Kanada bis zur untersten
Spitze Südamerikas veranstalten. Und wir werden
weiterhin auf die Wiederherstellung einer wirklichen
Demokratie auf Haiti drängen.
Beim Aufbau konstruktiver Beziehungen zu China
müssen wir nach wie vor auf einer eindeutigen Verbesserung der Menschenrechtssituation in diesem Land
bestehen.

Wir werden uns auch für Fortschritte beim Friedensprozeß im Nahen Osten einsetzen. Im letzten Jahr war
die Welt Zeuge des historischen Händedrucks der
Versöhnu ng zwischen Yitzhak Rabin u nd Yassir Arafat
vor dem Weißen Haus. Aber vor ihnen liegt noch ein
langer und steiniger Weg. Ich bin entschlossen,
gemeinsam mit meiner Administration alles in unserer
Macht Stehende zu tun, um einen umfassenden und
dauerhaften Frieden für die Völker der Region zu
Während diese Nationen ihre eigene Zukunft gestalten schaffen.
- und das müssen sie tun - müssen wiruns jedoch auch
vor Augen halten, in wieviel mehr Sicherheit und In unserem Land gibt es Stimmen, die fordern, nach
Wohlstand unser Volk leben wird, wenn im gesamten dem Ende des Kalten Krieges solle Amerika der Welt
ehemaligen Ostblock demokratische und marktwirt- den Rücken drehen. Auf der Welt bestand die weitverschaftliche Reformen erfolgreich durchgeführt wer- breitete Angst, daß wir eben das tun würden. Ich bin
den. Unsere Politik besteht in der Unterstützung jedoch bei meiner Amtsübernahme die Verpflichtung dieser Bewegung, und das ist auch die Politik des die keinen parteipolitischen Beigeschmack hat - eingegangen, die Sicherheit unserer Nation zu bewahren,
Kongresses. Wir sollten sie fortsetzen.
indem Amerika in der übrigen Welt engagiert bleibt.
Aus diesem Grund bin ich Anfang dieses Monats nach Und dieses Jahr haben wir durch unsere gemeinsame
Europa gereist, um mich in Zusammenarbeit mit unse- Arbeit - Abschluß des Nordamerikanischen Freihanren europäischen Partnern um eine Integration aller delsabkommens (NAFTA), Beibehaltung starker und
ehemals kommunistischen Länder in ein Europa zu einsatzbereiter Streitkräfte, Förderung der Demokrabemühen, das zum ersten Mal im Verlauf seiner tie im Ausland - die Führungsrolle und das EngageGeschichte die Chance zur Einigung hat - seiner ment Amerikas erneut bekräftigt, und als Folge davon
gesamten Geschichte, die auf dem einfachen Engage- lebt das amerikanische Volk in größerer Sicherheit als
ment aller europäischen Nationen für Demokratie, zuvor.
freie Marktwirtschaft und Respektierung der besteObwohl die Amerikaner vor Bedrohungen aus dem
henden Grenzen beruht.
Ausland sicherer sind, wissen wir alle, daß wir vor
Wir haben gemeinsam mit unseren Verbündeten eine Gefahren hier im eigenen Land weniger gefeit sind.
Der nationale Frieden wird jeden Tag durch die KrimiPartnerschaft für Frieden geschaffen, die den Staaten
des ehemaligen Sowjetblocks und anderen Nichtmit- nalität bedroht.
gliedstaaten der NATO militärische Zusammenarbeit
mit der NATO anbietet. Bei meinen Zusammenkünf- In Petaluma (Kalifornien) endet eine unschuldige Party
ten mit führenden Politikern Mitteleuropas- einschließ- junger Mädchen mit einer entsetzlichen Tragödie für
lich Lech Walesa und Vaclav Havel, Männern, die für die Familie von Polly Klaas. Eine normale Zugfahrt auf
die Freiheit ihr Leben riskierten - teilte ich ihnen mit, Long Island endet in einem Kugelhagel. Ein Tourist in
daß die Sicherheit ihrer Region für die Sicherheit Florida wird, nur weil er ein Schwarzer ist, von Verfechtern der Intoleranz und Selbstgerechtigkeit beinahe bei
unseres Landes wichtig ist.
lebendigem Leibe verbrannt.
Dieses Jahr müssen wir auch mehr zur Unterstützung
der demokratischen Erneuerung, der Menschenrech- Hier in der Hauptstadt unserer Nation wird ein mutiger
te und umweltverträglichen Entwicklung auf der gan- junger Mann namens Jason White, ein Polizist, Sohn
zen Welt unternehmen. Wir werden den Kongreß um und Enkel von Polizisten, skrupellos niedergeschossen.

Seite 8

AMERIKA DIENST 4

�Gewaltverbrechen und die daraus resultierende Angst
lähmen unsere Gesellschaft, schränken unsere persönliche Freiheit ein und belasten unsere Beziehungen.
Das dem Kongreß vorliegende Gesetz zur Verbrechensbekämpfung gibt Ihnen die Möglichkeit, dagegen hart und geschickt vorzugehen. Was heißt das?
Zunächst einmal möchte ich klarstellen, daß mir dieses Thema sehr wichtig ist. Vor vielen Jahren, als ich
meine politische Laufbahn begann, war ich Justizminister meines Heimatstaats.
Zwölf Jahre lang war ich als Gouverneur tätig. Ich
weiß, was es bedeutet, Gesetze zur Erhöhung des
Strafmaßes zu unterzeichnen, was es bedeutet, mehr
Gefängnisse zu bauen und die Todesstrafe zu verhängen. Ich kenne mich mit dieser Frage aus und weiß,
daß sie nicht einfach ist.
Erstens müssen wir uns bewußt machen, daß die
meisten Gewaltverbrechen von einem kleinen Prozentsatz Krimineller verübt werden, die sogar während
ihres Hafturlaubs die Gesetze brechen. Diejenigen,
die Verbrechen begehen, sollten bestraft werden, und
denjenigen, die wiederholt Gewaltverbrechen verüben, sollte gesagt werden, daß sie beim dritten Mal
ein für allemal eingesperrt werden - nach dem dritten
Mal ist Schluß.
Zweitens müssen wir ernsthaft Schritte zum Abbau
von Gewalt und zur Verhütung von Verbrechen unternehmen, angefangen mit einer größeren Zahl von
Polizisten und einem stärkeren Polizeiwesen in den
Gemeinden. Wir wissen, daß die Polizisten, die auf
Streife gehen, ihre Kandidaten kennen, von den Kindern der Gegend respektiert werden, sich auf Gebiete
mit hoher Kriminalität konzentrieren, und wir wissen,
daß sie wahrscheinlich eher Verbrechen verhüten und
Kriminelle fassen.
Halten Sie sich die in Houston gemachte Erfahrung vor
Augen. Die Verbrechensrate fiel in einem Jahr um 17
Prozent, als dieser Ansatz umgesetzt wurde. Heute
abend ist einer der Gemeindepolizisten anwesend, ein
mutiger junger Kriminalbeamter, Kevin Jett, dessen
Revier acht Häuserblocks in einer der gefährlichsten
Wohngegenden New Yorks umfaßt. Er stellt bei
denjenigen, für deren Schutz er verantwortlich ist,
täglich Sicherheit, Vernunft, ein Gefühl für Werte und
Zugehörigkeit her. Ich bitte ihn, sich zu erheben, damit
ihn alle heute abend sehen können.
Sie werden eine Chance erhalten, die Sie an die Kinder
dieses Landes weitergeben können, die gesetzestreuen, arbeitenden Menschen in diesem Land. Und
vergessen Sie nicht: In den schlimmsten Wohngebieten Amerikas, in den Gegenden mit der höchsten
Verbrechensrate steht die überwiegende Mehrheit der
Menschen jeden Tag auf und befolgt das Gesetz, zahlt
Steuern und gibt ihr Bestes bei der Erziehung ihrer

AMERIKA DIENST 4

Kinder. Diese Menschen verdienen jemanden wie
Kevin Jett. Wir haben die Möglichkeit, dem amerikanischen Volk weitere 100.000 dieser gut ausgebildeten
Polizisten zur Verfügung zu stellen, und ich fordere Sie
auf, diese Möglichkeit zu nutzen.
Ihnen liegt eine Gesetzesvorlage zur Verbrechensbekämpfung vor, die auch die Einrichtung einer Polizeitruppe vorsieht, die junge Menschen ermutigt, eine
Ausbildung zu durchlaufen und diese durch einen
Dienst als Polizist zu finanzieren, die Militärs im Ruhestand ermutigt, ins Polizeiwesen überzuwechseln enorme Ressourcen für unser Land, Bestimmungen,
um unsere Schulen sicherer zu machen, damit unsere
jungen Menschen die Möglichkeit haben, sicher in die
Schule zu gelangen und in der Schule in Sicherheit zu
sein, anstatt Gewehrkugeln ausweichen zu müssen.
Das alles sind wichtige Angelegenheiten.
Unsere dritte Aufgabe besteht darin, aufbauend auf
dem Brady-Gesetz weitere Schritte zu unternehmen,
um zu verhindern, daß Kriminelle in den Besitz von
Waffen gelangen.
Dieses Thema möchte ich gerne näher ausführen.
Jäger sollten weiterhin auf die Jagd gehen können,
gesetzestreue Erwachsene sollten weiterhin Waffen
besitzen und ihr Heim verteidigen dürfen. Ich respektiere diesen Teil unserer Kultur. Ich bin damit aufgewachsen. Aber ich bitte die Sportler und andere
rechtmäßige Waffenbesitzer, uns bei dieser Kampagne zur Verminderung bewaffneter Verbrechen zu
unterstützen. Ich weiß, daß Sie nicht für dieses
Problem verantwortlich sind, aber wir benötigen Ihre
Hilfe bei seiner Lösung. Es gibt keine Sportart auf der
Welt, die den amerikanischen Kongreß daran hindern
sollte, Angriffswaffen zu verbieten, die Polizisten
machtlos machen und Kinder umbringen.
Viertens müssen wir uns vor Augen halten, daß Drogen bei einer Vielzahl von Verbrechen ein wichtiger
Faktor sind. Neueste Untersuchungen deuten bedauerlicherweise an, daß der Drogenkonsum unter unseren jungen Menschen wieder ansteigt. Das Gesetz zur
Verbrechensbekämpfung sieht - wie alle derartigen
Gesetze - mehr Gelder für die Therapie von Drogenabhängigen, für drogenabhängige Kriminelle und Lager
für jugendliche Straftäter vor, darunter Anreize, drogenfrei zu werden und zu bleiben. Der Haushalt
unserer Administration enthält trotz aller Kürzungen
eine beträchtliche Aufstockung der für Beratung und
Therapie von Drogenabhängigen vorgesehenen Gelder. Wir müssen beidem zustimmen. Es ist dringend
erforderlich.
Meine amerikanischen Mitbürger, das Problem der
Gewalt ist ein unamerikanisches Problem. Es enthält
kein parteipolitisches oder philosophisches Element.
Aus diesem Grund fordere ich Sie dazu auf, möglichst
bald Mittel und Wege zu finden, um parteipolitische
Differenzen zu überwinden und ein wirksames, durch-

Seite 9

�dachtes, hartes Gesetz zur Verbrechensbekämpfung
zu verabschieden.
Femer bitte ich Sie, folgendes zu bedenken: Wenn wir
härtere Strafen für diejenigen fordern, die für die
Gewalt optieren, müssen wir auch daran denken, wie
es zu diesem traurigen Zustand gekommen ist. In
unseren schlimmsten Wohngegenden, schäbigsten
Straßen, ärmsten ländlichen Gebieten waren wir Zeuge
eines niederschmetternden und gleichzeitigen Zusammenbruchs von Gemeinden, Familien und Arbeitsplätzen, die Herz und Seele einerzivilisierten Gesellschaft
darstellen. Dadurch wurde ein riesiges Vakuum geschaffen, das mit Gewalt, Drogen und Banden gefüllt
wurde. Denken Sie also daran: Wenn wir Nein zur
Gewalt sagen, müssen wir den Menschen, insbesondere unseren jungen Menschen, etwas geben, zu dem
sie Ja sagen können.
Viele unserer Initiativen - von der beruflichen Ausbildung über die Reform des Sozialsystems, das Gesundheitswesen bis zum nationalen Sozialdienst werden uns dabei helfen, notleidende Gemeinden
wiederaufzubauen, Familien zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen - aber wir müssen noch mehr tun.
Und genau darum geht es bei unserem Programm zur
Ermächtigung der Gemeinden - die Unternehmen durch
sogenannte Ermächtigungszonen zu höheren Investitionen anzuregen, sicherzustellen, daß die Banken in
den Gemeinden, aus denen ihre Einlagen stammen,
Darlehen gewähren, Gesetze zu verabschieden, die
die Macht des Kapitals durch die Entwicklung von
Gemeindebanken freisetzen, um somit Arbeitsplätze,
Chancen und Hoffnung zu schaffen, wo sie am stärksten benötigt werden.
Meines Erachtens sind Sie alle sich bewußt, daß wir
eine wirkliche Lösung des Problems nur dann finden,
wenn wir es gemeinsam anpacken, unsere ideologischen Dogmen überwinden und neue Ideen entwikkeln, um noch mehr zu tun.
Um ehrlich zu sein: Wir alle wissen auch noch etwas
anderes. Unsere Probleme liegen eindeutig außerhalb der Reichweite der Regierung. Sie wurzeln im
Verlust von Werten und Arbeit, im Auseinanderbrechen unserer Familien und Gemeinden. Meine amerikanischen Mitbürger, wir können das Haushaltsdefizit abbauen, Arbeitsplätze scharfen, Demokratie auf
der ganzen Welt fördern, das Sozialsystem und das
Gesundheitswesen reformieren, das historisch gesehen härteste Gesetz zur Verbrechensbekämpfung
verabschieden und dennoch zu viele unserer Menschen zurücklassen.
Das amerikanische Volk muß diesen Wandel von
innen her wollen, damit es uns gelingt, Arbeitsplätze,
Familien und Gemeinden wiederherzustellen. Wir
können nicht unser Land erneuern, wenn innerhalb
eines Jahrzehnts mehr als die Hälfte unserer Kinder
unverheiratete Eltern haben. Wir können nicht unser

Seite 10

Land erneuem, wenn 13jährige Jungen in den Besitz
halbautomatischer Waffen gelangen und Neunjährige
nur zum Spaß damit erschießen. Wir können nicht
unser Land erneuern, wenn Kinder Kinder bekommen
und die Väter sie im Stich lassen, als wenn sie wertlos
wären. Wir können nicht unser Land erneuem, wenn
unsere Unternehmen sich engagiert um neue Investitionen und neue Kunden im Ausland bemühen, die
Menschen direkt vor ihrer Haustür aber ignorieren, die
alles darum gäben, ihren Arbeitsplatz zu behalten und
gerne die Produkte kaufen würden, wenn sie nur das
nötige Geld dazu besäßen.
Wir können nicht unser Land erneuern, wenn nicht
mehr Menschen - wir alle - gewillt sind, mit den Kirchen
und den anderen gutwilligen Bürgern - mit Menschen
wie den schwarzen Geistlichen, mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet habe oder den Priestern
und Nonnen, die ich in der Kirche Our Lady of Help im
Osten von Los Angeles traf oder meinem guten Freund
Tony Campollo aus Philadelphia - zusammenzuarbeiten, mit Menschen wie diesen, Menschen, die Kinder
retten, sich der Schulen annehmen, unsere Straßen
sicherer machen. Wir alle können das.
Wir können nicht unser Land erneuern, bevor wir
erkannt haben, daß nicht die Regierung, sondern die
Eltern die Kinder aufziehen. Eltern, die die Lehrer ihrer
Kinder kennen, das Fernsehen abschalten, ihnen bei
den Hausaufgaben helfen und sie lehren, Recht von
Unrecht zu unterscheiden - diese Eltern können so viel
bewirken. Ich weiß das. Ich hatte einen solchen
Elternteil. Und ich sage Ihnen: Wirdürfen nicht länger
mit dem Finger auf diese Kinder zeigen, die keine
Zukunft haben. Wir müssen ihnen die Hand reichen.
Unser Land braucht das. Wir brauchen das. Unddiese
Kinder verdienen es.
Und deshalb rufe ich heute abend dazu auf, unseren
Kindern eine Zukunft zu geben. Wir wollen ihnen ihre
Waffen wegnehmen und ihnen Bücher geben. Wir
wollen ihre Verzweiflung überwinden und sie durch
Hoffnung ersetzen. Wir wollen sie durch unser Beispiel lehren, das Gesetz zu befolgen, unsere Nachbarn zu respektieren und unsere Werte in Ehren zu
halten. Wir wollen aus diesen kräftigen Fäden eine
neue amerikanische Gemeinschaft weben, die wiederum den Kräften der Verzweiflung und des Bösen
widerstehen kann, weil jeder die Chance zu einer
besseren Zukunft hat.
Es wird Neinsager geben, die fürchten, daß wir den
Herausforderungen unserer Zeit nicht gewachsen sind.
Aber sie mißdeuten unsere Geschichte, unser Erbe,
sogar die heutigen Schlagzeilen. All diese Dinge
sagen uns, daß wir jede Herausforderung annehmen
und ihr gerecht werden können.
Als in Kalifornien die Erde bebte und Brände wüteten,
als der Mississippi bei der in 500 Jahren beispiellosen
Flutkatastrophe das Ackerland des Mittelwestens

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�überschwemmte, als die bittere Kälte von North Dakota bis Newport News das Land erfaßte, schien die Welt
aus den Fugen zu geraten. Aber das amerikanische
Volk hielt zusammen. Es stellte sich dem Problem,
Nachbarn halfen Nachbarn, Fremderiskiertenihr Leben,
um völlig Fremde zu retten - und so zeigten sich die
besseren Engel unserer Natur.

einandersetzungen überlassen. Vielmehr sollten wir
uns selbst treu bleiben, den Tatsachen ins Auge
blicken, zusammenhalten, Hoffnung wecken und Fortschritte machen.

Am heutigen Abend, meine amerikanischen Mitbürger, sind wir aufgerufen, eine Frage zu beantworten,
die so alt ist wie unsere Republik: Wie ist die Lage der
Wir wollen diese besseren Engel nicht nur Naturkata- Nation? Sie wird stärker, aber sie muß noch stärker
strophen vorbehalten und unsere größten und tiefgrei- werden. Mit Ihrer Hilfe und mit Gottes Hilfe wird das
fendsten Probleme nicht kleinlichen politischen Aus- geschehen.
Ich danke Ihnen. Gott schütze Amerika.

*

AMERIKA DIENST 4

* * *

*

Seite 11

�AUSSENPOLITIK
26. Januar 1994

CLINTON: EUROPAREISE HAT SICHERHEIT UND
DEMOKRATIE AUF DER WELT GEFÖRDERT
Rede des Präsidenten an der Howard University
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton zufolge war der Zweck seiner soeben beendeten Europareise, das
Fundament für eine wirtschaftlich besser integrierte Welt mit mehr Sicherheit und Demokratie zu legen.
In seiner Ansprache an der Howard University am 17. Januar 1994 zum Gedenken an den ermordeten Bürgerrechtler Martin Luther King Jr. stellte der Präsident fest, "wir haben einen guten Anfang gemacht", warnte jedoch,
daß Europa "noch immer durch die explosive Mischung alter ethnischer Spannungen und neuer wirtschaftlicher
Härten bedroht" ist.
Clinton verwies darauf, in Rußland seien die Reformer "kampfbereit" und die Nuklearwaffen der ehemaligen
Sowjetunion stellten nach wie vor "eine Quelle der Instabilität und ein Potential für Katastrophen oder eine
Einladung für terroristische Aktivitäten dar. Wir arbeiten so hart wir können an ihrer Zerlegung und erzielen
beachtliche Fortschritte. Aber sie sind immer noch da."
Der Präsident erklärte ferner, die Vereinigten Staaten müßten ihr eigenes Haus in Ordnung bringen und fügte
hinzu: "Wir müssen in diesem Land noch viele Mauern niederreißen, viele Spaltungen überwinden, und wir
müssen mit offenen Gesprächen beginnen, ehrlich aufeinander zugehen in der klaren Erkenntnis, daß sich keiner
von uns verstecken kann. Hier handelt es sich nicht um ein Problem der Rasse, es ist das Problem der
amerikanischen Familie. Und wir wären gut beraten, es als Familie zu lösen."
Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Präsident Clinton im Wortlaut.

An diesem Tag vor einem Jahr habe ich zum letzten
Mal eine Rede an der Howard University gehalten. Ich
freue mich, am heutigen Tag wieder hierzu sein. Nur
drei amerikanische Staatsbürger - einer in jedem Jahrhundert unserer Geschichte - werden mit einem bundesweiten Feiertag geehrt. Zwei waren Präsidenten,
der andere hatte jedoch nie ein Amt inne - außer dem
wichtigsten in unserer Demokratie. Er war ein Staatsbürger. George Washington trug zur Schaffung unserer Union bei, Abraham Lincoln gab sein Leben, um sie
zu erhalten, und Martin Luther King erneuerte die
moralische Bestimmung der Vereinigten Staaten.
Jeder dieser drei herausragenden Amerikaner hat auf
seine Weise und jeder zu seiner Zeit definiert, was es
bedeutet, Amerikanerzusein, was Staatsbürgerschaft
erfordert, und was unsere Nation werden muß. Dr.
King, seine Familie und diejenigen, die sich seiner
Sache anschlössen, setzten Veränderungen in Gang,
die für immer in Amerika, über geographische Gren-

AMERIKA DIENST 4

zen, Klassen und Rassen hinweg ihren Niederschlag
finden. Die heute hier Anwesenden - die von mir
namentlich erwähnten und auch die anderen - stehen
alle für diese beeindruckende Tatsache.
Sie ertrugen Schläge, sie setzten ihr Leben aufs Spiel,
sie marschierten, auch wenn sie müde waren, sie
legten sich schlafen, ohne ein Bett zu haben. Sie
machten das Wort "amerikanisch" zu etwas Einzigartigem, weil sie alle versuchten, uns davon zu überzeugen, unser Leben gemäß unserer Werte zu leben.
All den sehr jungen heute hier Anwesenden, von
denen viele beim Tod von Martin Luther King noch
nicht einmal geboren waren, könnte dieser Kampf
äußerst lange zurückliegend erscheinen. Wenn Sie
jedoch um sich blicken, können Sie erkennen, daß die
Geschichte dieses Kampfes noch heute lebendig ist,
noch immer geschrieben und noch immer gemacht
wird, noch immer auf ihre vollständige Erfüllung wartet.

Seite 1

�Ich freue mich, heute hier in Howard zu sein, und ich te Ihnen etwas darüber erzählen, weil es mit dem im
freue mich, daß Howard und andere historische Ein- Zusammenhang steht, was wir hier zu Hause tun
richtungen zur weiterführenden Bildung für Schwarze müssen. Meine oberste Pflicht als Ihr Präsident ist, die
hier über Satellit angeschlossen sind, und alle noch Sicherheit unserer Nation zu bewahren. Und der Kern
immer an dem arbeiten, was Martin Luther King zufol- unserer Sicherheit im Ausland besteht in unseren
ge als erstes getan werden muß - all unseren Bürgern Beziehungen zu Europa, in seinen Unruhen der Verunabhängig von ihrer Rasse Bildung zu vermitteln.
gangenheit und in seinen Versprechungen für die
Zukunft.
Zu den Absolventen von Howard zählen: Ein Richter
am Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten, Seit Jahrzehnten hing unsere Sicherheit vom Schutz
ein amerikanischer Senator, ein Nobelpreisträger, der eines geteilten Europa ab. Europa war das Zentrum
Bürgermeister unserer Bundeshauptstadt und meiner von zwei Weltkriegen, die mehr Leben in kürzerer Zeit
letzten Zählung zufolge mindestens 17 Personen, die forderten, als jedes andere Ereignis der Geschichte.
wichtige Ämter in meiner Administration innehaben, Nach dem Zweiten Weltkrieg war Europa geteilt, es
einschließlich des Landwirtschaftsministers, Mike Espy, gab jedoch keinen neuen Krieg - zum Teil, weil wir die
der heute hier anwesend ist. Ich danke Ihnen dafür. Menschen auf unserer Seite der Trennlinie schützten.
Aber dann fiel die Berliner Mauer, die Menschen
Es ist unserer Zeit angemessen, daß die Howard erhoben sich und forderten ihre Freiheit.
School of International Study erweitert wird, um eine
neue Generation von Studenten über eine sich rasch Jetzt haben wir den Fall der Berliner Mauer, das Ende
verändernde und immer integriertere Welt zu unter- des Kommunismus in Osteuropa, den Zusammenrichten. Dr. King wäre darüber sehr erfreut gewesen. bruch des sowjetischen Systems und die Veranstaltung von Wahlen auf dem gesamten Territorium der
Seine letzte, am Abend vor seiner Ermordung in Memphis ehemaligen Sowjetunion erlebt. Das ist erstaunlich.
am 3. April 1968 gehaltene Rede enthielt eine prophe- Diese neuen Demokratien sind jedoch weiterhin zertische Botschaft der Hoffnung für eine Welt, die er im brechlich. Sie bieten uns die Hoffnung auf eine friedEntstehen begriffen sah. Er erklärte, er sehe sich liche Zukunft und neue Handelspartner, neuen Wohlselbst am Anbeginn der Zeit mit einem umfassenden stand, neue Chancen zur Bereicherung unseres Lebens,
Überblick über die gesamte Geschichte der Mensch- indem wir von unterschiedlichen Kulturen und ethniheit, und Gottvater sage zu ihm: "Martin Luther King, schen Gruppen lernen. Aber sie sind noch immer
in welchem Zeitalter möchtest Du leben?" Er zog dann durch die explosive Mischung alter ethnischer Spanalle Augenblicke der Geschichte in Erwägung, die für nungen und neuer wirtschaftlicher Härten bedroht.
jemand seines enormen Intellekts und Wissens interessant erscheinen könnten, vom Beginn der Zivilisa- Rußland hat eine neue demokratische Verfassung
tion über die Renaissance bis zur Unabhängigkeitser- verabschiedet und zum ersten Mal ein freies Parlaklärung - sagte dann aber, er hätte Gott geantwortet: ment gewählt, das seinem ersten, vom Volk gewählten
"Wenn Du mir erlaubst, nur einige Jahre in der zweiten Präsidenten zur Seite stehen soll. Die Reformer sind
Hälfte des 20. Jahrhunderts zu leben, wäre ich glück- kampfbereit, während die Bürger zu verstehen versulich." Er fügte hinzu: "Das ist eine merkwürdige chen, wie sie in einer Wirtschaft überleben können, die
Aussage, weil die Welt sich im Chaos befindet, aber es noch immer sehr hart für sie ist, und während sie beim
geschieht etwas auf der Welt. Die Massen erheben Wahlkampf Menschen zuhören, die eine idyllische
sich, und wo immer sie sich heute versammeln, ist der Vergangenheit heraufbeschwören, die niemals exiRuf stets derselbe - 'Wir wollen frei sein'."
stierte, die sich auf Teilung statt Einheit gründete.
Ich bin davon überzeugt, daß Dr. King dankbar wäre,
wenn er den Marsch der Freiheit heute sehen würde,
erfreut wäre, wenn er sehen könnte, was am 13.
September geschah, als Ministerpräsident Rabin und
Yassir Arafat sich die Hand reichten und den Vertrag
zwischen Israel und der PLO unterzeichneten, überglücklich wäre, Nelson Mandela nach 27 Jahren aus
seiner Gefängniszelle heraustreten zu sehen, der mit
einem weißen südafrikanischen Präsidenten echte
Wahlen in die Wege leitet und dann guten Willens und
guten Mutes im Wahlkampf gegen ihn antritt, um
Staatsoberhaupt des Landes zu werden. Das ist eine
erstaunliche Entwicklung.

Die Nuklearwaffen der ehemaligen Sowjetunion, von
denen es immer noch zu viele gibt, stellen nach wie vor
eine Quelle der Instabilität und ein Potential für Katastrophen oder eine Einladung für terroristische Aktivitäten dar. Wir arbeiten so hart wir können an ihrer
Zerlegung und erzielen beachtliche Fortschritte. Aber
sie sind immer noch da.

Wir können diese Gefahren für die Demokratie nicht
ignorieren. Der beste Weg, Europa vor einem erneuten Auseinanderfallen und davor zu bewahren, junge
Menschen aus diesem Land auf jenen Kontinent zu
ziehen, um wiederzu kämpfen und zu sterben, besteht
darin, zum ersten Mal indergesamten Geschichte den
Freiheit bewegt die Welt. Wie Sie wissen, bin ich in der Versuch zum Aufbau eines integrierten Europa zu
vergangenen Woche durch Europa gereist, um zur unternehmen - integriert in seiner Treue zur DemokraWiedergeburt der Freiheit dort beizutragen. Ich möch- tie, freien Marktwirtschaften und dem Grundsatz, daß

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AMERIKA DIENST 4

�all diese Länderdie Grenzen des anderen respektieren
sollten. Das war das Ziel meiner Reise. Wir haben
große Fortschritte gemacht. Wir im NATO-Bündnis,
das die Sicherheit der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg bewahrt hat, haben allen diesen Ländern die
Chance zu einer Partnerschaft für Frieden geboten,
die Europa nicht teilt, sondern es vereint.

Welt mit mehr wirtschaftlichem Wohlstand, zum Abbau der Bedrohung durch Nuklearwaffen. Bei meinem
gestrigen Treffen mit dem syrischen Präsidenten Assad
in der Schweiz haben wir versucht, die historisch
gesehen krisengeschütteltste Region der Welt - den
Nahen Osten - einem umfassenden Frieden näherzubringen.

Wir haben gesagt, wir machen Schwerter zu Pflugscharen, indem wir gemeinsam für unsere gemeinsame Sicherheit planen. Wir werden in Deutschland eine
militärische Übung mit einem amerikanischen General, mit Polen, Tschechen und Russen abhalten, die
Seite an Seite stehen und gemeinsam arbeiten. Wir
werden eine vollständig neue Zukunft für die Welt
schreiben, die sich von der Vergangenheit unterscheidet. Das ist unsere große Hoffnung, und wir haben
einen guten Anfang gemacht.

Aber während ich an diesem Gedenktag für Martin
Luther King von einer Reise zurückkehre, die dem
Kampf für Demokratie, wirtschaftlichen Fortschritt und
Sicherheit dienen sollte, muß ich mich fragen: Wie
werden wir diese Dinge hier zu Hause angehen?
Wenn Demokratie das Engagement all unserer Völker
ist, und wenn sie bedeutet, Stärke aus unserer Vielfalt
zu schöpfen, wenn wir den Menschen in den krisengeschüttelten Regionen Europas sagen wollen: Laßt
Euren ethnischen Haß hinter Euch, nehmt die Unterschiede - die religiösen Unterschiede, die rassischen
Unterschiede, die ethnischen Unterschiede - und verwandelt sie zu Stärke in der Weltwirtschaft, dann
müssen wir dasselbe hier tun.

Wir haben auch versucht, die neuen Demokratien von
Land zu Land zu stärken, den Menschen zu sagen,
seht, es wird immer Probleme und immer Konflikte in
einer Demokratie geben. Heute haben wir nur wenig
davon. Ich habe gesagt, wir haben dies seit 200
Jahren, und wir haben erst vor einer Generation allen
unseren Bürgern das Wahlrecht eingeräumt. Sie
müssen daran arbeiten und dürfen sich nicht entmutigen lassen, und Sie dürfen nicht aufgeben.
Und daher habe ich versprochen, den Menschen zu
helfen, die an Demokratie glauben. Und Demokratie
bedeutet mehr als nur eines. Sie bedeutet das Mehrheitsprinzip. Sie bedeutet auch die Respektierung der
Rechte von Minderheiten und der Menschenrechte
des einzelnen. Und wir haben hart am Aufbau besserer Wirtschaftsbeziehungen gearbeitet, weil Amerika
nicht prosperieren kann, wenn die Weltwirtschaft nicht
wächst.
Wir können unsere Verpflichtungen gegenüber den
jungen Menschen in diesem Publikum heute nicht
erfüllen, wenn wir ihnen nicht sagen: "Wenn Ihr hart
arbeitet, könnt Ihr Bildung erwerben, und wenn Ihr das
Richtige tut, werdet Ihr einen Arbeitsplatz, Chancen
und ein besseres Leben erhalten. Und um das zu
erreichen, müssen wir in einer Wert leben, in der wir alle
zusammenarbeiten, um volkswirtschaftliches Wachstum zu erzielen. Keinem reichen Land - und trotz all
unserer Armut sind wir immer noch ein sehr reiches
Land - ist es gelungen, Arbeitsplätze und Einkommen
für seine Bürger zu garantieren, wenn es nicht mehr
Menschen findet, die das kaufen, was Sie produzieren
- Ihre Waren und Dienstleistungen. Ich bin nach
Europa gereist, weil diese Reise meines Erachtens zur
Schaffung von Arbeitsplätzen für die jungen Menschen in diesem Publikum beitragen wird, und wenn
uns das nicht gelingt, sind unsere Bestrebungen zum
Scheitern verurteilt.

Im vergangenen Jahr haben wir hart daran gearbeitet.
Fünf meiner Kabinettsmitglieder sind Afroamerikaner.
61 Prozent der von mir ernannten Bundesrichter sind
entweder Frauen oder Angehörige rassischer Minderheiten, und ich darf hinzufügen, daß sie für die bestqualifizierte Gruppe von Bundesrichtem gehalten
werden, die je von einem Präsidenten der Vereinigten
Staaten nominiert worden ist.
Im letzten Jahr wurden im Privatsektor unserer Wirtschaft mehr Arbeitsplätze geschaffen als in den vorigen vier Jahren zusammengenommen. Die Arbeitslosenquote ist gesunken, ebenso die Zinssätze, und die
Investitionstätigkeit ist gestiegen. Millionen von Angehörigen der amerikanischen Mittelschicht haben ihre
Häuser refinanziert und neue Unternehmen gegründet. All dies ist ein Schritt in die richtige Richtung.
Wir bemühen uns energisch um den Schutz der Rechte, die hart erkämpft wurden. Amerikanische Arbeitnehmer sollten keine Angst vor dem Verlust ihres
Arbeitsplatzes aufgrund von Diskriminierung haben.
Unter Arbeitsminister Bob Reich hat das Büro des
Arbeitsministeriumsfürdie Einhaltung von Bundesverträgen mehr als 34,5 Millionen Dollar an Gehaltsnachzahlungen oder anderen finanziellen Vergütungen für
die Opfer rassischer Diskriminierung aufgebracht. Das
ist im Vergleich zum Vorjahr ein großer Anstieg. Wir
hatten eine Rekordzahl von Diskriminierungen im Bereich
des Wohnungswesens zu verzeichnen - einen 35prozentigen Anstieg im Vergleich zum vorigen Jahr. Wir
bemühen uns um die Bekämpfung der Diskriminierung
bei der Darlehensvergabe, denn wenn die Menschen
kein Geld aufnehmen können, können sie auch kein
Geschäft eröffnen, Arbeitnehmer einstellen und Arbeitsplätze schaffen.

Es war eine bemerkenswerte Reise - zum Auf bau einer
sichereren Welt, einer demokratischeren Welt, einer

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�Erst letzte Woche haben wir in konzertierten Anstrengungen unter der Führung von Wohnungsbauminister
Henry Cisneros - der eigentlich heute kommen wollte,
sich aber jetzt auf dem Weg nach Los Angeles befindet, um sich mit den Folgen des Erdbebens zu befassen - in Vidor (Texas) ein häßliches Kapitel in der
Geschichte der Diskriminierung beendet. Unter dem
Schutz von Bundesvollzugsbeamten, FBI-Agenten und
der Polizei sowie mit Unterstützung der dort lebenden
anständigen Menschen machte eine Gruppe mutiger
und entschlossener Afroamerikaner endlich Sozialwohnungen für Farbige zugänglich.
Heute verspreche ich Ihnen eine fortgesetzte und
aggressive Umsetzung des Gesetzes überdiegerechte Vergabe von Wohnungen. Ich werde gleich einen
Präsidialerlaß unterzeichnen, mit dem zum ersten Mal
das ganze Gewicht der Bundesregierung zur Unterstützung der Bemühungen um gleiches Wohnrecht für
alle eingesetzt wird. Wir werden keine Verletzung des
Rechts aller Amerikaner auf diese Wohnmöglichkeit
tolerieren.
Aber, meine amerikanischen Mitbürger, das Nichtvorhandensein von Diskriminierung ist nicht dasselbe wie
das Vorhandensein von Chancen. Es ist nicht dasselbe, als wenn man die Sicherheit besitzt, die für das
eigene Leben, die Gründung einer Familie und einer
Gemeinde von Bedeutung ist. Folglich ist es unsere
Pflicht, diesen noch nicht beendeten Kampf gegen
Diskriminierung fortzusetzen. Das wollen und müssen
wir. Aber das ist nicht dasselbe wie das Vorhandensein von Chancen.
Das ist der Kampf, mit dem sich Rußland und die
anderen ehemals kommunistischen Volkswirtschaften
konfrontiert sehen. Sie haben das Wahlrecht. Und das
ist gut so. Aber wie lange wird es dauern, bis ihre Wahl
die von allen demokratischen Bürgern gewünschten
Ergebnisse erzielt, so daß die Menschen die Früchte
ihrer Arbeit ernten und ihre Familien die von Gott
gegebenen Fähigkeiten verwirklichen können? Das ist
unsere Aufgabe.
Aus diesem Grund ist das Programm für den Nationalen Sozialdienst so wichtig, und ich habe mich gefreut,
daß Herr DeBose mich heute hier einführte, denn der
nationale Dienst ist Teil unserer Bestrebungen zur
Schaffung von Chancen, indem Gemeinden von der
Basis aufgebaut werden und gleichzeitig den jungen
Menschen die Gelegenheit gegeben wird, einen Teil
ihrer Studiengebühren zu bezahlen. Und es ist Bestandteil der Arbeit des Bildungsministers, der heute
anwesend ist und versucht hat, die Art und Weise der
Finanzierung des Studiums zu revolutionieren.
Wir wissen, daß zur Zeit ausnahmlos alle Menschen
nicht nur einen Highschool-Abschluß benötigen, sondern danach zumindest eine zweijährige Ausbildung in
der Wirtschaft. Wir wissen das, aber wir sind nicht
darauf eingestellt. Unsere Administration arbeitet unter

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der Führung des Bildungs- und des Arbeitsministers
am Aufbau eines Systems, das es allen HighschoolAbgängern ermöglicht, noch eine zweijährige Weiterbildung am Arbeitsplatz, im Dienstleistungsbereich
oder in der Schule zu durchlaufen. Und wir tun wirklich
unser Bestes um sicherzustellen, daß die Studiengebühren die Lernwilligen nicht abschrecken, indem wir
das gesamte Programm zur Gewährung von Darlehen
an Studenten umorganisieren.
Im vergangenen Jahr nahm der Kongreß unseren Plan
an, der eine Reorganisation des Darlehensprogramms
für Studenten, eine Senkung der Zinssätze sowie eine
zeitliche Aufteilung der Rückzahlungen vorsieht und
letztere an das Einkommen anstelle der während des
Studiums ausgeliehenen Summe bindet. Niemand
sollte aus Kostengründen auf eine Collegeausbildung
verzichten müssen.
Um ein weiteres Beispiel für das Vorhandensein von
Chancen zu geben: Am heutigen Gedenktag für
Martin Luther King traf ich mit einer Gruppe von
Vertretern der Wirtschaft zusammen und forderte sie
dazu auf, mit den Gemeinden, die es am dringendsten
benötigen, eine aktive Partnerschaft einzugehen. Wir
haben seit Martin Luther King lebte und starb immer
wieder gelernt, daß es selbst in Zeiten starken Wirtschaftswachstums Gebiete in den Innenstädten und
im ländlichen Amerika gibt, die vom wirtschaftlichen
Fortschritt vollkommen ausgeschlossen sind.
Wenn es uns nicht gelingt, unsere Gemeinden wieder
von der Basis aufzubauen und die Gemeindeinstitutionen so wiederherzustellen, daß sie Arbeit, Familie und
Kinder unterstützen, werden Millionen von Amerikanern nicht in den Genuß des Amerikanischen Traums
kommen.
Aus diesem Grund haben wir heute die Einrichtung von
104 sogenannten Ermächtigungszonen und Unternehmensgemeinschaften bekanntgegeben, durch die
etwas bewirkt werden kann, durch die die Menschen
an der Basis die Möglichkeit erhalten, diejenigen auszubilden und einzustellen, die sonst für eine Generation verloren wären. Genau das hätte Martin Luther
King von uns verlangt - nicht nur die Diskriminierung
abzuschaffen, sondern Möglichkeiten anzubieten.
Und schließlich möchte ich noch darauf hinweisen,
daß wir das nie tun können, wenn wir nicht den
Menschen die Chance geben, ein friedliches und sinnvolles Leben zu führen. Die wichtigste Erfahrung, die
ich als Ihr Präsident während der vergangenen Monate
hier gemacht habe, war meines Erachtens die Gelegenheit, nach Memphis zu reisen und von der Kanzel,
von der Dr. King seine letzte Rede hielt, zu 5.000
Geistlichen der Church of God and Christ zu sprechen
- viele von ihnen meine langjährigen Freunde - und
ihnen mitzuteilen, daß Martin Luther King nicht lebte
und starb, damit junge Menschen das Recht haben,
sich auf der Straße gegenseitig zu erschießen.

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�Ich bin mit Stolz erfüllt, daß ich die Chance hatte, zu
einer Zeit Präsident zu sein, in der die Vereinigten
Staaten ein Abkommen mit Rußland, der Ukraine,
Belarus und Kasachstan über den Abbau von Massenvernichtungswaffen abschlössen. Aber dennoch gelingt es uns nicht, die Schulen in unserem Land frei von
Waffen zum machen.

meinden Verbrechen verhindern kann. Gesetze können eine Hilfe sein.

Martin Luther King hätte uns wohl gefragt, warum das
so ist. Herr DeBose stand auf und zitierte, jeder könne
Größe erlangen, da jeder dienen könne - wohl die
wunderbarsten Worte aus dem Munde Martin Luther
Kings. Ich sage Ihnen heute: "Wir müssen uns fragen,
welche persönliche Verantwortung wir tragen, in dieser Zeit zu dienen." Und wenn wir diese Widersprüche
nicht erklären können, müssen wir uns damit auseinandersetzen. Wir wissen vielleicht nicht alle Antworten
- keiner von uns. Ich kann von Ihnen nicht erwarten,
daß Sie sie haben. Auch ich als Präsident weiß sie
nicht. Aber ich kenne die Probleme und Sie ebenso.
Und wir wissen, daß es Dinge gibt, durch die etwas
bewirkt werden kann. Wir haben in unserer Zeit die
Pflicht, etwas zu bewirken. Es gibt zu viele Fragen, die
wir heute nicht beantworten können.

Dr. King erklärte: "Menschlicher Fortschritt rollt nie auf
den Rädern der Unvermeidbarkeit heran. Er wird
durch die unermüdlichen Anstrengungen und die zähe
Arbeit der engagierten Menschen herbeigeführt, die
Mitarbeiter Gottes sein wollen. Und ohne diese harte
Arbeit wird die Zeit selbst ein Verbündeter der primitiven Kräfte der Stagnation. Somit müssen wir der Zeit
helfen, müssen wir erkennen, daß immer die rechte
Zeit ist, etwas Rechtes zu tun." Ferner erklärte er:
"Zeit ist neutral". "Zeit kann entweder konstruktiv oder
destruktiv sein. Alles, was er von jedem einzelnen von
uns verlangte, war, ein wenig Zeit aufzubringen."

Martin Luther King hat uns jedoch auch daran erinnert,
daß Gesetze über das Verhalten der Menschen, aber
nicht über ihr Herz gebieten können. Daher müssen
wir meines Erachtens das anstreben, was Abraham
Lincoln "die besseren Engel unserer Natur" genannt
Ich bin mit Stolz erfüllt, daß wir unter der Führung des hat. Und wir alle tragen in diesem Bereich VerantworVizepräsidenten eine aggressive Hochtechnologiepo- tung. Bei seiner Rede hier in Howard stellte Martin
litik verfolgen, die uns dabei helfen wird, diese Nation Luther King eine Behauptung auf, über die ich heute
in ein gigantisches Spitzentechnologieland zu verwan- nachdachte, als Herr DeBose mich einführte und seideln, so daß wir voneinander lernen und miteinander in nem Stolz über den von Dr. King hier geleisteten Dienst
Verbindung stehen können. Aber dennoch gelingt es Ausdruck verlieh sowie darüber, wie er die Köpfe und
uns nicht, die Straßen für unsere Kinder sicher zu Herzen der Menschen verändert hatte, mit denen und
für die er arbeitete.
machen.

Werden wir Martin Luther King freudig oder traurig
über die Art und Weise stimmen, wir wir unsere Zeit
nutzen? In Amerika finden heutzutage jede Minute
zwei schwere Überfälle, sechs Einbrüche und drei
Dr. King erklärte: "Die Menschen hassen einander, Gewaltverbrechen statt, und dreimal pro Stunde wird
weil sie einander fürchten. Sie fürchten einander, weil ein Mord verübt. Denken Sie darüber nach. Innerhalb
sie einander nicht kennen. Sie kennen einander nicht, desselben Zeitraums können zwei aus ganz verschieweil sie nicht miteinander kommunizieren können. Sie denen Welten stammende Männer wir Arafat und
können nicht miteinander kommunizieren, weil sie Rabin sich die Hand reichen und sich auf einen neuen
voneinander getrennt sind." Wir alle müssen darüber Weg zum Frieden machen. Ein führender Politiker
nachdenken. Wir müssen in diesem Land noch viele kann darin übereinstimmen, daß sein Land das drittMauern niederreißen, viele Spaltungen überwinden, größte Atomwaffenarsenal der Welt aufgeben muß.
und wir müssen mit offenen Gesprächen beginnen, Innerhalb von einer Minute können die Menschen eine
ehrlich aufeinander zugehen in der klaren Erkenntnis, bedeutende Wende zum Positiven bewirken. Sie
daß sich keiner von uns verstecken kann. Hier handelt entscheiden, im Autobus auf einem Platz sitzen zu
es sich nicht um ein Problem der Rasse, es ist das bleiben, anstatt sich zu den hinteren Sitzen zu begeProblem der amerikanischen Familie. Und wir wären ben. Sie entscheiden, in die Schule zu gehen, anstatt
gut beraten, es als Familie zu lösen.
sich abschrecken zu lassen. Sie beschließen, sich
zum Mittagessen an eine Theke zu setzen, auch wenn
Gesetze können dabei eine Hilfe sein. Aus diesem sie an diesem Tag nicht bedient werden. Sie beGrund wollte ich das Brady-Gesetz verabschieden. schließen, eine Ausbildung zu machen, selbst wenn
Aus diesem Grund möchte ich diese bedrohlichen sie nicht sicher sind, daß am Ende des Regenbogens
Waffen aus dem Verkehr ziehen. Aus diesem Grund ein Topf Gold wartet. Sie bemühen sich, eine sichere
möchte ich eine Vielzahl anderer Dinge tun, die uns Wohngegend zu schaffen, damit ihre Kinder wieder
dabei helfen, mit der wahnsinnigen Gewalt auf unse- einen winzigen Park haben, in dem sie ohne Angst
ren Straßen fertigzuwerden. Aus diesem Grund forde- spielen können. Sie halten ihre Familien zusammen,
re ich mehr Polizisten - nicht nur zur Verfolgung von obwohl sie so leicht auseinanderbrechen. Und sie
Verbrechen, sondern ebenso zu ihrer Verhütung. Wir bemühen sich, einem Kind das Gefühl zu geben, daß
wissen, daß eine gute Arbeit der Polizei in den Ge- es wichtig ist, geliebt wird und eine Zukunft hat.

AMERIKA DIENST 4

Seite 5

�Wenn ich darüber nachdenke, bin ich oft traurig, daß
Martin Luther King auf dieser Welt so wenige kostbare
Minuten beschert waren. Vor zwei Tagen hätte er
seinen 65. Geburtstag gefeiert. Je älter ich werde,

desto jünger erscheint mirdas Altervon 65 Jahren. Dr.
King hat in der ihm zur Verfügung stehenden Zeit sehr
viel bewirkt, und meines Erachtens sollten wir dasselbe versuchen. Ich danke Ihnen.

* * * *

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*

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�KONGRESS
26. Januar 1994

UMFASSENDE AUSSENPOLITISCHE TAGESORDNUNG
FÜR NEU ZUSAMMENGETRETENEN KONGRESS
Rede zur Lage der Nation leitet neue Sitzungsperiode ein
WASHINGTON - (AD) - Präsident Clinton wird seine
jährliche Rede zur Lage der Nation am 25. Januar
1994, dem Tag der Eröffnung der zweiten Sitzungsperiode des 103. Kongresses halten, in der sich die Parlamentarier einer Vielzahl außen- und verteidigungspolitischer Fragen widmen.

Der Haushalt stellt 1994 die Hauptverbindung zwischen Außen- und Innenpolitik dar. In einer Zeit
begrenzter Mittel muß der Kongreß schwierige Entscheidungen zwischen Ausgaben in den Vereinigten
Staaten und den im Zusammenhang mit Amerikas
Rolle in der Welt stehenden treffen.

Obwohl sowohl die Clinton-Administration als auch der
Kongreß sich bevorzugt innenpolitischen Themen
widmen möchten, werden die Politiker innerhalb und
außerhalb des Kongresses außenpolitische Fragen
angehen, die Vorbedingung für die Lösung innenpolitischer Themen sind.

Im Hinblick auf die Verteidigungsausgaben wird erwartet, daß einige Mitglieder im Streitkräfteausschuß des
Senats behaupten werden, die Vereinigten Staaten
senkten ihre Verteidigungsausgaben und den Umfang
ihrer Streitkräfte schneller als realistisch sei, wenn die
Einheit der verbleibenden Streitkräfte beibehalten werden
solle. Der Ausschuß wird unter Umständen vom
nächsten Verteidigungsminister erwarten, daß er dem
Präsidenten eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben empfielt, um die Verteidigungsfähigkeit Amerikas
zu gewährleisten.

Clinton wird sich unmittelbar nach dem NATO-Gipfel
und seiner ersten Reise nach Ru Bland während seiner
Amtszeit als Präsident an den Kongreß wenden. Der
Senat muß seine Aufmerksamkeit unverzüglich der
Nominierung von Kandidaten für zwei wichtige Ämter
widmen - für das Amt des Verteidigungsministers
(William Perry) sowie des Stellvertretenden Außenministers (Strobe Talbott). Kontroversen im Zusammenhang mit der Finanzierungsvorlage des Au ßenministeriums müssen vom Senat schnell beigelegt werden,
und das Repräsentantenhaus wird sich mit der Reform
der Auslandshilfe befassen. Die Debatte über die
Verteidigungsausgaben wird sich wahrscheinlich über
das ganze Jahr hinziehen.
Die herausragende Bedeutung dieser Angelegenheiten in der neuen Sitzungsperiode des Kongresses
demonstriert, daß die Schwierigkeiten der Welt nach
dem Ende des Kalten Krieges eng verbunden sind mit
den Bemühungen um eine Lösung der innenpolitischen Probleme Amerikas. Das Gesundheitswesen,
eine Reform des Wahlsystems und des Sozialwesens,
eine Regulierung des Bankwesens, der Umweltschutz,
das Bildungswesen und die Verbrechensbekämpfung
- Themen, mit denen sich der Kongreß befassen will können nur angegangen werden, wenn die gewählten
Volksvertreter der Komplexität der amerikanischen
Interessen im Ausland ausreichende Aufmerksamkeit
zollen.
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Der neue Kandidat für das Amt des Verteidigungsministers, William Perry, wird vom neuen Kongreß bei
seiner Anhörung auch über sein Konzept befragt werden,
wann amerikanische Soldaten in potentiellen Kampfgebieten eingesetzt werden sollen, wenn amerikanische Interessen nicht direkt auf dem Spiel stehen.
Einige Parlamentarier stehen Clintons Politik gegenüber Haiti und Somalia besonders kritisch gegenüber.
Die Frage der Verteidigungsausgaben wird während
der gesamten Sitzungsperiode des Kongresses debattiert. Die grundlegende Umstrukturierung des
Verteidigungsministeriums unter Verteidigungsminister Aspin im vergangenen Jahr führte zum Vorschlag
der Administration, für das Haushaltsjahr 1995 Verteidigungsausgaben in Höhe von 261 Milliarden Dollar
vorzusehen. Der US-Haushartsbehörde zufolge werden jedoch die Inflation und Gehaltserhöhungen fürdie
Streitkräfte ungefähr 31 Milliarden Dollar mehr erforderlich machen, wenn die Vereinigten Staaten ihre
Fähigkeit aufrechterhalten wollen, zwei gleichzeitig
stattfindende Kriege zu führen und zu gewinnen. Die
Administration ist nicht bereit, weitere Aufwendungen

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�in dieser Höhe zu bewilligen, aber viele gemäßigte
Demokraten werden voraussichtlich gemeinsam mit
den Republikanern der Opposition für höhere Mittel
stimmen.
Talbott ist Außerordentlicher und Bevollmächtigter
Botschafter für die ehemalige Sowjetunion und war
1993 Urheber mehrerer erfolgreicher Maßnahmen für
die neuen unabhängigen Staaten. Unter den Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses des Senats ist er
äußerst beliebt. Die Anhörung zu seiner Bestätigung
vor diesem Forum könnte jedoch von Fragen über die
Logik weiterer Hilfsleistungen für Rußland angesichts
der jüngsten Wahlen dort beherrscht sein, bei denen
rechtsextreme Nationalisten und imperialistische
Kandidaten einen großen Stimmenanteil auf sich vereinigen konnten.
Obwohl der Stellvertretende Außenminister für gewöhnlich nicht für die Formulierung der amerikanischen Politik gegenüber einer bestimmten Region der
Werl verantwortlich ist, würde Talbott seine Sonderbefugnis für politische Entscheidungen im Hinblick auf
die ehemalige Sowjetunion behalten. Seiner Ansicht
nach bedeuten die jüngsten Ereignisse in Rußland,
daß die amerikanische Wirtschaftshilfe weiterhin unabdingbar für die Förderung von Demokratie in diesem
Land ist, und er wird diesen Standpunkt vordem Senat
voraussichtlich ausdrücklich bekräftigen.
Der erste Tagesordnungspunkt bei der neuen Sitzungsperiode des Senats behandelt von der Admini-

stration unterbreitete Gesetzesvorlagen zur Konsolidierung und Umstrukturierung des staatlich finanzierten internationalen Hörfunks der Vereinigten Staaten,
einschließlich Radio Free Europe, Radio Liberty und
Voice of America (VOA) sowie die Gründung eines
neuen Senders, Radio Free Asia.
Der Auswärtige Ausschuß des Repräsentantenhauses beabsichtigt eine Reihe von Anhörungen zum Plan
der Administration, die Festsetzung und Vergabe
amerikanischer Auslandshilfe zu überarbeiten. Das
Programm würde neue Ziele für Auslandshilfe definieren, wie die Förderung von Demokratie und die Unterstützung umweltverträglicher Entwicklung, während
veraltete Bestimmungen des 32 Jahre alten Gesetzes
abgeschafft würden.
Der Ausschußvorsitzende Lee Hamilton, einer der
geachtetsten und einflußreichsten außenpolitischen
Experten im Kongreß, prognostiziert starken Widerstand im Kongreß gegen das außenpolitische Reformpaket des Präsidenten. Die Mitglieder sind sich im
allgemeinen der Notwendigkeit von Reformen bewu ßt,
insbesondere der Beendigung von Transaktionen auf
Regierungsebene zugunsten der Förderung von
Maßnahmen zum Aufbau der Demokratie. Zahlreiche
Gesetzgeber sehen die Pläne jedoch auch als einen
Weg der Administration, den Kongreß aus dem Entscheidungsfindungsprozeß bei der Zuweisung von
Auslandshilfegeldern auszuschließen.

* * * * *

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�BUSINESS

INFORMATION

CENTER
26. Januar 1994

FRANKFURTER BUSINESS INFORMATION
CENTER IST WICHTIGES SYMBOL
Eröffnungsansprache von Botschafter Holbrooke
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Botschafter Richard C. Holbrooke anläßlich der Eröffnung des gemeinsamen Informationszentrums der Handelsabteilung und des US-Informationsamts
(FCS-USIS Business Information Center) im Amerika Haus Frankfurt am 18. Januar 1994.

Herzlichen Dank, daß Sie so zahlreich erschienen
sind. Ich werde gleich drei Redner vorstellen, und
dann werden wir das Business Information Center im
Amerika Haus einweihen, dessen Funktion der Generalkonsul bereits beschrieben hat. Um Mißverständnissen vorzubeugen - wir eröffnen heute nicht das
Wasserkraftwerk in einem großen Fluß. Dies ist nicht
ein bahnbrechendes Ereignis in den Annalen der
Geschichte. Es steht als Symbol dessen, was wir
unter der Clinton-Administration in Deutschland zu
leisten beabsichtigen, und aus diesem Grund sind
heute drei wichtige amerikanische Ministerien durch
Besucher aus Washington hier vertreten.
Das US-Informationsamt (United States Information
Agency - USIA) besteht seit 1953, die Handelsabteilung des US-Wirtschaftsministeriums seit 1980/81.
Sie haben bisher getrennt operiert. In diesem historischen Gebäude, dem Amerika Haus, bitten wir sie um
Zusammenarbeit. Dassebe wollen wir in ganz Deutschland tun, denn in der modernen Welt mit knapperen
Ressourcen für zunehmende Anforderungen ist es
unabdingbar, daß wir der deutschen und amerikanischen Öffentlichkeit effizienter Rechnung tragen. Die
Einrichtungen der Handelsabteilung befanden sich im
Generalkonsulat hinter von Marineinfanteristen bewachten Türen und waren relativ unzugänglich. Das
Kulturzentrum des Amerika Hauses war seit über 40
Jahren eine lebenswichtige Komponente des deutschen Lebens und des deutsch-amerikanischen Dialogs. Wir sahen nichts Negatives und viel Positives
darin, sie zusammenzulegen. Was Sie heute sehen,
ist nur der Anfang einer neuen Politik, mit der wir das
traditionelle Engagement der Vereinigten Staaten für
Deutschland um zusätzliche Themen bereichern wollen.

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Zunächst möchte ich kurz dieses Engagement erläutern. Es ist ungebrochen. Wir ziehen unsere Truppen
aus Deutschland nicht zurück - ich höre immer wieder
den Ausdruck 'Abzug' - sondern bauen unsere Truppen im Einklang mit dieser Veränderung der globalen
Situation ab. In zwei Jahren wird es in Frankfurt keine
Truppen mehr geben, und in neun Monaten wird es in
Berlin keine Truppen mehr geben, es werden jedoch
65.000 amerikanische Soldaten in Deutschland stationiert sein und unsere Verpflichtung zur NATO besteht
unverändert. Präsident Clinton hat gerade eine historische Reise durch Europa beendet, bei der er unter
anderem seine Pläne für die Partnerschaft für Frieden
darlegte. Diese Pläne waren sorgfältig mit der Bundesregierung koordiniert. Aber in der Zeit nach dem
Kalten Krieg - ich bin heute allerdings nicht hier, um
strategische Fragen zu erörtern, so wichtig sie auch
sein mögen - müssen die Vereinigten Staaten und
Deutschland andere Komponenten ihrer Beziehungen
ausmachen, die mit der Verringerung der amerikanischen Militärpräsenz an Bedeutung gewinnen.
An oberster Stelle stehen dabei Kultur und Handel, die
aus der Sicht der US-Regierung unter die Zuständigkeit von USIA und des Wirtschaftsministeriums fallen.
Was Sie heute also in dem anderen Raum sehen,
wenn wir die kurzen Reden hier beendet haben, ist die
physische Manifestation, der Eckpfeiler einer Politik,
die bürokratische Barrieren ohne zusätzliche Kosten
für den amerikanischen Steuerzahler abbauen und für
Deutsche und Amerikaner gleichermaßen bessere
Ergebnisse hervorbringen wird.
Wir unternehmen noch mehr- wir bitten unsere Konsularbeamten, Vertreter der Wirtschaft zu werden. Irgendwo in diesem Raum ist mein Freund und Kollege,

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�Norm Singer. Wo bist Du, Norm? Da ist er. Norm ist
Generalkonsul für Nordrhein-Westfalen und verantwortlichfürdie Koordinierung, die Leitung und Überwachung konsularischer Angelegenheiten an allen USKonsulaten in der Bundesrepublik Deutschland. Norm
bildet seine Konsularbeamten zu Wirtschaftsbeamten
aus. Wir werden Visen für Geschäftsleute beschleunigt bearbeiten. Wir werden versuchen, jeden VisumAntragsteller mit den Wirtschaftsmöglichkeiten in den
Staaten vertraut zu machen. Konsularbeamte werden
eine wirtschaftliche Fachausbildung erhalten, die bereits begonnen hat. Wir werden unsere Anstrengungen bei den Handels- und Nahrungsmittelmessen intensivieren, die eine so wichtige Komponente des
deutschen Wirtschaftslebens sind, und wir werden wie bereits erwähnt - das Generalkonsulat in Düsseldorf mit Konzentration auf Wirtschaftsaktivitäten wiedereröffnen sowie einen Beamten nach Düsseldorf
entsenden, der nicht nur Deutsch, sondern auch Japanisch spricht. Diejenigen, die lachen, sind sich vielleicht nicht bewußt, daß in Düsseldorf 30.000 Japaner
leben, und Düsseldorf ein außerordentlich wichtiges
Handelszentrum ist. Wir haben unser Generalkonsulat dort vor fünf Jahren geschlossen. Die Umstände
haben sich jedoch gewandelt, und deshalb eröffnen wir
es wieder.
Wir werden ein besonderes Programm für Berlin entwerfen, das wir später bekanntgeben. Mit all diesen
Aktivitäten wollen wir - wie ich bereits erwähnte - die
bürokratischen Barrieren abbauen, und ich bin besonders erfreut, daß Penn Kemble heute zusammen mit
Jeff Garten als Vertreter von USIA anwesend ist- ein
klassisches Beispiel eines amerikanischen Amts, das
unter bestimmten Umständen - dem Höhepunkt des
Kalten Krieges - gegründet wurde und sich jetzt rasch
an andere Gegebenheiten anpaßt. Ich möchte Ihnen
nochmals danken, daß Sie gekommen sind und Sie
alle bitten, Ihren Freunden und Geschäftspartnern zu
erzählen, was wir hier aufzubauen versuchen. Wir
haben das Amerika Haus gewählt, weil es immer ein
Zentrum des deutsch-amerikanischen Austauschs war,
und wir haben uns aus offensichtlichen Gründen für
Frankfurt als Ausgangsbasis entschieden. Wir sind
erfreut, daß die beiden großartigen Behörden, USIA
und das Wirtschaftsministerium, zugestimmt haben

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und hoffen, dieses Experiment wird ein Erfolg. Ich bin
zuversichtlich, daß dies der Fall sein wird.
Ich werde Ihnen drei Redner vorstellen. Ich werde sie
alle jetzt vorstellen, und sie dann nacheinander sprechen lassen. Als ersten bitte ich Penn Kemble, den
renommierten Stellvertretenden Direktor des US-Informationsamts, einige Worte zu seiner Rolle und
Aufgabe zu sagen. Dann den Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, Jeff Garten, und schließlich Botschafter Paul Cleveland. Ein paar kurze Worte über
jeden, denn ich kenne sie alle seit zehn bis siebzehn
Jahren. Penn Kemble ist ein renommierter außenpolitischer Praktiker, der während der letzten zehn Jahre
in wichtigen Ämtern unter beiden Parteien tätig war. Er
ist das Sprachrohr der neuen Außenpolitik der Vereinigten Staaten. Jeff Garten, ein Kollege von mir im USAu ßenministeriu m unter der Carter-Administration, als
er Stellvertretender Direktor für politische Planung
war, ein Kollege von mir, als wir beide in den achtziger
Jahren Partner bei Lehman Brothers an der Wall Street
waren, und jetzt wieder ein Kollege von mir im Wirtschaftsministerium, ist der dynamische Leiter einer
sehr großen Handelsabteilung mit der gesetzlich verankerten Verantwortung zu Exportförderung, Durchsetzung bestimmter, den Export betreffender Gesetze,
und Überwachung des riesigen weltweiten Netzes von
Aktivitäten, und darüber hinaus ist er der Vorsitzende
eine Komitees zur Förderung von Handelsexporten,
das die Politik der Vereinigten Staaten in diesem
Bereich überarbeitet. Schließlich Paul Cleveland, ein
Kollege aus meiner Zeit in Ostasien, der mit mir
zusammen im Büro für ostasiatische Angelegenheiten
gearbeitet hat, und jetzt von Warren Christopher zu
seinem persönlichen Referenten im Rang eines Botschafters ernannt wurde, der ihm bereits als Botschafter in Ostasien verliehen worden war, um im USAußenministerium das "Amerikanische" Büro zu leiten, wie wir es inoffiziell nennen. Er ist der Emissär des
State Department für amerikanische Unternehmen.
Das sind Ihre Redner. Ich werde Penn bitten, zuerst zu
sprechen, Jeff als zweiter und dann Paul, der hier den
Außenminister vertritt, und danach werde ich einige
abschließende Worte sagen.
Ich danke Ihnen.

AMERIKA DIENST 4

�BUSINESS

INFORMATION

CENTER
26. Januar 1994

ERÖFFNUNG DES BUSINESS INFORMATION
CENTER IN FRANKFURT
Ansprache von Staatssekretär Garten
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die vom Staatssekretär für Welthandel im Wirtschaftsministerium, Jeffrey E. Garten, am 18. Januar 1994 aus Anlaß der Eröffnung des gemeinsamen Informationszentrums der Handelsabteilung und des US-Informationsamts (FCS-USIS Business Information Center) im Amerika
Haus Frankfurt gehaltene Rede.

Diese Veranstaltung ist für mich aus mehreren Gründen von großer Bedeutung. Wie ich heute bereits
erwähnte, bin ich in Deutschland aufgewachsen, zu
einer Zeit, in der militärische und sicherheitspolitische
Aspekte im Zentrum der deutsch-amerikanischen
Beziehungen standen. Später, in den achtziger Jahren, kam ich als Börsenmakler hierher, als Deutschland eines der beiden Länder mit hohem Kapitalüberschuß war. Und jetzt habe ich die Ehre und das
Vergnügen, als Regierungsvertreter hier zu sein während sich die Natur unserer Beziehungen erneut
wandelt - und das Vergnügen, an diesem meines
Erachtens symbolträchtigen und äußerst bedeutenden Ereignis teilzunehmen, das eine Verbindung zwischen Handel und Kultur herstellt.

zu versuchen, um unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit ihm zu vertiefen und zu modernisieren.
Dieses Land ist Deutschland.

Als Vertreter des Wirtschaftsministeriums freue ich
mich besonders, Ihnen - aus der Perspektive Washingtons- mitteilen zu können, daß diese Einrichtung für
eine sehr wichtige Entwicklung steht.

Es ist, um mit den Worten von Botschafter Holbrooke
zu sprechen, eine Leistung, die Mittel verschiedener
Behörden und Ämter der amerikanischen Regierung
zu bündeln. Das war nicht immer einfach, aber zumindest in Deutschland - wie das Business Information
Center des Amerika Hauses symbolisiert - sind das
US-Wirtschaftsministerium, das US-Außenministerium
und das US-Informationsamt geeint in ihrer Entschlossenheit, größte Anstrengungen zu unternehmen, um
Handel und Kultur zum Mittelpunkt unseres Engagements zu machen. Ich freue mich, hier zu sein.

In Washington prüfen wir unsere Beziehungen zu allen
Ländern, und es ist kein Geheimnis, daß die Wirtschaftsinteressen Amerikas zunehmend auf Asien und
Lateinamerika gerichtet sind.
Wir haben jedoch die Entscheidung getroffen, daß es
einen Industriestaat gibt, bei dem wir es uns nicht
leisten können, nicht alles in unserer Macht Stehende

Heute morgen sprach ich über ein neues, von uns
entwickeltes Programm - nicht nur vom Wirtschaftsministerium, sondern von der Clinton-Administration das den Namen Showcase Germany (Aushängeschild Deutschland) trägt. Dieses Programm entwarfen wir gemeinsam mit Botschafter Holbrooke um
sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten im Bereich des Handels weiterhin in Deutschland aktiv bleiben. Meines Erachtens symbolisiert das heutige Ereignis
in ausgezeichneter Weise diese Entschlossenheit
unsererseits.

Vielen Dank.

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�BUSINESS

INFORMATION

CENTER
26.Januar 1994

DEUTSCH-AMERIKANISCHE
HANDELSBEZIEHUNGEN BEISPIELHAFT
Ansprache von Botschafter Cleveiand
FRANKFURT - (AD) - Nachfolgend veröffentlichen wir die von Botschafter Paul Cleveiand, dem Koordinator für
Wirtschaftsfragen des US-Außenministeriums, aus Anlaß der Eröffnung des Business Information Center im
Amerika Haus Frankfurt am 18. Januar 1994 gehaltene Rede.

Es ist schön, wieder hier in Frankfurt zu sein. Erste
Verbindungen zu dieser Stadt hatte ich Mitte der
fünfziger Jahre als junger Pilot der US-Luftwaffe auf
dem Luftwaffenstützpunkt Rhein Main. Aus diesem
Grund freue ich mich besonders, wieder hier zu sein.

ein wichtiges neues Kapitel der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen. Unsere Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sind seit
Beginn der Nachkriegszeit zum großen Nutzen
unserer beiden Länder stetig gewachsen.

Es scheint mir besonders angemessen, daß wir heute
hier zur Eröffnung des Business Information Center
des Amerika Hauses Frankfurt zusammentreffen. Der
Umfang und die Offenheit der deutsch-amerikanischen
Handelsbeziehungen sowie die Qualität und enge
Zusammenarbeit unserer beiden Demokratien dienen
der übrigen Welt als Beispiel. Als zwei der in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht am stärksten entwickelten Nationen der Welt tragen Deutschland und
die Vereinigten Staaten eine besondere Verantwortung zum Einsatz ihrer Stärke und ihres gegenseitigen
Verständnisses fürdie Förderung einesoffenen, freien
und fairen Wirtschaftsaustausches sowie der Demokratie auf der ganzen Welt. Wenn wir dabei Erfolg
haben, wird dieses Informationszentrum, dieses Geschäftszentrum, das wir heute eröffnen, mehr als ein
praktisches Lehrzentrum werden, das ein weiteres
Bindeglied zwischen unseren Nationen ist. Es wird zu
einem Symbol der beispielhaften bilateralen Partnerschaft werden, von der die ganze Welt Nutzen ziehen
und lernen kann. Und mir scheint, daß das ein passendes Ende des heute Begonnenen wäre.

Durch Direktinvestitionen in Deutschland haben
amerikanische Unternehmen einen bedeutenden Beitrag zum zügigen Wiederaufbau der
Bundesrepublik geleistet. Amerikanische Firmen spielen eine führende Rolle unter den Investoren in den neuen Bundesländern. Der Vorteil
für Amerika besteht darin, daß deutsche Firmen
zunehmend in den Vereinigten Staaten investieren.

In Anerkennu ng dieser Tatsache sowie der Bedeutu ng
dieses Ereignisses ist es meine Pflicht, eine große
Ehre und ein Vergnügen, Ihnen am heutigen Nachmittag die folgende Botschaft von Au ßenminister Warren
Christopher übermitteln zu dürfen:

Die Eröffnung des Business Information Center
im Amerika Haus unterstreicht ferner unser Engagement für die Unterstützung amerikanischer
Geschäftsinteressen in Deutschland und auf
der ganzen Welt. Unsere Botschaft und unsere
Konsulate bieten auch Ressourcen für amerikanische und ausländische Geschäftsleute, die
Informationen und professionelle Hilfe benöti-

"Die heutige Eröffnung des Business Information Center im Amerika Haus Frankfurt markiert

AMERIKA DIENST 4

Präsident Clinton hat Wirtschaftsfragen in den
Mittelpunkt unserer Außenpolitik gestellt. Wie
der erfolgreiche Abschluß der Uruguay-Runde
des GATT und des NAFTA demonstrieren, hat
er seine Administration zum Abbau der Handels- und Investitionshemmnisse sowie zur
Öffnung von Märkten für amerikanische Unternehmen verpflichtet. Auslandsinvestitionen gehen
Hand in Hand mit dem Welthandel. Durch die
weitere Öffnung unserer Märkte für Produkte
und Investitionen des jeweils anderen Landes
stärken wir unsere eigene Konkurrenzfähigkeit.

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�gen. Durch die Unterstützung deutscher Geschäftsleute bei der Vermittlung von Informationen und den Bemühungen um Zugang zu ihren
amerikanischen Kollegen gewährleistet diese
Einrichtung auch in Zukunft lebhafte Handelsbeziehungen.
Deutschland spielt auch eine bedeutende Rolle
bei unserem gemeinsamen Interesse an der
Stärkung der Demokratie in Osteuropa. Demokratie ist eng verbunden mit Wohlstand. Die
Ausweitung des Handels zwischen Deutsch-

land und den Vereinigten Staaten wird nicht nur
für unsere beiden Länder, sondern auch für die
Nachbarn Deutschlands von Vorteil sein.
Ich entbiete Ihnen meine Glückwünsche zur
Eröffnung des Zentrums und fordere die Vertreter der Wirtschaft dazu auf, diese Einrichtung
optimal zu nutzen, während sie die interessanten wirtschaftlichen Möglichkeiten in Europa
und Amerika erforschen."
Ich danke Ihnen.

* * Ä* tC
* "K*

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AMERIKA DIENST 4

�PORTRAT
26.Januar 1994

WILLIAM PERRY - KENNER DES PENTAGON
UND ABRÜSTUNGSEXPERTE
Porträt des designierten Verteidigungsministers
WASHINGTON - (AD) - Am 24. Januar 1994 nominierte Präsident Clinton den Stellvertretenden Verteidigungsminister William Perry für das Amt des künftigen Verteidigungsministers. Der Vertreter von Les Aspin war unter
der Carter-Administration Staatssekretär im Pentagon und ist ein führender Förderer der Stealth-BomberTechnologie ('Tarnkappenbomber")- Die von ihm entworfenen Sonderfinanzierungsbestimmungen ermöglichten die geheime Entwicklung dieser Technologie.

Der designierte Verteidigungsminister ist ein Kenner
des Pentagon, erfolgreicher Unternehmensleiter in der
Verteidigungsindustrie, Mathematiker und Akademiker mit Erfahrung im Bereich der Rüstungskontrolle.
In seiner Eigenschaft als Stellvertretender Au ßenminister war Perry nahezu ein Jahr lang einer der Berater
des Präsidenten für Militärtechnologie und Verteidigungsminister Les Aspins rechte Hand. Als Clinton
Anfang 1993 Perry erneut nach Washington berief,
stellteder Präsident fest, erund Verteidigungsminister
Aspin würden sich "bei ihren Bestrebungen, die amerikanischen Streitkräfte in einer Zeit haushaltspolitischer Engpässe weiterhin als weltweit stärkstes Militär
beizubehalten auf Perrys Wissen, Ideenreichtum und
Urteilsvermögen verlassen".

Outstanding Service Medal der US-Armee ausgezeichnet.
Der 67jährige designierte Verteidigungsminister studierte Mathematik und erwarb seine gesamten Universitätsabschlüsse - einschließlich des Doktortitels - auf
diesem Gebiet. Er studierte in Stanford und an der
Pennsylvania State University.
In Stanford erhielt Perry eine Professur an der ingenieurwissenschaftlichen Fakultät sowie das Amt eines
Ko-Direktors im Center for International Security and
Arms Control. Er ist Mitglied der National Academy of
Engineering, Fellow an der American Academy of Arts
and Sciences und gehört dem Ausschu ß für internationale Sicherheit und Rüstungskontrolle der National
Academy of Science an.

Bei der Bekanntgabe der Nominierung Perrys für das
Amt an der Spitze des Pentagon wies der Präsident
darauf hin, sein Kandidat habe bedeutende Verteidigungsfragen maßgeblich beeinflußt sowie die äußerst
schwierige Aufgabe gehabt, das Beschaffungswesen
des Ministeriums zu reformieren und den viele Millionen Dollar betragenden Verteidigungshaushalt zu rationalisieren.

Während seiner beruflichen Laufbahn in der Rüstungsindustrie war Perry als Direktor der United Technologies Corporation, der FMC Corporation und kleinerer
Unternehmen tätig. Er arbeitete für eine auf Hochtechnologieunternehmen spezialisierte Börsenmaklerfirma
in San Francisco und als Direktor von Sylvania/General Telephone's Electronic Defense Laboratories.

Das Amt des Verteidigungsministers wird Perrys dritter Posten im Pentagon sein. Von 1976 bis 1981 diente
er als Staatssekretär für Forschung und Entwicklung.
Unter der Carter-Administration war er verantwortlich
für den Erwerb aller Waffensysteme und die Überwachung von Forschung und Entwicklung im enormen
amerikanischen Militärapparat. Perry wurde mit der

In der Privatwirtschaft war Perry Vorsitzender der
Management-Konsultingfirma Technology Strategies
and Alliances. Er war im Beratungsausschuß der
Regierung für ausländische Nachrichtendienste, Mitglied des technischen Überprüfungsgremiums des
Sonderausschusses des Senats für Nachrichtendienste und Treuhänder der Carnegie-Stiftung für den
Weltfrieden.

AMERIKA DIENST 4

Seite 1

�Perry wurde zweimal die Distinguished Public Service
Medal des US-Verteidigungsministeriums verliehen 1980 und 1981, dem Jahr, in dem ihn die Bundesrepublik Deutschland mit dem Komturkreuz ehrte. 1982
zeichnete ihn Frankreich als Grand Officer de L'Ordre
National du Merite aus.

teausschusses des Senats, Sonny Montgomery, stellte fest, Perry werde "ein ausgezeichneter Minister"
sein, und ein anderes Ausschußmitglied, Senator Joseph
Lieberman, lobte Clintons Wahl mit den Worten, Perry
sei "höchst qualifiziert und verfüge über umfassende
Erfahrung".

Perry zufolge hat das Pentagon "bei der Förderung von
Demokratie eine bedeutende Rolle zu spielen", weil
das amerikanische Militär "zur Vertiefung des Verständnisses der Prinzipien - und Vorteile - der zivilen
Kontrolle des Militärs beitragen kann" durch direkte
Programme auf militärischer Ebene, wie sie jetzt mit
Rußland in die Wege geleitet wurden.

Perry ist sowohl belesen als auch praktisch veranlagt.
Er zitiert häufig Victor Hugo, Winston Churchill und
Graham Greene. Darüber hinaus kennt er die KostenNutzen-Rechnung der Tarntechnologie für Flugzeuge
und war deren Verfechter im Pentagon.

Bei anderen Themen hat Perry seine kontinuierliche
Unterstützung für den ABM-Vertrag zum Ausdruck
gebracht,
jedoch auch erklärt, wenn die Vereinigten
Bei seinen Reisen nach Europa und Asien als StellverStaaten
ein
Stadium erreichen würden, an dem die
treter Aspins betonte Perry immer wieder, Demokratie
Aushandlung
von Änderungen des ABM-Vertrags
"ist eine Idee, deren Zeit gekommen ist, und die sich als
eindeutig
eine
Verbesserung
der nationalen Sicherheit
kraftvoller als mächtige Armeen erwiesen hat". Perry
darstellen
würde,
dann
sollten
Verhandlungen mit
erklärt, die Vorteile der Demokratie "werden von jedem
Rußland
aufgenommen
werden.
erkannt, der an Frieden und Freiheit glaubt", die
Gewährleistung dieser Vorteile setze jedoch die Erkenntnis voraus, "daß der Zusammenbruch des So- Perry unterstützt ferner enthusiastisch Aspins fortgewjetkommunismus nicht ein Ende aller Bedrohungen setzte Bestrebungen zur Erweiterung der Rolle von
Frauen im Militär, insbesondere bei mit Kampfunterunserer Sicherheit bedeutet".
stützungsoperationen in Zusammenhang stehenden
Perry muß als neuer Chef des Pentagon vom Senat Positionen.
bestätigt werden. Eine erste Stellungnahme des Kapitals
war positiv. Das hochrangige Mitglied des Streitkräf- Perry ist verheiratet und hat drei Söhne und zwei
Töchter. Seine Frau ist beeidigte Wirtschaftsprüferin.

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